Nr. 229 Erstes Blau 188. Jahrgang Zreitag, 30. September 1938 Ein« 'e, W ttne । eba- ' °nge y [ 9e. )U. 5 mit r Le, ) aus eben- lvürz^ I wirb t Ql|0 r. Tür» l'1 der n unb ir Fa. ' nach ' emye- | verpackt, in grö- M bib > ebenjo !! Artikel, \' en geht Wand rie. Die ?n über n. 5>er« en tzei- ich W ran unb )rten, bie sie leicht wer aus, enhänbler en, wenn hes Aus> Verkauf i von ben wölkerun, Monate gsinduW mb bei» in klckr. ler Wm H.D. .1 7 (122,25),* 130), Gesi ) bis 123 123,50 bis ?7), MS- Ejlid) nod) anfattien ■ ' 106,75, i|. ^oxbtn* I c> würben I otiert, bie EG. 99,75. 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Oktober, die Aufstellung näherer Räumungsmodalitäten durch einen internationalen Ausschuß und den Beginn der etappenweisen Besetzung des vorwiegend deutschen Gebietes durch deutsche Truppen am 1. Oktober. Oas restliche Gebiet vorwiegend deutschen Charakters wird vom internationalen Ausschuß festgestellt und bis zum 10. Oktober besetzt. Oer internationale Ausschuß bestimmt die Gebiete, in denen spätestens bis Ende November eine Volksabstimmung stattfindet. Nie tschecho-stowakische Regierung wird innerhalb vier Wochen alle Gudetendeutschen auf ihren Wunsch entlassen. Oas Problem der polnischen und ungarischen Minderheiten wird, sofern es nicht innerhalb von drei Monaten durch die betreffenden Regierungen geregelt wird, Gegenstand einer weiteren Zusammenkunft der Regierungschefs bilden. Willkommen im Reich! Das Sudetenland ist frei. Der gemeinsamen Arbeit der leitenden Staatsmänner der vier größten Nationen Europas ist es gelungen, den europäischen Frieden zu sichern durch eine Übereinkunft, die die Modalitäten für die von den Tschechen bereits zugesagte Abtretung des sudetendeutschen Gebiets an das Reich unmißverständlich festlegt. Das deutsche Volk ist tief bewegt von dem Erfolg dieser europäischen Zusammenarbeit und es hofft, die entschei« dungsvollen Stunden in München möchten den Weg weit geöffnet haben für ein neues, auf gegenseitigem Verständnis sich gründendes, enges Vertrauensverhältnis der vier großen europäischen Völker. Deutschland weiß, daß der in München zutage getretene und von dem schönsten Erfolg begleitete Wille zur Zusammenarbeit die sicherste Gewähr ist für die Erhaltung des Friedens sowohl wie für die gesunde und natürliche Fortentwicklung der europäischen Probleme im Sinne einer auf der Achtung der Lebensnotwendigkeiten gleichberechtigter Nationen ruhenden neuen europäischen Friedensordnung. In persönlicher Fühlungnahme und vertrauensvoller Aussprache der von den heißen Segenswünschen ihrer Völker geleiteten vier Staatsmänner konnte so in München ein Werk geschaffen werden, das nicht nur geeignet ist, die furchtbare Wiederholung eines Weltkrieges zu verhindern, eines Kriege' der der Selbstzerfleischung Europas gleichkäme, sondern das auch eine Wende in der europäischen Politik bedeuten wird, den Anbruch einer neuen Epoche, in der Mißtrauen und Argwohn, Völkerverhetzung und Lüge der gemeinsame Kampf aller Gutgesinnten gilt. Das deutsche Volk vereinigt sich in dieser bedeutungsvollen Stunde in dem Gefühl tiefsten Dankes an den Führer, dessen ebenso kluger wie entschlossener Staatskunst es wiederum gelungen ist, das große Ziel, die Befreiung unserer 3V- Millionen sudetendeutschen Brüder, zu erreichen, ohne daß es über die Durchsetzung des wohlbegrün- Üeten deutschen Rechtsanspruchs zu einem europäischen Konflikt kommt. Dankbar erkennt auch das deutsche Volk an, welches Verständnis die drei ausländischen Staatsmänner gezeigt haben und welche praktische Mitarbeit sie geleistet haben, um für ein Problem eine brauchbare Lösung zu finden, die geeignet ist, den Unruheherd, den die Tschecho-Slowa- kei in ihrer bisherigen Gestalt für ganz Europa bildete, zu beseitigen. Mit besonderer Herzlichkeit gelenkt das deutsche Volk der Mitarbeit Mussolinis, der keine Mühe gescheut hat, um in schwierigen Verhandlungen mit seinem Rat zu helfen, eine Uebereinkunft zu treffen, die der Lage gerecht wird. So hat sich der Duce des Faschismus wiederum als treuester Freund des nationalsozialistischen Deutschlands erwiesen. München hat den Satz von den itoei Ländern in einem Block erneut erhärtet. Denn es nun auch noch gelingen wird, in der 'estgesetzten Frist von drei Monaten das Problem ler polnischen und ungarischen Minderheiten in der Tschecho-Slowakei in einer die Wünsche der beiden beteiligten, dem Deutschen Reich eng befreundeten Kationen voll befriedigenden Weife zu lösen, wird las Ergebnis der Münchener Besprechung auch nach tiefer Seite hin abgerundet sein. Uns Deutschen legt es in dieser Stunde natürlich vor allem am Herzen, den sudetendeutschen Volksgenossen, denen run der Weg ins Reich geöffnet worden ist, em steudiges Willkomm zu entbieten. Jahre hindurch Baren wir Zeugen ihres erschütternden Leidens, ttit ihnen haben wir in den letzten Wochen und Monaten gebangt und gehofft auf endlich« Befreiung von dem furchtbaren Martyrium der Unterdrückung und Versklavung, mit ihnen vereinigen wir uns in innigem Dank, daß sie nun heimkehren birfen ins Reich, ohne daß die furchtbaren Schrecken eines Krieges über sie hinweggehen. Sie dürfen versichert sein, daß das Großdeutsche Reich alles dcransetzen wird, um aus den verödeten Landstrichen des Sudetenlandes blühende Gefilde zu wachen, die von den Tschechen zugrunde gerichtete L irtschaft wird im Rahmen des großdeutschen Dirtschaftsraums mit seinen erweiterten Möglich- hiten jede Förderung erfahren und die gequälten sudetendeutschen Volksgenossen werden unter dem Schutz des Reiches, in der liebevollen Fürsorge der deutschen Volksgemeinschaft Ruhe und Frieden wiederfinden, die sie so lange hatten entbehren müssen. Das sei unser aller Dank für die Treue, die die Millionen unserer sudetendeutschen Brüder durch unendliches Leid und ein Meer von Tränen dem Großdeutschen Gödanken bewiesen haben. Mit dem Gelöbnis „Treue um Treue" entbieten wir ihnen allen, denen diese Stunde Erfüllung heißen Sehnens brachte, ein herzliches Willkomm im Großdeutschen Reich. F- W. L. Das Ergebnis der Münchener Besprechung. Das Schllißkommuniquö. München. 30. Sept (DRV.) DW Besprechungen, die die Regierungschefs von Deutschland, Italien, Frankreich und England Donnerstag mittag begonnen haben, haben am späten Abend ihren Abschluß gesunden. Die gefaßten B e- schlösse, die in nachfolgenden Dokumenten niedergelegt sind, sind der tschechischen Regierung sofort übermittelt worden. Abkommen zwischen Deutschland, dem Vereinigten Königreich von Großbritannien, Frankreich und Italien. Getroffen in München am 29. September 1938. Deutschland, das Vereinigte Königreich von Groh- britannien, Frankreich und Italien sind unter Berücksichtigung des Abkommens, das hinsichtlich der Abtretung des sudetendeutschen Gebietes bereits grundsätzlich erzielt wurde, über folgende Bedingungen und Modalitäten dieser Abtretung und die danach zu ergreifenden Maßnahmen übereingekommen und erklären sich durch dieses Abkommen einzeln verantwortlich für die zur Sicherung seiner Erfüllung notwendigen Schritte. 1. Die Räumung beginnt am 1. Oktober. 2. Das Vereinigte Königreich von Großbritannien, Frankreich und Italien vereinbaren, daß die Räumung des Gebietes bis zum 10. Oktober vollzogen wird, und zwar ohne Zerftö- rung irgendwelcher be ft ehender Einrichtungen, und daß die tschecho-flowakifche Regierung die Verantwortung dafür trägt, daß die Räumung ohne die Schädigung der bezeichneten Einrichtungen durchgeführt wird. 3. Die Modalitäten der Räumung werden im einzelnen durch einen internationalen A u s- s ch u ß festgelegt, der sich aus Vertretern Deutschlands, des Vereinigten Königreiches von Großbritannien, Frankreich, Italien und der Tschecho-Slowakei ;u- sammenfeht. 4. Die etappenweise Besetzung des vorwiegend deutschen Gebietes durch deutsche Truppen beginnt am 1. Oktober. Die vier auf der anliegenden Karte bezeichneten Gebietsabschnitte werden in folgender Reihenfolge durch deutsche Truppen beseht: der mit I bezeichnete Gebietsabschnitt am 1. und 2. Oktober; der mit II bezeichnete Gebietsabschnitt am 2. und 3. Oktober; der mit III bezeichnete Gebietsabschnitt am 3., 4. und 5. Oktober; der mit IV bezeichnete Gebietsabschnitt am 6. und 7. Oktober. Das restliche Gebiet vorwiegend deutschen Ehorakters wird unverzüglich von dem oben erwähnten internationalen Ausschuß festgestellt und bis zum 10. Oktober durch deutsche Truppen beseht werden. 5. Der in § 3 erwähnte internationaleAus- schuh wird die Gebiete bestimmen, in denen eine Volksabstimmung slatlfinden solle. Diese Gebiete werden bis zum Abschluß der Volksabstimmung durch internationale Formationen beseht werden. Der gleiche Ausschuß wird die Modalitäten festlegen, unter denen die Volksabstimmung durchgeführt werden soll, wobei d i e Modalitäten der Saarabstimmung als Grundlage zu betrachten sind. Der Ausschuß wird ebenfalls den Tag fest sehen, an dem die Volksabstimmung stattfindet; dieser Tag darf jedoch nicht später als Ende November liegen. 6. Die endgültige Festlegung der Grenzen wird durch den internationalen Ausschuß vorgenommen werden. Dieser Ausschuß ist berechtigt, den vier Mächten Deutschland, dem Vereinigten Königreich von Großbritannisn, Frankreich und Italien in bestimmten Ausnahmefällen geringfügige Abweichungen von der streng ethnographischen Bestimmung der ohne Volksabstimmung zu übertragenden Zonen zu empfehlen. 7. Es wird ein O p t l o n s r e ch t für den Ueber- tritt in die abgetretenen Gebiete und für den Austritt aus ihnen vorgesehen. Die Option muß innerhalb von sechs Monaten, vom Zeitpunkt des Abschlusses dieses Abkommen an, ausgeübt werden. Ein deutsch-tschecho-slowakifcher Ausschuß wird die Einzelheiten der Option bestimmen, Verfahren und Erleichterungen des Austausches der Bevölkerung erwägen und grundsätzliche Fragen klären, die sich aus diesem Austausch ergeben. 8. Die tschecho-slowakische Regierung wird innerhalb einer Frist von vier Wochen vom Tage des Abschlusses dieses Abkommens an, alle Sudetendeutschen aus ihren militärischen und polizeilichen Verbänden entlassen, die diese Entlassung wünschen. Innerhalb derselben Frist wird die tschecho-slowakische Regierung sudetendeutsche Gefangene entlassen, die wegen politischer Delikte Freiheitsstrafen verbüßen. München, den 29. September 1938. Zusätzliche Erklärung Die Regierungschefs der vier Mächte erklären, ' bafo das Problem der polnischen und un- igarischen Minderheiten in der Tschecho- ' Slowakei, sofern es nicht innerhalb von drei Mo- naten durch eine Vereinbarung unter ben betreffcn- ben Regierungen geregelt wirb, ben Gegen st anb einer weiteren Zusammenkunft ber hier anwesenden Regierungschefs der vier Mächte bilden wird. Zukatz zu dem Abkommen. Seiner Majestät Regierung im Vereinigten Königreich Großbritannien und die französische Regierung haben sich dem vorstehenden Abkommen angeschloffen auf der Grunblage, baß sie zu bem Angebot stehen, welches in § 6 ber englisch - französischen Vorschläge vom 19. September enthalten ist betreffend eine internationale Garantie der neuen Grenzen des tschecho - slowakischen Staates gegen einen unprovozierten Angriff. Sobald die Frage der polnischen unb ungarischen Minderheiten in der Tschecho- Slowakei geregelt ist, werden Deutschland und Jtalien ihrerseits der Tschecho-Slowakei eine Garantie geben. Zusätzliche Erklärung. Die vier anwesenden Regierungschefs find sich darüber einig, daß ber in bem heutigen Abkommen vorgesehene Ausschuß sich aus bem Staatssekretär bes Auswärtigen Amtes, ben in Berlin beglaubigten Botschaftern Englands, Frankreichs und Italiens und einem von der tschechoslowakischen Regierung zu ernennenden Mitglied zusammen- setzt. Alle Fragen, die sich aus der Gebiets- übergabe ergeben, gelten als zur Zuständigkeit des internationalen Ausschusses gehörig. München, 29. September 1938. Der Akt der Unterzeichnung. München, 30. Sept (DRV. Funkspruch.) Rach einer Gesamtbesprechungsdauer von mehr als acht Stunden unterzeichnete der Führer und Reichskanzler um 0.28 Uhr als Erster das Abkommen der vier Mächte in zweifacher Aus- feritgung sowie die dazu gehörige Volkstumskarte der Tschecho-Slowakei mit den Eintragungen der abzutretenden sudetendeutschen Gebiete. Es folgten die Unterschriften des britischen Premierministers Ehamberlain, des italienischen Regierungschefs Mussolini und des französischen Ministerpräsidenten D a l a d i e r. Die Vildberichterslatter hielten die denkwürdigen Augenblicke fest, da die ersten Staatsmänner der vier größten Länder Europas den Schlußstrich unter die tschecho-slowakische Krise setzten. Zu der Unterzeichnung sowie schon vorher zur letzten Verlesung des Abkommens und der vier zusätzlichen Erklärungen hatten sich sämtliche an den Besprechungen direkt beteiligten Herren im Arbeitszimmer des Führers versammelt. Die vier Regierungschefs und ihre Mitarbeiter hatten im Halbkreis am runden Tisch um den großen Kamin unter dem Bilde des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck Platz genommen. Man sah neben den Regierungschefs den italienischen Außenminister Graf E i a n o , den Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop, den Generalsekretär des Quai d'Orsay, Leger, und Sir horace Wilson, ferner die Berliner Botschafter Frankreichs, Italiens und Großbritanniens. Es hatten sich ferner von deutschen Seite eingefunden: Generalfeldmarschall Göring, der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß, Reichsminister Freiherr von Reurath, Staatssekretär Freiherr von Weizsäcker, Ministerialdirektor Dr. Gauß sowie weitere Herren des Auswärtigen Amtes und der Umgebung des Führers. Vor der Unterzeichnung des Abkommens wurde die letzte Verlesung des Schriftstückes vorgenommen, die Legationsrat Dr. S ch m i d t in deutscher und englischer und ein anderer Herr in französischer Sprache vornahm. Rach einigen kurzen Unterhaltungen über den Inhalt der zusätzlichen Erklärungen begann dann die Unlerzeichung. Rachdem dann noch alle weiteren, offengebliebenen Einzelfragen technischer Art geklärt waren, wurden auch die zusätzlichen Schrift- st ü ck e über das Problem der po l n i f ch e n und ungarischen Minderheiten in der Tschechoslowakei, über die Garantie der Rest- Tschecho-Slowakei, über die Zusammensetzung des in den Abkommen vorgesehenen internationalen Ausschusses sowie über die Zuständigkeit dieses Ausschusses in der gleichen Reihenfolge wie das Hauptabkommen unterzeichnet. Die maßgeblichen ausländischen Herren trugen sich anschließend in das Gästebuch des Führerbanes ■w < Der Führer war dem Duce bis nach Kufstein entgegengefahren. Bei der Ankunft auf dem Münchner Hauptbahnhof wurden die Führer der beiden großen Nationen von einer nach vielen Tausenden zählenden Menschenmenge jubelnd empfangen. — Unser Bld> zem: den Führer und den Duce nach dem Verlassen des Bahnhofs Hinter ihnen Außenministe G r a f C i a n o und Generalfeldmarschall Göring. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Oer Führer in Unterhaltung mit dem französischen Ministerpräsidenten Oaladier Bereits kurz vor 13 Uhr begannen im Arbeitszimmer des Führers im Führerbau am Königlichen Platz in München die Besprechungen zwischen dem Führer, Mussolini, Chamberlain und Daladier. Unser Bild zeigt Adolf Eitler in Unterhaltung mit dem französischen Ministerpräsidenten Daladier; zwischen beiden sieht man den Dolmetscher Gesandt- schastsrat Dr. Schmidt. (Presse-Illustrationen choffmann-M.) WWUM, M- ■ B" IMW ein. Nachdem dann gegen 1.30 Uhr sämtliche Formalitäten erledigt waren, verabschiedete sich der Führer mit herzlichen Worten des Dankes von den ausländischen Regierungschefs. Der Führer sprach den Regierungschefs zugleich auch im Namen des deutschen Volkes seinen aufrichtigen Dank für ihre Bemühungen aus. Er fügte hinzu, daßihreeigenenVölker sicherlich über die Beendigung der Krise ebenso glücklich sein würden wie das deutsche. Der Führer drückte hierauf Benito Mussolini. Neville Chamberlain und Edouard Daladier besonders herzlich die Hand. Premierminister Neville Chamberlain erklärte seinerseits, es sei für ihn persönlich eine große Freude gewesen, nach München gekommen zu sein. Er sei sicher, daß das englische Volk die Gefühle feite, von denen der Führer soeben gesprochen habe. Der Führer verabschiedete sich daraufhin noch einmal besonders herzlich von den drei Regierungschefs und ihren engsten Mitarbeitern. Der Führer mit dem Duce in München. München, 29. Sept. (DNB.) Pünktlich um 10.50 Uhr traf der Sond erzug des Fuhrers mit dem Führer und dem Duce im Münchener Hauptbahnhof ein. Generalfeldmarschall Göring begrüßte den Duce und den Führer. Zum Empfang waren ferner erschienen der italienische Botschafter in Berlin, Attolico, Reichsstatthalter General Ritter von Epp, die Reichsleiter Dr. Ley und Bormann, General D a l u e g e, General der Flieger Sperrte. Mit dem Duce und dem Führer entfliegen dem Sonderzug der italienische Minister des Aeußeren Graf Gian o, der Stellvertreter des Führers Reichsminister Rudolf Heß, der General der Artillerie Keitel, der Reichs- führer H Himmler, Reichspressechef Dr. Dietrich, der Oberpräsident Prinz von Hessen sowie die ständige Begleitung des Duce und des Führers. Vor dem Bahnhofsgebäude wurden der Führer und sein hoher Gast von brausenden Heil- Rufen der nach viesen Tausenden zählenden Menschenmenge empfangen. Der Duce schritt mit dem Führer und Generalfeldmarschall Göring die Fronten der Ehrenkompanie der Wehrmacht und der Ehrenformationen der Gliederungen ab, woraus die Fahrt durch die Stadt im Kraftwagen unter dem Jubel der Bevölkerung angetreten wurde. Vor dem Prinz-Karl-Palais, wo ein Doppelposten und eine Ehrenwache der ^-Standarte Deutschland aufgezogen waren, hielt die Wagenkolonne. Der Führer geleitete