Nr. HO Erstes Blatt 188. Jahrgang Mittwoch, 29. Juni 1938 krlchetn» täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monals-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte * 1.80 Zustellgebühr e -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sieben Postscheckkonto: Sranlfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Srühlsche Univerfitätsdruckerei R. Lange in Sietzen. Schristleitvng und Seschäftsftell«: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittngsnummer vis8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Rps.. für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rps..Platzvorschrist nach vorh.Dereinbg.25O/, mehr. Ermätztgte Grundpreise: Stellen--. Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts-u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Die neue Lügenkampagne. Von unserer Berliner Schristleiiung. Wer Schmutz anfaßt, besudelt sich'. Die Befolgung dieses schonen alten Sprichwortes ist jedem anzuraten, der Hirn und Hand frei haben will für die höheren Aufgaben des Lebens. Die deutsche Presse hat sich deshalb auch immer bemüht, von der ausländischen Lügenhetze möglichst wenig Notiz zu nehmen, dafür aber ihre Spalten der positiven Erörterung internationaler Probleme und deutscher .Aufbauwerke zur Verfügung zu stellen. Diese Zurückhaltung erscheint uns auch deshalb berechtigt, weil es erfahrungsgemäß völlig zwecklos ist, die Demokratischen" Kritiker unserer Weltanschau- una und unseres Staatsaufbaues irgendwie durch aufklärende Artikel oder Diskussionen belehren und überzeugen zu wollen. Wenn wir heute trotzdem uns diese gewisse Sorte von Wahrheitsforschern — wie der Führer sie einmal mit beißender Ironie genannt hat — einmal vorknöpfen, dann nicht zu dem Zweck, um mit ihnen die journalistischen Klingen zu kreuzen, sondern nur aus dem-Grunde, daß unseren Lesern einmal die ganze Erbärmlichkeit, aber auch die Lächerlichkeit der demokratisch - marxistischen Journaille vor Augen geführt wird. Und vielleicht hat diese Herausstellung in der deutschen Presse auch die Folge, daß gewisse verantwortliche Staatsmänner des Auslandes, deren guten Willen zur ehrlichen und vernünftigen Äuseirranüerfetzung mir nicht bestreiten wollen, nicht etwa glauben, unser Schweigen bedeute Gleichgültigkeit oder gar ein schlechtes Gewissen. Seit vierzehn Tagen tobt sich in dem größten Teil der sogenannten „Weltpresse" eine Verleum- dungssucht aus, die kaum ihresgleichen hat. Der Inhalt dieser Hetzartikel und Lügennachrichten betraf Oesterreich. Zn den verschiedensten Variationen konnte man immer wieder lesen, daß in Wien alles bunter und drüber ginge, daß dort Revolten ausgebrochen wären, daß dort Parteistellen und Führercliquen sich gegenseitig bekämpften, daß die Bevölkerung Oesterreichs insgesamt mit dem Anschluß unzufrieden sei und daß der Führer sich gezwungen sähe, persönlich nach Wien zu reisen und dort Frieden zu stiften. Den Beginn dieser Greuel- Kampagne, an der naturgemäß kein wahres Wort ist, machte der marxistische „Daily Her alb", der am 16. Juni meldete, der Führer müsse am 17. Juni nach Wien fahren, „um ernste Schwierigkeiten in der österreichischen NS.-Partei beizulegen." Als Begründung gab das englische Blatt an, die Wiener Parteimitglieder beklagten sich in erster Linie darüber, daß Reichsdeutsche in Oesterreich die besten Posten bekommen hätten. Dieses Argument kehrt in allen späteren Auslassungen der Hetzjournaille wieder. Wie blödsinnia diese Lüge ist, geht schon allein aus der allen Deutschen, wenn auch nicht allen Ausländern bekannten Tatsache hervor, daß die gesamte österreichische Landesregierung aus gebürtigen Oe st erreichern besteht, daß von sämtlichen sieben Gauleitern und sieben stellvertretenden Gauleitern der NSDAP, im Lande Oesterreich nur ein einziger stelloe'rtretender Gauleiter aus dem Altreich stammt, daß ferner • die Führer der SA., ff und sonstigen Parteigliederungen fast ausschließlichOesterreicher sind. Auch die vielberufene Gestapo in Oesterreich wird von einem Ostmärker, nämlich dem ff-Brigade.füh- rer Kaltenbrunner geleitet. Lediglich den Kreis- leitern der NSDAP, in Oesterreich sind reichsdeutsche Berater beigegeben, die ihnen beim Aufbau ihrer Dienststellen zu helfen chaben, um nach vollzogenem Auftrag natürlich wieder ins Altreich zurückzukehren. Daß im übrigen die Reichsdienststellen im Lande Oesterreich, welche den Einbau der staatlichen Verwaltungen in das großdeutsche Staatsgefüge zu besorgen haben, nicht nur von Oesterreichern besetzt sind, ist eine Selbstverständlichkeit, die kaüm erwähnt und erörtert zu werden braucht. Recht amüsant ist es, daß sich die demokratischen Pressebanditen in chrem Uebereifer oft widersprechen und sich damit selbst die Ohrfeigen geben, die ihnen gebühren. .Am 19. Juni nämlich meldete die französische Presse ganz positiv: „Der Führer befindet sich inkognito in Wien und wird am Sonntagabend der Lohengrin-Aufführung in der Oper beiwohnen." Der .Illustrierte Krakauer Kurier", eines der Übelsten polnischen Hetzblätter der Opposition, wußte es am'folgenden Tage noch genauer. Danach befand sich der Führer seit Samstag in der Villa Hermes bei Schönbrunn in Begleitung von Reichsführer ff Himmler, Reichsminister Dr. Goebbels, General Brauchitsch, Generaladmiral Raeder und Dr. Ley. Das Krakauer Blatt wußte auch von Unterschlagungen in der Polizei, von Gehorsamsverweigerungen der Offiziere der ehemaligen österreichischen Armee und Massenaustritten aus der NSDAP, zu erzählen. Als daraufhin, um die Lu- genflut etwas abzustoppen, von Berlin aus ein Dementi erfolgte, taten sämtliche Blätter, die bis dahin den Greuelmeldungen Raum gegeben hatten, ganz unschuldig. Das heißt/ sie unterschlugen entweder einfach die Berliner Richtigstellung ober entschulbig- fen ihre Lügen vor ben Lesern bamit, baß Aböls Hitler sich entgegen seinen ursprünglichen Absichten angeblich boch nicht entschlossen hätte, die geplante Reise nach Wien anzutreten. Aber biese politische Sensationsmache, die so lächerlich krampfhaft und so unsagbar gemein ist, hat einen sehr ernsten Hintergrund Sie vergiftet nicht nur die öffentliche Meinung und reizt die Völker zum Kriege, sondern sie wirb offenbar auch von manchen Regierungen als ein erlaubtes Mittel angesehen, um legitime politische Ziele zu ereichen. Ware es sonst möglich gewesen, baß bie jübischen Schauergeschichten über Wien unb bie niemals stattgefun- bene Führerreise auch burch bie amtlichen Vezeichliender Auftakt zum Altslawischen Sokolkongreß in Prag. Kongreß des Haffes. Der „allflawifche" Sokolkongreß in Prag hat mit einem grellen Mißklang begonnen. Die Sl 0 wa - fen haben bie Parole ausgegeben: „Heraus aus ben Sokoln", bie Polen, ehebem eifrige Anhänger biefer altslawischen Bewegung, sind mit ihren Sokoln nicht vertreten, unb nur einige Bulgaren unb Sübslawen sowie bie Wiener Jungsokoln, sollen biefem rein tschechischen Haßfest so etwas wie einen alle Slawen urnfassenben Anschein geben. In Wirklichkeit sinb die Tschechen unter sich, unb in ben vierzehn Tagen ber .Kongreßbauer wirb sich eine Flut von beutschfeinblichen Rebensarten ergießen, benen Juben unb Bolschewisten zujubeln. Statt bem subetendeutschen Volkstum in bem tschechischen Gemengselstaat das Recht zuzubilligen, das man für sich selbst in Anspruch nahm, ist der Kampf gegen das Deutsche Parole, unb die alte These von 1862 des tschechischen , Sokolgründers Tyr sch — der übrigens als Halbdeutscher namens Thiersch in Nordböhmen geboren und erst durch die Schule zum Volltschechen gewandelt wurde —.„Eine Waffe in jeder Faust! Kriegsrüstung! Hundertmal, tausendmal soll es gesagt werden!" richtet sich gegen bie Deutschen, bie seit ber Hussitenzeit von ben Tschechen inbrünstig gehaßt werben. ,^Sokol" bebeutet im Slawischen „Falke". Jeber Sokol trägt bie Falkenfeber unb eine rotgraue verschnürte Uniform. Die Frauentracht ist entsprechenb. Ursprünglich war bie Bewegung aufgebaut auf ben Jbeen bes beutschen Turnvaters Jahn. Der erste allslawische Kongreß bes Jahres 1848 hatte, ba kein Mensch auf ihm bie slawischen Jbiome verstand, i n beut} dj er Sprache chauvinistische Entschließungen gefaßt, in ben folgenben Jahren haben ber Slowake Kollar, bie Jungtschechen Palacky, Schaf- frik, Hanka u. a. in beutscher Sprache, von ihren Stellungen an beutschen Universitäten unb Büchereien aus, bie Haßsaat gesät, ber verstorbene Staatspräsibent Masaryk, ber bie Fälschungen bes Hanka entlarvte, hat zugegeben, baß bie Jbeen eines Herber über bas Recht jeber Nationalität auf Lebens- unb Kulturraum biese Slawisten beeinflußt, ja angeregt bat, daß sich aber halb ber aus Deutschlanb stammende Gedanke in eine schroffe Ablehnung älles deutschen Kultureinflusses verwandelte. Als im Jahre 1862 die Sokoln in Prag gegründet wurden, stand die volksdeutsche Turnerschaft der Bewegung sympathisch gegenüber,' aber durch den Halbtschechen Tyrsch und den anderen Haupthetzer Fügner waren die Sokoln sehr bald keine Turngemeinde mehr, sondern eine Organisation des all slawischen Hasses gegen das Deutschtum. Die Sokoln im Tschechenlande wurden schon in der Habsburger Zeit die „nationale Armee derTschechen" genannt, die k. und k. Bürokratie sah ruhig zu, wie sich ber Hochverrat ber Sokoln ganz offen gebärdete. 1870 befunbeten bie Sokoln ben Franzosen ihre Sympathie wegen „bes brutalen beutschen Ueber- falls" — obgleich Frankreich ben Krieg erklärt hatte, um bie Einigung Deutschlanbs zu verhinbern unb bie Rheingrenze zu gewinnen! — unb bie tschechischen Sokolleiter, bie von Moskau aus im Widerstand) gegen Wien unb alles Deutsche ftänbig ermuntert wurbey, knüpften ihrerseits bie Danbe zu Frankreich immer enger. Im Jahre 1914, unmittelbar nach ber Ermorbung bes Thronfolgers in Sera- jewo, schrieb eine Sokolzeitung, Frankreich habe im tschechischen Volke eine „u nschätzbare Stütze" seiner Politik gegen Deutschlanb. Der letzte Vorkriegskongreß ber Sokoln im Jahre 1912 sah nicht nur bie polnischen unb serbischen, russischen Unb slowakischen, kroatischen unb ruthenischen Sokoln, sonbern auch bie Regierungen von Rußlanb, Serbien unb Montenegro waren in Prag offiziell vertreten, unb England, Frankreich unb Amerika hatten Abordnungen entfanbt. Die Habsburgische Schlaffheit ließ zu, baß biefer allflawifche'Sokolkongreß in ben Reben auch ber Vertreter auslänbischer Regierungen wie in seinen Beschlüssen eine unverhohlene Tenbenz zur Auflösung ber Doppelmonarchie zeigte unb jene Richtlinien angab, an denen ber Habsburger Staat schließlich im Weltkrieg zerbrach. In ben Reihen ber tschechischen Legionen, bie im Verbanbe ber Feinbmächte gegen Deutschland unb Oesterreich kämpften, hatten bie Sokoln eigene Abteilungen. Die tschechischen Legionäre, beren Kern bie Sokoln waren, haben in Sibirien bie weißrussische Armee an bie Bolschewisten verraten. 1918 würben in den tschechischen Gebieten vier sog. „Freiheitsregimenter" gebildet, bie hauptsächlich aus Sokoln bestauben. Sie unb bie Legionäre bilbeten ben Kern ber tschechischen Solbateska, bie sofort gegen präg, 28. 3uni. (DBB.) Zu dem augenblicklich in präg stattfindenden Allslawischeu Sokolkongreß kamen auch aus Wien 1 4 0 0 tschechische Iungsokoln auf dem TNasaryk-Bahuhof in präg an. Die Reise der tschechischen Iungsokoln ist von den deutschen Behörden in Wien in keiner Weise behindert, sondern sogar durch Gestellung eines Zuges unterstützt worden. Ein besonderer Beweis für die Großzügigkeit der deutschen Behörden ist die Tatsache, daß im Gegensatz zu den Sokolabordnungen aus allen anderen Ländern, die in Zivil erschienen waren, die 1400 Sokoln aus Wien in Uniform oder in tschechischer Sokol- tracht mit Fahnen erschienen. Bei der Begrüßung auf dem Bahnhof wurden immer wieder von der Masse Rufe ausgebracht: „Es lebe das tschechische Wien!" Diese Ruse fanden bei den 1400 Sokoln aus Dien lebhafte Erwiderung. Trotzdem während des Sokolkongresses die präget öffentlichen und privaten Gebäude die Staatsflagge aller Staaten zeigen, auf bdpen Sokoln am Kongreß leilnehmen, fehlt die reichsdeutsche Flagge völlig. Während ferner die Sokolabordnungen aus den anderen Ländern neben der tschechischen Flagge an hervorragender Stelle ihre Landesflagge mitführten, erschien die Sokolabordnung aus Dien nur mit der tschechischen Flagge. * Der Vorfall in Prag zeigt wieder einmal deutlich, wie deutsche Großzügigkeit von den zu blindem Deutschenhaß gedrillten Tschechen gelohnt wird. Die die Subetendeutschen unb ihr Selbstbestimmungsrecht mit Pulver und Blei vorging. Diese Sokoln und Legionäre zeigten gegenüber ben wehr- unb waffenlosen Subetendeutschen ihren „Mut": 57 Tote, darunter 15 Frauen unb 17 Kinber, über 100 Schwer- unb mehrere 100 Leichtverletzte besiegelten in Karlsbad, Leitmeritz, Aussig, Eger, Kaaden, Ties und Sternberg am 4. März 1919 ihre Treue zum sube- tenbeutfdjen Heimatdooen mit ihrem Märtyrerblut. Seit bem Ereignis ist die Verbindung ber Sokoln zur Prager Regierung offenkundig. Aber die tschechischen Sokoln haben bie Mehrzahl ihrer slawischen Mitdrüber burch ihren Nationalisierungszwang, ber selbst vor slawischen Brübern nicht Halt macht, verprellt. Nur Moskau schickt eine bolschewistische Aborbnung zum Zeichen dafür, welche Hoffnungen es auf biese an unb für sich kleinbäuerliche und kleinbürgerliche Bewegung setzt, Hoffnungen, bie ber Vormarsch der Kommunisten bei den letzten Gemeinbewahlen in ber Tscheche! glänzenb beftä= tigte. ' So sinb bie tschechischen Sokoln heute ein Faben im Spinnetz Moskaus, und ihre chauvinistische Derranntheit wird sich demgemäß auf diesem Kongreß gebärden, der sicherlich nicht die Rechte ber anbersnationalen Gruppen im Tschechenstaat schützen, sonbern ihre brutale Knebelung forbern wirb. rt. beutschen Behörben gewähren ben in Wien ansässigen schechischen Sokoln alle Erleichterungen für ihre Reise nach Prag, obwohl bie Sokolnkon- gresse seit jeher berüchtigt sinb als Schauplätze fanatischsten Deutschenhasses unb. wüstester Deutschenhetze. Unb bie Wiener Tschechen sowohl wie ber auf antibeutsche Demonstrationen.ja besonbers geeichte tschechische Pöbel Prags wissen biese beutsche Geste nicht besser zu beantworten als mit einer frechen Heraussorberung bes Deutschen Reiches. Die Rufe „Es lebe bas tschechische Wien", ist eine breifte Verhöhnung bes reinbeutschen Charakters ber Hauptstabt ber beutschen Ostmark wie bes gesamten Deutschtums unb nebenbei auch ein Schulbeispiel für ben tschechischen Größenwahn, ber an seinen Sorgen mit ben fast 40 v. H. ber Gesamtbevölkerung betra- genben fremben Volksgruppen im eigenen Staat anscheinenb noch nicht genug hat unb nun die Fänge nach dem beutschen Oesterreich ausstreckt, wo insgesamt ganze 0,7 v. H. ber Bevölkerung, also runb 50 000 Tschechen wohnen. Unb bamit ber Wille zur Beleibigung des Deutschtums auch ja einbeutig wirb, „vergißt" man in Prag unter ben Staatsflaggen aller teilnehmenben Abordnungen bes Sokolkongresses ausgerechnet nur bie beutsche Reichsflagge, um nur ja beutlich zu machen, baß bie aus Wien nach Prag gekommenen Tschechen es nicht nötig haben, ihrem beutschen Gastlanbe bie Achtung zu erweisen, bie nun einmal selbstoerstänb- licher Brauch unter ben Völkern ist. Wir kennen biese propokatorische Einstellung ber Tschechen zur Genüge, fie, bokumentiert nur erneut, baß bie Tschechen ein erträgliches Verhältnis zu ihrem großen beutschen Nachbarn gar nicht wollen. „Es lebe das tschechische Wien." Dreiste Herausforderung des Deutschtums durch tschechische Demonstranten Nachrichtenbüros Frankreichs unb Englanbs burch Havas unb Reuter verbreitet mürben’ Wir erinnern uns in biefem Zusammenhang wieder ber verhängnisvollen Rolle bes Intelligence Service, jenes im amtlichen Auftrage arbeiten« ben britischen Geheimbienstes, ber am 21. Mai b. I. bie Falschchmelbung über beutsche Truppenbewegungen gegen bie tschechoslowakische Grenze nach Prag gab unb bamit erst bie Mobilisierung bes tschechischen Heeres veranlaßte. Auch in ben vergangenen vierzehn Tagen hat gerabe bie englische Presse wieber von beutschen Truppenbewegungen berichtet, bie angeblich burch Aufstanbsgelüste ber österreichischen Bevölkerung heroorgerusen wären. Das ist bezeichnenb für gewisse britische Methoden, wie es auch charakteristisch ist, baß es ausgerechnet englische Presseorgane nichtmarxistischen Charakter-s waren, bie ungewollt ben tieferen Sinn unb Zweck bieses letzten internationalen Hetzfelbzuges verrieten. Nach ausführlicher Schilberung jener Greuel, welche phantasiebegabte Schreibtischstrategen in ben Lvnboner unb Pariser Rebaktivnsstuben über Oesterreich zusammengelogen haben, schrieb nämlich der „Daily Telegraph", ber sich seiner intimen Beziehungen zum britischen Auswärtigen Amt rühmt: „Die Subetenbeutschen kommen immer mehr zu ber Ueberzeugung, baß eine Lösung ihrer Schwierigkeiten i m Rahmen, ber Tschechoslowakei für sie klare Vorteile hat." Unb ber „Scotsman", bie führenbe schottische Zeitung in Edinburgh, hieb am 27. Juni in die gleiche Kerbe: „Während so' die österreichischen Nazis die Opfer ihrer eigenen Illusionen geworden sind, möge cs für bie Subetenbeutschen noch Zeit sein, aus chrem Schicksal zu lernen, unb es möge so sein, baß sie auf biese Weise mehr geneigt sein würben, in ihren Forberungen Vernunft walten zu lassen, bie sie an bie ^Tschechoslowakei richten." Hier also ist bie Katze aus bem Sack gelassen! Um ben Subetenbeutschen bie tschechische Knute schmackhaft zu machen, zeigt man ihnen bie Erfahrungen, die Oesterreich mit bem Anschluß gemacht hat. Nur immer zu, es soll uns recht sein. Denn bie Sü- betenbeutschen wissen in Oesterreich beffer Bescheib als bie Politikaster am englischen Kamin. ' Heinrich Evers. Rapider RiWang des Reiseverkehrs. Folgen des tschechischen Willkürregiments. Prag, 28. Juni. (DRV.) Wie „Die Zeit" meldet, hat ber Reiseverkehr im Mai einen R e k 0 r b! i e f st a n b erreicht. Der - ausländische Besuch in ber Tschechoslowakei ist im Vergleich mit bem Mai 1937 11 m f a ft 5 0 v. $). zurück- gegangen. Auch bie ReiseN tschechischer Staatsbürger ins Auslanb nahmen um ungefähr 20 0. H. ab. Der Besuch ber tschechoslowakischen Babe- unb Kurorte weist im Mai 1938 41 800 (1937: 74 000) Gäste auf. Der Besuch von Ausländern ist um 40 d. H. bis 80 v. H. zurückgegangen. Bei ben inlänbischen ständigen Besuchern verzeichnen bie Bäber in Böhmen, namentlich im beutschen Gebiet, einen Rückgang von 20 bis 35 0. H., in Mähren unb ber Slowakei einen Rückgang von 2 bis 3 0. H. Die Zahl ber vorübergehenden inländischen Gäste hat überall um 40 bis 65 v. H. abgenommen. 1300000 Mitglieder der Sudetendeutschen Partei. Sägernborf, 28. Juni. (Europapreß.) Bei einer Kreisratstagung ber Subetenbeutschen Partei in Neubetschein gab, wie bie „Zeit" berichtet, Organisationsleiter Dr. Fritz Kölln er in einer Rebe bekannt, bie Subetenbeutsche Partei habe E n b e M a i bereits 1 300 000 Mitglieber gezählt. Sie sei bamit schlechthin zurVolks- Organisation geworben. Diese Umschichtung verstehe man erst richtig, wenn man bebenfe, baß es vor bem Jahre 1933 .im ganzen Sudetenbeutsch- tum nür 500 000 bis 600 000 politisch organisierter Menschen gegeben habe. pariser Emigranten beschlossen den neuesten Hehfeldzug. Brünn, 28. Juni. (DNB.) Ueber bie Hinter- grünbe ber neuen Pressehetze gegen Deutschland würben aus österreichischen Emigrantenkreisen interessante Einzelheiten bekannt. Der Plan zu ber neuen großangelegten Hetzaktion geht aus eine Konferenz zurück, bie am 17. unb 18. Juni i n Paris von österreichischen Emigranten abgehalten wurde. Außer in Paris lebenden österreichischen Emigranten, darunter Angehörige ber ehemaligen österreichischen Gesanbtschaften in Paris und Lon- bon, nahmen auch jübische Emigranten aus bem alten Reich teil, so der kommunistische Landesverräter Walther Mehring, der Jude Georg Bernhard und der ehemalige Millionär und „Dorwärts"-Redakteur Stampfer, der kürzlich seinen Wohnsitz von Karlsbad nach Paris verlegt hat. Auf dieser Konferenz ist es zu heftigen Angriffen der Vertreter ber Vaterlänbischen Front gegen bie Marxisten gekommen, bie angeblich am Zusammenbruch ber Vaterlänbischen Front schuld sein sollen. So würbe ein Brief bes Generalsekretärs ber Vaterlänbischen Front, Z e r n a 11 0. Schwiegersohn eines Rabbiners, verlesen, ber heftige Angriffe gegen die Leiter bes ehemaligen Sozialdemokratischen Schutzbunbes enthielt. Es ergab sich, baß die großen ber österreichischen Emigration von ber Familie Rothschild zur Verfügung gestellten Summen tür Reisen der Hintermänner des Hilfskomitees aufgebraucht worden sind, die offenbar mit ihrer eigentlichen Zweckbestimmung nicht zu vereinbaren sind. Die Vertreter des Komitees hätten zunächst teure Autos angeschafft und in den luxuriösesten Hotels einen guten Tag gelebt, während bie mit Versprechungen über die Grenze gelockten kleinen Angestellten und ehemaligen Amtswalter der Vaterländischen Front im Obdachlosenasyl wohnen und sich von Almosen nähren müßten. Es herrschte dann völlige Uebereinstimmung darüber, daß mit einer groß angelegten Aktion nochmals durch Erregung von Mitleid die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit a u f Oesterreich gelenkt werden müsse. Zu die- .sem Zweck wurde ein Komitee eingesetzt, dem u. a. fünf aus Wien geflüchtete Mische Redakteure angehören. Die Mittel hoffte man zum Teil von der S o w j e t b o t s cha f t in Paris zu erhalten. Der Jude Bondy aus Wien, früher Berlin, erhielt den Auftrag, auf die tschechische Presse einzmvirken und dabei das Argument Zu verwenden, daß Aussicht bestehe, mit einem Trommelfeuer von Meldungen über Gegensätze, Not, Hunger und Niedergang in Oesterreich die Sudetendeut«- schen abzuschrecken. Es wurde festgesetzt, daß die Lancierung von Meldungen am 16. und 17.6. gleichzeitig in Paris, London, Präg und Warschau beginnen soll. Besonderer Wert solle auf die Bearbeitung der nachrichtenhungrigen Korrespondenten französischer, englischer und amerikanischer Blätter in Prag gelegt werden, die auf alles hereinfielen, wenn es nur gegen Deutschland gerichtet sei und ihnen mit dem Schein der Wahrheit übergeben werde. Deutschland lebt in unseren Enkeln. Der Reichsführer ff auf der Arbeitstagung des NSD.-Dozentenbundes. A l t - R e h s e (Mecklenburg), 28. Juni. (DNB.) Auf der Reichsarbeitetaguna des NSD.