Nr. 205 Erstes Blatt 188. Zahrgang Mittwoch, 31. August M8 krlchevtt tügltch. außer Sonntag» und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gießens Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monat5rvezugrprei§: Mtt 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr . , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11086 Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: SrLhlsche Unioerfitälrdruckerei R. Lange in Stehen. Schristleitung und SeschästLftell«: Schulfttah« ? Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis 8'/,Uhr des Dormittag» Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70 m m Breite 50 Rpf..Platzvorschrift nach oorh.Dereinbg.25°/, mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-. Vereins«, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen. Bäder-. Unterrichts» iu behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Krafiquell der Ration. Die Arbeitsämter sind längst nicht mehr in der Lage, für alle ihnen mitgeteilten offenen Stellen genügend Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen. Bis Ende Juli mußten 363 000 Arbeitsplätze im Altreich unbesetzt bleiben. Nichts kennzeichnet den Wandel der Zeit im Arbeitseinsatz besser als diese sechsstellige Zahlen. Hatte man einst Sorge, Arbeitsplätze zu finden, um ein paar Erwerbslosen aus dem Millionenheer der Arbeitslosen eine Freude zu bereiten, so hat man heute Sorge, wie man am besten die vorhandenen Arbeitskräfte verteilt und die für das Dasein unserer Nation wichtigsten Arbeitsplätze besetzt. Es fehlt überall an Händen, es fehlt an Männern und Frauen, um das ungeheure Maß an Arbeit bewältigen zu können. War einst die Arbeitslosigkeit eine Lawine, die die ganze Nation zu erdrücken drohte, so muß heute auch der letzte Mann aufgeboten werden, um mit der Arbeit, die aus sich selbst heraus immer neue Arbeit entstehen läßt, fertig zu werden. Wer hätte wohl in den Jahren 1929, 1930, 1931 oder 1932 geglaubt, daß eines Tages auf den Straßen nicht mehr arbeitslose Volksgenossen herumstehen, sondern wieder jedes Verkehrsmittel in den Zeiten des täglichen Arbeitsbeginns und des Arbeitsschlusses zum Brechen voll sein würde. Wer damals derartiges zu prophezeien gewagt hätte, wäre nicht nur glatt ausgelacht worden, man hätte auch an feinem Verstände gezweifelt. Niemand unter uns wird behaupten können", daß er einer anderen Auffassung gehuldigt hätte. Unser Volk stand damals im Banne jener Kräfte, die das Resignieren, das Sichfügen predigen und die in einem Auflehnen gegen den Niedergang ein Antasten der Grundfesten der Weimarer Republik' sahen. Zwar tat man in jener Zeit immer so, als würde Arbeit „beschafft", aber über kümmerliche Ansätze kam der Staat nicht hinaus, konnte er auch nicht hinauskommen, weil er der Nation nicht den Schwung zu vermitteln vermochte, der nun einmal notwendig ist, um fein Schicksal selbst zu bestimmen. Schließlich war das deutsche Volk soweit, daß es felsenfest daran glaubte, es wären jene zwanzig Millionen Menschen bei uns zu viel, die Clemen- ceau am liebsten von einem Tag zum anderen der Vernichtung überantwortet hätte. Und heute? Ein Wunder hat sich in der Tat unter der Führung Adolf Hitlers vollzogen. Seinem straffen Regiment ist es zu danken, daß die Wirtschaftsmaschinerie wieder in Gang kam, dann auch die Energien erzeugte, die jedes Rädchen immer von neuem in Bewegung setzte, gleichzeitig aber auch das Tempo dieser Bewegung ständig steigert. Es ist heute schon st stark, daß für mehrere hunderttausend Ar- b e i t s m ö g l i ch k e i t e n keine Arbeitskräfte da sind, eine Erscheinung, die nur in positivem Sinne ge- und bewertet werden kann. Gerade hier zeigt sich, daß die Arbeit der Kraftquell der Nation ist. Nicht Gold und Naturreichtümer, nicht üppige Felder und Wiesen, nicht die Milliarden im Geldschrank des Staates sind das Glück der Nation. Man muß mit all diesen Reichtümern auch etwas anzufangen wissen. Wer sie jedoch nicht zu nutzen weiß, wer nur stolz auf diesen Reichtum ist, der wird niemals die Last der Arbeitslosigkeit los. Und wieviel größer ist die vom Führer vollzogene Leistuna der Ueberwindung der Arbeitslosigkeit angesichts der Tatsache, daß wir ein geschwächtes und armes Volk sind. Uns stehen nur magere, Rohstoffvorräte zur Verfügung, wir haben auf dem Quadratkilometer ein Mehrfaches an Menschen als andere Nationen, wir besitzen keine Kolonien, wir sind in jeder Beziehung schlechter dran als andere. Dennoch ist aus der Arbeitslosigkeit ein Mangel an Arbeitskräften geworden, der schon empfindlich wird. Aber das wieder sind Sorgen, die wir freudig ertragen. Denn der Beweis ist durch den Führer erbracht, daß nur die Arbeit d i e Grundlage der Existenz der Nation ist und daß die Arbeit sich dauernd vervielfältigt, solange ein Volk von einem nicht kleinzukriegenden Lebensmut beseelt ist. Einführung der Postsparkasse im Großdeutschen Reich. Berlin, 30. Aug. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt Nr. 134 vom 30. August 1938 wird ein Erlaß des Führers und Reichskanzlers vom 26. August 1938 zur Regelung des Postfparkas- senwesens im Deutschen Reich veröffentlicht. Bereits im Erlaß vom 19. März 1938 hatte der Führer und Reichskanzler das feit 1883 in Wien bestehende Postsparkassenamt in die Deutsche Reichspost eingegliedert. Durch den neuesten Erlaß des Führers' und Reichskanzlers wird eine Einrichtung des Landes Oesterreich auf das ganze Reich ausgedehnt, die sich als eine der sozialsten Einrichtungen nicht nur bei der Bevölkerung Oesterreichs größter Beliebtheit erfreute, sondern auch für die österreichische Wirtschaft stets segensreich gewirkt hat, und die in der ganzen Welt als mustergültig galt. Durch den Postsparkassendienst der Deutschen Reichspost werden im Altreich mehr als 47 000 Aemter und Amtsstellen der Deutschen Reichspost, lind zwar etwa 3000 Postämter, 2000 Zweigpostämter, 10 000 Postagenturen, 26 000 Poststellen und 6000 Posthilfsstellen demSpargedankennu tz- bar gemacht werden. Hinzu kommt ein Heer »on 16 000 Landzustellern, die ebenfalls Spareinlagen annehmen und Rückzahlungen leisten werden. 22300000 Arbeitsbuchpflichtige im Altreich. Erste Ergebnisse der Arbeitsbuchstatistik der Reichsanstalt. — Oer Wirtschastsaufschwung hat zu starker Erweiterung des Personenkreises der Arbeitsbuchpstichtigen geführt. Berlin, 31. Aug. (DNB.) Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat am 25. Juni d. I. im Altreich erstmals eine Erhebung über die arbeitsbuchpflichtigen Personen durchgeführt. Es ist dies die umfassendste Zählung der Arbeiter und Angestellten, die seit der letzten großen Berufszählung vom 16. Juni 1933 veranstaltet werden konnte. Sie stützt sich auf die bei den 339 Arbeitsämtern und ihren Nebenstellen vorhandenen Karteien der Inhaber von Arbeitsbüchern. Auf das Land Oesterreich konnte die Zählung noch nicht ausgedehnt werden, weil dort das Arbeitsbuch erst allmählich zur Einführung gelangt. «sinn und Zweck dieser ersten großen Erhebung war, für die Lenkung des Arbeitseinsatzes und des beruflichen Nachwuchses nach der stürmischen Entwicklung, die sich seit 1933 in der deutschen Wirtschaft vollzogen hat, einen möglichst aktuellen Einblick in die heutige Gliederung der rund 22 300 000 arbeitsbuch- pflichtigen Personen zu erhalten. Die Erhebung erforscht daher die Verteilung der Arbeiter und Angestellten auf die Bezirke der Landesarbeitsämter und Arbeitsämter und ihre Schichtung nach 27 Berufsgruppen und rund 200 Berufsarten (Berufen), nach zehn Altersstufen, sowie nach der Zugehörigkeit zu 58 Wirtschaftszweigen. Sie bietet außerdem Einblicke in die Versorgung der Berufe mit Lehrlingsnachwuchs, in die berufsfremde Beschäftigung und in die Einsatzfähigkeit für einzelne wichtige Mangelberufe. Die ersten Ergebnisse über die Verteilung der Arbeiter und Angestellten auf die Landesarbeitsamtsund Arbeitsamtsbezirke liegen bereits vor und besagen folgendes: Am Stichtag der Erhebung wurden bei den Arbeitsämtern insgesamt *22 287 000 arbeitsbuchpflichtige Personen gezählt. Sieht man von ben’geringen Abweichungen in der Umgrenzung des erfaßten Personenkreises gegenüber den Arbeitern und Angestellten der Berufszählung vom 16. Juni 1933 ab, deren Zahl sich mit Einschluß des nachträchlich eingegliederten Saargebietes auf 20 434 000 belief, so zeigt sich, daß der wirtschaftliche Aufstieg zu einer beträchtlichen Ausweitung des Personenkreises der Arbeiter und Angestellten geführt hat. Hierzu hat zunächst die Tatsache beigetragen, daß in den Jahren 1934 bis 1938 im Vergleich zu den unmittelbar vorhergehenden Jahren wieder starke Jahrgänge an Schulentlassenen ins Erwerbsleben eingetreten sind. Anderseits ist der natürliche Abgang von Erwerbstätigen durch längeres Verbleiben im Beruf geringer geworden. Außerdem ist aus dem Kreis der bisher nicht, oder nicht mehr Erwerbstätigen (Berufslose, Sozialrentner u. ä.) eine erhebliche Zahl von Personen in die Schicht der 2Irbeiter und Angestellten eingetreten bzw. zurückgekehrt: bei den bisher Berufslosen handelt es sich vornehmlich um Frauen. Schließlich ist auch ein Zugang aus den selbständigen Kleingewerbetreibenden und den mithelfenden Familienangehörigen erfolgt. Die starke Zunahme der Arbeiter und Angestellten ist deshalb besonders beachtlich, weil nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht mehr Arbeitskräfte als 1933 durch den Wehrdienst gebunden find. Unter ben* arbeitsbuchpflichtigen Personen wurden 14 ^74 000 Männer und 7 313 000 Frauen gezählt. 1933 waren es 14 128 000 und 6 306 000 Frauen. Der Personenkreis der Männer hat demnach um 6 v. h., der der Frauen um 16 v. h. zugenommen. Die starke Zunahme der Frauenarbeit erklärt sich ebenfalls aus dem obenerwähnten Arbeitermangel. Die Aufgliederung der Arbeitsbuchpflichtigen nach Landesarbeitsamtsbezirken ergibt folgendes Bild: An der Spitze steht der Landesarbeitsamtsbezirk Brandenburg mit Berlin, in dem bei der Erhebung 2 988 000 Arbeiter und Angestellte gezählt wurden. An zweiter Stelle folgt Rheinland mit 2 851000. Vier Bezirke, nämlich Sachsen, Mitteldeutschland, Westfalen und Südwestdeutschland, weisen 1,5 bis knapp 2 Millionen Arbeiter und Angestellte auf, sechs weitere Bezirke, nämlich Niedersachsen, Nord« mark, Schlesien, Südbayern, Hessen und Nqrd« bayern liegen zwischen 1 und 1,5 Millionen. Die Leipzig — Baustein der Wirtschaft. Von unserem Leipziger Bü-Messe-Sonderberichierstatier. Die ständig wachsende Zahl der Aussteller, die die Leipziger Herbstmesse beschicken, ist ein Zeichen dafür, daß die Bedeutung der Leipziger Herbstmessen angesichts des Auf b aus der deutschen Wirtschaft immer mehr zunimmt. Die Vorstellung, daß die Herbstmesse gegenüber der riesenhaften Frühjahrsmesse eine nur untergeordnete Rolle spiele, wird auch in diesem Jahre dadurch verdrängt, daß mehr als fünfeinhalbtausend Ausstel- l e r in Leipzig vertreten sind und daß die Zahl der geschäftlichen Besucher mit mehr als 100 000 nicht zu hoch angenommen wird. Ist so auch die Leipziger Herbstmesse zum Baustein der Wirtschaft geworden, so hat sie in diesem Jahre neben der bildlichen Bedeutung auch eine praktische. Sie verdient die Bezeichnung „Baustein der Wirtschaft" diesmal ganz besonders dadurch, daß sie dem Bauwesen erhöhte Beachtung geschenkt hat und auf diesem Gebiete eine Fülle von Neuerungen bringt, die die große Wandlung in der Werkstoffumstellung aus dem Bereich der Versuche und Experimente in die praktische Bauwirtschaft überführt. Das Kernstück der diesjährigen Bauausstellung ist der von der Stadt Leipzig auf Anregung der Reichsstelle für den Wirtschaftsausbau geschaffene Musterbau zweier Vierfamilien - Häuser mit zusammen acht Wohnungen, bei deren Errichtung in weitestem Umfang heimische Werkstoffe verwendet mürben. Schon bei den Kellerdecken wird gezeigt, wie man eisenfparende Bauweisen durch Verwendung von Betonbalken, Gewölben und Zementdielen durchführen kann. Die Wände der Gebäude sind ebenfalls auf verschiedene Weise ausgeführt. Vergleichsweise wurden neben Mauern aus Normalsteinen auch Hohlmauerwände, Wände mit innen angesetzten Dämmplatten, Leichtbauwände verschiedenster Art und mehrere Möglich- lichkeiten der Ausbildung und Isolierung von Fußböden und Decken ausgeführt. Zur Minderung der Schallübertragung befinden sich in den Decken Einlagen aus Zementdielen, aus Torfplatten und aus Glaswolle. Man erreicht mit diesen Bauweisen gegenüber der früher viel angewendeten Lehm- stakung nicht nur eine Erhöhung des Schallschutzes, sondern umgeht auch die Gefahr, mit der Einbringung von Deckenfüllungen Ungeziefer in die Wohnungen einzubauen. Auch die Treppenstufen sind in verschiedener Bauweise ausgeführt, um auf diese Weise praktische Erfahrungen über die Eignung von Betonhohlstufen, Steinholzarten und Natursteinen zu gewinnen. In den Musterhäusern ist auch die Hausinstallation, bie' Zu- und Abführung des Wassers, die Einrichtung von Bad und Küche sowie die Wahl der Beheizung deutlicher erkennbar, als wenn sich die Wohnungen in betriebsfertigem Zustande befinden. Für die Beheizung hat man nicht nur den eisensparenden Kachelofen für Ein- und Mehrzimmerheizungen gewählt, sondern man findet auch die gasbefeuerte Stockwerksheizung, die durch die Schaffung formschöner und wirtschaftlicher Gaskessel bemerkenswerte technische Fortschritte erkennen läßt. Von den Möglichkeiten einer Warmwasserversorgung ist durch Aufstellung von kohle-, gas- und strombeheizten Heißwasserbereitern Ge- brauch gemacht worden. Für die 'Verteilung des Wassers wurden an Stelle guß- und schmiedeeiserner Rohre Bauteile aus Steinzeug, Kunstharz und Porzellan eingebaut. Die Musterbauten stellen ferner unter Beweis, baß Regenrinnen aus emailliertem Eisenblech oder aus Steinzeug bereits handelsübliche Artikel geworden finb, die auch ber äußeren Gestalt eines Hauses eine besondere Note geben. Wie weit man mit der Eisenersparnis bei Herden gehen kann, zeigen die verschiedenen Ausführungen von keramischen Herden, die teils aus Kacheln gebaut oder mit porzellanartigen Wandplatten belegt sind. Ofenunterlageplatten aus Asbestzement, Wassersstülkästen aus Porzellan, Glas oder Preßstoff, elektrische Leitungen aus Aluminium mit Zellwolle und Kunstkautschukumhüllung oder Ausgußbecken und Badeeinrichtungen aus Feuerton sind einige Beispiele für die umfangreiche Umstellung, die unser Bauwesen zur Zeit erfährt und in der Fachwelt den Begriff des deutschen Haus- baues zu prägen beginnt. Die bewußte Herausstellung der Musterbauten aus heimischen Werkstoffen ist auch auf die übrige Gestaltung der Leipziger Baumesse nicht ohne Einfluß geblieben. So hat sich der Stahlbau den Erfordernissen an Werkstoffeinsparungen durch konstruktive Maßnahmen anzupassen gewußt. Wo nur angängig ist der vollwandige Bauteil bem hohlen Bauteil gewichen, um gleichzeitig bie äußere Gestalt ber Stahlbauteile umzuformen unb eine Gewichtsersparnis herbeizuführen, die wiederum auf das Transportwesen und die Arbeit der Halbstoff- hersteller von Einfluß geworden ist. Die Technik der Metallplattierung hat einen hohen Stand erreicht. Bleche aus Leichtmetall sind durch das Aufwalzen dünner Kupferhäute bezüglich ihres Gewichtes und der Formgebung mit den Vorzügen ber reinen Leichtmetalle behaftet unb vermeiden die Anfälligkeit ber Leichtmetalle gegen Witterungseinflüsse burch Ueberbeckung mit chemisch wiberstanbsfähigen Metallplatten. Auch ber Rostschutz von Eisen, bie Korrosionsbestänbigkeit von Aluminium, Elektron unb anberen Legierungen und bie Auskleibung metallischer Werkstücke mit keramischen Massen lassen ben Fortschritt in ben Bestrebungen, Werkstoffverluste zu verhüten, erkennen. Außer den genannten Arbeitsgebieten sind auf der Leipziger Messe eine Fülle von Herstellergruppen vertreten, bie durch sorgfältige Kleinarbeit an ihren Erzeugnissen ihre Mitarbeit am Fortschritt unb an der Durchführung des Vierjahresplanes bekunden. Mag auch der einzelne nur ein Mosaiksteinchen zum Aufbau ber Wirtschaft beitragen, so wird niemand auf seine Hilfe verzichten mögen, wenn das Gesamtbild des Wirtschaftsaufbaues lückenlos erscheinen soll. J. B. Die Spareinlagen werden mit 3 v. H. verzinst. Das Postsparbuch wird völlig freizügig sein. Einlagen auf das Postsparbuch werden innerhalb des ganzen Reichsgebiets von allen Aemtern und Amtsstellen der Deutschen Reichspost angenommen, gleichgültig, an welchem Ort das Postsparbuch ausgestellt worden ist. Auch Abhebungen können bei jedem beliebigen Amt vorgenommen werden, bei Abhebungen bis 100 Mark sogar ohne vorherige Kündigung, ein Vorteil, ber vor allem für ben inner- beutschen Reiseverkehr von erheblicher Bebeutung sein wirb. Der Postsparkassendienst wird durch das Postsparkassengeheimnis unter dem besonderen Schutz des Reiches stehen. Im Reichspostministerium wird zur Zeit mit Beschleunigung eine Postsparkassenordnung ausgearbeitet, um nach dem Willen des Führers die Vorteile des Postsparkassendienstes möglichst bald dem gesamten deutschen Volk zugänglich zu machen. Oie japanischen Journalisten in Hamburg. Hamburg, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die 15 japanischen Journalisten trafen auf ihrer Deutschlandreise am Dienstagnachmittag in Begleitung des Leiters der Abteilung Ausland der Presseabteilung der Reichsreqierunq im Propagandaministerium, Ministerialrat Professor Dr. B o e m e r, des Generalkonsuls Geheimrat Walter vom Auswärtigen Amt und des Referenten der Abteilung Ausland im Reichspropagandaministerium von Mildenstein in Hamburg ein. Am Abend gaben der Ostasiatische Verein, der Reichsverband der deutschen Zeitungsverleger und der Reichsverband der deutschen Presse im Uhlenhorster Fährhaus zu Ehren der japanischen Gäste einen Empfang, an dem u. a. auch der japanische Generalkonsul teilnahm. Am Mittwoch werden die Gäste eine Fahrt nach dem Adolf-Hitler-Koog unternehmen, und am Donnerstag geht die Reise nach Berlin weiter. Oer Führer beglückwünscht Königin Wilhelmine. Berlin, 31. August. (DNB. Funkspruch.) Der Führer und Reichskanzler hat der Königin derNiederlandezu ihrem Geburtstag drahtlich seine Glückwünsche übermittelt. Heute Rundfunkübertragung der Rede Bürckels. Berlin, 30. Aug. (DNB.) Die Rede, die der Beauftragte des Führers für die Wiedervereinigung Oesterreichs mit bem Deutschen Reich, Reichskom- misfar Gauleiter B ü r ck e l, im Rahmen ber Reichstagung ber Auslanbsbeutschen, morgen Mittwoch in Stuttgart halten wirb, unb in ber er einen Ueber- blick über bie bisher in ber Ostmark geleistete Aufbauarbeit gibt, wirb in ber Zeit von 20 bis 22 Uhr burch bie Reichssenber Stuttgart, Saarbrücken unb Wien übertragen, Oer nationalspamsche Heeresbericht. Sowjetspanische Angriffe überall zurückgewiesen. Salamanca, 31. Aug. (Europapreß.) Das nationalspanische Hauptquartier teilt in bem in ber Nacht zum Mittwoch von ihm herausgegebenen Heeresbericht mit: An ber Estremadura-Front haben die nationalen Truppen alle feindlichen A n - griffe zurückgeschlagen. Dem Feind ist es trotz allergrößter Anstrengungen nicht gelungen, auch nur einen Schritt vorwärts zu rücken: er hat schwere Verluste erlitten. Die Zahl ber durch bie nationalen Truppen außer Gefecht gesetzten sowjet- spanischen Milizen beläuft sich auf 1500 T?ann. Im Verlauf eines einzigen Kampfes würben 25 tote Milizen vor ben nationalen Stellungen aufgefunben. Die nationalen Truppen haben 340 Gefangene gemacht. Luftwaffe: Im Verlauf eines Luftkampfes an ber Estremadura-Front haben bie nationalen Flieger am Dienstag vier feinbliche Flugzeuge abgeschossen: die nationale Luftwaffe erlitt keine Verluste. — In ber Nacht zum 29. August hat bie nationale Luftwaffe die Kriegsmaterialfabrik in San Feliu mit Bomben belegt. Ministerbesprechung in London. Oer amtliche Bericht stellt fest: Bisherige Handlungen und künftige Politik voll gebilligt. der Derhandlungsdeleaatton der SDP., Abgeordneten Kundt, und das Mitglied des Führungs- rotes der SDP., Dr. S e b e k o w s k i, zu einer dreieinhalbstündigen ausführlichen Aussprache über die laufenden politischen Tagesfragen empfangen Hot. Alle verbreiteten Gerüchte, als ob ein Abbruch der Gespräche zwischen der SDP. und der Regierung bereits feststehe, werden von amtlicher Stelle in Abrede gestellt. Englischer Beobachter in Sadersdorf. T r a u t e n a u, 30. August. (Europapreß.) Am Dienstagnachmittag weilte ein englischer Sonderbeauftragter in Gabersdorf, um sich über die Vorfälle in den Nächten zum Montag und Dienstag zu unterrichten. Hierauf besuchte er den Abgeordneten Dr. Adolf Kellner in Trautenau. Er hatte mit diesem und Senator Reil, Bürgermeister Streitenberger und den Amtswaltern der SDP. eine einstündige Unterredung, die sich auf die schweren Zwischenfälle in Gabersdorf bezog, deren Augenzeuge der Abgeordnete Kellner war. Heuer deutscher Protest in Prag. Oie Prager Regierung zum sofortigen Einschreiten aufgefordert. Mnistmal in Paris. Außenpolitik und Vorschläge zur Regelung der Ueberstundenfrage gebilligt. Hetze gegen das Deutschtum unmöglich gemacht wird. * Zum zweiten Male hat die Reichsregierung in Prag wegen der gehässigen Angriffe eines Tschechenblattes auf die alte deutsche Armee energische Vorstellungen erheben lassen. Es gereicht der Tschccho- Slowakei nicht zum Ruhm, daß sie sich wegen derselben Sache zweimal ansprechen lassen muß, daß aber das Ansehen der Prager Regierung bei gewissen Hetzblättern offenbar so gering ist, daß sie, ihre üble Tätigkeit ruhig fortsetzen. Wie es scheint, hat man in Prag noch nicht gemerkt, daß derartige Zeichen vorhandener Ohnmacht und eingeschränkter Autorität nicht dem Prestige dieser Staatsführung dienlich sind. Don dem Verhältnis zum deutschen Nachbarstaat ganz zu schweigen. Dieses wird durch die Tschechen dauernd neuen Belastungen ausgesetzt, denen man natürlich bis zu einem gewissen Grade voller Ruhe Zusehen -kann. Schließlich sind wir es nicht, die diese Belastungsproben anstellen, so daß uns, wenn derartige Proben Bruch- erscheinungen heraufbewören, kein Vorwurf trifft. Es gibt aber Grenzen, die nicht überschritten werden können. Und über diese Grenzen hat sich ein Hetzblatt mit seinen unerhörten Angriffen auf die Armee und Deutschlands Ehre glatt hinweggesetzt. Das sonst so hellhörige und empfindsame Ausland müßte eigentlich die Tatsache eines neuen Protestschrittes als höchst peinlich registrieren. Aber aus- ländische Empfindlichkeiten scheinen uns zumeist künstlicher Natur zu sein. Wenn jedenfalls Deutschland der Geschmähte, Beleidigte und Angegriffene ist, vermag man sich nur schwer oder gar nicht auf die Grundregeln des i nternationalen Zusammenlebens zu besinnen. geringsten Zahlen an Arbeitsbuchpflichtigen entfallen auf die beiden vorwiegend agrarischen Bezirke Pommern und Ostpreußen mit 568 000 bzw. 670 600 Arbeitern und Angestellten. Ein gewisses Bild von der Verschiedenheit der wirtschaftlichen und der sozialen Struktur der einzelnen Bezirke ergibt sich, wenn man die Zahl der Arbeiter und Angestellten zu der Gesamtbevölkerung in Beziehung setzt, wobei allerdings für die Landesarbeitsamtsbezirke nur die Zahlen der Volkszählung von 1933 zur Verfügung stehen. Im Reichsdurchschnilt entfallen auf 100 Einwohner 33,8 Arbeitsbuchpflichtige, d. h. also, ungefähr ein Drittel der gesamten Bevölkerung gehört zu dem Personenkreis der arbeitsbuchpflichtigen Arbeiter und Angestellten. Gliedert man die Zahlen nach dem Geschlecht, so ergibt sich, daß auf 100 männliche Einwohner im Reichsdurchschnilt 46,7 männliche Arbeitsbuchpflichlige und auf 100 weibliche Einwohner 21,5 weibliche Arbeitsbuchpflichlige kommen. Der Anteil der Arbeitsbuchpflichtigen an der Gesamtbevölkerung ist in den einzelnen Landesarbeitsamtsbezirken sehr verschieden. Er hängt einmal von dem Grade der Industrialisierung ab, ferner auch von dem Umfang der Frauenarbeit, der von der Art der vorhandenen Industrien stark beeinflußt wird. Die verhältnismäßig größte Zahl von Arbeits- buchpflichtigen weist Brandenburg auf mit 41 Arbeitern und Angestellten auf 100 Einwohner; hier ist auch die Zahl der in unselbständiger Stellung berufstätigen Frauen weitaus am höchsten (zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen in der Elektroindustrie, im Bekleidungsgewerbe, im Handel, im öffentlichen Dienst und in anderen Wirtschafts, zweigen). Aehnlich liegen die Verhältnisse in Sachsen; dort haben besonders die großen Beschäftigungsmöglich, keilen für Frauen in der Textilindustrie zu einer weit überdurchschnittlichen Zahl von Arbeitern und Angestellten geführt. Hingegen halten sich andere hochindustrialisierte Bezirke, wie Rheinland und Westfalen, nur eben im Rahmen des Reichsdurchschnitts, weil dort wegen der starken Bedeutung der Schwerindustrie nur wenig Arbeitsmöglichkeiten für Frauen bestehen. Am geringsten ist im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung die Zahl der Arbeitsbuchpflichtigen in den vorwiegend agrarischen Bezirken wie Ostpreußen, Pommern und auch Nordbayern. Untersucht man die seit 1933 in den einzelnen Landesarbeitsbezirken eingetretenen Veränderungen, so ergibt sich folgendes: In sämtlichen Bezirken hat die Zahl der Arbeiter und Angestellten zugenommen; allerdings ist das Ausmaß der Zunahme sehr unterschiedlich. Besonders stark ist die Zahl der Arbeiter und Angestellten in der Rordmark, in Südwestdeutschland, Mitteldeutschland und in Riedersachsen (4- 12 bis 17 v. H.) gestiegen. Diese Tatsache findet bei den Bezirken Mitteldeutschland und Riedersachsen in der Errichtung zahlreicher neuer Industriewerke ihre Erklärung. In der Rordmark und in Südwestdeutschland ist der starke Aufschwung weniger durch den Aufbau neuer Industrien, als durch