Nr. 125 Erstes Matt Dienstag, 31. Mai (958 188. Jahrgang Das kommende deutsche Strafverfahren Schwere Kämpfe an der Lunghaibahn. Japanischer Lorffoß auf dem Jangtse. — Neue Bombenangriffe auf Kanton. Schanghai, 30. Mai. (Europapreß.) Die gefährliche Lage, in der sich die japanische Dochara ■ Division im Lunghai-Abschnitt seit Tagen befindet, wird von japanischer Seite bestätigt. Die japanischen Truppen, die über das Wochenende Kweiteh ein- nehmen konnten, befinden sich in Eilmärschen entlang der Lunghai-Eisenbahnlinie, um der vor Kaifeng stehenden Doihara-Divisidn zu Hilfe zu eilen; sie marschieren in westlicher Richtung auf Lansang zu, das sich noch In chinesischer Hand befindet. Rach chinesischen.Meldungen soll die Gefahr der Blockierung der Lunghai-Bahn westlich von Tschengtschau gebannt sein. Es soll den Chinesen gelungen sein, wichtige strategische Punkte, so die Orte Mengshien, Tsinyang und Wehnshien, zurückzuerobern. Gleichzeitig besagen japanische Meldungen, es sei den japanischen Truppen gelungen, bis auf 50 Kilometer an die Peking — Hankau- Eisenbahnlinie in dem Abschnitt zwischen Pentscheng und Hsütschang vorzudringen. . Zur Unterstützung der Operationen der japanischen Armee setzten japanische Minensucher und Flußkanonenboote zu einem Vorstoß auf dem Jangtse an, der seit einigen Tagen Hochwasser führt und damit die Verwendung größerer Schiffe ermöglicht. Die japanischen Kriegsschiffe haben b e - reite Wuhu erreicht. Augenscheinlich planen die Japaner, vor Wuhu eine größere Anzahl von Kriegsschiffen zusammenzuziehen, um dann b i s Han kau vorzustoßen. — Die von den Chinesen etwa 350 Kilometer unterhalb Hankaus angelegte Flußsperre soll durch das Hochwasser teilweise sich aber schon jetzt die absteigende Weltkonjunktur auch auf Südafrika aus, und vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, da der wirtschaftliche Druck so groß wird, daß er die Vereinigte Partei zersprengt. Schon heute wird diese Partei eigentlich nur noch durch Hertzog und Smuts zusammengehalten. Beide aber sind siebzig Jahre alt, und es ist wahrscheinlich, daß, wenn beide einmal von der politischen Bühne abtreten, ihre Partei sich wieder in ihre Bestandteile auflösen wird. Trotz aller äußeren Harmonie ist es den b-eiben nie gelungen, ihre Partei zu einer Einheit zusammenzuschmelzen. Ihre englischen und burischen Bestandteile und Interessengegensätze sind alle die Jahre hindurch deutlich sichtbar ge- dlieben, weil weder die Buren noch die Engländer eine wirkliche Verschmelzung wollen. Die große Masse der Buren bleibt stolz auf ihre Rasse, und wenn sie aus diesen ober jenen (Brünben mit den Engländern ein Stück Weges Zusammengehen, so wissen sie doch, daß das kein Dauerzustand bleiben darf, wenn sie sich nicht selbst aufgeben wollen. Männer wie der heutige südafrikanische Verteidigungsminister. Pierow, Nachfahre einer alten Burenfamilie aus Transvaal, werden, wenn die Zeit' kommt, ihr Südafrika genau so voranstellen, wie es heute schon Dr. Malan und seine Partei tun. Zwischen Pierow und Malan gibt es praktisch nur Gegensätze über Fragen der Taktik. Gerade Pierow hat in seinen Reden und Aeußerungen wiederholt gezeigt, daß ihn eine Welt non Smuts und seinen Vorkämpfern des englischen Weltreiches trennt. Schon heute deutet vieles darauf hin, daß dieser Mann, der für Deutschkand Verständnis hat, in Zukunft in der Südafrikanischen Union eine Rolle spielen wird. Die Erneuerung des Strafrechtes gehört zu den großen Aufgaben, die der nationalsozialistische Staat entschlossen in die Hand genommen hat. Im Herbst 1936 wurde der Gesetzentwurf in seinen Vorarbeiten abgeschlossen, wichtige Abschnitte sind vom Reichskabinett bereits durchberaten worden. Zu einem neuen Strafrecht muß aber auch ein neues Rechtsverfahren treten. Während jenes die Strafbarkeit einzelner Handlungen und die Höhe der Bestrafung festlegt, muß dieses den Rechtsgang von der Anzeige bis zum Urteil in letzter Instanz regeln. Daher ist eine amtliche Kommission für den Strafprozeß eingesetzt worden, die unter dem Vorsitz des Reichsjustizministers Dr. G ü r t n e r Sachverständige aus den Kreisen der Wissenschaft und der Praxis zusammenfaßte. Als Vertreter der NSDAP, hat Rechtsanwalt Graf, von der Goltz mitgewirkt. Dieser Ausschuß hat in den Jahren 1936'37 in sechs Tagungsabschnitten die erste Lesung durchgeführt, zu Beginn dieses Jahres konnte die zweite und letzte Lesung erfolgen. Reichsminister Dr. Gärtner hebt in seinem Bericht darüber hervor, daß an diesem Teile der Beratungen auch Rechtswahrer des Landes Oesterreich teilgenommen haben, nachdem die Wiedervereinigung mit dem Reiche vollzogen war. Ferner waren an den Vorarbeiten die Vertreter der Ministerien, der Wehrmacht und der Polizei beteiligt. Als Grundzug des umfangreichen Werkes, über das die einzelnen Sachbearbeiter in einem Buche berichten (Verlag R. v. Decker, Berlin), wird bezeichnet: die rasche und energische Durchführung der Verfahren, die Sicherung des gerechten Rechtsspruches und die Gestaltung einer volksverständlichen Rechtsprechung. Bisher standen sich im Strafprozeß Richter und Staatsanwalt als getrennte Organe gegenüber. Es bestand ferner das System der tralität Südafrikas im Falle kriegerischer Äer- wicklungen in Europa — eine Frage, der die Vereinigte Partei und ihre Führer bisher stets aus dem Wege gegangen sind. Auch in der Kolonialfrage vertreten Dr. Malan und feine Anhänger einen sehr viel eindeutigeren Standpunkt als Hertzog ober Smuts, von denen der letztere sich gegen die Rückgabe der Mandatsgebiete an Deutschland ausgesprochen hat, während General Hertzog hier eine abwartende Haltung einnimmt. Vornehmlich sind es die englischen und englandfreundlichen Elemente in Südafrika, die sich mit allen Mitteln gegen die Rückgabe des von der Südafrikanischen Union verwalteten Mandatsgebietes von Südwest- Afrika sträuben. Die Partei Dr. Malans vertritt auch auf diesem Gebiet eine reinliche Lösung. Das ist heute die Lage in Südafrika. Ihr hervorstechendstes Merkmal ist die Kompromißfreudigkeit der Mehrheit, die aber doch nicht weit genug geht, um den Dualismus zu überbrücken. Südafrika hat noch immer zwei Hauptstädte, Kapstadt und Pretoria, englisch die eine und burisch die andere; es hat noch immer zwei amtliche Sprachen, Englisch und Holländisch-Burifch. Es hat sogar nach immer zwei Nationalhymnen, eine englische und eine burische. Sogar zwei Landesflag.gen gibt es noch Das wird auf fange Sicht als ein unmöglicher Zustand angesehen, dessen Dauer im wesentlichen von personellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen abhängt, wobei die wirtschaftlichen die wichtigeren sind. Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für I mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.'Platzvorschrist nach vorh. Vereint) g.25°/<> mehr. Lrmützigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rps., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördlicheAnzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Prag hat das Wort. 23on unserem Schm.-Sonderberichkerstcftier. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Prag, 29. Mai 1938.- SÖenn es dessen überhaupt noch bedurfte, so hat dieser zweite Wahltag in der Tschechoslowakei eine neue Bestätigung dafür erbracht, daß es der Wille aller klarsichtigen Sudetendeutschen ist, ihre Wünsche und Interessen durch dieSudeten-- deutsche Partei vertreten zu lassen. Die von allen übrigen Parteien allein noch vorhandenen deutschen Sozialdemokraten, die sich nur noch als Hemmschuh einer so ober so über sie hinweggehen- beri Entwicklung betätigen könnten, finb zur völligen Bedeutungslosigkeit herabgesunken, lieber sie braucht man nicht länger zu reden, und daß man es selbst in Kreisen der Prager Regierung nicht mehr tut, ist ein sicherer Gradmesser für ihre künftige Einflußlosigkeit. Damit hat sich vor den Augen einer an den gegenwärtigen Vorgängen in der tschechoslowakischen Republik höchst interessierten Weltöffentlichkeit die Tatsache bewahrheitet, daß nur d i e Partei Konrad Henleins ermächtigt ist, im Auftrags der sudetendeutschen Volksgruppe zu sprechen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß auch am letzten Wahltage, am 12. Juni, ein eindeutiges Votum der Sudetendeutschen für die SDP. abgegeben werden wird. Daraus resultiert, daß man sich im tschechischen Lager noch stärker als bisher des - Umstandes bewußt werden muß, daß alles, was jetzt geschehen kann und soll, von der Bereitschaft b er Regierung z u e i n e m A u s g l e i ch abhängt. ASf der sudetendeutschen Unterhandlungsseite sind — wenigstens im Grundsätzlichen — die Fronten abgeftecktx Sie gruppieren sich um die von Konrad Henlein in seiner programmatischen Karlsbader Rede erhobenen Forderungen. Nun liegt es in der Hand und nicht zuletzt auch im Interesse der Prager Regierung, ihrerseits Farbe zu bekennen. Mit leeren und hinhaltenden Erklärungen einer immer wieder als wünschenswert bezeichneten Verständigung kann es jetzt nicht länger mehr sein Behenden haben. Wenn man mit Spekulationen auf außenpolitische Rückwirkungen weiterhin von einer gefährdeten Integrität des Staates spricht, so mutz man sich endlich vergegenwärtigen, daß solche Befürchtungen nicht abgeschwächt werben, indem man fortgesetzt über sie redet, sondern daß man bereit sein muß, die Dinge wieder, dahin zurück- z u f ü h r e n, von wo sie ihren A u s g a n g nahmen. Was hier zur Erörterung steht, ist ja ein vornehmlich innerpolitisches Problem. Wenn man, möglicherweise über den Kopf der Regierung hinweg, im höchst ungeeigneten Augenblick militärische Rückgriffe für nützlich hielt, so muß man sich im tschechischen Lager darüber klar werden, daß durch diese Maßnahmen eine Bereinigung erschwert wird und bei ihrer keineswegs zu rechtfertigenden Aufrechterhaltung auch künftig verbaut zu werden droht. Damit ist nicht etwa nur der sudetendeutsche Standpunkt präzisiert. Auch in Kreisen der gemäßigten Tschechen hat sich inzwischen die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß auf der Programmankündigung eines Befriedungskonzertes Maschinengewehrgeknatter und Geschützdonner eine" unmögliche Beigabe waren. Die Vorgänge der letzten Woche haben erkennen lassen, daß die in der Vorwoche durch die hitzige Aushebung starker militärischer Einheiten zuge- sstitzten Probleme wieder auf den einzig oernünf« tigen Weg gebracht sind, nämlich in die innere Linie zurückzukehren. Es kann freilich nicht oft genug betont werden, daß das Verdienst an der inzwischen erreichten Entspannung allein der sudetendeutschen Disziplin zukommt- Diplomatische Einsprüche, denen die " tschechische Presse aus durchsichtigen Gründen so viel Bedeutung beimißt, mögen vielleicht insofern einiges bei» , getragen haben, als sie der Regierung Hodza im eigenen Lager den Rücken stärken konnten, aber entscheidend für die Entwicklung konnten sie unmöglich sein. Das geht ja auch schon daraus hervor, daß sie zwecklos hätten bleiben müssen, sofern die Sudetendeutschen gegenüber den Zumutungen, die man schon wirklich nicht mehr anders als mit Provokationen bezeichnen kann, die Nerven verloren hätten. Es hätte niemand zu verwundern brauchen, wenn es geschehen wäre, denn das Pulverfaß stand bereit, und der Funke drohte zum vorletzten Wochenende stündlich überzuspringen. Daran muß erinnert werden, wenn man mit reservierter Genugtuung feststellt, daß jetzt Möglichkeiten eröffnet sind, die Spannung über das inner- politische Gleis weiter abzuwickeln. Erst wenn es sich herau^stellt, daß die schwelende Unsicherheit keinen unverzüglichen' Brand mehr auszulösen imstande ist, wird man den Dingen freier entgegensehen können. Aus diesem Wunsche heraus erklärt sich schließlich auch die Forderung der SDP., d i e militärischen Maßnahmen wieder ein- g e st e l l t zu sehen. Solange sie fortbestehen, muß das Vertrauen erschüttert bleiben. Dafür sollte man auf tschechischer Seite endlich^twas mehr Verständnis haben. Immerhin ist die Entspannung nun so weit gediehen, daß die am 23. Mai durch eine Aussprache zwischen Konrad Henlein und Ministerpräsident Hodza eingeleiteten Verhandlungen weitergeführt werden konnten und — immer vorausgesetzt, daß es nicht zu neuerlichen Störungen kommt — fortgesetzt werden können. Wie man in Prag hört, hat die SDP. der Regierung inzwischen einen Entwurf vorgelegt, in dem die von der sudetendeutschen Volksgruppe im Zuge der Verhandlungen über das neue Nationalitätenstatut erwarteten Zusagen feftgekgt sind. Ob es sich dabei bereits um den von der tschechoslowakischen Regiefortgeschwemmt worden sein» Das Vordringen der Kriegsschiffe soll anscheinend mit der Offensive des Heeres gegen Hankau zusammenfallen. Die südchinesische Handelsmetropole Kanton wurde am Montagvormittag zum vierten Male einem schweren Luftangriff ausgesetzt. Der neue Angriff auf Kanton, i^n Ausgangspunkt der für China lebenswichtigen Eisenbahnlinie Kanton— Hankau, wurde von etwa zwanzig Flugzeugen durchgeführt. Insbesondere die Gebäude der Regierung waren erneut das Angriffsziel der japanischen Flieger. Obwohl die Japaner es bisher möglichst vermieden haben, die ausländische Niederlassung (Schamien) zu überfliegen, macht sich unter den in der Niederlassung wohnenden Ausländern eine gewiss? Besorgnis bemerkbar, zumal Schrapnellsplitter wiederholt in die Niederlassung getragen worden sein sollen. Die Straßen der Niederlassung waren infolgedessen^ bis in die frühen Nachmittagsstunden des Montags verlassen. Zum Schutze der britischen Staatsangehörigen in Kanton sind am Montagoormittag zwei weitere englische Kanonenboote, „Cicala" und „Seamew", nach Kanton abgegangen. Die Boote „Moth" und „Tarantula" liegen bereits vor Kanton. Die Zahl der in Hongkong lebenden Flüchtlinge wird auf über 750’000 geschätzt. Die Behörden tragen sich bereits mit dem Gedanken, jeden weiteren Zuzug zu sperren, da die Seuchengefahr immer größer und die Ernährungsfrage immer schwieriger wird. Gegenüber diesen streng rassisch bedingten Grund- ■ sätzen vertreten die Engländer den Nutzlich- keitsstandpunkt. Theoretisch sind sie zwar auch für die Trennung der Rassen, aber sie sind zugleich auch, wie in Indien, Opportunisten und mochten die Eingeborenen „heben" und zur Mitarbeit heranziehen. Durch die Bildung der E i n h e i ts partei sind diese Gegensätze bis zu einem gewissen Grade überkleistert worden. Wie auf anderen Gebieten, mußte die Regierung auch in der Eingeborenenfrage Kompromisse machen. Im großen und ganzen überwog zwar weiter der Burenstandpunkt, zumal 1 auch General Smuts auf diesem Gebiet mehr Bure ist als Engländer, aber man machte doch Zugeständnisse, die von Dr. Malan und ferner Partei abgelehnt und im Wahlfeldzug rücksichtslos bekämpft wurden. Aber die Nationalistische Partei fordert auch ein Verbot jeder weiteren jüdischen Einwanderung sowie die Brechung der Dorherr- schast ausländischer Banken und ausländischer Reeve, reien wobei unter „ausländisch" „englisch zu verstehen ist. Nicht zuletzt steht auf dem Programm der Nationalistischen Partei die vorbehaltlose N e u - „Waffengleichheit" zwischen Ankläger und Angeklagten. Dafür tritt nun eine klare Abgrenzung der Verantwortlichkeiten ein: der Staatsanwalt ist für den gesamten ersten Teil des Verfahrens verantwortlich, nämlich für die Untersuchung, das Gericht aber für das Hauptverfahren. Der Staatsanwalt übernimmt damit auch die- Verpflichtung, alle Vorgänge, die für den betreffenden Fall wichtig sind, selbst zu bearbeiten. Er erhält neue Zwangsmittel und neue Rechte, um die Materie zu klären. Daher wird er künftig die Befugnis erhalten, Haftbefehle auszu- fpechen, Beschlagnahmungen und Durchsuchungen vorzunehmen, zu denen bisher ein richterlicher Beschluß vorliegen mußte. Wenn dann die Anklage erhoben ist, geht die weitere Verantwortung an das Gericht über. Die Strafgerichte werden künftig folgende Zusammensetzung aufweisen: für die Fälle der „kleinen Kriminalität" bleibt es bei dem System des Einzelrichters, das sich bewährt hat. Die mittleren Fälle kommen vor ein Schöffengericht aus einem Richter und zwei Schöffen, für größere Verfahren gibt es noch eine S ch äffen k a m m e r aus zwei Richtern und drei Schöffen. Das Schwurgericht ist auch fernerhin das große Schöffengericht, das schwere Fälle abzuurteilen hat. Es besteht aus drei Richtern und sechs Geschworenen, die aber nicht getrennt beschließen, solidem gemeinsam. In allen Fällen ist also eine Mehrheit von Richtern vorhanden, die aus dem Volk kommen. (Laien^Richter.) Der vorsitzende Richter erhält erhöhte Befugnisse: er kann über Beweisanträge ohne besondere Beratung befinden, Haftbefehle von sich aus erlassen usw. Der Gedanke des Führertums ist damit auch im Strafprozeß zur Geltung gekommen. Die Urteile sollen auch weiterhin durch kollegialen Beschluß gesprochen werden. trldjetm tftgltd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • DieScholle Monatr-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr. . e -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Sietzeu Postscheckkonto: Zranfturt am Main 11686 Südafrika mit seiner steigenden Golderzen- gung ist heute ein reiches Land, das alle Welt unmittelbar oder mittelbar pflichttg ist und dessen Staatshaushalt daher seit Jahren teilweise sehr be= ,t deutende Uebe-schüsse aufweist. Sogar die Last neuer -! Rüstungen wird mühelos getragen. Trotzdem wirkt Oie Südafrikanische Union Hai gewählt. Von unserem S. T.