-Dozentenbundes sprach Reichsführer ff Himmler. In den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte er den Gedanken, daß unser Volk nicht zu ewigem Leben gelangt über den Verstand, sondern nur über das Herz und das Gefühl. Aus dem Herzen komme die innere Erfüllung der Gesetze der Natur, kämen die schöpferischen Kräfte, die unser Tun und Lassen über den Alltag hinaushöben und den tieferen Sinn unseres Daseins erfühlen ließen. Auch die Wissenschaft werde nur dann bestehen, wenn sie nicht allein aus der Vernunft komme, sondern ausderTiefedesHerzens. Wenn wir heute so großen Wert auf die Erforschung und Feststellung der Ahnen legten, so täten wir das nicht aus äußeren Gründen, sondern um den Menschen wieder in den Kreislauf der Natur: Ahne — Lebender — Enkel einzufügen. Die einzelnen Felder auf der Ahnentafel sollten lebendig werden, sie sollten zeigen, woher wir kommen, und jeder solle in den verschiedenen Feldern ein Stück seiner selbst wiedererkennen. Achtung vor den Ahnen werde so zu einer wesentlichen Voraussetzung für die innere Neugestaltung unseres Lebens und zeige uns: Jeder einzelne ist an feinem Platz verpflichtet, weil er das Leben seines Geschlechts weiterführt, und weil mit feinem Versagen eine Ahnenreihe erlischt. Und doch sind wir wieder unwichtig vor dem Blick der Jahrhunderte, weil wir ja nur ein kleines Glied in der langen Kette der Geschlechterfolge sind. Dieses Gefühl für den Kreislauf der Natur führe zum zentralsten Problem der Gegenwart: Wird unser Volk weiterleben ober geht es unter? Unser Dasein werde skhnlos, wenn wir nicht die Möglichkeit hätten, das weiterzubauen, was unsere Vorfahren schufen, und wenn wir nicht wüßten, daß durch uns das Volk weiterleben wird. Nicht materielle Mittel allein schüfen hier Wandel. Die Voraussetzung für das ewige Bestehen des Reiches fei die seelische Neuformung des deutschen Menschen. Es gelte, zu den Gesetzen des Lebens zurückzukehren und das Volk zu lehren, daß Kinder keine Last, sondern die Pestäti- gung und die Erfüllung unseres Daseins find. In unseren Enkeln lebe Deutschland weiter. Dadurch kämen wir zum selbstverständlichen Glauben an Gott und zur Achtung vor seinen weisen Gesetzen, und von hier aus werde uns auch das Wunder gelingen, aus einem sterbenden Volk ein ewig lebendes zu machen. Im Kampf um die Volksgesundheit. Bochum, 28. Juni. (DNB.) In diesen Tagen sind in Bochum die Leiter der Abteilungen Volksgesundheit der Aemter für Volkswohlfahrt zu einer Arbeitstagung versammelt. Der Dirigent des 'Amtes für Volkswohlfahrt, Dr. med. Walter, erklärte, die Aufgabe für die Zukunft liege vor allem in Verhütungs- und Vorbeugungsmaßnahmen, um das Volk vor gesundheitlichen Schäden zu hewahren und es in allen feinen Gliedern gesund zu erhalten. Wichtigste Sonderausgaben seien die Bekämpfung der Tuberkulose und der Säuglingssterblichkeit. Der ziel- bewußten Aufklärungsarbeit des Amtes für. Volksgesundheit fei es gelungen, die Sänalingssterdlichkeit in Deutschland von-7,9 v. H. auf 6.8 v. H. herabzudrücken, das bedeute, daß in einem Jahr 3 00000 Kinder mehr am Leben erhalten blieben. Die NSV. habe bisher rund 23 Millionen RM. für Kinderwagen, Säuglingskörbe und Säuglingsausstattunaen ausgegeben. Deutschland besitze heute 150 000 Kindergärten und 120 000 Ernte-Kindergärten, die von der NSV. betreut werden. Auch der R e i ch s m ü t t e r d i e n st sei fortgesetzt ausgebaut worden. Die ersten Ausbürgerungen in Rumänien. Bukarest, 28. Juni. (Europapreß.) Das Amts blatt veröffentlicht die ersten auf Grund des neuer Gesetzes über den Verlust der rumänischen Staats bürgerschaft wegen staatsfeindlicher Be t ä t i g u n g .erfolgten Ausbürgerungen. Es handelt sich um den früheren Gesandten Rumäniens in Washington, Carol Davila, der trotz mehrfacher Aufforderung der rumänischen Regierung nicht nach Rumänien zurückgekehrt ist und in Amerika ein« gegen den rumänischen Staat gerichtete Tätigkeit entfaltet haben soll: weiter um den früheren Presse Attache in Paris, Schachmann, der zuletzt Vertreter mehrerer Bukarester Zeitungen in Paris, dar- Wer bezahlt den Abtransport der Freiwilligen? Nur Moskau macht neue Einwände im Nichteinmischungsausschuß. L o n d o n, 29. Juni. (DNB.) Die heutige Sitzung des Hauptunterausschusses des Nichteinrnischungs- ausfchusfes hat das Ergebnis gebracht, daß England, Frankreich, Deutschland und Italien sich über die Frage der Finanzierung der Zurückziehung der Freiwilligen aus Spanien vollkommen geeinigt haben und s i ch in bie Hauptkosten teilen wollen. Die Sowjetunion, deren Vertreter auf ber Sitzung saft bei jebem Punkte Einwendungen machte, hat es abgelehnt, einen Beitrag für bie Unterbringung unb Verpflegung ber Freiwilligen in ben Evakuierungslagern in Spanien zu leisten. Die Sowjetunion hat sich lebiglich bereiterklärt, e i n Fünftel ber Kosten zu tragen, bie burch Einsetzung en ne s „Internationalen Mechanismus" entstehen. Die wenigsten Schwierigkeiten hat im Nichteinmischungsausschuß die Frage des Rücktransportes der Freiwilligen auf dem Seewege gemacht. Hier hat sich jede Regierung bereiterklärt, die Rück-, transportkosten ihrer eigenen Staatsangehörigen zu tragen. Die konservative Presse beschäftigt sich in scharfen Worten mit ber sowjetrussischen Obstruktionspolitik. „Daily Telegraph" spricht von einem Wort- duell, das sich in ber Sitzung zwischen dem sowjetrussischen Geschäftsträger Kagan und dem Sekretär des Ausschusses, Hemming, ereignet habe und bedauert, daß die Sowjetunion bisher nichts zu einer beschleunigten Lösung dieser Frage beigetragen habe, sondern nach wie vor bemüht sei, Schwierigkeiten zu machen. Der Ausschuß zur Luiersuchuug der Luftangriffe. Paris, 28.Juni. (Europapreß.) In Toulouse wird am Dienstagabend der Ausschuß zur Unter- uchung ber Luftangriffe auf offene panische <51 ä b t e eintreffen. Er wirb aus einem Englänber, einem Schweben unb einem Norweger bestehen, deren Namen noch nicht bekannt ind. Ueber bie Teilnahme Hollanbs an dem Ausschuß schweben noch Verhanblungen. Toulouse liegt etwa 140 Kilometer von der Pyrenäengrenze entfernt, die Mitglieber bes'Ausschusses werben aber unter Umftänben zu ihren Besuchen in ben angegriffenen spanischen Stäbten sehr große Umwege machen müssen. Wie „Paris Soir" mitteilt, wird ber Ausschuß jeweils auf Verlangen ber einen ober anberen spanischen Partei zur Un- Hongkong, 28. Juni. (Europapreß.) Die gerüchtweise umlaufende Meldung von einer Landung japanischer Truppen an ber Norbo st grenze von Kwantung wirb in Kanton von ben chinesischen Behörben amtlich zugegeben. Danach finb am Sonntag sieben japanische Kriegsschiffe an ber Küste des an bie Provinz Fukien angren- moy longkong Hg-ßrit vo -i oo 2oo zenden Bezirks der Provinz Kwantung, I i u p i n g, erschienen unb haben nach vorhergehenber Beschießung ber Küstenorte zunächst 600 Mann japanischer Truppen gelandet. Kurze Zeit später liefen bie Kriegsschiffe noch einmal bie Küste an und landeten weitere Truppen, so daß nunmehr 2000 Japaner bie Provinz Kwantung betreten haben. Den Chinesen ist es bisher.nicht gelungen, die Japaner zurückzuwerfen. Die Anzahl ber japanischen Kriegsschiffe in ber Nähe von Sm a tau wurde vermindert, bagegen in ber Umgegend der Insel Hainan vermehrt. Der Kampf um Sie Zlußsperren bei den Madang-IortS. S ch a n g h a i, 29. Juni. (Europapreß.) Von chinesischer Seite wirb bie Besetzung wichtiger militärisches Stützpunkte an ber Jangtse-Flußsperre bei Mabang zugegeben. Die japanischen Truppen befinben sich bereits innerhalb ber ersten ber zwölf Flußsperren, währenb japanische Kriegsschiffe bie bie Sperren schützenben Mabang-Forts unter ftänbigem Feuer halten. Augenscheinlich werfen beide Seiten alle verfügbaren Verstärkungen in ben Kampf um bie Fluß- fperren, dessen Ausgang für den weiteren Verlaus ber Offensive gegen Hankau entscheibenb fein bürste. Auch die Provinz Kiangsu von lleberschwemniungen bedroht. S ch a n g h a i, 28. Juni. (DNB.) Nach japanischen Melbungen finb jetzt auch in ber Kiangsu° unter bes vom Kabinett Goga verbotenen „Abe- verul", war. Der Dritte ist ein Journalist namens Gravulenescu. Lohn- und Arbeitszeitgesetz in USA. Washington, 28. Juni. (DNB.) Präsibcnt Roosevelt hat bie auf ber letzten Tagung bes Kongresses angenommene Gesetzesvorlage unterzeichnet, bie eine bunbesamtliche Regelung ber Lohnsätze wie ber Arbeitszeit für alle zwifchenbunbes staatlichen Hanbel trei- benben Jnbustriezweige trifft. Die viel umstrittene Vorlage tritt in vier Monaten in Kraft. Sie sieht bie gleiche Regelung vor wie bas vom Obersten Bunbesgericht seinerzeit als verfassungswidrig bezeichnete New Deal-Nira-Gesetz, es ist daher anzunehmen, daß auch ihre Gültigkeit aus dem gleichen Grunde angefochten wird. Das Gesetz sieht einen anfänglichen Minbeststunbenlohn tersuchuna künftiger Luftangriffe in Tätigkeit treten, Luftangriffe der vergangenen Woche aber nicht mehr aufrollen. Die hollänbische Regierung hat nach einer Europapreß-Meldung aus^ Amsterdam der englischen Regierung die Antwort auf - bie Einlabung zugeleitet, sich an bem Untersuchungsausschuß für bie Luftangriffe gegen bie spanische Zivilbevölkerung zu beteiligen. Der Inhalt ber Antwort wirb geheimgehalten. Unterrichtete Kreise glauben jedoch, baß bie hollänbische Regierung gegen bie Ernennung eines Hollänbers als Privatmann im Prinzip keine Bebenken habe, sie erkläre jeboch ausbrücklich, baß sie mit seiner Haltung in feinem Falle identifiziert zu werden wünsche. Lloyd will das Spaniengeschäst nicht mehr versichern London, 29. Juni. (Europapreß.) In Londoner Citykreisen macht sich ber Wunsch immer mehr bemerkbar, bie Schiffe, dj§ in spanischen Gewässern verkehren, von ber Versicherung aus- znschließen. Zu Beginn bes spanischen Bürgerkrieges glaubte man, burch Erhöhung ber Versicheriungsraten ben Hanbelsverkehr und damit das Risiko einschränken zu können, doch wurden die erhöhten Prämien von den in (frage kommenden Reedereien an st and s los bezahlt, ba bie Handelsschiffahrt mit Spanien zu einem immer einträglicheren Geschäft würbe. Die große Versicherungsgesellschaft L l o y b läßt nun, wie „Daily Mail" berichtet, burchblicken, sie beabsichtige nicht, weiterhin Risiken, wie in ben letzten beiben Jahren, auf sich zu nehmen, ba es sich immer beutlicher zeige, daß ber Personen- unb Sachschaben burch Entsendung ausländischer Schiffe in spanische Gewässer nur n o ch vergrößert würde, wenn, die Handelsschiffahrt auch noch durch die Versicherungsgesellschaften einen Anreiz erhalte. Schutz der französischen Grenze. Perpignan, 28.Juni. (Europapreß.) In dem französischen Grenzstädtchen Port Vendres an der franzäsisch-sowjetspanischen Grenze traf am Dienstag eine schwere Flugzeugabwehr- Batterie neuester Bauart ein. Die Batterie, die von Cherbourg kam, umfaßt vier 90-mm-Geschütze. Sie ist mit Scheinwerfern und Raupenschleppern ausgestattet unb bazu bestimmt, ben Grenzschutz an ber französischen Mittelmeerküsts zu verstärken. Provinz größere Ueberschwemmungen eingetreten. Chinesische Artillerie soll bie Deiche bes Talin- flusses, eines Nebenflusses bes Großen Kanals, zerstört haben. Auch sollen Truppen, bes chinesischen Generals Sunlientschung, bie währenb ber Schlacht yon Hsutschau burchbrachen, etwa 10 0 Kilometer norböstlich von Nanking bie" Dämme des Kaiserkanals durch st ochen haben. Weite Gebiete des fruchtbarsten Landes der Provinz Kiangsu sind damit überflutet. Wachsende Senchenaefahr. Schanghai, 28. Juni. (Europapreß.) Innerhalb ber letzten zehn Tage ist bie Bevölkerung von Schanghai um mehr als 40 000 Personen an gewachsen, bie alle aus bem überschwemmten Kriegsgebiet nach Schanghai geflohen find. Bisher würben täglich etwa 15 000 Personen geimpft. Von 1500 000 Einwohnern der internationalen Niederlassung wurden bereits 400 000 einer Schutzimpfung unterzogen. Auch die japgnischen Gesundheitsbehörden verlangen von jedem, der in ihrem Hoheitsbereich Aufenthalt nehmen will, die Beibringung eines Impfscheines. — Nach einer Meldung aus Honkong breitet sich die Cholera- Epidemie in China von Tag zu Tag mehr aus. Zu ber Ausbreitung tragen besonders die Flüchtlinge bei. In Swatau würben in einer Woche über 750 neue Cholerafälle festgestellk politisches Attentat in Schanghai. Schanghai, 29/ Juni. (DNB. Funkspruch.) Die politischen Morbe, bte von einer unsichtbar geleiteten Zentralstelle aus inspiriert unb von fanatischen chinesischen Nationalisten ausgeführt werden, reißen nicht ab. So wurde heute früh in Schanghai an einer Ecke der belebten Peking- Straße' in ber internationalen Nieberlassüng ber Chinese Chendehming, Mitglied der von ben Japanern begünstigten Regierung, bei seiner Fahrt in einer Rikscha von Attentätern ange- schossen. Blutüberströmt ■ sprang er aus ber Rikscha unb' versuchte zu fliehen. Nach ein paar Schritten brach er tot 3uf am men. Die Attentäter, bie Schnellfeuerpistolen benutzten, sind ungehindert entkommen. Der Anschlag hat um so größeres Aufsehen, als gestern in ben von ben Japanern kontrollierten Stabtgebieten eine Razzia stattgefun- ben hatte unb babei 100 Personen festgenommen worden waren. von 25 Cents vor, ber sich im Laufe von sieben Jahren nach unb nach auf 40 Cents erhöht. Es fetzt ferner für bas erste Arbeitsjahr eine 44ftünbige, für bas zweite eine 42ftünbige und vom dritten Jahre ab die 40ftünbige Arbeitswoche fest. Zur Durchfüh- rung des Gesetzes, das übrigens auch den zwischen- staatlichen Austausch von Erzeugnissen ber Kinderarbeit verbietet, wird eine besonbere Bunbesbehörbe mit Unterabteilungen für bie einzelnen Jnbustriezweige eingesetzt. Sandys Informationen. L o n b o n , 28. Juni. (DNB.) Premierminister Chamberlain teilte mit, baß die Regierung einen Untersuchungsausschuß einsetzen werbe, um bie Frage zu prüfen, wieweit Slbgeorbnete militärische Informationen erhalten dürften. Wie vom Kriegsministerium mitgeteilt wurde, hat der Heeresrat ben Oberfommanbierenben bes östlichen Heeresabschnitts, General Aronsibe, beauftragt, sofort ein Unter« suchungsgericht einzusetzen, bas bie Umstände prüfen soll, unter denen eine ganz geheime Information über bie Luftabwehr bekannt geworben ist. Der Evening Stanbarb meßet, baß bem Kriegsministerium' b e kannt sei, wer Sanbys bas geheime Material über ben Mangel an Flakgeschützen zugeleitet habe. Das Material Sanbys stamme aus einem völlig geheimen Dokument, bas nicht nur Einzelheiten über Flakgeschütze enthalten habe, fonbern auch Probuktions pläne unb Anweisungen für bie Derteibigung. Nur füyf Personen hätten bieses Material gekannt. Glücklicherweise habe bie Regierung trotz ber Weigerung Sanbys, bie Person feststellen können, bie bas geheime Material geliefert habe. Englands Luttabwehr. London, 28. Juni. (Europapreß.) Die Der« boppehmg ber englischen Luftabwehrformationen, oerbunben mit einer Zusammenfassung unter ein- heitlicher Leitung, würbe von Kriegsminister Hore- Belisha im Unterhaus yngekünbigt. Der Kriegsminister erklärte, bie englische Luftabwehr werde seit bem Jahre 1936 fast ausschließlich von ber Territorialen Reservearmee gestellt. In diesem Jahre hätten die gesamten Luftabwehr- formationen nur 2000 Offiziere und Mannschaften umfaßt. Anfang 1936 sei bann bie Bilbung der er ft en LuftabrpehrdivifiOn mit 5200 Mann, zu Beginn bes Jahres 1937' bie einer zweiten Luftabwehr divifion erfolgt. Beide Divisionen hätten zur Zeit einen Bestand von 43 000 Offizieren unb Mannschaften. Diese Zahlen sollen nun auf nahezu 100 000 Offiziere unb Mannschaften erhöht n>erben. Dabei fei bie Einteilung der Luftabwehr-Formationen in fünf Divisionen unter ber Führung eines Generalleutnants vorgesehen. Im Generalstab werbe bas Luftabwehrkorps burch einen „Stellvertretenden Chef des Gene- ralstabes" vertreten fein. Weiter werde im General- ftab eine besondere Abteilung für bie Ausbildung und Organisation ber Luftabwehr unter Leitung eines Generalmajors geschaffen. Auch das stehende Heer verfüge über Luftabwehrabteilungen; diese fielen aber nicht in ben Rahmen ber eigentlichen Luftabwehr-Formationen. Die fünf Divisionen ber Luftabwehr seien lediglich für ben Hei- m a t 'b i e n ft b e ft i m m t und würben über ganz Englanb und Schottland verteilt werden. Die Anwerbung würde voraussichtlich keine Schwierigkeiten machen. Die Herstellung ber neuen Luftabwehr- geschütze mache gute Fortschritte. Kleine politische Nachrichten'. Anläßlich ihrer Zehnjahresfeier veranstaltete die türkische Hanbelskammer für Denlsch- lanb einen Empsangsabenb. Der türkische Böt- -schafter Hambi Arpag hieß den Reichswirtschafteminister willkommen. Währenb 1933 ber Wert bes beutsch-türkischen Warenaustausches runb 75 Millionen RM. betrug, ist er nach fünf Jahren auf rund 209 Mill. RM. gestiegen. Die Regierungen beider ßänber wünschten aufrichtig, biefe wirtschaftlichen Beziehungen in noch höherem Maße zu entwickeln. Reichswirtfchaftsminister Funk erwiberte, daß hierzu alle Doraussetzungen gegeben feien. * Stabschef L u tz e hat bie Flugzeuggbwehrfchule unb Küstenartilleriemiliz in Anzio, ferner bie Hasen- milizschule in Sadaubia besichtigt unb anschließend ßittoria einen Besuch abgestattet. Der Stabschef sand bei der Miliz unb ber Bevölkerung die herzlichste Ausnahme. Nach der Rückkehr nach Rom hat Stabschef ßutze ber Aufführung ber Oper Aibä beigewvhnt, bie im Rahmen bes Dritten Weltkongresses für Freizeitbewegung vor bem Colosseum unb Dor bem Constantindogen unter freiem Himmel ftattfanb. ♦ In Köln weilen über 200 englische Eisenbahningenieure unb Eisenbahn- techniker, Mitglieber ber Permanent Way. Institution. Die englischen Gäste lernten ben Ber- schiebebahnhof in Hamm, bas Empfangsgebäude in Oberhausen unb bie Reichsautobahn Oberhäuten—- Düsselborf—Köln kennen. Die Reichsbahnbirektion Köln gab ein Essen, an bem Reichsoerkehrs- minister Dr. Dorpmüller und Ministerialdirektor Rudolfi, Direktor ber Reichsautobahnen, teil« nahmen. Kunst und Wissenschaft. Musikschulen für Jugend und Volk. Für bie musikalische Erziehung bes deutschen Volkes wird jetzt eine neue Grundlage geschaffen. Durch gemeinsame Richtlinien bes Reichserziehungs- minifteriums unb bes Reichsinnenministeriums, bes Kulturamtes ber Reichsjugenbführung, bes beutschen Dolksbilbungswerkes, bes Deutschen Gemeinbetages unb bes Hauptamtes für Kommunalpolitik ist die Bildung von Musikschulen für Jugenb unb Volk vereinbart worben. In den städtischen Jugendmusikschulen werden die 8- bis 21jährigen bie musikalische Grunberziehung in einem stufenweisen Ausbildungsgang erfahren, wäh- renb bie Musikschulen bes beutschen Dolksbißungs- wertes bie Musikschulung ber Erwachsenen durchführen. Zu den ßehrgängen in ben ftäb» tischen Jugenbmusikschulen find vom 10. ßebensjahr ab nur Angehörige bes Jungvolks unb ber Jung» möbel zugelassen. Das Programm ber Jugenbmusikschulen beginnt mit ber Pflege bes Dolksliebes. In ber zweiten Stufe, vom 10. Lebensjahr ab, ist bas Erlernen ejnes Musikinstrumentes vorgesehen. Die nächsten Stufen bringen bann einen Ausbau bes Erlernten, eine Ausweitung bes ßieberschatzes unb anberes. Der Jnstrumentalunterricht wirb bie Möglichkeit bieten, besonders Begabte zu fördern; hierfür werden Stipendien von Staat' und Gemeinde bereitgefteUt. Ausstellung „Strahlen und Heilkunde" München 1938. Die Ausstellung „Strahlen und Heilkunde" München 1938, vom 2. Juli bis 17. August, vermittelt in fünf großen Gruppen — 1. das.ßicht, 2. die Radioaktivität, 3. der elektrische Strom und bie elektrischen Wellen, 4. bie Röntgenstrahlen, 5. Strahlen unb Wehrmacht — einen Ueberblick über bas Gesamtgebiet ber neuzeitlichen Strahlenforschung und ber neuzeitlichen Strahlenkunde. Die Ausstellung zeigt bas Wesen, bie Wirkung unb bie Anwenbung ber ßichtstrahlen, ber rabioaftioen Strahlen, ber elektrischen Wellen und der Röntgenstrahlen. Internationale Filmschau in Venedig. Die 4. Internationale Filmschau in Venedig wird im neuen ßichtspieltheater am ßido am 8. August feierlich eröffnet werden. Bei ber großen Anzahl ber gemeldeten Staaten und der sorgfältig ausgewählten Filme begegnet dis Ausstellung auch dieses Jahr wieder großem Interesse. Japaner in der südchinesischen Provinz Kwantung gelandet. Folgende Staaten haben ihre Teilnahme bereits zugesagt: Deutschland, Belgien, Großbritannien, Frankreich, Japan, Tschechoslowakei, Indien, Holland, die Vereinigten Staaten, Schweden, die Schweiz, Ungarn und die Südafrikanische Union. Jede Regierung hat einen Vertreter bezeichnet, der auf Grund der neuen Abmachungen aus den Filmen seines Landes die für die Ausstellung geeignetsten aussuchen wird. Italien wird in Venedig vier Filme zur Aufführung bringen. 31 euer Geist im Züricher Schauspielhaus. Die Weiterführung des von einem jüdischen Emigrantenklüngel in Grund und Boden gewirtschafteten Betriebes des Züricher Schauspielhauses ist nunmehr durch die Gründung der , N e ü e n S ch a u s p i e l - A G." Zürich gesichert. An der Gesellschaft ist auch die Stadt Zürich beteiligt. Zum künstlerischen Leiter und Direktor des neuen Schau- spielunternehmens wurde der Oberspielleiter der städtischen Bühnen von Frankfurt a. M., Dr Oskar W ä l t e r l i n , berufen, ein gebürtiger Baseler, der vor seiner Ernennung in Frankfurt 1932 sieben Jahre lang das Baseler Stadttheater leitete. — Die „Basler Nachrichten" schreiben zu dieser Wahl: „Mit dieser Neubestellung der Leitung des Züricher Schauspielhauses wird nun and) Gewähr geboten, daß ein von gutem schweizerischen Geist geleiteter wertvoller Spielplan dem Hause seine Stellung als wichtige schweizerische Bühne zurückgeben wird, nachdem bisher die dortige Künstlerarbeit doch stark von Geist und Art des Emigrantentums bedingt und das Programm auf internationale Erfolge zusammengestellt war. Der neue Direktor, der auf schönste Bühnenerfolge an den städtischen Theatern in Frankfurt zurückblicken kann, wird seine vielseitigen Erfahrungen und seine geniale Einfühlungsgabe nun auch in schönster Weise dem schweizerischen Schaffen zugute kommen lassen." Ein Volk in Leibesübungen. Der Reichssportführer vor dem Weltkongreß „Arbeit und Freude". Rom, 28. Juni. (DNB.) Auf dem III. Weltkongreß „Arbeit und Freude" legten mehrere deutsche Redner die Gesichtspunkte dar, die in der deutschen Freizeitgestaltung durchaeführt sind und bicf für immer die Sicherung des sozialen Friedens im deutschen Volk gewährleisten. Der Präsident der italienischen Industriearbeiter - Verbände, Qua» netti, hob hervor, daß das immer stärkere Umsichgreifen der Bewegung „Arbeit und Freude" das italienische Volk mit Stolz erfülle, da diese Ideen in Italien bereits seit 20 Jahren Wirklichkeit geworden seien. Reichsamtsleiter Claus S e l z - n e r behandelte „Deutschlands neue Arbeitsordnung". Klassenstreit und Klassenhaß störten das nationale Arbeitsleben, also das soziale und das wirtschaftliche . Leben gleichermaßen. Schicksalsgemeinschaft brachte uns die gläubige Arbeiterpartei, Volksgemeinschaft gab uns ein hoffendes Arbeitertum, Leistungsgemeinschaft schuf notwendigen Arbeitsplatz, Betriebsgemeinschaft erzeugte vertrauende Arbeitsfront. Wer die Harmonie aus Arbeit und Freude wolle, verhindere den Krieg, der immer nur *us Streit und Haß entstehe. Veichssportführer von Tschammer und Osten wandte sich besonders gegen die Behauptung der angeblichen Kulturfeindlichkeit des Sportes. Die Erziehung zu einem wirklichen Sozialismus sei durch nichts besser zu gestalten als durck Leibesübungen. bei denen es ja keinerlei Unterschied des Standes oder der Herkunft gebe. Die nationalsozialistische Weltanschauung zähle zu ihren Fundamenten auch den Glauben an die gottgewollte Einheit und Vollkommenheit des Menschen in der Harmonie von Leib, Geist und Seele. Die Leibesübungen würden heute in Deutschland betrieben im steten Fortgang der Erfüllung einer Pflicht Gegenüber den Forderungen der nationalsozialistischen Weltanschauung. Von Tschammer und Osten betonte das unbingte Prinzip der Freiwilligkeit des Sportes in Deutschland Nur wenn der Mensch mit freudigem Herzen dabei sei, würden ihm Leibesübungen die unermeßliche Freude spenden, die sie zu einem wertvollen Faktor der Freizeitgestaltung macht. Hart und fröhlich solle der neue deutsch? Mensch werden; nicht aber weich und sentimental! Das „Volk in Leibesübungen" beginne Wirklichkeit zu werden und aus allem wachse ein neues, stärkeres, gesünderes und frohes Geschlecht, fähig, die Zukunft Deutschlands für alle Ewigkeit zu sichern. Die Vertreterin des nationalen Spaniens, Bach i l l e r, die in der Uniform der Falange ans Rednerpult trat, sprach davon, wie die Regierung General Francos schon während des blutigen Kampfes zur Vernichtung des Bolschewismus daran gehe, ein neues Spanien zu schaffen und neue sozialpolitische Ideale Wirklichkeit werden zu lassen.— Der Vertreter Chiles, Calvez, stellte fest, daß die übrige Welt, zu der er selbst ja auch gehöre, bei ihrer Arbeit zur Schaffung der sozialen Gerechtigkeit die konstruktiven Wege, die mit „Kraft durch Freude" und „Dopolavoro^ beschritten worden sind, allmählich immer mehr begreifen und achten lernen werde. TXady Darlegungen weiterer Redner aus Italien, Rumänien, England, Portugal, Griechenland, Schweden und Japan gab der Äeichsamts- leifer der RS.-Gemeinfchaft „Kraft durch Freude" in der D21J„ Dr. Lafferenh, einen Heber- blick über die gewaltigen Leistungen, die diese Freizeitorganisation aufzuweisen hat, wobei er besonders die Kraft-durch-Freude- Reifen herausstellte. Insgesamt hätten 30 000 KdF.-Urlauber an den Fahrten ins Mittelmeer und rund um Italien teil- genommen. Ebenso hätten auch 30 000 Italiener Deutschland besucht. „Unsere Arbeiter, die wir mit Kraft-durch-Freude-Schiffest ins Ausland fahren lassen, sind Sendboten der Freundschaft. Wir wissen, daß wir keine besseren Vertreter haben, um Sy nvp athien von Volk zu Volk zu schaffen, die in ihrer menschlichen Herzlichkeit eine wunderbare Ergänzung zu der großen Politik der Regierung darstellen." lieber 500 000 Deutsche seien bereits über die Grenze in andere Länder gefahren und ungeheuer bereichert in ihre Heimat zurückgekehrt. Miltelmeer-Reisen mit Landungen in Afrika würden zum sländigen Programm gehören. 3m kommenden 3ahr würden unsere Schiffe erstmalig jugoslawische Häfen und Griechenland anlaufen. 3n zwei13ahren werden wir mit unserer gesamten kdF.-Flotte Tausende von deutschen Arbeitern auf eine Weltreise schicken und sie z u d e n O l ym p i sch e n Spielen nach Tokio bringen.“ Der Präsident des 1. Weltkongresses, Kirby, schloß die Sitzung mit dem Wunsche, daß die Jugend der Welt in einem solchen Geiste erzogen werden möge, daß späteren Geschlechtern noch mehr Frieden, Glück und Wohlfahrt beschieden sein werden, als heute der Menschheit zuteil werden könne. Lm größten Binnenhafen der Welt. 44 Kilometer-Kai in Duisburg.— Vermittler zwischen Seefahrt und Flußfahrt. Von unserem B. Sch.