die Erweiterung der vorhandenen verursacht worden. Den Gegensatz hierzu bilden die drei Bezirke Sachsen, Hessen und Schlesien, in denen sich die Zahl der Arbeiter und Angestellten nur wenig verändert hat. Sachsen und Hessen sind Gebiete mit einer ausgebreiteten Derbrauchsgüterindustrie, die aus bekannten Gründen an dem Wirtschaftsaufschwung seit 1933 einen geringeren Anteil gehabt hat, als die übrigen Industrien. Die geringe Zunahme der Arbeiter und Angestellten in Schlesien ist vor ollem darauf zurückzuführen, daß dieser Bezirk wegen der schwächeren Aufnahmefähigkeit seiner eigenen Industrie in starkem Umfange Arbeitskräfte an die Bedarfsgebiete abgegeben hat. In den übrigen Landesarbeitsamtsbezirken hält sich die Zunahme der Arbeiter und Angestellten etwa im Rahmen des Reichsdurchschnitts (4-9v. H.). Amerikas Aufrüstung. Washington, 30. Aug. (DNB.) Nach seiner heutigen Besprechung mit Präsident Roosevelt erklärte der amerikanische Flottenchef, Admiral L e a h y, das Marineministerium beabsichtige, den nächsten Kongreß um Erhöhung der Bewilligungen für Marinezwecke um 200 Millionen Dollar zu ersuchen. Der Zuschuß werde gefordert wegen der zusätzlichen Kosten in Verbindung mit der Durchführung des in diesem Jahre vom Kongreß gutgeheißenen Flottenprogramms, das eine Milliarde Dollar erfordert. Die diesjährige ordentliche Bewilligung für Marinezwecke betrug 547 Millionen Dollar ausschließlich einer Nachtragsbewilligung von 16 Millionen und einer Ueberweisung auf den Fonds für öffenlliche Bauarbeiten von 50 Millionen Dollar. Admiral Leähy erklärte weiter, das nächstjährige Flottenbauprogramm sehe vor: zwei Schlachtschiffe, vier Kreuzer, acht Zerstörer und sechs oder acht Unterseeboote. Dem Präsidenten sei die Entscheidung überlassen, ob die geplanten neuen Schlachtschiffe die im Flottenausbaugesetz vorgesehene Höchstgrenze von 45 000 Tonnen haben sollen. Nach Durchführung des Ausbauprogramms, so betonte der Admiral, werde die Flotte der Vereinigten Staaten stark genug fein zum Schutze des Landes gegen jede ausländische Flotte. Roosevelt berat mit Hüll. Europa und der Ferne Osten. Washington, 30. August. (DNB.) Präsident Roosevelt kehrte am Dienstag nach Washington zuruck und berief sofort Außenminister H u l l zu sich, der ihm Bericht erstattete über die neuesten Entwick- lungen der politischen Lage in Europa und im F e r n e n O st e n. Anschließend hatte Außenminister Hüll eine längere Konferenz mit seinen Sachbearbeitern, im Verlaufe derer offenbar Richtlinien für Anweisungen an die Vertretungen der Vereinigten Staaten in den einzelnen Ländern ausgearbeitet wurden. In der Pressekonferenz zeigte der Außenminister einen durchaus zuversichtlichen Eindruck und erklärte auf Befragen, er habe mit dem Präsidenten lediglich allgemein-politische Fragen besprochen. Der Außenminister gab jedoch zu, daß die internationale Lage eingehend erörtert wurde. London, 30.Aug. (DRB.) Um 11 Uhr begann in Downing Street 10 eine IN i n i st e r b e s p rech u n g, bei der es sich, wie von amtlicher Seile betont wird, nicht um eine förmliche kabinetts- sihung handelt. An der Besprechung nehmen die in London weilenden Kabinettsmitglieder sowie der britische Botschafter in Berlin, Sir Reville Henderson, teil. Die Besprechung war um 13.40 Uhr beendet. Heber die Besprechung wurde folgender amtlicher Bericht ausgegeben: „In Rümmer 10, Downing Street, wurde heute morgen um 11 Uhr eine Minislerbesprechung ab- gehalten, bei der achtzehn A! inister anwesend waren. Der britische Botschafter in Berlin, Sir Reville Henderson, war ebenfalls anwesend. Der Außenminister gab einen vollständigen Bericht über die internationale Lage, und bei Abschluß der Sitzung erklärten die Minister, daß sie die bisherigen Handlungen sowie ferner die Politik, die in Zukunft verfolgt werden soll, voll billigten. Es ist keine weitere Zusammenkunft vorgesehen. Die Minister werden jedoch in erreichbarer Rähe Londons verbleiben." weiter wurde amtlich bekannlgegeben, daß die Aerzte erklärt haben, mit dem Gesundheitszustand des Premierministers zufrieden zu fein. Der Premierminister wird daher London Dienstagabend verlassen, um sich nach V a l m o r a l zum König zu begeben, bei dem er mehrere Tage verweilen wird. „Beträchtliche Beruhigung/ Henleins Haltung macht guten Eindruck. Appell an die Prager Regierung. London, 30. Aug. (DNB.) Das Ergebnis der heutigen Ministerbesprechung in London wird in diplomatischen Kreisen als ein Zeichen für eine b e - trä'chtliche Beruhigung angesehen. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß das britische Kabinett keinerlei „Sofortmaßnahmen" für erforderlich gehalten hat. Gut unterrichtete kreise wollen das darauf zurückführen, daß in den letzten 24 Stunden Berichte Runcimans aus Prag vorliegen, auf den insbesondere Henleins Haltung Eindruck gemacht habe. Man setzt daher große Hoffnungen darauf, daß die letzten tschechischen Vorschläge (die bisher noch nicht bekannt sind. Die Schristleitung), doch noch einen Ansatzpunkt für eine Einigung ergeben werden. Das konkrete Ergebnis der heutigen Ministerbesprechung besteht vorläufig darin, daß in Aussicht genommen worden ist, Henderson bestimmte neue Instruktionen nach Berlin mitzugeben, mit denen dieser u. U. einen neuen Appell an Deutschland, an der praktischen Lösung mitzuarbei- ten, übermitteln soll. Offengeblieben ist die Frage, wann Chamberlain von Schloß Balmoral nach London zurückkehren wird. Inzwischen wartet man in London auf die Rückkehr des französi- schen Botschafters in London, dessen Anwesenheit in London erwünscht ist, um die englische und französische Politik auf die gleiche Linie abzustimmen. Starke Beachtung hat es ferner erregt, daß der tschechische Gesandte in London, Masaryk, heute nachmittag Außenminister Lord Halifax aufsuchte, um von diesem über die Ergebnisse der Ministerrbesprechung unterrichtet zu wer- den. Durch Empfang des amerikanischen B o t's ch a.f t e r s in London Kennedy durch Chamberlain am Dienstag in Anwesenheit des britischen Botschafters in Berlin werden die Gerüchte von einem starken Interesse Roosevelts an der weiteren Entwicklung in Europa offensichtlich bestätigt. Reuter berichtet: „Das heutige Kommunique sprach von den früheren Handlungen der britischen Regierung und ihrer künftigen Politik, hierzu wird von autoritativer Seite zur Erläuterung erklärt, daß die britische Regierung nunmehr alle Anstrengungen darauf richtet, um den Bemühungen um die Herbeiführung einer friedlichen Lösung in der Tschecho-Slowakei zum Erfolg zu verhelfen, so lange, als in der Tschecho slowakei selbst — sozusagen als britischer Beitrag — Lord Runci- man fein Bestes als Vermittler tut, um beide Seiten in gleicher Weise zu beeinflussen. Rach der Rede Sir Iohn Simons am letzten Samstag und dem heutigen Kommunique wird die britische Regierung keinerlei weitere Erklärungen abzugeben haben, so lange auch nur irgendeine Chance für die Erzielung einer Regelung vorhanden ist." Die britische Regierung, so heißt es weiter, glaube, daß eine solche Chance von zwei Faktoren abhänge. Und zwar seien dies Umfang und Realität der Konzessionen, die die tschechische Regierung zu machen bereit ist, und Umfang und Natur des Einflusses, der von außerhalb auf die Sudetendeutschen ausgeübt werde, sowie von dem Geist, in dem die Sudetendeutschen auf die tschechischen Vorschläge eingechen. Nach scharfer Ablehnung einer Steigerung der Spannung wird mit Befriedigung festgestellt, 'daß der Befehl zur Selbstverteidigung an die S u d e t e n d e u t s ch e n in keiner Weise ihre Disziplin beeinträchtigt habe. „Was die tschechische Seite anbetrifft, wird zuver- sichtlich erwartet, daß die Prager Regierung alles in ihrer Macht Stehende tun wird, um Zwischenfälle zu vermeiden, und daß sie etwaigen Unruhen unparteiisch gegenübertreten wird." Mit dem fahrplanmäßigen Zuge begab sich Ministerpräsident Chamberlain am Dienstag- abend nach Schottland, wo er dem K o- nigspaar auf Schloß Balmoral einen Besuch abstatten wird. Chamberlain wird sich mehrere Tage auf Schloß Balmoral aufhalten, um dann wieder seinen eigentlichen Urlaub aufzunehmen. Mmfierral in Prag. Maßnahmen zur Eindämmung der Zwischenfälle? Prag, 30. Aug. (DNB.) Heute vormittag fand eine Ministerratssitzung in Prag statt, in der jedoch nicht über die von der Regierung angeblich beabsichtigte neue Vechandlungsgrundlage beraten wurde, sondern über die politische Lage im allgemeinen. Besonders standen Maßnahmen zur Eindämmung der in letzter Zeit häufiger gewordenen Zwischenfälle zur Aussprache. Der Ministerrat wird morgen fortgesetzt werden, wobei Ministerpräsident Dr. H o d z a einen ausführlichen Bericht erstatten wird. Im Laufe des Nachmittags wurde eine Reihe von Ministern vom Staatspräsidenten empfangen. Es erregt in politischen Kreisen Aufmerksamkeit, daß er, wie man hört, auch den Leiter Prag, 30.Aug. (DRB.) Der deutsche Geschäftsträger in Prag hat wegen der erneuten unerhörten Beleidigungen des in Währifch-Ostrau erscheinenden Hetzblattes „TNorav- fkoflezfky Denik" über die alte deutsche Armee einen weiteren p r o t e ft s ch r i 11 bei der tschechischen Regierung unternommen. Der deutsche Geschäftsträger hat dabei zum Ausdruck gebracht, daß es sich bei den Veröffentlichungen der genannten Zeitung um eine planmäßige Hetzkampagne gegen das Deutsche Reich handele. Die Tatsache, daß hier ein auf Lügen und Gehässigkeit aufgebautes System vorliegt, wird auch dadurch belegt, daß die in Olmütz erscheinende Zeitung „Pozor" den Hetzartikel des „Moravskoslezsky Denik" vom 13. d. M. wörtlich nachgedruckt hat. Weiterhin muß festgestellt werden, daß die tschechischen Zensurbehörden, deren Wirkungsmöglichkeiten überall bestens bekannt sind, auch den neuen Artikel vom 24. d. M. ohne B e a n st a n - düng erscheinen ließen. Dies ist um so erstaunlicher, als der deutsche Konsul in Brünn bereits am 17. August, also eine Woche vor dem Erscheinen des zweiten Artikels, die Aufmerksamkeit des höh e- ren Landesamtes in Brünn auf die hetzerische Schreibweise der genannten Zeitung lenkte. Der deutsche Geschäftsträger hat der Erwartung Ausdruck gegeben, daß feilens der Regierung gegen die Zeitungen „Woravfkoflezfky Denik" und „pozor" unverzüglich mit nachdrücklichen Mitteln eingefchrilten und den verantwortlichen Persönlichkeiten eine Fortsetzung ihrer verleumderischen und vergiftenden Paris, 30. Aug. (DNB.) Der M i n i st e r r a t ist am Dienstagvormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik zu einer über dreistündigen Sitzung zusammengetreten. Der am Schluß ausgegebenen amtlichen Mitteilung zufolge hat Außenminister Bonnet einen ausführlichen außenpolitischen Bericht gegeben, der sich auf die Ereignisse im Fernen Osten den Krieg in Spanien, die französisch-italienischer- Beziehungen und das tschecho-slowakische Problem bezog. Der Ministerrat hat die Ausführungen Bonnets und die von ihm formulierten Richtlinien der französischen Pokittk, wie die diesbezüglichen Weisungen an die französischen Derttetungen im Auslande gutgeheißen. Nach einem Gesamtbericht des Ministerpräsidenten Daladier über die wirtschaftliche Lage, die sozialen Probleme und chre engen Wechselbeziehungen mit der Landesverteidigung, die dringende Maßnahmen zur Steigerung der Produftton erheische, hat der A r b e i t s m i n i st e r dem Präsidenten der Republik eine von allen Regierungsmitgliedern gegengezeichnete Verordnung über die Möglichkeit von Ueberstunden im Rahmen der gesetzlich verankerten 40- StunHenwoche zur Unterzeichnung vorgelegt. In diesem Zusammenhang ist eine Erhöhung der Arbeitszeit um bis zu 100 Stunden im Jahre vorgesehen. Es ist jedoch festgelegt worden, daß die Ueberstunden nur in dem Maße verlangt werden dürfen, wie die arbeitslosen Facharbeiter den Arbeiten nicht gerecht werden. Die Regierung verzichtet darum nicht auf das Recht, die Zahl der Ueberstunden für die Arbeiten festzulegen, die im Interesse der L a n d e s o e r t e i - d i g u n g verrichtet werden. Der Ministerrat, der die Vorschläge des Arbeitsministers einstimmig gebilligt hat, hat beschlossen, der Kammer einen entsprechenden Gesetzesoorschlag zu unterbreiten. Finanzminister Marchandeau berichtete über die finanzielle Laae und die notwendigen Maßnahmen für die Wiedergesundung der Finatt- zen, die im Laufe der kommenden Ministerbesprechungen beraten werden sollen. Vor pessimiemus gewarnt. Paris, 30. Aug. (Europapreß.) Außenminister Bonnet hat in den Nachmittagsstunden den französischen Botschafter in London, (Sorbin, empfangen, der nach seinem Urlaub nunmehr wieder nach London zurückkehrt. Bonnet hat dem französischen Botschafter die neuen Instruktionen nutgeteilt, die am Dienstagvormittag von dem französischen Ministerrat genehmigt worden sind. (Sorbin wird, wie in der Umgebung des Quai d'Orsay erklärt wird, bereits am Mittwoch eine Unterredung mit dem englischen Außenminister Lord Halifax haben und ihm die Haltung Frankreichs auf Grund der Beschlüsse des französischen Ministerrats barlegen. Der Eindruck der Entspannung, der am Dienstagabend in Paris herrschte, wurde nach Ansicht hiesiger politischer Kreise durch die Tatsache bestärkt, daß die englischen Minister keinerlei neuen Zeitpunkt für einen demnächst stattfindenden Ministerrat festgesetzt haben. Der französische Außenmini st er habe, wie noch bekannt wird, hinsichtlich der europäischen Lage vor Pessimismus gewarnt. Er habe erneut die enge englisch-französische Zusammenarbeit hervorgehoben und in seinen über einstündigen Erklärungen eingehend über die Bemühungen Bericht erstattet, die von englischer Seite im Hinblick auf eine friedliche Lösung der tschecho-slowakischen Frage unternommen würden. In den politischen Kreisen erklärt man, der französische Außenminister habe in vollkommenem Einvernehmen mit der englischen Regierung betont, das tschecho-slowakische Problem könne durch gegenseitige Zugeständnisse eine Lösung finden, und er habe entsprechende Anweisungen an den in enger Verbindung mit der Prager Regierung stehenden französischen Diplomaten in Prag gegeben. Henlein soll verhaftet werden! Neuer Anschlag der Hetzer. Auf der tschechischen Seite steht eine doppelte Front: die eine verhandelt, die andere treibt quer. Beide stimmen innerlich überein, beide arbeiten, wo immer es geht, Hand in Hand. Bisher hat sich die zweite Front als die stärkere erwiesen. In ihren Reihen findet sich alles wieder, was sich in der Hetze gegen das Deutschtum und das Deutsche Reich überschlägt. Hier entdecken wir auch die offiziöse „L i d o v e N o v i n y", die der Prager Regierung nahesteht und oft von ihr benutzt wird. Der Herausgeber dieses Blattes hat jetzt, wenn auch auf Umwegen, den Erlaß eines Haftbefehls gegen den Führer der Sudetendeutschen Konrad Henlein gefordert. Ob er kommt, wollen wir abwarten; der Ruf näch ihm wird aber bald aus dem Kreise der „Volksvertreter" heraus klingen. Denn im „Lidove Nooiny" heißt es: „Schon morgen könnte in der Kanzlei des Abgeordnetenhauses ein Ansuchen um Auslieferung der beiden Abgeordneten (gemeint sind Frank und Zöllner, die den Ausruf zur Selbstverteidigung unterzeichnet haben) liegen, und schon 'morgen müßte Herr Henlein eine gerichtliche Vorladung in Hän- den haben." Zwischen gerichtlicher Vorladung und Festnahme ist im tschechischen „Ordnungsstaat" kein allzu großer Unterschied. Henlein soll wegen dieses Aufrufes zur Rechenschaft gezogen werden, d.h., er soll diskriminiert und als Verhandlungspartner mit Gewalt erledigt werden. Sollte hier die erste Front der zweiten einen Wink gegeben haben, weil ihr die Sudetendeutschen am Verhandlungstisch immer unbequemer werden? Wünscht sie die Ausschaltung des Führers der Sudetendeutschen mit einer „Begründung", die ihn zum Verbrecher an der Staatssicherheit stempelt, um sich überhaupt von diesem Verhandlungstisch zurückzuziehen? Wir halten das für wahrscheinlich, eben weil tür die Tschechen keine Lorbeeren mehr zu ernten sind, jeder Tscheche aber in höchster Sorge schwebt, von seinen eigenen Landsleuten als Verräter angeprangert zu werden. Denn auch nur der bescheidene ^Versuch, an eine Lösung des Nationalitätenproblems heranzugehen, ist in den Augen aller Tschechen Verrat. Darum auch die zweite Front als Sicherheitsfaktor, darum die fortgesetzte Arbeit an der Erhaltung einer Atmosphäre, von der die Tschechen erhoffen, daß sie die Verhandlungen schließlich unmöglich machen und ersticken. Proben dieser Atmosphäre werden der Welt täglich geliefert. Das Neueste sind die Massenausschreitungen gegenüber der sudetendeutschen Bevölkerung, die sich in der Form der Terrorisierung ganzer Ortschaften äußert. Wieder ist Blut geflossen, wieder mußten schwerverletzte Sudetendeutsche, auch ein Kind, vom Schauplatz tschechischer Untaten weggetragen werden. Auch hier wirkt die zweite Front, die nun den Augenblick für gekommen hält, ein Kesseltreiben gegen Konrad Henlein und die Führer der Sudetendeutschen zu inszenieren. Man erinnert sich der „Erfolge" mit dem Slowakenführer T u k a. den man kurzerhand einkerkerte und der körperlich und seelisch gebrochen erst nach Jahren wieder das Zuchthaus verlassen konnte. Genau so möchte man mit Henlein und den anderen sudetendeutschen Führern umspringen. Darum jetzt das Signal der „Lidove Noviny", sich mit dem „gesetzwidrigen" Verhalten Henleins, Franks und Köllners zu beschäftigen. Konrad Henlein soll in aller Form in den Anklagezustand versetzt werden, Konrad Henlein soll in den Augen des Auslandes als ein kriminelles Subjekt erscheinen. Ein „feines" Verfahren der Tschechen, das indessen zu allem paßt, was wir bisher rund um ihre „Verständigungs- und Ausgleichsbereitschaft" erlebt haben. Ein doppeltes Spiel wird hier getrieben, das uns immer wieder zwingt, gleichgültig was der in der Auslandspresse bereits angekündigte neue Benesch-Plan enthält, ein gesundes Mißtrauen an den Tag zu legen. Wenn wir mißtrauisch sind, so ist das die Schuld der Tschechen, die nichts unterlassen, um unsere Zweifel in die Ehrlichkeit ihrer Derständigungsabsichten stündlich und täglich zu verstärken. Sbt. Parlament nicht nötig. Paris, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Im Anschluß an den gestrigen Ministerrat erklärt man in unterrichteten Kreisen nunmehr, daß die Regierung vor den am 13. Oktober stattfindenden Senatswahlen und vor dem am 26. Oktober beginnenden radi- kalsozialen Parteikongreß in Marseille eine außerordentliche Einberufung von Kammer und Senat, die wegen des Streits um die 40= Stundenwoche erwogen wurdd, nicht ins Auge fassen wird. Da eine außerordentliche Einberufung des Parlaments danach aber mit de-m ordentlichen Zusammentritt von Kammer und Senat (8. November) fast zusammenfallen würde, erachtet man eine außerordentliche Einberufung des Parlaments überhaupt für unwahrscheinlich. Wie man weiterhin in politischen Kreisen erklärt, wird sich der für Freitag angesetzte Minister rat in erster Linie mit der Festlegung eines neuen Brotpreises beschäftigen. Krosta schrieb Geschichte. Oer tschechische Außenminister über das Gudetendeutschtum. i. In Prag ist eine Verhandlunaspause eingetreten, die von dem englischen Berater Lord R u n c i m a n benutzt werden soll, um Möglichkeiten zu neuen Verhandlungen zu gewinnen, nachdem die Sudetendeutschen die tschechischen Vorschläge als völlig ungenügend bezeichnen mußten. Diese Pause mag Veranlassung bieten, einige Einwendungen der tschechischen Agitation auf Grund historischen Materials zu beleuchten. Dazu gibt uns auch ein Buch des Historikers Kamil Krofta Gelegenheit,' das 1932 erschienen ist und auch in deutscher Sprache vorliegt. Sein Verfasser ist inzwischen tschechischer Außenminister geworden, seitdem B e n e s ch dieses Amt mit dem des Staatspräsidenten vertauschte. Krostas Buch („Geschichte der Tschecho-Slowakei") ist offenbar zur Propaganda im Auslande bestimmt gewesen. Bei scheinbarer Objektivität hat es der Verfasser verstanden, gewisse „dunkle" Stellen der tschechischen Geschichte durch allgemeine Wendungen geschickt zu überschlagen. Trotzdem — oder gerade deshalb — lohnt es sich, einen Blick in diese Darstellung zu tun, die an vielen Stellen die Behauptungen der tschechischen Agitation glatt widerlegt. Die Tschechen pflegen es so hinzustellen, als sei das Land Böhmen von Anfang an von ihnen allein bewohnt gewesen. Diese Behauptung wagt Krofta nicht aufzustellen. Die staatlichen Anfänge verlieren sich auch hier im geschichtlichen Dunkel. Der junge böhmische Staat stellte sich von Anfang an unter die Souveränität des Frankenreiches. Krofta schildert den damaligen deutschen Einfluß in dem Lande, das in die Lehensabhängigkeit zum Deutschen Reiche trat. Die Geistlichkeit war vorwiegend deutsch, deutsche Kaufleute kamen in großer Zahl nach Böhmen. Die Stödtegründungen waren überwiegend ein Werk der Deutschen, das eine massenweise Einwanderung zur Folge hatte. „Ganze Gegenden, besonders an den unbebauten Rändern des Landes, wurden von ihnen besiedelt und empfingen zum großen Teil auf die Dauer deutschen Charakter. Auch das erste Bürgertum der böhmisch-mährischen Städte war fast nur deutsch und verlieh diesen Städten deutschen Charakter." (Trotzdem behauptet heute die tschechische Agitation, das dortige Deutschtum sei durch Germani- fierung der tschechischen Einwohner entstanden.) Auch Krofta bestätigt, daß die hussitische Bewegung vor rund 500 Jahren weniger religiösen als politischen Charakter getragen habe. Sie gab „dem Ringen zwischen der tschechischen und der deutschen Nationalität um die Macht und den Vorrang im Lande ihre besondere Färbung und floß mit ihm zusammen". Dann kommt ein bezeichnender Satz: „Die natürliche Tschechisierung (!) der fast durchweg von deutschen Einwanderern gegründeten und anfangs von ihnen verwalteten böhmischen Städte wurde durch die hussitische Bewegung rasch auf die Spitze getrieben. Infolge der Vertreibung der dieser Bewegung feindlichen Deutschen nahmen die meisten Städte tschechischen Charakter an. Die Prager Universität überließ den Deutschen gleichfalls keinen Platz." Aber dann — so schildert Kroftä — sei wieder ein Umschlag eingetreten. Die Tschechen verloren durch die langjährigen Hussitenkriege viele Einwohner, und bald darauf habe eine neue deutsche Massenbesiedlung stattgesunden. Die Städte begannen sich wieder mit deutschen Handwerkern und Kaufleuten zu füllen, denen das Gesinde gefolgt sei. Unter den Habsburgern (zu Beginn des 17. Jahrhunderts) habe dann der eingewanderte deutsche Adel die deutsche Kolonisation unterstützt. In den Städten und Herrschaftsgütern wurde damals in deutscher Sprache amtiert. Nach der Schlacht am Weißen Berge (1620) siegte die Gegenreformation. Die Lausitz fiel an Sachsen als Preis für die Unterstützung des Kurfürsten gegen den, böhmischen Winterkönig, die deutsche Sprache wurde in ganz Böhmen zur Amtssprache erklärt. An die Stelle der „Tschechisierung" sei nun, sagt Krofta, die Germanisierung getreten. Trotzdem sei aber das tschechische Landvolk so stark geblieben, daß es in manchen Gegenden, besonders in Mähren, eine „natürliche Expansion" entwickelte (also die Deutschen weiter zurückdrängte). Wörtlich schreibt der Historiker Krofta: „Bei" Beginn des 18. Jahrhunderts entsprachen die nationalen Grenzen im ganzen den heutigen." Das stimmt bekanntlich nicht ganz, denn in den letzten 20 Jahren hat eine „Unterwanderung" des geschlossenen deutschen Sprachgebiets durch tschechische Beamte und Staatsarbeiter stattgefunden, die dazu bestimmt ist, den deutschen Volksboden durch frem'dnationale Elemente zu unterhöhlen und den Prozeß der Tschechisierung wieder einzuleiten, der im Laufe der Jahrhunderte oft genug erfolgreich betrieben wurde-, wie selbst aus der gewiß unverdächtigen Geschichtsschreibung des heutigen tschechischen Außenministers hervorgeht. Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß das Buch von Professor Kamil Krofta die tschechische Legende zerstört, daß die heutigen Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien „germanisierte Tschechen" seien. Böhmen war niemals ein ausschließlich von Tschechen besiedeltes Land, noch weniger kann das von der Tschecho-Slowakei gesagt werden. Die deutsche Kolonisation ergoß sich in Gebiete, die Überhaupt unbewohnt waren, Städte gab es damals nicht, sie wurden erst von den Deutschen gegründet. Im Laufe der Geschichte mögen an den Sprachgrenzen Verschiebungen erfolgt sein, die aber mehr zu Lasten der Deutschen als zum Nachteil der Tschechen vor sich gingen. Keinesfalls ist man berechtigt, den Deutschen hier eine alleinige Schuld zuzumessen. Die Greuel der Hussitenkriege und die Vertreibung deutscher Einwohner iy jener Zeit reden eine zu deutliche Sprache. In neuester Zeit hat durch die Prager Zentralisation eine erneute planmäßige Tschechi- jierung der rein deutschen Bezirke eingesetzt, die nicht ohne Erfolg gearbeitet hat, wie zahlreiche Beispiele beweisen. Daher fordert die Sudetendeutsche Partei mit vollem Recht die Wiederherstellung des Dolksbodens, so wie seine Besitzverhältnisse vor 20 Jahren gewesen sind. Oer Aufbau am deutschen Volke. Or. Ley spricht vor den Ausländsdeutschen. Stuttgart, 31. Aug. (DNB.) Im Rahmen einer von Junkern der Ordensburg Crössinsee gestalteten Feier st unde sprach am Dienstag in der überfüllten Stuttgarter Stadthalle Reichsorganisationsleiter Dr. Robert Ley anläßlich der 6. Reichstagung der Ausländsdeutschen. Dr. Ley gab in seiner häufig von stärkstem Beifall unterbrochenen Rede zunächst einen großangelegten Ueberblick über all das, was seit 1933 in Deutschland, insbesondere für den deutschen Arbeiter, geleistet worden ist. Während früher K u n st und Kultur das Vorrecht weniger Besitzenden gewesen seien, so führte der Redner u. a. aus, nehme heute das ganze Volk Anteil daran durch die Organisation „Kraft durch Freude". Nicht weniger als 44 Millionen deutschen Menschen sei im vergangenen Jahr durch diese Organisation der Theaterbesuch ermöglicht worden. Eine ebenso grundsätzliche Wandlung sei auf allen anderen Gebieten des deutschen Lebens zu verzeichnen. Diese Wandlung sei allein dem Führer und seinem unerschütterlichen Glauben an Deutschlands Sendung zu verdanken. Daß heute in Deutschland alles aufwärts geht, sei keine technische oder wirtschaftliche Frage, sondern einzig und allein eine Frage des Glaubens jedes einzelnen an fein Volk. Der deutsche Arbeiter, so betonte Dr. Ley u. a. weiter, hat heute einen Heißhunger nach Kultur und Kunst, nach den Werken unserer Dichter und Denker, und man glaubt gar nicht, welches Wissen und Können in weiten Schichten unseres Volkes vorhanden ist. Es ist nicht richtig, daß unsere Arbeiter durch KdF. verwöhnt worden sind, sondern sie haben dadurch nur mehr Kraft gewonnen und wissen heute, daß Deutschland ihr Vaterland ist. Der Reichsorganisationsleiter stellte in diesem Zusammenhänge fest, daß die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" von insgesamt neun Schiffen bereits über sechs eigene Dampfer verfüge, daß KdF.