Nr. 304 Erstes Blatt 188. Zahrgang Donnerstag, 29. Dezember 1938 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten Postscheckkonto: 8ranifurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Unlverfitütrdruckerei R. Lange In Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von7Omm Breite 5ORpf.,Platzvorschrist nach vorh.Vereindg.25°/g mehr. Ermäßigte Grundpreise: S eilen-, Vereins-, gemein* n tzige Anzeigen sowie ein* s altige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf.,Famrlienanzei* gen, Bäder-, Unterrichts-u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Die Einheit der deutschen Kultur. Don Johannes Jacobi. Die weltbeweaenden Ereignisse im März und Oktober des abgelaufenen Jahres haben auch den.' Horizont der deutschen Kultur weiter hm- ausgerückt. Durch die Heimkehr der Ostmark und des deutschen Sudetenlandes ins Reich sind ja nicht nur zwei politische Bastionen neu besetzt worden. Diese alten Reichsgebiete sind von jeher teils Zentrum, teils Ausstrahlungsgebiete deutscher Kultur gewesen. Es bezeichnet keineswegs nur machtpolitische oder strategische Tatsache, wenn z. B. Napoleon die Herrschaft am Rhein und in Böhmen fest in die Hand zu bekommen strebte, da nach seiner Ansicht der Besitzer dieser Reichsteile Deutschland in der Zange hält. In Böhmen und — wie wir aus kulturellen Gründen hinzufügen können — an der Donau ist Deutschlands Schicksal einmal geschmiedet worden, hier lagen zugleich Zentren des deutschen Geistes, der, ähnlich wie vom Rheinland aus, sein Netz allmählich über Norden ynb Osten spannte. Die Rückkehr dieser'Stätten in den von Bismarck gefügten und von Adolf Hitler umgeschmolzenen Reichsverband war auch in kulturpolitischer Beziehung die entscheidende Tatsache des Jahres 1938. Mit diesem Sieg der volksdeutschen Idee über staatlich-dynastischen Partikularismus und eine volksfremde machtpolitische europäische Kräftekombination hat nicht nur das schicksalhafte Zusammengehörigkeitsbewußtsein aller Deutschen in ihrer ganzen erdräumlichen Verteilungsbreite einen neuen Auftrieb erfahren. Auch die Doppelpoligkeit des deutschen Wesens ist verstärkt in Erscheinung getreten. Die spannungsreiche Lage unseres Dolkskörpers im mitteleuropäischen Raum ist durch den Zuwachs an stammeseigenem Volkstum und neuen nachbarlichen Grenzeinflüssen fühlbar betont roortfen. Das snorrige Menschentum des Sudetenlandes und der feinnervige Volksschlag Oesterreichs bringen eine Geschichte und deren kulturellen Niederschlag mit, deren bodenständige Sonderart gleichwohl ein wesentlicher Bestandteil gesamtdeutschen Kulturgeistes ist. Im Altreich ist diese Gemeinsamkeit stets empfunden und die staatliche Grenze abgelehnt worden, die den einheitlichen Volkskörper auseinanderschnitt. Es bedurfte einer künstlichen Konstruktion, die sich aber selbst das Urteil sprach, um durch die Behauptung eines „österreichischen Menschen" auch seine getrennte politische Existenz zu begründen. Doch der gemeinsame deutsche Kulturgei st hat diesen frevelhaften Versuch einer Geschichtsfälschung Lügen gestraft. Denn wie zwischen zwei Polen sind die Kräfte des Nordens und des Südens stets über die im Geistigen nicht vorhandene Grenze hinauf- und hinuntergeströmt und haben das Spannungsfeld einer gesamtdeutschen Kultur geschaffen. Man braucht nur an die Namen der Musiker, an Haydn und Mozart, an Schubert, Hugo Wolf und Bruckner zu erinnern, deren Werke von Anfang an als beste Kunst gesamtdeutschen Geistes empfunden worden sind und in Nord und Süd gleichermaßen verbreitet waren und geliebt wurden: man mag an die Anziehungskraft Wiens auf Beethoven, Brahms oder Hebbel denken, um die ideale Verschmelzungsfähigkeit nord- oder westdeutschen und ostmärkischen Geistes an Kunstschöpfungen zu ermessen, die ebenfalls in allen Teilen des Reiches und darüber hinaus in der Welt als deutsch schlechthin angesehen werden. Nachdem diese im Kulturellen langst vorweg genommene Einheit des deutschen Volksraums nun Wettpolitik auf neuen Wegen. Oie Ausländskorrespondenten des Gießener Anzeigers berichten über die weltpolitische Lage zur Jahreswende 1938/39. „Gewogen und zu leicht befunden." Die Genfer Liga an der Jahreswende. hs. Genf, im Dezember 1938. Wenn man die Rolle, die der Genfer Liga während des weltpolitisch so besonders bedeutsamen Jahres 1938 beschieden war, auf einen einfachen Nenner bringen will, so darf man sich mit folgender Feststellung begnügen: Sie wurde gewogen und zu leicht befunden! Die Bemühungen der „internationalen Volksfrontler", eine „antifaschistische" Politik zu betreiben, d. h. praktisch zum Kriege zu Hetzen, waren zwar gerade in diesem Jahr, namentlich in der tschecho-stowakischen Frage und vor allem während der Septemberkrise, besonders hartnäckig. Aber die Münchener Einigung wurde zum größten Nackenschlag, der diese Leute, d. h. die Sowjetrussen, die Sowjetspanier, die unentwegten Tschechen, die linksradikalen Elemente der französischen und englischen Delegation und einen großen Teil der leitenden Beamten des „ständigen Sekretariats der Liga", jemals getroffen hat. Und gleichzeitig mit der Ausschaltung der Sowjetunion aus der europäischen (und osta'siatischen) Politik wurde Ende September auch der Zusammenbruch der Genfer Liga sowie ihrer eigenartigen Eigenpolitik völlig unverkennbar: Auf Grund entsprechender Winke aus London und Paris, aber auch aus dem einfachen Wunsche heraus, seine Einrichtung und sich selbst zu retten, hat der Generalsekretär A v e n o l zunächst einmal seinem Kabinettschef, dem französischen Juden H o - den, den Laufpaß gegeben, und wenn der gegenwärtig tagende, eigens zu diesem Zweck eingesetzte „Einsparungsausschuß" seine Arbeiten beendet haben wird, dürften 50 bis 60 der etwa 170 höheren und hohen Beamten vor die Tür gesetzt sein! Der Einsparungsausschuß — der in Frankreich geprägte Ausdruck von dem „Komitee mit der Hacke" wäre auch hier recht passend! — hat inzwischen seinen Vorschlag eingereicht. Der Gesamthaushalt, der auch den für die Internationale Arbeitsorganisation und den Ständigen Internationalen Gerichtshof einschließt, soll für 1940 um mindestens ein Fünftel gegenüber 1939 gekürzt werden. Der Haushalt 1939 verschlingt 32 134 012 Franken! Man wird allerdings gut tun, die weitere Entwicklung der Dinge in Genf abzuwarten, da immerhin die Möglichkeit besteht, daß sich ein etwaiger Rückfall der französischen Innenpolitik nach links auch in Genf auswirken konnte. So oder so aber darf die „große" politische Rolle der Genfer Liga, die in der letzten Zeit nichts anderes mehr war als eine Propagandamaschine, an der Jahreswende 1938/39 im wesentlichen als ausgefpielt gelten. Was übrig bleibt, sind die technischen Or- (janifationen, die sich ja zu ihrem Glück einigermaßen aus der eigentlichen Politik herausgehalten haben: und wenn man in Genf, wie es vorläufig den Anschein hat, nun etwas vernünftiger zu werden beginnt, dann kann es unter Umständen fein, daß die Genfer Liga bestehen bleibt, wenn auch nur als zwangloser Treffpunkt für die Politiker und Diplomaten verschiedener Länder, weil die Vielseitigkeit der Fühlungnahmen immerhin Rundblicke ermöglicht, wie sie in gleichem Ausmaße anderwärts kaum so leicht möglich sind. Ungarn ans dem Wege der nationalen nnd sozialen Erneuerung. JM. Budapest, im Dezember 1938. Das Jahr 1938 bedeutet einen wichtigen Markstein in der jüngsten Geschichte Ungarns. In diesem Jahr erfolgte nämlich durch die Rückgliederung des Oberlandes nicht nur eine erhebliche gebietsmäßige Vergrößerung, sondern auch in der innerpolitischen Struktur des Landes haben sich tiefgreifende Veränderungen angebahnt, die auf eine völlige Neugestaltung des künftigen Schicksals Ungarns hinzudeuten scheinen. In innerpolitischer Hinsicht traten bereits im März durch den überwältigenden Wahlsieg des rechtsradikalen Kandidaten Hubay über die Kandidaten der drei größten ungarischen Parteien die Bestrebungen unter den Massen des Volkes hervor, der ungarischen Innenpolitik eine entschieden völkisch-nationale und soziale Richtung zu geben. Der damalige Ministerpräsident Dara - nyi erkannte diese Strömungen klar und wurde sich bewußt, daß die Masse des Volkes nunmehr Taten von der Regierung erwarte und die rechtsnationalen Parolen, vor allem in Bezug auf die sozialen Probleme und die Judenfrage, verwirklicht sehen wollte. Daranyi stellte einen Fünfjahresplan für den Wiederaufbau des Landes im Geiste seines großen Vorgängers Go mb äs auf, doch mußten fein Bestrebungen an dem Widerstand des altkonfervativen Teiles feiner eigenen parlamentarischen Partei scheitern. Auch der Nachfolger Daranvis, Adalbert von I m r e d y , der nicht nur im Ruf eines genialen Finanzfachmannes, sondern auch eines Politikers der starken Hand steht, stieß bei der'Durchführung feiner Reformbestrebungen auf den Widerstand des altkonfervativen Flügels der Regierungspartei, der schließlich in die Opposition überging. Die Regierung Jmredy ging jedoch, getragen von dem Vertrauen des Reichsverwesers von Horthy, aus diesem parlamentarischen Klärungsprozeß gestärkt hervor und erfreut sich heute der Sympathie der ganzen völkisch-national gesinnten öffentlichen Meinung. Diese öffentliche Meinung bezweifelt indessen, daß das gegenwärtige Parlament noch den Ausdruck der wahren Volksmeinung bilde. Die Bewegung der rechtsradikalen, sozial eingestellten Parteien, die immer mehr auf eine gemeinsame Plattform zustrebt, wächst von Tag zu Tag und beeinflußt in steigendem Maße die Regierungspolitik. Die große innerpolitische Frage für Ungarn lautet somit an der Jahreswende: Inwiefern kann Ministerpräsident Jmredy mit dem gegenwärtigen Parlament die zeitgemäßen Reformen verwirklichen und eine rasche, aber reibungslose Erneuerung des Landes in nationalem und sozialem Geist durchführen, oder wird sich Jmredy unter Umständen bereitfinden, . durch Neuwahlen die wirkliche Stimmung im Land festzustellen? Die Außenpolitik Ungarns weist auch weiterhin eine feste Linienführung auf. Ungarn ist der Achse Berlin — Rom treu geblieben und fand diese Treue in der Rückgliederung des Oberlandes belohnt. — Die weiteren Zielsetzungen der ungarischen Außenpolitik werden sich auch im kommenden Jahr denen der Achse Berlin — Rom, hauptsächlich der Politik der im Südostraum unmittelbar interessierten Großmacht Deutschland anpassen. Diese ungarischen Zielsetzungen liegen nach der Befreiung der einen Million Ungarn des Oberlandes in erster Linie in der Richtung auf eine Erweiterung der schon erzielten Erfolge auf dem Gebiet des Selbstbestimmungsrechts der ungarischen Volksgruppen in den Nachfolgestaa- t e n. Dabei denkt man vor allem an die fast zwei Millionen Ungarn, die in Rumänien leben. Das nationale Spanien vor dem Endsieg. Dr. W. Burgos, im Dezember 1938. Die Materigischiacht gab den Kämpfen in Spanien ihr Gesicht. Unter dem Einsatz beachtlicher Materialmassen und sämtlicher Kerndioisionen schlugen die Roten in den letzten Tagen des Jahres 1937 gegen Teruel los. Die kleine nationale Besatzung, die die Bedeutung dieses Ortes als Ausgangsstellung für den von Franco geplanten Vorstoß gegen d i e Mittelmeerküste kannte, verteidigte den Ort heldenhaft und blieb zum größten Teil auf dem Platze. Nach wenigen Tagen begann die nationale Gegenoffensive und schwoll zu einer erbitterten Materialschlacht an, die den Januar und Februar hindurch das in eine Trümmerstätte verwandelte Teruel umdonnerte. Die Nationalen wollten keinen Fuß breit eroberten Bodens den Roten lassen, diese aber mußten ihrer eigenen Gefolgsleute und ihres internationalen Ansehens wegen den einmal errungenen Ueberrafchungssieg fest in den Händen zu halten suchen. Teruel fiel Franco wieder zu, doch ließ er feinen Gegnern keine Zeit zum Atemholen. Wenige Tage später, noch in der ersten Märzhälfte, brach die große nationale Offensive nördlich von Teruel los. Der nejige. MHdegMM, der Franco-Truppen ließ die militärische Abnutzung des Gegners durch die „Mühle von Teruel" erkennen. Die Grenzen Kataloniens wurden erreicht, und noch vor dem Osterfest vermochten die Navarra-Truppen ihre Fahnen nördlich von Castel- ion-de-la-Plana am Strand des Mittelmeeres aufzupftanzen. Rotspanien war in zwei Hälften zerschnitten. » Während an der katalanischen Front Ruhe ein» trat, suchten die nationalen Truppen den eroberten Küstenstreifen stetig nach Süden zu erweitern. Castellon-de-la-Plana fiel, Rules wurde genommen, die Einnahme von Sagunto schien nur noch eine Frage von wenigen Tagen zu sein, und Valencia war unmittelbar bedroht. General Miaja, der bisherige Befehlshaber von Madrid, der nach dem Durchbruch der Franco-Truppen zum Mittelmeer zum Befehlshaber der roten Streitkräfte im nicht- katalanischen Teil Spaniens ernannt worden war, schuf, unterstützt von sowjetrussischen Technikern, in fieberhafter Arbeit ein tiefgestaffeltes Befestigungs- system, das sich in weitem Bogen um Valencia -og. Der nationale Angriff gegen diesen wichtigen rotspanischen Mittelmeerhafen Z "01^01 schlag des ftir Mtzdrid bestimmten jowjetrilssifchen Kriegsmaterials kam zeitweilig zum Stocken, aber nicht zum Erliegen. Da überschritten zwölf katalanische Divisionen im Juli in einer stockdunklen Nacht den Ebro, sprengten die dünnen nationalen Postenketten auf dem linken Ufer auseinander und stießen mit motorisierten Einheiten tief in das nationale Gebiet vor. Der Angriff vor Valencia kam zum Stehen. Die nationalen Flieger erschienen bereits am Mittag des folgenden Tages über dem Ebro und überschütteten die von den Roten geschlagenen Schiffsund Pontonbrücken mit einem verheerenden Bombenhagel. Trotzdem vermochte die rote Heeresleitung am gleichen und an den folgenden Tagech/genügende Menschen- und Materialmengen nachzuziehen, um den nationalen Gegenstoß auffangen zu können. e Die Schlacht im Ebrobogen dauerte über vier Monate. Wie bet Teruel war sie für die Roten nicht eine strategische Notwendigkeit, sondern diesmal für beide Teile ihres moralischen Ergebnisses wegen erforderlich. Die Roten mußten im November über den Ebro zurück. Seitdem herrschte bis in die Weihnachtstage Ruhe an den spanischen Fronten. Beide Lager gruppierten ihre Streitkräfte um. Mit Aengstlichkeit blickte man auf roter Seite der neuen nationalen Offensive entgegen, die vor wenigen Tagen auf die durch den Hunger geschwächte moralische und physische Widerstandskraft der rotspanischen Bevölkerung traf. So sehr aber auch die militärischen Ereignisse in Spanien im Vordergrund stehen, da von ihnen der Sieg abhängt, so bedeuten sie jedoch nur einen Ausschnitt aus dem gewaltigen Kampfe zweier Revolutionen, die heute miteinander ringen: der aufbauenden, neuschöpferischen und konstruktiven Revolution der Nationalen, und der zersetzenden und zerstörenden der Roten. Franco will nicht nur den Marxismus abwehren, er will ihn vernichten und anstelle des alten von Klassengegensätzen zerrissenen - Spaniens ein neues, geeintes korporatives Spanien setzen. Italien und Deutschland dienen als Vorbild, doch will die Phalange, deren 26 Programmpunkte die Grundlage des Aufbauwerks der Regierung abgeben, die deutschen und italienischen Einrichtungen nicht kopieren, sondern aus dem ^gleichen Geist geborene spanische an ihre Stelle setzen. Hätten sowjetrussische Truppen, die durch kommunistische Freiwillige aller Länder verstärkt wurden, nicht gleich zu Beginn des Krieges gegen die nationale Freiheitsbewegung eingegriffen, dann wäre der brudermörderische Kampf auf der Pyrenäenhalbinsel schon längst entschieden. Nach den Beschlüssen der Londoner Nichteinmischungskonferenz vom Sommer dieses Jahres haben die ausländischen Kämpfer auf beiden Seiten begonnen, den spanischen Boden zu verlassen. Auf Mussolinis großzügige Geste der Zurückziehung von 10 000 Freiwilligen haben die Westmächte nicht in entsprechender Weise geantwortet. Noch immer weigern sie sich, Franco als kriegführende Macht anzuerkennen, was diesem ermöglichen würde, die rotspanischen Küsten zu blok- kieren. Noch immer möchte man in Paris und London einen Sieg der Nationalen vermieden sehen und arbeitet auf eine Vermittlung zwischen Barcelona und Burgos hin. Auf nationaler Seite ist man des Endsieges jedoch gewiß. Frankreich wünsch! keine engtisthe Vermittlung. London, 29. