Nr. 298 Erstes Matt 188. Jahrgang Mittwoch. 2!. Dezember 1938 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr. . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Hießen Postscheckkonto: ' Zranifurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Unlverfitätrdruckerei R. Lange in Gießen. Schristleitung und Geschäftrftelle: Schulftraße 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25^ mehr. 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Man liebt in allen Ländern spanischer und portugiesischer Sprache, in diesen aber besonders, die gepflegte und durchgearbeitete Redekunst nach lateinischen Vorbild, die „forensische" Beredsamkeit mit dem zugehörigen Spiel der Gesten zu begleiten. Delegierte, die sich von den früheren Konferenzen her kennen und sich bei solchen Gelegenheiten Wiedersehen, pflegen sich zu umarmen und sich dabei, südamerikanisch freundschaftlich, auf die Schulter zu klopfen. Der „abrazo", die Umarmung, gehört nun einmal zu einer panamerikanischen Konferenz. Die Nordamerikaner stehen dabei ein wenig steif, als wenn sie irgendwie- nicht dazu gehörten. Als aber der argentinische Außenminister C a n t i l o , von dem alle Welt weiß, daß er und seine Delegierten auf der Konferenz die Opposition gegen zu weitgehende nordamerikanische Wünsche anführen, nach der ersten Rede Cordell H u l l s ostentativ auf diesen zuging und ihn vor der Versammlung umarmte, da kannte die Begeisterung der Konferenz keine Grenzen.' Norden und Süden umarmten sich, die beiden größten Mächte Amerikas standen Hand in Hand vor der Versammlung... das war ein großer Moment. mobil Platz, — und ließ,sich darin rasch nach Hause fahren. Die Konferenz merkte von diesem kleinen Zwischenfall nichts. Sie war eröffnet und konnte mit ihren Arbeiten beginnen. Diese Arbeit bestand zunächst darin, daß die Vertreter der beiden einander gegenüberstehenden Staatengruppen, die Außen- minister Argentiniens und Nordamerikas, ihre, einander in fast allen Einzelheiten widersprechenden Ideen darlegten. Die Nordamerikaner sagten, durch den Mund Cordell Hulks, daß Amerika von Europa, von gewissen europäischen Mächten, eine Gefahr drohe daß sich die Mächte des Kontinents auf diese Gefahr einstellen, daß sie für Freiheit, Fortschritt, Kultur und Demokratie zu kämpfen gerüstet sein müßten. Die Argentinier dagegen glauben nicht an eine solche Gefahr. Sie sagen: Wenn es wirklich zu einem Angriff auf unseren Kontinent kommen sollte, so werden schon alle amerikanischen Nationen zusammenstehen, — aber dazu braucht es keines Paktes. Pakte engen die Handlungsfreiheit einer Nation ein, wir brauchen keine Pakte, wir tnüsfen uns unsere Handlungsfreiheit bewahren: denn jede unserer Nationen hat sich, seit der Befreiung von spanischer oder portugiesischer Herrschaft, anders entwickelt, jede hat ihre besonderen Bedürfnisse und jede muß ihre eigene Politik führen. Bleiben wir einig,-.— aber felbständig ... Nach Hulls Rede umarmte Cantilo, wie bereits erwähnt, den Amerikaner. Aber findet nicht, wer Cantilos Rede aufmerksam liest, in dieser immer wiederholten Versicherung der Selbständigkeit im Keime alle jene Befürchtungen ausgesprochen, die Südamerika gegenüber dem Norden hegt, die jedenfalls zahlreiche südamerikanische Staaten, an deren Spitze Argentinien steht, gegenüber den Nordamerikanern hegen? Einig, — aber selbständig. Man will sich von Nordamerika nicht beschützen lassen, weil man fürchtet, daß ein solcher Schutz zu leicht in eine Schutzherrschaft ausarten könnte. Das ist das Problem des Panamerikanismus, das noch auf allen panamerikanischen Konferenzen gestellt war, und das auch, trotz allen gegenteiligen Versicherungen aus Washington, trotz Roosevelts Politik der „guten Nachbarschaft", noch heute so gestellt ist. Nordamerika will die Südamerikaner von der Notwendigkeit eines Schutzes überzeugen und malt darum die „europäische Gefahr" an'die Wand, — Argentinien will, als stärkster südamerikanischer Staat, einen solchen „Schutz" nicht aufkommen lassen, und bestreiket deshalb das Vorhandensein einer „Gefahr". Das ist, in wenigen Worten, das Wesen des nordamerikanisch-argentinischen Gegensatzes, der auch nach der Umarmung , Cantilo-Hull, nach dem öffentlichen „Abrazo", nicht weniger stark ist als vorher. Keine Fatima in Lima Lima, 20. Dez. (DNB.) Es ist bisher nicht gelungen, für die geplante gemeinsame Erklärung, ! womit der panamerikanische Kongreß abgeschlossen i werden soll, eine befriedigende Formel zu finden. Der nordamerikanische und der argentinische Standpunkt bleiben nach wie vor unvereinbar. Peru ist um eine Zwischenlösung bemüht, welche sich im allgemeinen mehr der argentinischen Linie annehmen soll. Gleichzeitig wird eine zweite Formulierung von der Union ausgearbeitel. Da die eigentlichen Probleme ungeklärt sind, werden jetzt allgemeine Fragen in den Vordergrund gestellt. So stellt Kuba die Forderung, die h i st o r i s ch e n Schätze und Baudenkmäler zu erforschen und ihre Erhaltung durchzuführen. Auch wird die Schaffung eines allgemeinen amerikanischen geographischen Institutes erwogen und schließlich erhoben die Frauen die Forderung, hinsichtlich ihrer politischen Rechte gleichgestellt zu werden, indem sie auf das Beispiel der fortschrittlichen, Verhältnisse in Europa hinwiesen. Aber auch diese wundervolle Geste konnte niemanden darüber täuschen, daß die Gegensätze zwischen der nordamerikanischen und der argentinischen Delegation in unverminderter sachlicher Schärfe fortbestehen, wenn man davon in der Oes'entlichkeit auch nicht spricht. Einerlei, der „abrazo" war ein Symbol, sollte bewußt eines sein und wurde auch so verstanden. Auf einer europäischen Konferenz wurde man es schwer begreiflich finden, wenn sich sachliche Gegner plötzlich vor versammeltem Plenum in die Arme fielen. Hier aber gehört auch so etwas selbstverständlich dazu. Freunde der Repräsentation und der Prachtentfaltung kommen bei dieser Konferenz auf ihre Kosten. Schon die Stadt Lima, die schönste und prächtigste "Stadt Südamerikas, was Zeugnisse der Vergangenheit und der spanischen Kolonialzeit an= geht, der ehemalige Sitz der Vizekönige des gesamten spanisch-südamerikanifchen Kolonialreiches, die deshalb ja auch „Stadt der Könige" heißt, ist ein herrlicher Hintergrund für eine solche Konferenz, zu der alles, was in beiden Amerika Rang und Namen hat, erschienen ist. Als die Konferenz im Kuppelsaal des peruanischen Abgeordnetenhauses, dessen Wände mit Bildern der Befreiungsgenerale San Martin und Bolivar geschmückt sind, eröffnet wurde, waren alle Delegierten im feierlichen Abenddreß erschienen. (Um das zu ermöglichen, hatte man wahrscheinlich die Eröffnungssitzung auf die ungewöhnliche Zeit von sechs Uhr abends gelegt.) Die Zuschauertribünen waren ebenfalls dicht besetzt mit Angehörigen des Diplomatischen Korps, Begleitern und Damen der Delegierten, führende Persönlichkeiten der limenser Gesellschaft. Die Damen waren in großer Abendtoilette, es funkelte nur so von Diamanten und Perlen, und die Herren hatten, wenn es ihnen aus irgendwelchem Grund möglich war, den einfachen Abendanzug mit einer glänzenden Uniform vertauscht. Man sah überraschend viele Uniformen auf den Zuschauertribünen, so daß der Verdacht entstehen konnte, als hätten aus diesem Anlaß nicht nur die aktiven Offiziere der peruanischen Armee und die Militärattaches der Mächte, sondern auch alle diejenigen eine Uniform angelegt, die nur je in ihrem Leben einmal ein solche getragen hatten, — freilich nur, soweit sie Offiziersrang besaßen. Der Präsident von Peru, der, wie so viele mittel- und südamerikanische Präsidenten, auch General ist, eröffnete die Konferenz. Auch das war ein feierlicher Akt. Er begnügte sich nicht damit, von feiner Wohnung aus rasch im Automobil zum Konferenzgebäude zu fahren und zur festgesetzten Stunde die Eröffnungsrede zu halten, — er fuhr, auf purpurroten Kissen in einer prächtigen Staatskutsche sitzend, auf einem vorher bekanntgegebenen und protokollarisch vorgeschriebenen Wege durch die Stadt, vier herrlich aufgezäumte Rosse vor dem Wagen. Die Menschen jubelten ihm zu, Trompetenstöße verkündeten der Konferenz sein Erscheinen, die Mitglieder erhoben sich und empfingen den Präsidenten stehend, indes dieser, unter dem Klang der Trompeten, die acht Marmorstufen zum Konferenzsaal hinaufschritt ^und dann seine Eröffnungsansprache las. Auf dem Heimweg, der mit gleichem protokollarisch vorgeschriebenem Zeremoniell vor sich ging, vassierte dem Präsidenten ein kleines Mißgeschick. Aus irgendeinem noch unaufgeklärten Anlaß scheuten die Pferde an seiner prächtigen Staatskutsche, und die Deichsel brach. Man brachte die Tiere rasch zum Stehen, der Präsident nahm die Angelegenheit mit Humor, er verließ fein purpurnes Kiffen und seine prächtige Karosse, nahm in einem weniger prächtigen, dafür aber erheblich schnelleren Auto- Leistungssteigerung der deutschen Mrischast Einheitliche Lenkung aller Maßnahmen durch Neichswirtschafisminister Funk Eine Anordnung Görings. Berlin, 20.Dez. (DNB.) Der durch den Vier- jahresplan herbeigeführte Aufschwung hat zu einer vollen Inanspruchnahme der deutschen Wirtschaft geführt. Die zur Verfügung stehenden Betriebsanlagen und Produktionsmittel sowie die menschliche Arbeitskraft sind voll ausgenutzt. Daraus hat sich die Notwendigkeit ergeben, durch eine Verbesserung der Betriebsanlagen und Betriebsmittel sowie durch eine Steigerung des Leistungsvermögens der Werktätigen die deutsche Wirtschaftskraft zu erhöhen. Die Größe dieser Aufgaben hat die v e rs ch i e ö e n ft f n Stellen veranlaßt, Maßnahmen der Rationalisierung und Leistungsertüchtigung zu treffen. Neben den einzelnen Ministerien und ihren Beratungsstellen war eine große Zahl von Organisationen wie auch die DÄF. auf diesem Gebiete tätig. Bei dem mangelnden Zusammenhang zwischen diesen Stellen weißte aber zwangsläufig eine Zersplitterung der Kräfte eintreten, die dem gewünschten Erfolg Abbruch tat Um die zentrale Führung sicherzustellen, hat der Beauftragte für den Dierjahresplan, Generalfeldmarschall Göring, dem Reichswirtschaftsminister Funk mit Schreiben vom 14. Dezember 1938 folgenden Auftrag erteilt: „Die Durchführung des Vierjahresplanes hat zur vollen Inanspruchnahme der deutschen Wirtschaft und zum Volleinsah aller Werktätigen geführt. Eine Erhöhung der deutschen Wirtschaftskraft kann noch durch Verbesserung der Betriebsantagen, Produktionsmittel und Produktionsmethoden sowie Steigerung des Leistungsvermögens der in der deutschen Wirt- schäft Tätigen erfolgen. Die zu diesem Zwecke durchzuführenden Maßnahmen bedürfen einer einheitlichen Lenkung. Aus diesem Grunde beauftrage ich Sie, alle Maßnahmen, die zur Leistungssteigerung der deutschen Wirtschaft erforderlich sind, anzuordnen und durch- ; u f ü h r e n. Sie sind ermächtigt, die sich aus dieser Zielsetzung ergebenden Aufgaben auf die zur Durchführung geeigneten Stellen — bei Inanspruchnahme von Dienststellen der Partei, ihrer Gliederungen und angeschlossenen Verbände im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers — zu verteilen und die Aufgabengebiete dieser Stellen untereinander abzu- grenzen. Ihrer Deisungsbefugnis unterstehen zur Erfüllung dieser Aufgaben alle in die Gesamtplanung einzubeziehenden Organisationen und Unternehmen." Aus dieser Beauftragung ergibt sich, daß nunmehr der Reichswirtschaftsmini st er allein befugt ist, Weisungen über die Durchführung der notwendigen Maßnahmen zu erteilen und die Stellen und Mittel zu beftimmen, die hierfür zum Einsatz zu bringen sind. GroS-arabische Lösung der Palästina-Mge? (Sin Sohn Zbn Sanas als Thronkanaidat. - Großes Interesse in London für den neuesten plan. (Eigener Bericht des Gießener Anzeigers. S. K. Kairo, 20. Dezember. In Kulisfengesprächen zwischen den verschiedenen arabischen Kreisen — also vornehmlich zwischen den Mitgliedern des arabischen Komitees und den Regierungen der eingeladenen arabischen Staaten —, ist ein interessanter Plan aufgetaucht: Man will Emir Feisal, den zweiten Sohn Ibn Sauds des Königs von Saudi-Arabien und gegenwärtigen Vizekönig des Hedschas, als König von Palästina proklamieren. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautbart, ist dieser Plan nichts jüngsten Datums, sondern wurde schon im vergangenen Sommer in London diskutiert, wenngleich nicht in dieser scharf umrissenen Form. Damals weilte der Saudische Kronprinz in London und hat dort im Auftrage seines Vaters ein umfassendes Memorandum zur Lösung der Pa- lästmafrage üborreicht, das die besondere Aufmerksamkeit der englischen Regierung gefunden hat und bis jetzt geheim geblieben ist. Offenbar sind darum für die Lösung der Palästinafrage weitgehende Saudische Ansprüche angemeldet, die sich, soweit sie die Kandidatur eines Saudischen Prinzen für den Thron von Palästina betreffen, englischen Wün- schen nicht unbedingt entgegen sein müßen. Denn ldie ausgezeichneten Beziehungen, die London zu 1 Ibn Saud unterhält, und die noch dieses Jahr durch 1 den Besuch eines Mitglieds des englischen Königs- ! Hauses des Earl of Athlone in El Riad unterstrichen | wurden, sind bekannt. Ein Saudischer Prinz auf । dem Thron in Jerusalem würde diese englisch-saudi- I scheu Bindungen und Beziehungen noch enger knüpfen und bedeutsam sein für London hinsichtlich der Machtverhältnisse im Roten Meer. Die einzige Streitfrage zwischen London und El Riad — der saudische Anspruch auf Akaba an der Sinai- Halbinsel — wäre mit einer solchen Kandidatur erledigt, denn saudisches Machtbereich würde dann — | wenngleich in der Form eines neuefi selbständigen Staates b i s zum Mittelmeer vorgeschoben, Saudije würde also Mittelmeermacht, ein Ziel, auf das der Herr Arabiens feit den frühesten Tagen seines Aufstiegs hinstrebt. Mit solcher Kandidatur würde die von England oft aufgeworfene Frage einer Vereinigung Transjordaniens mit Palästina erneut zur Debatte gestellt, da es unmöglich scheint, daß ein Saudischer Prinz in Palästina neben dem Emir Abdallah in Transjordanien residieren könnte. Dafür ist die Feindschaft zwischen beiden Dynastien zu tiefgehend, denn das Herrscherhaus der Hasche- Gwenn Ha Du. Die Farben der Bretagne, Weiß-Schwarz, lauten in der Landessprache Gwenn Ha Du. Das ist nicht jene Sprache, die die Stämme Galliens vor der Romanisierung besaßen und aus der, mit germanischen Bestandteilen gemischt, sich auf der Grundlage des Lateinischen das Französische entwickelte, sondern fast die gleiche Abart des Keltischen, die in Wales gesprochen wird. Denn die Bretagne, das frühere Ärmorika, wurde im 5. Jahrhundert Zufluchtsstätte der aus Britannien durch die Angelsachsen vertriebenen Kelten. Die ehemalige Bretagne ist die äußerste Nordwestecke Frankreichs mit den Städten Rennes, Nantes, St. Malo, Dol> St. Brieuc, Vannes Quimper, St. Paul de Leon und Treguieur. In diesen rein keltischen Gebieten wird noch die bretonische Sprache und Literatur, das Brezonnek, gepflegt. Auch äußerlich schon unterscheidet sich der Bretone von den Franzosen. Der Bretone ist sehr kirchlich, aber, im Volksglauben hat der Druidenglauben,, mit Geisterseherei und Aberglauben, noch tiefe, Wurzeln. Der Bretone ist konservativ und eigensinnig, ernst, melancholisch und dabei doch tief leidenschaftlich und freiheitsliebend sowie todesverachtend. Die Bretonen waren die besten Seeleute. Frankreichs, die eifrigsten Parteigänger, die Soldaten, die auch im, Weltkriege den höchsten Blutzoll für Frankreich gaben, denn es fiel jeder vierzehnte Bretone. Jahrhundertelang ist die Bretagne verhältnismäßig selbständig gewesen. Im Mittelalter gab es zeitweilig sogar Könige der Bretagne, aber 1488 erlosch der Mannesstamm der einheimischen Herzöge, die während des hundertjährigen Krieges immer mit England und gegen Frankreichs Königshaus gefochten hatten. Anna, die letzte aus dem alten Herzogsgeschlecht der Bretagne, war mit dem Habsburger Maximilian, "bem letzten Ritter, verlobt, aber durch sehr unschöne Weile wurde sie mit Karl VIII. von Frankreich und nach dessen Tode mit Ludwig XII. vermählt. Unter Franz I. von Frankreich wurde die Bretagne 1532 mit Frankreich vereint, allerdings unter Beibehaltung ihrer Sonderart. Den bretonischen Ständen wurden ihre Gerechtsamen belassen, die Sprache und der Kultus blieben unangetastet, und in Rennes tagte ein eigenes Parlament. Für diese Liberalität erwiesen tsich die Bretonen insofern erkenntlich, als sie, wie auch die Vendee im Südwesten Frankreichs, sich in der französischen Revolution 1789 zugunsten Ludwigs XVI. erhoben. Die aufständischen Bauern der Bretagne haben drei Jahre lang mit List und Kühnheit als Chouans einen greuelooüen Bürgerkrieg unter dottereau, Cadoual und dem Grafen Puifays gegen die Truppen des Convents geführt, bis General Hoche sie schlug und die Tragödie auf der Halbinsel Ouiberon am 20. Juni 1795 der Chona- nerie ein Ende gemacht zu haben schien. Aber 1799 erhoben sie wieder ihr Haupt. Erst eine allgemeine mitten verlor 1925 den Thron des Hedschas an Ibn Saud. Eine Beseitigung Emir Abdallahs — dessen Stellung im eigenen Lande äußerst fragwürdig ist — dürfte, so dies in englische Pläne paßt, London nicht allzu viel Kopfzerbrechen bereiten. Denn der Emir lebte von Beginn an von Englands Gnaden und ausschließlich davon. Auch auf die Neuordnung in Syrien dürfte die Kandidatur eines. Saudischen Prinzen in Palästina nicht ohne Folgen sein und dort dem Wunsch nach einer groß-arabischen Lösung der vorderasiatischen Verhältnisse neuen Auftrieb verDer zweite Sohn Ibn Sauds, Emir Feisal. (Scherl-Bilderdienst-M.) vMk s M < K 1'. V' ■ WM schaffen. Mitglieder des arabischen Komitees haben in der Frage der Kandidatur Emir Feisals auch schon Fühlung genommen mit den interessierten arabischen Regierungen und offenbar in Kairo Zustimmung gefunden, während die Situation in Bagdad schwieriger ist, da hier ein Haschemide — König Ghazi — den Thron innehat. Er ist der Neffe Emir Abdallahs in Transjordanien. Auch'der Mufti von Jerusalem dürfte möglicherweise Gegner ein solchen Saudischen Machtausweitung sein, da er offenbar feit Jahren in Palästina auch eigene persönliche Intentionen verfolgt. In jedem Fall würde die Proklamation eines Saudischen Prinzen zum König von Palästina eine grundleaende Umwälzung der Ordnung im arabischen Vorderasien bedeuten, und die Pläne dazu sind darum besonderer Aufmerksamkeit wert. Amnestie machte dem Bürgerkrieg ein Ende, dessen letzte Zuckungen noch 1814 und 1815 verspürt wurden. Die Bourbonen machten die Anführer dieser bretonischen Bauernhaufen zu Feldmarschällen und Pairs von Frankreich. Die Plumpheit, mit der die Republik gegen die Bretonen vorging, ihre Sprache unterdrückte, ihre Religion verfolgte, in der Schule alles tat, um die Gefühle der Bretonen zu verletzen und sie reif für den genormten Franzosen zu machen, hat eine gewisse Gegenbewegung heroorgerufen, die zum ersten Male 1932 in Erscheinung trat, als der Freimaurer Herriot als Ministerpräsident in Nantes die Triumphdenkmäler der Vereinigung des Landes mit Frankreich einweihen wollte. Der reine Protestcharakter dieser Aktion ist schon dadurch sinnfällig, daß zwar die Schienen an der Grenze Frankreichs und der Bretagne gesprengt wurden, aber die Bretonen rote Laternen als Warnungssignale angebracht hatten. Jetzt sind ebenfalls Erinnerungsdenkmäler in die Luft geflogen, aber die granitenen Sockel sind dabei unbeschädigt geblieben; sie wurden geschont, weil sie aus heimischem Gestein hergestellt sind. In Rennes wurden die bretonischen Autonomisten Debeauvais und Mordrel zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil sie für das Bretonische als Schulsprache und für eine regionale Verwaltung der Bretagne eingetreten waren. Es handelt sich hier nicht um Separatismus, sondern um eine Bewegung, die die Eigentümlichkeiten der Bretagne erhalten will. Doch in diesen Dingen versteht das Parifertum keinen Spaß. E. S. Tunis. Manöver an der „Maginot-Linie". Entlassung von Italienern. P ari 5, 20. Dez. (DRV.) Die französischen Blätter veröffentlichen in den letzten Tagen mehrfach Reportagen über die in aller Stille Erbaute „M a - gi not-Li nie" von Tunis an der tunesischlibyschen Grenze. Diese Befestigungsanlagen werdest als uneinnehmbar bezeichnet. — „Paris Soir" berichtet, daß 10 0 000 Mann längs der tunesisch-libyschen Grenze zusammen- gezogep seien. Auf dem Dach eines Hotels in der Oase von' Gabes sei eine militärische Beobach- tungsstelle eingerichtet, von der aus ununterbrochen Posten weithin die französischen Befestigungsanlagen bewachen können. Die dortigen französischen Befehlshaber stünden in unmittelbarer und ununterbrochener Verbindung mit den an der Mit- telmeerküste aufgestellten Flakbatterien. Augenblicklich würden Manöver durchgeführt, um die Verteidigung aller strategischen Punkte zu prüfen und zu verbessern. Wie der Mailänder „EorrieredellaSera" berichtet, werde» zur Zeit in Tunis die Italiener in den Büros und Fabriken entlassen. In unzähligen Fällen sind die Italiener vor die Wahl gestellt worden, sich nationalisier e n zu lassen oder ihreStellungaufzu- geben. Die Peugeot-Werke hätten fünfzehn italienische Mechaniker entlassen; ebenso würden die Werften Italiener entlassen, die sich nicht einbürgern lassen wollten. (£in italienisches Baunter- nehmen fei aufgefordert worden, die letzten ausländischen Arbeitskräfte zu entfernen. In der Gerichtskanzlei von Tunis seien die letzten fünf italienischen Beamten entlassen worden, darunter zwei Damen mit Mehr als acht Dienstjahren. Seit einer Woche werde die italienische Kolonie von jeder Dienstleistung in der Residenz ausgeschlossen. Täglich nähmen die Entlassungen zu und richteten sich besonders gegen mittellose Italiener. Ueberall erhielten die Franzosen eine Vorzugsstellung zugebilligt. Die Zeitung „Tun6sie Fran^aise" habe vor einiger Zeit geschrieben: „Es ist unerläßlich, die italienische Kolonie mit der Zeit aufzusaugen und ihre Vergrößerung zu verhindern." - Frankreichs Marxistengewerkschast bricht auseinander. Paris, 21. Dez. (DRV. Funkspruch). Der Mißerfolg, den der marxistisch-kommunistische Gewerk- schastsverband mit dem Generalstreikversuch am 30. November erlitten hat, hat zu einem wahren Zusammmenbruch der CGT-Gewerkschaft geführt. In den großen Metallindustrien, in denen" sie die Mehrzahl ihrer Mitglieder hatte, macht sich seit An- fang Dezember ein passiver Widerstand bemerkbar, der sich vorläufig noch in der Weigerung zur Beitragszahlung auswirkt, nach und nach yL« dazu übergeht, daß die meisten Mitglieder ihren Austritt erklären. Der Matin will erfahren haben, daß die EGT., die noch vor nicht langer Zeit mit angeblich 5 Millionen Mitgliedern protzte, im Jahre 1939 nur noch zwei Millionen Mitglieder zählen werde. Unter den Arbeitern mache sich eine Bewegung bemerkbar, die darauf hinausgehe, das Gewerkschaftsleben von allen politischen und wirtschaftlichen Einflüssen .zu befreien, die von den Kommunisten hineingetragen worden sind. Mussolini dankt den kinderreichen Familien. Rom, 20. Dez. (Europapreß.) Mussolini empfing, wie alljährlich am 20. Dezember, im Palazzo Venezia die kinderreichsten Ehepaare Italiens und überreichte jedem Familienvater eine Geldspende von 5000 Lire und ein Sparkassenbuch mit 1000 