Nr. HO Erstes Blatt Samstag, 18./Soitntag,i9. Juni 1938 188. Jahrgang LrlcheMi tftg (td), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familrenblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 'Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1 80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gtetzen Postscheckkonto: Kranlfuri am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drucft und Verlag: vrühlsche Univerfttatsdruckerei R. Lange in Gießen. Schriftlettvng und Geschäftsstelle: Schulstraße 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen oon 22 mm «Breite 7 Rpf.. für Text- anzeigen oon70mm Breite 50 Npf.,Platzvorschrift nach oorh. Bereinbg. 25°/e mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen--, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzet- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B „Wir wollen nicht mehr der Packesel Europas sein." Rur die Liquidation der Folgen von Versailles wird der Friedlosigkeit ein Ende machen. politische Schulden. Reichswirtschaftsminister Funk hat ein Fest der Bremer Kaufmannschaft zum Anlaß genommen, um den deutschen Standpunkt zu einem Thema zu umreißen, das im Ausland bereits zu lebhaften Debatten geführt hat: die ausländischen Staatsschulden der ehemaligen Republik Oesterreich. Er hat eingehend dargelegt, weshalb Deutschland es ablehnen muß, als Rechtsnachfolger der Republik Oesterreich angesprochen zu werden und damit auch die oon dieser übernommenen finanziellen Verpflichtungen als seine eigenen anzuerkennen. Gegen eine solche Anerkenntnis sprechen schwerwiegende völkerrechtliche, wirtschaftspolitische und moralische Gründe, die sich unschwer aus der Entstehungsgeschichte der österreichischen Auslandsverschuldung herleiten lassen. Gegen den Willen des österreichischen Volkes, dessen provisorische Regierung nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie bereits am 12. November 1918 die Bildung der Republik „Deutsch- Oesterreich" und ihren Anschluß an das Deutsche Reich beschlossen hatte und diesen Entschluß im Jahre 1919 durch überwältigende Abstimmungen in allen deutschen Kronländern eindeutig bekräftigt hatte, haben die „Friedensmacher" des Weltkrieges im Diktat von St. Germain vom 10. September 1919 dem österreichischen Volk die staatliche Selbständigkeit aufgezwungen und ihm den Anschluß an das Deutsche Reich verboten. Lediglich um die von ihnen gegen den Willen des Volkes, gegen die Stimme seines Blutes und gegen jede wirtschaftliche Vernunft dekretierte „Unabhängigkeit" der Republik Oesterreich zu sichern und die Lebensfähigkeit eines Staatsgebildes zu beweisen, dem tatsächlich alle Grundlagen für eine eigene politische und wirtschaftliche Existenz fehlten, bemühten sich bie Siegerstaaten als Schöpfer dieses Staatswesens, das dem einzigen Zweck zu dienen hatte, das österreichische Volk an der Vereinigung mit dem Deutschen Reich zu hindern, ihr Geschöpf mit Hilfe von Anleihen über Wasser zu halten und späterhin dort ein Regime zu stützen, das gegen den immer wieder elementar zum Ausdruck kommenden Volkswillen die „Unabhängigkeit" der Republik auf ihre Fahne geschrieben hätte. Der rein politische Charakter dieser Oesterreich gewährten Anleihen liegt also klar auf der Hand, er wird durch nichts eindeutiger bewiesen als durch die Tatsache, daß allen früheren österreichischen Regierungen, die auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Reich Wert legten und daher in Genf und Prag, Paris und London als Anschlußfreunde verdächtig waren, die größten Schwierigkeiten gemacht wurden, wenn sie den ausländischen Geldmarkt für ihre Anleihewünsche in Anspruch nehmen wollten. Die Genfer Liga hat dem österreichischen Staat ihre finanzielle Hilfe nicht gewährt, um seiner Regierung die Erfüllung ihrer staatlichen Aufgaben zu erleichtern, sondern um die unter den Auspizien von Gens geschaffene Fehlkonstruktion von St. Germain zu vertuschen und das unglückliche Land, dem alle Adern, die es mit dem pulsierenden Leben der deutschen Wirtschaft verbanden, abgebunden waren, in der Schuldknechtschaft der Genfer Entente zu halten. Schlagend wurde dieser rein politische Zweck gegen jeden Versuch einer Bildung des Groß- deutschen Reiches bewiesen, als im Jahre 1931 der Haager Gerichtshof die einige Monate zuvor von dem damaligen österreichischen Bundeskanzler Schober und dem deutschen Reichsaußenminister Dr. Curtius vereinbarte deutsch-österreichische Zollunion auf Betreiben der Gläubigermächte als unvereinbar mit den Verpflichtungen Oesterreichs als Schuldner der Genfer Liga bezeichnete und ihre Aufhebung erzwang. Bei den zur Debatte stehenden drei österreichischen Ausländsanleihen, deren politischer Charakter eindeutig feststeht, handelt es sich einmal um die 1930 begebene 7prozentige internationale Anleihe, die in der Hauptsache von den Vereinigten Staaten und England aewährt wurde und an der mit kleineren Beträgen "auch Holland, Italien, Schweden und die Schweiz beteiligt waren. Sie war gesichert durch Verpfändung von österreichischen Zöllen und Einkünften aus dem Tabakmonopol. 1936 befanden sich von ihr noch rund 324 Millionen Schillinge im Umlauf. Die nächste Anleihe wurde 1933 gewährt zu einem Zinssatz von 3 bis 6,5 v. H. An ihr waren England, Belgien, Frankreich und die Schweiz beteiligt, deren Regierungen für die einzelnen in den betreffenden Ländern aufgelegten Abschnitte die Garantie übernahmen. 1936 waren von ihr noch 245 Millionen Schillinge im Umlauf. Die dritte ist die „Garantierte Konversionsanleihe oon 1934", die aus der Konversion der Völkerb^ndsanleihe oon 1923 entstand und deren Kapital- und Zinsgarantie England, Frankreich und die Tschechoslowakei zu je 24,5 o.H., Italien zu 20,5 v. H., Belgien und Schweden zu je 2 o. H., Dänemark und Holland zu je 1 v. H. für alle Abschnitte übernommen haben. Von ihr liefen 1936 noch 567 Millionen Schillinge um. Eine Tagung dieser Garantiestaaten in Rom hat nun Deutschland aufgefordert, die Rechtsnachfolge des Schuldners dieser drei österreichischen Bundesanleihen ausdrücklich anzuerkennen. Die Reichsregierung hat dies abgelehnt. Abgesehen von dem oben dargelegten eindeutig politischen Charakter dieser Anleihen, die einzig und allein dazu gedient haben, ein dem Reich ausgesprochen feindlich eingestelltes Regime in Wien an der Macht zu halten, wodurch Deutschland nun in die moralisch unerträgliche Lage versetzt werden würde, die mit Hilfe der Anleihe von Dollfuß und Schuschnigg gegen den Nationalsozialismus in Oesterreich und gegen das Reich inszenierten Kampfmaßnahmen nachträglich zu bezahlen, besteht auch keine völkerrechtliche Verpflichtung LU dieser Anerkenntnis. Es gibt gerade in Oer Ge- Dr. Goebbels aufdemGmatteitagOstyreußen Königsberg, 17. Juni. (DNB.) Zum zehnjährigen Bestehen des Gaues Ostpreußen fand eine Kundgebung in der Schlageter-Halle statt, bei der Reichsminister Dr. Goebbels sprach. Auf diesen Gautagen, so betonte Dr. Goebbels, wird die Spracht des Volkes gesprochen, die in der Politik keine geheimnisvollen Rätsel zuläßt. Wir schildern die Dinge so, wie sie sind. Im Auslande sei die Meinung, daß gerade eben diese offene und deutliche Sprache ein beunruhigendes Ele- m e n t sei und dauernd neuen Zündstoff in die internationale Diskussion trage. Es gibt aber in der Tat Probleme in Europa, über die man nur in Empörung ausbrechen kann, und ich bin der Meinung, daß es gerade die Probleme sind, a n denen Europa krankt: und es ist besser, hier rechtzeitig laut die Stimme zu erheben, als zu schweigen und die Krise hereinbrechen zu lassen. (Stürmische Zustimmung.) Wenn eine ganze Welt ihrem eigenen Verhängnis gegenüber taub ist, was bleibt da anders übrig, als sie wachzurufen! Diese Probleme sind da, sie können nicht mit Redereien aus der Welt geschasst werden, und sie betreffen uns, wir sind die Leidtragenden. Richt wir sind in Europa die Erpresser, wie kürzlich eine pariser Zeitung schrieb. Wir haben nur versucht, die Erpressungen des Versailler Vertrages von unserem Volk abzuwenden. Nichts andere haben wir getan, und dazu bekennen wir uns auch! (Stürmische Zustimmung.) Wir glauben damit nicht nur eine deutsche, sondern auch eine europäische Aufgabe erfüllt zu haben. Stürmischer Beifall brandet zu Dr. Goebbels auf, als er sich dem s u d e t e n d e u t f ch e n Problem zuwandte und erklärte, es gehe nicht an, daß ein 75-Millionen-Dolk auf die Dauer provoziert werde. Der Minister warnte gewisse Kreise des Auslandes davor, die Geduld des deutschen Volkes, das in den letzten Wochen erneut feine Friedensliebe unter Beweis gestellt habe, weiterhin zu mißbrauchen und Prag geradezu aufzuwie- g e l n anstatt es zur Ordnung zu rufen. Zu dem aktuellen Problem der österreichischen Anleihen erklärte Reichsminister Dr. Goebbels: Wir haben keine Schuld an den Anleihen, die Oesterreich ausgenommen hat. Oesterreich hatte auch keine Ausländsanleihen nötig gehabt, wenn 1918/19 feinem Wunsche entsprochen worden wäre, sich Deutschland anzuschließen! Wir wollen nicht mehr der Packesel Europas sein und Lasten tragen, die anderen zu schwer sind. Dieser falschen Vorstellung von einem schwachen und ohnmächtigen Deutschland haben wir durch die nationalsozialistische Revolution ein Ende bereitet! An 5ie Stelle des ohnmächtigen und getretenen Reiches hat die RS.-Bewegung ein stolzes und mächtiges Deutschland gesetzt, ein Deutschland, das kraftvoll und stark vor der Welt seine Lebensforderungen anmeldet. „Wir müssen die schichte der großen Gläubigerländer, die heute diese Anerkenntnis fordern, genug Präzedenzfälle, die Reichswirtschaftsminister Funk ^wirkungsvoll her- ausgestellt hat. Die Vereinigten Staaten haben zum Beispiel nach dem Sezessionskriege von 1861 bis 1865 die Rechtsnachfolge für die in der Hauptsache in England aufgenommenen Anleihen der im Kriege unterlegenen Südstaaten mit der Begründung abgelehnt, daß diese Anleihen zu dem ausgesprochenen Zweck der Finanzierung des Kampfes gegen den Norden gewährt worden seien und daß man ihnen nicht zumuten könne, diesen Kampf nachträglich 3)1 bezahlen. Ebensowenig hat sich England herbeigelassen, nach dem Burenfrieg oon 1899 bis 1902 die Kriegsanleihen der Südafrikanischen Republik Transvaal und des Oranje-Freistaates als britische Staatsschulden anzuerkennen. Sogar das Versailler Diktat liefert bemerkenswertes Material, das gegen die Forderung der Garantiemächte d^r österreichischen Bundesanleihen ins Feld geführt werden kann. Es handelt sich um den Anteil der zu Polen geschlagenen ehemals preußischen Ostprovinzen an bestimmten Staatsschulden Preußens, für die Polen nicht haftbar gemacht wurde, weil die Schulden angeblich einst zur Unterstützung der deutschen Ostmarkenpolitik aufgenommen worden seien. Schließlich mag noch die Weigerung der Mandatsregierung von Südwestafrika, die deutschen Ansprüche aus den Schutzgebietsanleihen anzuerkennen als ein weiterer Beweis dafür angeführt werden, daß die uns angesonnene Rechtsnachfolge der österreichischen Auslandsschulden völkerrechtlicher Praxis widerspricht. Zudem bestreitet die Reichsregierung energisch die Nachfolgerin der durch einen revolutionären Akt des österreichischen Volkes hinweggefegten Regierung Schuschnigg zu sein, die die ihr gewordene ausländische Hilfe keineswegs zum wirtschaftlichen Aufbau des Landes verwandt, fon» Liquidation der fürchterlichen Folgen von Versailles von der Welt fordern. Dann wird die Friedlosigkeit in Europa endlich ihr Ende finden." Dr. Goebbels sprach bann von dem großen Glück, das die Partei für uns bedeutet, jene Partei, in der wir in Deutschlands dunkelster Zeit das eigentliche Deutschland versammelt fanden und die wir heute, im Glück und im Aufstieg, in (Erinnerung an vergangene Zeiten um so heißer lieben. Der Minister zeigte die starken Quellen der deutschen Kraft: „Partei und Wehrmacht sind die beiden Pfeiler der Nation. Nichts kann uns glück- Bayreuth. 17. Juni. (DRV.) Am Freitagmorgen kreuzte um 8.53 Ahr ein tschechischer Kampfdoppeldecker, der von Rordosten aus der Richtung Neuern kam, bei Lambach im Vöhmerwald die deutsche Grenze und erschien um 9 Ahr über dem Grenzslädtchen L a m, das' etwa sieben Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Das Flugzeug ging auf etwa 80 Meter herunter und kreuzte einige Minuten über dem Bahnhof von Lam, der die Endstation der Eisenbahn- strecke Eham—Lam bildet. Der vornsihende Beobachter beugte sich weit nach rechts aus dem Flugzeug heraus und photographierte den Bahnhof. Das Flugzeug flog dann im Tale des Weißen Regen einige hundert Meter nach Westen entlang, offenbar, um die nach Lam führende Straße zu beobachten und zu photographieren. Es zog dann eine rechte Schleife und wandte sich dann nach Süden in Richtung auf den Großen Arber. Rach einer erneuten Schleife überflog das Flugzeug Anach und Hohenwarth und wandte sich dann nach Südosken in Richtung auf Eisenstein, wo es um 9.23 Ahr wiederum d i e deutsche Grenze kreuzte. Es handelt sich um eine offenbar gewollte und bewußte Grenzverletzung, vermutlich, um die technischen Einrichtungen des von den Tschechen für militärisch wichtig gehaltenen Grenzbahnhofes von Lam festzustellen und ebenso die zur Grenze führende Straße einzufehen. Das Flugzeug befand sich dreißig Minuten über deutschem Gebiet. * Die Tschechen scheinen die ernste Warnung nicht verstanden ober womöglich gar nicht auf sich bezogen zu haben, die der Stellvertreter des Führers erst vor wenigen Wochen nicht zuletzt auch an bie Prager Adresse richtete, als er davon sprach, daß Deutschlands Friedensliebe nicht für Schwäche gehalten werden dürfe. Während in Prag die Regierung mit den Vertretern der Sudetendeutschen in ständigen Verhandlungen steht, die als erstes Ziel eine Normalisierung der Verhältnisse im sudetendeutschen Grenzgebiet bezwecken, glaubt die tschechische Heeresleitung ihre Reihe dreister Provokationen fortsetzen zu können, ohne daß an der deutsch-tschechischen Grenze irgendwelche Aenderung der Lage eingetreten wäre, die ein so unerhörtes Verhalten rechtfertigen könnten, wie es das erdern ausschließlich zur Sicherung ihres oolksfrem- ben Regimes benutzt hat, weshalb das Reich auch keine mit Hilfe der Auslanbsanleihen etwa geschaffenen wirtschaftlichen Werte übernommen hat, wie bie Gläubigermächte zur Begründung ihres Standpunkts behaupten, sondern ein ausgepowertes, am Rande der wirtschaftlichen Katastrophe stehendes Land. Reichswirtschaftsminister Funk hat jedoch auch daraus hmgewiesen, daß das Deutsche Reich bei voller Wahrung seiner grundsätzlichen Auffassung, aus der es die- Anerkennung der Rechtsnachfolge als Schuldner der österreichischen Bundesanleihen ablehnen muß, im Hinblick darauf, daß, wie oben schon bargelegt, eine Reihe von Mächten bestimmte Garantieverpflichtungen übernommen haben, durch- aus bereit ift, über einen Ausgleich der beiderseitigen Interessen mit sich reden ZU lassen. Aber er hat auch erklärt, daß Verhandlungen, die zu diesem Zweck bereits mit einer englischen Kommission unter Führung des bekannten Finanzsachverständigen des britischen Schatzamts Sir Frederic Leith Roß begonnen worden sind, nur empfindlich gestört werden durch Drohungen mit einem Zwangsclearing, wie es z. B. die Vereinigten britischen Handelskammern in einer Eingabe an den Schatzkanzler gefordert haben, wobei sie selbstverständlich den lebhaften Beifall einer gewissen Auslandspresse gefunden haben, der jedes Thema recht ist, das ihr zur Agitation gegen das nationalsozialistische Deutschland geeignet erscheint. Das Clearing-Verfahren würde bedeuten die Einführung eines Verrechnungssystems, bei dem die reinen Außenhandelsumsätze beider Länder ausgeglichen werden, so daß nur die verbleibenden „Spitzen" für die Zahlung in ausländischen Zahlungsmitteln übrigbleiben. Ein Zwangsclearing käme einer Beschlagnahme deutscher Guthaben für die Zwecke des licher machen als die Gewißheit, daß heute die Soldaten der Waffe und die Soldaten der Politik Hand in Hand marschieren für unser neues Deutschland. Wir schützen Volk und Staat im Innern, und sie schützen Volk und Staat nach außen. (Stürmische Zustimmung.) Und über beiden em Mann, ein Führer, der die stärkste Repräsentation der nationalen Hoffnung unseres Volkes ist. Er ist das Symbol unseres deutschen Lebens, er ist unsere Zukunft! Es ist ein beglückendes Gefühl für uns, an der schweren, auf ihm lastenden Verantwortung mittragen zu dürfen." neute UeberfHegen der deutschen Grenze nach den mehrfachen energischen Protesten der Reichsregierung