Nr. |23 Erstes Statt 188. Jahrgang Samstag, 28./§onntag, 29. Mai 1938 Lrlchemr täglich. außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezugspreis: Mit 4 ‘Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprcchanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richtens Anzeiger Sietzen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche UniversttStrdnukerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und EeschSftsstelle: Schulftrahe r Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8*/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps.. für Text- anzeigen von 70 mm Breite 50 Rps.^Platzvorschrift.nach vorh. 93ereinbg.25u/0 mehr. GrmätzigtL Grundpreise: Stellen--, Vereins», gemein» nützige Anzeigen söwie ein» spaltige Gelegenheitsanzei» gen 5 Rps., Familienanzei» gen, Bäder-, Unterrichts- il behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Geboi -er Stunde. Im Mittelpunkt der politischen Aufmerksamkeit steht nach wie vor die tschechische Frage. Sie hat ein doppeltes Gesicht, ein innerstaatliches und ein europäisches. Die tschechoslowakische Republik, die sich von "jeher auf ihre demokratischen Grundprinzipien nicht wenig zugute tat, hatte sich unter dem wachsenden Druck innerpolitischer Schwierigkeiten gezwungen gesehen, drei Jahre nach dem verfassungsmäßigen Zeitpunkt Gemeindewahlen auszuschreiben. Um den Eindruck der Geschlossenheit der sudetendeutschen Volksgruppe nach Möglichkeit abzuschwächen und der Sudetendeutschen Partei mit Hilfe der Marxisten im Wahlkampf die denkbar größten Schwierigkeiten zu machen, wurde der Wahlakt in drei Etappen zerlegt, ein in Zeiten tiefster innerpolitischer Erregung geradezu unverantwortliches Unterfangen, das nur dank der beispiellosen Disziplin der sudetendeutschen Bevölkerung trotz aller tschechischen Provokationen bislang noch nicht zum völligen Chaos geführt hat. Der erste Wahlgang in nahezu einem Drittel der Gemeinden hat am 22. Mai der Sudetendeutschen Partei mehr als 90 v. H. aller abgegebenen deutschen Stimmen gebracht und damit schon im ersten Anhieb den tschechischen Plan zunichte gemacht, auf Grund des Wahlergebnisses die Legitimation der Sudetendeutschen Partei als der einzigen berechtigten Vertretung der sudetendeutschen Volksgruppe anzweifeln zu können. Von Sozialdemokraten und Kommunisten sind nur noch kümmerliche Splitter übrig geblieben, die man in Prag als Verhandlungspartner nicht mehr gebrauchen kann. Der zweite und dritte Wahlgang am kommenden Sonntag und am 12. Juni werden dies Ergebnis nur bestätigen. Die Prager Regierung sieht sich darauf angewiesen, mit der Sudetendeutschen Partei zu verhandeln, wenn sie der innerpolitischen Schwierigkeiten Herr werden will. Die Aussprache, die Konrad Henlein bereits am Tage nach dem ersten Wahlgang mit dem Ministerpräsidenten Hodza auf dessen Ansuchen hatte, zeigt, daß man in Prag endlich die unausweichliche Notwendigkeit begriffen hat, mit dem Führer der Sudetendeutschen Partei in Verhandlungen zu kommen. Wenn es sich dabei noch nicht um das Kernproblem des tschechoslowakischen Staates, das von der tschechischen Regierung in Aussicht gestellte Na- tionalitätenftatut einerseits und die im Karlsbader Programm festgelegten acht Punkte der Sudetendeutschen Partei andererseits handeln konnte, sondern die Aussprache zwischen Henlein und Hodza erst einer „informativen Besprechung zur Klärung und Beruhigung der politischen Lage" diente, so sind daran die unerhörten Vorgänge schuld, die am Vortage des ersten Wahlganges die gesamte sudetendeutsche Bevölkerung'in die größte Erregung versetzt haben und darüber hinaus ganz Europa den Atem anhalten ließen. Ohne jeden plausiblen Grund hatte die Prager Regierung einen Jahrgang Reservisten unter die Waffen gerufen und Truppenzusammen- ziehungen im sudetendeutschen Grenzgebiet angeordnet unter Umständen, die im einzelnen entweder von einer heillosen Nervosität der Prager Regierungsstellen oder von geradezu zynischer Verantwortungslosigkeit gegenüber dem europäischen Frieden zeugten. Reisende haben berichtet, daß das tschechoslowakische Staatsgebiet in diesen Tagen einem Herlager glich, daß überall Reservisten von der Feldarbeit, aus der Werkstatt, aus dem Amtszimmer weg in die Kasernen beordert wurden, daß motorisierte Truppen^ die Straßen versperrten, die Eisenbahnen verstopft waren. Gleichzeitig mußte die reichsdeutsche Grenzbevölke'rung in Schlesien, in Sachsen, in Oesterreich mit Staunen beobachten, wie tschechoslowakische Militärflieger trotz klaren Wetters und durchaus übersichtlicher Grenzverhalt- nisie weit über die Grenze hinaus vorstießen und von deutschen Grenzorten Aufnahmen zu machen suchten. Diese jedem Völkerrecht hohnsprechenden Erkundungsflüge haben bis in die letzten Tage an- aehalten, so daß die Reichsregierung sich gezwungen sah durch ihren Gesandten in Prag mehrmals scharfen' Protest gegen die fortgesetzten Grenzverletzungen einzulegen. Tschechischerseits hat man versucht, eine Gegenrechnung aufzumachen, die jedoch denkbar kläglich ausgefallen ist. Ihre ganze Haltlosigkeit beweist schon die Aufführung der regelmäßig verkehrenden linb den tschechischen Luftbehörden nach Fahrplan und Kennzeichen wohl bekannten deutschen Der- lehrsflugzeug als Militärapparate. Diese Beschuldigungen brechen also in sich ebenso zusammen wie die sinnlosen und durch nichts bewiesenen Behauptungen von deutschen Truppenbewegungen an der deutsch-tschechischen Grenze, mit denen man von Prag aus am vergangenen Samstag die Weltöffentlichkeit mobil gemacht hat, um die eigenen bereits geschilderten militärischen Maßnahmen, die sich schon auf die Anlage von Maschinengewehrnestern und Straßensperren und die Vorbereitung von Brückensprengungen längs der Grenze erstreckten, zu recht- fertigen sowie in Paris und London vorzufühlen, welches Echo wohl dort ein tschechischer Alarmruf finden würde. Es hat nicht nur eine gewisse Presse, die wir in dem letzten Jahrfünft aus unzähligen deutschfeindlichen Hetzkampagnen zur Genüge kennengelermhaben, prompt reagiert. Auch die britische Regierung hat sich sofort bemüßigt gefühlt, aus ihrer besonderen Neigung zu ^Vermittlerrollen in schulmeisterlichem Ton den Zeigefinger des approbierten Friedensfreundes zu Heden, nicht etwa, um auf die auch durch englische Augenzeugen bestätigten Mobilmachungsmaßnahmen und Grenzverletzungen der tschechoslowakischen Armee hinzuweisen als ein den Frieden auf das | äußerste gefährdendes Element, sondern um in Berlin Jnsormätionen einzuholen über die Richtigkeit der böswillig zum alleinigen Zweck internationaler Brunnenvergistung von Prag ausgestreuten und vom größten Teil der englischen und französischen Presse nur allzu gern und entsprechend aufgebauscht weitergegebenen Gerüchte von deutschen Truppenbewegungen an der deutsch-tschechischen Grenze. Als der britischen Regierung wiederholt die völlige Haltlosigkeit dieser Gerüchte dargelegt wird und britische Berichterstatter eingeladen werden, sich davon im deutschen Grenzgebiet durch persönlichen Augenschein zu überzeugen, hat man in London nicht etwa die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen, sondern sich selbstgefällig als Retter des Friedens feiern lassen, der schließlich durch die eigenartige britische „Vermittlungsaktion" am stärksten bedroht worden war. Es soll nicht verschwiegen werden, daß die britische Regierung in Prag den dringenden Ratschlag erteilt hat, alles zu tun, um Zwischenfalle zu verhindern und mit der Sudetendeutschen Partei zu einer Lösung der grundsätzlichen Fragen zu kommen. Aber es kann keinem Zweifel unterliegen, daß man in Prag dafür empfänglicher gewesen wäre, wenn nicht die Bereitwilligkeit, mit der Londoner Regierungskreise den von Prag in die Welt gestreuten und von der englischen und französischen Presse aufgegriffenen phantastischen Verleumdungen über deutsche Truppenbewegungen Glauben zu schenken geneigt mären, in Prag die Zuversicht geweckt hätte, in einem unverantwortlich vom Zaune gebrochenen Streit mit dem deutschen Nachbarn nicht allein zu stehen. Wenn auch in der Prager Regierung gewiß Leute sitzen mögen, die einer solchen verbrecherischen Politik widerstreben, so wird auch ihre Stellung nicht dadurch erleichtert, daß eine zumindest einseitige und darum wenig noble politische Taktik Londons den Prager Politikern den Rücken stärkt, die geneigt sind, lieber in verbrecherischem Dabanque- Spiel alles auf eine Karte zu setzen, als mutig und verantwortungsbewußt den gewiß schwierigen und opfervollen Weg einer inneren Reorganisation des Staates zu beschreiten. Daß dieser Weg nur gemeinsam mit der Sudetendeutschen Partei erfolgreich sein kann, muß nach dem ersten Akt der Gemeindewahlen auch den letzten bis dahin noch Zweifelnden klar geworden sein. Um mif den Sudetendeutschen und natürlich auch mit den anderen Volksgruppen, Slowaken, Polen, Ungarn, Ukrainern, die sich in diesen Wochen sämtlich sehr energisch zu Wort gemeldet haben, über einen staatsrechtlichen Umbau, der dem tatsächlichen Charakter der tschechoslowakischen Republik als eines Nationalitätenstaates gerecht wird, überhaupt ernstlich und ungestört ins Gespräch zu kommen, müssen erst die wesentlichsten Voraussetzungen geschaffen werden. Die entsetzliche Bluttat von Eger, wo zwei harmlos ihres Weges kommende sudetendeutsche Landleute der blinden Schießwut zu fanatischem Haß aufgestachelter tschechischer Gendarmen zum Opfer gefallen sind, ist ja leider nur ein besonders krasses Symptom eines ganzen bis ins kleinste ausgeklügelten lückenlosen Systems von Drangsalierungen, mit dem man bisher geglaubt hat, die sudetendeutsche Volksgruppe niederhalten zu können und mit dessen Hilfe nun noch sozusagen in letzter Slunde tschechische Beamte, Gendarmen und Militärs, die im sudetendeutschen Siedlungsgebiet die Fronvögte spielen sollten, nun aber für ihre bequemen Posten fürchten, an der wehrlosen aber eiserne Disziplin haltenden sudetendeutschen Bevölkerung ihr Mütchen kühlen. Wie die Sudetendeutsche Partei in diesen kritischen Tagen, zuletzt noch bei der ergreifenden Trauerfeier für die Blutopfer von Eger, bewiesen hat, daß sie trotz beispielloser frecher Provokationen ihre Leute fest in der Hand hat, so muß nun auch die Prager Regierung zeigen, daß sie nicht nur den Willen, sondern auch die Macht hat, durch ein Regime absoluter und gleichmäßiger Gerechtigkeit gegenüber allen Staatsbürgern der Republik ohne Ansehen ihres Volkstums Ruhe und Ordnung im ganzen Staatsgebiet zu gewährleisten. Aber um das so schmählich getäuschte Vertrauen zur sudetendeutschen Bevölkerung wieder herzustellen, bedarf es KeldmarschaN Göring eröffnet heute die Weltausstellung des Handwerks. lieber 1000 Pressevertreter aus dem In- und Ausland besichtigten am Freitagnachmittag die Internationale Handwerksausstellung, die heute von Generalfeldmarschall Göring, dem Ehrenmeister des deutschen Handwerks, eröffnet werden wird. Der Leiter des Deutschen Handwerks in der DAF., Paul Walter, betonte, daß diese Ausstellung die erste sei, die ebnen umfassenden Einblick in die handwerkliche Tätigkeit aller Länder gebe. Sie solle den Beweis erbringen, daß das Handwerk keine überlebte Institution ist und solle dem Handwerk wieder den Boden im Volk gewinnen, den es durch die liberaliftische Einstellung in den letzten Jahrzehnten verloren hatte. Sie solle ferner ein fruchtbarer Ausgangspunkt für die gemeinsame Arbeit der Handwerker der Welt bilden und einen wertvollen Beitrag zur Verständigung zwischen den Völkern liefern. Die historische Schau. Ein anschließender Rundgang zeigte die gewaltige Fülle des Materials, das die Ausstellung in 14 Hallen und vier Umgängen bietet. Der Mitteltrakt des Mafurenbaues umschließt den turmhohen Raum der E h r e n h a l l e , die die handwerklichen Spitzenlei st ungen umschließt. Von Heimat und Volksgebundenheit sprechen die zahlreichen Ehrenpreise, die von den Regierungen, Hauptstädten oder Handwerksorganisationen der beteiligten Länder gestiftet wurden. Die kunsthistorische Halle ist der eindringliche Beweis für jene künstlerische handwerkliche Schöpferkraft, die sich nun schon über 5000 Jahre spannt. Der Reichsbund für deutsche Vorgeschichte zeigt hier handwerkliche Leistungen der früheuropäischen Zeit. Die nächsten Abteilunaen sind den Themen „Die edle Form, im Handwerk , „Das Handwerk im Märchen" gewidmet. Eine Riesenkarte gibt einen geschlossenen Ueberblick über die Städtegründungen des alten deutschen Handwerks im Ost- t raum Europas. Die große Lebensuhr des Handwerks schildert in Gestalt einer alten astronomischen. Uhr sinnfällig den Ablauf eines Handwerkerdaseins vor fünf oder sechs Jahrhunderten. Und wieder eine neue überraschende Sonderschau: Das Handwerk als Erfinder, als Wegbereiter unserer modernen Technik) Hier sieht man u. -a. das „Nürnbergisch Ei", die erste Taschenuhr, das erste „Auto", ein anno 1649 von "bem Nürnberger Zirkelschmied Hans Hautsch genial ersonnenes Fahrzeug. Dann ein qferung zurück über rund 2000 Jahre. Hellas und Rom zeigen die handwerklichen Höchstleistungen des klassischen Altertums. In dem japanischen Raum sind Kostbarkeiten ausgestellt, aus dem Prioatdesitz des Kaisers von Japan und aus dem kaiserlichen Museum. Wir sehen weiter die indianischen Hochkulturen Amerikas. Die Handwerksgeschichte des Islam wird lebendig. Babylon zeigt seine uralten Wunder vollendeter Töpferkultur. Den Hauptanziehungspunkt der ägyptischen Abteilung bildet das älteste Bett der Welt, das schätzungsweise 4500 Jahre alt ist. Im Mittelteil der Halle sind die edelsten Meisterarbeiten des alten deutschen Handwerks zur Schau gestellt. Die internationale Länderschau. Der Besucher wendet sich nun vom Einst zum Heute, zur schöpferischen Gegenwart des Handwerks. Es beginnt die Wanderung durch die internationale Länderschau der Handwerksausstellung. Als erste Nation grüßt Ungarn die Besucher. Die Tschechoslowakei zeigt kulturhistorisches Gut ihrer berühmtesten Handwerkszweige. Das sudetendeutsche Handwerk ist mit wundervoll geschliffenen Gläsern und hervorragenden Steinguterzeugnissen auf dem Plan erschienen. Die Polen haben ihren Ausstellungsraum ganz besonders reich ausgeftattct. Iastan wartet mit Bildern seines Handwerkerlebens auf, die man in Europa noch nie gesehen hat. Belgien hat Werkstätten aufgebaut, in denen Buchbinder, Spitzenklöppler aus Brügge, Kupferschmiede aus Dinant und die berühmten Pfeifenmacher aus Gent am Werk sind. Griechenland hat eine Bauernstube eingerichtet. Rund zehn Werkstätten geben Bericht von dem handwerklichen Schaffen des faschistischen Italien, das an die Traditionen einer mehr als 2000jährigen Handwerkskunst und vor allem auch an das unvergängliche Kunsthand- werk der Renaissance anknüpft. Tausende von Kilometer hat das bolivianische Handwerk zurückgelegt, um sich an der Handwerkschau der Welt zu beteiligen. Frankreich hat Schauobjekte von mehr als 50 Handwerkszweigen auf- gebaut. Den Rundbau der Halle 3 hat das englische Handwerk mit Beschlag belegt. Das deutsche Handwerk. Hat der Besucher die Handwerksstrqße der Länder durchwandert, so steht er vor dem Leistungspanorama des deutschen Handwerks, Das Hoheitszeichen des nationalsozialistischen Reiches, der Leitspruch des deutschen Handwerks „Blut, Werk und Ehre", das DAF.-Abzeichen, das Gemeinschaftssinnbild des deutschen Handwerks und die einzelnen handwerklichen Symbole schirmen die schlichte Weihestätte. Der westliche Teil ist architektonisch zu einem Raum des deutschen Handwerks schlechthin geworden. Hier findet der Besucher die Höchstleistungen der Möbeltischlerei, der handwerklichen Web- und Spitzenkunst, der Keramik, des Glas- und Bekleidungsgewerbes. Im Funkturmgarten find vier neue Hallen und Umgänge errichtet worden, die der deutschen Werkstättenschau ein vorbildliches Quartier geben. Halle 7 gibt in einer Sonderschau, des Museums für deutsche Volkskunde in Berlin Aufschluß über die deutsche bäuerliche Handwerkskunst. Auf der Galerie findet man die Reichssieger- arbeiten aus hem Handwerkerwettkampf und aus dem Reichsberufswettkampf 1938. Die Sonderabtei- lung „Rohstoffe und Hilfsmaschinen" zeigt eine eindrucksvolle Reihe neuer Roh- und Werkstoffe, die deutscher Crfindungsgeist auch dem Handwerk zur Verfügung gestellt hat, und die sich fast alle Handwerkszweige bereits zunütze gemacht haben. Reichskommissar Gauleiter B ü r ck e l hat ungeordnet, daß mit dem Aufbau der Arb e itsf ront in der Ostmark sofort zu beginnen ist. Der Aufbau muß bis zum 1. August beendet sein. Die NSG. „Kraft durch Freude" ist ebenfalls im gleichen Zeitraum zu errichten. -■V <•. t, -/ W' <■%**** ~ * #- • < x MWMWW ■ . - .V ■ "v - '• - ■ igrz ’■ Äl- /< • 15 - f . W Am Tage der Eröffnung der ersten internationalen Handwerksausstellung wird in der Deutschlandhalle in Berlin das große Festspiel des deutschen Handwerks „Werk und Ehre" aufgeführt. 10 000 Personen wirken mit, darunter ein Chor von 1000 Sängern. Unser Bild 'aus den Proben zeigt die Teilnehmer bei der Bildung des Zeichens der DAF. (Associated-Preß-M.) auch der ernsthaftesten und aufrichtigsten Bemühungen aller Prager Regierungsstellen, das leichtfertig und sinnlos gestörte Verhältnis zum großen deutschen Nachbarn, dem sich die Sudetendeutschen durch Bande des gemeinsamen Bluts, der gemeinsamen Kultur und der gemeinsamen Weltanschauung auf das engste verbunden fühlen, wieder normal zu gestalten. Daß auch gestern noch Grenzverletzungen tschechischer Militärflieger und die Fortsetzung der Befestigungsarbeiten längs der Grenze gemeldet wurden, spricht nicht für die zu einer Politik des vernünftigen Ausgleichs notwendige Einsicht in Prag. Die tschechischen Gesandten in Paris und Prag, O s u s k y und M a s a r y k, beides besondere Vertrauensleute des Präsidenten Benesch, sind zur Berichterstattung nach. Prag gekommen. Wir möchten annehmen, daß sie, trotz der seltsamen diplomatischen Manöver, die am letzten Wochenende ohne Not eine künstliche Krisis herbeigezaubert haben, den Eindruck mitbrachten, auch in Paris und London erwarte man nun von der tschechschen Regierung endlich eindeutige Taten, die den entschlossenen Willen zum Ausgleich und zur Entspannung sowohl nach außen wie im Innern kundtun. Osusky und Mafaryk täten gut daran, in Prag mit gewissen Illusionen aufzuräumen, die sich eines Tages als verhängnisvolle Trugschlüsse entpuppen könnten. Die Tschechoslowakei muß den Entschluß finden, in ihrem Hause selbst Ordnung zu schaffen. Daß dies nur in engster und aufrichtigster Zusammenarbeit mit den Sudetendeutschen als der stärksten und wertvollsten Volksgruppe der Republik geschehen kann, ist eine Selbstverständlichkeit, ohne deren vorbehaltlose Anerkenntnis man in Prag nicht einen Schritt vorankoin- men wird. Der Sprung über den Graben muß gemacht werden, je eher und je unbedingter, um so größer sind die Möglichkeiten für eine Verständigung, jedes weitere Zögern öffnet neuen, •bic Lage verschärfenden Zwischenfällen Tür und Tor. Dr. Fr. W. Lange. Berlin mobil- Trägern des Fremdenverkehrs, begrüßte die l-------- Goebbels für das große Interesse, das er öic|cr Tagung entgegenbringe. Nach ihm nahm der Vorsitzende des Fremdenoerkehrsoerbandes, Staatsminister a. 2). Esser das Wort. Von den Anwesenden herzlich begrüßt betrat daraus Neichsminister Dr. Goebbels das Rednerpult. vielleicht sind Sie schon über eine unserer neuen Reichsautobahnen gefahren und können sich eine Vorstellung davon machen, welche ungeheuere Bedeutung diese Straßen für den internationalen Reiseverkehr haben. Denn ihm sollen sie in erster Linie dienen. Für ihn werden sie gebaut. Ich denke dabei ganz besonders auch an den von Ihrem Verband seit langem erstrebten Ausbau der Transkontinental st reckeLondon — S t a m- bul. die ja auch in einer Länge von etwa tausend Kilometern über deutsches Gebiet führt. Deutschland wird seine Ehre darein sehen, diesen Teil der Straße zu einem besonders schönen auf der ganzen Strecke zu gestalten. Die Reichsautobahnen haben herrliche landschaftliche Schönheiten, die bisher abseits der großen Straßen lagen und schwer zu erreichen waren, dem Reisenden erst zugänglich gemacht. Ich denke da vor allem an die Reichsautobahn v o n Stuttgart nach Ulm über die Schwäbische Alb oder von München nach Salzburg, die zu den schönsten der bisher fertiggestellten Straßen zählen. Hinzu kommt noch der Dau der deutschen Alpen- straße, die — von Salzburg bis zum Bodensee führend — einen bisher noch ganz unerschlossenen Teil des Alpengebietes für den Reiseverkehr öffnen und nach ihrer Fertigstellung eine der begehrtesten Gebirgsstraßen der Welt sein wird. Ein weiterer wichtiger Punkt unseres Arbeitsprogramms ist die Stiftung staubfreier Straßen. Jetzt schon sind Tausende von Arbeitern damit beschäftigt, die Straßen in den Alpenländern staubfrei zu machen. Der Schönheit der deutschen alten Städtebilder fügen wir heute die Bauten ein, die Dokumente unserer Gesinnung und unserer Weltanschauung sind. Auch dieser Sommer bringt wieder Höhepunkte des kulturellen Lebens in Deutschland: die Jubiläumsfestspiele in Bayreuth, die Heidelberger Reichsfestspiele, die Reichsmusikfestwoche in Düsseldorf, die ReichStheater- sestwoche in Wien, die Salzburger Festspiele, die in diesem Jahre' größer und schöner als je zur Durchführung gelangen, die „Tage der deutschen Kunst" in München. Dr. Goebbels spricht. Deutschland ist durch seine geographische Lage im Herzen Europas von jeher ein klassisches Durchgangs- und Reiseland gewesen. Das neue Deutschland hat seine Grenzen weit geöffnet für alle, die es aufsuchen wollen. Deutschland hat zu allen Zeiten seine tatkräftige Mitarbeit in allen internationalen Verkehrsfragen zur Verfügung gestellt und ist auf manchen Gebieten beispielgebend vorangegangen. Durch das großzügige Motori- sierüngs Programm des Führers hat es den Rückstand, der noch im Jahre 1933 in der deutschen Motorisierung zu verzeichnen war, zu einem großen Teil bereits überwunden. Die Konstruktion des Volks wagens wird breiten Massen unserer Nation den Besitz eines Automobils möglich machen und den Kraftwagenbestand in Deutschland um viele Hunderttausende von Wagen vermehren. Der Wegfall der Kraftwagensteuer hat die Automovil- haltung in Deutschland wesentlich verbilligt. Weitere Marksteine dieser Entwicklung der deutschen Motorisierung sind die Intensivierung der Forschung, die planmäßige Förderung des' Automobilrennsportes, die Internationalen Automobil-Ausstellungen in Berlin und nicht zuletzt die Schaffung der Reichsautobahnen, der Straßen des Führers. Aber auch für Öen ausländischen Automobilisten sind zahlreiche Maßnahmen durchgeführt worden, darunter die Aufhebung der Aufenthaltssteuer, die Erleichterung der Zollformalitäten und die Abschaffung des internationalen Führerscheins und der internationalen Zulassung. Der Erfolg ist dabei eine Verdoppelung des Fremdenverkehrs in Deutschland seit 19-^2. Im Zuge dieser Entwicklung liegt es auch, daß Deutschland in zunehmendem Maße Kongreßland geworden ist. Im Jahre 1938 finden im gesamten Reichsgebiet83 internationaleKongrelse statt. Die nationalsozialistische Reichsregierung halben festen Willen, in Gemeinschaft mit den Verkehrsver- Auch diesmal werden, wie in den vergangenen Iahren. viele Tausende von Ausländern nach Deutschland kommen, um mit eigenen Augen ‘ unser Land des Friedens und der . Arbeit zu sehen, ein Land, über das leider in den letzten Jahren von großen Teilen der internationalen Weltpresse ein Bild verbreitet worden ist. das bei der ersten sachlichen Nachprüfung sich als absolute Fälschung enthüllen muß. Die neue Volkssührung hat ein wirtschaftliches. soziales und kulturelles Aufbauwerk durchgeführt, das ohnegleichen ist. Wer das Deutschland von 1932 kannte und damit das Deutschland von heute vergleicht, wird überrascht sein von dem Wandel der Dinge, der sich auf allen Gebieten unseres öffentlichen Lebens vollzogen hat. Der Führer hat in diesen Jahren beispielhafte Beiträge zur Festigung des Weltfriedens geleistet. Alle diese Maßnahmen aber sollen dazu dienen. Deutschland den Frieden zu sichern, den es so dringend braucht, um das begonnene Aufbauwerk vollenden zu können. Nur in einer langen Periode des Friedens sind die Schäden der Nachkriegszeit zu überwinden und unser Volk zu Glück und Wohlstand zu führen. Das Recht allerdings, diesen Frieden bewaffnet zu beschützen und alles für unsere nationale Sicherheit zu tun. was nötig ist, wird in dieser chaotischen Zeit niemand dem deutschen Volk verwehren können. Gerade in der gegenwärtigen weltpolitischen Situation stellt das gegenseitige Kennenlernen der Völker und die wechselseitige Achtung vor den nationalen Eigenarten eines der bedeutsamsten Momente der Entspannung und Befriedung dar. Gemeinsam mit allen ihnen angeschlossenen Verbänden wollen wir füt die großen Ziele der Menschheit kämpfen unö arbeiten: für d i e Verständigung der Völker und für den Frieden der Welt! Der Präsident, Dr. Henneberg (Genf) gab nun einen Rückblick auf die Arbeit des Verbandes und würdigte dabei die bedeutenden Beiträge, die von deutscher Seite zur Behebung internationaler Mißverständnisse auf dem Gebiete der Touristik geleistet worden sind. Nach einem herzlichen Dank für die gastfreundliche Aufnahme in Deutschland bat Dr. Henneberg Reichsminister Dr. Goebbels, dem Führer die Ehrerbietung der AIT zum Ausdruck zu bringen. Die Generalversammlung wird u. a. juristische, Zoll- und Dersicherungsfragen sowie Probleme des Rad-Tourismus erörtern. Ferner steht das Problem der transkontinentalen Autobahnen zur Diskussion. Oeuischland hat seine Grenzen weit geöffnet. Reichsminister Dr. Goebbels spricht aus der Berliner Generalversammlung der Alliance Internationale de Tounsme Berlin, 27. Mai. (DNB.) Die seit 40 Jahren bänden, dem Deutschen Automobil-Club und dem bestehende Alliance Internationale de Tourisme Reichsausschuß für Fremdenverkehr Deutschland mit (AIT), die internationale Vereinigung von Auto- seinen herrlichen Naturschönhelten zu einem ve- und Tourina-Clubs und den behördlichen a e h r t e n R e i s e l a n d zu machen. Die Heimkehr des Fremdenverkehrs, hält in der Reichs- Oesterreichs ins Reich ermöglicht es auch die Hauptstadt ihre Generalversammlung ab. Die Er- Alpenlander und die herrliche Kunststadt Öffnung fand im Hause der Flieger statt Man sah W i e n in stärkerem Maße als bisher dem Reifen- neben 125 Vertretern pus 45 Staaten die Gesund- !den und Naturfreund zu erschließen. Die N^.