Nr. 254 Erstes Matt 188. Jahrgang Samstag, 2y./5onntag,30. Oktober 1938 Gebuudekomplex an der 3Rue Canebiere in Klammen Heftiger Sturm entfacht auch während der Nacht das Feuer immer von neuem schein auf. Zwei benachbarte, ebenfalls geräumte noch Anfragen besorgter Eltern ein. Etwa zeh Hotels haben vor allem in chren höheren Stock- A n g e st e l l t e des Kaufhauses, die in den Bürr n iuros werken stark unter dem Feuer gelitten und sind der oberen Stockwerke arbeiteten, waren bis Mitüber und breiteten sich in den oberen dieses Gebäudes aus, das normaler- dem Brand hätte verschont bleiben darüber hinaus von den Wasserströmen der Feuerwehrpumpen beschädigt worden. Scheinwerfer er- Roailles Stockwerken weise von müssen. ternacht noch nicht in ihre Wohnungen zurückgekehrt. leuchten die Fassaden, um die Brandbekämpfung zu erleichtern. Um 22.15 Uhr wurde neuer Alarm gegeben: Feuer im Thiers-Lyzeum. Die Feuerwehrabteilungen stürzten davon. Der Brand war durch Ueb erschlagen der Flammen von dem brennenden Kaufhaus und Hotelblock auf das Haus des Schulgebäudes entstanden. Das Feuer konnte jedoch verhältnismäßig rasch wieder gelöscht werden. In den Krankenhäusern ist der Zustand einiger Verletzter sehr ernst. Zwei oder drei haben derartig schwere Brandwunden erlitten, daß mit chrem Ableben zu rechnen ist. Auf der Polizei laufen immer Die Agentur Savas über d!e Entstehung des Feuers. Paris, 29. Okt. fDHB. Funkspruch.) havas meldet aus 2Narfeille: Die Feuersbrunst auf der Rue Canebiere hat im Ausland zu verschiedenen Deutungen Anlaß gegeben. Einige Zeitungen haben geglaubt, versichern zu können, daß es sich um ein Werk extremistischer Elemente handelt; sie glaubten zwischen der Feuersbrunst und den entschlossenen antikommunistischen Erklärungen des französischen Ministerpräsidenten Daladier einen Zusammenhang stellen zu können. Diese Version erscheint mit den ersten Feststellungen nicht übereinstimmend. Das Feuer ist tatsächlich nicht in dem Hotel ausgebrochen, in dem die meisten Regierungsmitglieder wohnten, sondern in einem Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Rue Eanebiere, der mehr als 30 Meter breiten Hauptstraße von Marseille. Erst infolge des heftigen Mistral-Windes schlugen später die Flammen von dem Kaufhaus auf das Dach des Hotels Kommunistische Merweli im Verdacht der Vrandstistmig. Organisiertes (Gangstertum plündert an der Brandstätte. Paris, 28. Okt. (DNB.) In Marseille brach Indern. Das Feuer frißt sich aber immer noch weiter, dem großen Warenhaus „No uv eile s Gale- Das Hotel Noailles, in dem Ministerpräsi- r i e s am Freitagnachmittag ein Brand aus, dent Daladier gewohnt hat, bietet ebenfalls einen parteikonareß geht weiter. Verschärfte Kampfansage an die Kommunisten. Paris, 29. Okt. (DRV. Funkspruch.) Die Brandkatastrophe von Marseille hat das Programm des radikalsozialen Kongresses völlig umge stoßen, aber nicht abgeschlossen. Die außenpolitische Aussprache wird jedenfalls am Samstagvor- mittag 9.30 Uhr wieder ausgenommen, ob aber h e r r i o t und Bonnet ihre ursprünglich für Freitagnachmitlag vorgesehenen Reden halten werden, sieht noch nicht fest. Der Redaktionsausschuß für die allgemeine politische Entschließung ist Freilagabend zusammengekrelen, um den Worllauk der Entschließung auszuarbeiten, sie soll nur knapp ausfallen und an die radikvsiozialistische Doktrin einer Einigung aller Republikaner erinnern und eine erneute Kampfansage an b i e Kom m u nistische Partei enthalten. In Kreisen der jungen Parteimitglieder robb ganz offen barauf hinoeroiesen, baß Marseille ein französisches Ehikago fei, besten kommunistische UnterroeU ihren schweren Verbrechen bet letzten Monate nun mit Brandstiftung bie Krone aufgesetzt habe. Dalabier müsse bie einziaartige Gelegenheit erfassen unb autoritäre Maßnahmen ergreifen, um Frankreich zu retten. Neue Unruhen in Palästina ru erwarten Jerusalem, 29. Okt. (Europapreß.) Der Beginn einer neuen antienglischen undanti- jüdischen Kampagne ist für die kommende Woche vorgesehen. Die arabische Führung soll sich in Damaskus befinden und von dort aus alle Anweisungen für den Bürgerkrieg geben. Es sollen Aktionen zur Zerstörung der Derbindungs- straßen zwischen den palästinensischen Großstädten, zur Unterbrechung der Telephonleitungen sowie der Ueberlandleitungen für Gas und Elektrizität beabsichtigt sein. Ströme von Arabern, die ihre Habseligkeiten bei sich führen, verlassen das Stadtgebiet von Jerusalem, um in Dörfern Unterkunft zu finden. • Schwere Brandkatastrophe in Marseille. Großfeuer in einem Warenhaus greift auch auf Oaladiers Holet über. — Ein ganzer traurigen Anblick. Die gläserne Vorhalle ist zerstört, die Zimmer sind völlig ausgebrannt. Dom Balkon des ersten Stockwerks, auf dem der französische Ministerpräsident noch am Freitagvormittag von der begeisterten Menge jubelnd begrüßt wurde, weht zwar noch die Trikolore, sie ist aber rauchgeschwärzt und flattert zerfetzt in den Windstößen des Mistrals. Dor dem Hotelgebäude ist eine große Feuerwehrleiter ausgestellt. Das Dach und die Mansarden leuchten zeitweilig in rotem Feuer- flnnahme oon Anzeigen füt öte "Uhttagsnummet vis 8' ,,Ubr des ‘Bormittaqs Erundprelle für l mm höhe für Anzeigen oon 22 mm Breite 7 Npf.. für Text- anzelgen oon 70 mm Breite 50Npf.,Platzvorschrift nach oortj Derembq 25°,„ mehr. Ermässigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemein« । Nützlge Anzeigen sowie ein« spaltige Gelegenheitsonzei« gen 5 Npf., Familienanzei« gen. Bäder-, Unterrichts- tu, behördliche Anzeigen 6Npf. Mengenabschlüsse Staffel B 4. Stockwerk in die Sprungtücher der Feuerwehr springen, wobei vier den Tod gefunden haben sollen. Das Grohfeuer Hal trotz der angestrengten Löscharbeiten sämtlicher. Feuerwehren auf eine Reihe von benachbarten Häuferu üb er gegriffen, darunter auf das Hotel, in dem Ministerpräsident Daladier unb anbere Mitglieder ber Regierung sowie viele Delegierte bes Kongresses der Radikalsozialen Partei abgestiegen waren. Das Hotel mußte vollständig geräumt werden. Die Zimmer bes Ministerpräsidenten, des Außenministers unb ber anberen Kongreßteilnehmer stehen in Flammen. Das Aklen- material ber Minister konnte nur mit Mühe unb Rot in Sicherheit gebracht werben. In dem brennenden Hotelgebände ereigneten sich ununterbrochen Explosionen, die das Zusammenbrechen der Decken der verschiedenen Stockwerke zur Folge hatten. Der starke Mistral-Wind, der seit Tagen über Marseille fegt, machte es den Wehren unmöglich, das Feuer einzudämmen, das im Gegenteil immer wieder neu angefacht wird. Reben derü vorn Ministerpräsidenten bewohnten Hotel „de Roailles" stehen ebenfalls das Hotel „Astoria", das Lafö „£a Lanebisre", die Büros der Transatlantic- Gefellschaft und ber Air France in Flammen, weiter zwei Kinos, bie noch rechtzeitig von den Zuschauern geräumt roerben konnten. Der Riesenbrand wirst über die ganze Stadt einen gespenstischen Lichtschein, der von weitem sichtbar ist. In der Umgebung des Brandes ist der Verkehr vollkommen unterbrochen. Von dem fünfstöckigen Warenhaus, in dem der Brand seinen Ausgang nahm, ist nur noch ein Haufen von brennenden Trümmern und verbogenen Eisenträgern übrig. Dichter Rauch und Qualm lagert über allen benachbarten praßen und erschwert die Arbeit der Löschzüge. Die Polizei hat Mühe, das schaulustige Publikum aus den angrenzenden Strahenzügesi fernzuhalten. Der Ordnungsdienst wird von Garde mobile, Gendarmerie und Polizei wahrgenommen. Die Feuerwehr versucht von den Dächern der Nachbarhauser ein weiteres Ausbreiten des Brandes zu verhindern. Sie hat eine lange Schlauchleitung bis zum alten Hafen gelegt, um genügend Wasser zur Verfügungzu haben. Die Feuerwehr von Lyon ist mit emem Sonderzug nach Marseille abgefahren. Außerdem sind noch die Wehren aus Toulon, von Istes und Salon herangezogen worden. Nach bisher unbestätigten Meldungen ist mit 20 Todesopfern zu rechnen. Bei dem allgemeinen Durcheinander, das ber Riesenbrand ßeroorgerufen h°I. laßen sich Mr Zett noch keine genauen Angaben hierüber beschaffen. So bestehl leider die Ungewißheit. ob nicht außer den nemelbefen Angestellten auch Deiucher des Warenhauses unter den Trümmern der uer- schiedeuen eingestürzten Stockwerke «egen.«0b- wohl kur; nach Ausbruch des Brandes Alarm zur schnellen Räumung geschlagen wurde, ist es möglich, baß fiunbet^uon Rauch unb Mammen überrascht worben sinb. Jamilien. bete Angehörige bis zum Abend noch Hanse gekommen sinb, haben ans ber PolM unb bei ben Krankenhäusern um Auskunfle gefragt Es konnte ihnen jedoch kein Be- lcheid gegeben werden, und es muß erst mit der Entwirrung und Abtragung der Trümmer- Sietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen ________und Verlag: vrühlsche UniverfitStsdruckerel R. Lange in Sieben. Schristleitvng und Geschäftsstelle: Zchulftrabe 7 stätte begonnen werben. de^^önsten^Gebäu^^ n beidersei^iaen V->rwaltunoen a-führt haben, nachdem unter V-r- zicht auf eine Volksabstimmung die n*m der In- t-rnotionalen Kommission festgelegte grenze der Besobungszone als endaiiltiae neue Staatsgrenze anerkannt worden mar. D-mit sind äußerlich zwilchen dem Grobdeutlchen Reich und der neuen Tlchecho-Sloroakr>erwill,g gehorcht wird Wir Notionalfozia. „oder zahle. Ws Aufgaben der Gesellschaft nannte listen haben wohl den eigentlutM und wahren Sinn bic0 Überprüfung der nationalsozialistischen ber Demokratie erfaßt, ber barin liegt, daß sich ein - - ...... - ”■ *• - - Volk burch feine beften Söhne regiert,! burch Männer, die keine höhere Aufgabe kennen als 1 .. ' l an t ... ! bereinigten Gebiete. Im Auftrage bes Reichsjusttz- die, ihre eigenen Plane und Maßnahmen mit dem ministeis gab Staatssekretär Dr. Freister der Wünschen und chosfen, mit dem Wollen und Glauben Gesellschaft die besten Wünsche mit auf den Weg. bas Volk in unverbrüchlicher Treue zu ihr steht, auch wenn es im Augenblick ihre Maßnahmen nicht im einzelnen begreifen kann. Wenn bas beutsche Volk in ben vergangenen sechs Monaten spannungsreiche Tage burchgernacht hat, verantwortungsvollere Tage noch hat berFührer burchgemacht. Es wäre natürlich leichter gewesen, etn£ solche Verantwortung auf eine Parlamentsmehrheit ober auf einen Ausschuß abzuwälzen. Das konnte bie Führung bes Reiches nicht. Der Führer ganz allein habe diese Verantwortung getragen, er habe sich ganz allein vor die Nation gestellt und eine übermenschliche Bürde auf sich genommen. Nach ben vergangenen Monaten ber politischen Spannung stehe er, so betonte Dr. Goebbels, heute vor den deutschen Arbeitern, um ben Dank bes Führers auszusprechen für die Haltung, bie bas Volk in biefer Zeit eingenommen habe. Diese Haltung bes brutschen Volkes habe bie Welt auf bas tiefste beeinbruckt. Enlschlosienheit ist." Das sind richtige unb notwendige Folgerungen aus ber Erkenntnis, baß es ebenso wenig bie Aufgabe ber Tschecho-Slowakei sein kann, Sprungbrett des Bolschewismus im Herzen Mitteleuropas zu fein, wie ber Exponent ideologischer Kriegshetzer in Paris unb London. Die Tichecho-Slowakei in ihrer neuen bescheideneren, aoer auch gesünderen Gestalt kann nur gedeihen im Rahmen ber natürlichen Gegebenheiten bes süb- osteuroväischen Raumes, in dem ihr als wichtigem Verbindungsglied zwischen Mitteleuropa und dem Südosten eine besondere Rolle vor allem wirtsckatts- politischer Art zufällt. Bene sch und Hodscha yaoen bas tschechische Volk allzu lange glauben machen wollen, ber „Donauraum" könne unter Ausschaltung Deutschlands, aber mit Prag als Mittelpunkt, als ein sich selbst genügender Wirtschaftskörper gestaltet werden. Dazu ist es trotz bes lebhaften französischen Interesses für alle diese Pläne, die zwischen Deutschland unb dem Südosten eine Barriere zu legen versprachen, niemals gekommen. Die natürlichen Bedürfnisse ihrer auf den Austausch mit einem großen aufnahmefähigen unb kapitalstarten Industriestaat hindrängenden vorwiegend agrarisch orientierten National-Mirtschasten haben sowohl Ungarn, wie Jugoslawien und Bulgarien unb weiter auch Griechenland unb die Türkei enge wirtschaftspolitische Beziehungen zum Deutschen Reich suchen und finden lassen, die nach ber Wiedereingliederung Oesterreichs sich zu einem zusammenhängenden Wirtschastsraum erweitert haben. In ihm wird auch bie reorganisierte und regenierte Tschecho- Slowakei ihren natürlichen Platz finden. Deutschland stand ja auch schon bisher trotz der äußerst kühlen politischen Beziehungen beider Länder im Außenhandel der Tschecho-Slowakei weitaus an erster Stelle. Das wird künftighin noch stärker zum Ausdruck kommen, da die neue Tschecho-Slowakei noch mehr als in ihren früheren Grenzen landwirt- fchafttiches Ueberschußgebiet sein wird. Hier sind also für bie Tschecho-Slowakei, bie namentlich in ber Slowakei unb in ber Karpatho-Ukraine noch vor- toiegenb extensive Laub- unb Forstwirtschaft betrieben hat, burch Einstellung ber Probuktion auf bie Bebürfnisse bes großbeutschen Marktes, ähnliche Möglichkeiten gegeben, wie sie bie anberen Cänber des Sübostens zu ihrem eigenen Vorteil bereits ausgestaltet haben. Vorerst freilich überwiegen in Prag noch andere Sorgen. Gerade in diesen Tagen, in denen bas Regime Benesch den zwanzigsten Jahrestag ber Staatsgründung festlich zu begehen gedachte, muß biefer Staat nach einem neuen Gleichgewicht suchen, denn mit dem Fallen ber alten Grenzen sind alle bie schweren innerpolitischen Probleme in Bewegung geraten, bie die früheren Machthaber mit kleinen Behelfsmitteln immer wieder von Krise zu Krise stillzulegen versucht, aber niemals ernsthaft angepackt hatten. Da die Wahl eines neuen Staatsoberhaupts vorerst noch als weniger dringlich hinausgeschoben worden ist, liegt die alleinige Verantwortung für die Gestaltung der Dinge bei ber Regierung, zumal auch das Parteienwesen in Fluß gekommen ist und man noch nicht absehen kann, wieweit sich die Bestrebungen auf Zusammenschluß zu einer einzigen nationalen Partei verwirklichen lassen werden. Die Kommunistische Partei ist aufgelöst und damit ber erste Schritt zu einer innerpolitischen Befriedung getan, der wohl auch in ber Folge den Rückzug aus Moskaus außenpolitischer Hörigkeit nach sich ziehen wird. Aber noch widerstreben Sozialdemokraten und Klerikale dem Aufgehen in einer nationalen Einheitspartei, so daß die Regierung auf parlamentarischem Gebiet noch nicht mit festen Größen zu rechnen vermag. Wichtiger ist auch im Augenblick die Ordnung des Verhältnisses ber brei Staatsvölker, Tschechen, Slowaken und Karpatho- Utrainer untereinander. In Preß bürg hat sich eine slowakische, in Uzhorod (Ungoar) eine karpatho- ukrainische Landesregierung gebildet, die van bet Prager Zentralregierung anerkannt worden sind unb mit ihr zusammenarbeiten. Auch in ber neuen Verfassung werden sie ihren Platz finden, da bie künttige Zentralregierung sich aus bem Ministerpräsidenten unb seinem Stellvertreter, aus drei aemeinsamen Ministern für auswärtige Angelegen- yeiten, Finanzen und Landesverteidigung und ferner den Vertretern ber Landesregierungen, acht für Böhmen und Mähren, fünf für bie Slowakei und drei für die Karpatho-Ukraine zusammensetzen soll. Aehnlich hat man sich auch bie Bildung des Zentralparlaments gedacht, dem ein Senat aus je ackt Senatoren der drei Länder zur Seite treten soll, von denen zwei Drittel von den Landesparlamenten gewählt und ein Drittel vom Präsidenten ber Republik ernannt würde. So würde diese Verfassung gewisse Anklänge an die Verfassung der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie zeigen, bie ja auch mit dem gleichen Problem des Ausgleichs ber Nationalitäten zu ringen hatte. Im einzelnen liegt freilich noch nichts fest, das ist ja auch so lange noch nicht möglich, als noch nicht einmal die Grenzen ber neuen tschecho-slowakischen Republik festgestellt sind. So steht, nachdem die territoriale Frage zwischen ber Tschecho-Slowakei, Deutschland und Polen bereinigt ist, bie Auseinanbersetzung mit Ungarn als bringlichstes Problem vor ber Prager Regierung. Nachdem in ber ersten Zusammenkunft in Äomorn keine Einigung hatte erziett werden können, weil slowakische Angebote und ungarische Gebietsansprüche weit auseinanber fielen, hat man sich Prag, 28. Oft (Europapreß.) Der 20. Jahrestag der Grunbung ber tschecho-slowakischen Republik würbe in Prag wie in ber Provinz zwar als Arbeitstag begangen, boch versuchte man, chm in biesem Rahmen ein festliches Gepräge zu geben. Nicht nur die Staatsgebäube trugen Flaggenschmuck, sondern auch viele private Häuser. Als Vertreter bes Staats- präfibenten empfing Ministerpräsibent General S i - rovy auf ber Prager Burg eine Abordnung ber Nationalversammlung, biefe überbrachte dem General bie Wünsche bes Volkes. Mittags hielt Ministerpräsibent General Sirovy eine Rund- funkansprache. Er erklärte: Unser öffentliches Leben soll auf neuer® tu n b- läge aufgebaut werben unb in parteilicher Hinsicht, weniger juristisch, rascher unb lelftungs- fähiger. Die wirksamste Unterstützung wirb bie Regierung jenen Bürgern gewähren, welche ihre Pflicht ehrlich erfüllen. Nicht Der, welcher am m e i • ft en reben wirb, fonbern derjenige, welcher aus allen Kräften dahin arbeiten wirb, baß möglichst halb bie Schöben ersetzt werben, bie bie Nation erlitten hat, wirb bem Volke gute Dienste leisten. Nüchtern im Verstehen ber harten Tatsachen wollen wir auf bem Wege ehrlicher Arbeit vorwärts schreiten, erfüllt von ber gemeinsamen Sehnsucht nach einer besseren Zukunft unseres Volkes. Die Erneuerung bes S t a.a t e s erfordert bie angestrengte Arbeit aller Bürger. Leeres Politisieren barf nicht bas Ziel bes Volkes fein. Wir müssen uns bewußt sein, baß bie Politik für bas Volk weniger wichtig ist, als ber gemeine Mann gewöhnlich meint Die Politiker haben sich barum zu kümmern, baß bie Menschen ruhig unb ungestört ihrer Arbeit nachgehen können. Lernen wir von anberen ~ ‘ bie roeber burch irgenb- en, noch burch Die WeltDer Einteilung bes nationalsozialistischen Strafgesetzbuches muß die W ertorbnung b es Parteiproaramms zugrunde gelegt werden. Jede einzelne Bestimmung muß ihren Urgrund entweder in dem naturgesetzlich gegebenen Fundament unserer Haltung oder in dem Ordnung liebenden Untergrund unserer Staatsmaschine haben. Von _ v ......_____ _________ ben gleichen Fundamenten muß auch bie 21 u sie* der mehr nach innen richten: auf bie Fülle gung biefer Anwenbungsgrundsätze auscyehen. Die der sozialen unb wirtschaftlichen Probleme. „Jetzt gesunde Dolksanschauung muß mit ben Grundsätzen beschäftigen wir uns wieder unmittelbar mit unserer Weltanschauung identisch sein. Irn Straf- Ih re m Schicksal, sgchen wieder Fragen zu lo-sen, geseh müssen bas Interesse der Volksgemein, die Ihnen unter ben Nägeln brennen. Wir wün-^ schäft unb bas Interesse bes Einzelnen in fefjen nur, daß unser Volk so bleiben möge, wie es Einklang gebracht werden. Das Jntereffe ber heute ist, so ehrlich unb vor allem so Volksgemeinschaft befteht in bem Schutz bes volki- rnuttg, wenn es zur Entscheidung geht. Dann,Aschen Gesarnllebens vor verbrecherischen Elementen; davon bin ich überzeugt, wird vor uns eine große । das Interests bes einzelnen liegt in der Derwirk- nationale Zukunft stehen. Ich weiß", so stellte ber lichung des Schutzes seiner Aufgaben, bie er im ®auleitcr fest, „daß uns alle die gemeinsame Sorge Rahmen ber Volksgemeinschaft zu erfüllen hat, um unser großes Volk verbindet und daß diese und bamtt in der Sicherstellung seines Lebens, sei- Sorge heute gerade in ben Herzen unserer deutschen ner Ehre, seiner Freiheit unb feiner Arbeit Arderter zu Hause ist, baß unsere deutschen Arbeiter .........* ' Werbswoche des BDM.-Werkes ,(5!aube und in dem folgenden Notenwechsel immerhin soweit genähert, daß über einen beträchtlichen Teil der ungarischen Forberungen Einvernehmen besteht. Budapest hatte vorgeschlagen, in ben noch strittigen Gebieten eine Volksabstimmung abzuhalten ober bie Frage einem beutsch-italienischen Schiedsgericht zu unterbreiten. In Prag hat man sich für letzteren Modus entschieden, aber eine von Ungarn gewünschte Erweiterung des Schiedsgerichts burch den Beitritt Polens abgelehnt, wenn nicht auch Rumänien hin- zugezogen würde. Der Ausgleich zwischen ben beiber- feitigen Ansprüchen wird auch nach ben vorange- gangenen Verhandlungen immer noch schwierig genug fein. Das wird schon aus den verschiedenen Zahlen deutlich, bie von Ungarn unb ber Slowakei als Grundlage ber Auseinanbersetzung genannt worben sind und die sich zwar nur sehr langsam genähert haben, aber immer noch weit auseinander» gehen. Ungarn ging ursprünglich von ber sog. histo- rischen Grenze des alten Stephansreiches aus, bas fa große Teile ber Slowakei unb ber Karpatho- Ukraine umfaßte. Auch ber Wunsch nach einer gemeinsamen Grenze mit Polen spielte in Budapest eine große Rolle. Die Slowakei anderseits ließ sich bei ihren Angeboten anfangs überwiegend von wirtschaftlichen, verkehrsgeographischen und ftrate- gischen Wünschen leiten. Beide mußten sich jedoch sagen Lassen, daß das Münchener Abkommen, bas ja bie Frage ber ungarischen Minberheit in ber Tschecho- Slowakei erst ins Rollen gebracht hat, vom Selbstbestimmungsrecht ber Volker ausgehend ausschließlich ethnologische Gesichtspunkte anerkennen kann. Die Auseinandersetzung zwischen Ungarn und ber Berlin, 28. Oft (DNB.) Gauleiter Reichsminister Dr. Goebbels hielt am Freitagnachmittag in der überfüllten großen Betriebskundgebung ber AEG. vor weit über 7000 Gefolgschaftsmitgliedern bes Kabelwerkes eine mehr als einstündige, mit begeisterten Beifallsstürmen aufgenommene Rebe, in ber er bie großen Linien nationalsozialistischer Staats- und Dolksführuna um» riß. Dr. Goebbels sprach von ber selbstverständlichen Pflicht einer verantwortungsbewußten Staatsführung, zu ben vorhandenen geistigen und materiellen Reserven des Dolksvermögens nach Möglichkeit neue hinzuzufügen, zum mindesten aber den Nachfolgern ebenso viel zu hinterlassen, wie sie selbst vorgefunden haben. Die Regierungen ber Systemzeit hätten biefen Ehrgeiz aüerbings nicht gehabt. Reserven bes Volksvermögens anzugreifen und Slowakei über'bie zwischen beiden noch striüioen,keil noch g«nz überwiegend d-E bzw polnisch Gebiete kann also nur aus Grund der Dolkrzugehö- waren. Nur aus der gleichen Ebene wird auch em rigkeit erfolgen, wenn sie Gewähr für eine neue, gerechter und ^uemersprechender Ausgleich zwi^ bessere und stabile Ordnung in diesem Raum bieten, schen Ungarn und der Slowake gesunden c...... toll, wie ja auch Deutschland und Polen bei der , können, der auch über das Schicksal der b Durchsetzung ihrer AnjpVüche und die Festlegung fnnf «öfteren Städte mit lehr Bebet neuen Grenzen auf ben gleichen Grundsatz ber Volkszugehörigkeit berufen und sich auch mit Den Gebieten begnügt haben, bie ihrer Volkszugehong- mahre versicherte Reichsminister Dr. Frank, bie Akade- t bah vrie für beutsches Recht verfolge mit Interesse bie auch Lm beutschen Zweig der kriminLstifNn Per- muß unabhängig oon Einzelaufträgen, ba ut einigunq nicht vergönnt war, die Gesetzgebung^ we- um fo fester durch die nat,onals°ziaI,M'ch- senllich zu befruchten. Weltanschauung und Weltanschauung mit der Volksgemeinschaft verbun. Staatsmaschine hätten heute im nationalfozia- de? und^ani da-i Gesetz de-' Fubrer- gebunden fern, liftischen Reich ihre Einheit roiebergefunben. Diefe, ®*r em- Weltmacht ber Sfiütur unb ber $0. Einheit steht selbstveritänblich im Zeichen bes Utlk, mir werden auch eine Weltmacht de, Primates ber nationalsozialistischen Partei. Die Rechtes sein. Mchsappell der Heimstättenwalier w>. eiches Wechselstrom: RM. 203.75 m. R. Allstrom: E den oer» Siedlungs- der Leiter des Reichskuratoriums für lichkeit, Dipl.-Jng. Seebauer, mit forgungswirtschaftlichen Problemen im und Wohnstättenbau auseinander. nen brennend«« tand groh, stark, rachen, dann gehl Zllknnst «lgegen. cksal weistern. Hob Sühae des Lebens trabe ich das Land ben Mietet Hady- aus ben fjöubeu wmmen haben." mtten btt Wta Die Reichs st udentenführung hiett eine Tagung auf Burg Stahleck ab, die durch Dr. K u - bad), Amtschef Wissenschaft und Facherziehung, eröffnet wurde. Im Mittelpunkt seiner Ansprache stand die Frage der Erneuerung der Wissenschaft und der Berufserziehung. Ziel der Hochschule müsse es sein, Erziehungsstätten der in völkisch-politischer Verpflichtung lebenden Aerzte, Ingenieure und For- scher zu sein. Reichswettkampfleiter Engel sah im Reichsberufswettkampf eines der besten Mittel der Erziehung zur nationalsozialistischen Berufsauffassung. Als Vertreter des Obergebietsführers Ax- mann von der Reichsjugendführung sprach Pg. B e r g n e r über die Berufserziehung des deutschen es für die Gemeinschaft wie für den einzelnen. Frl. Dr Kottenhoff sprach über Studien und Berufslenkung der deutschen Studentinnen und führte aus, das Ziel der wissenschaftlichen Erziehung der Studentinnen werde sein, das geistige Frauenschaf, fen in die allgemeine deutsche Frauenarbeit einzu- Slratosphärenflug-Vriefmarken mit Sonderstempel. Aus Anlaß des geplanten Stratosphären- fluges hatte die polnische Post eine Sonderbriefmarke zum Nennwert von 75 Groschen herordnen. Niederdeutsches Volkstum auf der Vühne der HI. Die dritte Festvorstellung im Rahmen der Reichstheatertage der Hitler-Jugend 1938 wurde durch em Gastspiel der Niederdeutschen Bühne Hamburg bestritten. Im Deutschen Dolks- thectter ging die Lauernkomödie „Für de Katt von August Hinrichs in Szene. Die Aufführung wurde gewählt, um den in Hamburg versammelten Führern und Führerinnen der deutschen Jugend einen Eindruck von der Stärke niederdeutschen Volkstums zu geben. Wie stark die Wirkung eines RM. 234.— m. R. und Siedlungswesen" behandelt hatte, setzte sich Wirtschaft- 8 H MrÄ1? xu ihl^ $ " (di# aus dem bodenständigen Volkstum geschaffenen Werkes auch im plattdeutschen Original ist, bewies der durchschlagende Erfolg des Abends. Die Bauernkomödie „För de Katt" hat sich in kurzer Zeit die Liebe der plattdeutsch sprechenden Bevölkerung errungen. Dor der Jugend aus allen Gauen des Reiches wurde es zu einem Sieg niederdeutschen Volkstums und Humors. Schneefall im Allgäu. Der starke Temperaturrückgang hat in den Allgäuer Bergen am Freitag Schneefall gebracht. Die Schneegrenze liegt bei etwa 900 Meter. Der Kemptener Wald hat erstmals in diesem Spätherbst bei Sulzberg eine leichte Schneedecke. Hahrstuhlunglück in Mannheim. Im Warenhaus Vollmer in Mannheim versagte plötzlich der Mechanismus eines Fahrstuhles, und der mit neun Personen besetzte Fahrstuhl stürzte in die Tiefe. Sieben Schwerverletzte wur- den in das Krankenhaus geschafft. Es sind der Fahr- stuhlführer und drei weitere Angestellte des Warenhauses, sowie drei Personen aus dem Publikum. Anhaltende Dürre, aber Aeberfluß an Dein in Argentinien. *•4 Sä«, SÄ “ yben. Mr b« bieft fiS« bit Wes. ^itf rbtQ^ "• TuS nd I? LZ bf *c n wird, u bi- di ’ L* $ien "U Wir müssen uns bas weniger gewöhnlich mL JUmnLern' daß die chrer Arbeit nach, von anderen * durch irgend. durch die Welt« : durch di« Ar. ‘tneJ Dir muffen Konzentrierung i|te kommen. Eine nheitliche Na. it den anderen Na« n Nachbarn zu« • Wir wollen und ig in der Machten!' 'ollen mit ihnen In ^beit treten 1 ^ches (StrofrfM . Denk, und DirkM' von Wellanschauuntz, wenDiflteit,wn»« t omn Mfo f® * » 015 für du Dolir ^'ausgestellt sind B ich die endgültige For' S"S? AÄ dem B-d-» feret miein^X^n bo,uf di- tt/W 8 eben über die Aufgabe der Beschaffung guten und ausreichenden Wohnraums hinaus die Verbindung des Volksgenossen mit dem Boden und der Natur gefördert werden. Für Klernsiedlungszwecke können neben den Beihilfen der Deutschen Reichspost noch unverzinsliche Lohn- und Gehaltsvor- schüsfe gegeben werden. Rund 2400 Angehörige meiner Gefolgschaft haben Kleinsiedlerstellen inne und weitere 700 Postbedienstete sind für noch im Bau befindliche Kleinsiedlcrstellen vorgesehen. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley erklärte zum Schluß: Die Wohnung und das heim seien die Burg des Deutschen, die Quelle seiner Kraft und Freude, die Geburts- und Erziehungsstätte seiner Kinder und so erhebe die Partei die Forderung, mit aller Kraft das unselige Erbe der Vergangenheit zu liquidieren, gesunde und schöne Wohnungen zu tragbaren Mieten In ausreichender Zahl und Raumgestaltung zu schaffen. Es müsse erreicht werden, daß eine Dierraumwohnung so viel koste, daß sie dem Einkommen des Arbeiters entspreche. Dr. Ley forderte mit Rücksicht auf den Kostenaufwand und die Bauflächenbeschränkung eine gesunde und zweckmäßige Mischung zwischen Siedlungen und Geschoßwohnungen, wobei auch die Berufsart in Betracht gezogen werden müsse. Die Anmarschwege zum Arbeitsplatz müßten verkürzt und der vorhandene Raum um die Arbeitsstätten für Wohnungen nutzbar gemacht werden. Zwar solle die Sehnsucht des einzelnen nach eigenem Grund und Boden befriedigt werden, doch dürfe man aus dem Siedeln keine Mode machen. Der Bestand der gegenwärttg von der DAF. in Angriff genommenen Bauvorhaben belaufe sich auf eine Milliarde. An der Finanzierung sei im Dritten Reich noch keine Aufgabe gescheitert. In herzlichen Dankesworten gedachte Dr. Ley der Bauarbeiter, die an der Westgrenze zum Schutze des Reiches ihre Einsatzbereitschaft unter Beweis gestellt haben. Ihr Beispiel möge alle Volksgenossen zu gesteigertem Arbeitswillen, Fleiß und Zähigkeit anspornen. den Landarbeiterwohnungsbau zur Verfügung stellten. Die Landflucht kann man mit materiellen Aufbesserungen des Landarbeiters allein nicht zum Stillstand bringen. Es sind auch die allgemeinen Umweltsbedingungen, die es dem Landarbeiter verleiden, noch auf dem Land zu bleiben. Es ist das Fehlen der Wohnkultur, in erster Linie aber die Wohnung. Deshalb müsse dringend die Dollfinanzierung des Baues der Landarbeiterwohnungen gefordert werden zu so günstigen Bedingungen, daß die Landwirtschaft davon Gebrauch machen könne. Der Leiter der Reichsverkehrsgruppe Kraftfahr- geroerbe, Direktor Benninghoff, wies darauf hin, daß bei allen größeren Siedlungsvorhaben eine vorherige Klärung der Fraae erfolgen muß, wie die Siedlungsgebiete an oas vorhandene Verkehrsnetz angefchloffey werden können. Bei der Auswahl der Verkehrsmittel müsse dir i a u bein rl 4®«$ Genügend Wohnraum für die wachsende Kamille Oie Frankfurter Tagung des Reichsheimstäiienamtes. Haupttagung der Reichsarbeitstagung oes Heimstattenamtes in Frankfurt a. M. leitete des Reichsheimstättenamtes, Reichsamts- «nur0 0" Stuckrad, mit einem Referat über „Probleme des Wohnstättenbaues und der Wohnraumgestaltung" ein. Die Versorgung der breiten aroeuenden Sckichten unseres Volkes mit ausreichendem, gesundem Wohnraum zu tragbaren Lasten sei die Voraussetzung für die Erhaltung und Entwicklung der in einem Volk vorhandenen Ar- beitsfräfte als seines wertvollsten Gutes. Oberster Grundsatz im Wohnungsbau sei die unbedingte Berücksichtigung der Lebensnotwendigkeiten des Volkes und damit eine Wohnungsverforgung, die den Entwicklungsnotwendigkeiten der Familie Rechnung trägt. Die Dierraumwohnung, für die er besonders eintrat, werde nicht schematisiert. Sie werde sich nach den landschaftlichen Gegebenheiten und den Wohnge- pflogenheiten der Mieter richten, und die Grund- rihgestaltung werde beweglich sein. — Prof. Dr. Noack vom NS.