Montag, 22. August 1938 188. Jahrgang Nr. 195 Erstes Blatt Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis8'/.Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Rps., für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg. 25°/. mehr. 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Herzlicher Empfang durch den Führer und Reichskanzler. - Jubelnde Begrüßung durch Hunderttausende. zur 22.8, 1938 Der W bis auf den letzten Platz füllen, vereinen sich mif den klängen des Präsentiermarsches und der ungarischen Nationalhymne zu einer Sinfonie der Freude und des Stolzes, als der R e i ch s v e r w es e r an der Seite des Führers und Reichskanzlers die Front der Ehrenkompanie der kriegs- Mit dem Führer waren der Reichsauhen- minifter. der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, der Oberbefehlshaber des Heeres, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht und der Stellvertreter des Oberbefehlshabers der Luftwaffe sowie zahlreiche Reichsminister und Reichsleiter erschienen. Richt endenwollende Heil!-Rufe der Zehntausende, die den zu einem eindrucksvollen Ehrenhof gestalteten Dahnhofsplah und alle anliegenden Straßen Die Feier des Slapellauss. Kiel, 22.Aug. (DNB.-Funkspruch.) Der Sta- pellauf des Kreuzers „1" der deutschen Kriegsmarine am Montagvormittag auf der Germania-Werft ist ein Ereignis von g r o ß er geschichtlicher Bedeutung, ist doch mit der Feier dieses Stapellaufes die vor aller Welt sichtbare Bekundung einer großen und aufrichtigen Freundschaft verbunden. Der Retter und Führer der ungarischen Nation ist nach Kiel gekommen. So ist dieser Tag ein Festtag nicht nur für die Stadt und ihre Bevölkerung, sondern darüber hinaus für unsere vom Führer neu geschaffene deutsche Kriegsmarine und für das ganze deut- s ch e B o l k. r Schon viele Stunden vor dem Stapellauf füllt sich das Gelände der Werft mit einer erwartungsfrohen Menge. Zu beiden Seiten des stolzen Neubaues, dessen schnittiger Bug von Girlanden umwunden ist, haben Offiziersabordnungen der Kriegsmarine, Ehrenformationen der Partei, Kriegsopfer und Opfer der Arbeit Aufstellung genommen. Dahinter drängen sich viele Tausende, unter denen man vor allem auch die Gefolgschaftsmitglieder der Bauwerft sieht. Bon einem der hohen Hellinggerüste leuchtet das Hoheitszeichen des Reiches. 40 Meter weit breitet der goldene Reichsadler feine Schwingen. Biel zu klein ist das Werftgelände, um die unzähligen Massen aufzunehmen. So sind denn auch die Uferstraßen gegenüber der Bauwerft dicht gefüllt. Eine Ehrenkompanie der 3. Marine-Lehrabteilung mit dem Musikkorps und den Spielleuten ist am' Bug des Neubaues aufmarschiert. Längs der Backbordseite haben je eine Kompanie der 1. Marine-Artillerie-Abteilung, der 1. Schiffs-Stamm- Abteilung und der 3. Schiffs-Stamm-Abteilung und des Luftkommandos „See", dah.inter eine Kompanie des Sperrversuchkommandos und zwei Kompanien der Schiffs-Artillerie-Schule Aufstellung genommen. Ehrenformationen aller Gliederungen oer Bewegung füllen den Raum längs der Steuerbortzeite. Glatt vom Stavel gelaufen. klel, 22. Aug. (DRV. Funkspruch.) Auf der Germania-Werft in Kiel-Gaarden erfolgte am heutigen Wontagvormittag in Gegenwart des Führers und des Reichsverwesers des Königreiches Ungarn, Admiral von horthy, der Stapellauf des neuen Kreuzers „I“ der deutschen Kriegsmarine. Die Taufrede hielt Reichsstatthalter £>r. Seyß-Znquart: Als im März dieses Jahres durch Ihren Entschluß und durch den von Ihnen aufgerufenen einigen Willen der Nation das tausendjährige Wollen des deutschen Volkes zur Wirklichkeit wurde und das größere Deutschland geschaffen war, beschlossen Sie, dem heute von Stapel laufenden Kreuzer einen Namen aus der gesamtdeutschen Geschichte zu geben. Ihre Wahl traf Prinz Eugen. Mein Führer, mit diesem Namen des Reichsfeldmarschalls rufen Sie jene deutsche Vergangenheit als Zeugen für das Werk der Gegenwart auf, in der es Deutschland in seiner Gesamt- heit war, das den Vernichtung bedeutenden An- sturm des Ostens gegen das Abendland endgültig abwehrte, zugleich aber seine die christliche Kultur schützende Existenz gegen die Angriffe eines aller- klel, 22. Aug. (DRV. Funkspruch.) Der große Tag der kriegsmarinesladt kiel ist gekommen. Pünktlich um 9 Uhr traf der Führer und Reichskanzler im Sonderzug auf dem Kieler Hauptbahnhof ein, um kurz danach, um 9.08 Uhr, eine hohen Gäste, das Staatsoberhaupt des be- reuudeteu ungarischen Volkes Reichsverweser von horthy und seine Gemahlin, auf das herzlichste willkommen zu heißen. marine abschreitet. Unter dem Jubelsturm der begeisterten Massen treten Admiral vonhorthy mit seiner Gemahlin und der Führer und Reichskanzler dann durch die in überwältigendem Festschmuck prangenden Strahen den Weg zur Vellevue-Vrücke an, um sich, vorbei an den auf der Förde liegenden Einheiten der neüerstandenen deutschen Kriegsflotte, Germania-Werft zu begeben. Der Ehrentag der deutschen Kriegsmarine Giapellauf des Panzerkreuzers „Prinz Eugen". Reichsverweser von Horthy hat seinen Wagen ' verlassen und läßt sich nach der Begrüßung durch den Reichsstatthalter Dr. S e y ß - I n q u a r t (lmks : in ---Uniform) die führenden Männer des Staates, der Partei und der Wehrmacht vorstellen. Hier begrüßt er gerade den Wiener Bürgermeister Dr. N e u b a ch e r. Im Hintergrund links von Admiral Hokkhy Minister Generalmajor G l a l s e - H o r st e - nau und der Wiener Gauleiter G l o b o cn i k. (Scherl-Bilderdienst-M.) schen Boden statt. Um 10.58 Uhr fuhr der Zug des Reichsverwesers langsam in die Halle ein. Admiral v. Horthy verließ seinen Wagen und wurde von Reichsstatthalter Dr. S e y ß - I n q uar1 mit folgenden Worten begrüßt: „Ich habe die Ehre, E. D. imNamendes Führers und R e i ch s- kanzlers auf dem Boden des Deutschen Reiches begrüßen zu dürfen. Es ist für mich eine besondere Genugtuung, Euere Durchlaucht aus dielsem Anlaß im Lande Oesterreich willkommen heißen zu können. Das Land Oesterreich verbindet mit dem Königreich Ungarn der Weg gemeinsamer Geschichte. Diese Geschichte ist eine g emeins ame stolze Erinnerung, soweit sie die Erfüllung der deutschen Aufgabe dieses Landes und das Wohl der ungarischen Nation bedeutet hat. Der Reichs- statthalter überreichte darauf der Gemahlin des Reichsverwesers einen Blumenstrauß. Nikolaus v. H o r t h y dankte mit herzlichen Worten für die Begrüßung und ließ sich dann die suy- renden Männer des Staates, der Wehrmacht uns der Partei vorstellen. Frau Seyß-Jnquart begrüßte die Gemahlin des Reichsverwesers, während die Ehrenkompanie der Luftwaffe unter den Klängen des Prajen- tiermarsches die militärische Ehrenbezeugung erwies. Während die ungarische Nationalhymne ertönte, schritt der Reichsverweser die Front der Ehrenkompanie ab. Nach kurzer Unterhaltung verließ der aus vierzehn Wagen bestehende Sonderzug, unter den Klangen der ungarischen Nationalhymne und unter N brausenden Heil-Rufen den Bahnhof. In Linz. Linz, 21. Aug. (DNB.) Der Sonderzug mit dem Reichsverweser Admiral von Horthy und den ungarischen Gästen traf um 14.16 Uhr in Linz ein. Während der Fahrt hatten auf den reichgejchmückten Stationen viele, taujend Volks- Die Abreise von Budapest. Budapest, 20. Aug. (DNB.) Der ungarische Reichsverweser S. D. Admiral Nikolaus Horthy von Nagybanya und Frau von Horthy sowie Ministerpräsidenten vonJmredy, Außenminister von Kanya und Honvedminister General Ratz sind Samstag um 22 Uhr auf Einladung des Führers und Reichskanzlers zu einem mehrtägigen offiziellen Besuch nach Deutschland a b gereist. In ihrer Begleitung befinden sich der Ches der Kabinettskanzlei Geheimer Rat von Uray, der Chef der Militärkanzlei Feldmarschalleutnant von Ja ny und die drei Flügeladjutanten des Reichsverwesers, ferner der Kabinettschef des Außenministers Graf Csaky, der Flügeladjutant des Honvedministers G h i m e s y , der Chef der Presseabteilung des Außenministeriums Ministerialrat von Szent-Jstvany, der Chef der Politischen Abteilung Legationsrat Kuhl. Erste Begrüßung in Wien. Wien, 21. Aug. (DNB.) In eindrucksvollem Rahmen fand am Sonntagmittag in Wien die erste Begrüßung des ungarischen Reichsverwesers, Nikolaus v. Horthy, und seiner Begleitung auf deut- genossen dem Sonderzuge zugewinkt. Als der Zug hielt, wurden unter brausenden Heil!-Rufen Tau- i sende von rot-weiß-grünen und Hakenkreuzfähnchen i geschwenkt. Der Reichsoerweser zeigte sich am Fenster seines Wagens und winkte den Linzern , reundlich zu. Dann begrüßte Oberbürgermeister ; Waltersdorfer die ungarischen Gäste im : Namen der Gauhauptstadt und stellte die Vertreter । von Partei, Staat und Wehrmacht vor. Der Reichs- Verweser unterhielt sich längere Zeit mit ihnen und besonders auch mit ehemaligen Kameraden der österreich-ungarischen Kriegsmarine, die sich zur Begrüßung eingefunden hatten. Um 14.24 Uhr setzte der Zug programmgemäß unter stürmischen Heil!- Rufen und unter Fahnenschwenken seine Fahrt fort. Kiel in festlicher Hochstimmung. Das Stratzenbild am frühen Montagmorgen Kiel, 22. Aug. (DNB. Funkspruch.) War schon die Freude über die Nachricht von dem Besuch des ungarischen Staatsoberhauptes groß, so mobilisierte der Ruf, daß auch der Führer und Reichskanzler an der Seite seines hohen Gastes in der Kriegsmarinestadt weilen wird, die Kieler Bevölkerung bis auf den letzten Mann. Seit den frühen Morgenstunden sind die Straßen überfüllt von brausendem erwartungsfrohem Leben. Ungeaynte Menschenmassen stehen in den Straßenzügen, durch die der Reichsoerweser und der Führer ihren Weg nehmen werden. Am Hauptbahnhof ist der Andrang schon Stunden vor der Ankunft der hohen Gäste beängstigend stark. Stolz wehen die Banner der in herzlicher Freundschaft verbundenen Nationen von den langen Fahnenmasten. Strahlende Morgensonne überflutet das große, von der Ste- phanskrone gekrönten ungarische Staatswappen und wirft goldenen Schein auf die flankierenden Riesenadler der Hoheitszeichen des Reiches, die über der Mitte der den Ehrenhof nach der Hafenseite zu umrahmenden Arkaden emporragen. Kiel hat ein Festgewand angelegt, das in seiner Geschichte einzigartig ist. Männer der Schutzstaffeln umsäumen den Ehrenhof. Die Absperrungen haben alle Hände voll zu tun, um dem Andrang der Hunderttausende standzuhalten. Jubel begrüßt die Ehrenkompanie der Marineschule Kiel, die mit klingendem Spiel aufmarschiert und auf dem Ehrenhofe Aufstellung nimmt. ^t£59Ä!eS L°°hr. - (Sch°rl-Bild°rdi°nst.M.) Im Festraum vor dem Bahnhof sammeln sich zahl- l reiche führende Männer der Wehrmacht, insbeson- r dere Kriegsmarine, des Staates und der Partei. i Während vor dem Hauptbahnhof die Erwartung i von Stunde zu Stunde steigt, haben sich auch die ; Stratzenzüge, die der Reichsverweser und der Fuh- ] rer durchfahren werden, um sich von der Bellevuebrücke an Bord der Stationsjacht „Nixe" zu begeben, mit lebenden Mauern der Freude und Erwartung gefüllt. Unter den Massen sieht man nicht nur die Kieler Bevölkerung selbst; auch unzählige Tausende aus den die Förde umgebenden Ortschaften, aus den Schifferdörfern des Ostseestrandes und den Bauernhöfen der Nordmark haben sich eingefunden, um diesen Ehrentag ihrer Gaustadt mitzuerleben. Innerhalb des Kieler Hauptbahnhofes ist für das Zusammentreffen der beiden Staatsoberhäupter der so eng befreundeten Völker ein würdiger der Bedeutung dieser geschichtlichen Stunde gebührender Rahmen geschaffen worden. Ueber dem gesamten Bahnsteig bauscht sich ein einziges Flaggenmeer. Das Rot-Weiß-Grün der ungarischen Reichsslagge. vermählt sich mit den leuchtenden Farben des Hakenkreuzbanners zu harmonischer Gemeinschaft. Die Kieler Förde bietet am Montagmorgen im strahlenden Licht der vom wolkenlos blauen Himmel leuchtenden Sonne ein stolzes Bild: Fast die gesamte deutsche Kriegsflotte liegt im Kriegshafen vor Anker, verkörpertes Sinnbild deutschen Wehrwillens zur See. Sämtliche Schiffe haben großen Flaggenschmuck angelegt und führen die ungarische Dienstslagge im Topp. Don den großen Einheiten sind vertreten das Schlachtschiff „Gneisenau", die Panzerschiffe „Deutschland", „Admiral Graf Spee" und „Admiral Scheer , ferner ' die Kadettenschulschiffe „Schlesien" und Schleswig-Holstein", die Kreuzer „Nürnberg .„Leipzig" „Königsberg". Man sieht weiter die schlanken Schiffskörper zahlreicher Zerstörer, Torpedoboote und Schulschiffe; auch dec Fernlenkverband „Blitz ■ und „Hessen" ist zu sehen. Strahlend weiß hebt sich l der Aviso „Grille" von dem Grau der Großkamps- i schiffe, der Zerstörer und Torpedoboote ab. Malerisch - ist der Anblick der drei Segelschulschisfe der Kriegs- ; marine, „Horst Wessel", „Gorch Fock" und „Albert : Leo Schlageter". Räumboote, Schnellboote, ^lotten- - begleiter vervollständigen das eindrucksvolle Bild deutscher Wehrkraft zur See. Sonderstempel der Deutschen Reichspost anläßlich des Aufenthalts des ungarischen Staatsoberhauptes, Reichsverwesers Nikolaus von Horthy, m Kiel. — (Scherl-Bilderdienst-M.) christlichen Königs verteidigen mußte. Es waren die gutgesinnten Staaten Mitteleuropas, die in richtiger Erkenntnis ihrer unlösbaren Schicksalsgemeinschaft mit dem Deutschen Reich gingen, zum eigenen Wohl und zur Befreiung der Donauvölker, auf daß diese in diesen Gemeinschaftskreis eintreten konnten. Fürstengeschlechter und Staaten wurden damals zum Werkzeug des Schicksals; doch durch ihre eigenen Interessen begrenzt und solcher Art in immer neue innere und äußere Gegensätze geworfen, gelang es ihnen nicht, aus der Enge ihrer Zielsetzung das Werk zu vollenden; ihre Bestimmung blieb, Wegbereiter für die Zukunft zu sein. Das Volksdeutsche Reich, aufgebaut auf den Willen jedes einzelnen Volksgenossen, eingewurzelt als erste und heiligste Aufgabe in das Herz jedes Deutschen, zugleich hort der Ehre, der Freiheit und des inneren und äußeren Friedens der Ration ist Ihre Tat, mein Führer, als Einiger und Vollender des Reiches. Mein Führer! Die Ost mark dankt Ihnen für diese Wahl. Denn Prinz Eugen ist der Schlachtruf jenes Oe st erreich gewesen, das in voller Erfassung seiner gesamtdeutschenAuf- g a b e damals Bannerträger des Reiches war und fein Heldenzeitalter erlebte. Der aus dem Hause Savoyen entsprossene und in deutsches äßefeti eingegangene Feldherr und Staatsmann war aber nicht nur deutsches Schicksal, er war Wegbereiter der europäischen Mitte. Zu tiefst überzeugt von der untrennbaren Schicksalsgemeinschaft dieses Raumes ahnte er das leidvolle Schicksal der Zerwürfnisse und versuchte die ordnenden Linien für die gemeinsame Zukunft zu ziehen. Wir sind in diesem Raume zusammenge- drängt und müssen uns, so wie einst zu Prinz Eugens Zeiten, ebenso der überlebten Führungsansprüche älterer Staatsgebilde auf geistigem, wie politischem Gebiet erwehren, wie wir gleichzeitig die das Abendland mit Vernichtung bedrohenden Angriffe des Ostens abzuwehren haben. Wir alle wollen, daß die Rationen dieses Raumes ihr Schicksal eigenständig bestimmen und in gemeinsamer Arbeit ihr Dasein gestalten in Ordnung des gegebenen Lebensraumes und in gegenseitiger Achtung des Volkstums. Wit dem Ramen des Reichsfeldmarschalls grüßen wir eine Vergangenheit gemeinsamen Stolzes und grüßt uns die Heldenzeit gemeinsamen nationalen Wollens. Darum sind wir glücklich, daß gerade in dieser feierlichen Stunde Seine Durchlaucht der Reichsverweser des Königreichs Ungarn mit Ihrer Durchlaucht Frau v. h o r t h y in unserer Witte weilt. Wir grüßen Seine Durchlaucht als den ruhmvollen Flottenchef der K. u. K. österreichisch-ungarischen Flotte, in der Schiffe mit dem Namen „Prinz Eugen" ehrenvoll gekämpft haben. Der Kreuzer gleite in sein Element, ein Symbol der Stärke, zugleich ein hort der Ehre uno des Friedens, für alle, die guten Willens sind. Die Gattin des Reichsverwesers. Frau von h o r t h y, taufte den Kreuzer auf den Namen „Prinz Lugen". Nach dem feierlichen Taufakt lief das Schiff unter dem Jubel der Wenge glatt vom Stapel. Besuch auf Helgoland. Berlin, 21. Aug. (DNB.) Der Reichsverweser des Königreichs Ungarn, S. D. Admiral von h o r - thy, und der Führer und Reichskanzler treten am Dienstag an Bord des Aviso „Grille" eine Fahrt durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal an und begeben sich nach Helgoland, hier findet nach dem Abschreiten der Front der Ehrenkompanie der Kriegsmarine am Spätnachmittag eine Besichtigung der Insel statt. Im Laufe der Nacht erfolgt die Fahrt elbaufwärts nach Hamburg, wo die „Grille" am Mittwoch früh festmacht. Freudiges Echo in Budapest. B u d a p e st, 22. Aug. (DNB.) Die Deutschlandfahrt des Reichsverwefers steht im Mittelpunkt der Berichterstattung der Montagmoraenblätter. Die Zeitungen versuchen, die Begeisterung, den Jubel und die Freude zu schildern, mit der der Reichsverweser und seine Gemahlin sowie die begleitenden ungarischen Minister an allen Stationen auf deyr Reichsgebiet begrüßt werden. „Nicht endenwollenoer Jubel begleitet den Weg des Reichsverweserpaares", schreibt „Reggeli Ujsag". „hetföi Naplo" sagt: „Auf der ganzen Strecke umgibt den Reichsverweser ein Taumel der Begeisterung", „Reggel" wählt die Ueberschrift: „Ergreifende Huldigungen wurden dem ungarischen Staatsoberhaupt auf seiner Deutschlandfahrt zuteil". Starke Beachtung in London. London, 22. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Deutschlandbesuch des ungarischen Reichsverwesers Admiral von horthy begegnet in der Londoner Presse großem Interesse. Der Berliner Korrespondent der „Times" hebt hervor, daß seit der Machtergreifung aum erstenmal ein Staatsoberhaupt Deutschland einen Besuch abstatte. Sämtliche Blätter schildern die begeisterte Begrüßung, die den ungarischen Gästen auf der Fahrt durch die deutsche Ostmark geboten wurde. Sie heben hierbei insbesondere auch die glänzende Ausschmückung Wiens hervor. Schließlich geben die Korrespondenten ausführliche Ueberblicke über die Vorbereitungen und die Ausschmückung in Kiel wobei sie hinzufügen, daß die prächtige Flo t^ t e n s ch a u, die eine der größten bisher in Deutschland stattgefundenen werde, auf den hohen ungarischen Gast sicherlich tiefen Eindruck machen werde. Mißgunst und Verärgerung in Paris. Paris, 22. Aug. (DNB.) Der Besuch des ungarischen Reichsverwesers in Deutsch- land wird von der Pariser Presse aufmerksam verfolgt. Mehrere Blätter widmen dem Ereignis längere Kommentare. Die bisher vorliegenden Blätter bringen es jedoch nicht fertig, den Besuch unooreinge- nommen zu beurteilen und verbinden ihre Bettach- tungen zum Teil mit gehässigen U n t e r st e l - tun gen hinsichtlich der zukünftigen deutschen Po- litik. Aus den Ausführungen des „Temps" sowie des „Petit Journal" und des „Oeuvre" spricht deutlich Mißgun st und Verärgerung über die freundschaftlichen deutsch-ungarischen Be- Ziehungen. Panzerkreuzer „Prinz Eugen". Von E. Siebert. Der 10 000-Tonnen-Kreuzer, der am heutigen Montag von I. D. Frau von horthy auf den Namen „Prinz Eugen" getauft wurde, ist der dritte einer Klasse von Kriegsschiffen, von denen bereits „Blücher" und „Admiral hipper" die Namen großer Kriegshelden tragen. Mit „Prinz Eugen" ist in der großdeutschen Kriegsmarine der Name verewigt, dessen Träger einst nach dem furchtbaren Westfälischen Frieden von 1648 Deuschland das erstemal wieder sich auf sich selbst besinnen ließ und des Reiches Panier gegen Franzosen und Türken zum Siege führte. Friedrich der Große hat ihn seinen großen Lehrmeister genannt. Schon dieses Urteil aus so sachverständigem Munde würde genügen, aber in Wirklichkeit war die Bedeutung der Persönlichkeit Prinz Eugens noch größer. Er faßte die militärischen Kräfte des durch den Dreißigjährigen Krieg verwüsteten Deutschland zusammen und brachte den Erzfeinden des Reiches, Ludwig XIV. und den Türken, Niederlagen bei, die des Reiches Stärke klar erwiesen. Nicht für die Habsburger, sondern für das Reich schlug er seine Schlachten, nicht für Oesterreich, sondern für das Reich besiegte er die Regimenter des Königs Sonne, und befreite er Ungarn. Zum letztnmal vor der geschichtlich notwendigen Auseinandersetzung zwischen dem aufftrebenden Preußen und dem häbsburger- tum hat er die gesamtdeutschen Belange verfochten. Unter s einen Fahnen standen Preußen und Hessen, Braunschweiger und Sudetendeutsche, Oesterreicher und Ungarn. Er war der Hammer, der die geplante Vorherrschaft des Franzosenkönigs zermalmte. Damit gestaltete er für Jahrhunderte hinaus entscheidend das Geschick Europas. ihm alle Streitfragen zu regeln. Ludwig XIV. war erschöpft, sein Land ruiniert sein Traum, ganz Europa unterjochen zu können, verflogen. Da wurde in England Marlborough gestürzt. England schloß mit Holland zusammen den Frieden von Utrecht, ein Skandal, der vom ganzen nichtfranzösischen Festlande bitter empfunden wurde. Aber die von England besoldeten Truppen, die Hessen und Anhalter, die Württemberger und die Preußen, harrten bei ihrem geliebten Prinzen aus. So wurde doch Englands Verrat an Europa wieder wettgemacht. Im Jahre 1714 kam es zum Frieden von Rastatt. Nach einem kurzen Friedensjahr ging es abermals gegen die Türken. Prinz Eugen schlug die kühne Schlacht bei Peterwardein, nahm Temesvar, am 15. und 16. Juni 1717 vollzog er seinen berühmten Uebergang über die Donau. Das belagerte Belgrad wollte durch ein Entsatzheer gerettet werden. Da schlug der Prinz zwischen der türkischen Festung und dem türkischen Entsatzheer am 30. Juli seine berühmte Schlacht von Belgrad. Die Festung kapitulierte. Seine Truppen sangen bald das Lied vom Prinzen Eugen, dem edlen Ritter, das bis heute volkstümlich geblieben ist. Der Frieden von Pasa- rowitz beendete die Türkenkriege. Ungarn war frei. Der Prinz rief in die menschenarm gewordenen ungarischen Gebiete deutsche Bauern. Der denkwürdige Beschluß des ungarischen Reichstages von 1722 hieß das feierlich gut. Der Südosten wurde so der europäisch-germanischen Kultur wiedergewonnen. Am Habsburger Hofe in Wien war die klerikale spanische Partei mächtig. Dagegen wurde jetzt Eugen der Führer der nationalen, die Reichseinheit erstrebenden Partei. Der habsburgisch-spanische Universalismus hat niemals einen schrofferen Gegner gehabt. Eugen schloß Preußen ganz eng an Oesterreich an, hielt mit England gute Neutralität, warf seinen ungeheuren Einfluß in die Waagschale zugunsten der R e i ch s e i n h e i t. Aber der letzte männliche Habsburger versagte, der Vater der Maria Theresia war zu bigott, zu jesuitisch, als daß er das Streben des Mannes überhaupt begreifen könnte, der die Türkenmacht zerschlug und das Heer des mit ihr verbündeten „allerchristlichsten" Franzosenkönigs. Zum letzten Male hatte Eugen die überdynastische Idee eines Groß- deutschland zum Siege geführt, er hatte alle Konfessionen und alle Stämme geeint im Kampf um des Reiches Herrlichkeit und hatte damit gesiegt und die Herzen der Deutschen gewonnen. In seinen letzten Lebensjahren erlebte er, daß diese gewaltige Idee verblaßte, daß der Iesuitismus der Habsburger und das Machtstreben des protestantischen Preußen nicht zu vereinen waren. Die kommenden Kämpfe zeichneten sich ab. Aber der Held, der in die deutsche Geschichte einging, hat als ein „heimlicher Kaiser des Reiches" durch seine Taten dieses Reich mitformen helfen. Er zog die Schutzwehr gegen Westen und erweiterte das Reich durch die Befreiung Ungarns vom Türkenjoch und die Einbeziehung Der ungarischen Nation in die europäische Kulturwelt. Das ist sein Verdienst, das heute erst volle Früchte trägt und in der Taufe eines großdeutschen Panzerkreuzers durch die Gattin des ungarischen Reichsverwesers auf feinen Namen symbolhaft die Freundschaft der beiden Nationen, ihre Geschichte und ihre Ideen in sich faßt. tj Truppenübungen vor dem Führer. Man wird in diesem Herbst in Frankreich das Andenken des Königs Ludwig XIV. mit jenem Selbstbewußtsein begehen, das den Franzosen eigen ist. Man wird seine Raubpolitik gegenüber Deutschland und seinen Verrat an der europäischen Sache, seine wahnwitzige Verschwendung und die durch ihn verursachte Verelendung des französischen Volkes verschweigen und ihn so darstellen, wie er sich selbst als Despot und völlig wahrheitswidrig auf Gemälden und in Skulpturen von Versailles darstellen ließ, als Sieger und umgeben von ihm lobhudelnden Göttern und Götttnnen der Antike, als Apollo beim Morgenbad, umgeben von Grazien. Er, der König Sonne. In Wirklichkeit ist dieser König, der die Reformierten aus Bigotterie verfolgte und damit den fortgeschrittensten Teil des französischen Bürgertums vertrieb, gescheitert an einem Größeren, an Prinz Eugen. Man hat es oft dargestellt, daß dieser Sohn der sehr schönen Olympia Mancini, die eigentlich der junge Franzosenkönig heiraten wollte, und des Grafen von Soissons aus dem Haufe Savoyen — das feinen Stammbaum auf den Sachsenherzog Wittekind zurückführt und noch heute in Italien herrscht — von Ludwig XIV. schlecht behandelt wurde. Tatsache ist nur, daß Liselotte von der Pfalz uns berichtet, der Franzosenkönig habe gesagt: „Dies Gesicht ist mir fatal!" häßlich, kleiner Gestalt, konnte der Prinz also nicht Soldat in Frankreich werden. (£r ging ins Reich. Uebrigens hatten viele französische Edelleute aus Opposition gegen die widerwärtige Politik des Königs Sonne, der „den grv- ßey türkischen Kettenhund" gegen das Reich losgelassen hatte, den gleichen^ Weg gewählt. Die Idee einer allgemeinen Christenheit siegte damals noch einmal über den nationalen und dynastischen Egoismus, den so widerwärtig vor allem der „allerchrist- lichste König" von Frankreich zeigte. Um seine Naub- palitik zu stützen — 1678 nahm er die Freigrafschaft Burgund, 1681 Straßburg — hatte der Franzosenkönig die Türken aufgereizt, Wien zu belagern. Aber im Jahre 1683 schlugen die Deutschen aller Zungen und Bekenntnisse, die Polen unter So - biesky, „an des Deutschen Reiches Hofzaun" dieses allerchristlichst-französische Attentat auf die Kultur Europas zurück, und Prinz Eugen von Savoyen kämpfte unter dem Reichsbanner als junger, 20jähriger Leutnant. Dann ging es nach Ungarn. Ofen wurde erobert, die Schlachten von Simonsturm, Fünfkirchen, Siklos, Kaposvar und Effegg geschlagen. Mit 25 Jahren war der Prinz, dessen Genialität die Soldaten begeisterte, der auf dem Felde von Mohacs, wo vor 161 Jahren Ludwig II. von Ungarn Leben und Reich an den östlichen Erbfeind der Christenheit verlor, Feldmar- schalleutnant. Schon damals erkannte er, daß es galt, auch den westlichen Erbfeind, den Absolutismus Ludwigs XIV. zu treffen. Noch unterstand er anderen, älteren Heerführern, aber er mar die Seele aller Aktivität. Ludwig XIV. ließ die Pfalz und Baden verwüsten, Heidelberg, Mannheim, Speyer und Worms dem Erdboden gleichmachen, durch Verrat deutscher Reichsfürsten fielen Philippsburg, Mainz, Bonn, Kaiserswerth in die Hände der Franzosen. Das gemarterte deutsche Volk schrie nach dem Erretter vor den Franzosen, diesen Türken des Westens. Prinz Eugen, der in den Schlachten öfter verwundet wurde, schlug sie bei Stollhofen, wurde im Alter von dreißig Jahren Feldmarschall, 1695 Oberkommandant von Italien. Markgraf Ludwig von Baden, der „Türkenlouis", sagte zum Kaiser Leopold: „Dieser junge Savoyer wird mit der Zeit alle diejenigen erreichen, die die Welt als große Feldherrn betrachtet" Vierzebn Jahre, nachdem Prinz Eugen zur Befreiung Wiens mitgefochten hatte, wurde er Ober- kommandant gegen die Türken. Die Schlacht bei Zenta am 11. September 1697 ließ feinen Ruhm durch ganz Eurova fliegen. Ein Siegeszug durch Bosnien bis nach Serajewo folgte. Die Türken mußten den Frieden von Karlowitz schließen, der fast ganz Ungarn befreite. Ein Zug nach Italien gegen die Franzosen folgte. Wieder erlitten die Generale Ludwias XIV. Niederlage auf Nipderlaae, der französische Marschall Dilleroy wurde gefangen. Pfinz Eugen wurde Präsident des Hofkriegsrats. In den folgenden Jahren schlug er gemeinsam mit dem Briten Marlborough feine arvßen Schlachten 1704 wurde Donauwörth erobert, am 13rj?,Uquft 1704 wurde die Schlacht bei höchstädt ge!a)Iagen, an der die Preußen unter dem damals "och hmgen Prinzen Leopold von Dessau hervor- ragenden Anteil hatten, ganz Oberitalien fiel in die Hande des Siegers. Im Jahre 1708 schlugen die We Franzosen bei Oudenarde. 2iUe ©ent, ^1-110^6, Tournay, Mons wurden ihnen entrissen, bei Malplaguet wurden sie abermals arundlich aufs Haupt geschlagen. Da drohte eine Spannung zwischen Oesterreich und Preußen Beider Macht vereint, schreibt der venettanische Ge- sandte wäre „wahrhaft furchtbar", so aber drohe aües durch die eifersüchtelnden Höfe zuarunde zu gehen. Prinz Eugen ging nach Berlin. Es gelang z«., • { y i -/ *'y/ Der Führer bei seinen Soldaten In Groß-Vorn. Ein Bild vom zweiten Tag der großen pommerschen Gefechtsübungen des II. Armeekorps auf dem pommerschen Truppenübungsplatz Groß-Born, an dem wieder der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht anwesend war. In Begleitung des Oberbefehlshabers des Heeres, Generaloberst von Brau- chitsch, verläßt der Führer bei der Besichtigung der mustergültigen Einrichtung des Truppenübungsplatzes einen Unterstand. — (Scherl-Bilderdienst-M.) * „ Neustettin, 20. Aug. (DNB.) Die Truppenübungen des II. Armeekorps wurden am Samstag, wiederum in Anwesenheit des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht Adolf Hitler, auf dem Truppenübungsplatz Groß-Born mit einer Gefechtsübung mit Panzern beendet. Der Führer wurde durch den Kommandierenden General des II. Armeekorps, General der Infanterie von Blaskowitz, auf das Hügelgelände begleitet, wo ihn der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe I, Generaloberst von Rundstedt, die Uebungsleitung, sowie die militärischen Zuschauer und Ehrengäste des Heeres erwarteten. Der Führer und Oberste Befehlshaber hö.rte den Vortrag des die Uebung leitenden Kommandeurs der 12. Division, Generalleutnant von • der Leyen., und wohnte mehreren Befehlsaus- gaben bei. Während der Uebung, die den Angriff eines Infanterie-Regiments zusammen mit einem Panzerregiment unter gleichzeitigem Einsatz gegen den abwehrenden Feind zeigte, hielt sich der Führer bei den verschiedenen Truppenteilen und Stäben auf und verfolgte den Ablauf des Gefechts von mehreren Standpunkten aus. Es kam zu überaus packenden Kampfbildern, bei denen die Träger unserer Wehr unter den Augen des Führers ifjre letzten Kräfte einsetzten. Das Signal „Das Ganze halt!" beendete eine Uebung, die unter günstigen äußeren Umständen einen guten Eindruck von dem hohen Ausbildungsstand aller Beteiligten vermittelte. Am Schluß der Gefechtsübung wohnte der Führer der Besprechung bei, die durch den Kommandierenden General des II. Armeekorps und dem Oberbefehlshaber des Heeres abgehalten wurde. Dann verließ er durch das Spalier der Soldaten, die, soweit sie nicht an den Uebungen beteiligt waren, auch bei der Hinfahrt an den Straßen aufmarschiert waren, den Truppenübungsplatz. General Vuillemin wünscht gute Nachbarschaft. Herzliche Kameradschaft und tiefe Berlin, 20. Aug. (DNB.) Der Chef des Generalstabes der französischen Luftwaffe, General Vuillemin, fuhr am Samstagvormittag mit General d ' Astier und den übrigen französischen Fliegeroffizieren zu den h e i n k e l w e r k e n G. m. b. h. in Oranienburg. Dort wurden die französischen Gäste von Staatssekretär General der Flieger Milch und von Generalmajor Udet, Chef des Technischen Amtes im Reichsluftfahrtministerium, begrüßt. Prof. Dr. h. c. 5) e i n (e I hieß seine Gäste herzlich willkommen. Auf dem Werksflugplatz wurden den Besuchern die neuzeitlichen Kampfflugzeuge der heinkelwerke im Fluge vorgeführt. Generalmajor Udet flog den „Fieseler Storch" vor und zeigte nach kurzen Erklärungen die bemerkenswerten Flugeigenschaften dieses Musters, die den französischen Fliegeroffizieren Anlaß zu spontanen Beifallsäußerungen gaben. Auch einen Probeflug flog General Vuillemin mit Generalmajor Udet, um den „Storch" auch in der Luft kennenzulernen. Am Sonntagmorgen ist General Vuillemin vom Flugplatz Staaken aus nach Paris zurückqe- flogen. Zu seiner Verabschiedung hatten sich der französische Botschafter F r a n i s - P o n c e t und die Spitzen der deutschen Luftwaffe eingefunden darunter Staatssekretär General der Flieger Milch der Chef des Generalstabs der Luftwaffe, Generalleutnant Stumpff, der Chef der Zentralabteilung des Reichsluftfahrtministeriums, General der Flieger v. Witzendorf, der Kommandierende General und Befehlshaber der Luftwaffengruppe I, General der Flieger Kesselring, der Chef des Technischen Amtes, Generalmajor Udet und Ge- neralleutnant K l e p k e. Nach herzlicher Begrüßung schritt General Vuillemin mit General der Flieger Milch unter den Klängen der Marseillaise und der deutschen Nationalhymnen die Front der Ehrenkompanie ab. Nach freundschaftlicher Verabschiedung bestiegen dann die französischen Gäste ihre Maschinen, um nach einer Ehrenrunde über dem Fliegerhorst Staaten in westlicher Richtung davonzufliegen. Vor dem Verlassen Berlins hat General V u i l l e- m i n dem Berliner Vertreter der „Essener National- zeituna" folgende Erklärung abgegeben: „Ich bin hocherfreut über den ebenso interessanten, wie angenehmen Aufenthalt in Ihrem Lande. Wir, meine Kameraden und ich selbst, haben uns außerordentlich über den herzlichen Empfang gefreut, den uns das deutsche Volk be- Bewunderung für unsere Lustwaffe. reitet hat. Ich benutze diese Gelegenheit, um dafür ZU danken. Ich habe es als eine große Ehre empfunden, von Reichskanzler Adolf Hitler empfangen worden zu fein, und die in Karinhall mit Marschall Göring verbrachte Zeit ist für mich eine unvergeßliche Erinnerung. Wir bewundern die Luftwaffe des Reiches und den hohen Wert ihrer Besatzungen. Wir wünschen, daß sich die Bande der Freundschaft, die durch General Milch durch seinen Besuch in Paris geknüpft und durch unseren Aufenthalt in Deutschland verstärkt worden sind, erhalten in einer Atmosphäre guter Nachbarschaft unserer beiden Völker." ' ,O '-1 M Ä Vom Berliner Militärflughafen Staaten aus ftarteh General Vuillemin am Sonntagoormittaq zum Rückflug nach Frankreich. Zu seiner Verabschiedung hatte sich Staatssekretär General der Flieger Milch eingefunden, der hier dem französischen Gast herzlich die Hand schüttelt. — (Scherl-Bilderdienst-M. einigte" uni neh" Qtantin t Mlschl len 51a den Ge nnbeffti anschlag 0nt m*,1? FUN/ 1 Provinz ' Dberb inatW AM* der Pa die zah deutsch' Oftmefl W gedachte und iek stets gen WtB DiM Die ne stosse, me||e nod gezeigt w ften Fert zur Scho heute eii der beul Ad die gern len Pro die mir politi Wenn d lich der deutsche! bern zu führen, sie buri behob! geschlo delsi lichg ten, di messe i mit D eine ß gewähi Die । finie enlfdjl gewieft tannt I N tri und t Deg Han natic fitaf ein und slenz einet Wir b durch d der ein, iNfläni Zeugnisse mir btt großes Produkt! für diese ständig । •Wommi Wir sind Leiter kommen unseres öu schafj rungsmil Aschen, oes auch Fertig r>r >'L Und | N stiin «ine »tz te JkÄ tnat ch« °hes l ^4 Nifj Das deutsche Volk vertraut seinem Führer! ReichsmiMer Reichsbauernsührer Darre Ostpreußen hat dem deutschen Volke im Laufe I seiner Jahrtausende umfassenden Geschichte schon n Tägliche Zahnpflege mit kostet knapp 1’1? Pf.! den. das viel gegeben. Dies uralte deutsche Land ist aus dem wechselvollen Schicksal und aus dem Aufstieg unserer Nation nicht wegzudenken. Auch für das nationalsozialistische Dritte Reich wird Ostpreußen auf Grund feiner Leistungen im Kampf um die Macht immer feinen beson- Das alles ist also weiter nicht aufregend und auch sachlich erklärlich. Unerträglich aber ist es, wenn die Kursbewegung an der Börse von unverantwortlichen und übelwollenden Elementen dazu benutzt wird, um die allgemeine Stimmung ungünstig zu beeinflussen und Unruhe zu erzeugen. Diese Beeinflussungsversuche gehen naturgemäß von den deutschfeindlichen Kreisen des Auslandes aus, und es ist nicht zu leugnen, daß auch in Deutschland Leute mit schwachen Nerven und schlechtem Gewissen solchen böswilligen Einflüsterungen unterlegen sind. Richt das deutsche Volk! Denn dieses hat sich in feinem unerschütterlichen Vertrauen und starken Glauben an die neue große Zeit und eine sichere glückliche deutsche Zukunft in nichts beirren lassen, was augenfällig dadurch bewiesen wird, daß gerade in den letzten Wochen die Spareinlagen stark zugenommen und mit mehr als 17 Milliarden Mark einen neuen Höchststand erreicht haben. ^Ferner hatte General V u i l l e m i n an den Ge- neral der Flieger Milch folgendes Telegramm gesandt: „Im Augenblick, in dem ich Deutschland ver- lasse, lege ich Wert darauf, Ihnen meinen tiefen Dank für Ihre herzliche Gastfreundschaft und meine Gefühle tiefster Sympa- schäft sein und „ . 2. das ganze Reich auf die großen Leistungen des ostpreußischen Landvolkes in den letzten Jahren Durch die großzügige Ausgestaltung der Ostschau des Reichsnährstandes wollte ich aber auch vor dem deren Platz behalten. Das ist insbesondere Ihr Verdienst, Gauleiter K o ch! Ostpreußen hat aber nicht nur in der Kampfzeit, sondern erst recht auch in den Jahren des Aufbaues feit 1933 seinen Mann gestanden. Die von Jahr zu Jahr wachsende Bedeutung der Königsberger Ostmesse ist hierfür ein überzeugender Beweis. Neben dieser über die Grenzen des Reiches hm- ausweisenden Bedeutung der Ostmesse hat diese aber auch immer ihren besonderen Wert für die ostpreußische Wirtschaft gehabt. Ganz besonders gilt dies für die o st p r e u ß i f ch e L a n d w i r t s ch a f t, da diese das Rückgrat Ostpreußens ist. Aus diesem Grunde hat sich der Reichsnährstand in den letzten Jahren regelmäßig an den Ostmessen beteiligt. >jn diesem Jahr ist dies in einem besonders großen Ausmaß geschehen. Die O st schau des Reichs- nährstandes soll: . . . 1. eine Lehrschau für die ostpreußlsche Landwirt- fünf Jahren durch landeskulturelle Maßnahmen der vollen landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt worden. Man Hal berechnet, daß Ostpreußen neben feiner eigenen Bevölkerung noch 2,5 Millionen Menschen im Reich ernährt. Noch größer und wichtiger als diese ernährungs- wirtschaftliche Leistung der ostpreußischen Landwirtschaft ist der Beitrag, den Ostpreußen als überwiegend ländliche Provinz b l u t s m ä ß i g für die Bestandserhaltung unseres Volkes beisteuert. Ostpreußen war 1933 die einzige Provinz des Reiches, die noch genügend Geburten aufwies, um den eigenen Bestdnd an Menschen zu erhalten. In allen anderen Teilen des Reichs war die Zahl der Geburten weit unter das zur Bestandserhaltung Notwendige gesunken. Nach dem Umbruch im Jahre 1933 erfuhr der Lebenswille des deutschen Volkes, der Wille zur Zukunft, in allen Teilen des Reiches einen starken Aufschwung. An der Spitze stand neben Oberschlesien nach ständigem Aufstieg im Jahre 1936 mit 24,1 Geburten je tausend Einwohner O st preußen gegenüber 19 Geburten je tausend im Reichsdurchschnitt. 