Nr. H2 Erstes Blatt 188. Zahrgang Dienstag, 21. Zuni 1938 krichrmr rüg ltch. außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustriert» Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanfchlüfie unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Sieben Postscheckkonto: granffuri am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Universitatrdruckerei R. Lange in Siehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8ft,Uhr des Dormittags Grundpreise für l mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Nps., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh Dereinbg. 25°/0 mehr. 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Diese Zurückhaltung ergibt sich allerdings nicht aus der Furcht, daß von Westindien aus das englische Weltreich aus den Angeln gehoben werden könnte. Trotzdem Westindien das Aschenputtel unter Englands Kolonien ist, wird es doch eine der letzten sein, die England verliert, wenn sein Weltreich einmal zusammenbrechen sollte. Wenn aber auch die Kolonie nicht ein wunder Punkt des Weltreiches ist, so ist sie doch der wunde Punkt in der Legende der einzigartigen kolonialen Begabung, mit der England sich umgibt. In keiner Kolonie der weißen Mächte herrschen Zustände, wie sie heute noch auf Jamaika und den anderen Inseln bestehen. Auf diese Zustände haben die Unruhen wieder einmal ein grelles Licht geworfen. Sie sind daher keine rein englische Angelegenheit, sondern ein Beitrag zu der Kolonialgeschichte und weiter auch ein Beitrag zu der Ueberheblichkeit jener Behauptungen, mit denen Deutschland in Versailles Recht und Befähigung zu jeder kolonialen Betätigung abgesprochen wurde. Wer die kurze koloniale Vorkriegsgeschichte Deutschlands kennt, weiß auch, daß dort in ein paar Jahrzehnten auf jedem Gebiet mehr aufgebaut wurde, als die Engländer in Jahrhunderten auf Jamaika, Barbados und Trinidad geschaffen haben. Seit nahezu dreihundert Jahren sitzt England auf den westindischen Inseln, die es Mitte des 17. Jahrhunderts von den Spaniern eroberte und im Frieden von Madrid (1670) endgültig zugesprochen erhielt. Wenn die Engländer wirklich die großen Kolonisatoren wären, die zu sein sie vorgeben, hätten sie in diesen dreihundert Jahren die Inseln zum Garten ihres Weltreiches machen können. Statt dessen werden heute die wichtig st en Nahrungsmittel, wie Milch, Butter und Fleisch, nach den westindischen Inseln eingeführt. Statt dessen leiden Menschen Hunger undEeben in dürftigen Hütten oder Höhlen, die selbst nach englischem Zeugnis eine Schande für das englische Weltreich darstellen. Es mag sein, daß die periodischen Aufstände auf den westtndischen Inseln bis zu einem gewissen Maße durch ausländische kommunistische Hetze angefacht sind. Aber selbst die konservativsten englischen Blätter können nicht mehr leugnen, daß englischer Ausbeutergeist und englische Planlosigkeit den Nährboden für diese Hetze geschaffen haben. Dabei waren die Voraussetzungen für eine vernunftgemäße Kolonisation der westindischen Inseln sehr viel günstiger, als in anderen Kolonialgebieten. Dort gab es oft feindselige Stämme, die das Aufbauwerk verhinderten, und selbst wenn die Bewohner nicht feindselig eingestellt waren, blieben ihre Sitten und Gebräuche zumeist ein Hemmschuh für die Entwicklung. Mit all diesen Schwierigkeiten hatten die Engländer in Westindien nicht zu rechnen. Die Ureinwohner der Inseln waren von den Spaniern völlig ausgerottet worden. Die Engländer konnten von neuem beginnen mit den paradiesisch schönen und unendlich fruchtbaren Inseln im blauen Karibischen Meer. Sie begannen mit Zuckerrohrplantagen, für deren Bebauung Sklaven aus Afrika eingeführt wurden. Durch Jahrhunderte hindurch blieb Zuckerrohr der wichtigste Ausfuhrartikel, während das „schwarze Elfenbein" auf der Einfuhrseite an erster Stelle stand. Vor genau hundert Jahren wurden die Sklaven „bc> freit", und hiermit begann auch schon die Zeit der Unruhen. Wie so oft in seiner Geschichte hatte England mit seiner „Befreiung" nur eine große Geste gemacht und es dann unterlassen, die Folgerungen zu ziehen, ohne die jede Geste in der Luft hängen bleibt. > Es „befreite" seine Sklaven, aber es tat nichts, um den Befreiten eine wirtschaftliche Grundlage und einen erträglichen Lebensstandard zu geben. Die „befreiten" Sklaven kamen aus der Hölle in das Fegfeuer. ' Bis dahin war es den Sklaven verhältnismäßig gut gegangen, denn ihre Eigentümer hatten ein naheliegendes Interesse an der Erhaltung der Arbeitskraft und, bis zu einem gewissen Grade, auch an ihrer Arbeitsfreudigkeit. Nun aber kümmerte sich niemand mehr um sie; sie wurden a u s S k l a v e n zuLohnsklaven und genossen lediglich die Freiheit, mit ihttn Familien für einen kärglichen Tagelohn auf den Plantagen zu arbeiten und zu verhungern, wenn es keine Arbeit gab. Land zum Anbau ihrer eigenen Nahrungsmittel gab es nicht. Sie konnten b e t t e l n g e h e n , und sie gehen auch noch heute betteln. In keiner Stadt der Welt gibt es so viele Bettler, wie in dem tropischen Kingston, wo Tausende von Familien von der Urgroßmutter bis zum Urenkel von der Bettelei leben. Jeder Tourist in Kingston und den übrigen Häfen Westindiens, wird auf Schritt und Tritt von Dutzenden schwarzer Bettler verfolgt. Die Sklavenmentalität der Schwarzen ist geblieben, und auch die Herrenmentalität der Engländer. Das sind die Wurzeln der Zustände auf Jamaika. Wenn die Engländer den Schwarten Siedlungsland und eine den Verhältnissen angemessene Sozialgesetzgebung gewährt hätten, wäre manches Das Dritte Reich der Deutschen. Der Chef der Reichskanzlei, Reichsminister Lammers, eröffnet die erste Sitzung der neuen Verwaltungsakademie in Wien. Wien, 20. Juni. (DNB.) Unter großer Anteilnahme der österreichischen Beamtenschaft eröffnete Reichsminister und Chef der Reichskanzlei Dr. Lammers die Verwaltungsakademie in Wien mit einem Vortrag über „Die Staatsführung im Dritten Reich". Staatsidee und Volksidee in sich vereinend, so erklärte Minister Lammers, sei das Wort vom Dritten Reich der Deutschen auch von tiefer staatsrechtlicher Bedeutung und vielleicht zum ersten Male die richtige Bezeichnung für den deutschen Staat. Das Ideal, das in dem Wort „R e i ch" liege, dem das Sehnen bester und größter deutscher Männer, Seher und Dichter gegolten Hube, sei durch das Kriegs- und Fronterlebnis, aus dem heraus der Nationalsozialismus geboren wurde, zu neuem und tieferem Leben erweckt worden. Nachdem der Begriff „Reich" durch die Heimkehr der alten deutschen Ostmark Erfüllung gefunden habe, sei es an der Zeit, sich von den Meinungsverschiedenheiten über Bedeutung und Reichweite des Begriffes „S t a a t" frei zu machen. Man könne daran denken, hinfort mit dem Wort „Staat" nur den der Partei zweifellos nebengeordneten Aem'ter- und Behördenapparat zu benennen, für die Bezeichnung des Ganzen, der unlösbaren politischen Einheit von Partei und Staat aber das Wort „R e i ch" zu wählen. Damit findet das Problem „Staat und Partei" seine Lösung. Zum Schluß seines Vortrages sprach der Minister davon, daß das Verfassungsrecht des Dritten Reiches seit dem 30. Januar 1933 im Werden begriffen sei, sich biologischen Gesetzen folgend, entwickelte, zum Teil gesetzliche Gestalt gewonnen habe, zum Teil als Gewohnheitsrecht in Geltung sei. Wann der Zeitpunkt für die abschließende Gestaltung der Verfassung des Dritten Reiches in einem zusammenhängenden Reichsgrundgesetz gekommen fein werde, fei noch nicht abzufehen; darüber habe dereinst allein der Führer zu bestimmen. Sein Wille und Befehl find im Dritten Reich die einzige Quelle allen Rechtes. Reichsstatthalter Dr. Seyß-Jnquart sprach anschließend über, das Thema „Praktische Probleme des Anschlusses für Recht und Wirtschaft in Oesterreich". Die Wiedervereinigung der Ostmark mit dem Deutschen Reich hat neben den großen politischen Folgen der Bereinigung aud) eine Reihe wirtschaftlicher Fragen aufgerollt, vor allem die Anpassung der österreichischen Wirtschaft an die deutsche Großwirtschaft, die Arisierung der österreichischen Wirtschaft und den Einsatz der Wirtschaft in den Dienst des Vierjahresplanes. Die Besonderheiten der Lage lassen zuerst die zweite Frage der Arisierung im Vordergrund erscheinen, da wir hier mit einer außerordentlichen Ueberjudung zu rechnen haben. Die politische Forderung geht nach eiper radikalen, raschen Lösung, und es muß dieser Forderung auch Erfüllung gegeben werden. Im Zuge der Arisierung müssen sowohl fachlich geeignete als auch politisch in Ordnung befindliche Leute zur wirtschaftlichen Betätigung herangezogen werden. Neben der entsprechenden Menschenauslese ist die Zurverfügungstellung der Uebernahmekapitalien eine der Hauptsorgen aller jener Stellen, die sich mit der Arisierung zu befassen haben. Staatssekretär Dr. Stuck art vom Reichsmmi- sterium des Innern betonte, daß es sich bei der Eingliederung um die Vereinigung zweier hoch entwickelter Rechtssysteme handele. Die Vereinheitlichung könne nicht darin bestehen, daß österreichisches Recht durch die Einführung von Reichsrecht ersetzt werde. Vielmehr müsse oftmals neues groß- deutf es Reichsrecht geschaffen werden, in welchem das Wertvolle des österreichischen Rechtes und des Rechts des Altreiches Eingang findet. Die wichtigste' Voraussetzung für die Durchführung der Wiedervereinigung im Raume der Verwaltung fei das Funktionieren der Behörden. Zu diesem Zweck müsse das Berufsbeamttentum schnellstens von fremdrassigen und politisch unzuverlässigen Elementen gesäubert werden, der Beamtenapparat müsse Zu einer Einheit umgeskaltet werden. 5 Zähre nationalsozialistische Regierung in Danzig Cin Faktor der Ordnung und Verständigung. Danzig, 20. Juni. (DNB.) Aus Anlaß des fünfjährigen Bestehens der nationalsozialistischen Regierung in Danzig fand eine Sitzung des Volkstages statt, vor dem Senatspräsident Greiser eine Regierungserklärung abgab. Er erwähnte u. a. die Arbeitsbeschaffung, die Wohnungsfürsorge, die Schaffung produktiver Wirtschaftseinrichtungen, den Ausbau des Flughafens, die Hausinstandfetzu/ig, die Gesundung der Sozialversicherung, die Neu- und Umbauten am Staatstheater und die umfangreichen Erneuerungsarbeiten an der St. Marienkirche, dem Wahrzeichen Danzigs. Von den 40 000 Arbeitslosen im Jahre 1933 sei nur noch ein Rest von 2000 übriggeblieben. Die Danziger Werften und die Industrie seien voll beschäftigt. Danzig besitze zwei moderne Seeschlepper und eine eigene Heringsflotte. Die Verschuldung der Danziger Landwirtschaft, die 1933 mit über 100 Millionen Gulden völlig zerrüttet gewesen sei, fei zum Stillstand gebracht worden. Für die Bauernhöfe habe sich das Erbhofgesetz segensreich ausgewirkt. Die Einfuhr polnischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse sei «durch ein besonderes Abkommen reguliert worden. Die Eheschließungen seien durch Ehestandsdarlehen von 1,6 Millionen Gulden gefördert worden. Eine staatliche Akademie für praktische M e d i z i n sei gegründet und ein staatliches oertrauensärztliches Institut ist eingerichtet worden. Auf schulischem Gebiet erwähnte der Senatspräsident in erster Linie die Hochschule für Lehrerbildung und die Sportplätze 'unb Turnhallen. Die polnische Minderheit habe die ihr zukommenden Rechte erhalten. Es beständen acht Schulen polnischer Unterrichtssprache mit rund 1000 Schülern. Wegen Rückgangs der Schülerzahl hätten allerdings einige Klassen abgebaut werden müssen. Aus der Justiz sei eine Volksjustiz im schönsten Sinne des Wortes geworden. Danzigs Polizei und Beamtenschaft feien zu absolut positiven Trägern der Volksgemeinschaft geworden. Aus diesem Anlaß habe der Danziger Senat zum heutigen Feiertage ein besonderes Danziger Treudienst- Ehrenzeichen und eine besondere Danziger Polizei-Dienstauszeichnüng geschaffen. Der Senatspräsident kam dann auf das Verhältnis Danzig-Polen zu sprechen. Niemals wäre die Freundschaft zweier 'Völker und das fteundfchaftliche Verhältnis zweier Staaten wie Danzig und Polen möglich gewesen, wenn nicht zwei Fr o n t s o l d a t e n sich zu Staatsmännern Europas aufgeschwungen und die Voraussetzung für diese normalen und guten Beziehungen geschaffen hätten. „Danzig und Polen, die zwar kulturell verschiedenartig, wirtschaftlich aber aufeinander angewiesen sind, dienen am besten dem Frieden der Welt und der Entfaltung unserer wirtschaftlichen Kräfte, indem wir die bewährte Verständigungspolitik trotz aller Widerstände und bisweilen auch trotz mancher Widerwärtigkeiten fortsetzen und damit weiterhin der Welt beweisen, daß es in der Freien Stadt Danzig wirklich gar kein Pulver mehr gibt, das man entzünden könnte. Abschließend stellte der Senatspräsident fest, daß Danzig zu einem Faktor der Ordnung geworden ist und sich in seiner heutigen Gestalt mit der Betonung seiner Liebe und unwandelbaren Treue zum deutschen Mutterlande anerkannt sieht von allen, die in der Welt guten Willens sind, den Frieden zum Sögen der Menschheit zu erhalten. anders gekommen; denn die Neger sind geduldige und bedürfnislose Menschen, mit denen andere Kolonisatoren sehr viel hätten anfangen können. Aber dazu gehören Geduld und eine Politik auf weite Sicht. Als dem Zuckerrohr in der Zuckerrübe ein gefährlicher Gegner erwuchs, brachte die Banane den westtndischen Inseln einen gewissen Ausgleich. Bananen sind heute der Hauptausfuhrartikel Jamaikas. Auf der Asphaltinsel Trinidad gewann man daneben auch Oel. Versuche, Kaffee, Drangen und andere Südfrüchte auf den westindischen Inseln anzubauen, waren erfolgreich, denn auf diesen Inseln wächst alles, blieben aber doch regelmäßig in den Anfängen stecken; denn derartige Versuche nehmen viel Zeit in Anspruch, und Zeit ist Geld. Bananen und Oel brachten schnelleren Gewinn, zumal man ja in den Schwarzen billige und zumeist willige Arbeitskräfte hatte, lieber die Art und Weife, in der diese schwarzen Arbeitskräfte untergebracht und verpflegt werden, gibt es einen englischen Bericht, der einen der schaurigsten Beiträge zu dem Kapitel „Behandlung der Eingeborenen" barstellt. Um die Dividenden der Bananenpflan- zungen und Oelgesellschaften so hoch wie möglich zu halten, wurden die Schwarzen jämmerlich unter- aebracht; dazu in einer Weise bezahlt, die selbst die Vertreter Englands als „unzulänglich" bezeichneten. An diesen Zuständen soll nunmehr im Hinblick auf die jüngsten Ereignisse etwas geändert werden. Ansätze dazu hat es schon früher gegeben, aber sie sind stets im Sande verlaufen. Alle diese Dinge widersprechen dem System, nach dem die Inseln verwaltet werden. Wahrscheinlich werden die Mai- Unruhen nicht die letzten gewesen fein, und nicht die vorletzten. Solange die Dinge nicht grundsätzlich und grundlegend umgestellt werden, wird sich in Westindien kaum viel ändern. Es ist noch nicht sehr lange her, daß die periodischen Aufstände auf Jamaika in Blut erstickt wurden. Dieses Mal ist England verhältnismäßig milde vorgegangen mit Rücksicht auf die Weltmeinung, und auch'mit Rücksicht auf die heimische Öffentlichkeit. Nichtsdestoweniger muß die ganze Entwicklung den Derantroorthdjen Stellen doch einiges Kopfzerbrechen machen, zumal die Zustände auf Jamaika in anderen Teilen des Weltreiches eine Parallele finden. Auf den Fidschi-Inseln im Pazifischen Ozean sind die Zustände denen auf Jamaika zum mindesten ähnlich. Weder die 1,5 Millionen Neger der westindischen Inseln, noch die 190 000 Fidschi-Insulaner empfinden die englische Herrschaft als eine Segnung des Himmels. Die Zustände auf den westindischen Inseln sind vielleicht ein besonders krasser Fall, sie bleiben jedoch symptomatisch für die englische Ko- lonialpolitik in den Tropen. Die neue Legende. Während die Prager Systemkrise noch immer von einer Bereinigung weit entfernt ist, arbeitet die antideutsche Hetze unentwegt, um jede vernünftige und fortschrittliche Regelung der Nationalitätenprobleme jenes Staates zu erschweren. Darüber hinaus aber auch die ganze europäische Lage erneut zu verwirren. Man kann in diesen Tagen kaum eine Zeitung der „demokratischen Friedensmächte" aufschlagen, ohne nicht immer wieder auf die gleiche grobe Lüge und Irreführung zu stoßen. Auf eine kurze Formel gebracht, lautet sie: zum ersten Male habe sich jetzt in der tschechischen Frage das Prinzip der kollektiven 'Sicherheit bewährt. Ohne formell und tatsächlich angewendet zu werden, habe es doch schon „präventiv", als eine. Warnung an Deutschland einen sichtbaren Erfolg davongetragen, die deutschen Angriffsabfichten auf die Tschechoslowakei in Schach gehalten und damit seinen großen praktischen Wert für die Erhaltung des Friedens erwiesen. Es liegt auf der Hand, daß mit-öerartigen ständig wiederholten Behauptungen ein doppelter Zweck verfolgt wird. Auf der einen. Seite soll mit dieser Verfälschung der tschechischen Frage von den wahren Ursachen der bestehenden Spannungen abgelenkt und statt dessen das Reich als der eigentliche Herd der Schwierigkeiten hingestellt werden. Man will die Notwendigkeit einer radikalen Neuordnung der staatlichen und nationalitätenpolitischen Verhältnisse in der Tschechoslowakei verschleiern, indem man an der Legende von einem verhinderten deutschen Gewaltstreich festhält. Darüber hinaus aber will man die klare Linie der deutschen Friedenspolitik verwischen und das Reich moralisch vor aller Welt biffaniieren. Das ist die eine Seite dieses Hetzfeldzuges, Hand in Hand damit geht die leicht zu durchschauende Absicht, mit Hilfe dieser Kampagne Stimmung für die kollektive Sicherheit und die kollektive getarnte Bündnispolitik zu machen, um diese allen, brüchig gewordenen Ladenhüter der internationalen Politik unter einem antideutschen Vorzeichen nieder aufzuwerten. Auf diese Weise hofft man die immer stärkere Hinwendung der mittleren und kleineren Staaten zu,einer Politik aufhalten zu können, die sich an dem Gedanken der Neutralität ausrichtet und außerhalb der kollektiven Gefahrenzonen ein ungleich höheres Maß von Sicherheit für den eigenen Bestand zu finden versteht. Vor allem in Frankreich, wo man den Glauben an eine Wiedergeburt des Kollektivismus — womit ja auch die Fassade der eigenen Bündnispolitik steht und fällt — noch immer nicht aufgeben will, verursacht diese Bewegung zunehmende Sorge. Ist sie doch um so peinlicher, als sie gerade von jenen Staaten getragen wird, die einst den größten Idealismus für die Genfer Liga aufbrachten und ihre ergebensten Mitglieder waren. In der Tat hat die Flucht aus der Kollektivität, die einem Mißtrauensvotum gegen die franzöfisch- sowjetrusfische Politik gleichkommt, gerade in der letzten Zeit wieder beachtliche Fortschritte gemacht. Den Anfang machte der Westen Eüropas. Zunächst Belgien, als es sich im vergangenen Jahr feine Unabhängigkeit garantieren ließ, während Holland "nicht so weit ging, .aber doch jede Verpflichtung aus dem Sanktionsartt^el der Liga einschließlich des „Durchmarschrechtes" ablehnt. Es folgte die Schweiz, die von der letzten Genfer Tagung die Anerkennung ihrer uneingeschränkten Neutralität mit nach Haus nehmen konnte. Und eben jetzt stellen französische Zeitungen mit allen Zeichen des Mißvergnügens fest, daß der „Schrei nach Neutralität" auch in O st - und Nordosteuropa laut und deutlich erschallt. Die kürzlichen Reisen des polnischen Außenministers Beck nach Schweden und Lettland, der. Besuch des lettischen Außenministers M unters in Helsingfors und Stockholm, die Annäherungsbestrebungen zwischen den nordischen und den baltischen Staaten — all diese diplomatische Aktivität hat ja in der Tat die gleiche, jeweils mehr oder minder stark ausgeprägte Tendenz: außerhalb und unabhängig von der kompromittierten Kollektivität auf der Grundlage nachbarlicher Verständigung und eigenständiger Politik sich eine Position zu schaffen, die jeder Gefahr der Verwicklung in raumfrembe Spannungen unb Konflikte vorbeugt. Am weitesten in biefer Zone Europas vorgeschritten sind die nordischen Staaten, die vor kurzem ein neues Neutralitäts- statut unterzeichnet haben, nach welchem sie sich aus allen etwaigen Konflikten anderer Staaten her= aushalten und strikte Neutralität wahren wollen. Zwar versucht die französische Presse in merkwürdiger Verkennung der wahren Ursachen all dieser Bewegungen auch hier von einer „Reaktion auf die deutsche Gefahr" zu sprechen. Aber es liegt auf der Hand, daß es sich hier, wie so oft bei der französischen Politik, um Wunschgebikde handelt und um einen Mangel an Realitätssinn. Tatsächlich handelt es sich im Westen wie im Osten um eine Abkehr von jenen, kollektiven Phantomen, die sich je länger je mehr als unfruchtbar, ja als gefährlich und schlimmstem Mißbrauch ausgesetzt erwiesen haben. Darum auch die ständigen Bemühungen der französischen Presse, dieses „Deser- tteren" als eine politische Torheit hinzystellen, weil angeblich der Kollektivismus seine Schutzkraft gegenüber der Tschechoslowakei doch eben so schlagend bewiesen habe. Mit solchen Parolen das Rad' der Entwicklung aufhalten zu wollen, erscheint wenig aussichtsreich. Damit ist nicht gesagt, daß sie keine störenden und verwirrenden Einflüsse auszuüben vermögen. Denn leider handelt es sich hier nicht bloß um die Hetze notorischer Kriegstreiber und internationaler Brunnenvergifter. Auch das politische Denken und Handeln amtlicher Kreise der Westmächte bewegt sich, mit Unterschieden in der 5 I I 8'v t D' ; D in 9i S r>c d r ü . h> ■ bi ai P - bl 3«. n ft d. r, c ; P te 9 r r , 2 n n 0 li a d ri-. rr V L S in« Al äi,,. dil * je! 3< I m- ( to: »' lei de sei an ßt tei Ml - Fr «ll . fat gn . ad da ' • ’ fai , Eo Tüt ein 1 lick |pc .!