-Rechtswahrerbund erklärte, daß durch eine planvolle Gestaltung des Boden-, Bau» und Wohnrechts die Sicherung der Existenzgrundlage unseres Volkes erreicht werden muh. 2lls Vertreter des Reichsärzteführers stellte Dr. Knorr die Forderung auf, daß die billigeren Altwohnungen den kinderreich An Familien zur Verfügung gestellt werden müßten und für die zukünftigen Dierraumwohnungen die Ehepaare, die chren volkspolitischen Pflichten nicht nachkommen, mehr bezahlen sollen. Es müßten alle Mittel gebraucht werden, um tüchtigen, begabten und anständigen Menschen den Kinderreichtum zu ermöglichen. In den Mietskasernen sei die Nach- kommensckaft des auf freier Scholle groß gewordenen deutschen Bauern gestorben. Im Schutz der Wohlfahrtseinrichtungen wuchs in den Hinterhöfen der Großstädte das Untermenschentum mit seinen Kindern heran. Die Unterbringung der kinderreichen tauglichen Familie sei eine Angelegenheit, der sich Staat, Partei und Gemeinde widmen müßten. Die Unterbringung der Asozialen sei Ausgabe der Wohlfahrt und Polizei. Wenn es weiterhin zugelassen werde, daß Hauswirte die Aufnahme kinderreicher Familien ablehnen könnten und anständige kinderreiche Familien in allgemeinen Wohlfahrtswohnungen untergebracht würden wie die Asozialen, dann bedeute diese Diffamierung der Kinderreichen die selbstverständliche Schlußfolgerung, daß der taugliche deutsche Facharbeiter sich hüten wird, kinderreich zu werden. Der tüchtige deutsche Arbeiter dürfe nicht in Wohnungen gebracht werden, die für ein Ehepaar mit einem Hund ausreichten. Wir brauchten vielmehr für junge Ehepaare Wohnungen, in denen sie von vornherein so viel Raum hätten, daß sie die Zahl ihrer Kinder nicht ein- schränken müßten. Wenn es die Bevölkerungspolittk erfordere, müsse der Wohnungsbau aus den Methoden der Rentabilität und Wirtschaftlichkeit herausgenommen werden. Reichsstatthalter und Gauleiter Hildebrandt (Mecklenburg) gab einen geschichtlichen Abriß des Landarbeiterproblems. Die Hälfte aller Krankheitsfälle auf dem Land sei auf den ungesunden Zustand der Wohnungen zurückzuführen. Versicherungsanstalten und Krankenkassen könnten viel sparen, wenn sie einen Teil ihrer Mittel für Goebbels und im Namen des erkrankten Präsidenten der Reichsschrifttumskamnftr Staatsrat Hanns I o h st. Er hieß vor allem die Dichter der Ostmark und des Sudetenlandes willkommen. In einer Feierstunde im Deutschen Nationaltheater lasen fünf Dichter aus ihren Werken, die Erzähler Wilhelm P l e y e r, Sepp Keller und Joses Georg O b e r k o f l e r. Im zweiten Teil des Abends kamen zwei Lyriker zu Wort, Ina Seide! und Hermann Claudius. Tagung bet Reichssiudenlenführung auf Burg Stahleck. Am Freitagabend fand hn Frankfurter Hippodrom ein Reichsappell derHeimstätten- Walter statt. Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger gab einen Ueberblick über das Siedlungswesen im Gau Hessen-Nassau und schilderte das Wohnungselend, zu dessen Bekämpfung die Partei rechtzeitig Vorkehrungen getroffen habe, eingedenk des Wortes des Führers, daß d i e Wohnung jedem Deutschen ein Stück Vaterland sein müsse. Nach der Machtübernahme konnten die Gaue an die Lösung der Woh- nungstrage Herangehen. So sei es gelungen, im Gau Hessen-Nassau bis heute mehr als 8000 Siedlungen zu errichten. $u dem Thema „Betrieb und Wohnstätte" sprach Relchsminister Dr.-Jng. e. h. Ohnesorge. Während im Jahre 1933 für die Wohnungsfürsorge der R e i ch s p o st 3 837 000 RM. ausgegeben wurden, betrug diese Summe im Jahre 1936 11826 000 RM., im Jahre 1937 12 943 000 RM. und wird voraussichtlich im Jahre 1938 rund 17 000 000 RM. betragen. Bis Ende März J938 sind mit diesen Beträgen 5387 Reichsdienstwohnunqen und 7144 Reichsmietwohnungen von uns selbst gebaut, sind 37 817 Postdarlehnswohnungen und 393 Klein- eigenheime von uns bezuschußt worden. Insgesamt sind also 50 741 Wohnungen mit Mitteln der Deutschen Reichspost geschaffen worden. An Wohnungs- fürforgemitteln hat die Deutsche Reichspost damit seit 1924 über 180 Millionen RM. aufaeroenbet. Den Bau nichtposteigener Wohnungen, Miet- ober Eigenhäuser für Angehörige ber Deutschen Reichspost hat bie Reichspost begünstigt. Ferner übernahm bie Reichspost zur Förderung des Baues geeigneter Wohnungen für Beamte, Angestellte und Arbeiter ber Reichspost bie Bürgschaft für ein von anderer Seite gewährtes Hypothekenbarlehen. Ich habe ba- her erstmalig im Jahre 1937 bie Dierraumwohnung als bie für ben Arbeiter notwendige Wohnstätte gefordert und verlangt, daß jede dieser Wohnungen mit Toilette und Badezimmer aus- geftattet werden muß. Unser besonderes Augenmerk haben wir auch beim eigenen Wohnungsbau wiederum ber Siedlung zugewanbt, weil hier besonders die Wirtschaftlichkeit berücksichttgt werden. Ministerialrat Dr.-Jng. L a s ck e n vom Reichsluftfahrtministerium bezeichnete den Luftschutz als einen wichttgen Bestandteil der Landesverteidigung. Die Technik habe die Aufgabe, luftschutztechnische Vorkehrungen auf allen baulichen Gebieten zu treffen. Bei Planungen von Siedlunaen und Wohnungen habe man dies zu berücksichtigen. Durch luftschutzgesicherte Wohnstätten wachse die Leistungsfähigkeit des deutschen Menschen in ernsten kriegerischen Zeiten, da an die Arbeitskraft jedes einzelnen in diesem Fall höchste Anforderungen ge- stellt werden. Nachdem dann Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs das Thema „Gemeinden ausgegeben, bie aber 2 Zloty kostete. Sie diente zur Freimachung ber Post, bie ber Ballon in bie Stratosphäre mitnehmen sollte. Die Marken waren sehr, gefragt, auch ber englische König hatte sie bestellt. Durch bie Branbkatastrophe, bie ben Ballon vor bem Start ereilte, sah sich bie Postverwaltung gezwungen, bie zahllosen, Poststücke ben Absenbern zurückzustellen. Aus dem Warschauer Postamt erhielten sie einen Sonberftempel, in bem auf bas Mißlingen bes Höhenfluges verwiesen wirb. Wetterbericht In einem über Deutschland zur Entwicklung gekommenen Tiefdruckgebiet werden Luftmassen verschiedenster Herkunft und Temperaturen zusammen- geführt. Don Südvsten heraufgleitende Warmluft gibt dabei heute auch in unserem Bezirk Anlaß zu verbreiteten und recht ergiebigen Niederschlägen. Die in Gang befindliche Auffüllung und Ostwarts- oerlagerung des Tiefdruckgebietes läßt zwar bis Sonntag Wetterbesserung erwarten, doch ist nach der Gesamtlage noch keineswegs beständiges Wetter zu erwarten Vorhersage für Sonntag: Vielfach dunstig oder neblig, nachlassende Niederschlagsneigung und später wieder zeitweise Aufheiterung, milder, veränderliche Winde. Vorhersage für Montag: Wechselhaft und zu vereinzelten Niederschlägen geneigt. Lufttemperaturen am 28. Oktober: mittags 7,2 Grad Celsius, abends 6L Grad: am 29. Oktober: morgens 6,5 Grad. Maximum 7,2 Grad, Minimum heute nacht 5,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Oktober: abends 6,1 Grad: am 29. Oktober: morgens 5,8 Grad. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftlelters: Emst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für bie Silber: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für ben übrigen Teil: Emst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. D. A. IX. 38: 9143, Druck unb Verlag: Brühlsche Universitätsbruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM.- 2,05 einschließlich 25 Pf Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf mehr Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig pi^ows besuch in Lissabon. Ä WA »Xä ^abe mtt portugiesischen Regierungsnritgliedern die Lage erörtert^ um die Freundschaftsbande zwischen den beiden Staaten zu verttefen. Es feien daher alle fragen von gemeinsamen Interessen geprüft worden. Ferner habe man eine Uebereinfunft über ttne \ u f t f a I) r t d e r b i n b u n g zwischen ber ® . a'™anilcl)en Union unb ber portugiesischen Kolonie Angola unterzeichnet. Die Verbindung soll in der gleichen Weift durchgeführt werben wie ber Setnd) auf ber Linie zwischen Johannisburg und dem Hafen Lorenzo Marques in Portugiesisch-Ost- afrifa. Auch die Handelsbeziehungen zwischen ber Union unb Angola sollen intensiver gestaltet unb bald ein formeller Handelsvertrag abgeschlossen werben. Pirow wirb Lissabon am Samstag verlassen, um sich aus bem Luftwege n a ch S a l a rn a n c a zu begeben. Er soll sich, anscheinenb ohne sowjetspanisches Gebiet zu berühren, auf bem Luftwege nach Marseille begeben, von wo er nach Englanb Weiterreisen wird. Italien feiert den "16. Jahrestag des Marsches auf Hom. R o m , 28. Oft (DNB.) In ganz Italien ist ber XVI. Jahrestag bes weltgeschichtlichen Marsches auf Rom in eindrucksvollen Feiern begangen worden. Das italienische Volk gedachte in allen / Städten ber für die faschistische Revolution gefallenen Helden. Den Höhepunkt ber Kundgebungen in ber Hauptstadt bildeten ber Aufmarsch ber Schwarz- Hemden auf der Piazza Venezia. M u s s o l i n i hat vom Balkon des Palazzo Venezia folgende mit Ju- bei aufgenommenen Worte an bie Schwarzhemben gerichtet: „Die Aufhellungbes politischen Horizontes tritt immer klarer in Erscheinung, greift immer stärker um sich unb wirb immer versprechender. Aber wir Faschisten marschieren unb werben mit ber gleichen unbeugsamen Energie weitermarschieren, mit ber wir im Oktober 1922 ben Marsch auf Rom angetreten Haden." Reichsautzenminister von Ribbentrop bei Mussolini und Eiano. Rom, 28. Okt. (DNB.) Der Reichsminister des Auswärttgen vonRibbentrophatam Freitagnachmittag mit bem italienischen Regierungschef im Palazzo Venezia in Anwesenheit von Außenminister Graf C i a n o eine annähernd zweistünbige Unter- rebung gehabt. Wie verlautet, werben bie Be- svrechungen am Samstagvormittag fortgesetzt. — Freitag vormittag war Reichsminister von Rib» d tz n t r o p in Begleitung bes beutschen Botschafters in Rom, von Mackensen, zu einer Besprechung beim italienischen Außenminister, Grafen C i a n o , im Palazzo Chigi. Kleine politische Nachrichten. Ministerpräsident Generalfeldmarschall Göring hat Generalmajor L o e b zur Erlebigung wichtiger Aufgaben in ber Luftwaffe mieber inbas Reichsluftfahrtministerium berufen unb ihm seine Anerkennung für bie tatkräftige unb wertvolle Aufbauarbeit ausgesprochen, die er in ber Organisation des Vierjahresplanes unb rnsbefonbere als Leiter bes früheren Amtes für beutsche Roh- unb Werkstoffe geleistet hat. ♦ Der Führer unb Reichskanzler fjat dem türkischen ©taatspräfibenten Kemal Atatürk anläßlich ber Feier des fünfjährigen Gründungstages ber türkischen Republik brahtlich seine Glückwünsche übermittelt und zugleich ihm seine besten Wünsche für baldige völlige Genesung zum Ausdruck gebracht. * Vereinbarungen des Ausschusses für die deutsch- litauischen Wirtschaftsbeziehungen unter besonderer Berücksichtigung der Eingliederung der sudetendeutschen Gebiete in bas Reich sehen sowohl auf ber Einfuhr-, wie auf ber Aussichrseite eine Erhöhung ber vertraglich vorgesehenen Warenumsätze vor. * Auf Vorschlag bes Ministerpräsibenten Fürsten Konoe mürbe ber frühere japanische Außenminister 2Irfta tum 21 u 8 e n m i n i ft e r unb d-r früher- Dizepräsibent der südmanbschurischen Eisenbahn, Khatta zum Kolonialminister ernannt. Aus aller Welt. HZ -Fü^rertagung abgesagt. NSG. Die Gebietsführung ber Hitler- Jugend Hessen-Nassau gibt bekannt, daß die für Samstag unb Sonntag in Mainz «ngesetzte HJ.-Führertagung aus besonberen Grunben nicht durchges ührt werben kann. Der neue Termin wird ben Einheitsführern frühzeitig bekanntgegeben. Erstes grotzoeutsches Oichtertreffeu in Weimar. Mtt einem Begrüßungsabenb hieß die Stadt Weimar die Gäste des ersten 9 r o 6 b e u t f e n Dicktertref sens willkommen. Zu blesem 4,res fern bas ben1 2Iuftatt zur Woche des beutschen Buches 1938 bilbet, hat ber Relchsmlnlfter f Dolksaufklärung unb Propaganda emge oben. Sie Tellneh^ R-fch-mimst-r- Dr_ .. . T^nncrhÄrfe-Reaeluna O Schwundausgleich wie bei einem Großsuper O Glimm- o Fünf Röhren o Automatische o Umschallung auf Breilband-Nahempfang O Kein Rückkoppeln O Neuartige Amplimeler 0 Slumm-Abshmm 9 oder der Höhen O Der Klang: lebendig wie das Leben Klangregelung mit wahlwe.ser An^bu g KörTINGäwm» ___ _______________ „ Die anhaltende Dürre in ber argentinischen Volkes. Der ^Beauftragte der Reichsstüdentenführung Provinz Tucuman macht sich jetzt empstndlich betör Fachschulen, Sippmann, griff die Frage ber ; merkbar. Insbesondere sind die riesigen Gartenbau- Facharuppenarbeit unb ihre Zusammenhänge mit Kulturen in ber Nähe ber gleichnamigen Proomz- ber Berufserziehung an. Je näher ein Erziehungs- Hauptstadt schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die fnftem dem tätigen Leben stehe, desto wertvoller sei Landwirte haben trotz strengen Verbots mehrere 1 ■,l*-• •-tj-.t.L —i. er.« k-- ctvf Schleusen geöffnet, um ihre Felder zu bewasiern. Die Stadtverwaltung traf sofort Maßnahmen, damit weitere Eigenmächtigkeiten, die die Wasierver- forgung der Stadt in Gefahr bringen, verhindert werden. Die nächstaeleaenen Ortschaften werden durch Tankwagen notdürftig versorgt. In seltsamem Gegensatz hierzu kommen Meldungen aus der durch ihren Weinbau berühmten Provinz Mendoza, wo ein so großer Ueberfluß an Wein besteht, daß bereits 22 Millionen Liter als unverkäuflich in den Fluß geschüttet wurden, um einen weiteren Preissturz zu verhindern. Auch hier mußte die Polizei einschreiten, weil zahlreiche Personen versuchten, die Weinslut in den Schleusen aufzufangen. H4' Kolk Zur Preis ab LagerGaswerk; Frei Haus 30 Pfg./50 kg Aufpr. Städt. Betriebe Gießen Solide 6899V Telefon 2058 Gartenstraße 3 für sofort oder später 04857 WZ IMlDttH Inuit gewidmet Gießen, Bahnhofstr. 49. Bn! 3941 6910 D gesiicht. 6611° Hollmann-Werke, Wetzlar sucht. [04909 frei. [6957V 9 itnoanne Ausfeld. 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Es m o; deutsche ^ch l0M gerechtfertigt, Jchen Balke vor Lm deutschen Luch iin Leben durch d teigert, gelautert u Das Leitwort, d rache steht, und d Lutunq des Luche, mahläfliüjtröment erhält lerne leim, menn wir, u ic-m Jahre die er xMen Reich fen Gesucht werden für sofort für ungef. 3 Monate 30-40om teile Börotöiiioe (heizbar) mit Lagerraum und Garage für Personenwagen. Auherdem freundliche möblierte Wohn- und Schlafzimmer mit Küchenbenutzung für Ehepaare sowie Einzelzimmer. Schriftliche Angebote unter 6881D an den Giestener Anzeiger erbeten. ■I. 6881 0 Lr. 254 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) 2"./50. Oktober 1938 ' Ruf 2058/59 Ven Chemie erschließt die elt Von den Grundlagen und Aufgaben des chemischen Zeitalters. liMrält iholstr.ti, Bn! 3941 nOe für Oen Jtaturfreunl lobe Verurteilten die Tage bis zu seiner Begnadigung ertragen half." In dieser Schilderung wird ttroas lebendig von dem Schicksal unseres Volkes, H. Sch-r. schast der Chemie.' Sonntag rhr 90. 'ouieiu&Gr Mineraldüngers zu studieren. Er destillierte die Steinkohle, „auf daß ich beweise, daß die Steinkohlen liebliches Del und köstliche heilsame Balsame enthalten". Ob er wohl damit den ersten aromatischen Kohlenwasserstoff Benzol entdeckt hat? Glauber war Mitbegründer des Berufs des angewandten Chemikers, Mitformer einer deutschen chemischen Schriftsprache, und in seinem „£)pus minerale", das er 1651 in Amsterdam schrieb, stellt er der Chemie ein wirtschaftliches Programm auf. „Deutschland ist von Gott sonderlich hoch begäbet mit allerhand Bergwerken ... mangelt nur an erfahrnen Leuten, welche dieselbe zu recht wissen zu bringen.. Warum sind wir so schlecht, daß wir unser Kupffer nach Frankreich oder Hispanien, ünd das Bley in Holland und Venedig schicken. Spanischgrün und Bleyweiß daraus zu machen, denen wir es hernach so theuer abkauffen müssen? Ist unser Holtz, Sand und Aschen in Deutschland nicht so gut, Chrystallinisch Glas daraus zu machen. 1h,/5o!" sagte Engelke. Sie war ein bißchen ent- Icuscht. „Ich hab gedacht, die haben da oben ganz vor Schmerz, wurde wieder lebendig und schlug wie unsinnig um sich. Die Köksch lachte, die Mägde kreischten, die Tüv ging auf. Engelke hatte schon wieder die Erbsen vor, als er sich umdrehte. Die Köksch. tat die Hühner in die Pfanne, und die eine Magd brachte ihm einen irdenen Topf mit Abendmilch. Er trank hastig und bückte sich ein bißchen, dann flüsterte er: ,Zch weiß, wo du wohnst." Sie war ganz still. Sie atmete bloß hastiger. „Heut' abend komm ich", sagte er ganz leise. Sie sah auf. Ihre Augen waren blau wie blaues Glas. „Nee, nee", sagte sie ängstlich. „Meine Stiefmutter ..." Die Erbsen kollerten auf den roten Ziegelboden. Sie knieten beide hin und lasen sie auf. Er flüsterte dicht an ihrem Ohr. „Denn komm in den Garten, wo der Kohl steht, an die Laube." — „Nee, nee", stammelte sie, aber ganz zaghaft. Tränen standen in ihren Augen. Als sie aufstand, ging er schon wieder aus der Tür. Er pfiff lustig. Sie seufzte schwer, schüttelte mit dem Kopf und sagte halblaut: „Nee, nee!" Aber als es schummerte, ging sie doch. finger daran zu tippen, während Püttsch das neue Ding ausgiebig von allen Seiten besah, beroch und befnabberte. Selbstverständlich lernte Pelle zuerst laufen, damit er — Ehrensache — der Schwester bei den ersten Gehversuchen behilflich sein konnte, wobei sie dann meistens staunend, manchmal auch brüllend, gemeinsam auf dem Boden landeten. Auch sonst bemühte er sich rührend darum, Püttsch in jeder Weise zu bemuttern. In unverständlichen Worten machte er dem harmlosen Wurm sanfte Vorwürfe, wenn es wieder einmal naß gemacht hatte — dabei war der gute Junge selbst noch nicht ganz stubenrein! Eines Tages erschien er ganz geknickt in der Küche und suchte nach einem Lappen, wobei er fortwährend murmelte: „Pelle dumm, Pelle dumm?" Dis erstaunte Familie folgte ihm im Gänsemarsch, als er mit seinem Lappen abzog, und sah ihn dann im Wohnzimmer damit beschäftigt, unter dauerndem anklagenden Gemurmel die Bescherung wieder fort« zuwischeu. Püttsch saß ganz still in ihrer Ecke unbeobachtete mit ausgesprochen spöttischem Lächeln die kleine Entgleisung ihres Kavaliers ... Don beiden wurde zärtlich die Großmutter geliebt, zu der sie während der Sommertage in den kleinen Badeort an der ostpreußischen Küste fahren dursten, so bald sie die immerhin nicht kur.se Reise mit den weißen Schiffen des Dstpreußendienstes vertrugen. Von ihr lernten sie auch trotz aller Ermahnungen und Verbesserungen des Vaters den oftoreu- ßischen Dialekt. Ich weiß noch das entsetzte Gesicht des Vaters, als er einmal in den Garten kam und von ferne zusah, wie die Großmutter Blumen für die Vasen abschnitt. Püttsch und Pelle standen Hand in Hand schweigend dabei, bis Püttsch ihre Verwunderung nicht mehr zurückhalten konnte und mit innerlichem Kopfschütteln fragte: „Dhmchen — zu was schneidst ab? Iefallt dir nid)?" Kaum, daß > sie auf ihren krummen und dicken Beinchen mühsam umherstolpern konnten, erhielten beide Kinder die gleichen, braunen Trainigsanmge, an denen sie mit fanatischer Liebe hängen. Pütttch ist selbst'später noch immer äußerst ungnädig, wenn man sie — weil Besuch kommt — so anüeht. wie es sich für ein kleines Mädchen gehört. Einmal, in der höchsten Eile, will das Mädchen der Kleinen *ie speckige Hose über das Helle Sonntaaskleibcb-n ziehen, damit sie sich bis zum Eintreffen der Gäste nicht wieder schmutzig macht. Pelle steht aufgeregt daneben und bohrt nachdenklich den Finger in die Nale. „Minqa", iragt er endlich neumeriq, „zu was ziehste ihr den Jungen über das Mädchen?" Christine Grossmann. püttsch und pelle. Aus dem Kinderland eines Zwillings-Pärchens. Sie hatten gar nicht erst gefragt, ob es auch angenehm sei, wenn sie gleich zu zweit erschienen. Mit vollendeter Selbstverständlichkeit waren sie eines Tages als die Erstgeborenen meiner in Finnland mit einem deutschen Photographen verheirateten Schwester da und stellten die staunende Verwandtschaft vor die fertige Tatsache. Eigentlich hießen sie natürlich anders. Aber ich kann mich nicht entsinnen, daß sie jemals anders genannt wurden: das Mädchen Püttsch und der Junge Pelle! Schrecklich brav lagen sie nebeneinander in ihrem breiten Bettchen und knabberten stillvergnügt an den winzigen Zehen Und nur manchmal schielte Pelle nach dem anderen kleinen Wurm neben sich, als ob er sich für dessen gute Laune verantwortlich fühlte. Kam dann die Mutter mit den Milchflaschen, dann wartete er geduldig, bis Püttsch das kleine, rosa Mäulchen aufsperrte und zu trinfen geruhte, und dann erst dachte er an den eigenen Durst. Brachte eine gute Tante nur ein Spielzeug mit — denn nicht alle dachten daran, gleich doppelt zu schenken, wie sie ja auch nicht „bie Zwillinge" sagten, sondern „her Zwilling" — dann wagte Pelle nur ganz wenig mit dem Zeige- liestaus • Werken- 11.80—12.30 3. Morgen- Veranstaltung- Ruf« u. L* luieteiilMiB®1- Hans Christopi1 Kaerpel uitb wir dürfen aus ihr entnehmen, daß gerade das deutsche Buch es gewesen ist, aus dem zahllosen deutschen Menschen in der Ostmark jene Kraft jiiftrömte, ohne die es ihnen unmöglich gewesen Höre, das Leid zu ertragen, das ihnen auferlegt ward. f , Wohin immer wir in der Geschichte unseres - k«s, auch in der jüngsten Vergangenheit, oder beim betrachten der Schicksale großer deutscher Menschen liiere Blicke richten, immer wieder werden wir scheu, daß das deutsche Buch es gewesen ist, das Volk. Gerade die Geschichte ist überreich an Beispie, len, die zeigen, wie es immer wieder ein Buch gewesen ist, das in Zeiten der nationalen Not dem deutschen Volke zu Hilfe kam, für fein Leben eine Duelle jener Kräfte wurde, durch die es sich aus Not und Niedergeschlagenheit erhob zu neuem Lebenswillen und zu neuer Größe. Das augenfälligste Beispiel eines solchen Buches, das in unserer Not selbst geschehen ist, ist das Buch des Führers, dessen ungeheure geschichtsbildende Kraft längst auch draußen in der Welt erkannt und anerkannt worden ist. Es liegt somit ein tiefer Sinn darin, daß die erste Großdeutsche Buchwoche, die wir in diesem Jahre festlich begehen, unter dem Leitwort steht: Das Buch, ein Kraftquell der Nation. Wir leben heute in einer Zeit, die an jeden einzelnen von uns im Hinblick auf die von ihm zu leistende Arbeit die höchsten Anforderungen stellt. Wir können auf keine Hilfe verzichten, die sich uns bietet als Unterstützung bei dem Bestreben, jenen gesteigerten Anforderungen im Hinblick auf die Sicherung unseres völkischen Lebens restlos zu genügen. Eine der stärksten, zuverlässigsten, den wechselnden Zufälligkeiten des Tages weitgehend enthobenen Hilfen besitzen wir im deutschen Buch^ Es hat daher seinen guten Sinn, wenn der ersten großdeutschen Buchwoche die Aufgabe gestellt ist, dem deutschen Volk sowohl durch eine Reche großer festlicher Veranstaltungen als auch durch die in den Buchausstellungen sichtbar werdende sorgfältige 21usle-fe arbeit des Jahres bewußt zu machen, daß das deutsche Buch in der Tat ein Kraftquell der Nation ist. Dr. Hellmuth Langenbucher. dunster g.^^een fa, 8e,Unde Luft billig beJ andere Namen. Diel fremdländischer." Die Erbsen knallten und sprangen. „3ft er ein Türk?" Nun lachte die Alte laut los, während sie den Knoten am letzten Huhn zuband. Die beiden Jungen lachten mit „Der ist just so chrisllich wie wir, Maike. Er geht auch in die Kirche. Aber was der Herr Graf ist, der ist ein Reformierter. Darum will er nach Holland. Was weiß ich, Maike, Krieg ist überall." „Herrje, ja", sagte Engelke. Sie war es gewohnt, und die andern auch. Seit sie lebten, kannten sie es nicht anders, als daß die Welt brannte. „Muß der Jädtke mit?" t Nun kicherten die albernen Gänse wieder. Aber die 2IIte, die Liebesgeschichten gern beäugte, meinte: „Das soll er wohl müssen. Schad' um den Kerl, wenn sie den totschießen." Engelke sagte nichts. Sie hob sich auf den Zehen und guckte nach der Tür. Der Fremde kam herein. .Löksch, habt Ihr ein bißchen Milch für mich zu trinken?" Sein Platt klang anders, als man hier sprach. Engelke stellte die Erbsenschüsiel neben sich, warf die blaue Schürze über den Kopf und lachte laut auf. „Was lacht die?" fragte Jädtke. Aber er kam doch näher und versuchte Engelke die Schürze vom Gesicht zu ziehen. Sie kreischte und hielt fest. Aber er zog, und so sah er in ihr lachendes, rotes Gesicht. Ihre Haube stand schief, und die Haare wehten überall ^Jtief, hat die helles Haar!" rief er. Die beiden Mädchen lachten. „Sie is ein Schimmel", schrie die eine. — „Ja, arab so wie ich ein Polack", meinte der Jäger. Er rang im Spaß mit Engelke. „Wie heißt, Maike?" fragte er. Er hatte schon so ein paar westdeutsche Ausdrücke weg. Engel-Marie", sagte das Mädchen. Sie stand vor ihm eine Handbreit größer als er. Die Haube hing im Nacken, ihr Mund stand auf, ihr Brusttuch war verschoben. Mit der Rechten'stemmte sie sich gegen feine Brust, er reckte sich und versuchte, halb im Spaß, sie zu küssen. „Das versteht man ja gar nicht in der Polackei, Junge!" meinte sie und versuchte davonzukommen. Aber er umschlang sie plötzlich mit seinen festen Armen. Ihr Gesicht scheuerte sich an dem groben graugrünen Tuch feiner Jacke, dann fehlte sie seine kräftige, ein bißchen rauhe, braune Haut daran. Ihre Arme sanken schlaff herab, und sie^dachite nicht daran, sich zu wehren, als er sie rasch abkußte, auf den Mund, die Augen, die Stirn, wieder den Mund. Dazu griff er in ihr helles Haar. Sie schrie xetBW nüh *2^,Lry SoV"«1o« e,tZ »0’ h°20-a W ll«'e6,*er'£ «*• h |9'Z* n ■"'li* <«■ litt Ä innewohnende, aus dem Borne des ? E/nende Kraft half, Schweres und J“ «‘ragen. Tausende, Hunderttausende 9rßUfkVr Malischen, von denen die Geschichte kein ?nU «*en5t Semacht hat haben das in gleicher Weise rt? f n* lm Schützengraben, das Auch m Gesangenschaft, das Buch auf dem Nacht- &f* l"es Do" bitteren Lebenssorgen zerquälten. Menschen. — das Buch m der Hand des Greises, .u-m die Erkenntnis der letzten Lebensfragen ringt, das Buch in der Hand des jungen 2Ren» Idjen, der daran ist, ins Leben zu stürmen, das Buch ‘n..öcrtW des Mannes, der befeffen ist von der Leidenschaft, mit der Tat feines Lebens feinem ■öolfe zu dienen, das Buch in der Hand der Frau die als deutsche Mutter die Herdflarnrne hütet, das Duch in der Hand des Verzweifelten, des niederge- brochenen Menschen, der darin einen Trost sucht und sindet, das Buch in der Hand des vorn Glück Begünstigten, den die Kraft des Erfolges stürmisch roeitertreibt zu neuen Aufgaben und zu neuen Zielen, das Buch als Berater des Menschen, den die Ferne lockt, und das Buch des Deutschen draußen in der Welt, der darin die Heimat sucht: es wäre an kein Ende zu kommen, wenn wir versuchten, im einzelnen alle die Wirkungen aufzuzählen, mit denen bas Buch in bem weitverzweigten Leben des Volkes immer roieber so entfcheidenb eingreift in bie Gestaltung dieses Lebens. Wie aber der einzelne Mensch, wenn er sich selbst nicht aufgeben will, in feinem persönlichen Leben und Schicksal unlöslich verbunden ist mit dem Leben und Schicksal des Volkes, so gilt, was hier für den einzelnen Menschen gesagt wurde, in gesteigertem Maße für das ganze Oie Engel-Marie. Don Agnes Miegel. Die Dichterin Agnes Miegel wird in den nächsten Tagen hier in (Biefjen aus eigenen Werken lesen. Wir bringen mit Genehmigung des Eugen Diederichs Verlages einen Abschnitt aus ihren „Geschichten aus Alt-Preußen . Zwischen den Bauerngehöften des kleinen Weser- borfs stand bie graue Wasserburg. Holunder blühte am Wallgraben, Buchen und Eschen wuchsen im Sorten, große alte Nußbäume rauschten im Hof über lüngerftätte und Brunnen. , Ein Mädchen kam durch den Torweg auf den Hof, einen Korb mit Gemüse am Arm. Sie war grotz und schlank, steif wie eine Puppe in .^rem pracht- ovllen Sonntagsstaat. Unter der spitzen föro£r-3' siidenen Tütenhaube wehten ein paar lange hellblonde Haare heller und glänzender als Flachs über ihr Gesicht. Ihre Haut war rosig und klar wie eine Eine Brille mit Zweistärkengläsern empfehle ich jedem, dem beim Blick wechsel (Ferne/Nähe) das Auf- und Absetzen der Brille lästig ist. Die fachgemäße Anpassung ist meine Spezialität!' 