darstellt. Erschwerend fällt dabei ins Gewicht, daß sich die tschechischen Militärflieger in aller Unverfrorenheit reichlich Zeit nahmen, die ihnen militärisch bemerkenswert dünkenden Geländeabschnitts auf deutschem Reichsgebiet zu photographieren. Das ist natürlich glatte Spionage, und man darf sich wohl fragen, was man in Paris und London dazu sagen würde, wenn deutsche Militärflieger sich auch nur annähernd ähnliches erlauben würden. Es ist nun an der Zeit, daß sich die verantwortlichen Stellen in Prag,- aber auch die französische und britische Regierung darüber klar werden, daß auch Deutschlands Geduld einmal ein Ende haben wird. Prager Polizist belästigt sudetendeutschen Abgeordneten. Prag, 17. Juni. (Europapreß.) Im Prager Stadtzentrum versuchte ein Verkehrspolizist, dem Abgeordneten der Sudetendeutschen Partei Woll- ner, der sich in Begleitung anderer Abgeordneter der Partei befand, das Parteiabzeichen vom Rockaufschlag zu reißen. Auf die Worte des Abgeordneten Wollner: ,Hände weg!" forderte der Polizist ihn auf, mitzukommen. Während der Auseinandersetzung mit dem Abgeordneten vergaß der Verkehrspolizist völlig seinen Dienst, so daß es zu einer Verkehrs st ockung kam. Zumal der Vorfall auch eine größere Menschenmenge angelockt hatte. Nachdem sich der Abgeordnete Wollner a u s g e ro i e f e n und der Vorsitzende des Parlamentarischen Klubs der Sudetendeutschen Partei in die Auseinandersetzung eingegriffen hatte, gab sich der tschechische Polizist zufrieden. Der Abgeordnete Kundt erstattete sofort auf der Polizei- direktion Anzeige. Deutsches Turnfest in Egerland abgesagt. Prag, 17. Juni. (Europapreß.) Das T u r n f e st des deutschen Turnverbandes in Fal- k e n a u an der Eger wurde von den Veranstaltern wegen einschneidender behördlicherBeschrän- k u n g e n abgesagt. Die Staatspolizei hatte das Programm durch Verbot des Werbemarsches, des Festzuges, des Werbesingens und anderer Teile der Festfolge so gekürzt, daß der Zweck des Turnfestes, die innere Geschlossenheit der Turnbewegung zu dokumentieren und für den deutschen Turnverband zu werben, vereitelt wurde. Anleihedienstes gleich. Gerade die Gläubigerstaaten ha. ben mit diesen Methoden trübe Erfahrungen gemacht, da sie den gegenseitigen Warenaustausch hemmen, aus oem allein die für den Schuldendienst notwendigen Summen verdient werden können. Daß ein Clearing- Verfahren dem Warenaustausch nur hinderlich ist, hat die Vergangenheit zur Genüge bewiesen. Der Reichswirtschaftsminister hat an Hand eindrucksvoller Zahlen davor gewarnt, die Bedeutung des Weltmarktes für die nationalen Wirtschaften zu überschätzen, aber er hat guch auf Grund der außerordentlichen Erfolge der nationalsozialistischen Wirtschaftsführunq mit vollem Recht die Bedeutung Deutschlands als Partner im internationalen Güteraustausch her- vorheben können. Die in sich gefestigte und im unerhörten Aufschwung auf allen Gebieten befind- uche deutsche Nationalwirtschaft bietet dem Ausland öas sich von einer neuen weltwirtschaftlichen Kri is bedroht sieht, ungeahnte Möglichkeiten, sobald es Je. Auffassung hindurchzuringen vermag, daß die Last der politischen Schulden als die Hauptursache des weltwirtschaftlichen Chaos befeitigt rJlr^en muft' menn die Grundlagen für einen natür- l'ch/v Ausgleich von Rohstoffen und Jndustriepro- dukten zwischen in sich gesunden und krisenfesten nationalen Volkswirtschaften geschaffen werden fol- len Deutschland wird jedenfalls nichts unversucht laßen, sich aus dieser Verstrickung zu lösen, in die das System der politischen Verschuldung die Weltwirtschaft gebracht hat. Dr. Fr. W. Lange. Das Echo in England. London, 17. Juni. (DNB ) Die Rede beS Reichswirtschaftsministers Funk hat bei den Lon- öoner Blättern größte Beachtung gefunden. Die „Times" spricht in ihrem Handelsteil von einer „tateöorifcf)en Weigerung" Deutschlands. Neue tschechische Provokation. Tschechisches Militärflugzeug'spioniert über deutschem Gebiet im Böhmerwold. ( I 5. l l T 5 r V ' d r ü. . f( 9 r r L n n ($ li a d ri- rr h L fc z« n h bi r< c te st' h. b. Q' D in s ix S in M-.: ÖL,,’, . dii je! 3< x Mi tO I sel de feij ■ an ßi \ tei - Ml Fr all faf gn . ad da fai Gu roi ein lief fpc bei -. ha. Zu au crs gez gel sich Fr stei Un obe, dm " schr net । • abl Vo Lü. tsch oer Tei Be, • gen dre Kn! Ins . lin bäd We- bun Kn von En; mal We enti tior Gegen scheinheilige Kritiker. Oer Jürsterzbischof von Salzburg weist Anwürfe der französischen presse zurück. die österreichischen Schulden anzuerkennen, sagt aber gleichzeitig, Reichswirtschaftsrmnister Funk habe zum Ausdruck gebracht, daß Verhandlungen mit den Garantiemächten zu einer befriediaenden Verständigung der beiderseitigen Interessen führen könnten. Vielleicht sei es am besten, die Rede als einen Versuch anzusehen, „politische Grundsätze" und kommerzielle Praxis auf einen Nenner zu bringen. Inoffizielle Berichte in London hielten die Aussichten auf ein etwaiges Kompromiß jedenfalls immer noch für möglich. — Der „Daily Telegraph" meint u. a., Funks Erklärungen deuteten darauf hin, daß Deutschland wohl die legale Verantwortung für die österreichischen Schulden ablehne, trotzdem aber bereit sei, auf anderem Wege entgegen* Zukommen. Dieser Hinweis des Ministers werde englischerseits sicher auf Widerhall stoßen; denn niemand in England wünsche, ein Zwangsclearing einzuführen, so lange es sich noch vermeiden lasse. Wählend viele Londoner Blätter im allgemeinen eine Erörterung des auch für England heiklen Problems der „politischen Schulden", das vom Reichswirtschastsminifter in den Vordergrund gestellt wurde, peinlichst vermeiden, gibt der „Daily Expreß" die Tatsache politischer Anleihen an Oesterreich zu. Wenn Minister Funk gesagt habe, daß Oesterreich aus politischen Gründen Anleihen gegeben wurden, um es aufzufüttern und als unabhängigen Staat aufrechtzueichalten, so sei das größtenteils wahr. Wien, 17. Juni. (DNB.) Der Fürsterzbischof von Salzburg, Dr. Sigismund W a i tz, schreibt in der Zeitschrift „Schönere Zukunft": Es sei doch auffällig, daß man sich gerade in solchen Ländern am meisten Sorge macht über die Lage der katholischen Kirche in Oesterreich, wo man allen Grund hätte, sich zunächst Sorge zu machen über die Lage der Kirche im eigenen Staat. Von der großen Reihe kirchenfeindlicher Gesetze Frankreichs zu Beginn dieses Jahrhunderts sei nur ein geringer Teil rückgängig gemacht worden. In den scharfen Kritiken an der kirchlichen Obrigkeit in Oesterreich, die aus Frankreich kommen, sei offensichtlich das religiöse und politische Motiv nicht immer genau getrennt. Wenn aber schon von Verantwortung vor dem christlichen Gewissen gesprochen werde, dann erhebe sich die Frage: TB o waren diese Stimmen, als an Deutschland und Oesterreich dasungeheure Unrecht von St. Germain und 23er- sailtes geschah? Darum meldete sich diese Stimme nicht, als GJemenceau davon sprach, daß es 20 Millionen Deutsche zuviel gebe? Daher sei denn der auher- ordenlliche Geburtenrückgang inOefter- reich gekommen, als daher, daß dem deutschen Volk im Lande Oesterreich im Friedensvertrag alle wirtschaftlichen Lebensadern durchgeschnitten worden feien. Sei es auch nicht verwunderlich, so fragt der Fürsterzbischof weiter, daß katholische Presseorgane zu heftigen Anklagen gegen die österreichischen Bischöfe sich erheben, während in den gleichen Organen Warnungen vor dem Bündnis mit Sowjetrußland fehlen? Wäre es nicht angezeigt, wenn sich die Kritiker der österreichischen Bischöfe mit gleicher Schärfe gegen die Sympathien französischer Kreise für Sowjetspanien wendeten, zumal dort, wie aus autorativen Zeugnissen hervorgeht, eine Verfolgung von Religion und Kirche herrsche, die an Grausamkeit den ärgften Christenoerfolgungen nicht nachstehe. Fürsterzbischof Waitz unterstreicht zum Schluß seiner Ausführungen noch einmal den in der März-Erklärung der Bischöfe eindeuttg verkündeten Grundsatz: „Gebt Gott, was Gottes, und dem Kaiser, was des Kaisers ist." Das Erbe des Grafen Zeppelin. Staatssekretär Milch auf der Festsitzung der Deutschen Akademie der Lustfahrtforschung. Berlin, 17. Juni. (DNB.) Die Deutsche Slka> demie der Luftfahrtforschung, deren Präsident der Reichsminister der Luftfahrt, Generalfeldmarschall Hermann Göring ist, hielt ihre 3. Vollsitzung ab, die dem Gedenken an die 100. Wiederkehr des Geburtstages des Grafen Zeppelin galt. Der Vizepräsident der Akademie, Staatssekretär der Luftfahrt General der Flieger Milch, begrüßte mit besonderer Freude Graf und Gräfin von Brandenstein- Zeppelin. Die Ehrung des Grafen Zeppelin begann er mit dem Gedenken zweier Persönlichkeiten, die zu seinen treuesten Mitarbeitern gehörten: des vor wenigen Tagen verstorbenen bedeutenden Meteorologen Geheimrats Professor Dr. Her gesell und Dr. Dürr, des genialen Konstrukteurs, dem der Staatssekretär zum 60. Geburtstag die Glückwünsche der Akademie aussprach. General Milch bezeichnete dann den Grafen Zeppelin als eine der größten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Wenn auch die einzelnen Merkmale des Zeppelin- Lustschiffes keineswegs alle Erfindungen des Grafen waren, so war jedoch ihre Vereinigung in ihrer Gesamtheit eine völlige Neuschöpfung. Bedeutender bleibt, daß er wie nur wenige es verstand, Kräfte in anderen Menschen zu roetfen, sie mit seiner Begeisterung, seinem Optimismus zu erfüllen und dabei bescheiden von sich zu sagen: „Wie wenig Teil habe ich doch an dieser Arbeit". Am meisten Bewunderung ruft jedoch die Persönlichkeit des, Grasen hervor, seine seelische K r a s t, die allen Katastrophen seiner Schisse, allen persönlichen Anfeindungen, alle Ablehnung seiner Idee durch führende Männer des Staates, der Wissenschaft und Technik zum Trotz sich und seine Idee zum Erfolg führt. Und noch etwas ist es, was uns Deutsche immer wieder des Grafen Zeppelin gedenken läßt: An feiner Idee ist des deutschen Volkes Einheitswille wieder einmal sinnfällig zum Ausdruck gekommen. Wie das deutsche Volk so oft in der Geschichte in schweren Zeiten sich feiner Art und seiner Kraft bewußt wurde, so erwuchs 1908 nach dem Unglück von Echterdingen über alle Landesgrenzen, über alle Klassen und Stände hinaus wiederum das Gefühl für die nationale Größe und Ehre. Die Verwendbarkeit der Luftschiffe i m K r i e g e ist heute, so führte General Milch weiter aus, durch die Entwicklung wirksamer Gegenwaffen nicht mehr gegeben. Sie sind ein reines Instrument des Friedens geworden. Hier aber haben sie ihren Platz gegenüber dem immer mehr sich entwickelnden Flugzeug behauptet. Seit Echterdingen hat das deutsche Volk stets mit besonderer Vorliebe, aber auch mit großem Opferwillen die stolzen Zeppelin-Luftschiffe auf ihren Fahrten verfolgt. Ein neues Echterdingen ist uns nicht erspart geblieben, unser Luftschiff Hindenburg" verbrannte in Amerika. Die Verwendung von Helium als T r a g g a s bedeutet nun eine günstige Lösung, um die Brandgefahr zu vermeiden. „Sie wissen", so erklärte Staatssekretär Milch, „daß zur Zeit dieses Gas nur von den Vereinigten Staaten von Amerika bezogen werden kann; sie wissen aber auch, wie man sich in diesem Lande zu dieser Frage gestellt hat. Wie dem aber auch fei, die vom Führer und vom Generalfeldmarschall Göring der deutschen Luftfahrt gestellten Aufgaben werden mit fanatischer Hingabe in der Weise erfüllt werden, wie es das Interesse von Volk und Staat erfordert, und wie es des Erbes des Grafen Zeppelin würdig ist." Die Hochwasserkatastrophe in China. Wird auch der Iangtsekiang aus den Ufern treten? Schanghai, 18. Juni. (Europapreß.) Die sich immer weiter ausdehnende Hochflut des Gelben Flusses in der Provinz Honan hat nunmehr die Operationen in ganz China vollstän - dig zum Stillstand gebracht. Das japanische Oberkommando in diesem Frontabschnitt muß sich darauf beschränken, nach Möglichkeit die durch das Hochwasser gefährdeten Truppenteile und Materialbestände aus dem Gebiet herauszuführen. Die Hoffnungen auf eine Wiederherstellung der Deiche sind nunmehr endgültig aufgegeben worden Vor dem Herbst ist mit einem Rückgang des Hochwassers nicht mehr zu rechnen. Bis dahin dürfte sich der Gelbe Fluß ein neues Bett geschaffen und das ganze Gesicht der chinesischen Landschaft verändert haben. Das überflutete Gebiet wird auf nahezu 10 000 Quadratkilometer geschätzt. Tausende von Dörfern sind in den Fluten versunken und über eine Million Menschen sind obdachlos geworden. In einigen Gegenden ernähren sich die Bewohner bereits von Baumrinde. Japanische Flieger werfen Nahrungsmittel ab, sind aber dem unbeschreiblichen Chaos gegenüber machtlos. Zu diesem Chaos tritt noch eine wachsende Seuchengefahr. An der Jangtse-Front haben die japanischen Truppen weitere Fortschritte gemacht und von Lütschau aus Tsienschan erreicht. Aber auch an dieser Front können Deichbrüche ober die Durchstechung der Deiche die japanische Offensive aufhalten. Die Gefahr gilt als um so größer, als die st a r f e n Regenfälle auch im Gebiet des Jangtse anhalten, und dessen Wasserspiegel ständig steigt. In ausländischen Kreisen besteht kein Zweifel mehr daran, daß die Chinesen die Deiche des Gelben Flusses vorsätzlich durchstochen haben und am Jangtse zu der gleichen Verteidigungsmaßnahme greifen werden. Westlich des Hochwassergebietes scheinen sich keine japanischen Truppen zu befinden, denn nach chinesischen Meldungen ist der Eisenbahnverkehr zwischen Tschengtschau und Hankau wieder ausgenommen worden. Diese Bahnlinie war Ende voriger Woche von fliegenden japanischen Kolonnen aus weite Streifen aufgerissen worden. Durch die Wiederherstellung der Bahnlinie ist die chinesische Heeresleitung instandgesetzt wo-den, die bei Tschengtschau stehenden Truppen nach Hankau zurückzuziehen und bei der Verteidigung der Stadt gegen die Japaner einzusetzen. Japan gegen Einmischung drillerBächte Tokio, 17. Juni. (Europapreß.) Der japanische Außenminister, General U g a f i, erklärte Pressevertretern, Japan würde alles begrüßen, was den Frieden näherbringen könne. Japan bedauere es daher, daß gewisse Mächte der chinesischen Zentralregierung und dem Marschall Tschiang- kaischek nach wie vor ihre Unterstützung gewährten und dadurch zu einer Verlängerung der Feindseligkeiten beitrügen. Ein Vermittlungsschritt dritter Mächte sei „gegenwärttg nicht wünschenswert". Japans Haltung gegenüber einem solchen Schritt würde immer davon abhängen, aus welchen Gründen er entspringe. Der Neunmächte-Vertrag sei nach japanischer Auffassung veraltet und für eine Revision reif. Japan begrüße die Stärkung des Anti» kominternpaktes, die jedoch nicht bedeute, daß Japan sich einer faschistischen Regierungsform nähere, denn eine solche entspräche nicht seiner Der- fassung. Die Reibungen mit England in der chinesischen Frage würden sehr bald überwunden werden. Die Wiederher st ellung der alten Beziehungen zwischen Japan und England sei eine seiner Hauptaufgaben, er werde alles daransetzen, um diese Beziehungen noch enger zu gestalten, als sie gewesen seien. Japan habe keine territorialen Absichten in China und werde China den Chinesen lassen. ♦ Der Kaiser von Japan hat „als Zeichen der wachsenden deutsch-japanischen Freundschaft" dem Führer einen Tisch aus Goldlack zum Geschenk gemacht. Oie Kreistage der NSDAP. Ein Geleitwort des Gauleiters. 