Mittwoch, 24-August 1938 188. Jahrgang Nr. I9Z Erstes Blatt Sietzemr Anzeiger Ohne Illustrierte General-Anzeiger für Oberheffen Drutft und Verlag: vrühlsche Univerfilätrdruckerei «.Lange in Siehen. Schristleilung und Seschäftsftelle: Schulftratz« 7 1.80 -.25 Zustellgebühr Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gietzeo Postscheckkonto. Sranffurt am Main 11086 Lrschein, tügltch. autzer Sonntags und Feiertags Beilagen: D,e Illustrierte Gieyener FamilienblLtter Heimat tm Bild Die Scholle Monatr-Bezugspreis: MU 4 Beilagen RM.1.95 Annahme von Anzeige« für die Mittagsnummer vis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Textanzeigen von 70mm Breite 50Npf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg.25°^ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts» u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Horthy und der Führer in Hamburg. VE -MM HO Linheiien der deutschen Zlotte paradierten vor Admiral von horthy. Ein schönes Bild von der großen Parade der deutschen Flotte anläßlich des Aufenthaltes des ungarischen Staatsoberhauptes und seiner Begleitung in Kiel: Die Vorbeifahrt der Schiffe an Admiral von Horthy und dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler wurde von dem Schlachtschiff „Gneisenau" (im Bilde links) eröffnet. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Hamburgs erster Gruß an seine Gäste. Zubelstürme der Menschenmassen im Hafen. am Ufer stehenden Kränen, auf den Stahlpfeilern der Hochbahn, die sich am Ufer entlang zieht, haben sich Hamburger Jungen erhöhte Beobachtungsplätze gesichert. Auf den im Hafen liegenden Schiffen sieht man die Besatzungen vom Offizier bis zum Schiffsjungen an der Reeling stehen. Vor den Sankt-Pauli-Landungsbrücken, wo der Dampfer „Adolf Woermann" der Deutschen Ost- afrika-Linie mit zahlreichen Ehrengästen an Bord iestgemacht hat, ist der Andrang der Massen ebenfalls gewaltig. Hier wird der Reichsverweser an der Seite des Führers zuerst den Boden der Hansestadt Hamburg betreten. Mächtige Pylonen überragen den Platz, gekrönt von dem goldenen Hoheitszeichen des Reiches. Und so wie hier am Hasen stauen sich die freudig bewegten Massen auch in den Straßenzügen, die das Gästepaar mit dem Führer und Reichskanzler auf dem Wege vom Hafen zum Rathaus durchfah» ren wird. Auf dem Adolf-Hitler-Platz, dem Zentrum der Stadt, harrt gleichfalls bereits eine riesige Menschenmenge in tief gestaffelten Reihen der kommenden großen Ereignisse. den weiteren Vertretern der Hansestadt Hamburg von der „Grille" an Bord der „Patria" begibt. Auf dem Deck der „Patria" ist inzwischen Reichsverweser Admiral von Horthy mit seiner Gemahlin erschienen. Nicht endenwollende Kundgebungen der Verehrung ertönen. Bei der Begrüßung überreicht der Reichsstatthalter Frau von Horthy einen prächtigen Rosenstrauß. Der Reichsverweser und der F ü h r e r begeben sich sodann von der „Patria" auf die Staats- jacht „Hamburg", um eine ausgedehnte Rundfahrt durch den Hafen anzutreten. Im gleichen Augenblick steigen auf dem Mast der Jacht die Standarten des Reichsverwesers und des Führers hoch. In der Begleitung der beiden Staatsoberhäupter befinden sich: von ungarischer Seite Ministerpräsi- Francos Bereitschaft. Die von den Engländern und Franzosen mit einiger Ungedutv erwartete Antwort des Generals Franco auf die Vorschläge des Nicht- einmischungsausschusses zum langsamen Abbau des spanischen Bürgerkrieges liegt nunmehr vor. Sie ist zu stimmend ausgefallen, wie das nicht anders zu erwarten war, aber wiederum nicht so zustimmend, wie das jene Kreise erhofften, die Na- tionaljpanien in Fesseln schlagen und auf diese Weise den Rotspaniern die besten Chancen geben möchten. General Franco hat infolgedessen seine grundsätzliche Bereitschaft an gewisse Voraussetzungen geknüpft, gleichzeitig aber auch auf verschiedene Mängel hingewiesen, die dem Verfahren anhasten, das in London beschlossen worden ist. Das mißfällt natürlich denjenigen, die sich den Ablauf der Dinge etwas anoers vorgestellt hatten. Sie machen in Unmut, sie üben heftigste Kritik an General Franco, ohne Damit natürlich an dem Tatbestand etwas ändern zu können, daß Franco ausreichende Sicherheit und Garantien haben muh, um bei der praktischen Anwendung des Londoner Planes nicht überspielr zu werden. Sein gesundes Mißtrauen kommt bei der Behandlung des Freiwilligenproblems klar zum Ausdruck. Einmal wünscht er, daß die von ihm angebotene Abbeförderung von zehntausend Freiwil- ligen — er ist ohne jede Umschweife für den sofortigen Abtransport — in der gleichen Form von der rotspanischen Seite durchgeführt wird. Mußte er entsprechend dem Inhalt des Londoner Beschlusses zur Freiwilligenfrage Stellung nehmen — und das hat er, was noch einmal unterstrichen werden soll, in durchaus positivem und zustimmendem Sinne getan — so mußte er selbstverständlich auch die Schwierigkeiten beim richtigen Namen nennen, die der Auszählung der Freiwilligen auf rotspanischer Seite hindernd im Weg stehen. Wir kennen sie, sie sind oft genug behandelt worden: Auslöschung der fremden Namen und Herkunft der Freiwilligen, dafür Zulegung spanischer Namen und Aushändigung spanischer Ausweise, also der Form nach eine Unsichtbarmachung der fremden Waffenträger Rotspaniens. Und was besonders erschwerend ins Gewicht fällt ist die Nichteinbe- ziehung der Freiwilligen, die aus Staaten kommen, die nicht im Londoner Ausschuß sitzen. Franco hat ausgerechnet, daß dann von vornherein 50 v. H. aller rotspanischen Freiwilligen überhaupt nicht ersaßt werden würden. Damit würden sich automatisch Verschiebungen ergeben, auf die Franco notwendigerweise aufmerksam machen muffte, auch auf die Gefahr hin, daß man ihm in London und Paris schlechte Zensuren erteilt. Wenn Franco von den Mächten fordert, .'aß die Rechte der Kriegführenden noch vor dem Abtransport der Freiwilligen zugestanden werden, so wiederholt er damit eine schon oft erhobene, aber bisher immer unerfüllt gebliebene Forderung. Sie hat an der Themse den meisten Anstoß erregt; was man ja verstehen kann. Denn erhalten die spanischen Parteien diese Rechte, dann können sie beispielsweise auch außerhalb ihrer Hoheitsgewässer fremde Schüfe durchsuchen und nach Kriegsrecht behandeln, wenn diese Kriegsmaterial an Bord haben sollten. Welche Flagge sieht man aber dauernd in den r 0 tspa - n isch-nHäsen? Die E n g l-> n d s ! Welche Schiff-« geraten bei der Bombardierung rotspanischer Hafen dauernd in den Bombenhagel der Flieger Francos . Englische! England hat also schon ein erhebliches Interesse Daran, daß dieser Schiffsverkehr nicht gestört wird. Darum weigert es sich bisher hartnäckig, den beiden Parteien die Rechte der Kriegführenden zuzugestehen. Formell steht es allerdings auf dem Standpunkt, daß dieses Zugeständnis mit dem Sinn der Nichteinmischung unvereinbar sei. Wenn man den ganzen Konflikt lokalisieren, wenn man verhindern wolle, daß der spanische Brand auf andere Staaten überspringe, Dann müsse man auch Konflikte von vornherein ausschalten. Die entstehen könnten, sobald Die spanischen das Recht erhielten, auf hoher See fremde Schiffe wegen ihrer Kriegsmatenalladung anzuhalten und zu beschlagnahmen. Die Konfliktsgefahr wurde sofort zu einem Nichts zusammenschrumpfen, wenn beispielsweise England mit aller Schärfe Die unter feiner Flagge fahrenden Schiffe zwingen wurde, kein Kriegsgerät an Bord zu nehmen. Daß Franco gar nicht daran denkt, den normalen Handel nach Rotspanien zu unterbinden, geht aus seinem Vorschlag, zwei Häfen im rotspanischen Gebiet für reing Handelszwecke unangetastet zu lassen, hervor. ' Betrachtet man die Franco-Note, so darf darüber dieAntwortBarcelonas nicht vergessen werden. Barcelona hatte seinerzeit mit verdächtiger Eile zu den Londoner Vorschlägen ja gesagt, aber ein Ja, um das herum sich allerlei mehr oder minder versteckte Vorbehalte gruppierten. Sie waren so beschaffen, daß Franco Bedenken tragen mußte, ohne sorgfältigste Prüfung des Vorschlages und seiner unbestreitbaren Schattenseiten einen zustimmenden Bescheid zu geben. Er hat ihn schließlich in allen drei Hauptpunkten (Auskämmung der Freiwilligen, verschärfte Kontrolle und' Zugestehung der Rechte der Kriegführenden) erteilt, nur mit dem Unterschied, daß er eine andere Gruppierung dieser Vorschläge vornahm. Das geschah ganz gewiß nicht, um die Bestrebungen der Mächte zu sabotieren. Franco sucht ein gutes Verhältnis zu allen, er hat dabei auch schon beachtliche Erfolge erzielt. Er kennt aber nur die eine, durch nichts einzuengende oder abzuschwächende Aufgabe: die Unabhän- gigkeitdes nationalen Spanien sicher- z u ft e l l e n. Folglich muß er in der Niederringung der Roten so verfahren, daß die hinter den Barcelona-Bolschewisten stehenden Kräfte nicht den ge- Hamburg, 24. Aug. (DNB. Funkspruch.) Seine Durchlaucht der Reichsverweser des Königreiches Ungarn, Nikolaus horthy von Nagybanya, mit feiner Gemahlin und der Führer und Reichs- kanzler find in Hamburg eingetroffen. 3n den frühen Morgenstunden des Mittwochs haben das Elektroschiff „patria“ mit dem Reichsverwefer und feiner Gattin und der Aviso „Grille“ mkt dem Führer an Bord an der Ueberseebrücke festgemacht. Große Menschenmassen stauen sich vor der Heber- seebrücke und in den Uferstraßen des Hamburger Hafens, um das hohe ungarische Gästepaar herzlich zu begrüßen und dem Führer ihre Verehrung und Begeisterung zuzujubeln. Besuch in Helgoland. Insel Helgoland, 23. Aug. (DNB.) Der Reichsoerweser des Königreiches Ungarn und Frau von Horthy trafen Dienstag um 14.30 Uhr mit dem Führer und Reichskanzler und ihrer Begleitung zu einem Besuch Helgolands auf der festlich geschmückten Anlegebrücke ein. Zum Empfang hatten sich der Kommandierende Admiral der Marineftation der Nordsee Admiral Böhm, der Kommandant der Befestigungen von Ostfriesland Kapitän zur See Fänger und die Spitzen der Behörden der Insel eingefunden. Die Bevölkerung und die Gäste der Insel sowie zahlreiche Trachtengruppen bereiteten den beiden Staatsoberhäuptern einen jubelnden Empfang. Nachdem sich die Staatsoberhäupter in das Goldene Buch der Insel eingetragen hatten, besichtigten sie Die Hafenanlagen, die Befestigungen und die Unterkünfte, während Frau von Horthy zunächst Tanzoorführungen der Trachtengruppen beiwohnte und Dann dem berühmten Aquarium der Insel einen Besuch abstattete. Helgoland, das Kleinod der Nordsee, hatte sich zu seinem großen Tag würdig vorbereitet. Der Hafen, das Unterland und das Oberland waren mit zahllosen ungarischen und deutschen Fahnen geschmückt. Die auf der Reede und im Hafen liegenden Schiffe hatten alle über die Toppen geflaggt. Die Brandungsboote zeigten die ungarische und deutsche Flagge. Die Bootsmänner trugen die uralte Helgoländer Fischertracht. Bei der Abfahrt des Führers und feiner hohen Gäste bereiteten die Bevölkerung und die Kurgäste her herrlichen Insel den hohen Gästen stürmische Abschiedskundgebungen der Verehrung und der Dankbarkeit. Konzert an Bord der „patria". AnBordder„Patri a", 24. Aug. (DNB.) Zu Ehren S. D. des Herrn Reichsverwesers des Königreiches Ungarn und I. D. Frau vonHorthy fand am Dienstagabend an Bord der „patria" ein Konzert des Elly-Ney-Trios statt, dem das Reichsverweferpaar und der Führer sowie die übrigen an Bord befindlichen hohen ungarischen und deutschen Persönlichkeiten beiwohnten. Professor Elly Ney, Professor Max Strub und Professor Ludwig Hölscher spielten mit vollendeter Meisterschaft Werke von Beethoven, Schubert und Chopin. Lange anhaltender herzlicher Beifall dankte den hervorragenden deutschen Künstlern für ihre einzigartigen Darbietungen. Jrn Laufe des Abends kehrte der Führer mit einer Reihe ungarischer Herren und seiner Begleitung zum Aviso „Grille" zurück, während das Reichsverweserpaar an Bord der „Patria" blieb. Festlich gestimmtes Hamburg. Hamburg, 24. Aug. (DNB. Funkspr.) Während sonst in früher Stunde nur eilige Barkassen und Hafenfahrzeuge mit den ihren Arbeitsplätzen zustrebenden Schaffenden die Wasser der Elbe durchfurchen, trägt Deutschlands WeltHafen heute das Gepräge eines großen Tages. Zwar setzt zur üblichen Morgenstunde das brausende Lied her Arbeit ein, dröhnen die Niethämmer weithin ihren Takt, heulen die Signalsirenen her Schiffe unb schwingen Hunderte von Kränen ihre Lasten. Doch über allen Schiffen, über allen Werften und Hafenanlagen wehen heute die leuchtenden Banner zweier großer befreundeter Völker im Morgenwind. ringsten Vorteil erlangen können. Würden sie auch nur einen erringen, so müßte sich Franco vorwerfen, wegen der Unabhängigkeit und Selbständigkeit Spaniens nicht genügend wachsam gewesen zu sein. So betrachtet, konnte Francos Bereitschaft nur so ausfallen, wie er sie schriftlich dargelegt hat. Sbt. Weitere Fühlungnahme mit Franco. Reuter ist optimistisch. London, 23. Aug. (DNB.) Jrn Zusammenhang mit der Antwortnote General Francos auf den Freiwilligenplan hat der Vorsitzende des Nichteinmischungsausschusses, Lord Plymouth, am Montagabend den deutschen, italienischen und französischen Geschäftsträger empfangen. Im Laufe des Dienstagvormittag empfing Lord Plymouth außer dem sowjetrussischen Botschafter auch den portugiesischen Geschäftsträger. Reichsverweser Nikolaus von Horthy und der Führer Adolf Hitler weilen im Hamburger Hafen. Vor der Ueberseebrücke hat der Aviso „Grille" Halt gemacht. Hell hebt sich das strahlende Weiß des Schiffsleibes neben dem hohen Rumpf des Elektroschiffes „Patria" ab. Im Sonnenschein glänzt die Standarte des Führers, die auf der „Grille" gesetzt ist, während auf der „Patria" die Standarte des Reichsverwesers leuchtet. Unweit liegen die grauen Stahlleiber des Zerstörers „Friedrich Ihn" und des Torpedobootes „Jaguar" vertäut. Alle Schiffe im Hamburger Hafen haben aus Anlaß des festlichen Tages Über die Toppen geflaggt; golddurchwirkte Girlanden ziehen sich am Ufer entlang. Unzählbar ist die Zahl der Flaggenmasten mit den Bannern des Dritten Reiches und des Königreiches Ungarn. Dor der Ueberseebrücke und entlang des Weges zu den Sankt-Pauli-Landungsbrücken stauen sich ungeheure Menschenmassen in froher Erwartung des Augenblicks, in dem der Reichsverweser mit seiner Gemahlin und der Führer und Reichskanzler auf Deck erscheinen werden. Kein Platz ist unbesetzt; auf den Mauervorsprüngen, auf den Hamburg, 24. Aug. (DNB. Funkspr.) Kurz nach 8.30 Uhr trifft Reichsstatthalter Gauleiter Kaufmann am Hafen ein. Mit ihm erscheinen u. a. Bürgermeister Krogmann, der Kommandierende General des X. Armeekorps General der Kavallerie Knochenhauer, der Führer des Oberabschnitts Nordwest ^-Gruppenführer Pruetz- mann, der Stadtkommandant Generalleutnant von Heineccius, der ungarische Generalkonsul in Hamburg Foß. Der Reichsstatthalter begibt sich zum Aviso „Grille", um sich beim Führer zu melden und ihn in Hamburg willkommen zu heißen. Als der Führer auf Deck erscheint, schwellen die Heilrufe der Massen zum Orkan an, der unvermindert anhält, als sich der Führer mit seiner Begleitung, mit Reichsstatthalter Kaufmann und Der sowjetrusfische Botschafter M a i s k y stattete am Dienstag im Außenamt einen Besuch ab. In der vergangenen Woche bereits hatte er Lord H a - lifax aufgesucht, dem er erklärt haben soll, daß die Sorofetregierung weiteren Abänderungen des britischen Planes zur Zurückziehung der Freiwilligen nicht zustimmen könne. Man nimmt an, daß Maisky Lord Plymouth gegenüber heute diese Sowjethaltung abermals bestätigt hat. Nach Besprechungen zwischen Chamberlain und Halifax über die durch die Franco-Note entstandene politische Lage und nach den Verhandlungen Lord Plymouths beurteilt Reuters diplomatischer Korrespondent Dienstag abend die Lage 0 p t i m i st i s ch e r. Es herrsche allgemein Übereinstimmung unter den Mitgliedern des Nichteinmischungsausschusses darüber, daß ein Weg, um den britischen Plan zur Zurückziehung der Freiwilligen zur Ausführung zu bringen, gefunden werden müsse und könne. Lord Plymouth habe mit denAusschußmitgliedernFühlungge- nommen. Nach seiner Unterredung mit Halifax werde er sobald wie möglich diese informellen Besprechungen fortsetzen. Man stimme allgemein darin überein, daß die Einberufung des Nichteinmischungsausschusses bereits für den jetzigen Zeitpunkt keinem glücklichen Zweck dienen würde. Der Korrespondent hält es für wahrscheinlich, daß eine weitere Fühlungnahme mit General Franco ausgenommen wird. Nach den Kommentaren der diplomatischen Korrespondenten der Mittwoch-Morgenblätter wird in her spanischen Freiwilligenfrage voraussichtlich kein Beschluß gefaßt und auch keine Sitzung des Nichteinmischungsausschusses einberufen, ehe weitere Aufklärungen von Burgos in London eingetroffen find. So schreibt der diplomatische Korrespondent der „Times", die Vertreter der Nichteinmischungsmächte müßten sich zunächst mit ihren Regierungen in Verbindung setzen. Im Augenblick liege noch keine amtliche Erklärung über die britische Ansicht vor. ", II® Dent von Imredy, Außenmimster von Kanja, Honvedminister v o n R a tz. der Chef der Kabinetts- kanzlei des Reichsoerwefers Dr. von U r a y, der Chef der Militärkanzlei des Reichsoerwefers, Feld- marfchalleutnant von I a n y i; von deutscher Seite Reichsaußenminister von Ribbentrop, Reichsminister Dr. Goebbels, Reichswirtschaftsminister Funk, Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei Himmler und weitere Mitglieder Der Reichsregierung und der Reichsleitung der NSDAP., der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Generaladmiral Raeder, der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, General der Artillerie Keitel, als Vertreter des Oberbefehlshabers der Luftwaffe der Kommandierende General der Luftwaffe, General der Flieger Zander. Mit Reicksstatthalter Gauleiter Kaufmann begeben sich die in seiner Begleitung befindlichen führenden Männer Hamburgs an Bord der Staatsjacht. Die Hafenrundfahrt führt zunächst elbaufwärts bis zum Segelschiffhafen, nack Finkenwerder, Kirchwerder und abschließend zu Den Werftanlagen von Blohm und Voß, wo eine eingehende Besichtigung stattfindet. Beim Betreten des Werftgeländes werden die hohen Gäste von den Gebrüdern Blohm und Betriebsobmann Pauli herzlich willkommen geheißen. Männer der Werkscharen Der Werft haben Aufstellung als Ehrenformation genommen. Mit großer Anteilnahme und lebhafter Anerkennung für den hohen Stand deutscher Sckiffsbaukunst besichtigt Admiral von Horthy die Einrichtungen der Werft und die auf ihren Helligen emporwachsenden Reuoauten. Die Gattin des Reichsverwesers hat sich inzwischen von Bord der „Patria" an Land begeben, um, von der Hamburaer Bevölkerung mit lebhaften Huldigungen empfangen, eine Besichtigungsfahrt durch die Hansestadt anzutreten. In ihrer Begleitung be- finden sich von Hamburger Seite Staatssekretär A h r n ß , von ungarischer Seite Legationsrat von G h y c z y und der Flügeladjutant des Reichsoer- wesers Oberstleutnant von Gerloczy. Dichtung Nürnberg. Der diesjährige Reichsparteitag der NSDAP, ist die 10. Reichstagung Der Partei in ihrer Ge- schichte. Im Januar 1923 fand in München der erste Parteitag der nationalsozialistischen Bewegung statt, ver- bunden mit Der Weihe Der ersten vier SA.-Stan- darten. 6000 Mann nahmen teil. Es sollten Drei Jahre vergehen, bis die Getreuen Adolf Hitlers wieder zusammentreten konnten. 1926 fand in Weimar der zweite Parteitag statt. Hier wurde zum ersten Male die Bezeichnung „Reichsparteitag" gegeben. Die Tagung war der Ausdruck ungebrochenen Kampfwillens. 500 Fahnen wurden in den Marschkolonnen an dem Füh- rer Adolf Hitler vorbeigetragen. 1927 war der dritte Reichsparteitag, erstmals war Nürnberg die Stadt dieses Treffens. 30000 SA.-Männer marschierten an dem Führer vorbei, der im Luitpoldhain 12 neue Standarten weihte. Der vierte Reichsparteitag 1929 sah in Nürnberg über 100 000 Nationalsozialisten aus allen (Bauen des Deutschen Reiches. Die vorwärtstreibende Kraft der Bewegung wurde in dieser machtvollen Kundgebung auch den Gegnern offenbar. Es folgten die Jahre des Kampfes, Der Siege und der Opfer. In dieser Zeit blieb für große Reichstagungen wenig Raum, so daß erst im Jahre 1933 wieder ein Reichsparteitag stattfand. Der fünfte Reichsparteitag des Sieges 1933 stand im Zeichen der Machtergreifung Adolf Hitlers und vollzog sich in Den inzwischen traditionell gewordenen Formen. Der sechste Reichsparteitag 1934 führte den Titel „Triumph des Willen s". Erstmals zog der Arbeitsdienst mit 52 000 Mann in Nürnberg auf. 1935 fand der Reichsparteitag der Freiheit statt. Er erhielt seine historische Bedeutung durch die in Nürnberg vom Deutschen Reichstag beschlossenen Nürnberger Gesetze. Der achte Reichsparteitag, der Parteitag der Ehre, brachte 1936 die Kampfansage gegen den Bolschewismus. 10 000 Arbeiter aus dem ganzen Reiche nahmen als Gäste Der Deutschen Arbeitsfront daran teil. 1937 fand der neunte Reichsparteitag der A r - beit statt. Er wurde zum ersten Male verbunden mit den NS.-Kampfspielen. Hier wurde im festlichen Rahmen auch Der Deutsche Nationalpreis für Kunst und Wissenschaft verliehen. Die Proklamation des Führers stellte fest, daß das Diktat von Versailles beseitigt ist. Seit 1934 steht Die Wehrmacht neben Den politischen Soldaten der nationalsozialistischen Bewe- gung im Nürnberger Aufmarsch. Mit neuer Spannung blickt das deutsche.Volk dem 10. Reichsparteitag der NSDAP, entgegen, Der wiederum das imposanteste politische Ereignis dieses Jahres für unser Großdeutsches Reich fein wird. 150 000 politische Leiter marschieren ans. Auf dem diesjährigen Reichsparteitag werden nach einer Meldung Der NSK. rund 150 000 Politische Leiter den feierlichen Höhepunkt eines arbeitsreichen Jahres politischen Alltageinsatzes erleben. Unter ihnen befinden sich 10 000 Kämpfer aus Den neuen Ostmarkgauen. Das gewaltige Aufgebot Der Politischen Leiter wird zur Hälfte in 17 Lagern am Rande der Stadt untergebracht, während die anderen Teil- nehmer über Nürnberg und Fürth verstreut in Schulen und Sälen Quartier beziehen werden. "Am Donnerstag, 8. September, werden 26 000 Politische Leiter dem Führer einen Fackelzug vor dem Deutschen Hof darbringen. 