Lire für das jüngste Kind. Während in früheren Jahren die kinderreichsten Eltern aus der ganzen Bevölkerung ausgewählt wurden, hat diesmal jede Provinz aus den Landarbei- tvrn und Kleinbauern das Ehepaar nach Rom enfiandt, das in den letzten zehn Jahren die meisten Nachkommen zu verzeichnen hat. Der Duce wies auf die Bedeutung des Bauernstandes hin, der die Kraft Italiens fei. Er forderte die Mütter auf, ihre Kinder für die Bearbeitung des Bodens zu erziehen und sie vor den trügerischen Lockungen der Städte zu bewahren. Italien baut ein Dolksmotorrad. Rom, 20. D^z. (DNB.) Bei Ausführungen über den.italienischen Motorsport kündigte General Vaccaro das italienische Volksmotorrad an, das durch tatkräftige Unterstützung der Industrie n i ch t m e h r als 2 0 0 0 bis 2500 Lire, alfo ca. 270 Mark, kosten wird. Die Zahlungsbedingungen werden so günstig gestellt, daß jeder italienische Arbeiter und Angestellte das Volksmotorrad, das eine Geschwindigkeit von 70 bis 75 km/st entwickeln soll, erwerben kann. Die Heimat grüßt die Ausländsdeutschen Großdeutsches Reich und Auslandsdeutschtum eine unzerstörbare Einheit. aus sind mir aber ungezählte Begebenheiten ein beredtes Zeugnis für den nationalsozialistischen Geist, der im Auslandsdeutschtum und in der Seefahrt herrscht. So wie das Dritte Reich immer und immer wieder unmißverständlich seine Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht hat, die im Ausland lebenden Reichsbürger in seinen starken Schutz zu nehmen, so weiß auch dcw Reich um die unverbrüchliche Treue dieser Männer und Frauen. Das Reich und sein Auslandsdeutschtum bilden heute eine durch keine Not und durch keine Gefahr zu zerstörende Einheit. In diesem stolzen Bewußtsein kann ich wiederum meinen auslandsdeutschen Volksgenossen und unseren Kameraden in der Seefahrt die herzlichsten Grüße der Heimat zum Weihnachtsfest und die besten Glückwünsche zum neuen Jahr übermitteln. Das erhebende Gefühl einer- in früheren Jahren nie gekannten Zusammengehörigkeit wird allen Deutschen, die fern der Heimat leben, die kommenden Festtage verschönen. Hierin werden alle Volksgenossen, die am Aufbau eines nationalsozialistischen Auslandsdeutschtums und einer nationalsozialistischen Seefahrt mitgearbeitet haben, den Dank der Na- t i o n für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit finden. In erster Linie gilt unser Dank den Parteigenossen in aller Welt und auf hoher See, die in unerschütterlicher Arbeit den Gleichklang zwischen Reich und Auslandsdeutschtum geschaffen haben. Ich weiß, daß sie alle im kommenden Jahre ihre Pflicht erfüllen werden und daß diese Pflichterfüllung ihren Niederschlag finden wird in dem Wunsch, sich immer und überall des großen Mannes würdig zu erweisen, der sein Volk in eine glanzvolle Zukunft führt. Ein Weihnachlsaufrus Gauleiter Sohle?. Berlin, 20. Dez. (DNB.) Gauleiter Bohle richtet an die Ausländsdeutschen und an die Arbeitskameraden der Seefahrt folgenden Aufruf: Hinter uns liegt ein Jahr von so gewaltiger geschichtlicher Größe, daß wir es alle stoch kaum in seiner weittragenden Bedeutung ermessen können. In einem Zeitraum von sieben Monaten ist der jahrtausendalte Traum der Deutschen durch Adolf Hitler zur Wirklichkeit geworden. Die deutsche O st m a r k und das Sudetenland sind ins Reich heimgekehrt. Großdeutschland ist erstanden. Aste deutschen Menschen, die das Glück haben, Zeugen dieser weltgeschichtlichen Epoche zu sein, sind von einem unbändigen Stolz erfüllt, der Nation anzugehören, die von Adolf Hitler aus Unterdrückung und Versklavung zum Siege und damit zur Freiheit geführt wurde. Die Geschlechter, die nach uns kommen, werden uns darum beneiden, daß wir in einer solchen Zeit leben durften. Wenn ich auf die Ereignisse dieses Jahres zurückschaue, dann erfüllt es mich mit Stolz und Freude, zu wissen, daß die Ausländsdeutschen und unsere See- ahrer stets in vorderster Linie standen, wenn es ;alt, vor der Welt die Gefolgschaftstreue der Deut- chen zu ihrem Führer zu bekunden. Die Wahlen zum Großdeutschen Reichstag und die Ersatzwahl der Sudetendeutschen haben wiederum eindeutig bewiesen, daß unsere Männer und Frauen außerhalb der Reichsgrenzen trotz Haß und Verleumdung unerschütterlich zum Reich stehen. Darüber hin- Die plötzlich hereingebrochene Kälte hat auf vielen deutschen Strömen schweren Eisgang heroorgerufen und die Schiffahrt zum Teil stillgelegt. Unsere Aufnahme aus Frankfurt zeigt den vereisten Main. Im Hintergrund der Dom. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Allmählicher Rückgang der Kälte. Lieber 1500 Meter bereits Wärmegrade! München, 20. Dez. (DNB.) Das alte Sprich- wirt „Gestrenge Herrep regieren nickt lange" scheint sich auch diesmal wieder zu bewahrheiten. Nach der grimmigen Kälte, die ganz unvermittelt einsetzte und Bayern Kältegrade bis zu minus 15 Grad brachte^ war am Dienstagmorgen ein leichter Temperaturanstieg festzustellen. Zwar zeigte, das Thermometer in den tieferen Lagen immer noch unter 10 Grad — Füssen und Berchtesgaden meldeten sogar 13 Grad und der Peißenberg minus 14 Grad —in der Höhe machte jedoch der Warm- luftvorstoß von Westen her ganz erhebliche Fortschritte. In Höhen über 1500 Meter war am Dienstagfrüh bereits eine Temperaturumkehr zu beobachten. So meldete der Predigtstuhl plus 2 Grad, das Nebelhorn nur 0 Grad und die Zugspitze minus 8 Grad. Da nach dem Wetterbericht des Reichswetterdienstes München die Warmluftzufuhr in der Höhe bestehen bleibt, ist damit zu rechnen, datz die Warmluftmassen nach und nach auch in die tieferen Lagen einfließen und der Frost eine weitere Milderung erfährt. Schneefall im Schwarzwolb. Im Schwarzwald ist über Nacht Schneefall bis hinunter ins Rheintal eingetreten, der zur Zeit bei starker Bewölkung und Temperaturen zwischen minus 5 und minus 12 Grad anhält. In den Höhenlagen hat die Pulverschneedecke jetzt die besten Möglichkeiten für den Wintersport geschaffen. Treibeis auf den Flüssen. Das Treibeis auf dem Main hat sich über Nacht so verstärkt, daß der Schiffsverkehr auf dem ganzen Main ab sofort gesperrt wurde. In der freien Strecke noch liegende Fahrzeuge haben sich sofort in Sicherheit zu bringen. In Lohr hat sich das Eis auf dem Main gestellt. Vom Rhein wird starkes Treibeis gemeldet aus Köln, Koblenz und Trier, schwaches Treibeis aus Kaub und Biebrich. Nur einzelne stärkere Motorschiffe passieren noch die Koblenzer Reede. Die meisten Schiffe haben in den Wintersicherheitshäfen Zuflucht genommen, deren Einfahrt ständig von Eisbrechern aufgehalten werben, muß. Da das Treibeis sich verstärkte, mußte auf Veranlassung der Wasserbauoerwaltung auch die Fähre Koblenz- Ehrenbreitstein stillgelegt werden. Die Mosel zeigt bereits Grundeisbildung. Im Moselsicherheitshafen befinden sich mehrere Holzkahne in Eisnot. An der Koblenzer Moselwerft mußten die Schiffe im höchsten Arbeitstempo ihre Be. und Entladungen durchführen. Die Moselschifffahrt ist durch den Eisgang stillgelegt. Die Nahe ist bereits völlig zugefroren? Bei Koblenz weisen der Moselfloßhafen, der Ehrenbreit- steiner Hafen und der Sicherheitshafen der Lache eine vollkommene Eisdecke auf. Flugzeuge im Nordseeinselverkehr. Auf die Bitte von Hauptamtsleiter Hilgen- feldt entsandte, wie die NSK. meldet, am Dienstag Generaloberst Milch mehrere Maschinen der Lufthansa nach den Nordseeinseln Juist und Wangerooge. Sie werden die dort in Erholungsheimen der NSV. befindlichen Mütter und Kinder, die durch Eisbarrieren vom Festlande getrennt sind, nach Berlin holen, damit sie das Äeihnachtsfest in ihrer Familie feiern können. Drei Todesopfer in der Tschechoslowakei. Die Kältewelle hat auch in der Tschecho- Slowakei eine Reihe von Todesopfern gefordert. Insgesamt liegen bisher Meldungen über drei Fälle von Tod durch Erfrieren vor. In König- grätz wurde ein aus der Besserungsanstalt entsprungener 18jähriger Zögling erfroren aufgefunden, der unter einem Brückenbogen zu übernachten.versucht hatte. Bei Olmütz war das Opfer ein Gemüsehändler, der bei der nächtlichen Fahrt zum Markt ohnmächtig und so vom Kältetod ereilt wurde. Bei Pre- louc wurde »in Eisenbahner von einem vorbeifahrenden Zug leicht verletzt; unfähig, sich fortzubewegen, erlitt auch er den Tod durch Erfrieren. 3m Nördlichen Eismeer ein Grad über Null! Die Wetterlage in Sowjetrußland zeigt ein außergewöhnliches Bild. In Moskau und Umgebung herrschte bis vor kurzem außergewöhnlich strenger Frost bis minus 30 Grad Celsius. Am Dienstag wurden in Moskau noch 18 Grad Kälte verzeichnet, in den Wolgagebieten bis zu 24 und in Nowosibirsk 48 Grad. Gleichzeitig zeigt das Thermometer im Nördlichen Eismeer ein Grad über Null. Auch in Frankreich Haies stark geschneit. In Paris hat es am Dienstag geschneit, und zwar in einem Ausmaß, wie tnan es hier seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Alle Versuche, die Straßen vom Schnee freizuhalten, blieben erfolglos. In der Innenstadt liegt der Schnee gegen 20 Zentimeter hoch. In den weniger belebten Stadtteilen und den Vorstädten erreicht der Schnee stellenweise eine Höhe von 40 bis 50 Zentimeter. Ueberall blicken erstaunte Gesichter aus den Fenstern, um dieses ungewöhnliche Bild zu bewundern. — Auch in der Provinz ist allgemein starker Schneefall zu verzeichnen. Aus allen Teilen des Landes werden infolge verschneiter ober vereister Straßen V e r k e h r s u n f ä l l e gemeldet. Auf zahlreichen Ueberlanbstraßen mußte der Verkehr eingestellt werden. Besonders im Südwesten stehen stellenweise ganze Reihen großer Lastwagen, die die Pariser Markthallen mit Lebensrnitteln versorgen sollten. Ministerwechsel in England? Vorstotz gegen Höre Belisha und Jnskip. ßonbon, 19. Dez. (DNB.) Seit Montag beschäftigt sich bie englische Öffentlichkeit unb die Presse in verstärktem Maße mit einem — wie man sagt — Verstoß jüngerer Kabinettsmitglieder gegen den Kriegsminister Höre Belisha und den Verteidigungsminister Jnskip. Dabei sind die Angriffe gegen Höre Belisha ausgesprochen persönlichen Charakters, während bei Jnskip mehr sachlich die Geschäftsführung kritisiert wird. Vor allem sollen diePersonalveränderungen, die Höre Belisha vor einiger Zeit in höheren militärischen Posten vorgenommen hat, Anlaß zu den Angriffen gegeben haben. Man betont, daß sich die Aktion nicht gegen den Ministerpräsidenten Chamberlain richte, 'auch nicht gegen seine Außenpolitik. Reuter meint, daß sehr wohl einige Aenderungen in der Regierung während der Weihnachtstage möglich seien. Die „Times" meint, es sei irreführend, von einer „Revolte" zu sprechen. Die Maßnahmen, die Chamberlain kürzlich zur Stärkung des Kabinetts ergriffen habe, feien niemals als endgültig angesehen worden, und es sei nie ein Geheimnis gewesen, daß er bei der richtigen Gelegenheit versuchen würde, die Schlagkraft der Regierung zu stärken. „DaUy Telegraph" schreibt, daß zur Zett mit Rücktritten nicht zu rechnen sei. Der Staatssekretär im Handelsministerium Hudson, von dem die Bewegung ausgeht, habe einen beträchtlichen Teil der konservativen Partei hinter sich. Die lieber» nähme des Lordkanzleramtes durch Jnskip sei schon vor den Vorstellungen Hudsons beim Premierminister beabsichtigt gewesen, und das Ausscheiden Höre Belishas aus dem Kabinett fei nicht ausgeschlossen. Gerüchte, daß er das Landwirtschaftsministerium übernehmen werde, würden in unterrichteten Kreisen dementiert. Daily Heralb behauptet, die kritisierten Minister würden bleiben, dagegen sei es sehr wahrscheinlich, daß Hudson und die auf feiner Seite steh end en Unterftaatsfetretäre aus - scheiden würden. Daily Mail sagt, daß Chamberlain einen genauen Bericht über bie Fortschritte der Aufrüstung angefordert habe, nach dessen Studium er sich über die zu ergreifenden Maßnahmen schlüssig werden wolle. Eine größere Kabinettsumbildung sei nicht ausgeschlossen. Die Kommuna'wahlen in polen. Warschau, 20. Dez. (DNB.) Bei den Kommunalwahlen in mehr als 50 polnischen Groß- unb Kleinstädten haben insgesamt erhalten: Nationale Partei (Nationaldemokraten) 407 Mandate, Lager der Nationalen Einigung 383 Mandate, Polnische Sozialistische Partei 174 Mandate, Arbeiterpartei General Hallers 53 Mandate, Jüdische Parteien 56 Mandate, Deutsche Einheitsliste 16 Mandate, verschiedene kleinere Gruppen 77 Mandate. Berücksichtigt man allein die rein polnischen Parteien, so ergibt sich, daß den 383 Mandaten des Lagers der Nationalen Einigung 639 Mandate der polnischen Opposition spar-, t e i e n gegenüberstehen. Der große Erfolg der rechtsoppositionellen Nationalen Partei erklärt sich aus dem Umstand, daß 41 von den Städten, in denen am Sonntag gewählt wurde, inPosenund Pommerellen liegen, in denen sich bie Nationale Partei als stärkste politische Organisation erneut durchgesetzt hat. Sie hat beispielsweise in Pofen selbst von 72 Manbaten 52 unb damit die absolute Mehrheit erhalten. Während sich in Vosen die Marxisten nur mit einem Mandat durchsetzen kannten, erhielten sie in Bromberg, wo sie bisher im Stabtnm-lament überhaupt nicht vertreten waren, sechs Plätze. Tschiangkasschek ändert seine Taktik. Tschungkinq, 20. Dez. (DNB.) Ein Mit- alieb des nationalen Militärrates der Tschiangkai- schek-Regierunq, General Tschentfcheng, erklärte, daß eine „grundlegende Aende- r u n a der chinesischen Strategie" bevorstehe. Die chinesischen Truppen würden nunmehr versuchen, aegen bie in dem schwierigen Gebirgsgelände der südwestlichen chinesischen Provinzen vorrückenden Javaner zum Angriff überzugehen und anderseits den Bandenkrieg hinter der feinb= lichen Front zu verschärfen. Während der augenblicklichen Kampfesruhe seien die beiden Gegner damit beschäftigt, ihre Streitkräfte neu zu ordnen und die weiteren Unternehmungen vorzubereiten. Die Japaner würden wahrscheinlich daraus aus- neben, die nordwestliche Verbindung mit Sowsetrußland zu unterbinden unb außerdem die südchinefilche Küste zu blockieren. Kleine politische Nachrichten. Der Stellvertreter des Führers empfing den Leiter des Rassen politischen Amtes im italienischen Ministerium für Volkskultur Professor Guido L a n d r a. 1 ♦ Aus den Hohwaldtswerken in Kiel lief das U-Boot-Begleitschiff „W ' lhelm Bau- e r" al alt vom Stapel. Das Schiff bat den Namen des Mannes erhalten, der das erste Unterseeboot erfunden hat. * Nach einer Anordnung des Reichsministers des Innern fällt die bisher übliche Beflaggung her Dienstgebäude am Neujahrstage künftighin fort. Zwischen einer deutschen und einer niederländischen Delegation sind Verhandlungen über Fragen des Arbeitseinsatzes von Arbeitern und Angestellten beider Länder beendet worden mit einer Vereinbarung, die den beiderseitigen Staatsangehörigen die Aufnahme von Arbeit im anderen Lande auch weiterhin ermögstcht. * Vor hundert Jahren wurde das erste Teilstück der ersten westdeutschen Eisenbahnlinie Düffeldorf-Elberfeld, die Strecke Düsseldorf-Erkrath, dem Verkehr übergeben. Dieses bedeutende Ereignis, das am Anfang des Aufstieges des rheinisch-westfälischen Industriegebietes stand, wurde in würdigen Festakten in Düsseldorf, Erkrath und Wuppertal in Anwesenheit des Reichsverkehrsministers Dr. Do r p m ü l l e r gefeiert. ♦ Deutsche, französische und belgische Jugend nimmt an dem Wintersportlager teil, das die Jugendführung des Deutschen Reiches vom 27. Dezember bis 6. Januar nun zum vierten Male veranstaltet. — Auch dieses Lager wird im Zeichen der Kameradschaft und Verständigung der Jugend der drei beteiligten Länder stehen. * Ungarische Blätter melden, daß der Führer der Volksdeutschen in Ungarn, Franz Basch, von der Donau - D a m p f s ch i f f ah rts - Gesellschaft zum Präsidenten ihrer ungarischen Unternehmung ernannt werden soll. Franz Basch ist der Gründer des erst kürzlich errichteten Volksbundes der Deutschen in Ungarn. Aus aller Welt. Eine 4,4 Millionen-Auflage der Schülerzeitschrist „&ilf mit". Berlin, 21. Dez. (DNB.) Anläßlich des fünfjährigen Bestehens der Schülerzeitschrift i l f tni t", die jetzt mit einer Auslage von 4,4 Millionen die größte Zeitschrift ihrer A r t i n d er Welt geworden ist, hatte der Reichs- walter des NSLB., Gauleiter Wächtler, zu einem Empfang geladen. Der Einladung waren nebst zahlreichen Ehrengästen aus Partei, Staat und Wehrmacht die Gauwalter und die führenden Männer der_ Reichswaltung des NSLB. gefolgt. Gauleiter Wächtler betonte, daß zu den großen Leistungen der Schule der Vorkriegszeit heute die entscheidende Erziehungsaufgabe an der Jugend zur nationalsozialistischen Weltanschauung hinzugekommen sei. Der nationalsozialistische Erzieher stehe mitten im politischen Leben der Nation und in den Gliederungen der Partei. Die gegenwärtigen Probleme der Schulerneuerung würden durch den unablässigen Einsatz auch in der Zukunft ihrer Lösung entgegengeführt werden. „Tag der deutschen Polizei" am 29. Januar 4939. Berlin, 20. Dez. (DNB.) Der Reichsführer ff und Ehef der Deutschen Polizei hat zum „Tag der Deutschen Polizei" aufgerufen, der am 29. Januar 1939 wieder im Dienste des Winterhilfswerkes stehen wird. Außerdem wird in eindrucks- >vollen Veranstaltungen dem deutschen Volke ein Bild von seiner neuen nationalsozialistisch umgeformten Polizei gegeben werden. So ist in der Reichshauptstadt in Gegenwart der höchsten Spitzen von Partei und Staat und ausländischer Gäste eine Veranstaltung geplant. Die Polizei wird weiter, uMerstätzt durch die ff, eine Straßensammlung durchfuhren, aus eigenen Mitteln bedürftige Volksgenossen aus ihren Küchen speisen und neben den laufenden Spenden für das Winterhilfswerk eine Sonderspende durchführen. Laguardia auf offener Straße niedergeschlagen. Neuyork, 20. Dez. (DNB.) Ein bezeichnender Vorfall, der deutlich erkennen läßt, wie wenig Anklang die Haltung des Oberbürgermeisters von Neuyork, des Halbjuden Laguardia, selbst bei seinen engsten Mitbürgern findet, spielte sich in der Nähe des Neuyorker Rathauses ab. Laguardia wohnte hier den Abbrucharbeiten des alten Postgebäudes bei. Plötzlich drängte sich durch die Zuschauermenge ein Mann, der den berüchtigten Hetzapostel mit einem wuchtigen Schlag am rechten Auge niederstrecke. Es war ein arnerikani- scherArbeitsloser, dessen Familie infolge der langen Beschäftigungslosigkeit ihres Ernährers den größten Sorgen ausgesetzt ist. Der Angriff erfolgte unmittelbar vor einer Rundfunkansprache Laguar- dias anläßlich der Ueberreichung einer Geldspende einer jüdischen Gesellschaft für politische Flüchtlinge. Der Angreifer wurde in eine Nervenklinik eingeliefert, wo er auf seinen Geisteszustand beobachtet werden soll. Vollstreckung zweier Todesurteile. Berlin, 20. Dez. (DNB.) Am 20. Dezember 1938 ist der am 21. Dezember 1907 geborene Reinhold Schiemann hingerichtet morden, der durch Urteil des Sondergevichts in Königsberg vom 10. Dezember 1938 wegen zweifachen Mordes zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt morden mar. Schiemann hat am 5. Dezember 1938 zwei entfernte Verwandte seiner Ehefrau, den ehemaligen Reichsbahnarbeiter Friedrich Buch und dessen Gattin, heimtückisch durch Beilhiebe erschlagen und sich in den Besitz eines ihnen gehörigen Sparkassenbuchs und ihres Bargeldes gesetzt. Die grauenhafte Untat hat hierdurch in kürzester Zeit ihre gerechte Sühne gefunden. Gleichfalls ist der am 22. Februar 1914 geborene Robert Eckert aus München h i n g e r i ch t e t worden, der durch das Urteil des Schwurgerichts in Traunstein vom 17. Oktober 1938 zum Tode verurteilt worden ist. Eckert, der fast sein ganzes Leben in Erziehungsanstalten verbrachte, hat in der Heil- und Pflegeanstalt Attl am Inn am 11.Juni einen Pfleger^ aus niedrigem unbegründeten Haßgefühl heraus heimtückisch ermordet. Hamburger Autobandit zum Tode verurteilt. Hamburg, 20. Dez. (DNB.) Das Hanseatische Sondergericht verurteilte am Dienstagabend den 23jährigen Heinrich I a n y s, der am 9. und 16. September 1938 in Hamburg zwei Straßenraubüberfällemittels Autofalle beging, wegen Verbrechens gegen das Gesetz gegen Straßenraub mittels Autofalle vom 22.6.1938 in zwei Fällen zweimal zum Tode und wegen versuchten Mordes sowie wegen mehrerer Diebstähle zu 15 Jahren Zuchthaus. Daneben wurde auf lebenslänglichen Ehrenrechtsverlust erkannt. Weiter wurde die Sicherungsverwahrung angeordnet, da Janys sich als gefährlicher Gewohnheitsverbrecher erwiesen hat. Schwedisches Motorschiff auf der Werft durch Feuer zerstört. An Bord des 28 000 Tonnen großen Motorschiffes „Stockholm", das in den Vereinigten Adria-Werften von Monfalcone bei Triest für schwedische Rechnung eingerichtet wurde, brach Feuer aus. Es griff infolge des herrschenden heftigen Windes schnell um sich und nahm einen großen Umfang an. Die Löscharbeiten wurden durch die große Kalte und die Lage des Schiffes erschwert. Die Feuerwehren bemühten sich zusammen Mussolini auf Sardinien. n NM 'MM MW Mussolini weilte am Sonntag auf Sardinien, wo er die Einweihung der neuen Stadt Carbonia vornahm, die das Zentrum einer neuen Kohlenindustrie werden soll. Unser Bild zeigt den Duce während seiner Rede an die Bevölkerung Carbonias. — (Schirner-M.) Das Erzgebirge, ein deuisches Weihnachisland. Don sächsischen Schnitzern und Klöpplerinnen. Schneeberg, im Dezember. Mit hellen Glockenschlägen kündet der Türmer von St. Wolfgang die fünfte Nachmittagsstunde. Während er noch prüft, wie es auch heute noch seines Amtes ist, ob kein verdächtiger Feuerschein zu melden, tut sich vor seinen Augen ein seltsamer Zauber auf. Schneeberg, hoch droben im Erzgebirge, steht im vorweihnachtlichen Lichterglanz. Kein Fenster, aus dem nicht Kerzen strahlen; Bergleute und Engel halten sich in Händen, zu ihnen gesellt sich — so verlangt es der Brauch — der Räuchermann. Schneeberg im Lichterglanz: Das Erzgebirge öffnet sein silbernes Herz. Silber hebt der Bergmann zwar nicht mehr aus dem Schacht, doch manches edle Gestein. Nicht mehr ist Schneeberg in aller Munde, wie einst, als von feinem Silberbergbau der Reichtum ins sächsische Land und über feine Grenzen hinausging, als Schneeberg eine Münzstätte hatte, wie das unweit gelegene Joachimsthal, dessen Name noch heute im „Taler" weiterlebt. St. Wolfgang, eine von Sachsens größten Kirchen, stattliche Bürgerhäuser mit dem schmucken Giebel des Barock find Zeugen einer Zeit, die mit ihrer üppigen Wohlhabenheit das Städtchen wie das ganze Erzgebirge längst verlassen hat. Doch ein Reichtum ist den Menschen des Erzgebirges geblieben, ihr Fleiß und ihre innere Zufriedenheit Wie deutlich spurt man das in der Weih- nachtsfchau, die das Heimatwevk Sachsen — die Organisation, die sich der Pflege des Volkstums annimmt — gemeinsam mit der NS.