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Tatsache, daß die französische Regierung tpeitere Sicherungsmaßnahmen für Französisch-Somaliland getroffen hat, während auf italienischer Seite von Truppenzusammenziehungen keine Rede sein kann, wird von der Londoner Morgenpresse verzeichnet. Weiter findet Beachtung, daß Chamberlain wahrscheinlich in Nom nicht offiziell vermitteln wird und es sich um eine Angelegenheit handele, in die Deutschland nicht verwickelt werden könne. Die deutsche Ansicht, daß ein Krieg zwischen Italien und Frankreich unwahrscheinlich sei, wird von den englischen Blättern geteilt. „Daily Expreß" schreibt, es handele sich hier um Fragen, die auf dem Verhandlungswege und nicht durch Krieg bereinigt werden sollten. „Daily Telegraph" meldet, der französische Geschäftsträger in London, (Sorbin, habe die britische Regierung über die französische Antwort auf die italienische Note wegen des Tunis-Abkommens unterrichtet. In Paris sei angedeutet worden, daß die französische Regierung die britischen Minister w e - d e r ermutigen, noch ermächtigen wolle, in Rom im Namen der französischen Regierung zu sprechen. Auch „Daily Herald" schreibt, daß die französische Regierung dem Wunsch Ausdruck gegeben habe, daß sie keinerlei Beistand in den Verhandlungen mit Italien haben wolle. Dem britischen Botschafter in Paris, Phipps, fei mitgeteilt worden, daß jede britische Intervention unwillkommen sei. Diese feste französische Haltung werde Chamberlain veranlassen, die französisch-italienische Frage während seiner Besprechungen mit Mussolini nicht zu berühren. Paris, 28. Dez. (DNB.) Wie Haoas aus Marseille meldet, wurde die Ausfahrt der Pafsagier- bamnfer „Sphinr" und „Cbantilly" um 48 Stunden verzögert, da apf dixsey beiden Schiffe.» e.in Bataillon Senegalschützen eingeschifft wurde, das als Verstärkung der dortigen Truppen nach Französisch-Somaliland abkommandiert worden ist. Das Tums-Protettorat. Rom, 28. Dez. (Europapreß.) Die französischen Bestrebungen, England gegen Italien ins Feld zu führen mit der Behauptung, die italienischen Forderungen im Mittelmeer zielten auf die Abänderung des Status quo, wie er im italienisch-englischen Abkommen vom 16. April 1938 festaelegt sei, hin, veranlassen den Herausgeber des halbamtlichen „Giornale d'Jtalia", Gayda, zu einer Untersuchung der politischen Lage in Tunis. Gayda erklärt unter Anführung zahlreicher französischer Quellen, Tunis sei keine Kolonie oder Provinz, sondern nur ein Protektorat Frankreichs. Auch der internationale Gerichtshof im Haag sei zu der Entscheidung gelangt, daß eine wirkliche Souveränität Frankreichs über Tunis nicht bestehe. Deshalb habe Frankreich auch nicht das Recht, dort innerfranzösifche Gesetze zur Anwendung zu bringen, wie z. B. das Gesetz, das die Entnationalisierung aller in Tunis wohnenden Ausländer, vor allem der Italiener, vorsehe. Die italienische Regierung sei dazu berechtigt, Frankreich zur Beachtung der internationalen Grundsätze anzuhalten, die sich auf das Regime im Protektorat bezogen, um so mehr, als Italien, wie auch alle anderen europäischen Länder, dieses nur unter der Voraussetzung anerkannt hätte, daß Frankreich die durch frühere Verträge mit dem Bey von Tunis er« worbenen Rechte Italiens beachte. Nicht Italien, sondern Frankreich strebe also eine Abänderung des Status quo im Mittelmeer an, da es versuche, allmählich die politische Autonomie des Protektorats zu beseitigen und dieses zu einem wirklichen kMMHey äll machen. d'urge« Soisona Caman MANttSA naguer BARCELONA Fayon iRAGONA" Gandesa foquefas’ isdela Viiianuevs; y Geltru •= pranadell™ SHfaiset FRANKREICH .prf£^cMrtte(tÄn daß die deutsche Presse sich in die inneren Angelegenheiten unseres Landes einmische, beweist, wie recht Herr Bundesrat Motta hatte, als er mit seiner Rede vom 14. Dezember 1938 im Nationalrat die politischen Zwecken dienenden Lugen b r a n d m a rl t e, deren sich die Dritte Jnternatio- Die Einfuhr des Altreichs betrug für die ersten elf Monate 4 958,4 Millionen Mark, die Ausfuhr 4753,5 Millionen Mark. Setzt man für Dezember den monatlichen Durchschnittswert ein, so ergibt sich als voraussichtliche Ziffer der Einfuhr, für das ganze Jahr 1938 die Summe von rund 5410 Millionen Mark, für die Ausfuhr die Summe von 5186 Millionen Mark. Die Handelsbilanz des Altreichs schließt also mit einem Passivsaldo von 224 Millionen Mark ab. Demgegenüber betrug die Ausfuhr Deutschlands im Jahre 1937 5911 Millionen Mark, die Einfuhr 5468 Millionen Mark. Es steht also einem Aktivsaldo von 443 Millionen Mark im Jahre 1937 ein Passivsaldo des Altreichs in Höhe von 224 Millionen Mark im Jahre 1938 gegenüber. Dieses Ergebnis ist sicherlich nicht sehr erfreulich, zumal, wenn man ihm noch die Ziffern für die Handelsbilanz ganz Großdeutschlands gegenüber» hält. Die Ausfuhr Großdeutschlands erreichte eine Höhe von 5553 Millionen Mark (bei Einsetzung des monatlichen Durchschnittswertes für den Monat Dezember) und von 6006 Millionen Mark für die Einfuhr, ^ie Gesamtpassivität des großdeutschen Außenhandels beträgt also 443 Dttllio- nen Mark, d. h. der großdeutsche Außenhandel ist um rund dieselbe Summe im Jahre 1938 passiv, um die der Außenhandel Deutschlands im Jahre 1937 «ktiv war. Das bedeutet für unsere Devisenbilanz eine Verschlechterung um 886 Millionen Mark. Trotzdem wäre es verfehlt, daraus pessimistische Folgerungen zu ziehen, denn ein Vergleich der Handelsbilanz mit dem Vorjahre ergibt doch auch manches Positive. Vor allem ist wichtig, daß dieser Bilanzsaldo nicht etwa auf Grund rückgängig er Umsätze zustandegekommen ist. Im Gegenteil, während im Jahre 1937 der Gesamtumsatz Deutschlands im Außenhandel, d. h. Einfuhr und Ausfuhr, die Summe von 11,379 Milliarden Mark erreichte, wurde im Jahre 1938 mit 11,559 Milliarden Mark das Vorjahrsergebnis des Gesamtumsatzes überschritten. Dieser Umsatz ist der höchste, der feit 1932 überhaupt erzielt wurde. Man muß bis 1931 zurückgehen, um auf höhere Umsätze im deutschen Außenhandel zu kommen. In dieser Hinsicht ist also die stetig aufiteigende Linie der Entwicklung des deutschen Außenhandels auch 1938 nicht unterbrochen worden. Deutschland hat seinen Anteil am Welthandel absolut auch 1938 noch erhöhen können. Allerdings ist diese Erhöhung nur auf die Zunahme der Einfuhr zurückzuführen. Diese hat mit 6 006 Millionen RM. für Großdeutschland einen neuen Rekord erreicht. Es entspricht das den beträchtlichen Gebietserweitc rungen, die wir im Jahre 1938 zu verzeichnen hatten. Aber auch bei einer Betrachtung der Ziffern des Altreichs ergibt sich, daß die Einfuhr mit einem Werte von 5 410 Millionen RM. nur geringfügig hinter dem Einfuhrwerte des Jahres 1937 mit 5 468 Millionen RM. zurückbleibt. Mengenmäßig ist sie ohne Zweifel sogar voll behauptet worden, da die gesunkenen Weltmarktpreise den Einkauf größerer Mengen zu geringeren Preisen gestatten. Außerdem ist ja darin die ehemalige Einfuhr aus Oesterreich nicht mehr enthalten. Die Behauptung der Einfuhr muß aber immer eines der wesentlichsten Erfolgsmerkmale für unseren Außenhandel sein, denn in der Sicherung der Rohstoffe und Nahrungsmittel für das deutsche Volk besteht ja feine wesentlichste Aufgabe. Diese Ausgabe ist von der Einfuhrseite her auch im Jahre 1938 erfüllt worden. Anders sieht es freilich von der Ausfuhr- seite her aus. Die gesamte Ausfuhr Großdeutschlands bleibt mit 5 553 Millionen RM. noch recht beträchtlich hinter der Ausfuhr des Vorjahres mit 5911 Millionen RM. zurück. Dieses Bild wird noch ungünstiger bei dem wohl richtigeren Vergleich der Ausfuhrziffer des Artreichs, die mit 5 186 Millionen RM. um 725 Millionen RM. unter der des Vorjahres liegt. Damit ist der Ausgleich unserer Handelsbilanz, ohne den auf die Dauer auch die Bei- behaltuna der Einfuhr in der bisherigen Höhe nicht möglich fein wird, empfindlich gestört. Es müssen daher in Zukunft alle Kräfte daran gesetzt werden, die Ausfuhr zu steigern. Ob auch das andere Mittel zum Ausgleich der Handelsbilanz, nämlich die Drosselung der Einfuhr, angewandt werden kann, ist eine Frage der deutschen Rohstoffversorgung und damit eine Frage des Dierjahresplanes. Eine gewisse Entlastung der Einfuhrseite wird ohne Zweifel von der guten deutschen Getreideernte im nächsten Jahre kommen. Gelingt es weiter, auch die deutsche Eigen- erzeugung an künstlichen Roh st offen im kommenden Jahre wesentlich zu steigern, so kann auch von dieser Seite eine Entlastung möglich werden. Ob aber die deutsche Handelspolitik diesen Weg der Drosselung der Einfuhr einschlagen wird, hängt ganz von der Haltung des Auslandes ab. Unser Wille ist es zweifellos nicht, weniger einzuführen. Wir würden es vorziehen, den Ausgleich unserer Handelsbilanz durch verstärkte Ausfuhr zu schaffen. Wenn man aber im Auslande gerade in dieser verstärkten Ausfuhr Deutschlands eine Gefahr für den eigenen Handel sieht, wie aus den Maßnahmen zur Verdrängung hs. Bern, 28. Dezember. Der am Dienstag vom Bundesrat endgültig genehmigte Bericht über den Stand der schweizerischen Landesverteidigung weist darauf hin, daß die Verhältnisse auch die Schweiz zu einer weiteren Verstärkung der Landesverteidigung zwingen werden. Nachdem sich heute zeige, daß sozusagen alle Staaten au weiteren bedeutenden Maßnahmen der Kriegsrüstung schreiten, ergebe sich auch für die Schweiz zwangsläufig die Notwendigkeit, neben der Verbessern na der Ausbildung auch die materielle Aufrüstung weiter fortzusetzen. In einem entsprechenden Programm des Bundesrats ist eine Ausscheidung der Anforderungen nach Maßgabe der Dringlichkeit vorgenommen worden. In dem bereits kurz mitgeteilten Programm wurde nur das aufgenommen, was sich zur Zeit aufdrängt, alles ^weitere jedoch auf eine spätere Etappe zurückgestellt. Maßgebend scheint dabei vor allem die Erwägung gewesen zu fein, daß ein über« laftetes Programm ohnehin erst nach Jahren verwirklicht werden könnte. Während dieser Zeit sind Neuerungen auf dem Gebiet der Bewaffnung wahrscheinlich, wobei der Bundesrat vor allem der Auffassung ist, daß es ratsam sei, das Tempo der Aufrüstung einigermaßen demjenigen des Auslandes anzupaffen, was bei einem schrittweisen Vorgehen eher möglich sei. In bezug auf die Erhebung eines Wehr--, opfers wird in dem Bericht des Bundesrats dar-' gelegt, daß die Voraussetzungen für ein solches Wehropfer in der Schweiz zur Zeit nicht ungünstig seien. Vor allem scheinen dem Bundesrat die psychologischen Bedingungen, die für das Gelingen der Abgabe von größter Bedeutung sind, erfüllt zu fein. Hinsichtlich der Rückwirkungen auf dem Kapitalmarkt wird auf die gegenwärtige außerordentlich große Flüssigkeitoes Geld-und Kapital Marktes hingewiesen, die eine merkliche Erhöhung der Zinssätze durch das Wehropfer nicht befürchten lasse, lieber die Gestaltung eines Wehropfers beabsichtigt der Bundesrat, der Bundesversammlung im Frühjahr Bericht zu erstatten. Die weitere Prüfung werde ergeben, ob neben dem Wehropfer, das im Hinblick auf die Zweckbestimmung seines Ertrages auf, breiter Grundlage erhoben werden müßte, auch die Wehrabgabe verfassungsrechtlich verankert werden könne. Der Bericht des Bundesrates gibt auch eine ausführliche Zusammenfassung der in den letzten Jahren vorgenommenen organisatorischen Neuerungen, in deren Vordergrund die Einführung oer neuen Truppenordnung und als wichtigste Neuschöpfung der Grenzschutz stand. Die im Sommer 1938 beschlossene Verlängerung der Wiederholungskurse für alle Truppen von zwei auf drei Wochen wird im Jahre 1939 in Wirksamkeit treten. Als weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildung werden die Kurse für die Grenztruppen und die Territorialtruppen erwähnt. Was die materielle Kriegsbereitschaft betrifft, so berichtet der Bundesrat, daß gegenwärtig Hunderte von Firmen an der Kriegsproduktton beteiligt sind und daß die M u n i t i o n s- bestände und Materialreserven von Tag zu Tag zunähmen. Die Aufrüstung der Luftwaffe hat mit der Verstärkung der übrigen Waffen Schritt gehalten. Die Herstellung der Flugzeuge erfolgt nun in weitgehendem Maße in der Schweiz. Um aber die Aufrüstung zu beschleunigen, ist eine Serie von Apparaten im Ausland erworben worden. Die Fabrikation von Fliegerabwehrge-, schützen im Lande selbst ist ebenfalls aufgenom-i nale bedient,'um unsere Beziehungen zu unseren men worden. Besonders betont wird, daß man zum > Nachbarn zu vergiften." Berlin in Neujahrsstimmung. Unzerreißbare Glückwunschkarten. - Oie verlegte Wochenstube. Oper „Die M a ch t d e s Schicksals" ebenfalls aus bühnentechnischen Gründen abgesetzt worden sei und statt ihrer „La Traoiata" gespielt würde. Was könnte zur Neujahrsstimmung der Berliner mehr beitragen als solche Siloesterscherze des Zufalls? * Erfreuliche Silvesterbörse. Don unserer Berliner Schristleitung. Nach einem so friedvollen und freudvollen Weih- nachtssest, wie es die Reichshauptstadt soeben begangen hat, ist es kein Wunder, daß sich Berlin in allerbester Neujahrsstimmung befindet. Sie koinmt zunächst darin zum Ausdruck, daß sich ganz B e r- I i n mit Glückwunschkarten ei 'ndeckt, um sie zum Jahreswechsel zu verschicken. Viele halten dieses Verschicken von Neujahrskarten für eine Formsache. Auch vor 100 und mehr Jahren hielten viele Berliner das Verschicken von Neujahrsglückwünschen für eine — Formsache. Allein d i e y u ß- eisernen Formen der damaligen Neujahr.