-Korrespondenten. kann, also über eine Stundenleistung von 1000 Tonnen verfügt. Die Anlage ist, wie so manche andere in den Häfen, ein Wunderwerk der Technik. Kaum, daß man einen Menschen sieht, alles scheint sich von allein abzuspielen. Doch ist das Herz der Anlage ein Steuerturm, der die Befehlsstelle bildet, mit neuzeitlichen Meldeanlagen versehen ist wie Fernsprechern, Lichtschalttafeln, mit Sicherheits- und Sperreinrichtungen, die falsche Steuergriffe unmöglich machen. Auf 220 Jahre Geschichte können die Häfen zu- rückblicken. Die Ruhrschiffahrt bestand zwar schon im 11. Jahrhundert, und der Kohlenbergbau, dessen Anfänge auf das Jahr 1317 zurückgeführt werden können, ist auch viel älter als die Häfen, aber erst mit seiner zunehmenden Entwicklung gewann er für die Schiffahrt Bedeutung. Es war im Jahre 1715, als man an den Ausbau einer alten Ruhrschleife als Hafen heranging, der die „riesige" Ausdehnung von einem Hektar Wasserfläche hatte. Heute umfaßt das Hafenareal über 1000 Hektar! Die Länge der Eisenbahngeleise in den Häfen beträgt 415 Kilometer. Damals Umschlag der Kohlen aus den kleinen Ruhrnachen von 5 bis 10 Tonnen Tragfähigkeit in die. Rhein-Segelschiffe mit etwa 100 Tonnen Iragfraft. Die heutigen großen Schleppkähne haben über 4500 Tonnen Tragfähigkeit. Der wirtschaftliche Wiederaufstieg Deutschlands seit der Machtergreifung hat am Rheib genau wie die Erringung der politischen Freiheit den Ius- schlag gegeben: Der Rhein war seit dem „Friedens"- Vertrag international, heute ist er wieder der deutsche Strom. Die Derkehrsbeziehungen aber, die sich jetzt unter dem alleinigen deutschen Hoheitsrecht abspielen, sind international. Holländer, Belgier, Franzosen und Schweizer nutzen die deutsche Wasserstraße für ihre Güterbeförderung. So ist das Bild dieser Häfen bunt wie die Flaggen der Nationen, die hier verkehren. Alles, was in Nordeuropa Schiffahrt treibt, kommt hierhin. Von der Kohle und dem Erz bis zum Kisten-Gut, das alles wird hier umgeschlagen. Ein paar Jahre zurück: Auf dem Rheinstrom Kahn an Kahn, Boot an Boot — ohne Arbeit Mehrere Millionen Tonnen Schiffsraum warten wachen-, monatelang auf Ladung. Der Verkehr ist im Jahre 1932 fast auf ein Drittel des Verkehrs der Jahre 1913 oder 1926 zurückgegangen. Unter den Schiffern herrscht größte Not, denn das, was bewältigt werden muß, das können die großen Reedereien mit ihren eigenen Kähnen spielend bewältigen, und für den Kleinschiffer, der über einen Kahn oder zwei ober drei verfügt, bleibt nichts mehr übrig. Genau wie in der Landwirtschaft steigt die Schuldenlast durch Hyvotheken, die man auf die Schiffe auf= nimmt, ins Unermeßliche. Mancher bricht zusamEssen, im Juni 1938. Zwischen Wien und dem Ruhrgebiet, zwischen Erz 'und Kohle wird jetzt durch den Main- Donaukanal der ununterbrochene Wasserweg gebaut. Pis 1945 wird er nach dem neuen Gesetz, bas der Führer verkündete, für die Riesenkähne von 1500 Tonnen fahrbar fein. Es muß schon einen großen wirtschaftlichen Zweck haben, wenn ein solches Riesenwerk in Arbeit genommen wird. Wir wissen, in Linz werden die Hermann-Goring-Werke gebaut, sie werden.eine Art Gegenstück zu den weltbekannten gigantischen Anlagen des alten deutschen Jndustriereoiers im Ruhrgebiet bilden. Don dort, vom großen Duisburg-Ruhrorter Hafen aus, beginnt künftig die Wasserfahrt auf Rhein, Main und Donau, und dieser Startplatz einer Strecke, an berem anderen deutschen Ende Wien liegt, ist nichts geringeres als der größte Binnenhafen der Welf. Zahlen schien, aber zum Beweis müssen doch ein paar hierhin: In den Rhein-Ruhrhäfen, das sind die öffentlichen und Werk-Häfen auf betben Seiten des Rheins längs der Duisburger Stabt» grenze, wurden im vergangenen Jahre weit über 15 Millionen Tonnen u m g e f ch l a y e n. Diese gewaltige Gütermenge denke man sich in einem einzigen Güterzug zusammengestellt: Er würde doppelt so lang wie der Erddurchmesser sein. Die Kailänge allein der Öffentlichen Duisburg-Ruhrorter Häfen beträgt 44 Kilometer, in Zeiten des Hochbetriebs laufen täglich über 150 Schiffe ein und aus, und etwa alle 15 Minuten kommt ein 100-achsi- ger Güterzug an. Woher kommt dieser riesenhaste Umschlag, wohin geht er? Man muß sich vergegenwärtigen, daß die- fer Umschlaghafen das rheinisch-westfalische Industriegebiet versorgt, und zwar in der Hauptsache die Kohlen ihm abnimmt, den Rhein hinauf oder über Holland hinab befördert, bafür Erze, Getreide, Holz, Mineralöle und Kies ihm zuführt. 70 vH. der deutschen Steinkohle wer- den in diesem Gebiet gefordert, 70 v. H. aller deutschen Hochofen werden hier betrieben, etwa 70 v. H des deutschen Roheisens und Rohstahls werden auf einem Gebiet erzeugt, das mit feiner Fläche von 3000 Quadratkilometer noch nicht 6 v. H. der Fläche des Reichsgebiets ausmacht, aber 16 v. H der werk- , tätigen Bevölkerung Deutschlands beherbergt. Diese gewaltige Zusammenballung der Industrie verlangt' naturgemäß auch Güterumschlagsanlagen von ganz besonderen Ausmaßen. Im Ruhrorter Hafenbecken B steht eine Äoblenfipperan» läge, die mit zwei elektrischen Drehscheibenkippern arbeitet, und von denen jeder bis zu 24 volle Eisenbahnwaggons in der Stunde bei neunstündiger Arbeitszeit über 200 Wagen entleeren men. Dann kommt der Umschwung. Erst zögernd, dann immer schneller wachsen die Umschlagszahlen. In der deutschen Rheinschiffahrt ist der Gesundungsprozeß in vollem Gange, nie wurden solche Mengen umgeschlagen wie heute. Sorgen um die Beschäftigung „gibt es nicht mehr, aber, wie überall in Deutschland, Sorgen um die Erhaltung und Steigerung der Leistungskraft, die jetzt nach der Inangriffnahme der großen Wasserstraße nach der südöstlichen Mark des Reiches, zu immer größeren An- ftrengungen angefpornt werden muß. Der Führer bei Truppenübungen der Wehrmacht ■ MW WH W Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht wohnte in diesen Tagen in Anwesenheit des Oberbefehlshabers des Heeres, Generaloberst von Brauchitfch, und des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht, General der Artillerie Keitel, den Truppenübungen des Heeres auf dem Uebungsplatz Grafenwöhr bei. Auf unserem Bild sieht man den Führer vor dem Kartentisch; ganz links auf dem Bild General Keitel, rechts Generaloberst von Brauchitfch. — (Presfe-Hoffmann-M.) Aus neuen Wegen nach dem neuen Peking. Von unterem H.Tr.-Äenchierstaiier. Nachdruck verboten! II. Mkden-Expreß. Mukden, irtf Juni 1938. Auf die Minute genau rollt der Schnellzug nach Mukden aus der Halle des monumentalen und erst kürzlich mit einem Aufwand von mehreren Millionen Pen fertiggestellten Dairener Hauptbahn h o f 5. Die letzten Erfahrungen des Bahnhofsbaues sind hier in diesem Kopfbahnhof des Stillen Ozeans verwertet:^ auf einer breiten Autorampe fahren die abfahrenden Reisenden in den ersten Stock des palastartigen Baues und wandern von hier über weitläufige Ueberführungen zu den abgehenden Zügen, während alle Räume im Erdgeschoß für die ankommenden Reisenden beftimmt sind. Das lästige Gegen-den-Strich-Lausen fällt also überall fort, denn das ganze 'Bauwerk stellt gewissermaßen zwei ganz verschiedene, aber aufeinander gesetzte An- und Absahrtsbähnhöfe dar. Im Vergleich zu den ersten Monaten des Krieges macht dieser Bahnhof heute einen recht sachlich nüchternen, fast trübseligen Eindruck: wenig Menschen,' keine Fahnen, kein Jubel, keine Reservisten, die von ihren Angehörigen an den Zug gebracht werden — Sachlichkeit, graue, nüchterne Sachlichkeit regiert auch auf diesem Kriegsbahnhof, die Stunde, so wie es eben das Wesen des totalen Krieges erfordert, der nun schon seit Monaten den Fernen Osten in Atem hält. Im Hinterlande merkt diesen Krieg selbst der blutigste Laie an der rasenden Pr e i s st e i gern n g , der selbst die elementarsten Bedürfnisse unterworfen sind: Tokio meldet amtlich bereits eine Indexziffer von 197, und auch im Speisewagen sind die Preise für fernöstliche Verhältnisse empfindlich in die Höhe gegangen: zahlte man bisher für eine Tasse Milchkaffee mit drei Stück Zucker 7 Pfennige, so muß man jetzt deren 10 hinlegen, und eine Portion gekochter Schinken mit grünem und Kartoffelsalat kostet heute 35 Pfennige-.. auch das war „vor dem Kriege" billiger und wird vielleicht daheim auch heute noch als „lächerlich" billig empfunden. Gewiß! Aber auch in Fernost stehen Lohne und Preise in einem ganz bestimmten Verhältnis zueinander, und ein japanischer Major, der alles in allem heute mit allen Frontzulagen 200 Mark Monatsgehalt bezieht, empfindet eine Preissteigerung von 20 v. H., wie sie schlagartig nach dem 1. April eingetreten ist, ganz empfindlich. Etwa sechs Stunden braucht dieser Schnellzug bis Mukden: er rast durch eine braune, von Fruchtbarkeit strotzende Ebene, Stationsnamen, die vor 34 Jahren im Russisch-Japanischen Kriege die Welt aufhorchen ließen, fliegen vorbei... reiche Chinesendörfern, riesige Obstplantagen, verwitterte Kriegerdenkmäler... wie rote Tupfen stehen die blühenden Kirschbäume den zartgrünen Aeckern, auf den gartenartig angelegten, mit unendlicher Liebe und Sorgfalt bebauten Feldern emsige chinesische .Bauern, spielende Kinder in leuchtend roten Kleidern, irgendwo das glitzernde Meer, im fernen blauen Dunst verdämmernde, zackig-kahle Bergriefen ... ganz eigenartig dieser Frühlingszauber, der über der weiten mandschurischen Landschaft liegt und die auf dem besten Wege dazu ist, ein gesegneter Garten Gottes zu werden. Und manchmal empfindet man als Deutscher fast so etwas wie Neid, wenn man diese unendliche Weite mit ihren unerschöpflichen Möglichkeiten sieht, die sich hier der organisatorisch-kulturellen Tätigkeit der Japaner barbieten. Gerade weil diese Japaner aus der Enge kommen, toben sie sich vielleicht in dieser fast hemmungslos zu nennenden Art und Weife in eben dieser Weite aus: als ob sie von dieser Weite berauscht wären: so stampfen sie Stahlwerke,' Oel- anlagen, Fabriken, Industrien, Hochöfen, Bergwerke, Bahnen, ganze Städte aus dem Boden ohne zu fragen „Was kostet es?" und „Was kommt danach?" Organisieren, aufbauen, Ordnung schaffen, arbeiten, arbeiten und noch einmal arbeiten, manchmal kann man diese Japaner wirklich beneiden ob der Möglichkeiten, die sie hier zur Entfaltung haben! Und es müßte schön sein, auch einmal so ein Stück jungfräulichen Niemandslandes in die Hand gedrückt zu bekommen, mit dem ungeschriebenen Auftrag: „Da? Nimm! Mach etwas daraus!" Denn die Japaner haben in den letzten sechs Jahren etwas aus dieser Mandschurei gemacht, das kann auch der böswilligste Kritiker nicht bestreiten, die Tragik ist aber wohl nur die, daß sie mit all ihrer Arbeit letztem Endes nur der chinesischen Masseneinwanderung die Wege ebnen, den Chinesen das mandschurische, Haus einrichten und zahlenmäßig gegen diese chinesische Völkerwanderung immer mehr ins Hintertreffen geraten. Heute bereits stehen in dieser Mandschurei 30 Millionen Chinesen einer nicht einmal halben Million Japaner gegenüber, von denen poch dazu die meisten in den Städten als Gewerbetreibende fitzen! Und in einem weiteren Menschenalter werden es vielleicht 70 Millionen Chinesen und immer nur noch erst eine halbe Millionen Japaner fein, weil eben auf die Dauer der einzelne. Japaner in dieser Mandschurei genau so wenig ansässig werden kann und will wie etwa der Engländer in Indien. Und wenn sich dann einmal die Chinesen in diesem mandschurischen, vom Japaner eingerichteten Hause wirklich wohnlich niedergelassen haben, dann werden diese Japaner — sagen di e Chinesen mit der abgeklärten Ruhe eines Mannes, der in Jahrhunderten denkt — genau so im mandschurischen Lehm „versack t" sein, wie die Mandschus, die Mongolen und andere, die den Fuß auf den schwankenden Boden des ewigen Chinas gesetzt haben. Nun, das werden wir nicht mehr erleben, infolgedessen lassen wir diese trübseligen Betrachtungen, bjenn eben fliegen die großen Stahlwerke von A n »© dj> a n vorbei. Eine qualmende, feuerspeiende Vulkanlandschast, als führe man zur nächtlichen Stunde irgendwo durchs deutsche Industriegebiet — kurz darauf donnert der Expreß in die Halle des Muk d euer Hauptbahnhofs. Mukden! Dor allem „Bahnhof Mukden", auch so ein Begriff, der jeden Deutschen, der etwas zum Spintisieren neigt, nachdenklich stimmen könnte. Hier auf Bahnhof Mukden ohrfeigten sich nämlich im Jahre 1904 — Oberstleutnant Hoffmann, 'der Generalstabschef Ludendorffs in der Tannenbergschlacht, erwähnt das Faktum in seinen „Erinnerungen" — die russischen Generäle Renne n kamp ff und Samsonow. Hoffmann — damals Militärattache auf russischer Seite — war Augenzeuge dieser peinlichen, Szene, und als vor Beginn der Tannenbergschlacht die Frage aufgeworfen wurde, ob Rennenkampff seinem zuerst angegriffenen Kollegen Samsonow zu Hilfe kommen würde, bezweifelte Hoffmann dies und führte zur Stütze seiner These unter anderem auch die von ihm miterlebte Ohrfeigenszene auf Bahnhof Mukden ins Treffen. Tatsächlich kam Rennenkampff dem armen Samsonow nicht zu Hilfe, Tannenberg ging für die Russen verloren, und das zaristische System wurde bis ins Mark getroffen. Was wäre geschehen, wenn Rennenkampff wirklich marschiert wäre? Hindenburg und die andern haben es in ihren „Erinnerungen" deutlich genug ausgemalt und die Weltgeschichte wäre vielleicht in ganz anderen Bahnen verlaufen, wenn sich zehn Jahre vor Tannenberg die beiden russischen Generäle auf Bahnhof Mukden nicht geohrfeigt, sondern geküßt hätten. Aber die Weltgeschichte hat sich eben von jeher die eigenartigsten Treppenwitze geleistet... Nun, das alles sind vielleicht fruchtlose Betrachtungen, zu denen auf alft Fälle gerade jetzt keine Zeit mehr ist: mit Sack und Pack steht man plötzlich um die mitternächtige Stunde auf dem fast menschenleeren Mukdener Bahnhof und beschaut sich ziemlich hilflos die bizärren chinesisch-japanischen Aufschriften. Große Frage: Wo und auf welchem Gleis und welchem Bahnsteig läuft nun der Zug nach I e - h o l — wollte sagen nach Cheng-The — ein? Denn „chinesisch" kann man im landläufigen Sinne ebensowenig lernen wie „europäisch". Jedes Land des Erdteils Europa spricht genau so eine andere Sprache oder einen anderen Dialekt wie etwa die einzelnen Provinzen des Erdteils China. Und da die Mandschurei-Chinesen aus fast allen Provinzen oder Ländern des Erdteils China eingewandert sind, ist das chinesische Sprachengemisch in der Mandschurei genau so groß wie in irgendeinem amerikanischen Einwan. dererhafen, wo sämtliche Sprachen Europas gesprochen und langsam zu irgendeinem Kauderwelsch zusam- mengeschweißt werden, von dem die Amerikaner mit eiserner Stirn behaupten, es wäre englisch Auf „europäisch" heißt also mein Reiseziel Jehol, die Chi- nesen nennen es Cheng-The, und die Japaner kennen noch einen dritten Namen, der geschrieben aus 25 Strichen besteht, die insgesamt ein entzückendes Aus aller Welt 1 Durch Hagelschlag wurden große Obstbestände ver- dc rPilbeler Urquelle in Kolonialwaren - Geschäften, Gastwirtschaften und Drogerien Vermietungen] [Stellenangebote] 02976 nichtet. Unwetter, lleberschwemmungen und Bergrutsche 9 r r 3 n n D in h, i* ' i)it r1' ü li a d ri,, n f'., L fc- 3', n h' bi. ai P - bl d.» r< c ’ P te 1 t/ Postwertzeichen zum Deutschen Turn« und Sportfest. Wilnaer Gebiet wurde von einem Wirbel,türm palten litt) aoer an '“J™ h-imgesucht, der eine große An^hl Häu^zerstorte. Rannen/m^Gesecht. hierbei wurde verletzt. S)er Sportler: Nach dem Wettkampf kein schönerer Lohn als eine Flaschfe 4182D Erhältlich erschossen und ein zweiter schwer verletzt. Die Banditen konnten entkommen. Hohe Beamte der Wojwoüschaft haben sich an den Tatort begeben, um die Fahndung nach der Bande Kaufmann und raubte ihm eine große Summe. Die Polizei spürte die Räuber bei dem Dorfe Syro- komla auf und eröffnete das Feuer. Die Banditen hatten sich aber an einem Waldrande gtit ver- 25. Juni bis 24. Juli die romantischen Lustspiele und ausgelassenen Rüpelkomödien von Shakespeare „Wie es Euch gefällt“, „Viel Lärm um Nichts“, „Ein Sommernachtstraum“. Ein Erlebnis auch für Sie! fahrt erlitt erhebliche Störungen. Diele Ausflugsdampfer mußten in den nächstliegenden Häsen Schutz suchen. In den Badeorten der Südküste richtete der Sturm großen Schaden an; Hunderte von Strandhütten wurden von der Flut fortgeschwemmt. Der Sturm war in allen Teilen Englands von starken Regenfällen begleitet. Schwerer Gewitterskurm über Polen. zu leiten. Commander Rosendahl besucht Deutschland. Unter den 1200 Fahrgästen, die mit dem Schnelldampfer .„Europa" des Norddeutschen Lloyd in Bremerhaven ankommen, befindet sich der bekannte amerikanische Luftschiffkommandant Rosendahl aus Lakehurst. Commander Rosendahl kommt auf Einladung der Deutschen Zeppelin-Reederei nach Deutschland, um an den Feierlichkeiten aus Anlaß des 100. Geburtstages des Grafen Zeppelin teilzunehmen und um sich die Einrichtungen des deutschen Luftschiffoerkehrs und des Luftschiffbaues in Deutschland anzusehen. Fünf Tote t beim Absturz eines französischen Bombers. In der Nähe des Militärflughafens von Reims stürzte ein mit zwei Offizieren und drei Unteroffizieren besetztes französisches Bombenflugzeug ab. Das Flugzeug, das einen Uebungsflug unternehmen sollte, erhob sich beim Start kerzengerade in die Luft, um dann plötzlich abzusacken und am Erdboden zu zerschellen. Dabei geriet der Apparat in Brand. Obwohl sofort Hilfe herbeieilte, gelang es nicht mehr, die fünfköpfige Besatzung noch lebend zu bergen. Ein Untersuchungsausschuß begab sich an die Unglücksstelle, um die Ursache des Unglücks festzustellen. Geheimnisvoller Flugzeugdiebstaht in England. Ein geheimnisvoller Flugzeugdieb st ahl in der Nähe von London endete mit der schweren Verletzung eines der beiden Diebe und der vollständigen Zerstörung des Flugzeuges. Nach den bisher, vorliegenden Andeutungen waren die beiden Diebe Kommunisten, die anscheinend versuchen wollten, mit dem gestohlenen Flugzeug Barcelona zu erreichen. Die beiden hatten einen privaten Flugzeugschuppen aufgebrochen und das schnellste der darin untergebrachten Flugzeuge auf das Flugfeld gerollt. Hierauf hatten sie sich in einer benachbarten Garage Treibstoff verschafft und waren nach Auffüllung des Tanks gestartet. Augenscheinlich war jedoch keiner der beiden Diebe mit dem Flugzeug vertraut, denn Vie Maschine rollte gegen eine Hecke Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Dr. Hans Thy-> riot Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein (in Urlaub); in Vertretung: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A V. 38: 9163. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Die Deutsche Reichspost gibt • aus Anlaß des vom 24. bis 31. Juli in Breslau stattfindenden 16. Deutschen Turn- und Sportfestes diese in Stahlstich hergestellten Sondermarken heraus. Die Entwürfe, die von dem. Graphiker Georg Fritz stammen, zeigen Breslauer Bilder, und zwar die Dominsel (3 Rps.), das Hermann- Göring -Sportfeld (6 Rpf), das Rathaus (12 Rpf.) und die Jahrhunderthalle (15 Rpf.) (Scherl-Bilüerdienst-M.) Hiesiges Restaur. sucht sofort gutes Haus: mäddien Zu erfragen im Gieß. Anz. 4379D und wurde zerstört. Einer der beiden Diebe erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß er zur Zeit noch bewußtlos ist. Der zweite kam mit leichteren Verletzungen davon und konnte verhaftet werden. Die Polizei hat sofort eine Untersuchung eingeleitet, doch sind nähere Einzelheiten bisher nicht bekanntgegeben worden. Ordentliches Mdchen für den Haushalt sofort oo. später gesucht. 4383D Adolf Möhl, Gießen, Bahnhofstraße 5 Erfahrenes Mädchen f. Restaurationsbetrieb v. sofort gesucht,ebenfalls Aushilfe f. tagsüber. ti78D Neustadt 59. Modernes Schlatzimmer hell Birke, und Herrenzimmer sowieEisschrank alles wie neu, zu verkaufen. 02934 Anzus. 4 7 Uhr Sicher Str. 19. Bei Einsatz der Heuernte kaust per Fuhre und Waggon Wiesen-Heu Heeresverpflegungs-Hauptamt Gießen Telefon 3010 Abliefersielle mit Fuhre: Heeresverpslegungs-Hauptamt Gießen, Erdkauterweg. Dersandadresie bei Waggvnlieferungen: Heeresverpflegungs-Hauptamt Gießen, Anschlußgleis. Es wird gezahlt bis zu einer evtl. Preisfestsetzung: a) bei Fuhrenanlieferungen „frei Magazin“ b) bei Verladung auf Waggon „frei Derladebahnhvf“ für den Ztr. je nach Gute 2.50 bis 2.75 3LK. Im Fall b) erfolgt die Verladung durch das Amt, ebenfalls werden die Transportkosten und Deckenmiete vom Amt getragen. Angebote von Händlern werden besonders erbeten. 4251D Muster für eine Kaffeedeckenstickerei ergeben. Also greift man sich einen der zahlreichen chinesischen Gepäckträger, die riesengroße Nummern oder Namen auf ihren blauen Jacken tragen und buchstabiert ihnen „Cheng-The" vor. „Hau! Hau —Hau!" ruft der erfreut, „Gut! Gut! Gut!" ... emfachste Sache der Welt, und schon wird man in einen bereitstehenden Schnellzug gestopft. Der japanische Schlafwagenschaffner in blütenweißen Handschuhen und einer funkelnagelneuen „Marine-Uniform" prüft Fahr- und Bettkarten, alles stimmt, und mit gemessener Feierlichkeit wird man an die Lagerstätte Nr. 7 geleitet. Es stimmt. Aber das bekannte Unterbewußtsein schreit mal wieder gellend: „Nein, es stimmt nicht!" Und tatsächlich: Es stimmte auch nicht! Denn ein Amerikaner wies einwandfrei nach, daß das „f e i n" Bett und man selbst i m falschen Zuge saß, nämlich im d l r e f t e n Schnellzug über Shanheikwan nach Peking, wahrend man ja doch den großen Bahnumweg über Jehol nach Peking machen wollte! Lange Debatten, der Uhrzeiger rast, als Retter in der Not taucht ein japanischer Admiral auf. Das heißt: der Retter sah in seiner herrlichen Marineuniform nur so aus, in Seltene Jlaturun Kunden von den Halligen und vom Wattenmeer enthält die Neuerscheinung, die alle Naturfreunde und Dogelliebhaber mit Begeisterung lesen und schauen werden: * Unter SädelWlem nJeefMen Beobachtungen und Natururkunden aus d. Dogelwelt d. deutschen Nordseeküste. — Don Lugen Schuhmacher Insgesamt 104 Seiten mit 92 Bildern nach wundervollen Naturaufnahmen. In Heinen gebunden RM. 3.90. Bestellungen nimmt jede Buchhandlung entgegen. Verlangen Sie bitte das aus- führliche Werbeblatt. HugoBermühler Verlag Berlin-Lichterfelde Kür auswärtige Schüler SimmermifPeniion gesucht. Schriftliche Angebote mit Preis unter 4386V an den Gieß. Anzeig Ein schwerer Gewitter st urm ging über der polnischen Wojewodschaft Kielce nieder, bei dem durch Blitzschlag zwei Personen getötet wurden. Das Wilnaer Gebiet wurde von einem Wirbelsturm Wir suchen f. baldigen Eintritt zuverlässigen, jüngeren Verkäufer der gut dekorieren und Plakate schreiben kann. 43?5D Angebote mit Zeugnisabschriften an Schade & Süllgvabe Frankfurt (Main), Osthafen. Oer Lütticher Gistmordprozeß. ’ Die Zeugenvernehmung im Lütticher Gift- l mordprozeß wird beschleunigt und mit stets ' gleichbleibendem Ergebnis fortgesetzt: fast sämtliche Aussagen sind belastend für die Angeklagte, aber 1 keine einzige lieferte bis jetzt genügenden Stoff zur einwandfreien. Schuldüberführung. Bemerkenswert schienen u. ä. die Aussagen der Zeugin R a n f u e t über den verdächtigen Tod ihrer Freundin, der trotz ihrer 70 Jahre noch recht rüstigen Witwe Bult. Die Zeugin, die mit ihr das gleiche Haus bewohnte, erzähll, die Bult habe sie eines Tages um zwei Weingläser gebeten, weil sie Besuch habe. Einige Tage darauf starb die Bult, die, wie die Zeugin beteuert, während ihrer kurzen Krankheit mehrere Male eine grüne Flüssigkeit, erbrochen habe. Der Gast aber, für den die Tote das zweite Glas entlieh, war Marie Becker, die Angeklagte. Eine andere Zeugin, eine gewisse Frau Pilet, behauptete, dkk Becker habe mehrere ihrer Opfer auf einer Bank des Boulevard d'Aoroy in Lüttich angesprochen, um deren Bekanntschaft zu machen. Auf diesem Wege habe die Becker auch ihre, der Zeugm, Bekanntschaft gemacht und ihr den Vorschlag unterbreitet, einige Gläser Portwein mit chr zu trinken. Erst an den 14 Tage später in den Zeitungen erschienenen Lichtbildern habe die Zeugin erkannt, daß die Frau vom Boulevard d'Avroy die Angeklagte gewesen sei. Bei einem Dominikanermönch, der ebenfalls vernommen wurde, soll die Becker, die der Zeuge wiederzuerkennen glaubt, Anschriften reicher und kranker Personen erfragt und sich als Krankenpflegerin empfohlen haben. DDAL.-Reichslreffen in Danzig und Königsberg. Der Deutsche A u t o m o b i.l - C l u b ruft in diesem Jahre seine Mitglieder aus allen deutschen Gauen in den DDAC.-Gau Ostland. Wenn die DDAC.-Fahrer — dis jetzt sind über 350 Fahrzeuge mit rund 760 Teilnehmern gemeldet — aus allen deutschen Gauen, vor allem aus dem Süden, Westen und Norden bei Entfernungen von vielfach über 1000 Kilometer ihre Fahrzeuge nach Danzig und Königsberg steuern, so kommt darin erneut die innige Verbundenheit des DDAC. mit Ostpreußen zum Ausdruck. Am 1. Juli treffen sich die DDAC.