zusammen mit Generalfeldmarschall Göring, dem Stellvertreter des Führers und Ministerpräsident Siebert Mussolini und Graf Eiano in das Palais, wo der Duce auch diesmal wieder Wohnung nimmt, genau so wie bei seinem ersten Besuch vor einem Jahre. Der Führer setzte bann, gefolgt von Generalfeldmarschall Göring und dem Stellvertreter des Führers, die Fahrt in seine Wohnung am Prinzregenten-Platz fort. Chamberlains und Oaladiers Ankunst. Der französische Ministerpräsident Daladier traf im Sonderflugzeug mit seiner Begleitung um 11.16 Uhr auf dem Münchener Flugplatz Oberwiesenfeld ein, wo er von Reichsaußenminister von Ribbentrop im Namen des Führers auf deutschem Boden begrüßt wurde. Zum Empfang waren ferner erschienen der französische Botschafter Francois-Poncet, Staatssekretär Freiherr von Weizsäcker, der Chef des Protokolls Gesandter Freiherr von Do em- berg, Gauleiter Staatsminister Adolf Wagner, Oberbürgermeister Fiehler und der französische Generalkonsul in München Comte d e Vaux de Saint Cyr. Der französische Ministerpräsident schritt nach seiner Begrüßung unter den Klängen der französischen und deutschen Nationalhymnen ine Front der Ehrenkompanie der ^-Standarte Deutschland ab und begab sich dann im Kraftwagen zum Hotel „Vier Jahreszeiten". Der britische Premierminister Neville Chamberlain traf mit feiner Begleitung im Sonderflugzeug 11.53 Uhr auf dem Flugplatz Oberwiesenfeld ein. Zur Begrüßung waren mit Reichsaußenminister von Ribbentrop der englische Botschafter in Berlin, Sir Neville Henderson, Reichsstatthalter General Ritter von .Epp, Staatssekretär Freiherr von Weizsäcker, Gauleiter Adolf Wagner, der Chef des Protokolls Freiherrvon Doernberg, Oberbürgermeister Fiehler, Ministerialdirektor Gauß sowie Gesandter Aschmann erschienen. Beim Verlassen des Flugzeuges hieß der Reichsaußenminister den britischen Premierminister im Namen des Führers willkommen. Chamberlain schritt die Front der Ehrenkompanie der ff ab, während die Musik die britische Nationalhymne und die deutschen Nationalhymnen spielte. Premierminister Chamberlain begab sich sodann im Wagen des Reichsaußenministers in sein Hotel. Beide Staatsmänner wurden sowohl bei ihrer Ankunft auf dem Flugplatz wie bei ihrer Fahrt durch die Stadt von einer großen Menschenmenge sehr herzlich willkommen geheißen. Der Verlaus der Besprechung. München, 29. Sept. (DNB.) Gegen 12.15 Uhr verließ der Führer seine Wohnung am Prinzregentenplatz, um sich zum Führerbau am Königlichen Platz zu begeben. Auf der Fahrt bereitete die Münchener Bevölkerung dem Führer wieder begeisterte Kundgebungen. Von den beiden Balkonen des Führerbaues am Königlichen Platz wehen das faschistische Banner Italiens, der britische Union Jack, die französische Trikolore und das Hakenkreuzbanner des Dritten Reiches. Eine Ehrenwache der ff-Stan- barte Deutschland präsentiert. Der Führer begibt sich in seine im ersten Stock des Führerbaues gelegenen Räume. Vorher schon ist der britische Ministerpräsident Chamberlain in Begleitung des Reichsaußenministers von Ribbentrop im Führerbau eingetroffen. Wenig später trifft der französische Ministerpräsident Daladier, begleitet von Ministerpräsident Generalfeldmarschall Göring und dem Präsidenten des Geheimen Kabinettsrats, Reichsminister Freiherr von Neurath, ein. Wieder präsentiert die Ehrenwache. Der Generalfeldmarschall geleitet den französischen Ministerpräsidenten die marmorne Treppe zum ersten Stock empor. Um 12.30 Uhr ertönen erneut Trommelwirbel und begeisterte Heilrufe der Bevölkerung. Der Duce ist in Begleitung des Stellvertreters des Führers eingetroffen. Gefolgt von Graf Eiano. Nach ihrer Ankunft wurden die ausländischen Staatsmänner in das Empfangszimmer geleitet, wo der Führer feine Gäste erwartete. Dor Beginn der Besprechungen nahmen die Regierungschefs mit den Herren ihrer Begleitung stehend einen kleinen Imbiß ein. Hierbei ergab sich die Gelegenheit zu ungezwungenen Unterhaltungen der Staatsmänner und Diplomaten. Man fah in wechselndem Gespräch den Führer und den französischen Ministerpräsidenten, den Duce und den britischen Premierminister, Generalfeldmarschall Göring, den deutschen und den italienischen Außenminister, die Berliner Botschafter Frankreichs, Großbritanniens und Italiens, die Begleitung der ausländischen Regierungschefs und Herren des Auswärtigen Amts, den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, den Präsidenten des Geheimen Kabin'ettsrctts und andere Herren. Um 12.45 Uhr nahmen dann die Besprechungen im Arbeitszimmer des Führers ihren Anfang. Die Besprechungen wurden um 14.45 Uhr für eine kurze Mittagspause unterbrochen und um 16.30 Uhr wieder aufgenommen. Sie wurden erneut um 20.20 Uhr zur Einnahme des Abendessens unterbrochen. Chamberlain und Daladier trafen zur Fortsetzung der Besprechung gegen 22 Uhr wieder im Führerbau ein, während der Duce und der Führer im Führerbau verweilten. Unmittelbar nach 22 Uhr nahmen die Besprechungen wieder ihren Fortgang und wurden kurz nach Mitternacht ab- geschloffen. . „ Der Duee verlaßt München. Der Führer geleitet Mussolini unter sturmischemJubel derMassenzumBahnhof München, 30. Sept. (DNB.) Zu Tausenden harrte die Münchener Bevölkerung bis in die spaten Nachtstunden nach auf den Straßen und Platzen um den Ausgang der Besprechungen mttzu- erleben. Hauptanziehungspunkt war natürlich d e r Führerbauam Königlichen Platz, die Statte der weltpolittsch bedeutsamen Zusammenkunft des Führers mit den Regierungschefs der europäischen Großmächte. Als bekannt wurde, daß sich die Staatsmänner um 22 Uhr zur abschließenden Besprechung versammelten, strömten noch wettere Tausende auf die Straßen. 1.30 Uhr kommen die Menschen auf dem Königlichen Platz in Bewegung. Die verstärkte Ehrenwache ist unter das Gewehr getreten, Trommelwirbel ertönt, von Mund zu Mund pflanzt es sich fort und durcheilt bald die ganze Stadt: Die historische Begegnung ist beendet. In den weiten lichtdurchfluteten Wandelgangen des Führerbaues sieht man viele führende Männer van Partei und Staat und die Mitglieder der crus- ländischen Delegationen im lebhaften Gespräch. Um 1.30 Uhr öffnet sich die Tür des Arbeitsraumes des Führers. Die Besprechung ist beendet. Der Führer verabschiedet sich in seinem Ärbeitsraum mit herzlichen Worten von dem britischen Premierminister und dem französischen Ministerpräsidenten, die vom Reichsaußenminister zum Portal geleitet werden. Die Ehrenwache präsentiert, Trommelwirbel ertönt, die Menge grüßt die Staatsmänner mit lauten Heilrufen. Auf ihrer Fahrt zum Hotel entbieten die Münchener den englischen und französischen Gästen herzliche Kundgebungen , . Kurz daraus geleitet der Führer Mussolini über die große Freitreppe zum Portal. Adolf Hitler besteigt mit dem italienischen Regierungschef den Kraftwagen und gibt Benito Mussolini das Ge- leit zum H a u p t b a h n h o f. Auch Generalfeld- marschall Goring, Rudolf Heß und Reichsrnim- ster des Auswärttgen von Ribbentrop begleiten den italienischen Regierungschef und seine Mitarbeiter zum Sonderzug. Heilrufe hallen durch das nächtliche München. Eine ungeheure Welle der Be- geisterung schlägt den beiden Führern ihrer Volker sich immer wieder erneuernd entgegen bis zur Ankunft am Hauptbahnhof. Nachdem der Duce mit dem Führer unter den Klängen der Giovinezza die Front der Ehrenkompanie der Wehrmacht und einer Ehrenkompanie der abgeschritten hatte, begleitete ihn Adolf Hitler zum Sonderzug. Bevor der Duce am Eingang zum Fürstensalon den Blicken der Bevölkerung entschwand, brausten ihm noch einmal lebhafte und lang anhaltende Heil-Rufe zu. Ein letztes Grüßen, ein letztes Winken der Münchener Bevölkerung, dann begab" sich der Duce zusammen mit dem Führer und gefolgt von dem italienischen Außenminister Grafen Cianö sowie Generalfeldmarschall Goring, dem Stellvertreter des Führers Reichsminister Rudolf Heß, dem ReichsMrer H Himmler und dem Reichs- aufcenminifter von Ribbentrop in die Bahnhofshalle. Vor der Tür des Wagens verabschiedeten sich Adolf Hitler von Benito Mussolini. Beide schüttelten sich lange herzlich die Hände. Dann nahm der Duce Abschied von Generalfeldmarschall Goring und den übrigen deutschen Persönlichkeiten, die dem Duce das Geleit gaben, neben dem Stellvertreter des Führers und dem Reichsaußenminister der Gauleiter des Traditionsgaues, der bäurische Ministerpräsident und der Oberbürgermeister der Hauptstadt der Bewegung. Sodann bestieg der Duce den Wagen und trat ans Fenster. Neben ihm stand Außenminister Graf Eiano. Langsam rollte um 1.40 Uhr der Sonderzug aus der Halle. Von München bis zur Grenze begleitet den Duce im Auftrag des Führers der Chef des Protokolls Gesandter Freiherr von Dörnberg. Als der Führer mit feiner Begleitung das Bahnhofsgebäude wieder verlassen hatte, wandte sich ihm die ganze Begeisterung der Massen zu. Eine Woge lauten Jubels begleitete seine Fahrt durch das nächtliche München. Oie 6ritif(6e£cgion riistetzum Ausbruch London, 30. Sept. (Europapreß.) Jrn Zusammenhang mit den Beschlüssen der Münchener Viermächtebesprechung hat die Britische Legion bereits alle Vorkehrungen getroffen, um sich zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit in den Abstimmungsgebieten der Tschecho-Slowakei zur Verfügung zu stellen. Es sollen, so wird berichtet, etwa 5 0 OOOMann der eine halbe Million umfassenden Organisation für diesen Ordnungsdienst benötigt werden. Die ehemaligen englischen Frontkämpfer werden ihren Dienst in Zivil versehen. Am Freitag sollen alle näheren Einzelheiten, darunter auch die Frage des Abtransportes in die Tschecho-Slowakei beraten werden. > n R-3& - Der britische Premierminister Sir Neville Chamberlain wurde nach seiner Ankunft auf dem Münchner Flughafen Oberwiesenfeld von Reichsaußenminister von Ribbentrop im Namen des Führers herzlich begrüßt. Unser Bild zeigt ihn beim Abschreiten der Front einer ^-Ehrenkompanie. Man erkennt von links: Gauleiter Adolf Wagner, Oberbürgermeister F i e h l e r, Reichsstatthalter Ritter von Epp und weiter rechts Premierminister Chamberlain Der französische Ministerpräsident Edouard Daladier traf am Donnerstagmittag M Sonderflugzeug auf dem Münchner Flughafen Oberwiesenfeld ein, wo er von Reichsautzen- Minister v o n R i b b e n t r o p begrüßt wurde. — Unser Bildtelegramm zeigt den Minister, vräsidenten Daladier mit Reichsaußenminister vomRibbentrop auf der Fahrt in fein Hotel. F 1 (Scherl-Bilderdienst-M.) M. Die Einigung in München läßt die Welt aufatmen. Die (Srgebtiifie öer BierersBespfechung überall mit tieser Besnedigung ausgenommen. Der Frieden ist gewahrt! Pariser Presse hofft auf eine dauerhafte Zusammenarbeit Paris, 30. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Meldung über die Münchener Beschlüsse, die in Paris erst kurz vor drei Uhr nachts bekannt wurde, kam zu spät, als daß sie noch in den gewöhnlichen Ausgaben der Pariser Morgenblatter hätte Platz finden können. In den ersten Ausgaben sämtlicher Blätter ist daher nur von einer grundsätzlichen Einigung die Rede. Die Zeitungen veröffentlichen in großer Aufmachung Korrespondenzberichte und Leitartikel, die jedoch inzwischen zum größten Teil durch die Tatsache der endgültigen Einigung überholt sind. Immerhin kann man feststellen, daß d i e gesamte Pariser M o r g e n p r e s s e, von der kommunistischen Humanitö natürlich abgesehen, einen großen Seufzer der Erleichterung ausstößt. Immer wieder kann man in den verschiedenen Blättern aller Richtungen die Worte lesen: „De r Friede ist gerettet". Rach einigen gefährlichen Wochen, heißt es in den Blättern, gäbe es jetzt eine Entspannung, wie man sie jedenfalls seit geraumer Zeit nicht mehr gekannt habe. Besondere Hervorhebung verdienen übrigens die zahlreichen Stimmungs berichte, die von den nach München entsandten Sonderberichterstattern der Blätter über die Ereignisse am Rande der Besprechung gebracht werden. Besonders tiefen Eindruck hat auf die französischen Berichterstatter d e r Empfang gemacht, den Ministerpräsident D a - lädier sowohl bei der deutschen Bevölkerung als auch beim Führer und Generalfeldmarschall Göring gefunden hat. Mit Genugtuung verzeichnen die Blätter, daß bei Ankunft des französischen Ministerpräsidenten auf dem Münchener Flugplatz die Marseillaise gespielt wurde. In ausführlichen Schilderungen wird die Begeisterung der Münchener Bevölkerung beim Eintreffen Daladiers wiedergegeben. Auch die herzlichen Unterhaltungen zwischen dem französischen Ministerpräsidenten und Generalfeldmarschall Göring sowie die, wie der Jour berichtet, „besonders herzliche Unterredung" zwischen Daladier und Adolf Hitler, wobei der Führer dem Wunsch auf eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland zum Ausdruck gebracht habe, werden mit der größten Aufmerksamkeit und Befriedigung von der hiesigen Presse verzeichnet. Kurz nach Bekanntwerden der endgültigen Einigung zwischen den Staatsmännern in München wurde der Druck sämtlicher großer Morgenzeitungen unterbrochen. Erst nach fünf Uhr morgens kamen die neuen Ausgaben der Blätter heraus, in denen das glückliche Ergebnis der Münchener Verhandlungen in Ueberschriften, die an Umfang und Fettdruck nahezu alles dagewesene überbieten, verkündet wird. Die allgemeine Entspannung in Frankreich kommt übrigens nicht allein in der Pariser Presse zum Ausdruck. Trotz vorgeschrittener Nachtstunde herrscht in der französischen Hauptstadt ein ungewöhnlich reges Leben. Ueberall standen Menschen und gaben ihrer Begeisterung Ausdruck. Der Direktor des „F i g a r o" gibt dem Wunsche Ausdruck, daß nach der Münchner Einigung auch die allenthalben getroffenen Sicherheitsmaßnahmen wieder rückgängig gemacht werden. — Der Direktor des „3 o u r" erklärt, vier Staatsmänner feien deshalb in München zusammengetreten, weil kein Abkommen möglich gewesen wäre, wenn sie zu fünfen oder zu sechsen gewesen wären. Nach eingen Worten des Dankes und der Anerkennung an Chamberlain und Mussolini heißt es dann weiter, natürlich beklage man sich in gewissen französischen Kreisen der äußersten Linken darüber, daß weder Benesch noch Stalin zur Teilnahme an dieser Konferenz aufgefordert wurden. Die Abwesenheit. Beneschs sei gerechtfertigt, denn in einem Augenblick, wo man ku , zuvor mit Mühe und Not die äußersten Schwierigkeiten aus dem Wege geschaffen habe, könne man zwei Todfeinde nicht an den gleichen Tisch setzen. Komisch wirke es vollends, wenn die Anwesenheit Sowjetrußlands in München gefordert werde. An anderer Stelle heißt es, man könne jetzt nicht mehr daran zweifeln, daß das fudelendeulfcheProblem und das Problem um Frieden oder Krieg geregelt fei. Wichtiger als ander Probleme sei aber die Tatsache, daß diese Fühlungnahme zwischen den vier Großmächten ein g ü n st i g e s Klima für alle Regelungen, für alle Möglichkeiten und für alle Abrüstungen geschaffen habe. Der Münchener Berichterstatter des Blattes spricht von einer wirklichen Entspannung. Wer hätte gedacht, daß eine Zusammenkunft zwischen den politischen Chefs der vier direkt interessierten Großmächte genügen werde, um die am Horizont heraufgezogenen schweren Wolken wieder zu vertreiben. Es sei eine Tatsache, daß es keinen Krieg geben werde. Das Abkommen zwischen Hitler, Mussolini, Daladier und Chamberlain trage in weitgehender Form sowohl dem Godesber- ger Memorandum als auch dem britisch-französischen Plan Rechnung. Und das werde in München als ein Beweis für den guten Willen aller Interessierten ausgelegt. Ministerpräsident Daladier habe eine besonders herzliche Besprechung mit Adolf Hitler und Göring gehabt. Der Führer habe die Hoffnung ausgedrückt, daß nach der historischen Münchener Zusammenkunft zwischen Frankreich und Deutschland eine dauerhafte Zusammenarbeit geschaffen werden könne. Alle ausländischen Zeitungskorrespondenten seien erfreut gewesen über die Herzlichkeit, die u. a. auch Marschall G ö - ring gegen Daladier gezeigt habe. Der Münchener Sonderberichterstatte der H a v a s° agentur meldet, von allen Seiten werde versichert, daß die persönlichen Fühlungnahmen zwischen den vier Staatsmännern so herzlich wie nur irgend möglich gewesen seien. Er schildert dann anschaulich den Empfang vor allem des französischen Ministerpräsidenten und kleine Prmatgespräche der Staatsmänner und ihrer Begleitung untereinander, die in recht freundlichem Tone gehalten sind. Der Leitartikler des „Excel- s i o r" schreibt, unendlich viel menschliche Hoffnungen seien auf die Münchener Besprechungen gesetzt worden. Diese Hoffnungen seien nicht enttäuscht worden. Man hätte es nicht verstanden, wenn nur wegen methodischer Phrasen ein Krieg ausgebrochen wäre. Habe Adolf Hitler in seiner Sportpalastrede nicht versichert, daß Deutschland mit Frankreich und England in Frieden leben wolle, und daß sein Anspruch auf das sudetendeutsche Gebiet seine letzte gebietsmäßige Forderung in Europa sei? Daß Adolf Hitler sich letzten Endes mit den vereinbarten lieber» gabemethoden einverstanden erklärt habe, sei ebenso für den Führer wie für diejenigen Staatsmänner ein moralischer Dienst, die selbst in den kritischsten Stunden der Kriese nicht verzweifelt seien. Die Münchener hätten gestern beim Eintreffen Daladiers „heil Frankrei ch!" gerufen, und der Reichskanzler sei über diesen Ruf sehr zufrieden gewesen. Daladier habe sich über den wahren Zug dieser politischen Kundgebung nicht getäuscht. Beweise sie nicht, daß die wiederholten Erklärungen des Führers über die Rotwendigkeit einer d e n t s ch - f r a n z ö s i- scheu Zusammenarbeit den liefen Wunsch der beiden Völker zum Ausdruck bringen? Der „I o u r" schreibt weiter, daß Generalfeldmarschall Göring im Hotel „Bier Jahreszeiten", wo beide Wohnung genommen haben, mit lauter Stimme zu Daladier gesagt habe: „Sie sollten eigentlich noch nicht abreisen. Bleiben Sie doch