10 000 Mann neh- men dabei als Spalier mit Fackeln längs den Straßen Aufitellung. Tags darauf wird der Großappell der Politischen Leiter mit 110 000 Marschteilneh- mern und 36 000 Fahnen aus dem Zeppelinfeld Durchgeführt. Wie im Vorjahre übernehmen Die Po- utischen Leiter am Tage Des Appels unD großen Vorbeimarsches Der GlieDerungen wieder den Spalierdienst in Nürnbergs Straßen. Anhaltende Zunahme der Eheschlieftungen in Wien. Wien, 24. Slug. besonderer Grund dies rechtfertigt, so z. B. Zuge- : Hörigkeit zu einem nichtdeutschen Volkstum, Fami- i lienüderlieferung, verwandtschaftliche Beziehungen. Veldes, 23. Aug. (DNB.) Zum Abschluß Tagung der Kleinen Entente wurde am Dienstagmittag ein umfangreiches Kommunique von Ministerpräsident S t o j ad i n o w i t s ch bekanntgegeben. Einleitend wird darin erklärt, daß die Staaten der Kleinen Entente weiterhin eine Politik des Friedens betreiben wollten. Ausdrücklich wird das Saloniki-Abkommen zwischen Bulgarien und dem Balkanbund als wertvoller Beitrag zum Frieden begrüßt. Im zweiten und wichtigsten Punkt des Kommuniques heißt es bann über Ungarn: „Der Ständige Rat hat mit Befriedigung festgestellt, daß die feit einem Jahr dauernden Verhandlungen mit Ungarn zu gewissen Abmachungen geführt haben, die den gegenseitigen Verzicht auf jede Gewalt- anwendung zwischen Ungarn und den Staaten der Kleinen Entente, sowie die Zuerkennung der Gleichberechtigung auf dem Rüstungs- gebiet an Ungarn seitens der drei Staaten konnte. Die Verluste, die die Roten bei diesen Operationen erlitten, betragen 385 Tote und 600 Gefangene. Außer umfangreichen Waffenvorräten wurden 34 Maschinengewehre erbeutet. Im Südabschnitt der E st r e m a d u r a ° Front wies die Armee des Generals Queipo de Llano Angriffe roter Formationen ab, wobei sie dem Feinde starke Verluste zufügte und u. a. drei sowjetrussische Wettfeind Bolschewismus. Tonnen von Beweismaterial über die kommunistische Verseuchung Amerikas. P r a g , 24. Aug. (DNB.) Mr. Ashton G aus dem Stabe Lord Runcimans -mer $eit gelesen ist schon W Pvllssrvnt- en. Unb immer e, seine Ernten liegen auch jetzt i Hasen, die oer» । lern, die Schiffe g energisch wer- ' Bemühungen ge- 1 nenden und den ; ) dafür sorgen, ; er Hasenarbeiter ! Truppen den Vormarsch weiter fort, eroberten Puerto San Vicente und befreiten die Straße Tala- vera—Puente del Arzobispo von feindlichen Truppenresten. In den letzten drei Tagen wurden insgesamt an diesem Abschnitt der Front 758 Quadratkilometer erobert. Der Vormarsch wurde durch eine Hitzewelle wesentlich erschwert. Der Feind verlor über 500 Tote und 1500 Gefangene. Die nationalspanische Luftwaffe hat einen besonders großen Erfolg zu verzeichnen. In vier Luftschlachten wurden insgesamt 17 rotspanische Jagdflugzeuge und dreigroßeBomber a b ge sch o s se n. Nationalspanische Bomber griffen mit Erfolg militärische Anlagen im Hafen von Tarragona und in der Stadt Reu 5 an. rn. $=t I°i> im Mittwoch, 0>e lesetzgebunS b Dalabier W Men, die sich •W 'n ' anbere N*!* Die le»’r0«Le ik 'CfÖÄ L über«« ÄW ÄcieI C ** »di'--' ior d°- i ias W btt 5UK 616 ui Die in Algier erscheinende „Opinion libre" schreibt, daß jeder unbefangene Beobachter in Fran- zösisch-Nordafrika den Eindruck gewinnen müßte, daß sich dort unter dem Schutz der Behörden eine jüdisch - kommuni st ische Front von einigen Tausenden gegen die Millionen derAra - der und gegen die Interessen Frankreichs bilde; wenn die Dinge so weiter trieben, so sei eine Katastrophe unvermeidlich. Es würden antifaschistische Fronten gebildet. An der Spitze ständen in Konstantine nur Juden, die den Eingeborenen als rücksichtslose Wucherer bekannt sind. In Oran zähle die probolschewi st ische Liga etwa 3 5 0 0 Mitglieder, davon seien 1750 Juden und der Rest spanische Bolschewiken. Die einflußreichen Ulemas, d. h. die geistlichen Führer, lehnen sich gegen eine Zusammenarbeit mit Frank- Hauptschriftleiter vr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange (in Urlaub), i. 23.: Ernst Blum- schein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumfchein. Anzeiaenleiter: Hans Beck (in Urlaub). Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theod. Kümmel. 2). 21. VII. 38: 9034. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM.' 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelvertaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Das Anhängsel Moskaus. Tschechische Offiziere Schulter an Schulter mi$ Kommunisten. Prag, 24. Aug. (DNB.) Die augenblickliche Stockung in den Gesprächen Hodzas mit den Volksgruppen wird von der Kommunistischen Partei zu einem neuerlichen 23 orstoß ausgenützt. In einer Reihe von Ortschaften wurden Kundgebungen veranstaltet, an denen sich fast überall auch Anhänger tschechischer Linksparteien beteiligten, die auch bei dieser Gelegenheit ihre Sympathie für Moskau in aller Öffentlichkeit bekundeten. Die Redner wandten sich ein- heitlich gegen die Suche nach einer neuen Verhand- lungsgrünolage und agitierten für die Durchführung der bisherigen Regierungsvorschläge und deren Vorlage im Parlament. Ein charakteristisches Zeichen für die immer engere Verbindung zwischen Tschechen und Kommuni st en 'ist die Tatsache, daß bei einem von den Kommunisten veranstalteten, Vortragsabend über Wehrerziehung (!) Stabskapitän Stankovfky aus Reichenberg und der aktive Offizier Stabskapitän Malik sprachen. Beide Offiziere wurden, wie die „Rote Fahne" frohlockend betont, von den Versammelten b e g e i» fiert gefeiert. Dem Staatspräsidenten B e - nesch und der Prager Regierung wurden gleichlautende Entschließungen zugesandt. Mitarbeiter Runcimans fährt nach London. 1«8 üe o-Esuin ;>" einen großen Brand zu entzünden. Der Panislamismus der Vorkriegszeit versagte feines vorwiegend religiösen Eharakters wegen. Er hat nun seit Dem Ende des Ottomanischen Kaiserreiches andere Formen angenommen, aus dem Panislamismus wurde ein P a n a r a b i s m u s. Die arabische Sprache hat eine ungeahnte Wiedergeburt erlebt. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die Völker arabischer Zunge, besonders in Syrien und in Palästina, auf ihre Mundarten angewiesen, die sich stark untereinander unterschieden und eine allgemeine Verständigung unmöglich machten. Durch die Bemühungen leitender arabischer Männer in Kairo, Damaskus, Bagdad, Haifa uf.tp. wurde eine modernisierte klassische Sprache geschaffen, die heute von etwa 70 Millionen Arabern gesprochen wird. Die einzelnen Mundarten verschwinden. Amtliche Statistiken im Irak, in Syrien und in Aegypten zeigen, daß sich die Schülerzahlen in diesen Staaten vervierfacht und verfünffacht haben. Die wohlhabenden Familien senden heute nicht mehr ihre Söhne zum Studium, wie das früher Sitte war, nach Frankreich, sondern in die arabischen Staaten, von wo sie dis Apostel einer arabischen Wiedergeburt heimkehren. Wir wissen, daß sich z. B. Frankreich gezwungen sieht, mit wachsender Besorgnis die Entwicklung der Dinge in Tunis, in Algier und in Marokko zu verfolgen, denn es handelt sich dort schon lange nicht mehr um rein lokale Störungen und um eine durch die Wirtschaftskrise bedingte vorübergehende Mißstimmung, sondern die „L o s» Ivon-Frankreich-Bewegung" Hut dort greß wurde beschlosten, sollte England auf seiner projüdischen Politik in Palästina beharren, so sollte England in allen Ländern arabischer Zunge boykottiert werden bis zum offenen Kampf. Die heimliche Reise des britischen Kolonialministers nach Palästina beweist, daß London diese Drohung ernst nimmt, es sieht, daß der Terror, den es in Palästina entwickelt, einen Gegenterror ausgelöst hat. Ueberall an den Heiligen Stätten flieht Blut und platzen Bomben. Der Drahtverhau, der 60 Meilen weit gegen die syrische Grenze gezogen ist, ist nicht stark genug, den Zu- trom arabischer Patrioten nach Palästina aufzuhalten. Die Lage würde für England unhaltbar werden, sollten erst die A r a b e r f ö n i g e, die wiederholt ihre Sympathien für die Sache der Ara- Her in Palästina offen ausgesprochen haben, sich in den Streit mischen. Schließlich ist König Georg VI. auch der Herrscher über ungefähr 80 Millionen Mohammedaner in Indien. Aus dem Problem Palä- tina kann nur allzu leicht ein 2B eit pro bl em entstehen. U. St. te V3Ur Zeit .bearbeit. VWen Qn= ,id> 4‘Ä speist werden, doch dieselben Effekte haben. Der Scheit Tayeb el Okbi in Algerien, dessen Einfluß ein ungeheurer ist, und der die Massen mit seiner Beredsamkeit fortreißt, ist ein europafeindlicher Wahabit. Auch die mächtige Vereinigüng „el Jslahia" in Oran, die von den Behörden geschloffen wurde, ist wahabitisch. So geschieht es denn, daß heute nur 53 junge Araber aus Algerien in Paris studieren, aber auch sie haben sich Verbänden wie z. B. der „el Duma" angeschlossen, die sich für die Emanzipierung der mohammedani- schenLänder von europäi s ch erBevormundung einsetzt. Die Zeitungen, die unter den gebildeten Arabern am meisten Absatz finden, sind der sozialistische „Maghreb", der gegen die französische Kolonialherrschaft kämpft, und die von Ehekib Arslan, der in Lausanne wohnt, ist ein geschworener Feind Frankreichs. Die Bewegung „Los von Frankreich" hat so große Fortschritte gemacht, daß es notwendig wurde, einige Züge der eingeborenen algerischen Schützenregimenter durch Senegalesen zu lehnen sich gegen eine Zusammenarbeit mit Fr reich auf. Ihr Hauptführer, der Scheik den B der sich weigert, französisch zu sprechen, solange die Franzosen im Lande sind, erklärt öffentlich: Unser Volk gehört nicht zu Frankreich, wir wollen ein freies Algerien! Ein äußeres Zeichen dieser Gärung ist die Ermordung des Großmuphti von werde. In Punkt vier wird zur Donaufrage ausgeführt, daß sich demnächst die Sachverständigen der drei Länder in Belgrad treffen würden, um das Problem in allen Einzelheiten durchzusprechen, um so eine Lösung zu finden, die eine Zusammenarbeit mit allen interessierten Staaten erlaube. Im sechsten Punkt wird eine Steigerung her wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den Staaten der Kleinen Entente begrüßt. Die nächste Sitzung des Ständigen Rates der Kleinen Entente soll im September in Genf statt- finben. Budapester Mitteilung. Budapest, 23. Aug. (DNB.) In VAdes und in Budapest wurde am Dienstagabend das angekündigte gleichlautende Kommunique, das über den gegenwärtigen Stand der in Frage stehenden Verhandlungen berichtet, veröffentlicht. Es hat folgenden Wortlaut: „Zwischen Ungarn einerseits und Rumänien, Jugoslawien und der Tschechoslowakei anderseits waren seit dem Vorjahre Verhandlungen im Gange, da der gemeinschaftliche Wunsch bestand, jene Faktoren aus dem Wege zu räumen, die die Entwicklung eines gut nachbarlichen Verhältnisses zwischen Ungarn und den vorerwähnten drei Staaten zu stören geeignet waren. Diese Verhandlungen haben nun zu vorläufigen Vereinbarungen geführt. Diese Vereinbarungen enthalten hie Anerkennung her militärischen Gleichberechtigung Ungarns von feiten ber drei obenerwähnten Staaten, sowie den Ver - ^icht auf die Anwendung jeglicher Waffengewalt zwischen Ungarn und den drei m Frage stehenden Staaten. 3m Laufe der hen nunmehr unter Dach gebrachten Vereinbarungen vorangegangenen Besprechungen bildeten sämtliche übrigen Fragen, deren Lösung das Verhältnis der Donaustaaten künftig be- Gesetz über die Regelung der jüdischen Bornamen. Berlin, 23. Aug. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt I 1938 Nr. 130 ist die zweite Verordnung zur Durch- ührung des Gesetzes über die Aenderung von Familiennamen und Vornamen erschienen, die die Führung von Vornamen durch Juden regelt. Sie bestimmt, daß den Juden, die deutsche Staatsangehörige ober staatenlos sink), in Zukunft nur folche Vornamen beigelegt werben bürfen, bie den vom Reichsminister des Innern herausgegebe- nen Richtlinien entsprechen. Diese Richtlinien sind in dem Runderlaß vom 23. August 1938 bekanntgegeben, der im Reichsministerialblatt für die innere Verwaltung veröffentlicht ist. Wie die unten abge» druckte Zusammenstellung ergibt, sind barm nur solche Vornamen enthalten, bie im deutschen Volk als typisch jüdisch angesehen werden. Juden, die eine fremde Staatsangehörigkeit besitzen, werden von der Vorschrift nicht betroffen.. Soweit Juden zur Zeit Vornamen führen, die nicht in den Richtlinien verzeichnet sind, müssen sie vom 1. Januar 1939 ab zusätzlich einen weiteren Vornamen annehmen, und zwar männliche Personen den Vornamen I s r a e l, weibliche Öen Vornamen Sara. Sie müssen hiervon bis zum 31. Januar 1939 den Standesbeamten, die ihre Geburt und ihre Heirat beurkundet haben, sowie der für ihren Wohnsitz ober gewöhnlichen Aufenthalt zustänbigen Ortspolizeibehörbe schriftlich Anzeige erstatten. Bei geschäftsunfähigen ober m ber Geschäftsfähigkeit beschränkten Personen trifft bie Verpflichtung zur Anzeige den gesetzlichen Vertreter. Sofern es im Rechts- ober Geschäftsverkehr üblich ist, ben Namen anzugeben, müssen 9üben stets auch wenigstens einen ihrer Vornamen führen. Sind sie zur Annahme bes zusätzlichen Vornamens Israel ober Sara verpflichtet, so haben sie auch biesen Vornamen zu führen. Bei Zuwiderhandlungen gegen biete Vorschriften finb Gefängnis- ober Geldstrafen 12 rotspanische Jagdflugzeuge abgeschossen. Burgos, 24. Aug. (DNB.) Der nationalspanische Heeresbericht erwähnt feindliche Versuche, bie Caste11on - Front im Abschnitt von T o r a x zu durchbrechen. Die Versuche blieben erfolglos, hatten aber sehr erhebliche Verluste ber roten Angreifer zur Folge. An der Ebro- Front setzte bie nationalspaniscye Artillerie ihr Vernichtungsfeuer fort, während die Infanterie weiter vordrang und trotz heftigen Widerstandes weitere feindliche Stellungen erobern vielen Jahrhunderten der Weltgeschichte die Dynamik aegeben. Bis zum Jahre 1698, bis zum Frieden von Earlowitz, wurde bie grüne Fahne des Propheten im Angriff vorangetragen, ehe ihr vor den Toren von Wien Halt geboten wurde. Damals waren ber ganze Nahe Osten und Norhafrika rno- harnrnebanisch, bas Schwert bes Kalifen in Byzanz reichte bis nach Jnbien, bis nach ben Malaienstaa- ten und nach Zansibar. Dann, mit bem Zuge Napoleons nach Aegypten, begann eine zweite Epoche, bie mit der politischen Zertrümmerung ber islamitischen Welt enbete. Das Abendlanb burchdrang bas Morgenland zivilisatorisch, wirtschaftlich und politisch. Wenn man im Weben ber Geschichte von einer Ebbe und von einer Flut sprechen könnte, so dürfte man bie Behauptung aufstellen, daß sich ber Islam jetzt aus ber Starre zu erholen beginnt und sich einsatzbereit in einer Angriffsstellung sammelt. Ein orientalischer Nationalismus regt sich. Aegypten, Irak und Syrien haben bie frembe Be- oermunbung abgeworfen. In Palästina, in Tunis und in Marokko wächst der Wiberftand gegen eine europäische Herrschaft. Wollte man auch nur auf bie Hälfte von allem hören, was in ben Eafäs von Damaskus, Kairo, Jerusalem, Haifa usw. geredet wird,' so müßte man daraus schließen, daß ein Feuer arabischer Begeisterung bald zu großen Ereignissen führen wird, daß nur noch ein Funke fehlt, um Algier. Hat Frankreich Schwierigkeiten und Sorgen in seinen arabischen Besitzungen, so sind bie Sorgen Englanbs nicht geringer. Der Schlag Eng- lanbs gegen bas Arabertum in Palästina hat bas Gegenteil einer Beruhigung gebracht. Vieles deutet darauf hin, daß wir erst am Anfang einer großarabifchen Widerstands- b e m e g u n a stehen. Schon bald nach ber Veröffentlichung bes Peelplanes im September bes Vorjahres versammelten sich Araberführer auf einem Kongreß in Bluben, an bem nicht nur bie Führer aus Vorberasien unb Afrika, fonbern auch aus Jnbien unb ben Malayenstaaten teilnahmen. Auf dem Kon- nifterpräfibent Dafahler hat am Dienstagvor- mittaq seinerfeits ben Dorfitzenben ber radikal-sozla- fPn Kammergruppe empfangen und mit ihm Die besprochen. Der Vorsitzenbe ber rabikal-sozialen Kammergruppe hat sich bei die- fcr Besprechung nicht gegen eine Einberufung Des Linksausschusses ber Kammer für Freitag nachmlt- tag ausgesprochen. Vor dieser Sitzung der parla- "03n4rl".Trb e r I b.toäfligl fl* b e 3ou ■ d e n e l noch einmal mit der energischen Haltung des Ministerpräsidenten Dalabier während der ver- gangenen Krise. Er schreibt dazu, leider laste auf den Schultern des Ministerpräsidenten em gewisses Milieu, das ihn ständig in seinen Maßnahmen hindere. Diese Umgebung versuche ihn zu warnen, sich nicht mit ben Kommunisten zu überwerfen, sowie mit der marxlstlschen Gewerkschaft eine versöhnliche Sprache Zu .fuhren. Um Dalabier herum würden P a n i k g e r u ch t e von einer parlamentarischen Opposition von ernsten fodialen^on- flikten und Generalstreiks verbreitet. Das Blatt glaubt, dem Ministerpräsidenten die Versicherung geben zu können, daß es einen solchen Generalstreik nicht geben werde. Der Kommunist R a c a mond fei Arnar in Abwesenheit Jouchaux augenblicklich her Khef ber marxistischen Gewerkschaft EGT. und bcdrohe heute bie Regierung. Immerhin aber könne sich Dalabier barauf verlassen, baß auf Grund her Tausende von Zellen, bie bie Dolkspartei Doriots in ben Betrieben habe und auf Grund der engen Fühlungnahme dieser Partei mit der Arbeiterklasse jeder Versuch eines Generalstreiks für die Kommunisten den Schiffbruch zur Folge haben würde. General Vuillemin s zur Berichterstattung bei Dalabier. P a r i s , 23. Aug. (DNB.) Ministerpräsident D a - lädier empfing am Dienstagmorgen ben Ehef bes Generalstabes bes Luftheeres, General 23uil(e- m i n, ber ihm Bericht über feine Reise nach Deutsch- ianb erstattete. Der Kampf zwischen Abenh- unb Morgenlanb hat I tiefe Wurzeln geschlagen. Es gibt bort verschobene eien Bahrh'unberten ber Weltaelchickte die Dnna- Strömungen und Unterströmungen, bie sich kreuzen unb die, obwohl sie aus verschiedenen Quellen ge- Kunst und Wissenschaft. bedeutende Fortschritte im Röntgenaufnahmeverfahren Seit dem schon vor 40 Jahren aufgetauchten Gedanken, das Röntgenbild auf den Leucht- schirm zu photographieren, wurde immer wieder ergebnislos versucht, das Problem der Schirmbildphotographie zu lösen. So setzte sich zunächst das heute gebräuchliche Verfahren durch, bei dem die Röntgenstrahlen nach Durchdringung des Körpers unmittelbar auf eine photographische Schicht auftreffen und diese schwärzen. Eine vollendete Lösung fand jetzt Professor Dr. Janker (Bonn), der sich seit 12 Jahren mit der Schirmbildphotographie beschäftigt. Sein Verfahren wurde in Bonn vor Vertretern der Reichsärzteführung, der Deutschen Röntgen-Gesellschaft, der führenden Röntgeninstitute, der photochemischen Industrie und der Presse vorge- mana Paolieri als die beiden Gattinnen ernteten reichen Beifall. Die vielen Gesangsrollen, die den Hauptinhalt ausmachen, waren Benjcvmino Gigli und Maria Cebotari anoertraut. Zur 125. Wiederkehr von Verdis Geburtstag wird der Film Anfang Oktober in Deutschland zur Uraufführung gelangen. — Die japanische Filmkunst konnte sich mit dem Werk „Kinder im Sturm des Lebens" einen neuen starken Erfolg sichern. Der deutsche Film setzt Die Kette seiner Erfolge mit ausgezeichneten Leistungen fort. Der „M u st e r - gatte" des unvergleichlichen Heinz Rühmann gewann sich die Sympathie des Lidopublikums im Sturm. Von allen Filmen heiterer Art, die bisher auf der Filmschau liefen, hat dieses Werk unstreitig den durchschlagendsten Erfolg davongetragen. Allgemeine Bewunderung erregte der ausgezeichnete Ufa-Kulturfilm „Der B i e n e n st a a t". Er bringt Bilder, die zu den schönsten und originellsten Naturaufnahmen gehören, die je gemacht wurden. Als eine Musterleistung des deutschen Films kann auch das prachtvolle kunstgeschichtliche Werk „M ichel- a n g e l o" bezeichnet werden. Der Film, von einer schweizerischen Produktionsgesellschaft hergestellt, stammt von dem Deutschen Curt Oertel (Berlin), der sich in Deutschland bereits durch seine Werke „Der Schimmelreiter" und „Die Steinwunder des Naumburger Doms" einen Namen gemacht hat. Mit einer Lebendigkeit und ^Ausdruckskraft ohnegleichen ersteht hier das Werk des Michelangelo. „Kunst der Goethezeil" in Frankfurt. Aus Anlaß der Tagung der Goethe-Gesellschaft in Frankfurt zeigt das Städelsche Kunstinstitut zwei Ausstellungen aus den Beständen seines Kupferstichkabinetts: „Kunst der G o e t h e z e i t" (Handzeichnungen) und „D. N. Chodowiecki" (Handzeichnungen und Stiche). Beide Ausstellungen werden am 28. August eröffnet. Aus aller Welt. führt. Heute ist das Verfahren soweit vervollkommnet, daß die Aufnahmen mit jedem normalen Röntgengerät bei Verwendung einer lichtstarken photographischen Linse und feinkörnigem Photofilm, wie ihn jeder Amateur verwendet, gemacht werden können. Die neue Erfindung wird voraussichtlich die Röntgentechnik auf eine neue breitere Grundlage stellen. Aufnahmetechnik und Handhabung sind denkbar einfach, die Verringerung der Kosten ist außerordentlich. Ins Gewicht fallen wird auch die Vereinfachung der Aufbewahrung, lieber die gesundheitspolitische Bedeutung der Erfindung äußerte sich der Beauftragte für das ärztliche Fortbildungswesen Dr. Kurt B l o m e. Die Billigkeit und Einfachheit des Verfahrens ermöglicht feinen Einsatz für die vom Hauptamt für Volksgesundheit der NSDAP, zusammen mit der Deutschen Arbeitsfront geplanten Betriebsuntersuchungen, die In vier deutschen Gauen schon eingeleitet worden sind. Frühere Erkennung von Tuberkulose, von Kreislaufschäden und von vielen Berufskrankheiten wird durch solche Massen-Röntgenaufnahmen möglich werden. Das Schirmbildoerfahren soll im übrigen die normale Röntgenaufnahme nicht verdrängen, sondern nur ergänzen. Bei festgestellten Schäden oder bei Verdacht auf solche wird.mit der bisherigen Methode die weitere gründliche Untersuchung erfolgen. Schöne deutsche Erfolge auf der Internationalen Filrnkunstschau Unter den der Internationalen Filmkunst s ch a u in Venedig vorgeführten Filmen befanden sich, wie der DKK.