-Gauführer aus ganz Deutschland zur Gauführer- Tagung in Zoppot. In Danzig ist neben einem Empfang durch den. Senat eine Feierstunde auf dem " Langen Markt vorgesehen. Daran schließt sich eine Besichtigung der Stadt und die Weiterfahrt nach Königsberg an, wo die Ostpreußenfahrer die von Gauleiter Erich Koch gestiftete Ehrengabe sowie eine Erinnerungsgabe des DDAC.' erhalten. Ein Begrüßungsabend in der Stadthalle wird die Teilnehmer in Anwesenheit des Gauleiters kameradschaftlich vereinen. Schwerer Sturm über England. England, vor allem die Südküste, wurde von einem für die Jahreszeit ungewöhnlichen Sturm heimgesucht, der eine Geschwindigkeit bis zu 120 Stundenkilometer erreichte. Die Kanal- und Themseschiff- Wirklichkeit ein Abgesandter des „Japanese Turist- Bureau", der — ein Hoch diesem tüchtigen Institut! — für besonders begriffsstutzige „Foreigners" zum Nachtdienst abkommandiert war. „Ganz recht", sagt er würdevoll, „der Herr sitzen im falschen Zuge, der Zug nach Jehol kommt gleich auf dem Nebengleis, worauf der Herr in, Cheng-The das Flugzeug nehmen und..." „Flugzeug! Schon wieder Flugzeug! Hat denn auch dieser Bahnbeamte noch nichts von der neuen Jehol-Bahn gehört? Oder sollte das Ganze tatsächlich nur ein Bluff sein? Denn mit wieviel Bluffs hier draußen in diesem Kriege gearbeitet wird, das kann sich selbst nicht einmal die ausschweifendste Phantasie eines Jules Verne ausdenken! Nun — Bahn hin, Bahn her! Raus mit dem Gepäck aus dem falschen und rin mit den Koffern in den richtigen Zug. Bis Jehol geht er bestimmt, und dann wird sich alles historisch entwickeln. Und geht's doch nicht, nämlich auf neuen Wegen nach dem neuen Peking zu gelangen, nun, dann springt eben eine Erinnerung dabei heraus, und das ist auch schon etwas wert. * in Bosnien. Die tropische Hitze, die seit einer Woche in ganz Jugoslawien herrscht, führte zu schweren Gewittern. Niedergehende Wolkenbrüche führten vor allem in Bosnien verschiedentlich zu Ueber- schwemmungen und Bergrutschen. So wurde die Schmalspurbahn Belgrad — Serajewo in der Nähe des. Drinatales auf einer Länge von 60 Metern verschüttet. Nahebei stürzte auf der aufgeweichten Straße ein Omnibus um, wobei drei Fahrgäste schwer und mehrere leicht verletzt wurden. Rekordhihe in Rumänien. Die Hitze hat in Rumänien Höchsttemperaturen erreicht. In Bukarest zeigte das Thermometer 39 Grad Celsius im Schatten und 51 Grad in der Sonne. Ende Juni war eine solche Temperatur seit Menschengedenken nicht mehr zu verzeichnen. Zwei Warschauer Fabriken niedergebrannt. Ein Großfeuer vernichtete binnen wenigen Stunden in Warschau eine große Farbenfabrik und eine anliegende Gummifabrik. Das Feuer dürste in dem Kesselhaus durch glühende Kohlen entstanden sein. Die Löscharbeiten gestalteten sich sehr schwierig, da in der Gummifabrik ein großes Lager von feuergefährlichen Stossen von den Flammen ergriffen wurde. Hierbei wurde ein Arbeiter schwer verletzt. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Lin neuer Entführungsfall? Bei Albuquerque im Staate New Mexikp ist unter geheimnisvollen Umständen der 21jährige John Nedill M c C o r m i ck verschwunden, der der einzige Sohn eines bekannten Verlegers in Chikago und Erbe eines ungeheuren Vermögens ist. Er war mit einem Freunde aufgebrochen, um eine Bergtour zu unternehmen. Der Freund wurde in den Bergen t o t aufgefunden, während von Cormick bisher jede Spur fehlt. Man nimmt deshalb an, daß er von Banditen entführt worden ist. Der Schrecken von Lublin. Eine blutige Schlacht zwischen Polizei und Räubern fand in der Gegend von Lublin statt. Die Bande, die schon mehrere Menschenleben auf dem Gewissen hat uhb erst kürzlich einen Gendarmen erschoß, überfiel vor einigen Tagen einen | Verkäufe""| Vogelsberger Stub mit Mutterkalb zu verkauf, 02931 Taubringen, Hauptstraße 3. 13/50 Fort- KatieolieleraaOen mit neuen Kolben, billig zu verkaufen. 02977 V. Wernst, Frankfurt a.M., Friedberger Landstraße 1341 Gut erhaltene Laden Einriclit. m. särntl. Zubeh. zu verkaufen. Näheres 02935 Dammstraße 34. Wetterbericht Der am Dienstagmorgen noch über Irland gelegene neue Sturmwirbel ist unter weiterer Verstärkung bis Skandinavien vorgestoßen, er übte dabei auch seinen Einfluß auf unser Wetter aus und brachte zeitweise starke Bewölkung und, heftige Sturmböen, aber noch immer nicht die von der Landwirtschaft so dringend benötigten ausgiebigen Niederschläge. Der Abschluß der vom Atlantik ausgehenden Wirbeltätigkeit ist noch nicht abzusehen, doch scheint sich eine Beruhigung durchzusetzen. Vorhersage für Donnerstag: Veränderlich, mit häufiger Aufheiterung und höchstens vereinzelt auftretenden Gewittern. Kühler, abflauende^ doch immer noch kräftige westliche bis nordwestlich^ Winde. Vorhersage für Freitag: Durchgehend wieder zunehmende Unbeständigkeit, aber wieder etwas roärmeY. Lufttemperaturen am 28. Juni: mittags 24,4 Grad Celsius, abends 18,4 Grad; am 29. Juni: morgens 19,4 Grad. Maximum 24,6 Grad, Minimum heute nacht 16,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Juni: abends 22,5 Grad; am 29. Ium: morgens 19,5 Grad. — Sonnenscheindauer 10 Stunden. Gesunde Meerschweinchen (ab 300 Gramm) zu kaufen gesucht. Eilangebote an 438oD Beterinäruntersuchungsamt, Gießen, Marburger Straße 54. Ihre Geschäftsdrucksachen »teilen die Verbindung her zu lh»en Erzeugnissen. Man stellt eloh die Beschaffenheit Ihrer Waren so vor. wie man Briefbogen. Briefumschläge. Postkarten. Rechnungen. Geschäfte karten Ihres Hauses beurteilt. Legen Sie deshalb Wert au* gepflegte Drucksachen i Wir bieten sie Ihnen Brühl’sche Druckerei. Schulstr. 7. Ruf 2251 Donnerstag, 30.Juni 1938.nachm. 2 Uhr, versteigere ich an Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im Bersteigernngs-Lotal, Neuenweg Nr. 28 dahier) zwangsweise geg. Barzahlung folg. Gegenstände: 2 elektr. Kühlschränke, 1 Personenwagen, Chaiselongue, Kautsch, Kommode, Vertiko,Büfetts, Buro- tische,Schreibmasch.-Tische,Seffel, Diplomatschreibtische, Bücherschr., Klavier u. Grammophon, Schreib- Maschinen, Damenfahrrad, Tam.- Strümvfe, 1 Elektromotor, em Schwein, 30 Handbeile, 30 The^ mosflaschen, 25 Kaffeekannen, 72 Kaffeekessel und andere Haus- haltungsgegem'tände. 43950 Bestimmt: 1 Schreib - Sekretär. 1 Kommode, 1 Standuhr. ÄwU Gerichtsvollzieher in Gießen, Ludwigstraße 33 I, Telefon 3239. Nach langem schweren, mit Geduld ertragenen Leiden entschlief heute meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Anna Römer geb. Gilbert im 75. Lebensjahr. , In tiefem Schmerz: Karl Römer und alle Angehörigen. Gießen, Frankfurt a.M., den 27. Juni 1938. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 30. Juni, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. 4/16 Opel- Limousine gut erhalten, steuerfrei, preiswert zu verkauf. Pfeiffer, Bollnbach bei Saasen. 02990 1-Tonnen- Öpel-Prilschenw. 3 4 Jahr alt, in sehr guter Verfassung, z. Taxwert zu verkauf. Daimler-Benz Ä.G. Verkaufsbüro Gießen, Tel. 2983. Nachlässe von r di» 20 v. 6. erhalten Sie bet wiederholten Ausnahmen einer Ameig» Keine Zeugnisse in Urschrift lonoern nur Zeugu» abichristen Dem Bewerbungsschreiben bet legen 1 — Lichtbilder lmüBewerbungsullter- tgen mühen aux Vermeidung oon Verlusten aus der Rückseite Namen und Anschriil Dti Bewerbers trauenl Suche einen Bäckerlehrling für sofort. 43?3d Georg Dürr, Bäckermeister, Groß-Karben. Mädchen oder alleinsteh. Frau zur Aushllfe für Haushalt auf 1 Monat sofort ges. Frdr. Büttner, Landgraf-Phll.- Platz 12. 02892 S in Ai ' äu dii " je! Zc 1 •; Ml toi 11 sel '! he: sei an Lu tei mt’i Fr j all . las gr> ad da^ far , Eu roh cm lich ' . spa a bei 1. ha. Zu . au? erst gez gcl s'ch Fri stet Un ode dur ■ '' schc neu? abh 9 V01 List k tsch oer . Tei l'j - gen dreh Kri. Inf. lin däck Wel dun Kris von Eng mac Wei entt ' tion I Kaufgesuche Gebraucht., aber gut erhaltener Opel od.DKW. -Viersitzer Baujahr nicht unter 35, gegen bar zu kaufen gesucht. Schr. Ang. m. Preis u.4382d an d. Gieß. 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In jedes Kochgeschirr ließ der Fähnleinführer aus einer Tüte etwas in das Wasser hineinrieseln, daß es sich rötlich färbte. Die Pimpfe schüttelten die Köpfe und wußten nicht, wozu diese Spielerei sein mochte. Dann hieß es „los!" und der erste Mann rannte mit seinem Kochgeschirr zur Hecke hinüber. Dort stand ein Posten und fragte den Pimpf nach den Schwertworten. Als er sie hergesagt hatte, Durfte er weiter. Drei Minuten später startete der erste Pimpf der nächsten Jungenschaft. Die Zeit wurde genau abgestoppt. Inzwischen mühte sich der Pimpf von Jungenschaft 1 durch die Büsche. Vorsichtig mußte er sich zum Bach hinunterarbeiten, denn sonst schwappte ihm das Wasser, das er über diese ganze Strecke bringen'sollte, aus dem Kochgeschirr. Steil bergab ging es, und der Schleedorn ritzte einige Erinnerungen in die Haut. Nun ist er beim Bach, klettert über die Steine und hält die Hand schirmend über die Augen, uyi das nächste rote Tuch zu suchen, das ist nämlich der Wegweiser.'Aha — da oben baumelt ein Fetzen. Der Pimpf muß wieder den anderen Steilhang hinauf, abermals durch Brombeergerank. Japsend steht er dann auf dem Weg und entdeckt drüben den nächsten Fetzen. Quer durchs Gelände geht es.zu einer Sandgrube hinüber. Wieder wartet ein Posten und gibt dem Pimpf eine Meldung, die er behalten soll: „Am 18. Juni, 15 Uhr, starteten von Höhe 80 sechs Jun- genschaften mit Kochgeschirren zum Pimpfenlauf." Mit dieser Meldung läuft der Pimpf mit feinem. Kochgeschirr 'durch die Sandgrube zum nächsten Posten, der wissen will, wieviel Deutsche in den Sudeten leben. Aha — das soll eipe Frage zum Auslanddeutschtum sein, das der Pimpf auch beherrschen soll. Er antwortet richtig und darf weiter. Wo geht es denn nun entlang?' Kein roter Lappen ist zu sehen. Das soll wohl eine Hebung zur Sinnesschärfung fein. Nur die Ruhe, wenn der Schweiß auch von der Stirn läuft, Augen zusammenkneifen, sieh mal — da drüben in der Hecke flattert doch etwas. Natürlich, da soll er hin. Aber da ist plötzlich ein Graben, und ein Posten winkt mit der Hand nadrunten. „Ducken!" ruft er. No schön, geduckt schleicht der Pimpf mit seinem Kochgeschirr zum Waldrand hinüber. Bei einem Baum steht wieder ein Posten und zeigt auf einen Ast in greifbarer Nähe: „Zwei KlimmzÜge!" Auch das noch! Der Pimpf stellt sein Kochaeschirr bin und zieht sich zweimal am Ast hoch. Dann hastet er weiter. Nun geht es durch den Wald, und da soll er von vier verschiedenen Baumarten Blätter mitbringen Da, Ahorn, eine Birke und dort ist noch eine Blautanne. Zum Schluß ein Eschenblatt. Der Weg ist zu Ende, und abermals wartet ein Posten, der die Feiertage der Nation wissen will. Nur sich nicht verblüffen lassen. Der Pimpf kriegt sie alle noch zusammen. Nicht umsonst haben sie im Winter regelmäßig Schulung gehabt. Nun kommt der Pimpf auf eine freie Fläche. Bei einem Hausen faustgroßer Steine wartet der nächste Posten und erklärt dem Pimpfen, daß er einen Stein bis zu der hellen Flagge werfen soll. Das wären gut 30 Meter. Mit aller Wucht (und Wut) schmettert der Pimpf seinen Stein in die Gegend und scheint es geschafft zu haben. Er kann weiter Jetzt muß er sich wieder nach den roten Lappen orientieren. Auf einer kleineren Wiese hat er zwei Rollen vorwärts und rückwärts zu drehen und bann hinein in bie Brombeerranken. Zweimal muß er über ben Bach springen, 'was mit^bem Kochgeschirr eine ziemlich heikle Sache .st. Schon Zungen aus Draht. „Achtung! — Sprechstelle „C" wie Casar.." In einer bidjten Schonung liegt Zwischen Holzstößen, burch Zeltbahnen oorschriftsmaßig getarnt, die Fernsprechzentrale. Neben unzähligen Drahten, Kabeln und vielen Feldtelephonen hockt lautlos die Bedienungsmannschaft. Die große Hebung der Nachrichten-HI. ist im vollen Gange. Auf der nahen Landstraße flitzen Meldereiter, schleichen Ordonanzen durch die Straßengräben. Hin und wieder donnert ein Motorrad die Straße entlang — die Schiedsrichter sind auf ihrem Posten und kontrollieren die entfernteste Stellung auf vorschriftsmäßige Durchführung der Ujebung. Noch herrscht Ruhe in der Zentrale. Da knackt es im Hnterholz, Zweige brechen, und mit kühnem Satz springt ein großer Schäferhund ins Bersteck der Jungen. Gehorsam duckt sich der Meldehund — eine Kapsel mit dem Meldeformular wird ihm aus dem Halsband gezogen. „Waldbrand droht Abteilung II einzuschließen — Warnung an alle!" So steht da. Fieberhafte Arbeit setzt in der Zentrale ein. Jetzt rasseln btt Klappey- schränke, summen bie Telephone, flitzen bie Melder. „Achtung, Achtung — hier Sprechstelle ,C‘ wie Cäsar — wir melden .. Hunderte von Meter zieht sich das graue Feldkabel auf den Aesten des Hochwaldes hin. Heber Gräben und Gestrüpp, dichtes Hnterholz und moorigen Waldboden ist es von Ast zu Ast gezogen, um dann plötzlich an einem Stamm herunter m einem Graden zu verschwinden. Da leuchtet auch bereits die rote Fernsprechflagge mit dem weißen /#F" — das Kennzeichen der Sprechstellen. Dem Posten „B" ist ein Blinkgerät mit Bedienungsmannschaft angegliedert. Da flammt schon am anderen Ende des langen, geraden Weges am Saum des Waldes ein rotes Licht auf: Kurz — lang — kurz Die Blinker greifen, mit der jetzt hereinbrechenden Dunkelheit, m die Hebung em. Gegen den * nachtfchwarzen Wald nehmen sich die roten Lichtschwappt ihm etwas Wasser heraus. Ist doch halb so schlimm Schnell etwas aus dem Bach nachgefüllt. Ach, verdrehte Kiste, das Wasser war ja rot gefärbt und würde Heller werden, wenn der Pimpf mogelt. Na, die Kameraden von der Jungenschaft werden über das verlorene Wasser schön fluchen, denn das gibt Fehlerpunkte. Endspurt Es geht einen Berg hinauf, und oben wartet der letzte Posten der Strecke. Er will die Meldung wissen, an die der Pimpf überhaupt nicht mehr gedacht hat. Kurze Heberlegung, tief, Luft geholt. Eine Meldung baut sich immer nach •ben vier Punkten: Wann, Wo, Was, Wie auf. Danach sammelt sich ber Pimpf aus allen Ecken seines Derstanbskastens bie Meldung zusammen, Jagt sie her unb kann bas Kochgeschirr an ben nächstes Ka- meraben abgeben. Während ber zur Hecke hinüberrast, muß ber eben gelaufene Pimpf noch eine Koch st e l l e bubbeln unb hält ben angefeuchteten kleinen Finger in bie Lust, um bie Winbrich- tung festzustellen. Dann gräbt er los, baß ber Winb schräg von vorn in das Feuerloch hine.n- fauchen kann. Gut, sagt ber Fähnleinführer. Inzwischen ist ber anbere Kamerad, bem er bas Kochgeschirr abgegeben hat, bereits mitten im Gelände unb macht basselbe burch wie er. Als bie Jungen- schaften alle burch finb, wirb festgestellt, baß es im Fähnlein noch zehn Pimpfe gibt, bie bie Prüfungen für das DJL. nicht bestehen würben. Also muß noch weiter gearbeitet werben, dis in brei Wochen bie ersten Abnahmen für bas Leistungsabzeichen erfolgen können. Üebrigens siegte bei biefem Pimpfenlauf, ber als Stafette burchgeführt worben war, bie britte Jungenschaft mit ber besten Zeit. Jeber Pimpf hatte burchschnittlich sechs Minuten für die ganze Strecke gebraucht. Daß sik sich babei nicht abhetzen konnten, bafür hatte bas Kochgeschirr mit Wasser gesorgt, bas wie ein rohes Ei getragen werben mußte. Karlheinz. Versammelt zu löblichem Tun... Hier sieht man HI. im Lager ... knapp vor bem Einhauen: schon werben beachtliche Brotkanten heruntergesäbelt unb Sardinenbüchsen mit ber Muskelkraft aufgewuchtet. Gleich wirb es losgehn. In ber frischen Luft schmeckt es großartig. Das macht Spaß, besonders wenn die Mahlzeit, woran hier nicht zu zweifeln ist, mit weisen Reden und zünftigen Scherzen gewürzt wird. — (Aufn.: Neuner, Gießener Anzeiger.) • Wie bei Muttern daheim. Pimpfe wandern durch deutsche Jugendherbergen. Strönjenöer Regen empfing uns, als wir bei hereinbrechender Dämmerung ben Zug verließen. Vorsorglich hatten wir bie Zeltbahnen von ben Affen abgeschnallt unb sie um bie Schulter genommen; benn Abwarten gab es nicht, wir mußten noch am Abenb unser Ziel erreichen. „Immer gleich biese Hetzerei!" murrte einer, als wir über einen aufgeweichten Feldweg bahinstapften, ber sich mitten zwischen zwei herrlich grünen Felbern hinzog. „Warum müssen wir heute ausgerechnet noch nach Murg, wo wir hier boch auch eine Jugenbherberge haben? Unb außerdem, immer bie Jugendherbergen..." „Bist bu benn eigentlich schon in einer gewesen?" fragte Heinz, bet Mann mit ber großen Erfahrung, ein Riese an Gestalt, ber auch bie entsprechende Autorität bejafe. Kleinlaut gab ber Mäuler zu, baß er bei seiner kurzen Laufbahn als Pimpf, bieten Vorzug noch nicht genossen hatte. „Unb du' willst vom Hörensagen über etwas reden, was bu gar nicht beurteilen kannst!" Damit war ber Fall abgetan. Negen und eine warme Heizung. Es war wirklich eine feuchte Angelegenheit, unb baß sie nachher boch noch fröhlich würbe, bafür sorgte bie Jugenbherberge. Als wir uns ben geschlängelten Bergpfad zum Hause hinaufgearbeitet hatten, ba atmeten wir auf, als uns ber Herbergsvater mit ber freubigen Kunbe überraschte, baß alles schon zum Abendbrot bereitftänbe. Bevor wir aber in ben Eßsaal stürzten, mußten wir uns säubern. „Ihr könnt boch nicht mit euren schmutzigen Stiefeln unsere blankgescheüerten Dielen beschmieren!" „Sogar warmes Wasser haben bie hier?", sagte ber Mäuler von vorhin. Es war tatsächlich so: Trötz ber vorgeschrittenen Jahreszeit war bie Heizung in Gang gesetzt worben. Und wir konnten es schon vertragen. Bei bet Eisenbahnfahrt hatte man allerlei Staub angefetzt, unb nachher ber Schlamm auf ben Wegen! Wir fühlten uns wie zu Hause, unb als wir bas bem Herbergsvater sagten, da schmunzelte er unb meinte, das wäre für ihn die Hauptsache. Wir sollten ja in ber Jugenbherberge wie bei Muttern untergebracht sein. Die schöne Lanbschaft ringsum gäbe, es gratis unb franko dazu. Morgen früh würben wir lchon sehen! Er hatte recht. Als wir ausgefchlafen nach ber vorgeschriebenen Zeremonie bes Bettenbauens aus bem Hause schauten, ba tat sich vor unseren Blicken ein herrliches weites Tal^ auf, besten frühlingshafte Frische jebem Freube machen mußte, auch wenn er für gewöhnlich nicht viel für „Sentimentalitäten" übrig hatte. Für biejenigen, bie noch nicht viel hin- aüsgeroanbert waren, bebeutete bas ein besonderes Erlebnis: Plötzlich empfanb jeber, was es bedeutet, wenn wir von unserer schönen deutschen Heimat sprechen. Und so wurde uns an diesem Morgen die Jugendherberge, die uns gestern abend eine ersehnte Zuflucht gewesen war, zu einem echten Erlebnis. Schweren Herzens nahmen wir Abschied, unb es gab wohl keinen unter uns, ber sich nicht voll Stolz bas Abzeichen ber Jugenbherberge an bie Bluse gesteckt hatte, bas jeber kaufen konnte, um so einen kleinen Beitrag zum weiteren Ausbau bes Hauses zu leisten. Es würbe ein herrlicher Wanbertag. Fast schien uns bie Sonne nun zu heiß, unb so genossen wir bie Mittagssonne in- einer Försterei hoppelt. Wie groß war aber bie Freube, als ber Fähnleinführer uns mitteilte, baß wir bereits am frühen Nachmittag unser heutiges Tagesziel erreichen sollten. Da hatten es plötzlich alle eilig, unb obwohl es von nun an kräftig bergauf ging, war jeber mit babei unb wollte bie Spike nehmen. Das hatte allerbmgs noch feinen ganz befonberen Grund: Wir hatten alle noch keine Jugendburg gesehen, roie* wir sie heute kennenlernen sollten. Eine pikfeine Nitterburg. „Ob bas so ’ne alte Ruine ist, wo man überall im Gemäuer herumkraxeln fahn?" — ,Hast bu eine Ahnung? Das ist alles pikfein ausgebaut. Da fehlt nichts, Zentralheizung unb Rücktrittbremse — alles vorhanben!" Schon von weitem sahen wir ben stolzen Bau aufragen aus bem Grün bes Bergwaldes. Wir be= schloffen, weil ba wirklich eine alte Burg ftanb, heute abenb noch eine kräftige Rittergeschichte aus- zuknobeln unb zum Besten ber Allgemeinheit zu veröffentlichen. So verging bie letzte Stunbe des Weges beim Planen unb Besprechen wie im Fluge. Noch eine Biegung dep Weges, und wir standen vor dem aewaltigen Eingang zum Burghof. Ein paar „Zivilisten" schauten unserem Einzug zu. Gibt es Jugendwanderer in Deutschland, die nicht die HJ.- Kluft tragen? Des Rätsels Lösung wurde uns bald gegeben: Wir hatten zwanzig ausländische Kameraden getroffen, die auf einer Wanderung durch unseren Gau begriffen waren. „Dann pack man deine englischen Kenntnisse aus, wenn du kannst!", hieß es, und ber bamit gemeint war, fühlte sich plötzlich im Mittelpunkt bes Ganzen. Unb er machte feine Sache gut, das muß man ihm lasten. Als wir nachher, nachdem wir uns mit Radebrechen und Pantomimen mit den Ausländern schon angefreun» bet hatten, unser Ritterspiel aufführten, t— wozu bie Burg wirklich einen prächtigen Hintergrund ab-- gab —, ba faß er mitten unter ben Gästen unb erklärte ihnen, was wir vortrugen. Schabe, baß wir hier nicht länger bleiben konnten. Am nächsten Morgen ging es weiter. Bier Tage hatten wir noch vor uns, bie wir in einem Schulungslager verbringen sollten. Uebrigens vor biefem Wort „Schulungslager" hatte mancher zu Unrecht etwas Angst. Denn als mir mittags in bem Jugendhof in W—heim ankamen, ba merkten wir gleich, baß bas mit „Schule" nur sehr wenig, zu tun haben würbe. Wir lernen Landwirtschast. Ein kleines Dorf mit einer schönen breiten Dorf« aue unb 'großen Kastanien, etwas abseits bavon ber Jugenbhof, ber uns nun für bie nächsten Tage als Quartier dienen sollte — das war das neue Ziel! Was war das für ein Erlebnis für die Stadtjungen, als sie zum erstenmal in den Kuhstall schauten. Kühe in der Jugendherberge? Es war schon richtig so: denn hier wurde Landarbeit betrieben, hier gab es sogar Schweine unb Kleinvieh. Was soll ich noch viel erzählen? Wir werben biese brei Tage nicht vergessen, bie pir in biefer merfroürbigen Jugendherberge verlebt haben. Das war einmal etwas ganz anderes, als wir es sonst gewöhnt waren. Manchem von uns ging hier erst der Sinn ber Bauernarbeit auf, mancher begann zu überlegen, ro;e benn bas eigentlich mit bem Landjahr wäre, ob man nicht vielleicht doch ... Heinz wollte überhaupt gleich bableiben. Er hatte innige Freundschaft mit ben Hühnern geschloffen unb auch sonst fanb er alles „ganz groß". Horst. Zeichen sehr gespenstisch aus. Kurz — lang — kurz — ber Walb scheint zu leben. In ber Ferne zieht ein Gewitter auf. Die ersten großen Tropfen prasseln auf bie Zeltbahnen ber Sprechstellen, als bie Melbung zum Abbruch der Nachrichtenübung durchgegeben wird. „Das Ganze halt!" Irgendwo bläst ein Hornist bas bekannte Signal, irgenbmo rücken fingenbe Abteilungen burch ft'römenben Regen zum Sammelplatz. - H. K. Heiner kommt zu spät. „Warum kommst bu so spät, Heiner?" fragte Bernharb, als er mit feinem Zug gerabe abmar- schieren wollte. „Das war so .." begann Heiner. „Ich will von bir keine langatmigen Erklärungen hören, Heiner", unterbrach ihn Bernharb. „Du sollst mir kurz unb bünbig ben Grunb beines Zuspät- kommens sagen." — „Also, bas war so!" fing Heiner roieber an. Bernharb rang verzweifelt bie Hände. „Mein Bruber sagte zu mir: Heiner..." — „Das gehört boch gar nicht hierher, Heiner!" fiel Bernharb ihm in bie Rebe. „Warum benn nicht?" fragte Heiner erstaunt. „Du willst boch von mir hören, weshalb ich zu spät gekommen bin!" — „Gewiß will ich bas!" Bernharbs Gesicht rötete sich leicht. Der ganze Zug sperrte Augen unb Ohren auf, harrenb der Dinge, bie ba kommen würben. „Aber", fuhr Bernharb ungebulbig fort, „bu sollst dich babei kurz fassen!" — „Mach ich ja!" meinte Heiner. „Also gut!" sagte Bernharb unb zwang sich zur Ruhe. „Weshalb bist bu nun zu spät gekommen?" — „Das war so!" begann er noch einmal. Der ganze Zug griente. Bernharb fluchte innerlich, sich auf bieses Frage- unb Antwortspiel eingelassen zu haben. „Mein Bruder sagte zu mir: Heiner, wenn bu bich nicht beeilst, kommst bu zu spät..." — „Du lieber Himmel!" stöhnte Bernharb. „Ich will boch nicht wissen, was bein Bruber gesagt hat, sonbern weshalb bu zu spät gekommen bist!" Gelächter würbe im Zuge laut. ■ „Ruhe!" brüllte Bernhard. „Das gehört boch aber dazu, was mein Bruber gejagt hat!" sagte Heiner gekränkt. „Schön, Heiner!" Bernharbs Geduld fanben bie Jungen bewunderns- würbig. „Wenn bein Bruber bamit zu tun hat, dann erzähl — aber bitte kurz!" — „Das war so...!" — „Fang doch nicht immer wieder von vorne an Das ist ja zum ..." Was es war, blieb unausgesprochen. „Das war so!" Heiner ließ sich nicht beirren. „Mein Bruder sagte zu mir: Heiner, wenn du dich nicht beeilst, kommst du zu spät..." — „Na, und?" fragte Bernhard. „Ja, er hat recht behalten! Ich bin tatsächlich zu spät gekommen!" — „Eintreten!" war alles, was ber geplagte Bernharb noch zu sagen vermochte. Fred Joks. „Misch." Mädel über Mütter. „Mutsch" nannten bie Mäbel sie, bie bei ihr zur Miete wohnten. Der Name bebeutete ursprünglich Mutter unb hatte sich in biefer Form von einer ihrer jungen Mieterinnen zur anberen fortgeerbt. Dabei war sie nicht etwa ein altes Mütterchen mit weißen Haaren, unb sie hatte auch nichts von ber betulichen Sorglichkeit eines solchen. Sie war eine durchaus moberne, sportliche Frau von etwa vierzig Jahren, von ber man kaum begreifen konnte, baß sie nicht geheiratet hatte. Seit Jahren war sie Abteilungsleiterin in einem großen Bekleibungs- geschäft, bekannt unb beliebt wegen ihrer Tüchtigkeit. Nach bem Tobe ihrer Eltern hatte sie bereu Wohnung beibehalten unb vermietete nun vier Zimmer, immer an berufstätige Mäbel unb am liebsten an solche, bie, hauptamtlich im BDM. stauben. So war auch ich zu ihr gekommen. Die Stuben bei ..Mutsch" waren anbers, als .möblierte Zimmer" sonst zu sein pflegen. Nur wenige schlichte, aber bequeme Möbel ftanben barin. Alle bie wohnlichen Kleinigkeiten, wie Decken, Kissen unb Silber, waren fortgelassen. „Das soll sich jebes Mäbel so einrichten, wie es ihm am liebsten ist; ein jeber hat gern ein Stückchen Heimat bei sich, auch wenn es im möblierten Zimmer ist... Wenn Sie aber etwas brauchen, so sagen Sie es mir ruhig. Im übrigen geht hier jeber seinen eigenen Weg." So hatte sie zu mir gesagt, als ich einzog. Es war eine frische, kühle Atmosphäre um „Mutsch", bie jebe Vertraulichkeit ausschloß. Trotzbem kam es vor, baß abends, wenn man müde vom Dienst nach Hause kam, ein Teller mit Kirschen im Zimmer stand, oder daß der blaue Rock, den man unbedingt zum nächsten Tag brauchte, fix unb fertig auf bem Bügel hing. Bedankte man sich, so war „Mutsch" sichtlich peinlich berührt. „Sie wären sonst schlecht geworben", sagte sie bann wohl, ober: „Das Plätteisen war gerabe heiß." Nur ganz selten ließ sie einen Blick tun in bas, was sie bachte unb fühlte. So war es an jenem Nachmittag, als tbir nebeneinander am Fenster ftanben unb hinunter in ben kleinen (Barten sahen, in bem Inge unb Erika mit einem Buch in der Sonne lagen. .