-Gc- ten von Belgien, Ungarn und dem Iran, den mexi- > meinschaft „Kraft durch Freude bat per konischen Geschäftsträger. Korpsführer Hühnlein^ Fremdenverkehrswirtschaft m Deutschland .jährlich begrüßte die ausländischen Gäste und dankte Dr.!mehrere Millionen Reisende zusätzlich zugesuhrt. Großeparteiveransiallungen. Die Gautage. — Fahrt der Alten Garde. Berlin, 27. Mai. (DNB.) Nachdem mit dem Sachsentag in Leipzig die Reihe der Gautage dieses Sommers eingeleitet worden ist, findet am nächsten Sonntag in Dessau ein großer Gautag des Gaues Magdeburg-Anhalt statt, mit. dem die Einweihung des neuen „Dessauer Theaters" verbunden sein wird. Ebenfalls an diesem Sonntag begeht der Gau Westfalen-Vüd in Bochum sein zehnjähriges Bestehen. Außer- dem hält die S 21. in Kiel ein großes Nordmark-Treffen ab. Am Sonntag nach Pfingsten begehen die Gaue Pommern, Schlesien und Süd- Hannover-Braunschweig in Stettin, Bres- l a u unöx Hannover ihren Gautag. Der Gautag des Gaues Ostpreußen findet unter dem Leit- wort „Zehn Jahre Gau Ostpreußen" vom 17. bis 19.Ium in Königsberg, sowie der Gautag des Gaues Westfalen-Nord in Gelsenkirchen vom 24. bis 26. Juni statt. Gleichfalls in den Monat Juni fällt die Fahrt der Alten Garde, voraussichtlich in den Tagen vom 22. bis 24. Ium durch den Gau Koblenz-Trier. Oer Oeuffchiandstug des NGHK. Die Deutschlandflieger haben den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit nun nach dem Süden des Reiches verlegt. Man war bestrebt, unter den Wertungsplätzen diejenigen auszuwählen, die ein möglichst günstiges „Sprungbrett" für den Flug nach Wien barfteUten. Am Freitagmorgen starteten in Nürnberg 169 Maschinen, in Erfurt 96 und in Karlsruhe 31, darunter auch das Flugzeug des Korpsführers Christiansen. Die Wertungsplätze konnten einzeln oder in Verbänden ange- rlogen werden, doch mußten sich die einzelnen Ketten zum Schluß gemeinsam auf einem gemeinsamen Flughafen treffen. Der vorletzte Wettbe- werbstag, der Samstag, verlangt im Nerbandsflug Kilometerleistungen von mindestens 700 bis 1200 Kilometer in den verschiedenen Gruppen. Schon am Freitagabend hatten sich alle Teilnehmer auf den bayrischen Uebernachtungshäfen eingefunden. Korps- rührer Christiansen landete in München. Beim Start in Hannover am 26. Mai berührte das Wettbewerbsflugzeug R 4b ein Hindernis und wurde dabei vollständig zerstört. Die Besahungs-Mit- glieder NSFK.-Sturmbannsührer S ch r u b b a und NSFK.-Männ B a n f a st e der NSFK.-Gruppe 10, Westfalen, kamen dabei ums Leben Nach dem 5. Wettbewerbslage hat sich die Führung ver- ’ ändert. An de; Spitze liegt die bisher an 1 dritter Stelle liegende Kette des Kommandos der ■ Fliegerschule Dresden (Führer Friedrich) ' mit 1303 Punkten vor der bisher ersten DVL.-Kefte > (Führer Fach), die 1274 Punkte erreichte, und der ' vom ''chsten Platz aufgerückten NSFK.-Kette * Königsberg (Staf. Berger), die 1249 Punkte hat. Staatssekretär Taffinari im Gau Heffen-Naffau. Oie künstliche Panik im tschechischen Grenzgebiet. Oie militärischen Borbereitungen werden fortgesetzt-Schwerste Behinderung des gesamten fudetendeutschen Wirtschaftslebens. Was Reisende erzählen. Hof, 27. Mai. (DNB.) Ein Engländer, der einige Wochen in Karlsbad zur Kur zugebracht hat, trat in diesen Tagen mit seinem Wagen von Karlsbad über Eger und durch Deutschland seine Rückreise nach England an. Bei seinem Aufenthalt in Hof schilderte er seine Erlebnisse auf seiner Fahrt zur Grenze. — Er erklärte, daß er sich vorgekommen sei wie mitten im Kriegsgebiet, zwischen kämpfenden Truppen. Auf der kurzen Strecke zwischen Karlsbad und Eger sei sein Wagen mehr als 20mal umgeleitet worden. Er sei dann durch lauter Sperren, die durch Ackergeräte und Ackerwagen gebildet worden waren, auf dürftigen holprigen Straßen, über Notbrücken und durch Wälder nach einiger Zeit wieder auf die Straße zurückgeleitet worden. Offenbar habe man an der Staatsstraße die Brücken gesprengt. Die deutschen Bauern hätten ihm erklärt, daß d i e ganze Feldarbeit seit 14 Tagen ruhe. Sie konnten sich ohne Lebensgefahr nicht mehr auf ihre Felder begeben, da sich zwischen den Acker st ücken Maschinengewehrnest er und Betonunterstände befänden. Ihr Ackergerät und ihre Ackerwagen hätte man ihnen zur Herstellung von Barrikaden fortgenonzrnen. Wer versuche, sie zurückzuholen, werde mit Erschießen bedroht. Vielen Bauern seien auch die Pferde für militärische Zwecke fortgenommen worden. An sämtlichen Brücken, die er auf der ganzen Strecke passiert habe, hätten überall militärische Feldwachen gelegen. Die Brücken seien sämtlich angebohrt und die Bohrlöcher mit Ekrasit geladen. Die Sprengvorbereitungen seien deutlich zu erkennen. In Neusattel und anderen Orten, die er habe passieren müssen, habe man in den öffentlichen Gebäuden, insbesondere den Schulen, Brandvorbereitungen getroffen, Zahlreiche Zimmer seien mit Stroh gefüllt worden, daneben ständen Petroleumkannen, so daß einige Handgriffe genügten, um die Gebäude in brennende Fackeln zu verwandeln. Die Züge blieben nachts unbeleuchtet. Reisende, die es wagten, in den Abteilen Licht zu machen, würden vom Zugpersonal bedroht. Unter diesen Umständen hätten es zahlreiche Kurgäste in Marienbad und Karlsbad vorge- zogen, schnellstens abzureisen, da sie sich, angesichts dieser umfangreichen Kriegsvorbereitungen fürchteten. In der Nähe von Eger sei eine Reihe von Hügeln, von denen man eine gute Aussicht auf die Ebene habe, unterminiert und mit Sprengladungen versehen worden, um ihre militärische Benutzung durch einen möglichen Gegner zu verhindern. Dem „Berliner Tageblatt" schreibt ein Leser: Ueberlandfahrten durch die Tschechoslowakei sind nach wie vor eine aufregende Angelegenheit. Eine Kontrolle durch die nervösen Beamten jagt die andere. Das bloße Mitführen eines Photoapparates genügt, um rücksichtslos verhaftet zu werden. Auf der Karlsbader Straße müssen Barrikaden aus zu- sammengefahrenen Leiterwagen mühselig umfahren werden. Auf vielen Hügeln rechts und links der Straße sind Maschinengewehrpostierungen angelegt, deren „Tarnung" sie erst richtig auffällig macht. Bei Sollmus nahe Karlsbad ist schwere Artillerie aufgefahren, deren Langrohre auf die Erzgebirgsgegend weisen. Fast alle Brücken der sogenannten Reichsstraßen sind angebohrt und mit Dynamit „gesicher t". Zurufe tschechischer Wachtposten, die offenbar Angst haben, sie könnten sonst mitsamt ihrer gesicherten Brücke in die Luft fliegen, verbieten schnelle Fahrt. In Nordwest- whrnen, von Kaaden und Brummersdorf ange- angen, sind bis in die Nähe von Teplitz auf der steichsstraße nach KOmotau, Brüx bis nach Dux alle Straßenüberführungen etwa ein bis zwei Meter unterbrochen, so daß der Durchgangsverkehr hier völlig gesperrt ist. Bei Zinnwald, dicht an der Grenze, sind ganze Alleen gefällt, die Bäume sperren die Straße. Wieder andere Straßen sind in bestimmten Abständen aufgerissen. Begreiflicherweise wächst die Unruhe in der Bevölkerung angesichts dieser Zustände. Don glaubwürdiger Seite wird versichert, daß an einem der letzten Tage 7 6 Millionen Kronen Sparguthaben abgehoben worden sind, so daß der Finanzminister sich genötigt sah, einen Appell an die Oeffentlichkeit zu erlassen. Reue Grenzverletzung durch tschechische Militärflieger. Wien, 27. Mai. (DNB.) Am 27. Mai erschien um 8.15 Uhr über der Stadt und dem Grenzbahnhof G m u e n d im Gau Niederdonau in etwa 150 Meter Höhe ein einmotoriger tschechischer Militärdoppeldecker mit dem Zeichen B 92, der offenbar mit zwei Personen, einem Flugzeugführer und einem Beobachter, besetzt war. »Der Doppeldecker kreiste ganz niedrig um den Grenzbahnhof Gmuend, wobei sich von den beiden Insassen des Flugzeuges der vorne sitzende weit aus dem Flugzeug herausbeugte und einen Photographenapparat oder eine Filmkamera in den Händen hielt. Das Flugzeug beschrieb dann einen Bogen um die Kirche und flog der Eisenbahnlinie entlang nach Ceske ßelenice zurück. Es ist von Hunderten von Personen gesehen worden. Da das Wetter völlig klar war, ist ein Verfliegen ausgeschlossen. Es kann sich also nur um eine beabsichtigte Grenzverletzung zu militärischen Zwecken handeln. Das Scho in England. London, 28. Mai. (Europapreß.) Dem zweiten Abschnitt der Gemeindewahlen in der Tschechoslowakei sieht man hier mit sehr viel größerer Ruhe entgegen, als dem ersten. Die Blätter sind der Ueberzeugung, daß die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Verhandlungen zwischen Konrad Henlein und der tschechoslowakischen Regierung großer geworden sei. Von der Entsenduna englischer Beo- bachter in die sudetendeutschen Gebiete ist nicht mehr die Rede. Anscheinend haben sich innerhalb des Kabinetts Bedenken gegen einen solchen Schritt geltend gemacht, daß England mit der Entsendung von Beobachtern auch gW>isse Verpflichtungen übernehmen würde, die über den Rahmen einer Vermittlung hi na us geh en würden. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der nach Prag abgereifte Leiter der Abt. Mitteleuropa im Foreign Office Strang und der ihn in das sudetendeutsche Gebiet begleitende englische Militärattache in Prag die einzigen englischen „Beobachter" bleiben werden. Im Gegensatz hierzu legt sich die englische Arbeiterpartei, wie immer, sehr viel weniger Zurückhaltung auf. Drei Mitglieder ihrer Unterhausfraktion, darunter der Vorsitzende Attlee und sein Stellvertreter D a 11 o n , werden dem Kongreß der tschechischen Sozialdemokratischen Partei in Prag beiwohnen. Weitere deutsche Proteste in Prag. Prag, 27. Mai. (DRV.) Der deutsche Gesandte in Prag hat auch gestern und heute erneut in Roten bei der tschechoslowakischen Regierung gegen die andauernden durch tschechoslowakische Flugzeuge erfolgten Grenzverletzungen p r o l e st i e r t. Italiens Intereffe. Rom, 27. Mai. (Europapreß.) Die italienische Presse bringt lange Berichte über die Lage in der Tschechoslowakei. Der Prager Vertreter des „G i o r- nale d 'Italia" schreibt, die gegenwärtig im sudetendeutschen Gebiet herrschende Ruhe und die erste Unterredung zwischen Ministerpräsident Hodza und Henlein bedeuteten keineswegs, daß sich an der Frage selbst etwas geändert habe, soweit sie die Staatsform der Tschechoslowakei angehe. Eine übermäßig zuversichtliche Auffassung erscheine daher nicht angebracht. Wenn bei einem Teil der Tschechoslowaken offensichtlich der Wunsch bestehe, Herausforderungen und Zwischenfälle zu vermeiden, durch die eine Verständigung verhindert werden konnte, so gelte das nicht von den Kommunisten und ihren Mitläufern, die weiterhin beunruhigende Gerüchte in Umlauf setzten und dadurch Del ins Feuer zu gießen suchten. Die politische Entwicklung könne man schon deshalb nicht voraussehen, weil das von der Regierung ausgearbeitete Nationali- t ä t e n ft a t u t, das die Grundlage der Verhandlungen bilden solle, noch nicht bekannt- gegeben worden sei. Für einen Erfolg der Poli- tik Hodzas, so meint der Berichterstatter des Blattes weiter, wäre Einmütigkeit innerhalb der Regierungskoalition notwendig, die in Wirklichkeit nicht vorhanden fei. Daher laufe das Gerücht um, Hodza wolle in der auf Dienstag, 31. Mai, einberufenen Kammersitzung einen Gesetzentwurf einbringen, durch den ihm außerordentliche Vollmachten eingeräumt würden. Empfang durch Gauleiter und Landesbauernführer. LPD. Frankfurt a. M., 27. Mai. Auf seiner B^suchsreise durch Deutschland traf der Staatssekretär im ltalienischen Landwirtschaftsministerium, Professor T a s s i n a r i, am Freitagvormittag i m Gau Hessen-Nassau ein. Staatssekretär Tas- sinari wurde an der Grenze von Braubach am Rhein von Landesbauernführer Dr. W a g n e r willkommen geheißen. Dann ging die Fahrt am Rhein entlang zur preußischen Domäne Kloster Eberbach tm Rheingau. Am Tor der Domäne begrüßte Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger den italienischen Gast. Unter der Führung von Domänendirektor Gareis besichtigten die Gäste die Gebäude des Klosters. Dom Kloster Eberbach aus begaben sich die Gäste nach AIlmenfeId. Es wurde ein Ncubauernhof in allen Einzelheiten besichtigt, wobei Landeskulturrat Reich mannigfache Aufklärung geben konnte. Im Schulhaus der Gemeinde überreichte der Landesbauernführer Staatssekretär Tas- sinari als Ehrengabe eine Elfenbeinschnitzerei aus dem Odenwald, die' einen pflügenden Bauern darstellt. Zum Schluß der Besichtigung waren Staatssekretär Tassinari und der Gauleiter Gast des weiblichen Arbeitsdienstes. In den späten Nachmittaas- ftunben begaben sich die Gäste nach Frankfurt a. M., wo am Abend der Dberbürgermeiftr einen Empfang im Römer gab. Die Aufgabe des vierten Äeicbsberuss- wetttampses der deutschen Studenten Die Gestaltung der Lebensordnung Grotz-Deutschlands. Berlin, 28. Mai. (DNB.) In der Aula der Universität verkündete Reichsstudentenführer Dr. Scheel den Beginn des vierten Reichsberufswettkampfes der deutschen Studenten, der dem allgemeinen Berufswettkampf aller Schaffenden wegen der zur Bearbeitung der Themen erforderlichen Zeit um mehrere Monate vorangeht. Ungeheure Aufgaben seien der deutschen Wissenschaft und Technik durch die Wiedervereinigung Oesterreichs mit dem Reich gestellt. Dem vierten Neichsberufswettkampf der deutschen Studenten werde daher als Gesamtthema gestellt: „DieGestaltungderLebens- ordnung Großdeutschland s". Alfred Rosenberg, von lebhaftestem Beifall begrüßt, führte dann u. a. aus: Der Nationalsozialismus habe die Aufgabe, in einem immer weiter vordringenden Entwicklungsprozeß alle Lebensgebiete zu erfassen, sowie den Einheitswillen gegen alle anders gearteten politischen, sozialen und weltanschaulichen Strömungen zu sichern. Seine innere Große werde sich durch die künftige Fruchtbarkeit der Forschung auf allen Gebieten des Ledens erweisen. Der studentische Reichsberufswettkampf habe die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß der Nationalsozialismus nicht in einigen Formen erstarre, sondern aus dem Reichtum des Lebens immer neue Kräfte und Zielsetzungen schöpfe. Unter dem Schutz der politischen Macht seien bie geistigen Stellungen der nationalsozialistischen Revolution zu sichern und auszubauen, vor keiner Konsequenz zur ErhaUung des deutschen Lebens dürfe man zurück- schrecken. WM G r Oi'c Für « Hein reicV spei ster •ist 79 Ml ill ”„7 tue I «"I l'orf Lelol ‘.“Ad SÄ stabschef 6er Guille"'! von fünf tH lijdjen w MM sichtige" J »• zösisch" q res handele- vorstehendes Gieß Ft be D< Für < EntSl wir i Für Kam Wir öslug Großen-Linden. den 28. Mai 1938. 3689D Oanzleinenband RM.4.80 Gießen (Friedensstraße 3), den 28. Mal 1938. Gießen (Aulweg 40), den 28. Mai 1938. 02484 Gießen, im Mai 1938. 3643D ALT-SANDELWASSER mit der Brigg 3651D Wohnort: MMMülMAUMMlMlel-SIN! Nome: Straße: Familiendrucksacher Verlobungsanzelgen Vermahlungsanzeiger Geburtsanzeigen bei Brühl. Schulstr.1 Die trauernden Hinterbliebenen: Karl Stein und Frau. und mich erfrischt er!" Morgens ein paar Tropfen nach dem Rasieren, das erquickt wundervoll. Auch bei Arbeit, Geselligkeit und Tanz erfrischt Alt-Sandel-Wasser. Auch Frauen, die über „parfümierte“ Männer oft die Nase rümpfen, lieben diesen diskreten Duft am gepflegten Mann. Gegen Einsendung dieses Abschnittes an die Lingner- Werke Dresden unter Beifügung von 12 Pf. in Marken für Porto und Verpackung erhalten Sie EINE PROBEFLASCHE ALT-SANDELWASSER MMte» einigten Staaten und Kanada, die über die Möglichkeiten des Ankaufs von Bombenflug Zeugen in Amerika und der Schaffung einer Flugzeugindustrie in Kanada berichten werden. Es scheine, als ob dieser Bericht sehr günstig ausfalle. * Der „Daily Herald^ berichtet, daß es sich um den ersten inoffiziellen Schritt zur Zusammenarbeit der englischen und der französischen Luftwaffe handele. Es würden Vorkehrungen für einen baldigen Besuch englischer Militärflugzeuge in Frankreich getroffen werden, um den französischen Fliegern die neuen englischen Typen oorzuführen. In Zusammenarbeit mit dem britischen Luftfahrtministerium würde ein Plan f ü r eine ganze Helte von Flugplätzen ausgearbeitet werden, die als Verteidigungsstützpunkte und als Standorte für Bombenge s.ch wader dienen sollten. Das würde es den britischen Flugzeugen ermöglichen, weniger Brennstoff und mehr Bomben mitzunehmen. Lori» Auffield gründet eine Ilugzeugmofarenfabrik. London, 28. Mai. (Europapreß.') Der durch seine großzügigen Schenkungen bekannte Automobilindustrielle Lord N u f f i e l d wird als seinen Beitrag zu der LuftaufrüstUng Englands eine Riesenfabrik. für die Herstellung von Flugzeugmotoren erbauen; voraussichtlich in Birmingham. Lord Nuf- field hat sich zu einer Kapitaleinlage von drei Millionen Pfund bereit erfärt und auf jeden Gewinn verzichtet. Die neuen Werke werden rund 20 000 Arbeiter beschäftigen. Schwere Niederlage der Bolschewisten. Salamanca, 28. Mai. (Europapreß.) Das nationalspanische Hauptquartier erklärt: In der Nacht zum Freitag hat der Feind mit einem umfangreichen Kriegsmaterial die nationalspanischen Umgang mit Mutter Grün. Sünden- und bittenbuch von W. Schoenichen Brosch. RM. 2.85, gebunden RM. 3 60 Die deutsche Landschaft. Von E. L. Schellenberg. Br.RM.1.20, geb.RM.1.80 Zu beziehen durch jede Buchhandlung' Hugo Bermühler Verlag Bdrlln-Llchterfelde Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die überaus zahlreichen Blumen- und Kranzspenden anläßlich des plötzlichen Hinscheidens unseres lieben Sohnes sagen wir allen Bekannten, Freunden und Verwandten, sowie den Formationen des Reichsheeres, insbesondere den Kameraden der Fliegertruppe und der Flieger-HJ. innigsten Dank. Danksagung. Für allen Trost und Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen danken wir herzlichst. Familie Wilhelm Steinmüller, Klein-Linden, den 26. Mai 1938. Senkfußeinlagen Gummistrümpfe Leibbinden aus dem Fachgeschäft Johann Frohn Marktplatz 19 • Fernruf 3004 Kassenlieferant 3676A Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Entschlafenen, für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers, die vielen Blumenspenden, sowie allen Beteiligten sagen wir unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Diehl und*Frau Elisabeth, geb. Mandler. Für die große Liebe zu unserem teueren Verstorbenen und die herzliche Teilnahme sagt innigsten Dank im Namen aller trauernden Hinterbliebenen: Lina Ohr, geb. Flett Stellungen in der Sierra de Montech und in der Sierra Badul sowie den Brückenkopf von Dalaguer und im Kampfabschnitt von Tremp angegriffen. Er ist mit schweren Verlusten zurückge - schlagen worden. Die Niederlage des Feindes ist eine der schwersten seit Beginn des Krieges. Zahlreiche Gefangene und Milizsoldaten, die zu den nationalen Stellungen übergelaufen sind, berichten von der Demoralisation, die im feindlichen Lager herrscht, wo die sowjetspanischen Befehlshaber nicht zögern, diejenigen, die sich weigern, anzugreifen, sofort erschießen zu lassen. Oie Rotterdamer Bombenexplosion - ein Werk der GPU. Eine geheimnisvolle Bombenexplosion auf einer der belebtesten Straßen Rotterdams, durch die ein Tscheche namens Novak zerrissen wurde, scheint jetzt geklärt zu sein. Die Vermutung, daß es sich um einen kommunistischen Anschlag handelte, wird durch das Polizeiuntersuchungsergebnis b e st ä t i g t. Der getötete Novak, der offensichtlich das Mißfallen der GPU. erweckt hatte, sollte beseitigt werden. Durch geschickte Vorspiegelungen triurbe er nach Rotterdam gelockt, wo man ihm ein Paket mit angeblichen Dokumenten übergab, das aber tatsächlich eine Höllenmaschine enthielt, der er dann zum Opfer fiel. Die Rolle eines der Tschechen namens Bora, der kurz nach dem Anschlag im Hotel des Novak verhaftet «wurde, ist noch nicht geklärt. Versteifung des chinesischen Widerstandest bei Lanfeng. Schanghai, 28. Mai. (Europapreß.) Die Kämpfe an der Lunghaibahn nehmen wieder einen sehr erbitterten Charakter an, nachdem es anscheinend der chinesischen Heeresleitung gelungen ist, die durch die Schlacht von Hsütschau zersprengten Armeen zu reorganisieren und den Munitionsnachschub sicherzustellen. Es soll den chinesischen Truppen ge- Bücher für Naturfreunde und Wanderer Belauschtes Leben. Kleine Kreatur in Wasser, Busch und Halm von K O. Bartels. 164 Naturaufnahmen aus dem Leben der niederen Tierwelt mit erläuternden Bildunterschriften, Namensan- Saben u. ausführlichem Text. Mit einem icleitwort von Prof. Dr. P. Deegener, Universität Berlin. Preis kartoniert RM.3.90, geb. RM. 4.80. Waldweben. Die Lebensgemeinschaf' des deutschen Waldes in Bildern. 150 eigene Naturaufnahmen aus dem Tier und Pflanzenleben des heimatl. Waldes auf 128 Kupfertiefdrucktafeln,mit lebendigem u.aufschlußreichem Einführungstext von K. Gerhard und O.Wolff. |en6üh®erpi,nH ' yuuen de- *3 5: mk den ssöreitagmorgen ?,IKn- 'n Echrt , das Flug. LS- Elings, ^banden ange. ™ einzelnen ; e?n/m gemein- flehte Wettbe- 'm Nerbandsilua 15 700 bis 1200 Wn. Schon am Nehmer auf den Kunden. Korps, "unchen. L-im eruhrte das Wetl- !rn'5 und wurde ^Befahungs-Mit. Schrubba und e$L@ruppe 10, 5 Leben. Noch die Führung Der- gt die bisher an Kommandos der Führer Friedrnhs ersten DVL.-Kche erreichte, und der en NM.-Keste ie 1249 Punkte hat. Hinan Kassau. ulcitcr ÜJlai. 