72 SG. Für die Kreistage, die in den nächsten Wochen im Gau Hessen-Nassau stattfinden Und sich zu einem Höhepunkt im politischen Leben des Gaues gestalten, veröffentlicht Gauleiter Sprenger nachstehendes Geleitwort: „3n allen Kreisstädten wird die Bevölkerung des Gaues Hessen-Nassau in den kommenden Wochen zum Appell antreten. Sie wird damit unter den Fahnen des Nationalsozialismus einen eindrucksvollen Beweis für die Macht und die Einheit der durch Adolf Killer geschaffenen deutschen Volksgemeinschaft erbringen. Jeder Kreisappell ist somit ein Zeug- UisderKraftundderStärkedernatio- Ualsozialiftischen Bewegung des Kreises. Der Stolz eines jeden Volksgenossen mutz daher sein, sich für dieses Zeugnis einzusehen, um es zum Vesten innerhalb unseres Gaues werden zu lassen. Sprenger." Zum Geburtstage König Gustafs V. Eine deutsch-schwedische Feierstunde in Berlin. Berlin, 17. Juni. (DNB.) Aus Anlaß des 80. Geburtstages König Gustafs V. von Schweden veranstaltete die nordische Verbindungs- stelle gemeinsam mit der Nordischen Gesellschaft der Deutsch-Schwedischen Vereinigung im festlich geschmückten Reichstagssitzungssaal bei Kroll eine Feierstunde. Neben den Gesandten der drei skandinavischen Staaten und dem finnischen Gesandten sah man von deutscher Seite Reichsminister S e l d t e , Staatssekretär Reichssportführer von Tschammer und Ost en, sowie zahlreiche andere Vertreter des Staates, der Partei und der Wehrmacht. Auch die schwedische Kolonie war stark vertreten. Reichssportführer von Tschammer und Osten hielt als Leiter des Reichskontors Berlin der Nordischen Gesellschaft die Begrüßungsansprache. Das schwedische Volk, so betonte er, zählte iju den ersten Sportnationen der Erde und dürfe sich glücklich schätzen, daß an seiner Spitze ein Mann stehe, der in allen seinen fiebensäufeerungen im besten Sinne des Wortes sportlich einfach, fair und menschlich handele. Das Hoch auf den König, die schwedische Königshymne und die Nationalhymne leiteten zur Ansprache des Präsidenten der Nordischen Verbindungsstelle, Dr. Draeger, über. Die persönlichen Eigenschaften des Königs, vor allem feine Schlichtheit, hätten >hn den Weg finden lassen, um die Brücke zwischen Königsamt und der modernen, gerade zu Anfang seiner Regierungszeit auskommenden demokratischen Bewegung zu schlagen. Der königlich schwedische Gesandte, Exzellenz Richert, gab einen Rückblick über die lange Regierungszeit König Gustafs, in der sich die Einstellung des schwedischen Volkes zu den nationalen Werten völlig gewandelt hat. Heute herrsche keine Zersplitterung mehr, sondern das ganze Volk habe sich einig und bejahend Zur Behauptung seiner nationalen Werte zusammengefunden. Exzellenz Richert brachte mit seinen Landsleuten ein vierfaches Hurra auf Deutschland und sein Staatsoberhaupt aus. ©er nationalspanische Heeresbericht. Salamanca, 18. Juni. (DNB. Funkspruch.) An • - Castellon-Front versuchten die Bolschewisten einige Gegenangriffe, die jedoch mit schweren Verlusten abgewiesen wurden. Im wirksamen Gegenstoß besetzten die nattonalspanischen Truppen die Ausgangsstellungen des Gegners bei .Castillo pe Villamafets. Im Abschnitt Alorca fielen jbnen die Höhe Perdriza und Gallotos in die Hände. Sie gleiche Angriffskolonne überquerte d e n Mijares und beherrscht die Gabelung der nach Onde führenden Straßen. Auch im Küstenabschnitt mürben die Bolschewisten bei Angriffsoersuchen verlustreich abgewiesen. Eiy nationalspanischer Gegenangriff warf den Gegner bei Almazora über den Mi- zares-Fluß. Im weiteren Rückzugsgefecht wurde er überflügelt und verlor über 1000 Gefangene. Eine weitere Kolonne vereinigte sich im Perdrizas-Gebirge mit den flankierenden Abteilungen der nationalen Truppen An der Andalufien-Front konn- m Abschnitt Cordoba bei Penarroya nationale ^orstöße ebenfalls beträchtlichen Geländegewinn er* Sielen. Die Tiefe des Einbruches beträgt etwa 25 Kilometer, fo daß Penarroya jetzt schon völlig aus dem Bereich der bolschewistischen Artillerie gerückt Unruhen in Dritisch-Guayana. London, 17. Juni. (Europapreß.) Nach Wieder- Herstellung der Ruhe auf den westindischen Inseln sind nunmehr in Britisch-Guayana, der englischen Festlandskolonie in Südamerika, Unruhen ausgebrochen. Zentrum der Unruhen ist Port Mourant, wo ftreifenbe Neger Telephondrähte und Hochspannungsleitungen durchschnitten haben. Aus mehreren großen Zuckerplantagen kam es zu Zusammenstößen zwischen Streikenden und ihren Aufsehern. Polizeiliche Verstärkungen sind in das Unruhegebiet abgegangen. Bleiben die britischen Truppen in Aegypten? Kairo, 18. Juni. (Europapreß.) Der in dem englisch-ägyptischen Vertrag vorgesehene A b - transport der englischen Truppen in die Suez» Kanalzone stößt auf Schwierigkeiten, aus der Notwendigkeit, für die englischen Truppen in der Kanalzone Kasernen zu errichten. Die Kosten hierfür, die nach dem Vertrag Aegypten Zur Last fallen, waren auf 5 Millionen Pfund (etwa 65 Millionen RM.) veranschlagt worden, werden nunmehr aber auf 12,5 Millionen Pfund geschätzt, eine für Aegypten nicht tragbare Summe. Unter diesen Umständen steht Aegypten vor der Notwendigkeit, die englischen Truppen d a Z U belassen, wo sie im Augenblick sind. Um die Truppen wenigstens aus der Hauptstadt herauszubekommen, wird nun von ägyptischer Seite der Vorschlag gemacht, in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt Kasernen für die englische Garnison Kairos zu errichten. Diese Anlage würde noch immer zwei Millionen Pfund (rund 25 Millionen Reichsmark) kosten. Man nimmt an, daß England diesem Vorschlag zustimmen wird. Mächiespiel in und um Syrien. Durch die Presse geht die Meldung, daß Frank» reich mit der Türkei eine Vereinbarung getroffen fyabe, wonach die Türkei den Sandschak Alexan» brette und bie Oelfelder von Dschesireh erhalten soll, während Frankreich sein Mandatsgebiet an bie Küste des Mittelmeers ausbehnt, Syrien mit Da- maskus aber als souverän erklärt wirb. Es ist fonberbar, daß über ein Mandatsgebiet in derartiger Abmachung zweier Mächte verfügt wird. Frankreich ist Inhaber des Mandates über Syrien und über die autonomen Gebiete in diesem Teile der Mittelmeerküste, aber doch nur als Beauftragter der Genfer Entente. Diese hatte zur Klärung der volklichen Zusammensetzung des Sandschaks Alexandrette eine Volksabstimmung angeordnet und dazu eine besondere Kommission entsandt. Noch bevor aber die Abstimmung durchgeführt mar, erfolgte die „Lösung" der Frage durch eine Vereinbarung zwischen Paris und Ankara. Die Genfer Liga ist nicht gefragt worden, sie wird aber wohl oder übel ihren Segen dazu geben, denn bie neue Blamage ist für sie schon groß genug. Darüber hinaus ist aber ein Präzedenzfall geschaffen worben, ber die Be- hanblung der Mandatsfragen erheblich ändern kann. Man braucht nur an bie deutsche Kolonialfrage zu denken. Sie würbe von den Besitzenden bisher bamit abgetan, daß eine Aenderung der Manbctte ber Zustimmung aller beteiligten Mächte ober ber Liga selber bedürfe. Davon ist in Syrien bisher keine Rede gewesen. Frankreichs Interesse an Syrien ist nicht neu. Seit 1860 bezeichnet es sich als Protektor der christlichen Kirchen dieses Landes, bas bis 1918 zur Türkei gehörte. Im Weltkrieg brang die groß- arabische Jbee auch in diese Gegenden, als Oberst Lawrence die Losung ausgab, Damaskus zu erobern. Das Land wurde aber in Versailles den Franzosen zugeteilt und erhielt französische Besatzung. Nachdem Frankreich das „Mandat" von Genf erhalten hatte, bildete es zunächst den „unabhängigen Staat Syrien". Es folgten bald Aufstände gegen die fremde Herrschaft, die nacheinander von den Generalen Gouraud, Weygand und ©ar- raU blutig niedergeschlagen wurden. Zuerst erhoben sich die freiheitsliebenden Drusen, bann entflammte in ganz Syrien ber Aufstand. 1924 ließ Sarrcnl die Hauptstadt Damaskus mit Artillerie beschießen, wobei mindesten 1200 Menschen getötet wurden. Der General mußte dann abtreten, und der Senator de Jouvenel versuchte die Befriedung mit diplomatischen Mitteln. Nachdem die Drusen imHauran- gebirge niedergeworfen waren, gründete er verschiedene „autonome" Staaten, um die Stämme von einander abzusondern und durch Teilung bes- ; ser beherrschen zu können. Der nördliche Teil Syriens ist nicht allein von den syrischen Aradern bewohnt, sondern auch von Türken, Kurden, Drusen, Juden, Alauiten usw. Neben den Mohammedanern gibt es fanatische Sekten wie die Drusen und altchristliche Kirchen wie die Jakobiten, Nestorianer, Maroniten usw. Es ist nicht ohne weiteres zu sagen, ob diese Stämme und Religionen in der Mehrheit zur syrisch-arabischen oder zur türkischen Seite gezählt werden dürfen. Die Franzosen gründeten also den Staat Syrien (etwa eine Million Einwohner), dazu die „autonomen" Gebiete Libanon, Alauiten und den Drusenstaat. Eine Beruhigung hat aber auch diese Trennung nicht gebracht, 1925 wurde auch der Sandschak Alexandrette als „autonom" erklärt und erhielt Selbstverwaltung. Der Sandschak (türkische Bezeichnung für einen größeren Verwaltungsbezirk) ist auch in wirtschaftlicher Beziehung wichtig durch den Export von Seide, Kokons, Vieh, Leder, Oliven und Seifen sowie durch das Vorkommen von Chrom und Eisenerz in der Nähe ber Hauptstadt Alexandrette. Dieser Küstenort wurde zum Andenken an den Sieg Alexanders des Großen bei Jssos (333 v. Ztr.) gegründet und zählt etwa 20 000 Einwohner. Alexandrette, auch Iskenderun genannt, ist die bedeutendste Hafenstadt im oberen östlichen Mittelmeer und — über türkisches Gebiet! — mit der Bagdad- sowie mit ber Hedschas- bahn verbunden. Die größte Stadt des Sandschak ist jedoch Antiochia mit etwa 30 000 Einwohnern. Sie spielte sowohl historisch als Residenz der Seleuziden als auch in religiöser Hinsicht als Sitz eines Patriarchats eine Rolle und wurde im Jahre 300 v. Ztr. von Seleuzos Nicator zum Andenken an feinen Vater Antiochos gegründet. Als 1936 Syrien „unabhängig" werden sollte, erklärte die Türkei, daß Alexandrette nicht den syrischen Nationalisten ausgeliefert werden dürfe, weil dann die Türken, die dort die größte Zahl ber Einwohner darstellten, dem Terror ausgeliefert sein würden. England empfahl aus irgendeinem Grunde — anscheinend fürchtete es den Einfluß Italiens im östlichen Mittelmeer —, den Türken entgegenzukommen. So kam der Sandschak Alexandrette mit etwa 220 000 Einwohnern unter ein gemischtes französisch-türkisches Regime. Die Türkei forderte eine endgültige Regelung. So entschloß man sich in Genf unter starkem Druck, eine Volksabstimmung einzuleiten. Durch farbige Stimmzettel (rot, weiß, blau, grün usw.) sollten die Bewohner zunächst erklären, zu welcher Nationalität sie gezählt sein wollen; sieben verschiedene Völker kamen in Frage. Die Abstimmung sollte unter dem Schutz französischer Waffen stattfinden. Es kam zu Ausschreitungen und Terror-Akten, und die Türken drohten mit dem Einmarsch, um ihre Anhänger zu schützen. Da zog sich Frankreich zurück und überließ den Türken das Feld. Es heißt, daß jetzt eine Vertretung im Sandschak geschaffen werden soll, die den Türken 22 Stimmen, den anderen Nationen 18 Vertreter sichert. Wie man sieht, ist das Wahlgeschäft damit erheblich „vereinfacht" worden. Die türkische Mehrheit wird sich bann ohne Zweifel für Ankara erklären. / Syrien mit Damaskus wirb bann bie feit 1936 in Aussicht gestellte „Selbstänbigkeit" erhalten. (Damit wird Palästina von arabischen Staaten umschlossen, da es seine lange Ostgrenze bisher schon mit Transjordanien gemeinsam hat und im Süden an Aegypten stößt.) Frankreich faßt die kleineren „autonomen" Staaten am Libanon zusammen und fügt ihnen das Gebiet der Alauiten hinzu, das an die Mittelmeerküste heranreicht. Die französische Po- litik-hat sich darüber hinaus bereits durch Verträge bie wirtschasliche Vorherrschaft in Syrien gesichert. Mit ber Türkei soll ein Militärabkommen für den Orient geschlossen werben. Ein Teilgebiet des traurigen Erbes aus bem Weltkrieg wird also durch Abmachungen der Interessenten untereinander „um- organisiert", obwohl bie Genfer Liga sich als ober- fte Instanz barüber fühlte. Ob aber eine endliche Beruhigung die Folge ist, bleibt mehr als fraglich. Kleine politische Nachrichten. NSG. Der erste Frankfurter Studententag wurde am Freitagvormittag mit einer Totenehrung im Ehrenhof der Universität eröffnet. Vertreter des NS.-Stubentenbunbes, des NS.-Dozentenbundes und der Universität legten vor den Tafeln der gefallenen Dozenten und Studenten der Universitäten Frankfurt und Straßburg zum Gedenken der Toten bet' Bewegung und des Weltkrieges Kränze nieder. Eine Kundgebung in der Aula der Universität, bei der Stellvertretender Gauleiter Linder sprach, eröffnete den „Tag der Wissenschaft". * Der Führer und Reichskanzler hat den bisher kommissarischen Vizepräsidenten des Oberpräsidiums in Kassel, Dr. Beckmann, endgültig zum Vizepräsidenten dieses Oberpräsidiums ernannt. * Der ungarische Justizminister Dr. vonMikecz, der als Gast von Reichsminister Dr. Frank zur 5. Jahrestagung der Akademie für Deutsches Recht in Berlin eintraf, legte am Ehrenmal Unter den Linden einen Kranz nieder, dessen Schleifen die ungarischen Nationalfarben trugen. Der Minister stattete sodann Reichsinnenminister Dr. Frick und Reichsaußenminister vonRibbentrop einen Besuch ab. Der Reichsaußenminister überreichte ihm das ihm vom Führer und Reichskanzler verliehene Großkreuz des Deutschen Adlers. * Am Ende der Schlußveranstaltung des Arbeitsjahres der Deutsch-Italienischen Kulturgesellschaft in Mailand übergab Minister Alfieri dem deutschen Botschafter von Mackensen den ersten Band einer Photographiensammlung „Hitler in Italien" mit der Bitte, diesen dokumentarischen Band dem Führer zu überreichen. Es handelt sich um eine vom Ministerium für Volkserziehung zu- fammengestellte Sammlung von Liebhaberlichtbildern. Jeder Photographie ist ein Ausspruch berühmter Männer (Leonardo da Vinci, Goethe, b'Annun- zio, Mussolini, Hitler u. a.) beigegeben. * ■ Generaladmiral Dr. h. c. R a e d er ist in Linz eingetroffen, wo er den Standort der Donau- f l o t t i l l e und die kürzlich errichteten Unterkünfte auf dem oberen Donaugelände besichtigte. Nachmittags fand die Parade des „Virago" und der anderen Marineboote vor dem Generaladmiral statt. Freitag reifte Dr. h. c. Raeder nach Wien weiter. ♦ Das deutsch - niederländische Reise- v e r k e h r s a b k o m m e n ist für ein weiteres Jahr verlängert worden. Es sieht den Erwerb von Reisekreditbriefen, Reiseschecks, Hotelgutscheinen sowie Gutscheinen für Pauschal- und Gesellschaftsreisen bis zum Höch st betrage von 400Reichs- m a r k durch in Deutschland ansässige Personen für Reisen nach den Niederlanden zu nichtgeschäftlichen Zwecken vor. * In Venedig traf der jugoslawische Ministerpräsident Dr. Stojadinowitsch ein. Er wurde vom italienischen Außenminister Grafen Ciano empfangen. Amtlich wird erklärt, Stojadinowitsch habe lediglich eine Vergnügungsreise unternommen; mit Rücksicht auf die freundschaftlichen Beziehungen sei Graf Ciano mit ihm zusammengetroffen, ohne daß der Zusammenkunft besondere politische Bedeutung beizumessen sei. • In der französischen Kammer würbe das Sitzungs- Srotokoll mit 357 Stimmen gegen 241 Stimmen er Linken gebilligt. Kammerpräsident H e r r i o t verließ sofort den Sitzunassaal zum Zeichen, daß die Frühjahrssession der Kammer beendet und das Parlament bis Oktober in d i e Ferien gegangen fei. * Der Schweizer Nationalrat nahm mit 115 aegen 47 Stimmen die Einführung einer Wehrsteuer an. Sie dient zur Tilgung der für die militärische Landesverteidigung aufgewandten bedeutenden Wehrkredite. Die Steuer kann vom Vermögen oder vom Einkommen oder von beiden Der Kölner Doppelmoröprozeß. In dem Kölner Doppelmordprozeß Schönewald wurde die Beweisaufnahme fortgesetzt. Der Neffe des erschossenen Fräuleins Korte wurde als Zeuge- entlassen; es hat sich herausgestellt, daß der junge Mann in jeder Beziehung unschuldig ist. Ein Beamter der Reichspost sagte aus, man müsse prüfen, warum der als vorsichtiger und erfahrener Beamter bekannte Gelbzusteller Körner entgegen der Bestimmung in die Wohnung des Untermieters Schönewald hineingegangen fei. Körner fei ein vorbildlicher Familienväter gewesen. Sein Tod sei ein schwerer Verlust für die Familie. Er habe eine Frau und fünf Kinder im Alter van 8 bis 22 Jahren hinterlassen. Der Bruder des Ermordeten sagte aus, Frau Körner sei völlig zu- sammengebrochen, bis heute krank geblieben und noch immer in ärztlicher Behandlung. Auch die Kinder hätten sehr gelitten. Die Eheleute hätten sich außerordentlich gut verstanden. Dann wird der V a t e r des Angeklagten Schönewald vernommen; er wird vom Vorsitzenden belehrt, daß er die Aussagen verweigern könne, will aber trotzdem aussagen. Er habe dem jungen Paare helfen wollen, wenn es rfötig gewesen fei. Man habe später von ihm monatlich hundert Mark verlangt. Das sei ihm unmöglich gewesen. Der Vater erzählt dann über den Verlauf der U n t e r h a l t s k l a g e, die der Sohn gegen ihn anftrengte. Ob der Sohn aus feiner Schriftstelleret Einkünfte gehabt habe, kann der Vater nicht angeben. Er habe den Sohn aber nicht untergehen lassen, er würde ihm immer geholfen haben. In dem Unterhaltsprozeß fei er zuk Zahlung von 45 Mark im Monat verurteilt worden. Der Vorsitzende fragt den Zeugen Schöwe - wald, wie er es sich denn erklärt habe, daß die jungen Leute plötzlich ein Auto hätten kaufen können. Der Zeuge erwidert, die Schwiegertochter habe ihm gesagt, man habe in Belgien ein Buch abgefetzt; es fei von 5000 Mark die Rede gewesen. Er habe das Buch einmal sehen wollen, aber die Schwiegertochter habe gesagt, das Manuskript sei vernichtet, und das Buch sei hier nicht zu haben. Er habe das auch geglaubt. Später habe er sich überreden lassen, die noch ausstehenden 