-Sonderberichterstatter berichtet, solche aus Mexiko, Großbritannien, der Tschecho-Slowakei, Frankreich und Deutschland. Die englische Filmkunst trat u. a. mit einem Farbenfilm, „Die T r o m m e l", hervor. Von den Kulturfilmen ist der farbige deutsche Ufa-Film „Tintenfische" hervorzuheben, der in packender Weise Szenen aus dem Leben der Tiefsee wiedergibt. Wir sehen eine Menge der abenteuerlichsten, an Phantasiegebilde erinnernde Tierformen, die auf dem Grunde des Meeres ihren Kampf ums Dasein führen. Mne phototechnisch unerhörte Leistung gibt der hier geschilderte Kampf zwischen einem Polypen und einer Languste. Brausender Beifall zeichnete die deutsche Spitzenleistung aus. Ein großer Abend: die Uraufführung des italienischen Filmwerkes „G u i s e p p e Verdi". Gar- mine Gallone, der Spielleiter, schuf ein ergreifendes Lebensbild Verdis, ein von der Musik des Meisters getragenes historisches Werk. Fosco Giachetti als Verdi, Gaby Morlay und Ger- Feuer im Kieler Schloß. Im Dachstuhl des Ostflügels des Kieler Schlosses brach Feuer aus, das sich bald auf den zwischen dem sogenannten Flaggen- und Glockenturm gelegenen Teil des Geschosses ausdehnte. Die Feuerwehr bekämpfte den Brand gemeinsam mit Löschzügen der Werften sowie SA., ff, Formationen der Partei und der Kriegsmarine. Vor allem war man bemüht, die in diesem Flügel untergebrachte Lan- dcsbibliothek mit ihren wertvollen Buchbeständen ins Freie zu schaffen. Den Bemühungen der Feuerwehr gelang es, das Feuer auf feinen Herd zu beschränken. Schneefall in Kärnten und Steiermark. Infolge des Temperatursturzes der letzten Tage hat sich Kärntens Bergwelt tief herab mit Schnee bedeckt. In den Tauern wie überhaupt im ganzen Oberland liegt Neuschnee bis in die Vorberge herab. Auch im Gebiet der Karawanken und der Kar- nischen Alpen ist bis zur 1500-Meter-Grenze Schnee gefallen. — Auch in der Oberfteiermark fiel auf den Bergen starker Neuschnee; so sind der Zirbitz- kogel und die Berggipfel des oberen Mur- und Gurktales sowie des Lungaues mit Schnee bedeckt. In den Tälern gab es hingegen heftige Gewitter mit starken Regengüssen, die ein hartes Ansteigen Ifer Bäche und Flüsse verursachten. „Leutnant zur See Paris" erneut zum Fluge nach USA. gestartet. Das französische Großflugboot „Leutnant zur See Pari s", das nach einem mißglückten Start in der vergangenen Woche zurückkehren mußte, um eine Luftschraube auszuwechseln, ist am Dienstagvormittag erneut zu einem Flug nach Nordamerika gestartet. Dieser Flug, der in den Rahmen der Versuchsflüge zur Einrichtung eines regelmäßigen Flugverkehrs nach Nordamerika fällt, wird etappenweise über Lissabon und Horta durchgeführt. Schiffszusammensloh im Hafen von Cherbourg. Im Hafen von Cherbourg stieß der schwedische Petroleumdampfer „Albadan" mit dem seit fast 50 Jahren im Hafen vor Anker liegenden ehemaligen französischen Kriegsschiff „Jmprenable" zusammen. Die „Jmprenable",, die inzwischen als schwimmende Werkstatt für die Prüfung von Torpedos umgebaut wurde, ist dabei gesunken. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen, aber der Materialschaden ist bedeutend. Die Hafenverwaltung hat beschlossen, das gesunkene Schiff zu heben. Der schwedische Dampfer erlitt nur leichte Beschädigungen und konnte mit eigener Kraft in den Hafen einfahren. Schwere Anfälle im polnischen Grubengebiet. Auf dem Notschacht-Gelände in Klimontow unweit von Myslowitz spielte sich ein schrecklicher Vorfall ab. Drei Jungen im Alter von 12 bis 14 Jahren hatten eine Wette abgeschlossen, bei der es darum ging, möglichst tief in einen stillgelegten Notschacht einzusteigen. Als die Jungen etwa eine Tiefe von zehn Meter erreicht hatten, kamen sie in eine Zone giftiger Grubengase, durch die sie betäubt wurden und abstürzten. Ein Hirtenjunge hatte den Vorfall beobachtet und alarmierte sofort die Rettungsbereitschaft der Niwkagrube. Obwohl die Rettungsmannschaft die Jungen nach kurzer Zeit zu Tage bringen konnte, waren alle Wiederbelebungsversuche ergebnislos. — Unweit dieser Unglücksstätte trug sich ein weiterer Unfall zu. Zwei Arbeitslose waren beim Fördern von Steinkohlen aus einem Notschacht verschüttet worden. Die gleiche Rettungsmannschaft barg die Verunglückten, von denen nur noch einer am Leben war. Die bedauerlichen Vorfälle lösten bei der Bergarbeiterschaft der Niwkagrube große Erregung aus. Die Bergleute machten sich unter Führung der Beamten der Grube sofort an die Sprengung und Verschüttung zahlreicher Notschächte, wobei sich ihnen die Arbeitslosen, die ihre einzige Derdienstguelle bedroht sahen, entgegenstellten. Es kam zu heftigen Zusammenstößen, in deren Verlauf ein Arbeitsloser durch einen Revolverschuß schwer verletzt wurde. Polizei konnte die Ruhe wieder her- stellen. Auf Seiten der Bergleute wie auch der Arbeitslosen gab es eine Anzahl Leichtverletzte. Japanische Fabrik durch absiürzende Flugzeuge in Brand gesetzt. Zwei Zivilflugzeuge stürzten ab, als sie in niedriger Höhe eine Fabrik in Omori bei Tokio überflogen. Sie fielen auf das Fabrikdach und fetzten die Fabrik in Flammen. Von den 100 Arbeitern, die in dem Unternehmen tätig waren, wurden sieben getötet und eine große Anzahl verletzt. Die Fabrik wurde eingeäschert. Goldfelder am Großen Sklavenfee? Nach Meldungen aus Kanada soll der Engländer Fred Thomson im Gebiet der Gelbmesser-Jndia- ner am Großen Sklaoensee (Nord-Alberta) bei einem Fluge über unbewohntes Gebiet bedeutende Goldminen entdeckt haben. Nachdem es ihm gelungen sei, zu landen, will Thomson in der Nähe eines unbekannten Sees drei Goldminen von je 1,50 Meter Breite entdeckt haben und nach längerem Suchen noch auf weitere Goldminen gestoßen sein. Nach seinen Angaben will Thomson tagelang in dem unbekannten Gebiet umhergestreift sein und täglich neue Entdeckungen gemacht haben. Dabet habe er goldhaltiges Quarzgestein im Ausmaße von 10:20 Meter feststellen können. Bei Untersuchung der Schlammerde des Sees habe er gefunden, daß auch der Grund des Sees stark mit Goldstaub durchsetzt sei. Dem von ihm entdeckten Gebiet habe er den Namen „Schatzinsel" gegeben. Zeitschriften. — „Hessenlan d", Heimatzeitschrift für Kur- Hessen, herausgegeben von Dr. C. Hitzero th, Marburg. — Im letzten Heft (Juli / August) berichtet u. a. Willi Görich an Hand einer Karte über „Straße, Burg und Stadt in Oberhessen von der Frühzeit bis zum Ausgang des Mittelalters". Albrecht Kippenberger fetzt in einem mit vielen guten Abbildungen geschmückten Beitrag seinen Bericht über die Neuerwerbungen des Marburger Universitäts-Museums aus dem reichbestellten Gebiete der Volkskunst fort. Ueberaus anziehend und sprachgeschichtlich aufschlußreich ist eine Arbeit des berühmten Göttinger Germanisten Edward Schröder unter der Überschrift „Gesegnete Mahlzeit!" Fritz Jütte handelt über das Spangenberger Bürgerrecht, Dr. Gottfried Würfel über deutsche Weltwaren kurhessischer Prägung, Helmut Kramm, unseren Lesern als Mitarbeiter der „Heimat im Bild" bekannt, über Wilhelmsbad bei Hanau (mit Abbildungen), Wilhelm Schoof über Jacob Grimm und dessen Entlassung, zum 75. Todestage am 20. September. Doiy übrigen Inhalt des reichhaltigen und gut redigierten Heftes feien die Gespenster-Geschichten aus der Schwalm, die Bücherschau, die Personalien und die Mitteilungen des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde heroorgehoben. — Philippinischer Querschnitt heißt der einleitende Aufsatz in der neuesten Nummer der „Jllustrir- ten Zeitung Leipzi q"; er macht uns in Bild und Wort mit der politischen Entwicklung dieses Jnsellandes und den Eigenarten seiner Bewohner vertraut. Der folgende Beitrag führt durch Südfrankreich und zeigt im Bild die Denkmäler altrömi- jcher Baukunst. Eine Bildseite berichtet vom portugiesischen Fischerleben, eine andere von der Expedition zum Fang wilder Pferde für die Schorfheide; Professor Dr. Lutz Heck, der Direktor des Zoologischen Gartens in Berlin, hat den Text dazu geschrieben. Wetterbericht Im Bereich eines sich von Skandinavien nach Deutschland erstreckenden Hochdruckgebietes hat sich im Westen und Süden des Reiches Aufheiterung eingestellt. Im Osten macht sich jedoch zuströmende und zum Aufgleiten gezwungene Warmluft in verbreiteten Regenfällen bemerkbar, die sich auch nadj Mitteldeutschland erstrecken. Ein stärkeres Ueber- greifen dieses Schlechtwettergebietes zu uns hin ist jedoch unwahrscheinlich, wenn auch zeitweise mit Bewölkungsaufkommen zu rechnen ist. Vorhersage für Donnerstag: Heiter bis wolkig und trocken, tagsüber jedoch warm. Winde meist aus Nord bis Ost. Vorhersage für Freitag: Im wesentlichen freundliches Wetter. Lufttemperaturen am 23. August: mittags 17,8 Grad Celsius, abends 10,2 Grad; am 24. August: morgens 8,4 Grad. Maximum 17,8 Grad, Minimum heute nacht 6,5 Grad. — Erdtemperaturen in IQ cm Tiefe am 23. August: abends 16,4 Grad; am 24. August: morgens 12,4 Grad. — Sonnenschein- dauer 5,4 Stunden. Statt Karten Unser'e liebe, gute Mutter Gießen, den 24. August 1938. Die Beerdigung findet in der Stille statt 03852 Schreibtische Gießen, Bahnhofstr. 49, Ruf 3941 K Für die Hinterbliebenen: Liddy Schreiber. Frau Amalie Schreiber geb. Krakau ist am 22. August sanft entschlafen. formschön, praktisch eingeteilt stabil und 3594A dabei sehr preiswert | Vermietungen"] Für ßartenliebhaberl Eintoita-ta 5 Simm., Küche, Bad. großer Garten,Nabe d.Stra- ßenbahn, ruhige Lage, sofort zu vermieten. Schr. Angebote unter 54.54D an den Gieß. Anzeiger. 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Wie nun aber die Jungkätzchen ihr Spielzeug gierig wieder packen wollen, gibt die Mutter jedem eine ganz richtige Ohrfeige und schiebt die hölzerne Rolle von neuem unter die Nähmaschine. Ich glaube, niemand wird mich der Vermenschlichung von Tiere zeihen, wenn ich diese Handlung also deutete: „Ihr dummen Kinder, so müßt ihr es machen-, nun lernt und bemüht euch selber!" Ja, doch wer hat einer anderen Katze mitgeteilt, daß mutterlose Hühner-Küken frieren? Ich bekam von sehr zuverlässiger Quelle erzählt, daß eine Hauskatze regelmäßig ein solches Hühnchen ins Maul nahm, nicht um es zu verspeisen, sondern um das fremde Tierkind zu wärmen, das sehr wahrscheinlich dadurch gesund blieb und normal wach- Erlebnis zu, das ich selbst vor zehn Jahren in einem außerdeutschen Zoo beobachten konnte. Da saßen Käfig an Käfig eine, erwachsene Schimpansin und ein kleiner Schimpansenjüngling. Beide wurden gleichermaßen vom Pfleger gefüttert mit frischem Obst und rohem Gemüse. Der kleine Schimpanse hatte schnell alles gufgegessen, während die Schimpansin zwei Bananen übrig ließ und hinauftrug aufs oberste Querbrett ihres Wohnraums. Eine Stunde verging; ich stand noch immer in jenem Menschenaffenhaus, weil mich der besonders große Orang-Utan interessiert; da weinte plötzlich' der junge Schimpanse. Ich weiß nicht, ob er sich beim Spiel nttt der Holzkugel wehtat oder ob er nur Langeweile hatte; jedenfalls schrie er immerzu und hielt beide Hände vors Gesicht; , er sah sehr jammervoll aus. > früher legte ein Segelflugzeug von einer einen Meter hohen Erhebung eine Strecke von zwölf Meter zurück, heute fliegt es von derselben Höhe 30 bis 40 Meter weit. Ein Segelflieger, der im Thermikflug in eine Wolke geraten ist, hat durch die undurchsichtige graue Masse, die ihn und seine Maschine einhüllt und ihn jeder Sicht und Orientierung beraubt, keinerlei Vorstellung über seine augenblickliche Fluglage. Er kann auf dem Rücken fliegen oder sich überschlagen, er weiß es nicht, und er kann auch seine Maschine nicht wieder in die Normallage bringen, für die er keinerlei Anhaltspunkte bat. Oft endet ein solcher Wolkenflug mit dem Absturz der Maschine. Nun erreichen die heutigen Segelflugzeuge ihrer aerodynamisch äußerst günstigen Form wegen bei einem solchen Absturz Geschwindigkeiten bis zu 400 Stundenkilometer. Dem ungeheuer großen Druck, der bei einer derartigen Geschwindigkeit auf ein solches Segelflugzeug einwirkt, ist es aber nicht gewachsen; die Tragflügel werden glatt abgedreht. Doch auch gegen solche Gefahren ist man heute gefeit. Es wurde in Darmstadt eine Sturzflug- bremse konstruiert, die die Geschwindigkeit auf 200 Stundenkilometer reduziert, die für die Maschine In Kenya (Ostafrika) ist von Professor George G o o d w i n , dem Kurator der Säugetier-Abteilung im Amerikanischen Naturhistorischen Museum, die erste weiße Giraffe beobachtet worden, von der bisher je berichtet worden ist. Das Tier wurde von Professor Goodwin während einer großen zoologischen Expedition nach Britisch-Ostafrika, von der er soeben nach Neuyork zurückkehrte, photographiert. „Es war ein fast rein weißer Bulle", teilte der Forscher mit, „aber da seine Augen dunkel erschienen, glaube ich nicht, daß er als ein Albino angesehen werden darf. Das Tier war voll ausgewachsen und in Gesellschaft eines Weibchens von normalem Aussehen. Ich sah die weiße Giraffe völlig deutlich aus einer Entfernung von etwa 40 Meter. Weiße Jäger in dieser Gegend, die ich darüber befragte, sagten mir, daß sie Schon wollte ich den Wärter rufen, als die Schimpansin nach oben stieg, eine Banane aus ihrer Vorratskammer holte und den Leckerbissen mit weit ausgerecktem Arm dem kleinen Vetter lockend hin- ..... ~ ' *■’ ~ ' t — und hörte Voll Leichtigkeit und Grazie schwebt das . Segelflugzeug hoch in der blauen Luft, blitzschnell und wendig vollführt der Jagdeinsitzer mit aufheulendem Motor seine Kunstflugfiguren, und ruhig und sicher zieht das Verkehrsflugzeug über Taufende von Kilometer feine gewohnte Bahn. Eine Selbstverständlichkeit ist das heute. Niemand denkt weiter darüber nach. Die Geschicklichkeit des Piloten wird bewundert, und vielleicht fällt von dem Lob auch für den Konstrukteur etpa ab. Wer aber erinnert sich an den, der den Menschenflug in seiner höchsten Vollendung erst möglich macht: den Forscher? Abseits vom Trubel der Flugveranstaltungen und nicht belohnt vom (Siegespreis eines Flugwettbewerbes schaffen die Forscher in der Stille der Forschungsanstalten die Voraussetzungen für die fliegerische Betätigung der Ncrtion. Sie finden die günstigste aerodynamische Formgebung und Konstruktion der Flugzeuge, prüfen Werkstoffe auf ihre Zerreiß- und Bruchfestigkeit, schaffen am Zeichentisch und in der Werkstatt Flugmotoren, die bei größter Wirtschaftlichkeit höchstmögliche Leistungen vollbringen, und konstruieren Flugfunkgeräte, die für die Sicherheit der Fliegerei unumgänglich notwendig und aus ihr nicht mehr fortzudenken sind. Zentrale des Segelfluges. In der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug in Darmstadt schaffen die ältesten und erfolgreichsten Pioniere der Segelfliegerei: Professor Georgii und Lippisch, und bekannte und weltberühmte Segelflieger wie Hanna Reit sch, Heini Dittmar und Fritz St am er haben sich hier in den Dienst der Forschung gestellt. Darmstadt ist heute der Mittelpunkt der Segelflugforschung, hier werden neue Typen entworfen, gebaut und weiterentwickelt und schließlich im Flug praktisch erprobt. Bei dieser fliegerischen Erprobung werden nicht selten neue Arten und Methoden des Segelfliegens entdeckt, wie z. B. der Thermik - flug. In den Anfangsjahren des Segelfluges nutzte man zum Fliegen die aufsteigenden Luftströmungen an den Windseiten von Hügeln und Bergen ans und war so an einen bestimmten Ort gebunden. Heute hat man erkannt, daß auch z. B. über sonnenbeschie- nenen Sandflächen oder Getreidefeldern starke Aufwinde anzutreffen sind, weil die Erde die aufgespeicherte Wärme wieder abgibt. Jetzt kann der Segelflieger je nach der Stärke dieser „Bodenthermik" längere Zeit über größere Strecken stiegen den können. Und schließlich nimmt noch eine automatische Filmkamera die Luftströmungen auf, die am Flugzeug auftreten. Sichtbar werden diese Luftströmungen durch kleine Wollfädchen gemacht, tue am Flugzeug befestigt sind und vom Fahrtwind bewegt werden. Mannigfaltig und vielseitig ist das Gebiet der Segelflugforschung und diejenigen, die hier schaffen, forschen in Neuland. H. G. Raths. Eine weiße Giraffe. Wolken helfen fliegen. Als eines Tages ein schwachmotoriges Sportflugzeug der Forschungsanstalt unmittelbar unter Schönwetterwolken — „Cumuluswolken" nennt sie der Meteorologe — mit abgestelltem Motor längere Zeit zu segeln begann, da entdeckte man, daß die Thermik am stärksten unter diesen Wolken und, wie sich später herausstellte, auch i n ihnen anzutreffen ist. Fast alle neueren Rekordflüge von Segelflugzeugen über Hunderte von Kilometer werden heute mit Hilfe dieser Wolkenthermik aufgestellt. Lippisch mar der Erste, der einen allmählichen Uebergang zwischen Tragflügel und Flugzeugrumpf schuf, denn bei den bisherigen .Segelflugzeugen wurde der Tragflügel ohne jeden Uebergang ,am Rumpf befestigt. Er schuf damit eine Form, ohne die eine Hochleistungsmaschine heute nicht mehr vorstellbar ist. Der Flugzeugrumpf ist-nun nicht mehr ein Teil, der nur einen schädlichen Luftwiderstand erzeugt, sondern er wird durch die Verschmelzung mit dem Tragflügel in diesen mithineinbezogen und dadurch selbst zum tragenden Flugzeugteil. Derart aerodynamisch durchkonstruierte Segelflugzeuge besitzen heute einen Gleitwinkel von 1 :30 bis 1 :40, während noch vor einigen Jahren Segelflugzeuge einen Gleitwinkel von 1 :12 hatten. Das bedeutet: großen Luftwiderstand die Geschwindigkeit abbrem* sen. (Generalprobe im Wmdfanai. Die unbedingte Voraussetzung für die Entwicklung und Konstruktion von Flugzeugen ist die Kenntnis der Gesetze der Luftströmungen und des Luftwiderstandes. Wichtigstes Hilfsmittel hierfür ist der Windkanal: durch ein Rohr wird durch eine Luftschraube ein Luftstrom geblasen, der eine sehr hohe Geschwindigkeit besitzt. Soll nun ein neues Flugzeug oder ein Flugzeugteil gebaut werden, so entsteht es zunächst in maßstabgerechtem Modell. An diesem Modell kann im Windkanal durch Manometermessungen festgestellt werden, wie sich die Druckkräfte verteilen und welche Luftwiderstände an ihm auftreten. Der Wind übt auf das Modell den gleichen Druck und Widerstand aus, wie er ihn in der Natur auf ein Flugzeug ausüben würde. Die Versuchsanstalten für Luftfahrt besitzen teilweise Windkanäle, d'ie einen Durchmesser von mehreren Meter und die Höhe eines Hauses haben. In diesen riesigen Anlagen läßt man Modelle von einigen Meter Spannweite frei fallen und kann dann feststellen, wie sie sich in den verschiedensten Fluglagen verhalten. Messungen an derart großen Modellen sind besonders aufschlußreich. Die Schwierigkeit bei den bisherigen Windkanälen bestand darin, daß man die Luftströmungen, die an . Flugzeugteilen und Tragflügeln auftreten, nicht oder nur sehr schwer sichtbar machen konnte. In der Forschungsanstalt Darmstadt hat man deswegen jetzt einen Rauchkanal konstruiert, in den durch eine Düse Rauch geblasen wird. Durch ein besonderes Verfahren zerfließt ö*r Rauch aber nicht, sondern zieht sich in langen Fäden, die nicht abreißen, durch den ganzen Kanal. Durch eine in die Wandung des Windkanals eingelassene Glasscheibe und eine Beleuchtungsanlage kann man den Strömungsoerlauf an dem betreffenden Gegenstand deutlich erkennen. Auch photographische Ausnahmen dieser Strömungen lassen sich machen. Film im Dien I des Segeifluges. In der Forschungsanstalt Darmstadt bedient man sich bei der Erprobung neuer Segelflugzeuge der Filmaufnahme. In tausend Meter Höhe fliegende Maschinen werden in allen Fluglagen gefilmt, und später kann man dann auf Millimeterpapier -Sie einzelnen Phasen des Fluges in mathematischen Linien und Kurven wiedergeben. Alle Fluglagen und Flugzustände, die das Segelflugzeug durchgemacht hat, lassen sich aus diese Art berechnen. Auch die Maschine selbst führt eine Anzahl von Jn- : ftrumenten mit, die jede Vibration oder Verdrehung : der Flugzeugteile aufzeichnen. An Hand dieser Meß- . streifen läßt sich feststellen,, ob diese Schwingungen normal waren oder bereits hätten gefährlich wer- Slurzslugbremsen Md Windkanäle. Hinter den Kulissen des Segelfluges. - Filmen in 1OOO Meter Höhe. - Ein Besuch in der Forschungsanstolt für Segelflug in Darmstadt. Wie verständigen sich die Tiere? Don Paul Eipper. Der Mensch sieht, was um ihn geschieht und er macht sich Gedanken über das Geschehene. Ich stecke seit Wochen im Hohen Schwarzwald, bin eingehüllt vom Grün der Tannen, des Beerengestrupps und der Schachtelhalme; immer wieder treffe ich auf meinen Beobachtungsgängen die großen dunklen Waldameisen. Gestern trat ein Menschenfuß unvorsichtigerweise in eine Burg, die eben — angeschmiegt an einen Findlingsblock aus Urgestein — von diesen Ameisen gebaut wurde. Im Bruchteil einer Sekunde stürzten oon allen Seiten und aus weitem Umkreis die schwarzen Kerbtiere herbei, selbstverständlich und mutvoll entschlossen, ohne Rücksicht auf die dem Einzelwesen drohende Gefahr das Gemeingut zu schützen, die werdende Heimatsiedlung. Aber mitten im richtungsklaren Eillauf bogen drei Ameisen ab; sie rannten seitwärts, stiegen über die weiterhastenden Kameraden hinweg, so daß sie meinem Menschenauge unbedingt auffallen mußten. Wohin liefen die drei? Schräg links von unten stieg eine Ameise rückwärts bergan; sie hielt in ihren Zangen eine blaßgrüne Raupe fest, schleppte sie mühsam über welke Nadeln und dürre Aestchen; die drei Brüder oder Schwestern halfen nun schiebend und stoßend, damit trotz der allgemeinen Aufregung die Beute, die wahrscheinlich den jungen Larven als Nahrung dienen sollte, sicher in die unterirdischen Kammern der Burg gebracht werden konnte. send sich entwickelte. L--y--------- - Hier spricht ganz sicher die Allgewalt des Mutter- überreichte. Er nahm die frucht triebes mit, und vielleicht trifft das auch für ein1 augenblicklich auf zu meinen. Es gelang; ich, der Mensch, frage mich nun, wer hat im Augenblick der Gefahr (hervorgerufen durch den Fußtritt eines Menschen!)