Nr. 22V Erstes Blatt 188. Jahrgang Dienstag, 2V. September 1938 LrlcheMi rügltch, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • DieScholle Monatr.Bezugspretr: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr e -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Gießev Postscheckkonto: Zrantsurt am Main 11688 Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: SrSHIsche UniverfilStsdruckerei «.Lange in Siehe». Schristieilvng und Geschäftsstelle: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis 8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Textanzeigen von70mm Breite bO Rpf..Platzvorschrist nach vorh.Dereinbg.25O/^ mehr. Ermähtgte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder», Unterrichts» n. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Brutaler tschechischer Ltebersatt aus reichsdeutsche Grenzstadt. Note Wehr in tschechischen Uniformen versucht Flüchtlingslager zu stürmen. — Rach Ueberschreiten der Neichsgrenze Beschießung der schlesischen Gtadt Geidenberg durch rote Horden. — Zahlreiche Verletzte. Schwerer Friedensbruch. Untersuchung sofort angeordnet. Görlitz. 20. Sepf. (DRV. Funkspruch.) Bei Seidenberg, das elwa 15 Kilometer südlich von Görlitz unmittelbar an der Grenze liegt, kam es heute nacht zu einem unerhörten tschechischen Feuerüberfall auf das reichsdeutsche Grenzstädtchen. Schon am Montagabend wurde in Seidenberg bekannt, dah in Bersdorf eine größere Abteilung Rote Wehr in Uniformen des tschechischen Militärs eingetrossen war mit der Absicht, das Flüchtlingslager in Seidenberg auf deutscher Seite nachts auszuheben und eine Reihe von Flüchtlingen zu entführen, deren Entkommen offenbar den Tschechen außerordentlich unangenehm war. Unter diesen Flüchtlingen befand sich auch ein tschechischer Gendarm. Wegen der eingegangenen Rachrichten, wurde deshalb die Grenzwache bei Seidenberg noch in der Rächt verstärkt. Gegen 3 Uhr bemerkte die Grenzwache plötzlich, daß aus der Seite gegen Tschernhausen sich militärische Abteilungen in Stärke von mehre- Soldaten mit zwei Maschinengewehren, die neben dem Zollamt gelegen hatten, zogen sich daraufhin schnellstens in Richtung Reuhäusel zurück. Sie liehen im brennenden tschechischen Zollamt einen toten Gendarmen zurück, der offenbar durch einen Handgranatenwurf getroffen worden war. Ferner ergaben sich den deutschen Soldaten ein Gendarm und ein Finanzbeamler, die mit erhobenen Händen aus dem Zollamt heraustraten. Sie wurden von den sudetendeutschen Soldaten entwaffnet und gefangen genommen. Die Flüchtlinge benutzten die kurze Feuerpause, um schnell aus deutsches Gebiet zu gelangen, während die sudetendeutschen Soldaten noch das Gelände um das brennende Zollhaus absuchten und sicherten. Sie begaben sich dann ebenfalls auf deutsches Gebiet und Übergaben den Gendarmen und den Finanzbeamten den deutschen Behörden. Beide sprachen den Wunsch aus, auf deutschem Gebiet interniert zu werden. Morgens gegen 7 Uhr erschien abermals eine stärkere tschechische Militärabteilung mit Maschinengewehren und nahm die Ruine des tschechischen Zollamtes' sowie'die deutsche Zollstation unter Feuer. Erst gegen 8 Uhr morgens flaute das Feuer erneut ab. Auf reichsdeutscher Seite find eine große Zahl von Einschüssen festzustellen, desgleichen am Zollgebäude. Ferner geriet eine deutsche Zoll st reife durch das tschechische Feuer auf deutschem Gebiet in Lebe n s g e f a h r. Bon den Flüchtlingen wurden mehrere Frauen und Kinder durch Maschinengewehrfeuer verletzt. Unerhörte Einmischung Moskaus. Sowjetsender stört Uebertragung der sudetendeutschen Kundgebung. Berlin, 20. Sept. (DRV.) Die Uebertragung der großen sudetendeutschen Kundgebung in Dresden auf alle deutschen Sender hat die Gewalthaber in Prag veranlaßt, sich flehend an ihre Moskauer Auftraggeber und Drahtzieher mit einem dringenden Hilferuf zu wenden. Dieser Hilferuf hat den Erfolg gehabt, daß einwandfrei sowjetrussische Sender am Montagabend in der Zeit von 20.30 Uhr bis 22.30 Uhr sich bemühten, den Emp- fcng deutscher Rundfunksender mit allen Mitteln zu stören und unmöglich zu machen. 3n Ostpreußen waren fast sämtliche deutschen Sender schlecht oder gar nicht hörbar. Die Störungen dehnten sich aber auch auf Polen und den ganzen östlichen Teil des Reiches aus. Ferner wurden auch die Kurzwellensender DID und DIC so gestört, daß sie nur z u 75 v.h. empfangen werden konnten. Es ist schon ein Zeichen äußerster Verzweiflung der Prager Katastrophenpolitiker, wenn sie zu allen Mitteln greifen, um zu verhindern, daß die Wahrheit über den unmenschlichen Terror, mit dem ihre fanatisierten Hussitenhorden das Sudetenland peinigen, ins Ausland dringt und man jenseits der Grenzen etwas erfährt über die wachsende Panikstimmung, die in der tschechischen Bevölkerung zu Angstkäufen und Bankenrun geführt haben. Gradezu eine Ungeheuerlichkeit aber ist es, wenn Prag nun auch feinen Moskauer Verbündeten für diesen Feldzug gegen die Wahrheit einspannt und mit dessen Hilfe zu verhindern sucht, daß die im Bereich der tschechischen Soldateska zurückgebliebenen Sudetendeutschen etwas von der gewaltigen Freiheitskundgebung ihrer ins Reich geflüchteten Brüder vernehmen können. Dieser dreisten Einmischung Moskaus gebührt die schärfste Zurückweisung. reu hundert Mann in verschiedenen Trupps kriegsmäßig der Grenze näherten. Als sie sich in der höhe des tschechischen Zollamts befanden, das etwa 150 Meter von der Grenze entfernt liegt, eröffnete eine kleine Truppe Gewehrfeuer auf die Paßbude und das deutsche Zollgebäude, im gleichen Augenblick ging die zweite Truppe der Roten wehr direkt gegen Seidenberg vor und überschritt gegen 3.30 Uhr die Reichsgrenze. Sie versuchte, in dem Ort Seidenberg einzudringen, wurde aber daran von den deutschen Grenzwachen, die durch Leuchtkugeln eiligst an die gefährdete Stelle gerufen wurden, gehindert. Sie beschossen dann etwa eine Stunde lang aus Gewehren und Maschinengewehren d e n Ort Seidenberg. Der Marktplatz von SeideU- berg, dessen friedliche Bevölkerung durch den Vor- fall in größte Erregung verseht wurde, weist eine ganze Reihe von Einschüssen auf. Desgleichen sind das deutsche Zollamt und die Paßbude mit Kugeleinschlägen übersät. Bei dem Vorfall wurden leider zwei Angehörige der Grenzwache schwer und 15 leicht verletzt. Gegen 4.30 Uhr zogen sich die tschechischen Abteilungen langsam wieder auf tsche- chisches Staatsgebiet zurück. Aus einer Reihe von Blutlachen geht hervor, dah sie offenbar ebenfalls Verluste gehabt haben, deren Umfang jedoch nicht festsiehl, da sie ihre Verletzten auf tschechisches Gebiet mitnahmen. Erst gegen Morgen traf in dem Grenzabschnitt wieder Ruhe ein. Es wurde sofort eine umfangreiche Untersuchung wegen des brutalen tschechischen Friedensbruches und des Ueberfalls auf eine reichsdeutsche Grenzstadt eingeleitet. Ml Maschinengewehren gegen fudeiendeutsche Flüchtlinge. Schwere nächtliche Schießerei vei Grenzbauden. Schmiedeberg (Schlesien), 20. Sept. (DRV. Fünkspruch.) Dienstag früh versuchte lw Morgengrauen gegen '/-5 Uhr eine Reihe von ludetendeut- schen Flüchtlingen mit Frauen und.Kindern, die hauptsächlich aus Groß^Aupa und Klem-Aupa stammen, darunter auch eine Reihe von Wehrpflichtigen und von Sudetendeutschen, die sich in Uniform un mit Waffen von ihrem Truppenteil entfernt hatten, reichsdeutsches Gebiet zu erreichen. Aus dem tschechischen ZollamtGrenzbau den wurde auf die Flüchtlinge aus Gewehren und Maschinengewehren sofort ein rasendes ucue eröffnet. Die Flüchtlinge warfen sich daraus zu Boden und versuchten kriechend, deutschen Boden zu erreichen. . (Segen 5.15 Uhr wurde aus Richtung Reuhäusel und von der Zollstrahe, die von Groh- Aupa zur Grenze führt, das Feuer auf die Flüchtlingsgruppe erneut ausgenommen Sudetendeutsche Soldaten des Iraufenauer Infanterie-Regiments erwiderten nun ihrerseits das Feuer und gingen — wie der deutsche Zollposten beobachtete — in einer Bodensenke gedeckt gegen das tschechische Zollhaus G ren z- bauben vor, von wo aus das Maschinenge- wehrfeuer am stärksten war. Es gelang ihnen, von hinten an das tschechische Zollamt heranzugelangen und mehrere Handgraten in das Zollamt zu werfen. Dadurch brach im Zollamt ein Brand aus, der das Gebäude völlig einäscherte. 15 tschechische „Vor uns leuchtet das Ziel der Freiheit!" Gewaltige Kundgebung des Gudetendeutschtums in Dresden. D r e s d e n, 20. Sept. (DNB.) Ein einziger Schrei des Protestes gegen die tschechische Willkürherrschaft war die riesige Kundgebung der sudetendeutschen Mitgliedsorganisation, in deren Zeichen die sächsische Landeshauptstadt am Montagabend stand. Eine unbeschreibliche Stimmung herrschte in dem überfüllten Saal, in dem mit Tausenden von Flüchtlingen aber Tausende Dresdner einen flammenden Protest gegen den unmenschlichen tschechischen Terror erhoben und zugleich ein begeistertes Bekenntnis zu Deutschland und seinem Führer ablegten. Immer und immer wieder hallten durch die große Halle spontane Sprechchöre „E i n Volk, ein Reich, ein Führer!" Das Kommando „Standarten und Fahnen, Achtung!" ertönt, und während das Lied vom guten Kameraden erklingt, spricht Abgeordneter Höller: „Wir gedenken in dieser Stunde aller jener Kameraden und Kameradinnen, denen nicht die Möglichkeit gegeben war, zu entfliehen und die jenseits der Grenze dem TerrorderTschechenausgesetzt sind. Wir gedenken aber auch im besonderen der vielen verwundeten und toten Männer und Frauen, die im Kampf um unsere Freiheit und um unser Recht und im Glauben an unseren großen Führer Adolf Hitler ihr Leben freudig und mutig aufs Spiel gesetzt haben." Unter unbeschreiblichem Jubel überbrachte der Abgeordnete Holler dann die Grüße von Konrad Henlein. Sodann be- trat, mit stürmischen Sieg-Heil-Rufep begrüßt, Dr. Sebekowski das Rednerpult. Wir sind m die letzte Etappe des sudetendeutschen Endkampfes ein- getrefen, so sagte er. 20 Jahre der Pein und der Qual, die in diesen Tagen und Stunden einen erschütternden Höhepunkt erreicht haben, gehen zu Ende. Vor uns leuchtet das Z i e l d e r Freiheit. Es rechtfertigt die Opfer, die jeder von uns erbringen mußte, lind die Toten und Blutzeugen unserer Bewegung sind sicherste Burgen des Sieges. Es ist nicht unsere Schuld, daß über Sudetendeutschland, das bei seiner kulturellen Erschließung bis vor einem Jahrhundert deutsches Reichsland war, unsagbares Leid gekommen ist Mit beispielloser Geduld bemühten sich die su- detendeutschen Vertreter, auf ihre tschechischen Unterdrücker einzuwirken, sie zu einem vernünftigen Einlenken zu bewegen. Spott und Hohn war die Antwort von 'tschechischer Seite Muirufe.) Die Tschechen lösten die Nationalsoziallstlsche Partei aus lVsuiru e) und glaubten, das Sudetendeutschtum damit endgültig eingeschüchtert ZU haben. Aber die Tschechen hatten sich getauscht. Die tschechilchej ®e- waltmaßnahme fand ihre Antwort durch Konrad Henlein, der aufrief zur Bildung der Deutschen Einheitsfront, der Kampfgemeinschaft aller Deutschen oeaen Terror und Unterdrückung. Ein einiges Sudetendeutschtum sollte Leben und Gut gegen den tschechischen Imperialismus sichern. Aller Welt aber mußte es klar fein, daß dieser Versuch Konrad Henleins auf dem Wege der Vereinbarung mit bem tschecknsche» Volk die sudetendeutsche Frage zu losen, der letzte Versuch sein mußte. Bis zur Selbstverleugnung hat das Sudelen- deulschlum seinen Friedenswillen kundgetan. Es war vergebens. Stärker als Vernunftgründe, d.e auch von einigen ausländischen Beratern Herrn Benesch gegenüber geltend gemacht wurden, war der hussitische haß gegen alles Deutsche, die Gier nach fremdem Gut, die sadistische Freude am Quälen wehrloser Wen- chen. (Lebhafte Pfuirufe.) Stärker als gewisse Warnungen des Westens waren d l e L»u f l u - sterungen des Ostens. Die planmäßige Kriegshetze des Bolschewismus und der jüdisch- kapitalistischen Geheimbünde hatte längst diesen Staat im Herzen Europas zur Operationsbasis für ihre Zerfehungsarbeit bestimmt. Wan wollte den Ausgleich mit dem Deutschtum nicht. Herr Stalin wollte den Ausgleich nicht, und Herr Benesch wollte den Ausgleich nicht. (Stürmische Zurufe.) Das Sudetendeutschtum aber brauchte Brot und Frieden. Während das Sudetendeutschtum hungerte, wollte Herr Benesch mit den Wimmernden nur diskutieren, heule können wir der Prager Burg ein peinliches Ergebnis servieren. Herr Benesch, Sie haben Ihren Staat zu Tode gelogen und zu Tode diskutiert. (Stärkster Beifall.) Ich frage: Wen in der ganzen Welt kann es Wunder nehmen, wenn dieses systematisch beraubte, betrogene und mißhandelte Volk in seiner Verzweiflung in die Welt hinausschrie: Wir wollen Freiheit, wir wollen Selbstbestimm- mung! Und gerade dieser Verzweiflungsruf steigerte die Brutalität der Tschechen zu einem Höhepunkt, wie ihn Mitteleuropa seit den Greueltaten der hussitischen Horden im Mittelalter nicht erlebt hat. Das, was heute in unserer Heimat vor sich geht, das Niederschlagen, das Niedermetzeln, das Zubodenbrechen wehrloser Frauen, das Niederstechen unschuldiger Kinder, das ist nur zu vergleichen mit jener Deutschenmetzelei in Kdmotau, die seinerzeit im 15. Jahrhundert tschechisch-hussitische Horden angerichtet haben. Mit Panzerwagen und Tanks fuhr die Soldateska des Herrn Benesch in unsere Städte und Dörfer, und Hunderte von Toten und Verwundeten zeichneten ihren Weg. Herr Benesch hat bereits unsere Antwort auf seine neueste Gewaltmaßnahme zur Kenntnis nehmen müssen. Unsere Antwort besteht in der Wir kämpsen 11 Begeistert stimmen die Tausende in die Heilrufe ein. Nr.ch Dr. Sebekowski rechnet auch der Abgeordnete Sandner noch einmal mit den Prager Machthabern ab. Der wahnwitzige Herrschaftsanspruch des tschechischen Volkes, so führte er aus, und die nicht minder wahnwitzige Zielsetzung seiner Politik, aus dem Vielvölkerstaat Tschecho-Slowakei mit Gewalt einen tschechischen Ratio- n a I ft a a t zu machen, hat jeden ehrlichen Verständigungsversuch zerschlagen. Selbst in jener geschichtlichen Stunde, da die politische Führung des Sudetendeutschtums am 14. September mit der Überreichung ihrer Forderungen eine letzte große Möglichkeit zu einem friedlichen Ausgleich schuf, trotzdem in Eger die Schußgarben der tschechischen Maschinengewehre bereits die ersten Opfer forderten, hielt die tschechische Staatsführung ihren Standpunkt des Hasses und der Unduldsamkeit aufrecht. ^je antwortete auf die von höchstem Verantwortungsgefühl getragenen Forderungen der Sudetendeutschen Partei mit der Entwicklung eines bestialischen und unmenschlichen Terra r s , wie er in der gleichen Art unter zivilisierten Völkern bisher weder gebräuchlich noch vorstellbar war. Wir kennen die tschechische Politik und ihre Bildung des sudetendeutschen Freikorps, (jubelnde Zustimmung) das mit der Waffe in der haub zum Kampf für bieheimak angetreten ist. Unsere Freikorpsmännec sind von dem unbeugsamen Willen besessen, nicht nachzugeben und keinen Einsatz zu scheuen, bevor nicht unser Sudetendeukschtum und unsere Heimat eingegliedert sind in das große Deutsche Reich! (Laute Zustimmungsrufe: „Wir wollen heim ins Reich!"). Meine Kameraden und Kameradinnen! In dieser Stunde habe ich das Glück, im Namen aller Sudetendeutschen, im Namen der kämpfenden Heimat ein Wort zum ersten Male öffentlich' ausrufen zu können, das uns feit Jahren auf dem Herzen brennt: W i r danken unserem Führer! (Stürmische Zustimmung- und Sieg-Heil-Rufe.) Man hat uns unterdrückt und geschunden, man bat uns eingekerkert und gemartert. Man hat uns hun» gern lassen. Man hat uns wie Freiwild gejagt. Niemand aber soll uns mehr bemitleiden, denn, gibt es ein größeres Glück als das unsere: Wir keh» r e n heim ins Reich. (Wieder stürmische Sieg» Heil-Rufe.) Wir haben es als Soldaten Adolf Hitlers tausendmal erfahren, daß es heute kein größe» res Glück auf Erden gibt, als dieses eine: ein Deutscher zu sein! (Stürmischer Jubel.) Die Fronten unseres Kampfes find endlich klar und eindeutig. Wir haben den Tschechen einen ehrenvollen Frieden angeboten. Sie haben ihn nicht gewollt. Jetzt werden wir den Frieden unserer Heimat mit der Waffe in der Hand erkämpfen. (Stürmische Heil-Rufe.) Wo immer wir aber auch heute stehen und kämpfen, steht über uns der Satz aus dem jahrhunderte alten Prager deutschen Recht: Wisset, daß die Deutschen freie Menschen sind! Und diese Freiheit danken wir dem Führer und deshalb heißt unser Kampfruf: Adolf Hitler Sieg-Heil! m unser Recht. Methoden. Wenn irgendje auf dieser Welt, dann haben wir ein Recht, Europa davor zu warnen, noch einmal den Worten aus Prag zu glauben. Was aus Prag kommt, aus dem Munde eines Hodza oder Benesch, ist Lüge und Betrug. Sie haben nur ein politisches Ziel, die Vernichtung des Deutschtums, nur ein politisches Glaubensbekenntnis, den Haß gegen uns, und nur eine sittliche Ueberzeugung, daß es menschlich sei, 3,5 Millionen Deutsche auszurotten. Hundert- und tausendfach sind die Beispiele, an denen sich die Doppelzüngigkeit der tschechischen Politik, ihre Verlogenheit und ihre Tücke, die Verworfenheit ihrer Methoden und die Hemmungslosigkeit ihres Hasses nachweisen lassen. Oder waren der mörderische Raubzug der tschechischen Legionen durch Sibirien, der Betrug und Verrat an K 0 ltschak schon vor mehr als 20 Jahren nicht Ausdruck der gleichen barbarischen Haltung, die vor wenigen Tagen zu jenem Feuerüberfall auf den Sitz unserer Parteiführung in Eger geführt hatte. Wan hat uns gegen Gesetz und Verfassung unsere politische Organisation zerschlagen, eine Organisation. Gie uns das Instrument unseres handelns in jener Zeit war, da wir auf friedlichem Wege, auf dem Wege von Verhandlungen, zu einem Ergebnis kommen wollten. Ich erkläre Ihnen heule: „ID i r brauchen diese Organisation nicht mehr. Wir haben uns eine neue 0 r - ganisation gebaut, eine Organisation, die nicht verhandeln und diskutieren wird. Nein, eine Organisation, deren Aufgabe es sein wird, jeden Tropfen sudetendeutsches Blutes, das in diesen Tagen vergossen wurde, hundertfach bezahlt zu machen. Wir werden der tschechischen Staatsführung beweisen, daß wir um unsere Rechte weiterkämpfen, und zwar auf heimatlichem Boden und mit der Waffe in der Hand. (Beifall.) Wan zwang uns zur Illegalität, und wir sind entschlossen, auch diesen uns aufgezwungenen Weg bis zum Ende zu gehen. (Beifall.) Ich scheue mich, angesichts der unendlichen Treue unserer daheim gebliebenen Volksgenossen, von denen keiner zum Verräter wird, nicht, hier festzustellen, daß die Führung der Partei bereits wieder abwechselnd auf heimatlichem Boden und Reichsdeutschem Gebiet ihre Arbeit tut. (Beifall.) Für jede Schandtat an unseren Volksgenossen in der Heimat werden die Tschechen hundertfach bezahlen. (Stürmische Zustimmung.) Es soll kein Zweifel darüber bestehen, daß die gewaltsame und brutale Vernichtung, sei es auch nur eines Teiles unserer Volksgruppe, beantwortet werden müßte mit einer Dernichtungsaktion von unserer Seite, bei der wir dreimal und zehnmal bezahlen lassen. Stunde für Stunde wendet sich unser Schicksal zum guten. Wir stehen nicht allein. Neben uns steht das Deutschland des Führers (begeisterte Heilrufe), beseelt von den gewaltigen Kräften der Blutsgemeinschaft, durch die es mit uns verbunden