2luf feiner der Staaissekre- haftsmMenum, tagvormiiag im -iaatssilreiär Tas- »on Braubach am r. W a g n e r will- : Fahrt am Nhein ! Kloster Eberbach ine begrüßte Gau- renger den ita- ng von Domänen- Allste die Gebäude •bad) aus begaben >ld Es wurde ein en besichtigt, wobei fache Aufklöning 7 Gemeinde über- -laatssekretör Tas- beinschniherei aus nden Bauern da ng waren staats- ter Gast des weit" >llten Nachmittag h Frankfurt a. M. [tr einen Empfang lungen sein, die Mitte der Woche von den Japanern genommene Stadt Lanfeng zurückzuerobern und dabei den japanischen Truppen empfindliche Verluste beizubringen. Die Meldungen werden in Hankau durch Extrablätter verbreitet, werden jedoch von japanischer Seite bestritten, aber es wird zugegeben, daß die Chinesen zum Gegenangriff angesetzt haben. Wetterbericht Die starke Erwärmung am gestrigen Freitag begünstigte das Eindringen kühler Meeresluft, die vor allem West- und Süddeutschland verbreitete Gewittertätigkeit brachte und sich im Laufe des Samstags nach Mitteldeutschland hin entwickelte. Das Wetter bleibt auch für die Folge recht un- beständia und zu Niederschlägen geneigt. Aussichten für Sonntag: Veränderliche Bewölkung mit zeitweiliger Aufheiterung, aber auch wiederholten Niederschlägen bei lebhaften Winden aus östlicher Richtung, kühl. Lufttemperaturen am 27. Mai: mittags 24 Grad Celsius, abends 15,3 Grad; am 28. Mai: morgens 13»7 Grad. Maximum 24,6 Grad, Minimum heute nacht 11,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. Mai: abends 19 Grad; am 28. Mai: morgens 15 Grad. — Niederschläge 5,4 Grad. — Gönnen- scheindauer 13,7 Stunden.__ Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 38: 9614. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K -G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Oie Ltmbildung des japanischen Kabinetts. Tokio, 27. Mai. (DNB.) In der Sißung des umgebildeten Kabinetts hob Ministerpräsident Konoe die Notwendigkeit hervor, die Aktion in China in einmütiger Zusammenarbeit aller Kabinettsmitglieder planmäßig und überlegt durchzuführen. Nach den Blätterftimmen ist das Ziel der Neuordnung eine klare Abgrenzung zwischen den rein staatspolitischen und den verwaltungsmäßigen Aufgaben. Die Staatsführung müsse sowohl von den Einflüssen der Parteien wie auch von der Belastung durch rein ministerielle Verwaltungsaufgaben frei werden. Das Kabinett fei nunmehr auf eine kriegsähnliche Grund- 1 a g e gestellt, die in militärischer wie auch in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht den Erfordernissen der durch den Konflikt in China geschaffenen Lage gerecht werde. Don der Ernennung des Generals Ugaki zum Außenminister erhofft die Presse eine Stärkung der staatspolitischen Führung und ein erfolgreiches Zusammenarbeiten z w i sch e n Wehrmacht und Außenpolitik. Enge Zusammenarbeit der britischen und französischen Luftwaffe Paris, 27. Mai. (Europapreß.) Der Generalstabschef der französischen Luftarmee, General V u i l l e m i n , begibt sich Sonntag in Begleitung von fünf Fliegeroffizieren auf Einladung der englischen Regierung nach London, wo er verschiedene Flughäfen und die Königliche Fliegerschule besichtigen wird. „Jour" erklärt, daß es sich hierbei um eine Auswirkun g b er englisch-französischen Konferenz vom April dieses Jahres handele. Man erinnere in London an die bevorstehende Rückkehr der englischen Luft- fahrtsachverständigen aus den 23er- SgeutW* In »er * * MkM» A A-ichsb-lNs-wr« der dem * erl»r»er*"g "" fff»«“'? Ia' Vi*'"*' Tw* i mS v' Sri«**’ !><• ft Sh J *■ ä rd jV'Ai" n grosi- auBeri 'S lehen jfc °0Nl 17 Lj ®'C der al ?15 29 V ®Qrbe 2'6,5 24 3imi Die trauernden Hinterbliebenen: Philipp Schmidt Heinrich Schmidt Ludwig Seth. Freitag morgen 10 Uhr entschlief sanft unsere Hebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter Elisabethe Schmidt, geb. Weigand nach einem arbeitsreichen Leben im Alter von 87 Jahren. Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 29. Mai, nachmittags 21/, Uhr vom Sterbehause, Bahnhofstraße 96, aus statt. Unsere gute, treusorgende Mutter und Großmutter Frau Karoline Buß, geb. Geibel I 02530 3649D 02493 66 103 ALT SANDEL WASSER Für die uns beim Heimgange unseres lieben Entschlafenen erwiesene Teilnahme sagen wir unseren herzlichsten Dank. ist am 24. Mai nach kurzem schweren Leiden im Alter von 79 Jahren für immer von uns gegangen. Die Beerdigung fand auf Wunsch der Entschlafenen in aller Stille statt Im Namen aller Hinterbliebenen: Frau Job. Felsing. Gießen, den 28. Mai 1938. *7üiessen . Friedrichstr.7 Lieferant aller Kassen Allel, wos on einfacheren Druckiochen im Büro gebraucht wird, ist in denkbar kurzer Zeil vervielfältig*. Hervorragende leiilungen. bei einfacher Bedienung und geringen ßelriebikoiten. Druckproben, aut- führlichei Angebot und unverbindliche Verführung. Niederhausen Bahnhofstraße 49 - Ruf 3941 In tiefem Schmerz: Hermann Buß, Studienrat Hilde Buß, geb. Kölle Gießen, den 28. Mai 1938. Wolfgang Buß. vorstehen kann. 02534 la Staub Schöne S Selters weg 52 Bcrgstr.,Zim.l2 02522 a.d. G.A. 3KS8O sofort gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsstelle d. Gieh. Anzeigers. Werbe-Drucksachen bei Brühl, Schulstr.? sauger neu u. gebraucht, bill. z.verk.368«I) Carl Schunck, Bahnhofstr. 64. IVermietung"en~| Schöne, grobe 6-Zimmer- Wohnung Wernenvall, zum l.Juli 1938 zu vermieten. Schr. Ang. unt. 02527 a.d.G.A. Fran Else Schulte, Marktpl. 9-10 (Vorzustellen auch im Laden Gebr. Jmheuser.) lÄsttank mit 24dovv.ver- schl. Fächern u. 1 Generalraum billig zuvk. 38851) Carl Schunck^ Gebrauchtes Radio (Telefunken) Gleichstr., billig zu verkauf. [02514 Steinstr. 11 III. Urwap (elsenbem) gut erhalten, zu verkaufen. [02507 Seltersw. 63 III talimk gut erhalten (geeignet f.Metzgerei und Wirtschaft) zu verkaufen. [3882 V Stöcrt&ßeoder Telephon 3519. 19 jähriges Mädchen sucht Stellung in kl. Haushalt für bald. Schr. Ang. unt. 02496 a.d.G.A. 9m städt. 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Eine kleine Stunde, dann verlassen wir den jungen Laubwald und biegen in die weiße, gerade vor uns liegende Straße ein. - Ein großes Schild weist den Weg: Die B e r g - st raße — nach Heidelberg. Wir sind schon weiter. Tüchtig treten wir die Pedale. Erst mal so richtig drin sein, dann wollen wir rasten. Bens- h e i m — wir fahren durch, aber dann hinter Starkenburg werden die Räder an ein altes Gatter gelegt, das einen Garten umschließt. Auf der anderen Seite tauchen Weinstöcke am Berg auf. Die breite Straße flitzen Autos hinunter, immer an uns vorbei. Busse mit singenden Menschen und dem weithin kündenden Schriftband „KdF." und große schwere Wagen mit ausländischem Nummernschild. Wir grüßen und winken ihnen nach. Was wir während dieser Ferienzeit für Autozeichen kennengelernt haben! Aber allzulange darf die Rast nicht dauern, Heidelberg will heute noch erreicht sein. Bald fahren wir weiter, nun in einem „gemäßigten" Tempo. Das ist die Bergstraße! Wir sehen sie in ihrem schönsten Schmuck, im weißen Frühlingskleid, unvergeßlich wird sie uns in Erinnerung bleiben. Immer wieder schauen mir. rechts hinunter in die fruchtbare Ebene. Zur linken Seite die Weinberge. Endlos geht so die Fahrt. Hinter den, zu einer grünen Wand werdenden Bäumen tauchen rote Ziegeldächer auf: Heppenheim, Weinheim, Wache rburg, alles Orte, die im übrigen Teil des Vaterlandes einen guten Klang haben. Dann kündigt ein Schild uns an, daß wir in der Pfalz sind. Land einer Lieselotte, wir gedenken auch deiner, als wir durch dein glückliches Kinderland fahren. Und weiter, weiter, durch diese Ebene führen uns die Räder. Das Landschaftsbild verändert sich nicht, endlos, und doch immer anders. Wir werden nicht müde, den Blick in das weite Land zu schicken. Wo werden wir Gleiches wieder sehen? — Schriesheim, Handschuhsheim kommen in Sicht! Wir grüßen kurz hinüber. Und dann? Ade, herrliche Bergstraße, du hast uns viel Schönes gegeben. Jetzt fahren wir über die alte Neckarbrücke und da grüßen wir am grünen Necknr Heidelherg. H. O. Mosel im Frühjahr. Eine Ialibootfahrt. In den großen Schwingungen der Mosel, in den Gegenschwingungen entfernter Bergzüge fliegt unser Wanderglück flußab. Weiße und graue Wolkengebirge wechseln eilenden Zugs mit blauen Himmelsseen, und immer, wenn eine neue dunkle Gewalt die blaue Hoffnung da oben verdrängt, stürzen die Böen ins Tal und zielen auf uns mit tausend und abertausend Wasserpfeilen. Sie greifen in die Fluten und kräuseln die Mosel zu Schaumkämmen auf. Zuweilen sitzen sie uns im Nacken; dann ist es herrlich, mit dem Wind die rasche Trift des Hochwassers zu Überholen. Zgweilen rennen sie uns in die Flanke; dann spüren wir unsere Muskeln und können für Augenblicke das, „Ahoi", das uns aus den Nestern und von den Höhen begleitet, nicht erwidern. „Ihr seid die Ersten!" ruft ein Fährmann uns zu, „ihr habt den Schlüssel zur Mosel in diesem Jahr!" Aus Weinbergen erkundigen sich Frauenstimmen, ob unser Kalender vorgeht. Ein kleines Mädchen kommt aus einer Gasse auf die Uferbleiche gelaufen und ruft uns zu mit einem Tonfall, als erblicke sie etwas Unschickliches: „Js doch noch fei Summer!" Ja, Sommer! Moselsommer! Das war etwas anderes. Damals wären wir nicht erstaunt gewesen, wenn aus den Nußbaumhainen oder den Garben des Korps die Gestalt des um feine Geschöpfe besorgten Gottes heroorgetreten wäre im „sanften Wandeln seines Tags". Doch sieh:, auch heute — noch eine Windung, und sie tritt hervor. Auf der Uferböschung Über den knospenden Weiden steht strahlend weiß eine Gottheit. Oder sind Menschen so schön hier wie Götter? Ist es der Winzerinnnen eine, die sich loslöste aus dem Chor der rebenbindenden Mädchen und herabstieg, zum Fluß? Klassische Statik, unbewegliche Würde, weiß und lang das Gewand, doch dunkel das zurückgebogene Haupt. - Dies Wesen am Ufer ist kein Mensch; es ist eine Erscheinung. Wir landen am Weidicht. Und wir finden den heiligen Franz, übermenschengroß, aus Holz gehauen, seine von den.Jahrhunderten derstümmelten Arme noch segnepd erhoben, sein von unbekannten Schicksalen zerstörtes Antlitz dem Sturme zugewandt. So steht er in d.en Fluren von Riol und singt der Flur, den Vögeln und den Fischen der Mosel sein Lied von Sonne und Tod. Von dem hohen, einsamen Feldrain aus sieht er von Jahr zu Jahr, von Jahrhundert zu Jahrhundert, wie im Winter- und Frühlingssturm die Wellen sich tanzend heben, in Sommersgluten die Fische aus dem Wasser schnellen, für Sekunden über den Wellen silbern auffunkeln wie die Blitze nächtlicher Gewitter über den Waldkämmen der Gebirge. Sonnenhymnen, wie die des heiligen Franz, sind Elegien auf den Tod. Die allmenschliche Liebesgebärde des Bettlers von Assisi ist das mittrauernde Umfangen alles dessen, was vom Ende beschwert ist. Als wir zuletzt die Moseldörfer grüßten, lag auf den Uferangern haushoch gehäuft, was in den Tälern und auf dem Hochland von Hunsrück imb Eifel der Sense erlag; es wartete da, ein zweites Mal Gewalt zu erleiden in den Fängen der Dreschmaschine, welche die köstlichen Körner, auf denen unser Dasein seit Jahrzehntausenden beruht, aus den zarten Umhüllungen sprengt. Und nun, im neuen Jahre, wo es hoffnungslos zerrieben ist, duftet und glänzt dieses lebendige Korn des vergangenen Sommers uns als unser tägliches Leben entgegen in dem kleinen Bäckerladen eines Dyrfes, wo wir, von Kälte und Wind durchhungert, die holprigen Gassen absuchen.- Aber lebf denn der Mensch an der Mosel vom Brote allein? Er lebt von den Mysterien,' aus denen Dionysos sich enthüllt, er lebt von jeglicher Beere, welche die Keltermarter erlitt. In Ferres, einem an die Felswand hingeworfenen Winzernest, treten wir in eine alte Kapelle und finden Christus in der Kelter, sein Leben verströmend in sieben Gnadenströme. Tiefsinnige Romantisierung des Lebens im Alltag. Aber gleich nach Ferres wird es ganz finster und uns ein bißchen bange. Die Bö will uns die Paddel aus den Händen winden. Zuweilen greift sie unter das Boot und tut so, als ob sie Ernst mit uns machen wolle. Sie will uns nicht weiter nach Piesport lassen. Mit Not landen wir vor dem, kleinen hundertjährigen Gasthof, genau in dem Augenblick, wo nebenan aus der Schule mit gellendem Chorus die Dorsjugend stürzt. Prügelei um die Ehre, unsere Bootsleine halten-zu dürfen! In der Frühe weckte uns ein Donnergepolter. Es kam nicht vom Himmel, sondern von der Gasse. Einen Gaul hatte der Hafer- gestochen; er war mit seinem Karren durchgegangen. Wir sahen ihn aus dem Dorf auf der Moselstraße nach Ferres rasen, und rechts und links rumpelten die Weinkisten in die Gosse. Der Himmel, die Mosel und was zwischen ihnen an fruchtbaren Wänden aufsteigt, lächelten dazu... Während wir mit dem Wirt Kaifee tranken und schon die halben Sorgen der Ortschaft die unseren, waren, drückte sich von außen ein schwarzumlocktes Mosel gesicht, wie eine Erscheinung aus Römertagen ans Fenster und mel» bete, der Gaul habe den Karren abgeworfen und fei schon über Ferres hinaus. Er hatte zu lange im Stall gestanden. Auch hatte er vermutlich eine Abneigung gegen Weinkisten, wenn sie leer sind. Die Moselgäule sollen, so sagte die Schwester des Wirts uns, volle Weinfässer mit ruhiger Begeisterung ziehen, wogegen das „Hollern" leerer Weinfässer sie rasend machen kann. Auch in uns steckte eine unbändige Lust, zu laufen. Nach wenigen Schritten und Biegungen steht man schon über den Dächern des Dorfes,' das bis in die Keller hinab erfüllt ist von ewiger Sorge um die Gewinnung und Wahrung des Edelsten, was dieser Stern an Vergänglichem wachsen läßt. Die Rebstäbe schimmern, die meisten grau von Alter, manche blond von Jugend. Und alle tragen sie den Rebstock mit dem Rankenspiel verschlungener Herzen. Wir schreiten zwischen dem Volk der Rebenpfleger her den Weg hinauf, der bald die Scheide kreuzt, wo sich Moseltal und Eifellandschaft wunderbar im Auge vermählen. Und wie zur Feier dieses großen Augenblicks jubelt es von Lerchen über den Wiesen und Aeckern, jubelt in den Regen hinein, der über Moselland und Binnenland gleichmäßig und ohn' Ermatten niedexgeht. Wenn man den Regen als die Vorbereitung auf den Sonnenschein auffaßt, so kann nichts erwünschter sein als Wasser von allen Seiten. Wir ließen bei Regen-Regen-Regen die Boote wieder in den Fluß und umzogen viele Stunden lang mit der Mosel in geduldigen, immer wechselnden Windungen die wolkenschwangerea. Höhen. Bis Gott sprach: Es werde Licht! Und es begann1 ein Glitzern der Gräser; an den schwarzen Obstbaumästen hingen Millionen silberner Perlen; das Schiefergestein erglänzte mildblau bis hinan zu den dunklen Ge-. hölzen; und die Moselfische sprangen um uns in dionysischer Lust. Wir machen Zwischenrast an einer Wiese gerade gegenüber dem „Graacher Himmelreich" und "laufen mit nackten Füßen durch das dampfende Gras. Noch ist kein Flurschaden zu befürchten; noch gehört uns das Ganze. Kirschbaumblüten gehen an, rasch, so scheint uns, wie Lichter am Ehristbaum. Die Finken und Amseln fingen das uralte, ewig neue Liebeslied der Schöpfung. Carl Oscar Jatho. Vorschläge für die psingsiwanderung. Zwei Tage im Siegerland. 1. Tag: Laasphe — Feudinger Hütte — Jlsetal — Lahnhof. Wir fahren über Marburg, an Biedenkopf vorüber, nach dem lieblichen Lahnstädtchen Laasphe, das in einem schönen, von bewaldeten hohen Bergen umgebenen Talkessel liegt. Von hier folgen wir der Hauptwanderstrecke 2 des Sauerländischen Gebirgs- vereins gemeinsam mit roten Strichen. Wir kommen über die Fasanerie, dann über Friedrichshütte dem Lahntal entlang mit hübschen Ausblicken nach der Feudinger Hütte. Von dort dem engen, ungemein reizvollen und idyllischen Jlsetal aufwärts nach dem Hof Lmnefeld und weiter an der heilkräftigen Jlse- quelle.sowie an Heiligenborn vopbei zum Lahnhof (610 Meter), den wir nach dreieinhalbstündiger Wanderung erreichen. In dem einzigen Gasthof finden wir gute Unterkunft für die Nacht. Auf dem Lahnhof entspringt die Lahn, deren Quelle sich in dem Keller des benachbarten Forsthauses befinden soll. Sehr lohnend ist ein Aufstieg zur nahen 635 Meter hohen Stiegelburg, von der man das Siegerland mit seinen Höhen, Tälern und zahlreichen Ortschaften überblickt. 2. lag: Lahnhof — Lühel — Giller — Schloßberg — Hilchenbach. Andern Tages wandern wir aüf der ■ schönen Waldstraße, der fo genannten Eisenstraße, weiter. Wir kommen an der mit einer stimmungsvollen Umrahmung versehenen Siegquelle, später am gastlichen Forsthaus Hohenroth vorüber, gelangen, immer dem Zeichen des Sauerländischen Gebirgs- vereins folgend, über Lützel Hinauf zur höchsten Erhebung des «Äegerlandes, dem Giller (678 Meter), von dessen eisernem Aussichtsturm man den großartigsten Rundblick der Gegend hat. Weitergehend kommen wir über den in der Jugendgeschichte Jung- Stillings genannten Schloßberg mit den Resten einer Burg hinab nach dem hübsch gelegenen Bahnhof Vormwald und in langsamem, an schönen Blicken reichen Abstieg nach unserem Endziel Hilchenbach. Dauer der Wanderung, die zu den schönsten im ganzen Siegerland gehört, vier Stunden. Interessant ist die Heimfahrt durch die zum Teil vorher durchwanderte Gegend. Da die Bahn eine starke Steigung zu überwinden hat und in mächtigen Kurven in die Höhe strebt, erschließen sich unterwegs prächtige Ausblicke auf das tief unten liegende Hilchenbach und Umgegend urid später bei der Weiterfahrt auf die malerisch gelegenen Lahnorte. Zwei Tage im Vogelsberg. 1. Tag: Schotten — Feldkrücker höhe —Ulrichstein. Wir fahren mit Sonntagskarte nach dem freundlichen Vogelsbergstädtchen Schotten, gehen am Schloß, der stattlichen Kirche und dem schönen Rathaus vorüber hinauf zur Staatsstraße, von der aus man reizvolle Blicke auf das Niddatal und die Vogelsberger Höhen hat. Grüne Striche, die öfter die vielen Windungen der Straße abkürzen, führen uns an Götzen vorbei zunächst zum Ludwigs- brunnen, einer Quellenanlage, wo wir das rot-weiße Band antreffen. Diesem Zeichen folgen wir jetzt nach links und steigen zur Feldkrücker Höhe empor. War schon vorher am Ludwigsbrunnen der Blick auf die nähere Umgegend überraschend schön, so wird er auf der Hohe noch übertroffen. Denn eine prachtvolle Fernsicht bis zum Odenwald, dem Spessart und nach der Wetterau bietet sich dem entzückten Auge dar. Heber Feldkrücken erreichen wir alsbald das Endziel des ersten Tages, das hoch- liegende Ulrichstein, wo wir Unterkunst für die Nacht suchen. Da die gänze Wanderstrecke nur knapp drei Stunden beansprucht, können wir noch dem naheliegenden Schlohberg einen Besuch abstatten, um uns an der herrlichen Rundschau zu erfreuen. 2. Tag: Ulrichstein — hoherodskopf — Schotten. Am anderen Morgen gehen wir von Ulrichstein roten Strichen nach die Staatsstraße bis zum Kreuz, das wir überschreiten, um sodann in der seitherigen Richtung einen Fußweg durch Wald und über wald- umsäumte Wiesen einzuschlagen, der später in eine breite Schneise üb er geht. Auf dieser, die gleichzeitig einen alten Grenzweg bildet, kommen wir zu den Sieben Ahorn (755 Meter). Dem Zeichen geradeaus folgend, gelangen wir zum Ursprung der Nidda, dem Landgrafenborn, einem idyllisch gelegenen Brünnchen. Aus hübschem Pfade gehen wir sodann zur Oberwdldstraße über die mit den schönsten Gebirgspflanzen bedeckte sogenannte Goldwiese und weiter zum Taufitein, wo wir‘ nicht versäumen dürfen, die großartige Rundsicht vom Turm zu genießen. Auf schönem Waldwege erreichen wir alsbald den Hoherodskopf, wo uns das Clubhaus gastlich aufnimmt. Grünen Ringen folgend, kehren wir über Breungeshain und Michelbach nach insgesamt viereinhalbstüiidiger lohnender Wanderung zu dem Ausgangspunkt des ersten Tages, nach Schotten, zurück. Tageswanderungen. Allendorf — Aordeck — Ebsdorfer Grund — Frauenberg — Marburg. Nachdem uns der Frühzug nach dem Städtchen Allendorf im schönen Lumdatal gebracht hat, gehen wir auf- der mit Dbftbäumen bestandenen Straße aufwärts nach Nordeck mit hübscher Burgruine inmitten lieblicher Anlagen. Von der Schloßterrasse 'bietet sich ein prachtvoller Ausblick auf das Lumdatal und die umliegenden Höhen. Blaue Striche, die uns von Allendorf bis zum Schluffe begleiten, führen uns jetzt nach dem Nachbardorf Winnen und von hier am Leidenbofer. Kopf entlang durch das Feld mit weiter Aussicht über die durch ihre kleidsamen Ttachten bekannten Dörfer Leidenhofen und Ebsdorf im fruchtbaren Ebsdorfer Grund hinauf zum Frauenberg, von dessen Burgruine sich .eine umfassende Rundschau erschließt. Zwei gute Gasthäuser am Fuße der Ruine sorgen für die nötige Erquickung. Vom Frauenberg folgen wir unserem seitherigen Zeichen, das uns auf schönen Waldwegen nach unserem Endziel, der alten Musenstadt Marburg, bringt. Dauer der Wanderung viereinhalb Stunden. Wetzlar — Kloster Altenberg — Klein-Altenstädten — Hermannstein — Wetzlar. Wir fahren mit Sonntags karte nach Wetzlar, das vielerlei Sehenswürdigkeiten, wie Dom, Löttehaus und die verschiedenen Goethe-Erinnerungen, birgt. Von der großen Lahnbrücke am Westende der Stadt führen uns rote Punkte durch die Neustadt über zwei Dillbrücken an Gärten -vorbei und durch Felder nach dem malerisch .