-diesen drei Ameisen mitgeteilt, daß sie über die allgemeine Pflicht der „Landesverteidigung" hinaus eine Sonderausgabe zu erfüllen haben: die Sicherstellung der zukünftigen Ernährung des tief im Bau steckenden Jungvolks? ♦ Natürlich kenne ich die gelehrten Werke über das Staatengebilde der Ameisen und der Bienen, weiß, daß diese nur körperlich kleinen, im „sozialen Sinn" hochentwickelten Tiere sich durch Fühlerschläge oder andere Berührungen verständigen können; dennoch, auf menschliche Maße übertragen, war diese Verständigung in Anbetracht der erregten Gesamtsituation für mich ein kaum begreifbares Wunder. Aber ich schäme mich keineswegs, einzugestehen, daß ich'— je mehr ich die Tiere beobachte — um so häufiger solche Wunder antreffe in der lebendigen Natur. Weil ich glaube, daß wir Menschen auch in dieser Beziehung nur durch den Zusammenschluß weiterkommen, will ich ein paar Beispiele der Verständigung zwischen Tieren erzählen; sie sind entweder von mir selbst beobachtet oder von solchen Menschen, die ich für unbedingt glaubwürdig halte. Vielleicht werden die Leser dadurch angeregt zu eigener Beobachtung, damit uns Menschen eines Tages nicht nur unzweifelhaft klar ist, daß Tiere sich verständigen können, sondern damit mir auch ergründen, auf welche Weise dies geschieht. Ein Tierfreund hatte einen Hauskater und einen Angorakater, die, sehr befreundet, sich beide auf dem Hof bewegen. Eines Tages hocken sie sich in angemessener Entfernung vor die Hundehütte; der von uns Menschen zum Todfeind der Katze abgestempelte Hund knurrt am ersten Tag und auch an den nächstfolgenden; aber es kommt eines Morgens, da geht der Hund aus feiner Hütte heraus, und die beiden Katzen legen sich aufs weiche Stroh. Nach einiger Zeit kehrt der Hund von feinem freiwillig unternommenen Ausflug zurück; die Katzen überlassen ihm ohne Zögern die Hütte. Und so geschieht es fortan Tag für Tag, daß die Kaier mit gütlicher Duldung des Hundes für ein ober zwei Stunden dessen Hütte beziehen. Wie kam bie Der- ftänbiqung zustande? Das nächste Beispiel ist leichter zu verstehen für uns Menschen: zwei junge Katzenkinder spielen mit einer Garnrolle, die schließlich so unter das Trittbrett der Nähmaschine trudelt, daß die kleinen Tiere nicht mehr gefährlich ist. Die Sturzflugbremse besteht aus Klappen, die am Flügel befestigt sind, sich beim Absturz selbsttätig öffnen und durch ihren! nie von einem solchen Tier gehört hatten. kaltes Licht aus, ------1-7-—/-- -- . halten. ~ r0 D,e|e Dinge Beispiele in der Natur finden; Das Glühwürmchen ist ein unerreichtes.Nea i < Menlch^ist ein Stück Naiur und mutz nut sur,un,°r^°chnck°r. D°nn Kaf^strnh» denn^ Natur. hinausgeschnellt wird. , Dosen und Schachteln kennt der Mensch auch noch nicht so lange. Die Natur bildet sie schon seit undenklicher Zeit in Form der Samenhüllen Das Scharnier, mit dem wir unsere Türen beweglich oe- feftigen, hat sein Vorbild in der Muschel, die ihre Schalen auseinander klappen fanrr Eigentlich ist es ja auch kein Wunder, daß wir ? . / As- _. sUrihtr firmen Erfinderische flatur. on Karl Stahl. Das 20. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Technik. Eine Unmasse Dinge wurden erfunden Was gestern noch als unmöglich verlacht wurde, ist heute schon eine Selbstverständlichkeit. Und heute — da getrauen wir uns bald nicht mehr über eine Zukunftsphantasie zu lachen: wer weiß, vielleicht taucht morgen schon der Teuselskerl auf, der sie verwirklicht. Oder vielleicht ist sie schon verwirklicht, und zwar von der Natur selbst. Das ist nämlich ganz sonderbar: wenn man sich in der Natur genau umschaut, bann entdeckt man eine Menge Dinge, bie za erstirben ber Mensch lange Zeit gebraucht hat. Und dabei hätte er nur die Augen aufzumachen brauchen, denn sie waren schon lange da. Wir wollen heute heraus, wie. Die Tiefseefische tragen Glühlampen mit sich herum. Dor nicht langer Zeit wurden die Leute bei Krankheiten geschröpft. Das war so ein Allheilmittel, bas beinahe immer herhalten mußte: den Leuten wurde Blut, das man für verdorben hielt, entzogen. Das geschah entmeber mit Blutegeln, also Tieren, ober mit einer Nachahmung der Blutegel, mit Schröpfköpfen. Als Lehrmeisterin für diese Operation hätte man auch den Tintenfisch nehmen können, dessen Fangarme mit zahlreichen «Saugnäpfen besetzt sind. Diese werden glatt und fest auf den gepackten Gegenstand aufgepreßt, bis sich keine Luft mehr dazwischen befindet, und dann langsam in der Mitte von innen gehoben, so daß der Rand vom Luftdruck außen immer stärker aufgepreßt wird. So kann der Tintenfisch mit seinen Armen Gegenstände festhalten und bewegen, die viel großer sind als er. Denken wir uns den mittleren Teil des Saugnapfes noch beweglich, so haben wir einePumpe. Aber wir brauchen gar nicht so weit zu gehen, denn wir tragen ja das Muster einer unerreicht leistungsfähigen Pumpe in uns, das Herz. Wir sehen, die Zahl der Vorbilder ist unendlich. Die Kunst des Webens wird von den Webervögeln geübt. Von Spinnen und Motten hätten wir die Spinnerei lernen können. Der Schneideroogel baut sich als Meister der Nadel sein Nest aus Blattern und Fäden. _ , Die Flugzeuge wurden in enger Anlehnung an bie Natur erfunben. Aber auch ber Luftballon hat ein Gegenstück in ber Natur, allerbings nicht m der Lust, sondern im Wasser. Der Kugelsstch t-bt am Grunde des Atlantischen Ozeans, bei drohender Gefahr bläst er sich einfach auf, so daß er vom Austrieb hochgerissen und oft sogar über das Wasser einige Beispiele betrachten. Nehmen mir di- Z a n g e. Da gibt --ganz seine, glitzernde Dinger, mit denen der Arzt die Knochensplitter entfernt; dann gehören die großen Klemmzangen hierher, mit denen der Schlosser seine Cisen- rohre beim Schneiden hält; die riesigen Greifer an Kranen sind auch nichts anderes als Zangen. Jmo ständen wir heute, wenn wir die Zangen nicht hatten! Es war also wirklich ein großer Erfinder, der sie schuf — aber die Natur war schon langst da. Unser Daumen und die gegenüberliegenden Finger bilden eine Zange — vielleicht waren sie bas Vor- bilb für ben Erstnber. Viele Tiere verfugen über Zangen. Die Schere ist natürlich aus ber Zange entstauben. Unb fonberbar: bei Naturvölkern fehlt die Schere völlig. Niemals ist ein Naturvolk von sich aus auf den Gedanken gekommen, die Scharfe des Messers mit der Hebelkraft der Zange zu verbinden, obwohl die Mundwerkzeuge vieler Insekten, die Schnäbel der Vögel genug Vorbilder boten. Wie langsam entwickelte sich die Baukunst^ Die Griechen überdeckten ihre Tempel noch nur waagerechten Balken, erst die Römer erfanden das Tonnengewölbe. Und alle diese Bauformen sind schon im menschlichen Körper enthalten Technik und Walfang. Don Joachim Boehmer. Die Schaffung deutscher Walfangflotten hat bas Interesse der Öffentlichkeit auf das Vorkommen der riesengroßen Meerestiere gelenkt und ihre Bedeutung für die Fettversorgung in den Vordergrund gerückt. Eine wirtschaftliche Walfängerei läßt sich nur betreiben, wenn die Verarbeitung der, gefangenen Tiere unmittelbar nach dem Fang auf hoher See erfolgen kann. Aus diesem Grunde hat Deutschland eine Reihe von Walkochereien geschaffen, die im südlichen Polarmeer mancherlei Walarten auf Oel und Fleischmehl verarbeiten. An das technische Rüstzeug, das zum erfolgreichen Walfang erforderlich ist, werden außerordentlich hohe Anforderungen gestellt. Denn es kommt darauf an, die riesigen Tiere, die. bis zu 150 000 Kilogramm wiegen, in kürzester Frist an Bord zu verarbeiten, und auch fähig zu sein, den während der Fangtage ununterbrochen eintreffenden Fang hintereinander zu verwerten. So ist die modernste deutsche Walkocherei, die „Walter Ra u", in der Lage, in 24 Stunden 22 Wale zu verarbeiten. Während man früher vorhandene Schiffe in Walkochereien umbaute, sind von Deutschen und Norwegern neuerdings besondere Schiffstypen geschaffen und als Neubauten auf Kiel gelegt worden. Die Kochereien „Walter Rau" und „Unitas" sind eigens zu diesem Zweck gebaute Schiffe. Dagegen ist ber Waldampfer „Jan Wellern" aus dem früheren Ha- pag-Dampfer „Württemberg" entstanden. Die neuen Walkochereien sind so eingerichtet, daß im Achterschiff eine schiefe Ebene eingebaut ist, über die die gefangenen Tiere mit Winden an Deck geschleppt werden. Dort werden zunächst die Speckteile abgetrennt und zerkleinert und in die unter Deck stehenden Speckkocher gebracht. Auf dem im Vorschiff liegenden Fleischdeck werden Knochen und Fleisch verarbeitet. Da ber Speck unter Zusatz von Dampf mehr als eine Stunbe bei Temperaturen oon 130 Grab gekocht werben muß, müssen an Borb ber Kochereien genügenb große Kessel vorhanben sein. Auch für bie Aufbereitung von Fleisch unb Knochen werben große Damvfmengen benötigt. Man bat es bei diesen Walkochereien also mit sehr sorgfältig organisierten „Fabriken" zu tun, deren Durchbildung besondere Beachtung erfordert, da der verfügbare Raum auch bei Schiffen von mehr als 20 000 Tonnen naturgemäß beschränkt ist. Das Ergebnis der Verarbeitung ist hauptsächlich ein g e - reinigtes Oel, das in den Ladetanks in den Heimathafen gebracht wird. Werden Fleisch unb Knochen zu Mehl verarbeitet, sind befonbere Pressen unb Trockenvorrichtungen erforberlich Mit bem Fang haben bie Kochereischiffe nichts zu tun. Die Jagb auf bie Wale unternehmen beson- bere Fangdampfer, von benen jeweils mehrere zu einer Kocherei gehören. Die Größe ber Fang- bampfer entspricht ben Ausmaßen von Hochseefischdampfern. In ber äußeren Form unterscheiden sie sich von diesen vor allem dadurch, daß der Bug sehr hochgezogen ist, weil auf ihm die Walkanone steht. Diese Kanone schleudert die Granatharpune, die ein etwa 1000 Meter langes Tau nach sich zieht, gegen den Wal, der zum Luftholen in 40 bis 60 Meter Entfernung vom Fangdampfer an die Oberfläche kommt. Welche Ansprüche an die Festigkeit der Harpunenleine und an die Manövrierfähigkeit der Fangdampfer gestellt werden, erläutert die Beobachtung, daß ein getroffener Wal mitunter einen mit Volldampf rückwärts arbeitenden Fangdampfer noch vorwärts zieht. Selbst bei einem guten Schuß kann ber Fang verloren gehen, wenn das getroffene Tier nicht in der Nähe der Oberfläche bleibt, sondern senkrecht nach unten stößt. Geht es in große Tiefen von 1000 Meter und mehr, muß die Harpunenleine getappt und damit preisgegeben werden. Die erlegten Tiere werden vom Fangdampfer aus mit Lust aufgeblasen und durch eine Flagge gekennzeichnet, um sie mit Einbrechen ber Dunkelheit roieber aufzufinbcn unb zur DZal- kocherei zu schleppen. So müssen auch bie Fangbampfer mit gutem technischen Rüstzeug versehen sein, um ben in Aussicht stehenden Fang, der je Tier einen Wert von etwa 20 000 Mark darstellt, sicher einzubringen. Die vor etwa sechzig Jahren von dem Norweger F o y n erfundene Granatharpune ist heute noch immer in Anwendung. Seit mehreren Jahren sind auch Ver- suche im Gange, die Wale durch eine elektrische Har- pune zu töten. Hierbei stellt bas Meerwasser ben einen und die Harpune den anderen Pol eines Stromkreises dar, der durch das Eindringen ber Harpune in den Wal geschlossen wird, so daß die Arttlleneschießen in der Ostsee. Zerstörerdivision übt für die Herbstmanöver. Von unserem Äerichieritaiier Or. Hagemann. An Bord des Z e r st ö r e r S „P a u l I a c o b i". lieber der weiten Bucht von Saßnitz steigt ein strahlender Morgen empor. Die Sicht ist klar, das Meer ruhig, ein ideales Wetter für artilleristische Hebungen. Am Vortage ist die 2. Zerstörerdivision vor Saßnitz eingetroffen, die schnittigen grauen Schiffe ankern draußen auf der Reede, dünne Rauchschwaden kräuseln sich über den Schornsteinen. Der Hafen schläft noch, als uns ein Motorboot an Bord des Divisionsführerschiffs bringt. „Paul Jacobi" steht in . goldenen Lettern am Bug, eben gibt ein Matrose mit dem. Scheuertuch den Buchstaben ihren letzten Glanz. Es ist der Name eines deutschen Torpedobootskommandanten, der an Bord von 5 90 mit seiner Mannschaft 1917 vor dem Feind geblieben ist. Die Marine hält ihre Traditionen hoch, auch die Zerstörerwaffe hat ihre ruhmreiche Geschichte, so jung sie auch ist. Den Zerstörern ist eine besonders wichtige und vielseitige Aufgabe zu- gedacht: sie sind nicht nur Torpedoträger wie das U= und T-Boot, sie müssen durch ihre artilleristische Feuerkraft Ueberraschungsangriffe kleinerer Fahrzeuge abwehren und den Marsch der Kampfflotte sichern. Etwa dreimal so groß als Torpedoboote sollen sie es mit diesen trotz artilleristischer Bestückung an Schnelligkeit und Wendigkeit aufnehmen. Die Zerstörerdivision hat ihren großen Tag. Der Generaladmiral, begleitet vom Flottenchef, Admiral Earls, und dem Führer der Torpedoboote, Konteradmiral Lütjens, will persönlich dem Artillerieschießen der Zerstörer beiwohnen. Kaum sind wir an Bord des „Paul Jacobi", da geht am Mast der Divisionsstander nieder, und die Generaladrnirals- slagge wird gesetzt. Ein Flottenbegleitboot hat längsseits festgemacht, die hohe Admiralität geht an Bord und wird auf die Kommandobrücke geleitet. Der Anker wird gelichtet, die Division setzt sich in Marsch. Mit nordwestlichem Kurs geht es an den weißen Kreideklippen von Stubbenkammer vorüber in die Ostsee hinaus. Weit draußen liegen die Kreuzer „Nürnberg", „Köln" und „Leipzig" vor Anker, die erst am Nachmittag zu ihren Hebungen auslaufen sollen. Noch ist der Horizont belebt mit zahlreichen Fischdampfern und Frachtschiffen, denn wir befinden uns auf einer der verkehrsreichsten Routen der Ostsee. Aber der nördliche Horizont ist klar, nur ein paar Mastspitzen ragen über die Meeresfläche. Mit hoher Geschwindigkeit eilen wir diesem Punkt entgegen, und bald unterscheidet das Fernglas deutlich die aufsteigenden Hmrisse von Schiffsaufbauten. Es ist die „Hessen", eines der beiden Zielschiffe der Kriegsmarine, dessen.ferngelenkte Einrichtungen ein Wunderwerk der Technik sind. Wir können deutlich beobachten, wie das Führungsboot von dem Geisterschiff ablegt, das nun ohne Besatzung, nur durch Fernsteuerung regiert, seinen Kurs nimmt. Die Geschützmannschaften haben ihre Plätze eingenommen, auf der Brücke drängen sich die Offiziere mit den breiten goldenen Äermelstreifen. Die Rohre gehen hoch, werden in Richtung gebracht, näher rückt der Angreifer dem schwimmenden Ziel. „Fertig!" Die erste Salve hallt über das Deck, eine Pulverwolke weht über uns hin, und gespannt richten sich hundert Augen auf das Ziel. Nach unendlich scheinenden Sekunden steigen die grauen Wasserfontänen hoch, knapp vor der „Hessen". Sieh da, das Geisterschiff antwortet, man sieht zahlreiche Mündungsfeuer, die von weißen Rauchwolken verschlungen werden. Die Illusion des artilleristischen Zweikampfes erscheint vollkommen. Wieder erzittert unser Schiff unter einer Salve, und nun folgen sich Schlag auf Schlag Abschüsse und Einschläge. Dann wieder große Stille. In Rauch gehüllt, aber scheinbar unbeschädigt, zieht die „Hessen" ihren Weg, sie ist unsinkbar gemacht und hat schon manchem Granatregen standgehalten. Die Hebung ist beendet. Die Zielresultate werden der Divisionsführung später übermittelt werden. In weitem Bogen kehren die Zerstörer in die Saßnitzer Bucht zurück, die Admiralität geht von Bord, und die Division kann vor Anker die wohlverdiente Mittagspause machen. Die dienstfreien Mannschaften genießen an Deck die schöne Mittagssonne oder weilen plaudernd in den Schlafräumen. Hier, ist alles viel geräumiger und bequemer eingerichtet, als auf den alten Torpedobooten, wo jeder Winkel sparsamst ausgenutzt mar. Die Schlafnischen sind wie in den Bahnabteilen durch das Hochklappen der Betten in Aufenthaltsräume umgewandelt, in die das helle Tageslicht fällt. Helle, saubere Wasch- und Duschräume, eine behagliche Hnteroffiziersmesse, saubere, geschmackvolle Kabinen, das alles macht den Eindruck der Wohnlichkeit und verständnisvollen Pflege. Dreihundert Mann leben an Bord, und doch ist nirgendwo Beengtheit ober Gedränge. Noch schnell einen Blick in die Schiffsküche. Sie ist Nein, aber praktisch, mit den modernsten Hilfsmitteln ausgestattet. Hier beziehen Offiziere und Mannen ihr Essen aus der gleichen Küche. Ein kleines, aber doch wichtiges Mittel für das Gemeinschaftsgefühl, das alle, vom Kapitän bis zum jüngsten Matrosen, verbindet. Diese „Blauen Jungens" sind prächtige Kerle. Begeistert erzählen sie von den schönen Fahrten, die sie an Bord des „Paul Jacobi" in die norwegischen Fjorde und bis an die Küsten Islands machen durften. Es ist immer das Gleiche: wo deutsche Schiffe, deutsche Matrosen im Ausland erscheinen, da erobern sie sich im Sturm die Herzen und verscheuchen die bösen Schwaden des Mißtrauens und der Abneigung, die man so geschäftig gegen das Dritte Reich braut Bon überall her kommen sie, diese jungen Freiwilligen der deutschen Marine, aus Bayern. Schlesien und von der „Waterkant". Die Bordgemeinschaft ist ein Symbol des einigen Reiches, das hinter dieser Flotte steht. Nicht lange und auch die Söhne der deutschen Ostmark wird man hier finden. Der Höhepunkt dieser Freizeit an Bord ist das Freischwimmen. Wer immer dienstfrei hat, nutzt den schönen Tag und die stille See, und bald rudern um das graue Schiff Dutzende von kräftigen jungen Männern, und die Zuschauer an der Reeling packt die Lust, es ihnen nachzutun. Lauban — den Namen der Stadt an der Bahnlinie Berlin—Görlitz—Hirschbera hat mancher schon gelesen, ohne dabei zu ahnen, daß diese Stadt mit ihren über 16 000 Einwohnern in der ganzen Welt bekannt ist. Bekannt, weil von hier die Welt mit Taschentüchern versorgt wird. Daß der Spruch „Lauban putzt der Welt die Nase" keine übertriebene Behauptung ist, beweist jeder Besuch in einer Taschentuchfabrik. Schon mefm man durch die Straßen dieser Stadt wandert, fällt einem auf, daß fast jedes zweite Haus ein Schild an feiner Tür hat „Mechanische Taschentuchweberei". Aber außer den in den Fabriken beschäftigten Arbeitern findet noch eine große Zahl von Heimarbeitern ihren Erwerb durch die Taschentuchherstellung. 8 0 0 0 0 Meter lang ist ein Faden, der auf der Drosselkapsel aus der Spinnerei kommt, und der nun in der Weberei zunächst einmal aufgespult werden muß. Wie die Orgelpfeifen stehen zu diesem Zweck die Spulen neben- und untereinander auf großen Gestellen, von denen sie dann — wie es in der Fachsprache heißt — auf die Zettelbäume aufgesteckt werden. So kommen bann 500 bis 600 Fäden auf die sogenannte Kette, von denen dann wieder sechs bis neun auf einen Baum zusammengebracht werden. Uni) von hier aus entwirren sich nun sowohl wörtlich wie auch in unseren Begriffen die Fäden langsam zu einer etwas greifbarer wer- Der Abend sinkt, graue Wolken sind am Horizont aufgestiegen. Punkt 19.45 Uhr werden die Anker gelichtet. Wieder geht es in die See hinaus, zum Nachtschießen, dem Abschluß der heutigen Tagesarbeit. Nun ist alles anders. Bald vermag das Auge nicht mehr Wasser und Himmel zu unterscheiden, von Rügen her blitzen in langen Reihen die Lichter der Badeorte uni) die Leuchtfeuer auf, und aus dem dunklen Meereshorizont schimmern hier und da noch die Positionslaternen heimkehrender Schiffe. Angestrengt suchen die Ferngläser das Dunkel zu durchdringen, um das Ziel zu finden, dem sich der Zerstörer in schneller Fahrt zu nähern scheint. Nicht ein Zielschiff, sondern eines jener schwimmenden Ziele, die wir beim Ausfahren in der Morgenfrühe im Saßnitzer .Hafen in langer Reihe liegen sahen, wird das Objekt der Rohre des „Paul Jacobi" fein. , Das Schiff fährt abgeblendet, ganz in Dunkel gehüllt, nur schwaches Licht fällt aus dem Ruderhaus auf die Apparaturen der Kommandobrücke, auf der die Schlachtenbummler das nächtliche Schauspiel erleben sollen. Da plötzlich zischt eine Rakete in die Nacht, und dann donnert aus allen Rohren eine Salve in die Dunkelheit. Ganz schwach hatte man zuvor die schwarzen Umrisse eines schwimmenden „Etwas" in der Ferne ahnen können. Nun, vom Lichffchein geblendet, verfolgen die ungeschulten Augen ziemlich hilflos den Weg beti Geschosse burch die Nacht Salve um Salve, bann roieber tiefe Stille. Das Schiff dreht ab, mit langsamer Fahrt fahrt es dem Ziel entgegen, und im Kegel seiner Scheinwerfer werden von Bord des Schleppbootes aus die Treffer gezählt. Die Leinwand zwischen den hohen Holzrahmen der Zielfloße ist stark durchlöchert, Fetzen hängen herab, ein Holzrahmen ist gespalten: Achtzehn Treffer sind ins Ziel gegangen. Hätte hier ein Schiff gestanden, so wäre von ihm nicht viel mehr übrig geblieben. Das Tagesziel ist erreicht, befriedigt können Offiziere und Mannschaft schlafen gehen. Es ist spät in der Nacht, als wieder vor Saßnitz der Anker in die Tiefe rollt. Mit einem kühlen Trunk und einem wahren Händedruck nehmen die Gäste Abschied von dem gastfreundlichen Schiff. „Auf Wiedersehen bei den Manövem!" Noch steht der Kriegsmarine die Hauptarbeit bevor, denn die alljährlichen Herbstmanöver werden erst die eigentliche Probe auf die Leistung unserer Blauen Jungen und chrer tüchtigen Schiffe sein. denden Gestalt. Die einzelnen Fäden liegen nämlich jetzt dicht beieinander, wenn sie in die Schlichtere i kommen, wo man die Fäden, während sie mehrere Trommeln durchlaufen, haltbar macht. Endlich ist es dann so weit, daß mit der eigentlichen Weberei begonnen werden kann. Im Websaal empfängt uns der Lärm von 286 mechanischen W e b st ü h l e n , die ihke Schiffchen hin- und hersausen lassen, und dabei enffteht auf eine für den Laien unbedingt geheimnisvolle Weise ein Taschentuchstück nach dem anderen, so wie es gewünscht wird, entweder einfarbig weiß, nur mit einem schmalen Streifen, oder aber mit bunten Kanten. Und bann ist das Taschentuch fertig, dann wird es abgeschnitten, und wir können es sogleich benutzen? Nein, so einfach ist das nicht. Gewebt ist ba.5 Taschentuch freilich, aber ehe wir uns versehen ist ber lose Ballen, das Stück, das aus dem Stuhl gekommen ist, ergriffen und in einen kleinen Raum getragen, in dem es unter einem Zählwerk hindurchläuft, geprüft und gleichzeitig gezählt und gemessen wird. Dann geht es weiter in die Bleicherei, in die Wäscherei und schließlich in die Egalisier- maschine, die die Taschentücher roieoer auf die ursprüngliche Breite zieht. Während wir diesen letzten Borgang beobachten, warten draußen schon die Heimarbeiterinnen, an die die Taschentücher jetzt ausgegeben werden, damit sie gelegt und umge- Lauban putzt der Welt die Nase." 300 000 Taschentücher an einem Tage. näht werden. Doch die Fabrik besitzt auch selbst eine. Näherei. 300 Nähmaschinen rasseln in einem großen Saal, in dem. sich die Hohlsaum- näherei befindet. Zuletzt werden die Taschentücher auch noch geplättet und zu großen Bergen getürmt. Das geschieht in der Versandabteilung. Die Tagesproduk tion dieser einzigen Fcwnk beträgt 300 000 Stück. Und Dutzende von Händen stehen zur Verfügung, die für die Verpackung der Taschentücher in große und kleine, einfarbige und bunte Kartons mit deuffcl>en und fremdländischen Aufschriften sorgen. Selbst diese einfachen Tücher sind aber der Mode unterworfen. In jedem Jahr gibt es neue Muster, ändern sich die Farben und auch die Größen. Den Wünschen der Kunden, aus aller Welt muß Rechnung getragen werden, denn in Havanna putzt man sich mit diesen Taschentüchern genau so säuberlich die Nase wie in England, Australien oder im schwarzen Erdteil. P. H. Neuheiten für den Briefmarkensammler lÄ i * Oben: ein 1,50 + 1^50-Dinar-Wert aus der neuen jugoslawischen Serie mit einer Ansicht des geplanten Krankenhauses an der Donau. — Unten: eine neue französische 3-Frank-Marke, deren Bild einen Blick auf die Burg der Päpste in Avignon vermittelt. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Briefkasten der Redaktion. D. in G Die Kosten der Vertreibung der in der Küche befindlichen Ameisen hat, soweit nicht vertragliche Abmachungen entgegenstehen, der Vermieter zu tragen, da er die Wohnung ungezieferfrei zu überlassen und während der Mietzeit in diesem Zustand zu erhalten hat. W. L. Der Nachbar kann die Entfernung der Bienenstöcke von Ihrem Grundstück nicht verlangen. Wird jedoch durch die Bienen der Körper ober bie Gesundheit eitles Menschen verletzt ober eine Sache deschäbigt, so ist derjenige, welcher das Tier hält, im Fragefall also Ihr Bekannter, verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen. F. TB. Der Vermieter ist verpflichtet, dem Mieter die vermietete Sache in einem zu dem vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten Zustand zu überlassen und sie während der Mietzeit in diesem Zustand zu erhalten. Da als allgemein gültiges Erfordernis für eine Mietwohnung deren Ungezieferfreiheit aufzustellen ist, muß Der Vermieter auf seine Kosten die Wohnung vergasen lassen, auch wenn bereits vor drei Jahren eine Vergasung vorgenommen wurde. Kommt er dieser Verpflichtung nicht nach, so haftet er für jeden Ihnen hieraus entstehenden Schaden. Im übrigen sind Sie von der Entrichtung des Mietzinses insoweit und solange befreit, als die Vergasung nicht vorgenommen wird und die Tauglichkeit der Mieffache dadurch aufgehoben ist. Elegie auf einen Bollbart. I Von Sigismund v. Nadecki. s Alle Wehmut der Nichtoerwirklichung umweht ; ihn, meinen Bart, der Nacht für Nacht davon : träumt, seinen Weg in die Welt zu machen, und Morg-n für Morgen dazu verdammt ist, mit dem j Inhalt des Waschbeckens in den Orkus abzufließen. , Gespenstisch klagend steht er vor mir wie eine un- gefreite Braut, wie ein ungeborener Sohn... Keimhaft ruht er im Schoße meiner Wangen als Inbegriff jener Möglichkeit, der die Realisierung versagt bleibt, so daß er sich mit bitterem Humor entschloß, nur noch an alten Witzen zu wachsen, weil wenigstens diese ihn ungeschoren lassen. An ihnen aber zeigt er mit einer gewissen Bravour, was er alles hätte werden können: Bettvorleger, Springschnur und Matratzenpolster, denn nur die Phantasie vermag ihn für den ewigen Herbst seiner Stoppeln zu entschädigen. Als Myriaden schwarzer Punkte im Seifenschaum vergeht er, der doch eins werden wollte, ein Reiz und eine Zier wie sie jeder Ziegenbock hat, jedes Walroß, ja jeder Schlüssel, und hofft dennoch immer wieder, daß ich einmal ein Auge zudrücken und ihm die schmerzlich entbehrte Materialisierung gönnen werde. Doch erst wenn man mir beide' Äugen zudrückt, bann ist's soweit — bann ist mir schon alles eins, unb ich halte still und lasse ihn wachsen. Aber ach, gerade dann wird ihn niemand mehr erblicken! Allein es könnten sich Situationen ergeben, wo ich ihn noch bei Lebzeiten auferstehen lasse, wo ich ihm um den Bart gehe, weil's um mein Leden geht: damit man nicht mich sieht, sondern gerade ihn? Sollte ich je defraudieren, so werde ich mein Gesicht mit Haaren vernebeln und in meinem Barte verschwinden. Unb bann, wenn er mich unsichtbar gemacht hat, werbe ich ihn enblich sehen, meinen Bart: er wirb meine Krawatte verhängen, bei jebem gesprochenen Wort mitzittern unb nach Bab unb Suppe abgetrocknet sein wollen. Die äußerste Tarnung wäre ja, enblich auch noch seinen Bart zu färben. Aber man muß ba vorsichtig sein. Ein russischer Emigrant ließ seinen Bart wachsen unb schlich sich nach Sowjetrußlanb ein. Balb hatte er bas gewisse ungewisse Gefühl, beobachtet, zu fein. Er floh ans Enbe ber Stabt unb betrat einen kleinen Friseurlaben, um sich seinen Bart färben zu lassen. Der erschreckte Barbier konnte nur burch Gelb beruhigt werben: enblich braute er eine Tinktur zusammen unb machte sich ans Werk. Doch als unser Mann aufstand, um den neuen Bart im Tageslicht zu betrachten, lad er zu seinem Entsetzen, baß dieser grün gefärbt mar Unb je mehr man wusch, um so grüner wurde er — fanatisch, wie die Fahne des Propheten! Der Mann hätte I ebensogut als Zebra in der Stadt spazieren können. Halb ohnmächtig ließ er sich in den Friseursessel fallen und befahl düster: „Jetzt nehmen sie mir den Bart ab!..." Denn schließlich ging es ja um den Kopf. So treulos können sie sein, die Bärte. Heberhaupt nehmen sie neuestens gern die Seite der Unmoral, und ich muß fesfftellen, daß die Bösewichter in den amerikanischen Filmen meist unrasiert sind. Ach, der Bart, bei dem man einst schwur, er wurde zum Spott und zum Sport des sogenannten Biberschießens, wo derjenige den Einsatz gewinnt, der bie längsten Bärte auf bem Trottoir gesichtet hat. Unb ber bebrillte Doll- unb Ganzbart einer über- rounbenen liberalistischen Epoche entartete zum Faschingsbart mit rotgeguoüener Pappnase. Als Strafe für seine Lebensfremdheit wuchert er nunmehr im Maskenverleih und im Theaterfunbus. Es gab einen gewissen Theaterbirektor, ber war so begeistert fürs Spielen, daß er zuweilen mitwirkte, aber nur als Statist mit Umhängebart. Ein Harun al Raschib, mischte er sich heimlich unter bie Komparserie. Doch biese schimpfte natürlich (wie immer) auf alles, auf ben Direktor unb auch auf ben neuen bärtigen Kollegen. Bis ber's nicht mehr aushielt. „Sprechen Sie nicht so, ich bin ber Direktor!!" brüllte er, zog zum Beweis blitzschnell seinen Umhängebart am Gummiband herunter ünb ließ ihn wieder zurückschnellen. Da schwiegen sie entsetzt stille. Welch ein ergreifend symbolischer Vorgang!... Ja, wie der Haremsschleier die Glutaugen, ließ der Vollbart bloß Nase und Brille frei, und machte einen auf das übrige krampfhaft unneugierig. Der Bart ist das, was wir mit unseren Mitmännern gemein haben, weshalb ihn der individualistische Europäer um des persönlichen Kinnes willen abrasierte: auch empfand er es peinlich, sekundäre Geschlechtsmerkmale mitten im Gesicht zu tragen. Andererseits bietet einem der Bart den nicht zu unterschätzenden Vorteil, sich nach einem vorhandenen Ideal ausrichten zu können, und während ein Knebelbart samt streng gewichsten Schnurrbartenden dem Reiche Napoleons III. den Stempel aufbrückte, blieb an einem anberen Jbeal zuminbest bas „Es ist erreicht!" erreichbar. Allein auch an bem individualistischen Kinn könnte man bei man- gelnber Persönlichkeit ein Haar finben, weshalb bann ber, ber etwas ganz Besonberes sein will, sich ; ben Vollbart roieber wachsen läßt. Solches tat einst ) ein bekannter Dramatiker, unb ihm wuchs ein 1 assyrisches Monstrum, wie es Salmanassar in seinen > besten Tagen nicht verschmäht hätte Dieses Schön- i bartspiel ließ ben Karikaturisten Gulbransson nicht - schlafen, unb er zeichnete ben bekannten Dramas r tiker (I.) mit Bart sowie ben bekannten Drama- , tiker (II.) ohne Bart, wie er gerade verdutzt feinen abgenommenen Haarsack betrachtet...Es war ein so entlarvender Steckbrief, daß der Bart untragbar mürbe: ber Mann nahm ihn sich wirklich ab — vielleicht nur um zu beweisen, baß das bahinter gar nicht so sei. Unb es war auch gar nicht so. In ber Tat, wozu brauche ich ein Ornament in meinem Gesicht, ba doch Ohrringe und Tätowierung längst abgekommen sind? Warum soll ich mir ben Wald wilo aus den Augen wachsen lassen wie ein Drahthaarterrier? — Weil er Natur ist. Der Pfau hat fein Rab, ber Löwe feine Mähne unb ber Mann seinen Bart. Allein von allen Naturwesen hat nur ber Mensch die tragische Gabe, die Natur vernichten zu können, und also auch seinen Bart — aber soll man gerade dessen Verlust ttagisch nehmen? Immer wieder wirft ihn die Mode hinaus unb immer roieber kehrt er als Mode zurück: meist nach Kriegen unb Revolutionen. Unb ließen nicht auch bie klassischen Griechen ihren Bart wachsen? Ist nicht auch heute noch ber griechische Priester ohne Bart unbenEbar? — So schwankt ber Streit um des Menschen Bart unentschieden hin unb her. Und bieser Streit tobt in jebem einzelnen Menschen, Morgen für Morgen, benn entroeber hat man selbst bie blutige Mühe bes Rasierens, ober man muß sich sein Gesicht von frem- ben Finaern betasten lassen. Jawohl, jeben Morgen beginnt dieser Kampf gegen etwas, das nicht dazusein hat und von Natur doch da ist. Wir sind die Mucker des Bartwuchses. Dabei liebe ich das Rasieren, denn ich kann es. Wer nach zehnjährigem Bartkampf nicht Meffter in dem Fach geworden ist, ber verhülle sein Antlitz mit Haaren, benn er ist unbegabt. Doch wie jeber Meister lernt man immer roieber etwas zu: Welch ein Ereignis, als ich mir vor Jahren ben Griff ber linken Hanb, hinterm Nacken vorbei, an bie rechte Wange erfanb — er machte Epoche in meinem Rasierleben, unb ich nannte ihn ben kleinen Moritz-Griff. So verbanken wir bem Bart bas rastlose Streben nach Vollkommenheit in seiner Vernichtung, unb bas ist auch etwas. Jebenfalls wirb sich bie Bartlosigkeit weiter behaupten — solange es nämlich vorteilhafter ist, Rasierklingen unb -creme zu probuzieren als Bart- rouchspomabe, unb es i st vorteilhafter. $in Bart ist ba unb kostet nichts. Damit bürste sein Schicksal besiegelt sein. Unb nun, nach bieser Ueberlegung, nehme ich Abschieb von bir, mein starker Bart. „Der Bart hat's in sich", meinte ein Berliner, Friseur, unb ich, ich habe bich in mir. Du vollbringst bas schwierige metaphysische Kunststück, nämlich ba unb nicht da zu sein. Wärst du doch oben, Stroh auf dem Schädeldach, und nicht bloß eine bläuliche Wangenglatze, wie würde ich dich pflegen! So aber bleibst du mein verborgenstes. Geheimnis. Das Windbeinkleid. Von Oskar Iancke. Die Windhosen wollen ihren Namen ändern und in Zukunft Windbeinkleider genannt werden. Der Beschluß darüber wurde nicht etwa von heute auf morgen im launigen Monat April gefaßt, sondern erst zu Anfang des Wonnemonats Mai nach langen, oft sehr heiklen Beratungen, die sich über Jahre hi»- gezogen hatten. „Nicht, was gefällt, sondern was sich ziemt, ist erlaubt", sagte bie holdselige Windsbraut errötend und gab mit ihrer Stimme für die 'Namensänderung den Ausschlag. Damit war ber Anschluß an eine Lage vollzogen, beren Entwicklung zweifellos zu den erregenbften Kapiteln ber deutschen Sprachgeschichte gehört. „Erlaubt ist, was gefällt", bas waren nämlich sozusagen bie Hosen geworben. Obgleich man sie nicht entbehren konnte, schien es ein'es Tages unmöglich, sie auszusprechen, eine Tatsache, bie eigentlich in die Skandalchronik des 19. Jahrhunderts gehört und jedenfalls Nietzsches Kritik an seinen Zeitgenossen, wenn auch nur in einem Nebenpunkte, bestätigen kann. Es gehört zu den erquicklichen Komödien dieser Zeit, daß man das, was man unausgesprochen an bem „unaussprechlichen" Worte verpönte, in die herrliche Hmschreibung „bie Hnaussprechlichen" hineinbrachte. Schließlich aber würbe aus ber Hose ganz sachlich bas Beinkleid. Das Beinkleib, bie Bekleidung, bas Kleib bes Beines, nicht nur von sachlichem Klang, fonbern geschäftlich im Beiklang, gerabezu von inbustriellem Beigeschmack, das war in der Tat bie zeitgemäße Lösung bes Hosenproblems, nachbem bie „Hnaussprechlichen" boch versagt, hatten, eine Lösung, bie in ber Fußbekleibung, in ber Kopfbekleibung, im Beleuchtungskörper Entsprechungen fanb unb sozusagen „im Zuge" ber Sprachentwicklung lag Dennoch ist es notwendig, das Rad dieser Entwicklung rückwärts zu drehen und bie Losung au*- zugeben: zurück zum Ursprung! Zurück zu ben Hosen, Hüten, Schuhen unb Lampen! Von bet Umschreibung zurück zum Wort! Was man nicht hat, versucht man zu ersetzen, aber was man hat, wirst man nicht weg, es sei benn, man kann Besseres bafür erlangen. An echtem Sprachgut haben wir nicht zuviel, unb bas sollten wir, auch wenn es sich nur um Hosen hanbelt — aber es geht um eine Richtung in ber Sprachentwicklung —, nicht burch Talmi ersetzen. Das ist zwar gegen ben Winb geredet, aber hoffentlich nicht in den Wind, und möchte die Wind- Hosen überreden, ihren Beschluß sofort rückgängig zu machen. Der W und, nach eU er B. emporn der ge! Kinder! Bon war erschien nie! un aengulr Behag" ten seine Mlan> ahnten hungrig/" fcj llnbe MerM Bgen-olli Sprung ir Um so fferne und täglich bei 6in winz> feite, sch'e Wunderlai bald seine kleine Sp< dort schier noch eint Eltern im dieses hin Unmibe gezogen, äutzerste ein Sd)D Seinen nicht, er zige^Sch ein Stein dieses M einer St Ausreißc Abgetan) ten ihn Gerausc Schaub des Ui selig, r dünkt! gewesen in eine Das meiner setzte. 3 aus eit gegeben M heute unbM Wir be dem Ui 3un NSls schen $ Prinz höheren nannt. sich mit Mge'° fällt vor »inet «3 Erz , Cs n)a einer M noch einn üneöens Ratten ben warben,, ttr.197 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheilen) Mittwoch, 24. August 1958 Aus der Stadt Gießen. Der kleine Ausreißer. Kaiserallee und Ludwigsplatz gewinnen neue Form. Der schmale Gartenweg zwischen den Hecken- und aittergesäumten Kulturen der Kleingärtner war erfüllt vom kläglichen Geschrei eines jungen Sperlings, der vor dem engmaschigen Drahtgeflecht einer Einfriedigung am Boden hin- und herflatterte und, sich ständig den Kopf anrennend, vergeblich nach einem Durchschlupf suchte. Es half nichts, daß er sich zuweilen mit äußerster Anstrengung fußhoch emporschnellte — er fand nicht den Weg zurück aus der gefährlichen Welt in die Geborgenheit seiner Kinderstube. Von ihr aus hatte er alles anders angesehen. Da war ihm die nahe Umgebung wie ein Paradies erschienen, in dem es nur Sonne gab, blauen Himmel und fröhliches Spatzengeschilpe, wo selbst Regengüsse als willkommene Brausebäder mit lautem Behagen hingenommen wurden. Aber immer hatten seine kleinen Augen nach dem dahinterliegenden Unbekannten geschielt, wohin die Eltern ihre gewohnten Ausflüge unternahmen und stets seinem hungrigen Schnabel etwas mitgebracht hatten. Dieses Unbekannte mußte noch schöner sein als das Kinderparadies, und oft hatte er flügelschlagend mitgewollt, aber im letzten Augenblick doch den Sprung ins Ungewisse nicht gewagt. Um so verführerischer lockte die geheimnisvolle Ferne und um so stärker fühlte sich das kleine Herz täglich bestürmt und den Versuchungen ausgesetzt. Ein winziger Schmetterling, der über ihn hingaukelte, schien kein anderes Ziel zu haben, als diejes Wunderland der Sehnsucht, denn er entschwand bald seinem Gesichtskreis. Vielleicht wartete der kleine Sperling auf die Rückkehr des Falters. Aber dort schien es zu schön zu sein, als daß man sich noch einmal zurückwünschte. Flögen sonst seine Eltern immer so eilig über die Grenzen des Paradieses hinaus...? Unwiderstehlich fühlte sich der junge Sperling hingezogen, und eines Tages trippelte er auf die äußerste Astspitze und gab sich einen Schwung wie ein Schwimmer, der sich mit rudernden Armen und Beinen der Flut vertraut. Aber er schwebte gar nicht, er blieb gar nicht hoch oben wie der winzige Schmetterling, sondern fiel und fiel,, bis er wie ein Stein ins Gebüsch plumpste. Vielleicht geschah ihm dieses Mißgeschick, das er nicht begreifen konnte, vor einer Stunde, vielleicht schrie und flatterte der kleine Ausreißer schon einen halben Tag umher. Er sah abgekämpft aus. Wieviel menschliche Schritte mochten ihn schon erschreckt, wieviel bislang ungehörte Geräusche und Laute sein kleines Vogelherz mit Schaudern befallen haben! Wie war den Blicken des Unerfahrenen alles so fremd, eng und feindselig, was ihm vorher groß, weit und herrlich gedünkt! Das Paradies der Kindheit war ihm zu klein gewesen, und nun hetzte er sich angstvoll ab wie in einem Gitterkäfig gefangen. Das kleine Herz bebte, als ich den Schreienden in meiner Hand hielt und behutsam in den Garten setzte. Vielleicht, so gern ich ihm geholfen hätte, nur aus einer Gefahr in die andere. Ins einmal auf» gegebene Kinderland führt fein Weg zurück Mädel- und Zungmädeluntergau <5ie6cn/116. Heute abend beenden wir für die Gießener M.° und JM.-Gruppen den Unterführerinnen-Dreikampf. Wir beginnen damit pünktlich um 18.30 Uhr auf dem Universitätssportplatz. Zum höheren und Polizeiführer ernannt. NSG. Der Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei hat den ^-Obergruppenführer Erbprinz zu Waldeck und Pyrmont zum höheren ff= und Polizei-Führer Fulda-Werra ernannt. Sein Dienstbereich für diese Aufgabe deckt sich mit dem des ^-Oberabschnittes Fuloa-Werra. Zu unseren Bildern: Oben rechts: Die „neue Linie" am Lud- wigsplatz zeigt, um welche Breite der Bürgersteig zurückverlegt wird. Oben links: Die Straßenverbreiterung zwischen Gaswerk und Wieseckbrücke. Die Stützmauer im Bau. Unten links: Noch immer gibt es viel Arbeit mit der Entfernung der Stämme und der mächtigen Wurzelftöcke. Unten rechts: Die Gleisverlegungsarbeiten haben gestern begonnen. Im Hintergrund die Kaiserallee, wie sie sich nach .der Fällung der Bäume darbietet. (Aufnahmen [4]: Neuner, Gießener Anzeiger.) w Wx % ! * - ' ■ I ‘zf ~ (- x ;•**#£* Wer auf seinem Wege zur Arbeit mehrmals den Lubwigsplatz und die Kaiserallee passieren muß, hat nun täglich etwas Neues zu sehen. Seit einigen Wochen ist man nun schon gewohnt, die Bürgersteige nur mit Vorbehalten zu benützen, auch den Absperrungen auszuweichen, die eingerichtet werden mußten, solange die Arbeiter damit beschäftigt waren, die Bäume zu fällen. Man biegt mit Sorgfalt und Geduld um die Sandhaufen, die am Ludwigs- platz aufgeschüttet wurden, springt auch über die Wasserpfutzen, die sich in der Gosse stauen und — beobachtet eifrig, wenn auch nur so im Vor üb ergehen, den Fortgang der Arbeiten, die der Lösung der Fragen des Verkehrs in der unteren Kaiserallee dienen. Wie mächtig sehen doch die Stämme der Bäume aus, die jetzt am Boden liegen und in der Straße „Am Nahrungsberg" der Säge harren! Wie breit ist die Kaiserallee zwischen Häuserreihe links und Häuserreihe rechts geworden? Die Arbeiten sind nun schon weit gediehen. Auf der rechten Straßenseite (vom Lubwigsplatz aus gesehen) sind die Vorgärten restlos beseitigt und der Grund wird schon für den Unterbau des Straßenbahngleises ausgehoben, das weiter nach rechts verlegt werden wird. Auf der linken Straßenseite harren noch einige Vorgärten der Entfernung. Zwar, etliche Blumensträucher blühen noch in schönster Pracht, aber es ist nicht mehr die rechte Freude an ihnen, denn man weiß zu gut, daß sie bald einem harten Pflaster weichen müssen. Am Ludwigsplatz selbst wurde nun gestern mit den ersten Arbeiten der Verlegung der Straßenbahnschienen begonnen. Die Ueberholungsweiche wird etwas nach rechts gerückt, und die Schiene wird in Zukunft in leichter schräger Linie nach der Kaiserallee zu verlaufen, um bann in der Kaiserallee selbst wieder schnurgerade bis zur Moltfestraße zu führen. Der Ludwigsplatz hat außerdem recht eindeutig eine neue Linie bekommen. Vor dem Pfarrhaus ist I an Stelle des bisherigen Holzgitterzaunes eine feste Betonmauer entstanden, die in ihrem Verlauf deutlich erkennen läßt, wie weit der Bürgersteig zurück- verlegt werden wird und um wieviel die Fahrbahn verbreitert wird. Die Seite an der Anlage wird keine Veränderung erfahren. Die Grünanlage wird in ihrer gegenwärtigen Form erhalten bleiben. Man kann sich also weiterhin an den schönen Geranien erfreuen. Die Mauer findet übrigens ihre Fortsetzung auf dem Stück zwischen Wieseck-Brücke und dem Verwaltungsgebäude am Gaswerk. Das Mauerstück stößt dabei unmittelbar auf die Ufermauer der Wie- seck. Äroßraum-Bagger löst 20 000 cbm Sand. Gestern vormittag fuhr unter großem Getöse ein Großraum-Bagger eines hiesigen Bauunternehmens (nach der Ausladung an der Haltestelle Erdkauterweg) über die Bahnüberführung am Schisfenberger Weg und bann gleich auf bem schmalen Weg zwischen ben Gärtnereien am Nahrungsberg entlang ber Bahnlinie Gießen—Fulba unb burch bas Ostmarkenviertel nach der Licher Straße. Der Bagger erregte babei auf feiner langsamen Fahrt (er legt je Stunde nur etwa vier Kilometer zurück) in bem stillen Wohnviertel allgemeines Aufsehen. Nun aber steht ber Bagger an ber Sandgrube in ber Licher Straße unb nimmt heute morgen bie Arbeit auf. 20 000 Kubikmeter Sanb hat er bort zu lösen, wo bisher mit Picke unb Schaufel einige Arbeiter beschäftigt waren. Die große Sanbmenge wirb zur Aufschüttung ber Straßen bes erweiterten Wohnviertels in ber Schwarzlach verwanbt. Bornotizen. Tageskalender für INillwoch. Gloria-Palast, Seltersweg: „Heimkehr ins Glück". Oie verfeinerte Noten-Skala. Ganz allgemein werden künftig im ganzen Deutschen Reich, also ohne Sonderregelung in diesem ober jenem Lanb, bie Fortschritte der Schüler in allen Anstalten nach sechs Leistungsstufen unterschieben. Heber „sehr gut" (ober 1), „gut" (2) und „befriebigenb" (3) geht es zu „ausreichenb" (4) und „mangelhaft" (5), während „ungenügend" (6) das traurige Ende darstellt. Wie überall im Leben, zeichnet sich auch in dieser neuen Noten-Skala die Absicht aus, den Leistungswillen zu beflügeln unb bie ausgesprochen gute Leistung klar herauszustellen. Bei ben ganz guten ober ganz schlechten Noten wird das naturgemäß weniger augenfällig. Aber nehmen wir einmal die früheren Zensuren „gut" und „genügenb". Sie mußten sehr viel Tatbestände decken, die heute klarer herausgestellt werden. Nach ausdrücklicher Anweisung werden künftighin nur Leistungen als „gut" betrachtet, die wesentlich über dem Durchschnitt stehen. Das „befriedigend" charakterisiert, wie der Name sagt, eine rechtschaffene Normalleistung, während „mangelhaft" den äußersten Grenzwert des „genügend" nach unten sehr merklich umschreibt. Selbstverständlich gehen bie „Grenzwerte" ineinanber über, unb es kann burch- aus sein, baß eine Leistung, bie jetzt als „mangelhaft" bezeichnet wirb, früher nicht mehr als „genügend", sondern schon als „nicht genügend" bezeichnet wurde. Aber eben dieser Umstand unterstützt den Hinweis, daß durch bie Erweiteruna ber Noten-Skala eine klarere Abgrenzung, eine schärfere Begriffsbestimmung herbeigeführt wirb. Wenn es sich nicht um eine vorübergehenbe Erscheinung hanbelt, so werben bamit Entschlüsse der Eltern beschleunigt, was immer gut ist. Wenn wir sagen, baß rechtzeitige Entschlüsse ber Eltern immer gut sinb, so soll bamit nur gesagt sein, baß ein jahrelanges Herumquälen keinen Sinn hat. Das alte Berechtigungswesen, bas soviel beigetragen hat, bem Studium seine eigenständige Würde zu' nehmen, ist Kameradschaft. Erzählung von Werner Schumann. Es war im Sommer 1914, als die Unterprima «einer Mittelstadt unweit der böhmischen Grenze noch einmal den schönen Rausch des Freiseins und Friedens in vollen Zügen auskosten durfte, ehe der Schatten des Krieges sich über die Lande breitete. Auf den Feldern standen feierlich aufgereiht die Garben, unb süßer Heubuft erfüllte die Luft. Die Bergbahn, die die Unterprima hinaus- und hinauftrug in den Spätsommerglanz rauchblau verschleierter Höhenzüge, erklomm beim Austritt