Nr. 67 Erstes Matt 188. Jahrgang Montag, 21. März 1958 Erscheint rüg llch, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Lietzener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Bezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr . . e -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sietzen Postscheckkonto: Zrantfuri am Main 11688 Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen DraÄ und Verlag: vrühlsche UniverfitStsdruckerei v. Lange in Sieben. Zchristleitung und Seschäftrfteüe: Zchuisttaße r Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Npf.. für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Npf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg.25°/„ mehr. Ermätzigte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts» u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Wir wollen bekennen! Der Führer hat uns aufgerufen, ihm am 10. April zusammen mit den Brüdern in Oesterreich unsere Zustimmung zur Eingliederung der Ostmark in das Deutsche Reich zu geben, zugleich aber auch die Männer zu berufen, die im befreiten Donauland als Vorkämpfer der deutschen Sache gestrebt und gelitten haben und die nun im künftigen Reichstag durch ihre Anwesenheit das großdeutsche Volksreich repräsentieren sollen. Schon Freitag saßen die Männer der Ostmark nicht mehr in der Diplomatenloge, sondern auf den Regierungsbänken und bekundeten damit, stürmisch umjubelt und begrüßt, die vollzogene Wiederaufrichtung Groß-Deutschlands. Wir wollen also nicht wählen im alten parlamentarischen Sinne, denn unsere Wahl ist schon getroffen; wir wollen aber ein feierliches Bekenntnis ablegen zu diesem großdeutschen Volksreich, so wie wir es in unserem Innern, in unseren Heilrufen, im Gesang der Nationalhymnen schon so oft in diesen Tagen Oer Gauleiter gibt heute die Wahlparole aus. TILG. Für die Volksabstimmung am 10. April gibt der Gauleiter am Montag, 2 1. März, 2 0 Uhr, im Kleinen Haus, Mainzer Landstr.55, in Frankfurt a.M., die Parole aus. Zur Teilnahme an dieser Tagung sind verpflichtet: die Gauamtsleiter, Gauhauptstellenleiter, Gau- und Kreisredner, Gau- und Kreisfachredner, die Mitglieder des Gaurings für nationalsozialistische Propaganda und Volksaufklärung und die Führer aller Gliederungen bis Standartenführer bzw. gleichgestellte Dienstränge, außerdem die Kreis- teiter, Kreispropagandaleiter, Kreisfunkstellenleiter, Kreissilmstellenleiter, Hauptstellenleiter Aktive Propaganda in den Kreisen, Kreiskaffenleiter, Kreisobmänner der DAF., Kreiswarte KdF. und die Sreisfrauenfchaftsleiterinnen. Mit der Ausgabe der Wahlparole durch den Gauleiter eröffnet der Gau Heffen-Naffau schlagartig den Wahlkampf. getan haben. Wir wollen mit dieser Abstimmung dem Führer zugleich unseren Dank abstatten und ihm damit neue Kraft geben, das größere Werk der Zukunft zu vollbringen. Wir werden aber auch dem Auslande zeigen: unzertrennbar ist die Einheit aller Deutschen und unüberwindlich unser Wille, die Freiheit und Ehre dieser geeinten Nation zu schützen, was immer auch kommen mag. Zwar hat man auch in den sogenannten Demokratien, deren doppelte Moral und zwiespältige Politik der Führer von so überlegener Warte anprangerte, die Begeisterungsstürme des deutschen Volkes während der letzten Tage vernommen, aber nun sollen die Regierenden ebenso wie die Massen in diesen Ländern auch erfahren, daß die Gesamtheit der Deutschen hinter der Tat des Führer steht, daß jeder Angehörige unseres Volkes mit Herz und Hand und Hirn dem Großdeutschen Reich verschworen ist. Die Welt muß wissen, daß die Zeiten endgültig vorüber sind, da man die Völker um der eigensüchtigen Interessen einiger politischer Dunkelmänner willen vergewaltigte und so immer neue internationale Reibungsflächen künstlich schuf, durch die Gegensätze und Spannungen unseres leidge- quäüen Erdteils verewigt bleiben sollten. Daher wird, wenn am 10. April fast 50 Millionen deutsche Menschen ihr Ja-Wort in die Waagschale der geschichtlichen Entscheidung werfen, diese Abstimmung zugleich die festeste Garantie für die Aufrechterhaltung des Friedens bilden. Das von Wilson proklamierte Selbstbestimmungsrecht der Völker, auf das sich die „Gewalttäter der Friedensdiktate" einst beriefen, um es zu verfälschen und zu verhöhnen, — mir wollen e s verwirklichen. Wir wollen der Welt zeigen, daß es noch ein Ideal des Rechtes und der Wahrheit unter den Menschen gibt, das der uralten Kultur des Abendlandes würdig ist, ein Ideal, das nicht einige hochmütige Politikaster oder weltfremde Träumer nur im Munde führen, sondern das durch die gewaltige zusammengeballte Kraft eines 75- Millionen-Reiches eine geschichtliche Realität von höchstem Gewicht und größter Wirkungskraft darstellt. Welche Macht wird es jetzt und vor allem nach dem 10. April noch wagen, die Tatsache eines neuen und besseren Europas zu bezweifeln? Welcher ausländische Pressemann wird es ohne Gefahr, sich der Lächerlichkeit preiszugeben, noch unternehmen, die Rechtmäßigkeit des Anschlusses zu bekritteln oder von einem nationalsozialistischen Ueberfall auf das „unabhängige" Oesterreich zu faseln? Auch den Greuelhetzern und Lügenfabrikanten wollen wir also eine Antwort und eine Lehre erteilen, die diese Raubritter der Neuzeit nie wieder vergessen. Ein mächtiges Deutsches Reich ist erstanden, ein Reich, das ganz aus.eigener Kraft, ja gegen den Willen vieler hochgerüsteter Mächte und gegen eine feindselige Weltmeinung sein urewiges Lebensrecht erkämpfte, ein Reich, das in der Weltpolitik als stärkstes Bollwerk gegen den alles zerstörenden Bolschewismus die führende Rolle übernommen hat. Dafür dem Führer zu danken, bedeutet uns die erste tiefgefühlte Pflicht. Dem Führer aber auch unser greuzenlojes Der- SerFührergabdieMtlmiensürdenWahlkamps Tagung des Führerkorps der Partei in der Krolloper. Berlin, 19. März. (DNB.) Am Samstagnachmittag fand in der Krolloper eine Tagung der Parteiführerschaft statt, auf der der Führer die Richtlinien für den bevorstehenden Wahlkampf bekanntgab. Einleitend legte Reichspropagandamini- ster Dr. Goebbels die organisatorisch-propagan- dlstischen Grundsätze