< bei >. Hai Zu au erf 9e3 gel sich Fr stei Un ode bin sch< net 1 ' ab! 3 Bo ßü. . tsch Der Tei Be. , gen dre Kriu . Inf » ' lin ■ däcl We dun Kri non En( mal We entt tior Tonart, in ähnlichen Bahnen. Selbst ein Mann wie Daladier leistet dieser Verfälschung der ßage Vorschub. Als das einzig Positive innerhalb der Entwicklung der letzten Monate erscheinen ihm die französisch-englischen Abreden gelegentlich des" letzten französischen Besuchs in ßonbon. Das war Ende April, und man hat bis heute über diese Ministerbesprechung der beiden Westmächte den Schleier des Geheimnisses gelegt. Jetzt zog ihn Daladier fort und feierte als den größten Gewinn dieser Aussprachen jenen gemeinsamen „präventiven diplomatischen A kti 0 n s p l a n", der in dieser Form zum erstenmal in der Geschichte der englisch-französischen Beziehungen zustande gekommen sei. Ganz so einfach, wie Herr Daladier die Dinge darstellt, um dem Vorwurf Flandins zu begegnen, daß man den Faden nach ßonbon habe abreißen lassen, verhält es sich mit der englisch-französischen Entente freilich nicht. Wohl wurde sie in ßonbon gefestigt unb auch in militärischer Hinsicht präzisiert. Aber ebenso deutlich ist heute, daß diese Entente nicht mehr ein ausschließliches Instrument der französischen Politik ist und daß die Führung in dieser Kombination heute weitgehend in ßonbon liegt. Aber auch wenn man diese interne Gewichtsverlagerung in Rechnung stellt, bleibt noch des Unerfreulichen genug. Es bleibt vor allem die Vorstellung des ^Vestens, daß man mit Gewaltanwendung gegenüber dem Reich drohen müsse, um den Frieden zu erhalten und „Gewaltlösungen" zu verhindern. Daß damit der Raum für eine produktive Politik, für die friedliche Konfliktlösung, der auch Dalcüüer das Wort redet, sehr eng werden muß, liegt ebenso auf der Hand wie die Tatsache, daß es der übersteigerte Macht- und Geltungswille der französischen Politik ist, der zu so unsinnigen Problemstellungen treibt. Warum hat sich denn F l a n d i n einen Sturm der Entrüstung in Frankreich zugezogen? Weil er auf die künstliche „Anwesenheit" Frankreichs in Mitteleuropa hinwies unb sich zu dem Gedanken bekannte, daß Frankreich nur marschieren sollte, wenn es selbst angegriffen werde. Das käme einer „Abdankung der französischen Politik in Mitteleuropa" gleich, so schallte es ihm entgegen, — deutliches Zeichen dafür, daß die französische Politik sich noch immer nicht zu einer Begrenzung ihrer Interessen auf das naturgegebene Maß verstehen will. Wie Frankreichs „Belange und Lebensinter- effen", die es in der Tschechoslowakei zu verteidigen vorgibt, tatsächlich aussehen, das hat kürzlich Pierre Cot, der sattsam bekannte ehemalige französische Luftfahrtminister, mit aller Offenheit in einem Artikel über kommende Kriegsmöglichkeiten eingestanden. Hier wurde offen verkündet, daß man Prag den Rücken stärken müsse, weil die Tschechoslowakei „der strategisch wichtigste Punkt der demokratischen Länder sei". Die demokratischen ßänder könnten einen lange anhaltenden Krieg nicht verlieren, unter der Voraussetzung, „daß der tschechoslowakische Riegel vor den Kornkammern Mitteleuropas vorgeschoben bleibe". Sowjetrussische Luftangriffe, die von der Moldaurepublik ausgehen würden, könnten dem Reich besonders empfindliche Wunden schlagen usw. Was ergibt sich aus solchen Erwägungen, auf die man in der Presse der Westmächte immer wieder stößt? Daß die „Belange" Frankreichs in Zentraleuropa ausgesprochen imperialisttscher, d. h. aber unfriedlicher Natur sind, unb daß es sich bei einem „präventiven Zusammenrücken zu Gunsten des Prager Systems nicht um die endliche Verwirklichung der kollektiven Sicherheit handelt, sondern um nackte Macht- und Kriegs- Politik. Ob berartige Dinge bie Tendenz zu einer immer ausgeprägteren Unabhängigkeits- unb Neutralitätspolitik aufhalten unb auf bie kleineren Staaten eine befonbere Anziehungskraft ausüben werben, — die Beantwortung biefer Frage kann man wohl ruhig der weiteren Entwicklung Überlassen. Der gesunde Sinn der Staatsmänner der jetzt wieder umworbenen kleineren Staaten wird sicher erkennen, in welch erschreckendem Maße bei dieser Art Politik der angebliche Schützling Tschechoslowakei nur Objekt fremder Interessen unb nichts anderes ist. Darüber hinaus aber wird sich auf die Dauer auch die Erkenntnis nicht aufhalten lassen, daß es eben diese Politik der „großen Demokratien" ist, die Europa nicht zur Ruhe kommen läßt, weil sie diesem Erdteil den gerechten Ausgleich der Kräfte und die Herstellung natürlicher Lebensverhältnisse nicht gönnt. Dr. H. von Malottki. Tag des Nordens. 5.Reichstagungd«rNordischenGesellschaft. In der festlich geschmückten Stadthalle zu Lübeck fand die Eröffnungskundgebung der als „Tag des Nordens" durchgeführten 5. Reichstagung der Nordischen Gesellschaft statt. Man sah neben hervorragenden Wissenschaftlern aus dem Reich unb ben norbischen Staaten namhafte Vertreter der Partei, des Staates und der Wehrmacht, unter ihnen Reichsleiter Rosenberg, Reichsführer jf H i m m- l e r unb General ber Polizei D a l u e g e, ferner den bänifchen Gesandten Zahle, den finnischen Gesanbten W u 0 r i m a a und ben schwebischen Gesandten Richert. Der Direktor bes Arbeitsnachweises ber Wirtschaftsorganisationen, Nils Erik Wilhelmsen (Kopenhagen) sprach über bie Stellung ber bäni- schen Jugenb, sie erkenne burchaus die Bebeutung an, bie der Nationalsozialismus allein burch feinen Sieg über ben Kommunismus innerhalb ber beut’ fchen Nation für ben gesamten europäischen Kulturkreis habe. Sie erkenne auch bie fortgesetzten Be- ftrebunaen an, bie von Deutschland Italien unb an« deren Länbern ausgingen, um ben Kommunismus unb seinen zerstörenben Einfluß unerbittlich zu bekämpfen. Auch wir jungen Dänen, so erklärte er, finb auf dieser Linie zu finben, bie unversöhnlichen Kampf gegen ben Kommunismus bebeutet. Dr. Eino Kaila, Professor an ber Universität Helsinki, erörterte bie Stellung des Bauerntums in den Ländern des Nordens. Der Bauernstand erfreue fick der besonderen Hochschätzung im ganzen Volke. Er sei gewohnt, sich auch als eine geistige Welt zu fühlen unb als geschlossene Körperschaft feine Stimme in ben Schickfalsstunben ber Nation entscheibend in die Waagschale zu werfen. Die so gekennzeichneten Besonberheiten bes sozialen unb geistigen Lebens fallen in wesentlichem Maße mit den Auffassungen und Aufgaben zusammen, die sich bas neue Deutschlanb bei seiner gewaltigen, für unseren ganzen Erbteil vielleicht entscheibenben Aufbauarbeit gestellt hat. Gerade von dieser Stelle her ist ein engerer geistiger Kontakt zwischen dem neuen Deutschland unb ben Länbern bes Nordens erreichbar. Am Montagabend gab Reichsminister Dr. Frick im Namen ber Reichsregierung im St.-Annen-Mu- feum einen Empfang, wobei man außer ben schon oben Genannten Bürgermeister Krogmann (Hamburg), ben Chef bes Protokolls, Vortragenben Legationsrat Boitze, Reichsamtsleiter Daitz, weiter ben bänischen UnterrichtsMinister Hojberg-Chri- st e n s e n, bie Gattin bes Schriftstellers Knut Hamsun, ben Schriftsteller Gunnar Gunnarsson- Frebsholm, bie finnische Schriftstellerin Sal- minen, den Bürgermeister von Reykjavik, Hall- b e r s s 0 n, den Schriftsteller Gunar Berg (Lunb) und Professor 0 0 n Euler (Stockholm) sah. An ben Empfang schloß sich ein Mitternachts-Konzert in ber St. Marienkirche an, bei bem Domtantor Dr. Walter Haaeke (Naumburg) an ber Orgel unb Staatsopernsängerin Lea Pil11i vom Deutschen Nationaltheater Weimar mitwirkten. Lm Dienst der Verständigung. Zweite deutsch-französische Tagung in Baden-Baden. Baden-Baben, 20. Juni. .(DNB.) Die 2. deutsch-französische Tagung wurde von 5 reibe r r n von Dusch eröffnet. Das in Paris Begonnene solle vertieft und aUsgebaut werden. G e - rabe nach den letzten schwierigen Wochen hätten die Freunbe jenseits bes Rheins ihren festen Willen bekunbet, dem Frieden und der Verständigung ihre Mitarbeit zu leihen. In Deutschland wisse man diesen Beweis des guten Willens zu schätzen. Der Vorsitzende des Comitö France-Alle- magne, der Leiter der französischen Kriegsblinden, Georges Scapini, dankte für den sehr freundlichen Empfang und legte die Ziele der deutsch-französischen Verständigungsarbeit dar unter Betonung ber Verantwortlichkeit des Schrifttums, befonbers ber Presse. Dann sprach der Historiker Pierre Benoit, Mitglieb ber Academie Franeaise, über bas Zeitgeschehen im Spiegel des französischen Schrifttums. Die romantische Jbee von Deutschlanb müsse hinter bem ernsten Deutschlanb zurücktreten, gerabe so wie bie Deutschen bas ernste Frankreich erkennen müßten. Eine Verständigung der Völker sei nur auf ber Grundlage der wahren Erkenntnis ihrer Kultur und geistigen Arbeit möglich. Der Literatur falle hierbei eine besondere Aufgabe zu. Dem Zeitgeschehen im Spiegel des deutschen Schrifttums widmete Prof. Dr. Josef Nadler (Wien) seine Darlegungen, die er besonders auf die dichterische Gestaltung ber verflossenen 20 Jahre gründete. Der Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft, Prof, von A r n im , unterbrich die Darlegungen von Pierre Benoit, der mit Recyt betont habe, daß nur ein ethisches Erkennen der Völker den Boden für eine Verständigung oorbereiten könne. Die Rote-Kreuz-Konferenz in London. London, 20. Juni. (Europapreß.) Am Montag wurde im Sankt James-Palast in London die 16. Internationale Rote-Kreuz-Kon- ferenz von dem Vorsitzenden des englischen Roten Kreuzes, dem Herzog von Gloucester, einem Bruder des Königs, eröffnet. Der Herzog erklärte, es habe in der Geschichte des Roten Kreuzes keinen Augenblick gegeben, in bem die systematische Planung der Arbeiten des Internationalen Roten Kreuzes notwendiger gewesen sei als heute. Mit voller Zustimmung der Oesfentlichkeit beschränke sich das Rote Kreuz heute nicht mehr auf bie Hilfe für kranke und verwunbete Solbaten auf bem Schlachtfeld, sonbern betätige sich überall, wo durch unerwartete Ereignisse das alltägliche Leben ber Menschheit aus bem Gleichgewicht gehoben unb in großem Maße Elend unb Leib die Menschen bebrüden. „Unglücklicherweise", so fuhr ber Herzog fort, „ist bie Welt heute dauernd solchen unerwarteten Ereignissen ausgesetzt. Wenn es biefer Konferenz gelingt, Mittel und Wege zu finden, um ihnen zu begegnen und bie sich baraus ergebenben Leiden systematisch unb ohne wesentliche Energieverluste zu lindern, bann wirb ein wesentlicher Schritt vorwärts getan sein." Der Herzog verlas ein Telegramm ber Königin als Ehrenvor- sitzenbe des englischen- Roten Kreuzes, in bem dex Hoffnung Ausdruck gegeben wird, „daß auch bieje Konferenz zur weiteren Stärkung der Bewegung beiträgt und den Tag näherbringt, an dem das Rote Kreuz der ganzen Welt die (Garantie dafür bietet, daß menschliche Leiden, bie nicht verhindert werden können, nirgendwo ungelindert bleiben. An der Tagung nahmen Dertteter aus 38 Ländern teil. Deutschland ist durch eine Abordnung der Reichsregierung und eine Abordnung des Deutschen Roten Kreuzes, die beide unter ber Führung bes Präsibenten bes beutschen Roten Kreuzes, NSKK.-Obergruppenführer Herzog von Coburg, stehen, vertreten. Der Herzog von Coburg verlas eine Botschaft, in der u. a. darauf hingewie- sen wird, daß der Führer und Reichskanz- l e r selbst bei einem Ueberblitf über die friedliche Zusammencirbeit zwischen ben Völkern befonbers auf bie Genfer Rotkreuz-Konvention und ihr großartiges Werk verwiesen habe. Englische Hoffnungen im Gpanienkonfliki London, 21.Juni. (DNB. Funkspruch.) Das Interesse ber Londoner Presse konzentriert sich auf bie heutige Sitzung bes Hauptunterausschusses bes Nichteinmischungsausschusses. Obschon bie Aussichten für einen. Waffenstillstand in Spanien nicht sehr günstig beurteilt werden, ist man doch ber Ansicht, baß eine Einstellung ber Feindseligkeiten nicht nur von England, sondern auch von Italien und schließlich auch von beiden Parteien yi Spanien als wünschenswert angesehen wird. Jedoch verkennt man keineswegs die Schwierigkeiten, die sich aus der Haltung der beiden letzten ergeben. Times schreibt, bie britische Formel sei wiederum geändert worden, es sei jetzt Hoffnung vorhanden, daß der f 0 w j e t r u f f i s ch e Vertreter ihr zustimmen könne. Der Plan sieht jetzt folgendermaßen aus: Ständige Beobachter in 20 ober 25 Haupthäfen Spaniens, weiter Beobachter in ben übrigen Häfen, falls ihre Anwesenheit not- wenbig wirb, ein Nichteinmischungsbeamter wie bisher auf allen Schiffen innerhalb ber spanischen Gewässer, Anborbnahme eines Nichteinmischungsbeamten burch Schiffe, die, obgleich nicht für einen spanischen Hafen bestimmt, vermutlich einen solchen anlaufen wollen. Das Blatt meint weiter, ein Übereinkommen zwischen beiden Parteien könnte nur im Geiste eines Kompromisses Zustandekommen. Spanien werde dann weder „Repu- blikcmisch" nach dem Muster Barcelonas, noch nationalistisch nach dem Muster Francos fein. Die größte Hoffnung auf eine Bereinigung scheine bei weitem in der Förderung des Pttines zu liegen, der jetzt dem Nichteinmischungsausschuß vorliege. Jedes Land, das jetzt einen Fortschritt im Nichteinmischungsausschuß verhindere, werde schwerlich dem Schicksal entgehen, als ein Feind Europas angesehen zu werden. Die Annahme bes Nichteinmischungsplanes sei der sicherste Weg für bas balbige Inkrafttreten bes englisch-italienischen A b - kommens, bie Beenbiguna bes Bürgerkrieges in Spanien und die umfassende Befriedung Europas. — Daily Expreß nimmt an, baß bie Endlösung vielleicht vorsehe, daß Katalonien ein unabhängiger Staat werde und baß bas übrige Spanien eine Überparteiliche Regierung erhalte. Schließt Daladier die Pyrenäengrenze? Paris, 21. Juni. (Europapreß.) Die Nachricht von der Schließung der Pyrenäengrenze wirb in maßgebenden französischen Kreisen bestätigt. Dieser Beschluß werde der Oeffent- lichkeit jedoch nicht bekanntgegeben, da offiziell ja auch eine Deffnung der Pyrenäengrenze nicht vorgenommen worden sei, obgleich ' jedermann in Frankreich Kenntnis von entsprechenden Dienstanweisungen des ehemaligen Ministerpräsidenten Blum an die französischen Grenzbehörden habe. Diese sind durch Daladier nun rückgängig g e - macht worden, das heißt die Grenzschließung ist nun praktisch Wirklichkeit geworden. Schon um die frühere Regierung des sozialistischen Parteivor- sitzenden Blum, auf dessen parlamentarische Unterstützung Ministerpräsident Daladier angewiesen ist, nicht zu desavouieren, konnte Daladier die Oefsent- lichkeit über bie neuen Instruktionen an bie französischen Grenzbehörben nicht in Kenntnis setzen. In ber Pariser Presse kommt bie Ueberzeugung zum Ausbruck, baß bie Wiederaufnahme ber 23 e r = hanblungen zwischen Rom unb Paris nun nicht mehr aussichtslos erscheine. Auf marxistischer Seite hat bie Rückkehr Frankreichs zur praktischen Nichteinmischung die größte Entrüstung her- oorgerufen. Besonders die kommunistische „Huma- nite" ergeht sich in den wüstesten Ausfällen gegen bie Regierung. „Jour" glaubt zu wissen, baß Paris und London dahin übereingekommen seien, ihre Haltung in der Spanienfrage nicht durch Machenschaften Sowjetrußlands beeinflussen zu lassen. Italienischer Ilottenbesuch in Malta. Mailand, 20. Juni. (Europapreß.) Das erste italienische Flottengeschwader, mit dem Panzerkreuzer „Cavour" an der Spitze, verläßt am Montag unter dem Kommando von Vizeadmiral Riccardi Italien zu einem viertägigen Flotten- besuch in Malta. Dort werden zu Ehren der italienischen Gäste große Sportkämpfe zwischen den Mannschaften italienischer und englischer Kriegsschiffe stattfinden. Dieser Flottenbesuch gilt als ein wichtiges Ereignis in der Geschichte der neuen italienisch-britischen Beziehungen und wird daher besonders von englischer Seite entsprechend beachtet. Die britische Admiralität hat in Malta ein umfangreiches Festprogramm für die Dauer des Aufenthaltes der italienischen Kriegsschiffe ausgearbeitet. Die englische Flotte / übt im Kanal. Der König in Weymouth eingetroffen. London, 20. Juni. (Europapreß.) Zur Beteiligung an einer kurzen Hebung bes englischen Heimatgeschwabers begab sich König Georg nach Weymouth. Der größte Teil des Geschwaders ankert in der Bucht vop Weymouth. Das Flaggschiff wird während den Hebungen die Standarte des Königs hissen, der der jüngste Admiral der englischen Marine ist. Die Uebunaen werden am Dienstagmorgen im Kanal ihren Anfang nehmen und unter kriegsmäßigen Bedingungen durchgeführt werden, um dem König Gelegenheit zu geben, die ängstlich gehüteten Geheimnisse der englischen Flotte kennenzulernen. Im Mittelpunkt der Hebungen wird das ferngelenkte Kriegsschiff „C e n t u r i a n" stehen, das mit scharfer Munition beschossen werden soll. Auch ferngelenkte Flugzeuge werden an den Manövern in großem Umfange teilnehmen. Dem König soll die Wirksamkeit der englischen Flugabwehr vor Augen geführt werden. Dabei sollen auch bie neuen Flak-Batterien, deren Geschütze 500 Schuß in der Minute abzufeuern vermögen, in einem bem Ernstfall angepaßten Angriff vorgeführt werben. Ferner sind Tor peboana riff e auf bie Großkampfschiffe vorgesehen. — Am Mittwoch wird der König die Unterfeeboot = 2l6- wehrschule in P 0 rtland besichtigen. Bei seiner Ankunft in Weymouth wurde König Georg unter den Salutschüssen der Kriegsschiffe begeistert begrüßt. Der König verbrachte die Nacht an Bord der königlichen Jacht „Victoria and Albert", auf der er am Abend den Geschwaderchef und hohe Offnere empfing. — In Begleitung des Königs befinbet sich fein Bruder, der Herzog von Kent. Englands Treibsioffversorgnng. Ein Vorschlag der Arbeiterpartei. London, 21. Juni. (Europapreß.) Zur Sicherstellung der Treibstoffversorgung für die englische Kriegsmarine, die Luftwaffe unb bas Heer im Falle eines Krieges forbert bie Arbeiterpartei Maßnahmen, bie die Oelerzeugung aus Kohle für alle Fälle unb in großem Umfange sicherstellen sollen, um bie englischen Wehrmachtoperationen fähig zu halten. Das fei zur Zeit nicht garantiert, ba Englanb O e l einführen müsse, was im Kriegsfall nur noch von Zufälligkeiten abhängen werde. Aus diesem Grunde wird die Anlage von zwölf neuen Werken mit einem Kostenaufwand von 18 Millionen Pfund u. a. in den Elendsgebieten von Schottland unb Wales, gefordert. Diese Werke konnten jährlich etwa 500 Millionen Liter Treibstoff Herstellen. (Das sind ungefähr 7 v. H. der augenblicklichen englischen Einfuhr.) Bei einem Verbrauch von 7 710 000 Tonnen Kohle konnten dadurch rund 11 000 Arbeiter beschäftigt werden. Damit würde nicht nur der 