zum O k t o b e r f e st." Das Blatt setzt dann seinen Lesern auseinander, was es mit dem Münchner Oktoberfest auf sich hat. — In diesen kleinen Zügen zeigt sich die Besserung der Atmosphäre zwischen Deutschland und Frankreich. So berichten die Zeitungen, daß auf Daladier, als er sein Hotel verließ, eine Frau zugekommen sei, ihn in ihre Arme genommen und ihm im Namen aller Mütter gedankt habe, daß er nach München gekommen sei, um den Frieden zu retten. Der Münchener Sonderberichterstatter des „I o u r n a l" schreibt, Ministerpräsident Daladier habe in deutschen Kreisen eine gute Aufnahme gefunden. Er sei ein Frontkämpfer, und das sei für die Deutschen und besonders die Nationalsozialisten von großer Bedeutung. Man habe sich von den Sympathien überzeugen können, die Daladier bei der deutschen Bevölkerung genieße. Der „Matin", der seinen Lesern die Nachricht von dem Abkommen von München in einer für dieses Blatt ganz ungewöhnlichen Form, einer doppelten, achtspaltigen Ueberschriftenzeile, mitteilt, wendet sich zugleich auf das schärfste gegen die Umtriebe derjenigen Kreise in Frankreich, die nichts unversucht gelassen hätten, um dieses Ereignis zu hintertreiben. „Und wenn die tragische Aufregung völlig vorbei sein wird", schreibt das Blatt, „sind einige Rechnungen zu begleichen und einige Erklärungen abzugeben. Die Fälscher und Provokateure sind hiermit gewarnt, daß man sie an der Kehle nehmen wird und daß man sie nicht mehr loslassen wird. Es wird notwendig sein, daß man uns erklärt, weshalb systematisch alarmierende Nachrichten durch die offiziellen Agenturen und durch den offiziellen Rundfunk verbreitet wurden, während die beruhigenden Dementis der Regierungen nicht weniger systematisch verzögert oder sogar unterdrückt wurden." Das Blatt greift ein paar krasfe Fälle heraus, in denen versucht wurde, das französische Volk durch hetzerische Meldungen in eine Kriegspanik zu treiben. Daß die (Einigung fo rasch erfolgen würde, hüllen selbst die Optimisten nicht vorauszusagen gewagt, und es herrscht helle Freude darüber, daß jetzt der Friede endgültig gewahrt ist und die mehreren hunderttausende Reservisten, die in der letzten Zeit eingezogen worden sind, bald wieder zu ihren Familien zurückkehren werden. Der Franzose ist im Grunde seines herzens friedliebend. Die unverbesserlichen Ideologen auf der Seite der Linken, die dem nationalsozialistischen Deutschland die Rückkehr seiner Söhne aus dem Sudetengebiet in das Reich nicht gönnen wollten, machen keineswegs die Mehrheit des französischen Volkes aus. Auf alle Fälle ist jetzt ein Schlußstrich unter ein Kapitel gezogen worden, das die deutsch-französischen Beziehungen auf die Dauer zu vergiften drohte. Vielleicht ist jetzt die Bahn frei für eine wirklich fruchtbare Politik der beiden Völker zu einer weiteren Sicherung des Friedens. Auf französischer Seite sind starke Tendenzen vorhanden, zu einer Besserung des Verhältnisses zu kommen, die sich in der Vormittagspresse vom Freitag wiederspiegeln. So unterstreicht man immer wieder die herzliche Aufnahme, die Ministerpräsident Daladier in Deutschland gefunden hat. chen, der Hochburg der Revolution Adolf Hitlers, mit Ehren wieder gut gemacht worden. Die Versailler Methoden der Obstruktion und der Der» schleppung sind unmöglich gemacht worden. Es war der einmütige Wille aller, daß der Konflikt, der die Völker Europas aufgeschreckt hatte, in jeder Hinsicht seine endgültige Lösung fand." Der Popolo d'Jtalia schreibt: Die Erfahrungen der letzten Jahre von den Sanktionen bis zum 'Zusammenbruch Genfs hätten gezeigt, daß künftig die Staaten nicht in der Lage seien, das Schicksal Europas zu leiten, wenn die vier Großmächte in Mittel- und Westeuropa nicht ein Mindestmaß von Verständnis und Zusammenarbeit finden. Nunmehr habe die Gewalt der Ereignisse die vier Großmächte und ihre Staatsmänner in einer der dramatischsten , Stunden nach langen Mißgeschicken zusammengeführt. Deutschland sei Gerechtigkeit zu teil geworden, indem man die nationalen Rechte in dem Sudetengebiete anerkannte. Der Grundsatz der Volkszugehörigkeit triumphiere. Die Irrtümer von Versailles seien ohne Blutvergießen durch freie Uebereinkunft der Westmächte und Italiens, das ein Recht darauf batte, ein Wort der Gerechtigkeit über das Schicksal der Donaugebiete mitzureden, nachdem es das Habsburger Reich zerschlagen hatte, zum Teil wieder gutgemacht worden. Schweizer Stimmen: „Der Frieden gerettet!* Basel, 30. Sept. (Europapreß.) Die Nachricht von der in München erzielten Einigung der vier Großmächte ist mit ungeheurer Erleichterung ausgenommen werden. Unter der über die ganze Seite gehenden Schlagzeile: „Der Friede gerettet!" würdigt die „Neue Basler Zeitung" die Verdienste der vier Staatsmänner um die Rettung des Friedens, insbesondere des Führers und Reichskanzlers, dem viel Unrecht getan worden sei. „In zahllosen Blättern wird er aufs bitterste bekämpft und angefochten. Er könnte es sicher bequemer haben, beliebter und außerhalb Deutschlands populärer sein, wenn er nachgiebiger und ,kompromißbereiter' wäre. In Wirklichkeit muß es so sein, daß dieser Führer des deutschen Volkes, erfüllt von seiner Sendung, erfüllt von höchstem Pflichtgefühl, die Aufgabe, die er sich gesetzt hat, bis zur letzten Konsequenz durchführt und vor allem nicht über faule Kompromisse neue untragbare Verhältnisse schaffen will." Das Matt gibt dann der Zuversicht Ausdruck, daß nunmehr der Stachel, der eine Verständigung der vier europäischen Großmächte verhindert hat, im Interesse des Weltfriedens für immer beseitigt sei. Eine Begrenzung der übertriebenen Rüstungen- eine Rückkehr zur Friedensarbeit, zum Bekenntnis des wirtschaftlichen Wiederaufbaues könne jetzt begonnen werden. Folgen der bolschewistischen Wühlerei im tschechischen Heer. Wien, 30. Sept. (DNB.) Im Thgya-Abschnitt liefen von Joslowitz her zwei tschechische Grenzjäger vom Regiment Nr. 11 in voller Ausrüstung und mit Waffen auf reichsdeutsches Gebiet über. Sitz erklärten, daß die Stimmung unter den tschechischen Truppen im Thaya-Abschnitt infolge der bolschewistischen Wühlereien gespannt sei, daß es innerhalb der Truppenteile bereits zu Schießereien gekommen sei; eine Reihe von katholischen Tschechen setzten sich mit aller Macht gegen die von höherer Stelle befohlene bolschewistische Agitation zur Wehr. Man habe ihnen mit Erschießen gedroht, weil sie sich gegen die Mißhandlung deutscher Flüchtlinge ausgesprochen und diese als mit den Grundsätzen der Menschlichkeit und der christlichen Nächstenliebe unvereinbar bezeichnet hätten. Sie hätten darauf dep Entschluß gefaßt, die Tschecho-Slowa- kei zu verlassen, nachdem ja doch alles verloren sei und die bolschewistische Führung sie in das größte Unglück gestürzt habe. Neue Grausamkeiten der tschechischen Soldateska. Wien, 30. Sept. (DNB.) In Garschöntal wurde der Sudetendeutsche Franz R o s s a k aus Eisgrub bei dem Versuch, die Grenze zu überschreiten, von einer tschechischen Streife aufgegriffen und mit dem Bajonett niedergestochen. Trotz seiner schweren Verletzungen und unaufhörlich blutender Wunden wurde er gezwungen, sechs Kilometer zu Fuß bis zum nächsten Krankenhaus zu gehen, wo feine Aufnahme vom tschechischen Arzt verweigert wurde. Rossak wurde daraufhin ohne ärztliche Versorgung, und ohne daß seine Wunden verbunden wurden, in das Gefängnis Nikolsburg eingeliefert. Bei einem Grenzgang wurde unmittelbar auf der Grenze in der Nähe von Reichenbera im Ried der Grenzwachmann Robert Weiß von tschechischen Po- lizisten erschossen. Die Leiche wurde von den Tschechen auf tschechisches Gebiet gezogen und nach Feldsberg geschafft. In Mielowitz bei Nikolsburg wurde der Ordner der Sudetendeutschen Partei Soukup von einem Gendarmen erschossen. OieTschechen wollen EhlorgaS ablaffen Böhmisch- Krumau, 30. Sept. (DNB.) Die tschechisch-jüdische Firma Spiro in Böhmisch- Kruma verfügt in ihrer Fabrik über große Mengen Chlorgas. Der jüdische Ingenieur S u l i k versuchte vor seiner Abreise nach Prag, das gesamte Chlorgas abzulassen, wurde aber von der Arbeiterschaft — unter der sich übrigens auch Tschechen befinden — und die vor den Chlorgasbehältern eine ständige Wache eingerichtet hat, daran gehindert. Das Ablassen des Gases würde höchste Gefahr für die Bevölkerung der ganzen Stadt mit sich gebracht haben. Sulik ist nach Prag zurückgefahren, am Donnerstagabend überraschend nach Böhmisch-Krumau zurückgekehrt, offenbar mit der Absicht, gegebenen« falls unter militärischer Bedeckung den Versuch noch einmal zu machen. (!) Line Freudenbotschast für ganz England. Londoner Morgenpresse unter dem Eindruck des Münchener Abkommens. London, 30. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Nachricht von dem Abkommen der vier Mächte in München ist für London wie eine Erlösung gekommen. Als die ersten Gerüchte über ein Zustandekommen eines Abkommens in London in den späten Abendstunden eintrafen, wurden teilweise in den Theatern und Kinos die Vorstellungen unterbrochen, um1 bem Publikum diese neue und so sehnlich erwartete Nachricht mitzuteilen. Ungeheurer Jubel war überall die Antwort auf üiOse Freudenbotschaft. Die Begeisterung fand zum Teil ihren Ausdruck in langandauernden Jubelrufen auf den König und Chamberlain. Dasselbe Gefühl der Erleichterung spiegelt sich auch in der Londoner Morgenpresse wider, obgleich für ihre ersten Ausgaben die erste Mitteilung des tatsächlich erreichten Abkommens noch nicht vorlag. In ihren Leitartikeln behandeln die Blätter ausschließlich das Abkommen von München, obwohl sie mit einer gewissen Zurückhaltung schreiben müssen, weil bei Abfassung der Leitartikel eine offizielle Bestätigung für den Abschluß noch nicht vorlag. Die „Times" unterstreicht u. a. als bezeichnend, daß der Spitzname „b t e Großen Vier" („Big Four") jetzt bereits den in München versammelten Staatsmännern gegeben worden sei. Das erinnere einen an jene Verhandlungen in Paris — die Friedensverhandlungen —, deren Ergebnisse jetzt zum Teil rückgängig gemacht würden. Damals hätten nur Frankreich, England und Italien zu den Verhandlungsmächten gehört. Die Tatsache, daß ein deutscher Führer jetzt an Stelle eines Amerikaners den vierten Platz einnehme, fei symbolhaft. Das Fehlen eines deutschen Vertreters bei den Friedensverhandlungen in Paris fei hauptsächlich für die Tatsache verantwortlich, daß Deutschland die Revision jetzt selbst in die Hand nehmen müßte. Später sagt die „Times" dann, daß man allerdings d i e Zustimmung der am meisten betroffenen Regierung noch erhalten müsse. Man könne daher noch nicht mit Sicherheit davon sprechen, daß der ganze Komplex der deutsch-tschechischen Beziehungen einschließlich der Frage einer internationalen Garantie Tiefe Befriedigung in Rom. Rom, 30. Sept. (Europapreß.) Seit die Nachrichten über die erzielte Einigung der Staatsmänner in München durch Sonderausgaben der römischen Blätter den Einwohnern Roms zur Kenntnis gelangt sind, gleicht die Stadt einem aufgestörten Ameisenhaufen. Dichte Menschenmassen füllen die Straßen der Stadt und diskutieren über das große Ereignis. In einer Sonderausgabe unterstreicht das „G io male d'Jtalia" die feierliche Bestätt- gung des deutschen Rechts als Ergebnis der Münchener Besprechung, die auch dessen sofortige Befriedigung gewährleiste. Die Einigung lasse alle Spekulationen um einen europäischen Krieg zunichte werden und gebe den europäischen Völkern den sicheren und gerechten Frieden zurück. Die Einigung sei der Sieg der wirklichkeitsnahen Politik Hillers und Mussolinis und die überwältigende Widerlegung jeder Nützlichkeit der Genfer Liga für eine wahre Friedenspolitik. Das Abkommen von Münfür den verbleibenden tschechisch-slowakischen Staat als Unruhefaktor verschwunden sei. England könne aber auf jeden Fall stolz darauf fein, daß fein Vertreter in allen den hitzigen Gegensätzen der letzten Wochen ein klares Ziel gehabt habe, nämlich die gerechte Lösung dieses zentraleuropäischen Problems, ohne einen Weltbrand hervorzurufen. Der „Daily Telegraph" meint, daß in allen Nationen der Schrecken vor dem Kriege und das Gefühl, daß der Krieg etwas Dummes sei, gleich stark sei. Der Unermüdlichkeit Chamberlains sei es zuzuschreiben, daß der Streitfall jetzt wieder, obwohl er schon hoffnungslos geschienen habe, zur Schlichtung in den Konferenz- raum gebracht sei. Das Blatt schreibt bann, daß die Nachricht von dem Abkommen mit tiefer und allgemeiner Erleichterung begrüßt wurde. Die neuen Bedingungen müßten jetzt den Tschechen zur Annahme vorgelegt werden. Verschiedene Zweifelsfragen, so meint das Blatt, die einem bei der ersten Prüfung aufsteigen, würden sicherlich bei der Rückkehr Chamberlains am Freitag weitere Aufklärung finden. — „Daily Wl a i r schreibt, alle vernünftig denkenden Menschen, müßten sehen, daß die Münchener Besprechungen die wichtig- sten seit dem Kriege seien. — Auch der marxistische „Daily H e r a I d", der immer die Partei der Tschechen ergriffen hat, findet sich jetzt mit der neuen Lösung völlig ab. Es sei, fo schreibt das Blatt, zum Guten ober Schlechten jetzt geregelt, daß das Sudetenland abgetreten werde. In England habe nunmehr keine Gedankenrichtung das Recht, „tschechischer als die Tschechen" zu sein. Das Sudetenland sei abgetreten, und es würde weder den Tschechen noch irgend jemand sonst gegenüber fair fein, jenen zu raten, nicht mehr zu ihren Worten zu stehen. — Das liberale „News C h r o n i c I e" sagt, daß die ganze Welt schon bei der Ankündigung aufatmen werde, daß der Krieg abgewendet fei. — „Daily Expreß" ruft feinen Lesern zu „Freut euch und danket Gott! Die Schwingen des Friedens rauschen über uns und den Völkern Europas." chen bestätige auch, daß die enge Harmonie zwischen Italien und Deutschland lebendiger und mächttger sei als fe. Das Blatt schließt mit der Feststellung, Europa könne in der Münchener Einigung einen feierlichen Augenblick begrüßen, der seine Ehre und seine Zivilisation wiederherstelle. „M-ssaggero" erklärt unter der lleberschrift „Die Geburtsstunde des neuen Europas": „Der Friede ist gerettet. Recht und Gerechtigkeit haben ohne Waffengang gesiegt. Der tschecho-flowa- kische Wirrwarr ist ohne Krieg entwirrt worden, obwohl noch wenige Stunden zuvor jede Hoffnung auf eine friedliche Lösung verloren war. Die Begegnung von München hat in wenigen Stunden eine der abscheulichsten Schandtaten der Tyrann- Verschwörung von Versailles ausgelöscht und dieser Schandfleck von Versailles, mit dem 3% Millionen Deutsche den furchtbaren Klauen der Tschechen aus- geliefert worden waren, ist im Führerhaus in Mün- 3O»8 PALMOLIVE-SEIFE . 1 Klent Steuöe an oet Katar MMraWer-Met! Gießen (Dilhelmstraße 1), den 1. Ottober 1938 04417 04422 ein. Ihre Vermählung zeigen an Helsmut Wagner, Schneidermeister Irmgard Wagner, geb. Sommerlad General Alfred Krauß 1*. General der Infanterie Alfred Krauß ist in seinem Ruhestande in Wien gestorben, nachdem er im Vorjahre seinen 75. Geburtstag feiern konnte. Mit ihm beklagt Deutschland den Verlust eines der besten Heerführer der alten österreichischen Armee. Krauß entstammte einer Familie des Egerlandes und hat sich mit seiner Heimat immer eng verbunden gefühlt. Als er in den Krieg zog, befehligte er als Felümarschall-Leutnant (Generalmajor) eine Dwi- Wien, 29. Sept. (DRV.) Die Absicht der Tschechen, die Talsperre bei Frain zu sprengen, bedeutet für das fruchtbare Thayatal eine unerhörte Bedrohung. Die Thaya ist in dieser Sperre 55 Meter hoch aufgestaut. Das Becken kann bis zu einem Fassungsvermögen von 160 Millionen Kubikmeter gefüllt werden. Es handelt sich damit um eine der größten Sperren in Europa. Der Wasserdruck ist sehr beträchtlich. Dadurch wächst die Gefahr bei einer Sprengung der einige Kilometer oberhalb Hardegg gelegenen Sperre ins Ungemessene, da nicht vorauszusehen ist, wie weit die sreiwerdenden Fluten in das Thayatal hinunterschießen werden. Unmittelbar bedroht wäre ein Gebiet von rund 6500 Hektar. Auch die Rückwirkungen auf die Umgebung von Znain würden verheerend sein. Rund 11000 Einwohner sind in höchster Sorge um Leben und Eigentum. Die Sudetendeutschen jenseits der Grenze sehen mit Erbitterung, wie den Tschechen die Flucht aus dem Gefahrenbereich erleichtert wird, während auf ihrem eigenen deutschen Dolksboden ihnen keine andere Aussicht bleibt, als vor dem Ausbruch des bolschewistischen Verbrechenswahnsinns die Heimat zu verlassen und unter größten Schwierigkeiten die rettende Grenze zu erreichen. Troppau, 29. Sept. (DRB.) Im Troppauer Rathaus ist von den Tschechen die Abstimmungskartei mit allen Unterlagen „beschlagnahmt" und sichergestellt worden. Sie soll in tschechisches Gebiet gebracht werden. Dadurch würden alle Unterlagen für die Durchführung einer Volksabstimmung nach dem Einwohnerstand vom Oktober 1918 fehlen. In Falkenau und Schedau sind die Akten der Bürgermeistereien, die in erster Linie auch die Unterlagen für die Durchführung einer Volksabstimmung enthalten, von tschechischen Gendarmen beschlagnahmt worden. Ferner wurden auch alle Aktenformulare der Bürgermeistereien mitgenommen. Es wird befürchtet, daß entweder die Einwohnerkarteien gefälscht oder überhaupt abtransportiert werden sollen, um so eine einwandfreie Abstimmung unmöglich zu machen. Ziele seines ehrenvollen Lebens erfüllt. Der Führer zeichnete ihn wiederholt besonders aus. Der Heerführer hat den Tag nicht mehr erleben können, an dem die Flagge des großdeutfchen Reiches auch über seiner Heimat, dem Sudetenlande, aufgezogen wird. Aber in dieser Gewißheit ist er zur Großen Armee eingegangen. Von sudetendeutscher Seite wird dazu mitgeteilt, es sei eine Fehlspekulation der Tschechen, die Abstimmung durch Beschlagnahme der Einwohnerkarteien erschweren oder verhindern zu können. Es sei eine Selbstverständlichkeit, daß in allen Orten, wo von den Tschechen die Abstimmungsunterlagen jetzt vernichtet oder verschleppt werden, kein Tscheche abstimmungsberechtigt ist, der nicht durch m i n d e - stens 100 deutsche Zeugen nachweisen kann, daß er im Oktober 1918 in dem Orte ansässig war. Auf diese Weise werde es möglich sein, einer derartigen Sabotage der Abstimmung wirkungsvoll zu begegnen. Meldungen über Vernichtung oder Verschleppung der Abstimmungsunterlagen sind bisher gekommen aus den Städten Weipert, Graslitz, Falkenau, Schedau, Eger, Aussig, Tetschen, Warnsdorf, Kreibitz, Braunau, Schönau, Troppau, Freiwaldau. Oer japanische Vormarsch auf Hankau' S ch a n g h a i, 29. Sept. (Europapreß.) Rach einer Meldung aus dem japanischen Hauptquartier sind die Forts von Tienkatschen von japanischen Truppen gestürmt worden. Die Forts bilden die letzten befestigten Stellungen der Chinesen am Nordufer des Iangtsg. Mit ihrer Einnahme Ist ein wesentliches Hindernis für die Fortsetzung des japa- Nischen Vormarsches auf Hankau überwunden worden. — Im Gegensatz zu der Entwicklung am Nordufer des Jangtse halten die auf dem Südufer stehenden chinesischen Truppen der japanischen Offensive weiter stand. t Ministerpräsident Fürst Konoe übernimmt daö Außenministerium. Tokio. 