für den Wahlkampf dar und stellte die praktischen Einzelanweisungen für den Wahlkampf heraus. Er teilte u. a. mit, daß d e r Führer auch diesmal wieder die Hauptlast des Wahlkampfes durch persönlichen Einsatz in Massenkundgebun- ge n, insbesondere in Oesterreich, auf sich nehmen wird. Mit minutenlangen Beifallsstürmen begrüßte das Führerkorps der Partei die führenden Parteigenossen Deutsch-Oe st erreichs, an ihrer Spitze Reichsstatthalter ^Gruppenführer Seyß- Jnquart, die führenden Männer sämtlicher Gliederungen, die Männer der nationalsozialistischen Propaganda und Presse den Führer. In mehr als einstündigen mitreißenden Ausführungen zeigte der Führer die Bedeutung dieser einzigartigen Volksabstimmung über das geschaffene groß- deutsche Volksreich auf und gab der nationalsozialistischen Partei die Richtlinien und den Marschweg für die Arbeit der kommenden Wochen. Seine Worte waren getragen von dem Glauben an das deutsche Volk und von dem Vertrauen auf die sieghafte Kraft der nationalsozialistischen Idee, die das Tor zur großen deutschen Volksgemeinschaft jedem Deutschen öffnet. Am Schluß der immer wieder von Beifallsstürmen unterbrochenen Rede bereitete das Führerkorps der Partei dem Führer eine erhebende Kundgebung. Reichspropagandaleiter Dr. Goebbels gab am Schluß der Kundgebung den Empfindungen des Führerkorps der Partei Ausdruck, indem er ausrief: ,Mein Führer! Wir werden durch unerhörte Disziplin und Gehorsam, durch Fleiß und rücksichtslosen Einsatz von Arbeit und Gesundheit den Abstimmungskampf zur größten Vertrauenskundgebung gestalten, die das deutsche Volk je für Sie und Ihr Werk abgelegt hat." Das Verfahren am 10. April. Getrennte Abstimmungen im alten Neichsgebiet und in Oesterreich. Berlin, 19. März. (DNB.) Nachdem der Termin für die Reichstagswahl auf Sonntag, 10. April 1938 festgesetzt ist, hat der Reichs- und Preußische Minister des Innern angeordnet, daß die Stimmlisten und Stimmkarteien im Reichsgebiet (außer Oesterreich) ajn 2. und 3. April 1938 aufzulegen find. Im Land Oesterreich, das an der Reichstagswahl teilnimmt, liegen die Stimmlisten in der Zeit vom 27. bis 31. März auf. Im Zusammenhang mit der Tatsache, daß auch im alten Reichsgebiet für den 10. April eine Volksabstimmung angeordnet ist, find Zweifel darüber entstanden, ob diese beiden Volksabstimmungen gewissermaßen eine „E i n h e i t" bilden, so daß an der Volksabstimmung im Lande Oesterreich auch solche Wähler teilnehmen können, die nicht die Voraussetzungen für die Teilnahme an österreichischen Wahlen erfüllen, d. h. also insonderheit nicht die österreichische Staatsangehörigkeit besitzen. Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß beide Volksabstimmungen, wenn sie auch am gleichen Tage stattfinden und ihnen die gleiche Fragestellung zugrunde liegt, völlig verschieden behandelt werden, wie dies auch in der Verschiedenartigkeit der Stimmzettel in Erscheinung tritt. Es kommt also gar nicht in Frage, daß etwa die Volksabstimmung in Oesterreich, d. h. die Volksabstimmung durch Wähler mit bisher österreichischer Staatsangehörigkeit durch Teilnahme von bisher Reichsdeutschen ein unzutreffendes Bild ergibt. Rein äußerlich tritt dies schon dadurch in Erscheinung, daß selbst die im Lande Oe st erreich lebenden bisherigen Reichsdeutschen nicht mit den für das Land Oesterreick bestimmten Wahlzetteln wählen, sondern daß diese nur an der fürdas übrige Reichsgebiet vorgesehen en Volksabstimmung in den zur Entgegennahme dieser Stimmen besonders ermächtigten deutschen Wahlbehörden in Oesterreich teilnehmen; dieser reichsdeutsche Personenkreis nimmt also nicht an der besonderen „österreichischen" Volksabstimmung teil. Seine Stimme wird nur der Volksabstimmung int alten Reichsgebiet zugerechnet. Das schon Samstag bekanntgegebene Gesetz über das Reichstagswahlrecht bestimmt, daß an die Stelle der Kreiswahlvorschläge der Reichswahlvorschlag tritt; d. h., es wird an deren Stelle nach dem Gesetz nur ein einziger Reichswahlvor- schlag treten. Neuer Erfolg der deutschen Lustfahrt. Heinkel-Flugzeug erobert mit DMW.-Motoren acht Weltrekorde. Berlin, 20.März. (DRV.) Am Sonntag Hal ein zweimoloriges Seeflugzeug der £)einfei f l u g 3 e u g ro e r f e, ausgerüstet mit B2U2B.- 132-2Hotoren auf einem Flug über 2000 Kilometer mit 2000 Kilogramm Nutzlast die Geschwindigkeit von 329 Kilometer in der Stunde erreicht, nachdem es bis zur 1000-Kilometer-Grenze sogar 331 Kilometer Stundengeschwindigkeit erzielt hatte. Die Besatzung bestand aus Flugzeugführer Diplom-Ingenieur Ritz der heinkel-werke und Mechaniker Schmidt der Bayerischen Motorenwerke. Mit dieser hervorragenden Leistung fielen a ch t Weltrekorde an Deutschland, die Rekorde über 1000 Kilometer ohne Nutzlast, mit 500 Kilogramm Nutzlast, 1000 Kilogramm und 2000 Kilogramm Nutzlast, ferner die Rekorde über 2000 Kilometer ohne Nutzlast, mit 500, 1000 und 2000 Kilogramm Nutzlast. Sämtliche Rekorde wurden bisher vom Ausland gehalten und standen für die 1000-Kilometer-Strecke auf 309 Kilometer. Bei günstigem Wetter durchflog das Heinkel-Flug- zeug viermal die von Laboe bei Kiel über den Swlnemünder Leuchtturm nach Leba in Pommern führende 500 Kilometer lange Meß- tr a u e n zu schenken, damit er nun den inneren Aufbau des nach außen gefestigten und endgültig gesicherten Großdeutschen Reiches vornehmen kann, ist uns ein nicht weniger herzliches Bedürfnis. Der Weg zu einer glücklicheren Zukunft für alle, für unsere Kinder und Kindeskinder ist frei. Am 10. April wollen wir den ersten Schritt auf dieser Straße tun, getreu der Parole: Ein Volk, ein Reich, ein Führer! H. Evers. Gauletter Vürckel rüst zur „Volksspende" in Oesterreich aus. Wien, 20. März. (DNB.) Der Beauftragte des Führers für die Volksabstimmung in Oesterreich, Gauleiter B ü r ck e l, hat folgenden Aufruf erlassen: Deutsche! Die Jahre des wirtschaftlichen Niederganges haben besonders die ärmsten Schichten des deutschen Volkes in Oesterreich getroffen. In den Arbeitervierteln unserer Großstädte leben viele unserer Volksgenossen unter den menschenunwürdig st enVer- hältnissen. Hier muß unsere erste Hilfe strecke. Bei der Durchführung des Rekordfluges wirkte die Luftwaffe mit Flak-Meßgeräten und fahrbaren Funkstellen sowie durch Einsatz von Sicherungsflugzeugen mit. Der Flug wurde von amtlichen Sportzeugen überwacht und zur Anerkennung durch die Federation Aeronautique Internationale angemeldet. Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generalfeldmarfchall Göring, richtete an Dr. Ernst Heinkel folgendes Telegramm: „Zu dem hervorragenden Erfolge eines Ihrer Seeflugzeuge, durch den acht bestehende internationale Rekorde Überboten wurden, spreche ich Ihnen, allen Beteiligten und besonders auch der Besatzung meinen Glückwunsch und meine volle Anerkennung aus. Ihr Derk hat für die Weltgeltung der deutschen Luftfahrt einen hervorragenden Beitrag geleistet." — Den Bayerischen Motorenwerken telegraphierte Generalfeldmarschall Göring: „Ihre Flugmotoren haben an dem achtfachen Weltrekord des heinkel-Seeflugzeuges einen hervorragenden Anteil ge- habt. Ich übermittle Ihnen meinen Glückwunsch und meine volle Anerkennung." einsetzen. Ich habe eine Volksspende errichtet, die uns ermöglichen soll, erste wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Ich fordere deshalb alle auf, die ihren Dank an den Führer zum Ausdruck bringen wollen, einen ihren Verhältnissen entsprechenden Beitrag zu dieser ersten sozialistischen Tat zu leisten. Mit der Durchführung der Sammlung habe ich Parteigenossen L a n g 0 t h aus Linz beauf- traqt. Die Spenden sind einzuzahlen auf „Volksspende"- Postsparkassenamt-Konto Nr. 208 000 oder bei jedem Institut für das bei der Kreditanstalt Wiener Bankverein 1. Bezirk Schottengasse 6 errichtete Sammelkonto „Volksspende". Dr. Goebbels spricht am Dienstag im Berliner Sportpalast. Berlin, 19. März. (BJtB.) 3n der ersten Großkundgebung des Gaues Berlin der RSDAP. zur Volksabstimmung spricht (Bauleiter Dr. Goebbels am Dienstag, 22. Marz, im Sportpalast. Sicherung der österreichischen Wirischast. Berlin, 19. März. (DNB.) Der Reichswirtschaftsminister hat eine Devisen st eile Wien und dieser angegliedert eine Verbindungsstelle der Ueberwachungsftellen in Wien errichtet. Verschiedene Vorschriften schaffen die rechtliche Grundlage für eine Anpassung des Warenverkehrs im Lande Oesterreich an die tm deutschen Reichsgebiet geltenden Bewirtschaftungsmaßnahmen, wobei Reglementierungen des Wirtschaftslebens auf das äußerste beschränkt und die private Initiative in der österreichischen Wirtschaft nach Kräften gefördert werden soll. Der Reichswirtschaftsminister hat natürlichen und juristischen Personen, die am 13. März 1938 ihren Wohnsitz oder geschäftliche Niederlassung im Deutschen Reich außerhalb Oesterreichs gehabt haben, die Errichtung neuer gewerblicher Unternehmungen und Betriebe in Oesterreick, den Erwerb österreichischer Unternehmungen und Betriebe sowie die Beteiligung an solchen, die Verlegung von Unternehmungen und Betrieben nach Oesterreich und die Errichtung von Filialen, Zweigbetrieben, Betriebsstätten und ähnlichem in Oesterreich grundsätzlich verboten. Diese Verordnung ist bis zum 1. Oktober 1938 befristet. Keppler als Staatssekretär NeichSbeauftragter für Oesterreich. Berlin, 20. März. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat den Präsidenten der Reichsstells für Bodenforschung, Wilhelm Keppler, zum Staatssekretär zur besonderen Verwendung im Auswärtigen Amt ernannt. Staatssekretär Keppler ist von dem Reichsminister des Innern und dem Beauftragten für den Vierjahresplan zum Reichsbeauftragten für Oesterreich mit dem Sitz in Wien bestellt worden. * Staatssekretär Keppler wurde 1882 in Heidelberg geboren, studierte nach dem Besuch der Gymnasien von Heidelberg und Rastatt an den Technischen Hochschulen Danzig und Karlsruhe das Maschinenbau- fach und war seit 1912 Leiter in einer chemischen Fabrik in Eberstadt in Baden. Seit 1927 war er dort nationalsozialistischer Gemeinderat. 1932 wurde er vom Führer nach München berufen, am 5. März 1933 Mitglied des Reichstages und im Juli 1933 Beauftragter des Führers für Wirtschaftsfragen. Im Oktober 1936 wurde er im Rahmen des Vierjahresplanes mit der Leitung der geophysikalischen Erforschung des deutschen Bodens beauftragt. „Wir fahren ins Reich!" 2000 Wiener Arbeiter vor der KdF.-Fahrt. Wien, 20. März. (DNB.) 2000 Wiener Arbeitskameraden wurden am Sonntag vor ihrer Abreise als „KdF."-Fahrer zusammengerufen, um organisatorische Anweisungen entgegenzunehmen. Bei der Auswahl hat man jene Kreise' berücksichtigt, die bisher der Bewegung fernstanden, denen in den marxistischen Hochburgen Wiens die rot-schwarze Judenpresse den Nationalsozialismus als ein Schreckgespenst darstellte. Die nationalsozialistische «Staats» führung will diesen von wirtschaftlicher Not bedrückten, belogenen und verhetzten Volksgenossen zeigen, was in fünfjähriger Arbeit im Dritten Reich geleistet wurde. Sie sollen mit eigenen Augen sehen, daß man sie Jahre hindurch betrogen hat. Aus eigener Anschauung werden sie dann ihren Kameraden nach ihrer Rückkehr von dem wahren Reich Adolf Hitlers, von seinem Fleiß, seinem «Schaffen und seiner festgefügten Gemeinschaft aller «Schichten erzählen können. Erst dann werden viele Arbeitskameraden Oesterreichs begreifen, warum Tausende und aber Tausende Blut und Gut opferten für eine große Idee. Begeisterter Empfang österreichischer Truppen in Berlin. Berlin, 20. März. (DNB.) Von der B-Wölk-, rung jubelnd begrüßt, traf am Sonntagnachmittag das I. Bataillon des Infanterie-Regiments Babenberg aus Men in der Reichshauptstadt ein. Der Kommandant von Berlin, Generalmajor Seifert, hieß, zugleich im Namen des Oberbürgermeisters, die Gäste aus Wien herzlich willkommen. Die Berliner Kameraden würden ihre österreichischen Waffengefährten mit treuem Herzen und in aufrichtiger Kameradschaft aufnehmen. Unter fröhlichen Marschklängen ging es dann durch die Anhalter und die Wilhelmstraße bis zu den Linden, von dort durch das Brandenburger Tor und übet den Königsplatz nach Altmoabit zur Kaserne in der Rathenower Straße, wo die Oesterreicher während ihres viertägigen Aufenthaltes Quartier bezogen. * Mit besonderem Jubel