1937 wurde Ostpreußen allerdings in der Geburtenzahl von Oberschlesien und Oldenburg übertroffen. Das hindert nicht, festzustellen, daß das oslpreußische Bauerntum unter nationalsozialistischer Führung zu einem wichtigen Blutsquell unserer Ration geworden ist. Ostpreußen kann auf dieses Geschenk seiner Mütter an die Ration besonders stolz sein. Als Nationalsozialisten wissen wir, daß wir uns niemals mit dem Erreichten zufriedengeben dürfen, sondern immer wieder zu pack en müssen, um noch mehr und noch Besseres zu leisten als bisher. Als Reichsbauernführer möchte ich dem ostpreußischen Landvolk und der gesamten ostpreußischen Landwirt- Englischer Konsularbeamter als Spion gegen Deutschland. Berlin, 20. August. (DNB.) Der Leiter der Paßstelle am britischen Generalkonsulat in Wien, Captain Thomas Kendrick, ist verhaftet worden, weil Beweise dafür vorliegen, daß er Spionage getrieben hat. Der englische Botschafter, der über den Fall Erkundigungen eingezogen hat, ist ersucht worden, dafür Sorge zu tragen, daß Captain Kendrick innerhalb kürze- ster Frist das Reichsgebiet verläßt. Meder in Paris. P a r i s , 21. Aug. (DNB.) General V u i l l e m i n ist am Sonntag von seinem Deutschlandbesuch nach Paris zurückgekehrt. Um 12.10 Uhr landete das von Major Rossi gesteuerte Flugzeug auf dem Flugplatz von Villacou'olay. General Vuillemin wurde von dem deutschen Botschafter, dem Gehilfen des deutschen Luftfahrtattachss und mehreren höheren Offizieren der französischen Flieger- truppe empfangen. Der General hatte von Bord feines Flugzeuges folgendes Telegramm an den Generalfeldmarschall und Reichsluftfahrtminister Hermann Göring ge- richtet: „3n dem Augenblick, in dem ich Deutschland verlasse, übermittle ich Ihnen die Gefühle herzlicher Kameradschaft, meine tiefe B e- wunderungfürJhrWerkund meinen auf- richtigen Dank für Ihre herzliche Gastfreund. Der Weg zu einem neuen System des Welthandels. Reichswirtschastsminister Funk spricht über die deutsche Handelspolitik bei der Eröffnung der deutschen Ostmeffe. Qualität und Brauchbarkeit kennenlernen und kaufen, sondern sie sollen auch unsere Produktionsmethoden und unsere wirtschaftspolitischen Ideen und Ziele begreifen und erkennen, worauf die allenthalben anerkannten Erfolge der deutschen Wirtschaft zurückzuführen sind. Sie werden dann sehen, daß im nationalsozialistischen Deutschland ein fleißiges und begabtes Volk mit allen seinen Kräften und Energien an dem Neubau des Reiches arbeitet, beseelt von den hohen Idealen, die ihm der Führer gewiesen hat, glücklich in dem gläubigen Vertrauen zu diesem Führer, schicksalverbunden in einer durch nichts mehr zu erschütternden Gesinnungs- und Arbeitsgemeinschaft. Aber wir wissen auch, daß wir nicht allein in der Welt leben und leben können, und deshalb bemühen wir uns mit allen Kräften, gerade durch unsere Außenhandelspolitik die Brücken zum Ausland zu schlagen, und mir sind überzeugt, daß im Auslande trotz aller Enttäuschungen, die wir immer wieder erleben, immer weiter und stärker die Erkenntnis durchdringen roiru, daß das nationalsozialistische Deutschland nicht nur ein neues Deutschland der Kraft, der Ehre und der Freiheit aufbaut, sondern auch eine neue Welt zu schassen sich bemüht, in der alte die Untaten und Unklugheiten, alle die Vergewaltigungen von Recht und Vernunft beseitigt werden, unter denen die Menschheit in den letzten Jahrzehnten so Schlimmes hat erleiden müssen, und in der die Völker, wieder weise und stark regiert, wieder in Frieden und Glück leben können. Die Deutsche Ostmesse ist für mich aber schließlich in ihrer heutigen Größe auch ein Ausdruck für den Erfolg, den Ihre wirtschaftlichen Ausbaumaßnah- men, lieber Parteigenosse Koch, in der Provinz Ostpreußen leit 1933 herbeigeführt haben. Ich habe diese Entwicklung mit lebhafter Freude verfolgt und werde auch weiterhin meine Hilfe bei allen Bemühungen zur Stärkung dieser Ostprovinz zur Verfügung stellen. Eine gesteigerte Kaufkraft der ost- preußischen Bevölkerung muß auch für die umliegenden Staaten eine Verstärkung und Intensivierung der Austauschbeziehungen bringen. Wir haben in diesem Sinne bereits eine Vereinbarungen mit Polen und Litauen getroffen und hoffen auf eine weitere Belebung der gegenseitigen wirtschaftlichen Verbindungen. Die Ausführungen des Ministers wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Anschließend sprach Den wenigen Kleingläubigen aber sei heute schon gesagt: Erstens wird die nationalsozialistische Wirtschaftsführung es niemals dulden, daß irgendwelche Stockungen in der Finanzierung der großen Wirtschaftsaufgaben die Durchführung dieser Aufgaben irgendwie nennenswert beeinträchtigen. Wo solche Schwierigkeiten auftreten, werden sie schnell und radikal beseitigt werden. Zweitens wird sich wohl niemand einer Täuschung darüber hingeben, daß die nationalsozialistische Staatsführung allen, auch den kleinsten und untauglichsten Versuchen einer Störung unserer gewaltigen Aufbauarbeit, und sei es auch nur durch Erliegen einer Angstpsychose, unnachsicht- lich begegnen wird. Das alles sind für uns keine Sorgen. Unsere Sorgen bestehen nur darin, wie wir die Arbeit am heften verteilen und wie wir die Arbeit so rationell wie nur möglich machen, um alle die großen Aufgaben erfüllen zu können, die der unaufhaltsam weitergehende Aufschwung unseres wirtschaftlichen Lebens und Schaffens tagtäglich aufs neue uns stellt. Hier haben die internationalen deutschen Messen ebenfalls eine Aufgabe zu erfüllen, nämlich das Ausland von den Fortschritten unserer Arbeit zu überzeugen und zum vermehrten gegenseitigen Güteraustausch zum beiderseitigen Nutzen beizutragen. Die Ausländer, die zu unseren Messen kommen, sollen aber nicht nur unsere Produkte in ihrer hohen schäft für ihre bisher geleistete Arbeit meinen Dank ausfprechen. Ich weiß, daß es in Ostpreußen bei der Kürze der Vegetationsperiode nicht immer leicht ist, eine gute Ernte zu erstellen. Aus diesem Grunde ist die Leistung der ostpreußischen Landwirtschaft besonders anzuerkennen. Möge in diesem Sinne die Ostmesse und die Ost- schau des Reichsnährstandes ein Beitrag zum Auf- stieg Deutschlands sein! OberpräfiOent Weiter Erich Koch wies anschließend auf die außerordentliche Entwicklung der Deutschen Ostmesse hin, die wie alle Messen als Abbild des wirtschaftlichen Zustandes eines Landes aufzufassen sei und daher die großen Erfolge der wirtschaftlichen Wiederaufbauarbeit Deutschlands unter der Führung Adolf Hitlers während der letzten sechs Jahre in ihrer heutigen Gestalt widerspiegele. So habe sich gegenüber dem Jahre 1932 der' Stand der Aussteller verfünffacht, gegenüber dem Vorjahre fei die Ausstellerzahl um 20 v. H. gestiegen, die belegte Fläche der Mustermesse habe sich in ihrer Gesamtheit um 12 v. H., die Ausländsabteilung innerhalb der Mustermesse sogar um 25 v. H. gegenüber dem Vorjahre erhöht. Ihre werbende Kraft habe die Ostmesse aber besonders dadurch bewiesen, daß sich gegenüber nur zwei ausländischen Staaten im Jahre 1932 heute 13 Staaten an ihr beteiligt wären. Gauleiter Koch sprach den Reichsministern Funk und Darrs seinen besonderen Dank aus. Mit dem Wunsche auf einen vollen Erfolg erklärte Gauleiter Koch die Ostmesse für eröffnet. An die Eröffnungsfeier schloß sich ein Rundgang durch die Ostmesse und ine Ostschau. / Der Führer ' an die deutsche Osimesse. Königsberg, 22. Aug. (DNB.) Der Führer hat an die 26. Deutsche Ostmesse in Königsberg folgendes Telegramm gerichtet: „Der Deutschen Ostmesse wünsche ich für ihre wichtigeArbeitim Dienste der deutschen Volks- wirtschaft und im Interesse der Förderung der wech- selseitigen friedlichen Handelsbeziehungen mit ande- ren Ländern volles Gelinge n." wiederum auf allen Gebieten aufzuweisen hat. Dieser gestiegenen Bedeutung werden auch die geschäftlichen Ergebnisse entsprechen. Ich stelle dies ausdrücklich fest mit Rücksicht auf gewisse Vorgänge und Erörterungen der allerjüngsten Zeit, nach denen nach der Meinung gewisser überängstlicher oder übelwollender Leute die deutsche Wirtschaft in eine kritische Lage geraten sein soll. Um dies zu beweisen, hat man sich auf die Börsenkurse geworfen, deren Rückgang ein Beweis für diese Verdächtigungen erbringen sollte. Als die Börsenkurse stiegen (und sie sind sehr kräftig in den letzten Jahren gestiegen), haben diese Leute dies nicht etwa als ein günstiges Zeichen für die deutsche Wirtschaft ausgelegt, fondern als ein Zeichen der beginnenden Inflation. Und jetzt, wo die Kurse fallen, begründet man diese Tatsache merkwürdigerweise wieder als ein Zeichen der beginnenden Finanzkrise. Daß die deutschen Aktienkurse in der letzten Zeit unter umfangreichen Verkäufen stark gedrückt worden sind, hat folgende Ursachen: Zunächst verkauften vielfach jüdische Wertpapierbesitzer ihre Bestände unter dem Eindruck der — natürlich falschen — Version, daß Juden in Zukunft keine deutschen Wertpapiere mehr besitzen dürften. Selbstverständlich sollen die Juden keinen Einfluß auf die deutsche Wirtschaft ausüben und dies auch nicht über Effektenbeteiligungen tun dürfen, aber warum es einem Juden verwehrt fein soll, ein doch anonymes Wertpapier zu besitzen, ist nicht ersindlich. In diese Bewegung hinein fiel ein größerer Geldbedarf der Wirtschaft, der durch die weitere starke Ausweitung der industriellen Produktion bedingt war. Nebenbei hat die Erhöhung der Körperschaftssteuer wohl auch gewisse hohe Dioidendenerwartungen herabgedrückt. Im übrigen sind die deutschen Börsenkurse keineswegs so scharf zurückgegangen wie in anderen Ländern, insbesondere in den Vereinigten Staaten und England, und sie liegen immer noch erheblich höher, als die Kurse von vor zwei Jahren. er st en Machtfaktoren in der Welt geworden. Diese schnell und stark wachsende Wirtschaftskraft bleibt naturgemäß nicht ohne Wirkung auf die Länder, die mit Deutschland enge wirtschaftliche Beziehungen haben. Ader doch nicht so, daß mir diese Länder immer mehr von uns abhängig machen, sondern daß diese Länder von dem deutschen Wirtschaftsaufschwung auch'ihrerseits profitieren, indem wir ihnen mehr abnehmen, ihnen mehr liefern und dazu ihnen noch die Möglichkeit geben, fteigenbe Mengen zu f e ft e n Preisen abzunehmen, wodurch sie selbst in die Lage kommen, ihre Produktion zu erhöhen, ihren Lebensstandard zu verbessern und auf sicherer Grundlage eine gesunde und stabile Wirtschaft aufzubauen. Eine solche Entwicklung werden auch die größten „silbernen Kugeln" nicht aufzuhalten vermögen, weil diese Entwicklung von starken und gesunden Kraftströmen ausgeht und auf den natürliches Voraussetzungen aufgebaut auch ein naturgegebenes Wachstum zeitigen wird. Durch die Rückkehr der deutschen Ostmark in das Reich ist naturgemäß die Stellung Groh- deutschlands im osteuropäischen Wirtschaftsraum noch verstärkt worden, verstärkt worden sind aber auch die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten für die einzelnen osteuropäischen Staaten. Wir bauen unsere Handelsbeziehungen auf den Lurch die Natur gegebenen Produktionsgrundlagen her einzelnen Länder auf. Wir nehmen den Rohstoffländern ihre Produkte im Austausch gegen Erzeugnisse der deutschen industriellen Produktion ab, mir dMen aber auch die Beziehungen zwischen den großen Industrieländern, z. B. mit England, Frankreich, Belgien durch Ergänzung der beiderseitigen Produktionen aus, und wir schaffen Erleichterungen für diesen Handel, indem wir die starren Methoden ständig auflockern und an die Stelle von Clearingabkommen bewegliche Zahlungsabkommen setzen. Wir sind jetzt sogar dabei, die Möglichkeiten für eine Erweiterung der zweiseitigen, durch mehrseitige Abkommen zu prüfen, um auf diese Weise innerhalb unteres Systems erweiterte Austauschmoglichkeiten zu schaffen, indem wir z. B. Rohstoffe und Nahrungsmittel, die mir gegen Jndustrieerzeugmsse ein- tauschen, bei vorhandenem Bedarf eines dritten Landes auch zur Ergänzung unseres eigenen Bedarfes, an Ferkigmaren oder Vorprodukten an Dritte liefern Das völlig -Neue — man kann ruhig Jagen Bahnbrechende — dieses Systems ist nun die Tatsache, daß sich dieser durch staatliche Abkommen geregelte Warenverkehr auf her Basis fest er e i f und sichergestellter Gesamtmengen vollzieht. Deutschland ist durch seinen starken und noch ständig wachsenden inneren Markt, der autoritären Regime durch feste Preise, feste Lohn und eine feste Währung gesichert ist, in der ^age, das Volumen seines Außenhandels auf d^ser sich - ren Basis zu erweitern. Hierdurch gibt es auch seinen Handelspartnern die Möglichkeit, ihrerseits ei stabile Wirtschaft aufzurichten und ihre Produktion von den Schwankungen des Weltmarktes und d ausländischen Währungen weitgehend unabhängig zu machen. Währungsmanipulationen haben nur neue Erschütterungen und vermehrtes Mißtrauen erzeugt. Polittsche Kredite, also Kredite, die keine win- schaftliche Grundlage haben und nicht eine ®Tigerung oder Verbesserung der Produktion und des Av- satzes herbeizuführen vermögen, müssen schließlich zu unerträglichen Belastungen führen. Politische Kredite machen die Völker nicht glücklich und die Wirtschaft nicht besser. Die Völker werden durch die „silbernen Al9^" unfrei und die Wirtschaft in unnatürliche Bahnen gelenkt. Deutschland besitzt weder „silberne » geschweige denn „goldene Kugeln", um mit solchen Politik machen zu können. Die politischen Kräfte, die Deutschland zu dem Machtfaktor gemacht haben, den es heute in der Welt oarstellt, haben auch starke neue wirtschaftliche Kräfte ausgelöst. Auch wirtschaftlich ist das nationalsozialistische Deutschland heute zu einem der Königsberg, 21. Aug. Am heutigen Sonntag < wurde im feierlichem Rahmen die 2 6. D e u t f a) e i Ostmesse und die Ost sch au des Reichs- | nährstandes in Anwesenheit der Relchsmlmster । Funk und Darrs durch den Dberprafibenten der | Provinz Ostpreußen Gauleiter Erich Koch eröffnet. > Oberbürgermeister Dr. Will begrüßte die diplo- I malischen Vertreter des Auslandes, die Vertreter der ' Reichs- und Staatsregierung unter Führung der । Reichsminister Funk und Darrs die Vertreter ' der Partei und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht, , die zahlreich erschienenen Ausländsdeutschen und die deutschen Wirtschaftsvertreter und Kaufleute, die zur Ostmesse gekommen sind. ReichsVirlMstsrnimfier Funk gedachte in seiner Rede einleitend der Anteilnahme und der Sorge, die der Führer und Reichskanzler stets der Entwicklung Ostpreußens als eines wichtigen Vorpostens deutscher Kultur und deutschen Volkstums entgegengebracht habe. Dann sagte der Minister u. a. weiter: Deutschland stehe heute in der industriellen Produktion in der Welt nach den Vereinigten Staaten von Amerika an zweiter Stelle und nehme im Welthandel nach den Vereinigten Staaten und England die dritte Stelle ein. Deutschland sei zur Zeit das Land der grüßten Stahlproduktion in der Welt und stehe auf den Gebieten der neuen Roh- und Werkstoffe unbestritten an erster Stelle mit einer die Voranschläge z. T. schon weil übertreffenden Großproduktion. Die neuen deutschen Roh- und Werkstoffe, die im vergangenen Jahre auf der Ostmesse noch im Stadium der ersten Entwicklungsstufe gezeigt wurden, sind heute schon in den verschiedensten Fertigfabrikaten enthalten, die auf der Messe zur Schau gestellt werden. Diese neuen Stoffe sind heute ein wichtiger und unentbehrlicher Bestandteil der deutschen industriellen Produktion geworden. Auf der Deutschen Ostmesse werden aber nicht nur die gewaltigen Fortschritte der deutschen industriellen Produktion sichtbar, sondern auch die Erfolge, die wir in der letzten Zeit auf dem handelspolitischen Gebiete zu verzeichnen haben. Wenn der amerikanische Staatssekretär Hüll kürzlich der Meinung Ausdruck gegeben hat, daß die deutschen Methoden nicht zu einer Vermehrung, sondern zu einer Verminderung des Warenaustausches führen, so muß ich dieser Ansicht widersprechen, weil sie durch die Tatsache widerlegt wird. Bei den Handelsabkommen, die wir in den letzten Monaten abgeschlossen haben, konnte ohne Ausnahme das Handelsvolumen erhöht, z. T. sogar wesen t- l i ch g e st e i g e r t werden. Die ausländischen Staaten, die auf der heute beginnenden Deutschen Ostmesse üertreten sind, haben zum überwiegenden Teil mit Deutschland Verträge abgeschlossen, durch die eine Erhöhung des gegenseitigen Güteraustausches gewährleistet worden ist. Die deutsche Handelspolitik ist auf der ganzen Linie erfolgreich gewesen, und wir sind daher entschlossen, auf dem Wege, den uns die Rot gewiesen, weiter fortzuschreiten, weil wir erkannt haben, daß dies der für Deutschland einzig mögliche und erfolgversprechende Weg ist und weil wir immer klarer sehen, daß dieser Weg zu einem neuen Sy st em des Welthandels führt, das nicht mehr auf internationalen Abhängigkeiten, sondern auf der Kraft der nationalen Wirtschaftsenergien beruht, ein System, das das nationale Wirtschaftsleben und damit die Grundlage der materiellen Existenz der Ration sichert und stärkt und dabei einen gesunden und beständigen Güteraustausch im Welthandel gewährleistet. Dieser Tatsache konnten wir in den in der letzten Zeit mit diesen Staaten abgeschlossenen Handelsverträgen bereits weitgehend Rechnung tragen. Unter dem Einfluß der Entwicklung mußte sich auch die Bedeutuna der Deutschen Ostmesse für den Außenhändel Deutschlands noch wesentlich erhöhen, und die Ausstrahlungen von dieser Messe nach dem nahen und fernen Osten mußten noch stärker wer- Diese Tatsache wird überzeugend belegt durch Wachstum, das- auch die diesjährige Messe das ostpreuhische Landvolk für das Ganze unentbehrlich und in vieler Hinsicht als vorbildlich anzusehen ist. Dies gilt sowohl in blutsmäßiger als auch in ernährungswirtschafllicher Hinsicht. Die ostpreußische Landwirtschaft hat zum Beispiel Vorbildliches auf dem Gebiete der Rindvieh- zucht geleistet. Die Durchschnittsleistung.sämtlicher ostpreußischen Kühe liegt bei etwa 3000 Litern Jahresleistung gegen einen Reichsdurchschnitt von 2590 Litern. Infolgedessen konnte Ostpreußen in den letzten vier Jahren seinen Ueberschuß an Butter von 14 700 Tonnen auf 17 300 Tonnen steigern. Gleichzeitig erhöhte sich der Ueberschuß an Käse von 24 500 Tonnen auf etwa 31 000 Tonnen. Die Zahl der Rinder schlachtungen erhöhte sich in Ostpreußen seit der Machtübernahme von 250 000 auf 331 000, die der Schweine lieferungen von 1 2 auf 1,6 Millionen und die der Kälb er schlachtungen von 182 000 auf 2-54 000. Dementsprechend erhöhten sich die Lieferungen an das übrige Reich. Auch für die Eier Versorgung der großen Verbrauchszentren des Reichs leistet Ostpreußen einen von Jahr zu Jahr wachsenden