„Mutsch", hatte Erika eben fröhlich heraufgerufen, „so ein Sonntagnachmittag zu Hause ist boch herrlich gemütlich!" „Zu Hause", sagte ba „Mutsch" leise vor sich hin. Ich sah sie erstaunt von ber Seite an. Ihr Gesicht war so weich unb in sich versunken, wie ich es nie zuvor gesehen hatte. Dann sprach sie weiter: „Vielleicht ist es boch gax nicht so schlimm, baß man nicht verheiratet ist unb selbst Kinber bat ... Vielleicht führt man boch nicht nur so ein Grsatzkeben, bas man eben hinnehmen muß, weil es nun einmal nicht anders fein kann. Vielleicht hat bas boch alles einen ^snn. Vielleicht ..." Plötzlich, als hätte sie schon zuviel gesagt, lachte sie hellauf: „Anbere alte Jungfern halten sich Hunde und Katzen ober Kanarienvögel. Na, jeber wie es ihm Spaß macht..." Schwupp, war bas Tor roieber zu, bas zu der so seltsam verschlossenen Seele dieser Frau führte, der das Schicksal nicht bestimmt hatte, selbst Mutter zu werden. Ihr ganzes Wesen trug eine herbe unb siolze Mütterlichkeit, bie mir im geheimen liebten unb berounberten, ohne daß wir es jemals wagten, es in Worten zu zeigen. „Mutsch" hätte uns bestimmt nur ausgelacht. —har Dichter zeichnen und malen... Eine Ausstellung zum Thema der künstlerischen Doppclbegabung. Von unserem Dresdner Mitarbeiter. chens auf das Papier gebannt hat. Von Rudolf Alexander Schröder, einem der adeligsten Dichter unserer Gegenwart, der als Innenarchitekt die beiben Ozeanriesen „Bremen" und „Europa" aus- - stattete, werden Aquarelle gezeigt, und Paul Gurk zeigt seine zeichnerische Begabung in kraftvollen Porträts. Es war eine beglückende Stunde im Japanischen Palais, dem prächtigen Barockschlosse, das seit langem die sächsische Landesbiblio- thek beherbergt. Draußen im sommerlichen Park wölbte sich ein fast italienischer Himmel über der Silhouette des Dresdner Stadtbildes, während sich drinnen vor dem aufnahmebereiten Äuge und Herzen des Beschauers in einem kleinen Ausschnitt die Vielfalt deutschen Künstlertums in den Arbeiten moderner „Dichter-Maler" offenbarte. Der Bibliothekar Dr. Erhärt Kästner hat mit kundiger Hand und nachempfindendem Feingefühl eine Reihe von Arbeiten moderner Dichter zusammengetragen, an denen sich ein merkwürdiges Schwanken zwischen Dichtung und Malerei, zwischen Feder und Zeichenstift ablesen läßt. Das Thema der Doppelbegabung — wir besprachen kürzlich das sehr anregende, mit gutem Bildmaterial ausgestattete Buch von Herbert Günther, das diesem Problem nachgeht — gehört zu den reizvollsten und nachdenklichsten der Kunstbetrachtung. Es zeigt gleichermaßen die Fülle, aber auch die Gefährdung künstlerischer Betätigung. Wir sind gewohnt, in diesem Zusammenhang in erster Linie an das goethische Phänomen zu denken, um uns dann vielleicht auch noch Stifters und Kellers^ E. T. A. Hoffmanns und Wilhelm Buschs zu erinnern, die alle Dichter-Maler waren und lange zwischen diesen beiden Polen künstlerischer Ausdrucksweise schwankten, bis sich die Dichtung stärker erwies als die Malerei, und Palette und Zeichenstift die Utensilien einer Liebhaberei wurden. Wenn aber der vierzigjährige Adalbert Stifter einmal schreibt: „Als Schriftsteller bin ich nur Dilettant, und wer weiß, ob ich es auf diesem Felde weiter bringen würde. Aber als Maler werde ich etwas erreichen!", dann ermißt man mit einer gewissen Rührung die hingebende Gläubigkeit an die „kleinere Muse", die wie ein schwieriges Kind stärkergeliebt und überschätzt wird. Aber auch bei den Dichtern unserer Zeit findet man diese oft schmerzliche Spaltung des künsllerischen JchS. In der gegenwärtigen Dresdner Ausstellung in her Landesbibliothek füllen allein die Arbeiten Max Dauthendeys einen besonderen Saal. Von dem Dichter des Fernwehs, den der große Krieg auf Java überraschte, und der sich, in der Sehnsucht nach der geliebten Heimat und Frau verzehrte, sind eine große Anzahl javanischer Gemälde aufgehängt. Es sind malerisch erzählte Landschaftserlebnisse — 24 Aquarelle —, in denen sich die ganze Farbenseligkeit dieses Dichters ausbreitet, dessen Gedichte nichts anders sind als Sprache gewordene Farbskizzen. Dieser Eindruck wird deutlich, wenn man ein Gedicht wie dieses liest: Im Bambus schaukeln rote und blaue Papageien, und glänzend in der lila Sonne wehen der Kokospalmen grüne Reihen. Darunter gehen, bunt wie Edelsteine, die gelbgesichtigen Mafien. Ich steh geblendet im perlmutterweißen Sand im Meergeruch, im freien, und seufze: All die schrillen Südseefarben, sie können nicht das Trauerschwarz in meinem Herzen überschreien. Man versteht, wenn man dieses Gedicht in /ich aufnimmt, daß Richard Dehme 1 die Dichtung Dauthendeys ein „Farben-Wort-Gewühle" nannte, denn im Wortklang kommt der Verfasser der Märschen vom Biwasee von allen Dichtern der Malerei am nächsten, Georg von der Dring, der einen .der ersten Kriegsromane („Soldat Suhren") vorlegte, zeigt ein farbiges Stilleben, ein Selbstbildnis in । Del und einige lustige Skizzen seines Kindes; sein „Bilderbuch für eine junge Mutter", das kürzlich hier angezeigt wurde, gehört ebenfalls in diesen Zusammenhang' Die vielseitige Begabung Emst P e n z o l d t s zeigt sich in Bronzebüsten Hans Carossas und August von Platens, in Scherenschnitten und Zeichnungen und einem ganz köstlichen Bilderbuch, in dem der Dichter des „Armen Chatterton" sein Söhnchen durch das Bücherland führt und den Betrachter diese Wett mit den Augen eines Kindes erleben läßt. Bei Penzoldt ist der Zwiespalt zwischen den verschiedenen Ausdrucksformen künstlerischer Betätigung wenn auch nicht ganz gelöst, so doch überbrückt, wenn er einmal schreibt: „Ich wußte auf einmal, daß ich nicht zwischen zwei Berufen zu wählen hatte, sondern, daß es, mit verhängt war, Zwiespältiges zu tun. Es mußte mir gelingen, mit den Händen und mit dem Munde zu fassen, was unbegreiflich scheint: das Leben, die Schönheit, Liebe, Freundschaft, Natur und Kreatur." Die Dichterin Ruth Schaumann hat einen Kirchenfensterentwurf von gotischer Strenge beigesteuert, und Karl Heinrich Waggerl neben schönen Lichtbildern eine Reihe von Landschaften, die wie eine malerische Uebersetzung seines „Wagrainer Tagebuchs" anmuten. Von Hermann Hesse stammen duftige, zarte Zeichnungen in Wasserfarben, die der Dichter als Briefköpfe für Grüße an seine Freunde verwandte, und in denen sich die Landschaft seiner Tessiner Wahlheimat spiegelt. Der Hamburg ger Hans Leip hat seine „Klespe Hafenorgel" selbst illustriert, und es scheint, daß Wilhelm Busch bei den übermütigen Zeichnungen des Hamburger Bänkelsängers Pate gestanden hat. Von Wilhelm Schäfer, dem „Hüter deutschen Geistes in Zeiten der Verwirrung" ist ein Bildnis seines Freundes Benno Rütte nauer voll derber und herber Farbgebung zu sehen, während Hermann Bürte in markanter Linienführung das Bild eines alemannischen Mäd- Schließlich begegnen uns auf unserem Rundgang noch zwei Dichter der älteren Generation: Gerhart Hauptmann und Johannes Schlaf. Don dem Dichter des „Florian Geyer" ist bekannt, daß er in seiner Jugend in Breslau, Dresden und Rom die .Bildhauerkunst studierte, ehe er zuck Wortführer des Naturalismus wurde, und in feinen kürzlich erschienenen Erinnerung „Das Abenteuer meiner Jugend" bekundet der greife Dichter feine Bemühungen um diese Form künstlerischer Ausdrucksgebung, die dann auch seine Dichtungen mit ihrer plastischen Fülle und dem scharfen Umriß ihrer Gestalten befruchtete. Eine in Wachs ausgeführte Büste seines zwölfjährigen Sohnes Benvenuto und eine bildhauerische Jugendarbeit, ein galoppierendes Pferd darstellend, zeigen Gerhart Hauptmann als Bildhauer von hohen Graden. Und der andere Vertreter einer nun schon der Literaturgeschichte angehörenden Generation ist der alte Kampfgenosse Hauptmanns aus den Aufbruchstagen des Naturalismus: Johannes Schlaf. Von dem Dichter mit der kindlichen Seele ist das köstliche Bilderbuch „Der geschundene Pegasus" ausgelegt, diese ironische Selbstverulkung der beiden Dichterfreunde Arno Holz und Johannes Schlaf aus den Tagen, da beide in einer Mansarde in Pankow im Berliner Norden an eine.m Schreibtisch arbeiteten. Ganz reizend die zeichnerische. Darstellung jenes Kinderzuges, der den Dichter bei der Arbeit störte, und an dem jeder Betrachter seine helle Freude hat. • Dr. E. II. Radfahrer und Fußgänger beachtet die Verkehrsvorschristen! Es ift leider immer wieder festzustellen, daß gerade Radfahrer und Fußgänger durch Nichtbeachten der Verkehrsoorschriften Unfälle verursachen. Ihr falsches und unverantwortliches Verhalten kann nicht mehr länger geduldet werden! Im Interesse des Volksgänzen muß erreicht werden, daß die Zahl der Verkehrsunfälle auf ein Mindestmaß beschränkt bleibt. Es ist deshalb jeder Volksgenosse verpflichtet, sein Verhalten im Straßenverkehr dieser Forderung anzupassen. In Zukunft darf niemand mehr, gleichgültig ob Radfahrer oder Fußgänger, glauben, daß er sich als Verkehrsteilnehmer dieser Pflicht entziehen kann, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden. Die Polizei wird dieser Auffassung, die jetzt noch vielfach vertreten wird und durch die chaotischen Zustänöe im Verkehrsleben entstanden sind, mit allen Mitteln entgegentreten. Der Verkehrsteilnehmer muß sich eben nach der Allgemeinheit richten und darf sich nicht so verhalten, wie es ihm gerade beliebt. Diese Forderung ist in der Straßenverkehrsordnung festgelegt und ist für alle Verkehrsteilnehmer, also auch für Radfahrer und Fußgänger, bindend. Radfahrer. bedenkt, daß nicht hur Ihr, sondern auch alle übrigen Verkehrsteilnehmer ein Anrecht haben por Der- kehrsunfällen und ihren Folgen geschützt zu werden. Gerade aber über Euer eigenes Verhalten werden ständig Klagen geführt, und zwar nicht zu Unrecht: Benutzt stets die Fahrbahn und fahrt nicht auf der Gehbahn! Die Gehbahn ist nur für Fußgänger bestimmt! Fahrt auf der rechten Seite der Fahrbahn! Beim Einbiegen in andere Straßen ist nach rechts ein enger, nach links ein weiter Bogen zu fahren! Fahrt nicht übermäßig schnell, denn Ihr müßt jederzeit in der Lage sein, rechtzeitig zu halten! Wenn Ihr haltende Straßenbahnen überholt,. so dürft Ihr nur langsam fahren und dürft die Fahrgäste nicht gefährden! Zeigt rechtzeitig durch Ausstrecken des Armes an, daß Ihr Euere Fahrtrichtung ändern wollt! Bleibt mit Eueren Fahrrädern nicht an Straßenecken stehen, denn das ist verboten. Fahrt nicht zu zweit nebeneinander, denn Ihr müßt grundsätzlich einzeln hintereinander fahren! Wenn Ihr Euch unterhalten wollt, dann steigt vorn Fahrrad ab und entfernt Euch von der Fahrbahn! Ihr dürft auf Eueren Fahrrädern keine anderen Personen mitnehmen! Erwachsene dürfen Kinder bis zu 7 Jahren mitnehmen, wenn eine geeignete Sitzgelegenheit auf dem Fahrrad vorhanden ist! Sehr gehaßt sind die „Dunkelmänner", die während der Dunkelheit ohne Licht fahren! Sie werdim ganz besonders gewarnt! Das A n b i n b e n von Handwagen an Fahrräder, sowie das Führen von Handwagen und Tieren von fahrenden Fahrrädern ist verboten! Hunde dürfen- jedoch geführt werden. Anhänger und Seitenwagen sind nur dann zulässig, wenn sie mit dem Fahrrad fest verbunden und mit rotem Schlußlicht oder Rückstrahler versehen sind. Beim Fahren ist es verboten, die Lenkstange los- zulasstn oder die Füße von den Tretteilen (Pedalen)' zu entfernen! Verkehrssündern dieser Art wird die Polizei ihre besondere Aufmerksamkeit widmen! Radfahrer, hängt Euch nicht art andere Fahrzeuge an! t Fahrt nicht in betrunkenem oder angetrunkenem Zustand! Wer dieser Pflicht nicht entspricht, ist ein rücksichtsloser und unverantwortlicher Zeitgenosse,»den schärfste Bestrafung treffen wird! Fußgänger, zeigt auch Ihr, daß Ihr verantwortungsbewußte Volksgenossen seid und beachtet die Verkehrsvorschriften! Schimpft nicht immer auf Kraftfahrer und Radfahrer! Es ist nämlich festgestellt, daß sehr viele Nerkehrsunfälle gerade von Fußgängern verschuldet werden! Bleibt auf den Gehbahnen, die Fahrbahn gehört den Fahrzeugen! Fahrbahnen sind auf dem kürzesten Weg quer zur Fahrtrichtung zu überschreiten! Es muß dies aber ohne Aufenthalt und mit der nötigen Vorsicht geschehen! Fußgänger, die an Straßenecken stehen bleiben und dadurch den Verkehr behindern, werden in Zukunft bestraft! Bedenkt alle, daß jährlich Tausende von Volksgenossen ihr Leben durch Derkehrsunfälle lassen müssen ober körperliche Schäden erleiden. Außerdem werden jährlich Millionenwerte durch den bei Verkehrsunfällen entstehenden Sachschaden ver- nichtet. Im Interesse des gesamten deutschen Volkes und zur Erhaltung des Volksvermögens ergeht des- halb diese letzte Aufforderung an alle Verkehrsteilnehmer, die bestehenden Vorschriften zu beachten und dadurch zur Verminderung der Verkehrsunfälle beizutragen. Wer glaubt, sich über.diese Pflicht hin- weasetzen zu können, verstößt erheblich gegen die Gesetze der Gemeinschaft und muß als Schädling mit strenger Bestrafung rechnen. - Günther, Polizei-Inspektor. Schwälmer Sippentag mit Wetzlarer Geschlechtern. Hessentreue vereinigte am vergangenen Sonntag ein altes Solrnser Geschlecht mit seinen hessischen Blutsverwandten in Eudorf an der Schwalm zum Familientag der Kraußer. Jahrhunderte lagen zwischen ^Trennung und freudigem Wiederfinden. Herzliche Willkommensgrüße wurden ausgetauscht, an denen sich auch die Gemeinde Eudorf beteiligte. Der stellvertretende Drtsgruppenleiter Zulauf sprach für Partei und Gemeinde Begrüßungsworte an die Nachkommen eines alten Eudorfer Geschlechts, dessen Familiengeschichte mit der Dorfgeschichte Eudorfs und dem „Kraußer Hof" untrennbar verbunden sei. Jftarf) kurzer Rast -m Urahnen-Haus schritten etwa 100 Namensträgex Krauß unter Glockengeläute zur Dorfkirche zu einem Gottesdienst. Im Anschluß an den Gottesdienst gab Pfarrer Luft noch wertvolle Erklärungen über die Geschichte der um 1480 erbauten Kirche. Er stellte fest, daß die Kraußer schon damals in Eudorf anjaffig waren; das bezeuge der Name Johannes Krauß, der über der Eingangstür eingemeißelt sei. Die Höfe „Zum Kraußenberge" sind erstmals urkundlich 1527 erwähnt und sind stille Zeugen vergangener Zeit. Am Nachmittag fand in Elbenrod an der Derffa im Gasthof Krauß (jetzt Georg Hartmann) die Tagung des Familienrates statt, anschließend gemütliche Unterhaltung. Einige Familienglieder, darunter auch Ausländsdeutsche, hatten Begrüßungstelegramme gesandt. Oie Diebstähle bei den Opelwerken. 18 Angeklagte vor Gericht. Darmstadt, 28. Juni. (Lpd.) Die Große Straft tammer in Darmstadt verhandelte in mehrtägiger Sitzung gegen 18 Angeklagte, denen Schiebungen und Diebstähle in den Dpelroerfen in Rüsselsheim und Brandenburg zur Last, gelegt wurden. Neben^ Betriebsangehörigen waren unter den Angeklagten auch Tankstelleninhaber und Spediteure, die gestoh- ’lene Reifen und Ersatzteile erworben hatten und sich jetzt wegen Hehlerei verantworten mußten. * Nach eingehender Beweisaufnahme wurde am Dienstag das Urteil gesprochen. Der Hauptangeklagte erhielt wegen fortgesetzten Diebstahls, Beihilfe- zum Diebstahl und schwerer Urkundenfälschung insgesamt 2 Jahre 1 Monat Gefängnis, neun .Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen von ^Monaten bis 1 Jahr 4 Monat-en verurteilt, zwei Angeklagte erhielten Geldstrafen von je 30 0 Mark, vier der Beschuldigten wurden mangels ausreichenden , Beweises f r e i g e f p r o - chen und einer amnestiert. Das Verfahren gegen einen der Hehlerei Beschuldigten wurde abgetrennt, da sich die Ladung weiterer Zeugen als notwendig erwies. Den Angeklagten, ,bie geständig waren, wurde die Untersuchungshaft voll angerechnet. Vier der in. Haft befindlichen Angeklagten nahmen die Strafe sofort an. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) C. £. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Försterlaufbahn einzuschlagen. Es ist nicht möglich, im Rahmen einer Briefkastenantwort Ihre Fragen erschöpfend zu beantworten. Wir empfehlen Ihnen, sich unmittelbar mit dem Forstamt Gießen, Mottke- straße 3, in Verbindung zu setzen, wo sie jede einschlägige Auskunft erhalten.. Marie verrät mich. Von Hans Pslug-Iranken. Die Haferkiste stand auf dem Gang vor dem Stall und war mit einem schweren Anhängeschloß versehen. An ihr zogen wir Rekruten immer in Einerreihen vorbei, wenn der Futtermeister Hafer ausgab. Da es Krieg war und man das Jahr 1917 schrieb, wurden die Portionen, die der Sergeant in unsere blauen Schürzen schüttete, von Tag zu Tag kleiner. Unsere Pferde aber hatten mir lieb. Wohl war es so, daß wir oft fluchten, wenn uns die Arbeit, oder besser gesagt der Dienst; hart zusetzte und wenn uns mancher der Braunen und Rappen und Füchse, die zur damaligen Ersatz-Eskadron zählten, nicht so recht zur Hand ging. Aber schon schlug in uns Jungen ein rechtes Reiterherz, denn alle, die dieses Reiterherz nicht hatten, waren längst, schon in den ersten Wochen, zur ' Infanterie abkommandiert worden, zu jener Waffengattung, die wir-natürlich als eine sehr notwendige anerkannten, die wir aber doch nicht für die „schönste aller Waffen", wie es im Soldatenlied heißt, hielten. Ja, mir mären stolz, daß wir, als es auf splitternackten Rössern in der Reitbahn an unserem Rittmeister oorbeizutraben galt, nicht zum Fußvolk ausgewählt wurden, sondern im Zug bleiben durften. Durch diese Sondierung nach wirklichen Reitern war natürlich unsere Zahl sehr zusammengeschmol- zen, so daß mancher von uns zwei, ja drei Pferde zu versorgen, hatte, was keine kleine Arbeit bedeutete. Aber die Haferrationen wurden dadurch nicht gtößer, und so kam es, daß mich eines schönen Tages meine gute Fuchsstute Marie recht vorwurfsvoll ansah, als ich ihr die wenigen Körner vorschüttete. Da stand es mit einepi Schlag. für mich fest, daß ich dem guten Vieh >the Zusatzration beschaffen müsse; daß ich das allerdings nur auf etwas krummem Wege tun konnte, war klar. Neben der Box der Marie befand sich der Stand eines pechschwarzen Wallachs. Dieser Bursche konnte die Ohren übel zurücklegen und hatte eine kitzlige Stelle am Bauch, die ihn beim Putzen zu allerlei gefährlich aussehenden Sprüngen und Keilereien veranlaßte. Er hatte dazu die Unart, meine gute Stute über die Bretterwand hinweg in etwas verirrter Liebe mit seinen gelben Zähnen in den Hals zu kneifen. Dann gab es immer Spektakel und Gekeile, daß die Bretter krachten, und Schnauben und Augengedrehe, als sei wunder mas geschehen. Seltsam an diesem lärmenden Verhältnis war aber, daß Marie diesen merkwürdigen Liebkosungen gar nicht sehr abgeneigt schien, denn sie drängte sich •immer wieder einladend an den Stand des schwarzen Teufels heran, der, gehalftert wie er war, geringere Bewegungsfreiheit als sie selbst hatte. Das lonnte auf die Dauer nicht gutaehen. So kam es, daß wir eiyes Morgens den Befehl erhielten, unsere liebgewordene Ecke zu verlassen, um am entgegengesetzten Stallgassenende eine bisher leerstehende Box zu beziehen. Da wir im wahrsten Sinne des Wortes nur ein Amt, aber keine Meinung hatten — sonst wären wir bestimmt in der prächtigen Deckung unserer Ecke geblieben —, trotteten wir nach kurzem Abschiedsgeschnaube zum anderen Ende des Stalls, um uns dort wohnlich einzurichten. Die unmittelbare Nähe der Türe be- hagte uns nicht recht. Vor unliebsamen Ueber- raschungen war man hier bestimmt nicht sicher. Als die Türe aufging, fiel mein Blick auf die Haferkiste. Nur drei Schritte von uns entfernt lag also die Quelle der begehrten goldgelben. Körner. Das gab zu denken. An diesem Abend hatte ich Nachtstallwache. Es ging schon gegen Morgen. Die' Ronde war längst vorbei. Ich war ein paarmal auf den Gang getreten. Die Türe stand offen. Und Marie sah mir neugierig und sehr interessiert zu. Bald hörte man in meinem Stall, der zu solcher Nachtstunde sonst nur erfüllt war vom leisen Klirren einer Kette oder vom seltsamen Seufzen der schon liegenden Pferde, die im Schlafe leise prusteten, das behagliche Mahlen und Malmen der Zähne meiner gar nicht schlaftrunkenen Marie. Sie stand und taut? — Hafer. Die Haferkiste war eine alte Kiste. An ihrer Rückseite, die handbreit von der Wand abgerückt stand, war allerhand möglich. Jedes Brett ist zu lockern, wenn man es geschickt macht. Und eine Handvoll Körner ist mehr als gar keine. Nur mußte man aufpassen, daß nichts herausrann, denn das hätte alles verraten. So ging es wochenlang. Immer, wenn ich Nachtstallwache hatte, mahlte Marie Hafer. Die Stute war damals ganz prächttg in Form. Ihr Fell glänzte, und" ihre handfesten Rund"ngen wiegten sich kokett, wenn sie mit mir in ihrem „butterweichen" Galopp durch die Bahn wechselte. Springen war nicht gerade unsere Stärke. Dressurreiten war uns beiden lieber. Aber Springen muß auch fein. Immer am Schluß des morgendlichen Trainings kamen die Stangen. Marie verdrehte dann die Augen. Und mir war es auch nicht recht wohl dabei. 2(betf wir absolvierten unsere Sprünge doch jedesmal schlecht und recht. Nur eines Morgens gings schief. Marie verweigerte, was für mich ganz neu war. Und dazu hatte ich ihr so schön die Zügel gelassen und meine Fäuste auf ihren Hals gestützt. Aber meine Schenkel saßen diesmal nicht „angegossen". So ging es kopfüber in den Sand... Bis der Zug über mich hinweg war, blieb ich liegen. Als ich dann meine Gliedmaßen zufammen- fuchte und mich dabei aufrichtete, sah ich gerade noch die ledige Marie polternd über das Pflaster des Kasernenhofs galoppieren, Richtung Stall. Nun hieß es aber nachsetzen. Ai ch ich fiel unter dem anfeuernden Schimpfen des Stallwachtmeisters in Trab. Maries Vorsprung war aber zu groß. Sie verschwand in der Stalltüre. Zu allem Unglück kam gerade der Futtermeister sporenklirrend daher. Er grinste über den trabenden Reiter yhne Gaul und strebte hinter der Marie in den Stall. Bevor ich anfam, war es schon geschehen. Marie war nicht, wie man erwarten mußte, beleidigt in ihre Box geeilt. Sie hielt vielmehr vor der Haferkiste an und prustete und schnob zwischen Kiste und Wand. Daneben stand der Futtermeister, der. das gelockerte Brett hin und her bewegte und furchtbar fluchte. Was nun geschah, kgnn sich jeder ehemalige Kavallerist selbst ausmalen. Marie, ^die Verräterin, bekam von ihm keinen gerade zärtlichen Schlag auf ihre „Porzellanschnute". Ich legte die Sporen zusammen und spielte den Unschuldigen, Es half mir aber wenig. Marie und ich m"ßten an diesem dunklen Tag noch viele Hindernisse nehmen. Die Futterkiste bekam sofort vom Fahnenschmied einen „sicheren" Beschlag. Und aus war es für immer mit der Herrlichkeit unserer ergiebigen Nachtstallwachen. Die Liebeserklärung Wenn ein Schauspieler plötzlich krank wird und im letzten Augenblick, um die Vorstellung nicht absagen zu müssen, ein' Kollege für ihn einspringt, der begreiflicherweise die Rolle nicht ganz beherrscht, so ist schon oft eine peinliche Verwirrung auf der Bühne entstanden, die unter Umständen für die ganze Aufführung verhängnisvoll werden konnte. Begreiflich also, daß solche Fälltz von allen Verantwortlichen gefürchtet werden. Der französische Schauspieler Pajot, der in einem modernen Stück unerwartet die Rolle des Liebhabers übernehmen mußte, behauptete jedoch, den Text vollkommen zu beherrschen. Es ging auch alles gut bis zur Mitte hes dritten Aktsss, wo eine leidenschaftliche Liebes- szene den Höhepunkt des Stückes bildete. Da — mitten in seiner Liebeserklärung verlor der Schauspieler plötzlich den Faden, er wiederholte sich, geriet ins Stammeln. und verstummte schließlich hilflos. Vergeblich bemühte er sich, aus den Worten, die der Souffleur murmelte, einen Sinn zu finden. Peinliche Minuten vergingen mit einer Art stummen Spiel, schon wurde das Publikum unruhig, die Szene war in Gefahr, völlig zu mißlingen. Nicht minder als der Schauspieler im hellen Rampenlicht litt der Souffleur in seinem dunklen Kasten, aber gerade diesem unsichtbaren Helfer kam im letzten Augenblick der rettende Gedanke: er machte dem armen Pajot ein Zeichen, zu schweigen, und dann trug er selbst mit lauter Stimme die ganze Liebeserklärung vor. Der verdutzte Schauspieler stand stumm dabei, aber als der Souffleur geendet, ging Pajot mit ausgebreiteten Armen auf seine Partnerin zu und sagte, auf den Souffleurkasten zeigend: „So wie dieser Herr da unten eben die Ehre gehabt hat, es Ihnen zu erklären, so bete ich Sie an." Die Zuschauer brachen in donnerndes- Gelächter aus, das Spiel war gewonnen. Am Ende des Stückes aber ließ der Beifall sich nicht eher beruhigen, bis der Souffleur aus feinem Kasten hervorkroch und Hand in Hand mit dem Schauspieler seinen Test des Beifalls entgegennahm. Zeitschriften. '— „Alte und neue Formen im Selbstschutz" heißt ein interessanter Bericht im neuen Heft der „Sire n e". Von dem übrigen Inhalt sei auf den Bilderartikel „Die stählerne Kavallerie der Franzosen" verwiesen. In Frankreich setzt sich heute wieder die Ueberzeugung durch, daß die Infanterie die Hauptträgerin des Angriffs sein muß, und daß Kampfwagen sie lediglich „unterhaken", also begleiten unb unterstützen sollen. Die interessanten Einzelheiten dieser Entwicklung und die Auswirkungen auf den Neubau von Panzerwagen schildert ein fesselnder Bildbericht der „Sirene", der großen Luftschutz-Illustrierten mit den Mitteilungen des Präsidiums des Reichsluftschutzbundes. Endlich fei noch auf den Bild^ bericht „Der Rettungsring der Luft" verwiesen, mit dem die Aufsatzreihe „Das Schwert am Himmel" fortgesetzt wird. Nr. H9 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 29.ZuniM8 Aus her Stadt Gießen. Geheimrat Krüger 76 Jahre alt. Am heutigen 29. Juni wird Geheimrat D. Dr. Dr. Gustav Krüger, der frühere Vertreter der Kirchcngeschichte an unserer Ludwigs-Universität. 