600 Mark für den Wagen zu bezahlen, weil die beiden einen Wechsel nicht einlösen konnten und er verhindern wollte, daß der Wagen gepfändet wurde. Das Auto sei bann von ber Schwiegertochter für 1150 Mark verkauft worben. Er habe nicht ben Einbruck gehabt, daß die beiden dauernd in Zank und Streit lagen. Raubüberfall in Bethel. In der Hauptkassenverwaltung der Krankenanstalt Bethel bei Bielefeld wurde ein Raubüber- sall verübt. Dort erschien bei dem Kassierer ein Mann, der sich als Beamter ausgab und unter Vorweisung falscher Papiere Einlaß in den Kassenraum forderte. Der Kassierer kam diesem Verlangen erhoben werden. Auch Kriegsgewinne find zu besteuern. ♦ Die Neuwahlen zum irischen Parlament find ohne Zwischenfälle verlausen. Etwa 70 v. H. der Wahlberechtigten hoben abgeftimmt. Die verhältnismäßig geringe Beteiligung hot in politischen Kreisen Enttäuschung hervorgerufen. Das Ergebnis dürfte frühestens Sonntagäbend errechnet fein. Aus aller Well. nach. Hier versetzte der Eindringling, ein gewisser Jvhannesmann aus Bielefeld, dem Kassierer mit einer Eisenftange wuchtige Schläge über den Kopf, fo daß dieser zusammenbrach. Dann verpackte der Täter über 10 000 Mark in Scheinen in feine Aktentasche. Inzwischen erschien ein Polizeibeamter, der den Räuber verhaftete. Der Kassierer ist lebensgefährlich verletzt. Ein Ittörber zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Erfurt verurteilte den 25- jährigen Erwin Marcinkvwfki wegen Mordes zum Tode. Marcinkowfki hatte am Tage vor Himmelfahrt feine ehemalige Zimmerwirtin, eine 60 Jahre alte Frau, auf offener Straße, angeblich aus Rache, mit einem Beil erschlagen. Verbrecherischer Ausbruchsplan des Berliner Raubmörders Götze. Der Sondergerichtsprozeß gegen die Berliner Landftraßenräuver Gebrüder Götze hat eine sensationelle Wendung genommen. Der Vorsitzende teilte mit, daß man ein Kassiber von Walter Götze an seinen Bruder Max gesunden habe. Aus dem Schreiben, das im Gerichtssaal verlesen wird, geht eindeutig hervor, daß Walter Götze unter Anwendung rücksichtsloser Gewalt versuchen wollte, a u f dem Transportzu entkommen. In diesem Kassiber heißt es u. a.: „Ich habe die Absicht, mit fliegenden Fahnen unterzugehen. Ich habe hier vor einiger Zeit zwei Messer geschnappt und habe sie während des Termins bei mir zwischen dem Schuh - futter oder dem eisernen Ring." Der Doppelmörder entwickelt dann seine Ausbruchspläne und schreibt: „Ein bis zwei Stiche, ob die (es sind die Beamten gemeint) zum Teufel gehen oder nicht. Die Hauptsache ist, daß wir Pistolen bekommen. Wenn nicht, dann gehen wir zum Teufel. Plötzensee kommt nicht in Frage. Frechheit fiegt, und dem Mutigen gehört die Welt. Was denkst Du, wenn das klappen würde? Das hat die Welt noch nicht gesehen!" Die Frage des Vorsitzenden an den Raubmörder, ob er sich als Verfasser dieses Kassibers bekenne, wird ohne Zögern bejaht. „Das Gericht entnimmt daraus", erklärt der Vorsitzende mit erhobener Stimme, „daß Sie die Absicht haben, etwas zu unternehmen. Sie sind deshalb gefesselt worden. Ich habe weiter die Anweisung an die Beamten gegeben, sich so zu verhalten, daß nichts passieren kann." Der Vorsitzende wendete sich an die im Saale anwesenden Kriminalbeamten und forderte sie auf, notfalls von der Schußwaffe Gebrauch zu machen, falls die Angeklagten irgend etwas während der Verhandlung unternehmen sollten. Dann wurde in die weitere Vernehmung eingetreten. Merkwürdiger Unfall eines Brautpaares. Ein merkwürdiger Unfall wird aus Neapel berichtet. Die 16jährige Maria di Gen'naro unterhielt sich, wie sie das allabendlich zu tun pflegte, über das Geländer des Balkons ihrer im dritten Stock gelegenen Wohnung gebeugt, mit ihrem Bräutigam, der sich auf dem Balkon des zweiten Stockwerks befand. Dabei lehnte sie sich zu weit vor und stürzte in die Tiefe. Der Bräutigam machte einen verzweifelten Rettungsversuch; es gelang ihm auch, das junge Mädcken im Sturze auszufangen, dabei verlor er aber selbst das Gleichgewicht und fiel über das Geländer. Man fand die beiden jungen Menschen eng umschlungen auf dem Straßen- pflaster; das Mädchen war bereits tot, der junge Mann wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Blutiger Kampf mit mexikanischen Banditen. In Los Dolos im Staate Vera Cruz (Mexiko) wurden 60 Banditen, die die Ortschaft ü b e r f a l - l e n und dabei fünf Personen getötet und dreißig verletzt hatten, zwei Stunden lang von den Frauen und Mädchen des Ortes in Schach gehalten, die dabei drei Banditen erschossen. Durch die Ankunft mexikanischer Bundestruppen wurde die Bande schließlich endgültig in die Flucht geschlagen. Drei Familien mit 56 Kindern und über 100 Enkeln. Die Bestrebungen des Faschismus, der Hebung der Bevölkerungsziffer und der kinderreichen Familie besondere Sorge angedeihen zu lassen, werden vom italienischen Volke mit großem Verständnis ausgenommen. In dem Dörfchen Pianura bei Neapel leben drei Familien, die zusammen 56 Kinder besitzen, nämlich ein Professor Marrone, dem in 14jähriger Ehe 12 Kinder geschenkt wurden, ein Ehepaar Terlizzi, das 22 Kinder hat, und schließlich noch eine Frau Eleonora P a - n e r a mit 22 Kindern. Da ein Teil der Kinder sich bereits verheiratet hat, haben die drei Familien überdies schon mehr als 100 Enkel. Durch einen Wirbelsturm schwer verletzt. Auf einem Felde bei Detzem (Mosel) ereignete sich ein U n f a 11, ber durch einen Wirbelwind hervorgerufen wurde. Eine Landwirtsfamilie war damit beschäftigt, Heu auf einen Wagen zu laden. Auf dem bereits hoch ausgeschichtetzn Wagen stand ein 72jähriger Mann. Plötzlich kam ein Wirbelsturm. Der alte Mann wurde auf die Erde geschleudert, blieb mit mehreren Rippenbrüchen und einer schweren Schulterverletzung liegen und mußte in ein Krankenhaus übergeführt werden. Wetterbericht Während am Samstagvormittag Mittel- und Ostdeutschland noch völlig im Bereich einer kalten Nord- weststörung lagen und unfreundliches Wetter zeigten, wird sich im Südwesten und teilweise auch im Süden des Reiches bereits völlige Aufheiterung durchsetzen, die jetzt weiter ostwärts greifen wird. Doch wird das hierfür maßgebliche Hochdruckgebiet bald wieder feinen Einfluß verlieren. Immerhin wird das Wochenende etwas freundlicheren, wenn auch nicht ganz störungsfreien Wetterablauf bringen. Aussichten für Sonntag: Vielfach heiter und tagsüber warm. Späterhin vom Westen her auskommende Neigung zu gewittrigen Störungen, Winde veränderlich. Aussichten für Montag: Voraussichtlich wieder etwas unbeständiger und kühleres Wetter, aber nicht durchweg unfreundlich. Hauptschristleiter: Dr Friedrich Wilhelm Lange Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr Fr W Lange; für Feuilleton: Dr Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 38: 9163. Druck und Verlag: Brühlsche Unioerfitätsbrucferei R. Lange, K -G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf mehr. Einzelverkauss- preis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Ps. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. 1 X V ■ w. W x- M < • W 8, **» :< vA M f ... > MM B.V- . -ÄM'MM handelt es sich nicht um eine sklavische Nachbildung der Natur, sondern darum, in Anlehnung an die Natur Stoffe zu gewinnen, die von vornherein auf die besonderen Bedürfnisse ihres Verwendungszweckes abgestellt und daher den Naturstoffen in ihren Eigenschaften überlegen sind.“ Das im B. V.-Aral verwandte Benzin wird in modernsten Anlagen unter Ausnutzung aller bisher gemachten Erfahrungen gewonnen. Das neue synthetische Benzin bietet daher inVerbin- düng mit dem vor 14 Jahren genormten Benzol die beste ® 9 Überleg® \,Aral bedeutet für mich zweierlei. Überlegene Qualität und - es ist ein rein deutsches Erzeugnis. Da gibt’s doch keine Wahl!“ (Erich Balg. Photograph. Berlin W 15. Emser Str. 44, 21. 5.38) 9, Künstlicher“ Kraftstoff? Ein Irrtum l B. V.-Aral ist ein Gemisch aus Ben- Beide stammen zol qnd Benzin. Daß man aus deutscher Kohle. Benzol aus der Steinkohle gewinnt, ist nichts Neues. Man bezeichnet also Benzol als „natürlichen“ Kraftstoff. Mancher weiß sogar, daß die besonderen Vorzüge von Benzol „na- türlich angeboren“ sind, zum Bei- spiel, daß die Klopffestigkeit schon WIMDMAMDW durch die Feuerprobe im Koksofen bedingt ist. Wie steht es nun mit der Gewinnung von Benzin aus Kohle? Das ist doch neu — also „künstlich“? Was heißt denn eigentlich „künstlich“? Benzine sind Kohlenwasserstoffe, ganz gleichgültig, ob sie aus dem Erdöl destilliert oder aus der Kohle gewonnen werden! •Auf dem ^Internationalen Chemie-Weltkongreß in Rom wurde sm 20. Mai 1938 über die Synthese u. a. folgendes gesagt: „Bei den Verfahren, die uns Benzin, Kautschuk, Kunstdünger usw. in beliebigen Mengen zu erzielen gestatten, r I I I -I An den Benzol-Verband G. m. b. EL. Bochum. Teilen Sie mir bitte Ort Name...........Beruf................... »rw Gewähr für die überlegene und stets gleichbleibende Qualität von B. V.-Aral. ß, V» • AB AL~ BEN ZJ N * B ENZ OL / BEIDE AUS DEUTSCHEM KO HL El j > i. v l r s d r ü , i< 9 r r %. n n (s li a d r<>' n H L V 8‘. n fr. dl * r, a P te st' ; h. bi Q' 9; . D ! in ix S in* W ÖL . dil ' ' je! Zl . Ml to: 11 sel ' de sei an Lr tei mc Fr oll - f°s gn ad da km Cu roi eui lick fpc bei ' . ha. Zu au ers , gez gel sich Fr stei Uni i oix dm •) sch< ner » . abt 3 Do Lü. tsch oer Tei Be. ... gen dre Kri! Inf ' lin bäd We dun Kri von En; mac We entt tior Gesucht für Ver- 117 1 Gesucht für Ver- . WnUnimn sammlrmgszw. Wir suchen einen rührigen in bester, ruhiger grölerM Jezirks Vertreter Mehr Humus h du rch in [02854 und Tüchtiger 1 02865 Hans f. Gardinen Stores Drogerien. 3861V 421QA » Cambergerstraße 21. 4195V zur Ausbildung mit anschließendem Arbeitseinsatz Gießen, Bahnhofstr. 49, Rn! 3941 Bohnung Wohnung Gemeinden Nenapostolischc SonntagSdienstfürAcrzte Angebote mit 1895 Gießen. Neuen Baue 25. an Stück 1 8-A • gr. Stück 2 8^ e HiedenhaibMv a Gr. 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[02881 Ur. 140 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) t8./l0.Zuni 1938 Unseren 116ern zur Feier des 126jährigen Bestehens. Unsere 116er feiern heute und morgen In festlicher Weise Jubiläum. Das Fest gilt dem 125jährigen Bestehen des heutigen Infanterie-Regiments 116. Viele alte 116er begehen diese Feier gemeinsam mit den Angehörigen der zahlreichen Kriegsformationen und den Kameraden des aktiven Regiments. Mit ihnen feiert aber auch die ganze Bevölkerung der I16er-Garnifon-Stadt Gießen. Es ist die alte Verbundenheit zwischen unseren 116ern und ihrem Standort, die hier wiederum zum Ausdruck kommen wird. Zwar hat Gießen in den letzten Jahren neben seinen 116ern auch nvch andere Teile der Wehrmacht als Garnison erhalten, mit denen sich unsere Stadt ebenfalls eng verbunden weiß und denen die Zuneigung aller Volksgenossen gilt. Jedoch haben die 116er den Vorzug, daß ihrem Regiment in Gießen eine durch lange Jahrzehnte erwachsene Tradition zu eigen ist, die weithin fortwirkende Kraft besitzt. Und daher ist es erklärlich, daß Gießen in besonderem Maße als die Stadt der 116er gilt Freud und Leid in Jahren großer deutscher Ereignisse haben denn auch, soweit die 116er daran beteiligt waren, immer nicht nur tm Regiment, sondern auch in der Bevölkerung von Gießen und darüber hinaus in Oberhessen als dem Hauptrekrutierungsgebiet der 116er starken Widerhall Jahrgänge unserer jungen Männer sichtbarsten Ausdruck finden, damit das Regiment 116 allezeit bereit ist für die hohen Aufgaben, die ihm gestellt werden. Die Jubiläumsfeier der 116er wird zugleich ein Bekenntnis des gemeinsamen soldatischen Willens von alt und jung in Stadt und Land sein. Und sie wird dem Regiment 116 zeigen, daß dem jungen Regiment ebenso wie seinem ruhmreichen Vorgänger, dem einstigen Regiment' 116, alle Liebe und Treue der engeren Heimat gehört. In dieser Verbundenheit und kameradschaftlichen Gesinnung bringt die Garnisonstadt Gießen zugleich mit ganz Oberhessen dem Infanterie-Regiment 116 zur Feier des 125- jährigen Bestehens die herzlichsten Wünsche und Grüße dar. ' B. Unser liebes alles Regiment 116. 3n der Zeit zwischen zwe» Kriegen von 1871-1914. Bon (Generalmajor a. O. Rudolf Mohr,Gießen. Der siegreiche Krieg von 1870/71, der dem Großherzoglich Hessischen 2. Infanterie-Regiment große Opfer und Mühen auferlegt, aber auch Ruhm und Ehren in reichem Maße gebracht hatte, war beendet. Am 26. Juni 1871 war es, begeistert von der Ein- Regiments ein. Der Ab- fchluß einer Militär-Konvention am 13. Juni 1871 zwischen Preußen und dem Großherzogtum Hessen unterstelüe das gesamte hessische Kontingent der preußischen Armee. Abzeichen, Schnitt der Bekleidung, Gradabzeichen der Offiziere, Waffen pp. wurden entsprechend geändert. Das immer noch nur zwei Bataillone starke Regiment erhielt Namen und Nu- mer und hieß fortan: „2. Großherzoglich Hessisches Infanterie - Regiment (Großherzog) Nr. 116". An Stelle der bisherigen Uniform trat ein dunkelblauer Waffenrock mit weißen Knöpfen und rotem Kragen, roten brandenburgischen Aufschlägen mit weißer Platte Uniform aus dem Gründunasjahr des Regiments 1813. Karree zur Abwehr feindlicher Kavallerieattacke. und weißen Achfelklap- M r/. • M 'MW K * MH " .l®tw > I Uniform des Regiment Kaiser Wilhelm 116 (Zeit von 1891 bis 1903). Uniform des Regiment Großherzog (Zeit von 1849 bis 1891). pen mit roter Regiments. Nummer 116. Die Beinkleider wurden jetzt nicht mehr von grauem, sondern von blaugrauem Stoff mit roter Biese angefertigt. Die Mannschaften erhielten einen dunkelgrauen Mantel, die Offiziere einen schwarzen Paletot. Helm und Lederzeug wurden beibehalten. Das so neu uniformierte Regiment, übrigens das einzige in der ganzen Armee, das nur zwei Bataillone hatte, bildete mit dem Leib-Garde-Regiment 115 die 49. Brigade der hessischen 25. Division des XI. Armeekorps. Im Jahre 1872 erfolgte die Bewaffnung mit dem umgeänderten Zündnadelgewehr, dessen Wirkung das Regiment 1866 im Gefecht bei Fronhofen am eigenen Leibe verspürt gefunden. Diese Gemeinschaft hat die Jahre des durch Versailles erzwungenen 100 000-Mann-Heeres überdauert, dank der vortrefflichen Pflege der Tradition des alten Regiments in der damaligen Traditions-Kompanie des Jnf.