Nr. 144 Erstes Blatt 188. Jahrgang Donnerstag, 23. Juni 1938 fcr)ct)emi »ügllch, außer Sonntags und Feiertags Beilagen. Dte Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl» Monats-Bezugspreis: Mit 4 ‘Betlagen RM.l.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr e -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Beroali lsernlprechanschlüste anter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Sieben Postscheckkonto-. Zrantfuri am Main 11688 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Univerfttätsdruckerei R. Lange in Gießen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 Annahme von Anzeigen Hb Oie Mittagsnummer vis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für l mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Brett» 7 Npf., für Text- anzeigen von70mm Breite 5ORps.,Platzoorschrif1 nach vorh Dereinbg. 25°/0 mehr. Lrmahtgte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzei- gen 5 Npf.,Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Teil der Transsibirischen Eisenbahn (Amur- und Ussuribahn) zweigleisig ausgebaut. Man scheute sich nicht, ohne Rücksicht auf Opfer von Menschenleben, selbst Frauenbrigaden einzusetzen, um auch bei 40 Grad Frost die schwierige Arbeit zu fördern. Unzählige Brücken mußten erneuert und verbreitert werden. Der „ewig gefrorene Boden" (wötschnaja merslota), der im Sommer teilweise zu Sumpf auftaut, bot technisch ernste Probleme. Die Leistungsfähigkeit der Bahn mußte sich aber verfiel- fachen, sobald ein zweigleisiger Durchgangsverkehr möglich gemacht war. Einzelne Brücken sind auch heute noch nicht sertiggestellt, so daß dieser Effekt durch notwendig werdende Schleusung vorläufig in Frage gestellt ist. Zugleich aber erfolgte eine großzügige Erneuerung der stationären Anlagen an der Strecke, der Wasserversorgung, der Depots und Reparaturwerkstätten, die teilweise das Ausmaß von richtigen Maschinenbaufabriken angenommen haben. Das „B A M"» (Baikal-Arnur-Magistrale) Bauprojekt unter der Leitung der GPU. als Herr über die Millionen politischer Strafgefangener bestand aber nur zu einem Teil aus dieser Reorganisation der alten Transsibirischen Bahn. Parallel dazu ging die Inangriffnahme des Baus einer zweiten neuen Linie, die in großen Zügen etwa 400 Kilometer nördlich verlaufen soll. Einzelheiten sind nicht bekannt. Die Abzweigung vom westlichen Teil der transsibirischen Strecke setzt bei der Station Taischet zwischen Krasnojarsk und Irkutsk ein. Sie führt etwa zur Nordspitze des Baikalsees und von da in die reichen Goldfelder des Aldangebietes und zieht sich bis zum Amur, den sie bei der vor sechs Jahren gegründeten Stadk Komssomolsk erreicht. Diese sagenhafte Neugründung, die noch kein nichtkommunistischer Ausländer gesehen hat, soll heute schon annähernd eine Einwohnerschaft von 100 000 Menschen aufweisen. Sie liegt, durch eine 1937 fertig gewordene Eisenbahn mit Chabarowsk verbunden, 400 Kilometer nördlich von dieser Hauptstadt des sowjetischen Fernostens, die von der Landesgrenze nur durch den Fluhlauf des Amur getrennt ist. Das Südufer ist bereits Gebiet von Mandfchukuo. Es kann keine Rede davon fein, daß diese nördliche Trasse, wie japanische Meldungen hin und wieder behaupten, bereits befahrbar ist. Erst nachdem die Bahn nach Komssomolsk fertig wurde, konnte der Bau von zwei Seiten energisch betrieben werden. Günstigstenfalls wird eine Lastwagenstraße entlang der zukünftigen Eisenbahnstrecke benutzbar sein. Mit dieser neuen Querverbindung durch das nördliche Sibirien ist jedoch der Anfang für eine ausbaufähige rückwärtige Verbindung der fernöstlichen Armee geschaffen, die jedenfalls die Strategie der sowjetischen Kriegsführung für den Fall eines Zusammenstoßes in sehr viel günstigere Bedingungen versetzt, als sie 1904/05 für die Zarenarmee vorlagen Komssomolsk am Amur ist zugleich die Basis für die Küstenverteidigungskräfte der sowjetischen Flotte im Pazifik. Die Werstanlagen bewerkstelligen zumindesten die Montage von Unterseebooten und anderen kleineren Fahrzeugen. Was sonst nach an Rüstungsbetrieben vorhanden ist, entzieht sich genauerer Kenntnis. Seit 1932 ist Ostsibirien und die fernöstliche Küstenprooinz mobiles Gebiet, das von niemandem bereist werden darf. Unter dem Diktat strategischer Forderungen hat für dos Gebiet zwischen Baikal und dem Pazifik eine Epoche der militärischen Kolonisierung eingesetzt. Die Außenmaße sind so, daß sie geeignet erscheinen, die geschichtliche Entwicklung in Ostasien beeinflussen zu können. (Schluß folgt!) Schmeling überrumpelt. In der ersten Runde unterlegen. Nachdem die erste Begegnung zwischen Max Schmeling und 3oe Louis vor zwei Iahren für Schmeling siegreich verlausen war — damals siegle der Deutsche in der 12. Runde durch fto. — nahm jetzt das zweite Zusammentreffen der beiden ein noch überraschenderes Ende. Louis über, rumpelte Schmeling in der er st en Runde, überfiel ihn mit einem gewaltigen Schlaghagel, und noch ehe Schmeling die Gefahr in ihrer ganzen Gröhe erfaßte, fing er eine beachtliche Linke ein, die ihn zu Boden warf. Schmeling kam bei „sechs" hoch, muhte jedoch erneut unter dem Schlaghagel Louis zu Boden. Er erhob sich zwar noch einmal, war aber verteidigungsunfähig, und fein Betreuer Mac Machon warf, um ihn zu schonen, das Handtuch in den Ring. Unter dem Beifall der 80 000 Zuschauer, unter denen sich auch die beiden Söhne Roosevelts befanden, wurde Louis zum Weltmeister aller Kategorien ausgerufen. Rur zwei Minuten vier Sekunden halte der Kampf gedauert. (Ausführlicher Bericht im heutigen Sportteil!) Asien und deklachendeDnüe. Don Willy Ostling. Wer bezahlt die tschechische Mobilisierung? Oie Sudetendeuischen lehnen erneut eine Beteiligung an der „Freiheitsspende" entschieden ab Prag sucht die Mobilisierung zu rechtfertigen Zehn Pflichten für Dich! Abschluß geführt werden kann. Unseren bisherigen hätte das herausfordernde Verhalten des tschechischen Militärs zu ernsten Zwischenfällen geführt, wenn dies nicht durch die besonnene Haltung der sudetendeutschen Bevölkerung verhindert worden wäre. Auch hier war ein geschlossener Aufmarsch zur Sonnwendfeier verboten. Als sich die Teilnehmer einzeln oder in kleinen Gruppen zur Feier begeben wollten, versuchten tschechische Soldaten, sie daran zu der Präsident werde zu rücktreten, um dem Staat die Umschisfimg all dieser gefährlichen Klippen zu ermöglichen. hindern. Die Soldaten, die zu dieser Zeit vorschriftsmäßig in der Kaserne sein mußten, gingen gegen die Bevölkerung mit Lederriemen und Seitengewehren vor. Die Staatspolizei mußte erst von Teilnehmern herbeigerufen werden, ihr gelang es dann, die Soldaten in die Kaserne abzudrängen, so daß ein blutiger Zusammenstoß, der unabwendbar schien, verhindert wurde. Prag, 23. Juni. (DNB.) Auf Einwände, die vom Parlamentarischen Klub der Sudetendeutschen Partei in einem Brief an den Gouverneur der tschechischen Nationalbank, Dr. Englisch, wegen der von diesem vorgeschlagenen „I u b i l ä - umsspende" zur Bezahlung der tschechischen Mobilisierung erhoben wurden, hat Dr. Englisch in einem längeren Schreiben geantwortet. Darin unterstreicht er zwar die volle Freiwilligkeit der Beitragsleistung, versucht aber die deutschen Einwände nach Möglichkeit zu entkräften. Auf Grund dieses Antwortschreibens brachte der Klub in einem zweiten Brief an den Gouverneur noch einmal seine ablehnende Stellungnahme zum Ausdruck. In dem Bries heißt es u. a.: „Wer in den Grenzgebieten Zeuge der Ereignisse seit 21. Mai d. 2. sein konnte, wird nicht zweifeln, daß die Ko st en der militärischen Maßnahmen sehr hoch sind und daher die Steuergrundlage wesentlich berühren werden. Durch eine Spendensammlung können diese hohen Kosten nicht gedeckt werden, was schon aus den verschiedenen Nachrichten über geplante Steuermaßnahmen ersichtlich wird. Ferner bezweifeln wir nach wie vor, daß bei solchen Sammlungen der Charakter der vollen Freiwilligkeit aufrechterhalten bleibt. Wir glauben vielmehr, daß die sehr verbreitete Methode der Nötigung durch Organe des Staates und der Finanzverwaltung zur vollen Anwendung kommen wird, so daß sich die „Spenden" letzten Endes als eine Zusatzanforderung in einer wirtschaftlich und finanziell kritischen Zeit auswirken werden. Trotzdem heißt es in dem Aufruf der Nationalbank, daß „nach dem Ausmaß der Ergebenheit der Bürger zur Republik" Opfer am Altar des Vaterlandes dargebracht werden sollen, was eine Klassifikation der Spender und Nichtspender beinhaltet, die jedes obiektive wirtschaftliche Maß von vornherein außer Acht läßt. Das Sudetendeutschtum ist dadurch, daß es in allererster Linie in Mitleidenschaft gezogen wurde, in den letzten drei Wochen neuerdings viel ärmer geworden. Solange in der tschechischen Öffentlichkeit nicht eingesehen wird, daß die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der sudetendeutschen Gebiete ganz wesentlich verschieden ist von der der tschechischen, scheint uns wenig Aussicht zu bestehen, daß in Zukunft ein Briefwechsel, wie der zwischen Ihnen und uns, vermieden oder zu einem positiven II. Es gab eine Zeit, die gar nicht so ferne liegt, wo die sowjetischen Bemühungen um die r ü ft u n g 5 = industrielle Erneuerung etwa am Baikalsee aufhörten. 1929 erst wurden die Sowjetleute sich klar, daß in W e st s i b i r i e n auf der Basis der Erze des Ural und der Kohle des Kusnetzker Beckens, beide voneinander 2000 Kilometer entfernt, ein neues Industriezentrum geschaffen werden sollte. Ausschlaggebend hierfür war die Erkenntnis, daß dieses Gebiet durch seine Lage vor jedem feindlichen Angriff gesichert schien. Hinter Irkutsk oder allenfalls Werchne-Udinsk (jetzt Ulan-Ude) hörte jede Neubautätigkeit auf. Erst im Jahre 1931, nach der Besetzung der Mandschurei durch die Japaner, ging die Sowjetunion daran, Ostsibirien und die fernöstliche Küstenprovinz in aktiven Verteidigungs- Zusammensetzung der Prager Regie- r u n g auswirken könne. Das Blatt behauptet ferner, von feinem Gewährsmann gehört zu haben, daß der Staatspräsident Dr. Benesch entschlossen sei, eher zurückzutreten, als gewissen Verfassungsänderungen feine Zustimmung zu geben. Seine Haltung habe die Lage noch weiter kompliziert, weil bestimmte Verfassungsänderungen unvermeidli ' r ' *‘ ...... , . um die Sudetendeutschen und die anderen Volksgruppen der Tschechoslowakei zufriedenzustellen. Dr. Benefch sei auch der Urheber des tschechisch-sowjetrussischen Vertrages, der von deutscher Seite mit größter Entschiedenheit verurteilt werde. Auch dies sei ein Grund, daß man — vielleicht verfrüht — annehme, Sie, unsere Ausführungen zur Kenntnis zu nehmen. Tschechische probofotioncn. Bei Sonnwendfeiern der Sudetendeutschen. Prag, 22. Juni. (Europapreß.) Am Dienstagabend fanden im gesamten sudetendeutschen Gebiet Sonnwendfeiern statt. In der Nähe der Ortschaft Turas bei Brünn kam es zu einem Ueberfall auf Sudetendeutsche. Eine Gruppe von Studenten, die von Brünn zur Sonnwendfeier nach dem Sprachinseldorf Maxdorf marschierte, wurde offensichtlich deshalb, weil die Studenten als Su- detendeutfche kenntlich waren, von 50 Tschechen angegriffen. Ein Student wurde verletzt. Ein amtlicher Bericht stellt die Schuld der tschechischen Angreifer einwandfrei fest, weshalb die Täter in Polizeihaft genommen worden seien. Wieviel „Täter" verhaftet worden sind und wie sie heißen, wird allerdings nicht gesagt. Bei der Sonnwendfeier in G r u l i ch (Ostböhmen) Von amtlicher tschechischer Seite hat man endlich dem Bedürfnis entsprochen, eine Erklärung über die Ursachen und Gründe der Mobilisierung des tschechischen Heeres abzugeben. Um es vorab zu sagen: diese Prager Begründung ist mehr als dürftig zu nennen. Selbstverständlich liegt in den tschechischen Augen die Ursache zu jenem gefährlichen Schritt nur bei den Sudetendeutschen, die man jahrelang ihrer Rechte beraubt hat, die sich schweigend von Polizisten und tschechischen Soldaten niederknüppeln lassen sollen. Diese Sudetendeutschen haben also das Verbrechen begangen, sich in einer geschlossenen Gemeinschaft zu organisieren, statt sich weiterhin den Luxus der Zersplitterung und gegenseitigen Bekämpfung zu leisten oder sich die Unfähigkeit marxistischer Funktionäre gefallen zu lassen. Das allein ist schon eine „Schuld". Dazu habe auch, wie gejagt wird, di e deutsche Presse im Reich beigetragen, auch manche Worte reichsdeutscher Stellen haben in Prag keinen Beifall gefunden. Darauf wäre zu antworten, daß vor nicht allzu langer Zeit Ministerpräsident H 0 d z a selbst erklärt hat, es sei verständlich, daß Deutschland ein Interesse an dem Ergehen der Deutschen in der Tschechoslowakei habe. Die deutsche Presse hat daher in rein sachlicher Weise die dortigen Vorgänge geschildert und erst dann die notwendige Schärfe entfaltet, als der blutige Terror gegen das Deutschtum von den tschechischen Nationalisten losgelassen wurde. Dasselbe ist von der Stellungnahme amtlicher Stellen zu sagen. Die Sudetendeutschen standen vor den Gemeindewahlen und hatten sicherlich keinen Anlaß, den „hussitischen" Terror wachzurufen, der ihr Bekenntnis zum Deutschtum erschweren mußte. Wenn die „Flüsterpropaganda" der Deutschen ausreichen konnte, den Grund zur Mobilisierung der tschechischen Wehrmacht zu liefern, so ist das gewiß kein ehrendes Zeichen für die „Stärke" des tschechischen Staates. Man mußte in Prag wissen, daß eine solche leichtfertige Maßnahme die stärksten Gefahren für den Bestand des europäischen Friedens heraufbeschwor. Oder will man behaupten, daß die Mobilisierung und die militärische Besetzung des sudetendeutschen Gebietes keine Erregung erzeugt habe! Alle Beobachter sind sich darin einig, daß erst d i e Militärmaßnahmen die Aufregung in die deutschen Gemeinden hineingetragen haben. Die Untaten der Soldateska in Eger und anderen Orten haben denn auch gezeigt, daß diese Unruhe nicht grundlos war. Der Versuch, jetzt die „Zwischenfälle" zu bagatellisieren, beweist wenig Einsicht und Augenmaß, denn es ist klar, daß ein einziger schwerer Zusammenstoß zu den schlimmsten Folgen führen konnte. Nur der festen Disziplin der Sudetendeutschen und ihrer Organisation ist es zu verdanken, daß die Bevölkerung die harte Nervenprobe der Gewalttaten und Unterdrückungen bestanden hat. Nichts zeigt deutlicher die Schwäche der tschechischen Position und die Gefährlichkeit der Prager Politik, als dieser Versuch einer Rechtfertigung, der die Verantwortung auf die Verfolgten und Mißhandelten und damit auf ihre Blutzeugen abschieben möchte. Heue Verhandlungen angelündigt. Prag, 22. Juni. (Europapreß.) Um eine 23 er« Handlungsgrundlage zwischen der Sudetendeutschen Partei und der Prager Regierung zu finden, werden, wie die „Zeit", das Hauptorgan der Sudetendeutschen Partei, berichtet, am Donnerstag auf erweiterter Grundlage die Gespräche stattfinden. Der von der Regierung ernannte 23 e r - handlungsausschuß, der aus den Ministern Dr. Cerny, Dr. Derer, Dr. Franke und Schrämet besteht, wird mit der Abordnung der Sudeten- i) e u t f d) e ,n Partei, die aus den Abgeordneten Kundt, Dr. Rosche, Dr. Peters, Dr. Sebekowski und Dr. Schicketanz besteht, auf Einladung des Ministerpräsidenten Dr. Hodza zu einer informativen Aussprache Zusammentreffen. Hierbei werden die linksstehenden Regierungsmitglieder zum ersten- mal Gelegenheit haben, den grundsätzlichen Standpunkt der Sudetendeutschen Partei mündlich aus berufenem Munde kennenzulernen. Es sei nicht zu erwarten, so erklärt die „Zeit", daß es bei dieser Besprechungen zu konkreten Verhandlungen kommen werde, da die Regierung bisher ifjren Standpunkt noch nicht klar zum Ausdruck gebracht habe. Ist Senefch amlsmiide? Paris, 22. Juni. (DNB.) Der „Malin" besaßt sich mit der Frage, ob die äußere Krise der Tschechoslowakei in der nächsten Zeit auch von einer innenpolitischen Krise begleitet sein werde. Das Blatt erklärt, daß die Entwicklung in den letzten Wochen im Lande eine Stimmung gereizter Ungewißheit erzeugt habe, was sich auch auf die Sachverständiger, wo er unter dem Namen Galen austauchte. Nach einer abenteuerlichen Flucht durch die Wüste, die notwendig wurde, als die Kuomintang 1927 mit den Kommunisten brach, erschien er bei dem Feldzug, den die Rote Armee 1929 gegen den mandschurischen Diktator Ttschangtsolin unternahm, als der geeignete Führer, schon aus politischen Gründen. Blücher gehört, wie der geistig noch sehr viel harmlosere Reitergeneral Budjonny (jetzt Kavallerieinspekteur der Roten Armee) durchaus zu dem Partisanenführertyp, im Gegensatz zu den jüngeren roten Generalstäblern intellektualistischer Prägung, welchem Kreise fast alle am 11. Juni 1937 erschossenen hohen Offiziere wie Tuchatschewski Ubo- rewitfch, Putna, Eidemann zuzuzählen waren. Er hat offenbar weder das geistige Maß noch den Ehrgeiz, die Rolle eines politisch selbständigen Diktators zu spielen. Vermutungen, Die nach dieser Richtung hin gehen, haben wenig Wahrscheinlichkeit für sich. Die militärische Aufgabe einer Kriegsführung östlich vom Baikalsee steht vor allem vor dem Problem einer Sicherung der Verbindungswege mit dem Westen. Die einzige leistungsfähige Verkehrsader ist die leicht verletzliche Transsibirische Bahn. Um die Durchführung von Operationen zu Verteidigungs- oder Angriffsplänen zu gewährleisten, mußte eine größtmögliche Selbständigkeit dieser „Besonderen fernöstlichen Armee" angestrebt werden, die es ihr ermöglichte, wenigstens zeitweilig auch dann durchzuhalten, wenn keine ungestörte rückwärtige Verbindung da war. Wie einfach diese Lage auch im Prinzip zu sein scheint, bot sie doch um so größere Schwierigkeiten, je sorgfältiger ihre Gestaltung wurde. Die Gebiete, die dort im Osten Sibiriens zu verteidigen sind, erweisen sich als fast menschenleer. Sie sind auf ständige Nahrungszuiuhr angewiesen. Jeder Nagel mußte über Tausende von Kilometern herangeholt werden. Aus feldmäßigen Unterkünften mußten im Laufe der Jahre solide militärische Siedlungen entstehen. Im Dezember 1933 veyfügte die Sowietregierung die Befreiung aller bäuerlichen Wirtschaften im Fernostgebiet von jeglichen Getreideablieferungs- pftichten, mit dem Ziel, möglichst viele wehrfähige Männer in Militärkolvnien anzusiedeln. Ueber die Erfolge dieser Bestrebungen fehlen jegliche Angaben. Es ist möglich, daß die bisher noch nicht veröffentlichten Ergebnisse der letzten sowjetischen Volkszählung vom Januar 1937 gewisse Einblicke in die Bevölkerungszunahme jener Gebiete gewährt. Wahrscheinlich ist, daß eine beträchtliche Mannschaftsreserve der Besonderen fernöstlichen Armee in ihrem Hinterland wohnt und im Kriegsfälle zur Verfügung steht. Die Bolschewisten haben ihr Möglichstes getan, um aus dem Engpaß der Verkehrsschwierigkeiten mit dem Fernostgebiet herauszukommen. Unter Einsatz von vielen Hunderttausenden politischer Strafgefangener wurde von 1933 bis 1936 der ö st l i ch e Partisanenführsr gerade auf dem ostasiatischen Ge-, Abschluß uciüyii lu...,. Unfein bi-ch^chcu biet und erschien dem kommunistischen Berater, Standpunkt können wir nicht aufgeben und bitten Sunyatsens, Borodin, als