-Ge- meinschaft Kraft durch Freude in Schneeberg aufgebaut hat. Die Welt des Erzgebirges, sie wird hier lebendig. Wer kennt nicht die „Pyramide n", die aus dem Erzgebirge den Weg in alle Welt gefunden haben: Die Darstellung der Christnacht, darüber der stattliche Bergmannszug und noch ein Stockwerk höher eine Jagd, alles mit festlich glänzenden Kerzen und alles in luftig drehender Bewegung. In der Schau zu Schneeberg sind diese „Pyramiden" in größten Ausmaßen anzutreffen. Weihnachten im Erzgebirge ist ohne den Lichter tragenden Bergmann und den Lichter- enge! nicht zu denken. Und so viel Jungen und Mädel im Hause find, fo viele Bergleute und Engel stehen in der Weihnacht im Fenster. Bergleut' für die Buben und Engel für die Mädel. Ein schöner Brauch! Nicht von ungefähr steht beim Tannenbaum der „W eihnachtsberg". Eines ganzen Jahres, nein, vieler Jahre Arbeit — denn immer wird er vervollständigt — steckt in ihm, Arbeit am Feierabend. Gleichnis ist er für die Arbeit überhaupt. Es erscheinen der Bauer am Pflug, der Holzfäller, der Jäger, mit ihm allerlei Waldgetier, und der Handwerker, nicht zuletzt das Häusel, nach dessen Besitz jeder Erzgebirger strebt. Und alles hat Leben. Nicht allein, daß die kunstvoll geschnitzten Figuren der Wirklichkeit ab gelauscht sind, sie bewegen sich auch. Wenn der Tagelöhner Mittagsrast halt, so hören wir das eifrige Klappern des Löffels wie das emsige Hämmern des Schmiedes oder das Dengeln einer Senfe. Und auch hier fehlt nicht die festliche Bergparade. Solch ein Tüftler ist der Erzgebirger, daß er diesen feinen Mechanismus erfindet, eine Eigenschaft, die ihm das Zeug zum besten Facharbeiter gibt. Mancher Erfinder hat seinen Werdegang in einem Erzgebirgshäusel begonnen. Wer denkt nicht an das Erzgebirge, wenn er eine Klöppelspitze in der Hand hält? Das Muster ist vielleicht in Schneeberg entstanden, wo die einzige Klöppelschule in Europa ihren Sitz hat. Und wieder ist es die-Natur, die neue Spitzenarten hervorzaubern hilft. Manches Blatt, manche Blüte gab den Umriß zu neuen kleinen Kunstwerken. Das Spitzenklöppeln wurde im Erzgebirge, gar nicht weit von Schneeberg, in Annaberg, erfunden, und jetzt lebt die alte Volkskunst von neuem kräftig auf. Die Leute im Erzgebirge find immer irgendwie an der Arbeit. Wenn der Mann nicht bastelt am Feierabend, dann schnitzt er halt, während die Frau am Klöppelsack sitzt. Das fängt schon früh an. Kaurn daß Bub und Mädel die Schulbank drücken. Da nimmt der Bub ein Stück Holz, das Schnitzmesser des Vaters und bald entsteht, un- gefüg noch, eine Tier gestalt. Die „Viecher" haben's den Menschen hier Oben angetan, und das Holz ist dem Erzgebirger ein Lebenselement. In hoher Blüte steht die „F e i e r o h m d"-Schnitzerei. Die NS.-Gemeinschaft Kraft durch Freude fördert sie durch eine Gau-Schnitzschule und Sachsens Reichsstatthalter, Gauleiter Mutschmann, durch Staatspfeise. Wenn ihr draußen im Reich unserer Kinder schönstes Spielzeug, die kleinen F'guren aus Holz, in der Hand haltet, dann wißt, der Erzgebirger hat sie geschaffen; diese Arbeit war ihm mehr als Broterwerb. Nicht mehr lockt das Geschrei: „Der Berg ist silberpfündig?" die Menschen hinauf bis ins Erzgebirge, wie einst, Jahrzehnte, bevor Columbus Amerika entdeckte. Heute folgt der deutsche Mensch anderem geheimnisvollen Rufe. In der Schau von Schneeberg wird es offenkundig: Das Erzgebirge ward zum Inbegriff des deutschen Weihnachtslandes. mit Truppen, den Brand einzudämmen. Trotzdem ist die „Stockholm" fast ganz ausgebrannt. Der Schaden geht in die Millionen. Die „Stockholm" war am 30. Mai in Gegenwart der Prinzessin Jnge- borg von Schweden.und des Herzogs von Spoleto vom Stapel gelaufen. Sie war für den Amerika- Verkehr der Schwedischen Schiffahrtsgesellschaft von Göteburg beftimmt und sollte im nächsten Sommer in Dienst gestellt werden. Großfeuer in Magdeburg. In der Magdeburger Wilhelmstadt brach ein großes Schadenfeuer aus, von dem ein viele Jahrzehnte altes bekanntes Magdeburger Lokal betroffen wurde. Das Vordergebäude des „Hofjägers" brannte völlig nieder. Die 'Löscharbeiten gestalteten sich infolge der eisigen Kälte und der starken Rauchentwicklung äußerst schwierig. Die starke Ausdehnung des Feuers erklärt sich daraus, daß der Bau völlig aus Holz errichtet war. Es handelt sich um ein Bauwerk, das sich außerhalb des einstigen Festungsgeländes befand, wo früher nur aus Holz gebraut werden durfte, damit bei einer etwaigen Belagerung ein schneller Abbruch erfolgen konnte. Zwei Feuersbrünste in Frankreich. Die städtische Schule in Dieppe wurde am Dienstag ein Raub der Flammen. Die Ursache des Brandes soll auf die Explosion eines überheizten Ofens zurückzuführen sein. Der Sachschaden beläuft sich auf über drei Millionen Franks. — In Ouim- per brannte ein Flügel des dortigen Krankenhauses vollkommen aus. Die 400 Insassen konnten noch rechtzeitig gerettet werden. Das Lissaboner Fährschiffsunglück. — Bisher 20 Leichen entdeckt. Daß bei deitt Untergang des Lissaboner Motorfährschiffes „Tonecas", das in wenigen Minuten in den Fluten des Tejo versunken war, 61 Personen gerettet werden konnten, ist lediglich dem Umstand zu verdanken, daß sich die Katastrophe in unmittelbarer Nähe verschiedener portugiesischer Flotteneinheiten abspielte. Die Mannschaften dieser Schiffe haben sofort mit der Rettungsaktion einae- setzt. Auch wurden von der Besatzung des schwedischen Kreuzers „Gotland" sieben Personen vor dem sicheren Tode des Ertrinkens gerettet. Die Bergungsarbeiten mußten am Dienstagabend unterbrochen werden, da die sehr heftig gewordene Strömung des Flusses ein Weiterarbeiten unmöglich machte. Einem Taucher gelang es, in das Innere des Schiffes einzudringen, wo sich ihm ein grausiger Anblick bot. Mehr als 20 Leichen schwebten im Kajütenraum umher, ohne daß es jedoch gelang, die Toten zu bergen. — Der Kapitän des gesunkenen Schiffes ist zur genauen Untersuchung der Schuldfrage in Haft genommen worden. Ausströmendes Gas fordert drei Todesopfer. In einer Chemnitzer Wohnung wurde ein Ehepaar und dessen 19 Jahre alter Sohn tot aufgefon= den. Die Feststellungen ergaben, daß es sich um eine Gasvergiftung handelt, die durch den Bruch einer Gashauptleitung, die außerhalb des Gebäudes liegt, verursacht wurde. Durch das ausströmende Gas find außerdem vier weitere Bewohner erkrankt. Zwei von den Erkrankten mußten ins Krankenhaus eingeliefert werden, Lebensgefahr besteht aber nicht. Betrunken am Steuer. Im September d. I. wurde in Niederlahnstein der Fuhrunternehmer Bohr aus Horchheim durch einen Lieferwagen angefahren und so schwer verletzt, daß er einige Zeit später ftarb. — Die Koblenzer Große Strafkammer verhandelte jetzt gegen den angeklagten Autofahrer aus Wellmich. Er gab an, daß er sich' nicht betrunken gefühlt habe. Bei der Blutprobe wurde aber ein so hoher Grad Alkohol festgestellt, daß der Angeklagte nicht mehr in der Lage war, einen Kraftwagen ohne Gefährdung von Menschenleben zu lenken. Der Angeklagte wurde unter Anrechnung der Untersuchungshaft zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der jüdische Millionenschieber Basel. Die ^Betrügereien des Juden Basel, einer der übelsten Schiebergestalten der Nachkriegszeit, beschäftigte wieder einmal das Wiener Gericht. Die Deutsche Reichspost als Rechtsnachfolgerin der Oesterreichischen Postsparkasse hatte vor etwa einem Monat beim Wiener Landgericht für Zivilrechts- sachen gegen Basel die Klage auf Unwirksamkeitserklärung eines Schiedsspruches vorn Jahre 1933 eingereicht. Bafel war nämlich bei feinen betrügerischen Finanzgeschäften nach dem Kriege der Postsparkasse mehr als 5 Millionen Dollar schuldig geblieben und hatte es dann dank feiner Beziehungen zu den. damaligen österreichischen Machthabern erreicht, daß durch Schiedsspruch diese Schuld von 5 Millionen Dollar auf 360 000 Schilling (!) herabgesetzt wurde. Die Deutsche Reichspost hatte jetzt in ihrer Klage diesen Schiedsspruch angefochten mit der Begründung, daß er lediglich auf Grund falscher Bilanzen und eines Meineides des jüdischen Mil- lianenschiebers über feine angebliche Mittellosigkeit zustandegekommen fei. Das Landgericht gab in fernem Urteil der Klage der Reichspost statt und hob den Schiedsspruch auf. Basel wurde außerdem zur Zahlung der Prozeßkosten verurteilt. Jüdische Paßfälscher in Prag verurteilt. Vor einem Prager Gericht fand die Verhandlung gegen eine Paßfälscherbande statt. Der Anführer der Bande war der jüdische Emigrant Otto Schönfeld. Schönfeld hatte gemeinsam mit dem jüdischen Emigranten Wilhelm Silbermann und dem polnischen Emigranten Johann W i e l c z k e r ungültige oder abgelaufene reichsdeutsche Pässe unter Verwendung falscher Stempel der deutschen Gesandtschaft in Prag, die er mit der nachgeahmten Unterschrift eines Konsularbeamten versah, verlängert. Schönfeld und Silbermann erhielten Kerkerstrafen von fünf bzw. vier Monaten ohne Bewährungsfrist, während das Verfahren gegen Wielczker abgetrennt werden mußte, da dieser flüchtig ist. Auf dem Dache sitzt ein Greis ... An dem Dach einer Kirche in Oberwefel am Rhein werden augenblicklich Reparaturarbeiten durchge- geführt. Auf der äußersten Spitze des Chores erhielten dieser Tage mehrere in schwindelnder Höhe tätige Arbeiter einen überraschenden Besuch. Der 83 Jahre alte Johann Schleis von Oberwefel war trotz seines hohen Alters bis zu den Arbeitern emporgeklettert; er hatte sogar eine Flasche Wein mit- gebracht, die er in der Höhe mit den Arbeitern trank. Dann trat er mühelos den Abstieg an. Schleis hatte diese Kletterpartie unternommen, um feine Rüstigkeit zu beweisen. Kunst und Wissenschaft. „Pour le Merile" staalspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll. Das große Heldenepos deutscher ^Flieger, der neue Karl Ritter- Film der Ufa „Pour le Merite", der am 22. Dezember im Berliner Ufa- palast am Zoo zur Uraufführung kommt, hat die höchsten Prädikate, nämlich „st a a t s p o li ti s ch und künstlerisch besonders wertvoll" erhalten. Diefer Film ist außerdem bas erste Werk, das von der Reichsjugendführung durch bas Prädikat „Iugendwert" ausgezeichnet wurde. Villa-Romana-Preis 1939. Der Villa-Romana-Preis 1939 wurde dem Maler Helmut Ruhmer aus Halle verliehen. Rühmer ist 1908 in Thüringen geboren und Schüler von Professor F. Klemmer, Professor Max D o e r n e r und Professor Heinrich Reifferscheid. Die Begabung des Künstlers erhält nun durch den einjährigen Aufenthalt in der Villa Romana in Florenz eine weitere Förderung. Die (Stiftung „Villa Romana" ist eine Gründung Max Klingers und des Verlagsbuchhändlers Georg H i r z l. Sie besitzt in Florenz die jenseits des Arno gelegene Villa Romana, in der feit 1905 viele deutsche Bildhauer und Maler Förderung erfahren haben. weihnachtsorakorium von Vach in Paris begeistert aufgenommen. Der Berliner Philharmonische Chor erzielte unter der Leitung von Professor Günter Ramin in dem größten Pariser Konzertsaal einen großen Erfolg mit dem Weihnachtsoratorium von Johann Seb. Bach, das hier feit vielen Jahren nicht mehr aufgeführt worden ist. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. In den Logen sah man die Gemahlin des Präsidenten Lebrun, die Gemahlin des deutschen Botschafters, Mitglieder verschiedener Ministerien und namhafte Vertreter der Musikwelt. Neben der Chorkultur der Philharmoniker fanden auch die Einzelleistungen der Solisten Lore F i - scher, Heinz Matth ei, Horst Günter und Hilba Wesselmann, die von Hans Heintze und Fritz Koh! hase wirksam unterstützt würben, - starken Beifall. Vor allem aber die Stabführung Professor Ramins. Stürmischer Beifall veranlaßte den Dirigenten zum Schluß den Eingangschor des ersten Teiles zu wiederholen. knappertsbusch und Erna Sack in Brüssel erfolgreich. Hans Knappertsbusch, der vielen Belgiern durch seine Stabführung in Bayreuth bekannt ist, war zu einem Konzert des Brüsseler Philharmonischen Orchesters verpflichtet morden. In dem vollbesetzten Konzerksaal bemerkte man auch den deutschen Botschafter : ü o n Bülow-Schwante. Knappertsbusch konnte das belgische Orchester zu eindrucksvollen Leistungen hinreißen, die beim Publikum starken Beifall hervorriefen. — Die deutsche Sängerin Erna Sack gab einen Liederabend im Palast der schönen Künste. Der Saal war ausverkauft. Unter den Anwesenden bemerkte man den Botschafter von Bülow-Schwante sowie zahlreiche bekannte belgische Persönlichkeiten. Das Publikum brachte Erna Sack große Begeisterung entgegen. Detterberkchl Während über Frankreich unter verbreiteten Schneefällen die Fröste noch weiter angezogen haben, hat sich in Deutschland der Frost erheblich gemildert, so daß am Mittwochmorgen im allgemeinen nur Werte zwischen 5 bis 10 Grad Minus gemessen wurden. In der Höhe hat sich noch weiter stärkere Wärmezunahme bemerkbar gemacht, so daß in einzelnen Schichten der Gefrierpunkt überschritten wurde. Die ©efamtlage läßt ein völliges Verschwinden der Fröste noch keineswegs erwarten. Vorhersage für Donnerstag: Wolkig bis bedeckt und Neigung zu Niederschlägen, mäßige Fröste, veränderliche Winde, doch meist aus Nord bis Oft. Vorhersage für Freitag: Unbeständiges, zu Niederschlägen neigendes Wetter, Fortdauer der gemilderten Fröste. Lufttemperaturen am 20. Dezember: mittags — 10,5 Grad Celsius, abends — 9,6 Grad; am 21. Dezember: morgens —9,7 Grad. Maximum —9,3 Grad, Minimum heute nacht —9,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm. Tiefe am 20. Dezember: abends —2 Grad; am 21. Dezember: morgens —2 Grad. Wintersport-Wetterbericht. Im allgemeinen noch keine Schneesportmöglichkeiten. Rhön, Wasserkuppe: Bedeckt, —11 (Brad, 8 cm Gesamtschneehöhe, Pulverschnee. Schi mäßig, Rodel gut. Schwarzwald, Feldberg: Schneetreiben, — 8 Grad. 25 cm Gesamtschneehöhe, Pulverschnee, Schi und Rodel sehr gut. Mit dem Auftreten weiterer Niederschläge, die im allgemeinen als Schnee ober Graupeln fallen werden, ist zu rechnen. 30 Milliarden für das Leben. Wer kennt Caspar Reumann? — Oie Breslauer Totenregister. Leibniz plante eine Volksversicherung. Don der riesigen Weitlebensversicherungssumme von 700 Milliarden Mark ent» fallen auf das Altreich allein dreißig Milliarden. Wer aber kennt den Mann, der durch seine Ueberlegungen und wissenschaftlich statistischen Vorarbeiten die theoretischen Grundlagen zu einer sicheren Organisation der Lebensversicherung schuf? Dor etwa 250 Jahren, als ix Breslau der Pfarrer Caspar Neumann amtierte, war in Breslau und anderswo in deutschen und anderen Landen gute Zeit für allerlei Aberglauben, daß man durch magische Mittel sein Schicksal beeinflussen Schützt die Zugtiere vor Frost! und womöglich das Leben verlängern könne. Aber der Pfarrer Neumann zog gegen solche Teufelsmagie zu Feld. Dem frommen Mann war es klar, daß die göttliche Weltordnung auch für das Leben und Sterben der Menschen Gesetze verordnet habe und daß es dem menschlichen Geist wohl möglich fei, diese Gesetze, so wie andere Naturgesetze, zu ergründen. So ging er hin und stellte seine berühmt gewordenen Breslauer T o te n r e gi ft e r auf. Er führte Buch über Leben uijb Tod in feiner Heimatstadt. Bei einigen tausend Breslauer Bürgern hatte er eine genaue Statistik über ihre Lebensdauer angestellt. Der große Philosoph Leibniz hatte von dieser Arbeit des Breslauer Pfarrers erfahren. Und als Halley, dessen Namen wir aus der Astronomie kennen, für einige Engländer, die den Gedanken einer Lebensversicherung gefaßt hatten, die dazu notwendigen Tarife berechnen wollte, dafür aber keine Unterlagen hatte, nahm er durch die Vermittlung von Leibniz mit Caspar Neumann Verbindung auf. Dessen Statistiken boten bann Hailey die Grundlagen für seine Berechnungen. In einer Schrift des Astronomen kann man z. B. folgendes lesen: „Der Unterschied zwischen dem Preise der Versicherung beispielsweise eines Zwanzigjährigen und eines Fünfzigjährigen wird so gesunden werden: Es ist 100 gegen 1 zu wetten, daß ein Zwanzigjähriger, und nur 38 gegen 1 zu wetten, daß ein Fünfzigjähriger im nächsten Jahre nicht sterbe." Gewiß ist das nicht die wissenschaftliche Sprache moderner Versicherungsmathemattk. Allein solche Erwägungen boten damals eine zeitgemäße versicherungstechnische Grundlage für die Berechnung des Risikos und der Bedingungen einer Lebensversicherung. Caspar Neumann war der Vater dieser Wissenschaft. Leibniz aber, der an ihrem Zustandekommen Anteil hatte, lehrte in seiner deutschen Philosophie, daß es kein Frevel gegen die Weltordnung sei, wenn der Mensch sein Schicksal selbst in die Hand nehme und wenn sich auf einer rationellen Basis Menschen zusammenschlossen, um sich gegen die Zufälligkeiten des Schicksals zu rüsten. Der große Philosoph, Staatsmann und Volkserzieher hat selbst einen großartigen Plan einer deutschen Volksversicherung entworfen. Inzwischen war die DersicherungsmatheMatik des Neumann und des Halley durch Pascal und F e r m a t weiter entwickelt worden. In seinen „Politischen Aufsätzen" forderte Leibniz eine allgemeine Versicherung, die das ganze deutsche Volk erfassen sollte. Jeder sollte sparen, jeder sollte vorsorgen. Und jeder sollte gesichert sein. Alle für einen, und einer für alle. Allerdings stieß dieser Plan nicht auf das Verständnis seiner Zeit. Leibniz eilte auch mit feinem Vorschlag, daß die zusammenfließenden Kapitalien volkswirtschaftlich genutzt werden soll- ten, um Straßen zu bauen, Böden zu kultivieren und aus Moor fruchtbares Ackerland zu gewinnen, seiner Zeit weit voraus. Einige Jahrhunderte mußten vergehen, bis sich die Sozialgesetzgebung entwickelte, bis der Arbeitsdienst gewaltige gemeinnützige Arbeiten anpackte, bis Deutschland zu dem bestoersichertsten Volke wurde und große Versiche- rungsgesellschaften entstanden, deren Spargelder' nach einem Wort des Beauftragten für den Vier- jahresplan „gerade heute einen unentbehrlichen Faktor in der Volkswirtschaft ergeben". Es sind rund 700 Millionen Mark, die die Lebensversicherungen im letzten Jahr dem langfristigen Kapitalmarkt zur' Verfügung gestellt haben. Das aber ist eine Summe, die sich aus Millionen kleiner und kleinster Beträge zusammensetzt, die gespart und geleistet wurden, um durch Voraussicht dem Zufall zu entreißen, was immer man kann. Die moderne Lebensversicherung faßt nun nicht nur den Tod ins Auge, sondern auch den Fall, daß der Versicherte zu einem bestimmten Zeitpunkt sein Kapital ausgezahlt erhält. Und auf Grund dieser sogenannten Versicherung für den Erlebensfall hat man eine recht merkwürdige statistische Feststellung gemacht. Aus den Sterbetafeln der großen Versicherungsgesellschaften geht nämlich hervor, daß Personen, die sich nur auf den Todesfall versichern, durchschnittlich nicht so lange leben wie solche, die in einem bestimmten Lebensabschnitt die Versicherungssumme ausgezahlt haben wollen. Es stimmt diese „Selbstauslese der Rentner" mit der Beobachtung der modernen Aerzte zusammen, nach denen Hoffnung und ein gesunder Optimismus und der Wille, vorsichtig zu leben, lebensverlängernd wirkt. H. Sch. tfnferfunnelung der Korea Straße. Das japanische Eisenbahnministerium hat einen größeren Betrag für die Vorbereitungsarbeiten aus- geroorfen, durch die der Bau eines unterseeischen Tunnels zwischen Japan und Korea in Gang gebracht werden soll. Der Tunnel soll unterhalb der Straße von Korea führen und eine Gesamtlänge von 197 Kilometer haben. Man rechnet mit einer vierjährigen Bauzeit, nach der Japan über Korea mit dem asiatischen Festland verbunden wäre. Unsere Karte veranschaulicht den Verlauf der geplanten Tunnelstraße von Fusan auf Korea nach der Insel T s u s ch i m a (106,7 Kilo- J5U5CHIMA IKI 100 STRASSE VON KOREA Meter), von Tsuschima nach der Jki-Jnsel (49,6 Kilometer) und von Jki nach Karatsu auf der japanischen Insel Kyushu (41,2 Kilometer). Der Tunnel wird aus historischem Boden entstehen, denn hier bei der Insel Tsuschima vernichtete der japanische Admiral Togo am 18. Mai 1905 die russsiche Flotte. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Hauptschriftleiter vr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschristleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. XI. 38: 10718. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Ps. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Schutzumschlag NM. 4,80 7715A Das schönste Geschenk ein Ccppicb Schutzumschlag RM. 4,— [Vermietungen"! [Verschiedenes] Carl Sommer von Gießen, Bahnhofstraße 14 8426 A 8432 A Ohren, Schmuck, Beshcke Bahnhofstr. 49, Ruf 3941 von 843OP noch in grober Auswahl! tFürdieSeiertage! Weifeweine 1 Ltr. o. 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Reparat. ohne Ausnahme ____________________________8433D Edgar " BORRMÄNN5: Gießen, Neustadt 8-7, En! Nr. 4165 M.2M Zweites Blatt Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch. 2l. Dezember 1938 Aus dem Reiche der Krau Rund um den Weihnachtsbaum. PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEIC HNERS LETZTE KLEIMI i. 1 als 4- brauchen sein. H. ■ Für „sie" werden als Ergänzungen vor allem etwas P a r f ü m , ein paar modische Kleinigkeiten, wie Phantasieschmuck, ein hübscher Schal und vor allem ein Bildnisphoto von „ihm" in apartem Rahmen viel Freude machen. Praktische Dinge, wie Taschentücher, Strümpfe und ein Kasten Toiletteseife, werden dem Herrn wie der Dame gleich willkommen sein, ebenso passende auch den praktischen Geschenken jenen lichen Schimmer, der das Wesen dieses liebenden Gebens sein soll. ■ I vor ihn ihn auf öen meisten Hausfrauen besonderes Kopfzerbrechen. Ernes sollte sie sich unbedingt zur Richtschnur machen: gute Waren zu kaufen, einerlei was sie wählt. Lieber einen Gegenstand weniger als mehr und alles „billig". Bei der Wahl ihrer Geschenke lasse sie stch von dem Gedanken leiten, daß das Mädchen langsam an den Aufbau des eigenen Heims denkt. Tischzeug, etwas Bettwäsche, oder die Stoffe dazu, sollten nicht fehlen. Bei Modeartikeln suche sie geschmacksbildend zu wirken und kaufe nichts, weil seine Buntheit in die Augen sticht. Auch an Seifen Steingut, schön und billig. Auch als Christbaumständer zu haben. Schön und billig, — das ist beides unser deutsches Steingut, das jetzt zu vielen Dingen verwendet wird, für die man früher nur Metalle kannte. So hat es sich z. B. ganz ausgezeichnet bewahrt als Material für Schutzwände am Spülstein in der Küche, bei den Wascheinrichtungen im Badezimmer, wo nicht nur die Schutzwand und das Becken heute aus Steingut sind, sondern auch der Halter für Seife, Mundspülglas und so weiter nicht mehr aus Metall hergestellt werden. Damit wird das an sich knappe Metall für andere wichtigere Zwecke frei ge- ’ macht, und es erweist sich wieder einmal der als „Ersatz" gedachte Stoff dem ursprünglich verwendeten überlegen. Steingut ist sehr haltbar und sehr sauber, denn es ist leicht nur mit Wasser und Seife zu reinigen und erspart der Hausfrau das sonst unerläßliche Putzen. Bewundert werden in diesem Jahr auch die Weihnachtsbaum st änder aus Steingut, die die Möglichkeit bieten, den Baum in Wasser zu stellen und ihm damit für längere Zeit die Frische zu erhalten. Es sind auch Ständer konstruiert worden, die eine Füllung mit Erde gestatten, in die der Baum dann gepflanzt werden kann. Durch die gefälligen Formen und die leuchtende schöne Glasur bilden diese modernen Weihnachtsbaumständer auch in ganz anderem Sinne einen Schmuck für das Weibnachtszimmer als es die früheren Metallstän- Von Margot Böbme-Schmivt. Da der Ehristbaum meist schon einige Tage dem Weihnachtsfest besorgt wird, muß man zweckmäßig aufbewahren. Am besten stellt man in einen mit Wasser gefüllten Eimer, möglichst die Veranda. Bücher und die Karten für einen gemeinsamen Theaterbes uch. Für den Herrn eignet sich dann noch besonders etwas zum Rauchen und zum Trinken, je nach persönlichem Geschmack ausgewählt. Eine neue Geldtasche (besonders praktisch in Reitertaschenform) und ein paar gestrickte Woll- hanstschuhe für kalte Tage — praktisch sind auch S ch w e i nL l e d e r h a n d s ch u h e mit einknöpfbarem Strickfutter — werden auch immer zu und reicht sie warm. Falsche Austern als Vorgericht. Zeit dreiviertel Stunden. In zwei gestrichenen Eßlöffeln. Fett läßt man einen Eßlöffel feingehackte Zwiebeln hellgelb dünsten. 