ist. Neben uns steht der Wille des Führers, nie mehr deutsche Menschen, wo immer sie auf dieser Welt leben, schutzlos preiszugeben einem Schicksal, wie es das unsere ist. Die letzte Stunde unseres Kampfes wird uns stärker und entschlossener finden als je, und wenn wir hinter den leuchtenden Fahnen unseres Sieges in die Heimat einziehen, dann werden wir wissen, daß diese un- erschütterliche Stärke unseres Herzens auch unsere beste Waffe war. — In dem einmütigen Bekenntnis zu Adolf Hitler klingt die Kundgebung aus. Ergriffen singt die vieltausendköpfige Menge im Saal wie auch draußen das Niederländische Dankgebet und die deutschen Nationallieder. „Ein Werk des Wahnsinns und der Ignoranz". Das Krebsgeschwür, das den ganzen Organismus Europas vergistei, muß beseitigt werden. EineMemdungmttdemFührer London, 19. Sept. (DNB.) In der „Daily Mail" veröffentlicht Ward Price eine Unterredung mit dem Führer, der den englischen Journalisten auf dem Obersalzberg in Berchtesgaden empfangen hat. Das Blatt gibt das Interview unter der Ueberschrift ,Eitler über die Aufrichtigkeit des Premierministers und seinen guten Willen". Wie Ward Price berichtet, erklärte der Führer u. a.: „Die Tschechen sagen, sie könnten keine Volksabstimmung abhatten, weil eine solche Wah- nahme in ihrer Verfassung nicht vorgesehen fei. Wir aber scheint, daß ihre Verfassung nur eines vorsieht, daß sieben Willionen Tschechen acht Willionen Winderheiten- völker unterdrücken sollen. Dieses tschechische Rebel muß ein für allemal abgesteltt werden, und zwar jetzt. Das ist ein Krebsgeschwür, das den ganzen Organismus Europas vergiftet. Wenn man es sich weiter entwickeln läßt, würde es die internationalen Beziehungen infizieren, bis sie endgültig zusammengebrochen sind. Dieser Zustand hat 20 Jahre lang gedauert. Niemand kann ermessen, was er die Völker Europas in dieser Zeit gekostet hat. Die Tschecho-Slo- wakei, die als Verbündeter Sowjetrußlands mitten ins Herz Deutschlands. vorstößt, hat mich bestärkt, eine große deutsche.Luftwafse zu schaffen. Dies wiederum führte Frankreich und Großbritannien dazu, ihre eigene Luftwaffe zu vergrößern. Ich habe in letzter Zeit die deutsche Luftwaffe wegen der jetzt in der Tschecho-Slowakei herrschenden Lage verdoppelt. Sollte es uns jetzt nicht gelingen, diese Krise zu beheben, würde Generalseldmarschall Göring bald bitten, die deutsche Luftwaffe aufs neue zu verdoppeln, und dann würden die Engländer und die Franzosen wieder i h r e r s e i t s ihre Luftflotten verdoppeln, und so ginge das wahnsinnige Wettrennen weiter. Glauben Sie, es machte mir Freude, meine großen Bau- und Arbeitsbeschafungspläne im ganzen Land stoppen zu müssen, um eine halbe Million Arbeiter an die Westfront zu schicken, um dort im Rekordtempo eine ungeheure Festungsanlage bauen zu lassen? Es wäre mir lieber, wenn ich sie zum Bau von Arbeitersiedlungen, großzügigen Auto st raßen, neuen Schulen und sozialen Einrichtungen ansehen könnte als für den Bau von unproduktiven Festungsanlagen. Aber so lange die tschechische Unterdrückung einer deutschen Minderheit Europa im Fieber hält, muh ich auf altes, was kommen kann, gefaßt fein. Ich habe die Maginot-Linie studiert und sehr viel davon gelernt; aber wir haben etwas nach unser en eigenen Ideen erbaut, was noch besser ist und was jeder Macht der Welt slandhatten würde, wenn wir, angegriffen, wirklich in der Defensive bleiben wollten. Alles dies ist aber Wahnsinn, denn niemand in Deutschland denkt daran, Frankreich anzugreifen. Wir hegen keine Ressentiments gegen Frankreich. Im Gegenteil, in Deutschland herrscht ein starkes Gefühl der Sympathie für Frankreich. Ebensowenig will Deutschland Krieg mit England. „Herrgott!", rief der Führer aus, „was könnte ich alles in Deutschland und für Deutschland tun, wenn diese tschechische Unterdrückung von einigen Millionen Deutschen nicht wäre. Aber sie muß aufhören. Und sie wird aufhören!" Daß französische Minister bisher versprochen haben, der Tschecho-Slowakei beizustehen, führte Herr Hitler aus, siehe im Widerspruch zu ihren eigenen früheren Talen. Frankreich habe zugelassen, daß das Saargebiet sich von der französischen Kontrolle losgesagt habe, obwohl das Saargebiet für Frankreich von großer wirtschaftlicher, potttischer und strategischer Bedeutung war. Jetzt aber reden manche Leute in Frankreich davon, einen Weltkrieg zu entfesseln für ein Land, in dem für sie keine wirtschaftlichen oder andere unmittelbare Interessen auf dem Spiel stehen. Und sie tun das einzig und allein, um den Tschechen zu ermöglichen, den Sudetendeutschen zu verweigern, was die Franzosen den Saarländern ae- währt haben. Auf gleiche Weise ließ England Südirland seine vollständige Autonomie und gab vor hundert Jahren Holland den Belgiern ihre Unabhängigkeit. Die Tschechen waren nun kein selbständiges Volk, bis die Friedensverträge sie zu einer unverdienten und künstlichen Herrschaft über Minderheiten erhoben, die zahlreicher sind als sie s e l b st. Im Mittelalter war Böhmen ein deutsches Kurfürstentum. Schon 200 Jahre vor der Zeit der Königin Elisabeth entstand in Prag die erste deutsche Universität. Das moderne Deutsch wurde durch die Diplomatensprache geschaffen, die in Regierungsbüros des deutschen Kaisers in dieser Stadt, die er zeitweilig zu seiner Hauptstadt machte, gesprochen wurde. Während der Hussitenkriege allerdings waren die Tschechen einmal vorübergehend selbständig. Sie machten davon Gebrauch wie die Bolschewisten, brandschatzten und plünderten, bis die Deutschen sich erhoben und sie zurückschlugen. „Die Schaffung dieser heterogenen tschechoslowakischen Republik nach dem Kriege war Wahnsinn", rief der Führer aus. „Sie hat keinerlei Merkmale einer Ration, weder vom Gesichtspunkt der Ethnologie, noch der Strategie, Wirtschaft ober Sprache. Einer Handvoll geistig unterlegener Tschechen die Herrschaft über Minderheiten zu geben, die zu Völkern wie den deutschen, polnischen oder ungarischen gehören, mit einer tausendjährigen Kultur hinter sich, war ein Werk des Wahnsinns und der Ignoranz. Die Sudetendeutschen haben vor den Tschechen keinerlei Respekt und werden ihre Herrschaft nie akzeptieren. Rach dem Kriege erklärten die Alliierten, die Deutschen seien nicht würdig, über Schwarze zu herrschen und setzten doch zur gleichen Zeil ein zweitrangiges Volk wie die Tschechen über 3V- Millionen Deutscher von höchstem Eharakter und höchster Kultur. Wenn damals ein mächtiges Deutschland existiert hätte, wäre das unmöglich gewesen, und sobald Deutschland wieder erstarkte, begannen die Südeten- deutschen sich zu behaupten. Die tschechische Regierung versucht verzweifelt, die europäischen Großmächte gegeneinander auszuspielen — denn sonst könnte der tschechische Staat nicht weiter bestehen — aber es ist unmöglich, ein so unnatür- liches Gebilde durch politische und diplomatische Tricks aufrechtzuechalten." Herr Hitler sprach mit bitterer Entrüstung von dem Haftbefehl der tschechischen Regierung gegen Herrn Henlein. „Wenn Henlein verhaftet wird, b i ch i ch der Führer der Sudetendeutschen", tief er aus, „und ich will dann sehen, wie lange Dr. Be- nesch noch seine Dekrete herausgeben kann, hoffentlich erläßt er keinen Haftbefehl gegen mich! Wenn die Tschechen einen großen Staatsmann gehabt hätten, hätte er längst die Sudetendeutschen sich ans Reich anschkießen lassen und wäre froh gewesen, so die Fortdauer der Autonomie für die Tsche- ch e n s e l b e r sicherzustellen. Aber Dr. Benesch ist e i n Politiker, aber keinStaatsman n." Auf die Frage, ob der Besuch d e s Premierministers die Aussichten einer friedlichen Regelung des tschechischen Problems verbessert hätte, antwortete der Führer: „Ich bin von Mr. Ehamberlains Aufrichtigkeit und gutem Willen überzeugt." Zuchthäusler zum Militärdienst „beurlaubt". Tschechische Armee wird durch Verbrechergesindel aufgefüllt. Schmiedeberg, 19. Sept. (DNB.) Die Erscheinungen der Z e r s e tz u n g i m tschechischen Heer nehmen den allseits und nicht zuletzt von kundigen Tschechen erwarteten Umfang an. Die Tschechen selbst zertrümmern dieses Instrument, wenn sie, voll des schlechten Gewissens, alle n i ch t t s ch e ch i s ch e n Soldaten entwaffnen, aus den aktiven Truppenkörpern entfernen und die entstehenden Lücken — es handelt sich immerhin um die hülste des Gesamtbestandes — mit in aller Eile zusammengetrommelten rotem Gesindel auffüllen. Der Privatbeamte Walter B. aus Tyssa bei Bodenbach, der im tschechischen Jnf.- Regiment I in Kaplitz eingezogen war, gelangte in der Nacht über die Grenze. Er erklärte: Das I. Bataillon des Infanterie-Regis. 1 in Taplih war halb tschechisch und halb deutsch. Die deutschen Soldaten wurden bereits vor mehr als einer Woche entwaffnet und nach Vudweis transportiert, wo die Bataillone II und III des Regimentes stehen. Das Tapliher I. Bataillon wurde indessen auf- gefüllt, und zwar mit marxistischem Wob, unter dem sich bezeichnenderweise auch Zuchthäusler befanden, die offen damit prahlten, daß sie eigens zum W i l i t ä r - dienst „beurlaubt" worden feien. Aus den Gesprächen, die die Offiziere mit diesem Janhagel führen, ergab sich, daß man besonderen Wert auf die Ortskenntnisse des Pöbels legte. Jeder muhte genaue Angaben darüber machen, in welchen Ortschaften und in welchen Grenzbezirken er sich auskenne. Besonders begehrt scheinen beim tschechischen Wilitär „Warxisten" zu sein, die im sudetendeutschen Gebiet ansässig sind. Der Sinn dieser Vorliebe ist deutlich. Wan will in jeder Abteilung Fachleute haben, die zur gegebenen Zeit die Truppen gegen die wehrlose Bevölkerung führen können. In Tyssa ist die gesamte kommuni st ische Role Wehr, die von „deutschen" Emigranten geführt wird, geschlossen in den Verband des Jnfanlerle-Regts. 4 2 übernommen, uniformiert und bewaffnet worden. Um den roten Wob nun nicht etwa durch militärische Disziplin zu verstimmen, wurde ihm gestattet, außerhalb der Kaserne zu Hausen. Am Freitag hielt die politische Häuptling der Roten Wehr, hiedjchkal, im Volkshaus vor diesen „Soldaten", die er ausdrücklich als „V o r p o st e n der Roten Armee" apostrophierte, eine Ansprache, worin er ausführte, daß es untunlich fei, die Bevölkerung durch Einzelaktionen zu beunruhigen. „Wenn ihr", so sagte er, „einzelne dieser hen- leinschweine totschlagt, macht ihr nur Propaganda, auf die der Bürger in den Weststaaten hört. Wir müssen sie an einem Tag, in einer einzigen Nacht, erledigen und am nächsten Morgen muß die Welt v o r einer vollende- t e n Tatsache stehen." Der dem tschechischen Militär entwichene deutsche Korporal Johann Nenetz diente in der 4. Eskadron des Reiter-Regiments 1 in Theresienstadt. Die Eskadron bestand zu 50 o. h. aus Tschechen, zu 10 v. h. aus Deutschen, des Rest aus Maya- ren und Slowaken. Zu Beginn der vorigen Woche wurden die Deutschen entwaffnet. Die nicht entwaffneten Slowaken und Magyaren wollten sich mit ihren deutschen Kameraden unterhalten. Darauf wurden den Slowaken und Magyaren ebenfalls die Waffen abge-« Ino m men mit den Worten: „Damit ihr wißt: l Wenn der Adolf kommt, werden nicht nur die deutschen Schweine, sondern auch die slowakischen und magyarischen gleich schon in der Kaserne fer- t i g g e m a ch t." Auch Nenetz berichtet über die fortschreitende B o l s ch e w i s i e r u n g der tschechischen Armee, die durch die Hereinnahme großer Bürgerkriegsgarden nun nicht nur im Geiste, sondern auch organisatorisch den rotspanischen Mordbrennern angeglichen ift. Durch die Entfernung der nichttschechischen Nationalitäten aus den geschlossenen Verbänden, die Neubildung rein tschechischer Abteilungen und die Angliederung uniformierter Zivilbanden ist ein derartiges Durcheinander entstanden, daß den Soldaten die Regimentsnummern genommen wurden, damit dieses Durcheinander nicht allzu deutlich sichtbar wird. Prag bewaffnet systematisch die Rote Wehr. , Seifhennersdorf, 19. Sept. (DNB.) In der Nacht vom Samstag zum Sonntag wurde in Seifhennersdorf unter den Flüchtlingen, die von Warnsdorf über die Grenze gekommen waren, ein kommunistischer Spitzel verhaftet, der glaubte, sich als Flüchtling ausgeben zu können, aber im Lager erkannt wurde. Im Besitz dieses Kommunisten befand sich nämlich eine Anweisung der tschechischen Staatspolizei zum Erwerb einer Handfeuerwaffe und zweihundert Schuß Munition. Dieser amtliche Ausweis war in deutscher und tschechischer Sprache abgefaßt. Dieses Dokument, das in die Hände der deutschen Polizei gefallen ist, bringt eindeutig den Beweis dafür, daß entgegen den Behauptungen der Prager Regierung die Kommunisten, insbesondere die Rote Wehr in den Grenzgebieten, syste- matisch bewaffnet worden sind. Andere Flüchtlinge berichten, daß die Kommunisten aus den Militärstellen der Tschechen gegen Vorweisung ihres Ausweises der Roten Wehr Uniform, Waffen und Munition erhalten. Allerdings wird den von der tschechischen Regierung bewaffneten Mitgliedern der Roten Wehr angeraten, über ihren Uniformen einen Zivilmantel zu tragen, damit die Bewaffnung und Uniformierung zunächst g e« tarnt bleiben können. Die ersten Musterungen für das sudetendeulsche Freikorps Das sudetendeutsche Freikorps. Begeisterte Bertrauenskundgebungen. DRB. 19. Sept Das Kommando des Sudetendeulfchen Freikorps teilt mit: Am Wontagvormittag fanden in zahlreichen FlüchtlingslagernentlangderGrenze die ersten Wufterungcn für das sudetendeulsche Freikorps statt. Die Witteilung. daß nunmehr die Dorarbeiten beendet seien und der Einsatz beginnen könne, löste unter den Sudetendeutschen, die eben erst dem Terror des hussitischen Wobs entgangen waren, unbeschreiblichen Jubel aus. Bei der bezirksweisen Einteilung der Wann- schaflen kam es immer wieder zu Szenen herzlicher Wiedersehensfreude. Wänner. die jahrelang in der Heimat zusammengearbeitet und sich in den letzten Jahren des schweren Kampfes aus den Augen verloren hatten, fanden sich nun wieder in einer gemeinsamen Front zusammen. In allen Lagern bereiteten die Sudetendeutschen ihrer Führung, die ihnen die Grüße Konrad Henleins überbrachte, begeisterte Vertrauenskundgebungen und erklärten immer wieder, daß sie auf den Augenblick brennen, ihre in der Heimat zurückgebliebenen Volksgenossen von betn Gewaltregime des tschechisch-bolschewistischen Wobs befreien zu können. Husfltengreuel. Von $. O. H. Schulz. Die Roheiten, die sich die tschechische Soldateska heute im Namen der Demokratie gegen die unbe- maffnete sudetendeutsche Bevölkerung leistet, lassen es notwendig erscheinen, dieses außerhalb der Kulturgrenze stehende Volk und seine kriegerische Ehre einer besonderen Tatsachenprüfung zu unterziehen. Welche Periode seines Daseins wäre wohl dafür geeigneter als d i e Zeit des Hussitenkriege s , wo die Tschechen sich im Namen von „Freiheit und Recht" erhoben, um eine höhere Sittlichkeit und Religion durchzusetzen? Es ist d l e ,,® r o ße Zeit" ihrer Geschichte und der entscheidende Abschnitt ihrer militärischen Heldentaten. Wie sahen diese aus? t. Ihr vielgerühmter Feldhauptmann Z i s f a sicherte sich die Grundlage seiner Waffenerfolge dadurch, daß er M a s s e n h i n r i ch t u n g e n verfügte, gegen die alle Greuel der Inquisition wahre Kinderspiele sind. Jeder Priester, der im Ornat die Messe las, wurde hingerichtet. Mehrere tausend Geistliche, die' um ein Geringes in ihrer Praxis von den Richtlinien der vier hussitischen Glaubens- artikel abwichen, wurden von den bewaffneten Banden Ziskas entweder niedergemetzelt, verbrannt oder ersäuft. Die Feld Hauptleute gaben die Losung heraus: „Mönche in den Sack! Prediger freierer Lehren wurden, wie in Raüdnitz geschehen, in ein Faß gesteckt und langsam am Feuer geröstet. Man watete durch ein Meer von Blut. Der heute tägliche Ueberfall auf sudetendeutsche Städte gibt zu der Erinnerung Anlaß, daß die hussitischen Heerhaufen seinerzeit ganze Reihen von Städten und Dörfern in Schutt und Asche verwandelt haben. Die Stadt Kleinseite wurde bis auf das letzte Haus und den letzten Einwohner vernichtet. Die Stadt Kuttenberg ergab sich den hussitischen Heer- Haufen unter der Bedingung, daß die deutschen Bürger, die ihrem Glauben treu bleiben wollten, frei 'abziehen dürsten. Kaum hatten die Deutschen die Stadt verlassen, als sie von der wortbrüchigen Soldateska überfallen, aus geraubt und mit abgeschnittenen Nasen zurückgeschickt wurden. Im Jahre 1420 gelang es den Taboriten, die deutsche Stadt Prachatitz einzuneh- men. Ziska sperrte die dem Gemetzel entgangenen Stadtbürger in die Sakristei der Kirche ein, legte Feuer an und ließ sie verbrennen. Vermehrt durch den Abschaum aller möglichen Völ- ker, wie heute durch das bolschewistische Gesindel, „Rote Wehr" genannt, schonten sie weder Frauen noch Kinder. Auch die Mahnung einer Synode, dem Diebstahl und der Plünderung Einhalt zu bieten, blieb fruchtlos. Bald nach den Greueltaten von Prachatitz ereignete sich noch viel Furchtbareres in Komotau (1421). Dort wurden nicht nur 3500 Einwohner, Soldaten, Bürger, Priester und Juden er- schlagen, sondern auch die Frauen und Mädchen dem Tode durch das Feuer ausgeliefert. 