-Rgts. 15. Mit dem wiedererstandenen Infanterie-Regiment 116 in der vom Führer neugeschaffenen deutschen Wehrmacht ist die alte Verbundenheit noch stärker und tiefer geworden, denn nunmehr hat sie ihren Wurzelboden nicht nur in den Herzen der alten 116er, sondern sie ist auch stark begründet in der wehrfreudigen Gesinnung und in der Liebe unserer Jugend zum Soldatentum. In dieser breiten Verwurzelung des Regiments ist zugleich die beste Gewähr dafür gegeben, daß die Gemeinschaft zwischen den Trägern der 116er-Uniform und den Volksgenossen im Zivilkleid stets eine zum Wohle des Volkes lebendig wirkende Kraft bleiben wird. Diese Kraft wird insbesondere in der Wehr- haftmachung und in der soldatischen Erziehung vieler und diese Anfang Oktober 1887 vom I. und III. Bataillon bezogen, während das II. Bataillon in der Zeughauskaserne verblieb. Der Einzug in die neuen Kasernen war eine wahre Erlösung für die Truppe, die bisher in den zerstreuten, mangelhaften Unterkunftsräumen mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, von denen man sich heute kaum noch einen Begriff machen kann. Damals erschien alles so neu, schön und bequem, wie man es sich besser gar nicht denken konnte. Freilich, wenn man in heutiger Zeit hatte, und 1874 mit dem Gewehr 11/71, einem kleinkalibrigen Einzellader mit Metallpatronen (auch das Zündnadelgewehr hatte noch Papierpatronen). An Stelle des festen Bajonetts trat das zum Aufpflanzen eingerichtete Seitengewehr. Das alles gab Arbeit in Hülle und Fülle, aber sie wurde mit Erfolg geleistet, der klar bei dem im Herbst 1874 bei Friedberg statt findend en Kaiser-Manöver zutage trat. So reihte sich Jahr an Jahr, immer im gleichbleibenden Gang der Ausbildung, Besichtigungen, Manöver, ab und zu unterbrochen durch Paraden vor dem Kaiser von Rußland, Beisetzungsfeierlichkeiten (am 13. Juni 1877 starb Großherzog Ludwig III.) oder Denkmal-Enthüllungen. Es war eben des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr! Das Jahr 1881 brachte neues Leben in das Regiment. Das III. Bataillon wurde als Füsilier- Bataillon aus Abgaben der Regimenter 116, 115, 117 und 118 aufgestellt und zunächst in gemieteten Gebäuden untergebracht. So die 9. Kompanie im alten Hofgerichtsgebäude am Brand, die 10. im alten Kreisamt, die 11. im alten Lazarett am Seltersweg, die 12. in der alten Anatomie am Brand, der Rest in Bürgerquartieren. Mit dem Bau neuer Kasernen für zwei Bataillone am Trieb (heutige Berg-Kaserne) wurde erst 1885 begonnen Uniform aus dem Gründungsjahr des Regiments 1813. Exerziergruppe. wohnerschaft Gießens begrüßt, in seine Garnisonstadt zurückgekehrt. In vier großen Schlachten hatte es mitgekämpft, sieben mehr oder weniger bedeutende Gefechte rühmlich bestanden und die 72- tägige Belagerung von Metz mitgemacht. Sechs Offiziere (darunter ein Bataillons-Kommandeur), 107 Unteroffiziere und Mannschaften lagen in Frankreichs Erde, 14 Offiziere, 298 Mann waren verwundet, der Gesamtverlust belief sich einschließlich der an Krankheit Gestorbenen auf 21 Offiziere und 478 Mann bei einer Regimentsstärke von zwei Bataillonen. Auf die Zeit des Krieges folgten nun lange Friedensjahre mit unermüdlicher, stiller Arbeit im Kleinen und im Großen, die unausgesetzte Ausbildung, die man „des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr" zu nennen pflegt, die stete Vorbereitung zum Kriege und zur jederzeitigen Bereitschaft. Große Veränderungen traten im äußeren Rahmen des Ehrenfriedhof Liancourt 1915. Aufnahmen: 5 Hölzel, 4 Archiv, eine der neuerstandenen Kasernen besichtigt mit ihrem elektrischen Licht, der Zentralheizung, den Duschen und Bädern, der weitläufigen Belegung und vor allem den Wasserklosetts im Hause, da merkt man erst, wie spartanisch unsere Mannschaften damals gelebt haben. Und doch denkt jeder alte Soldat gern an seine Dienstzeit, an seine Kaserne und das kameradschaflliche Leben in seiner Kompanie zurück. Das Jahr 1886 brachte die Einführung des neuen Gewehrs M/71—84, eines Magazingewehrs mit Magazin im Schaft. Der erste Eindruck war ein gewaltiger. Ein solch rasendes Feqer hatte man noch nie gehört. Und doch stellte das Gewehr sich als ein Versager heraus. Das Gewicht änderte sich fortgesetzt bei vollem und leerer werdendem Magazin, ein sicherer Schuß war kaum möglich. Allgemein wurde deshalb in der Armee die Sommer 1890 erfolgende Umbewaffnung mit dem Gewehr M/88, eines ausgezeichneten Mehrladers mit einem Kaliber von 7,9 Millimeter, sehr rasanter Flugbahn und großer Flugweite, begrüßt. Das Jahr 1888 versetzte die Armee und das Regi- ment in tiefe Trauer. Der allgemein hochverehrte und geliebte alte Kaiser Wilhelm I. starb und kurz darauf auch sein Sohn, Kaiser Friedrich HL, nach entsetzlichem Leiden. Und ihnen beiden folgte noch, im gleichen Jahre der 2. Chef unseres Regiments, Prinz Alexander von Hessen, der 46 Jahre die 2. Chesitelle innegehabt und dem Regiment stets aroße Beweise seines Wohlwollens gegeben hatte. Die verwaiste Chefstelle blieb nicht lange unbesetzt. Bereits im Jahre 1891 erhielt das Regiment die Nachricht, daß Kaiser Wilhelm II zum Chef bet Regiments ernannt fei und dieses von jetzt ab den Namen „Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großherzoglich Hessisches) Nr. 116" führe und den Kaiserlichen Namenszug mit Krone darüber auf seinen weißen Achselklappen zu tragen habe. Die La Chavatte 1915. Bahnhof Nachtigall, Flandern 1917. 6t. Quentin 1917. Fouquescourt 1915. 5 Das Regiment 116 im Weltkrieg Don Ernst Hölzel, Major d. ZR. im Znf.-Dgt. 116. den Generals vom 28. August liest, in dem es heißt: „Nach sieben schweren Großkampftagen warf heute Gießener Vrauhaus-Mer Hervorragende Qualität Gondererzeugnis: Gießener Brauhaus-Cdel-Vils • Das Bier des Kenners V l sie dem Stoß aus, indem sie in der größten, planmäßig vorbereiteten und durchgeführten Rückwärts- 3' n D in 8> S dc d,, r ii t r d. r< c te ft’ , h' b. 0' P - bl 9 r r r • n n li a d r>-. tr fi L Als kreisleiker des Kreises Wetlerau heiße ich die aus allen Teilen Deutschlands hierher gekommenen ehemaligen Angehörigen des Infanterie-Regis. 116 und seiner Kriegsformationen auf das herzlichste willkommen. Ich freue mich, daß sich jeder Kamerad noch zu seinem alten Regiment hingezogen fühlt, und daß die Bande der Kameradschaft, die im Frieden und im Kriege auf das Innigste geknüpft wurden, über alle Jahre des Riedergangs hinweg nicht zerrissen worden sind. Diese traditionelle Verbundenheit, Treue und Kameradschaft möge im neuen Groh-Deutschen Reich in diesen Tagen der 125jährigen Gründungsfeier des alten stolzen Regiments 116 wieder einmal zu einem großen inneren Erlebnis für jeden einzelnen werden. In diesen Tagen möge es aber auch jedem klar werden, und darauf kann besonders der stolz fein, der neben seiner soldatischen Pflicht auch immer seine Pflicht als politischer Soldat erfüllt hat, daß wir es einzig und allein dem Führer und seiner Bewegung zu danken haben, wenn Deutschland heute wieder groß und stark und mächtig geworden ist, und wenn unsere stolze Wehrmacht wieder das Deutsche Reich zu schützen vermag. In diesem Sinne herzlich willkommen, Kameraden, mit einem kräftigen Sieg-Heil auf unseren Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht. Backhaus. Kreisleiter. *s- Als Standortältester von Gießen und Divisionskommandeur des im Herbst 1936 neu erstandenen Jnfanterie-Regiments 116 begrüße ich aufs herzlichste alle ehemaligen 116er, die aus Treue und Anhänglichkeit zu ihrem alten Regiment herbeigeeilt sind, um mit ihm den Tag der Wiederkehr seines 125jährigen Bestehens feierlich zu begehen. Wöge das innige Band, das feit sieben Jahrzehnten das Regiment 116 mit dem Standort Gießen und seiner Bevölkerung umschließt, durch diese Wiedersehensfeier aufs neue gefestigt werden, und möge das Jubiläumsfest dazu beitragen, daß die ehrenvolle, mit Blut und Eisen geschriebene Geschichte des Regiments fortlebt bis in alle Zukunft. An den stolzen Erinnerungen, an der hohen Tradition des Regiments sollen sich aber nicht nur die Alten, die unter seiner Fahne gedient und gekämpft haben, aufrichten, sondern aus ihr soll vor ollem die Generation Kraft schöpfen, die im neuen Reich unter neuen Fahnen die Ueberlieferung des alten Heeres zu pflegen berufen ist: „Die junge deutsche Wehrmacht." Wöge so der 125jährige Stiftungstag für uns alle sowohl ein Erinnerungskag, als vor allem auch ein Ansporn sein, im Sinne dieser hehren Ueberlieferung unsere Pflicht bis zum Aeußersten zu erfüllen für Führer. Volk und Vaterland. O h wald. Generalleutnant und Divisionskommandeur. Bo Lü, tsch Der . । Tei Be. ... gen bre Kn Inf - lin bäd We bun Kn von En; mai We entt tior Grüße an das Infanierie-Regiment 116 und seine Kriegsformationen. Dem Auge das Beste! Lassen Sie sich beraten von Optiker JSia&nus dem Optiker Ihres Vertrauens / Seltersweg 33 Kassenliererant. S in* A* Öl bi, v? je! 3- I m to I' fei ' be sei ■ Lu tei Ml Fr all fas gr> . oct ba kai Cr- mi eui lick fpc bei । Hai • Zu au ers get f'ck Fr stet Un obe bur fch<. net > abl in verbesserter Form Allgemeingut geworben, aber mit Stolz nennt sich biß 12. Komp, ben Vater bes Gedankens. Auch Verbesserungen in ber Ausrüstung, wie ein zerlegbarer Spaten, der ein Jahr lang durch bie Jnfanterie-Schießschule erprobt würbe; in der Bekleibung, wie Schnürschuhe und Wickelgamaschen, Einführung einer leichten wollenen Hausjacke, Wegfall bes Tornisters ufib an seiner Stelle ein Aluminium-Traggerüst mit weitem Rucksack usw., wurden unter Oberst v. Lindenau durch die 12. Komp, auf ihre Brauchbarkeit geprüft, heute sind sie zum großen Teil in ber neuen Armee ein- ge führt. Die Nachfolger bes Oberst v. Lindenau, dem heute noch seine Schüler — und das waren wir Offiziere durchweg — das dankbarste Andenken bewahren, die Obersten v. Müller und v. Trotta gen. Treyden, verstanden es, das Regiment auf ber erreichten höhe zu halten. Unter ber Führung des ‘ Letztgenannten fanb vom 7. bis 10. Juni 1913 die Feier des 100jährigen Bestehens bes Regiments in glänzendster Weise statt. Wer diese Tage miterlebt hat, wirb sie nie vergessen. Noch war Frieden, aber ber Krieg schwebte schon in ber Luft, ber 1911 nur mit knapper Not ver- mieben worden war. Leiber, muß map heute sagen, denn er wäre anders ausgegangen, wie ber Weltkrieg, für ben zu Hetzen unb zu rüsten unsere Feinde nun noch drei Jahre Zeit gewannen. Aber die Wogen ber Begeisterung unb Die Treueschwüre, bie in ben Tagen bes 100jährigen Jubiläums von alt unb jung gezeigt und geleistet würben, waren bie Grunblage, auf ber bas Regiment 1914 in den nun wirklich ausgebrochenen unb aufgezwungenen Krieg hinauszog, waren ber Ruf der Treue bis zum Tob. Unb er ift gehalten worben, vier Jahre hindurch vom jüngsten Musketier bis zum Reaiments-Kom- manbeür. Das zeigen die großen Opfer, zu denen auch der letzte Friebens-Kommandeur, Oberst Schirn- melfennig, gehörte. Ehre ihrem Anbenken! We/c deren Aus! A. 116J der nachsc yi" s* Opferung <0 dW Le' wurden. Äser» ilm 2.8 Segimenis- hrn aufgef »«de in den Ne 1914 über Grenze, no ineekorps । marfchkäm^ Lille und Infanterie Polen gen „russischen Rahmen i dann im Ungarn, I aber unt bis zum wechselte sich an i fee beteil ein Felh fähigkeit i Dann gin pfiffe oo Kämpfe l 1 JL/ Kristallglas-Leuchtdiele Mittwoch, Samstag, Sonntag 20 Uhr __________________________________________86080 Mehr Freude an der Natur durch Bermühler-Äücher! StadttheaterGiefeen Mittwoch, den 22. Juni 1938, 20-22.30 Uhr EINMALIGES GASTSPIEL ♦ Agnes Straub mit Berliner Ensemble in der Komödie „Schauspielerin“ von ROLAND SCHACHT Preise RM. 1.—, 1.25, 1.50, 2.—, 3.—, 4.— Kassenstunden werktägl. v. 10-13, am Spieltag auch v. 17-18 Uhr 41280 Bestecke , Stahl waren Waffen Schießpreise Fernspr. 3369 rxeimg Seltersweg 30 Inhaber W. Georg Werkstätte für Schleiferei und Reparaturen 4146A SELTERSWEG 62 ritten ei icöenka C & V Man, Ss ilistl Voi ,»®ö5 Theater '«er sj^ , W Köpfe . hm r°n e sie treffe, f humorvoll hflu5 wurden. W M Ä‘.<> iy.;1 y,»! • bringe" kurzen liefe ’jlaniW’f Ä*l Lüö Md- In# H-'K £ w°'l fifcfie W-Zproß QUi bn Hron des z-iiiez, wo er I1 Ahnen Z° 2enn die her Mb der in Hst Mein ousschlac Mrbefehlshab gleichzeitig den i.-ianbten am Rur Zeit ist e- and) die in bei nannte ,Iwa ).ie Wehrmacht Romen hat si Festung Por :*en den siidli den die Nüsse mischen Kriege der heute stao i;ur eigentliche Mafien biefei disher fast ai das heißt aus Seren und Un; tzt aus dem £ Silbung" begrif Ifemus jetzt au llqinnt und m luchtes Vertrau i Irotzdem ist ‘llrme der m ihr Mands. I schein Gebiete 'kisenbahn sM... ein W . on Setten gehl • scheu und uni Mr der Erde • » Vergwerlk .Hotels, Tchu' 'kiblioiheten, Itaotitn, K •IM: ein P «dem besetzten 'anderen auch «die Gestaltunc ichaftsbildes t Eil ^rvo SÄ b‘S ti5fnb VK w h’ü en h, Lr. HO Drittes Blatt 'kuppe, ungen, mehre, Am gerU. un mit ^Jahr. ievölke. 1 alten i wett, egimeni 0 seine nie Las "Teil beiin -um n bes ■'8 in n der Mn taillon Uhren wehr Qf|en. lJ den m Lex aungen i'mcnts wurde wKigcn ln dem n. an. nerken. bis die ieb her- giments nutz der ße und Kaiser- its uiü eb. An- en auch Lküchen. it (äm^ feetafeln Sport» hließend nandeur steins n Feld- msteins »llshalle. ehen, 53 >alle). mpanie): lenstr 29. 3, Kreuz- Mandschurische Aoüzen. Von unieremH. T -Berichterstatter. (Nachdruck verboten.) H s i n k i n g, im zQunt 1938. ,Japan hat sich in Nord-Chsna die gleichen Dfgaben gestellt, wie in Mandschukuo" — düsen recht allgemein und nichtssagend gehaltenen iZatz kann man alle Augenblicke in der Tagespresse (een, ohne daß sich aber der Zeitgenosse wohl eine klare Vorstellung von dem machen kann, was Japan bisher in der Mandschurei g e l e i st e t hat. Will man also das Geleistete auf einen ganz einfachen Renner bringen und gleichzeitig seine Absichten in Iljina umreißen, dann läßt sich das Problem in fern kurzen Satz zusammenfassen: ,Japan hat in bir Mandschurei Ordnung geschaffen und mitt diese gleiche Ordnung auch in Nordchina ein- sihren". Heute, im Zeichen der Anerkennung der Mandschurei durch Deutschland interessiert dieses Land als solches allein. „Mandschu-Kuo" heißt wörtlich übersetzt „Reich der Mandschus", denn aus der Mandschurei fernen im 17. Jahrhundert die „Mandschus", die bemale das riesige China unterwarfen und es bis zum Jahre 1912 beherrschten. Die zu diesem Zeitpunkt in Petina residierende „Mandschu-Dynastie" wurde im gleichen Jahre von Sun-Pat-Sen und ftnen Anhängern gestürzt und die heute noch bestehende „Chinesische Republik" ausgerufen ... Amtlich heißt „Mandschu-Kuo" heute allerdings ,/Nandschu-Ti-Kuo" oder „Kaiserreich der Man- Lfchus", weil vor einigen Jahren mit japanischer Hilfe Henry Pu-Pi, der letzte kaiserliche Man- vchu-Sproß aus der Peking-Dynastie in Hsinking bm Thron des neuen mandschurischen Kaiserreichs b>stieg, wo er seitdem über die alte Stammheimat seiner Ahnen zwar „regiert", aber nicht „herrscht". Denn die Herrscher des Landes sind die Japaner md der in Hsinking — der Landeshauptstadt — allein ausschlaggebende Mann ist der jeweilige Oberbefehlshaber der Kwantung - Armee", der gleichzeitig den Posten eines „Kaiserlich japanischen Eesandten am mandschurischen Kaiserhof bekleidet, jur Zeit ist es der General d. Inf. U e d a, dem mch die in den letzten Operationen so häufig ge- mnnte ,Ilwantung-Armee" untersteht, die die Wehrmacht der „Mandschurei" verkörpert. Ihren Barnen hat sie nach jenem Gebiet, das mit der Festung Port-Arthur und dem Hafen Dai« r> n den südlichsten Zipfel der Mandschurei bildet, Idin die Russen nach dem verlorenen russisch-japa- rischen Kriege an die Japaner abtreten mußten und d.r heute staatsrechtlich zu Japan — also nicht Jlir eigentlichen Mandschurei gehört. Die Mannschaften dieser Kwantung-Armee rekrutierten sich bisher fast ausschließlich aus Landeseinwohnern, küs heißt aus Chinesen, die von japanischen Offizieren und Unteroffizieren geführt wurden und die jetzt aus dem einfachen Grunde in einer Art „Urn- i bldung" begriffen ist, weil der chinesische Nationa- " lismus jetzt auch in der Mandschurei aufzuflackern 6?ginnt und man dieser Eingeborenen-Armee kein rechtes Vertrauen mehr schenkt. Trotzdem ist auch heute noch diese Kwantung- 8irmee der militärisch - politische Herr der Mandschurei, während auf wirtschaft- lchem Gebiete die Südmandschurische kisenbahn die allein ausschlaggebende Rolle hielt ... ein Riesenkonzern, dem so ziemlich alles tn Werten gehört, was die Mandschurei an beweg- Ichen und unbeweglichen Dingen über, auf und tnter der Erde besitzt: also alle Bahnen, die Häfen, fce Bergwerke, die großen Fabriken, Zeitungen, । Hotels, Schulen, Klubs Museen, Pflanzungen, Bibliotheken, Versucksfarmen, wissenschaftliche Laioratorien, Krankenhäuser usw. oder mit einem i Bort: ein Polyp, der seine Arme jetzt auch nach hm besetzten Nordchina ausstreckt und der unter || mberen auch einen ausschlaggebenden Einfluß auf | l:e Gestaltung des mandschurischen Stadt- und Lanb- 1 shaftsbildes ausgeübt hat. Durch ihre Tarif- und e Trabi- aiserallee kder. Angehö' x Sevber se in der lexanber- gespielt- benb jer Sen- tA Lustiges vom Theater. Von Wilhelm von Scholz Das Theater ist eine Fundgrube für Anekdoten, frnmer sind unter den Schauspielern besonders vitzige Köpfe gewesen, die es verstanden, bekann- , t-n Personen ein lustiges Erlebnis anzudichten, in hm sie treffend charakterisiert waren, oder die kleinen Vorkommnisse des Lebens im Wiedererzäh- hn humorvoll so zu steigern, daß echte Anekdoten daraus wurden. * Ein altes Ehepaar hat im Theater das Spielplanheft vor sich, in dem, wie einige Jahre hindurch Mich, die Theaterzettel der ganzen Woche ver- . ti-nigt waren. Auf der Bühne ist „Faust": im Heft lesen sie den Zettel zur „Gezähmten Widerspensti- cen". Auf einmal sagt der alte Ehemann: „Na, so widerspenstig finde ich sie gar nicht!" > * I! Einen sehr nervösen Darsteller des Marquis 5>ofa hänseln die Kollegen damit, er habe bei der iorigen Aufführung des „Don Carlos" gesagt: .Sire, geben Sie Gewerbefreiheit!" Er solle doch diesmal aufpassen! Nachdem sie „Gedankenfreiheit' inb „Gewerbefreiheit" viele Male um das Ohr des ärgerlich Abwehrenden haben schwirren lassen, dmmt die Szene. Philipp flüstert dem Posa zu: .Gedankenfreiheit!" Und schon ruft Posa, der an- iimmt, daß ihn sein Partner wieder beirren will, «it höchstem Pathos: „Sire, geben Sie (Bewerbe« hifjeit!" Der humorvolle Dramaturg eines Theaters, zu hssen Aufgabenkreis außer dem Stückelesen auch tos Umschalten des Telephons gehörte, bekam we- rig Gehalt. Die Unzufriedenheit über eine so betrübliche Tatsache führte ihn dazu, allerhand Schabernack zu treiben. So nagelte er einmal heim- lch im benachbarten Derwaltungsbüro einen alten Limburger Käse unter die Schreibtischplatte des Kassierers und freute sich täglich mehr, wie man mit Hilfe von Bausachverständigen immer verzweifelter