aus dem nachtschwarzen Tunnel ein Plateau mit wundersamem Rundblick: wie aus einer Riesenspielzeugschachtel erbaut lag da das Städtchen mit den Schieferdächern, jener winklige Gebirgsflecken, den die jungen Menschen noch vom vergangenen Jahre in guter Erinnerung hatten und wo sie gleich am Bahnhof ein geräumiger Kastenwagen erwarten unb zum Schülerheim bringen würbe. Klopfenben Herzens stanb Paul Rupnow am Fenster des Abteils unb suchte, als bas Bähnchen pru- ftenb einlief, ungebulbig ben Bahnsteig ab. Hinter seinem Rücken brängten sich Oskar Luther, Hans Nimmergut unb all bie anberen, die geheime Botschaft vorausgeschickt unb ben Freunbinnen vom letzten Sommer mehr ober weniger poetisch bie Stunbe ihres neuerlichen Besuchs angekünbigt hatten. Es war ja alles nur ein holdes Spiel der Jugend, sich nach anstrengenden Wintermonaten mutwillig austobende Abenteuerlust, die hier einst zärtlich-lockere Bekanntschaften geknüpft hatte, und keinem der kurz vor dem Abitur stehenden Jünglinge war daraus etwas wie ein Konflikt erwachsen. Nur bei einem, der stiller und reservierter die Wiedersehensfreude der Kameraden beobachtete, bei Martin Albrecht, hatten die Begegnungen mit einer jungen Laborantin aus der Universitätsklinik, von denen auch die Mutter wußte, tiefere Gefühle geweckt. Sein Schweigen gerade in diesen Minuten der Ankunft war nicht zufällig, er fühlte sich einem Mädchen wirklich verbunden, cs erschien ihm, dem früh Ernsten, unwürdig, ein Erlebnis durch oberflächliches Feriengetändel wieder in Frage zu steilem Die Freunde kannten Martin gut genüg, als daß fie fein Abseits als pedantische Korrektheit, als un- kameradfchafttiches Strebertum gedeutet hätten. Und fo nahmen sie's denn auch nicht krumm, als sie auf ihre Fragen, oh er morgen bas spätabenbliche Stelldichein mit den Mädels nicht doch mitmachen wolle, nur gelassen zu hören bekamen: „Ach, macht was Ihr wollt, aber laßt mich bitte in Ruh!" „Wer aber", hieß es, „wer sorgt dafür, daß wir nicht überrascht werden? Wer steht Schmiere?" Sie blickten einander an. „Ja — wer?!" Alle wollten dabei sein, alle freuten sich auf die ungewöhnliche Exkursion, und so war in ber Tat die Frage gar nicht leicht zu beantworten. Da stand Marttn langsam auf und tat so, als ob er in seinem Rucksack etwas suchte, unb er sagte mit ber gleichen, lässigen Selbstverstänblichkeit: „Gemacht. Ich passe schon auf, wenn ihr abhaut." Ja, sie kannten Marttn, sie schätzten ihn alle als guten Kameraben, ber noch bei keinem gemeinsamen Streich fehlte. Er machte niemals viele Worte — aber er war babei. Unb ein Schweiger, wenn's sein mußte, ein ganzer Kerl! Der geschmückte Kastenwagen rumpelte mit Hüh! unb Hott! burch eine Ebereschen-Allee. Die rot- glühenben Selben hingen ben Singenben beinah ins Gesicht, ein Häher schrie im nahen Buchenwalb, unb in den satten, schweren Wiesen musizierten die Grillen. Und dann hielten sie, der gütige Lehrer Dr. Kramer vorauf, unter flotten Mundharmonika-Weisen ihren Einzug in das vertraute Heim. Man saß hier oben wie auf einer Burg, niemand konnte ungesehen aus dem Städtchen unten durch die Allee heraufkommen. So war es für die abenteuerlustigen Unterprimaner am folgenden Abend — währenddessen der Dr. Kramer mit dem Herbergsvater in einem ber Hinterzimmer eine Partie Schach spielte — nicht gar so schwierig, sich auf ein Signal aus ben Felb- betten zu erheben, flugs einen Mantel über ben Schlafanzug zu werfen, auf ben Zehenspitzen unb recht komisch anzusehen bie Treppe herunter- unb durch den Waschraum zu schleichen und ein Stück noch den kichernden, verliebten Pilgerinnen aus bem Tale entgegenzugehen. Die Ivahrscheinlich unschulbige, obzwar burchaus unerlaubte Aktion war auf eine Diertelstunbe berechnet, eine sommerlich-holbe, fternburrfifunfelte Nacht-Viertelstunbe, währenb ber junge Menschen ein tuschelnbes, flüsternbes, scherzenbes Wiebersehen unter ehrwürbigen Hainbuchen feierten. Denn auch die Mäbchen bürsten nicht zu lange verweilen, wollten sie baheim nicht beargwöhnt unb verbächttgt werben. Ruhig waltete im ersten Stock Martin Albrecht seines Amtes: scharf aufzupassen unb mit dem Taschentuch zu signalisieren, wenn Gefahr im Verzüge sei. Aber es gab ebenso glücklicher- wie erstaunlicher- weise keinen Zwischenfall, im Gänsemarsch kehrten bie Ausreißer heim unb gewannen auf leisen Sohlen flink ben rettenben Schlafsaal. Marttn, ber sich für bas Unternehmen verantwortlich fühlte, überwachte noch bas geschwinbe Zubettgehn der aufgeräumten Klassenkameraden. Just in dem Augenblick, als er sich als Letzter zurückziehn und zu seiner hochgelegenen Pritsche hinaufklettern wollte, öffnete sich — der Klasse verschlug es den Atem — bie Tür, unb im Lichtstrahl, ber vom Korridor in das überstürzte Schweigen bes Saales fiel, stand groß und Antwort heischend Dr. Kramer. „Was war hier los?" fragte feine milde Stimme. Keine Antwort. „Martin Albrecht! — bitte mir Auskunft zu geben: was hat sich soeben hier abgespielt? Ich sehe, Sie sind jetzt erst im Begriff, ins Bett zu gehn." Nachdrücklicher forschte die Stimme des Lehrers, unerbittlicher, als man es sonst an ihm gewohnt war. Mit einem Satz stand Martin vor seinem Lehrer. Die Frage nahm ihn mitleidlos in die Zange. Sollte er stur und dumm leugnen — was bie heikle Situation gewiß verschärft hätte —, ober sollte er alles aufbeefen unb seine auf ihn bauenben Kameraben preisgeben? Da schoß aus bem jungen Menschen auch schon bie Antwort heraus, eine unüberlegte, boch augen- blicks ablenkenbe unb Rettung versprechenbe Antwort: ,Bitte zu entschulbigen — wir waren eben unten im Waschraum!" Dr. Kramer lachte nicht, er setzte — was niemanb von ben angstvoll unter ihren Decken Lauschenben oerrounberte — folgerichtig bas Verhör fort: „Immerhin eine etwas ungewöhnliche (Stunbe, ben Waschraum aufzusuchen, nicht wahr? Ich fordere von Ihnen eine Erklärung!" Der Angerebete in seiner Bebrängnis hätte sich am liebsten unsichtbar gemacht, es würbe ihm heiß unb kalt vor seinem Richter, aber er hielt sich aufrecht unb brachte enblich knapp unb klar heraus: „Es war nichts weiter, Herr Doktor. Wir haben uns nur bie Zähne genutzt. Müller hatte eine große Packung Pralinen verteilt — unb ba bachten wir, baß es nicht gut sei, mit bem fiebrigen Zeugs im Munb schlafen zu gehen!" Nun war es also heraus, eine scheinbar harmlose, ja beinah törichte Erklärung, zwar geistesgegenwärtig konstruiert, aber boch reichlich unglaubwür- big, unb eigentlich war feiner im Saal, ber vermutet hätte, baß ber Zwischenfall bamit beigelegt unb bas Verhör beenbet sei. Wiber Erwarten schwieg Dr. Kramer einen Augenblick lang unb sagte bann „so — jo, so" und nach einer Weile: „Essen Sie gefälligst Ihre Naschereien am Tage. Gute Nacht!", um bann Kehrt zu machen unb bie Tür roieber zu schließen. Langsam nur ebbte bie Erregung unter ben Primanern ab, Hände tasteten im Halbdunkel der Sommernacht nach Martin unb einer sagte, baß er be» stimmt ein Morbskerl sei, bem man bas nie vergessen werbe. Verweht war schon bas furze Liebesspiel, bas sie noch vor einer halben Stunde ganz in Anspruch genommen, zurückgedrängt von einem größeren Ereignis: einer beispielhaften Kameradschaft. Martin Albrecht selbst jedoch wurde so schnell nicht fertig mit dieser ersten, mächtigen Gewissensund Kameradschaftsprobe. Er war erschüttert, im Innersten aufgewühlt, weil ihm plötzlich klar wurde, daß Dr. Kramer jene eilends improvisierte unb blöbe Antwort keineswegs glaubte unb er selbst, Martin, im Grunbe ber Besiegte unb Betrogene war. Die Nachsicht bes Lehrers, sein unter kluaem Schweigen, nichtssagenben Worten verborgenes Verstehn unb Verzeihst — mußte man vor solcher Größe nicht bie Waffen kleinlicher Lüge gänzlich strecken unb bas ach so erbärmliche Jungenherz demütig neigen? Währenb Martin noch lange unruhig sich mit einer Lösung bieser verzwickten Dinge abquälte, erwog er auch noch biefe Möglichkeit: daß es für ben Gütigen, ba nun einmal bie Frage gestellt unb Antwort geforbert war, selbst kein Zurück mehr gegeben hatte unb baß er wohl ober übel gehalten war, bie peinliche Nachtszene zu irgenbeinem Ende zu bringen. In solcher Verwirrung, boch auch geläutert im schmerzlichen Erkennen, tauchte er, ber brei Monate später als junger Kriegsfreiwilliger bie Englänber gegen bie Pser zurückwerfea half, in ben Schlaf, um ben noch bie linben Düfte bes Walbfriebens wehten. Hochschulnachrichten. Professor Dr. Georg Gür ich, Direktor des Hamburgek Geologischen Staatsinstituts unb Professor für Geologie und Paläontologie an ber Hansischen Universität, seit 1933 emeritiert, ist in Berlin g e st o r b e n. Professor Gürich, 1859 in Guttentag (Oberschlesien) geboren, habilitierte sich 1887 in Breslau. 1900 würbe ihm bas Präbikat als Universitätsprofessor verliehen, unb 1901 würbe er zum Mitarbeiter an ber Geologischen Lanbesanstalt in Berlin ernannt. Seine akabemische Tätigkeit erstreckte sich auf Mineralogie, Geologie unb Paläontologie. --------- Zwei hinter Gisela. Vornan von Hans HiiOammer. Urheberrechtschutz Verlag Oskar Meister, Werdau/Sa. 33 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Diese Fahrt ist sicher auch für Sie ein großes Erlebnis! pder haben Sie öfter Gelegenheit, im Auto durchs Land zu reisen?" „Leider nicht, Herr Bürger! Wenn man beruf« lich tätig ist und sein bißchen Brot in einem Büro verdienen muß — woher sollten da die Gelegenheiten kommen?" „Nun — man könnte einen Freund haben, der ein Auto besitzt!" „Ach!" sagte sie — und sonst nichts. Lore Jasper hatte mit jähem Herzklopfen zu- gehört. Jetzt atmete sie erleichtert auf. Sieh mal an, Gisela schwieg. Warum unterschlug sie Herrn Radegast? Gisela legte sich zu der gleichen Zeit dieselbe Frage vor. „Warum verschweige ich ihm eigentlich, daß ich verlobt bin? Bei der nächsten Gelegenheit werde ich es erwähnen, ganz nebenbei." Peter blickte sie lächelnd an. „Meine Heimat wird Ihnen sicher gefallen. Kommen Sie zum erstenmal hin?" „Ja!" log sie. „Fräulein Jasper erzählte mir schon. Es ist auch ein altes Schloß in der Nähe, nicht war?" „Oh, und was für ein Schloß! Ich könnte Ihnen manche tolle Räubergeschichte davon erzählen. — Weißt du noch, Lore, wie wir dich aus der Gewalt des schwarzen Grasen befreiten, der dich im Burg« verlies von Lauterbrunn schmachten ließ ' Der Der« «alter hat nicht schlecht geflucht, als er, vom Lärm aufgeschreckt, nach unten kam und feststellen mußte, daß mir nicht weniger als drei Kellertüren mit dem Beil zertrümmert hatten." Lore nickte. „Es war eine unsagbar schöne Zeit! Stellen Sie sich vor, Fräulein Werner: gefesselt haben Sie mich armes Ding, verschnürt wie ein Postpaket, und dann wurde ich in diese schrecklichen, finsteren Verliese geschleppt, die noch aus der Raubritterzeit erhalten sind. In meinem Leben habe ich nicht mehr soviel Angst ausgestanden, wie damals. Aber die Jungs waren unerbittlich. Ich mußte schmachten, ob ich wollte oder nicht." „Na, ich habe ja auch manchmal daran glauben müssen. Weißt du noch, Lore, damals die aufregende Geschichte im Turmzimmer? „Ach du lieber Gott!" prustete Lore los. „Wie dich dann die Handwerksleute halbverhungert herunterholten! Das wäre um ein Haar schief gegangen!" ' „Erzählen Sie doch!" sagte Gisela begeistert. Peter lächelte. „Wir spielten gefangener Ritter! Tasso — das war der Sohn des Verwalters, trotz feines verrückten Namens ein prächtiger Kerl — also Tasso hatte mich, den feindlichen Ritter, mit seinen Söldnern gefangen genommen und ins Turmzimmer gesperrt. Dieses enge Gemach befindet sich ganz oben unter dem Helm des Lauterbrunner Schloßturmes und ist nur über eine hohe Leiter zu erreichen, da die Wendeltreppe im Innern nicht ganz bis oben führt. Damals wenigstens war es so. Als ich glücklich oben war, wurde ich mit dicken Stricken gefesselt, nicht zu fest, denn ich sollte imstande sein, mich später zu befreien und mit Hilfe der Stricke nicht nur die Lebensmittelkörbe von Kunigunde hochzuziehen, sondern auch, wenn es soweit war, mich selbst an ihnen herunterzulassen. Kunigunde war das Schloßfräulein, das in heimlicher Liebe zu mir entbrannt war." „In Wirklichkeit hatte ich eine Riesenwut auf ihn!" warf Lore Jasper ein. „Weil er damals ein anderes Mädchen als Spielkameradin bevorzugte. So, mein Lieber, jetzt kannst du weiter erzählen!" „Tasso war auf den waghalsigen Einfall gekommen, die Leiter umzulegen. Meine Gefangenschaft sollte eben einen möglichst echten Charakter haben. Daß seine Kräfte viel zu gering waren, das schwere Ding zu halten — daran dachte er nicht. Kurz, die Leiter verlor den Halt, rutschte ab und prasselte über die Wendeltreppe in die liefe. Cs mar noch ein großes Glück, daß Tasso nicht erschlagen murde." „Und dann ließen wir ihn sitzen. Tasso wagte seinem Vater nicht zu gestehen, daß er die Leiter zerbrochen hatte — sie war nämlich beim Sturz in Bruch gegangen — und ich selbst freute mich über die Gelegenheit, schreckliche Rache zu nehmen, ging nach Hause und tat keinen Mucks." _„Um Gotteswillen!" flüsterte Gisela zwischen Schreck und Lachen. „Und wie ging es weiter?" ..Ich rvar die ganze Nacht im Turm! Am anderen Morgen kam meine Mutter krank vor Angst ins -schloß — und da kam dann der böse Streich ans Licht. Der Fürst ließ Zimmerleute holen, die dann ein Gerüst bauten und mich halbtot herunterholten." „Und Tasso?" wollte Gisela wissen. „Na, daß der Bengel den Hosenboden ordentlich versohlt bekam, können Sie sich denken." I „Es muß trotzdem schön gewesen sein. Wir Groß« ftabtfinber wissen ja von solchen Herrlichkeiten nichts." „Unb ob es schön war! Wenn es auch manchmal Hiebe setzte — was tat's! Die waren nach einer halben Stunbe roieber verschmerzt unb vergessen." „Das möchte ich alles sehen, bie bunklen Verliese unb bas Turmzimmer! Hoffentlich habe ich ben Mut, ba hinaufzuklettern!" „Wenn Sie schwinbelfrei finb — wir können es ja einmal versuchen — falls Sie gestatten sollten, baß ich habet bin!" „Gern!" lachte sie, „Sie werben boch auch bie Schauplätze Ihrer Kinberzeit gern miebersehen wollen?" „Ich freue mich herauf!" sagte Peter Stoll. „Du auch, Lore?" Lore Jasper nickte versonnen. 36. Nun war Gisela Mertens in Lauterbrunn ein- gezogen, ein junges Mädchen, in dessen Augen die Freude strahlte. Der alte Schmidt selber, von ihrer unbeschwerten Jugend gerührt, hatte ihr den Vorschlag gemacht, bie Trauerkleiber ein für allemal in ben Schrank zu hängen unb bie fröhlichen, Hellen Farben bei« zubehalten, in benen sie angekommen war. Es fiel ihm nicht allzu schwer, ihre Bebenken zu zerstreuen. „Es ist durchaus im Sinne meines ver« ftorbenen Herrn. ,Daß bu sie mir nicht etwa in einem schwarzen Fetzen Herumlaufen lä^t!' befahl er mir. .Unser Haus', sagte er, ,soll nach all bem Griesgram endlich mal was Hübsches unb Lustiges sehen. Unb biese Wänbe hier, bie seit zwanzig Jahren nichts als unsere alten, brummigen Bässe zu hören bekamen, sollen nach meinem Tod von Singen und Lachen widerhallen. Sag bas der Gisela gleich, wenn sie ankommt! Und sag ihr auch: es soll mir recht (ein, wenn sie zuweilen an mich denkt, aber es ist nicht nötig!'" „Warum hat er mich nicht früher zu sich gerufen?" fragte sie mit umflorten Augen. „Er wollte niemand mit feinem Dasein beschweren." „Dafür will ich mich aber jetzt um alles kümmern und tüchtig mithelfen!" „Oh, das lassen Sie nur für später!" lächelte Mutter Schmidt, die hinzugekommen war. „El^t müssen Sie einmal Ferien machen unb ordentlich Farbe bekommen!" „Ganz meine Meinung?" stimmte ber Alte zu. „Sie btirfen sich schon auf uns verlassen, daß alles seinen geordneten Gang geht!" I „Wenn Sie glauben--?" meinte Gisela etwas heute in demselben Maße im Abbau begriffen, als jedem jungen Mann die Möglichkeit gegeben wird, außerhalb ber Schule noch einmal, ja wiederholt, zur Leistungsprobe anzutreten und sich einen guten Absprung für’s Leben zu sichern. Auf der anderen Seite bleibt der Schule i h r Recht, und diese Eigen- ständigkeit der Schule wird von bem Reichser« ziehungsminister dadurch unterstrichen, daß nach seinem Erlaß die Note „sehr aut" (1) nur dann erteilt werden soll, wenn die Leistungen w e 11 über gut hinausgehen, und die Note „gut", wenn die Leistungen wesentlich über dem Durchschnitt stehen. Partei im Ernteeinsatz vorbildlich! NSG. Drm deutschen Volk ist in diesem Jahr eine sehr gute Ernte beschieden gewesen. In allen landwirtschaftlichen Gebieten des Reickes brachten die Felder reiche Erträge. Die Halmfrüchte restlos in den Scheunen und Tennen zu bergen unb bas kost« bare Gut ber Ernährung des deutschen Volkes zu sichern, ist für bie Bauern eine nicht leichte Aufgabe, da der Mangel an Arbeitskräften auf dem Lande noch groß ist. Die Sicherung der Ernte ist aber eine Lebensfrage der ganzen deutschen Volksgemeinschaft. Der Bauer durfte daher nicht sich selbst überlassen bleiben. Ihm mußte bie Sorge, wie er seine Ernte einbringt, abgenommen werden, indem sich ihm genügend Hilfskräfte zum Bergen der Ernte zur Verfügung stellten. Dieser Verpflichtung sind erfreulicher Weise im Gau Hessen-Nassau viele Volksgenossen n a ch g e k o m m e n , die für die überlasteten Ar- beitsfräfte auf ben Gehöften eine große Hilfe darstellen. Wie immer bei Diensten für die Gemeinschaft unb bas deutsche. Volk ging auch bei ber Erntehilfe die Partei mit gutem Beispiel voran. Neben den Mannern der Gliederungen stellten sich in den letzten Wochen in vielen Kreisen des Gaues Hessen-Nassau die Politischen Leiter der Landwirt- schäft zur Verfügung, um mitzuhelfen, die reiche Ernte sicherzustellen. Sie gingen hinaus auf bie Dörfer und reihten sich mit ein in die Front ber Erntehelfer. Obwohl bie Arbeit für manchen sehr ungewohnt war, griff jeder kräftig zu. Niemand achtete auf die Schwielen an den Händen und auf den Schweiß. Alle waren nur von dem Gedanken durchdrungen, tüchtig zu schaffen, damit die Früchte harter Arbeit sobald als möglich unter Dach und Fach gebracht werden können. Die Bauern unseres Gaues erkennen die Mitarbeit dieser freiwilligen Helfer dankbar an. Durch diesen Einsatz wurde in ihnen das Bewußtsein erneut gestärkt, daß ihre Arbeit Ehrendien st an der Nation ist. Die Politischen Leiter wiederum erfüllt dieser Einsatz mit Stolz, da sie zeigen können, daß sie jederzeit bereit finb, ihre ganze Kraft bem Wohle der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Joseph Hitlebrand znm ^50. Geburtstag Die folgenben Zeilen wollen, inbem fie' einen nicht gerabe gewöhnlichen Lebenslauf erzählen, bas Andenken eines Mannes er« neuern, der im vorigen Jahrhundert fast dreißig Jahre als erfolgreicher und beliebter Leh- rer an ber Ludwigs-Universität gewirkt hat. Joseph Hillsbranb wurde heute vor 150 Jahren, am 2 4. Aug ust 1 788 in Großdüngen bei Hildesheim geboren. Die Glücksumstände des kinderreichen Vaters, eines schlichten Handwerkers, der neben Stellmacherei auch eine kleine Landwirtschaft betrieb, waren nicht so beschaffen, daß er seinem lernbegierigen Jungen eine gelehrte Erzie- hung hätte anaebeihen können. Der Fürstbischof von Hildesheim nahm ilym biese Sorge ab. Hillebrand würbe als Schüler in bas von ben Jesuiten gegründete Gymnasium Josephinum aufgenommen. Ein kurzes Studium in Göttingen, das ihm die Königlich Westmlifche Oberste Studiendirektion zu Kassel ermöglichte, beschloß 1812 seine Ausbildung zum Lehrer. Nachdem er drei Jahre als Professor für alte Sprachen am Josephinum gewirkt hatte, nötigte man ihn, die geistlichen Weihen zu nehmen. Er beugte sich dem Zwang, obwohl er schon seit geraumer Zeit Zweifel an der Kirchenlehre hegte. Doch war sein Eintritt in den Priesterstand zur Bedingung für die Fortdauer seiner Lehrstelle gemacht worben, auch mochte er selbst sich zu einiger Dankbarkeit gegen seine früheren Wohltäter verpflichtet fühlen. Der Zusammenstoß zwischen bem jungen, ber Kantischen Philosophie aufgeschlossenen Lehrer unb seinen geistlichen Oberen konnte nicht ausbleiben. Man bezichtigte ihn der Ketzerei. Da ließ er entschlossen alle Rücksichten fahren und bekannte sich zur lutherischen Lehre (1815). Nun mußte er für zwei Jahre bas unstete unb bedrückende Dasein eines Hofmeisters auf sich nehmen. Er betreute einen jungen Holländer auf verschiedenen Hochschulen. Welche Gedanken und Stimmungen ihn in diesen Jahren unb auch in ber Zeit vor seinem Aufbruch aus Hilbesheim bewegten, erfährt man aus bem autobiographischen Roman „Eugenius Severus, ober einige Stationen aus der Lebensreife eines Philosophen" (1819). Die äußeren Geschehnisse unb Erlebnisse sind barin allerdings erheblich umgestaltet, erweitert und auch zu einem großen Teil frei erdichtet, doch lassen die überall eingestreuten nachdenklichen Betrachtungen, die den künstlerischen Wert des Romans stark mindern, recht deutlich werden, wes Geistes Kind ber Verfasser ist. Von Würzburg aus, im Oktober 1817, bewarb sich Hillebranb um eine Professur in Heibelberg. Sein vor Jahresfrist erschienener umfänglicher „Versuch einer allgemeinen Bildungslehre" wie auch der eben ans Licht getretene zweibändige historische Roman „Germanikus", nach des Verfassers eigenem Wort ein „lebendiger Kommentar" zu der „Bildungslehre", empfahlen iyn hinreichend, so daß die Heidelberger Fakultät von einer förmlichen Habilitation absah und ihn als Doctor legens zuließ. Seine philosophischen und ästhetischen Vorlesungen fanden guten Anklang. Ein Vierteljahr später wurde er zum außerordentlichen Professor der Philosophie ernannt, 1820 zum Ordinarius. Obwohl ber rasche Aufstieg bes jungen Gelehrten von ben Heidelberger Kollegen zunächst mit Eifersucht und Mißgunst beobachtet wurde, suchte man ihn im Jahre 1822, als die Universität Gießen sich um ihn bemühte, mit allen Mitteln zu halten. Aber weder eine Aufbesserung des Gehalts noch der Hofratstitel vermochten Hillebrand zu bewegen, den Ruf nach Gießen abzulehnen, wo man ihn einem Herbart, einem Schopenhauer vorgezogen hatte. Inzwischen hatte er ein Buch „Ueber Deutschlands National-Bildung" (1818) veröffentlicht, ferner eine Schrift „Deutschland und Rom, oder über das Verhältnis der deutschen Nation zum römischen Stuhle, historisch und rechtlich entwickelt" (1818), bann eine „Propädeutik ber Philosophie" in zwei Teilen (1819), einen „Grunbriß ber Logik unb philosophischen Dorkenntnislehre" (1820); in seinen Nebenstunden hatte er den bereits erwähnten Roman „Eugenius Severus" (1819) ge» schrieben, bem 1822 ein weiterer folgte: „Parabies unb Welt, ober Liebe unb Schicksal" — ein Werk, bas offenbar fein Glück machte; benn es mußte bereits im nächsten Jahre neu aufgelegt werben. In Gießen war Hillebranb bald einer der beliebtesten Lehrer. Neben seinem Lehramt an der Universität hatte er (1824 bis 1838) als „Päbagogiarch" auch bie Leitung bes Gymnasiums inne. Carl Vogt hat unter Hillebranb bas Gymnasium besucht unb später als Student auch seine Vorlesungen gehört. Er weiß davon in seinem Erinnerungsbuch „Aus meinem Leben" manches zu erzählen. 