633a GELLER der Optiker am Bahnhof* Un9en 50 Autpr- III. Zur Ehrenrettung der „Schwarzen Kunst". Die Chemie der Alten, ihre Lehre vom Urstoff und den vier Elementen war eine kosmische Chemie. Man ist versucht zu sagen, eine All- Chemie. Sie hat hineingewirkt in die kommenden Geschlechter, die über den stofflichen Aufbau der Welt nachdachten, bis in die Zeit der „Schwarzen Kunst", der Alchimie. Diese entwickelte sich in der Hauptsache in einem Zeitraum von 1500 Jahren, etwa vom 3. bis zum 17. Jahrhundert. In ihr verschmolzen die alten Spekulationen über die stoffliche Einheit der Welt mit ihren vier Elementen, über den Wandel der Stoffe und ihre Mischungen mit einer phantasievollen, kühnen und klugen Experimentierkunst. Es mar die Chemie jener Zeit. Sie führte zu einer Weiterentwicklung der Stoffkunoe, der Methoden, Stoffe zu trennen, zu erkennen und zu gewinnen, und der technischen Chemie. Es ist ein sehr oberflächlicher Irrtum, der aber sehr gern und häufig gemacht wird, in der Alchimie eine Reihe von kuriosen Veranstaltungen mystisch und schwindelhaft veranlagter Geister zu sehen. Die alchimistische Spekulation, durch den Stein der Weisen Einfluß zu gewinnen .auf den Wandel der Stoffe, Gold zu machen. Himmlisches und Irdisches miteinander zu verschmelzen, das Ganze im einzelnen zu sehen, entsprach durchaus der mystischen und metaphysischen Geisteshaltung jener Zeiten. Manchen von diesen phantastischen alchimistischen Experimentierkünsttern aber ging es so wie Kolumbus. Er zog aus, um Gold und Reichtum in Indien zu finden und entdeckte von ungefähr einen neuen Erdteil. Da wäre zunächst auf den Freiburger Mönch Berthold Schwarz hinzuweisen. In seiner Klosterküche suchte er Gold zu machen. Und als ihm die Mischung von Salpeter, Schwefel und Blei, Duetffilber und Del krachend um die Ohren Krafique« -er Nation. Zur Woche des deutschen Buches. Mancher Zweifler mag sich Gedanken darüber zachen, ob es nötig sei, in jedem Jahr eine ganze Doche ^g die Werbetrommel zu rühren für das kann, oberflächlich gesehen, viel- lkcht mit Recht darauf Hinweisen, daß wir ja ohne- tes als bas „Volk ber Dichter unb Denker" an= Bhen würben, unb baß 4m beutschen Volk bereits flwug Bacher verlegt, verkauft unb gelesen würden. Der io denkt, der läßt dabei völlig die Tatsache der tinebnenben Wirkung des Alltags außer acht, bie c immer wieder einmal nötig macht, auch jene .Kräfte unseres Lebens, ohne bie wir uns biefes L-'ben nicht mehr vorzustellen vermögen, herauszu- h'ben aus dem gewohnten Gleichmaß der Dinge im sie. in ihrer Bedeutung und Wirkungsmächtiq- ftit dem ganzen Volke von neuem bewußt zu wachen. Wer so denkt, der vergißt aber außerdem wch em zweites: er vergißt, daß ein Volk unab- liffig an der Steigerung und Stärkung seines Lebens arbeiten muß; daß es sich nicht mit erreichten -Seien zufriedengeben, sondern von einer Stufe zur nteren auf feinem Schicksalsgang weiterschreiten i»uk; und daß dieses Gesetz es gerade den Führern unb Anregern des kulturellen Lebens zur Pflicht dacht, die bisher vielfach als Vorrecht bestimmter greife angesehene Teilhaberschaft einzelner Schich- im des Volkes am kulturellen Leben der Nation zur Teilnahme und Besitzergreifung des ganzen Volkes zu machen. Es ist aber undenkbar, dieses Ziel ohne bas deutsche Buch zu erreichen, unb es ist baher Mhl gerechtfertigt, einmal in jebem Jahre dem deutschen Volke vor Augen zu stellen, was alles es bem deutschen Buche verdankt, und in welcher Weise fein Leben durch das Buch innerlich geordnet, gesteigert. geläutert und erhoben wird. Das Leitwort, das über der diesjährigen Buch- Mche steht, und durch das dem ganzen Volke Bedeutung des Buches als eines Spend-ers fteis neuer, unablässig strömender Lebenskräfte bewußt gemacht Wirb; erhält seine tiefste und schönste Bestätigung bctfn, wenn wir, uns daran erinnernd, daß wir in diesem Jahre bie erste Buchwoche im geeinten Groß- dmtschen Reich feiern, den Blick nach unserer Ostmark richten, um von all denen, die dort im Kampf gistanben haben, die Antwort in uns aufzunehmen, die wir hören auf die Frage, ob auch bas Buch men Anteil gehabt habe an bem verzweifelten unb «schlitternden Ringen der deutschen Ostmark um ihr chbensrecht. „Wer irgenbwie mit bem Reiche in Verbindung stand, wurde als Hochverräter" behan- Mt", schreibt uns da ein Oesterreicher, der mehrfach il den Gefängnissen gesessen hat. „Unb trotzdem", fährt er fort, „die deuüchen Dichter Oesterreichs verlegten ihre Bücher im Reich, die österreichischen Buchhändler verkauften zu 90 v. H. Bücher aus bem Reich, unb alle Maßnahmen dagegen waren Schnitte ins eigene Fleisch. Allen Verboten und Schikanen zum Trotz konnte das Schrifttum die Verbindung zum Mutterland erhalten, und heute fönnen wir es ja sagen: viele, sehr viele österreichische Nationalsozialisten wären zusammengebrochen, leiten sie das deutsche Buch nicht gehabt. In meiner B bliothek bewahre ich eine Anzahl heiliger Bücher: sÄche, die mich selbst ins Gefängnis begleiteten, solche, die ich Kameraden in anderen Kerkern geliehen habe, unb eines ist barunter, das einem zum Am Brunnen standen zwei junge Sager. Ser eine kleine und untersetzte mit krausem dunklem Haar blickte auf. Seine braunen Augen blitzten, und er leckste mit weißen Zähnen nach bem Mädchen. Sie H elt den Kopf steif unb sah nicht nach ihm hin. Mer als sie in ber Küche war, wo bie alte Herrschasts kvchin zwischen ben großen Kupferkesseln hantierte unb bie Küchenmägbe noch das Mittagsgeschirr spul ten, fragte sie boch: „Was 'ist das ur einer? unb zügte burchs Fenster. — „Schimmelte, hast den noch Nicht gesehn?" meinte bie Köchin gutmütig. "Das ist ber Jäger von unserem Besuch, .van dem Herrn trafen aus Preußen." - .Sem M.lchbruber, meinte bas Hilfsmädchen unb kicherte. $rnQQ hat ber Graf hier zu tun?" fragte bie Slonbe Sie zog ben Staat aus unb banb eine ajte Schürze vor, um ber Köksch zu helfen. Dabei schielte si» burchs Fenster unb sah ben Dunklen nach bem i Stall gehem Er sah sie auch unb lachte lieber. „So I ein breifter Hunb!" sagte sie ärgerlich. , H „Das ift er nicht." Die 2Itte ■riefelte die Hähnchen .,um Abendesten^ „Blotz e ne aibere Art hat er. Hat sich nach Mit kemer h i abgegeben. Kannst dir was einbdben, Engelke. „Wie heißt er benn?" fragte Engelke unb machte sich ans Erbsenpahlen. „Jäbtke. Der Graf ruft ihn mit bem Daters- - Giefeen «»Oswalds-arten (Parkplatz)” "rorvl 2U6.2H0 Ma» als jenes zu Venebig ober Frankreich...?" Unb diesen Mann hat man lange verkannt so wie viele andere, so wie Johann Joachim Becher, ber zu« erst ben Koks, bie Herstellung von Teer aus Steinkohle, das Gas entdeckte, und so wie ben großen Philosophen, Chemiker unb Arzt Paracelsus. Vielleicht steht gerade er von all ben Alchimisten uns am nächsten, weil er nicht die Metalle, sondern den Menschen und seine Gesundheit zum Mittelpunkt feines Forschens und Schaffens machte. Auch ihm ist die Chemie die Lehre von der Verwandlung der Stoffe mit Hilfe des Steins der Weifen, der wohl fo etwas wie eine Art magischer Katalysator sein sollte. Ob man durch Mischung der Grundbestandteile der Welt, von Schwefel, Quecksilber und Salz Gold machen könne oder nicht, sei nicht das entscheideiüre Ziel ber Chemie, fonbern „allein bie Bereitung zu tradieren, was Tugend und Kraft in der Arznei fei". Nicht Metalle verwandeln, sondern dem Menschen dienen und Heilmittel fchaffen. Dazu solle der Chemiker „die Natur ergründen imd sie auch wiederholen". Das Denken unb Schaffen des Paracelsus ist repräsentativ für die Chemie des 16. und 17. Jahrhunderts. Sie war drauf und dran, sich aus dem Autoritätsglauben und der Myfttk des Mittelalters zu befreien und sich zu einer selbständigen Wissenschaft zu entwickeln. So wurde sie unter Führung des Paracelsus und anderer zu einer soliden Hilfswissenschaft ber Medizin. Und so erreichte sie zunächst eine Vorstufe, von der aus sie in der kommenden Entwicklung den Rang einer selbständigen Wissenschaft einnehmen konnte. Daß es in der Alchimie allerlei Schwindel gab, darüber soll man sich weiter nicht wundern. Be» trug, Schwindel und Illusion hat es zu allen Zeiten gegeben. Es ist doch gar nicht so lange her, daß der Goldmacher Tausend — aus den Gerichtsakten ging es hervor, daß er tatsächlich so hieß — sein Unwesen trieb. Wenn man aber dem Geist und ber praktischen Bebeutuna der alchimistischen Forschung unb Technik gerecht werben will, bann soll man bedenken, was einer der größten der neuzeitlichen chemischen Revolutionäre, Justus von Liebig, von den Alchimisten gesagt hat. „Der Stein der Weisen, den die Alten im dunkeln unbestimmten Drange suchten, ist in seiner Vollkommenheit nichts anderes gewesen, als bie Wissen0-AlN-0.2Z. zII.P1att.tor les Heben atur in fBafJer, inbfialm itto 'Bartels. aus htm Ctben her nfe- tläutmbtn ‘Bübunttt* abtrmbausWW” ,t cntm tin n«, Unüitifaä! Dnl'N. er1taunUä)Ditl'titigeunb KmMdavndMM' i Ltdtn btt yibllOitnHti» lusbtt^rtubtamTtob- roollts natutgi|d)id)'i'°)“ Mrbtn,buW:wgg ebtautbiumhltinlltnW Dtäen.StbunbtnW-^ igtn SU fcofltnlos jtrttn Wtrb'blatttt! ist durch jauch' mgzu btziehrn' Mühl» Verlag -Lichterfelde t Das Spezial- jflß haoslör Illg Uhren ieOrdmMger lassive Konstruk- ion mit allen mög- ichen Einteilungen sehr preiswert bei flpg, hatte er das Schießpulver erfunben. Damit hat man bann ben Bergbau geförbert unb der Erde Gold entriffen. Und man hat damit Kriege geführt, oft dabei goldene Schätze erobert. Im 17. Jahrhundert siedelte der Große Kurfürst auf ddr schönen Pfaueninsel bei Berlin den Goldmacher Johann Kunkel an. Ihm war es aber damals noch nicht gelungen, Gold zu machen. Es gelang ihm auch später nicht. Aber er erfand allerlei wichtige chemische Stoffe, gute Arzneien unb x. B. das schöne R u b i n g I a s. Ein Jahrhundert später, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, wäre es beinahe zwischen Sachsen unb Preußen zu einem Krieg wegen eines Alchimisten gekommen. Der Große Kurfürst wollte zur Auffüllung seiner Staatskassen ben Goldmacher Bö11ger aus Sachsen herausholen. Die Sachsen weigerten sich, Böttger blieb, und im Laufe feiner alchimistischen Experimente entdeckte er bie Kunst, Porzellan herzustellen. Und so beweisen diese und viele andere Alchimisten, was einer von ihnen im 16. Jahrhundert, ber Chemiker Biringucciv, in seiner „Pirotechnia", ben zehn Büchern der Feuerwerkskunst, in denen er bie technische Chemie jener Zeiten in eine Art System gebracht hatte, sagte: „Die chemische Forschung zeigt jeben Tag wunberschöne neue Erscheinungen und außerdem liefert bie Chemie Heilmittel, -Farben, Wohlgerüche und unzählige Verbindungen. Viele Künste wären ohne sie nicht erfunden worden." So spricht er z. B. von der S alpe t e r fabrikation, durch die sich die Deutschen im 14. Jahrhundert vom Ausland unabhängig machten. Und es ist gut, in diesem Zusammenhang an die neuzeitliche Gewinnung von Salpetersäure aus synthetischem Amoniak zu erinnern, die zur Begründung der riesigen deutschen Stickstoffdüngerfabrikation führte. Auch den großen Glauber, den man weithin als den Entdecker des Glaubersalzes kennt, hat man einen Charlatan genannt. Die moderne Geschichtsschreibung hat das berichtigt. Neben feinem Laboratorium hatte er z. B. auf sandigem Boden ein Versuchsfeld errichtet, um die Wirkung des *ornenmi Qeschmackvont Persönlich > dr-1 lch--' ElgenechefUj de' 9-iegenen Familien- Drucksache oietet ihnen m uni» eichen neuzeitlichen Ausführungen eowig p*oieren Billiget die Brflhl'sche Druckerei 1 Scbulstr. 7. Ruf 2251 69UA Wehr und Waffen QUALITÄTS-ERZEUGNIS DER SIDOL.WERKE mi m^n0^ en' heißes Lederzeug und Friedensliebe betört, den günstige säumt hatte, sich Oesterreich und rm Feldzug 1806/07 mußte jeder Mann ireten D l l l o n I sich seine Munition selbst unfertigen. Es kam soweit, fang, sich , - . ■ - • - — —— Rußland an zu- 'mllenen und dem durch Süddeutschland vorrücken- den Napoleon in die linke Flanke zu sollen Jetzt, n™) seinem großen Siege bei Austerlitz ließ dieser alle Ruckücht fallen, und zwang durch seine Maß- nahmen Preußen förmlich zur Kriegserklärung im ungünstigsten Moment. den französischen Truppen besetzt war. Als aber in der sog. „Drei-Kaiser°Schlacht" bei Austerlitz am 2 Dezember 1805 die österreichischen und russischen Armeen eine schwere, nachhaltige Niederlage erlitten hatten und jeder Widerstand unmöglich war, blieb auch ihm kein Ausweg mehr. 3m 3uli 1806 trat Hessen dem Rheinbund bei unter der Verpflicht tung, die hessischen Truppen dem Kaiser Napoleon zur Verfügung zu stellen, wenn es dieser verlangte. Hessen wurde, da alle anderen Länder des Rhein- Bundes „Rangerhöhungen" erfuhren, Großherzog, tum, und der Landgraf nahm den Titel „Groß. Herzog von Hessen und bei Rhein" als Ludewig I an. Dem von Vaterlandsliebe und echtem deutschen Sinn erfüllten Fürsten mag es hart genug onge- kommen sein, sich somit an die Seite Frankreichs das. er jahrelang eifrig mit bekämpft hatte zu stellen, aber es blieb ihm keine andere Wahl. Hessen hätte sonst durch den berüchtigten „Federstrich" Na- poleons aufgehört, als selbständiges Land zu existie- ren und wäre höchstens eine französische Provinz geworden. 0 Der Wehrpflichtige aber soll aus dieser Erkennt- ms die Gewißheit schöpfen, daß die Dienstzeit durchaus keine nutzlose Unterbrechung tzmes. bürgerlichen Berufslebens ist. Im Gegenteil. Er wird sich selbst sehr bald davon überzeugen, daß er bei gutem Willen gerade in den aktiven Wehr- pfllchtiahren die Möglichkeit hat, über das rein militärische hinaus auch das eigene Fachwissen zu bereichern und zu vertiefen. Wehrmacht und Volk sind eins. Der Soldat von heute, dieser neue Typus des geistig und körperlich wendigen, intelligenten und zugleich Willensstärken Einzelkämpfers und Spezia- listen seiner Waffe ist nichts anders als die Er- ganzung des deutschen Menschen der Gegenwart nach einer ganz bestimmten Richtung hin — des deutschen Menschen soldatischer Haltung, der mit wachem Augen inmitten seiner Zeit steht, ihre Wirklichkeiten kennt, bejaht und meistert —' ohne dabei den Glauben zu verlieren an die übergeordneten Werte einer Idee; der großen deutschen Nach Erlebigung dieser Formalitäten erfolgt die wehrärztliche Untersuchung: Werden bei der Untersuchung leichtere Erkrankungen oder Der- stellt, die voraussichtlich innerhalb geheilt sein werden, so hat die Ein- Zwei wertvolle Dienstjahre. Don Hauptmann (<$J v. Borstel«, Deichskriegsministerium. .— ./viuuS, das von Oberstleut- l p st e i n versaßt war, und den neuen An- ien und Lehren aus den letzten Kriegen et- — ronr die ($^roe'hr; e,w . Sekonb-Leutyant: Meyer, Eberhardt, Kloos (Adj.). Ä^kk^e.Bataillone trugen grüne, frackähnliche, Er h ^cke mut umgeschlagenen rot gefütterten in Ehren getragenen Waffenrock mit dem Rock des Bürgers vertauschen" zu können, kommt nun für u , d i e jungen Rekruten der Tag, an dem sie der Untersuchung zum erstenmal sich als Waffenträger der Nation letzungen feftgeft fühlen dürfen. Um die Entlassung der Reservisten eines Monats ge_, .... |W Wlt_ und die Einstellung der Rekruten ordnungsgemäß stellung zu erfolgen. Erforderlichenfalls ist die Aufdurchfuhren zu können, ist zwischen Entlassung unol nähme in das Krankenreoier ober Lazarett anzu- Einstellung beim Heer und bei der Luftwaffe mög- ordnen. Die Hessen unter Aapoleon Das II. Bataillon: Ducck icdixplleqe länget kalten, die neuen Sckuke und die alten! Jns.Rgts. 116. Das bisherige leichte (Füsilier)Ba- taillon, das spätere 1/116, trat als Garde-Füsilier- Bataillon zur Leib-Brigade und blieb in Darmstadt. Somit bestehen, seit 1803 die beiden Füsilier-Bataillone nebeneinander, bis sie 1813 zu einem Regiment vereinigt wurden. Das I. Bataillon mit dem Alter von 1790, das II. Bataillon von 1803. Die Namen des Offizier-Korps beider Bataillone sind besonders interessant, weil sie sich in der Geschichte der hessischen Truppenteile fortgesetzt wiederholen und zum Teil auch in der jetzigen Armee fortbestehen. 1803. Füsilier-Bataillon der Leib-Brigade (1/116): Batls.-Kommandeur: Oberst Fhr. v. Stosch, Stabs, kapitän: Stutzer (Leib-Komp.), I. Klipstein (3. Kompanie), v. Bouchenröder (2. Komp.). Premier-Leut- "°nt: Kullmann (4. Komp.), Merk, v. Koppel, v. Karlsen, v. Stosch. Sekond-Leutnant: Eigenbrodt, o. Fürth, Becker (Adj.), v. Steoesand. daß Major v. Ga ll, der 1806 das Füs.-Batl Land- graf (11/116) führte, auf dem Durchmarsch durch Erfurt preußische Gewehre aus den übergebenen Festungsbeständen (Erfurt hatte nach der Schlacht bei Jena sofort kapituliert) für die hessischen ein» tauschen mußte, da letztere völlig unbrauchbar waren. 1 . Dienstzeit in der Lime und Reserve be- trug 10 Jahre, doch blieb stets nur ein Teil der Mannschaften bei der Fahne, der Rest war zur Er- sparung beurlaubt und wurde erst zurückgerufen wenn er-gebraucht wurde. Das war mehreremal bei inneren Unruhen der Fäll. Besonders die neue Provinz Westfalen machte in der Aushebungs- und Rekrutierungsfrage Schwierigkeiten, die sogar dazu führten, daß im Juli 1805 ein gemischtes Detache- ment von 4 Kapitäns, 8 Leutnants, 432 Mann Jn- tir£CrtfiffUtÜ> 12£ Chevaulegers auf „Exekution" !^.-^nau, Kr. Seligenstadt, geschickt werden durch (Eingreifen des Reichskammer- Wetzlar, das diesmal, sehr ausnahmsweise, schnell emgriff, wurde Blutvergießen Der- Unll’ieaSt.treltfra9e beigelegt. Auch mit der damals noch bestehenden Landgrafschaft Nassau- U s i n g e n wäre es 1803 fast zum Krieg gekommen. Nassau wollte em Gebiet am Main, das dem Land- grafen von Hessen zugesprochen war, nicht räumen, und so ruckte dann Oberst v. Stosch mit dem der Leibbrigade (1/116) aus um M't Waffengewalt die hessischen Rechte zu wahren. rler bser wurde der Streitfall durch die güt- Übereinkunft beider Landgrafen ge^lichtet. Diese Vorfälle sind so reckt der Beweis für die chy^rballen Zustande, die damals in dem nur norf) dem Namen nach bestehenden D-utscken R°icke bestanden. Und nun wurde dieses auch noch erneut von außen bedroht. Arft«i4iAH ö —;T-- k — er__ - am 16. 3.1804 zum erb idjen Soiler der Franzosen erklärt hatte, erklärte Oesterreich, das mit Rußland und England verbün- °^t war, den Krieg und ruckte, alles vor sich nieder- werfend, durch Suddeutschland vor. Bayern. Würt- temberg und Baden wurden gezwungen, sich ihm anzuschließen und m den von ibm gebildeten 'Nhembund unter französischer Führung einzu- Dem Landgrafen von Hessen gelang es an» - - neutral zu hatten^ trotzdem sein Laich von Neben vielen inneren Veränderungen im neuen Großherzogtum, bekamen auch die Truppen fast alle „Umbenennungen". Unsere beiden Bataillone er- hielten die Namen: Garde-Füsilier-Rn. taillon (1/116) und I. L e i b - F ü s i l i e r - B a - taillon (H/116). (Es war, als sollten die hessischen Regimenter nicht unter ihren früheren Bezeichnun- gen d>e Waffen -,n Seite Frankreichs gegen di- bis- herigen Verbündeten tragen, was ja nach der Lage der Dmge unvermeidbar schien und war Dmn der neue Waffengang der Krieg gegen Preu. tz en, stand vor der Tür und brach 1806 aus. Er traf ein geschwächtes, zwar mit Rußland verbündetes, aber doch zunächst den kriegsgeübten Heeren Napoleons allein gegenüberstehendes Preußen das 1805 durch schöne Worte Napoleons und allzu große Friedensliebe betört, den günstigen Moment Der- Reservisten und Rekruten. Von Walter Steding. In diesen Tagen werden diejenigen Wehrpflichtigen von ihren Truppenteilen ermassen, die ihren aktiven Wehrdienst beendet haben. Sie scheiden aus in dem stolzen Bewußtsein, an zwei großen historischen Ereignissen teilgenommen zu haben, die in der Geschichte ewig ihre Bedeutung behalten werden. Sie scheiden aus in dem Bewußtsein, daß der Einmarsch in die Ostmark und die Befreiung des Sudetengaues nur möglich gewesen sind durch die Tat des Führers und die absolute militärische Bereitschaft des nationalsozialistischen Reiches. Diese Soldaten, die ihre aktive Dienstzeit in Ehren erfüllt haben, wußten, daß sie, wenn nötig, mit der Waffe in der Hand für die Lebensrechte des deutschen Volkes eintreten mußten. Daß die Befreiung von zehn Millionen Deutschen auf friedlichem Wege möglich war, ist nur der Wehrbereitschaft des Reiches zu danken, und jeder der jetzt zur Entlassung kommenden Soldaten hat daran zu feinem Teile mitgearbeitet. Die Soldaten, die nun aus dem aktiven Wehrdienst entlassen werden, treten mit Beginn des auf den Entlassungstag folgenden Tages zum Beurlaubtenstande über, und zwar zur Reserve I. Aus den Aktiven sind die Reservisten geworden, die die alten Soldatenbräuche, die schon im Heer der Vorkriegszeit freudig begrüßt wurden, sind auch jetzt wieder aufgelebt. Nach dem Abschied von den Vorgesetzten und den Kameraden darf auch der Soldatenhumor sein Recht beanspruchen. Die Entlassung der Reservisten geschieht so, daß jeder nach Möglichkeit sofort wieder den Arbeitsplatz findet, an dem er das Beste leisten kann. Heute braucht ja niem nd mehr Sorge zu haben, nach der Entlassung aus dem Wehrdienst ohne Arbeit zu bleiben. Die Unternehmer, die Meister und Betriebsführer stellen heute schon wieder mit besonderer Vorliebe die entlassenen Soldaten ein, weil sie wissen, daß der Soldatendienst auch eine ausgezeichnete Schule für das Leben war. Die tauglich befundenen Rekruten werden bann in bie Truppen-Stammrolle eingetragen. Die Truppen-Stammrolle wirb im Heer von jeber Kompanie geführt, unb zwar getrennt nach Einstellungsjahrgängen. Die neuen Rekruten werben nun barüber belehrt, daß sie mit bem Ge- stellungstage Solbaten geworben sinb. Es werben ihnen „Die Pflichten bes beutschen Solbaten" erstmalig bekannt gegeben, unb babei wird ihnen der Begriff bes „Vorgesetzten" besonders erläutert. Die Einteilung der Rekruten in Korporalschasten und ihre Einkleidung schließen das eigentlich Einstellungsverfahren ab. Sämtliche Rekruten erhalten einen Truppenausweis mit Lichtbild, der bie eigenhändige Unterschrift bes Solbaten trägt unb der vom Kompanie-Chef unterschrieben wirb. Es folgen geistige unb körperliche Leistungsprüfungen, unb bann beginnt die erste Ausbilbung, die zum Ziele hat, bem Solbaten bie solbatische Haltung beizubringen unb ihn geistig vorzubereiten auf bie Verewigung, bie möglichst zehn Tage nach ber Einstel- fang burchzuführen ist. Der bei ber Einstellung geleistete Fahneneid gilt für die gesamte Dauer des Wehrpflichtverhältnisses. Er ist bie feierlichste Stunbe für ben jungen Rekruten, benn biefer Fahnen- eib enthält bie Verpflichtung bes beutschen Mannes bei seinem Eintritt in ben Wehrdienst, sich jeberzeit mit Leib unb Leben für ben Führer, für Reich unb Volk bis zum Letzten einzusetzen. „Wehrdienst ist Ehrenpflicht am deutschen Volke." An bem Sinn dieses einleitenben Satzes bes Wehr- Gesetzes vom 21.5.35 ist nicht zu rütteln. Jeber junge Deutsche, ber wehrfähig unb wehrwürbig ist, wird bie Jahre seiner aktiven Dienstzeit als eine Ehrenpflicht auffassen. Er wäre nicht wert, die Gegenwart der deutschen Wiedergeburt mitzuerleben und an dem Aufstieg des Reiches aus Not und Schmach teilzuhaben, wenn er nicht auch die kleinen persönlichen Einschränkungen und Unbequemlich- keiten einer zweijährigen Unterbrechung bes privaten Berufslebens freudig in Kauf nähme. Immerhin wird so mancher ber bevorstehenden Dienstzeit mit Besorgnis entgegensetzen — nicht etwa aus mangelnder Opferbereltschaft ober gutem Willen, sondern aus der Erwägung, baß triefe „zwei- Jahre-Solbat-spielen" ihn herausreißen aus ber Berufsausbildung, ihn bie mühsam erlernten Kenntnisse vergessen lassen —, kurzum, baß biete Jahre vom praktischen Stanbpunkt betrachtet „verlorene" Jahre seien. Solche Erwägungen sind menschlich unb daher zu begreifen; aber es gibt viele Gesichtspunkte, die über solche Befürchtun- gen hinweghelfen. Zuächst sollte man nicht vergessen, einen höchst wichtigen Punkt als Aktivposten in die Bilanz bes lieben „3d)" einzusetzen: Das ist die Gesunb- heit, bie körperliche und geistige Frische unb Ela- stizität; kein Meckerer wird leugnen können, baß diese Werte auch bem Berufsleben — wie immer es geartet fei — sehr förberlich sinb. Und kein Sol- bat, ber im Herbst als Reservemann ausscheibet, wird abstreiten, baß er in den vergangenen zwei Jahren ein anderer Kerl geworben ist und baß bie Unterbrechung bes Zivillebens sich „gelohnt" hat. — Aber es gibt auch noch anderes zu bebenfen, — all denen zur Uebertegung empfohlen, bie im Solbaten- leben nichts anberes sehen wollen als „Kasernen- Stumpffinn" (und wie bie schönen Bezeichnungen dieser Art alle zu heißen pflegen). Gewiß ist ber Solbatenbienst aus taufenb Kleinigkeiten zusammen- gesetzt unb, um einen anftänbigen Griff mit bem Gewehr 98 machen zu können, braucht man nicht Kant gelesen zu haben. Mit anderen Worten: Aus unzähligen kleinen Hebungen, Ueberroirtbungen, Diese Anbeutungen waren notwenbig, um bie Folgerungen zu ersehen, bie sich aus bem veränber- ten Gesicht bes Heerwesens für ben Waffenträger selbst, seine militärische (Eignung unb seine prak- tischen Aussichten während ber Dienstzeit ergeben. Gewiß werden -r- wie zu allen Zeiten — deutsche Bauernsöhne auch in der neuen Wehrmacht als besonders geeignete Soldaten bienen, unb viele von ihnen werben in Führerstellung^, aufrücken; auch heute stehen sich Bauern- und Solbatentum, beide enger mit ber Natur verbunden als die zivilisierten Massen ber großen Städte, blut- unb wesensmäßig nahe. Aber es ist zu bebenfen: Von rund 32 Millionenhauptberuflich erwerbstätigen Deutschen georvnen entfallen heute 41,4 v. H. auf Bergbau, 3nbuftrie I Zukunft Ans her Geschichte des alten Regiments Ar.116 Don Generalmajor a. D. Rudolf Mohr, Gießen. Allen zur (Entladung kommenden Soldaten ist bekannt gegeben worben, wie ihr weiteres Wehr bien st Verhältnis geregelt ist ober geregelt wirb. Die getroffene Regelung wirb von ben Wehrerfatzbienststellen im Web-rstammbuch und im Wehrpaß vermerkt. Jeder Soldat ist vor ber Entlassung vom Truppenarzt ober von einem von ber Wehrmacht beauftragten Arzt auf seinen Gesunbheitszustand untersucht, unb dieses (Ergebnis wird ebenfalls in die Wehrurkunben, u. a. auch in bas Gefunbheitsbuch, eingetragen. Den aus bem aktiven Wehrdienst zu entlassenden Solbaten ist von ihrem Truppenteil bei ber Entlassung ber veroollstänbigte Wehrpaß auszuhändi- gen. Solbaten, die ins Ausland entlassen werden, erhallen an Stelle der Wehrpaßnotiz eine Dienstzeitbescheinigung. Neben dem Wehrpaß ist jedem zu entlaufenden Soldaten ein Führungszeug- nis auszustellen. In diesem Führungszeugnis ist bie gesamte in- unb autzerbienslliche Führung zu beurteilen unb in einer gemeinsamen Führungsnote auszubrücken. Eigene Papiere, bie beim Eintritt in bie Wehrmacht abgegeben morden find, Z. B. Schul- ober ßehrzeugnisse, sind zurückzugeben. Die Reservisten, oder wie sie amtlich heißen, die Wehrpflichtigen des Beurlaubtenstanbes unterliegen nunmehr den Pflichten und Rechten, bie für ben Beurlaubtenstand festgesetzt sinb. Besonbere Pflicht der Wehrpflichtigen des Beurlaubtenstandes ist es, die während ihrer aktiven Dienstzeit erworbenen Kenntnisse im Beurlaubtenstand durch Selbststudium zu vervollkommnen und ihre körperliryen Fähigkeiten zu erhalten. Die Wehrpflichtigen bes Wur- laubtenftanbes sind auch zur strengsten Verschwieg e^nheit über dienstliche Angelegenheiten, beren Geheimhaltung erforberlich ober angeorbnet ist, verpflichtet. Diese Pflicht bleibt auch nach bem Ausscheiden aus dem Wehrpflichtverhältnis bestehen. Sie ist eine der wichtigsten Pflichten, denn ber Dienstpflichtige, ob er nun Solbat ober im Beurlaubtenstande ist, erfährt vieles, was als geheim behanbelt werben muß. Ein unachtsames Wort, eine unbebachte Aeußerung können schwersten Schaben, nicht nur für ben einzelnen, sondern für bie Volksgemeinschaft herbeifuhren. Während sich die Reservisten barairf freuen, ben Wiederholungen — zugegeben: oft bis zum lieber« druß Wiederholtem! — besteht die eine Seite sol- datischer Erziehungsarbeit. Unb gerade darin liegt ü)re Größe, weil die Summe von so vielem Einfachen und scheinbar Nebensächlichen die Grundlage bildet für bie Manneszucht, ohne bie eine Armee nicht bestehen kann. Aber das alles erkennt erst, wer Solbat gewesen ist; vielleicht versteht er es auch erst im Alter richtig. Aufbau unb Zusammensetzung einer modernen Armee sind heute — entsprechend bem zeitbedingten Stand ber Kriegstechnik — unenblich viel komplizierter als es beispielsweise noch 1914 ber Fall gewesen ist. Allein ein kurzer Blick auf bie Waffengattungen von heute, zeigt, daß ihre Aufgabengebiete erheblich erweitert worben sind, ja, baß eine ganze Anzahl völlig neuer Spezialwaf- fen erftanben ist. Eine Nachrichtenabteilung von heute zum Beispiel, bie mit mobemftem Funk- und Blinkgerät ausgestattet ist, läßt sich kaum noch vergleichen mit den entsprechenden Formationen der Vorkriegszeit, ben damaligen Telegraphenbataillo- nen. Sie gesteigerte Vielseitigkeit ber militärischen Ausbildung bedingt natürgemäß ein entsprechendes Maß geistiger Regsamke.it und elementa- ren Grundwissens. Dies gilt durchaus nicht nur für ben Soldaten der modernen Spezialwaffen, sondern ganz besonders auch für die Infanterie, deren überragende Bedeutung als kampfentscheidende Waffe heute im Zeitalter der Technik oft verkannt wird. und Handwerk, sind also vorwiegend ber ftäbti- scheu Bevölkerung zuzurechnen, während ber entsprechend Anteil ber in Land- und Forstwirt- schäft Tätigen auf 30,5 v. H. zurückgegangen ist (b h feit 1870 fast um bie Halste). Daraus folgt baß bie Mehrzahl ber Wehrpflichtigen heute nicht vom Bauernstände, sondern von Industriearbeitern und Handwerkern gestellt wirb. Nach lanbläufiger Auffassung würbe biefe Mehrzahl also bas unoerbiente Schicksal haben, sich mühsamer und schwerer im soldatischen Leben zurecht- zufinden als bie in die Minderheit gedrängte ländliche Bevölkerungsschicht. Aber die Entwicklung der Zeit hat hier einen Ausgleich geschaffen. Die bereits Füsilier-Bataillon ber Brigabe ßanbgraf (11/116): Batls.