geeigneter militärischer zustand zu setzen und so der niemals demobilisierten „Besonderen fernöstlichen Armee" des Generals Blücher eine Basis zur selbständigen Kriegsführung zu schaffen. Die Persönlichkeit Blüchers ist sicher nicht so geheimnisvoll wie oft gemutmaßt wird. Der Wag- gonschlosser Medwedjew, ein dunkelhäutiger, schwarzhaariger Typ südrussischen Gepräges, arbeitete während des Krieges auf einem Werk in Mytifchtfchy nahe Moskau, ohne in einer der revolutionären Parteien eine besondere Rolle zu spielen. Den Namen Blücher verdankt er wahrscheinlich irgendwelchen falschen Ausweispapieren, die ihm der Zufall in die Hände spielte. Er führte ihn jedenfalls schon zu Anfang des Bürgerkrieges, wo jer noch nicht träumen konnte, einmal eine große militärische Rolle übernehmen zu müssen Es konnte für ihn folglich auch keinen Sinn haben, mit diesem Pseudonym irgendeine symbolische Bedeutung zu verknüpfen. Von Marschall Vorwärts wußte er sicher nichts! Jedenfalls findet man feine Unterschrift schon 1919, als er die unwichtige Stellung eines Ortskommandanten von Nowo-Nikolajewsk (Nowosibirsk) bekleidete. Im weiteren Vormarsch der bolschewistischen Kräfte nach Ostsibirien ist er dann auf- gerückt. Als „Kriegskommissar" der fernöstlichen Republik, einer schnell vorübergehenden bolschewistischen Gründung, konnte er seine militärischen Talente beweisen. Er sammelte Erfahrungen als ZRom zur Einigung in der spanischen Frage .n» ie öffentliche 21 r Kreistag der NGOAP. Wetterau Gießen-Frie-berg 25. und 26 Zuni Codreanu zur Zwangsarbeit in ein Salzbergwerk gebracht. Bukarest, 22. Juni. (DNB.) Da das Urteil schuß von 894,8 Millionen Dinar. Die Regierung Stojadinowitsch hat die Frage der Bauernverschuldung liquidiert, groß, beiten, wie Straßen- und Eisenbahnbauten, .... gegen Codreanu, den Führer der Eisernen machen. Unter den wirtschaftlichen Ergebnissen der Tätigkeit der Regierung Stojadinowitsch braucht nur angeführt werden, daß die jugoslawische Handelsbilanz im Jahre 1937 mit einem Ausfuhrüber- schuß von 1390 Millionen Dinar abschloß. Ein so hohes 2lktivum hatte Jugoslawien seit seinem Bestehen nur einmal, und zwar im Jahre des höchsten wirtschaftlichen Aufschwungs 1924. Die Schluß' rechnung im letzten Haushalt zeigte einen Ueber- Berhallen und Nachgeben der Kirche gelang fang 1938, den Frieden und die Freundschaft mit der serbischen Kirche wiederherzustellen und diese Angelegenheit, um die so viel Lärm im Inland und im Auslande geschlagen worden war, vergessen zu teilißt glaubte, Protest. Diese Stellungnahme der serbischen Kirche nützten die verschiedensten Elemente von den Kommunisten bis zu den Vertretern des Großkapitals, die sich durch die soziale Gesetzgebung der Regierung Stojadinowitsch betroffen fühlten, zu einer unerhört brutalen Kampagne gegen Stojadinowitsch und seine Regierung aus. Die Regierung verlor aber nicht chre Ruhe, und durch gemäßigtes kommen, durch das der Türkei ein Kredit in Höhe von 16 Millionen Pfund eingeräumt wird, fei der Anfang einer ähnlichen finanziellen und wirtschaftlichen Unterstützung der südosteuropäischen Staaten durch England. Rumänien, Griechenland und unter Umständen auch die Tschechoslowakei würden ähnliche Verbindungen mit London ein- gehen wie die Türkei. Man vertrete in London die Ansicht, daß eine'frühzeitige Finanzhilfe Englands für die Genannten Staaten eine Stabilisierung der Verhältnisse rm südosteuropäischen Raum mit sich bringen würde. Tatarescu hatte bereits Gespräche mit Chamberlain, Lord Halifax und dem Ersten Diplomatischen Berater der Regierung, Sir Robert Dansittard. Unterredungen mit Schatzkanzler Sir John Simon werden folgen. Garde, mit der Verhandlung vor dem militärischen Kassationsgerichtshof rechtskräftig geworden ist, wurde er unmittelbar darauf aus dem Militärgefängnis Jilava in ein ^.Salzbergwerk gebracht, wo die Schwerverbrecher ihre Zwangsarbeitableisten müssen. Am Samstag wird ein neuer Prozeß gegen die Eiserne Garde beginnen. Angeklagt sind vor dem Bukarester Militärgericht 21 Anhänger Codreanus, sämllich führende Männer der ehemaligen Leaionärs- bewegung. Die Anklage lautet auf Aufwiegelung gegen die soziale Ordnung. Nach Artikel 209 des Strafgesetzbuches wird dieses Verbrechen mit drei bis sieben Jahren Gefängnis bestraft. Onda von nationalspanischen Truppen beseht. Salamanca, 23. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der nationalspanische Heeresbericht meldet, daß die nationalen Truppen bei ihrem weiteren Vormarsch an der Castellon-Front die Orte R i g e s a l b e s und Onda, einen wichtigen Knotenpunkt, besetzt haben. Trotz hartnäckigem Widerstand des Feindes drangen sie noch über diese Linie hinaus vor. An der Teruel-Front besetzten die nationalen Truppen die bolschewistischen Stellungen'am rechten Ufer des Valbonal-Flusses. Das Espadan-Gebirge wird von den Roten mit allen Mitteln verteidigt. — Die in der Küstenniederung vordringenden nationalen Abteilungen nahmen N u l e s , den letzten wichtigen Ort in der Provinz Castellon vor Sagunt. Die bol- schewiftischen Stellungen südlich von Villareal sind in Gefahr geraten, angeschnitten zu werden. £eni Riefenstahl vor dem deutsch-französischen Kongreß. Baden-Baden, 22. Juni. (DNB.) Sefon. öerem Interesse begegnete die dritte Deranstattung des Deutsch-Französischen Kongresses. Herzlich wurde Leni R i e f e n st a h l begrüßt, die bemerkte. Deutsch, land habe sehr viel Anregung vom französischen Film erhalten, gerade, weil er sich vom deutschen Film lebhaft unterscheide. Leni Riefenstahl setzte sich für einen deutsch-französischen Film- austausch ein und schilderte dann ihre Arbeit an der Gestaltung des Olympiafilms. Sie schloß mit der Hoffnung, daß der Film, wenn er in Frankreich zu laufen beginne, zur Stärkung der Freundschaft beider Länder beitragen möge. Der Pariser Schauspieler und Regisseur Lestringuez erklärte dann, der französische Film habe sich in der letzten Zeit sehr zu seinem Vorteil von amerikanischen Einflüssen befreit. Auch in Frankreich sei ein tiefgehender Wandel von der Einzel- zur Gemeinschaftsleistung in Film und Bühne zu verzeichnen. Rom, 22. Juni. (Europapreß.) Das grundsätzliche Einvernehmen, das am Dienstag im Londoner Nichteinmischungs-Ausschuß über den britischen Plan erzielt worden ist, wird von der italienischen Presse zwar begrüßt, schon weil man darin einen Schritt vorwärts in Richtung auf die Inkraftsetzung des italienisch-englischen Abkommens vom 16. April dieses Jahres erblickt, hoch wird Darauf hingewie- fen, daß es sich lediglich um eine er st e Etappe auf dem zurückzulegenden Wege handele. Denn der allgemeinen Annahme des Planes müßte jetzt Schritt für Schritt die praktische Durchführung folgen. Eine nicht geringe Schwierigkeit, so bemerkt Gayda im „Giornale d'Jtalia , bilde die Aufbringung der Unkosten für die Zurückziehung der Freiwilligen durch die daran am meisten interessierten Staaten. Sowjetrußlavd habe bereits mit bf Behauptung, daß es in Spanien keine sowjetrussischen Freiwilligen gebe, jede Beteiligung an diesen Unkosten abgelehnt, offenbar in Der Absicht, neue Obstruktion zu treiben. — Der „Popolo d'Jtalia" hebt den vollständigen Rückzug Moskaus gegenüber der entschlossenen Haltung Englands und Italiens hervor, erklärt es jedoch für verfrüht, allzu rosige Hoffnungen mit der Wiederingangsetzung des Nichteinmischungsausschusses zu verbanden, weil das, Verfahren zur vollständigen Ausführung des britischen Planes langsam fei. Immerhin sei endlich das Haupthindernis überwunden worden, vor dem die Konferenz im November gescheitert sei. Sowjetrußland sei durch die englisch-französtschen Vorhaltungen in die Enge getrieben worden und habe nachgeben müssen. Die „Dribuna" meint, da einige Mitglieder des Nichteinmischungsausschusses, vor allem Sowjetruß- land, nurunterZähneknirschen der grundsätzlichen Einigung zugestimmt hätten, müsse man zunächst abwarten. Beschlüsse könnten gut oder schlecht fein; am schlechtesten seien aber diejenigen, die niemals durchaeführt würden. Wenn einige Staaten loyal im Londoner Ausschuß mitarbeiteten in dem festen Willen, den spanischen Konflikt zu isolieren und zu sterilisieren, hänge es von den anderen ab, ob sich die internationalen Verwicklungen und Gefahren weiter vermehrten und den Weltfrieden bedrohten. Es müsse sich erst noch Herausstellen, ob der Friedenswille des einen oder anderen wirklich ernst gemeint sei. Die Rede, diederenglische TMnifterprä- sident im Unterhaus gehalten hat, wird von der römischen Presse wegen ihrer Festigkeit und Klarheit gelobt. Chamberlain habe einen großen persön- lichen Sieg über die „großen Kanonen" der Oppo- durchgeführt und eine Reihe von wichtigen I n d u - st r i e w e r k e n ins Leben gerufen. Die Aufwen- bungen für diese wirtschaftliche 2Iufbautätigteit be- laufen sich auf über 3 Milliarden Dinar. Nun soll zur Durchführung weiterer öffentlicher Arbeiten eine innere Anleihe von 4 Milliarden Dinar aufgelegt werden, mit denen das Aufbauprogramm für wettere sechs Jahre gesichert werden soll. Abgesehen von diesen beachtlichen Zahlen kann aber vor allem ein geiftiger Um s chw ung in allen Volksschichten, besonders unter den Bauern, festgestellt werden, die infolge der Agrarkrise das Selbstverttauen zu verlieren begannen. Heute sind alle Volksschichten vom Glauben an die große wirtschaftliche Zukunft des Landes erfüllt, und der Bauer beginnt langsam wieder die Früchte seiner Arbeit zu ernten, die ihm ein wirtschaftliches und kulturelles Fortkommen ermöglichen. Diesen Geist des Selbstvertrauens und des Glaubens an den Staat erweckt zu haben, ist das größte Verdienst der Regierung Stojadinowitsch für das jugoslawische Volk. Oie innerpolitische Laae in Bulgarien. Sofia, 22. Juni. (Europapreß.) Da in der letzten Sitzuna der bulgarischen Nationalversammlung die 59 Abgeordnete (von insgesamt 160 Abgeordneten) zählende Opposition den Sitzungssaal zum Zeichen des Protestes gegen die Regie- rungspolitik verließ, seht man der weiteren Entwicklung im bulgarischen Sobranje mit großer Spannung entgegen. Wie der Präsident des So- branje, M o s ch a n o f f, Journalisten gegenüber erklärte, werden die Beratungen ohne Rücksicht darauf fortgesetzt, ob die Oppositton an den weiteren Ver- Handlungen teilnimmt ober nicht. Die Frage jedoch, ob gegen die oppositionellen Abgeordneten irgendwelche Maßnahmen ergriffen werden, hänge vollständig von ihrem Verhalten bei der nächsten Sitzung ab. Die Neuwahlen für die ausgeschlossenen kommuni st ischen Abgeordneten werden im September stattfinden. Dadurch soll den neuen Abgeordneten die Möglichkeit gegeben werden, bereits an der Herbstsitzung des Sobranje teilzunehmen. Rumänische Finanzverhandlungen in London. London, 23. Juni. (Europapreß.) Zu dem Aufenthalt des rumänischen Staatsmannes Tatarescu in London bemerkt „Daily Expreß", das kürzlich abgeschlossene englisch-türkische A b - sition, die gegen die Außenpolitik des Kabinetts aufgefahren worden seien, erzielt. Die große Mehrheit, mit der das Unterhaus den gegen die Außenpolitik gerichteten Labour-Antrag avgelehnt habe, bedeute eine neue Bekräftigung der Stellung des Ministerpräsidenten und seines Kabinetts. Um Die Schließung . der pyrenä'engrenze. Paris, 23. Juni. (DNB. Funkspruch.) Wie das „Journal" aus Perpignan meldet, soll das französische Außenministerium am Mittwochmorgen den Zoll- und Polizeipost en an der Pyrenäengrenze die strikte Anweisung erteilt haben, keine Waren, die auf der vom Nichtein- mischungsausschuß ausgesetzten Liste verzeichnet seien, nach Spanien durchzulassen. Die Grenze bleibe für den übrigen Kraftverkehr, so insbesondere für die Lebensmittel- und die Benzineinfuhr, offen. Irgendwelche Zwischenfälle hätten sich bisher an der Grenze nicht ergeben. Im „Populaire" erklärt der Vorsitzende der französischen Sozialdemokraten, Blum, zu einer Pressemeldung über eine Schließung d er Pyrenäengrenze auf Anweisung der französischen Regierung, ein derartiger Beschluß der Regierung könne nicht vorgelegen haben. Von Montag bis Freitag habe ein lebhafter Gedankenaustausch zwischen den Regietungsmitgliedern und den Gruppen Der parlamentarischen Mehrhett stattgefunden und man könne sich kaum vorstellen, Daß die verantwortlichen Minister eine Entscheidung von solcher Tragwette sowohl ihren eigenen Kabinettsmitgliedern gegenüber wie den Abgeordneten der Mehrheitsgruppen verheimlicht hätten. Immerhin sei aber in der Zwischenzeit etwas geschehen. Um den 10. ober 11. Juni herum habe Der Zoll- und Polizeidienst an der Pyrenäengrenze die Anweisung erhalten, sich wachsamer und strenger zu zeigen. Im Namen seiner Partei erklärt Blum hier» zu, daß diese Aenderung nicht tragbar sei. Er wisse genau, daß die Kontrolle an der Pyrenäengrenze, die zweifellos auf Wunsch der britischen Regierung erfolgt sei, eine Regelung der spanischen Frage und damit aber zugleich das Inkrafttreten des englisch-italienischen Abkommens erleichtere. Aber gerade dies wären die Fehler; denn man dürfe sich nicht seiner Druckmittel entledigen, die man noch gebrauchen könne. UebereiUes Vertrauen, das sich in einseitigen oder vorzeitigen Jnittativen äußere, sei die größte Unvorsichtigkeit, die man begehen könne. Oie Antwort auf eine Herausforderung. 23on unserer Berliner Schriffleitung. Tausende nach Deutschland in letzter Zeit ringe- wanderte Juden haben vor allem durch ihre Konzentrierung «in der Reichshauptstadt selbst am besten jene Greuelhetze widerlegt, die ihre Rassengenossen und deren würdige Helfershelfer über „Judenverfolgungen" in Deutschland neuerdings wieder in Gang gesetzt haben. Aus dieser starken Zuwanderung ging zunächst einmal zum mindesten hervor, daß von irgendwelchen Verfolgungen gar keine Rede sein konnte. Folglich mußten Die Juden wohl sehr starke Anziehungspunkte in Deutschland und besonders in Berlin haben. Reichspropagandaminister Dr. Goebbels hat jetzt bei seiner Rede auf dem Reichssportfeld diesen interessanten Tatbestand auf die ebenso klare wie einfache Formel gebracht, man habe fast den Eindruck gehabt, daß sich die Juden in Berlin noch genau so wohlfühlten wie in den Zeiten vor der nationalsozialistischen Revolution. Daraus geht zum zweiten hervor, daß die Juden die Revolution vom Jahre 1933 einfach nur als „vorübergegangen" betrachten, etwa in dem Sinne: „In der Praxis des täglichen Lebens schleift sich so was ja ganz von selbst ab". (£s war Zeit, daß Dr. Goebbels nicht nur mit dem Finger auf dieses herausfordernde Auftreten der Juden in Deutschland hinwies, sondern daß er auch sehr ernste Warnungen aussprach und Den neuerdings Zugewanderten den dringenden Rat gab, „möglichst schnell" zu verschwinden. Daß das nötig wurde, dafür können sich Die Juden bei denjenigen Rassegenossen bedanken, die es bis zu An- pöbeleien gegen Deutsche in Berliner Lokalen trieben. Wenn die schwer gereizte Bevölkerung daraufhin in einigen Fällen ihrer Erbitterung Ausdruck gab, Dann ist das durchaus zu verstehen. Reichsminister Dr. Goebbels hat nun andererseits betont, daß die Judenfrage in Deutschland nicht aus der Straße entschieden wird, sondern daß angesichts des außerordenllich wichttgen Staatsinteresses Die maßgeblichen Instanzen das Problem auf jeden Fall^ selbst in der Hand behalten und es auch in einer für alle maßgeblichen Weise lösen werden. Nachdem schon vor einigen Tagen bekannt geworben ist, daß die Kennzeichnung jüdischer Geschäfte geplant ist und auch in absehbarer Zeit durch- geführt wird, steht bereits test, daß mit dieser Maß- nähme die enbgültige Lösung Der Judenfrage in Deutschland einaeleitet worden ist. Einzelakttonen können Das Verfahren nur stören, Da sie Der Regie- rung in unzulässiger Weise vorgreifen. Verhütung der verkehreuusMe. Reichsrrrmister Dr. Goebbels spricht am Freitag über alle deutschen Sender. Berlin. 22. Ium. (DNB.) Die Woche vom 24. bis zum 30. Juni wird im Zeichen einer großzügigen Aktion zur Verhütung Der Verkehrsunfälle stehen. Am Abend des 24. Ium in der Zeit von 19 bis 19.15 Uhr spricht Reichsminister Dr. Goebbels zum Problem der Verkehrsunfalle über alle deutschen Lender. Oie Wesimark feiert die Alte Garde. Idar-Ober st ein, 22. Juni. (DNB.) Don der Porta Nigra in Trier aus trat Die Alte Garde in 27 großen, mit Girlanden und Den StanDarten Der Alten Garbe geschmückten offenen Omnibussen ihre Dreitägige Fahrt Durch Die Westmark an. Im ersten Wagen hatte Reichsorganisationsleiter Dr. 2 ey mit Dem . Gauleiter, Staatsrat Simon, Platz genommen. Durch Das Mo fett.tt ging es zu- nächst nach Bernkastel—Eues und Dann Durch Den Hunsrück und Das Nahetal nach Jdar-Oberftein. Die ganze Fahrstraße war ein einziger Triumphbogen aus Ehrenpforten, Fahnen, Spruchbändern, Girlanden und Blumen. Die Formationen und Gliederungen Der Partei mit ihren Fahnen, mit Spielmanns- und Musikzügen, der Arbeitsdienst, Polizei und Feuerwehr bildeten Spalier. In Den Weindörfern kredenzten von hohen Faßpyramiden junge Winzerinnen in farbenfroher Tracht den Ehren- tränt. Gesangvereine boten mit frohen Liebem ihren Willkomm. Zur Erinnerung an die Kampfzeit und besonders an Die Tätigkeit des Reich s- organ'isationsleiters Dr. Ley in diesem Gebiet überreichte ihm die 2llte Garde von Idar-Ober» st e i n durch (Bauleiter Simon eine geschliffene Achatschale. Dr. Ley ließ seinerseits Der Allen GarDe ein Angebinbe Der JDar-Obersteiner Edelsteinschleife, rei überreichen. Eine Ausstellung von Erzeugnissen der Edelstein - Industrie gab einen anschaulichen Ueberblick über die Vielseitigkeit und Die hohe Kunst Der Bearbeitung. In Bad Kreuznach war am Marktplatz eine große Ehrenhalle errichtet worDen. Von Dieser Halle aus zog Die Alle GarDe mit klingendem Spiel in Den Kurhausgarten, wo am Abend ein großer Festakt stattfand. Zur Freude Der Allen Garde erschien gegen 21.30 Uhr Reichsminister Dr. Goebbels. Nach Dem Festabend erstrahlte der Kurpark im Lichte zahlreicher Lampions. Für ein realistisches Völkerrecht. Die Arbeitsgemeinschaft für die deutsch- italienischen Rechtsbeziehungen. Rom, 22. Juni. (DNB.) Unter dem Vorsitz des Präsidenten der deutschen Gruppe der Arbetts- gemeinschaft für Die deutsch-italienischen Rechts- beziehungen, Präsident des Volksgerichtshofes, Dr. Thierack, fand die erste Arbeitstagung statt. Die Sitzung galt dem ersten Thema der Tagung „Rechtslage ausländischer jun st i- scher Personen, besonders der Handelsgesellschaften". Das Hauptreferat auf italienischer Seite hielt der Handelsrechtslehrer der Universität Rom, Professor A n g e l i n i. Ferner sprachen Professor Dr. Klausing (Frankfurt a. M.) und Professor Dr. Hallstein (Rostock). Letzterer entwickelte die gemeinsamen Grundlagen Der italienischen und deutschen international - vriocttrechtlichen und handelsrechtlichen Wissenschaft. Die Besprechungen der deutschen und italienischen Delegationsmitglieder ergaben völlige Uebereinstimmung. Am Mittwoch fand die zweite Arbeitstagung unter dem Vorsitz des Präsidenten der italienischen Gruppe, Dr. Messina, Senatspräsident am Kassationsgericht, über bas Thema „Reform bes Sm Zahle Slojadiiwwttsch. Von unserem v. M.