30. Sept. lDNB. Funkspruch. Ostasien- dienst.) Der japanische Außenminister General U g a k i hat nach einer längeren Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Fürsten Konoe seinen Rücktritt erklärt. Der Ministerpräsident wurde Gute Heizgeräte weniger Schmutz und Arbeit. Ehe Sie also mit dem Heizen beginnen, erneuern Sie: Kohlenkasten, Koksschütter Kohleneimer,Schaufel,Haken Ofenschirm, Ofenvorsetzer bei rjjil J.B. Häuser I jTb I Gießen, am Oswaldsgarten XX (Parkplatz), Ruf 2145-2146 fünf Jähe» NSv. - fünf Jflh« Hilft Durch Die Volksgemeinschaft für Dao Wohlergehen von .Mutter und fiinD~. heute vormittag vom Kaiser in Audienz empfangen. Er erstattete Bericht über den Rücktritt des bisherigen Außenministers General Ugaki. Anschließend wurde Fürst Konoe vom Kaiser beauftragt, außer seinem Amt als Ministerpräsident die Führung des Außenamtes und des Ueberfee- Ministeriums zu 'übernehmen. Talsperren undKmfirv erke sollen gesprengt werden Verbrecherische Anschläge der Tschechen. - Tausende von Sudetendeutschen schwer bedroht. Auch die Talsperre Oberkreibitz- Schönfeld ist von den Tschechen zur Sprengung vorbereitet worden. Offenbar ist geplant, sie genau so wie die E l b e t a l s p e r r e bei A u s s i g zu sprengen. Eine solche Sprengung würde für d-as Niederland die verhängnisvoll st en Folgen haben müssen. Die Vernichtung aller Wirtschaftswerte in den Grenzgebieten geht weiter. Im ganzen Kreibitzer Bezirk befindet sich kaum noch in einem Haus ein einziger unzerstörter Gegenstand, in keinem Haus mehr eine einzige heile Fensterscheibe. Es wird in einem blinden Fanatismus alles rücksichtslos zertrümmert, was nicht abtransportiert werden kann. In R e i ch e n b e r g ist die Sprengung der Dersorgungswerke der Stadt und eine Reihe von öffentlichen Gebäuden vorbereitet worden. Die Sprengladungen wurden so groß bemessen, daß bei der Sprengung große Teile der Stadt in Trümmer gelegt werden würden. Die Folgen müßten unabsehbar sein, da Reichenberg mit Flüchtlingen vollgestopft ist und l'/rmal so viel Einwohner wie normal aufweist. Es würde viele Tausende von Toten geben. Es ist fast undenkbar, daß das tschechische Verbrechergesindel es wirklich wagen sollte, ein derartiges Blutbad anzurichten. Ihre Vermählung geben bekannt Kurt Heller Emma Heller/ geb. Gellster Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem uns betroffenen schweren Verlust sagen wir herzlichsten Dank. Franz Bepler und Frau Marie, geb Klingelhöffer. Gießen (Kirchstraße 12), den 30. September 1938. 04420 planmäßige Sabotage der Abstimmung. Tschechen verschleppen Abstimmungsunterlagen. - Eine Fehlspekulation der Prager Hasardeure. Gesunden Haarwuchs durch das nicht fettende Köhlmeiers Natürhaaröl Schuppen verschwinden sofort. Haarausfall hört auf. Künstl. Wellen bleiben erhalten. Fettes Haar wird trocken, sprödes geschmeidig. Kl.Fl.2.20 M., gr.Fl.3.90 M. Löwen-Drogerie Wilhelm Kilbinger Nachf., Seltersweg 69. f694iD fton, mit der er sich schon zu Beginn des Feldzuges derart auszeichnete, daß er nach der Niederlage Potioreks gegen die Serben zum Generalstabschef der Armee des Erzherzogs Eugen berufen wurde. Später erhielt er das Kommando eines Armeekorps, mit dem er an der Jsonzofront hervorragende Leistungen vollbrachte. Den höchsten militärischen Ruhm gewann er durä) seine Beteiligung an der Durchbruchsschlacht bei Flit und Tolmein, dem „Wunder von Karfreit" im Oktober 1917. Dafür erhielt er den preußischen Orden Pour le merite. Später wurde Krauß Oberbefehlshaber der Armee in der Ukraine. Er wurde auch noch dazu berufen, das völlig zerrüttete Ernährungswesen der Habsburger Monarchie zu organisieren. Dazu war es aber in diesem Zeitpunkt bereits zu spät. Im Ruhestände hat der aufrechte Mann, den seine Soldaten als den „Vater Krauß" verehrten, nicht gefeiert. Er war nicht nur Soldat, sondern auch Politiker, der die Feder ebenso gut führte wie die Waffe. Sein Standpunkt war von vornherein großdeutsch. In Vorträgen und Aufsätzen, in Büchern über die Ursachen der Niederlage hat Alfred Krauß sich dazu bekannt und mancherlei Anfeindung getragen. Die Anhänger Adolf Hitlers in Oesterreich konnten auch in der schlimmsten Systcm- zeit den hochangesehenen General zu den Ihrigen zählen. Als her großdeutsche Gedanke im Frühling 1938 durch die Kraft des Nationalsozialismus siegreich wurde, sah Alfred Krauß eins der, größten Wir stellen ftkelmate o. Boller Wetterbericht Das Eingreifen der westeuropäischen Tiefdruckstörung macht sich jetzt in Mitteldeutschland bemerkbar, kommt jedoch dort nicht so stark zur Auswirkung, wie im Westen. Hier kam es bei zwar starker Bewölkung zu Regen, meist leichter Natur, vereinzelt allerdings zu Gewittern. Eine durchgreifende Verschlechterung ist mit dieser Einwirkung jedoch nicht verbunden, doch stellt sich anderseits störungsfreies Schönwetter nicht wieder her. DorherfagefürSamstag: Moraens viel- fach diesig, sonst wolkig bis heiter, strichweise Regen, mild, Winde um Süd. Vorhersage für Sonntag: Morgens die- sig, teilweise freundlich, aber nicht ganz störungs- frei. Lufttemperaturen am 29. September: mittags 23,0 Grad Celsius, abends 16,3 Grad; am 30. September: morgens 14,6 Grad. Maximum 23 Grad, Minimum heute nacht 14,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. September: abends 17,3 Grad; am 30. September: morgens 14,6 Grad. — Sonnenscheindauer 4,1 Stunden. Haüptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thynot; für den übrigenTeil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theoder Kümmel. D.A.VIII. 38: 8916. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illu- tarierten 15 Pf. mehr. Einzelverkausspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. v.Mi Nein, eben nicht! Es raucht nur. Und zwar Müllers alter Ofen, der schon vergangenes Jahr die ganze Wohnung verräuchert hat. Da gehört endlich mal ein neuer Ofen her. Wie wäre es mit einem ORANIER-Ofen von J. B. Häuser? Der raucht nicht, aber er brennt und gibt gemütlich warm. 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Der Fron tgo ekel 3n ber 1 schier ariin erhe' äufr freu des met eint Es Her und , abäi brau zu I Son tobe mur beli« ruhi den allen 20 punkt mer i unter ber ei ihren Da chen rafur der i kraße tempe 12 5emp 2ßärn heißt: imme Grad tob er mehr zu e gibt auch kuren sich. ■ froste im 0 M beut zu i Nat Sät tret, nai- der Dttc 9leb nör maf N wär in b unser Wt ben Ctu ihre telei her oebk Wes Ma Han 2Tu scheu bad) , iffliflo mit 2) aber । und b- Soiben btm si Dod Ä Gefell banbi Wiest t All hoch £ Md ichwor ff «ch Ntp chens; terleib J« son 'ei Ebenen te bl« S|i Natnii jchen; Jas s N Mir Ne( e"1 &, baff, Neu, »iel Si ltt.229 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Zreitag, 30. Zeptember (938 Aus der Stadl Gießen. Der „edyte" Herbstmonat. 2n der Aufteilung des Jahres gilt der September schon als Herbstmonat. In seiner ersten Hälfte schien es auch jo, als wollte er diese Charakteristik gründlich erfüllen, denn es begann nicht nur ein erheblicher Temperaturrückgang, sondern auch die äußere Wetterform nahm alle Symptome des unfreundlichen Herbstes an. Allein die zweite Hälfte des Monats brachte eine Wiederkehr des Sommerwetters in so idealer Form, daß man beinahe von einem „Julisommer im September" sprechen konnte. Es wird uns daher etwas schwer fallen, den echten Herbst, wie er im Oktober mit seinen Rauheiten und Unfreundlichkeiten die Macht ergreift, als un- » abänderliche Tatsache hinzunehmen. Allerdings braucht man nicht nur pessimistisch in den Oktober zu schauen. In der klimatischen Entwicklung vom Sommer über den Herbst zum Winter soll der Oktober jenen Zeitabschnitt bringen, der im Volksmund als „Altweibersommer" ebenso bekannt, wie beliebt ist. , Unter Altweibersommer versteht ntan ruhiges, heiteres Wetter mit verhältnismäßig milden Temperaturen in den Tagesstunden. Es ist allerdings damit nicht gesagt, daß unbedingt noch Blätter an den Bäumen, oder daß andernteils die Zweige schon völlig kahl, sein müßten. Der Zeitpunkt im Herbstablauf, der für den Altweibersommer in Betracht kommt, ist sehr verschieden. Mitunter kommen die Altweibersommertage bereits in der ersten Oktoberhälfte, nicht selten schieben sie auch ihren Eintritt bis in den November auf. Da die zweite Septemberhälfte noch ausgesprochen sommerliches Wetter und Taaesmitteltempe- raturen brachte, die der Julihöhe entsprachen, dürfte der zu erwartende Umschlag im Oktober um so krasser in Erscheinung treten. Die mittlere Tagestemperatur des Oktober bewegt sich allmählich von 12 Grad abwärts bis auf 8 Grad, es muß also eine Temperaturabnahme ungefähr um die Hälfte der Wärme eintreten, wie wir sie bisher hatten. Das heißt: während bis jetzt die Mittagstemperaturen immer noch 20 Grad, zum Teil sogar 25 bis 28 Grad im Schatten erreicht hatten, sind für den Oktober mehr als 15 Grad in der ersten Hälfte und mehr als 10 Grad in der zweiten Hälfte kaum noch zu erwarten. Mit diesem Temperaturrückgang ergibt sich die Notwendigkeit des Heizens. Ferner ist auch ein zeitweiliger Rückgang der Nachttemperaturen auf und unter den Gefrierpunkt unausbleiblich. Der Oktober bringt die ersten stärkeren Nachtfröste nicht nur in den gebirgigen Landesteilen bzw. im Osten des Reiches, sondern ebenso in den klimatisch begünstigten Zonen West- und Nordwestdeutschlands. Während im September kaum stärkerer Laubfall zu beobachten ist — wenigstens nicht in der freien Natur — setzt im Oktober die Entblätterung der Bäume in großem Umfange'ein. Durch das Auftreten der Nachtfröste ist im Laufe der zweiten Monatshälfte durchweg mit der> völligen Entlaubung der meisten Bäume zu rechnen. Weitere für den Oktober besonders typische Erscheinungen sind die Nebel und die ersten schweren Stürme. Aus dem nördlichen Polargebiet pflegen sich die kalten Luftmassen, die dort bereits im September zur Aufstapelung gekommen sind, mit aller Energie südwärts in Bewegung zu setzen. Sie brechen dann in die verhältnismäßig milden Temperaturgebiete unserer Zone ein und erzeugen in der langen Linie Nordamerika — Nordatlantik — Nordsee bis in den sibirischen Raum hinein die charakteristischen Sturmwirbelketten. Diese Sturmwirbel pflegen bei ihrem Kurs von Westen nach Osten gerade die mitteleuropäischen Länder von der Nord- und Ostsee her stark zu beeinflussen. Aus dieser Tatsache ergeben sich für den Lauf des Oktober die typischen Westwind-Wetterlagen mit Regen. Der gewisse Mangel an Niederschlägen, der im September vorhanden war, wird wieder ausgeglichen. Für den Bachstelzen. Von Karl Scherer. Aus dem tiefgrünen Gebirgssee im Hochtal zwischen Bergföhren und Rottannen schäumt der Wildbach zu Tal. Hochauf spritzt der weiße Gischt und umflort die überhängenden Aeste der alten Fichten mit Myriaden glasklarer, funkelnder Tropfen. Wenn aber auf kurze Strecken der Bergwald sich lichtet, und die Sonnenstrahlen die strudelnden Wellen mit goldenen Funken bestreuen, stehen Regenbogen über dem' schießenden Wasser. Doch an der Bergmühle im Tot, wo sich die Wiese zwischen die waldigen Hügel schiebt, hgt der wilde Geselle ausgetobt: das Wehr hat seine Kraft gebändigt, und nun strömt er ohne Sturm und Drang zwischen Erlen und Silberweiden weiter, die fetten Wiesengründe der Niederung befruchtend. Auf einem Stein im gurgelnden Bach, der handhoch aus dem Wasser ragt, steht schwanzwippend ein zierliches, feingezeichnetes Bögelchen. Die Kehle schwarz wie Ofenru»;, aber blank wie polierter Stahl, ein lichtweißer Ring, den schlanken Hals umrandend, sticht prächtig ab gegen das sanfte Grau des Köpfchens: aschfarben Nacken und Rücken, Brust und Unterleib blütenweiß. Nun hebt es sich beschwingt in die sonnige Luft, quirlt im Kreis umher, fußt einen Augenblick auf dem schattigen Weidenzweig, auf dem sein Weibchen wartet — dann schwirren beide nebeneinander bis zum Mühlenkolk und lassen sich zwischen den feuchten Steinen nieder. Eilig rennen sie bachauf, bald über Kiesel und Sand, bald durch das seichte Uferwasser, nehmen eine Wassermotte, eine Stechmücke, eine Larve auf oder steigen steil in die Höhe, um einen vorübersurrenden Schildkäfer zu haschen. Der Flug geht weiter bis zu der aus breiten Natursteinen gefügten Staumauer am Wehr, zwischen deren Runse'n das Nestchen der zweiten Brut stehen soll. Doch unterwegs lassen sie alles mitgehen, was sich darbietet- der Taumelkäfer am Quirl des Schachtelhalms und die Wasserspinne, die über die Ufersteine hastet, müssen daran glauben, und die Seejungfernlarve, die zur Unzeit am Stengel des Wassersterns aus dem nassen Element auftaucht, ist ein Leckerbissen ... Mühle und Wehr, Bach und Ufergrün, feuchte Sandwege und moosige Steine im Wasser umschließen alle Lebenswünsche des Stelzengeschlechts. Hohe Linden umschatten den alten Fachwerkbau: auf dem langen Dachfirst läuft sichs prächtig von einem Spitzgiebel zum andern, und weit ist die Ausschau über das Tal. Wo ruht sichs besser als auf dem grauen Rahmengerüst der Schütze, unter der das Wasser dahinjagi, um das schwere Schaufelrad za Heraus mit dem Alteisen! Städter und Bauer Hilst mit! NSG. Jedes Dorf hat seinen Schuttabladeplatz. In einer alten Kiesgrube, in Gräben, in Waldlosen, manchmal sogar in Teichen verschwindet der „Unrat", den das Dorf nicht mehr braucht. Auf den Höfen selber gibt es oft genug Ecken und Winkel, die voll von „Gerümpel" stehen. Bei irgendeiner Gelegenheit ist irgendein Gegenjtand aus dem Betrieb oder der Hauswirtschaft ausgeschieden worden und hat hier seinen endgültigen Ruheplatz gefunden. Kein Mensch kümmert sich mehr darum. Wind und Wetter und andere Umstände sorgen dafür, daß alle diese Gegenstände allmählich, aber sicher der Auflösung verfallen. Jeder Hof beinahe hat bei uns in Deutschland seinen „Friedhof", auf den all die teuren Maschinen und Geräte wandern, wenn sie ausgedient haben. Wie auf dem flachen Lande ist es auch in der Stadt. In den Höfen der Häuser und in den Kellerräumen liegt unzähliger Schrott, der im Laufe der Jahre dort zusammengetragen wurde. Mögen Neuanschaffungen den Geldbeutel des Betriebsführers belasten, bei weitem größer sind die Werte, die Jahr um Jahr dem Dolksvermögen verloren gehen, weil gewaltige Mengen an Rohmaterial in Gestalt der alten Maschinen auf den „Friedhöfen" der Äernichtung anheimfallen. Mit einer unbrauchbaren Maschine verschwindet nämlich nicht nur der Gegenstand, der in der Wirtschaft keine Verwendung mehr finden kann, sondern vor allen Dingen der Rohstoff, den man zu seiner Herstellung verwendete. Nicht nur zu einer Notregelung, sondern zu einer dauerndes Einrichtung muß deshalb das Bestreben führen, alle diese Altmaterialien planmäßig zu sammeln und sie einer weiteren Verwendung zuzufü^en. Generalfeldmarschall Goring hat deshalb den Reichskommissar für Altmaterialoerwendung beauftragt, das nutzlos herumliegende herrenlose Alteisen restlos sammeln zu lassen und der Eisen- und Stahlindustrie als Schrott zuzuführen. Die Oberste SA- Führung hat sich bereit erklärt, die SA. für eine Sammelaktion in der Zeit bis zum 31. Oktober 1938 einzusetzen. Sie wird dabei an keinem Haus, keinem Hof und keiner Wirtschaft vorübergehen. In den Dörfern, wo die Maul- und Klauenseuche herrscht, wird die SA. die Bauernhöfe nicht betreten. Bauern und Landwirte solcher Gegenden bringen das gesamte Alteisen, das sich auf ihren Höfen befindet, auf einem Dorsammelplatz des Dorfes zusammen, oder schaffen es wenigstens vor ihre Höfe. Für die ganze Bevölkerung des Gaues Hessen- Nassau, für die Volksgenossen auf dem Land und in der Stadt muß in den nächsten Wochen die Parole lauten: heraus mit dem Schrott! Bauer kommt es in Anbetracht dieser vielseitigen Wetterumgestaltung, die der Oktober als echter Herbstmonat mit sich bringt, darauf an, die späte Ernte, zu der namentlich das Einbringen der Win- terka'rtofseln gehört, in der ersten Monatshälfte abzuschließen, denn die erste Oktoberhälfte ist nach langjährigen Erfahrungen mehr vom Wetter begünstigt als die zweite, da sie, wenn auch in weniger ausgeprägter Form, die Fortsetzung des nachsommerlich anmutenden Septemberwetters bringt. Eine noch markantere Spezialität ist dem Oktober vorbehalten: nämlich die Möglichkeit des ersten Schnees. In Jahren mit Neigung zum Frühwinter können die erwähnten Vorstöße kalter Luft aus dem Polargebiet so stark werden, daß es allgemein in den deutschen Mittelgebirgen, hin und wieder auch schon in der Ebene, insbesondere in Ostdeutschland und Bayern, zu Schneeschauern kommt. Von einer liegenbleibenden Schneeschicht kann natürlich noch keine Rede sein. So ist der Oktober als „echter" Herbstmonat geneigt, alle seine Eigenarten herauszubringen, und wir müssen uns damit abfinden, daß der Herbst das Regiment übernommen hat. TI. Dorrwtiren Tageskalender für Freitag. Stadttheater: Jubiläums - Vorstellung von Karl Volck: „Flachsmann als Erzieher". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Fall Deruga". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Fahrendes Volk". Zubiläumsvorsiellung anläßlich der 30jährigen Zugehörigkeit von Karl Volck zum Stadltheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet anläßlich der 30jährigen Zugehörigkeit von Karl Volck zum Stadttheater Gießen als Jubiläumsvorstellung die Aufführung von Otto Ernsts „Flachsmann als Erzieher" statt. Der Jubilar ist einer der beliebtesten Gießener Schauspieler und Spielleiter, der immer wieder durch seine große Wandlungsfähigkeit auf der Bühne das Publikum begeistert. In den 30 langen Jahren gestaltete er weit über 700 verschiedene Rollen, von denen eiye große Anzahl auch über die Bad-Nau- heimer^Bühne ging. Spielleitung: Dr. Hannes Razum, Bühnenbild: Karl Löffler. Es wirken mit: Margot Eickhoff, Hilde Kneip, Rose Stirl, Giefela Vollert, Eduard Cossovel, Walter Erler, Gert Geiger, Hans Geißler, Friedrich Gröndahl, Kurt Haars, Hans Schlick, Peter Schorn, Hans Seitz, Karl Volck, Erich Weiland. Die Vorstellung findet als 1. Vorstellung der Freitag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Kastanienernte. V. A. Auch in diesem Herbst ist wieder der Ruf an unsere Jungen und Mädel ergangen, Roß-Kastanien, Eicheln und Bucheckern zu sammeln, um sie im Rahmen des Vierjahresplanes einer nutzbringenden Verwertung zuzuführen. Bei sachgemäßer Aufbewahrung sind diese Samen, neben der Wildfütte- rung, auch für Mast- und Arbeitsvieh wertvolle, nährstoffreiche Futterstoffe, die bei sparsamer Der- fütterung dem Landwirt, der seine Futtermenge im eigenen Betrieb erzeugt, Flächenraum erspart. Außerdem stellen diese Baumfrüchte für unsere Volkswirtschaft einen wichtigen Rohstoff dar, da aus ihnen Eiweiß, Fett und Stärke gewonnen wird. Weil die Kastanienernte von Jahr zu Jahr sehr wechselt, wird der Durchschnittsertrag je Baum zwischen 40 bis 300 Kilogramm geschätzt. Bei einem Durchschnitt von nur 25 Kilogramm würde sich eine Ernte von 25 000 Tonnen ergeben. Das Kastanienöl gleicht in seiner Zusammensetzung .und Verwertungsart dem Erdnußöl und macht, selbst wenn man es nicht mittelbar zur menschlichen Ernährung verwendet, Fette, die als technische Fette dienen, für die Ernährung frei. Außer Oel und Stärke enthält die Kastanie auch Saponine (Sapo = Seife), ein stark Schaum bildendes Erzeugnis, das bisher aus dem Ausland bezogen werden mußte. Wenn es gelingt, selbst inländijche Saponine her- zustellen, würde für die Schaumlösch-Seifen- und pharmazeutische Industrie die Einfuhr mancher Rohstoffmenge erspart bleiben. Man muß also die Jugend in ihrem Sammeleifer nach Kräften unterstützen, sie aber darauf Hinweisen, die Kajtanien nicht unreif von den Bäumen $u schlagen, da unreife Kastanien für Futterzwecke wertlos sind. Bucheckern dürfen nur bei trocknem Wetter gesammelt werden, weil die stachligen Samenkapseln sonst geschlossen bleiben und die Kerne nicht von selbst herausfallen. O. E. 25 Jahre im städtischen Sozialdienst. Am morgigen Lamstag, 1. Oktober 1938, kann bei? Vorstand des Städtischen Wohlfahrtsamtes, Verwaltungs-Amtmann Rudolf Keitzer, auf eine 25- jährige Tätigkeit im Dienste der Stadt Gießen zu- rückblicken. Amtmann Keitzer kam am 1. Oktober 1913 äus der Laufbahn der gehobenen mittleren Justizbeamtenschaft in den Dienst der Stadt Gießen. Er trat damals — wie wir im „Gießener Anzeiger" vom 24./25. September in unserm Artikel „25 Jahre Berufsvormundschaft der Stadt Gießen" bereits mitteilten — sogleich in den Sozialbtenst unserer Stadt ein, da ihm die besondere Aufgabe zugedacht war, beim Aufbau der zu jenem Zeitpunkt in Gießen eingeführten städtischen Berufsvormundschaft an hervorragender Stelle mitzuarbeiten. Der Gang der Entwicklung führte schon nach knapp Jahresfrist dazu, ihm an Stelle der bei Ausbruch des Weltkrieges alsbald bzw. schon kurze Zeit darauf ins Feld gerückten beiden Vorgesetzten die Amtspflichten des Berufsoormundes allein zur Erfüllung zu übertragen. Dieser Verpflichtung wurde er in so ausgezeichneter Weise gerecht, daß er im Jahre 1919 die gerichtliche Bestellung und Verpflichtung für das Amt des Berufsvormundes für die Stadt Gießen erhielt und im Frühjahr 1920 von dem Oberbürgermeister unserer Stadt zum Berufsoormund bestimmt wurde. Nachdem er am 1. April 1920 zum Sekretariatsvorftand bestellt worden war und einige Zeit später die Dienstbezeichnung „Stadtoberinspektor". erhalten hatte, erfolgte am 1. Mai 1923 seine Beförderung zum Verwaltungs-Amtmann. Im Jahre 1925 erhielt er zu seinem Verwaltungsbereich noch das Versicherungsamt der Stadt Gießen hinzu, das er seitdem als stellv^ Vorsitzender verwaltet. Die Tätigkeit des Jubilars war von Anfang an bem Wohlfahrtsbienft unserer Stabt geroibmet, ber sich früher in dem bamals so bezeichneten Armenamt, nach bem Kriege in bem Städtischen Wohlfahrtsamt entfaltete. Die außerordentlichen Schwierigkeiten, die insbesondere nach dem Kriege jahrelang die Abwicklung der Wohlfahrtsarbeit belasteten, brachten Amtmann Keitzer viele schwere Aufgaben. Stets war er bestrebt, alle Probleme in großzügiger- von starker Hilfsbereitschaft für die notleidenden Volksgenossen bestimmter Weise zu lösen. Dabei handelte er nach dem Grundsatz: nicht nur geben, sondern vor allem helfen! Er sah denn auch eine seiner vornehmsten Pflichten darin, nicht nur der sozialen Fürsorge gerecht zu werden und ihr immer mehr die Wege zu ebnen, sondern im wohlverstandenen Interesse der Volksgenossen auch die soziale Erziehung in gebührender Weise zur Geltung zu bringen. In den Jahren der Inflation und in den überaus trüben Jahren der Massenarbeitslosigkeit und des damals geradezu von Tag zu Tag ansteigenden Massenelends stand natürlich das Städtische ,Wohlfahrtsamt und mit ihm der Amtsvorstand 'Keitzer ganz besonders im Brennpunkt des öffentlichen Geschehens und ber befonberen Aufmerksamkeit aller vom Schicksal schwerbetroffenen Familien unserer Stabt. Es gab bamals im Bereiche des Wohlfahrtsamts oft schwere und ernste Stunden, begreiflich aus der geradezu verzweifelten Notlage vieler Volksgenossen in jener Zeit, aber auch zum Teil erklärlich durch die hemmungslose Verhetzung, die damals unter besonderer Skrupellosigkeit ber Kommunisten vor sich ging. Bei manchen stürmischen Auseinanbersetzungen im Wohlfahrtsamt hatte Amtmann Keitzer einen schweren Stand, aber alle diese Dinge und auch manche Verkennung seines von aufrichtiger Hilfsbereitschaft geleiteten Wirkens vermochten nicht, ihn von feiner Linie des sozialen Verständnisses und dessen praktischen Anwendung abzubringen. Wer beruflich ober, ehrenamtlich mit ihm zusammengearbeitet hat, ber kann bezeugen, baß das Wohlfahrtsamt in Amtmann Keitzer allezeit einen ber besten unb sozial großzügigsten Beamten besaß, dem die ßinberung der Not und bie treiben! Hurtig trippelt der Stelzenhahn bas Ge- länber des Bachsteigs entlang, schwingt sich zu kurzem Flug auf unb läßt seinen Liedes- unb Lockruf hören, benn bas Weibchen baut fchon fleißig am Nest in ber Tiefe der Mauernische über dem Wasser. Hier sinb bie Kleinen geborgen gegen die Katze unb gegen die Lerchenfalken aus bem nahen Hoch- walb, ber bie Jungen ber ersten Brut im Nest zwischen den Ufersteinen bachaufwärts mordete. Ein zärtliches Paar. Immer bleiben sie beiein- anber auf Blickweite nahe, kaum baß sich eins vom anberen auf Augenblicke entfernt. Wenn ber erste graue Dämmer erwacht, tauchen sie aus bem Schlafwinkel, ber gewölbten Mauerkrone der Hofpforte, unb bie Flüge nehmen ihren Anfang. Ueberall ist für Schnabel ober Nestbau etwas zu finben. Das Fundament ber Mulbe bilben trockene Würzelchen unb berbe Stengel aus bem Gebüsch am Mühlgraben, darüber werden feine Reiser und Moosblättchen geschichtet: das Männchen trägt zu, die Henne verwebt alles sorglich und dicht, damit die Kälte ber Mauersteine der Brut nicht schadet. Doch da zieht schon ber Müller die Pferde zum Striegeln aus dem Stall, und nun weichen beide nicht mehr vom Hof, denn Pferdehaar aus Mähne und Schweif ist das Herrlichste, was es an Baustoffen gibt, dazu zarte Wollbüschel, wie sie die Schafe auf der nahen Hude verlieren und die der Neftmulde erst die rechte Weiche und Wärme geben. Bald liegen sechs grauweiße braungetüpfelte Eier im Nest, größer fast, als der zierliche Bau des Tierchens erwarten läßt. Schon nach zwei Wochen brechen die Schalen, unb die Nesthocker werben von ben Eltern unermüblich versorgt: boch will ein vorwitziger Gelbschnabel bie bergenbe Mauerhöhle, unter ber bas tiefe Wasser raufcht, vorzeitig verlassen, bann steht Mutter Wippsteert in ber schmalen Einfahrt, sperrt ben Ausgang und brängt das Kroppzeug in die Tiefe zurück. Am Tag des ersten Ausflugs aber laufen die flinken Kleinen wie graue Mäuschen mit den Alten schon um die Wette ben Bachlauf hinauf, benn bie quecksilbrige Unrast uno Beweglichkeit ist ihnen angeboren ... Der Oktober hat bie ersten Stürme gebracht, all- abenblich liegen weiße Nebelschleier über den feuchten Wiesen. Schon in ber letzten Septemberwoche haben sich starke Stelzenschwärme in bem geschützten Bergwinkel versammelt, barunter Gelb- unb Schwarzstelzen unb bie schöne Trauerstelze. Tagsüber folgen bie Ackermännchen in schwarz-weißem Gewimmel ben bampfenben Braunen bes Müllerknechts, ber ben Pflug bie Stoppelbreiten auf- unb niederführt, lesen bie Engerlinge von den Schollen und Herbergen bie letzten Nächte im bichten Rohr bes Mühlteichs, bem Starnrna-fyl ber schwarzen Star- geschwaber zur Herbstzeit. Heute blaut ein frischer Morgen Über dem weiten Tal, Sonne und Wlnd locken zum Aufbruch: in kurzen Etappen gehts im Wellenflug nach Süden. Doch nicht allzu weit: viele überwintern an ber blauen Adria unb an der Riviera, das sonnige Kap Martin ist das Winterpara- bies von Tausenden ber kleinen Südlanbsflieger, anbere ziehen bis Tunis unb zum Nilbelta. • Im März sinb sie wieder da und verteilen sich über die deutsche Heimat: denn bort.ifts doch am schönsten: die Weiden am Bach knospen schon, die Wiesen werden grün, und Tag und Nacht braust das Wehr... Mit dem Kopf nach unten. Bor 25Jahren: der erste „Looping the loop“. Vor 25 Jahren, im September 1913, gab es drei Ereignisse in der Flugkunst, die die Welt in Atem hielten: Gar ros Überflog als Erster das Mittelmeer, Prävost erzielte die damals erstaunlich scheinende Geschwindigkeit von 200 Kilometer in ber Stunde, unb, was in ber ganzen Welt das größte Aufsehen erregte, Pegoud führte zum erstenmal bas „Looping the loop“ aus, bas feinen Nomen berühmt gemacht hat. Wenn wir heute die Leistungen unserer Kunstflieger sehen, so erscheint uns bas, was Pegoud gelang, als ein bescheibener Anfang. Aber allen, bie es damals miterlebten, wissen, b«ß diese „Kunststücke" zum erstenmal das Gefühl erweckten, daß der Mensch wirklich die Luft zu beherrschen begann, so frei unb ungezwungen, so von aller Schwere gelöst erschienen biese Menschenflüge. Pögoud hat bamals selbst erzählt, wie er auf die- fes Wagnis gekommen ist. Bei einem Fluge war jein Apparat in eine gefährliche Lage geraten, er schien zu kentern, unb ber Absturz unvermeiblich. Dann aber richtete er sich mit einem Mal wieder auf. In diesen kurzen, bangen Augenblicken kam Pegoud zum erstenmal der Gedanke, daß es doch nicht schwer sein könnte, auch „auf dem Kopfe" zu fliegen. ,Jch erprobte nun", erzählte er weiter, „daß ich bei vorsichtiger, ruhiger Behandlung mein Flugzeug wieder aufrichten konnte. Als ich landete, sprach ich sofort mit Bl6 riot davon, daß ich Versuche in dieser Richtung machen möchte. Ich erklärte ihm, ich sei überzeugt, däß ein kaltblütiger Mensch sich in der Luft vollkommen umdrehen und mit dem Kopf nach unten fliegen können müsse, die Tatsache, daß bei diesen Zwischenfällen keinerlei Gefahr bestehe, wenn der Flieger nur die Geistesgegenwart bewahrt, müsse für alle Flieger von ungeheurem Werte.fein. Blöriot sagte: „Pögoud, ich muß mir das überlegen. Sie werden Ihr Leben riskieren unb bie Verantwortung bafür ist so groß, baß ich dazu nichts ohne ernste llebertegung beitragen kann." Ein paar Tage später jagte er mir, ich könne den Versuch mögen. Unb so flog ich empor, drehte mich um, flog auf dem Kopfe unb richtete mich roieber in bie gewöhnliche Lage auf, worauf ich ohne Zwischenfall landete. Die ganze Geschichte ist keineswegs gefährlicher wie das gewöhnliche Fliegen: es mußte nur ein erstes Mal gemacht werben. Ich muß ehrlich gestehen, baß "ich keinen Augenblick Angst hatte: ich führte auch einen Fallschirm an Borb, ben ich schon vorder erprobt hotte. So stieg ich mit meinem ausgezeichneten Motor auf, und alles ging vortrefflich. Ich fürchte, ich kann nicht anschaulich schildern, was man dabei empfindet, wenn man auf dem Kopfe fliegt; der beste Vergleich ist wohl ber Kopfsprung ins Wasser. Wenn man auf bem Londe eine Volte schlägt, ist man natürlich etwas nervös, weil man nicht ganz sicher weiß, wie man niederfallen wirb. Im Wasjer aber unb ebenso in ben Lüften kommt bas Fallen nicht in Betracht. Das Wasser trägt uns unb ebenso bie Luft bei ben großen Geschwindigkeiten, mit denen man fliegt. Die Empfindung dabei ist wunderbar. Ich schnalle mich an meinen Sitz fest, habe volle Bewegungsfreiheit unb bas Gefühl völliger Sicherheit. Zuerst, wenn bas Vorberteil bes Flugzeuges sich immer höher unb höher emporrichtet, ist es, als glitte man auf Rädern an einer steilen Wanb empor. Es gibt dabei keine Stöße und Erschütterungen: ber Hanb bes Führers gehorsam breht sich bas Flugzeug sanft weiter und dann ist es erreicht; man fliegt auf bem Kopfe. Aus dieser Lage hat man eine prachtvolle Aussicht auf bie Erbe unter einem. Einen Nachteil freilich muß man einstweilen hinnehmen, und das ist der Sprühregen von Petroleum, ber aus bem Motor auf einen niebergeht. Ich entsinne mich, wie ich mir beim ersten Versuche unwillkürlich sagte: „Hallo, Pegoud, alter Junge, du scheinst zu träumen. Du fliegst überhaupt nicht, bu bekommst nur eine reichlichere und stärker riechenbe Dusche als , beim Friseur." Aber ich kann biefen Flug von oben nach unten jebem empfehlen, er ist gut für die Lungen und frischt auf. Er ersetzt eine Woche Seeluft. Aber man fliegt mit alten Kleidern, denn wenn man hinabkommt, wird man sich schlimmer zu gerichtet finden, als man glaubt. Und dafür kann man sich beim Petroleum bedanken." Pägoud hat babei immer betont, baß es sich für ihn keineswegs nur darum handle, akrobatische Kunststücke auszuführen, sondern daß er beweisen wollte, daß ein in irgendeine Richtung gebrachtes Flugzeug wieder auf seine Linie zurückkommen kann, ohne daß der Pilot in Gefahr gerät „Ich bewege mich in allen möglichen Lagen, ich ahme alle möglich Stürze nach, unb ich bringe immer roieber ben Apparat in feine normale Lage. Ich wollte da- mit meinen Kameraben ben Beweis erbringen, baß sie auch in ben kritischsten Lagen niemals das Vertrauen zu verlieren brauchen," B. seelische Aufrichtung schwerbedrängter Menschen immer Herzenssache war. Unb so wie damals ist das Wirken des Jubilars bis auf den heutigen Tag geblieben, weil er sich allezeit als Betreuer und Freund hilfsbedürftiger Volksgenossen, als Sozialist der Tat betrachtet und dementsprechend sein Wirken gestaltet hat. Daher werden ihm denn auch an seinem morgigen Jubi- läumstage die herzlichen Wünsche vieler Volksgenossen gelten, denen auch wir unsere besten Glückwünsche hinzufügen. Hitler-Jugend Bann 116. Bett.: Thealerring der Hitlerjugend. Die Anmeldungen für den Theaterring sind bis zum 1. Oktober abzugeben. Die erste Vorstellung „Flachsmann als Erzieher" ist am 24. Oktober. Die Ausweise werden zugestellt, wenn die Anmeldungen abgeschlossen sind. BOM. Mädelgruppe 1/116 Der am Montagabend ausgefallene Dienst findet am Freitag statt. Wir treten um 20.15 Uhr am Uhlheim an. Ehrengabe aus der Hindenburg-Gtistung. Wie erinnerlich, hat der Stadtrat der Stadt Gießen durch Beschluß vom 30. September 1927 aus Anlaß des 80. Geburtstages des Herrn Generalfeldmarschalls, Reichspräsidenten von Hindenburg, eine Stiftung von jährlich 500 Mark errichtet. Die Vergebung dieser Stiftung für das Jahr 1938 ist jetzt wieder an die durch den Beirat für Kriegerfürsorge vorgeschlagenen Personen erfolgt. Es wurden zehn Kriegsbeschädigte und Krieger- hinterbliebene mit je einer Gabe von 50 Mark bedacht. Verkehrsstörung auf der Strecke Gießen-Fulda. Gestern machte sich auf der Eisenbahnstrecke Gießen—Fulda eine Verkehrsstörung sehr unange- nehm bemerkbar. Zwischen Ehringshausen und Zell- Romrod war aus bisher nicht bekannten Gründen eine Rangierlokomotive entgleist. Dabei wurde der Bahnkörper beschädigt, so daß die Züge geraume Zeit diesen Teil der Strecke nicht passieren konnten. Der Verkehr mußte durch Pendelzüge aufrechterhalten werden. Unter diesen Umständen gab es erhebliche Verspätungen, die im Bahnhof Gießen viel Mehrarbeit verursachten. Gegen 20 Uhr konnte die Strecke wieder befahren werden. Achtung, Verbrecher wird gesucht! Wie bereits berichtet, wurde am 19. Sevtember in Hamburg, Herrengraben 11, die 50 Jahre alte Witwe Caroline Hoffmann, geb. Meyer, ermordet aufgefunden. Die Frau war zuletzt am 14. September abends gesehen worden. Aus der Wohnung geraubt wurden eine Anzahl wertvoller Schmucksachen, ein Silberfuchs und möglicherweise auch noch andere Wertgegenstände. Wie die Kriminalpolizei mitteilt, ist der angebliche Händler Ernst Auch, geboren am 23. Dezember 18S7 iy Breitenthal (Bezirksamt Emmerdingen) der