-Kommanbeur: Major Kötz, Kapitän: L. Gall (7 ), Stabskapitän: Zu Hall (5.), Duncker (8.), Kloos (6). Premier-Leutnant- Gödeck" v. Hafter. Bereits 1799 war es zu einem neuen Krieg zwischen Frankreich und Oesterreick gekommen, der durch Napoleon Bonapartes Feldherrngenie siegreich für bie Franzosen ausging, ßanbgraf ßube- roi g_X. Halle getreu seiner Pflicht als Reichsfürst anfangs feine Truppen roieber Oesterreich zur Verfügung gestellt. Als aber ber Krieg einen unglücklichen Anfang nahm und eine verberbliche lieber- fchwemmung Hessens burch bie Franzosen drohte, schloß der ßanbgraf eine Neutralitäts-Konvention mit ihnen ab unb rief feine Truppen von ber österreichischen Armee ab. (Er rettete baburch zwar ßanb unb Beroobner, mußte aber bafür an Frankreich bie Grafschaft Hanau-ßichtenberg mit seiner ßieb- lingsschopfung Pirmasens abtreten. Als Entschäbi- 0UÜVS,eIt er das frühere Herzogtum Westfalen unb Besitzungen in ber Wetterau. . Die Umroanblungen, bie in ber politischen ßagc eingetreten waren, veranlaßte nun ben ßanbgrafen 3“ einer tiefgreifenden Umbilbung sämtlicher staatlichen unb vor allem ber militärischen Einrichtun- gen. 3n ben brei Hauptprooinzen Starkenburg, Oberhessen und Westfalen wurde je eine Felb- unb eine Reserve-lGarnison-)Brigade ausgestellt. I mitr2es"tai'no® n* 1 n*1® 9unb 1 ff"h‘e umq-Ichlng-n-n rot gefütterten sötoifnVb la9-^ “iber unb- °"u- ®°- SriaÄlÄ "" -id,,e 9n- angebeutete Differenzierung bes Heerwesens verlangt heute mannigfache Arten körperlicher, geistiger und damit auch beruflicher Vorbebingungen für ben mobernen Soldaten. So ist gerade bas in bie Dienstzeit mitgebvachte Fachwissen für beide Teile, bie Wehrmacht und ben Rekruten, von größtem Vorteil. Soweit es burchführbar ist, werden baher bie eingezogenen Wehrpflichtigen auch ihrem beruflichen Herkommen nach bei ber Waffe eingestellt, für bie sie sich a m b e ft e n eigne n; die Möglichkeiten hierfür sind unendlich mannigfach und greifen häufig ineinander über. Natürlich kann nicht jeder gelernte Zimmermann Pionier werden, nicht jeder Mechaniker kann bei den Kraftfahrern oder Funkern dienen. Die Vielseitigkeit aber, die heute auch der Dienstbetrieb bei ben brei Grundwaffen aufweist, wird da manchen Ausgleich schaffen tonnen. Denn auch der Infanterist von heut« muß erheblich mehr können als marschieren unb mit dem Gewehr 98 schießen. Jedes Infanterieregiment verfügt heute über schwere und leichte Maschinengewehre, über Infanteriegeschütze, moderne Panzerabwehr, und Nachrichtenmittel. Allein das Schießverfahren bei MG. und Infanteriegeschütz ist heute, zumal beim indirekten Feuern, ohne technische Hllssmittel undenkbar, und die Kenntnis und Bedienung etwa des Entfernungsmessers setzt immerhin klaren Kopf voraus. Die Kavallerie- Regimenter, soweit sie nicht völlig motorisiert sind, wurden zu einer berittenen Schützentruppe, die ebenfalls auch über maschinelle und panzerbrechende .Waffen verfügt. Die enorme technische Entwicklung ber Artille rie ist bekannt; ein Kanonier der gar ein Geschützführer ist ohne genaue Kenntnis feiner Waffe und deren Hilfsmittel, wie Rundblick- fernrohr, Richtkreis u. a. nicht denkbar. Angesichts dieser Andeutungen erübrigt es sich, die Möglich- kecken aufzuzeigen, die sich für das technische oder handwerkliche Fachwissen bei ben Spezialwaffen bes Heeres (ober bei der Kriegsmarine und ßuftroaffe) ergeben; sie find nahezu für alle Berufszweige un- enblich mannigfach. Die moderne Wehrmacht braucht sie alle. lichst eine Zeitspanne von etwa vrerzehn Tagen zu legen. Zur sachgemäßen Durchführung bes Einstellungsverfahrens unb zur Entlastung Der öffenb licheu Beförberungsmittel wirb die Einstellung für bie einzelnen Truppenteile auf mehrere Tage ver- teilt. Einberufene Rekruten finb mit bem Gestel- lungstage 0.00 Uhr Soldaten. Der Tag des tatsächlichen Dienstantrittes ist in ben Personalakten einzutragen. Gebühmisse stehen ben Rekruten vom Gestellungstage ab zu. Die Dienstzeit ber Rekruten, die bem Gestellungsbefehl nicht Folge geleistet und sich verspätet gestellt haben, wird erst vom tatsächlichen Einstellungstage an gerechnet. Rach (Eintreffen ber Rekruten im Standort bes Einstellungstruppenteiles wird nach ben Rekruten- Ueberweisungslisten festgestellt, ob bie Rekruten voll- zählig eingetroffen sinb. Der Wehrbezirkskomman- beur gibt die Namen ber Rekruten, die sich ptzne Entschuldigung nicht stellen, dex Kreispolizeibehörbe weiter, die erforderlichen Erhebungen vornimmt. Nach dem Verlesen werden die Rekruten auf bie einzelnen Truppenteile verteilt und von diesen übernommen. Die Rekruten geben nun ihre Wehrpässe ab, bie Freiwilligen ihren Annahmeschein unb Gestellungsbefehl. Ebenso werden bie Fahrkarten ober Fahrscheine zum Gestellungsort eingezogen. Die Erstattung ber von ben Rekruten verauslagten Fahrgelber unb etwaigen Zehrgelber erfolgt fo schnell wie möglich. . Willig und Disziplin. Don Generalmajor a.O Oidle. Schlagworte sind bisweilen Mittel, um denjenigen, die im allgemeinen nicht allzuviel nachzu- denken pflegen und sich nicht mit eigener lieber« legung Klarheit über eine Sache verschaffen, etwas angeblich positiv Feststehendes als anzunehmende Wahrheit hinzustellen und es ihnen einzuhämmern. Der Bau von Schlagworten steht aber manchmal auch auf tönernen Füßen; sie erweisen sich dann bei näherer Prüfung entweder als falsch oder mindestens als undeutlich. Selbst diejenigen, welche sie prägen, sind sich zuweilen darüber nicht im klaren, was sie ausdrücken wollen, wenn sie nicht gar absichtlich den Ausdruck so wählen, daß er zu den verschiedenartigsten Deutungen und Auslegun- I;en führen kann. Ein klarer Verstand wird sicherlich ür eine bestimmte Sache einen eindeutigen Ausruck finden; er wird aber vermeiden, mißverständliche Schlagworte in die Welt zu setzen. Vor, während und unmittelbar nach der Revolution des Jahres 1918 ist besonders mit zwei Schlag- warten grober Unfug getrieben worden. Das eine heißt „Drill", das andere .Kadavergehorsam". Das zweite ist, schon an sich betrachtet, vollkommener Unsinn. Ein Kadaver ist ein toter Körper, also zu keiner Willensäußerung mehr fähig; deshalb kann er weder gehorsam noch ungehorsam sein. Man wollte mit diesem häßlichen Worte den unbedingten Gehorsam in Mißkredit bringen, und das gelang Urteilslosen gegenüber besonders gut durch das Hinzufügen des Hinweises auf Tod und Leichen. Aehnlich steht es mit dem „Drill". Gemeint war die straffe militärische Ausbildung, welche die Truppe von dem bewaffneten Haufen unterscheidet. Eine aut ausgebildete truppe, die noch dazu ihren Vorgesetzten gehorchte, war aber den Drahtzieher« der Revolution unsympathisch, weil ihren Plänen gefährlich. Man erklärte also den Drill für unnötig, kam damit der menschlichen Faulheit entgegen und fand bei Urteilslosen und Böswilligen den gewünschten Anklang. Nur wenige sind sich wohl rechtzeitig darüber klar geworden, was eigentlich hierbei gefpieü wurde. Es lohnt sich aber vielleicht doch, darüber nachzudenken, was wirklich Drill und Gehorsam für den Soldaten bedeuten. Bei dem Worte „D r i l V* denken wohl die meisten Leute an langsamen Schritt, Parademarsch und ähnliche schöne Sache«, die Mühe machen, an sich zwar gut aussehen, dem Laien aber doch viel- leicht als unnötiger Ballast bei der Ausbildung des Soldaten erscheinen könnten. Dem ist aber nicht so. Der soaenannte Drill ist in Wirklichkeit die syste- matische Ausbildung von Körper und Geist derart, daß auch in Den schwierigsten Lagen die Herrschaft über beide nicht verloren geht. Man muß einmal zurückdenken, wie das sogenannte Exerzieren entstanden ist. Als das wilde Durcheinanderkämpfen des einzelnen gegen den einzelnen durch den Einsatz geschlossener Truppenkörper im Gefecht abgelöst wurde, mußte diese Truppe auch wissen, was sie in jedem Augenblicke des Kampfes auf den gegebenen Befehl zu tun und auszuführen hatte. Sie mußte also geübt, exerziert werden; exerzieren heißt üben. Das war schon nötig, als noch mit Schwert, Lanze und Bogen gefochten wurde, und es war genau so nötig, als die Feuerwaffe an deren Stelle trat. Man überlege einmal, wieviel einzelne Handgriffe erforderlich waren, um ein Borderladergewehr schußfertig zu machen. Es ging natürlich nicht an, daß jeder einzelne Mann beliebig lange Zeit benötigte, um endlich mit dem umständlichen Laden fertig zu werden; dann wäre die geschloffene Truppe nicht, oder wenigstens nicht rechtzeitig, zum Feuern gekommskn. Deshalb mußte durch unablässiges lieben erreicht werden, daß jeder Mann die Ladegriffe in jeder Lage mit größter Beschleunigung und in der gleichen Zeit wie seine Kameraden ausführen konnte, sie iym sicher und schnell von der Hand gingen. Man kannte ja bei der Infanterie zunächst nur das Feuern in der geschlossenen Abteilung, die Salve; das Feuern des Einzelschüßen kam erst später auf. Die Truppe rückte geschlossen im Exerziermarsch vor, lud im Marsch, hielt, feuerte eine Salve auf Kommando und setzte dann ladend ihre Vorwärtsbewegung bis zur nächsten Salve fort. Auch im feindlichen Feuer geschah das in der gleichen Weife, wenn Gewehr- und Kanonenkugeln Lücken in die Truppe rissen. Ohne eine sorgfältige, bis ins einzelne gehende Einübung von Marsch und Feuertätigkeit wäre die Ausführung sicherlich nicht möglich gewesen. Dieses genaue Neben fand aber nicht nur bei der Infanterie, sondern ebenso auch bei den anderen Waffengattungen statt. Seydlitz und Ziethen hätten ihre Attacken ohne vorausgegangene sorgfälttge Reit- und Exerzierausbildung nicht reiten können. Das genaue Heben in allen Zweigen des Waffendienstes ist auch heute genau so notwendig wie früher. Ein Tell der seinerzeit für das Feuergefecht unbedingt nötigen Hebungen scheint vielleicht für dieses in gleicher Weise heutigen Tages nicht mehr erforderlich; er dient aber nach wie vor der Forderung der Körper- und Geistesausbildung, der Stärkung der Geschlosienheit der Truppe, der Hebung des Selbstbewußtseins des Soldaten. Andererseits haben die neuen Waffen und die neuen Gefechtsformen auch neue Hebungen notwendig gewacht, die gerade bei der heutigen Zersetzung der Truppe in der Weite des Gefechtsfeldes und bei dem Aufsichangewiesensein des einzelnen Kämpfers so geübt, so in Fleisch und Blut übergegangen sein wüsten, daß die Ausführung auch unter den schwierigsten Verhältnissen, gewissermaßen automatisch vor sich gehen kann. Jedem einzelnen muß zudem eingeimpft sein, daß gerade seine Tätigkeit "für das Ganze nicht entbehrt werden kann, daß er unter feinen Umftänben versagen darf. Man stelle sich z. B. die Tätigkeit der einzelnen Schüßen am Maschinengewehr vor. Wenn hierbei nicht jeder Handgriff auf das genaueste und schnellste eingeübt ist, das Gewehr also nicht in Bruchteilen einer Minute in Tätigkeit treten fann, kommt es vielleicht überhaupt nicht zum veuern. Man denke an die Manipulation des Lauf- wechselns im feindlichen Feuer; mit der nötigen Schnelligkeit, Sicherheit und Kaltblütigkeit ist sie nur auszuführen, wenn sie eingehend geübt ist. ®enau so ist es mit der Bedienung des Geschützes. Eine nicht blitzschnell und dabei haargenau z u - s a rn m e n arbeitende Mannschaft würde einem bejjer eingeübten Feinde gegenüber schwer im Nach- !!! - cU-.. Ein ungenau und langsam arbeitendes Flakgeschütz, dessen Mannschaft nicht weiß, worauf es ankommt, würde überhaupt niemals zur Wirkung gelangen. Das sind nur einzelne herausgegriffene Beispiele; sie ließen sich noch in langer Reihe fort» fuhren. Alles das geht also nicht ohne eingehende Hebung, man kann auch sagen „Drill". Er ist demnach nicht entbehrlich, sondern im Gegenteil um so mehr unentbehrlich, je mehr der einzelne Kämpfer auf eigenes Handeln angewiesen ist. Ebenso steht es mit der Disziplin. Unter Disziplin versteht man die Aufstellung gewisser Vor- schriften, die zum Zusammenhalten einer Gemeinschaft dienen sollen und befolgt werden müssen, denen also Gehorsam geleistet werden muß. Gehorsam bedeutet demnach, einer Vorschrift, einem Zwang sich fügen. Das ist manchem unbequem; er empfindet es unangenehm, wenn er aus feiner Bequemlichkeit herausgestört wird und wenn er etwas tun soll, was ihm nicht paßt. Er möchte entweder sich dem Zwange entziehen, also nicht gehorchen, oder selbst bestimmen, was er tun soll oder will. Natürlich ist mit einem solchen Verhalten gleichzeitig auch ein Urteil über das Angeordnete und den Anordnenden verbunden. Für militärische Verhältnisse ist das völlig untragbar. Es kann nicht jedem einzelnen das Recht zugebilligt werden, darüber zu entscheiden, ob er einen gegebenen Befehl ausführen will ober nicht, oder daß er mitzureden hat, ob etwas getan werden ober geschehen soll ober nicht. Bei einem berartigen Verfahren mürbe* jede Führertätigkeit aufhören. Der militärische Führer trägt Die Verantwortung, nur sein Befehl kann dafür maßgebend sein, ob eine Handlung zu geschehen hat und wie sie zu ge- schehen hat, und dem Befehl muß unbedingt gefolgt werden. Es ist das Recht des Führers, dies zu fordern, und es ist Pflicht jedes Untergebenen, dem nachzukommen. Natürlich ist der Fall denkbar, daß während bep Ausführung eines Befehls Verhältnisse eintreten, bie ber Führer zur Zeit ber Befehlserteilung nicht voraussehen konnte. Das entbindet ben Untergebenen keineswegs von ber Ausführung bes Befehls, fonbern er muß in solchem Falle nach eigenem pflichtmäßigen Ermessen sich barüber schlüssig werben, ob und auf welchem anberen Wege, als bem ursprünglich vorgesehenen, trotz ber oeränberten Lage unb ber etwa eingetretenen Hinbernisse ber Befehl sinngemäß ausgeführt werben kann. Geforbert wirb also nicht stumpfe Ausführung eines Befehls, fonbern bie planvoll überlegte. Kein Führer ober Vorgesetzter, ber ben Namen eines solchen oerbient, wird einen sinnlosen Befehl geben; er wirb sich vielmehr genau überlegen, was er erreichen will, wie er es erreichen kann unb was er banach von feinen Untergebenen forbern muß. Kennen bie Untergebenen aber ihren Führer, haben sie Vertrauen zu ihm unb wissen sie, baß seine Befehle reiflicher Heberlegung entspringen, so werben sie auch bedingungslos Folge leisten. Das Ganze zusammen ergibt bann bie disziplinierte Truppe, bie unbedingten Gehorsam leistet. Es ist oben schon gesagt worden, baß unb weshalb bas häßliche Wort Kadavergehorsam völlig töricht ist. Aber es lag ben Hintermännern ber Revolution baran, bie Disziplin zu untergraben unb ben Gehorsam zu beseitigen; denn sie wollten sich nicht ber Gefahr aussetzen, einer bisziplinierten Truppe gegenübertreten zu müssen. Deshalb wurde versucht, bie Disziplin verächtlich zu machen. Eine Truppe ohne Disziplin unb ohne Hebung im Waf- fenbienft ist wertlos; je schwieriger bie Verhältnisse sinb, um so mehr ist beibes nötig. Unser junges Reichsheer wanbeit auf ben alten Pfoben; Disziplin unb Hebung sinb auch bei ihm v ie Grunb- Pfeiler ber Ausbilbung. Ein verhüllter Segen. Don Dr. Max Krull. Deutschlands diplomatischer Vertreter in London hat die jüngstvergangene Krise' einen verhüllten Segen genannt, er tat bas vor einer Gesellschaft, in ber sich führende englische Persönlichkeiten befanden. Dieses Wort findet seine Berechtigung nicht nur in ber Tatsache, baß die Krise ber Ausgangspunkt für eine Verstcinbigung zwischen den beiben Völkern werben kann, sondern auch in den unmittelbaren Auswirkungen auf bie gesamteuropäische Lage, bie schon heute sichtbar werben. Die Münchener Zu- fammenkunft ist ber Markstein einer entscheibenben Gesunbung in ber Entwicklung Europas überhaupt geworden. München war eben boch kein zwei- tes Versailles, wie viele seiner Wibersacher es einer durch das Unwetter einer abziehenden Kriegsgefahr noch erschütterten und deshalb in ihrem Urteil noch unsicheren Welt einreden wollten. München ist nicht das Produkt einer deutschen Gewaltdrohung unb der brutalen Ausnutzung eines macht- mäßigen Uebergewichts, sondern die Wiederaufrich- tung einer ins Schwanken geratenen und gebeugten Gerechtigkeit, und die Herstellung eines Ausgleichs ber natürlichen Interessen zweier benachbarter Volker. Es ist selbstverstänblich, baß mit diesem Reinigungsprozeß alle zwischenstaatlichen Kombinationen zusammenbrechen mußten, bie im ber Aufrechterhaltung des alten Zustandes ihren Endzweck hatten und diesem ihre Existenz verdankten. Auch bas ist ein Segen für Europa, besten Große immer erkennbarer wird. Deutschland, bem man bie Absicht nachgesagt hatte, es wolle mit dem Schwert bie Welt erobern, hat sich in seinen Zielen auf feinen Volks- raum beschränkt. Das kann heute nicht mehr bestritten werben, wenn auch einige Weltvergifter bie von ihnen erzeugte Angstpsychose immer noch zu neuen Hetzereien gegen Deutschland auszunutzen trachten, wie der amerikanisch-jüdische Finanzier Baruch, der die Leichtgläubigkeit gewisser Leute dadurch auf die Probe stellt, daß er frech behauptet, das Reich trage sich mit Eroberungsplänen in Südamerika. In Wirklichkeit hat Deutschlands Haltung gegenüber der neuen Tschecho-Slowakei bewiesen, daß es den nationalen Jyteressen seiner Nachbarn volle Achtung entgegenbringt, in einem Maße, daß heute schon die Prager Regierung mit allen Kräften und — abgesehen von der ungarischen Frage, die geregelt werden muß und wird — ohne von feinen Nachbarn behindert zu werden, sich cm den Neuaufbau des Staates heranmachen und feine natürlichen Wirtschaftsbeziehungen wieder in Ordnung bringen kann. Die Loyalitätserklärung des tschechoslowakischen Außenministers ist deshalb wohl auch nicht ber Ausbruck einer gewissen Opportunitätspolitik, die aus bem Gefühl mangelnber Sicherheit und eines weiter bestehenben beutschen Druckes hätte geboten erscheinen können, fonbern paßt vollkommen in die gesunde Entwicklung, die Deutschlanbs-Politik im Herzen Europas angebahnt hat. Sie ver- bient beshalb auch ernst genommen zu werden. Ge- rabe in biefer Erklärung liegt ein Moment einge» schlossen, das das Wort vom verhüllten Segen noch in anberem Sinne rechtfertigt. Inbem Frankreich unb England sich in München bem beutschen Stanb- punft anschlossen, brach das von Frankreich in Mittel- und Osteuropa aufgebaute „Sicherheitssystem" zusammen, die Tschecho-Slowokei bekam freie Hand, ihre zwischenstaatlichen Beziehungen nach ihren Bedürfnissen neu zu ordnen, und bie Sowjetunion verließ Europa. Es ist gleichgültig, ob bem Sowjetvertreter in Prag eine offizielle Erklärung barüber abgegeben wurde, daß man an dem Pakt mit I Moskau nicht festzuhalten wünsche ober nicht, ausschlaggebend bleibt die Tatsache, daß Deutschland heute auf Grund seiner geographischen Lage und der damit zusammenhängenden natürlichen Gegebenheiten die entscheidende Kontinentalmacht im Herzen Europas geworden ist. Das wird auch von Frankreich anerkannt werden müssen. Die schwere Niederlage, die die vereinten Anstrengungen Deutschlands und Italiens Moskau in Europa beigebracht haben, hat auch ihre Rückwirkungen auf Frankreich, das nicht auf bie Dauer von Illusionen leben kann. Frankreich befindet sich im Zustande der inneren Sammlung, es denkt darüber nach, wo seine eigentlichen Interessen liegen, und es wird zu dem Ergebnis kommen müssen, daß es Interessen auch nur auf seinen nationalen Raum und in seinem großen Kolonialreich besitzt, mit einem Worte, daß Frankreichs Grenze am Rhein und an der Maas, nicht aber an der Donau, an der Weichsel ober gar am Kaukasus zu suchen ist. Der Gedanke, baß bie auf ihren nationalen Raum beschränkte Moldaurepublik nunmehr eine zwar kleinere, aber deshalb um so festere Bastion Frankreichs geworden sei, hat sich schnell verflüchtigt und einer nüchternen Den- kungsweise Platz gemacht. Natürlich können Ideen, die das französische Denken jahrzehntelang beherrschten, nicht von einem Tage auf den anderen ausgerottet werden, und deshalb findet man immer wieder noch in Frankreichs Presse Ansichten vertreten, es ließe sich an Deutschlands Ostgrenze vielleicht ein neuer Staatenblvck organisieren, der Frankreichs „Sicherheit" verstärkte. Aber die so umworbenen Oststaaten werden sich mit Recht fragen, ob sie ihrer eigenen Sicherheit damit die gleichen Dienste leisten würden, und das Beispiel des früheren Benesch-Staates wird ihnen eine klare Antwort geben. Frankreichs alte Begriffe sind ins Schwanken geraten, das kann man schon aus der Tatsache schließen, wie Herriot und andere Heroen einer vergangenen Zeit das frühere System zu verteidigen sich genötigt sehen. Es sind die Ideologen, die lieber Frankreich zugrunde gehen lassen würben, wenn nur bie Demokratie unb die kollektive Sicherheit gerettet werden, und die nur ein Gegenstück in dem Husarenritt des Grafen von Paris in den Forst bei Paris finden, wo er, der bourbonifche Prätendent auf einen nicht vorhandenen Thron, Pressevertretern Ratschläge für eine bessere Außenpolitik erteilte, um sich dann vor der Polizei rechtzeitig in sein schützendes Exil nach Belgien in Sicherheit zu bringen. Es war ein französisches Blatt, ber „Matin", bas ben Zeitpunkt für geeignet hielt, feine Landsleute baran zu erinnern, daß Frankreich eine we st europäische Macht sei, bereu Lebensinteressen, Kraft und Zukunft i m Westen, im Mittelmeer und in Afrika liegen. (Niemals wird Deutschland daran denken, in diesen i Räumen Frankreichs Wege zu kreuzen unb seine Kulturarbeit zu stören. Aber bie Tatsache, daß Frankreich im Westen Europas liegt, ist so trivial, baß sie | offenbar von Zeit zu Zeit wieber neu entdeckt werden muß, unb derselbe „Matin" hat heute schon den Mut, zu erklären, daß jede andere politische Denkungsweise Kombinationen von Größenwahnsinnigen ober von Theoretikern seien. Wer unter Gleichgewicht bie volle Auswirkung ber bei den einzelnen Nationen vorhandenen wirtschaftlichen und völkisch-ethischen Kräfte in ihren natürlichen Räumen versteht, der wird zugeben müssen, baß es ben Ansatz zu einem wahren europäischen Gleichgewicht erst seit München gibt. Das bezieht sich gerade auch auf die Ordnung der wirtschaftlichen Beziehungen, die durch die Sudostreise des Reichswirtschaftsministers Funk eingeleitet wurde. Es wird nicht bestritten, daß Deutschland hier Boden gewonnen hat, aber der Vorteil ist auf beiden Seiten, und Deutschland hot hier Lücken ausgefüllt, die trotz aller englischen Kreditpropaganda und trotz aller politisch gefärbten französischen Handelsbemühungen offen geblieben waren, denn deren wirtschaftliches Schwergewicht lag nicht in diesen Gebieten, es lag von jeher für England in seinem Weltreich und für Frankreich in den Kolonien. Immer wieder, und zuletzt noch von der Internationalen Handelskammer in Paris ist betont worden, wie wichtig für die Gesundung der Welt die Erweiterung des Welthandelsvolumens ist, und in früheren Zeiten wurde bei dieser Gelegenheit gern auf den hinderlichen Einfluß autarker Wirtschaftsmethoden hingewiesen. Es wird also nicht angängig sein, daß nunmehr, nachdem Deutschland sein gut Teil zur Verbesserung zwischenstaatlicher Wirtschaftsbeziehungen beizutragen im Begriffe steht, jetzt wieder eine Atmosphäre des Mißtrauens und der Furcht erzeugt wird, um diese Arbeit zu stören, zumal sie andere Wirtschaftsbeziehungen ernstlich gar nicht stört. Aber englische Vorstellungen von europäischem Gleichgewicht sind immer anderer Art gewesen. Englische Gleichgewichtspolitik hieß stets sich gegen bie Kontinentalmachtzu menben, die i m Aufstieg begriffen war. Solche Tenbenzen hören wir heute noch aus ben Reben ber Churchill unb Genossen heraus, aber es soll auch als ein Fortschritt verbucht werben, wenn bas amtliche England heute jede Einkreisungspolitik gegen Deutschland ablehnt und offenbare Schritte unternimmt, um ben guten Anfang von München nicht in einer Flut neuer Verdächtigungen untergeben zu lassen. Auch gegenüber dem Aufrüstungslärm, der gerade jetzt in England vollführt wird, wird Deutschland weniger empfindlich sein können, wenn er das Sicher» yeitsgesühl der Engländer vermehrt, obwohl man nicht übersehen wird, daß die Art der Begründung und der Propagierung ber Rüstungen nicht gerabe zur Beseitigung ber Furcht in ber übrigen Welt beiträgt unb an ben guten Willen unb bie Nerven Deutschlanbs starke Ansprüche stellt. Hierbei ist Vor« aussetzung, baß nicht eine militärische Stärke angestrebt wirb, bie England in die Lage versetzen soll, ihm eine Schiedsrichterrolle über ganz Europa zu sichern. Das würde nach deutscher Auffassung dem Grundsatz des Gleichgewichts unb ber Gleichberechtigung roieberum zuwiberlaufen. England unb Frankreich machen heute Anstrengungen, um auf innerpolitischem Gebiet ber neuen außenpolitischen Lage gerecht zu werben. .In beiden Ländern nähert man sich dabei Anschauungen, deren Realisierung in Deutschland man in der Vergangenheit zu tadeln gern und leichtfertig bereit war. Wenn heute große Kreise in Frankreich eine Stärkung der Autorität ber Regierung verlangen, wenn in England aroße Blätter erklären, bas Lanb sei bereit, beträchtliche Einschränkungen ber persönlichen Freiheit hinzunehmen ober sogar zu forbern, bann wird man das in Deutschland mit Zustimmung, wenn auch nicht ohne Verwunderung vernehmen. Vielleicht war München auch ein Anlaß für die Demokratien, über Vorteile und Nachteile der deutschen „Diktatur" seine Ansichten einmal zu überprüfen. Das wäre bann in ber Tat ein enthüllter Segen. Die Narrenkappe. Die Sache mit dem Kutz. „Ich möchte wohl wissen", sagt er, „was Sie tun würben, wenn ich Ihnen jetzt einen Kuß gäbe." — „Ach", erroibert sie, „wenn Ihnen wirklich baran läge, bas zu wissen, wüßten Sie es jetzt schon." Der Kamelritt. Gustav Nachtigal, der große deutsche Afrika- reisende und Kolonialkämpfer, liebte es nicht, über feine afrikanischen Erlebnisse ausgefraqt zu werden. Einmal kam er mit einem jungen Kaufmann ins Gespräch, der von der Romantik einer Wüstenreise schwärmte. „Ein Kamelritt durch die Wüste muß boch ungeheuer poetisch sein!" rief er. „Beschreiben Sie dies Erlebnis boch einmal, Herr Nachtigall" Der ließ sich roiber Erwarten hierzu herbei. „Nehmen Sie einen Ihrer Drehschemel", sagte er, „aus dem Kontor Ihres Vaters, drehen Sie den Sitz so hoch wie möglich, setzen Sie den Schemel auf einen Leiterwagen ohne Federn und sich selbst auf den Sitz. Auf diesem Gefährt fahren Sie im Juli oder August bei glühender Mittagshitze, nachdem Sie 24 Stunden vorher gehungert und gedurstet haben, über ein umgepflügtes Kartoffelfeld — bann haben Sie einen ziemlich klaren Begriff von einem Kamelritt!" Der Jüngling war von seiner Sehnsucht geheilt. Unerwartete Antworten. Währenb des Weltkrieges kämpfte eine Division, bie aus österreichischen unb bayerischen Regimentern zusammengesetzt war, in den Karpathen. Der Divisionskommandeur besprach mit feinen Stabsoffizieren die militärische Lage. Es war ein sehr ruhiger Taft, weher auf der eigenen, noch auf der feindlichen Seite fiel ein, Schuß. Plötzlich wurden die Ausführungen des Divisionärs durch heftigen Geschützdonner unterbrochen. „Das ist ja unsere Artillerie!" rief der Generalleutnant verwundert. „Es liegt boch kein Feuer- befehl vor!" Er eilte an bas Telephon, verlangte bas Artil- leriefommanbo unb rief, in ber Eile weder Rang noch Namen angebenb, zornig in bie Telephonmuschel: „Zum Teufel, warum wirb benn geschossen?" „Weil Krieg ist, du Depp!" erwiberte am anderen Ende bes Drahtes eine ruhige Stimme ... Nichts braucht der Körper so notwendig wie Sonne. Sonne ist das Lebenselixier, ste erhält ben Körper frisch, strafft die Schaffenstrast, steigert die Lebensfreude und verhilft zu einer gesundbraunen Hautfarbe. Schaffen Sie sich jetzt die neuartige,1eicht zu bedienende Ultra - Ditalux an, dann können Sie täglich im eigenen Heim Sonne baden. Erhältlich in den ElektmlichL. unb mediMche» ZachgeMtek Wo nicht erhältlich, lchreibe man wegen Nachweis Mt an Qsra^ LM D 17; 2MT82 .11 I | Tifchgerdt ‘ BH B ■ X Mra-Ditalux . RM 42, HäHTEl Meisterpküfung! bekannt Ihre Verlobung geben /14m4* 29. Oktober 1938 04827 Ihre Verlobung geben bekannt Kreishandwerkerschast Gießen. 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Besonders-machen wir nochmals auf unsere Generalversammlung Samstag, 5. Nov. im „Burghof" aufmerksam. 6mid Friedensstraße 29 0 4885 Born & Co. ROHPRODUKTEN-GROSSHANDLUNG Gieken, Schützenstrahe 62, Fernruf 4243 5741 D Nervös- Erschöpfte Spezialkuranstalt Hofheim 15 (Taunus) bei Frankfurt am Main. Telefon 214 M8l)lge Preise. S.-R. Dr. M. Schulze-Kahloy»», Nervenarzt Tanzschule Bäulke Wolf straße 31, Fernsprecher 3835 Stuttgart-Fellbach Gießen Bahnhofstraße 83 plockstraße 16 den 30. Oktober 1938 Metten hei mer Inh.: W. Menges 6468D Unser diesjähriger Studentenkursus beginnt am 16. Nov. Getl. Anmeldungen, auch von Damen, erbeten. Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde Donnerstag, den 3. November, abends 8.15, Un*v.-Aula 6873° Llchtbilder-Vortrag: Professor LSUlßOSOCll, Greifswald. iaDm und Volk io der poliliscbeo Enlwick ung des Fernen Osleos Thüringer Hof am Biebertalbabnhof 6824D Nadi einer Pause AB HEUTE Millwodis.SainslaOsTlMT und Sonnlags wieder lAIlfi GeorgEidmann,Gießen Bahnhofstraße 24 - Anruf 2872 534 D ilfe Akten, Gesdiällsbucher usw. kaufen unter Gewähr des Einstamvfens darunter 4 Orchester - Konzerte des großen Städt. Orchesters mit Solisten, unt. Leitung von Pro!. Temesvary u. Kapellmeister Walter, mit einer Reihe der bedeutendsten lüelsier-Kttnstler der Gegenwart: Maria Neuss (Violine) Claodi । Arrao (Klavier) Prol.fiöolh.Ramio (Orgei) Alma Moodie (Violine) Proljoh. Willi (Bariton) Prol.WilbBackliaosi Kiavia) Das Weodliog-Qoariett Verdis Requiem. Leitung: Pro!. Temesvary. Solisten: Lore Fischer, W.1U Lorscheider, Gustav Bley- Preise der Platsmiete: 1.P1. BM. 20.25, 2. PI. BUL 15.25. Ausführliche Prospekte, Anmeldung der Platzmiete und jede gewünschte Auskunft bei C h a 11 i e r, Nachkirmes in GroOen-Buseck am Sonntag, 30. Oktober 1938 Anfang 4 Uhr. 04880 Es ladet ein: Gastwirt Wagner. Elche zwischen Meer und Memel von Martin Kahles Hnsaesarni 120 Seiten mit 82 hervorragenden Naturaufnahmen des Verfasser» auf 56 Kunstdrucktafeln. 3n Leinen gebunden RM. 3,60. Rus den» Inhalt: Parade im Frühling - Ein Elchkalb torkelt ins Leben-Irn Sommerglühen-Elk, der Schaufler vom Meer — Die hohe Zeit — Der Kapitalschaufler von Helenawerder — Der Starke und der Dolchendige-Auf der Hochdüne-Elche im Schnee. Der Verfasser ist in seiner Heimat bekannt als ein ausgezeichneter (EI*henner. 