-Korrespondenien. London, Mai 1938. Während im allgemeinen Parlamentswahlen in den englischen Gliedstaaten in London ohne Korn-, mentare verzeichnet werden, sind die Ergebnisse der Wahlen in der Südafrikanischen Union hier sehr eingehend geprüft worden. Anlaß dazu war die Tatsache, daß die im Jahre 1932 gegründete Verewigte Südafrikanische Partei in diesen Wahlen vor ihrer ersten großen Probe stand und diese auch bestanden hat. Von den 150 Sitzen im südafrikanischen Parlament eroberte die Vereinigte Partei 111 Sitze. Gegenüber der Zusammensetzung des alten, vor einigen Monaten aufgelösten Parlaments bedeutet dieses Ergebnis zwar einen Verlust von sechs Sitzen; aber bei der Wahl des alten Parlamentes hatte die Vereinigte Partei noch .nicht bestanden, und-ihre Fraktion war erst später durch den Zusammenschluß der Mehrheiten der Nationalen Buren-Partei und der alten englischen Südafrikanischen Partei entstanden. Dieser Zusammenschluß ist nunmehr von einer Mehrheit der Wähler bestätigt worden, und da die Vereinigte Partei für die Zusammenarbeit zwischen Buren und Engländern und Südafrika und London eintritt, sieht man hier in dem Wahlausgang eine Festigung des Gefüges des Weltreiches. Anderseits gibt es aber auch Stimmen, die den Wahlausgang lediglich als Fortsetzung des im Jahre 1932 in der südafrikanischen Innenpolitik eingetretenen Schwebezustandes bezeichnen. Bis zu diesem Zeitpunkt standen sich die von General Hertzog geführte Nationalistische Buren-Partei und die Südafrikanische Partei unter Führung von General Smut.s in scharfer Opposition "gegenüber. Die beiden Generale hatten einst gemeinsam gegen England gekämpft, dann aber hatte sich General Smuts immer mehr zum Vorkämpfer der inner- und außenpolitischen Zusammenarbeit mit den Engländern und mit England entwickelt, während General Hertzog der Führer der Buren geblieben war. Anfang 1932 verfügte General Hartzog mit Unter» 4 stützung der Arbeiterpartei noch über eine kleine Mehrheit im südafrikanischen Parlament. Aber die Not der Zeit zwang den Burenführer ju einem Kompromiß mit dem einstigen Mitkämpfer und späteren Gegner, General Smuts. Seitdem haben .beide gemeinsam, der eine als Ministerpräsident, der andere als stellvertretender Ministerpräsident, die Geschicke der Südafrikanischen Union geleitet. Aber nicht alle Buren folgten General Hertzog in das Gemeinschaftslager mit General Smuts. Eine Minderheit unter Hertzogs einstigem engsten Mitarbeiter, Dr. D. F. Malan, blieb draußen. Im alten Parlament verfügte diese Nationalistische Partei über zwanzig Sitze; im neuen hat sie 27 Sitze. Auf der anderen Seite gab es aber auch Engländer, Die jede Zusammenarbeit mit den Buren ablehnten. Auch hiefe haben bei den Neuwahlen ein paar Sitze gewonnen. In dem aufgelösten Parlament gab es von ihnen nur fünf, in dem neuen gibt es acht Sitze. Hierzu kommen noch drei Mitglieder der Arbeiterpartei, die in den letzten Jahren immer mehr an Einfluß ein- gebüßt hat, sowie ein Unabhängiger. Die Mehrheit Der Kompromißler um Hertzog und Smuts ist somit sehr bedeutend. Wahlberechtigt, waren rund 1,2 Millionen, die sich zu 60 v. H. aus Buren zusammensetzen. Die restlichen 40 v. H. sind Engländer und Angehörige bzw. Abkömmlinge europäischer Nationen. Hierzu kommen 6,5 Millionen Neger und runb 800000 Mischlinge, die kein Wahlrecht haben. Diese starke Negerbevölkerung ist einer der Gründe für die Gegensätze zwischen Buren und Engländern. Die über eine sehr viel längere Erfahrung als die Engländer verfügenden Buren sind traditionell f ü r eine reinliche Scheidung zwischen Weißen und Eingeborenen, die nach ihrer Auffassung vollständig voneinander getrennt leben müssen. Wo diese reinliche Scheidung unmöglich ist, wie, im Falle von eingeborenen Dienstboten ober Hilfsarbeitern, sollen diese nach Auffassung der Buren einer strengen Disziplin unterworfen und ihrem Eigenleben überlassen bleiben. Jede „zivilisatorische" Erziehungsarbeit an den Eingeborenen, jede Misstonstätigkeit und ähnliche Dinge werden von den Buren schroff abgelehnt. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen DntÄ und Verlag: vruhlsche Univerfilätrdrnckerei R. Lange in Gießen. Schristleitvng und Seschästrftelle: Schulstraße 7 Handwerkliche Fachkongresse. Feierliche Eröffnung in der Berliner Krolloper. rung geforderten Gegenentwurf der 6 D P. zum Nationalitäten st atut handelt, läßt sich mit Sicherheit nicht sagen. Es ist schwierig, bei der Fülle der in den politischen Salons der Moldaustadt kursierenden Gerüchte zwischen Dichtung und Wahrheit, zwischen Intrige und Aufrichtigkeit hindurchzüfittden. Aber soviel scheint richtig zu sein, daß in dem am vergangenen Samstag auf der Prager Burg von führenden Unterhändlern der Sudetendeutschen Partei überreichten Schriftstück die von Konrad Henlein in Karlsbad aufge ft eilten F o r d e - r u n a e n genauer umrissen worden sind. Damit ist den weiteren Besprechungen neuer Unterhaltungs-- stoss zugewiesen, denn was. bisher diskutiert werden konnte, erschöpfte sich ja mehr oder weniger im vorsichtigen Abtasten der Möglichkeiten, die die Kontrahenten sich für die in Aussicht genommenen Besprechungen offenhalten wollten. Wenn es gelingt, Unbedachtsamkeiten zu vermeiden, bleiben 14 Tage Seit; um' Forderungen und Gegenforderungen auszugleichen und auszuwiegen. Sofern — was sich mit Sicherheit eben noch nicht sagen läßt — beiderseitige Entwürfe über ein Nationalitäten- ftatut bereits vorhanden sind, so sollen nun Möglichkeiten gesucht werden, um diese beiden Entwürfe miteinander in Einklang zu bringen. Offenbar ist ja beabsichtigt, das tschechoslowakische Parlament am 15. Juni, also drei Tage nach dem völligen Abschluß der Gemeindewahlen, zu dem Ergebnis dieser Beratungen Stellung nehmen zu lassen. Wenn es, im Rahmen der europäischen .Politik gesehen, auch zu begrüßen ist, daß die Probleme sich inzwischen mehr und mehr vom außenpolitischen Wirbel abgesondert haben, so ist doch zu hoffen, daß sie nun nicht in den Strudel der tschechischen Haus- skreitigkeiten geraten. Was hier auf dem Spiele steht, ist zu ernst und in feinen vielseitigen Folgen zu schwerwiegend, als daß es zwischen die Räder der parteipolitischen Mühle geraten darf. Es ist, mit guter Begründung, der^Verdacht ausgetaucht, daß das tschechoslowakische Militär als eine Folge zwar nicht ausgesprochener, aber kaum zu übersehender Differenzen zwischen den zur Mäßigung ratenden tschechischen Parteien und den radikalen Linken, denen sich hier sogar Teile der Regierungsmehrheit zugesellt haben, aufgeboten worden sei. Höchst aufschlußreich ist ja, daß alle Kräfte, die für einen leidenschaftslosen Ausgleich der Interessen eintreten, von den tschechischen Linksradikalen offen als „Vaterlandsverräter" verleumdet werden. Um das politische „Gewissen" solcher Moralprediger zu kennzeichnen, genügt es zu bemerken, daß man sie samt und sonders der Kategorie „Volksfront" zuweisen könnte, die sie aber wiederum nicht zustandebringen, weil sie sich nur in ihrer antideutschen Stellungnahme einig sind. Abgesehen von dem höchst traurigen Zwischenfall in Eibenberg, der keiye politischen Folgen zu haben braucht, weil es sich ja um einen UeberfaU verhetzter deutscher Marxisten auf Sudetendeutsche handelte, ist auch der zweite Wahlsonntag in der Tschechoslowakei im allgemeinen ruhig verlaufen. Damit müßte allen chauvinistischen Hitzköpfen die Erkenntnis aufgedämmert sein, daß die von ihnen gelieferte Begründung der militanten Maßnahmen als Sicherheitsmaßregeln keineswegs zutrisft, sondern daß eben diese Maßnahmen einen hochexplosiven Unsicherheitsfaktor darstellen. Es ist erforderlich, daß wieder normale Verhältnisse chergestellt werden. Wenn die Ruhe trotz der noch anhaltenden Verhältnisse aus dem Augenblick der Hochspannung bis jetzt gewahrt worden ist, so muß man endlich ein Einsehen dafür haben, daß die Weigerung ihres Abbaues als eine neuerliche . Provokation ausgelegt zu werden verleitet. Wie man die Dinge auch betrachtet und von welcher Seite man an sie herangeht — immer ergibt es sich, daß die Notwendigkeit, den er st en Schritt zur Herstellung normaler Verhältnisse zu tun, a u f der tschechischen Seite lastet. Prag hat noch immer das Wort! , Oer sudeiendeutsche Wahrsieg Prag, 30. Mai. (Europapreß.) Die zweite Etappe der Gemeindewahlen brachten im sudetendeutschen Gebiet der Sudetendeutschen Partei tinen noch höheren Sieg als die Wahlen vom vorigen Sonntag. In den Gemeinden mit deutscher Mehrheit wurden insgesamt 307 000 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf die Sudetendeutsche Partei 283 000 oder 9 2,2 v. H. Besonders erwähnenswert ist da-s Ergebnis im Bezirk Böhmisch Leipa, wo in elf Gemeinden, in. denen die Wahl ftattfanb, die Sudetendeutsche Partei von 2036 deutschen Stimmen 2021, also 9 9,6 v. H. erhielt. Dieser ungeheure Sieg der Sudetendeutschen Partei geht deutlich auf Kosten der deutschen Sozialdemokraten und der Kommunisten. Dagegen verzeichnen die Kommunisten im tschechischen Gebiet fast überall Stimmengewinne. Bei den Wahlen in die Vertretungen der einzelnen Prager Stadtbezirke stieg di^ Stimmenzahl der Tschechischen Volkssozialisten von 142 000 am Vorsonntag auf 158 000. Die Kommunisten erzielten gegenüber dem vorigen Sonntag eine Zunahme um über 12 000 Stimmen. Dem Sieg dieser beiden tschechischen Linksparteien steht ein neuerlicher starker Rückschlag der rechtsstehenden nationalen Liga (Stribrny) und der tschechischen Faschisten (Gajda) gegenüber. — Die Sudetendeutsche Partei, die nur in einzelnen Bezirken kandidierte, konnte ihre Stimmenzahl durchweg behaupten. Prag sagt Bestrafung der schuldigen Militärflieger,u. Berlin, 31. 2ttai. (DNB.) Der Leiter der politischen Abteilung des Prager Außenministeriums Dr. firno hat, wie das Tschechoslowakische Preß- düro meldet, den deutschen Gesandten Dr. Eisen- l o h r über die Untersuchung des Uebersliegens deutschen Gebietes durch tschechoslowakische Militär- slugzeuge unterrichtet und zugesagt, daß alle Schuldigen bestraft würden. Weiter hat Gesandter Dr. krno mitgeteilt, daß die Grenzzone, deren Ueberfliegen den tschechoslowakischen Flugzeugen verboten worden sei, auf 10 Kilometer ausgedehnt wurde. ♦ * Es bleibt nur noch der Wunsch offen, daß die Zusage des tschechischen Außenministeriums zur Tatsache wird und daß dadurch weitere Zwischenfälle wirksam unterbunden werden und endlich wieder Beruhigung im Grenzgebiet eintritt. Berlin, 30. Mai. (DNB.) Das deutsche Handwerk hatte alle Vertreter der an der Internationalen Handwerksausstellung 1938 beteiligten Nationen sowie die Spitzen des deutschen Handwerks zu einer Festsitzung im Plenarsaal der Krolloper anläßlich der Eröffnung der internationalen Fachkongreise geladen. Der Leiter des deutschen Handwerks in der DAF., Paul Walter, brachte zum Ausdruck, daß diese Festsitzung gleichzeitig den Auftakt für die 20 internationalen Handwerkskongresse bilde. Wir haben, so sagte er, unsere Aufaabe im Handwerk darin zu erblicken, das Material inyeine Form zu zwingen, die die Form unserer Zeit ist. Nur so werden wir unserer eigentlichen Mission, Kulturschöpfer und Kulturträger zu fein, gerecht werden. Durch die im Handwerk vorherrschende Betriebsform, die im wesentlichen nur Klein- und Mittelbetriebe kennt, und durch die besondere handwerkliche Mentalität ist der Handwerksbetrieb viel weniger konjunkturempfindlich als der industrielle Großbetrieb. Für die stetige Entwicklung einer Volkswirtschaft wird es immer von Vorteil'sein, wenn ein, zahlenmäßig starkes und gesundes Handwerk vorhanden ist. Der technische Fortschritt, die Entwicklung der menschlichen Kultur, wird in starkem Maße davon abhängig fein, inwieweit das Meisterhaus seiner Pflicht zu erziehen nachkommt. Die Frage der Versorau n g des alten und arbeitsunfähigen Handwerkers fei bisher von den wenigsten Staaten aufg^griffen worden. Aus dem Handwerk heraus entsteht jene Schicht, die, richtig eingesetzt, das Volk vor wirtschaftlichen und kulturellen Rückschlägen bewahren kann. Der Präsident der Internationalen Handwerkszentrale, Professor B u r o n z o , erklärte, die Internationale Handw'erkszentrale sei gegründet worden, weil die schöpferische Arbeit, die das Handwerk frei leiste, Kulturwerte darstelle, die bei allen zivilisierten Völkern anerkannt werden müßten. Die Kultur» krise, die die menschliche Gesellschaft quäle, könne wertvolle Hilfe finden und sich lösen, wenn das Handwerk in der großen Welt der Arbeit auf seinen Ehrenplatz gestellt werde. Der Genius eines Volkes und einer Epoche finde nur im Handwerk die Möglichkeit, Wirklichkeit zu werden und sich zu sozialen Formen, die für das Allgemeinwohl fruchtbar seien, auszuwirken. Vollkommen unpolitisch kenne die Internationale Handwerkszentrale keine andere Basis für die internationale Handwerkerschaft als das Handwerk. Auf dem Boden der praktischen Aktion fei der Austausch der zwischenstaatlich organisierten Handwerker ins Leben gerufen worden. Heute feien es 305 Handwerker, die bereits von dieser Einrichtung Gebrauch gemacht haben. In dieser Lebensschule erwerbe das Handwerk Vollkommenheit und Leistungskraft. Mit der Ausstellung in Berlin fei ein weiterer Schritt auf praktischem Gebiet getan worden, indem die Frage der-W e r - düng für die Handwerkserzeugniffe und ihren Exporthandel aufgerollt wurde. Nach einem Hinweis darauf, daß es bei dem Kongreß d i e Masse der Handwerker selbst sei, die ein Lebenszeichen internationalen Zusammenschlusses auf streng technischer und beruflicher Grundlage gebe, schloß Bu- ronzo mit der Feststellung, daß es die Hauptsorge Das Institut für Konjunkturforschung veröffentlicht feinen Hal'bjahresbericht über die Wirtschaftslage im Frühjahr 1938. Die deutsche Wirtschaft /hat, wie es dort heißt, n'ach kurzer und wenig aus- jeprägter Winterpause ihren Aufschwung erneut ort gesetzt. Schon Ende April war der Beschäftigung shöchstftand des vergangenen Jahres über«- chritten. Die gewerbliche Gütererzeugung lag im Februar um 11,4 v. H. über Vorjahresstand. Auch in der Rohstoffversorgung sind in der letzten Zeit erhebliche Erleichterungen ein getreten. Einmal beginnt die inländische Produktion schärfer anzulaufen: Bei den Nichteisenmetallen hat sie auf den meisten Gebieten den Höhepunkt des Aufschwungs 1927 bis 1929 überschritte^. Der Anteil der aus inländischen Rohstoffen erzeugten Mineralöle am Verbrauch hat im letzten Jahr etwa 36 v. H. erreicht. Von den füt Vergasermotoren verbrauchten Kraftstoffen wird rund die Hälfte aus inländischer Rohstoffversorgung geheckt. An Zellwolle ist für das laufende Jahr mit einer Produktion von 150 000 Tonnen (1937: 102 000 Tonnen) zu.rechnen. Der Anteil der inländischen Erzeugung an der Gesamtversorgung mit T^xtilrohstoffen hat 1937 bereits 22 v. H. erreicht. Die der Bekleidung dienenden Rohstoffe stammten in diesem Jahre zü 38 v. H. aus inländischer Erzeugung. Außerdem haben Veränderungen im' Außenhandel die Spannungen in der Rohstoffversorgung vermindert. * Der eben dargestellte allgemeine Aufschwung der deutschen Wirtschaft wird besonders deutlich illustriert durch den starken Aufschwung der Kunst- s e i d e. Die führenden Unternehmungen dieser Industrie, Bemberg und Vereinigte Glanzstofffabriken, haben das Geschäftsjahr 1937 erfolgreich ab schließen können. Bei Bemberg hat sich d ie Aufwärtsentwicklung sowohl im Ausbau wie auch im Absatz in den ersten Monaten dieses Jahres weiter fortgesetzt. Für neue Anlagen sind insgesamt 3,75 Millionen Mark aufgewendet worden, während die Abschreibungen um das Fünffache gestiegen sind. Aus dem stark erhöhten Reingewinn hak Bemberg die Dividendenzahlung mit 6 v. H. auf das Aktienkapital von 20 Millionen Mark wieder ausgenommen. Bemerkenswert ist die wesentlich gebesserte Liquidität. Auch bei Glanzstoff ist der Rohüberschuß fast 14 v. H. höher als im Vorjahre ; die Anleiheabschreibungen sind gleichfalls gestiegen, die Reserven sind erhöht, und rein mengenmäßig konnte Glanzstoff eine Erzeugungssteigerung von 25 v. H. verzeichnen, während Bemberg sogar feststem, daß die Produktionsanlage nicht ausreichte, um den Lieferungswünschen nachzukommen. * , Auch der größte deutsche Kalikonzern, die W i n t e r s h a l'l AG., kann nach dem Geschäftsbericht 1937 eine Erzeugungssteigerung in allen Betriebssparten aufweisen. Der Absatz des deutschen Kalisyndikats ist 1937 unter dem Einfluß der landwirtschaftlichen Erzeugungssteigerung durch verstärk- ten Düngemitteleinsatz um 13 v. H gegenüber dem Vorjahre auf 15,4 Millionen Doppelzentner Rein- kali angewachsen. Etwa im gleichen Umfange find auch btc Lieferungen der Wintershall Werke auf .5,5 Milk Doppelzentner qeitiegcn. Der G'M) lsberi-ht 1 weist gleichzeitig daraus hin, daß der Syiiditatsob-. fein müsse, bas Handwerk vor betrügerischen und nicht handwerksechten Einflüssen zu schützen, die es nur schwächen und trennen würden. AeichMttschaflsmimster Funk führte dann u. a. aus, das neue Wirtschaftsdenken ist in Deutschland aus dem Kraftquell der politischen Idee des Nationalsozialismus erwachsen. Es ist die ideelle Ausrichtung des gesamten Volkslebens auf die alles beherrschende Idee der Volksgemeinschaft. Innerhalb dieser Volksgemeinschaft ist der einzelne Volksgenosse alles, außerhalb der Volksgemeinschaft ist er nichts. In der Volksgemeinschaft findet er Arbeit, Wohlstand und Glück, außerhalb der Volksgemeinschaft verkümmert er geistig, seelisch und wirtschaftlich. Im und vom Handwerk lebt heute mehr als ein Siebentel der gesamten Bevölkerung des Deutschen Reiches. Die Umsätze des deutschen Handwerks sind heute um 100 v. H. höher als zur Zeit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus. Das Handwerk ist die Pflanzstätte des gelernten Arbeiters, ist der beste Garant für die Durchsetzung des Wert- und Qualitätsgedankens in der Wirtschaft. Die Produktionsleistungen, die im engsten räumlichen Zusammenhang zwischen Erzeuger und Verbraucher und in engem Kontakt zwischen diesen vollbracht werden müssen, kann nur das Handwerk durchführen. Es ist wiederholt betont worden, daß der Nationalsozialismus keine Exportware ist. Wir sind keineswegs so anmaßend zu glauben, daß die Welt nur nach unseren (allerdings sehr erfolgreichen) Methoden glücklich werden kann. Es wird nicht bestritten werden können, daß jedes Volk, das bestrebt ist, feine Wirtschaft aus eigener Kraft in Ordnung zu bringen, damit auch einen Beitrag zur Ueberroinbung der weltwirtschaftlichen Schwierigkeiten liefert. Kein Land hat, auf die Dauer gesehen, einen Vorteil davon, wenn es anderen Ländern schlecht geht. Nur ein wirtschaftlich gesundes Land kann ein wertvoller Faktor bet Weltwirtschaft sein. Empfang im Charlottenburger Schloß. Berlin, 30. Mai. (DNB.) Reichsmißister Dr. Goebbels unb Frau empfingen bie Vertreter bes auslänbifchen unb deutschen Handwerks in den Räumen des CharlottenburgerSchlosses. In geschmackvoller Weise war die Flucht dei^ Zimmer, die nach dem weiträumigen Park hinaus liegen, für diesen festlichen Empfang hergerichtet worden. Dr. Goebbels konnte unter den Gästen neben dem Präsidenten der Internationalen,Handwerkszentrale Professor Buronzo (Rom) begrüßen den polnischen Botschafter, den Gesandten Ungarns sowie den polnischen Handelsminister Ronan, bie Reichsminifter Funk unb Gärtner, ben Reichsorganisationsleiter Dr/Ley, Stabschef Lutze, Oberbürgermeister Dr. Lippert, ferner alle führenden Persönlichkeiten bes Handwerks. Der Charlottenburger Schloßpark war durch Scheinwerfer beleuchtet. Von dem mit Wolken dicht bezogenen Abendhimmel hoben sich kulissenhaft die Baumgruppen des'schönen, alten Parks ab. Aus der Schloßterrasse war die lange Reihe der Kandelaber durch herrliche Blumenkörbe geziert. satz im ersten Vierteljahre 1938 die gleiche Zeit des Vorjahres wieder um 12 v. H. übertroffen hat. Hand in Hand mit der Absatzsteigerung ging ein Ausbau aller Förderanlagen. Der gleiche Aufschwung zeigte sich auch in den übrigen Geschäftszweigen des Konzernes.' *« Die I G. - F a r b e n i n b u ft r i e - A G., Frankfurt a. M., erhöht für ihr Geschäftsjahr 1937 die Dividende auf 8 (7) v. H. mit dem Bemerken, daß 1 v. H. hiervon dem Vortrag aus 1936 entnommen sei. Der Geschäftsbericht läßt erkennen, daß das Jahr 1937 von Arbeiten für ben Vierjahresplan auf fast allen Gebieten beherrscht war, daß dafür ein großer Finanzbedarf vorhanden, baß gleichzeitig gewisse Opfer, z. B. durch die Preissenkungen auf dem Stickstoffmarkt, verbunden waren, daß aber gleichzeitig durch ben Hochstanb bes Jnlandmarktes und der Behauptung der Ausfuhr die Finanzkraft des Unternehmens sich steigern konnte. Der Gesamtumsatz erhöhte sich bei Steigerung bes Jnlanh- geschäftes. Die IG. hofft, ihre Gesamtausfuhr auch im laufenben Jahre halten zu können, doch wird der wichtige Exportmarkt des Fernen Ostens durch den dortigen Konflikt mit Besorgnis verfolgt. Farbstoffe hatten höhere Umsätze im In- und Ausland. Auch Chemikalien erhöhten ihren Umsatz, besonders im Jnlandgeschäft. In Pharmazeutika mürben, eine Reihe neuer Heilmittel auch im Auslande eingeführt. Photographika hatten eine recht befriedigende Weiterentwicklung. Kunstseide- und Zellwollprodukje hatten vollen Absatz der erweiterten Produktion. Eine neue Spezialkunstseide für Autodecken ist zu erwähnen. Riechstoffe verfügten über zufriedenstellende Umsätze. Der Stickstoffabsatz wurde durch die bekannte Preisermäßigung angeregt. Die Steigerung reicht aber nicht aus, um den durch die Preisermäßigung bewirkten Ausfall trotz geringerer Abschreibungen auszugleichen. In den Exportländern zogen die Preise an. Die Erzeugung an Treibstoffen wurde weiter gesteigert. Der Absatz in Leuna-Treibgas nimmt eine günstige Entwicklung. Die Versuchsarbeiten für synthetische Schmieröle, für Aufarbeitung deutscher Erdöle sowie für weitere neue Verfahren auf dem Mineralölgebiet wurden erfolgreich weitergeführt. Für 1938 ist mit der Inbetriebnahme mehrerer neuer Treibstoffanlagen zu rechnen. Die Braunkohlenproduktion erhöhte sich auf 28,57 (24,61) Mill. Tonnen, die Steinkohlenförderung auf 1,59 (1,39) und die Kokserzeugnisse auf 0,51 (0,50) Mill. Tonnen. Die Betriebe waren voll ausgenutzt, bei den Braunkohlenwerken wurde die Teererzeugung bereits in Großem aufgenommem Nach Zuweisung zur freien Pücklage von 5,29 aus Gewinnvortrag 1936 und 10 Mill. RM. ans Jahresertrag 1937 sowie nach Abschreibungen auf bas Anlagevermögen non 105,25, verbleiben einschl. 