1832 wurde Hillebrand in ben hessischen Dberftubienrat, bie da- mals gegrünbete oberste Unterrichtsbehörde bes Laubes, berufen. Schon im „Eugenius Severus" wird offenbar, daß Hillebrand eine in hohem Maße politische Na- tur war. So ist es nicht zu verwundern, daß er an den Verfassungskämpsen seiner Zeit tätigen Anteil nahm. Auf fünf Landtagen (seit 1848) war er Abgeordneter, einmal sogar Präsident, ein anderes mal Vizepräsident der zweiten Kammer der Landstände zu Darmstadt. Die bewegte Zeit brachte ihm manche Sorge um seine in alle Welt verstreuten ui,er Sohne. Zwei wanderten nach Amerika aus. Der älteste, Julius, konnte sich einer Verfolgung wegen politischer Betätigung rechtzeitig durch bie Flucht nach Zürich entziehen. (Er mürbe bort spater Professor für deutsches Recht.) Der jüngste dagegen, der nachmals berühmte Essayist Karl Hillebrand, dessen Andenken eine Tafel über der Tür seines Geburtshauses (heute das „Gasthaus zum Lamm" am Horst- Wessel-Wall) wachhält, wurde in den Kasematten von Rastatt ein Vierteljahr lang gefangen gehalten, bis er nach Frankreich entkommen konnte. Auch den Vater traf das Schicksal, als die Reak- tion gesiegt hatte. Am 30. Oktober 1850 wurde er feines Amtes enthoben, zunächst sogar unter Verweigerung seines Ruhegelds. Er verbrachte feinen Lebensabend mit einer feiner drei Töchter, Marie, in Offenbach, Rödelheim unb Soden am Taunus. Seine zweite Frau, Karoline Hoffmann, war 1847 gestorben. (Die erste, Maria Barbara Eschborn, hatte er 1824 verloren.) In Soden starb Hillebrand am 25. Januar 1871. Sein menschlich gewinnendes und umgängliches Wesen wird von seiner Nichte Ida Hoffmann, der Tochter des Gießener Botanikers, treffend gekenn« zeichnet, wenn sie sagt: „Er war das unschuldigste, naivste Kind, das mir je vorgekommen ist —- harmlos heiter, doch auch schalkhaft witzig. Dabei so vornehm und bis zu gewissem Grade zurückhaltend, daß es wohl niemals vorgekommen ist, daß jemand in Scherzen oder in Belehrung seines Welt-Unverstandes zu weit ging. Wurde mitten in scherzhaften Spielen der Unterhaltung ein ernstes Thema zufällig berührt, war er im Handumdrehen der fest I felnde Redner, der geistreiche Denker, der einen mÜ ] fortriß durch sein eigenes Hingenommensein. In ! schöner Sprache, klar und warm, drückte er dann । feine Gedanken aus. Man konnte nicht aufhören, [einen feinen Kopf anzuschauen, fein interessantes Gesicht, die beherrschenden Augen, die doch zugleich so tiefinnerlich blickten, als ob er von seiner Umgebung nichts wisse." Es ist nun noch übrig, das Verzeichnis feiner Werke um die Titel feiner Gießener Schriften zu ergänzen. Noch in Heidelberg begonnen mar „Die Anthropologie als Wissenschaft", deren drei Teile in ben Jahren 1822 und 1823 erschienen. Das „Lehrbuch der theoretischen Philosophie und philosophischen Propädeutik" kam 1826 heraus, ein Jahr darauf das „Lehrbuch der Literar-Aefthetik, oder Tbeoris und Geschichte der schönen Literatur, mit befonDe* rer Berücksichtigung der deutschen", abermals ein Jahr später in lateinischer Sprache eine „Aesthetica litteraria“. Die Schrift „Universal-philosophische Pro- legomena, ober enzyklopädische Grundzüge der gesamten Philosophie" {1830) mar die Vorbereitung zu dem 1835 und 1836 vollendeten, 1842 in zweiter Auflage erschienenen philosophischen Hauptwerk „Philosophie des Geistes od-er Enzyklopädie ber gesamten Geisteslehre". Auch das letzte philosophische Werk „Der Organismus ber philosophischen Idee in wissenschaftlicher unb geschichtlicher Hinsicht erlebte zwei Auflagen (1842 und 1850), unb bie dreibändige Literaturgeschichte mit dem Titel „Die deutsche Na« tionalliteratur im 18. unb 19. Jahrhundert, historisch und ästhetisch-kritisch dargestellt", gar deren drei (1845 und 1846; 1850; 1875). Erfreulicherweise hat die Stadt Gießen, die ihren bedeutenden Mitbürger schon seit langem dadurch ehrt, daß sie eine Straße nach ihm benannt hat, nun den heutigen Gedenktag zum Anlaß genommen, Hillebrands fast vergessenes Grab auf dem Alten Friedhof (zwischen der Kapelle und der Straß« Am Nahrungsberg) wieder würdig Herrichten zu lassen. B. SA. im Einsatz zur Alteisen-Sammlung! Stellt Altmaterial bereit! Die Sammlung eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit! NSG. Das deutsche Volk hat heute schon in vielen Dingen praktisch denken und handeln gelernt. Die Eimer des Ernährungshilfswerkes der NSV. vor den Häusern in Deutschland, die ungenießbare Nahrungsmittel für bie Schweinezucht ber NSV. aufnehmen, sind bas beste Zeugnis hierfür. Es ist dies auch nicht bie Not, bie eine gewisse auslän» bische Hetzpresse immer schilbert, fonbern die vernünftige Ueberlegung und Einsicht des deutschen Volksgenossen, bie berartige Einrichtungen in Deutschland möglich werben läßt. x Unb trotzdem, wird nicht noch auf vielen anderen Gebieten geradezu Verschwendung betrieben? Deutschland braucht für seinen Aufbau gewaltige Mengen Eisen. Es steht in diesem Jahr zum ersten Male an der Spitze ber Eisen unb Stahl erzeugen* ben Länder. Unb dennoch: Wie viele Tonnen des wertvollen Rohstoffes (Eifen verkommen und verrosten jährlich in den Haushaltungen, auf den Bauernhöfen oder sonst dergleichen Orten und gehen somit der deutschen Volkswirtschaft verloren! Alte verbrauchte Wasserkessel unb Eimer, ja sogar ganze Babewannen unb eiserne Bettstellen findet man im trauten Durcheinander auf den bekannten Schuttabladeplätzen am Rande der Städte. Sie verunzieren die Landschaft bis sie der nächste Abfallhaufen überdeckt und gehen so den Hochöfen, die gerade derartigen Schrott für die neue Eisengewinnung benötigen, verloren. Was liegt also näher, als daß Schritte unternommen werden, bie diesem Uebelstand in Deutsch- lanb abhelfen. Und es wird ihm auch zu Leibe gegangen. Hermann Göring, der „größte Lumpensammler der Welt", wie er sich einmal selbst mit Stolz genannt hat, wirb nun auch ber größte Eisensammler werben, benn auf seinen Befehl hin wird sich die SA. daran machen, diesen wertvollen Schrott wieder den Stellen zuzuführen, die hierfür bie geeignete Verwendung zum Nutzen unserer Volkswirtschaft haben. Wenn auch einige Besserwisser nun wieder die Nase rümpfen unb mit unmißverständlichem Hochmut von biefer Arbeit der SA. sprechen werben, bie disziplinierten Sturmsoldaten des Führers wissen es besser, worauf es hierbei ankommt. Sie werden der Engstirnigkeit einiger Zeitgenossen ihre Tat entgegenstellen, die sich Darin auswirken wird, daß unzählige Güterzüge in den nächsten Wochen durch Deutschland rollen werden, um ihren wertvollen Inhalt an Schrott dem Produktionsprozeß wieder zuzuführen. Gewiß, eine Schrottsammlung war noch nie etwas für „feine Deute“, denn schmutzige Hände und schwere Arbeit ist nichts für diejenigen, die immer zuschauen, wo andere freiwilligen Einsatz leisten. Der SM.-ZHann erhebt aber weder ben Anspruch darauf, zu den „feinen Deuten“ gerechnet zu werden, noch ist er gewillt, den Wert einer Arbeit nach Aeußerlichkeiien zu beurteilen. Er weiß nur, baß biese Arbeit auch D i e n st am Volksganzen ist, unb beswegen ist er ja auch SA.-Mann geworben. Als er bamals den roten Terror auf den Straßen mit feinen Fäusten brach, da war er ja auch bei einer ganz bestimmten Gesellschaft nicht der Kämpfer für eine bessere deutsche Zukunft, sondern der „politische Rowdy", der nicht in ber Lage mar, seinen Gegner mit geistigen Waffen zu begegnen. Warum soll er sich also heute an bie Meinung der eroig Gestrigen halten, die sowieso schon auf dem Aussterbeetat stehen! Die SA. wird sich also in den kommenden Wochen an die Arbeit machen, bie einmal dem Vierjahres, plan wertvolle Hilfsdienste leistet und darüber hin- kleinlaut, aber bann überwog boch die Freude, daß man ihr noch keine Lasten aufbürbete. Unb es kamen herrliche Tage. Sie erlebte ihr neues Dasein wie einen munber« baren Traum. Mit glühenben Wangen und leuchtenden Augen streifte sie durch die Räume des Hauses, durch Scheunen und Ställe, lief treppauf und treppab, drang bis in die verborgensten Winkel unb mußte ost lange gesucht werben, wenn es galt, sie zu einer bereitstehenden Mahlzeit zu rufen. Unb ber Walb mit feinen tausend Geheimnissen und Herrlichkeiten! Mit seinen uralten Bäumen, mit den verschlungenen Wegen und den tiefonnten Wiesenhängen! Als Gisela angefangen hatte, ihn zu entdecken, mar es vollends um sie geschehen. Schon am Morgen, wenn die ersten Sonnen- strahlen golden durch bie Wipfel lugten und bie taubeglänzten Wiesen verlockend dufteten, mar Gisela auf dem Plan, zog Strümpfe und Schuhe aus und jagte mit nackten Füßen durch das silbrig glitzernde Grün. Dabei mürbe sie einmal von Peter Stoll überrascht, der eines Morgens, von einer merkwürdigen Sehnsucht getrieben, von Hengers- borf herübergekommen war. Er'wollte sie, als er ihr helles Kleib zwischen den Bäumen schimmern sah, mit einem Zuruf begrüßen, aber seine Stimme versagte, so schon erschien ihm der unerwartete Anblick. Er starrte befangen auf bie zierliche, schlanke Ge« stakt, die sich im Rhythmus eines halblaut hinge- jungenen Tanzliedes anmutig bewegte. Er sah den jungen Körper, das schöne unb doch kraftvolle Spiel her Muskeln, er glaubte etwas zu spüren von bem frohen Rausch ihres Blutes. Das Bild jener Gisela Mertens verblaßte und versank ins Nichts vor bem Anblick ber Lebenden. Ein komischer Zufall, daß die beiden den gleichen Vornamen hatten. Gisela Werner! Indessen hatte sie ihn bereits bemerkt und eilte ihm ohne Verlegenheit entgegen. "Herr Bürger, bas ist reizend! Ich fürchtete schon, baß Sie Lauterbrunn vergessen hätten!" Sie zeigte lachenb auf ihre blanken Beine. „Sie müssen mein verwilbertes Aussehen entschulbigen! " In Berlin mürbe ich es nicht wagen, Ihnen so unter die Augen zu treten, aber hier ist es ja etwas anderes. — Ich habe noch nicht gefrühstückt, wollen Sie mit- halten?" Peter wurde von ihrer übermütigen Fröhlichkeit angesteckt. „Warum nicht?" lachte er. „Ich wüßte aber noch etwas Feineres?" „Noch etwas Feineres als Frühstücken?" (Fortsetzung folgt!) bet Wirtschaft SJLtfpoit ifurig haben sich gerade in spielstarke Mannschaften ge- an einem der nächsten Sonntage ausgetragen. Dadurch, daß zwei Mannschaften der 1. Kreis- den. Die beste Leistung zeigte die erst kürzlich zuklasse (Lang-Göns und Groß-Rechtenbach) bei den fammengestellte Mannschaft des Heereszeugamtes, neuen Spielen ausfallen, ist es möglich, daß auch die die Standortmannschaft knapp aber verdient die zweiten der Aufstiegspiele (Nauborn und Wiß- > mit 5:7 (3:3) schlagen konnte. Zeigte Die Kartoffel-Erzeugerpreise 1938/39 2,95 RM. 2,35 RM. 2,45 RM. 2,55 RM. 2,65 RM. 2,80 RM. dis bis durchgeführt werden und ebenfalls ginnen. 2,65 RM. 2,75 RM. 2,85 RM. 2,95 RM. 3,10 RM. ' 3,25 RM. ihm gelieferten hat für vom 3. mar) aufsteigen. Die endgültige Entscheidung steht allerdings noch aus. Zu einer Arbeitstagung hatte der Kreisfachwart vor dem eingangs erwähnten Treffen die Handballführer des Dillkreises zusammengerufen. In einer eingehenden Aussprache wurden alle Gebiete berührt und vor allem auch die Maßnahmen behandelt, die eingeleitet werden müssen, um den Handball gerade an der Dill weiter zu fördern. Schon seit geraumer Zeit entwickeln die Angestellten und Arbeiter des Standortes Gießen einen regen sportlichen Betrieb. Neben der Leichtathletik wird vor allen Dingen das Handballspiel gepflegt. Unter sachkundiger Leituw Sept., Okt. Nov. 1938 Dezember 1938 Januar 1939 Februar 1939 März, April 1939 Mai, Juni, Juli, August 1939 Der Erzeuger erhält nen Fracht, bei Selbstabholung durch den Käufen abzüglich höchstens 15 Pf. je 50 Kilogramm, im Falle der Einführung eines Frachtenausgleichs, gleich welcher Art, abzüglich der festgesetzten bzw. endgültig ermittelten Fracht. Für Futterkartoffeln sind in den oben genannten Kartoffelwirtsst)aftsoerbänden für die Zeit vom 1. September 1938 bis 31. August 1939 je 50 Kilogramm frachtfrei Empfangsstation Erzeugerpreise von mindestens 1,85 RM., jedoch nicht mehlt als 2,00 RM. festgesetzt. Für Fabrikkartoffeln gilt ein Erzeugerfestpreis frachtfrei Empfangsstation bis zu einet Höchstfracht von 14 Pf. je 50 Kilogramm Kartoffel- Bruttogewicht, von 20 Pf. je Kilogramm Stärke für Lieferungen in der Zeit vom 1. September bis 30. November 1938 und von 21 Pf. je Stärke für Lieferungen in der Zeit vom 1. Dezember 1938 bis zum 31.' August 1939. — Kauft der Verarbeiter Fabrikkartoffeln aus Gebieten, die bei der Lieferung eine höhere Fracht als 14 Pf. je 50 Kilogramm Kartoffel-Bruttogewicht entstehen lassen, jo hat de- Verarbeiter die Mehrfracht zu troa»- Die deutschen Davispokalspieles Henner Henkel, Georg von Metaxa und Rolf Göp« fort werden sich nicht an den amerikanischen Doppelmeisterschaften, die in Boston bereits am Montag begonnen haben, beteiligen, sondern in die Heimat zurückkehren. Elbgraf gewonnen. Dor Internationale Fliegerrennen (8000 Mark, 1200 Meter) sah den Franzosen Last Post vor dem Italiener Muzio siegreich. den mußte. Wenn die Veranstaltung jetzt auch nicht mehr in der zuerst gedachten Form durchgeführt werden kann, so bleibt ihr aber doch die Bedeutung eines großen reichssportlichen Ereignisses, das die Anteilnahme weiter Kreise der gesamten deutschen Sportwelt finden dürfte. Die sämtlichen deutschen Olympia- Siegerinnen in der Leichtathletik uyd bekannte Weltrekordinhaberinnen wie Mauermeyer, Ratjen, Krauß, Dolkhausen u. o. werden mit den im letzten Jahr hervorgetretenen ausgezeichneten Nachwuchskönnerinnen beim N a t i o n a - len Frauen fportfe st in Bad-Nauheim am Start sein und in spannenden Kämpfen um die Teilnahmeberechtigung an den Frauen-Europa- Meisterschaften streiten. teilweise mehr als 1 v. H. ausmachten. Die Umsätze waren allgemein sehr klein. IG. Farben ließen nach 147 (147,65) auf 146 nach, ferner gingen Scheide- anstalt um 2 v. H., Metallgesellschaft um 1,50 v. H. und Rütgerswerke um 1 v. H. zurück. Am Montanmarkt ermäßigten sich Rheinstahl um 2,13 v. H. auf 129,50, Mannesmann um 2,25 v. H. auf 102,75 und Verein. Stahl um 0,90 auf 100,13, andererseits befestigten sich Buderus auf 107,25 (106) und Hoesch lagen mit 106,75 behauptet. Don Kaliaktien verloren Salzdetfurth 4,50 v. H. auf 139,50. Maschinenwerte bröckelten 0,50 bis 1 v. H., Adlerwerke auf 102,50 (104) ab, während Eßlinger noch 0,50 v. H. anzogen auf 98. Im einzelnen notierten AEG. mit 108 bis 107,50 (109,50), AG. für Verkehr mit 116,50 (118), Bemberg mit 125,50 (126,25),' andererseits Conti Gummi mit 194,75 (193,50), Cement Heidelberg mit 147,25 (145,75) und Aschaffenburger Zellstoff mit 113,75 (113). Am Rentenmarkt waren von den variablen Werten Reichsaltbesitz mit 130,40 (130,30) etwas lebhafter, Kommunal-Umschuldung mit 94,45 (94,50) wenig verändert. Am Kassarentenmarkt lag verschiedentlich wieder etwas Angebot vor. In Pfandbriefen fand: es bei weiterhin unveränderten Kursen glatt Aufnahme, und auch an den übrigen festverzinslichen Gebieten änderten sich die Kurse nur un» wesentlich. Liquidationspfandbriefe und Industrie- Obligationen lagen dabei nicht ganz einheitlich. Reichsaltbesitz bröckelten später auf 130,25 nach 130,40 ab. In der zweiten Börsenstunde war am Aktienmarkt die Schwäche deutlicher. Bei kleinsten Umsätzen ließen die Kurse meist nochmals bis 1 v. H. nach. Matt lagen Conti Gummi mit 190,50 nach 194,75. Sonst notierten u. a. Daimler mit 124,50 nach 125,75, Deutscher Eisenhandel 135 nach 135,75, Reichsbank 180 nach 180,75, Hoesch' 105,75 nach 106,75, Mannesmann 102 nach 102,75, Verein. Stahl wieder unter pari mit 99,50 nach 100,13, Metallgesellschaft 122 nach 123,50, Gessürel 125,50 nach 126,75 (127,25), Rheinmetall 122 (126). Am Einheitsmarkt war die Entwicklung uneinheitlich. Abendbörse schwächer. An der Abendbörse setzten sich die Rückgänge um durchschnittlich 0,50 bis 1 v. H. fort. Auf fast allen Gebieten des Aktienmarktes lag wieder Angebot vor, das nur zum Teil durch die vorliegende Limite ausgeglichen wurde; im übrigen war die Aufnahmebereitschaft bei starker Zurückhaltung äußerst gering. Stärker gedrückt in Anpassung an den Berliner Schluß waren Buderus Eisen mit 105 (107,25) und Kunstseide Bemberg, die noch 0,50 v. H. unter Berlin notierten, mit 122,50 (124,75). Um je 1 v. H. ermäßigt waren AG. für Verkehr mit 115,50, Deutsche Erdöl mit 118,50, Holzmann mit 144. Von den führenden Werten fielen IG. Farben auf 145,50 bis 145,25 (145,75), Verein. Stahl auf 98,75 (99,50) und Hoesch auf 105 (105,75). Sonst bröckelten ab: Adlerwerke auf 102 (102,50), Aschaffenburger Zellstoff auf 112,50 (113), Demag auf 135 (135,50), Scheideanstalt auf 205,50 (206,25), Eß- linger Maschinen auf 97,75 (98), Gesfürel auf 125 (125,50), Iunghans auf 105,13 (106), Rheinmetall auf 121,50 (122) und Reichsbank auf 179 (180). Behauptet lagen Metallgesellschaft mit 122, Moenus mit 120,50, DDM. mit 157 und Hapag mit 61. Der Rentenmarkt war überaus ruhig. Far- benbonds gingen mit unverändert 121,75 um, im Freiverkehr Kommunal-Umschuldung 5 Pf. niedriger mit 94,40. Sranffurler Schiachtviehmarki. Frankfurt a. M., 23. Aug. Auftrieb: Kälber 662 (gegen 490 am 16. Aug.), Hammel und Schafe 131 (120), Schweine 3362 (3160). Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in Mark: Kälber a) 62 bis 65 (62 bis 65), b) 56 bis 59 (55 bis 59), • c) 46 bis 50 (44 bis .50), d) 35 bis 40 (35 bis 40). : Hämmel b2) 50 bis 52 (47 bis 50), c) 40 bis 45 i (40 bis 45), d) — (31 bis 36). Schafe a) 38 bis 42 • (38 bis 42), b) 36 (33 bis 35), c) 20 bis 32 (16 I bis 32). Schweine a) 60 (60), bl) 59 (59), b2) 58 : (58), c) 56 (56), d) 53 (53). Sauen gl) 57 (57), - g2) 55 (—). Marktverlauf: Kälber und Schweins - zugeteilt, Hämmel und Schafe mittelmäßig. mobile mit 501,075 km/st hält, noch Cobb gelang es, über 500 km/st hinauszukommen. Beide erreichten .auf der abgesteckten Meilen-Strecke nur einen Durchschnitt von rund 434 km/st. John Cobb hatte eine Fahrt schlecht eingeteilt, denn bei der Ein- ahrt in die Meßstrecke hatte der Napier-Railton- Spezialwagen eine Geschwindigkeit von 300 Meilen ober rund 482,7 km/st. Da nach der Hinfahrt einige Beschädigungen an der Karosserie festgestellt wurden, verzichtete Cobb auf die Rückfahrt. Kurze Sportnotizen Einen neuen Weltrekord über 1000-y- Kraul stellte die Belgierin Fernando Caroen in Ostende mit einer Zeit von 13:03,2 Minuten auf. Der auf 13:23,6 stehende Weltrekord der Amerikanerin Helen Madison wurde damit ganz erheblich unterboten. * Das Fürsteyberg-Rennen (23 750 Mark, 2100 Meter), das im Mittelpunkt des ersten Tages der Internationalen Baden-Badener Rennwoche stand, wurde von dem Italiener Procle (Caprioli) mit y* Längen Vorsprung vor Wunderhorn und Hinaus zum Groß-Glockner! Großer Bergpreis von Deutschland. Frankfurt a. M., 23. Aug. Die Börse „ w nach den letzten festen Tagen wieder stärkere Zurückhaltung und war am Aktienmarkt vorwiegend etwas schwächer gestimmt, ohne daß jedoch hierfür besondere Motive Vorlagen. Anfangs kamen noch einige Kundschaftsaufträge zur Ausführung, während später sich die Neigung zu Glattstellungen vermehrte. Bei zunächst nicht ganz einheitlicher Entwicklung überwogen im Verlaufe Rückgänge, die Die Reichssportführung Leichtathletik - Europameisterschaften 5. September in Paris als erste Auswahl bereits 39 Mann gemeldet, unter denen sich die meisten deutschen Meister befinden. führer mit Worten der Anerkennung dem Führer des Spielmannzuges das Reichsfeuerwehr-Ehrenzeichen für 25jährige Dienstzeit. + Mainzlar, 23. Aug. Ddr Arbeitskamerad Philipp Schneider aus Treis a. d. Lda., beschäftigt als Brenner bei den hiesigen Didier-Werken, kann am kommenden Samstag auf eine 2 5 jäh - rige Tätigkeit in diesem Betriebe zurückblicken. # Staufenberg, 23. Aug. Das Deutsche Frauenwerk, Kreis Wetterau, Abtla. Reichsmütterdienst, veranstaltet in der Zeit von Anfang September bis Mitte Oktober durch die Ortsfrauenschaft einen Mütterschulungskurs über „Ge- fundheits- und häusliche Krankenpflege". Mit dieser Vortragsreihe wird den Müttern und Frauen unserer Gemeinde Gelegenheit gegeben, ihre Kenntnisse zu erweitern. Da der Kurs nur zwei Abende wöchentlich belegt, läßt es sich erklären, daß trotz der arbeitsreichen Jahreszeit zahlreiche Anmeldungen vorliegen. Die Kurse werden durch eine hauptamtliche Lehrkraft geleitet. # Allendorf (Lahn), 23. Aug. Die Klein- kinderschule hatte die Eltern der Kinder und die Freunde der Schule zum Sommerfest eingeladen. Es wurde im Saal des hiesigen Vereinshauses abgehalten. Unter der Leitung der Schwester Martha Jäger boten die Kinder allerlei Spiele, die den anwesenden Gästen viel Freude bereiteten. Die Freude der Kleinen erreichte mit der Bescherung der Brezeln ihren Höhepunkt. Die Feier wurde von musikalischen und gesanglichen Darbietungen des hiesigen Posaunen- und Gemischten Chores umrahmt. Der Vorsitzende der Station dankte der Schwester für ihre aufopfernde Arbeit und sprach von dem gemeinschaftsbildenden Sinn, der die Arbeit der Kleinkinderfchule bestimme. Kreis Alsfeld <£ Deckenbach, 23. Aug. Gestern gingen über unserer Gemarkung zwei Gewitter nieder. Das erste Gewitter, bas schon vor Mittag kam, brachte starken Regen. Ein zweites Gewitter am Nachmittag war mit kurzem H a g e 1 s ch l a g verbunden. Da es nicht stürmisch war, entstand glücklicherweise kein großer Schaden. Druischlands beste Leichtathletinnen in Vad-Aauheim. Ausscheidungskampf für die Europa-Meisterschasten. für die von Speisekartoffeln den frachtfrei Empfangsstation festgesetzten Preis, abzüglich der entstände. aus durch das gute Beispiel und burdh Aufklärung unzählige Volksgenossen davon abhalien wird, in Zukunft wertvolles Alteisen dem Verderb aurzu- nefern. , Wenn aber die Einheiten der SA. in unserem (Saugebiet mit diesem „Kampf dem Derber b* praktisch beginnen und durch die Presse die Aufforderung an alle ergeht, durch Bereitstellung von Alteisenmengen diese örtlichen Aktionen der SA. zu unterstützen, dann ist diese hoffentlich recht rege Unterstützung wieder wie immer der schönste Dank an die SA. für ihren freiwilligen selbstlosen Einsatz. Wenn sich am kommenden Sonntag unsere Rennwagen- und Motorradfahrer auf der Hochalpenstraße zum Großglockner um den Titel des deutschen Bergmeisters streiten, bann tun sie es in einem Kampf, der von dem bisher gewohnten Gefechtsbild abweicht unb den Zuschauern neue, allerdings nicht weniger spannende Situationen offenbaren wird. Her Kampf Mann gegen Mann mit seinem gleichzeitigen Masseneinsatz von Fahrzeugen wird man diesmal nicht erleben, dafür aber den Streit der Fahrer mit der ewigen Gesetzmäßigkeit der eilenden Zeit. Diesmal können die Kämpfer ihre eigene Leistung nicht sichtbar am Können des Gegners ad- lesen, können sich die Schnelligkeit der Fahrt nicht nach ihrem eigenen Belieben haushälterisch einteilen. Allein wird jeder einzelne auf der Strecke sein, nur von dem Ehrgeiz beseelt, den Weg zum Gipfel möglichst schnell hinter sich zu bringen. Den zweifellos spannendsten Kampf wird es in der großen Rennwagenklasfe geben, in der Stuck und Müller mit Lang und v. Brau- chitsch auf den vorjährigen Formelwagen der Auto-Union und von Mercedes-Benz zusammentreffen. Auf dem neuen Formelwagen startet nur Seaman (Mercedes-Benz), der damit in seiner Klasse kaum etwas zu fürchten hat. Es ist schwer zu sagen, wer diesmal den Preis des Korpsführers in der Tagesbestzeit erringen wird. 3n den einzelnen Klassen der Sportwagen sind die BMW. Favoriten, in der 2-Liter-Klasse find sie sogar unter sich. Als Fabrikfahrer ist hier der Engländer Fane gemeldet. Bei den .Kleinsten" dieser Disziplin einige spielstarke Mannschaften gebildet, die schon verschiedentlich Proben ihres Könnens ablegten. So standen sich am Wochenende die Einheiten des Standortes und des Heeresneben- zeugarntes gegenüber. Wer angenommen hatte zwei Anfänger zu sinden, wurde bald eines Besseren belehrt. Auf beiden Seiten wurden sehr gute Leistungen gezeigt, die von den verhältnismäßig zahlreichen Zuschauern mit Beifall aufgenommen wur- Mitte September finden in des Reiches Ostmark zu Wien die Europa-Meisterschaften in der Frauen-Leichtathletik statt, die auch von Deutschland mit einem starken Aufgebot beschickt werden. Anfang September wird die gesamte Kernmannschaft unserer deutschen Frauen-Leichtathletik in Bad- Nauheim zu einem letzten Training weilen. Der viertägige.Lehrgang schließt ab mit den Ausscheidungskämpfen für Wien, die am Nachmittag des 7. September auf der v.