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Sicherlich kein Leben für geruhsame Spießer. Diese können sich dabei nicht wohlfühlen. Wohl aber ein Leben für Nationalsozialisten, denen Volk und Vaterland mehr bedeutet, als bas_ kleine Ich. Was früher schwer, wenn nicht unmöglich erschien, heute wird es Wahrheit, und es scheint uns jetzt oft so, als ob alles ganz einfach und leicht zu lösen wäre, und wir fragen uns oft, warum es früher nicht möglich war. Wir wißen es aber. Uns fehlte früher der Füh- 'rer! Aus innerer und äußerer Unfreiheit hat er uns herausgeführt. 1938 ist der bisherige Höhepunkt feiner Erfolge. Oesterreich und Sudetendeutschland kamen heim ins Reich. Großdeutschland wurde geschaffen! Sind wir nun am Ziel? Nein! Der Nationalsozialismus ist an sich nie am Ziel, sofern wir darunter den Schlußpunkt einer Entwicklung sehen, weil völkisches Leben kein Halten kennt. Völkisches Leben ist kämpfen, ein ewiges Vorwärts! Was für das Große, für das Reich gilt, gilt auch für den engeren Rahmen eines Landes. Hier treiben die Gefolgsleute des Führers die Dinge nach den von ihm aufgestellten Zielen nach vorwärts — auf allen Gebieten. So auch in Hessen unter Führung unseres Reichsstatthalters Sprenger. Zu den Tagen, die für das Land Hessen und seine Verwaltungsorganisation (aus der Initiative des Reichsstatthalters entsprungen) von historischer Bedeutung sind, gehört sicher der 1. November 1938. Mit diesem Tage scheiden die Städte Mainz, Darmstadt, Offenbach, Worms und Gießen aus ihren bisherigen Kreisen aus und werden selbständige Stadtkreise. Mit diesem Tage haben aber auch die seitherigen Kreise Bensheim, Oppenheim und Schotten zu bestehen aufgehört. Die dazu gehörigen Gemeinden werden den benachbarten Kreisen zugeteilt. So erhält der Kreis Gießen die Orte Freienseen, Gonterskirchen, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld und die selbständigen Gemarkungen Laubacher Wald I, II und III und Stockhäuser Hof und damit einen Zuwachs von 4712 Einwohnern, den er angesichts des Verlustes der Stadt Gießen, sehr wohl gebrauchen kann. Der Kreis Gießen freut sich dieses Zuwachses nicht nur deshalb, well er damit eine der reizvollsten Gegen- den unseres oberhesfischen Landes erhäll, sondern well er weiß, daß die Laubacher Ecke schon seit langem den Wunsch hegt, zum Kreise Gießen zu kommen. Die Gemeinden der Laubacher Ecke werden damit in die Gemeinschaft des Kreises ausgenommen — als vollberechtigte Mitglieder. Denn eine Gemeinschaft, wenn sie wahre Gemeinschaft sein will, kann nur vollberechtigte Mitglieder kennen oder sie ist überhaupt keine Gemeinschaft. Aus dieser Haltung folgt auch die Stellung des Kreises zu den Gemeinden der Laubacher Ecke. Der Kreis Gießen wird sie betreuen, wie seine bisherigen Gemeinden und, wenn sie es nötiger haben sollten, mit um so größerer Liebe — aus allen Gebieten. Die Gemeinden der Laubacher Ecke werden es nicht zu bereuen haben, daß sie zu dem wirtschaftlich stärkeren Kreis Gießen gekommen sind. In diesem Sinne rufe ich den Gemeinden, ihren Lellern und der Bevölkerung der Laubacher Ecke ein herzliches Willkommen im kreise Gießen zu. ' Heil Hiller! Dr. Lotz, Kreisdirektor des Kreises Gießen. Anschluß wird begrüßt. Don Bürgermeifler Höqy, Laubach. Auf Vorschlag des Gauleiters Reichsstatthcllter Sprenger wurde durch Reichsgesetz vom 7. April d. I. und der hierzu erlassenen Bekanntmachung vom 8. Oktober 1938 neben den Kreisen Bensheim und Oppenheim auch der Dogelsbergkreis Schotten mit Wirkung vom 1. November 1938 aufgelöst. Die Stadt Laubach mit den 6 umliegenden Orten Freienseen, Gonterskirchen, Klein-Eichen, Lardenbach, Ruppertsburg und Wetterfeld, sowie den vier vember 1841, wieder zum Kreise Hungen. Nach der Ministerialoerordnung vom 12. Mai 1852 wechselte Laubach mit seinen Nachbarorten erneut seine Kreiszugehörigkeit und wurde in den neugebildeten Kreis Schotten, bei dem es nun über 86 Jahre bis zum 31. Oktober d. I. verblieb, eingegliedert. Wenn auch öfters mit Recht darauf hingewiesen wurde, dckß zwischen den Gemeindevertretern und der Kreisverwaltung Schotten jederzeit ein gutes, herzliches und freundschaftliches Verhältnis bestanden habe, so darf aber anderseits hier nicht unerwähnt bleiben, daß sich bereits in früheren Jahren, insbesondere in Laubach, Strömungen bemerkbar gemacht haben, die den nunmehr Wirklichkeit gewordenen Anschluß an den Kreis Gießen gewünscht haben. Dies kam ganz besonders bei einer Versammlung des inzwischen aufgelösten Laubacher Bürgervereins im Jahre 1930 zum Ausdruck. Sämtliche Anwesende sllmmten damals der Ueberreichung einer Entschließung an die hessische Regierung in Darmstadt zu, in der der Anschluß Llebernahme der politischen Organisation des Laubacher Gebietes in den Kreis Wetterau. Die Eingliederung des Laubacher Gebietes in den politischen kreis Wetterau sollte auf Anordnung des Reichsstatthalters bereits am 1. Oktober 1938 erfolgen. Durch die Gewalt der außenpolitischen Ereignisse wurde der festgesetzte Zeitpunkt um einen Monat verschoben. Die Eingliederung erfolgt nunmehr endgültig zum 1. November. 3d) darf daher jetzt die Hoffnung aussprechcn, daß die enge politische Zusammenarbeit, die seinerzeit schon zwischen der Kreisleitung Gießen und den damals von Gießen aus bearbeiteten Orten Laubachs und seiner Umgebung bestanden hat, nunmehr nach der endgültigen Eingliederung dieser Orte in den Kreis Wetterau sich noch enger und fester gestalten möge. Die Eingliederung ist nach wirtschaftlichen, verkehrstechnischen und politischen Gesichtspunkten, von höherer Warte aus gesehen, erfolgt. Wir freuen uns, daß diesen Gesichtspunkten, die eigentlich schon seit langen Jahrzehnten hätten maßgebend sein müssen, endlich Rechnung getragen worden ist. Es ist an sich gleichgültig, in welchem Kreis die Partei und ihre Gliederungen ihre Arbeit verrichten, denn wir fühlen uns heute nicht mehr als Angehörige eines kleinen Kreises oder eines Landes, sondern in erster Linie als Angehörige des großen deutschen Vaterlandes. Und so erwarte ich denn sowohl von den Parteidienststellen als auch von den Dienststellen der einzelnen Gliederungen, Organisationen und angeschlossenen Verbände, daß sie nach wie vor restlos ihre Pflicht erfüllen für Führer, Volk und Vaterland. 3n diesem Sinne ein herzliches Willkommen im Kreis Wetterau. heil Hitler! Backhaus, Kreisleiter. selbständigen Gemarkungen Laubacher Wald Distrikt I, II und III (das sog. Polizeikommissariat Laubach) und Stockhäufer Hof, werden dem Landkreis Gießen zugeteilt. Es handelt sich hier um Ortschaften, die, außer Klein-Eichen, schon seit 1607 das Amt Laubach der Reichsgrafschaft Solms-Laubach bildeten und bis auf den heutigen Tag die gleichen Geschicke getragen haben. Obwohl durch die Mediatisierung im Jahre 1806 die Grafschaft Solms-Laubach die Reichsunmittelbarkeit durch Einverleibung in die zum Großherzogtum Hessen erhobene Landgrafschaft Hessen-Darmstadt eingebüßt hatte, blieb das Amt Laubach doch noch als eigener Verwaltungsbezirk bis zum 23. April 1822 selbständig und gehörte vom folgenden Tage an zum Landratsbezirk bzw. (seit 1832) Kreisamt Hungen. Anp 18. Mai 1837 wurde das Laubacher Gebiet dem Kreise Grünberg zugeteilt und kam dann 4V2 Jahre später, am 16. No- an den Kreis Gießen gefordert wurde. Auf meinen Hinweis, daß doch einmal mit einer neuen Kreiseinteilung zu rechnen fei, wurde von der Einreichung der Entschließung Abstand genommen. Die jetzt im Zuge der Verwaltungsvereinfachung erfolgte Eingliederung des Laubacher Bezirkes in den Landkreis Gießen wird von der gesamten Bevölkerung als eine sehr willkommene Maßnahme begrüßt, die von steter Dauer sein wird. Es kann nicht gerade behauptet werden, daß Laubach und seine Umgebung bei dem öfteren Wechsel in der Kreiszugehörigkeit im vergangenen Jahrhundert sich gut entwickelt haben, wenn man in Betracht zieht, daß die Stadt einschließlich des sog. Polizeikommissariats Laubach im Jahre 1826 etwa 2300, im Jahre 1852, d. i. die Zeit des Ueberganges zu dem Kreise Schotten, 2176 und heute nur noch knapp 2000 Einwohner zählt. Dieser in dem ftäitbi« gen Sinken der Einwohnerzahl zum Ausdruck kommende Rückgana lag neben anderen Gründen auch daran, daß Laubach nicht schon vor 40 oder 50 Jahren mit dem Gießener Wirtschaftsgebiet verwaltungsmäßig verbunden worden ist. Dies zeigte sich ganz besonders in der Zeit nach dem Bau der Bahnlinie Hungen—Laubach (um 1890) und der Fortsetzung dieser Strecke bis Mücke (1902/03), die fast in Nord-Süd-Richtung mitten durch das Laubacher Gebiet zieht und allen dazu gehörigen Gemeinden eine nach zwei Richtungen hin günstige Zugoerbindung mit der Stadt Gießen brachte, während eine solche mit der seitherigen Kreisstadt Schotten über Dem Auge das Beste! Lassen Sie sich beraten von Optiker DHa&niis dem Optiker Ihres Vertrauens / Seltersweg 33 ' Kassenlieferant Hungen und Nidda nach wie vor sehr umständlich ist. Selbst nach der Instandsetzung der von Laubach nach Schotten durch herrliche Waldungen und schöne Wiesentäler führenden Reichsstraße ist es nicht gelungen, eine Hebung des Verkehrs mit Schotten herbeizuführen, da außer zwei Forschäusern adf der 14 Kilometer langen Strecke keine Ortschaften liegen. Daß der Anschluß an den Kreis Gießen für Lau« doch und Umgebung nicht eine nachteilige Entwicklung bringen wird, unterliegt keinem Zweifel. Dies hat sich auch schon in seinen Anfängen gezeigt. Neben dem bereits , vorhandenen BDM. -Lager des Kreises Wetterau, das in dem ant hiesigen Schloßpark schön gelegenen Jugendlandheim untergebracht ist, wird anfangs November die in den oberen Räumen der städtischen Turnhalle eingerichtete Bannführerschule eingeweihll Außerdem wird das Laubacher Gebiet als achter Bezirk in das Feuerlöschsystem des Kreises Gießen einbezogen und eine neue Motorspritze mit Dorspannwagen erhalten. Auch wird dann unser Städtchen nach der llebernahme eine stille Alarmeinrichtung bekommen, wie sie bereits einige Städte des Landkreises Gießen besitzen. In diesen Tagen, wo die^seit langem hervor* getretene Forderung nach Neueinteilung der hessischen Kreise erst durch die von der nationalsozialistischen Regierung in Hessen durchgeführte Straffung der Verwaltung verwirklicht wird, richten die dem Landkreis Gießen neu zugeteilten Gemeinden und insbesondere ihre Vertreter den freudigen Blick auf das große Ziel, auch im neuen Kreisverband die besten Kräfte mit der nötigen Einsatzbereitschaft und in Treue für die Arbeit des Führers einzusetzen. -- » Personenzug überfährt Lastkraftwagen Von drei Schwerverletzten starben zwei. LPD. Mainz, 28. Okt. Ein schweres Verkehrsunglück ereignete sich Donnerstag abend an dem Ueberroeg der Straße von Gau-Odernheim nach Worms bei Kilometer 1,4 der Eifenbahnstrecke Gau-Odernheim — Hillesheim — Domdürkheim. Der 19.30 Uhr von Gau-Odernheim abgehende Personen« zug P 4279 überfuhr an dieser Stelle einen Lastkraftwagen ohne Anhänger. Hierbei wurden die drei Insassen des Lastwagens schwer verletzt, so daß sie in das Kreiskrankenhaus Alzey verbracht werden mußten. Dort sind inzwischen der Fahrer des Lastkraftwagens, Friedrick B r a u n w e l l aus Ober-Hilbersheim, und ein noch Unbekannter gestorben. Der Lastkraftwagen wurde vollständig zertrümmert Der Ueberroeg der Straße ist durch Kennzeichen vorschriftsmäßig gezeichnet. Die Wegübersicht ist einwandfrei. Das Wetter war gut. Vermutlich trifft die Schuld an dem bedauerlichen Unfall den Fahrer des Lastkraftwagens. Gießener Gtadtiheaier. Beethoven: „Fidelio." Beethovens einzige Oper „Fidelio" wurde in chrer dreimaligen Bearbeitung zu einer Auseinandersetzung mit Brauch und Geist der zeitgenössischen Oper. Dem Symphoniker Beethoven bedeutete sie einen Vorstoß, ein Bühnenwerk mit den Gegebenheiten der Symphonie zu erschließen'. Dieses symphonische Drama wurde zum Gegenpol für die Entwicklung zum Musikdrama hin. In der Eroica-Symphonie hatte Beethoven das Drama des Helden zur musikalischen Tat werden lassen. In dem Buch zu „Fidelio" sand er nun einen Opern- ftoff, der seinem Ringen um sitlliche Ideale ent» gegenfam und ihn durch seine Lebensnähe fesselte. Bouilly, dessen Libretto zu Eherubinis „Master- träger" übrigens von Beethoven als vorbildlich geschätzt wurde, griff mit dem Grundgeschehen zur Oper „Fidelio" auf eine wahre Begebenheit zurück, die er während der Schreckensherrschaft der französischen Revolutton als Administrator eines Departements bei Tours erlebt hatte; nur mußte aus naheliegenden Gründen der Schauplatz der Handlung nach Spanien verlegt werden. Zur Zeit der Entstehung von Beechovens Oper war der Bouillysche Stoff bereits zweimal vertont; durch Pierre Gaveaux und in italienischer Fassung durch F. Paer. Beethovens Textdichter Josef Ferdinand Sonnleithner folgte der französischen Vorlage. Die erste Aufführung des Werkes in Wien am 20 November 1805 (kürz nach der Besetzung der Stadt durch die Franzosen), führte nicht zu dem erhoftten Erfolge, zumal viele entscheidende Musik- verständige die Stadt verlassen hatten und der Hörerkreis vornehmlich aus französischen Offizieren bestand. Eine Umarbeitung der Oper, durch teilnehmende Freunde Beethovens veranlaßt, vermochte auch der nunmehr zweiaktigen Fassung bei Publikum und Presse im Jahre 1806 nicht den erforderlichen Widerhall zu verschaffen. Erst als die großen politischen Ereignisse der Befreiunaskärnvie das Volk auf gerüttelt und zu innerer Selbstbesinnung geführt hatten, war der Boden zu intensivere^ Auswirkung des Werkes gegeben; dazu hatte Beethoven durch feine Schlacytenfymphonie über Wellingtons Sieg bei Vittoria das allgemeine Interesse auf sich gelenkt. Diesmal stand dem Musiker in dem Regisseur und Theaterdichter Georg Friedrich Treitschke ein bewahrter Bühnenfachmann zur Seite, und so erhielten 1814 die „verödeten Ruinen eines alten Schlostes", die dem Meister „die Märtyrerkrone erwarben", Form und Gestalt, um sich endgültig durchsetzen zu können. Warb schon die erste Leonore Anna Milder-Hauptmann für die Oper, so begründete ein Jahrzehnt später Wilhelmine Schroder-Devrient den europäischen Ruf des Werkes. Im Gegensatz zu Mozart mit seiner ursprünglichen Begabung für das Bühnenschaffen, der selbst das scheinbar Unmögliche erreichbar, war, blieb die Oper für Beethoven als geborenen Symphoniker ein Sondergebiet. Weniger das Spiel der Szene wird für ihn zum Schaffensantrieb; er entzündet sich mit seinem Innern im Verfolg des Sieges der sittlichen Kräfte, seine Musik erscheint vom unmittelbaren persönlichen Erleben hineinprojiziert in die Bühne. Nicht das Sinnlich-Schöne allein ist für ihn bestirnrnend; er schreibt nur für die Gebildeten, Verstehenden, die Wahrheit und Echtheit des Ausdrucks aber werden mit dem Durchbruch des Menschlich-Großen zu höchster Offenbarung in Ein» maligkeit. Die opernhatten Eingangsszenen mit ihrem kleinbürgerlichen Milieu lassen um so größer und gigantischer das damalige Geschehen in feinem Fort- fchreiten und feinen von höchster Spannkraft erfüll- ten Gipfelpunkten hervorwachsen, gerade aber auf dem Hintergründe des Alltags zeichnet sich das übergroße heldenhafte Erleben, die höchste sittliche Kraft des Weibes mit ihrer unbedingten Opferbereitschaft in schärfster Deutlichkeit und hehrster Größe ab. Dieser von Beethoven beschrittene Weg mußte den Zeitgenossen zunächst ungewohnt, unfaßbar erscheinen. Das bestätigt Carl Mar>a von Weber nach seiner Prager Aufführung des „Fidelio": „Es sind wahrhaft große Sachen in der Musik; aber — sie verstehens nicht —. Man möchte des Teufels werden! ... Kasperle, das ist das Wahre für sie." Das Leonoren-Drama fesselte den Symvhoniker immer wieder aufs neue; drei Leonoren-Ouvertü- ren wurden Wegweiser für die kommende symphonische Dichtung. Die eigentliche „Fidelio"-Ouoer- türe gleicht sich in ihrer Anlage mehr der gebräuchlichen Form an; sie will als eigentliches Vorspiel nicht das Drama vorausnehmen '(wie etwa die ,,Leonoren"-Ouvertüren), sondern den Hörer innerlich vorbereiten und ihn hinführen auf das sich entwickelnde Drama mit feinem Auf und Ab der inneren Spannungen. Mit der Aufführung des „Fidelio" als erster Oper der neuen Spielzeit hatte sich die Intendanz eine Aufgabe gestellt, die angesichts des starken Wechsels in den beteiligten Kräften dennoch mit höchst erfreulichem Gelingen gelöst wurde. Ja, es ist geradezu erstaunlich, mit welcher Adgerundetheit das Werk erschien. Die Spielleitung des Intendanten Hermann Schultze-Griesheim hatte auch diesmal die bühnenmäßige Bewegung der Gestalten zu einem sinnvoll Bedingten herauswachsen lassen. Jeder entfaltete sich, und alles fügte sich zur geschlossenen Einhett im Dialog, der die dramatischen Bindungen betonte, und in der szenischen Durchbildung des Ensembles in seiner bedingten Stellung im Gesamtwert. Herausgehoben sei hier die Kanonszene und das ganze Finale des ersten Aktes. Die Gestalt der Leonore wurde durch Anni A s s i o n von der fraulichen Seite her zum Heldischen entwickelt. Mochte ihr Spiel im ersten 21 ft noch leicht befangen erscheinen, um so natürlicher und gelöster war sie im zweiten. Ihre sttmmlichen Mittel sind reich und ausgiebig, voluminös und füllig ausladend in der Mittellage und im Forte der Höhe. Ihr gesangliches Können wird beherrscht von einem sorgfältigen musikalischen Wollen, und so fügen sich alle dieje Faktoren zu einem gerundeten Gesamtbild, das für die Darstellerin einzunehmen vermag. Heinrich Durst als Florestan gab der Kerkerszene verinnerlichte Töne bei weicher mezza voce und akzentuierender Höhe. Man wird der Entwicklung dieses Sängers mit berechtigtem Interesse entgegensetzen können. Sehr bedacht mit sorgsamer Summierung und Einfügung der Einzelzüge war Gustav Bley als Pizarro. Abweichend von dem sonst üblichen tobenden Theaterwüterich wirkte er gerade durch die innere Verhaltenheit und berechnende Selbstbeherrschung geradezu unheimlich drohend. Dieser geistigen Durchdringung seiner Rolle ordnete er sein bewährtes musikalisches und sttmmliches Vermögen organisch ein. Erwin Bugge verkörperte den Minister Don Fernando mit menschenfreundlicher Würde, angemessener Haltung in Gebärde und gesanglicher Linienführung. Herbert H i r ch e s Rocco war von fürsorglicher Väterlichkeit erfüllt und wußte die gesanglich stili- sttschen Anforderungen bei sattem Stimmklang vollauf zu erfüllen. Vielleicht wäre es seiner Darstellung zum Vorteil, wenn im Fortschreiten der Szene seine innere Haltung Pizarro gegenüber mehr Selbstbewußtsein gewänne. Gert B u ch h e i m als Jaquinv und Friedel F o r n a l l a z als Marzelline waren ein hoffnungsvolles Paar mit fein abgestimmtem Spiel und Einpassung von Gesang und Darstellung in die Gelöstheit der Szene. Die Chöre unter Heinz Markwardt waren beim Beginn des Finale von ergreifender Wirkung und verliehen in der Schlußszene dem Jubel stark austzallende Resonanz. Das Ganzem erwies unter der Leitung von Paul Walter feinsinnige Wohlabgewogenheit in der Durchbildung und in der Beziehung zu den bra« malischen Gegebenheiten. Das Orchester selbst leistete besonders in den Bläsern (Hörnern) Ausgezeichnetes. Die E-dur=£)uDertüre war der verheißungsvolle Auftakt, und die verschiedenen Stilbedingtheiten zum Opernhaften bzw. zum Symphonisch-Dramatischen hin fanden ihre volle Ausdeutung; nur bei der Begleitung der Singstimmen müssen die Bläser stärkere Zurückhaltung üben. Die Ouvertüre Leonore Nr. 3 wurde nach der Kerkerszene zu einer grandiosen musikalischen Zusammenfassung und zum Eingangstor zu dem. lichten C-ckur-Jubel des Schlußbildes, das noch viel mehr flutendes Szenenlicht vertragen konnte. Denn gerade die szenische Durchgestaltung des Gefängnisyofes war so werkangemessen ent« wickelt, daß hier durch die Beleuchtung im letzten Bild ein neuer Geist sich symbolisch erschließen kann. (Karl Löffler.) Die Hörer waren sichtlich gepackt von dem tnufh kalischen Schicksalsdrama. Dr. Hermann Hering. Hochschulnachrichten. Auf feinen Antrag wurde der Ordinarius für angewandte Mathematik, Professor Dr. Max Win« kelmann von der Universität Jena, von den amtlichen Verpflichtungen entbunden. Winkelmann ist besonders als Mitarbeiter an der Enzyklopädie der mathematischen Wissenschaften bekannt geworden. Seine Hauptarbeitsgebiete sind Fehlerrechnung und harmonische Analyse. Wegen Erreichung der Attersgrenze tritt der Ordinarius der Systematischen Theologie an der Leipziger Universität, D. Horst Stephan, in den Ruhestand. Seine Schriften behandeln befon« bers bas Gebiet der systematischen Theologie und der neuen deutschen Geistesgeschichte. Professor Dr. Eduard Wahl» Extraordinarius in der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen, ist zum Ordinarius er« nennt worden. Professor Dr. Eduard Precht, Ordinarius für Zahnheilkunde an der Universität Hamburg, ist im 46. Lebensjahre gestorben. Hundert Lahre Amtsgericht Ulrichstein Am Mittwochabend hatten sich die BDM.-Mädel zu ihrem ersten Gemeinschaftsabend im Studentenheim zusammenyefunden. „Himmel und Erde müsien vergehn, aber die Musizi bleibet bestehn!" Dieses ßieb leitete den Musikabend ein. Die Untergauführerin Käthe Pfeffer sprach dann über den Sinn der Gemeinschaftsabende, die der BDM. in diesem Winter erstmalig durchführt. Die Mädel wollen keine Trennung zwischen BDM.-Werk- und Mädelgruppen, sondern in gemeinsamer Arbeit das Ziel erreichen. Jede Arbeitsgemeinschaft des BDM.-Werkes wird im Laufe des Winterhalbjahres einen Abend ausgestalten. Das Orchester spielte dann zuerst ein Menuett von Beethoven. Darauf folgte ein Bouree von Bach und ein Menuett von Händel, zwei mehrstimmige Stücke für Flöten. Die Singschar brachte zwei Lieder in niederdeutscher Mundart: ,Lck wull wi wärn noch kleen, Jehann" und „Dat du min Leeosten büst". Gemeinsam wurde dann ein schwedisches Volkslied gelernt. Wiederum spielte das Als vor nunmehr hundert Jahren, am 31. Oktober 1838, die hessische Regierung die Bekanntmachung über die Errichtung eines Landgerichts zu Ulrich st ein erließ, wurde das Vogelsberg-Städtchen nicht zum erstenmal Gerichtssitz. Schon viele hundert Jahre bis Anno 1820 war Ulrichstein Gerichtsstätte gewesen. Diese Bedeutung mag dem Städtchen durch seine zentrale Lage im oberen Vogelsberg, sowie durch das Ulrichsteiner Schloß zugekommen sein. Als im Jahre 1820 das damalige Gericht und Amt in Ulrichstein aufgehoben wurden, wurde das Landstädtchen von einem Schlage betroffen, 1 der noch schwerer war, als der große Brand vor 175 Jahren. Das alte Ulrichsteiner Gericht hatte nämlich seinen Sitz auf dem damals noch völlig erhaltenen Schloß zu Ulrichstein. Nachdem das Gericht aufge- hohen war, stand das Schloß leer. Den staatlichen Vertretern und der Bevölkerung fehtte damals offenbar jeder historische Sinn. Infolgedessen kam es zum Verkauf des Schlosses um einige hundert Gulden an einen Privatmann, der nichts anderes mit den mächttgen Gebäuden anzufangen wußte, als sie auf Abbruch km veräußern. So verfiel das Schloß völlig, in dessen Gebäuden das Recht und auch die Freude einst jahrhundertlang eine erhabene Stätte hatten. Während nämlich in einem Teile des Schlosses das Gericht seinen Sitz hatte, feierte Ulrichstein im Rittersaal seine frohen Feste. Der Abbruch des Schlosses rächte sich bitter. Nicht allein ein prächtiges Bauwerk war zerstört, sondern auch die Unterkunft für das Gericht. Was Fleiß, Macht und Kunstsinn in Jahrhunderten geschaffen, hatte der Unverstand in 18 Jahren vernichtet. Von dem Schlosse waren 1838 im wesentlichen nur noch die Grundmauern übrig. Der hessische Staat mußte sich daher zu einem Neubau für das Gericht entschließen. Dieser Neubau wurde dann im Jahre 1838 auf dem zum Schlosse gehörigen früheren Herrengarten erstellt, der am Fuße der Burg mitten in der Stadt liegt. Mit welcher Schnelligkeit man schon vor hundert Jahren arbeiten konnte, sei beiläufig verzeichnet. Nach einem Bericht des ersten Ulrichsteiner Richters hat er am 17. Oktober 1838 das neue Landgerichtsgebäude inspiziert und gemeldet, daß es in allen seinen Teilen vollständig hergerichtet sei. Die Erstellung des Gebäudes war also danach 14 Tage vor dem Erlaß der Bekanntmachung über bie Errichtung bes Gerichtes vollendet. Nach der Bekanntmachung der hessischen Regierung vom 31. Oktober 1838 über die Errichtung der damals als Landgericht bezeichneten Gerichtsbehörde wurde der Bezirk aus den Orten des Landgerichts Schotten, nämlich Ulrichstein, Babenhausen II, Wohnfeld, Sellnrod mit Schmitten, Altenhain, Höckersdorf (das in der Bekanntmachung noch als Heckersdorf bezeichnet ist), Ober-Seibertenrod, Feldkrücken und Kölzenhain, sowie aus den bisherigen Orten des Landgerichts Alsfeld: Felda mit Klein-Felda und Schellnhausen, Stumvertenrod, Windhausen, Köddingen, Helpershain, Meiches und Kestrich gebildet. Diese Einteilung des Gerichtssprengels hat wieder- hotte Abänderungen erfahren. Das Landgericht trat dann mit Wirkung vom 1. Dezember 1838 in Funktion. Der erste Richter war der Landrichter Cat- trein, der von Nidda nach Ulrichstein versetzt wurde. Die würdigen ersten Beamten waren der Hofgerichtssecretariatsaccestist Müller aus Gießen, der Aktuar Stockmann aus Offenbach und der Grenzaufseher Georg Scharmann aus Gießen. Andere Beamten kamen bald hinzu. Im Jahre 1850 beantragte die Gemeinde Rebges- bam ihre Zuteilung zu dem Landgericht Ulrichstein. Zuvor war für Rebgeshain das Landgericht Lauterbach zuständig gewesen. Durch Bekanntmachung der hessischen Regierung wurde 1853 diesem Gesuch ent» sorochen. Ferner wurden die Gemeinden Unter- Seibertenrod und Zeilbach aus der Zuständigkeit des Landgerichts Grünberg herausgenommen und dem Landgericht Mrichstein zugeteilt. Eine nachmalige Aenderunq des Bezirks erfolgte im Jahre 1908. als die Gemeinde Altenhain auf ihr Gesuch dem Amtsgericht Laubach zugeteilt wurde. Erwähnt fei noch, daß verschiedene andere Gemeinden im Laufe der vergangenm hundert Jahre Gesuche einqebracht Schöner Abend im BDM. Erster Gemeinschastsabend der BOM.-Werk- und Mädelgruppen in Sieben. Orchester, und zwar eine Gavotte und einen Marsch von Bach, einen niederösterreichischen Marsch und einen Ländler, die mit großer Begeisterung ausgenommen wurden. Dann wurde das Wettsingen der vier Mädelgruppen ausgetragen. Jede Gruppe mußte sogar noch ein Lied aus dem Stegreif fingen, da die Entscheidung schwer zu treffen war. Mit großer Spannung warteten alle auf die Bewertung. 1. Sieger wurde die Mädelgruppe 4/116 Gießen- Ost; sie erhält als Preis das Buch des Führers. 2. Sieger würde die Mädelgruppe 1/116 Gießen- Süd; sie erhätt als Preis „Das Lied der Getreuen". 3. Sieger wurden die beiden Mädelgruppen 2/116 und 3/116 Gießen-Nord und Gießen-Mitte. Als Preis bekommen sie je ein Heft vom Rügenlager. Gemeinsam wurde nun das Lied „Hinterm Lusen funkelt der Wald" von Hans Baumann gelernt. Als Abschluß hörte man dann, von dem Orchester oorgettagen, die „Deutschen Tänze" von Schubert. Es war ein sehr netter Abend, an dem alle viel Freude hatten. Wiederholung „Lin Sommernachlslraum". Heute abend Wiederholung des großen Erfolges „Ein Sommernachtstraum" von Shakespeare, nach der Uebersetzung von Schlegel textlich neubearbeitet und inszeniert von Herckann Schultze-Griesheim. Musik von Waaner-Mgeny. Musikalische Leitung: Paul Walter. Bühnenbilder: Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 2. Vorstellung für den KdF.-Feierabendring statt. Spielplan des Sladllhealers Gießen vom 30. Oktober bis 6. November. Am Sonntag, 30. Oktober, findet die 3. Morgen- Veranstaltung in Verbindung mit der Hitler-Jugend und der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" statt: „Rufe und Lieder Sudetendeutscker". Der sudetendeutsche Dichter Hans Christoph Kaergel spricht über die Heimkehr der Sudeterrdeutschen ins Reich und lieft aus eigenen Werken. Es wirken ferner mit: Erwin Dugge, Willi Weber, Günter Winkel, die HJ.-Singfchar und das HJ.-Orchefter unter Leitung von Joachim Popelta. Beginn 11.30 Uhr, Ende 12.30 Uhr. — Am Abend findet die Wiederholung des großen Operettenerfolges „Wiener Blut" von Johann Strauß statt. Musikalische Leitung: Joachim Popelka. Spielleitung: Gert Buchheim. Tänze: Thea Maaß. Bühnenbild: Karl Löftler. Die Vorstellung findet außer Miete statt. Anfang 19 Uhr, Ende 22 Uhr. Dienstag, 1. November, Anfang.20 Uhr, Ende 22.45 Uhr: „Erstaufführung „Rigoletto", Oper von ©uifeppe Verdi. Musikalische Leitung: Paul Walter. Inszenierung: Wolfgang Kühne. Dienstag-Miete, 5. Vorstellung. Mittwoch, 2. November, Anfang 19.30 Uhr, Ende 22.30 Uhr: „Dantons Tod", Drama von Georg Büchner. Spielleitung: Dr. Hannes Razum. Mittwoch-Miete, 6. Vorstellung. Freitag, 4. November, Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr: „Wiener Blut", Operette in drei Akten von Johann Strauß. Musikalische Leitung: Joachim Popelka. Spielleitung: Gert Buchheim. Freitag- Miete, 6. Vorstellung. Samstag, 5. November, Anfang 20 Uhr, End« 22.30 Uhr: Einmaliges Gastspiel Staatsschauspielerin Hermine Körner in „Frau Warrens Gewerbe", Drama in vier Akten von Bernard Shaw. Spielleitung: Helmut Kollek. Außer Miete! Sonntag, 6. November, Anfang 11.30 Uhr, Ende 12.30 Uhr: 4. Morgenveranstaltung. Uraufführung „Der Narr mit der Hacke", ein Spiel von Eduard Reinacher. Spielleitung: Hermann Schultze-Griesheim. — Anfang 19 Uhr, Ende gegen 22 Uhr: Zum letztenmal: „Der süßeste Schwindel der Welt", Luttspiel-Operette von Robert Stolz. Musikalische Leitung: Joachim Popelka. Spielleitung: Gert Buchheim. Außer Miete! Gesellschaft für Lrd- und Völkerkunde. Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde tritt am kommenden Donnerstag in der Neuen Aula mit einem Vortrag an die Oeffentlichkeit. Professor Dr. Lauten fach (Greifswald), von feiner früheren Tätigkeit m Gießen hier gut bekannt, spricht über das Thema „Raum und Volk in der politischen Ent- Wicklung des Fernen Ostens". Bann und Untergau 116 Weiterau. Theaterring der Hitler-Jugend. Alle Mitglieder des HJ.