begrüßten die Münchener die „Deutschmeisterkapelle", das Nkusikkorps des jetzigen Infanterie-Regiments 4 (Wien), die am Samstagnachmittag an der Feldherrnhalle ein begeistert aufgenommenes Standkonzert vor Tausenden von Volksgenossen gab. Deutsche Feldküchen steuern der Not in Oesterreich. Wien, 20. März. (DNB.) Nachdem schon in den letzten Tagen der Woche die Feldküchen der Wehrmacht in den Notgebieten der Wiener Slufoe nbe3.ir.te mehr als 50 000 Portionen Eft Litauen nahm die polnischen Forderungen an Kowno, 19. März. (DNB.) Unter außer-1 habe und daß der Weg für eine bessere Zukunft der Ministerpräsi- Beziehungen zwischen beiden Nationen nun frei sei. Beziehungen zr Kurjer Polski meint, in einem entscheidenden Be- (Scherl-Bilderdienst-M.) in men aber ordentlicher Spannung gab der stellv. Ministerpräsi dent, Verkehrsminister Stanisauskas, im „Gazeta Polska" erklärt, für Polen und Litauen sei nun der Augenblick gekommen, sich gegenseitig kennenzulernen. Die Litauer sollten wissen, daß die Polen mit ihnen als einer freien und unabhängigen Nation Zusammenleben wollten. „Expreß Porcmny" stellt fest, daß die entschiedene polnische Friedenspolitik einen bedeutenden Erfolg davongetragen gegeben wurde. Insgesamt wurden aus acht küchen ungefähr 1000 Liter Essen verteilt. Ein Ireundschastsbeweis gegenüber Jugoslawien. wurden, die für die Erledigung des Konfliktes eine große Gefahr bedeutet hätten. Die polnische presse begrüßt den Ausgleich. Das Erbe Pilsrrdskis. Osnabrück eintrat. Als Major nahm er mit dem II. Bataillon des 5. Garde-Regiments am 22. August 1914 im Handstreich die Zitadelle von Namur. Kurz vor der Schlacht bei Lodz übernahm er das Regiment und leitete mit der Erstürmung des Eisenbahndammes von Borowo Litzmanns berühm- ten Durchbruch bei B r z e z i n y ein. 1915 wurde Kommandeur des 4. Garde-Regiments J. F. Für die Rückeroberung des C h e m' i n des D a m e s bei Ailles, sowie für die Kämpfe um Riga, er mit dem Pour le msrite ausqezeich- net. Wiederholt wird er verwundet, aber immer wieder übernimmt er die Führung des Regiments, und oft sah man ihn zuletzt in den Reihen seiner die Scharen der Bedürftigen drängten sich um die Kessel, aus denen das würzige, kräftige Esten ab« Feld- Belgrad, 19. März. (DNB.) Mit größer friedigung wurde im ganzen Lande vernommen, sen an die mittellose Bevölkerung ausgegeben hatten, setzten sich am Sonntag von neuem die rauchenden Gulaschkanonen m Bewegung. Zu rund 20 Ausgabestellen eilten Kinder, Frauen und Männer mit Töpfen, Schalen und Kannen, um aus hilfreichen Soldatenhänden em warmes Eintopfgericht entgegenzunehmen. Der Andrang war so stark, daß die Feldküchen oft bereits leer waren, ehe sie an die letzte Ausgabestelle gelangen konnten. Die Wehrmacht hat sich deshalb entschlossen, dieses Liebeswerk, das von der Bevölkerung dankbar begrüßt wird, weiter fortzusetzen. In Innsbruck führen in den Mittagsstunden die Feldküchen der Jäger auf, Musikkorps kamen anmarschiert, und Berlin, 20. März. (DNB.) Die Fahrt der Alten Garde führt dieses Jahr durch den Gau Koblenz-Trier. Die Fahrt beginnt in Trier am 16. Juni mit einer Kundgebung, bei der Reichsorganisationsleiter Dr. Ley sprechen wird. Die Fahrt führt von Trier über Berncastel nach Jdar-Oberstein, wo die Edelsteinschleifereien besichtigt werden, und weiter nach Bad Kreuznach, Andernach, Bad Neuenahr, durch die Eifel, über den Nür- kecken noch mehr in den Dienst der HI. eingespannt werden können, 2. wegen des HJ.-Dienstes in ihren chulischen Leistungen versagen, 3. sich unehrenhaft verhalten; c) Mithilfe bei der Schaffung geeigneter Räume ür Heimabende. Darüber hinaus können dem Vertrauenslehrer noch weitere Aufgaben übertragen werden, wie z. B. die Mitwirkung bei der Gesundheitsfürsorge (Kinderverschickung) und die Angelegenheiten des Schüleraustausches, soweit sie von der Schule aus im Benehmen mit der HI. bearbeitet werden. Die Beispiele sind nicht erschöpfend. Der Kreis der zu übertragenden Aufgaben wird ich nach den örtlichen Verhältnissen zu richten haben. Svjähriges Militärjubiläum Oberst Reinhards. Berlin, 19. März. (DNB.) Der Bundesführer des Reichskriegerbundes, Oberst a.D. Reinhard, begeht am 22. März den Tag, an dem er vor 50 Jahren nach Absolvierung des Kadettenkorps als Fähnrich in das Ostfriesische Infanterie-Regiment 78 Sturmkolonnen mit Gewehr und Handgranaten, so ist es kein Wunder, daß Oberst Reinhard, dessen Fürsorge für seine Soldaten ebenso bekannt war wie seine persönliche Tapferkeit, zu den nur 6 Regimentskommandeuren zählt, die sich im Weltkrieg das Eichenlaub zum Pour le m^rite erwarben. Bis zur Stunde des Waffenstillstandes nahm er an den Kämpfen des Krieges teil, und mit dem Rest seines Regimentes befreite er nach der November-Revolution Berlin von Spartakisten. 1934 übernahm Oberst a. D. Reinhard die Führung des Reichs- kriegerbundes. Aus einem Zusammenschluß von Vereinen hat er den Reichskriegerbund zu einer festen Einheit von Kameradschaft in soldatischer Haltung gemacht. In aufopfernder, unermüdlicher Arbeit für das Wohl der alten Soldaten hat er dem Führer eine treu ergebene, pflichtbewußte und zuverlässige Mannschaft gestellt. In Würdigung dieser Mitarbeit am nationalsozialistischen Reiche hat ihn daher der Führer im vergangenen Jahre zum ff« Gruppenführer ernannt. Die deutschen Frontkämpfer im „Forum Mussolini". Rom, 19. März. (DNB.) Die deutsche Front- kampferabordnung besuchte das „Forum Mussolini". Trommelwirbel der auf den Ringmauern aufgestellten Balillajungen und Trompetensignale verkündeten die An ku n f t des Duce, der gemeinsam mit dem Führer der deutschen Frontkämpferaberdnung, dem Herzog von Koburg, und dem Bru- der des Generals Franco den sportlichen und militärischen Vorführungen beiwohnte. Uebun- gen der Advantguardisten im Trupp- und Gewehr- exerzieren, die mit bewundernswerter Exaktheit durchgeführt wurden, fanden stürmischen Beifall. Dann wurde Geräteturnen am Reck und am Barren, Sprunglauf, Speerwerfen in breiter Front und Exerzieren am Geschütz vorgeführt. Den Höhepunkt bildete ein Fußexerzieren in Tiefenformationen. Em Parademarsch quer über die Arena in einer Frontbreite von 48 Mann und einer Tiefe von 46 Gliedern bildete den Abschluß. Als der Duce die Front der Verbände in der Arena abschritt wurden ihm von den Deutschen und Italienern herzliche Ovationen bereitet. Am Samstagnachmittag fuhr die deutsche Frontkämpferabordnung nach Neapel weiter. Die Fahri der Alten Garde. - Durch den Gau Koblenz-Trier. Rach dem Moskauer Prozeß. -Üon unserem M.