23erteibigungsftanb bes Laubes gehoben, sondern auch bie Arbeitslosigkeit öerminbert und der Bergwerksindustrie geholfen. Der Vorschlag der Arbeiterpartei wird von ber „Times" als beachtenswert unb vernünftig hingeftellt. Wie siehtes in derWittschastans? In biesen Tagen haben b r e i große Ri^hr - zechen, bie Vergwerksgesellschaft Hibernia, bie Bergbau-AÄ Ewald - König - Lubwig unb bie Concorbia - Pergbau - AG. ihre Abschlüsse für 1 9 3 7 veröffentlicht. Alle brei lassen deutlich die günstigen Auswirkungen der Erzeugungs- und Absatzsteigerung auf die Ertragsentwicklung erkennen, gleichzeitig aber auch die finanzielle Belastung durch den Ausbau ber Anlagen, wie er zur Erfüllung ber bem Ruhrbergbau im Vierjahresplan gestellten Aufgaben notroenbig ist. Die Hibernia, bie bie lautlichen Ruhrzechen einschl. bedeutsamer Schiff- ahrts-Handels-Stickstoff- unb Treibstoffbetriebe umaßt, konnte 1937 ihre Kohlenförderung um 16,3 v. H. auf 10,23 Millionen Tonnen, bie Kokserzeugung um 22,5. v. H. auf 2,13 Millionen Tonnen erhöhen. Der Kohlenabsatz nahm um 11,2 v. H. auf 9,41 Millionen Tonnen zu, während bie Stickstoffherstellung einen neuen Höchststand erreichte. Die Ewald - König - Ludwig - Gesellschaft konnte die Kohlenförderung über den Durchschnitt des Ruhrbergbaus von 19,9 v. H. um 21,1 v. H. auf 5,9 Millionen Tonnen, die Kokserzeugung sogar um 74,7 v. H. auf 1,30 Millionen Tonnen steigern. Bei der C 0 n c 0 r d i a - Bergbaugesellschaft wurde die Förderung ebenfalls über ben Durchschnitt, nämlich um 25,8 v. H., auf 1,57 Millionen Tonnen, bie Kokserzeugung um 20,9 v. H. auf 0,31 Millionen Tonnen erhöht. _ . | , ♦ Aus den Jahresberichten der Kaligefell« schäften, insbesondere - des größten Erzeugers, der Wintershall-AG., erfährt man, daß- der Kali- absgtz 1937 gegen 1936 um 13 v. H. gestiegen ist. Die Abrufe nahmen gegenüber der Vergleichszeit von 1937 um 12 v. H. zu, rein rechnerisch ergibt sich also, daß ber Absatz nur verhältnismäßig langsam gestiegen'ist, und die weitere Frage liegt nahe, wie sich bas für die Erträgnisse ber Industrie aus- wirkt. Der Wintershall - Abschluß zeigt nun, daß bei diesem Konzern, obwohl in feinem Rahmen die Bedeutung der anderen Sparten gewachsen ist (Del, Benzin, Chemikalien, Leichtmetalle und vieles andere), seine Bruttoüberschüsse merklich« gesunken sind. Im Falle Wintershall ist das allerdings nicht tragisch zu nehmen, weil die Gruppe seit Jahren in ihrer Abschreckungspolitik sehr weit gegangen war. * Der Preußische Staat verfügt nicht nur im Ruhr« gebiet Xiber wertvollen Besitz an Steinkohlenzechen, die in der Hibernia zusammengefaßt sind, sondern auch in Oberschlesien und in der Gegend von Hannover und Minden fordert der Staat Steinkohle. Am Kalibergbau Mitteldeutschlands ist er ziemlich stark beteiligt, vor allem aber auch am Erzbergbau und an der Metallgewinnung. Alle diese Erzeugungszweige sind in der „Preußag", der preu» ßisehen Bergwerks- und Hütten-AG., zusammen-' gefaßt, die mit einem Aktienkapital von 80 Millionen Mark arbeitet und nach ihrem kürzlich ver- offenttichten Jahresbericht für 1937 einen Hmsatz von 165 Millionen Mark erzielt hat. Die Preußag gehört zu den größten deutschen Industrie-Konzernen: Gibt sie doch einer Gefolgschaft Arbeit, deren Ziffer sich 1937 noch von 30 000 auf 32 000 Mann erhöht hat. Auch Die Steinkohlenförderung des Konzerns, 6,2 Millionen Tonnen gegen 5,6 Millionen Tonnen im Vorjahre bietet zusammen mit ber Kalierzeugung von 1,73 Millionen RM. Rohsalzen einen Anhaltspunkt für bie Bedeutung dieser Gruppe. Erwähnt man noch, baß bie Zinkerzeugung 1937 immerhin schon 8500 Tonnen betragen hat, neben einer Produktion von Zinkoxyd in Hohe von 23 000 Tonnen, so vermitteln diese Ziffern ein Bild • von der Rolle, die die Preußag im Bergbau spielt, zumal erfreulicherweise neuerdings auch die Bleierzeugung erheblich zugenommen hat: Mit 15 400 Tonnen hat sie nunmehr das doppelte der im Jahre 1932 erzielten Leistung erreicht. * Mit einer schwebenden Schuld von nicht weniger als 12 Milliarden Tschechenkronen, die nur auf dem Papier durch Staatskassenscheine und durch Staatsbonds gedeckt waren, die aber seit siebzehn Jahren von Vierteljahr zu Vierteljahr verlängert werden müssen, hat sich ber Tschechenstaat in bas Abenteuer ber Mobilisierung vom 21. D)ai gestürzt. Der Finanzminister hatte für 1938 eine Kreditermächtigung von 3,5 Milliarden Tschechenkronen erhalten, von denen 2,4 Milliarden für Rüstungszwecke und 1,1 für Investitionen in den Staatsbetrieben, bie notwendigerweise mit ber tschechischen Aufrüstung zusammenfallen, verwendet werben sollten, aber diese Summe langt nicht zu unb bie Note des Tages zwingen zu kleinlichen Aushilfsmitteln, bie nur bem berühmten Tropfen auf den heißen Stein gleichen. Man hat die Anlagepflicht der Geld- und Versicherungsanstalten für Staatspapiere erweitert, man will beim Klein- geldgesetz ungefähr 550 Millionen Tschechenkronen verdienen und hofft, daß die Sammlung für die Landesverteidigung, die mit bombastischen Redensarten inszeniert wurde, ungefähr eine halbe Milliarde erbringen wird. Das aber sind die einzigen einigermaßen sicheren Posten. Alle anderen schwan- ken. Man hat daher in Prag über eine*E r h 0 - hung der an und für sich schon sehr hohen Verbrauchssteuern beraten, aber nach der letzten Erhöhung vom Dezember 1937 würde eine solche Maßnahme den Konsum noch mehr zurückgehen lassen, als es bereits feit Jahresbeginn geschehen ist. Die Aussichten für eine Ausländsanleihe sind geradezu miserabel. Der französische Finanzminister Rist ist aus Prag wieder heimgekehrt, ohne daß eine langfristige Anleihe in Aussicht steht. England hat abgewinkt. Unb der tschechische Finanzminister weiß nicht, woher er das Geld für politische Ausgaben nehmen soll, die mit dem mosko- witischen Bündnis sehr eng Zusammenhängen. * Dabei ist die einst blühende sudetendeutsche Ausfuhrindustrie ein Opfer ber tschechischen Außenhanbelspolitik geworben, aber diese kurzsichtige unb selbstmorberische Methobe hat den Staat selbst in die schwersten Bedrängnisse gebracht. Im Braunkohlenbergbau sind etwa 66, in ber Steinkohlengewinnung 80 v. H. noch in beutschen Händen, in ber Möbelindustrie unb in ber Textilindustrie sind 90 v. H. der betriebe deutsch, in der Elektroindustrie 70 v. H. Sehr wichtige Gewerbe wie die Glaswaren- und Biiouteriebranche sind seit jeher ausschließlich in deutschen Händen. Da ber Anteil ber Jnbustrie- roaren, bie im tschechischen Jnlande nicht unterzubringen finb, immerhin auf 60 v. H. berechnet würbe, blieb nichts anberes als bie Ausfuhr übrig, aber die Ausfuhr unb damit die fudetendeutscA Erzeugung an Jndustriewaren ist geradezu katastrophal gesunken. Die Ausfuhr von Baumwollwaren, Wollwaren, Lederwaren, Schuhen, Glas und Keramik ist feit 1929 um mindestens die Hälfte, teilweise sogar um zwei Drittel gesunken. So wurden 1929 noch für 2881 Millionen Tschechenkronen Baumwollwaren ausgeführt, aber im Vorjahre waren es nur noch für 955, obgleich die Tschechenwährung inzwischen abgewertet wurde. Alles das trifft die Sudetendeutschen ganz besonders schwer, wobei man berücksichtigen muß, daß ohne die Einfuhrmöglichkeit ' nach Deutschland der tschechische Außenhandel noch schlimmer zusammengebrochen wäre. ♦ Die Schätzungen der diesjährigen Weizenernte in den USA. haben Roosevelts Agrarprogramm geradezu durchlöchert, denn nach den Jahren der Dürre, da im Vorjahre die USA. sogar Weizen aus Kanada beziehen mußten — ist für dieses Jahr mit einer amerikanischen Weizenernte zu rechnen, die falt zu vier Zehntel den Bedarf des Landes ü b e r st e i g t. Für diese vier Zehntel sucht nun Roosevelt Abnehmer, aber er übersieht dabei, daß die Welt für den Weizen aus den USA. keinen dringenden Bedarf hat und die europäischen Donauländer sowie die Dominions und Argentinien in diesem Jahr als Konkurrenten des nordamerikanischen Weizens auftreten und natürlich ihre Abnehmer dort finden, von wo sie Jndustriewaren beziehen. Frankreich fällt als Weizenüberschußland ohne weiteres aus, Italien zieht aus nationalwirtschaftlichen Gründen den Donauweizen vor, England muß in erster Linie den Weizen aus den Dominions kaufen, Deutschland bezieht seinen Weizenzuschußbedarf hauptsächlich aus europäischen Quellen. Mit einem Wort: Roosevelt erlebt, daß die amerikanische Handelspolitik sich gegen sich selbst kehrt und bleibt auf seinem Weizen sitzen. Oie Fahrt der Alten Garde. 20 Ehrenzeichenträger unseres Gaues. RSG. Am Dienstag nimmt die Fahrt der Alten Garde ihren Anfang. Goldene Parteiabzeichentrü- ger aus allen Gauen des Reiches treffen sich in Trier, wo Reichsorganisationsleiter Dr. Ley zu ihnen sprechen wird. Äm Mittwoch beginnt dann die eigentliche Fahrt, die die ältesten Mitkämpfer des Führers durch die schönsten landschaftlichen Teile des Gaues Koblenz-Trier führt. An der Fahrt nehmen auch 20 Altgardisten des Gaues Hessen-Nassau, an ihrer Spitze der Stellvertretende Gauleiter Linder, teil. Ferner Gauamtsleiter Walter Heyse, Frankfurt, Gauamtslei^er Rings- Hausen, Darmstadt, Gausachbearbeiter der Alten Garde, Walter Schilling, Frankfurt, Gauhaupt- stelleyleiter Adam Nickel, Frankfurt, Kreisleiter e. h. Adalbert G i m b e l, Frankfurt, Kreisleiter Wilhelm Thiele, Biedenkopf, Kreisleiter Fritz , Fuchs, Mainz, Kreisleiter Georg Brückmann, Bensheim, Kreisleiter Wilhelm Aller, Herborn Ortsgruppenleiter Karl Klöppel, Frankfurt, Ortsgruppenleiter Wilhelm Kumpf, Beerfelden, Ortsgruppenleiter Alex Röser, Frankfurt, SA.- Oberführer Hermaxin Hirt, Frankfurt, SA.- Obersturmbannführer Hermann Kunkel, Frankfurt, ff - Sturmhauptführer Albert Schar- schmidt, Gießen, NSKK.-Sturmhauptführer Otto Dorsheimer, Frankfurt, SA.-Obersturmführer Georg Ruppert, Bechtheim, SA.-Sturmführer Willi Martin, Wiesbaden-Dotzheim, HJ- Bannführer Ernst Heim, Darmstadt. In jedem Jahr treffen sich die Vorkämpfer des Führers, um in enger Kameradschaft einige Tage zu verleben. Sie veranstalten eine Fahrt, auf der sie die Schönheiten ihrös Vaterlandes kennenlernen sollen, für das sie jahrelang gekämpft und gelitten haben. Im vorigen Jahr waren die Altgardisten Gäste unseres Gaues. In diesem Jahr geht die Fahrt durch den Gau Koblenz-Trier. Sie beginnt am Abend des Dienstags mit einer Kundgebung auf dem Palastplatz der ältesten deutschen Stadt Trier. Hier schließt sich am Abend eine von den Junkern der Ordensburg Vogelsang gestaltete Feierstunde, an. Am Mittwochfrüh geht die Fahrt von der Porta Nigra in Trier über die . Mittelmoselstraße nach Bernkostel über den Hunsrück. Durch den Hochwald geht es dann nach Idar-Ober st ein und durch das Nahetal nach Bad Kreuznach. Der zweite Fahrttag bringt die alten Kämpfer nach Bacharach am Rhein. Nach dem Besuch der Jugendburg S t a h l e ck geht es mit einem Rheindampfer bis Andernach und von dort zum La ach er See in der Eifel. Durch das Brohltal führt der Weg dann nach Bad Neuenahr. Am Schlußtage werden Adenau, der Nürburgring, die Dauner Eifelmaare mit Bad Bertrich, Alf und Cochem besucht. Am Spätnachmittag trifft die Alte Garde wieder in Koblenz ein, wo eine Schlußkundgebung am Deutschen Eck, bei der der Stellvertreter des Führers sprechen wird, eine Fahrt an den festlich beleuchteten Rheinufern entlang, ein rheinischer Abend im Weindorf zu Koblenz der Ausklang sein werden. 3uben nichtmehrzum Börsenbesuch zugelaffen Berlin, 20. Juni. (DNB.) Der Reichswirtschaftsminister hat mit Erlaß vom 20. Juni 1938 die Abänderung der Börsenordnungen sämtlicher deutschen Börsen und amtlichen Großmärkte dahingehend veranlaßt, daß Juden nicht mehr zum Bör- lenbesuch zugelassen werden. Damit entfallen zugleich die bisherigen Zulassungen von Juden. Uni den fortschreitenden Arisierungsprozeß bei den zum Börsenhandel zugelassenen Firmen nicht zu stören, ist bis auf weiteres die Möglichkeit^ gegeben, daß sich die jüdischen Firmen durch nichtjüdische Prokuristen oder Bevollmächtigte an den Börsen und Großmärkten vertreten lassen. Generalfeldmarschall Göring gedenkt seiner alten Kameraden der Marineluflwaffe. Berlin, 18. Juni. (DNB.) Generalfeldmarschall Göring hat an den Kommandierenden General der Luftwaffe, See, folgendes Schreiben gerichtet: „Am Tage des 25jährigen Jubiläums der aem. Kabinettsordner vom 3. 5. 1913 befohlenen Aufstellung einer Marine-Luftschi sif- und Marine-Flieger-Abteilung gedenke ich der ruhmreichen Tätigkeit der Marine- Luftstreitkräfte im Weltkriege und wünsche dem Luftwaffenkommando See und seinen unterstellten Einheiten eine erfolgreiche Zukunft. ♦ Zur Erinnerung an die Heldentaten ihrer gefallenen Kameraden und als Wiedersehensfeier hat die „Kameradschaft Marineflieger in Berlin- Halensee" am 30. Juni ein Jubiläums treff en nach Kiel einberufen, an dem alle Angehörigen der ehemaligen Formationen der Marineflieger und Luftschlffer teilnehmen sollen. An der Feier, die sich um eine Gefallenenehrung am Helden- m a l in Laboe gruppiert, wird auch Generalleutnant Christiansen, der Führer des NS.- Fliegerkorps, teilnehmen. Er wird mit alten und jungen Kameraden den „Küstenflug" durchführen. Vor einem japanischen Angriff in Güdchina? Eine Warnung an die Ausländer. T o k i o , 21. Juni. (Europapreß.) Daß auch Südchina in die japanischen Kampfhandlungen einbezogen werden wird, geht aus einer Veröffentlichung des japanischen Außenministeriums hervor, in der die ausländischen Mächte auf die Gefahren aufmerksam gemacht werden, denen sich in der Folgezeit ausländische Staatsangehörige in Südchina aussetzten. Ausländer, die in Hankau, Kanton, Futschau, Swatau und Amoy leben, werden aufgefordert, besondere Vorsicht walten zu lassen, um ihr Leben und Eigentum nicht in Gefahr zu bringen. Unter Umständen sei eine Räumung des umschriebenen Gebiets zu empfehlen. Weiter werden die ausländischen Vertretungen gebeten, dafür zu sorgen, daß alle nicht- chinesischen Persönlichkeiten sich von militärischen Punkten fernhalten und ihr Eigentum mit Erkennungszeichen versehen. Auch müsse verhindert werden, daß die Chinesen ausländische Besitzungen zu militärischen Stellungen ausbauten. Japan sei nach wie vor darauf bedacht, fremdes Eigentum zu schützen und bitte daher um genaue Ortsangaben nichtchinesischer Besitzungen. Paris Heuert feine Neutralität im FernoMonslikt. Paris, 21. Juni. (DNB. Funkspr.) Der „Exel- sior" beschäftigt sich mit der französisch-japanischen I Fühlungnahme über eine Besetzung der Insel Hai- | nan durch japanische Truppen und meint, angesichts der heftigen Presseangriffe der japanischen Zeitungen gegen Frankreich, das verdächtigt werde, m i t Sowjetrußland ein geheimes Abkommen zur Versorgung Chinas mit Waf- f e n beschlossen zu haben, sei es auf jeden Fall unvorsichtig, wenn man sich die Gefahren verheimlichen wollte, denen Französisch-Jndochina ausgesetzt sei. Außenminister Bonnet habe dem japanischen Botschafter in Paris erklärt, daß die französische Regierung durch die spanische und mitteleuropäischen Fragen vollständig in Anspruch genommen sei und niemals auch nur daran gedacht habe, ein Abkommen zur Belieferung Chinas mit Waffen, ob geheim oder offen, mit Sowjetrußland oder China selbst abzuschließen. Gerüchte über Waffen- und Munitionstransporte sowie Entsendung von Militär nach China seien aus der Luft gegriffen. Frankreich habe trotz der „unklugen" Genfer Empfehlungen im chinesisch-japanischen Konflikt stets Neutralität bewahrt. Es habe auch in keiner Weise die Absicht, diese Haltung zu ändern. Außenminister Bonnet habe dem japanischen Botschafter in dieser Hinsicht ein förmliches Versprechen gegeben. Beträchtliche Mehrheit für de Valera. London, 21. Juni. (DNB. Funkspruch.) Das Ergebnis der Wahlen in Irland, das jetzt bis au: vier Sitze bekannt ist, zeigt eine beträchtliche Mehrheit für den Ministerpräsidenten de Valero. Bisher haben erhalten: de Valera 76 Sitze (im letzten Dail 69), Cosgrave 42 (48), die Labourpartei 9 (13), die Unabhängigen 7 (8). Aus diesem vorläufigen Ergebnis geht hervor, daß alle Oppositionsparteien gegenüber ihrer früheren Stärke Verluste erlitten haben. Die absolute Mehrheit de Daleras dürfte im Endergebnis voraussichtlich 16 Sitze ausmachen, womit das Ziel des Wahlkampfes für de Valera erreicht ist. Kunst und Wissenschaft. Säuberung des sudetendeutschen Theaters. Prag, 20. Juni. (DNB.) In der Generalversammlung der Deutschen Theaterbaugemeinde in Brünn wurde mit 410 gegen 10 Stimmen der Beschluß gefaßt, allen Mitgliedern der Gemeinde, die Juden sind oder demokratischen sowie marxistischen Parteien angehören, sowie den jüdischen Firmen die eingezahlten Beträge auf Verlangen zurückzuzahlen unter der Bedingung, daß sie aus dem Verein „Deutsche Theaterbaugemeinde" a u s t r e t e n. Die Zurückzahlung dürfte insgesamt 400 000 Tschechenkronen erfordern, so daß dem Verein ein Vermögen von über 3,5 Millionen Tschechenkronen verbleibt. Der Beschluß ist eine Anwort auf die jüdischen und marxistischen Drohungen mit dem Abzug der „demokratischen Gelder" und die Behauptung, ohne dieses Geld könne kein Theater gebaut werden. 