1424 wurde zu Ehren des im gleichen Jahre an der Pest gestorbenen Ziska die gesamte gefangene Besatzung des Schlosses Pribislau lebendig geröstet. Die von der tschechischen Soldateska während der Hussitenkriege außerhalb der böhmischen Grenzen verübten Greueltaten sind aus dem Schulunterricht aller Kulturländer zu gut bekannt, als daß es nötig wäre, hier ihrer besonders Erwähnung zu tun. Nur, daß im Jahre 1430 die Stadt Plauen vollkommen verwüstet und ihre Einwohnerschaft in viehischer Weise von den Tschechen hingeschlachtet wurde, sei erwähnt. Wie unermeßlich die Ehrlosig- kett dieser bewaffneten Banditen war, erhellt noch besonders die Tatsache, daß 1434 in der Schlacht oon Lipan (Böhmisch-Brod), wo sich auch Taboriten (Ziska-Anhänger) und die wieder in die Armee des Papstes zurückgekehrten Tschechen (Calixtmer) gegenüberstanden, diese nach vollendetem Siege die erstgenannten in einer Zahl von 900 Gefangenen in Scheunen steckten und dem Feuertode übergaben. Im ganzen kultivierten Europa des 15. Jahrhunderts blickte man voll Verachtung auf diesen verkommenen Stamm der Völkerfamilie. Die Fran- zosen planten, nach Vertreibung der Engländer vom französischen Boden einen Kreuzzug nach Böhmen zur Ausrottung des tschechischen Volkes zu unternehmen. Um diese Zeit war es, wo man in Frankreich von La Boheme (Böhmen) das Wort Bohemien ableitete, das bis auf den heutigen Tag Zigeuner bedeutet. Solch ein Schanddenkmal hat sich dieses „Kriegervolk" für alle Zeiten in der Kulturwelt gesetzt. Es ift wichtig, den Franzosen diese Tatsache heute zum Bewußtsein zu bringen. Die Reste der hussitischen Mordbrenner, die man verächtlich Zebraken (Bettler) nannte, verdingten sich nach dem endgültigen Siege Kaiser Sigismunds über die Tschechen an jeden, der sie bezahlte. Ihre Zuchtlosigkeit war sprichwörtlich. Das ist die militärische Tradition der heutigen tschechischen Zigeunersoldateska, die sich anschickt, die Hussiten- praxis gejgen unsere sudetendeutschen Brüder zu erneuern. Sollte es e i n Kulturvolk in der Welt geben, das diesen „Ehrenmännern" der europäischen Ge- schichte die Hand reicht? Wir wollen es nicht glauben. Polen fordert Rückgabe Teschens. Vorstellungen in Paris und London. Warschau, 19. Sept. (DNB.) Die Polnische Telegraphenagentur berichtet über einen in Pa- r i 5 und London unternommenen Schritt, durch den die polnische Regierung die Aufmerksamkeit Frankreichs und Englands auf die polnische Minderheit in der Tschecho-Slowakei lenkt. Polen hat in seiner Note darauf hingewiesen, daß die Angelegenheit der polnischen Minderheit den gleichen Eharakter trage wie die der S u d e t e n d e u t s ch e n. Sie müsse darum auch mit denselben Methoden erledigt werden. In K a 11 o w i tz hat sich ein Kampf ausschuß für b i e Rechte der Polen in der Tschecho- Slowakei gebildet. Seit Sonntagabend gibt der polnische Rundfunk in Kattowitz Nachrichten und Anweisungen für die polnische Volksgruppe in der Tschecho-Slowakei durch, durch die die Polen westlich des Olsa-Flusses zum Aus- harren aufgefordert werden, da ihnen bald die Erlösungs stunde schlagen werde. Der Kampfausschuß wird am Montag im Kattowitzer Stadttheater eine große Kundgebung für die polnischen Minderheiten in der Tschecho-Slowakei veranstalten. Die polnische öffentliche Meinung verlangt, daß das Teschener Schlesien an Polen abgetreten werden müsse. Der französische Ministerrat billigt einstimmig das Londoner Abkommen. Paris, 19. Sept. (DNB.) Der französische M i - nist errat tagte unter dem Vorsitz des Präsidenten Lebrun von 10.30 bis 12 Uhr. Anschließend verlas der Innenminister folgende Verlaut- barun g vor den Pressevertretern: „ZUinifferpräfibenf Dalabier unb Außenminister Bonnet haben Bericht erstattet über bie von ihnen in Conbon gepflogenen Berhanblungen unb über bie Beengungen, unter denen ein Abkommen mit ber Regierung von Großbritannien zustanbe gekommen ist. Der ZUinifterral hat einstimmig feine Zustimmung zu den Erklärungen unb zur Haltung bes 2Uini- fterpräfibenten unb zu ben im Einvernehmen mit ber britischen Regierung vorgeschlagenen Lösungen gegeben." In politischen Kreisen verlautet, daß die Sitzung des Ministerrats fast ausschließlich von einer sehr eingehenden Schilderung der Londoner Verhandlungen durch Dalabier ausgefüllt war. Im Anschluß an den Bericht des Ministerpräsidenten sollen einige Fragen an Dalabier und Bonnet gerichtet worden sein, deren Beantwortung dann die einstimmige Zustimmung des Ministerrates zu den Londoner Vorschlägen beschleunigt habe. Man unterstreicht besonders die Tatsache, daß der Ministerrat entgegen den Erwartungen nur so kurze Zeit gedauert hat und daß sämtliche Minister sich dem Standpunkte Dalabiers und Bonnets angeschlossen haben. Man nimmt an, daß im Zusammenhang mit dem Ministerrat nun französischerseits eine Fühlungnahme mit Prag erfolgen wird. Außenminister Bonnet hat am Montagvormittag den tschechisch, slowakischen Gesandten in Päris, Osusky, emp- hat nach feiner Unterredung dem uuai d Orsay in sichtlicher Erregung verlassen und den anwesenden Journalisten, die ihn befragen woll- ten, erklärt: „Sie wollen den Verurteilten sehen, uD*r d?n man geurteilt hat, ohne ihn anzuhören." smu Anschluß an die Billigung der Londoner Abmachungen durch die englischen und französischen Kabinette das bisherige Geheimnis über den yn= halt des Planes zur Lösung der tschecho-slowakischen iZrage sich zu lichten beginnt, fängt auch die französische Oeffentlichkeit an, mit mehr ober weniger Realismus bie Lage zu betrachten. Vielen Zeitun- gen fällt es nicht leicht, ben notgebrungenen Umfall ihrer Haltung zu beschönigen. Es bricht sich bie Er- kenntnis Bahn, baß die Abtrennung ber Subeten- gebiete in ber einen ober anberen Form und bie Beschneibung bes tschechisch-slowakischen Mosaikstaates burch Abtrennung ber anberen Volkstums- Gebiete unaufhaltbar geworben sei. Ein Teil ber Blätter weist auch auf ben Umschwung ber Ansichten ber englischen Staatsmänner hin, die auf Grund der an Ort und Stelle gemachten Erfahrungen Lord Runcimans zu der Ueberzeugung gelangt seien, baß ein weiteres Zusammenleben von Deutschen unb Tschechen unmöglich sei. Dies hätten auch bie französischen Minister bei ben Londoner Besprechungen einsehen müssen. Sie hätten aber mit viel Ueberrebungskunst und Mühe England doch so weit gebracht, gegebenenfalls eine neue Verpflichtung Großbritanniens auf d e m Fe st lande zu übernehmen. „Alle Augen sind auf Prag gerichtet. Benesch hat jetzt das Wort", so erklärt bie französische Presse. Der bem Quai b'Orsay nahestehenbe „Petit Parisi en" betont, bie von Prag verlangten Opfer seien groß, boch seien bie schweren Mißgeschicke, von benen sonst Prag bebroht bleibe, noch viel größer. Prag von pari« und London orientiert. London, 20. Sept. (DNB.) Preß Association melbet, baß die vollen Einzelheiten des britischen unb französischen Planes der tschechischen Regierung übermittelt worden seien. In London rechne man damit, daß die Ausfprache Hitler-Chamberlain Mittwoch ftattfinben werde. Man rechne weiter damit, daß, falls es sich als notwendig Herausstellen sollte, Chamberlain, Lord Halifax, Sir John Simon unzb Sir Samuel Hoare, nochmals zu Beratungen zusammentreten würden. Chamberlain werde nunmehr wahrscheinlich in ber Lage sein, dem Reichskanzler die englisch-französischen Vorschläge oorzu- legen, die das sudetendeutsche Problem lösen und, wie man „zuversichtlich hoffe", ben Frieden bringen sollten. Es sei kein Zweifel, daß das dramatische Verlangen der tschechischen Regierung, vor einer Entscheidung gefragt zu werden, bei den Besprechungen sofort aufs gründlichste behandelt worden sei. Reuter bemerkt, daß die tschechischen Minister zu wählen hätten zwischen Abtretung eines Teiles ihres Gebietes ober ber möglichen Vernichtung. Eine Weigerung, ben britischen unb französischen Empfehlungen zuzustimmen, würde eine Katastrophe bedeuten. Weiter er» klärt Reuter, daß kein Zweifel darüber bestehe, daß bi e Stimmung in Prag wegen der Haltung ber Dalabier-Regierung außerordentlich nie« bergeschlagen sei. Riemanb glaube wirklich mehr, baß eine Hilfe der Sowjets in Frage käme. Reuter melbet weiter aus Prag, bort verlaute, daß bie tschechische Regierung beschlossen habe, bie französisch-englischen Vorschläge anzunehmen. Sie habe aber, so heiße es in ber gewundenen tschechischen Erklärung weiter, gleichzeitig beschlossen, „um genauere Erklärungen zu bitten, damit sie eine Antwort ausarbeiten könne". Dieser Beschluß sei nach fünfstündigen Beratungen des tschechischen Kabinettsrates unter Vorsitz Beneschs gefaßt worden. Das Kabinett trete unter dem Vorsitz von Dr. Benesch heute früh um 11 Uhr wieder zusammen. „Evening Standard" meint: Es sei unwahrschein- lich, daß Benesch und seine Berater Vorschläge ab- lehnen würden, die ihnen von ihrem eigenen Verbündeten Frankreich aufgedrängt würden. Da Prag sich nicht länger auf eine französische Unterstützung in bem Wiberstanb gegen eine Neuzeichnung ber Versailler Lanbkarte verlassen könne, so werbe Be- nesch es sich sicherlich mehrmals überlegen, ehe er fein Land in einen Krieg stürze. Er würde sich einem furchtbaren Gegner gegenüber» sehen, und zwar in einer hoffnungslosen Unterlegenheit mit keiner Aussicht auf fremde Hilfe, es sei denn die höchst problematische Sowjetrußlands. Oie englische presse rät den Tschechen zur Annahme. London, 20. Sept. (DNB. Funkst uch.) Für die Londoner Blätter gibt es jetzt durchweg e i n offenes Geheimnis, was die englisch- französischen Vorschläge zur Lösung der tschechischen Frage vorsehen, nämlich: 1. Abtretung be r überwiegend sude - tendeutschen Gebiete an Deutschland; 2. Volksentscheid für die übrigen sudetendeutschen Gebiete; 3. Neutralisierung des neuen tschechischen Staates durch internationale Garantien der europäischen Hauptgroßmächte. Kein Londoner Blatt zweifelt mehr daran, daß sich bie englisch-französischen Vorschläge auf biefer Linie bewegen. Die meisten Blätter erwarten die Annahme dieses Planes durch bie Tschechen, ba ihnen nichts anberes übrig bleibe. Mit Spannung wartet man jetzt auf die Antwort Prags. Mit Ausnahme der Oppositionsblätter, die jetzt ihr politisches Geplänkel wieder aufnehmen, hat im Grunde genommen fein Londoner Blatt gegen diesen Plan etwas einzuwenden. Im Gegenteil, ein großer Teil ber Presse setzt sich für seine Annahme burch Prag ein. So rebet bie Times in ihrem Leitartikel ben Tschechen zu, ben Plan anzunehmen. Sie weist auf bie ehemaligen religiösen unb späteren rassischen unb politischen Streitigkeiten zwischen Tschechen unb Deutschen hin, wobei sie erfiärt, bie erste Sorge ber tschecho-slowakischen Republik hätte es sein sollen, seine Nationalitäten zufrieden zu stellen. Das habe sie aber nicht fertiggebracht. Jetzt, 20 Jahre nach bem Friebensvertrag, seien bie Volksgruppen mit ber tschechischen Herrschaft weniger versöhnt, als noch vor einigen Jahren. Es könne also wirklich nicht bas Interesse Prags sein, Sube- tendeutsche als Untertanen eines Staates zu behalten, ben die meisten von ihnen von Herzen verabscheuten. Diejenigen, bie ber tschechischen Regierung bie neuen Vorschläge unterbreitet hätten, hofften, baß vielleicht aus ihnen eine zwar kleinere, dafür aber stärkere unb einheitlichere Ts checho- Slowakei hervorgehen werde. Das völkische Problem sei immer noch das Hauptproblem Europas. Gewisse Völker, einschließlich ber Deutschen, seien zwar so verstreut, baß es offensichtlich unmöglich sei, überall politische unb völkische Grenzen auf einen Nenner zu bringen. Die Subetenbeutschen aber stellten eindeutig eine nahezu kompakte völkische Ge- m e i n s ch a f t dar, die lediglich durch eine politische Grenze abgetrennt sei. Ihre Vereinheitlichung mit dem Muttervolke' würde also nicht nur ben völkischen Grunbsätzen, sonbern auch denen ber Selbstbestimmung entsprechen, auf denen angeblich ja ber Versailler Vertrag aufgeoaut gewesen sei. Die Times kommt bann zu bem Ergebnis, baß nach bem Ausscheiben ber Subetenbeutschen Prag immer noch über ein wohlorganisstrtes unb gut ausgerichtetes Lanb verfügen würbe. Das Blatt hofft, bie tschechische Regierung möge zu ber Einsicht kommen, baß bas augenblickliche Opfer ein Gewinn sei, insbefonbere, wenn bie Neuverteilung in Mitteleuropa ber Vorläufer für weitere Bereinigungen unb bas Muster für ein umfaffenberes System werben solle, besten Hauptziel bie Verbannung bes Krieges zwischen zivilisierten Nationen sei. „Daily Expreß^ und „Daily Mail" melden in ihren Spätausgaben in größter Aufmachung, daß die Tschechen bereits grundsätzlich ben französisch-englischen Plan angenommen hätten. „Daily Expreß" melbet außerbem aus Prag, baß Benesch seinen Rücktritt einreichen werbe. In ßonbon erwarte man mit Zuversicht eine b a I b i g e zustimmende Antwort Prags. Wenn jetzt bald bie Aengste um ben Frieben der Vergangenheit angehören würden, so oerbanke man bas Chamberlain und seiner Regierung. Bedauerlich sei allerdings die Nachricht, daß man englischerseits bem neuen tschechischen Staate Garantien für seine Grenzen geben wolle. Das sei völlig unnötig. Die Tschechen würden den Plan annehmen, weil ihnen einfach keine andere Möglichkeit bleibt. Man könne der Tschechv- Slowakei mehr raten, ben Realitäten ins Auge zu schauen unb bie Vorschläge Englands unb Frankreichs anzunehmen. Prag stehe vor ber Wahl der Annahme dieser Vorschläge ober eines Krieges ohne westliche Hilfe gegen einen übermächtigen Feinb. Selbstverständlich würden die Tschechen nicht gern Gebiete abtreten, die die Zeichner der Karte von Versailles ihnen zugeteilt hätten. Man habe aber eingesehen, daß die künstliche Schaffung der Tschecho- Slowakei ein Fehler gewesen fei. Es würde aber Wahnsinn sein, wollte man versuchen, diesen Fehler durch einen Krieg zu verewigen. Der amerikanische Senat wünscht Neutralitätspolitik. Neuyork, 19. Sept. (DNB.) Senator Pitt- man, der Vorsitzende bes Außenausschusses bes amerikanischen Senates sprach in einer Runbfunk- rebe über bie politische Gage. Pittman rühmte ben Verteibigungswillen ber Vereinigten Staaten gegen jeben Angriff von außen unb schloß: Unter diesen Umständen wird der amerikanische Senat — unb ich spreche besonbers für den Senat, weil ich sicher bin, dessen Außenpolitik zu kennen, unb weil ich glaube, baß diese Politik im Falle eines neuen Weltkrieges aufrechterhalten wird — nach meiner Ueberzeugung für keinen Vertrag, Entschluß oder irgendeine Maßnahme fti m m en , bie uns zumEintrittinirgend- einen fremden Krieg ober irgenbein Bünbnis ober gemeinsame Aktion mit irgenbeiner fremben Regierung ober Regierungen zugunsten eines fremben Staates ermächtigen mürbe. Mussolini auf juqoslowi chem Botzen. Triest, 19. Sept. (DNB.) Den zweiten Tag 'seines Triester Aufenthaltes benutzte Mussolini zu einer Fahrt an bie italienisch-jugoslawische Grenze bei Postumia. Unter bem Schmettern ber Fanfaren traf ber Duce an ber Grenzstation ein. Sein Wagen hielt wenige Schritte vor ber italienischen Ehrenkompanie. Der Duce roanbte sich sogleich ben Grenzpfählen zu, wo ihn ber jugoslawische General Lukic unb ber Ban bes Draugebietes erwarteten. Unter ben Klängen ber von ber jugoslawischen Musikkapelle angestimmten italienischen Nationalhymne begab sich Mussolini a u f jugoslawischen Boben unb schritt bie bort ausgestellte Ehrenkompanie ab, währenb bie Volksmenge stürmische Hochrufe auf chn ausrief. Der Ban bes Draugebietes richtete an ihn eine kurze herzliche Begrüßungs- ansprache im Namen ber jugoslawischen Regierung, bie in bem Wunsche ausklang, baß ber Besuch Mussolinis an ber jugoslawischen Grenze bie gute Nachbarschaft und herzliche Freundschaft noch enger gestalten möge. General Lukic begrüßte Mussolini im Namen bes jugoslawischen Heeres. Mussolini lobte bie Tüchtigkeit bes jugoslawischen Heeres. Unter Fanfarenklängen fuhr er nach Postumia unb Triest zurück. Wusueh iü der Hand der Japaner. Schanghai, 17. Sept. (Europapreß.) Nach einer japanischen Mitteilung haben bie japanischen Truppen die Stadt Wusueh auf bem Nordufer bes Jangtse genommen und damit die gesamte Kontrolle über die Flußsperre erlangt. Wusueh liegt etwa 50 Kilometer nordwestlich von Kiukiang und ungefähr 150 Kilometer südöstlich von hankau. Von der seit Tagen zu erneuter Heftigkeit entbrannten japanischen Offensive gegen bie Peipin g— hankau-Bahn in honan wird von japanischer Seite gemeldet, daß die japanischen Truppen Kwangtschau, 100 Kilometer östlich der Eisenbahnstation Sinyang, besetzt hätten. Die Eroberung von Kwangtschau, südöstlich von Kwangtschau, stehe unmittelbar bevor. Staatsbesuch des Neichswirtschasts- minister« in Ankara. Berlin, 18.Sept. (DNB.) Reichswirtschaftsminister Funk hat sich auf Einladung der türkischen Regierung zu einem Staatsbesuch nach Ankara begeben. Der Minister wird auch einige südosteuropäische Hauptstädte besuchen. Zur Abreise des Reichswirtschaftsministers, der von feiner Gattin unb ben Oberregierungsräten Walter unb Knothe begleitet wirb, hatten sich auf bem Anhalter Bahnhof der türkische Botschafter hamdiarpag, ber jugoslawische unb ber bulgarische Gesanbte eingefunben. Ausländische Säfte beidenTruppenübungen inOstpreußen. Königsberg, 18. Sept. (DNB.) An ben biss- jährigen Korpsmanovern bes l. Armeekorps in Ostpreußen nehmen vom 18. bis 23. September als Gäste bes Oberbefehlshabers bes heres eine Anzah. höherer Offiziere frember Heere teil. Folgenbe Heere haben Aborbnungen entsandt: die italienische ungarische, nationalspanische, schweizerische, türkische, bulgarische, griechische, estnische, finnische, schwedische, dänische, norwegische unb niederländische Armee. Die Abordnungen, welche zum Teil unter Führung von Generalen ber betreffenben Heere stehen, werden auch das Schlachtfeld von Tannenberg besuchen. Zu Ehren der 36 in Berlin beglaubigten fremdländischen Militärattaches, die an den Herbst- manooern teilnehmen, gab der Chef des Gene- ra l ft ab es bes Heeres, General ber Artillerie Beck, in Königsberg einen Empfang. Der Oberbefehlshaber bes Heeres Generaloberst von Brau* chitsch, hat sich nach Ostpreußen begeben, um im Anschluß an einen Jagbausenthalt in ber Johannisburger Heide an den Truppenübungen teilzunehmen. Eröffnung des Internationalen prüfungs- und Treuhandkongreffes. Berlin, 19. Sept. (DNB.) In ber Kroll-Oper würbe ber 5. Internationale Prüfungs- unb Treu- handkongreß burch den Präsidenten Dr. Mönck- meier eröffnet. Nach Begrüßung der Ehrengäste, darunter der Reichsminister Dr. ©ürtner unb Dr. Frank, und Verlesung eines Telegramms an ben Führer und Reichskanzler verlas Dr. Monck- meier ein Telegramm von Ministerpräsident G ö • ring, der infolge seiner Erkrankung verhindert ist, ben Kongreß, wie vorgesehen war, zu eröffnen. Der Generalfelbmarschall weilt auf die Bedeutung bes Prüfungs- unb Treuhandwesens für die Ordnung, Klarheit unb Gewissenhaftigkeit in ber privatwirtschaftlichen Betätigung bei ber Rationalisie- rung ber Betriebe hin. Gerade auf diesem Gebiete läge im Rahmen des Vierjahresplanes ein' weites Tätigkeitsfeld für ben deutschen Wirtschafts- treuhänber, weil bei bem Mangel an Fachkräften im Reiche alle organisatorischen unb technischen Hilfsmittel zur Steigerung bes Arbeitsertrages ausgefchopft werden müßten. Ministerpräsident Göring schließt mit ber Hoffnung, baß dieser Kongreß auf deutschem Boden auch zu einer weiteren verständnisvollen Zusammenarbeit zwischen ben- Vertretern der verschiedenen Nationen beitragen möge. Anschließend an die Ansprache Dr. Monck- meiers nahm ber Schutzherr bes Kongresses, Reichsminister Dr. Frank, bas Wort zu einer längeren Rede. Der Führer und Reichskanzler hat auf das Begrüßungstelegramm des Kongresses ge- antwortet: Den in- und ausländischen Teilnehmern am diesjährigen 5. Internationalen Prüfungs- und Treuhandkongreß danke ich für bie mir telegraphisch übermittelten Grüße. Ich erwidere sie mit meinen besten Wünschen für einen erfolgreichen Verlauf ihrer Tagung. (gez.) Adolf Hitler. Hauptschriftleiter vr. Friedrich Wilhelm Gange. Stellvertreter bes Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik unb für bie Bilder: Dr. Fr. W. Gange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; fürben übrigenTeil: ErnstBlumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theoder Kümmel. D. 21. VIII. 38: 8916. Druck unb Verlag: Brühlsche Universitätsbruckerei R. Gange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM.> 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig Gutes Lichtist eine Arbeitshilfe bei jederTätigkeit. Darum sollte auch in derLeuchte über dem Schraubstock eine so-Watt-W.Lampe verwendet werden. Außerdem ist eine gute Allgemeinbeleuchtung bes Raumes erforderlich. Verlangen Sie in den Elektrolicht.Iachgeschasten immer die weltbekannten innenmattierten rrr. geliefert. Letterbericht 5961V | Vermietungen"] | Mietgesuche Schon geraum. 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Ernst Stamrp LI CH, Bahnhofstraße 9, den 20. September 1938 Fernruf Nr. 220 Sprechzeit: 2-3 und 6-7 Uhr außer Samstag nachmittag Zu allen Kassen zugelassen Weg. Eingliederung der Kameradschaften i.den NS. - Reichskriegerbund findet d. Schlyöhespreclmg heute Dienstag, den 20. f). 1938, 20,30 Uhr im Auerhahn statt. Arbeitsgemeinschaft Gießener Soldatenkamerad schäften i.L. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Maria Stock er t, geb. Benk. MtMeMtlir blkillien-leicht mi> schonend macht es Das träume nenerfo ^ahrhui form, । konnte, • sicht in 'N Fo Miln Wer; Ne ei Nt W) das Mj b( fit es ?Lenni U Br k° f bu: J« Fr u.al.läst.Haarew. nurd.dtevonmir angew.,einz.sich.^ Meth. unt. Gar. imm.md.Wurz. schmerzl.entfernt Frau B. Gulden, seit 1935 Fr.W. Henkel Svrechstund. etzt Mittwochs.Gießen Am Riegelpfad 32 9-6UUlbrdurchg. 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In Innsbruck prallte an einer unübersichtlichen Straßenkreuzung beim Viadukt der Reichsbahn ein Kraftrad mit Beiwagen mit einem vollbesetzten A u t o b u s des städtischen Kraftverkehrs zusammen. Vermutlich infolge zu plötzlichen Bremsens stürzte der Autobus seitlich um. Beide Fahrzeuge wurden vollständig zertrümmert. Die im Beiwagen sitzende Frau des Kraftradfahrers war auf der Stelle tot. Ein 17jähriger Beifahrer starb beim Transport ins Krankenhaus. Der Kraftradfahrer selbst kam mit leichten Verletzungen davon. Die 17 Autobusinsassen wurden teils schwer, teils leicht verletzt. Ballon „L. O. P. P.“ GordonBennett. Sieger. Der Gordon-Bennett-Flugwettbe- w e r b der Freiballone dürste, nachdem auch die Gestern nachmittag 2 Uhr entschlief nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein, herzensguter, treusorgender Mann, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel Karl Stöckert. Der rinn1/ n« A di-/, durch / seindlil das P Ser Deuhss den,."' erwach man B Wirlsch in jede über, oder m schen Pluspu geniibe iudrgei Noch manne Urtch wieder seinen poli hierzi ,Jir erklär durch, eine ii im l Srinfn päische die M ungar' rumär gewest dah i geblid tunge Die Deuts in$ mort Dei Dar wir unt rer 1 ten such Zien burd päisc Zahl unb sechs QUauch Mansarde, mit getrenntem Eingang, Badbenutzung, bei kinderlos. Ehevaar od. alleinstehender Dame zum 1. 10. gesucht. Schr.Angeb.unt. 6Q34D a.d.G.A. Aus aller Wett. Französische Arbeitskameraden besuchen Deutschland. Auf dem Frankfurter Hauptbahnhof trafen 450 französische Arbeitskameraden ein, die auf Einladung des Reichso-yanifationsleiters Dr. Ley Austauschfahrten durch Deutschland unternehmen. Die französischen Arbeitskameraden gehören der „Vereinigung der französischen Berufe" an, die eine Mitgliederzahl von 700 000 Berufstätigen hat und aus dem Landesverband ehemaliger Frontkämpfer hervorgegangen ist. Zauberkünstler aus aller Well tagen in Frankfurt. lieber 400 Zauberkünstler aus zwölf Ländern der Welt haben sich zum 26. Internationalen Kongreß d e s Magischen Zirkels in Frankfurt zusammengefunden. Der Präsident, Helmut Schreiber, konnte den Landesleiter der Reichstheaterkammer, die Mitglieder des Magischen Zirkels, Amateure und Berufskünstler aus zwölf Nationen begrüßen. Der Magische Zirkel zählt heute 650 Mitglieder in 22 Ortszirkeln. Anschließend wurden mehrere Magier für ihre Verdienste mit dem goldenen Ehrenzeichen geehrt. Die Teilnehmer des Kongresses wurden von Bürgermeister K r e m m e r im Namen der Stadt Frankfurt begrüßt. In humorvoller Weise erinnerte er daran, daß auch die Stadtverwaltung mit der Altstadtsanierung wahre Zau- HILFS WERK zu verkauf. 04304 Lessingstr. 12 I. Kaufgesuche| Gut erhaltenes iariiioDiiim gesucht. Näheres Philipp Groß, Wieseck, EichenröderWeg Nr. 12._____6042D [Stellengesuche SolidesFräulein sucht Stelle als Haustochter I in gutem Hause. Schr.Angeb.unt. 104307 a.d.G.A. Mit dem Zurückweichen des festländischen Hochdruckgebietes konnte die vom Atlantik ausgehende Wirbeltätigkeit wieder bis nach Deutschland über-- greifen. Dabei brachte eindringende kühlere Meeresluft vor allem den west- und südwestdeutsckstn Gebieten Gewittertätigkeit. Zur Zeit befinden wir uns an der Vorderseite einer neuen Störung, so daß sich zunächst wieder Aufheiterung durchsetzen konnte. Die Gesamtlage bedingt zwar auch für die Folge unzu- verlässiges Wetter, doch wird immer wieder freundlicher Charakter zum Durchbruch kommen. Vorhersage für Mittwoch: Nach Unbeständigkeit mit Regenfällen wieder häufig aufgeheitert. Temperaturen wenig geändert. Winde meist um Süd. „ Lufttemperaturen am 19. September: mittags 21,7 Grad Celsius, abends 13,9 Grad: am 20. September: morgens 14,2 Grad. Maximum 23,1 Grad, Minimum heute nacht 11 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. September: abends 16 Grad: am 20. September: morgens 14 Grad. — Sonnenscheindauer 2,8 Stunden. ____________________ Johann Strauß Abschieds-Gastspiel des ehern. K. u. K. Hofballmusikdirektors aus Wien und eigenem Orchester Große Wiener Bühnenschau mit ehemalig. Tanzsolisten v. Ballet des Theaters a. d. Wien. Letzte triumphale Europa - Tournee HeutspieltderStrauß Mittwoch von der See eintreffend: Seelachs ohne Kopf im ganzen Fisch 500 g OLC 500 g ÖU [Stellenangebote Keine Zeugnisse in Urschrift modern nur Zeugnisabschriften dem Be- werbungsjchretben bet- । legen. — Lichtbilder unoBewerbungsunter- tgen müssen zur Ber- ■ meibung oon Verlusten aus der Rückseite Ra« । men unb Anschrift des Bewerbers trauen! Bäckergeselle zur Aushilfe für sofort gesucht. Bäckerei Bende Crednerstratze 34 Lehrling mit guter Auffassungsgabe für d. Schuhmacherhandwerk für sofort gesucht. 04308 K. Schenerlein, Orthopäd Schuh- machermeister, Gießen, Wilhelmstr.3 Tüchtiges Tagesmädchen gesucht. 604iD Schultheis, Marktstraße 3. Tüchtiges, nicht unter 20 I. attes !MW daS etwas kochen kann, geg. guten Lohn zum l.Okt. gesucht. 6043D SisiMMMeu Mahnung. Die Beiträge für den Monat Augusts 1938 derjenigen Arbeitgeber, die von der Kasse Rechnung erhielten, sowie der freiwilligen Mitglieder können noch bis zum 25. September 1938 ohne Kosten bezahlt werden. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung evtl. Zwangsbeitreibung. Für die Arbeitgeber, die die Beiträge selbst nach dem wirklichen Arbeitsverdienst berechnen, gilt die gesetzte Frist bis zum 25. d. M. nicht. 6030D Allgemeine Ortskrankenkasse für Stadt- und Landkreis Gießen in Gießen. Kombin. Berd eißwasserapparat (beide mit Gas) f. neu, umzugsh. SEITE RS WEG 47 3 rßÜ<° llr.220 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberWen)Dienstag, 20. September 1938 Deutschlands Handel im Südasien. Von Or. Carl Wellthor. Der Staatssekretär i.n Reichswirtschaftsministerium Brinkmann hat in seiner Rede zur Wiener Herbstmesse nochmals mit aller Entschiedenheit die Behauptung zurückgewiesen, daß Deutschland durch die Erfolge im Vierjahresplan außenhandels- feindlich geworden fei. Er hat vielmehr betont, daß das Primat der Ausfuhr heute noch gelte. Wer die Bedingungen kennt, unter denen in Deutschland knappe Auslandrohstoffe zugeteilt werden, weiß, daß Staatssekretär Brinkmann mit der erwähnten Aeußerunq nicht zuviel gesagt hat. Sieht man sich die Geschäftsberichte der großen deutschen Wirtschaftsunternehmungen an, so findet man fast in jedem von ihnen ausführliche Darlegungen darüber, wieweit sich das Unternehmen unmittelbar oder mittelbar an der Steigerung der deutschen Ausfuhr beteiligt hat. Als besonderer Pluspunkt wird gebucht, wenn es gelungen ist, gegenüber dem Vorjahr eine Erhöhung des Aus- fubrgeschäfts zu erzielen. Roch bemerkenswerter als dieser Vorstoß Brinkmanns gegen falsche Beschuldigungen der deutschen Wirtschaftspolitik ist die Erklärung zu der immer wieder ausgestreuten Behauptung, Deutschland nütze seinen wirtschaftlichen Einfluß aus, um sich eine politische Vormacht st ellung zu erringen. Hierzu erklärte Staatssekretär Brinkmann wörtlich: „Wir stehen nicht an, böswilligen Verleumdern zu erklären, daß wir nicht die Absicht haben, durch den Ausbau unserer Wirtschaftsbeziehungen eine irgendwie geartete Hegemonie st ellung im sü do st europäischen Raum an uns zu reißen." Ein großer Teil der Zuhörerschaft Brinkmanns waren Vertreter aus den südosteuropäischen Ländern. Wenn es in den Berichten über die Wiener Herbstmesse heißt, daß die Nachfrage ungarischer, jugoslawischer, bulgarischer, griechischer, rumänischer, türkischer usw. Vertreter recht lebhaft gewesen ist, so liegt darin das Zeugnis enthalten, daß man in den Südostländern selbst wegen angeblicher Hegemoniebestrebungen keine Befürchtungen hegt. Die Behauptung von politischen Nebenabsichten Deutschlands in den Donau- und Balkanländern ist inWesteuropa und in Amerika aufgestellt worden. Sie bildet eine Art Nachklang zu der Vereinigung Oesterreichs mit dem Reich. Damals entstand die These, Deutschland werde sich wirtschaftlich und dann auch politisch des Donau- und Balkanraums bemächtigen und einen Machtzuwachs erfahren, der es für frühere Territorialverluste mehr als entschädigen würde. In den letzten Monaten haben England>und Frankreich versucht, durch Gewährung von Anleihen, durch Finanzierung wirtschaftlicher Erschließungsaufgaben und durch direkte Käufe Deutschland aus dem südosteuropäischen Geschäft zu verdrängen. Sieht man sich die Zahlen des Warenaustauschs zwischen Deutschland und den südosteuropäischen Ländern für die ersten sechs Monate oft, so ist festzustellen, daß im Warenaustausch mit Bulgarien, Jugoslawien, Rumänien und Ungarn die Vorjahreshöhe nicht ganz erreicht worden ist. Dies liegt natürlich zum Teil daran, daß die Lieferungen dieser Länder nach Deutschland i n der Zeit nach der Ernte, also in der zweiten Hälfte des Kalenderjahres, ihren Höhepunkt erreichen. Aber auch die deutsche Ausfuhr nach diesen Ländern, Öre sich ziemlich gleichmäßig auf das ganze Jahr verteilt, hat nicht ganz die Vorjahreshöhe behalten. Der Grund dafür ist der, daß DeuUchland sowohl wie die füdosteuropäischen Länder eine möglichst ausgeglichene Handelsbilanz erzielen müssen, und daß jeweils die niedrigeren Bezüge dos Maß für den gesamten Warenaustausch bestimmen. Es wäre aber falsch, wenn man do (Ergebnis weniger Monate als charakteristisch für Die Gesamt- entwicklung ansehen wollte. Die spezifischen Produkte der südosteuropäischen Länder sind ausgesprochene Bedarfsartikel Deutschlands, nämlich Weizen, Oelfrüchte, Faserpflanzen, Obst, Tabak, Metallerze und Erdöl. Umgekehrt können sich die südosteuropäischen Länder keinen besseren Lieferanten für Zndustriewaren wünschen als Deutschland. In einer Diskussion der Frage, warum Deutschland aus bin Märkten Südosteuropas und des nahen Orients so häufig vor anderen Ländern das Rennen mache, ist von den Jntessenten dieser Waren erklärt worden, daß sich die deutschen Ex- pyrteure eifriger als die Exporteure anderer Länder bemühten, den besonderen Wünschen der Abnehmer gerecht zu werden. Wenn dazu noch Preiswürdigkeit und schnelle Belieferung kommen, wie sie durch die Benutzung der Donauwasser- straße gewährleistet sind, so ist es nicht zu verwundern, nrnn Deutschland in Südosteuropa eine zuverlässige Abnehmerschaft hat. Dazu tritt ein weiterer Umstand: In den Wirtschaftsabmachungen, die Deutschland mit den Südostlündern getroffen hat, hat man sich gegenseitig zugesichert, schon die Produktion immer mehr aufeinander einzustellen. So wird der Anbau von Pflanzen, für deren Bezug sich Deutschland interessiert, planmäßig vorbereitet, wie auch umgekehrt Deutschland der Geschmacksrichtung und den besonderen Eigentümlichkeiten der zu beliefernden Länder weitgehend gerecht zu werden sucht. Ein großer Teil der deutschen Lieferungen erstreckt sich auf Produktionsmittel, also auf Maschinen, Fabriks- und Bergwerkseinrichtungen, Elektrizitätsgewinnungsanlagen, Verkehrsmittel und Lagerräume. Die damit verbundenen Ersatzlieferungen werden gleichfalls an Deutschland vergeben werden. Zusammenfassend bedeutet das, daß sich die Wirtschaft Großdeutschlands und die der Donau- und Bolkanländer immer mehr aufeinander ein st eilen und daß sie dabei gleichzeitig ein höheres Interesse gewahrt wissen, nämlich das der Sicherstellung des Bedarfs im Fälle eines Krieges. Die Abhängigkeit herüber und hinüber ist nicht so vollständig, daß Deutschland und die. südosteuropäischen Länder unter allen Umständen und in jeder Beziehung nur aufeinander angewiesen wären. Sie behalten also ein gewisses Maß von Freiheit. Das ist unbedingt erforderlich, wenn sich nicht Besorgnisse und Spannungen einstellen sollen. Es gibt außer den Donau- und Balkanländern auch andere Gebiete auf der Welt, in denen Weizen, Mais, Früchte usw. über den Eigenbedarf hinaus erzeugt werden. Umgekehrt gibt es neben Deutschland leistungsfähige Industrieländer, die sich an der Belieferung der südosteuropäischen Märkte beteiligen können und tatsächlich auch beteiligen. Aber selbst wenn Deutschland und die Südostländer füreinander die einzigen Bezugs- und Absatzmöglichkeiten bilden sollten, kann keine Rede davon sein, daß Deutschland eine Vormachtstellung genießt. Im Verhältnis der Lieferanten und Abnehmer zueinander kann man überhaupt keine festen Formen angeben. Es gibt nur wenige Artikel, für die einzelne Länder eine Art Monopolstellung innehaben. Sehr oft aber ist in der Wirtschaftsgeschichte eine Monopolstellung verloren gegangen. Den Beweis hierfür liefert Chile, das in der industriellen Herstellung künstlicher Düngemittel in Deutschland und änderen Ländern innerhalb weniger Jahrzehnte einen vollwertigen Konkurrenten erhalten hat. Nach der allgemeinen Konjunktur, aber auch nach dem Ernteausfall und der Entwicklung der bergbaulichen Erzeugung wandelt sich das Verhältnis der Lieferanten und Bezieher fortwährend. Wenn in einem Jahr vielleicht die Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte wegen ungünstigen Ernteausfalls von den Abnehmern umworben werden, so ist es vielleicht schon im nächsten Jahre umgekehrt, wenn eine überreiche Ernte den Erzeugerländern Absatzschwierigkeiten bereitet und die Verbraucherländer nicht allzuviele Aufträge zu vergeben haben. Bei der Durchsicht der Liste mit den Austauschgütern zwischen Deutschland und den südosteuropäischen Ländern ist es unmöglich, festzustellen, daß Deutschland das wirtschaftliche Schicksal des Donau- und Balkanraums in der Hand habe und diese Stellung dazu benutzen könne, den Regierungen der betreffenden Staaten seinen Willen aufzuzwingen. Dazu kommt noch ein weiterer Umstand: Es handelt sich bei den südosteuropäischen Ländern um Gebiete mit stark nationalbewußter und ehrempfindlicher Bevölkerung. Fast alle der in Betracht kommenden Länder haben sich ihre nationale Selbständigkeit erst vor. wenigen Jahrzehnten erkämpft und würden sich gewiß kein neues politisches Joch gefallen lassen. Die deutsche Politik hat in den letzten Jahren verschiedentlich Proben von Zurückhaltung, Sachlichkeit und Nüchternheit abgelegt. Sie wird bestimmt nicht den Fehler begehen, auf Länder einen politischen Em^"K auszuüben, die auf die Erhaltung ihres 'Lelbst- bestimmungsrechtes den größten Wert legen. Oie Schlacht von St. Mihiel. Dor zwanzig Jahren: September 1918. Seit dem 8. September 1918 hatte die deutsche Oberste Heeresleitung die Rückführung der deutschen Kampffront in die Siegfried-Stellung des Jahres 1917 zwischen Arras und Soissons beendet. Der deutsche Frontsoldat kämpfte schon seit Wochen, Schritt um Schritt nur zurückweichend, aber das Gesich zum Feinde gewendet, um das neue Ziel der letzten Kriegsperiode, um den Schutz der H e i m'a t a r e n z e n. Bevor Marschall Fach zum großen Endangriff schritt, mußte noch die letzte der vier Frontausbuchtungen beseitigt werden, die der deutsche Angreifer "im Verlaufe der früheren Kämpfe nach Westen vorgetrieben hatte. Südlich von Verdun zwischen den (Totes Lorraine und Pont-a-Mousson stand der Deutsche hier noch in einer Stellung, in der sein Angriff im Herbst 1914 erstarrt mar; „ein taktisches Mißgebilde, das den Gegner zu einem großen Schlag einladen konnte", schreibt Generalfeldmarschall v. Hindenburg in seinen Krieqs- erinnerungen und fährt fort: „Es ist nicht recht verständlich, warum uns der Franzose jahrelang in diesem großen Dreieck stehen ließ, das in seine Gesamtfront hineinsorang... Man wird uns vielleicht als einen Fehler anrechnen, daß wir diese Sage nicht schon länost, spätestens mit dem Einstellen unseres Angriffes auf Verdun, aufgaben. Allein wir übten gerade durch diese Stellung einen im hohen Grade wichtigen Druck auf die Bewegungsfreiheit des Gegners um Verdun aus und sperrten das ihm so wichtige Maastal südlich der Festung." Seitdem die deutsche Oberste Heeresleitung nun endgültig vom Angriff in die Verteidigung gewor- fpri ronr, besaß diese „Fingerstellung" von St. Mihiel für die deutsche Seite keinen strategischen Wert mehr. Deshalb war, als zwischen Maas und Mosel auf der Feindesseite lebhafteste Bewegung spürbar wurde, beschlossen wurde, die Mi- hiel-Stellung zu räumen und auf die schon lange vorbereitete Basis dieser Frontausbuchtung, die „Michel-Stellung" zurückzugehen. Bevor aber der Abmarsch angetreten werden kannte, traf in der Nacht zum 12. September überraschend der feindliche Angriff die zur Heeresgruppe G a l l w : tz gehörende Armeeabteilung C. Die Ehre dieses Schlages hatte Fach dem amerikanischen Bundesgenossen zugedacht. Zum erstenmal sollte eine ganze amerikanische Armee unter eigener Führung und eigenen Fahnen eine Schlacht schlagen. So brach denn am 12. September 1918 frühmorgens das Verhängnis über die Armeeabteilung C herein. 