über dent Lahntal gelegenen ehemaligen Kloster Altenberg, jetzt Braunfelsscher Oekonomieho.f. Wir besichtigen die wohlerhaltene schöne Kirche mit vielen Grabdenkmälern und genießen von der Klvsterterrasse einen prächtigen Blick in das Lahntal. Hinter dem Anwesen beschreiten wir einen Feldweg, der uns über einen Höhenrücken führt, von dem -aus sich reizvolle Blicke in die Täler, namentlich auf Wetzlar mit der Ruine Kalsmunt, ergeben. Unser Weg leitet uns nach dem anmutig am rechten Dillufer gelegenen Klein-Alten- städten, von wo uns ein weiterer Feldweg über die Dill nach Hermannstein mit seiner eigenartigen Burgruine bringt. Nach insgesamt dreieinhalb- stündiger Wanderung kehren wir. nach unserem Ausgangspunkt Wetzlar zurück. Reisewinke. Kunst und Kur in Bad-Nauhöiur. Bad-Nauheim, das Weltbad im Hessenland, hat seinen Kurbetrieb aufgenommen. Zu den Mitteln der Kur, dem perlenden Naß der Quellen, der Schönheit von Park und Landschaft gesellt sich als weiterer seelenstärkender Heflfaktor die Unterhaltung. Ein Drittel Kunst und zwei Drittel Kur, das ist die rechte Mischung des Bad-Nauheimer Lebens. Man sorgt mit Umsicht und Geschmack dafür, daß auch hier der tröstliche Quellborn der Kunst sprudelt. Das Kurtheater wartet wie jedes Jahr mit einer Reihe reizvoller Inszenierungen auf dem Gebiet der Oper und Operette und des Schau- und Lustspiels auf. Für das erste Philharmonische Konzert unter der Leitung Walter Stövers ist es gelungen, Edwin Fischer als Solisten des Brahms-Abends zu gewinnen. Kleine Reiseermnnternng. Von Werner Bergengruen. Ich bekenne — schamhaft und dennoch mit aller Gewißheit, — daß ich ein altmodischer Mensch bin: das Herz ist mir nicht der mehr oder minder defekt«^ mehr oder minder überholu'ngsbedürftige Motor einer zu exakten Leistungen vorbestimmten Maschinerie, sondern das geheimnisvolle Zentrum allen' Menschenwesens. Der defekte Motor mag seiner Kur bedürfen, das Herz in meinem Sinne bedarf einer anderen. Du und ich, mein Lieber, wir gehören zu jenen, deren Lebenskurve bei Frühlingsbeginn an ihrem tiefsten Punkt angelangt ist. Die Freudigkeits- und Kraftvorräte, die aus der vorjährigen Sonnenzelt stammen, sind aufgezehrt, neue noch nicht erworben. Lemurische Fledermäuse geistern in irgendeinem staubig gewordenen Spinnwebwinkel unseres Inneren; irgendwo, so will es uns bedünken, ist etwas eingerostet, obwohl wir doch so fleißig geschmiert haben mit allerlei heilsamen Getränken, guten Vorsätzen, morgendlichen Kpiebeugen und moralstärkenden Abreihkalendersprüchen. * Das Herz regt sich ungeduldig im Brustkorb. Versteht du dich noch auf seine Sprache? Tu ihm den Willen und geh auf Reisen, und sei es selbst für zwei Meilen oder zwei Tage; das Herz-rechnet ja nicht, und Rekordziffern machen ihm keinen Eindruck. Alle deine Tüchtigkeit lasse getrost zu Hause; denn dein Herz weiß ja nichts von deinen Tüchtigkeiten, es ist kindlich und möchte glücklich sein. Jede Leistung gedeiht nur auf dem Boden der Selbstbeschränkung, ja, der Entsagung. Wer etwas vor sich bringen will, wird sich ständig zu verschließen haben, wird seine Organe abdichten müssen gegen zahllose Eindrücke, Lockungen, Freundlichkeiten des Daseins. Auf Reisen, dem gewohnten Zustande entrissen, als einzigem Führer dem Herzen unterstellt, schließen wir uns auf, werden ein often- stehendes Gesäß: mag die Fülle der Welt einströmen! * Diese Fülle der Welt inkarniert sich tn jedem Ort unseres Reiseweges, denn es ist ja selbst im kleinsten Stückchen ein Abbild des Ganzen beschlossen, wie sich in der elendesten Glasscherbe tausendfach alles Licht der Schöpfung zu brechen Lauert nicht an jeder Straßenkreuzung für alle Menschen eine große Geiahr ? Jeder kennt sie — jeder fürchtet sie! Klares Sehen schützt Dich vor Unfall. Sprechen Sie wegen einer .guten Brille“ mit Geller dem Optiker am Bahnhof Lieferant auch Ihrer Krankenkasse -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------1------------------------------------------------------------------------- vermag. Auch Hümpelburg macht da keine Ausnahme, — übrigens wird man Hümpelburg in keinem der gebräuchlichen Atlanten finden. Der Römer Junius Juvenalis, ein nicht ganz unerheblicher Dichter, bemerkt in einer feiner Satiren, das Betrachten einer einzigen Familie genüge, um einen die Art des Menschengeschlechts erkennen zu lassen. Auf eine ähnliche Weise wird Hümpelburg dem geöffneten Auges und geöffneten Herzens Reisenden allerlei Weltzusammenhänge erschließen können. Er wandelt durch holprige Gassen, sitzt unter den Linden des Bürgergartens, stöbert im Lokalblätt- chey, besucht die Severini-Kirche, nimmt zuschauend am Festzug der Schützengilde teil und Hßt sich erzählen, warum Hümpelburg gewerblich von dem benachbarten Zotzenbach überflügelt werden mußte und wieso das Stadtschloß nach dem Erlöschen der kurfürstlichen Nebenlinie zum Bischofspalais oder Rathaus umgewandelt wurde; kurz, unvermerkt sieht er sich mitten hineingestellt in das Leben einer Landschaft und jener zwei großen Mächte, aus denen eine Landschaft sich formt: Natur und Geschichte. * All solchen Dingen stehen wir plötzlich offen. Denn alles ist ja anders als zu Haufe,, und jede Abweichung vorn Gewohnten kann zu einem herzstärkenden Abenteuerchen werden. Plötzlich darf man Dinge tun, die einem daheim verboten waren. Ich ertappte einen hohen preußischen Justizbeamten dabei, wie- er sich auf dem Hümpelburger Wocheik- markt für zehn Pfennige Lakritzen kaufte und dabei so selig und selbstvergessen lächelte wie ein kleiner Junge, der hinter die Schule gelaufen ist.. Und in Umpelborgo am Gardasee sah ich einen Universitätsprofessor kinderglücklich mit einer jungen Katze spielen; ich entfernte mich eifrig, um diesem ernsthaften Gelehrten, vor dem daheim die Assistenten und Prüflinge zitterten, die Beschämung -zu ersparen. Ich weiß nicht, warum, aber zu Hause muß man an bestimmten Tagen Kalbsnierenbraten oder Schellfisch mit Senfsauce essen, das sind ewige, eherne, große Gesetze, deren Eingriff sich offenbar keine Menschenexistenz zu entziehen vermag. Aber siehe da, in Hümpelburg ober in Umpelborgo sind mit anderen Gesetzen auch diese gnadenooll aufgehoben. — „Aus Reisen bestelle ich immer zweimal hintereinander Bouillon mit Ei und bann gleich Gefrorenes", gestand mir eine Bekannte. Und welch ein Füllhorn der Erlebnis, Füllhorn der Ueber- raschung können die Speisekarten fremder Orte über uns ausschütten! Auf einer schwäbischen Speisekarte las ich „Gaisburger Marsch", und schon stürzte ich mich mit der Bestellung mitten ins Abenteuer. Das Ergebnis verrate ich nicht; es genüge die Andeutung, daß es sich nicht um eine militärische Tischmusik, sondern tatsächlich um eine Eßbarkeit handelte. * Man wird einwenden, solche Dinge seien belanglos, und das sind sie> wohl auch in den Augen der Tüchtigen, der hohen Justizbeamten und der strengen Examinatoren (solange diese noch nicht in Hümpel- bürg ober Umpelborgo ihre Verwandlung erfahren haben). Mr aber unb einigen anderen Narren meiner Art wirb man schon erlauben, diese Dinge symbolisch und somit überaus wichtig zu nehmen. Sie gehören zur Kur. Und jede Reise ist eine Badekur des Herzens, Trinkkur am unversieglichsten aller Quellbrunnen: an der Schöpfung selbst in all chrer Farbigkeit und Fülle. Siam -en Siamesen. Don un|eiem Wst.-Sonderfierichierstufter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Bangkok, Mai 1938. Asien ist ein gewaltiger Erdteil, und auf der Karte ist Siam nur ein kleines Land. Es hat eine Flächenausdehnung von der Größe Frankreichs und nur 13 Millionen Einwohner. Allein es besitzt eine ElLenschaft, die in jenen fernen Gegenden des Ostens selten ist: Siam ist, abgesehen von Japan, der einzige Staat, der sich seine Souveränität bewahrt hat. Daß das Volk der Thai, wie sich die Siamesen selber nennen, und was nichts anderes als „die Freien" bedeutet, ein Recht daraus hat, ein selbständiges politisches Dasein zu führen, weil es eine felbständige höchst eigenartige und interessante Kultur besitzt, würde im 19. Jahrhundert, in welchem sich das politische Schicksal Asiens, unter dem Einfluß der imperialistischen Kräfte der europäischen Mächte entschied, noch nichts besagen. Tatsächlich verdünkt Siam die Er- Haltung seiner Unabhängikeit der Mißgunst der englischen und franz ö- .sischen Rivalen, denen cs zwar gelang, die siamesischen Grenzen von allen Seiten her zu beschneiden, ohne daß man sich darüber schlüssig werden konnte, wem schließlich das fruchtbareTal des Menam endgültig zufallen sollte. Eine unendliche zum Teil recht gründliche, zum größeren jedoch abenteuerliche Literatur beschäftigt sich heute mit den pazifischen Problemen. Sie findet Nahrung nicht nur in dem bunten Gemisch der Völker, die das asiatische Festland bewohnen, sondern vor allem in der Tatsache, daß sie sich, ein jedes auf seine Weise, mit dem Eindringen westlich-amerikanischen Geistes auseinandersetzen müssen. Allein diese Vorgänge kultureller Wandlung, seelischer Entwicklung, geistiger Umbildung liegen gewöhnlich auf Ebenen, die nicht ohne weiteres jedem zugänglich und interessant sind. Sehr viel einfacher ist es deshalb, die Dinge machtpolitisch und allenfalls wirtschaftspolitisch zu sehen, die chinesischen Millionen als Käufermasse zu werten, die Japaner als Hersteller billiger Waren zu charakterisieren und daran dann Spekulationen über die kommenden Auseinandersetzungen im pazifischen Raum zu knüpfen. Betrachtungen solcher Art können unter zwei Ge? sichtspunkten erfolgen: dem historischen, Der mit Jahrzehnten und Jahrhunderten rechnet, und dem p o l i t i s ch e n , der sich darauf beschränkt, das sich bietende Kaleidoskopbild für heute, für morgen und vielleicht die nächsten Jahre zu deuten. Fast in jedem Gespräch ist es üblich, diese beiden Ausgangspunkte fortwährend gegeneinander zu, verschieben, woraus sich dann ergibt, daß die Partner aneinander vorbeireden. Beschränken wir uns auf eine politische Deutung unter Verzicht auf historische Perspektiven, so vereinfacht sich das Problem des Pazifik außerördentlich. Gegenwärtig gibt es nur eine Macht, von der die Bewegung im Fernen Osten abhängig ist und das ist Japan. Alle übrigen scheinen auf dem Rückzug oder in Verteidigungsstellung. Dies gilt sogar, wenn auch gewiß nur sehr zeitweilig und vorübergehend, für den Bolschewismus und den Sowjetstaat, der grundsätzlich jeder Kultur, der östlichen wie der westlichen, gleich gefährlich ist. Geschichte und Politik als verschiedene Zeitkategorien berühren sich hier allerdings am nächsten. Es kann nicht Wunder nehmen, daß unter solchen Verhältnissen Siam von politischen Spekulanten gern eine Rolle zugemutet wird, die auf die aktuelle politische Bühne führt. Westlichen Ohren und Gedanken scheint die Losung „Asien den Asiaten" eine . japanische Erfindung insbesondere angesichts des großartigen politischen Aufstiegs Japans zur Großmacht im Verlauf nur eines halben Jahrhunderts nicht nur als Drohung, sondern fast schon als Schicksal. Allein so dumm, wie etwa die bolschewistische Kolonialpropaganda die „imperialistischen Mächte" hinzustellen beliebt, sind diese, soweit sie in Asien territoriale Rechte besitzen und asiatische Völker beherrschen, keineswegs. Eine geschlossene asiatische Front gegen die Fremden aus Europa und Amerika gibt es ebenso wenig, wie eine Front der Letzteren gegen Asien. Ob angesichts der kulturellen, religösen und rassischen Verschiedenheiten der asiatischen Bewohner jenes „Asien den Asiaten" überhaupt jemals, auch in weitester historischer Perspektive politische Bedeutung erlangen 'kann, erscheint ebenso zweifelhaft, wie der reale Inhalt des berüchtigten Worts von der gelben Gefahr. Die blutigen Kämpfe zwischen Japanern und Chinesen demonstrieren zur Genüge, daß das heutige China jedenfalls nicht ohne weiteres bereit ist, sich von den asiatischen Brüdern erlösen zu lassen. Nicht minder kennzeichnend aber für den Zustand der asiatischen Politik, auch über die Tagesprobleme hinaus, ist das Bild, das sich aus Siams außenpolitischer Haltung ergibt. Den jungen (38jährigen) siamesischen A u - ßenminister ßuang Pradist Manudharm traf ich in einem Augenblick in Bangkok im rosenroten Palais des Auswärtigen Ministeriums, der sicherlich für die Geschichte Siams ein Wendepunkt war. In feinem Dämmrigen, von elektrischen Fächern ge- kühlten Arbeitszimmer verabschiedeten wir uns, um uns wenige Minuten später in einer zum Garten sich öffnenden langgestreckten Festhalle wieder zu begegnen, wo ich Zeuge einer diplomatischen Handlung sein durfte, deren Schlichtheit fast ernüchternd wirkte, ßuang Pradist hatte mich aufgefordert, dem Austausch Der Ratifikationsurkunden des Freundschafts- und Handelsverträge s. zwischen ihm und dem Deutschen Gesandten beizuwohnen. In Gegenwart einiger hohen Beamten setzten sich Minister und Gesandter an einen kleinen Tisch, wechselten die Unterschriften und einige glück- wünschende Worte, tränten ein Glas Sekt mit dem kleinen Kreis der Zeugen und schüttelten sich zum Abschied Die Hände. In gleicher Weise war wenige Tage zuvor die Ratifikation des neuen englisch- siamesischen Vertrages erfolgt, und nicht anders wird das Bild fein, wenn Die übrigen Mächte an Die Reihe kommen. Siam hat mit diesen neuen Handels- und Freundschaftsverträgen die letzten Reste solcher zwischenstaatlicher Vertragsbestimmungen beseitigt, die seine Souveränität einschränkten. Es hat erreicht, daß es unter Gewährung der Meistbegünstigung für Den Handelsverkehr volle Zollhoheit gewann und daß ausländische Personen ausschließlich Der siamesischen Gerichtsbarkeit unterstehen. Als Siam in einem Streit mit *Dem englischen Naphtha-Konzessionsnehmer vor einigen Jahren obsiegte, wurde dieses Ereignis als nationaler Feiertag begangen. Die Zeitungen in Bangkok beschränkten sich auf würdige, zurückhaltende Kommentare. Die amtliche Verlautbarung verzichtete auf jede Phrase. Der Dienst, den ßuang Pradist mit Der geschickten Durchführung der schwierigen Verhandlung über diese neuen Verträge feinem ßanbe erwiesen hat, ist sicher nicht gering. Der.kluge Verzicht auf propaganDistische Auswertung erhöht seine Bedeutung eher als daß er ihm Abbruch tut. Ringsum eingeschlossen von englischem und französischem Kolonialgebiet, soweit nicht der Golf von Siam, an dem es feinen einzigen leistungsfähigen Hafen gibt, eine natürliche Grenze des Gebiets dar- ftellt, bleibt dem Lande scheinbar keine andere Wahl, als eine Außenpolitik der strikten Neutrali- t ä t. Nicht allein die natürlichen Reichtümer des Landes, feiner keineswegs ausgefchöpften Möglichkeiten auf agrarischem Gebiet und feine kaum erforschten, aber sicherlich in reichem Maße vorhandenen Bodenschätze, machen es'aber zu einer umworbenen Schönen. Die langgestreckte malaiische Halbinsel, der Damm zwischen Indischem und Pazifischem Ozean, ist an seiner engsten Stelle siamesischer Besitz, und Der sthmus von Kra h", der mit japanischer Kapitalhilfe von einem Kanal durchstochen werden soll, spukt als Schreckgespenst in den Köpfen aller Ostasienpropheten.' Es kann versichert werden, daß dieser Kanal nicht nur nicht gebaut wird, sondern daß Siam in der begründeten Besorgnis, fein heute erreichtes Maß von Unabhängigkeit einzubüßen, nicht den geringsten Ehrgeiz hat, zwischen die Mühlsteine Der großen Politik zu geraten. Sein Mißtrauen richtet sich deshalb gegen England und Japan zugleich. Die Engländer haben aus alten Zeiten die wirtschaftliche Vorherrschaft durch den Besitz von Zinn- und Teakholz- konzessionen, vor allem aber dadurch, daß fast der gesamte Außenhandel überenglischeHäfen — Singapur, Penang, Hongkong — läuft. Siam wünschte es, daß — Da es an heimischem Kapital fehlt — neutrale auslänDische Interessenten sich Der wirtschaftlichen Erschließung Des Landes annehmen würden. So gründlich hat sich das feit 1905, wo die letzten französischen Truppen siamesischen Boden verließen, geändert, daß heute die Nachbarn Siams an der Aufrechterhaltung einer souveränen Neutralität des Landes brennend interessiert sind, und Dafür ZugestänDnisse machen. Von ihnen hat man nichts zu fürchten, von Den Japanern aber deshalb auch nichts zu gewinnen. Nach der unblutigen Revolution von 1932, die das absolute Königreich in ein konstitutionelles verwandelte, durchzieht ein mächtiger moderner Auftrieb das Land, das feine Zukunft in einer im Tempo gebändigten organischen Entwicklung erblickt. „Siam Den Siamesen" ist ein reales FrieDenspro- g r a m m , zu Dem Die gehörige Ausgestaltung einer schon heute beachtlich modernen Armee und Flotte gehört. Ein glücklicher Umstand ist, daß Deutschland unD^ie Deutschen unter den heutigen Führern eine ganze Anzahl warmer Freunde besitzen. Siam verdient mit einem auf gründliche Kenntnis seiner Verhältnisse gegründeten Interesse Sympathie auf seinem sicheren Weg in die Zukunft. Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil. Briefe von einer Afrika-Reise. Don Or. Paul Rohrbach. XL Gold und Schnee im Kongohochland. Butembo, April 1938. Unzählige Male haben wir uns in diesen Tagen die Frage wiederholt: Ob wir wohl den Ruwen- z o r i erblicken werden! Der Ruwenzori ist mit 5100 Meter der z w e i t h ö ch sie B e r g A f r i k a s. Ilm diese Jahreszeit ist er aber selten zu sehen, weil dichte Wolkenmassen auf ihm liegen. Die nordöstliche Ecke des Belgischen Kongostaats ist ausgesprochenes Hochland, ganz im Gegensatz zu der weiten Tieflandsmulde, in Der sich Die Gewässer des Kongo- stropres sammeln. Dort ist alles Urwald, hier dagegen offenes Grasland; dichter grüner Graswuchs überzieht Das Gebirge bis hinauf zünden höchsten Kämmen und Gipfeln, Die 3000 Meter erreichen. Wir mußten einige Taae Station in Bunia machen, einem merkwürdigen Ort, Dem nachgesagt wird, daß er in doppeltem Sinn von den nahegelegenen Goldminen von Kilo-Moto existiere — einmal durch den legalen Verkehr nach dem benachbarten Minengebiet und durch Die dorthin ab» gesetzten Waren, das andre Mal durch Den illegitimen Ankauf von in Den Minen gestohlenem Gold. Ein Besuch in Nizi, dem Zentrum Der Minenregion, 50 Kilometer von Bunia, war für uns interessant, obwohl Die eigentlichen Arbeitsstellen nicht besichtigt werben Durften. Wer an Die Selbstverständlichkeit gewöhnt ist, mit Der große und kleine englische und amerikanische Minenbetriebe fremden Besuchern gezeigt werden, wundert sich etwas, daß eine afrikanische Bergwerks-Direktion von solcher Bedeutung nicht die Vollmacht besitzt, ohne besondere, von Fall au Fall zu erteilende Erlaubnis aus Brüssel, Besuchern von Distinktion einen Blick auf die Wasch- und Stampfbetriebe zu gestatten. Aber das Bedauern des Direktors war in so verbindliche Formen gekleidet, daß wir nur mit derselben Verbindlichkeit seine mangelnde Derfügungsfreiheit anerkennen konnten. Die gegenwärtige jährliche Goldproduktion Der Minen — zwei Drittel des Goldes werden übrigens durch Auswaschen goldführender Flußalluvien gewonnen — beträgt gegen 8000 Kilogramm. Seit dem Beginn Der Ausbeute sind etwa 100 000 Kilogramm Gold aus dem Gebiet von Kilo- Moto herausgeholt worden. Zur Zeit beträgt Der Goldpreis 33 000 belgische Franken — 2800 Mark für das Kilogramm. Eine Rundfahrt durch einen Teil Des weitaus gedehnten Produktionsgebietes wurde ohne weiteres genehmigt. Der äußere Anblick eines großen Waschbetriebes oder einer Konzentrationsanlage erschien uns nicht so merkwürdig wie der Berg Tsi: ein steiler Felskegel, dessen treppenförmig abgehacktes Profil auf die Massen goldführenden Gesteins schließen läßt, die hier schon entfernt worden sind. Das Gestein am Dsi enthält auf die Tonne nur 0,5 Gramm Gold, es ist bei weitem das ärrnfte Golderz, das überhaupt auf Der Welt verarbeitet wird. Die Arbeitskräfte find aber so billig und Der Tagebau ist so einfach, daß Die Produktionskosten mit etwa 20 Franken je Gramm immer noch erheblich niedriger sind als Der Verkaufspreis von 33 Franken. Andere Fundstellen im Kilo-Moto-Gebiet sind viel reicher; es kommen einzelne Nester mit einem Goldgehalt bis zu 100 Gramm auf die Tonne Gestein vor. Die bisher festgestellten Reserven sollen, für acht Betriebsjahre reichen, doch werden dauernd neue goldführende Alluvien und „silons" (Erzgänge) gefunden. Die Arbeiterzahl wurde uns mit 30 000 angegeben, und da die Gegend nur schwach bevölkert ist, so werden fortgesetzt große Anwerbungen im dichtbevölkerten Ruanda-Urundi gemacht, das Belgien in Versailles aus Der deutfch - ost, afrikanischen Beute zugesprochen erhielt Der belgische Staat ist mit 50 Prozent am Gewinn von Kilo-Moto beteiligt; auch die königliche Schatulle soll ein dickes Aktienpaket besitzen. In Der Hoffnung, Den Ruwenzori zu erblicken, haben wir auch eine Fahrt über Das hohe Randgebirge auf Der Westseite des zentralafrikanischen Grabens hinunter zum Alberts ex gemacht Durch das Nordende Des Albertsees fließt bet W.eiß e Nil, und es heißt, England unD.SIegpgs ten wollen Dort gemeinschaftlich einen Riesew» Steinhäger •Urquell würzig mild - mit dem bekannten Schinkenbild! Damm errichten, um den See aufzustauen und die Wasserführung des Nils während Der Trockenzeit zu verstärken. Wir hatten aber weDer von Der glühend heißen Grabensohle am Seeufer, noch von der über 1000 Meter höher gelegenen Paßhöhe einen Blick auf Den ersehnten Bergriesen, der histter einem schweren Dunstschleier verborgen blieb. Dann fuhren wir von Bunia ab mit der tröstlichen Auskunft: Sie werden ein gutes Mittagessen im Hotel Ruwenzori in Beni finden und, weil es geregnet hat, vielleicht auch Den Berg sehen! Wir erreichten Beni, Das, Essen war nicht schlecht, das Hotel ganz auf den Touristenverkehr eingerichtet, Der Dem berühmten Ruwenzori von Diesem Punkt aus gilt — aber tiefdunkles Regenaewölk reichte bis zum Fuß des Berges herab und ließ keine Spur feiner Umriffe erkennen. Resigniert stiegen wir wieder in unfern Wagen und suchten uns mit Der schönen Gebirgslandschaft zu trösten, die wir von Beni an Durchfuhren und die nun auch wieder üppigen Wald trug. Charakteristisch für diese tropischen Mittelgebirge ist, daß man nur selten Fels sieht; eine tiefgründige Perwitterungsdecke von rotem Lateritlehm stumpft alle Formen ab und bildet einen fruchtbaren Vegetationsboden. Es war schon hart am Sonnenuntergang, als wir, kaum daß unser Wagen vor dem „Butembo-Guest- House" hielt, ungeduldig heraussprangen und über den Rasenplatz zu der von lauter Engländern bevölkerten Terrasse liefen, die den Ruwenzori- Blick bieten sollte. Und wirklich! Der mächtige Schneeberg hatte sein Wolkenkleid abgeworfen, die Schneefelder unterhalb der höchsten Gipfel waren Das Glück ist mit den Ansängern. Erzählung von Peter Mattheus. Die Nutzholzhandlung Busack & Sohn besaß sine Schneidemühle in. Grafenberg in Mecklenburg. Und es war üblich. Daß jeder Lehrling Der Firma für mindestens Drei Monate dorthin kam, um Den Außendienst zu erlernen. Diesmal war Erwin Boll an Der Reihe. Er war nicht ganz siebzehn Jahre alt, hatte ein Jahr Lehrzeit hinter sich und war in bezug auf Holz völlig ahnungslos. Er konnte Briefe kopieren und regi- ' ftrieren. Er konnte Gänge erledigen, eilige Tele- phonverbindungen machen und kleine Rechnungen schreiben. Er konnte auf Anhieb und aus Dem Schlaf heraus sagen, was ein Ausländsbrief, eingeschrieben, zweiunddreißig Gramm schwer, an Porto kostete. Mit Luftpostzuschlag und ohne Luftpostzuschlag. Aber von Holz hatte er keine Ahnung. Diese Kenntnisse sollte ihm Herr Knorre beibringen. Herr Knorre war Verwalter und geschäftlicher Leiter Der Mühle. Er war ein untersetzter, breitschultriger Mann mit einer erstaunlichen Stimme und einem Temperament wie Schießpulver. Das Temperament war ihm angeboren. Die Stimme hingegen hatte er selber ausgebildet. Wenn Herr Knorre draußen auf Dem sehr großen Holzplatz stand und einer Arbeiterkolonne in einer entfernten Ecke einen Auftrag gab, wimmerten in Grafenberg jenseits des Sees Die Kirchenglocken. Luftlinie anderthalb Kilometer. Und wenn Herr Knorre gereizt war — er war leicht gereizt —, triffelte sich außerdem Das Wasser des Sees. Sonst war er eine Seele von Mensch. So oft er auch im geschäftlichen Leben über Die Begriffsstutzigkeit Des Lehrlings Boll außer Fassung geriet und heftig explodierte — das Privatleben blieb unberührt davon. Im Privatleben war er ein milder und väterlicher Freund des jungen Boll. Vielleicht zu väterlich in mancher Hinsicht, wie Boll meinte. Dies ist gerade Die Geschichte, Die hier er« zählt werden soll. Als Boll in Grafenberg erschien und das Dachstübchen über Herrn Knorres Wohnung bezog, war es Mitte April. Im Mai, als das Wetter entschieden frühlingshaft wurde, äußerte Herr Knorre eines Mittages bei Tisch: „Am Sonntag nehmen wir das Boot und fahren angeln". Erwin Bolls Gesicht zog sich in die Länge. Er war .ein überzeugter Verehrer des Sonntagmorgen« schlafes. Außerdem war er eine Leseratte und liebte es, seine freie Zeit über Schmökern zu ©erbringen, in Denen Männer unausgesetzt Heldentaten verrichten. Und in beiden Liebhabereien sah er sich bedroht. „Ha —?" machte er peinlich überrascht. „Wie?" „Wir werden angeln fahren am Sonntag", wiederholte Herr Knorre. - , „Aber", wandte Erwin ein, „ich habe noch nie geangelt. Und ich fürchte —" „Unfinn!'' unterbrach ihn Herr Knorre. „Dann werden Sie's eben lernen. Angeln ist sehr gesund. Es berckhigt Die Nerven, und man ist draußen in der frischen Luft." Damit war der Fall erledigt. Es handelte sich offenbar um eine Ueberfchneidung Des geschäftlichen unD privaten Lebens. Erwin wußte nicht recht: sprach Herr Knorre im Augenblick als Vorgesetzter ober als väterlicher Freund. Er wollte es mit beiden nicht verderben. Also schwieg er. Im Laufe Der Woche wuvDe er mit einer Bambusrute ausgeftattet, ferner mit einer aufgespulten Schnur, einem Sortiment von Haken und einer rot angemalten Federpose, Die .'Herr Knorre „Schwimmer" nannte. \ Am Samstagnachmittag gingen sie in Den Garten hinaus unD gruben in einer feuchten Ecke nach Regenwürmern. Sie fanden auch welche. Es schien ein guter Platz für Regenwürmer zu fein, Denn manche waren geraDezu Prachtexemplare ihrer Art. Sehr Dick und sehr lang. Und da Herr Knorre sich nicht gerne bückte, fiel Erwin Die Aufgabe zu, sie aufzusammeln unD in eine Blechbüchse zu tun. Dies brachte ihn Dem Ernst Der Frage näher. Er war schon ziemlich sicher, daß er im Grunde nicht angeln wollte. Immerhin stand er erst am Anfang. An Den Werktagen begann der Dienst um sechs. Erwin pflegte Daher um halb sechs aufzustehen. Herr Knorre weckte ihn, indem er mit einem Stock gegen feine Tür rumpelte. An Diesem Sonntagmorgen rumpelte Herr Knorrs schon um fünf. Erwin versuchte, es zu überhören. Er bohrte Den Kopf in Die Kissen unD blieb liegen. Aber fünf