- plaketten waren so entzückend,- daß sie noch heute unsere Bewunderung erregen. Wer vor kurzem die Ausstellung in der Akademie der Künste besuchte, konnte sich an diesen eisernen Neujahrsglückwünschen der Berliner Eisengießerei, die auf dem Wedding gelegen war, kaum satt sehen. Die ersten Künstler jener Zeit bemühten sich um die Formgebung dieser „unzerreißbaren" Neujahrskarten. Mit Recht hat daher die Preußische Bergwerks- und Hiitten-AG., die das Erbe der alten Berliner Gießerei angetreten hat, die Sitte der eisernen Neujahrsplaketten wieder aufleben lassen, indem sie abermals entzückende Eisengußkunstwerke schuf, die heute wie vor 100 Jahren ihren Weg bis nach Amerika nehmen. Zwar für den Allgemeinverkehr Theater, die über alle Maßen begehrt sind. Mußten die Berliner Theater, Varietes und Kabaretts schon zu Weihnachten den Nachmittag des „dritten" Feiertags in Anspruch nehmen, um allen Wünschen nach Karten gerecht zu werden, so war das Gedränge an den Kassen für die Silvesteraufführungen fast unvorstellbar. Viele Ur- und Erstaufführungen finden an diesem Silvesterabend statt, an dem auf der Bühne manch improvisierter Scherz getrieben wird. Aber der Zufall kann es doch noch besser! So war für den zweiten Weihnachtsfeiertag im Berliner Schillertheater als Premiere die Komödie „D i e W o ch e n ft u b e" angesetzt. Sie mußte aus bühnentechnischen Gründen auf den Silvesterabend verlegt werden. Welche Großmutter wird bei dieser Nachricht nicht stillvergnügt in sich hineinlächeln? Muß doch auch im Alltagsleben oftmals so manche Wochenstube um ein paar Tage verlegt werden! Wer hier von der Macht des Schicksals sprechen will, der würde die theaterkundigen Berliner nur abermals zum Lächeln bringen. Denn, so groß auch immer die Macht des Schicksals sein mag, auch sie muß es sich gefallen lassen, verlegt zu werden! Beweis: Die Berliner Zeitungen, in denen jüngst bekanntgegeben wurde, daß die in der Berliner Staatsoper für den 22. Dezember angesetzte Verdi- Selbst an der Berliner Börse scheint Neujahrsstimmung zu herrschen. Denn wenn die Berliner Aschinger-Betriebe gemäß der Beschlüsse der letzten Obligationäroersammlung für ihre Teilschuldverschreibungen jetzt A s ch i n g e r - G e n u ß scheine ausgeben, so kann es sich doch wohl nur um Genußscheine für Siloesterpsannkuchen handeln? Wie es denn auch erfreulich ist, daß nach den letzten Börsenberichten die Berliner Bierbrauereien über flüssige Mittel verfügen, eine Groh- firma der Schuhbranche sehr hohen Absatz hat, die Kurse der Magirus-Leitern weiter a n st e i g e n, das Musikinstrumentengewerbe im Weihnachtsverkauf einen günstigen Auftakt für das neue Geschäftsjahr erblickt und selbst die Kohlentransport- aesellschaften eine „Einheit s" - Dividende beschlossen haben, was sicherlich mit der Ein heiz-Aktion dieses winterlichen Dezembers zusammenhängt. So ist denn Berlin für den Jahresabschluß aufs beste gerüstet. Es wird wieder ein buntes, tolles Treiben in der Silvesternacht geben, das dem süddeutschen und westdeutschen Karnevalstreiben nicht viel nachstehen wird. Was aber das neue Jahr 1939 selbst anbelangt, das ja in der Wochenstube des Berliner Schillertheaters das Licht der Welt erblicken wird, so hat sich ein durchaus prominenter Berliner bereits darüber geäußert: „Wir werden det Kind jd)on schaukeln!" Aus aller Wett. würden sich diese Neujahrsplaketten kaum eignen! Die um die Weihnachts- und Neujahrszeit schon so wie fo arg geplagten Briefträger würden unter einer solchen gußeisernen Last schier zusammen- vrechen. Da müssen wir uns schon mit der „Papierform" begnügen. Doch auch sie bietet ja genug Möglichkeiten, um die Beziehungen zwischen dem Absender und dem Empfänger unzerreißbar zu gestalten. Allerdings darf die Neujahrskarte dann nicht jenen Pfefferkuchenoers tragen, der jüngst auf dem Berliner Weihnachtsmarkt ob feiner Vieldeutigkeit großes Schmunzeln hervorrief: Im neuen Jahre wünsch' ich dir Von Herzen Glück so — wie du mir! * Bevor des weiteren auf die Berliner Neujahrsstimmung eingegangen sei, mag es dem Chronisten erlaubt sein, darzulegen, wie eng der Name des Berliner Stadtteils Wedding, der ja auch im Reich nicht unbekannt ist. mit der alten Berliner Eisengießerei zusammenhängt: war doch der Erbauer dieser Eisengießerei der Berliner B a u r a t Wedding! Das Schicksal dieser Wed- dingschen Eisengießerei wurde im Unruhejahr 1848 besiegelt. Ein tobender Menschenhaufen war vor das im Norden Berlins (in der jetzigen Jnvaliden- straße) gelegene Jnvalidenhaus gezogen, um an den tapferen Veteranen „Rache" zu nehmen. Einem beherzten Invaliden gelang es jedoch, die Anführer des revoltierenden Haufens zu überreden, von einer Plünderung des an allem Geschehen unschuldigen Jnvalidenhauses abzusehen. Statt dessen wälzten sich die Massen dann zur Eisengießerei auf dem Wedding, um sie — obwohl ebenfalls völlig unschuldig — in Brand zu setzen. * Doch zurück zur Berliner Neujahrsstimmung! Außer den Neujahrskarten sind es dis Karten für die Silvesteraufführungen der Berliner „Stabt des kdF.-Wagens." „Stadt des KdF.-Wagens" ist der vorläufige Name der jüngsten Stadt des Deutschen Reiches. Es ist die neue Gemeinde, die bereits mit dem 1. Juli 1938 ins Leben getreten ist und in deren Gebiet das Volkswagenwerk im Kreise Gifhorn im Gau Ost-Hannover entsteht. Von hier aus werden schon im nächsten Jahre die ersten KdF.-Wagen ihren Weg ins Reich nehmen. Mit den Bauarbeiten für die notwendigen Wohnungen, Straßen und sonstigen Einrichtungen, die zu einem Gemeinwesen gehören, das nach dem Willen des Führers einmal eine Musterstadt werden soll, ist bereits begonnen worden. Die junge Stadt ist schon jetzt ein völlig selbständiges kommunales Gebilde mit Bürgermeister, Polizeibehörde, Einwohnermeldeamt, Stadtkasse und allen übrigen Verwaltungszweigen, die vorläufig in einem schmucken Holzbau untergebracht sind. Die Zahl der Einwohner einschließlich der mit dem Bau von Werk und Stadt beschäftigten Volksgenossen, die in einem mustergültigen Gemeinschaftslager der DAF. untergebracht sind, beträgt zur Zeit über 5000. Dom Zuge erfaßt und'getötet. Als der stellvertretende Bahnhofsvorsteher in Haiger, Reichsbahnsekretär Richard S ch o l, der kurz vor Vollendung seines 62. Lebensjahres stand, den von Frankfurt kommenden D-Zug, der etwa 20 Minuten Verspätung hatte, abgefertktzt hatte und auf dem Weg zu seinem Dienstzimmer die Gleise überschritt, wurde er von dem in diesem Augenblick den Bahnhof passierenden, aus Richtung Gießen kommenden Eilzug, der in Haiger nicht hält, erfaßt und sofort getötet. Vermutlich hatte der Beamte infolge des von dem ausfahrenden D-Zug verursachten Geräusches das Herannahen des Eilzuges überhört. Gewaltige Schneestürme und minus 51 Grad in Kanada. ' In Kanada wüten seit Tagen ungeheure Schnee st ürme, wie sie seit vielen Jahren hier nicht erlebt worden sind. Besonders betroffen wurden die Provinzen Ontario, Saskatchewan und Alberta, mit denen jede Verbindung unterbrochen ist. Während der Schnee im allgemeinen mehrere Meter hoch liegt, erreichten manche Schneeverwehungen eine Höhe bis zu 20 Metern. Im ganzen Lande herrscht eine außergewöhnliche Kälte. In Edmonton, »der Hauptstadt von Alberta, sank das Thermometer auf 51 Grad unter Null. Der Verkehr ist überall eingestellt. Auch in den Häfen an der Ostküste sind zahlreiche Schiffe am Auslaufen verhindert. Französisches Kaufhaus durch Feuer zerstört. In Montargie ist ein Kaufhaus durch Feuer vollständig zerstört worden. Der Schaden ist sehr bedeutend, da sämtliche Waren des Kaufhauses ein Raub der Flammen geworden sind. Das Personal konnte aus dem Gebäude rechtzeitig flüchten. Das Feuer soll durch einen schadhaften Heizapparat verursacht worden sein. Die Feuerwehr von Montargie, die von Soldaten unterstützt wurde, mußte sich darauf beschränken, die angrenzenden Gebäude zu schützen. Am 8. Januar 1939: Tag der Briefmarke. Fast in der ganzen Welt wird der Geburtstag unseres Generalpostmeisters von Stephan durch festliche Veranstaltungen der Briefmarkensammler gefeiert. Die Briefmarken-Vereine im Reichsbund der Philatelisten sowie Betriebs-KdF.-Sammlergruppen und Sammlervereine, die dem Reichsbund nicht an- gejchlossen sind, haben für den kommenden Tag der Briefmarke, den 8. Januar, vorgesehen: Tauschvormittage und Vorführung von auf Briefmarken bezüglichen Filmen mit Vorträgen. Der als einziger für den Tag der Briefmarke im Reich zugelassene Sonderstempel des „Reichsbundes der Philatelisten" soll auf noch näher zu bezeichnenden Postämtern an diesem Tag in Gebrauch genommen werden. Postsachen können bei dem Tauschvormittag eingeliefert werden. Im Dienst der Volksgemeinschaft und für das Winterhilfswerk werden im Tausch- und Vortragslokal die sämtlichen diesjährigen Winterhilfs- marken mit allen Kombinationen verkauft. Wetterbericht Das über Deutschland gelagerte Tiefdruckgebiet füllt sich unter ^stwärtsverlagerung auf. Es bedingt durch das Zufammenführen verschieden temperierter Luftmassen besonders über Mittel- und Ostdeutschland noch vielerorts Niederschläge, während in West- und Süddeutschland mit Auflockerung der Bewölkung die Fröste besonders in der Nacht zum Donnerstag allgemein wieder zugenommen haben. Da von Westen her in der Höhe immer wieder mildere Luft zuströmt, bleibt das Wetter auch für die Folge unbeständig. Vorhersage für Freitag: Weiter zunehmende Unbeständigkeit und Niederschlagsneigung. Nach kalter Nacht stärker ansteigende Temperaturen. Lebhafte westliche Winde. Vorhersage für Samstag: Unbeständig und zu Niederschlägen geneigt. Voraussichtlich milder als seither, Schnee. Lufttemperaturen am 28. Dezember: mittags — 0,6 Grad Celsius, abends — 2,6 Grad; am 29. Dezember: morgens —7,3 Grad. Maximum —0,4 Grad, Minimum heute nacht —8,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Dezember: abends —0,4 Grad; am 29. Dezember: morgens —0,4 Grad. — Niederschläge 0,7 cm Schnee. Wintersport-Wetterbericht. Vogelsberg, Herchenhainer Höhe: Bedeckt, — 7 Grad, Gesamtschneehöhe 36 cm, Neuschnee 3 cm, Pulverschnee, Schi und Rodel gut. Rhön, Wasserkuppe: Nebel, —9 Grad, Gesamtschneehöhe 30 cm, Neuschnee 6 cm, Pulverschnee, Schi und Rodel sehr gut. Spessart und Odenwald Neuschnee, gute Sportmöglichkeiten. Taunus, Kleiner Feldberg: Nebel,—9 Grad, Gesamtschneehöhe 24 cm, Neuschnee 4 cm, Pulverschnee, Schi und Rodel gut. — Großer Feldberg: Bedeckt, —8 Grad, Gesamtschneehöhe 24 cm, Neuschnee 4 cm, Pulverschnee. Schi und Rodel gut. Schwarzwald, FeMerq: Nebel, — 9 Grad, Gesamtschneehöhe 45 cm, Neuschnee 20 cm, Pulverschnee, Schi und Rodel gut. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: ErnstBlumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. XI. 38: 10718. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM.- 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Fräulein Ida Hofmann im 69. Lebensjahr. Gießen, den 29. Dezember 1938. Die Einäscherung findet in der Stille statt 8691D empfiehlt 8701A kA.Koch Nachfolger J Mäusburg 15,Ruf3612 JE ■ im । ./rrT! 1AJ CDRC DRUCKSACHEN VV Qn D C Brühl. Gießen In tiefer Trauer: Marie Kretz. Am 27. Dezember verschied nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine liebe, gute Kusine mit buchhalterisch. Kenntnissen für hiesiges gröberes Büro für sofort oder später gesucht. Schriftliche Angebote unt. 8704D an den Giebener Anzeiger. Bürohilfe inSteuerfr.bew. stundenweise ges. Schr.Angeb.unt. 05680 a.d.G.A. 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Unser innigstgehebtes, stets treubesorgtes Mütterchen und Großmütterchen, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Frau Elise Rotte Wwe., geb.Lippert ist heute früh 7.15 Uhr nach schwerer Krankheit, 78 Jahre alt, in Frieden heimgegangen. Lhsabeth und Kurt Rotte. Gießen (Kirchenplatz 14), Köln, Wuppertal-Vohwinkel, den 28. Dezember 1938. Ihre sterbliche Hülle geleiten wir am Freitag, 30. Dezember, 14.45 Uhr, auf dem Neuen Friedhof zur letzten Ruhestätte. 35681 Und zur Neujahrs-Feler zum Abendkleid den schönen Fahrner-Schmuck Kunsthandlung 3. Hirz Seltersweg 22 8656V Verkäufe Schlitten (Einspänner) verkauft LtosD M. Stephan Großeu-Buseck Telefon 80. Schaufenster- Scheibe ca. 1,42X3,19 cm mit Rahmen bill. zu verkauf. Carl Schunck Bahnhofsir. 66. 3 schöne MeM sehr bill. abzug. Schulheim Burg Nordeck über Gießen. Fast neuer, mod. weißer Herd preisw. zu verkaufen. 05682 Friedensstr. 171 1 Paar Skistiefel Gr. 40, fast neu, zu verkaufen. Wo, sagt die Geschäftsstelle des Gieß. 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Appetitsild................125 g 60 Pf. und viele andere Leckerbissen Gießen, Seltersweg 18 — Ruf 2467 8658 A NORDSEE Nr. 504 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 29. Dezember 1958 Aus der Stadt Gießen. 3n einer stillen Stunde ... Die Festtage sind vorüber. Wir standen im Bann des schönsten Festes, vergaßen Alltagssorgen, Trauer und Leid. Wir freuten uns im Kreise der Familie. Manche Erinnerung wurde geweckt in diesen Tagen. Mit glücklichen Augen schauten wir zurück in unsere Jugendzeit... Ja, damals, als wir noch jung waren... Tauchten da nicht auch einige bekannte Gesichter ciuf, die wir im Strome der Zeit vergessen glaubten? Sind es schon so viele Jahre her, daß wir Freund K. zum letzten Male sahen? Was mag er treiben? Wie mag es ihm gehen? Und schon nehmen wir ein Bündel Briefe vor, das wir sorgfältig aufbewahrt haben. Das war fein letzter Brief. Ja, da ist noch einer! Herr Gott! Und immer wollten wir antworten und „kamen nicht dazu". Jetzt aber, in dieser stillen Stunde... Es ist schon so. Schlagen wir an unsere Brust! Haben wir nicht, wenn wir einen Brief erhielten, zu schnell gesagt: Die Antwort hat noch Zeit? Und dann wurde sie vergessen. Ein Rat meines Daters hat immer noch seine Berechtigung. Er sagte: Wenn ihr Briefe erhaltet, dann antwortet gleich! Schiebt es nicht auf die lange Bank, sonst kommen andere Ereignisse, die es dann verhindern. Einmal habt ihr keine Stimmung, ein andermal wieder fehlt die Zeit, deshalb schreibt gleich! Schon der kleinste Gruß von Freundeshand hebt empor, gibt das Gefühl der Verbundenheit. Ich habe in den Weihnachtstagen den Briefwechsel von zwei großen Dichtern gelesen. Theodor Storm, der Norddeutsche, schreibt an Gottfried Keller, den Schweizer. Die zwei Dichter haben sich nie im Leben gesehen, aber ihre Briefe sind ein herrliches Geschenk. Wir ersehen daraus, daß es außer der persönlichen Bekanntschaft noch seelische Kräfte gibt, die weit stärker sind als alle äußeren Berührungspunkte. Und wer kennt nicht Goethes Briefe? Könnten wir sie missen? Wir glauben nicht mehr an die „gute alte Zeit". Sie hatte auch ihre Schattenseiten. Eins aber hatte sie vor uns voraus: In jener alten Zeit konnte man noch Briefe schreiben. Das haben heute viele verlernt. Das technische Zeitalter, das Telephon, der Rundfunk ufw. haben die Feder zurückgedrängt. Auch die Schreibmaschine ist nicht für Freundesbriefe geschaffen. Wenn wir deshalb unseren Freunden schreiben, greifen wir zur Feder. Ein Brief aus der Maschine wirkt immer kalt und geschäftlich. In einer stillen Stunde gedenken wir unserer Freunde, wir plaudern mit ihnen, wir erzählen von uns und senden ihnen Grüße. Dadurch werden -unsere Freunde reicher, wir aber auch. Alle Freundschaftsbriefe sind Träger des Glücks. Sie lassen fühlen, daß wir alle Glieder einer großen Gemeinschaft sind, daß darüber hinaus aber noch besondere Bande der Freundschaft uns verbinden. Das gibt diesen Briefen den eigentlichen Wert. Und selbst, wenn der Freund nicht gleich antwortet, emp- sinden wir doch ein stilles Glück, denn auch hier gilt das alte Wort: Geben ist seliger als nehmen! Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 29. Dez. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, ausländische Kühlhauseier, Klasse S 12, Weißkraut, % kg 8 bis 9, Rotkraut 9 bis 10, gelbe Rüben 9 bis 10, rote Rüben 9 bis 10, Unterkohlrabi 8 bis 9, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 30 bis 35, Zwiebeln 12 bis 15, Schwarzwurzeln 30, Meerrettich 30 bis 60, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3 bis 3,50 Mark, Aepfel, % kg 40 bis 45 Ps., Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Gänse 1,10 bis 1,30 Mark, Nüsse 50 bis 65 Pf., Tauben, das Stück 50-bis 60, Endivien 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 15 Pf. Stadt im Winterkleid. Es ist schon lange her, daß sich unsere Stadt in so schönem Winterkleid zeigte, wie gerade jetzt. In den Straßen herrscht das Weiß vor, wenn auch nicht immer in reinster Pracht, jede Gartenmauer hat ihren Schmuck, jeder Pfahl hat eine Mütze bekommen und die Denkmäler haben weiße Mäntel umgehängt. Jeder Fußgänger, der während der Schneetreiben länger unterwegs war, wurde zum „Butzemann". In den Gärten liegt der Schnee sehr hoch und in reinem Weiß. Die Bäume bieten in ihrem weißen Schmuck einen prächtigen Anblick. Kurzum: alles sieht im Schnee anders und schöner aus als vorher. Das schöne Straßenbild ist uns nun schon vertraut. Wir stiegen gestern die engen Wendeltreppen des Stadtkirchturms hinauf, um dort von der großen Turmveranda aus einen Blick über Gießen zu werfen. So, wie es unser Bild zeigt, sieht es aus, wenn man vom Turm herunterblickt auf die Straßen und Gassen der Altstadt. Ein festlicher Anblick! * Allerdings: die Stadtverwaltung sieht die Schneeherrlichkeit mit etwas anderen Augen an. Es gilt für sie, der großen Schneemengen Herr zu werden und dafür zu sorgen, daß der Verkehr nicht allzusehr behindert wurde. Es mußten deshalb gestern der ganze Fuhrpark der Stadt und alle verfügbaren Hilfskräfte eingesetzt werden. Da gibt es viel zu schippen. Für die Räumung der Bürgersteige sind praktische hölzerne Schneepflüge eingesetzt, die von je einem Mann gezogen und geschoben werden. Die vollbeladenen Wagen werden zu den Schneeschächten der Kanalisation gefahren und dort die Schneemengen in die Tiefe gestoßen. Neben der Arbeit kommt aber auch die Winterfreude zu ihrem Recht. Allenthalben in den Außenbezirken der Stadt sieht man die Schiläufer, und sie alle würden nach ihren Wanderungen durch den winterlichen Wald bis vor ihr Haus laufen, wenn sie es dürften. Und jeder noch so unscheinbare Hügel wird von der Jugend zum Rodeln ausgenützt. Fürwahr: die Schneeherrlichkeit ist eine Freude! (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger) Eistrist auf der Lahn. Die langen Eisbahnen werden zum Eiskeller geflößt. Der strenge Frost der vergangenen Woche hat auf der Lahn eine Eisschicht geschaffen, die bis zu einer Stärke von 25 Zentimeter anwuchs. Die Brauerei Denninghoff und der Bieroerlag Schmall, die beide an der Lahn Eiskellereien haben, waren damit sehr einverstanden. Es wurden zahlreiche Helfer angesetzt, um nach altbewährten Methoden die dicke Eisschicht der Lahn auf stattlicher Fläche zu zersägen, in kleinere Stücke zu trennen, in schmalen Wassergassen an das Ufer zu flößen und dann auf Rutsch-, bzw. Förderbahnen in die Eishäuser zu schaffen. Das geschah in diesen Tagen bereits sehr ausgiebig.' Mancher große Raum wurde mit Eis gefüllt und verschlossen, um erst im Sommer wieder geöffnet zu werden, wenn andere Celsius-Grade herrschen und mancherlei wertvollen Lebensmitteln mit dem Verderb oder den Getränken mit lauer Temperatur drohen. Die Eistrift auf der Lahn, die sich allerdings ziemlich unter Ausschluß Her Oeffentlichkeit vollzieht — denn es gälte ein Stück durch tiefen Schnee zu stapfen — , bietet ein ungemein reizvolles Bild. Die Ufer der Lahn sind tief verschneit und man weiß nicht so recht, wo die feste Erde aufhört und die Eisfläche (die da und dort trügerisch sein kann) beginnt. Alles ist in reines und unberührtes Weiß gehüllt. Die hohen Schilfe stehen wie Filigran vor der helleren Fläche. Nur da, wo jetzt die Männer damit beschäftigt sind, das Eis zu schneiden, ist die weiße Fläche durch ein seines Grün einer jungen Eisschicht oder durch das kräftige Dunkelgrün des offenen Wassers unterbrochen. Mit langen Sägen Großzügige Eisförderanlage des Gießener Brauhauses. (Aufnahmen |2|: Neuner, Gieß. Anz.) wird das Eis in Bahnen abgeschnitten, die dann von einem Mann mit langem Haken gezogen, in der Wassergasse gemächlich fortbewegt werden, um schließlich mit Aexten in kürzere Stücke aufgeteilt zu werden. Im Eishaus Schmall wird das Eis mit langen Haken auf glatter Bahn in die Eisbunker gefchoven und dort aufgeschichtet. Am Eishaus der Brauerei dagegen wird das Eis von Förderhaken erfaßt, auf schräger Bahn haushoch emporgetragen und bann in die Eisräume gestürzt. Das Eishaus des Gießener Brauhauses, das in drei Bunker unterteilt ist, faßt insgesamt 30 000 Zentner Eis, die in etwa sechs Tagen erarbeitet werden konnten. Am heutigen Donnerstag wird dort die Arbeit abgeschlossen. Die Bunker sind voll. Der Bierverlag Schmall lagert für seinen Betrieb etwa 6500 Zentner Eis ein. Auch bei der Bierbrauerei Jhring-Melchior in Lich ist man seit einigen Tagen damit beschäftigt, Eis auf den Albacher Teichen zu schneiden. Auch dort werden ganz erhebliche Mengen in die eigens dafür erstellten Eishäuser verfrachtet. Allein für den Licher Betrieb werden bis zu 45 000 Zentner Eis geschnitten. Selbstverständlich geht Überall in den genannten Betrieben auch die Kunsteisherstellung in der Üblichen Form weiter, da das Natureis den Bedarf nicht völlig decken könnte. Matfau* MüCCw EttotfCe /XA. * Zungenprode und Zeichensprache Bilder von einer Weinversteigerung. Trier, im Dezember. W»inversteigerung in Trier! Eine Ankündigung, die die ganze Weinfachwelt aufhorchen läßt. Das wertvolle Gut einer Jahresernte kann man jetzt für den Keller erwerben. In den geräumigen Gewölben der Stadt lagern über 40 000 Fuder Wein, also mehr als 40 Millionen Liter, und bei den großen Weinversteigerungen werden Millionenum- sätze erzielt. Während der junge 1938 er Wein in den Kellern gärt und in den Weinbergen die Arbeit ein Weilchen ruht, finden in der Stadt diese .Herbstweinversteigerungen statt, hei denen jetzt der 1937 er verkauft wird. Zwei Ringe sind es, in denen die zahlreichen Weingüter im wesentlichen zusammengefaßt sind. Sie sind rm Laufe der Jahre aus verschiedenen kleineren Versteigerungsgesellschaften hervorgegan- gen. Die bedeutendste dieser Gesellschaften ist der „Trierer Verein von Weingutsbesitzern der Mosel, Saar und Ruwer e. V.", den man kurz als „Großer Ring" bezeichnet. Die zweite Gesellschaft ist die „Naturwein-Versteigerungsgesellschaft Trier e. V.",, der vielfach zu Unrecht die Bezeich- nung „Kleiner Ring" gegeben wird. Diese Gesellschaft hat sich in erster Linie darum bemüht, die Weine der mittleren und kleinen Güter umzusetzen. Bei der jetzigen Versteigerung der beiden Gesellschaften werden über 650 Fuder naturreiner Weine aus den besten Lagen des gesamten Weinbaugebietes an Mosel, Saar und Ruwer angeboten, und acht bis zehn Tage nimmt die Versteigerung in Anspruch. Die Gesellschaften haben lange vor dem angefetzten Termin die angemeldeten Fuder geprüft. Eine Vorprobe hat den Weinverteilern (Kommissionären) — die allein befugt sind, beim Angebot zu bieten — Gelegenheit gegeben, die Weine kennen zu lernen und ihren Wert abzuschätzen. In den letzten Jahren wird der Wein auf Grund neuer Bestimmungen schon bei der Vorprobe unter behördlicher Aufsicht tariert, d. h. es werden Richtpreise festgelegt. Dabei sind naturgemäß die Spitzenweine ausgenommen. Die Weinverteiler bringen ihre Geschäftsfreunde aus allen deutschen Gauen mit; ja, es vergeht keine Versteigerung, an der nicht auch ausländische Kunden erscheinen, bie sich durch die Kommissionäre am Einkauf beteiligen. Für die Versteigerung des 37 er5 besteht besonderes Interesse, denn die Vorproben haben ergeben, daß er zu den besten Weinen der vergangenen Jahrzehnte gehört. Im Versteigerungssaal sind jetzt lange, weißgedeckte Tische ausgestellt. Kurz vor 12 Ühr füllen sich die Reihen. Jeder Weinverteiler hat feinen festen Platz. Dort, wo der Vater gesessen hat, sitzt Heuer der Sohn. Und um ihn herum sitzen die Weingroßhändler, die Hoteliers und die Verehrer des Weines, die es sich nicht nehmen lassen wollen, den Proben beizuwohnen. Wenn der Ausrufer durch Stockschläge auf den Tisch den Beginn der Versteigerung ankündigt, wird es ruhig im Saale. Sehr ruhig sogar Zahlreiche Küferburschen erscheinen. In feuchte Tücher gehüllt sind die Flaschen. Nur kleine Proben werden gereicht, aber auch diese kleinen Proben werden von den Kennern nicht getrunken. Auf die Zungen- probe allein kommt es an. Auf den Tischen stehen neben den Gläsern und neben aufgeschichteten Weißbrötchen besondere Näpfe zur Ausnahme der' Weinreste. Den Schluck aber, den der Kenner in den Mund nimmt, spuckt er wieder aus. So bilden sich dann allerorts Lachen am Boden, die zur Versteigerung gehören, wie der Wein und die Brötchen, mit denen man zwischen den Proben den Gaumen neutralisiert. Die Proben sind eingeschenkt. Die Kenner urteilen. Das Glas wird angehoben. Das Auge prüft des Weines Glanz. Dann kommt die Nase „zu Wort". Die Blume, die köstliche, das Aroma, beim Moselwein immer hervorragend, werden erforscht. Dann erst kommt die knappe Zungen- und Gaumenprobe. Sie ist entscheidend. Jetzt hat der Ausrufer ein Fuder mit 1500 Mark angeboten. Sein Werkzeug ist ein Stock mit Elfenbeinschmuck. Es geht nicht zu wie bei anderen Versteigerungen. Kaum ein Laut wird gesprochen. Der Ausrufer kennt die Stammplätze der Ansteigerer genau, obwohl sie im weiten Saal verteilt sind. Hier hebt sich ein Bleistift. 1510! An einer anderen Ecke wird eine Hand sichtbar: 15201 Ein Verteiler sieht aus und spricht leise vor sich hin. Der Ausrufer hat verstanden. 1530! So geht es weiter. Der Preis ist auf 1720 gestiegen. Da macht ein Bleistift eine kleine, kreisrunde Bewegung. Wieder hat es der Ausrufer erfaßt. Der Betrag wird abgerundet auf die nächste Hundertzahl: 1800! Immer ist es nur ein kleiner Kreis, der sich für em bestimmtes Fuder interessiert. 2000 Mark werden geboten. Die ersten Steigerer geben es auf. Schließlich werden für das Fuder 2010 Mark geboten Der Ausrufer spricht sein „zum Dritten" laut und deutlich aus. Der Stock fällt mit dumpfem Klang auf den Tisch. Das Fuder ist versteigert. Wieder erscheinen die Küferourschen. Die Gläser sind geleert. Eine neue Probe wird aus geschenkt .und ausgerufen. Im Durchschnitt werden täglich in etwa vier Stunden 65 bis 80 Fuder versteigert. Die Zeichensprache der Bieter ist vielgestaltig. Ein Bleistift, ein Finger, mehrere Finger, in den vorderen Reihen ein Fuß, ein Ellenbogen, auch der Kops dienen zum Zeichengeben. Und der Ausrufer sieht und versteht alles. Wenn der Beamte der Regierung seinen Bleistift hebt, ist der Höchstpreis erreicht. Das Fuder geht zu gleichen Teilen an die Letztbietenden über. Jedes Versteigerungsergebnis wird sorgfältig schriftlich festgehalten und vertraglich beurkundet. Den Höhepunkt erreicht die Versteigerung, wenn die Könige des Weines versteigert werden, also wenn die besten Lagen der Saar oder der Ruwer an die Reihe kommen. Diese Proben werden mit besonderem Genuß geschlürft, und es gibt nur wenige, die einen Rest in die Näpfe zurück- gießen. Ja, die Kenner verzichten dann sogar auf das — Ausspucken. Im Handumdrehen sind hohe Preise erreicht, bis schließlich die letzten Bieter sich am Ende in das Fuder teilen. Der Duft der ersten Zigarre zieht nun durch den Saal und verkündet, daß dieser Versteigerungstag zu Ende ist ... Lacke dick gesund! Es ist eine alte Weisheit, daß Lachen gesund ist, aber bisher haben es die Aerzte noch nicht als Heilmittel in ihren Rezeptschatz ausgenommen. Der amerikanische Arzt Dr. Welsh hat aber seinen Kollegen ausdrücklich empfohlen, ihren Kranken das Lachen zu verordnen. Wieviele Aerzte gibt es wohl, so führte er aus, die darauf bestehen, daß ihre Patienten im Laufe des Tages eine bestimmte Zahl herzlicher Gelächter hervorbringen, seihst wenn sie ohne besonderen Grund lachen müßten? Gewiß ist das Lachen, das durch einen guten Spaß ausgelöst wird, tiefer und natürlicher, lüftet die Lungen besser, regt das Herz mehr an, bringt das Blut kräftiger in Umlauf und läßt alle Organe besser arbeiten. Aber wenn der Kranke nicht von selbst lacht, dann muß er sich eben zum Lachen zwingen, denn ein erzwungenes Lachen ist immer noch gesünder als gar feins. Der Arzt aber sollte unter seinen Rezepten auch stets ein paar unwiderstehliche Witze haben, die er denen vorsetzt, die eines kräftigen Lachens dringend bedürfen, und es heißt sich eines vorzüglichen Heilmittels berauben, wenn man einen Patienten, der an irgendeiner Depression leidet, aus dem Sprechzimmer entläßt, ohne ihn gehörig zum Lachen gebracht zu haben. Lachen ist nicht nur gut für den: Körper, sondern auch für den Geist. Man kann lachen lernen und sich darin üben. Gibt es doch sogar eine Theorie, die behauptet, daß der Körper zuerst von den Empfindungen ergriffen wird und bann der Geist. Mag auch die Theorie nicht in jeder Beziehung richtig sein, so enthält sie doch einen Keim der Wahrheit. Zweifellos wird der, der sich int Lachen übt und viel lacht, eine hellere Auffassung des Lebens erlangen. B. Hochsckulnackrickten. Es wurde übertragen: dem nichtbeamteten außer* ordentlichen Professor Dr. Aloys Merz unter Er* nennung zum ordentlichen Professor an der Berg* afabemie Clausthal ber Lehrstuhl für Metall* kunbe; dem Dozenten Dr.