Beitrag. Ostpreußen liefert den deutschen Verbrauchsgebieten aber nicht nur erhebliche Mengen an viehwirtschaftlichen Erzeugnissen, sondern auch beträchtliche Ueberschüsse an betreibe und Mehl, und zwar jährlich etwa 300 000 Tonnen Getreide und 100 000 Tonnen Mehl und Mühlenfabrikate. Die Kartoffel erzeu- qunq stieg seit der Machtübernahme in Ostpreußen von 2,1 Millionen Tonnen auf 3,1 Millionen Tonnen, der Ertrag an Zuckerrüben von 90000 Tonnen auf 233 000 Tonnen bei gleichzeitiger Erhöhung der Anbaufläche von 3200 Hektar auf 7000 i aj u 11 u..u mcu» ‘; i ;n den letzten ithie zum Ausdruck zu bringen. ganzen Reich einmal mit Nachdruck unterstreichen, Hektar' Baden sind in daß Frankreich muß mehr arbeiten. Ministerpräsident Daladier gegen die Vierzigstundenwoche. Paris, A2. Aug. Ministerpräsident D a l a d i e r hielt am Sonntagabend eine Rundfunkrede. Er mandte sich darin scharf gegen die Vierzigstundenwoche, wenngleich er auch, wie er sagte, das diesbezügliche Gesetz nicht antasten wolle. Daladier sprach zunächst von den internationalen Meinungsverschiedenheiten und stellte.fest, daß bie meisten Länder der Welt das Beispiel einer intensiven Aktivität gäben. Er wiederholte, daß e r nicht an die Unabwendbarkeit eines Krieges glaube, und sprach dann von der Or- aanisierung der Kräfte Frankreichs im Dienste friedfertigen Willens. Wir haben sie, so sagte Daladier, soeben vervollkommnet und Maßnahmen beschlossen, die geeignet sind, sie zu heben. Nach einem Hinweis auf die Bande der Freundschaft und Solidarität mit den großen Demokratien stellte der Ministerpräsident fest, daß die Garantie der Unabhängigkeit eines Landes nicht nur in der Macht seiner Armee zum Ausdruck komme, sondern mindestens ebensosehr durch die täglichen Anstrengungen an allen Arbeitsplätzen, durch die Stabilität der- Währung und den glücklichen Stand der Finanzen. Der Friede und die Solidarität könnten nur in dem Maße aufrechterhatten werden, in dem die Franzosen den Mut haben würden, jede Döh- rungs- und Finanzkrife zu vermeiden. Er habe die Ueberzeugung, daß eine neue Abwertung des Franken oder die Einführung der Devisenkontrolle die internationale Zusammenarbeit, von der er gesprochen habe, erschweren, wenn nicht gar zugrunde richten würde. Er habe jedenfalls die Sicherheit, daß eine französische Währungs- und Finanzkrise — und er zitiere das Urteil des allerqualifiziertesten Beobachters auf diesem Gebiet — „von denjenigen, die den Krieg wollen, als ein günstiger Umstand angesehen werden würde". Es sei also Pflicht, eine Krise zu vermeiden, die voller Gefahren für Frankreich und den Frieden sein würde. Auf den französischen und ausländischen Märkten habe man an der Festigkeit des Franken und an der Zukunft der französischen Währung gezweifelt, weil das nationale Einkommen Frankreichs seit mehreren Jahren ständig abgenommen habe, während gleichzeitig die Lasten des Staates und der Gemeinden ständig zunähmen. Das nationale Einkommen Frankreichs habe im Jahre 1914 38 Goldmilliarden betragen, im Jahre 1931 sei es bis auf 49 Goldmilliarden gestiegen, im Jahre 1937 aber habe es nur noch 22 Goldmilliarden betragen, von denen der Staat und die Gemeinden 10 Milliarden entnahmen. Daladier zog aus dieser Tatsache den Schluß, daß Frankreich sein nationales Einkommen erhöhen müsse. Alan müsse Frankreich wieder an die Arbeit stellen. Gewiß sei eine Revision der öffentlichen Ausgaben und eine Anstrengung zum Ausgleich des Haushaltes durchaus notwendig; aber er würde nie eine Politik der sterilen Deflation vorschlagen. Er wolle von den Franzosen keine Opfer verlangen, sondern nur eine entschlossenere und höhere Anstrengung, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, den Ertrag zu steuern, neue Kapitalien zu bilden und die Einnahmen des Landes im Verhältnis zu den Lasten erhöhen, die jeder moderne Staat sich auferlegen müsse für seine Verwaltung, sowie für seine Verteidigung. Zunächst müsse man das Vierz.ia- stundengesetz ab ändern. In keinem Lande der Welt außer Frankreich und Mexiko werde die Arbeit durch das Vierzigstundengesetz geregelt. Alan müsse mehr als vierzig Stunden in den Fabriken arbeiten, die für die Landesverteidigung nötig feien. Ohne unnötige Formalitäten und endlose Erörterungen müsse jedes Unternehmen über soviel Arbeitsstunden verfügen können, wie es benötige. Es handele sich durchaus nicht darum, allen Unternehmen die Möglichkeit zu geben, mehr zu arbeiten. Frankreich könne keine Zeit mehr durch Aleinungsverschie- denheiten verlieren, die seine Zukunft in Frage stellten. Daladier betonte, daß er nicht nur von den Arbeitern, sondern auch von den Unternehmern eine größere Anstrengung erwarte. Uebermäßige Steuerlasten sollten erleichtert werden. Die Stabilität der Gestehungs- und Verkaufspreise sei eine dringende Notwendigkeit. Das Steueraufkommen und die Zeichnungen für die kurzfristigen Schatzbonds müßten fürs erste den laufenden Erfordernissen des Schatzamtes genügen. Zum Schluß kündigte Daladier an, daß er in den nächsten Tagen die Durchführung des Planes näher präzisieren werde. Für die Verteidigung und Sicherheit Frankreichs sei eine energische Gesundung notwendig. Wetterbericht Im Bereich der lebhaften über Skandinavien hin« wegführenden Wirbeltätigkeit brachte das Wochenende auch unserem Gebiet wieder recht unbeständiges Wetter mit teilweise gewittrigen Niederschlägen. Durch einen Einfluß starker Meeresluft gingen die Temperaturen unter den jahreszeitlichen Durchschnitt zurück; doch hat sich dabei ein Zwischenhoch aufgebaut. Da von England her eine neue Störungsfront heranzieht, wird das Zwischenhoch Einfluß auf unser Wetter nur vorübergehend bringen. Vorhersage f ü r Dienstag: Uebergang zu unbeständigem Wetter mit Regenfällen. Bei lebhaften südwestlichen bis westlichen Winden milder. Lufttemperaturen am 21. August: mittags 14 Grad Celsius, abends 11,4 Grad; am 22. August: morgens 8,3 Grad. Maximum 17,3 Grad, Minimum heute nacht 7,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. August: abends 16,7 Grad; am 22. August: morgens 13,2 Grad. — Niederschläge 6,8 mm. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange (in Urlaub), i. V.: Ernst Blumschein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: -ans Beck (in Urlaub). Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theod. Kümmel. 2). 21. VII. 38: 9034. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. 'Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Geschäfts- Verlegung1 Am Dienstag, dem 23. August 1938, verlege ich mein Karl Diehl im 66. Lebensjahre. Gießen (Anneröder Weg 4). den 22. August 1938. 5434D GLORIfi Aowr 54380 Pi KriegerkameFadschaft 1874 Gießen Von der Reise zurück Heilpraktiker Naumann gesucht. 03830 Verkäufe Beiprogramm / Ufa- Ton-Woche 3n der heutigen Nachmittagszlehung wurden gezogen 20. August 1938 Vormittagsziehung wurden gezogen 120400 122169 61160 70360 279372 282825 49631 99853 165461 128324 Stunde der Hausfrau! 300 RM. 286496 291651 Eintritt frei! Kein Verkauf! 5429 V 37495 214634 nach Mab anfertige und Korsett- Reinigen und Reparaturen ausführe 174692 277062 328889 374969 136975 185451 282627 338563 390135 141539 301628 390407 22555 100377 155534 200731 299765 345663 113355 170378 183158 213621 241175 272548 287241 313467 345239 369419 395896 125288 170463 184578 219813 255443 272648 288271 313593 345441 379142 103470 131867 174484 195282 221580 261704 273449 294962 321068 347427 383736 51757 242988 159990 182624 198325 224786 245202 257711 292932 316596 340629 379048 397592 168339 268037 320736 368255 135535 173186 190635 211589 234322 248024 269269 302954 323747 350533 381728 398708 141247 176697 190938 216047 236895 248651 269633 303830 324671 357064 388853 138223 190172 289275 342543 398695 144845 178222 193466 216400 237461 252854 276499 312244 327600 363371 390500 146248 179274 195390 238136 262901 273773 300900 326479 349319 383845 149502 179767 209665 239756 265787 278118 307058 333618 356191 387696 154379 181502 210476 240448 270947 278703 308347 341893 364296 391890 164558 190295 200780 226553 246773 268362 301798 321021 342230 381025 398334 115684 153961 179221 195744 2186'1 238878 255237 288296 314126 335907 376232 393370 Am Samstagabend entschlief nach schwerem Leiden mein guter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Minna Diehl, geb. Müller. Einspaltige Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grund- preis von 5 pf. für die Millimeter- teile veröffentlicht die elektrischen Anlagen m Ordnung I 30000 RM. 10000 RM. 5000 RM. 336756 371627 39536 11. Ziehungstag In der heutigen 2 Gewinne zu 2 Gewinne zu 10 Gewinne zu 118546 276562 Die Beerdigung findet Dienstag, den 23. August 1938, nachmittags 3% Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Baue gut.... mit übermann Gewinnauszug 5. Klasse 51. Preußisch-Süddeutsche (277. Preuß.) Klasseu-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Nordmann, Lollar, Adolf- Hitler-Straße 125 Samstagnacht entschlief sanft nach schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Marie Menz, geb. Diehl im Alter von 59 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Ludwig Menz Familie Heinrich Heuser V. Familie Ferdinand Haas Familie Heinrich Menz. Burkhardsfelden, den 22. August 1938. Die Beerdigung findet Dienstag, den 23. August 1938, nachmittags 3 Uhr statt. 1731 184061 Fr. W. Hornung 543QD 42 Gewinne zu 75509 112822 132244 275996 339228 354025 2luf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf bie Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II Korsettengeschäft nach Liebigstr.191 der alten Klinik gegenüber, woselbst ich dasselbe als Etagengeschäft in schönen Verkaufs- und Anprobier-Räumen weiterbetreibe. Damit dürfte ich vielfachen Wünschen meiner werten Kundinnen, die meine Artikel lieber ungestört im Etagengeschäft kaufen, entsprochen haben. — Wie bisher wird es auch künftig mein Bestreben sein, die geehrten Damen zuvorkommend zu bedienen und fachkundig zu beraten. Gleichzeitig weise ich darauf hin, dafi ich Korsetten wie auch Leibbinden ÄA Am Samstag, dem 20. August A 1938, verschied plötzlich unser langjähriges Ehrenmitglied und Altveteran Kamerad Xaver Zöpf Anneröder Weg 38. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 23. August, nachmittags 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. — Um zahlreiche Beteiligung bittet die Führerschaft. 54350 tim Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu se 1000000. 2 zu je 500000, 2 zu je 300000, 8 zu je 30000 16 zu je 20000, 60 zu se 10000, 118 zu je 5000, 248 zu je 3000, 590 zu je 2000, 1850 zu je 1000, 2®88 311 fe 500, 5874 zu je 300, 141212 Gewinne ju je 150 RM. 8 Gewinne zu 3000 RM. 274565 [Stellengesuche, Suche Stell, als Mahr auf Last- oder Personenwagen, auch als 03831 Beifahrer. Führerschein für alle Klassen. Josef Lucius, bei Köller, Butzbach Bekanntmachung. Mit dem 22.8. 38 werden die Geschäftszimmer des Wehrbezirkskommandos Gießen Wehrmeldeamts Gießen Pferde-Vorm.-Offiziers Gießen von Gießen, Liebigftraße 16, nach Gießen, Bahnhof- ftraße 83 (ehem. Hotel Viktoria) verlegt. Sprechstunden täglich von 8 bis 13 Uhr. Die Geschäftszimmer des Wehrmachtsfürforgeoffi- ziers Gießen verbleiben wie bisher in Gießen, Llebigstraße 16, Erdgeschoß, Zimmer 13 und 14. Für alle Dienststellen bleibt der Fernruf 4216 be= stehen. 5437D Der Kommandeur des Wehrbezirkskommandos. ________3 D.: Dingeld ein, Major (E). Seltene Naturur- Kunden von den Halligen un» vom Wattenmeer enthält die Neuerscheinung, die alle Naturfreunde und Dogelliebhaber mit Begeisterung lesen und schauen werben: linier MMMlern U.SMllMkN Beobachtungen und Natururkunden aus d. Dogelwelt d. deutschen Nordseeküste. - Don Tugen Schuhmacher Insgesamt 104 Seiten mit 92 Bildern nach wundervollen Naturaufnahmen. In Leinen gebunden RM. 3.90. Bestellungen nimmt jede Buchhandlung entgegen. Bedangen Sie bitte das ausführliche Werbeblatt. 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Lokal) zwangsw. geg. so- wrtrge Barzahl, versteig, werd.: Haus-, Laden- und Büromöbel aller Art, Bilder, 1 Schausenster- nusstellungseinrichtung,Registrierkassen, 50 F-l. Wermutwein, 111 Hl. Rotwein, Eisschränke, 1 Schreib- masch., 1 Kassenschrank, Anzugstoff. Bestimmt wird versteigert: 1 Jagdbüchse. 5433d . Srhavmann Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesenstraße 2, Telefon 3108 4-Zim.-Wökn. möglichst Nähe Schiffenbg. Weg ges., evtl. Tausch gegen 2-Zimmer- Wohn. (Neubau) Schr.Angeb.unt. 03828 a.d.G.A. 2-S-ZimJohnuiig in Lollar Wichtig für HJ. und BDM.l Ein Quell der Freude für den Naturfreund Belauschtes Leben Kleine Kreatur in Wasser, Busch und Halm Don Karl Otto Bartels. 164 Naturaufnahmen aus dem Leben der nie», deren Tierwelt mit erläuternden Bildunterschriften, Namensangaben und ausführlichem Text (62 Seiten). Mit einem Geleitwort von Professor Dr. Deegener, Universität Berlin. Dieses Werk bringt erstaunlich vielseitige und trefflich gelungene Einzelbilder und Bildfolgen aus dem reichen Leben der zahllosen kleineren Lebewesen. Aus der Freude am Beobachten ist ein wertvolles naturgeschichtliches Urkundenbuch geworden, das hervorragend geeignet ist, die Liebe auch zum kleinsten Naturgeschehen zu erwecken. Gebunden RM.4M Bitte verlangen Sie kostenlos unsere bebilderten Werbeblätter! Das Buch ist durch jede Buchhandlung zu beziehen! Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde r Einspaltige | werden zum ermäßigten Klninan-rnmnn Grundpreis von 5 Pf. für die IMüindnZeigen Milllmeterzelle veröffentlicht! MN 3U verkauf. b43Qn tzmmmstrasie 10 Swisch.lu.3Uhr, 6 Eseu- Wände Zirka 1X1,20 m groß, preiswert aus Privathanö abzugeben. Schriftl. Anfrag, unter 5431D an denGieß.Anzeig. ------ ------ 361058 371790 76 Gewinne zu 500 RM. 10637 47811 51065 64670 69016 86120 106396 *----- ------ 542M geiogW MV igen- eiter- erten •chäft inftig id zu iffi §! ZZbdO? 3762^2 393370 198533 3645’0 - 5866' 162738 309108 393584 07988 102426 s tzzu . m he^ Achen, ^k-er- »--Iiist M, wischen. e neue lenhoch 'gehen- Lange. 1 Auni. ! Bilder.- ^Blukn. fiir den Lr: ^ans hnlt der '4. Druck Lange eis M der Au. M und >s. mehr, ber 1937 Montag, 2?. August M8 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesten) Nr. 195 Zweiter Blatt Partei und Behörden zur Erntehilfe auf dem Land.! zu bringen, zudem in der Schönwetterperiode zu An- wenigen Handgriffe beigebracht, mit denen sie der zu bringen, zudem in der Schönwetterperiode zu Anfang August noch nicht alles Getreide reif war, und infolgedessen noch nicht geschnitten werden konnte. Die anhaltenden und schweren Regenfälle verhinderten aber in den folgenden Tagen den Einsatz für die Bergung der Ernte. Nachdem sich nun in der letzten Woche das Wetter weniger schlecht, wenn auch noch nicht günstig anlietz, mutzte gehören. Paula Wessely und Attila Hörbiger sind eines dieser wirtlichen Ehepaare. In „Julika" und „Spiegel des Lebens" fielen die beiden Ehegatten das Liebespaar. Luise üllrich ist die Gattin d e K 0 w a s. In „Versprich mir nichts spielten sie gemeinsam die Hauptrollen, em armes Künstlerehepaar, das sich mit viel Liebe durchs Leben schlägt. Lida« B a a r 0 o a und Gustav Fröhlich, die in „Barcarole" und „Die Stunde der Versuchung" zwei begeisternde Liebespaare zeigten, gehen ebenfalls gemeinsam durchs bürgerliche Leben. Magda Schneider und Wolf A l b a ch - Retty, in „Puppenfee" und „Geheimnis eines alten Hauses" Spielpartner, haben vor nicht langer Zeit geheiratet. Jenny Jugo ist die Frau Friedrich B e n f e r s , mit hem sie in „Die Nacht mit dem Kaiser" emen Familienerfolg davontrug. Jan R lest u r a und Martha E g g e r t h hatten als Ehepaar in „Zauber der Boheme" und „Mein Herz ruft nach Dir" große Erfolge. Camilla Horn hat fid) Dem Tenor Louis Graveur zum Gatten Marianne Hoppe ist die Frau von Guflas Gründgens. Zusammen gehören auch Hans Junkermann und Julie Ser da, die man schon wiederholt im gleichen Film gesehen hat. -ön einem demnächst ins Atelier gehenden tfilm rocroen wir Curt Goetz mit seiner Gattin Valerie von Martens sehen. Die auch in deutschen Filmen mitwirkende A n n a b e l l a ist die Frau Jean M u - rats, eines der bekanntesten französischen Schauspieler. Ehepaare sind auch Maria C e b 0 t a r 1 und Gustav Dießl, Harry Liedtke und Christa Tordy. Mit Heinrich George verheiratet ist Berta D r e w s, die in „Urlaub aus Ehren- toort" eine prächtige Figur zeigte. Werner Krauß und Maria Bard sind ebenfalls verheiratet Heli Finkenzeller ist die Gattin Will Dohms. Christ! Mardayn, die im Film als Wirtin vom Weißen Rößl bekannt gewordene Wienerin, ist die Frau Hans Thimigs, des Jüngsten aus der berühmten Familie Thimlg. Hiloe Körber ist die Frau Veit Harlans, des m letzter Zeit immer mehr in den Vordergrund tretenden Regisseurs, mit dem sie schon in verschiedenen Filmen zusammengearbeitet hat. Gerda Maurus hat ihren Spielleiter S t e m m l e geheiratet Kitty Jantz en, die im „Tiger von Eschnapur eine einzubringen. In Erkenntnis dieser Sachlage rief deshalb der Kreisleiter zu Ende der vergangenen Woche die Kameraden der Partei, der Gliederungen, der Behörden und Betriebe dazu auf, am Samstagnachmittag und während des Sonntags zur Mitarbeit bei den Bauern bereit zu sein. Durch die Partei und ihre Gliederungen, durch verschiedene Behörden und Organisationen folgte dem Aufruf in raschem Entschluß die Tat. So sah man zum Beispiel am Samstag schon kurz nach 13 Uhr die ganze Beamten- und Angestelltenschaft des Arbeitsamts Gießen auf dem Weg zum Bahnhof, zur kurzen Fahrt nach Garbenteich. 