-Theaterringes, die für die Montaavorstellung keine Karten mehr erhalten konnten, besuchen die Mittwoch-Vorstellung am 2. November. Zur Aufführung gelangt „Dantons Tod". Die Karten können ab sofort auf der Danndienststelle abgeholt werden. Kolonialabend in Gießen. Am 5. November veranstaltet der Reichskolonial, bund, Kreisoerband Reichsbahn, unter Mitwirkung des Ortsverbandes Gießen im Gesellschaftshaus ,Llub" in der Sonnenstraße einen Kolonialabend. Dieser soll baw bienen, bie kolonialen Bestrebungen im deutschen Volke wackzurufen und zu för- dern. Die Rückerwerbung unserer Kolonien ist für uns eine der brennendsten Lebensfragen geworden. Es muß daher mit allen Mitteln für das Interesse um unseren Kolonialbesitz im deutschen Volke geworben werden. Der Deutsche Kolonialbund als Träger des Kolonialgedankens hat es sich zur Aufgabe gemacht, hier die Führung zu übernehmen. haben, zum Teil, um aus anderen Gerichtsbezirken dem Ulrichsteiner Sprengel zugeteilt, zum Tell auch, um aus dem Ulrichsteiner Bezirk einem anderen Gericht überwiesen zu werden. Diese Anträge wurden jedoch abgelehnt. Nicht uninteressant ist auch die Tatsache, daß sich die Gemeinde Groß-Felda ian Laufe der vergangenen hundert Jahre zweimal um eine Verlegung des Gerichtsfitzes von Ulrichstein nach Groß-Felda bemüht hat. Das erste Gesuch wurde im Jahre 1860, das zwette Gesuch kurz nach der Jahrhundertwende eingebracht. Wohl mit Recht wurden die Anträge abschlägig beschieden, da die zentrale Lage von Ulrichstein bie Beibehaltung des Gerichtssitzes recht- fertigt. Bemerkt sei auch, daß das Gerichtsgebäude im Jahre 1878 durch einen Anbau erweitert wurde, in dem der Aktenraum und der jetzige Sitzungssaal mit dem Beratungszimmer untergebracht sind. E'm Jahr später, und zwar mit dem Jnkraft- treten der Reichsiustizgesetze am 1. Oktober 1879, erfolgte im Zuge der Vereinheitlichung des deutschen Rechts die Umbenennung des Landgerichts in „A m t s a e r i ch t". Im Jahre 1935 rouroen schließlich die Justizbehörden aus der Länderverwaltung in die Reichsjustizverwaltuna übergeleitet. Diese Ueberleitung mag für den Außenstehenden nicht erkennbar jein, sie bedeutet aber für die einheitliche Ausrichtung der Verwaltung im Deutschen Reich einen erfreulichen Fortschritt. Erwähnenswert ist noch die Tatsache, daß bis zum Jahre 1930 an dem Amtsgericht Mrichstein zwei und zeitweise auch drei Richter tätig waren, während heute nur noch ein Richter mit dem üblichen Personal dort amtiert. Viele noch heute lebende hessische Richter haben in Ulrichstein segensreich gewirkt. Alle ehemalige Beamten und Angestellten des Gerichts denken gern an die Zeit, in der sie in Ulrichstein gearbeitet und gelebt haben. Mag das Städtchen auch nicht an der Schlagader des Verkehrs liegen, so liegt es dock lieblich und schmiegsam an den Schloßberg angelehnt und bietet mit seinem landschaftlichen Reiz dem Fremden Ruhe und Erholung. Insbesondere gestattet der Schloßberg einen herrlichen Fernblick, wie man ihn nirgends sonst im Vogelsberg haben kann. Die Geschichte des Städtchens ist einst reich an Ereignissen gewesen. Manchmal erschallte vor seinen Toren Waffenlärm und Kriegsgeschrei, und in seinen Mauern ist manche Fehde ausgetragen worden. Auch bedeutende Gäste hat Ulrichstein in feinen Mauern beherbergt. So find u. a. der Reformator Luther und später der Marschall Blücher bei der Verfolgung Napoleons am 2 8. Oktober 1813 in Ulrichstein Gäste gewesen. Für Gießen ist es nicht uninteressant, daß Blücher am anderen Tage seinen Weg von hier nach Gießen fortgesetzt hat. Mögen die letzten hundert Jahre an unmittelbaren Ereignissen in Ulrichstein nicht so reich und mannigfaltig gewesen sein als die frühere Zeit, so bedeutet doch gerade diese Epoche für das deutsche Volk einen Aufschwung von ungeahnten Ausmaßen. 1838 herrschte in Deutschland kleinstaatliche Zerrissenheit. 1938 vollendete der Führer Adolf Hiller das einzigartige Werk der gesamtdeutschen Volk- werdung und Schaffung des Großdeutschen Reiches. Anfang und Ende der hundert Jahre mahnen uns zur Einheit im Glauben an die deutsche Sendung und Deutschlands Führer. Mögen die kommenden Jahrhunderte uns immer in diesem Glauben stark und unerschütterlich finden. Mit diesem Wunsche verbinden wir auch die Hoffnung, daß das Amtsgericht Ulrichstein in kommenden Zeiten au seinem bescheidenen Teile seine Aufgabe im Rahmen des großen deutschen Volkes erfüllt. Das soll das Gelöbnis aller Beamten und Angestellten des Amtsgerichts Ulrichstein sein. Am Jubiläumstag — Montag, 31. Oktober — findet um 11 Uhr im Sitzungssaal des Amtsge- richts zu Ulrichstein ein Festakt statt. Am Abend, von 18 Uhr ab, wird ein Feuerwerk abgebrannt, dann ein Kamerad schaftsabend unter Beteiligung der gesamten Bevölkerung von Ulrichstein abgehalten. Wir sind ein großes Volk ohne Raum. Der Raum, den wir in unseren Kolonien besaßen, ist uns durch das Versailler Diktat genommen worden. Es gilt nun dafür zu kämpfen, daß dieses Unrecht roieoer gutgemacht wird. Es darf keinen deutschen Volksgenossen geben, der bei diesen Besttebungen noch absetts steht. Der Kreisverband Reichsbahn, Ortsverband Gießen des Deutschen Kolonialbundes, hat dafür gesorgt, daß die Veranstaltung einen dem Zweck entsprechenden würdigen und unterhaltenden Derlau nimmt. U. a. wirken mit Künstler vom hiesigen Stadttheater und dem Ballett. Es werden ferner eine ganze Reihe von Ueberraschungen, natürlich auch Tanz, geboten. Näheres wird noch bekannt- gegeben. Treudienst-Ehrenzeichen in Gold. Steuersekretär Fritz W oll gast beim Finanzamt Gießen erhielt für 40jährige treue Dienste das Treudienst-Ehrenzeichen in Gold. Die Uederr ichung des Ehrenzeichens erfolgte durch den Amtsvorsteher in feierlicher Form. Aus der Stadt Gießen. Das Bilderbuch. Kaum ein« Beschäftigung rft bei unseren Kindern so beliebt wie Bilderbücher bettachten. Immer und immer wieder können sie es tun: mit Andacht wird die bunte Kuh beguckt, bi« bie süß« Milch gibt, unb der kleine Finger tippt vorsichtig auf ben bösen Wolf, ob er auch nicht beißt. Brigitte pflegte, ganz rm Tone ber Mutter, babei zu sagen: „oosichtig um« bättern!" Jeweils war ein bestimmtes Bild ihr liebstes: einmal war es ein Kind, dessen Puppe kaputt gegangen war und das getröstet wurde, ein andermal wurde ein Fuchs, ber aus einem Busch heraussprang, um ein Häslein zu erwischen, mit angenehmem Gruseln immer roieber betrachtet. Nun ist nicht für jede Mutter das gekaufte Bilderbuch befriedigend. Was tun? Weihnachten ist nickt mehr allzu fern, unb ein neues Biloerbuch soll doch auf bem Gabentisch liegen. Wir kleben also selber eins! Man sammelt erst eine Zeitlang Bilder. Man sollte gar nicht denken, wieviel da zusammenkommt: Posttarten, bunte Werbesachen, Bilder aus Kalendern und Zeitschriften »sw. Dann besorgt man sich beim Buchbinder ein Tube Klebstoff unb bünne, helle Pappblätter (falls man nicht etwas geeignetes zuhause hat), bie man zusammenheftet. Als Deckel nehme man eine etwas stärkere Pappe, die Vorder- feite beklebt man mit buntem Glanzpapier in Vierecken ober Streifen. Das Buch, dessen Dicke und Größe wir nach unserem Bildervorrat bestimmen, ist nun fertig. Hieraus geht es ans Einkleben der Bilder. Aus die erste Seite etwa kommen bunte Albumbilder: Blumen unb Kinber. Auf die zweite Seite kleben wir Tiere, das ist ber Zoo. Die dritte Seite heißt: die Küche. Mutter steht am dampfenden Herd, um sie herum sind lauter Küchengeräte oder alle Gemüsearten (Schild einer Konservenbüchse), oder auch olle Obstsorten. Das Kind lernt bann spielend alle Namen, wenn man sie ihm ein paarmal dazu gesagt hat. Eine andere Sette heißt: Geburtstag! Ein Kuchen unb ein Pudding, Lichtchen, Spielsachen und allerlei Nützliches sind um das lachende Kind herum geklebt. Natürlich gibt es auch ein« Seite „Oftenv: ein Osterhase, Eier, Küken, ein Sttauß Kätzchen (aus Postkarten). „Weihnachten" ist ein Bi'd aus einem Kalender. Selbstverständlich kann man auch allerlei auf eine Seite kleben, und wer Zeit und Lust dazu hat, schreibt gleich Verse darunter. Also, liebe Mütter, macht euch diese kleine Mühe, Unb ihr werdet die große Freude erleben, daß euer Kind lange mit solch einem Bilderbuch beschäftigt ist! E.L. St Dornoiiren. Tageskalender für Samstag. Stadttheater: 20 bis 22.45 Uhr „Ein Somrner- nachtsttaum". — Gloria-Palast, Seltersweg: ,Llrn seidenen Faden". — Lichtspielhaus, Bahnhofftraße: Melden in Spanien". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand. Tageskalendec für Sonntag. Stadttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr Morgenveran- ftaltung in Verbindung mit ber Hiller-Jugend unb ber NS.-Gemeinschaft ,Kraft burch Freude", Rufe unb Lieber Sudetendeutscher, Hans Christoph Kaergel liest aus eigenen Werken. 19 bis 22 Uhr „Wiener Blut". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Am jeibenen Faden". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Helden in Spanien". — Oberhessifcher Kunstverein: 11 bis 13 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand. OPEL Tn diesem repräsentativen Großwagen steht die Schönheit der äußeren Form e ben- bärtig neben der erlesenen Ausstattung seines eleganten Innenraums und der hohen Leistung eines starken Motors. Limousine RM6500a.W. Cabriolet.. RM 7(100 a.W. Bitte überzeugen Sie sich durch eine unverbindliche Probejahrt Motorwagen- Verkaufsges. m. b. H. Gie&en 6874 A Frankfurter Str. 52/56, Ruf 2847 Wechsel in der Leitung desReichsbahn-Berkehrsamtes Gießen Der Vorstand des Reichsbahn-Verkehrsamtes Gieren, Reichsbahn-Oberrat N i e r m a n n, ist zum 1. November 1938 nach Koblenz versetzt worden, um dort die Leitung des Reichsbahn-Verkehrsamtes 1 zu übernehmen. Reichsbahn-Oberrat Niermann übernahm am 1. Oktober 1933 die Leitung des hiesigen Reichsbahn- Verkehrsamtes. Während ber verhältnismäßig kurzen Tätigkeit auf bem hiesigen Amte hat es Reichsbahn- Oberrat Niermann verstanden, sich die Sympathien weiter Verkehrskreise zu erwerben; so konnte er Wünsche auf eine bessere Fahrplangestaltung auf ben oberhefsischen Bahnlinien, auf ber Main-Weser-Bahn unb auf ber Sieg-Bahn erfolgreich vertreten. Mit befonberem Eifer widmete^er sich ben Aufgaben einer neuzeitlichen Verkehrswerbung unb ber Schulung bes Personals zu verkehrsgewanbten Eisenbahnern. Be- onbers ließ er sich auch bie sorgfältige Pflege der Verkehrsbeziehungen zu den in feinem Amtsbezirk liegenden großen und kleinen Jnduftriewerken, wie der Hütten- und Bergbetriebe, der Ofen- und Herd- inbuftrie an der Lahn, Dill unb Sieg, der Steinbrüche im Westerwald, der Werke in der Wetterau und im Taunus u. a. m. angelegen fein. Eine Gefolgschaft von etwa 750 Derkehrsbedienste- ten auf den 175 Dienststellen des Amtsbezirks, der sich über die Strecken von Vilbel über Friedberg bis Siegburg (vor Köln) und die zahlreichen Nebenstrecken auf etwa 675 km erstreckt, sieht ihren bei aller Wahrung ber dienstlichen Belange sozial und gerecht denkenden Amtsvorstand ungern scheiden, denn er hatte für jeden, mochte er Beamter oder Arbeiter sein, ein offenes Ohr unb Herz. Es wird deshalb allgemein bedauert, daß Reichsbahn-Oberrat Niermann von seinem Gießener Posten scheidet; es war jedoch sein Wunsch, wieder nach dem Rheinlande zu kommen, in dem er lange Jahre tätig war. Als Nachfolger ist Reichsbahnrat Dr. jur. Nölle von ber Reichsbahnbirektion Königsberg (Pr.) nach hier versetzt worben. Ausgabe der Volksgasmasken nur gegen Anweisungsscheine. Um Mißverständnisse zu vermeiden, wird nochmals ausdrücklich darauf hingewiefen, daß die Der- paffung und Ausgabe der Dolksgasrnasken nur nach Abgabe der Z u w e i su n g s s ch e i n e erfolgen kann, die ausschließlich von den Blockwal- tern der NSV. verkauft werden. Die Ausgabe der Zuweisungsscheine obliegt den zuständigen NSV.- Ortsgruppen. In den Verpasiungsstellen sind Zuweisungsscheinr nicht erhältlich. Diese Maßnahmen sind aus or- gamsatorischen Gründen notwendig. Wer noch keine Zuweisungsscheine für sich und seine Familie besitzt, wend« sich umgehend an seinen NSV.-Blockwalter, oder an bie zustünbige NSD.» Ortsgruppe und komme bann mit den Zuweisungs- scheinen zum Aufproben ber Volksgasmasken in r 2 nächste Derpassungsstelle: NSD.-Lager „Einhorn", Lindenplatz 1, Eingang Kirchenplatz, ober Geschäfts- stelle der NSV., Ortsgruppe Gießen-Nord, Walltor- straße 38 (Vorderhaus), di« täglich von 15 bis 20 Uhr geöffnet sind. Zweite Standort-Keitjagd. mit 110 Teilnehmern. Für den gestrigen Freitag nachmittag war die zweite diesjährige Standort-Reitjagd unserer Garnison von der 13. (IG.) Kompanie unserer 116er angelegt worden. Das Stelldichein war auf den Wiesen neben dem Militärschwimmbad an der Grünberger Straße. 110 Teilnehmer waren zu dieser zweiten Standort-Rettjagd erschienen, davon 47 Offiziere, ferner Kameraden aus den Formationen ber ff, der Reiterstandarte der SA., sowie Anaehörige bes Reit- unb Fahrvereins Gießen; auch brei Damen im schmücken Reitbreß nahmen an der Jagd teil. Generalleutnant Oßwald war als Jagdherr auch diesmal wieder dabei. Die Jagd war sehr abwechslungsreich angelegt Es ging über weite Wiesenflächen, es gab Grabensprünge, Kletterstellen im Wald, es war durch eirt dichtes Waldstück zu reiten, über gefällte Däumq zu springen usw.» so daß an bas Können der Retter allerlei Anforderungen gestellt wurden. Außerdem war die Strecke, gegenüber der ersten fReitjagb, verlängert worden; sie betrug etwa 3,5 Kilometer. Für die Zuschauer war es schr unterhaltsam, von et* n re- m n in m rt« m n« LN er en ner des Le. der iirt lit d- n« au ifte« der bis ien« bei und den, oder vird rrat ; es mbe lle rach roch' Ber* rur ine ©ab der SD.' Heine z Df und einen SÄ.' ingS' iJj iorn / Aor« bis r die. ®nr» 116er j den der ,u *■ dooo" !«,ken'. höhtem Punkte, nördlich von Annerod, aus die Jagd zu verfolgen, die am Ostausgang des Dorfes beendet wurde Das Geläuf war durch den in einer der letzten Nächte niedergegangenen Regen wohl etwas schwer, aber doch von den Pferden gut zu bewältigen. Als das lfS)alaViu geblasen wurde, hatten sich u. a. auch viele Einwohner von Annerod eingefunden und freuten sich des schönen Schauspiels. Schließlich verteilte der Jagdherr die Brüche, zunächst an die Damen, die tapfer mitgehalten hatten, dann an alle übrigen Beteiligten. Zu einer Kaffeetafel fand man sich anschließend im Anneröder „Mühlchen" ein. Gießener wochenmorklpreije ♦ Gießen, 29. Oft Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Deutsche feine MolkereibuUer, J4 kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12 S, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klaffe D 10%, Wirsing, % kg 8 bis 9 Pf., 50 kg 5 bis 8 Mark, Weißkraut, % kg 4 bis 5 Pf., 50 kg 4 bis 5 Mark, Rotkraut, % kg 7 bis 8 Pf., 50 kg 5 bis 7 Mark, gelbe Rüben und Karotten, % kg 7 bis 9 Pf., rote Rüben 10, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Unterkohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 15 bis 25, Feldsalat, */io 8 bis 10, Tomaten, % kg 20 bis 30, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 35 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kürbis 8 bis 9, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 35 Pf., 50 kg 3 bis 3,45 Mark, Aepfel, % kg 30 bis 45 Pf., Birnen 20 bis 45 Pf., junge Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Gänse 1,10 Mark, Enten 1,20 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 45, Salat 5 bis 8, Salatgurken 45 bis 50, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 20, Radieschen, das Bündel 8 bis 12 Pf. * ** Goldene H o ch z e i t. Am kommenden Montag, 31. Oktober, können der Generalmajor a. D. Rudolf Mohr und Frau Anna, geb. Richter, Wilhelmstraße 21 wohnhaft, in guter Gesundheit und Frische das Fest der Goldenen Hochzeit begehen. Dem Jubllar, einem alten 116er Offizier, der vor einigen Tagen seinen 77. Geburtstag feiern konnte, und seiner Gattin wird in weiten Be- völkerungskreisen, insbesondere von allen alten 116ern, größte Wertschätzung zuteil. Dem Jubelpaar bringen auch wir zum Tage der Goldenen Hochzeit unsere herzlichen Glückwünsche dar. ** Heimkehrende Soldaten. Am heutigen Samstag zwischen 13 und 15 Uhr wird eine Telegraphen-Baukompanie der Luftwaffe, aus Richtung Lich kommend, in Gießen eintreffen. Obevbür- germeister Ritter wird die Kompanie am Eingang der Stadt vor einer Ehrenpforte, die zwischen der Bahnüberführung und dem Gasthaus „Zur Stadt Lich" errichtet wird, im Namen der Gießener Bevölkerung empfangen und in der Heimat willkommen heißen. Die Soldaten werden dann voraus- sichllich die Sicher Straße heruntermarschieren bis zur Kreuzung an der Moltkestraße und sich dann durch die Kaiserallee zu ihrer Unterkunst begeben. ** Weihnachtsmarkt in Gießen. Bom 10. bis 18. Dezember findet auf Oswaldsgarten der Gießener Weihnacktsmarkt statt, für den hauptsächlich Weihnachtsgeschenkartikel zugelassen sind. ** Erfolgreiche Hundezüchter. Aus allen Tellen des Reiches und des Auslandes waren auf der Reichssiegerausstellung in Köln rund 1700 Hunde aller Rassen zum Wettbewerb angetreten. Die Deutschen Schäferhunde waren mit über 300 Meldungen am stärksten vertreten. Bon Hessen war bei den Deutschen Schäferhunden der Zwinger „Busecker Schloß", Besitzer Alfred Hahn (Großen- Buseck). mit acht Hunden am erfolgreichsten vertreten. In die L e i st u n g s k l a s s e waren nur Hunde über 2 Jahre mit Leistungskennzeichen zu- gelassen. Hier erhielten: Sehr gut: „Dimin v. Busecker Schloß Sch. H. IH" (Besitzer Ludwig Schmidt, Großen-Buseck) und „Pirina v. Busecker Schloß Sch. H. I" (Adolf Holbeck,Kanten). Junghund klasse, 18 bis 24 Monate: Vorzüglich: 2. Preis „Vera v. Busecker Schloß H. G. H." (Alsted Hahn, Großen- Buseck). Die Hündin ist Tochter des Amerika-Schönheitssiegers 1938 („Odin v. Busecker Schloß Sch. H. III" und gewann den Ehrenpreis der Landes- bauernfchaft Bayern, sowie die goldene Fachschaftsmünze. In der Jugendklasse 12 bis 18 Monate erhielten auch alle Tiere die Bewertung sehr gut, trotz großer Konkurrenz: „Wolfhard v. Busecker Schloß III. Pr." (Karl Leib, Krofdorf), „Alex v. Busecker Schloß Sch. H. I" (Alfred Hahn, Großen-Du- seck), „Wingolf v. Busecker Schloß" (Joh. Rahn, Trohe), „Wally v. Busecker Schloß Sch. H. I" (Hem- rich Wagner, Großen-Buseck), „Wiborad v. Busecker Schloß" (Ludwig Wagner, Wten-Buseck). Im L e i - stungszuchtgruppenwettstreit (minde- stens drei Hunde eines Züchters mit einer ßetftungs» Prüfung) erhielt der Zwinger „Busecker Schloß von 18 Zuchtgruppen der Diensthunde den 3. Preis. Im allgemeinen Zuchtgru p P en wett- streit (mindestens drei Tiere eines Züchters mit gleichem Gebäude und Farbe) erhielt er den 6. Preis von 28 Gruppen. Alle Besitzer, sowie der Züchter, wurden neben Ehrenpreisen auch nut Geldpreisen bedacht. ___________ Aus der engeren Heimat. (^emeinberat in Schotten. △ Schotten, 28. Okt. In der gestrigen G e • meinderatssitzuna wurde die Frage der W o h n u n g s b e s ch a f f u ng besprochen und dabei begrüßt, daß der Gemeinnützige Bauverein, den es früher hier schon gab und der jetzt in neuer Form ersteht, den Bau von Wohnhäusern bald in die Hand nehmen wird. Die Stadt wird sich an diesem Unternehmen, das in genossenschaftlicher Form entsteht, mit entsprechenden Geschäftsanteilen beteiligen. Wenn die der Stadt in Aussicht gestellten neuen Aemter und Beamten ihren Einzug hier halten, muß für entsprechende Unterbringung gesorgt werden. — Ein Teil der Kirch - und Markt st raße, der Platz vor dem Rathaus und der Kirche, wird mit Kleinpflaster versehen. Das Straßenbauamt wird die Ausführung der Arbeiten übernehmen. — Die hiesige Kriegerkameradschaft wird die städtischen Schieß st ände auf der Ameisenweide übernehmen und unterhalten. Eine Vereinbarung über die Uedernahme einer alten Schule, die beim Bau der Stände entstand, wurde getroffen. — Der Gemeinderat besprach die Frage des H I. - H e i - m e s und die vorläufige Unterbringung der HI. und des Jungvolks. — Das Sägewerk Neumann, das hi den Spießwiesen neu erstand, braucht zu seiner Erweiterung noch städtisches Ge- lände, das im Austausch gegen anderes Gelände zur Verfügung gestellt wird. Landkreis Gießen. £ Wiefeck , 28. Okt. Als Ergebnis des diesjährigen Schulschwimmunterrichts konnten gestern 43 Schwimmzeugnisse neu ausgegeben werden, und zwar 6 Fahrtenschwimmerzeugmsse und 37 Freischwimmerzeugnisse-. 6 Knaben hatten 45 Minuten geschwommen, 17 Mädchen und 5 Knaben 30 Minuten, 3 Knaben 20 Minuten, 10 Knaben und 2 Mädchen 15 Minuten. $ Trohe, 28. Okt. Dieser Tage wurde das hiesige Bürgermeisteramt, das vertretungsweise durch Pg. Lehrer Paul geführt worden war, nach A l t en - B u s e ck verlegt und mit dem Alten- Busecker Bürgermeisteramt vereinigt.' S Alten-Buseck, 28. Oktober. Auch unsere Volksschule hat in letzter Zeit wiederholt zur Verwirklichung des Vierjahresplans beigetragen. Nachdem der Flachsanbau, der einen guten Ertrag lieferte, abgeerntet war, stand den Schulkindern eine neue Aufgabe bevor: Auf Anregung der NSV. waren im Rahmen des Ernährungshilfswerkes 200 Quadratmeter Mais auf dem Alten Friedhof ange- vflanzt worden. Vor kurzer Zeit konnte die Ernte der gut ausgereiften Maiskörner durch die Schule Schweres Autobus-Unglück in Bicken. Zehn Schwerverletzte, zwanzig Leichtverletzte. Fernmündliche Meldung unseres örtlichen Berichterstatters. ♦ Dicken (Dillkreis), 29. Oft Am heutigen I um und kam mit dem verdeck nach unten in einen Samstagmorgen um 6 Uhr ereignete sich tu unserem Hof zu liegen. Orte ein schweres Autobus-Unglück, das verhängnisvolle Folgen nach sich zog. Fast alle Insassen des Omnibusses erlitten teils schwere, teils leichtere Verletzungen. Bei dem verunglückten Omnibus, der im Auftrage der Deutschen Reichspost die Strecke Erda—Burg— Herborn fuhr, handelte es sich um Wagen und Fahrer eines Kölner Unternehmens. Der Unfall kam auf merkwürdige Weise zustande. Rach glaubwürdigen Beobachtungen versagte am Omnibus plötzlich das Scheinwerferlicht. Der Lraftwagenführer schien dadurch die Fassung verloren zu haben und geriet Sekunden später, obwohl die Straße an der Unfallstelle gerade verläuft mit dem Dagen von der Fahrbahn ab. Da zu allem Unglück an der Unfallstelle die Straße höher liegt als die angrenzenden Hofreiten, stürzte der Omnibus etwa drei Meter tief ab, fiel Der Omnibus war stark beseht Es handelte sich bei den Fahrgästen fast ausschließlich um Arbeiter aus den Orten Mudersbach, Riederweidbach und Erda, die diesen Omnibus tägllch zur Fahrt an ihre Arbeitsstelle, die Burger Eisenwerke, benützten. Durch den starken Aufprall, bei dem fast alle Scheiben des Omnibusses in Trümmer gingen, wurden fast alle Insassen verletzt. Soviel bisher festgestellt werden konnte, haben 1 0 Arbeiter schwere Verletzungen und 20 Insassen leichtere Verletzungen erlitten. 15 verunglückte wurden sofort in das Krankenhaus nach Herborn gebracht von ihnen müssen 7 voraussichtlich für einige Zeif in Behandlung bleiben. Die meisten verunglückten haben mehr ober weniger schwere Kopfverletzungen. Die Ramen der Verunglückten konnten wir im einzelnen bis zur Stunde noch nicht ermitteln. Der Allendorfer Tlikelsmarkt. Allendorf, 29. DEL Ein bedeutendes Ereignis eigenster Art, das alljährlich wiederkehrt und das nicht nur unsere Stadt bewegt, sondern auch seine Wirkung auf die nähere und weitere Umgebung ausübt, steht wieder vor der Tür: der „Allen- dorfer Nik'elsmarkt" am 2. November. Wenn auch wegen der Maul- und Klauenseuche der Viehmarkt nicht abgehalten werden darf, so ist doch auf Grund der bereits vorliegenden Anmeldungen mit einer Vergrößerung des Krämermarktes zu rechnen. Wenn die Krämermärkte, die in der heutigen verkehrsreichen Zeit, in der mit dem Auto selbst die entlegensten Dörfer und Dörfchen mit allen möglichen Waren und Gebrauchsgegenständen rasch versorgt werden können, in wirtschaftlicher Hinsicht nicht mehr die Bedeutung haben, die sie vor etwa hundert Jahren hatten, so haben doch einige ältere Märkte in Dberhessen ihre Anziehungskraft bewahrt Zu diesen zählt auch der „Allendorfer Nikelsmarkt". Infolge der schweren Brände, von denen unsere Stadt öfters heimgesucht wurde, sind alle älteren Urkunden, die auf den Nikelsmarkt Hinweisen könnten, vernichtet worden. So können also genaue Angaben über die Entstehung des Nikelsmarktes leider nicht gemacht werden. Daß der Markt schon auf ein ehrwürdiges Alter von einigen hundert Jahren zurückblicken kann, steht einwandfrei ' fest. Der Markt hat sich trotz allem Wandel der Zeiten behauptet und eine hervorragende Stellung gesichert. Der steigende Marktbesuch beweist dies am besten. Da der Nikelsmarkt in früheren Jahren anfangs Dezember stattfand, dürfte der Name „NikelsmarÜ" vom Nikolaustag (6. Dezechber), im Dolksmund kurz „Nikelstag" genannt, abgeleitet worden sein. Seit 1323 hat Allendorf unter Landgraf Otto I. (Hemricks L Sohn) Marktrechte erhalten, und es fand jeden Mittwoch ein Wochenmarkt statt, der später auf Donnerstag verlegt wurde. Unter dem Datum 2. März 1370 wurde nach vorheriger Einbeziehung der Orte Möllnbach, Dodenhausen und Häuserlingen der Marktflecken Allendorf durch den Landgrafen Heinrich den Eisernen zur Sadt und Festung erhoben und ihm auch erweiterte Marktrechte verliehen, wodurch größere Jahrmärkte abgehalten werden durften. Dank dem Fleiße der Bevölkeruna standen von jeher in unserer Stadt neben der Landwirtschaft, Handel und Gewerbe in Blüte. Die mannigfachen schweren Trübsale, wie die größeren Brände und feindlichen- Kriegszüge, von denen Allendorf im 16., 17. und 18. Jahrhundert öfters heimgesucht wurde, vermochten auch hieran nichts zu ändern. Wie in ftüheren Jahren hat die hiesige Kaufmannschaft eifrig Vorbereitungen zum diesjährigen Nikelsmarkt getroffen, damit jeder Marktbesucher zufriedengestellt werden kann. Selbstverständlich fehlt auch der zu einem echten Jahrmarktsrummel gehörende Juxplatz nicht. Auch der diesjährige Nikelsmarkt wird als echtes Volksfest aemeinschaft- lich in der geräumigen Stadthalle gefeiert Eine Stimmungskapelle wird hierbei ihre frohen Weifen ertönen lassen. Außerdem wird der tanz- frohen Jugend Gelegenheit zum Tanz bis in die frühen Morgenstunden gegeben. Von jeher war der Allendorfer Nikelsmarkt Treffpunkt von Freunden, Verwandten und Bekannten, aus der Rabenau, aus dem Buseckertal und dem Ebsdorfer Grund. Der Bauersmann, der jetzt nach Beendigung der Feldarbeit auch einmal etwas ausspannen kann, nimmt die Gelegenheit wahr, wieder, wie in früheren Jahren, auf dem „Anderfer Nikelsmarkt" mit feinen Freunden zusammen zu fein und einige fröhliche Stunden zu verleben. Auch die fleißige Hausftau, die in der Regel in chrem Haushalt unabkömmlich ist, macht sich zum Allerckörfer Nikelsmarkt ftei, um die kleinen Einkäufe — auch schon für den Weihnachtstisch — machen, und trifft bei dieser Gelegenheit auch wieder einmal mit ihren Freundinnen zusammen. Selbstverständlich wird auch dieses Jahr, wie alljährlich, die Stadt reichen Flaggenschmuck tragen. Ganz besonders werden diejenigen, welche dem Treiben unseres Marktes noch fernstanden, herzlich zum Besuch eingeladen. vorgenommen werden. Der Ertrag betrug etwa 4 bis 5 Zentner, die als Kraftfutter an das EHW. abgeführt werden. Nunmehr wurde von den einzelnen Schulklassen auch mit dem Sammeln von Bucheckern begonnen. Die Sammlung, die noch nicht abgeschloffen ist, hat bis jetzt zu einem recht guten Ergebnis geführt. Der Erlös wird dem WHW. zugeführt werden. <£ Reiskirchen, 29. Dft. Der hiesige Landwirt Heinrich Nürnberger II. mußte gestern mit schweren Verletzungen in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. Er war, als er auf gegen Katarrhe Husten Heiserkeit Hauptniederlage- Jean Weisel, Gießen, iSonnensiraße 6. Telephon 3888. 6921D seinen Acker wollte und dabei die Autobahn überquerte, von einem Auto an gefahren und zu Boden geschleudert worden. Der Autofahrer brachte den Schwerverletzten selbst in die Klinik nach Gießen. > A l l e"n d o r f a. d. L d a., 28. Dft. Arn hiesigen Dftsausgang nach Londorf wurde heute vormittag der 63 Jahre alte Landwirt Louis Lich aus Allertshausen von einem Lastauto aus Gießen, das einem entgegenkommenden Milchauto ausweichen mußte, angefahren und zu Boden gerissen. Der bewußtlose alte Mann mußte nach erster ärzllicher Hilfeleistung von der Sanitätsbereitschaft Gießen der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt werden. Dort liegt der Bedauernswerte mit einer schweren Gehirnerschütterung und anderen Kopfverletzungen darnieder. Die Ermittlungen der Gendarmerie wurden sofort eingeleitet. — Gestern abend fand hier eine Versammlung der Untergruppe Allendorf des Reichsluftschutz- b u n d es statt. Gemeindegruppenführer Lehrer Eberle, Lollar, hielt dabei einen lehrreichen Vortrag. s. Lang-Göns, 29. Dft. Nach längerer Pause tritt der hiesige Turnverein wieder mit einer Veranstaltung an die Öffentlichkeit. Heute abend findet die Weihe der neuen Fahne statt. Bei dieser Gelegenheit werden verdiente Mitglieder durch den Kreissührer des RfL. geehrt werden. Die verschiedenen Abteilungen des Vereins werden die Besucher durch turnerische Vorführungen unterhalten. Als Höhepunkt der Veranstaltung ist das Turnen der Kreisriege.anzusehen. c\d Eberstadt, 28. Dft Unser Drtspfarrer Ködding, der feit 24 Jahren in unserer Gemeinde wirft, tritt am 1. November in den Ruh e- st a n d. Im Hauptgottesdienst am vorigen Sonntag verabschiedete sich ber allseits beliebte Seelsorger von seiner Gemeinde. Er verlegt seinen Ruhestandswohnsitz nach dem Nachbarorte Dorf-Gill. Kreis Alsfeld. —Homberg, 28. Ott. Auf der Provinzialstraße Homberg—Büß feld, gegenüber der Neumuhle, ereignete sich ein schwerer Unfall eines mit Sand beladenen La st wagens. Vermutlich rannte ber schwer beladene Wagen beim Ausweichen gegen einen am Straßenrande stehenden Apfelbaum, legte ihn glatt um und lief rainabwärts einige Meter weiter, wo er infolge seines großen Gewichts auf dem weichen Wiesenboden in schiefer Lage einsackte. Bei dem festen Anstoß am Baurn hatte eine Verbiegung des Steuers sowie eine solche der Achse des linfen Vorderrades und sonstiger Schäden stattgefunden, wodurch der Wagen zu unfreiwilligem Aufenthalt gezwungen wurde. Der Fahrer blieb zum Glück unverletzt. Heute wurde der schwerbeschädigte Lastwagen abgeschleppt. Kreis Friedberg. = Bu tzb a ch, 28. Oft. Trotz der vielbenutzten unweit oorbeiziehenden Reichsautvbahn hat unsere Stadt weiterhin einen starten Durchgangs- und Lo- kaloerfehr aufzuweisen. Daher ist die Stadtverwaltung darauf bedacht, die Straßen in bestem Z u st a n d zu erhalten. Seit einigen Tagen ist eine größere Kolonne daran, schadhafte Stellen der Straßen auszubessern. — Die Sautätigfeit hat bis in den Herbst unvermindert angehalten. Mit großer Beschleunigung wird an den im Laufe des Sommers noch im Rohbau erstellten Wohnhäusern gearbeitet, um sie noch vor Eintritt des Winters bezugsfertig zu betommen. Amtsgericht Gießen. In der gestrigen Sitzung des Amtsgerichts hätte sich der K. St. aus Gießen wegen Unterschlagung verantworten sollen. Der Angeflagte blieb aber ber Sitzung fern. Es erging deshalb gegen ihn Haftbefehl. Nikelsmarkt in Allendorf/Lumda Der Bürgermeister: Krieb. 