6,8 (4,94) Restgewinn- Dortrag 54,85 (60,37) Mill. RM. ausweispflichtiger Reinertrag. Hieraus werben auf 680 Mill. RM. Stammaktien 8 (7) v. H., davon 1 v. H. stockpflichtige Dividende und 0,45 Mill. RM. AR.-Vergütung gezahlt. Das günstige Bild der deutschen Gesamtwirtschaft wird abgerundet bimd) h«c weiter steigende Bautätigkeit. Die Bouerloubnisse übertrafen das Vorjahr mit 21,9 o. die ^Baubeginns mit 27,9 v. H., die Bauanträge um 11,13 v. H. Besonders zu begrüßen ist es, daß der Vorrang bes Ardeiter- wohnstättenbaus in der Neubautätigkeit nunmehr auch praktisch stark in Erscheinung tritt. Der Anteil der Kleinwohnungen an den Neubauten ist von 45,7 v. H. im ersten Vierteljahr 1937 auf 57 v. H. im ersten Vierteljahr 1938 gestiegen. Noch kenn- zeichnender für den anteilmäßigen Umfang des Ar- beiterwohnstättenbaus ist bie Feststellung, daß 69,4 v. H. aller fertiggestellten Neubauwohnungen solche mit drei bis vier Wohnräurnen waren. Parallel mit dem Anstieg des Arbeiterwohnstättenbaus geht die Anteilssteigerung der gemernnützigen Wohnungsunternehmen an der Wohnungsbautätigkeit, der 40,9 v. H. gegen 29,6 v. H. in der Dergleichszeit des Vorjahres beträgt. Die Beteiligungsquote der privaten Bauherren ist vergleichsweise stark gesunken, steht aber mit 54,3 immer noch an der Spitze. * Die Börsen in London, Paris, Amsterdam unb Prag waren infolge ber durch die Tschechoslowakei verursachten politischen Spannung reichlich nervös geworden. Die Aktienkurse fielen, bie euro- . päischen Anleihen waren sehr gedrückt, unb auf dem Devisenmarkt lagen alle europäischen Devisen schwächer, aber dann konnten sich in London am Markt der Ausländsanleihen, die ebenfalls sehr schwach lagen, deutsche Bonds wieder befestigen. Bemerkenswert bleibt, daß in Frankreich das Fluchtkapital, das zunächst wieder zurückgekehrt war, in immer steigendem Maße sich in den Dollar flüchtete. Gleichzeitig wanderte das in Holland untergebrachte Fremdkapital, namentlich für französische und belgische Rechnung wurden Börsen- engagements liquidiert, um nach London unb von da weiter nach Neuyork zu wandern. Die Nachfrage nach Dollars mar so stürmisch, daß zur Rettung des Guldenwertes ^um ersten Male seit langer Zeit der holländische Währungsausgleichsfonds Dollars in beträchtlichem Umfange ab geb en mußte. In London mußte der französische Währungsausaleichs- fonbs ständig intervenieren, und damit dürfte sich sein kürzlicher Abwertungsgewinn wohl zum größten Teile verflüchtigt haben. Die Stabilisierungs- grenze des Daladierftanken liegt bei 179, aber zum ersten Male wurde sie infolge bes gestiegenen De Ports ah es für ben Dreimonatssranken überschritten, denn es wurden in London 180 Franken' für ein Pfund geboten. Auch auf den Rohstoffmärkten wurde die leichte Belebung der Vorzeit durch erneutem Preisverfall abgelöst, für den der Rückgang des amerikanischen Verbrauchs und damit des dortigen Lebensstandards verantwortlich gemacht wird. Aus den Weltgetreidemärkten lag besonders Weizen in Neuyork mit 91,87 Cents gegen vorher 96,12 sehr schwach, vor allem wohl infolge der sehr geringen europäischen Nachfrage und der günstigeren Ernteschätzungen. Auf dem Kolonialwarenmarkt fiel das unerklärlich starke Absinken des Kakaopreises auf, Gummi lag schwächer. Der Preisindex in Gold betrug für Gummi am H4. Mai 1937 412,3, aber am 23. Mai dieses Jahres nur 246,7, der Index für Textilien sank im gleichen Zeitraum von 141,4 auf 99,7. Besonders amerikanische Baumwolle ging zurück. Den stärksten Rückgang hatten die Metallmärkte und vor allem die Kupfer preise zu verzeichnen. Schon in der vorigen Woche war Küpser in London auf 38,31 Pfund gesunken unb notierte am Dienstag nur 34,19 Pfund. Der 5. Deutsche Apothekertag • in Frankfurt. Der 5. Deutsche Apothekertag trägt gleichzeitig den Namen des 1. Großdeutschen Apothekertages, denn erstmalig sind auch die österreichischen Apotheker als Mitglieder vertreten. Die Tage, wurden durch eine Festsi tzung ber Reichs- apothekerkammer im Bürgersaal bes Römers Eröffnet. Der Bezirksapothekerführer und Leiter ber Apothekeikkammer Hessen-Saarpfalz, Pharmazierat Zenner,' konnte Abordnungen aus Frankreich, aus der Türkei, aus Rumänien und den Nordstaaten begrüßen. Gauleiter Sprenger betonte, es sei besonders erfreulich, daß die Apothelerschaft sich so rasch in den neuen jungen Staat ein geordnet habe. Alle Juden seien aus dem Stande entfernt worden. Dieser Erste Großdeutsche. Apothekertag stehe im Geist ^der nationalsozialistischen Weltanschauung. Der Reichsapothekerführer und Leiter der Reichsapothekerkammer, SA.-Brigade führ er Schmierer, gab bann einen Ueberblick über bie ständische Entwicklung bes Apothekerwesens. Im Saalbau begann die Hauptversammlung ber Deutschen Apothekerschaft. Der Reichs- jugenbroalter der Deutschen Apothekerschaft, Pg. Mutschler, meldete bie vier Sieger aus dem Reichsberufswettka mp f, die Jung- apothekerin Waldmann, die Jungapotheker Hein, Petri und Völsch. Dann nahm ber Reichsapotheker, führer, SA.-Brigadeführer bch mierer, das Wort zu einem Rechenschaftsbericht. Der Apotheker habe nicht nur bie Arzneimittel herzustellen unb zu verkaufen, er habe auch die ideelle Aufgabe, ben Volksgenossen, ber vertrauensvoll zu ihm komme, in, der Erhaltung seiner Gesundheit weitgehend zu beraten. Auch ber Apothekerstand habe unter um geheurer Erwerbslosigkeit gelitten. Heute leide ejr an einem Mitarbeitermangel. Um diesen Mangel wirksam zu bekämpfen, schlug ber Reichsapothekerführer ben deutschen Apothekern vor, ihre Betriebe weitgehend zu rationalisieren, neue Betriebsmethoden einzuführen und Maschinen in verstärktem Maße heranzuziehen. Um die Leistungsfähigkeit des Apothekers aufs höchste zu steigern, werden die bisher bestehenden Kreditinstitute der deutschen Apotheker zusammengefaßt in eine Apotheker bank, die die ganzen finanziellen Verhältnisse des Standes zu regeln in der Lage ist. Der Reichsapothekerführer verlieh dem Apotheker Feldhofen in Lampertheim (Hessen) die Her- mann-Thoms-Medqille in Anerkennung für wissenschaftliche Leistungen in der Apothekerpraxis. Der Reichsapothekerführer machte Mitteilung über die Bildung einer internationalen Akademie für pharmazeutische Fortbil'dung nach dem Muster ber Deutschen Akabemie, beren Zentrale in Berlin fein wird. Auch ber Ausbau bes Deutschen Apothekermuseums in Münck-en mache erfreuliche Fortschritte. Der 6. Deutsche Apothekertag 1939 wird in Dresben ab geh alten werben. * . Der letzte Tag brachte zahlreiche Cinzelsitzungen. Im DolksbildungSheim versammelten sich die Lehr- apotheker unb Mitglieder der pharmazeutischen Dvr- prüfungskommission. Die Apotheker der SA., ff, des NSKK. und der HI. besprachen die Fragen der Arzneimittelversorgung ber Cinheiten, weiterhin hielten Tagungen ab die Pharmazieräte, die Akademie für pharmazeutische Fortbildung und die Luftschutzberater. Die Hochschullehrer sprachen über die Erforschung dec ein^L-rruriÄ-ea Wie sieht es in -er Wirtschaft aus? Arz"El.pf.lanzen, um fic im Austausch gegen die auslandflchen Droaen für die Volksgesundheit ma5e.n- besonders wichtig sind die ^e.5 Veilchens, der Primel, der Mistel. Mit diesen Einzeltagungen hat der 5. Deutsche Apo- thekertag sein Ende gefunden. Oie Kameradschaft der Re'chspost. Eine Rede Reichspostminister Ohnesorges in Wien. Wien, 31^ Mai. (DNB.) Anläßlich des Aufenthaltes des Relchspoftmlnist^rs Ohmsorge in Wien ch^'d der erste Kameradschaftsabend der Postgefolq- chast der Ostmark statt. Der Reichspoftminifter prach davon, wie sehr es von jel)«r-der Wille des Führers war, die Derbürokratisieruna der Staatsverwaltung von Grund auf zu beseitigen. Der Ersatz könne in nichts anderem Hegen, als in höchster persönlicher Verantwortung und Verpflichtung. Auch innerhalb der Deutschen ^ielchspost gelte es, an die Stelle des zwangs- mäßigen blaßen Gehorsams das gemeinschaftliche Streben aller Gefolgschaftsmitglieder nach Vollkommenheit und die stete Hilfsbereitschaft des einen für den anderen auch in der Arbeit zu fetzen Das frühere System einer Rangordnung auf Grund des Dienstalters und mitgebrachter Schulzeugnisse solle obgelöst werden durch eine Ordnung nur nach d e m Range der Leistung. Er selbst betrachte es als hohe Pflicht, sich mit jedem der 400 000 Post- angehörigen im Herzen der Kameradschaft verbunden zu wissen. Die Arbeit am Kameradschafts- krers der Deutschen Reichspost finde ihre stärkste Stütze und Untermauerung in der Arbeit der NSDAP, für die Kameradschaft des ganzen Volkes. Deshalb fei es von Anfang an sein Bestreben gewesen, eine möglichst enge Verbindung zwischen der Partei und der Reichspoft sicherzustellen. Oie erste Bräuteschule der NS.-Frauenschast. Tübingen, 30. Mai. (DNB.) Am Sonntag wurde die erste Bräuteschule der NS.-Frauenschaft im Gau Württemberg-Hohenzollern, die zugleich die e r st e B r ä u t e s chu l e im ganzen Reich ist, eröffnet. Helle und fonni-ge Wohn- und Schlafräume nehmen die 30 Schülerinnen des Kursus, der jedesmal sechs Wochen dauert, auf. Die künftigen Mütter werden hier mit dem notwendigen hausfraulichen und geistigen Rüstzeug ausgestattet, wie es der deutschen Familie entspricht. Frau Murr, die Gattin des Reichsstatthalters, hat die Schirmherrschaft übernommen, Reichsamtsleiter Hilgenfeldt betonte, wenn eine Frau lerne, ihre Kinder richtig zu pflegen und zu erziehen, dann werde ein großer Teil der Fürforgearbeit gespart. Höchste Ausgabe der Frau sei es, das Kleinkind zu erhalten. Sie diene damit der Gesundheit des Volkes. In, diesen Bräuteschulen lerne sie es in besonders vorbildlicher Weise. Sie lerne neben der Erziehung im nationalsozialistischen Sinne auch die Hauswirtschaft, die nicht weniger wichtig fei. Dabei unterstrich Hauptamtsleiter Hilgtznfeldt die Notwendigkeit einer Anpassung der Ernährungsweise an die von der Natur jeweils besonders reichlich dargebotenen Erzeugnisse.und die Unterordnung der Bedürfnisse des einzelnen unter die Lebenserfordernisse der Nation. So gesehen, stelle das Werk des Reichsmütterdienstes den Anfang der Volksfürforge dar. Der GPA.-Mrd in Amsterdam. Die holländische Presse fordert scharfes Eingreifen der Regierung. Amsterdam, 20. Mai. (DNB.) Der GP U.- Mord an dem ukrainischen Oberst Konovalez in Rotterdam gibt der holländischen Presse Veranlassung, mit großem Nachdruck stärkere Wachsamkeit über das verbrecherische Treiben der GPU.- Agenten zu fordern. Das Handelsblatt stellt fest, daß feit 1923 in Holland eine Zentral stelle der GPU. bestehe. Diese Zentralstelle fei durch die sowjetrussische Abordnung bei der Haager Konferenz ins Leben gerufen worden. In den Augen Moskaus gelte Holland als geradezu ideale Operationsbasis für die Agenten der GPU. Wenn auch das feige Verbrechen in Rotterdam der erste GPU.-Mord fei, der auf holländischem Boden verübt wurde, so müsse doch mit Sicherheit angenommen werden, daß zahlreiche GPU.-Morde in anderen Staaten in der holländischen Zentrale vorbereitet worden sind. Die GPU. versähe ihre Agenten besonders häufig mit niederländischen P ä s s e n , die in der Fälscher- zentrale in Moskau hergestellt werden. Die GPU. betreibe in Holland umfangreiche In- dustrie-und Koloniabspionage. Jahrelang habe im Haag ein angeblicher Pole, der sich Walter nannte, ungestraft wohnen und arbeiten können. Erst viel später konnte festgestellt werden, daß sich hinter dieser weltfremden gesellschaftlichen Erscheinung der fi e i't-e r der GPU. - Zen - träte für Westeuropa verbarg. Acht Jahre lang habe der GPU.-Agent Reis ungehindert in Holland sein dunkles Handwerk treiben können. Die GPU. habe ihre Spitzel in den holländischen Gewerkschaften. Die letzten Ereignisse hätten wiederum gezeigt, daß die Erklärung Litwinow- Finkelfteins, die Sowjetunion kenne keinen persönlichen Terror, Lüge sei. Die kommunistische Jnter- natiofiale schrecke vor keinem Verbrechen zurück. Die holländische Regierung müsse daher alles tun, um diese Gefahr vom Lande abzuwenden. Neue Hinrichtungswelle in der Ukraine. Moskau, 30. Mai. (Europapreß.) Neue sowjetrussische M a ss e nh i n r i ch t u n g e n werden aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew gemeldet. Dort sollen in den letzten Tagen. 217 Todesurteile an S o w j et b ea m t e n vollstreckt worden fein. Einige Angaben über die Hintergründe dieser neuen Verurteilungen wurden von dem Sekretär der bolschewistischen Parteiorgan i sa ti on von Kiew, Krjukow, auf—eme^ Parteikonferenz gemacht. Danach stehen die Hin- richtungen im Zusammenhang mit der angeblichen Aufdeckung dreier großer gegenrevolutionärer Organisationen unter den Sowjetbeamten in Kiew. Bombenangriffe auf Valencia Weiterer Bormarsch an der Teruel-Front Salamanca, 31. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der spanische Heeresbericht meldet, daß der Vormarsch der nationalen Truppen an der Teruel- Front trotz heftigen Widerstandes andauert. Die nationalen Truppen sind nunmehr bis in die Nähe der Ortschaft Linares de Mora vorgedrungen. Auch auf der Straße Teruel — «Sagunt konnten die nationalen Truppen Raum gewinnen. Die Bolschewisten griffen westlich von Mora de Rubielo bei Valbona die nationalen Abteilungen an, wurden jedoch zurückgeschlagen. Oestlich von Albocacer wurden mehrere bolschewistische Stellungen nach hartem Kampf erobert. An der katalanischen Front begannen die Bolschewisten eine neue Entlastungsoffensive im Abschnitt Tremp. Ihre Angriffe wurden unter großen Verlusten auch diesmal wieder abgewiesen. Die V a I e n c i a am nächsten stehenden nationalen Truppen sind jetzt nur noch 60 Kilometer in der Luftlinie von dieser Stadt entfernt. In der Nacht zum Montag wurden von nationalfpanischen Bombenflugzeugen vier schwere Luftangriffe auf das Hafengebiet und die Vorstädte von Valencia durchgeführt. Dabei wurde großer Sachschaden angerichtet. In Valencia haben- die Behörden die Räumung des Hafenviertels durch die Zivilbevölkerung angeordnet, um die Luftschutzräume ausschließlich für die. im Hafen und in den dort befindlichen Fabrikanlagen beschäftigten Arbeiter zur Verfügung zu haben. Neuordnung der Eisenbahnanlagen Liguriens. Rom, 30. Mai. (Europapreß.) Nach seinem Besuch in Genua hat Mussolini eine Neuordnung der Eisenbahnanlaaen Genuas und Liguriens von der französischen Grenze bis nach Spezia angeordnet. Diese viele Jahre in Anspruch nehmenden Arbeiten werden mit einem Kostenaufwand von 1,5 Milliarden Lire (etwa 330 Millionen Mark) durchgeführt. In den nächsten vier Jahren wird vor allem ein Gesamtumbau der Bahnhöfe und Gleisanlagen von Genua mit einem Kostenaufwand von 250 bis 300 Millionen Lire (etwa 55 bis 66 Millionen Mark) vorgenommen. Später werden die Gleise von Genua nach Savona, etwa 50 Kilometer westlich von Genua, verdoppelt, was eine Ausgabe von 300 Millionen Lire (etwa 66 Millionen Mark) bedingt; für etwas später ist die Erweiterung der Linie Genua — Ventimiglia, der Grenzstation auf der Strecke nach Nizza, und einer Teilstrecke der östlichen Riviera mit einem Kostenaufwand von rund 800 Millionen Lire (176 Millionen Mark) vorgesehen. Zusätzliche englische Zerstörerbauten. London, 29. Mai (DNB.) Wie „Observer" berichtet, wird England in diesem Jahre über die im Rüstungsweißbuch vorgesehenen Bauten hinaus acht neue Zerstörer bauen. Das Fehlen von Zerstörern im Haushaltsplan der Marine hatte im Unterhaus zu heftiger Kritik geführt, die Regierung erklärte, England besitze noch 40 alte Zerstörer, die überholt und umgebaut würden. Die neuen Zerstörer werden wahrscheinlich noch im Laufe des jetzigen Finanzjahres auf Kiel gelegt. Ferner hat die Regierung beschlossen, eines der für dieses Jahr vorgesehenen neuen Schlachtschiffe von 42 000 Tonnen in 33 e I f a ft auf Kiel zu legen. Das ungarische St.-Stesans-Zahr eröffnet. Budapest, 30. Mai. (DNB.) Das ungarische St.-Stefans-Jahr, das im Gedenken an die 900- jährige Wiederkehr des Todestages dieses ersten großen ungarischen Königs in ganz Ungarn ge« 'Jert wird, wurde in Anwesenheit des Reichsverwesers, der Regierung, der Generalität, der Geistlichkeit, des Parlaments mit einem Festgottes- dienst auf dem Platz vor dem Parlament eröffnet. Der Reichsverweser Admiral von Hort Hy schritt vor Beginn des Festgottesdienstes die Front der Ehrenkompanie ab. Die Reliquie des Königs Stefan, seine rechte Hand, -wurde durch den Kardinalstaatssekretär Pacelli in feierlichem Zuge zum Altar gebracht und blieb während des ganzen Gottesdienstes auf dem Altar ausgestellt. Der Festgottesdienst schloß mit der Nationalhymne. Kleine politische Nachrichten. Der Führer hat hem Chef der Reichskanzlei Reichsminister Dr. L a m m e r s zu feinem 5 9. Oe» b u r t s t a g persönlich seine Glückwünsche ausgesprochen. Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine hat am Jahrestag des rotspanifchen Bombenüberfalles a,u f Panzerschiff „Deutschland" vor Ibiza — 29. Mai 1937 — den Obermaschinisten Wilhelm R i tz m a n n vom Panzerschiff „Deutschland" in Anerkennung seines hervorragenden persönlichen Einsatzes bei der Beseitigung der durch die Bombentreffer eingesetzten Störungen zum Leutnant des MarineingenieUrwesens befördert. Die englische Zeitung „S u n d a y G r a p h i c" veröffentlicht ein angebliches Interview mit dem Führer, das dieser einem gewissen Edward Price Bell von etwa 10 Tagen gegeben haben soll. Der Führer soll dabei u. a. erklärt haben, er lade zu einer Dauerregelung mit Frankreich ein, schlage ein „Luftlocarno" an deN Westgrenzen vor und habe einen umfangreichen Friedensplan für Europa vorbereitet. Wie hierzu amtlich mitgeteilt wird, handelt es sich bei der ganzen Meldung um eine pjumpe Fälschung und Lüge von ungeheurer Dreistigkeit. Der -ritte große Schlag im 2 n: esten. Maischlacht 1918: Eoissons-Reims. Von Johannes Moeller. Heuer Angriff oder Defensive? In zwei ungeheuren Schlägen hatte die deutsche Oberste Führung im März und April versucht, die Westfront, gu durchbrechen. Sie hatte Raum gewonnen. Aber der Durchbruch war ihr beide Male nicht geglückt, und die neuen Stellungen, dort, wo die Angriffe vor Amiens und auf dem Kemmel zum Stehen gekommen waren, bedeuteten eine neue Last für die Oberste Heeresleitung, weil die Gefahr flankierender Angriffe gegen die vorgetriebenen Bögen mit ab hängend en Flügeln mehr Schwierigkeiten bot als die Stellungen, von denen die großen Stöße des März und April ausgegangen waren. Der Sieg war noch möglich. Das Fronkheer stand fest. Aber es war erschöpft. Geist und Manneszucht waren gut, aber die physische Kratt war zermürbt, und was die Heimat der Front nocy zu Hilfe schicken konnte, war wenig. Die Ersatz 1 age war bedenklich, und um die technischen Hilfsmittel war es schlecht bestellt. Der Feind drüben hatte unerschöpfliche Mannschaft; schon kamen die arneri- kanlschen Schiffe mit frischen Truppen, und die Werkstätten aller Länder arbeiteten für Frankreichs Ostfront. Was konnte die OHL. vom nächsten Angriff erwarten? „Schwere Verluste können wir nicht mehr ertragen", stand in einem Schreiben der Heeresleitung vorn 15. Mai 1918. So standen dem Entschluß zur Fortsetzung der Offensive gewiß schwere "Bedenken entgegen. Aber die OHL. hatte nur eine Wahl: den Angriff. „Zweimal war England in äußerster Krise von Frankreich gerettet worden; vielleicht gelang es uns beim dritten Male, einen endgültigen Sieg gegen diesen Gegner zu erringen", schreibt Generalfeldmarschall von Hindenburg, und General Ludendorff spricht im gleichen Sinne von der Notwendigkeit, dem vorigen Schlage einen neuen folgen zu lassen. Die OHL. fand den schwachen Punkt des Gegners an der französischen Front in der Gegend von Soissons am Chemin des Dames. Ein Mißliches hatte dieser Plan: vor Ende Mai war er nicht auszuführen, denn er, mußte vorbereitet werden, und die Truppe mußte apsgeruht fein. Frische Reserven hatte Deutschland Nicht, und die Truppen, die die letzten Schlachten geschlagen hatten, waren aufs Stärkste mitgenommen. Erfolgte aber der Ablenkungsangriff erst Ende Mai, so konnte die große Aktion in Flandern frühestens im hohen Juni stattfinden, und so entstand eine lange Pause, die dem Flandernplan nicht günstig sein mußte. Doch die deutsche Führung hatte keine andere Wahl. In einer Besprechung im großen Hauptquartier am 19. April hatten die VII. und die I. Armee befehlsgemäß ihre Angriffsentwürfe vorgelegt. In einem Befehl der OHL. vom 1. Mai heißt es, der Angriff am Chemin des Dames habe „den Zweck, die jetzige Cinheitssront der Entente vor der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht (in Flandern) zu lottern und damit die Möglichkeit für eine erfolgreiche Weiterführung der Offensive gegen die Engländer wieder zu schaffen". Siefen späteren Angriff bei Ppern—die Operation „Hagen"— hatte die Heeresgruppe Rupprecht inzwischen vorzubereiten. Vorläufig wurde die gesamte bisherige Kampffront auf Abwehr eingestellt. Es kam jetzt darauf an, möglichst starke Kräfte für die weiteren Operationen verfügbar zu machen, sowohl für den Mai- Kampf bei Soissons-Reims, wie für den Juni- Angriff in Flandern. Der Plan, die' Entscheidung 'in Flandern gegen den englischen Frontteil zu suchen, ist von Der Kriegsgeschichte nachträglich gerechtfertigt worden. Der April-Angriff hatte die Landmacht Englands dicht an den Rand des Erliegens gebracht. Ein schneller zweiter Angriff hätte das begonnene Werk vollenden können. Aber die deutsche Kraft reichte dgzu nicht aus. Wie schon .oft in diesem Kriege, konnte Deutschland das Glück nicht greifen, als es sich bot. Es mußte warten, und während es wartete, hinderte sich die Lage. So kam es zu dieser Reichsminister des Innern Dr. Frick begibt sich in Begleitung der Staatssekretäre Pfundtner und Dr. S t u ck a r t zur Einweisung der neuen österreichischen Landesregierung n achWien. Bei diesem Anlaß wird auch eine Aussprache mit den Gauleitern und Landeshauptleuten der Ostmarkgaue über die Durchführung der Neugliederung und Neuorganisation der Verwaltung iivben einzelnen Gauen und in der Stadt Wien stattfinden. ♦ Mussolini empfing den Präsidenten des italienischen Jndustriearbeiterverbandes Cianetti, der Dem Duce über die bevorstehenden Urlaubsreifen von 30000 italienischen Arbeitern.nach Deutschland Bericht erstattete. Die Regierung des brasilianischen Staates R i o Grande do Sul hat die Schließung der italienischen Schulen in Porto Alegre, Pe- lotas und Caxias veranlaßt, wie es heißt wegen Nichterfüllung der Bestimmungen über die Nationalisierung des Unterrichts. Die Verlobung der ältesten Schwester König Faruks von Aegypten, Prinzessin Fawzin, mit dem iranischen Kronprinzen Mohammed Reza Palawi wird bestätigt. Der iranische Ministerpräsident wird im Juni in Kairo eintreffen, um dort die notwendigen Förmlichkeiten zu regeln. « ♦ Durch Nachgeben der Arbeitgeber hat der Streik auf Jamaica sein Ende'gefunden. Eine Neuregelung des Lohnwesens für die Werft- und Schiffsarbeiter hat Den Werftarbeitern einen Stundenlohn von 10 Pence und Den Schiffsarbeitern von 11 Pence eingebracht. Heb erstund en werden doppelt bezahlt. Die ursprüngliche Forderung der Arbeiter hatte einen Stundenlohn bon einem Schilling, also eine hundertprozentige Lohnsteigerung, vorgesehen. Zum 80. Geburtstag des Königs von Schweden, Gustav V., der am 16. Juni festlich begangen wird, reift der Präsident der finnischen Republik, Kyösti Kallio, mit dem Panzerschiff „Jlmarinen" nach Stockholm. Im August wird Präsident Kallio voraussichtlich den Besuch des estnischen Staatspräsidenten in 9t e o a I erwidern. i Kunft und Wissenschaft. Ausklang der Neichsmusikfestwoche. Der „Ausbruch optimistischer deutscher Lebens- gestaltung". Den Reichsminister Dr. Goebbels auf Der kulturpolitischen Kundgebung der Reichsmusikfestwoche an Den Meisterwerken Der deutschen musikalischen Reichsmusikfestwoche an den Meisterwerken Der Deutschen musikalischen Klassik rühmte, wurde klingende Wirklichkeit durch eine Aufführung Der Neunten Symphonie von Beethoven. Der Sonntag bilDete- Den Abschluß Der ersten „Heerschau über Die Musik unserer Zeit" im Dritten Reich. Die zum Musiklager Der Reichsjugendführung versammelte HI. bot eine festliche Morgenmusik. Unter Mitwirkung Des Rcichssymphonieorchesters vermittelten Werke Der Komponisten Spi11a, Maaß unD Bresge ein eindrucksvolles Bild von der musikalischen Feiergestaltung der Jugend. Im letzten Symphoniekonzert legten nach einem Gedenken an Den 70. Geburtstag Des verstorbenen Max von Schillings Werke von Werner Egk, TheoDor Berger, Gustav S ch w i ck e r t und Max Trapp Zeugnis ab von Dem Ringen Der schaffenden Musiker. Mit stürmischem Beifall zeichneten Die Hörer vor allem das Cellokonzert von Traps) und seinen Solisten Ludwig Hölscher sowie Rudolf W a tz k e aus, den Sänger der „Göttinger Kantate" von Egk. Neuordnung des Reichskultursenates. Die organisatorischen Maßnahmen innerhalb des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda und der Reichskulturkammer haben eine Neuordnung des Reichskultursenates notwendig gemacht, um die gestaltenden Kräfte gegenüber der kulturoerwaltenden Tätigkeit stärker in Den Vordergrund zu rücken. Da gleichzeitig dem Künstlertum der Ostmark eine seiner Bedeutung entsprechende Vertretung im Reichskultur- fenat ein geräumt werden mußte, jedoch eine Heraufsetzung der Zahl der bisherigen Mitglieder Des Senates Nicht möglich ist, hat Reichßminister Dr. Goebbels eine Reihe der bisher ergangenen Berufungen zurückgenommen. Soweit die ausscheidenden Mitglieder Des Reichskultursenates, Denen Der Minister seinen Dank für die Mitarbeit ausgesprochen hat, dem Präsidialrat einer Kammer angehört haben, behalten sie dieses Ehrenamt bei. Professor Ernst Otto Rektor der Deutschen Universität in Prag. Samstag vormittag fand Die Wahl Des Rektors Der Deutschen Universität in Prag statt. Einstimmig wurde Professor Ernst Otto gewählt. 1925 erfolgte seine Berufung an die Deutsche Universität in Prag als Ordinarius für Pädagogik. Professor Otto war auch Direktor der Pädagogischen Akademie Prag, um deren Gründung und Aufbau er sich große Verdienste erworben hat. 76. Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure. Nach zahlreichen Sondertagungen fand in Stutt- ■ gart die 7 6. Hauptversammlung des VDJ. statt. Hauptamtsleiter Generalinspektor Dr. Todt hat Den Vorsitz Des Vereins angenommen. Worte Des Dankes, die der Kurator Des Vereins, Prof. Dr.-Jng. Naegel (Dresden), an Dr. Todt richtete und die Ueberreichung des VDJ.-Ehrenringes an Dr.-Jng. H. Schult, Der Die Geschäfte Des Vereins Die letzten sechs Jahre hindurch geführt hat, leiteten über zu Dem Vortrag des Direktors Des VDJ. Stadtbaurat a. D. Dr. H. Koelzow über Den Weg des VDJ. Dr. Koelzow machte davon Mitteilung, daß der VDJ. einen jährlichen Betrag von 10 000 Mark aus seiner „I n g e n i e u r h i l f e" für Die Unterstützung roürDiger und befähigter Studie- renDer des Maschinenbaufaches zur Verfügung gestellt habe. Das neue Saiser-Mlhelm-Jnstitut für Physik. Das neu errichtete K a Her - Wilhelm - Institut für Physik in Berlin-Dahlem wurde seiner Bestimmung übergeben. Das Institut verdankt feink Errichtung, einesteils einer Millionen- Stiftung der Rockefeller Foundation, zum anderen einer großzügigen Unterstützung der deutschen Reichsregierung. An die Schlüsselübergabe durch Den PräsiDenten Der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, (9»-. Heimrat Bosch, an Den Leiter Des Instituts Professor Dr. D e d»y e, schloß sich ein RunDgang Durch Die zahlruchen Arbeitsräume. BesonDeres Interesse erweckte die Hochspannungsanlage, in Der Die normale 220-Volt-Spannung auf 400 000 Volt transformiert roirD. Durch StufenauflaDuug kann Die Spannung jeder Der beiDen Hochspannungssäulen auf 1,5 Millionen Volt gesteigert werden, so Daß ein maximaler SpannungsunterschieD von Drei ' Millionen Volt erreicht roerDen farm, Nibelungenfestspiele in Worms. NSG. Die Nibelungen-Fe st spielwoche in Worms, Die unter Der Schirmherrschaft von Reichsminister Dr. Goebbels Durchgeführt wird, finDet in diesem Jahr vom 26. Juni bis 3. Juli statt. Die Aufführung Des Festspieles „Die Nibelungen" von Friedrich Hebbel gewinnt besondere Bedeutung im Jubiläumsjahr 1938,‘Da sich Hebbels (Geburtstag heuer zum 125. Male und sein Todestag zum 75. Male jährt. Für 10 Pfennig ’A Liter feine Soße zu Gerichten aller Art! Den Würfel zerdrücken, mit V* Liter Wasser gut verrühren) aufkochen und 3 Minuten ziehen lassen MAGGI5 Mai-Schlacht bei Soissons und Reims. Auch sie. wurde wieder ein großer taktischer Erfolg im engen Raum. Dann erfüllte sich auch ihr Schicksal, und als sie geschlagen war, wußte die deutsche Führung, daß es ihr nicht mehr beschieden sein sollte, den großen Schlag in Flandern zu tun.' Die „AbckMngssrWchl". Die Maioffensive 1918, das große „Ablenkungs"- Unternehmen mit dem Ziel, die britische Flandern- Front für den im Juni geplanten Angriff zu schwächen, richtete sich gegen die französischen Stellungen zwischen Soissons und Reims. Das Unternehmen sollte durch die zur Heeresgruppe Deutscher Kronprinz gehörende 7. Armee sowie durch den rechten Flügel der 1. Armee von der gleichen Heeresgruppe ausgeführt werden. Dazu war es notwendig, zuerst den unmittelbar vor den deutschen Linien aufragenden Höhenzug des Chemin des Dames zu erstürmen. Ein außerordentlich hoher Einsatz von Kampfkraft war vorgesehen, 3 0 Divisionen mit 1158 Batterien auf einer Frontbreite von 55 Kilometer. Weitere Divisionen waren im Antransport, so daß die 7. Armee, der Träger des Hauptangriffs, für die ersten Angriffstage mit einer dreifachen Infanterie- und einer vielfachen Artillerie- und Minenwerferüberlegenheit rechnete. Der Angriff sollte über den Aisueabschnitt beiderseits Soissons und über die Desle bis zu den Höhen im Südosten und Südwesten dieser Stadt und einige Kilometer südlich der Beste vorgetragen werden. Der Angriff Soissons—Reims bildete nur den ersten Teil der Gesamtoperation, deren zweiter Teil, als Angriff der 18. Armee auf dem Westuser der Oise aus der Linie Montdidier — Royon in Richtung auf Compiegne, nach Abschluß der ersten Teiloperation folgen sollte. Es fehlte jedem andern Abschnitt an der nötigen Angriffsartillerie, die der 18. Armee aus dem Angriffsraum der Maischlacht erst zugeführt werden konnte, wenn sie hier entbehrlich war. Am Morgen des 27. Mai wurde der Chemin des Dames erstürmt, die Aisne überschritten und ahends die Besle bei Fismes erreicht. Die deutschen Truppen waren 20 Kilometer tief in die feindlichen Stellungen eingedrungen. Am 28. «steckte die OHL. deshalb die Ziele weiter und befahl mittags: „Die Heeresgruppe hat die ungefähre Linie: Höhen südwestlich Soissons — Fere en Tardenois.—'Höhen südlich Coulonges—Südfront (Fortlinie) von Reims zu gewinnen... Ob ein weiteres Vordringen gegen die Linie Compiegne—Dormans—Epernay nützlich sein wird, ist bis zur Stunde noch nicht zu übersehen. Es kann aber im günstigen Falle ins Auge gefaßt werden." An diesem Tage wurde in breiter Laon raonne Soissons Epernay PARIS Fere-en-Tardenois 0 10 20 30 4 0 50 _____kIL OMETE ______ 600 Geschütze erbeutet. Aber das erweiterte Ziel des Kampfes, der operative Erfolg, war der deutschen Führung auch hier' versagt geblieben. Sie hatte mehr erreicht, als sie zuerst gewollt hatte, aber dem Endsieg war sie nicht näher gekommen. Das Schlimmste war die Rückwirkung der Enttäuschung auf den Geist der Truppe. Während die deutsche Führung zu erkennen begann, daß zu ihren äußeren Feinden jetzt auch der innere trat, prägte der „Tiger" Clemenceau in der Kammersitzunä vom 4. Juni in Paris die Worte: „Wir werden siegen, wenn die öffentlichen Gewalten auf der Höhe ihrer Aufgabe stehen. Ich schlage mich vor Paris, ich schlage mich in Paris, ich werde mich hinter Paris schlagen..." Wetterbericht Rach heftigen Gewitterböen, die vielerorts mit Geschwindigkeiten von mehr als 70-Stundenkilo- meter zerstörende Auswirkungen auslösten, macht sich zur Zeit in einem Zwischenhoch eine gewisse Beruhigung geltend. Eine neue besonders kräftig entwickelte Störung wird allerdings bis Mittwoch auch ihren Einfluß bei uns geltend machen und die Niederschlagsneigung wieder verstärken. Die Karte veranschaulicht den Einbruch und (s der großen Offensive vor 20 Jahren. Wir stände (Scherl-Bild Front die Beste überschritten. Am 29. griff die Mitte bereits weit in Richtung auf Dormans aus, und Soissons rourbt genommen, aber die Flügel bei Soissons und Reims hingen noch weit zurück. In der Mitte wurde die Gegend von Fere en Tardenois erreicht. Immer deutlicher nahm der Angriff die gefährliche Form eines Keils an, der auf die Marne zwischen Dormans und Chateau Thierry zustieß. An diesem Tage faßte die Führung endgültig den Entschluß, den Angriffsstoß mit der 7. und 1. Armee zur Marne unh mit der 18. Armee aus Compiegne zu fortzuführen. Der Angriff weitete sich zur Operation. Am 30. Mai erreichte der Angreifer bei Chateau Thierry und Dormans die Marne,- aber die erhoffte beiderseitige Umklammerung von Reims gelang nicht nur nicht, sondern es wurden nicht einmal Fortschritte gegen Reims gemacht, ebensowenig bei Soissons, obwohl hier nun auch der linke Flügel der 18. Armee über den Oiseabschnitt Chauny-^Noyon zum Angriff antrat. Vor allem aber gelang es nicht, in der rechten Flanke das Waldgelände von Villers—Cotterets südwestlich Soissons, in der linjen Flanke den Reimser Bergwald zu nehmen. Riesige Gefangenenziffern zeigten den Umfang des Erfolges, aber" sie eländegewinn der deutschen Truppen während i damals knapp drei Tagemärsche vor Paris .. -rdienst-M.) konnten nicht darüber hintäuschen, daß die deutschen Linien eine immer ungünstigere Form annahmen, daß der feindliche Widerstand wuchs, daß die Kräfte der Angriffstvuppen erlahmten. An dieser Lage änderten auch-die Anstrengungen der folgenden Tage nichts. Zwar erreichte der Angriff den Rand des Waldgebiets von Villers— Cotterets und zwischen Soissons und Noyon wurde" noch Raum gewonnen, auf dem am weitesten nach Südwesten vorgeschobenen.Punkt stand der Angriff 75 Kilometer vor Paris, aber er stand eben und kam nicht weiter. Die neuen Stellungen waren auch hier alles andere als günstig, genau wie nach der Märzschlacht vor Amiens, genau wie nach der Aprilschlacht an der Lys und am Kemmel. Vom 3. Juni ab bestand kein Zweifel mehr, daß auch die dritte Frühjayrsoffensive, strategisch betrachtet, gescheitert war. Ihr erstes Ziel der „Ablenkung" war erreicht. Aus taktischem Gesichtswinkel betrachtet, wär ein großer Erfolg erzielt. Die Erstürmung des steil aufragenden Höhenrückens des Chemin des Dames, den die deutschen Truppen im Oktober 1917 hatten räumen müssen, war eine hervorragende Leistung gewesen. In vier Tagen war ein Einbruch bis zur Tiefe von 60 Kilometer gelungen, lieber 50 OOO Gefangene waren gemacht, Aussichten für Mittwoch: Zunächst zunehmende Unbeständigkeit mit verbreiteten Niederschlägen, bann wechselnde Bewölkung und Schauer, anfangs südliche, dann böige, auffrischende und nach West drehende Winde mit Abkühlung. Aussichten für Donnerstag: Unbeständiges und zu Niederschlägen neigendes Wetter. Lufttemperaturen am 30. Mai: mittags 15,1 Grad Celsius» abends 10,2 Grad; am 31. Mai: morgens 11,4 Grad. Maximum 16 Grad, Minimum- heute nacht 9,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. Mai: abends 13,9 Grad; am 31. Mai: morgens 11,8 Grad. — Niederschläge 7 mm. — Sonnenscheindauer 4,3 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt dec Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 38: 9614. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämllich in Gießen. Monatsbezugs-. preis RM: 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs, preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Praxisräume Mädchen S Wohnhaus in unserem Hause per 1. Juli d. J. in gut. zu vermieten. bei gutem il um 8 - bedientj. von SMsgewäd^ierSdiöritieit Elegante Straßen-Anzüge Zum sofortigen Eintritt sucht mitteldeutsches 37. © 0 33. 55. 36.- 72.- gesucht. Zu erfr. i. d. Geschäftsst. d. Gtz.Anz. 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Der April brachte im Reich höchstens 5 Tage mit einer Mittagswärme von 18 Grad, der Mai hat sich auch zurückhaltend benommen und nicht mehr als 10 sommerlich warme Mittage auf die Beine gebracht. Um so größer ist die Zahl der trüben und kühlen Tage gewesen. Selbst im Mai hat es noch eine Reihe Frostnächte gegeben. Im übrigen waren die kühlen Wetterperioden durchweg dreimal so lang, als die einzelnen heiteren und warmen Abschnitte. Jetzt, am Ende der dreimonatigen Frühlingsperiode März, April, Mai, muß man sagen, daß der Frühling 1938 eine Enttäuschung war, die sowohl der Saisonwirtschaft, als auch dem Saatenstand mancherlei Hemmnisse bereitet hat.. Es ist immerhin bezeichnend, daß bis zum Maiende noch kein Tag gewesen ist, der an den deutschen Seeküsten die Voraussetzungen für den Badebeginn aufwies. Abgesehen davon, daß die Wassertemperaturen von Nord- und Ostsee noch ungewöhnlich niedrig waren, entsprachen auch die Lufttemperaturen bisher keineswegs den saisonmäßigen Erwartungen. Daß man unter diesen Umständen um so größere Hoffnungen an den Juni knüpft, ist begreiflich. Der Juni als erster Sommermonat ist in meteorologischer Hinsicht von den sog. Nachwehen des Winters frei. Die Kaltluftkappen der Nordpolarzone sind jetzt so weit zurückgedrängt und angewärmt, daß sie unmittelbar keinen Einfluß mehr auf die mitteleuropäische Klimazone gewinnen können. Die typischen Kälteeinbrüche aus der Arktis, wie sie in der ersten Hälfte des Mai auftraten, sind für den Juni nicht zu erwarten, auch eine tagelang dauernde Nordströmung erfährt im Juni unterwegs durch Würmeübernahme eine so starke Durchmischung, daß der ursprüngliche Kältecharakter verschwunden ist. Dafür pflegt im Juni die Erhitzung der weiten Festlanümassen Europas schnelle Fortschritte zu machen, lieber Rußland Sibirien entsteht die für das Landklima charakteristische Heißluftzone, so daß östliche Strömungen uns im Juni sehr warmes Wetter bringen. Ganz Südeuropa erfährt im I uni seine Erwärmung kauf subtropische Grade, so daß auch von dieser Richtung nur Transportwärme, d. h. zusätzliche Erwärmung, zu erwarten ist. Die Luftmassen über dem Ostatlantik, die bei dem ozeanischen Wettercharakter Deutschlands eine besondere Rolle spielen, sind inzwischen auch soweit erwärmt, daß sie in Verbindung mit der Sonnenstrahlung tagsüber nicht unter 15 Grad Wärme absinken. Lediglich nach dem Nordwesten zu, im Raume zwischen Großbritannien— Island — Norwegen, bleibt die relativ kühle Meeresatmosphäre erhalten. Sie pflegt sich meistens um die Mitte Juni für einige Tage in das mitteleuropäische Wettergeschehen einzuschalten und bringt dann die bekannte „Schafskälte" mit relativ kühlen Temperaturen und gesteigerten Regen- fällen. Diese Juniregen sind bei den Bauern sehr beliebt, weil sie dem Wachstum nochmals Antrieb geben und ein gewisses Feuchtigkeitsreservoir für die heißen Wochen des Hochsommers schaffen. Mit dem in den Juni fallenden Höchststand der Sonne (21. Juni), dem astronomischen Sommeranfang, mit dem Johannistag (24. Juni) und dem Siebenschläfer (27. Juni) verbinden sich charakteristische Warmwetterperioden, die, wie wir hoffen, in diesem Jahre des mißlungenen Frühlings in günstiger Form zur Entwicklung kommen. Allgemein ist für den Juni mit einer wesentlichen Steigerung des bisher zu niedrigen Temperaturnioeaus zu rechnen. So ergeben sich für den Juni, der mit seiner Rosenblüte, seiner in voller Entwicklung stehenden Vegetation der schönste Monat des Jahres ist, diesmal besonders zahlreiche Wünsche, die um so berechtigter erscheinen, als uns die vergangenen Schlaf und Traum. Von Or. £. Maitersen. In Amerika hat man, wie Prof. I. H. Schultz in einem Vortrag vor der Berliner Akademie für ärztliche Fortbildung zeigte. Versuche gemacht, bei denen Jugendliche zwölf Tage ohne Schlaf leben konnten, ohne daß dabei Störunaen oder nachhaltige Schäden auftraten. Freilich versanken sie danach in einen narkoseähnlichen Erschöpsungsschlaf. Diese Versuche geben einen interessanten Beitrag zu der Frage: Wie lange muß der Mensch schlafen? Ebenso wie beim Essen muß man auch beim Schlafen das richtige Maß treffen. Ein Zuviel ist eher schädlich als ein Zuwenig. Man weiß heute, daß der Schlaf zu den Urproblemen aus dem Kreis der biologischen Rhythmen gehört, dem alle Lebewesen unterliegen. Auf je niedrigerer Stufe diese nun stehen, in so höherem Maße sind sie den Rhythmen ausgeliefert; je komplizierter die Individuen sind, je feiner ihr Nervensystem ausgebildet ist, können sie sich von diesen Rhythmen unabhängig machen, können sie z. B. über den Schlaf „verfügen". Allerdings nur insofern, als sie sich wachzuhalten vermögen, während das Erzwingen des Schlafes unmöglich ist. Auch bei den „Schläfern" selbst lassen sich zwei Typen unterscheiden. Es gibt Menschen, die sich am Abend etwa um 22 Uhr ins Bett legen und nach kurzer Zeit in den Tiefstand des Schlafes verfallen und bann allmählich sich wieder dem Wachsein nähern. Um 7 Uhr stehen sie ^sch und gestark au, lärmen und fingen zum Entsetzen der Nachbarschaft, wenn sie sich waschen und ankleiden. Der andere Typ hingegen geht um 24 Uhr zu Bett, kommt in Tiefschlaf, wird aber gegen Morgen um 3 Uhr wieder mad), liegt ungefähr eine halbe Stunde im Halbschlaf und versinkt dann wieder m tiefes Schlafen, das dann am stärksten ist, wenn die anderen ausstehen. Muß man ihn um diese Zeit wecken, so ist er blaß, übellaunig, hat Ringe unter den Augen und mit Mühe und Not arbeitet er sich ms Wachsein hinüber. Dieser zweiphastge Schlaf ist dem des Säuglings nicht unähnlich, der in mehr GÖer minder regelmäßigen Abständen immer wieder in Schlaf versinkt und nur zur Nahrungsaufnahme matt) wird. Man hat nun beobachtet, daß der „zwel- phasiqe" Schläfer sehr oft in seinem Aeußeren Jo» Genannte „infanttle'7 Züge aufweist. Es handelt sich bei derartigen Menschen keineswegs um Minder» Vor der zweiten Heffen-Aaffan-Zahrt des VDK NSG. Es liegen noch keine zwei Wochen zurück, da kehrten 1800 BDM.-Mädel sonnverbrannt und begeistert von ihrer ersten Hessen-Nassau-Fahrt nach Hause. Der Widerhall ihres Fahrterlebnisses ist Überall groß, und laufend gehen bei den Untergauen Nachmeldungen zum zweiten Fahrtabschnitt ein. Wohin geht die zweite Fahrt? Ein Sonderzug fährt von Frankfurt-Süd nach Lauterbach im Vogelsberg und bringt rd. 900 Mädel aus Frankfurt a. M., Wiesbaden und Mainz in den Nordosten des Gaues. In alten, schmucken Städtchen und hellen Fachwerkdörfern werden sie untergebracht, wo ein fleißiges, gesundes Bauerntum mit reichen Trachten und Sitten wohnt. Rund 700 Mädel culs Gießen, Dill-Eder, dem Vogelsberg und Braunfelser Land fahren mit dem zweiten Sonderzug ab Gießen nach Hetz - bad), um den sagenhaft schönen Odenwald und den Reiz der Bergstraße zu erwandern. Den über 1000 Jungmädel aus dem ganzen Obergau ist der "dritte Sonderzug vorbehalten, der sie ab Frankfurt a. M.- Süd nach Limburg bringt. Von hier aus gehen die Fahrtenwege ins Lahntal, den Taunus und an den Rhein. Die Fahrzeiten der Sonderzüge. Sonderzug 10. Hinfahrt 2. Juni: ab Frankfurt-Süd 10.30 Uhr, Frankfurt-West 10.41, Friedberg 11.37, Hungen 12.26, Mücke 13.46, Burg- u. N.-Gemünden 14.01, Ehringshausen 14.17, Zell-Romrod 14.38, Alsfeld 14.55, Lauterbach an 15.26. Rückfahrt 9. Juni: ab Lauterbach 14.33 Uhr, Herbstein 15.04, Grebenhain-Crainfeld 15.25, Gedern 16.10, Hirzenhain 16.23, Ortenberg 16.40, Stockheim 17.02, Hanau (Hbf.) 17.58, Frankfurt-Süd an 18.21. Sonderzug 11. Hinfahrt 2. Juni: ab Gießen 13.25 Uhr, Friedberg 14.07, Hanau (Hbf.) 14.55, Wiebelsbach 15.41, Höchst (Odenw.) 15.51, König (Odenw.) 16.01, Michelstadt 16.11, Erbach 16.18, Hetzbach an 16.34. Rückfahrt 9. Juni: ab Heppenheim 9.00 Uhr, Bensheim 9.08, Auerbach 9.14, Zwingenberg 9.21, Darmstadt 9.43, Neu-Isenburg 10.06, Frankfurt-West 10.28, Friedberg 11.08, Gießen an 11.47. Sonderzug 12. Hinfahrt 2. Juni: ab Frankfurt-Süd 10.27 Uhr, Frankfurt-Höchst 10.50, Niedernhausen 11.31, Limburg an 12.17. R ü ck f a h r t 9. Juni: ab Limburg 11.37 Uhr, Niedernhausen 12.41, Frankfurt-Höchst 13.09, Frankfurt- Süd an 13.28. BOM.-llntergau 116. An alle Zlandorlführerinnen der Mädel und Jungmädel im kreis Gießen. Da es des schlechten Wetters wegen an vielen Standorten nicht zur Austragung der Reichssportwettkämpfe kam, werden sie jetzt standortweise nachgeholt. Der letzte Einsendetermin für die ausgefüllten Wettkampflisten ist der 15. Juni. Die Wettkampfliften vom 28729. und die neuen können dann zusammen eingeschickt werden. Frühlingswochen schon manchen warmen Tag und insbesondere die herrlichen lauen Abende vorenthalten haben. Insbesondere wird und muß der Juni die Eröffnung der Bäder- und Reisesaison auf der ganzen Linie bringen, mit der sich nicht nur die persönlichen Wünsche von Millionen Volksgenossen, sondern auch wichtige volkswirtschaftliche Interessen verbinden. M. Dornotizen. ' Tageskalender für Dienstag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Broadway Melodie 1938". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ab Mitternacht". — Oberheffifche Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, Naturwissenschaftliche Abteilung: 20.15 Uhr im Hörsaal des Botanischen Instituts, Linne- Vortrag 1938 Professor E. Küster „Seltene und merkwürdige Pflanzen des Gießener Botanischen Gartens". Iubiläumsfonds für dieLupusheilstätte LPD. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — hat dem Landesverband zur Bekämpfung der Tuberkulose (Heilstättenverein Darmstadt) die Genehmigung zur Sammlung von Geldspenden zur Bildung eines Jubiläumsfonds für Forschungszwecke aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der Lupushellstätte in Gießen für das Gebiet des Landes Hessen in der Zeit vom 25. Mai bis 20. Juni erteilt. Die Sammlung darf durch Postversand von Werbeschreiben an solche Personen, bei denen ein besonderes Interesse für die Arbeit des Heilstättenvereins vorausgesagt werden kann, erfolgen mit der Einschränkung, daß die Werbung bei den Behörden des Reiches, der Länder, der Gemeinden, Gemeindeverbände oder deren Leitern sowie bei den Unternehmungen der deutschen Wirtschaft, die sich auf ihre Beteiligung an der Adolf-Hitler-Spende berufen, nicht gestattet ist. 3u Ehren der Skagerrakkämpfer. Zur Erinnerung an den Sieg der deutschen Flotte und zum Gedenken an die in der Seeschlacht am Skagerrak Gefallenen hat die Wehrmacht des Standortes heute geflaggt. Um 8 Uhr heute früh schritten der Führer des Marine-Sturmbannes der SA. 11/34, Sturmführer Mettenheimer, der Kameradschaftsführer des NS. - Marinebundes H. L i ch und der Führer der Gießener Marine- Hitler-Jugend, Gefolgschaftsführer E. R u p p e l 1/116, zum Ehrenmal am Skagerrakplatz an der Schlageteranlage, wo sie im Gedenken an die gefallenen Kameraden Kränze niederlegten. An Stelle der traditionellen Gießener Skagerrakfeier findet nur eine stille Kameradschaftsfeier statt. Die Marine-SA. und -HI. und der NS.-Marine- bund hatten bereits am Sonntag mit einer stattlichen Vertretung und ihren Fahnen an der Skagerrakfeier in Friedberg teilgenommen. Dort fand in Verbindung mit der Einweihung eines Skagerrak-Ehrenmales der Gautag des NS.-Ma- rinebundes statt, wobei Kreisleiter Backhaus und der Gauführer des NS.-Marinebundes, Fregattenkapitän a. D. Ackermann (Frankfurt a. M.) in ihren Ansprachen die Bedeutung des Tages vom Skagerrak würdigten. Dortrag über Rudolf Koch. Die Fachabteilung „Druck und Papier" in der Deutschen Arbeitsfront, Kreiswaltung Wetterau, veranstaltete am gestrigen Montagabend im Saale des Studentenhauses einen Vortrag über „Rudolf Koch und die Schriftkunst unserer Zeit". Bei dieser Gedenkstunde an den Meister der deutschen Schriftkunst Rudolf Koch sprach Dr. Wilhelm H. Lange aus Offenbach a. M. in einem groß- angelegten Vortrage zu einer zahlreichen Hörergemeinde über das Werden und das Werk Rudolf Kochs, wobei er Wert darauf legte, vor allem das Werk des vor einigen Jahren verstorbenen Meisters der Schrift- und Schreibkunst den Hörern nahezubringen. Daneben schilderte er aber auch den Menschen Koch in feiner und liebenswerter Weise, so daß die Zuhörer ein nach allen Gesichtspunkten hin abgerundetes B.ild von der Persönlichkeit dieses künstlerisch und kunsthandwerklich schaffenden Mannes, wie auch von seiner bedeutsamen Tätigkeit im Dienste der deutschen Schriftgestaltung und damit unseres'Druckwesens erhielten. An Hand vieler Lichtbilder machte der Vortragende den aufmerksam lauschenden Hörern das Werk des Meisters auch bild- mäßig vorstellbar, wodurch das gesprochene Wort eine wertvolle Bereicherung erfuhr. Den Zuhörern aus dem Fachkreise, aber auch den Besuchern aus den Kreisen der am guten Druck und am Buch interessierten Menschen bereitete der Redner mit seiner fesselnden Schilderung des Wer« kes dieses Großen der deutschen Schriftkunst ein schönes Erleben. Fachabteilungswalter Christ, der den Abend mit Grußworten an die Kameraden vom Fach und an die Gäste eröffnet hatte, konnte am Schluffe des Vortrages dem Redner mit gutem Grund den Dank der Hörer aussprechen. Gtrahenbahnumbau. Im Zuge der Um- und Neugestaltung des Kirchen- und des Lindenplatzes, an der seit einigen Wochen tatkräftig gearbeitet wird, ist nun auch die Straßenbahn in die Umgestaltung einbezogen worden. Vom heutigen Dienstag ab wird der Straßenbahnverkehr wegen der Gleisverlegungsarbeiten nur noch als Pendelverkehr Bahnhof—Marktplatz und Walltorstraße—Wieseck, d. h. also durch Umsteigen am Marktplatz bzw. an der Walltorstraße/Wetzstein- gasse aufrechterhalten. Zur Durchführung des Pendelverkehrs Wieseck — Walltorstraße / Wetzsteingasse werden am Straßenbahn-Haltepunkt in der Wall- tHerrlich erfrischend gründlich reinigend und dabet den Zahnschmelz schonend. Große Tube *0 T/., kleine Tube 25 *BI. torstraße für die Dauer mehrerer Tage vier Wagen stationiert, die dem Verkehr auf jenem Teil der Strecke dienen werden. Es ist damit zu rechnen, daß der durchgehende Straßenbahnoerkehr voraussichtlich von Ende der nächsten Woche ab wieder ausgenommen werden kann. Die gesamte Umgestaltung des Kirchen- und des Lindenplatzes soll in großen Zügen bis zum 116er- Fest beendet fein, damit der Mc^senverkehr keinerlei. Stockungen ausgesetzt ist. Gießener Vochenmarktpreise. * G i e ß e n , 31. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten^ Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, Wirsing, % kg 15 bis 18, gelbe Rüben, neue, das Bündel 18 bis 20, Karotten, % kg 12 bis 15, rote Rüben 10, Spinat 8 bis 15, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün, 50, Spargel, 1. Sorte 60, 2. Sorte 55, 3. Sorte 50, 4. Sorte 35, Erbsen 18 bis 20, Tomaten 45 bis 60, Meerrettich 40 bis 50, Rhabarber 16 bis 18, Kartoffeln, alte, % kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,80 bis 3,90 Mark, neue, % kg 16 bis 18 Pf., Aepfel 30 bis 40, ausländische Aepfel 60, Kirschen 60 Pf., Suppenhühner 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück 50 bis 65 Pf., Salat 5 bis 10, Salatgurken 45 bis 60, Oberkohlrabi 18 bis 22, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Rettich 10 bis 15, neue, das Bündel 15 bis 20, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf. * ** Personalveränderungen in der SA. Der Führer des Sturmbanns 11/116 unb SA.- Sportabzeichensachbearbeiter der Standarte 116, Obersturmbannführer Förster, ist mit Wirkung vom 1. 6. 38 zum Stab der Gruppe Hessen als Erzieher an der Gruppenschule versetzt worden. Zu seinem Nachfolger wurde der Sturmhauptführer Adler, bisher im Stab der Gruppe Nordsee, Bremen, ernannt. ** Maienblasen. Am heutigen Dienstag ab 19 Uhr findet auf dem Turme der Jo Hanne s- kirche zum letzten Male in diesem Jahre das Maienblafen statt. An den Darbietungen hatte die gesamte Einwohnerschaft regen Anteil genommen und dadurch ihre Dankbarkeit allen denjenigen bewiesen, die zur Wiedereinführung und Unterstützung dieser schönen Volkssitte bei getragen Habern Als Abschluß werden oorgefragen: 1. Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern", Frankfurt a. M. 1599, Phil. Nicolai; 2. „Jägers Abschied"; 3. „Ein Sträußchen am Hute"; Deutschland- und Horst-Wessel-Lied. wertige Typen; sie haben nur eben eine andere Konstitution als der Durchschnitt. * Schlafen bedeutet sich Zurückziehen aus der Wirklichkeit, weshalb ja der Müde sich einen möglichst licht- und schallarmen Platz aussucht und seinen Körper in eine Lage bringt, die eine völlige Entspannung herbeiführt. Vor dem Einschlafen ziehen die verschiedensten Bilder an uns vorüber, wir denken eben noch an irgendeinen Vorgang aus dem Tagewerk, da befassen wir uns vielleicht auf einmal mit dem Wort Geographie, denken an Deutschland, Berlin, fahren auf und bemerken, daß wir schon eingeschlafen waren. Das Denken im Schlaf folgt anderen, uns fremden Gesetzmäßigkeiten. Wir tauchen ein in eine Welt der Bilder und Klänge, in ein neues Reich, in eine neue Leibhaftigkeit. Sagt man einem wachen Menschen das Wort Paris oder Neapel, so stellt er sich dabei vielleicht zwei Punkte auf der Landkarte vor, sieht vor seinem geistigen Auge vielleicht noch eine Silhouette des Stadtbildes, das ist seine ganze Reaktion. Sagt man die gleichen Worte aber einem Schlafenden, so lebt er plötzlich in dieser Htadt, nimmt an ihrem Getriebe teil und spricht plötzlich perfekt französisch. Das zeigt schon, daß der Schlaf kein Zustand von Bewußtlosigkeit, sondern nur eine Abkehr von der Wirklichkeit ist. Daß eine Verbindung zwischen Wirklichkeit und Schlafendem bleibt, zeigt auch der Schlaf einer jungen Mutter: Auf der Straße kann noch so viel Lärm sein, ihr Mann neben an kann noch so lebhaft schnarchen, sie schläft ruhig. Sobald aber das Kind im Nebenzimmer auch nur den leisesten Laut von sich gibt, wacht sie auf. Wer sich am Abend niederlegt und sich vornimmt, ohne Wecker am anderen Morgen pünktlich 6 Uhr aufzustehen, war vielleicht überrascht, daß er tatsächlich auf die Minute aufgewacht ist, ohne daß er unruhig geschlafen hat. Woher weiß nun der Schlafende, daß es genau 6 Uhr ist? Wie erklärt sich diese Erscheinung der sogenannten „Kopsuhr"? Ebenso wie die Tiere verfügt auch der Mensch über einen absoluten Zeitsinn. Freilich geht es ihm damit ebenso wie mit dem Gedächtnis. Die psychologische Forschung vertritt nämlich die Annahme, daß wir nichts vergessen. Wir können nur nicht immer gleich „herankommen". Es kommt uns z. B. ein Geruch in die Nase und plötzlich steht die ganze Nachbarsfamilie, mit der wir vor zwanzig Jahren einmal im selben Hause wohnten und an die wir seitdem nie mehr gedacht haben, oox unserem Auge. Hier arbeitet'also das Unbewußte im Menschen, das ihn dann auch zu der bestimmten Stunde „weckt". * Aus hypnotischen Versuchen an Schläfern weiß man, daß der Mensch die ganze Nacht träumt, auch wenn er glaubt, er habe einen traumlosen Schlaf gehabt. Im Schlaf steigen wir in die Bild er weit des Unbewußten hinab und befinden uns dann sozusagen in einem nach Innen gewendeten Zustand. Der Psychologe unterscheidet mehrere Traum- arten. Im Schlaf ist man besonders empfindlich, ein Druck im Magen z. B. wird gleich sehr heftig gespürt, ebenso wie das Klopfen an der Tür für den Schlafenden einem Kanonendonner gleicht. Neben den Leibreizträumen gibt es dann die sogenannten Wunscherfüllungsträume. Man hat z. B. beobachtet, daß in Rußland Menschen, die am Verhungern waren, fast immer vom Essen träumten. Aber auch die Größenwahnsinnigen haben meist diese Traumart; sie leben dann als große Staatslenker oder als berühmte Zeitgenoßen. Mit den Leibreizträumen verwandt find die Alpdruckträume oder Angstträume. Legt man z. B. einem Menschen, der auf einem Sessel eingeschlafen ist, den Arm über die Lehne, so löst das Abschnüren an der Druckstelle im Traum unter Umständen das Bild des Gehängtwerdens aus, und man kann an dem Schläfer Angstzustände bemerken. Die Träume sind oft sinnvoll und verräterisch. Im Traume zu fliegen ist meist Sache jener, die überheblich sind, vorwärtsstreben, hochfliegende Pläne haben, „nach oben" wollen. Schlaf und Traum, so betonte Prof. Schultz, sind also Beispiele dafür, daß der Mensch als etwas einheitlich Ganzes und Lebendiges auf- gefaßt werden muß, daß die Trennung von Leib und Seele aufgehoben werden muß. Daß der Seelenvogel beim Schlafenden und Sterbenden davonfliege, war einst ein mythischer Glaube, aber ein Aberglaube. Der Mensch im Schlaf kehrt sich zwar von der Wirklichkeit ab, ohne aber die Verbindung zu lösen. Wunderliche Speisenkarte. Der französische Naturforscher E. G. Boule n g e r hat einmal eine Liste von seltsamen Speisen aufgestellt, die in den verschiedenen Teilen der Welt genossen werden. Da findet man Grillen, Mäuse, Eidechsen, Würmer, Heuschrecken, wie überhaupt die verschiedenartigsten Insekten, Ringelnattern, Quallen, Froschbeine und andere, alles auf verschiedenste Art zu bereitet. Er selbst hat sogar manche von diesen Delikatessen versucht, so Kän- Zuruhbraten^ den malai scheu Trepang, ein? Seeschnecke, die sich in China der größten Beliebtheit erfreut, aber als er zu den Heuschrecken kam, versagte er doch. Der berühmte französische Entomologe Fabre ist jedoch auch vor den Heuschrecken nicht zurückgeschreckt und erklärte sogar, daß sie ausgezeichnet schmeckten. Ein früherer Beamter des Londoner Zoologischen Gartens, Frank Buckland, hatte auch eine Vorliebe für abenteuerliche Speisekarten und aß sich buchstäblich durch den Zoologischen Garten hindurch, kostete von allen Tieren, von den Jaguaren bis zu den Krokodilen. Mit Löwen haben es sogar der König Georg V. und der Herzog von Gloucester versucht, indem sie frisches Löwenfleisch in Afrika genossen, und es hat ihnen gut geschmeckt. In Paris gab es eine Gesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, seltsame Speisen zu erproben. Auf einer solchen Speisekarte für ein ,Festmahl gab es eine Wurst von Walfischen, die im Indischen Ozean gefangen waren, und geröstete Heuschrecken au4 Nordafrika. Seetang klingt uns Nicht sehr appetitlich und wird doch fast überall in der Welt gegessen. Auf den Eisenbahnstationen in Japan rufen die Verkäufer von Erfrischungen „Ben-to, ben-to" aus, Seetang, der unter "Hinzufügung von Reis zu den mannigfaltigsten Leckerbissen verarbeitet ist. Man braucht aber gar nicht in den, Fernen Osten zu gehen, sondern man kann astch in Irland und Schottland und selbst in London Seetanggerichte erhalten. China ist seit alter Zeit bekannt als das Land seltsamer Genüsse wie neugeborener Mäuse, die in einer Schüssel in Honigsyrup gelegt und ganz heruntergeschluckt werden. In Tokio werden täglich rund tausend Schlangen verschiedener Größe und Gestalt verzehrt. Es ist ein alter Volksglaube, daß pulverisierte gebackene Schlangen ein unfehlbares Heilmittel für viele Krankheiten darstellen, besonders für Schwindsucht, und so kann man es in hundert Läden der japanischen Hauptstadt kaufen. Es gibt ein großes „Schlangenhaus" im Afakusa-Viertel, das jährlich 100 000 Schlangen umsetzt und 10 000 ständig im Vorrat hält, um die Einzelhändler zu versorgen. Die Schlangenjagd wird daher so eifrig ausgeübt, daß ihre Zahl merklich vermindert ist, abgesehen von den beiden südlichen Inseln Kyuschu und Schikoku. Aber auch die Ratten werden in Japan gegessen, und es ist keineswegs eine Speise der Armen. Das vorige Jahr war das Rattenjahr in Japan, und der Baron Kanetome Jjuin* lud 300 Freunde zu einem Festessen ein, bei dem wilde Ratten von der Insel Formosa auf der Speisekarte standen. Diese leben von Zuckerrohrwurzeln und erreichen eine Länge von einem halben Meter. Die Jagd im Juni ’lt; (Nachdruck verboten!) 35. Fortsetzung. Zeitalter Schütz' als besonders bedeutend und zu- kunftweisend angesehen werden können und die heute noch eine achtbare Stellung einnehmen. Die vereinigten Frauenchöre des Dekanats eröffneten mit dem Chor „Freut euch des Herrn", geleitet von Chormeister Sommer, die Reihe der Darbietungen. Der Chor wurde frisch und temperamentvoll vorgetragen. Es folgte ein Duett für Tenor- und Sopransolo „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz". Ein tiefes Miterleben der Zuhörer zeugte von einer schönen Leistung der Solisten. Als Höhepunkte der Abendmusik kann das Deutsche Konzert für vier Solostimmen, Chor, Instrumente und Orgel „Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen", angesehen werden. Es ist dies ein Werk, das auf der Höhe der Wirksamkeit von Schütz entstanden ist. Eine sehr dankbare Aufnahme fand auch die biblische Szene für Solostimmen, Chor, Instrumente und Orgel „Pharisäer und Zöllner". Recht dramatisch kamen in diesem Werk die Gegensätze der Hauptpersonen zur Geltung, so daß das Stück seine Wirkung nicht verfehlte. Das Deutsche Konzert für 6 Solostimmen, Chor und Instrumente und Orgel ließ die Größe des Komponisten ganz erkennen. Als Chöre für diese Sonderdarbietungen in der Nachfeier waren die Kirchenchöre der Gesamt- gemeinde Gießen, der Stadtkirche Gießen, der Luther gemeinde Gießen, ferner der Gemeinden Heuchelheim und Großen-Linden gewonnen worden. Alle Chöre waren den zum Teil recht schwierigen jetzt mal mich reden und — fragen." Monika hat die Augen gesenkt und preßt heftig die Lippen zusammen. Robert von Kahl betrachtet sie eine Weile. Um seinen großen, männlichen Mund liegt eine gerührte Zärtlichkeit. „Haben Sie seit Sonntag öfters an mich denken müssen, Fräulein Monika? Ich meine, auch dann an mich denken müssen, wenn wir gerade nicht miteinander telephonierten?" Monika nickt zögernd. „Oesters nicht, aber manchmal." „So. Manchmal. Und ahnen Sie vielleicht, daß ich seit Sonntag viel mehr an Sie dachte, als es für meinen Freund Lenzsch gut ist?" „Für Ihren Freund Lenzsch?" Robert von Kahl lächelt ein ganz klein wenig. Lenzsch hockt auf seinem Bett, starr vor Staunen. Indessen steht Monika neben Robert von Kahl in dem großen neu und hell gestrichenen Speisesaal des Sanatoriums, bewundert den hübschen Blick durch die hohen Fenster und den prachtvollen Wintergarten, der ebenfalls neu hergerichtet und mit jungen Pflanzen versehen worden ist, und redet dabei in einer merkwürdigen nervösen Lebhaftigkeit unaufhörlich auf Kahl ein. Kahl steht sehr dicht neben ihr, beantwortet getreulich ihre vielen sich überstürzenden Fragen und schaut dabei ihr hübsches, herbes Profil an. Wie aufgeregt sie ist! Wie unsicher! Plötzlich faßt er sie bei der Hand und zwingt sie, sich ein wenig zu ihm herumzudrehen. Monika erschrickt zu Tode; sie wird rot bis in den klaren Ansatz ihrer blonden Haare hinein. „Fräulein Monika", sagt Kahl leise, ohne ihre Hand loszulassen, „warum schütten Sie solche Kaskaden von konventionellen Reden über uns beide aus? Glauben Sie, ich weiß nicht, daß es Ihnen im Grunde ganz wurscht ist, wie hoch hier die Wände sind, und wie viele Tische hier hineingehen? Und glauben Sie, ich weiß nicht, daß Sie nur reden, weil Sie sich vor dem Schweigen — unserem Schweigen fürchten?" „Aber wie kommen Sie darauf? Ich ..." Noch immer hält Robert von Kahl Monikas Hand fest. „Und wenn wir schon durchaus reden müssen, Fräulein Monika, dann lassen Sie, bitte, „Na ja, ich bin schließlich zwei Jahre lang Mitwisser seiner gewissen Bestrebungen gewesen, und man fällt doch nicht gern einem Freund in den Rücken. Ich muß also wissen, wie es um Sie steht, wie es um Sie und Lenzsch steht. Ich muß es gleich wissen, oder ich ... ich ..." Er läßt ihre Hand los und tritt einen Schritt von ihr zurück. Wenn mir dos einer vor acht Tagen gesagt hätte, denkt er halb ärgerlich, halb verwundert über sich selbst, daß ich heute mit einer solchen Hast und Heftigkeit um eine junge Dame namens Monika werben würde. „Ich habe fast gar nicht mehr an Lenzsch gedacht", sagt Monika leise und etwas schwerfällig. „Lenzsch ist für mich wie in einer Versenkung verschwunden. Das hat nicht einmal etwas mit Ihnen zu tun, Herr von Kahl. Und auch, als ich vorgestern merkte, daß ich mich über Marga Montwill getäuscht hatte und daß sie nichts für Lenzsch übrig Fäden hin und her. ZRoman von Hedda Westenberger. Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35. Heinrich-Schütz-Gedenkfeier der Kirchenchöre des Dekanats Gießen. hatte, auch da kam Lenzsch für mich aus der Versenkung nicht mehr hoch. Das ist also aus. Schluß, aus! Statt dessen..." Sie stockt ein wenig, betrachtet ihre Fußspitzen, streift mit dem Blick vorsichtig den vor ihr Stehenden, um dann gleich wieder mit ihren Augen zu ihren Fußspitzen zurückzukehren. „Statt dessen?" mahnt Robert von Kahl und preßt die Kiefern zusammen. Monika hebt den Kopf. „Statt dessen habe ich allerdings reichlich viel an Sie gedacht." „Und was haben Sie gedacht?" Achselzucken. Kahl wartet ein Weilchen. „Haben Sie gedacht, daß Sie mich sehr oft wiedersehen möchten?" „Ja. Auch das." „Und — haben Sie vielleicht auch gedacht, daß Sie mich für die unglaublich kurze Zeit unserer näheren Bekanntschaft recht — na, sagen wir — gern haben?" Erneutes Kopfnicken. Da tritt Kahl wieder heran und nimmt zum zweitenmal Monikas Hand. „Monika, habe ich also das Recht und die — Pflicht, Lenzsch über die Wandlung in unserer Einstellung zueinander etwas zu sagen? Darf ich ihm sagen, daß ich Sie sehr liebhabe, und daß auch Sie mich... und daß er also tatsächlich ausgespielt hat, ausgespielt durch eigene Schuld und zu meinem großen Glück?" Monika atmet tief auf und wendet das Gesicht ab. „3a, das dürfen Sie ihm sagen. Und nun lassen Sie mich, bitte, los. Da kommt jemand." Nebeneinander gehen sie dann den langen Gang , hinunter und über zwei Treppen hinaus zu Lenzsch. Am Sonntag, berg bie biesji Sturmbanns I/& Hof Friedberg fü die Stabt die St Friedberg nach wo nach der \ lichen Wettkäm! Sport will Bre alb Manns schrieben. Es vierkampf, 4X. > und Pistolen- u Sieger wurde kämpf (Laufe lenweitwurf) , in der 4X4lX berg; im 1500-Mete JWen. E Friedberg. Die besten C I- lf-Anw. Kür mann Eisenreic Schneider, 2/83 ftSfbeften S. Acker, 4/83 F> E Friedberg. Nach den We $£* SÄ Wbem der Sturmbann n® ilnidie Großen Linden, 1 der 1°°»Es 6Piel 2* *" *»5$ T-Mb g-r jj ker M°°-b »er * L wieder tann M Pause anders Großen-Linden r ^gemeinten Sch Wankel im St Läufer, der den Nun ist die Nied, die sich m't dem kamen noch zu periode kamen verdienten Amgsolms- Zum entscheid Bezirksliga trat« Besetzung an. E gewonnen werd! hergibt. Und dl gehalten. Nach d aufstieg feststehe die in Gießen si Die Grünwei nicht ihre sonsti in bester Spielll her. In bester schönsten Spiele Leistung. Aus dem Sp Mannschaften e zwei Minuten I etwas voraus h und gibt gute T der 5. Mimte b der Sturm buri Der To. ® eiBerin um die Erledig kl vU scheit f du sehen ben nickt mVUnic Die M emx Qusein5tnun spie g batte»? "erb ollenDin^pl n9en Q man Qs alb Hiebest vaim , Denn Tckeifel <•ble ■ ..Schon ^'ll ^ide ^rbm eingeliefert. Bei einer nochmaligen Besichtigung seines „Wow- lagers" am Sonntag und bei der Durchsuchung des umliegenden Geländes, wobei ein SA.-Sturm der Gendarmerie wertvolle Hilfe leistete, sand man außer dem gestohlenen Auto noch meh * rere Pistolen und einen Drilling, die geladen waren, ferner einen Feldstech e r und eine Kanne mit Sauermilch. Die Waffen und der Feldstecher rühren zweifellos von Diebstählen her. Die Milch hatte Schneider in der Nähe bei einem Bauern gestohlen, wie er es überhaupt auch auf Diebstähle bei Bauern abgesehen hatte. Den Kraftwagen hatte er, wie am Samstag schon gemeldet, in Rostock gestohlen. Diesen Diebstahl hat er vor etwa zwei Monaten ausgeführt, und feitbem befand er sich mit dem Auto kreuz und quer auf der Fahrt durch Deutschland, bis ihn hier nun das Geschick ereilte. Dem vortrefflichen Zusammenarbeiten der beiden Förster und der Gendarmerie, wie auch dem tatkräftigen und unerschrockenen Einsatz der drei Beamten gebührt alle Anerkennung. Ein Rehbock sprang ins Motorrad. * S ch o t t e n, 29. Mai. Auf der abendlichen Heimfahrt mit dem Motorrad sprang einem jungen Mann aus Ulfa ein durch den Lichtschein der Motorradlampe geblendeter R e h b o ck in die Maschine. Während der Rehbock tot auf der Unglücksstätte blieb, mußte der Motorradler mit allerlei Knochen- und Rippenbrüchen sowie einer Gehirnerschütterung schwer verletzt dem Schottener Krankenhaus zuge- sührt werden. Landkreis Gletzen. § Beuern, 30. Mai. Dem Vorsitzenden der Kriegerkameradschaft Beuern, Ludwig Stein II., der seit 20 Jahren die Geschäfte der Kriegerkameradschaft geleitet hat, wurde das Kyff- häuser-Ehrenzeichen 2. Klasse verliehen. Da Herr Stein noch weitere öffentliche Aemter verwaltet, bat er um Entbindung von dem Amt des Kameradschaftsführers. Als sein Nachfolger wurde Lehrer Ernst Müller bestimmt. herb und hart war, und der eine Lichtgestalt tn ber dunkelsten Zeit des deutschen Volkes war. Die Vorbereitungen zu dem großen künsllerischen Erleben hatten der Vertrauensmann der Kirchenchöre des Dekanats Gießen, Pfarrer Weisel (Heuchelheim) und die Kirchengemeinde Lich übernommen. Sämtliche auswärtigen Festteilnehmer waren in den Familien der Sicher Gemeindeglieder zu Gaste geladen. Das Ende einer Derbrecherfahrt. * Lich, 31. Mai. Zu der am Samstag bereits gemeldeten Fest nähme eines „schweren Jungen" im Walde bei Nieder-Bessingen wird jetzt weiter bekannt, daß die um die Festnahme dieses Ver- brechers verdienten Förster und der herbeigerufene Gendarmeriemeister hier einen Menschen dingfest gemacht haben, der in erheblichem Maße eine öffentliche Gefahr darstellte. Bei dem Verhafteten handelt es sich um den 24 Jahre alten Heinz Schneider aus Gemünden (Hunsrück). Er hatte sich, wie bereits gemeldet, im Walde bei Nieder-Bessingen mit einem Personenauto zu verstecken gesucht, sich dabei aber festgefahren, so daß er nicht werter konnte. Er wurde am Samstag früh von einem Förster beobachtet, der angesichts der ganzen Sachlage weitere Hilfe in der Person des Nachbarförsters und des Gendarmeriemeisters aus Lich herbeiholte. Mittlerweile hatte Schneider „Lunte gerochen" und versucht, sich auf und davon zu machen. Das hatte er allerdings nicht rechtzeitig getan, denn inzwischen hatten ihn die drei Beamten umstellt. Er brachte es aber immer wieder fertig, zu entwischen, wobei er sogar mehrmals die In der Nähe vorbeifließende Wetter durchwatete. Die Beamten ließen jedoch nicht locker, der Gendarmeriemeister verfolgte den Flüchtenden auch durch die Wetter. So ging das Treiben eine ganze Zeitlang hin und her, bis es schließlich den Beamten doch gelang, den Ausreißer zu fassen. In seinen Taschen fand man zwei geladene Pistolen vor. Der Festgenommene wurde nach Gießen in das Landgerichtsgefängnis den Drückfinger nicht zu lähmen braucht, wenn der Jäger nur einigermaßen sein Wild kennt und es anzusprechen versteht. Wenn der Weidmann nun vor Tau und Tag pirscht oder ansitzt, wenn die Sonne sinkt, bietet sich seinem Auge eines der lieblichsten Bilher aus unserer einheimischen Tierwelt, der Ricke mit i^rem Kitz. Und so wie das Altteh nun feine Kitze fuhrt und das Alttier sein Kalb, sorgt sich die Häsin um ihre Jungen, umhegt die Mutterente ihre Klemen, betreut die Henne ihr Gelege aber ihr ®efperr. 