-Korrespondenien. B e I g r a b. Juni 1938. Am 24. Juni finb es brei Jahre, baß Dr. Milan Stojadinowitsch an die Spitze der jugoslawischen Regierung getreten ist. Eine Leistung, die bisher von keiner jugoslawischen Regierung seit 1918 erreicht worden ist. Auch nicht von den rein autoritären Regierungen unter dem verstorbenen König Alexander, nach Aufhebung der Verfassung im Januar 1929. Um die Regierung Stojadinowitsch und ihre Erfolge richtig beurteilen zu können, ist es notwendig, einen Vergleich zu ziehen zwischen der Lage in Jugoslawien, als er vor drei Jahren Die Regierung übernahm, und der heutigen Lage bes Lanbes. Durch Das Vertrauen bes Prinzregenten Paul unb bes Regentschaftsrates von Jugoslawien würbe Stojadinowitsch kurz nach den Parlamentswahlen vom Mai 1935 zur Regierung berufen. Die Wahlen hatten eine gefährliche Spaltung in Jugoslawien aufgezeigt. Die -Regierung Iestitsch, welche diese Wahlen durchgeführt hatte, eryielt zwar die Mehrheit der Stimmen, es hatten sich jedoch im Lande zwei Fronten gebildet. In der regierungsfeindlichen Front fanden sich die Kroaten, die Mehrheit der Slowenen, die bosnischen Mohammedaner — also alle nichtserbischen Teile bes Stacttsvolks — sowie eine große Anzahl von Serben. Eine Fortsetzung ber von Jeftitsch eingeleiteten Politik brohte, ben entftanbenen Gegensatz zu oer- tiefen unb weitere katastrophale Erschütterungen im Staatsleben zu verursachen. Diese Situation war auch deshalb gefährlich, weil sich das Land von dem schweren Schlag, den Der tragische Tod Des Königs Alexander in Marseille im Oktober 1934 verursachte, noch, nicht völlig erholt hatte. Stojadinowitsch sah ein, daß sofort eine Atmosphäre der Beruhigung im Lande geschaffen werden müsse, um Die Vertiefung Der Gegensätze zwischen Den verschiedenen Volksteilen zu verhindern. Darum bezog er in die Regierung Vertreter her Slowenen und Der bosnischen Mohammedaner ein, sowie Anhänger der allen s e r b i - schen radikalen Partei, die noch immer gefühlsmäßig die Partei ber Mehrhett der Serben war. In ben kroatischen Gebieten begann eine Politik ber Toleranz und bes weitestmöglichen Entgegenkommens, bamit auch dort Berichigung ein- kehren möge. Stojadinowitsch hatte Die Absicht, auch Vertreter der Kroaten in seine Regierung zu nehmen, jedoch konnte- dieser Gedanke nicht durchgeführt werden, weil Die Kroaten eine sofortige Revision der Verfassung verlangten, was nach Ansicht der maßgebenden Faktoren von Jugoslawien zur Zeit der Minderjährigkeit des Königs nicht möglich erschien. Obwohl aus diesen Gründen der sogenannte serbisch-kroatische Konflikt nicht beseitigt werden konnte, wurde doch schon in den ersten Monaten der Regierung Stojadinowitsch im ganzen Lande eine Atmosphäre der Beruhigung, des Selbstvertrauens unb des Arbeitseifers geschaffen, welche ben wetter- bestehenben Gegensätzen ihre Schärfe fortnahm. Aus ben serbischen, slowenischen und mohammedanischen Gruppen, die Dr. Stojadinowitsch in seine Regierung hereingenommen hatte, wurde dann allmählich eine große Partei gebildet, die Jugoslawische Radikale Union, die bei den Gemeindewahlen 1936 und 1937 und bei den Senatswahlen 1938 das Vertrauen ber großen Mehrhett bes jugoslawischen Volkes erhielt. Diese Partei vertritt in überroiegenber Mehrheit die Serben, Slowenen und Mohammedaner von Jugoslawien; ihr gegenüber steht nur eine einzige Parteiorganisation von Bedeutung, die Kroatische Bauernpartei, welche die überwiegende Mehrheit Der Kroaten har- fallt. Die brei Jahre der Regierung Stojadinowitsch können in Umrissen wie folgt Dargestellt werden: Erstes Jahr innerpolitische Beruhigung und Schaffung ber innerpolitischen Voraussetzungen für eine politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit der verschiedenen Volksteile. Zweites Jahr außenpolitische Konsolidierung, Frieden und Freundschaft an allen jugoslawischen Grenzen. Drittes Jahr wirtschaftlicher Aufbau als Folge der innen- und außenpolitischen Beruhigung. Dieser schematische Ablauf schließt selbstverständlich nicht aus, daß die Regierung Stojadinowitsch seit dem ersten Tage ihres Bestehens an der Schaffung der außenpolitischen Freundschaften und der Voraussetzungen für Den wirtschaftlichen Aufschwung tätig mar. Die Ergebnisse dieser Tätigkeit kamen jedoch erst im zweiten und dritten Jahr ber Regierung Stojadinowitsch stärker zum Ausdruck. So wurden im Frühjahr Des Jahres 1937 in Belgrad zwei wichtige internationale Verträge, der jugoslawisch-bulgarische Freundschaftsvertrag und ber italienisch-jugoslawische Neutralitätsvertrag unterzeichnet. Die jahrelangen, oft sehr gefährlichen Konflikte zwischen Jugoslawien unb Bulgarien unb Jugoslawien und Italien wurden beseitigt. Dom Ende bes Jahres 1936 bis zum Enbe des Jahres 1937 besuchten Belgrad der polnische Außenminister, her bulgarische Ministerpräsident und Außenminister, der italienische Außenminister, ber deutsche Außenminister unb ber französische Außenminister. Nicht zu reben von Den wieberholten Besuchen ber Ministerpräsidenten und Außenminister der Staaten ber Kleinen Entente und ber Balkan- Entente. Dr. Stojabinowitsch besuchte im selben Zeitabschnitt Ankara, Bukarest, Prag, Paris, Lon- hon, Rom und als Abschluß seiner Auslandsbesuche im Januar d. I. Berlin. Durch fein^ außenpolitische Tätigkeit gelang es Dr. Stojadinowitsch, Jugoslawien zu einem wichtigen Faktor in der internationalen Politik zu machen unb bie Grunbgebanken her jugoslawischen Außenpolitik, hie vom verstorbenen König Alexander vorgezeichnet worden waren — Neutralität in Konflikten ber Großmächte unb Freunbschaft mit allen Staaten ohne Rücksicht auf ihre innenpolitischen Einstellungen — zum Gemeingut unb zur Grunblage ber Politik aller Südoststaaten zu machen. Im brüten Jahr, Das mit bem 24. Juni zu Enbe geht, zeigten sich bie wirtschaftlichen Ergebnisse ber Regierungstätigkeit. Auch die politische Stärke ber Regierung kam zur Zeit bes erbitterten Kampfes gegen Das Konkorbat mit bem Vatikan klar zum Ausbruck. Die Regierung Stojabinowitsch wollte eine Verpflichtung ber früheren Regierung durchführen unb bas Konkordat zwischen Jugo- slawien unb ben Vatikan ratifizieren lassen. Dagegen erhob bie serbisch-orthodoxe Kirche, welche sich durch dieses Abkommen mit dem Vatikan benach- Völkerrechts" statt. Professor Costamaana Hegte dar, man müsse eine neue Form des Zusammenlebens der Völker finden, die auch den Lebensbedürfnissen der unbefriedigten Staaten gerecht merde. Staatsrat Professor Dr. Freiherr von Fr e y t a g-Lo r i n g h o v e n sah in der Wiederherstellung der Souveränitäts- lgedanke«, als deren Beginn er den Austritt einiger Großmächte aus der Genfer Entente und Lie Rückkehr einiger kleinerer Staaten zum Grund- faß der strengsten Neutralität bezeichnete, das tragende Clement für die Aufrichtung eines neuen rea- listischen Völkerrechts. In der Diskussion, in der auch Professor Dr. Walz (Köln) sprach, kam der Wunsch zum Ausdruck, das der das bestehende Völkerrecht beherrschende Gedanke des starren Fest- haltens an den Bindungen internationaler politischer Verträge aufgegeben werden müsse. Südchinesischer Hafen beschossen. Hongkong, 22. Ium. (Europapreß-Funkspr.) Zehn japanische Kriegsschiffe erschienen am Dienstagabend vor den an der Küste von Kwantung liegenden beiden Inseln Swatau und Namoa. Zur Vorbereitung der Landung japanischer Truppen belegten die Kriegsschiffe beide Inseln mit Granaten, ftie Beschießung dauerte während der ganzen Nacht zum Mittwoch an. Swatau gilt militärisch als Einfallstor für die Provinz Kwantung. Bis Mittwoch morgen lagen in Hongkong noch keine Nachrichten darüber vor, ob es den Japanern gelungen ist, eine Truppenlandung auf den beiden Inseln vorzunehmen. Gin Schwimmdock für die sowjetrussische Kernost-Kriegsflotte. M o s k a u , 22. Juni. (Europapreß.) Aus Petro- pawlowsk auf der fernöstlichen Halbinsel Kam« tschatka wird gemeldet, daß dort soeben das Schwimmdock für die sowjetrussische Flotte des Stil- len Ozeans eingetroffen ist, das von Odessa im Schlepptau des Dampfers „Taifun" 11 OOO Meilen zurückgelegt hat. Die sowjetrussische Presse unterstreicht die große Bedeutung dieses Schwimmdocks für die F l o t t e n r ü st u n g e n im Fernen Osten. Kleine politische Nachrichten. Die Mutter der Königin von England, C o u n t e ß Ferdinande Strathmore, ist am Donnerstagmorgen im Alter von 76 Jahren in London an einem Herzleiden gestorben. * Der Admiralstabschef der französischen Marine, Vizeadmiral D a r l a n , hat die Zusammenstellung eines neuen französischen Geschwaders beschlossen, das in erster Linie Jnstruktionszwecken dienen soll. Es wird unter dem Kommando von Vizeadmiral Devin aus verschiedenen Einheiten der französischen Marine bestehen. Au« aller Wett. Der Kölner Doppelmordprozeß. Im Kölner Doppelmordprozeß Schöne- w a l d betonte der Sachverständige Reg.-Medrzinal- rat Dr. Kapp, sein fünfeinhalbstündiges Gutachten zusammenfassend, nochmals, die st a r k e Abhängigkeit der Gerda Schönewald von ihrem Mann. Diese Abhängigkett habe sich nach dem Kennenlernen entwickelt und zunächst das Gepräge starker Verliebtheit gezeigt. Die Abhängigkeit habe eine starke Hörigkeit der Frau zur Folge gehabt. Die Auswirkungen der Hörigkeit auf den Willen des Hörigen könnten unter Umständen eine geistige Schwäche als sekundäre Erscheinung zur Folge haben. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Decker II., wollte wissen, wo der Sachverständige die Grenze ziehe zwischen vermindert^ und erheblich verminderter Zurechnungsfähigkeit. Der Sachverständige antwortete, daß die Grenzen im Gesetz festgelegt seien. Die verminderte Zurechnungsfähigkeit sei seiner Ansicht nach in dem vorliegenden Fall nur bedingt gegeben. Der Verteidiger fragte weiter, ob durch die ständigen Einwirkungen des Angeklagten aus seine Frau nicht auch mit der Zeit bei ihm selbst die Einsicht in die Schwere der Tat vermindert werden könnte. Diese Konsequenz glaubte der Sachverständige verneinen zu müs- sen. Der Angeklagte sei im wahrsten Sinne des Wortes ein Psychopath. Psychopathie aber sei niemals ein Grund, eine verminderte Zurechnungsfähigkeit anzunehmen. Der Verteidiger der Frau Schönewald wollte wissen, warum der Sachverständige den Zustand der Angeklagten bei der Tat als einen Grenz- fall hinstelle, und ob nicht ein anderer Psychiater auch ohne die Voraussetzungen, die er für die Möglichkeit einer Anwendung des § 51 Absatz 2 unterstellte, die Anwendbarkeit dieses Paragraphen des Strafgesetzbuches bejahen könnte. Der Sachverstän- diae erklärte, es sei möglich, daß ein anderer Psychiater zu der erwähnten Schlußfolgerung käme. Zum Schluß betonte der Sachverständige, daß Widersprüche in verschiedenen Angaben der Angeklagten in der Hypnose vorkommen könnten. Bei einer reinen Erinnerungs-Wiedergabe in der Hypnose seien Fehlerquellen nicht ausgeschlos- sen. Das beziehe sich auch auf die Wiedergabe der Angeklagten in hypnotischem Zustand über den Verlauf der Tat. Er habe deshalb auf die Aeußerung der Angeklagten, ihr Mann habe den Schuß abgegeben, die sie in der Hypnose wiederholle, kelnen gesteigerten Wert gelegt. Der Vorsitzende erklärte damll die Beweisaufnahme vorläufig für geschlossen. Die Verteidigung hat sich vorbehalten, noch einige Zeugen laden zu lassen. Die Sitzung wurde vertagt, der Vorsitzende bat um Beschleunigung, da das Gericht und die Geschworenen bald zu einem Urteil kommen wollten. Oer Lütticher Gistmordprozeß. Die dritte Woche des Lütticher Giftmord- Prozesses, in dessen Verlauf bis jetzt 100 Zeugen vernommen worden sind, hat trotz der die Angeklagte verschiedentlich belastenden Aussagen noch kein hinreichendes B e w e i s m a t e r i a l erbracht, das auf den Urteilsspruch von entscheidendem Einfluß sein könnte. Nachdem ein Rechtsstudent und Untermieter eines der Opfer der Marie B e k - k e r das seltsame Gebaren der Angeklagten als „Krankenpflegerin" geschildert hatte, wurde ein in der Affäre Damoutte — Frau Damoutte starb ebenfalls „an übermäßigem Teegenuß^ — zuständiger Zeuge, ein Nachbar des Opfers, vernommen. Der Zeuge bezeichnet als auffallend, daß nach dem jähen Tode der Frau Damoutte wie durch ein Wunder die Wäscheschränke leer waren, obwohl die Verstorbene nachweisbar eine stattliche Wäscheausstattung besaß. Als auch der Witwer Damoutte die Angaben des Zeugen bestätigte, schmetterte die Angeklagte ein entrüstetes „Alles gelogen!" in den Saal. Ein anderer Zeuge, eine gewisse Frau VallLe, die bereits über die geheimnisvolle, immer noch unauffindbare Holländerin Daumens vernommen wurde, bestätigt auf eine Frage des Gerichts, daß die ihr von der Angeklagten gereichte Limonade untrinkbar war. Eine unangebrachte Bemerkung der Verteidigung veranlaßt den Gerichtspräsidenten zu der Drohung, er werde jeden Zwischenrufer, sei es auch der Verteidiger, unverzüglich aus dem Saale verweisen lassen. — Ferner trat eine Zeugin auf, die gleich anderen behauptet, das Opfer eines Vergiftungsversuches der Becker zu sein. Einmal, so erklärte die Zeugin, habe chr die Angeklagte eine Tasse Tee gereicht, der derart bitter war, daß sie schon nach dem ersten Schluck der Angeklagten vorhielt, den Tee vergiftet zu haben. Frau Becker, so schloß die Zeugin, habe jedesmal nach Einnahme einer Erfrischung die Tasse sorgfältig gespült. Ein neuer Entführungsversuch in England? Unter großen Überschriften veröffentlichen die englischen Blätter Meldungen über einen angeblichen Versuch zur Entführung des zweijährigen Sohnes der Gräfin Reventlow, der ehe- maligen Fürstin Mdivani (aus einem allen kaukasischen Fürstengeschlecht des ehemaligen Königreichs Georgien), und unter ihrem Mädchennamen bekannten Barbara H u t t o n, der Woolworth- Erbin. Di" schloßartige Villa der Gräfin Revenllow im Regents Park in London, vor der sich große Menschenmassen einfanüen, ist durch Wachen geschützt. Besucher werden nur nach eingehender Prüfung ihrer Personalien eingelassen. In einer von öejn Rechtsberater der Gräfin abgegebenen Erklärung wird betont, daß die Gräfin aus juristischen Gründen gegenwärtig keine näheren Angaben machen werde. Don Scolland Yard wurde dagegen er» klärt, es lägen keinerlei Mitteilungen über ein Komplott gegen den jungen Reventlow vor, und die Polizei habe auch keine Wachen gestellt. Wie die Londoner Abendblätter melden, hat die Gräfin Haugwitz-Reventlow, die Tochter des amerikanischen Millionärs Hutton, einen Drohbrief erhalten, daß ihr zweijähriger Sohn zum Zwecke der Erpressung entführt werden soll. Wegen Verheimlichung der Maul- und Klauenseuche bestraft. LPD. Marburg, 21. Juni. Am 10. Juni wurde im Kreisort Allna ein Landwirt in Untersuchungshaft genommen, nachdem man festgestellt hatte, daß dieser entgegen den bestehenden strengen Vorschriften den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche unter seinem Viehbestände etwa seit dem 31. Mai verheimlichte und auch nichterhitzte Mllch der erkrankten Tiere an eine Molkerei lieferte. Das Verhalten des Landwirts war nach dadurch besonders fahrlässig, weil er nebenbei das Amt des Fleischbeschauers in Allna und zwei Nachbardörfern versah und auch die Gehöfte dieses Orte durch Ansteckung gefährdete. Durch den Angeklagten ift die Seuche auf zwei Nachbargehöfte verschleppt worden. Vor dem Schöffengericht gab der Angeklagte u. a. an, daß er wohl an einem Kuheuter Krankheitserscheinungen wahrgenommen, aber nicht an die Seuche gedacht habe, insbesondere da die Kuh ihre gewöhnliche Futtermenge zu sich nahm und auch in der Milchleistung nicht nachließ. Er behandelte die Hufe mit Lysol und das Euter mit Borsalbe. Am Maule des Tieres habe er keine Bläschen bemerkt. Da der Angeklagte grob fahrlässig handelte und seiner Anzeigepflicht nicht nachkam, hielt das Gericht eine Freiheits st rufe für notwendig, um auch andere in gleicher Sage befindliche Volksgenossen zu warnen. Strafmildernd waren lediglich die seitheriae Unbescholtenheit und die schwere Kriegsbeschädigung des Angeklagten. Das Gericht erkannte wegen Verstoßes gegen die viehfeuchen- polizeilichen Bestimmungen auf zwei Monate Gefängnis. ____________________ Die fliegenden Drahtverhaue. Der Klugzeugjäger von Tauberbischofsheim. — Lustrekorde vor dreißig Zähren. Es beginnt fast wie im Märchen: Friedlich faß Meister Lampe am Rande eines Kleefeldes und ließ sich das Abendbrot, das aus zarten Kleeblättchen bestand, vortrefflich munden. Ab und zu richtete er sich auf, stellte feine großen Klappohren aufrecht und fing mit ihnen — physikalisch gesprochen — die Schallwellen auf, die in der Lust umhersausten. Er ahnte nicht, daß das Verhängnis mit einem Schlapphut, einer Lodenjacke, ausrangierten Kommißstiefeln, unrasiert und mit einer schrecklichen Donnerbüchse bewaffnet, hinter einem Strauch lag. Plötzlich traf seine Ohren ein schrecklich brummendes, donnerndes, fauchendes und zischendes Geräusch. Blitzschnell drehte er sich um und machte vor Entsetzen ein Männchen: Ein riesiger, noch nie gesehener Raubvogel schwebte über dem nahen Wald und kam mit großer Schnelligkeit heran, indem er in der eben beschriebenen Art und Weise vor Mordlust grunzte. Lampe tat, was ein vernünftiger Hase tn solchen Augenblicken zu tun hat, er ergriff das Hasenpanier und raste in den Wald hinein. Hinter einem Baum hervor prüfte er dann die strategische Lage. Er sah, daß der greuliche Piepmatz nur noch wenige Meter über dem Erdboden war, als plötzlich aus einem Gebüsch heraus eine Flinte auf den Vogel gerichtet wurde, los- krachte, ein Mann mit Schlapphut und Lodenjacke hervorsprang, seine Büchse fallen ließ und in den nächsten Sekunden verschwunden war. Lampe blieb vor Erstaunen hierüber das Mäulchen offenstehen. * Die Etrich-Taube setzte auf, rollte noch ein paar Meter über den unebenen Boden des Kleefeldes und blieb dann stehen. Hellmuth H i r t h stellte den Motor ab, kletterte aus dem Führersitz und schüttelte seinem Freund im Beobachtersitz die Hand. „Das ist noch mal wieder gut gegangen!" rief er lachend. Es war allerdings nicht Das erstemal, daß er beim Fliegen mit heiler Haut davongekommen war, war er doch einer der bekanntesten Sportflieger der Vorkriegszeit, der schon so manche gefährliche und unbekannte Situation gemeistert hatte. Daß ein Flurschütze aber, wie heute, auf seine gute Taube schoß, das war ihm bisher noch nicht passiert. Nun, man konnte schließlich im Jahre 1911 nicht von den Leuten in Tauberbischofsheim — hier waren sie nämlich notgelandet — verlangen, daß sie eine harmlose *50pfertrige Taube von einem Riesenraub- oogel unterscheiden konnten. Hirth befand ^sich gerade auf dem Flug von München nach Berlin, eine Strecke, die er in zwei Tagen zurücklegen mußte, wenn er den Kathreiner- Preis gewinnen wollte. Die Fabrik hatte für die Bewältigung dieser 500 Kilometer langen Strecke einen Preis von 50 000 Mark ausgesetzt, um hierdurch die Leistungen der deutschen Fliegerei zu erhöhen. Hirth hatte sich um diesen Preis beworben; die Zeit war auch sehr günstig für ihn, we l fast alle Flieger