-Korrespondenien Moskau, März 1938. Das furchtbare Drama im Moskauer Gerichtssaal ist zu Ende gegangen. Das Urteil ist gefällt — in 18 von 21 Fällen lautet es auf Todesstrafe — und ist in denselben Stunden, wo diese Zeilen niedergeschrieben werden, v o l l st r e ck t worden. Wiederum ist damit eine ganze Gruppe von Volkskommissaren und ehemaligen Parteigewaltigen beseitigt, die man, durch einen der üblichen Kunstgriffe der Sowjetjustiz, zu dem sogenannten „rechts-trotzkistischen Block" zusammengesaßt hatte. Der Prozeß hat auch außerhalb der Grenzen der Sowjetunion den nachhaltigsten Widerhall gesunden, nicht allein deshalb, weil die verschiedensten ausländischen Staaten durch Josef Pilsudskis erfolgt sei. Hierin liege eine tiefe Symbolik, denn Marschall Pilsudski habe die Zerstörung der Mauer der Vorbehalte und des Hasses zwischen Polen und Litauen als eines der Ziele seines Lebens betrachtet. Der polnische Staatspräsident M o s c i ck i hielt am Abend eine Ründfunkansprache über die Verdienste des Marschalls um die Wiedererringung eines unabhängigen Polens. Der Mai-Umsturz im Jahre 1926 fei eine neue (Etappe in der Entwicklung des Staates gewesen, seitdem befände sich die Macht in der Hand der Patrioten. Die noch vorhandenen Störungselemente könnten keinen entscheidenden Einfluß mehr auf das Schicksal des Staates nehmen. Neben den Aufgaben der Wehrhaft- machung nähmen die wirtschaftlichen Aufgaben heute einen besonderen Platz ein. Es müsse alles vermieden werden, um die Ordnung zu stören, was lediglich dem Kommunismus zugute käme. Im Kampf gegen diese größte Gefahr könnte die Notwendigkeit entstehen, die einzige Rettung in einer totalen Verfassung zu sehen. Rydz- S m i g l y , der oberste Führer, halte feine Hand nicht nur über die Armee und die Wehrkraft des Staates, sondern er sei von ihm, dem Staatspräsidenten gebeten worden, auf allen Gebieten mitzu- arbeiten. Er habe das Gefühl, daß das Lager der Nationalen Einigung, nachdem es die Mehrheit der Bürger gewonnen habe, die Bemühungen dieser und künftiger Regierungen ergiebiger gestalten werde. Vorbereitungen zur Wiederaufnahme des Eisenbahnverkehrs. Warschau, 21. März. (DNB. Funkspruch.) In W il n a wurden am Sonntag die von der litauischen Grenze zurückkehrenden polnischenTrup- p e n t e i l e stürmisch begrüßt. Die Eisenbahndirektion hat die alte E i s e n b a h n st r e ck e untersucht, die von Wilna nach Kowno führt und seit 18 Jahren nicht benutzt worden ist. Da die Schienen auf 20 Kilometer langem Abschnitt feh- len und der Fahrdamm ausgebessert werden muß, dürfte es noch eine längere Zeit dauern, ehe der erste Eisenbahnzug zwischen Polen und Litauen verkehrt. Auf einer Kundgebung der Warschauer Studenten wurde mit Nachdruck auf die Rolle hingewiesen, die die Juden während des Konfliktes gespielt haben. In einer Entschließung wurde außer der Forderung nach einem Groß-Polen, das bis an das Schwarze Meer reichen müsse, zum Ausdruck gebracht, daß das internationale Judentum, als es feine Einlagen aus den Banken zurückzog, versucht habe, die finanzielle Grundlage des Staates zu erschüttern. Dieser unverschämte Anschlag der Juden fei ein neuer Beweis für die Notwendigkeit, sie aus Polen auszusie- d e l n. Vertrauenslehrer der HI. Berlin, 19. März. (DNB.) Zwischen dem Reichserziehungsminister und dem Reichsjugend- führer ist über die Einsetzung von Vertrauens- Lehrern der Hitler-Jugend an den Schulen aller Art folgendes Uebereinkommen getroffen worden: 1. Der Schulleiter bestellt den Vertrauenslehrer auf Vorschlag des zuständigen Bannführers, die Vertrauens- lehrerin auf Vorschlag der zuständigen Untergauführerin. Die Bestellung erfolgt auf ein Jahr; sie kann auf Vorschlag des Bannführers/Untergau- führerin jeweils verlängert werden. Auf dem Lande kann ein Vertrauenslehrer für mehrere Schulen bestellt werden. 2. Der Vertrauenslehrer muß dem NSLB. a n g e h ö r e n. Er soll nach Möglichkeit aus der HI. hervorgegangen sein oder sich in irgendeiner Form in der HI. betätigt haben (in der körperlichen Ertüchtigung, im Jugendherbergswerk usw.). Er soll tunlichst an einem Führerschulungslehrgang ber Hitler-Jugend teilnehmen. 3. Der Vertrauenslehrer muß mitderHitler- Jugend ständig Fühlung halten. Er verkehrt unmittelbar mit den zustänoigen Führern der ^^(^efolgschafts- und Fähnleinführer sowie BDM.-Fuhrerinnen) und ist Mittelsmann zwischen diesen und den Schulleitern. Diese Maßnahme dient zur Entlastung des Schulleiters, dessen Stellung als verantwortlicher Leiter der Schule unberührt bleibt. 4. Der Vertrauenslehrer hat bei den Prüfungen und den Beratungen über die Versetzung auf Grund der ihm von dem zuständigen HJ.° Führer gegebenen Unterlagen das Verhalten der Schüler in der HI. (Verdienste und Ver- gehen) zur Sprache zu bringen. Er ist auch bei der Entscheidung über Strafen und Vergün- stignngen, z. B. Freistellen und Erziehunas- beihilsen, zu beteiligen. 5. Im übrigen obliegen dem Vertrauenslehrer— unbeschadet der allgemeinen Leitungsbefugnisse des Schulleiters und seiner Stellung als Führer der Schulgemeinde — folgende Aufgaben: a) Aufklärung über Ziel und Arbeit der HI bei Eltern, Lehrerschaft und Schülerschaft, b) Äussvrache mit den zuständigen HJ.-Führern über HJ.