Tat dringend verdächtig, und er wird daher von der Kriminalpolizei in Hamburg gesucht. Auch hat - sich mehrere Monate meist unangemeldet und unter falschen Personalien in Hamburg aufgehalten. Er bat, wie festgestellt wurde, den geraubten Schmuck von Frau Hoffmann kaufen wollen. Seit 24. September ist Auch, der wegen Heiratsschwindels und anderer Betrügereien erheblich vorbestraft ist, flüchtig. Er hat sich u. a. früher Josef Stocker, zuletzt auch Ernst Bergmann genannt. Personenbeschreibung: Auch ist 1,74 Meter groß, kräftig, hat volles, rundes Gesicht, hellblondes Haar (Glatze), trägt zeitweise Hornbrille und war mit grauem Ulster und dunklem Hut bekleidet. Zur Aufklärung des schweren Verbrechens werden alle Volksgenossen zur Mitfahndung aufgeru- fen. Insbesondere ist für die Polizei wichtig, folgende Fragen beantwortet zu bekommen: 1. Wer kennt Auch und unter welchen falschen Personalien ist er aufgetreten?: 2. Wo hat sich Auch seit Anfang September 1938 aufgehalten?: 3. Wer kann über den Umgang des Auch Auskunft geben? Mitteilungen nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Beim Austauchen des Auch ist dessen Festnahme sofort zu veranlassen. Der Polizeipräsident in Hamburg hat für die Ermittlung und Ergreifung des Täters eine Belohnung bis zu 1000 RM. ausgesetzt. Die Belohnung ist nur für Mitteilungen aus der Bevölkerung und nicht für Beamte, zu deren Berufspflichten die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört, bestimmt. Irrtümer Von Regierungsräiin RSG. Der Laie sucht unter der Fülle der neuen Gedanken, die durch die nationalsozialistische Staatsführung an ihn herangebracht werden, erklärlicherweise nach Vereinfachung und Anhaltspunkten durch Anknüpfen an Bekanntes. So hat sich bei dem durch die Anordnung des Ministerpräsidenten Göring „zur Durchführung des Dierjahresplanes über den verstärkten Einsatz von weiblichen Arbeitskräften in der Haus- und Landwirtschaft" eingeführten Pflichtjahr für Mädchen das landläufige Begreifen zunächst an das Wörtlein „Pflicht" geheftet, sich mit schon vorhandenen Vorstellungen über eine vaterländische Dienstpflicht auch der weiblichen Jugend Deutschlands verbunden, und daraus allerlei Folgerungen gezogen. Diele Volksgenossen nehmen an, daß das Pflichtjahr genau wie die Arbeitsdienstpflicht und der Militärdienst für Männer von allen Mädchen ab- gelejstet werden muß. Diese grundlegende Folgerung läuft aber dem wahren Wesen des Pflichtjahres genau zuwider, denn das Pflichtjahr ist eine Einrichtung zur Behebung von Mängeln und Fehlentwicklungen im Arbeitseinsatz. Erst auf dem Umweg über diese Zwecksetzung wird die Ableistung des Pflichtjahres durch die Mädchen auch zur Erfüllung einer nationalsozialistischen Aufgabe, weil der Arbeitseinsatz in Deutschland überhaupt nach Maßgabe und als Mittel der Staatspolitik erfolgt. Es gibt für alle deutsche Arbeit nur ein Ziel: den Fortbestand des Reiches zu sichern. Dazu gehört in erster Linie die Sorge für den Bestand und das Wachstum der deutschen Familien, 'ber Keimzellen des Volkes. In der Sprache des Arbeitseinsatzes heißt dies: Versorgung der Hauswirtschaft -mit Arbeitskräften. Gleich wichtig ist die Sicherung der Rahrungsfrei- heit für dieses Volk, d. h. vom Arbeitseinsatz aus gesehen: Versorgung der Landwirtschaft m Vt Arbeitskräften. Weiterhin bedürfen auch die sozialen und pflegerischen Berufe einer besonderen Förderung, dienen sie doch gleichfalls der Gesunderhaltung des deutschen Menschen. Gerade diese Kerngebiete des-deutschen Frauenschaffens vernachlässigt die deutsche weibliche Jugend bei der Berufsausbildung, trotzdem alle berufenen Stellen schon jahrelang darauf Hinweisen, daß der verantwortliche Arbeitseinsatz der Frauen vor allem auf diesen Gebieten erfolgen muß. Angesichts dieser Sachlage macht die Anordnung des Ministerpräsidenten ^Göring es den weiblichen Arbeitskräften unter 25 Jahren zur Pflicht, ein Jahr in der Haus - oder Landwirtschaft tätig zu sein, ehe sie von privaten oder öffentlichen Betrieben oder Verwaltungen als Arbeiterinnen oder Angestellte eingestellt werden dürfen. Durch diese Maßnahme sollen Haus- und Landwirtschaft auf einen Schlag eine große Zahl von Arbeitskräften mindestens auf ein Jahr gewinnen. Rach dieser ^sofortigen Wirkung erhofft der Gesetzgeber -aber auch, daß eine größere Zahl von Mädchen als früher einen hauswirtschaftlichen, landwirtschaftlichen oder sozial-pflegerischen Beruf ergreift. Damit müßten alle Vorurteile, die sich aus der minderen Bewertung dieser Berufe herleiten, endgültig aus der Welt geschafft sein. Ein weiterer Irrtum läßt sich in der Haltung zur Berufswahl erkennen. Da begegnet man folgender Erwägung: Meine Tochter kommt aus der Schule, und da man nie wissen kann, was wird, soll sie zunächst auf alle Fälle ihr Pflichtjahr abmachen, damit sie später keine Schwierigkeiten hat. Die Berufswahl wird dadurch für olle Mädel ohne Unterschied um ein Jahr hinausgerückt. Gewiß wird ** M i e t e r - I u b i l a u m. Am morgigen Samstag, 1. Oktober, sind es 25 Jahre, daß Frau Elisabethe Keil W w e. im Hause der Familie L. Walther, Lindenplatz 7, wohnt. Ein Zeichen gegenseitigen guten Einvernehmens. ** Herbstferien anden Höheren Schu- l e n. Die Dauer der Herbstferien an den Gießener Höheren Schulen ist noch nicht bestimmt. Der Tag des Wiederbeginns des Unterrichts wird rechtzeitig bekanntgegeben. dieses Jahr niemanden schaden, aber wer in einen Beruf gehen will, für den er kein Pflichtjahr braucht, beginnt zweckmäßigerweise gleich mit der Ausbildung,z.B. mit der hauswirtfchaft- lichen Lehre nach dem Besuch einer Fachschule. Ein späterer Berufswechsel ist immer noch möglich, da die praktischen Ausbildungsformen in Haus- und Landwirtschaft und der soziale Hilfsdienst, sowie auch der Arbeitsdienst für die weibliche Jugend auf das Pflichtjahr angerechnet werden. Für eine schu- lische Ausbildung trifft dies allerdings nicht zu, da während dieser Zeit keine als Verstärkung des Arbeitseinsatzes zu wertende Mithilfe in der Haus- oder Landwirtschaft geleistet wird. Genau fo falsch wie die vorstehend dargestellte Erwägung ist aber auch, wenn Mädel die in der Praxis gegebenen haus- und landwirtschaftlichen Ausbildungswege benutzen, um in dieser Form ihr Pflichtjahr abzuleisten, also z. B. ein Mädel sich als hauswirtschaftlicher Lehrling ausbilden läßt, um dann später ohne triftigen Grund doch Stenotypistin zu werden. Haus- und Landwirtschaft und die sozialen Berufe brauchen gute ständige Arbeitskräfte. Die Pflicht-Jahr-Mädel sind nur ein Notbehelf. Haus- und Landwirtschaft müssen diese Einrichtung als einen Ansporn arrffasien, sich in Verbindung mit den Berufsberatungsstellen der Arbeitsämter um geeignete Nachwuchskräfte zu bemühen und sie zu halten, vor allem, die vom Lande stammenden Mädchen für eine Tätigkeit aus dem Lande zu gewinnen. Der Bauer, der seine Tochter Stenotypistin, Verkäuferin oder Schneiderin werden läßt, kann keinen Anspruch auf die Hilfe eines Mädels erheben, das im Grunde genommen einem anderen Beruf zustrebt und möglicherweise noch aus der Stadt oder doch aus einem städtischen Lebenskreis stammt. Schließlich muß eine Sache, weil sie Pflicht ist, nicht unangenehm sein. So sollen die Pflicht-Jahr- Mädel, wie alle anderen Arbeitskräfte in Deutschland, richtig, d. h. nach Taris oder Ortsüblichkeit, entlohnt werden, sofern sie nicht in einer besonderen Maßnahme, z. B. im hauswirtschaftlichen Jahr, stehen. Ueberdies wäre es töricht von den Bauersfrauen und Hausfrauen, wenn sie dem Pflichtjahrmädel gegenüber die Haltung einnehmen würden: „Sie bleibt ja doch bloß ein Jahr, da lohnt es sich nicht, sie groß anzuleiten, ich will sehen, daß ich mir in dem Jahr die größtmögliche Arbeitserleichterung durch sie schaffe." Das wird zur Folge haben, daß das Mädel wirklich nur ein Jahr bleibt und dos Jahr als ein vom Staat eingerichtetes Hindernis vor seinem eigentlichen Lebensglück empfindet. Den Hausfrauen in Stadt und Land ist mit dem Pflichtjahrmädel ein großer Wert anvertraut. An ihnen liegt es, den Mädeln die Anordnung innerlich begreiflich zu machen. Sie müssen ihnen Sinn und Inhalt des Frauenschaffens nahebringen, sie anleiten, ihnen klarmachen, welche Lebensgüter für das deutsche Volk in der Haus- und Landwirtschaft verwaltet werden, und sie die Arbeit lieben lernen. Jede Frau und Mutter sollte in den jungen Mädeln in erster Linie die zukünftigen Frauen und Mütter sehen, die Hausarbeit können und lieben müssen, damit sie ihr später nicht davon- lausen und in den Fabriken oder als Angestellte Arbeit und Verdienst zu gewinnen suchen. Wenn also das Pflichtjahr kein unangenehmer Zeitabschnitt im Leben des jungen Mädels sein soll, so doch gewiß einer der richtigen und verantwortungsvollen Arbeit sl ei st u n g. Die Anordnung sieht zwar vor, daß die Mädel bzw. deren Eltern die Stellen auch selbst suchen können. Die Rot ist riesenoroß. NSG. Gauamtsleiter Haug, der Leiter des Amtes für Volkswohlfahrt im Gau Hessen-Nassau, wendet sich nochmals mit nachstehendem Aufruf an die gesamte Bevölkerung des Gaues Hessen-Nasfast: Die Zahl der ins Reich geslüchlelen Sudelen- deulschen ist auf über 200 000 gestiegen. Die Versorgung und Betreuung dieser deutschen Brüder und Schwestern durch die national- sozialistische Volkswohlfahrt fordert gewaltige Mittel. Zahlreiche Unternehmen, Belegschaften. Behörden usw. haben bereits in selbstverständlicher Pflichterfüllung vorbildliche Opfer gebracht. Ich rufe auch die Letzten auf: Opfert für die Behebung der Rot der Sude- tendeutschen! Spendet auf die Konten der nationalsozialistifchen Volkswohlfahrt! Damit beweist sie Verständnis für die Sorgen der Eltern, die ihr junges Kind — meistens zum ersten Male — aus dem Hause geben sollen. Da in jedem Haushalt und in jedem landwirtschaftlichen Betrieb leicht noch ein junges Mädchen mehr tätig sein kann, sind Mädel zu Verwandten und Freunden gegangen, die ohne das Pflichtjahr keine Arbeitskraft eingestellt haben würden. Es kommt nun aber der Anordnung nicht darauf an, die Mädel von der gewerblichen oder kaufmännischen Arbeit fernzuhalten, sondern sie in der Haus- und Landwirtschaft und in den sozialen Berufen als Entlastung für die überaus angespannte Beschäftigungslage da anzusetzen, wo sie gebraucht werden. In der vorstehend geschilderten Weise wird Sinn zum Un- sinn, und wenn die Mädel nun gar nur stunden- weise arbeiten, um noch nebenbei einen Ausbildungskursus für irgendeinen anderen Beruf durchzumachen, so stellt dieses Verhalten nichts anderes als eine Umgehung der Anordnung dar. Allerdings wird das Arbeitsamt auch zu allen Pflichtjahroer- hältnissen, die nicht durch seine ^Vermittlung zustande tarnen, noch Stellung nehmen müssen, nämlich bann, wenn die Ableistung des Pflichtjahres im Arbeitsbuch bescheinigt roiro. Scheinarbeitsverhält- niffe werden nicht anerkannt. Zum Schluß sei noch auf einen weit verbreiteten Irrtum aufmerksam gemacht. Der Gesetzgeber war sich bewußt, daß die Anordnung sowohl aus persönlichen, als aus Gründen des Arbeitseinsatzes auf Schwierigkeiten stoßen würde. Deshalb gab er den Arbeitsämtern die Befugnis, Ausnahmen zulassen zu können. Jede Ausnahme ist ein Fall für sich, sorgfältig zu prüfen und vom Arbeitsamt ins einzelne zu verantworten. Kaum aber ist eine Ausnahmegenehmigung erteilt, ba kommt Frau I und Herr P unb wollen für ihre Tochter ein Gleiches, ohne sich im Geringsten Gedanken darüber zu machen, welche Beweggründe im einzelnen das Arbeitsamt zu seinem Entscheid bestimmt haben können. Durch solches unvernünftiges Verhalten wird den Arbeitsämtern die Möglichkeit, der Lage des Einzelfalles gerecht zu werden, zum Nachteil aller erschwert. Darum mag auch dieser letzte Irrtum noch ausgeräumt werden: Ausnahmen sind keine Regel. Kleine Strafkammer Gießen. Der I. B. aus Rinderbügen hatte vor einiger Zeit zwei Flaschen Branntwein zu drei und fünf Liter abgegeben, ohne im Besitz der hierzu erforderlichen' Kleinhandelserlaubnis zu sein. Das Verfahren vor dem Amtsgericht in Büdingen wurde seinerzeit auf Grund der letzten Amnestie eingestellt. Der Angeklagte gab sich jedoch damit nicht zufrieden, da er sich unschuldig fühlte, fo daß sich auf seinen Antrag die Kleine Strafkammer mit der Angelegenheit zu befassen hatte. Es handelt sich hierbei um ein Novum auf strafprozessualem Gebiet. Bislang war es nämlich nicht möglich, im Falle einer Einstellung auf Grund einer Amnestie auf der Durchführung des Verfahrens zu bestehen. Dies führte zu mancherlei um das pstichijahr für Mädchen. Or. Margarete Thomas, Frankfurt a. M Kannst du znM, Dore? Roman von Kedda Lindner. Copyright by Carl Duncker Verlag, BerlM W 35. 28. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Sie soll sehr schön fein." Dores Stimme klang gepreßt. „Nicht mein Geschmack. Mein Geschmack ist ganz anders. Wollen Sie wissen, wie, Fräulein Thea?" Nein. Fräulein Thea wollte es nicht wissen. Fräu- lein Thea wollte ällein fein. „Ich gehe hier gleich durch den Park, da bin ich rascher ba", sagte sie unb verabschiebete sich etwas plötzlich von Suhl, ber ihr etwas verbüßt nachsah. Am Abend ging dann doch noch ein chiffrierter Brief an den Putzsalon von Fräulein Elfriede Reichert in Berlin. — * „Der alte Evers? — Unsinn!" .sagte Gerald, als der Kriminalrat diesen Namen erwähnte. „Ein Mann, der von Kindheit an unserer Familie verbunden ist." „Darum habe ich ihn auch bisher aus meinen Berechnungen herausgelassen, aber die Bemerkung des Försters gibt mir zu denken." „Sie war sicher nicht so gemeint, wie Ihre Detektivin sie aufgefaßt hak. Evers hat am wenigsten Grund zu irgendwelcher Gegnerschaft. Er weiß, daß er später eine anständige Rente bekommt." „Er war nie verheiratet?" „Nie. Hat also noch nicht mal für eine Familie zu sorgen." „Theoretisch wäre es jedenfalls möglich, daß er an die Postmappe und auch an das Scheckbuch gelangen kann." „Das schon. Vor feinem Kammerdiener hat man bekanntlich keine Geheimnisse. Aber der Gedanke ist einfach absurd." „Er könnte Werkzeug fein." „Unb was sollte er babei gewinnen? Ich ftanb sehr gut mit ihm, und was er für fein Alter braucht, das hat er. Kein Mensch begeht ein Verbrechen ohne Motiv." Fiedlers kluges Gesicht hatte einen etwas geistesabwesenden Ausdruck. „Ein Motiv — natürlich, ein Motiv muß da fei", sagte er leise vor sich hin, bann lenkte er das Gespräch auf etwas anderes. Dore war sehr überrascht, als am übernächsten Tage ein Brief ihrer „Freundin Frieda" sie schon wieder nach Küppingen bestellte. Ihre erste Sorge war das unauffällige Fortkommen, denn ihren freien Nachmittag hatte sie bereits gehabt. Sie überlegte, ob sie Zahnschmerzen bekommen müßte, aber sie biteben ihr erspart, denn Herr Melchior war nicht da, unb ihr Verehrer Suhl, ber ihn vertrat, sah vollkommen ein, daß sie zum Sonntag neue Strümpfe brauchte. Er bedauerte nur, daß er sie nicht begleiten konnte, was Dore gerade noch gefehlt hätte, aber daß zufällig das Gutsauto an diesem Nachmittag in Küppingen zu tun hatte und sie mitnahm, war ihr doch sehr angenehm. j Diesmal steuerte Willt, der auch Sonntags als Aushilfsdiener mit servierte und sich auf seine Weise Mühe gab, das Fräulein Sekretärin zu unterhalten. Er erzählte ihr allerhand über die Tiere, ein Thema, bas sie von Anfang an interessierte. Sie war immer tierlieb gewesen, wenn sie auch sonst kaum Gelegenheit gehabt hatte, sich mit Vierbeinern vertraut zu machen. Aber hier auf dem Gute holte sie alles nach. Sie ging in die Ställe und besuchte die Hunderte von Schafen — Schafzucht war ein wesentlicher Bestandteil ber Rehwalbauer Wirtschaft. Doch ihre befonbere Freube waren die Fohlen. Sie lief in jeber freien Minute zur Koppel, Brot unb Mohrrüben in der Tasche, und freute sich, wenn die ganze Gesellschaft zutraulich herangetrabt kam. Ihr gehört Gerald, dachte sie, während sie die weichen Mäuler streichelte, unb man soll euch ihm auch nicht. wegnehmen — man soll nicht. Unter biefen Gedanken sowie bei einer angeregten Unterhaltung mit Willi waren sie inzwischen in Küppingen angelangt. Als sie durch die Hauptstraße kamen, verlangsamte Willi die Fahrt unb wies mit bem Kopf auf eine elegante Dame, bie vor ihnen die Straße entlangging. „Sehen Sie mal die da, Fräulein Bertram, das ist die Gewesene von unserem jungen Herrn." Dore fühlte Eifersucht in sich auffteigen. Sie starrte zu der Frau hinüber, die mit lässigen Bewegungen bie Straße entlangging, Bewegungen, die man ohne Uebertreibung mit bem Wort anmutig bezeichnen konnte. Willi bemerkte ihr Interesse, „'ne schöne Frau ist sie ja", sagte er. „Aber boch mehr so wie — wie die Wachspuppen in Schaufenstern", urteilte er. „Der junge Herr ist ganz vernarrt in sie gewesen", fügte er harmlos hinzu. Die Frau war jetzt mit ihnen auf gleicher Höhe, unb man sah an ihrem Gesichtsausdruck, daß sie bas Auto erkannte. Willi sah stramm geradeaus, sichtlich im unklaren, wie er sich verhalten sollte. Dore konnte ihr nun zum erstenmal ins Gesicht sehen. Schön war sie — sie hatte Züge von klassischer Regelmäßigkeit. Unb doch nur „Märchenprinzessin", die richtige Ma- gazinschönheit, dachte Dore. Die Frau hatte inzwischen ihrerseits die fremde Erscheinung in dem Gutsauto gemustert. Ein leises Befremden malte sich in ihrem Gesicht, als sie das un- verhüllte Interesse in Dores Blicken sah, dann wandte sie sich mit einer hochmütigen Bewegung zur Seite, und das Auto glitt vorüber. Dore hatte die Ablehnung wohl bemerkt und schlug etwas beschämt die Augen nieder. Wie konnte sie sich so gehen lassen und die Frau dermaßen anstarren, daß sie es merken mußte! Sie machte sich lächerlich mit dieser Eifersucht, zu der sie nicht das geringste Recht hatte. — Aber sie mußte sich zunächst doch sehr zusammenreißen, um Fiedlers Fragen einigermaßen vernünftig zu