-Bäder gebaut und KdF.-Hotels erstellt werden und daß dem deutschen Arbeiter der Volkswagen gegeben werde. Mit allen diesen Maßnahmen gebe man dem deutschen Arbeiter seinen gerechten Anteil an dem, was Deutschland zu bieten vermag. Im kommenden Winter würden 130 000 deutsche Arbeiter die Möglichkeit haben, nach Italien, Griechenland, Nordafrika und anderen Ländern zu fahren. Zum Schluß seiner Rede beschäftigte sich Dr. Ley mit den Zielsetzungen der Partei in der Zukunft. „Wir geben", so führte er hierbei u. a. aus, „in keiner Hinsicht nach. Auch für uns gilt das alte Wort: Eine siegreiche Armee wird nie müde. Auch die nächsten Jahrzehnte werden die heutigen führenden Männer frisch und fleißig sehen, und ihr Fanatismus wird nicht nachlassen, sondern immer fester werden. Das ist das Wesen unserer Idee, daß sie nicht verflacht, sondern sich immer tiefer in den Herzen festsetzt." DieReichssrauensührerin spricht Daß sich auch die auslandsdeutschen Frauen mit der Arbeit ihrer Schwestern im Reich verbunden fühlen, bewies die große Kundgebung, die im Rahmen der VI. Reichstagung der Ausländsdeutschen mit der Reichsfrauenführerin, Frau Scholtz-Klink, am Dienstagnachmittag in der Gewerbehalle stattfand. Frau Scholtz-Klink sprach über die Aufgaben, die sich die deutsche Frau im Dritten Reich gestellt hat. Heute, so stellte Frau Scholtz-Klink mit berechtigtem Stolz fest, sind nicht weniger als zwölf Millionen deutsche Frauen in der deutschen Frauenorganisation zusam- mengeschlossen. Es ist selbstverständlich, daß von dieser Arbeit auch die auslandsdeutschen Frauen nicht ausgeschlossen werden wollten und konnten. Die Frauenorganisation ist als Teil der nationalsozialistischen Bewegung auf Gedeih undDer- derb mit der Partei und ihrem herrlichen Führer verbunden. Was uns als Erziehungsideal vorschwebt, so betonte sie, ist weder ein wandelndes Pathos noch eine verkörperte Sentimentalität, weder die Jungfrau mit dem frommen Augenauffchlag, noch das vermännlichte Weib. Unsere Mädel urb jungen Frauen sollen vielmehr ebenso tapfer als großzügig, ebenso klug als gütig und ebenso mutig als anmutig fein. Oer Wettbewerb der Gaue. Um den preis des Veichsorganisationsletters Dr. Ley. Auf dem diesjährigen Reichsparteitag wird — durch die Heimkehr der Ostmark ins Reich bedingt — die Zahl der Teilnehmer um ein erhebliches größer fein, als im vergangenen Jahr. Dies trifft selbstverständlich auch auf die Politischen Leiter zu, von denen diesmal 150 000, davon allein 10 000 aus der Ostmark, nach Nürnberg kommen werden. Jeder weiß, daß die Anstrengungen für den Reichsparteitagteilnehmer nicht gering sind. Zu den einzelnen Veranstaltungen sind Anmärsche von 20, 30, ja 35 Kilometer zurückzulegen, früh am Morgen heißt es aufstehen, und oft kommt man erst am späten Abend oder in der Nacht wieder zurück. Nun befinden sich unter den Politischen Leitern in weit stärkerem Umfang, als es bei der SA., usw. der Fall ist, auch ältere Parteigenossen, für die die Tage in Nürnberg naturgemäß eine weitaus größere Anstrengung bedeuten, als für ihre jüngeren Kameraden von der SA. und ff. Reichsorganisationsleiter Pg. Dr. Ley hat nicht zuletzt auch deshalb für den diesjährigen Reichsparteitag einen Wettbewerb unter allen Gauen der NSDAP, ausgeschrieben, bei dem für die Bewertung der Sieger drei Faktoren maßgebend sein werden: die Gefamt- haltung der Politischen Leiter, die Gestaltung der Quartiere und die Durchführung kultureller Veranstaltungen. Unter ersterem sind die Disziplin, das einheitliche, geschlossene Auftreten, das pünktliche Einhalten der Abmarschzeiten zu den einzelnen Tagungen und Appellen zu verstehen, kurzum alle die Dinge, die für den Eindruck, den der Hoheitsträger macht, maßgebend und bestimmend sind. Selbstverständlich gehören hierzu auch die Uniform und die gesamte Ausrüstung. Bei der Gestaltung der Quartiere werden die Sauberkeit, der Bettenbau, das Anbringen von Bildern und Schmuck, die Unterbringung der Fahnen usw. ins Treffen geführt werden. Genau so großes Gewicht wie auf die Haltung der Politischen Leiter und die Gestaltung der Quartiere wird auf die Veranstaltungen kultureller Art gelegt, die die einzelnen Gaue zur Durchführung bringen, wie Theaterabende, möglichst mit künstlerischen Kräften aus dem Heimatgau, Filmvorführungen, Konzertdarbietungen, heitere Abende, die von „Kraft durch Freude" gestaltet werden, usw. Der erste Preis, der von Dr. Ley ausgesetzt wurde, besteht aus 500 Uniformröcken, also ein Wertobjekt von einer recht hohen fünfstelligen Zahl. Wenn man weiß, daß die Beschaffung der Uniformen für viele Politische Leiter eine nicht immer einfache Sache ist, dann wird man verstehen, daß unter den einzelnen (Bauen ein edler Wettstreit entstanden ist. Auch die weiteren Preise bestehen aus Uniformröcken. Wer jetzt der Stadt der Reichsparteitage einen Besuch abstattet, der kann — einige Tage vor Beginn dieses großen Bekenntnisses'der deutschen Nation — die Feststellung machen, daß von allen .(Bauen ganz besonders große An st re n- gungen gemacht werden, um die von Dr. Ley ausgestellten Forderungen nach besten Kräften in die Tat umzusetzen. Auf die Ausschmückung der Quartiere wird ebenso großer Wert gelegt, wie auf die Durchführung mannigfachster Veranstaltungen kultureller Art, wobei in jedem (Bau die Tendenz obwaltet, das Gaustandquartier zum Treffpunkt nicht nur der Politischen Leiter, sondern auch der SA., der ff, der Hitler-Jugend usw. aus dem ganzen (Bau werden zu lassen. Hier soll sich also ein richtiges „Familienleben" entwickeln. ' So ist die Gewähr dafür gegeben, daß auf dem diesjährigen Reichsparteitag noch mehr, als es in den vergangenen Jahren der Fall war, die Erfüllung der Forderungen gesichert ist, die Dr. Ley aufgestellt hat. 400 3Berhd?armänner unseres Gaues in Nürnberg. NSG. Für den Reichsparteitag 1938 stellt die Werkschar des Gaues Hessen-Nassau wieder einen erheblichen Anteil an dem nach Nürnberg zu entsendenden Kontingent von 8000 Werkscharmännern des Reiches. 300 hessen-nassauische Werkscharmänner nehmen als Abordnung der deutschen Betriebe an dem Reichsparteitag teil und sind Gast der Partei. Unter diesen Werkscharmännern, die die Fahnen der NS.-Musterbetriebe mit nach Nürnberg nehmen, befinden sich auch die Betriebsobmänner. Ein zweiter Trupp von 100 Werkscharmännern des Gaues Hessen-Nassau wurde für das Sonderkontingent der Werkschar für den Reichsparteitag 1938 abgestellt. Diesen Werkscharmännern liegt die Betreuung der durch die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" zum Reichsparteitag eingeladenen Arbeiter ob. Sie werden weiterhin in dem KdF.-Lager, in dem die Gäste der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" untergebracht sind, und in der KdF.-Stadt eingesetzt. In der KdF.-Stadt, die in diesem Jahre weiter ausgebaut worden ist, werden den Besuchern des Reichsparteitages täglich Tanz, Spiel, sportliche Vorführungen und Varietevorführungen geboten. In der Stadt versehen die Werkscharmänner den Ordnungsund Wegdienst. Der Transpvrtführer für den aus den Gauen Düsseldorf, Köln-Aachen, Koblenz-Trier und Hessen-Nassau zusammengesetzten Werkschar- Sonderzug ist der (Baubeauftragte für die Werkscharen Hessen-Nassau, SA.-Standartenführer Holzapfel. Die Unterbringung geschieht, wie in den vergangenen Jahren, in einem Werkschar-Zeltlager. 12184 km in 704 Tagen. NSG. Der Adolf-Hitler-Marsch der HI. stellt insgesamt eine gigantische Leistung dar. 2 0 0 0 Hit- ierjungen im Durchschnittsalter von 17 Jahren legen über 7 0 0 Tage lang täglich etwa 23 Kilometer Marsch st recke zurück. Sie marschieren in voller Uniform, die Fahnen der Jugend auf den Schultern, durch Sonne, Wind und Regen. Die Gesamtstrecke dieses Sternmarsches, dessen Ziel die Stadt der Reichsparteitage ist, entspricht einem Viertel des Erdumfanges. Dazu kommt, wie im Vorjahre, nach den großen Festtagen in Nürnberg der Marsch von Nürnberg nach Landsberg am Lech zu der Festung, in der der Führer einst das Buch des Nationalsozialismus „Mein Kampf" schuf. Diese Strecke wird von sämtlichen Marschteilnehmern in einem großen ge» schlossenen Marschblock zurückgelegt. Das Gebiet Pommern hat in diesem Jahre die längste Marschstrecke aller 27 Marscheinheiten. Von Rügen bis Nürnberg werden von dieser Marsch- einheit in 50 Tagen insgesamt 801 Kilometer zurückgelegt. Nach ihr hat sich am 22. Juli die Marscheinheit des Gebietes Oftland auf den Marsch begeben, die in 43 Tagen 741 Kilometer zurücklegt. Als dritte begann die Marscheinheit des Gebietes Schlesien ihren Marsch, die eine Strecke von 786 Kilometer in 42 Tagen bewältigt. Die 76 Hitler- jungen des Gebietes Hessen-Nassau müssen 296 Kilometer in 16 Tagen marschieren. ■ Die gesamte Länge der Marschstrecke der 27 Marscheinheiten beträgt 12 184 Kilometer, die in 547 Marschtagen und 157 Ruhetagen, also insgesamt 7 0 4 Tagen, zurückgelegt werden. Einöden des Empire. Von unserem p -Miiarbeiier. Diese Dinge aber besitzt das Empire im Uebersluß und überall. Aber in diesem Empire gähnen riesige Einöden, paradiesische Länder oft/die auf nichts warten, als daß der Mensch sie urbar mache. Beginn der überspannten Industrialisierung besteben Zustände, die riesige Herrengüter mit nutzlosen Parks und gewaltigen Sportmiesen für die Herren - schicht brachten, dagegen „Slums", falsch und rücksichtslos angelegte Jndustriewohnviertel, die schon zu Dickens Zeiten ungenügend waren. Jetzt, da die Bevölkerung in England um rund zehn Millionen Menschen zugenommen hat, sind sie eine Hölle. Ein halbes Jahrhundert lang brachte es das britische Parlament fertig, diese Hölle zu ignorieren. Eduard VIII., kurz nach der Thronbesteigung, versprach jenen Menschen in den „Slums", daß er alle feine Kräfte einsetzen würde, um ihnen zu helfen. Er kannte die Elendsgebiete weitaus besser, als seine Kabinettsmitglieder. Diese setzten selten einen Fuß in die Industrieviertel. Eduard besuchte schon als Prinz von Wales in jedem Jahr andere Stätten dieses weitgespannten Infernos und kannte die traurige Lage. Es ist interessant, bei den englischen Einwänden auf die berechtigten deutschen Kolonialforderungen immer wieder zu hören, wie sich England nach außen hin den Anschein gibt, daß sein Empire durchaus intakt sei, daß die Menschen, die das Glück genießen, unter dem Union Jack zu wohnen, nur einen Wunsch hätten — eben unter dieser Fahne weiterleben zu dürfen. Man vermeidet geflissentlich, jenen Artikel des Versailler Diktats zu erwähnen, der von kiner Mandatsherrschaft spricht. Man verwechselt geflissentlich „Mandat" mit Herrschaft. Wie aber ist es um dieses Empire bestellt? Es besteht, um es nur ganz kurz zu umreißen, aus Dominions und Kolonien. Die Dominions haben Selbstverwaltung, die Kolonien werden vom Kolonialministerium in London aus regiert. Es gibt ......., _______m , keine Edgar-Wallace-Romantik der britischen „Com- Weshalb also die "Menschen, die in qualvoller' miKsioners". die als unumschränkte „Könige" in den Enge im Mutterland leben, nicht in jenen frucht-1 afrikanischen Wäldern und Ebenen herrschen. Sie baren Gegenden ansiedeln? Es gehört doch alles sind Verwaltungsbeamte, die ihre Politik aus West- Großbritannien!? 1 minfter vorgefchrieben bekommen von Ministern, - Die englischen Regierungen bleiben diese Antwort die ihre Kolonien, in denen beinahe 60 Millionen feit mehr als hundert Jahren schuldig. Seit dem Menschen leben, nur wenig oder aus einem Kultur- * ...... ~ ....... ' " ' film kennen. Es besteht in England nicht einmal jene Einrichtung, der Frankreich die glückliche Beseitigung vieler Kolonialprobleme verdankt, es gibt im Kolonialministerium nicht einmal jene „Inspec- teurs", die in Frankreich nur dem Minister verantwortlich sind und ihre Amtszeit damit verbrin- g$n, von einem Kolonialgebiet zum nächsten zu fahren und sich auf Grund eigener Beobachtungen ein Bild der jeweiligen Lage des Landes verschaffen. England läßt oft nicht einmal feine „Commissio- ners" genügend lange Zeit an Ort und Stelle, um das ihnen unterstellte Land kennenzulernen. Es geschieht in jedem Monat, daß ein Beamter, der sich in Westafrika eingelebt hatte, nach einem britischen Südsee-Protektorat beordert, ober daß ein Beamter, der die Anamiten kennenlernte, plötzlich zu den Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika — überall bietet sich dem Reisenden das gleiche Bild: übervölkerte Städte mit unheimlichen Ar-, beitslvsenziffern — weites Hinterland, oft fruchtbar genug für zwei Ernten im Jahr, jungfräuliche Erde, große Bodenschätze. Heber all diesem Land weht die blaurotweiße Flagge, der Union Jack. Es ist ein weltumspannendes Empire. Der Reisende kommt nach England, nach London vielleicht, oder Manchester, Glasgow, Plymouth ober Liverpool. Er sieht bie riesigen Elenbsgebiete mit Menschen, bie burchschnittlich im 40. Lebensjahr sterben, weil ein Mensch unter diesen Umständen nicht älter werden kann. Er sieht die Kinder dieser Männer und Frauen: unterernährte, hohlwangige, tuberkulöse Geschöpfe, die nichts weiter brauchten als ge- fHnbe, ausreichende Nahrung und frische Luft. Zulukaffern geschickt wird. Weshalb, weiß niemand. Die Verantwortung dafür tragen jene dunklen Kräfte, die man in mittleren Stellungen in jedem demokratischen Ministerium findet, die ihre Lust am Intrigieren und am „Verschieben der Figuren" finden, und die doch nie in der Oeffhntlichkint bekannt werden, weil das parlamentarische System ihnen den Mantel der Anonymität umhängt. Das Ergebnis dieser Politik ist im Zeitalter der öffentlichen Statistiken leicht abzulesen. Englands Handel mit jenen oft unermeßlich reichen Kolonien ist in den letzten zwanzig Jahren zugunsten der Japaner stark zurückgegangen. Es ist leicht, einen Wirtschaftskrieg mit Japan heraufzubeschwören, wenn man lange genug über die Konkurrenz klagte. Das Hebel in der eigenen Verwaltungsmaschinerie zu suchen, wäre zu umständlich, — vielleicht auch ZU peinlich. Kunst und Wissenschaft, konzerlprogramm der Salzburger Festspiele beendet. Am Sonntag fanden die diesjährigen philharmonischen Veranstaltungen der Salzburger Fest - spiele, wie die DKK. berichtet, ihren Abschluß mit einem von Wilhelm Furtwängler geleiteten Konzert, das durch die makellose Wiedergabe der dem kostbarsten Kulturschatz entnommenen Werke zu einem wahrhaften Kunstereignis wuvde. Hans Pfitzners Ouvertüre zum „Kätchen von Heilbronn" mit dem bildhaften Ton und einem fast sprechenden Ausdruck, Franz Schuberts geheimnisvolle H - Moll - Symphonie und Anton Bruckners harmonische Ode auf Siegfrieds Leben und Tod waren edelster Musikgenuß. Furtwängler und die Wiener Philharmoniker mit ihrer wunderbaren Ausdruckskraft und ihrer technischen Vollendung versetzten die Zuhörerschaft in höchste Begeisterung. Josef Meßner vollendete das Fest- vrogramm der Domkonzerte im Gedenken an Mozart mit dem Requiem. Die letzte Serenade im Residenztheater wurde von der Bläservereinigung der Wiener Staatsoper ausgeführt. Großer Erfolg deutscher Filme in Venedig. Auf der Internationalen Filmkunst- s ch a u in Venedig wurde der zweite Teil des Olympiafilms vorgeführt, der in den bis auf den letzten Platz besetzten beiden Lichtspieltheatern mit der gleichen Begeisterung ausgenommen wurde wie der erste Teil. Die Schöpferin des Filmes, Lern Riefenstahl, war auch bei dieser Aufführung anwesend und wurde mit besonderem Beifall geehrt. Mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte das Publikum den prachtvollen Aufnahmen von den Wettkämpfen der Olympischen Spiele, und oftmals setzte mitten im Film lebhafter Beifall ein. Einen durchschlagenden Erfolg erzielte auch der deutsche Ufafilm „Urlaub auf Ehrenwor t". Der starke Beifall bewies, daß der Film in seiner Eigenart auch von dem ausländischen Publikum verstanden und gewürdigt wurde. DKK. Kopfhörer im Theater. Das Mannheimer Nationaltheater plant für eine Anzahl Plätze aller Ränge den Anschluß von Kopfhörern, damit schwerhörige Theaterbesucher in den unbeschränkten Genuß der Vorstellungen kommen. Buntes Allerlei. Oie Schreckensherrschaft der Löwen. In dem Bergwerksgebiet von Murongo in Afrika übten drei „menschenfressende" Löwen eine derartige Schreckensherrschaft aus, daß die einheimischen Arbeiter in Scharen die Bergwerke verließen. In dem Jahresbericht der Jagdabteilung ' von Tangänjika wird geschildert, daß die Löwen m ganz bestimmter Art vorgingen, um zu ihren Opfern zu gelangen. Während zwei Löwinnen rings um eine Hütte streiften, brach das männliche Tier in das Innere ein und ergriff sein Opfer, das er hinausschleppte und wenige Meter entfernt auffraß. Besonders gefährlich wurden die Löwen dadurch, daß sich unter den Eingeborenen das Gerücht verbreitet hatte, sie wären „bezaubert". Die Zauberdoktoren nutzten das aus, indem sie an die erschreckten Eingeborenen Zaubermittel und Medizin verkauften und sich so einen guten Tag machten. Wiederholt hatten die europäischen Jäger, wenn sie bald nach einem solchen Ueberfall an Ort und Stelle erschienen, keine Möglichkeit zur Verfolgung, da die Spur absichtlich, wahrscheinlich von den Zauberern, verwischt war. Zweimal hatten die Löwen auch ein Opfer erfaßt, und die Eingeborenen waren mit Speeren aus dem Lager gekommen und hatten mit den flachen Seiten der Waffen auf den Löwen losgeschlagen, obwohl sie ihn hätten durchbohren können; sie fürchteten, daß sie großes Unglück haben würden, wenn sie das Blut des Löwen vergößen ... von einem Löwen angefallen und schwer verletzt. Der Löwenbändiger des Warschauer Zoos, der Wiener Karl Neumann, der sich beim Warschauer Publikum einer außerordentlichen Beliebtheit erfreut, erlitt einen schweren Unfall. Neumann wollte nach der Fütterung der Löwen den Käfig verlassen, als er plötzlich von einem Tier, das wohl eine zu kleine Fleischration erhalten hatte, an gefallen wurde. Das Raubtier verwundete den Dompteur, der mit Aufbietung aller Willenskraft das Gitter erreichen konnte, durch Bisse erheblich an den Beinen. Im letzten Augenblick schlug der geistesgegenwärtige Wiener die Tür zum Käfig zu und stürzte dann bewußtlos zur Erde. Er wurde sofort ins Krankenhaus übergeführt. Der Unfall des Dompteurs hat in Warschau große Anteilnahme ausgelöst. Wetterbericht Durch die Nordwärtsoerlagerung des über Mittel. Äeutschland liegenden Tiefdruckwirbels setzte in der Nacht zum Mittwoch die Zufuhr kühlerer Lust, massen von Nordwesten her ein und führte in West, deutschland wieder zu anhaltenden Regenfällen. An. schließend wird im Bereich der eingedrungenen Kaltluft Aufheiterung eintreten. Beständigkeit ist aber noch nicht wahrscheinlich. Vorhersage für Donnerstag: Vielfach bewölkt mit Aufheiterung, meist trocken, ziemlich kühl, nordwestliche Winde. Vorhersage für Freitag: Im ganzen freundliches, jedoch nicht beständiges Wetter. Lufttemperaturen am 30. August: mittags 19,4 Grad Celsius, abends 16,2 Grad; am 31. August: morgens 13,2 Grad. Maximum 19,9 Grad, Minimum heute nacht 12,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. August: abends 18,5 Grad; am 31. August: morgens 15,8 Grad. — Niederschläge 13,3 mm. — Sonnenscheindauer 0,5 Stunde. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum« schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange (in Urlaub), i. 23.: Ernst Blumschein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An- zeigen: Theodor Kümmel. D. A. VII. 38: 9034. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Am 30. August, 8% Uhr, verschied sanft nach einem arbeitsreichen Leben unsere liebe Schwester und Tante Luise Hofmann im 75. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Margarethe Renner, geb. Hofmann. Heuchelheim, Großen-Linden, 31. Aug. 1938. Die Beerdigung findet Donnerstag, 1. Sept, nachm. 3 Uhr, vom Sterbehaus Marktstraße 7 aus statt. ___________________________________ 5583V NACHRUF Am 26 August starb infolge Unfalls unser lieber Arbeitskamerad, im blühenden Alter von 25 Jahren Herr Karl Kornmann Zimmermann zu Rüddingshausen (Oberhessen). 9 fahre hat er unserem Betriebe angehört und stets mit vorbildlicher Pflichttreue seine ganze Kraft eingesetzt Wir bedauern aufs tiefste den Verlust dieses tüchtigen, allseits geschätzten Mitarbeiters und warmherzigen Kameraden und werden ihm allezeit ein ehrendes Gedenken bewahren. Betriebsführer und Gefolgschaft der Firma Heinrich L. Wissner Dampfsägewerk, Zimmergeschäft, Holzhdlg. Londorf, den 30. August 1938. _________________________________________________ 5583V »Gegen graue Haare«) der bewährte 4374V Haarfarbe* WiederheVsteller Flasche 1.74 Jt, extra stark 2.40^ Drog. Winterhotf, Kreuzplatz 10, Parf. Muhl. Bahnhofstraße 56. Gleichstrommotoren 0,5 bis 20 PS, 220 bzw. 440 Volt mehrere Stück günsüg abzugeben. 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August 1938 tJn der heutigen Vormittagsziehung wurden gezogen 2 Gewinne zu 10000 RM. 116364 6 Gewinne zu 5000 RM. 3635 191793 198685 8 Gewinne zu 3000 RM. 77300 1 41231 266533 291730 20 Gewinne zu 2000 RM. 78969 104936 132386 137417 179070 193471 285778 298765 340514 391282 52 Gewinne zu 1000 NM. 2240 44126 57678 66072 96808 99015 107118 115246 115900 146629 162740 199318 201850 215564 232444 260415 268536 269788 276073 327834 330674 331926 332664 367649 370039 379302 82 Gewinne zu 500 RM. 2018 26608 44605 51113 55646 62153 62980 65265 73774 79768 84717 114053 117037 119033 129551 160969 175173 216059 216215 220066 222475 224573 227724 229952 230792 268117 268376 274564 282818 293153 295158 311396 315608 325820 325902 331436 342093 354664 374962 386687 387531 795 5092 10613 38971 79636 84521 88147 93162 95478 323422, 325137 166876 207088 261382 305104 132233 193168 217336 284809 311072 337544 347229 370969 392209 137954 199193 217370 287139 316574 338063 355634 371011 393642 153984 199681 247865 291099 322760 338636 359315 377968 394134 165724 202513 258047 299800 339720 363555 384596 395915 340412 367289 386493 397563 189363 213360 274214 306508 329845 345599 368886 390828 142 Gewinne zu 300 RM. — ---- - - - - - 39036 41693 52613 64294 64546 67044 77704 ----- ----- --------------- 105809 117748 Außerdem wurden 4688 Gewinne zu 150 RM. gezogen. tJn der heutigen Nachmittagsziehung wurden gezogen 175063 57648 377547 390589 34 Gewinne zu 98949 279644 242012 266174 359604 147475 383640 36502 1720 155252 283243 64765 217283 286021 2 Gewinne za 30000 RM. 10 Gewinne zu 5000 RM. 283049 339764 'winne zu 1000 RM. 137391 142404 2 Gewinne zu 3000 RM. 14 Gewinne zu 2000 RM. 207753 250431 184108 57827 83915 229062 342555 381664 385489 62 Gewinne zu 500 RM. 81053 101502 104801 134052 168377 211364 258742 270171 273153 304467 307110 313311 338700 361943 370219 8978 40834 45648 58355 114557 129638 131262 212905 236179 247804 289402 295355 299301 317605 322747 329417 126 Gewinne zu 300 RM. 768 8893 20437 33575 34530 36513 39642 42833 43492 61918 64889 88561 100790 102576 103381 109542 133142 143807 145467 148758 161401 161652 162419 163890 177242 202244 204551 205223 209537 240840 243096 247607 254234 257693 273729 286009 286349 288584 293177 294811 296685 298021 308199 326005 326010 339214 340612 341026 349996 352884 354273 354727 355020 355133 356493 357298 362595 362893 362913 365005 365460 368116 394183 Außerdem wurden 4250 Gewinne za 150 RM. gezogen. Im Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu se 1000000, -4 zu je 30000, 12 zu je 20000, 36 zu se 10000, 48 zu je 5000, 136 zu je 3000, 294 zu se 2000, 1056 zu se 1000, 1594 zu se 500, 3138 zu je 300, 69680 zu je 150 RM. fiesGbäflsnbergabe noö 6escMltsenipfelilnn6! Meiner werten Kundschaft, sowie einer verehrlichen Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend teile ich hierdurch mit, daß ich mein Geschäft mit dem heutigen Tage an Herrn Metzgermeister Wilhelm A. Schmidt aus LI CH verkauft habe; derselbe wird das Geschäft in unveränderter Weise weiterführen. - Bei dieser Gelegenheit danke ich allen, die mich in den nahezu 30 Jahren meiner Selbständigkeit unterstützt haben und bitte, das gleiche Vertrauen auch auf meinen Nachfolger zu übertragen. Eduard Sack, Metzgermeister Gießen (Walltorstraße 1-3), den 1. September 1938. Unter holl. Bezugnahme auf obige Mitteilung gestatte ich mir, mich bestens zu empfehlen. Es wird mein eifrigstes Bestreben sein, die Wünsche meiner Kundschaft weitgehendst und zur vollen Zufriedenheit zu erfüllen und mir so das Vertrauen zu erwerben, das mein Vorgänger, Herr Sack, in so großem Maße besitzt. Wilh. August Schmidt, Metzgermeister Gießen (Walltorstraße 1-3), den 1. September 1938. 