-Tschammer-und-Osten- Kampfbahn, dem herrlich gelegenen Bad-Nauheimer Waldsportfeld, zum Austrag kommen. So erhält die Weltbadestadt nun doch noch ihr erstes großes Frauensportfest, das ursprünglich für den 29..Juni angekündigt worben war, aus verschiedenen Gründen damals aber abgesagt wer- Gießener Schlachtviehmarkt. Zum gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt ; (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Diehversteige- , rungshalle Rhein-Main in Gießen wurden 8 Ochsen, । 5 Bullen, 22 Kühe, 36 Färsen, 135 Kälber, 244 , Schweine, 6 Schafe aufgetrieben. Preise: Ochsen 42 bis 44 Pf., Bullen 39 bis 42, ' Aühe 18 bis 42, Färfen 36 bis 43, Kälber 41 bis 63, Schafe 36 bis 40 Pf. je Vt kg Lebendgewicht. ; Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht fol- । gende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg unb mehr) 1,18 Mark, Klasse bl (135 bis 149,5 kg) 1,16, Klasse b2 (120 bis 134,5 kg) 1,14, Klasse c (100 bis 119,5 kg) 1,10, Klasse cL bis f (unter 100 kg) 1,04, Klasse gl und i (fette Specksauen und Altschneider) 1,12, Klasse g2 und h (andere Sauen und Eber) 1,08 Mark. Marktverlauf: Großvieh und Schweine zugeteilt. Kälber und Schafe mittelmäßig. Alles ausoerkauft. Neue Ausdehnung des Kreditspielraums der Banken. Im Juli' hatte es zeitweise den Anschein, als ob die ungewöhnliche Flüssigkeit des Geldmarktes, die den deutschen Wirtschaftsaufschwung feit Jahren kennzeichnete, ihr Ende erreicht hätte. Diese Erscheinungen wurden ebenso wie die Rückschläge an der Börse mit der Umstellung der staatlichen Auftragsfinanzierung — nicht diskontierbare Lieferfchatzan- weifungen an Stelle von „Sonderwechseln" — in Verbindung gebracht. Die nunmehr vorliegenden Juli-Bilanzen der Banken lassen zwar erkennen, daß diese Aenderung in den staatlichen Finanzie- rungsmethoden beträchtliche Rückwirkungen auf Geschäft und Bilanzzusammensetzung der Banken hatte; zugleich aber zeigt sich, baß der Kreditspielraum der deutschen Wirtschaft keineswegs eine Beschränkung erfahren hat. Vielmehr sind die verfügbaren Mittel der Banken im Juli sogar ungewöhnlich stark gewachsen; denn die Bilanzsumme aller erfaßten Kreditinstitute hat sich in diesem Monat um nicht weniger als 506 Millionen Reichsmark ausgedehnt. Die „Sonstigen Gläubiger", also die Kundschaftseinlagen, stiegen bei den Großbanken um 149 Mill. RM., bei den Spezial- unb Regionalbanken um 115 Mill. RM.; die Spareinlagen dazu insgesamt um 23,5 Millionen Reichsmark. Dieser beträchtliche Zufluß an neuen Mitteln hat es den Banken ermöglicht, von den neuausgegebenen Lieferschatzanweisungen wiederum einen überraschend hohen Betrag zu übernehmen. Don den insgesamt im Kreditwesen im Juli neu untergebrachten 450 Millionen RM. Schahanweisungen übernahmen die Großbanken 126 Mill. RM., die Spezial- und Regionalbanken HO Mill. RM. Zugleich haben diese Bankengruppen aber auch ihren Wechselbestand nach dem starken Abbau im Vormonat wieder um fast 80 Mill. RM. erweitern können. Es ist weiterhin bemerkenswert, daß trotz der umfangreichen Ankäufe von Lieferschätzen der Besitz der Banken an Reichsanleihen annähernd unverändert blieb. Ja es war den Banken sogar noch unverändert möglich, auch die erneut wachsenden Kreditansprüche der Wirtschaft zu befriedigen. Bei b?n Großbanken erhöhten sich die „Sonstigen Debitoren" um 31 Millionen, bei den Spezial- und Re» gionaldanken sogar noch etwas stärker um 35 Mill. Reichsmark. Die kreditpolitische Leistungsfähigkeit des deutschen Bankapparats ist mit diesen Ziffern erneut erwiesen; die erwähnten Anspannungserscheinilngen an ben Geldmärkten dürften also rein technischer Natur gewesen sein. Mein-Mainische Mrse. INiltagsbörse: Aktien meist schwächer. ohne Kompressor droht BMW. vielleicht eine Gefahr von den wendigen Fiat. Mit im Mittelpunkt des Renntages steht der Kampf der Motorräder. DKW. läßt sich in allen drei Klaffen durch (eine Fabrikfahrer vertreten. Meister Ewald Kluge dürfte die Streitmacht der 250er-Maschinen souverän beherrschen. Der Karlsruher Gablenz unb ber junge Marburger Lottes besitzen bie Fähigkeit, dem Meister viel abzuverlangen. DKW. gegen NSU. — das ist die Kampfparole in der 350er-Klafse, in der Winkler unb Wünsche die Auto-Union unb Bodmer sowie Hentze die Neckarsulmer vertreten. In der Klasse der Halblitermaschinen erwartet man eine scharfe Auseinandersetzung zwischen den Fabrikfahrern Bungerz (Auto-Union) und Schneeweiß (BMW.). Von den Privatfahrern hat hier der Lampertheimer Herz keine geringen Aussichten. Insgesamt meldeten 30 Motorradfahrer und für bie Sport- und Rennwagenklaffen wurden 32 Nennungen abgegeben. Die Länge der Strecke (einschließlich des „toten" Stückes) beträgt 33,5 Kilometer. Rekordversuch Eobbs gescheitert. Die beiden englischen Automobilrennfahrer Cpt. E y st o n und John Cobb setzten jetzt mit ihren Rennungetümen in der Salzwüste von Bonneville (USA.) ihre Rekordversuche fort, aber weder Eyston, der den absoluten Geschwinoigkeitsrekord für Auto- Fwd. Der Reichskommissar für die Preisbildung hat in einer Verordnung vom 19. August 1938 die ab 1. September 1938 gültigen Erzeugerpreise für Speisekartoffeln, Futterkartofseln und Fabvikkartof- feln im Kartoffelwirtschaftsjahr 1938/39 bekanntgegeben. In den Gebieten der Kartoffelwirtschaftsoerbände Hessen-Nassau und Kurhessen werden für Speisekartoffeln folgende Erzeugerfestpreise je 50 Kilogramm frachtfrei Empfangsstation festgesetzt: für Lieferungen in für weiße, rote für gelbe horten den Monaten: und blaue Sorten Aus der engeren Heimat. Unfälle auf dem Lande. Der 17jährige Arbeiter Heinrich Velten aus L e i h o e ft c r n fam auf dem Heimweg mit feinem Fahrrad zu Fall und zog sich eine schwere Kmever- lehuna zu — Der bei ber Reichsautobahn deschäs- tiqfe 27 jährige Arbeiter Karl Rudolf aus Lumda (Kreis Gießen) zog sich bei seiner Arbeit einen Bruch der linken Schulter zu. — Beim Schälen vom Baumstämmen glitt der 15jährige Arbeiter Otto Damm aus Reiskirchen mit dem Schälmesser aus und erlitt erhebliche Schnittwunden an einer Hand. — Beim kindlichen Spiel stürzte die 7jährige Herta Schmidt aus Rodheim a. d. B. einen Abhang hinunter unb erlitt dabei einen doppelten Bruch des linken Armes. — Bei der häuslichen Arbeit glitt die 15jährige Erna Müller von Lang-Göns aus und zog sich im Sturz einen Bruch des linken Fußgelenks zu. Sämtliche Verunglückte mußten in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. Landkreis Gießen. - Daubringen, 23. Aug. Am Sonntag fand hier durch Kreisfeuerwehrführer Bouffier die Besichtigung der Freiwilligen, sowie der Pflichtfeuerwehr statt. Durch das schlechte Wetter bedingt, wurde nur eine Fußdienstübung vorgeführt. Die Hauptübung soll im Oktober mit der Schlußübung der Feuerwehr Lollar zusammen durchgeführt wer- den. Zum Abschluß überreichte der Kreisfeuerwehr- Handball im Kreis Gießen. Tv. Nauborn — Tv. Dillenburg 7:9 (3:6). Beide Mannschaften traten zum Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die 1. Kreisklasse auf dem Platz des Tv. Katzenfurt an. Nauborn hatte Ersatz in feinen Reihen unb konnte so nicht bie allgemein erwartete Rolle spielen. Trotzbem lieferte bie Mannschaft ein ausgeglichenes Spiel unb hätte vielleicht auch noch gewonnen, wenn nicht eine Reihe taktischer unb technischer Mängel aufgetreten wären. Dillenburg, bas einen sehr schönen Hanb- ball spielte, war badurch etwas im Vorteil unb konnte zum Schluß einen nicht unverbienten Sieg sicherstellen. Mit dem To. Dillenburg steht nunmehr auch der zweite Verein fest, der in oer kommenden Runde in der 1. Kreisklasse spielen muß. Der To. Atzbach war vor einiger Zeit bereits ermittelt worden. Das Entscheidungsspiel um bie Kreismeisterschaft der 2. Kreisklasse zwischen Atzbach 'und Dillenburg, das allerdings keinen amtlichen Charakter trägt, wird Einen Fackel-Staffellauf nach Helsinki plant das neugebildete Organisations-Komitee für die Olympischen Spiele 1940. Der Lauf soll nach dem Muster des Fackellaufes Athen—Berlin 1936! in Athen Reservisten bei ersten Llebungen. Für einige Wochen im Waffenrock. Ein Schnappschuß am Rande der Herbstübungen der deutschen Wehrmacht: Natürlich geht es auch einmal ohne warmes Wasser zum Rasieren. Hauptsache — „der Bart ist ab". (Scherl-M.) z ■ M Lpd. In diesen Tagen boten die kurhessischen und westthüringischen Städte und Dörfer bei den diesjährigen Herbstübungen der Wehrmacht ein besonderes Bild: die Reservisten üben! Bekanntlich waren es in den vergangenen Jahren nach dem Wiederaufbau der Wehrmacht in der Hauptsache die aktiven Truppenoerbände, die bei dem Herbstmanö- vern eingesetzt wurden und es ist nun durchaus nichts Außergewöhnliches, wenn in der etappenweisen Erprobung der aktiven Truppe auf Einsatzfähigkeit und Durchschlagskraft nunmehr erstmalig in diesem Jahre Reservistenübungen größeren Stils stattfinden. * Ein Reservist ist nur dann als einsatzfähiger und vollwertiger Soldat zu betrachten, wenn er in gewissen Zeitabständen wieder den Waffenrock anzieht und an Hebungen teilnimmt. Vieles ist ja in der Zeit nach seiner Entlassung aus dem aktiven Wehrdienst anders geworden, denn auch beim Militär ist die Zeit nicht stehen geblieben. Und so dienen die jetzigen Reservistenübungen dazu, früher Gelerntes wieder aufzufrischen und sich darüber hinaus mit den Neuerungen auf militärischem Gebiet vertraut zu machen. Bei der Hebungs-Division IX. AK., die in diesen Tagen in Kurhessen aufgestellt wurde, um dann auf dem Truppenübungsplatz Groß-Born Hebungen abzuhalten, hatten wir Gelegenheit, die Tätigkeit eines solchen Reserveverbandes kennen zu lernen. Gewaltige Aufgaben waren innerhalb kurzer Zeit zu bewältigen. Da war zunächst die Einkleidung der eintreffenden Reservisten vorzunehmen, Wagen- und Pferdematerial mußte beschafft werden, die Quartierfrage für die Mannschaften war zu lösen, geeignete Stallungen für die Pferde mußten gesucht werden und vieles andere mehr. Das war schon eine große Arbeitsleistung und Schwierigkeiten blieben naturgemäß nicht aus, wo sie aber auftraten, waren sie bald überwunden. Dabel ist besonders anzuerkennen, daß die Bevölkerung trotz der im Gang befindlichen dringenden Erntearbeiten den militärischen Erfordernissen weitestgehend Rechnung trägt. Anderseits zeigte sich bei dieser Gelegenheit erneut die Volksgemeinschaft im wahrsten Sinne des Wortes: während der Bauer seiner Militärpflicht nachkommt, haben sich die Städter auf den Dörfern als Erntehelfer zur Verfügung gestellt und man konnte aus den Feldern die Beamten der staatlichen und städtischen Behörden bei den Erntearbeiten sehen. In den Unterkünften der Reservisten treffen wir Männer aus allen Ständen und Berufen, die ihren Zivilrock für einige Wochen abgelegt haben und heute wieder stolz den Waffenrock tragen. Sie sind nicht nur äußerlich Soldat geworden, sondern der alte Soldatengeist beseelt sie. Manches ist ihnen zuerst etwas ungewohnt und unbequem, aber sie sind ja Soldat gewesen, teilweise haben sie den Weltkrieg mitgemacht und kennen den „Laden". Sie finden'sich bald wieder zurecht und nach einigen Tagen sind sie im alten Fahrwasser. Auftauchende Schwierigkeiten werden durch die Kameradschaft überbrückt, gleich ob es sich dabei um einen Landser oder um einen jüngeren Jahrgang handelt. Was will es heißen, wenn es besonders denen, die von Wuttern zu gut gepflegt worden sind, der Dienst besonders schwer fällt, da werden die Zähne zusammengebifsen und dann geht es wieder. Bei dem Bataillon eines Hebungs-Jnfan- terie-Regiments geht es sehr lustig zu, alte Soldatenlieder werden gesungen, wahrscheinlich in freudiger Erwartung der Genüsse, die eine im Hintergrund dampfende Gulaschkanone bald spenden wird. Dann treffen wir eine Fahrabteilung bei einer Uebungsfahrt an. Hier ergibt sich für manchen, daß auch das Retten gelernt fein will und in Zeitabständen immer wieder geübt werden muß. Aber bald wird das auch wie früher wieder klappen. Schließlich statten wir noch den „Schwere n" einen Besuch ab. Die Batterie steht auf freiem Felde, da innerhalb des Ortes kein entsprechender Platz vorhanden ist. Im Zelt ist die Wache untergebracht und der Posten versieht seinen gewohnten Dienst. Draußen auf den Höfen werden die Pferde geputzt und überall die Vorbereitungen getroffen, die nun einmal zu jeder Hebung gehören. Es ist ein emsiges Schaffen, denn am andern Morgen muß alles im Schuß sein, dann beginnen die Hebungen. Hnd wenn die Wochen vorüber sind, dann geht es stolz wieder heimwärts mit dem Bewußtsein, auch dabei gewesen zu sein, Reserve hat dann wieder Ruh'. Große Strafkammer Gießen. Gestern hatte sich der A, K. aus Ober-Rosbach vor der Großen Strafkammer wegen Sittlichkeitsverbrechens zu verantworten. Der Angeklagte hat vor etwa zwei Jahren an seiner damals 16jäh- rigen Stieftochter unsittliche Handlungen vorgenom- men. In der gestrigen Hauptverhandlung zeigte er sich restlos geständig. Mit Rücksicht hierauf billigte ihm das Gericht mildernde Hmstände zu und erkannte auf eine Gefängnis st rafe von sieben Monaten. » Amtsgericht Gießen. Bel einem Gastwirt in der Hmgegend von Gießen kehrten zwei Gäste ein, die kräftig zu zechen anfingen. Als gegen 24 Hhr die Gendarmerie zufällig an dem Lokal des Angeklagten vorbeikam, sah sie an dem Hause ein Fahrrad mit einer Aktentasche stehen. Die Beamten wollten den Eigentümer auf seine Hnvorsichtigkeit aufmerksam machen und sahen durch das Fenster der Wirtschaft. Einer der Gäste war reichlich betrunken und zertrümmerte in feiner Trunkenheit ein Bierglas. Er kam torkelnd aus dem Lokal und wollte mit feinem Rade wLgfahren. Als die Beamten pflichtgemäß das Fahrrad ficherftellen wollten, wurde der Zecher ausfallend. Der Gastwirt, der trotz des Verbotes von § 16 Ziff. 3 des Gaststättengesetzes einem Betrunkenen alkoholische Getränke verabreicht hatte, wurde gemäß § 28 Ziff. 8 des gleichen Gesetzes mit einer Geldstrafe von 20 RM. bestraft. Gegen den die Strafe aussprechenden Strafbefehl legte der Angeklagte Einspruch ein. Er hatte damit aber fein Glück, sondern wurde, da er es außerdem mit der Wahrheit nicht allzu genau nahm, in eine Geldstrafe von 30 RM. genommen. Der Gast wird sich wegen seines Verhaltens gegenüber der Gendarmerie noch zu verantworten haben. Vergehen gegen das Opinmgeseh. LPD. F r a n k f u r t a. M., 23. Aug. Das Schöffengericht verurteilte einen 69jährigen jüdischen Arzt wegen fortgesetzten Vergehens gegen das Opiumgesetz zu drei Monaten Gefängnis. Der Angeklagte hatte seit einer Reihe von Jahren Betäubungsmittel Süchtigen verschrieben, ohne daß die Anwendung der Mittel ärztlich begründet war. Verhängnisvolle Probefahrt. Ein Toter, ein Schwerverletzter! LPD. F r a n k f u r t a. M., 23. Aug. Ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem ein Mann getötet und ein anderer schwer verletzt wurde, ereignete sich am Dienstagabend auf der Mainzer Landstraße zwischen Griesheim und Nied. Der 36jährige Johann Helmö aus Nied, der ein Motorrad kaufen wollte, unternahm mit einem Angestellten der Derkaufsfirma, dem Mechaniker Peter Weber, eine Probefahrt auf der Mainzer Landstraße. Unterwegs kam ihnen ein mit vier Personen besetzter Kraftwagen entgegen, dessen Fahrer einen Radfahrer überholen mußte, der nicht den Radfahrweg benutzte, sondern einen Teil der Fahrbahn einnahm. In diesem Augenblick rannte der Kraftwagen mit dem entgegenkommenden Motorrad zusammen. Das Motorrad wurde vollständig zertrümmert und die beiden Fahrer in hohem Bogen auf die Straße geschleudert. Helmö, der auf dem Soziussitz saß, war sofort tot, Weber erlitt eine Anzahl Knochenbrüche und wurde ins Höchster Krankenhaus eingeliefert, doch besteht bei ihm keine Lebensgefahr. Der Kraftwagen geriet bei dem Anprall gegen einen Baum und wurde so schwer beschädigt, daß er abgeschleppt werden mußte. Die Insassen blieben unverletzt. Teppichknüpfen als Schulfach. | M In dem kleinen idyllischen Ostseebad Lubmin, im Zentrum ßer pommerschen Teppichknüpferei, werden die Kinder schon auf der Schulbank mit der Kunst ihrer Väter vertraut gemacht. Der handwerkliche Unterricht steht ganz im Zeichen dieser Heimatindustrie, deren Berufswelt zugleich das Elternhaus der Kinder beherrscht. Die Jungen und Mädel beginnen mit dem Zeichnen von Entwürfen für Teppichmuster, wobei sie Muster von außerordentlicher Schönheit entwickeln. Bald aber fügen ihre kleinen Hände selbst — wie hier Bruder und Schwester — emsig Faden an Faden. — (Atlantik-M.) Aus aller Welt. Deutschland Zweitälteste Frau gestorben. Hannovers älteste Einwohnerin, die zweitälteste Frau des Deutschen Reiches, Frau Wilhelmine Scharnikow, starb im 107. Lebensjahre. Frau Scharnikow wurde 1832, il'n Sterbejahr Goethes, in Dochtersen (Kreis Stade) geboren. Bis vor wenigen Tagen war sie noch erstaunlich rüstig und nahm regen Anteil am Tagesgeschehen. Bei Vollendung ihres 106. Lebensjahres am 9. August waren ihr zahlreiche Ehrungen zuteil geworden. Die verunglückten Donkosaken. Von den bei dem Unglück zwischen Weißenthurm und Urmitz-Bahnhof verletzten 23 Donkosaken ist der größte Teil aus den Krankenhäusern entlassen worden. Es befinden sich nur noch fünf Verletzte in den Krankenhäusern. Die schwersten Verletzungen hat der Fahrer des Omnibusses erlitten, doch besteht bei ihm keine Lebensgefahr. In Bad Ems mußten sich zwei Verletzte, die bereits aus der Behandlung entlassen worden waren, erneut ins Krankenhaus begeben. “st. Bergschenke fine SDeliftatcsse! Fettbüdclmge np AKT Neuzeitliche A |\| / Kristallglas- 1 rX 1 Leuchtdiele Zell am See s Tage.. .. RM. 84.- (alles eingeschloss. - Verlanget, möglich) jetzt besonders zart und fett Mittwoch, Samstag, Sonntag 20 Uhr RM. 426.40 250 Gramm 19 Pfennig RM. 230 Salzheringe Stück 10 Stück 65 75 85 Pfennig Nachdruck verboten Ohne Gewahr NORDSEE 23. August 1938 13. 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' »526 N S SmlmwkpfirykMllinrn rnmpfmfur dikHrsiindnlwiniim 27.,,. nreOnitfmmüoirts Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den Abteilungen I und II beiden 101738 104283 112589 129221 144113 144960 146001 146630 157440 160610 160664 161799 170934 177618 179538 180876 200718 200752 201853 209876 240174 244591 245654 257901 265305 271710 273205 277078 285713 287737 288916 301766 310938 315953 318120 322129 325472 343013 344799 345370 350229 354463 355521 356015 384884 385954 389331 394957 wird immer größer, wenn Sie ein schlechtsitzendes Bruchband tragen. Es kann auch Brucheinklemmung entstehen. Fragen Sie Ihren Arzt. Ein Unterleibsbruch ist nicht ein Riß in der Netzhaut, sondern stellt eine Bauchfellausstülpung dar und ist besserungsfähig. Viele Bruchleiaende haben sich mit Hilfe meiner Spezialausführung sogar geheilt. U. a. schreibt Herr Wolff: „Teile Ihnen hierdurch mit, daß mein faustgroßer Leistenbruch trotz meines Alters von 44 Jahren bei schwerster Arbeit durch das Tragen Ihrer Spezialbändage vollständig geheilt ist. Mein Dankschreiben können Sie jederzeit veröffentlichen. Ich kann Ihre Spezialbandage jedem Bruchleidenden nur wärmstens empfehlen. Franz Wolff. Sattler, Spandau, Kaiserstr. 18, den 13. Juni 1938.“ Weshalb wollen Sie sich weiter quälen? Kommen Sie zu mir. Sie werden überrascht sein, wie leicht und bequem sich Ihr Bruch zurückhalten läßt ohne starren Eisenbügel, von RM. 15.- an. Ueberzeugen Sie sich kostenl. u. unverbindlich in: Gießen, Freitag,26. Aug.,v.8bislUhr, im Hotel Kobel. Wetzlar,Freitag,26. Aug., von3 bis 7 Uhr, im Hot. Kaltwasser. Alsfeld, Samstag, 27. Aug., v. I1/, bis 3Uhr, im Hotel Deutsches Haus. Gründern, Samstag, 27. Aug., v. 4l/2 bis 6 Uhr, im Hotel Hirsch. K. 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Im Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu je 1000000, 2 zu je 500000, 8 zu se 30000, 14 zu je 20000, 54 zu je 10000, 102 zu se 5000, 212 zu se 3000, 500 zu se 2000, 1642 zu se 1000, 2584 zu je 500, 5084 tu je 300< 1U7.N zu jr 150 NM.