12. Internationaler Verleger-Kongreß. Die 12. Tagung des Internationalen Verleger- kongresies wurde mit einer Festsitzung im Großen Saal des Leipziger Buchhändlerhauses eröffnet. Der Vorsteher des Börsenvereins der deutschen Buchhändler, Wilhelm Baur, verlas im Auftrage des erkrankten Präsidenten der Reichsschrifttumskammer, Staatsrat Hanns I o h st, dessen Ansprache. Darin heißt es, daß die Einheit von Schriftsteller und Verleger, die ständige Arbeitsgemeinschaft und die Kameradschaft sich nun schon jahrelang bewährt hätten. Der Legende, daß der Verleger ein krasser, egoistischer Kapitalist sei, sei Dr. Goebbels tatkräftig entgegengetreten. Aus persönlichstem Erleben habe er darauf hingewiesen, daß die beiden Kräfte wahl- verwandt zusammenhalt en müßten, solle die Kultur nicht Schaden leiden. In Wahrheit bestehe gar kein prinzipieller und genereller Gegensatz zwischen der schöpferischen Kraft, die ein Werk gestalte, und der schöpferischen Liebe, : die ein gestaltetes Werk der Oeffentlichkeit gegenüber vertrete. Der Nationalsozialismus wisse,' daß man zum Verleger ebenso sehr geboren fein muß wie zum Forscher, zum Entdecker, zum Dichter. Jeder Verlag, der diesen Ehrentitel zu Recht führe, weise ein ganz bestimmtes geistiges Profil auf. — Professor Dr. A. Belle man, der Generalsekretär des ständigen Büros in Genf, erstattete Bericht über seine Arbeiten. Dann folgte die erste Sitzung der Sektion Urheber- und Verlagsrecht, mit einem Referat des Verlegers L. Hachette (Paris), über die Veränderungen im Urheberrecht der verschiedenen Länder, während ein Referat von Dr. Jacques Rodolphe- Rousseau den gegenwärtigen Stand des Urheberrechtes behandelte. Festlicher „Lohengrin" als Abschluß der Reichstheaterwoche in Wien. Die Reichstheaterfe st woche fand in der Wiener Staatsoper mit Richard Wagners „L o - h e n g r i n" in der Aufführung der Berliner Staatsoper ihren Abschluß. Heinz T i e t j e n dirigierte. In der Festloge sah man Reichsminister Dr. Goebbels und Frau, den Reichsminister und Chef der Reichskanzlei Dr. Lammers und Reichsstatthalter Dr. Seyß-Jnquart mit Frau. Dr, Goebbels wurde von den Gästen eine Dank- ooation für den glanzvollen Verlauf der Theaterwoche dargebracht. Zum Schluß entlud sich die Be- aeifterung der Zuschauer in nicht endenwollenden Beifallsstürmen. Von dieser denkwürdigen Reichstheaterwoche, der ersten im Großdeutschen Reiche, werden mächtige Impulse für das deutsche Theater ausstrahlen. „Deutsche kullurforschende Gesellschaft". Aus Anlaß des 65. Geburtstages von Geheimrat Prof. Jßeo Frobenius am 29. Juni d. I. wird in Frankfurt a. M. die „Deutsche kultur- forschende Gesellschaft" gegründet. Damit erhält die von Frobenius begründete kulturforschende Arbeit, die von Frankfurt ausgegangen ist, eine äußere Form und Zusammenfassung. Das Festprogramm sieht die Eröffnung der Ausstellung vor, in der die Ergebnisse der letzten Frobenius-Expedition nach Niederländisch-Jndien, nach den Molukken und Ceram zum erstenmal gezeigt werden. Bei der Eröffnungsfeier werden Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs und der bekannte Forscher Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg das Wort ergreifen. Prof. Dr. Oswald Menghin (Wien) wird den Festoortrag halten. Auch Wilhelm Filch - ner wird unter den Festgästen feinyunb das Wort ergreifen. In der Gründungssitzunq wird Geheimrat Frobenius Aufgaben und Ziele der „Deutschen kulturforschenden Gesellschaft" erläutern. Aus aller Well. Der Kölner Doppelmordprozeß. Im Doppelmordprozeß Schönewald in Köln wurde die Beweisaufnahme fortgesetzt. Der medizinische Sachverständige Medizinalrat Dr. Kapp stellte an den Angeklagten noch einige Fragen. So soll die Angeklagte, Ehefrau Schönewald, behauptet haben, sie würde ihn am liebsten erschießen, wenn er versuche, fortzulaufen. Diese Aeußerung will Otto Schönewald nach der Erschießung der Korte im Mordzimmer von seiner Frau gehört haben. Diese behauptet aber, daß eine solche Aeußerung ihrerseits ganz unmöglich sei. I Von Bedeutung ist die Aussage einer Zeugin, die mit dem Angeklagten hin und wieder zau5ging. Sie ließ aber bald von ihm ab und traf ihn nicht mehr. Darauf erhielt ihre Mutter einen anonymen Brie f, in dem sie auf das „schamlose Treiben" ihrer Tochter mit einem verheirateten Mann aufmerksam gemacht wurde. Schönewald bestreitet, den Brief geschrieben zu haben. Die Zeugin hatte aber sofort die Typen der Schreibmaschine wieder erkannt, mit denen auch feine kurzen schriftstellerischen Arbeiten geschrieben waren. Der Entwurf zu dem Brief war bei Frau Schönewald gefunden worden, die sich auch als Briefschreiberin bekannte und als Motto Eifersucht angibt. Ein anderer Briefentwurf war bei dieser Gelegenheit ebenfalls gefunden worden. Frau Schönewald mußte zugeben, daß sie damals beabsichtigt hatte, diesen Brief an sich s e l b st anonym zu schreiben, um damit ihren Mann von dem Verhältnis zu dem Mädchen abzubringen. Im weiteren Verlauf kommt ein Brief mr Sprache, den eine Ehefrau erhielt, mit der öer Angeklagte in Beziehungen stand. In diesem Brief war die Rede davon, daß der Angeklagte Material habe, für das sich ihr Ehemann interessiere. Dieser Brief stellte nach Ansicht des Gerichts eine ver - juchte Erpressung dar, Der Angeklagte behauptete, von dem Brief nichts zu wissen. Darauf erhob sich der Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Achter, und fragte zur nicht geringen Ueberraschung aller im Gerichtssaal Anwesenden: „Bleibt der Angeklagte auch bei feiner Behauptung, wenn ich ihm den von feiner Hand geschriebenen Original-Entwurf des anonymen Briefes vorlege?" Der Angeklagte mußte dann zugeben, daß das Schriftstück von ihm stammt. Die Ehefrau Schönewald sagt zu djesem Fall aus, daß sie den Brief auf Anweisung ihres Mannes geschrieben habe, der dadurch einen Beweis ihrer Liebe von ihr verlangte. Sie habe damals den Eindruck gehabt, daß dieser Brief das Einleitungsmanöoer zu einer folgenden Erpressung fein sollte. Das Urteil wird vermutlich erst am Mittwoch ober Donnerstag dieser Woche gesprochen werden. 60 Todesopfer beim Eisenbahnunglück in Montana. Nach den letzten Meldungen muß bei der Eisenbahnkatastrophe beim Custer-Fluß im Staate Montana (USA.), wo der Luxuszug Seattle—Chikago in den Fluß stürzte, mit einer Gesamtzahl von etwa sechzig Toten und siebzig Verletzten gerechnet werden Bis jetzt sind 52 Leichen geborgen worden. Die Rettungs- und Aufräumungsarbeiten werden durch das feit zwei Tagen in dem Gebiet herrschende Unwetter sehr erschwert. Die Unglücksstelle ist schwer zugänglich, da alle Straßen durch die Ueber- schwemmungen unpassierbar geworden sind. Daher kann die Unglücksstelle nur auf den Gleisen des Bahndammes erreicht werden. Die Lokomotive und die beiden ersten der in den Fluß gestürzten sieben Waggons stehen bereits unter Wasser: auch die übrigen Wagen drohen von den Fluten überschwemmt zu werden, ehe die Bergung der Verwundeten und Toten möglich jein wird. Einer der Reisenden, der fich in dem Raucherwagen befand, hat nicht weniger als fünf- zehn Verletzte durch die Fenster des Wagens gerettet. — Der Lokomotivführer, der sich unter den Toten befindet, hatte schwere Brandwunden erlitten. Diele der geborgenen Leichen sind so verstümmelt, daß sie kaum identifiziert werden können Sieben Leichen dürsten von den Fluten weggespült worden sein. Die verantwortlichen Dienststellen der Eisenbahngesellschaft erklären, das Hochwasser sei so plötzlich eingetreten, daß keine Möglichkeit bestanden habe, die Gefahr rechtzeitig zu erkennen. NeuerSireckenrekord für Hubschrauber Der von Professor F o ck e geschaffene Hubschrauber, der im Sommer vorigen Jahres sämtliche internationalen Rekorde dieser Klasse in deutschen Besitz brachte, stellte mit 230 Kilometer einen neuen internationalen Strecken- rekord auf. Sonntag nachmittag landete der Hubschrauber, der unter der Führung des Chefpiloten von Focke, Achgelis & Co., Dipl.-Ingenieur Bode, in der Nähe von Bremen gestartet war, auf dem Sportflughafen Rangsdorf bei Berlin. Er hat damit den bisherigen auf 18 Kilometer stehenden Rekord weit Überboten. Bei dieser mit 160 PS* Bramo-Motoren ausgerüsteten Maschine handelt es sich um den gleichen Hubschrauber, mit dem im Herbst vorigen Jahres Flugkapitän Hanna R e i t s ch mit 108 Kilometer den internationalen Frauenrekord für Hubschrauber aufstellte. Die beiden Rekordflüge sind die ersten großen lieber* landflüge eines Hubschraubers. Die im Ausland erzielte Streckenhöchstleistung beträgt 1078 Meter. Bei den Brandenburgischen Motorenwerken entstanden Motor und Hubschraubergetriebe. Deutscher Forschungsgeist hat in diesem Flugzeug, das nicht nur senkrecht starten, senkrecht landen und in der Luft stillstehen kann, sondern auch imstande ist, große Strecken wie jedes andere Flugzeug zurückzulegen, der Luftfahrt wichtiges Neuland erschlossen. Der Lütticher Gistmordprozeß. Die Zeugenvernehmung im Lütticher Gift- mordprozeß fand ihren Abschluß. Nachdem der verwitwete Gatte eines der mutmaßlichen Opfer der Marie Becker, der Beamte der belgischen Kriminalpolizei Castadot, ein angeblicher Liebhaber der Becker, vernommen worden war, nahm das Gericht u. a. auch die Aussagen der Mutter der Frau Castadot und des Friseurs der Angeklagten entgegen. Im Gegensatz zu den Aussagen des Kriminalbeamten,' die eher zugunsten der Angeklagten lauteten, waren die Angaben der Mutter des Opfers für die Becker sehr belastend. Die Zeu- ain berichtete u.a., daß ihre Tochter erst erkrankt sei, nachdem sie von dem „bitteren" Tee der Becker getrunken habe. Aus den Aussagen des Friseurs geht hervor, daß die Angeklagte zu einer Zeit, da sie über fast keine Mittel verfügte, verhältnismäßig viel Geld für Schönheitspflege ausgegeben hat. Heute schon kann man vorwegnehmen, daß der Giftmordprozeß von Lüttich Gericht und Geschworene vor eine äußerst schwierige Ausgabe stellt, es sei denn, es würde im Verlaufe der weiteren Verhandlungen der einwandfreie Nachweis für die Schuld der Becker erbracht. Ein offenes Geständnis der Angeklagten wird wohl kaum zu erwarten sein. 3nfernationa(er Straßenkongretz in Scheveningen. In Scheveningen wurde der VIII. Internationale Straßenkongreß, an dem über 40 Nationen teilnehmen, in Gegenwart des Prinzen Bernhard der Niederlande eröffnet. Nach Begrüßungsansprachen des niederländischen Vcr- kehrsministers van Buuren,des Kongreßvorsitzenden Diplom-Ingenieur G e li n ck und des Präsidenten des Jnternattonalen Verbandes der Straßenkongresse, Senator M a h i e u , überbrachte der Führer der deutschen Delegation, Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen Dr. Todt, die 'Grüße der Reichsregierung und des deutschen Volkes. Straßen feien die besten Diplomaten. Diese Ueberlegung habe die Regierung Adolf Hitler veranlaßt, ein großzügiges Straßenbauprogramm zu verwirklichen. Wenn Holland in Zusammenarbeit mit Deutschland die Straßenverbindungen bis zur Grenze nach modernen Gtundsätzen ausbauen wolle und roenrv in wenigen Jahren eine Kraftfahrt- straßenoerbindung vom Haag bis nach Berlin be« stehen werde, werde dies ein großer Beitrag zur Zusammenarbeit der Völker sein. Reichskonferenz für gärungslose Früchteverwertung. Für die 10. Reichs konferenz für gä- r u ng s I o f e Früchteverwertung wurde als Tagungsort Frankfurt a. M. gewählt. Mehr als 1500 Vertreter, darunter 60 Gäste aus neun anderen Staaten, hatten sich eingefunden. Eine Werbeschau gab über die Herstellung der über 1000 Sorten „flüssiges Obst" Aufschluß. In Vorträgen wurden die Bedeutung de4 Obstes in der deutschen Ernährungswirtschaft, die Beziehungen zwischen Weinbau und Süßmostherstellung, neue Süßmostarbeiten des Frauenwerks und die Aufgabe, dis flüssiges Obst in der Gesundheitsführung hat, behandelt Professor Dr. Ebert schilderte die Stellung des Obstes in der Ernährungswirtschaft. Dank großzügiger Neuanpflanzungen dürften wir etwa ab 1944 auf 2%-- bis 3mal größere Obsternten als bisher rechnen. Zur Senkung derOb st preise namentlich für Kinderreiche und Kleinoerdiener fei die Verkleinerung des aufgeblähten Verteilerapparates nötig, lieber Weinbau und Traubensüßmost sprach der Vorsitzende der Hauptvereinigung der deutschen Weinbauwirtschaft, SA.-Brigadeführer Diehl. SA.-Führer auf einer Dienstfahrt verunglückt. Auf einer Dienstfahrt verunglückte auf der Autohahn Magdeburg—Berlin zwischen Burg und Brandenburg ein Mannschaftslastkraftwagen, auf dem fich das z. V. - Führerkorps der Standarte I „Hans Eberhard Maikowsky" befand. Das Unglück geschah dadurch, daß der Wagen während eines Unwetters auf einen parkenden Lastzug auffuhr. Zwei SA.-Führer, Sturmhauptführer Specht und Obertruppführer Zander, kamen ums Leben. Die Sturmhauptführer Zolper und Pahnke erlitten schwere Verletzungen. Dem Oberturmführer Dräger wurde der linke Unterarm abgequetscht. Einige weitere Insassen kamen mit leichten Verletzungen davon. Auf der Urlaubsfahrt tödlich verunglückt. Bei Mingelsheirn unweit von Heidelberg raste ein von zwei jungen Leuten besetztes Motorrad infolge übermäßiger Geschwindigkeit aus der Kurve über die Straßenböschung. Der Fahrer Hans Lack- ner aus Mingelsheirn war sofort t ot, fein Mit« ahrer starb kurze Zeit nach dem Unfall. Die beiden jungen Leute befanden sich auf einer Urlaubsfahrt. Motorradfahrer tot aufgefunden. Am Ortseingang von Heuchelheim bei Frankenthal wurde der verheiratete 43 Jahre alte Eugen Itr-E Asl>ß' r Am 20. Juni ist unsere liebe, gute Mutter und Großmutter Die trauernden Hinterbliebenen: Gießen (Frankfurter Straße 75 I), den 20. Juni 1938. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 23. Juni, nachm. 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. 1244D Gießen, Ronsberg und Günzach, den 21. Juni 1938. I248D im 60. Lebensjahre. Gießen, den 20. Juni 1938. 32880 1 l d, r ü, , li a d riR • ■' n 2 fr 3«, n g r r 2 n n d.c r< c T te einer gewissen Vorliebe mit Eheschwierigkeiten anderer beschäftigen", schreibt Dr. Johannes Neumann in seinem kürzlich im Verlag des „Hippo- krates", Stuttgart, erschienenen Werk „Leben ohne Angst". „Das hat einen ihnen meist nicht bewußten Zweck: sich selbst zurückzuschrecken. Sie warnen sich: s o ist die Ehe. Laß es. Dabei tun sie oft noch so, als wollten sie gerne heiraten, ja sie suchen nach einem Ehepartner, finden nur den richtigen nicht. Mit Erfolg finden sie ihn nicht. Denn ihnen könnte nichts Gefährlicheres passieren, als daß sie ihn fänden. Aus lauter Mutlosigkeit laufen sie nach hinten davon." die Heirat mit diesem Mädchen sprechen, aber wenn man ihm sagt: „So heiraten Sie sie doch!" erzählt er, daß da noch ein anderes Mädchen sei. Nun singt er dessen Lob. Die, Verlobung will er auf keinen Fall aufgeben, aber auch von der anderen kann er sich nicht trennen. Er fährt mit seinen Ueberlegungen Karussell — um nicht Mm Ziele zu kommen. — Dieser Mann entstammte einer unglücklichen Elternehe, die ihn in der Kindheit so entmutigte, daß er sich nicht eine bessere Lösung des Eheproblems zutraute. Er brauchte den „unlösbaren" Konflikt, um ja nicht in die Gefahr der Ehe zu kommen. Dem Psychologen gelang es, diese Zwangsvorstellung bewußt zu machen, sie zu lösen, das vom Elternhaus stammende Mißtrauen gegen die Ehe zu beseitiaen: der junge Mann hat seine Braut bald darauf geheiratet. „Leben ohne Ang st" nennt Dr. Johannes Neumann in Gießen ein Werk über psychologische Seelenheilkunde, das im Hippokrat.es-Derlag, Stuttgart, erschienen ist. Es soll weniger ein Lehrbuch sein, das den Arzt über die Ursachen nervöser Störungen unterrichtet, als den Leser über das Zustandekommen seelischer Leiden aufklären und ihm den Blick schärfen für seine eigene psychische Lage und die Motive seines Verhaltens. . „Eine schlechte Ehe macht mehr Lärm als hundert gute zusammen", hat Tolstoi einmal gesagt. Das ist ganz verständlich, denn unter den zahllosen Eindrücken, die täglich auf jeden einzelnen Menschen eindringen, werden nur die besonders bemerkt und gemerkt, die — nach oben oder nach unten — aus der Norm herausragen. „Es sind aber vor allem alte Junggesellen und ältere Mädchen, die sich mit „Die Angst vor der Liebe" überschreibt Neumann einen Abschnitt seines Buches. Da kommt in die Sprechstunde ein junger Mann, der seit vielen Jahren mit einem Mädchen verlobt ist. Hundert Gesichtspunkte und Gründe führt er an, die für Aus Jugenderlebnisfen, namentlich aus dem Elternhaus, stammt nach Neumanns Erfahrungen zumeist die Angst, die der Psychologe als die Ursache der seelischen Störungen, ja oft selbst körperlicher Krankheitserscheinungen kennenlernt. Da ist ein Student, der während der Examensvorbereitung an jedem Freitag so schwere Kopfschmerzen bekommt, daß er nicht arbeiten kann. Das Rätsel dieses an den Tag gebundenen, durch keinerlei organische Mängel verursachten Leidens löst seine Mutter, als sie sich erinnert, daß sie vor zwanzig Jahren jeweils Freitags ausging und den Jungen allein zu Haus lassen mußte: er ängstigte sich und bekam immer Erbrechen, bevor sie fortging. Nun wählte die unbewußte Examensangst die gleiche Flucht in die Krankheit, wie einst die Angst vor dem Alleinsein, und als Kindheitserinnerung stellte sich die Krankheit wieder an. jedem Freitag ein. Die Angst vor einem gewalttätigen Vater, die sich im weiteren Leben auf Lehrer, Professoren, Vorgesetzte überträgt, die Angst des umhätschelten Einkindes, das früher mit nichts selbst fertig zu werden- brauchte und später sich keiner Aufgabe selbständig gewachsen fühlte, die Angst gebiert die merkwürdigsten seelischen Krankheiten, Hemmungen oder auch Angriffe. Es gibt auch den Angriff aus Angst, das „Davonlaufen nach vorn"! Ein Gelehrter war mit einem änderest vollkommen gleicher Meinung. Aber er fürchtete ihn unbewußt, er fürchtete, der andere könne ihm den Rang ablaufen, ihn verdrängen. So arbeitete er und forschte unermüdlich, um zu anderen Ergebnissen zu kommen, um das Entgegengesetzte von der Meinung des „Konkurrenten^ vortragen zu können. Ao Ser gest festes bra großen 2B1 etwa 8000 war die c einer dichte verfolgte d famteit. D' Ick gunsti !ßeran|tani sestsreudig. minutiös i den Züsch schon die begeisterte Jnsanteri, -kombinier und Kre sensatiom mann b schicklich! Die Ges Reiterkäi und schlii — bas l großen unserer 1 dort zu machte m Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 22. Juni, nachmittags 14 Uhr von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt; das feierliche Seelenamt Mittwoch morgen 7 Uhr in der Pfarrkirche. Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen, Deshalb ist .Sicherheit bas Stichwort der großen Politik von heute." — „Wo es der Sorge nicht gelungen ist, Sicherheit für die Existenz zu gewinnen, steht die Angst als Späher gegenüber dem Unbekannten auf." Jeder Mensch gerät an solche Stellen dek Gefahr für seine Existenz, jeder hat daher das Abenteuer des Knaben zu bestehen, der nach einem Grimmschen Märchen auszog, das Gruseln zu lernen. Wer nie diese „Lebenssorge" und „Todesangst" zu bestehen hat, wird zum „Philister", der tut, was alle machen, und nur dafür sorgt, daß er in keine Lebenserschütterung kommt. Um aber mit der natürlichen Sorge und ihrer natürlichen Steigerung der Angst fertig zu werden, muß sich der Mensch in die Gemeinschaft einbauen. Nur wo die Gemeinschaft gestört ist, fei es die Familiengemeinschaft, die das Kind umhegen soll, ober die Klassengemeinschaft in der Schule oder die Berufskameradschaft, die Ehe usw., da wächst die Angst sich zu einem im Innern wuchernden Leiden aus, das oft nach Jahren die rätselhaftestes nervösen' Erscheinungen erzeugt.' Aber im bewußten Einbau des eigenen Ich in die Gemeinschaft vergeht die Angst — oder entsteht gar nicht erst —, die Angst, die Ursache eigentlich aller seelischen Leiden. Denn nur die Gemeinschaft kann dem Menschen das Bewußtsein seiner Existenz-Sicherheit geben. Dr. J. Sch. h> bi ! a- P ■ bl 2« D in 9» S I dc Surre aus Frankenthal tot im Graben aufgefunden. Sein Motorrad lag daneben im Bachbett. Burre hatte oberhalb des linken Auges eine erhebliche Verletzung, die einen Schädelbruch erkennen ließ. Nach den von der Gendarmerie getroffenen Feststellungen ist Burre gegen ein Brückengeländer gefahren und, nachdem er mit dem Kopf auf die Einfassung aufgeschlagen wat, in den Graben geschleudert worden. Zuchthaus für einen Betrüger und Schädling. Der 31 Jahre alte Karl Ernst Graf von Strach - w i tz wurde von der Vierten Großen Strafkammer des Landgerichtes Berlin zu fünf Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und 20 000 RM. Geldstrafe verurteilt. Das Urteil wurde gefällt wegen fortgesetzter ungenehmigter Verfügung über ausländische Zahlungsmittel teilweise in Tateinheit, mit Amtsunterschlagung, Untreue und Betruges. Der Verurteilte hat sich im Auslande hohe Beträge widerrechtlich angeeignet und ferner an Ausländer ungedeckte Schecks ausgegeben. Zehn Monate Untersuchungshaft wurden auf die erkannte Strafe angerechnet. Zwei Tote bei einem Flugzeugunglück in Frankreich. In der Nähe des Flugplatzes Touffus-le-Noble bei Versailles stürzte ein Privgtflugzeug infolge einer Motorstörung ab. Der Flugzeugführer und seine Begleiterin wurden so schwer verletzt, daß sie noch auf dem Transport ins Krankenhaus ft a r b e n. Acht Tote bei einem Bootsunglück im Bosporus. Bei Istanbul sank im Bosporus eih Fischerboot mit 20 Ausflüglern. Das Boot lief voll Wasser, da es undicht geworden war. Acht Personen, darunter drei Frauen, ertranken, während die übrigen gerettet werden konnten. Schafherden von Bären angefallen. In dem Pyrenäentale unweit des Dorfes Arette wurden in der letzten Zeit weidende Schafherden wiederholt von einem Bären angefallen. Es handelt ♦ „Eine alte Dame", berichtet Neumann, „sagte beim Rückblick auf ihr Leben: ,es war nur Sorge, noch nicht Angstt. Sie hatte sehr tief gesehen, daß die Steigerung der Sorge zur Angst führt. Die ganze Kultur des Menschen ist darauf gerichtet, fein Dasein und Sein-Können auf dieser Erde zu sichern und zu gewährleisten. Der Primitive lebt noch in unmittelbgrem Verbundenfein mit der Natur. Ihm ist die Wett noch unheimlich, deshalb sollen Zauber und Magie sein Sein-Können sichern. Wissenschaft und Technik sind nicht minder Organe der Sorge, wie Ahnung, Aberglaube, sozialer Zusammenschluß, Organisation, Recht, Politik. Die Sorge soll die Sicherheit für die Existenz schaffen. 