5588V Putzfrau I gesucht für täglich 2 Stunden vormittags oder dreimal in der Woche. 03945 Licher Str. 35 I. Saubere,ehrliche Putzfrau gesucht. Zu erfr. mderGeschäftsst. d.Gieß.Anz - 03953 Saub., ehrliches Mädchen für halbe Tage gesucht. 03955 Fröbelstraße 14. [Stellengesuche] Auslandsdeutscher 35 Jahre, gute Erscheinung Führerschein 3b, selbständig. Verkaufstalent, sucht Stell, als Vertreter von nur gut., reeller yir- ma. Schriftliche Angebote unter 03941 an den Gieß. Anz. erbet. Sauber., ehrliche Frau sucht Putzstelle. Schr.Angeb.unt. 03947 a.d.G.A. 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Mittn>och.31.AugusN938 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) M.203 Zweites Blatt Aus dem Reiche der Frau von den männ- PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS :er 586D nnf »fdnnt 55715. itens iiner und in so ** M «lirfS iaft läft Mittelpunkt unserer oesamten Arbeitspolitik. Es soll im Rahmen dieses Artikels nicht idt ’rter h in und zen. er Selbstgestrickte, praktische Wollklei- dung zum Herb st ko st üm 1938 schlagen wir heute vor. Die Skizze zeigt in der Mitte zu einem sportlichen Rock aus grau-grünem, rauhem Cheviot einen Pullover mit langem Schoß aus flaschengrüner Wolle. Neu sind an ihm seine Länge, der Schlitz und die Passe. Die Aermel sind lang und haben zum Rollkragen passend schmale Umschläge. Alle Kanten sind rechts-links gestrickt, der Pullover selbst links. ^elsoch ' peinlich Die praktische, durchgeknöpfte Strickjacke links ist in einem Diagonalmuster aus grober, hellblauer Wolle gestrickt. Sie hat einen schmalen Stehbund und schmale Aermelaufschläge zu drei ausgesetzten Taschen. Das Strickblüschen rechts ist in drei Farben (weinrot, blaugrau, dunkelblau) aus Angorawolle links ge/trickt. Es hat ein knöpfbares Passenteil, knöpfbare Aermelbündchen und eingeschlitzte Taschen. H. „Ach. nur noch fünf Minuten...!" Der tägliche Kampf um das Zubettgehen. „Ach bitte, Mutti, nur noch fünf Minuten", bettelt Heinz, „es ist doch gerade so schön...!" Was soll die Mutter tun? Ihr liebevolles Herz sagt ihr natürlich: „Gönn' doch deinem Kind noch ein bißchen Spiel im Garten, wenn der Sommerabend nach der Hitze des Tages gerate so erfrischend ist." Aber darf sie von der einmal getroffenen Anordnung „Punkt acht Uhr gehen die Kinder zu Bett" nun selbst abgehen? Soll man unerbittlich bleiben, oder darf sie den flehenden Kinderaugen einmal nachgeben? Es ist merkwürdig, die Generationen haben sich abgelöst, Zeiten und Umstände haben gewechselt, Erziehungsformen, Ernährung, überhaupt alles ist anders geworden, nur eines ist geblieben: der Kampf der Kinder beim täglichen Zubettgehen. Versuchen wir'doch einmal, nachsichtig zu sein und Heinz die erbettelten „fünf Minuten länger aufbleiben" zu erlauben. Was wird nun geschehen' Eines sollte sich jede Mutter bei einem solchen Versuch vorher klarmachen: Das Wunderkind, das bereits bei diesem ersten Erziehungsversuch sich nach fünf Minuten von allein meldet und dann mit einem Dankeskuß für die gütige Mutter, ohne noch ein Wort zu verlieren, allein ins Bett wandert, — das muß erst geboren werden. Bei den meisten Kindern wird nämlich dieses Experiment voraussichtlich vollkommen daneben gehen. Denn natürlich versucht Heinz, von der heute scheinbar gutgelaunten Mutter noch einmal fünf Minuten zu erbetteln. Und selbst freundschaftlich-ernstes mütterliches Mahnen: ..Geh' zu Bett, die Zeit ist längst überschritten!" stoßt auf Widerstand. Das Mchijahr hat sich gut eingespielt. Jungmädchen helfen in Stadt und Land. In unserer Zeit, in der jeder arbeitsfähige Volksgenosse gebraucht wird, steht das Problem des zweckmäßigen Arbeitseinsatzes im Arbeitskräften hat die Landwirtschaft, wobei Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Niedersachsen, Westfalen — um nur einige Gaue zu nennen — ganz besonders den Wunsch nach Zuteilung von Arbeitskräften äußerten. In der Form des Einsatzes der Schulentlassenen steht das hauswirtschästliche Jahr an der Spitze. Vor allem bei der Werbung für den Einsatz in der Landwirtschaft oder in der ländlichen Hauswirtschaft zeigte es sich, daß das hauswirtschaftliche Jahr für sich wirbt, da den Eltern in dieser Form des Einsatzes chrer Kinder die Prüfung der Stellen, die Betreuung der Mädchen und vor allem der Schutz der Vierzehnjährigen vor Ueberanstren- gung am sichersten gewährleistet erscheint. Eine Feststellung, die als überaus erfreulich bezeichnet werden muß, verdient in diesem Zusammenhang hervorgehoben zu werden. In Tausenden von Fällen hat sich, wie es ja auch in der Natur dieses Arbeitsverhältnisses ganz besonders begründet ist, ein ausgesprochen persönliches Ver - hältnis zwischen diesen jungen Mädchen und ihren Arbeitgebern entwickelt. Das ist nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, daß vielfach junge Mädchen an ländliche Arbeitsstellen vermittelt wurden, wo sie schon einmal als Ferienkinder der NS.- Volkswohlfahrt zu Gast gewesen waren, wo sie also die persönlichen Arbeitsver-Hältnisse bereits genau kannten. Selbstverständlich werden die Arbeitsstellen, die vermittelt worden sind, genau durch die Arbeitsämter geprüft, so daß beste Gewähr dafür geboten ist, daß jedes junge Mädchen seinem Können und seinen Fähigkeiten entsprechend eingesetzt wird. Weiterhin hat es sich als segensreich erwiesen, daß diese jungen Menschenkinder, die sonst in Büros oder Kontoren kaum Gelegenheit hätten, sich für ihren künftigen eigenen Haushalt vorzubereiten, nun in der praktischen Arbeit, die sie bei den Bauern ober bei einer kinderreichen Familie leisten, Gelegenheit haben, die Haushaltskenntnisse sich anzueignen, die sie, wenn sie einen eigenen Haushalt begründens dann verwenden können. Mit der Anordnung Hermann Görings ist auch die Berufslenkung der ^weiblichen Jugend auf eine ganz neue Grundlage gestellt worden. Sieht man von den für den Anfang notwendigen Einschränkungen ab, so beginnt in Zukunft die weibliche Jugend in Deutschland, auch soweit sie sich zunächst nicht für einen land- oder hauswirtschaftlichen Berus entscheidet, ihr Arbeitsleben mit land- und hauswirtschaftlicher Betätigung. Man geht nicht fehl in der Annahme, daß auf diese Weise erheblich mehr junge Mädchen den landwirtschaftlichen Beruf ergreifen werden, wenn sie dessen Vorzüge und Vorteile aus eigener Erfahrung kennengelernt haben. Ferner liegt es nahe, daß viele Mädchen sich einen Beruf wählen, dessen Ausübung in der Regel land- oder hauswirtschaftliche Erfahrungen verlangt, wie z. B. die pflegerischen und sozialen Berufe usw. Zusammenfassend kann man sagen, daß jedes junge Mädchen, welches das weibliche Pflichtjahr abgeleistet hat, diese zwölf Monate nur als einen hohen Gewinn für sich buchen kann, denn * es hat in dieser Zeit Gelegenheit gehabt, wertvolle Erfahrungen und Kenntnisse zu sammeln, die ihm sonst verschlossen geblieben wären, es hat vor allem einen Einblick in das Familienleben — sei es auf dem Land oder in der Stadt — getan. Und die Anerkennung, die es für seine Arbeit bei den Familien, bei denen es eingesetzt worden ift, gefunden hat, dürfte ihm der schönste Lohn sein. Die Frau aus dem Laude... ... im Mittelpunkt des Lebens. Die Maßnahmen, die in einer vor kurzem veröffentlichen Verordnung zur Förderung der Landbevölkerung angekündigt wurden, sind bereits wirksam. Die besondere Bedeutung, die sie gerade für öie Frau auf dem Lande besitzen, verdient noch einmal hervorgehoben zu werden. Die Föröe- rungsmaßnahmen stellen eine Anerkennung für die schwere und opfervolle Arbeit der Landstau dar. Die deutsche Landfrau hat ausgeharrt, und ihre gegenwärtige Arbeitsüberlastung rührt zum großen Teil her von der Abwanderung so vieler tüchtiger Arbeitskräfte vom Lande. Die Maßnahmen dienen daher auf vorbildliche Weise einer sinnvollen Bekämpfung der Landflucht. Die Beihilfen, die zur Schließung einer Ehe und Gründung einer Familie auf dem Lande gewährt werden, werden dazu beitragen, das Landvolk noch mehr mit dem Boden zu verbinden und auch die Menschen, die heute aufs Land gehen, dort zu halten. Auf das Land kommen heute alle unsere Kinder, um dort der Bäuerin zu Helsen. Durch das Landjahr, den Mädellanddienst, den Arbeitsdienst und neuerdings auch durch das hauswirtschaftliche Jahr lernen sie das Land kennen, wie es wirklich ist, und lernen es lieben. An den Müttern der Stadt ist es gelegen, daß ihre Mädel auch zum Lande hinfinden. Sie sollten wissen, daß die Arbeitslast für die Landstau um so geringer wird, je mehr Arbeitskräfte auf das Land kommen, und sollten ihren entscheidenden Einfluß auf iljr Kind richtig ausnutzen. Was für ein Leben führt nun die Frau auf dem Lande? Ist es nur ein Leben der Mühe oder auch eins der Freude? Schon für das tüchtige Landmädel, das als Lehrling im ersten Jahr der ländlichen Hausarbeitslehre steht, liegen Aufstiegsmöglichkeiten bereit. Hier fei nur an die Förderungsgemeinschaft für d i e Landjugend erinnert, die gerade jetzt ihren großen Aufschwung nimmt. Außerdem ermöglicht die zusätzliche Berufsschulung eine Weiterbildung neben der Lehre im Hinblick auf die vielfältigen Aufgaben als künftige Bäuerin oder Landarbeiterfrau. Im kommenden Winter wird diese Fortbildung weitesten Kreisen der Landmädel zugutekommen durch die Neuerrichtung von Arbeitsgemeinschaften „Bäuerliche Berufsertüchtigung" In Zusammenarbeit mit dem BDM.-Werk „Glaube und Schönhei t". Die lebendige Dorfgemeinschaft und die daraus erwachsende Freizeitgestaltung schaffen eine Gemeinsamkeit, wie sie für den jungen Menschen nicht schöner sein kann. Der Feierabend bringt wahre Freude nach des Tages Mühe. Wenn das Mädel auf dem Lande heute heiraten möchte, so find ihm durch die neue Verordnung weitgehende Möglichkeiten gegeben, sich auch einen eigenen H a u s st a n d zu gründen unb. einzurichten. Durch, ben ausgedehnten Landarbeiterwohnungs- bau sinb zunächst einmal auch für ben Landarbeiter ausreichend Wohnungen vorhanben. Die Rückzahlung bes Ehestanbsbarlehens wirb auf Antrag für alle in der Landwirtschaft Tätigen zinslos gestundet. ZdR. Lanqe. ’fisU "»Silber- "ft Slumf für ben 'Mm der An. ^4. Druck R. Lange, 'reis E der Jllu. Pf. und Pf. mehr, aber 1937 lichen, sondern lediglich von den weiblichen Berufen die Rede 'sein, wobei es selbstverständlich das Ziel ist und sein muß, die berufstätige Frau und vor allem naturgemäß auch die schulentlassenen Mädchen den ausgesprochenen weiblichen Berufen zuzuführen. Da sich nach der Machtübernahme in einem von Jahr zu Jahr steigendem Umfang herausstellte, daß eine wesentliche Entlastung im Arbeitseinsatz der Land- und Hauswirtschaft notwendig war, erließ Ministerpräsident Generalfeldmarschall Göring als Beauftragter für den Vierjahresplan unter dem 15. Februar jene bekannte Anordnung, durch die das weibliche Pflichtjahr eingeführt wurde. In der Begründung zu dieser Anordnung hieß es unter anderem wie folgt: „Es war auf die Dauer nicht möglich, mit anzusehen, daß die Bauersfrau, der weibliche Kräfte fehlten, sich vom frühen Morgen bis zum späten Abend abplagte, ohne mit der Arbeit fertig zu werden; und ebenso war es nicht länger zu verantworten, daß Familien mit mehreren Kindern keine Hausgehilfinnen mehr finden konnten. Um hier die erforderliche Hilfe zu leisten, mußte auf die in der Frauenarbeit noch enthaltenen „stillen Reserven" zurückgegriffen werden." Seit dieser Anordnung sind wenig mehr denn fünf Monate ins Land gegangen, und es kann mit Recht die Frage aufgeworfen werden, ob und inwiefern das Ziel, das sich Hermann Göring mit dieser Anordnung gestellt hat, erreicht und eine wesentliche Entlastung der Hausfrau — insbesondere in kinderreichen Familien — und der Bauersfrau erzielt werden konnte. Bei der Prüfung dieser Frage ergibt sich nun die erfreuliche Feststellung, daß, obwohl dieser Erlaß erst kurz vor Ostern verkündet wurde, die Dorbereitungszeit also recht kurz bemessen war, diese neue Maßnahme doch schon einen recht schönen Erfolg zu verzeichnen hat. Die Zuteilung der Arbeitskräfte liegt selbstverständlich den Arbeitsämtern ob. Es sind in der Zeit vom 1. März bis zur Gegenwart schon Zehntausende von Mädeln untergebracht worden, wobei naturgemäß der Einsatz in den einzelnen Gauen verschieden ist. Einen sehr dringenden Bedarf an AnsereErnährungiinSeplember Von Or. Wolfgang Clauh. Der Herrgott und i)ie jarte unermüdliche Arbeit des deutschen Bauern hMen uns in diesem Jahr eine hervorragende Getreideernte beschert. Wir können dies heute schon sagen, obwohl umfangreiche Druschergebnisse noch nicht vorliegen und somit auch noch nicht zahlenmäßig angegeben werden kann, wie groß die Ernte ausgefallen ist. Eine Fülle von Beobachtungen aus allen Teilen des Reiches über das Ernteergebnis bestätigen jedoch, daß es ausgezeichnet ist. Wir brauchen demnach im nächsten Jahr keine Sorge ulm das tägliche Brot zu haben. Wir werden unseren Bedarf aus eigener Erzeugung decken können, zumal wir erfreulich große Bestände an Brotgetreide aus dem vorigen Erntejahr in das neue übernehmen konnten. Diese günstige Versorgungslage mit Brotgetreide darf jedoch keinesfalls Anlaß dazu geben, mit dem Brot in Zukunft wem-- ger sorgfältig umzugehen als bisher. Bro t ist und bleibt kostbarstes Volksgut! Wir wissen nicht wie die Ernte im nächsten Jahr ausfallen wird. Je mehr wir in diesem Jahr mit dem Brot haushalten, desto ruhiger und sorgloser können wir mit der Brotoersorgung in den nächsten Jahren auch öann entgegensehen, wenn wir einmal eine Mißernte bekommen sollten. Je geringer unser Einfuhrbedars an Brotgetreide in ungünstigen Jahren ist, desto weniger können uns in Jahren schlechter Ernten die internationalen Getreidespekulanten jüdischen -ölutes in unsere Brotversorgung hineinreden Der Parole „Kampf dem Verderb muß also besonders beim Brot auch weiterhin die grotzte Beachtung geschenkt werden. Darüber hinaus gilt es, nach wie vor neben dem Brot die Kartoffel m steigendem Maße zur Grundlage unserer Ernährung zu machen. Dem warmen Abendbrot unter bevorzugter Verwendung von Kartoffeln und Gemüse gebührt auch weiterhin eine bevorzugte unserem Küchenzettel. Die Mahnung, mit dem Brot sorgfältig und sparsam umzugehen, gilt in be onöe- rem Maße für das Weizenbrot, da die klimatischen Bodenverhältnisse für die Weizenerzeugung in Deutschland nicht so günstig sind wie für den Roggen. Volkswirtschaftlich erwünscht ist sogar eine Verlagerung des Verbrauchs vom Verzehr von Weizen- brot und Weizengebäck auf das Roggenbrot und insbesondere das Roggenvollkornbrot. An Gemüsen kann für den September insbesondere Blumenkohl, Möhren, Tomaten We^-, Rot- und Wirsingkohl empfohlen werden. Diese Gemüsearten verdienen in den nächsten Wochen um |o größere Beachtung, als sie uns auch in erheblichem Maße als Ersatz für das knappe Obst dienen können. Die DbftDerforgung leibet nun emmal in diesem Jahr stark unter den umfangreichen Frostschäden, die zur Zeit der Blüte im Aruhiahr em- traten. Wir haben es hier mit dem Emstuß höherer Gewalt zu tun, der auch durch eine noch so sorgfältige Verteilung des Obstes auf die verschiedenen Teile des Reichs, die bereits angeordnet ist, nicht ausgeglichen werden kann. Wir müssen uns damit abfinden, daß der Obstertrag in diesem Jahr in Deutschland sehr erheblich hinter dem Bedarf Zurückbleiben wird. Auch die österreichische Obsterzeugung et9Qn3en 19,4 Ä"ft: Kinimum «10 cm Ä °>" ib*9- ist leider nicht in der Lage, für den Minderertrag i einen nennenswerten Ausgleich zu liefern. Auch ein i Ausgleich durch Einfuhren aus dem Auslande kann, obwohl hier das Menschenmögliche geschieht, nur in : unzulänglichem Maße gefunden werden. Dies ist keineswegs etwa nur auf Deoifenschwierigkeiten zu- - rückmführen. Es braucht nur darauf hingewiesen zu werden, daß die Hauptproduktions- und Lieferge- : biete für Apfelsinen noch immer zu dem bolschewistischen Teil Spaniens gehören und infolgedessen für uns ausfallen. Diese knappe Versorgung mit Obst hindert jedoch nicht, daß Marmelade auch weiterhin zum Verzehr empfohlen werden kann, denn wir besitzen hier erfreulicherweise reichliche Vorräte aus dem vergangenen Jahr. Bei der Herstellung mancher Speise wird sich das frische Obst durch Marmelade gut ersetzen lassen. Da wir nach wie vor gezwungen sind, mit Fett zu sparen, ist die ausreichende Versorgung mit Marmelade besonders zu begrüßen. Bei der Befriedigung unseres Eiweißbedarfs haben im September Rindfleisch, frische Heringe, Salzheringe, Bücklinge, Marinaden, Buttermilch, Käse, insbesondere Harzer, Mainzer, Schimmelkäse, Limburger, Quarg und Trockenmilchpuloer iml Vordergrund zu stehen. Der seit Monaten angekün- * Sm? " 8u|t Stn, W't'ift ihn« „och frei' (ließen Telefon I WlkM . versteif He (Bek^ KS r-ist ,odk'' Nun allerdings muß die Mutter ihre Erziehungskunst unter Beweis stellen. Jetzt ist es mit dem Nachgeben zu Ende, dagegen heißt es für sie unter allen Umständen: das Kind zum Gehorsam und zur Würdigung der mütterlichen Liebe zu erziehen. Ob das mit Güte, mit Erklärungen ober mit Strenge, vielleicht sogar mit Strafe zu erreichen ist, muß jede Mutter selbst entscheiden. Denn nur sie weiß ja, wie sie „ihr Kind zu nehmen hat". Eine Strafe, etwa eine empfindliche Freiheitsstrafe, von jetzt ab acht Tage lang zehn Minuten vor acht Uhr ins Bett gehen zu müssen, sollte natürlich immer der letzte Ausweg fein. Andererseits hüte sich jede Mutter dqvor, ihr Kind als unartig oder gar als hoffnungs^s zu bezeichnen, wenn solch ein erster Erziehungsversuch verunglückt ist. Im Gegenteil, die Mutter sollte nach einiger Zeit noch einmal Nachsicht zeigen und das Kind die erbetenen fünf Minuten länger aufbleiben lassen. Wahrscheinlich wird bann Heinz in Erinnerung an bie gemachte böse Erfahrung schon artiger sein. Allerbings barf sich die Mutter nickst wundern, wenn er auch diesmal noch versucht, die Sache etwas hinauszuschieben, indem er vielleicht an der Tür noch einmal zurückkommt, um den Eltern „aus Versehen" ein zweites Mal Gute Nacht zu sagen. Zu Bett gehen ist nun einmal entsetzlich schwer (denken wir doch an unsere eigene Jugend), und wenn Heinz jedesmal gehorsamer unb artiger wirb, so ist olles gewonnen. Denn biefer Kampf um bas Zubettgehen ist ja nur ein Beisviel von vielen Gelegenheiten, die der Alltag der Mutter bei der Erziehung ih'es Kindes bietet, und die alle nur das eine Ziel haben, junge, frohe und gesunde Menschenkinder zu erziehen, die, an Ordnung und Gehorsam gewöhnt, sich der Gemeinschaft einfügen. L. digte Rückgang der Schweineanlieferungen infolge unzureichender Futterversorgung im Wirtschaftsjahr 1936/37 macht sich nunmehr stärker bemerkbar. Wir müssen deshalb jetzt stärker als bisher auf Rindfleisch zurückgreifen. Dank eines großen Rindvieh- beftandes und umfangreicher Einfuhren von Gefrierfleisch besteht hierzu ohne weiteres die Möglichkeit. Im übrigen ist sicher, daß diese Verknappung von Schweinefleisch nur vorübergehend ist, da bie Schweinebestände, wie bie Schweinezählungen erkennen lassen, bereits mieber im Steigen begriffen sind. Auch mit bem Kalbfleisch müssen wir in nächster Zeit etwas sparsamer sein, ba hier bie Auftriebe jetzt saisonmäßig rückläufig sinb. Bei Hammelfleisch ist ein gleichbleibenber Verbrauch möglich. Das gleiche gilt auch für Geflügel Vollmilch, Erbsen unb Linsen. Für ben verstärkten Derzehr können neben ben bereits genannten zahlreichen Nahrungsmitteln auch noch Haferflocken, Sago, Graupen, Kartoffelstärkemehl und deutsches Puddingmehl empfohlen werden. Da auch Zucker reichlich vorhanden ist und für einen verstärkten Verzehr empfohlen wird, ergeben sich auch hier eine Fülle von Möglichkeiten zur Bereicherung । unseres Speisezettels. © Männer Hinterm Steuerknüppel. Ilugmillionäre und Ozeanüberquerer. — Don den Piloten der Lufthansa. Der „Condor"-Flug und der große amerikanische Film „Werkpilot", dessen Erstausführung für Deutschland wir vor kurzem in Berlin erlebten, haben wieder einmal die Aufmerksamkeit auf öle gewaltigen Fortschritte gelenkt, die unsere Verkehrsluftfahrt in zwei Jahrzehnten genommen hat. Einen großen Anteil daran haben die Männer hinterm Steuerknüppel: die Piloten der Lufthansa. Wie alt ist eigentlich unsere Derkehrsfliegerei? Bei den riesenhaften Fortschritten, die sie genommen hat, bei der Selbstverständlichkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit, mit der sie heute Kontinente und Ozeane überquert und das Reisen in der Luft zu einem Gipfel der Bequemlichkeit macht, scheint man es manchmal zu vergessen. Sie ist noch keine 20 Jahre alt. Und wie hat sie begonnen! Son 1919 bis- 1938. Die ersten Verkehrsmaschinen des Jahres 1919 waren umgebaute Kriegsflugzeuge. Ihre Sitze waren offen, und die Wagehälse, die sich ihnen anvertrauten, wurden, da es immerhin ein bißchen zog dort oben, liebenswürdigerweise in warme Pelze eingehüllt. Als kurz darauf Junkers die erste geschlossene Verkehrsmaschine herausbrachte, die F 13, wurde sie auf der ganzen Welt wie ein Wunder bestaunt. Eben weil sie eine geschlossene Kabine hatte. Die Höchstgeschwindigkeit dieser Maschinen lag zwischen 100 und 130 km. Die Höchstzahl der Passagiere betrug drei bis vier. Die erste Strecke führte von Berlin nach Weimar. 1923 flog man zum erstenmal nach London. Es war die längste Strecke: 1000 km in 9% Stunden. So sahen die Anfänge der Lufthansa aus. Und heute? Die Ju 90 befördert 40 Fluggäste bei einer Reisegeschwindigkeit von 320 km, die „Condor" 26 bei einer Geschwindigkeit von 360 km. Die längste Strecke der Lufthansa führt von Berlin nach Santiago de Chile, 15 300 km. Sie werden in vier Tagen zurückgelegt. Es ist die schnellste.Fernstrecke der Welt. Eine andere Fernstrecke, Berlin—Bagdad, wird in einem 24stündigen Tag- und Nachtflug bewältigt. Männer, die nicht viel reden. Diese Fortschritte verdanken wir zu einem großen Teil der Vervollkommnung der technischen Mittel, den verbesserten Maschinen und Geräten, die die Industrie in langsamem Aufstieg entwickelt hat. Aber da alle Verbesserungen im Grunde nur aus der Praxis kommen, und zumal in der Luftfahrt, so wären alle diese Fortschritte nicht denkbar gewesen ohne den rückhaltlosen Einsatz des Menschen. Ohne die Piloten, Funker und Maschinisten, die die Neuerungen erprobt oder in vielen Versuchsflügen angebahnt haben, die immer weiter in den Luftraum vorgestoßen sind. Jeder von ihnen ist auf seine Art ein Pionier gewesen. Nur vermeldet es niemand. Und sie selber am wenigsten. Es ist nichts schwerer, als von einem Piloten ein interessantes Erlebnis, irgendeine besondere Tat aus seiner Praxis zu erfahren. Und dabei weiß man, daß sie eine Million oder sogar zwei Mil- lionenFlugkilometer hinter sich haben. Daß einer den Südatlantik hundertmal überquert hat, ein anderer 800 000 Nachtflugkilometer hinter sich hat, und zwar von den Anfängen her, wo es noch keine Blindfluginstreumente und keine Funkpeilung gab, und das Gelingen eines jeden Nachtfluges allein von der Erfahrung, der Geschicklichkeit und den Nerven des Piloten abhing. All das und noch vieles andere weiß man. Aber ein interessantes Erlebnis? „Nö. Nicht, daß ich wüßte ..." Sie zucken die Schultern und schauen einen an, als hätten sie ihr ganzes Leben hinter dem Ofen verbracht. Was soll man bloß Interessantes erlebt haben? „Ich habe vor Jahren mal im Nebel die Antenne vom Funkturm in Witzleben abgerissen", meint einer. „Aber es war weiter nischt dabei." Ja, dessen erinnert man sich. Und auch des verzweifelten Funkdirektors, der, als er von dem Zwischenfall erfuhrt, Stein und Bein schwor, daß seine Antenne nicht abzureißen wäre und ein Flugzeug eher darin hängen bliebe. Es müßte unbedingt ein Irrtum vorliegen ... Nein, es ist nicht viel aus diesen Männern herauszubringen. Denn sie reden nicht viel. Sie handeln. Ein Südatlantik-Erlebnis. Aber doch kennt man das eine oder andere, das ihre Art charakterisiert. Da ist z. B. jener 87. planmäßige Flug über den Südatlantik gewesen. Als das Flugzeug die südamerikanische Küste schon einige Stunden hinter sich hatte, entdeckte die. Besatzung, daß der Kühler des linken Motors leckte. Der Flugzeugführer, der an die ihm anvertraute Post dachte — er hatte 70 000 Briefe an Bord, die pünktlich in Europa sein sollten —, rechnete aus, daß er sich, wenn er zurückflog, heillos verspäten mußte, daß aber, wenn er durchflog und das Katapultschiff an der afrikanischen Küste funkentelegraphisch benachrichtigte, die Verspätung längst nicht so groß fein würde. Und so flog er, da gutes Wetter auf dem Atlantik herrschte, durch. Der linke Motor arbeitete Gefährliche Reise um die Welt im Segelboot. In Venedig kamen kürzlich der deutsche Schriftsteller Roderich M a s f e l d t und seine Frau Katharina, eine Malerin, im Segelboot an, um hier eine Woche Rast zu machen und dann die beabsichtigte Reise um die Welt fortzusetzen. Schon der erste Teil ihrer Fahrt hat ihnen recht gefährliche Abenteuer gebracht, durch die sie sich aber nicht haben entmutigen lassen. Vor zwei Jahren war das Ehepaar an Bord eines winzigen Segelbootes von 5 Meter Länge, das sie selbst erbaut hatten, von Deutschland abgefahren und längs der französischen und spanischen Küste nach Marokko gekommen, um dann an der ganzen nordafrikanischen Küste entlang zu segeln. Bis dahin war es zwar ein mühseliges Beginnen gewesen, aber es war ohne große Zwischenfälle abgegangen. Die beiden fuhren weiter an Aegypten, Palästina und Syrien entlang, dann längs der Küste Kleinasiens nach Kreta, und in diesen Gewässern, in noch eine Stunde, dann stellte man ihn ab und flog, nachdem man die Maschine durch Ablassen von Benzin entlastet hatte, mit dem rechten Motor noch 4/4 Stunden weiter, bis das Benzin gänzlich zu Ende war. Dann wasserte man mitten auf dem Atlantik und wartete zwei Tage, bis das Katapult- schisf kam und alle an Bord nahm. Die Post erlitt auf diese Weise tatsächlich nur zwei Tage Verspätung: die längste übrigens, die jemals auf einem der Postflüge eingetreten ist. 375mal ist der Südatlantik bisher in regelmäßigem Dienst überquert worden, und nur einmal, vor Jahren, hat sich ein Mißgeschick habet ereignet. Eine Maschine, die an der Küste gestartet war, kehrte nicht mehr wieder. Und es wurde auch nie wieder, trotz eifrigen Suchens, eine Spur von ihr entdeckt. Sie blieb verschollen. Und nun kommt das Merkwürdige. Genau in der gleichen Woche traf die Air France, mit der zusammen die Lufthansa die Strecke befliegt, dasselbe Mißgeschick. Auch eine ihrer Maschinen stieg auf und kam nicht wieder. Auch sie blieb spurlos verschollen. Duplizität der Ereignisse? In dem Nachruf, den die französische Gesellschaft den verschwundenen Fliegern widmete, stand der schöne und in seiner Kürze ergreifende Satz: „Disparu dans le ciel de la gloire.