-Ing. habil Oskack Zdralek in Dresden unter Ernennung zuntz ordentlichen Professor an der Bergakademie F ^ei * berg i. Sa. der Lehrstuhl für Elektrotechnik^ dem Dozenten Dr. phil. habil. Theodor Bersin unter Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Universität Marburg der Lehrstuhl fiii? Physiologische Chemie; dem nichtbeamteten außer* ordentlichen Professor Dr. Hans Joachim Den* ticke unter Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Universität Bonn der Lehrstuhl für Physiologische Chemie; dem nichtbeamteten außerordentlichen Professor Dr. Matthias Hacken* brach unter Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Universität Köln der. Lehrstuhl für Orthopädie; dem Dozenten Dr. med. habiL Peter Holtz in Greifswald unter Ernen* nung zum außerordentlichen Professor an der Um* versität R o st o ck der Lehrstuhl für Physiologisch^ Chemie; dem Observator Dr. Ratje M ü g g c! unter Ernennung zum außerordentlichen Professor' an der Technischen Hochschule Darmstadt deck Lehrstuhl für Flugmeteorologie; dem Dozenten Dr« Ernst P e s ch l unter Ernennung zum außerordent* lichen Professor an der Universität Bonn deö Lehrstuhl für Mathematik; dem nichtbeamteten» außerordentlichen Professor Dr. Hans Schulten unter Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Universität Rostock der Lehrstuhl fück Innere Medizin; dem Dozenten Dr. Hermanni Wattenberg unter (Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Universität Kiel deck Lehrstuhl für Hydrographie und Chemie bcs) Meeres. Der ao. Professor Dr. Walter Bauersfeld istz an der Universität Jena zum Ordinarius für Sou* dergebiete der Technischen Physik ernannt worden«» Luftiger Gttvesterbrauch. Aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Man soll sich nicht weiter darüber aufhalten, wenn gelegentlich Schauspieler, Artisten und Rennfahrer gern abergläubisch sind. Man steckt ja selbst in aller« lei Aberglauben drin, ohne daß man immer darum weiß. Bei besonderen Gelegenheiten kommt das oft auf merkwürdige Art heraus. Keinem allen TVeiblein begegnen. Die ältesten und klügsten Leute zum Beispiel gie- ßen am Silvesterabend Blei. Die sich bildenden Blei- figürchen sollen auf Glück oder Unglück im kommenden Jahr Hinweisen. Biele glauben, daß es gut sei, wenn ihnen am Neujahrsmorgen zuerst ein froh« licher Bub oder ein schönes Mädchen begegnet. Das bedeutet Glück. Aber wenn einem zuerst ein altes Weiblein entgegenkommt, dann passiere ein Unglück im kommenden Jahr. Und wenn wir am ersten Tag im Jahr tüchtig unseren Punsch trinken, kräftig böllern und schießen und uns laut über die Straße Glück wünschen, so steckt auch darin ein Stück alten Aberglaubens. Nach altem Volksglauben nämlich kämpfen um den ersten Tag im Jahr gute und böse Geister. So soll man lärmen und schießen und böllern, um die bösen Geister zu vertreiben und sich tüchtig dazu Mut antrinken. Den Finger erheben! Es ist schon oft ausgerechnet worden, welche wirtschaftlichen Werte sich aus einem derartigen liebenswürdigen „Aberglauben" ergeben. Die Gasthäuser, eine große Anzahl von Geschäften, die Weinhandlungen, die Post, vor allem auch die Drogerien, in denen man all jenes nette pyrotechnische Material kaust, können darüber berichten. Unsere Freude und unser bißchen Aberglauben verwandeln sich in volkswirtschaftliche Werte. Daß man gelegentlich den Finger heben und mahnen muß, braucht wohl im allgemeinen unsere Freude nicht zu trüben. Alle Jahre wieder kommt es vor, daß ein Tölpel einen Christbaum umwirft und eine Gardine obbrennt. Unvorsichtige Leute gibt es eben auch zu Weihnachten. Und an jedem Silvester verbrennt sich mal einer den Finger, wenn er mit vernehmlichem Zischen eine Rakete losläßt, oder ei passiert wohl auch sonst ein Unheil, wenn einer so fahrlässig ist, einen Feuerwerkskörper in einem Saal oder in einer Stube loszulassen. Auch am Silvester sind die Fahrlässigen nicht ausgestorben. Darum müssen die Vorsichtigen auspassen, Vorbeugen und Schaden verhüten. Drogerien treiben Schadenverhütung. Kurz vor Neujahr 1938 kam ein Knabe in die Drogerie und verlangte allerlei Chemikalien. Die gewissenhaften Fragen des Drogisten nach dem Verwendungszweck und dem Alter seines Kunden wurden falsch beantwortet. So bekam der Junge seine Chemikalien; das führte zu einer Explosion, zum Verlust von zwei Fingern und zu einem gerichtlichen Nachspiel. Der 6. Zivilsenat des Reichsgerichtes mußte feststellen, daß sich der Drogist bei Abgabe von Gift und Chemikalien, die zur Herstellung von Feuerwerkskörpern verwendet werden können, nicht ohne weiteres auf die Angaben des Kunden verlassen darf. Er muß unter Umständen nachprüfen. Man soll sich deshalb nicht wundern, wenn die freundlichen Leute in der Drogerie gelegentlich neugierig sind und fragen, wie alt wir sind und für welchen Zweck wir die verlangten Chemikalien verwenden wollen. Denn der Drogist ist fachlich erzogen, gewisienhaft ausgebildet und verpflichtet, Schadenverhütung zu treiben, damit wir, ohne Schaden zu stiften, auch Silvester feiern können. H; S. Leichtsinn bringt Gefahr! Vorsicht ist nicht Feigheit! Wir wollen es ruhig eingestehen: Wenn wir von einem vorsichtigen Menschen hören, hat diese Vorsicht nicht etwa den Reiz des Nachahmenswerten für uns. Wir haben im Gegenteil ein unangenehmes Gefühl dabei und verbinden — bewußt oder unbewußt — den Begriff der Vorsicht mit dem der Feigheit. „Wer vorsichtig ist", sagen wir, „der wagt nichts, und wer nichts wagt, hat keinen Mut! Und wer keinen Mut hat, ist eben ein Feigling!" So hört sich das ganz einleuchtend an. Daß wir dabei den Begriff der Vorsicht verbiegen und vielleicht in manchen Fällen ins Gegenteil umkehren, ist auf dem ersten Blick nicht so ganz einleuchtend. Vorsicht ist das Gegenteil von Leichtsinn und nicht etwa von Mut. Vorsicht und Leichtsinn haben mit Feigheit oder Tapferkeit nicht das geringste zu tun. Tapfer können beide sein, der vorsichtige und auch der leichtsinnige Mensch. Wo aber der vorsichtige Mann klug abwägt und seine Kräfte sammelt, ehe er den Angriff auf ein Ziel unternimmt, wird der leichtsinnige drauflosstürzen und oft schon am Ende seiner Kräfte sein, ehe der letzte Einsatz überhaupt von ihm gefordert wird. Der Vorsichtige wird alles daransetzen, im Vollbesitz seiner Kraft zu bleiben, weil seine Gesundheit ihm wertvoll nicht nur ür sich selber, sondern auch für die Gesamtheit er= cheint. Der Leichtfertige denkt nicht soweit. Mit einem Denkvermögen ist es überhaupt nicht weit her, sonst würde er nicht fortwährend seine gesunden Knochen einsetzen, um etwas zu erreichen, das diesen Einsatz gar nicht wert ist! Der Vorsichtige wird sich auch einsetzen, er wird auch alles darangeben, ein großes Ziel zu erreichen; aber dieses Ziel muß auch den großen Einsatz wert sein! Es sieht also doch wohl so aus, daß wir nicht Vorsicht und Feigheit, sondern Vorsicht und Klugheit und Leichtsinn und Dummheit auf eine Stuf« zu setzen haben. Ein paar Beispiele zeigen das ganz deutlich. „Wenn du Mut hast, spring auf!" könnte jemand auf der Straße sagen und selber mit einem gewaltigen Satz auf die fahrende Straßenbahn springen. „O nein", wird sich der Vorsichtige bedanken, „warum sollte ich das tun, so dumm bin ich nicht! Wenn der Sprung daneben gelingt, breche ich mir die Knochen, und so billig kommen sie mir doch nicht vor. Ich riskiere meine Gesundheit, und was bekomme ich dafür? Bestenfalls spare ich die paar Minuten Zeit, bis die nächste Bahn kommt. Ist das aber wirklich soviel wert?" Oder ein anderes Beispiel: Da schlendert einer — wie er meint, sorglos, in Wirklichkeit aber leichtsinnig — durch das Gewühl einer starkbelebten Derkehrsstraße. Er sieht weder links noch rechts, achtet auf kein Verkehrszeichen und springt noch schnell vor dem Auto auf den Bürgersteig. „Darauf kommt es an!" wird er sagen. „3mmer die Ruhe bewahren und sich dann im richtigen Augenblick ohne Furcht durch Autos und Fahrräder hindurchwinden." Er wird sich selber sehr tapfer vorkommen und den Vorsichtigen nicht verstehen, der sich so bewegt, wie es einem vernünftigen Menschen zukommt. Der Leichtsinnige vergißt nämlich ein sehr wesentliches Moment: Bei seinen „Mutübungen" und „Tapferkeitsbeweisen" spielt er nicht nur mit seinen eigenen Knochen, sondern auch mit dem Leben und der Gesundheit anderer, die sich auf der Straße bewegen. Er tut das gewiß nicht in der Absicht, anderen zu schaden, aber gerade, weil er nicht einmal merkt, daß er andere gefährdet, offenbart er feine Dummheit. Leichtsinn ist eine durchaus unmännliche Eigenschaft. Dieser Leichtsinn fordert täglich und stündlich vom deutschen Volk unnötige Opfer. Dabei ist der bewußte — als Mut getarnte — Leichtsinn noch harmlos 'gegenüber dem Leichtsinn, den der einzelne gar nicht mehr als Leichtsinn empfindet, weil es schon zur Gewohnheit geworden ist. Gerade das Gefühl: Es ist ja bisher gutgegangen, es wird auch heute nichts passieren! ist eine Stütze des zur Gewohnheit gewordenen Leichtsinns. Aus diesem Gefühl heraus fährt der Radfahrer immer wieder in der Dunkelheit ohne Licht. Es fei ja nur eine unmöglicher Hausverwalter.^ Hm Anschluß an eine Veröffentlichung in der „Oberhessischen Tageszeitung", Nr. 347 vom 21. De- zember, die sich mit der Tätigkeit des Hausverwalters August Becker und den Wohnverhältnissen in dem Hinterhause Walltorstraße 48 beschäftigte, berichteten wir in unserer Nr. 300 vom 23. Dezember über eine dieser Angelegenheit gewidmete Unterredung mit dem Kreisleiter Backhaus und dem Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes, Ober- .meoizinalrctt Dr. E n g a u. In einer neuerlichen Rücksprache mit den zuständigen Stellen wurde uns folgendes erklärt: Die Nachprüfung dieser Angelegenheit habe ergeben, daß die Hauptschuld an den Zuständen in dem Hinterhause Walltorstraße 48 bei den Mietern selbst liege. Es habe sich herausgestellt, daß große Mietrückstände vorhanden seien, in einem Falle sogar bis zu 1500 Mark. Weiter habe sich ergeben, daß Becker trotz dieser Mietrückstände bis in das Jahr 1938 hinein Reparaturen in den Wohnungen dieses Hauses habe vornehmen lasten und daß er dem Mieter, der die hohen Mietrückstände schuldet, auf- gegeben habe, die Reparaturen selbst vorzunehmen und den Betraa von dem Mietrückstand abzuziehen. Es habe sich also herausgestellt, daß Becker korrekt gehandelt habe. Danach könne der Vorwurf, daß Becker nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht sei, nicht aufrechterhalten werden. Oer Weihnachtsbaum verdient ein ehrenvolles Ende. Es gibt wohl kaum einen Baum in unseren Wäldern, dem wir so viel Freude zu danken hätten, wie der Fichte. Solange sie im Walde wurzelt, erfreut sie uns durch ihren edlen Wuchs, das Immer- grün ihrer Nadeln, durch die Lieder der in ihrem Gezweig nistenden Vögel ynd ihren herben und harzigen Duft. Darf sie ihr natürliches Sehen leben, so erlebt sie ihre fünfzig oder achtzig Sommer. Häufig aber erreicht sie auch nicht annähernd dieses Alter, sondern sie stirbt, von der Axt getroffen, mit acht oder zehn oder einigen Jahren mehr dahin. Aber es ist kein häßliches Ende; denn noch Tage» ost auch Wochen lang steht der Baum, mit silbernen und goldenen Kugeln und blitzendem Tand geschmückt, von brennenden Kerzen und leuchtenden Sternen bestrahlt, in festlichen Räumen; frohe Lieder umklingen ihn, selige Kinderaugen staunen ihn an wie ein Wunder, und auch große Menschen fühlen sich in seinem beglückenden Bereich wieder jijng und gläubig. All das bringt der holde „Tannenbaum" zuwege, der, als er noch im Walde lebte, meist eine Fichte war. Aber so verzeihlich die landläufige Verwechslung von Tanne und Fichte ist, so traurig ist oft das Ende des guten Baumes, der die Menschen so froh machte. Gewiß ist das nicht die Regel, aber wie häufig sind wir Zeugen, wie häßlich man mit dem „ausgedienten" Weihnachtsbaum verfährt. Oder wer hätte das noch nicht beobachtet: wie einer von ihnen um Neujahr herum oder etwas später, noch mit Spuren von Lametta im Nadelhaar und wachs- betropften Zweigen, in der Gosse ober im Hofwinkel lag wie irgend ein abgelegter Plunder? Manchmal sieht man die festlichen Bäume wochenlang auf 21b» sallstätten herumliegen, längst schon aller Nadeln bar und mit zertretenem Astwerk und abgebrochenen Kronen — ein jammervoller Anblick. Muß das sein? fragt man sich in solchen Fällen. Und findet es verwunderlich, daß ein Bäumchen, das soviel Freude spendete, nun so elend verkommen mutz. Es sollte doch fast eine Selbstverständlichkeit sein, daß der Weihnachtsbaum, wenn er seinen Zweck erfüllt hat, wenigstens verbrannt wird. Indem man ihn etwa zum Feueranmachen gebraucht. Gerade den Zeitgenossen möchte man diese nützliche Verwendung des Baumes empfehlen, an deren Gemüt man ohne Erfolg appelliert, die aber zu sparen und zu rechnen wissen. Sie brauchen wahrscheinlich, um sich zu bessern, nur auszurechnen, was ein ausgedienter Weihnachtsbaum ihnen wert fein kann, wenn sein Holz reicht, um eine Woche lang das Herdfeuer in Gang zu bringen. Man soll auch diese 20 oder 30 Pfennige, die das Anmachholz etwa wert ist, nicht verkommen lassen. Um so weniger, wenn man damit gleichzeitig manchem Mitmenschen, dem ein mißhandelter Weihnachtsbaum leid tut, einigen Aerger erspart. Schl. VW WUWW? Roman von Hubert Rausse. Copyright by Albert Langen/Georg Müller, München. 17. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Gewiß! Aber dasselbe Schicksal sorgt auch für Hilfe. Paß auf! Es ist doch eigentlich mehr als eine komische Sache, daß du, Karl Hellfahr auf Trebbin, eine Schwester hast, die Schauspielerin ist. Du warst natürlich immer ein wenig stolz auf mich, aber du hast auch viele Augenblicke gehabt — fei mal ehrlich, Karl! —, viele Augenblicke, wenn die andern dich so ein wenig boshaft gefragt haben: Was macht sie denn eigentlich, die Schauspielerin? Weißt du, so mit diesem leichten Unterton, was wild sie schon sein, diese sagenhafte Elisabeth da unten in München — wo du dich auch gefragt hast, warum werde ich armer solider Kartoffelzüchter und Rübenbauer eigentlich mit einer Schwester ge» schlagen, die statt in die Nachbarschaft zu heiraten und Kinder zu kriegen, ausgerechnet am Theater ist?" Sie sprach das „Theater" in einem unsagbaren Ton. Karl sträubte sich lachend. „Wo denkst du hin, Elisabeth? Aber niemals!" „Na, na!" Elisabeth entdeckte plötzlich, daß auch eine Naive in ihr steckte. Sie tropfte das „Na, na" aus einem hochgehobenen Glas in fein Sträuben hinein. Sie lachten beide ganz froh. Dann sagte Elisabeth: „Wie gut das tut! Man sollte viel mehr lachen! Aber nun im Ernst. Das gleiche unfaßbare Schicksal, das dir den dummen Vertrag gleich einem Strick um den Hals gelegt hat, das hat dir auch eine Schwester gegeben, die Schauspielerin ist — beide Sachen sind mit dem, was du und Vater so die menschliche Vernunft nennen, gar nicht zu fassen. Aber diese beiden Dinge stehen in irgendeinem Zusammenhang. Man soll Schicksal nicht durch Zufall erklären. Hier ist eine Wechselwirkung da. „Ich bin vom Schicksal ausersehen, dich aus deiner Schuld zu befreien." Sie hatte ganz rote Wangen. Sie machte Gesten — große, beherrschende Gesten —, die ihr selbst ganz neu waren. Es war ihr bitter Ernst. „Unsinn, Elisabeth! Ich bin dir dankbar, daß du mir einmal geholfen hast, und werde dir dankbar sein, wenn du bas weiter könntest. Aber die Dinge entziehen sich unserer Macht. Was kann ich gegen den Dollar?" H H „Nicht du! Ich habe mich auch falsch ausgedrückt. Meine Ausgabe ist nicht, dich zu befreien. Es handelt sich überhaupt nicht um dich und mich! Es handelt sich um Trebbin. Das Schicksal, das jetzt Trebbin bedroht und damit Vater und Mutter, oich und mich und unsere Heimat, das gleiche Schicksal hat mich zur Schauspielerin bestimmt, um die Gegenkraft zu wecken." Karl versuchte noch einen Einwand. Aber Elisabeth ergriff seine Hand, hielt sie fest und sagte mit einer bittenden Stimme: „Laß mir diesen Glauben, Karl! Aus diesem Glauben wächst mir Mut und Kraft. Es ist ja wohl immer so, je wilder und schreckhafter die Zeiten sind, um so mehr braucht der Mensch den Glauben!" Das war eine ganz neue Elisabeth! K Oder war sie doch nur eine Schauspielerin, dachte „Ja", sagte sie, und es war, als ob sie hellsichtig feine Gedanken läse, „ich bin eine Schauspielerin und eine gute dazu! Ich habe nach Berlin und München geschrieben, aber