21U diese Kinder bedürfen nicht nur des mütterlichen Schutzes, sondern auch des wachsamen Auges des Hegers, der im rechten Augenblick mit Kraut und Lot und mit dem scharfen GebrauchshuAe zur Stelle ist, wenn zwei- und vierbeiniges, geflügeltes und unaeflügeltes Raubzeua fein Jungwild bedroht. Es ist eine merkwürdige Tatsache, daß wir klugen Menschen über eine ganze Menge von Fragen aus dem Leben unserer einheimischen Tiere recht unklare und unsichere Vorstellungen haben. Ein wich- tiges Mittel, sie zu klären, ist die W i l d m a r k t e = run g. Ganz wesentliche Fragen der Jagdwirtschaft werden erst dann einwandfrei beantwortet werden können, wenn eine absolut ungefälschte, von Vorurteilen freie Unterlage gegeben ist. Dies zu er- schen Sprech- und Wartezimmer hin und her und verflucht die gesamte „Vielweiberei" in seinem Hause, die es fertigbringe, nicht nur harmloses Kristall zu Boden zu schmettern, sondern auch Magenschläuche aus verschlossenen Jnstrumentenschränken spurlos verschwinden zu lassen. Welche Bemerkung wieder die Putzfrau in tiefster Seele trifft, so daß sie Eimer und Schrubber auf der Diele stehen läßt und eine gute halbe Stunde früher ihr Frühstück fordert. Grund genug natürlich für Tante Martha, mit aufgeregt zitterndem Haarknötchen und blitzenden Spitzmausäuglein über die Hausgehilfen von heute herzuziehen, die man offenbar nur noch mit Samthandschuhen anfassen dürfe. Kurzum, es ist dicke Lust im Haus. Sehr dicke. Die Patienten im Wartezimmer spüren es und ducken, wann nebenan die donnernde Stimme des Doktors laut, wird, geängstigt die Köpfe. Marga spürt es und flüchtet mit Tapsy in den Garten, im Inneren kindlich erstaunt darüber, daß also auch in Eigelstein nicht alles rosig ist, und baß offenbar heutzutage die Menschen auch im weltabgeschiedenen Idyll Nerven haben. Die einzige, die mit einer gewissen Befriedigung zwischen den dräuenden Wolken im Hause urnher- ftreift, ist sonderbarerweise Monika. Je mehr sich im Laufe des Vormittags die Stimmung zuspitzt — teils dadurch, daß der Doktor den verschwunden-^ Magenschlauch auch dann nicht finden kann, als er ihn ernsthaft benötigt; teils dadurch, daß zu guter Letzt sich auch Mädchen und Putzfrau nach keifend in die Haare kriegen — je mehr also jeder Ursache hätte, den Kopf einzuziehen, um so ironischer und amüsanter lächelt Monika. „Du f-tehst wahrhastia dabei, als mache dir das alles einen Heidenf-paß , zischt Tante Martha einmal im Vorbeigehen. Auch Marga kann eine kleine Bemerkung in dieser Richtung nicht unterdrücken. Obgleich sie in keiner Beziehung an ben stürmischen Vorgängen beteiligt ist, bedrückt es sie doch irgendwie, und zum erstenmal unter Hammerbacherschem Dach befällt sie ein kleiner Hunger nach etwas großzügiger Atmosphäre. Aus Margas Bemerkung hin zuckt Monika nur die Achseln. „Gott, verlohnt es sich vielleicht, sich wegen der heruntergefallenen Wäsche einen ganzen Tag zu verderben? Und Papas verschwundener Magenschlauch? Soll er einen neuen in Betrieb nehmen, und auch dieser Fall wäre erledigt. Aber so ist das eben hier bei uns: Wenn nicht alles wie am Schnürchen läuft, erhitzen sich die Geister, als ginge die Welt aus den Fugen. Sogar Papa setzt sich über solche kleine Zwischenfälle nie hinweg. Und da soll ich nicht lachen?" (Fortsetzung svlgttz Im Kalender des deutschen Weidmannes nimmt der 1. Juni eine besondere Stellung ein, zumal in solchen Gauen, wo — wie in Oberhessen — das Reywild, jagdlich gesehen, die Hauptwiwart ist. Denn nun ist die Jagd auf den roten Wald frei- • Herrn, den Rehbock, wieder offen. Die voraus- I gegangenen Wochen der Wildzählung Hut der ge- wissenhafte Jäger dazu benutzt, sich ein Bill) von . der Zusammensetzung und der Güte seines Bestandes an Rehböcken zu machen, darauf hat er seinen Abschußvarschlag gegründet, und durch den Kreis- jägermeister ist der diesjährige Abschuß, getrennt nach starken und abschußnotwendigen Bocken, festgesetzt worden. Die Jagd auf den roten Bock ausüben, heißt diesen Plan in die Wirklichkeit übertragen. r t _ Die Gehörnschauen, die im Laufe der letzten Wochen stattfanden, haben gezeigt, daß es noch starker Eingriffe des Jägers bedarf, bis einmal das Bild des Vorherrschens schlecht veranlagter Böcke in sein Gegenteil verkehrt sein wird. Es ist demjenigen, der sich mit den Fragen der Hebung unserer Wildbestande schon länger und eingehender befaßt, schon längst klar, daß die Hebung der Rehwildbestände sich in viel langsamerem Tempo vollziehen wird, als die des Rotwildes, wo die Erfolge überall schon offensichtlich zutage treten. Neben der Schwierigkeit, die Vererbung der Gehörnanlage über die Ricke zu beurteilen, mag vor allem der gerade in weidman- . nisch besagten Revieren jahrzehntelang gemachte Fehler dabei die Hauptrolle spielen, nach, dem Grundsatz: „Es werden nur Sechser geschossen , eine vollkommen falsche Auslese getroffen zu haben. Der ganze Abschuß war von den guten Bewerbern zu tragen, während die schlechten, die ewig Mittelmäßigen, die alten Knopfböcke, und wie sie alle heißen mögen, keine Beachtung fanden und Jahr um Jahr ihr Erbteil weitergaben. Es wäre unverständig, zu erwarten, daß das Ergebnis von Fehlern aus Jahrzehnten in 2 bis 3 Jahren beseitigt werden könnte. Nur Geduld, Ausdauer und Gründlichkeit führen hier, zum Ziel. Wenn der Weidmann sich solche Gedankengange zu eigen macht und mit ihnen an den Abschuß herangeht, wird es chm nicht schwer werden, den Hinweisen gerecht zu werden, die der Landesjägermeister seinen Jägern gegeben hat. Wie rm Vorjahre, liegen auch in diesem Jahre wieder „Richtlinien für den Abschuß des männlichen Rehwlldes im Jagdjahre 1938" für den Jagdgau Land Hessen vor, die jeder Jäger kennen muß, ehe er an den Abschuß herangeht. Sie sind inhaltlich fast gleich den vorjährigen, in manchen Punkten aber noch klarer und deutlicher gefaßt, offenbar z. T. nach Erfahrungen, die man bei den Gehörnschauen gemacht hat. , Die Richtlinien unterscheiden wieder zwischen „Starken" und „Abschußnotwendigen Böckön". Dabei ist das Bestreben klar zu erkennen, den gut veranlagten normalen Bock der Wildbahn zu erhalten. Nur wenn dieser Bock den Durchschnittssechserbock eines Reviers an Stangenstärke, Perlung, Vcr- eckung und Stangenstellung erheblich übertrifft, ist er als „stark" zu bezeichnen. Wenn der Abschußplan einen kleinen Teil solcher Böcke dem Weidmann freigibt, so soll er von der Abschußmöglichkeit nur Gebrauch machen, wenn die Trophäe ihn wirklich befriedigen und etwas Besonderes darstellen wird. Ganz besonders dankbar werden viele Revierinhaber dafür sein, daß der Abschuß dieser starken Böcke erst vom 1. August ab erfolgen darf, also erst, wenn erst die Brunst schon zur Hälfte vorüber ist. Daraus ergibt sich, daß der Jäger sich im Juni und Juli um so mehr seinen „Abschußböcken" widmen kann, damit diese nach Möglichkeit vor der Brunft zur Strecke kommen. Daß dies nicht leicht ist — weil jeder erfahrene Weidmann weiß, daß zu Beginn des Juni ein Teil feiner Böcke in den Ge- ireibefetbern verschwindet, um erst im August zurückzukehren — ist unbestritten. Um so wichtiger ist es, die Bejagung in den ersten Junitagen zu verstärken. Da die Vegetation auf den Wiesen und Feldern gegenüber dem Vorjahre wesentlich zurück'ist, wirb es leichter sein, als damals. Die „Richtlinien" sind im übrigen so gehalten, daß bie berüchtigte „Angst vor dem roten Punkt" reichen, wurde die Wildmarke geschaffen, auf deren Bedeutung hinzuweisen den Kreisjägermeistern durch den Reichsjägermerster zur dauernden Pflicht gemacht worden ist. Der Juni ist gerade der beste Monat zur Markierung. Denn da kommt Jungwild am leichtesten in die Hand des Jägers. Drum sollte die Wildmarke jetzt nie fehlen, wenn es hinausgeht in den grünen Dom. Mit dem Markieren allem ist es allerdings nicht getan, vielmehr muß die Markennummer mit Angaben über Wildart und Ort und Zeit der Zeichnung der Zentralstelle beim Reichsjagdamt gemeldet werden. Wer dies unterläßt, wird vergeblich auf Rückmeldungen warten können. Mit dem 16. Juni hört die Schonzeit für führende weibliche Stücke von Schwarzwild, Fuchs und Iltis auf. Es hatte sich einmal, als die Fuchsbälge in den unseligen Zeiten der Jnflationswirt- schäft schwindelnde Preishöhe erreichten, der Brauch entwickelt, jedes Fuchsgeheck auslaufen zu lassen. Der Jäger nyiß sich darüber im klaren fein, daß er überall dort, wo die Geflügelhaltung unter zu großem Fuchsbestand leidet, durch Graben der Jungfüchse oder Abschuß eingreifen muß, wenn er sich nicht in Widerspruch mit den Anordnungen des Reichsjägermeisters setzen will. Daß Füchse mit Räudezeichen jederzeit abgeschossen werden, um diesem liebel Abbruch zu tun, ist selbstverständlich. Hubertus. Unterwegs bleibt Monika noch einmal stehen, 1 chaut die Treppe hinauf, in die Richtung, in der Lenzschs Zimmer liegt, und sagt nachdenklich: „Aber eigentlich sollten Sie noch ein bißchen warten, ehe Sie Lenzsch etwas sagen. Er ist sowieso schon o nervös durch den Fuß. Und womöglich kommt er in diesen Tagen auch dahinter, daß er sich über Marga Montwills Gefühle etwas komische Illusionen gemacht hat." Kahl lächell kopfschüttelnd. „Ja, es ist wahr. Aber ehrlich gesagt: Verstehen Sie, daß er sich in dieser Hinsicht Illusionen gemacht hat? Ich bitte Sie — eine Frau wie diese Marga Montwill! Und dann, wer Augen im Kopf gehabt hat, mußte doch sofort ehen, daß er da einen ganz gewaltigen Konkurrenten hatte und einen ziemlich erfolgreichen oben» drein." „©inen Konkurrenten? Es war doch sonst gar niemand da. Außer — Ihnen noch." Kahl fährt sich lächelnd durch das Haar. „Erlauben Sie mal — Sie vergessen Ihren Papa!" Monika starrt ihn an, als verstünde sie nicht recht: „Papa? Papa?" Dann werdet sie sich empört ab. „Aber das ist ja zum Lachen! Papa mit seinen grauen Haaren! Nein, solchen Unsinn dürfen Sie mir nicht erzählen. Und ein wenig in ihrem Glück gestört, wendet sie sich von Kahl ab und steigt, von ihm gefolgt, weiter die Treppe hinauf. Papa? Marga Montwill und Papa? Unmöglich! — Unmöglich? 23. E s i st dicke Luft im Haus, undwas für merkwürdige Folgen das zeitigt. Mittwoch ftüh scheinen alle im Hammerbacher, scheu Haus mit dem linken Bein aus dem Bett gestiegen zu sein. Von der Wäsche, die schon um sechs Uhr früh lustig im Garten auf der Leine flatterte, liegt um acht Uhr ein guter Teil beschmutzt und sogar angerissen drüben am Gartenzaun — ein plötzlich auf. springender Märzsturm ist der Missetäter. Das Mädchen läuft daraufhin mit dickverquollenen Augen und tief beleidigtem Gesicht umher, und seine Nervosität macht sich schließlich beim Spülen des Frühstücksgeschirrs dadurch Luft, daß zwei gute Kristall- gläser, statt auf dem Tisch, neben dem Tisch landen. Monika behauptet zwar ironisch, Scherben brächten Glück, aber im Augenblick ist keiner geneigt, es ihr zu glauben. Im Gegenteil, Tante Martha hält dem Mädchen eine lange und laute Predigt über dessen allgemeine und besondere Fahrigkeit, die ; allein an dem „Unglück" schuld sei, und Vater Ham- , merbachec tobt inzwischen wie ein wilder Löwe zwi- * Lich, 29. Mai. Am.Sonntagnachmittag fanden sich 20 Kirchenchöre mit nahezu 800 Sängern und Sängerinnen in Lich ein, um gemeinsam eines der größten unserer deutschen Musiker, des Komponisten Heinrich Schütz, zu gedenken. Mit dem Präludium c-moll von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) wurde die Feierstunde in der Marienstiftskirche eingeleitet. Dem Organisten, Lehrer i. R. Karl Stein, gelang es vortrefflich, auf dem großen Werk die Komposition mit der wunderbaren Führung der einzelnen Stimmen, deren jede ihre eigne Melodie singt, die sich aber zu einem herrlichen Gewebe künstlich verschlingen, wiederzugeben. Die Frauenchöre traten in zwei Gruppen, geleitet von Chormeister Kröll (Gießen) und Chormeister Schäfer (Garbenteich) auf, von denen die eine die Komposition „Mit Freuden zart..." aus dem 16. Jahrhundert darbot. Die Gemischten Chöre sanaen ebenfalls gruppenweise unter Leitung der Chormeister Theiß (Klein- Linden), Römer (Großen-Linden), Becker (Treis a. d. Lda.) und Stein (Lich). Sie warteten mit Kompositionen von Joh. Seb. Bach und Mich. Praetorius auf. Im „Gloria sei dir gesungen..." von Bach vereinigten sich sämtliche Gemischten Chöre zu einem Gesamtchor. Dieser konnte sich in dem weiten, hohen Raum voll entfalten. Mit der Fuge f-moll von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759), einem der Meisterwerke des Komponisten, klang der Festgottesdienst aus. In dem Festgottesdienst hatten folgende Chöre mitgewirkt: Gesamt gemeinde Gießen, Stadtkirchenchor Gießen, Luthergemeinde Gießen, Heuchelheim, Leihgestern, Watzenborn-Steinberg, Oppenrod, Treis a. d. Lda., Allendorf (Lahn), Großen-Linden, Klein- Linden und Lich. An Frauenchören waren beteiligt die Chöre von der Petrusgemeinde Gießen, Großen- Buseck, Alten-Buseck, Reiskirchen, Steinbach, Hausen, Garbenteich und Klein-Linden. In der Predigt sprach Studienrat Lic. Schor- lemm er (Mainz), der langjährige frühere Pfarrer von Lich, darüber, wie wahre Freude eine ernste Sache sei und wie die Kirchenchöre Freude in die Gemeinden tragen sollten. In der Nachfeier, die ebenfalls in der Kirche stattfand, mar auf Veranlassung des Chorleiters und Organisten der Johanneskirche Gießen, Musiklehrer Nebeling, die Feier in Gestalt einer „Geistlichen Abendmusik" ausgebaut worden. Diese war ganz dem Gedenken des Altmeisters Heinrich Schütz (1585 bis 1672) gewidmet. Die Vortragsfolge brachte in der „Geistlichen Abendmusik" einige Werke von Schütz, die für das Partien völlig gewachsen. An Solisten waren beteiligt: Sopran: M. Nebeling, M. Wagner; Alt: I. Adam; Tenor: Pfarrer Lic. Laun; Baß: G. Bley, H. Undeutsch; Violine: A. Rein, R^Mürrle, I. Müller, W. Hinkel; Violin- cello: K. Appenheimer, I. Weyl; Bratsche: H. Römer und Orgel: Karl Stein. Sämtliche Mitwirkenden bemühten sich mit viel Erfolg, den ihnen auf getragenen Partien völlig gerecht zu werden. Die Gesamtleitung lag in den Händen von Musiklehrer Johannes Nebeling (Gießen), dem das Hauptverdienst an dem guten Gelingen der sehr schön verlaufenen Veranstaltung gebührt. Herr Nebeling hatte auf Auswahl und Einübung der Musikwerke größten Wert gelegt und den Chören zum ersten Male mit diesen neuen Aufgaben neue Wege und Ziele vorgezeichnet. Propst Knodt (Gießen) begrüßte die Kirchenchöre und die vielen sonstigen Festgäste. In seiner Ansprache schilderte er Heinrich Schütz als gottbegnadeten Musiker, der in seinen Werken wahr, SJi.-^fpOTt Mm die Gebietsmeisterschast. Großen-Linden verlor in Wehlar. Sporto. Wetzlar 05 — Tv. Großen-Linden 4:1 (1:0). Die beiden Mannschaften trafen sich am Sonntao in Wetzlar zum ersten Entscheidungsspiel um die Gebietsmeisterschaft der Hitler-Jugend. Der Bann- meuter des Bannes 116, die Mannschaft des Tv. Großen-Linden, verlor dieses Spiel unverdient Der Sportplatz, der in sehr schlechter Verfassung war sowie der wolkenbruchartige Regen ließen kein einwandfreies Spiel zu. Bis zur Halbzeit konnte man mit den Leistungen beider Mannschaften zufrieden sein. .Kurz der Spielverlauf: Das Spiel begann sehr schnell. Zunächst spielten die Platzbesitzer überlegen. Doch langsam macht sich Großen-Linden frei und wird Zeitweise gefährlich vor dem Tor der Platzbesitzer, doch das hohe Gras läßt keinen sauberen Torschuß zu. In der 13. Minute fällt überraschend das erste Tor. Ein schlecht abgewehrter Ball kommt dem Rechtsaußen direkt, vor die Füße. Seine Flanke verwandelte der Halbrechte direkt zum ersten Tor für Wetzlar. Jetzt spielen die Platzbesitzer überlegen. Vier Eckbälle bringen nichts ein. Bei einem Vorstoß der Gäste läßt Spengler eine „Bombe" los, die der Wetzlarer Hüter durch Robinsonade zur Ecke lenken kann. Der Ausgleich hängt in der Luft, doch immer wieder kann ein Wetzlarer Spieler retten. Bis zur Pause änderte sich nichts mehr. Rach der Pause ist Großen-Linden wieder mehr überlegen, doch alle bestgemeinten Schüsse verfehlten ihr Ziel. Bei einem Geplänkel im Strafraum der Gäste ist es der linke Lauser, der den Ball ins eigene Tor beförderte Nun ist die Niederlage endgültig, und die Wetzlarer, die sich mit dem schweren Platz besser zurechtfanden, kamen noch zu zwei Toren. Sei. einer kurzen Drangperiode kamen die Großen-Lindener zum längst verdienten Ehrentor. Burgsolms -DfB.-R.-Gießen 0:3 (0:2) Zum entscheidenden Spiel um den Aufstieg zur Bezirksliga traten die Gießener in ihrer stärksten Besetzung an. Es war klar, daß in Burgsolms nur gewonnen werden kann, wenn jeder Spieler alles hergibt. Und das haben die Spieler dem Verein gehalten. Nach diesem Siege dürfte wohl der Wieder- aufstieg feststehen. Es stehen noch zwei Spiele aus, die in Gießen stattfinden. Die Grünweißen, die sonst auf kleinen Plätzen nicht ihre sonstige Form erreichten, waren diesmal in bester Spiellaune. Jeder Spieler gab sein Bestes her. In bester Form war Bach, der eines seiner schönsten Spiele lieferte. Sein Tor war eine große Leistung. Aus dem Spielverlauf ist zu berichten, daß beide Mannschaften etwas nervös begannen. Schon nach zwei Minuten kann man feststellen, daß die Gäste etwas voraus haben. Bach ist etwas zurückgezogen, und gibt gute Vorlagen in seinen Sturm. Schon in der 5. Minute bricht VfB. den Bann. Wieder wird der Sturm durch gute Arbeit der Läuferreihe zum Angriff eingesetzt. Der Ball kommt zum Rechts- außen Fehling, der den Ball sofort an Heß abgibt, und aus 5 Meter ist der Tormann von Burgsolms zum erstenmal geschlagen. Das Spiel geht auf und ab. Diesmal ist es Bach, der den Ball zu Heß spielt, und wieder muß sich der Tormann des Gastgebers geschlagen bekennen. Burgsolms wirft alles nach vorn, aber der Sturm verdirbt durch Uebereifer einige gute Torgelegenheiten. Bis zur Halbzeit ändert sich nichts mehr. Nach dem Wechsel setzt Burgsolms alles auf eine Karte. Die Hintermannschaft der Gießener hat bange Minuten zu überstehen. Aber in der 16. Minute nach Halbzeit ist das Spiel entschieden. Diesmal ist es Bach, der sich durchgespielt hat, und aus 15 Meter einen Schuß losläßt, gegen den der Tormann machtlos ist. Die Grünweißen ziehen nun ihre recht gut aufgelegte Läuferreihe zurück und halten das Spiel bis zum Schluß. Gpielvereinigung 1926 Leihgestern. Spvgg. Leihgestern I — Spv. Lollar I 4:3 (1:3). Spvgg. Leihgestern II — Spv. Lollar II 0:3 (0:1). Der Spielvereinigung 1926 Leihgestern gelang am Sonntag ein beachtlicher Sieg über den eine Klasse höher spielenden Spv. Lollar. Das Spiel der ersten Mannschaften wurde von Beginn hart und schnell durchgeführt, wobei die Einheimischen zunächst leichte Feldvorteile hatten. Trotzdem gingen die Gäste durch einen überraschenden Durchbruch in Führung, und ehe sich die Blau-Weißen wieder gefunden hatten, erhöhten die Gäste auf 2:0. Dies wirkte auf die Platzbesitzer deprimierend. Die besten Chancen wurden von dem Sturm vergeben. Selbst ein Elfmeter wurde von Arnold vergeben. Endlich gelang es dem Linksaußen, durch einen schönen Schuß auf 1:2 zu verkürzen. Aus einem Gedränge heraus konnte Lollar den dritten Treffer erzielen. Mit diesem Stand ging es in die Pause. Nach der Halbzeit merkte man den Einheimischen sofort an, daß sie sich etwas vorgenommen hatten. Sie diktierten eine ganze Weile das Spielgeschehen, und wiederum war es der Linksaußen, der eine Vorlage über den herauslaufenden Torwart ins Netz verlängerte. Die Hintermannschaft der Gäste war auf die Dauer dem ständigen Druck nicht mehr gewachsen, sie mußten binnen kurzer Zeit durch den Halblinken und den Halbrechten zwei Treffer hinnehmen, so daß Leihgestern als knapper, aber verdienter Sieger das Feld verlassen konnte. Leihgestern bot gegen sonst eine schwächere Leistung. Gut schlug sich die Hintermannschaft einschließlich Läuferreihe, während im Sturm lediglich die linke Seite allen -Ansprüchen genügte. Der Halbrechte Arnold wirkte dagegen erheblich schwächer als sonst. Die Gäste hatten ebenfalls in den hinteren Reihen die besten Kräfte, während sich der Sturm nur auf einige gefährliche Durchbrüche beschränken mußte, wobei besonders die Schnelligkeit und die Schuß- freudigkeit des Rechtsaußen auffiel. ZriihjahrsweMmpfe der ff. Am Sonntag fanhen auf der Seewiese in Friedberg die diesjährigen Frühjahrswettkämpfe des Sturmbanns 1/83. ---Standarte statt. Vom Bahnhof Friedberg führte ein gemeinsamer Marsch durch die Stadt die Stürme Gießen, Wetzlar, Hungen und Friedberg nach dem Sportplatz an der Seewiese, wo nach der feierlichen Flaggenhissung die friedlichen Wettkämpfe ihren Verlauf nahmen. Der jj* Sport will Breitenarbeit, und so waren die Kämpfe als Mannschaftswettbewerbe ausgeschrieben. Es wurden ausgetragen: Mannschaftsvierkampf, 4X400-Meter-Staffel, 1500-Meter-Lauf und Pistolen- und Kleinkaliberschießen. Sieger wurden: im Mannschafts-Vierkampf (Laufen, Kugelstoßen, Weitsprung, Keulenweitwurf) Sturm 2/83 Wetzlar; in der 4X400-Meter-Staffel Sturm 4/83 Friedberg; im 1500-Meter-Lauf Sturm 1/83 Gießen; im Pistolen- und Kleinkaliber.