40 Angehörige des Amtes, also eine stattliche Schar, verlieh in Garbenteich den Bahnhof, machte sich aus den Weg in das Dorf und während man die Hauptstraße entlang ging, wurde das Häuflein immer kleiner. Nach rascher und gründlicher Vorbereitung durch den Kreispresseamtsleiter Stolt waren die 40 Erntehelfer im Nu auf die einzelnen Höfe verteilt Da die Bauern meist schon mit ihren Fuhrwerken zur Ausfahrt auf die Felder bereitstanden, dauerte es nur Minuten, bis die Erntehelfer auf den Wagen faßen, um mit ins Feld zu fahren. Kurz und herzlich war die Begrüßung der Erntehelfer durch die Bauern und ihre Familien, rasch kam man auf dem Wagen und während der Fahrt ms Gespräch rasch war der Kontakt mit den Volksgenossen auf dem Dorfe hergestellt. Bald waren den Erntehelfern, sofern sie nicht Ichon im Bilde waren, die Ernteeinbringung förderlich sein konnten. Die Erntehelfer selbst waren mit großem Elfer bei der Sache und hatten zum großen Teil auch ihre Helle Freude an der Arbeit, die fo ganz verschieden war von der, die sie sonst zur Pflicht haben. Und für die Bauern war es auch einmal nicht uninteressant, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, deren Arbeitskreis ihnen nicht ohne weiteres vertraut sein konnte! Bis in den späten Abend wurde geschafft! Mancher Erntehelfer fuhr drei und viermal mit auf das Feld, half mit beim Abladen in die Scheune und keinem wurde die ungewohnte körperliche Anstrengung zuviel. Wohl alle, die mithalfen, erfüllte die sinnvolle Tätigkeit mit stiller Freude. Auf Dank kam es dabei keinem an. Oie böhmische Geige. Von Rudolf Adnan Dietrich. Ich war sechzehn Jahre alt und Lehrling in einer Fabrik. Aber es waren Ferien und ich hörte nicht die Schornsteinsirene, die früh um acht Uhr, um zwölf Uhr zur Mittagspause und um sechs Uhr zum Feierabend pfiff. Die Stadt lag jetzt hinter den Bergen, Wäldern und Wiesen, und ich wanderte von Tetschen nach dem Schreckenstein und fuhr mit einer Bahn von Außig nach Teplitz. In Teplitz verließ ich den Zug und entdeckte, welcher Art diese Stadt war. Sie hatte Kurhäuser, Hotels, Fabriken, Geschäftsstraßen, eine Straßenbahn, verschiedene Denkmäler und Brunnen, auch Equipagen und Gemüsekarren, sie roch nach Kohle, Schweiß und Veilchenparfüm und verlief in eine heiße Mittagslandschaft. In diese Landschaft mußte ich gehen, denn mitten darin war Böhmens polier Berg, der Milleschauer. Ich würde wohl am Nachmittag oben sein. Es war so schön, an keine Fabrik zu denken. Die Sonne brannte sehr und die Landstraße war gelb und staubig. Auch die Felder waren mehr 9* s„V!!D wie von einem leisen Staub überhaucht. Ich suhlte bald Durst in der Kehle und daß mir die Fuße zu brennen anfingen, denn es war der vierte Tag, den ich unterwegs war. Nach einiger Zeit war mein Haar ganz naß von Schweiß und die Sonne stand über meinem Scheitel. Ich weiß nicht mehr, wie die kleinen böhmischen Dörfer hießen, deren Hutten und Kirchtürme dann und wann aus der X,ano« schäft über die reifen Felder nach mir hinsahen, aber ich weiß doch, daß es an der Landstraße zwischen Auperschin und Boreslau war, .wo em vereinzeltes Wirtshaus stand. Ich nahm mein Geldtäschchen und halte zehn Kreuzer hervor - die eigentlich zwanzig Heller waren (man sagte nur auch nicht meine Mutter war, und dann legte ich die Geige hin und stand wieder in der Haustür. Drüben hörte ich ein Sensendenaeln und jemand rief, und es war wohl die Frau, die er rief. Der Nachmittag legte sich blau mit violetten Wolken über meine Traurigkeit, und ich lief weiter; die zehn Kreuzer brannten mir in den Fingern, und als ein Muttergottesbildchen kam, legte ich sie dort nieder und ging befreiter auf die Wolken des Abends zu und auf den Berg, den Milleschauer, der sich zwischen ihnen erhob. Die Dämmerung kam bald mit einem tiefen Blau, das mit den ersten Sternen bestickt war. Ich stieg hinauf, höher und höher. Die Waldbäume strömten schon den Nachtduft aus, und der Wind, der den Tag über schlafen gelegen hatte, erhob sich mit Flüstern und Raunen. Plötzlich rief jemand: „Geht es hier nach K—? — Ich erschrak, denn ich hatte lange keinen Menschen gesehen und begriff nicht, daß ich gefragt wurde. Von der anderen Seite kam nun auch noch jemand und sagte: „Guten Abend. Geht es hier nach K—?" Ich trat zu den beiden, die den Weg suchten, und wir einigten uns, selbdritt weiter zu gehen und fanden Ausblicke ins abendtiefe Land und fanden in der Nacht eine Herberge in einem Orte, der Lobositz hieß. Es waren Studenten aus Schlesien auf einer Wanderung nach Prag, und ich ward gleich eingeladen in ihr Quartier und schlief eine lange dunkle Nacht. Das Muhen der Kühe weckte mich und die Morgensonne. Die beiden waren schon beim Ankleiden. Auch ich stand nun auf, entsann mich der Frage: „Geht der Weg hier nach K—?" und daß wir nun gerade entgegengesetzt gegangen. Draußen norm Fenster der Ort. Das Vieh hatte auf dem Marktplatz die Tränke, und die Morgenglocken läuteten. .. Der Friedhof von Lobositz lag schräg hügelig am Strom, als zöge die Zeit an der Ewigkeit vorüber. Indes die Studenten weiter wanderten die Straße nach Melnik und Prag, trug ein Fährschiff mich hinüber nach Leitmeritz. Wie ein Spielzeug so klein stand dort auf dem Platz der hohen Barockkirche eine Strahlenmadonna. Aber als ich dachte, wie schade es sei, daß ich keine Geige habe, klang aus der Kirche das Brausen der Orgel. Nun war aller Mittagsspuk des vergangenen Tages vorbei: mein Herz war erlöst, und die Stadt nahm mich gast- lich auf. Wie lange das her ist! Ein Dierteljahrhundert ist seitdem vergangen. Durch viele Länder bin ich gezogen — aber nie wieder diesen Weg. Ich würde ihn auch gewiß nicht mehr finden. im alten Kaiserreich auch in Böhmen gern noch Kreuzer) —, dann ging ich an die offene Tür und sah ins Innere dieses einsamen Hauses in der heißen Landschaft. Es standen ein Schanktisch darin und einige Tische und Stühle. Es war kein Mensch da, aber an den Wänden ringsum hingen ©eigen, hingen offen da mit den dazugehörigen Geigenbögen. Ich saß ein Weilchen und dachte an nichts, obgleich ich etwas traurig war und nicht wußte warum. Plötzlich ergriff mich eine heiße Lust zu spielen, und ich nahm die erste beste Geige von der Wand, spannte den Bogen etwas straffer und schob das schlanke Instrument mir unters Kinn und begann zu horchen, wie die Töne tarnen. Und sie kamen immer schöner, und ich dachte: wenn es jemand hörte — und ich spielte noch hingebender. Die Geige sang und schluchzte, aber obgleich ich nun glücklich war, war ich doch zu gleicher Zeit traurig. Ich wußte nicht mehr, wo ich war. Nur daß einmal ein Schatten über mich fiel und daß es drin kühler war als in der Landschaft. Auf dem Tisch hatte sich etwas bewegt, eine Hand, und dann hatte ein Glas da gestanden, ein Glas mit Bier; eine Frau hatte den kühlen Schatten mitgedracht. Sie sah mich an, wie ich spielte, und sie war noch nicht alt, sie lächelte und ich trank und legte ihr die zehn Kreuzer hin und wollte beschämt die Geige weghängen, aber sie schob die zehn Kreuzer zuruck und lächelte, und da fühlte ich eine Lust weiterzuspielen — warum ich nur nicht ganz froh sein konnte! — aber ich spielte weiter, und zwischen Singen und Schluchzen, Stakkato und Tremolo und in die vierte Lage hinauf mit einem kleinen Triller sah ich, daß die Frau lächelte und sich etwas nach der Musik bewegte, als ob sie immer froher würde, indes ich schwerer und trauriger ward. Einmal war sie weg und kam gleich wieder und hatte ein neues Glas Bier, und ich schob ihr wieder die zehn Kreuzer hin und sie schob sie abermals zurück. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn und trank und dachte, ob ich die Frau wohl kenne, ob ich das Gesicht schon einmal im Leben gesehen habe? Und wie sie nun lächelte und ihre Augen in der Sonne sich in Gold verwandelten, nahm ich wieder die Geige, und nun drang ich tiefer ein in bas Geheimnis ihrer Töne und nahm zwischen 0- und v-Saite die dunklen Mollklänae und liebkoste die seltene Stunde, die drinnen so kühl und draußen so voll Sonnenglast war, und beim dritten Glas wurde ich etwas müde, und die Frau lachte und frohlockte und mir kamen Tränen, ich begriff nicht warum. Es nahm mich etwas hin und ich ehnte mich nach meiner Mutter, obgleich es wohl Der Bürgermeister von Garbenteich heißt den Leiter des Arbeitsamtes Gießen und damit die Gefolgschaft des Amtes zum Ernteeinsatz herzlich willkommen. Durch das anhaltend schlechte Wetter in den vergangenen beiden Wochen, aber auch durch den Mangel an Hilfskräften in der Landwirtschaft, sind die Bauern in vielen Gemeinden unserer Umgebung mit ihrer Arbeit, insbesondere mit der Einbringung der Ernte in Rückstand gekommen. Selbst der äußerste Fleiß der Bauern konnte es nicht möglich machen, die ganze Ernte während der Zeit des frfinnen und beißen Wetters unter Dach und Fach Sn Historischer Verein für Heffen besucht Gießen Obi wehr. Im weiteren Verlauf des Abends unterhielt Kamerad Adam mit humorvollen Darbietungen. I sich Weiß« 31. Fortsetzung (Nachdruck verboten!) vorüberge« gar etwas mir ersetzt!" wandte Gisela anderes! Gratuliere, Frau« Den ( Der Fa> teten S der Le bis ins einer L und Mc Feierstunde der SA »NS.-Kampfspiele 1937* im Film. bund beschließe. Er wies auf die Bedeutung des Reichsbundes als Sammelbecken der alten und dec ein. „Dann ist es etwas lein Mertens!" „Und noch etwas Gisela. „Ich darf drei rung. Der Film zeigte, vom Pimpfensport angefangen, die vielseitigen Sportarten in höchster Vollendung. Der Pimpf wird schon durch Spiel zum Sport geleitet. In der HI. setzen schon die Mann- scbasts- und Einzelkämpfe ein, die im Sport der SA., ff, Wehrmacht, Polizei, NSKK. und des Arbeitsdienstes zu hohen Leistungen übergehen. Bei aller hoher Leistung aber wird das Hauptgewicht auf breiteste Ausbildung, nicht auf Einzelkönnen, gelegt. Selbst die Kameradschaft sicht, wie die zahlreichen Mannschaftskamvfe zeigten, auch im Sport mit an erster Stelle. Der Film zeigte den klaren und zielbewußten Weg, wie der deutsche Mann seine körperlichen Kräfte pflegt und erhärtet, damit er zu jeder Zeit fähig ist, die Willens» und Entschlußkraft, Härte und Disziplin aufzubringen, die von jedem einzelnen zum Wohle des Ganzen und der Gemeinschaft gefordert werden. Zum Schluß der Feierstunde sprach Kreisleiter Backhaus und betonte, daß die SA. die Kampftruppe war, die den Saalschutz bei Versammlungen in der Kampfzeit übernommen hatte. Heute sei diese Aufgabe weggfallen und der Führer habe jhr eine weit größere Aufgabe gestellt: die seelische, körperliche und geistige Erziehung des jungen deutschen Menschen. Dies seien Aufgaben von so großem Wert, daß der SA. von der Partei auch jede Unterstützung zuteil werde. Ein Volk könne nur gesunden, so führte er weiter aus, wenn ein gesunder Nachwuchs geschaffen werde. Daß eine grundlegende Volksgesundung überhaupt nur möglich werde, verdanke man einzig und allein dem Führer. Mit den Nationalhymnen schloß die eindrucksvolle Feierstunde. denn hei der Beerdigung? Alles gut gangen? Und — haben Sie vielleicht geerbt?" „Ja, ein bißchen was!" n e r von der Gießener Freiwilligen und Oberfeuerwehrmann Fritz Bender von der Gailschen Feuer- Vie ll nen Ehemalige 116er jetzt im NS.-Reichskrieqerbunb. Sei l Connta; bern für fdjen M, beiben U\ fagattaftn letzt. Biel der bei al amisleiin behrW auf}«" siege, da vblt. Fr abschnitt. aar nod lammen ten sieg belegte, Gleich i ehnbeje mit d-r (furop den und nicht ungefährlichen Rolle entbunden, brauchte sich nicht ständig nach seinen Geschäften ausfragen zu lassen. Ueberdies war Frau Malick nicht mehr geneigt, weitere Zuschüsse zu bewilligen. Man mußte sich einschränken, bis die Hochzeit die neuen Quellen zum Fließen brachte. „Gott, ja!" meinte er mit einem säuerlichen Lächeln. „Das kann ich dir nicht gut abschlagen, wenn es mir auch schwer fallen wird, dich drei Wochen nicht mehr sehen zu dürfen. Du hast dir etwas Erholung redlich verdient nach dem an- strengenden Leben, das hinter dir liegt. Willst du schon bald abreisen?" „Gleich morgen, Walter! Fräulein Jasper will so nett sein und mich wieder mitnehmen!" „Was ist denn das für eine Dame? Jung? Hübsch? Darf man sie nicht einmal kennenlernen?" „Ach, ein älteres Fräulein! Sie hat nur noch wenige Haare und trägt einen Klemmer. Außerdem schreibt sie Romane!" „Entsetzlich!" stammelte Walter Radegast mit schreckgeweiteten Augen. 34. 21m anderen Morgen kam Gisela als erste ins Büro. Die Reinemachefrau war gerade mit ihrer Arbeit fertig. Gisela setzte sich an ihren Platz, öffnete die Schreibmaschine und ließ ihre Hände gedankenvoll über die Tasten gleiten. Sie erinnerte sich der unzähligen Augenblicke, in denen sie sich nach Freiheit gesehnt hatte, nach einem bißchen Glück, nach einem Menschen, dem sie gut sein durfte. Und nun hatte sich alles erfüllt. Sie war frei, sie hatte Geld und sie hatte--- Da fühlte sie wieder dieses jähe Unbehagen, wie sie es am Abend vorher gespürt hatte, als Walter sie beim Abschiednehmen küßte. Und wiederum erschrak sie zutiestt. Was war das bloß? Warum wehrte sich ihr Herz gegen diesen Mann? Warum blieb alles tot, warum rauschte ihr Blut nicht auf, wenn sie an Walter Radegast dachte? „Vielleicht bin ich überhaupt nicht fähig, Liebe zu suhlen!" überlegte sie und fühlte sich von einer schmerzlichen Bitterkeit durchströmt, von einem nagenden Neid gegen die anderen, die glücklich ein und lieben tonnten. ttun erfdjien Herr Weißfloh an der Seite von Fraulern Hinterhuber. Gisela wurde sogleich mit großer Herzlichkeit begrüßt. „Schön, daß Sie wieder da sind! Wie war es unserer Stadt fand am Samstag und Sonntag eine Tagung der Kreisfachgruppenvorsitzenden und der Zuchtwerbewarte der Kaninchenzüchter der Kreise Alsfeld-Lauterbach, Dillenburg-Biedenkopf, Wetzlar und Gießen statt, in der die Richtlinien für die kommende Arbeit ausgegeben wurden. Kreisfachgruppenvorsitzender L. Kreiling (Gießen) hieß die Teilnehmer willkommen. Landesfachgruppenvorsitzender Gg. Krauß (Darmstadt) wies auf die Bedeutung des Ausbaues der Kaninchenzucht im Interesse der Volksernährung und der Volkswirtschaft hin. Er dankte allen seinen Mitarbeitern und ?!' 3:51' io»< j ich 8 äs „Ei, ei, da werden Sie natürlich gleich Ihren Urlaub nehmen!" „Ja! Und ich hoffe, daß der Chef keine Schwierigkeiten macht." Da kam er auch schon, Herr Hasselschwert, leicht gebeugt, mit seinem steifen, speckigen Hut. Als er Gisela sah, nickte er ihr flüchtig zu. „Ah, Fräulein Mertens, gut, daß Sie wieder da sind! Ich habe ein dringendes Diktat. Hätte schon gestern' erledigt werden sollen. Kommen Sie gleich herein!" Weißfloh blinzelte ihr, während sie dem Befehl des Chefs Folge leistete, aufmunternd zu. Hasselschwert ließ sich aufstöhnend in feinen Schreibtischsessel fallen. „Meine Zigarren werden Sie natürlich vergessen haben?" „O nein!" lächelte Gisela und nahm die Tüte aus ihrer Handtasche. "Sehr schön! — Also, fangen,mir gleich an'" ..Herr Direktor, ich — möchte Sie um meine Ent- lassung bitten!" -Wie? Entlassung? Sind Sie nicht recht bei Trost? Ich wußte nicht, welcher Grund--?" „Ich heirate in drei Wochen." „Heiraten? — Unfug!" „Aber---" . Kein Wort darüber! Sie werden sich das noch anders überlegen!" / „Aber, Herr Direktor, ich---* „Kompletter Humbug, sage ich. Los, beginnen wir mit dem Diktat!" Anstatt ihren gewohnten Arbeitsplatz einzu- nehmen ließ Gisela sich in den abgescheuerten Klub- sessel sollen, der für die Besucher bereitstand" und dessen Benutzung den Angestellten streng verboten war. (Fortsetzung folgt!) besonders Schönes!" sagte Wochen nach ßauterbrunn kommen, auf den Gutshof, ganz umsonst, denken Sie sich!" Die gestrige Feierstunde der SA. im Gloria- Palast, die die Aufführung des Films „NS.-Kampfspiele 1937" brachte, an der auch Vertreter der Behörden und der Wehrmacht teilnahmen, war sehr gut besucht. Die Bühne war mit dem von Lorbeerbäumen umrahmten Bild des Führers und Fahnen geschmückt. Der Musikzug der SA.-Standarte 116 leitete die Feierstunde mit einem Marsch ein. Sturmmann Philipps 11/116 brachte den Dorspruch zu Gehör. Sturmführer von Northeim begrüßte die SA.-Kameraden und Ehrengäste und wies auf den Sinn des Filmes hin, der Zeugnis ablegen soll von der Arbeit der SA., die immer wieder bereit sei zu neuem Einsatz und Opfern. Den Frontgeist des Weltkriegs habe die SA. als Erbe übernommen. Sie kenne nur eines: Deutschland! Getragen von diesem Geiste, im starken Vertrauen auf das deutsche Volk habe der Führer das deutsche Volk vor dem sicheren Abgrund gerettet. Mit seinem Siege im Januar 1933 habe auch der Frontsoldat des Weltkrieges über seine Verräter vom November 1918 gesiegt. Nach einem jeden Siege aber heiße es: „Binde den Helm fester!" Der Kampf ging weiter bis das neue Deutschland erstand, getragen von zwei mächtigen Säulen: Partei und Wehrmacht! Ausgabe der Wehrmacht sei es, Volkstum und Volksraum gegen Gewalt von außen zu schützen. Der SA. habe aber der Führer die Erziehung des neuen deutschen Menschen als ewige Aufgabe gegeben. Die SA. habe die Aufgabe, den deutschen Mann im Gleichklang seiner seelischen, geistigen und körperlichen Kräfte zu erhalten unb zu erhärten. Eine harte Zeit fordere ein hartes Geschlecht und das Endziel werde erst dann erreicht sein, wenn jeder zu einem unanfechtbaren Nationalsozialisten geworden fei. Zwei hinter Gisela. Vornan von Hans Hii-ihammer. Urheberrechtschutz Verlag Oskar Meister, Werdau/Sa. „Bloß ein bißchen was?" wunderte floh. „Vielleicht bloß soviel, daß Sie die hundert Mark Vorschuß zurückbezahlen können, wie? Da hätten Sie nicht eigens hinfahren und Ihr Geld ausaeben brauchen!" „Die Spesen werden ÄL 5'n?, ? "i irt unserer Beilage „Heimat im Bild"), die Lage Gießens veranschaulicht und auf letzte Reste des ältesten Stadtkernes hingewiesen. Weitere Betrachtungen galten dem Turm der Stadtkirche. Während eines Rundganges im Stadtzentrum wurden das Rathaus, die Häuser am Markt und in der Mäusburg einer ebenso eingehenden wie liebvollen Betrachtung unterzogen. Auch im Weiselschen Hof und im Alten Schloß sah man sich um, die Bauten am Brandplatz wurden durchgesprochen und eingehend betrachtet? Schließlich wurden unter den erläuternden Worten des Leiters des Oberheffischen Museums, Dr. Krüger, die Fränkischen Frauensärge betrachtet, die mit zu den wertvollsten Schätzen des Museums zählen. Nach der Mittagspause wurde eine Fahrt zum Schiffenberg unternommen. Archivrat Dr. (Hemm berichtete über die Geschichte des ehemaligen Augustinerstiftes, der nachmaligen Deutschördenskom- wende, der jetzigen staatlichen Domäne; während Geheimrat Dr. Walde baugeschichtlichen Aufschluß über die romanische Basilika, wie auch über die übrigen Gebäude des Schiffenbergs gab. Bei einem abschließenden Beisammensein gab Studienrat Dr. Glöckler (Gießen) als Vorsitzender des Oberhessischen Geschichtsver- e i n s seiner Freude über den Besuch der Gäste aus Darmstadt Ausdruck und betonte die Gemeinsamkeit der Arbeit im. Historischen Verein für Hessen, wie im Oberhessischen Geschichtsverein. Prof. Dr. Becker (Darmstadt), der Leiter der Exkursion, dankte für herzliche Begrüßung, dankte aber auch den Referenten des Ausflugs, die den Zuhörern so außerordentlich viel Interessantes lebendig nahe- brachten. Mit bepi Wunsche, auch einmal die Kameraden des Oberhessischen Gefchichtsvereins in Darmstadt begrüßen zu können, schloß er. Nachdem man bei inzwischen eingetretenem schönsten Sonnenschein und klarer Fernsicht noch eingehend die Landschaft um den Schiffenberg betrachtet hatte, wurde zur Rückfahrt nach Darmstadt aufgebrochen. „Wenn ich recht verstehe — du sollst also nach Lauterbrunn übersiedln? Du sollst für immer dort leben?" "Natürlich! Du wirst sehen, wie schön es dort ist! Viel schöner als in diesem Häusermeer!" „Aber Kind, das geht nun wirklich nicht, unter feinen Umständen! Wie stellst du dir das bloß vor! Ich habe doch hier meine Geschäfte! Was sollte ich auf dem Gutshof? Ich bin doch kein Landwirt! Und glaube mir, auf die Dauer würdest auch du dich dort nicht wohlfühlen! Keine Zerstreuungen! Immer das gleiche, eintönige Leben! Nicht wahr, wir wollen doch lieber in Berlin bleiben, in der hübschen Wohnung, die mir uns ausgesucht haben!" „Das — das kann ich nicht, Walter! Das kann ich dem Toten nicht antun! Was würde Vater Schmidt von mir denken? Er freut sich schon auf mein Kommen!" Badegast wurde ungemütlich. „Aber ich bitte dich, Gisela, das sind doch Sentimentalitäten! Wenn du dich schon nicht entschließen kannst, Lauterbrunn zu verkaufen — es wäre meines Erachtens das Richtigste —, dann wollen wir uns nach einem tüchtigen Verwalter umfehen, nach jemand, der dort nach dem Rechten sieht und alles in Ordnung hält hm, ich wüßte