1 c--' Lolche fc* sich offenbar um eine Bärin mit Jungen, die in nächster Nähe des Dorfes neuerdings wieder fünf Lämmer zerrissen hat. Urteil im Prozeß gegen Dr. Creuh bestätigt. Das Reichsgericht hat die von dem Angeklagten Dr. Otto Creutz gegen das Urteil des Landgerichts Koblenz eingelegte Revision als unbegründet verworfen. Damit ist der Beschwerdeführer wegen Untreue zu einem Jahr drei Monaten G e - fängnis rechtskräftig verurteilt. Der Angeklagte war früher Landrat des Kreises Adenau und hat sich tatkräftig für den Bau des Nürburgringes eingesetzt, dessen Kosten sich allerdings statt der veranschlagten zwei Millionen Mark auf insgesamt 13 Millionen Mark stellten. Darauf wurde ein Sa- nierungsplan aufgestellt und die Nürburgring - G. m. b. H. gegründet, welcher der damalige Landrat in leitender Stellung angehorte. Die Verfehlungen des Angeklagten wurden darin erblickt, daß er zu hohe persönliche Aufwendungen aus den Baugelder für Repräsentation, Propaganda und Reisezwecke gemacht hat. Diese übersteigerten Aufwendungen waren überdies äußerst mangelhaft abgerechnet und verbucht worden. Kleine politische Nachrichten. Reichsminister Frank ist mit einer Abordnung von 20 Teilnehmern in Rom eingetroffen, um an der ersten Zusammenkunft des Ausschusses für die juristischen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien teilzunehmen. Die Abordnung wurde von Justizminister Solmi und dem deutschen Botschafter v. Mackensen empfangen. * Die vor einigen Wochen in Berlin begonnenen deutsch - englischen Wirtschaftsverhandlungen, die über Pfinasten eine kurze Unterbrechung erfahren hatten, werden nunmehr in London fortgesetzt. Vom „Leben ohne Angst". lieber nervöse Störungen und seelische Krankheitserscheinungen Nur die Gemeinschaft gibt Lebenssicherheit. Die Bor sj da IM Mu oll, will f hörenden Wdnsche' stellt, d Per „D "g' un K Repi A°lk und Kandis SrQd)e i Kn 3i0 Mast S in Ai äi dil je! Z« • rn. to: »' fei de sei an Li/'., . tei mt Fr all ' fas Qn . ad da far Eu roi eui lick fpc bei ' hoi Zu au . ers 9*3' gel sich 1 Fr stel Uw obe dlll sch< net i ' abl 9 Po ßü< tsch ver Tei Bv. .. gen ■ dre Kri Inf • lin bäd We dun Kri von End' mai We entt tior. r*. & K. Llldh Weiterbericht Der Aufbau eines neuen festländischen Hochdruckgebiets hat allgemein in Süd- und Westdeutschland sehr rasch wieder heiteres Wetter hervorgerufen. Eine von dem europäischen Festland herkommende Westströmung hat in den nordwestdeutschen Gebieten sich bis zum Boden hiy bemerkbar gemacht und läßt ungestörtes Schönwetter für längere Zeit nicht erwarten. Es ist jedoch keine durchgreifende Verschlechterung zu befürchten. Vorhersage für Mittwoch: Leicht heiter und tagsüber warm. Späterhin Bewölkungszunahme und Neigung zu gewittrigen Störungen, Winde aus Süd bis West. Vorhersage für Donnerstag: Mel- fach heiter, doch leicht unbeständig. Lufttemperaturen am 20. Juni: mittags 24 Grad Celsius, abends 17 Grad: am 21. Juni: morgens 12P Grad. Maximum 24 Grad, Minimum 6,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. Juni: abends 22,1 Grad: am 21. Juni: morgens 16,6 Grad. — Sonnenfcheindauer 9,8 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschristleiters: Ernst Blum schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder Dr. Fr W. Lange: für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen ieiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der' Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 38: 9163. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K -G.. sämtlich in Gießen. Monatsbezugs-, preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr,' mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. L)olik dr »V. nie H w bcd Dienles^ 3in 6e on rf geile «lt!l jrfteilt h° 8 Wenn dl Regimenter Sieben ),e r-°°« reicht«^ ® Minen Y< Donk ge> 6taM ü"d der Dem M MAU' Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 23. Juni, 143A Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt sanft im Herrn entschlafen. Wer sie in ihrer selbstlosen, hingehenden Liebe gekannt, wird unseren Schmerz um ihren Verlust ermessen. Heute früh 51/4 Uhr entschlief mein lieber, herzensguter Mann, mein lieber Bruder, Schwager, Onkel und Neffe Marie Schmidt, geb. Nicolaus Else Nicolaus, geb. Nicolaus Dr. Heinrich Nicolaus Architekt Ernst Schmidt Dr. Willy Nicolaus Anni Nicolaus, geb. Jung Sechs Enkelkinder Frau Rosa Müller, geb. Velten Dr. Lang und Frau Lina, geb. Müller. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Oskar Mahnkopp. Frau Sophie Nicolaus geb. Bez Carl Müller im 63. Lebensjahre. Nach Gottes Ratschluß verschied am Sonntag, 18 Uhr. plötzlich und vollkommen unerwartet meine herzensgute Mptter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Else Mahnkopp Wwe geb. Rüter Unsere geliebte treue Schwester ist am 20. Juni nach schwerem Leiden in Frieden heimgegangen. Gießen, den 21 Juni 1938. Auf Wunsch der Verstorbenen findet die Beisetzung in aller Stille statt 4246 D Eine Offenbarung für jeden Tierfreund/ In tiefer Trauer: Anna und Katharina Singer. Tiere mit Gekiihi und verstand Eine allgememoeruänonclie Darstellung 5er ,>onchunasemebn ne üb. üasSee.en- leben der Tiere.mil mählichen Ber'uchsanieitnnaen oonDr.WernerFiicliel. Leiter der Forscknmnsilelle für Tierieelenlunde am Westfälnchen 8oo ophchen Garten Ui Munner - 140 Seiten mu WO Abbildungen, in Leinen gebunden3.60 «ede, (^irftener Buchband una erhältlich. Hrrso Nevmühlev Verlag ♦ SevNn-Llchtevfelde Dienstag, 21. )um 1938 Rr. 142 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Ausklang des 116 er Otegimentefefleö. Großer Betrieb auch am Gchlußtage.—Straßenbahn und Feldküchen hatten Massenbesuch. Dank des Infanterie-Neaiments 116 an die Bevölkerung von Gießen! Im Namen des Regiments danke ich all denen, die das Regiment in der Vorbereitung und Durchführung der Feierlichkeiten anläßlich der Wiederkehr des 125jährigen Gründungstages des Regimentes unterstützt haben. Im besonderen gilt mein Dank der Kameradschaft ehem. 116er Gießen und deren Führer, Herrn Bill, sowie all denen, die in entgegenkommender Weise alten 116ern Freiquartiere zur Verfügung gestellt haben. Wenn die ehem. 116er und die Angehörigen der Regimenter -der Kriegsaufstellungen sich hier in Gießen wohlgefühlt haben, so auch deshalb, weil die Bevölkerung an ihrem Empfang und durch reichliche Beflaggung der Häuser regsten Anteil genommen haben. Dank gebührt aber auch vor allen Dingen der Stadt ynb dem Herrn Oberbürgermeister Ritter, der dem Regiment in hervorragender Weise bei der Durchführung der Feierlichkeiten geholfen hat. H e r r l e i n. Noch einmal Wehrsportfest. Der gestrige Montag als Abschluß des 116er- Festes brachte nachmittags die Wiederholung der großen Wehrsportoeranstaltung, die noch einmal etwa 8000 Zuschauer in ihren Bann zog. Wieder war die große Kampfbahn auf dem Trieb von einer dichten Menschenmauer umlagert. Jedermann verfolgte die Vorführungen mit größter Aufmerksamkeit. Das Wetter war der großen Sache wieder sehr günstig; die Sonne schien während der ganzen Veranstaltung und machte alles doppelt bunt und festfreudig. Das umfangreiche Programm rollte so minutiös ab, wie am Tage vorher, und nichts wurde den Zuschauern vorenthalten, was am Vortage schon die Zwanzigtausend gesehen hatten. Wieder begeisterten die Boxschule, die Auffahrten der Jnfanterie-Geschützzüge, der MG.-Schützen und die -kombinierten Wettbewerbe der Reiter, Radfahrer und Kraftfahrer. Wieder gab man sich ganz dem sensationellen Reiz der Tieffliegerangriffe hin. Jedermann bewunderte die Exaktheit, die Kraft, Geschicklichkeit und die Einsatzfreudiakeit der Soldaten. Die Geschicklichkeitsfahrten der Kraftradfahrer, die Reiterkämpfe, das Kampfballspiel, die Körperschule und schließlich das große abschließende Schaugefecht — das alles vereinigte sich noch einmal zu einer großen Gesamtschau der vielfältigen Leistungen unserer 116er. Hoch befriedigt von allem, was es dort zu sehen und auch zu hören gegeben hatte, machte man sich abends auf den Heimweg. A. Die sensationellen Turnübungen am Reck während der Fahrt auf dem Kraftrad. (Aufnahmen [3J: Neuner, Gießener Anzeiger.) „Wallensteins Lager" wieder stark besucht. Der Montagabend brachte als letzte Darbietung des Regiments noch einmal die Aufführung von „Wallensteins Lager". Wiederum hatte sich eine große Menschenmenge in dem weiten Zuschauer- raume auf dem Trieb eingefunden, die mit Spannung der interessanten Aufführung folgte. Der schöne Sommerabend begünstigte diesen letzten Teil der Darbietungen des Regiments ebenso wie die Tagesstunden am Montag und am Sonntag den Ablauf der Dinge durch gutes Wetter förderlich gewesen waren. Die Aufführung fand wiederum den dankbaren Beifall der Besucher. 16 Tageskassen in Betrieb. Am Sonntag waren von 10 Uhr bis 22 Uhr, also 12 Stunden lang, 16 Tageskassen aus dem Trieb bei der Volkshalle ständig in Arbeit, um dem Massenandrang der Besucher, der zum Teil stoßweise in großen Mengen kam, gerecht zu werden Das Personal dieser Kassen, bestehend aus den Rechnungsführern des Stabszahlmeisters des Regiments und den vom Regiment zugeteilten Hilfskräften, hatte während dieser Dienststunden ununterbrochen angestrengte Arbeit zu leisten, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Oie Feldküchen wurden ihren gesamten Vorrat an Erbsen mit Speck, der sich auf etliche tausend Portionen Essen belief, in kurzer Zeit glatt los, so daß schließlich noch die feststehenden Küchen in den Kasernen zur Essenlieferung mit herangezogen werden mußten und ebenfalls bald ihren Vorrat ausgegeben hatten. Oer Sanitätsdienst klappte vortrefflich Bei dem Mafsenhetrieb am Samstagabend, sowie am Sonntag und Montag stellte die Sanitätsbereitschaft Gießen (früher Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz) wiederum in vorbildlicher Weise den Sanitätsdienst. Die Sanitätsmänner und die Helferinnen hatten namentlich am Sonntag reichlich zu tun, glücklicherweise handelte es sich durchweg aber nur um leichtere Fälle, meist Ohnmächten usw. In der Liebigshöhe hatte die Sanitätsbereitschaft eine Station mit zahlreichen Betten eingerichtet, in der ständig reger Betrieb herrschte. Auch der Wagenpark der Sanitätsbereitschaft hatte allerlei Arbeit zu leisten Insgesamt wurde die Sanitätsbereitschaft in etwa 60 Fällen in Anspruch genommen. Den Sanitätsmännern und den Helferinnen gebührt für ihre eifrige und selbstlose Arbeit im Dienste der hilfsbedürftigen Menschen alle Anerkennung. Hiesiger Betrieb auf der Straßenbahn. Von Samstagabend bis tief in die Nacht zum Sonntag hinein, ferner ganz besonders am Sonntag bis' spät nachts und schließlich in geringerem Ausmaße am gestrigen Montagnachmittag und -abend hafte auch die Straßenbahn gewaltige Aufgaben im Dienste des Verkehrs zu erfüllen. Dabei war besonderer Einsatz aller Straßenbahner und des Materials in der Zeit des sog. Stoßverkehrs mit riesigem Massenandrang zu leisten. Erstmalig war bei einer Großveranstaltung die Einrichtung getroffen worden, daß die Inhaber von Plaketten und Dauerfahrkarten der Straßenbahn zum Gesamtfahrpreis von 50 Pf. die Straßenbahn beliebig benutzen konnten. Diese Einrichtung scheint sich nach unseren Beobachtungen bewährt zu haben, denn sie trug wohl nicht zuletzt mit dazu bei, daß der Verkehr stets sehr flüssig war. Natürlich haben auch alle Männer unserer Straßenbahn in gewohnter Weise alle ihre Kraft bis zum Aeußersten in den Dienst der großen Derkehrsaufgabe gestellt und dadurch in hohem Maße beigetragen zu der hervorragenden Gesamtleistung unseres Straßenbahnbetriebs; allen Männern unserer Straßenbahn gebührt denn auch für ihren vorbildlichen Arbeitseinsatz vollste Anerkennung. Insgesamt dürften nach einer vorläufigen Schätzung am Samstag am Sonntag und am gestrigen Montag insgesamt rund 40 000 Personen die Straßenbahn benutzt haben. Aus der Stadl Gießen. Sommersonnenwende. Die Sonnwendfeiern haben im Laufe der Jahrhunderte manche Wandlung erfahren. Aber im Herzen des Volkes blieben sie lebendig, wenn auch durch die Einführung des Christentums die alten, den Göttern geweihten, Bäume gefällt und die Opfersteine gestürzt wurden. Die Sonnwendfeuer, die zu Ehren des Lichtgottes Baldur abgebrannt wurden, galten nun Johannes dem Täufer. Sie wurden zu Johannisfeuern. In der Vergangenheit nahmen alle Stände des deutschen Volkes daran teil. Heute sammeln wir uns wieder um den brennenden Holzstoß Wir fühlen uns verbunden mit den Geschicken unseres Volkes und unseres Vaterlandes. Es sind Stunden der Erhebung, der inneren Einkehr. Wir fühlen die Verpflichtung, die wir der Vergangenheit gegenüber haben Der brennende Holzstoß, die zum Himmel schlagenden Flammen, Rauch und knisternde Funken, die hell beleuchteten Gesichter der Teilnehmer, schweigend in sommerlicher Ruhe der dunkle Wald, und über dem ganzen Bild in wunderbarer Schönheit der strahlende Sternenhimmel! In solchen Augenblicken werden unsere Gedanken emporgehoben, gleich der Flamme schlägt die Begeisterung in uns hoch, heilige Erinnerung an vergangene Tage durchzieht unser Herz: So standen auch einst unsere Vorfahren um den lodernden Feuerbrand. Für sie war der Tag der Sonnenwende eine heilige Zeit. Uns treibt heute kein Götterdienst und auch kein Aberglaube zum Abbrennen des Holzstoßes. Wir wollen die Sonnenwende feiern zum Zeichen der engen Verbundenheit mit der Geschichte und dem Schicksal unseres Volkes. Heute ist das Feuer auf dem Berge Allgemeingut der ganzen deutschen Jugend. Ihr ist das lodernde Feuer das Symbol der wiedererstandenen Volksgemeinschaft, das auch zu denen hinübergrüßt, die jenseits der Grenzen mit der gleichen innerlichen Einstellung an diesem Tage ihr Bekenntnis zum Deutschtum ausdrücken. Noch im letzten Jahr war es, daß die Jugend Deutsch-Oesterreichs auf den Gipfeln der Alpen in Tirol, in Kärnten, im Arlberg und in der Steiermark die Holzstöße entzündete, in tiefer Sehnsucht schaute sie herüber ins Reich, wo die Jugend des gleichen Blutes das gleiche Sonnen- wendfest feierte. Nun ist ihnen der heiße Wunsch erfüllt worden, der Ring der Feuer ist in diesem Jahre größer, er umschließt Menschen, die dankbar und freudig einer Zukunft entgegensetzen, die nicht mehr Not und Entsagung ist, sondern Zuversicht und Hoffnung. H. Ttornofuen. Tageskalender für Dienstag. ff und HI.: Sommersonnenwendfeier auf dem Schiffenberg. — NSD.-Dozentenbund zusammen mit dem Volksbildungswerk in der NSG „Kraft durch Freude" 20.30 Ühr in der Aula der Universität Vortragsabend Professor Dr. Günther Franz „Das Judentum in der deutschen Geistesgeschichte." — Gloria-Palast (Seltersweg): „Unter vier Augen." Agnes Straub im Stadttheater. Am Mittwoch, 22. Juni, findet das einmalige Gastspiel der Bühnen- und Filmdarstellerin Agnes Straub mit ihrem Berliner Ensemble in Roland Schachts Komödie „Schauspielerin" statt. Titelrolle Agnes Straub. Die Vorstellung ist außer Miete und beginnt um 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr. im MD Links: Die Vorführungen der Boxschule. Rechts: Essenausgabe an den „Gulaschkanonen". Die ersten „Meistersinger". Bor siebzig Jahren: am 21. Juni 1868. Daß das herrlichste und machtvollste aller deutschen Musiklustspiele schon siebzig Jahre alt sein soll, will sich bei seiner ewigen Jugend und nie aufhörenden „Modernität" schwer einprägen. Was das Haydnsche und Hoffmann von Fallerslebensche Deutschlandlied unter den andern deutschen Liedern darstellt, das ist in fast noch erhöhtem Maße die Oper „Die Meistersinger von Nürnberg" unter aller deutschen Musikdramatik geworden: Repräsentant unseres nationalen Seins als Volk und Roich; und das nicht nur wegen der vaterländisch beschwingten und vertieften Schsuß- ansprache des Hans Sachs „Habt Acht, uns öräuen schlimme Streich", sondern von der ersten bis zur letzten Note durch die schwerschreitende Derbheit wahrhaft Dürerscher Zunftmeistergestalten und Hans Sächsischer Treuherzigkeit, durch besonnt-nachdenklichen Humor von echt deutscher Verhaltenheit und Schelmerei, durch Wagnersche Lebens- und Kunstweisheit in unerschöpflicher Fülle und von nie veraltender Gültigkeit. Der große Appell von der Zunftbeschränktheit und Kritikasterbosheit des Mer- kertums weg an Volkes Einsicht und Gottesfttmme, der wehmütige Verzicht Hans Sachsens auf Eva Pognerin, weil Jugend zu Jugend gehöre — all das find von unserem deutschen Gefühl her Ewigkeitsmotive und Dauerwerte, die uns auf den Besitz dieses Kunstwerks stolz machen dürfen. Das ist bei der Münchener Uraufführung vermöge ihrer vom Meister selbst überwachten Vorzüglichkeit weitgehend erkannt und erst zwei Jahre später bei dem zum Theaterskandal aufgeputschten Mißerfolg der Berliner Aufführung vorübergehend wieder zugedeckt worden, um sich bald immer allgemeiner dennoch durchzusetzen. Drei Jahre war es her, daß das weit problemreichere Werk des „Tristan" in der Jsarresidenz auf Befehl Ludwigs des Zweiten zur ersten Einstudierung gelangt war. Dann hatte Wagner aus dem „Hexenkessel" der erregten Bayernhauptstadt nach Triebschen bei Luzern weichen müssen, aber der König hielt ihm dennoch die Treue. Das Jahr 1867 hatte eine hervorragende Lotzengrin-Jnszenierung gebracht, und der Telramund dieser Aufführung, , Franz Betz, sollte nun (nachdem sich andere Der- - handlungen'zerschlagen hatten) der erste Hans Sachs, die junge „Elsa", Machilde Mailing er, zur ersten Pognerin werden. Die Rolle des Junkers Stolzing übernahm — ebenfalls erst nach anderweitig fehlgeschlagenen Engagementsplänen — der jugendliche Darmstädter, dann Münchner Tenor Franz Nachbauer in vorzüglicher Weise, als David holte man den Buffotenör Schlosser aus Augsburg, der später ein berühmter Bayreuther „Mime" werden sollte, der Wiener Hölze! widmete sich mit steigender Begeisterung der Rolle des Beckmesser, und den neugegründeten Opernchor schulte in nicht weniger als 66 Proben der getreue Partitur-Assistent und nunmehrige Dirigent der Aufführung Hans Richter, der nachmals bei der dritten Aufführung für den erkrankten Kothner selbst singend und spielend emsprang (ähnlich wie später in Straßburg einmal der Intendant Hans P f i tz - ner als Beckmesser kurzerhand in die Lücke getreten ist). Hans von Bülow, noch kürzlich der erste Tristandirigent, ließ es sich trotz schwerer seelischer Hemmungen nicht nehmen, m begeisterter Sachlichkeit das Partienstudium der Solisten zu überwachen. Es fehlte auch nicht an kleinen Hindernissen: Obwohl der neue Intendant des Hoftheaters, Baron P e r f a l l, feine Stellung hauptsächlich der Befürwortung Wagners verdankte, ließ er sich anscheinend von der antiwagnerschen Kamarilla weitgehend gegen den Meister einnehmen. Und das z. T. noch dem pensionierten Generalmusikdirektor Franz L a ch n e r anhangende Orchester ließ anfangs einige Opposition erkennen, indem z. B. Franz Strauß, nachmals der Vater des „Rofen- kavalier"-Meisters, mit feinem Meisterhorn wegen Ueberanstrengung streikte. Aber all diese Schwierigkeiten schwanden teils unter der Zauberwirkung des immer strahlender hervortretenden Kunstwerks, teils infolge der faszinierenden Persönlichkeit des Dichterkomponisten, der (von dem trefflichen Regisseur Dr. Reinhard Hall wachs unterstützt) die lebendigsten Bühnenanweisungen gab. So berichtet der damals anwesende Ludwig No hl, am Schluß des Beckmesser-Ständchens habe der 55jährige Wagner als wütender Stadtschreiber einen solchen „Tigersprung" vor den hämmernden Schuster hingemacht, daß der routinierte Sänger-Schauspieler ihm darin trotz heißen Bemühens schließlich nur mühsam und schattenhaft nachgekommen sei. Zahlreiche Einladungen waren an Kunstverwandte im In- und Ausland ergangen, auch mehrere persönliche Einladungsschreiben Wagners an Freunde, wie Otto Wesendonck, haben sich erhalten und wurden befolgt. So war schon bei der Generalprobe ein Parkett von Kennern und Enthusiasten zugegen, aus dem etwa der Pariser Dirigent Pasdeloupe und Meister Anton Bruckner genannt seien, welch letzterer durch Wagners Entgegenkommen bereits einige Wochen vorher die „Uraufführung" des Huldigungschors an Hans Sachs mit feinem Linzer Gesangverein hatte vorwegnehmen dürfen. München stand in der schönsten Frühsommerblüte (es fehlten ja nur drei Tage an „Johannisnacht"!), als die Aufführung vor sich ging, die genau vier Stunden und drei Minuten Musik brachte, während dank der Geschicklichkeit des Darmstädter Maschinenmeisters Brandt die Umbauten je in weniger als einer Viertelstunde vor sich gingen — bei der damals ganz neuartigen Verwendung nicht bloß gemalter, sondern „praktikabler" Dekorationen eine mit Recht bestaunte technische Leistung. Wagner hatte vor