500 Gramm Hirn wird sorgfältig gereinigt und in einem Viertel Liter Wasser und dem Saft einer halben Zitrone fünf Minuten gekocht, herausgenommen, in kaltes Wasser gelegt. Ist es fest, in große Würfel geschnitten, gesalzen, zu den Zwiebeln getan, mit einem gehäuften Eßlöffel Mehl bestäubt und mit der Hirnbrühe abgelöscht. Darunter kommen vier gehackte Sardellen oder Heringsmilch, etwas Würzextrakt und eine Messerspitze Pfeffer. Dieses Gericht wird in acht gut ausgefettete Muscheln verteilt, mit Reibkäse bestreut und zehn Minuten im Ofen überbacken. Pastetenformen für Fleischfüllung. 210 Gramm Haushaltmehl, 2 Eßlöffel Kartoffelmehl, 3 ganze Eier Zusammenarbeiten mit einem Viertel Liter Milch. Für süße Füllungen kommen noch zwei Eßlöffel Zucker dazu. In diesen Teig tauchen wir die Becherformen, stecken sie in heißes Fett und backen aus. In diese Becherchen füllen wir jeden beliebigen süßen Crem oder süße Speise, auch abgetropftes gekochtes Obst. Pikante Fül. l u n g : Einen Eßlöffel Fett mit zwei feingewiegten Zwiebeln hellgelb dämpfen, einige Edelpilze fein wiegen, 125 Gramm Hackfleisch, ebensoviel Schinkenabfälle, gekochtes Fleisch, Bratenreste dazumischen, mengen, etwas Mehl darüber stäuben, mit Paprika, Petersilie, Meerrettich, Tomatencatchup würzen und mit wenig Madeira oder Weißwein ablöschen. Gehackte Kapern und Gewürzgurken vermehren und verfeinern. Sehr stattlich wirkt eine große Pastete. Einfacher Pastetenteig. 500 Gramm Haushaltmehl, 500 Gramm gut ausgedrückter, nicht zu saurer Weißkäse, 125 Gramm Butter oder Fett werden zu einem kündigen Teig geknetet. Er darf nicht an der Schüssel kleben. Kalt ruht er eine Stunde, wird 5 Millimeter dick ausgerollt, und in drei Telle geteilt. Das gibt den Boden, den Rand und den Deckel für eine Springform. Für kleine Pastetchen nimmt man eine Spur Backpulver dazu und schneidet handgroße Vierecke, die mit Füllung belegt werden und wie ein Briefumschlag gefaltet, mit Milch oder Ei bestrichen, backen. Füllung: 500 Gramm Hackfleisch, einige Pilze oder Pilzpulver, 125 Gramm gewürfelten Speck, eine Zwiebel, wenn man hat, die Leber der Fest- gans oder des Huhnes, sonst etwas Kalbs- oder Rindsleber und Him. Einige Löffel zerlassenes Fett, einige eingeweichte Brötchen, Pfeffer, Piment. Auf dem Boden der Form verteilt man drei Schornsteine aus Pappe, fingerhoch und im 'Durchmesser von 5 Zentimeter. Run füllt man die Form, spart die Schornsteine aus. Der dünn ausgerollte Teig kommt als Deckel oben auf und muß fest am Rand und an den Schornsteinen angedrückt werden. Auf letztere kommt ein Teigdeckel. Alles mit Ei bestreichen und backen. Nach dem Erkalten werden dis Schornsteine mit Fleischgelee gefüllt. Dies ist kein Luxus, sondern soll die fettarme Pastete feucht halten. Geleewürze, einen halben Liter Knochenoder Würfelbrühe mit etwas Zitronensaft. Wasche 13 Gramm weiße Gelatine kalt ab, drücke gut aus und steife damit die Brühe. Erkaltet, wird sie teelöffelweise eingefüllt. Schnitzel im Festkleid. Sie werden am schönsten von Rind- oder Schweinslendchen. Vom Metzger das Fleisch in fingerdicke Scheiben schneiden lassen, gleich klopfen und wieder zusammenschieben. Mit Basilikum und Salz bestreuen und gleich in steigendem Fett braten. Vorher hat man einen dünnen Eierkuchenteig bereitet. Während die Schnitzel braten, backt man in einer zweiten Pfanne handgroße Eierkuchen. Jedes Schnitzel wird in einen Kuchen eingewickelt, dazu reicht man alle möglichen Sorten Gemüse, nur mit Wasser gekocht, wie sie die Jahreszeit bietet: Teltower Rübchen, gelbe Rüben, Schwarzwurzeln, Blumenkohl. Jede Sorte liegt als Häufchen um die auf heißer Schüssel angerichteten Schnitzel, lieber das Gemüse gibt man das Bratfett. Karpfen in rotem T r a u b e'n f afl. Ein etwa 1000 Gramm schwerer Karpfen wird geschuppt, ausgenommen, gewaschen und in drei bis vier Stücke geteilt. Salzen, pfeffern, mit einem kleinen Teelöffel geriebene Zwiebel einreiben und mit Zitronensaft beträufeln. Eine Stunde durchziehn lassen. Eine handgroß Fischpfefferkuchen mit rotem, unvergorenen Traubensaft an feuchten und zerfallen lassen. Gib in einen Topf eine Walnuß Butter, eine Prise Zucker, eine fingergroße Gelberübe, etwas mehr Petersilienwurzel, eine kleine Zwiebel, einige Scheiden Selene. Alles kocht bei kleinem Feuer weich. Dann kommt der Fisch nebst dem gesammelten Saft und Pfefferkuchen dazu. Zwei kleine Lorbeerblätter, zehn Nägelchen, zwanzig weiße Pfefferkörner, zehn Pimentkörner und eine Messerspitze gepulverten Ingwer gibt man dazu und gießt eine halbe Flasche unvergorenen roten Traubensaft über alles. Ganz langsam zieht der Fisch gar. Dann glasiert man einen Eßlöffel Zwiebelringe hell in etwas Butter. Die Tunke wird mit allem Grünzeug durchgeschlagen, nach Wunsch mit Zitrone nachgesäuert, über dem Fisch angerichtet. Mit den Zwiebeln und - dem Rogen wird er garniert. Wem ein ganzer Gänsebraten zu viel ist, kann die Brust ablösen, so, daß die Haut auf dem Brustknochen beide Teile zusammenhält. Der Braten wird zusammengedrückt und zugewickelt, damit er nicht austrocknet. Die Brust wird gesalzen, mit einer Spur Salpeter ein gerieben, zusammengeklappt, zugenäht, auf ein Brettchen gelegt, ein anderes darauf, das beschwert wird (Plätteisen?). Nach zwei Tagen troefnen wir sie ab, wickeln sie in dünnes Pergamentpapier und bitten den Metzger, sie einige Tage zu räuchern. Durch das Einwickeln bleibt die Haut zart weiß. Ebenso kann man es mit den Keulen machen. Die Feuerwehr hat in den Weihnachtstagen stets erhöhte Alarmbereitschaft. Noch viel zu wenig werden die Vorschriften beachtet, die die Feuers- g e f a h r beim brennenden Weihnachtsbaum herab-- mindern. Stets sollte beispielsweise hinter jedem Baum ein wohlgefüllter Eimer mit Wasser stehen, der im Bedarfsfall über einen brennenden Zweig geschüttet werden kann, bevor das Feuer um sich greift und gar noch Schaden in der Wohnung anricht en kann. Wenn darauf geachtet wird, daß der Baum auch recht fest auf gestellt ist, wird viel Unheil vermieden. Jedes Kreuz, das auf hochgestelltem Tisch oder auch auf dem Fußboden aus gerichtet wird/ soll von allen Seiten beschwert werden. Alte eiserne Bügslbolzen oder weniger kostbare Lexikon- bände tun in diesen Fällen gute Dienste. Man kann diese Stützen ja durch Tannenzweige verkleiden ■ . Auch sollen Näschereien niemals so tief am Baum ausgehängt werden, daß Kinderhände oder gierige Hundeschnauzen sie erreichen können. Sie rupfen meist in aller Eile so energisch am Zweig, daß der ganze Baum nachgibt und brennend zu Boden stürzt. Die Lichter, die nicht in den Halter passen wollen, werden am unteren Ende ein wenig auf» gewärmt und dann eingedrückt Sie halten auf diese Weise doppelt so gut. Damit sie überdies noch das Tropfen verlernen, taucht man sie vor der Benutzung in Salzwasser. Es genügt auch, den Docht mit Salz zu bestreuen. Mit dem Schmücken des Weihnachtsbaumes muß man sich im allgemeinen danach richten, ob Kinder im Haus sind ober ob der Baum nur den Erwachsenen die Weihnachtstage verschönern soll. Denn für Kinder wird man den Baurn bunter und luftiger gestalten, wird man ihn vielleicht sogar mit Zucker- und Schokoladenplätzchen behängen, denn datz „Plündern" am Schluß der Weihnachtsferien ist ja das größte Vergnügen. Den Weihnachtsbaum für die Erwachsenen hält man heutzutage meist einlach und ruhig in den Farben. Jedenfalls gibt es hie verschiedenen Möglichkeiten den Christbaum geschmackvoll herzurichten. Weiße Kerzen und weiches langes Lametta bilden einen einfachen und doch wirkungsvollen Christbaumschmuck. Von dem Lametta soll man nicht zu viele Fäden auf einmal nehmen. Man läßt es von der Spitze herabfallen, die Spitzen der einzelnen Aeste bodeckt man reicher. Eine andere Möglichkeit, den Baum hübsch zu dekorieren, ist folgende: ganz rote, blank geputzte Aep^el werden in nicht zu großer Menge an die Zweige gehängt, gelbe Lichter und ganz feines goldenes Lametta bilden eine geschmackvolle Ergänzung. Lustig wird auch ein Baum aussehen, der im Gegensatz zu den eben beschriebenen Christbäumen bunt nach bäuerlicher Art .geschmückt ist,. Glaskugeln, Körbchen, Papierketten, Wimpel in allen Farben auf die Zweige verteilt, dazwischen Pfefferkuchen-Herzen und Figuren. In die Lichthalter steckt man bann farbiae Lichter. Auch ein derart geschmückter Baum wirkt dekorativ, wenn die Zusammenstellung geschmackvoll gemacht und der Aufputz geschickt verteilt ist. Letzte Kleinigkeiten, , gescheute für „s i e" und für schlagen wiv heute vor. Fruchtweine (wie Kirsch-, Heidelbeer-, Erdbeer- unb Johannisbeerwein usw.) eignen sich, in ähnlicher Weise gewürzt, recht gut zu solchen Heißgetränken. Man verachte sie nicht, denn sie. können es auch „in sich haben"! Ein anderes gutes Glüh- weinrezept ist folgendes: 1 Liter Rotwein wird mit 10 g ganzem Zimt, 10 g Nelken, einem Stück weißem Ingwer und 250 g Zucker bis kurz vor das Kochen gebracht, dann durch ein.Sieb gegossen und sofort zu Tisch gegeben. Ein richtiger Grog wird bereitet, indem man in das Glas erst den Zucker, bann Rum öder Arrak gibt und nun erst mit kocheydem Wasser auffüllt. Wir wünschen guten Etfolg und hoffen, daß die fröhliche Stimmung nicht auf sich warten läßt. L. weihnacht- Festes des D. S. und Wohlgerüchen — diese beliebten Gaben an den getreuen Hausgeist — nehme sie lieber eine kleine, aber gute Packung als eine große mit minderwertigem Inhalt. Auch unter dem Gesichtspunkt der Gediegenheit gewählte Gaben brauchen nicht unschön und langweilig zu fein. Eine hübsche Verpackung und echte Herzenswärme beim Ueberreidjen geben Für festliche Tege. Von Frida Aisch. Beilage zur Kraftbrühe: Käsebrötchen. 65 Gramm geriebenen Schweizer- oder Parmesankäse vermischt man mit einem Eigelb, etwas Salz, Paprika und zwei Eßlöffeln fein gehacktem gekochten Schinken und gibt so viel helles Bier dazu, daß es ein butterweicher Teig wird. Mit diesem bestreicht man dick geröstete Scheiben von Weißbrot, läßt sie im Bratofen goldbraun backen > Weihnachts- ,i h n" gedacht. Mr brauen einen Punsch. Seit jeher ist es eine löbliche Sitte, den Heiligen Abend sowohl als auch die Sylvesternacht beim dämpfenden Punschglas teils festüch-seierlich, teils lustig ausgelassen zu begehen und sich von dem köstlichen Getränk die Sorgen und Nöte des grauen Alltags für Stunden verscheuchen zu lassen. Aber in dem heißen, so süffig leicht über die Zunge laufenden Punsch stecken auch tausend übermütige Teufelchen, und wohl dem, dessen abendliche frohe Punschstimmung sich nicht am nächsten Morgen in einen bösen Kater verwandelt hat. Zuerst war der Punsch ein Matrosengetränk und gelangte auf dem Seewege nach Europa. Andere behaupten, das erste Punschrezept stamme aus der Truhe eines Emdener Hanseaten und sei 1720 zum ersten Male getrunken worden. Groß ist jedenfalls jetzt die Auswahl unter den verschiedenartigsten Punschsorten, die man fertig als Punsch- exttatt bekommt, und die Zubereitung im Haushalt beschränkt sich dann darauf, einen Teil dieses Extraktes mit zwei Teilen kochend heißen Wassers zu vermischen. In unseren Bauernhäusern hat sich aber die Sitte erhalten, nach überlieferten alten Rezepten den Punsch selbst zu bereiten. Und so ein altes, gut erprobtes und viel gelobtes Grundrezept zum Punsch setzt sich aus 1 Liter kochendem Wasser, 1 Tee-Ei voll echtem1 Tee, den man mit der Schale einer Zitrone im Wasser ziehen läßt, sowie Vs Liter gutem Rum oder Arrak zusammen. Zimt, Nelke oder Apfelsinenschale geben dem ganzen noch eine besondere Für jeden etwas... Letzte Anregung für Weihnachtsgeschenke. So gern man andern eine Freude macht und ihnen eine Gabe unter den Weihnachtsbaum legt: die Qual der Wahl ist ein gefürchteter Zustand. Einige Anregungen sollen hier gegeben werden. Was kann man dem Hausherrn schenken? Nun, neue und praktische Rauchgeräte sind gewiß willkommen. Außer Büchern machen originelle Bücherstützen Freude, eine Rauchverzehrlampe hat bleibenden Wert. Lederne Reisepantoffeln in Hülle, ein Rasiernecessaire für die Reise, ein schöner Kaffer, eine verstellbare Leselampe, eine Flasche guten Likör mit schönem Gießkorken, werden gewiß nicht verschmäht. Die Geschenke verbinden Zweckmäßigkeit mit gutem Aussehen, sie sind nicht überflüssig und doch keine Alltagsnotwendigkeiten. Die Hausfrau? Für sie ist der Gabentisch mit allerlei Neuheiten für die Erleichterung ihrer Wirtschaftsführung besonders reich bestellt. Wird ihr nicht ein Küchenmotor ein langersehnter Helfer in der Küche sein, mit dessen Hilfe sie das Rühren, Reiben usw. in einem Zehntel der bisherigen Zeit erledigen kann. Die drehbare Aufschnittplatte erhöht die Gemütlichkeit des Abendtisches, da sie nicht immer die Schüsseln und Platten herumreichen braucht. Brotsägen, Schüsselhalter, ein Trichter, mit dessen Hilfe der Kaffee unmittelbar in die Thermosflasche gebrüht werden kann, wodurch Wärmeverluft beim Umgießen vermieden wird, ein kleiner Apparat zur Herstellung von Sprudelgetränken, eine Schneidemaschine zur Herstellung von Kartosselstäbchen — all das spart Zeit und Kräfte der Hausfrau und läßt sie eher dazu kommen, eines der guten Bücher zu lesen, die natürlich auf dem Weihnachtstisch nicht fehlen dürfen. Aber auch an modischen Kleinigkeiten fehlt es nicht, mit denen man sie erfreut. Bunte Halsschals hat man nie genug; eigenartige Gürtel, schöne Taschentücher, Handschuhe,' Blumengestecke, Clips, Handtaschen für den Tag ober den Abend — all das sind Dinge, mit denen man nicht sehlgreift, da ja Modesachen dauernd dem Wechsel unterworfen sind. Ein etwas schwieriges Kapitel scheint der Gabentisch für die unverheiratete berufstätige Frau, besonders dann, wenn sie nicht im eigenen Heim, sondern möbliert wohnt. Aber auch sie ist dankbar für ein schönes Kissen, eine hübsche Zierdecke, eine Platte oder Schüssel aus Jenaer Glas, in der sie sich selbst etwas kochen kann. Angenehm wird sie auch einen kleinen Badevorleger aus Frottee empfinden, der sich leicht im Schrank aufheben läßt und nur beim Bedarf hervorgeholt wird. Ein gefülltes Markenkästchen wird eine willkommene Beihilfe fein. Daß auch für sie die morschen Kleinigkeiten bereitliegen, versteht sich von selbst. Das Geschenk für die Hausgehilfin macht Würze. Die Hauptsache bei der Punschbereitung ist die Verwendung eines „neutralen" Topfes, in bem also weder Fleischbrühe, noch fette Soßen usw. gekocht wurden, damit der Geschmack nicht beeinträchtigt wird. Hauptsache ist ferner, daß der fertige' Punsch möglichst heiß getrauten und heiß gehalten wird; denn nur heißer Punsch ist bas ersehnte Labsal für Zunge und Magen. Andere, denen es versagt ist, in die Kunst des Punsch- kochens einzudringen, verstehen sich dafür um so besser auf die Bereitung eines soliden Glühweins. Dazu bringt man eine Flasche Rotwein mit 100 g Zucker, 3 bis 4 Gewürznelken, 3 g Zimt und etwas Zitronenschale langsam zum Kochen. Längeres Kochen ist zu vermeiden, weil dadurch der ganze im Wein Vorständen? Alkohol und das Aroma* verdampfen würden. Aber auch einige ster fem-konnten * i/l -1 Bücher unter dem Weihnachisbaum. Deutsche Erzähler. — Gerhart Ellert: Mohammed, Roman. Verlag W. Scheuermann in Wien I. — (578) — Von Gerhart Ellert besprachen wir schon einen Kreuzritter-Roman, der das Morgenland zum Schauplatz hatte. In dem vorliegenden kommt nun zur Eigenart der Landschaft die Eigenart eines Volkes, dessen religiöse Besonderheit nur aus der eigentümlichen Natur der Landschaft zu begreifen ist. Es ist fast ein unvorstellbarer Gedanke, daß ein kleiner arabischer Scheich, der zur Erkenntnis der Ueberlegenheit des Glaubens an einen ewigen, der Vorstellungswelt entrückten Gott über den primitiven Dämonen- und Fetischdienst seiner Landsleute gekommen ist, nach erbittertem Kampf mit den mächtigen Häuptlingen seines eigenen Stammes zum Stifter einer Religion wirb, zu der sich, obwohl sie wesenttiche Grundauffassungen den damals bereits bestehenden monotheistischen Religionen entliehen und nicht über sie hinausgeführt hat, heute ein Achtel der Menschheit bekennt. Ellerts Roman versucht dies deutlich zu machen mit dem Hinweis auf das von Mohammed den im Kampf für die Lehren des Propheten gefallenen Gläubigen verheißene Paradies, das alle materiellen Kösttichkeiten des Diesseits in den Schatten stellt. Die Flucht nach Medina vor den Drohungen der in Mekka übermächtigen plutokratischen, dem alten Dämonenglauben anhängenden «Geschlechter zwingt den Propheten, in der Fremde Gläubige um sich zu sammeln. Von der kriegerischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Stamm, von dem mit der Bekehrung zum Monotheismus Mohammeds eng verbundenen politischen Ziel der Einigung aller arabischen Stämme zu einem Volk im gleichen Glauben ist es nur ein kleiner Schritt zur Ausbreitung der neuen Religion durch das Schwert, womit der Islam unter den Nachfolgern Mohammeds dann seinen beispiellosen Siegeszug antrat. Ellert vermag in der Charakterschilderung Mohammeds diese in den einzelnen Phasen kaum spürbare Entwicklung des Propheten vom . Erweckten zum Prediger, zum Kämpfer und schließlich zum poli- ttschen Denker und Staatsmann überaus fesselnd und einleuchtend zu veranschaulichen in dem leidenschaftlichen Ringen Mohammeds mit seinem Gegenspieler Abu Sofyan, dem von Ellert höchst lebendig gezeichneten Führer der konservattven Geschlechter Mekkas, der einmal — seltsame Ironie der Geschichte — Stammvater der mächtigen Kalifen- tmnaftie der Omayaden werden soll. Fr. W. Lange. — HansFallada: Der eiserneGustav. Roman. 737 Seiten. Kart. RM. 6,50, Leinen RM. 7,50. Rowohlt, Berlin. — (554) — „Alle Gestalten dieses Buches ... sind Geschöpfe der freien Phantasie ..." Wer den Titel liest, wird sich vielleicht, zumal wenn sein Blick dann auf das ausgezeichnet und knapp charakterisierende Umschlagbild fällt, jenes verrückten Berliner Droschkenkutschers erinnern, der vor einer Reihe von Jahren auf den närrischen Einfall kam, als einer der letzten seines aussterbenden Berufes mit seinem Pferde Grasmus eine Fahrt von Berlin nach Paris und wieder nach Berlin zurück zu unternehmen, was seinerzeit ziemliches Aufsehen erregte und beträchtliche Volksaufläufe (nicht nur in der Reichshauptstadt) zur Folge hatte. Die kleine, halb lächerliche Sensation war natürlich schnell wieder vergessen. Dem Romancier Fallada, der sie hier wieder ausgegraben hat, kam es allerdings weniger auf die Sensation, auf Ulk und Geschäft an, die damit verbunden waren, als auf den Mann, der das ausheckte, den Utberliner Droschkenkutscher Hackendahl, mit Spitznamen genannt „Der eiserne Gustav". Dos klingt nach Groteske oder heiterem Idyll der Vergangenheit —: nichts von alledem: das Buch ist so wenig heiter wie die meisten Bücher Falladas, obwohl er über gefunden Humor verfügt. Sondern dieser eiserne Gustav wird ihm, wer hätte das gedacht, zum Sinnbild einer alten, abgelaufenen, überwundenen Zeit: zum oinnbiti) aber auch eines unverwüstlichen Lebenswillens, der sich nicht unterkriegen läßt und sich in allem Elend des Dastms und gegen alle Nackenschläge des Schicksals zäh behauptet. Der eiserne Gustav ist der Mann, der seinen Kopf durchsetzt, und der am Ende immer recht behält: er ist der ruhende Mittelpunkt in der Erscheinungen Flucht. Es ist wahrhaftig ein bestürzendes Panorama, das sich da auftut, ein Chaos, ein Hexenkessel: dieser Mann erlebt mtt den Seinen die „gute, schöne Friedenszeit", und wie sie zu Ende geht, den Krieg, den scheinbaren Frieden, die rote Revolte, die Inflation, die Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger, Elend und Laster, ach, den völligen Zusammenbruch der Epoche, in der er groß geworden ist — aber zuletzt auch den langsamen Wiederaufstieg und den Anbruch einer neuen Zeit. Mehr als einmal wird man beim Lesen an den vorausgegangenen größeren Roman „Wolf unter Wölfen" erinnert, den wir früher besprochen haben: man hat den Eindruck, als ob Fallada von diesem Thema nicht los gekommen sei und sich nicht habe retten können vor der Fülle der Gesichte. (Wir haben das ja fast alle selbst mitgemacht und erleben es schaudernd noch einmal nach.) Wie man sich vorstellen kann, ist nicht gerade das daraus geworden, was man früher eine Lektüre „für die reifere Jungend" nannte. Es gibt Szenen in diesem Buche, die einfach schaurig und grausig sind, und es erhebt sich die Frage, ob derAeichen wirklich notwendig und künstlerisch unentbehrlich war im Gefüge der Gesamtkompdsitian. Wir bezweifeln es. Unbezweifelbar ist hingegen die immer aufs neue bewiesene virtuose Schilderungskraft Falladas, das Temperament und die zu- packende Realität feiner Erzählung. Auch dies ist wieder ein Buch von ungeheurer Spannung, die den Leser nicht losläßt, obwohl die letzten Kapitel nicht mehr ganz den Schwung haben wie die ersten und die mittleren. Das Wertvollste bleibt die Gestaltung derer, die sich behaupten und bewahren im Wirbel einer entfesselten Zeit, kraft der Güte des Herzens, dsr Stärke des Willens zum Leben und der Anständigkeit der Gesinnung. Hans Thyriot — Will Vesper: Kämpfer Gottes. Gesamtausgabe der historischen Erzählungen. Preis in Seinen 4,80 Mark. C. Bertelsmann, Verlag, Gütersloh. Das Buch vereinigt sechs historische Bilder, in denen der Dichter leidenschaftliche Kämpfer um das Unsichtbare gestaltet. Die sechs Dichtungen, zu sehr verschiedenen Zeiten spielend, zu sehr verschiedenen Zeiten entstanden, sind doch eines Geistes und fügen sich zu einem einheitlichen großen Fresko. Es ist eine Heerschau jener Kämpfer, die einst berufen waren, im Namen Gottes Gerechtigkeit zu schaffen und eine gottlos gewordene Welt aus den Angeln zu heben. Mit gewaltiger Vollmacht kämpft Luther: mit Schwert und Feuer Hutten: mit Keule und Morgenstern die Bauernheere des Bundschuh, und ein „Einsiedlerpapst" versucht vergeblich seine Kirche zu reformieren. Alle sind sie Kämpfer Gottes, Stürmer und Dränger zwischen zwei Welten. Horst Biernath: Pitt. Roman. Preis in Leinen gebunden RM. 4.