vielleicht war das alles nicht das Richtige. Jetzt, wo ich die Aufgabe sehe, die das Schicksal mir stellt, sehe ich noch klarer den Weg: Vielleicht kann ich in Zürich Franken verdienen oder ich gehe auf Gastspielreisen — oh, es gibt so viele Wege, Trebbin zu retten. Einen werde ich schon finden!" * Am Nachmittag ruderte Elisabeth auf den See hlnaus. Es galt ein Abschiednehmen. Seit ihre Aufgabe klar geworden war, zweifelte sie nicht daran, daß sie in kurzer Frist Trebbin verlassen werde. Die Heimat verlassen, um sie draußen in der Welt neu zu erobern! Ein Glücksgefühl schwellte ihre Brust, jagte ihr das Blut belebend durch alle 2ldern. Sie sah ihr Ziel, sie liebkoste mit ihren fröhlichen Augen das alte liebe Gutshaus von Trebbin. Ihr war so erwartungsvoll überschwenglich zu- mut, als ob heute noch eine Entscheidung fallen müsse. Der See war wie blaue Seide. Elisabeth ruderte sich müde, und ehe sie es ver- »ab, war sie in der Nähe des andern Ufers an« gelangt Gelbes Schilf, rotbraune Heide und dunkle Wacholderbüsche sahen ihr entgegen. Sie ließ das Boot treiben und hing ihren Gedanken nach. Wie mar diese überwundene Krankheit nur mög« Iid) gewesen? Wie konnte nur aus Heimweh und Jugendliebe eine neue dumme Verliebtheit erwachsen? Sie erlebte noch einmal alles. Als sie an jenem Abend auf der Terrasse in Losnitz sich gefaßt und in den Annen der Herzogin wieder Ruhe und Sicherheit gewonnen hatte, war sie einer Auseinandersetzung mit Fritz nicht aus dem Wege gegangen. Im Gegenkeil! „Was war ich dir beim, Fritz? Nur ein Spielzeug? Ein hübsches Kind für eine nette Stunde?" Fritz hatte natürlich abgewehrt. Er war bis in die Lippen erbleicht, als er hörte, daß die Herzogin und Elisabeth die ganze Szene mit angehört hatten. Er gab seinen Vater ohne weiteres preis. „Und warum sagtest du nichts? Warum fandest du nicht ein Wort für mich?" Oh, sie hatte ihn nicht geschont. „Dein Vater, ist ein Junker der alte Schule. Ein Siebziger darf meinetwegen unmodern fein, darf schließlich Anschauungen vertreten, wie sie zur Zeit der Prügelstrafe gang und gäbe waren. Aber du? Aber du? Die Meinungen deines Vaters sind mir gleichgültig, aber daß dein Vater es wagen darf, zu dir so zu sprechen? So zu dir über mich zu sprechen und daß du es anhörtest, ohne ihm ins Wort zu fahren? Seine Worte sind so deine Worte geworden. Törichter Hochmut und eine lächerliche Anmaßung treffen zusammen. Was verstehst du schon von Kunst? Dir wird immer der Großherzog wichtiger sein als der Goethe! Ich glaube gar nicht, daß du verstehst, was ich meine. Aber diese junkerhafte Anmaßung kann um so weniger an mich hin, als die Herzogin doch ganz auf meiner Seite stand. Adel verpflichtet, nur der wirklich Adelige wird das erkennen. Die andern blähen sich auf und verwechseln Dünkel mit Ueber- legenheit. Der Bürger kann uns Künstler vielfach nicht verstehen. Aber der Adel muß es können, oder er ist keiner." Die Auseinandersetzung war draußen im Park gewesen, in Anschluß an die festliche Polonaise, die der Jubilar eröffnet und bei der Fritz die Hanne von Derp geführt hatte. „Glaube ja nicht, daß aus mir ein Funken von Eifersucht spricht. Ich hatte Heimweh, und in diesem Heimweh hast du auch eine gewisse Rolle gespielt, eine kleine nur, aber eine Rolle. Die Rolle des alten Tanzstundenkavaliers. Du weißt ja so genau wie ich, daß die Lorbeerbäume auf der Lo-mitzer Terrasse in unferm Leben schon einmal als Kulisse gedient haben. Sie haben ausgedient, und auch deine Rolle ist vorbei." Fritz hatte zu beschwichtigen versucht, hatte gebeten und hatte sogar gebettelt, schließlich war er mit rotem Kopf gegangen. Ein „Vorbei" hatte sie ihm noch nachgerufen. Em paar Tage später hatte Magnus, der am kurze Strecke und die Straße außerdem teer, meini er, bis dann eines Tages — gerade wenn er am wenigstens daran denkt — das Unglück geschehen ist, er s?lber und mit ihm vielleicht andere, unschul* dige Menschen ins Krankenyaus eingeliefert werden. Leichtsinn bleibt Leichtsinn. Hinterher zu jammern und zu klagen: Das habe ich nicht gewollt!, ist wirklich zu nichts nutze. Der Vorsichtige überlegt erst, ehe er etwas anfängt, der Leichtfertige fängt an zu überlegen, wenn es zu spät ist! Mache darum auch du es dir zur Pflicht, da vorsichtig zu sein, wo es am Platze ist, und auf der Straße, im Verkehr ist Vorsicht immer geboten. Und präge dir den Satz ein, der das ganze Problem um die Vorsicht am besten umreißt: „Leichtsinn ist nicht Mut — und Vor* sicht keine Feigheit!" fg. Oie Rakete. Das sollte ein Herdenspaß werden. Es wurde aber ein_ gewaltiger Aerger daraus. Wilhelm hatte ein schönes Stück Geld daran gewagt, um auch mal was von Silvester zu haben, wie er meinte, oder anders gejagt, um ein rundes Dutzend gewaltiger Raketen zur Begrüßung des neuen Jahres in Die Luft zu jagen. Silvester war gekommen, in die Lust gegangen waren die Raketen auch, aber eins hatte der Wilhelm nicht berechnet: daß nämlich in der Nacht vom alten aufs neue Jahr manche Leute die Gewohnheit haben, so um zwölf Uhr nachts herum die Bal° Grippe, Erkältung verschwinden durch Klosterfrau-Melissengeist meist rasch, wenn man gleich die ersten Anzeichen wie Frösteln,Husten oder Kopfschmerzen entschlossen so bekämpft: Kurz vor dem Zubettgehen möglichst heiß zweimal je einen Eßlöffel Klosterfrau-Melisfengeist und Zucker mit der doppelten Menge kochenden Wassers gut verrührt trinken,- Kinder die Hälfte. Zur Nach- kur nehme man noch einige Tage die halbe Menge. Klosterfrau-Melissengeist in der blauen Original- Packung mit den drei Nonnen erhalten Sie in Apotheken und Drogerien in Flaschen zu RM. 2.80, 1.65 und -.90. 7781V fontür aufzumachen, um beim Glockenschlag auf den Balkon zu stürzen und mit großem Stimmaufwand das neue Jahr zu begrüßen. Es kam, wie es kommen mußte. Die Uhr schlug Mitternacht. Wilhelm schoß feine Raketen. Herr Lustig von drüben stürzte auf den Balkon. Die Rakete ging nicht in die Luft, sondern durch die offene Balkoittür ins Schlafzimmer Lustigs, selbstverständlich ins Bett. Das fing zu brennen an, und da das im Neujahrstrubel zunächst keiner gewahr wurde, präsentierte der empörte Herr Lustig dem Wilhelm am Tage nach Neujahr eine gepfefferte Rechnung. Wilhelm wird m diesem Jahre sicher vorsichtiger fein» fg. (RAS) Strahlen, die gesund erhalten. Die Strahlen, die hier gemeint sind, haben nichts mit den geheimnisvollen Strahlen zu tun, zu deren Erforschung es in der Reichs Hauptstadt ein besonderes wissenschaftliches Institut gibt. Es ist auch nicht von den sogenannten „Erdstrahlen" dis Rede. Die Strahlen, von denen wir sprechen, sind wirklich erdnah; denn sie sind vom Erdboden nur etwa 15 bis 20 Zentimeter entfernt. Lüsten wir das Geheimnis: Wir meinen die Tretstrahler, die ab 1. Oktober an allen neu in den Verkehr gekommenen Fahrrädern angebracht sein müssen. Das sind wirklich Sttahlen, die gesund erhalten, denn die Lichtstrahlen dieser aus gelblichem Glas angefertigten Einlagen lasten den Radfahrer in der Dunkelheit schon von sehr weit erkennen. Sie verhüten also die vielen Derkehrsunfälle, die abends und in der Nacht durch schlechte Sicht verursacht worden sind. Diese Strahlen schützen Gesundheit und Leben, und man kann nur jedem Radfahrer empfehlen, für die Verkehrssicherheit feines Rades zu sorgen und die Ausgabe nicht zu scheuen. Ein verbogenes Rad infolge eines Zusammenstoßes kann viel mehr kosten, ganz abgesehen, was ein Unfall für Opfer an Leib und Leben erfordern kann. G. E. D. (RAS) Tage nach dem Fest angekommen war, einen Vermittlungsversuch gemacht. „Ich brauche mich ja nicht für meinen Vater zu entschuldigen, denn auf mich schimpft er genau so wie auf dich. Er hat es nicht in sich. Da kann man nichts ändern, und da hat auch Übelnehmen keinen Sinn. Es ist ein Manko, das man hinnehmen muß wie Schwerhörigkeit oder Blindheit. Schlimm ist es nur, wenn diese Schwerhörigen und Blinden Macht und Einfluß haben. Vater hat leider Macht!" „Die Meinung deines Vaters kümmert mich nichts, aber Fritz!" „Das ist es! Fritz steht unter feinem Einfluß. Aber er bedauert sehr und hat mich gebeten..." ,Hch nehme nichts übel. Für mich ist die Sache erledigt!" So war es gewesen. Nach außen hin war nichts befanntgemorben. Die Herzogin hatte ihr freundschaftlich beigestanden, und auf ihre völlige Verschwiegenheit war Verlaß. Elisabeth richtete sich auf. Wenn ich jetzt gehe, dachte sie, ist diese ganze Episode, die immerhin zehn Jahre dauern konnte, endlich vorbei und vorüber. Ein Jugendtraum ist verflattert und vergangen. Nicht mehr! Und weiter nichts! Sie nahm die Ruder zur Hand. Nach Haus! Sie wollte noch schreiben. An Jago! Dankbarkeit drängte sie und der Wunsch, ihn als Helfer und Freund in der kommenden Zeit zu behalten. Seine Treue hatte etwas Rührendes, sie konnte manchem andern als Vorbild dienen. Der gute Jago! Sie holte aus zum ersten Ruderschlag.' Da... „Hallo! Elisabeth?" Es lief ihr kalt über den Rücken. Träumte sie immer noch? „Hallo!" Das war doch? — Es gab gar keinen Zweifel! Er war leiser und gedämpfter als gewöhnlich, dieser Trompetenstoß, aber er stammte aus Kastilien. Ihr Herz brannte auf einmal vor Freude. „Ja, ja!" rief sie zurück, fiatb selig und halb fragend. Ihre Augen suchten das Ufer ab. Und da sah sie ihn, neben den weißleuchtenden Stämmen zweier Birken stand er und schwenkte den Hut. Jago? Wie war das nur möglich? Wie war das nur denkbar? Und §ls zweifle sie an sich selbst und der Wahrheitsliebe ihrer Augen, rief sie zurück: „Jago? Bist bu's?" (Fortsetzung folgt!) 25 Zahre Landkrankenkassen. Durch die Reichsversicherungsordnung vom 19. Juli 1911 sind die Landkrankenkassen mit dem 1. Januar 1914 ins Leben getreten. Ihre Wirksamkeit erstreckt sich auf die Krankenhilfe für die in der Landwirtschaft Beschäftigten, die Hausgehilfen und die im Wandergewerbe Tätigen. Während der 125 Jahre haben die Landkrankenkassen diese Aufgaben erfüllt, obwohl sie in diesem Abschnitt als ganz junge Verwaltungseinrichtung den Weltkrieg, danach die Geldentwertung und starke Anfeindungen in der Systemzeit zu ertragen hatten. Alles dies konnte aber den Lebenswillen und die Tatkraft der Landkrankenkassen, die in einem Reichs- verband zusammengeschlossen sind, nicht lähmen. Unendlich viel konnte von den Landkrankenkassen für die Wiederherstellung Erkrankter in diesen 25 Jahren geleistet und damit die Gesundheltsführung auf dem Lande gebessert werden. Bornotizen. Tageskalender für Donnerstag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Blaufuchs". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Tanz auf dem Vulkan". * ** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 16. bis 22. Dezember ein: gegen Kraftfahrzeugführer mit 14 Anzeigen und 8 gebührenpflichtigen Verwarnungen; gegen sonstige Fahrzeugführer mit einer Anzeige und einer gebührenpflichtigen Verwarnung; gegen Radfahrer mit 7 gebührenpflichtigen Verwarnungen; gegen Fußgänger mit einer gebührenpflichtigen Verwarnung. Aus der engeren Heimat. Landkreis (Sieben. Staufenberg, 29.Dez. Der hiesige Gesangverein veranstaltete im Saal der „Burg" I einen Theaterabend. Vereinsführer Fuchs hieß die Teilnehmer willkommen. Der Chor des Vereins wartete mit mehreren Liedern auf. Ferner wurden zwei unterhaltsame Theaterstücke aufgeführt. Die hiesige Musikkapelle verschönte den Abend mit guten Vorträgen. Die Darbietungen wurden dankbar . ausgenommen. # Daubringen, 29. Dez. Der Gesangverein Daubrinaen vereinigte Mitglieder und Gäste am ersten Weihnachtsfeiertag im Saale von Erb zu einem Unterhaltungsabend, der sehr aut besucht war. Gesang und Theaterstücke füllten die Stunden des Abends aus und brachten den Mitwirkenden lebhaften Beifall. wg. Großen-Bufeck, 28. Dez. Die hiesige i Freiwillige Feuerwehr hielt im Gasthaus „Zum Schwanen" eine Versammlung ab. Der ' 1. Kommandant Wilhelm H a r b a ch sprach zunächst über das neue Feuerlöschgesetz und über die gesetzliche Forderung, nach der alle über 60 Jahre alten Zager, gedenke deines Wildes! Kameraden aus dem aktiven Feuerwehrdienst ausscheiden müssen. Dadurch wurde auch die Wahl eines neuen ersten Kommandanten notwendig. Hier wurde allerdings noch kein entscheidender Beschluß gefaßt. An Stelle des Steigerführers, der die Altersgrenze erreicht hat, wurde Wilhelm Pfeiffer bestimmt. Für den ausscheidenden Führer der Hydrantenmannschaft Ludwig S ch e l d wurde Kamerad Heinrich Harbach bestellt. Heinrich Rühl und Wilhelm Scheid wurden noch der Kraftfahrmannschaft zugeteilt. Am LehrLang der Feuerwehren in Laubach nehmen mehrere Kameraden teil. — Der Gesangverein „Heiterkeit-Sänge rkran z" hielt im Saal der „Germania" seine diesjährige Abendunterhaltung ab. Rach musikalischen Darbietungen der Kapelle Schleuse (Steinbach) und nach Liedvorträgen des Vereinschores (Stabführung: Dirigent Nicolai) hielt Vereinsführer Ludwig W a g n e r X. eine kurze Ansprache, in der er auf die hohe kulturelle Bedeutung des deutschen Liedes hinwies; er dankte ferner den passiven und aktiven Mitgliedern für ihren Einsatz, insbesondere aber auch dem Dirigenten für seine Arbeit. Gesangliche und musikalische Darbietungen, wie auch die Aufführung eines Theaterstückes füllten die weiteren Stunden des Abends aus. Holzheim, 28. Dez. Während der Weih- nachtsfeiertage mußte die hiesige Freiwillige Feuerwehr mehrmals eingesetzt werden, um S dyt eeverwehungen an den Straßen zu beseitigen. Auch mehrere Kraftwagen mußten aus- gefchaufelt werden, bevor sie ihre Fahtt fortsetzen konnten. — Durch den starken Schneefall und infolge des Frostes mußten die Arbeiten an der Wasserleitung, im Steinbruch und die Holzhauerarbeit im Walde vorübergehend eingestellt werden. — Der Gesangverein „Harmo - n i e" hielt am zweiten Weihnachtsfeiertag einen Unterhaltungsabend ab, in dessen Mittelpunkt die Aufführung eines Theaterstückes stand. Der Chor des Vereins unter Leitung des Ehrenchormeisters Sam es brachte mehrere Lieder zu Gehör und erntete dafür reichen Beifall. § Lich, 28. Dez. Die Schneeverhältnisse in den Hauptverkehrs st raßen hatten durch den starken Schneefall am gestrigen Tage und in der letzten Nacht solche Formen angenommen, daß sich die Stadtverwaltung genötigt sah, durch Fuhrwerke und Anhänger den Schnee wegschaffen zu lassen. Da die Anlieger beim Aufladen der Schneemassen bereitwilligst halfen, waren die Braugasse und die Unter- und Oberstadt innerhalb kurzer Zeit von den Schneemassen befreit, so daß nun in der Innenstadt wieder normale Verkehrs- verhältnisse vorhanden sind. Kreis Aisfeld. * Groß-Eichen, 29. Dez. Der ä l t e st e Einwohner unseres Ortes, Heinrich Peter II., kann am morgigen Freitag, 30. Dezember, in geistiger und körperlicher Frische seinen 9 4. Geburtstag feiern. Unseren Glückwunsch. OJL-fpont Deutschlands Schlittensport verstärkt. Das Jahr 1938 war für den deutschen Schlittensport von großer Bedeutung: die österreichischen und judetendeutschen Rodler sind zur gesamtdeutschen Streitmacht hinzugekommen. Schon immer haben die Schlittensportler aus Oesterreich und dem Sudetenland über ihre Landesgrenzen hinweg in engster