der Aufführung selbst München verlassen wollen, um nicht mit seiner damals heiß umstrittenen Person zwischen Publikum und Kunstwerk zu treten und um sich etwa zu erwartenden Feindseligkeiten zu entziehen. Aber nichts von dem ereignete sich, nachdem der enthusiasttsche König ihn neben sich in die Loge befohlen hatte und als der Meister sich nach dem zweiten und dem letzten Aufzug ergriffen den jubelnden Zuhörern stellen mußte. Der beglückte König selbst zeigte ihn der Oeffent- lichkeit, und Bülows Prägung „Horaz mit Augustus" durcheilte die Welt. Wagner hat später gerühmt, so schön wie mit dieser Künstlerschar habe er es wohl nie wieder getroffen, und so darf man dankbar feststellen, daß hier endlich einmal ein musikalisch - dichterisches Kunstwerk ersten Ranges nicht, wie sonst so manchesmal, unter wunderlich beschränkten, sondern unter seiner wahrhaft würdigen Umständen in die Welt getreten ist. Später haben auch die „Meistersinger , wie schon angedeutet, „ihre Schicksale" gehabt, aber das waren nur flüchtige Durchgangsstationen zu dem endgültigen Ruhm, den das Werk verdiente und un- entrücfbar sich erworben hat. Sein Schlußwort „Ehrt eure deutsche Meister, dann bannt ihr gute Geister" hat gerade dem Urheber dieses Wundergebildes reichste Erfüllung Angebracht; ja, man darf dieserhalb auch für weit größere künftige Zeiträume als die nunmehr durchmessenen ersten sieben Jahrzehnte der Weltgeltung die ruhigste Zuversicht hegen. Hans Joachim Moser. Gloria-palast: „Unter vier Augen." Ein amerikanischer Film der Fox in deutscher Sprache: er behandelt einen Kriminalfall und weicht von der drüben und auch bei uns im all* gemeinen üblichen Darstellung solcher Singe insofern ab, als er die Geschichte um die Jahrhundertwende im historischen Kostüm spielen läßt. Es wird dabei für das amerikanische Publikum wahrscheinlich interessanter sein als für das deutsche, wenn die Präsidenten McKinley und Theodore Roosevelt im Verlaufe der Ereignisse au[ der Leinwand erscheinen, besonders Roosevelt in einer sehr gelungenen Maske. (Sidney B l a ck m e r spielt ihn.) Es handelt sich um die Aufklärung umfangreicher Bankräubereien, die in ihrer Häufung ein mehr als vorübergehendes Interesse beanspruchen und all- mählich eine ernsthafte Beunruhigung des gesamten wirtschaftlichen Lebens verursachen, zumal es den Behörden nicht gelingt, die Anführer der Bande ausfindig und unschädlich zu machen. Da greift der Präsident McKinley zu einem außergewöhnlichen Mittel: ein junger Marineoffizier wird mit einer geheimen Mission beauftragt. Wie er sich seines Auftrages entledigt, zum Ziele gelangt und in letzter Stunde gerettet wird, macht den Inhalt des Films aus, der unter der Spielleitung von William A. Leiter ein wenig schwerfällig in Gang kommt, aber gegen Ende recht spannend und überdies durch eine in den Kriminalfall verwickelte Liebesaffäre angenehm aufgelockert wird. Barbara S t a n w y ck, ein zartes, zierliches Persönchen, spielt diese Lil Duryea, auf die es hier ankommt; ihre Szenen mit Robert Taylor gehören zu den ersteulichsten Eindrücken des Films, der durch die Einkleidung in die verschollenen Trachten um 1900, besonders in den Kabarett-Auftritten, einen Anflug von nicht gänz freiwilliger Komik erhält. Taylor, den wir zuletzt als Partner der Garbo in der „Kameliendame" sahen, spielt den jungen Offizier mit dem geheimen Auftrag. Die Rolle ist nicht übermäßig aktiv und entwicklungsfähig, aber er holt, knapp und freundlich-sympathisch, das Möglichste heraus. Victor M c L a g l e n , als eine massive Unterwelt- gestalt, und Frank C o n r o y als Präsident Mc Kinley, wären vom Ensemble noch hervorzuheben. — Im Beiprogramm läuft die neue Ufa-Wochenschau mit teilweise ganz aktuellen Aufnahmen. Hans Tbyriot. AS.-Gemeinschaft .^kraft durch Jreube“. Deutsches Volksbildungswerk: Vortrag am 21.6.38. In Verbindung rnst dem NS.-Do^entenbund veranstalten wir am 21. 6. 1938 um 20.30 Uhr in der Aula der Universität einen Vortragsabend. Es spricht Prof. Dr. Günther-Frai^ über „DasJudentum in der deutschen (Zeistesgeschichte". — Eintritt frei! Alle Volksgenossen, besonders alle Wolter und Warte, sind freundlichst eingeladen. handharmonlka-Kursus. Dienstag, den 28. 6.1938, beginnt der neue Hand- Harmonika-Kursus (diatonisch) für Anfänger. Es können noch einige Anmeldungen, in unserer Kartenverkaufsstelle, Seltersweg 60, zu diesem Kursus erfolgen. 4233D Kreisfrauenschast. rNüllerschulung in Gießen. gfs. In nächster Zeit beginnt hier der Mütterdienst außer dem Lehrgang im Kochen einen Kursus in Gesundheitslehre und häuslicher Krankenpflege, den Schwester Iosefine Englert durchführen wird. Frauen und Mädchen, die daran teilnehmen wollen, können sich auf der Geschäftsstelle der Kreisfrauenschaft, oder bei den Ortsfrauen- schaftsleiterinnen melden. VOM-Llntergau 116. Am Dienstag, 21. Juni, findet um 20 Uhr eine Besprechung der Pressemädel auf der Dienststelle des Untergaues statt. BDAl.-Verk, Arbeitsgemeinschaft für Auslandkunde. Der erste Dienst für die Arbeitsgemeinschaft für Auslandkunde findet nicht am Dienstag, sondern Mittwoch, um 20.15,Uhr, im Gymnasium, statt. LM.-Untergau 116, Gießen. Am Donnerstag, 23. Juni, kommen die' JM- Gruppenführerinnen der JM.-Gruppen 1 bis 4/116 um 15 Uhr zu einer Besprechung auf die Dienststelle des Untergaues. Freiwillige für die Luftwaffe. DNB. Das Reichsluftfahrtministerium gibt folgendes bekannt: 1. Für die Annahme von Freiwilligen zur Einstellung im Frühjahr 1939 bei der Fliegertruppe und der Luftnachrichtentruppe steht nur noch sehr kurze Zeit zur Verfügung. Den Bewerbern wird deshalb dringend angeraten, sich sofort bei einer Fliegerersatzabteilung, einer Abteilung oder einer Kompanie der Luftnachrichtentruppe zu melden. Bei später eingebenden Gesuchen besteht die Gefahr, daß das Annahmeverfahren bis zum Meldeschluß (5. Juli 1938) nicht mehr durchgeführt werden kann, und die angestreote Einstellung im Frühjahr 1939 nicht mehr möglich ist. Auskunft über die Bedingungen und über den vorher abzuleistenden Arbeitsdienst erteilen die genannten Truppenteile, die Wehrbezirkskommandos und die Wehrmeldeämter. Das „Merkblatt für den Eintritt als Freiwilliger in die Luftwaffe" wird durch die angegebenen Dienststellen an die Bewerber auf Anforderung ausgehändigt. 2. Einstellungsgesuche bei anderen militärischen Dienststellen sind zwecklos. Sie verzögern nur die Bearbeitung zum Nachteil des Bewerbers. 3. Bei der Flakartillerie und beim Regiment General Göring werden im Frühjahr 1939 keine Freiwilligen eingestellt. 4. Der Zeitpunkt für die Meldungen von Freiwilligen für die Herbsteinstellungen 1939 bei Fliegertruppe, Flakartillerie, Luftnachrichtentruppe und Regiment General Göring wird noch durch die Presse und Rundfunkt bekanntgegeben. Oie neue Leibeserziehung in der Schule. NSG. In Gießen fand eine Kreistagung des NS.-Lehrerbundes statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Vortrag des Referenten der hessischen Landesregierung, Schulrat Klen k (Darmstadt). Der Redner gab in seinen Ausführungen eine klare Kennzeichnung der heutigen Leibeserziehung in der Schule. Ausgehend von den Oer Schießmeister. Don Gert Lynch. Bruchmeister Hartwich sah auf st)ie Uhr. Dann hob er die Hand und gab das Zeichen. Der Kopf im Maschinenhausfenster verschwand, und im nächsten Augenblick heulte die Sirene über das Gelände der Granitwerke. Fast gleichzeitig verstummten das Trommelndes Knackbrechers und das Knattern des Preßluftbohrers. Dann fetzte Has Rauschen der Steinschleiferei aus. Nur das Helle Plänkern der Hämmer in den Buden der Pflastersteinhauer war noch zu hören. Bis auch das versiegte, und der Betrieb völlig still stand. Mit Steinmehl bedeckte Arbeiter strömten in dichten Scharen nach der Kantine. Die Massen stauten sich vor den Türen. Auch in der Schmiede gab es Gedränge. Stumpfe Spitzesten, Keile und Stockhämmer kamen von den Werkplätzen zurück und klirrten zu Boden. Brechstangen, Spitzhacken und Schlägel wurden an die Wände gelehnt. Einer vom Bohrtrupp schleppte den meterlangen Stern- dahrer herein, mit dem heute ein außergewöhnliches Sprengloch gebohrt worden war. „Nachher", sagte der Mann zum Schmied, der ihm die Last abnahm, „fliegt die Jenseitsbrücke in die Luft?" Er deutete mit dem Daumen in die Richtung der Steilwand, die den alten vom neuen Bruch trennte. Während oben in der Kantine die Mittagspause einsetzte, hatte unten im Bruch Schießmeister Zingg fleißig zu tun. Er ließ den Bohrlöffel in das Sprengloch hinab und holte den letzten Bohrteig heraus. Dann lud er das Sprengloch mit Dynamit. Aergerlich, daß der neue elektrische Funkenzünder noch nicht da war, verband er die reichlich bemessene Zündschnur mit der Zündkapsel, diese mit der obersten Zündpatrone. Dann begann er die Ladung mit Sand und Lehm zu verdämmen. Inzwischen stieg der Bläser, das verbeulte Horn in der Hand, den Abraumhügel hinauf und blieb vor der Balkenhütte stehen, die mit Erde bedeckt war. Er steckte die kurze Flagge auf, setzte das Horn an die Lippen und gab das erste Signal. Drei Posten mit roten Schießfahnen eilten über das obere Werkgelände, um die Zugänge des Ge- fahrkreifes zu sperren. Bevor der letzte Posten, Vortragsabend der Veterinärmediziner. Die 7. Sitzung der Veterinärmedizinischen Gesellschaft Gießen stand mit vier Vorträgen ganz im Zeichen der Trichomonaden-Erkrankung des Rindes. Eingangs sprach Prof. Dr. K ü st, der Direktor der Geburtshilflichen und Ambulatorischen Deteri- närklinik, über „Die Trichomonaden-Erkrankung der Rinder nach dem derzeitigen Stand der Forschung". Die Trichomonadenseuche des Rindes hat in den letzten Jahren im In- und Auslande eine immer größere Bedeutung erlangt; sie ist an der Entstehung der Zuchtschäden in erheblichem Maße beteiligt und verursacht in der Rinderzucht unübersehbare Schäden. Als Erreger kommt die Rindertrichomonade in Betracht, die 1900 erstmals im Scheiden- und Gebär- muttersekret eines notgeschlachteten Rindes gefunden wurde. Die Seuche wird durch den Zukauf erkrankter männlicher und weiblicher Tiere einge- schleppt und gewöhnlich durch den Deckakt von Tier zu Tier weiterverbreitet. Die männlichen Tiere verlieren vorübergehend, oder dauernd iyre Zuchttauglichkeit. Bei den weiblichen Tieren entwickeln sich wenige Tage nach dem Decken Entzündungserscheinungen am äußeren und inneren Genitale, später kommt es zu einer Gebärmutterentzündung oder einer Fehlgeburt (meist im frühen Trächtigkeitszustand) ober zu einer Pyometra. Nur in Ausnahmefällen bringen die Tiere gesunde Kälber zur Welt. Die Behanolung der frisch erkrankten männlichen, sowie der weiblichen Tiere läßt sich gewöhnlich mit Erfolg durchführen, hat aber auf die Til- Sber Seuche keinen Enfluß, weil hierdurch die kckungsquelle nicht beseitigt wird. Nur eine planmäßige Bekämvfung der Trichomonadenseuche kann zum Ziele führen und die großen wirtschaftlichen Schäden beheben. Nach einem Erlaß des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern vom 18. März 1938 ist eine veterinärpolizeiliche Bekämpfung der Deckinfektionen des Rindes vorgesehen. Im zweiten Dortraa sprach der Leiter des Pa- rasitologischen Laboratoriums der IG.-Farbenindustrie AG. Höchst, Dr. med. vet. habil. Oskar Wagner (Frankfurt a. M.) „Zur Morphologie und Biologie der Geschlechtstrichomonaden des Rindes", wobei er eine Uebersicht über die systematische Stellung der Trichomonaden innerhalb der Proto- zooen-Klasse der Flagellaten gab. Weiterhin wurde der allgemeine Bauplan der Gattung Trichomonas erklärt und das Kennzeichnende der Rindertrichomonade erläutert. Zum Nachweis und besonderen Studium der Trichomonaden dienen verschiedene Färbe- und Kulluroerfahren. Tierarzt Rudolf End r eß (Gießen) berichtete „lieber den serologisch-allergischen Nachweis der Trichomonaden", Verfahren, die durch die Untersuchung des Blutes der erkrankten Tiere und durch die Einspritzung besonders hergestellter Extraktstoffe in die Haut der Krankheitsfeststellung dienen wollen, aber noch weiterer Forschungsarbeit bedürfen. Zum Schluß erläuterte der Vorsitzende der Gesellschaft, Prof. Dr. C. Krause, Direktor des Veterinärpathologischen Institutes, die „pacholo- gische Anatomie und Histologie der Trichomonaden- Infektion". Rechenuntersuchungen an Schlachttieren ergaben, daß bei der Trichomonadenerkrankung ein auch sonst schon leicht reaktives Gewebe betroffen wird, so daß den durch sie hervorgerufenen Veränderungen keine spezifische Form zu eigen ist. Zahlreiche Lichtbilder verdeutlichten die Ausführungen der Vortragenden. schon nach kurzer Zeit alle Gefahr beseitigt war. Die Aufräumungsarbeiten nahmen dann noch einige Zeit in Anspruch. Die Entstehung des Brandes ist noch unbekannt. — Am gestrigen Montagabend brach in einer Trockenhalle der Gailschen Tonwerke ein kleines Feuer aus, das einige Trockengerüste erfaßte. Auch hier traf die Feuerwache sehr schnell zur Hilfeleistung ein, und es gelang ihr in kurzer Zeit, auch an diesem Brandherd jede weitere Gefahr zu unterbinden. Nach etwa einer Stunde konnte die Wache wieder in das Depot einrüden. ** Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen: 1. Juni: Minna Cloos, geb. Uhl, o. B., 78 Jahre alt, Kaiserallee 81; 4. Juni: Joses Günter, Schleifer, 29 Jahre alt, Asterweg 68; 4. Juni: Karl Baum, o. B., 69 Jahre alt, Stein- straße 43; 6. Juni: Josef Schmidt, Postinspektor i. R., 67 Jahre alt, Gnouthstraße 16; 9. Juni: Elisabeth Pfau, geb. Schultheis, o. B., Gartenstraße 30; 9. Juni: Elisabethe Waldschmidt, geb. Schneider, o. B., 82 Jahre alt, Dammstroße 14; 9. Juni: Luise Göbel, geb. Wallenfels, o. B., 63 Jahre alt, Ludwigstraße 8; 9. Juni: Elisabeth Kaiser, geb. Stock, o. B., 60 Jahre alt, Gartenstraße 22; 10. Juni: Johann Jakob Giemon, Werkmeister i. R., 79 Jahre alt, Mühlstraße 24; 10. Juni: Rosa Best, geb. Groh, o. B., 68 Jahre alt, Goethe- straße 50; 11. Juni: Heinrich Rühl, Steuerinspektor, 36 Jahre alt, Steinstraße 28; 14. Juni: Heinrich Nebeling, Stadtmissionar, 77 Jahre alt, Menzelstraße 4; 15. Juni: Katharine Emrich, geb. Lott, 72 Jahre alt, Walltorstraße 58; 15. Juni: Johannes Loh, Hausvater i. R., 70 Jahre alt, Steinstraße 71. Aus der engeren Heimat. Landkreis Gießen. Mängeln des früheren Schulturnens stellte er das Wollen und Streben unserer Tage auf dem Gebiete der Leibeserziehung heraus. Gerade die Leibeserziehung ermöglicht in besonders starkem Maße die Entwicklung der positiven Erbanlagen, und viel stärker als in jedem anderen Unterricht liegt im freien Spielen und Tummeln die Seele des Kindes offen vor den Augen des Erziehers. Die große Bedeutung der Leibeserziehung — eine planvoll erteilte Turnstunde ist einer wissenschaftlichen Stunde durchaus gleichwertig^- macht selbstverständlich eine gründliche Schulung Der Turnlehrkräfte notwendig. Der Leibeserzieher darf kein Kommandierer fein, sondern muß als Führer vor der Klasse stehen. Daß der Lehrer im allgemeinen nicht Kommandierer, sondern wirklich Führer ist, geht daraus hervor, daß jeder 7. HJ.-Führer Lehrer ist. Nachdem der Redner die große Bedeutung des Schullandheims als Erziehungsmittel heroorgehoben hatte, behandelte er die Schwierigkeiten, die teilweise insbesondere auf dem Lande der Durchführung eines ordnungsmäßigen Unterrichts in der Leibeserziehung entaegenftehen. Er gab wertvolle Anregungen, wie diese Hindernisse aus dem Wege geräumt werden können, und appellierte im besonderen an den vollen Einsatz der Erzieherschaft. An den Vortrag schlossen sich praktische Vorführungen an, die für Knaben und Mädchen die neue Leibeserziehung in der Grundschule, im Jung- voltalter und für das HJ.-Alter veranschaulichten. Pflichtjahr ist feine Lehre. NSG. Es bestehen immer noch Unklarheiten über das Pflichtjahr der Mädchen. Man beachte, daß das Pflichtjayr im Grunde nichts mit den ver- schiedenen Formen von Lehren zu tun hat, sondern eine arbeitsbuch- und 'versicherungspflichtige Tätigkeit ist, daß außerdem ein Arbeitsvertrag auf ein Jahr abgeschlossen wird, der nichts mit einem Lehrvertrag zu tun hat. Daneben kann aber ein Lehrjahr als Pflichtjahr angerechnet werden. Es fei auch darauf hingewiesen, daß das Pflichtjahr auf verschiedene Weist abgeleistet werden kann, nämlich erstens im freien Arbeitsoerhältnis, außerdem in der Hausarbeitslehre, im Arbeitsdienst, im Landdienft der HI., in der ungeförderten Lanohilfe, in einem vom Arbeitsdienst durchgeführten land- oder hauswirtschaftlichen Lehrgang und in einer nicht arbeitsbuchpflichtigen Tätigkeit im Elternhaus oder bei Verwandten, wenn es sich um Familien mit vier ober mehr Kindern unter 14 Jahren handelt. Sinn des Pflichtjahres ist, den Hausfrauen, vor allem den bäuerlichen Frauen, eine Hilfskraft zur Seite zu stellen. Gießener Dochenmarktpreiie. * Gießen, 21. Juni. Auf dem heutigen Wachenmarkt tasteten: Feine Molkereibutter, % kg, 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück, 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11X, Klasse D 10%, Enteneier 11% bis 12%, Wirsing, grün, % kg, 10 bis 12, Weißkraut 12 bis 15, gelbe Rüben, das Bündel, 10 bis 18, rote Rüben, % kg, 10 bis 12, Spinat 8 bis 15, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün, 25 bis 35, Spargel, 1. Sorte 52 bis 55, 2. Sorte 48 bis 50, 3. Sorte 40 bis 45, 4. Sorte 20 bis 25, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln, neue, das Bündel 10 bis 15, % kg 20, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln, alte, 5, 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, neue, % kg, 14 bis 15 Pf., Aepfel, ausländische, 60 bis 65, Kirschen 50 bis 70, Stachelbeeren 25 bis 35, Erdbeeren 50 bis 60 Pf., junge Hähne 1,10 bis 1,15 Mark, Suppenhühner —,90 bis 1,05 Mark, Tauben, das Stück, 55 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 30 bis 40, Einmachgurken 15, Ober- kohlrabi 10 bis 12, Lauch 5 bis 10, Rettich, das Bündel 20, das Stück 10 bis 18, Radieschen, das Bündel 5 bis 10 Pf. * ** Geburtstage alter Mitbürger. Am heutigen Dienstag, 21. Juni, kann der Ober- mälzer i. R. Anton Schmitt, Bleichstraße 42 wohnhaft, sein 80. Lebensjahr vollenden. — Der Rottenmeister i. R. Karl Haupt, Roonstraße. 