—. Buchwarte-Verlag in Berlin. — (514) — Biernath, von dem kürzlich der Roman „Diamantenkomödie" bei den Lesern des Gießener Anzeigers besonderen Anklang gefunden hat, hat schon früher den Nachweis erbracht, daß er für den ausgesprochenen Lausbuben ein Herz hat. Dieser Pitt, ein richtiger Großstadtbengel, erzählt uns in diesem Roman auf pfiffig-komische Art das Erlebnis feiner I-ungenzeit. Aus der Enge des elterlichen Gemüsekellers Wirft ihn das Schicksal in die große Welt hinaus, in der er die tollsten Abenteuer erlebt, aber, wie das mit einem Jungen seines Schlages immer der Fall zu fein pflegt, immer wieder auf die Beine fällt und auch die schwierigsten Lagen meistert. So.ist dies ein richtiges/Jungenbuch für große Leute. — Lili von Baumgarten: Der Zug der Unmündigen. Roman aus dem 13. Jahrhundert. Verlag I. I. Weber, Leipzig. Preis» drosch. Weihnachten in den Tropen, V->n Hans Weiser. Eine Kokospalme als Weihnachtsbaum sieht eigentlich nicht gut aus. Dennoch hat man schon Unmögliches möglich gemacht. Wer erinnert sich nicht jener Seefahrergeschichte, in der die Matrosen eines deutschen Schoners, der irgendwo in heißen südlichen Meeren treibt, sich am Heiligenabend andächtig um einen Besenstiel scharten, den sie auf dem Tisch aufgepflanzt und mit allerlei Weihnachtstand, wie Muscheln, Korallen, Fischknochen und Kolibrifedern, behängt haben. Oder jenes Reisenden in der afrikanischen Steppe, der am abendlichen Lagerfeuer daran denkt, daß jetzt, ungefähr um diese Zeit wohl, in der Heimat Weihnachten ist und der eine in Stückchen geschnittene Stearinkerze auf einen borstigen Kaktus aufsteckt, womit er sich nicht nur hie Illusion eines Christbaumes verschafft, sondern wobei er auch die Kerzenhalter spart. Heimatbräuche wurzeln nun einmal tief im Menschen. Und die ausgepichtesten Weltenbummler, die hartnäckigsten Ausreißer, die bas, ganze Jahr nicht an Europa denken, gerade die sind es, die dann auf einmal in einer vom Fremdenverkehr noch nicht entdeckten haitischen Negerkneipe „Stille Nacht, heilige Nacht" anstimmen. — In Jquitos hatte ich den ersten Fieberanfall. Es war zwar ein Arzt da, denn Jquitos ist eine regelrechte Stadt und schon sechzig Jahre alt, und ich gewann den Eindruck, daß der Herr Doktor möglicherweise sogar einmal studiert hat — wahrscheinlich Nationalökonomie. Und ich wußte nur eines bestimmt: daß die feuchtbrütende Sumpfhitze des Amazonas-Tieflandes gefährlich ist und daß mich nur ein Klimawechsel retten kann. Ich mußte um jeden Preis weg und eine höher gelegene Gegend erreichen. Weder mein Begleiter noch ich, keiner hatte einen Cent Geld. Aber die Deutschen halfen uns, wir erhielten eine Freifahrt auf einem kleinen Maranon-Dampfer, in Purimaguas verklopste ich meine Schreibmaschine, der Präfekt verschaffte uns einen indianischen Führer, ein anderer Alkalde lieh uns ein Kanu, wieder ein anderer ein Pferd, mein Begleiter schleppte das halbe Gepäck und so kamen wir ganz gut weiter. Auch wenn man gesund ist, ist die Reise durch diese unwegsamen Gebiete Perus schon eine Anstrengung. Es geht flußabwärts und flußaufwärts, bergab und bergauf, durch Flüsse ohne Brücken und hitzebrütende Sümpfe und über eisige, viertausend Meter hohe Bergzüge. Jeden Tag wechselt die Jahreszeit. Und der Weg ist bald undurchdringlich verwachsen, bald tagelang ein Flußbett, die nassen Stiefel werden zu Bleigewichten: in der Hitze trocken geworden, zerschinden sie die Füße, man probiert es barfuß und tritt sich Dornen ein, dann ist der Boden wieder steinig und man klemmt sich lieber wieder in die harten Stiefel. Oft blieb ich stundenweit zurück, die Indianer gehen schnell und ausdauernd und rasten nur selten. Wir kamen nach San Antonio. Die Bewohner, als sie meinen Zustand sahen, gaben mir eine Mula (Maultier). Sie redeten uns zu, einen Tag auszu- ruhen, aber wir hatten es eilig. Wir erreichten Ta- rapoto, eine kleine Stadt, in einer felsigen Oase mitten im Urwald gelegen: sonngedörrte Palm- strohdächer spitzen braun aus dem verfilzten Dickicht, überragt von den hohen Büscheln schlanker Kokospalmen. Eine regenarme, . ausgebrannte Gegend, die trockne Hitze unerträglich. In Tarapoto wohnt ein mit einer Chola verheirateter Deutscher. Als ich vor seinem Bambushaus aus dem Sattel glitt, hob er mich auf: „Mann Gottes, Sie retten ins Grab!" Wir durften einige Tage in feinem Haus bleiben. Der Deutsche schlief in der Hängematte und überließ mir sein selbstgezimmertes Bett, gab uns Proviant, einen Führer und zwei Reittiere bis Juan Guerra. Am deutlichsten in Erinnerung ist mir die Fahrt auf dem Huallaga. Wir schwammen den stillen, träge träumenden Rio Mayo hinunter bis zur Mündung und wurden dann von zwei Peones auf dem reißenden Huallaga mit langen Stangen stromaufwärts gestalt. Wir wollten Picota erreichen. Non den fernen Bergen zog sich düfteres Gewölk herunter, es regnete und wurde plötzlich kalt. Zuerst machte ich mir nichts daraus und wickelte mich in meine Wolldecke. Wie oft waren wir auf dem Ucayali und auf dem Amazonas durchnäßt worden und eine halbe Stunde darauf in her sieghaften Sonne wieder strohtrocken gewesen. Wir hatten es stets als ein angenehmes Bad empfunden. Aber hier schien ein anderes Klima zu herrschen. Der Regen, wie mit Kübeln geschüttet, dauerte den aan- zen Tag, ein eisiger Wind schlug uns die Wassermassen entgegen, die Welt zerfloß in Gischt und Nebel, das Boot war halb voll Wasser. Die Peones arbeiteten angestrengt, kein Wort wurde gesprochen. Und ich lag im Boot, apathisch, zähneklappernd, zer- weicht wie ein Schwamm. Der Sturm hatte uns aufgehalten, wir kamen nur bis Remopampa: ich wankte die steile Böschuna hinauf. - Hier bleiben wir. Im Schulhaus." Es war ein Bambushaus mit feftgeftampftem Lehmboden, auf dem wohl sonst die lernenden Kinder hocken. Denn weder ein Stuhl, noch Tisch oder Bank ober Schultafel waren zu sehen. Wahrscheinlich lernen sie das Zählen an Bananentrauben. 3,80 RM. In Leinen gebunden 4,50 RM. — (556) — Lili von Baumgarten läßt vor unserem geistigen Auge den Kinderkreuzzug aufleben, der im Jahre 1212 am Rhein zusammenströmte und in Italien zusammenbrach. Die ganze Besessenheit von einem Wahn, an dessen Verwirklichungsversuch ein Heer von Kindern scheitern mußte, aste Leiden und Enttäuschungen, alles Verderben, die der Zug mit sich brachte, erleben wir in diesem Buche mit. Die verhängnisvolle Fahrt ist als Stoff nicht aus ihrer Zeit herausgerissen, sondern wird in all ihrem Verhaftetsein mit ihrer Umwelt geschildert. Vorläufige Anzeigen. Generalleutnant Dr. h. c. von Rabenau, Chef der Heeresarchive, hat unter Verwendung des schriftlichen Nachlasses des Generalobersten von Seeckt ein umfangreiches Werk herausgegeben: „Seeckt: Aus meinem Leben 1867 bis 1917" (Verlag von Hase und Köhler in Leipzig C1, mit 24 Bildern und 10 Karten, Preis in Leinen gebunden 12,50 RM.), eine auf Grund der Briefe Seeckts an feine Frau verfaßte authentische Lebensbeschreibung des großen Soldaten, die bis zu feiner Ernennung zum Generalstabschef der türkischen Armee im Herbst 1917 führt. Sucher der Kunst. — P. Philippi: Die kleine Stadt und ihre Menschen. Bilder — Erlebnisse — Gedichte.. Mit 43 Kunstdrucktafeln, darunter 14 Vier- farben-Drucke und einer Einführung von Carl Meißner. Quartband. Leinen 5,50 Mark. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart-dl. — (506) — Philippi ist Maler-Humorist. Wer die Eröffnungsausstellungen im „Haus der deutschen Kunst" besuchte, erinnert sich, welche Anziehungskraft dort die ausgestellten Bilder des Künstlers auslösten. Sein Le- benswerk ist hier in einer so schönen Ausgabe vereinigt. Der Künstler sucht und findet noch immer Originale und zeigt sie uns in ihrer oft sonderbaren Umwelt, die er liebevoll bis ins kleinste gestaltet. Mancherlei Vergnügtes weiß er von uns ihnen in den köstlichen Beiträgen: „Erlebnisse mit meinen Modellen" zu erzählen. Carl Meißner schrieb zu dem Buch eine von größtem Verständnis für das Werk des Künstlers zeugende Einführung. Aus fernen Ländern. — Land der Spannungen. Das unbekannte Norwegen. Von E. Berggrav. (Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg. Gebd. 4,— RM.) — 333. — Der Autor ist der Bischof von Nord- Norwegen. Er erzählt in diesem Buche, das Thabitg von Bonin aus dem Norwegischen übersetzt hat, in außerordentlich fesselnder Weise von seinen Reisen durch jenes weiträumige Gebiet, das unsere Vorstellungen von der Größe des Landes erheblich BÜCHER b« HOLDERER 8320D Seltersweg 75 • Ruf 2265 übertrifft. Die Reiseschilderungen machen den Leser mit Land und Leuten, mit Freud und Leid, mit Kampf und Verzicht dieses nordischen Volkstums eingehend bekannt. Es werden dabei Blickpunkte auf die Menschen und auf die Natur erschlossen, die sehr aufschlußreich und für die Urteilsbildung über dieses Land sehr wesentlich sind. Bis hinauf auf Spitzbergen im nördlichen Eismeer und bis zu dem weiten Bezirk an der Grenze Finnlands entlang gehen die Reisen, zum großen Teil im Renntierschlitten. Ein Erlebnisbuch voll eindrucksvoller Tatsachen, das dem Leser in hohem Maße bis zum Ende in feinen Bann schlägt und das sehr lehrreich ist. Ernst Blumschein. Reue und alte Kinderbücher. — Heinrich Schwambom : Fahrt ins Abenteuer. Eine Iungengeschichte. 115 Seiten. Mit 20 Federzeichnungen. Halbleinen RM. 2,20. Verlag Kösel-Pustet, München. — (336) — Für einen rechten Jungen gibts nichts Schöneres, als kühne, womöglich verbotene Abenteuer zu vollbringen. In vier Geschichten von großer Spannung erzählt Heinrich Schwamborn von einem tatenfrohen munteren Jungen und seinen Freunden, die große Schlachten ausfechten, Gefahren siegreich überwinden und in Wäldern und an Gewässern ein herrliches Leben voll wagelustiger Unternehmungen führen. — Auf der Grundlage seines berühmtesten Buches, des „Struwwelpeters" von Dr. Heinrich Hoffmann, baut der Verlag Rütten und Loening in Potsdam feine Kinderbücher-Abteilung neu auf. Den Anfang macht eine Reihe von Einzelausgaben deutscher Volk- und Kunstmärchen, die liebevoll ausge- ftattet und von Künstlern bebildert sind, welche sich in der Buchillustratton bewährt haben und sich der Verantwortung ihrer Aufgabe bewußt find. Bis jetzt liegen drei der bekanntesten und schönsten Märchen der Brüder Grimm vor: „Das Rotkäppchen", mit farbigen Bildern von Karl Vollmer, „Die Br e m e.r St ad t mufi k an te n", mit farbigen Bildern von Karl Vollmer, und „T i s ch l e'i n deckdi ch", mit farbigen Bildern von Fritz Kredel. Gebunden je 1,50 Mark. — (552) — Die schlanken, handlichen Bände werden allen Kindern, vielleicht sogar vielen Erwachsenen Freude bereiten und als Geschenk auch da willkommen sein, wo eine Gesamtausgabe der Kinder- und Hausmärchen schon vorhanden ist. AIS viertes Bändchen der neuen Reihe soll nächstens eines der reizendsten deutschen Kunstmärchen, der „Zwerg Nase" von Hauff, erscheinen. — Heiß war d e r Tag. Das Kolonial- buch für das junge Deutschland. Zweite, umge- Die halbwilden Jnland-Peruaner kennen keine Empfindlichkeit. In der Canoa, als ich bis zur Nasenspitze im Wasser lag, glaubte ich an einem der Führer ein leises schadenfrohes Lächeln bemerkt zu haben. Als ich aber jetzt in der Hütte umfiel, hoben sie mich besorgt auf und warfen sich einen ernsten Blick zu. „Ich bin krank", sagte ich. „Si, Senat", sagten sie teilnahmsvoll. Hängten meine Sachen ans Feuer und brachten heißen Kaffee. In dieser Zeit stand ich mit meinem Begleiter sehr schlecht. Das monatelange Zusammensein Tag und Nacht hatte uns verwildert, wir waren uns unausstehlich geworden und übten keinerlei Rücksicht mehr aufeinander. Tagelang sprachen wir kein Wort. Einmal, bei einem Wortwechsel, nahm ich ruhig meinen Revolver heraus und entsicherte ihn, und er schwieg. Es muß wohl Tropenkoller gewesen sein. Einige Wochen später verließ er mich und ging allein weiter. Und an diesem Tag, in Remopampa, bat ich ihn, mir seine Hängematte zu leihen. Seine Sachen waren trocken, weil er sie in unserem eisernen Koffer gehabt hatte, ich aber hatte keinen trockenen Lappen, weil ich mich in Decke und Hängematte eingewickelt hatte. „Schlafen Sie in der nassen", sagte er. Damit war der Fall erledigt. Von Frost und Fieber geschüttelt, konnte ich natürlich nicht schlafen, aber am Morgen glühte die Sonne, trocknete mich und brannte heiß bis ins Mark. Am nächsten Tag erreichten wir Picota und von da an konnten wir reiten. Fast jeden Tag passierten wir ein Indianerdorf, die Hitze wurde immer größer und die Strecken erschienen uns endlos. Und doch kamen wir ganz gut vorwärts und erreichten schließlich doch unser Ziel: die Stadt Saposoa. Dort lebt ein Deutscher, wie man uns gesagt hatte, und die Gegend ist fieberfrei, dort konnte man also einige Zeit bleiben. Und außerdem wird von da an der Weg so schlecht, daß an ein Weiterreisen vorläufig nicht zu denken war. Ich wußte wohl, daß es Dezember war, denn Ende November waren wir von Jquitos weggegangen. Aber welcher Tag ist, das weiß man da nie, weil die Abreißkalender in den Urwaldssiedlungen noch nicht eingeführt sind: und kümmert sich auch nicht darum. Als wir vor dem aus Lehm erbauten Haus Don Arturos hielten (das trotzdem fast wie ein wirkliches Haus aussieht), sagte ich zu meinem Begleiter: „Kaninchen — Jaguar —" und ähnliche komische Worte. Ich wollte sagen, daß ich absteigen arbettete Auflage. Unter Mitarbeit zahlreicher Kolonialkämpfer aus Krieg und Frieden heraus« gegeben von Hans Ernst Pfeiffer. Mit zahlreichen Bildern. Gebunden RM- 4,80. Verlag von Otto Janke, Leipzig. —(370)— Wie schwer und reich an Opfern Deutschlands Kampf um seine Kolonien war, davon berichtet dieses Buch. Von Kämpfern und Farmern geschrieben, bekennt es sich zu dem Weltgefühl jener, die den Rausch der abenteuerlichen Ferne im Blute spürten und zugleich dem Zwang einer Arbeit gehorchten, die dem Volk des Mutterlandes neuen Lebensraum schaffen wollte. Hier wurden Cl)araktere geprägt, die in hartem Kampf ihr Deutschtum bewähren mußten. Sie legten Z ugnis dafür ab, daß gerade der Deutsche durch seinen Fleiß, seine zähe Ausdauer unid durch die menschliche Behandlung der Eingeborenen in erster Linie dazu berufen ist, als Kolonisator zu wirken. So ist dieses Buch ein • ehrendes Zeugnis für den Geist, der die deutschen Kolonialpioniere beseelte, und ein Dokument gegen die Kolonialschuldlüge! — Emil Holan, Manfreds große Erfindung. Ein Buck von Kameradschaft, Technik, Sport und anderen spannenden Dingen. 112 Seiten. Mit einem Titelbild und fünf Vollbildern von Willy Helwig. Ganzleinen 2,50 Mark. Herold-Verlag, Stuttgart. — (445) — Manfred Müller, der beste Schüler der Tertia, ist ein eifriger Sportler und treuer Kamerad. Er möchte gern Ingenieur werden, aber das Schicksal bedroht seine Pläne. Manfred muß sich sehr anstrengen und viel Mut und Geschicklichkeit an den Tag legen, bis er sein Ziel erreicht. Wie er aber alle Hindernisse mit Hilfe seiner Kameraden überwindet und welche Abenteuer sie gemeinsam erleben, das erzählt in frischer Weise dieses Buch, an dem jeder richtige Junge seine Freude haben wird. will. Ich verstand wohl, was die anderen sagten, konnte aber selbst nicht mehr sprechen. „Es geht nicht mehr weiter mit Ihnen", sagte mein Begleiter mürrisch. „Sie reden im Delirium. Heut sind Sie dreimal vom Pferd gefallen!" Ein Indio führte die halb verhungerten Tiere in den Hof, und Don Arturo breitete sofort Strohmatten und Decken auf den Boden und bettete mich hin. „ war der vierundzwanzigste Dezember, der Heilige Abend. — Saposoa liegt ungefähr in der Mitte des nörd- lichen Peru, etwa auf dem sechsten Grad südlicher Breite. Es hat das ganze Jahr fünfundvierzig Grad im Schatten. Zeitschriften. — „D a s Innere Rei ch". Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deuffches Leben. (Herausgeber Paul Alverdes. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München.) — Das Dezember-Heft sammelt Dokumente zur Heimkehr der Sudetendeutschen ins Reick. Mit Prophetenstimme spricht der größte der deutschen Dichter im böhmischen Raum, -Adalbert Stifter, zu Beginn aus seinem „Böhmischen Testament", das Ernst Bertram aus seinem Hauptwerk, dem „Witiko" zusammenstellte. Drei Beiträge von dokumentarischem Gewicht lassen die entscheidenden Wochen noch einmal lebendig werden: Wilhelm Pleyers Tagebücher, Franz Tumlehs Erlebnisbericht vom Einsatz des sudetendeutschen Freikorps „Die Erkundung": und Willi Steinborns „Marsch über den Paß". In die Geschichte des Landes, die immer eine deutsche Geschichte war, führen Beiträge von Gertrud Fussenegger („Aus einem Prager Tagebuch" — die Schöpfungen der Parler-Schule in Prag beschwörend), und Oskar Schürer („Aus der Geschichte der Universität Prag"). Gedichte von Ernst Egermann, Heinrich Frank und Martin Simon, Beiträge zur Herkunft Kaiser Karls IV. und zum Gegenwartsschrifttum des Sudetendeutschtums vervollständigen das Heft. — Aus Anlaß ihres fünfjährigen Bestehens bringt „Die Sirene", die große Luftschutz-Illustrierte, im neuesten Heft einen reich bebilderten Rückblick, der zeigt, wie schnell die Entwicklung des Selbstschutzes in dieser Zeit vor sich gegangen ist, und wieviel kühne Erwartungen sogar übertroffen wurden. Die neue „Sirene" bringt daneben noch andere aufschlußreiche Bildberichte und einen neuen spannenden Kriminalroman. Außerdem enthält das Heft die Mitteilungen des Reichsluftschutzbundes. Ur. 298 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch. 21 Dezember (938 Aus der Stadl Gießen. Wintersonnenwende. U^jlser deutsches Wesen, unser Sehnen, tritt uns am reinsten in den Volksmärchen und in den Heldensagen entgegen. Sie sind die Spiegelbilder unserer Vorfahren. Wir verstehen voll und ganz die alte nordische Sehnsucht nach der Sonne, verstehen die Freude, die unsere Ahnen empfanden, wenn die Sonne wieder ihren Aufstieg begann. Tief im Herzen besaßen sie den Glauben an den Sieg des Guten. Da stehen vor uns die vertrauten Gestalten des deutschen Volksmärchens: Rotkäppchen, Dornröschen, Aschenputtel und viele andere. Sie erlagen vorübergehend im Kampfe gegen die bösen Mächte, aber um so herrlicher war ihre Wiederkehr. Für hundert Tage verschwindet die Sonne in den nordischen Ländern, und hundert Fahre mußte Dornröschen schlafen, bis es vom Königssohn geweckt wurde. Der Tag siegte über die Nacht, das Gute über das Böse. Nun kommt das Sonnwendfest. Wir stehen wieder — wie unsere Vorfahren — am brennenden Gedentt der hungernden Vögel. Holzstoß. Es ist nicht nur ein Freudenfeuer. Der brennende Holzstoß bedeutet uns mehr. Bei seinem Anblick fühlen wir die Verbundenheit mit unseren Vorfahren. Wie es für sie Stunden der Andacht waren, so soll es auch bei uns sein: Stunden der Einkehr, der ernsten und stillen Versenkung in Vergangenheit und Gegenwart. Aber auch mahnen soll uns das Sonnwendfeuer an die Verpflichtungen dem deutschen Volke gegenüber. Wir haben alle ein Fahr großer deutscher Geschichte erlebt, wie es nur wenigen Geschlechtern vor uns beschieden war. Die deutschen Brüder in der Ostmark, die Sudetendeutschen konnten zum Reich zurückkehren. Ein solches Fahr vergißt man nicht. Und im Scheine des brennenden Holzstoßes soll uns das von neuem mit Stolz erfüllen. Zu gleicher Zeit aber wollen wir geloben, in alle Zukunft auszuharren, unferrn Volke zu dienen und allen in Not geratenen Brüdern zu helfen. Fn diesem Sinne müssen wir das Sonnwendfest begehen. Es muß uns zum inneren Erlebnis werden. Zum Himmel soll'n die Flammen schlagen, unfern Glauben zu den Sternen tragen. H. Domotizen. Tageskalender für Mittwoch. Kreisleitung der NSDAP.: 20.30 Uhr Sonnwendfeier auf dem Trieb. — I./83. ^-Standarte: 22 Uhr Sonnwendfeier auf dem Gleiberg. — Stadttheater: 15 bis 17.30 Uhr „Frau Holle". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Zwei Frauen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gastspiel im Paradies". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Weihnachtsausstellung im Turmhaus am Brand. Stadttheater Gießen. Heute nachmittag Wiederholung des Märchens „Frau Holle" von Walter Osterspey. Musik: Walter Osterspey, Spielleitung: Hermann Schultze-Griesheim. Musikalische Leitung: Heinz Markwardt. Tänze: Thea Maaß. Die Vorstellung findet außer Miete statt. Anfang 15 Uhr, Ende 17.30 Uhr. Don der Universität Gießen. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Die an der hiesigen Universität seit Sommersemester 1936 bestehenden schwedischen Sprachkurse werden in diesem Semester von Lektor Torsten Ljunggren weitergesührt. Die Kurse beginnen am Donnerstag, 5. Januar 1939, und finden im Vorlesungsgebäude statt. Der Anfängerkurs von 16 bis 17 Uhr in Hörfaal 54, der für Fortgeschrittene von 18 bis 19.30 Uhr in Hörsaal 39. Fahrzeuglenker Achtung! Die Vorfahrt im Straßenverkehr. Allgemeines. Die Dienstanweisung zur Durchführung der Stra- tzenverkehrsordnung (StVO.) sagt zu § 13 StVO, u. a.: „Die Ursache der meisten schweren Verkehrsunfälle ist die Nichtbeachtung der Vorfahrt an Straßenkreuzungen und -einmündungen." Aus dieser Erkenntnis heraus ist man nach Inkrafttreten der StVO, dazu übergegangen, die Vorfahrtregelung weitgehend durch Verkehrszeichen kenntlich zu machen, weil die Verkehrsteilnehmer erfahrungsgemäß eine durch solche Zeichen gekennzeichnete Regelung besser verstehen und beachten als die einzelnen Vorfahrt g r u n d s ä tz e, die im Einzelfall angewandt werden müssen. Trotz aller Maßnahmen der Verkehrspolizeibehörden ereignen sich nach wie vor an Straßenkreuzungen schwere Zusammenstöße, was zu der kürzlich erfolgten Einführung der sog. Stopschilder führte. Bei Aufklärung der Ursachen der Verkehrsunfälle kann immer wieder die Wahrnehmung gemacht werden, daß die Verkehrsteilnehmer die grundlegenden Bestimmungen über d i e Vorfah-rt und die Bedeutung der zu ihrer Regelung aufgestellten Verkehrszeichen nicht genügend kennen. Eine merkliche Senkung der Verkehrsunfallziffer kann aber nur erreicht werden, wenn jeder Fahrzeugführer die einschlägigen Bestimmungen beherrscht und nach ihnen handelt. Selbst eine noch so weitgehende Anbringung von Verkehrszeichen zur Regelung der Vorfahrt macht die Kenntnis der Bestimmungen über die Vorfahrt nicht überflüssig, da die Verkehrszeichen nicht überall — insbesondere nicht bei gleichberechtigten Straßen — angebracht werden können. Um deswillen seien nachstehend die wichtigsten Bestimmungen über die Vorfahrt besprochen. Die Vorfahrt ist gesetzlich geregelt in §13 StVO, vom 13. November 1937. In dieser Bestimmung hat man absichtlich von der bisherigen Bezeichnung „Vorfahrts r e ch t" abgesehen, weil man durch den Ausdruck „V o r f a h r't" im Gegensatz zum „Vorfahrts recht" schärfer hervorheben wollte, daß die Regelung der Vorfahrt nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht bedeutet. Derjenige, dem die Vorfahrt zusteht, wird im allgemeinen altz „V o r f a h r t b e r e ch t i g t e r", derjenige, welcher einem anderen die Vorfahrt zu lassen hat, als „V o r f a h r t v e r p f l i ch t e t e r" bezeichnet. Begriff und Voraussetzungen. Das Recht zur Vorfahrt ist das Recht eines Fahrzeugführers, vor anderen Fahrzeugen, deren Fahrbahn sich mit der seinen schneidet, vorbei zufahren. Voraussetzung für die Anwendung der Vorfahrtregel ist nüthin ein Zusammentreffen von mindestens zwei Fahrzeugen an einer Straßenkreuzung oder -einmündung in der Weise, daß sich die Fahrtlinien dieser Fahrzeuge bei Fortsetzung ihrer seitherigen Geschwindigkeit in der beabsichtigten Fahrtrichtung schneiden oder doch so nahe aneinander kommen würden, daß ein Zusammenstoß oder wenigstens eine Gefährdung der Fahrzeuge eintreten müßte. Die A r t der zusammentreffenden Fahrzeuge spielt dabei zunächst keine Rolle, auch bei Begegnen von Kraftfahrzeugen oder Straßenbahnen (sog. schnellfahrende Verkehrsteilnehmer) mit Radfahrern oder Fuhrwerken (sog. langsarniahrende Verkehrsteilnehmer) greifen die Regeln über die Vorfahrt ein. Eine Vorfahrt zwischen Fahrzeugen und Fußgängern oder zwischen mehreren Fußgängern untereinander gibt es dagegen nicht. Reiter haben gemäß § 39 Abs. 2 StVO, die Dorfahrtregeln zu beachten. Wann ist ein Vorfahrisfall gegeben? Nach § 13 StVO, ist eine Vorfahrt des einen Verkehrsteilnehmers vor einem anderen in folgenden Fällen vorgesehen: 1. An Straßen kreuzungen (bei Fortsetzung von zwei oder mehr Fahrbahnen über ihren Schnittpunkt hinaus). 