beantworten, so sehr hatte diese Begegnung sie innerlich aus dem Geleise geworfen. Datum erzählte sie ihm als erstes, daß Petry mit Carola an ihr vorbeigefahren war, und daß Suhl von einer Annäherung zwischen den beiden gesprochen hatte: eine Mitteilung, die Fiedler zwar zur Kenntnis nahm, die er aber vorläufig mehr für Klatsch zu halten schien. „Ich auch", sagte Dore etwas beschämt, „und wenn ich nicht vorhin die Frau gesehen hätte, würde ich auch nichts davon gesagt haben." „So meine ich bas nicht", schwächte Fiebler seine Bemerkung ab. „In unserem Beruf sind wir oft genug gezwungen, bem Klatsch nachzugehen. Meist steckt ja nichts bahinter, aber manchmal verbauten mir ihm wertvolle Fingerzeige. Mein Kommen gilt bem Förster, können Sie mir sagen, wie ich ihn am besten erreichen kann?" „Halten Sie ihn für so wichtig?" fragte Dore erstaunt. „Ich habe aus Ihrer Unterhaltung mit ihm den Eindruck gewonnen, daß er mehr weiß ober wenigstens vermutet, als er Ihnen sagen wollte, unb barum möchte ich selbst mit ihm sprechen. Haden Sie sonst noch irgend etwas beobachtet? Sie wissen, daß jede Kleinigkeit Bedeutung haben kann." „Das weiß ich. Und ich leide schon bald an Verfolgungswahn", sagte Dore halb lächelnd unb berichtete — mehr im Scherz — von bem Zufall dieser gleichartigen Bewegung, die ihr bei Petry unb dem alten Evers aufgefallen war. „Sie sehen, ich achte tatsächlich bald auf die Fliegen an ber Wand", schloß sie lachend. Der Kriminalrat lächelte nicht, sondern rührte nachdenklich in seiner Kaffeetasse. „Und wie erreiche ich den Förster?" wiederholte er nach einer Pause seine Frage. „Wir fahren an feinem Hause vorbei, unb feine Frau wirb sicher sagen können, wann er da ist." „Mit Ihnen zu fahren, wäre unzweckmäßig. Ihr Chauffeur könnte darüber reden, und außerdem muß ich nach Küppingen zurück. Aber es wäre gut, wenn Sie mich im Vorbeifahren für — sagen wir — sieben Uhr anmelbeh, als Bekannten von Ihnen, der ihn gern in einer persönlichen Angelegenheit sprechen möchte. Autodroschken wird es in dem Städtchen hoffentlich geben? Die gab es. Pünktlich um sieden Uhr fuhr Fiedler am Försterhause vor, wo der Förster ihn bereits erwartete. Er führte ihn in ein Zimmer und versuchte als erstes, die beiden Dackel zu beruhigen, die den unerwarteten Besuch mit ohrenbetäubendem Gekläff empfangen hatten. Erst nach eingehender Beschnüffe- lung des Gastes erklärten sich Lump und Strolch mit seiner Anwesenheit einverstanden und rollten sich befriedigt auf ihrer Decke zusammen. Dieser kleine Zwischenfall erleichterte die Bekanntschaft. Beide lächelten und unterhielten sich über Hunde: bas gab Fiebler einen Uebergang zu den berühmten Salukis der Heßlingschen Zucht, und von ba fiel es seiner Gewandtheit nicht schwer, das Gespräch auf das Verschwinden des jungen Barons zu bringen. Er hatte die ganze Zeit unauffällig, aber eindringlich den Förster beobachtet. Der Mann gefiel ihm, wie er seinerzeit dem Untersuchungsrichter Dr. Goltz gefallen hatte; er wirkte ehrlich und zuverlässig. Der Kriminalrat faßte unter diesem persönlichen Eindruck den Entschluß, seine Karten offen aufzulegen, denn daß dieser Mann nicht zu Geralds Gegnern gehörte, war aus dem Prozeß klar hervorgegangen. „Der junge Baron Heßling war anscheinend sehr beliebt?" „Er verstand seinen Kram", antwortete der Förster kurz. „Der junge Herr von Petry macht aber doch einen sehr liebenswürdigen Eindruck." Ein kurzes „Jawohl" war die Antwort. Das offene Gesicht des Försters zeigte unverkennbares Mißtrauen. „Lieber Herr Schröder", sagte Fiedler nun, „ich muß Sie bitten, über das, was ich jetzt sage, vorläufig strengste Verschwiegenheit zu bewahren. 3$ setze dabei voraus, daß Sie ein Freund des jungen Barons sind, denn um ihn handelt es sich." Das Gesicht des Försters verriet höchste Spannung. „Wenn es sich um unseren Baron handelt, können Sie sich allemal auf mich verlassen." „Das habe ich auch gehofft. Hören Sie zu!" (Fortsetzung folgt!) Unzuträglichketten, da es einem an sich unschuldigen Angeklagten nicht möglich war, seine Unschuld vor der Oesfentlichkeit zu beweisen und so den trotz der Amnestie an ihm haftenden Makel des Verdachtes einer strafbaren Handlung zu beseitigen. Der Tatbestand war vollständig Aar und wurde auch von dem Angeklagten in keiner Weise bestritten. Es lag jedoch keine strafbare Handlung vor, da die fünf Liter nicht mehr unter Kleinhandel fallen. Als Vertreter einer Branntweingroßhandlung war der Angeklagte aber berechtigt, mit Branntwein Großhandel zu betreiben. Für den Verkauf der Drei- Liter-Flasche wäre nach dem Gaststättengesetz eine Kleinhandels-Konzession erforderlich gewesen. Diese entfiel jedoch' im vorliegenden Falle, da der Angeklagte schon vor Inkrafttreten des Gaststättengesetzes zum Kleinverkauf von Branntwein berechtigt war. Die früheren hessischen Bestimmungen kannten nämlich die Möglichkeit des Kleinhandels mit Branntwein ohne besonderen Erlaubniszwang. Demnach konnten die Bestimmungen des Gaststättengesetzes keine Anwendung mehr finden. Eine strafbare Handlung lag also nicht vor, so daß Freispruch aus erwiesener Unschuld erfolgen mußte. Ohne Erfolg blieb die Berufung des W. M. aus Frohnhausen (Dill), der wegen Bettelns vom Amts- gericht Gießen zu einer H a f tft r a f e vo n e i n e m Monat verurteilt worden war. Außerdem hatte das Amtsgericht die Unterbringung im Arbeitshaus angeordnet. Der Angeklagte beschränkte sein Rechts- mittel von vornherein auf diese letztere Maßnahme, wahrscheinlich aus dem Grund, weil er schon ein- mal zwei Jahre lang mit dem Arbeitshaus Be- geinacht hatte. Im übrigen handelt es sich bei dem Angeklagten um einen hartnäckigen ™™e.r 0Af diesem Gebiet. Er ist im Laufe seines Mrigen Lebens schon unzählige Male einschlägig vorbestraft und treibt sich seit den neun- Mer Jahren des vorigen Jahrhunderts ohne festen Wohnsitz herum. Zuletzt wurde er in Großen-Buseck aufgegriffen und verhaftet. Der Angeklagte gab in der gestrigen Berufungsoerhandlung an, er sei auf dem Wege zur Arbeitssuche gewesen. Mit Rücksicht auf sein Vorleben schenkte das Gericht natürlich seiner Einlassung keinen Glauben. Da außerdem festgestellt wurde, daß der Angeklagte durchaus noch arbeitsfähig ist und sich bester Gesundheit erfreut, hatte das Gericht keine Veranlassung, das erstinstanzliche Urteil abzuändern, und es wi^s die Berufung zurück. Aus der engeren Heimat. Spar- und Darlehenskasse Wieseck im eigenen Heim. * Wieseck, 30. Sept. Die Sp ar - und Darlehenskasse Wieseck hat in dem von ihr er-- worbenen Anwesen Gießener Straße 59 Umbauarbeiten vornehmen lassen, die nunmehr abgeschlossen sind. Am morgigen Samstag, 1. Oktober, kann der Geschäftsbetrieb der Kasse in den neuen Räumen ausgenommen werden. Damit ist ein langgehegter Wunsch aller Mitglieder der Kasse Wirklichkeit geworden. Der Umbau bzw. die Erweiterung der Geschäftsräume war durch den immer umfangreicher gewordenen Geschäftsverkehr notwendig geworden. Im Zusammenhang damit erscheint es angebracht, einen kurzen Rückblick aus die jüngste Geschichte der Kasse zu werfen. Als sich die Kasse im Jahre 1931 durch große Verluste vor schwere Aufgaben gestellt sah, nahmen zielbewußte Männer die Geschicke der Kasse in die Hand, und es gelang ihnen, mit Hilfe der Mitglieder, die Krise zu überwinden. Das Jahr 1932 brachte die Sanierung. 1933 begann, mit dem Neuaufbau des Vaterlandes und unserer deutschen Wirtschaft, auch der Neuaufbau der Kasse. Der Umsatz stieg von Jahr zu Jahr, und im Jahre 1937 belief er sich bereits auf vier Millionen Reichsmark. Im Jahre 1938 hat diese erfreuliche Entwicklung angehalten. Wie der Umsatz, so steigerten sich im Verhältnis auch die Spareinlagen, die gewährten Kredite und die Darlehen. Das Vertrauen zur Kasse ist wieder voll und gerechtfertigt hergestellt. Sudetendeutsche im Arbeiterlager Großen-Buseck. wg. Großen-Buseck, 29. Sept. Im hiesigen Bahnhof trafen heute 15 0 sudetendeutsche Flüchtlinge ein, die sich noch rechtzeitig vor tschechischen Gewaltmaßnahmen hatten in Sicherheit bringen können, lieber das Schicksal ihrer Angehörigen wissen sie kaum etwas, denn sie mußten, wie sie gingen und standen und ohne auch nur das geringste Gepäck mitnehmen zu können, ihre Heimat verlassen. Sie erzählen davon, daß diejenigen, die unweit der Grenze wohnten, es leichter hätten, über die Grenze zu entkommen, da sie ja jeden Schlupfwinkel und verborgenen Weg kennen: für jene aus dem Innern des Landes sei es aber schwer, da ihnen dieser Vorteil nicht zur Verfügung stehe und sie deshalb immer wieder in das Feuer der tschechischen Soldateska gerieten. Die meisten Flüchtlinge, die in dem Arbeiterlager Großen-Buseck ausgenommen wurden, stammen aus dem Trautenauer Land. Im Arbeiterlager wurden die aus ihrer Heimat vertriebenen Volksgenossen vom Bürgermeister begrüßt. Die Betreuung der Flüchtlinge hat die NSV. übernommen. Selbstverständlich werden sie alle gut verpflegt, soweit es notwendig ist, werden sie r »ch mit Kleidung und Schuhwerk versorgt. Da ein -teil der Flüchtlinge zu Hause in der Landwirtschaft tätig war, sollen diese in Großen-Buseck und in der Umgebung in der Landwirtschaft beschäftigt werden, während die übrigen lohnende Beschäftigung an der Reichsautobahn finden sollen. Lieber -100 Jahre im Dienste der Post. K Steinbach (Kreis Gießen), 30. Sept. Am 1. Oktober wird die hiesige Poststelle in eine Postagentur verwandelt. Der seitherige Poststelleninhaber Karl Gerhard I. wird Postagent. Gleichzeitig erfolgt die Verlegung der Postagentur nach dem Hause des Postagenten an der Garben- teicher Straße, während ein Briefkasten an der alten Stelle Adolf-Hitler-Straße 47, verbleibt. In dem Hause Adolf-Hiller-Straße 47 befand sich die Post seit Generationen, und die Glieder der Familie Gerhard waren die Inhaber. Der Vater des jetzigen Postagenten, Georg Johannes Gerhard, ge- storben 1935, war seit Anfang der 80er Jahre Post- agent als Nachfolger seines Vaters, des Vost- erpeditors Julius Karl Gerhard, gestorben 1881. Dessen Vater war der Postexpeditor Kaspar Gerhard, er starb 1861 als 73jähriger. In seinem Sterbeeintrag wird er als Glasermeister und Post- expeditor bezeichnet. Die Post ist demnach seit mehr als 100 Jahren im Hause und der Familie Gerhard. Der jetzige Postagent ist der vierte Postagent in der Reihe seiner Vorfahren. Landkreis Gießen. wg. Großen-Buseck, 30. Sept. Am morgigen Samstag, 1. Oktober, tritt unser Postagent Heinrich Pfeffer nach über 38jähriger Tätigkeit in den wohlverdienten R u h e st a n d. Während dieser langen Zeit hat sich Herr Pfeffer durch seine sorgfältige und stets hilfsbereite Amtsführung die uneingeschränkte Hochachtung der gesamten Einwohnerschaft, wie auch seiner vorgesetzten Behörde erworben. Stets war er zur Auskunft, zu Rat und Hilfe bereit. Am 10. Juli d. I. konnte der hochbetagte Mann einen 8 0. Geburtstag feiern. Dabei zeigte es ich so recht, welch hohes Ansehen er genießt. Man ieht hier den pflichtbewußten Postagenten nur un« ;ern aus dem Dienste scheiden und wünscht ihm einen chönen Lebensabend. *Hattenrod,30. Sept. Am kommenden Sonntag, 2. Oktober, kann unser Mitbürger Georg Laun spach seinen 80. Geburtstag feiern. Aus diesem Anlaß wurde ihm von Reichskriegsopferführer Oberlindober ein Glückwunschschreiben übermittelt und ihm außerdem eine Ehrengabe zugedacht. Kamerad Launspach erfuhr diese Ehrung insbesondere deshalb, weil er im Weltkriege drei Söhne verlor, die bei den Infanterie-Regimentern 116 und 369 standen. ,3m Dienst tödlich verunglückt. Lpd. Frankfurt a. M , 29. Sept. Der Gen- darmerie-Oberwachtmeister G m i l und der Gendarmerie-Wachtmeister Ernst Pieper von der Motorisierten Gendarmeriebereitschaft Höchst sind im Dienst so schwer verunglückt, daß beide kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus ihren außerordentlich schweren Verletzungen erlagen. Sie befanden sich auf der Fahrt zu einer Unfallstelle zur Klärung eines Zusammenstoßes. Dabei wurden sie an einer unübersichtlichen Straßenkreuzung von einem mit hoher Geschwindigkeit heran- kommenden Lastzug überrannt, ehe es den Beamten möglich war, auszuweichen. Sie wurden überfahren und erlitten schwere Schädel- und Knöchelbrüche, die ihren Tod herbeiführten. 3n einen 16 Meter tiefen Brunnenschacht gestürzt. LPD. Frankfurt a. M., 29. Sept. Ein schwerer Unfall, der ein Menschenleben forderte» ereignete sich in der Nähe des Bahnhofs Schwanheim, wo zur Zeit das Frankfurter Städtische Wasserwerk im Walde einen Brunnen erbohren läßt. Durch einen Fehltritt stürzte ein 32jähriger Arbeiter aus Eberstadt in den 16 Meter tiefen Brunnenschacht. Die herbeigerufene Rettungswache aus Höchst konnte mtr noch den Tod durch Genickbruch feststellen. Der so tragisch ums Leben gekommene junge Mann war erst seit drei Wochen verheiratet. Betrüger mit Schraubenschlüsseln. Lpd. Frankfurt a. M., 29. Sept. Ein Mann, der sich Paul Hofmann aus Suhl nennt, hat in letzter Zeit eine Reihe von Geschäftsleuten dadurch erheblich geschädigt, daß er ihnen zum Teil fehlerhafte Schraubenschlüssel zu einem Preise verkaufte, der 200 v. H. über dem Laden- Verkaufspreis liegt. Er benutzt Geschäftsschreiben, die den Kopf der bekannten Firma gleichen Namens aus Suhl tragen. Dort ist der Schwindler jedoch völlig unbekannt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er seinen Trick auch hier anzuwenden versuchen wird. Die Kriminalpolizei — Betrugsberatung — warnt vor diesem Mann und bittet, fein Auftreten gegebenenfalls sofort zu me'Iben. Wirtschaft. Rhein-Maimfche Börse. Mittagsbörse welker sehr fest. Frankfurt a. M., 29. Sept. Auch an der heutigen Börse setzten sich die Kurssteigerungen auf allen Gebieten stark fort, nachdem bereits die gestrige Abendbörse auf das Bekanntwerden der Zusammenkunft der führenden Staatsmänner Europas einen völligen Stimmungsumschwung gebracht hatte. An den Aktienmärkten verzögerte sich die Kursfeststellung nicht unerheblich, da der Nachfrage kein Anaebot gegenüberstand. Die meisten Papiere, insbesondere die, die an der Abendbörse ohne Notiz waren, erschienen mit Plus-Plus-Zeichen: um allzu große Steigerungen zu vermeiden, wurden die Notierungen bis zur Herbeischaffung entsprechenden Angebots vielfach ausgesetzt. Gegenüber gestern mittag kamen Harpener mit 153 (144), Klöckner mit 120 (HO), Verein. Stahl mit 103 (94,50), Scheide- anstalt mit 208 (202,25), Schuckert mit 180 (170,50), 21©. für Verkehrswesen mit 124 (114) und Hapag mit 67,90 (59,25) zur Notiz. Ferner stiegen Gement Heidelberg auf 148 (144), Aschaffenburger Zellstoff auf 118,50 (115). Gegenüber der Abendbörse betrugen die durchschnittlichen Steigerungen 3 bis v.H. 1L a. notierten; Mannesmann 109,40 (106), Rheinstahl 143,50 (139), Deutsche Eisenhandel 142,50 (138), Holzmann 151,25 (145), Gesftirel 137,50 (131), Bemberg 136,50 (129), Reichsbank 182,75 (177,50) und Ädlerwerke 108 (102). IG-- Farben, in denen sich Angebot und Nachfrage einigermaßen ausglichen, befestigten sich auf 152,40 ^Auch am Rentenmarkt war die Haltung fest und allgemein herrschte Nachfrage, Kurse kamen jedoch nur vereinzelt zustande. Reichsaltbesitz gewannen 1,25 v. H. auf 128,25, Reichsbahn-DA. 0,90 o. H. 124,50, dagegen lagen Kommunal-Umschul- dung nur wenig höher mit 93.10 (93). Industrie- Obligationen tarnen überwiegend 0,50 bis 1 v. H. höher an, fest lagen 5proz. Gelsenkirchen Berg mit 99 90 (97,75). Bei Stadtanleihen war die Entwicklung noch uneinheitlich, die Veränderungen waren indes gering. Liquidationspfandbriefe zogen durchweg 0,13 bis 0,25 v.H. an. Goldpfandbriefe und Staatspapiere weiterhin unverändert. Im Verlaufe kam die Bewegung in geordnete Bahnen. Verschiedentlich erfolgten am Aktienmarkt kleine Gewinnmitnahmen, so daß Rückgänge bis 1 v. H. eintraten, denen aber auch weitere Besserungen gegenüberstanden. Rheinstahl 142 nach 143,50, Bemberg 135 nach 136,50, IG.-Färben 151,50 nach 152,40, Verein, Stahl 102,50 nach 103, Klöckner 119- nach 120, Mannesmann 109 nach 109,40, AG. für Verkehr 123,50 nach 124, Reichs- oant 182,75 nach 183,50. Andererseits stiegen BMW. auf 148 nach 146, Eßlinger Maschinen auf 101 nach 100, Berger Tiefbau auf 150,50 nach 148,50. Im übrigen vollzog sich die Kursfeststellung weiter sehr schwierig. U. a. kamen schließlich Daimler mit 135,50 (127), Felten mit 136,25 (125), Deutsche Erdöl mit 132 (123,50), Buderus mit 112 (102) zur Notiz. Auch am Einheitsmarkt lagen die Kurse sehr fest. Im Freiverkehr glichen sich die Kurse der veränderten Haltung ebenfalls an. Dingler 86 bis 88, Katz & Klumpp 91 bis 93, Elfäff. Bad. Wolle 80 Bis 82, Verein. Fränk. Schuh 71 bis 73, Ra- ftatter Waggon 43 bis 45. Tagesgeld unv. 2,5 v. H. Abendbörse uneinheittich. An der Abendbörse waren keine größeren Aufträge mehr auszuführen, einige Käufe lagen jedoch von der Depositenkassenkundschaft vor. Die Berufskreise schritten dagegen nach den starken Erhöhungen im Mittagsverkehr eher zu kleinen Positionslösungen, so daß sich die Kursentwicklung bei durch- aus zuversichtlicher Stimmung etwas uneinheitlich gestaltete. Die Abweichungen hielten sich meist zwischen 0,50 bis 1 v. H. Holzmann allerdings lagen zum Einheitskurs 3,25 v. H. niedriger mit 148, andererseits Deutsche Linoleum, ebenfalls in Anpassung an Berlin, 3 v. H. höher mit 155. Je 1,50 v. H. gaben Daimler auf 134, Feldmühle Papier auf 131, Ges für el auf 136 und Metallgesellschaft auf 125,50 nach. Von Montanwerten lagen Verein. Stahl 0,40 v. H. höher mit 102,90, Buderus mit 112,50, Rhein- stahl mit 142,50 und Deutsche Erdöl mit 132,50 gewannen je 0,50 v. H, während Mannesmann und Hoesch im gleichen Ausmaß abbröckelten auf 108,50 bzw. 112. Don Maschinenaktien gingen Demag auf 143,50 (144,50), Adlerwerke auf 107 (108), andererseits befestigten sich Eßlinger auf 102 (101) und Moenus auf 121,50 (121). IG. Farben lagen mit 151,50 (152) nicht ganz behauptet, hingegen Scheids« anftalt und Bemberg je 0,50 v. H. höher mit 208,50 bzw. 135,50. Außer den bereits erwähnten Gesfürel notierten am Elektromarkt noch Felten mit 135,50 (136,25) und RWE. mit 123 (122,50), sowie Rhein, eleftra nach Pause mit 115 (119,75). Derkehrswerte lagen gut behauptet, Hapag 68, AG. für Verkehr 123,50. Am Einheitsmarkt wurden Ehern. Albert nach Pause mit 114,50 (106,50) bei nur 30 v. H. Zuteilung wiedernotiert. Am Rentenmarkt bröckelten Altbesitzanleihe auf 128,75 (129), Schutzgebiets« Gertif. auf 11,88 (11,96) ab, Reichsbahn-Vorzugs« aktien 0,13 v. H. höher mit 124,65, 4V» v. H. Franks. Hyp. KO. unverändert 100. Im Freiverkehr nannte man Kommunal-Umschuldung und Wiederaufbau« Zuschläge unverändert mit 93,10 bzw. 79,65. Zranksurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 29. Sept. Auftrieb: 862 Rinder (gegen 952 am 22. 