76 Jahre alt. Unter den Trägern des Geistes, die von der Universität Gießen aus eine Fülle von Energie ins Hessenland und darüder hinaus ausgesandt haben, ist Geheimrat Krüger einer der markantesten und wirtlamsten. Der Jubilar gehört der Hessischen Landesuniversität seit einem Menschenalter an. 'Ehrenvolle Rufe hat er ausgeschlagen, und die Geschichte der Universität in den letzten Jahrzehnten ist ein Stück seiner eigenen Lebensgeschichte geworden. Unter seiner Mitwirkung wurde manche wichtige Entscheidung getroffen. Er war zweimal Rektor und achtinal Dekan der Theologischen Fakultät. Das Amt des Stipendiaten-Ephorus verwaltete er mit allem angeborenen Takte, seiner Menschenkenntnis und feinem Gerechtigkeitssinn. Eine geniale Art der Menschenbehandlung zeichnet ihn aus. Als Universitätslehrer hat Geheimrat Krüger stets eine starke eigene Note bewiesen. Geistreiche Laune verband er rhit einem warmen Herzen und oft bewahrter menschlicher Güte. Auf die Geschicke der Hessischen Landeskirche nahm er insofern Einfluß, als ein ganzes Geschlecht von Theologen durch seine Hände ging. Dem vielverdienten Manne, der sich innerhalb unserer Stadt, über seine Tätigkeit an unserer Universität hinaus, verdient gemacht hat (so z. B. im Evangelischen Kirchenoorstand der Lukasgemeinde, im Konzertverein und im Akademischen Gesangverein), wird zu seinem 76. Geburtstag im großen Kreise seiner vielen Freunde mancher ehrende Gedanke gewidmet sein. Dem hochgeachteten Gelehrten wurde bereits vor längerer Zeit die goldene Ehrenplakette der Stadt Gießen zuteil. Schicksal? Gar mancher spricht von Schicksalsschlägen und jammert über ein ihm widerfahrenes Unheil, anstatt die Ursachen dieser Schläge zu ergründen und den Anteil der eigenen Schuld festzustellen. Es ist ebenso billig wie unsinnig, für alles, was geschieht, ein bbses, unheilschwangeres Schicksal verantwortlich zu machen, sich aber selber um die Verantwortung zu drücken. Durch Wehklagen und Berufung au» ein mysteriöses „Schicksal" sind noch keine böse Tat und kein schlimmes Ereignis besser geworden. Das mag sich der Autofahrer vor Augen halten, der sich betrunken ans Steuer setzte und später den Unstern verfluchte, der ihm gerade an diesem Tage einen Verkehrsunfall verschulden ließ. Es war nicht der ungünstige Stern und auch nicht das böse Schicksal, die den Unfall herbeiführten, schuldig war allein der Fahrer, der keine Hemmungen kannte, wenn er unter Alkohol stand, und der nicht, wie es seine Pflicht gewesen wäre, sich erst ausschlief, sondern der sich unbekümmert ans Steuer setzte, obwohl seine Sinne nicht klar waren und sein Reaktionsvermögen versagte. Man rede auch nicht vom Schicksal, wenn beim kurzen Einbiegen nach links etwa etwas passiert, oder wenn der in einer Kurve oder an einer unübersichtlichen Straßenstelle parkende Kraftwagen demoliert wird. Nicht das den Fahrer mit Unheil verfolgende Schicksal trägt die Schuld an solchen Zwischenfällen, sondern immer nur der seine einfachsten Pflichten verletzende Kraftfahrer. Im Rahmen der jetzt stattfindenden Verkehrsunfallverhütungsaktion hat jedermann ein Merkblatt erhalten, das seine einfachsten Pflichten aufzeigt. Nicht, um ihn zu ärgern oder um ihn mit erhobenem .Zeigefinger zu belehren, sondern um ihn Schuljugend lernt Verkehrsdisziplin. Die Polizei hält Schulunterricht. Unsere hiesige Polizei, die sich in den vergangenen Tagen mit vielen Kräften und mit allem Eifer für die wichtige Sache darum bemüht hat, die, Verkehrsdisziplin zu fördern und der Reichs-Derkehrserzie- Hungs-Woche zum Erfolg zu verhelfen, hat sich nun heute morgen noch mit einer besonderen Aktion in den Dienst der Sache gestellt. Mit dem großen Dienstwagen und den nötigen Beamten machte man sich heute morgen zu früher Stunde schon auf den Weg, um in den Schulen unserer Stadt, zunächst in den vier Volksschulen, durch anschauliche Vorführungen der Schuljugend den Begriff der Verkehrsdisziplin nahez: bringen. Die Art der Vorführungen war dabei sehr glücklich gewählt. Auf einer großen und besonders für diesen Zweck geschaffenen Tafel waren Straßen und Straßenkreuzungen ausgezeichnet, zum Teil auch plastisch durch Häuserblocks dargestellt, und Äßu gab es nun in kleinen Modellen alle möglichen Fahrzeuge, die heute die Straße in Anspruch nehmen und — bei Leichtfertigkeit des einen oder anderen Verkehrsteilnehmers — schwere Gefahren heraufbeschwören können. An Hand von Tafel und Modellen wurde nun den Kindern in einer leicht faßlichen Art eine Fülle von Situationen dargestellt, wie sie sich zu jeder Minute im Straßenverkehr auch einer mittleren Stadt wie Gießen ergeben können und damit wurde auch dargetan, welche Gefahren — immer Unachtsamkeit, Leichtfertigkeit oder fahrlässiges Vergalten der Verkehrsteilnehmer vorausgesetzt — sich in jedem einzelnen Fall ergeben können. Da war es denn kein Wunder, daß die Kinder mit größter Aufmerksamkeit den Vorführungen der Polizeibeamten folgten und ganz diesen Belehrungen zwischen Ernst und Spiel hingegeben waren. Da sah man viele gespannte Gesichter vor der Tafel, auf der die Modelle der Fahrzeuge fast geheimnisvoll durch magnetische Kraft festgehallen waren und doch hin und her bewegt werden konnten; da war keines der Kinder, das nicht erkannt hätte, daß es im Ernstfall um Leib und Lieben geht und um den großen Kummer, den sie ihren Eltern bereiten würden, wenn sie auf der Straße nicht so vorsichtig wären, wie es notweildig ist, wenn man nicht zu Schaden kommen will. — Auch für die Polizeibeamten, die diese Belehrung durchführten, war diese Arbeit im Verkehrserziehungsdienst eine Freude, denn nicht immer finden sie so dankbare und aufmerksame Zuhörer, wie gerade auf den Höfen unserer Schulen. Neben dieser Belehrung vor der Modelltafel gab es aber noch eine weitere Belehrung, die nicht weniger anschaulich war. Die Polizeibeamten zeichneten mit Kreide auf dem Schulhof eine ganze Straßenkreuzung auf und fuhren nun mit ihren mitgebrachten Fahrrädern richtig und falsch, sie bogen richtig und falsch ein, gaben Zeichen oder auch keine, überholten einander, so wie es sein muß und zur Anschauung auch so, wie es nicht sein darf und ließen immer wieder in der Gegenüberstellung wissen, wie man sich verhalten muß, daß nichts passieren kann. Schließlich mußten die Kinder als Fußgänger noch die so einfach geschaffenen Straßenkreuzungen überschreiten und sie waren auch hier mit jugendlichem Eifer bei der Sache. So wurden heute im Laufe des Vormittags von den Beamten unserer hiesigen Polizei die vier Volksschulen ausgesucht, zuerst die neue Pestalozzischule, dann die Schillerschule, von dort aus ging es dann zur alten Pestalozzischule und zum Abschluß des Vormittags wurde noch in der Goetheschule die gleiche Derkehrsbelehrung durchgeführt. Mag man hoffen, daß diese Belehrungen auf fruchtbaren Boden gefallen sind- mag es dereinst erreicht werden, daß die Jugend, die jetzt inmitten des gesteigerten Verkehrs aufwächst und frühzeitig lernt, sich richtig zu benehmen, das Ziel erreicht, das der Reichsverkehrs-Ersiehungswoche zu erreichen aufgegeben ist: den Straßenverkehr ohne Opfer — die „Kameradschaft der Straße" zu schaffen und jene selbstverständliche Verkehrsdisziplin, die dem deutschen Volke das Leben tausender Volksgenossen und Milliarden des Volksoermögens erhalten hilft. Links: Mit gespannter Aufmerksamkeit folgen die Kinder den anschaulichen Belehrungen des Polizeibeamten. — Rechts: Mit Hilfe einer Tafel und hübschen, bunten Modellen werden viele Verkehrssituationen dargestellt. — (Aufnahmen [2|: Neuner, Gießener Anzeiger.) aufzufordern, auch zu seinem Teil an der Verringerung der Verkehrsunfälle beizutragen. Es wäre ja so einfach zu sagen: Das böse Schicksal reißt in Gestalt des Verkehrstodes jedes Jahr achttausend Volksgenossen aus unserer Mitte, und das tut uns bitter leid, aber lehne sich einer gegen das Schicksal aus! Nein, nicht das Schicksal nimmt uns die Kameraden! Unser Leichtsinn, unsere eigene Unachtsamkeit sind schuld! Die aber können wir bekämpfen und das wollen wir tun. Nicht der Kraftfahrer allein, auch der Fuhrwerkslenker wie der Radfahrer und der Fußgänger, jeder an seinem Platz und jeder zu seinem Teil. (F. G. RAS.) Vornoiizen Tageskalender für Mittwoch. Gloria-Palast, Seltersweg: „Heiraten — aber wen?" Hitler-Jugend Bann 116 Velr.: SfanborfappeUe vom 29. Juni bis 3. Juli 1938. In der Zeit vom 29. Juni bis 3. Juli 1938 finden folgende Standortappelle statt: Mittwoch, 29. Juli 1938: Von 20.30 bis 22.30 Uhr in: Inheiden, Trais-Horloff, Utphe, Bellersheim, Obbornhofen, Mufchenheim, Birklar, Bettenhausen, Langsdorf, Heuchelheim, Klein-Linden, Allendorf (Lahn), Großen-Linden, Leihgestern. Donnerstag: 30. Juni 1938: Von 20.30 bis 22.30 Uhr in: Treis, Allendorf (Lumda), Londorf, Keffelbach, Allertshausen, Climbach. Freitag, 1. Juli 1938: Von 20.30 bis 22.30 Uhr in: Hungen, Langd, Rodheim, Steinheim, Rabertshausen, Villingen, Nonnenroth, Lollar, Daub- ringen, Mainzlar, Staufenberg, Odenhausen, Ruttershausen. Die Einheiten haben um 20.30 Uhr anzutreten. Die Appelle werden im HJ.-Heim durchgeführt. Sonntag, 3. Juli 1938: Von 8 bis 11 Uhr in: Großen-Buseck, Oppenrod, Burkhardsfelden, Hattenrod, Reiskirchen, Lindenstruth, Bersrod, Beuern, Weitershain, Odenhausen (Lumda), Geilshausen, Lumda, Reinhardshain, Beltershain, Stangenrod. Sonntag, 3. Juli 1938: Von 10 bis 13 Uhr in: Saasen, Göbelnrod, Harbach, Queckborn, Lauter, Grünberg. Die Standortführer haben dafür Sorge zu tragen, daß die Jgg. zu den Appellen restlos angetreten sind. Deutsch-brasilianischer medizinischer Wanderkongreh besucht (ließen. Lpd. Auf Einladung der Deutsch-Jberoamerika- nischen Aerzteakademie in Berlin findet in den nächsten Wochen in Deutschland ein deutsch-brasilia- Aus dem gotischen Wien. Don Anton Melchart. Auch in Wien ist es weiten Kreisen unbekannt, daß sich unter den Kostbarkeiten des Diözesanmuseums eine befindet, deren sich kein anderes Museum der Welt rühmen kann: das älteste gotische Fürstenporträt, das den „Bauherrn" der Stadt, Herzog Rudolf IV., den Stifter darstellt. Er, der als der eigentliche Erbauer des Stephans- d o m e s und als Begründer der Wiener Universität gilt, starb 1365 in Mailand und wurde in der „Herzogsgruft" von St. Stephan bei- gesetzt. Sein Porträt wurde im Chor der Kirche angebracht. Hundert Jahre später wird es zum ersten Mal in der Chronik des Chorherrn Thomas Ebendorfer erwähnt, der eine Schilderung des Domes gab. Das Bild ist nicht sehr groß, ist auf ein Perga- mentblakt gemalt und so in die Unterlage des Fichtenbrettes eingefügt, daß man es bei flüchtiger Ueberficht leicht für eine der mittelalterlichen Tafeln halten könnte, deren Farben unmittelbar dem Holz aufliegen. Es zeigt den gut erhaltenen Kopf des Herzogs, dessen Augen braun, dessen Haar und Bart dunkelblond waren. Vom Halse fällt ein ziegelrotes Untergewand, dessen oberer Rand von einem karminroten Streifen begrenzt ist. Das herzogliche Kleid besteht aus orientalischem Brokat: dem braungelben Grunde liegt ein elfenbeinweißes Ornament auf. Das nämliche Ornament füllt auch die ungefügen, großen Zacken der Zinkenkrone, die zugleich den roten Herzogshut sehen läßt. Den Bügel der Krone besetzen Edelsteine von smaragdgrüner und ziegelroter Farbe, die von einem Kreuz gekrönt werden. Auf der oberen Rahmenleiste steht in gotischer Schrift: „Rudolfus. Archidux. Austriae et cetri.“ Das Bild, das zu den größten Schätzen deutscher Tafelmalerei gehört, stammt wahrscheinlich von der Hand des Malers Theodorich von Prag, der ein berühmter Hofmaler Karls IV., des Schwiegervaters von Herzog Rudolf, gewesen ist. Mit dem Grab dieses Fürsten im Stephansdom hängt nod) eine andere Kostbarkeit zusammen. Als man es am 3. März 1933 öffnete, fand man darin Gebeine und eine schwarze Kuhhaut, in welche sie eingenäht gewesen waren, ferner ein großes doppel- schneidiges Schwert, ein bleiernes Kreuz, das eine auf die Person des Herzogs bezügliche Inschrift trug, und ein Totengewand aus Seidenbrokat. Während die Gebeine und Beigaben nach der Untersuchung wieder in das Grab zurückgelegt wurden, behielt man das Totengewand für das Diözesanmuseum zurück, zu dessen bedeutendsten Stücken es nunmehr gehört. Es handelt sich um einen der ältesten aus dem Mittelalter stammenden Stoffe. Das Kleid zeigt keinerlei Naht, nur in der Taille ist ein Stück „ge- endelt": der Rock ohne Naht ist ja ein uraltes Zeichen des erwählten Herrschers. Der Seidenbrokat enthält teils auf rötlichem, teils grünlichem Grund eine reich verteilte Ornamentik in vergoldetem Silberdraht. Man sieht Tierftreifen, geometrische Figuren, Blumenranken und ein breites Band mit arabischen Schriftzeichen. In der Bemühung, die Herkunft zu bestimmen, glaubte man zuerst, es mit einem vorderasiatischen Gewebe zu tun zu haben. Da diesem Kulturkreis aber Ornamente mit springenden, gehörnten Tieren nicht angehören können, so mußte es der ostasiatischen Welt zukommen, vor allem: Persien. In eimnr Bericht des Marco Polo, der nach dessen Rückkehr aus Asien im Jahr 1295 geschrieben ist, findet sich ein Königreich Gujaret im nordwestlichen Indien ermähnt, woselbst ähnliche Stoffe hergeftellt wurden. Sie enthielten Vögel aus Golddraht. Die endgültige Bestätigung der Herkunft ergab sich schließlich aus der Entzifferung der arabischen Inschrift, die auf den letzten Herrscher der „Jlchane" verwies: Abu Sacid Bahadur, Chan von Persien, der von 1316 bis 1335 regiert hatte. Vom 13. Jahrhundert bis zum 15. waren nun diese Stoffe, die unter dem Namen .,panni tartarici“ in den Handel kamen, sehr beliebte Einfuhrartikel aus dem fernen Orient Wie aber kam Herzog Rudolfs Leiche zu diesem Gewebe? Rudolf starb am 27. Juli 1356 in Mailand an infektiösem Fieber. Die Leiche wurde in die Kuhhaut eingenäht und über Verona nach Wien gebracht, wo sie im Stephansdom bestattet wurde. Nun wurde vor nicht langer Zeit bei der Deffnung des Grabes von Chanarande Francesco Skali- g e r, dem berühmten Fürsten von Norditalien, btr 1329 zu Verona starb, das Gegenstück zu dem Stoff gefunden, das heute im Museo Civivo in Verona ausgestellt ist. Daraus ergibt sich, daß das Leichengewandt aus Seidenbrokat wohl als Geschenk dem berühmten toten Fürsten vom Herrscher von Verona mitgegeben wurde. Herzog Rudolf der Stifter hat auch noch an anderen Orten Wiens seine unveraänglichen Spuren hinterlassen. So enthält das im Nordchor des Ste- phansdomes befindliche Grabdenkmal, das aus dem Jahr 1390 stammt, die Figuren Rudolphs und seiner Gemahlin Katharina. Ferner findet man den Herzog in einem Glasaemälde von Wiens zweitgrößter aotifcher Kirche „Maria am Gestade" in der Stifterfcheibe, aus dem Jahr 1360. Und auch die Stifterfiguren des sogenannten „Singertores" von St. Stephan zeigen ihn. Ueberrafchend ist, daß sogar noch ein lebendiges Zeuanis vom Wirken des Herzogs in Wien besteht, das Palmenhaus besitzt eine sonderbare, an Urbäume erinnernde Farnpflanze, die Todea barbara aus Polynesien, deren Wipfel unserem heimischen Waldfarn völlig gleicht; ihre Zweige zeigen dieselben oft grotesk anmutenden eingerollten Formen, die wir im Sommer zwischen Lattich, Moos und Zyklamen antreffen. Der Unterschied besteht nun darin, daß sie hier nicht unmittelbar aus dem Boden, sondern aus einem dunklen, vom Alter schon dick bemoosten Baumstamm hervorwachsen. Dieser Baumfarn stammt noch aus der Sammlung Herzog. Rudolf des Stifters und ist somit das älteste Stück des Palmenhauses. Blumenfreund. Don Werner Schumann. Es will schon etwas heißen, wenn die Post einen Brief mit der Aufschrift „An den Mann im grauen Hut" zu bestellen unternimmt, ohne an der unvor- schriftsrnäßigen, ja herausfordernden Adresse Anstoß zu nehmen. So wenigstens erzählte uns Charlott, die Enkelin des längst in seinem Grabe in Pommern ruhenden Blumenzüchters, der mit Vorliebe graue Anzüge, graue Schirme und eigens für feinen gewaltigen Schädel angefertigte mausgraue Hüte mit genau neun Zentimeter breiter Krempe trug. Blumenzüchter sind oft Sonderlinge, nicht immer im Aeußeren,- aber in ihrem Herzen. Ihr Blumenreich ist ihre Welt, in der sie sich wunschlos glücklich fühlen. Ungewöhnlich wie der Mann selbst war auch unsere erste Bekanntschaft mit ihm. Charlott hatte uns eingeladen, aus dem Radio musizierte es leise in den jasminduftenden Abend, und auf der Garten- terraffe funkelte in kristallenen Kelchen Bet goldgelbe Wein, als die junge Gastgeberin sich plötzlich erhob und mit einer Gebärde unser Gespräch verstummen ließ: „Ssst! Das ist doch..., ja, wahrhaftig, das ist die Serenade meines Großvaters!" Sie summte ein paar Takte der Melodie mit. „Eigentlich war er ja Blumenzüchter, aber er kom- nonierte auch. Nie habe ich seine Musik durch den Rundfunk gehört. Ist das nicht ein seltsamer Gruß aus dem All, den mir da der alte Herr schickt?" „Blumen und Musik", sagte einer der Gäste, „welch schöner Zusammenklang. Es ist beides wie der lichte Tag." Da kreischte aus dem Nebenzimmer, als erinnere ihn die Melodie der Serenade an seinen verstorbenen Herrn, laut ein Papagei, den der Blumenfreund einmal aus Mexiko mitgebracht hatte. Und bei so mannigfacher Beschwörung feines Geistes lag es wohl nahe, daß die Stunde dem Gedenken an den erlauchten Ahnen geweiht wurde. Denn der zauberisch von Lampions erleuchtete Garten trug ja noch auf allen Wegen die Spuren seines unermüdlichen Waltens. Sanft glühte das Siebengestirn am unendlichen Himmelsgewölbe. „Damals war ich-Hoch ein Kind", begann Charlott leise. „Ich ärgerte mich, wenn alle Leute über das komisch-gravitätische Exterieur meines Großvaters heimlich lachten. Sie begriffen ihn nicht, und er verabscheute ihre Skat- und Billardabende. Der zarte Bau edler, empfindlicher Pflanzen, und das Schwarz der Blütenblätter der Rose, das ihn fein ganzes Leben beschäftigte, interessierte ihn eben mehr als alle materiellen Vergnügungen. Und abends spielte er mir immer vor ..." Charlott senkte lauschend den schönen, schmalen Kopf. „Eines Tages hieß es dann: Dpa will über den Ozean! Ein Bruder meines Vaters, der in Mexiko wohnte, hatte ihm das Reisegeld geschickt und geschrieben, das Land dort sei ein einziger großer Wundergarten. Und der Fünfundsiebzigjährige rüstete sich für die weite Reise. Es war ihm, als führten die Pfade feines jahrzehntelang gehegten Hausgärtleins direkt in den mexikanischen Zauber- garten. Nur seine geliebten Blumen gaben ihm das Geleite. Wie hätte er ohne sie weiterleben sollen? Aber Blumen brauchen Nahrung wie die Menschen, und da sie am salzigen Meerwasser zugrunde gegangen wären, transportierte der alte Herr wahrscheinlich zur Erheiterung der übrigen Schiffspassagiere mächtige Bottiche voller Regenwasser über den großen Teich. Die große Gesellschaft erfreute sich am unendlichen Wasser. Er aber plantschte . selig im kleinen herum. Sagen Sie selbst, ist das nicht doch ein bißchen närrisch?" ,-Bewahre! Ein vortrefflicher Gedanke! Welch ein wunderbarer Mensch!" ertönte es in der Runde, und noch immer flatterte die- Radiomusik hell durch die warme Nacht wie die sommerlichen Kleider der Frauen. Charlott öffnete ein Fach ihres Sekretärs und schwenkte ein Blatt Papier. „Das Beste hab ich Ihnen noch vorenthalten! Die lange Ueberfahrt war ja für den alten, anfälligen Herrn kein Wochenendausflug. Meine Eltern waren ruhelos während der Reife, sie fürchteten alles Mögliche und legten ihm ans Herz, sofort zu telegraphieren, wenn er in Vera Cruz mexikanischen Boden betreten habe. Er telegraphierte auch richtig. Und was stand drauf? Hier, Niels, lesen Sie!" „Drei $age Wassermangel. Sonst alle Blumen wohlauf." „Welch ein Dpa!" rief Niels heiter aus. „Nein", sagte Charlott, und es klang wie ein sanfter Verweis, „welch ein seltener Blumenfreund." Es war still geworden, das Radio verstummt, und nur der Sommerwind rührte an die leise aufrauschenden Blätter dek alten Bäume. In (Ebrfurd)t gedachten wir des verlachten, alten Herrn im mausgrauen Hut. Drittes hessisches Gausängerfest in Vorbereitung 12000 Sänger singen im Maffenchor zur Großkundgebung. Für das Dritte hessische 'Gausängerfest, das demnächst die Mauern unserer Stadt Gießen mit festlichem Leben, mit Gesang, Fröhlichkeit und Hochstimmung in völkischem Sinne erfüllen wird, sind die Vorbereitungsarbeiten nunmehr in ihr abschließendes Stadium getreten. Verständlich, daß das Fest, das viele tausend Gäste in unserer Stadt sehen wird, Vorarbeiten notwendig macht, die wert über ein alltägliches Maß hinausgehen. Die ersten Anfänge der Vorbereitung dieser großen Veranstaltung liegen schon bald ein Jahr zurück. Nun ist alles schon so weit gediehen, daß man mit Ruhe und Sicherheit dem Feste entgegensetzen kann und glauben darf, daß der großen Sache der Erfolg nicht versagt bleibt. Viele Helfer haben sich uneigennützig in den Dienst der edlen Sache gestellt und wenn in diesen Tagen letzte Hand angelegt wird, dann geschieht es in der Hoffnung, daß oller Mühe der Lohn in der Form eines starken Besuches des Sängerfestes aus weitem Umkreis nicht vorenthalten wird. Im engeren Festausschuß fand gestern abend eine Sitzung statt, die noch einmal in Erinnerung brachte, was das Fest zu geben haben wird. Dabei war es interessant, einiges über die zu erwartende Beteiligung zu hören. Das Programm der Veranstaltungen sieht nicht weniger denn 1*1 Platzkonzerte in Gießen vor, die am Hauptfesttag stattfinden werden. Diese Platzkonzerte werden an den verschiedensten bevorzugten Stellen der Stadt abgehalten, und zwar vor Dem Studentenheim^ der Universität, der Stadtpost, vor dem Finanzamt, vor der alten Klinik (Liebig- bau), im Hof der Medizinischen Klinik, auf dem Kreuzplatz/ dem Bahnhofsvorplatz, in der Anlage an der Ecke Plockstraße/Johannesstraße, vor dem Liebigdenkmal, auf Oswaldsgarten, am Selterstor, auf dem Brandplatz und auf dem Ludwigsplatz. 