38, wurde am vorigen Samstag, 19. Juni, in Gesundheit und Rüstigkeit 78 Jahre alt. ** Silberne Hochzeit. Am morgigen Mitt- woch, 22. Juni, können der Hausmeister der Schil- lerschule, Franz A d a m und Frau, geb. Schneider, “rafjc 8, das Fest der Silbernen Hochzeit rkehrsunfall. Am gestrigen Montagnachmittag stieß in der Neuen Bäue ein Motorradler mit einem 14 Jahre alten Jungen, der auf einem Fahrrad fuhr, zusammen. Dabei erlitt der Junge Fleischwunden am rechten Unterschenkel. Der Junge mußte von der Sanitätsbereitschaft Gießen nach der Chirurgischen Klinik verbracht werden. ** Kleinere Brände. Am gestrigen Mon- taarnittag entstand in der Farbenyandlung von Quermann, Sonnenstraße, hinter dem Ladenraum ein kleiner Brand, bei dem einiger Sachschaden an einer Tür, an der Holzverschalung der Wand usw. entstand. Die Feuerwache war rasch zur Stelle und bekämpfte den Brandherd mit einer Schlauchleitung und einem Schaumlöscher, so daß begehen. Dk ! Groß en-Lind en, 21. Juni. Vom schönsten Sommerwetter begünstigt, unternahm der Zweigverein „Hüttenberg" vom VHC. am Sonntag eine Tageswanderung in das noch wenig bekannte Blasbachtal. Auf dem Rückweg wurden Waldgirmes und Naunheim besucht. Leihgestern, 21. Juni. Ihre Silberne Hochzeit können am morgigen Mittwoch, 22. Juni, der auf dem Gießener Bergwerk beschäftigte Martin Braun und Ehefrau Katherina, geborene Luh, Hindenburgstraße 72 dahier wohnhaft, begehen. s. Lang-Göns, 21. Juni. Unsere Zweitälteste Einwohnerin, Frau Kath. Förster Wwe., Frühgasse, feiert am 24. Juni in großer geistiger und körperlicher Gesundheit ihren 8 5. Geburtstag. Wir wünschen Glückt # Allendorf (Lahn), 20. Juni. Die hiesige Milchabsatzgenossenschaft hielt bei Gastwirt Hch. Henkelmann ihre Generalversammlung ab. Der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Faber gedachte zunächst Der im verflossenen Jahre gestorbenen Mitglieder Friedrich Heinrich und Ludwig Lenz V. Den Geschäftsbericht erstattete der Vorsitzende Ludwig Weis. Im Geschäftsjahr 1937 sind acht neue Mitglieder der Genossenschaft beigetreten. Am Schluß des Geschäftsjahres gehörten 67 Mitglieder der Genossenschaft an. Der Gesamtmilchanfall betrug 222 261 Kilogramm gegenüber 171656 Kilogramm im Vorjahr. Die Einnahmen betrugen 30 128 Mark, die Ausgaben 29 835 Mark. Die Auszahlung an die Mitglieder belief sich auf 29 835 Mark gegen 23 080 Mark im Vorjahr. Der Durchschnittspreis betrug 13,45 Df. pro Kilogramm. Am Ende des Geschäftsjahres betrug der Gewinn 39,43 Mark gegenüber dem Vorjahr 124,59 Mark Verlust. Der Vorstand schlug vor, den Gewinn dem Reservefonds zu überweisen. Der Aufsichtsrat hat den Geschäftsbericht, sowie den Jahresabschluß geprüft, in Ordnung befunden und befürwortet. Im weiteren Verlaufe der Versammlung verlas der Vorsitzende den Revisionsbericht, dem zu entnehmen war, daß die Genossenschaft sich auf einer gesunden Basis befindet. Der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Faber erteilte dem Vorstand und dem Aufsichts- rat Entlastung. Dom Vorstand schied in diesem Jahr Direktor L. Weis aus. Er wurde von der Versammlung einstimmig wiedergewählt. Vom Aufsichtsrat schied das Mitglied Friedrich Heinrich durch den Tod aus, an seiner Stelle wurde Landwirt und Müller Wilhelm Weigel einstimmig gewählt. cv> Eberstadt, 20. Juni. Gegenwärtig sind am Wegenetz in unserer Gemeinde ausgedehnte Derbesserungsarbeiten im Gange. Zahlreiche Kleinbauern finden bei diesen Arbeiten einen willkommenen Nebenverdienst. Die Ausführung der der alte Kraus, der nahe an siebzig war, feinen Standort erreichte, überfiel ihn unversehens ein heftiges Augenflimmern. Und er, der noch nie versagt hatte, wurde klapprig, und schwach in den Knien. Er taumelte zum nächsten Schotterhaufen und ließ sich nieder. Seine Faust umklammerte krampfhaft die Fahnenstange. Kur§ darauf schmetterte der Bläser bas zweite Signal. Es bedeutete Geländeverbot für alle ohne Ausnahme. Bruchmeister Hartwich ging als Legter in Deckung. So kam es, daß am Kreuzweg zum erstenmal während der Schießzeit kein Sperrposten stand. Als Käte Weichsel, die halbwüchsige Tochter des Poliers, heißgelaufen zum Kreuzweg kam, atmete sie erleichtert auf. Gottseidank, dachte sie, daheim geht die Uhr vor; der alte Kraus ist noch nicht da. — Nun konnte sie noch rechtzeitig in die Kantine gelangen und dem Vater das Essen bringen. Es gab Vorwürfe, wenn sie erst nach dem Schießen «intraf. Sie eilte mit dem Traggeschirr den rasigen Randweg des alten Bruches entlang, vorbei an den drei Akazien, deren dürre Fallschoten unter ihren Sandalen knisterten. Dann bog sie den schlängelnden Steig der Jenseitsbrücke ein, die ihren Namen von einem tödlichen Absturz herleitete. Der Pfad, nicht breiter als ein Arm lang ist, beiderseits in Hüfthöhe mit rostigen, lose gespannten Stahltrossen geländert, war dem Mädchen schon so geläufig, baß es sich bei ben gähnenben Abgrünben nichts mehr dachte. Leichtfüßig unb sicher glitt Käte bahin. So näherte sie sich ber Mitte ber Jenseitsbrücke. In biesem Augenblick würbe bas Mäbchen vom Schießmeister erspäht, ber unten im Bruch am Sichtschlitz bes Unterstanbes auf ben Abgang bes Schusses lauerte. Die Sprengstelle lag im Wind- schatten. Der graue Rauch ber brennenben Zünb- schnür kräuselte träge an ber schrunbigen Wanb empor, wo kleine Birken unb wilbe Kirschbäumchen in ben Ritzen früppelten. „3um Teufel! Die KM?", entfuhr es Zingg. Er fpürte bas Herz hochkommen. Seine haarigen Fauste zitterten. Sein Bart sträubte sich. Plötzlich hatte er roieber Gewalt über sich. Gebauten jueften durch seinen Sinn: Käte im Sprengfels. Zurufen unb Winken zwecklos, da zum Warnen zu spät. Selbst eingreifen, Schuß aufhalten. Zündschnur etwa zur Hälfte verbrannt. Zeit sehr knapp, aber Gelingen noch möglich. Los! Zingg lief, wie er in seinem Leben noch nie gelaufen war. Don seinen Riesenschritten spritzte der Schotter. Ein Packlagerhaufen, ein Sprung und weiter. Die Drehscheibe der Schmalspur, ein Satz und weiter. Ein mannshoher Quader, ein Klimm- Zug und droben. Der Hang stellte sich. Zingg schnellte wie ein Wiesel über Gerölle, Blöcke unb Felsrücken. Von seinen Stiefeleisen flogen die Fun- ken. Hinter ihm Schuttrieseln und Steinschlag. Mit zerschundenen Händen erreichte er keuchend die Sprengstelle und stürzte sich auf die Zündschnur. Ein Griff, und sie war von der Ladung getrennt. Die Zündschnur gualmte in seiner Hand noch einmal auf, dann hatte bas Feuer sich durchgefrejsen und erlosch. Oberhalb ber Sprengteile huschte gerade das Mädchen vorüber. Bleich erhob sich ber Schießmeister. Er schluckte Lust. Auf seiner Stirn klebte das Haar. Er wischte es hinter. Dann eilte er wieder zum Unterstand hinab. Mit frischer Zündschnur kehrte er zur Spreng- stelle zurück, wo er Die Labung nochmals verdämmte und anzündete. Nach einiger Zeit erfolgte ein ohrenbetäubender Knall, unb das Mlltelstück der Jenseitsbrücke flog in die Luft, ein mehrfaches donnerndes Echo auslösend. Dunkle Trümmer schwirrten umher, unten im Bruch dröhnten Felsmassen zusammen, und eine gewaltige Wolke von Rauch und Staub trieb fetzig über die Gründe. Nicht lange, und der Hornist trat aus der Balkenhütte, blies bas Schießen ab, zog die Flagge ein und stieg vom Abraum herunter. Dann kamen die Postensteher zurück. Auch der alte Kraus piar darunter. Sein Schwächeanfall war bald vorübergegangen. Doch er hatte beschlossen, noch heute zum Meister zu gehen und den Wächterdienst aufzusagen. Der Letzte, der sich einfand, war Schießmeister Zingg. Als er an der Schreibstube vorbeischritt, klopfte es an die Scheibe. Hartwich war es, der Bruchmeister. „(Er winkte den Schießmeister herein. „Na Zingg", sagte er, „hat lang gedauert diesmal, bis der Schuß abging. Was war los?" Zingg schüttelte den Kopf und machte ein undurchdringliches Gesicht. „Alles in Ordnung", sagte er, „nur bie alte Zündschnur brannte so langwellig. — Ist der Funkenzünder noch immer nicht da?" "Gut, daß Sie mich dran erinnern. Ich werbe bann anrufen. — Unb wie sitzt der Schuß?" „Die Mittelwanb fiel. Noch vier Schüsse, und der Rest fliegt auch." „Alsbann", sagte Hartwich, „sprengen Sie heute abend das Ganze. Morgen sollen die Abräumer antreten. — Uebrigens sehen Sie angegriffen aus, Zingg. Fehlt Ihnen was?^ „Nicht, daß ich wüßte", entgegnete er, wandte sich ab und ging. Die Kantine mar voll Dunst unb Stimmen- gernirr. Auf ben langen Tischplatten lagen Papierknäuel, Wursthäute unb Käserinben. An bas spä- tere Erscheinen bes Schießmeisters waren alle gewöhnt; es würbe auch biesmal nicht weiter beachtet. Zingg war froh, baß bie Sache nicht an die große Glocke kam. Es wäre ihm peinlich gewesen, die allgemeine Aufmerksamkeit zu erregen. Jeder andere hätte unten im Bruch genau so gehandelt, meinte er. Er holte fein übliches Bier und nahm seinen Stammplatz ein. Gegenüber saß der Polier Weich- sel. Auf der schmalen Eckbank, neben Zingg, saß Käte. Sie begrüßten sich wie immer. Weichsel hatte den Topf auf die Kante gestellt und löffelte die Neige. Käte wartete auf das Geschirr. Zingg wickelte aus und aß falt, wie immer. ..Na", sagte Weichsel, „hat es die Brücke endlich erwischt?" „Ja", sagte Zingg, „die Mittelwand sackte ab." Käte horchte auf. „Die Jenseitsbrücke?", fragte sie vorlaut. „Da bin ich ja vorhin noch b rüber» gelaufen!" Der Polier hob den Zeigefinger und drohte: „Wie oft habe ich dir schon gesagt, hu sollst nicht über bie Brücke gehen! Bis roieber mal was passiert. Du wirst Zeit haben, den Hauptweg zu kommen." „Laß gut fein", besänftigte Zingg, „es hat keine Not mehr. Die Jenseitsbrücke hat aufgehört." „Da habe ich wirklich Glück gehabt, daß ich heute nochmal drübergegangen bin!", freute sich Käte. . „Ja", sagte Zingg, indem er ihr freundlich zunickte und flüchtig über das seidig glänzende Haar strich, „ba hast du wirklich Glück gehabt, Käte." Arbeiten wurde dem Maurermeister Düringer übertragen. * Londorf, 20. Juni. Anläßlich des 65. Geburtstages des Inhabers des Sägewerks und Zimmerergeschäfts Heinrich Wißner versammelte sich die Gefolgschaft um ihren Betriebsführer zu einer Betrieosfeier. Der Jubilar Heinrich W i ß - n e r konnte dabei als Vertreter der DAF., Kreis- waltung Gießen, Pg. Stein begrüßen. Anschließend gab er einen Rückblick auf die Entwicklung seines Betriebes, wobei er seiner Gefolgschaft für die bisherige treue Mitarbeit und für die Ehrung zu seinem 65. Geburtstage herzlichen Dank sagte. Pg. Stein überbrachte die Grüße des Kreisobmannes der DAF. und zollte bei dieser Gelegenheit dem Betrieb der Firma Wißner alle Anerkennung. Im Auftrage der Innung überreichte Obermeister Rohm (Wieseck) dem Jubilar ein Geschenk. Mit Dantesworten des Betriebsführers Wißner fand die Feier ihren Abschluß. Kreis Schotten. s. Schotten, 20.Juni. Die Vogelsberger Volksbanr hielt in der Turnhalle ihre Jahresversammlung ab. Aus dem von Direktor Stang vorgetragenen Jahresbericht und aus der aus den letzten Jahren gegebenen Uebersicht ist eine günstige Aufwärtsentwicklung festzustellen. Der Umsatz hat sich gehoben, die Mitgliederzahl ist etwa gleich- aeblieben. Der seitherige Direktor Stang und der Vorsitzende des Aufsichtsrats Karl L i n ck schieden infolge ihres Allers aus chren Aemtern; sie wurden zum Ehrendirektor bzw. Ehrenvorsitzenden ernannt. Der neue Vorstand besteht aus den Mitgliedern: August Rausch, Wilhelm Neumann, Christian Eißfeller, Karl Meisti zu Schotten und August Straub V., Rainrod. Dep Aufsichtsrat besteht aus: Dekan Widmann, Dr. Damb° mann, Karl Hofmann (Schotten), Ludwig Deubel (Götzen), Karl Hofmeister (Rudingshain) und Karl Rau (Eichelsachsen. Don dem Direktor der Landesbauernkasse, Eid mann, uyd dem Vertreter des ländlichen Genossenschaftswesens, Dr. D e i ch e r t (Alsfeld), wurden Berichte erstattet über Arbeit und Lage der Bank. 185m 0.41 m 1.08 m 1.05m Mm 1.06 w ; 87.540 & ■ Die Aacht zum Donnerstag! Der Kampf Schmeling- Louis. Links: In der Nacht zum Donnerstag werden Millionen mit Spannung an den Rundfunklautspre- chern Schmelings Kampf um die Boxweltmeister- schäft hören. Unser Bild zeigt hier die Größenver- hältnisse der beiden Boxer, soweit diese überhauvt meßbar sind. Die Maße geben an: Größe, Hals, Brust (eingeatmet und ausgeatmet), Oberschenkel und Gewicht. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Unser Bild zeigt das Nankee-Stadion in Neuyork, in dem am Mittwochabend 10 Uhr amen» konischer Zeit (etwa 3 Uhr früh deutsche Zeit) das Treffen um die Schwergewichtsmeisterschaft entschieden wird. — (Scherl-Bilderdienst-M.) MH in HDx- % L // ■ ■ Kreis Wetzlar. Q Groß-Rechtenbach, 20. Juni. Hier tagte der Gemeindezweckoerbands-Kassenausschuß, um den Haushaltsplan der Gemeindezweck- Verbandskasse für das Rechnungsjahr 1938 zu oerabichieden. Der Haushaltsplan wurde von Dem Kassenvorsteher vorgetragen. Der Derbands- ausschuß stimmte dem Haushaltsplan zu. Der Haushaltsplan balanciert in Einnahme und Ausgabe: Titel 1 (Gemeindezweckverbandskasse) mit 31430 Mark; Titel 11 (Standesamt) mit 2360 Mark. Kassenleiter Loh berichtete über die finanzielle Lage in den einzelnen Gemeinden. Hierbei konnte festgestellt werden, daß sich die Gemeinden seit der Machtübernahme gut entwickelt und die finanziellen Verhältnisse in sämtlichen Gemeinden gebessert haben. In Anbettacht dessen, daß eine Reihe Gemeinden verschiedene Bauprojekte, wie Wasserleitungsbau, Dränageanlagen und Schulbauten, in den letzten Jahren durchgeführt haben, ist diese Entwicklung als sehr gut zu verzeichnen. Aundfunkprogramm Mittwoch, 22. Juni. 5 Uhr: Frühmustk. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik. 6.30: Frühtonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk: Deutsche Landschaft im Spiegel der Freiheitsdichtung. 11.45: Volk und Wirtschaft. Etwas von unserer Kunstbutter. 12: Werkpausenkonzert anläßlich der Arbeitstagung des Fachclmts Chemie. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Das Stündchen nach Tisch... 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Kameradin an der Grenze. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 18.45: Fliegendes Deutschland. 19: Nachrichten. 19.10: Klang der Landschaft: Der Westerwald. 20: Französisch-Belgisches Konzert. In der Dause: Aus dem Leben von H. Berlioz. 22: Nachrichten. 22.20: Wie lebt der Deutsche in Brasilien? 22.30: Bunte Musik. 24 bis 3: Nachtmusik. Gießener Studenten in Titetkämpfen. Studentenschaft Gießen Handballbereichsmeister. In der Entscheidung um die Meisterschaft des Bereiches Rhein der deutschen Studentenschaft standen die Gaumeister HfL. Trier, Universität Marburg und Universität Gießen. Im ersten Spiel trennten sich Marburg und Trier ohne Entscheidung 8 :8. Das Spiel, das in Trier ausgetragen wurde, litt unter einer ungewöhnlichen Härte. Gießen trat zum Entscheidungsspiel in Marburg mit einer ersatzgeschwächten Mannschaft und zwar mit: Mayer; Krausch, Haibach; Ringk, Bingel, Sturm; Weigel, Watz, Schmidt, Krämer und Witter an. Trotzdem erwiesen sie sich als die bessere Mannschaft, der der Sieg nur durch Entscheidungen des Schiedsrichters genommen wurde. Die erste Halbzett zeigte die Gießener dauernd im Angriff; jedoch verteidigte sich die Marburger Hintermannschaft sehr hart, ohne daß der Schiedsrichter eingriff. Dagegen ahndete der Schidsrichter jede Härte der Gießener mit Strafstößen und 13-Meter-Wür. fen, die aber abgewehrt wurden. Das Halbzeitergebnis war 4:4 und niemand zweifelte an dem Sieg der Gießener. Der weitere Verlauf des Spieles gestattete sich nicht sonderlich schön. Die Gießener Stürmer wollten ihre Gesundheit nicht auf das Spiel setzen und gaben den Ball freiwillig an den Gegner ab. Die Hintermannschaft wehrte noch ab, ließ sich aber dann auch überrennen, so daß die Marburger in kurzer Zeit zu acht erfolgreichen Torwürfen kamen. Im Rest der Spielzeit und nachdem der Schiedsrichter beide Mannschaften ermahnt hatte, warfen die Gießener noch sechs Tore. Das Treffen endete mit 16:10 für Marburg. Das Spiel wurde aber, da Marburg einen Schiedsrichter stellte, der noch keine Schiedsrichterprüfunq abgelegt hatte, und nachdem die Marburger selbst die Gießener Elf als die Bessere anerkannten, für die Gießener als gewonnen erklärt. Damit ging an die Gießener Studenten die Berechtigung, um die deutsche Hochschul- meisterschaft zu kämpfen. Um die deutschen Hochschul- meisterschasten. Die deutschen Hochschulmeisterschaften finden in diesem Jahre von Mittwoch, 22. Juni, bis Samstag, 25.\ Juni, in Mannheim in Verbindung mit dem deutschen Hochschultag der deutschen Studentenschaft, der in Heidelberg sein wird, statt. Die Studentenschaft Gießen, die im vorigen Semester durch Rupprecht Krausch zum erstenmal den Titel eines Deutschen Studentenmeisters erringen konnte, geht auch in diesem Semester mit guten Aussichten in den Kampf. Ausgetragen werden die Meisterschaften der Junioren 11. bis 3. Semester), der Kameradschaften im Sechskamvs am Mittwoch und Donnerstag und die Meisterschaften der deutschen Studentenschaft am Freitag und Samstag. Die Zahl der Teilnehmer an den Juniorenmeisterschaften, die jede Uni» versttät enftendet, wurden vom Reich bestimmt. Gießen schickt danach zwei männliche und einen weiblichen Wettkämpfer zu den Entscheidungen. Dafür qualifizierten sich, nachdem Moll, Der an den Studentenmeisterschaften teilnimmt, ausfiel, Gebhardt, Strerath und Frl. G r o ch e l. Im Kameradschafts-Sechskampf treffen sich die Bereichsmeister zur Entscheidung. Die Gießener Kameradschaft 2 (Fischer), die die Bereichsmeisterschaft des Bereiches Rhein sicher gewann, wird in dieser Entscheidung mitsprechen. Es kämpfen für sie: Pitzen, Weigel, Oehle- mann, Bergemann, Volk und U n s i ck e r. P o n t a n i, der bei Dem Kampf um die Bereichsmeisterschaft mit dabei war, schied leider durch eine ernste Verletzung, die er sich beim Fußballspiel zu» zog, aus. Im Handball treffen sich die Bereichsmeister der deutschen Studentenschaft im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Gießen, das zunächst auf die Mannschaft Der Studentenschaft Heidelberg trifft, entsendet dazu: Mayer, Bork, Seipp, Krausch, Bingel, Sturm, Ringk, Haibach, Winter, Schmidt, Watz, Gotzelt und Krämer. Sehr gute Aussichten hat noch die Gießener 4X100-Meter-Staffel, in Der Pitzen, Mayer, Luh und Möll laufen, und Luh, Der an den Einzelmeisterschaften in Kugelstoßen und Diskuswerfen teilnimmt. Oie Deutschland-Rundfahrt entschieden? Bombenleistung von Schild. Auf Der 11. Etappe der Deutschland-Radrundfahrt von Köln nach Bielefeld über 300,4 Kilometer — zugleich die längste Der ganzen Reise — scheint bereits die Entscheidung über das gesamte Rennen gefallen zu sein. Der Träger des gelben Trikots, Hermann Schild, vollbrachte eine glänzende Leistung, die ihn zum wirklich besten Mann im Rennen stempelte. Der Chemnitzer fuhr lange Zett allein an Der Spitze unD gewann gegen Das gesamte Feld — mit Ausnahme von Siebelhoff — nicht weniger als 36 Minuten! Damit liegt Schild jetzt rund vierzig Minuten vor seinen schärfsten Gegnern. Nur ernste Zwischenfälle können dem Chemnitzer nun noch den Endsieg entreißen. In 7:55:30 Stunden gewann er die Etappe und erzielte dabei das fabelhafte Mittel von 37,8 st/km. Auftakt in Wimbledon. Guter Start der deutschen Teilnehmer. Die internationalen Tennis - Meisterschaften von England nahmen am Montag auf Den Grasplätzen von WimbleDon ihren Anfang. Der erste Tag Sie Wogt mm wie Vornan von Hans von Hülsen. Copyright by Prometheus-Derlaa, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell. 7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Paß mal auf, Fritz. Ich hätte nicht gedacht, daß Du noch so wenig trocken hinter Deinen Prokuristen- obren bist. Stände ich nicht ganz zufällig hier unten, Du hättest mich in Teufels Küche gebracht Was sollen Die Eltern Denkern, Daß mir hier plötzlich ein JemanD nachgereist kommt, Dbn sie gar nicht kennen, von Dem sie nicht Die leiseste Ahnung haben?" „So sag's ihnen Doch!" rief Fritz Armbruster. „Sag's ihnen Doch! ODer ich sag's ihnen selbst, daß ich dich liebhabe, daß ich nicht ohne Dich sein kann, daß ich Dich hier nicht DulDen kann, wo Dieser Operettenfatzke wilDert, Daß ich Dich zur Frau haben will —" „Nun sei gescheit — ja?" sagte Renata streng, unD eine Wolke Des Unmuts verfinsterte ihr Gesicht. „Nimm Vernunft an, Fritz. Daß Du mich liebst, schön, Das weiß ich, obgleich ich es nie geglaubt hätte, Daß es sich einmal so hirnverbrannt äußern würde. Aber das übrige sind alles Einbildungen, das mit Ottenrieth — und Das mit Dem Heiraten ebenso. Ich habe Ottenrieth, wenn Du es wissen willst, in Der ganzen Zeit zweimal flüchtig gespro- chen — übrigens ftanD er hier neben mir, unD du hättest dir leicht etwas Schönes an den Hals geredet — „Siehst du — siehst Du!" ereiferte er sich. „Wie recht mein Argwohn hatte. Er stand hier neben dir —" „Jawohl, das tat er. Ich bin doch wohl keine Köchin, die abends mit ihrem Schatz im Hausflur steht? Das ist ja beleidigend. Du!" „Rehlein, sei gut", bat er unD gab seine ©adje schon verloren. ovc schüttelte Den Kopf, inDem die Augen zürnten. „Ich werde gut sein, Fritz. Aber nur unter Der einen Bedingung, daß du genau so schnell wieder verschwindest, lU'tz Du gekommen bist. Das muß ich von Dir verlanM ODer wir sind geschiedene Leute. Es ist ganz ausgeschlossen, daß wir hier zusammen gesehen werden Ich jedenfalls komme nicht mehr herunter, ehe ich nicht ganz sicher bin, daß du ab» gereist bist Suche Dir irgendein Hotelzimmer, und fahre morgen mit Dem ersten Zug. Jetzt muß ich hinauf. Auf Wiedersehen, Fritz — in Wien!" Sie reichte ihm Die Hand, unD Da er sie, trotzig, nicht nahm, roanDte sie sich um unD ging Davon. Armbruster blieb unter Der Torwölbung stehen. Er war wie vor Den Kopf geschlagen. Er hatte sich Das WieDersehen so ganz anDers vorgestellt. Niemals hatte sie so mit ihm gesprochen, niemals, solange er sie kannte! Endlich