Minuten später rumpelte Herr Knorre von neuem- und rief, wobei seine Stimme mühelos durch Die Tür. drang: „Aufitehen, Sie Faulpelz — Die Fische warten!" Erwin verfluchte die Fische. Er tpt es leise. Laut sagte er: „Jawohl, ich komme!" und, stand auf. Beim Frühstück war er schweigsam und zeigte keinerlei Begeisterung. Herr Knorre schien nichts davon zu merken. Er belud ihn mit Dem Angelzeug, nahm selbst Den Korb mit Dem Mundoorrat und trieb ihn zum Boot hinunter. Sie ruderten los. Das heißt: Erwin ruderte. Herr Knorr saß im Heck unD machte auf verschiedene Fehler aufmerksam: „Nicht so tief eintauchenl" rief er. „Lange Schläge! Mehr durchziehen!" Wenn Herr Knorre selber ruderte, trieb er Das Boot nach Art Der -HelgolänDer Fischer vorwärts — mit kurzen, ruckweisen Schlägen, die Blätter ziemlich tief eingetaucht. Aber es war nicht Die klassische 2Iri zu ruDern. Wenn andere ruderten, war Herr Knorre für Die klassische Art. Grasenberg liegt inmitten Der mecklenburgischen Seenplatte. Sie kamen durch Den Kalksee, durch den Mürrensee und durch den Pfahlsee. Dann ruderten sie in Den Pötzensee hinein. „Wenn es noch lange Dauert, sind wir in Der Ostsee", dachte Erwin. So weit kamen sie jeDoch nicht. In einem Seitenarm Des Pötzensees, in einer schilfbewachsenen Enge, gab Herr Knorre Das Kom- manDo, die Ruder einzuziehen. Er und Erwin nahmen langen Stangen zur Hand, um sie in Den Grund zu bohren und Bug und Heck des Bootes Daran festzubinden. Erwins Stange faßte nicht im Schlick, sonDern „schnellte wie ein Pfeil an Die Oberfläche. Herr Knorre explodierte. Dann Drückte die Strömung das Boot herum und riß auch Herrn Knorres Stange los. Herr Knorre explodierte abermals. Er äußerte sich, bis das Boot fest war, sehr abfällig über Erwins maritime Fähigkeiten. Die Frage, ob Fische hören können oder nicht, ist noch umstritten. Offenbar hören sie mindestens nicht gut. Denn es zeigte sich später, daß nicht alle Fische die Flucht ergriffen hatten. Einige waren noch Da. Es kam der schreckliche Augenblick, da Erwin einen Wurm auf den Haken stecken mußte. Er tat es, fast ohne hinzusehen, und schleuderte Haken und Wurm weit auf das Wasser hinaus. „Zu flach!" schrie Herr Knorre. „Sie haben viel zu flach eingeftellt. Sie müssen tiefer stellen!" UnD gleich Darauf: „Mensch — ziehen Sie! Ziehen Sie Doch!" Erwin starrte verblüfft auf Das Wasser. Wo war Der Schwimmer? Der Schwimmer war nicht Da. Statt Dessen war Die Schnur plötzlich straff. Er zog und holte, fassungslos vor Staunen, einen ausgewachsenen Barsch ins Boot. „Ein Sauglück!" brummte Herr Knorre. „Na ja — Die Anfänger!" . Es Dauerte einige Zeit, bis Erwin feinen Haken frei und neu besteckt hatte. Er warf die Angel wieder aus. Wenige Minuten später tauchten beide Schwimmer blitzschnell unter. Bei Herrn Knorre war der Köder abgefressen. Erwin holte einen Barsch ins Boot. „Der Deubel!" sagte Herr Knorre. So ungefähr ging es weiter. Gegen Mittag war das Verhältnis neun zu vier. Herr Knorre würzte das Essen aus Dem Korb mit Hinweisen auf Die Blindheit Fortunas, auf Die sprichwörtlichen dicken Kartoffeln und Den Geistes- zustand gewisser Leute. Erwin lächelte freundlich. Dann angelten sie weiter. Als sie abends Schluß machten, hatte Erwin fünfzehn Fische im Netz, Herr Knorre acht. Erwin Durfte wieder rudern. Herr Knorre saß im Heck unD war schweigsam. Es schien jedoch nicht der Abendfrieden zu fein, Der ihn schweigsam machte. Zu Hause >mach Dem Abendbrot sagte er ziemlich brummig „Gute Nacht" und zog sich zurück. Die ganze folgende Woche wurde vom Angeln nicht gesprochen. Am nächsten Sonntag, als Erwin gegen zehn zum Frühstück erschien, war Herr Knorre fort und das Boot auch. Erwin verbrachte den Tag faul in der Sonne über einem dickleibigen Schmöker. Er war recht glücklich. Gegen Abend kehrte Herr Knorre zurück. Ec ruderte selbst — nach Art der Helgoländer Fischer — und schwenkte triumphierend ein Netz mit Fischen. „Na —?" rief er, während er Das Boot an Land zog. „Da können Sie sehen, was es heißt, kunstgerecht zu angeln!" „Hm", machte Erwin. „Wann fahren wir mal wieder, zusammen?" „Wir?" fragte Herr Knorre mit einem. langen Blick. „Zusammen? Ueberhaupt nicht! Menschens- kind — Sie haben Dach keine Ahnung vom Angeln!' Heber Sie muß ich mich doch unausgesetzt ärgern! Bleiben Sie man hübsch zu Hause und lesen Sie Ihre Schwarten!" Und Das tat Erwin Dann auch. Später überwand sich Herr Knorre so weit, daß er ihn gelegentlich wieder mitnahm. Aber nur zum Rudern. Ec angelte, und Erwin las, wenn sie an ihrem Platz angelangt waren. Nicht anders! Es war eine friedliche und angenehme Lösung für beide Teile. ©er türkische Schachspieler. Ende Des 18. JahrhunDerts zog ein Kammerrat aus Wien, Wolfgang von Kempeln, mit feinem Automatenkabinett dvrch Die Welt. Der Clou' Der Veranstaltung war ein Türke aus purem Blech, Der als Der beste Schachspieler weit und breit bekannt war. Kempeln war ohne Zweifel ein äußerst geschickter Mechaniker unD ein trefflicher Automatenbauer. Er zog mit seinem schachspielenDen Türken: unD feiner sprechenDen Puppe von LanD zu. Land. Eine Dampfmaschine, die er erfand, flog ihm in Die Luft, und Die Sache mit Dem Türken flog auch auf- Denn Der Kammerrat hatte nur einen fadjierteit Apparat gebaut, keinen wirklichen. Im Innern Der Maschinerie saß ein Zwerg, der als Schachspieler ein Genie war. Er hat später das Geheimnis ver* raten. °°n lg»D, IM S?Ä gm»"tbie Ä" B ;n'^«>Ss V’1 teid-er : Än "«• r len.fur ach. me Sern? neue golk ^zgnnge) »L wofin. 9 bevölkert ? »*ngen ? V 9em’h Ji dem Abendbret Ä «* murbe vom Angel" wuroe 6rttin Sonntag, °ls L-s Snorre r«nt -« *$«■! °h--»d « ‘’ 5 H-» sehen, was e- mn !-»«" * 4 für * a«8 f A'Z S%5"^ \ in der klaren Luft auf 50 Kilometer Entfernung deutlich sichtbar, und die Kammlinie der steil aufragenden Margaretenspitze wurde gerade noch von den letzten Lichtstrahlen getroffen! Fast noch bewegender war der Anblick unmittelbar vor Sonnenaufgang. Das Weiß des Schnees schimmerte bläulich-fahl, die uns zugekehrte Westseite des Massivs jag im Schatten, doch ließen sich mit dem Glas genug Einzelheiten erkennen und scharf, wie mit dem Messer geschnitten, stand die lange, zackige Kontur gegen den Morgenhimmel! Wir waren dankbar und alücklich, dies selten schöne Schauspiel doch noch erlebt Zu haben, lieber den Rücken des Ruwenzori Geschichten a Na-chdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Wunderliche Gäste. K. Neiiyork. Der Leiter des Dienstes in einem großen amerikanischen Hotel ist der Aufforderung eines Neu- yorker Blattes gefolgt, seine Erinnerungen zu veröffentlichen, Und es ist nur natürlich, daß er wirklich eine Menge seltsamer Dinge zu erzählen hat. An einem solchen Chef vom Dienst ziehen die seltsamsten Typen des Menschengeschlechtes vorüber, und er hat genug Gelegenheit, alle möglichen Personen, Berühmtheiten der Politik, Künstler, Schriftsteller, Sonderlinge und auch Hochstapler, in ihrem . Gebaren zu beobachten und sich so eine große Menschenkenntnis zu verschaffen. Er erzählt nun, was alles in einem großen Hotel von den Gästen verlangt wird. So war ein Gast, der einen Streichhölzerhandel hatte, von der fixen Idee besessen, daß ein Brand im Hotel ausbrechen könnte, und er verlangte immer ein Zimmer im Erdgeschoß: aber* das genügte ihm zu feiner Sicherheit noch nicht, sondern, wenn er zu Bett ging, legte er ein aufgerolltes Seil so in die Nähe, daß er es sofort ergreifen konnte; was er damit im Erdgeschoß wollte, hat er selber nicht erklären können. Eine reiche Dame verlangte immer, daß die Bedienten, die in ihr Zimmer kamen, weiß gekleidet seien und weiße Handschuhe trügen, als ob sie in einem Operationssaal zu tun hätten: sie hatte eine unüberwindliche Angst vor gefährlichen Mikroben und wollte so wenigstens sicher sein, daß alle, die ihr nahten, in völlig sauberen Gewändern steckten. Noch merkwürdiger war ein Gast, der sofort, wenn er in ein Zimmer kam, einen Kompaß aus seinem Koffer holte und ihn auf eine Kommode legte. Wenn es sich lauft die Grenze zwischen dem öelgischen und dem englischen Besitz. Hier in unserm Hotel ist der ganze Zuschnitt schon englisch, da viele englische Touristen vom oberen Nilgebiet herüberkommen. Unsympathisch waren uns wiederholte, leichte Versuche zur Uebervorteilung durch die betriebsleitende Dame. Indes, sie seien ihr nicht weiter nachgetragen. Sie sind bald vergessen, der Anblick des majestätischen Gebirgsriesen in der Purpurglut der Abendsonne wie im geisterhaft fahlen Schimmer des onbrechenden Tages wird für immer unvergeßlich bleiben. US aller Well. dann ergab, daß das Bett im Zimmer mit dem Kopfende nicht genau nach Norden, gerichtet war, so erklärte er, daß er unter solchen Umständen kein Auge in der Nacht schließen könnte, und er ruhte nicht eher, als bis das Bett, gleichviel roi-c das Zimmer sonst gelagert mar; genau nach Norden ausgerichtet wurde. Witze statt Morgengymnastik. (Th) Baltimore. „Der Zweck der Morgengymnastik",^erklärte kürzlich der Direktor des Rundfunksenders von Baltimore, „besteht darin, den Körper geschmeidig zu machen. Wer aber macht den Geist lebendig? Niemand! Deshalb wird vorübergehend unsere Morgengymnastik durch zehn Minuten Witze ergänzt!" Sprach's, verpflichtete die besten Komiker der Stadt — und nun bringt der Sender täglich frühmorgens zehn Minuten Witze, die garantiert keinen Bart haben. 'Zahlreiche Hörer schreiben nun begeisterte Briefe, aus denen hervorgeht, daß es in ganz Baltimore keinen' Radiobesitzer mehr gibt, der Langschläfer sei. Die Hörer versichern, daß sie jetzt ihre' Arbeit stets in ausgezeichneter Laune beginnen. Biele fügen hinzu, daß sie jetzt vor Vergnügen Rumpf- und Kniebeugen machen, ohne daß eine Stimme aus dem Mikrophon sie dazu aufforderte. Kleine Kuriositätensammlung. . (—) London. In einem Londoner Restaurant wurde ein großes Schild mit folgendem Te^t angebracht: „Unsere Löffel sind feine Medizin' und sollen nicht nach der Mahlzeit „genommen" werden!" In einem Spielzeugkatalog einer englischen Firma las man: „Dieses Baby ist naturecht, ganz lebensähnkich, aus solidem Gummi überall. Es trinkt aus der Flasche und macht sogar die Höschen naß, die nach jeder Mahlzeit natürlich gewechselt werden müssen." Aus dem Briefkasten einer Londoner Wochenzeitung: „Ich bin ein sehr scheuer und zurückgezogener junger Mann, der nie einen Erfolg in einer Gesellschaft hat. Ich kenne aber einen Herrn, der größten Erfolg bei allen Mädchen deshalb hat, weil er mit den Ohren wackeln kann. Wieso kann er es? Können Sie mir einen anderen Trick sagen, der mir in Gesellschaft zum gleichen Erfolg verhilft. — Brief aus dem Publikum in einer Glasgower Abendzeitung: „Handelt es sich hier um Zufall oder um einen ^chicksalsschlag? Ich fuhr mit einer Freundin im Auto über die Straße, als wir auf einen alten eisernen Reifen fuhren, der in einem hohen Bogen weggeschleudert wurde, eine Milch- flasche traf, diese einem Jungen an den Kopf warf, so daß der Junge eine dicke Beule und eine Schnittwunde an der Hand davontrug. Als ich nun gestern über die gleiche Straße fuhr, berührte ein Rad des Wagens ein Brett, das einen Halbkreis durch die Luft beschrieb und in ein Schaufenster hineinschlug. Das Schaufenster wurde zertrümmert." Hochzeit im Flugzeug. (ha) Glasgow. Die Trauung in Gretna Green, die nach schottischem Recht erlaubte formlose Eheschließung durch gegenseitige Einverständniserklärung vor Zeugen, ist in England noch immer vom Hauch der Romantik umwittert, wenn auch die Zahl der Fälle, in denen wirklich Kinder gegen den Willen ihrer Eltern aus England über die schottische Grenze flüchten, um sich in der berühmten Schmiede von Gretna Green ohne die sonst erforderliche Zustimmung der Eltern oder des Vormunds trauen lassen, immer mehr abnimmt. Meist ist es eben der Hang zur Romantik, der junge Liebespaare dazu veranlaßt, hier in der berühmten Schmiede sich traueh zu lassen, und gewöhnlich wird auch die „normale" Eheschließung in aller gesetzlichen Form noch nachgeholt. Eine Mischung aus solcher Romantik und des Tempos der heutigen Zeit ist eine merkwürdige Hochzeit, die dieser Tage in Glasgow — nein, über Glasgow stattgefunden hat. Ein Liebespärchen mietete sich in England ein Flugzeug und reichte sich bann über Glasgow, also im Geltungsbereich des schottischen Rechts, die Hände zuni Bunde für das Leben. Da die erforderlichen beugen an Bord des Fluazeugs waren, ist die Ehe, die im Himmel (hoffentlich sogar im siebenten!) geschlossen wurde, rechtsgültig geworden. Roman einer Ehe. C. K. Mailand. Nach 23 Jahren der Trennung hat ein italienischer Arbeiter, Egidio Tartara, Der in der Stadt North Bergen in New Jersey (USA.) wohnte, seine Ehefrau roiebergefunben und sich zum zweiten Male mit ihr verheiratet. Damit hat einer der vielen seltsamen Ehervmane, die, der Weltkriea zur Folge gehabt hat, seinen glücklichen Abschluß gefunden. Tartara hatte seine Frau Maddalena im Jahre 1914 geheiratet. Ein Jahr später ging Tartara nach Italien zurück, um Soldat zu werden, und er nahm am Kriege an der Front teil. Eine Zeitlang konnte er seiner Frau nicht schreiben und auch kein Geld schicken, so daß diese, um Arbeit zu suchen, von North Bergen fortgehen mußte und zwischen den beiden Gatten jede Verbindung unterbrochen wurde. Als der Krieg zu Ende war, kehrte Tartara nach North Bergen zurück, aber hier konnte ihm niemand sagen, wo seine Frau geblieben war. Als alle Nachforschungen veraeblich waren, verließ er in tiefer Niedergeschlagenheit die Stadt, in der er glücklich gewesen war, und schiffte sich auf einem Dampfer als Koch ein. Die folgenden Jahre verbrachte er mit Reisen durch die ganze Welt, während seine Frau in dürftigsten Verhältnissen bei einer Bauernfamilie lebte. Als sie auch im Jahrs 1933 kein Lebenszeichen,von ihrem Manne erhalten hatte, unternahm sie Schritte, ihre Ehe ungültig erklären zu lassen, und da der Mann sie vor achtzehn Jahren verlassen hatte, setzte fie es auch durch. Im Januar kehrte Tartara, der seine Frau nie hatte vergessen können, noch, einmal nach North Bergen zurück und stellte von neuem Nachforschungen an. Auf dem Rathaus der Stadt erfuhr er so, daß seine Ehe ungültig erklärt worden war, aber ihm war das Wichtigste, daß er auf diese Weise endlich wußte, wo seine Frau sich jetzt aufhielt. Er eilte sofort zu ihr hin, unb es zeigte sich, daß auch bei ihr bie alte Liebe nicht erloschen war. Das ge- meinscttne Leben wiederaufzunehmen, hatte jedoch ein gesetzliches Hindernis, da die beiden rechtlich nicht mehr Mann und Frau waren. ' Es blieb nichts anderes übrig, als die notwendigen Dokumente herbeizuschaffen, und dieser lagt haben die beiden nach so langer Trennung sich bei demselben Standesamt, bei dem sie im Jahre 1914 zum ersten Male die Ehe geschlossen hatten, sich wieder verheiratet._____________________________________*_________ Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstagnach« mittag geschloffen Kühl, frisch und sauber .. wiD De flti ihrpUDllih »In: IMi feil Drin Itilltt Irlol ...ein guter Griff• der Seisf noch ImH müffm ttbtnsmiNkl und Dorrdtr aufbtwahn werden, um vor Verderb geschützt $u fein. Srifcbt und Sauber» feif bringt (Mi im Hu für wenige Pfennige auch in dir Speise» tmb Vorratskammer, in Eis» oder Sliegcn» schrank, in die vorratsregale unb Einmach» Pur5 überall, wo wertvolles Nah» ■. . .nmgsgul durch blitzende Heinhrik bo * T «L wacht werden muß. Mo iMi wirkt. Schmutz und Unrar weichen! Zentralheizungen, Warmwasserbereitungen Badeeinrichtungen, Be- u. Entwässerungen GeorgEidmann, Gießen Bahnhofstraße 24 - Anruf 2872 534D Das hat auch seinen Grund. Er arbeitet umsichtig und mit Ueberlegung. Er nützt das Wetter richtig aus und hat vor allen Dingen immer ein gutes Gartengerät. Ja, er weiß, worauf es ankommt. Sagt er sich doch: Gutes Werkzeug, / halbe Mühe! So sollten Sie auch denken. Kaufen Sie Ihre Gartengeräte bei J. B. Häuser. 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Die beiden Verfasser der vor kurzem er- schienenen Kommentars zum Reichsnaturschuhgesetz haben hier auf Grund ihrer langjährigen Erfahrungen und ihres weitgehenden Einblicks in das Werden der neuen Naturschuhverordnung, die nun für das ganze Reich gilt, die Verordnung und alle dazu- gehörigen bisher erschienenen Ergänzungs- beftimmungen nach juristischen, verwaltungstechnischen, wissenschaftlichen und praktischen Gesichtspunkten ausführlich erläutert und geben damit jedem eine gründliche Aufklärung, der mit dem Naturschutz, mit der Natur überhaupt,.fei es beruflich oder als Liebhaber und Naturfreund, in Berührung steht. Nicht nur die amtlichen Stellen, nicht nur Wissenschaftler, Lehrende und Lernende, Tier- und Pflanzenfreunde, nicht nur Erzieher, Richter und Rechtsanwälte müssen über die Fragen des Naturschutzes unterrichtet sein, sondern auch botanische Vereine, Naturalien- u. Herbarien-Handlungen und Lehrmittelgeschäfte, Präparatoren, Ausstopfer. Pflanzensammler. 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Zerbe und seine erstklassige Besetzung bei 02541 Wilhelm Dorfeld, Wieseck wMß\Q)ß u.Oifcu/wW DOPPELHEIT Nr.123 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen) 28./29. Mai 1938 Aus der Stadt Gießen. „Cs macht nichts!" Auf der Straße sah ich gestern ein sechsjähriges Mädchen, das aus dem Rad ihrer großen Schwester die ersten Fahrversuche machte. Auf den Sattel konnte das kleine Ding noch nicht gelangen, aber es stand ganz munter auf den Pedalen und konnte auch schon geradeaus fahren. Als es aber die Kurve nehmen wollte, glückte die Sache nicht. Das Rad fiel hin, und das kleine Mädchen stürzte auf die Knie. Ich ging hinzu, um ihm auszuhelfen. Aber es stand schon von selber auf, wischte sich den Staub von den Strümpfen und verbiß den Schmerz; denn es hatte sich sicher weh getan. Ich wollte es trösten und sagte ihm einige freundliche Worte. Es sprang aber wieder auf die Pedale und antwortete nur: „Das macht nichts!" Schon fuhr es wieder weiter ... Einige Augenblicke schaute ich ihm nach und sprach bann die Worte: „Es macht nichts!" leise nach. Sollten wir „Großen" nicht auch manchmal, wenn uns das Leben einmal fest anpackt, wenn wir einmal stürzen, sagen: „Es macht nichts!"? Zeigt uns das kleine Mädchen nicht, wie wir es machen müssen? Wie mancher ist schon gestürzt, ist aber ruhig liegen- aeblieben und hat sich gesagt, es geht halt nicht. Das Vertrauen zu sich selbst hat ihm gefehlt. Er wird seine Arbeit nie vollenden, er wird nie ein Ziel erreichen. *Wer das Vertrauen zu sich selbst nicht hat, wer nicht an den Erfolg glaubt, wird meistens nicht viel erreichen. Mißerfolge werden ihn begleiten. Wenn wir uns aber eine Welt schaffen wollen, die uns glücklich machen soll, müssen wir von unferm Können und unferm Wollen überzeugt fein. Wir dürfen nicht zweifeln und zaudern. Bei einem kleinen Sturz, bei einem kleinen Rückschlag müssen wir an das kleine Mädchen denken, das vom Rade fiel, und zu uns selber sprechen: „Es macht nichts!" Jeder hat einmal Pech in irgendeiner Sache. Das schadet nichts. -Wir müssen nur verstehen, auch aus dem Unglück zu lernen. Wir dürfen uns vom Schicksal nicht niederdrücken lassen. Das Vertrauen zu uns selbst muß uns aufrechterhalten, sonst verschwenden wir unsere seelische Kraft. Es geht im Leben nicht anders. Alle großen Männer sind uns Beispiele dafür. Nach einem Mißerfolg, nach einer bitteren Erfahrung, nach Zweifeln und Sorgen geht es auch wieder aufwärts. Wir dürfen nur nicht das Selbstvertrauen verlieren. H. Vornotizen Tageskalender für Samstag. Stadttheater, 20 bis 22.30 Uhr: „Der Mustergatte". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Broadway- Melodie 1938"; Spätvorstellung, 22.45 Uhr: „Der König". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Krach im Ehesanatorium". — Skiklub Gießen: 20 Uhr, „Bergschenke", Abschiedsabend für Kam. Burgsteiner. Tageskalender für Sonntag. Reichsportwettkampf des BDM. — Gloria-Palast (Seltersweg): „Broadway-Melodie 1938". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Krach im Ehesanatorium". — Eisenbahn-Verein Gießen: Sommerausflug. — Sportplatz 1900: 15 Uhr, Aufstiegspiel 1900 gegen Sportverein Elz; 1900 II — Braunfels I. Stadttheater Gießen. Heute abend findet die letzte Aufführung der Winterspielzeit 1937/38 >tatt: „Der Mustergatte", Schwank in drei Akten von Hopwoob. Spielleitung: Hermann Schultze-Griesheim. Bühnenbild: Karl Löffler. In dieser Vorstellung verabschieden sich vom Gießener Publikum Karl-Ludwig Lindt, gleichzeitig letztes Auftreten von Ruth-Ines Eckermann, Helga Retschy und Hans Paschen. Die Deutle flrMtafronf Handharmonikakursus. Zu dem demnächst beginnenden Kursus können sich noch einige Teilnehmer melden. Erster Gießener Gttldenientag. Die Studentenführung der Universität Gießen ist jetzt zum ersten Male nach der Neuordnung des gesamten studentischen Lebens mit der Veranstaltung eines Gießener Studententages an die Oeffentlichkeit getreten. Diöse Studententage sollen den jungen Studenten die Möglichkeit bieten, sich mit den in den Altherrenbünden vereinigten Alten Herren alljährlich zusammenzufinden, um gemeinsam, nach der Zielsetzung der Reichsstudentenführung, im nationalsozialistischen Geiste den Idealen zu dienen, die um die jungen und die alten Studenten ein gemeinsames geistiges Band schlingen. Der Erste Gießener Studententag begann am gestrigen Freitagnachmittag mit Sportwettkämpfen auf dem Universitäts-Sportplatz. Hierüber bringen wir im Sportteil unserer heutigen Ausgabe einen eingehenden Bericht. Am gestrigen Abend fand dann im Studentenhaus eine Vegriißung der AH.-Vorsitzenden mit ihren Obmännern statt. Dazu hatten sich neben vielen Alten Herren zahlreiche Ehrengäste von der Partei, der Wehrmacht, der staatlichen und lokalen Behörden, ferner Angehörige des Lehrkörpers der Universität eingefunden, um in Gemeinschaft mit dem Studenten- führer und den Amtsleitern sowie den Kameraden der Gießener Studentenschaft einige Stunden des geselligen Beisammenseins zu verbringen. Studentenführer Frank richtete zu Beginn eine Ansprache an die Alten Herren und an die übrigen Gäste, in der er nach herzlichen Begrüßungsworten u. a. darauf hinwies, daß die früheren Verbände sich nach ihrer freiwilligen Auflösung m den NS.