9.), darunter 176 (179) Ochsen, 97 (114) Bullen, 368 (459) Kühe, 221 (200) Färsen): 259 (265) Kälber, 178 (189) Hämmel und Schafe, 618 (278) Schweine. Notiert wurden je 50 kg Lebendgewicht in Mark: Ochsen a) 42 bis 45 (43 bis 45), b) 40 bis 41 (39 bis 41), c) 36 (35 bis 36); Bullen a) 42 bis 43 (42 bis 43), b) 34 bis 39 (37 bis 39); Kühe a) 40 bis 43 (40 bis 43), b) 36 bis 39 (36 bis 39), c) 29 bis 33 (28 bis 33), d) 20 bis 25 (18 bis 25); Färsen a) 42 bis 44 (43 bis 44), b) 39 bis 40 (36 bis 40), c) 33 bis 35 (34 bis 35), d) 28 (—); Kälber a) 60 bis 65 (62 bis 65), b) 53 bis 59 (54 bis 59), c) 45 bis 50 (45 bis 50), d) 35 bis 40 (34 bis 40); Hämmel b2) 48 bis 52 (48 bis 52), c) 41 bis 45 (41 bis 45), d) 32 bis 40 (35 bis 40); Schafe a) 37 bis 42 (37 bis 42), b) 33 bis 36 (33 bis 36), c) 20 bis 32 (22 bis 30); Schweine a) 59 (59), bl) 58 (58), b2) 57 (57), c) 55 (55), d) 52 (52); Sauen gl) 56 (56). — Markt- verlauf: Rinder, Kälber und Schweine zugeteill, Hämmel und Schafe mittelmäßig. Gäste aus Mandschukuo beim Reichssportführer. Die augenblicklich in Deutschland wellende mandschurische Freundschafts- und Studienkommission unter Führung des Ministers Han Pun Ehieh stattete am Donnerstag in Begleitung von Vertretern des Auswärtigen Amtes und des Büros Ribbentrop dem Reichssportfeld in Berlin einen Besuch ab. Die Gäste aus dem Fernen Osten wurden von Reichssportführer von Tschammer und Osten empfangen und in einem Rundgang durch die gesamten Anlagen des Reichssportfeldes geführt, wobei Dr. Diem und Prof. Dr. March, der Erbauer dieser wundervollen Sportstätte, die notwendigen Erläuterungen gaben. Großereignis im Frauenschwimmsport. Dänemarks Schwimmerinnen gingen bei den Lon- doner Europameisterschaften als erfolgreichste Nationalmannschaft der Frauen hervor. Diese Vormachtstellung haben sie nun am 5. Oktober in einem Länderkampf in Kopenhagen gegen die Holländerinnen zu verteidigen. Für die fünf Wettbewerbe hat Dänemark folgende Schwimmerinnen ausgestellt: Ragnhild Hveger und Birthe Ove-Petersen für 100-Meter-Kraul und 100 Meter Rücken, Inge Sörensen und Lykke Larsen für 200 Meter und 400 Meter Brust, Elvi Arndt, Gunvor Kraft, Birthe Ove-Petersen und Ragnhild Hveger für die 4X100- Meter-Kraulstaffel. Die kaum 13jährige Lykke Larsen wurde erst bei den Ausscheidungskämpfen im Oesterbro-Bad „entdeckt", wo sie in 6:28,5 die Altmeisterin Jacobsen im 400-Meter-Brustschwimmen schlug und damit nur 9 Sek. über dem Weltrekord von Martha Ge- n eng er blieb. Vier jugoslawische Rekorde. Jugoslawiens Schwimmer gewannen in Triest einen Länderkampf gegen Italien ganz sicher. Es gab vier neue Rekorde, von denen die 400-Meter- Kraul-Zeit von Zizek mit 4:56,7 und die 4X200- Meter-Kradlstaffel mit 9:29,9 Min. am meisten zu beachten sind. Japans Schwimmer in großer $orm. Die japanischen Meisterschaften kehrten wieder deutlich die Tüchtigkeit der japanischen Schwi-mmer hervor. Im Stadion von Osaka wurden hervorragende Zeiten geschwommen. In der Mehrzahl be« haupteten sich die japanischen Olympiasieger an der Spitze. So konnte Harnuro die zwei Meisterschaften im Bruststil an sich reißen, und auch Arai wurde Doppelmeister in den Kraulstrecken. Dagegen mußten sich Taniguchi und Tsuruta mit Plätzen begnügen. Ungarns Wasserbattmeister kommt. Nach Erringung der ungarischen Meisterschaft unternimmt UTE. Ujpest-Buoapest wie in vergangenen Jahren mit seiner Meistersieben eine große Reise, die die Ungarn diesmal auch nach Deutschland führen soll. Es ist geplant, daß die Ungarn in Hannover gegen den siebenfachen deutschen Meister, Wasserfreunde Hannover, antreten sollen. Die Reise der Ungarn führt weiterhin nach Frankreich, Belgien und Holland. Deutschlands Amateurboxer kämpfen gegen Ungarn. Die neue Winterkampfzeit unserer Amateurboxer wird am kommenden Samstag, 1. Oktober, in Budapest eröffnet. Zumachten Male steht die ungarische Staffel den deutschen Amateuren gegenüber. In den bisherigen sieben Begegnungen gab es fünf deutsche Siege, einen Erfolg der Magyaren und ein Unentschieden. In den beiden Kämpfen des vergangenen Jahres holten die Ungarn zunächst in Budapest ein 8:8°Unentschieden heraus, dann siegten unsere Vertreter im November in Köln ganz überlegen mit 14:2 Punkten. Wie diese letzten Ergebnisse schon zeigen, ist auf deutschem Boden immer mit einem klaren Siege gegen die Magyaren zu rechnen, dagegen werden die Ungarn in heimischer Umgebung zu gefährlichen Gegnern. Deshalb darf auch der kommende Kampf in der ungarischen Metropole nicht leicht genommen werden. Deutschlands beste Rollhockeyspieler in Darmstadt. Zwölf der besten deutschen Rollhockey-Mannschaften kämpfen am Wochenende in Darmstadt um den Titel eines Reichssiegers im Rollhockey. Neben dem vorjährigen Sieger, dem 1 FE. Nürnberg, werden noch Altmeister Stuttgarter SRC., Post-SD. Nürnberg, SSDg. Frankfurt a. M., Tgd. Nürnberg, Frankfurter TE. 1914, Ehemnitzer RuSE., RSK. Berlin-Lindenhof, Dortmunder RuSE., Krefelder EV., DRL. Darmstadt und Hamburg zur Stelle sein. Als die spielstärksten Mannschaften wurden Stuttgart, 1. FE. Nürnberg, SSVg. Frankfurt und Berlin angesehen und an die Spitze von vier Gruppen gesetzt. Die Gruppensieger bestreiten die Vorschlußrunde und die Sieger der Vorschlußrunde tragen den Endkampf aus. In der Entscheidung erwartet man wieder Nürnberg und Stuttgart, die sich in den beiden letzten Jahren mit wechselndem Erfolg gegenüberstanden. Tiedtke besiegt den Mettmeister. In Buenos Aires konnte unser Billardmeister August Tiedtke (Düsseldorf) im weiteren Verlauf der Kämpfe um die Dreibanden-Weltmeister- schaft einen schönen Erfolg erzielen. Er schlug den Titelverteidiger Lagache (Frankreich) in 77 Aufnahmen mit einem Durchschnitt von 0,649. Durch diesen Sieg konnte Tiedtke allerdings seine Stellung nur unwesentlich verbessern, da ihm vier Niederlagen gegenüberstehen. Nach der Niederlage von Lagache ist der Argentinier Augusto V e r g e z , der nach dem fünften Spieltag mit 10 Punkten führte und mit einem Durchschnitt von 1,162 in einer Partie einen neuen Weltrekord aufstellte, der aussichtsreichste Titelanwärter. Tiedtke steht mit vier Punkten an sechster Stelle. Fußball der süddeutschen Gauliga-Mannschaften. Hessen ohne Spiele. Den süddeutschen Fußballfreunden steht ein ereignisreicher Tag bevor. Die Terminliste will es, daß schon recht früh die beseitigen, Meisterschafts- favoriten Zusammentreffen. Das trifft besonders auf die Gaue Südwest, Baden und Bayern zu, die am Sonntag hochwichtige Ereignisse verzeichnen. Im Gau S ü d w e st wird das Frankfurter „Derby" zwischen Einttacht und Fußballsportverein, das im Sportfeld aüsgetragen wird, ein gesteigertes Interesse finden, was auf die großartige Form der wie- dererstandenen Bornheimer zurückzuführen ist. In Baden sind am Sonntag die vier Favoriten- mannschaften unter sich: der Meister VfR. Mannheim hat den 1. FE. Pforzheim zu Gast, und der VfB. Mühlburg empfängt den SV. Waldhos. Da wird die Spitzengruppe am Sonntagabend wohl ein etwas anderes Aussehen haben. In Bayern hat man trotz des „Hochburg- Derbys" zwischen SpVgg. Fürth und 1. FE. Nürnberg das Treffen BSG. Neumeyer Nürnberg gegen Bayern München vom Spielplan angefetzt. In Württemberg haben VfB. und Kickers Stuttgart am Sonntag die augenblicklichen Tabellenführer Zuffenhausen und Böckingen zu Gast. Sie werden bestrebt fein, den Anschluß nicht zu verlieren. In Hessen finden am Tag des Erntedankfestes keine Punktespiele statt. Frauen-Handbattkampf Deutschland-Holland. Am 15. Mai standen sich in Aachen zum erstenmal die besten Handball-Spielerinnen Deutschlands und Hollands gegenüber. Die Begegnung fand so viel Anklang in Holland, daß der Wunsch nach einer möglchst baldigen Wiederholung des Kampfes laut wurde. Am nächsten Sonntag ist es so weit: in Groningen gibt es den zweiten Länderkampf. Obwohl unsere Mädel damals in Aachen einen sicheren 6:0-Sieg landeten, dürfen die „Meis- jes" nicht unterschätzt werden, die sicher zu Hause mit einer guten Leistung aufwarten werden. Deutschlands Elf ist zum größten Teil aus den drei spielstarken Vereinen TiB Berlin, VfR. Mannheim und Stahlunion Düsseldorf zusammengesetzt; den Sturm führt die Münchnerin Schiemann. Man glaubt an eine Wiederholung des deutschen Sieges, wenn auch diesmal der Kampf sicher nicht „zu Null" ausgehen wird. Handbatt-Terminliste der 1. Kreisklasse Die Zahl der Teilnehmer in der 1. Kreisklasse hat sich durch das Ausscheiden der Mannschaft des Tv. Lang-Gons auf sieben verringert. Es ist bedauerlich, daß Lang-Göns feine Meldung nicht auf« rechterhälten konnte, zumal man gerade dort mit einem neuen Auftrieb im Handball gerechnet hatte. Der Rest der Mannschaften ist unter Berücksichtigung aller Wünsche wie folgt eingeteilt worden: 16. Oktober; Tv. Atzbach — To. Dillenburg; Tv* wra»»*-' 6203 A 6197A Mäntel und Anzüge in 42 Größen LODENFABRIK Die Herbstkur Ginu ! München Nr I Werbe-Drucksachen liefert Brühl'sche Druckerei VornehmI Geschmackvoll! Persönlich! Diese wesentlichen Eigenschaften der guten Familien-Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Ausführungsarten und Papieren zu mäßigen Preisen Brühl’sche Druckerei. Schulstr. 7. Ruf 2251 or* Ter heutigen Gesamtausgabe liegt ein Werbeblatt der Firma Schuhhaus WaldSchmidt, Gießen,Seltersweg, bet.[62ioD und doch hat die Frau auch in früheren Zeiten eine viel wichtigere Rolle auf diesem Gebiete gespielt als man gemeinhin weiß. Die Frau war ja rüher ganz auf das Haus beschränkt: man hielt sie von der praktischen Arbeit, die außerhalb des Hauses lag, fern, und so blieb ihr, wenn sie einen guten Einfall hatte, nichts anderes'übrig, als die Ausführung ihrer Idee dem Manne zu überlassen Diese stille' Mitarbeit des weiblichen Geschlechts ist aber vielen wichtigen Erfindungen zugute gekommen. Die Frau, dex hauptsächlich die Näharbeit zukam, hat zwar die Nähmaschine nicht erfunden, aber dabei entscheidend mitgcwirkt. Der erste Mensch, der an einer Nähmaschine arbeitete, war Elizabeth K i l b o u r n , eine Schullehrerin zu Neu- Hartford. Als der Erfinder der Nähmaschine, Elias Howe, nicht recht weiterkommen konnte, bat er sie, ihn bei der Herstellung der Maschine zu unterstützen, und sie gab ihm manchen praktischen Rat. Auch der Gaskocher geht auf den glücklichen Einfall einer Frau zurück. Eine Einwohnerin von Bristol hatte einen Sohn, der als Ingenieur sehr unregelmäßig zum Essen nach Hause kam. Nun war es auf den alten Herden recht schwierig, das Feuer immer zu unterhalten und das Essen recht schnell fertig zu machen. „Ich wundere mich, John", sagte da die Mutter eines Tages, „daß noch niemand daran gedacht hat, einen Gasschlauch in einen kleinen eisernen Kasten zu leiten und dadurch die Möglichkeit zu geben, rasch Feuer zum Kochen zu machen. Der Sohn lachte zuerst furchtbar über diese Nee, wie Männer meist über Einiälle von Frauen lachen, Velr.: Herbstferien an den höheren Schulen der Stadt Gießen. , Die Feriendauer ist noch nicht bestimmt. Der Tag des Wiederbeginns des Unterrichts wird rechtzeitig bekanntgegeben. 6206V I. A.: Angelberger. im Alleinverkauf zu Original-Preisen Knoblauch-Beeren • jünger“ i und frisch 1 alle wirksamen des reinen un- Knoblauchs in her. ’ gut ver- ier Foria -OPEL- 1,5Ltr. 4 Zyi. »Olympia« v. RM. 2675.— an a.W. 2,5 Ltr. 6 Zyl. »Stiper 6« v. RM. 3350.- an a.W. kurzfristig lieferbar Motorwagen- Verkaufsges. m. b.H. Gießen Frankfurter Str. 52 / Ruf 2847 Grüningen — Tv. Holzheim; 5j). Nauborn — Tv. Alsfeld. m t 23 Oktober: Tv. Dutenhofen — Nauborn; Holzheim - Atzbach: Alsfeld — Grümngen. 30. Oktober: Dillenburg — Dutenhofen; Atzbach gegen Alsfeld; Rauborn — Holzheim. 6 November: Grüningen — Nauborn; Dutenhofen — Atzbach; Holzheim — Dillenburg 13 November: Alsfeld — Dutenhofen; Nauborn gegen Atzbach; Dillenburg — Grüningen. 20. November: Holzheim — Alsfeld; Nauborn — Dillenburg; Grüningen — Dutenhofen. 27 November: Alsfeld — Dillenburg; Dutenhofen — Holzheim; Atzbach — Grüningen. „Tom de France 1939" ohne Italiener. Der Italienische Radfahrer-Derband beschloß auf seiner römischen Tagung, an der „Tour de France" im kommenden Jahre nicht teilzunehmen. Maßgebend für diesen Beschluß war die geänderte Ausschreibung. Dafür wird die Italien-Rundfahrt mit höheren Preifen ausgestattet. Sie findet vom 23. Aprll bis zum 14. Mai statt. Buntes Allerlei. Oie Frau als Helferin der Erfinder. Heute hat die Frau sich einen festen Platz unter den Erfindern erobert. Wenn das früher anders war und man immer behauptete, daß niemals eine große umwälzende Erfindung von einem weiblichen Wesen gemacht worden fei, so ist das zwar richtig, Die spöttische Aufforderung, „sich heimgeigen zu lassen", gab zu denken. Was würde geschehen, wenn der andere ihr nachkam und sich unter BorantritL eines Geigers auf den Heimweg durch die abendlichen Straßen machte? Menschenauflauf, Einschreiten der Polizei und ein Strafbefehl. Das würden sicher die Folgen solchen Uebermutes sein. Es schien wert, den Spuren der Redensart vom „heimgeigey" nachzugehen. Zunächst ist zu sagen, daß es ehemals für eine Ehre galt, wenn jemand „heim- aegeigt" wurde. Wenn eine fröhliche Tanzgefell- fchaft auseinanderging, dann ließ es sich der Geiger nicht nehmen, sie mit munterem Spiel nach Hause zu geleiten Vornehme Herren im Mittelalter taten das gleiche Wir wissen auch aus den „Rechtsaltertumern" Jakob Grimms, daß einst jeder Herr seinen Zms. leuten und Frönern häufig ein Tanzfest gab und sie nach dessen Ende — wenn auch nicht heimgeigen — so doch „Heimpfeifen" ließ. Berichtet werden muß noch eine geschichtliche Be- gebenheit, bei der zum erstenmal der spöttische Sinn der Redensart, wie wir ihn heute kennen, zutage tritt. Als Wallenstein während des Dreißigjährigen Krieges Nürnberg ohne Erfolg belagert hatte und obzog, veranstalteten die Nürnberger ein Freudenfest und sangen ihm ein Spottlied nach, in dem es am Schluß heißt: „Geh! Laß dich geigen heim!" Jedenfalls weiß heute jeder, was es bedeutet, wenn ihm zugerufen wird: „Damit kannst du dich Heimgeigen lassen!" — nämlich: Mit solchen Dingen kannst du mir gestohlen bleiben! Stoffspezialhaus Bernard & Sohn sss». Beachten Sie bitte unsere Ausstellung am Lichtspielhaus, Bahnhofstraße 34 KnHI FR giessen ■ ■ W» MWM ■ Eckhaus am Seltersweg 17 Die gewissenhaften Bekleidungsfachleute Dr. W. jaässcn’s Tee muß jetzt beginnen. Entschiede ea Sie Ihren Körper und entfernen Sie überflüssige» Fett — ohne Diät — ohne Beschwerden. 60 [assen lee oder 100 Bohnen 2 — Erhältlich: Drogerie Winterhoff, Gießen aber nach einigen Wochen schleppte er auf seiner Schulter einen eisernen Kasten heran, den er auf dem Herd aufitellte und an die Gasleitung, die damals nur zur Beleuchtung diente, anschloß. Nachdem noch einige Verbesserungen angebracht waren, ging das Kochen rasch und leicht vonstatten, und der Gaskocher war erfunden. Eine Frau ist es auch gewesen, die den ersten Kochapparat zum Dämpfen schuf. Sie war die Frau eines Arbeiters und besaß nur zwei Pfannen; die eine von diesen bekam plötzlich ein Loch; die andere brauchte sie für die Kartoffeln, und ihr Mann wollte sein Fleisch gekocht haben. Da sie dafür die Pfanne brauchte, so legte sie die Kartoffeln . in ein Sieb und deckte sie mit der schadhaften Pfanne zu. Sie wurden dadurch so schmackhaft, daß ihr Mann bald darauf eine besondere Dämpfoorrichtung herstellte, die sich seitdem in der Küche eingebürgert hat. Wem wird heimgegeigt? Zwei saßen am runden Tisch einer Gaststätte. Es ging hoch her. Ihre Unterhaltung wurde nicht leise geführt, so daß man hin und wieder einen Brocken aufschnappen konnte, obwohl die kleine Kapelle es nicht an schneidigen Märschen fehlen ließ. Eine Faust knallte auf den Tisch. „Schluß — sage ich dir!" donnerte der eine sein Gegenüber an, „... mit solchen lächerlichen Sachen kannst du dich Heimgeigen lassen!" Die Unterhaltung war damit tatsächlich beendet. Schweigend saßen sie von nun an da, zogen an ihren Zigarren und tranken Bier. Regen-Mäntel, Lodenkleidung, Knabenkleidung, Berufskleidung, Pelzjacken mit echten Pelz- fütterungen, Sportstutzer, Sport-Anzüge, Gesellschafts-Anzüge, Allwetter-Mäntel, Auto- und Motorfahrer-Spezial-Kleidung, überhaupt was Männer und Jungens an Kleidung gebrauchen llllllllllllllllllllllllllilll Seltene moturur« Kunden von den Halligen und vom I Wattenmeer enthält die Neuerscheinung, die alle Naturfreunde und Dogelliebhaber mit Begeisterung lesen und schauen 'werden: linier MelWMrn u.5eefBoiöen Beobachtungen und Natururkunden aus d. Dogelwelt d. deutschen Nordseekllste. - Don Tugen Schuhmacher Insgesamt 104 Seiten mit 92 Bildern nach wundervollen Natur- 38.- 48.- 58.- 68.- 78.- u.s.w. das sind Hauptpreislagen für Herren-Größen — es gibt auch noch billigere und auch noch bessere! diese in allen nur denkbaren Stoffarten und Formen . , . 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