sportlicher Beziehung mit dem Altreich gestanden. Schon die ersten Deutschen Winterkampfspiele 1922 sahen österreichische Rodler am Start. Auf breitester Grundlage wurde der Schlittenspc-1 von jeher im Sudetenland gepflegt. Allein der HDW., der frühere Verband der deutschen Wintersportler in der Tschecho-Slowakei, verzeichnete die Zahl seiner „Kufenritter" auf über 14000 Mann. Das Schwergewicht des deutschen Schlittensports verlagert sich damit noch mehr als bisher ins Sudeten- und Alpenland. Es trifft sich glücklich, daß schon vor der Heimkehr der Ostmark und des Sudetenlands die Europa-Rodelmeisterschaften auf den Jeschken bei Reichenberg und die Großdeutschen Rodel-Meisterschaften hart an der alten Reichsgrenze, in Berchtesgaden, vorgesehen waren. Der deutsche Schlittensport wird nach der Verstärkung durch die tüchtigen Kräfte aus der Ostmark und dem Sudetenland in Europa und der Welt eine noch stärkere Rolle spielen als bisher. Das wird sich schon bei den nächsten internationalen Wettbewerben wahrscheinlich in aller Deutlichkeit zeigen. Auch Skeleton wird gefördert. Bisher wurde in Deutschland der Skeletonsport nur wenig gefördert. Da aber bei den Winterspielen in St. Moritz 1940 olympische Skeleton- Wettbewerbe vorgesehen sind, wird in Deutschland dieser Sportart in Zukunft größere Aufmerksamkeit geschenkt werden. In erster Linie sollen Gaurennen die Kräfte sichten und schulen. Gauwettbewerbe sind geplant in Thüringen (Ilmenau 22. Januar), im Harz (Schierke 11. Februar), in Sachsen (Geising 19. Februar) sowie in Schlesien und der Ostmark. Die Deutsche Skeleton-Meisterschaft wird am 12. Februar in Schierke ausgetragen. Kurze Sportnotizen. Vier Nationalmannschaften — Frankreich, Belgien, Polen und Deutschland — nehmen am großen Berliner Reitturnier vom 27. Januar bis 5. Februar in der Deutschlandhalle teil. Außerdem erscheinen Vertreter aus Rumänien und der Tschecho-Slowakei. * Deutschland entsendet folgende Schiläufer und -läuferinnen zu den Kämpfen um den Großen Preis des Schi-Klubs von Paris am 6./7. Januar nach Mögeve: Christel, Rudi und Harro Cranz, Helmuth Lantschner, Rudi Matt, Friedl Pfeiffer, Willy Walch. ♦ Ohne Karl Schröder nimmt Schweden vom 6. bis 8. Januar in Stockholm den Tennis-Län- derkampf um den „Mr. G."-Pokal gegen Deutschland auf. Es spielen für die Skandinavier Rohlsson, Ny- ström, Karlborg und Wallen. Fortschreilen aus erprobten Wegen! Der Reichssportführer zum neuen Jahr. Der Reichssportführer, Staatssekretär von Tschammer und Osten, gibt für die Arbeit des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen im neuen Jahr Richtlinien, die in erster Sicht zum Ausdruck bringen, daß die Erfolge der letzten Jahre ein Fortschreiten auf den einmal erprobten und bewährten Wegen verlangen. Der Reichssportführer schreibt: „Das kommende Jahr wird' für uns nichts grundlegendes Neues, sondern das Fortschreiten auf den schon bisher erprobten Wegen bringen. Das große, kampflportliche Ziel, dem schon der Hauptteil der athletischen Arbeit von 1939 zu dienen hat, sind die Olympischen Spiele, die 1940 in Helsinki und St. Moritz stattfinden werden. Deutschland hat — nun nicht mehr auf eigenem, sondern auf fremden Boden — bei den großen Weltspielen diesmal einen schwereren Stand als jemals. Es muß den ersten Platz im Weltklassement der Länder verteidigen! Es muß schon im Februar, also in wenig über einem Jahr, in St. Moritz beweisen, daß es nach der Heimkehr der Ostmark und des Sudetenlandes das erste Wintersportland der Welt ist, und es muß sich einige Monate später den Amerikanern auf neutralem Boden gewachsen zeigen. Es ist selbstverständlich, daß die Männer und Frauen, die solches zuwege bringen sollen, überaus sorgfältig ausaewählt und ebenso vorbereitet werden müssen, und daß die Voraussetzungen für das Gelingen der ganzen Arbeit einerseits zwar die gewaltige Kraftfülle unseres 80-Millionen-Volkes, auf der anderen Seite aber in jener klaren, einheitlichen Führung und Ausrichtung der deutschen Leibesübungen bestehen muß, für die ja der gesetzgeberische Rahmen überall geschaffen und zu der allerortens, daran zweifle ich nicht, auch der gute Wille vorhanden ist. Was zu tun bleibt, ist im wesentlichen eine organisatorische Frage. Es ist für jeden Nationalsozialisten klar, daß in der Menschenerziehung im Dritten Reich nur die Partei eine „totale Aufgabe" haben kann. Ihre Gliederungen und überhaupt alle Organisationen, Bünde und Verbände haben bestimmte Sonderausgaben, zu denen fast immer auch jene der körperlichen Grundschulung gehören. Sie sind alle zur Mitarbeit an jenem Ziel berufen, mit möglichst geringen Ausnahmen das ganze deutsche Volk zu einer vernünftigen und regelmäßigen Leibesübung zu veranlassen. Es ist aber ebenso klar, daß ein allgemeiner Ehrgeiz, auch an der Intensivierung der sportlichen Lei- Tripolis zwischen Morgen und Abend. Wüstensöhne im Tonfilmkino. — Araberjungen wollen Rennfahrer werden. Ehrlich gesagt, ich hatte mir den Empfang in Afrika etwas romantischer vorgestellt. Aber der kleine italienische Frachtdampfer, oer uns über das Mittelmeer schaukelte, dampfte auch nicht gleich nach Tripolis, sondern machte erst den Umweg über Tunis. Und Tunis ist eine französische Stadt. Ein kleines Marseille am Wüstenrand, mit grell geschminkten Mischlingsdamen verschiedenster Farbtönungen und einer langweiligen Hafeneinfahrt. Das erste, was wir von Afrika sehen, ist ein großer Kohlenplatz. Davor liegt ein rostbeklebter Dampfer, und rabenschwarze Gestalten winken uns üoer die Reeling zu. Aber es sind keine Neger, sondern nur berußte Kohlentrimmer. Dann gleiten wir durch einen schmalen Kanal, und allmählich schälen sich die Umrisse recht moderner Hochhäuser aus dem Kohlendunst heraus. Dahinter kann man den Orient nur ahnen. Nirgends ist eine Palme zu sehen, dafür werden die Ufer von Telegraphenstangen umsäumt. Alle paar Minuten poltern elektrische Züge vorbei. Nein, es sieht gar nicht afrikanisch aus. Tripolis — ein Märchen. Dann kommen wir nach Tripolis und blicken erst mißtrauisch in die Runde. Aber es gibt nichts zu bemängeln. Afrika ohne Palmen — das ist undenkbar, und Tripolis enttäuscht in dieser Hinsicht nicht. Es liegt inmitten einer herrlichen Oasenlandschaft. Endlich ein Stück Morgenland ohne Fabrikschornsteine und Telegraphenstanaen! In einer luftigen Pferdedroschke, auf deren Kutschbock ein weißoer-- mummter Wüstensohn die Peitsche schwingt, rollt man ins Märchenland hinein. Wie soll man Tripolis durchwandern? Erste Bedingung: Zeit, möglichst viel Zeit ... Im Morgenland wird jede Taschenuhr zum Störenfried. Man läßt sich einfach treiben. Ich hänge mir die Kamera um und verschwinde im Gassenlabyrinth der Altstadt. Kinopalast mit 2000 Plätzen. Der Suk et-Turk, die Leipziger Straße von Tripolis, ist immer Ziel der Touristenschwärme. Hinter den Glasscheiben hängen kleine Schilder: „English spoken“, „Man spricht deutsch" ... Und weil es so bequem ist, läuft man in diese europäischen Läden hinein und kauft wahllos einige Handarbeiten, echt Afrika. Doch bisweilen zeigt sich ein verdächtiger Firmenstempel. Die alte Weisheit: selbst die schönsten orientalischen Teppiche sollen mitunter aus Chemnitz stammen. Abends sind die Gassen aus^estorben, alle Fensterläden verrammelt. Dann lockt das neue Tripolis. Ein großer Tonfilmpalast mit 2000 Plätzen, ein Revuetheater und andere Vergnügungsstätten könnten sich in jeder europäischen Großstadt behaupten. Die Araber sagen nicht nein und gehen gern und oft dorthin. Dagegen trifft man in den großen Cafes, wo allabendlich alte arabische Tänze gezeigt werden, in der Mehrzahl Europäer an. Das ist das Reizvolle an Tripolis: Uralte Tradition und Wüstenromantik leben zwischen modernen Geschäftsvierteln fort. Unter den Zierpalmen des „Lungomare" sehe ich mehrmals den romantischen Zug der berittenen „Wüstenpalizei". Araber* Hengste schnauben, die wallenden Burnusse leuchten fremdartig im Sonnenlicht. Dann folgen Negersoldaten auf knatternden Motorrädern. Im Sportwagen eines italienischen Kaufmanns jage ich in die Oasenlandschaft hinaus. Der Geschäftsmann nennt ein paar nüchterne Zahlen. Wer hätte das gedacht... Die Erzeugnisse Libyens sind auch in Mitteleuropa bekannt. Malta-Kartoffeln kommen beispielsweise aus Tripolis. Sportbegeisterte Araberjugend. 120 Stundenkilometer! Die Kaktushecken am Straßenrand fliegen als grüne Bänder vorbei. Wir jagen über bte breite Rennbahn. Aber die Frauen, die auf den Feldern arbeiten, sehen kaum vom Boden auf, so gewohnt ist ihnen dieses Bild. Doch als ich wenig später meine Kamera hervorhole, laufen sie eilends auseinander. Ich komme mir wie ein Störenfried vor. Ueberall, wo ich mich mit meinem Teufelskasten blicken lasse, ruht die Arbeit. Die Kinder sind schon weit mutiger als ihre Mütter, und die kleinen Mädchen nehmen es oftmals mit dem Schleier nicht mehr so genau. Allmählich wendet sich auch hier das Blatt. Eine junge Araberdame läßt sich willig konterfeien und will sogar ein Bild haben. Ich soll einen Abzug aus dem fernen Germania schicken. Aber das Kind kann beim besten Willen keine Adresse angeben. Briefträger gibt es in der Oase noch nicht ... „Unsere braune Jugend denkt zeitgemäß", lacht mein italienischer Freund. „Die arabischen Jünglinge interessieren sich heute mehr für die inter® nationalen Autorennen als für ihre alten Retter- spiele. Am liebsten würden sie Rennfahrer werd.'m Sie sitzen in den Dattelpalmen und verfolgen mit Spannung die rasenden Wagen. Nicht selten ist bei den Meisterfahrern ein Abgesandter der Oasenjugend erschienen und hat sich höflich nach Startfolge und Teilnehmerzahl erkundigt." Kamele — überlebt! Auf der Heimfahrt nach Tripolis begegnet uns ein Lastkamel. Wie eine Vision aus grauer Vorzeit wogt das Schiff der Wüste vorbei. Es wendet keinen Blick nach dem heulenden Gefährt. Der Italiener zuckt die Achseln. „Es macht vielleicht feinen letzten Gang — nach dem Schlachthaus von Suk el-Giuma. Kamele werden hier langsam unmodern!" Eben stoppt der Wagen vor einem arabischen Kaffeehaus, da hallt ein dumpfer Kanonenschuß über die Stadt. Das ist das Zeichen, daß auf dem altertümlichen Kastell, dem Sitz des Gouverneurs von Libyen, die italienische Flagge eingeholt wird. Jeden Tag, wenn die Sonne im Meer versinkt. Für Sekunden stehen alle Menschen still. Auch die Eingeborenen in der Altstadt. Weißumhüllte Mohammedaner heben ehrfürchtig die Hand zum Gruß. Sie tun es sichtlich aus eigenem Antrieb. Und das ist wohl der schönste Erfolg, den die italienischen Kolonisatoren für sich buchen können. Sie haben nicht nur das Land erobert, sondern auch die Herzen seiner braunen Bewohner. Rudolf Jacobs. stung teilzuhaben, zu einer Zersplitterung der athletischen Schlagkraft Deutschlands führen muß! Weil dann ja der Augenblick kommen muß, an dem wir praktisch an Stelle der alten Verbände, die wir feit Jahren überwunden haben, neuartige Gruppenbildungen hätten, die nun alle ihrerseits ihre eigene Wettkampf- und Höchstleistungsausbildung betreiben würden. Dieser ausgesprochene Leistungswettkampf, diese Höherentwicklung zur Bestleistung, zur internationalen Kl-asse, ja genau genommen überhaupt die Austragung offizieller deutscher Meisterschaften, muß Ausgabe des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen bleiben, und ich bin entschlossen, dieser Tatsache durch die nötigen Maßnahmen Rechnung zu tragen. Es ist ebenso klar, daß jede Organisation ihre Sonderinteressen haben muß, die aus den ihr eigentümlichen — durchaus nationalsozialistischen Gemeinschaftsgedanken erwachsen, noch klarer ist es aber, daß die echte Sportgemeinschaft eben aus dem Sport, aus dem sportlichen Gemeinschaftsgedanken herauswachsen muß, nicht aus irgendeinem anderen, und mag er an sich noch so bedeutsam sein. Die Höchstleistung, die die deutschen Leibesübungen nicht nur auf dem Gebiet der körperlichen und charakterlichen Erziehung des gesamten Volkes, sondern auch auf dem der Auslese und Höherentwicklung bis zur Repräsentationsfähigkeit der Welk gegenüber zu zeigen haben muß, muß in diesem Bereich der Sonderauftrag des Reichsbundes fein, der bei ihrer Erfüllung niemals die großen Erkenntnisse der nationalsozialistischen Leibesübungen aus Acht lassen wird: daß noch wichtiger als die schönste Großveranstaltung die Alltagsarbeit der kleinen und kleinsten Gemeinschaft und schließlich des einzelnen ist! 3ene wahre Erziehungsarbeit am deutschen Menschen, die ja auch im DRL. von Zehn- tausenden, zum Teil in ihren sportlichen Aufgaben hochqualifizierten, freiwilligen Helfern ehrenamtlich durchgeführt wird, diese Arbeit an sich selbst, am Kameraden, an der Riege, am kleinen und kleinsten Verein wird immer das Fundament bleiben, das es uns einmal ermöglichen wird, dem Wunsch des Führers nach einem vom ersten bis zum letzten Bürger durchgebildeten „Sportvolk" zu erfüllen. Für sie sage ich allen, die an ihr im vergangenen Jahr teilhatten, meinen Dank, und sie wird uns im kommenden Jahre und schließlich auch bei den Olympischen Spielen wieder zu neuen Erfolgen führen." Wirtschaft. Llnkostenminderung auf den Liehgroßmärkten. Im Neichsgesetzblatt ist die Fünfte Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über den Verkehr mit Tieren und tierischen Erzeugnissen erschienen. Diese Verordnung wirkt sich dahin aus, daß für das im Inland erzeugte und über die Viehgroßmärkte gehandelte Schlachtvieh-Uebernahmefcheine nicht mehr auszufertigen find. Hiermit fällt auch der auf den Viehgroßmärkten bisher erhobene Unterschiedsbetrag für Schlachtvieh weg. Der Wegfall des Unterschiedsbetrages bedeutet eine weitere Minderung der Verkaufsunkosten auf den Viehgroßmärkten. Die Verordnung tritt am l.Januar 1939 in Kraft. Gießener Schlachtviehmarkt. Zu dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtoiehverteilungsmarkt) in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main in Gießen wurden 9 Ochsen, 7 Bullen, 23 Kühe, 27 Färsen, 90 Kälber und 62 Schweine aufgetrieben. Preise: Ochsen 39 bis 45,5 Pf., Bullen 32 bis 43, Kühe 17 bis 43,5, Färsen 37 bis 44,5, Kälber 37 bis 65 Pf. je Vi kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je Kilogramm Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,16 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,14, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,12, c (100 bis 119,5 kg) 1,04, d bis f (unter 100 kg) 0,98, gl (fette Specksauen) 1,14, i (Altschneider) 1,14, g2 (andere Sauen) 1,02, h (Eber) 1,02 RM. Marktverlauf: Großvieh und Schweine zugeteilt; Kälber ausoerkauft. Rhein-Mainische Börse. Alitlagsbörse überwiegend nachgebend. Frankfurt a. M., 28. Dez. Bei Fortdauer der starken Zurückhaltung der Kundschaft war die Börse am Aktienmarkt überwiegend etwas schwächer. Im Hinblick auf den Jahresultimo erfolgten weiterhin mäßige Glattstellungen und Bereinigungen von Positionen, die bei der Enge des Geschäfts einen leichten Druck auf die Kurse verursachten, zumal ein Gegengewicht in Form von Käufen kaum vorhanden war. Weiter fest blieben in Erwartung des Jahresberichtes aber