2. An E i n m ü n u d n g e n von Straßen in eine andere Straße (ober in einen Platz), wobei es auf den von beiden Straßen gebildeten Winkel nicht ankommt, so daß auch die sog. Wegegabeln hierherzurechnen sind. 3. Beim Abbiegen aus einer Straße und dem damit verbundenen Kreuzen des sich in der gleichen Straße bewegenden Gegen Verkehrs. Vorfahrt bei Verkehrsregelung. Der Schwerpunkt bei der gesetzlichen Regelung der Vorfahrt liegt in der Lösung der Frage, wer im E i n z e l f a l l die Vorfahrt hat. Keine Schwierigkeiten für den Verkehrsteilnehmer bietet diese Frage, wenn der Verkehr an einer Straßenkreuzung durch Weisungen oder Zeichen von Verkehrspolizeibeamten oder durch Farbzeichen (Verkehrsampeln) geregelt wird. In diesem Fall gelten die allgemeinen Vorfahrtsregeln nicht: die Vorfahrt hat alsdann derjenige, dem der Verkebrs- polizeibeamte (oder die Verkehrsampel) durch Weisung oder Zeichen das Recht und die Pflicht gibt, vor anderen Fahrzeugen die Kreuzung oder' die Straßeneinmündung zu passieren. Die einzelnen Zeichen der Verkehrspolizeibeamten und ihre Bedeutung sowie diejenige der Farbzeichen sind in § 2 StVO, aufgeführt. Grundregeln der Vorfahrt. Wenn eine Regelung durch Polizeibeamte (Verkehrsampeln) im Einzelfall nicht erfolgt, gelten folgende Grundregeln: 1. Bei Zusammentreffen von Haupt- und Nebenstraßen hat der Benutzer der H a u p t st r a ß e die Vorfahrt, § 13 Abs. 1 StVO. 2. Bei Straßen gleichen Ranges hat die Vorfahrt, wer v o n r e ch t s kommt. Jedoch haben —aber nur in diesem Fall! — Kraftfahrzeuge und durch Maschinenkraft anqefriebenc Schien en fahr- zeuge (insbesondere Straßenbahnen) die Vorfahrt vor anderen Verkehrteilnehmern, § 13 Abs. 2 StVO. Hauptstraßen. Die richtige Anwendung dieser Grundregeln über die Vorfahrt setzt Kenntnis des Begriffs der Hauptstraße voraus. Haupt st raßen sind nach § 13 Abs. 1 StVO.: 1. Reichs st raßen (einschließlich der Ortsdurchfahrten). Nach dem Gesetz über die einstweilige Neuregelung des Straßenwesens und der Straßenverwaltung vom 26. 3. 1934 (RGBl I S. 243) sind die deutschen Straßen in folgende Straßengruppen eingeteilt: a) Kraftfahrbahnen (Reichsautobahnen), b) Reichsstraßen,. c) Landstraßen I* Ordnung, d) Landstraßen II. Ordnung. Ob eine Straße die Eigenschaft als Reichsstraßö oder als Landstraße I. bzw. II. Ordnung hat, bestimmt der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen. Nur die auf Grund des vorerwähnten Gesetzes besonders Mt^^en Straßen sind Reichsstraßen und damit Hauptstraßen im Sinne der Regelung über die Vorfahrt. Für den Verkehrsteilnehmer ergibt sich die Eigenschaft einer Straße als Reicysstraße aus ihre^r Kennzeichnung. Nach der Anlage 1 zur StVO, sind Reichsstraßen wie folgt gekennzeichnet: Entweder durch viereckige gelbe (schwarz umrandete) Schilder, welche die Nummer der betreffenden Reichsstraße als Aufschrift tragen (sog. Nummernschilder), oder durch runde gelbe Schilder mit der Aufschrift „Fernverkehr" (sog. Zeichen für Ringoder Sarnrnelstraßeu für Fernverkehr). Die Nummernschilder der Reichsstraßen sind an den Wegweisern, Ortstafeln, Randsteinen und dgl. jeweils in etwa rechtem Winkel zur Verkehrsrichtung der Hauptstraße auf der rechten öeite aufgestellt, so daß sie für den Verkehr auf der Hauptstraße gut sichtbar sind. Darüber hinaus sind die Nummernschilder an den Einmündungen von Nebenstraßen in Reichsstraßen in etwa rechtem Winkel zur Verkehrsrichtung der Nebenstraßen so aufgestellt, daß sie von der Nebenstraße aus wahrgenommen werden können. Zur Vervollständigung der vorstehenden Aussüh- DerGauHessen-MaubegediLollsweihvachlen _ RSG. Weihnachten, das schönste aller deutschen Feste, das mit seinen Feiern vor allein in die Familie hineingestellt ist, hat im Dritten Reich durch die Volksweihnacht einen besonderen Sinn erhalten. Es ist ausgerichtet worden aus die Volksgemeinschaft. Durch diese Volksweihnacht, die der Ausdruck der Zusammengehörigkeit aller Volksgenossen unseres großen Vaterlandes ist, ist der Wunsch des Führers verwirklicht worden, daß zu Weihnachten auch dem Bedürftigen unter uns der Lichterbaum im Glanze der Kerzen erstrahlen soll, Niemand mehr im Großdeutschen Reich wird zu Weihnachten von aller Freude^abseitsstehen und sich einsam und verlassen fühlen. Für alle ist der Gabentisch bereitet. Auch im Gau Hessen-Nassau werden überall am 23. Dezember Volksweihnachtsfeiern veranstaltet, zu henen. die Betreuten des WHW. und deren Kinder eingeladen werden. Die Feiern beginnen um 19 Uhr mit einer Ansprache von Reichsminister Dr. Goebbels, der in der Volksweihnachtsfeier im Saalbau Friedrichshain in Berlin über alle deutschen Sender zu den Kindern im gesamten Reich und damit erstmalig zu den Kindern der Ostmark und des Sudetenlandes sprechen wird. Anschließend werden sich gemeinsam mit den vom WHW. betreuten Volksgenossen und deren Kindern die Hoheitsträger, die I Politischen Leiter und die ehrenamtlichen Helfer und I Helferinnen des WHW. beim Schein des Lichterbaumes zu einer frohen Stunde der Weihnachts- ! freube zusammenfinden. Damit werden die Veran- ! staltungen in den Orten unseres Gaues zu rechnen I Volksweihnachtsfeiern. Alle Volksgenossen, die sich uneigennützig für das große soziale Hilfswerk ein- setzen, sind mit den Eltern, die nicht mit irdischen Gütern gesegnet sind, und ihren Jungen und M ibeln zu einer festlichen Gemeinschaft zusammengefügt. Die Volksweihnachtsfeiern am Freitag in unserem Gau stehen im Zeichen des großen historischen Geschehens in diesem Jahr, der Wiedervereinigung der Ostmark und des Sudetenlandes mit dem Reich. Alle Volksgenossen des Gaues Hessen-Nassau werden bei der Teilnahme an diesen Feiern zutiefst das Wort des Führers verstehen, das der deutschen Weihnacht des Jahres 1938 seinen Sinn gibt: „Wir alle in Deutschland können uns in diesem Jahr zum ersten Male wirklich freuen auf das Weihnachtsfest. Es soll für uns alle ein wahres Fest des Friedens fein. Um so wichtiger aber ist es in dieser Zeit, nun erst recht für unsere deutsche Volksgemeinschaft zu sorgen, zu ringen, für sie zu werben und für sie zu opfern." VWMUWW? Roman von Hubert Nausse. Copyright by Albert Langen/Georg Müller, München. 11. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Am Vormittag kommen in Wismar vier Züge an. Jago Schmit» wartet schon am ersten, wartet am zweiten, mit dem dritten kommt dann Elisabeth. Sie trägt einen großen Strohhut, ein zartblaues Kleid, und Jago findet, daß sie aussieht wie eine Königin. Sie gehen in die Stadt. Sie stehen vor der gewaltigen Turmfront von St. Nikolai und um- wandern den machtvollen Bau bis zu den hohen Linden und den kleinen Giebelhäusern. Die Menschen schonen sie an. „Wundervoll", sagt Jago, „man kann hier mit den Händen in den Taschen spazieren gehn." Elisabeth stellt Frage auf Frage und Jago gibt geduldig Antwort auf Antwort. Sie verlaufen sich und stehen plötzlich beim Wassertor am alten Hafen. Das Wasser liegt ruhig und dunkel in all der Sonne und träumt von vergangenen Zeiten. „Wie in Brügge!" sagt Jago. „Aber da heißt es Minnewater oder lac d’amour." „Und ihr habt mich also oft vermißt?" fragt Elisabeth. „Nicht oft", sagt Jago, „immer!" Der Turm von Marien zeigt ihnen den Weg zum Rathausplatz. Die Welt der Hansa wird um sie lebendig, und Elisabeth will dem Fremdling die Heimat deuten und erklären. Aber Jago hat alles schon gesehen und hat Hunger. Er kennt auch schon die kleine Weinstube und nötigt zum Eintritt. In einer Nische ist ein Tisch feierlich gedeckt, Flaschen schauen aus dem Kühler, Rosen stehen in der Mitte. Es gibt frische Krabben, eine klare Brühe, Seezungen in Weißwein, schließlich Käse und Pumpernickel. „Sie sind so feierlich heute!" sagt Elisabeth. „Nicht feierlicher, als es sich für einen solchen Anlaß geziemt. Gestern abend war ich ein wenig schwermütig: so ganz allein in einer alten verwitterten Stadt, das passiert mir nicht häufig." „Sie — und schwermütig?" Elisabeth lachte. Er nickte nur. „Und nun auf einmal sind sie da, lieber und schöner als je, und ich merke erst, was mir in diesen Monaten alles gefehlt hat." Er seufzte. „Wissen Sie noch — in Bamberg?" Der gute Jago! Elisabeth nickte. Wl.e schön jejlie Stimme tjonfll 1 Wieviel weiche Töne diese Trompete hatte. Sie lauschte, drehte ihr Glas in der Hand, sah das Licht, das im Wein sich spiegelte. „Ich will ja warten, Elisabeth — du Schöne, du Gute, du Schönste weit und breit." Sie schloß die Augen, Halme rauschten um sie auf, ein braunes Gesicht beugte sich über das ihre— „Kommen Sie, Jago, der Wein macht uns be-ibe verliebt!" Unter den kleinen alten braunen B allste inhäu- sern, die so treu und brav den guten Bürger spiegeln, mitten zwischen den gewaltigen Backsteinkirchen, die den Stolz und die Größe vergangener Zeiten künden, liegt fremd und wie aus einer anderen Welt der Fürstenhof. Irgendein Machtherr der Renaissance hatte ihn in diese nördliche Welt gestellt. „Der Pfau im Hühnerhof!" sagt Ja^o. Elisabeth wehrt sich. „Ein Hühnerhof ist keine Beleidigung!" meint Jago. Sie freuen sich an den Terrakotta-Ornamenten über den Fenstern und Friesen. „Was heißt denn Terrakotta?" fragt Elisabeth. „Ist es nicht im Grund das gleiche wie Backstein?" „Gebrannte Ede!" sagt Jago und nimmt seinen Hut ab. „Gelehrt bist du auch noch!" Und beißt sich auf die Zunge und lacht: „Gestern, Elisabeth, haben Sie du zu mir gesagt, und heute sage ich zu Ihnen du — das gibt einen heillosen Wirrwarr. Wollen wir nicht endlich beim du bleiben?" Er reichte ihr die Hand. Sie reichte ihm die Hand. „Schade", sagte Jago, „daß wir hier mitten auf dem Marktplatz in Wismar sind!" Lachend gehen sie durch die alten Gassen zum Hafen. Auf den Pfählen im Kai sitzen die Bachstelzen und schauen den Möoen zu. Es riecht leise nach Tang. Ein Dampfer nach Kirchdorf — am Bug steht „Insel Poel" — füllt sich langsam mit Menschen. „Ist das eigentlich Ostsee oder Nordsee?" fragt Jago. „Schäm dich, zuweilen merkt man sehr, daß du ein Spanier bi ft." „Ich wollte nur sagen, daß ich noch nie in der Ostsee gefahren bin." Hinter den trägen Frachtdampfern, die wie an- gewachsen im schwarzen Wasser liegen, lungern einige Matrosen bei schlanken Motorbooten. DZohin man fahren könne? Kurz daraus schießen sie durch die baumdicken Pfähle der „Schwedenköpfe" in die Wismarer Bucht hinaus. An den waldigen Ufern wechseln dunkle Kicjeru mit Mm Buchen. Rechts fcUihen dsi gelbe i I Strand und die weißen Sanddünen von Insel Poel I mit dem Leuchtturm von Timmendorf. Nach links atmet mit leichter Dünung die offene See. Es geht nach Langenwerder, zu der Vogelschutzinsel, die auch Elisabeth noch nicht kennt. Die Fahrt zieht sich endlos hinaus. Aber dann ist der Lohn um so größer. _ Langenwerder ist ein Paradies der Möven, der öturmmöDen, der Silbermöven, der Bachmöven. Eine ganze Wolke der weißschimmernden Vögel — ein lebendiges Schneegestöber — umkreist schreiend das Boot. Elisabeth schaut ängstlich in das Gewimmel. „Ja", schreit der Matrose, „in der Hauptbrutzeit ist so eine Möve ein starkes und tapferes Tier. Aber jetzt!" Er reicht Elisabeth ein großes Stück Brot. Sie wirft die Brocken in die Luft, und die Möven sicheln in wilden Knäueln um jeden Bissen. Sie schießen zwischen Kopf und Hand herum, sie umfliegen, umflattern, umkreisen Elisabeth, die jauchzend und lachend in dem Gewimmel die Arme breitet. Keine Möve berührt die andere auch nur mit einem Flügelende, kein Flügelschlag streift Elisabeths Arme oder Hönde. Sie steht da, schlank und rank, und lacht und jauchzt in das Schwirren der Möven. Auf dem Heimweg sitzt sie müde neben Jago vorn im Boot. Der Blick geht in die offene See, wo zwischen Himmel und Wasser die Grenzen im Sonnenlicht sich verlieren. Sie hat Sehnsucht nach Liebe. „Wenn wir in Wismar anfommen, muß ich sofort zum Zug!" mahnt Elisabeth. „Ja, was wir uns zu sagen haben, müssen wir jetzt sagen. Der Matrose beim Motor versteht kein Wort!" Er macht eine kleine Pause. „Hast du Sorgen, Elisabeth." Sie schüttelt den Kopf. Die Zeit sei hart und schwer nir alle Deutschen. Jago spricht lange und eindringlich. Seit dem vergangenen Monat sei der Dollar um das Doppelte gestiegen. Und der Franzose stehe an der Ruhr. Wo will er denn nur hinaus, denkt Elisabeth. Immer redet er vom Geld! Trotz flieg in ihr auf. „Ihr wißt alle nicht, worum es geht! Es geht um Deutschlands Existenz, um euer aller Existenz!" „Und wenn schon, Jago? Wir Deutsche sitzen alle in einem Boot, wir tragen alle dasselbe Schicksal, wir Deutsche sind alle gleich. Ich will nichts voraus haben vor den andern! Aber das versteht ihr Ausländer nicht!" „Ich bin kein Ausländer, ich bin ein Deutscher!" „Gut, aber ein Auslandsdeutscher. Du hast deine Peseten, und damit stehst du außerhalb unserer .GemeinjchafU" Sie verstehen sich nicht. Sie sind die besten Freunde, aber sie reden, als ob sie aus verschiedenen Weltteilen kämen. „Elisabeth!" sagt Jago. Er zwingt sein Organ zu einemJanften Kantabile. Er hat sie ja lieb und bei aller Siegessicherheit, die ihm angeboren ist, hat er Angst um sie. Er kennt ober ahnt ihre trotzige und doch so leicht verwundbare Seele. Er ahnt nicht, daß sie heimlich und aus Trotz an Losnitz denkt, daß sie mit Gewalt die Szene im Aehrenfeld vor die Seele ruf, um sich den letzten Kampf zu erleichtern. „Elisabeth!" Er streckt ihr die Hand hin. Die Türme von Wismar stehen schon klar am Horizont. Sie aber will jetzt keine Entscheidung. Sie kann keine Entscheidung brauchen. Elisabeth schüttelt den Kopf. „Verdammt!" sagt Jago. „Ich weiß!" Er rückt von ihr weg. Er macht mit seiner rechten Hand eine große abschließende Geste. „Geld allein ist keine Schande, Elisabeth Hell- fahr!" Und Trotz allein ist kein Verdienst. Jte hat schon recht gehabt. Aber wir sprechen uns wieder! Vielleicht gelingt es mir, ein armer Mann zu werden, ober Ihnen, eine reiche Frau zu werben. Den Bettler würben Sie ja nehmen, Fräulein Hellfahr, soweit ich Sie kenne?" Noch niemals ist Jago Hönisch gewesen. Die Kränkung tut ihr weh, bitter weh. „Du gehörst zu ben Frauen, bei denen der Stolz stärker ist als das Herz!" Sie will noch etwas sagen. Aber da kommt der Kirchdorfer Dampfer groß und mächtig hinter ihnen vor, und die Fahrgäste winken und rufen ihnen zu. Elisabeth schwenkt ihr Taschentuch und macht ein fröhliches Gesicht. „Wie auf der Bühne!" denkt sie. „Lache, Bajazzo!" Sie legen an. eie laufen zum Bahnhof. Der Zug steht schon da. Elisabeth steigt ein und überlegt. Dann schaut sie aus dem Fenster. „Ich schreibe dir, Jago, bald! In spätestens vierzehn Tagen bestimmt! Ich werde über alles nachdenken! Und bald werde ich klar sehen!" In vierzehn Tagen ist der Losnitzer Familientag vorbei. Jago faßt in die Brieftasche und holt einen Umschlag heraus. Der Zug setzt sich in Bewegung. „Da, nimm das! Und Dein Flügel gehört mir!" Er reicht den Brief hinauf, sie greift darnach, nimmt ihn und winkt, winkt! ... Und wie Elisabeth sich in die Elle setzt, legt sie ben Brief in ihren Säioß und sucht zunächst ihr Taschentuch, Denn ihre Augen sind blind und dunkel vor Tränen, (Fortsetzung folgt.) rangen seien nachstehend die R e i ch s st r a ß e n an» aegeben, die durch die frühere Provinz Ober- Hessen führen: Nr. 3: Frankfurt a. M-—Gießen—Marburg. Nr. 45: Hanau—Windecken—Nieder-Wöllstadt. Nr. 49: Wetzlar—Gießen—Grünberg—Alsfeld. Nr. 62: Kirchhain—Kirtorf—Alsfeld—Hersfeld. Nr. 254: Fulda—Lauterbach—Alsfeld—Ziegenhain. Nr. 275: Usingen—Friedberg—Gedern—Lauterbach. Nr. 276: Gedern—Schotten—Laubach—Flensungen. Nr. 277: Wetzlar—Pohl-Göns. 2. Hauptverkehrs st raßen. Sie sind durch auf die Spitze gestellte weiße Quadrate mit rotem Rand bezeichnet. Ob und Gegebenenfalls welche Straßen als Hauptverkehrsstraßen bestimmt und dementsprechend gekennzeichnet werden, ordnet die Verkehrspolizeibehörde an. In der Regel werden derartige Anordnungen nur für Straßen innerhalb geschlossener Ortsteile getroffen, während die Landstraßen I. Ordnung durchweg nicht als Hauptverkehrsstraßen gekennzeichnet sind. 3. Schließlich sind an einzelnen Kreuzungen und Einmündungen als Hauptstraßen anzusehen diejenigen Straßen, bei denen auf den ein- mündenden oder kreuzenden Straßen auf der Spitze stehende Dreiecke angebracht sind. Hier spricht man von der sog. „negativen" Kennzeichnung, weil nicht die Hauptverkehrsstraße (p o - s i t i v) gekennzeichnet ist, wie in den Fällen zu 1. und 2., vielmehr die einmündende Straße als Neben st raße gekennzeichnet ist. Die auf der Spitze stehenden Dreiecke sind entweder von weißer Farbe mit rotem Rand (ohne Aufschrift) und bedeuten „Vorfahrt auf der Hauptstraße achten", oder von blauer Farbe mit rotem Rand mit der Aufschrift „Halt" und bedeuten „Halt, Vorfahrt auf der Hauptstraße achten". Die zuletzt erwähnten Verkehrszeichen (Verbotszeichen) wurden durch DO. vom 13.10.1938 eingeführt und werden nur an besonders gefährlichen Straßenkreuzungen ausgestellt. Nach der oben erwähnten Grundregel 1 über die Vorfahrt hat der Benutzer einer der vorstehend zu 1 bis 3 beschriebenen Straßen die Vorfahrt vor dem Benutzer einer sie kreuzenden oder in sie einmündenden Straße. Dabei ist — im Gegensatz zu der später zu besprechenden Regelung bei gleichberechtigten Straßen — gleichgültig, ob es sich bei dem Benutzer der Hauptstraße um einen sog. langsam- oder schnellfahrenden Verkehrsteilnehmer handelt, so daß z. B. ein Radfahrer oder ein Fuhrwerk in der Hauptstraße die Vorfahrt vor dem aus der Nebenstaße kommenden Kraftfahrzeug hat. Es ist jedoch streng darauf zu achten, daß bei Zusammentreffen von zwei H a u p t st r a ß_e n an sich die Grundregel 2 über gleichberechtigte Straßen Platz greift. Bei Zusammentreffen von zwei Hauptstraßen hat die Der» kehrspolizeibehörde zu bestimmen, welcher der beiden Straßen wegen ihrer geringeren Verkehrsbedeutung oder aus Gründen der Verkehrssicherheit die Vorfahrt zu nehmen ist. Da diese Entscheidung überall durchgeführt sein dürfte (durch Aufstellen des auf der Spitze stehenden Dreiecks in einer der beiden Hauptstraßen), bietet die Frage der Vorfahrt hei Zusammentreffen von zwei Hauptstraßen in der Praxis keine Schwierigkeiten. Der Benutzer einer Hauptstraße muß mithin bei seiner Weiterfahrt stets damit rechnen, daß die von ihm benutzte Straße an einer Kreuzung mit einer anderen Hauptstraße vorübergehend zur Nebenstraße wird. Gleichberechtigte Straßen. bei Zusammentreffen von zwei oder mehr Straßen feine derselben als Hauptstraße anzufehen (mangels entsprechender Beschilderung oeider ober aller Straßen), so handelt es sich rechtlich um gleichberechtigte Straßen, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob eine davon tatsächlich erfahrungsgemäß einen stärkeren Verkehr aufweist als die andere. In solchen Fällen greift die ooen an- Geführte Grundregel 2 ein: Die Vorfahrt h a t das von rechts komm en de Fahrzeug! (Ausnahme weiter unten.) Oft hört man von Fahrern sagen, daß ja beide Fahrzeuge von rechts kämen, je nachdem, von wo aus man sie anschaut. Maßgebend ist die Verkehrs» lage, wie sie sich für jeden der beiden aufeinanderzukommenden Fahrer darstellt. Jeder von beiden sieht den anderen entweder von rechts oder von links herankommen. Sieht er den anderen auf feiner linken Seite kommen, bann ist er selbst das (für den anderen) von rechts kommende Fahrzeug, mithin hat er die Vorfahrt. Sieht er dagegen das andere Fahrzeug auf feiner rechten Seite kommen, dann ist er selbst (für den anderen Fahrer) das von links kommende Fahrzeug und muß dem anderen die Vorfahrt gewähren. Dieser Grundsatz, daß der von rechts Kommende die Vorfahrt hat, erleidet bei gleichberechtigten Straßen insofern eine sehr wichtige Einschränkung, als hier Kraftfahrzeuge und durch Maschinenkraft angetriebene Schienen- fahrzeuge (insbesondere Straßenbahnen) die Vor- fahrt vor anderen Verkehr-r e : lneh- mern haben. Mithin hat bei Straßen gleichen Ranges das Kraftfahrzeug (ober die Straßenbahn) stets die Vorfahrt vor dem Radfahrer ober bem Fuhrwerk. Treffen zwei Kraftfahrzeuge zusammen, so ist es gleichgültig, ob eines von beiden .