ii der Mauer, im Fußboden, hinter einem alten Nanuskriptenschrank, in dem Stücke seit Jahren wgelesen lagerten, und im Rohrabfluß der Wasserleitung nach der Ursache des üblen Geruches suchte. Aber sein Hauptwirkungsmittel war das Tele- khon. Die Primadonna der Bühne stand in zarten । Beziehungen zum Intendanten. Sobald sie von der Brobe kam, pflegte sie von einem Bühnenapparat cus über die Zentrale, die der Dramaturg zu be- frrgen hatte, das Amt und dann die Nummer des Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) 18./1Y.ZUNN938 Preispolitik hat die Südmandschurische Bahn überhaupt erst die Voraussetzungen für eine blühende Landwirtschaft geschaffen, die wiederum nur unter dem Schutz der Kwantung-Armee — Krieg gegen die Banditen! — gedeihen konnte, so daß das Millionenheer der chinesischen Bauernsiedler unter unvergleichlich besseren Bedingungen als im eigentlichen China lebt. „Hat aber der Bauer Geld, bann hat es auch die ganze Welt" — in diesem Sonderfalle die mandschurischen Städte, die in weniger als einem Menschenalter die Metamorphose vom Barackenlager zur modern st en Groß st adt vollzogen haben. Gerade das phantastisch rasche Anwachsen dieser Großstädte ist das Hauptcharakteristikum der Mandschurei: Hsinking (die Landeshauptstadt),, Charbin, Mukden, Dairen — um nur die allerwichtigsten zu nennen — haben heute d i e Halb-Millionengrenze erreicht oder überschritten und sind Wirtschaftszentren, die — rein äußerlich betrachtet — genau io gut im rheinischen Industriegebiet, im englischen Kohlengebiet oder „irgendwo" in Amerika liegen könnten. Das Hauptkontingent der Bewohner all dieser zahlreichen Großstädte sind die Chinesen, von denen in den letzten 30 Jahren ebensoviele Millionen in die damals fast menschenleere Mandschurei eingewandert sind, während die Japaner mit einer Kopfstärke von vielleicht 500 000 Mann — die Mandschurei ist so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen— in der absoluten Minderheit sind. Sie treten fast ausschließlich als Offiziere, Verwaltungsbeamte, Techniker und Kaufleute in Erscheinung, während das bäuerliche japanische Element —abgesehen von einigen kostspieligen Versuchs-Siedlungen — vollständig ausfällt. Denn der Japaner ist seiner ganzen Natur nach Insulaner, der als Bauer gegen den anspruchslosen chinesischen Landarbeiter nicht aufkommt, der das Klima nicht verträgt und der sich in dieser unwirtlichen Mandschurei ebenso unwohl fühlt, wie der städtische Japaner, der in dieser „Kolonie" in erster Linie rasch und besser verdienen will, wie auf den engen Inseln und der den Aufenthalt in der Mandschurei mehr oder minder als ein Provisorium auffaßt, wie es etwa auch der englische Kaufmann, Offizier und Beamte in Indien tut. Außer den Japanern und Chinesen leben in der Mandschurei noch Mongolen und Koreaner und ein paar Tausend „Fremd e", unter denen hie Russen das stärkste Kontingent stellen. An zweiter Stelle stehen die Juden aus den Randstaaten, die eine starke Vermehrung durch den Zustrom aus Mitteleuropa erhalten haben, bereits sind allen Ernstes jüdische Stimmen laut geworden, die die Mandschurei als neue jüdische Heimat mit Charbin als Jerusalem und dem Sungari als Jordan zu propagieren versuchen. Denn die Mandschurei hat — falls Japan den Krieg gewinnen sollte — eine ganz außerordentliche Zukunft, für deren Gestaltung sich bereits jetzt das jüdisch- amerikanische Kapital lebhaft zu interessieren scheint. Die Zahl der in der Mandschurei lebenden Deutschen beträgt etwa ein halbes Tausend. Die älteste Kolonie besteht in Charbin, bann folgt Mukben und an dritter Stelle Dairen — in allen drei Städten befinden sich deutsche Konsulate, Charbin und Mukden besitzen außerdem, deutsche Schulen, Klubs und andere Einrichtungen und Vereinigungen, die in Fernost das Rückgrat jeder Kolonie bilden. Erklärlicherweise haben heute die Deutschen, die zumeist Kaufleute sind, unter dem Kriege genau so zu leiten wie alle anderen auch. Von der Anerkennung der Mandschurei durch Deutschland versprechen sie sich nicht unerhebliche Vorteile. Das letzte Wort über die Mandschurei wird nicht in Hsinking, sondern auf den Schlachtfeldern Chinas gesprochen werden ... Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil. Briefe von einer Afrika-Reise. Von Or. Paul Rohrbach. ffl.fW'eia. labora, Ende Mai 1938. Hier in Tabora steht die größte und schönste B o m a, die zur deutschen Zeit in Ostafrika gebaut wurde. Ursprünglich bedeutet Borna eine Befestigung, und die von Tabora ist in der Tat e i n m ä ch t i ges Kastell. Später wurde das Wort auf jeden Verwaltungssitz, oft nur ein einfaches Bürogebäude übertragen. In der Borna spielt sich aller behördliche Verkehr zwischen Beamten und Eingeborenen ab, und die deutsche Borna war für den Schwarzen der Inbegriff der mit notwendiger -und heilsamer Strenge gepaarten Gerechtigkeit und Fürsorge. Wer den Neger verstehen will, darf ihn nicht unter- und nicht überschätzen. Es gibt einen Neger- ausdruck, an dem man die innere Natur des Schwarzen förmlich ablesen kann. Für jede komplizierte europäische Erfindung, z. B. Radio ober Flugzeug, bie er nicht begreift, hat er bis zwei Worte: Kasi Uleia, b. h. eine Europasache, über bie man sich nicht den Kopf zu zerbrechen braucht. Der Europäer macht eben solche Sachen, unb bamit gut. Einigermaßen ähnlich stellte sich ja auch ber primitive Russe zur Erfinbungs- unb Organisationsgabe bes Deutschen mit ber Rebensart: Gott hat sich ben Menschen ausgebacht unb ber Deutsche ben Äffen! Bewunbernber Verzicht aufs Begreifen — gemischt mit Mangel an Sympathie. Der Neger im allgemeinen ist roeber unintelligent noch — in bestimmtem Verstönbnis — unfähig zu moralischen Leistungen. Die Porubas in Westafrika, bie Suahelis an ber Ostküste, bie Waganba am Victoria-See (um nur biefe zu nennen), lassen sich in formaler Hinsicht ganz europäisch schulen. So begegnet man z. B. in Lagos unb an ber Golb- küste schwarzen Rechtsanwälten unb Pastoren, bie wunberbar reben, unb in Kampala, ber Hauptstabi von Uganba, werben in einem englisch geleiteten schwarzen College bie künftigen „Minister" seiner Hoheit bes Kabaka ausgebilbet. Dieser Negerfürst darf unter dem Protektorat des Königs von England einige Hunderttausend Untertanen regieren und besteuern. Zur Königskrönung bekam er auch eine Einladung nach London — nur erging an seinen englischen Leibarzt gleichzeitig ein Wink, ihm die Reise aus Gesundheitsrücksichten (schwerer Alkoholismus!) zu widerraten. Gewichtiger als bie formale Schulungsfähigkeit ist, daß ber Neger auch wei.ß, was Treue, heißt. Nie hätte Lettow-Vorbeck sich über vier Jahre gegen bie feinbliche Uebermadjt halten können, wenn ihm seine schwarzen Askaris nicht treu geblieben wären, obwohl sie in jebem Gefecht ihn leicht hätten verlassen können. Als er ihnen keinen Solb mehr zahlen konnte, ließ er Gutscheine auf bie zustänbige Löhnung ausgeben. Nach Kriegs- enbe verlachten die Englänber bie Askaris wegen ihres beutschen Papiers, aber bie Askaris sagten: Der General hat uns bas Gelb versprochen, er wirb uns sein Wort halten, er ist ein Deutscher! Tatsächlich würben nach Ueberroinbung ber Inflation ein Major von ber alten beutschen Schutztruppe unb ein Zahlmeister mit einigen Millionen silberner Rupienstücke nach Ostafrika geschickt unb bie Askaris würben ausbezahlt. Die Englänber gaben bamals ben beiben beutschen Herren einen Oberstleutnant mit, um ben Schein ihrer höheren Autorität zu wahren, aber bie Schwarzen lachten unb sagten: Das ist ja nur ber Boy vom Herrn Major! Einmal währenb bes Krieges saßen einige Askaris am Feuer unb sprachen barüber, welch eine Belohnung ihnen ber General nach bem Siege wohl geben würbe. Da sagte ber eine zu seinen Kame- raben: Er wirb zehn von uns nach Deutschland mitnehmen, und wenn er in seine Hauptstadt einreitet, werden wir hinter ihm marschieren. — Das ist echtes soldatisches Ehrgefühl. Und doch darf man sich selbst durch solche Erfahrungen nicht zu einem falschen Urteil über ben Schwarzen verleiten lassen. Er hängt an der Person, die ihm imponiert, der er vertraut, mit ber ihn bie Disziplin unb bie Erfahrung, gerecht behaubeit zu werben, oerbinbet. Jeber Versuch, ihn für eine Sache, unabhängig von allem Persönlichen, zu begeistern .unb ihn zur Aufopferung für sie zu bringen, wäre aussichtslos. Das läge außer unb über aller Negerpsychologie. Hat es erst einmal ber falsche Mann als weißer Vorgesetzter mit bem Neger zu tun, so ist bas Dssastre Schleussner Film mll Garantieschein gegen Fehlbelichlung sicher, wenn kein rechtzeitiger Wechsel vorgenommen wirb. Dann ist auch bie Disziplin im Augenblick roieber ba. Beide Erfahrungen wurden in Kamerun während des Krieges mit unserer schwarzen Truppe gemacht, die auch so tüchtig und selbstbewußt war, daß bie Leute sagten: eine Kompanie von uns ist gut für ein Regiment Feinbe! Der Neger mag noch so intelligent unb anstellig fein — ihm fehlen brei Dinge: schöpferisches Denken, eigene unangeleitete Initiative unb das Gefühl für felbftänbige Verantwortlichkeit. Er läßt sich zu einem ausgezeichneten Chauffeur ausbilben, aber bazu hörte ich einen alten Afrikaner sagen: er wirb nie begreifen, daß eine Maschine gepflegt fein will. Man mache ben Versuch, bie weiße Oberleitung aus ben Gebieten ber heutigen schwarzen Musterzivilisation zurückzuziehen, unb man wirb in ein ober zwei Generationen basselbe erleben, wie in ben beißen „souveränen" Negerrepubliken Haiti unb Liberia. In Haiti werben hinter einem bünnen katholischen Firnis insgeheim roieber Menschenopfer gebracht, unb in Liberia mußte Dölker- bunbskontrolle eingeführt werben, weil bie Nachkommen ber bort angefiebdten befreiten amerikanischen Sklaven selber Sklavenhanbel trieben. Von einem guten Kenner Westafrikas hörten wir, baß bie schwarzen Aerzte unb Juristen, bie mit ihrem englischen Doktorbiplvm aus Lonbon zurückkommen, ihre afrikanische Seele boch so unoeränbert bebakten haben, baß sie nachts zum Djubju, bem Fetischzauber ihres Stammes, schleichen unb ben ganzen wüsten Hokuspokus mitmachen, als ob sie nie ein Universitätskolleg gehört hätten. Kasi Uleia — bie inneren Zusammenhänge unb bie innere (Brunblage europäischen Denkens finb unb bleiben bem Neger fremb. Es gibt allerhanb Gerebe vom Erwachen ber schwarzen Rasse. Bei allen Fehlern englischer unb sonstiger Eingeborenenpolitik in Afrika ist aber nicht daran zu denken, daß die Herrschaft der Weißen in diesem Erdteil je ernstlich erschüttert werden könnte. Die Schwarzen werden nie lernen, selbst Flugzeugmotore unb Munitionsfabriken zu bauen unb sich bie Kapitalsgrunblagen für europäische Betriebe großen Stils zu schaffen. Ich habe ben Herero- unb Hottentotten-Aufstanb 1904 bis 1906 in Sübwestafrika miterlebt unb war selbst Kriegsfreiwilliger, solange es auf jeben Mann ankam. Hätten wir bamals schon ein paar Flugzeuge gehabt, so hätte ber Aufstanb keine brei Wochen gebauert. Alle europäische Technik, auch bie Kriegstechnik, hat ihre geistigen Grunblagen, unb um sich ihrer zu bemeiftern, dazu ist ber Negergeist nicht fähig. Kasi Uleia! längst zum Mittagessen entschwebten Herrn Direktors zu verlangen. Ohne überhaupt mit bem Amt zu oerbinben, meldete sich nach kurzer Pause der Dramaturg mit verstellter Stimme: „Hier Zentralviehhof!" oder „Wach- und Schließgefellschaft", um zuletzt, wenn er genügend und in der Wut immer gesteigerte „Falsch verbunden!" gehört hatte, mit Fistelstimme zu flöten: „Hier bei Herrn Direktor K.....", gleich aber hinzuzusetzen: im Augenblick sei es völlig unmöglich, daß ber Herr Direktor ans Telephon komme, und weiblich-schämig dazu zu lachen. Häufiger noch als selbst Spottvogel ist der Dramaturg Zielscheibe luftigen Spottes feiner Schauspieler-Kollegen. Ein Dramaturg in Westdeutschland hatte einmal in ber Oper Stallwache: so nennt man es, wenn ein Stellvertreter bes eigentlichen Regisseurs bie verantwortungsvolle Überwachung ber Vorstellung zu besorgen hat. Der Dramaturg, ganz Mann bes Schauspiels und opernfremd, vertrat noch dazu einen ihm befreundeten Opernspielleiter, ber an bem Abenb Dienst gehabt hätte. Schon erfaßt ber Uebermut bie Sänger: Nach bem dritten Akt des „Rienzi", in dem Colonnas Leiche auf die Bühne gebracht worden ist, erscheint im Regiezimmer der Darsteller des Colonna, ber inzwischen in ber (Barberobe ein Kostüm für ein Singspiel ber Biebermeierzeit — ich glaube, es war bas „Heimchen am Herd" — probierte, in hellem Zylinber unb glockigem Gehrock unb erklärte bem in Dramenmanuskripte vertieften Dramaturgen in gereiztem Tone: „Herr Doktor, ich trete heute nicht mehr auf!" Der Dramaturg: „Aber, mein Verehrtester, Sie werben es boch wohl nicht auf sich nehmen wollen, bie Vorstellung zu stören?!" Der Sänger: „Gewiß nicht. Eben beshalb. In bem Kostüm, bas man mir ba gegeben hat, trete ich heute nicht auf!" Der Dramaturg: „Aber Sie müssen, Herr N ...., wenn Ihnen bas Kostüm oonx ber Jntenbanz vorgeschrieben unb gegeben worben ist!" Der Sänger: „Es ist unmöglich, Herr Doktor, baß ich so auftrete. Ich bin außerbem tot!" Der Dramaturg: „Daß Sie bei einer austreu- gen Partie erschöpft finb, begreife ich sehr wohl. Aber bann müssen Sie sich eben zusammennehmen. Die Vorstellung barf keinesfalls gestört werben, ba- für trete ich ein! Kommen Sie sofort mit hinunter, ehe ber vierte Akt beginnt!" Man kann sich bas Hallo ber herumstehenben Sänger in ben prunkvollen (Beroänbern bes im vierzehnten Jahrhunbert spielenden „Rienzi" denken, als ber Dramaturg seinen ernstlichen Willen be- funbete, ben toten Colonna zu zwingen, sogleich im Biebermeierkostüm im „Rienzi" aufzutreten! * Der Besitzer bes einst sehr berühmten unb vornehmen „Hotel be Roma" in Berlin — es lag in ber Charlottenstraße, ber Seitenfront ber jetzigen Staatsbibliothek gegenüber — hatte eine hübsche Tochter, die ben zweiten Bariton ber Hofoper liebte unb ihn gern heiraten wollte, wobei sie nicht ohne weiteres auf bie Zustimmung ihres Vaters rechnen konnte. Als ihr (Beliebter einmal ausnahmsweise den „Don Juan" fingen durfte, bat sie ihren Vater inständig, ins Opernhaus zu gehen, was er schließlich auch tat. Als am nächsten Morgen der Sänger bei bem großen Hotelbesitzer feinen Besuch machte und schüchtern seine Bewerbung stotterte, klopfte ihm ber künftige Schwiegervater wohlwollend auf die Schulter mit den Worten: „Na, ich will Ihnen meine Tochter geben. Sie sind kein Dan Juan!" *' Zu seinem sehr unzuverlässigen Tenor sagt der unter den häufigen Absagen bes Herrn Malfatti feibenbe Direktor bei Beginn der neuen Spielzeit: „Nun, mein Verehrter, haben Sie Ihre Indispositionen für bie kommende Saison schon getroffen?" * Beim Bühnenagenten sitzt ein junger Musiker und weicht, als längst über seine eingereichte Oper alles Wissenswerte besprochen worden ist, nicht von der Stelle. Endlich aber erhebt er sich doch vom Stuhl und sagt zu bem freunblichen, feine Ungeduld gut verbergenden Meister des Vertnebsfaches: „Nun aber werde ich gehen müssen." Da fährt es dem Bühnenagenten heraus: „Warum, lieber junger Freund, haben Sie das nicht schon lange gesagt?" Das Weitesten. „Junge — Junge, so eine Pleite!" Resigniert kommt Smutje, ber Lagerkoch, angewankt. Was ist los? Nichts Gutes ahnenb blickt alles auf bas kummerfaltenburchzogene Gesicht Smutjes. „Die Nubeln — futsch — angebrannt!" ist alles, was aus ihm herauszubringen ist. „Was?" einem Geisterchor gleich, klingt bie vor Entsetzen grabes- tiefe, einstimmige Frage ber Jungen. Hin zur Küche! Beibe Horbenpötte haben am Raub ber Feuerseite einen braunschwarzen Satz. „Aus ist's", bie Meinung sämtlicher Sachverstänbiger kommt zu diesem Schluß. Was nun? Hungern ober im nahen Dorf nochmals einkaufen? Am oorl.tzten Lagertag, । ba die gemeinschaftliche Kasse entfetzliche Löcher auf-1 weist, ein fragroürbiges Beginnen. Was also tun? Heimlich schnallt bas gesamte Lager bereits bie Koppel enger. Rübe, bem Vielfraß ber Lagergemeinschaft, wirb bei bem bloßen Gebauten an bie kommende „Hungersnot" bereits schwach in ber Magengegend. Dagegen ist Heiner Romantiker und quasselt begeistert eine Unmenge von „Wurzelessen — Kalmusabenbbrot wie in Karl May ..." Das mangelnbe Verstönbnis ber anberen stimmt ihn betrübt. Baß erstaunt sehen sich alle an, als, wie immer zur festgesetzten Zeit, bas Signal zum Essenfassen ertönt. War ein Ausweg gefunben ober ein Wunder geschehen? „Alles im Halbkreis hinsetzen!" Der begierig lauschenben Jungenschaft entwickelt Smutje einen mit Begeisterung aufgenommenen Plan. Ein Wettessen sollte steigen unb bas trotz ber an gebrannten Mittagsmahlzeit?! Schweigsame Ernüchterung tritt sofort roieber ein. Wettessen ist gut, prima sogar — womit — woher aber? Will Smutje etwa noch äppeln? Hörbar unb unmutig knurrt bei einem solchen Gebauten mancher uner- grüubliche Pimpsenmageu. Schiefe Blicke treffen Smutje bereits, als er jetzt geheimnisvoll lächelnd zum Kücheuzelt geht. Dann erscheint er, ben Arm voller Brote, gefolgt von „bienftbaren Geistern", lies Kücheu-Orbouuauzeu. Einen Riesenpott käst- _ kicher weißer Milch schleppen sie herbei. Weitesten mit trockenem Brot unb Milch — bas war noch nicht bageweseu! Alles stopft — afles schlingt. Jeber will am meisten futtern! „Noch eine her!" ist bas einzige, was bei biefem Essen gerebet wirb. Was ber Beste schaffte? Es waren nur elf Schnitten! Harald. Hochschulnachrichten. Geh. Baurat Professor Dr.