Scheide- anftalt, die bei 198 (196) wiederum zugeteilt werden mußten. Im übrigen gingen die meisten Kurse bis etwa 1 v. H. zurück. Am Montanmarkt notierten Hoesch mit 107 (107,75), Verein. Stahl mit 104,75 (105,50), Mannesmann mit 107 (107,25). IG. Farben bröckelten auf 150,75 (151,25) ab. Von Zellstoffwerten verloren Waldhof 2 v. H. auf 124 und Aschaffenburger 0,75 v. H. auf 108,25. Maschinenaktien setzten bis 1 v. H. schwächer ein, ferner Ges- fürel 131,13 (132), Westdeutsche Kaufhof 102,25 (103,50), AG. für Verkehr 118,50 bis 118 (118,75). Behauptet lagen u. a. Reichsbank mit 186,75, Conti Gummi mit 207,25 (207). Am Rentenmarkt blieb es noch sehr ruhig, und Auswirkungen des bevorstehenden Zinstermins waren noch kaum zu bemerken. Reichsaltbesitz gut behauptet mit 127,65 (127,65), Kommunal-Umschul- düng im Freiverkehr 5 Pfennig leichter mit 92. Am Pfandbriefmarkt zeigten nur einzelne Liquidationswerte geringfügige Abweichungen, in Goldpfandbriefen kam allerdings etwas Material heraus. Industrie-Obligationen konnten sich meist gut behaupten, weiter rückläufig aber 6 v. H. IG. Farben auf 117,25 (117,75). Von Stadtanleihen^ 4,50 v. H. Hanau 1 v. H. fester mit 97,25, die übrigen lagen wenig verändert. Auch in der zweiten Börsenstunde hielt die schwächere Tendenz an, so daß die Kurse über-? wiegend*weiter leicht nachgaben. Etwas erholt waren Aschaffenburger Zellstoff auf 109 nach 108,25. Dcv gegen Verein. Stahl 104.25 nach 1°4 Hoesch und Mannesmann je 106,77 na < n 107, Deutsche Erdöl insgesamt 2 v. H. niedriger mit 121,75 bi5 121, Demag 145 nach 146, Zement Heidelberg 146,50 nach 146,75, Daimler 131,75 nach 132. Fest kamen von den später notierten Werten Holzmann mit 146 (143) und MAN. 1 v. H. höher mit 139,50 Zur Notiz, während sonst Rückgänge überwogen. Im Freiverkehr nannte man nur Dingler mit 99, Elsäss. Bad. Wolle mit 90,50 und Ufa mit 82,65. — Tagesgeld unverändert 2,50 v. H. WeitereSteigerungderSchwrmezuchtnolwendig Das Ergebnis der Zählung vom 3.12.1938. DNB. Nach Mitteilung des Statistischen Reichs-11938 ohne Berücksichtigung der Ostmark und des Su- amtes hatte die Schweinezählung vom 3. Dezember > detenlandes folgendes Ergebnis (mit Saarland): Abendbörse ruhig. Die Abendbörse war nahezu geschäftslos, da es an jeglicher Unternehmungslust fehlte. Am A k - t i e n m a r k t blieben die Kurse auf dem ermäßigten Mittagsstand meist gehalten, vereinzelt traten weitere leichte Rückgänge ein. Je 1 v. H. niedriger umgesetzt wurden Rheinstahl mit 130 und Gesfürel mit 130. Ferner bröckelten Buderus auf 105,50 (105,75), Hoesch auf 106,50 (106,75), Adlerwerke auf 101,25 (104,50), Demag auf 144,75 (145), Junghans auf 99 (99,25) und Rheinmetall auf 129 (129,50) ab. Bereinigte Stahlwerke und Mannesmann waren zu unv. 104,25 bzw. 106,75 gefragt, IG.-Farben gingen mit unv. 150,75 um. Jeweils unverändert lagen außerdem Scheideanstalt mit 108, Bemberg mit 132,75, Deutsche Erdöl mit 121, Licht & Kraft mit 130, AG. für Verkehr mit 118 und DDM. mit 170 Auch Großbankaktien wiesen die Mittagskurse auf. Don Renten wurden Reichsaltbesitz 15 Pfg. niedriger mit 127,50 und Reichsbahn-VA. 0,13 v. H. niedriger mit 124,13 gesucht, während sich 6 v. H. JG.-Farben um 0,13 v. H. erholten auf 117,40. Im Freiverkehr hörte man Kommunal-Umschuldung mit unv. 92 v. H. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 28. Dez. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 9 204, W 11 206, W 12 207, W 13 208, W 16 211, W18 213, W19 215, W 20 217, Roggen RH 189, R 12 190, R14 192, R 15 193, R16 195, R17 196, R18 197, R19 199 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste —, Futterhafer —. Weizenmehl Type 812 W 13 29,45, W 16 29,45, W18 29,45, W 19 29,45, W 20 (Kreis Alzey) 29,45, W 20 (Kreis Worms) 29,80 plus 50 Pf. Frachtausgleich. Für Weizenmehl Type 812 mit Beimischung von Maisbackmehl liegen die Preise 30 Pf. unter den Notierungen. Roggenmehl Type 997 R 12 22,45, R15 22,80, N 16 22,95, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 50 Pf. Frachtausgleich. Weizenfuttermehl 13,60. Weizenkleie W13 10,75, W16 10,90, W 18 11.00, W19 11,10, W 20 11,20 Mühlenfestpreise ab Müh- lenstation. Roggenfuttermehl R19 12,50, Roagen- vollkleie R19 11,00. Roggenkleie R12 9,95, R15 10,15, R16 10,25, R18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfestpreise ab Mühlenstation. Treber —. Wiesenheu, handelsüblich, gesund, trocken 5,00 bis 5,20, Wiesenheu, gut, gesund, trocken 6,00 bis 6,20, Kleeheu, gut, gesund, trocken 7,00 bis 7,50, Luzerneheu, gut, gesund, trocken 7,50 bis 7,80, Weizenstroh, bindfadengepreßt oder gebündelt 2,80, Roggenstroh do. 3,00, Hafer- und Gerstenstroh do. 2,60 bis 2,70 Erzeugerpreis ab Erzeuger-Verladestation. Tendenz: ruhig. Altersklassen Gesamtbestand darunter: Schlachtschweine (über Vi Jahr alt) Jungschweine (8 Wochen bis noch nicht % Jahr alt) Ferkel (unter 8 Wochen) Trächtige Sauen davon Jungsauen 3. Dez. 1938 3. Dez. 1937 in Millionen Stück 23,52 23,83 7,61 7,93 9,68 10,01 4,28 4,12 1,11 0,98 0,26 0,20 1938 gegenüber 1937 Stück in o. H. — 310 000 — 1,3 — 320 000 — 4,0 — 330 000 — 3,3 + 160 000 + 3,9 + 430 000 + 13,3 + 60 000 + 30,0 Die Steigerung des Schweinebestandes im Altreich hat sich zwar im letzten Vierteljahr im ganzen fortgesetzt. Die zur Deckung des Schweinefleischund Fettbedarfes notwendige Bestandshöhe ist jedoch noch nicht erreicht. Vor allem ist der Ferkelbestand — insbesondere wohl infolge der Maul- und Klauenseuche — nicht dem Bestand an trächtigen Sauen entsprechend gestiegen. Es ist deshalb eine weitere Steigerung der Nachzucht im Rahmen der Futtergrundlage des einzelnen Betriebes notwendig. Ferner müssen unter allen Umständen die vorhandenen Schweine möglichst schwer ausgemä- ftet werden, um die Lücke an Jungtieren zu überbrücken. Frankfurter Schlachtviehmorkt. Frankfurt a. M., 29. Dez. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 942 Rinder (214 Ochsen, 105 Bullen, 472 Kühe, 151 Färsen), 498 Kälber, 248 Schafe und HäMmel, 1800 Schweine. Es kosteten: Ochsen 35 bis 46,50 Mark, Bullen 35,50 bis 44,50, Kühe 18 bis 44,50, Färsen 36 bis 45,50, Kälber 35 bis 65, Hämmel 30 bis 52, Schafe 25 bis 42, Schweine 50 bis 59 Mark. — Marktverkauf: Großvieh, Kälber und Schweine zu- geteilt; Hümmel und Schafe mittelmäßig. Kalender und Almanache. --- Was koche ich heute? Kochkalender für das Jahr 19 3 9. Ein Abreißkalender mit Bildern, Rezepten und Speisenfolgen für alle Tage des Jahres. Verlag Ernst Reinhardt in München. Preis RM. 2,00. —(478) — Rezepte und Speisenfolgen sind mit großer Gründlichkeit und Liebe zusammengestellt. Es finden nur Speisen Verwendung, die in der betreffenden Jahreszeit in genügenden Mengen auf den Markt kommen. Darüber hinaus wird aber versucht, möglichst mit einheimischen Nahrungsmitteln auszu- kommen. Eine Bereicherung hat der Kalender dadurch erfahren, daß für den Mittags- und Abendtisch je zwei Vorschläge gemacht werden, und zwar für die einfachere und die gepflegtere Küche. Die hübschen Abbildungen sind ein Schmuck des Kalenders. — Reichs-Tierschutzkalender 1 939, Ausgaben A und B. Herausgegeben vom Deutschen Tierschutzwerbedienst E. V., Berlin SW 61. — (495) — Ausgabe A (Stückpreis 10 Pf.) ist für die jüngeren Kinder bestimmt. In leicht verständlicher Form erlebt das Kind durch Wort und Bild, welche Glückseligkeit in der Freundschaft mit Tieren liegt. Es lernt die Dienste kennen und schätzen, die die Tiere, E insbesondere der Hund, dem Menschen leisten. Es erfährt von der Freude und Heiterkeit, die Tiere in unser Leben bringen können. Ausgabe B (Stückpreis 12 Pfg.) für die älteren Kinder und die Erwachsenen. Eigenartig sind die Monatsbilder, die verschiedene Meerestiere darstellen und anregen sollen, über die Vielfältigkeit der Schöpfung nachzudenken. Ein Aufsatz hierzu „Schaut und schont!" wendet sich gegen die unsinnigen Quälereien, die zum Teil aus Unverstand oder Gefühllosigkeit auch am Strande der Badeorte begangen werden. Mit packenden Erzählungen bezeugt der Kalender echte Verbundenheit des Menschen mit der Heimatscholle, zu der untrennbar die Tiere gehören. Ein Auszug aus den Tierschutzgesetzen und ein Stundenplan vervollständigen den Inhalt beider Kalender. — Der Köhlersche Flieger-Kalender 1 9 3 9. (Verlag Wilhelm Köhler, Minden in Wests., Preis RM. 1,30 — |439| —) enthält eine Menge von aufklärenden und erzählenden Beiträgen aus dem NS.-Fliegerkorps, über fliegerisches Soldatentum, über die Volkstümlichkeit der Luftfahrt, über die Wasserkuppe, die interessante Schilderung eines jungen Fliegers über „Drei Monate Dienstzeit bei der Luftwaffe". Kriegserlebnisse wechseln mit In teressanten flugtechnischen Themen, Rhönerlebniss mit Aufsätzen über Verkehrsfliegerei und Luftschis ab. — Ostmark-Kalender. 1. Jahrgang, Pres 2,50 RM. Verlag Earl Gerber, München. —(471)- Berge, Seen, Hochwälder, Städte mit ihren Baute, und Denkmäler einer jahrtausendealten deutsch-, Kultur und Geschichte, lachende, frohe Menschen - das ist die heimgekehrte deutsche Ostmark. Da schöne Land im Bilde zu erschließen, ist die vor nehme Aufgabe des erstmalig erscheinenden Ostmark Kalenders. . Rundfunkprogramm Freitag, 30. Dezember. 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Fryhkonzert. 7: Nach' richten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zm- Werkpause. 9.40: Mutter turnt und spielt mit s Kind: „Auf der Eisbahn". 11.30: Ruf ins Lank 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittags konzert. 14: Nachrichten. 14.15: Bunte Musik. 15 Kleines Konzert. 15.30: Wir regen schon zun Jahresende mit frohem Eifer Geist und $)änt)e i Streut den Vögeln Fuller! Lotte Tiedemann erzählt von alten Neujahrs- uni k, Silvesterbräuchen. 16: Nachmittagskonzert. „Bund Musik." 18: Sport der Woche und für den Sonn tag. 18.15: Bücher, von denen man spricht. 18.30 Das Jahr klingt aus. Hörfolge mit Texten ältere, und zeitgenössischer Dichter und Musik. 19.15. Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20. Nachrichten, Grenzecho. 20.15: Der gettmde Men schenoerstand. Eine Komödie. 21.30: Das Radio 8 Quartett und Eric Helgar singen! 22: Nachrichten 22.20: Sport in Finnland. 22.30: Unterhaltungs konzert. 24 bis 2: Nachtkonzert. Samstag, 31. Dezember. 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nach richten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zu, Werkpause. 9.30: Gaunachrichten. 9.40: Deutsch land — Kinderland. „Sehet, das Neue findet uns , I neu!" 11.30: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert , 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nach ' , richten. 14.15: Auch nächstes Jahr so weiter, draht * los „Auf Draht" und heiter! Neue Schallplatte, machen ihren Antrittsbesuch zu Silvester. 15: Bil derbuch der Woche. 15.15: Schön ist das Soldaten j! leben. Lustiger Jahresausklang. 16: Buntes Nach mittagskonzert: „Fröhlicher Ausklang zum Jahren chluß." 18: ... und der Zeitfunk ...? 18.30: i Juchhe! Silvester! 18.45: Freiheitsglocken an Rhein ... Zur 125. Wiederkehr des Rheinübertritt' i. j Blüchers bei Kaub. 20 bis 2: Nord — West — Ost < Fröhliche Silvesterpost. Eine genleinschaftliche Sil '! vesterfeier. 2 bis 3. Klingendes Feuerwerk! Di, ! besten deutschen Tanzkapellen spielen den Schluß tanz. ^111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111^ LMWßEÄUS Silvester! 1.15 Heute Donnerstag: Erstaufführung! 1937er Alsheimer Weißwein 1.20 1937er Friesenheim. Altdörr 1 Liter o. GL 1.20 37er Edenkobener Pfalz. Ltr.-Fl.o.Gl. 1.20 36er Bechtheimer Geyersberg, natur, 7t Fl. m. GL. .. 1.40 37er Bosenheimer Bosenberg, natur, Rheinhessen. Ltr.-Fl.o.Gl. 1.30 37er Bechtheimer Hasensprung, natur, */i Fl. o. Gl. .. 1.20 36er 37er 3 Prozent Rückvergütung natur, Pfalz 7» FL o. Gl. 1.60 36er Niersteiner Orbel.Rheinhess., i/i Fl.o.Gl. 1.55 37er Ingelheimer, rot, Rheinhessen..Ltr.-Fl.o.Gl. 1.10 37er DUrkheimer, rot, Pfalz . . Ltr.-Fl.o.Gl. 1.30 86 5 A 35er Walporzheimer Klosterberg, natur, Obstschaumwein 7, Fl. 1.30 8692 A Seelachs in Scheiben (Lachsersatz, gefärbt) ... 125 g 40 Tobis-Ton-Woche Tobis-Kulturfilm Verlag des Gießener Anzeigers Täglich 4, 6 und 8.30 Uhr. Sonntags 3, 5.30 und 8.30 Uhr. 8517g Gustaf Hans film . * Dose 40 Dose 42 El.Valienta, feiner chilenischer Dessertwein V, FL o. GL 1.20 Dolcina, Italien. Dessertwein 1 Liter o. GL Rheinhessen 1 Liter o. GL Rheinhessen 1.60 3.20 Vx Fl.o.Gl. 1.50 7i Fl.o.Gl. 1.55 7i Fl.o.Gl. 1.90 1.40 1.10 1.20 1.25 1.30 2.50 1.70 3.30 Tomaten-Filet-Heringe... Senfkräuter-Filet-Heringe Heringssalat .. Fleischsalat... Gewürzgurken Vi FL 2.40 2.65 4.00 3.20 3.50 Pfalz 1937er Dürkheimer Rotwein 1 Liter o. GL .... 1.10 Pfalz 1937er Königsbacher Rotwein 1 Liter o. GL . 1.25 Ahrglut Rotwein Rheinhessen 1937er Zellentaler Weißwein Weinbrand -Verschnitt S & F-Welnbrand S L F-Edelbrand Jamaica-Rum-Verschnitt, 40 Vol.%.. Batavia-Arrak-Verschnltt, 40 Vol.%.. Ein ungewöhnlich interessanter Stoff - eine vielverzweigte, packende Handlung 1.60 2.95 Ltr.-Fl.o.Gl. Ltr.-Fl.o.Gl. 125 g 23 125 g 29 Stück 09 8657 A Rum-Verschnitt 7a FL o. GL 7i FL o. GL Arrak-Verschnitt * 2 FL o. GL -/, FL o. GL Spätburgunder, Ahr 34er Beaujolais, Burgunder 34er Medoc, Bordeaux Eine Spitzenleistung deutschen Filmschaffens! Rheinhessen 37er Hambacher Grain, Pfalz Bestellungen der Anzeigen für die Silvester-Nummer möglichst frühzeitig erdeten GEG,3 Sterne*12 Fl. o. GL 2.00 lzi FL o. GL 3.50 Abenteurer aus Leidenschaft — Vergötterter Liebling des Pariser Volkes — größter Schauspieler seiner Zeit — genialer Spottvcrsdichter und Volksaufwiegler: Debureau, gespielt von einem der größten Schauspieler: GUSTAV GRÜNDGENS V- Fl. 1.30 1.45 2.20 1.70 1.90 Gustav Gründgens Sybille Schmitz / G. Uhlen / R.A Roberts Theo Lingen / Hans Leibelt /Will Dohm lieber Naturschutz und Naturkunde mit den allgemeinverständlichen Büchern des Hugo Bermühler Verlages, Verlin- Lichlerfelde. Ditte verlangen Sie noch heute von Ihrem Gießener Buchhändler das ausführliche bebilderte Merbeblatt /.Freunde der Natur sind Freunde guter Bücher» SeshvarrchevseuossensGaßt Götzen e. G. m. b. S Wer seine Kundschaft, seine Freunde und Bekannten zum Jahreswechsel beglückwünschen will, wählt dazu am zweckmäßigsten eine Tafelkümmel 7i FL m. GL 2.25 Kümmel m. Hamburger Bitter */, FL m. GL. .2.25 Hamburger Bitter */, FL m. GL . . 2.35 Kümmel 1-Liter-Fl. o. GL 2.60 Deutscher Sekt, „Hausmarke“ Sonderfüll., 7t Fl.2.00 Deutscher Sekt, „Bernkasteller Cabinet“, trocken und halbtrocken 7t Fl. 2.35 Kupferberg Goid 7, FL 2.75, 7, FL4.50 Glückwunsch-Anzeige im Gießener Anzeiger Weinbrandverschnitt 1 r Fl. o. GL ’/i FL o. GL Weinbrand V2 FL o. GL echt 7i FL o. GL 3% ß AB AT.T Rollmops 73-Lit.-Dose 46, l-Ltr.-Dose 74 Bismarckheringe ..7a-Ltr.-Dose 45, l-Ltr.-Dose 72 Marinierte Heringe Stück 12 Rheinhessen Ltr.-Fl.o.Gl. 37er Liebfraumilch, natur, Rheinh. .. .7tFl.o.Gl. 36er Clüsserather Riesling, Mosel..71Fl.olGL 1.30 Aus eigener Bäckerei: Neujahrs-Brezeln von Mk. -.10 bis 2.- Bestellungen rechtzeitig erbeten Wintricher Geyerskopf, Mosel 7iFI-o.GL1.45 Hambacher Hartkopf Riesling Sekt •