°Angehörige, die 1. infolge ihrer Fähig- daß die Reichsregierung sieben jugoslawi« fchen Staatsbürgern, die anfangs Februar von Schuschnigg ohne Angabe von Gründen über die Grenze abgeschoben worden waren, die Rückkehr nach Graz erlaubt hat. Es handelte sich damals um eine reine „Vergeltungs-Maßnahme für die jugoslawischen Ausweisungen ö st e r r e i ch i s ch e r Legitimisten, die in den Grenzbezirken separatistische Agitation betrieben hatten. Man erklärt, daß diese deutsche Geste deutlich die herzliche Freundschaft zwischen Belgrad und Berlin bekunde, in deren Geist alle auftauchenden Fragen gelöst werden. ganz abenteuerliche Anschuldigungen in seinen Umkreis einbezogen wurden. Auch an Umfang und Inhalt übertraf dieser Prozeß das bisher Dagewesene noch weit. Die Frage, die im Zusammenhang mit dem neuen Schreckensakt der Moskauer Justiz die Gemüter beschäftigt, ist: wie weit liegen dem Prozeß wirklich reale Vorgänge zugrunde, was ist an diesem ganzen, bald kläglichen, bald entsetzlichen Schauspiel „daran", wo beginnt das Beiwerk, mit dem die nimmermüde Tschekistenphantasie die wirklichen Vorgänge zu übertünchen oder zu entstellen sucht, wo hört es auf, und welches sind die Ziele, die die gegenwärtigen Machthaber mit diesem Prozeß verbanden? Im Unterschied zu seinen Vorläufern hat der letzte Prozeß weit mehr Stoff und damit Möglichkeiten zur Beantwortung dieser Fragen geliefert. Zwar sah man, ganz ähnlich wie bei den früheren Prozessen, eine Reihe der Angeklagten bereitwillig mit dem Staatsanwalt „zusammenarbeiten" und übereifrig „Geständnisse" aussprechen, deren Wahrscheinlichkeitswert gleich Null ist. Die einzigen „Be- weisstücke", die während der Gerichtsverhandlung vorgeführt wurden, waren die Kopie eines Briefes Krestinskis an Trotzki aus dem Jahre 1927 (der damals sogar in der Presse veröffentlicht worden war!) und der lächerliche Talisman des Rofengolz. Es war den Angeklagten freigefteüt, beliebig viel von den Toten zu sprechen, die bereits durch die früheren offenen ober Geheimprozesse liquidiert worden sind, wie Sinowjew, Pjatakow, Tuchatschew- ski, Jenukidse, Karachan usw., oder von gewissen in den letzten Monaten verschwundenen Politikern wie Antipow, Rudsutak, Jurenjew, Bogomolow, Ljubimow, Jakowlew und wie sie alle heißen. Während man im Falle der Toten die Gründe für deren fürsorgliche Hinrichtung nur ahnen kann, wurde niemals der Versuch gemacht, die übrigen belasteten Persönlichkeiten, die natürlich auch längst hinter Schloß und Riegel sind, ins Verhör einzubeziehen ober mit den Angeklagten zu konfrontieren. Nur zur Erhärtung bes Anklage- Punktes, wonach Bucharin bereits irnJahre 1918 ein Attentat auf Lenin vorbereitete, hatte ber Staatsanwalt eine Reihe von „Zeugen" bereit, dis er aus den Gefängnissen heraus aufmarschieren ließ — freilich ohne durch dieses Manöver Bucharin zum „Geständnis" bringen zu können. Zum ersten Male erlebte man ferner in diesem Prozeß, daß ein Angeklagter mit einem verzweifelten Nein den Aufbau der Prozeßregie zu sprengen drohte. Freilich kam nach 24 Stunden bereits der Widerruf. Wer aber den Aufschrei Krestinskis gehört hat: „Ich bin fein Trotzkist, id) bin kein Verräter, ich habe nie etwas mit Spionage zu tun gehabt" — dem mußte dies noch lange nachher in den Ohren klingen. Wenn das Verhalten Krestinskis für die Prozeßregie eine Ueberraschung war, die dann auch gründlich genug „beigelegt" wurde, so hatte man offenbar mit dem Widerstand des einzigen, auf- recht gebliebenen Angeklagten, nämlich Bucharin, gerechnet. Daß Bucharin dabei aber so weit gehen würde, die ganze Konstruktion des Prozesses bloßzulegen und in seinem „Schlußwort" die ganzen nebelhaften und phantastischen Abschnitte der An- geradezu meisterhafter Form, obwohl im Angesicht des Todes ad absurdum zu führen, hatte man sicher nicht erwartet. Um den Ausgangspunkt der Moskauer Prozesse richtig verstehen zu können, muß man um mindestens em Jahrzehnt in die bolschewistische Parteigeschichte zuruckgreifen. Im ersten Jahrzehnt der Sowjetherrschaft hatten innerhalb der bolschewistischen Partei, ja sogar in deren Zentralkomitee, die verschiedensten Auffassungen und Richtungen nebeneinander bestanden, die sich oft sogar bitter, bekämpften. Es gab förmliche „Fraktio - Jen" im Zentralkomitee, wie z. B. die Gruppe Trotzkis oder Sinowjews, und die „Generallinie" der Partei wurde im eigentlichen Sinne durch einen Consensus ommum festgelegt. Dieser Zustand hieß m der bolschewistischen Parteisprache „innerparteiliche Demokratie". Durch die Methoden, die Stalin in seinem persönlichen Machtkampf mit Trotzki anwandte, wurde dies allen echten bolschewistischen Ideologen heilige Prinzip zum erstenmal verletzt. Bei der Beseitigung Sinowjews und Ka- menjews, und später Bucharins und Rykows aus der Parteileitung war bereits keine Rede mehr von der früheren Rede- und Meinungsfreiheit im Kreise der Parteigewaltigen. Seit 1928 war Stalin öer allein herrschende Diktator geworden, der Andersdenkende nicht mehr zu überzeugen, sondern auszumerzen suchte, während er gleichzeitig durch feine Politik ber übereilten Kollektivierung unb Industrialisierung sich neue Gegner schasste, neue Meinungsverschiedenheiten hervorrief. Jetzt konnten diese bereits nicht mehr wie früher in stürmischen Debatten im Zentralkomitee ausgetragen werden, die „Opposition" flüchtete sich also logischerweise, um nicht von vornherein von der Vernichtung betroffen zu werden, in die Illegalität, in d i e Verschwörung. Die Gegner ber Stalinschen Politik setzten, wie es ber gegenwärtige Prozeß Stufe auf Stufe zur Sprache brachte, anfänglich ihre Hoffnungen noch auf bie Massen. Die Bauernschaft rebellierte gegen die Kolchose — es liegt nicht näher für die Oppo- fition, diese Gegenbewegungen — unterirdisch — zu unterstützen. Die umfangreichen Aufstände ber Kosaken, bie (Empörungen im Nordkaukasusqebiet m Westsibirien in ben Jahren 1929 unb 1930 von denen man bis jetzt nur unvollständige Nachrichten besaß, finden tn dem Prozeß ihre nachträgliche Erklärung. Jedoch Stalm weiß auf bie Massen- bemegung mit Massenterror zu antworten, bie aufständischen Bauern wandern zu Hundert- tausenden in die Konzentrationslager, Millionen ^f.erl die Hungersnöte hinweg. Dom Jahre 1930 ab ist die Hoffnung der Opposition auf den Massen- aufftanb nur noch, wie Jagoda treffend bemerkt hat, „em bloßes Geschwätz". . ben Bedingungen der tiefen Illegalität, nur non Gruppe zu Gruppe bie Direktive roeitergebenb, Sejm die Erklärung ab, daß die litauische Regierung in Anbetracht der internationalen politischen Lage