^sachlich schneller fährt ober fahren kann als bas andere (z. B. Personenkraftwagen und Zugmaschine): bas von rechts tommenbe Fahrzeug hat eben die Vor» fahrt. Bei Begegnen von Kraftfahrzeugen und Straßenbahnen an Kreuzungen gleichberechtigter Straßen stehen sie hinsichtlich der Vorfahrt unter» einanber gleich, so daß bas von rechts kommende Fahrzeug die Vorfahrt hat. Vorfahrt beim Abbiegen. Besondere Vorschriften über die Vorfahrt gelten, wenn ein Fahrzeug aus einer Straße a d b i e g c n will (z. B. in eine andere Straße oder 'n eine Grundstückseinfahrt) und dabei die Fahrbahn des auf derselben Straße sich bewegenden G e - genverkehrs kreuzt. In diesem Falls muß das abbiegende Fahrzeug die ihm entgegenkommenden Fahrzeuge aller A r t, die ihre Richtung bei» behalten, Vorfahren lassen, § 13 Abs. 4 StVO. Hier» bei gelten Straßen mit mehreren getrennten Fahrbahnen (meist nur in größeren Städten) als dieselben Straßen. Die Vorfahrt ist nach ‘'em 2: ar in Gesetzestext nur den entgegenkommenden Fahrzeugen, die ihre Richtung beibehalten, zu gewähren, nicht auch den nachfolgenden, in gleicher Richtung mit bem abbiegenden Fahrzeug fahrenden. Diesen gegenüber besteht nur die Pflicht, die beabsichtigte Richtungsänderung rechtzei- 1 i g und deutlich anzuzeigen, § 11 StVO., wobei zu bemerken ist, daß das Anzeigen der be- absichtigten Richtungsänderung nicht von der allgemeinen, im Verkehr stets gebotenen Sorgfalt bereit. Beim Abbiegen besteht die Pflicht zum Gewähren der Vorfahrt gegenüberFahrzeugenaller Art, so daß z. B. auch Fuhrwerke und Fahrräder die Vorfahrt vor Kraftfahrzeugen haben. Ausübung der Vorfahrt. Wer nach den vorstehenden Ausführungen die Vorfahrt hat, darf sich grundsätzlich darauf verlassen, daß sein Recht zur Vorfahrt von den übrigen Verkehrsteilnehmern beachtet wird. Dementsprechend kann er seine Fahrweise einrichten. Das Recht zur Vorfahrt entbindet aber nicht von der im Verkehr tets zu erfüllenden Sorgfaltspflicht des § 1 StVO. Danach hat jeder Verkehrsteilnehmer sich so zu verhalten, daß der Verkehr nicht gefährdet werden kann; er muß ferner sein Verhalten so ein» richten, daß kein anderer geschädigt ober mehr als nach den Umständen unvermeidbar behindert ober belästigt wirb. Mithin muß ber Vorfahrtberechtigte nach Möglichkeit ben Dorfahrtverpflichteten beob» achten. Er muß sogar auf die Vorfahrt verzichten, wenn er erkennt, daß die Ausübung eines Rechtes einen Zusammenstoß herbeiführen würde. Wer das Recht auf Vorfahrt hat, muß es in der Regel auch ausüben, denn die Bestimmungen über die Vorfahrt sind nicht zuletzt im Interesse der Flüssigkeit des Verkehrs erlassen worden. Der Verpflichtete darf mit einem Verzicht auf die Ausübung des Rechts auf Vorfahrt nur dann rechnen, wenn der Berechtigte einen solchen Verzicht unzweifelhaft zu erkennen gibt. Ein kurzes, oft nur auf Vorsicht beruhendes Abstoppen des Berechtigten ist kein solcher Verzicht und darf nicht als olcher gewertet werden. Gondervorschristen. Wehrmacht, Polizei, Feuerwehr im Feuerlöschbien st sind von den Vorschriften der StVO, befreit, soweit die Erfüllung ihrer hoheitlichen Aufgaben es erfordert (§ 48 StVO.). In solchen Fällen steht ihnen stets die Vorfahrt zu. Bei Anschlußstellen der Reichsautobahnen ist stets der durchgehende Verkehr (auf der Reichsautobahn und auf der Landstraße) bevorrechtigt (§ 5 der Vorläufigen Autobahn-Betriebs- und Derkehrsordnung vom 14. Mai 1935). Für die Deutsche Reichsbahn und für die Privateisenbahnen gilt § 79 Eisenbahn-Bau- unb -Betriebsordnung, wonach bei Annähern von Zügen alle Verkehrsteilnehmer in angemessener Entfernung zu halten haben. Für Straßenbahnen mit besonderem Bahnkörper gibt § 42 Straßenbahn-Bau- und -Betriebsordnung an Wegübergängen den Schienenfahrzeugen die Vorfahrt vor allen anderen Fahrzeugen. Kraftfahrzeuge der Reichspost und der Reichsbahn dagegen nehmen keine bevorrechtigte Stellung ein. Folgen der Verletzung der Vorfahrt. Wer die gesetzlichen Vorschriften über die Vorfahrt verletzt, kann für den hierdurch verursachten Schaden ersatzpflichtig sein und macht sich einer Uebertretung noch § 49 StVO, schuldig, auch wenn durch sein verkehrswidriges Verhalten kein Schaden für Menschen ober Sachen eingetreten ist. Die Strafe nach § 49 StVO, ist Gelbstrafe bis zu 150 RM. ober Haftstrafe von einem Tag bis zu sechs Wochen. Außerdem kann in besonders gelagerten Fällen ber Führerschein entzogen werben. Schlittschuhlauf auf Spiegeleis. Gießener Eisbahn ganz ausgezeichnet. Die Kälte ber letzten Tage hat auf ben Wiesen an ber Moltkestraße eine Eisbahn geschaffen, wie ie sich seit Jahren nicht mehr bot. Spiegelglatt ist das Eis auf dem Gelände des Gießener Eisvereins, dabei so hart und fest, daß für den Schlittschuhlauf die besten Voraussetzungen gegeben sind. Das Eis ist heute morgen mit einer Dicke von etwa 20 Zentimeter gemessen worden. Stellenweise ist es so klar, daß man auf dem Wiesengrund jedes Gräslein er» kennen kann, lieber der ganzen Eisfläche liegt, vorn Winde wie hingewischt, ein feiner Hauch von Schneekristallen. Eine große Eisfläche steht hier wieder für den Lauf zur Verfügung. Für die Anfänger ist wieder ein Teil ber Flache abgegrenzt, bamit sie nicht sich und andere Läufer gefährden. Für die Kunstläufer ist unmittelbar an ber Moltkestraße ein Stück abgeteilt worben, so daß für jedermann bequem Ge- iegenheit gegeben ist, bas Können unserer Gießener Eisläufer zu bewundern. Die Eisbahn konnte bereits feit zwei Tagen in Anspruch genommen werden. Die Jugend machte trotz ber Kälte schon reichlich Gebrauch von ber in ben letzten Jahren selten gewordenen Sportmöglichkeit. Allerdings war es nicht lange auszuhalten. Der bissige Ostwind, der gerade in bei* Gegend ber Eisbahn besonders fühlbar ist, machte den Aufenthalt nicht gerade zum Vergnügen. Aber da nun die Kälte wieder etwas nachgelassen hat, wird bald ber Betrieb herrschen, ben sich ber Eisverein wünscht. Gemeinschastsabende der Gießener Frauen. Aus den Ortsgruppen der Gießener Zrauenfchast. Die Ortsgruppe G i e ß e n - O st hatte ihren letzten Gemeinschaftsabend im November ganz auf das Kind eingestellt. Frau Neumann erzählte von Kinbereigenarten, aus denen sich, wenn die Eltern ober Erzieher nicht sorglich darauf achten, gar zu leicht Unarten entwickeln können, die bann, je fester sie ins Kind hineinwachsen, um so schwieriger her- auszubekommen sind. Allen wurde wieder klar vor Augen geführt, wie nötig es ist, für die Mütter vor allem, gewisfenhaft bar auf zu achten, daß die Kinder ganz einfach, schlicht und konsequent erzogen werden, ohne es dabei an ber nötigen Liebe fehlen zu lassen. Erziehung ist Beispiel und Liebe. Deshalb bars man ein Kmd eigentlich nicht so viel erziehen, man muß es leiten und lenken und ihm ein gutes Beispiel sein. Frau Hummel las bann noch Kindergebichte aus dem Buche „Das Lied vom Kinde". Ein Abend der Gruppe Grenzland - Ausland war dem Schriftsteller Hans Grimm gewidmet. Frau Kuhn las aus feinen Werken „Lüderitz- bucht" und „Farm am Flusse" vor. Die Ortsgruppe Gießen-Norb hatte als Ortsgruppenabenb eine Feierstunde im Caf6 Leib. Der Abend bedeutete in seinem sinnvollen Ausbau ür alle Teilnehmer ein besonderes Erlebnis. Ein- geleitet wurde die Feierstunde mit einer Sonate von Corelli. Frau K a st e n sang im weiteren Verlause des Abends noch einige Lieder, und die Frauen der Ortsgruppe blieben noch eine Weile beisammen, um unter dem Eindruck des Erlebten in schönem Zusammengehörigkeitsgefühl ben Abend ausningen zu lassen. Die Ortsgruppe Gießen-Süd hatte ihren Gemeinschaftsabend im Saale des Studentenheimes. Der Abend war ausgefüllt mit Musikdarbietungen aller Art und dem Vortrag von Gedichten u|m. Eine Kantate und ein Trio von Corelli brachten zu Anfang die Frauen in die rechte Stimmung, die noch erhöht wurde durch die von ber Jugendgruppe gelungenen neuen Weihnachtslieber, die von ben Jungmädels mit Blockflöten begleitet wurden. Es folgten Gedichte von Hermann Claudius. Eindrucksvoll sprach Frau Schön, sie dankte ben Frauen mit warmen Worten für ihre Mitarbeit im vergangenen Jahre. Die Jugendgruppe hatte sich besonders um die feierliche Gestaltung des Abends bemüht. Der Gemeinschaftsabend von Gießen-Mitte fand im Saal des „Burghofs" statt. Frau W e m - per begrüßte die sehr zahlreich erschienenen Frauen und besonders den Ortsgruppenleiter Weber, der zu den Frauen eindrucksvolle Worte des Dankes und der Ermunterung zu weiterer Arbeit sprach. Die musikalischen Darbietungen der Jugenbgruppe fanden reichen Beifall und brachten mit gemeinsam gelungenen Liedern, schön vorgetragenen Gedichten die rechte Stimmung. Nur allzu schnell verging dieser schöne Abend. Aus den Gießener Gerichtssälen. Große Strafkammer Gießen. In ber gestrigen Sitzung hatte sich die Große Strafkammer zunächst mit dem H. P. aus Frank» urt a. M. wegen widernatürlicher Unzucht zu befassen. Die Verhandlung, in ber zahlreiche Zeugen gehört wurden, sand unter Ausschluß ber Oeffent- lichkeit statt. Das Gericht verurteilte ben Angeklagten zu einer Gefängnis st rafe von zwei Jahren und vier Monaten. Sechs Monate Untersuchungshaft wurden dem Angeklagten auf feine Strafe angerechnet. In ben späten Abendstunden des gestrigen Tages verhandelte die Große Strafkammer noch gegen die E. M. aus Griebel unb gegen ben O. R. aus Butzbach. Das Schicksal hat es mit der M. nicht gut gemeint. Während ihrer Ehe betrog sie ihr Mann, er brachte fast bas ganze Hab unb Gut durch, schließlich wurde die unglückliche Ehe geschieben. Die Angeklagte pachtete nun einige Morgen Ackerland unb sorgte unter ben größten Entbehrungen, nachdem sich ihr geschiedener Mann bas Leben genommen hatte, für ihre Kinder. Schon während des Krieges war die M. als stellvertretende Wiegemeisterin der Gerneindewaage in Griedel verpflichtet worben. Ihr Mann war bis zu feinem Tobe Wiegemeister. Nach feinem Tode wurde kein Nachfolger bestimmt, sondern die M. übernahm nun allein die Obliegenheiten eines Wiegemeisters. Die Notlage der Angeklagten wurde immer drückender. Sie mußte für bie Ackerpacht aufkommen und hatte darüber hinaus neben der Sorge für ihre Familie noch beträchtliche Hypothekenzinsen zu zahlen. Ihre Tätigkeit als Wiegemeisterin brachte ihr auch nur eine unbedeutende Summe, jährlich ungefähr sechzig Mark ein. In ihrer Nöt kam die schon bejahrte Angeklagte, die sich immer redlich durch das Leben geschlagen hatte, zu einem unglückseligen Ausweg. Wurde ihr Vieh auf bie Gemeindewaage gebracht, bann trug sie nicht bas richtige Gewicht in ihr Wiegebuch ein, auf Grund dessen sie mit bem Bür- germeifter abrechnen mußte, sondern sie vermerkte darin in vielen Fällen leichtere Gewichte. Es tarn z. B. öfters vor, daß sie einen Bullen wog, aber nur ein Kalb als gewogen in ihrem Kontrollbuch vermerkte. Wurden ihr mehrere Schweine gleichzeitig von einem Landwirt zum Wiegen gebracht, bann trug sie nur ein Schwein in ihr Wiegebuch ein. Den Leuten nahm sie die richtige Wiegegebühr ab, sie verrechnete aber nur die geringere Gebühr für leichtes Vieh, während sie ben Ueberfchuß in ihrer Notlage für sich verwanbte. Dieses Verhalten setzte die Angeklagte während vier Jahren, bis zum Frühjahr dieses Jahres, fort. Durch dieses Tun hatte die Angeklagte sich im Laufe der Jahre um ganze 86 Mark bereichert. Vielen Metzgern ist, was menschlich verständlich ist, die Schlachtsteuer keine Freude. Besonderes Mißfallen erregt es, daß bie Schlachtsteuer sich bei' einem Gewicht von 400 kg bes Tieres um 5 Mark erhöht. So erging es auch bem Mitangeklagten O. R. Dieser war bei einem früheren Butzbacher Metzgermeister als Geselle und Viehaufkäufer angestellt. Ihm gelang es, burch feine Ueberrebungstunft bie gefchäftsungewandte M., bie sich von ber Tragweite ihres Tuns überhaupt keine rechte Vorstellung machte, zu verhängnisvollen Taten anzustiften. Die Angeklagte unterlag ben Einflüsterungen bes R. Aus Gutmütigkeit, und fie gab sich bazu her, in vier Fällen Wiegekarten über Wiegevorgänge, die überhaupt nicht stattgefunden hatten, mit ber Waage herzustellen. Sie wollte sich dadurch bie Wiegegebühren, bie teilweise ihr gehörten, beschaffen. In der Hauptsache wollte sie aber bem R., bzw. dessen Meister die hohe Schlachtsteuer für Tiere über acht Zentner Gewicht ersparen. Gemäß § 359 StGB, war die Angeklagte im strafrechtlichen Sinne als Beamtin anzusprechen. Durch ihr Verhalten hatte sie nicht nur ben Tatbestand ber Untreue, sondern auch ben ber schweren Urkundenfälschung im Amt (§§ 348, 349 StGB.) unb der schweren Amtsunterschlagung verwirklicht. Der Staatsanwalt wies in feiner Anklagerede auf die besondere Tragik dieses Falles hin. Er betonte ausdrücklich, daß er auf Grund bes § 349 StGB., ber keine Milderungsgründe kenne, eine Zuchthausstrafe beantragen müsse. Er wies aber gleichzeitig all Hand von früheren Fällen darauf hin, wie der Angeklagten im Gnadenwege geholfen werden könne. Viel größer fei aber das Verschulden des Mitangeklagten R. Er fei daran schuld, daß die Angeklagte seinen Ueberrebungstünften erlegen sei unb nun sich wegen einer so schweren Anklage zu verantworten habe. Hätte er nicht bie gutmütige M. beschwätzt, bann hätte diese bie Falschbeurkundungen nicht vorgenommen. Er beantragte gegen R. eine Zuchthausstrafe von einem Jahre und drei Monaten. Nach längerer Beratung verurteilte die Kammer bie M. neben Geldstrafen zu einer Zuchthaus- ft r a f e d o n einem Jahre und e i n em Mo ° not. Gegen R. verhängte sie neben Geldstrafen eine Zuchthausstrafe von einem Jahr und drei M o n a t e n. In der Urteilsbegründung wies der Vorsitzende besonders auf die Tragik bes Falles hin. Wenn man die Angeklagte M. in ihrem harten Schicksal bedauere, so habe sich bas Gericht doch dem Gesetz beugen müssen. Er riet aber beiden Angeklagten, wie ber Vertreter ber Anklage unb ber Verteidiger bereits es bargelegt hatten, den Gnadenweg zu beschreiten. Amtsgericht Gietzen Der W. St. aus Wuppertal hatte bei einem umherziehenden Händler Beschäftigung gefunden. Der Angeklagte ließ sich aber nicht in bie &ea>erbefarte seines Arbeitgebers eintragen, obwohl dies, wie er wußte, nach der Gewerbeordnung erforderlich ist, St. erhielt einen Strafbefehl in Höhe von 30 RM. Dagegen legte er Einspruch ein. St., ber von dem Erscheinen in ber Hauptverhandlung entbunden war, konnte mit seinen Einlassungen nicht durchdringen. Es blieb deshalb bei der im Strafbefehl ausgesprochenen Geldstrafe. Der W. P. aus Gießen hatte wegen Uebertretung ber Reichsstraßenverkehrsordnung einen Strafbefehl erhalten, gegen den er gleichfalls Einspruch ein« legte. Da er nicht in der Hauptverhandlung erschien, wurde sein Einspruch verworfen. Vezirksschöffengericht Gießen. Der W. W. aus Düsseldorf erschien gestern wieder vor bem Bezirksschöffengericht. Vor einiger Zeit war schon einmal gegen ihn ein Termin angesetzt worben. Die Hauptverhandlung fand bamals aber nicht statt, ba das Gericht beschloß, ben Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Der Angeklagte war ohne bie erforberlichen Fahrkarten planlos mit der Eisenbahn gefahren und hatte sich im Zusammenhang hiermit strafbar gemacht. Auf Grund bes eingeholten Gutachtens sprach bas Gericht den Angeklagten wegen § 51 StGB. frei. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Gemäß Antrags der Staatsanwaltschaft wurde ber Angeklagte in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen. Der K. K. aus Frankfurt a. M. war bei einer bärtigen Büromaschinenfirma angestellt. Er erhielt wegen Unterschlagung eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten. Weiter hatte sich der W. M. aus Echzell zu verantworten. Er hatte im Sommer dieses Jahres eine Quittungskarte einer Versicherungsanstalt verfälscht und diese abgeänderte Karte der Bürgermeisterei Echzell oorgelegf, um aufrechnen zu können und um eine Bescheinigung zu erlangen. Das Gericht verurteilte ihn zu 4 Monaten Gefängnis. Wie wird der Winter-aieiseverkehr? Eine Umfrage bei ben Reisebüros über den zu erwartenden Winter - Reiseverkehr 1938/39 brachte folgende Ergebnisse: Die Nachfrage nach Weihnachts- und Winter- fportrei'fen hat in diesem Jahre schon sehr frühzeitig eingesetzt. Besonderes Interesse besteht für bie hochgelegenen Schi gebiete in der Ostmark. Alle Reisebüros empfehlen frühzeitige Anmeldung zu Gesellschaftsreisen. Da viele Hotelbesitzer in bekannten Gebieten schon in den Sommermonaten sich bie Hilfe und Mitarbeit von Reiseunternehmern im Altreich sicherten, entstand zuweilen eine gewisse Unsicherheit im Einzelreiseverkehr, bie jedoch durchaus unbegründet ist. Wenn zufällig ein spezielles Zimmer in einem bestimmten Haus während einer bem Reiselustigen gerade passenden Zeit besetzt ist, so darf daraus nicht der falsche Schluß gezogen werden, daß ber ganze Ort besetzt sei. Austauchende Gerüchte über Zimmervorausbestellungen bis zum Frühjahr entbehren jeglicher Grundlage. Erfreulich ist, festzustellen, baß bereits feit 1. November überaus starke Nachfrage nach Reisen in bas Sudetenland eingesetzt hat. Obwohl ber Einzelreiseverkehr in die sudetendeutschen Gebiete schon zugelassen ist, können mit Rücksicht auf bie Der- kehrslage Gesellschaftsreisen erst frühestens ab 10. Januar 1939 durchgeführt werden. Beachtenswert ist, daß bie Reichsbahn bis 30. April vefon- bere Ermäßigungen gewährt. Nähere Einzelheiten sind in ben Reisebüros zu erfahren. Immer wieder ist bie Beobachtung zu machen, daß der Andrang an ben Auskunftsstellen der Reisebüros besonders lebhaft in den Abendstunden ist, weshalb es sich empfiehlt, bie Vormittagsstunden auszunützen. LPD. Vom 21. Dezember 1938, 0 Uhr (Mittwoch vor Weihnachten), bis zum 3. Januar 1939, 24 Uhr (Dienstag nach Neujahr), werden von der Reichsbahn wieder die bekannten Festtagsrückfahrkarten mit einer Ermäßigung von 33V« Prozent aus- gegeben. Die Reichsbahn rechnet während der Festtage mit einem starken Reiseverkehr, für dessen reibungslose Abwicklung sie alle Vorbereitungen getroffen hat. Ader auch die Reisenden selbst können ihr Teil dazu beitragen, daß die Reise für alle so angenehm wie nur mögtick verläuft. In ben Zeiten so starker Inanspruchnahme ber Reichsbahn und ihres Personals ist es unerläßlich, baß jeder Disziplin übt. Besonderen Wert legt bie Reichsbahn darauf, daß jeder seine Fahrkarte rechtzeitig löst unb haß vor allem auch bie Zuschlags karten für die Benutzung ber Eil» unb Schnellzüge vor Antritt ber Reise am Fahrkartenschalter unb nicht erst im Zuge gelöst werden. Die Schaffner geben zwar auch in den Zügen Zuschlagskarten aus, aber diese Einrichtung ist nur für Ausnahmefälle vorgesehen. Werden bie Zugschaffner hierdurch in Anspruch genommen, so können sie sich nicht in bem wünschenswerten Maße der Betreuung vor allem der hilss- bebürftigen Reisenden widmen. Darum nehmt in jeder Beziehung Rücksicht unb zeigt Gemeinschaftssinn auch beim Reisen? * ** Weihnachtssingen. Wie alljährlich, so zog am Montag wieder der Chor der Oberschule für Mädchen durch unsere Kliniken unb Schwesternhäuser unb bereitete ben Kranken durch Singen von I alten Weihnachtsliedern eine Weihnachtssreüde. Aus der engeren Heimat. Jtege Bautätigkeit 1938 in Wieseck. £ Wieseck, 20. Dez. Die Bautätigkeit, die 1935 wieder stärker einsetzte und in den nachfolgenden Jahren immer lebhafter wurde, übertraf dieses Jahr alle Erwartungen. Wurden doch die großen Wohnhausbauten der Firma Seibert nebst der Autogarogr, die im Herbst 1937 begonnen waren, im Juli bezugsfertig. Weitere acht Wohnhäuser, die 1937 begonnen waren, wurden ebenfalls fertiggestellt. Von 16 Wohnhausbauten, die im Laufe dieses Jahres begonnen wurden, sind neun bereits bezogen, während die anderen fast alle im Rohbau fertig sind. Zu diesen Wohnhausbauten kommen noch die Fabrikanbauten der Zigarrenfabrik Heinrich Bierau II. und der Zigarrenfabrik Hei- rich Schmidt IV. Weiter wurden größere Bauvorhaben, wie Autoreparaturwerkstätte Gebrüder Benner, Ausstellungsraum LepperLEckert, sowie An- und Umbauten verschiedener Läden durchgeführt, so daß die hiesigen Baufirmen und das dazu gehörende Handwerk sehr gut beschäftigt waren. Aber nicht allein auf dem Gebiete des Hochbaues wurde viel geleistet, sondern auch der Straßenbau wurde gefördert. Nachdem im Herbst vergangenen Jahres die Straße „Am Eichelbaum" teils ausgebout wurde, so wurde in den letzten Wochen ein weiterer Teil der Grabenstraße sowie der obere Teil der Ludwigstraße ausgebaut. Weiter wird durch den Ausbau der Wasserleitung von der Grabenstraße zur Marburger Straße eine bessere Wasserversorgung des oberen Ortsteiles an der Marburger Straße ermöglicht werden. Der durch die ganze Entwicklung in unserer Gemeinde notwendig gewordene Um- bzw. Ausbau des elektrischen Ortsnetzes, der 1937 in Angriff genommen war, wurde ebenfalls im Laufe dieses Jahres fertig. Wilde Zagd auf dem Grünberger Bahnhof. * Grünberg, 20. Dez. Auf dem hiesigen Bahnhofsgelände gab es gestern eine wilde Jagd. Das „Edelwild", dem mit aller Kraft nachgesetzt wurde, war ein 11 Zentner schwerer junger Ochse, der sich nach dem Ausladen aus seinem Wogen standhaft weigerte, gemeinsam mit seinem Käufer, einem hiesigen Metzgermeister, den Weg zur Stadt und damit zum Schlachthause anzutreten. Schließlich riß sich der widerspenstige Bratpfannen-Anwärter los und zog selbständig seines Wegs dahin. Damit war aber der Metzgermei- ster nicht einverstanden, der in Gemeinschaft mit einigen Helfern nicht errötend, sondern energisch „seinen Spuren" folgte. Sobald man sich dem Ochsen auf handgreifliche Entfernung näherte, wurde er von starker Kampflust gepackt und ging gegen seine Verfolger zum Angriff über, die' schleunigst „ausweichen" mußten. Als alles nichts half, wurde der hiesige Gendarmeriebeamte zu Hilfe gerufen, der aus etwa 30 Meter Entfernung mit einem sicheren Karabinerschuß in den Kopf den unüberwindlichen Ochsen tötete. Nunmehr tonnte der Metzoermeister den feisten Bratpfannen-Aspi- ranten auf den Weg zu seiner Bestimmung bringen. Neue Siedlung in Schotten. c. Schotten, 20. Dez. Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft („Gewobag") hielt im Kurhaus Vogelsberg ein R i ch t f e st ab, an dem Vertreter der Partei, der Stadt Schotten, die Siedler und ihre Frauen und alle beteiligten Handwerker teilnahmen. Es galt, die neue Siedlung der Stadt Schotten, die am Auweg erstand, einzuweihen. Der Vertreter der „Gewöbag" begrüßte die Gäste und sprach allen Stellen, der Partei, der Stadtverwaltung, dem leitenden Architekten S p a m e r, allen Handwerkern und Arbeitskameraden für die Mithilfe bei der Siedlung besten Dank aus. Bürgermeister M e n g e l dankte der Gesellschaft für die tatkräftige Förderung des Planes. Die Stadt habe gern große Opfer gebracht und das Siedlungsgelände mit Kanalisation, Wasserleitung und ^'chtleitung versehen. Jeder Siedler habe 300 Mark Zuschuß erhalten, manchem sei ein Baudarlehen gegeben worden. Zehn Siedlungshäuser seien nun fertiggestellt, die Bauarbeit gehe aber weiter. Für nächstes Jahr sei der Bau weiterer zehn Häuser vorgesehen. Gauamtslei'ter 'Bullmann sprach für die Kreisleitung über die grundsätzliche Bedeutung des Siedlungswerkes. Den Siedlern wurden die besten Glückwünsche übermittelt. Für trie Siedler sprach I. Vierheller herzliche Worte des Dankes. Landkreis Gießen OO Klein-Linden, 18. Dez. Die Zahl der Zugpferde in unserer Gemeinde beläuft sich auf 14, die Zahl des Rindviehs zusammen auf 279. davon sind 42 reine Milchkühe und 139 Zug- und Milchkühe. Es wurden ferner bei der diesjährigen Viehzählung gezählt 322 Schweine, 191 Ziegen und 175 Kaninchen. Die Zahl der Hühner beläuft sich auf 2757, der Gänse auf 2, der Enten auf 14 und der Trut- und Perlhühner auf 10. An Bienenvölkern wurden 23 ermittelt. In den letzten drei Monaten wurden 26 Kälber geboren. # Allendorf (L a h n), 21. Dez. Drei hochbetagte Volksgenossen feierten am gestrigen Dienstag Geburtstag. Frau Elisabethe Luh beging in körperlicher und geistiger Frische ihren 7 2. Geburtstag. Frau Margarethe Volk konnte ihren 71. Geburtstag feiern; leider ist sie durch lange Krankheit körperlich sehr behindert. Müllermeister i. R. Jakob Hahn, auch unter dem Namen der „alte Teufelsmüller" (nach dem Namen der Mühle) weit und breit bekannt, konnte seinen 8 7. Geburtstag begehen. Er ist der älteste Einwohner unseres Ortes. Der hochbetagte Mann erfreut sich aller körperlichen und geistigen Frische und nimmt an den Geschehnissen unserer Zeit regsten Anteil. Vier unmittelbare Nachkommen, fünfzehn Enkelkinder und drei Urenkelkinder begingen mit ihm die Feier des Geburtstages. Unseren herzlichen Glückwunsch. 