-Altherrenbund, der ein Teil des NSDStB. ist, ein gegliedert haben, und daß nunmehr das gesamte deutsche (Studententum unter der Führung des Reichsstubentensührers Scheel eine einheitliche Ausrichtung erfahren hat. Er gab dann in großen Zügen einen kurzen Rückblick auf die deutsche Geschichte und auf das Sehnen und Streben nach der Einheit des Deutschen Reiches, wobei er auch die widerstrebenden Kräfte während der verschiedenen Epochen der deutschen Geschichte andeutete. Dann betonte er, daß die unvergeßlichen Tage des Kriegsausbruchs von 1914 und der Tag der natio n alsoziakistischen Erhebung am 30. Januar 1933 eng zusammengehören, wie auch der Tag, an dem unser Führer Adolf Hitler die alte Ostmark Oesterreich mit dem Altreich zu einer für alle Zeiten unzertrennlichen Einheit zusammenschmolz. Mit Stolz konnte Studenten führ er Frank dabei betonen, daß bei allen diesen großen nationalen Werken bei diesen Brückenschlägen vom Zweiten zum Dritten Reich und von der Ostmark zum Altreich, ein großer Teil der besten nationalsozialistischen Vorkämpfer deutsche Studenten waren. Dann stellte er eindringlich auch die Aufgabe in den Vordergrund, als eiserner Block der Gemeinschaft, in Gehorsam und Treue, als allezeit einsatzfreudige Gefolgsmänner des Führers weiter, mitzuarbeiten an den großen Aufgaben, die der Führer bei seinem Aufbauwerk dem deutschen Studententum gestellt hat. Dabei ist die Richtung: Alles für Deutschland!, der Weg: nach jeder Richtung hin unverbrüchliche Haltung im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung. Unter diese Aufgabe und Zielsetzung ist die Arbeit in den Kameradschaften der Studenten gestellt, um deren tatkräftige Förderung er die Alten Herren bat. Jtn Namen des Altherrnbundes der deutschen Studenten im Hochschulring Universität Gießen sprach im weiteren Verlaufe des Abends der Hochschulrwgführer Prof. Or. Riehm. Er stellte den Alten Herren den Gewmn durch die Neuordnung im studentischen Leben vor Augen, nämlich den Anschluß an den NSDStB. und damit die Heranziehung zur Mitarbeit an den Aufgaben der Partei, die mit ihrem Wirken mitten im Volke steht. Er bat die Alten Herren, an der Mitarbeit bei diesen Aufgaben tatkräftig und mit warmem Herzen teilzunehmen, nicht nur an bas Alte zu denken, sondern auch die neuen Gedanken und Aufgaben in sich auszunehmen und sich durch ihre Mitgliedschaft in den Altherrnbünden in eine Front mit den jungen Studenten zu stellen, um zu arbeiten^ und zu werben für die großen Aufgaben des Stubententums, zugleich auch für unsere Universität Gießen unb bereu studentischen Nachwuchs. Prorektor Prof. Or. Oietz sprach als Vertreter des verhinderten Rektors zu den Alten Herren. Er betonte, daß schon immer in Gießen zwischen den Professoren unb ben Studenten enge Banbe der Kameradschaft bestanden haben, die auch für die wissenschaftliche Arbeit beider Teile sehr bedeutsam geworden find. Dann gab er dem Wunsche Ausdruck, baß dieser guten Kameradschaft zwischen Professor unb Student auch in Zukunft ein gedeihliches Leben und Wirken beschieden fein und bie Gemeinschaft im Geiste des Nationalsozialismus an unserer Universität weiterhin eine gute Pflegstatt haben möge. Mit diesen Wünschen bat er zugleich alle alten unb jungen Stubenten, mit zukunftsfrohen Blicken bie neuen Formen unb Gestaltungen bes (Studenten tu ms anzusehen und im Geiste der nationalsozialistischen Weltanschauung daran mitzuarbeiten. Bürgermeister Prof. Or. Hamm überbrachte hierauf in Vertretung bes am Erscheinen verhinderten Oberbürgermeisters die besten Grüße und Wünsche der Stadt Gießen. Er erinnerte an bie stets innige Verbundenheit zwischen den Studenten und der Gießener Bevölkerung sowie an die schönen Ergebnisse, die seit vielen Jahren aus dieser Gemeinschaft für das Leben beider Teile entstanden sind. Daß diese engen Beziehungen weiterhin zum Besten der Universität, der Studenten und her Gießener Bevölkerung bestehen bleiben möchten, brachte der Redner als besonderen Wunsch der Stadtverwaltung bei diesem Ersten Gießener (Stubententag zum Ausbruck. Neben diesen kurzen Ansprachen waren bie Stauben bes geselligen Beisammenseins noch mit guter kamerabschaftlicher Unterhaltung im besten Gemein- schastsgeiste ausgefüllt. Der heutige Tag. Am heutigen zweiten Tage bes Stubententages wirb eine Gefallenen-Ehruna mit Festakt in oer Aula ftattfinden. Weiterhin ist eine Tagung in der Aula vorgesehen, bie ber wissenschaftlichen Arbeit im Dienste bes nationalsozialistischen Staates ge- roibmet sein wirb. Kamerabschastsabenbe werben ben heutigen Tag beschließen. Oie gesamte Bevölkerung eingeladen. Die Studentenführung lädt heute die gesamte Bevölkerung von Gießen zu allen öffentlichen Veranstaltungen während der Studententage, insbe- Man kann es nicht oft genug betonpn, wie wenig es kostet, seine Räume m \uiaJa6m, dem dauerhaften und farbschönen Bodenbelag auszulegen. PROSPEKT 61 DURCH BALATUM-WERKE . NEUSS sondere zu dem Volksfest am morgigen Sonntagnachmittag, ein. Man erwartet seitens der Studentenschaft, daß alle Volksgenossen an diesen Veranstaltungen teilnehmen. Jd) war Soldat und war es gerne Alte und junge 116er freuen sich auf das Wiedersehen. Kameradschaft! In den „Pflichten des deutschen Soldaten" lautet der Artikel 6: „Kampfgemeinschaft erfth*dert Kameradschaft. Sie bewährt sich besonders in Not und Gefahr." Und in einem alten Soldatenlied heißt es: „Wir halten zusammen, wie treue Brüder tun, wenn Tod uns umtobet unb wenn bie Waffen ruh'n." Unzählige Beispiele treuer Kamerabschaft gab ber Große Krieg. Im Zeichen biefer oft bewährten Kamerabschaft wirb beim bevorstehenden Regimentsappell ber Kamerabschaftsabenb am 18. Juni in ber Volkshalle unb im großen Zelt auf bem Trieb stehen. Die Aeltesten, bie sich in diesem Jahre in treuer Anhänglichkeit zu ihrem alten Regiment so besonders zahlreich zur Teilnahme an ber Jubelfeier bes Regiments angemelbet haben, werden die gemeinsamen, unvergeßlichen Erlebnisse in ihrer alten Garnisonstabt Gießen auf dem Kasernenhof, dem Exerzierplatz, dem Truppenübungsplatz unb in bem Manöver austauschen. Die Anmeldeliste ber über 80jährigen hat sich bereits mieber verstärkt. Es melbete sich beim Regiment ber fast 89jährige Altveteran Wagner und Musiker a. D. Johannes Schäfer IX. aus Steinberg bei Gießen. Johannes Schäfer diente von 1871 bis 1874 in der Leibkompanie des Regiments und war bei der Regimentsmusik. Johannes Schäfer will am Kameradschaftsabend am 18. Juni feinen 89jährigen Geburtstag feiern. Die Jüngeren werden über das stärkste Kame- radfchaftserlebnis, den Großen Krieg, natürlich am meisten sprechen. „Wo ist ber ...?" „Er ist im September 1916 an ber Somme geblieben!" „Wo ist ber unb ber . -..?" „Er liegt in Flanbe'm" Es gibt viel, viel zu erzählen. Viele Kameraben kommen in biesem Jahre erstmalig zu einem Regimentsappell. Ein Wiedersehen alter Kameraden ber sturmerprobten Regimenter nach 20 unb mehr Jahren. In ben Stanbquartieren, bie in ber Festschrift alle angegeben sind, wird man sich bereits nachmittags kompanieweise treffen. Der Kameradschaftsabend wird mancherlei Überraschungen bringen. Der Unterhaltungsteil wirb burch bas II. Bataillon unb bie Regi- mentsmusik burchgeführt werben. Die Wogen ber Begeisterung werben höher schlagen. Aus dem tiefsten Süden und bem höchsten Norden des Reiches werden Teilnehmer kommen. Aus Garmisch-Partenkirchen hat sich derHoch- gebirgsphotograph Hans Huber gemeldet, ber ehemals dem II. Bataillon Referve-JR. 222 angehörte. Aus Husum in Schleswig kommt der Kaufmann Heinrich Hansen I. ehern. 4. Kompanie des Ref.-JR. 222. Außer den bereits gemeldeten alten Offizieren des Regiments kommt aus Berlin ber Major unb Reichsarchivrat a. D. George Solban. Dieser schrieb bekanntlich das Vorwort zu der 1924 erschienenen Regimentsgeschichte. Major Soldan stand von 1899 bis 1912 als Leutnant im Regiment und wird vielen alten Vorkriegs-Regimentsangehörigen kein Ihtbefannter fein. Aus Felsberg, Bezirk Kassel, kommt ber Rechnungsrat und Justizobersekretär a. D. Otto M-ü-1-l-e-r. 33on ©unter Schab. Wir kannten ihn schon lange. Denn ber Ruhm seiner Helbentaten brang viel eher zu uns als er selbst: Müller. Als wir nach Obertertia kamen, würben wir seine Klassengefährten. Denn er war hängengeblieben unb klärte uns nun über bas, was uns in biesem Jahrgang erwartete, auf. Wir waren noch Kinber, er war schon ein Mann. Nicht nur, baß er sich in der Woche dreimal rasieren mußte, imponierte uns. Er war auch sonst schon viel weiter. Er war ein Jahr zu spät zur Schule gekommen; eines mußte er repetieren; das bedeutete, er war dem Alter nach Obersekundaner, fast Primaner. Ich glaube, die Lehrer fürchteten ihn. Früher hatte er, was wir nur vom Hörensagen wußten, während der Stunden Streiche verübt, die jeder Sammlung von Schülerhumoresken zur Ehre gereicht hätten. Als wir ihn durch den täglichen Umgang näher kennenlernten, wußte er längst ein andres Mittel, seine Pädagogen bis aufs Blut zu reizen; er spielte mit großartig hinterhältiger Folgerichtigkeit den Dämlichen. Oder er fragte in der Religionsstunde mit bem Augenaufschlag eines reinen Kinbes nach gewissen Bibelstellen. Ober er umsprang ben Mathematiklehrer mit einer beflissenen Unterwürfigkeit, an ber jebe Bewegung Ironie war. Er verbrehte beim Vorlesen im Deutschunterricht, ohne mit ber Wimper zu zucken, ganze Wörter und Sätze unb stotterte, zur Ordnung gerufen, Entschuldigungen, ob der wir urts die Zungen vor Lachen zerbissen; kurz, er betätigte sich als hintergründiger Klassenclown, der nie zu fassen war. D.er Ordinarius sprach mehrfach über die „völlige moralische Unreife dieses Schülers", schrieb bann aber dieses !) Resultat weder ins Klassenbuch noch ins Zeugnis. Bei uns hieß er... Doch das will ich kurz erzählen. Mit dem neuen Klassenleiter, Professor Werneburg, hatte er's gleich in ber ersten Stunbe verdorben. Werneburg verlangte nämlich, wenn er die Schüler nach der Rangordnung aufrief, um sie in Jein Notjzbuch zu schreiben, daß ein jeder unaufgefordert Vatersnamen und Vornamen zu nennen unb gleich darauf laut und deutlich zu buchstabieren habe. Wir wußten bas unb hatten uns in der Pause verabredet, daß jeder einzelne das Buchstabieren vergessen sollte, damit ber Professor seine Freude habe. Es ging also los. „Primus?" fragte Werneburg. — Märtens stand auf, wäre «gern brav gewesen, getraute sich aber aus Angst vor unfern Fäusten nicht, wurde also, was wir ja erreichen wollten, sofort angefahren: „Ich habe Ihnen doch gesagt. Sie sollen unaufgefordert buchstabieren!" — Das tat Märtens nun und betonte bas ä, auf bas es ankam. „Zweiter?" — Bubzinsky erhob sich, sagte: „Bub- zinsky" unb ließ sich den Vornamen unb bie Schreibweise einzeln aus ben Zähnen ziehen, tat also genau bas, was ber Lehrer hatte oermeiben wollen. Bei allen folgenben Zwanzig Schülern — bie Verschwörung klappte wie auf bem Theater — geschah basfelbe. Jeber stellte sich bumm, unb Werneburg geriet in jenen Zustanb ber Raserei, den wir im Laufe ber nächsten Jahre noch oft zu beobachten Gelegenheit Haden sollten. Kochenb vor Zorn rief ber Professor jetzt in bie Klasse: „Wer kommt jetzt?" Da stand Müller auf und sagte: „Müller, M—ü—l—-l—e—r; Otto, O—t—t—o" unb setzte sich mieber. „Das weiß ich", fauchte Werneburg schon halb im Delirium. Worauf Müller wieder aufstand unb nochmal sagte: „Müller, M—ü—I—I—e—r, Otto, O—t—t—o." Als baraufhin ber Ordinarius endgültig in bie Luft zu gehen brohte, erhob sich Müller zum drittenmal unb sagte ebenso schlicht wie laut: „Verzeihung, Herr Professor, ich hatte verstanden, Sie hätten gefragt: Wie heißen Sie?" Das also war Müller, Pastorensohn aus einer kleinen Stadt im Mansfelbischen, der seinen Lehrern soviel Kummer machte. Er hat bann, drei Jahre später, als junger Leutnant, ber nach ber ersten schweren Verwundung ein Vierteljahr lang Ausbildungsdienst machte, dem Professor Werneburg bie Grundregeln allen Soldatentums — Stillge- stanben, Grüßen, Linksum unb Rechtsum — beigebracht. Und er hat das, was er sich vorgenommen hatte, nicht durchgeführt. Er wollte eigentlich den Werneburg „schleifen". Als. aber, 1917, bas klapprige Männchen vor feinem ehemaligen Schüler staub unb so hilfslos breinblitfte, ba hat's bem Leutnant Müller, ber sich im Westen bereits bas Eiserne Kreuz I. Klasse geholt hatte, leib getan, unb er t)at sehr freundlich zu bem alten „Rekruten" gesprochen. Das war also auch Müller, den wir noch immer M—ü—l—l—e—r nannten. Wir, bas heißt ein paar von uns, bie ihm nach unb nach näherkamen, hatten schon bald erkannt, daß viel mehr hinter ihm und in ihm steckte, als er zu zeigen für gut befand ... Mit diesem Müller verbindet sich für mich ein Erlebnis, das ich mir noch heute, zwanzig Jahre später, nicht recht zu erklären vermag. Es war wenige Wochen, ehe unsre Klasse, bie mit bem Notabitur bas Gymnasium verlassen hatte, selbst ben felbgrauen Rock anzog, den Müller schon seit zwei Jahren trug. Ich lief ben „Bummel" in ber Ulrich- straße auf unb ab, jene Strecke, welche wir als Pennäler tagtäglich zwischen sechs und sieben Uhr bevölkerten, unb zu ber wir uns jetzt schon bes- halb besonders hingezogen fühlten, weil auf ihr bie älteren Kameraben stets am ersten zu finden waren, wenn bie Front sie zu kurzem Heimaturlaub entließ. Gleich am Eingang zur Ulrichstraße kam Müller in Zivil neben einem ältern Herrn, den ich nicht kannte, unb winkte mir mit einer Hanb- bewegung freundlich zu, die ausdrückte: gleich sprechen wir uns, du kehrst ja doch an der Ecke um und gehst zurück, bann komme ich dir entgegen. Ich lief weiter und erwartete bas Zusammentreffen. Ich freute mich, daß er da war. Ich stellte noch fest, baß ihm ber Zivilanzug ein wenig zu weit geworben war. An ber Ecke ber Alten Promenade machte ich kehrt und spähte nach Müller aus. Ich sah ihn noch nicht, aber ich entdeckte in ber Ferne Adelberg, einen aus ber Runbe der Vertrauten. Ich steuerte auf Adelberg zu und wollte gerade sagen: „Weißt du, daß M—ü—1—l—e—r auf Urlaub ist? Er muß erst vor kurzem aus Frankreich gekommen fein..." Da fiel mir auf, daß Adelberg ein sehr ernstes Gesicht machte. Und ehe ich meine Mitteilung loswerden konnte, sagte Adelberg: „Du, ich komme eben von Müllers Eltern. Sie haben vor einer Stunde ein Telegramm erhalten. Otto ist gestern an ber Westfront gefallen." Oloria-Palast: „Broadway-Melodie 1938/' Wir haben biefe Melvbie von brüben schon einmal gehört, mit ber Erawford seinerzeit, wenn wir uns recht erinnern; unb auch die gleiche ober eine ähnliche Geschichte: bie Geburt ber großen Revue, bie ben Broadway in Schwingungen versetzt, noch ehe die Proben begonnen haben. Man kennt bas Tempo, den Takt, bie Texte, bie in beutscher Übersetzung auf ber Leinwand erscheinen; man kennt auch den Step, ber ben rhythmischen Motor bes Geschehens barstellt unb aus jeber beliebigen Situation heraus angesetzt werben kann. Trotzdem kann man einen Film wie diesen nicht oder nur indirekt beschreiben, geschweige denn seinen Inhalt erzählen. Der Unterschied wird ganz deutlich, wenn man etwa einen deutschen Film daneben betrachtet, ber thematisch ungefähr auf ber gleichen Linie liegt, wie „Es leuchten die Sterne . Auch ein Revue- Film, aber mit Hanblung, mit menschlichen Hintergründen, stellenweise fast ein bißchen romantisch. Die Amerikaner machen es mit bem Rhythmus, mit ber Groteske, mit der Situation des Augenblicks. Zum Beispiel: ein Rennpferd, bas ein wahnsinniges Tempo bekommt, sobald es Musik hört; ober ber Frkseur, der einen unter dem schmetternden Gesang bes Toreroliedes rasiert; ober bas Tanzpaar im ftrömenben Regen; ober ber Professor, ber zehn verschiebene. Arten bes Niesens entdeckt hat und sie praktisch vorführt. Man kann es nicht beschreiben; man muß es sehen unb hören. Regie führte Roy bei Ruth. Eleanor Powell ist bas Girl, bas sich burchsetzt: sympathisches, natürliches Wesen; präzise Körperbeherrschung, bie den Step- tanz zur Virtuosität entwickelt. (Der eintönige Rhythmus wirkt allerdings für unseren Geschmack am Ende ein wenig ermüdend.) Robert Taylor ist ihr Partner, typisch amerikanisch im äußeren Eindruck, in ber Führung des Dialogs, m ber Anlage ber Rolle. Um diese beiden gruppieren sich ber lange, schlenkrige Komiker Buddy E b f e n , George Murphy, Judy Garland, Robert Wi ld- h a ck unb anbere. — (Metro-Goldwyn-Mayer.) ♦ Im Beiprogramm sieht man schöne Ausnahmen aus Würzburg, einen Vorspann zum „König" und bie neue Wochenschau. Hans Thyriot. t Zeitschriften. — Das Maiheft ber „I n n e n - D e k o r a t i o n", Verlagsanstalt Alexanber Koch, G. m. b. H., Stutt- gart-O., Neckarftraße 121, bringt als erste Veröffentlichung nach ber Heimkehr Oesterreichs in ben deutschen Volksverbanb Großbeutschlanbs Kunsthanb- werk mit führenben Leistungen, bie klar ben inneren Zusammenhang erkennen lassen. Den Auftakt bildet ein Bildbericht über die Raumgestaltung und bas Kunsthandwerk auf der Ausstellung im Haus ber Deutschen Kunst. Neben bem Können P. L. Troosts, bas in mehreren Raumbilbem unb Einzelstücken hervortritt, geben Räume von Bruno Paul, Emil Veit, Anton Possenbacher bie Linie^M^ls^beI.Jich unsere beutsche Raumgestaltung bjfoegt Damit ver- binben sich Stichproben bes Neinkunsthandwerks (mie Tafelgedecke, Schreibtischgarnituren, Gewebe, Metallarbeiten, Wandbehänge,/Keramik), welche bas entwickelte Materialgefühl, die' Formreife bes beut- schen Schaffens zeigen. — Hieran schließt sich eine Auswahl von Wiener Raumgestaltungen, meistens Arbeiten bes Architekten Professor Oswalb Haerbtl, von bem ein repräsentatives Speisezimmer von ber Pariser Weltausstellung unb ein£ Raumfolge aus Wiener Stabtwohnungen gezeigt merben. Auf der Baustelle tödlich verunglückt. * Lumda (Kreis Gießen), 27. Mai. Auf der Baustelle der Reichsautobahn in der Nähe unseres Ortes wurde der mit mehreren Avbeits- kemeraden bei Baggerarbeiten beschäftigte Arbeiter Philipp Fuchs aus Göbelnrod von einer Lokomotive der Feldbahn erfaßt und so unglücklich überfahren, daß der Tod des bedauernswerten Mannes auf der Stelle eintrat. Ein weiterer Arbeiter trug erhebliche Kopfverletzungen davon. Die behördlichen Ermittlungen über die Ursache des Unglücksfalles find im Gange. Schwerer Junge gefaßt. * Li ch, 28. Mai. Ein guter Fang gelang der Gendarmerie von L i ch gestern im Nieder-Bessinger Wald. Sie konnte dort einen „schweren Jungen" f e st n e h m e n, der mit einem gestohlenen Auto im Walde übernachten wollte und sich dabei völlig festgefahren hatte. Der Mann wird wegen Einbruchsdiebstahls in Rostock gesucht und hat außerdem noch Verschiedenes auf dem Kerbholz. Die Ermittlungen sind im Gange. Landkreis Gießen. # Mainzlar, 26. Mai. In den hiesigen Didier-Werken wurde dieser Tage den Siegern im Reichsberufswettkampf eine Ehrung bereitet. Im Rahmen eines Betriebsappells wurden den drei besten Wettkämpfern Wiegand Pfeil, August B i e r a u und K. F r i tz g e s von dem stellvertretenden Betriebsführer Dr. Thiel je ein Buch des Führers „Mein Kampf" überreicht. Betriebsobmann Ernst Schlapp händigte dem Kreissieger Wiegand Pfeil die schöne Kreissieger-Plakette mit Urkunde aus. Ortrjugendwalter der DAF. August Kern gab anschließend die geprüften Arbeiten bekannt. # Daubringen, 27. Mai. Der Hand- harmonikaklub Lollar unter Leitung von Musiklehrer N u r t s ch , Marburg, gab hier in der Gastwirtschaft von Schäfer ein Handharmoniakon- zert, das sehr stark besucht war. Die vortrefflichen Darbietungen wurden von den Besuchern mit verdientem Beifall belohnt. wg. Großen-Buseck, 27. Mai. Unsere Gemeinde führt im Einvernehmen mit der Landesbauernschaft eine Aktion zur Bekämpfung der Sperlingsplage durch. Eine größere Anzahl Fangapparate aus Ton, in die man die Sperlingsbrut vor der Flugreife zu erfassen und zu vernichten hofft, ist an die Einwohnerschaft ausgegeben worden. Durch eine Gemeinschaftsaktion ist auch die Bekämpfung der Feldmäuse in unserer Gemarkung unter Anleitung von Flurschütz Münch vorgenommen Morden. — Die Krieger- kameradschaft „Konkordia" unternahm am Sonntag einen Ausflug mit Omnibus an den Rhein. Die Fahrt ging über Bad Schmalbach, wo man die Kuranlagen besichtigte, durch das Wisver- tal nach Lorch am Rhein, dann weiter nach Ah- mannshausen und Rüdesheim. Nach dem gemeinschaftlichen Mittagessen wurde das Niederwalddenkmal besucht. Am Nachmittag fuhr man nach Wiesbaden zu allerlei Besichtigungen, von dort aus am Abend über die Reichsautodahn nach der Heimat zurück. ch Garbenleich, 25. Mai. Der Sportverein 1928 und der Turnverein 1909 vereinigten sich zu einer einzigen Organisation unter dem Namen „Sportgemeinde Garbenteich". Anläßlich dieser Gründung fand am Sonntag ein Sporttag statt, bei dem sowohl im Fußball, als auch beim Turnen und bei Reigen schöne Leistungen der Teilnehmer gezeigt wurden. Bei einem Festkommers am Samstagabend wirkten auch die beiden örtlichen Gesangvereine in vor- trefflicher Weise mit. Am Sonntagnachmittag ging ein Festzug durch die Ortsstraßen. Anschließend erfolgte auf dem Festplatz die Uebergabe und Weihe der Vereinsfahne, wobei in mehreren Ansprachen auf die Bedeutung dieses sportlichen Zusammenschlusses und auf die Wichtigkeit der sportlichen Betätigung hingewiesen wurde. Im übrigen kamen die sportlichen Darbietungen vielfältig zur Geltung. gfs. Großen-Linden-Leihgestern, 26. Mai. Die feierliche Verpflichtung der neuen Mitglieder vereinte die Frauenschaft und das Deutsche Frauenwerk zu einer Feierstunde, bei der die Leiterin Frau Will über die Arbeit und die Verantwortung der Frau im jetzigen Staat sprach. Nach Liedern und Gedichten wurden die neuen Mitglieder durch Handschlag verpflichtet und erhielten ihre Mitgliedsbücher und ihre Abzeichen mit der silbernen Lebensrune. Eine besinnliche Feier für die Mütter wurde am Sonntag in beiden Orten veranstaltet. Die festliche Ausgestaltung durch Musik und Volkstanz hatte die Jugendgruppe unter der Führerin Fräulein Müller übernommen und erntete lebhaften Beifall. cxd Eberst-adt, 27. Mai. Der Landwirt Konrad Görlach konnte dieser Tage im Kreise seiner Kinder, Enkel und Urenkel' in geistiger und körperlicher Frische seinen 81. Geburtstag begehen. Ferner konnte Frau Marie Fischer, geb. Mulch, in bester Gesundheit ihren 7 6. Geburtstag feiern. Beide Jubilare nehmen noch mit regstem Interesse Anteil an allen Ereignissen unserer Zeit. )( Lich, 27. Mai. Das seit Jahrzehnten an Himmelfahrt in der Meilbach stattfindende M i s s i o n s- f e st hatte auch gestern wieder, trotz des anfangs unbeständigen Wetters, seine alte Anziehungskraft ausgeübt. Als der Posaunenchor Lich unter Leitung von Stiftspfarrer Naumann das Fest eröffnete, hatte sich aus den benachbarten Gemeinden eine große Festgemeinde im schönen Waldesdom versammelt. Nach einer liturgischen Einleitung durch Pfarrer und Konfirmanden und einem Himmel- iahrtslied sprachen Dechant Kahn (Lich) und Miß '.onar Michel (Darmstadt) zu den Missions- 1 freunden. V Günther. Günther trat 1875 in die Armee ein und kam im Jahre 1881 vom Jnf.-Reg. 118 nach Gießen zur Gründung des IH./Jnf.