7000 bis 8000 Sänger, jeweils' aus den verschiedenen Sängerkreisen zusammengefaßt, werden sich aktiv an diesen Platzkonzerten beteiligen, so daß Gießen im wahrsten Sinne des Wortes zu einer „singenden Stadt" werden wird. Die Festste sieht außerdem 17 Sonderkonzerte vor, in denen insgesamt 3000 Sänger in der Form des Dereinschores ihre Leistungen in der Pflege des deutschen Männergesangs beweisen 'werden. Sämtliche verfügbaren Säle werden für diese Konzerte in Anspruch genommen. Diese Konzerte sollen einen breiten Kreis auch der nicht unmittelbar an der Sache der Sängerschaft beteiligten Volksgenossen die Schönheit des deutschen Liedes zum Bewußtsein kommen lassen. Das Gausängerfest bringt darüber hinaus eine Anzahl festlicher Höhepunkte insbesondere musikalischer Art. Bestes deutsches Liedgut, die besten Kompositionen deutscher Meister, werden zu Gehör gebracht werden. Neben dem Singen auf Straßen und Plätzen und neben den Sonderkonzerten werden Kirchenkonzerte stattfinden, die auch dem kirchlichen Chorgesang im Rahmen des Festes würdigen Raum geben. Ein besonderes musikalisches Erlebnis soll die Aufführung des Oratoriums für gemischten Chor, Soli und Orchester von Haydn „Die Jahreszeiten" darstellen. Die Gaukundgebung, die auf Oswaldsgarten die gesamte Sängerschar, die Einwohnerschaft unserer Stadt und die vielen Gäste aus der nahen und weiteren^ Umgebung vereinigen soll, wird als außerordentliches Ereignis Darbietungen eines Massenchores bringen, der aus etwa 12000 Sängern bestehen und von Universitäts-Musikdirektor Dr. T e - m e s v a r y geleitet wird. Der Massenchor wird das „Danklied" von Ehr. Tücher in vierstimmigem und das Lied „Der Gott, der Eisen wachsen ließ" in einstimmigem Satz fingen. Die Festfolge sieht außerdem eine^ Gaufeierst u n d e vor, die unter dem LeitworT„S i n g e n Kolonnen, singendes Volk" stehen roirT Neben den großen musikalischen Darbietungen des Festes wird auch noch eine Reihe anderer Veranstaltungen die Aufmerksamkeit an sich ziehen. Sitzungen des Gauführerrates, der Musi k b e'i r ä t e, der K r e i s ch o r m e i st e r und schließlich der Gausängertag 1 9 3 8 werden einen Teil der Festteilnehmer mit ernster Arbeit in Anspruch nehmen. Die Teilnehmer an der Kundgebung werden sich in einem Sternmarsch nach Oswaldsgarten begeben. Eine volkstümliche Feier st unde, ein Volksfest und ein abschließendes Feuerwerk werden wiederum Tausende von Festgästen vereinigen, so daß allen, die das Gausängerfest besuchen können, eine Fülle der Erlebnisse und der starken Eindrücke beschieden sein wird. In .feierlicher Form wird übrigens auch die Uebergabe des Gaubanners durch den Führer des Sängerkreises Darmstadt (Darmstadt war der Festort des letzten Sängerfestes) an den Oberbürgermeister unserer Stadt vor sich gehen. Oberbürgermeister Ritter wird das Gaubanner dann dem Sängerkreisführer Müller (Gießen), als den Leiter des festgebenden Sängerkreises übergeben. Das Banner wird dann bis zum nächsten Gausängerfest (in vier Jahren) in Gießen bleiben. Kaum zehn Tage trennen uns noch von dem großen Fest, das den Namen der Stadt Gießen wieder weit hinaustragen wird, als den Namen einer Stadt der Gastlichkeit und der Festfreudigkeit. nischer medizinischer Wanderkongreß statt, der 35 brasilianische Aerzte, die fast ausnahmslos Universitätslehrer und Krankenhausle-iter sind, deren Namen guten Klang haben, von Berlin nach Bad- Nauheim, Darmstadt, Marburg, Gießen, Frankfurt a. M., München, Jena und Königsberg führt, wo jeweils die mediziniscken Institute besucht und gemeinsam Fachfragen behandelt werden. Die Studienreise wurde am Montag in Berlin mit einer feierlichen Begrüßung der ausländischen^ Gäste im Jberoamerikanischen Institut eröffnet. 40. Jahresversammlung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft e. B. in Gießen Dorn 3. bis 6. Juli hält die Deutsche Zoologische Gesellschaft in Gießen ihre 4 0. Jahresversammlung ab. Dem umfangreichen Programm für die Tagung ist u. a. folgendes zu entnehmen: Am Sonntag, 3. Juli, findet ein Empfangsabend im Studentenhaus statt. Die wissenschaftlichen Arbeiten beginnen am Montag, 4. Juli, mit der ersten Sitzung im Physiologischen Institut. Das erste Referat hält Professor W. E. A n k e l (Gießen), über Erwerb und Aufnahme der Nahrung Fei den Gastropoben. Nach Absolvierung der für den ersten Tag vorgesehenen Vorträge findet gegen Abend eine Fahrt auf den Schiffenberg statt, wo Professor Dr. Rauch die Führung übernehmen wird. Für den 5. Juli sind vorgesehen: Besichtigungen des Gießener Zoologischen Instituts, des Oberhessischen Museums und des Botanischen Gartens, Berichte und Vorträge im Physiologischen Institut, nachmittags eine Fahrt- nach Bad-Nauheim mit Besichtigung der Kuranlagen und des Kerckhoff-Jnstitutes. Am 6. Juli findet die S ch l u ßs i tz u n g im Physiologischen Institut statt, welche die letzten Vorträge bringen wird. Ferner sind vorgesehen Besichtigungen des Liebig-Museums und der Leitz-Werke in Wetzlar, daselbst auch Vorträge über die neuere Entwicklung der Farben-Photographie und ihre Anwendung für wissenschaftliche Zwecke. Am 7. Juli ist ein Autoausflug in den Vogelsberg geplant. Professor Dr. Merker ladet zum Besuch des Forst- Instituts der Universität Gießen ein. Während der Tagung finden im Ausstellungsraum des Physiologischen Institutes Vorführungen der neueren Er- zeuanisse der optischen Werke Leitz (Wetzlar) und Zeitz (Jena) statt. Bisher sind für Die Tagung insgesamt 21 wissenschaftliche Vorträge aus den verschiedensten zoologischen Spezialgebieten gemeldet. Der Kreisfeuerwehrtag in Watzenborn-Steinberg. Am 2. und 3. Juli findet der Kreisfeuerwehrtag des Kreises Gießen in Watzenborn-Steinberg statt. Der Samstagnachmittag bringt die Führertagung der Wehrleiter und Stellvertreter der freiwilligen Feuerwehren und der Pflichtfeuerwehren des Kreises Gießen. Diese Arbeitstagung bringt außer wichtigen amtlichen Bestimmungen noch eine Fülle des Wissenswerten für die Feuerwehrführer des Kreises. Am Samstagabend findet ein Kameradschaftsabend mit der Feier des 10jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Watzenborn-Steinberg statt. Der Sonntagvormittag ist ausgefüllt mit Vorführungen der Feuerwehr von Watzenborn-Steinberg sowie Schulübungen der motorisierten Einheiten von Lollar, Grünberg, Hungen und Lich. Ein größerer Brandangriff der Feuerlöschpolizei Watzenborn- Sleinberg unter Einsatz von motorisierten Halblösch- zügen von Lollar und Grünberg dürften den Abschluß des Vormittags bilden, während der Nachmittag den Aufmarsch, die Kundgebung und die Frontabnahme der 48 freiwilligen Feuerwehren (Feuerlöschpolizei) vorsieht. Weinbeffände dürfen nicht zurückgehalten werden. NSG. Der Reichs st atthalter in Hessen — Landesregierung — Stelle für d i e Preisbildung, sieht sich veranlaßt, folgende Pressenotiz zu veröffentlichen: In der letzten Zeit häufen sich ständig die Klagen von Gaststätten und Schankwirten über die unzureichende Versorgung mit billigem Konsum-Wein MiedeMMSMtt Roman von Hans von Hülsen. Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell. 14. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Er kann mehr als das", sagte Renata trotzig. Und in dem Wunsch, ihn herauszustreichen, erzählte sie von dem Werk, an dem er arbeitete, und je mehr Frau Armbruster lächelte, desto eifriger, desto wärmer wurden ihre Worte. Schließlich setzte sie hinzu, sie habe auch Fritz sch-on davon gesprochen, aber er habe ebenso ungläubig gelächelt. Da hörte Frau Armbruster plötzlich auf, zu lächeln. „Ich sage ja immer, daß der Junge nicht fürs Geschäft taugt! Daß er kein Organ dafür hat. Kein Sterbenswörtchen hat er davon verraten. Und das wäre doch seine erste Pflicht, wenn ihm zu Ohren kam, daß eine Berühmtheit wie Ottenrieth an einer Sache arbeitet, die nicht unter den Vertrag mit feinen Agenten fällt. Es ist mir jedenfalls lieb, daß Sie mit Ottenrieth befreundet find, Kind", setzte sie hinzu, wie aus einem tiefen Sinnen heraus. Renata verstand sie nicht. Sie dachte nur: off es i^m recht ist, daß ich zu den beiden davon gesprochen habe? Sie hatte plötzlich ein schlechtes Gewissen und lehnte ab, als Frau Armbruster sie nach dem Empfang noch irgendwohin zum Essen mitnehmen wollte. Es tat ihr leid um Fritz, aber sie fühlte, daß hinter dieser Einladung etwas steckte, dem man besser aus dem Weg ging. * Um das gelbe, würfelförmige Haus in den nun entlaubten Kastanienwäldern von San Bartolomeo ging der Wirbelsturm. Unwirtlich war es hier in den Bergen des Apennin um diese Jahreszeit. Erst wenn im Januar das junge Jahr zu steigen begann, wurde es besser. Der Wind riß an den Fenstern, daß sie klapperten wie dürres Gebein. Immer wieder mußte man in der Nacht aufstehen, weil ein Laden sich losgerissen hatte und geaen die Mauer schlug. Grazia Tudesco fröstelte, weil sie nun schon Zwanzig Winter lang in diesem Hause gefröstelt hatte. Sie ging rastlos umher und schürte die uralten Oefen aus der Doriazeit, damit sie mehr Wärme zum Genuß für einfache Volksgenossen. Die Ursache für diese Erscheinung liegt nach den bisherigen Erfahrungen hauptsächlich daran, daß gewisse Erzeuger ihre noch vorhandenen Restbestände in Wein in unverantwortlicher Weise zurückhalten, offenbar in der Absicht, damit noch höhere Preise zu erzielen. Ein solches Verhalten verstößt aufs gröbste gegen die bestehenden Preisvorschriften und läßt darüber hinaus auch eine sehr verwerfliche Gesinnung erkennen, die verdient, aufs schärfste angeprangert zu werden. Wenn durch die Patenweinaktion in den vergangenen Jahren, durch den Einsatz aller dem Winzer bei dem damaligen Ueberfluß an Wein zu erforderlichem Absatz verhalfen wurde, so ist es heute unverständlich, wenn durch die Zurückhaltung gewisser Erzeuger nunmehr die Gefahr wachgerufen wird, daß der Wein seinen Ruf als Volksgetränk verliert. Das kann sich in Zeiten einer guten Ernte sehr leicht rächen. Sofern diese Erzeugerkreise weiterhin den Wein horten sollten, werde ich mit den schärfsten Strafen dagegen einschreiten. Ich hoffe, daß diese Anregung dazu beiträgt, die Lieferungen im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten wieder in Gang zu bringen. * ** 25 Jahre treuer Mitarbeiter. Am heutigen Mittwoch kann Ludwig B i e r a u auf eine 25jährige Tätigkeit in der Wäscherei gäben;* aber es war nutzlos, der Sturm riß die Glut durch die Kamine hinaus. Sie ging ins Speisezimmer, wo ihr jetzt die alte Rosetta ihren einsamen Mahlzeiten auftischte. Sie ging flüchtigen Fußes durch den großen Saal zu ebener Erde, wo es eisig war und der mit seinen auch tagsüber geschlossenen Läden tot und unwohnlich dalag. Sie ging in ihren kleinen Salon, der unter Windschutz lag und wenigstens einigermaßen die Wärme hielt. / Sie ging immer wieder hinauf in das große Gemach mit den drei maurischen Fensterbogen, wo der Oberst seit Wochen in dem frei in den Raum gerückten Bett lag. Oberst Tudesco war krank, hatte sich seit den Hochsommertagen in Torbolo nie mehr auch nur des bescheidenen Grades von Gesundheit erfreut, bei dem er auf Fragen feiner seltenen Besucher zu sagen pflegte: es gehe ihm gut. Im September war er noch manchmal an seinen beiden Krücken durch den Garten gehumpelt und hatte am großen, runden Bassin gestanden und den paar vernachlässigten Goldfischen zugesehen, die genau so darin vegetierten wie er selbst dahinsiechte. Aber gegen Ende des Monats hatte er sich hingelegt und war seitdem nicht mehr aufgestanden. Der Arzt war gekommen, der alte Doktor Fa- biani aus Busalla, wie so oft, er hatte das Wrack dieses Körpers wieder einmal untersucht und etwelche Medizinen zur Stärkung verschrieben und der Signora ein Dutzend Ampullen mit Morphium für besonders schlimme Tage oder Nächte ausge- händigt; was hätte er auch weiter tun können? Oberst Tudescw wußte, daß kein Arzt der Welt etwas tun konnte. Er wußte, was niemand sonst wußte, vor allem die Frau an feiner Seite nicht: warum er hier so reglos lag und die Augen unter den zottigen Brauen unablässig auf die buntbemalten Deckenbalken aus der Zeit der Doria gerichtet hielt und kaum je den Kopf llach dem Fenster wandte, durch das bleich der Wintertag herein« schien. Daren es die Wunden, die ihn schmerzten? Die hundertfachen Gebresten, die ihm die Ervlosion einer österreichischen Mine vor seinem Bataillonsbefehlsstand Jsonzo verursacht hatte? Sie waren es auch, ja, wie sie es nun schon seit zwanzig Jahren waren? Sie hatten seinen Leib in ein Bündel von Leiden und Qualen verwandelt, denen nur eine so harte Natur wie die seine Widervart zu halten verwachte. Nur der Wille, zu leben, hatte all diesen Abgesandten widerstanden, die ihn immer wieder Fuchs zurückblicken. Gleichzeitig kann der Jubilar seinen 65. Geburtstag feiern. Wir gratulieren! Lpd. Herstellung von Milchsekt genehmigungspflichtig. Durch eine Anordnung der Hauptverejnigung der deutschen Milchwirtschaft wird bestimmt, daß die Herstellung von Erfrischungsgetränken, die aus Vollmilch und entrahmter Frischmilch unter Zusatz von Kohlensäure oder Fruchtaroma zubereitet werden, sowie jede Erweiterung der Leistungsfähigkeit eines derartigen Herstellerbetriebes der Genehmigung der Hauptvereinigung der deutschen Milchwirtschaft unterliegen. In den Anträgen auf Erteilung Der Genehmigung ist die Beschaffenheit der Anlagen darzulegen, ferner die Zusammensetzung des Getränks und die Preisbildung vom Erzeuger bis zum Verbraucher. Rundfunkprogramm Donnerstag, 30. Juni. 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk: Volksliedsingen. 11.45: Wer sammelt — was? 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Komponisten der Gegenwart unterhalten uns (VII): in das dunkle, stille, quallose Reich des Todes locken wollten. Zwanzig Jahre lang hatte sein Wille triumphiert! Aber nun — nun mochte er nicht mehr. Nun war er Des Ganzen müde. Er lag hier und wartete auf Den, Dem fein flügellahmer Wille erlaubt hatte, einzutreten. Er lag in den Kissen, die ihm die Frau mittels einer Stütze hochgestellt, lag viele Stunden allein, die gelblichen Hände auf der Decke gefaltet, wie über einem Degenknauf, schaute unverwandt nach fcbem Gebälk empor, als müsse von dort ein Adler niederstoßen, und überdachte fein ganzes Leben. Dachte der Tage, da er unter den Augen der Eltern hier in Haus und Park von San Bartolomeo aufgewachsen war, der Schulzeit in Bergamo, seiner jungen Leutnantsjahre, die so heiter angefangen hatten, alles das sah er wie ein schattenhaftes Schauspiel jenseits des dunklen Stromes. Er dachte, und seine Brauen über der Nasenwurzel wuchsen dabei streng zusammen, an Wien, die vor dem Krieg so heitere Stadt, in der er zwei Jahre lang gelebt hatte, als junger Hauptmann-, zum Militärattache bei der Gesandtschaft fomman» diert — diese zwei Jahre, in denen sich, man mochte es drehen und wenden, wie man wollte, sein Schicksal entschieden. Sein Schicksal! Er dachte an die wunderschöne Teresa Seleseanu, die elegante, kapriziöse Rumänin, an die er sich mit allen durstigen Sinnen gehängt und die dann so urplötzlich vom Erdboden verschwunden war: daß sie heimlich der österreichischen Spionage gedient und in 'einem Graben der Festung Verona vor sieben Gewehrläufen aufrecht geendet, daß die Herren in Rom ihn, ihren Geliebten, geschont — viel später erst hatte er das erfahren, Jahre sväter, in einer fürchterlichen Stunde, aus einem fürchterlichen Aktenstück. Weiter sann er: Afrika, Lybien. Der türkische Krieg: harte Frontjahre, gut zum Vergessen der Dummheiten mit Teresa. Damals hatte er noch nicht geahnt, welche Saat aus diesen Dummheiten ausgehen wird. Kriegsjahre, die den in Wien einigermaßen verweichlichten Körper und Willen wieder stählten. Die blutige Eroberung der zHH verteidigten Oase Gargaresch, die ersten Wunden. Jahre, die ganz ausgefüllt sind vom Ehrgeiz, ein guter Troupier zu sein, die ihn den Krieg im Sand und die sengende Sonne Afrikas fast lieber gewinnen lassen, als Europa und die Heimat, wo immer die Schatten der Dummheiten wie Erinnyen umgehen. Glückliche Jahre, alles in allem! Und dann — die römischen Urlaubstage, September Vierzehn, der letzte Urlauber vor der italie- Heute: Joe Rixner. 15: Für unsere Kinder. 16: Nachmittagskonzert: Tänzerische Weisen aus alter und neuer Zeit. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 18.50: Allerlei vom Sport der Woche. 19: Nachrichten. 19.10: „Mittsommer", eine Hörfolge. 20: Unser singendes, klingendes Franks furt. Zwei kunterbunte Stunden zu einem mufifa« lischen Strauß gebunden. 22: Nachrichten. 22.20: Unsere Kolonien. Stimmen von draußen. 22.30: Volks- und Unterhaltungsmusik. 24 bis 3: Nachtkonzert. Schwurgericht Gießen. Am Dienstag verhandelte das Schwurgericht über einen Fall der Kindestötung. Angeklagt war die L. B. aus Lauterbach, die das Kind braver Eltern ist und Der Durch ihren Arbeitgeber ynb ihren Lehrer Das beste Zeugnis ausgestellt wurde. Die Angeklagte lernte im vorigen Sommer einen jungen Mann kennen, der die Unerfahrenheit des jungen Mädchens ausnutzte, sie überraschte und geschlechtlich mit ihr verkehrte. Die Angeklagte behauptete zwar, von ihm vergewaltigt worden zu sein, doch ist diese Angabe wenig wahrscheinlich, da Die Angeklagte keinerlei Strafanzeige gegen ihn stellte. Tatsache ist aber, daß der junge Mann sich danach über» RUHL Seltersweg Nr. 67 ■ adiO Telephon Nr. 3170 I eparaturen__Ra Haupt nicht mehr um das Mädchen kümmerte, auch nicht, nachdem sich zeigte, daß der Verkehr nicht ohne Folgen blieb. Die Angeklagte, die einen sehr zurückhaltenden und unaufgeschlossenen Eindruck machte, vertraute ihren Zustand weder ihrer Mutter, noch ihrer Dienstherrschaft an. Hinzu kam noch, daß sie um Weihnachten einen anderen Mann kennenlernte, der versprach, sie zu heiraten und sie befurchten mußte, daß dieser nach Kenntnis der Schwangerschaft das Verhältnis zu ihr lösen würde. Im Februar leugnete sie aber auf Befragen ihrer Arbeitgeberin nicht, daß sie in anderen Umständen war, gab es aber auch nicht zu. Im April erfolgte bann die Geburt des Kindes, ohne daß es jemand merkte. Gleich nach der Geburt drückte die Angeklagte dem Kind, das nicht schrie, aber sonstige Lebenszeichen gab, Die Kehle zu, bis es tot war. Danach versteckte sie es in ihrem Zimmer. Ihrer Arbeitgeberin gegenüber sagte sie nur, daß es ihr nicht gut sei. Als diese daraufhin zum Arzt schickte, stellte dieser bei Der Untersuchung Den Sachverhalt- fest und veranlaßte Die Uebersührung in das Krankenhaus. Bei Der Dann erfolgenden Haussuchung wurde in kurzer Zeit das Kind gefunden, Das Gericht verurteilte die Angeklagte wegen Kindestötung unter weitgehendster Zubilligung von mildernden Umständen zu Der gesetzlichen Mindeststrafe von zwei Jahren Gefängnis. Bei Der Zumessung Der Strafe war maßgebend, daß es sich bei der Angeklagten um ein noch junges, ordentliches und anständiges Mädchen handelte, dem von allen Seiten gute Zeugnisse ausgestellt wurden, daß es nur durch unglückliche Zufälle zu dem Geschlechtsverkehr und der Schwangerschaft kam, und daß allein falsche Scham die Angeklagte abhielt, sich ihrer Mutter anzuvertrauen, die ihr und dem Kinde sicherlich weitergeholfen hätte. Mit Rücksicht auf die Tragik dieses Vergehens und mit Rücksicht auf die vielen Umstünde, die zugunsten der Angeklagten sprachen, wurde ihr auch die erlittene Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet. Vezirksschöffengerichl Wen. Der G. K. aus Lauterbach, der schon dreimal • wegen Diebstahls vorbestraft war, wurde wegen einfachen Diebstahls im Rückfall unter Zubilligung mildernder Umstände zu IJahr Gefängnis verurteilt. In seinem Hause wurden Fleisch- und Wurstwaren gefunden, sowie Wein, Zigarren und Zigaretten, die einwandfrei aus dem Laden des Zeugen R. stammten. Der Angeklagte leugnete zwar, diese Sachen gestohlen zu haben und behauptete, er habe die Waren in anderen Läden gekauft. Die Beweisaufnahme ergab jedoch, daß der Angeklagte nur auf unrechtmäßige Art und Weise in den Besitz der Sachen gekommen sein konnte. Die Frau des Angeklagten gab an, daß nischen Kriegserklärung an die Mittelmächte! Die Tage, in denen ein Schicksal sich entschied. Ein Schicksal? Zwei Menschenschicksale vielmehr. Er denkt zurück. Sieht die Reitbahn in der Villa Borghese mit Den himmelhohen, einzelstehenden Pinien, wo er Den Grafen Monfalconi getroffen. Den ehemaligen Geschäftsträger in Wien, ihn und seine Tochter. Donnerwetter, ist das Mädchen schön geworden! Damals, in Wien, er innert sich gut, war es fast noch ein Kind, das bei den Diners des Gesandtschaftsratsehepaars nicht erschien, nur manchmal am Teetisch der Mutter sichtbar wurde. Monfalconi selber unverändert, höchstens ein wenig mehr Grau an den Schläfen, er erkennt ihn sofort, winkt ihm zu, stellt ihn der Komtesse vor. Bildschön ist das Mädchen geworden! Perlblasse Haut, wundervolles schwarzes Haar, die Augen seltsam verschleiert! Man tauscht, im eleganten Men- schengewühl des Septembersonntags umherwan- delnd, alte Wiener Erinnerungen — der Graf ist nun auch schon jahrelang von Wien fort, arbeitet als Abteilungschef in der römischen Consulatä und wartet wohl auf irgendeinen Außenposten, aber das kann bei der Überalterung des diplomatischen Dienstes lange dauern. Die Begegnung endet, überraschend fast, mit einer Einladung für morgen zum Frühstück, Villa Severini, Viale bei Parioli. Die Gräfin sei seit einem Jahre verstorben, hat Monfalconi wie nebenbei fallen lassen. Erinnerungen — wie das alles mit Gewalt aufersteht in dieser Stunde! Als er, den Kops schwer vom Wein und guten Essen, die Villa Severini verläßt, weiß er, daß er bis über beide Ohren in die schöne Komtesse Grazia verliebt ist. Drei Tage später weiß er, daß er die Keckheit haben wird, um sie zu werben. Er, ein simpler Linien-Hauptmann ohne nennenswertes Vermögen, um die bildschöne, begehrte Tochter aus der römischen Aristokratie, die unter allen Aristokratien der Welt Die stolzeste ist! Er ist wie in einem Rausch, Der Schwierigkeiten nicht kennt. Schwierigkeiten? Aber es gibt keine! Der Graf hört ihm mit einem Lächeln zu, als er feine Werbung vorbringt. Sein Auge ruht sichtlich .wohlwollend auf dem Besucher — es ist zum Erstau- nen! Er erklärt sich bereit, mit Der Komtesse zu sprechen, er sei, sagt er, ein viel zu verliebter Vater, um etwaigen Wünschen seines einzigen Kindes im Wege zu stehen, und lächelt dazu. Er verspricht, am-nächsten Tage Nachricht zu geben. Wer konnte etwas Aehnliches erwarten. (Fortsetzung folgt!) ihr Mann häufig Wurst, und Fleischwaren mitbrachte, und zwar derart, daß sie annehmen mußte, daß er diese nicht auf rechtmäßige Weise erworben hatte. Um sich nicht etwa selbst der Hehlerei schuldig zu machen, ging sie zu der Polizei und teilte dieser ihren Verdacht mit. Die daraufhin angestellten Ermittlungen führten dann zur Aufdeckung der Diebstähle. Da der Angeklagte hartnäckig leugnete, er auch schon vorbestraft war, mußte er eine strenge Strafe erhalten. Strafmildernd kamen nur der geringe Wert der entwendeten Gegenstände und die schlechten häuslichen Verhältnisse in Betracht. Gleichfalls wegen Diebstahls hatte sich noch der W. Z. aus Gießen zu verantworten. Der Singe» klagte, der als Verlader am Güterbahnhof tätig war, hatte in drei Fällen im Frühjahr Zigarettenpakete aufgemacht und aus ihnen Packungen, entwendet. Einmal nahm er eine erhebliche Mentze Zigaretten an sich, in den beiden anderen Fällen handelte es sich nur um 'kleinere Mengen. Der Angeklagte, der im vollen Maße geständig war und auch noch nicht vorbestraft ist, wurde wegen schweren Die b st ahls au 3 Monaten Gefäng - n i s und für jeden der beiden Fälle der Genuß- mittelentwendung zu je 2 Wochen Haft verurteilt. Gebietsvekdunkelung vom 4. bis Olt 1938. Das Kreisamt Gießen teilt mit: Auf Anordnung des Luftgaukommandos findet in den Nächten vom 4./5. und 5./6. Juli d. I. eine T o t a l v e r - dunkelung der Kreise Gießen, Büdingen, Schotten, Friedberg und der angrenzenden preußischen Gebietsteile statt. Die Verdunkelung beginnt mit dem Einbruch der Dämmerung und endet mit Anbruch des Tageslichts, er st reckt sich also jeweils über die ganze Nacht. An der Bevölkerung wird es liegen, nunmehr zu zeigen, ob sie durch die Uebungen des Vorjahres und insbesondere des vergangenen Winters so weit geschult ist, daß eine wirksame und totale Verdunkelung des gesamten Uebungsgebietes erzielt wird. Dazu gehört, daß jeder Haushalt, jeder öffentliche und private Betrieb, jeder Wegbenutzer und jeder im Kontrottdienst Tätige sich luftschutzmäßig verhält, d.h. zu seinem Teil dafür sorgt, daß kein unzulässiger Lichtschein die Dämmerung oder die Dunkelheit erhellt und zum Verräter wird. Die Bevölkerung des Kreises Gießen wird aufgefordert, schon jetzt alle Maßnahmen zu treffen, um einen reibungslosen Ablauf der Verdunkelungsübung in den beiden angegebenen Nächten (Montag/Dienstag und Dienstag/Mittwoch nächster Woche) sicherzustellen. Förmliche Alarmierung erfolgt nicht mehr, da die Verdunkelung automatisch mit der Dämmerung einsetzt. Besondere Aufmerksamkeit wird diesmal der Verdunkelung der Gaststätten, der Schlafzimmer, Dachstuben und Aborte zuzuwenden sein. Der Verkehr aufder Straße ist auf ein Mindest- maß zu beschränken. Nur solche Personen, die beruflich notwendige Gänge zu machen haben, wie Aerzte und Hebammen sowie Arbeitnehmer, die zur oder von der Arbeitsstätte gehen müssen, dürfen sich auf der Straße aufhalten. Kraftfahrer haben innerhalb der Ortschaften mit Schlitzkappen und nach oben abgeblendetem Schlußlicht zu fahren; außerhalb darf mit Standlicht gefahren werden. Radfahrer und Fuhrwerke haben ebenfalls ihre Beleuchtung abzublenden (nicht auszulöschen!). Die Kontrollposten sind mit Weisung versehen, alle un- vorschriftsmäßig beleuchteten Fahrzeuge usw. festzuhalten. Von Betrieben, die über Nacht arbeiten, wird erwartet, daß sie sich besonders sorgfältig auf die Verdunkelung vorbereiten. Da sich auch die Dienststellen und Anlagen der Reichsbahn, Reichspost, Wehrmacht und Reichsautobahnen der Verdunkelung anschließen, wird der wünschenswerte volle Erfolg nicht ausbleiben, wenn jeder Volksgenosse die ihm bekannten Verdunkelungsanordnungen verständig und willig befolgt, Eigenwünsche im Interesse des Ganzen zurückstellt und es nicht darauf ankommen läßt, polizeilich gemaßregelt zu werden. Heimatgeschichte als Mittel zu politischer" 'XV illeusbildung Wetterau-Museum Friedberg vor der Wiedereröffnung. Friedberg, 28. Juni. Das Wettsrau-Museum in Friedberg, zwischen Liebfrauenkirche und