bie polnischen Forderungen angenommen habe. Ein Antrag bes regierenben Tautininkai-Verbandes, baß ber Sejm in Anbetracht ber politischen Lage unter dem Zwang Polens dem Beschluß ber litauischen Regierung zustimme, würbe einstimmig angenommen. Durch ben Notenaustausch zwischen ber litauischen unb ber polnischen Regierung ist bie Aufnahme geregelter zwischenstaatlicher Beziehungen zwischen den beiden Staaten erfolgt. Die polnische und bie litauische Regierung versichern, bis zum 31. März Gesanbte in Kowno unb Warschau zu bestellen. Die Vereinbarung umfaßt bas normale Funktionieren bes Verkehrs zu Wasser, zu Land, in der Luft, durch Telephon und Telegraph. Das Echo in Warschau. Grundlage zur Normalisierung der Beziehungen. Warschau, 19. März. (DNB.) Außenminister Beck stellte vor der Presse die Berechtigung der litauischen Nation auf ihren eigenen Staat und ihr eigenes Recht fest, das von der polnischen Regierung geachtet werde. Der unnormale Zustand an ben Grenzen Polens sei jetzt beseitigt. Weitere Verhandlungen zur Regelung des nachbarlichen Zusammenlebens würden jetzt auf diplo- matischem Wege geschehen. Polen hoffe, so wurde vom Außenministerium weiter erklärt, durch diese Regelung einen Beitrag zum Frieden in Europa geliefert zu haben. Für die nationale Würde und Selbständigkeit ber litauischen Nation habe bie polnische Regierung volles Verstänbnis. Auf keinem Wege — auch nicht dem der Genfer Liga — fei es gelungen, das Zusammenleben zwischen Polen und Litauen zu regeln. Darum habe die polnische Regierung fei b ft die Angelegenheit in die Hand nehmen müssen. Polens unmittelbares Interessengebiet sei die Ostsee. Polen mußte auch darum besonders an der Regelung der Beziehungen mit einem an der Ostsee gelegenen Staat liegen. Polen würde eine Erörterung der nun erfolgten Neugestaltung in Genf, das bis jetzt in dieser Angelegenheit versagt habe, nicht dulden. Aus die Frage, ob es richtig sei, daß die Sowjet« u n i o n sich in den letzten Grenzkonflikt mit Litauen eingemischt unb versucht habe, auf die litauische Regierung einen Einfluß zu nehmen, wurde geantwortet, daß in der Tat von verschiedenen Regierungen Einmischungsversuche unternom- Keine bedingungslose Garantie. Londoner Blätter empfehlen Prag Berücksichtigung sudetcndeutscher Forderungen. London, 21. März. (DNB. Funkspruch.) Das Interesse ber Lonboner Blätter wendet sich der Frage zu, welche Stellung England in der Frage etwaiger Verpflichtungen gegenüber der Tschechoslowakei einnehmen könnte. Selbst in den Oppositionsblättern kommt ber Wunsch zum Ausdruck, Englanb solle nicht bedingungslose Verpflichtungen übernehmen wie Frankreich unb Sowjetrußland. So erklärt „Daily Telegraph", England habe mit diesem Pakt nichts zu tun. Man habe den Eindruck, daß Reformen hinsichtlich der Behandlung der deutschen Minderheiten schon längst hätten durchgeführt werden müssen. ,/Dailg Herold" meint, sowohl in Regierungs- wie in Parlamentskreisen seien die Meinungen geteilt. Es gebe aber praktisch niemand, der für eine bedingungslose englische Garantie gegenüber der Tschechoslowakei sei. Die liberale „News Chronicle" erklärt, man müsse ber tschechoslowakischen Regierung raten, daß sie schnell und wirksam versuche, alle wirklichen Beschwerden der deutschen Minderheit zu beseitigen. DerAuteil der Deutschen an denStaats- siettungen in der Tschechoslowakei. Prag, 19. März. (DNB.) Der tschechoslowakische Ministerrat hat eine Verordnung genehmigt, nach der bei Staatsstellungen 22 v. H. Deutsche ausgenommen werden müssen. Dort, wo mehr als 22 v. H. Deutsche wohnen, müssen auch mehr Deutsche in den Staatsdienst ausgenommen werden und umgekehrt. So muß z. B. das Land Böhmen 33 v. H. Deutsche in den Landesdienst aufnehmen. Bei Aufnahmen in ben Dienst bes Kreisgerichtes in Eger kämen fast nur deutsche Bewerber in Betracht, weil bas Gebiet des Kreisgerichtes Eger fast ausschließlich von Deutschen bewohnt ist. Für die politischen Bezirke würde der Nationalitätenschlüssel bes betreffenden Bezirkes gelten. Sehr wichtig ist die Bestimmung, nach der Legionäre, die nach der bisherigen Hebung besondere Ansprüche auf Staatsstellungen hatten, jetzt dem tschechischen Sektor zugezählt werden sollen. Ob die Verordnung sofort für alle Zweige der Verwaltung in Kraft tritt, steht noch offen. Ebenso bestehen noch Meinungsverschiedenheiten über Einzelheiten. Augenblick tjabe das litauische Volk verstanden, daß die Fortsetzung einer Politik des Widerstandes sich gegen die grundlegenden Interessen Litauens richten würde. Die Anknüpfung normaler diplomatischer Beziehungen zwischen Polen und Litauen bedeute nurden er st en Schritt. Es bleibe noch viel z u tun übrig, damit zwischen den beiden Nationen und Staaten die Atmosphäre des Vertrauens unb ber Freunbschaft wieberhergestellt wirb. Der Krakauer „Illustrierte Kurier" weist barau hin, baß die Normalisierung der Beziehungen zwischen Polen unb Litauen am Namenstage burg-Rm«, über Cochem nach Koblenz, wo durch m.muliert jetzt die Oppositioneinneue^rJaramm' r.M!10 am Burschen Eck die Fahrt ab-l die »genannte „P a I a st r c o o l n t i o n" geWaffen -mrd. tzij-h- Geschichte °->n Boris Godunow bi, AlerÄ der I. gibt eine Reihe von klassischen Beispielen dafür. In einem Lande, wo die Massen der Bevölkerung politisch amorph geblieben sind, wo der Despotismus als die gegebenste und sicherste Regierungsform erscheint, wird jede Opposition notwendig und logisch letzten Endes ihre Anstrengung darauf richten, die Spitze der politischen Macht mit Gewalt zu entfernen und von dem dergestalt frei« gewordenen Platz selbst Besitz zu ergreifen. Selbst die marxistischen Dogmatiker wie Bucharin konnten sich — entgegen allen theoretischen Bedenken — der Zwangsvorstellung nicht entziehen: auf Stalins Terror mutz mit Terror, mit einem Gewaltakt geantwortet werden. So kam es zu der Borbereitung der „Palastrevolution" von 1934, wo die Gegner des Stalinkurfes, bereits in erster, loser Fühlungnahme mit der Militärgruppe, einen Gewaltstreich auf den Kreml planten, gerade zu dem Zeitpunkt, als dort der 17. Parteikongreß (auf dem erstmalig keinerlei Opposition mehr offen in Erscheinung trat!) tagte. Warum dieser Plan nicht gelang, kam in dem Prozeß nicht zur Sprache, man kann nur vermuten, daß der GPU.