6889D Zumvahnhos Spar-und Vorschußverein Eine Offenbarung für jeden TierfreundJ Allendori a. d. Lumda e.s.m. b.s. ist bestens gesorgt. 6892D Ferdinand Horn. am Nikelsmarkt erftN.Ztilmmmgskapelle Zhrtng-Melchtor-Bier Für gute Speisen und Getränke gegründet 1865 Annahme von Spareinlagen bei guter Verzinsung Darlehen zu gesetzlichem Zinssatz 6890D Beginn des Krämermarktes und der Volksbelustigung um 8 Uhr. Karussell, Schießbude usw. auf dem Fesiplah bei der Stadthalle. Ab 15 Lthr Tanz in der Giadihalle. Gs verkehren 2 Autobusse. — Sonntagskarten im Umkreis von 35 Kilometer. Tiere mit Gefühl und Verstand EmeaUaeme nDeritänönctie Danteiiun i oer rtoutbungsernebn ne üb. dnsSee.en eben der Tiere mit vraktncken WerucbetanieitHnnen oonDr. Wern erblicket Veiler der ^orickungsnelle für Tieneelenkunde am Westfälischen Hoo oaischen Otortpi tu Münüer - 140 Seiten mit 100 Abbildungen, m Vernon gebimben :»M 8.60. Vn iede Giobener Bnrbband una erhältlich Suso Vevmüblev verlas ♦ NevNtt-Lichtevfelde Mnusaktmwaren Trikolagen.» und Wollwaren E. Keiberlshausen, Allendorf gegenüber der Apotheke Stan- auf -em Markt am Mittwoch, 2.Jlot>.1938 Zum diesjährigen Nikelsmarkt lade ich die Bevölkerung der umliegenden Gemeinden herzlichst ein. Der Diehmarkt fallt wegen der im Kreise Gießen herrschenden Maul- und Klauenseuche aus. Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 30. Oktober, nachmittags um 14 Uhr statt 6913V Elisabeth Straub, geb. Lutz im Alter von 66 Jahren. geb. Straub Hiltrud Leib. Gießen (Löberstraße 6). den 28. Oktober 1938. 6912D Ludwig Straub Sebastian Leib und Frau Margarete, In tiefer Trauer: Johannes Weller Familie Hch. Menges Familie Rudolf Konrad. Am Freitagfrüh entschlief sanft nach langem schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter und Grobmutter Allendorf/Lahn, Görgeshausen. Dutenhofen, den 28 Oktober 1938. öeschansdrucksacnen Rechnungen Briefbiatter Briefumschläge Postkarten Geschäfts karten bei Brühl. Schulstr. 7 Drehstrom- und Gleichstrom- Motoren und Zubehör billig Carl Schunck Bahnhofstraße 66. . tdenn -j Erleichterung Die Beerdigung findet Montag, den 31. Oktober, 2 Uhr nachmittags, auf dem Neuen Friedhof statt Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden und wählend der Krankheit unserer lieben Entschlafenen Frau Elise Pfeffer, geb. Junk sagen wir allen auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Gießen. den 29. Okt- 1938. Die trauernden Hinterbliebenen. ________________________________________________________________________6929D MaßeinlaS? TODESANZEIGE Heute in der Frühe gegen 5 Uhr hat es Gott dem Allmächtigen gefallen, meine liebe Frau unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Marie Weller, geb. Schmidt im Alter von 48 Jahren nach kurzem, schwerem Leiden zu sich in die Ewigkeit zu rufen. Wieseck, den 29. Oktober 1938. 6932D 6936P Fürdie liebe volle Anteilnahme an unserem Schmerzsowie die Ehrung unserer lieben, unvergeßlichen Entschlafenen Frau Louise Hoffmann, geb. Hofmann sagen wir hierdurch unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Jobs. Hoffmann, Altbürgermeister. Burkhardsfelden, im Oktober 1938. Danksagung. Für die uns beim Heimgang unseres lieben Bruders in so reichem Maße erwiesene Teilnahme sagen wir herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen; Familie Adolf Schneider Familie Hans Noeth. Die führende natnrknndliche Monatsschrift! Aus -er Naiur (Der Naturforscher) Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaften und ihre Anwendung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. Herausgegeben von Oberstudienrat Or. 7L Rein und Prof. Or. W. Schoenichen. »Aus der Natur* unterrichte« fortlaufend in Bild und Wort über die Ergebnisse der i euesten Beobachtungen und Forschungen aus allen Gebieten der Naturwissenschaften und Technik. Es iss die verständliche, aber hochwertige naturwissenschaftliche Monatsschrift für geistig Anspruchsvolle, die bei hervorragender Ausstattung nicht auf oberflächlichen Aufputz, sondern auf Gehalt eingestellt ist. Vierteljährlicher Bezugspreis: KOI. 230. — Verlangen Sie kostenlos ein Probeheft. — Oer Bezug kauu durch jede Buchhandlung erfolgen. Hugo Bermühler Verlag / Berlin-Lichtersel-e oom 10. üis 18. M1938 in (Sieben auf Sswaivsgarlen. Zum Verkauf werden, dem Charakter des Weihnachtsmarktes entsprechend, hauptsächlich Weihnachtsgeschenkartikel zuaelassen, und zwar: 6888A sämtliche Spielwaren, Christbaumschmuck. Weih- nachlskerzen. weihnachtsgebäck und Zuckerwaren, Nüsse, Vepfel, Pfefferkuchen, Obff, weihnachts- bäume, Strickwaren, Stoffe, Wäsche- und Geschenkartikel aller 2frt Lichtvolle Aufmachung und entsprechende Ausschmückung der Derkaussstände ist Bedingung. Ferner werden Fahr-, Belusligungs-, Schau- und Ausstel- luugsgeschäste vereinzelt, sofern sie in den Rahmen des Weihnachtsmarktes paffen, zugelassen. Bedingungen und Angebotscheine sind im Stadthaus, Bergstraße 20 (Zimmer Nr. 18) erhältlich. Meldefrist. 12. November 1938. Gießen, den 29. Oktober 1938. Der Oberbürgermeister. 3.23.:.gez. Nicolaus, Beigeordneter. Wer an Rheumatismus, Gicht oder Ischias leid.,wollesichan mich wenden, da ich ihm ein Mittel anbiet, kann, bei dess. Anwendung er m.größt. Wahrscheinlichkeit v. seinen Schmerzen befreit wird. Meine Auskunft kostet und verpflicht. zu nichts. Max Reißner Pbarmazeatisc-e Erzeugnisse Berlin-Cbarot en- burn 9 [6222v Beichsstr. 184 d fnü VäinL-doppilAiuz- &i4?(Ämpßi4t vDOPPEL- H E PZ * Doppelherz Verkaufsstell.:Drog-.H. Elges, Seltersw.66. C.Seibel, Frankf. Str. 0. WinterhoH, Kreuzplatz 9/10. Grünberg: Karl Schott u. sämtliche Filialen. Laubach: Solms- Laubacber Drog. Karl Klein. 434V Nähkursus! ' Gründlichen Unterricht im Nähen erteilt Frau S. Bormann Damenschneidermeisterin Gießen, Gr Steinweg12 6955D Wollen Sie vergeblich ouf Antwort warten? Neinl Schreiben Sie wirkungsvolle Briefei Schreiben Sie Ihre Briefe auf ERIKA: Ein ERIKA-Brief ist wirkungsvoll und bringt klipp und klar zum Ausdruck, was Sie zu sagen haben. 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Sn Sardinen und Ccppitpen bietet die große Auswahl -fieinrich fiochftitttr Cäcf; 11 Beschauliche Lesestunde. — (Aufnahmen |5J: Neuner, Gießener Anzeiger.) $ ■...... ■rwr ■ * -’M > X *\ä. .'MW mal lesen möchte, muß es besitzen! Dreimal leihen — vielleicht von Freunden oder Bekannten — unmöglich! Um dieser Vertiefung willen gehört das eigene Buch in das eigene Heim. Wer keine eigenen Bücher besitzt, kann es nicht wissen, welch' feines und unterhaltsames Vergnügen es ist, so in größeren zeitlichen Abstanden den Bücherschrank aus» zuräumen, die Bücherbestände neu zu ordnen, wieder, einzuräumen — eine Arbeit, die notwendig geworden ist, weil vielleicht etliche Bücher dazugekommen sind, die nicht gleich den richtigen Platz erhalten konnten. Das brauchte an sich nicht etwa eine zeitraubende Arbeit zu sein, aber sie ist zeitraubend, weil dabei manches Wiedersehen gefeiert wird. Da stößt man vielleicht auf Bücher aus der Schulzeit, mit Bemerkungen an den Rändern, und (Erinnerungen an die Jugendzeit werden so lebendig, als sei alles erst gestern gewesen. Dann fällt uns das Gedichtbändchen von Annette von Droste-Hülshoff in die Hände Wie war das doch gleich mit dem Gedicht vom Spiegelbild? (Muß doch mal nachlesen!) Und hier ist das Buch von Hermann Löns „Der Werwolf". Ich weiß noch/ und werde es nie vergessen, von wem ich es geschenkt erhielt! — Dann hier ein Band von Conrad Ferdinand Meyer! Hatte nicht Lucretia Planta den Geliebten, Jürg Jenatsch, erschlagen, damit er (da er schon nicht mehr gerettet werden konnte) nicht in die Hände der betrunkenen Mörder fiel, nicht eines unrühmlichen Todes starb? Nur einige Sätze will ich nachlesen! — Dann sind es wieder die herrlichen Bilder von der Nanga-Parbat-Expedition, die mich aufhalten! So geht das weiter, und es wird spät, ehe sich die Schranktüren vor neuer Ordnung schließen. Es ist lustig, einmal herumzuhören, wie es Bücherbesitzer mit der Ordnung in ihrem Bücherschrank halten. Da habe ich einen guten Bekannten, der seine Bücher der Größe nach zusammengestellt unb4 dabei mit Geistesschärfe bemüht ist, in dieses starre Schema auch noch eine Ordnung nach Sachgebieten einzixschmuggeln. Wieder ein anderer kann Seinen nicht neben Halbleder stehen sehen? Gar ein anderer schwört auf die bekannte „organische Unordnung" und behauptet selbstbewußt, daß er jedes Buch seines Bestandes auf Anhieb findet und greifen kann. Der Nächste aber tut es nicht ohne Kartothek, nicht ohne Buchführung, nicht ohne exakteste (Einteilung nach Sachgebieten So prächtig sind tue Menschen untereinander verschieden so glücklich ist jeder Mensch auf seine Art! Wer gar noch einen so schönen Bücher schrank besitzt der auch dem Zimmer Aur Zierde gereicht, kann sich um seiner Schätze willen glücklich greifen. So ist das eigene Buch im eigenen Heim eben mehr als nur Lektüre, mehr als nur Besitz? Bücher sind nicht nur Freunde, sie sind auch Künder der eigenen geistigen Haltung, denn wer Bücher kauft, wird wählen nach ureigenstem Empfinden. Das Buch führt hinaus in die Welt, macht die Horizonte weit, läßt über die nächsten Kirchtürme hinausblicken Die festlichen Stunden, die uns der Alltag vorenthält, gibt oft genug das Buch. Das soll allen Volksgenossen in Stadt und Land bewußter werden, und deshalb beginnt mit der nächsten Woche die „Woche des deutschen Buches", die ganz unter dem Gedanken stehen soll: „Jedem deutschen Haus ein Heimbücherei!" N. Bücher ordnen — die Arbeit macht Spaß! MM Ml IL Das gute Bilderbuch für die Kinder. MM MU MW Ml Roman von Kurt Riemann Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 19. Fortsetzung. (Nachdruck oerbotenb „Siebe Frau Gertrud", lächelt er und legt seine Hand auf die ihre, die rot und ein wenig verarbeitet ist, „wie könnte ein Mensch jemals vergessen, was ihr hier Gutes an mir tut? Ich bin aus der Fremde gekommen und habe geglaubt, das rachen zu müssen, was mir ein Mann einmal angetan hat. Und es ist rein wie verhext — öas Vaterland hat mich ausgenommen wie den verlorenen Sohn, es hat mich mit seiner Siebe geradezu überschüttet. Ein Mädchen liest mich von der Landstraße auf und pflegt mich gesund. Eine Frau Sie, Frau Gertrud — öffnet mir mütterlich den Kreis ihrer Familie — und die Folge davon ift, daß ich alle Rachepläne lasse und meinem bessern Ich folge, das niemals Rache und Vergeltung geliebt hat — sondern nur seine Arbeit — Wissen Sie, mir will da ein kleines Erlebnis nicht aus dem Kopf. Ich ging in Niederau einmal spazieren — es war einer der ersten Tage, an denen ich das Zimmer verlassen durfte — und da kam ich auch an der Schule vorüber. Der Herr Kantor hatte die Fenster weit auf und sang mit seinen Kindern eines jener kleinen Liedchen, die man kennt und felbft hundertmal gesungen hat, ohne daß sie einem irgendwie etwas gesagt hätten. Aber plötzlich erkennt man in den einfachen Worten einen tiefen Sinn, plötzlich geht einem das Geheimnis der Schönheit einer Weife auf. So ging es mir damals. Mit einemmal war mir, als hätte mir das Lied etwas zu sagen, gerade mir." „Und welches Lied war bas?" „(Ein ganz schlichtes, kleines: ,Kein Hälmchen wächst auf Erden .. . der Himmel hat's betaut!* — Ich kenne es." „Sehen Sie, und da geht's in der letzten Strophe so ähnlich: .. dann sproßt, was dir indessen als Keim im Herzen lag, — so ist kein Ding vergessen, es kommt fern Blütentag.. Können Sie verstehen, daß mir plötzlich so zumute war, als sei dies Lied und diese Strophe eigens für mich erdacht?" „Ich glaube. Aber was wollen Sie mit der kleinen Geschichte sagen?" „Daß ich soviel Grund habe, der Heimat, dem Vaterland und seinen Menschen dankbar zu fein, daß es keine Zeit in meinem Leben geben wird, in der ich das vergessen könnte." „Na —" meint Wernicke trocken, „und außerdem ist ein Patent noch keine Lebensversicherung. Man kann davon nichts abbeißen. Wer wird dein Patent finanzieren? Daß deine erste Erfindung, die Urform der jetzigen, ein Reinfall war, weiß nicht nur die ,Union ÄG.', sondern alles, was irgendwie mit der Branche zu tun hat. Man wird also nicht gerade schreien: »Herrgott! Der Karajan ist mit einem neuen Patent da? Her zu uns?* — Man braucht einen tüchtigen Batzen Geld, ehe die Sache anfangen kann, rentabel zu werden, verdammt viel dteü) sogar —" setzt er nachdenklich hinzu. „Doch das nur nebenbei. Dafür wird Schorsch schon sorgen! Der kennt ja halb Berlin! Also — zum Abschluß — laßt uns austrinken? Und dann — ins Bett! Ja, ja, Gertrud, und wenn du auch ein Gesicht ziehst! Karajan muß morgen frisch fein. Patentverhandlungen sind keine Kaffeeunterhaltungen." _ Der Abschied von den stillen freundlichen Leuten in Magdeburg füllt ihm schwer. Sie waren alle so gut zu ihm, halfen, ohne zu fragen. Es gibt einen herzhaften Abschied von den drei Buben, der jüngste will den „Onkel Karja" überhaupt nicht fortlassen, und Karajan muß sich überall mit großen Versprechungen auslösen. Wernicke ist schon im Werk. Er ist nicht für großen Abschied. Er hat ihm noch einmal kräftig die Hand geschüttelt und bann geknurrt: „Schreib, wenn was los ist! Du weißt, von Gelbsachen verstehe ich nicht viel. Aber wenn's gilt, beine Maschinen zu bauen — bann packen wir hier unfern Laben zusammen unb kommen mit bir! Also —•" Frau Gertrud möchte chn nicht fortlaffen, weil sie meint, er sei noch nicht genügend herausge- futtert, und in Berlin kümmere sich niemand um ihn. „Lassen Sie nur, Frau Gertrud", lacht er. „Mit mir haben Sie doch wenig Glück, ich gehöre^zu der Sorte, die die Natur nicht fett werden laßt. Sollen mal sehen, wie schnell wieder irgend etwas kommt, was mir die dünne Speckschicht, die ich Ihnen verdanke, wieder herunterholt Mich kriegen Sie nie so, wie Sie es gern möchten!" * „Dann sproßt, was dir indessen als Keim im Herzen lag, so ist kein Ding vergessen, es kommt sein Blütentag —" Die Melodie begleitet chn während der ganzen Fahrt. Gestern abend ist sie wieder lebendig geworden und nun ift sie da und läßt ihn nicht los. Komisch, wie so etwas einen Menschen packen und festhalten kann, sogar einen Mann, der sich auf dem Wege zu feinem Patentanwalt befindet. Ach Gott, er wird nie ein tüchtiger Geschäftsmann werden, denn Geschäftsleute leiden kaum daran, daß ein kleines Lied ihr Herz ausfüllt. Aber — er freut sich. (Er liebt das Lied. Kann er es leugnen, daß auch er einmal vergessen und abseits stand, verbittert und enttäuscht, ein einsamer Mensch, der die Welt haßte? Ist ihm sein Blütentag gekommen? Kam nicht ein Mädchen, ein ganz einfaches Mädchen, bas nichts weiß von all bem Getriebe, bas sich Leben, Geschäft, Kampf ums Dasein nennt? Das nicht berechnet und untersucht, das nur einfach seinem Herzen folgt, ihn mit sich nimmt und ihn gesunden läßt an ihrer eigenen herben Klarheit, an ihrem eigenen gesunden jungen Geist? — In Berlin findet er das Nest leer. Schorsch ist nicht da, die Wirtin meint, er käme erst morgen zurück; er hat gestern einen Rohrpostbrief erhalten und sei daraufhin Hals über Kopf abgereift. Er sei ja viel unterwegs, der Herr Hausmann, wegen der Zeitung und so. „Wohin ist er denn gefahren? Hat er feine Anschrift hinterlassen?" „(Eben nicht. Das wundert mich auch. Sonst tut er bas immer." Karajan ist ein wenig enttäuscht. (Er hat sich auf bas Wiebersehen gefreut .Hallo, Schorsch, bin ba! Hier sind die Pläne! Jetzt geht's los! Komm!" Na, damit ist's nun nichts. 2Iber er tröstet sich Das Patent unterbringen kann er schließlich auch allein. Er hat da noch einige Beziehungen zu einem sehr fixen Kerl, einem Rechtsanwalt, der mit Patenten umzugehen weiß. (Er hat ihm auch sein erstes Patent eingereicht Dasselbe, das später der Herr Dr. Meßdorfs — na, Schwamm drüber! Herr von Wangenheim ist ein Herr in den Fünfzigern, äußerlich ganz alte Schule, im Beruf einer der tüdjtigften Männer von Berlin. Dazu nicht nur dem Namen nach Aristokrat. Karajan hatte sehr gern nut ihm zusammengearbeitet. Er hielt ihn vom ersten Augenblick ihrer Bekanntschaft an für einen anständigen Kerl. Wangenheims Kanzlei liegt dicht am Potsdamer Bahnhof in einem der großen Geschäftshäuser. Fräulein Scheck im Vorzimmer erkennt ihn sofort wieder, obwohl es sechs Jahre sind, daß er nicht hier gewesen ist. „Ah — Hetr Doktor Karajan! Soll ich Sie anmelden?" „Sie meinen, der Herr Iustizrat würde sonst vor Schreck von seinem Stuhl fallen, was? Weil der tote Karajan doch noch lebt? Besser ist's jedenfalls, Sie bereiten ihn schonend vor. Ist viel zu tun?" setzt er leise hinzu mit einem schnellen Blick auf die zehn, zwölf Menschen, die da mit ihm warten. „Äeine sehr wichtigen und eiligen Sachen! Sie wollen den Herrn Iustizrat auf längere Zeit sprechen?" „Wenn ich bei ihm bin, kann er sich für heute nichts anderes mehr vornehmen!" Nach knapp einer Viertelstunde sitzt Karajan vor dem breiten Schreibtisch, den er noch gut kennt. Er ist noch immer mit Tintenklecksen bedeckt, ein unwahrscheinliches Erbstück, das schon einigen Juristengenerationen gedient hat. „Also, Sie leben? Und wie mir scheint, sogar recht intensiv!" lacht der Iustizrat und schiebt die Horn- brille nut dem kleinen Finger der rechten Hand auf die Stirn. (Es ist das sicherste Zeichen, daß er interessiert ist. Sogar beim Gericht weiß man, was es bedeutet, wenn Wangenheim die Hornbrille hochschiebt. Dann hat's ihn gepackt, und die Richter seufzen heimlich, weil er bann zäh wirb unb boshaft. Herbert sieht biese kleine vertraute Handbewe- gung mit heimlicher Freube. Sie ift ihm ein Zeichen, baß ber Iustizrat sofort hinter bem Besuch etwas Besonderes wittert, sie ist ihm auch zugleich wie ein Willkommensgruß jener Welt, der er den Rücken kehrte, und die er doch so liebt: die seiner Arbeit« (Fortsetzung folgt) 9J.-fpori Wieder Trockenschikurse des Gchcklubs Gießen. Der Schillub Gießen nimmt am Freitag der nächsten Woche wieder di« praktische Ausbildungs- arbeit für feine Mitglieder auf. Es werden wieder Trockenschikurse abgeyalten, die sich bisher in ihrer Auswirkung als sehr wertvoll erwiesen haben. Für die Anfänger sind diese Kurse von besonderem Nutzen, well dadurch die Erklärungen im Schnee und im Freien, wenn man laufen und nicht herumstehen will, vorweggenommen werden. Für die Fortgeschrittenen wird Schigymnastik gepflegt. Außerdem werden die Schiläufer, die schon längere Zeit laufen, mit der modernen Schilauftechnik vertraut gemacht. Die Trockenschikurse finden wieder in der Reichalle am Brandplatz statt. Abschießen im Gchühenverein Launsbach. In den vergangenen Wochen fand das Abfchie- ßen des Schützenvereins Launsbach bei guter Beteiligung statt. Geschossen wurden je fünf Schuß lie- genb, kniend und stehend frechändig. Die Leistungen der Iugendschützen waren besonders gut. Die Ergebnisse. Schützenkönig und 1. Sieger Rudolf Müller 161 Ringe; 2. Franz Dechchold 146 R.; 3. Albert Klinke! 136 R.; 4. Ernst Müller 134 R.; 5. Franz Mandler 130 R.; 6. Hans Hartmann 129 R.; 7. Willi Bitten- darf 125 R.; 8. Heinrich Müller 125 R.; 9. Otto Debus 125 R.; 10. Albert Müller 117 R. Ehrenpreise, Altschützen (liegend freihändig): 1. Franz Bechthold 36 R.; 2. Otto Debus 35 R.; 3. Franz Mandler 35 R.; 4. Heinrich Mül- ter 34 R.; 5. Rudolf Müller 34 R.; 6. Karl Becht- hold 34 R.; 7. Heinrich Bittendorf 33 R.; 8. Ernst Müller 33 R. Altschützen (stehend freihändig): 1. Franz Bechthold 32 R.; 2. Rudolf Müller 32 R.; 3. Heinrich Müller 29 R.; 4. Franz Mandler 28 R.; 5. Karl Bechthold 27 R. Jugend (liegend freihändig): 1. Willi Bittendorf 35 R.; 2. Heinrich Müller 35 R.; 3. Franz Mandler 34 R. Jugend (stehend freihändig): 1. Franz Mandler 31 R.; 2. Heinrich Müller 27 R. Fußball der Vezirkssiaffel Gießen. Nachdem die Vereine durch die Rückkehr der Soldaten chre größte Sorge um die Mannschaftsaufstellungen los geworden sind, wird man für die Folge bei den Spielen der Bezirksstaffel wieder ausgeglichenere Kämpfe erwarten dürfen. 1900 — Frohnhausen Steinberg — Bissenberg Ehringshausen — DfB.-R. Burg — Wetzlar Sinn — Naunheim Zu welcher Leistung die Dränier fähig sind, haben sie am Sonntag in Burg bewiesen, und da von jetzt ab den Frohnhäusern wieder alle Mannen zur Verfügung stehen, muß die Spielvereinigung 1900 recht aufmerksam sein. Die Teutonen sind abermals Platzherren. Dies läßt gegen Bissenberg erneut einen Sieg erwarten. In Ehringshausen sollte es dem VfB.-R. nun doch möglich fein, die ersten Punkte zu erringen. Nachdem die Burger über die Frohnhöuser nicht Herr geworden sind, dürfte ihnen dies auch gegen Wetzlar nicht gelingen, da sich dieselben derzeit in allerbester Verfassung befinden. Sinn, das seinem Anhang die größte Enttäuschung bereitet, hat auch gegen Naunheim wenig Aussicht auf Erfolg, denn die Naunheimer haben in Bissenberg bewiesen, daß sie auch auswärts erfolgreich fein können. 1900 — Frohnhausen. Bei der Begegnung der Spielvereinigung 1900 gegen Frohnhausen ist man im Lager der Blau- weißen insofern zuversichtlich gestimmt, da man nach langer Zeit wieder einmal auf den größten Stand der Ligaspieler zurückgreifen kann. Und gerade im Spiel gegen Fronhaufen ist dies von größter Wichtigkeit. Gehören doch die Dränier zu lenen , Mannschaften, mit denen die Blauweißen spielerisch die meisten Schwierigkeiten haben, da sich auf deren Svielanlaqe nur schwer einzustellen ist. Mit der Mannschaft Herbst, Zeiler, Lippert, Pankot, Ren* sing, Koch, Schellhaas, Krömer, Hormel, Sack, Kociok hofft man jedoch den bis jetzt erfolgreichen Beginn fortzusetzen. 1900 II — Frohnhausen IL Die Reserve der Blauweißen hat ebenfalls den Vorteil, mit kompletter Mannschaft anzutreten. Hierdurch dürften sich für die Gäste wenig Erfolgsmöglichkeiten eröffnen. Teutonia I — Bissenberg L Am Sonntag trägt die Teutonen-Mannschaft wiederum ein Heimspjel aus. Bis jetzt konnte sich die Mannschaft in den Punktenkämpfen immer er- folgreich durchsetzen und mit 8:0 Punkten die Tabellenführung behaupten. Man sollte annehmen, daß die Teutonen in der Lage wären, diese Führung morgen weiter auszubauen. Auf keinen Fall dürfen sie jedoch den Gegner unterschätzen. In den bisher ausgetragenen Spielen siegten nur einmal die Stemberger, und di« Gäste werden auch morgen wieder alles daransetzen, um ehrenvoll ahzuschnei- den. Die Mannschaft spielt einen vollkommen auf Erfolg eingestellten Fußball. Also ist äußerste Dor-, sicht am Platze, wenn die Teutonen ihren zahlreichen Anhängern nicht eine Ueberraschung bieten wollen. Die Mannschaft fpielt wiederum in stärkster Aufstellung. Hoffentlich ist das Verständnis unter- einander wieder bester, wie am letzten Sonntag. Mit einem Sieg der Gastgeber ist zu rechnen, wenn er auch wohl hart erkämpft werden muß. Teutonia II — Bissenberg IL Die Gegner sind sich unbekannt; di« Teutonen werden aber sicherlich alles aufbieten, um zusammen mit der ersten Mannschaft die Tabellenspitze weiterhin zu behaupten. Ehringshausen I — DsB.-Beichsbahn L Das vierte Pflichtspiel führt die I. Mannschaft des VfB.-Reichsbahn nach Ehringshausen. Noch stehen die Grünweißen am Schwanz der Tabelle, aber morgen kann die Mannschaft wieder vollzählig antreten und damit ist wieder Hoffnung vorhanden. Die Gastgeber haben bis jetzt ebenfalls sehr schlecht abgeschnitten und werden versuchen, wenigstens dieses Spiel für sich zu entscheiden. Nach den am Sonntag gezeigten Leistungen sollten die Grün- Weißen dieses Mal zum ersten Punktsieg kommen. Ehringshausen II — VfB.-Reichsbahn II. Im Spiel der Reserven dürften wohl die Grün- Weißen die größeren Siegesaussichten haben, da die Mannschaft wieder in stärkster Besetzung antritt Oie Spiele in ten Preisklassen. L Kreisklasse. Wieseck — Lollar. Wißmar — Großen-Buseck. Rüdd-ingshausen — Heuchelheim. Rddheim — Klein-Linden. Hungen — Großen-Linden. Lich — Garbenteich. Steinbach — Lollar II. Leihgestern — SA.-Kampfgemeinschast. II. Kreisklasse. Geilshausen — Grünberg. Flensungen — Oueckborn. Saasen — Ettingshausen. Krofdorf — Heuchelheim II. Staufenberg — Grüningen. SA. II. — Treis. Londorf — Großen-Linden. Erstmalig spielen alle Mannschaften der I. Kreisklaste, die Spiele versprechen guten Sport und spannende Kämpfe. Wieseck erwartet Lollar und dürste selbst bei größter Aufopferung nicht um eine Nieder- läge herumkommen. Die Wißmarer werden den Großen-Bißeckern kaum Punkte abnehmen können. Heuchelheim reist nach Rüddingshausen und wird sich sehr strecken müsten, sonst wäre es leicht möglich, daß die Platzherren das bestere Ende für sich behielten. Großen-Linden fährt nach Hungen. Wenn auch di« Platzherren einen Sieg gegen Lich erzielen konnten, so dürsten diesmal doch die Gäste die Punkte mit nach Hause nehmen. Zwei gleichwertige Gegner stehen sich in Rodheim gegenüber. Bei dem Lokalkampf in Lich gibt man den Gästen auf Grund der gezeigten Leistungen ein Plus. Lollars Reserve trägt das erste Spiel in Steinbach aus. Da man nicht weiß, wie stark Lollar antritt, ist über den Ausgang des Spieles nichts zu sagen. Leihgestern erwartet die SA. und sollte sicherer Sieger werden. (Brünberg fährt nach Geilshausen. Die Gäste haben !die größeren Siegesaussichten. Flensungen hat wie- | der die Spieler, die lange gefehlt haben, und sollte das Spiel für sich entscheiden können. Ettingshausen | spielt in Saasen, die Platzherren werden sich vor- ! sehen müssen. Krofdorf empfängt Heuchelheims Re- 1 ferne und dürfte voraussichtlich den Kampf gewin- I nen. Dffen ist das Spiel in Staufenberg, wo Grüningen anzutreten hat. Die Reserve der SA. sollte stark genug sein, den Gästen aus Treis das Nachsehen zu geben. Schwer wird der Gang, den die Reserve von Großen-Linden geht, denn in Londorf । ist schwer zu gewinnen. SandbaMmpse des Sonntags. Es ist zu erwarten, daß nunmehr auch die Spiele der Staffel IV der Bezirksklasse mehr als seither Dorroärtsgetrieben werden können, nachdem inzwischen alle Mannschaften vollzählig sind. Die Mannschaften müssen nun erst einmal Proben ihres Könnens ablegen. Ganz iim Gegensatz dazu hat sich in der Staffel V bereits eine Spitzengruppe gebildet, die von dem Neuling Tv. Kätzenfurt angeführt wird. Diese Spitzengruppe, der ferner Tv. Lützellinden und Tv. Hörnsheim angehören, dürste die Sache unter sich ab machen. vezlrksklasse. MTV. I — To. Heuchelheim L Am morgigen Sonntag steht den Handballfreunden auf dem Sportplatz des Männerturnvereins ein spannendes Spiel bevor. Zwei alte Kämpen treffen sich zum Punktspiel. Beide Mannschaften werden versuchen, in ihrer stärksten Besetzung an- zutreten. Der MTV. stützt sich auf feine bewährten Spieler, zu denen noch einige junge Kräfte hinzu- genommen werden, um der Mannschaft etwas mehr Schwung zu verleihen. Es spielen: Strack; Krausch, Seipp; Pfeiffer, Menges, Singel; Mehler, Döpfer, Wagner, Brenner, Winter. Ersatz: Lübke, Klein, Weigand. Strack im Tor verfügt über ein solides Können, das schon oft seine Mannschaft vor einer Niederlage bewahrte. In der Verteidiguna ist man ebenfalls auf beste gerüstet. In Menges dürste wahrscheinlich endlich der Mittelläufer gefunden sein, der neben Ausdauer und Härte die nötige Uebersicht über bas Spiel behält und den Sturm richtig einzusetzen vermag. Die beiden Außenläufer Bingel und Pfeiffer werden wohl schwer zu überwinden sein. Im Sturm stehen fünf Spieler, die alle über einen gesunden Schuß und den nötigen Drang zum Tor verfügen. Es bleibt abzuwarten, ob sich der Sturm zu einer schönen Zusammenarbeit findet, bei der vor allem die Außenstürmer eingesetzt werden müßen. So darf man auf das Abschneiden gegen die Heuchelheimer, die mit ihrer stärksten Besetzung kommen werden, gespannt sein.. Diesem Treffen geht ein Spiel der 2. Mannschaft des MTV. gegen Krofdorf voraus. Der MTV. hat eine kampfkräftige Mannschaft zur Stelle, die den eifrigen Krofdorfern hart zusetzen wird. Luftwaffensportverein Gießen gegen Spielvgg. 