14 Divisionen stark, standen die Amerikaner zwischen St. Menehould und Moselbruck aufmarschiert. Die 1. amerikanische Armee griff mit zwei. Armeekorps vrtn Süden her in Richtung auf Thiau- court, mit einem Armeekorps von Westen her über Combres und Dornmartin an, um den deutschen Frontbogen zu umklammern. Gegen die Spitze bet St. Mihiel ging das französische 2. Kolonialkorps vor. Unter dem überwältigenden Druck brach die schwache Verteidigung zusammen. Der Angriff auf den Maashöhen entwurzelte die Oesterreicher, die dort die Nordflanke schützten, und warf sie von den Höhen herab. In die Südflanke brach ein Tank-, angriff ein und riß eine preußische Division Lin. „In der Mittagsstunde lag der Keil von St. Mihiel abgeknickt unter den Radbändern der amerikanischen Sturmwagen, und in der Nacht auf den 13. schloß General Pershing die Zange." Es gelang ihm zwar nicht mehr, die deutsche Besatzung der Mihiel-Stellung vollständig abzuschneiden, aber es blieben ihm zahlreiche Gefangene und Geschütze in der Hand. Generalleutnant Fuchs hatte gerade noch rechtzeitig den Befehl zum Rückzug auf dis Grundstellung zwischen Fresnes und Vont-a-Mous- son erteilen können, und nur diesem Entschluß der sicheren Führung der Divisioiien und der prächtigen Haltung der Truppe war es zu verdanken, daß der Rückzug aus der weit vorgeschobenen Stellung in einem 3 0' Kilometer langen Flanken« marsch gelang. Als/ die Amerikaner zum Sturm auf die Michelstellung antraten, brachen schnell her- angeführte deutsche Reserven hervor und hefteten die dicken amerikanischen Kolonnen an die Stelle. Dennoch war der Tag von St. Mihiel ein schwerer Schlag für den deutschen Verteidiger. Der Ge- ländeverlust ließ sich verschmerzen, aber der Verlust von fast 16 000 in Gefangenschaft geratenen deutschen Kämpfern neben der großen Zahl von Toten und Verwundeten, und auch der Verlust von rund 4.y) Geschützen bedeuteten in dieser Stunde des Krieges eine Einbuße an Kampfkraft, die schwer ins Gewicht fiel. „Der Gedanke, daß diese Niederlage sich durch eine rechtzeitige Räumung der Stellung hätte vermeiden lassen, ist schmerzlich", schreibt General v. Kuhl in seiner Kriegsgeschichte. Um so höher strahlt der Glanz der örtlichen Führung und der Truppe, die es fertigbrachten, die volle Katastrophe durch eine schnelle, besonnene und energische Operation zu verhindern. Die Gegner triumphierten, Frankreich jubelte. P o i n c a r e eilte nach St. Mihiel, C l 6 m e n * ceau begab sich nach Verdun. Fachs großes Programm vom 24. Juli aber war erfüllt; die vorspringenden deutschen Frontbogen an der Lys, art der Somme, an der Marne und jetzt auch an der Maas waren eingedrückt. „Die Deutschen hatten zwar Feldzug und Krieg verloren", schreibt Herr Stegemann, „aber ihr Heer bildete immer noch eine streitbare geschlossene Masse, und das letzte Los war noch nicht gefallen. Sie konnten nicht mehr kämpfen, um zu siegen, aber sie mußten kämpfen, um nicht völlig zu unterliegen ..." Johannes Moeller. Nassauer Bürgermeister beglückwünschen Königin Wichrlmina. Amsterdam, 17. Sept. (Europapreß.) Acht Bürgermeister aus Nassau unter Führung des Oberbürgermeisters von Wiesbaden haben in Amsterdam der Königin die Glückwünsche des Nassauer Landes, des Stammlandes des holländischen Königshauses, zum 40jährigen Regierungsjubiläum überbracht. Bei dieser Gelegenheit überreichten sie der Königin eine künstlerische, in Schweinsleder gebundene Urkunde mit dem Wappen Wilhelm^ des Schweigers, die von dem Frankfurter Maler und Graveur Ferdinand Hofmann gestochen war. Die Urkunde befand sich in einer kostbaren Kassette aus Marmor des Lahngebiets, von dem Frankfurter Bildhauer Hans Buckor gearbeitet. Sie trägt in Bronze das niederländische Wappen und an den Seiten die Wappen der acht nassauischen Städte. — Die Königin dankte herzlich für die Glückwünsche und das Geschenk und unterhielt sich längere Zeit mit ihren deutschen Gästen. „Heimat." Im Gießener Gloria-P last. Das hat sich der alte S u d e r m a n n gewiß nicht träumen lassen, daß einer seiner allerstärksten Bühnenerfolge, die „Heimat" von 1893, fast hin halbes Jahrhundert später, verwandelt in der neuen Kunstform, von der man damals noch nichts ahnen konnte, abermals ihren Triumph feiern würde — nicht in Deutschland allein, sondern vor dem kritischen Forum der ganzen Welt: „Heimat" gehört zu ben Filmen, die auf der letzten Biennale in Venedig unserer Produktion gewichtige und höchst ehrenvolle Preise eingetragen haben. Ein Blick ins Programmheft läßt bereits erkennen, welche Wandlungen freilich das Schauspiel inzwischen durchgemacht hat: „nach dem Drama von Hermann Sudermann heißt es da; Manuskript: Otto. Ernst Hesse, Hans Brennert, Harald Braun; Drehbuch von Harald Braun. Das sind die Stationen die der Stoff durchlaufen mußte, ehe ihn der Spielleiter Carl Froelich in die Hand nahm, um ihm die grundsätzlich neue Form unseres Jahrhunderts zu geben. „Es blieb nur der Kern des Stoffes übrig, sonst nichts", bemerkt eine Information der Ufa dazu. Will man den entscheidenden Unterschied der Fassungen von 1893 und 1938 mit wenigen Worten kennzeichnen, so wird man vielleicht sagen können: Dinge, die damals aktuell wirkten, erscheinen uns heute historisch: und, im Zusammenhang damit, die aggressive Schärfe einer sehr unmittelbar empfundenen Moralkritik, auch . die theatralischen Effekte eines großen Bühnen-KunsUers haben sich im Film (an den entscheidenden Stellen) zugunsten einer schlichten, jederzeit gültigen Menschlichkeit gemildert, der das Kostüm der achtziger Jahre kein wesentlich mitbestimmendes dramaturgisches Requisit mehr sein kann. Was übrig blieb, ist öie Geschichte von der Heimkehr der verlorenen oder verloren geglaubten, bewußt verloren gegebe Tochter in die Heimat und in das Elternhaus. Diese Tochter kehrt freilich anders heim als jener verlorene Sohn, der immer wieder durch die Jahrhunderte hin nach dem biblischen Urbilde die Vhan- tasie der Dichter bewegt hat. Ihre Heimkehr ist kein Friedensfest, die alte Heimat nicht der stille ^asen, nicht die Erfüllung einer in schweren und bittere Jahren gehegten Sehnsucht. Alle Gegensätze und Spannungen von ehedem tun sich wieder auf: noch immer steht die enge Welt der kleinen Residenz und Garnison gegen die große, weite, vorurteilslose der Künstlerin, die nicht vor die Hunde gegangen ist, sondern sich durchgesetzt hat. Wenn man ferner bemerkt hat, daß hier der Zusammenstoß einer Persönlichkeit mit einer Gesellschaft von Figuren und Typen sich vollziehe, so muß man doch zum mindesten eine Ausnahme zulassen, denn der Zusammenstoß geschieht in seiner letzten Konsequenz zwischen der heimgekehrten Tochter und dem altgewordenen und vereinsamten Vater; der ist gewiß nicht minder Persönlichkeit als das unbotmäßige Kind: das erweist sich, sobald nach halbwegs glücklicher und friedlicher Ankunft die alten Gegensätze sich wieder auftun, und die Schatten der Vergangenheit übermächtig eine fast heitere, fast idyllische Szenerie zu verdunkeln beginnen. Die Heimkehrerin begegnet einem Liebhaber von damals, der mittlerweile auf seine Weise ebenfalls „arriviert" ist: dem Vater ihres Kindes, der dieses Kind verleugnen will, aber die Geliebte von ehedem um ihres Geldes willen zu heiraten bereit ist. (Das Geld käme ihm sehr gelegen, seine Unterschlagungen zu decken.) Man wird a"ch bemerken, wie in den Auseinandersetzungen zwischen Tochter und Vater jenes berühmte Motiv aus Sudermanns erstem großem Schauspiel-Erfolge wieder anklingt, aus der „Ehre". Der Spielleiter Professor §arl F r o e l i ch hat sich einmal über die Grundform des Filmes ganz allgemein folgendermaßen geäußert: sie scheine ihm weder ausgesprochen dramatisch noch ausgesprochen episch zu sein; „fest steht für mich, daß sie eher nach dem Epos als nach dem Drama tendiert. Man könnte sagen, daß sie episch mit dramatischen Akzenten ist, wenn man darunter dos Filmische verstehen will" Die „Heimat" gibt, wie wir glauben, cm gutes Beispiel für solche Auffassung. Froelich versteht es, das Bild einer kleinen verschollenen Welt (man muß ein paarm-al an seinen „Traumulus denken) überaus lebendig zu machen; aber bas Zeitbild ist nicht der Endzweck, nicht das Letzte und Eigentliche hier, nur charakteristische Kulisse für die Verhandlung menschlicher Dinge. Der Ausgleich zwischen Bild und Ton als den entscheidenden Elementen künstlerischer Gestaltung ist überdies auf eine besonders schöne und harmonische Weise verwirklicht worden. * Zarah Leander ist Maddalena dall Orto besser bekannt als Mogda, älteste Tochter des Obersten Leopold von Schwartze, ungeratenes verlorenes entlaufenes Kind, heimgekehrt als große Dame und berühmte Künstlerin Nur die Aeltesten unter uns werden sich besinnen können die Sandrock oder gar die Düse in dieser Rolle gesehen 3« haben. Uns fehlt eine Möglichkeit des Vergleiches. Auch die Magda des Films ist eine Pavaderolle, aber die Leander macht erfreulicherweise keinen Gebrauch davon: ihre Gestaltung gewinnt ebensosehr durch Negation und Verzicht (auf alle Theatralik nämlich und das Ausspielen der sogenannten großen Szene) wie durch dos, was sie positiv zu geben vermag in der Auseinandersetzung zwischen künstlerischen und provinziellen Moralbegriffen: durch eine schlichte, frauliche Innerlichkeit und durch die warme, tiefe, beseelte Stimme. Ihr Gesang der Orpheus-Arie (von Gluck) gehört zu den schönsten Eindrücken dieses Films. George ist der alte Oberst, eine wundervoll klare und ausgewogene Erscheinung: auf ihn ist freilich das Wort von den provinziellen Moralvor- ftellungen nicht anzuwenden; aus ihm sprechen Erziehung und Begriffe des alten preußischen Offiziers. Mich müßt ihr verbrauchen, wie ich bin, sagt er einmal und zeigt diesen einsamen und verbitterten Obersten mit allen Schroffen und Kanten, er schenkt ihm aber auch alle Wärme und Menschlichkeit eines enttäuschten, liebenden, gerne verzeihenden Vaters, und mit einer ganz einfachen und selbstverständlichen Gebärde legt er zuletzt den Arm um bas unvermutet gewonnene Enkelkinb. — Franz SchafHeitlin svielt bemerkenswert sicher und wohltuend aebänwft ben schuftiaen Keller, ohne in bie Allüren des Theaterschurken zu nprfaUen. Ruth Vellberg ist ein zierlicher Backfisch aus ben achtziger Jahren, Georg Alexander gibt dem Prinzen freundlich- weltmännische Züge Paul H ö r b i a e r , fast überraschend in dieser Umgebung, svielt fein und still ben Heffierdinak; auch Lina n r ft e n s und Leo Slezak tauchen in kleineren Rollen auf. — Das Beiprogramm bringt außer der Wochenschau einen anregenden Kulturfilm üb-r Tiere als Künstler und Handwerker. Auf der Bühne arbeitet bas akrobatische Trio (Eccarius, in dem sich der weibliche Partner durch erstaunliche Kvaftleistungen hervortut. Eine vortreffliche Nummer. Hans Thyriof. Unerwartete Antwort. General von Bredow liebte es, nach berühmten Vorbildern, seine Leute zu überraschen und da und dort unvorhergesehen aufzutauchen. Einmal wollte er eine Fernleitung überprüfen. Er ließ sich also mit einem Telephonstand verbinden, um zu kontrollieren. ob der Telephonist seinen Dienst ordentlich versähe. „Hier ist General von Bredows, rief er in die Leitung. — „S o siehste aus!" kam es. prompt zurück. Hochschulnachrichten. Dieser Tage beging der ehemalige Präsident dev Wiener Akademie der Wissenschaften, der Historiker Hofrat Professor Dr. Oswald Redlich, seinen 8 0. Geburtstag. Redlich ist in Innsbruck geboren, war zuerst im Archivdienst tätig und wurde 1892 an die Universität Wien berufen, deren Rektor er für 1911/12 war; feit 1929 ist er emeritiert. Auf dem Gebiet der mittelalterlichen Privaturkunden hat ec Bahnbrechendes geleistet und die Kenntnisse der österreichischen Geschichte namentlich durch sein grundlegendes Buch über Rudolf von Habsburg und seins Fortsetzung von Hubers Geschichtswerk für bie Zeit bec Großmachtbilbung unter Leopolb I. geförbert. In an* beren Arbeiten hat er namentlich die Geschichte dec Universität Wien und das Hochschulwesen überhaupt behandelt, ferner Grillparzer in seinem Verhältnis zu Geschichte und Wissenschaft bargestellt. Reblich ist Mitglieb der Münchner Historischen Kommission bei ber Bayerischen Akabemie der Wissenschaften, bec Sektion für Deutsche Geschichte an ber Deutschen Akabemie unb ber Zentralbirektion ber Monumenta Germaniae Historica, ber Akabemien in Berlin und München unb ber Göttinger Gesellschaft ber Wissenschaften. Dieser Tage vollenbete Geheimer Regierungsrok Professor Dr. Friebrich v. Müller, einer der füh* renben beutschen Kliniker unb eine ber repräsentativen Persönlichkeiten ber deutschen Wissenschaft, in München bas 80. Lebensjahr. Aus einet alten Augsburger Aerztefamilie ftammenb, habilitierte er sich 1889 in Berlin unb war bann in Bonn, Breslau, Marburg unb Basel tätig. 1902 würbe er auf ben Lehrstuhl Ziemsens unb zur Leitung ber 2. Mebizinischen Klinik sowie bes Stäbti» sehen Krankenhauses links ber Isar nach München berufen. 1928 übernahm er bie Präsidentschaft dec Deutschen Akademie; er besitzt die Ehrenboktorwürde mehrerer Hochschulen unb ben Adlerschilb bes Deut* scheu Reiches. Auch ist er Vorsitzender des Hauptausschusses der Notgemeinschaft der beutschen Wissenschaft, des Reichsausschusses für das ärztliche Fortbildungswesen und des Herausgeberkollegiuws ber Münchener Mebizinischen Wochenschrift, v. Müller hat bie innere Mebizin burch eine lange ReibS von Arbeiten, namentlich über ben Stoffwechsel und seine Störungen, über Nerven- unb Nierenkrankheiten, bereichert unb in bem mit O. Seifert herausgegebenen, in vielen Auslagen erschienenen Taschenbuch ber mebizinisch-klinischen Diagnostik ber ärztlichen Praxis ein unschätzbares Hilfsmittel geliefert. Auch im Äuslanbe hat er ben Namen bet beutschen inneren Mebizin weithin bekannt gemacht. Aus der Stadt Gießen. tauchende Feuer. Nun flammen sie überall wieder auf, wenn der Tag zur Neige geht, und wenn die Dunkelheit ihre schweren Schatten über die Landschaft wirft. 3n den Gärten und auf den Feldern am Rande der Stadt lodern sie dann wie Helle Fanale, und ihre Schwaden ziehen in langen Fahnen zum Horizont, die Luft mit beizendem Rauch erfüllend. Es ist ein eigenartiaer Reiz, der diese Kartoffelfeuer auszeichnet, ein Reiz, dem sich niemand entziehen kann. Ist es nicht ein eindrucksvolles Bild, wenn auf dem Felde die rote Feuersäule aufsteigt, die alle Gegenstände in unmittelbarer Nähe mit ihrem Pur- purschein beleuchtet? Ein junger Mann, der daneben steht und das Feuer schürt, erscheint wie eine sagenhafte Gestalt, die bii- Flammen beschwört. Die Umrisse der Gestalt wachsen ins Groteske, das zuckende Widerspiel der Flammen verleiht dem Gesicht einen phantastischen Ausdruck. So sieht es der Fußgänger, der vorübergeht und der gern einen Augenblick verweilt, um den romantischen Zauber dieses Idylls in der Dämmerstunde zu genießen. Eine Erinnerung an Goethes „Schatzgräber" wird in ihm lebendig. Steht der junge Mann nicht auch wie jener Schatzgräber auf dem Felde und zieht er nicht gleich jenem geheimnisvoll Kreis um Kreise? In der Tat, der Vergleich könnte stimmen, nur daß jener Jüngling nicht mit ängstlicher Beschwörung vergebens nach Schätzen gräbt. Er hat es auch nicht nötig, den „Mut des reinen Lebens" zu trinken, denn in ihm steckt noch die frohe Lebensbejahung, die weder in alten Pergamenten, noch in einem Pakt mit dem Teufel den Weg zur Glückseligkeit sucht. Er steht fest auf dem Boden, auf dem kleinen Stück Land, das er und die Seinen im Frühjahr bebauten, und das nun die gelbfleischigen Früchte spendet, die als willkommene Winternahrung im Keller aufgespeichert werden. Es ist ein Segen um die Kartoffelernte, ein Segen, der namentlich jene'n Volksgenossen zur frohen Wirklichkeit wird, die als Schrebergärtner oder als Besitzer eines Streifers Landes am Stadtrand fleißig ihre Scholle bearbeiten. Zur herbstlichen Stimmung gehören nach unserer Vorstellung die rauchenden Kartoffelfeuer. Und doch ist es noch gar nicht so lange her, daß die Kartoffel ihren Einzug in Europa hielt. Aus ihrer Heimat, der Hochebene der Anden Südamerikas, wurde sie um 1550 nach Spanien gebracht. Aber auch dann betrachtete man sie zunächst nur als botanische Seltenheit, bis sie schließlich vor knapp zweihundert Jahren sich als menschliches Nahrungsmittel durchsetzte. Dann begann sie allerdings einen Siegeszug, der unvergleichlich ist, und dem mir es verdanken, daß heute fast auf keinem Mittagstisch die vortreffliche und nahrhafte Frucht fehlt, deren Krai^ jetzt die rauchenden Feuer verzehren. H. W. Sch. Laßt die Holunderbeeren nicht verkommen! In obstarmen Jahren, wie das heurige, müssen alle Wildfrüchte, soweit sie für den menschlichen Genuß nutzbar gemacht werden können, gesammelt werden und dürfen nicht umkommen. Gar manche Hausfrau kann aüf diese Weise beispielsweise ihre Brotaufstrichmittel ergänzen, so daß es ihr möglich ist, den eigenen Bedarf völlig zu decken. In diesem Jahre bringt wie selten, her Holunderstrauch eine sehr reiche Beerenernte. Die dunklen Beeren dürfen nicht verkommen! lleberall in Gebüschen, Hecken und einsamen Wegen treffen wir den nützlichen Holunder an. Die erbsengroßen, mit purpurnem Safte gefärbten Beeren sind bald reif. Sie zu sammeln geschieht ohne jegliche Schwierigkeiten und hat dazu noch den Vorteil, daß sie nichts kosten. Sie enthalten in der Reife außer Apfelsäure, Zucker, den bekannten schweißtreibenden Bestandteil der Blüten und roten Farbstoff. Alle aus ihnen her- gestellten Speisen und Marmeladen schmecken gut und sind sehr bekömmlich. Heute gibt es eine ganze Anzahl von Verwertungs-verfahren, nach denen die Holunderbeeren Verwendung finden können. Die süß-säuerlichen Beeren dienen zunächst zur Bereitung des Holundermuses. Man pflückt sie von den Kämmen, reinigt sie und bringt sie in einer Pfanne UnteW die SchrMammelaktion der SA. im Gau Hessen-Mau! NSG. Der (Baubeauftragte für die Altmaterial- erfaffung des (Baues Hessen-Nassau, Gauwirtschaftsberater Eckardt, wendet sich mit folgendem Aufruf an die Bevölkerung des (Baues Hessen-Nassau: Generalfeldmarschall Ministerpräsident Göring hat die SA. zu einer S ch r 0 11 s a m m e 1 a k 11 o n aufgerufen. Im Gebiet des (Baues Hessen-Nassau findet diese Aktion vom 24. September bis einschließlich 1. Oktober statt. An diesen Tagen wird die SA. unter Einsatz aller zur Verfügung stehenden Kräfte sämtliches irgendwie entbehrliche und nutzlos herumliegende Alteisen, wie alte Eimer und Kessel, alle Sorten Altblech, gebrauchte Eisenreifen, Maschinenteile, Behälter und dergleichen sammeln. Die SA. wird die Landschaft säubern, auf den Bauernhöfen vorsprechen und alle Haushaltungen in Dorf und Stadt aufsuchen. Ausgenommen sind nur die gewerblichen Betriebe, die regelmäßig einen größeren Schrottanfall haben und diesen an den Schrotthandel verkaufen. Ich bitte hiermit die gesamte Bevölkerung des Gaues Hessen-Nassau, die SA. in dieser Sammelaktion weitestgehend zu unterstützen und ihr alles irgendwie entbehrliche Schrottmaterial kostenlos zur Verfügung zu stellen. Bauernhöfe, auf denen die Maul- und Klauenseuche herrscht, werden von der SA. nicht betreten. Ich erwarte pber von den Bauern solcher Höfe, daß sie auf ihrem Anwesen Umschau nach verschrottungsreifen Gegenständen halten und diese an den örtlich festgesetzten Sammeltagen vor dem Hofeingang zur Abholung bereitlegen. Deutsche Volksgenossen! Bedenkt, daß Deutschland allein im Monat Juli d. I. für 27 Millionen Reichsmark Schrott aus dem Auslande eingeführt hat. Ein großer Teil der für die Schrotteinfuhr notwendigen Devisen kann gespart werden, wenn jeder darauf achtet, daß alle Werkzeuge, Geräte und sonstigen Gegenstände aus Blech, Eisen oder Stahl, sobald sie nicht mehr verwendbar sind, sofort der Verschrottung zugeführt werden. Leider ist bas nicht der Fall, denn noch immer gehen jährlich viele tausend Tonnen Alteisen dem heutschen Volke durch Verrosten verloren! Jeder tue deshalb seine Pflicht und trage dazu bei, daß auch dieser selbstlose Einsatz der SA. von vollem Erfolg gekrönt wird. einige Zeit über das Feuer, damit der Saft leichter ausgeschieden wird. Ist dies geschehen, würzt man den Brei mit Zimt, Vanille, Zitrone oder Nelken, ähnlich wie bei der Bereitung des übrigen Obst- mufes. Auf die gleiche Weife werden Gelee, Marmelade und Syrup hergestellt, was auch fabrikmäßig geschieht. Ein Liter Beerenbrei oder Saft versüßt man mit etwa 1 Pfund Zucker. Ungesüßter Brei stellt eine wertvolle Arznei dar, die man bei Husten, Verschleimung und Halsentzündung erfolgreich anwendet. Eine weitere Verwendungsmöglichkeit der Holunderbeeren besteht in der Herstellung von Holundersaft (Süßmost) und Wein. Zu diesem Zwecke werden die ausgereiften Beeren, wie bereits erwähnt, ent- fämrnt, gewaschen, mit etwas Wässer gekocht, bis die Saftfülle genügend ist. Dann gewinnt man den klaren Saft durch Aufläufen — nicht Auspressen —, indem man den Brei in einen Stoffbeutel ober Sack gießt. Der schöne rote Saft wird, mit Zucker versetzt, in Flaschen sterilisiert: die Rückstände aber zu Mus verarbeitet. Zur Bereitung von Wein werden die Holunderbeeren einige Stunden mit etwas Wasser gekocht und ausgepreßt. Auf 10 Liter Saft rechnet man 5 Pfd. Zucker, 10 Gramm Weinsteinsäure, 1 Gramm Nelken, 5 Gramm Hefe, 3 Gramm Zimt, 1 Pfd. Rosinen. Letztere werden zerstampft, mit wakmem Wasser übergossen, ausgepreßt und mit Preßrückstand, > genannten Gewürzen, Saft und Zucker in ein Faß gebracht. Die Gärung setzt naturgemäß ein. Ist sie beendet, füllt man den Saft in ein anderes Faß und zteht nach vollendeter Nachgärung auf Kaschen. So sehen wir, daß der Holunder ein überaus nützlicher Strauch ist und m?hr Beachtung verdient. In der Schweiz und England würdigt man seinen Nutzen und pflanzt ihn 'sogar an. Für uns heute verlohnt es sich wahrlich, die reiche Holunderernte zu sammeln und zu verwerten. Vornotizen Tageskalender für Dienstag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Heimat". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die Frau am Scheidewege". — Arbeitsgemeinschaft Gießener Soldatenkameradschaften, 20.30 Uhr, im „Auerhahn" Schlußbesprechung. — Stunde der Hausfrau: Restaurant Becker, Wiesecker Weg 44, um 16 und 20 Uhr Weiß- Wasch-Dorführungen. Johann Strauß kommt! Johann Strauß dirigiert am nächsten Samstag, 24. Septesnber, in der Gießener Volkshalle sein eigenes Orchester. Er bringt — wie man uns schreibt — außerdem eine Wiener Bühnenschau mit, bei der Meistertänzerinnen vom Ballett des Theaters a. d. Wien gastieren. Trotz seiner 74 Jahre ist Johann Strauß noch jugendlich rüstig, er spielt und dirigiert die bekannten Melodien persönlich. Heute nachmittag kehren unsere 116 er zurück. Unser Infanterie-Regiment 116 hat heute früh seine Herbstübungen beendet. Am heutigen Dienstagnachmittag, etwa um 15 Uhr, wird das Regiment hierher zurückkehren. Der Einmarsch in die Garni- sonstadt erfolgt von Heuchelheim her über die Lahn- brücke, am Oswaldsgarten vorbei über den Horst- Wessel-Wall, am Selterstor vorbei, den Hindenburg-- wall entlang, dann über den Hitlerwall durch die Moltkestraße zur Kaserne. Das E.-Bataillon wird am Anfang der Licher Straße, bei der Persil-Uhr, vom Regiment abschwenken und über die Straße „Am Nahrungsberg" zu seiner Unterkunft marschieren. Die Regimentsmusik wird an der Spitze des Regiments die bekannte flotte Marschmusik stellen. Gießener Dochenmorktpreiie. * G i e ß e n , 20. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, H kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Wirsing, % kg 8 bis 10, Weißkraut 8, Rotkraut 10, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 11, rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 30, gelb 30, Tomaten 20 bis 35, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 45 bis 70, Rhabarber 12, Kürbis 8 bis 10, Pilze 45 bis 50, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,30 bis 4 Mark, Aepfel, kg 25 bis 40 Pf., Falläpfel 14 bis 15, Birnen 20 bis 40, Brombeeren 40 bis 55, Preiselbeeren 40, Haus- zwetschen 21 Pf., junge Hähne 1,10 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis -1,05 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 50, Salat 8 bis 15, Endivien 5 bis 15, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 2 bis 6, Oberkohlrabi 5 bis 12, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf. ♦* Sterbefälle in der Stadt Gießen. Am 2.9. Katharine Nicolai, geb. Döringer, o. B„ 78 Jahre alt, Frankfurter Straße 159; am 3.9. Elfte Krombach, geb. Schindler, o. B., 58 Jahre aft, Lud- wigsplatz 8; am 4.9. Luise Valentin, geb. Nieber- gall, o. B., 82 Jahre alt, (Bleiberger Weg 90; am 6.9. Ernst Ludwig Merlau, 4 Jahre alt, Credner- straße 16; Georg Gerlach, Bauunternehmer, 86 Jahre alt, Hitlerwall 9; 8.Y. Georg Ruthsatz, Metzger- meister, 74 Jahre alt, Schillerstraße 14; Elisabeth Wilker, o. B., 73 Jahre alt, Wetzsteinstraße 6; Elisabeth Krumm, geb. Klein, o. B., 37 Jahre alt, Bahnhofstraße 40; am 9.9. Käthchen Stein, geb. Gerhard, o.B., 73 Jahre alt, Iohannesstraße 9; am 10.9. Karl Biedenkopf, Postassistent i. R., 71 Jahre alt, Tannenweg 3; Gerhard Pfau, Eisenbahn- I Assistent i. R., 83 Jahre alt, Gartenstraße 30; am 11.9. Otto Geilfuß, Justizsekretär i. R., 87 Jahre alt, Schillerstraße 13; am 12.9. Johannette Bona« rius, geb. Wigandt, o. B., 74 Jahre alt, Liebig- straße 87; Ernst Seibt, Metzgevmeister, 54 Jahre alt Marktplatz 15; 15.9. Walter Kinkel, Doktor, Universitätsprofessor i. R., 66 Jahre alt, Senden« bergstraße 15; Katharina Schlosser, geb. Stroh, o B 72 Jahre alt; Marburger Straße 49. **'Mit dem Treudienst-Ehrenzeichen ausgezeichnet. Der in weiten Kreisen bekannte Beamte der hiesigen Reichsbankstelle Ferdinand d Hanneken hat vom Führer und Reichs- ■ kanzler das Treudienst-Ehrenzeichen für 40jährige Dienste erhalten. Das Ehrenzeichen wurde ihm gestern in würdiger Weise vom Betriebsfuhrer überreicht. . ** E i n 7 5jährige r. Bäckermeister t. R. Heinrich Krämer, Kreuzplatz 11, begeht heute, am 20. September, feinen 75. Geburtstag. Dem Jubilar unseren herzlichen Glückwunsch. ** Rückständige Krankenkassenbe,- träge bezahlen! Die Allgemeine Ortskrankenkasse'für Stadt- und Landkreis Gießen fordert zur umgehenden Bezahlung der rückständigen Kranken- •faffenbeiträge vom August auf. Bis zum 25. September kann diese Schuld noch ohne besondere Kosten erledigt werden. Amtsgericht Gietzen. Der H. Sch. aus Gießen hatte durch Strafbefehl wegen Bedrohung eine Gefängnisstrafe von zehn Tagen erhalten. Gegen diesen Strafbefehl legte er Einspruch ein. In der gestrigen Hauptverhandlung erschien die strafbare Handlung in einem wesentlich anderen Lichte. Der Angeklagte erhielt wegen fahr- lässiger Körperverletzung (§ 230 StGB.) eine Geldstrafe von 15 RM. In der Hauptverhandlung stellte sich folgender Sachverhalt heraus: Als der Angeklagte mit feiner Frau auf feinem Pferde« fuhrwerk nach feinem (Barten in den Eichgärten fuhr, hörten sie schon von fern ihre Buben schreien. Die Ehefrau Sch. sprang von dem Wagen, um ihren Kindern beizustehen. Als der Angeklagte mit seinem Wagen sich seinem (Barten näherte, sah er, wie seine Frau sich mit einem jungen Manne zankte; er will auch gesehen haben, daß der junge Mann nach seiner Frau schlug. Daraufhin sei er seinerseits seiner Frau zu Hilfe geeilt. Er will aber kein Messer bei sich geführt.haben. Den mächtigen Kinnhaken, den er bei dem jungen Mann landete, und der diesen samt seinem Rade im hohen Bogen in den Graben warf, bestreitet er nicht, doch will er eben diesen Schlag in Nothilfe geführt haben. Seine Drohungen habe er erst ausgestoßen, als der Gegner eiligst auf feinem Rade das Weite suchte. Da die Angaben des Sch. größtenteils nicht widerlegt werden konnten, wurde er wie angegeben verurteilt. Eine Frau aus Gießen, die sich mit ihren Kindern kümmerlich durchs Leben schlagen muß, hatte bei dem Wohlfahrtsamte, von dem sie unterstützt wurde, nicht gemeldet, daß sie als Verkäuferin aushilfsweise tätig war und als solche ganz schön verdiente. Sie mußte wegen fortgesetzten Betruges zu einer Gefängnisstrafe von sechs Wochen verurteilt werden. CRun&fttttfprogramm Mittwoch, 21. September. 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik. 6.30:Zrühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.30: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk. 11.45: Voll und Wirtschaft. Die TN. sichert lebenswichtige Betriebe. 12: Werkskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: „Wenn ein Mädel einen Herrn hat ..." Unverwüstliche Schla- gerklänye. 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Die politische Führung eines Dorfes. Ein Querschnitt durch die Arbeit einer Ortsgruppe der NSDAP. 16: Nachmittagskonzert. Freut euch des Lebens! — Das Mikrophon unterwegs. — 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19: Fliegendes Deutschland. Der Kriegsflieger mit dem Hakenkreuz. 19.15: Volksmusik aus Schweden. 19.40: Chorkonzert. Schöne deutsche Volkslieder. 20: Nachrichten. 20.15: Heitere Welt der Bühne. 21.15: Kammermusik. Kompositionen von Julius Weismann. 22: Nachrichten. 22.30: Musik aus Wien. 24: Nachtkon- zert. 2—3: Nachmusik. Kannst du zurück, Dore? Vornan von Hedda Lindner. Copyright by Earl Duncker Verlag, Berlin W 35. 19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Es ist nichts", wehrte Merzmann höflich ab. Aber die kleine Murdock ließ nicht locker. „Sie haben solch einen melancholischen Zug um die Mundwinkel, sicher haben Sie eine besonders nette Braut in Mombassa zurückgelassen", mutmaßte sie. Merzmann mußte lachen. „Ausgerechnet in Mombassa, Ihre Phantasie geht Irrwege, gnädige Frau." „Aber irgend etwas ist doch los mit Ihnen", -beharrte sie. ,^fd) kenne jeden Zug in dem — wie sagt man — geliebten Gesicht." Merzmann verbeugte sich dankend. „Wirklich nichts Besonderes, ein paar dienstliche Angelegenheiten." „Und die sind natürlich strengstes Geheimnis", bohrte sie ungerührt weiter. Merzmann gab es auf. „Das nicht. Aber ich setze bei Ihnen für unsere chinesischen Wäscher wirklich kein Interesse voraus." „Ach, weiter nichts?" sagte Mrs. Murdock enttäuscht. „Und dabei sahen Sie aus, als ob Sie mindestens ein Drama erlebt hätten." Sie wandte sich dör Engländerin zu und begann von etwas anderem zu reden, die chinesischen Wäscher interessierten Sie tatsächlich nicht. Dafür trat aber Dr. Kesten plötzlich aus seiner Zurückhaltung heraus. „Hatten Sie Aerger mit den Leuten?" fragte er höflich. „Oder ist sonst etwas geschehen?" • „Aerger! Das kann man wohl sagen. Kommen im allerletzten Augenblick drei von den Kerlen und streiken, dabei sind sie bis Hamburg fest verpflichtet. Wir haben ihnen wegen des Vertragsbruches mit allem möglichen gedroht. Nichts zu machen! Sie waren bereits an Land, und ich hätte sie mit Gewalt aufs Schiff schleppen lassen müssen." Dr. Kesten hatte interessiert zugehört. „Und was gaben sie als Grund an?" „Aus dem Kauderwelsch war nicht klug zu werden. Aber einen Grund schienen sie zu haben, sie machten einen ziemlich verstörten Eindruck, soweit man das bei diesen starren asiatischen Gesichtern fest- steilen kann. Und dabei haben wir das Schiff voll Fahrgäste, und wenn es mit der Wäsche nicht klappt — Sie wissen doch, wie die Leute sind — gleich gibt es Beschwerden bei der Linie." „Was haben Sie nun gemacht?" „Ich bin herumgelaufen von Pontius zu Pilatus, herrlich bei der Hitze, und schließlich habe ich durch einen Agenten, einen ziemlich finsteren Burschen, wenigstens zwei neue Wäscher gefrieat. Kräftige Burschen, die müssen es mit dem Rest eben schaffen, aber es ist kein Vergnügen, die Zeit damit zu verplempern." „Das kann ich mir denken", sagte Dr. Kesten. Er sah sehr nachdenklich aus. „Haben Sie sonst noch farbiges Personal an Bord?" fragte er nach einer Weile. „Nur zwei schwarze Matrosen seit Daressalam. Einem unserer Leute war eine Kiste auf den Fuß gefallen, und einer hatte sich den Arm verstaucht. Keine schlimme Sache, es geht ihnen schon besser. Die Schwarzen sind nur bis Port Sudan ange- muftert." „Ich habe sie gesehen, kräftige Kerle." „Sind Watussi. Brauchbare Leute, wenn sie auch gefährlich aussehen mit ihren großen Messern im Gürtel. Wir hatten die beiden schon öfter als Aushilfe." Dr. Kesten neigte sich etwas nach vorn. „Sie kennen die Leute schon länger?" „Ali und Mabruki? Doch. Sie sind schon öfters mit uns gefahren, auch mit anderen Schiffen der Linie." „So, so." Dr. Kesten lehnte sich wieder in feinen Stuhl zurück. Sein Interesse an Ali und Mabruki mar erloschen. Am nächsten Tage hatte sich der Wind gedreht, es gab etwds mehr Dünung, und die „Kenya" begann leicht zu stampfen. Die Fahrgäste der ersten Klasse schienen ziemlich seefest zu fein. Beim Frühstück jedenfalls fehlte niemand. „Was werden Sie tun, um uns über die langweiligen Seetage bis Aden hinwegzubringen?" frägte Mrs. Murdock unternehmungslustig. ' „Ich habe natürlich an Sie gedacht, gnädige Frau", antwortete Merzmann liebenswürdig. „Und da Sie gern tanzen, haben wir für hxute einen Tanzabend in der Touristenklasse vorgesehen. Darf ich gleich um den ersten Tango bitten?" Mabel Murdock nickte gnädig Gewährung und erschien am Abend in einer Toilette, die ebenso kleidsam wie gewagt mar. Gerald mar doch etwas verblüfft bei der Feststellung, daß sie zu dem eleganten Chiffonkleid zwar entzückende Schühchen, aber keine Strümpfe trug. Sie sah feinen erstaunten Blick und ließ kokett den zierlichen Fuß mit den rotlackierten Nägeln aus dem Schuh gleiten. „Strümpfe sind fo heiß", erklärte sie. „Finden Sie mich sehr shocking?" „Ich nicht. Dazu sind Ihre Füße zu hübsch", sagte Gerald aufrichtig. „Aber ..." Er warf einen Blick zu dem Nebentisch hinüber, an dem eine größere Gesellschaft saß, auch die freundlichen Nachbarinnen fehlten nicht. „Ach die", lachte Mabel unbekümmert, „die tun feit Durban weiter nichts als sich entrüsten. Sollten mir doch dankbar fein, daß ich soviel zu ihrer Unterhaltung beitrage." „Auch ein Standpunkt, gnädige Frau." Der Schiffsarzt war hinzugetreten und hatte die Bemerkung gehört. „Trotzdem möchte ich Sie Ihren Bewunderern jetzt an die Bar entführen." Mrs. Murdock ging, und Gerald blieb mit Dr. Kesten allein am Tisch. Der Erste Offizier mußte sich allen Fahrgästen widmen und kam nur gelegentlich, um sich zu erholen". Der Kapitän war bislang nicht erschienen, er überließ den geselligen Teil nach Möglichkeit seinem „Ersten". Gerald fand seinen ruhigen Tischgenossen sehr nett, obwohl sie bisher nur ein paar belanglose Redensarten miteinander gewechselt hatten. „Eine niedliche Frau, die kleine Mrs. Murdock!" Dr. Kesten lächelte. „Ja, die Männerwelt versagt ihrer reizenden Person die Anerkennung nicht. Sehen Sie, selbst der gute Merzmann will sie nicht dem Doktor überlassen und läuft eilig hinterher." „Wenigstens hat er seinen Aerger von gestern überwunden und die Geschichte mit der Wäsche scheint ja auch zu klappen", meinte Gerald, auf das blütenweiße Tischtuch deutend. Das höfliche Gesicht ihm gegenüber wurde plötzlich so ernst, wie es mit dieser harmlosen Bemerkung kaum inv Einklang zu bringen mar. Dr. Kesten sah ihn an, merkwürdig scharfe Augen hatte der Mann; Gerald hielt dem Blick stand, etwas erstaunt und auch ein wenig befremdet. „Sind Sie Deutscher, Herr Hilger?" fragte Dr. Kesten. „Jawohl", antwortete Gerald kurz. Dr. Kesten sah ihn nochmals scharf an, aber er schien mit dem Ergebnis der Musterung zufrieden zu sein, sein Gesicht entspannte sich. „Darf ich Sie als Landsmann um einen großen Dienst bitten?" „Selbstverständlich, gern", antwortete Gerald höflich. Kesten vergewisserte sich, daß niemand auf sie achtete. Sie saßen in einer Ecke des geräumigen Saales, Vorhänge schützten die Fenster gegen Sicht von Deck aus. Dann faßte Dr. Kesten in die Brusttasche und zog ein großes silbernes Zigarettenetui heraus. Unter dem Etui hielt er einen Umschlag. „Ich möchte Sie bitten, mir diesen Umschlag, den ich jetzt un« auffällig in Ihre Hand gleiten lasse, bis Aden aufzuheben." Gerald zögerte. „Ohne daß ich weiß, um was es sich handelt? fragte er erstaunt. „Es handelt sich um nichts Unrechtes, auch nicht um Schmuggel irgendwelcher Art", versicherte der Doktor, und 'es lag eine überzeugende Aufrichtigkeit in seiner Stimme. „Es handelt sich um äußerst wichtige Papiere, die bet mir — bei mir nicht mehr ganz icher sind. ITnb sollte ich —e^ stockte, aber fuhr gleich darauf ruhig fort — „nicht mehr in der Lage fein, diese Ppiere von Ihnen zurückzufordern, so bitte ich, sie so rasch wie möglich, dem nächsten deutschen Konsul ober der nächsten englischen Behörde persönlich zu übergeben/' „Ja, aber warum geben Sie sie nicht dem Kapitän?" wandte Gerald ein. Dr. Kesten lächelte dünn. „Weil man sie dort zuerst suchen würde. Sie sind erst in Tanga eingestiegen, und wir kennen uns kaum, bei Ihnen vermutet man sie am letzten." „Und ich darf nicht wissen..." „Je weniger Sie wissen, desto besser ist es für Sie", unterbrach ihn der Doktor, „und wenn mir bis Aden nichts zustößt, nehme ich die Papiere zurück. Aber Sie würden mir wirklich einen sehr großen Gefallen tun", wiederholte er nochmals eindringlich. „Geben. Sie her!" Auch Gerald zog sein Etui. Die Herren boten sich wechselseitig Zigaretten an, dabei glitt unauffällig der Umschlag in Hilgers fianb. Dann erhob sich Kesten mit einer kurzen Verbeugung. „Es ist besser, wenn man uns möglichst wenig zusammen sieht", sagte er unb ging aus dem Saal. Geralb blickte ihm nach. Der helle, festliche Raum, bie Musik, bie lachenben unb tanzenden Menschen gaben dieser ganzen Unterhaltung etwas seltsam Unwirkliches. Aber bann fühlte er bas leise Knistern bes Papiers in seiner Brusttasche, hörte ben schweren Ernst der Worte: „Unb sollte ich nicht mehr in ber Lage sein ..." Das sah boch verbammt nach Wirklichkeit aus. Der Mann fühlte sich in Gefahr, hier auf dem Schiff, und wollte boch die Hilst bes Kapitäns nicht forbern, wer mochten seine Gegner sein? Er ließ seinen Blick über bie bunte Menge schweifen, aus allen Teilen Afrikas, aus allen Nationen zusammengewürfelt — wer konnte wissen, was sich unter der lächelnben Oberfläche verbarg. Er jedenfalls würde bie Augen offen halten. Mit diesem Entschluß ging Geralb schließlich nach einem sonst sehr anregenden und harmonischen Abend zu Bett. 