von Namen sich gerade an dem ersten Deutschen Rundflug beteiligten. In vier Wochen waren 19 0 0 Kilometer zurückzulegen. Die Flieger flogen teilweise über Teile von Deutschland, deren Bewohner noch nie ein Flugzeug gesehen hatten. Dies war ja auch nicht verwunderlich, denn die Motorfliegerei war bei uns in Deutschland erst zwei Jahre alt. Den Anstoß zu den ersten Flugversuchen hatte auch wieder die Aussetzung eines Preises durch i^n Maschinensabrikanten Lanz gegeben, der es, wie viele seiner Landsleute, nicht mehr mitansehen konnte, daß bei uns seit Lilientchals Fliegertod nichts mehr auf fliegerischem Gebiet getan worden war, während die Franzosen einen Flugrekord nach dem anderen errangen. Lanz hatte daher demjenigen deutschen Flugzeugkonstrukteur, dessen Maschine einen Flug in Form einer horizontalen Acht um zwei Masten ausführte, die in 2000 Meter Entfernung aufgestellt waren, 40 000 Mark versprochen. Der Ingenieur Hans Grade bewarb sich um diesen Preis. Er hatte etwas vor den meisten Flugzeugkonstrukteuren seiner Zeit voraus, er konnte nämlich rechnen. Er hatte sich auch schon längere Zeit mit dem Flugproblem beschäftigt, und es waren ihm mit seinem Flugapparat auch bereits Sprünge von mehreren Metern gelungen. Die Flugzeugerbauer scheiterten damals fast immer daran, daß die Motoren für die zerbrechlichen Fluggeräte zu schwer waren und zu wenig leisteten. Dies erkannte auch Grade sofort und machte sich an den Bau eines kleinen Zweizylinder- Motors, der sehr leicht war und 16 PS leistete. Diesen baute er in fein Flugzeug ein, das in seiner Konstruktion sehr stark von den französischen Doppeldeckern abwich. Diese hatten die Form bines Kastendrachens, während sein Flugzeug ein kleiner Eindecker war, dessen Tragflügel an den Enden spitz zuliefen und Vogelflügeln ähnelten. Grade saß i n einer Art Liege st uhl, der unter den Flügeln aufgehängt war. Beim ersten Versuch zur Erringung des Lanz- Preises hatte er allerdings Pech; fein Flugzeug wurde durch einen damals völlig unerwarteten und unbekannten Abwind auf den Wald heruntergedrückt. Ein Trümmerhaufen war das Ende. Schon ein Jahr später, am 30. Oktober 1909, startete Grade wieder mit einem neuen Flugzeug. Nach langen Startvorbereitungen, wie Tanken, Nachsehen des Motors, Durchdrehen der Luftschraube und nochmaligem Ueberprüfen der Steuerseile, sprang der Motor mit Hellem Knattergeräusch an, das Flugzeug rollte immer schneller, mit einer riesigen Staubwolke hinter sich, über den Sandboden, führte ein paar kleine Sprünge aus, erhob sich schließlich wie eine schwerfällige Hummel und flog in niedriger Höhe, etwas unsicher und tastend, aber unbeirrt, zuerst die eine, dann die zweite Kurve. Nach der Landung wurde Grade von den begeisterten Zuschauern als der erste erfolgreiche deutsche Motorflieger gefeiert, unter ihnen befand sich auch Lanz, mit dem Scheckbuch in der Brusttasche. _ Wer einmal die in den Jahren 1908 bis 1910 auf Flugtagen vorgeführten „Aeroplane" gesehen hat, wird sie sicher mit dem Ehrennamen „Fliegendes Drahtverhau" bezeichnet haben. Doch in diesem leichten Spott lag auch eine große Bewunderung und auch ein bißchen Rührung, denn wir haben heute nicht vergessen, daß wir diesen ersten Flugpionieren, unter ihnen G trief), Konstrukteur der weltberühmten Taube, Dörner, dessen Flugzeuge fast ausschließlich aus langen Bambusstöcken gebaut waren, August Euler, der den ersten Deutschen Flugzeugführerschein erwarb, daß wir diesen Männern den heutigen Hochstand unserer Fliegerei zu verdanken haben. Rs. Heuschreckenschwärme über Madrid. Ueber dem Stadtgebiet von Madrid sind große Heuschreckenschwärme niedergegangen. Auch in der Umgebung von Madrid haben sich die Heuschreckenschwärme niedergelassen und alles kahlgefressen. Die Bevölkerung versucht, durch das Anlegen von zahlreichen Feuern die Heuschrecken- schwärme abzuwehren. Zwei englische Torpedo-Flugzeuge abgeslürzk. Bei einem Uebunasflug sind zwei englische Torpedoflugzeuge der Flugzeugbasis Singapur aus bisher noch nicht geklärten Gründen abge stürzt. Sechs Mitglieder der Besatzungen kamen ums Leben. Drei lote, zwei Schwerverletzte bei Familienstreitigkeiten in Basel. In Basel fanden bei Familienstreitigkeiten drei Personen den Tod, während zwei weitere so schwer verletzt wurden, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürften. In einem Falle erschoß ein Bahnbeamter feine von ihm getrennt lebende Ehefrau. Dann richtete er die Waffe gegen sich und verletzte sich so schwer, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. — Im zweiten Falle gab ein Bauhandlanger auf seine Schwiegereltern und deren zehnjährigen Sohn mehrere Schüsse ab. Der Schwiegervater und der Sohn wurden sofort getötet, während die Schwiegermutter unversehrt blieb. Es scheint sich um ein Eifersuchtsdrama gehandelt zu haben. Vollstreckung zweier Todesurteile. In Berlin wurden der Bernhard Bromberg und der Paul Maaß hingerichtet, die vom Schwurgericht in Schwerin wegen Mordes und Anstiftung zum Morde zum Tode verurteilt worden waren. Bromberg hat auf Anstiftung des Maaß dessen uneheliches Kind kurz nach seiner Geburt gegen Entgelt ermordet. Maaß hat zu dem Morde angestiftet, weil er durch die Ermordung die Ent- > deckung eines von ihm an der Mutter des Kindes verübten Sittlichkeitsoerbrechens verhindern wollte. Vierfacher Frauenmörder hingerichtet. Am 22. Juni wurde der Robert K o e r n i g aus Cuxhaven hingerichtet, der vom Schwurgericht in Stade wegen vierfachen Mordes und dreifacher Notzucht zum Tode verurteilt worden war. Der vielfach vorbestrafte Koernig war durch feine Ueberfälle auf Frauen der Schrecken der Bevölkerung an der Elbemündung geworden und hat in den Jahren 1929 bis 1937 in vier Fällen Frauen vergewaltigt und ermordet. Achtet auf die Kinder! Mehrere Kinder einer Familie in Niederlützingen bei Koblenz gingen in den Wald, um Erdbeeren zu suchen. Sie hatten dabei ein 1%jähriges Kind bei sich. Nach der Rückkehr stellte sich bei diesem Kind starkes Erbrechen ein. Ein sofort hinzugezogener Arzt stellte eine Vergiftung fest und ordnete die Ueberführung des Kindes ins Krankenhaus an, wo es gestorben ist. Fünf Tote bei einem Autounglück in England. In Doncaster in der Grafschaft Porkshire st'eß ein Personenkraftwagen, der mit fünf Männern besetzt war, mit einem schweren Lastwagen zusammen. Der Personenwagen überschlug sich und prallte gegen einen zweiten Lastwagen. Die fünf Insassen wurden getötet. 3n brennendes Oel gestürzt. Im Hartsteinbruch auf dem Lemberg bei Feilbingert, unweit Bad Kreuznach, waren zwei Schmiede mit Schweißarbeiten an einem Geleis beschäftigt. Als der Steinabrichter Friedrich Decker mit einer Kanne Oel über die Gleise ging, blieb er in den Schienen hängen und stürzte.'Das Oel lief aus und entzündete sich sofort an glühenden Eisenteilen. Decker fiel in die Flammen hinein und erlitt schwere Brandwunden. Arbeitskameraden konnten schließlich die Flammen löschen und den Unglücklichen befreien. Ä Normalflasche H mir ^ek*6. lllacmeiad&i und fyete&s i*v 10 Wnuten jmü G^ekla 10 Jahre hält das große Vertrauen zu Opekta unvermindert an. Millionen Hausfrauen kennen aus eigener Erfahrung die unübertroffene Qualität und bereiten mühelos und bequem Opekta (Preise herabgesetzt TzmUch: Beutel für 4 kg Marmelade Jftf 65 Beutel für 2 kg Marmelade >43^ 34 Beutel für 1 kg Marmelqde 19 ft. 9 r r 2 n n ll li a । r> r. . 1 rr fi L fc z> n fr d. rt c P te b. ai 27 D in s t>( S in 211 ■ äiit-H bii ' je! Zc m. t0! fei * ; de sei an Lu tei mc Fr - all । , f°s gn art da fai Eu mh':' eui ! lich spo bei t, ha. Zu au- ech gez gcl sich ■ F" stei Un ode dur' schc^ neu'i. ! ab! 2 Da Lü< tsch aer Tei . gen ' drei . Kri Ans . lin : bäd We. bun Sri1 van Enx mac We entt tion Kunst und Wissenschaft. Deutsche Forscher entdecken wirksamen Schutz gegen die Maul-und Klauenseuche. Berlin, 22. Juni. (DNB.) Seit Jahren wirb in allen Ländern mit hochentwickelter Tierzucht an einem Verfahren gearbeitet, bas eben für bie Maul- und Klauenseuche empfänglichen Tieren (Bindern, Schweinen, Schafen und Ziegen) einen* 1 wirksamen und langfristigen Schutz gegen diese Seuche verleihen soll. Die deutsche Wissenschaft hat nunmehr dieses Ziel erreicht. In den Staatlichen Forschungsanstalten auf der Insel Riems bei Greifswald ist es den Forschern Professor Dr. Waldmann und Dr. Köbe gelungen, eine Methode der aktiven Immunisierung auszuarbeiten, welche die empfänglichen Tiere mindestens drei Monate, wahrscheinlich aber noch länger gegen die Maul- und Klauenseuche schützt. Auf Anordnung des Reichsministers des Innern wurde diese neuartige Schutzimpfung in einem von Veterinärbeamten durchgeführten Großversuch an 50 000 Rindern und einigen tausend Schafen geprüft. Die Erfolge sind ausgezeichnet. Mit größter Beschleunigung werden nunmehr die nötigen baulichen Einrichtungen zur Massenherstellung des Impfstoffes geschaffen, um bas neue Verfahren noch in dem gegenwärtigen Seuchengange einsetzen zu können. Nanga-Parbal'Expedition im Lager III. Zu der Nachricht über die Errichtung des Lagers 111 der deutschen Nanga-Parbat-Expe- bition gibt bie Expedition u. a. nachstehende Einzelheiten bekannt: Arn 8. Juni gelang es drei Mitgliedern unserer Mannschaft, einen Weg durch das Labyrinth des Eisbruches des Rakiot-Gletfchers zu finden; sie erreichten die Terrasse, wo bas Lager II in früheren Jahren geftanben hatte. In den folgenden Tagen wurde eine beträchtliche Anzahl Lasten mit Nahrungsmitteln und Ausrüstung von den Trägern hinaufbefördert. Während das Lager ausgebaut wurde, machte uns das Flugzeug der Expedition am 10. Juni seinen ersten Besuch. Es warf Lasten mit frischem Obst und Gemüse ab. Für einige Tage wurde unfer Fortschritten am B^rg behindert, da sehr schlechtes Wetter einletzte. Alle Verbindungen mit Lager II waren vom 12. bis 15. Juni unterbrochen. Als wir unsere dort x eingeschlossenen Freunde wieder erreichten, waren wir froh, zu sehen, daß sie den Sturm in einem wohlgeschützten Lager in bester Verfassung Überstanden hatten. Am 16. Juni wurde das Lager III (5900 Meter) erreicht und besetzt. An diesem Morgen warf das Flugzeug wiederum frische Lebensmittel und Post über dem Hauptlager ob. Alle Mitglieder der Mannschaft sind bei guter Gesundheit und machen sich bas günstige Wetter zunutze, um zu den höheren Lagern vorzustoßen. Die italienischen Gäste beim Deutschen Studententag. Wie schon gemeldet, empfing am ersten Tage des Deutschen Studentoges 1938 Reichsminister Rust in Heidelberg die 15 Mitglieder der italienischen Abordnung unter Führung des italienischen Studentenführers Meggasoma, der bei der Ankunft die Front der Abordnungen des NSD.-Studentenbundes abschritt und ein Heil auf bas nationalsozialistische Deutschland und seinen Führer ausbrachte. Das sich anschließende kameradschaftliche Beisammensein war Ausdruck der herzlichen Beziehungen zwischen dem italienischen und dem deutschen Volke. Wie wichtig Mussolini die Teilnahme der italienischen Vertreter am Deutschen Studententag nimmt, geht daraus hervor, daß er sie vor ihrer Abreise empfing und sich eingehend über das Reiseprvgramm Bericht erstatten ließ. Buntes Oie Drücke und der„Äeist von Beeren"' Unter der Regierung Friedrichs des Großen lebte der Rittergutsbesitzer von Geist auf Großbeeren, auch einfach der „Geist von Beeren" genannt, ein eigenwilliger Hagestolz, der mit dem Landrat des Kreises Teltow in ewiger Fehde lebte. Dieser wollte sich für allerlei schlimme Streiche rächen, indem er Geist befahl, eine innerhalb seiner Gemarkung befindliche öffentliche Brücke bis zu einer bestimmten Zeitpunkt ausbessern zu lassen. Geist von Beeren erwiderte, er habe noch gestern 60 Ochsen über bie angeklagte Brücke treiben lassen, da werde der Herr Landrat in Gottes Namen wohl auch noch darüber gehen können. Die Sache kam vor die Gerichte, und schließlich fällte das Kammergericht die Entscheidung, daß der Widerspenstige die schadhafte Brücke auszubessern habe. Da ließ Geist kurzerhand das corpus delicti abbrechen, auf feste Wagen laden und beim „Jammergericht" vorfahren mit der Bitte, man möge die Festigkeit der Brücke gefälligst besichtigen. Der Scherz bildete natürlich das allgemeine Gespräch und kam auch dem König zu Ohren, der sich die Akten bringen ließ und an den Rand schrieb: „Meine hohen Richter feinbt vor Staatsgeschäfte bezahlt aber nicht vor Bagatellen. Der Geist solle die Brücke bauen, sonst holt ihn der Teufel." Daraufhin gehorchte der alte Soldat ohne Widerrede, und der Alte Fritz hatte wieder einmal auf seine Art Recht gesprochen. Fischnetze ans Frauenhaar. Eine Expedition, bie vom Londoner Aquarium ausgerüstet worden ist, um im Roten Meer zu fischen, wirb dazu Fischnetze benutzen, bie aus Frauenhaar geknüpft sind. Die Jagd soll j)or allen Dingen dem regenbogenfarbenen listigen Drachcn- fisch gelten, der sich in gewöhnlichen Netzen nicht fangen läßt. Infolgedessen haben der Leiter der Expedition, Inspektor H. Vinall, und seine Gehilfen tagelange Arbeit darauf verwendet, die Netze unsichtbar zu machen. Die Expedition wird über zwei Monate dauern. „Wir werden", so erklärt Inspektor Vinall, „vom Schiff aus bie Fische mit einem Seeteleskop beobachten, unb bann werben wir wissen, wo wir unsere Netze zu legen haben. Unsere größte Schwierigkeit wirb ber Transport bieser Jahreslagung ber klopslockgefellfchafk. Die Klopstockgesellschaft beginnt ihre breitägige Jahrestagung zu QuebHnburg am 2. Juli, bem Geburtstage bes Dichters, im Anschluß an bie Heinrichsfeier ber Reichsführung jj. Das Programm erhält eine besondere Note durch die Mitwirkung zweier ausländischer Gelehrter, Dr. Louis Bobe (Kopenhagen), Königlich-Dänischer Ordens- historiograph, spricht über „Klopstocks Beziehungen 3u Dänemark", und ber italienische Philosoph an Der Universität Berlin, Professor Dr. Ernesto Grassi, über „Deutsche Dichtung unb die Ziele der humanistischen italienischen Tradition". Allerlei. zarten Tiere sein. Sie leben in einer Temperatur von 32 Grab bis 35 Grab Celsius, und wir müssen auf der ganzen Rückreise für einen ständigen Vorrat von Wasser in dieser Temperatur Sorge tragen." Die Expedition wird auch noch auf andere Fische Jagd machen, zum Beispiel auf die winzigen Korallenfische. Es sind besondere Tanks von 3,5 Meter Länge, 1,5 Meter Breite und 1 Meter Tiefe hergestellt worden, die man auf Korallenriffen aussetzen will. Wenn die Fische einmal darin sind, haben sie keine Möglichkeit mehr, herauszukommen. Taucher werden die Jagd unterstützen. Einige der gewünschten Fischarten leben in den Seeanemonen, die von den Tauchern an ihrem Standort gepflückt werden. Oer Affe an der Bar. Die friedliche Stimmung im Gastraum eines kleinen Hotels an der Straße von Salisbury nach Ga- tooma in Süd-Rhodesien wurde dieser Tage empfindlich gestört, als plötzlich ein riesiger Pavian in der Tür erschien, wie ein Stammgast fofort seinen Weg zum Bartisch nahm, einige Gläser ergriff und daran schnüffelte und, nachdem er schnell noch versucht hatte, mit verschiedenen anderen Gästen einen Händedruck zu tauschen, schließlich mit ber Selbstverständlichkeit, als ob er nie etwas anderes im Leben getan hätte, auf einem Barstuhl Platz nahm. Die Gäste und die Kellner waren zunächst starr vor Staunen, ober als sie sich etwas erholt hatten, war es ihnen doch nicht ganz sicher, daß sie da einen harmlosen Gast an der Bar hatten, und sie machten einen Versuch, ihn wieder hinauszubringen. Das verstand der Pavian nun falsch, unb er benahm sich recht ungehörig. Es ging alles drunter und drüber, bis ein Polizist erschien, der von seiner Waffe Gebrauch machte unb ben Pavian nie- berschoß. Als man ber Sache nachging, stellte man fest, daß bas Tier von einem Vorarbeiter bei ber Eisenbahn gezähmt worden war, der versetzt wurde, und da er bas Tier nicht mitnehmen konnte, sich nicht anders zu helfen wußte, als es freizulassen; natürlich hatte er angenommen, daß ber Pavian wieder hinaus in bie Wildnis ziehen würde, und nicht daran gedacht, daß er einen Versuch mit den letzten Errungenschaften der Kultur machen wollte. Witiernngsvorhersaae für bie Zeil vom 23. Juni bis 2. Juli 1938. Herausgegeben von der Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersagen des Reichs- Wetterdienstes - in Bad Homburg v. d. H. Das gegenwärtige vorwiegend heitere und recht warme Sommerwetter wird nur noch wenige Tage anhalten. Beginnend mit örtlichen Wärmegewittern, die vereinzelt in den Mittelgebirgen unb in Süd- beutschland bereits am Donnerstag auftreten können, und mit zunehmender Bewölkung im Küstengebiet wird noch vor Ende dieser Woche im «größten Teil des Reiches ein Rückgang der Temperaturen und leichte Unbeständigkeit des Wetters eintreten. In der nächsten Woche, zuerst bei wechselnder Bewölkung und niedrigeren Temperaturen, jedoch nicht so niedrig wie um die Monatsmitte, Neigung zu Regenfällen, dann wieder vielfach aufgeheitert, Erwärmung und Abnahme der Niederschläge. Von örtlich beschränkten Gewitterregen abgesehen, werden die Niederschläge im allgemeinen nicht sehr stark sein. Gesamtsvnnenscheindauer in bem zehntägigen Zeitraum im Südosten des Reiches sowie vielerorts auch in Süd- unb Ostdeutschland größer als 70 Stunden. Wetterbericht Auch diesmal hat die starke Erwärmung über dem europäischen Festland rasch einen Vorstoß kühler Meeresluft ausgelöst. Nachdem es bereits gestern in Süddeutschland zu vereinzelten Wärmegewittern gekommen war, brachte die Nacht zum Donnerstag auch unserem Bezirk größere Bewölkungszunahme und teilweise auch gewittrige Regenfälle. Die eigentliche von Nordwesten her nach Deutschland eindrin- genbe Störungsfront wirb sich im wesentlichen am Donnerstag ausbrücken. Anschließend wird sich wieder Aufheiterung durchsetzen, doch wird bas Wetter unbeständig und kühler sein als bisher. Vorhersage für Freitag: Teilweise heiter, doch nicht beständig, zu gewittrigen Regenfällen geneigt. Temperaturen um etwa 20 Grad. Lufttemperaturen am 22. Juni: mittags 28,7 Grad Celsius, abends 19,2 Grad; am 23. Juni: morgens 16,0 Grad. Maximum 29,1 Grad, Minimum 10,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Juni: abends 24,5 Grad; am 23. Juni: morgens 19,1 Grab. — Sonnenfcheindauer 13,3 Stunden. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptfchriftleiters: Dr. Hans Thy- riot. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumfchein (in Urlaub); in Vertretung: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt ber Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A V. 38: 9163. Druck und Verlag: Brühlfche Univerfitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 ________ gültig. Gießen, den 22. Juni 1938. 4284D Die Beerdigung findet am Freitag, dem 24Juni, nachmittags 4 Uhr statt 4294V Heute mittag 1% Uhr entschlief nach langem qualvollen Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau MinnaWagner, geb. Abel im 52. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Käthe Seitz, geb. Dietrich Heini, Walter, Alfred Seitz Willy Seitz und Familie Die Beerdigung findet am Freitag, dem 24. Juni, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Im Namen der trauernden Hinterbliebenen; Ernst Wagner und Kinder. Krofdorf, den 22. Juni 1938. Nach einem arbeitsreichen Leben entschlief sanft nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Philipp Wilhelm Seitz Kriminal-Sekretär i. R. im 64. Lebensjahr. Alterskameradschaft 1874(1924 Am 22. Juni 1938 verschied nach längerem Leiden unser lieber Alterskamerad Wilhelm Seitz. Ehre seinem Andenken. - Beerdigung Freitag, 24. Juni, nachmittags 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof. Vollzähliges Erscheinen ist Kameradenpflicht. «93d Der Vorstand. Bürogehilfin. Zum alsbaldigen Eintritt suchen wir eine Bürogehilfin im Alter bis zu 22 Jahre 4261D LivmaS Hlmmelsbach Werk Nidda/Oberhefsen, Einspaltige Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Millimeterzelle veröffentlich! Mietgesuche Helle 3-4-Zimmerw. mit Bad, tn ruh. Wohnlage, auch Vorort v. Gieß., zum 1.7 od.svät. zu miet gesucht. Schristl. Ang. u. 02887 Gieß. Anz. ^epcyr uno am »orper entfernt so fort vollkommen schmerzlos die völlig unschädliche viel tausendfach bewahrte Enthaarungscreme Artisin Tube M. 2.-1.25 .50 Zu haben: OrogerieHermannElges Seltersweg 66 Parfümerie Hans Göh, Asterweg 1 Parfümerie Emil Koch, Geltersweg 63 Spezial-Parfümerie H. planf, Settersweg 8. ßerflener: (Tori Lehr, Frankfurt a. 1Z. Einfache kleine UR-NU sofort durch Ver- mittl. zu verm. Schr.Angeb.unt. 4279V a.d.G.A. Mündlich können (Sie e§nur wenigen sagen, schriftlich mehreren, durch eine Kleinanzeige lagen Sie e§ allen [Stellenangebote) Keine Zeugnisse in ürschrlft lonöern nur Zeugnis- abichriften vem Br- werbungSichreiden bet» legen — Lichtbilder unoBewerbungSunter- Nigen müfien zur Vermeidung oon Verlusten auf der tfiürfjette >«o men unb Anschrift oeS Bewerbers trauen I Zuverlässiger^ tüchtiger und kräftiger Arbeiter gesucht. 4228° Gebr. Kahl, Franks. Str. 159. Zeilnngsträgerin nachmittags ab 3 Nbr gesucht. Walltorstr. 21. Tüchtiges Hausmädchen zur Aushilfe für sofort gesucht. Zu erfragen in Geschäftsstelle d. Gieß. Anz. 42soD Tüchtiges 4292P Haus? mäddien i. l.Juli gesucht. Weklarer Weg 15 pari. Suche tüchtiges, ehrliches 4220° Mädchen fürHaushaltund etwas Mithilfe im Geschäft FriedrichHaibach Bäckerei, Konditorei und Caf6, Gießen,Ebelstr.2 Ordentliches Mädel dasWeri darauf legt Familienanschluß u. gute Behandlung zu haben, für klein. Haushalt baldmöglichstgesucht Schr Angeb. u 4289V a.d.G.A. Sonntag, den 26.Zuni 1938 MesMkölMell auf dem Schiffenberg ab Sonntag, 26. Juni ausgeführt vom gesamten Musik/orps des Jnf.-Reg. 116 Teilung: Musikmeister Wohlfarth Dazu Sdnntags Anfang 15.30 llhr Eintritt 30 pf. Anschließend Tanzabend! 4296D. Außerdem Omnibus - Pendelverkehr ab 14.30 llhr ab Ludwigsplatz Ohne Gewähr Nachdruck verboten Agentur 6. L. Kay ser, Mainz, Ruf 31959, 1. Ziehungstag 22. Juni 1938 ' 4277 V Bekanntmachung 1576 2164 2913 7336 Gießen, den 22. Juni 1938. 4274C wurden Bekanntmachung gezogen 195957 161094 191239 197936 365269 roirs daß nach pflichtgemäßer Darmstadt, den 3. Juni 1938. N A P KIÄ Q Q P von 3 bis 20 v-H- halten Sie bei wieder* lluulllUuuw holten Veröffentlichungen einer Anzeigei 358190 399342 291280 75365 321282 27231 60397 103085 220464 263640 360210 311414 76141 347841 56942 255509 155677 187710 199925 227941 254567 271946 329770 356709 370896 352355 377866 357457 390960 132518 176475 192517 214994 237294 263711 320974 344777 364184 391768 327988 168393 206292 230557 276970 306877 336457 363365 149723 180746 195660 216266 246149 266236 321003 346508 368357 394351 120920 152350 180937 196867 223297 247933 267000 327799 349865 370894 131035 165952 192155 211759 234881 260802 318218 335161 363174 385260 101513 129035 179579 208920 243831 286947 316201 343110 365778 65382 134869 220698 310907 361323 111847 146734 185961 226141 259059 304666 323210 354657 392278 3599 301839 11677 166093 129200 163389 188625 199936 230936 260113 311139 334149 359029 376394 113608 163148 199231 226311 264165 306486 333053 359992 397159 79454 101723 137439 182545 210156 244048 289177 317111 352525 367620 207773 210534 225074 349397 139464 182858 225454 256008 92752 •20564 53484 177710 152376 155089 200918 282459 309101 330763 20 Gewinne zu 800 RM 100313 118999 128954 281635 Täglich 9 Abfahrten von Mainz um 7.4'), 8.45, 9.15 Expreßfahrt, 10.30 aie neue Schnellfahrt, 11.00,13.00 Schnellfahrt, 14.30, 15.30, 18.30 die schöne Abendfahrt Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen. J.V.: Vogt. 46 Gewinne zu 500 RM. 16829 17754 20575 29097 31331 66749 72730 74364 74494 96116 118984 127935 130891 ------ ------ ---- 64 Gewinne zu 500 RM 33613 68126 75627 76465 83987 97781 143406 ------ ------ 237058 250764 252895 262350 326426 ------ ------ Gewinnauszug 3. Klasse 51. Preußlsch-Söddeutsche (277. Preuß.) Klassen-Lotterie 2 Gewinne zu 25000 RM 55089 2 Gewinne zu 10000 RM. 33546 6 Gewinne zu 2000 RM 237530 18 Gewinne zu 1000 RM ---- 154244 162683 180961 ' Aus jede gezogene Nummer find zwei gleich hche Gewinne gefallen, und zwar je* einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und U 9.45,10.05,16 50,18.00 nach Mannheim, 18.50 nach Frankfurt ■ Infolge des niedrigen Grundwasserstandes hat auf der einen Seite die Ergiebigkeit der Quellen stark nachgelassen, auf der anderen Seite ist aber durch die anhaltende Trockenheit der Wasserverbrauch erheblich gestiegen. Um die notwendige Wasserversorgung zu sichern, ist daher äußerste Sparsamkeit im Verbrauch unablässig. Es darf daher kein Wasser mehr zum Sprengen und Gießen der Gartenanlagen und zum Waschen von Autos aus der städtischen Wasserleitung entnommen werden. Ich nehme an, daß dieser Hinweis genügt und mir weitere Maßnahmen, z. B. Sperrung von Rohrleitungen in Gartengebieten, erspart bleiben Gemeinderechnungskammer. (8.S.) I. V.: lgez.) Kuhn, 166 Gewinne zu 400 RM 5103 10573 11448 13871 I8806 19708 20855 25280 26016 26932 29987 32862 34774 36021 36278 39210 47438 57013 62575 66664 71165 73700 75396 79404 ----- 81272 82838 92381 92827 99569 108748 ------ ------ ---- 3n der heutigen Dormittagsziehung wurden gezogen 2 Gewinne zu 3000 RM. 60962 4 Gewinne zu 2000 RM. 38423 65300 2 Gewinne zu 1000 RM. 144047 26 Gewinne zu 800 RM. 2287 33238 36195 39708 55221 63042 120810 140662 143276 191410 256385 358176 394036 Gemäß § 12 der Verordnung zur Durchführung öer Vorschriften über die Prüfungspflicht der Wirt- betriebe der öffentlichen Hand vom 30. März Oer große Rheinfahrplan UßtU, @ie6en, Hitlerwall 43, auf Grund der Schriften, Bücher und sonstigen Unterlagen des Betriebes sowie der erteilten Aufklärungen unb Nachweise 10.05 Di., Mi., Do., Fr., 10.30 Fr., 17.00 Fr. nach Mannheim, 18.50 Di., Mi., Do., Fr. nach Frankfurt, 19.40 Mi. und Sa. die Eine Mark-Abendfahrt (zurück 22.30) die Buchführung und der Jahresabschluß den gesetzlichen Vorschriften entsprechen, und daß im übrigen auch die wirtschaftlichen Verhältnisse des Betriebes wesentliche Beanstandungen nicht ergeben haben. 1933 wird nachstehend das Prüfungsergebnis das übereinstimmend für alle 4 in Betracht kommenden -betriebe (Elektrizitätswerk, Gaswerk, Wasserwerk ""2..^r°Kenbahn) lautet, öffentlich bekannt gemacht. Gießen, den 21. Juni 1938. 4286C Der Oberbürgermeister: Ritter. Prüfung durch den von der Gemeinderechnungs- fammer beauftragten Wirtschaftsprüfer Hermann On der heutigen Nachmittagsziehung Köln-Oüffel-orser Rheindampfschiffahrt Auskunft und Fahrpläne: 182 Gewinne zu 400 RM 8621 18521 15182 15446 * 1*5638 " 24354 25618 25668 30225 31054 35299 41705 41707 45325 46750 52620 63909 67225 68667 70216 78725 8011,7 93619 93822 113980 116882 116918 122353 ------ ------ ---- °------ . ■"•Ö'»V',I,IUIII4, IXMI UIOJ», Hapag-Reisebüro, Gießen, Seltersweg 89, Reisebüro Erich Flechtner, Bad-Nauheim Nr. 144 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Donnerstag, 23. Juni 1938 Oie Veranstaltungen zum Kreistag in Gießen und Friedberg. Für den Kreistag des Kreises Wetterau der NSDAP, liegt nunmehr das endgültige Programm vor. Es bringt eine FiW der verschiedensten Veranstaltungen. die allen Teilnehmerinnen manches schöne und reiche Erlebnis bringen wird. Für den kommenden Samstag sind Gefallenen- Chrungen in Gießen und in Friedberg vorgesehen. An den Ehrenmalen in beiden Städten werden Kränze niedergelegt. Im Laufe des Vormittags wird dann in Gießen die Einweihung der G a u s ch u l e den großen Auftakt des Kreistages bilden. Die Reihe "der Veranstaltungen in Friedberg wird am Samstag die Eröffnung der A u s st e l - lung des Dolksbildungswerkes („Das Dorf- und Hausbuch") einleiten. Am Abend wird eine Feierstunde im Burghof stattfinden, anschließend wird der Begrüßungsabend der Stadt Friedberg viele Teilnehmer vereinigen. Der Sonntag wird (in Friedberg) mit einem Wecken eingeleitet, für das der Musikzug und der Spielmannszug der Standarte 222 musizieren werden. Während im Laufe des Vormittags die SA.-Standarte 222 ihre Sportwettkämpfe austrägt, wird der BDM.-Untergau 254 mit einem offenen Singen aufwarten. Im übrigen ist der Vormittag mit zahlreichen Sondert agun- g e n der einzelnen Aemter der Kreisleitung aus- aefüllt, in denen viele Einzelheiten der täglichen Arbeit besprochen werden. Die Kreishandwerkerschaft sieht eine feierliche Einführung der neuen Lehrlinge in die Berufsgruppen, die Verpflichtung der fungen Gesellen und eine Ue-berreichung von Gesellenbriefen vor. — Ferner findet eine Tagung der Ortsgruppen- und Stützpunktleiter zusammen mit Kreisamtsleitern statt. Durch Platzkonzerte an drei verschiedenen Stellen der Stadt wird der festliche Charakter des Tages betont werden. Die Ausführung der Platzkonzerte haben die Musikzüge der Kreisleitung Wetterau und «der SA.-Standarten 116 und 222 übernommen. Im Mittelpunkt der Veranstaltuna des Sonntaas steht die Großkundgebung, bei der der stellvertretende Gauleiter e. h., Staatssekretär Reiner, sprechen wird. Den Abschluß der Kundgebung bildet ein Vorbeimarsch. Do lksfest, Feuerwerk und der Große Zapfenstreich, ausgeführt durch ein Musikkorps der Wehrmacht, werden den Kreistag beschließen. Oer Nachrichtensturm 222 beim Standartensporttag. Die SA., als Trägerin der wehrgeistigen Erziehung unseres Volkes, hat in ihren Reihen eine Formation, die die nachrichtöntechnifche Ausbildung von SA.-Männern als Aufgabe erhalten hat. Der Nachrichtensturm der Standarte 222 schult seine Männer im technischen Unterricht und im sogenannten Schulbau. Praktisch war der Nachrichtensturm 222 am vergangenen Sonntag eingesetzt anläßlich einer Hebung des Sanitätssturmes. Am kommenden Kreistag wird nun der Nachrichtensturm im besonderen Maße bei den Sportwettkämpfen der Standarte 222 sein Können unter Beweis stellen, um durch reibungslose Nachrichtenübermittlung den glatten Verlauf der Wettkämpfe zu gewährleisten. Untere hessische Trachtengruppe aus hoher See. Georg Heß schreibt von Bord des „Wilhelm Gustloff". Trachtenmädchen aus Erxdorf sonnen sich an Bord des „Wilhelm Gustloff". (Aufnahme: Gg. Heß, Leihgestern.) Ls. w. Gestern erreichte uns ein Brief von Georg Heß, dem Leiter der hessischen Trachtengruppen, ein Brief mit dem Stempel der Deutschen Schiffspost von Bord des KdF.-Schiffes „Wilhelm Gustloff"! Mit einer von Begeisterung beschwingten Feder schreibt er von Eindrücken und Erlebnissen, die ihm und den Hessen - Burschen und -Mädchen im Anschluß an die ereignisreichen Hamburger Tage beschie- den waren. Dem Brief sei einiges entnommen: Schon em Dienstag, 14. Juni, nahmen unsere Hessen (eine Gruppe Burschen und Mädchen aus Erxdorf) ihre Schiffskarten in Empfang, fuhren in Omnibussen, zusammen mit dreihundert anderen Trachtenträgern und -trägerinnen,zum Hafen, bestiegen den Dampfer und richteten sich auf dem wundervollen Schiffe häuslich ein. Um die Mittagsstunde verließ dann der „Wilhelm Gustloff" den Hafen. An Bord waren 1500 KdF.-Fahrer und 200 Mann Besatzung. Zahlreiche ausländische Diplomaten, die am „Weltkongreß für Arbeit und Freizeit" in Rom teilnehmen werden, befanden sich an Bord. Jedermann ist hervorragend gut unterge- bracht. Allen stehen Schwimmbad, Brausebäder, Sportsaal und sechs große Säle als Aufenthaltsräume zur Verfügung. Zu Tisch, so schreibt Georg Heß, sitzen alle in bunter Reihe durcheinander, Mädchen und Burschen, In- und Ausländer! Gerne nimmt man am Frühsport teil; es wird reichlich von den Badegelegenheiten Gebrauch gemacht und — angeregt von der frischen Seeluft — schmeckt es allen zu jeder Mahl- zeil besser als je zu Hause. Groß war die Freude unter unseren hessischen Burschen und Mädchen, als Gauleiter Sprenger zusammen mit dem Gauwart der NSG. „Kraft durch Freude", v. R e s k o w s k y, und beip Gau- obmann der DAF., B e ck e r. zu abendlicher Stunde im Trachtensaal auftauchte und sich zu unseren Hessen setzte, um mit ihnen den Abend zu verbringen. Die Erxdorfer zeigten dann auch ihre Tänze und fanden starken Beifall. Anderen Tages gab es dann einen offenen Tanz aller Dolkstumsgruppen auf dem Sonnendeck und wieder an einem anderen Abend zeigten die Volkstumsgruppen abwechselnd in den sechs Sälen Tanz und Brauchtum. Auch unsere Hessen waren immer mit dabei! Die Fahrt war von gutem Wetter begünstigt. Selbst in der Biskaya herrschte schönes Wetter und so gab es kaum Seekranke. Dann sah man Kap Finisterre und schließlich wurde Lissabon angelaufen, daß die Fahrtteilnehmer in einer dreistündigen Stadtrundfahrt kennenlernten. Das weitere Programm der Reise sieht auch einen kurzen Aufenthalt auf Madeira vor. Oie Quartiere für das Gängerfest sichergestellt. Die Vorbereitungen für das 3. Hessische Gau- sängerfest sind in vollem Gange. Nachdem Ende der Woche eine Gauführerbesprechung stattgefunden hatte, kamen anfangs dieser Woche die einzelnen Wirtschaftsausschüsse zusammen, die alle noch schwebenden Fragen einer Klärung mführten. Im Vordergrund dieser Beratungen stand die Verpflegung der Gäste. In Zusammenarbeit mit dem Gaststättengewerbe wird ein Mittagessen ausgegeben, das so verabfolgt werden wird, daß der Verlauf der Festveranstaltung keine Unterbrechung erleidet. Der Tätigkeit des Wohnungsausschusses unter der Lei- Sie können stärker bräunen indem Sie 3bre Haut durch Nivea auf das Sonnenbad vor- bereiten. Damit verstärken Sie deren natürliche C 15$ tung von A. Uhrhahn ist es zu danken, daß jetzt schon die Quctrtierfrage geklärt ist. Es stehen rund 3400 Quartiere zur Verfügung. Der Standort Gießen der Wehrmacht hat allein 800 Quartiere in den Kasernen zur Verfügung gestellt. Weitere 1000 Quartiere werden in Den Schulen errichtet, die restlichen sind von der Bevölkerung Gießens in freundlicher Weise zur Verfügung gestellt worden. Am Mittwoch fand unter der Leitung des Gau-Chor- meisters Professor Dr. Temesvary die zweite Probe des Massenchors der Gießener Gesangvereine statt, an der alle Gießener Gesangvereine be- tciligt sind. Der Kirchenplah vor -er Vollendung. Die großzügige Umgestaltungsarbeit des Kirchenplatzes tritt nun in das letzte Stadium ihrer Entwicklung. Ein großer Teerzug aus Westdeutschland ist eingetroffen und hat auf dem Kirchenplatz Aufstel- lung genommen. Vier mächtige Kesselwagen, in denen Teer heiß gemacht wird, bereiten die Masse vor, die die obere Schicht der Fahrbahndecke bilden wird. Heute morgen wurde nun mit dem Auftrag der Teer- und Asphaltmasse begonnen. In kräftiger Schicht wird das heiße Material aufgebracht und gfnttgeftri- chen. Unsere Bilder zeigen drei Wagen des 'Teerzuges und die Arbeit der Herstellung der Fahrbahndecke. (Äufn.: [2] Neuner, Gieß. Anz.) Id Ä M ■ Gießener Stadttheater. Gastspiel Agnes Straub: „Schauspielerin" von Roland Schacht. Der Referent hat, wenn er sich recht erinnert, Agnes Straub zum ersten Male vor zwölf Jahren in Berlin gesehen: als die widerspenstige, am Ende lieblich bekehrte Katharina bei Shakespeare; zuletzt im vorigen Sommer bei den Nibelungen- Festspielen in Worms in der Riesenrolle der Heb- belschen Kriemhild; dazwischen ein paar Mal, aber leider sehr selten, im Film: nächst der Zarin im „Fridericus" ist ihm und gewiß vielen andern Besuchern die wundervoll menschliche Erscheinung der Kneipenwirtin Sinaida im „Panzerkreuzer Se- bastopol" unvergeßlich im Gedächtnis. Diese wenigen Namen mögen gleich einen Begriff von der Vielfalt künstlerischer Möglichkeiten geben, vom darstellerischen Aktionsradius, über den die Schauspielerin Agnes Straub verfügt. * Jetzt kommt sie mit einem Stück dahergereist, das in der letzten Saison wochen- und monatelang im Berliner Renaissance-Theater gelaufen ist — Abend für Abend, ein richtiger Serienerfolg. Dieses Stuck von Roland Schacht heißt „Schauspielerin" und es verdient den Erfolg, denn es ist tatsächlich das, als was es ausgegeben wird: eine Komödie, also eines jener seltenen Stücke, die ach so häufig mit dem Lustspiel oder in hartnäckigen Fällen sogar mit dem Schwank verwechselt werden. Der Autor muß ein gescheiter und begabter Mann sein und jedenfalls vom Bau, einer, dex das Theater kennt und aus der Nähe erlebt hat: das "Theater, die Kulisse, den Direktor, die Rolle, den Vertrag, die Garderobe, die Schminke und den Krach ... mit einem Wort das Theater rundherum, von vorn und von hinten. Es stehen eine ganze Menge Satze dann, die man als Äphorismen der Lebensweisheit herausheben und als goldene Worte ins Stammbuch schreiben kann. * Eine Komödie, ein Komödiantenstück, ein Rollenstück. Die Straub hat aenau gewußt, warum sie damit auf die Reise gegflkgen ist: so eine Rolle, wie sie da zu spielen hat, kann man suchen. (Manche behaupten sogar, die Rolle sei für sie geschrieben worden.) Wie dem auch sei: sie spielt sie herrlich. In dieser Rolle ist sie Liebhaberin und Mutter und Komödiantin .. und dies alles zusammen an jener gefährlichen Grenze, wo man beim Theater und beim Film still und unauffällig das Fach wechselt. (Im Leben kann man das Fach nicht wechseln: Mutter ist man und bleibt man ohne lieber- gänge sein ganzes Lebenslang.) Hoch, blond und schlank steht sie da, die Vollblutschauspielerin, der große Star, die aroße Komödiantin. Das Theater ist ihre Welt, ihr wirkliches Leben — das Privatleben ist darin eine Rolle (keine sehr schöne, aber manchmal sehr aufregende) wie andere auch. Die Grenzen laufen verwirrend ineinander und verwischen sich, und manchmal ist es schwer zu unterscheiden, wo das gespielte Gefühl aufhört und das wahre Gefühl beginnt. Nur eine echte Schauspielerin wie die Straub kann diese Rolle so ausschöpfen, wie wir es gestern sahen, diese Rolle, die eine schonungslose Demaskierung des Schauspielertyms und zugleich eine triumphale Bestätigung der ewigen Magie des Theaters enthält ... Niemand oder nur ganz wenige neben ihr: mit dieser Ueberlegenheit und dieser Einsicht, mit soviel Ironie, soviel Beherrschung, soviel Humor und, wahrhaftig, soviel Gefühl ... ♦ Die Komödiantin auf der Höhe und an der gefährlichen Grenze ihrer Kunst und ihrer Glorie spielt mit ihrem Direktor ebenso wie mit ihrem fürstlichen Geliebten; sie wird mit beiden fertig, virtuos und scharmant. Aber sie hat auch eine junge Tochter, eben siebzehn, geliebt, aber verheimlicht — bis sie eines Tages ankommt und sich als echtes Kind ihrer Mutter legitimiert: sie will auch zum Theater. Mutter ist entsetzt, behauptet, das Kind habe kein Talent (aber es hat), und es soll überhaupt dieses ganze gräßliche Komödiantenleben nicht auch führen müssen. Ein Schauspieler ist genug in der Familie... Abez^ die Kleine müßte nicht ihre Tochter sein... Kurz und gut: eines Tages steht sie als Rivalin neben der Mutter, Rivalin in doppeltem Sinne: als Schauspielerin und als Liebhaberin. * Welche Möglichkeiten ergeben sich aus dieser Situation. Die große Paradeszene kommt schon im zweiten Akt; die Tochter spielt der Mutter vor: Grillparzers Hero. Es ist ein erlesener Genuß, zu erleben, wie die Straub hier in dieser einen Szene, umspringend vom Wirklichen zum Visionären und wieder zurück, aus kühlem „Privatleben" und selbstvergessener Gestaltung eine faszinierende Vorstellung macht, wie sie der Kleinen das Stich- roort bringt, unterbricht, korrigiert, Hilfen gibt, die Phantasie anregt und am Ende — das ist ja viel zu schwer für dich: Anfänger wollen immer gleich das Schwerste — ihr gleichsam mit leichten Händen die Rolle abnimmt und» selber zu Ende spielt... das ist großarttg. Schade, daß diese Szene so früh kommt, sie ist der absolute Höhepunkt, der nicht mehr zu überspielen ist, obwohl danach noch manche große Szenen kommen... wenn sie mit dem Direktor das neue Stück durchspricht, einen herrlichen Theaterkrach macht und alsbald geschmeidig wieder einlenkt ... wenn sie dann der Tochter zum ersten Male als Partnerin gegenübersteht, die ihr im unpassendsten Moment auch noch ganz unschuldig und ahnungslos ihre Liebe zu jenem fürstlichen Liebhaber der Mutter beichtet, wie sie in der ersten schrecklichen Enttäuschung die Tochter an die Wand zu spielen droht und ihr dann doch so mütterlich und kameradschaftlich hilft, daß es ein großer Erfolg wird ... wie sie zwischen zwei Auftritten dem Direktor einen glänzenden Vertrag für das Kind abpreßt ... und zu allerletzt in einem wilden Ausbruch die ganze Misere und auch den vollen Triumph des Komödiantentums ausspielt —: das ist eine virtuose und mehr als virtuose Leistung. (Vielleicht darf man schnell noch daran erinnern, mit welcher sprachlichen Variabilität und Ueberlegenheit diese erstaunliche Skala echten und unechten Gefühls beherrscht und bewältigt wurde: vom leisen gutturalen Lachen beim zärtlichen Abschied bis zum entfesselten Klageschrei der Tragödin, vom theatralischen Schluchzer bis zur kühlen Klarheit des Stimmklanges, welche die illusionslose Einsicht in den „Betrieb" und der unbestochene Blick in den Spiegel gewährt.)