Hallenschwimmbad, wird soeben einer gründlichen Erneuerung unterzogen, von außen und innen. Mit der Wiedereröffnung Ende Juli ist Friedberg um ein schönes Gebäude reicher — 80 Meter Straßenfront! — und um eine Sehenswürdigkeit, die der stolzen Vergangenheit der alten Reichsstadt entspricht, aber auch ein Denkmal sein soll der Heimatpflege im Dritten Reiche. Stadtarchiv und -bibliothek nehmen noch in der laufenden Woche den Dienstbetrieb wieder auf. Die heimatkundlichen Sammlungen, Haagstratze 16, künden die Vergangenheit von Friedberg und der Wetterau von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart und sind ein allgemein anerkannter Brennpunkt für Wissenschaft, Sippenforschung, Schulunterricht und Volksbildung. Das Wetterau-Museum zählt über 4000 Besucher, das Stadtarchiv mehr als 1000 Benutzer an Ort und Stelle alljährlich. Hinzu kommt der Leihverkehr der Stadtbibliothek. Stadtarchiv und -bibliothek buchen rund 2000 Postausgänge im Jahr. Die nur 12 000 Einwohner zählende Kreisstadt Friedberg steht mit ihrem Aufwand für Heimatpflege einzigartig da. Nicht nur der Zustand der Straßen und Häuser, sondern auch die Art; wie eine Stadt ihre Vergangenheit ehrt, bleibt ein untrüglicher Maßstab für den Geist, der sie beseelt. Ü-nd wenn es wahr ist, daß eiste Stadt ohne Geschichte in Buchform dasteht, wie ein Mann ohne Ausweis und Ahnenpaß, dann darf Friedberg mit berechtigtem Stolz darauf Hinweisen, daß sein zur Zeit im Buchhandel erhältliches Schrifttum eine dreistellige Zahl ausmacht. Verdolmetscht ist hier die Sprache verkrusteter Scherben und vergilbter Handschriften als Mittel zu politischer Willensbildung. Denn die Zukunft ersteht aus Vergangenheit und Gegenwart, und ohne Ehrfurcht vor der Geschichte verkümmert die Seele eines Volkes. Geschichte ist — so sagt der Führer — die Lehrmeisterin für die Zukunft und für den Fortbestand des eigenen Volkstums. Und die Heimatmuseen, -archive und -bibliotheken sind ewige Quellen für Idealismus, Vaterlandsliebe, Nationalstolz und ein Ansporn, es den Altvorderen gleichzutun im Kampf ums Dasein, bzw. aus ihren Erfahrungen zu lernen. Professor Ferdinand Dreher. Aus her engeren Heimat. Von einem Lastkraftwagen überfahren und tödlich verletzt. Friedberg, 28. Juni. (Lpd.) Auf der Kaiser- straß? ereignete sich ein schwerer Derkehrsunfall. Ein von auswärts kommender Kraftwagen fuhr einen Mann an und verletzte ihn dabei so schwer, daß er kurz nach seiner Einlieferung in das Bürger- Hospital feinen Verletzungen erlag. Landkreis Gießen. - W i ß m a r, 28. Juni. Der Waldweg am Reitzen- steinerwald, als Hauptholzabfuhrweg benutzt, wird in der Richtung nach Salzböden ausgebaut werden. Mit der Arbeit ist bereits begonnen worden. Kreis Schotten. q. Schotten, 27. Juni. Einer der größten industriellen Betriebe in unserer Stadt ist das Sägewerk Neumann. Gegründet wurde es im Jahre 1800 von Balthasar Neumann, zunächst als Zimmergeschäft. In den 80er Jahren wurde ein ©agemerf ungegliedert, das immer mehr vervollkommnet wurde. Etwa 30 Arbeiter zählte der Betrieb vor Beginn des Weltkrieges. In der Nachkriegszeit nahm das Werk einen steten Aufschwung, bis sich der Betrieb derart vergrößerte, daß eine Verlegung notwendig wurde. Durch Entgegenkommen der Stadt wurden etwa 12 Morgen Gelände an dem Spießwald zur Verfügung gestellt, das Werk mit einer großen Sägehalle, mehreren Gattern, Hobelmaschinen und dergleichen ganz modernen maschinellen Einrichtungen erbaut. Am vergangenen Samstag wurde das Werk feierlich eingeweiht. Betriebsführer Wilhelm Neumann begrüßte die Gäste, Vertreter der Behörden und Organisationen und die gesamte Belegschaft, wie auch alle.Handwerker, die am Bau mitgearbeitet haben. Er gab einen geschichtlichen Ueber- blick über die Entstehung des Werkes und stattete allen Mitarbeitern den Dank ab. Die Glückwünsche der Stadt überbrachte Bürgermeister Menget, ein Vertreter der Marktvereinigung des Holzgewerbes, ebenso des Gaufachamts für Holz von der DAF.-Gauwaltung, Kreisobmann Schneck der DAF., übermittelten Glückwünsche, ebenso auch Ortsgruppenleiter Zeschky. Nach der Feier wurde das Werk eingehend besichtigt. Kreis Alsfeld. oo Deckenbach, 28. Juni. Dieser Tage waren es 25 Jahre, daß Frau Luise Braun, Ehefrau des Heinrich Braun, von hier, für beide Gemeinden Deckenbach und Höingen, das Amt als Hebamme versieht. In dieser Zeit bis zum heutigen Tag hat sie bei 233 Geburten geholfen. Die Gemeinde Deckenbach ließ ihr durch den Bürgermeister eine Ehrenurkunde überreichen. Wirtschaft. Erzeugerpreise für deutsche Speise- Frühkartoffeln festgelegt. NSG. Der Vorsitzende der Hauptvereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft hat mit Zustimmung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft und des Reichskommissars für die Preisbildung für deutsche Speise-Frühkartoffeln in der Zeit vom 27. Juni dis 2. Juli 1938 folgende Erzeugerfestpreise je 50 kg netto ausschließlich Verpackung frachtfrei Empfangsstation festgesetzt: für weiße, rote, blaue Sorten 5,70 RM.; runde gelbe Sorten 6,10 RM.; lange gelbe Sorten 6,50 RM. 3m übrigen gelten die Bestimmungen der Anordnung Nr. 1/38 der Hauptvereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft vom 14. Juni 1938. Diese Anordnung tritt am 27. Juni 1938 in Kraft. Gießener Schlachtviehmarkt. Zum gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtoiehverteilungsmarkt) in der Viehverstei- aerungshalle Rhein-Main in Gießen wurden 6 Ochsen, 6 Bullen, 15 Kühe, 24 Färsen, 122 Kälber, 246 Schweine, 2 Schafe aufgetrieben. Preise: Ochsen 42 bis 44, Bullen 41 bis 42, Kühe 22 bis 38, Färsen 28 bis 43, Kälber 15 bis 04, Schafe 41 Rpf. je % kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr 1,12 Reichsmark, Klasse bl 135 bis 149,5 kg) 1,10, Klasse b2) (130 bis 134,5 kg) 1,08, Klasse c (100 bis 119,5 kg) 1,04, Klassen d bis f (unter 100 kg) 0,98, Klasse gl (fette Specksauen) und h (Altschneider) 1,06, Klasse g2-(andere Sauen) und h (Eber) 1,02 Reichsmark. Marktverkauf: Großvieh und Schweine zugeteilt, Kälber und Schweine lebhaft; ausverkauft. Bhein-Mainische Börje. INiltagsbörse lebhafter und freundlicher. Frankfurt a. M., 28. Juni. An der Börse voll- zog sich ein Stimmungswechsel zur festeren Grundstimmung und etwas lebhafterer Umsatztätigkeit. Dor allem gaben die zuversichtlichen Ausführungen in der Hauptversammlung der Klöckner-Werke zunächst dem Montanmarkt und darüber hinaus der Gesamtbörse eine stärkere Anregung. Dem gestrigen Ansätze zu einer leichten Erholung folgend, waren auf zahlreichen Marktgebieten auch wieder etwas mehr Kaufaufträge vorhanden, so daß das immer noch vorliegende Angebot aus der bekannten Quelle bereitwilliger Aufnahme fand. IG. Farbenindustrie hatten eine Anfangssteigerung um 0,75 v. H., es folgten weitere 0,25 v. H. Uedrigens waren auch bei zahlreichen anderen Spitzenwerten im Verlaufe noch leichte Steigerungen vorhanden. Insgesamt erhöht waren Klöckner um 1,25 o. H., Rheinstahl um 0,50 v. H., Verein. Stahlwerke um 0,75 v. H. Von Bau- werten glichen Holzmann ihren gestrigen Verlust mit einer Steigerung um 2,25 v. H. wieder völlig aus. Am Elektromarkte zogen Lahmeyer 1 o. H., Licht und Kraft 1,50 v. H., Felten 0,25 v. H. an. Don Chemiewerken erholten sich Metallgesellschaft um 2 v. H., Rütgers um 1,75 v. H. Auch Motorenwerte etwas lebhafter, wobei Daimler 0,75 v. H., Adlerwerke 0,50 v. H. anzogen. Im einzelnen gewannen Rheinmetall 1 v. H., VDM. 0,50 v. H., Conti Gummi 2 v. H., Bemderg, Westdeutsche Kaufhof je 0,75 v. H., AG. Verkehrswesen 1,13 v. H. Schwächer lagen noch Allgem. Lokal und Kraft um 0,90 v. H., Aschaffenburger Zellstoff 0,50 v. H., Reichsbank 0,25 v. H. Im Gegensatz zu Aktien waren Renten noch unverändert still, sie hatten auch keine wesentlichen Kursveränderungen. Allerdings Altbesitz - Anleihe 131,45 (131,65) v. H. Kommunal-Umschuldung wieder 95,95. Im weiteren Verlaufe hielt die Festigkeit der Börse an und bradjte vereinzelt gegenüber den ersten Kursen noch Steigerungen. So gewannen u. a. Klöckner nochmals 0,50 v. H., Bemderg weitere 0,75 v. H., Rheinmetall 0,50 v. H., IG. Farbenindustrie blieben mit 156,50 sehr gut gehalten. Frei- verkehrswerte z. T. fester, so Ufa um etwa 1 v. H. Auch der E i n h e i t s m a r k t verzeichnete vielfach Kurserholungen, ein Zeichen der vergrößerten Nachfrage aus der Bankenkundschaft. Der Rentenmarkt konnte im Verlaufe der Börse kaum eine Aenderung aufweisen. Pfandbriefe lagen weiterhin lehr still und im Kurse unverändert. Auch Jndustrie- Ooligationen gut gehalten. Die Börse schloß ruhig bei behaupteter fester Grundhaltung. Tagesgeld etwas knapper, es wurden erhebliche Beträge aus dem Markt genommen, der Satz blieb aber noch 2,25 v. H. Abendbörse weiter freundlich. Die freundliche Grundstimmung der Mittagsbörse hielt auch an der Abendbörse an. Bei allerdings weiterhin nur kleinsten Umsätzen lagen die meisten Papiere auf Mittagsbasis gehalten. IG. Farbenindustrie 156,40, Metallgesellschaft erhöhten sich gegenüber dem Mittagsschlußkurs um 1 v. H. auf 131, zur Einheit notierten sie sogar 131,50. Renten weiter sehr ruhig und ohne wesentliche Veränderung. Kommunal-Umschuldung härte man mit 96. Im einzelnen notierten IG. Farbenbonds 131,13, Adlerwerke 113,75, Bemberg E 138,50, Betula 161,50, Daimler 138,50, Demag 147,50, Deutsche Erdöl 137,75, Scheideanstalt 235, Deutsche Linoleum 156,50, Licht und Kraft 139,50, IG. Farben 156,40, E 156,25, Faber & Schleicher 88, Gesfürel 145, Lanz 181, Laurahütte 17,75, Lindes Eis 168,50, Mannesmann 112,40, Metallgesellschaft 131, E 131,50, Rheinmetall 141,50, E 141,50, Rheinstahl 142,50, Schösferhof- Binding 188,25, Stempel 104, Schuckert 175,50, Verein. Stahlwerke 107,65, Adca 102,90, Commerzbank 113,75, Deutsche Bank 120,25, Dresdner Bank 111,65, Reichsbank 194,50, Reichsbahn - Vorzüge 124,40, Frankona 100er 127. Frankfurter Obst- und Gemüfemarkt. Frankfurt a. M., 28. Juni. Arn Obst- und Südfrüchtemarkt ist das Angebot von Erdbeeren bester Güte nicht ausreichend, während mindere Qualitäten genügend angeboten sind. Geringes An» gebot haben weiterhin Kirschen, Himbeeren, Johannisbeeren sowie Stachelbeeren. Erdbeeren konnten gut verkauft werden, die übrigen Arten konnten teilweise wegen zu hoher Preise nur schleppend abgesetzt werden. Aus dem Ausland lag etwas stärkeres Angebot von Pfirsichen, aber geringes von Kirschen, vor. Bananen ausreichend, Zitronen knapp. Der Absatz war lebhaft bei festen Preisen. Der Gemüsemarkt hatte ein gutes. Angebot von Blumenkohl, Karotten, Gurken, Kohlrabi, Rhabarber, Kopfsalat und Wirsing, ein ausreichendes in Spargel, Tomaten und Weißkraut, aber nur knappes in Spinat, Bohnen, Rotkraut und Frühkartoffeln zu verzeichnen. Erbsen hatten ein Ueberangebot. Das Geschäft war für alle Sorten lebhaft. Die Preise lagen bis auf wenige Ausnahmen fast unverändert, Erbsen allerdings merklich geringer. Aus dem Ausland war reichliches Angebot für Bohnen und Tomaten vorhanden, auch Gurken waren ausreichend angeliefert. Der Absatz war gut bei festen Preisen. Im einzelnen erzielten Blumenkohl 100 Stück 15 bis 50 RM., Bohnen (Treib) 50 kg 50 bis 60, Erbsen 50 kg 12 bis 18, Karotten 100 Bdl. 8 bis 10, Gurken 100 St. 10 bis 40, Kartoffeln (Erstlinge) 50 kg 8, Rhabarber 50 kg 6 bis 8, Kopfsalat 100 (5t. 5 bis 13, Spargel (je nach Sorte) 50 kg 14 bis 44, Spinat 16 bis 25, Tomaten 45 bis 80, Wirsing (Früh) 9 bis 12. Banen 12,5 kg 7,05 bis 7,95, Erdbeeren (je nach Sorte) 50 kg 28 bis 46, Johannisbeeren 35 bis 40, Himbeeren 42 bis 70, süße Kirschen 30 bis 55, Kirschen (sauer) 40 bis 45, unreife Stachelbeeren 25 bis 30, reife Stachelbeeren 35 bis 40 RM. Frankfurter Schtachtuiehmarkt. Frankfurt a.M., 28.Juni. Auftrieb: Kälber 703 (am letzten Dienstag 733), Hämrnel und Schafe 103 (70), Schweine 3368 (3743). Es notierten je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Kälber a) 62 bis 65 (62 bis 65), b) 56 bis 59 (54 bis 59), c) 47 bis 50 (43 bis 50), d) 35 bis 40 (35 bis 40). Lämmer und Hämrnel b2) Weidemasthämmel 47 bis 48 (48 bis 52), c) 42 bis 45 (40 bis 45), d) 35 bis 39 (35 bis 38); Schafe a) 38 bis 42 (38 bis 42), b) 33 bis 35 (34 bis 37), c) 2-5 bis 30 (28 bis 32). Schweine a) 57 (57), bl) 56 (56), b2) 55 (55), c) 53 (53), d) 50 (50), gl) Sauen 54 (54). Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Hämrnel und Schafe mittel. Großhandelspreise für Fleisch und Fettwaren: Beschickung: 656 Viertel Rindfleisch, 546 halbe Schweine, 57 ganze Kälber, 25 ganze Hämrnel, 7 Kleinvieh. Es notierten je 50 kg in RM.: Ochsenfleisch a) 80, Bullenfleisch a) 77, b) 66, Kuhfleisch a) 77, b) 65, c) 54, Färsenfleisch a) 80; Kalbfleisch 1. Qualität 81 bis 97, 2. Qualität 75 bis 80; Hammelfleisch b) 76 bis 90, c) 65 bis 75; Schweinefleisch b) 73. Fettwaren, roher Speck unter 7 cm, 78; Flomen 80. Marktverlauf: lebhaft. S.Ji.-tfpoit Saugruppenlehrgang für Basketball in Gießen. In der Zeit vom 30. Juni bis 3. Juli hält das Reichsfachamt Handball und Basketball einen Gaugruppenlehrgang für die Gaue 9, 10, 11, 12 und 13 in Gießen ab, der unter der Leitung von Reichslehrer M u r e r o steht. Wenn das Reichsfachamt Gießen dafür gewählt hat, so deshalb, weil die Gießener Basketballgemeinde äußerst rührig ist und die Vorbereitungen gern übernommen hat. Aus jedem Gau werden 7 bis 8 Mann töilneh- men und zwar in erster Linie die Mannschaften, die das Breslauer Turnier besuchen; im Gau Hessen ist es der Männerturnverein Gießen. Der Lehrgang findet statt auf den früheren Tennisplätzen hinter der Liebiashöhe, die die Stadt Gießen in dankenswerter Weife den Gießener Basketballern' zur Verfügung stellte. Reichslehrer Murero hat die Aufgabe, die Mannschaften taktisch und technisch zu schulen und sie für Breslau kampffertig zu machen. Ein Turnier am Lehrgangsende soll die Spielstärke der einzelnen Gaue vergleichen. Gportappell der Betriebe. Lin Aufruf des Reichssportführers. Für den vom Sportamt der NSG. „Kxaft durch Freude" ins Leben gerufenen „Sportappell der Betriebe", an dem sich die männlichen Gefolgschaftsmitglieder der nach ihrer Belegschaftsstärke in Klassen eingeteilten Betriebe beteiligen können (vorgesehen sind ein Wettbewerb des guten Willens mit drei sportlichen Uebungen, der Wettbewerb de» Mannschaft als Mannschaftsdreikampf und schließlich die Bewertung der Größe der Betriebssportgemeinschaft) hat der Reichssportführer von Tschammer und Osten nachstehenden Aufruf erlassen: „Der Reichsorganisationsleiter Dr. Ley hat am 11. Juni 1938 auf meinen Vorschlag den Sportappell der Betriebe verkündet. Ich rufe hiermit alle deutschen Betriebsführer auf, diesen Appell für das Jahr 1938 in der Zeit vom 1. August bis 30. September durchzuführen. Der Sportappell soll zu einer machtvollen Kundgebung für den Gedanken der Leibeserziehung werden. Er soll auch den letzten, noch abseits stehenden Volksgenossen sportlicher Betätigung zuführen und damit gleichzeitig einen Ueber- dlick über die körperliche und gesundheitliche Verfassung der Schaffenden geben. Ich bin überzeugt, daß die erstmalige Durchführung dieses Appells ein bedeutsamer Meilenstein auf dem Wege zum hohen Ziel „Ein Volk in Lei- besübungen" sein wird. Von Tschammer und O st e n , Reichssportführer." Fußball in bet Hiilef-Iua'end. Gefolgschaft 2/116 — Gefolgschaft 3/116 1:2 (0:0). In diesem Spiel verlor die ersatzgeschwächte Mannschaft der ®efolgfd}aft 2/116 recht unglücklich mit 2 :1. Nach ausgeglichenem Spiel in der ersten Halbzeit spielte die Gefolgschaft 2 116 in der zweiten Halbzeit stark überlegen und konnte 20 Minuten vor Schluß den verdienten Führungstreffer erzielen. Die Gefolgschaft 3/116 ließ sich jedock) nicht entmutigen und errang durch ein Mißverständnis in der gegnerischen Verteidigung den Ausgleich. Bei diesem Stande bekam die Gefolgschaft 2/116 einen Handelfmeter zugesprochen, der aber nicht verwertet wurde. Man wollte sich schon mit diesem unentschiedenen Ergebnis zufrieden geben, als der linke Verteidiger der Gefolgschaft 2/116 über den Ball schlug und damit dem Halblinken der Gefolgschaft 3/116 die Gelegenheit zum Torschuß^ gab. Während die Gefolgsä)ast 3/116 großen Eifer zeigte und in ihrem linken Verteidiger einen überragenden Spieler hatte, vermißte man bei der Gefolgschaft 2/116 das gewohnte aufopfernde Spiel. 900 Nennungen zum Bad-Nauheimer Beit- und Fahrturnier. Das Bad-Nauheirner Reit- und Fahrturnier hat mit 900 Meldungen eine Rekordbesetzung aufzuweisen. Die Veranstaltung, die im Zusammenwirken mit dem IX. Armeekorps und der SA.- Gruppe Hessen durchgeführt wird, übertrifft damit das letztjährige Turnier um das Doppelte. Außer bekannten Privat ft ällen wird die SA.» Gruppe mit ihrem besten Material vertreten sein; auch die Wehrmacht wird mit ihren ersten Reitern an dem Turnier teilnehmHi. Gpielvereinigung 1926 Leihgestern. Leihgestern fomb. — Heuchelheim komb. 5:0 (1:0). Zum Abschluß der Saison 1937/38 konnten die Mannschaften der Spielv^reinigung 1926 Leih» gestern noch Siege erringen. Die Jugendmannschaft, die seit langer Zeit wieder einmal ein Spiel bestritt, konnte trotz Ersatz ihre Gäste aus Heuchelheim Der» dient mit 6:1 (4:1) schlagen. Alsdann maßen zwei kombinierte Mannschaften beider Vereine die Kräfte. Leihgestern mußte ohne Arnold, Krämer, Velten, Laux I. und Väth antreten, tarnen also mit Dutenhöfer, Brückel, Laux II.; Wer seine Pflichten als Verkehrsteilnehmer verletzt, handelt gewifsenlos gegen sich selbst — und gegen fein Volk. H Wedemann, Funk, Textor; Martini, Schäfer, Krick, Heß und Sommer. Auch Heuchelheim mußte eine kombinierte Mannschaft stellen, da ebenfalls Spieler für die Kreisauswahl abgestellt waren. Sofort nach Spielbeginn gingen die Gäste vor das Tor der Einheimischen. Die Hintermannschaft war aber allen Angriffen gewachsen und konnte das Tor reinhalten. Etwa Mitte der ersten Halbzeit konnte Leihgestern trotz dem Gegenwind durch Sommer in Führung gehen. Nach der Pause, mit dem Wind als Bundesgenossen, waren die Heih- gefterner tonangebend und nur durch mangelnde Schußvermögen der Leihgesterner Stürmer konnte der Vorsprung vorerst nicht vergrößert werden. Erst etwa Mitte der 2. Halbzeit konnte Heß durch zwei Tore das Resultat auf 3:0 stellen. Wenig später hieß es durch Schäfer 4:0 und Heß stellte kurz vor Schluß durch einen schönen Schuß das Endergebnis her. Leihgestern bot erst nach der Pause ein gutes Spiel. Dutenhöfer hielt die wenigen schweren Schüsse der Gäste gut, und die Verteidigung war ihrer Aufgabe gewachsen. Die Läuferreihe liefert* ihr gewohnt gutes Spiel und der Sturm hatte erfi nach der Pause feine große Zeit. Die Gäste finge» ganz gut an, dann aber machte sich der Ersatz mehr und mehr bemerkbar. um n Neben diesen hauptsächlichsten Punkten sind unzählige Fragen weiterhin zu klären: Spannbänder — Reklame-Beschilderung der Anfahrtsstraßen — Regelung des An- und Abtransports der Abfperrsiche- rungs- und Verkaufskommandos — Beschaffung von Qutrtieren — Errichtung des Fahrer-Betriebsftoff- und Ersatzteillagers — Programmgestaltung — Regelung des Presse- und Nachrichtendienstes — Vergebung der Wirtschaftsbetriebe'— Anlegen der Park- s h e r 6:2, 8:6 durch. Der Wiener spielte ganz ausgezeichnet und wurde von seiner Partnerin hervorragend unterstützt. Nicht so glücklich waren Kraus/ G ö p f e r t, die am Dienstag ausschieden. Die Engländer Whitmarsh/Wilde siegten nach hartem Kampf 7:5, 4:6, 6:2. Dabei hatte Göpfert wirklich einen guten Tag, doch spielte die Wienerin sehr schwach. Im Fraueneinzel stehen jetzt die Gegnerinnen der Vorschlußrunde fest. Es sind drei Amerikanerinnen und die'Dänin Hilde Sperling. England ist also hier ganz ausgeschaltet. Ein rem amerikanisches Endspiel wäre keine Ueberraschung. Die siebenfache Wimbledon-Siegerin Helen Moody schaltete die Engländerin Stammers leicht 6:2, 6:1 aus. Nicht viel besser ging es überraschenderweise der Polin Jedrzejowska, die es mit 'Helen Jacobs zu tun hatte und 2:6, 3:6 unterlag. Alice Marble schließlich gab der französischen Meisterin Simone Mathieu mit dem gleichen Ergebnis 6:2, 6:3 das Nachsehen. Hinen schweren Kampf hatte Hilde Sperling gegen die vierte Amerikanerin, Fabyan, zu bestehen, ehe sie 4:6, 6:4, 6:4 siegte. Die Paarungen der Vorschlußrunde lauten: Moody — Sperling und Jacobs — Marble. Wieder gab es eine Reihe spannender Kämpfe in Wimbledon, als am Dienstag bei den englischen Tennis-Meisterschaften die letzten Vier im Fraueneinzel ermittelt und die Kämpfe im Männer- und Gemischten Doppel fortgesetzt wurden. Dabei gab es zwei erfreuliche deutsche Siege und eine Niederlage. Das Männerdoppel sah wieder unsere Spitzenspieler H. H e n k e l / G. v. M e t a x a im Kampf, die sich diesmal mit dem englischen Nachwuchspaar Filby/Shayes auseinanderzusetzen hatten. Die Engländer spielten ganz ausgezeichnet zusammen und wehrten sich verzweifelt. Doch sind die Deutschen inzwischen in wirklich erstklassige Form gekommen. Henkel schmetterte beim Aufschlag ein Aß nach dem anderen, und Metaxa verrichtete am Netz.hervorragende Arbeit: wo eine Lücke beim Gegner zu erkennen war, flog prompt der Ball hinein. Nach Gewinn der beiden ersten Sätze ließen die Deutschen den dritten schießen, um dann den vierten Satz wieder leicht an sich zu reißen. Sie siegten 6:3, 6:2, 5:7, 6:2. Auch im Gemischten Doppel kam v. Metaxa eine Runde weiter. Zusammen mit der Amerikanerin Wheeler setzte er sich gegen die holländisch/ schweizerische Kombination Couquerque/Fiplatze — Feststellung der Nennungslistcn — Einordnung der Fahrer in ihre Klassen — Bereitstellung der Ehrenpreise — Einsetzung der Fahrtbeobachter — der Sportwarte — der sonstigen Helfer — Anforderung der Polizeimannschaften. Ein gewaltiges Maß an Arbeit wird hier auf der Dienststelle der Motorgruppe Hessen in denkbar kurzer, sachlicher und knappster Form bewältigt. Man kann einem Rennen wie „Rund um Schotten" wirklich nichts Besseres wünschen, als daß ihm in Anbetracht der außerordentlichen Arbeit ein Riesenerfolg beschieden sein möge. Henkel-Melaxa unter den letzten Acht. Tennis in Wimbledon. — Drei Amerikanerinnen gegen Hilde Sperling. Große Vorarven für, Das Rennen, das sich jedes J^hr neue Anhänger erobert hat, genießt die ausdrück^che Förderung des Führers des NSKK., Korpsführer Hühnlein, sowie des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger. Hier gehen Motorsport und die Erschließung des wunderschönen oberhessischen Landes Hand in Hand. Insbesondere aber kann der Gauleiter mit Recht dieses Rennen als „sein Rennen" bezeichnen, denn er ist es, der unermüdlich für den Ausbau und Verbesserung der Rennstrecke sorgt, und der dadurch viele Volksgenossen der Schottener Gegend in Arbeit und Brot brachte, er ließ neue Zufahrtsstraßen bauen und sorgte somit auch für die Zuschauer, die dadurch bequemer und reibungsloser an ihre Plätze gelangen können. lieber die Größe der organisatorischen Vorarbeiten, die von der Motorgruppe Hessen geleistet werden, mögen einige Zahlen berichten. Für Absperrung werden ungefähr 1 0—1 2000 Meter Drahtgeflecht, für die Auspolsterung der Gefahrenpunkte auf der Strecke 2 0 00 Ballen Stroh benötigt. Für den Fernsprechdienst sind 50 km Doppelleitung zu legen, die die Wehrmacht, und zwar die Nachrichten-Abteilung Frankfurt a. M. verlegt. Die Unterrichtung der Zuschauer während des Rennens erfolgt durch eine über die ganze Strecke verteilte Lautsprecheranlage nach dem Vorbild des Nürburgringes. Für Absperrung und Sicherung an den beiden Trainingstagen stehen 200 NSKK.-Männer und Arbeitsdienst zur Verfügung, am Renntag rund 750 NSKK.-Männer. Zur Regelung des Straßenverkehrs stellt das NSKK. 150 Mann an die Polizei und die Gendarmerie als Verstärkung ab. Den Sanitätsdienst versehen 150 NSKK.-Männer mit je 20 Aerzten und 12 Sanitätskraftwagen. Für den Tagesverkauf stehen 60000 Ein- trittskarten, 20 000 Programme, 21 000 Parkplatzkarten zur Verfügung. Vom 1. bis 10. Juli wird eine öffentliche Plakatie- rung festgelegt, die an* 1300 Anschlagsäulen im Gaugebiet mit dem Plakat für das Rennen werben wird. Helen Jacobs erfrischt sich in einer Spielpause. (Schirner-M.) Sprechstunden der Redaktion. 11 30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach« mittag geschlossen MODEHAUS Carl Nowack 6 Gießen Seltersweg 81 K’s. G Organdy MWWMtzAK ^WWMHWWK w;< MM "•4? K I per m per m mehrfarbigen Mustern per m anzüge geeignet per m dischen Sommerfarben per m en n A -W;erem 3.40 sommerlichen Tönen per m Stoffspezialhaus Bffliarfl & Sohn IsMlö-vM herrliche, weich fließende Ware in aparten Mustern per m Baimlemen schwere, reinleinene Ware für Röcke und Kostüme per m Vistra-Kostömleinen herrliche, i Ware für sommerliche Kostüme .... Vistra-Musselin in schönen zwei- und Hrtüfifl 90 cm hreit' Originalware, keine UUuUIi Imitation — in Naturfarben und Vislra-Miisselin echt schwarz gefärbt, für leichte Trauerkleider...............per m Stianlönette-Drucli sommerl. 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