'Fortsetzung folgt!) v.K der Kunde - fünf Minuten vor 19 Uhr. Seitens der DAF. wird im Einzelhandel demnächst eine sogenannte Feierabendschallplatte eingeführt, die den säumigen Käufer kurz vor Geschäftsschluß darauf hinweist, daß Feierabend ist und die kaufmänischen Angestellten nicht durch die „Käufer im letzten Augenblick in ihrer Freizeit benachteiligt werden sollen. Es bedarf wohl keiner Ueberlegung, daß der Angestellte im Einzelhandel und in den Kaufhäusern bei seinem „Dienst am Kunden" eine körperliche Arbeit zu leisten hat, die ihm in erster Linie auch ein Recht auf ungestörte Freizeit einräumt. Es will etwas heißen, den ganzen Tag hinter dem Ladentisch zu stehen, immer und immer wieder dem Kunden mit Ratschlägen und Diensten zur Verfügung zu sein. Es kommt ja nicht nur darauf an, zu verkaufen, sondern der Kunde verlangt von einem leistungsfähigen Geschäft auch eine fachliche Beratung und geschmackliche Führung seitens des Verkäufers, die nicht mit bloßen Handreichungen abgetan ist, vielmehr ein ganz besonderes Können und Spezialwissen erfordert. Aber auch der Verkäufer und die Verkäuferin in einem kleineren Einzelhandelsgeschäft, sei es in der Konfektion oder im Lebensmittelhandel' haben einen Posten auszufüllen, der keine Ruhe kennt, dessen vielseitige Anforderungen zwar von dem routinierten Verkäufer scheinbar leicht erfüllt werden, in Wirklichkeit aber doch eine starke Beanspruchung des Menschen bedeuten. Wir wollen nicht davon reden, daß sehr viele Käufer offenbar nicht begriffen haben, daß der Mensch hinter dem Ladentisch auch nur ein Mensch ist, der seine Schwächen, Fehler und müden Augenblicke besitzt und daher jene menschliche Rücksichtnahme verdient, die der Käufer in seinem Leben selbstverständlich für sich in Anspruch nimmt. Die wichtigen wirtschaftlichen Interessen, die der Einzelhandel verkörpert, verlangen von den Angestellten mehr Opfer als von den meisten ähnlichen Berufen. Sie kennen kaum einen freien Nachmittag, viele Sonntage im Jahr verlangen einen besonderen Einsatz, und dann dauert der Dienst — soweit nicht durchgehend gearbeitet werden kann — bis in die Abendstunden, bis 18 oder 19 Uhr. Gewiß, der Dienst dauert bis 19 Uhr, und das Geschäft ist auch für die Kunden und Käufer bis 19 Uhr geöffnet. Das bedeutet aber nicht, daß der Käufer damit das Recht erhält, drei Minuten vor Geschäftsschluß einzutreten und seine Einkäufe tätigen zu wollen. Man sollte meinen, daß das natürliche Gefühl für Interessen und Wüpsche anderer Menschen ausreichte, solche besondere Beanspruchung eil ^"ZElhandelsangestellten kurz vor Geschäfts- Jju Dermeiben. Leider ist es nicht so. Der Pro- zen satz der Käufer, dem erst in letzter Minute ein- sallt, was in der Küche noch fehlt, ist unverhältnis- 9£D6; das geht schon daraus hervor, daß die höchste Frequenz der Kauftätigkeit erst zwischen 18 und 19 Uhr eintritt.. Bedauerlich ist namentlich aber die Tatsache, daß jene Menschen, die sich eines freien Mittwoch- oder Samstagnachmittags erfreuen — wir wollen damit gar nichts gegen den freien Sladjmittag sagen —, bis zur letzten Minute fröhliche Spaziergänge und Kaffeekränzchen durchfuhren, um dann, fünf Minuten vor 19, höchst aufgeregt bei „ihrem" Kaufmann zu erscheinen. Der Kaufmann wird es kaum wagen, seine Kunden auf die späte Stunde aufmerksam zu machen^ auch die Verkäufer werden selbstverständlich ihre Pflicht tun und den Kunden genau so gut bedienen, als wäre er nachmittags gekommen. Aber daß diese späten Einkäufe manchmal erheblich über 19 Uhr, über den offiziellen Ladenschluß hinaus dauern und somit dem schaffenden Menschen dieser Branche kost- bare Minuten der abendlich verdienten Freizeit buchstäblich stehlen, entspricht wenig dem sozialen Empfinden unserer Zeit. Schließlich ist für die meisten kaufmännischen Angestellten des Einzelhandels mit dem reinen Verkaufsgeschäft die Arbeit noch nicht beendet, es gilt aufzuräumen, abzurechnen. Dinge, die auch noch ihre Zeit beanspruchen. Währenddessen sitzt der Käufer schon bequem cvm Abendtisch und verzehrt in Ruhe sein Mal. Es heißt durchaus nicht mit Kanonen nach Spatzen schießen, wenn mir den Käufer auf das Ungebührliche seiner Gewohnheiten aufmerksam machen. Freizeit ist das kostbarste Gut des schaffenden Menschen. Freizeit ist der Kraftquell für die weiteren Aufgaben und muß darum geachtet werden. Wenn die DAF. jetzt auf einem sehr höflichen und überzeugenden Wege versucht, „S. M. den Käufer" zu erziehen, so ist das ein sehr schätzenswertes Beginnen. Wir wollen hoffen, daß auch die hartgesottensten Käufer, die „Diktatoren vor dem Ladentisch", allmählich aus den mahnenden Worten der „Feierabendschallplatte", die in diesem Winter um 18.45 Uhr und kurz vor 19 Uhr in jedem Einzelhandelsgeschäft uNd in den Kaufhäusern ertönen wird, eine Lehre ziehen, die eigentlich nur auf Anstand und Höflichkeit gegenüber den Mitmenschen hinausläuft. Es heißt von einem Sprichwort, daß Pünklichkeit die Höflichkeit der Könige sei. Warum sollte diese Pünktlichkeit auch nicht für S. M. den Kunden die gleiche Selbstverständlichkeit bedeuten? Aus der engeren Heimat. Gängerbesuch in Lich. t Lich, 20. Sept. Die Freundschaft, die die hiesige Sängeroereinigung „Cacilia" seit Jahren mit den Sängervereinigungen von Rüdesheim und Johannesberg im Rheingau verbindet, fand in einem Besuch der beiden rheinischen Vereine in unserer Stadt erneut ihre Bestätigung. Fast vollzählig trafen die beiden Vereine am Samstagabend hier ein, herzlich empfangen von den Sangesbrüdern der „Cäcilia". Bei hiesigen Sangesfreunden fanden die Gäste herzliche Aufnahme. Am Samstagabend konnte die Turnhalle die Gäste kaum fassen, die mit der „Cacilia" ein schönes Bekenntnis zum 'deutschen Lied ablegten. Nach dem Sängergruß der „Cäcilia" und einem Chorvortrag begrüßte Dereinsführer Karl Lotz die Freunde vom Rhein und erinnerte an die ersten Freundschaftsstunden, die gemeinsam anläßlich der 90-Iahrfeier der „Cäcilia" im Jahr 1928 verleb! wurden. Den größten Teil der reichlichen Vortragsfolge bestritten die Gaste vom Rhein. Mit ihrem ausgeglichenen Stimmenmaterial, den glockenhellen Tenören und den wuchtigen Bässen, boten sie Chöre Z'-m Teil recht schwieriger Art, die von den vielen San^esfreun- den mit kaum endenwollendem Beifall ausgenommen wurden. Der Sprecher der Sängtzroereinigung Johannisberg überreichte als äußeres Zeichen der Freundschaft eine Riesenflasche, gefüllt mit dem Köstlichsten, was Johannisberger Auslese bieten kann. Er teilte ferner mit, daß alle kranken Sangesfreunde von der „Cäcila" ebenfalls mit einer Stärkung bedacht werden sollen. Die Sängeroereinigung Rüdesheim stiftete der „Cäcilia" als neuen Freundschaftsbeweis ein handgemaltes Bild der Weinstadt Rüdesheim. Vereinsführer Lotz von der „Cäcilia" nahm die Geschenke mit herzlichen Worten des Dankes in Empfang. Am Sonntagvormittag wurden in Stadtrundgängen die Sehenswürdigkeiten von Lich besichtigt. Am Nachmittag unternahmen Gäste und Gastgeber bei schönem Wetter einen Familienausflug nach Kloster Arnsburg. Am Sonntagabend fand noch, im „Holländischen Hof" ein stimmungsvoller Kameradschaftsabend der „Cäcilia" mit der Sängervereinigung Johannisberg statt, während die Sänger von Rüdesheim sich zur Heimkehr anschickten. Am Montagvormittag verließen auch die Sänger- freunde von Johannisberg das schöne Lich. Alle Teilnehmer hatten frohe Stunden verlebt. Lehrertreffen in Homberg. —.— Homberg, 18. Sept. Schon seit dem 5. d. M. sind über 90 Lehrerstudenten und »innen auf die Kreise Gießen und Alsfeld an die einzelnen Schulen verteilt, um in den Klassen in einigen Fächern praktische Unterweisungen zu erhalten bzw. selbst zu unterrichten. Diese praktischen Hebungen erstrecken sich auf die Dauer von drei Wochen und werden von den Kreisschulraten Walter (Alsfeld) und Nebeling (Gießen), auch von den Dozenten des Pädagogischen Instituts Darmstadt durch praktische Winke und Dorunterrichten gefördert. _ . Am Samstagnachmittag war eine Zusammenkunft dieser Lehrkräfte in Homberg, als dem passenden Mittelpunkt, und zwar zunächst in der gefüllten Stadthalle. Dieser Feier lag eine gutoorbereltete Vortragsfolge zugrunde, die auf den Grundgedanken Heimat" eingestellt wax. Schulrat Walter (Alsfeld) war Leiter dieser Veranstaltung. Sie wurde eröffnet mit einem Trio für Klavier, Dio- line und Cello von Jos. Haydn. Danach hielt ratWalterdie Eröffnungsansprache, bei der er alle Anwesenden herzlich begrüßte, besonders den Kreis- leiter, die Dozenten und den Kreisdirektor. Er entwickelte in seiner Ansprache den Heimatgedanken und sprach eingehend über das Wesen der Heimat, /Ille weiteren Ansprachen und die musikalischen Darbietungen, einerlei ob Vokal- ober Instrumentalmusik, waren auf denselben Grunbton abgestimmt. Die Feier ließ erkennen, daß ohne die gründliche Mitarbeit des deutschen Erziehers kein Staatsaufbau möglich ist. Schulrat Walter schloß die Feier mit dem Sieg-Heil auf den Führer, dem das Deutschland- und das Horst-Weffel-Lied folgten. Anschließend folgte ein Familienabend im „Frankfurter Hof", in dem die Lehrerstudenten und -ftu- dentinnen gastlich bewirtet wurden. An diesem Abend wurde das Tanzbein fleißig geschwungen, auch kam der Humor gebührend zu seinem Recht, während zwischendurch gemeinsame Gesänge folgten. Lustschiff „Graf Zeppelin" kann wieder besichtigt werden. LPD. Frankfurt«. M., 19. Sept. Wie die Deutsche Zeppelin-Reederei mitteilt, kann das Luftschiff „Graf Zeppelin" ab 20. September in der neuen Luftschiffhalle 2 im Flug- und Luftfchiff- hafen Rhein-Main wieder besichtigt werden. Der Besuch ist von 8 bis 17 Hhr freigegeben. Oie fpinaleKinderlähmunginFranksurt Lpd. Frankfurt a. M., 19. Sept. Wie das Stadtgesundheitsamt mitteilt, sind in der Woche vom 11. dis 17. September 2 2 n e u e Erkrankung s- f ä l It hinzugekommen. Sie verteilen sich auf folgende Altersklassen: 1 bis 5 Jahre acht erkrankte Kinder, 6 bis 14 Jahre sechs, 15 bis 19 Jahre sieben Erkrankte, 20 und mehr Jahre ein Erkrankungsfall. Mit den schon früher gemeldeten 58 Fällen sind demnach bisher 80 Personen seit dem 1. Januar 1938 im Gebiete der Stadt Frankfurt a. M. an spinaler Kinderlähmung erkrankt. Unter den 22 neugemeldeten Fällen befindet sich leider auch ein neuer Todesfall. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 17. Sept. Aus Anlaß ihrer Goldenen Hochzeit wurden den Eheleuten Heinrich Wahl und Frau Marie, geb. Jung, von vielen Seiten Glückwünsche entgegengebracht. Das Landeskirchenamt und die örtliche Kirchengemeinde ließen unter Überreichung von künstlerisch ausgestatteten Ehrenurkunden durch den Drtsgeift- lichen, Pfarrer König, ihre Glückwünsche übermitteln. Am Abend brachte der Männergesangverein „Harmonie" unter der stellvertretenden Leitung seines Ehrenchormeisters, Lehrer Möller, seinem langjährigen Mitglied und Ehrenvorsitzenden ein Ständchen. Dereinsführer Fritz Jung VIII. würdigte in feiner Ansprache die Verdienste des Jubilars um das deutsche Lied und besonders um die Entwicklung des Männergesangvereins „Harmonie". Herr und Frau Wahl dankten für die vielen Ehrungen. Leihgestern, 19. Sept. An den letzten Sonntagen hielt die hiesige Kriegerkameradschaft ein We11schießen innerhalb des Kameradenkreises ab. Bester Schütze blieb Kamerad Wilhelm I a f o b i mit 35 Ringen, dem der ausgesetzte Preis, ein großes Hindenburgbild, zufiel. Trotz guter Schießleistungen und guter ^Beteiligung war es feinem Schützen vergönnt, die volle Ringzahl (36) zu erreichen. Don den ausgesetzten Ehrenscheiben erschossen die Kameraden Wilhelm Schmitt, Wilh. Krämer und Georg Reitz je eine. <£ Leihgestern , 19. Sept. Der hier zu Besuch weilende, im Jahre 1890 nach Amerika ausgewanderte Karl Schaum von hier, trat am Sonntagabend die Rückreise nach Trenton, Nordamerika, an. Der Gesangverein „Liederkranz", dessen Ehrenmitglied er ist, veranstaltete ihm zu Ehren eine Abschiedsfeier. # Mainzlar, 20. Sept. Am Samstagabend fand bei Gastwirt Hrch. Dogel, hier, die Schaf- pferch-Dersteigerung statt. Es kostete der Pferch für zwei Nächte = 6.— Mark. ß a ngsdorf, 20. Sept. Unsere Gemeinde hat aus dem Rathausdach eine elektrisch angetriebene Sirene für Fälle der Not und Gefahr anbringen taffen, wie das in anderen Gemeinden auch geschehen ist. — Nachdem der Getreideausdrusch in vollem Gange ist, läßt sich eine vorläufige Schätzung des Ergebnisses vornehmen. Die vorjährige G e - treibeernte wird bei weitem übertroffen. Besonders bei Weizen und Gerste ist ein durchschnittlicher Ertrag von 20 Zentner pro Normalmorgen überschritten. Diele Landwirte behaupten, daß ein Ergebnis wie das diesjährige feit vielen Jahren nicht mehr zu verzeichnen war. (xd Bettenhausen, 20. Sept. Hier starb im 81. Lebensjahre der Invalide Johannes R u p- p e l III. Et war einer der letzten „Pariser", der kleinen Leute aus den .hessischen Dörfern, die vor dem deutsch-französischen Kriege von 1870/71 in Paris — meist als Straßenkehrer — ihr Brot suchten. weil ihnen die sozialen Verhältnisse der Heimat kein Auskommen gewährten. So war es auch bei Johannes Ruppels Eltern, die nach Paris gingen, nm dort ihren Ehestand und ihre Existenz zu begründen. An feine Geburt in der „ville lumiere“ erinnerte die französische Form seines Rufnamens: Jean; er wurde übrigens getauft von Friedrich von Bodel- schwingh, der in jener Zeit Pfarrer fjir die evangelischen Deutschen in Paris war. Das tiefe Elend der hessischen Straßenkehrer in Paris erweckte in Bodelschwingh den Entschluß, fortan fein ganzes Leben den Elendesten unter den Armen zu widmen. Es ist bekannt, daß aus diesem Entschluß die in der ganzen Welt berühmten Anstalten von Bethel bei Bielefeld entstanden sind. SJi.-tfport „4. Hessen-Fahrt" des 71SKK. NSG. Die Motorgruppe Hessen des NSKK. fuhrt am 15. und 16. Oktober als Gruppen- Veranstaltung' für Krafträder ohne und mit Seitenwagen und Personenkraftwagen die „4. Hessen- Fahrt" durch. Die Veranstaltung dient in erster Linie der Schulung der Fahrer, die die Aufgabe haben, unter größter Schonung der Fahrzeuge die Fahrt zu beenden. Der Zweck der „4. Hessen-Fahrt" ist ferner, Fahrer für die spätere Teilnahme an nationalen geländesportlichen Veranstaltungen auszusuchen. Die Veranstaltung besteht aus einer Orientierungsfahrt, einer Geländefahrt und einer Fahr- zeugzustandsprüfung. Der Start zur Orientierungsfahrt erfolgt am 15. Oktober um 15 Uhr nach freier Wahl in Frankfurt oder Kassel. Das Ziel der Orientierungsfahrt, die etwa 120 bis 150 Kilometer beträgt, ist Bad Salzschlirf. Die Geländefahrt führt am 16. Oktober ab Bad Salzschlirf über eine gekennzeichnete Strecke von etwa 120 Kilometer. Nach Ankunft am Ziel der Geländefahrt findet eine Zustandsprüfung statt. Für die 4. Hessenfahrt hat die Motorgruppe Hessen jetzt die Ausschreibung veröffentlich. Teilnahme- berechtigt sind die Angehörigen aller Gliederungen der Partei und des Staates und des DDAC., soweit sie im Bereich der Motorgruppe Hessen ihren Wohnsitz haben und im Besitz des nationalen Fahrerausweises ober ber internationalen Lizenz der ONS. sind. JJlennungen [inb an die Motorgruppe Hessen zu richten. Schluß ber Anmeldungen ist der 3. Oktober. SA.-Kampfspielgemeinschast Gießen. Der am Sonntag von der SA.-Kampfspielgemeinschaft Gießen unternommene Versuch um die deutsche Leichtathletikvereinsmeisterschaft der Klasse B stand leider unter einem unglücklichen Stern. Durch zwei unvorhergesehene Absagen wurde die Mannschaft sehr geschwächt. Verschiedene Umstellungen wurden nötig, die nicht zum Vorteil für das Ergebnis waren, so daß bei weitem nicht die mögliche Punktzahl erreicht werden konnte. Dieser erste Derjuch, bei dem ungefähr 4500 Punkte erzielt wurden, kann daher nur als Probegalopp für einen an einem der nächsten Sonntage stattfindenden neuen Gang, bei dem voraussichtlich auch eine gegnerische Mannschaft habet sein wird, angesehen werden. Deshalb sollen hier nur die besten Leistungen aufgeführt werden: Eines der besten Ergebnisse erzielte SA.-Mann Fr. Koch im 200-Meter-Lauf mit der Zeit von 23,8 Sek., während sein Bruder SA.-Mann W. K o ch in 24,5 Sek. einkam. lieber 800 Meter lief SA.-Mann V a u m ft i e g e r die gute Zeit von 2,08 Min. ohne gleichwertige Konkurrenz. Eine feine Leistung nach zweijährigem Aussetzen. SA.- Mann Stürmer gewann die 3000 Meter in 9,44 Min. in gutem Stil und schönem Endspurt. Im Hochsprung erreichte Baumstieger 1,52, Niemann im Weitsprung 5,69 Meter. Rottenführer Niemann warf außerdem den Diskus 33,45 Meter und SA.-Mann Jacob erreichte im Speerwerfen 47,66 Meter. Das Fehlen von Rottenführer Mayer, des schnellstens Läufers der SA.-Kampfspielgemein- schaft, machte sich natürlich in der Staffel am nachteiligsten bemerkbar«. Trotzdem tief die Mannschaft in der Aufstellung Niemann, Koch I, Koch II, Baumstieger nach gutem Wechsel in 46 Sekunden eine seine Zeit. Mit Mayer wäre die Jahresbestleistung der Staffel, die auf 45,7 steht, wahrscheinlich bedeutend verbessert worden. — Leider war von den eingeladenen Aktiven der anderen Gießener Vereine durch Start auf auswärtigen Veranstaltungen nur Polizeiwachtmeister Streu erschienen, der mit gutem Erfolg an verschiedenen Konkurrenzen teilnahm und vor allem über 3000 Meter dem SA.-Man« Stürmer einen schonen Kampf lieferte. VfB.-Reichsbahn-Leichtachletik. Otto Luh siöhl die kugel 15,12 Meter. Der Sportverein Hähr-Grenzhausen hielt am Sonntag, wie alljährlich, seine Nationales Wettkämpfe ab. Gleichzeitig war in Höhr die Gaumannschaft zusammengezogen worden. Die Wettkämpfe wickelten sich unter Leitung von Gau- sportlehrer Brox reibungslos ab. In feiner Form befand sich diesmal Otto Luh. Er gewann das Äugel ft often mit der Leistung von 15,12 Meter. Diese Leistung ist Luhs persönlicher Rekord, gleichzeitig Gaurekord. Mit dieser Leistung hat sich Luh wieder seinen alten Platz in der Spitzenklasse Deutschlands erobert. Das Diskuswerfen gewann Luh ebenfalls mit 41,26 Meter. Die Jugend startete in den reichsoffenen Junioren- und Jugendwettkämpfen des Sportvereins 1898 in Darmstadt. Diesmal waren die Jugendlichen des VfB.-R. der Konkurrenz aus Nürnberg, Mannheim und Berlin nicht ganz gewachsen. Obwohl die meisten der VfB.-R.-Jugendlichen persönliche und Vereinsrekorde erzielten, langte es meistens nur zu 4; ober 5. Plätzen. Leider konnte man bie Staffeln wegen Ausfall von 4 guten Jugendlichen nicht laufen. Nachstehend die Leistungen der Jugendlichen: Willi Schwarz erzielte im Hochsprung mit 1,70 Meter eine seine Leistung, wurde aber damit nur Fünfter, lieber 1500 Meter lief Kurt G e m m e r Vereinsrekord in 4:26,5 Minuten, 6. Platz; E. Oehler belegte im Stabhochsprung mit 3 Meter den 4. Platz; Karl Schäfer den 5. mit 2,90 Meter. Oehlers Leistung ebenfalls Bestleistung. H. Dietrich lief über 100 Meter 12 Sekunden bereits im Zwischenlauf. Im Endlauf wurde er nur Vierter. Den 1000-Meter-Lauf, Klasse B, bestritten H. C a w e i n und E. Kuhl. Beide liefen hervorragend, besonders Cawein kämpfte wie ein Löwe, aber er stand beim Start zu weit hinten, so daß auch hier wohl eine feine Zeit, aber nur der 6- Platz herauskam. Kuhl wurde Achter. Cawein lief 3:03,4 Minuten, Kuhl 3:05,2 Minuten. Die Ehre des Tages retteten die vier B-Jugendlichen Mootz, Döll, Herrmann und Dietrich, die in der 4X100-Meter-Staffel in 49,6 Sekunden den 3- Platz belegten. Ebenfalls den 3. Platz belegte die 4X400-Meter-Staffel, Kl. B, in 4:04,6 Minuten. Hier liefen Mootz, Herrmann, Dietrich und Kuh l. Sportverein Steinbach - Spielvereinignng4900II. 0:4 (0:1). Am Sonntag gastierte die Reserve der Spieloer- einigung 1900 in Steinbach und errang einen eindeutigen Sieg.- Obwohl die Blauweißen auf einige Stammspieler verzichten mußten, war ihr Sieg nie gefährdet. Steinbach stellte eine junge, entschlossene Mannschaft ins Feld. Die Gießener spielten mit Jäger II., Heuser, Schneider, Hain, Kirchner, Günther, Koch II., Kociok, Jäger I., Koch I., Schmidt. Das Spiel begann mit wuchtigen Angriffen der Platzbesitzer. Erste Mannschastskämpfe der H1.-Mannschasten der Vereine. MTV. Gießen, Turnverein Heuchelheim und Spielvereinigung Gießen 1900. Neben den Deutschen Jugendmeisterschaften in der Leichtathletik trägt die Hitler-Jugend die Mannschaftskämpfe der HI. (früher Jugend-Ver- einsmeisterschaften) in diesem Jahre erstmalig aus. Zu diesen Kämpfen sind alle HJ.-Mannschaften der Vereine des DRL., sowie die Leichtathletikmannschaften der HI. an Orten, an denen sich kein Verein des DRL. befindet, startverechtigt. Die Leichtathletik der Jugend hat in Gießen bereits einen beachtenswerten Leistungsstand erreicht. Mit Ausnahme des Turnvereins Heuchelheim, der als guter Förderer ber Leichtathletik über die Grenzen unseres Kreises hinaus bekannt ist, ist ein völliger Aufbau biefer Sportart in ben übrigen länblichen Bezirken unseres Kreises bie Aufgabe für bie nächsten Jahre. Melbungen zu biefen HJ.-Mannschaftskämp- fen waren noch abgegeben worben von bem Turnverein Treis a. b. Lumda und dem Turnverein Daubringen. Während die Jugend von Treis durch ihre Teilnahme an hem Turnfest in Holzheim verhindert war, trat der Turnv. Daubringen aus unbekannten Gründen nicht an. Am vergangenen Samstag und Sonntag waren vier HJ.-Mannschaften ber Vereine Mtv. Gießen. Tv. Heuchelheim unb Spielvgg. 1900 Gießen (btefe mit zwei Mannschaften) angetreten. Bereits der erste Tag zeigte, baß wir in diesem Jahr im weiteren Verlaus der HJ.