-Schießen Sturm 4/83 Friedberg. Die besten Einzelsieger im Vierkampf waren: 1. ---Anw. Künstler, 4/83 Friedberg; 2. ---Sturrn- rnann Eisenreich, 4/83 Friedberg; 3. ---Rottens. Schneider, 2/83 Wetzlar. Die besten Schützen waren 1. ---Unterscharführer Stöcker, 4/83 Friedberg; 2. ---Obersturmführer Reitz 4/83 Friedberg. Nach den Wettkämpfen war der Sturmbann zum Eintopf zu Gast beim JR. 36 in der Bergkaserne. Anschließend fand in der Burg unter Teilnahme von Ehrenabordnungen der SA., PL., der HI. mit ihren Fahnen der Schlußappell und die Siegerehrung statt. Nachdem der Bürgermeister, Pg. Vieth, den Sturmbann namens der Stadt begrüßt hatte, sprach der Führer des Sturmbannes I, ---Untersturmführer Stastny-Hain, zu den angetretenen Männern und ehrte die Sieger, denen er zweckmäßige Preise überreichte. Bei unserem sporllichen Wettkampf, so betonte der Führer »des Sturmbannes, geht es nicht um die Leibesübung an sich, es kommt uns vielmehr auf die ständige und immer fortwährende Bereitschaft zum Kampf, der mit dem 30. Januar keinen Abschluß gefunden hat. Der schwierigere Kampf um die Untermauerung der Macht durch die innere Umformung des deutschen Menschen hat erst begonnen. Diesem Ziel gilt die Arbeit der --. Die -- weiß sich einig darin mit dem Streben der anderen Organisationen der Partei, mit denen gemeinsam nur das vom Führer gesteckte Ziel erreicht.werden kann. In diesem Sinne dankte ---Untersturmführer Stastny-Hain den angetretenen Organisationen für ihre Teilnahme am Sporttag der -- als schönen Ausdruck kameradschaftlicher Zusammenarbeit. , Nach dem Treuelied der -- „Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu", sprach der Ortsgruppenleiter der Partei, Pg. Brose. Er unterstrich die Worte des Sturmbannführers. „Jeder Nationalsozialist muß Kämpfer sein in dem heutigen Kampf der Bewegung um die Reinheit der Idee. Unser Ziel muß sein, den deutschen Menschen so zu gestalten, wie der Führer ihn wünscht und braucht für die Ewigkeit Deutschlands." Mit dem Gruß an den Führer schloß der Appell. Ein Vorbeimarsch der im Burghof angetretenen Formationen PL., HI., SA. und -- vor dem Hoheitsträger der Partei, Ortsgruppenleiter Pg. Brose, beendete einen erfolgreichen Tag in der stillen Arbeit der --. Handball im Kreis VIII Der Tv. Wetzlar schlug sich gegen die Polizei Berlin unerwartet gut. MU nur 11:1 wurde der Hafenmeister geschlagen. Damit haben die Spiele um die Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft ihre Erledigung gesunden. * Die Entscheidung um den A u f st i e g z u r G a u- flnffeim Bezirk Gießen ist gefallen. Der Tw Lu t - zellinden hat auf eigenem Platz mit 9:6 (4:1) gegen den Tabellenführer Tv. Kesselstadt verloren. Damit sind die Hoffnungen der zahlreichen Anhänger, den heimischen Meister in der Gauklasse zu sehen, zunichte. Denn Kesselstadt kann praktisch nicht mehr eingeholt werden. . . Die Meinungen vor und nach dem Spiel gingen auseinander. Fest stand, daß Lützellinden das Vorspiel hoch verloren hatte. Unter diesen Umstanden hatten die Platzbesitzer nicht nur die Verpflichtung, den Rückkampf siegreich zu gestalten, sie mußten vor allen Dingen auch beweisen, daß das Vorspielergeb- nis irregulär war und einer Berichtigung bedurfte. Wenn das alles nun nicht gelungen ist, jo kann man das nicht zuletzt einer guten Portion Pech zu- fchieben. Denn genau so gut, wie Kesselstadt gewann, konnte auch Lützellinden Sieger werden. Im Gegenteil, die weitaus meisten Chancen hatten ohne Zweifel die Einheimischen, die aber zeitweilig von einem beispiellosen Pech verfolgt waren. Schon das Ergebnis der ersten Halbzeit gma nicht in Ordnung. Bis dahin nämlich lieferten sich beide Mannschaften einen vollkommen yleichwer- iigen Kamps. Nach der Pause kam Lutzellmden • mächtig in Fahrt. Innerhalb weniger Minuten war der Gleichstand aufgeholt, und es schien so, als würde die Mannschaft einem sicheren Sieg zu- steuern. Leider erfüllten sich die Erwartungen nicht. Kesselstadt überstand die Krise gut, ging seinerseits erneut in Führung und konnte kurz vor Schluß den Vorsprung so-gar auf 5 Tore ausdehnen. Der nunmehr einsetzende Endspurt der Platzbesitzer konnte an dem Ergebnis nichts mehr ändern. Es war nur möglich, zwei Tore aufzuholen, so daß der Schlußstand schließlich 9:6 lautete. Die restlichen Spiele der Bezirksklasse fielen abermals durch Punktverzichte aus. Wetzlar-Niedergirmes und Münchholzhausen kamen dadurch kampflos in den Besitz der Punkte. Ein weiteres Aufstiegspiel kam in Atzbach zwischen Atzbach und Lich zum Austrag. Lich, das nur mit 9 Mann antrat, kam für den Sieg niemals in Frage. Die Überlegenheit der Einheimischen war sogar so stark, daß zum Schluß ein Ergebnis von 14:2 herauskam. * In Heuchelheim trafen sich der To. Heuchelheim und der Luftwaffensportverein Gießen zu einem Freundschaftskampf. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß die Soldaten das in sie gesetzte Vertrauen gerechtfertigt und vor allen Dingen gezeigt haben, daß der gute Ruf, der ihnen vorausging, vollauf berechtigt war. Denn obwohl Heuchelheim mit restlosem Einsatz kämpfte, konnten die Flieger knapp, aber verdient mit 8.6 Sieger menbetL Die GA.-Reikerstandariel 47, Gießen. Sieger in der Pendelstaffel beim Hallensporlfest der SA.-Gruppe Hessen in Frankfurt a. 211. Auch in diesem Jahre stellte der Sturm 6/147, Schar 1, Standort Gießen, die 6X60 m-Pendelstaffel für Sondereinheiten. Die Mannschaft, die einen Sattel als Uebergabe tragen mußte, lief in folgender Aufstellung: Scharführer Lipp, Scharführer Heilmann, Scharführer Münch, Sturmmann Betz, SA.- Mann Marx, SA.-Mann Hinrichs. Die Mannschaft, die gegen sechs Reiterstandarten zu laufen hatte, kann stolz auf diesen Erfolg sein. Ergebnis: 1. Reiterstandarte 147 55 Sek., 2. Reiterstandarte 49 55,8 Sek., 3. Reiterstandarte 48 56,9 Sek. BfB.-Reichsbahn-Leichtathletik. Am Sonntag fanden in Marburg, im Rahmen des Mannschaftskampfes Hessen - Preußen Kassel, Universität Marburg, Stadtmannschaft Gießen, Gauausscheidungskämpfe der Frauen statt. Die vier besten Läuferinnen des VfB.-Reichsbahn, Lotti Diehl, Else Ludwig, Elfriede Schmidt und Luise Weder nahmen auf Einladung daran teil. Lotti Diehl gewann ihren 100-Meter-Lauf in der guten Zeit von 13,5 Sekunden und wurde damit in der Gesamtwertung Zweite. Else Ludwig gewann ihren 200-Meter-Lauf nach scharfem Kampf gegen ihre Klubkameradin Elfriede Schmidt und wurde mit der Zeit von 30,5 Sekunden in der Gesamtwertung Dritte. Elfriede Schmidt lief 30,7 Sekunden. lieber 100 Meter erzielten Else Ludwig 14,2 Sekunden, Elfriede Schmidt 14,3 Sekunden und Luise Weber 14,5 Sekunden. Auch diese drei müssen bald unter 14 Sekunden kommen, lediglich einige kleine technische Fehler beim Start lassen sie immer zu spät in Schwung kommen. Die Zeit von Lotti Diehl Ssllt neuen persönlichen und Dereinsrekord dar. uch von ihr wird noch eine Steigerung erwartet. Tischtennis der Spielvereinigung 4900 Gießen. 5. V. 98 Darmstadt — Gießen 1900 8 :4. Am Samstag und Sonntag weilte die Tisch- Tennis-Abteilung der Spvgg. 1900 Gießen bei dem S. V. 98 Darmstadt zu Gast. Darmstadts eine Mannschaft, die bereits im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gestanden hat, konnte das Turnier mit 8:4 Punkten gewinnen. Der frühere deutsche Meister Schardt mit seinem Partner Schnabelius gaben hierbei den Ausschlag, konnten diese beiden Spieler zusammen 5 Punkte erringen. Für Gießen gewannen Beil, Reichel, Jung und Günther jeder einen Punkt. Rund um den Aeroberg. Am Sonntag starteten die beiden Gießener Fahrer Heinrich Preis und Willy Neumann beim Straßenrennen „Rund um den Neroberg" in Wiesbaden. Leider hatte Heinrich Preis durch Reifenschaden in der zweiten Runde das Rennen vorzeitig beenden müssen. Es scheint, als ob der Gießener Fahrer in diesem Jahre geradezu vom Pech verfolgt ist, denn schon bei drei Rennen mußte er wegen Materialschäden aufgeben. Der andere Gießener Fahrer, Willy Ne u m a n n, hatte wieder mehr Glück. Das Rennen litt stark unter den aufgeweichten Straßen, und es gelang nur dem Schweinfurter Seufert von der X-Klasie die Fahrer der 6-Klaffe, die mit Vorgabe gestartet waren, kurz vvr dem Ziel noch einzuholen und das Rennest zu gewinnen. Neumann, dem der Anschluß an die 8-Klasse nicht geglückt war, wurde als. Zweiter der ^-Klasse Sechster. Am Pfingstmontag gehen die beiden Gießener Fahrer in Gütersloh beim reichsoffenen Straßenrennen über 185. Kilometer an den Start. Trotz des starken Aufgebots von erstklassigen deutschen Amateuren sollten die beiden Gießener doch ehrenvoll abschneiden. Fußball in Klein-Linden. Klein-Linden I. — Heuchelheim I. 1:3 (1:1). Am Sonntag trug die erste Mannschaft des Turnvereins Klein-Linden ein Freundschaftsspiel gegen die erste Mannschaft des Sportvereins Heuchelheim aus. Das Spiel war in der ersten Halbzeit ziemlich ausgeglichen. In der zweiten Halbzeit litt es sehr unter dem einsetzenden Regen. Klein-Linden verpaßte vor dem Tor der Gäste manche Gelegenheit, so daß schließlich Heuchelheim als Sieger den Platz verlassen konnte. Wegen des einsetzenden starken Regenschauers mußte der Schiedsrichter das Spiel kurz vor Schluß abbrechen. Gondergericht in Gießen. Wegen Deraehens nach § 1 des Heimtückegesetzes verurteilte gestern das Sondergericht" den Michael Henseler aus Büdingen zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr. Der 35jährige, schon vielfach vorbestrafte Angeklagte hatte aus gemeiner Gesinnung niederträchtige, unwahre Aeuße- rungen über führende Persönlichkeiten des Staates getan, die geeignet waren, das Ansehen der Reichsregierung herabzusetzen. Wenn der Angeklagte sich auch Nicht nachweislich politisch betätigt hatte, so zeigte doch die Verhandlung und die Art der Aeuße- rungen, daß er politisch gesehen ein großer Kommunist ist. Eine exemplarische Strafe joar daher geboten. Das Verfahren gegen den P. W. aus Bad-Nauheim wurde auf Grund des Amnestiegesetzes eingestellt. Auch dieser Angeklagte stellte unwahre Behauptungen auf, die geeignet waren, das An- sehen der Reichsregierung zu schädigen. Da diese Aeußerungen aber nicht aus einer gegen den Staat sich richtenden Gesinnung getan wurden, sondern es sich nur um Schwätzereien handelte, erachtete das Gericht eine Gefängnisstrafe von einem Monat als angemessen, die amnestiert wurde. Die Frau M. L. aus Stauden hatte sich ebenfalls wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz zu verantworten. Die Anklage legte ihr zur Last, maß- gebende Personen des Staates und der Partei sowie den Bürgermeister und andere im politischen Leben der Gemeinde eine Rolle spielende Personen beleidigt zu haben. Die Angeklagte gab lediglich zu, den Bürgermeister beleidigt zu haben. Im übrigen bestritt sie sämtliche ihr zur Last gelegten Behauptungen, die ihr auch nicht nachgewiesen werden konnten, so daß insoweit mangels Beweises Freispruch erfolgen mußte. Bezüglich des von der Angeklagten zugegebenen Sachverhalts war das Gericht der Ueberzeugung, daß die Angeklagte nicht als Staatsfeind anzusehen sei, zumal sie sich schon vor der Machtübernahme für die NSDAP, einsetzte, und glaubte ihr die Einlassung, daß sie lediglich aus momentaner Verärgerung sich zu unpassenden Aussprüchen habe hinreißen lassen. Mit Rücksicht hierauf hielt das Gericht an sich eine Gefängnisstrafe von drei Monaten als angemessen, es mußte jedoch auf Grund der Amnestie aus Straf- sreiheit erkennen. • Wirtschaft. ZG.-Farben im Jahre 4937. 8 (7) v. h. Dividende, davon 1 v. H. aus dem letzten Gewinnvortrag. Fwd. Die Verwaltung der JG.-Farbeninduftrie- 21(9. Frankfurt a. M. hat in ihren Sitzungen am 28. Mai beschlossen, der ordentlichen Hauptversammlung am 18. Juni die Verteilung einer Dividende von 8 (7) v. H. für das Geschäftsjahr 1937 vorzuschlagen, wovon 1 v. H. dem Vortrag aus dem Jahre 1936 entnommen werden soll und zur Bildung eines Anleihestockes an die Golddiskontbank abzuführen ist. Rhein-Mainische Börse. Mitlagsbörfe: Uneinheitlich. Frankfurt a. M., 30. Mai. Die Börse setzte zum Wochenbeginn mit freundlicher Haltung ein, wobei die Dividenden-Erhöhung bei JG.-Farben anregte. Zu größeren Umsätzen kam es aber allgemein nicht. JG.-Farben selbst lagen zeitweise etwas lebhafter mit 160,40 bis 160,25 bis 160,50 (159,50). Im übrigen war die Kursentwicklung uneinheitlich, da weitere Abwicklungsverkäufe bei der Marktenge auf die Kurse drückten. Sa lagen Metallgesellschaft weiter rückläufig mit 130,75 bis 131 (133,50), ferner ermäßigten sich Rütgerswerke auf 145,65 (146,50), BMW. auf 145,25 (146,50), Rheinmetall auf 143,25 (144), außerdem Daimler, Adlerwerke Kleyer, Reichsbank, Schuckert und Canti Gummi bis 0,50 v. H. Montanwerte bröckelten 0,25 bis 0,65 v. H. ab, nur Mannesmann behauptet mit 112,40 und Deutsche Erdöl mit 137,50. Am Elektromarkt erhöhten sich Lahmeyer auf 130,50 (129). Im übrigen wiesen die meisten Marktgebiete zu den ersten Notierungen große Lücken auf. Am Rentenmarkt bleiben Reichsaltbesitz- Anleihe wegen Ziehung heute und morgen ohne Notiz. Etwas lebhaftere Umsätze wiesen Kommunal- Umschuldung mit 96,30 bis 96,35 (96,25) auf. Pfandbriefe waren bei ruhigem Geschäft unverändert. Von Liquidationswerten gingen Rheinische auf 101 (101,25) zurück. Stadt- und Staatsanleihen lagen nahezu unverändert, ebenso wiesen Industrie- Obligationen kaum Abweichungen auf. Schutzgebietsanleihen erhöhten sich auf 11,93 (11,90). Kommunal-Umschuldung erhöhten sich später dis auf 96,40. Auch die zweite Börsenstunde brachte den Aktienmärkten keine Belebung. Verhältnismäßig lebhaft unter Schwankungen zwischen 160,50 bis 161,25 waren nur JG.-Farben. Metallgesellschaft erholten sich auf 132,25 nach 130,75. Abendbörse still. An der Abendbörse ergaben sich mangels Kundenaufträge keine größeren Geschäftsmöglichkeiten. Im Anschluß an den Mittagsverkehr blieb die Grundhaltung freundlich und zuversichtlich, die Kursentwicklung am Aktienmarkt war jedoch wei- terhin etwas uneinheitlich. Die Veränderungen hielten sich bei etwa 0,25 bis 0,50 o. H. und stellten größtenteils nominelle Anpassungen an den höheren Berliner Schluß dar. JG.-Farben lagen bei etwas mehr Umsatz mit 161,13 (161,25) wenig verändert. MontaMttien riotmteu zumeist 0,25 v. H. höher, Buderus und Deutsche Erdöl gewannen je 0,50 v. H. auf 112,50 bzw. 138, während Rheinstahl 0,25 v. H. abbröckelten auf 142. Im einzelnen erhöhten sich u. a. Reichsbank auf 193 (192,25), Metallgesellschaft auf 133 , (132,25), Gessürel auf 144 (143,50), Rheinmetall auf 143,75 (143,25), Conti Gummi auf 208,50 (208), RWE. auf 123,50 (123). Adlerwerke Kleyer weiter nachgebend auf 115,75 (116), auch Gebr. Junghans 0,25 v. H. leichter mit 116,75. Renten lagen sehr still. Farben-Bonds blieben mit 130,50 behauptet, und im Freiverkehr nannte man Kommunal-Umschuldung mit 96,35 und 96,40. $ranffurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 30. Mai. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 kg) in RM.: Weizen W13 210, W16 213, W19 217, W 20 219; Roggen R 12 190, R 15 193, R 18 197, R 19 199, Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste und Futterhafer nicht notiert. Weizenmehl, Type 812, W 13 29,50, W 16 29,60, W 19 29,60, W 20 29,95; Roggenmehl, Type 1150, R 12 22,45, R15 22,80, R18 23,30, R19 23,50 plus 0,50 RM. Fracht-Ausgleich. Weizenfuttermehl 13,60; Weizenkleie W13 10,75, W16 10,90, W19 11,10, W20 11,20; Roggenkleie R12 9,95, R 15 10,15, R 18 1040, R19 10,50 Mühlen- festpreise ab Mühlenstation. Sojaschrot, Palmkuchen, Erdnußkuchen nicht notiert; Treber getr., 14 Höchstpreis ab Erzeugerstation, Trockenschnitzel nicht notiert, Heu, lose 5,50, drahtgepreßt nicht notiert; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 3,30, gebündelt 3, Erzeugerhöchstpreis frei Erzeugerverladestation. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 31. Mai. (Dorbericht.) Um 10 Uh rroar folgende Marktlage: Vorauftrieb: 1034 Kälber, 10 Hämmel, 35 Schafe, 5450 Schweine. Es kosteten: Kälber 35 bis 65 Mark, Hämmel 35 bis 47, Schüfe 30 bis 40, Schweine 52 bis 57 Mark. — Marktverkauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Schafe und Hämmel mittelmäßig. Hunhfunfprogramm Mittwoch, 1. Iuni. 5 Uhr: Fruhmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Crescendo von Willy Geißler. — Morgenspruch — Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk. 11.40: Volk und Wirtschaft. Forschung im Pierjahresplan: Die Kai- ser-Wilhelm-Gesellschaft. 11.55: Offene Stellen. 12: Werkskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskon- Zert. 14: Nachrichten. 14.15: Musikalische Kurzweil. 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Fiedelhänschen, geig’ einmal. 16: Doppelkonzert zum 100jährigen Bestehen des Bades Salzschlirf. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 18.45: Fliegendes Deutschland. 19: Nachrichten. 19.10: Virtuose Musik. 20: Griechisch-italienischer Abend. 22: Nachrichten. 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 3: Nachtmusik. Tscheche 42.- 45.- 54.- 38.- 69..- 78.- 89.- 58.- Neustadt/Ecke Bahnhofstraße 3709 A BH Steigt endlich das Thermometer? weise gegen bar: Gießen, Bahnhofstr. 49, Rnf 3941 G/ESSEN*MAUSB UR G1O 3735A A 3726 Xu Pfingsten Apfelwein 40 Literflasche 1937er Gaubickelheimer Wiesberg 90 Literflasche Rheinhessen 1936er Alsterweilerer Goldmorgen 90 Literflasche Rheinhessen \M DRUCKSACHEN W CKDC Brühl. Gießen ■ 111111111111111 ■ 111111 ■ 111111111111 Beachten Sie bitte unsere Auslagen Kreuzplatz Nr. 1 und 15 3713 A W VA .5 X •4 LMVkrkMMk INH: WILHELM HORN UND SOHN 500 g 1.40, 125 g 35 500 g 1.60, 125 g 40 500 g 1.75, 125 g 44 Der Mittwoch-Fünfuhrtee wird deswegen auf Freitag verlegt 1936er Liebfraumilch, Rheinhessen ^Fl.o.Gl. 1.10 1936er Niersteiner Domtal,Rheinh.,Ltrfl.o.Gi. 1.10 1936er Bechth.Geyersberg, Rheinh.,Ltrfl.o.Gl. 1.20 1936 er Zeltinger Riesling, Mosel.. 7tFl.o.Gl. 1.20 Dose 32 Dose 40 Weiche Mettwurst..... Plockwurst, schnittfest ... Zervelatwurst, schnittfest S & F - Haushaltpfischung S & F- Spezial-Kaffee .... S & F - Rekord-Kaffee .... S & F-Juwel-Mischung ... Oelsardinen */4Klub, 30 mm, bunt Oelsardinen »/«Klub, 40 mm .... Ihr Schriftgut stets greifbar und staubdicht verschlossen im »BRNO« Rolladenschrank! Sie feiern das schöne Pfingstfest in guter Laune, wenn Sie richtig angezogen sind. Jetzt haben Sie noch Gelegenheit, aus der reichhaltig en Auswahl das richtige herauszufinden, Emmentaler m.Rinde,'Vollfettkäse,45%Fetti.T. 125 g 35 Emmentalero.R.,VolIettschmelzk.,45°/0Fetti.T. 125 g 33 Limburger mit Rinde, Halbfette, 20% Fett i.T. 125 g 1 5 125 g 60 125 g 55 125 g 65 125 g 75 3714 A Ihre Geschäfts* Drucksachen stellen dleVerbindung her zu Ihren Erzeug- nlssen.ManstelltsIch die Beschaffenheit Ihrer Waren so vor, wie man Briefbogen, Briefumschläge,Postkarten, Rechnungen, Geschäftskarten Ihres Hauses beurteilt. 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