nahm er fein Köfferchen auf, stellte Den Mantelkragen hoch unD verfügte sich ins „Benaco" nebenan. Um zehn Uhr ließ Der Regen nach — Ottenrieth stellte es mit Genugtuung fest. Durch Das offene Fenster sah er, Daß am Himmel schon Sterne flimmerten. Morgen roürDe es schön fein. Er ging hinüber ins Kaffeehaus Jdl zum Schwarzen Der kleine Raum war leer. Die Kellnerin saß mit einer Handarbeit am Rundfunk. Nach einer Weile kam auch das Mondgesicht herein, setzte sich in eine Ecke, bestellte eine Me- lange, paffte eine Zigarette nach der anderen, starrte stumpfsinnig vor sich hin. Einmal hob er Den Kopf unD bemerkte Den Blick Ottenrieths. Aber er kannte ihn nicht. * Am nächsten Tage, nach ziemlich unruhig verbrachter Nacht, faßte Ottenrieth, um auf anDere Gebauten zu kommen. Den Entschluß zu einer Fahrt nach Saut Ambrogio. Er sah, während er sich rasierte, Den jungen Mann im GabarDinemantel, Dessen Gegenwart sich so unvermutet in seine Träume geDrängt hatte, aufgeregt Den Uferkai entlanglaufend und immer wieder nach der „Casa Rossa" hmüberblickend. Was mochten Die beiDen gestern noch miteinander besprochen haben, nachdem er selber gegangen war? Er hätte etwas darum gegeben, wenn er es gewußt hätte. Dieser „Fritz", dessen Namen er nicht kannte, war ihm unheimlich, obgleich er immer noch den Gedanken wegscheuchte, zwischen ihm und Renata könnte irgendeine ernste, seine heimliche Liebe bedrohende Verbindung bestehen. War es klug, sich zu entfernen, während der andere hier saß? Es war vielleicht Dumm. Aber unerträglich wäre es gewesen, mit anzusehen wenn Die beiDen zusammen spazierengingen oDer wenn Der Junge etwa gar mit Renata unD ihren Eltern an einem Tisch säße. Sie hatte zwar gesagt, das hatte er noch aufgefangen, daß die Estern keine Ahnung von dem Jüngling hätten — aber konnte der nicht doch Mittel und Wege finden, sich >hnen vorzustellen? Er selber Ottenrieth. hätte in der gleichen Situation sicher Mittel und Wege gefunden. Auf alle Fälle wollte er erst am Nachmittag nach Sani Ambrogio fahren. Doch es ereignete sich nichts. Weder konnte er, immer wieder vom Fenster aus den Lungolago mit den Blicken absuchend, feststellen, daß sie sich trafen, noch erschien der junge Mann in Der „Casa Rossa". Zum Frühstück erschien er nicht, aber auch Renata unD ihre Eltern speisten roieDerum auf Dem Zimmer. Eine Frage an Das Zimmermädchen ergab, Daß gestern überhaupt keine neuen Gäste angekommen waren. Also wohnte das Mondgesicht nicht in Der „Casa Rossa". Stundenlang faß Ottenrieth nach Dem Mittagessen im Vorgarten Des Kaffeehauses, Die Straße unablässig im Auge. Endlich sah er Den FremDen mit seinem Köfferchen vor Dem Hotel „Benaco" in ein Auto steigen, Das Den Weg nach Der neuen Autostraße entlangrollte. Also reifte er ab. Aber wurde Die Angelegenheit durch diese rasche Abreise nicht nur noch verworrener und undurchsichtiger? Ottenrieth holte seinen Wagen aus der Garage, rief Dem Baron, Daß man ihn zum AbenDbrot nicht erwarten möge, unD fuhr in Der Richtung nach Mal- cejine Davon, zur Linken immer Die trümmerreidjen, mit Olivenpflanzungen beftanDenen Hänge Des Monte BalDo, zur Rechten Den gläsernen Spiegel Des Sees, auf Dem heute roieDer die weißen Segel wie Möwen trieben. Die Sonne stand schon tief, als er in dem kleinen Dorf ankam. Lang und schmal lag Der Schatten Der hohen Zypressen über Der Straße. Am Ufer mürben mit Gepolter Steine in ein großes, Dickbäuchiges Boot verlaDen. Der Schiffer winkte ihm vertraulich zu, er kannte ihn Dem Ansehen nach von Torbole her. Auch Der grauhaarige Albergo-Wirt erkannte ihn sogleich roieDer. Es kam nicht oft vor, Daß hier ein großer Wagen hielt, Die meisten jagten Durch Den Ort, nach Torri unD Garda zu. Ottenrieth setzte sich in Den Garten am See, bestellte ein Viertel Roten und versuchte, Den Wirt ein wenig auszuholen. Aber Das erwies sich als schwierig, Denn der Gute verstand nicht Deutsch. Man mußte seine Zuflucht zur Zeichensprache nehmen, die Finger auf Der rohen Tischplatte spielen lassen wie auf einer Klaviatur, auf das Kirchlein beuten, bas weiß durch bas Gezweig ber Delbäume schimmerte, unb „musica“ sagen unb „tedesco“. „Ah! Ah!" rief der Wirt mit lebhaften Gebärden, stolz, daß er verstanden hatte. „II maestro tedesco! Si si, signore capisco bene, Sor Francesco — grande artista tedesco — va beng, va bene —.“ Unb sobalb Ottenrieth seinen Wein getrunken, begleitete er ihn persönlich, hembärmelig, wie er war, zum Pfarrhaus unb ging voran. Hochwürben bas Begehren bei Fremben zu melben. Der alte Pfarrer, ber im ©arten seine Weinreben hochband, stutzte. Noch nie in all Den Jahren hatte ein Mensch aus DeutschlanD nach Dem FreunD gefragt. Was beDeutete es? Er stieg in Bartolds Stube hinauf unb erzählte ihm, unten sei jemanb, ber ihn besuchen wolle — ein ßanbsmann, ein Deutscher. Bartold hob den grauen Kopf vom Harmonium, über dem er einer Klangverbindung nachgeträumt hatte. „Landsmann, sagst du? Wie sonderbar! Wie lang ist es her, daß ich von der Heimat hörte! Laß mich ihn im Garten sprechen." Majelli ging wieder hinab und suchte Den Fremden auf, Der unter Den kühlen, steingewölbten Ar- toben wartete. Er hatte im Lauf Der langen Jahre so viel an deutschen Brocken gelernt, daß er ihn begrüßen unD durch das Speisezimmer geleiten unb ein wenig unterhalten konnte, bis Bartold käme. Zwischen Den Bäumen und Büschen des mauer- umhegten Gärtleins hing noch die Wärme des Tages, der langsam mit tiefblauen Schatten über den See zur Ruhe ging. Auf feinen Stock gestützt, kam ber Blinde mit sicheren Schritten vom Hause her — er brauchte sich nicht vorwärts zu tasten, jeder Stein auf dem Weg war ihm in diesen siebzehn Jahren vertraut geworden. Ottenriech nannte seinen Namen, sagte, wie er neulich ganz durch Zufall in die Dorfkirche von Sant Ambrogio gekommen sei unb in ber Dunkelheit, im Gestühl verborgen, bem Spiel der Orgel gelauscht habe, und wie es seitdem ihm keine Ruhe lasse, bis er dem Meister, ber bas Instrument so herrlich spielte, bie Hand habe brücken können. Mit einer erschrocken abwehrenden Gebärbe hob Bartolb ben Arm. „Um Gottes willen, nennen Sie mich nicht Meister", sagte er langsam, unb fast erschrak er, wie ungewohnt ihm bas Sprechen in seiner Muttersprache war. „Ich fühle mich weit wie die Sterne von aller Meisterschaft entfernt." „Aber", fuhr Ottenrieth fort: „allzuviel Bescheidenheit ist vorn Uebel! Ich bin ja neulich leider erst spät gekommen, ich habe nicht das Ganze hören können. Aber was ich gehört habe — nein, wirklich, mein Kompliment! Dessen braucht sich ein Meister nicht zu schämen. Das war wohl ber Schlußsatz einer Fuge, wenn ich recht verstanden habe?" Die Antwort lautete: Ja, das sei eine Fuge gewesen. (Fortsetzung folgt!) Haus Wirtschaft 0' 1900 I.Jgd. — Gef. 2/116 Fußballmannschaft 2:0 (2:0). ' Beide Mannschaften der HI. lieferten sich ein zähes Rennen, das zum Schlußpfiff die Blauweißen als Sieger sah. Die Gef. 2/116 gab eine gute Vorstellung, und mit etwas mehr Glück hätte das Ergebnis leicht anders lauten können, wenn nicht die Abwehrmauer der 1. Jgd. der SpVg. 1900 auf der Hut gewesen wäre. Der Sturm der Blauweißen konnte sich nicht so recht durchsetzen, da die Ersatzspieler aus der zweiten Jugend körperlich etwas zu schwach waren. Hätte der Sturm eine andere Durchschlagskraft besessen, so wäre das Spiel schon in der ersten Halbzeit eindeutig für 1900 entschieden gewesen. Jedoch erschöpfte man sich immer wieder in Kombinationen vor dem Tor, und der Erfolgsschuß fehlte! — Nach der Halbzeit sah das Bild etwas anders aus. Die Fußballmannschaft der Gef. 2/116 machte sich mehr und mehr frei und bedrohte gar oft das Tor der Blauweißen. Jedoch ohne Erfolg! Briefkasten der Redaktion. I. R. Gemeint ist die gewöhnliche, im ganzen Alpengebiet volkstümliche Zither. Jung und alt, Männer und Frauen, spielen darauf, indem sie das Instrument nicht wie die Konzertzither auf den Tisch, sondern auf den Schoß legen. d. < n a te st'.s h> bi ai P b! 2'. wohl Rohstoffe — diese indessen nur wertmäßig — als auch Halbwaren und Fertigwaren. Unter diesen haben wiederum nur Enderzeugnisse — bei leichtem Durchschnittswertrückgang — zugenommen, während die Ausfuhr von Vorerzeugniffen etwas zurück- gegangen ist. Mein-Mainische Börse. INillagsbörse weiter abgefchwächt. Frankfurt a. M., 20. Juni. Mangels jeglicher Anregung fehlten auch zum Wochenbeginn der Börse Kaufaufträge aus Kundschaftskreisen, so daß das vorhandene Angebot aus Abwicklungsverkäufen weiterhin nur zu ermäßigten Kursen Aufnahme fand. Dabei blieben allerdings die Umsätze wie bisher in bescheidenstem Rahmen. Große Kursoeränderungen gegenüber den Letztnotierungen traten nirgends auf, die Rückgänge betrugen zumeist nur den Bruchteil eines Prozentes. So waren IG. Farbenindustrie trotz der Ausführungen in der Hauptversammlung 0,40 v. H. schwächer, am Elektromarkte bröckelten Siemens um 0,25 v. H., Mainkraft um 0,50, AEG. sogar 1 v. H. ab. Holzmann abzüglich 7,2 v. H. Dividende darüber hinaus etwa 1 v. H. schwächer genannt. Am Maschinenmarkt gaben MAN. 1 o. H., Rheinstahl 0,75 v. H. nach. Daimler verloren 0,40 v. H., Adlerwerke Kleyer blieben behauptet. Montanwerte lagen weiterhin allgemein schwächer, wobei Vereinigte Stahlwerke 0,50 v. H., Rheinstahl 0,13 v. H., Hoesch 0,50 v. H. zurückgingen. Schließlich wurden Reichsbank-Anteile noch 0,75 d. H. niedriger notiert, während bei allen übrigen Märkten die ersten Kurse überhaupt nicht festgesetzt werden konnten. Renten lagen ebenfalls ziemlich geschäftslos, Kommunal-Umfchuldung wurden mit 96 nach zuletzt 95,95 gehandelt, auch Späte Schuldbücher eher etwas freundlicher. Auch im weiteren Verlaufe konnten die günstigen Meldungen aus der Wirtschaft keinerlei Anregung ausüben, die Börse blieb äußerst still und zeigte auch kaum noch Kursoeränderungem U. a. gaben Hoesch noch 0,13 v. H. nach, Rheinstahl aber um 0,65 v. H. gebessert. Vor allem auch IG. Farbenindustrie um 0,50 d. H. erhöht, wobei der bevorstehende Dividendenabgang mitgesprochen hat. Abendbörse behauptet. Trotz der großen Geschäftsstille zeigte die Abendbörse gegenüber dem nicht erholten Mittagsschluß einigermaßen behauptete Kurse. Etwas leichter lagen Erdöl, und zwar 0,50 v. H., Metallgesellschaft, die nachbörslich bis 127,65 (129,50) zurückfielen, waren auf dieser Grundlage eher noch angeboten. Rheinmetall in Anpassung an den schwächeren Berliner Kurs bis 141,75 v. H. abgeschwächt. IG. Farben dagegen 0,13 v. H. freundlicher. Die übrigen Werte wurden, soweit überhaupt Nennungen erfolgten, auf unveränderter Kursgrundlage gesprochen. Renten wiederum ohne Umsatz, man hörte Kommunal-Umschuldung mit 96 v. H. Die Abend- böfse schloß still. Es notierten IG. Farben 160,90, Adca 103,65, Commerzbank 113,90, Deutsche Bank 120,25, Dresdner Bank 111,75, Reichsbank 193,50, Buderus 113,25, Vereinigte Stahlwerke E 106,75, Bemberg 136, Berger Tiefbau 152,75, Demag 147,50, Erdöl 136,50, Scheideanstalt 244,50, Rheinmetall 141,75, Stempel 105. Fwd. Hege m a g, Hessische gemeinnützige AG. für kleine Wohnungen, Darmstadt. Die Gesellschaft konnte erstmals seit 1929 in ihrem Berichtsjahr 1937 mit einem Reingewinn, und zwar von 3 325 RM., abschließen. Bisher waren die Ueberschüsse zur Beseitigung des Verlustvortrages notwendig, auch aus dem Jahresgewinn 1937 von 21 688 (59 123) waren 18 362 RM. Verlustvortrag erst abzudecken. Die Mietaussälle haben sich auf knapp ein Viertel (ein Prozent) der Sollmiete, die Mietrückstände 7200 (10 500) RM. verringert, unter letzteren waren noch 3800 RM. inzwischen eingegangene Dezemberm'eten enthalten, lieber den Stand des Unternehmens bemerkt der Bericht des Reoisionsverbandes, daß seine Gesamt» läge nach Durchführung der Sanierung (durch Staat und Städte) gesund sei. Seine Weiterentwicklung ist davon abhängig, daß ihm die Möglichkeit gegeben wird, die Bautätigkeit wieder aufzunehmen, zumal die Voraussetzungen hierfür durch die Sanierung geschaffen sind. Die Gesellschaft hält eine Kapitalerhöhung für notwendig, ihre Durchführung würde die Abgeltung der bedingten Ansprüche >er Sanierungsgläubiger aus dem Reingewinn sowie künftig eine Dividende ermöglichen. * H o he Antragszugänge bei den öffentlichen Lebensverficherungsan» ft a l t e n im Mai. Im Mai wurden bei den im Verband öffentlicher Lebensverficherungsanftalten in Deutschland zusammengeschlossenen Anstalten 13 472 Anträge gestellt mit 31,71 Millionen RM. Versicherungssumme (gegenüber 10 691 Anträgen mit 26,79 Millionen RM. Versicherungssumme im Vormonat und 14 054 Anträgen mit 24,61 Millionen RM. Der» sicherungssumme im Mai 1937). Zu diesem guten Ergebnis hat vornehmlich die Gi;oßlebensverficherung beigetragen, die sowohl der Anzahl wie der Summe nach die Zahlen der Vergleichszeiten übertroffen hat. Die durchschnittliche Versicherungssumme stellt sich für Mai in der Großlebensversicherung auf 3656 RM. und in der Kleinlebensversicherung auf 490.— RM. Oer deutsche Außenhandel im Mai. Fwd. Die vom Statistischen Reichsamt erstellten Außenhandelszahlen beziehen sich bis auf weiteres noch auf das deutsche Wirtschaftsgebiet in seinem früheren Umfang, d. h. sie stellen nach wie vor den Außenhandel des Altreichs dar. Aber aus einer Zusammenfassung der Zahlen des Handelsstatisti- schen Dienstes und des Statistischen Reichsamts ergeben sich folgende Zahlen für den Außen han- d e l Großdeutschlands: Hier beläuft sich im Mai die Einfuhr auf 516 Mill. RM., die Ausfuhr auf 465,5 Mill. RM.; die Einfuhr ist demnach gegenüber dem Vormonat um 39,1 Mill. RM. oder 8,2 v. H., die Ausfuhr um 13,5 Mill. RM. oder 3 v. H. gestiegen. Damit hat sich der Einfuhrüberschuß weiter erhöht, von 24 9 Mill. RM. im April auf 50,5 Mill. RM. im Mai. Für Januar bis Mai beläuft sich dßr Einfuhrüberschuß auf 151,8 Millionen Reichsmark. Die Zunahme der Einfuhr in Großdeutschland gegenüber dem Vormonat entfällt überwiegend auf Waren der Gewerblichen Wirtschaft, insbesondere Rohstoffe und Halbwaren. Zugenommen hat auch die Einfuhr von Waren der Ernährungswirtschast, vor allem von lebenden Tieren und Waren tierischen Ursprungs, während die Einfuhr von Nahrungsmitteln pflanzlichen Ursprungs zurückgegan- gen ist. Eine leichte Steigerung der Ausfuhr zeigt sich nur bei Waren der Gewerblichen Wirtschaft: die Ausfuhr von Waren der Ernährungswirtschaft ist etwas zurückgegangen. Enderzeugnisfe und Halbwaren vor allem sind nicht mehr ausgeführt worden, während die Ausfuhr von Vorerzeugniffen ein klein wenig kleiner geworden ist. Im Altreich beläuft sich im Mai die Einfuhr auf 455,2 Mill. RM., die Ausfuhr auf 427,1 Mill. RM. Auch hier sind Einfuhr wie Ausfuhr gegenüber dem Vormonat gestiegen, die Einfuhr um 25,7 Mill. RM. oder 6 v. H., die Ausfuhr um 4,6 Mill. RM. oder 1,1 v. H. Infolge der stärkeren Zunahme der Einfuhr ist auch hier der Passivsaldo gestiegen, von 7,0 Millionen RM. im April auf 28,1 Mill. RM. im Mai. Diesen Zunahmen liegt im wesentlichen eine Mengensteigerung zugrunde; die Durchschnittswerte haben sich nur wenig verändert, sie sind im ganzen noch leicht zurückgegangen. Die Belebung der Einfuhr im Altreich entfällt fast ganz auf Waren der Gewerblichen Wirtschaft; deren Einfuhr hat um 25,3 Mill. RM. oder 9,7 v. H. zugenommen. Alle Gruppen find daran beteiligt, am meisten Rohstoffe, deren Einfuhr um 16,6 Millionen RM. ober 11,1 v. H., und Halbwaren, deren Einfuhr um 6,4 Mill. RM. oder 8 v. H. gestiegen ist. Die Einfuhr von Waren der Ernährungswirtschaft hat sich im ganzen kaum verändert. Einer Einfuhrsteigerung bei lebenden Tieren, Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs und Genußmitteln steht ein Rückgang bei Nahrungsmitteln pflanzlichen Ursprungs gegenüber. Die leichte Steigerung der Ausfuhr des Altreichs entfällt ganz auf die Waren der Gewerblichen Wirtschaft; deren Ausfuhr ist um 5,2 Mill. RM. oder 1,3 v. H. gestiegen, während die Waren der Ernährungswirtschaft in etwas verringertem Maße ausgeführt worden find. Gestiegen sind unter den Waren der Gewerblichen Wirtschaft ganz leicht fo- brachte die erste Runde im Männereinzel, also nicht weniger als 64 Begegnungen. Erfreulicherweise konnten sich unsere Davispokalspieler sämtlich für die zweite Runde qualifizieren. Meister Heinrich Henkel gab auf Platz 1 eine recht eindrucksvolle Vorstellung und schlug den Engländer Bull mit 6:2, 6:0, 6:2. Gegen Henkels temporeiches und variiertes Spiel kam der Brite nicht auf. Schwerer hatten es schon Georg von Metaxa und Rolf ©opfert Der Wiener bezwang den bekannten englischen Davispokalspieler Wilde mit 4:6, 6:3, 9:7, 7:5, und ©opfert schlug den vom Wiesbadener Länderkampf her bekannten Inder Singh in einem Kampf, der über die ganze Distanz ging, mit 6:2, 2:6, 6:3, 4:6, 6:3. Auf dem „center-court" machte in althergebrachter Weise der Titelverteidiger, in diesem Falle also der Amerikaner Donald B u d g e, den Beginn. Der Weltmeister hatte keine Mühe, den Engländer Gcm- dar D o w e r mit 6:2, 6:3, 6:3 ohne Satzverlust zu schlagen. Auch sonst gab es durchweg Favoriten- fiege. Don den „Gesetzten" kamen noch „Bunny" A u st i n (England), Roderich Menzel (Tschechoslowakei), Franz P u n c e c (Jugoslawien), Ladislaus Hecht (Tschechoslowakei) und Dragutin Mitic (Jugoslawien) eine Runde weiter. Austin war allerdings in seinem Kampf gegen Englands Hoffnung Filby stark in Nöten und gewann erst im fünften Satz. Daß es nicht ganz ohne Ueber- raschung abging, dafür sorgte der Argentiner Ruffel, der auf einem der Nebenplätze den Berliner Rot/Weiß - Sieger Jaro D r o b n y (Tschechoslowakei) bezwang. Aufstiegspiel zur Bezirksklasse. VfV.-R. Gießen — Ehringshausen 0:2. Wenn man geglaubt hatte, die VfBer würden die Ehringshäuser glatt überfahren, so sahen sich die BfB.-Anhänger sehr getäuscht. Die VfBer spielten sehr zerfahren und konnten sich zu keiner einheitlichen Handlung aufraffen. Es fehlte der Einsatz. Die Ehringshäuser dagegen zeigten großen Eifer, und dieser wurde durch zwei Tore belohnt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 20. Juni. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 13 210, W 16 213, W 19 217, M 20 219; Roggen R 12 187, R 15 190, R 18 194, R1Ä196, Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete; Futtergerste —, Futterhafer —; Weizenmehl Type 812 W 13 29,50, W 16 29,60, W 19 29,60, W20 29,95; Roggenmehl Type 1150 R 12 22,45, R 15 22,80, R18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 Mark Frachtausgleich; Weizenfuttermehl 13,60; Weizenkleie W 13 10,75, W16 10,90, W19 11,10, W 20 11,20; Roggenkleie R 1'2 9,95, R15 10,15, R 18 10,40, R19 10,50, Mühlenfestpreife ab Müblenstätion; Sojaschrot —, Palmkuchen —, Erdnußkuchen —; Treber getrocknet 14,—, Höchstpreis ab Erzeugerstation; Trockenschnitzel —, Heu, gut, gesund, trocken, 5,50, do. drahtgepreßt —, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt 3,30, do. gebündelt 3,—, Erzeugerhöchstpreis frei Erzeugerverladestation. Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 21. Juni. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 728 Kälber, 41 Hämmel, 29 Schafe, 3641 Schweine. Es kosteten: Kälber 34 bis 65 Mark, Lämmer unti Hämmel 38 bis 52, Schafe 28 bis 42, Schweine 50 bis 57 Mark. — Marktoerlauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Hümmel und Schafe mittel. WDrula Bleichwachs 2146 Leichter wird diese Arbeit mit Rasenbesen, Rasenmäher, Kantenstecher, Rasensprenger Wer einen schönen Rasen haben will, fragt nach dieser^ Helfern bei heiß, das Mittel, das auch Ihre hartnäckigen 11 Häuf Unreinigkeiten Xj" resf/os beseitigt! Für MK.2.1O, aber nur in Apothekenl best.: Universitäts-Apoih.z. gold. Engel u. Pelikan-Apoth. 1052 v Gut erhaltener HeMwagen preiswert zu verkaufen. 02882 Am großen Morgen 7 (Schiffend. Weg) 3000 qm Heugras im Heegstrauch zu verkauf. 02885 Fritz Euler, Hammstraße 16, Telephon 2095. Kaufgesuche | Dreirad in gut. Zustand, f. öjühr. Jungen zflMnpochl Schrift!. Angeb. mit Preisangabe unt. 4247 V an d. Gießen. Anzeig. 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