-Mannschaftskämpfe mit recht guten Leistungen rechnen dürfen. Auch der Sonntag bestätigte dies. Wenn die Leistungen auch nicht als überragend bezeichnet werden könnten, so darf doch für die Zukunft die Hoffnung gehegt werden, daß die Jugend des Bannes 116 allmählich solche' Ergebnisse erzielen wird, die sich ben im Reich erzielten Leistungen mürbig anreihen. Die Kämpfe wickelten sich unter Leitung des Bannfachwartes für Leichtathletik, Himmel- mann, unter Mitwirkung bes Fachamtes für Leichtathletik reibungslos ab. Nachstehend die Ergebnisse; die Bekanntgabe der erreichten Gesamtpunktzahl erfolgt später. Ergebnisse: * 10 0 Meter: Mtv. Gießen: Berkenhofs, 11,6 Sek.; Becht 11,7, Göbel 12,2 Sek. Tv. Heuchelheim: E. Rinn, 11,6 Sek.; Lang 12,4; Freitag 12,5 Sek. 1900 Gießen: Adolph 11,8 Set.; Gilbert 11,9; Adam 12,3 Sekunden. 1200 Meter: Mtv. - Gießen: Engelbach 3:52,2 Minuten; Wagner 3:54,5; Geiser 3:57,1 Minuten. 1900 Gießen: Deibel, 3:31,3 Min.; Löhr 3:34,4; Volkert 3:39,6 Minuten. Tv. Heuchelheim: Bepler 3:39,5 Min.; Kreiling 3:5Q,8 Min. (bie übrigen auf- gegeben. Kugel st oßen: Mtv. Gießen: Jugharb 10,93 Meter; Göbel 10,43; Rau 9,38 Meter. 1900 Gießen: Adolph 11,32 Meter; Adam 8,85; Wissner 8,47 Meter. Tv. Heuchelheim: C. Rinn 11,37 Meter; W. Rinn 10,31; Sack 9,77 Meter. Weitsprung: Mtv. Gießen: Berkenhoff 6,02 Meter; Gödel 5,55; Rau 5,55 Meter. 1900 Gießen: Gilbert 5,59; Hengst 5,10; Wendel 5,09 Meter. Tv. Heuchelheim: E. Rinn 6,22 Meter; W. Rinn 5,46; Hahn 4,92 Meter. Hochsprung: Mtv. Gießen: Berkenhoff 1,55 Meter; Rau 1,46; Möckel 1,40 Meter. 1900 Gießen: Adolph 1,60 Meter; Löhr 1,45; Gilbert 1,45 Meter. Tv. Heuchelheim: A. Rinn 1,45 Meter; Schmidt 1,40; Hofmann 1,35 Meter. Diskuswerfen (1,75 kg): Mtv. Gießen: Jughard 31,48; Möckel 24,15; Huth 22,84 Meter. 1900 Gießen: Deibel 25,05; Wisfner 21,32; Adam 19,42 Meter. Turnv. Heuchelheim: W. Rinn 28,54 Meter; Sack 27,93; Lang 25,91 Meter. Keulenweitwurf: Mtv. Gießen: Jughard 56,75 Meter; Möckel 47,20; Rau 45,90 Meter. 1900 Gießen: Löhr 55; Hallstein 51,30; Hengst 47,30 Meter. Tv. Heuchelheim: W. Rinn 53,80 Meter; Lang 54,80; Sack 48,10 Meter. 4 X 100 -Meter - Staffel: Mtv. Gießen 46,5 Set.; Tv. Heuchelheim 47,5; 1900 Gießen 48,2 Sekunden. Georg Neuß Schnlftraße 6 - i • *** « <■ - >;,; "/4 Krick, der ourm eine ?nanre von TS CH El dritten Platz. lUöhtls Zweiter. * M i t einem schweizerischen Siege bete der Dennis-Länderkampf gegen Holland. en- Die Be- mit später war es Krick, der durch eine Flanke von rechts das Halbzeitresultat herstellte. Nach der Pause waren die Leihgesterner die besser spielende Mannschaft. Arnold war es Vorbehalten. /den Vorsprung, nachdem er die gesamte Hintermannschaft der Gegner umspielte hatte, auf 3:1 zu vergrößern; wenig später kam auf dieselbe Weise ebenfalls durch Arnold das 4:1 zustande. Fast mit dem Schlußpfiff unternahm K r i ck einen Alleingang, wurde aber unfair angegangen, so daß sich der Schiedsrichter zum Strafstoß entscheiden mußte. Krick nutzte die große Chance aus und stellte das Europameister Osendarp (Holland) mußte beim Leichtathletikfest in Sarpsborg (Norwegen) eine überraschende Niederlage hinnehmen. Er wurde von dem Dänen Holger Hansen über ICO Meter in 10,6 Sekunden geschlagen. Osendarp wurde in 10,8 „Antonyms" Besitzer, der mit dem erstklassigen dreijährigen Hengst nach dem Braunen Bande am Sonntag auch den Großen Preis der Reichshauptstadt in Hoppegarten gewonnen hat, stiftete 10 d. H. des Siegerpreises, d. s. 7000 Mark, für die NSV., sowie die Unterstützungskasse für Berufsreiter und Trainer. ___________________ Dora Ratjen, die beim Hochsprung 1,70 Meter erzielte und damit einen neuen Weltrekord aufstellte. Lugendspiele der Spielvereinigung 1900. 1900 1. Jugend — Klein-Linden 1. Jugend 1:3 (1:1). Man kann wohl sagen: ein typisches 1900-Spiel, denn bei den Mannschaften der Spieloereinigung 1900, bei der Liga begonnen, ist es bereits Tradition geworden, daß das Feldspiel überlegen gestaltet wird, während der Sturm meist unfähig ist, diese Ueberlegenheit auszunutzen. Die Blauweißen waren etwas deprimiert, da wider Erwarten der Mittelläufer ausblieb und die Mannschaft mit nur 10 Spielern antrat. Trotzdem begann der Kampf mit forschen Angriffen, die von Blauweiß vorgetragen wurden. Ein Lattenschuß und mehrere sichere Torgelengenheiten wurden-vorbeigeknallt. Den Rest fischte sich der gute Torwart von Klein-Linden. Klein-Linden' machte sich schließlich von der Umklammerung frei und erzwang einen Eckball, der prompt, durch ein Mißverständnis des Gießener .Tormanns und Verteidigers, den Weg ins Gehäuse nahm. 1:0 für Klein-Linden! Das Spiel der Blauweißen wurde zusehends lustloser. Der Linksaußen konnte sich ober gut durchspielcn und erzielte noch vor Halbzeit den Ausgleich. Nach der Halbzeit nutzte der Gegner die Schwäche der Jugend von 1900 geschickt aus. Der Sturm der Platzbesitzer, der mit nur vier Mann immer wieder das Tor Klein-Lin- dens berannte, konnte keinen Erfolg erzwingen. Die plötzlichen Durchbrüche Klein-Lindens waren von größerem Erfolg gekrönt. Kurz vor Schluß erzielte Klein-Linden hintereinander zwei Tore. Der Tor- mann der Blauweißen zeigte nicht das Spiel, das man sonst von ihm gewohnt ist. Der Eifer und Kamvfesmut der Jugend von Klein-Linden war zu bewundern, und der Sieg war vollauf verdient. Spielvereinigung 1926 Leihgestern. Spü. 1920 Ober-2Nörlen I — Spogg. 1926 Leihgestern I 1:5 (1:2). Die Spogg. gastierte am Sonntag in Ober-Mör- len. Es gelang ihr zur allgemeinen Ueberraschung ein feiner Sieg. Die Spvgg. bestritt das Spiel mit folgender Mannschaft: Krämer; Velten, K. Laur; Wedernann, Väth, Funk; Martini, Arnold, Krick, G. Laux und Sommer. Ober-Mörlen spielte zuerst bergab, mit dem Wind und mit der Sonne, erkämpfte sich Feldvorteile, und es gelang der Mannschaft auch bereits in der fünften Minute das Führungstor zu erzielen. Allmählich rafften sich die Leihgesterner zu Angriffen auf; ein solcher führte durch Arno ld, der eine Vor- i llellung jll instar ku Nber den mleill. Miifj WWer $t . frupp fommun W deuls Nn gelroj Zuschläge fMh routbi Bellte und »et und an d tatesfa und \ 0 und konnten das Spiel in die Hälfte des Gegners verlegen. Mitte der ersten Spielhälfte kamen die Blauweißen zum Führungstreffer. Eine schön vorgetragene Kombination konnte Schmidt mit einem unhaltbaren Schuß abschließen. Nach Seitenwechsel dasselbe Bild. Angriff auf Angriff rollte auf das Tor des Gegners, doch sämtliche Schüsse gingen fehl. Kirchner konnte dann das Resultat verbessern und einen Strafstoß durch schönen Schuß verwandeln. Dann gelang es Koch I. durch einen Alleingang den gegnerischen Tormann zu schlagen. Gegen Spielende war es K o c i o k, der das Endresultat herstellte. Das Spiel wurde jederzeit fair durchgeführt. Durch diesen Sieg haben die Blauweißen ihre gute Form unter Beweis gestellt. Für- die kommenden Verbandsspiele ist die Mannschaft aufs beste gerüstet. Schiedsrichter Kreiling (Gießen) übersah manchen Fehler. Ri. gleich schwieriger gestaltet. Die Zahl der von der Reichsanstalt Unterstützten ging im August um 1622 auf 4846 zurück.' Im Hinblick auf den allgemeinen Mangel an Arbeitskräften werden Arbeiten der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge nur noch soweit durchgeführt, als nicht volleinsatzfähiqe Personen, die anderweit nicht eingesetzt werden können, zur Verfügung stehen. Die Zahl der N o t st a n d s a r b e i t e r betrug am Monatsschluß nur noch 319 gegen 750 Ende Juli d. I. * * Erhöhung der Weizenverarbeitungsquote. Nach einer Bekanntmachung der Hauptversammlung der deutschen' Getreide- und Futtermittelwirtschaft wird die Verarbeitungsquote für Mühlen mit einem Grundkontingent von mehr als insgesamt 500 Tonnen Roggen und Weizen für den Monat September von 8 v. H. auf 9 v. H. des Weizenarundkontingents erhöht. Für Mühlen mit einem Grundkonkingent von mehr als insgesamt 500 Tonnen Roggen und Weizen, denen auf Antrag Vierteljabresquoten bewilligt worden find, wird die für die Monate Sevtember, Oktober und November 1938 freigegebene Verarbeitunasquote von 22 v. H. auf 23 v. H. des Weizengrundkontingents erhöht. Mein-Mamifche Börse. 2Nillagsbörse überwiegend freundlich. I Hermine Schröder (Deutschland), Europameisterin im Kugelstoßen. — (Schirner-M.) Eidgenossen gewannen am zweiten Tage der gegnung sechs von neuen Spielen und kamen 9:8 Punkten zu einem unerwarteten Gesamterfolg. zM Selbenb fische riadlch vergangenen ljchechischer o nent. W wird erwartet unabsehbar sei nachiniltags tu onb wurden Lbenso ttmtl Endergebnis her. Die Blau-Weißen haben angenehm überrascht. Die Hintermannschaft leistete Hervorragendes. Die Läuferreihe bediente den Sturm gut, und der fein zusammenspielende Sturm vergaß auch das Schießen nicht. Jeder einzelne steuerte zu dem schönen Siege bei. '6- Kegelsport in Daubringen. Der Kegelklub „Alle Neun" in Daubringen trug mit einer Zehner-Mannschaft in diesem Jahre drei Klubkämpfe aus. Als erster Kampf fand der Klubkampf Lollar „Gut-Holz" — „Alle Neun" Daubringen statt. Lollar erzielte 2066 Holz, Daubringen 2210. Als zweiter Kampf Daubringen — Launsbach; Daubringen erzielte 2547, Launsbach 2403 Holz. Als dritter Kampf Daubringen — Krofdorf; Daubringen erzielte 2522, Krofdorf 2506 Holz. Alle Kämpfe wurden vom Kegelklub „Alle Neun" gewonnen. v Pokalsieger mit 50 Kugeln wurde der Kegler Ernst Weimer mit 355 Holz. Ihm folgten Karl A l b a ch mit 352, Ludwig S ch_ä f e r mit 349, Heinrich S ch ä f e r mit 349, Heinrich Rudolf mit 346, Otto.Le h r mit 345, Ludwig Walter I. mit 341 $ Den Wanderpreis errang der Kegler Heinrich Rudolf bei 50 Kugeln mit 369 Holz. Ihm folgten Ernst Weimer mit 364, Otto Lehr mit 363, Karl Hahn rtiit 363 Holz. Kurze Sportnotizen. Die Olympiasieger Hein und Wollte starteten auf ihrer Nordlandreise in Karlstadt (Schweden). Hein siegte im Hammerwerfen mit 55,72 Meter und Wöllke gero-ann das Kugelstoßen mit 15,48 Meter. Hein kam hier mit 13,88 Meter auf den / /SEIFHtNÜ i|r.22l Sä’; E'in,d n, ti’Be -K K träten: W " postsche zraiMriav Der Arbeitseinsatz im August. Der Arbeitseinsatz im Monat August im Landesarbeitsomtsbezirk Hessen war gekennzeichnet durch die weitere Verschärfung des F a ch - u n d Hilfsarbeitermangels, der sich nunmehr auf die meisten Arbeitsamtsbezirke und auf fast alle Wirtschaftszweige erstreckt. Es war den einzelnen Arbeitsämtern nicht mehr möglich, die Anforderungen der Wirtschaft auf Zuweisung von Arbeitskräften auch nur annähernd zu erfüllen, da ihnen Reserven für die Vermittlung nicht mehr zur Der- ügung stehen. Die Getreideernte konnte nur lurch umfangreichen Einsatz f re i w i l l i g e r H e l - e r aus den Reihen der Angehörige der Partei und ihrer Gliederungen, Beamten und Angestellten von Behörden, Polizei usw., sowie durch Hinzuziehung von Arbeitsdienst und Wehrmacht gesichert werden. Das Baugewerbe ist durch den Arbeitermangel besonders stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Metallgewerbe verschärft sich der Ärbeitermangel gleichfalls immer mehr. Es gibt fast keinen Wirtschaftszweig, in dem dieser Mangel sich nicht hemmend auf die Produktion auswirkt. Die Heranziehung von Volksgenossen, die zur Zeit noch eine selbständige Tätigkeit ausüben oder von verheirateten Frauen kann den herrschenden Mangel nur mildern, aber nicht beseitigen. Bei einer Reihe von Arbeitsämtern ist nur noch ein verschwindend kleiner Rest von Arbeitslosen, die zudem nicht voll einsatzfähig sind, vorhanden. Insgesamt wurden von den Arbeitsämtern im Landesarbeitsamtsbezirk am 31. August 1938 nur noch rund 11 900 Arbeitslose geMlt, das sind rund 2400 weniger als zu Beginn des Monats. Von den 7000 männlichen Arbeitslosen waren 1100, yon den 4900 weiblichen nur 230 einsatz- und ausgleichsfähig; dabei handelt es sich jedoch meistens um Kräfte, die gerade am Stichtag ihre Stelle wechselten oder um ältere Kräfte, bei denen sich der Aus- Frankfurt a. M., 19. September. Auch zum Wochenanfang bewahrte die Börse ihre freundliche und zuversichtliche Haltung. Angesichts des nur kleinen Auftragseinganges war die Umfatztätigkeit aber weiterhin nicht sehr bedeutend, zumal der Berufshandel etwas Zurückhaltung zeigte und hier und da kleine Gewinnlosungen vornahm. Daher war auch die Kursentwicklung am Aktienmarkt nicht ganz einheitlich, es überwogen jedoch weiter leichte Besserungen. Im Durchschnitt hielten sich die Abweichungen bei 0,50 bis 1,50 v. H. Nach den ersten Notierungen war die Haltung weiterhin leicht schwankend. Von den führenden Werten setzten JG- Farben mit 149,40 (149.65) und Verein. Stahl mit 99 (99,75) ein, dagegen AEG. weiter fest mit 113,50 (112,50). Hoesch auf Abschlußerwartungen noch etwas höher mit 107,75 (107,25), Rheinstahl, Mannesmann behauptet, Buderus 0,40 v. H. ermäßigt, Ilse Genuß minus 1 v. H. Don Maschinenwerten Demag fest mit 142 (140,50), ebenso nach Pause BMW. mit 144 (142,50), Moenus, Daimler und Adlerwerke nur knapp gehalten. Elektroaktien lagen zumeist behauptet, RWE. nach Pause 3;40 v. H. höher mit 121,40. Sonst sind noch Bank für Brauindustrie mit 122 (119), Westdeutsche Kaufhof mit 94,25 (93,13) zu erwähnen. Der.N e n t e n m a r 11 lag im ganzen weiter still und kursmäßig wenig verändert. Etwas erholt Reichsaltbesitz auf 128,40 (128), dagegen Reichsbahn-VA. 123,75 (124). Im Freiverkehr Kommu- nal-Umfchuldung unv. 94,10, 4 v. H. Rentenbank- Ablösung 91,65 (91,50), aber späte Schuldbuchforderungen 98,40 (98,50). Industrie-Obligationen lagen nicht ganz einheitlich, vorwiegend aber 0,25 bis 0,50 v. H. niedriger, 5 v. H. Mansfeld minus 0,75 v. H. auf 99,75. Stadtanleihen, Kommunal- nMrtiniL Obligationen uni Goldpfandbriefe kamen unverändert, Liquidationspfandbriefe etwas unregelmäßig zur Notiz. Staatsrenten lagen geschäftslos Im weiteren Verlaufe ging oas Geschäft erhcb- licb zurück Die Kurse bröckelten vielfach um 0,25 bis 0 75 v. H. ab, während weitere Besserungen kaum' Vorlagen. Braubank jedoch 122,50 nach 122. Anderseits JG.-Farden 148,50 nach 149,40, RWE. 121 nadi 12140 Mannesmann 105,50 nach 106,25, Saimte? 129,50 nach 130, ®oeW 108 H. lOW. na« 107,75 und Reichsbank 181 bis 180,50 nad) 180,50 Von später notierten Werten zogen Salzdetsurth Kali 2 v H an auf 142 und Feldmuhle Papier kach Pause 3 - H. auf 131,50, anderseits AG, für Verkehr 117,50 (118,50). . Der Markt der un notierten Werte lag still bei unveränderten Bewertungen. Tagesgeld unverändert 2,50 v. H. Abendbörse:« Tendenz fest. Frankfurt a. M., 19. Sept. An der Abend- börfe hat sich die Zuversicht auf eine baldige Klärung der schwebenden außenpolitischen Verhältnisse verstärkt. Die Haltung am 2l ktienmar kt war fest. Es erfolgten neben einigen Kaufen, der Kuno- schäft auch Anschaffungen der Kulisse und die Umsätze waren 'in manchen Werten lebhaft, msbejon- dere größer als im Mittagsverkehr. Von den Haupt- papieren erhöhten sich JG.-Farben auf 148,75 bis 149 25 (148,50) und Verein. Stahl erreichten mit plus 0 75 v. H. wieder einmal den $ariftuno. zln den übrigen Marktgebieten betrugen die Befserun- aen durchschnittlich 0,25 bis 0,50 v. Sy, Dcutfdje Linoleum gewannen 1 v. Sy auf 151, wahrend Licht & Kraft mit 133,50 (134) und Westdeutsche Kaufhof mit 94 (94,25) nur knapp behauptet lagen, die Berliner Schlußkurse, wie überhaupt allgemein, jedoch überschritten. Am E i n h e i t s m a r k t befestigten sich Neue Wayß & Freytag mit 146 und Frankfurter Maschinen Pokorny mit 153 um je 1 v.H. und Schriftgießerei Stempel mit 94,50 um 0,50 v. H. Der R e n t e n m a r f t lag ruhig. Reichs- altbesitz gingen mit unv. 128,40 und 6proz. IG- Farben mit 122,13 (122,25) aus dem Verkehr, ebenso im Freiverkehr Kommunal-Umschuldung mit 94,13 (94,10). Reichsbahn-VA. wurden zu unv. 124 flGfrQ9L Frankfurter Getreidebörse. Mmiebe gemelbet Nllinge, be Mrenjebej JttPa.(5re il! Innung W «islärkl. Latsch. "Mgeweh Frankfurt a. M., 19. Sept Die Lage am Brotgetreidemarkt 'st wenig verändert. Die Mühlen sind reichlich versorgt und nehmen. wenn überhaupt, nur kleinste Mengen herein. Die Umsätze in Braugerste sind besser geworden. Im ganzen bleibt das Geschäft aber schwierig, da dis Interessenten besonders große Ansprüche an Die Beschaffenheit stellen. Futtergerste ist jetzt reichlicher angeboten, ebenso S) a f er, für den Dualität zum größten Teil nur gering ist. Das Mehl- geschäft hielt sich im bisherigen Rahmen. In Futtermitteln ist die Versorgungslage verhältnismäßig günstig. In ölhaltiaen Artikeln wurde die erste Zuteilung abgewickelt Mühlennachprodukte werden etwas reichlicher zugeteilt. Biertreber und Malz keime waren reichlich angeboten. Weniger gefragt werden auch zuckerhaltige Futtermittel. _ „ Es notierten (Getreide ie Tonne, alles übrige je 100 kg- in RM.): Weizen W9 198, W 11 200, W 12 201 W 13 202, W 16 205, W 18 207, W 19 209, W 20 211; Roggen R 11 183, R 12 184, R 14 186, R 15 187, R 16'189, R 17 190, R 18 191, R 19 193 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Pre,s- gebiete. Futtergerste —, Futterhafer —. W e lzen - chehl Tnve 812 W 1328,85. W 16 28.85, W 18 28.85, W 19 28,85 W 20 (Kreis Alzey) 28,85, W 20 (Kreis Worms) 29,20; Roqgenmebl, Type 997, R 12 22 45, R15 22,80, R16 22.95, R 18 23.30, R 19 23,50 plus 0,50 RM. Fracht-Ausgleich. Weizen- futtermehl 13,60. Weizenkleie M13 10,75, W 16 10,90, W 18 11. W 19 11.10, W 20 11 20; Roggenkleie R 12 9.95, R 15 10.15, R 16 10,25, R 18 10.40, R 19 10,50 Mühlenfestpreise ab Müblenstation. Treber getr. —. Wiesenheu, handelsüblich, gesund, trocken mit Besatz (bis etwa ein Drittel) an minderwertigen Gräsern, 5, Wiesenheu, gut, gesund, trocken, mit unerheblichem Besatz (etwa ein Zehntel) an minderwertigen Grälern, 5,80 bis 6, Erzeugerpreis ab Erzeugers Verlade- ftation. Weizenstroh, bindiadengepreßt und ge- bündelt, 2,80, Roggen st roh. dasselbe, 2,90 bis 3, Hafer- und Gerstenstroh, dasselbe, 2,40 bis 2.50, Kleeheu , gut, gesund trocken, 7 bis 7,50, ab Erzeuger-Verladestation. - Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 20. Sept. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 464 Kälber, 236 Hämmel, 133 Schafe. 2039 Schweine. Es kosteten: Kälber 35 bis 65 Mark, Hämmel 35 bis 50, Schafe 22 bis 42, Schweine 52 bis 59 Mk. — Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt; Hämmel und Schafe mittelmäßig.________________ Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Ubr, 16 bis 17 Uhr. Somstagnach- mittna aelchlosien VOM 17. SEPTEMBER BIS 3. OKTOBER 1938 tlärung uni) Propaganda die Weite Werbeschau des Dtutfdjtn ITlöbtls. Die beteiligten firmen, die damit Zum Besuch ihrer Geschäftsräume laden ein die an der Werbeschau beteiligten Gießener Möbelgeschäfte: Karl Dahn löberftraße 17 / öoethestraße 6 Die Neichskammer der bildenden Künste veranstaltet im Ruftrage des Keichsministeriums für valt-sauf- wieder eine deutsche Wohnkultur schaffen helfen, sind an der ihnen verliehenen Älaffungsurkunde kennt- lich. verlangen 5ie beim unverbindlichen Besuch den kostenlosen Bildprospekt „Das gute Wohnmöbel". Mövelhauz Kühl Marktstraße 29-30 und vahnhofstraße 2-4 ernst Kau vrandplatz Rudolf Sommeriad vahnhofstraße 65 Heini Detter rotefenftraßc 6 5943P y Ll* 5 c $etäu iK: 'S iL,n9eni Wen \