sogar schon jemand, eine sehr ehrenhafte ältere Dame, die mir für diesen Der- trauensposten durchaus geeignet erscheint. — Nun, mare das nicht die beste Lösung? Wir können bann, fo oft wir Lust haben, nach Lauterbrunn fahren, ein paar Ferientage dort verbringen und dann wieder in unser Berliner Heim zurückkehren." x x rr?nr9 .mif einem Entschluß. Sie fühlte öeuthd), daß sie im Begriffe war, einen ungeheueren Verrat zu begehen. Aber — hatte sie eine Wahl? Endlich nickte sie zustimmend, im Zwang feines fordernden Blickes. „Ich - sehe es ein, und — ich werde mich wohl damit abfinden müssen?" Und sie hatte sich schon so gefreut! ßauterbrunn! Das Erkerfenster mit dem Blick in die unendliche Weite! Die Blumen vor dem Haus, der Wald, der heilige Geruch der Erde! Oh, sehr oft wird sie hin- uberrahren! norme es nur irgend geht, wird sie dem Staub der Stadt entfliehen. Sie griff nach Walters Hand. „Ja, ich sehe es em. Aber dann darf ich wenigstens jetzt noch ein paar schone Wochen dort verleben, nicht wahr? Das muht du mir erlauben, davon gehe ich nicht ab' B.s zu unscr-r Hochzeit will ich in Lauterbrunn bleiben! Radegast bedachte, daß ihm dieser Vorschlag nicht einmal unangenehm war. Er war dann für eine Weue sein eigener Herr, war von seiner anftrengen« Frontsoldaten mit den Kameraden der jungen Wehrmacht hin unb forderte olle alten 116er auf, sich dem neuen Bunde anzuschließen. Wir alten 116er stehen einmütig hinter dem Willen des Führers und die große Tradition unseres stolzen Regiments verpflichte uns insbesondere Treue zu zeigen und zusammenzuhalten wie bisher. Jetzt könne jeder 116er im neuen Reichskriegerbund seine Pflicht erfüllen und dadurch werde cs möglich werden, daß zu besonderen Festen und Veranstaltungen des Regiments alle ehemaligen 'Angehörigen erfaßt oder wenigstens benachrichtigt werden könnten. Es werde sich dadurch ein neues Bond der Kameradschaft aller Ehemaligen ergeben. Nachdem der einmütige Beschluß über die Eingliederung gefaßt worden war, wurden organisatorische Fragen besprochen. Heimische Kaninchenzüchter vor neuen Aufgaben. Große Tagung in Gießen. Am gestrigen Sonntag weilten Gäste aus Darmstadt in Gießen. Der „Historische Verein für Hessen", der auch in Oberhessen eine Anzahl von Heimat- freunden zu seinen Mitgliedern zählt, hole eine Exkursion unternommen, die der Besichtigung des Gleibergs, der Stadt Gießen und des Schiffenbergs gewidmet war. Diese Besichtigungsfahrt nahm einen außerordentlich anregenden Verlauf. Die Gäste waren frühzeitig in Darmstadt im Omnibus abgefahren (übrigens mit einem Bus von ganz neuartiger Gestalt, wie man ihn bisher in Gießen noch nicht sah!) und kamen, nach rascher Fahrt über die Reichsautobahn gegen 9 Uhr in Gießen an. Die Fahrt wurde aber sofort zum Gleiberg fortgesetzt. Im ßuxemburger Zimmer nahm man für die Dauer eines halbstündigen Vortrags Platz. Der Direktor des Staatsarchivs in Darmstadt, Archivrat Dr. C l e m m, gab in straffer Zusammenfassung einen sehr anschaulichen Uederblick über die Geschichte des Gleibergs, gab einen Einblick in die Familiengeschichte der Geschlechter, die auf Gleiberg die Herrschaft hatten, schilderte dos wechselvolle Schicksal des Gleibergs in der Zeit vom 10. bis 13. Jahrhundert und gab gleichzeitig eine Darstellung der militärpolitischen Bedeutung des Gleibergs im frühen Mittelalter. Abschließend erwähnte er in Dankbarkeit die Arbeit der preußischen Verwaltungsorgane, mit besonderer Anerkennung aber das 100jährige Wirken des G l e i b e r g d e r c i n s um die Erhaltung der geschichtlich so überaus denkwürdigen Stätte. Nachdem man einen Rundgang durch die Ruinen unternommen hatte, und dabei lebhaft bedauerte, daß der Regen einen Ausblick auf die Landschaft kaum gestattete, fuhr man wieder nach Gießen zurück. In Gießen war das Leibsche Haus in der Kirchstraße das erste Ziel. Geheimrat Dr. Walde (Darmstadt) nahm hier das Wort und schilderte in nieten Einzelheiten seinen aufmerksamen Zuhörern die Besonderheiten dieses mutmaßlich ältesten deutschen Fachmerkbaues. Gleichzeitig wurden an Hand von Plänen, die iebem Teilnehmer der Erkursion gedruckt zur Verfügung standen (Wiedergaben aus Aus der Stadt Gießen. Norddeutsch und Süddeutsch. Bekanntlich werden in Deutschland verschiedene Mundarten gesprochen. Auf Reisen ist es sehr reizvoll, diesen ungewohnten Lauten zu lauschen und den Sinn des Gehörten womöglich zu enträtseln! Wenn dir zum Beispiel in der Kasseler Gegend entgegenschallt: „Ich spräch, här uffe!" so heißt das in Hamburg: „Ick hev di all feggt, lat bat blimen!" Also, wie gesagt, es ist sehr reizvoll. Aber, aber, heiratet ein Norddeutscher eine Süddeutsche ... bann gibt es eine Katastrophe! Er rebet von Wurzeln. „Welche meinst du denn, Liebling", fragt sie sanft, „jede Pflanze hat doch eine Wurzel!" Bis sich bann herausstellt, baß Gelberüben gemeint sinb. Dann will er rote Beete im Garten anlegen. „Was für rote Blumen sollen ba draus?" fragt sie erstaunt. „Ach fo, du willst Roterüden säen!" Unb so geht bas weiter: er spricht von einer Kuhle, unb sie von einem Loch, er sagt: „Schmeck' mal!" wenn sie versuchen soll, er macht eine Tasse entzwei, sie macht sie kaputt, er verkleckert bei Tisch die Tunke, während sie die Soße ver- schlabbert! Er redet von Leuwogen unb Feudel .. was meint er bloß? Schließlich stellt' sich heraus, baß sie Schrubber und Staubtuch dazu sagt. Ein Bettuch ist bei ihm ein Laken unb eine Kolter eine Wollbecke. Ein Dippe ist ein Pott! Unb er weiß nicht, was ein Känbel ist! Wissen Sie es? „Komm mal längs mit beiner Handcule!" ruft er, wenn sie mit bem Besen mal herfommen soll, um ben Ruß aufzuwischen, ben er aber Sott nennt! Das Kinb bekommt ein Springtau von ihm unb ein Hupfseil von ihr, unb bie Zünbhölzer unb bas Plättbrett lagen bei ihm roieber anberswo, roährenb bie Streichhölzer unb bas Bügelbrett bei ihr woanbers liegen. । Augenblicklich sinb bie Zwei bamit beschäftigt, ein Wörterbuch mit Uebersetzungen anzulegen. E. L. St. SÄ MN ^rl)arb <■ -rite ■ft Der 5 Olympia auf her < ten. Die als erma Dei Lim M fünf öresll 3u ein ^r „mi 1Q9 bei 5( vor Rege> L'r Lprun9 ja Aegensim Vornotizen. Tageskalender für Nonlag. Gloria.Palast, Seltersweg: „Heimkehr ins Glück". Oie SA. bereitet sich ium Reichsparteitag vor. Die Marschteilnehmer der SA. am Reichsparteitag traten gestern früh zu Hebungen auf dem Trieb an. Nach eingehender Besichtigung wurde nachdrücklich der Exerzietschritt geübt. Eine weitere Besichtigung des gesamten Marschblockes der Brigade 147 wird am Sonntag, 4. September, auf dem Trieb erfolgen. Ehrung verdienter Feuerwehrmänner. Die beiden Gießener Freiwilligen Feuerwehren (die ^städtische und die Gailsche Feuerwehr) hielten am Samstag im „Burghof" eine gemeinsame Versammlung ab, die von Darbietungen der Hauskapelle verschönt wurde. Kreisfeuerwehrführer Bouffier und der Kommandant der Gailschen Wehr, A. Münch, nahmen teil. Im Auftrage von Bürgermeister Prof. Dr. Hamm nahm Brandinspektor Lenz die Ehrung von sieben verdienten Wehrmän» nern mit mehr als 25jähriger Dienstzeit vor. . Er schilderte die neuen großen Aufgaben, die den Wehren gestellt sind und hob hervor, daß nur Treue und Pflichterfüllung, wie sie die auszuzeichnenden Kameraden im Dienste des Gemeinwohles bewiesen hätten, diesen Anforderungen gerecht werden könne. Er stellte die verdienten Kameraden den jungen Wehrmännern als Vorbild vor Augen und überreichte ihnen das vom Führer gestiftete und vom Reichsführer der Polizei, Reichsführer ff, Himmler, verliehene Feuerwehr-Ehrenzeichen I I. Klaffe, wobei er sie aufforderte, auch in Zukunft pflichtbewußt, wie bisher, ihren Dienst zu versehen. Unter Glückwünschen erhielten folgende Wehr- männer die Ehrenzeichen: ßöschmeister Matheis, Feuerwehrmänner Wilh. Klein, K. Kraft, Jul. G r a e s e r , Gustav Müller und Otto W e r- Sie griff über ben Tisch hinüber nach feiner Hand. „Wie kannst du bloß so sprechen, Walter? Kennst bu mich wirklich so schlecht? Traust bu mir wirklich so viel Unbankbarkeit unb Selbstsucht zu, bafj ich jetzt all bas vergessen könnte, was bu mir gegeben unb angeboten hast?" „Sld), Gisela, bas ist nicht ber Rebe wert!" Er kämpfte sichtlich mit einer tiefen Rührung. „Was ort. tat, geschah aus — Liebe zu bir, bas weißt bu. 2Iber jetzt ist alles anbers. Es wiberstrebt meinem Stolz, eine Frau zu heiraten, bie unabhängig ist, oer es nicht Freube unb Glück bedeutet, baß ber Mann für sie sorgt, baß er Not unb Entbehrung 'hl fernhält. — Oder — würbest bu auf bie Erbschaft verzichten? Ist beine Liebe so groß, baß bu allem entsagen könntest, um als bie alte Gisela, Öie ich so sehr geliebt habe, mit mir an den Altar zu treten?" -Gisela erschrak heftig, während sie gleichzeitig die Tiefe seines Gefühls zu ahnen glaubte. So groß unb selbstlos war also seine Liebe, baß ihm' ber Besitz von ßauterbrunn nebensächlich, ja sogar hinberlich erschien! Wie unsinnig war boch ber Ver- oachr. daß bieser Mann es auf ihre Erbschaft ab- gesehen haben sollte! In biefem Augenblick war Gisela bavon über- 3W' daß auch sie ihn liebte, um seiner eblen Selbstlosigkeit, um seines Stolzes willen. „Vielleicht könnte ich mich entschließen, Walter, deine Forberung zu erfüllen, falls bu unter allen Umftanben auf diesem Beweis meiner ßiebe be- '"hst- Aber es wäre unsinnig! Und vor allem- es wäre undankbar von mir. Ich würde das Andenken des Mannes entehren, der mir ßauterbrunn ver- wachte. Ich würde das Gefühl nicht loswerden einen Toten beschimpft zu haben. Bitte, zwinge mich mcht dazu, fordere das nicht von mir!" Radegast machte ein ratloses Gesicht. Ich _ verstehe nicht recht--?" " 1 • "9icr ZL lies diesen Brief!" Sie nahm Grütz- machers Schreiben aus ihrer Handtasche und legte > es ihm hm. 3 "Wenn du gestattest!" Radegast las den Brief sehr genau durch. Dann gab er ihn zögernd zurück. Am Samstag hielt die Kameradschaft ehemaliger 116er im „Auerhahn" ihren August-Monatsappell Nach dem Chorlied ber Stürme Pi 2/116 und ab. Kameradschaftsführer Bill begrüßte die Käme- 11/116 „Im Sturmschritt ber SA." unb eines Kern- raben unb wies barauf hin, baß nun ber Zeitpunkt spruches von Truppführer Graeve gelängte bös gekommen fei, ba auch bie Kamerabfchaft ehemaliger Filmwerk: „NS.-Kampfspiele 1937" zur Vorsüh- 116er ihre Einglieberung in den NS.°Reichskrieger« gab „Die Wegweisung für die Arbeit im Jahre 1938" an. In grundlegenden Ausführungen stellte er fest, daß die Umstellung der Kaninchenzucht auf Wirtschaftsrassen ein voller Erfolg war. Durch Auf« klärung und Schulung sollen auch die nicht organisierten Züchter erfaßt, die begonnenen Maßnahmen fortgesetzt und die Zucht von Angorakaninchen in ben Vorbergrunb gestellt werden. Auch das Preisrichten wird eine Verbesserung erfahren. Von den im Rahmen des Vierjahresplanes bereitgestellten Mitteln soll noch regerer Gebrauch gemacht werden. Die Stallschauen, die zur Anregung und Beratung durchgeführt werden, sollen in größerem Umfange durchgeführt werden. Kreisfachgruppenoorsitzender ß. Kreiling (Gie- feen) behandelte „Die Förderungsmaßnah- m e n f ü r 1 9 3 8", die sich auf die Verbilligungszuschüsse für Stallbauten, Anschaffung von Zucht- rammlern und Angorajunghäsinnen sowie auf Zuchtprämien für Wirtschaftsrassen beziehen. Kreisfachgruppenvorsitzender Schmidt (ßauter- bach) sprach über „A l l g e m e i n e-Z u ch t g r u n d- s ä tz e" unter besonderer Berücksichtigung der Angorazucht. Durch eine einheitlich ausgerichtete Zucht muß eine ßeiftungsfteigerung im Interesse der Volksernährung und Volkswirtschaft erzielt werden. Besonderes Gewicht wird auf die Erzeugung von Fleisch und Fellen gelegt. Bei den Fellen'wird auf eine gewisse Größe und gute, dichte Unterwolle Wert gelegt. Die Zucht ber Angorakaninchen muß vermehrt werben. Die allgemeine Zucht soll burd) Vermehrungs- unb durch Herdbuchzuchten, die reine Linien heranzüchten, gefördert werden. Am Sonntag sprach Kreisfachgruppenvorsitzender Schäfer (Dillenburg) über „Die Gestaltung ber Fütterung", wofür er viele praktische Beispiele anführte. Die Tierhaltung soll nur bort erfolgen, wo eine eigene Fu'ttergrunblage gegeben ist. Sie bient in erster ßinie ber Verwertung von Abfällen, bie sonst ungenützt verkommen. Kreisfachgruppenvorsitzenber ß. Kreiling (Gießen) ging bann näher auf bie Frage ber „Wirisch a fts - u n b derVereinsrassen" ein. Das Kaninchen ber Zukunft muß bei Verwenbung von vi Larocciola siegt im Vremgartenwald Die neuen deutschen Meister im Rudern Lrdteit-Schwimmkamps Amerika-Europa außer Konkurrenz. und Wball der heimischen Mnnschasten vom 21. 8.1938. Tabelle nach dem Stand i. Verl. 2 3 1 4 3 Gew. 5 3 2 2 1 Spiele 7 6- 3 6 4 Pkte. 10:4 6:6 4:2 4:8 2:6 Unentsch 0 0 0 0 0 Der Siegermannschaft im Radball (Krieger-Mom- berger, Kassel) konnte der schöne Pokal überreicht werden, außerdem erhielten alle Teilnehmer dieser Pokalspiele eine Erinnerungs-Medaille. Die Wetz- larer Kunstfahrer wurden durch entsprechende Preise geehrt. Als Kampfrichter des Tages fungierte in bewährter Weife Gottfr. Häßler (Krofdorf) und Schlund (Gießen). Am Abend zeigten die Wie- secker Jugendfahrer unter Leitung des verdienstvollen Saalfahrwartes Otto Schnabel einen schönen Glühlampen-Reigen. Zean Schorn Deutscher Zliegermeister. Am Sonntag wurden aus der Bahn im Köln- Müngersdorfer Stadion vor 7000 Zuschauern die Deutschen Bahnmeisterschaften der Amateure entschieden. Im Fliegerkampf wurde der Kölner Jean Schorn neuer Meister. Schorn war im zweiten Zwischenlauf schwer gestürzt, trat aber zur Entschei- düng gegen seinen Landsmann Horn, der durch Distanzierung seiner Gegner im Hoffnungs- und Zwi- schenlauf in den Endlauf gekommen war, mit einem Bluterguß am rechten Knie und einer Schulterprel- lung an. Troß dieser Verletzung erwies sich Schorn in beiden End'läufen ganz klar als der bessere Fahrer. Mit einem äußerst schnellen und kraftvollen Spurt verwies er Horn auf den zweiten Platz. Walter (Ludwigshafen) wurde Dritter vor dem Berliner Purann. Schorns großer Erfolg wird auch bei den Rad- sportfreunden in Gießen große Freude auslösen. War es doch immer wieder Schorn, der den Gieße- ner Bahnradrennen die besondere Rote gab. Der junge, svurtschnelle und menschlich überaus sympathische Kölner wird sicherlich auch von seinen Gieße- ner Freunden manchen Glückwunsch zu erwarten für den Auslauf. Kreirfachgrnppenvorsitzender L. Kreiling (Gießen) gab dann noch praktische Anregungen für die „Fe ll b e h a n d l u n g und Verwertun g". Abschließend referierte der Landesfachgruppen- vorsitzendc Gg. Krauß (Darmstadt) über Die Frontarbeit in den Vereinen", die durch die Stall- schauen, die Einführung der Schurkontrolle und die Tischbewertungen vor neue Aufgaben gestellt ist. VfB.-R. Gießen Burgsolms Ehringshausen Lich Dillenburg vorlassen. So gewann Oblt. L e m p mit 20,5 Punkten vor Oblt. Cramer mit 28,5 und Obl. Frhr. o. G y l l e n st i e r n a mit 29 Punkten. Ueberlegenheil der deutschen Läufer. Die deutschen Offiziere hielten sich im Geländelauf überraschend gut. Die ersten acht'Plätze wurden von ihnen belegt. Dadurch konnte auch der schwedische Vorsprung in der Länderwertung aufgeholt werden. Der neben Oblt. Lemp für die deutsche Mannschaft gewertete Lt. Frhr. v. Schlotheim rückte durch seinen fünften Platz im Geländelauf in der Gesamtwertung vom elften auf den siebenten Rang vor, während die beiden Schweden Oblt. Frhr. v. G y l- l e n st i e r n a und Lt. E g n e l l sich um je einen Platz verschlechterten. Mit 30,5 Punkten siegte Deutschland in der Länderwertung vor Schweden Mit 31 und Finnland mit 43,5 Punkten. Oavispokal-Znterzonen Finale. Deutschland ohne Sieg. Zum sechstenmal standen Deutschlands beste Tennisspieler am Wochenende in den Daoispokalkämpfen im Jnterzonenfinale. Roch nie ist Deutschland über diese letzte Hürde hinweggekommen und ins Endspiel gelangt. Viermal verbaute uns USA. den Weg und einmal Australien. Jetzt waren es wieder die Austra- lier, mit denen wir zusammentrafen. Wir rechneten auf ein ehrenvolles Abschneiden unserer Vertreter, nicht auf einen Sieg. Aber daß die deutsche Niederlage derart eindeutig ausfallcn würde, damit hatte man nicht gerechnet. Mit 5:0 Punkten blieben die Australier siegreich. Aber schwerer noch als dieses 5:0 wiegt die Tatsache, daß unsere Spitzenspieler nicht einen einzigen Satz in den fünf Kämpfen erringen konnten. Nach dem 3:0 des zweiten Tages hatten die letzten Einzelspiele keinen entscheidenden Wert mehr. Aber auch hier zeigten die Australier keine Schwache. Adrian Quist fertigte Henner Henkel, der nur im dritten Satz Widerstand leistete, 6:1, 6:0, 8:6 ab, und.anschließend war John B r o m w i ch über Georg v o n M e t a x a 6:3, 6:2, 6:1 erfolgreich. aldeslnffpokal" Am Schlüsse der sportlichen Veranstaltung dankte Vereinsführer Adolf Schäfer allen Mitwirkenden des Tages und gab auch feiner Freude darüber Ausdruck, daß sich die Kasseler Radballmannschaft erstmalig an den Waldeslust-Pokal-Spielen beteiligt hätte. Er streifte alsdann den Sinn und die Bedeutung dieser Pokalspiele in Wieseck und dankte gleichzeitig dem Stifter des „Waldeslust-Pokals", Kame- rad Seibert. Die Ergebnisse: Zweier-Radball: 1. Kassel, 8 Punkte (Krie- aer - Momberger); 2. Gießen, 6 P. (Stammel r Baum): 3. Wetzlar, 4 P.; 4. Wieseck II, 2 P.: 5. Wie- seck I, 0 Punkte. Einer-Jugend-Kun st fahren: 1. Engel, Wetzlar: t Schmidt, Wetzlar: 3. Hagner, Wetzlar, wieder vorne. Mit bestechender Gleichmäßigkeit drehte Caracciola Runde um Runde. Aber Seaman blieb ihm immer auf den Fersen. Caracciola ließ aber den Engländer nicht mehr herankommen und siegte mit 25 Sekunden Vorsprung vor Seaman, von Brauchitsch und Stuck. Gegenüber den beiden Spitzenreitern Caracciola. und Seaman konnte niemand mithalten. Alle Wagen wurden überrundet. Nuvolari und Stuck ver- loren am Ersatzteillager kostbare Zeit. Das gleiche Schicksal ereilte auch Lang, der später wegen Augen- schmerzen das Steuer an Bäumer abgab. Der i»lnge H. P. Müller auf Auto Union, der durch seine prächtige Fahrweise immer im Vorderfeld lag, mußte wegen Tankens und Kerzenwechsels den dritten Platz an Manfred von Brauchitsch abqeben. Aber der Bielefelder gab den Mut nicht auf und hatte den Ehrgeiz, doch noch Dritter zu werden. Er fuhr einige kühne Runden, wagte aber etwas zuviel und' wurde aus der Bahn getragen. Zum Glück kam er mit leichten Prellungen davon. Habs Stuck hatte inzwischen Boden gewonnen. Er überholte Farina und belegte den vierten Platz, auch wenn er zwei Runden abgeschlagen war. Die schnellste Runde auf der 7,38 Kilometer lan- gen Strecke fuhr Seaman mit 2:54 = 150,62 km/st, bei dem schlechten Wetter eine beachtliche Leistung. Zum fünften Male wurde am Sonntag im Brem- garten-Wald bei Bern der Große Preis der Schweiz für Rennwagen ausgefahren und zum ünften Male gab es einen deutschen Sieg. Der Triumph unserer Wagen war wiederum ganz eindeutig. Vier deutsche Modelle lagen auf den ersten Plätzen. Europameister Caracciola, der erst am vergangenen Sonntag in Pescara gesiegt hatte, durchbrauste als Erster das Ziel. Es regnete wal^ rend des ganzen Rennens in Strömen. Dadurch war die an sich schnelle Strecke recht gefährlich geworden. Caracciola bewies sich als „Regen- pezialist". r, , _ . 