-Reg. 116. Er war von 1883 bis 1889 Feldwebel der 10. Kp. Die Bevölkerung von ganz Oberhessen und weit darüber hinaus wird in diesen Jubeltagen des Regiments auf den Beinen fein und nach Beendigung der Festtage sagen können: „Schön war's doch!" Der Sonntag, 19. Juni, auf den wir später noch eingehend zurückkommen werden, wird zeigen, daß der altbewährte Kampfgeist und Einsatzwille des Regiments und seiner Kriegsaufstellungen auch in der jungen nationalsozialistischen Wehrmacht der gleiche wie in der Vorkriegsarmee ist, die nach dem Urteil der Gegner die beste der Welt im Großen Kriege war. Großangelegte Organisation. Tausende von alten Soldaten aus allen Gauen des Reiches werden in knapp drei Wochen in einer gewaltigen Massenkundgebung in Gießen dem Führer erneut ein Gelöbnis unwandelbarer, kampfbereiter Treue bringen. .Diesem für die Stadt Gießen so großen Ereignis einen entsprechenden Rahmen zu geben, ist Zweck und Ziel der unendlich vielseitigen und mannigfachen Vorbereitungen, die in diesen Tagen in Gießen getroffen und in den nächsten Wochen auch bereits rein äußerlich von Tag zu Tag mehr in Erscheinung treten werden. Die erste Sorge gilt, wie dies bei dem in Aussicht sichenden, nie dagewesenen Massenzustrom selbstverständlich ist, der Unterbringung, Verpflegung und sonstigen Versorgung der vielen Tausende, die aus dem ganzen Reich nach Gießen strömen werden. Die umfangreiche Vorarbeit der Quartier» beschaffung durch das F° Bataillon I. R. 116 ist dank der Gastfreundschaft des größten Teileß der Gießener Bevölkerung fast abgeschlossen. In vorbildlicher Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Ritter hat das F-Bataillon feine gewiß nicht leichte Aufgabe in hervorragender Weise gelöst. Bicher stehen in Gießen weit über tausend Bürgerquartiere zur Verfügung. Zusätzlich wird das Regiment Kasernenstuben und Massenquartiere in genügender Zahl schaffen. Da die alten Soldaten zum 12 5. Gründungstag des Regiments 116 aus einzelnen Kreisen, zum Teil geschlossen mit »Kraft durch Freude"-Sonderzügen eintreisen, folgt auch ihre Unterbringung zweckmäßig < i räumlich begrenzter Weise. In diesem Zusammenhang muß mit aller Eindringlichkeit daraus hingewiesen werden, daß es vollkommen aussichtslos ist, während des Regimentsappells in Gießen^ mit irgendeiner Unterbringungsmöglichkeit oder Feldküchenverpflegung für nicht ordnungsmäßig beim Regiment angemefbete Teilnehmer zu rechnen. Bereits heute haben einzelne Gießener Hotels und Gaststätten ihre Zimmer restlos vermietet. Die ungeheuere Organisattonsarbeit, die für die Vorbereitung des Regimentsappells geleistet werden muß, geht dank der tatkräftigen Mitarbeit aller beteiligten Partei- und Behördendienststellen reibungslos und zur vollsten Zufriedenheit vor sich. Von den eingerichteten Plaketten-V o r Verkaufsstellen bei: C. Röder, Offenbacher Lederwaren, Gießen, Mäusburg 14, und Stempel - A1 bo 1 d , Gießen, Seltersweg 37, wird bereits stark Gebrauch gemacht. Immer zahlreicher treten die Plakettenträger im Stadtbild auf und zeigen durch das Tragen ihre Verbundenheit mit dem Infanterie- Regiment 116. Nach dem bisherigen Verlauf der Vorarbeiten darf der Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß auch die noch zu lösenden Aufgaben bewältigt und zur Zufriedenheit gelöst werden, damit dieses große Soldatentreffen zu einem Musterbeispiel zielbewußter soldatischer Organisattonskunst wird. Reichssportwettkampf des Llntergaues 116. Wie fahre ich am billigsten in die Serien? Wer mit der Reichsbahn in Urlaub fährt oder demnächst feine Serienreife antritt, wird einen kurzen Hinweis auf die Möglichkeiten der Inanspruchnahme einer Fahrpreisermäßigung bei derartigen Fahrten begrüßen. Bei einer Reise interessieren vor allem die Fahrgeldkosten und die Höhe der Fahrpreisermäßigungen, die die Reichsbahn gewährt. Die Entscheidung, welche Fahrkarte am besten genommen wird, soll die nachstchenden Darlegungen erleichtern. Urlaubskarlen. Bekannt ist die Urlaub starte, die feit einer Reihe von Jahren für die 2. und 3. Wagenklasse an jedermann ausgegeben wird. Diese Karte gilt 2 Monate, Mindestentfernung 200 Kilometer oder Zahlung des Fahrgeldes für diese ^Entfernung. Die Hinreise muß am ersten Geltungstag angetreten werden. Rückreise ist erst am siebenten Geltungstag möglich. (Ausnahmen bei Seereisen.) Die Rückreise muß am letzten Geltungstag beendet sein. Fahrtunterbrechung auf der Hinfahrt einmal, auf der Rückfahrt viermal. Die Rückfahrt kann über einen anderen als dem auf der Hinfahrt benutzten Weg ausgesührt werden. Dieser Weg darf aber höchstens einhalbmal länger als der kürzere Weg sein. Zuschlagspflichttge Züge können gegen Zahlung des vollen Zuschlqgs benutzt werden. Die Fahrpreisermäßigung beträgt: 201 bis 800 Kilometer = 20 bis 26 v. H., 801 bis 1000 Kilometer = 26 bis 31 v. H., über 1000 Kilometer 31 bis 45 v. H. Ausgabestellen: Fahrkartenausgaben und MER.-Reisebüros. Ostpreußen-Rückfahrkarte. An Stelle der Urlaubskarten werden für den Verkehr zwischen Ostpreußen und dem übrigen Deutschland besonders ermäßigte Ostpreußen-Rückfahrkarten an jedermann ausgegeben. Ihre Geltungsdauer beträgt, wie bei der Urlaubskarte, zwei Monate, die Mindestentfernung 200 Kilometer. Die Hinreise muß am ersten Geltungstag angetreten werden, die Rückreise kann jedoch, abweichend von der Urlaubskarte, jederzeit innerhalb der Geltungsdauer angetreten werden. Fahrtunterbrechung ist auf der Hinreise zweimal und auf der Rückreise viermal gestattet. Außerdem kann bei der Rückfahrt ein Umweg gefahren werden, der jedoch die Hälfte der Fahrstrecke des Hinweges nicht überschreiten darf. Die Fahrpreisermäßigung beträgt für die Entfernungsstaffel 200 bis 800 Kilometer 40 v. H., ab 801 Kilometer etwas mehr als 40 v. H. Im Verkehr mit Ostpreußen und dem übrigen Deutschland werden auch noch verbilligte Seediensturlaubskarten und Bahn-Seekarten ausgegebdn, die nach Möglichkeit der Fahrpreisermäßigung für Ostpreußen-Rückfahrkarten angeglichen sind. Ausgabestellen: Fahrkartenausgaben und MER.-Reisebüros. Feriensonderzugkarte. Für die Feriensonderzüge werden Fahrkarten zur Hin- und Rückfahrt ausgegeben. Die Hinfahrt muß im Feriensonderzug ausgeführt werden. Die Rückfahrt kann mit fahrplanmäßigen Zügen erfolgen. Bei Benutzung von Eil- und Schnellzügen Zahlung des vollen Zuschlags. Die Feriensonderzugkarten gelten zwei Monate. Für die Fahrt nach und von dem Einsteigebahnhof wird in fahrplanmäßigen Zügen die gleiche Ermäßigung wie für den Feriensonderzug für eine An- und Abfahrstrecke bis 100 Kilometer aewährt. Fahrtunterbrechung im Sonderzug ausgeschlossen, in fahrplanmäßigen Zügen auf Buchfahrkarten beliebig oft, auf Feriensonderzugkarten in Zeitkartenform auf der Hinfahrt einmal, auf der Rückfahrt viermal. Die Ermäßigung beträgt 40 v. H., im Verkehr mit Ostpreußen 60 v. H. Ausgabestellen: Fahrkartenausgaben. Fahrscheinhefte zu ermäßigten Fahrpreisen. Dom 1. Mai 1938 an gibt die Reichsbahn ermäßigte Fahrscheinhefte für Reisen, die zum Aus- gangsort zurückkehren, also für Rundreisen und Hin- und Rückfahrten, an jedermann aus. Die ermäßigten Fahrscheinhefte müssen Fahrscheinstrecken von mindestens 600 Kilometer umfassen und werden nur für Schnellzüge ausgegeben. Für FD- und F-Züae ist der volle Zuschlag ebenfalls zu zahlen. Die Voraussetzungen zum Erwerb eines derartigen Fahrscheinheftes sind erfüllt, wenn alle in dem Heft zusammengefaßten Reisen die Kilometerzahl 600 erzreichen. Es können also mehrere Hin- und Rückfahrten oder Rundreisen für ein und dieselbe Strecke beantragt werden. Das Fahrscheinheft gilt zwei Monate. Die Fahrt kann jederzeit während der Geltungsdauer angetreten werden, auch ist innerhalb dieser Zeit Fahrtunterbrechung beliebig ost und beliebig lange gestattet. Diese Fahrscheinhefte sind aber nicht bei den Fahrkartenausgaben erhältlich, sondern nur bei den Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebüros. Die Fahrpreisermäßigung dieses Fahrscheinheftes beträgt 20 v. H. Ausgabestellen: MER.-Reifebüros. Festtagskarten. Wer an Pfingsten in Urlaub ober Ferien fahrt, hat auch bie Möglichkeit, eine Festtagskarte zu lösen, bie zur Hin- und Rückfahrt an allen Tagen in der Zeit vom 2. Juni bis 9. Juni 1938 gilt unb nach allen Bahnhöfen gelöst werden kann Bei Benutzung zuschlagpflichtiger Züge ist der volle Dem Auge das Beste! Lassen Sie sich beraten von Optiker Jlia&nus dem Optiker Ihres Vertrauens / Seltersweg 33 Kassenlieferant. Zuschlag zu zahlen. FD^-Züge sind von der Benutzung ausgeschlossen. Die Ermäßigung der Festtagskarten beträgt auf alle Entfernungen 33% v. H. Ausgabestellen: Fahrkartenausgabe und MER.- Reisebüros. Unterschiede zwischen den wichtigeren Ierienfahrkarten. Urlaubs- Karten Ostpreußen- Rückfahrkarten Feriensonderzug- Karten Fahrscheinhefte zu erm. Preisen Ausgabestellen .... Fahrkartenausgaben und MER.-Reisebüros Desgl. Nur Fahrkartenausgaben Nur MER.- Reisebüros Mindestentfernung. Je 200 km für Hin- u. Rückfahrt Desgl. Unbeschränkt 600 km für ganze Reisestrecke (hin u. zurück) Züge ............ Für Personen-, Eil- u. Schnellzug 201-800 km 20-26% 801-1000km26-31% üb. 1000 km 31-45% Desgl. 201-800 km 40% Hinfahrt Ferien- • sonderzug. Rückfahrt mit fahrplanmäßigen Zügen 40%, im Verkehr Nur für Schnellzüge 20% (Nur auf den Per- nenzugf^hrpreiS) ab 801 km ettva§ mehr als 40% mit Ostpreußen 60% Hin Tarifweg, zurück auch Umweg, höchstens 50% weit, als Hinweg Desgl. Hinweg mit Ferien- Umwege unbs- sonderzug, Rückweg vorgeschrieben auf der Fahrkarte schränkt zugelassen, auch auf dem Hinweg Antritt der Hinfahrt L Geltungstag Desgl. Desgl. Jederzett während der Geltungsdauer Frühester Antritt der Rückfahrt....... 7. Geltungstag Einmal bei Hinfahrt, viermal bei Rückfahrt Jederzeit zugelassen Zweimal b. Hinfahrt, viermal bei Rückfahrt Jederzeit zugelassen Jederzeit zugelassen Unbeschränkt ♦ Fahrtunterbrechung. Auf der Hinfahrt im Sonderzug nicht. In fahrplanmäßigen Zügen innerhalb der Geltungsdauer auf Buchfahrkarten beliebig oft, auf Fahrkarten in Zeitkartenform. Hinfahrt einmal, Rückfahrt viermal Geltungsdauer .... 2 Monate 2 Monate 2 Monate 2 Monate Reisen ins Ausland . (über See, mit Flugzeug, Luftschiff) Geschlossene deutsche Bahnfahrt, also Ein- und Ausreise über denselben Grenzbahnhof Desgl., jedoch mit Seediensturlaubskarte Hinfahrt mit Schiff, Rückfahrt mit Bahn ob. umgekehrt Geschlossene deutsche Bahnfahrt Aus- und Einreise auch über verschied. Bahnhöfe zugelassen, wenn Anschluß- - karten nach dem Ausland, Schiffskarten usw. vorhanden sind. Am heutigen Samstagmorgen traten etwa 900 Jungmädel des Standortes Gießen des Untergaues 116 zu den Reichssportwettkämpfen an. Die Wettkämpfe wurden auf dem Waldsportplatz des DfB.- Reichsbahn ausgetragen. In einem großen Viereck marschierten die einzelnen Gruppen um einen Fahnenmast auf. Mit dem gemeinsamen Lied „Reiht euch zu vieren" wurden die Wettkämpfe eingeleitet. Anschließend gab die^ Untergauführerin Frl. Gäbel mit einem Sinnspruch den Befehl zum Hissen der Flagge und damit zum Beginn der Wettkämpfe. Gleichzeitig fand ein Appell für die Teilnehmerinnen an der Hessen-Nassau-Fahrt statt, die am 2. Juni beginnen wird. Etwa 80 Mädels standen mit ihren Tornistern zur Besichtigung bereit. In der Zwischenzeit betreute die Aerztin die aus gesundheitlichen Rücksichten irgendwie behinderten Jungmädel, während die Sportwartin des Untergaues, Frl. Flury, mit ihren Mithelfern die Vorbereitungen für die Durchführung der Einzeldisziplinen traf. Leider setzte ein leichter Regen ein, der den Kämpfen auf dem Rasenplatz nicht gerade förderlich war. Beim Rangieren tödlich verunglückt. Am gestrigen Freitagabend ereignete sich im Gießener Bahnhof ein schwerer Unglücksfall, dem leider ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel. Beim Rangieren wurde der 26 Jahre alte unverheiratete Rangierarbeiter Walter Müller aus Klein-Linden Überfahren unb so schwer verlebt, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Ein zweiter Arbeiter erlitt einige Hautabschürfungen und konnte sich nach ärztlicher Hilfeleistung nach Hause beaeben. Die Ermittlungen über die Ursache des tragischen Unglücksfalles find im Gange. Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 28. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf.» Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, Wirsing, % kg 15 bis 20, Weißkraut 20 bis 22, gelbe Rüben, neue, das Bündel 18 bis 25, Karotten^ % kg 12 bis 15, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 8 bis 10, Römischkohl 8 bis 12, Spargel, 1. Sorte 6Q. 2. (Sorte „§5, 3. Sorte 50, 4. Sorte 35, Erbsen *18 bi» 20, Tomä.^n 40 bis 60, Meerrettich 40 bis 50, Rhabarber 18 bvL 20, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg>2 30 bis 3,90 Mark, neue, % kg 16 bis 20 Pf., Aepfek 20 bis 40, ausländische Aepfel 55 bis 60 Pf., Hährxe 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis,1,05 Mark, Tauben, das Stück 60 Pf., Blumenkohl 50 bis 60, Salat 5 bis 15, Salat- gurten 45 bis 60, Oberkohlrabi 20 bis 22, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Rettich 10 bis 15, neue, das Bündel 20 Zis 25, Radieschen, das Bündel 8 bis 12 Pst. ** Orasoer ft eigerungen veranstaltet die Stadt Gießen am nächsten Montag. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. Große Strafkammer Gießen. Arn gestrigen Freitag hatte sich vor der Großen Strafkammer der K. K. aus Ober-Mörlen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und llebertretung der Reichsstraßenoerkehrsardnung zu verantworten. Der Angeklagte fuhr am 12. Januar d. I. nachmittags, als es schon dunkel war, von einer Gastwirtschaft in der Nähe von Bad-Nauheim nach Ober-Rosbach. In dem Führerhaus des von ihm gesteuerten Lastkraftwagens saßen noch H. und K.; rückwärts auf dem Wagen befanden sich noch einige Leute aus Ober-Rosbach, die der Angeklagte nach Hause fahren wollte. Anstatt die ordnungsgemäße Straße nach Ober-Rosbach zu benutzen, fuhr der Angeklagte an einer Stelle, wo keinerlei Zufahrt auf die Reichsautobahn ist, einfach auf diese herauf. Auf die gleiche Weise verließ er wieder die Reichsautobahn, um auf die Straße von Köppern nach Ober-Rosbach zu kommen. Kurz bevor der Angeklagte die eigentliche Hauptstraße erreicht hätte, ereignete sich der Unglücksfall. Als der Angeklagte mit einer Geschwindigkeit, die für die gegebenen Umstände zu hoch war, von dem chaussierten Teil der Sttaße seitlich auf die schlüpfrige Grasnarbe kam, geriet der Wagen ins Schleudern und schlug um. Dabei kam K., der vorne gesessen hatte, unter den Wagen und war sofort tot. Auch von den Leuten, die rückwärts gewesen waren, erlitten zwei schwere Verletzungen und mußten in das Krankenhaus übergeführt werden. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung in Verbindung mit einer lieber» tretung der §§ 1 und 49 der Reichsstraßenoerkehrs- ordnung zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten. Bei der Beurteilung der «Straftaten fiel erschwerend ins Gewicht, daß der Angeklagte in skrupelloser und leichtsinniger Weise die Leben der mit ihm fahrenden Leute gefährdet hatte. Nachdem der Angeklagte im Lause des Tages mehrere Glas Bier getrunken hatte, wäre er um so mehr zu einem langsamen, vorsichtigen und ordnungsgemäßen Fah- ren verpflichtet gewesen. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) R. B. in W. Sie hasten nicht nur mit den beiden Grundstücken, die sie als Erbteil erhalten haben, sondern mit ihrem gesamten Vermögen, unbeschadet ihres Rechts die Haftung auf ihren Erbteil zu beschränken. Auch die früher aus dem Erbe erworbenen Grundstücke können bei Eintritt der geschilderten Umstände belastet werden. Di i/M-to w tl Schöndube-!- gen Mano 3:5, gen Ragno 5:ö, Mikn «k KK. Sfeff Pi Mano Os terwf‘n ----- K, d-gruß G !>»■«« Win ' gchluß der Der vbergruppensuhr die AM f nitoMusso -en Ehrengastes Gauleiter ©Pr , Bei besten P! 15 Uhr das Sp Abt 9. Durch I ging in den ers ■' [ort klar in Füh Freilaufen zeigte des Kav.'Regt. ; statten Torwurf bare Stühe der A. 9 mangelte e jeder Spieler \V einen müden Ei genau durchdach Die uneigennüj ben günstigst st Spielmomenten hn von ihm am gerügten Einklan zeit sah einen v Regt. 3. Zu Beginn d heblich ausgemu trat stärker h eigenen Schwu tragen. Nach ü)m trotz schn oer Kavallerie zu erziele schnellen und s-heiktte jedoch oer,Metten j)a tonnte L. g W gutmachen ™" Spü-l m des Kaoalle Än, be°.,et uni ? mit ®"n'n । 5-:K: sm Hte^rh WS Ig-Ä «Sä r'"b °°n ber $„ ar,en b°tr°„ auf 90be unb Uzzj . 'a9start'len fa hjin* 4, Fahrscheinheft 3U enn. Preisen 9hir MER.« ^isebüros '00 km snr gQnie ^lsestrecke sichtet und r und -.MnlM e. u ^Sonntag ? urde am/- Viiktsta«, Kall» s;i,X A Geschäfts-Drucksachen W Briefumschläge ES bei Brühl. Schulstraße 7 Geschäfts kar-ter Naturschutz ist Dienst an Volk und Vaterland Naturschutz im Dritten Reich Einführung in Wesen und Grundlagen zeitgemäßer Naturschutzarbeit Don Professor Dr. Walther Schoenichen Direktor der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen. Band 12 der Naturschutzbücherei. Mit 12 Bildtafeln. Geb. RM. 1.80. 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Die Stadt Gießen läßt Montag, den 30.2Uai 1938, folgende Grasnutzungen für das ganze Jahr öffentlich versteigern: 3650A Vormittags 8 Ahr (Zusammenkunft an der Rod- Heimer Straße, beim Städtischen Schlachthof) die frühere Ockelsche Wiese an der Rodheimer Straße und die städtischen Feldwege und Gräben usw. im Neustädter Feld. Vormittags 10 Uhr (Zusammenkunft an der Kläranlage) eiye Wiese bei der Kläranlage, die Wege und Flutgräben im Seltersberger Feld bis Leih- aesterner Weg. Nachmittags 14 Uhr (Zusammenkunft Erdkauterweg vor dem Bahnübergang) acht Kleestücke und eine Wiese am Erdkauterweg, fünf Kleestücke am Schiffenberger Weg, anschließend sämtliche Feldwege im Altenfeld. Nachmittags 15^ Uhr (Zusammenkunft beim Arbeitsdienstlager) die Wege und Flutgräben im Triebfeld und Lechenau bis zur Lahn, sowie Wiesen und Kleestücke an der Sandgrube Liebigs- höhe, am Philosophenwald und an der Friedhofsallee. Kleinere Beträge sind bei der Versteigerung sofort zu entrichten. Gießen, den 28. Mai 1938. z Der Oberbürgermeister. 3. 23.: Nicolaus. ' 0*40tß/ttöc* HrickslMkio fürRrbettsbosÄcmung M3.60OW Bohnenstangen Erhsenreiser sämtliche Sorten Kunstdünger billigst 32soD HMslei Steinstr. 73. Rot 3581 vom Fachmann K. Kling vorm. Heger Bandagist Marktstraßelß Kassenlieferant Damenbedieng. Mit Reichsautobahn-Fernganggetriebe d. h.: Die Drehzahl der Maschine wird um ca. 1200 Touren reduziert; Brennstoffersparnis ca. 5 Liter die 100 km Reichsautobahn. — Autorisierte Vertretung: 3652D W. Letsch, Gießen,Tel. 3235 ab RM 8500 ab Werk Habe meine augenärztliche Sprechstunde in die Liebigstrafce 4L verlegt Prof. Dr. Kranz (Sprechzeit täglich 12 bis 13 Uhr außer Montags. Behandlung von Privatpatienten u. 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Zeitersparnis scheint ja den Kraftfahrern immer besonders am Herzen zu liegen, denn es kann als üblich gelten, daß immer jene die wenigste Zeit haben, deren Wagen die meisten „Sachen" machen Mit der Kilometerzahl, die der Wagen in der Stunde zu fahren vermag, wächst auch die Eiligkeit seines Besitzers. Zeitgemäß gestaltet ist bei größeren, Firmen der Branche auch die Wagenwäsche. 'Der Wassereimer spielt schon längst keine Rolle mehr. Wasser trifft heute unter verhältnismäßig starkem Druck So bedeutet die „Wagenpflege" das Hauptarbeitsgebiet jener Werkstätten, die im stetigen Dienst am Kraftfahrzeug stehen. Diese „Wagenpflege" ist in den vergangenen fünf Jahren in ihrer Technik außerordentlich entwickelt worden. Auch in dafür liegt darin, daß der deutsche Kraftwagen der führenden Marken K o n st r u k t l o n s m a n g e l, aus denen früher manche Reparatur sich ergab, nicht mehr kennt. Das moderne Auto ist so ausgewogen gebaut, so durchkünstruiert, daß jeder Teil des Wagens nur einem normalen Verschleiß unterworfen ist und Ueberbeanspruchungen vermieden werden können. Heute rühren „Reparaturen" meist aus Unfällen her. Und Unfälle? Diese werden wohl nie ganz zu vermeiden sein, aber die Entwicklung führt dahin, daß ihrer immer weniger werden. Wir hören, daß es Zeiten gab, da der Nachtdienst der Kraftwagen-Reparaturwerkstätten drei- und viermal in der Nacht vom Sonntag zum Montag zu Hilfeleistungen starten mußte, um Haib- oder ganz Betrunkenen den Kraftwagen abzu- schleppen. Die straffe Strafverfolgung betrunkener Kraftfahrer zeigt unverkennbare Wirkungen: die Unfälle — der Wagen am Baum — werden seltener! Zweifellos spielt hier auch die Tätigkeit des NSKK., Dor allem z. B. der Verkehrserziehungsdienst, eine große Polle. Im Interesse des steigen- Jm Ersatzteillager.. den Vertrauens zur Kraftfahrt begrüßen auch mittelbar Beteiligten diese Entwicklung. * Kraftwagenpflege im Dienst -er Verkehrssicherheit Gießen gibt es eine ganze Reihe von Unternehmen, die sich mit vorbildlichen Einrichtungen versehen haben. Wir sahen uns in einem solchen Betriebe um und erlebten viel Interessantes, hörten manches Wissenswerte, das wert erscheint, auch dem Fernerstehenden nahegebracht zu werden. Da fand man sich plötzlich vor einer großen Schalttafel und zwei tiefen Arbeitsgruben, über denen zwei Autos Anfahrplatz hatten. Auf den Schalttafeln gibt es keine komplizierte Armatur zu sehen, sondern nur einige Uhren. Es handelt sich hier um die Stände für Motorenspülung und Oelwechsel im Kurbelgehäuse. In wenigen Minuten werden durch kräftige Pumpen viele Liter Oel durch den Motor gepreßt, und alle Krusten im Motor gehen mit. Es ist nur ein Schlauch an das Gehäuse des Motors anzulegen und ein Hebel am Steuerstand herumzuwerien. Noch rascher als die Motorenreinigung vollzieht sich der Oelwechsel im Kurbelgehäuse. In Minuten kann sich der Kraftwagenbesitzer davon überzeugen, wie es im Kurbelgehäuse ausgesehen hat. Schwarzes, schweres Oel verläßt das Gehäuse, es wird unter Druck herausgetrieben, und das reine Oel fließt nach! Vom gleichen Stand aus kann auch das Oel als Zusatz für den Betriebsstoff getankt werden Die mo- auf die Flächen, und der Schmutz ist rasch gelöst und fortgespült. Oftmals arbeiten zwei und drei Mann mit ihren intensiv arbeitenden Spritzgeräten an dem Wagen, während der Besitzer in einem eigens für ihn hergerichteten Warteraum seine Zeitung liest, Telephongespräche führt oder an Hand von Spezialkarten seine weitere Reiseroute'festlegt. „D i e n st am Kunde n" nennt man das, und es hat allen Anschein, daß er sich mehr zu einem großen und allgemeinen Dienst an der deutschen Kraftfahrt entwickelt. — In der geräumigen W e r k st a t t, in der zahlreiche Wagen untergestellt und in alten ihren Teilen überprüft werden können, sind Mechaniker und Schlosser an ‘ der Arbeit. Für jeden Kraftwagen, der in der Werkstatthalle zur Ueberholung oder auch nur zur Überprüfung ausgestellt werden kann, ist eine Arbeitsgrube da, von der aus der Mechaniker ohne Mühe und ohne in angestrengter Lage arbeiten zu müssen, stehend und bequem 'tätig sein kann. Auch eine, eigne Lackiererei ist vorhanden. Die traurigen Kennzeichen von Karambolagen werden in kürzester Zeit üicht nur in der Werkstatt ans» gebeult, sondern die beschädigten Teile, mit Hilfe der preßluftbetriebenen Lackspritzpistole so wieder hergestellt, daß man glauben könnte, die Karosserie komme neu von der Fabrik. Innerhalb der großen Werkstatt gibt es außer- dem eine besondere Abteilung: die Spezial- Werkzeug -Ausgab-e! Zwar hat jeder Mechaniker das grundsätzlich notwendige Werkzeug im eigenen Kasten seines Arbeitstisches. Für bestimmte Arbeiten sind aber doch besondere und oft teuere Werkzeuge da, die nur von Fall zu Fall ausgegeben werden. Eine wichtige Rolle spielt heute in jeder Werkstatt der Autobranche das „Ersatzteil-Lager". Kraftwagen von unten gesehen; moderne Arbeits- gruhen erleichtern die Arbeit. Jetzt ist die Hauptreisezeit da! Kein Kraftwagew besitzer, der bisher vielleicht in übermäßiger Sorgfalt und Liebe sein Auto bei Regenwetter zu Hause ließ, wird es jetzt „im Stalle" stehen lassen. Dabei macht einem Auto unserer Zeit das schlechte Wetter nicht sonderlich viel aus, wenn dies auch nicht etwa bedeuten soll, daß das Auto der Pflege uni) sorgfältigen Haltung entraten könnte. Vielmehr ist die Wagenpflege eine Notwendigkeit, die nicht nur der Erhaltung des Wagens dient, sondern vor allem auch der Verkehrssicherheit.. Hier haben sich übrigens Begriffe gewandelt. Sagte map nicht früher häufig genug: der Wagen muß zur „Reparatur"? Und die „Reparatur" schien in den ersten Jahrzehnten öe£ Automobils etwas Zu sein, mit dem sich der Kraftfahrer eben abzufinden hatte, wenn er auch immer seufzend den Geldbeutel zücken mußte. Wir sprachen mit einem Fachmann über dieses Kapitel und ließen uns sagen daß beim heutigen Kraftwagen eine große Anzahl von Reparaturen einfach fortfällt, die zu früherer Zeit gang und gäbe waren. Der Grund I OPEL MOTORWAGEN-VERKAUFSGESELLSCHAFT M. B. H. GIESSEN Verkauf: Frankfurter Stralse 52 Betrieb: Marburger Straße 145 Ruf 2847/48 Größte und modernste Werkstatt Besteingerichtete Schmierdienst-Station Groß-Tankanlage mit allen Bequemlichkeiten 369 t A 9J.5, HG. 10. — Llch. (9.9.30, Festg. der vereimoten Kirchen- und Frauenchöre des Ev. Dekanats Gietzen, Studienrat Lic. Schorlemmer, Kall., Geistl. Abendmusik mit Werken v. Hch. Schütz, Anspr. Propst Knodt (Gießen) 16.30. — Hungen. G. 10, KG. 11. 1. Juni. Gießen. Ztadlkirche. AG. 20.30. 2. Juni. Gießen. Zohannessaal. Bibelbesprcchung 20, Ausfeld. Christliche Gemeinde, Zu den Mühlen 2. 29. Mai. Erbauungsstde. 9.45, Svnntagsschule 11, Evangelisation 20.30. — 31. Mai. Bibel- u. Gebetstunde 20.30. Bund freikirchlicher Christen. Gießen. Großer Steinweg 4 H. 29. Mai. Bibelstde. 15.30. — 1. Juni. Bibel- und Gebetstunde 20.15. Neuapostolische Gemeinden Gießen, händelstr. 1, Ederstr. 13. 