* Das Ensemble, unter der Regie von Alfred Bernau, spielte sichtlich beschwingt und angeregt ... vom Stück wie von der vorbildlichen Leistung der Straub: Grete Bibi mit dem schönen, unbesiegbaren Enthusiasmus der Jugend, der Anfängerin im ersten Glück des Erfolges und 6er Liebe; Irmgard Nowack, „die Fuchs" mit der hoffnungslosen Theaterleidenschaft und dem Zungenfehler; H. I. Schoelermann ein Direktor von bestrickender Natürlichkeit; Kurt von Russin der gepflegte und diskrete Liebhaber zwischen Mutter und Tochter; Jeanette Bethge als Garderobiere; Carl ßambertin als Generalkonsul; Werner Siegert, der Inspizient. „Wie der Sterne Chor um die Sonne sich stellt..." ♦ Großer Beifall. Die Gäste, vor allem die Straub, wurden nach Gebühr gefeiert. __Hans Thyriot Oer Hordenpott. Seht, da naht er, der Hugi, vorsichtigen Schrittes, verklärten Blicks. Was trägt er so bedachtsam? Ah — einen Kochpott. Was wird da wohl drin sein? Vorläufig enthält der Topf nur reines, frisches Quellwasser. Die Herrlichkeiten sollen erst entstehen. Was in so einem Pott alles gekocht wird, ist fast unbeschreiblich, vom einfachen Kartoffel» stampf bis zum herrlichsten Kaiserschmarrn. Aber nicht nur zum Kochen dient der Kessel. Während des Marsches z. B. lassen sich eine Menge Gegenstände in ihm verstauen. Er ist der treueste Begleiter auf Fahrt und Lager. Was wäre man ohne ihn? Die allermeisten Vertreter der Hordenpotte zeichnen sich durch eine sehr eigenartige, auffallende Form aus. Man wird nämlich vergeblich nach dem sonst bei Töpfen üblichen Rund suchen. Er ist weder rund noch oval, zumeist ist er etwas „verzogen" oder, besser gesagt, „aus der Form geraten". Wenn man einen solchen Kessel genauer betrachtet, wird man auch die sonst bei anständigen Töpfen übliche glatte Oberfläche vermissen, denn bei einem so unentbehrlichen Fahrtengesell reiht sich Beule an Beule. Diese Erscheinung erweist sich besonders bei dem „beliebten" Pottputzen als weniger angenehm. Woher nur die vielen Beulen? Ja, das bringt nun einmal das Lagerleben so mit sich, denn daß es Da nicht gerade zart zugeht, läßt sich ja denken. Entsteht da so von ungefähr eine der üblichen Seilereien unter den Pimpfen. Wo raufen sie? Natürlich da, wo sie nicht sollen. Zuerst einmal tüchtig über das zerbrechliche Zelt gewälzt — Krach, ist auch schon prompt der. Zeltstab ab. Etwas schwungvoll werden die Raufenden durch die Lagerwache getrennt, dabei läßt es sich aber wohl nicht immer vermeiden, daß einer von ihnen auf dem Hordenpott landet — der hat natürlich seine Dulle weg. Es dauert nicht lange, da beginnt in der unmittelbaren Nähe des Lagerplatzes ein „Hockeyspiel" mit aufgegriffenen Aesten und einem Lederball. Wenn da nun einer in der Hitze des Gefechts den armen Pott für den Ball ansieht und ihn mit gewaltigem Schlag über den Platz hinjagt, so läßt sich an Der Tatsache, daß der Pott nun wieder um einige Beulen reicher ist, nichts mehr ändern. Und da wundern sich die Leute noch, woher wohl unsere Pötte so viele Beulen und Dullen haben. L. Hocksckulnackrichien. Der ao. Professor Dr. Rudolf Jglisch an der Technischen Hochschule Braunschweig wurde zum ordentlichen Professor für Mathematik ernannt. Junimorgen im Garten. Wie ist es still! Die Sonne liegt hell über all den Beeten, am Tisch unter dem großen, allen Apfelbaum ist flirrender Sonnenschatten. Leise kommt manchmal der Wind und streichelt mich und die Blumen und Gräser zärtlich. Ein verliebtes Schmellerlingspaar gaukelt über den Akelei. Nun fangen die Erdbeeren an sich immer mehr au röten, langersehnt, aber — nicht wir ernten sie, sondern die Amseln und Stare! Wie es nach Juni riecht! Der Hollunder duftet betäubend, die Kletterrosen an der alten Gartenhütte hängen wie rote Trauben hernieder und leuchten in der Sonne. Em Buchfink sitzt auf dem Zwetschenbaum und schmettert immer wieder seinen Triller in den Morgen. Im Steingarten, zwischen gelbleuchtender Iberis und ziegelroten Nelken, wohnt ein Eidechsenpärlein: grün das Männchen und braun die Frau. Sie sitzen auf den weißen Steinen und lassen sich's wohl sein in der Sonne. Wir haben ihnen Ameiseneier zum Frühstück hmgelegt, die sind jetzt verschwunden. Vorsicktig schleiche ich näher, um die Tierlein zu bettacyten. Da fangen sie an, miteinander zu spielen. Eine unvorsichtige Bewegung von mir, und husch — sind sie verschwunden. Nun sehe ich nach, ob die Stachelbeeren noch nicht zu ernten sind; wirklich, schon eine ganze Menge sind groß genug, um heute zum Nachtisch verspeist zu werden. Einige Salatköpfe müssen auch mitgehen, nun noch Petersilie und Dill. Wie herrlich alles duftet! Oho! Was sehe ich? Bald gibt es auch Erbsen! Ein Hausfrauenherz freut sich. In einer Ecke des Gartens ist eine grüne Wildnis: Feuerlilien stehen da, Nelken und Rosen, ganze Büsche gelber Margeriten sind wie Speere in die Höhe geschossen, Walderdbeeren haben sich angesiedelt. Wie still es ist! Wie herrlich die Sonne! Eine Hummel, mit einem Pelz, der für diese Jahreszeit entschieden übertrieben ist, kommt brummelnd und holt sich süßen Trank. Aber was ist denn dort los? Ein Rotschwänzchen flattert aufgeregt umher und schreit zum Erbarmen. Aha! Da schleicht eine Katze durch das hohe Gras. Sie wird verjagt, und das Vögelchen kann sich wieder beruhigen. Ich liege nun, mich sonnend, im Liegestuhl und schaue in den Himmel. Draußen, jenseits der dicken Hecke, ziehen zwei Kinder vorbei, ein Mädel und ein Junge. Ich höre ihre hellen Sümmchen. Das Mädelchen hat einen Puppenwagen mit, sie spielen „Familie". Nun bleiben sie stehen: „Jetzt mußt du aber auch mal das Kind nehmen!" sagt die „Mutter". „Nein", lautet die entrüstete Antwort, „Der Vatter muß jetzt in die Kasern'." E. L. St. Vornotizen. Tageskalender für Donnerstag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Rekrut Willi Winkle". — Gießener Radfahrer-Vereinigung: 20.30 Uhr „Burghof", Versammlung. 331. Jahresfeier der Universität verlegt In Anbetracht einer Reihe anderer Veranstaltungen am kommenden Wochenende, insbesondere im Hinblick auf den Kreistag der NSDAP., wurde die Jahresfeier der Universität, die am kommenden Samstag, 25. Juni, stattfinden sollte, auf Mittwoch, 29. Juni, verlegt. Direktor von Stadter tritt in den Ruhestand. Der langjährige Leiter des Ueberlandwerkes Oberhesien, Direktor vonStadler, tritt demnächst in den verdienten Ruhestand. Seit dem Jahre 1911 stand er im Dienste des Ueberlandwerkes Oberhessen (jetzt: Zweckverband der oberhessischen Versorgungsbetriebe) und er hat sich durch sein umfangreiches Wissen, wie auch durch sein oft humorvolles und aufrechtes menschliches Wesen die Sympathie aller errungen, die mit ihm zu tun hatten. Aus Anlaß der Versetzung in den Ruhestand wird im Verwaltungsgebäude des Zweckoer- bandes in Friedberg am Freitagvormittag eine Abschiedsfeier stattfinden, bei der die gesamte Gefolgschaft des Zweckverbandes, soweit sie den Arbeitsplatz verlassen kann, anwesend sein wird. Soherodskops-Vergfest in Vorbereitung. Turner und Sportler feiern wieder gemeinsam mit SA. und DHC Der Vorbereitung des am 27. und 28. August auf dem Hoherodskopf, dem oberhessischen Heimatberge, stattfindenden Bergfestes des DRL. galt eine Sitzung des Hoher odskopffe st-Ausschüsse s , die unter dem Vorsitz von Kreisfachwgrt Dr. Siegert (Stockheim) im „Darmstädter Hof" in Nidda stattfand. Don den Ausschußmitgliedern waren anwesend DRL.-Kreisführer SA.-Obersturm- führer O t t e r b e i n (Friedberg), Kreisgeschäftsführer Strauch (Friedberg), Kreisfachwart Lotz (Massenheim), die Schottener Kamercttren Grand- Homme, Straub und N e u Gemeinschaftsfest wirD. Feldbergfest am 14. August. Das 85. Feldbergfest, das ursprünglich am 3. Juli stattfinden sollte, mußte auf einen späteren Zeit- punkt verlegt werden. Das Fest findet nunmehr endgülttg am 14. August statt. Achtung, Wasser sparen! Der Oberbürgermeister unserer Stadt weist auch heute noch einmal nachdrücklich darauf hin, daß es unbedingt erforderlich ist, sich im Wasserverbrauch alle Beschränkung aufzuerlegen. Infolge der anhaltenden Trockenheit hat Die Ergiebigkeit Der Quellen nachgelassen. NS.-Gemelnschaft „Kraft durch Jreube*4. Belr.: Gastspiel Zirkus (Europa. Der vom 24. bis 26. Juni 1938 in Gießen gastierende Zirkus Europa hat uns Derbilligungsscheine zur Verfügung gestellt. Gegen Dorzeigen dieser Scheine gewährt die Zirkustasse 50 Prozent Preisermäßigung auf alle Platze ab 2. Platz. Die Betriebswarte werden gebeten, die Scheine und Das Propagandamaterial auf Der Verkaufsstelle, Settersweg 60, umgehend abzuholen. (4272D HI. Bann 116 - L-Stelle. Belr.: Gebietssportfest. Die drei ersten Sieger aller Einzelwettbewerbe und Mehrkämpfe beim Bannsportfest in Gießen sind bis zum Gebietssportfest von jeglichem HI.- Dienst zu beurlauben. Den betretenen Jgg. wird ein intensives Training als Vorbereitung zum Gebietssportfest zur Pflicht gemacht. Die endgültige Entscheidung über die Teilnahme der einzelnen Jgg. am Gebietssportfest trifft Das Gebiet. Die Einberufungen gehen Den betreffenden Jgg. noch zu. Vetr.: Vannfachwarte. Am Samstag, 25. Juni, um 20.15 Uhr, findet auf Der Geschäftsstelle des Bannes 116, Gießen, Bahnhofstraße 92, eine Besprechung der Bannfachwarte statt, an Der auch die Kreisjugendfachwarte des Kreises Friedberg teilnehmen. Ortsgruppe Gießen-Süd zur Sonnwendfeier bei Klein-Linden. Am Dienstagabend traten die Politischen Leiter Der Ortsgruppe Gießen-Süd vor Der Geschäftsstelle an, um nach Klein-Linden zu marschieren zur ge- meinsamen Feier Der SommersonnwenDe. Am Sud- ausgang von Klein-LinDen schloß sich Die Dortige Ortsgruppe an. Nach flottem Marsch traf man bald auf der Anhöhe südlich von Klein-Linden, nahe Dem „Allendörfer Wäldchen", ein. Die HI., der BDM., das ID., sowie der Trupp Klein-Linden vom SA- Sturm 42/116 waren im weiten Viereck um Den gewaltigen Holzstoß aufmarschiert. Mit dem Liede „Heilig Vaterland" nahm Die Feierstunde ihren Anfang. Nach einem Dorspruch, vorgetragen von vier Hitlerjungen, wurde unter Dem Gesang Des Liedes „Flamme empor" Der Holzstoß entfacht. Hierauf hielt Kreishauptstellenleiter Gräf (Gießen) Die Feuerrede. Wiederum lodern, so führte er u. a. aus, feurige Mahnmale von unseren heimatlichen Höhen und künden, daß Die schöne Sommerzeit ihren Einzug hält. Das Korn wogt in heller Sonne, unD unsere herrlichen Deutschen Wälder rauschen in üppiger Pracht. Die Sonne hat ihren Hochstand erreicht, und Die Zeit der Reise beginnt. Abende wunDer- barer Schönheit lassen unsere Herzen wieder höher schlagen. Wenn auch Die Sonne sich anschickt, nun roieDer zu Tal zu roanDern, so wollen wir nicht traurig sein, Denn zwischen Aufgang unD NieDer- gang liegt die Erfüllung unD Die VollenDung. Einem alten Brauch foIgenD, sind wir hier auf dieser Höhe zusammengekommen und halten Wacht bei dem Feuer, das in uns brennen muß, solange wir leben unD Das wir weitertragen müssen als eine heilige Verpflichtung, weil es bas Gesetz unseres Blutes ist unD weil wir es übernahmen von unseren Ahnen. Wir halten Wacht, Daß nie mehr Uneinigkeit unD Zerrissenheit in unser deutsches Volk hinemgetragen wird, daß nie mehr Tage vom November 1918 uns in Knechtschaft legen, daß es nie mehr heißt, wie in Kleists „Hermannsschlacht": „Deutschland, Der Wolf bricht ein in Deine Herden, und Deine Hirten streiten sich um eine HanD voll Wolle." Wir halten aber auch Wacht, daß nie mehr ein Feind es ungestraft wagen kann, in unsere deutschen Gaue einzufallen und mit frevelnder Hand uns zu bedrohen. Diese Flammen, die heute brennen, sind wohl morgen erloschen, aber in unseren Herzen müssen sie meiterbrennen und uns verpflichten, jederzeit durch Einsatzbereitschaft und Opfermut Das Höchste zu geben für unser Vaterland. Mit einem Bekenntnis zu Führer unD Vaterland schloß die Ansprache. Im Anschluß hieran warfen sechs Hitlerjungen sechs Kränze in die Flammen zur Erinnerung an den Freiheitskampf, an Die Gefallenen aller deut- Zehn psi chten für Dich! scheu Kriege, an die Toten Der deutschen Erhebung, zur symbolischen Bekräftigung der deutschen Einheit, Der Deutschen Ehre und Der deutschen Treue zu Führer und Reich. 3um Schluß wurde Das Lied „Volk ans Gewehr" gesungen. Ortsgruppenleiter Grahlmann brachte das „Sieg-Heil" auf den Führer aus. Für die Hitler-Jugend nahm Gefolgschaftsführer Volk (Klein-Linden) eine Siegerehrung für die Sieger im Reichssportwettkampf vor. Im Saale der Wirtschaft „Burg" in Klein-Linden fand Dann ein kameradschaftliches Beisammensein statt. Nach einem Eröffnungsmarsch begrüßte Ortsgruppenleiter Dr. Crößmann (Klein-Linden) die Politischen Leiter der Ortsgruppe Gießen-Süd. Gesangsvorträge und Vorträge in oberhessischer Mundart trugen zur Verschönerung Des Abends bei. Allzu schnell gingen Die StunDen vorüber, Die von echtem Kameradschaftsgeist getragen waren. Gießener Möbeltransport auf der Reichsoutobahn in Brand geraten. Auf Der Reichsautobahn ereignete- sich, unweit von Nieder-Mörlen, ein Brandunfall. Der Möbel- transportroagen einer Gießener Möbelhandlung war aus bisher nicht bekanntem Grunde in Brand ge-, raten. Die ganze Ladung, eine komplette Woh-' nungseinrichtung, fiel dabei J)en Flammen zum Opfer. Der Schaden beläuft fsch allein an Möbeln auf eine Höhe von 3500 Mark. Glücklicherweise ' fielen Menschenleben dem Brand nicht zum Opfer. ' Fahrer und Beifahrer befanden sich in großer Gefahr insofern, als sie von dem Brande während der Fahrt überhaupt nichts bemerkten und erst von entgeLenkommenden Fahrzeuglenkern aufmerksam gemacht wurden. Da sich der Benzintank unter Dem Führersitz befand, konnte es sehr leicht sein, daß eine Explosion erfolgte, Die sich verhängnisvoll auswirken konnte. Fahrer und Beifahrer konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Siebener wochenmarktpreiie * Gießen, 23, Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Feine Molkereibutter, % kg, 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, Das Stück, 4 bis 10, (Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12 S, Klasse B 12, Klasse C UN,-Klasse D 10^, (Enteneier 11% bis 12%, Wirsing, grün, kg, 10 bis 12, Weißkraut 20, gelbe Rüben, das Bündel, 10 bis 18, rote Rüben, % kg, 10 bis 12, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün, 30 bis 35, Spargel, 1. Sorte 52 bis 55, 2. Sorte 48 bis 50, 3. Sorte 40 bis 45, 4. Sorte 20 bis 25, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln, neue, das Bündel 10 bis 15, % kg 20, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln, alte, 5, 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,50 bis 3,90 Mark, neue, % kg, 13 bis 15 Pf., Aepfel, amerikanische, 60 bis 65, Kirschen 50 bis 65, Stachelbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 40 bis 55 Pf., junge Hähne MtWtwWee Roman von Hans von Hülsen. Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell. 9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Nein. So war es nicht. Sondern ich fühlte im* merfgrt, wie die Toten aufstanden. Die Toten in mir. — Sieh, Giuseppe", fuhr der Blinde nach einem langen Schweigen fort, „es gibt immer etwas, ich möchte sagen, es gibt ein Gebiet im Her- zen, das allen anderen verschlossen bleibt, außer einem selbst. Das auch dem besten Freund verschlossen bleibt. Und ich habe mir unablässig überlegt in diesen Tagen — es war doch eigentlich schlecht von mir, schlecht und undankbar, daß ich mich all die vielen Jahre unserer alten Freundschaft lang mit einem Geheimnis herumgetragen habe, von dem ich selbst dich nichts habe wissen lassen." Der Pfarrer wunderte sich im stillen. „Ein solches Geheimnis hat wohl ein jeder", meinte er. „Wer so viele Beichten gehört hat wie ich, der weiß es. Wenn es Dir das Herz so schwer drückt — willst du es jetzt nicht sagen?" Der Blinde griff mit allen Fingern in Die Tasten, daß sie aufstöhnten. „Ja, jetzt muß ich es sagen. Und jetzt kann ich es sagen." „So sprich, Francesco. Und denke immer: Wenn du es mir sagst. Das ist nur so viel, als sagtest Du es dir selber." Bartold schwieg lange, die Lippen zusammengepreßt, Den Kopf gesenkt. Es war, als wären seine Gedanken fern von hier. Als wären sie durch das offene Fenster hinausgeschwebt und in der Nacht verloren. Immer wieder lockte er eine kleine Melodie hervor, an der der Freund wie an einem Meilenstein ablesen konnte, wo er im Geiste war — und Dann versickerten Die Töne, und es stand wieder viele Herzschläge lang Dies undurchdringliche Schweigen im kleinen Raum. „Denkst du noch an den Tag in Brescia", kam plötzlich die (Stimme aus der Dunkelheit, „den Tag, an dem du mir vorschlugst, dich hierher zu begleiten und bei dir zu bleiben in Sant Ambrogio? An Dem Tage habe ich Dir ein Wort gesagt, das ich gar nicht sagen wollte — das mir so entschlüpfte — und das Du nicht verstehen konntest." „Gewiß erinnere ich mich. Ich habe mir Damals Den Kopf Darüber zerbrochen, ich wollte dich fragen und ließ es doch, weil ich fühlte, daß ich nur ein Schweigen zur Antwort bekommen hätte. Du sagtest: ,So werde ich in der ewigen Heimat meines Herzens sein/ War es so?" Bartold nickte langsam. „So war es. Das sagte ich. Der Gedanke, für lange, vielleicht für Den ganzen Lebensrest hier am Gardasee zu bleiben. Der preßte mir Dies Wort heraus." „Und warum — warum nanntest du den See Da Drunten die ewige Heimat Deines Herzens, Francesco? Das verstehe ich auch heute nicht, soviel ich heute von Dir kenne und verstehe." Wieder dieses lange Schweigen, in das nur dann und wann ein Ton hineinsprach. „Du wirst verstehen — höre zu", sagte der Blinde. „Du weißt, ich habe in München studiert. Es war im letzten Frühling vor dem Weltkrieg, ich war gerade fertig geworden mit meinem Studium und Examen und sollte zum Herbst ein (Engagement antreten. Als Kapellmeister — so sonderbar mir das jetzt vorkommt. Aber wer weiß, was aus einem geworden wäre. Ich hatte in München einen alten Lehrer, Der meinte es immer gut mit mir. Vielleicht wegen meiner Begabung, von Der er etwas hielt. Aber wahrscheinlicher, weil er wußte, daß ich keinen Vater mehr hatte, nur eine alte und kränkliche Mutter, und daß ich so gut wie allein stand in der Welt. Als ich nun fertig war, sagte Der zu mir — ich höre seine Stimme, als wäre es gestern gewesen: .Bartolds sagte er, ,ich rate Ihnen gut. Sie sind überarbeitet. Spannen Sie noch gründlich aus, bevor Sie sich unter Das Joch begeben. Denn Das Theater ist ein Joch für jede freie Seele. Man muß robust sein, Damit es einem nicht Den Nacken wund scheuert. Und wie Sie jetzt sind, sind Sie mir nicht robust genug/ Ich höre deutlich die gute Stimme! .Spannen Sie aus', sagte er, .gehen Sie irgendwohin in Gottes freie Natur! Legen Sie sich wochenlang in eine Bergwiese, schauen Sie in den Himmel — es gibt nichts Besseres!'" „Ein guter Rat. Und Du befolgtest ihn?" „Natürlich befolgte ich ihn. Was lag Damals einem jungen Menschen, Der in München studierte, näher, als über Die Alpen zu fahren? Daheim in Bauern war es noch unwirtlich. Am Gardasee blühte es bereits. Ich vergesse Die Tage nicht. Die Blüten hier unten. Und drüben die Schneegipfel. Und Die Bergbäche, Die von Der Schneeschmelze rauschten. Immer sehe ich Das noch vor meinem inneren Auge und höre es immer noch. Ich war Damals wochenlang in Torbole, Das zu Der Zeit noch österreichisch war, ich wohnte in einem alten Albergo mitten im Ort. Und jeden Morgen lief ich hinaus in Den göttlichen Tag und kletterte in Den Bergen umher und lag im Schatten der hundertjährigen Delbäume. Und ahnte nicht, daß Die Schritte meines Schicksals schon auf Dem Weg zu mir waren —" Er schwieg eine Weile urtD fuhr Dann fort: „Es gibt ein Lied von Wagner, Das heißt .Träume, darin kommt eine Stelle vor — merk auf —, so:" Und er griff ein paar Akkorde und öffnete ein wenig Den Mund und summte vor sich hin: „Träume, wie wenn Frühlingssonne Aus dem Schnee Die Blüten küßt —" „Du mußt es mir einmal ganz fingen und spielen", sagte Der Pfarrer. „Erzähle weiter!" Hingegeben an Die (Erinnerung, spielte Bartold immer noch die Melodie. „Dieses Lied ist mir zum Schicksalslied geworden", sagte er Dann, und seine Stimme schwankte Dabei: „Denn eines Taaes, auf einem Spaziergang, wett vor dem Dorf, habe ich es gehört — ich kannte es wohl, aber mir war, als hörte ich es damals Aum ersten Male. (Es klang aus einem Fenster des letzten Hauses. (Eine Frauenstimme fang es. Eine schöne Frauenstimme. Ich blieb wie gebannt stehen, so mächtig griff es mir ans Herz. Ich versteckte mich hinter einem blühenden Ginsterstrauch, um zu lauschen. Immer wieder hob das Lied von neuem an. Ich verstand: eine Sängerin, die es übte. Obwohl sie es für mein Gefühl so vollendet sang, daß Da nichts mehr zu üben war. Und dann — Dann sah ich sie. Sie kam ans Fenster. Sie stand lange im Fensterrahmen und schaute auf Den See hinaus. Und plötzlich — weißt Du, mit einer bei- nahe wilden Bewegung, breitete sie beide Arme aus, als wollte sie die. ganze herrliche Landschaft umarmen und ans Herz ziehen. In diesem Augenblick war es um mich geschehen. In diesem Augenblick war ich ihr verfallen. Als ob ich selbst ein Teil dessen wäre, was sie an ihr Herz preßte." „War sie schön?" fragte der alte Pfarrer in das Schweigen hinein; und Da er keine Antwort bekam, sondern nur den schweren Atem des Freundes hörte: „Du hast sie bann tennengelernt?" „Kennengelernt, ja", sagte Bartold. -.Aber was will das arme Wort bedeuten, kennengelernt! Gar nichts bedeutet es! Leicht wie die Luft wiegt es. Sie war Italienerin", fuhr er fort, „Tochter eines Beamten, eines Diplomaten, .glaube ich Sie war in Wien ausgewachsen. Sie sprach Deutsch wie Italienisch. Sie hatte Gesang studiert. Nicht als Berus, nur um ihre Stimme auszubilden. Und nun war sie hier bei österreichischen Freunden am Gardasee, für ein paar Frühlingswochen. Ich habe nicht gerastet und geruht, bis ich sie kennenlernte, so ist man mit fünfundzwanzig — und Dann —" Er brach ab, verlor sich in tiefes Sinnen, Das nicht mehr zum Wort werden wollte. Aber plötzlich begann er die Balge zu treten, er zog ein paar Register, er Hub an zu spielen, und Majelli lauschte bewegt: Denn was sich Da in Der Dunkelheit loslöste und emporschwang, das war ein Motiv, das er immer und immer wieder gehört hatte, wie es zag und zärtlich erst, dann jauchzend und jubelnd vom Orgelchor niederschwebte, das immer wiederkehrte und nicht enden wollte: nun erst verstand er es ganz. .Hast Du sie so liebgehabt? fragte er leise. „Liebgehabt!" Der Blinde stieß es hervor. „Lieb« gehabt! Das sagst Du so hin! Aber wie — nein, Giuseppe, das weißt Du nicht! Das kannst Du nicht wissen. Ich selber habe ja vorher gar nicht gewußt, daß man einen Menschen so lieben kann. Ich war so jung, so glühenD! Ich hatte nie vorher eine Frau gekannt. Ach, wenn ich zurückdenke, ist mir’s, als hätte ich nur ein einziges Mal in meinem Leden wirklich geliebt — in meinem Leben Drüben am anderen Ufer, verstehst Du? Als hätte ich nur in Diesen Frühlingswochen, diesen heißen Wochen voller Liebe gelebt und geblüht! Wahrhaftig, so ist mir heute noch zumute! Und Dann Der Krieg! Ich mußte nach München. Mußte ins Feld, nadjjftranf* reich. Und Dort — Dort bekam ich, im tiefen Winter, Die furchtbare Nachricht —" Wieder schwieg er. Schwieg unD seufzte tief. „Welche Nachricht?" fragte der Pfarrer vorsichtig. „Daß sie von zu Hause fort war. Im Bösen fort, verstehst Du? Weil sie ihren Zustand —" „Madre di Dio!“ jnunflelte Majelli und faltete in Der Dunkelheit Die Hände. „Sie hat ein Kind von Dir?" Lange kam keine Antwort. Dann nur ein Flüstern, ganz fern.. „Ich weiß nicht. Ich weiß nichts mehr. Alles ist dunkel. So dunkel wie um mich her. Und wie in mir." Das Flüstern losch. Nichts war im Raum als bas leise Lispeln und Rauschen Der harten Del« baumblätfer im Nachtwind. Majelli hörte Die f^IurfenDen Schritte Des Freundes, der sich von der Bank hob und durch das Zimmer tastete. Er ging ihm nach, das Herz voll Angst und MiÜeid, rührte ihn an der Schulter, strich über seinen Kops, Der die Stirn gegen die Kalkwand preßte. (Fortsetzung folgt!) O.Ji.-'fpOTt ! Sttler-Ägend tritt zum Gebiets-Wettkampf an Mainz als Schauplatz her Ereignisse. Wirtschaft. n°ch Spargeln nach dem 24. Juni geben non solchen läufig w inben (übSeutWen Seien?'' üilernte, mn —" en, das plötzlich :n paar lMte loslöste das er es z°8 nd vom erkehrte er es iebivi0( 1 Ein- Treue jochen- 1,52 M2V »eMe, Mt C /, Wir- 3, gelbe , Y kg, bis 12, ! 52 bis 4. Sorte eue, das bis 15, bis 3,90 imerita- elbeeren ! Hähne ist- >- , nein, in nicht nellmtzt, er eine t mir's, meinem drüben ich nur Wochen >a! 9ch Frank' Anter, leg er. oorstch' Aöstn i A-nd n^' Sstles nl) ’S > 6‘» s^; LPD. Die Spargelernte in den Produktionsgebieten im Ried, der Bergstraße, im Rheingau und in Rheinhessen geht am 24. Juni zu Ende. Sie ist nicht verlängert worden. Nur in einigen norddeutschen Bezirken dürfen nach dem 24. Juni noch Spargeln für die Versorgung der Konservenindustrie — nicht für den privaten Bedarf — gestochen werden. Vereinzelt wird es allerdings auch bei uns Schmeling hat es nicht geschafft! Bittere Niederlage des Deutschen in der ersten Runde.-Loe Louis überrennt seinen Gegner fferes r un. FUn. In Mo. |s nie Dacht"; frrben, lö voll |>W plete F*janb I Jren. Fieren fpslich- pPfer. Marth, strland ungen n0 an beut. Dann setzte fid) aber doch die größere Erfahrung des Chinesen durch, der 6:4 3:6 6:4 6:4 siegte. Vorher war bereits unser jüngster Wimbledon-Spieler, Engelbert Koch, seinem Gegner In der zweiten Runde, dem Engländer Henderson-Brookes, unterlegen.-Erfreulicherweise befindet sich Rolf Göp- f e r t in guter Form. Er hatte den Engländer Ritchie als Gegner, spielte sehr sicher und siegte in drei Sätzen glatt 6:2 6:3 6:0. Einen schönen Erfolg errang auch die einzige noch im Rennen liegende Wienerin Rosl Kraus, die gegen die Engländerin O'Connell zwar einen Satz abgeben mußte, aber 6:3 1:6 6:4 gewann und eine Runde weiter kam. Bei den Ausländern gab es die erwarteten Faoo- ritensiege. Eyston vor neuen Rekordversuchen. Im vergangenen Jahr hat Kapitän George Eyston Mit seinem 4700pferdigen Ueberrennwagen „Blitzstrahl" mit 502,1 km/st einen absoluten Schnelligkeitsrekord aufgestellt. Der Engländer hat sein Fahrzeug noch weiter verbessert und hat die Absicht, seinen Weltrekord noch zu übertreffen. Der Rekordwagen wird in diesen Tagen mit der „Bri- tannic" wieder nach USA. gebracht. Für Ende Juli sind in Bonneville auf der Rekordstrecke im Staate Utah neue Versuchsfahrten vorgesehen. Oaumeisterschasten der Schwerathleten In dem Bericht über die Gaumeisterschaften in Kassel ist eine ausgezeichnete Leistung des Sportkameraden Funk vergessen worden. Fritz Funk wurde mit 415 Pfund im Olympischen Dreikampf 2. Sieger hinter dem Kasseler Michel. Die einzelnen Leistungen von Funk lauten: Drücken 130 Pfund, Reißen 125 Pfund, Stoßen 160 Pfurch bei 117 Pfund Körpergericht. Das Sportfest bringt gegenüber den Vorjahren insofern eine Aenderung, als sowohl bei Hitler- Jugend wie auch beim BDM. der L e i st u n g s - spart des einzelnen mehr hervor- gehoben worden ist. Während in den vergangenen Jahren fast ausschließlich auf Höchstleistungen im Mannschaftskampf Wert gelegt wurde, lassen |bie diesjährigen Entscheidungen, die in allen Sport- arten ausgetragen werden, weiteren Raum zur I(Entfaltung der Leistungsfähigkeit des einzelnen. Die Sportwettkämpfe des BDM. haben in diesem Jahr auch eine Bereiche- rzmg erfahren. Als Sondersportarten sind für die wartet hatte; denn die meisten von ihnen hatten zwei Jahre zuvor das umgekehrte Ergebnis erlebt. Die Verkündung „Louis K. - o. - S i e g e r in der er st en Runde" löste die Lähmung, ungeheurer Jubel brach los. Louis führte im Ring einen Freudentanz auf, während sich in der Ecke Machon und der Amerikaner Casey um Schmeling bemühten, der noch völlig benommen war. „Es läßt sich tatsächlich schwer eine Erklärung für die schnelle Niederlage finden. Der Neger hatte die richtige Einstellung. Er nutzte seine ungeheuren Kräfte und ließ Schmeling bei dem Wirbel von Schlägen keine Möglichkeit der Abwehr. Die vorgeschobene steife Linke des Deutschen wurde dabei als Deckung einfach wertlos. Schmeling verzichtete darauf, den Neger mit schnellen Beinen zu umkreisen. Er nahm gleich zu viel, das dürfte entscheidend gewesen fein. Außerdem landete Louis gleich zu Beginn einen schweren Nierentreffer, der den Deutschen aller Widerstands-- kraft beraubte. Die Zufuhren inländischer Winterkartoffeln sind am süddeutschen Markt großenteils zurückgegangen. Beschaffenheit und Sortierung blieben zufriedenstellend. Das Interesse für italienische Frühkartoffeln bat sich verstärkt, wenn der bestehende Preisunterschied zu deutscher Ware die Verbraucher auch vielfach veranlaßt, dieser noch den Vorzug zu geben. Eme maßgebende Rolle-für die Versorgung spielen ausländische Frühkartoffeln dementsprechend vor- Oas Aießener Hanhball-BlihTurnier Die Ortsgruppe Gießen des D.R.L. sah sich gezwungen, das für kommenden Sonntag angesetzte Handball-Blitzturnier auf Samstag, den 9. Juli, zu verlegen. Die Stcrdtmannschaft Gießen wird am kommenden Sonntag zum Ausscheidungsspiel für öas Stadte-Turnier in Breslau in Kassel antreten. Dort stößt sie auf die Stadt-Mannschaften von Kassel und Fulda. Ausgeschieden sind bereits Hanau und Eschwege, so daß nun nur noch drei Mannhaften im Rennen liegen. (Kassel, Fulda und Gießen.) Inwieweit sich unsere Vertretung durch-, setzen wird, bleibt abzuwarten. Mit diesen Spielen wird gleichzeitig vormittags ein Lchrgang für die Spieler dieser drei Stadt-Mannschaften verknüpft. Die Ausscheidungsspiele finden vor dem Vorentscheidungsspiel um die deutsche Handballmeisterschaft, MSV. Hindenburg Minden — MTSA. Leipzig, statt. Auf die Zusammensetzung der Gießener Stadt-Mannschaft werden wir noch zu sprechen kommen. Diesmal Kijewski Etappensieger. Schild behauptet seinen Vorsprung von 39 Minuten. Durch den großen Vorsprung des Chemnitzers Hermann Schild hat die Deutschland-Rundfahrt doch etwas an Spannunasreiz vsrloren. Die rund vierzig Minuten, die der Träger des gelben Trikots vor" den Übrigen Fahrern voraus hat, wirken geradezu j lähmend auf die Entschlußkraft seiner Verfolger. So verlies die zwölfte Etappe von Bielefeld nach | 1,10 bis 1,15 Mark, Suppenhühner —,90 bis 1,05 Mark, Blumenkohl, das Stück, 10 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 30 bis 40, Einmachgurken 15, Oberkohlrabi 9 bis 12, Lauch 5 bis 10, Rettich, das Bündel, 20, das Stück 10 bis 18, Radieschen, das Bündel 5 bis 10 Pf. * ** Eine Siebzigjährige. Am heutigen Tage kann Fräulein Lisbeth F e l ch r. e r, Musik- lehrerin, Tochter des noch in gutem Andenken stehenden Universitätsmusikdirektors Felchner, ihren 70. Geburtstag bei bester Gesundheit feiern Die große Zahl ihrer Schülerinnen wird sie noch in freundlicher Erinnerung haben. ** Der Rheinfahrplan der Köln-Düssel- dorfer Gesellschaft tritt am Sonntag, 26. Juni,' in Kraft. Er bietet von Mainz täglich mindestens, neun Abfahrten, an einzelnen Wochentagen und Sonntags erhöht sich die Zahl der Fahrten wesentlich. Daneben finden nach besonderer Ankündigung eingelegte und „Fahrten ins Blaue" statt. ** „Vom Holz zur Zellwolle." Pro- fessor Dr. K r o l l p f e i f f e r sprach dieser Tage im Chemischen Institut vor der vorklinischen Fachschaft über „Dom Holz zur Zellwolle". Zu Beginn seiner interessanten Ausführungen, die von zahlreichen Versuchen erläutert wurden, gab er seiner Freude Ausdruck, seinen Vortrag auch einmal vor diesem Kreise zu halten und führte die Zuhörer in fesselnder Weise in das wichtige Gebiet der Entstehung der Zellwolle ein. — Der Einladung zu der Veranstaltung, die für dieses Semester' im Rahmen der Vortragsreihe der Vorkliniker die letzte war, waren auch zahlreiche Kameraden anderer Fachschaften gefolgt. Der Dank der Zuhörer für Professor Dr. Krollpfeiffer, der zu Beginn schon mit überaus herzlichem Beifall begrüßt wurde, kam von Herzen. Er gebührte zugleich auch seinem bewährten Mitarbeiter Dr. Löhr, dessen unentbehrliche Hllfe bei Vorbereitung und Durchführung des Vor- träges der Redner in herzlicher Weise betonte. So schloß die Vortragsreihe der Vorkliniker mit einer Veranstaltung, die besonders im Brennpunkt des Allgemeininteresfes steht. Sinn der Vorträge sollte es fein, Einblick in andere Fachgebiete zu geben. Diese Aufgabe hat chre Erfüllung gefunden. Die Vortragsreihe soll auch im Wintersemester fortgesetzt werden. Aus der engeren Heimat. Unfälle auf dem Lande. Der 34 Jahre alte Karl Würtz von Krofdorf wurde unterwegs von einem Lastkraftwagen ungefähren, stürzte dabei schwer und erlitt einen Bruch des Brustbeines, des Oberkiefers sowie Weichteilverletzungen im Gesicht. Der bedauernswerte Mann mußte sofort in ärztliche Behandlung nach Gießen gebracht werden. — Der Arbeiter Artur Lotz aus Sambach kam mit dem Motorrad zu Fall und zog sich einen Bruch des linken Fußes zu. — Der als Koch in einem Reichsautobahnlager beschäftigte 30jährige Heinrich Schneider aus Lumda glitt in der Küche aus urtb zog sich durch den Sturz Rippenbrüche zu. — _ Der 67jährige Landwirt Johann Lech aus Lützellinden geriet unter ein Fuhrwerks und erlitt dabei Rippenbrüche. Sämtliche Verunglückte mußten in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. Neues Feldbereinigungsamt im Vogelsberg. Schotten, 22. Juni. (Lpd.) Als neue Amtsstelle wird im Herbst b. I. in Schotten ein Amt für Feld- bereinigung und Kulturbauangelegenheiten mit etwa 30 Beamten errichtet werden. Aus dem hohen Vogelsberg, 22. Juni. (Lpd.) Im Vogelsbergdorfe Kirchbracht wurde der Landwirt Schäfer in der Scheune ineinerBlut- l ach e tot aufgefunden. Anscheinend ist Schäfer vom Gebälk abgestürzt. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 22. Juni. Anfang dieser Woche unternahm eine Klasse der hiesigen Volksschule eine zweitägige Wanderung in den Westerwald. Die Wanderung führte über Königsberg und Hohensolms zum Ahrtal mit dem Endziel Herborn, wo in der dortigen Jugendherberge übernachtet wurde. Am zweiten Tag wurden Greifenstein und Dianaburg besucht. Die Kinder waren ganz erfüllt von den vielen Eindrücken der schönen Wanderung. Die dritte Klasse unserer DolksschU^. weilte vor einiger Zeit im Schullandheim in Kesselbach. Gemeinsam verletzten die Kinder dort eine Woche und lernten die Schönheiten des Lumdatales schätzen. * Heuchelheim, 22. Juni. Zu einer Gerichteschau hatte die Frauenschaft in das Gasthaus „Im Treppchen" einaeladen. Die Abteilungsleiterin (Volkswirtschaft-Hauswirtschaft) Frl. L ü d d e ck e sprach über die abwechslungsreiche Zubereitung sommerlicher Gerichte und erklärte ihren Nährwert Beeten, die „totgestochen" werden, d. h. überaltert find und durch Neuanlagen ersetzt werden müssen. Die heimische Spargelernte hat in diesem Jahr einen um ein Viertel bis ein Fünftel geringeren Ertrag gebracht. Die kalte Witterung in den ersten Erntewochen hat die Spargeln nur sehr langsam und zögernd aus der Erde hervorbrechen lassen, und im weiteren Verlauf der Erntezeit wurde der Ertrag in vielen Spargeldörfern durch das trockene Wetter weiter herabgemindert. Durch die bestehende Marktregelung wurde der gesamte Ernteanfall glatt ausgenommen und abgesetzt. Mtt Rücksicht auf die Ernten kommender Jahre muß der Ernteschluß eingehalten werden, da die Spargelbeete Zeit brauchen, um sich zu erholen und den Stangenansatz, für das nächste Jahr oorzubereiten. In Erwartung der deutschen Frühkartoffeln. Madel T e n »j s, Hockey und Rollschuh- laufen neö hinzugekommen, die dem BDM.