“ Sie sind verschwunden im Himmel des Ruhms. J. R. Schmidt denen plötzlich furchtbare Stürme auftraten, erlitten sie Schiffbruch und konnten sich nur mit Mühe retten, verloren dabei jedoch ihr Segelboot. Als das Ehepaar nach Europa zurückkehrte, hatte es das unverhoffte Glück, eine Hilfe vom Lloyd in Trieft zu erlangen, der ihm ein Rettungsboot schenkte. Das Boot wurde hergerichtet, daß es sich für lange Segelfahrten eignet, und so nahmen die Masfeldts ihre abenteuerliche Reise vor kurzem in Triest wieder auf. Ihre erste Station war Venedig; von hier wollen sie nach Messina, dann wieder zur Küste Afrikas fahren, um die ganze Westküste herunterzusegeln. Oer Gelbe Fluß in Oberbayern. Die Sorge um den Gelben Fluß, dessen Ueber- schwemmungen die strategischen Pläne im ostasiati- fchen Krieg entscheidend beinflußten, ist, was wenige wissen werden, auch eine Sorge der deutschen Wasserbauingenieure gewesen. Im Obernachtal zwischen Walchensee und Mittenwald, also in einer unserer schönsten oberbayerischen Landschaften, unterhält das Forschungsinstitut für Wasserbau und Wasserkraft ein eigenes Freigelände. Vor einigen Jahren erging an dieses Forschungsinstitut der Auftrag der chinesischen Regierung, ein Sachverständigen-Gutachten aufzustellen und nach China mitzuteilen, inwieweit es möglich wäre, den Hoang-Ho (Gelben Fluß) zu regulieren und die ungeheure Schlammflut zu bändigen, welche der Strom dahinzuwälzen pflegt. Mit deutscher Gründlichkeit hat man sich damals an die Bearbeitung des für die chinesische Volkswirtschaft lebenswichtigen Probsems gemacht und zu diesem Zweck im erwähnten Freigelände gleichsam ein Miniaturmodell des Gelben-Flusses auf einer Sänge-oon 1 50 Meter hergestellt. Es entsprach in seinen Windungen, Hemmungen und Abläufen naturgetreu — wenn auch im Kleinen — jenem großen Strom, der wieder einmal Chinas Schicksal bestimmt. Das deutsche Gutachten ging davon aus, daß nicht der Gelbe Fluß selber, sondern die Art, wie er Sand und Schlamm vor sich herführt und aufhäuft, die unmittelbare Gefahrenquelle ist. Das Gutachten gab genau an, wie es möglich fein müßte, durch geeignete Anlage von Dämmen und Deichen den Fluß zu zwingen, statt einer Erhöhung feines Flußbettes auf einer Länge von Hunderten von Kilometern eine Vertiefung herbeizuführen. Deutsche Ingenieure legten mit allen Einzelheiten dar, daß man. so den Fluß zum Segen des Landes bändigen könne. Daß die deutschen Vorschläge im Entwurf stecken blieben, liegt an den politischen Verhältnissen Ostasiens. Was von hier aus geschehen konnte, die Flußverhältnisse zu bessern, ist geschehen. Das zeigte sich, als nach langen Versuchen der Gelbe Fluß — en miniature — in den Oberbayerischen Bergen so dahinfloß, wie er es im Sinne des Gutachtens auch im großen tun müßte. —ert. Vorsicht! Helft Unfälle verhüten! Bei Näharbeiten nahm ein weiblicher Lehrling Stecknadeln zwischen die Lippen und verschluckte einige Nadeln beim tiefen Atemholen, so daß ein operativer Eingriff erforderlich war. Ein Zögling reinigte sich mit einer Nähnadel (!) hie Zähne, mußte husten unb verschluckte die Nähnadel, die gleichfalls operativ entfernt werden mußte. Ein SchuhmacherlehrUng nahm zur Ausführung einer Arbeit mehrere Eisennägel in den Mund, von denen er beim Sprechen drei verschluckte. Bei der Durchleuchtung wurden-diese im Darm gefunden. Ein Klempner war mit Ausbesserungen an Roll, lädenverkleidungen beschäftigt. Durch Verrutschen her an ein Fensterkreuz gelehnten Leiter stürzte er aus 8 Meter Höhe auf hie Erde und blieb tot liegen. Eine Schwester benutzte eine kurze Stehleiter, um die Oelwand unmittelbar unter einer Zimmerdecke zu reinigen. Von her obersten Sprosse stürzte sie ab unb wurde später, in einer Blutlache liegend, tot aufgefunden. Ein Elektriker benutzte eine Stehleiter, die er, zusammengeklappt, an die Wand lehnte. Die Leiter rutschte ab, und er verletzte sich Fuß- und Handgelenke. Ein Anstreicher wallte durch die Schachtöffnung eines Speiseaufzuges seinen Arbeitskameraden im höheren Stockwerk eine Mitteilung - machen. Dabei schlug ihm der herabkommende Fahrkorb derart auf den Kopf, daß sein Nasenbein zertrümmert wurde. Infolge nichtbedienter Signaleinrichtung wurde einer Schwester durch Ingangsetzung des Handspeiseaufzuges von anderer Stelle her rechte Arm gebrochen und zerquetscht. Aus gleicher Ur- fache kippte eine in den Aufzug abgestellte Suppenterrine um. und verbrühte einem Kochlehrling Gesicht, Hals und Brust. Zum Absengen von Geflügel wurde an Stelle eines sicherstehenden Spiritusbrenners eine Konservenbüchse mit flammendem Spiritus verwendet. Durch Herabfallen eines Hühnerflügels wurde hie Konservenbüchse umgemorfen und setzte die Hausgehilfin in Brand. Eine andere Küchenhilfe goß zum gleichen Zweck in ein eben ausgebranntes Gefäß neu Spiritus nach, der sich sofort entflammte und ihr ausgedehnte Brandwunden im Gesicht, an den Händen und Armen beibrachte. Eine Krankenpflegeschülerin erlitt dadurch schwere Verbrennungen, daß sie im Verbandzimmer in der Nähe eines Instrumentenkochers Alkohol aus einer größeren- in- eine kleinere Flasche umgoß, wodurch dieser entflammte. Englisches Großflugzeug zerbrach bei her Landung. Unser Bild zeigt das größte englische Reiseflugzeug des neuen „Albatros"-Typs nach feinem Landeunfall auf dem Flugfeld von Hatfield, bei dem es in zwei Teile zerbrach, ohne daß die Insassen verletzt wurden. Die Maschine war eines der neuesten britischen Riesenflugzeuge, die in wenigen Wochen einen Nordatlantik-Flugdienst aufnehmen sollten und von der englischen Presse oft als die Rivalen der deutschen vzeantüchtigen „Cvndor"-Maschine hingestellt wurden. Der Rumpf des „Albatros" bot Platz für 42 Fluggäste. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Buntes Allerlei. Sin kleiner Fluß im Odenwald. Von Anton Schnack An einem Tag, da der klirrende Weizen feuer- gefärbt und schnittreif auf den Odenwälder Hügel- flanken stand und die zitternde, die früchte- und körnerkochende Wärme hohe Wolkenränder im Westen aufbaute, Wolkenberae, angefüllt mit kühlen Regentropfen und flinkey Blitzschnüren, hat mich ein Mann besucht und sich die Mühe genommen, meinen gewundenen und von Erlen und Weiden beschatteten Weg, meinen raschen und meinen manchmal langsamen Lauf von der Quelle bis zur Mündung zu verfolgen. Es ist kein langer Weg, andere Flüsse, größere und mächtigere Flüsse, haben längere Wege, Hunderte und Tausende von Kilometer lang, ich laufe nur sechzig bescheidene Kilometer, und dann vermähle ich mich mit dem Main, und in seinem breiten Wasser löscht mein Name aus. Ich ziehe eine gekrümmte, bogige und schlangenähnliche Wasserschleife von Süden nach Norden, und mein Flußtal ist wiesengrün, waldverschollen, heckengefüllt, vogelstimmig und anderer Lieblichkeiten voll. Be- arl Tage, da der Mann neben meinem Wassergesang einherzog, war ich reich an Gerüchen aus blühenden Brombeerhecken, Lindenwipfeln und allerlei blauen und gelben Blumen, darüber die Geschwader der Schmetterlinge flatterten und die Metallflugel der Libellen blitzten. * Und als der Mann sich zu mir ans Ufer setzte, an einer Stelle, wo ich es besonders eilig hatte sagte er zu mir: Kleiner Fluß, erzähle! Erne Felsenschwelle, ein aus dem Walde in mein Bett gerollter Steinbrocken, machte meine sanfte unö gemächliche Stimme laut und stark. Ich bin bestimmt em kleiner Fluß, erzählte ich, manchmal nur so breit, daß mich ein kecker Knabe Überspringen kann, und ich bitte die Leser dieser Sätze, seid mir trotzdem zugetan und wendet euch von mir wegen meiner Bescheidenheit nicht ab, zwar bin ich auf den Blattern der Geographie nur ein dünner blauer Wasserfaden, aber in Wirklichkeit bin ich ein dunkelgrünes, lebendiges, strömendes und fließendes Wasser,, ein liebliches Kind der göttlichen Schöpfung, an das sich das alte krummgässige Städtlein und wohlhabende Bauerndörfer gedrückt haben. In meinem Bett liegen schöne Kieselsteine Fische spielen in meiner Kühle, der nahe Wald neigt seine Wipfel über meinen Spiegel, ich bin die fleißige Kraft für viele Mühlen, wo es gut zu verweilen ist, weil Mehlgeruck) und der Duft von frischgebackenem Brot in her Luft stehen. Die violetten Morgendämmerungen machen mein Wasser sanft, und der Duft der Minze ist um diese Zeit am stärksten. Ich bilde kleine Kessel, von Weidenzweigen überbuscht; ich überspringe hölzerne Wehre und fließe unter Sandsteinbrücken durch. Ich werde bei Beerfelden im Herzen des Odenwaldes geboxen und komme aus den unterirdischen Wasserkammern der Erde, fein und silberblitzend, und die Bauern jener Gegend nennen die eine Quelle den Hetzbach und die andere die Marbach, und wenn sie ineinandergeflossen sind, bin ich die Mümling. Zwei Namen sind von mir im Umlauf, Mümling heiße ich bei den einen, Mümling bei den anderen. Vielleicht ist mein Name aus einer Lautmalerei entstanden und leitet sich von dem Rkurmeln, von meiner sanften, gleichmäßigen Geschwätzigkeit her, die meine Eigentümlichkeit ist. Vielleicht ist mein Name aber auch aus dem verschollenen Worte „Mummeln" entstanden, was Nixblumen oder Wasserrosen bedeutet. Wassernixen wirst du noch manchmal an meinem Ufer sehen, lauschender Mann, aber es sind Töchter her Erde aus Fleisch und Blut, oft wippend wie Bachstelzen, helläugige, braungebrannte Töchter, nicht mehr die untergründigen und grünäugigen Wasser- Wesen, welche die Mondnächte des Mittelalters benutzten, um auf meinen Steinen zu fitzen, das goldene Haar zu flechten und mit süßen Gesängen die Wanderer zu sich heranzulocken. Seit langem sind öic weißen und fischschwänzigen Frauenleiber aus meinem dunklen Wasserbett verschwunden. Nur ihr wogendes langes Haar wuchs als langfädiges und geschmeidiges Wassergras auf meinem Grunde fest, und die Forelle spielt hindurch, die Rotfeder und der Barsch, und hier sitzen auch die Angler am Ufer, zufriedene und geduldige Männer, die besinnlichsten Menschen, Denen meine Flußschönheit bis in die verstecktesten Einzelheiten bekannt ist. Gerne kommen auch hie Knaben zu mir, Knaben kommen zu allen Jahreszeiten und zu allen Tagesstunden; sie durchwaten mich mit aufgekrempelten ^ostn, sie , baden sich in mir, sie lassen ihre winzigen schiffe auf mir schwimmen, sie werfen Steine über meinen Spiegel unb gesiegtes Holz in meine Wellen. Ich bin sanft und zärtlich, nicht mörderisch und heimtückisch, ein Fluß der Gänse bin ich, der schnatternden Enten, der flinken Wasseramsel und der Frosche. Vor vielen hundert Jahren habe ich auch das Flößholz aus den Wäldern der Grafen von Dbernburg und Erbach mit auf die Reise in Den Main und Rhein genommen. Aber seitdem die Eisenbahn und die Landstraße mich begleiten, bin id)_ diese stürmischen, krachenden und stoßenden Lasten los. Die Zeit fließt schnell, und ich kleiner Fluß fließe auch schnell und immerfort bringe ich anderes Wasser aus dem Walde in hen nahen Main. Ich fließe an den Fenstern uni) Türen der alten Ortschaften vorbei, vorüber an Erbach und Michelstadt, an Steinbach und Zell, an König und Müm- ling-Grumbach, an Höchst und Neustadt, Giebel und Türme stehen als Spiegelbilder in meinem Wasser, und ich erinnere mich vieler Dinge und vieler Menschengesichter, und auf meinem Grunde liegen noch Vasen und Steine mit römischen Inschriften, von denen der eine ein Weihestein war, der berichtet, daß Zosimus, Arzt der vierten berittenen aquitanischen Kohorte, ihn für die glückliche Heilung des Präfekten L. Petronius setzen ließ, der Befehlshaber der Römer in dieser Gegend war; denn hier an der Mümling war der große Grenzwall, der Mümlinglimes, und schwarzäugige Gallier lagen in den Kastellen und Wachhäusern und führten morgens und abends ihre Pferde an mein Wasser zur Tränke. Ich bin viele hundert Jahre lang über diesen Weihestein geflossen, bis er gehoben wurde. Und noch birgt der Erdboden an meinen Ufern entlang römische Mauerreste, Gefäße, Münzen, Waffen, lauter Zeugnisse fremder Herrschaft. Und Siegfried löschte seinen Dürft an meinem Wasser, Siegfried, der helle Held, und wenn er durch das Dickicht brach, war es erleuchtet vom Glanz seiner blauen Augen und der Pracht seines Schwertes. Und weiter fließen die Bilder, fortwährendes Wandern und Wechseln der Geschehnisse ... Tränen und Blut aus den Bauernkriegen habe ich mitgenommen, als der bunte Dbenmäfber Bauernhaufen in der mörderischen Schlacht bei Königshofen an der Tauber zerschlagen und die schreckliche Kunde davon in den Odenwald herein- gebracht wurde. Damals war ich ein breites Gewässer voll sumpfiger Ränder, ein Vogelparadies, ein Wildgehege, und die Fürsten und Grafen van Erbach zogen mit großem Gefolge auf die Jagd, und' manche Rehe, und manche Hirsche, die im Zwielicht des Morgens oder des Abends zur Wassertränke kamen, wurden an meinem Ufer zur Strecke gebracht, und das Gehörn und Geweih wurden im Erbacher Schloß aufgehängt, und viele Menschen gingen inzwischen hort ein und aus, um die Schätze und Sammlungen aus aller Zeit und vieler Völker zu sehen. Und ich fließe weiter im Schatten des Waldes und durchsinge das grillenüberzitterte Wiesenland mit meiner Melodie, in die sich das Knarren der Holzfuhrwerke mischt, und das schmerzliche Lied der Sicheln und her Sensen, und wieder eile ich an einem Schloß vorbei, Fürstenau geheißen und bei Michelstadt gelegen, dahinter sich ein verschollener und wunderbarer Park wölbt, dessen Blätter ich jeden Herbst mit auf die Reise nehme. Und wieder neigt sich grüne Waldlandschaft mir zu, bis ich zu dem schönen Höchst, mit her mächtigen Burg, dem Breuberg, komme. Mann am Ufer, bin ich nicht ein schöner Fluß? Ich labe die Tiere und erquicke und erfreue die Menschen. Mancher liegt einen Sommertag nach dem andern an meinem Ufer, wo der Ginster seine goldenen Blütentrauben flattern läßt und der Sauerampfer seine rote Feuerzunge durch das Gras streckt, und von fern- und naheher kommt das Sausen und Rauschen des Waches, des großen und königlichen Forstes, durch den hie finsteren Nibelungen geritten sinh. * Lange lauschte der Mann, den Kopf über den Wasserspiegel gebeugt, dem Gemurmel zu. Und er gab der rauschenden Mümling Antwort. Du bist ein schöner Fluß, gesegnet von alter Kultur und neuem Fleiß, überdacht von Bäumen, begleitet von schlüpfrigen und winzigen Pfaden, über denen die Schnecken silberne Spuren ziehen, die Gänse mit roten Beinen watscheln und die blondsträhnigen Vau^rnkinder im Grün des Pflanzendickichts verschwinden. Im Gewinkel der alten Städte und Orte, die dein Wasser bespült, geht die Sage umher, geistern hie Schattenbilder vielfältigen, einstigen Lebens, aufbewahrt von alten Zeichen, Steinen und Schriften. Ich liebe die Flüsse deiner Art, ich liebe deine idyllische Schönheit, und der Schlendrian an deinem Weg entlang war reich an landschaftlicher Beglückung. Alte deutsche Sonnenuhren in London. In einer Ausstellung, die im Naturwissenschaftlichen Museum von South Kensington in London gezeigt wird, sieht man eine große Sammlung von Sonnenuhren, Sonnenhöhenmessern und anderen wissenschaftlichen Instrumenten aus dem 16. unb 17. Jahrhundert, die dem Museum von W. E. Miller geschenkt worden sind. Besonders unter den Sonnenuhren finden sich mehrere ungewöhnlich große und schöne Arbeiten von bekannten süddeutschen Handwerkern aus dem frühen 17. Jahrhundert, die auf Elfenbeintafeln hergestellt sind. Unter den Sonnenhöhenmessern fällt ein besonders schönes Stück deutscher Herkunft aus dem 15. Jahrhundert auf, ferner ein flämisches Instrument aus dem 16. Jahrhundert, das wahrscheinlich von Arsenius, einem der führenden Hersteller dieser Zeit, stammt. i UW in SU bin, Lh?is 2® di-. A°«> -i» i'ulln EWtent ’?en unb «einen ’* Chinas Lng da- )nöern die quelle ist * kin Aen und ^Höhung Hunderten suhren. '"Zelheiten ^Landes Mage im scheu Ver- Seschehen geschehen, der Gelbe ayerischen des Gut- —ert. ifen! Ehrling verschluckte 3 daß ein *! Zögling 116 Zähne, nadel, die -ßte. Ein ang einer von denen >er Durch, n. i an Roll, verrutschen stürzte er blieb tot !rze Steh, iter einer m Sprosse Blutlache t benutzte lappt, an b, und er ichtoffnung eraden im jen. DM orb btrart ertlMMit Einrichtung chung des -er rechte eicher Ur« e Suppen- jrling Ge- in Pfeile ne Kon. avowM XDwfte die die fynit’ rnhilsk goß >gebrm>rs entslaM Gesicht, m ie Kranken- «rennungen, ltähe eines r größeren1 urch dieser jen Natter ehme. Und mir zu, bis tigen Burg, öner erfreue die nertag nach Sinster feine t und der ch das Gras kommt das aroßen unb njteren N- jf über den zu. Unb.ef Kultur und .egkitet^ r denen die Gänse Mrähnigen E ver ,te und Drie- -aae umher. ’SinW« net «rt, b Schl-"- ich°n n in von und 0 uni) )crn 0 1 *2 den .“Snli süddent' nen^hrhun' 17-rnnief :t l'^ schön^ nders >>rt -ein m* Arsens Lst> Kr.205 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 51. August 1938 „Spiegel des Lebens." Gloria-Palast. Es Ift lange Zeit darüber hingegangen, bis die berühmte Schauspielerin Paula Wessely, von vielen erwartet, seit ihrem letzten Film wieder aus ter Leinwand erschien, und die Fertigstellung dieses reuen, welcher vom Spiegel des Lebens handelt, i t. wie man hören konnte, dadurch verzögert warten, daß ursprünglich ein anderer Stoff geplant mb in Angriff genommen worden war, der dann icn Anforderungen, die man an ihn stellte, nicht zu genügen schien und aufgegeben werden mußte, iln seine Stelle trat ein Manuskript des bisher richt als Drehbuch-Autor, sondern als Uebersetzer Hamsuns und anderer Skandinavier bekannt gewor- ienen Julius Sandmeier: ein Manuskript für tcn Film, weder „nach einem Roman" noch nach jnft irgendeiner literarischen Vorlage, ein Manu- kript aus erster Hand. Diese schlichte Tatsache scheint lemerkenswert genug, um festgehalten zu werden. Die Fabel stellt ein Thema in den Mittelpunkt der Ereignisse, das an sich mLt dem Spielfilm nicht notwendig etwas zu tun hat, das aber auch für einen Spielfilm ohne weitere „Handlung" und Zusammen hänge wichtig und für die Allgemeinheit lehrreich genug wäre, um als Problem aufgezeigt unb verhandelt zu werden: es geht um den alten Gegensatz zwischen „echter und falscher Medizin", wie es einmal heißt, zwischen exakter, wissenfchastllch gegründeter Schulmedizin und Kurpfuscherei. Es gibt eine Reihe von Szenen in diesem Film, die — als sachliche Bestandsaufnahme — so interessant, ja so erregend auf den Beschauer wirken, daß man an ihnen allein schon erkennen mag, welche Möglichkeiten der Filmkamera gegeben sind, woran sie meist achtlos vorübergeht, welche Spannungen sehr ungewöhnlicher, rein geistiger Natur sie zu erzeugen vermag ... jenseits der üblichen, die sich meist aus einen Kriminalfall beziehen, an Flucht und Verfol- gung, an Kampf und Verteidigung entzünden: nichts gegen die gesunde Spannung solcher Art, sofern sie mit sauberen Mitteln erzeugt ist, aber es gibt auch andere. Man sieht beispielsweise eine Szene im „Spiegel des Lebens", da rückt die Kamera schrittweise aus weiter Perspektive in ein Kraftfeld der modernen medizinischen Wissenschaft hinein, in den Operationssaal einer Wiener Klinik, wo vor ö^n Amphitheater der Studenten „innerhalb von sechs Minuten ein Tumor exstirpiert" wird: das ist eine außerordentliche Szene, halblaut, fast ohne Bewegung, aber von einer — im Gefüge des Ganzen dramatischen Wirkung: man muß bemerken, wie der Vorgang sich spiegelt und auswirkt ... nicht am Patienten, sondern an den Zuschauern ringsum, besonders der einen, auf die es ankommt. Die Aufnahme ist übrigens nicht gestellt, sondern während einer normalen Operation in der Wiener Universitätsklinik gedreht worden, und wir glauben auch keineswegs, daß diese kleine Szene im Film überflüssig sei, wie manche meinen: man mußte die Fronten aufdecken, die sich hier gegenllberstehen, Schauplatz, Methode und Atmosphäre hüben und drüben einfangen; genau wie ja auch „die andere Seite" gezeigt werden mußte und nicht verschleiert wird. * Das war notwendig, denn es stellt sich bald heraus, daß das sachliche Problem — echte Medizin ... falsche Medizin — von einem menschlichen, persönlichen, seelischen Konflikt überlagert und durch ihn verschärft wird: eine junge Medizinstudentin und ein junger Assistenzarzt begegnen sich in der tiefen und reinen Neigung ihres Gefühls; beide find auch von ihrer Wissenschaft begeistert und überzeugt, — aber der Vater des Mädchens, ein angesehener Juwelier, ist „nebenbei" Kurpfuscher, das heißt, er hat Sprechstunde und Patienten und behandelt sie mit der „Augendiagnose", er sieht seinen Kranken in die Augen und lieft darin ... als in einem „Spiegel des Lebens", nicht um des Geldes willen übrigens, sondern aus Leidenschaft und gleichermaßen von sich und seiner Gabe, heilen und helfen zu können, Überzeugt wie jene, die „Akademischen", denen er mit tiefem Mißtrauen begegnet. Man begreift den Konflikt, der sich für das Mädchen ergibt: sie steht zwischen zwei Lagern, zwischen denen es keine Verständigung gibt und geben kann, und in jedem dieser Lager ein Mensch, an dem ihr Herz hängt, der Geliebte hier, der Vater drüben. Es ist sehr reizvoll, zu verfolgen, wie dieser Konflikt sich auswirkt, sobald er offen zutage tritt. Wie sich das Mädchen notwendig verstricken, verwirren und verirren muß ... beruflich und menschlich gleicherweise. Wir wollen das hier nicht im einzelnen verfolgen; das mag der Zuschauer für sich tun: er wird dann gewahr werden, daß es eine Lösung des Problems sachlicher Art nicht gibt. Auch der Film findet keine, soweit es um die Sache geht; was das Menschliche betrifft, den privaten Konflikt der stuck, med. Hanna Karfreit, so gibt es eine Lösung, eine erst überraschende, dann sehr einfach scheinende, erwärmende und gewinnende. Sie bekommt nämlich in winterlicher Gebirgseinsamkeit ein Kindchen, und über diesem kläglich und kräftig schreienden winzigen Bün- delchen finden sich die beiden Männer, der Geliebte und der Vater, nun Vater und Großvater, die sich anders nie gefunden hätten * Aus der Stadt Gießen. Unser Zgelbesuch. Während unserer mehrwöchigen Abwesenheit waren Haus und Hof wie ausgestorben, und wir hatten ganz unerwartet Zgelbesuch bekommen. Unter der großen und geräumigen Haustreppe hatte sich ein Jgelpaar häuslich niedergelassen. Schon seit Jahren diente der Raum unseren Kindern und ihren Gespielen bei Regen oder heißer Witterung als willkommener Spielplatz. Vom letzten Oster- gärtchen lag noch eine Menge Moos zerstreut umher. Auch 'Torfmullreste befanden sich in der anderen Ecke. Den dunkelsten Teil der Höhle, wenn ich so den übermauerten Raum nennen soll, füllten Ueberreste eines eingegangenen Stachelbeerbusches aus. Ganz ungewollt und ohne Absicht war der Spielplatz in dieser Werse ausgestattet. Und gerade diese vergessene Ecke hatte sich das Igelpaar ausgesucht. Das neue Heim war bis in die entlegensten Kanten und Winkel besichtigt worden, und die neuen Mieter fanden es außerordentlich'geeignet und wie geschaffen, den enbgülfgen Wohnsitz' nach hier zu verlegen, auch für den bald ankommenden Familienzuwachs. Menschen konnten sie nicht stören und Hunde nicht belästigen. So gefiel es hier Herrn und Frau Igel ganz vorzüglich unb sie fühlten sich so recht als bie Herren des Anwesens. In der bestimmten Annahme von niemanden beobachtet zu werden, wurden sie dennoch ständig oon des Nachbars Jungen bemerkt und ihr Tun und Treiben verfolgt. Unermüdlich, von morgens stich bis in die späte Nacht hinein, waren beide Igel einzeln und auch in Gemeinschaft tätig, für bie inzwischen zur Welt gekommenen sechs kleinen Igelkinber bie notroenbige Nahrung zu besorgen unb herbeizuschaffen. Unb sie wiesen wahrlich nicht geringen Hunger auf! Alles was an Schädlingen im Hofe und besonders aber im Garten vor die Igeleltern kam, an Engerlingen, Schnecken, Raupen, Mäusen, Käfern usw. wurde gefangen, vertilgt 3ber ben stets wartenden Jungen heimgebracht. Sie hatten ja auch genügend Zeit, sich auf die Lauer zu egen, wobei ihnen ihr fein entwickelter Geruchsinn >ehr zustatten kam und sie sehr schnell und sicher auf ihre Spur brachte. Nach einiger Zeit hielt ?s die sehr drolligen Kleinen schon nicht mehr in ihrem engen, aber mollig warmen und weichen Stübchen. Sie gingen mit Vater und Mutter auf Jie Nahrungssuche, das einzige ehrsame Handwerk, was sie zu erlernen hatten. Anfangs auffallend ingstlich und zaghaft! Bald ließen sie sich aber von >er unruhigen Nachbarschaft nicht mehr stören. Inzwischen waren wir wieder alle anwesend. Welch große Freude durften unsere Kinder an der Igelfamilie erleben! Unbeschreiblich war der Jubel, wenn sie Ausgang hatte und geführt von demOber- iaupt der Familie gar einen Spaziergang unternahm. Ihre drolligen Bewegungen erregten manches Lachen. Anfänglich etwas überängstlich, eilten sie chon beim Nahen der Menschen in ihre Behausung. Bald aber machte uns ihre Zutraulichkeit zu guten Freunden und ihre Scheu war überwunden. Eifrige, wenn auch liebe Kinderhände wurden ihnen auf ! ie Dauer unbequem. Die Jgelfamilie hielt es hier nicht mehr länger unter der immer steigenden Zahl der neugierigen Augen der Kinder und Erwachsenen, vielleicht mag sich auch einmal der Störenfried Hund eines Nachts eingefchlichen haben. Kurzum, wir konnten den wahren Grund nicht tTbenfen, warum eines Tages die gesamte Jgel- cimilie Reißaus genommen und über Nacht ver- chwunden war. Wir alle, besonders aber unsere Linder, unser Garten und die von zahlreichen Schäd- fingen heimgesuchten Gewächse betrauerten den Weggang der lieben nützlichen Tierchen. B. Dornotizen Tageskalender für ANttwoch. Gloria-Palast (Seltersweg): „Spiegel des Ledens." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Geheim- jieidjen L. B. 17." Oer Beitritt zum AS.-Beichskriegerbund. DNB Die Reichskriegerführung weist darauf hin, daß gefchlofseneKameradfchaften (Vereine) aus dem aktiven Dienst ausgeschiedener Soldaten nur noch bis zum 30 September 1938 in den NS.-Reichskriegerbund ausgenommen werden können Vom 1. Oktober 1938 ab werden nur noch einzelne Kameraden in die bereits bestehenden Kameradschaften des NS.-Reichskrieger- bundes ausgenommen. Wo werden NSB.-Kindergärtnerinnen ausgebildet? NSG. Ein Beruf, der dem Wesen der Frau entspricht und ihr viel Glück, Frohsinn und Freude bringt, ist der Beruf der Kindergärtnerin. In diesem Beruf findet das Mädel die Aufgaben, die es mit aufgeschlossenem Herzen erfüllen wird. Da heute Mangel an Kindergärtnerinnen herrscht, deren Dienst für die körperliche und seelische Erstarkung unserer Jugend von großer Bedeutung ist, sollten die deutschen Mädel bei der Berufswahl auch an die Kindergärtnerin denken. Für die Ausbildung-»als Kindergärtnerin besitzt die NSV. folgende Schulen: Reichsseminar der NSV. in Steintal bei Ziegenhain, Gauamtsleitung Kurhessen. Beginn: Frühjahr; Frauenschule der NS.-Volkswohlfahrt, Thale am Harz, Gauamtsleitung Magdeburg-Anhalt. Beginn: Frühjahr; NS.-Sozialpädagogisches Seminar, Königsberg i. Pr., Ratslinden 32/36, Zweigstelle Allenstein, (Bauamtsleitung Ostpreußen. Beginn: Frühjahr und Herbst; NS.-Frauenfchule für Volkspflege, Stettin, Turnerstraße 59b, Gauamtsleitung Pommern. Beginn: Frühjahr; NSV.-Seminar für Kindergärtnerinnen in Schwerin (Mecklenburg), Gauamtsleitung Mecklenburg. Beginn: Frühjahr; NSV.-Seminar für Kindergärtnerinnen in Saarbrücken, (Bauamtsleitung Saarpfalz. Beginn: Frühjahr; Grenzland - Kindergärtnerinnenfeminar Radawitz (Kreis Flatow), Gauamtsleitung Kurmark. Beginn: Herbst; NSV.-Seminar in Buchau am Federfee, Gauamtsleitung Württemberg - Hohenzollern. Beginn: Herbst; NSV.-Kindergärtnerinnenseminar Friedberg, Gauamtsleitung Schwaben. Beginn: Frühjahr; Frauenschule für soziale Berufe der NSV., Mannheim, Gauamtsleitung Baden. Beginn: Frühjahr; NSV.-Kindergärtnerinnenseminar Dresden-Blasewitz, Hindenburgufer 85, (Bauamtsleitung Sachsen. Beginn: Frühjahr. Alle Seminare sind mit einem Internat verbunden. Nähere Auskünfte über Ausbildungslehrgänge, Aufnahme, Kosten usw. werden durch das Hauptamt für Volkswohlfahrt, Berlin SO 36, Maybachufer, oder durch die Gauamtsleitung Hessen- Nassau des Amtes für Volkswohlfahrt und durch die Seminare erteilt. Landesführer vom Deutschen Boten Kreuz in Gießen. Heute nachmittag wird der Landesführer der Landesgruppe IX im Deutschen Roten Kreuz, jj-- Brigadeführer D r 11 e p p (Weimar) nach Gießen kommen, um in Begleitung oon Oberfeldführer Dr. Lotz den Kreisstab und anschließend auch einige Kreisstellen des Deutschen Roten Kreuzes kennenzulernen. Vater unb Tochter im „Spiegel des Lebens". M. Foto Tobis-Vienoa Hier sieht man eine Szene aus dem an Problemen unb Konflikten reichen Tobis-Film „Spiegel des Leben s", der jetzt im Gießener Gloria-Palast läuft. Unser Bild zeigt Peter Petersen mit Paula Wessely. . Zugverkehr wieder zweigleisig ausgenommen. Umfangreiche Ausbesserungsarbeilen an der Strecke Dutenhofen—Garbenheim. Der Wolkenbruch, der am- Montag über dem Hüttenberg niederging — wir berichteten gestern darüber — und der am Bahnkörper zwischen Dutenhofen und Garbenheim erheblichen Schaden anrich- tete, brachte für den Bahnhof Gießen (aber auch für den Bahnhof Wetzlar) eine außerordentliche Erschwerung des Dienstes. Nachdem die Strecke soweit in Ordnung gebracht worden war, daß sie wenigstens eingleisig befahren werden konnte, gelang es nun gestern gegen 18 Uhr, den Verkehr wieder zweigleisig aufzunehmen. Um den durch Ausschwemmungen am Bahndamm und an der Schienenbettung entstandenen Schaden zu beheben, mußte viel Schütt-Material angefahren werden, um überall da Mum nimmt VVtCWLß/ SPORT HSONNE 23. -45. -90 wieder aufzufüllen, wo der heftige Regen Steine und Erde fortgeschwemmt hatte. Auch Steinschlag für die Schienenbettung mußte in erheblichen Mengen aufgebracht werden. Obwohl der Verkehr wieder zweigleisig sichergestellt ist und sich Umleitungen über Lollar—Kinzenbach erübrigen, müssen die Züge auf der besonders in Mitleidenschaft gezogenen Strecke zwischen Bahnkilometer 156,7 und 157 (also auf einer Strecke von dreihundert Meter Länge) noch langsam fahren. Der Schaden, den der wolkenbruchartige Regen verursachte, bedeutete für die Beamten und Arbeiter der Bahnhöfe Gießen, Dutenhofen und Wetzlar eine erhebliche zusätzliche Belastung. Obstbaunizählung 1938. Fwd. Im September findet auf Anordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft im gesamten Reichsgebiet eine Zählung der Oost- bäume und Obststräucher statt. Die unmittelbare Durchführung der Zählung liegt den Gemeindebehörden ob. Der Bürgermeister (Oberbürgermeister) kann nach §23 der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. 1. 1935 jeden Bürger verpflichten, bei der Durchführung einzelner Gemeindeangelegenheiten, also auch bei dieser Zählung, ehrenamtlich mitzuwirken. Die Ergebnisse der Zahlung dienen volkswirtlichen und statistischen Zwecken, namentlich der Standortermittlung der Obstbäume und -sträucher und der Ermittlung der deutschen Obsternte. Sämtliche Obstbaumbesitzer werden dringend gebeten, auf Befragen der ehrenamtlichen Zähler bereitwillig und wahrheitsgemäß Auskunft zu geben. Sie Jino hierzu gesetzlich verpflichtet. Die mit der Durchführung der Erhebung betrauten Personen sind nach der Deutschen Gemeindeordnung verpflichtet, über die betriebsweisen Angaben das Amtsgeheimnis zu wahren. Unwahrscheinliche Angaben werden durch amtlich verpflichtete Sachverständige an Ort und Stelle nachgeprüft. Die Zählung erstreckt sich auf alle Aepfelbäume, Birnbäume, Süßkirschbäume, Quittenbäume, Sauerkirschbäume, Pflaumen- und Zwetschenbäume, Mirabellen- und Reneklodenbäume, Aprikosenbäume, Pfirsichbäume, Mandelbäume, Walnußbäume, Edelkastanienbäume, Johanriisbeer-, Stachelbeer- und Himbeersträucher. Bei der besonderen Bedeutung d^r Zählung darf Die Spielleitung hatte Geza von Bolvary. Was seine Inszenierung auszeichnet, scheint uns vor allem das Bemühen zu sein, das Problem in feiner vollen Schärfe aufzuzeigen, die Grenzen abzuftecken, hüben und drüben das jeweils Charakteristische herauszuheben und, soweit es angeht, den ungleichen Partnern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Man mag einen Doppelsinn im Titel des Films aufspüren, wenn man empfindet, mit welcher reinen Freude am Wirklichen Dinge, Menschen und Schauplätze aufgesucht und wiedergegeben find. Jenseits aller Diskussion erscheinen zuletzt die Szenen um die Geburt, von denen eine schlichte, erwärmende und manchmal auch heitere Menschlichkeit ausgeht. * Die Wessely, Hanna Karfreit, Studentin der Medizin, gescheit, erfüllt und angetan von ihrem zukünftigen Beruf, aber ganz allein mit sich und ihrem hin- und hergerissenen Gefühl zwischen den feindlich-unversöhnlichen Männern: dies bestimmt ihre Haltung, ihren Ausdruck, den Stil ihrer Darstellung. Man empfindet hier nicht so stark wie in früheren Filmen die bezwingende Herzensheiterkeit des Wiener Naturwesens. (Nur ganz versteckt, in einem halben Lächeln, ein paar flüchtig hingeworfenen Worten, blitzt der ungezwungen-anmutige Humor auf, über den diese Schauspielerin gebietet.) Ihre helle Sopranstimme erhält eine angreifende Schärfe, bei aller Sammlung und Ueberlegung, wenn sie etwas verteidigt, sich für etwas einzufetzen bat. Sie ist auch genau so eigensinnig wie die beiden Männer hüben und drüben, aber beiden auch aus der Einsamkeit ihres Herzens und der abnung^Dollen liefe angeborener Mütterlichkeit überlegen. Diese beiden sind gut, geschickt und gerecht einander gegenüber- gestellt. Von Peter P e t e r s e n , der den alten Karfreit gibt, sah man auch früher keine reifere, innerlich stärker belebte und erfüllte Figur. Zwar wirkt er mehr norddeutsch als wienerisch, aber so überzeugend in der Selbstverständlichkeit und Sicherheit seines Denkens und Tuns als „Heilkundiger" wie rührend in der Besorgtheit, Ahnungslosigkeit und Hilflosigkeit als Vater. — Attila Hörbiger ist der Assistenzarzt, einfach, aus bäuerlicher Herkunft, mit einer guten, zuverlässigen Männlichkeit begabt; man begreift sogar, daß er nicht anders kann, als es zur Entscheidung kommt, und daß er, was ihm zuletzt widerfährt,'hinnimmt wie ein Geschenk. — Von den übrigen sotten Raoul Aslan, Karl E h m a n n Jane Tilden, Maria E i s und Lina Woiwode hervorgeboben sein Nicht zu vergessen die vortreffliche Leistung des Kameramannes Werner Brandes. — (Vienna-Film der Tobis.) * Im Beiprogramm läuft^außer der Wochenschau und einem Vorspann zu „Capriccio" ein ausgezeichneter Kulturfilm mit wundervollen Aufnahmen von Bildwerken Riemenschneiders, Kostbarkeiten großer deutscher Plastik. Hans Thyriot. । Charakterkunde des großen Orchesters. In einer ebenso liebenswürdigen wie kundigen Plauderei über „Das Orchester und seine Leute" geht Dr. Erwin K r o 11 im Septemberheft oon Vel - Hagen & Klasings Monatsheften auch auf die Frage ein, ob die verschiedenen Instrumente ihre Männer gemodelt haben. Sitzen da nicht knorrige Bassisten, ernsthafte Pauker, bewegliche Flötisten, selbstbewußte erste Geiger, melancholische Bratscher usw.? Schnurrige Zeichnungen von solchen Musikeroriginalen gibt es genug, und auch an allerlei lustigen Schilderungen fehlt es nicht. Da lesen wir in einer alten Musikzeitschrift: „Die Bratschen sind Sonderlinge, etwas kritisch und mehr schweigsam als gesprächig ... sie nähren zu den Fagottbläsern eine geheime, innige, aber unausgesprochene Sympathie." Oder: „Die Kontrabaßstreicher sind meistenteils groß, muskulös, ftatuenartig gewachsen. Ihre Fäuste sind erschrecklich schlicht, aber dauerhaft. Sie schnupfen stark, und zwar mit den Cellisten aus einer Dose. Ihr Händedruck ist eine Erinnerung, aus der letzten Szene des ,Don Juan' dem Gouverneur entlehnt. Sie sagen dem Dirigenten unumwunden eine Grobheit, weil sie wohl wissen, er muß sie zum Freunds haben ... Die Oboebläser sind schmalwangig, dünnlippig, kurzhaarig, schmächtig und blaß, haben Anlagen zu Intrigen, sind launisch, penibel, zartfühlend und peinlich eingenommen für ihr Instrument, fühlen sich etwas verkannt, leben solid und trinken im stillen." So scherzte man in der „guten alten Zeit". Höchst verschiedenartig ist der Stempel, den das jeweilige Instrument seinem Spieler aufdrückt. (Oder ist es umgekehrt?) Schon die Wahl eines Instruments läßt Rückschlüsse auf die Art des Spielers zu. Wer sich zum Berufe eines Schlagzeugers hingezogen fühlt, ist sicherlich feiner Persönlichkeit nach ein anderer als jemand, den es zu den Geigen drängt. Nur mit der Annahme einer charakterlichen Beeinflussung sollte man vorsichtig sein. Es gibt die verschiedensten Charaktertypen bei allen Spielergruppen, Witzbolde und Nörgler sowohl als auch Schwermütige und Frohsinnige. Schrullige Sonderlinge sind heute schon deshalb seltener geworden, weil ein modernes Orchester eine künstlerische Kameradschaft ist, in der für Eigen* brötelei wenig Platz bleibt. von allen Beteiligten erwartet werden, daß sie die Zähler bei der Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben nach Kräften unterstützen. Derschönerungsaktion im Saststättengewerbe. LPD. Im Einvernehmen mit der Fachgruppe Schankgewerbe und dem Reichsfremdenverkehrsverband hat der Leiter der Fachgruppe Beherberaungs- gewerbc, Fritz Gabler (Heidelberg), einen Aufruf an alle Gaststätteninhaber erlassen, in dem es u. a. heißt, daß es erste' Pflicht ist, das Innere eines jeden Gastraumes sauberzuhalten. In zweiter Linie wird Wert auf Schönheit und Behaglichkeit gelegt. Selbstverständlich hat dos Bild des Führers einen würdigen Ehrenplatz einzunehmen. Zur Besichtigung der Betriebe werden Kommissionen gebildet werden, deren Aufgabe es sein wird, Vertreter in die einzelnen Gaststätten zu schicken, die die Einrichtung und Ausstattung der Gaststätten besichtigen und so an der Gaststättenkultur mit aufbauen werden. Fisch im Berufswettkampf. ZdR. In den jährlich wiederkehrenden Reichsbe- russwettkämpfen müssen die Mädel bei den verschiedenen Wettkampfaufgaben nicht nur ihre beruflichen Kenntnisse erproben, sondern auch am Kochtopf ihre hausfraulichen Eigenschaften erweisen. Gerade dieser Teil des Wettkampfes hat seine besondere Bedeutung. Wenn wir uns auch nicht auf den Wortlaut des Spruches, der besagt, daß die Liebe des Mannes durch den Magen geht, festlegen wollen, wobei aber auch sicher ist, daß die Güte der hausfraulichen Fähigkeiten für den Ablauf besonders der kinderreichen Ehe wichtig ist. so ist doch gerade dieser houswirtschaftliche Teil des Reichsberufswettkampfes für die Erkenntnis einer richtigen Ernährungsweise und der besten Verwendung der vorhandenen Nahrungsmittel von besonderer Bedeutung. Die Mädel hoben auch gezeigt, daß sie im Kochen durchaus auf der Höhe sind. Natürlich ergeben sich, wie überall, auch hier einmal diese oder jene Schwierigkeiten. So wußte eine Reihe von Mädeln nicht, was sie mit Quark oder Fisch anfangen sollte. Es ist natürlich wichtig, daß jedes Mädel gerade die Zubereitung solcher Nahrungsmittel, die uns so reichlich und in so hervorragender Beschaffenheit zur Verfügung stehen, kennt. Es ist daher die Aufgabe des Elternhauses, ihre Töchter in die Geheimnisse der Fischküche einzuweihen. Sicherlich werden aber auch die zuständigen Stellen des BDM. oder des Deutschen Frauenwerkes ihr Augenmerk, auf diese gelegentlichen Schwächen in der Kochkunst mancher Mädel richten. *= Iustizpersona 1 ien. Beim Amtsgericht Gießen wurden ernannt: der Kanzlist Heinrich G e r- hord zum Justizassistenten, der Kanzlist Karl Serth zum Justizassistenten, der außerplanmäßige Justizassistent Janz zum planmäßigen Justizassi- stenten, der Wachtmeisteranwärter Otto Liebe- g o t t zum Justizwachtmeister. ** Jubiläum bei der Reichsbahn. Im Rahmen einer würdigen '»Feier wurde dieser Tage dem Reichsbahn-Zugführer W. Becker, Frankfurter Straße 43, durch den Leiter des Bahnhofs Gießen, Amtmann Wahl, die silberne Auszeichnung als Anerkennung für 25jahrige treue Dienste bei der Reichsbahn überreicht. ** Mieter-Jubiläum. Am morgigen 1. September sind es 50 Jahre, seitdem Frau Marie H e r- hort, geb. Günther, ihre Wohnung im Hause des Bäckermeisters ßö b er , Lindenaasse 18, innehat. ** Verkehrssünder. Die Polizei schritt m der Zeit vom 19. bis 25. August ein: gegen Kraftfohrzeugführer mit 16 Anzeigen und 3 Verwarnungen und Belehrungen; gegen sonstige Fährzeugführer mit 1 Verwarnung und Belehrung; gegen Radfahrer mit 2 Anzeigen und 2 Verwarnungen und Belehrungen; gegeü Fußgänger mit 2 Verwarnungen und Belehrungen. Große Giraskaninier Gießen. Der H. H. aus Essen-Vorbeck war kürzlich vorn Bezirksschöffengericht wegen einfachen Diebstahls und Betrugs in zwei Fällen zu einer Gesamt- gefängnisstrafe von n eun Monaten verurteilt worden. Er hatte seine Verwandten in Ober-Seemen bestohlen, seine Zimmerwirtin tn Biebrich geprellt und ein Darlehen, das er von einem Bekannten in Hanau erhalten hatte, nicht zurückgezahlt. Der Angeklagte hatte gegen das Ur- teil Berufung eingelegt. Mit seinem eingelegten Rechtsmittel hatte er keinen Erfolg, es blieb bei dem erstinstanzlichen Urteil. Rundfunkprogramm Donnerstag, 1. September. 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6; Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Nachrichten. 9.40: Mutter turnt und spielt mit dem Kind: Der Wolf und die sieben Geißlein. 10: Schulfunk: Volkslied- fingen 11.45: Quellen der Gesundheit. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Das Stündchen nach Tisch. 15: Für unsere Kinder: Was können wir tm Freien spielen? 16: Nochmittagskonzert. Das Mikrophon unterwegs. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19: Allerlei vom Sport der Woche 19 10: Klang der Landschaft: „Du, mein stilles Tal". Eine Hörfolge. 20: Nachrichten. 20.15: Schone deutsche Volkslieder. 20.40: Symphoniekonzert. In der Pause: Der Goethe-Preisträger Hans Carossa liest aus eigenen Werken. 22.30: Nachrichten. 22.45: Dolks- und Unterhaltungsmusik. 24: Nachtkonzert I. Eine Serenade will ich bringen ... Ein Ständchen des Orchesters des Deutschlandsenders. Kleine Operetten- Reise. 2 bis 3: Nachtkonzert II. Oie Jagd iw Gerade so wie der Bauer steht nun auch der Jäger mitten in der Ernte und gewinnt die Früchte der Hege und Pflege, die er feinem Wild angedeihen ließ. Im Rotwild revier standen seither die starken Hirsche mit ihresgleichen gerubelt in der Feiste. Wenn der September beginnt, bann tritt nach alter Jägerregel der Hirsch in bie Brunft. Die Feisthirschrubel lösen sich auf, manche Reviere werben fast hirschleer, benn bas Wilb wechselt feinen gewohnten Brunftplätzen zu, unb ber Hirsch tritt zum Kahlwilb. Bis bann in einer kalten Septembernacht zum erstenmal ber Kampfruf bes Königs ber Wölber durch bie Stille ber Nacht bringt unb hier unb bort ihm ein anberer antwortet. Die Brunft hat begonnen. Um bie Monatsmitte beginnt auch bereits bie Schußzeit für weibliches Rotwilb unb Kälber. Ueberall, wo Rotwilb feine Fährte zieht, wirb in biefer Zeit bas Interesse am R e h w i l b zurückgebrängt. Seine hohe Zeit ging im Laufe bes August zu Enbe, bie Böcke würben außerorbentlich heimlich. Doch nun im September pflegen sie mieber, in ber Mehrzahl aus bem Felbe zurückgewechselt, so regelmäßig Zeit unb Wechsel einzuhalten, baß es nicht schwer wirb, biesen und jenen roten Bock auf die Decke zu legen, der nach bem Abschußplan noch zu strecken ist. Auch bas weibliche Rehwilb hat vom 16. b. M. an Schußzeit. Zwar wirb ber Abschuß noch nicht voll einsetzen, benn es besteht immer bie Gefahr, baß Kitze zu früh ber Mutter beraubt werben, wenn biefe etwa einmal einzeln zog unb als nichtführenb angesprochen würbe. Es wirb sich zunächst barum hanbeln, wirklich einzeln gehenbe Stücke zu bestätigen. Dabei sei vor bem Abschuß gut entwickelter Schmalrehe gewarnt. Denn sie sollen ja im Sinne ber Ausartung bie zukünftigen Mütter von Kitzen mit besserer Blutführung fein. Ihre Väter finb bie starken Böcke, beren Abschuß bewußt so eingeschränkt wirb. Diese Maßnahme verliert aber ihren Sinn, wenn bie Kinber dieser guten Vererber bereits abgeschossen werben, wenn sie selbst noch gar nicht zur Vererbung kamen. Es wirb vor allem bei ber ganzen Auswahl auf bie Körperstärke der Stücke ankommen. Alles, was gesund unb stark ist, bleibt vor bem Abschuß verschont, alles Schwache ist ber Kugel verfallen. Mit biefer Auswahl wirb bem Beftanb am besten gebient fein. Wo sich bie Möglichkeit zu solchem Abschuß bietet, nutze man sie. Denn bie Schwierigkeiten bei vorgeschrittener Jahreszeit finb zu bekannt unb haben manchen Revierinhaber schon stark in Druck gebracht, wenn es hieß: Erfülle beinen Abschuß! Neben Rot- und Rehwilb finb auch Elch, Damwilb, Freitag, 2. September: Tag ber Stadt Wiesbaden: 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land 6: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. Einlagen: Soziale Arbeiterbetreuung — Schönheit ber Arbeit — Arbeitersieblung. 9.30: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche unb Haus: Wiesbadener Spezialitäten. 10: Schulfunk. Ein Streifzug durch bie Kurstadt Wiesdaben. 11.40: Bericht über bie Herbstblumenjchau. 11.45: Diel Fremde — überfüllte Häuser. Das Hotel- unb Gaststättengewerbe Wiesbabens in ber bcutfdjen Wirtschaft. 12: Werkskonzert des Städtischen Kurorchesters. 13: Nachrichten. 13.15: Platzkonzert. Einlage: Wiesbaden als Garnisonstadt. 14: Nachrichten. 14.10: Unterhaltungskonzert. Einlage: Wiesbadens Ausflugsstätten. 15: Wiesbadener Künstler konzertieren. 15:30: Wiesbadener Jungen und Mädel fingen und spielen. Lustiges in Lied unb Wort aus ber Geschichte der Kurstabt. 16: Nachmittagskonzert. Einlagen: Das Opelbab — Die Kolonnaben — Blick auf Wiesdaben von ber Bierstädter Warte. 17.30: Konzert des Wiesbadener Konservatoriums. 18: Zeitgeschehen. 19: Kurgarten. Hörbild. 20: Nachrichten. 20.15: Konzert. Einlagen: Wiesbadens Herbstwochen. — Das Rheingauer Weinfest in Wiesbaden. 22: Nachrichten. 22.15: Das Sportleben in Wiesbaden. 22.20: Kammermusik. 23: Unterhaltung und Tanz. Einlagen: Heitere Heimatdichtungen unb Anekdoten, 24: Nachtkonzert I. 2 bis 3: Nachtkonzert II. । September. Muffelböcke unb Gams frei, so daß alles Schalen- wilb besagt werben kann. Für uns in Oberheffen kommt allerbings nur bas Schwarzwild noch ernstlich in Frage. Die leerer werdenden Felder erleichtern seine Bejagung. Neben bas Jagen im grünen Walb auf Hirsch, Sau unb Reh tritt bas Weibwert auf ber Felbflur, wo bie Hühnerjagd ihren Höhepunkt erreicht. Die Ketten sind meist schußreif, bie Felber leer. Nur Kartoffeln, Rüben unb allerlei Futterpflanzen stehen noch braußen unb bieten ben Hühnern Deckung. Dann ist es eine Freube, mit gutem Hund zu jagen. Die Hühnerjagb scheint nicht schlecht zu werben, obwohl Prophezeien ein unbankbares Geschäft ist. Der spätere Heufchnitt, bas Fehlen schwerer Regen um bie Juni/Juliwenbe mögen sich günstig auswirken. Bei ber Hühnerjagb wirb sich nicht selten Gelegenheit bieten, bie Ringeltaube zu besagen, bie man überall braußen antreffen kann. Wo Gräben ober Bäche bie Flur burchziehen ober schilfumsäumte Tümpel locken, liegen vielleicht Enten, bie gelegentlich mitbejagt werben können. Dort treffen mir auch schnelle Bekassinen an, beren Derwanbte, bie Walbschnepfe, bereits auf bem Rückzug von Norben her ist, unb öfters mieber in unseren Wölbern auftreten kann. Auch sie hat ihre beiben Bruten hochgebracht unb kann nun besagt merben. Auf bem Zuge finb auch bereits unsere Raubvogel, bie ja in ber Hauptsache ganzjährig geschützt finb. Zu ben frei gegebenen Habicht unb Sperber, besten Verdienste um bie Spatzenbekämpfung man nicht vergessen sollte, fohunt nun noch berMäusebussarb hinzu. So menig jemanb bem bas Wort reben wirb, ihn zu besagen, wo es nur geht, ebenso nötig ist es, bort burchzugreifen, wo er feinem Namen keine Ehre macht unb Hausgeflügel unb Wilb zehntel, wie bas Einzelftücke zum Teil vorzüglich verstehen. Aehnlich steht es mit dem Dachs, ber sich einen erheblichen Fettmantel zugelegt hat unb nun schon gut gegraben werden kann, wenn auch feine Schwarte im Oktober/November noch bester fein mag. Aber es muß zum Schutze ber Niederjagd, vor allem wo Fasanen gehegt roetben sollen, etwas gegen den Dachs geschehen, ber sich außerorbentlich vermehrt hat. In einem gepflegten Revier werben setzt die Schüttungen in Ordnung gebracht. Eben ist es noch leicht, Spreu zu bekommen, bie als Unterlage in Frage kommt. Finbet das Federwild jetzt schon da und dort unter Hecken und Büschen eine Scharrstelle, so erinnert es sich deren, wenn fnäter einmal die Wintersnot kommen sollte Dor allem für Fasanen sind solche Winke unentbehrlich, wenn sie nicht verstreichen sollen dorthin, wo aufmerksamere Heger jagen. Dreschmaschine und Heuboden liefern minderwertiges Futter genug, das für unser Feder, wild gerade recht ist. Es kommt nur darauf an, es sich sofort zu sichern unb trocken aufzubewahren. Ein Leckerbissen für all unser Wilb geht alljährlich an Straßen, in Wölbern unb Gärten in Mengen ungenutzt verloren. Das finb die roten Früchte Der Vogelbeere, bie es in diesem Jahre wieder reichlich zu geben scheint. Meist werden sie von Staren unb Drosseln zerpickt, heruntergeworfen ober gefressen in einer Zeit, in ber keine Not besteht. Schneidet man ganze Dolden ab und legt diese tn Sand ein, so halten sie sich vollkommen frisch unb bieten im Winter ein billiges unb hochwillkommenes Bogel- und Wildfutter, das fast alle Wildarten schätzen! Drum kann dieser Baum gar nicht aenug in bie Wälder an geeigneten Stellen ein gebracht werden. Die Himbeeren haben viele neue Triebe gebildet. Wo diese herausgehauen werden, weil sie andere Pflanzen zu erwürgen drohen, sollte man sie als Jäger nicht achtlos verkommen lasten. Gebündelt und im Schatten getrocknet geben sie gern genommenes LaUbheu, bem Wild gesundheitlich gesehen höchst zuträglich. Gegen Monatsende beginnen auch die Roßkastanien zu fallen. Wo sie im freien Revier stehen, nimmt auch bas Rehwild sie gern an. Das Rotwild schätzt sie außerordentlich, und der Rotwildjäger sollte jede Menge dieses nährstoffreichen und gesunden Futtermittels erwerben, bie er nur bekommen fann. Die fammeleifrige Jugend verdient sich damit gern etwas. Hubertus. Vor dem Urteil im Mainzer Totschlagsprozeß. Lpd. Mainz, 30. Aug. In dem Totschlagspro. zeß gegen ben Jagdpächter Weinsheimer aus St. Johann ist bie Zeugenvernehmung zu Enbe ge» gangen. Fast sämtliche Zeugen sagen außerorbentlich ungünstig für den Angeklagten aus. Immer wieder führen sie Beweise für bas brutale unb selbstherrliche Auftreten bes Weinsheimer an. Das Hauspersonal würbe beschimpft unb teilweise sogar geschlagen. Harmlose Spaziergänger wies ber Angeklagte grob aus dem Walbe. nachbem er sie burch Schreckschüsse eingeschüchtert hatte, weil sie ihm angeblich die Jagb verdarben. Von Mitpächtern von Jagden wird er sehr verschieden beurteilt. Er fei ein „Schießer" und „Allesfresser" gewesen, sagen bie, die ihn offenbar näher kannten. Es sind aber auch einzelne günstige Urteile da. Wäh- renb bie einen befunben, baß er seine Hunbe vor- bilblich abgerichtet hatte, sagen bie anberen, er habe sie häßlich mißhanbelt, getreten unb ausgepeitscht. Die Mäbchen im Haus weigerten sich, halb- tot geschossene Hühner (ber Angeklagte schoß auch seine Suppenhühnssr auf bem Hof) einzufangen, was von ihnen immer wieder verlangt wurde. Dabei kam es einmal zu einem üblen Zwischenfall, als ber Angeklagte einem wiberspenstigen Hausmäbchen bie gelabene Pistole auf bie Brust fetzte. Als ihm jetzt in ber Derhanblung Vorhaltungen wegen ber brutalen Szene gemacht werden, erklärt er, sich an bie Sache nicht erinnern zu können. Sie fei ihm dazu „n i ch t wichtig genug gerne fe n". Dem Angeklagten werden auch dunkle Geschäfte mit ausländischen jüdischen Wein- Händlern vorgeworfen. Trotz seiner erheblichen Verschuldung hielt er sich seinen Wagen unb seine Jagbpachten. Zum Schluß wirb ein junges Mädchen, das gleichfalls auf bem Hof bes Angeklagten beschäftigt 'war, vernommen. Es befunbet mit Bestimmtheit, daß ber Angeklagte einmal zu seiner Frau gesagt habe, wenn er bem Beißer einmal im Walb begegne, mache er ihn „kaputt". Die Zeugin wirb nach einbringlichen Vorhaltungen unb Hinwei- fen auf bie Gefahren eines Meineibes vereidigt. Der Nachmittag war für bie Abhaltung eines mehrstündigen Ortstermins vorgesehen. Lpd. Mainz, 30. Aug. Am Sonntag entgleiste im Bahnhof Wachenheim (Pfalz) auf ber eingleisigen Strecke Monsheim—Neustabt (Weinstr.) ber Personenzug 1919. Personen wurden nicht verletzt. Es ist lediglich Sachschaden entstanden. Der Verkehr wurde durch Umsteigen in Kraftwagen aufrechterhalten. kannst du zurück, Dore? Roman von Hedda Lindner. Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35. 2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Er ließ brüsk ihre Hand fallen. „Hielten Sie die Lage für so scherzhaft, daß Sie daran zweifeln?" kam schroff bie Gegenfrage, bann — höflicher: „Im übrigen ist bie Angelegenheit längst erlebigt. Ich wünsche Ihnen rasche unb völlige Erholung von dem Schreck. Alles Gute!" „Halt!" sagte Dore, und ihr war dabei zumute wie einem Schwimmer, der zum ersten Male vom Turm ins kalte Wasser springt, „wenn Sie bas — bas mit ben vierzehn Tagen — wirklich so gemeint haben — ich bin bereit!" Er hatte sich schon halb zum Gehen gewanbt, jetzt ftanb er mit einem halben Schritt bicht vor ihr. „Wenn Sie nun bamit rechnen, baß ich als Kavalier mit gerührtem Dank verzichte, muß ich Sie enttäuschen, mieber erklang bitterer Hohn aus seiner Stimme, „ich bin kein Kavalier mehr, burch- aus nicht, seit ..." Er brach ab unb machte eine fortwischenbe Hanbdcwegung. „Also überlegen Sie sich Ihre Worte lieber noch einmal!" „Ich habe überlegt", sagte Dore mit blassen Lippen, aber fest, „nur wäre es leichter für mich, wenn ich einigermaßen ahnen könnte, warum Sie diese vierzehn Tage — was Sie eigentlich von mir erwarten. Daß Sie kein Abenteuer suchen, glaube ich Ihnen." „Warum? — Weil mir vorhin — da oben auf der Bank, als Sie neben mir saßen, der Gedanke kam, baß diese letzten vierzehn Tage in Europa leichter fein mürben, roenn ich sie mit einem Menschen teilte, ber zu mir gehört, unb sei es auch nur für vierzehn Tage. Aber mährenb dieser Zeit darf es für Sie nichts und niemand geben außer mir, sonst brauche ich Sie nicht. Das haben Sie doch richtig verstanden?" „Das habe ich verstanden", nickte Dore, fast wider Willen mitgerissen von ber leidenschaftlichen Eindringlichkeit seiner letzten Worte. „Und was ich von Ihnen erwarte", er sah an ihr vorbei, als läse er irgendwo eine unsichtbare Schrift ab, „Sie sollen mir helfen, eine Erinnerung aus- zulöschen, die quälender ist als das höllische Feuer. Sie sollen mir helfen, daß ich vielleicht doch einmal, wenn auch nach langen Jahren, an bas alte Lanb zurückbenken fann, ohne daß es mich abwürgt." Ein großes Begreifen kam über Dore unb damit eine große Erleichterung. Dieser Mann war weder überspannt, noch ein Abenteurer, er war einfach ein Mensch, ben ein schweres Erleben aus bem Gleichgewicht gebracht hatte. Wenn sie ihm bä helfen konnte, burch diese vierzehn Tage — wie wenig war bas, verglichen mit dem, was er für sie getan. Helfen! — Das Lächeln ber Madonna, die in jeder Frau lebt, war auf ihrem Gesicht, als sie leise, gütig, antwortete: „Ich will Ihnen helfen." Nachher saßen sie in einem Gasthaus unten im Dorf beim Abendessen. „Ich weiß noch nicht einmal, wie Sie heißen", sagte Dore halb lächelnd, halb verwundert. Nun sie sich einmal entschlossen hat, ist ihr dieser Mann erstaunlich rasch vertraut. „Ich heiße Gerald Hilger." „Gerald?" wiederholt sie halb fragend — in englischem Tonfall. „Ganz richtig. Meine Mutter mar Engländerin, unb ba mußten mir schon einen Rufnamen wählen, der für alle bequem auszusprechen war. Unb wie heißen Sie?" „Ich heiße Dorothe Irene Orivius, aber man nennt mich Dore." „Dore", wieberholte er unb stutzte. „Orivius? War das nicht ber bekannte Rennfahrer, ber in Monza töblid) verunglückte?" „Wir waren kaum sechs- Monate verheiratet, als es geschah." In ihren Augen ftanb mieber ein schwacher Schein bes Entsetzens, bas sie damals empfunden hatte, als die Nachricht sie traf. Er zog schweigend mit einer zarten Bewegung ihre Hand an die Lippen, unb es lag so viel Anteilnahme in dieser kleinen Geste, daß Dores Vertrauen wuchs. Sie sprach weiter. „Kannten Sie ihn?" „Flüchtig nur. Als er ben Großen Preis von Monaco gewonnen hatte, waren wir nachher mit einigen gemeinsamen Bekannten zusammen. Er war sehr beliebt unb ein glänzender Fahrer." Beide schwiegen, in trübes Erinnern versunken. „Wir wollen lieber von der Zukunft reden", sagt er schließlich. „Ich möchte vorschlagen, daß mir diese vierzehn Tage in einem andern Gebiet der Schweiz verbringen. Oder möchten Sie hier bleiben?" „Nein, nein", mehrte Dore hastig ab. „Ich bin schon zmei Wochen hier, da würde ich dauernd bekannte Gesichter treffen." „Dann schlage ich vor: Berner Oberland. Kennen Sie es schon?" Sie schüttelte den Kopf. ,Hch kenne noch nicht viel von ber Schweiz." „Um so besser. Sie werben viel Neues unb Schönes sehen, bas wirb Ihnen die Lage erleichtern", stellte er fachlich fest. „Außerdem will ich Ihnen noch Zeit zum Ueberlcgen lassen, falls Sie Ihren Entschluß zu sehr unter dem Eindruck be$ Vorfalls da oben gefaßt Haden. Sie sehen, ein Menschenfresser bin ich nicht." Das kam sogar mit bem Anflug eines Lächelns. „Ich werbe übermorgen nachmittag von brei bis sieben im Carlton in Bern auf Sie warten. Sind Sie bis bahin nicht gekommen, fahre ich weiter. Einer Benachrichtigung bebarf es in bem Falle nicht", erklärte er mit einer Gelassenheit, als handelte es sich allenfalls um einen Kinobesuch. Die dunklen Augen der Frau, die Hellen des Mannes hingen ineinander, prüfend, forschend, als wollte jeder vom andern Antwort haben, ob Zufall ober Schicksal sie zusammengeführt. Dann erhob sich Dore. ,^ch werbe kommen!" Dore mar fest entschlossen, bie nächsten vierzehn Tage mit bem Manne ©eralb Hilger zu verbringen. Als sie Dann aber tatsächlich in bem Zuge saß, lag sie fast auf jedem Bahnhof im Kampfe mit sich, ob sie nicht doch noch aussteigen sollte. Einmal raffte sie ihre Sachen zusammen, fest entschlossen, auf dem nächsten Bahnhof auszusteigen. Aber bis ber Zug in ben Bahnhof einlief, sah' sie die Dinge schon wieder von ber anbern Seite. Der Mann zwang sie zu nichts — im Gegenteil — er hatte ihr bie Ablehnung außerorbentlich bequem gemacht — sie fuhr nicht hin, unb Die ganze Geschichte war erlebigt. War sie das? Würde nicht immer ein Stachel in ihrem Gewissen bleiben, wenn sie ihn im Stich ließe? Helfen sollte sie ihm, und er hatte sich keinen Augenblick besonnen, sein Leben einzusetzen, als sie Hilfe brauchte. Nein, sie konnte diese Rechnung nicht offen lassen. Sie legte ihre Sachen wieder hin und sah gedankenvoll aus'dem Fenster, wenn der Zug langsam an- rollend Den Bahnhof verließ. lieber all diese widerstreitenden Emvfindungen war sie sich klar. Worüber sie sich nicht klar war — oder was sie sich zumindest nicht zugab — war die kleine geheimnisvolle Lockung, die im Hintergrund aller verstandesgemößen Erwägungen ftanb und ben Ausschlag gab. Eine Woche später mußte sie lächeln, wenn sie daran dachte, mit welchen aus Angst unb Verlegenheit gemischten Empfindungen sie schließlich bie Hotelhalle betreten hatte, unb nachher war alles so einfach, so selbstverstönblich gewesen. Weil sie bas Glück gehabt hatte, auf einen Mann zu treffen, bem Haltung und gutes Benehmen angeboren waren; im Anfang war es feine völlige Sicherheit Der äußeren Form, Die es möglich machte, diese seltsame Lage zu meistern, nachher glitten sie beibe mit er« staünlicher Leichtigkeit hinein. Auch äußerlich entwickelte sich alles fast von selbst. Sie reisten jeher unter bem richtigen Namen, be» wohnten getrennte Zimmer, und wer sie in ber kameradschaftlichen Art ihres Umgangs beobachtet hätte, würde sie wohl meist für Geschwister gehalten haben. In den ersten beiden Tagen sagte Dore noch manchmal „Sie", bann kam Das vertrauliche „Du" ganz von selbst. lieber persönliche Dinge sprach er nie, sie wußte tatsächlich auch nach einer Woche nicht mehr von ihm am ersten Tage; ebensowenig fragte er nach bem Leben, bas sie sonst führte. Anfänglich befrembete cs sie etwas, bann begriff sie die Folgerichtigkeit, die darin lag: Sie wollten beide diese vierzehn Tage aus ihrem sonstigen Leben heraus* nehmen, da mußten sie alles vermeiden, was diese Abgrenzung verwischen ponnte. Sie waren dennoch nm Gesprächsstoff nicht verlegen, und Dore hatte mehr als einmal Gelegenheit, über Die Vielseitigkeit seines Wissens zu staunen. Er mußte ziemlich viel herumgekommen sein und schien — mehr noch — sehr viel nachgedacht zu haben. Er ging allerdings in der Unterhaltung nur aus sich heraus, wenn Die völlige Unpersönlichkeit des Themas gewahrt blieb; sowie eine Wendung ihn hinüberleiten konnte, bog er ab. Der etwas tastende Ton der ersten Tage wich immer mehr einer ungezwungenen Freundlichkeit. Sie verstanden sich gut in ben vielen kleinen Dingen, bie bann doch zusammen ein Großes ausmachen, in ihrer Lust zu wanbern, in ihrer Freube an ber Natur. In Grinbelwald hatten sie beschlossen, etwas länger zu bleiben. Einmal, weil hier bas Hotel so ganz ihren Wünschen entsprach, auch ber Ort gefiel ihnen besonbers gut, er bot vor allem viele Möglichkeiten zu ausgedehnten und dennoch nicht allzu anstrengenden Wanderungen. Dadurch, daß sie mehrere Tage blieben, entwickelte sich bald so etwas wie ein Programm: Vormittags wurde eine größere Wanderung gemacht, nachmittags blieben sie meist im Dorf, tränten Kaffee in ber kleinen „Rendez- vous-Konbitorei". — „Der Name allein zwingt schon zum Einkehren", hatte er gemeint. Sie blätterten in Zeitschriften ober unterhielten sich damit, den 23er* kehr ber Dorfstraße zu beobachten. (Fortfetzung folgt!) mtag «M [t der ein# Weinstr.) kl n °M n. Der AerW Migen ausrch' ozeß. ^tschlagspra, ner aus St. !U Ende ze. 'n auher. Angeklagten >eise für dar des Weins, schimpft unh Spaziergänger albe, nachdem rt hatte, weil n. Bon Ml« erfchieden br. lesftesser" gr. äher kannter teile da. Wch e Hunde M anderen, n i und ausgi ten sich, hall. |te schoß au zusangen, m; wurde. 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In Bad-Nauheim werden die 32 besten deutschen Leichtathletinnen am Start sein. Daß sich unter diesen Kämpferinnen die Weltrekordlerinnen Gisela Mauermeier (München), Frau Schröder (Mundenheim), Dora R a t j e n (Bremen), Grete Volkhausen (Dortmund) und Lisa G e l i u s (München) befinden, und daß darüber hinaus mehrere Olympiasiegerinnen vertreten sind, gibt den Beweis für die Bedeutung dieses 'sportlichen Großereignisses. Mit großem Interesse erwartet man das Zusammentreffen dieser erprobten Kämpferinnen mit den vor einigen Tagen bei den Hitler-Jugend-Wettkämpfen in Frankfurt a. M. ermittelten Deutschen Jugendmeisterinnen. Das Bad-Nauheimer Frauensportfest ist die letzte Ausscheidung für die Europa-Meisterschaften zu Wien, die am 17. und 18. September stattfinden. BDM -Michssportfest in Bamberg. Appell der 6000 Sporkmädel. Den Auftakt zu dem ersten großen BDM.-Reichs- sportfest in Bamberg bildete am Montag der erste Appell der 6000 Sportmädel, die aus allen Teilen des Reiches nach Bamberg gekommen sind. Die BDM.-Hauptreferentin des Amtes für Leibeserzie- huna, Untergauführerin Grete L o e b e (Berlin), eröffnete die Schulungstage des ersten großen Reichssportfestes des BDM. Dann sprach der Leiter des Amtes für Leibeserziehung in der Reichsjugendführung, Obergebietsführer Schlünder (Berlin), über die körperliche Ertüchtigung der Jugend im Dritten Reich. Er wies darauf hin, daß der BDM. in diesem Jahre erstmalig im Rahmen des großen „Tages der Gemeinschaft" in Nürnberg seine Leibeserziehungsarbeit zeigen kann. Nach dem Appell begann die Arbeit der verschiedenen Schulungsgruppen. Hitler-Jugend Bann 116. Betr.: Regatta am 4. September. Bei der am kommenden Sonntag stattfindenden Jugend- und Aktiven-Regatta haben alle Igg. in Uniform gegen Vorzeigen des HJ.-Ausweises Eintritt für 0,10 RM. Betr.: Sportsonntag am 18. September. Im Bereich des Bannes 116 ist der Sonntag, 18. September, für Sportveranstaltungen frei- gegeben. Dafür gilt der 25. September wegen der an diesem Sonntag stattfindenden Ueberweisungen der Igg. in die Gliederungen der Partei als HJ- Sonntag. Äor neuen Pflichtspielen. Im „Burghof" fand dieser Tage eine Verein s v e r t r e t e r t a g u n g des Fachamtes Fußball für den Kreis 8 (Gießen) im DRL. statt. Kreisfachamtsleiter Hugo Henkel (Gießen) überbrachte die Grüße des Kreisführers und des Kreissportwartes und nahm dann die Auszeichnung der Gruppenmeister der Kreisklasse vor, die ein vom Kreisführer des DRL. Dr. Schäfer unterzeichnetes Diplom erhielten. Ausgezeichnet wurden in der Kreisklasse 1 die Gruppenmeister der Gruppe Gießen A: VfB.-Reichsbahn Gießen 1.; der Gruppe Gießen B: VfB.-Reichsbahn Gießen II.; der Gruppe Lahn-Wetzlar: FC. Burgsolms 1920 I.; der Gruppe Dill-Wetzlar: Sportgem. Ehringshausen; der Gruppe Kreis Dill: Reichsbahn-Turn- und Sportverein Dillenburg I.; ferner die Gruppenmeister der Kreisklasse II der Gruppe Gießen A: Turn- und Sportverein Muschenheim; der Gruppe Gießen B: Turnverein Wißmar; der Gruppe Wetzlar: Turnverein erbittet der Gendarmerie-Posten Mudersbach. Landkreis Gießen. --- Staufenberg, 31.Aug. Bei der durch die hiesige SA. durchgeführten Eisensammlung murhe Alteisen im Gewicht von etwa 15 Zentner zusammengetragen. # Allendorf (Lahn), 30. Aug. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr hielt ihre Jahres- Haupt-Dersammlung in der Gastwirtschaft „Zum grünen Grund" von Hch. Hörr ab. Feuerwehrhauptmann Karl Schupp machte alle Kameraden nochmals mit dem Feuerlöschgesetz bekannt. Der Oberfeuerwehrmann Ernst L u h ist durch kreisamtliche Verfügung unter gleichzeitiger Ernennung zum Löschmeister und stellvertretenden Wehrleiter bestimmt worden. Eine Reihe von Beförderungen während des Jahres wurden bekanntgegeben. Den günstigen Kassenbericht über das verflossene Jahr gab der Kassenwart. 3 ANertshausen, 31. Aug. Demnächst, am 5. September, kann unser Einwohner Ludwig Wißner seinen 7 5. Geburtstag begehen. Der Jubilar diente drei Jahre lang beim Dragoner- Regiment Nr. 24 in Darmstadt. Er ist der Gründer des hiesigen Kriegervereins, dem er 25 Jahre lang vorstand. (Unseren Glückwunsch zum Geburtstag!) tz A l b a ch , 30. Aug. Lehrer Heinrich G r o h tritt am 1. Oktober 1938 in'den Ruhestand. Mit aufrichtigem Bedauern hat die Gemeinde Albach davon Kenntnis genommen, denn Lehrer Groh, der im Dezember 1900 die Schulstelle zu Albach übernahm, ist in seiner fast 38jährigen Tätigkeit mit der Gemeinde völlig verwachsen. Ebenso lange ist Lehrer Groh auch Organist und seit langen Jahren Mitglied des Kirchenvorstandes. Außerdem ist er Vorsitzender der Kriegerkameradschaft unseres Dorfes. Er erfreut sich der Liebe und Verehrung aller Dorfgenossen. Leher Groh nimmt seinen Wohnsitz in Gießen. Kreis Friedberg. -s- G a m b a ch , 31. Aug. Am morgigen Donners, tag, 1. September, kann unsere Einwohnerin Frau Elisabeth Maurer Wwe., geb. Drescher (aus Krofdorf), in geistiger und körperlicher Frische ihren 81. Geburtstag feiern. (Wir beglückwünschen!) Kreis Schotten. )-( Ruppertsburg, 30.Aug. Auf unserem Sportplatz fanden unter der Leitung von Lehrer O t t (Gonterskirchen) die S o rn m e r k a m p f wettspie l e der Schulen Gonterskirchen, Ruppertsburg und Wetterfeld statt. Es wurde bas. vorgeschriebene Grenzballspiel, das sich bei unseren Schülern immer größerer Beliebtheit erfreut, gespielt. — Ein Schädling. den man seither hier -fast nicht kannte, tritt nun bei uns und in unseren Nachbargemeinden stark auf. Es handelt sich anscheinend um den Meltau der Weinreben. Ein großer Teil der Traubenernte ist vernichtet. — Die aus der Gegend von Bad Schmalbach stammenden Pflegekinder sind am letzten Dienstag aus Ruppertsburg in ihre Heimat zurück- gekehrt. Ihr Aufenthalt in unserem Dorfe ist ihnen Oie Finanzen der (Ktadt Offenbach. Lpd. Offenbach, 30. Aug. In einer öffentlichen Sitzung der Ratsherren legte Oberbürgermei- ster Dr. Schranz am Montag in einer großangelegten Rede den Voranschlag der Stadt Offenbach für das Jahr 1938 vor. Der ordentliche Haushalt schließt nur mit einem Fehlbetrag von 984 630 Mark ab, während im vorjährigen Haushaltsplan noch ein Fehlbetrag von 2 656 810 Mark ausgewiesen werden mußte.' Der Reichsstatthalter in Hessen hat die Deckung des Fehlbetrags im Laufe des Jahres 1938 in Aussicht gestellt. Alles in allem darf die finanzielle Entwicklung als zufriedenstellend bezeichnet werden. Auch die Vermögens- und Schuldenentwicklung der Stadt Offenbach nahm einen günstigen Verlauf. Das Rohvermögen der Stadt Offenbach beträgt rund 63 Mill. Mark, dem 37 Mill. Mark Schulden' gegenüberstehen. Wolkenbruch im Landkreis Hanau. Lpd. Hanau, 30. Aug. Im nördlichen Teil des Landkreises Hanau hat sich in den Abendstunden des Montag ein Gewitter entladen, das mit einem Wolkenbruch verbunden war. Aus einigen Dörfern, z. B. aus Hüttengesäß wird berichtet, daß in den tiefer gelegenen Ortsteilen die Wassermassen in die Viehställe gedrungen sind, so daß das Vieh herausgeholt werden mußte. Gin „Kreuzer-Mainz"-Ghrenmal am Mein. Lpd. Mainz, 30. Aug. Vor 24 Jahren, am 28. August 1914, sank der Kreuzer „Mainz" nach heldenmütigem Kampfe. Zum Gedenken wird am 25. Jahrestage, also im kommenden Jahr, ein „Kreuzer-Mainz-Ehrenmal" in Anwesenheit der Ueberlebenden des gesunkenen Kreuzers feierlich eingeweiht werden. Unmittelbar am Ufer des Rheines im Blickfeld der Türme, wird die Gedenkstätte erstehen. Eine AbordnungderaktivenKriegsmarine und die Ueberlebenden des vor dem Feinde in Ehren gesunkenen Kreuzers „Mainz" wie auch Tausende von Marinekameraden aus allen^deutschen Gauen, insbesondere die Männer der deutschen Kreuzer, sollen an der im August 1939 stattfindenden Weihe, verbunden mit einem großen Marinetreffen, teilnehmen! Neues NGS.-Müttererbolungsbeim. Lpd. Bensheim a. d. B., 30. Aug. Das in herrlicher Landschaft gelegene Schloß des Ritters von Marx im Schönberger Tal ist in den Besitz der NSV. übergegangen. Nahe der Nibelungenstraße zwischen Bensheim und Schönberg inmitten eines großen Parkes gelegen, wird das zu einem neuen Heim umgebaute Schloß 80 erholungsbedürftige Mütter aufnehmen. ehr gut bekommen. Sie hatten alle an Gewicht zugenommen. Einige von ihnen wollen in ihren Herbstferien wiederkommen. Kreis Alsfeld. —.— Homberg (Ohm), 30. August. Der Spar- und Vorschußverein Homberg hielt im „Hessischen Hof" eine außerordentliche Generalversammlung ab. Dabei hatte man sich insbesondere mit Ergänzungswahlen zu beschäftigen. Der bisherige ehrenamtliche Direktor, Pfarrer Prätori us, der dieses Amt seit 1912 beneidete, legt es mit Wirkung vom 1. Oktober nieder. Aus Gründen des vorgeschrittenen Alters legte ferner der bisherige Kontrolleur, Bahnmeister i. R. Georg Erbe, fein Amt nieder. Der stellv. Vorsitzende Gnifkowski dankte den beiden Ausscheidenden für ihre aufopferungsvolle Arbeit im Dienste des Vereins und schlug dann den Bauer Ludwig Langst r o f f als Vorsitzenden und den Gastwirt Hermann Schw eiter als Kontrolleur vor. Die Vorschläge wurden gutgeheißen. Im Rahmen der Versammlung sprach Oberrevisor Dr. D e i ch e r t (Alsfeld) in grundsätzlichen Ausführungen über das Genossenschaftswesen. Gleichzeitig wies er auf eine Reihe neuer Bestimmungen hin. Kreis Wetzlar. 3 Wißmar, 30.Äug. Die hiesige Spar- und Darlehnskasse hielt bei Gastwirt Wolf eine Versammlung ab, in der nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden L. Leib der Geschäftsführer W. Becker einen ausführlichen Bericht über den Stand der Genossenschaft erstattete. Dem Bericht war zu entnehmen, daß die Kasse seit der Verschmelzung eine günstige Entwicklung verzeichnen konnte. Auch die Mitgliederzahl hat zugenommen. Im vergangenen halben Geschäftsjahr waren 19 Zugänge zu verzeichnen. Im Anschluß daran gab Ortsbauernführer Wagner die Richtlinien über den Absatz des Getreides bekannt. Robheim a. d. Bieber, 31. Aug. Atn kommenden Freitag, 2. September, kann unser Ortsdiener in aller geistigen und körperlichen Rüstigkeit seinen 7 0. Geburtstag feiern. Seit über 32 Jahren steht er im Dienst der Gemeinde. Seit 15 Jahren versieht er das Amt des Ortsdieners. Täglich sieht man ihn auf seinem Dienstgang. (Wir gratulieren!) Kreis Warburg. Lpd. Marburg, 30. Aug. Auf der Bahnstrecke Biedenkopf—Marburg wurde ein 80jähriger anscheinend schwerhöriger Mann aus Sarnau beim Ueberschreiten des Bahngleises an einer verbotenen Stelle vom Zuge erfaßt und getötet. Der Greis hat jedenfalls das Herannahen des aus der Richtung Biedenkopf kommenden Zuges überhört. Unser Bild zeigt den 6000-?S-Rennwagen „Blitzstrahl", in dem der Engländer Capt. G. E.T. Euston letzt einen neuen abfoluten Automobil-Weltrekord aufs ellte nachdem er vor einigen laaen durch das Versagen der elektrischen Zeitmessung Pech gehabt hatte Eyston verbesserte seinen absoluten Wektrekord von 502,1 km/st ganz beträchtlich auf 556,010 km/st, bie für bte englische Meile (1609 Meter) einmanbfrei gestoppt mürben. — (Schimer-M.) Unfälle auf dem Lande. Der 8jährige Schüler Ernst Lubwig Schief erste in aus Ruttershausen zog sich bei einem unglücklichen Sturz einen Oberarmbruch zu. — Der Arbeiter Joseph S ch m i b t aus Birklar stürzte von einem Gerüst ab unb erlitt erhebliche Verletzungen an einem Ellenbogen unb an der linken Hand — Mit einem schweren Oberschenkelbruch mußte die 62jährige Landwirtsehefrau Anna N e r n ausHarbach durch bie Sanitätsbereitschaft Gießen in ärztliche Behandlung gebracht werden. Die unglückliche Frau war von einem Stuhle gestürzt. — Der Schachtmeister Karl Schäfer aus Lumda erlitt bei seiner Arbeit einen schweren Unfall. Er wurde von einem Bagger erfaßt unb etwa zehn bis zwölf Meter weit geschleudert. Im Aufprall er- litt der Verunglückte einen Unterarmbruch unb eine Lendenwirbel-Verletzung. — Mit einem Unterarmbruch mußte das achtjährige Töchterchen des Dachdeckers Sommer von Watzenborn-Stein- berg in ärztliche Behandlung gebracht werden. Sämtliche Verunglückte wurden in die Gießener Chirurgische Klinik ausgenommen. Büdingen verschönert sein historisches Stadtbild. Lpd. Büdingen, 30. Aug. Die Ratsherren der Stadt Büdingen haben sich in ihrer jüngsten Sitzung ausführlich mit der Frage der Verschönerung des Stadtbildes befaßt. Nach den getroffenen Festlegungen soll der inmitten der Altstadt nahe dem Rathause gelegene alte Marktplatz noch in diesem Jahre ein würdigeres Aeußere dadurch erhalten, daß ältere Hauser mit schönem Fachwerk freigelegt und Grünanlagen mit Blumenschmuck geschaffen werden. Auch das zur historischen Stadtbefestigung zählende „Mühltor" — übrigens ein städtebauliches Prunkstück — wird durch Bekrönung mit Blumenschmuck verschönt werden. Weiterhin werden in den Straßen Alt- bübingens noch eine Reihe Fachwerkbauten freigelegt und malerische Treppenaufgänge instandgesetzt werden. Son einem überholenden Auto überfahren und getötet. LPD. Wetzlar, 30.Aug. Auf der Fahrt nach Wetzlar wurde Dienstag früh der Fuhrmann Adam Günther aus Hermannstein von einem überholenden Auto erfaßt unb zu Boden gerissen. Dabei wurde der Mann so schwer verletzt, daß der Tob balb barauf eintrat. Mit Fahrrad und Geld verschwunden. * Königsberg, 30. Aug. Von der Gendarmerie Mudersbach wirb mitgeteilt: In der Zeit vom 26. bis 27. August hatte sich bei einer Familie in Königsberg eine Frau einlogiert, bie sich ein Fahrrob lieh, um bamit nach Robheim zum Zahnarzt fahren zu können. Sie ist unter Mitnahme des Fayrrades unb unter Entwendung eines Geldbetrages verschwunden. Der Name der Frau ist vermutlich B u r n a u. Sie ist 1,70 bis 1,75 Meter groß, schlank, hat gebräuntes Besicht, mittelblondes Haar, in der Mitte gescheitelt, mehrere auffallende Goldplomben. Das Älter der Unbekannten ist etwa 30 bis 35 Jahre. Die Verschwundene trägt dunkelblaue Haube mit weißer Kante, ein dunkelblaues Seidenkleid, dicken Wintermantel, dunkle Strümpfe, braune Halbschuhe mit zwei Spangen. Als Gepäck hatte sie nur eine rote große Basttasche unb eine kleine Lederhandtasche bei sich. Das unterschlagene Rad ist ein „Westfalen"-Darnenrad mit roter Voll- bollonbereifung und englischem Lenker. Die Nummer des Rades ist 0 40535. Sachdienliche Mit! -fungen Waldgirmes; der Gruppe Nord (Dill): Turnverein Steinbach über Haiger; Gruppe Süd (Dill): FC. Nassau-Fleißbach. Kreisfachwart H. Henkel gab dann die Richtlinien für die Zusammenarbeit im Jahre 19 3 8/39 aus. Die bisherige Aufteilung des Kreisfachamtes in die Verwaltungs- und technischen Aufgaben ist beseitigt worben. Kreisführer Henkel hat zugleich bie Führung ber Bezirksklasse übernommen. Dafür sind Erleichterungen für den Kreisfachwart durch die Bestellung von drei Staffel- obmännern: Paul Zitzer (Gießen), Willy Koop (Garbenheim, Wetzlar) und Otto Hofmann (Dil- , i y 4 X I Unser Bild zeigt den deutschen Hammerwerfer Erwin B l a s k, der im Rahmen des Leichtathletik-Länderkampfes Deutschland — Schweden in Stockholm den Weltrekord im Hammerwurf auf 59 m verbesserte. — (Schirner-M.) lenburg), geschaffen worden. In Zukunst hat jeder Verein einen Schiedsrichter aus seinen eigenen Reihen zu stellen. Um die Pflichtspiele in geordneter Weise durchzuführen, werden 200 Schiedsrichter gebraucht. Deshalb muß jeder Verein für Nachwuchs sorgen und einen Mann stellen, auch wenn es ber Spielführer ist. Der sportliche Geist muß bis in den kleinsten Verein hineingetragen werden. Die Mannschaften müssen angehalten werden, in ihrem Partner nicht den Gegner, sondern den Kameraden zu sehen. Ein Spieler hat dem anderen zu helfen und auch in der Mannschaft muß ein einheitlicher frischer Sportgeist herrschen. Diese kameradschaftliche Auffassung muß den ganzen Verein und auch die Sportanhänger erfassen, die sich auf dem Sportplatz diesen Gesetzen des Sportes zu fügen haben. Die Einteilung des Kreises erfolgt in eine B e - zirksklasse, ber die Mannschaften der Vereine Frohnhausen, Burg, Sinn, Bissenberg, Naunheim, Wetzlar 05/ 1900 und VfB.