29. Mai. G. 9.30, 16. — 1. Juni. 20.30. Katholische Gemeinden. (W = Beichtgelegenheit, M. = Messe, K. = Kommunion, P. - Predigt, HmP. = Hochamt mit Predigt, DuA. - Dortrag und Andacht, A. = Andacht.) Aus aller 5. Deutscher Apolhekertag in Frankfurt. Als Auftakt tum 5. Deutschen Apotheker- t a g fand in Anwesenheit des Gauleiters und Reichsstatthalters S p r e n g e r^im Röp>.r ein Empfang der Mitglieder der Reichsapothekerkammer durch die Stadt Frankfurt statt, bei dem Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs den Gästen einen herzlichen Wollkommengruß entbot. Der Oberbürgermeister gab einen Rückblick auf die historische Entwicklung des Apothekerwesens, das aus dem Stand der Gewürzkrämer hervorgegangen sei. 1343 sei in Frankfurt zum erstnmal ein Apotheker erwähnt, bei dem man neben Gewürzen auch Arzneimittel habe kaufen können. Reichsapothekerführer Schmierer dankte für den herzlichen Empfang. 75-Jahrfeier der Landwirtschaftlichen Institute der Universität Halle. Bei der 75-Jahrfeier der Landwirtschaftlichen Institute der Universität Halle- Wittenberg hielt Reichsbauernführer Darrs eine Rede. Er erinnerte daran, daß in Halle die wissenschaftliche Arbeit auf allen Gebieten der Dererbungs- und Abstammungslehre einheitlich ausgerichtet und er schon vor 15 Jahren von seinen Halleschen Lehrern auf die menschliche Rassenkunde hingewiesen worden sei. Als Jubiläumsgabe überwies der Minister der Universität 100 Morgen Nutzfläche, auf der eine bäuerliche Musterwirtschaft entstehen soll. Zugleich stellte er den Instituten einen namhaften Betrag zur Verfügung. Die Glückwünsche Reichsministers Rust über- brachte der stellvertr. Staatssekretär K u n i s ch , der ebenfalls eine Reihe wesentlicher Förderungsmaßnahmen ankündigte, darunter die Errichtung einer Landmaschinenhalle mit einem Aufwand bon 100 000 Reichsmark. Ausstellung „Entartete Musik in Düsseldorf. In Düsseldorf wurde die A u s st e l l u n g „Entartete Musik" eröffnet. Der Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters in Weimar, Reichskultursenator Staatsrat Dr. Ziegler, erHärte? durch diese Lehrschau solle von der hohei^ Warte nationalsozialistischer Kulturpolitik äus auch in der Musik ein Schlußstrich unter gewisse Entartungserscheinungen gezogen werden. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl jener Scheingrößen, die in der Systemzeit sich als anmaßende Wortführer der deutschen Musik Geltung verschafft hatten. Das umfangreiche Bild- und dokumentarisch« Material wird er- gänzt durch Schallplatten, die dem Besucher ‘eine Vorstellung vom zersetzenden Scheingeist jener „Musiker" und ihrer Helfer- vermitteln. Reichskoloniattagung in Bremen. Zur Tagung des Reichskolonialbundes in Bremen traf eine große Zahl auswärtiger Gäste ein, darunter Reichsverkehrsminister Dr. Dorp- müller und General a. D. von Lettow-Vor- b « ck. Regierender Bürgermeister SA.-Gruppenfüh- rer Boehmcker bezeichnete Bremen als die Wiege der kolonialen Betätigung Deutschlands. Aus der Stadt seien einst Männer wie Lüderitz ausgezogen, um den Anstoß zum Erwerb der Kolonien zu geben. Seither habe Bremen niemals die Verbindung zu den Kolonien verloren. Der Chef der Bundesleitung ^-Oberführer Konteradmiral a. D R ü m a n n verlas im Auftrage des durch Krankheit verhinderten Bundesführers Ritter v. E p p eine Kundgebung. ^-Oberführer R ü m a n n führte aus, die Reichskolonialtagung lege Zeugnis ab von der Treue zur kolonialen Idee und von dem festen 29. Mai. Gießen. B. 6.30, M. 7, K. 8, HmP.Y, Singm. m. P. 11.15. Bis zur Andacht Anbetungsstunden. Sakramentsf. 14.30. — Grünberg. HmP. 9.30. — Lich. HmP. 10, Dortr. u. And.^20. — Hungen. HmP. 8. — Nidda. HmP. 8.15. — Schotten. HmP. 10.30. 30. Mai. Laubach. M. 7.30. 31. Mai. Gießen. Letzte Mai-And. 20, Bibelstunde 20.30. 1. Juni. Hungen. M. 6.15. 2. Juni. Gießen. B. 17.30 bis J8.30. 3. Juni. Gießen. Herz-Jesu-Segens-M. 6. Die Christengemeinfchaft (Bewegung für religiöse Erneuerung), Marburger Straße 15. 31. Mai. Menschenweihehandlung 7. Sonntagsdienst für Aerzte. * Arzt: Frau Dr. med. Marx, Bleichstraße 10. — ohnarzt (nur in dringenden Fällen): Dr. Jäger, rankfurter Str. 3. Glauben an Deutschlands koloniale Sendung. Der Bundesführer habe in Aussicht genommen, einen Kolonialen Schrifttums- und Filmpreis von je 5000 RM. zu stiften, der Jahr für Jahr für das beste Kolonialwerk auf dein* Gebiete des Schrifttums und des Films verliehen wird. Drei deutsche Luftpioniere tödlich verunglückt. Bei einem Versuchsflug mit einem neuen Postflugzeug kamen in der Nähe vöir Langeoog Flugkapitän Otto Falke, Oberfunkermaschinist Karl Kirchhoff und Flugzeugsunker Erich Kolbe ums Leben. Die Deutsche Lufthansa verliert mit diesen Männern bewährte Mitarbeiter, die sich bei der Erprobung neuer Flugzeuge und der Erkundung neuer Luftverkehrswege Verdienste erworben haben. Nach zwölf Iahcen wegen Brandstiftung verurteilt. 1926-mar in Feudingen (Kreis Wittgenstein) das Anwesen des O. Heppner niedergebrannt. Die Ermittlungen lenkten wohl den Verdacht der Brandstiftung auf den Besitzer, führten aber zu keinem Ergebnis. 1937 erhielt die Feuerversicherung einen Brief, in dem Heppner der Brandstiftung beschuldigt wurde. Schließlich bequemte sich der Beschul- digte zu einem Geständnis. Das Haus war mit 14 000 Mark vrsichert. Die Versicherung zahlte damals 8000 Mark aus. Heppner hatte sich jetzt vor dem Siegener Schwurgericht zu verantworten, das den Angeklagten wegen vorsätzlicher Brandstif-, tung zu eineinhalb Jahren Zuchthaus, ver« urteilte. — In einem zweiten Falle von vorsätzlicher Brandstiftung, die vor sieben Jahren in Obernau (Kreis Siegen) ausgeführt worden ist. verurteilte das Schwurgericht den Angeklagten Schmallenbach zu eineinhalb Jahren Zucht« haus. Großer amerikanischer Börsenschwindel aufgedeckl. Die Neuyorker Justizbehörde deckte einen riesigen Wertpapierschwindel auf, in den 41 Einzel-" Personen und Effektenbörsenfirmen, darunter eine der führenden Neuyorker Firmen, verwickelt sind. Es handelt sich dabei um finanzielle Transaktionen in sechs sogenannten Investiment Trusts in Höhe von etwa 16 Millionen Dollar. Die Justizbehörde behauptet, daß bei diesen Transaktionen Aktivbestände im Werte von etwa 6 Millionen Dollar durch Papiere fragwürdigen Wertes ersetzt worden seien. Zwei Todesopfer eines Grubenunfalls. -Ein Unglück trag sich auf einer Grube bei T \ (Sieg) zu. Aus bisher noch nicht geklärter T ,e kam eine Sprengladung vorzeitig zur Explosion, .jer 24jährige Bergreferendar Dannenberg und der 42jährig« Berghauer Ha u p r i ch aus Daaden wurden auf der Stelle getötet. 14 Tote bei einem Explosionsunglütt im Hafen von Odessa. Warschau, 28. Mai. (DNB. Funkspruch.) „Ga- zetta Polska" veröffentlicht eine Meldung aus Mos- kau, wonach sich im Hafen von Odessa ein schweres Explosionsunglück ereignet hat. Aus zwei Handelsschiffen, die nach Barcelo-na sollten, gingen riesige Mengen Mumition in die Luft. 14 Arbeiter wurden auf der Stelle getötet, zahlreiche weitere Arbeiter und Matrose^ schwer verletzt: das Feuer, das durch die Explosion entstand, griff auch auf das Hafenmagazin über. Zahl- reiche Personen sind verhaftet worden. Man nimmt an, daß die Explosion das Werk von Leuten der Opposition ist. Wegen eines Ersatzteils wird hestke kaum mehr „an die Firma geschrieben". Teile, die erfahrungsgemäß öfter ersetzt, werden müssen, sind immer auf Lager, und in harmlosen Fällen braucht der Kunde oft nur Minuten zu warten. Die meisten deutschen Automobil-Firmen stehen zu solchen Kraftfahrzeugwar- tungsbetrieben in einem Dertragsverhältnis, das den raschen Dienst am Kunden sichert. Ja, die Inhaber dieser Betriebe sind meist die offiziellen Vertreter der großen Autofirmen und halten sich für die in ihrem Bezirk in Betrieb befindlichen Wagen ihrer Autofabrik und Marke verantwortlich. Was im übrigen für die Unterstützung der Motorisierung auch von feiten des Kraftfahrhandwerks getan wird, ersieht man aus den feit Anfang Februar gültigen Festpreisen für Reparaturen. In gut durchoraanisierten Betrieben hat jeder Kraftwagen des Bezirks in der Kartothek feine Karte, gewissermaßen seinen Steckbrief. Wenn es der Kraftwagenbesitzer mit seinem Fahrzeug gut meint, dann wird er nach bestimmten Kilometern, die der Wagen zurückgeleat hat, zu einer gründlichen Nachprüfung des Wagens kommen. Dann wird jeder, auch der geringste Schaden behoben. Daß in irgendeiner kritischen Situation ausgerechnet „die Bremsen versagt" haben sollen, ist häufig genug ein Märchen. Den Bremsen ist eine so stete und aufmerksame Beobachtung des Fachmannes sicher, daß sie keineswegs das Schmerzenskind zu sein brauchen. Welche Bedeutung den Bremsen und damit der Verkehrssicherheit entgegengebracht wird, ersieht man am besten daraus, daß eine bekannte große Automobilfabrik ihre ganzen Modelle bis zum kleinsten mit Öldruckbremsen" serienmäßig ausstattet. Schlechte Bremsen sind eben immer das Zeugnis des mangelhaft gehaltenen Wagens. Und der schlecht gehaltene Wagen ist eine Gefahr für die allgemeine Verkehrssicherheit. Hier führen also die Wege nach einem großen gemeinsamen Ziele. So Dienen alle diese Einrichtungen der Sicherheit im Kälftfahrverkehr und gleichzeitig dem Wunsche des Führers um Steigerung der Motorisierung Deutschlands. Und alle diese Helfer am großen Werk dürfen stolz darauf fein,, an einem so großartigen Werke Mitarbeiter zu sein. N. Wirtschaft. Khein-Mainische Börse. rNillagsbörse: Uneinheitlich. Frankfurt a. M., 27. Mai. Der Auftragseingang nxir weiterhin klein, ebenso die Unternehmungslust der Berufskreise. Infolgedessen bewegte sich das Geschäft an den Aktienmärkten zumeist jn engen Grenzen. Es brachte lediglich bei einigen Spezialwerten vorübergehend eine leichte Belebung verbunden mit einer kleinen Befestigung, doch war die Kursentwicklung im allgemeinen recht uneinheitlich und sehr vom Zufall qbhängig. Regeres Interesse bestand im Zusammenhang mit der morgigen Bilanzsitzung für JG.-Farben, die auf 157,13 bis 158,25 (156) erholt waren. Etwas mitgezogen wurden hiervon am Montanmarkt Rhein- stvhl mit 141,13 bis 141,75 (140,75), auch Verein. Stahl 0,75 v. H. erholt auf 107, dagegen bröckelten Hoesch, Klöckner und Mannesmann noch leicht ab und Buderus verloren 2,40 v. H. auf 116,13. Von .Kohlenwerten befestigten sich Harpener auf 172,90 (171), aber Rhein. Braunkohlen 228,50 ‘(231). An den übrigen Marktgebieten hielten sich die Schwan- kungen innerhalb eines Prozentes. Conti Gummi konnten sich auf 2Y3.50 nach anfangs 202,75 erholen (204), auch sonst stellten sich später auf Teilgebieten prozentbruchteilige Besserungen ein. Am Rentenmarkt hatten vorläufig nur Kom- munal-Umschuldung mit 96,20 (96,15) efmas regere Umsätze. Reichsanleihe-Altbesitz lagen mit 133 voll behauptet, im übrigen war das variable Rentengeschäft gering. Auch am Einheitsrentenmarkt zeigte die Lage nur wenig Veränderung, ebenso waren nirgends größere Umsätze zu verzeichnen. Liquidationspfandbriefe bröckelten z. T. 0,13 v. H. ab, Gold- pfanbbriefe wurden nur noch vereinzelt repartiert. * Stadtanleihen zeigten zumeist die letzten Kurse, auch Industrie-Obligationen veränderten sich nur wenig. Im Verlause blieb die Haltung am Aktienmarkt unentschieden, im ganzen herrschte jedoch ein eher* etwas freundlicherer Grundton vor. Lebhafter blieben Verein. Stahl bei unv. 107 und JG.- Farben, die weiter anzogen auf 159,25 nach anfangs 157,13. Metallgesellschaft schwankend mit 133,50 dis 134 bis 133,50 (134), etwas erholt waren Buderus mit 117 nach 116,13, ferner befestigten sich AG. für Fäden hin und her. Vornan von Hedda Westenderger. e Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35. 33. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Sie schaut auf und schaut dem Doktor geradeswegs in die Augen. Der Doktor hat das Glas sinken lassen, ohne' daraus zu trinken und ist einen Schritt zurückgetreten. Nun setzt er das Glas ab und legt die Hände auf dem Rücken zusammen. In feinen Augen ist ein schwer erklärbarer Ausdruck. In dem tiefen Blau schimmerst ganz helle, beinahe grüne Lichter. Um seinen Mund liegt «ine leichte Erregung, vermischt mit Spott und Hohn. „Gut gebrüllt^Löwe! Aber unglaubhaft das Ganze. Und wissen Sie, warum? Weil ich mit meinen eigenen zwei Augen.." „ . - ■) schönen blauen Augen", wirft Marga .spöttisch und zornig ein. Aber der Doktor zuckt mit keiner Wimper. „Also gut, mit meinen zwei eigenen schönen blauen Augen gesehen habe, wie eine gewisse junge Dame einen gewissen jungen Mann inniglichst umarmt hat. Draußen im Garten. Heute nachmittag gegen drei Uhr, wenn Sie's genau missen wollen." „Gut aufgepaßt, lieber Doktor!" „Jawohl, zufällig aufgepaßt. Und ich muß sagen, wenn ich auch nicht gerade Lenzschs. begeisterter Freund bin, so finde ich es doch mehr als — na, sagen wir: wenig fair von Ihnen, diesen jungen Mann, den Sie noch vorhin umarmt haben, jetzt schon zu verraten!" „So. Sehr interessant. Und müssen Sie mir das unbedingt mit so erhobener Stimme sagen?" Der Doktor dreht sich, auf dem Absatz herum und beginnt im Zimmer auf und ab zu marschieren. Es ist ja schließlich nicht nötig, daß Marga sieht, wie rot sein Gesicht geworden ist, wie merkwürdig beteiligt er an diesem Gespräch ist. Marga läßt ihn eine Weile schweigend auf und ab marschieren. Dann lächelt sie plötzlich. „Zum erstenmal empfinde ich in diesem Moment die Schattenseiten von Eigelstein." Und ba~ der Doktor verblüfft stehenbleibt: „Jawohl. Weil es nur in Eigel- ftem möglich ist, daß man wegen einer harmlosen Verkehr auf 135,50 nach 134,50, Conti Gummi auf den Vortagsstand von 204 nach 202,75, Adlerwerke auf 116,50 nach 116,25 und Daimler auf 147/75 nach 147,50. Am Einheitsmarkt gingen Faber & Schleicher auf 97 (100,50) zuxück. Am Markt der unnotierten Werte blieb es ruhig, man nannte meist die letzten Kurse, u. o. Dingler mit 95,50, Elsäss. Bad. Wolle mit 87, etwas erholt Rastatter Waggon mit 50 (49) und Ufa mit 71 (70). Tagesgeld unverändert leicht mit 2,25 v. H. Abendbörse still. , Abgesehen von JG.-Farben, in denen auf weitere kleine Käufe zu 159,2-5 bis 159,50 (159,25) etwas lebhaftere Umsätze stattfanden, nahm die Abend- börfe an den Aktienmärkten einen stillen Verlauf. Die Kursgestaltung blieb dabei uneinheitlich, in den meisten Fällen handelte es sich jedoch um nominelle Veränderungen innerhalb eines Prozentes. Deutsche Linoleum wurden in Anpassung an Berlin um 1,50 v. H. auf 171,50 zurückgesetzt, ferner gaben Bemberg auf 144 (145) nach. Knapp gehalten waren Adlerwerke mit 116,25 (116,50), Mannesmann mit 112,13 (112,25), Licht und Kraft mit 139,2© (139,50) und Schlickert mit 181,75 (182) Anderseits erhöhten sich Reichsbank auf 192,50 (192), Holzmann auf 160,50 (160), Metallgesellschaft und Rheinmetall um je 0,25 v. H. auf 133,75 bzw. 144,75. Behauptet lagen u. a. Verein. Stahl mit 107, Rheinstahl mit 141,75, Deutsche Erdöl mit 138; Scheideanstalt mit 246, Gesfürel mit 144. Am Rentenmarkt fanden Kommunal-Umschuldung zu 96,25 (96,20) etwas Interesse. Offenbarer* Holzwertanleihe notierten mit 29,50 (zuletzt 29,50) und 6proz. JG.- Farben ebenfalls unv. 130,40. Nundfunkprogramm Sonntag, 29. 2Hai. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Guten Morgen, liebe Sonne! 8.30: Römisch-katholische Morgenfeier. 9.10: Das Volk als Lebensstrom. 9.30: Chorgefang. 10: Das Lied der Getreuen, Morgenfeier des Reichsführerlagers der HI. 10.30: Deutsche Meister. 11: Feierstunde auf der Steckelburg zum 450. Geburtstag Ullrich von Huttens. 12: Mittagskonzert. 14: Für unsere Kinder. 14.30: Uns gehört der Sonntag! 15: Unterhaltungskonzert mit Berichten vorn Eintreffen der Deutschlandflieger am Ziel in Aspern. 17: Nachmittagskonzert im Bad Wildunger Kurpark. 18: Heimat und Volkstum: Der Wandsbeker Bote im Hessenland. 18.30: Klingendes Kunterbunt. 19: Nachrichten. 19.10: Sportereignisse des Sonntags. 19.30: Anläßlich des 125. Geburtstages von Rich. Wagner: „Lohengrin", romantische Oper in 3 Akten von Rich. Wagner. 23: Das Ergebnis des Deutschlandfluges 1938. 23.10: Vom Deutschlandsender: Wir bitten zum Tanz. 24 bis 3: Nachtmusik. Montag. 30. Mai. 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Legende von Willy Geisler. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 9.50: Mädel in der Tabakfabrik. 10: Schulfunk. 11.40: Volk und Wirtschaft. 12: Schloßkonzert, 13: Nachrichten. 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Deutsche Meister-Orchester und -Kapellen spielen. 15: Für unsere Kinder. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19: Nachrichten. 19.10: Kleins Operetten-Revue. 20: „24 Stunden Be- denkzeit". 22: Nachrichten. 22.15: Kamerad, wo bist du? 22.45: Nacht- und Tanzmusik. 24 bis 3: Nachtmusik. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. (G. = Gottesdienst, KG. = Kindergottesdienst, HG -- Hauptgottesdienst, HG.-Abendm. - Hauptgottesdienst mit Beichte und Abendmahl.) 29. Mai. Gießen. Stadtkirche. G. 8, Christen!., Markg., Becker, HG. 9.30, KG. 11, Matthg., Schmidt. — Zohanneskirche. G. 8, Christen!., Johs.- u. Militg., Ausfeld, HG. 9.30, Eröffng. d. Konf.-Unt., Lukasg., KG. 11, Bechtolsheimer. — Saal, der Krippe. KG. 11, Johs.- u. Militg., Oesterreich-Abend 20.15, Stud.-Rat Storck, Friedberg. — Petruskapelle. HG. 9.30, Trapp. — Kapelle Alter Friedhof. HG. 9.30, Traum, KG. 11, Luthg. — wieseck. HG. 9.30, Hahn. — Klein Linden. G. 9, Christen!, weibl. Jugd., KG. 10.15. — Garbenteich. G. 9. — hausen. G. 10.15. — Albach. G. 8.45. — Steinbach. HG.-Abendm. 9.45. — Kirchberg. KG. 9, HG.-Abendm. s. d. Jgn. v. Ruttershausen 10, Singspiel 20. — Lollar. KG. 9, G. 14. — Daubrin- gen. G. 10, KG. 11. — Heuchelheim. KG. Abt. I u. II Umarmung im Garten gleich verdächtigt wird, den Betreffenden zu lieben. Wissen Sie, warum ich Lenzsch umarmt habe? Weil ich ihm zeigen wollte, wie wahnsinnig eifersüchtig Tapsy ist! Nur darum! Oder glauben Sie vielleicht, ich bin so dumm und taktlos, solche Aktionen, sofern sie ernsthaft gemeint sind, im Garten vorzunchmcn, wo ich doch weiß, daß Sie alle hinter der Gardine stehen!" „Oho! Nun hör Euch einer die kleine Giftkröte an! Warum denn plötzlich so gereizt? Was wäre denn schließlich auch dabei, wenn Sie Lenzsch wirklich liebten und er Sie?" Marga ist das Blut siedend heiß in den Kopf gestiegen. „Zum Donnermefter noch mal, ich liebe ihn jaber nicht! Er ist mir wurscht, absolut wurscht!" Der Doktor nimmt seinen Gang durch das Zimmer wieder auf. ,>Um so besser, liebes Kind. Aber objektiv gesehen: wenn Sie also diesen nicht lieben, so werden Sie irgendeinen anderen lieben oder lieben lernen. Sie sind ja schließlich in dem Alter, in dem eine'Frkiu heiraten möchte und heiraten soll. Also liegt's doch nähe, daß man, wenn man Sie zufällig in einer zärtlichen Umarmung „Die war gar nicht zärtlich!" „Na ja, vielleicht. So genau hab' ich's ja nicht gesehen. Ich meine auch nur- ... Aber lassen wir jetzt das Thema Lenzsch doch lieber fallen. Sonst kratzen Sie mir noch die Augen aus. Und sagen Sie mir statt dessen lieber ..." Er hält zögernd inne und schaut Marga prüfend an. Marga hat beide Augenbrauen hochgezogen. „Nun?^ „Vielleicht ist cs indiskret", murmelt der Doktor, „vielleicht ..." Aber dann gibt er sich einen Ruck, schiebt seine beiden breiten Schultern nach hinten und stemmt die Hände zwischen Achselhöhle und Schulterblättern ein, was ihm eine ganz ungewöhnlich gerade, fast könnte man sagen, gewaltige Haltung gibt. So bleibt er ein paar Sekunden reglos, dann läßt er sich wieder in sich selbst zusammenfallen. „Wenn es nicht Lenzsch ist, den Sie lieben, so wird es ein anderer fein, und ich — ich wüßte es gern." Eine tiefe Stille entsteht. Marga hat ein Gefühl, als schlössen sie jetzt erst die Wände um sie her ganz dicht von der Umwelt ab. „Warum möchten Sie das gern wissen?" fragt sie dann leise, mit unterdrücktem Der Doktor hat sich gegen den Schreibtisch gelehnt und trommelt mit den Fingern gegen das dunkle Holz. „Warum?" wiederholt er langsam. „Weil ..." Er schaut auf, schaut die Decke entlang, schaut über die Bücherwände und den Teppich am Boden hin und richtet schließlich einen fast scheuen Blick auf Marga. „Sie sind so ein besonderer Mensch. Es ist unvorstellbar, daß Männer von einigermaßen Format an Ihnen vorübergehen könnten, ohne ... Und andererseits: Sie find siebenundzwanzig. Sie werden nicht den ersten besten nehmen. Auch keinen von den ganz jungen. Wen also wählen Sie? Wen — haben Sie gewählt. Wie sieht der Mabn aus, wie ist er? Es berührt Sie vielleicht sonderbar, daß ich diese Frage stelle, und daß mich diese Dinge interessieren — gerade mich. Aber es ist da wenig zu erklären. Sie kamen, sahen und siegten, wenigstens, was meine Person anlangt, und nun ist ein brennendes Interesse für alles da, was mit Ihnen zusammenhängt. Vielleicht -auch so etwas wie Neid, weil andere Menschen doch sicherlich viel'mehr von Ihnen wissen und ftets' wissen werden. Und weil überhaupt ..." Er hält inne und.fährt sich nervös über die Stirn. Hat er nicht ein bißchen viel gesagt? Ist nicht aus seinen Worten schon deutlich herauszulesen, wie es um ihn steht? Aber dann packt ihn plötzlich ein fast wilder Trotz, eine Begierde, alles auf eine Karte zu setzen: Soll sie cs doch merken, wie es um ihn steht! Soll sie doch! Vielleicht ist es gar nicht so grotesk, daß er in seinem Alter sein Herz noch mal und nöch dazu für so eine junge Frau entdeckt! Und wer weiß, viels leicht — vielleicht ... Er wagt nicht zu^Ende zu denken. Er steht da und schaut auf seine Schuhe hinunter, und der Atem preßt ihm beinahe die Brust auseinander. Auf einmal spricht Marga. Sie sitzt tief zurückgelehnt in ihrem Sessel, die Hände auf dem Schoß gefaltet. Sie spricht vor sich hin, als wäre sie allein im Zimmer: „Ich bin gar kein so besonderer Mensch, wie Sie glauben, Doktor Hammerbacher", sagt sie nachdenklich und ein wenig singend. „Ich bin nur ... Für uns, die wir in den Nachkriegsjahren in den Beruf getrieben worden sind, sieht sich das Leben bloß ein bißchen härter und Deianlwojlu^g^p.oIIex an, und deshalb sind wir vielleicht in uns selbst abgeschlossener, ausgereiftcr, als andere Generationen von Frauen es in unserem Alter sein konnten. Glauben Sie nur, es gibt Tausende meiner Art. Und nicht nur in Berlin. Aber im Allerletzten unterscheiden auch wir uns nicht von den anderen — » wir möchten ebenso igern heiraten wie alle anderen auch. Brennend gern sogar. 9lur sind die Wahl und der Entschluß für uns viel schwieriger als für andere, weil wir so beschwert sind. Verstehen Sie? Und was mich betrifft — ich hätte schon oft heiraten können. Das gebe ich zu. Aber ich habe dann im letzten Augenblick immer irgendwelche Hemmungen gehabt. Einmal wegen meines Berufes, einmal wegen des Berufs des Mannes und so weiter. Sie können sich das ja sicher vorstellen. Und augenblicklich ..." Sie halt inne und hebt ihre Hände ein wenig vom Schoß auf und betrachtet sie nachdenklich. Dann läßt sie sie wieder sinken. „Augenblicklich ist der Wunsch nach der Ehe wieder unerhört groß in mir. Und ich hätte in Berlin auch einen Menschen, von dem ich weiß, daß er ... Er liebt, mich. Wir vertragen uns blendend. Er ist der wunderbarste Kamerad, den man sich denken kann. Aber — er hat meinen Beruf. Wir müßten auch als Eheleute weiterhin gemeinsam tätig sein. Bis ans Ende meiner Tage müßte ich meinen Beruf beibehalten. Und ich bin doch so müde an meinem Beruf! Sie glauben nicht, wie müde! Ja, das . ist der eine Grund, warum ich mich nicht zu diesem Menschen entschließen kann. Und der zweite ..." Sie schaut auf, schaut dem Doktor in die Augen und lächelt verloren: „Der zweite: Wenn er ein einziges Mal auf- trumpfen wollte! Wenn er ein einziges Mal nicht demütig auf meine Entschlüsse warten wollte! Wenn er ein einziges Mal etwas täte, was ich nicht von ihm erwarte! Aber das tut er nicht. Er ist die Sanftheit, die Rücksicht, die Demut selbst. Und mir vorzustellen. ich soll mein ganzes Leben lang dieser Sanftheit gegenüberstehen — ich glaube, ich würde daran zur unausstehlichen Tanthippe. Ich würde das albernste und ekelhafteste Frauenzimmer von der Welt. Zum Schluß würde ich mich selbst und ihn und die ganze Welt verachten. Und darum Sie schweigt und verschränkt die Arme über der Brrill. (Fortsetzung folgt)