- Sport größere Vielseitigkeit und mehr Anreiz geben. Mit den Ausscheidungskämpfen der HI und des BDM. wird auch der für sämtliche HJ.-Führer zur Pflicht gemachte Führer - Zehnkampf durchgeführt. Daß aber diese Sportwettkämpfe nicht nur der größten Leistungsentfaltung des einzelnen dienen, sondern darüber hinaus auch die breite Arbeit der körperlichen Erziehung in der Hitler-Jugend Nachweisen sollen, zeigen die Vorführungen der S p o r t - schau der HI. und des BDM. auf der Herbert- Norkus-Kampfbahn, mit der die Gebiets- und Obergau-Sportwettkämpfe abgeschlossen werden. In fünf Tagen werden die Jungen und Mädel, die in den Vorentscheidungen die besten Leistungen gezeigt haben, in einem großen Wettkampf in sämtlichen Sportarten, die der Jugendsport kennt, ihre Kräfte messen und Zeugnis oblegen von der Arbeit eines Jahres. . HI.-Reichsschwimnilager in Darmstadt zur Gebietsmeisterschast. NSG. Im Anschluß an die Gebietssportwettkämpfe des Gebietes Hessen-Nassau 13 findet in Darmstadt innerhalb der Reichsschwimmeisterschaften ein Reichs- ' schwimmlager der Reichsjugendführung der Hitler- Jugend statt. Außer einzelnen Wettkämpfen ist das Lager für die schulungs- und trainingsmäßige Ausbildung des Schwimmernachwuchses gedacht. Für das Lager, das vom 4. bis 10. Juli dauert, sind neben den Wettkämpfen zwischen den Lagerteilnehmern internationale Wettkämpfe vorgesehen. blockte Schmeling die ersten wuchtigen Kopf- und Korperhaken ab. Ader di e Deckung genügte nicht gegen einen solchen Hagel von Schlägen. Der Deutsche zeigte etwas Wirkung, schien aber dennoch die Gefahr nicht richtig erkannt ZU haben. In der Ringmitte stellte er sich tapfer, da riß ihn ein furchtbarer Linker bis „f e cf» s" auf b i e Bretter. Schmeling kam mit glasigen Augen wieder hoch. Der Weltmeister sah seine Chance. Kaltblütig orang er erneut auf feinen Gegner ein, und sofort mußte Schmeling noch ein zweitesmal zu Boden. Er fiel auf den Rücken, versuchte, sich zu erheben, aber die Beine wollten ihn nicht mehr tragen. Zur gleichen Zeit warf Max Machon zum Zeichen der Aufgabe das Handtuch in den Ring. Zwei Minuten und vier Sekunden waren feit dem Gongschlag vergangen! Nierenschlag brachalleWiderstandskrast Die Zuschauer waren ebenso überrascht wie entsetzt über diesen Ausgang, den wohl niemand er- Hannover über 239,8 Kilometer recht eintönig, zumal die große Hitze den Fahrern stark zusetzte. Am Ziel gab es eine Massenankunft. Den Endspurt gewann der Dortmunder Kijewski in 7:24,15 Minuten von dem Franzosen Lachat und dem Belgier Dedon- der. In der Gesamtwertung ist keine wesentliche Veränderung eingetreten. Schild führt weiter mit 39 Minuten Vorsprung vor dem Belgier Bonduel und dem Magdeburger Weckerling. Metaxa scheiterte an Kho-Sin-Kie. Bei wieder sehr heißem Wetter wurden die englischen Tennismeisterschaften am Mittwoch auf den Grasplätzen von Wimbledon fortgesetzt. Aus dem Programm standen Kämpfe der zweiten Runde im Männer- und Fraueneinzel. Unter den letzten Sechzehn stehen von den Deutschen unser Meister Henner Henkel und Rolf ©opfert, sowie die Wienerin Rosl Kraus. Dagegen wurden Georg von Metaxa und Engelbert Koch ausgeschaltet. Deutschlands Spitzenspieler Henner Henkel traf in seinem zweiten Kampf in Wimbledon auf den Engländer Deloford. Der Brite, mit den Platzoer- hältnissen gut vertraut und vor allem auf Gras eingespielt, verteidigte sich ausgezeichnet. Doch siegte der Deutsche in drei Sätzen klar 6:3, 6:1, 6:3. Weniger vom Glück begünstigt war der zweite deutsche Vertreter, Georg von Metaxa. Der Wiener hatte es allerdings mit einem der acht Gesetzten, dem Chinesen Kho-Sin-Kie, zu tun. Der 2Ifiate hotte sich den ersten Satz 6:4; im zweiten schien eine Wendung zu kommen, als Metaxa sich besser fand und mft 6:3 Satz-Ausgleich erzielte. NSG. Vom 29. Juni bis 3. Juli führen das Gebiet und der Obergau Hessen-Nassau 13 in Mainz die diesjährigen Meisterschaftswettkämpfe durch, die die besten Mannschaften und Einzelsieger ie den einzelnen Sportarten ermitteln sollen. Verbunden mit den Sportwettkämpfen ist ein Sportlager des Gebietes, in dem die Teilnehmer an den deutschen Turn- und Sportmeisterschaften in Breslau geschult werden sollen. Die auf den Sportfesten der Gebiete und Obergaue ermittelten Einzelsieger und Mannschaften kommen zum Reichsentscheid zu den Kampfspielen der Hitler-Jugend nach Nürnberg und Bamberg. * Nachdem sich die Hitler-Jugend stark än der Ausgestaltung der Gutenberg-Festwoche in Mainz beteiligt hat, ist das Jneinandergreifen dieser beiden Veranstaltungen dazu geeignet, dem Betrachter einen Gefamtausschnitt aus der Arbeit der Hitler- Jugend zu vermitteln, die sich in gleicher Weise auf kulturelles Gebiet wie auf die körperliche Erziehung erstreckt. Stand der Maul- und Klauenseuche am 15. 3uni. Nach einer im Reichsanzeiger vom 21. Juni veröffentlichten Zusammenstellung des Reichsgesund- heitsamtes auf Grund von Berichten der beamteten Tierärzte waren am 15. Juni (1. Juni) 1938 von der Maul- und Klauenseuche im Reichsgebiet ohne Oesterreich 681 (622) Kreise mit 9699 (7664) Gemeinden und 67 387 (43 861) Gehöften betroffen. In diesen Zahlen ist bei den Gemeinden ein Neu- Zugang von 3281 (3241) und bei den Gehöften ein solcher von 43 001 (31 210) enthalten. Für Preußen allein ergibt sich am 1. Juni ein Befall von 367 Kreisen, 5267 Gemeinden und 33 350 Gehöften (davon neu 1764 ^Gemeinden und 21 055 Gehöfte). Für Bayern lauten die entsprechenden Zahlen 159 (2062) 18 738 — davon neu 561 (11 757). Dor hem ßnhe her Spargelernte. Letzte Vorbereitungen im Ning. Kurz hintereinander erschienen Louis und Schmeling mit ihren Sekundanten und wurden stürmisch »egrüßt. In ihren Ringecken wurden die Hand- Kuhe angelegt. In der Zwischenzeit stellte der Sprecher die alten Meisterboxer Sharkey, Dempsey, Braddock, Tunney, Farr und Max Baer vor, der den Sieger herausfordert. Immer wieder brauste Beifall auf, der noch stärker wurde, als die Gewichte von Louis und Schmeling bekanntgegeben wurden. Der Ringrichter Arthur D o n o v a n gab die letzten Ermahnungen zum fairen Kampf, und dann ertönte der Gong. Wie Schmeling überrannt wurde. Völlig konzenttiert kamen die beiden Boxer aus ihrer Ecke. Jedem stand eiserner Siegeswille im Gesicht geschrieben. Noch war es unklar, welche Taktik beide Boxer einschlagen würden. Nach kurzem Abtasten ging Louis, der aus feiner einzigen k o.-Niederlage gegen Schmeling vor zwei Jahren gelernt hatte, zum Angriff über. Er wollte versuchen, in wildem Schlagwechsel eine schnelle Entscheidung herbeizuführen. Aber niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, baß der Weltmeister schon in den nächsten beiden Minuten fein Ziel erreichen sollte. Louis schlug plötzlich mit wildem Ungestüm auf den Deutschen ein, der noch nicht die richtige Einstellung gefunden hatte. Ruhig und gelassen und ihre Verwendungsmöglichkeiten. Einige Mitglieder der Frauenschaft und des Frauenwerks führten ein lustiges Spiel auf, das besonders auf die Verwendung einheimischer Kräuter eindringlich hinwies. Die vorher bereiteten Speisen wurden gekostet und fanden ungeteiltes Lob. gfs. U Daubringen, 23. Juni. Gestern kehrten die beiden ältesten Jahrgänge der hiesigen Volksschule aus dem Landschulheim Gersfeld (Rhön) zurück. Sie haben dort acht schone, erlebnisreiche Tage verbracht. Unter Leitung von Lehrer Henkel besichtigten sie die beiden Kloster Fulda unb Kreuzberg und lernten Land und Leute der Rhön kennen. * Lang-Gons, 22. Juni. Ein anregender Werbeabend für b i e Jugendgruppen vereinte die Mitglieder der Frauenschaft und des Frauenwerks mit zahlreichen Gästen. Die festliche Ausgestaltung des Abends hatte zum Teil die Jugendgruppe von Großen-Linden/Leihgestern übernommen, die unter der Leitung ihrer Führerin, der Lehrerin Fräulein Müller, zeigten, was die Mitglieder dieser neuen Organisation in fröhlichek Kameradschaft in heiteren Vorträgen, an Musik und Liedern zu bieten vermögen. Zwei Filme aus der Arbeit fanden ebenfalls allgemeinen Beifall. Es war ein fröhlicher Gemeinschaftsabend. gfs. )( Li ch, 21. Juni. Am Sonntag unternahm die hiesige evangelische Frauenhilfe, begünstigt von schönem Sommerwetter, einen Ausflug. Nach flotter Fahrt über Marburg wurden in Bad Wildungen die Trink-, Bade- und Kuranlagen besichtigt. Dann ging es weiter zur Ebertalsperre, bie mit ihrem gewaltigen Bauwerk, ihrem großen See unb der sie umgebenben wundervollen Landschaft auf alle Teilnehmerinnen einen großen Eindruck machte. Dann wurde die Fahrt nach Kassel fortgesetzt unb dort Wilhelmshohe besucht. Eine Rundfahrt durch Kassel schloß den Tag ab, der wegen seiner vielen unb verschiedenen Eindrücke noch lange in Erinnerung bleiben wird. Die Heimfahrt erfolgte über Fritzlar. Mit großen Hoffnungen war der deutsche Meister aller Klassen Max Schmeling nach Amerika gefahren. Was noch keinem Schwergewichller vor ihm gelungen war, das wollte er erzwingen: das einmalige unb erstmalige „come back“! Das Glück war gegen ihn. Vor 80 000 Zuschauern überrannte ihn ber Titelhalter Joe Louis im Neu- yorker Yankee-Stadion gleich in den ersten Minuten. Mit einem fürchterlichen Schlaghagel überfiel der Neger feinen Gegner unb beendete den Kampf noch vor Ablauf der ersten Runde. Schmeling hatte keine Gelegenheit, sein Können zu zeigen. Zweimal mußte er zu Boden; als er zum zweitenmal hochzukommen versuchte, wurde in seiner Ecke bas Handtuch geworfen. Der Kampf war aussichtslos für den Deutschen geworden. Joe Louis hatte die richtige Taktik gewähtt. Der Weltmeistertitel bleibt in USA.! Neuyork stand im Boxtaumel. Schon in den früheren Jahren hatte bie amerikanische Presse bei jebem großen Titelkampf vom »Kampf des Jahrhunderts" gesprochen und mit ihren spattenlangen Artikeln eine Begeisterung in bie Masse gebracht, die es wohl kaum in einem anderen Erbteil aus solchem Anlaß gibt. Mehr oder weniger waren bie Zuschauer aufgepeitscht worden. Diesmal fehlte bie sensationelle Reklame unb Berichterstattung. Man blieb einigermaßen objektiv; bennoch stand Neuyork in einem wahren Boxtaumel, ein Zeichen, wie gespannt man auf den Titelkampf war. Das kam nicht nur in dem großartigen Kartenvorverkauf ober ben tollen Wetten ober dem Andrang beim Wiegen, wenige Stunden vor dem Kampf im Madison Square Garden, zum Ausdruck. Das große Ereignis warf schon tagelang vorher seine Schatten voraus. In großen Omnibussen waren Reisegesellschaften, vornehmlich aus dem Westen, gekommen. Auch die Ozeanriesen hatten zahlreiche Schlachtenbummler — darunter die „Europa" 250 Deutsche — nach Neuyork gebracht, o baß bie Weltstabt selbst schließlich nur bie Hälfte »er Besucher stellte. Vor Beginn des Kampfes. Eine riesige Autoschlange zog sich zum acht Kilometer vom Zentrum ber Stabt entfernten Yankee- Stadion hin. Stunden vor Beginn waren alle 23er« kehrsmittel überfüllt. Das Stadion selbst bot das gleiche Bild wie bei allen ähnlichen Veranstaltungen. 80 000 Sportbegeisterte waren anwesend. In ben vorderen Reihen saßen bie jetzigen und einstigen Ringgrößen. Die Söhne des Präsidenten Roosevett waren erschienen und zahlreiche Berühmt-1 1 teilen des Films. Der deutsche Botschafter Dieck- hoff, Generalkonsul Borchers und auch bie vor roenigen Tagen in Baltimore über USA. erfolgreich gewesene beutsche Gewichtheber-Staffel hatten ihre Plätze. Die Spannung wuchs von Minute zu Minute. Alles blickte nach ber Mitte, bem überbachten, von Tiefstrahlern hell überfluteten Ring. Endlich, um 10 Uhr amerikanischer Zeit, war es so weit. Mwehr" Monn M Für iVolk I Sieger Winden Wensein Ue Orts* Minden) M-Süd. Mischer Abends >er, die aren. der ifen. unweit Möbels ng mar' and ge- ! Woh-' !N M Möbeln «erweise' n Opfer.' her lIe- rend der en und rn auf* azintanl hr leicht >erhäng- leifahrer ngen. In Hessen-Nassau hielt sich der Winterkartoffelabsatz etwa noch auf der bisherigen Höhe, zumal italienische Frühkartoffeln schon verhältnismäßig preiswert sind. Durch Abgaben von Fabrikkartoffeln an norddeutsche Verarbeitungsbetriebe trat im rhcinhessischen Erzeugergebiet eine weitere Entlastung ein Im übrigen besteht bei den Erzeugern nach wie vor das Bestreben, einen möglichst großen Teil der Ernte im eigenen Betrieb zu verwerten. Der Stand der Frühkartoffelfelder ist gut und auch eine nennenswerte Verzögerung der Ernte dürfte nicht eintreten. Rhein-Mainische Börse. Mttagsbörse noch uneinheitlich. Frankfurt a. M., 22. Juni. Die Börse hatte eine an sich etwas widerstandsfähigere Grundhaltung, wozu neben den Anregungen aus der Wirtschaft auch eine ruhigere außenpolitische Betrachtung beitrug. Aus Kreisen der Bankenkundschaft mehren sich die Kaufaufträge, die zum Teil im Kurse fest begrenzt sind. Auf der anderen Seite gehen die Abwicklungsoerkäufe, besonders in einigen Spitzenwerten noch weiter, so daß die Kursentwicklung noch uneinheitlich blieb. Etwas lebhafter waren wieder-, um IG.-Farbenindustrie mit einer Kursbesserung von 0,40 v. H., daneben gewannen Metallgesellschaft und Deutsche Erdöl je 0,75 v. H. Zellstoffwerte zum Bruchteil v. H. freundlicher, bis auf Aschaffenburger, die 0,50 v. H. verloren. Elektrowerte nach wie vor sehr still, Lahmeyer um 1,25, AEG. 0,13 v. H. niedriger, aber Gesfürel 0,50 v. H. erhöht. Maschinenwerte lagen uneinheitlich, Junghans setzten ihren Rückgang um 0,65 v. H., Rheinmetall um 0,25 v. H. fort, etwas freundlicher lagen Demag, Moenus und BMW. Am Montanmarkt blieben die Umsätze gering, Rheinstahl 0,50 v. H., Mannesmann 0,25 v. H. erholt. Vereinigte Stahlwerke aber um 0,65 v. H. niedriger angeboten/ Im einzelnen büßten AG. Verkehrswesen 1 v. H., Conti Gummi 1 v. H., Südd. Zucker 1 v. H. Am Rentenmarkt sind die Umsätze an sich äußerst bescheiden, es überwiegt immer noch fast mehr das Angebot. Die Kurse blieben ziemlich unverändert, Kommunal-Umschuldung 95,95 (96). Bemerkenswert ist auch das stetige, wenn auch nicht sehr drängende Angebot von Industrie-Obligationen, die offenbar zum Zwecke der Geldbeschaffung angeboten sind. Hier neigen die Kurstz um eine Kleinigkeit nach unten. k. Pfandbriefe hatten einen sehr engen Markt, das Angebot ist gegenüber der Nachfrage weiterhin zu klein. Die beiden Frankfurter Liquidationspfandbriefe um je 0,25 v. H. abgeschwächt. Am Einheitsmarkt Hartmann & Braun auf die günstige Abschlußvorlage wesentlich höher gesucht, aber Konserven Braun bei etwa 8000 RM. Angebot um 4,75 v. H. niedriger taxiert. Tagesgeld bleibt leicht bei 2,25 o. H. Abendbörse still. Die Abendbörse hatte nur kleinste Umsätze und wenig Kursveränderungen, die sich nicht über 0,25 v. H. nach oben oder unten bewegten. Sonderbewegungen lagen nicht vor. Am Rentenmarkt waren etwas Umsätze in Kommunal-Umschuldung zu unverändert 95,95 festzustellen. Im Freiverkehr wurde die neu aufgelegte Vorarlberger Jllwerke- Anleihe mit 98,50 v. H., 0,25 v. H. über Zeichnungskurs, gehandelt. Es notierten: AEG. 118,75, BMW. 147,50, Bemberg 135,50, Bekula 161,75, Buderus 113,50, Daimler 137, Demag 147, Deutsche Erdöl 137,75, Scheideanstalt 244,50, Deutsche Linoleum 157,50, Licht und Kraft 139,50, IG. Farben 155,65, Gesfürel 145,50, Goldschmidt 135,75, Holzmann 152, Ilse Genuß 137, Hartmann & Braun 140, Mannesmann 112, Moenus 131, Rheinmetall 140,50, Rheinstahl 139,50, RWE. 119,13, Stempel 104,50, DDM. 173, Verein. Stahlwerke 106,25, Kaufhof 99,25, Adca 103,50, Bayerische Hypotheken- und Wechselbank 101,75, Commerzbank 113,75, Deutsche Bank 120,25, Dresdner Bank 111,65, Reichsbank 193, Reichsbahn-Vorzüge 124,25, Otavi 24,25, Altbesitz-Anleihe 131,60, 6 o. H. NSU.-Obligationen 104, Farben- bonds 130,65. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 22. Juni. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in RM.: Weizen W 13 210, W 16 213, W 19 217, W 20 219, Roggen R 12 187, R 15 190, R 18 194, R19 196 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete; Futtergerste —, Futterhafer —; Weizenmehl Type 812, W 13 29,50, W 16 29,60, W 19 29,60, W20 29,95, Roggenmehl Type 1150 R 12 22,45, R 15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 RM. Fracht-Ausgleich; Weizenfuttermehl 13,60; Weizenkleie W13 10,75, W16 10,90, W19 11,10, W 20 11,20, Roggenkleie R12 9,95, R15 10,15, R18 10,40, R19 10,50 Mühlenfestpreis ab Mühlenstation; Sojaschrot —, Palmkuchen —, Erdnußkuchen —, Treber, getrocknet 14,00 Höchstpreis ab Erzeugerstation; Trockenfchnitzel —; Heu, gut, gesund, trocken 5,50, drähtgepreßt —, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 3,30, gebündelt 3,00 Erzeugerhöchstpreis frei Erzeugerverladestation. — Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 23. Juni. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 1025 Rinder (darunter 227 Ochsen, 140 Bullen, 488 Kühe, 170 Färsen), 496 Kälber, 27 Hämmel,.17 Schafe, 197 Schweine. Es kosteten: R.inder: Ochsen 28 bis 45 Mk., Bullen 34 bis 43, Kühe 17 bis 43, Färsen 28 bis 44; Kälber 30 bis 65; Hämmel 34 bis 52; Schafe 30 bis 42; Schweine 50 bis 57 Mark. — Marktverlauf: Großvieh, Kälber, Schweine zugeetilt; Hämmel und Schafe mittelmäßig. Rundfunkprogramm Freitag, 24. Juni. Tag der Stadt Mainz. 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik. 6.30: Von Mainz: Fanfarenruf. Meisterrufe vom Dom, Glockenläuten vom Dom. Gruß an die Hörer. 6.40: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. Einlagen: Soziale Arbeiterbetreüunq, Arbeitersiedlung — Schönheit der Arbeit — Kulturelle Arbeiterbetreuung. 10: Schulfunk: Gutenberg. 11.45: Volk und Wirtschaft: Aus der hessischen Weinbaudomäne. 12: In den Domen der Arbeit. Aus der Zellstoff-Fabrik Waldhof, Werk Mainz-Kostheim. 13: Nachrichten. 1315: Platzkonzert auf dem Schillerplatz zu Mainz. Märsche der ehemaligen Mainzer Regimenter. Einlage: Mainz als Garnisonstadt. 14: Nachrichten. 14.10: Aus dem Kurfürstlichen Schloß: Konzert. Einlage: Bericht über das Peter-Cornelius-Kvnssr- vatorium. 15: Aus dem weißen Saal des Kurfürstlichen Schlosses: Kammermusik. 15.30: Mainzer Jungen und Mädel fingen und spielen. 16: Unterhaltungskonzert. Einlage: Der Mainzer Dom. — Die Mainzer Museen. 17: Nachmittagskonzert. Einlage: Rundblick von der Stadtparkterrasse: 1. Der Mainzer Volkspark und Rosengarten. — 2. Die ehemalige Favorite. 18: Zeitgeschehen. 19: Nachrichten. 19.10: „Das goldene Mainz". Manuskript: Ernst Nebhut unter Mitarbeit von 'Stadtarchivar Dr. Diepenbach und Direktor Ruppel (Gutenberg-Museum). 20: Sinfonie-Konzert. Aus dem Konzertsaal der Mainzer Liedertafel anläßlich der Gutenberg-Festwoche. Pfitzner-Abend. In der 1. Pause: „Das Mainzer Theater- und Musikleben". In der 2. Pause: Nachrichten. 22.40: Sportleben in Mainz. 22.50: Unterhaltung und Tanz. 23.55: Meisterrufe vom Dom (Gutenbergruf). 24 bis 3: Nachtmusik. Bade'Artikel Was zur Badeausstattung gehört, was die Sonnentage angenehm gestaltet, zeigt Ihnen unsere Bade-Abteilung: Modische Bade- und Strandanzüge Bade-Anzüge zweiteilig Bade-Anzüge Orchidee Frdr. Teipel Markt 16 ________4285A Dlc Arbeit M AGÄvlkswotMM zeigt- Dir >Uouats(