-Reichsbahn Gießen, Watzenborn-Steinberg und wahrscheinlich Ehringshausen angehören. Die Kreisklasse ist in die Gruppen Dill, Wetzlar und Gießen eingeteilt. In ber Zugehörigkeit zu diesen Gruppen treten nur geringe Abweichungen ein. Die übrigen Einteilungen bleiben wie bisher. Gleichzeitig wurde auf den in diesen Tagen beginnenden Anfänger - Lehrgang für Schiedsrichter hingewiesen. Dabei wurde auch betont, daß jeder Verein zugleich für geeignete, ruhige unb sachliche Platzorbner zu sorgen hat. Der Verein sei für die Ordnung auf seinem Platze verantwortlich. Vereinsführer Harnisch (Watzenborn- Steinberg) gab eine Rechtfertigung für seine Mannschaft, die durch das Zusammentreffen unglücklicher Umstände in eine unangenehme Lage geraten ist, wofür sie hoffentlich auch in ber Führung rechtes Verstänbnis finben wirb. Kreis-Fußdall-Lehrwart A n s ch ü tz (Biskirchen) sprach zunächst über bie Jugenbarbeit, die jetzt in den vier Bann-L.-Stellen erledigt werde. Weiter wies er darauf hin, daß durch Gausportwart Sot- tong im Gau Jugend-Uebungsleiter und Fachwarte ausgebildet würden. Jeder Verein habe einen Uebungsleiter und einen Senior als Fachwort zu melden. Aus diesen würden dann die besten Uebungsleiter unb auch die besten Spieler ermittelt, die in Zukunft den Gau vertreten werden. Zum Schluß wurde ein Appell für eine rege Beteiligung an den am nächsten Sonntaa stattfindenden Opferspielen an bie Vereine ausgesprochen. Der Kreis Gießen, der bisher mit seinen Sammelergebnissen an erster Stelle stanb, will auch in Zukunft seine Pflicht erfüllen. In Gießen werben sich bie beiden Lokal-Mannschaften gegenüberstehen. Terminliste der Fußball-Kreisklaffen. Kreisklasse I. Gruppe Gießen A. 25. September: Heuchelheim—Klein-Linden; Rüd- dingshausen— Wißmar; Lollar — Großen-Buseck; Wieseck—Robheim. 9. Oktober: Klein-Linden—Lollar; Großen-Buseck —Rüddingshausen; Rodhejm—Heuchelheim; Wiß- mar—Wieseck. 16. Oktober: Heuchelheim—Großen-Buseck; Lollar —Wißmar; Rüddingshausen—Radheim; Wieseck— Klein-Linden. 23. Oktober: Großen-Buseck—Wieseck; Wißmar- Heuchelheim; Rodheim — Lollar; Klein-Linden — Rüddingshausen. 30. Oktober: Wieseck—Lollar; Wißmar—Großen- Buseck; Rüddingshausen—Heuchelheim; Robheim— Klein-Linden. 6. November: Lollar—Nüddingshausen; Heuchelheim— Wieseck; Großen-Buseck — Rodheim; Klein- Linden—Wißmar. 13. November: Heuchelheim — Lollar; Großen- Buseck— Klein-Linden; Wißmar — Rodheim; Rüd- dingshausen—Wieseck. kreisklasse I. Gruppe Gießen B. 25. September: SA.-Kampfgemeinschaft—Großen- Linden; Hungen—Lollar II.; Leihgestern—Muschenheim; Lich—Steinbach. 9. Oktober: Muschenheim—Garbenteich; Lollar IL —Leihgestern; Steinbach—SA.-Kampfgemeinschaftz Großen-Linden—Lich. 16. Oktober: Leihgestern—Hungen; Garbenteich— Großen-Linden; Lich —Lollar IL; SA.-Kampf« gemeinfchaft—Muschenheim. 23. Oktober: Muschenheim—Steinbach; Hungen— NeuerTauchapparat mit Atmungsspeicher Aus aller Welt Wirtschaft nach See Paris" am Dienstag um 18.30 Uhr Neuyork abgeflogen ist. Französisches Militärflugzeug verunglückt. In Amerika sind jetzt verschiedene Feuerwehrmannschaften versuchsweise mit neuartigen Tauchapparaten ausgerüstet worden, die durch einen damit verbundenen Sauerstoffspeicher den Vorzug vielseitigster Einsatzmöglichkeit haben. Die Bewegungen, die der Tauchende damit ausführen kann, sind durch den Fortfall einer hinderlichen Sauerstoffzuleitung räumlich unbegrenzt. Auf unserem Bilde sieht man deutlich den „Atmungsspeicher", der einen-Unter- wasseraufenthalt von etwa einer Stunde ermöglichen soll. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Verein die unbedingte Pflicht, wenn irgend möglich, eine Jugendmannschaft zu stellen, zumal die HJ- Führer angewiesen sind, die Vereine in der Aufstellung ihrer Mannschaften zu unterstützen. Fehlen zur Aufstellung einer Mannschaft einige Spieler, dann setze sich der Jugendwart des Vereins umgehend mit dem örtlichen HJ.-Führer zwecks Zuweisung von spielfähigen Junggenossen in Form einer freiwilligen Sportdienstgruppe in Verbindung. Es ergeht hiermit an alle Vereine im Bereich des Bannes 116 noch einmal die Aufforderung, ihre Meldung sofort an den zuständigen Bann- f a ch w a r t abzugeben oder die Gründe für die Fehlanzeige mitzuteilen. Wie festgestellt wurde, haben einige Vereine ihre Iugendmannschaften irrtümlich an den Gau- oder Kreisfachwart gemeldet. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß alle Jugendmeldungen an den betr. Bannfachwart auf dem den Vereinen am 18. Juli 1938 zugegangenen weißen Meldebogen namentlich zu erfolgen haben! Bereits an den Gau- oder Kreisfachwart des DRL. abgegebene Meldungen sind umgehend in der angegebenen Weife zu wiederholen. Der Meldeschluß wird bis zum 10. September verlängert. Nach diesem Termin einlaufende Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden. 14 „blinde Passagiere" auf der „ftormanbte*. Als der französische Ozeanriese „Normandie" kürzlich im Hafen von Southampton einlief, konnte der Kommandant mit nicht ganz ungetrübtem Stolz feststellen, daß sich in Neuyork nicht weniger als 1 4 „blinde Passagiere" an Bord geschlichen und die Ueberfahrt mitgemacht hatten. Diese 14 „blinden Passagiere" waren durchweg Männer. Absturz eines australischen Passagierflugzeuges. Ein Passagierflugzeug der North-Seeland-Airway stürzte über einem Zuckerrohrfeld bei Sidney ab. Der Pilot und drei Fluggäste fanden den Tod, die anderen wurden schwer verletzt. Nordmexiko sind stark mitgenommen. Die Gleise sind auf weite Strecken unterspült, und es wird langwieriger Reparaturen bedürfen, um diese Schäden auszubessern. Sieben Todesopfer bei einem Vootsungtück in Portugal. Auf dem Duero bei Porto (Portugal) ereignete sich ein schweres Bootsunglück. Ein Schlosser aus Joao da Foz unternahm mit mehreren Familien trotz starken Ebbstroms und stürmischen Wetters eine Ruderpartie. Das mit zehn Personen überlastete Boot geriet in den reißenden Mündungsstrom des Flusses und kenterte. Sieben Personen, unter ihnen eine vierköpfige Familie, fanden in den Wellen den Tod. In der Nacht zum Dienstag ist ein schweres G c - Witter über dem Kreis Stade (Hannover), das erheblichen Schaden anrichtete, niedergegangen. In verschiedene Gehöfte schlug der Blitz ein. Ein Wirtschaftsgebäude, zwei Scheunen mit Getreidevorräten, ein altes Bauernhaus sowie ein Häuslingshaus fielen den Flammen zum Opfer. Zwei weitere Todesopfer des Erfurter Explosionsunglücks. Das schwere Explosionsunglück in der Erfurter Färberei Kroll hat neben dem bereits gemeldeten noch weitere zwei Todesopfer gefordert. Der 49 Jahre alte Färbereibesitzer Otto Kroll und der 23 Jahre alte Färber Otto Löser, die mit schweren Brandverletzungen in das Krankenhaus gebracht wurden, sind ihren Wunden erlegen. Auch das Befinden des dritten Verletzten, des 17 Jahre alten Lehrlings Rudolf Kellner, gibt zu ernsten Bedenken Anlaß. Es besteht nur geringe Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. „Leutnant zur See Paris" nach Neuyork gestartet. Havas meldet aus Horta auf den Azoren, daß das französische Ozeanflugzeug „Leutnant zur Schloß Bellevue wird Gästehaus für Staatsbesuche. Der Führer und Reichskanzler hat angeordnet, das Schloß Bellevue in Berlin zu einem des Deutschen Reiches würdigen Gästehaus für Staatsbesuche und Kongresse umzubauen. Mit der Bearbeitung des Entwurfes und mit der Bauleitung wurde der Architekt Prof. Paul Baumgarten in Charlottenburg beauftragt. Nach dem vom Führer genehmigten Entwurf Baumgartens bleibt der alte Schloßbau in seiner Außenarchitektur erhalten. Die Vorderfront im Mittelbau erhält einen repräsentativen Eingang mit vorgelagerter Freitreppe. Im übrigen werden umfangreiche Instandsetzungen und Erneuerungen erforderlich. An Stelle des bereits abgebrochenen Marstallflügels wird ein Neubau errichtet, der mit dem alten Schloßbau verbunden, sich harmonisch in den Rahmen des Ganzen einfügt. Das Innere des Schlosses erfährt eine umfangreiche Umgestaltung. Die für Repräsentationszwecke bestimmten Räume bleiben in ihrer alten Architektur erhalten. Im übrigen wird das Innere des Schlosses und seiner beiden Flügel, seinem Charkter angemessen, umgebaut, um die würdige Unterbringung hoher Gäste mit großer Begleitung zu ermöglichen. Der Umbau soll im Frühjahr 1939 beendet fein. Neue Autobahn-Strecken. Von Tag zu Tag wachsen die Straßen des Führers ins Land hinein. Die große Nord— Süd-Strecke Kassel — Frankfurt — Karlsruhe ist soweit fertiggestellt, daß sie mit einer kurzen Unterbrechung bei Alsfeld—Reiskirchen durchfahren werden kann. Auch dieser Abschnitt geht jetzt seiner Vollendung entgegen und wird im Zuge der feierlichen Uebernahme des dreitausendften Kilometers Ende dieses Jahres in den Dienst gestellt. Gleichzeitig erfolgt die Freigabe der Teilstrecke Wandersmann — Idstein der Ostwestachse Frankfurt—Köln, die von den beiden obersten Bauleitungen Köln und Frankfurt von Siegburg und von der Auto-Umgehungsstraße Frankfurt—Wiesbaden aus vorgetrieben wird. Von dieser Strecke ist das Teilstück Köln—Siegburg mit 28 Kilometer bereits in Betrieb. Die Gesamtlänge der Reichsautobahn Frankfurt—Köln beträgt 175 Kilometer, wovon etwa 100 Kilometer in den Bausektor Frankfurts fallen. Sie bringt eine Streckenverkürzung von ungefähr fünfzig Kilometer und eine erhebliche Zeitersparnis. In besonderem Maße ist sie ausgezeichnet durch landschaftliche Reize und durch die gewaltigen Brückenbauten über das Theisbachtal bei Niedernhausen und über die Lahn bei Limburg. Diese Brücken sollen bis Ende 1939 fertiggestellt sein. schäft: Steinbach—Hungen; Muschenheim—Großen- Linden. 4. Dezember: Großen-Linden—Steinbach; Lollar II.—Muschenheim. I-Metergrenze im Weitsprung überschritten. Wie uns der Sturm 16/254 (Nieder-Ohmen) mitteilt, wurde beim Hoherodskopf-Bergfest durch den SA.-Mann Lutz Dönges die Weitsprung-Leistung des Hoherodskopf-Bergfestsiegers (Stahlhut 6,90 Meter) übertroffen. Dönges sprang eine Weite von 7,15 Meter. Dr.-Jng. e. h. Fritz Opel f. Fwd. Der bekannte Industrielle, Dr.-Jng. e. h. Fritz Opel, stellvertretender Vorsitzer des Aufsichtsrats der Adam Opel AG. in Rüsselsheim, ist am Dienstag im Alter von 63 Jahren plötzlich in Wien einem Herzschlag erlegen. Der Verstorbene ist der jüngere Bruder des Aufsichtsratsvorsitzers, Geheimrat Dr.-Jng. e. h. Wilhelm von Opel, und einer der fünf Söhne Adam Opels, der im Jahre 1862 das Werk in Rüffelsheim begründete. Dr. Fritz Opel, geboren am 30. April 1875 in Rüffelsheim, trat 1899 nach Abschluß des technischen Studiums in das väterliche Unternehmen ein. Die Entwicklung der Opel-Werke zur größten deutsches Automobilfabrik und zum größten Fahrradwerk der Welt hat der Verstorbene als Leiter der technischen Büros in Gemeinschaft mit seinen Brüdern bis zum Jahre 1929 entscheidend beeinflußt. In seinen jungen Jahren hat er sich als Rennfabrer einen Namen gemacht. Am Weltkrieg nahm Dr. Fritz Opel als Frontoffizier teil. Nach Kriegsende trat er für die Idee eines volkstümlichen Wagens mit aller Tatkraft ein. Mit unter feiner Leitung wurde 1924 die Produktion des erstell deutschen, i.n Großserienbau hergestellten Wagens, aufgenonuntn. Damit setzte ein ungeahnter Aufschwung des Werkes ein. Die Gefolgschaft, die nach der Besatzung nur 3000 Mann zählte, stieg bis auf 19 000 Mann. Nach Umwandlung der Opel-Werke in eine AG. im Jahre 1929 wurde Dr. Fritz Opel stellv. Vorsitzer des Aufsichtsrats. Seine erfolgreiche Tätigkeit beschränkte sich jedoch nicht nur auf das Opel-Werk. Auch in vielen anderen Zweigen der deutschen Wirtschaft wirkte er in gleicher Weise. Gießener (Schlachtviehmarkt. Zum gestrigen Gießener Schlachtoiehmarkt (Schlachtviehoerteilungsmarkt) in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main in Gießen wurden 5 Ochsen, 6 Bullen, 26 Kühe, 37 Färsen, 114 Kälber, 245 Schweine, und 3 Schafe aufgetrieben. Preise: Ochsen 41 bis 44 Pfennig, Bullen 36 bis 42 Pfennig, Kühe 17 bis 42 Pfennig, Färsen 38 dis 4.3 Pfennig, Kälber 30 bis 63 Pfennig, Schafe 40 Pfennig je kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je Kilogramm Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr)' 1,18 RM., Klasse bl (135 bis 149,5 kg) 1,16 RM., Klasse b2 (120 bis 134,5 kg) 1,14 RM. Klasse c (100 bis 119,5 kg) 1,10 RM., Klasse d—f (unter 100 kg) 1,04 NM., Klasse gl und i (fette Specksauen und Abschneider) 1,12 RM., Klasse g2 und h (andere Sauen und Eber) 1,08 RM. Marktverlauf: Großvieh und Schweine zugeteilt, Kälber und Schafe ausverkauft. Rhein-Mainische Börse. Mittagsbörse uneinheittich. Frankfurt a. M., 30. Aug. Die Börse setzte am Aktienmarkt mit ruhigem Geschäft und uneinheitlicher Kursentwicklung ein, da die gestern mit Vorkäufen aufgetretene Kulisse wieder kleine Glattstellungen tätigte infolge der weiteren Zurückhaltung der Privatkundschaft. Später erfolgten erneut Deckungen und Rückkäufe, so daß die anfangs zu verzeichnenden Einbußen vielfach wieder ausgeglichen wurden und die Geschäftstätigkeit auf einzelnen Gebieten eine leichte Zunahme aufwies. Im allgemeinen hielten sich die Abweichungen Zwischen 1 bis 2 v. H. Einige, an der gestrigen Befestigung nicht teilgehabte Papiere lagen bis zu 2 v. H. höher. Zu nennen wären Zellstoff Waldhof mit 131,50 (129), Schuckert mit 161 (159,50), Rütgers- werke mit 140 (138), Holzmann mit 143 (141,50), andererseits waren AG. für Verkehr weiter gestei- gert auf 115 (113). Von Montanwerten gewannen Hoesch 1 v. H. auf 103,)0, hingegen ermäßigten sich Mannesmann auf 100,40 (102), Rheinstahl auf 1I6 (127,50) und Vereinigte Stahl auf 97,50 (98,50). Niedriger lagen auch IG.-Farben mit 144,25 (145,50), Daimler mit 123,50 (125), Gesfürel mit 123 (125,50) und u. a. Demag mit 135 (136). Im Verlaufe erholten sich IG.-Farben auf 145,25, Vereinigte Stahl auf 98, Gesfürel um 2 v. H. auf 125, Bemberg auf 122 nach 121,25. Der Rentenmarkt lag still. Reichsaltbesitz 0,13 o. H. erholt auf 129,50, Kommunal-Umschul- dung 5 Pf. höher mit 94,35. Städte-Altbesitz gewannen 0,25 v. H. auf 135,75. Pfandbriefe hatten ruhiges Geschäft, Liguidationspfandbriefe lagen uneinheitlich. Stadtanleihen notierten zumeist unverändert. Industrie-Obligationen hatten ruhiges Geschäft und keine einheitliche Haltung. Von Reichstiteln erhöhten sich 5,5prozentige Pounganleihe auf 101,65 (am 27. Aug. 101,25). Im weiteren Verlaufe machte die Erhöhung am Aktienmarkt unter Schwankungen Fortschritte, da weiteren kleinen Anschaffungen der Kulisse kaum Angebot gegenüberstand. Teilweise wurden die ersten Kurse bis zu 2 v. H. überschritten, im Durchschnitt lagen die weiteren Besserungen bei 0.50 bis 1 o. H. U. a. notierten IG -Farben 145,50, Verein. Stahl 98,25, Felten 126,75 nach 124,13, Conti Gummi 186 bis 189,50 (185), Demag 137 nach 135, Daimler 125 nach 123,50, AEG. 107 nach 106, Gesfürel wie am Vortag 125,50 nach anfangs 123 ufw. Sehr fest lagen Scheideanstalt mit 205 (200,25), andererseits Salzdetfurth Kali 134 (136). Der Freiverkehr war still und unverändert, etwas niedriger Verein. Fränk. Schuh 64 bis 66 (65 bis 67). Tagesgeld unv. 2,50 v. H. Abendbörse freundlich. An der Abendbörse verstärkte sich die freundliche Haltung des Aktienmarktes. Bei kleinen Käufen der Kundschaft und noch mäßigen Anschaffungen der Berufskreise gestaltete sich das Geschäft teilweise lebhafter. Größtenteils ergaben sich gegenüber den festen Mittagsschlußnotierungen weitere Erhöhung-m meist unter i v. H., womit die Berliner Notierungen vielfach überschritten wurden. Von Montanwerken stellten sich Klöckner bei kleinem Bedarf zum Einheitskurs auf 112 (110,50), Vereinigte Stahl zogen von unverändert 99 auf 99,25 und Hoesch von 104,50 auf 104,75 (104), sowie Mannesmann auf* 102 (101,40) an. Durchweg höher lagen ferner Elektrowerte, Gesfürel 126,50 (125,50), Licht & Kraft 127.50 (126,50), AEG. 107,75 (107), Bekula 143,50 (143), RWE. 116 (115,75), auch Maschinenaktien körnen zumeist 0,50 v. H. höher an, Adlerwerke um 0,75 v. H. auf 100, aber Daimler 0,50 v. H. niedriger mit 125. JG.-Farben blieben mit 146 (Berlin 145,65) voll behauptet, Goldschmidt 0,75 v. H. fester mit 124.75, Metallgesellschaft plus 0,50 vH. auf 120,50, Scheideanstalt unv. 205. Von sonstigen Papieren stiegen Westdeutsche Kaufhof auf 93,90 (92,25), Berger Tiefbau auf 140 (139), Holzmann auf 144,50 (144); Südd. Zucker mit 208 und AG. für Verkehr mit 116 lagen unverändert. Der Rentenmarkt war still. Farben-Bonds gewannen 0,40 o. H. auf 122, 5proz. Mark Komm. I nach Pause 101,25 (100). Im Freiverkehr Kommunal-- Umschuldung unverändert 94,35. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 30. Aug. Auftrieb: 560 Kälber (gegen 662 am 23. 8.), 235 (131) Hümmel und Schafe, 3557 (3362) Schweine. Notiert wurden je 50 kg Lebendgewicht in Mark: Kälber a) 62 bis 65 (62 bis 65), b) 56 bis 59 (56 bis 59), c) 46 dis 50 (46 bis 50), d) 35 bis 40 (35 bis 40); Hammel b2) 50 bis 52 (50 bis 52), c) 40 bis 45 (40 bis 45); Schafe a) 38 bis 42 (38 bis 42), b) 36 (36), c) 23 bis 32 (20 bis 32); Schweine a) 60 (60), al) 59 (59), b2) 58 (58), c) 56 (56), d) 53 (53); Sauen gl) 57 (57), g2) 55 (55). — Marktverkauf: Kalber und Schweine zugeteilt, Hümmel und Sckafe mittelmäßig. „Nordwind" und „Nordmeer" überflogen erneut den Nordatlantik. Das Montag um 1 Uhr von Horta nach Neuyork gestartete Flugzeug „Nordwind" erreichte nach einer Flugzeit von 15 Stunden und 13 Minuten mit der Besatzung Schirrmacher, v. Engel, Rösel und Stein Neuyork. — Das Gegenflug- zeug „Nordmeer" mit der Besatzung Blankenburg, Blume, Eger und K u p p e r s , das Dienstag um 0 Uhr von Neuyork nach Horta gestartet war, erreichte um 15.55 Uhr fein Ziel auf den Azoren und war demnach 15 Stunden und 55 «Minuten unterwegs. — Es ist erfreulich festzu- stellen, mit welcher planmäßigen Pünktlichkeit auch diese beiden letzten Nordatlantikflüge über die 4000 Kilometer lange Ozeanstrecke von der Lufthansa mit Blohm- und Voß-Flugzeugen ausgeführt werden konnten. Schwere Unwetter im Ruhrgebiet. Heber dem Ruhrgebiet gingen heftige Gewit - ter mit wolkenbruchartigen' Regengüssen nieder, die erheblichen Schaden anrichteten. In Essen-Stadt- wald wurde eine Frau, die unter einem Baum Schutz gesucht hatte, vom Blitz getötet. In Essen- Altenessen brach der Damm eines Abwasserkanals. Ein in der Nähe gelegener Bauernhof sowie zwei Wohnhäuser wurden überflutet, so daß die Bewob- ner in aller Eile Vieh und Mobiliar in Sicherheit bringen mußten. Die Stadt Bottrop wurde besonders schwer heimgesucht. Dort wurden ganze Straßenzüge unter Wasser gesetzt. Vier Häuser, die von den Fluten unterspült waren, mußten wegen Einsturzgefahr geräumt werden. An einem der Häuser ist bereits die Giebelwand eingestürzt. Auch in Gladbeck stehen über 300 Häuser unter Wasser. Ein franzüsisches Militärflugzeug ist während eines Uebungsfluges in der Nähe von Reims auf einen Hügel aufgestoßen. Der Beobachter wurde sofort getötet, der Pilot schwer verletzt. Der Löwe in der Kirche. In Sittard in der holländischen Provinz Limburg gelang es einem Zirkuslöwen, sich bei der Reinigung seines Käfigs aus dem Staub zu machen. Er trottete gemächlich zwischen den vielen Kirmes- roagen, die auf dem Marktplatz aufgefahren waren, hindurch und betrat die überfüllte Kirche, in der gerade die Festmeffe gelesen wurde. Unbeeindruckt von der Panik um ihn herum, schritt der Lowe auf den Altar zu und legte sich unter völliger Verkennung seiner Umgebung ruhig davor nieder. Dem herbeigerufenen Zirkuspersonal gelang es, den Eindringling mit Stricken und Tauen wieder aus der Kirche herauszuziehen. Das gefiel dem dreijährigen Tier gar nicht, doch blieb es friedfertig. Inzwischen mar auch sein zweiter Käfiggenosse ausgebrochen. Er ließ sich ebenfalls wieder einfangen, doch wußte er in einem unbewachten Augenblick zwischen den Zelten und Wagen erneut zu verschwinden. Der amtierende Geistliche hielt es desbalb für besser, die Messe bei geschlossenen Kirchentüren fortzusetzen. Fallschirmspringer zu Tode gestürzt. Ein tödlicher Unfall ereignete sich auf dem Warschauer Flugplatz. Bei einem von der Luftschutzliga veranstalteten Fallschirmspringen aus dem Flugzeug öffnete sich der Fallschirm eines Teilnehmers nicht. Der geistesgegenwärtige Springer versuchte den zweiten Fallschirm zu öffnen, doch verschachtelten fick; die beiden Schirme so unglücklich ineinander, daß sich auch der zweite Schirm nicht öffnete und der Unglückliche beim Absturz ums Leben kam. lleberschwemmungsgesahr am NU. Die Hochflut des Nils hat bereits in verschiedenen Städten den Gefahrenpunkt erreicht. Tag und Nacht wird an der Verstärkung der Dämme gearbeitet, die an zahlreichen Stellen zu brechen drohen. Aus Oberägypten und dem Sudan liegen bereits Meldungen von Ueberschwemmun- gen vor. Trotz der Deffnung der Schleusen steigt der Strom weiter. Die ungewöhnlich starken Regenfälle am Oberlauf des Nils halten an. Dammbruch in Indien fordert 30 Todesopfer. Üßie aus Lucknow im nördlichen Vorderindien berichtet wird, ist im Staate Tehri Garwahal ein Damm, der den Nima-Fluß aufstaut, geborsten. Die Wassermassen stürzten in die Ebene und zerstörten eine Anzahl Dörfer. Bisher find 3 0 Leichen geborgen worden. Hunderte von Personen werden noch vermißt. Schwere Unwetterschäden in Mexiko. T^r mexikanische Staat Nuevo Leon ist von einem U n w e 11 e r schwer heimgesucht worden. Die Industriestadt Monterrey ist besonders in Mitleidenschaft gezogen worden. Das Hochwasser des Katarina-Flusses hat weite Teile der Stadt über- schwemmt. Durch Zerstörung von Eisenbahnbrücken ist der Bahnverkehr zwischen Ciudad Victoria und Monterrey unterbrochen. Die Bahnlinien in ganz logenbfoielrunben um die Vamimeisterschafi Fußball und Handball. Lich; Lollar II.—SA.-Kampfgerneinschaft; Garben- teich—Leihgestern. 30. Oktober: Großen-Linden — Hungen; Lich — Garbenteich; Steinbach—Lollar II.; Leihgestern— SA.-Kampfgerneinschaft. 6. November: Hungen—Muschenheim; Garbenteich — Steinbach; SA.-Kampfgerneinschaft — Lich; Leihgestern — Großen-Linden. 13. November: Lollar II.—Garbenteich; Muschenheim—Lich; Steinbach—Leihgestern; SA.-Kampf- gemeinschaft—Hungen. 20. November: Hungen—Garbenteich; Großen- Linden—Lollar II.; Leihgestern—Lich. 27. November: Garbenteich—SA.-Kampsgemein- Den Vereinen des DRL. sind im Juli die Ausschreibungen für die Spiele um die Bannmeisterschaft in Fuß- und Handball zugegangen. Meldeschluß war der 27. August. Da das Meldeergebnis bis jetzt weit hinter dem des vergangenen Jahres zurückgeblieben ist, sollen die nachfolgenden Zeilen für die nötige Aufklärung sorgen. An die Stelle der früheren Kreismeisterschaften sind für die Jugend die Bannmeisterschaften getreten. Das bedeutet gegen früher lediglich eine andere gebietsmäßige Einteilung. Die Spielrunden werden jetzt von'den Bannfachwarten, die an die Stelle der früheren Kreisjugendfachwarte getreten find, im Auftrag der Hitler-Jugend m engster Zusammenarbeit mit den Kreisfachwarten des DRL. ausgetragen. Da der Bann 116 (Wetterau) die politischen Kreise Gießen und Friedberg umfaßt, hat es sich als notwendig erwiesen, für die stark vertretenen Sportarten zwei Bannfachwarte einzufetzen. An den Spielrunden um die Bannmeisterschaft nehmen wie früher die Jugendmannschaften der Vereine teil. Da alle Jugendlichen der HI. angehören müssen, führt die Vereinsjugendmannschaft den Namen „HJ.-Mannschaft des Vereins HJ.-Einheiten stellen nur dort eigene Mannschaften auf, wo fein Verein des DRL. besteht, der diese Spiele betreibt. Daraus ergibt sich für jeden W ■