19 Wagen wurden zum Start geschoben. In der ersten Reihe standen die drei Mercedes-Benz- Wagen mit Seaman, Lang und Caracciola. Nach dem Startzeichen übernahm Seaman die Führung vor Stuck, Caracciola, Müller, Kautz und v. Brauchitsch. In den nächsten Runden zog sich das Feld mächtig auseinander. Schon bald hatte der Spitzenreiter Seaman die letzten Wagen wieder eingeholt. In der elften Runde setzte sich Caracciola an die Spitze vor Seaman, dem sehr draufgängerisch sah- renden H. P. Müller und Lang. Doch noch einmal mußte unser Europameister seinen zähen Gegner Seaman vorbeiziehen lassen. Das war in der 24. Runde, als Caracciola zum Tanken an der Box anfuhr Dgch nur wenig später lag „Rudi" fen Tempo an die Spitze, dicht gefolgt vom Regensburger RD. und der Breslauer Renngemeinschaft, aber die Essener gaben sich auf dem ersten Teil der Strecke so aus, daß sie zum Schluß vollkommen abfielen und nur den letzten Platz besetzten. Regensburg hatte einen harten Endkampf mit Breslau zu bestehen, in dem sich die Süddeutschen mit % Längen Vorsprung behaupteten. Frankfurter Doppelzweier-Sieg. Die zweite Ueberraschung des Tages war im Doppelzweier fällig, wo Kaidel-v. Opel als Favoriten galten. Anfangs hatten sie auch die Führung, aber bei 1000 Meter gingen die Frankfurter Germanen Paul-Marquardt zum Angriff über und in einem prächtigen Endkampf rangen sie das Favoritenpaar mit einer Länge nieder. Favoritensieg im Zweier m. St. Im Zweier „mit" hatte man einen harten Kampf zwischen den Olympiasiegern Gustmann- Adamski und den Hannoveranern Melching-Meyer auf der Heide erwartet, aber die Berliner, die viel besser eingespielt waren, siegten sicherer als erwartet. Im Ziel hatten sie klare 1% Langen Vorsprung. Berliner RE. hat den besten Achter. Der Berliner RC. hat den guten Ruf, der seiner Achter. Mannschaft vorausging, in Heilbronn bestätigt. Die Berliner zeigten die beste Mannschaftsarbeit und siegten klar mit einer Länge vor der Mannheimer Amicitia, die sich auf den letzten Metern noch am Wannsee-Boot vorbeischob. Die Rüsselsheimer Renngemeinschaft kam in diesem Elite- Feld nicht über den letzten Platz hinaus. Die Frauen-Deltbewerbe. Ergebnisse ber Aufstiegspiele zur Äezirksklaffe. VfB.-Reichsbahn Gießen — Dillenburg 5:0. Ehringshausen — Burgsolms 2:1. Trotz kompletter Mannschaft mußten die Burg- solmser die so wertvollen Punkte in Ehringshausen lassen. Ehringshausen mußte sogar einige der besten Spieler ersetzen. Mit diesen Resultaten ist dem VfB.-Reichsbahn der Ausstieg zur Bezirksklasse nicht mehr zu nehmen. Die noch ausstehenden Spiele haben nur noch insofern Bedeutung, als der zweite aufsteigende Verein ermittelt werden muß. Zweier-Jugend-Kun st fahren; Hagner, Wetzlar. Die 100-Meter-Kraul, mit denen die Kämpfe Angeleitet wurden, brachten eine Ueber= raschung, denn Weltrekordmann F i ck mußte sich feinem Landsmann I a r e tz, der mit einem prächtigen Endspurt aufwartete, beugen. 59,3 und o9,8 schwammen die beiden Amerikaner. Auf Fischer, der nach der Absage Hovings vorgesehen war, hatte man verzichtet, und Dove und Körösi konnten nicht einmal unter 1:01 schwimmen. Die 200-Meter-Brust wurden eine überlegene Beute von Balke (Deutschland), der m 2:42,8 anschlug, während Werson 2:50,9 benötigte. Ein erbittertes Ringen gab es dagegen über 200-Meter-Rücken. Europas Vertreter, Schlauch (Deutschland), war schwimmenlch dem Amerikaner Neunzig nicht ganz gewachsen aber er wendete ganz famos und schaffte sich damit immer wieder' einen Vorsprung. Nach der letzten Wende führte Schlauch mit einer Körperlange, aber im Ziel lag Neunzig kaum eine Armlänge zurück. Das Kun st springen gestaltete sich ZU einem schönen Erfolg für Erhard Weiß, den deutschen Europameister, der die beiden Amerikaner Root und P a t n i k klar hinter sich ließ. od)on nach den fünf Pflichtsprüngen lag deb Deutsche in Führung, obwohl ihm der l'/r-Schraubensalto, für den Root die höchste Note von 19,17 erhielt, Nicht ganz gelang In der Kür konnte dann Weiß seinen Vorsprung noch etwas ausbauen und einen oielbeiubelten Sieg ^Die ^4 ^O-Meter-Kraul waren dem Weltrekordmann Ralph Flanagan nicht zu nehmen. Er schlug bei 200 Meter m 2:16,0 an und siegte m haben. Wie wir hören, ließen es sich die Begeisterten unter den Gießener Radsportfreunden, 15 Mann an der Zahl, nicht nehmen, Zeugen der Kämpfe zu fein, aus denen Schorn als Sieger hervorging. Sie ! waren in Kraftwagen nach Köln gefahren und mit I ganzer Hingabe folgten sie den Rennen. Nachdrück- Engel j lich ließen sie dem Sieger ihre große Freude über I seinen Erfolg wissen. Abfällen und wirtschaftseigenem Futter widerstandsfähig fein, nahrhaftes Fleisch ansetzen, großes Fell bilden und gute Erbanlagen besitzen. Kreisfachgruppenvorsitzender Walther (Wetzlar- Niedergirmes) behandelte die Fragen der „Stallung, Haltung und Pflege", wobei er die Zweckmäßigkeit gesunder, geräumiger und den natürlichen Bedürfnissen der Tiere angepaßter -Stallungen hervorhob. Der Redner gab Anregungen für die Erstellung praktischer Ställe mit Freilandgehege Der Z w e i e r „o h n e" sah nur die Mannheimer Olympiasieger Eichhorn-Strauß und die Berliner Eckstein-Stelzer am Start, da sich Melching-Meyer auf der Heide für den Zweier m. St. schonen wollten Die Berliner gewannen das Rennen leichter als erwartet. Schon bei 1000 Meter lagen sie mit zwei Längen in Front und im Ziel hatten sie sogar fünf Längen Vorsprung. Breslauer Sieg im Vierer mit Steuermann. Zu einem prächtigen Kampf kam im Vie- r e r ,m i t". Das Boot der Breslauer Wratislama lag bei 500 Meter mit einer halben Länge m Front vor Regensburg und dem Berliner RC. Etuf Essen war schon klar abgeschlagen und konnte auch keine Rolle mehr spielen. Breslau verteidigte den Vorsprung zähe und siegte mit einer halben Lange vor Regensburg und dem BRC. Europameister „Etuf" Letzter! Oberleutnant Lemp. — (Schirner-M.) siege, da sein schärfster Widersacher, der schwedische Oblt. Frhr. v. G y l l e n st i e r n a , noch schlechter abschnitt. Durch seinen vorletzten Platz mußte er sogar noch den deutschen Oblt. Cramer, der zusammen mit Lt. K o z e l hinter dem in 13:05 Minuten siegenden Oblt. Wiedemann den zweiten Platz belegte} im Endergebnis auf den zweiten Rang AfS.-Aeichsbahn steigt auf. vfV. R. I — Reichsbahn Dillenburg 5:0 (2:0). Nunmehr ist die Entscheidung über die Frage des Aufstieges zur Bezirksklasse gefallen, der VfB -R. hat sich als die beste Mannschaft erwiesen und wird in der kommenden Verbandsserie wieder in der Be- zxrksklasse spielen. Die Mannschaft trat in folgender Aufstellung an: Gottschalk, Thron, Kramer, Berlebach, Krämer, Lu- kaschcwski, Antes, Godglück, Mattern Heß, Szpomck Es fehlte also niemand und man kann sagen, daß sich die Mannschaft den Sieg auch in dieser Höhe durchaus verdient sicherte.Alle gaben sich die größte Mühe und kämpften mit großem Eifer. Bei Dillenburg überragte die Verteidigung und die Läufer- reihe, während der Sturm sehr schwach war. Schiedsrichker Gerhard (Annerod) leitete sicher. Das Spiel begann mit vorsichtigem Abtasten der Schwächen des 'Gegners. Vorerst spielte man zu aufgeregt, um Erfolge erringen zu können. Doch bald machte sich die größere Spielerfahrung der Gießener bemerkbar, die mit wuchtigen Vorstößen Im Schwimmbecken des Berliner Olympiastadions wurde am Samstagabend vor 10 000 Besuchern, unter denen sich auch der Reichssportfuhrer befand Der Erdteil-Schwimmkampf Zwischen Europa und Amerika in Angriff genommen. Ueberraschend hatte man sich in letzter Stunde noch auf eine doppelte Ve- setzung der 100-Meter-Kraul und des Kunstspringens geeinigt, wodurch den Amerikanern nicht ünwesenl- liche Vorteile erwuchsen, selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, daß das Springen mit einem etwas unerwarteten Erfolg des deutschen Europameisters Erhard Weiß ausklang. Die Amerikaner kamen am ersten Tag auf 24'Punkte, während Europa immerhin 18 schasste und damit den Kamps noch nicht verloren hat. 24 :18 am ersten Tag. Die hervorstechendste Leistung gab es in der 4X100-Meter-Kraul staffel, wo Amerika mit der Mannschaft Hirose, Jaretz, Wolf und Fick mit 3:59,2 Minuten eine neue Weltbestleistung erreichte und Ungarns bisherigen Rekord von 4:02,u nicht unwesentlich unterbot. Europa schwamm mir Dove (England), Fischer (Deutschland), fieibel (Deutschland) und Körösi (Ungarn) nur 4:03,1 Aci- nuten, also eine keineswegs überragende Zeit. 4)ove als erster Mann schlug um Sekundenbruchteile vo dem Japaner Hirose (der amerikanischer Staatsbürger ist!) an, aber Jaretz legte eine Ä^.von öo.v hin und distanzierte Fischer (59,8) klar. Wolf U-01,6) und Heibcl (1:01,5) hielten sich die Waage, aber Fick (59,2) war dem Ungar Körösi (1:01,7) wieder klar überlegen Bei trübem aber trockenem Wetter wurden am Sonntag in Heilbronn die deutschen Meister inr Rudern für 1938 ermittelt. Der Besuch der 27. Deutschen Meisterschaftsregatta war ausgezeichnet; Die beiden Ufer der schnurgeraden 2000 Meter langen Regattastrecke waren mit etwa 8000 Besuchern besetzt. Viel Anklang fand auch der „Regattazug , der bei allen Rennen ausverkauft war. Reichsfachamtsleiter Pauli eröffnete die Veranstaltung und begrüßte besonders die Kameraden aus der Ostmark. hafenöhrl Halle es nicht leicht. Den Endlauf im Einer bestritten fünf Skuller. Der Favorit Hafenöhrl (Wien) kam zu dem erwarteten Sieg aber der Rheinländer Neuburger und der Berliner Füth machten dem Olympia-Zweiten bis ins Ziel stark zu schaffen. Neuburger wurde mit einer Länge Rückstand Zweiter vor Futh, Seedors und Matscyke. Vie erwartet: Eckstein-Stelzer. Kassel erringt den Bester Schwimmer war der amerikanische Schlußmann Flanagan, der seine Strecke in 2:13,1 zurück- legte; unser Werner Plath kam auf 2:14. Aber sofort anfchließend kamen zwei deutsche Siege. Europameister Joachim Balke, der am Vortage die 200 Meter Brust gewonnen hatte, bheb auch über 100 Meter Brust erfolgreich. Mit 1:12,3 Min. erreichte er auch eine recht gute Seit, während Der Amerikaner Werson in 1:18,2 anschlug. Daß der deutsche Europarekordler Heinz Schlauch zur Zeit nicht in bester Form ist, war bereits am Samstag zu erkennen. Auch am Sonntag schwamm er etwas verkrampft gegen Den fluffig unD elegant davonziehenden jungen Amerikaner Neunzig. TrotzDem reichte Schlauchs große Klaffe aus, um Die 100 Meter Rücken sicher in 1:09,7 Mm. vor Dem 1:11 benötigenden Amerikaner zu gewinnen Zu einem weiteren großen Erfolge kam bei! Dresdener Erhard Weiß, der nach dem Kunst, springen nun auch das Turmspringen vor dem Olympia-Zweiten Eldert Root gewann. Bereits nach den vier Pflichtsprüngen führte Weitz mit sechs Punkten und siegte schließlich mit 118,47 Punkten vor Root mit 115,20. Zu einem Siege kam Amerikas großer Krauler Ralph Flanagan über 1 5 0 0 M e t e r. Der Schwede Björn Borg hatte nie eine Chance gegen ihn und schwamm müde und langsam. In 19:38,5 Mm. siegte Flanagan ganz überlegen vor Borg mit 20:09,4. Mit einem deutschen Triumph klang Der Erdteilkampf aus. Schlauch, Balke und Fischer siegten in Der 3X100-Meter-Lagen st affel sicher m 3:21,2 Minuten vor USA. (3:38). 4:46:8 überlegen vor Borg, der 4:57,3 Minuten benötigte. Sieben deutsche Siege am Sonntag. Obwohl die Vertreter Europas am zweiten Tag sieben von zwölf Wettbewerben gewannen, kamen die Yankees doch dank für sie sehr günstiger Wertungen zu einem knappen Endsiege mit 38:36 Punkten. Daß Deutschland allein Den Schwimm- kampf gegen USA. hatte bestreiten können, beweist Die Tatsache, daß sämtliche sieben Siege Durch deutsche Schwimmer erkämpft wurden, während Die übrigen Europäer durchweg geschlagen wurden. Es gab spannende Kämpfe. Europameister Joachim Balke gewann nach den 200 Meter auch die 100 Meter Brust, ebenso blieb Heinz Schlauch zum zweitenmal im Rückenschwimmen erfolgreich. Den schönsten Sieg aber feierte wohl unser Erhard Weiß, der nach dem Kunstspringen auch den Wettbewerb im Turmspringen zu seinen Gunsten entschied und damit Die amerikanische Vorherrschaft nach nunmehr 15 Jahren zum erstenmal brach. Die lange Kraulstrecke war Dem Amerikaner Ralph Flanagan nicht zu nehmen, lieber 4X200 Meter Kraul triumphierte üderrafchenD USA., während Die Drei Deutschen Schlauch, Balke unD Fischer Die Lagenstaffel für Europa gewannen. Eröffnet wurDen Die Wettkämpfe mit Der 4X200-Meter-Kraul st affel, in Der man mit einem europäischen Siege gerechnet hatte. Ader der Engländer Leivers und der Franzose Talli enttäuschten so stark, daß USA. zu einem überlegenen Siege in 9:03,6 Min. vor Europa mit 9:10 kam. Die Witterung war dieser radsportlichen Veranstaltung leider nicht hold. Aus diesem Grunde konnten Die Spiele unD Darbietungen nicht alle im Garten, jonDern mußten zum Teil im Saale Durchgeführt werDen. Diese Umstellung beeinträchtigte natürlich das sportliche Programm und dessen Abwicklung stark. Von den gemeldeten Mannschaften waren Hanau und Krofdorf leider nicht am Start. Hanau hat noch in letzter Stunde die Teilnahme abgesagt. Im Laufe des Nachmittags wurden spannende Radballspiele gezeigt, welche sich bis gegen 18 Uhr hinzogen. Auch der Jugend-Reigen der Wiesecker und insbesondere die beachtlichen Leistungen Der Jugendfahrer des Wetzlarer Vereins im Einer - und Zweier-Kunstfahren fanden allgemeinen Anklang. Bei den Radball-Ausscheidungsspielen zeigten sich die Kasseler und die Gießener Mannschaften als die Stärkeren. Ihnen war es vergönnt, im Entscheidungsspiel um Den „Waldes- lust-Pokal" zu kämpfen. Es entspann sich ein harter Kampf, der jedoch den „Kasselanern" schon in der Halbzeit Die Führung brachte. Obwohl sich Die Gie- ßener in Der letzten Hälfte des Spieles tapfer verteidigten, mußten sie sich doch mit 12:4 Toren als die Unterlegenen bekennen. Zwei Rennen für Frauen wurden auch diesmal im Rahmen Der Meisterschaftsregatta Durchgefuhrt. Den Doppelvierer m. St. über 1000 Meter gewann ÄÄ« Ä| IglWÄ VS» der Europameister, setzte sich gleich in einem schar-1 Reichssteger Obtt. Lemp Sieger im Modernen Fünfkampf. Die letzte Hebung zum Internationalen Moder- nen Fünfkampf in'Dresden brachte am Samstaa- oormitfag einen überlegenen deutschen Erfolg. Obwohl Oblt. Lemp im 4000-Meter-Geländelauf, Der auf Dem Dresdener Heller über eine schwierige Strecke mit großen Höhenunterschieden führte, im geschlagenen Felde endete, kam er doch zum Gesamt- W MM H i den Gegner zu verwirren suchte. In der 14. Minute fing Mattern einen Torabstoß ab, und dessen scharfer Schuß konnte von dem gegnerischen Torwart nur abgeschlagen werden, so daß Heß wenig Mühe hatte, im Nachschuß den ersten Treffer anzubringen. Zwei Minuten später gab Lutaschewski eine saubere Vorlage in den Strafraum und God- glück schoß zum zweiten Tore ein. Die Gäste kamen etwas mehr ins Spiel, konnten aber außer einigen Ecken, die nichts einbrachten, keine Erfolge erzielen. Nach dem Wechsel hatte die Gießener Verteidigung einige gefährliche Minuten zu überstehen, da der Gegner auf Verbesserung des Ergebnisses drängte. Die Hintermannschaft war aber auf dem Posten. Bei einem Durchbruch von Szponick schoß dieser in der 55. Minute das dritte Tor und nun fielen die Gäste merklich ab. Doch dauerte es eine Weile, bis Heß auf Vorlage von Szponick zum vierten Tore einsenden konnte. Kurz darauf wurde Szponick, der einen Alleingang machte, im Strafraum gelegt. Den fälligen Elfmeter verwandelte Kramer mit unheimlicher Wucht. Kurz darauf pfiff der Schiedsrichter das Spiel ab. VfV.-R.II — Turnv. Wißmar I 6:0 (2:0). Die Ueberraschunq des Tages bildete der hohe Sieg, den die Reserve über die spielstarken Miß- marer errang. Die Reserve, die wieder einmal mit kompletter Mannschaft antreten konnte, zeigte sich in bester Schußlaune und rang den tapferen (3eg= ji^r sicher nieder. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 — Ockershaufen 4:3 (3:1). Den ungünstigen Eindruck des Vorsonntags verwischten die Blauweißen mit dem Sieg gegen Ockershausen. Der schnelle Beginn wurde durch den Eifer der Gäste bestimmt, die sich dadurch auch eine gewisse Ueberlegenheit verschafften. In der zehnten Minute fiel auch der erste Treffer, der jedoch wegen Abseits nicht anerkannt wurde. Trotzdem führte wenige Minuten später Ockershausen mit 1:0 durch seinen Mittelstürmer. Bei diesem Stande blieb es aber nicht lange. Löbsack, der in seiner gestrigen Spiellaune wieder an leine beste Form anknüpfte, schuf mit seinen energischen Vorstößen manche gefährliche Situation im Gästestrafraum. In der 15. Minute fiel auch schon der Ausgleich. Eine lange Vorlage von Erhard erkämpfte sich Löbsack gegen die Verteidigung, leitete zu Kociok^ der nur einzulenken brauchte. Erhöhte Anstrengungen galten jetzt der Führung, die den Platzbesitzern in der 20. Minute durch eine Prachtleistung Löbsacks zufiel. Von Bergmann gut bedient, erspurtete er sich eine Vorlage, drang damit in den Strafraum ein und obwohl er durch einen Verteidiger stark bedrängt wurde, sauste lein unheimlicher Schuß ins Netz. Die Gäste reklamierten, da der Ball weit ins Feld zurücksprang, doch der Erfolg hatte seine Richtigkeit. Auf der anderen Seite mußte sich Fischer verschiedentlich mächtig strecken, um den Ausgleich zu verhindern. In der 35. Minute erhöhten die Blauweißen auf 3:1. Einem Ball setzte Löbsack nach, umspielte die Verteidigung und an dem herausstürzenden Tormann vorbei flog der Ball aufs Tor, wo ihn Heuser noch abfälschte und Günther vollends über die Linie bugsierte. Kurz nach dem Wechsel erhöhten die Platzbesitzer, die in der Pause eine Umstellung vorgenommen hatten, ihren Vorsprung auf 4:1. Eine gute Kombination schloß Zeller mit überlegtem Schuß ab. Mit diesem Resultat glaubten sich die Blauweißen zufrieden^ geben zu können und so erging man sich in unnötiger Dribbelei, die den Gästen manchen Vorteil eintrug. Selbst als Ockershausen auf 4:2 verkürzte, fand man nicht die richtige Umstellung. Erst als es 4:3 lautete, besann man sich wieder. Doch jetzt war es zu spät, denn die Gäste verteidigten jetzt mit einer zähen Verbissenheit und so blieb ein knapper Torunterschied, der für die Gäste recht schrneichcl- haft ist. _ z_. _ . Schiedsrichter war Böcher (Gießen). Die Hauptstärke der Gäste lag in chrem Körpereinsatz. Ihr beste Mann war der jugendliche Torwächter. Bei den Blauweißen, die in der Aufstellung Fischer, Zeiler, Jäger Erhard, Renstng, Hain, Güncher, Bergmann, Löbsack, Heuser (Zeller), Kociok, antraten, wußten Löbsack, Erhard und Bergmann besonders zu gefallen. Fußball-Freundschastskämpfe. Ergebnisse. Gau Hessen: SpV. Kassel — Reichsbahn Frankfurt 1:1; Borussia Fulda — Kurhessen Kassel 2:1; VfB. Heringen — SC. 03 Kassel 1:2; Melitta Roth — Dunlop SV. Hanau 4:0; Tuspo. Bettenhausen — BC. Sport Kassel. 