1900 Gießen: Das Heuchelheimer Spiel am Sonntag, das die Flieger eindeutig gewinnen konnten, läßt ohne weiteres den Schluß zu, daß die Mannschaft berufen ist, mit tn di« Entscheidung einzugreifen. Daran wird sicherlich auch 1900, über dessen endgültige Zusammensetzung noch nichts bekannt ist, nichts ändern. MSV. „Barbara" Gießen — 1860 Marburg: Der Marburger Mannschatt geht ein guter Ruf voraus. Sie bat stets, vor allen den Gießener Vereinen, schwere Spiele geliefert und>manchen Sieg mit nach Hause genommen. Man muß deshalb auch diesmal mit ihr rechnen. Wie allerdings die Ar- ttlleristen mit ihr fertig werden, bleibt abzuwarten. Tv. Lützellinden — Tv. Garbenheim: Wenn sich auch Garbenheim alle Mühe gelten wird, das Spiel einigermaßen ausgeglichen zu gestalten, so glauben wir doch kaum, daß es zu einem Sieg reichen wird. Allerdings muß Lützellinden auf paffen und entgegen seiner letzten Leistung schon von vom- herein Wert auf die Entscheidung legen. Tuspo W. -Niedergirmes — Tv. Horns- heim; To. Münchholzhausen — Tv. Wetzlar : Wenn auch Niedergirmes auf eigenem Platz schwer zu schlagen ist, so muß man trotzdem mit einem knappen Sieg der Gäste rechnen. Wenn auch Wetzlar diesmal verstärkt antreten sollte, so ist trotz- dem mit einer Niederlage zu rechnen, weil Münchholzhausen komplett zweifellos eine gute Partie liefern wird. 1. fireisflaffe. Tv. Atzbach — Tv. Grüningen: Die Grü- ninger wollen natürlich auch dieses Treffen geroin» nen, nachdem sie bereits einen sehr guten Start hatten. Atzbach, das letztmalig auf seine alle Mannschaft zurückgreifen kann, wird allerdings ebenfalls auf der Hut fein und nichts unversucht lassen, um als Sieger hervorzugehen. Tv. Nauborn — Tv. Holzheim: Selbst wenn Holzheim die Form des Dorsonntags nicht er« ISteinljaqer- s ■Urquell Jlfe würzig mild - mit dem bekannten Schinkenbild ! reichen sollte, wird Nauborn verlieren, nachdem dir Mannschaft erst ant letzten Sonntag bewiesen hat, wie schwach sie im Gegensatz zu den anderen Vereinen ist. Tv. Dillenburg — Tv. Dutenhofen: Es ist zwar schwer, in Dillenburg zu gewinnen. Trotzdem schätzt man Dutenhofen einen Sieg zu, nachdem sich die Mannschaft erst im letzten Spiel so überzeugend geschlagen hat. 2. Lreisklasse. Mtv. Gi e ßen II — To. Krofdorf Luftwaffe II — Tv. Li ch DfB.-R. Gießen — Tv. Londorf Tv. Hochelheim — Tv. Lützellinden II Krofdorf hat seine Feuertaufe gegen die Luftwaffe bestanden und geht mit guten Aussichten in den Kampf. — Die Flieger können, das hat sich her- ausgestellt, eine so gute zweite Garnitur stellen, daß es keine Schande ist, wenn die eifrigen Sicher eine Niederlage einstecken müssen. — Der DfB.-R. wird auch auf eigenem Platz schwer zu kämvfen haben, um gegen die bekannte Elf des Dv. Londorf zu bestehen. — Hochelheim sollte keine Mühe haben, die Reserve des Tv. Lützellinden niederzuringen. Kurze Sportnotizen. Unsere Eislaufmeister Herber-Baier werden bei der Eröffnungsveranstaltung des Berliner Eisstadions Friedrichshain am 3. November im Mittelpunkt des vielseitigen Programms stehen. Dom 4. bis 7. November bringt dann der Berliner Sportpalast eine viertägige Eissport-Veranstaltung unter Mitwirkung von Wiener Kunstläufern und Eishockeyspielern. Die Eishockey • Weltmeisterschaft 19 3 9 findet in der Schweiz statt. Geschichten ans aller Welt neben kleinen Privatwünschlein wie ■ daß Fred mich nicht untcrfrieaf!" Auch die Wünsche um fter im zweiten Stock in ein Auto, das gerade dar- wer, und ein anderer: „Ich wünsche, mein Porte- > vor dem Richter m Bordeaux ei unter stehen sollte, springen würde, ohne sich Scha- monnaie wieder zu finden mit 7 Pfund 12 Schil« zu sechs Wochen Haft verurteilte. Hunde retten rhrenHerrn auf derLöwenjagd C. K. Ä a p ft a b t. nach der Linken der Dame, mit der anderen nach der Rechten, und indem er einen Jiu-Jitsu-Griff anwandte, gelang es ihm, die aeheimnisvolle Reisende zu entwaftnen, aber in seiner Wut bra<6 er ihr dabei den Arm. Die Dame rief um Hilfe, zu erheben, die die Wetten nicht halten wollen. So wettete ein junger Mann, daß er aus einem Fen- und der Zugführer und eine Anzahl Reisende stürz« ' ' ’ Diese Dame, Herr Zugführer", fante kleine Momme leuchtete auf! Es war 1 zum Ziaarettenanzünden. Die Dam« niedergeworfenen Mannes stand, so, daß er von feinem Opfer abließ and wütend die beiden anderen Männer angriff. Aber in dem Augenblick, in dem der Farmer sich frei fühlte, griff er nach feinem Gewehr und feuerte. Diesmal versagte die Waffe nicht, und der Löwe brach tot zusammen. Amazonenschlacht im Schönheitssalon. AS. Neuyork. Mit dem Rufe „Hönde hoch, ihr Schönen!" und mit drohend vorgehaltenem Revolver drangen drei Banditen kurz vor Geschästsschluß in ein in der vornehmen 5. Avenue in Neuyork gelegenes Schönheitsinstitut ein, um sich der Kasse zu bemächttgen. Sie stießen jedoch bei der Ausführung ihres Handstreichs auf den unerwarteten Widerstand der zufällig anwesenden Kundinnen und der nur aus weiblichem Personal bestehenden Angestellten, die sich, mit Lockenscheren, Nagelfeilen und Cremetöpfen bewaffnet, löwenmutig auf die Eindringlinge warfen. Nach einem kurzen Handgemenge, an dem sich auch einige im Adamskostüm alis ihren Massier- fabtnen hervorstürzende Damen beteiligten, mußten die Banditen mit zerfetzten Kleidern und jämrner- lich zugerichtet, einen überstürzten Rückzug antreten. D?r einzige bei dem Ueberfall anwesende Vertreter des starken Geschlechts, der Direktor des Schonheitssolons, hatte sich als Angsthase benommen. Er hielt sich nämlich während des Handgemenges hinter feinem Ladentisch versteckt. der beiden waren Landleute, und sie waren ihre einzigen Söhne, sie hatten eine gleiche Schule durch- gemacht und hatten sehr ähnliche Berufe gewählt. Sie hatten sich am gleichen Tage verheiratet, und jeder hatte zwei Kinder, der eine allerdings zwei blühende Töchter, der andere zwei kräftige Knaben; sie rechneten schon damit, daß ihre Kinder untereinander heiraten und zwei schöne junge Paare bilden würden; denn der Avotheker hat ein beträchtliches Vermögen hinterlassen, während der Arzt in bescheidenen Verhältnissen gelebt hat. Spaziergang mit einem Sack voll Bienen. B. Reval. In Estland ist eine wahre Epidemie der Wett- wut ausgebrochen. Eine ist immer törichter als die andere, aber trotzdem werden diese Wetten so ernst genommen, daß sehr häufig Männer zum Gericht kommen, um Klage gegen Freunde ober Bekannte Doppelschicksal. B. Chikago. Türen, Decken vollgekritzelt, so daß man sich fragt, wie die Wünsche von weiteren vier Jahren hier noch Platz finden sollen. Ihre tiefste Sehnsucht vertraue n die Manschen diesen Mauern an. Da kann man die edelsten, selbstlosesten und umfassendsten ten herbei. . Wünsche lesen wie etwa „Frieden auf der Welt" Railleur, „hat mich zu morden versucht, um mich neben kleinen Privatwünschlein wie „Ich wünsche, zu beruhen, aber", fünfe er triumvhierend himu, daß Fred mich nicht unterfrieat!" Sehr oft findet1 „man beraubt einen Railleur nicht so leicht." Emer man die Worte: „Glück und Gesundheit", ein flei- der Herren, die Herbeigeeilt waren, hatte inzwischen ner Schul'unge ab»r wünschte sich das G^aenteil den Revolver" aufgenommen, der bei dem Kampf von GesundHett. Er schrieb: ,Zch wünsche mir m Boden gefallen war, freit ihn dem taoferen Windpocken, wenn die Schule wieder anfängt!" Manne hin, brückte auf einen kleinen Knopf baran Auch bie Wünsche um Sieg im Fußball kehren unb - eine ---***n --- ziemlich häufig wieder, ebenso um eine Stelluna,' ein Feuerzeug besonders von Frauen für ihre Männer „Ich hatte sich g-’rat'e eine Zigarette g-mnmmen, als her wünsche mir, meine Familie wieder vereint zu Zua den Stoß erhielt, der Railleur so unsanft sehen!" ist ein Herzensaufschrei aus diesem Som», weckte ... Der allzuleicht erregte Herr aber mußte mer, unb ein anberer: „Ich wünsche, mein Porte» vor dem Richter in Bordeaux erscheinen, der ihn In Chikago starb infolge eines Autounfalls der Apotheker Armstrong. Am gleichen Tage, fast zu derselben Stunde geriet in dem ziemlich entfernten Littletown ein Arzt, Dr. Barry, unter einen Kraft- wagen unb würbe gleichfalls getötet. Beide hatten einen Schädelbruch baoongetragen. Diese Nachrichten, bie an sich kein außergewöhnliches Interesse zu bieten schienen, erregten bie höchste Aufmerksamkeit burch eine Reihe von besonderen Umständen. Dr. Barry und ber Apotheker Armstrong, bie mit- Wassertropfen. Sie hatten sich während des Krieges in einem Feldlazarett, in das sie geschickt worden waren, fennengetemt. Jeder der beiden erzähtte, daß er bei der ersten Begegnung die Empfindung gehabt habe, fein Spiegelbild vor sich zu sehen. Aus dieser ersten Begegnung entwickelte sich eine Freundschaft, die erst durch den Tod gelöst werden sollte. Als sie einander ihre Schicksale mitteilten, stellten sie fest, daß sie nicht nur körperlich einander rätselhaft ähnlich waren, daß sie auch auf den Millimeter genau gleich groß waren, sondern daß auch ihr Lebenslauf völlig gleichartig gewesen war. Beide waren am 28. September 1884 geboren. Die Väter den zu tun. Es gelang dem Mann in der Tat, bei seinem verwegenen Sprung in dem Kraftwagen zu landen, aber sein Gegner weigerte sich doch, bie vereinbarte Summe zu zahlen, da er behauptete, daß ber Spinger sich eine Schramme an einer Hanb zugezogen hätte. Nun soll das Gericht entscheiden, ob dadurch die Bedingungen der Wette nicht erfüllt waren. Ein Arbeiter aing eine Wette ein, daß er im Ablauf von zwei Stunden.oier Kilogramm Brot essen konnte, aber als er drei Kilogramm verschlungen hatte, mußte er ins Krankenhaus geschafft werden. Schließlich wettete ein Mann, er könne fünf Kilometer zu Fuß zurückleaen, während er einen Sack voll Bienen auf der Schulter trüge. Er hat die Wette sogar gewonnen, aber er hat bann geschworen, sich nie wieder auf ähnliche Wetten einzulassen, well er von den Stichen der Bienen in einen erbarmungswürdigen Zustand versetzt worden war. Der Turm der Wünsche. B. London. In dem englischen Seebad Eastbourne steht ein alter Wach türm, von dem die abergläubische lieber- lieferung behauptet, daß er die magische Kraft besitze, Wünsche, die an seine Mauern geschrieben werden, in Erfüllung gehen zu lassen. Das Vertrauen in die Macht des Turmes scheint groß zu sein und scheint im Laufe der Zeit eher noch zu wachsen als abzunehmen. In der Regel werden uQe fünf Jahre die Wünsch? abgewaschen, aber alsbald bedecken die Mauern sich mit neuen Wünschen. Ende vorigen Jahres wurden die Mauern zum letzten Male gesäubert, dieses Jahr aber brachte einen Rekord an Wünschen. Schon sind Wände, lingen darin!" Ein Student wünscht sich, sein Examen zu bestehen, ein junges Mädchen, Schmispiele» rin zu werden, ein anderes „Robert wieder zu sehen." Und so geht es weiter, der alte Turm wird zum Zeugen der tiefften Herzensregungen. Rechtfertigt er dieses Vertrauen? Die Aussichtsbeamten erzählen, daß oft Besucher wiederkomNien. um dankbar zu berichten, baß ber Wunsch in Erfüllung gegangen ist! Nächtliches Abenteuer im Schnellzug. B. C. K. Bordeaux. In einem Abteil 1. Klasse des Schnellzuges Paris —Bordeaux saß vor einigen Tagen ein Herr, M. Railleur, und las einen Detektivroman, in dem ein Raubüberfall in einem Zuge mit allen Einzelheiten geschildert wurde. Der Eindruck war so grausig, daß der Reisende ein starkes Angstgefühl bekam, zumal er selbst auch eine große Summe Geldes bei sich hatte. In einer Station kam eine sehr schöne Dame in den Zug und in sein Abteil, aber M. Railleur war durchaus nicht entzückt, sie erschien ihm zu schön, zu gut gekteidet und auch aus ihren blanken Augen glaubte er zu lesen, daß sie keineswegs ungefährlich war. Inzwischen war es tiefe Nacht geworden, und chn überfiel eine große Müdigkeit, so daß er trotz aller Aengste ein- schlief. Plötzlich gab es eine Erschütterung im Zuge, Railleur fuhr jäh aus dem Schlafe, riß die Augen aus und sah die schöne Fremde vor sich, die den Blick fest auf ihn gerichtet hatte und einen winzigen Revolver in der Hand hielt. Mit einem Sprung war er auf den Beinen, griff mit ber einen Hand Die tapferen Hunde eines Farmers in Pieters- burg in Transvaal retteten ihren Herrn davor, von einem verwundeten, durch den Schmerz rasend gemachten Löwen zerrißen zu werden. Der verwundete Löwe hatte in einem Busch Zuflucht gesucht, und der Farmer benutzte seine Hunde, um chn von dorcher aufzujagen. In Bealettung des Farmers befanden sich noch ein Magistratsbeamter und ein Arzt aus Johannisburg, aber beide unbewaffnet. Der von den Hunden aufgeftöberte Lowe stürzte ÖUllv ullu uct -....... aus dem Busch und griff die Männer an. Der Far- einander befreundet waren, ähnelten sich wie zwei mer riß fein Gewehr hoch und drückte ab, aber das — " ■ •---*•—v Gewehr versagte. Während er verzweifelt an dem Hahn rüttelte, um ihn frei zu bekommen, stürzte ber Löwe sich auf ihn unb warf ihn zu Boben. Der unglückliche Mann gab sich schon verloren, boch er hatte nicht mit seinen Hunben gerechnet. Diese reizten den Löwen, der aufrecht über dem Körper des ben tem den. ben vie. 'Qte len or- >in- Itu. »Ute ad), die dvrf ns. eh. Platz l mit i auch k°tz. tünch, e lie. Trü. !WIN» lhat. llann' ittfofll n. um am töt m hat, - n Der. n:ES Trotz. nach. )iel sa en ll. iWit in den ich her« stellen, i Licher » MH. änwfen 'onborf hüben, M- Baler ?s Der- ivember > stehen. Berliner lstaltung em und schalt , in nlspiele« eder A m wird l Recht. (beamten ien, um rfiillunS M» au$. es Paris m Herr, richte ein* imM' ne Wn di-?-" Sprung en Nationen. Eines Tages mirb er mit einem Manne bekannt, der ihm die Leitung einer Plantage in Indien anvertraut, tief im Urwald. Frank ist der einzige Weiße unter Javanern, Chinesen und Mischlingen. Ein paar Jahre lang führt er fern jeder Zivilisation ein gefahrvolles Leben, bis ihn das Tropenfieber packt, und er alles im Stich lassen muß. Frank kehrt nach Deutschland zurück und fängt von vorne an. — Elly Schmidt-Graubner: DieNeu -- der in. Passion einer Rebellin. Gestaltet nach zeitgenössischen Berichten, Briefen und Urkunden. Mit einer faksimilierten Originalbriefseite und Wiedergaben zeitgenössilcber Theaterzettel. Kartoniert 3,80, Ganzleinen 5,20 RM. Verlag Otto Janke, Leipzig. — (330) — Das von Leidenschaft, Liebe und Hingabe an ein großes künstlerisches Ziel erfüllte Leben der ersten großen Komödiantin, der Neube- Wirtschaft Neues für den Büchertifch des be- nahezu geschästslosen Börientage unverkennbar war, erfuhr jedoch eine leichte Vertiefung. Neben den in reicher Zahl vorliegenden günstigen Nachrichten aus der Wirtschaft verwies man auch auf die Ausführungen des französischen Ministerpräsidenten in Marseille. Der Aktienmarkt eröffnete auf fast allen Gebieten mit etwa 0,50 bis 0,75 höheren Kursen. Eine Sonderbewegung vollzog sich in Schiffahrts- aktien, von denen zunächst Nordd. Lloyd 5 v. H. hoher zur Notiz gelangten mit 79. Auch für ver- ' • * ^'■n***z v u 1 quiu^c u ui, war vom Vater wie von der Mutter her auf ihn überkommen: beide ließen deshalb dem Kinde auch von klein auf die liebevollste Förderung angedeihen. Das Verständnis, das er daheim für seine ersten Pläne und Entscheidungen fand, trug wesentlich mit dazu bei, aus ihm den aufrechten, seiner selbst sicheren Menschen und Künstler zu machen, als der er im Gedächtnis der Nachwelt fortlebt. Und'wohl mit zur schönsten Einsicht der Eltern gehört es, seiner geraden und unverdorbenen Art ihr Recht zu lassen. Auf diesem Boden wuchs und reiste sein Künstlertum. — Erna Brand: „Max Reger im Elternhaus." Geb. 2.80 Mark. Verlag Albert Lan- gen-Georg Müller, München. — (304) — Als einer der Großen der deutschen Musik wird Max Reger, der allzu früh dahinschied, immer in unserem Volke lebendig sein. Auf Grund von Aufzeichnungen, Berichten und Anekdoten verschiedenster Art zeichnet Erna Brand ein klares und eindrucksvolles Bild Basis möglich sein wird, die neue Großanleihe Reiches zu einem vollen Erfolg zu bringen. Rhein -Mainifche Vörse. ANtlagsbörse freundlich. — Georg Schönauer: „Als Tramp und Farmer in USA." Fünf Jahre kreuz und quer durch die Staaten. — Frank Beu: ,.A ben- teuer eines Ausreißers". Alle Maschinen klar! Mein Urwaldparadies! (Jeder Band mit vielen Bildern kartoniert 2 RM., in Ganzleinen 2,85 RM.) Deutscher Verlag, Berlin. — (312—313) — Jahr für Jahr verließen Tausende die alte Heimat, um drüben ihr Gluck zu machen; Georg Schönauer war einer von ihnen. Als er zum erstenmab Manhattan erblickte, gab es noch keine „Krise" im Dollarparadies. Wer tüchtig war, fand Arbeit und verdiente gut. Aber die fetten Jahre gingen bald zu Ende. Das Gespenst der Arbeitslosigkeit wanderte durch Fabriken und Kontore. Der junge Schönauer stand eines Tages ohne Stellung auf der Straße. Er packte an, was sich bot, wurde Tellerwäscher, Kellner, Chauffeur, Jndustrievertreter. Und dann probierte er das wagehalsige Kunststück: auf fahrende Züge aufmspringen und im Gestänge der Wagen, auf der Plattform von Lokomotiven stundenlang, tagelang durch die Staaten zu reisen. Kreuz und quer ging die Reise bald nach dem Süden, wo ihm eine Stellung als Gärtner winkte, bald an die pazifische Küste, wo eine Farm ihn als Rinderhirten beschäftigte, bald nach dem Westen und dann wieder nach Norden, in die Millionenstadt Chikaoo. — F r a n k B e u , der „Ausreißer", steht hinter Schönauer nicht zurück. Die Entschlossenheit des jungen Frank, der von zu Hause durchbrennt und Lehrling auf einer Werft in Irland wird, zeigt, was in dem Jungen steckt. Nach der Lehrzeit geht er zur See; als Maschinenassistent fährt er auf Schiffen vieler höher mit 77,50, ferner gewannen Berger, AG. für Verkehr je 2 vH. und Bemberg 1,50 v. H. IG.- Farben leicht schwankend mit 152,75 bis 153 nach 153,13, weiter erhöht Schuckcrt auf 180 nach 179,50, Hoesch auf 120,25 nach 120, Mannesmann auf 113,90 nach 113,25, Rheinmetall auf 137 nach 136,50. Für Bankaktien verblieb weitere Nachfrage, Dresdner Bank jedoch unverändert 113,75. Der Freiverkehr lag ruhiger und wenig verändert. Höher Growag mit 79 bis 81 (77) und Rastatter Waggon mit 47 bis 49 (47 bis 48). Elsässische Wolle zunächst 95,50 bis 96, später 94,65 bis 95,65. Tagesgeld unverändert 2,25 v. H. standen AEG. mit 122,40 (121)' auf die Mitteilungen über den Geschäftsverlauf im Mittelpunkt, doch lagen auch die übrigen Werte etwas angeregter und fester. Von Chemiepapieren notierten vorerst nur ZG.-Farben mit 153,13 (152,75). Lebhafter gingen Westdeutsche Kaufhof mit 105 bis 105,50 (103,25) aus dem Verkehr. Im Gegensatz zur Allgemeintendenz gingen Zellstoffaktien bis 1,25 v. H. zurück, Aschaffenburger 119,50, Feldmühle 128,25. Sn Renten blieben die Umsätze nach wie vor bescheiden. Auch Kursabweichungen von Belang traten kaum ein. Lediglich Kommunal-Obligationen der Preuß. Centralboden und der Preuß. 23oben= Credit wurden um 0,50 v. H. zurückgenommen. Li-- quidationspfandbriese waren teilweise etwas fester, auch Stadtanleihen gewannen vereinzelt 0,13 bis 0,25 v. H. Industrie-Obligationen wichen kaum ab. Von den variablen Papieren Reichsaltbesitz unv. 130,50, Reichsbahn-VA. unv. 125,75, im Freiverkehr Kommunal-Umscduldung 5 Pf. höher mit 93,80 und Wiederaufbauzuschläge 0,25 v. H. fester mit 82,25. Abendbörfe gut behauptet. Sm Abendbörfenverkehr entwickelte sich nur kleines Geschäft, das im wesentlichen den Schiffahrts- und Kolonialwerten zufiel. Hapag befestigten sich auf 78 (77,50), Nordd. Lloyd auf 80 (79) und Otavi Minen zogen auf 30,13 (29) Mark per Stück an. Auf ben übrigen Marktgebieten zeigten die Kurse gegenüber dem Mittagsschlußstand nur wenig Veränderung, bei weiterhin zuversichtlicher Grundtendenz überwogen leichte Erhöhungen. SG. Farben 153,25 (153), Demag 150,50 (150,25), MAN. 143,90 (143,50), Schuckert 180,50 (180), Deutsch? Linoleum 160 (159,50). Montanpapiere lagen gut behauptet, Buderus 113,25, Mannesmann 113,75, Hoesch 120,13, Verein. Stahl 111,25, Deutsche Erdöl 131,65. Don Elektrowerten wurden AEG. nur per Kasse mit 122 (122,40), Gesfürel mit unverändert 140 und RWE. mit unverändert 123,50 notiert. Neben den Bankaktien lagen unverändert Westdeutsche Kaufhof mit 103,40, Scheideanstalt mit 208,50, Rheinmetall mit 137, Sunghans mit 103,75, ferner am Einheitsmarkt Aschaffenburger Buntpapier mit 95,50 und Schristg. Stempel mit 99. Van Renten gingen Rhein. Hyp. KO. mit unverändert 100, 5 v. H. Mühlheimer Berg mit 101,10, (101) und 6 v. H. SG. Farben mit unverändert 121,75 um. Sm weiteren Verlaufe waren die Umsätze sehr klein. Die feste Grundtendenz konnte sich aber erhalten, ebenso die erzielten Kursbesserungen, wie überhaupt vorwiegend Nachfrage bestand. Die später notierten Werte zogen durchschnittlich 0,50 bis 1 v. H. an, Hapag nur zum Einheitskurs 6,25 v. H. schiedene Kolonialwerte erhielt sich Nachftage. Im rlncn mui?en Montanwerte bei durchschmtt- lifl) 0,50 v. H. höheren Kursen bevorzugt, lebhafter waren vor allem Verein. Stahl mit 110,50 bis 111 und Hoesch mit 120 nach unv. 119,50. Ma- roaren durch das Rechnungswert von MAN-anaereat und zogen bis 1 v. H. an, Eßlinger "Ä Me jedoch 111 (111,75). Am Elektromarkt! E n bewegter Quartals-Mim». Der Reichsbankausweis Aum 30. September ließ mit einer Erhöhung der Ausleihungen um rund Vt Milliarde Mark gegenüber Ende August bereits erkennen, daß der September-UUima an den deutschen Kreditapparat außerordentliche Ansprüche gestellt hatte, die sich durch das Zusammenfallen der üblichen Anspannung zum Quartalsende mit der sudetendeutschen Krise erklären. Sn den jetzt vorliegenden September-Bilanzen der Banken fällt demgegenüber zunächst auf, daß sich die Jnbossa- mentsverpflichtungen der Kreditinstitute nur unbedeutend — insgesamt um 78 Millionen Mark — erhöht haben. Das erklärt sich aber dadurch, daß die Banken ihren Ultimobedarf aus den auslaufenden Wechseln finanzieren konnten; denn der Wechselbestand der Kreditinstitute zeigt insgesamt sogar einen ungewöhnlich starken Rückgang um 1015 Millionen Mark, also fast um eine kleine Reichsanleihe. Dieser scharfe Rückgriff auf das Wechselportefeuille ergab sich einmal aus den beträchtlichen Kredit- und Zahlungsansprüchen, die von den Banken an diesem bewegten Quartals-Ultimo zu befriedigen waren. Die Ausleihungen an die Wirtschaft erhöhten sich um die Rekordziffer von 201 Millionen Mark. Wenn daneben der Schatzanweisungsbestand der Kreditinstitute einen Zuwachs von 253 Millionen Mark zeigt, obwohl die Anlage in Schatzanweksungen für die Banken weniger rentabel ist als die Wechselanlage, so hängt das mit der weiteren Ausgabe von „Lieferschätzen", die die Banken ihrer Kundschaft bereitwillig abnahmen, zusammen. Wie üblich, mußten die Banken auch ihre Kassenhaltung für den Ultimobedarf verstärken, und außerdem waren im Zusammenhang mit dem Zinstermin nicht weniger als 125 Millionen Mark in fälligen Zinsscheipen gebunden. Diese vielfältigen Leistungen des Kreditapparats geben aber noch keine volle Erklärung für den beträchtlichen Abbau des Wechselportefeuilles und für die gleichzeitig festzustellende Verminderung der Wertpapierbestände um insgesamt 69 Millibnen Mark. Hierfür war vielmehr außerdem noch maß- gebenb, daß sich das Einlagevolumen der Banken im September leicht verminderte. Das gilt zwar nicht für die Groß- und Regionalbanken, die den Bestand ihrer Kreditoren gut behaupten konnten, sondern in erster Linie für die Spezialbanken und die dem GeDausgleich dienenden Spitzeninstitute. So verminderten sich die Einlagen bei den Svezial- banken um rund 30 Millionen Mark, bei den Staatsbanken um 89 Mill. Mark und bei den regionalen Girozentralen infolge der Abrufe der Sparkassen um rund 300 Millionen Mark. Die Tatsache, daß es trotz dieser rückläufiaen Einlageziffem den Banken möglich war, alle Ansprüche, die die Wirtschaft in diesen spannunqsreichen Septemberwochen stellte, voll und reibungslos zu befriedigen, ist ein erneuter Beweis für die Elastizität des deutschen Banken apparates. Inzwischen ist die vorübergehende Kontraktion der Bankbilanzen längst einem erneuten Einlagenzustrom gewichen, so daß heute die volle Leistungsfähigkeit des deutschen Kreditsystems auch für die neuen Ansprüche, die die Einbeziehung des Sudetenlandes stellt, gewährleistet ist. Es steht so außer Zweifel, daß es Den Kreditinstituten auf dieser Frankfurt a. M., 28. Okt. Das Geschäft wegte sich zwar weiterhin in engen Grenzen, da es im wesentlichen vom Berufshandel getragen wurde, während Kaufaufträge der Kundschaft nur in eini» gen bevorzugten Papieren Vorlagen. Die zuversichtliche Grundstimmung, die auch nährend der letzten 7- Dr. Paul Danzer: Der Wille zum seiner ersten Lebensjahre und seiner schon früh- der Reihe „Politische Biologie". Kart, zeitig einsetzenden musikalischen Entwicklung. Die fr. Amanns Verlag, München. — starke Begabung, die bei Mar Reger zutage trat, (289) — Es ist eine Frage der Gesinnung, ob man ----- ' ' ' aus (scheinbarer) „Klugheit" als Hagestolz ober in Kameradschaftsehe seine Sahre bahinlebt ober ob man mutig bie naturgegebenen Verpflichtungen bes Lebens auf sich nimmt und feinem Dasein' Snhalt und Zweck durch eine Schar gesunder Kinder gibt. Der Verfasser stellt eine klare Rechnung auf, die sowohl die ethischen, als auch die materiellen Gesichtspunkte berücksichtigt. Dem eigenbrödlerischen Junggesellen, dem vergnügungssüchtigen Ehepaar, bem Gewissenhaften, Äengstlichen, dem Vordenk- lichen wird hier der Wille zum Kind mit schlagenden Beweisgründen nahegelegt. — Kinderlieder im Tages-- und Iähre s l au f. Volkslieder für Kinder aller Altersstufen in Haus, Schule und Heim. Im Auftrage des Peftalozzi-Fröbelhauses I herausgegeben von Hella Augusta Fehlbehr. Gebunden 3,60 Mark. Verlag van B. G. Teubner in Leipzig. — (277) — Ein Buch, das dazu beitragen will, das Leben unserer Kinder mit Musik zu erfüllen. In ihm sind Lieber für alle Altersstufen zusammengefaßt worden. So enthält es reiches Liedgut, Um auch den Größeren die Freude des Kleinkindes am Singen zu erhalten. Manches Bekannte wurde fortgelaffen, um möglichst vielseitige neue Anregungen bieten zu können. Musikalisch und sprachlich wertvoll sollte das Büchlein sein und dazu vor allem der Phantasie des Kindes entsprechen und sie beleben. Der erste Teil — für das Kleinkind — bringt Wiegen- und' Kofelieder, Ansingelieber, Spiellieder. Für das größere Kind enthält der zweite Teil „Tages- und Jahreslauf" (u. a. auch Fahnen- und Tischlieber), „Lanb unb Stadt", „Spiel und Reigen", „Scherz und Tanz". Hier stehen neben uraltem Volksgut auch ganz neue Lieder, die in ihrer Melodik Ausdruck unserer Zeit sind. RUHL Seilersweg Nr. 67 ■ 3diO Telephon Nr. 3170 I eparaturen | rin, zieht vor bem Hintergründe der Zeit August des Starken an uns vorüber. Eine harte Jugend unter einem barbarischen Vater, ein Fluchtversuch als Fünfzehnjährige mit dem übelbeleumdeten stuck, jur. Gottfried Zorn erscheinen als schicksalweisendes Vorspiel. Eine zweite Flucht mit dem leidenschaftlich für die Welt des Theaters entbrannten jungen Studiosus Ne über bildet den Anfang ihrer dramatischen' Schicksale und Abenteuer als Vorkämpferin für eine neue deutsche Schaubühne. Mit Zähigkeit und Entschlossenheit arbeitet sie sich als Schauspielerin hoch, überwindet sie eine Welt von Widrigkeiten, sammelt selbst eine „Bande" um sich, der sie geistige Führerin unb Mutter zugleich wird. — Dis Wagen rollen! Hamburg, Braunschweig, Merseburg, Hannover, Petersburg, Wien sind, mit Leipzig als Mittelpunkt und Standquartier, die Stationen; Erfolg unb Mißerfolg, Kabale unb Liebe ihre ständigen Begleiter. Zwischen' den Gegenspielern Gottsched und dem Hofpoeten Ulrich von König kämpft sie nach zwei Fronten um ihr Dasein als Frau, Künstlerin unb Vorkämpferin für bie deutsche Schaubühne. Ihre Zeit, mit ihrer in Brokat und Spitzen gehüllten Grandezza, mit ihrer Frivolität unb hausbackenen Gelahrtheit, wirb ihr Schicksal. In einem Bauernhaus bei Dresden beschließt sie, von Gott und der Welt vergessen und verlassen, ihr schönes, wildes und grausames Leben. Rundfunkprogramm Sonntag, 30. Oktober. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Römisch-katholische Morgenfeier. 8.45: Kleines Morgenkonzert. 9: Werk- feier anläßlich der Reichstheatertage der Hitler-Jugend. 9.30: Deutsche Meister. Musik für Klavier zu 4 Händen. 10.15: Um den Glauben der Jugend. 10.3£: Chorgesang. 11: Dichter unserer Zeit: Richard Euringer liest aus seinem neuen Roman: „Vortrupp Pascha". 11.15: Uns alle bindet ein heiliges Band. 12: Musik am Mittag. 13: Platzkonzert. 14: Für unsere Kinder: .Kasperle als Kapellmeister". 14.30: Uns gehört der Sonntag! Ein Reigen sorgloser Melodien. 15.30: „Ich hab' gebauet nach meinem Sinn". Hessische Hausinschriften. Eine heimatliche Hörfolge. 16: Nachmittagskonzert. 18: Aus Kreuznach an der Nahe: Tanz, Spiel und Musik. 18.30: Klingendes Mosaik. 19.30: Sportspiegel des Sonntags. 20: Nachrichten. 20.10: „Carmen", Oper in 4 Akten. In der Pause: Nachrichten. 23.25: Tanz und Unterhaltung. 24 bis 2: Nachtkonzert, Haydn- Zyklus I. Ittonfag, 31. Oktober. 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.40: Kleine Ratschläge für den Garten und die Zimmerpflanzen. 10: Schulfunk: Kinder- lieberfingen. 11.45: Ruf ins Land. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Tonfilm im Hause. 15: Für unsere Kinder. 16: Nachmittaqskonzert: Frohe Weisen. Einlage 17 bis 17.10: Am Kartoffelfeuer. Von Heinrich Ruland. 18: In einem Vorarlberger Heimatmuseum. 18.15: lieber Kimme und Korn. 18.30: Olympia- tanb 1940 — Finnische Reise bis zum Polarmeer. Ein Funkboaen von Dr. Paul Laven. 19.15: Tages« fpiegel 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 20.15: Stuttgart spielt auf. 22: Nachrichten. 22.15: Kamerad wo bist du? 22.30: Nacht- und Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert. kommt durch die Welt S llllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllHIIIIHIHIIIIIIIIIIl Biber in Deutschland Don Professor Dr. Gustav Hinze 75 Seiten mit 9 Textabbildungen und 62 Abbildungen auf Kunstdrucktafeln nach Natururkrunden de» deutschen Diberoatere Amtmann Behr Herausgegeben von der Reichssielle für Naturschutz, Berlin 3n Leinen gebunden RM. 3,00 Wie Wisent und Elch, so gehört auch oer ’fliuer zu lenen Tierarten bie einst in Deutschlands (Bauen weit verbreitet waren, aber durch oa» unnachsichtige Eingreifen des Menschen mehr . nd mehr der vernichiung anheimfielen. 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Kurzum, — er müßte eine Brille tragen, dann würde er auch bessere Zeugnisse mit Man kann nicht genug auf die Augen seines Kindes achten! Optiker Biedenkopf, Seltersweg 62 Lieferant aller Krankenkassen Radio-Kögel GIESSEN, Fernsprecher 2980 Unsere große Sonder-Abteilung für Deutsche WK-Möbel ist eine Sehenswürdigkeil für alle Freunde zeitgemäßer Wohnge staltung. WK-Möbel sind mustergültig in Form und Arbeit, seit Uber 20 Jahren bewährt. 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