5 Albach, 21. Dez. Am heutigen Mittwoch kann der Landwirt Louis Wagner seinen 74. G e- burtstag feiern. Herr Wagner erfreut sich noch einer guten Gesundheit. Der Großvater des Geburtstagskindes war der Lehrer zu Albach Jacob Wagner, dessen Vater Konrad Karl Wagner und Großvater Johann Balthasar Wagner waren Leh- rer zu Steinbach. Der erste Lehrer Wagner stammte aus Großen-Buseck und war seit 1859 Lehrer in Steinbach, er starb 90jährig 1922 in Steinbach. △ Li ch, 20. Dez. Einen schweren Unfall erlitt Montag abend der 61sährige Arbeiter Ludwig 1.».eng es von hier. Der Verunglückte, der sich auf dem Heimweg von seiner Arbeitsstätte befand, hatte bereits seine Hofreite erreicht, als er infolge Platte ausglitt und sich mehrere Ri p- brad). Der Unfall machte seine Ueberführung in das städtische Krankenhaus notwendig. — Am heutigen Dienstag hat die Brauerei I h r i n g - M e l ch i o r mit dem Eisbrechern auf dem Al- dacher Teich,begonnen, wodurch wieder über 50 Arbeiter, durchweg Kleinbauern und Arbeiter, die bet öcm Frostwetter keine sonstige Arbeit finden, lohnende Beschäftigung gefunden hüben. Kreis Friedberg. + Butzbach, 19. Dez. Gestern abend veranstaltete die W e i d i g - W e r n e r-S ch u l e zum Besten des Winterhilfswerkes einen Heimatabend. Der Saal war bis auf d?n letzten Platz besetzt. Neben Musikvorträgen des Schülerorchesters, gemischten Chören des Schülerchores, Mundart- gcdichten, Tänzen, Vorführungen von Leibesübungen brachte die Vortragsfolge einen Ausschnitt aus dem Niebergallschen „Datterich" und die urwüchsige Mainzer Geschichte „Die Weinprobe". Als Solistin wirkte Frau Gisela Collatz-Werner, eine frühere Schülerin der Schule, mit und brachte Lieder von Brahms, Reger und Silcher zu Gehör. Kurze Szenen wie „Stadt- und Landluft" von unserem oberhessischen Heimatdichter Georg Heß (Leihgestern), der anwesend war, und die Zuhörer mit dem Vortrag einiger seiner Mundartdichtungen erfreute, trugen wesentlich zur Unterhaltung bei. 3um Schluß dankte Oberstudiendirektor Dr. Gans allen Mitwirkenden. Dem Winterhilfswerk konnte ein ansehnlicher Betrag überwiesen werden. Kreis Büdingen. > Schotten, 20. Dez. Im Auftrag des Kreisamtes fanden sich die B ü r g e r m e i st e r des ehemaligen Kreises Schotten, soweit sie zum Kreis Büdingen zugeteilt worden sind, mit den K o m m a n - kantender Freiwilligen Feuerwehren zu einer Tagung ein. Regierungsrat K e s - s e l (Büdingen) begrüßte die Teilnehmer und dankte insbesondere den seitherigen Kreisfeuerwehrinspektoren E b e r h e i m und Rausch für ihre vorbildliche Arbeit. In den Feuerwehren herrsche, so betonte er, echter Feuerwehrgeist, Ausrüstung und Löschpark seien auf der Höhe. Der Redner wies dann auf die Hessische Feuerwehrschule in Mainz hin, die künftig von allen Feuerwehrführern besucht werden müsse. Kreisfeuerwehrinspektor Klein (Büdingen) gab Vorschriften hinsichtlich der neuen Ausbildungsform, über Brandhilfe und über das Verhalten bei Bränden zur Kenntnis. + Nidda, 18. Dez. Am Samstag fand die Hauptversammlung des Obst- und Gartenbauvereins für den Kreis Büdingen im „Gam- brinussaal" statt. Nach der Wiederwahl des seitherigen Vorsitzenden, Kreisdirektors Becker (Büdingen), wurden die Rechnungsablagen für 1937 und der Voranschlag für 1938 bekanntgegeben. Es wurden keinerlei Einwendungen dagegen gemacht. Aus dem vom Obstbauinspektor Metternich vorgetragenen Geschäftsbericht wurde ersichtlich, welche ausgebreitete Tätigkeit der Verein entfaltet, um das Interesse für Obstzucht anzuregen. Auch der Beerenzucht soll mehr Beachtung geschenkt werden. Der Erfolg der planmäßig angefaßten Himbeerernte im Vogelsberg wurde als Beispiel angeführt. Im weiteren Verlaufe der Versammlung wurden noch Erfahrungen auf dem Gebiete des Obstbaues ausgetauscht. | Lißberg, 20. Dez. Hier wurde eine Sani- tätsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes g e - gründet, zu der sich schon 17 Helferinnen gemeldet haben. Alle nehmen an dem ersten Lehrgang teil, den Dr. F e d e r l i n (Hirzenhain) abhält. 0 Wenings, 20. Dez. An manchen Abenden kam unser Frauenwerk zusammen, um Obst und Gemüse für das WHW einzukochen. Nun ist die aufopfernde Arbeit zu Ende, und 16 5 Büch - Jen Eingemachtes konnten der Winterhilfe zur Verfügung gestellt werden. <> Merkens ritz, 20. Dez. An der Straße Merkenfritz—Hirzenhain sott eine Siedlung entstehen. Wald wird abgeholzt, um die Baufläche zu gewinnen. Eine Besprechung der Siedler mit dem Kreisheirnstöttenwalter fand kürzlich statt. Vor allem stand der Finanzierungsplan zur Aussprache. Da auch die Bau- und Ansichtspläne den Siedlern zn- fagten, wird mit dem Bau der Siedlung am 1. März kommenden Jahres begonnen, damit die Häuser noch im Laufe des Jahres 1939 bezogen werden können. # Hirzenhain, 20. Dez. Mit einer Werkfeier wurde durch Kreisleiter Görner der dies- iährige Reichsberufswettkampf für den Kreis Büdingen in den Buderusschen Eisenwerken zu Hirzenhain eröffnet. Dieser größte industrielle Betrieb des Kreises wurde deshalb gewählt, weil hier die Anmeldungen zum Wettkampf besonders zahlreich sind. Kreis Biedenkopf. — Biedenkopf, 20. Dez. Um bei den Kindern das Interesse für Obst- und Gartenbau zu erwecken, wurden in mehreren Schulen des Kreises Schulgärten angelegt. I Gladenbach, 20. Dez. Zwei neue Schu - (e n werden demnächst gebaut, und zwar eine Volksschule und eine Landwirtschaftsschule. Die Vorarbeiten zu diesem Projekt hat Oie Stadtverwaltung bereits ausgenommen. 3 Weidenhausen, 20. Dez. Im Saale Pitz fand eine Werbeversammlung des Deutschen Roten Kreuzes statt. Nach Begrüßungsworten des Bürgermeisters Michel sprach der Kreisführer des DRK., Landrat Dr. Burghof, über Sinn und Zweck des DRK. In feiner Rede hob er die großen Aufgaben hervor, die dem DRK. erwachsen seien. Er bat die Zuhörer, die Tätiakeit des DRK. aktiv oder fördernd zu unterstützen. Bürgermeister Michel gab der Hofßwng Ausdruck, daß es gelinacn möge, die schon in Weidenhausen bestehende DRK.-Einheit auf einen noch besseren Stand zu bringen. Zwei zwölfjährige Zungen fanden den Tcd Auf einem Grubenweiher im Eis eingebrochen und ertrunken. Lpd. Montabaur, 20. Dez. In dem benachbarten Mogendorf wagten sich zwei zwölfjährige Jungen aufs Eis, um Schlittschuhe zu laufen. Kaum waren sie einige Meter oom Ufer entfernt, als sie einbrachen und in der Tiefe des Grubenweihers versanken. Es handelt sich um die gleichaltrigen Alfred und Paul Gelhard, die Vettern sind. Sie begaben sich gemeinsam auf das Eis eines tiefen Grubenweihers, das jedoch noch nicht stark genug war, und brachen ein. Ihre Kameraden riefen sofort Hilfe herbei. Einige Arbeiter, die in der Nähe waren, eilten mit Stangen hinzu, die sie einem der Jungen reichten, der noch einmal hochkam. Der Junge griff auch danach, aber dann versagten die Kräfte, und er verschwand. Schnell wurde eip Floß gebaut und die Jungen aus dem Wasser geborgen, aber sie hatten schon den Tod gefunden. Beide waren die einzigen Kinder ihrer Eltern. Sechs Soldaten angefahren und »ei letzt Der Autofahrer geflohen. LPD. Worms, 20. Dez. Auf der Landstraße nach Mainz wurde am Montag um 17.50 Uhr eine marschierende Kompanie Infanterie in der Nähe der Wormser Pfrkmmbrücke von deM schleudernden Anhänger eines Personenkraftwagens gestreift. Der Personenwagen kam aus der Richtung Mainz der marschierenden Kolonne entgegen. Don seinem einachsigen Anhänger wurden sechs Soldaten erfaßt und zum Teil schwer v e r l e tz t. Sie mußten sämtlich in das Stadtkrankenhaus Worms übergeführt werden. Bisher konnte der Fahrer des Personenwagens noch nicht festgestellt werden. Sein Wagen war von älterer Bauart, ein Vier- bis Sechssitzer mit dunklem Anstrich. Der Anhänger ist bei dem Anprall möglicherweise beschädigt worden. Die Kriminalpolizei Worms hat die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Ermittlung des geflüchteten Fahrers aufgerufen. Erfolgreiche oherheffifche Geflügelzüchter In Frankfurt a. M. fand in den Tagen vom 15 bis 18. Dezember auf dem Festhallengelände die 4. Landesfachgruppen-Geflügelausstellung des Gaues Hessen-Nassau statt. Eine so starke Beschickung, wie sie diese Schau aufzuweisen hatte, hätte in Züchterkreisen niemand erwartet. Um die Leistungssteigerung anzuspornen, hatten zahlreiche Behörden, an- geschlossene Vereine und Sondervereinigungen Preise gestiftet, die auf der großen mehr als 5000 Nummern zählenden Ausstellung vergeben wurden. 38 Preisrichter waren tätig, um die Tiere zu bewerten. Aus unjerm Heimatgebiet war die große Ausstellung sehr gut beschickt, und drei Züchtern aus Oberhessen war es vergönnt, die höchste Auszeichnung für ihre Tiere, die Note „Vorzüglich" zu erringen. Es sind die Züchter E. Rübs am en (Gießen) auf Peking-Enten, Heinrich Kraft III. (Wallenrod) auf einen Stamm schwarzer Rheinländerhühner und Adolf N o h l (Reichelsheim) zweimal auf Tauben, Hessische Kröpfer, weiß. Auszug aus der Ergebnisliste. Nachstehend folgen die Ergebnisse der Aussteller aus unserer engeren Heimat. Es bedeuten v-vorzüglich, sg 1-sehr gut 1, sg 2 - sehr gut 2, sg3- sehr gut 3, g-gut, b - befriedigend, RFC - Reichsfachgruppenehrenpreis, E-Ehrenpreis, bester - bestes männliches Tier der Klasse, beste-bestes weibliches Tier der Klasse, Z-Zusatzpreis. Georg von der Au (Lollar): Tauben: Steinhei- mer Bagdetten, weiß: sg, RFE, beste, sg 1, Z, zweimal g. — Ed. Baer (Nidda): Wyandotten, schwarz: g, Italiener, rebhuhnfarbig sg 1Z, zweimal g, b; deutsche Zwerge, wildfarbig: zweimal sg 1, sg 3, zweimal b. — Friedrich Bauer (Gießen): Rhode- länder: sg RFE, dreimal sg E, sg 1 Z; Rhodelän- der Stamm: g. — Heinrich Becker (Allendorf a. d. Lahn): Russische Orloff, rotbunt: sg RFE, zweimal sg E, zweimal sg 1 Z, zweimal sa 2, zweimal fg 3, zweimal sg. — Wilhelm Becker (Lollar): Tauoen: Elster Kröpfer, gelb: g: Hessische Kröpfer, blaugehämmert: fg 1 Z, Strasser, blau, ohne Binden: g; dieselben mit schwarzer Binde: g. — Wilhelm Bender (Launsbach): Deutsche Zwerge, orangefarbig; sg 1, g. — Wilhelm Biedenkopf (Münster bei Lick): Rhodeländer: sg3; Tauben: Hessische Kröpfer, gelb: fg 1 Z, sg 1, zweimal g. — Wilhelm Böhling (Gießen): Zwerg-Langschan, schwarz: fg 2, q; Zwerg- Italiener, schwarz: g, b. — Karl Dem (Watzenborn- Steinberg): Italiener, rofenfammig, rebhuhnfarbig: zweimal g. — Erwin Dieffenbach (Ober-Widders- heim): Barnefelder, doppelt gesäumt: sg 2 Z, fg 2, fg, zweimal g; Stamm: g. — Eduard Dietrick (Hattenrod): Italiener, gestreift: sg E, sg, g. — Helmut Dietrich (Ober-Widdersheim): Zwerg-Darnefelder, doppelt gesäumt: sg 2, zweimal sg, dreimal g. — Hermann Duchardt (Schotten): Welsumer, rebbuhn- farbig: sg. — Heinrich Draudt (Hattenrod): Rbein: länder, schwarz: sg Z, g. — Wilhelm Ester (Butzbach) : Italiener, rebhuhnfarbig: sg Z, sg 2, sg 3, fünfmal q. — Karl Etzel (Laubach): Tauben: Hessische Kröpfer, blaugeherzt: zweimal sa 1, zweimal g. — Albert Fuchs (Lollar): Zwerg-Wnandotten, dunkel: sg E, bester, sg3, g. — Heinrich Geiß (Lollar): Zwerg-Wyandotten, gestreift: sg E, bester, fg 3, g; Deutsche Schautauben, dunkel: sg 1 Z, sg 2: dieselben: hellschwingig, rot: sg, zweimal g; dieselben: lerchengrau und weiß: sg, g; derselbe: Nürnberger Lerchen: sa RFE, bester, sg RFE, beste, zweimal fg 1. — Ludwig Hantel (Großen-Linden): Rheinländer, schwarz: fg RFE, fg, dreimal g. — Ludwig Heß (Watzenborn-Steinberg): Italiener, gestreift: fg 2, zweimal g.— Otto Heß (Lang-Göns): Eayuga-Enten, schwarz: sg E, beste, sg RFE, bester, zweimal sg 1, zweimal sg 2, sg 3, zweimal g. — Wilhelm Jung IX. (Holzheim): Italiener, weiß: zweimal g. — Albert Junker (Großen-Linden): Zwerg- Wyandotten, dunkel: sg 2, sg, dreimal g. — Heinrich Kleer (Ober-Widdersheim): Brakel, gold: sg 1 Z, sg 2 Z, g, b; Laufenten, schwarz: fg. — Ludwig Klinke! (Lollar): Wyandotten, schwarz: sg 1 Z, fg"; Zwerg - Wyandotten, schwarz: sg2, zweimal g. — Emanuel Kn ab (Großen-Linden): Italiener, rebhuhnfarbig: sg 3, g; Tauben: Brünner Kröpfer, weiß: g; Deutsche Schautauben, hellschwingig, rot: g. — Hermann Koch (Gießen): Sussex, hell: sg 3, 19- — Jean Kranz (Schotten): Minorka, schwarz: sg: Tauben: Hessische Kröpfer, rot: fg 1 Z, fg 1, zweimal q; Koburger Lerchen: dreimal sg, g. — Konrad Mank (Allendorf): Italiener, silberfarbig: zweimal sg. — Heinrich Meergott (Laubach): Tauben: Hessische Kröpfer, schwarz: sg, sg 3, g; dieselben weiß: fg 2, sg. — Hrch. Menget (Hattenrod): Italiener, rofenfämmig, rebhuhnfarbig: sg 1, b. — Wilhelm Nachtigall (Allendorf): Italiener, weiß: sg E, fg 2 Z, dreimal g. — Otto Nuhn (Lollar): Laufenten, weiß: fg 1 Z, sg 1, sg, g. — Wilhelm Pfaff (Krofdorf): Rheinländer, schwarz: sg E, zweimal sg, zweimal g. — Karl Philipp (Watzenborn-Steinberg): Neuenglische Zwergkämpfer, birkenfarbig: fg E, bester, sg 1 Z, beste, fg 2, sg, g; Altdeutsche Kröpfer, tigerfarbig: fg, g; Strasser, blau, ohne Binden: sg 3, sg, g. — Hermann Rau (Klein-Linden): Leghorn, weiß: sg 1 E, q. — Heinrich Reinhardt (Allendorf a. d. Lumda): Rheinländer, schwarz: sg Z, zweimal sq, zweimal g. — Otto Rieb (Ober-- Widdersheim): Barnevelder, doppelt gesäumt: zweimal g. — Karl Sies (Münster bei Lich): Tauben: Steinbrimer Bagdetten, weiß: sq 1 Z. sq 2, g. — Willi Schäfer (Wißmar): Hessische Kröpfer, weiß: sg 1 Z, fg, a: Deutsche Sckautauben, Fleckenschecken: sg 1. — Wilhelm Schlosser (Klein-Linden): Italiener, silberfarbig: sq 1 Z, sq 2, Z, zweimal g. — Albert Schmidt (Hausen): Italiener, weiß: sg, g. — Josef Stork (Gießen): Rheinländer, schwarz: sg, g. — Karl Stoll (Lang-Göns): Rhodeländer: sg 1 Z, sg3, dreimal sg, b. — Heinrich Stein (Schotten): Vorwerkshühner: fg 1, g. — Friedrich Stotz (Laubach): Rheinländer, schwarz: fq 2 Z. fg 3 Z, sg, zweimal g. — Wilhelm Walther (Großen-Linden): Italiener, schwarz: sg E, sg 1 Z, sq 3 Z. — Eduard Weber (Krofdorf): Leghorn, weiß: fg E, sq 2, g. — Albert Wiedemann (Lich): Zwerg - Lanqschan, schwarz: dreimal g. — Ludwig Zecher (Wißmar): Rhodeländer: zweimal sg E, zweimal fq 1 Z, fg 2, fg 3, sechsmal sg, dreimal g; Zwerg-Rhodeländer: zweimal fg 1 Z. — Karl Zimmermann (Lollar): Thüringer Flügeltauben, blau: sg E, zweimal fg v g. Wirtschaft. Mein-Mainische Börse. Mittagsbörse sehr still. Frankfurt a. M., 20. Dez. Die Börse war nahezu ohne Geschäft. Aufträge der Kundschaft lagen fast nicht vor, ebenso war die Unternehmnngs- luft der Berufskreise infolge der Nähe der Feiertage denkbar gering. Am Aktienmarkt war die Kursgestaltung weiterhin vom Zufall abhängig und wiederum nicht ganz einheitlich, doch ergaben sich bei den anfangs nur sehr spärlich zustande gekommenen Notierungen nur geringe Abweichungen. Von Montanwerten fanden Mannesmann zu 107,40 (107,25) etwas Interesse, Hoesch bröckelten dagegen 0,25 v. H. ab auf 108. Von den führenden Werten waren IG. Farben mit 149,50 (149,90) und AEG. mit 114,50 (114,90) nur knapp gehalten, ferner bröckelten Gesfürel auf 129,50 (130) ab. Unverändert tarnen Aschaffenburger Zellstoff mit 110, Bekula mit 155 und Vereinigte Deutsche Metall mit 170 zur Notiz. Der Rentenmarkt lag ebenfalls sehr ruhig. Neichsaltbesitz waren weiter leicht erhöht auf 128,15 (128). Höher lagen ferner Dekosama I mit 133,90 (133,50), dagegen Reichsbahn-Vorzugsaktien weiter abbröckelnd auf 123,50 (123,75). Industrie-Obligationen konnten sich überwiegend 0,25 bis 0,50 v. H. befestigen, 5 v. H. Gelsenberg gewannen 0,65 v. H. auf 100,25. Stadtanleihen notierten meist unverändert, 4V» v. H. Hanau jedoch 0,50 v. H. niedriger mit 96. Am Pfandbriefmarkt wurden Hess. Landesbank Goldpfandbriefe auf 99 (99,25) zurückgesetzt. Staatsanleihen still und unverändert. Abendbörse still und behauptet. Auch an der Abendbörse kam es mangels größerer Kundschaftsbeteiligung nur zu kleinen Umsätzen. Die Haltung war aber im Anschluß an die leichten Befestigungen im Mittagsschlußverkehr gut behauptet. Teilweise ergaben sich mäßige Erhöhungen, die bei Gesfürel mit 130 und bei Rheinmetall mit 130,50 je 1 o. H. betrugen. Deutsche Erdöl und Metallgesellschaft gewannen je 0 50 d. H. auf 122 bzw 117,50 und je 0,25 v. H. freundlicher notierten Junghans mit 99,75 und Bemberg mit 133,25. JG.- Farben gaben auf kleine Gewinnmitnahmen von ihrem hohen Schlußkurs 0,65 v.H. nach auf 151,13. Montanwerte lagen durchweg gut gehalten, Mannesmann 108, Hoesch 108, Verein. Stahl 104,75, Rheinstahl 132,25, Buderus 106. Sonst notierten u. a. Adlerwerke mit 105,50, Demag mit 146, Scheideanstalt mit 193,25, Licht und Kraft mit 129,25, Moenus mit 122,50. Am Einheitsmarkt kamen Andreae-Noris Zahn nach Pause 3 v. H. niedriger mit 159 zur Notiz, ferner Brauhaus Nürnberg mit unv. 135 und Knorr Heilbronn mit uno. 245, ferner Bankaktien zu den Mittagskursen. Am Rentenmarkt zogen Reichsaltbesitz um 10 Pf. an auf 128,25, 4,50 v. H. Mein. Goldpfandbriefe unv. 99, ebenso von Industrie-Anleihen 6 v.H. IG.-Farben.mit 119,40. Im Freiverkehr Kommu- nal-Umschuldung unv. 92,10. Gießener Gchlachtviehmarkt, 3um gestrigen Gießener Schlachtviri'markt (Schlachtviehoerteilungsmarkt) in der Viehoersteigerungshalle Rhein-Main in Gießen wurden 11 Ochsen, 9 Bullen, 33 Kühe, 43 Färsen, 139 Kälber, 117 Schweine und 11 Schafe aufgetrieben. Preise: Ochsen 41,5 bis 42,5; Bullen 32 bis 43,5; Kühe 20 bis 43,5; Färsen 38 bis 44,5; Kälber 35 bis 65; Schafe 15 bis 40 Pf. je % kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,16; bl (135 bis 149,5 kg) 1,14; b2 (120 bis 134,5 kg) 1,12; c (100 bis 119,5 kg) 1,04; d—f (unter 100 kg) 0,98; gl (fette' Specksauen) und i (Altschneider) 1,14; g2 (andere Sauen) und h (Eber) 1,02 Mark. Marktverlauf: Großvieh und Schweine zugeteilt, Kälber und Schafe ausoerkauft. Arcmlsurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 20. Dez. Auftrieb: Kälber 480 (gegen 586 am 13. 12.), Schafe 210 (207), Schweine 4000 (3068). Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Kälber a) 60 bis 65 (63 bis 65), b) 56 bis 59 (54 bis 59), c) 45 bis 50 (45 bis 50), d) 35 bis 40 (30 bis 40). Hümmel b2) 48 bis 52 (46 bis 52), c) 40 bis 45 (42 bis 45). d) 28 (30 bis 40). Schafe a) 40 bis 42 (38 bis 42), b) 35 (35 bis 37), c) 28 (20 bis 32). Schweine a) 59 (59), bl) 58 (58), b2) 57 (57), c) 53 (53), d) 50 (50), Sauen: gl) 58 (58). Marktverkauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafe mittelmäßig. * Frankfurt a. M., 21. Dez. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Voraustrieb 1293 Rinder (255 Ochsen, 107 Bullen, 663 Kühe, 268 Färsen), 600 Kälber, 100 Hämmel und Schafe, 200 Schweine. Es kosteten: Ochsen 34 bis 46,50 Mark, Bullen 35 bis 44,50, Kühe 18 bis 44,50, Färsen 36,50 bis 45,50, Kälber 35 bis 65, Hämmel 30 bis 52, Schafe 25 bis 42, Schweine 50 bis 50 Mprk. — Marktverlauf: Rinder. Ku!'. "? '"geteilt: Hammel und Schafe mitteirn < , j. 9 Jl.-Sport Lehrgangsarbeit im Fachamt Handball legen, in'ten- Jm Rahmen der vom Deutschen Reichsbund für Leibesübungen für Januar nächsten Jahres festgesetzten allgemeinen Schulung wirt) auch das Fachamt Handball mit einer Reihe von Lehrgängen hervortreten. Es gilt, die während der Vorrunde in hinreichendem Matze aufgetretenen Mängel abzustellen und vor allem auch die zukünftige Arbeit auszurichten. Weil aber, wie es sich immer wieder gezeigt hat, der verwaltungsmäßige Aufbau der ganzen Organisation und die damit zusammenhängende Arbeit nicht immer richtig verstanden werden, hat sich der Kreisfachwart im Einvernehmen mit den zuständigen Mitarbeitern entschlossen, diese Schulung nach der verwaltungstechnischen Seite hin zu betreiben, also die Theorie vor die Praxis zu stellen. Man wird also eine dankbare Aufgabe zu erfüllen haben und durch die planmäßige Lehrarbeit mit dazu beitragen, den Grundstock für eine rei- Wiener Fußballer auf deck Waldsportplatz. Der VfB.-Reichsbahn hat mit dem Wiener Verein BAK. (Brigittenauer Associattons-Fugballklub) ein Freundschaftsspiel abgeschlossen. Dieser Verein gehörte bis zur Eingliederung Oesterreichs der 2. Klasse der Berufsspieler an und errang in dieser Klasse in dem Spieljahr 1937/38 die Meisterschaft. Der Berufssport wurde aufgehoben und die Spieler bekamen anderweitig Arbeit zugewiesen und spielen heute als Amateur-Fußballer. Die Mannschaft pflegt den typischen Wiener Fußball, der durch seine technische Reife an erster Stelle im ganzen Reich steht. Die Wiener Weihnachtsgäste konnten im Jahre 1938 gegen erstklassige Wiener Vereine ausgezeichnete Ergebnisse erzielen. Sie spielten gegen Austria 4:3, Vienna 1:1, Admira 3:5, Sportklub 1:1, Rapid 2:3, Wacker 1:1. Ferner wurden Siege gegen Mannschaften aus der Schweiz, Jugoslawien, Türkei und Polen errungen. Am zweiten Feiertag haben nun die Sportfreunde aus Gießen und Umgebung Gelegenheit, einmal eine Wiener Mannschaft zu sehen. Fußball der Gauliga Hessen. Punktekämpfe auch an den Feiertagen. In Hessen treten alle zehn Gauligamannschaften auf den Plan, wobei es zu folgenden Begegnungen kommt: Dunlop Hanau — Hessen Bad Hersfeld VfB. Friedberg — FC. Hanau 1893 Kewa Wachenbuchen — SC. 03 Kassel SpV. Kassel — VfB. Groß-Auheim Kurhessen Kassel — Sport Kassel. Hessen Bad Hersfeld hat zwar eine klare Führung, ist aber doch nicht so weit voraus, um sich einen bungslose Zusammenarbeit in Zukunft zu Grundsatz muß aber auch hier wieder die sive Betreuung des ganzen Kreisgebietes bleiben. Zu dem Zwecke find Stützpunkte eingerichtet worden, an denen die umliegenden Vereine zusammengezogen werden. Es handelt sich dabei um: 1. Stützpunkt Lang-Göns: Vereine: Lang-Göns, Holzheim, Grüningen, Hörnsheim, Hochelheim, Dornholzhausen und Ebersgöns; 2. Stützpunkt Gießen: Vereine: Mtv., VfB.-Reichsbahn, Spielvereinigung 1900, Barbara, Luftwaffe, SA., Heuchelheim, Lützellinden, Dutenhofen, Londorf, Krofdorf, Lich, Wißmar, Klein- Linden und Großen-Buseck; 3. S t ü tz p u n k t Wetzlar: Vereine: Wetzlar, Niedergirmes, Münchholzhausen, Garbenheim, Atz- bach, Nauborn und SA.; 4. Stützpunkt Di Ufr eis: Vereine: Dillenburg, Niederscheld, Ballersbach, Ewersboch, Kat- Fehltritt leisten zu können. Der Neuling Dunlop Hanau schlägt zu Hause eine starke Klinge, doch hält man ihn normalerweise nicht für stark genug, um der ausgeglicheneren Hersfelder Elf eine Niederlage beibringen zu können. Immerhin liegt hier eine Ueberraschung im Bereich der Möglichkeit, schon im Vorspiel wurden die Punkte geteilt. Mit Hessen Hersfeld müssen auch seine nächsten Verfolger auswärts spielen. Hanau 93 wird einen sehr schweren Kampf in Friedberg zu bestehen haben, und Kassel 03 stellt sich auf dem gefürchteten Wachenbuchener Gelände vor. Die Besucher werden froh sein, wenn sie ungeschlagen heimfahren können! Der SpV. Kassel müßte diesmal die knappe Vorspielniederlage gegen Groß-Archekm wettmachen können. Ungewiß ist der Ausgang des Kasseler Lokaltreffens, das noch zur Vorrunde zählt und von den beiden Tabellenletzten bestritten wird. WHW -Opferschwimmen in Wetzlar. Auf Anordnung des Reichsfachamtes Schwimmen wird demnächst im Wetzlarer Hallenbad ein WHW.- Schwimmen für den ganzen Bezirk II (das sind die Reichsbundkreise 7—12) zur Durchführung kommen. Vorurbeiten und die Leitung der Veranstaltung liegen in den Händen des Kreis- und stellvertretenden Gaufachwartes Sauer (Gießen). Die besten Schwimmerinnen und Schwimmer der Kreise werden auf den Plan treten, so daß neben spannenden Einzelkämpfen auch Staffelkämpfe zum Austrag kommen können. Der Wettkampf wird zeigen, mit welchen Leistungen der Nachwuchs aufzuwarten vermag. zeufurt und Herborn; an den Tagen 7., 8., 14, und 15. Januar 1939. Neben der rein verwaltungsmäßigen Schulung wird naturgemäß auch die Ausbildung der Schiedsrichter und Anwärter zu ihrem Recht kommen. Ein ebenfalls dankbares Arbeitsfeld findet der Kreislehrwart vor, dem die Aufgabe gestellt ist, die Kräfte zu sichten und so die Voraussetzungen für eine Hebung der Spielkultur zu schaffen. Darüber hinaus gilt es, dem Gau den Nachwuchs zu sichern und aufzugeben, damit er in der Lage ist, seine Pläne für 1939 in die Tat umzusetzen. Es werden nämlich eine ganze Reihe von Spielen der Gau- mannschast steigen, auch das Rückspiel gegen den Gau Mittelrhein, das im Frühjahr nächsten Jahres in Gießen stattfindet — die die ganze Aufmerksamkeit der zuständigen Männer erfordern. Rundfunkprogramm Donnerstag, 22. Dezember. 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause: Märchenmusik. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk: Volkslied- singen — Sonnwendlieder. 11.45: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Das Stündchen nach Tisch —. 15: „Kandiszucker, Mandelkern, lauter süße Sachen —15.30: „Es wirbeln die Flok- ken, Weihnacht ist bald". Muttervorfreuden und — -leiden. 16: Was mir die Geigen singen, läßt mein Herz erklingen! Einlage 17 bis 17.10: „In letzter Minute!" 18: Aus Arbeit -und Beruf. 18.30: Weihnachtliches Dorfsingen. 19.15: „Es klingt ein Lied von naher Weihnacht", Hörfolge mit alten und neuen Weihnachtsliedern. 19.45: Aus der Jugendbewegung Adolf Hitlers. 20: Nachrichten. 20.15: Unser singendes, klingendes Frankfurt. 22: Nachrichten. 22.15: „Weihnacht in den Kolonien". 22.30: Volks- und Unterhaltungsmusik. 24 bis 3: Nachtkonzert. 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