-Jua. h. c. Max G u • termuih, ber em. Drbinarius für Wärmekraftmaschinen, Pumpen, Gebläse unb Kompressoren an der Technischen Hochschule Darmstadt, konnte dieser Tage seinen 8 0. Geburtstag begehen. Von feinen Arbeiten sei bas gemeinsam mit Professor Dr. Watzinger herausgegebene breibän* bige Werk über bie Dampfmaschine hervorgehobeu. Professor Dr. Friebrich Schumann, ber frühere Drbinarius für Philosophie unb Psychologie an ber Universität Frankfurt, beging seinen 7 5. Geburtstag. Professor Schumann hat sich besonbers burch seine Arbeiten auf bem Gebiete ber Wahrnehmungspsychologie unb als Herausaeb'r ber Zeitschrift für Psychologie einen in ber Fachwelt geschätzten Namen gemacht. I ( i 2 V l r 9/ t D/ s>1 i) ö,. r ü , s. , 9 r r ; T n n ($ li a । d rir, ' rr fr' z> n fl n c te ft- h' bi ai D in g dl S in Ai ät„ dii m. to jel de sei an Lu tei * mc au sos gf . ad da fai , Eu toi eui > lief spc bei । Hai Zu nt sie - Dich vot tolle* mit bedeutendes Autorennen durch. Der Mährisch- Schlesische Auto-Club hat den Großen Masarykpreis der Tschechoslowakei, der am 25. September stattfinden sollte, abgesagt. Als Begründung werden die zu hohen Kosten angegeben. Damit ist nach den Großen Preisen von Monako und Ungarn ein weiteres internationales Rennen aus dem Motorsport-Terminkalender verschwunden. ionahn Frankfurt dienfahrl» Der 27jährige Herbert Weinbrenner ___ Langenbach bei Marienberg im Westerwald — ein Angehöriger der Gießener Familie Weinbrenner (Brandgasse) — kam auf einer Fahrt mit dem Motorrad so schwer zu Fall, daß er einen doppelten Wille vorhanden sei, wäre es möglich, daß in absehbarer Zeit alle Gemeinden ein solches Heim besitzen. In Büdingen weihte der Stellvertretende Gauleiter dann eine N S. - H e i m st ä t t e n s i e d - lung auf den Namen „Horst Wessel". Die Schaf* fung von Heimstätten soll mit dazu beitragen, den deutschen Volksgenossen wieder mehr mit dem Boden zu verbinden, sein Heimatgefühl zu stärken und die Großstädte aufzulockern. Was auf diesem Gebiete im Gau Hessen-Nassau geschaffen worden wäre, sei vorbildlich im ganzen Reich. — In Orten- berg wechte hierauf der Stellvertretende Gauleiter ein Schwimmbad, das durch die Gemeinschaftsarbeit des ganzen Ortes entstanden ist. In dreimonatiger Arbeit wurde es fertiggestellt. Jeder Einwohner leistete ein Arbeitswert von zweieinhalb Tagen. Der Stellvertretende Gauleiter erklärte, daß die Einwohner auf dieses Werk stolz sein könnten. In ihm habe sich die Volksgemeinschaft im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert. Die Fahrt wurde mit der Besichtigung des weiblichen Arbeitsdienstlagers Gedern abgeschlossen. Schwerer Derkehrsurifall. wer grolk waren dorthin uni n Rocchelli den Stei»' die groß1" den kleine» >n war au^ i« mit W Lon o» Großer Masarykpreis abgesagt. Die Tschechoslowakei führt in diesem Jahre Breslau, Linzer RV. Ilster (mit neun Meldungen!) und die führenden süddeutschen Vereine. Das Ausland ist, außer den drei Nationalmannschaften, in 16 Rennen durch dänische, holländische, belgische, französische und jugoslawische Ruderer vertreten. Schild führt immer noch! 8. Etappe der Deutschland-Rundfahrt. Der Belgier B o n d u e I gewann am Freitag die 8. Etappe der Deutschland-Radrundfahrt, die von Freiburg nach Stuttgart über 217 Kilometer führte, nach einer Fahrzeit von 6:23:10 Stunden vor den Deutschen Bautz, Umbenhauer und Langhvff. Der Letztgenannte hatte fast 200 Kilometer lang allein in Front gelegen, wurde aber wenige Kilometer vor dem Ziel von den Verfolgern eingeholt. Der Träger des „gelben Trikots", Schild (Chemnitz), befand sich in der zweiten Gruppe und behauptete die Führung in der Gesamtwertung mit rund drei Minuten Vorsprung vor Bonduel. SchmelingS letzte Vorbereitungen. Max Schmeling befindet sich nach wie vor in bester Verfassung für seinen Titelkampf mit Louis. Seine Form ist so gut, daß er am Wochenende zwei Ruhetage einlegen will, um bann am Sonntag und Montag das Training offiziell abzuschließen. Arn Dienstag erfolgt die Abreise nach Neuyork. Kurze Sportnotizen. Rudolf Caracciola (Mercedes-Benz) erzielt beim Training zum Großen Autopreis von Frankreich in JReims immer schnellere Zeiten. Sein neuester Rekord steht auf 2:42,2 Minuten (= 173,7 km/st) für die 7,8 Kilometer lange Rundstrecke. auch Altmeister Tilden, und zwar mit 4:6, 6:0, 6:1. fällt die Strecke in gleichem Maße bis zum Start- und Zielplatz, der nunmehr 250 Meter Schädelbruch erlitt. Der bedauernswerte Mann mußte sofort in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden, wo er jedoch bald nach der Einlieferung den Folgen der schweren Verletzung erlag. Vertagungsgrund: Oer Sachverständige ist Halbjude. Worms, 17. Juni. (Lpd.) In einer Verhandlung vor dem Schöffengericht beantragte der Verteidiger eines Angeklagten, der wegen Fälschung der Dienstaradbezeichnung in Militärpapieren angeklagt war, Ablehnung des herbeigezogenen Sachverständigen Dr. Popp (Frankfurt a. M.), da dessen Mutter Jüdin sei. Das Gericht entschied, daß ein Sachverständiger, der Helfer des Gerichts zur Urteilsfindung sei, nicht H a l b j u d e sein dürfe, und vertagte die Verhandlung. Landkreis Gießen. 55 Watzenborn-Steinberg, 18. Juni. Der älteste männliche Einwohner und Altveteran Johannes Schäfer (Gießener Straße) kann am heutigen Samstag seinen 8 9. Geburts- t a g feiern. Wir gratulieren! LJ Holzheim, 17. Juni. Im Rathaus wurde dieser Tage die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr vorgenommen. Bürgermeister Buß wies auf die hohe Bedeutung einer schlagfertigen Wehr für eine Gemeinde hin. Regierungsrat Dr. Fuhr, Gießen, umriß in kurzer Ansprache die Pflichten der Freiwilligen Feuerwehr und wies besonders auf den Ausbildungsgang der Wehrführer hin. Anschließend verpflichtete er den Wehrführer Karl Laux und dessen Stellvertreter, Wilhelm Müller III., durch Handschlag. Kreisfeuerwehrführer Bouffier ermahnte die Kameraden der jungen Wehr zu treuer Pflichterfüllung. ec E berftabt, 17. Juni. Gestern abenb fand im Saal ber alten Schule die feierliche V e r e i b i • gung bes neuen Bürge rmeifters Pg. Karl Rühl burch Regierungsrat Weber vom Kreisamt Gießen statt. Regierungsrat Weber dankte dem bisherigen Bürgermeister Pg. Gör» lach für feine der Gemeinde geleisteten treuen Dienste, nahm dann die Verpflichtung des neuen Bürgermeisters vor und stellte ihm die Pflichten und Aufgaben im nationalsozialistischen Deutschland vor Augen. Bürgermeister Rühl dankte seinem Amtsvorgänger für seine langjährige treue Arbeit, ferner ber vorgesetzten Behörbe für bas ihm erwiesene Vertrauen und versprach, im Dienste der Gemeinde jederzeit verantwortungsbewußt zu handeln. Don den Burschen des Dorfes wurde bann nach alter Sitte ein Tannenbaum aufgerichtet, ber den Giebel bes Hauses bes neuen Bürgermeisters weit überragte. Der Gesangverein ehrte den neuen Bürgermeister burch ein Ständchen. Im Namen ber Gemeinbe überbrachte Ortsbauernführer G ö r l a ch herzliche Glückwünsche und gab dem Wunsche Ausdruck, daß ber neue Bürgermeister ebenso im Geiste des Führers wirken möge, wie es der seicherige getan habe. * Obbornhofen, 17. Juni. In vier großen Omnibussen unternahmen dieser Tage 135 Mitglieder der Bezugs- und Absatzgenossenschaft eine große Ausflugsfahrt. Man besichtigte zuerst die neue Siedlung Allmenfeld, fuhr bann nach Mannheim weiter und stattete den Lanz- Werken einen Besuch ab. Auf der Rückfahrt weilte man noch im Luftschiffhafen Rhein-Main und besichtigte dort das Luftschiff „Graf Zeppelin". Kreis Friedberg. A Gambach, 17. Juni. Am heutigen Freitag konnten Johannes Löschhorn und Frau Margarethe, geb. Wießner, das Fest ber golbenen Hochzeit feiern. Das Jubelpaar steht im 75. bzw. 76. Lebensjahr und erfreut sich noch guter Gesundheit. Zwei von fünf Söhnen fielen auf dem Felde der Ehre. erij», Bttien ohne V* »ui wiuycu^uiuen uieDiiiui einen vyeynci uus h. ^Westdeutschland, und zwar den Nachwuchs des ------e vLwestmeisters „Eintracht" Frankfurt. Die Gäste n. . B las ßi dein, - : ber I-h°"" und I Ledens -ß Ar --- .Ä* »trügen über eine schlagkräftige Mannschaft, die tut durch Spielerverletzungen um den Titel eines Bar. nmeifters gekommen ist. Die Platzelf kann leite r nicht die stärkste Mannschaft stellen. Der irnmeifter des Bannes 116 wird in der Auf- lftng Schmelz, Größer, Fischer, Weller, Pach, mang, Feller, Velten, Kolwes, Spengler und ^uh der „Eintracht" den Kampf bestreiten, dessen kgang erst mit dem Schlußpfiff entschieden sein rte. Vorher spielt die 2. Jugend gegen die fugend von Klein-Linden. ei 1900er bei den Gauvergleichs- kämpfen in Braunschweig. di« deutsche Leichtathletik steht am morgigen 5orntag im Zeichen der. Gauvergleichskämpfe. Eie ktretunfl unseres heimischen Gaues XII (Hessen) Aß in Braunschweig gegen die Besten der Gaue Jlitte, Nordmark uno Niedersachsen antreten. Die M IS ,Uln eit; 15 < Don 2 “ MgS ,Äntracht" IrankfurtirrGroßen-Linden Ivo sie aus Srrßen-Llnden 1. Jugend — „Eintracht" Frankfurt u entlass» 1. Jugend. Das unter der Schirmherrschaft von Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger stehende Motorradrennen „Rund umSchotte n", das in diesem Jahre am 10. Juli seine 12. Austragung erlebt, wird eine wertvolle und interessante Bereicherung erhalten: zum ersten Male streiten am 10. Juli auch Sportwagen auf dem schwierigen Schottenring, der ja diesmal in umgekehrter Richtung befahren wird, um den Sieg. Ausgeschrieben wurden die beiden Klassen bis 1100 und bis 1500 Kubikzentimeter, für die man 24 der besten deutschen Fahrer einladen wird. Der erfolgreiche Düsseldorfer BMW.-Fahrer Ralph R ö s e hat die Strecke abgefahren und den Kurs auch für Sportwagen als geeignet gefunden. Das Rennen gewinnt diesmal dadurch besonders an Bedeutung, daß ber Kampf in Schotten nach bem Ausfall bes Eifelrennens den Fahrern die letzte Gelegenheit bietet, sich für den Großen Preis auf bem Nürburgring vor - lchlltt. Dttfinbtn, ern 19ü ^llen, it ne in aus k "ngt, als Sieger den Platz zu verlassen, tft frag- ■e M HU ch- Gelingt es ber Platzmannschaft, daß ihre Spie- Kreistag der NSDAP, seinen Anfang. Seinen feierlichen Auftakt erhiell er durch die Weihe von vier HI.-Heimen in Ober - Widdersheim, Altenstadt, Himbach und Merkenfntz. Der Stellvertretende Gauleiter nahm in Ober-Widdersheim auf bem Platz vor dem neuen HJ.-Heim in einer. Feierstunde, zu der sich die Vertreter von Partei und ihrer Gliederungen, Staat, Wehrmacht, Arbeitsdienst und Behörden versammelt hatten, symbolisch die Weihe ber neuerrichteten Heime vor. Er erinnerte an die Zeit vor 1933, in der sich niemand um die Jugend kümmerte. Diese Zeiten seien vorüber. Der Führer habe es mit als sein größtes Ziel gesetzt, ber beutscken Jugenb zu helfen unb sie zu einem starken Geschlecht heranzuziehen. Dafür müßten bie Jungen unb Mäbel Abolf Hitler bankbar sein. Ihren Dank könnten sie nicht besser abstatten, als badurch, baß sie ganze Kerle werben unb später gute Nationalsozialisten. Die Bürgermeister hätten bewiesen, baß auch in ber kleinsten Gemeinbe ein würdiges Heim für die Jugend errichtet werden kann. Er richte daher an alle Gemeinden des Gaues Heffen-Naffau den Appell, dieses Vorbild nachzuahmen. Wenn der n dem Gauauswahlspiel in Kassel teilnehmen, das ü Ermittlung der Gaumannschaft für Breslau in er Hessenkampfbahn ausgetragen wird. Dadurch «JS pirt die Gesamtleistung der Elf stark beeindruckt, en" । i 'lnd es ist fraglich, ob unter diesen Umständen ein (gjJI ttfllg in Elz möglich ist. Sollte jedoch der Spiel- deutidÜ msgting einen entscheidenden Einfluß haben, b. h. lei u 'ic Blau-Weißen burch Gewinn der Punkte aus jJj .iefiin Spiel den Ausstieg erringen, bann findet SluiM iw Wederholung statt. Diese Möglichkeit setzt mtirlid) manches Wenn unb Aber voraus. Wien/ iettbemeri irt tourte, en Platz . Mi t W j 1 deutsche: i britt! Nationen Platz sch nationalen ’s Gesamt' Freß üben nationaler Aschen Farben zu vertreten, sind auch drei 1900er «rufen worden, nämlich Arthur Kilo im Diskussen, Hans Peters über 800 Meter unb Unterste« r Förster (JR. 36) über 10 000 Meter. Da [ereile in diesen Wettbewerben die übrigen teil- «hnenden (Baue Leichtathleten am Start haben, -s dener " ohne weiteres zur deutschen Extraklasse zählen, N'aU' eI, torb den Gießenern nur übrigbleiben, ihr ganzes Regeln im frncn aufzubieten, um ehrenvoll zu bestehen, inmok d-l Kcndballbegegnungen des Sonntags. abl DOPPELHERZ- Fabrikniederlagen-.Drog.H.Eiges, Seltersweg 66. C. Seibel, Frankfurt. Str. 0. Winterhof!, Kreuzplatz 9/10. Grünberg: Karl Schott u. sämtliche Filialen. Laubach: Solms- Laubacher Drog. Karl Klein. S4iV MM BmtfdilariD KleineAtneigen I im Gießener Anzeiger werden von Tanlendeu beachtet und geleieu Zie ßa Troßen $ °es ritterl vor 450 "auch , N die Vo Lü, tsch Der Tei, Be. gen dre Kri Inf « lin däd We . dun Kri von En; mac We entt tior Am Dienstag, 21.6.1938 veranstaltet derNSD.'Oozentenbuvb Gießen zusammen mit dem Volksdildungswerk in derNSG.„Kraj durch Freude" um 20.30 Uhr in der Aula der Universität einen Vortragsabend Es spricht der Professor für neuere Geschichte an der Uni. versität Jena, Professor Or. Günther Franz über: Das Judentum in der deutschen Geistesgeschichte Zu diesem Vortrag stnd alle Volksgenossen bei freiem Eintnii dl • n a P ' fe P1.1: h> bi t ai P bl Zam Neubau von Ein- und mehr- familienhänsern werden I. u. L. Hypotheken bis zu 80% ohne Reichsbürgschaften vermittelt. Anfr. an R. Weismantel, tranklurt a.M., Am Lindenbaum 25. 4192V Bier Mc (legen einen bie $röe n freigeleK.L lange SA qleichmatzlg Art. Stücke Kin äffender 1 bie Männe zeschlungen Aber noc spielt der Lange, lar harte Arbk jahrzehntel in die Hot Himmel 3' Wieder Seil gezo Baum un stöhnen t # BÄ 4" ft Blick si0S flauen un Die konnte sie gedl^' streckte K Schnee un Bogel sc arünen, lu auf seiner für Regen Kinderheim liebel Laubach 40350 Schön am Walde gelegen Dauer-und Ferienaufenthalt et H fr S" bQg »ui die y Gustav P ^soari 'N neu j „Sch allen (j N des (j «esih Nions/y ?°?enes B 7°m e -'Nen ber schlecht - >tur T °uf fc »s 005 9 S;,"» K 15 tolrb Nenhntftel s°,j "berg & iUr qtor Rentenbank-Ablösung und die Altbesitz-Anleihe wur, den zu unveränderten Kursen umgesetzt. Im weiteren Verlaufe trat keine Geschäftsbelv bung ein. Von den später notierten Werten läge, höher Hanfwerke Füssen um 1, Julius Berger un 1,75 v. H., Vereinigte Stahlwerke 0,25, Rheinstati 0,50 v. H. Andererseits schwächer AEG. um 0,5(1, Rhein-Elektra 1,25, Holzmann trotz der günstiger Ausführungen in der Hauptversammlung 0,50 o.h, Cement Heidelberg insgesamt 1 v. H. IG. Farben, industrie konnten ihren Erstkurs nicht behaupten, sie bröckelten 0,65 v. H. ab. JG.-Farbenbonds wurden 0,40 v. H. höher festgesetzt. Renten ohne jede Veränderung. Im Freiverkehr lagen FAM. 1 v. H. fester, aber Vereinigte Fränkische Schuh bei 77.25 um 1,25, Usr mit 72,25 um 0,75 v. H. leichter. Die Börse schlos anregungslos. Tagesgeld nach dem Steuertermü nunmehr leichter und 2,50 (2,75) v. H. Abendbörse still. An der Abendbörse wurden nur sehr wenig Um- sätze erzielt, die Kurse blieben gegenüber dem Mii- tagsschluß ohne wesentliche Veränderung. An sh war die Grundstimung farblos. Um 1 v. H. höher lagen VDM. durch eine größere Zufallskaufordei, auch Gesfürel in Anlehnung an den höheren Bei. liner Schluß bis 0,75 v. H. höher gesucht. IG. Far. ben dagegen 0,40 0. H. unter Mittagsschluß. Renten wurden nicht gehandelt, die gesprochenen Kurie waren ohne Veränderungen. Am Einheitsmarli Frankfurter Hof 70 nach 69. Im einzelnen notier, ten: JG.-Farbenbonds 130, Adca 103,90, Commerz, bank 114, Deutsche Bank 120,25, Dresdner Bank 111,75, Buderus 113,50, Mannesmann 112,65, Ai» lerwerke Kleyer 114,50, MAN. 134, Demag 14". wie geht's nur an, daß man so lieb es haben kann...?" 19: Nachrichten. 