3:4. Gau Bayern: 1. FC. Nürnberg — Wiener Sportklub 2:1; SpVg. Fürth — Rapid Wien 1:1; SpDg. Fürth — Wiener Sportklub 3:3; BC. Augsburg — Union Augsburg 3:1; Bayern München gegen „Borussia" Neunkirchen 5:0. Gau Südwest: Kickers Offenbach — VfL. Neckarau 3:2; Opel Rüsselsheim — FC. Hanau 93 1:0; Eintracht Frankfurt — Hannover 96 4:2; SV. Wiesbaden — Fontana Finthen 4:0; VfL. Rödel- heim/Frankfurt — Wormatia Worms 3:2; FV. Saarbrücken — Saar 05 Saarbrücken 2:1. Der Meister besiegt. Eintracht Frankfurt — Hannover 96 4:2 (2:1). Im Frankfurter Sportfeld erlebten am Sonntag 20 000 Besucher einen feinen, verdienten Sieg des Südwestmeisters Eintracht Frankfurt über den Deutschen Meister Hannover 96. Die Frankfurter waren in prächtiger Spiellaune; sie zeigten ein Zusammenspiel wie in ihren besten Tagen, und der Sturm, in dem einmal mehr Adam Schmitt die Hauptrolle spielte, verstand es, die gebotenen Torgelegenheiten auch auszunutzen. Hannover 96 reichte rein spielerisch nicht an die Eintracht heran. Die Eintracht kam schon in der fünften Minute durch M ö b s zum Führungstor, doch zehn Minuten später glich E. Meng aus, als Lindemann gestürzt war. Das Spiel war ausgeglichen, erst gegen Schluß der Halbzeit spielte die Eintracht im Feld überlegen, und in der 43 Minute gelang ihr auch nach einem verwirrenden Zusammenspiel durch Wirsching die erneute Führung. Die zweite Halbzeit sah zunächst die Eintracht klar in Front. Wirsching erhöhte in der 12. Minute auf 3:1, und als in der 26. Minute der gleiche Spieler den vierten Treffer buchte, war der Kampf entschieden. Hannover drehte noch einmal auf, erzielte drei, vier Ecken, aber erst fünf Minuten vor Schluß gelang das zweite Gegentor. Kurze Sportnotizen. Italiens Schwimmer kämpften in Düsseldorf gegen eine westdeutsche Auswahl und erzielten im Gesamtergebnis ein Unentschieden von 8:8 Punkten. Das Wasserballspiel wurde von den Italienern mit 3:2 (0:1) gewonnen. Am Rentenmarkt machte die Erholung bei merklich verringertem Angebot Fortschritte. Jedenfalls fand das herauskommende Angebot glatt Aufnahme. Größere Nachfrage bestand nach Reichsaltbesitz zu 129,80 bis 130 (129,50). Reichsbahn-VA. gewannen 0,50 v. H. auf 122,40. Kommunal-Um- schuldung nicht ganz behauptet mit 94,40 (94,45). Industrie-Obligationen lagen noch uneinheitlich. Im weiteren Verlaufe blieb am Aktienmarkt die Umsatztätigkeit klein. Bei nicht ganz einheitlicher Entwicklung erhielt sich eine feste Tendenz. Farben schwankend mit 145,50 bis 145,25 bis 146,50 nach 145,25. Sonst zeigten u. a. zweite Notierungen Westdeutsche Kaufhof mit 92,50 nach 93, Conti Gummi mit 191 nach 190, Zement Heidelberg mit 143 nach 142,50, Adlerwerke mit 103 nach 101,50, Waldhof mit 130,50 nach 128,50, AEG. mit 106,75 nach 106,13, Stahlverein mit 100,25 nach 100, Reichsbank mit 177,50 nach 177, Gesfürel mit 128,50 nach 127,25 usw. Die später notierten Werte lagen zumeist bis 1 v. H. fester, niedriger jedoch Scheideanstalt mit 204 (205) und Rhein. Braunkohlen mit 199,75 (201). Nach Pause stellten sich Felten auf 127,50 (121) und Hanfwerke Füssen auf 124 (119). Der Freiverkehr war etwas fester. Man nannte Elsäss. Bad. Wolle mit 78 bis 80 (76 bis 78), Verein. Fränk. Schuh mit 66 bis 68 (65 bis 67), Katz 6- Klumpp mit 89 bis 91 (88 bis 90), Rastatter Waggon mit 42 bis 44 (zuletzt 40 bis 42), Dingler mit unverändert 83 bis 85. — Tagesgeld unverändert 2,25 v. H. Hygienische Unterlassungssünden im Sommer. Im allgemeinen glauben wir, daß die kalte Jahreszeit, vornehmlich auch die Uebergangsmonate, besondere Gesundheitsgefahren mit sich bringen. Nun ist es richtig, daß Grippe und andere Erkältungskrankheiten in den kalten und regnerischen Monaten häufiger vorkommen als im Sommer. Das bedeutet aber nicht, daß nicht auch die heiße Jahreszeit ihre besonderen Gefahren hätte. Magen- und Darmerkrankungen sind z. B. im Sommer sehr häufig, wobei man nicht einmal gleich an Vergiftungen durch Pilze oder Beeren zu denken braucht. Aber wieviel bösartige und langwierige Magenverstimmungen entstehen durch den Genuß von unreifem Ost, von Obst mit Wasser oder auch dadurch, daß man erhitzt ist und zu kalte Getränke in sich hineinschüttet? Auch viele rheumatische Erkrankungen sind Sorn- rnerkrankheiten. Menschen, die schweißgebadet sind, setzen sich gern in die kühle Zugluft, ohne sich ihrer schweißfeuchten Wäsche zu entledigen. Wenn diese nun am Körper trocknet, entsteht durch die Verdunstung Kälte, die häufig — und nicht nur bei älteren Leuten — zu Rheumatismus und Hexenschuß führt. Die meisten sommerlichen Erkrankungen sind aber auf unser hauptsächliches Sommeroergnügen zurückzuführen, nämlich auf die Wasser-, Luft- und Sonnenbäder, d. h. auf das Uebermaß ihres Genusses. Es ist falsch zu glauben, daß ein zwölfstündiger Aufenthalt im Strandbad, mit dem Wechsel zwischen Sonnen-. Luft- und Wasserbaden, gesundheitsfördernd sei. Das stärkt nicht den Körper, sondern schwächt ihn. Ein Bad im Freien soll mit An- und Ausziehen nicht länger als eine Stunde in Anspruch nehmen, Sonnen- und Luftbäder, selbst bei Gewöhnung, nicht über eine halbe bis dreiviertel Stunden ausgedehnt werden. Die meisten Menschen glauben noch, daß das sommerliche Baden in Fluß oder See das heiße Bad in der Badewanne entbehrlich mache. Diese Außerdienststellung der Badewanne ist eine der bemerkenswertesten hygienischen Unterlassungssünden im Sommer. Allen, die verwundert fragen: „Wie, auch im Sommer sollen wir heiß baden?", ist daher zu antworten: „Gerade im Sommer soll und muß man heiß baden!" Es ist doch so. daß durch die stärkere Staubentwicklung in der warmen Jahreszeit und die häufigere Schweißbildung unseres Körpers dieser besonders viel Schmutz aufnimmt, der die Hautporen verstopft. Kurzum, die Möglichkeiten, sich schmutzig zu machen, sind im Sommer größer als im Winter. Sollte es da nicht selbstverständlich sein, auch im Sommer warme Reinigungsbäder zu nehmen? Unser Brikettbadeofen steht ja auch jetzt zu unseren Diensten und gibt uns, nach wie vor, mit ein paar Braunkohlenbriketts zu jeder Tageszeit ein billiges heißes Bad oder Dusche. Aus aller Wett. 360 000 Besucher auf der Rundfunkausstellung. Die Große Deutsche Rundfunkausstellung hat am Sonntag ihren Abschluß gefunden. Insgesamt ergibt sich eine Besucherzahl von 360 000, d. h. rund 50 000 mehr als im letzten Jahre. Die Sensation in diesem Jahre war das Erscheinen des Deutschen Kleinempfängers, der zum Preise von 35.— RM. als Allstromgerät geliefert wird und als Zweitgerät gebührenfrei ist. Aber auch bei allen anderen Typen war das Geschäft ausgezeichnet. Reuer Rekord des Deltfliegers Howard Hughes. Der durch seinen Rekordflug um die Welt bekanntgewordene amerikanische Flieger Howard Hughes führte am Wochenende einen neuen Rekordflug durch. Es gelang ihm im Ohne- haltflug die Ueberquerung des amerikanischen Kontinents in 10 Stunden, 32 Minuten und 20 Sekunden. Hughes benutzte dieselbe zweimotorige Maschine, mit der ihm der Flug um die Welt gelang. Der „Schah des Sobremonte". Wahrheit oder Schwindel? - Eine Geschichte, die Argentinien in Atem hält. Buenos Aires, Mitte August 1938. Seit einer Woche hört man in dieser Stadt ungefähr von nichts anderem mehr sprechen, als vom „Schatz desSobremont e". Die Zeitungen sind voll von der mysteriösen Ge- chichte, namentlich die etwas sensationell aufge- machtey. großen Abendblätter, die den Verkäufern vom Publikum buchstäblich aus den Händen gerissen werden. Man schließt Wetten ab, ob die abenteuerliche Geschichte, die Diernes S c a rd u l l a , der Held des Tages (vielleicht aber auch der künftige Held einer Tragikomödie) zum Besten gegeben hat, wahr ist oder nicht. Dieser Viernes Scardulla — bereits der Name ist merkwürdig, denn „Diernes" heißt Freitag, und der Mann behauptet, diesen komischen Vornamen zu haben, weil er an einem „Viernes scmto", einem Karfreitag, zur Welt gekommen sei — also, ein angeblicher Landarbeiter aus Venado Tuerto, der sich später als ein vom Spiel und von der Kurpfuscherei lebender Müßiggänger entpuppte, kam in der vergangenen Woche zur Polizei und berichtete dort eine lange und recht aufregende Geschichte. Er will vor drei Jahren in einem Bach unweit Perga- minos, einem Ort in der Provinz Buenos Aires, einen in drei eiserne Kassetten eingeschlossenen kostbaren alten Schatz entdeckt haben. Da er gewußt habe, daß man einen solchen Schatz nicht ohne weiteres für sich behalten dürfe, sondern der Regierung von ihm Kenntnis geben müsse, sei er nach Buenos Aires gefahren und, anstatt ins Regierungsgebäude in den Kongreß, den Senat der Republik, gegangen. Dort sei er aber offenbar zwei Gaunern in die Hände geraten. Der eine habe sich für einen Senatsangestellten, der andere für einen Rechtsanwalt ausgegeben; sie hätten sich Dr. Monti und Dr. Gaston genannt, ihn mit dem Schatz in die Wohnung des einen von ihnen bestellt, ihn dort die drei Kassetten — die bisher fest verlötet gewesen seien — öffnen lassen, den Inhalt protokolliert und dann den ganzen Schatz behalten. Scardulla, dessen Angaben durch seinen Schwager, Trucco, eidlich bekräftigt wurden, behauptete, der Inhalt der drei Kassetten habe in Goldbarren, Schmuck, Uhren, Ringen, Ketten, Armbändern, Juwelen und Diamanten bestanden. Der Wert des Ganzen sei mit einer Million Pesos sicherlich nicht zu hoch angegeben. Die beiden „Doktoren" hätten ihm, Scardulla, dann eine Quittung über den Schatz ausgehändigt und erklärt, sie wollten alles der Regierung mitteilen und dafür sorgen, daß er seinen Anteil erhalte. Dann habe man ihn immer wieder hingehalten; schließlich seien ihm einmal 16 000 und einmal 7500 Pesos ausgezahlt worden, während er doch auf mindestens 300 000 bis 400 000 Pesos Anspruch habe. Deshalb komme er zur Polizei und zeige die ganze Geschichte an. Aus her engeren Heimat. Iugendherbergsbau in Butzbach. Lpd. Butzbach, 21. Aug. In den nächsten Tagen wird hier mit dem Bau einer Jugend- Herberge begonnen. Das Haus soll als Fachwerkbau in Anpassung an die oberhessische Fachwerkbauweise errichtet werden und insgesamt 100 Besuchern Platz bieten. Im Erdgeschoß werden sich die Tagesräume befinden, die auch zu Schulungs-- zwecken verwendet werden können. In den Obergeschossen sollen die Schlafräume eingerichtet werden, von denen jeder höchstens zehn Betten enthalten wird. Das Dachgeschoß wird für die Einrichtung von Notlagern ausgestattet. Im Keller werden sich die Dusch- und Baderäume befinden. Landkreis Gießen. D Watzenborn-Steinberg, 22. Aug. Am heutigen Montag begeht einer der ältesten Einwohner unserer Gemeinde, der Zimmermeister Balthasar S ch m a n d t, Schulstraße, in geistiger und körperlicher Frische seinen 8 6. Geburtstag. Oie Wildereraffäre im Oillkreis. Auch ein Word aufgeklärt. ßpb. Wetzlar, 20. Aug. Wie schon gemeldet, fand in der vergangenen Woche eine größere Aktion gegen Wilderer im Dillkreis siatt. Dabei wurde umfangreiches Material beschlagnahmt. 13 Personen wurden in Gewahrsam genommen und gegen sieben Haftbefehl erlassen. Neben umfangreichen Wilddiebereien konnte auch ein Mord aufgeklärt werden, der seinerzeit an einem Bergmann verübt worden war. Schweres Einsturzunglück. Ein Toter, drei Schwerverletzte. DNB. L a a s p h e, 20. Aug. Am Donnerstagnach- imttag stürzte auf einem Sägewerkneubau in Feudingen eine etwa 15 Meter lange und sieben Meter hohe freistehende Mauer in zwei Drittel ihrer Länge ein und fiel auf ein Baugerüst. Don den auf diesem Gerüst tätigen Maurern wurde einer auf der Stelle getötet, drei weitere Personen, darunter der Bauunternehmer erlitten schwere Verletzungen. Einigen anderen Bauarbeitern gelang es, sich noch rechtzeitig durch Abspringen in Sicherheit zu bringen. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht geklärt. Bestrafte Steuersünder. Lpd. Frankfurt a. M., 20. Aug. Der Weißbinder- meister Karl Wolf in Frankfurt a. M., Hatters- heimer Straße 19, ist wegen fortgesetzter Hinterziehung der Einkommen-, Umsatz- und Gewerbeertragssteuer vom Finanzamt mit einer Geldstrafe von insgesamt 14 810 Mark bestraft worden. Lpd. Wiesbaden, 20. Aug. Vom Finanzamt Wiesbaden wurde der Möbelhändler Franz Bauer, Wiesbaden, Emser Straße 57, wegen Hinterziehung von Vermögens-, Einkommen-, Umsatz-, Gewerbeertrags- und Kapitalsteuer zu einer Geldstrafe von 41 000 M «irk verurteilt. Furchtbare Bluttat bei Mainz. Siebenjähriges Mädchen einem Lustmörder zum Opfer gefallen. LPD. Mainz, 20. Aug. Am Freitagnachmittag veranlaßte der 25jährige Heinrich Brabaender aus Mainz-Ginsheim ein 7 jähriges Ginsheimer Mädchen, mit ihm zusammen auf dem Rade nach Gustavsburg zu fahren, wobei er ihm ein Geldgeschenk versprach. Außerhalb des Ortes Ginsheim am Rheindamm ermordete er das Kind in einem Dickicht. Die Tat ist offenbar aus sexuellen Motiven begangen worden. Der Täter konnte im Laufe der Nacht zum Samstag verhaftet werden. Er hat die entsetzliche Tat eingestanden. Das Verbrechen ist wieder eine furchtbare Mahnung an alle Eltern, ihre Kinder immer wieder davor zu warnen, sich der Gesellschaft unbekannter Personen anzuvertrauen. Wirtschaft. Frühkartoffel-Erzeugerpreise vom 22. bis 27. August. Fwd. Für deutsche Speisefrühkartoffeln sind durch Anordnung der Hauptversammlung der deutschen Kartoffelwirtschaft folgende Erzeugerfestpreise je 50 Kilogramm netto ausschließlich Verpackung frachtfrei Empfangsstation festgesetzt für die Zeit vom 22. bis 27. August: für weiße, rote und blaue Sorten 2,75 Mark (in der Vorwoche 3,00), für runde gelbe Sorten 3,25 (3,50) und für lange gelbe Sorten 3,25 (3,50) Mark. Rhein -Mainische Börse. Jeff. Frankfurt a. M., 20. Aug. Nach dem kräftigen Wiederanstiea am gestrigen Tage nahm die Börse zum Wochenschluß den vorbörslich erwarteten ruhigeren Verlauf. Die Grundstimmung blieb jedoch freundlich, da sich seitens der Kundschaft kleine Käufe fortsetzten, während aus der Börse heraus verschiedentlich mäßige Gewinnsicherungsverkäufe erfolgten. Am Aktienmarkt war die weitere Befesti- guna der Kurse daher gemäßigter. Im Verlaufe wurden die anfangs etwa 0,50 bis 1,50 v. H. betragenden Erhöhungen teilweise leicht unterschritten. Von Montanwerten erreichten Verein. Stahl wieder den Paristand (99,75), Rheinstahl zogen auf 130 (129,50) und Hoesch auf 105 (104,25) an. Von chemischen Werten stiegen Farbenindustrie au 145,25 (144,25) und Rütgerswerke auf 139,25 (137,75). Elektrowerte lagen still, RWE. 1,40 v. H. fester mit 117, Gesfürel 127,25 (126,75), AEG. etwa 107 bis 106 (105). Maschinenaktien kamen bis 1 v. H. höher an, Adlerwerke jedoch 1 v. H. niedriger mit 101,50. Sonst notierten u. a. Westdeutsche Kaufhof mit 93 (92), Conti Gummi mit 190 (189), AG. für Verkehr mit 117 (116), Zellstoff Aschaffenburg mit 111 (110) und Demberg mit 125 (124,50). Die Polizei begab sich in die Pension, die Scardulla als die Wohnung eines der beiden „Doktoren" bezeichnet hatte, und fand dort richtig einen Mann, den Scardulla als den „Dr. Monti" identifizierte, während er in Wirklichkeit Daldivieso hieß, Chilene war und behauptete, Scardulla nie gesehen zu haben. Auffällig war jedoch, daß die Frau des Valdivieso, die gesondert verhört wurde, zugab, daß Scardulla öfter in ihrer Wohnung gewesen sei und mit Valdivieso verhandelt habe. „Dr. Gaston" ist bisher nicht aufgetaucht, und vom Schatz hat man nichts gefunden. Lediglich bei Valdivieso fand man einen alten spanischen Siegelring, von dem Scardulla sofort behauptete, daß er aus jenem Schatz tamme. Und da es sich bei dem Ring um einen solchen mit dem königlichen Siegel handelt, da man außerdem in Argentinien weiß, daß der letzte spanische Vizekönig von Argentinien, Marquis S o ° bremonte, im Jahre 1806 bei seiner Flucht von Buenos Aires nach Cordoba unterwegs seinen kostbaren Schatz verstecken ließ, um durch dessen Gewicht nicht auf der Flucht behindert zu werden. wurde aus dem Schatz, den Scardulla entdeckt zu haben vorgab, sofort für die Zeitungen, die Oeffent- lichkeit und den Mann auf der Straße jener Schatz des Sobremonte, nach dem man in Argentinien seit Jahrzehnten vergeblich gesucht hat. Die Vermutung, daß es sich bei dem entdeckten und wieder verlorenen Schatz um eine sehr wichtige Angelegenheit handeln müsse, wurde zur Gewiß- heit, als Valdivieso, der angebliche „Dr. Monti" und Besitzer des Siegelringes, plötzlich im Gesang- nis Se lbstmo rd verübte, indem er sich aus dem zweiten Stockwerk auf die Straße stürzte. Nun wurde die Schatzqeschichte zu einem „großen Fall". Warum hatte sich Valdivieso umgebracht? Der Fragen wurde kein Ende. Wie war es möglich, daß Valdivieso und sein Komplice, der verschwundene Dr. Gaston, zum Senat Zutritt hatten; daß sie, wie Scardulla das erzählte, vom Senat aus mehrfach Telegramme an ihn richteten und seine Antworten ebenfalls im Senat empfingen? (Im Kongreßgebäude will heute niemand mehr einen Dr. Monti oder Dr. Gaston kennen.) Wo ist der Schatz geblieben, wenn es sich wirklich um einen solchen handelte? Alle Nachforschungen nach Goldverkäufen blieben vorläufig erfolglos. Und warum hatte sich Valdivieso umgebracht? Hatte er mehr auf dem Gewissen als nur die Gaunerei mit dem Schatz? Allmählich kamen der Polizei Zweifel an den Aussagen Scardullas. Diese Zweifel sind nicht unberechtigt, wenn man erführt, daß bei einer Besichtigung des „Fundortes" in Pergarnino, bei der Scardulla die Polizei führen sollte, ein Erdloch wiedergefunden wurde, dagegen die eigentliche „Höhle", in der Scardulla den Schatz entdeckt haben wollte, nicht mehr vorhanden war. (Scardulla behauptet, die „Verbrecher" hätten die Höhle später zerstört, um alle Spuren zu verwischen.) Der Verdacht, daß Scardulla ein Schwindler sei, verstärkte sich jedoch gewaltig, als sich eines Tages ein Schmied aus der Gegend des „Fundes" meldete und erklärte, daß er vor drei Jahren für Scardulla auf Bestellung eine schwere eiserne Kiste angefertigt und sie dann, nachdem Scardulla etwas hineingefüllt habe, von dessen Beschaffenheit er, der Schmied, nichts gewußt habe, verlöten mußte. Scardulla wiederum behauptet, daß er diese eiserne Kiste zu einem anderen Zweck gebraucht und sie mit der „Schatz"-Geschichte nichts zu tun habe. Aber wenn man auch annehmen will, daß die „Schatz"-Erzählung ein mehr oder weniger fein angelegter Schwindel ist, so bleiben nun erst recht eine Menge von Fragezeichen übrig, welche die argentinische Polizei und die Oeffentlichkeit auf das lebhafteste beschäftigen. Warum, so lautet nach wie vor die wichtigste Frage, der Selbstmord Valdi- viesos? Woher' stammt der Ring, den er trug? Sollte wirklich ein Schatz vorhanden gewesen, aber nicht in der Erde gefunden worden fein, sondern aus Diebstählen stammen? Ist man einer großen Schatzräuberbande auf der Spur? Scardullas Vorleben selber ist durchaus nicht einwandfrei. Seine Kurpfuscherei, die man ihm inzwischen nachgewiesen hat, war nichts anderes als Betrug. Auch soll Scardulla eine Zeitlang einen berüchtigten Straßenräuber in feinem Hause versteckt gehalten haben. Was aber konnte Scardulla, wenn er wirklich mit der Unterwelt in Verbindung stand und vielleicht aus Verärgerung gegen seine Komplicen, von denen er sich betrogen fühlte, vorgehen wollte, dazu veranlassen, nun ausgerechnet die Polizei in Bewegung zu setzen und sich dadurch selbst zu gefährden? Kurz, die Angelegenheit des „(Sobremonte"« Schatzes oder jedenfalls des „Schatzraubes", dem man auf der Spur zu fein scheint, ist vorläufig alles andere als klar. Sicher wird nun, da die Polizei mit allen Mitteln an ihrer Aufklärung arbeitet, noch allerlei Interessantes und Ueberraschen» bes ans Tageslicht kommen. *