-Chef Jagoda, der ja eine merkwürdige Doppelrolle zwischen der Opposition und dem Kreml spielte, in letzter Stunde zum Rückzug blies. Den eigentlichen Umschwung in der Geschichte der illegalen Opposition stellt, wie der jüngste Prozeß erneut gezeigt hat, das Attentat auf Kirow (Dezember 1934) dar. Die Einzelheiten dieses Mordes sind heute noch unentwirrbar. Sicher erscheint so viel, daß die GPU. selbst die Hand dabei im Spiel hatte, daß ferner gewisse Oppositionsgruppen, die mit Männern wie Sinowjew oder Bucharin in keiner oder nur in ganz loser Verbindung standen, den Mörder (der selbst aus persönlichen Motiven gehandelt haben mag) angestiftet haben. Mit diesem Terrorakt wurde mit einem Mal das Mißtrauen des Kremls, dem bisher manches — infolge der dunklen Zwischenrolle Jagodas — entgangen sein mochte, in hysterischer Weise erregt. Der GPU.- Chef selbst war furchtbar kompromittiert und mußte nun, um die eigene Stellung zu retten, die ersten Politiker der Opposition, zunächst Sinowjew und Kamenjew, opfern, dann (im Sommer 1935) auch Ienukidse, über dessen Rolle wohl niemals etwas Genaueres in Erfahrung zu bringen sein wird, da er vorsorglich im Geheimverfahren (Dezember 1937) erschossen wurde. Nun geht in raschen Etappen der Stern Jagodas nieder. Sein künftiger Nachfolger Jeschow hält seit 1935 als direkter Beauftragter Stalins in Sachen der Untersuchung gegen die Trotzkisten und Sinow- jisten bereits das Heft in der Hand. Langsam reift gleichzeitig de? Verdacht gegen die oppositionell ge- stcmmte Generalität heran, die offenbar mit der Parteiopposition in einer Art konspirativer Verbindung stand (vermutlich aber ohne mit dieser gemeinsam „operieren" zu wollen). Während Jagoda den Sinowjew-Prozeß noch (wie jetzt recht überzeugend zur Sprache kam) abzudämpfen versucht hatte, ist er beim zweiten Trotzkistenprozeß gegen Radek und Pjotakow (Januar 1937) schon matt gesetzt; seine eigene Verhaftung ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Militärs, die gleichfalls vermutlich nur einen lockeren, konspirativen Zusammenhang von Person zu Person und kleiner Gruppe zu kleiner Gruppe aufrechterhalten konnten, und ursprünglich wohl auch nur im Kriegsfall an eine „Palastrevolution" dachten, sehen die Gewitterwolken kommen. Man kann annehmen, daß Tuchatschewski und sein Kreis nach dem ersten Schlag (der Einführung der Kriegsräte) versuchten, diese verschiedenen Gruppen zu einem geschlossenen Zentrum des Widerstandes zusammenzufassen und dadurch (Mai/Jum 1937) den furchtbaren, in letzter Stunde noch präventiv geführten Schlag des Kreml auslösten. Nach der eiligen Vernichtung der Tuchatschewski-Gruppe setzte jetzt die große Welle der Verhaftungen erst recht ein, unter den Partei- und Staatsfunktionären, in den Nationalitätengebieten, in wiederholten, systematischen Aktionen größten Umfanges in der Roten Armee und Flotte. Soweit lassen sich auf Grund des jüngsten Prozesses die Vorgänge rekonstruieren, die man als die Geschichte des illegalen Oppositionskampfes gegen das Stalinregime bezeichnen darf. Von diesem Hintergrund aus, den die Hauptangeklagten Rykow und Bucharin mit hinreichender Deutlichkeit erkennen ließen, lassen sich die übrigen Abschnitte des Prozesses erst richtig charakterisieren. Die Prozeßregie ging selbstverständlich darauf aus, alle politischen Beweggründe der Opposition durch allerlei phantastisches Beiwerk zu vertuschen. Daher das bunte Bild, das die Anklagebank bot, wo Politiker der Opposition neben Provokateuren und geständnis- eifrigen „Schädlingen" nebeneinander saßen. Bucharin z. B. drückte dies in treffender Ironie mit den Worten aus: „Der rechtstrotzkistische Block hat in der Form, wie er auf diesem Prozeß in Erscheinung tritt, in Wirklichkeit natürlich nie bestände n." Die phantastischen, von einer ganzen Gruppe der Angeklagten vorgebrachten „Geständnisse" der Sabotage-Akte, die auf keinem Prozeß fehlen dürfen, hatten nichts mit Dem Kern der Sache zu tun; man brauchte die „Schädlinge" auf der Anklagebank, solange man das System der totalen Zwangswirtschaft selbst für unfehlbar erklärt: die Addition der verschiedensten Sabotageverbrechen ergibt nicht vonungefähr recht genau die Summe der notorischen Mißstände des Regimes. Man brauchte, um die Angeklagten in den Augen der unkritischen Masse bis ins letzte zu diffamieren, ferner die ungeheuerlichen Anschuldigungen der Spionage und des Landesverrates, die von Prozeß zu Prozeß geradezu turmhoch, aller Unglaubhaftigkeit zum Trotz, aufgeschichtet werden. Denn gerade diese Anklagepunkte: jahrzehntelange Spionendienste, Zerstückelung der Sowjetunion, Oeffnung der Fronten im Kriegsfall usw. sollen die Opposition jeglicher Sympathien berauben, die ihr sonst gewiß, etwa bei einer bloßen Anklage wegen Vorbereitung des Umsturzes, im reichen Maße zufließen würden. Wir erwähnten schon früher die gleichfalls als notwendig erachteten Nebeneffekte gerade dieses Prozesses: die weitere Diffamierung der Tuchatschewski-Gruppe, die jetzt mit den „kriminellen" Verbrechen der Angeklagten in direkten Zusammenhang gebracht werden soll, eine Diffamierung, die wohl um so notwendiger erscheint, je mehr der Bazillus des Oppositionsgeistes gerade i n der Armee um sich greift. Ferner die „Mobilisierung der Geister", deren Notwendigkeit Stalin persönlich nicht umsonst wenige Tage vor dem Prozeß verkündete, d. h. die unablässige Bearbeitung der Massen im Hinblick auf einen Krieg, den man für direkt bevorstehend hält. Der wichtigste Grund jedoch, weshalb der Kreml dieses neue Schauspiel für notwendig hielt, trotz aller dem Prestige des Staates abträglichen Konsequenzen, ist ohne Zweifel die Notwendigkeit, ein neues, blutiges Exempel zu statuieren, das allen jenen zur furchtbaren Warnung dienen soll, die im« Oie Seele des ewigen Japan. Oie Japaner sind Meister des Lernens und der Beharrlichkeit. Von Professor Or. Eduard Sprangen Professor Dr. Spranger von der Berliner Universität, der im