19.10: Die Oper im Wandel der Zeit. 20: Blasmusik. 21: Sonnwendfeier der 2. ^-Standarte, der HI. und BDM. im Huthpark. 22: Nachrichten, anschließend aus dem Sendebezirk; Sportbericht. 22.15: Ausschnitte aus der Kundgebung der alten Garde in Trier. 22.35: Politische Zeitungsschau. 22.50: Nacht- und Tanzmusik. 24 bis 3: Nachtkonzert. Wirtschaft. Aus dem Gießener Handelsregister. Im Handelsregister A des Amtsgerichts Gießen wurde eingetragen, daß bei der Firma Wilhelm Neuhaus Nachf., Inhaber Friedrich Hirsch, die Firma wie folgt geändert ist: Friedrich Hirsch, Wilhelm Neuhaus Nachf., Gießen. — Bei der Firma Fritz Magnus, Optik und Mechanik, Gießen, wurde der Zusatz der Firma geändert in „Optik- Foto". Inhaberin ist die Fritz Magnus Wwe., Frieda, geb. Lenz, in Gießen. — Dem Wilhelm Becker in Gießen ist Einzelprokura erteilt. Das Geschäft und die Firma ging infolge Erbganges auf die Fritz Magnus Wwe., Frieda, geb. Lenz, in Gießen, als Alleininhaberin über. — Bei der Firma Magnus Becker, Kohlen- und Holzhandlung, Gießen, wurde eingetragen, daß der Kaufmann Wilhelm Michel in Gießen als weiterer persönlich haftender Gesellschafter in das unter der genannten Firma betriebene Handelsgeschäft eingetreten ist. Die offene Handelsgesellschaft hat am 1. Mai 1918 begonnen und ihren Sitz in Gießen. Persönlich haftende Gesellschafter find jetzt Magnus Becker, Kaufmann in Gießen, Wilhelm Michel, Kaufmann in MF sollen prok-' tisch und solide gebaut sein, damit sie auch wirklich ihren Zweck,erfüllen. - Wir haben stets eine große Auswahl1 die leichte Maßei^ von gOduoig-a» r. Ja, Kaspar, meine srau, Oie ist stelle! YTirtim doch ImI $tm» Schlagsäubtni, fagtt fit, Dann hast du dit halbe Arbeit und brint Tauben blribtn milbrnfrct Das habt ich auch getan. Jetzt ist ber Schlag blitzsauber und dit Tauben gtdrihtn prächtig. Ich glaubt, daß | ich beim nächsttn prtisstitgtn rvitdtr gt* Jl rvinntn rotrdt. Und mit flink säubtrl C) lMl, das nur rvtnigt pftnnigt kosttrl ==s welches - ■ UM Ihre» Bruch unsicher । । W MMB'W M M rurückhält, Druckbe- ......... = echwerden, Hautreizuntfen. Wundscheuern verursacht und lästig :_____ ____ _____ zu tragen ist - von dem sollten Sie eich in Ihrem eigenen , ' |nteresse sofort trennen. Kommen Sie zu mirI Unter etwa 30 verschiedenen Systemen ■ — auch für schwere Brüche — werde ich als langjähriger = Fachmann für ihren Fall die richtige Bandage herausfinden, welche ganz individuell nach Maß angefertigt wird und ein beschwerdefreies Tragen gewährleistet Viele Anerkennungen, zeitgemäße Preise — Garantieschein. Julius Schreiner in Spexial-Bandagen Darmstadt Persönlich anwesend und kostenlos zu sprechen in , Butzbach: Hotel Hessischer Hof, Montag, 20. Juni, 9-12 Uhr. Gießen: Hotel Kobel, Montag, den 20. Juni, 2-6 Uhr. 4119V Grünberg: Gasthaus zum Bahnhof, Dienstag, 21. Juni, 9-12 Uhr. Homberg: Hotel Frankfurter Hof, Dienstag, 21. Juni, 3-6 Uhr. Hungen: Hotel zur Traube, Donnerstag, 23. Juni, 2—5 Uhr. Schotten: Hotel Hess. Haus, Freitag, 24. Juni, 9—12 Uhr. Friedberg: Hotel Deutsches Haus, Freitag, 24. Juni, 3—V27 Uhr. andere. Ein musikalisches Perpetuum mobile. 24 bis 3: Nachtmusik. Unterhaltung und Tanz. Montag, 20. Iuni. 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Übertragung nach Saarbrücken: Morgenlied — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 9.50 Perserteppich aus dem Schwarzwald. 10: Schulfunk: Kinderliedersingen. 11.45: Volk und Wirtschaft: Autokäufer von morgen. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Schloßkonzert (Fortsetzung). 14: Nachrichten. 14.10: „Fräulein" Operette. 15: Für unsere Kinder: Jetzt basteln mir.. 16: Übertragung nach Köln, Wien und auf den Deutschlandsender: Nachmittagskonzert. Das Mikrophon unterwegs. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19: Nachrichten. 19.10: Dom deutschen Sprichwort. Eine Hörfolge mit Musik von Josef Haydn. 20: Stuttgart spielt auf: Heitere Musik zum Feierabend. 22: Nachrichten. 22.15: Kamerad, wo bist du? 22.35: Nachtmusik und Tanz. 24 bis 3: Nachtmusik. Dienstag, 21. Ium. 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik.' 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk: Die Fahrt über den Strom. 11.45: Alkohol zur rechten Zeit.. 12: Werkskonzert aus den Deutschen Milchrverken, Zwingenberg. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: O holde Frau Musical 15: Kleines Konzert: Kompositionen von Hans Zielowsky. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen. 18.30: „Ein kleines Lied, Walter Peter Hans und Helga haben ein Brüderchen bekommen ' Helmut Istoggenberg und Frau Lies, geb.Kottle 7ä; fli $ w * Leih-1 binden Ur. 140 vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) 18./10. Zuni 1938 Vortragsabend im AS.-Rechtswahrerbund. Noch einmal vor der Sommerpause vereinigte gestern abend der NS.-Rechtswahrerbund seine Mitglieder zu einer Kreisversammlung im Kunstwissenschaftlichen Institut, die allen Teilnehmern in der Form eines Vortrags eine sehr anregende Stunde brachte. .Nach der Begrüßung durch den Kreisgruppenführer, Oberstaatsanwalt Knauß, hielt Professor Dr. Frölich einen Vortrag über das Thema: ,,Mittelalterliche Bauwerke als Rechtsdenkmäler". Der Redner wies einleitend darauf hin, daß das Verständnis für das Rechtsleben in der deutschen Vergangenheit nicht nur aus dem geschriebenen Wort, aus der Urkunde, gewonnen werden könne, sondern in vielerlei und eindrucksvoller Form auch in Bauwerken sich ausdrücke. Vielen Bauten in unserem Daterlande wohne nach Art und Form, nach Zweckbestimmung und Schmuck ein rechtlicher Sinngehalt inne. Weltliche und kirchliche Bauwerke seien oft als Rechtsdenkmäler zu erkennen, dienten einer öffentlichen Verwaltung, der Gerichtsbarkeit, oder dem Ausdruck einer Macht oder einer Herrschaft. Zu unterscheiden seien in großer Linie Baulichkeiten im Dienste des Reichsgedankens und Bauten zum Nutzen des Gemeinwesens. Ferner unterschied der Redner in seinem Vortrag „Gebäude als Rechtsaltertümer" und „Rechtsaltertümer an Gebäuden". Nach einigen weiteren grundsätzlichen einführenden Worten gab der Redner im Wort und in vielen, überaus anschaulichen Bildern einen Einblick in die vielfältigen Formen, in denen sich deutsches Rechtsleben im Mittelalter im Bauwerk sinnfällig ausdrückt. In mehreren Bildern sah man z. B. die deutschen Kaiserpfalzen als die Zeugen des Machtwillens deutscher Könige und Kaiser. Der Redner zeigte aber auch im Bilde die großartigen Schauplätze der deutschen Kaiserwahlen im Mittel- alter. Ferner sah man Stätten, die durch Reichsoersammlungen und Reichstage zu großer öffentlicher Bedeutung gelangten; schließlich sprach Prof. Frölich von den vielen Zeugnissen städtischer Macht, die sich häufig genug im Rathausbau, in der Gestaltung der Rathaussäle und in ihren Einrichtungen ausdrückt. Besonders eindrucksvoll wußte der Redner die eigentlichen Gerichtsstätten darzustellen und in vielen Bildern zu zeigen. Da sah man und hörte man von den verschiedenen Formen der Anprangerung wegen leichter Vergehen, von Gepflogenheiten bei der Rechtsprechung überhaupt, von Formen der öffentlichen Urteilsverkündung bei Bluturteilen, von der Stellung des Henkers im Volke usw. Schließlich wandte sich der Redner noch den Zeugnissen einer bedingt öffentlichen Bedeutung, insbesondere dem Verhältnis zu, wie es insbesondere zwischen Stadtherrschaft und Geschlechtern, Zünften und Kaufmannschaften bestand. Auch Kirchen und Brunnen zog der Redner in den Kreis seiner Betrachtungen und gab damit ein nach den gegebenen Möglichkeiten vollständiges Bild über mittelalterliches Rechtsleben, wie es sich in vielen Bauwerken und in vielen Einzelheiten an Bauwerken dokumentiert. Die Zuhörer folgten dem Vortrag mit gespannter Aufmerksamkeit. Oberstaatsanwalt Knauß brachte dem Redner den Dank der Versammlung noch in herzlichen Worten zum Ausdruck. Mit Mitteilungen geschäftlicher Art fand der Abend seinen Abschluß. Aus Oer Stadt Gießen. Der Lindenbaum. Gegenüber von unserem Hause stand ein Lindenbaum. Es war zwar nicht „am Brunnen vor dem Tore" und ich habe in seinem Schatten auch nicht so manchen süßen Traum geträumt. Aber — so mancher Blick flog zu ihn hin! Man mußte sie oft an- fchauen „die Linde im tiefen Tal, war oben breit und unten schmal". Wie konnte sie zittern im Frühlingswind, wie stand sie geduldig in Regen oder heißer Sonne, wie streckte sie klagend ihre feinverzweigten Aeste in Schnee und Kälte! Vögel schlüpften fröhlich aus und ein in dem grünen, luftigen Blätterhaus, eine Amsel saß oft auf seiner höchsten Spitze und sang fröhlichen Dank für Regen und Regenwürmer. Aber nun? „Heut wetzt er das Messer, es schneidet schon viel besser, bald wird es dreinschneiden, wir müssen's nur leiden: hüt dich, schön's Blümelein!" Vier Männer kamen, mit Axt und Säge. Vier gegen einen, wie wird das ausgehen? Zuerst wurde die Erde ringsum fortgegraben, die Wurzel wurde freigelegt und dann angesägt. Nun frißt sich die lange Säge unten in den Stamm, rrsch—rrsch—, gleichmäßig geht es hin und her. Dann kommt die Axt. Mit harten Schlägen fällt sie nieder, große Stücke Rinde fallen nach allen Seiten, so daß ein klaffender weißleuchtender Riß entsteht. Jetzt haben die Männer ein Seil um die Mitte des Stammes geschlungen und wallen den Baum umziehen. Aber nach wehrt er sich, er will nicht sterben, nach spielt der Wind in seinen Zweigen, nach lebt er! Lange, lange arbeiten sie nun schon, es ist eine harte Arbeit, aber noch viel, viel länger, vielleicht jahrzehntelang, hat der Baum gebraucht, um so stolz in die Höhe zu wachsen, in Licht und Sonne, dem Himmel zu. Wieder dröhnt die Axt, wieder wird an dem Seil gezogen, mit aller Kraft; da neigt sich der Baum und fällt, mit einem Geräusch, das wie Aufstöhnen klingt, zu Boden. „Es ist ein Schnitter, der heißt Tod ..." E. L. St. Vornotizen Tageskalender für Samstag. 125-Jahrfeier der Infanterie-Regiments 116: 20 Uhr Kameradschaftsabend in der Volkshalle. — Gloria-Palast (Seltersweg): „Dreiklang". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Ihr Leibhusar". Tageskalender für Sonntag. 125-Jahrfeier des Infanterie-Regiments 116: 10.20 Uhr Einholung der Regimentsfahnen; 10.30 Uhr Gefallenengedenkfeier am 116er-Denkmal; 12 Uhr Paradeaufstellung des Regiments; ab 13.30 Uhr Essenausgabe bei den Feldküchen; 17 Uhr Wehrsportfest auf dem Trieb, anschließend Preisverteilung; 20.30 Uhr Aufführung von „Wallensteins Lager"; 21.40 Uhr Tanz in der Dolkshalle. — Gloria-Palast (Seltersweg): „Dreiklang". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Ihr Leibhusar". Vortrag im NSD.-Dozentenbund und Volksbildungswerk KdF. Am kommenden Dienstag spricht in der Aula Professor Dr. Günther Franz über das Thema „Das Judentum in der deutschen Geistesgeschichte." Alle Volksgenossen haben zu diesem Vortrag freien Zutritt. Agnes Straub im Stadttheater Gießen. Die Intendanz des Stadttheaters hat die durch Bühne und Film bekannte Schauspielerin Agnes Straub, Berlin, für ein einmaliges Gastspiel mit ihrem Berliner Ensemble am Mittwoch, 22. Juni, verpflichtet. Agnes Straub gastiert in dem neuep Stück „Schauspielerin" von Roland Schacht. Das Gastspiel findet außer Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr. H und HI. feiern oemeinsamEommersonnenwende Arn Dienstag, 21. Juni, feiert die ff gemeinsam mit der HI. auf dem Schiffenberg die Sonnenwende. Nach einer Feierstunde am flammenden Holzstoß wird ein fröhlicher Kameradschaftsabend stattfinden. Damit auch die Frauen und Bröuje die Möglichkeit haben, diesen Abend mit. zu verleben, wird ein Autobus bereitgestellt, der um 21 Uhr von der Dienststelle der 83. ff-Standarte ab fährt. , Wechsel in der Führung der T71. OG. X1I/133 Gießen. Da der bisherige Führer der Ortsgruppe der TN. Gießen, Kameradschaftsführer Schaffner, in den Stab der Kreisleitung berufen wurde, mußte er von feiner Dienststellung als Ortsführer der TN. entbunden werden. An seine Stelle ist der bisherige Führer des Technischen Dienstes der Ortsgruppe Gießen, Kameradschaftsführer Schuchmann, unter gleichzeitiger Beförderung zum Gemeinschaftsführer als Ortsführer eingesetzt worden. Kameradschaftsführer Schaffner verbleibt jedoch im Stabe der Ortsgruppe der TN. XII/133 Gießen. B'umeuschmuckwetibewerb 1938. Auch in diesem Jahre veranstaltet der Fremden- verkehrsoerein Gießen wieder einen Blumenschmuckwettbewerb. Der Verein ersucht alle Einwohner der Stadt, die Häuser, Balkons und Vorgärten mit Blumen zu schmücken. Dieses Ersuchen richtet sich insbesondere auch an die Geschäfts- und Wohnungsinhaber der Innenstadt. Da blumengeschmückte Straßen für die Fremdenverkehrswerbung unerläßlich find, hofft der Verein, daß seinem Ersuchen in weitestem Ausmaße entsprochen wird. Jahres-Versammlung der Gesellschaft Liebig-Museum. Jrn ehemaligen Hörsaal Justus von Liebigs im heutigen Liebig-Museum hielt gestern nachmittag die Gesellschaft Liebig-Museum ihre Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende, Dr. Fr. Merck (Darmstadt), gab zunächst eine kurze Uebersicht über das abge- laufcne Geschäftsjahr, sprach von dem Verlust, den die Gesellschaft durch den Tod von Geheimrat Prof. Dr. Sommer erlitt und erinnerte ferner an die Gedenkansprache, die Prof. B e h a g h e l für den Vorstorbenen in der Gesellschaft hielt. Das Museum sei im vergangenen Jahre verschiedentlich von Gruppen der Offiziere des Standorts, vom Arbeitsdienst, wie auch von Schülern der Justus-v.-Liebig- Schule besucht worden. An die Stadtverwaltung habe man den Vorgarten abgetreten. Es sei vorgesehen, zwischen den Säulen der Hausfront Gitter anzubringen, die in schöner ornamentaler Gestaltung zum weiteren Schmuck des Hauses beitragen sollen. Aus dem Kassenbericht, den ebenfalls der Vorsitzende erstattete, ging hervor, daß der Kassen- und Vermögensstand zwar nicht ungünstig ist, daß es aber trotzdem nicht möglich sei, notwendige gründliche Ausbesserungsarbeiten allein aus Mitteln der Gesellschaft durchzuführen. Ein Voranschlag über die Höhe der Unkosten für die Ueberholung nenne den Betrag von 3000 Mark. Im weiteren Verlaufe der Versammlung wurde noch über die Arbeit des laufenden Geschäftsjahres gesprochen. Es soll auch diesmal wieder eine Vor- tragsoeranstaltung einen größeren Kreis von Mit- aliedern vereinigen. Die Gesellschaft will zur Erhaltung der Briefe Justus von Liebigs die Briefe photokopieren lassen, um sie so für alle Fälle zu sichern. Außerdem sollen die Werte des Museums durst den Abschluß einer Versicherung wenigstens in materieller Hinsicht sichergestellt werden. Im Huiten-Feierstunde der Llniveisitai. Die Landesuniversität veranstaltete gestern im Großen Hörsaal eine Feierstunde zum Gedächtnis des ritterlichen Dichters Ulrich von Hutten, der vor 450 Jahren geboren wurde. Professor Dr. Rauch als Dekan der Philosophischen Fakultät hieß die Erschienenen willkommen, gedachte der Heimkehr der Ostmark ins Reich und wies dann am die Bedeutung der Gedenkstunde hin. Herr Gustav Philipp fang, von Professor Dr. T e - mesvary am Flügel begleitet, zu Beginn „ein schön neu Lied", zum Schluß das berühmte Hutten- ßieb „Ich hab's gewagt", kraftvoll und klangschön im alten Stil gesetzt von Stefan Temesvary. Im Mittelpunkt der Feierstunde stand der Vortrag des Gießener Germanisten Professor Dr. Alfred Götze, der als genauer Kenner des Refor- mations- und Humanistenzeitalters ein wohlabgewogenes Bild vom Leben und Wirken Ulrichs von Hutten zeichnete. Professor Götze schilderte Hutten als einen der letzten Kämpfer und begabtesten Söhne der immer tiefer sinkenden Ritterschaft; sein Geschlecht ist in unserm Lande seit dem 13. Jahrhundert urkundlich bezeugt; am 21. April 1488 begann auf Steckelberg bei Schlüchtern sein bewegtes Leben. Wider seine' Natur nach dem Willen des Vaters im Kloster erzogen, entfloh er mit Hilfe feines Freundes Crotus Rubeanus dem Kloster- zwang, überwarf sich mit den Seinen, studierte, erwarb das Baccalaureat und begann, schon ganz im humanistischen Lager, zu dichten. Es folgen unruhige Wanderjahre, in denen er krank und mittellos, vielfach angefeinüet, umherzieht. Seine Dichtung wird reifer, charaktervoller und kämpferischer; 1510 entsteht der „Nemo", kritisch und witzig. In Wittenberg und Leipzig sucht er vergebens Fuß zu fassen; später geht er nach Wien und nach Italien. Zum ersten Male wendet er sich von eigener Sache zur großen Sache des Vaterlandes. Auch in Italien macht er sein Glück nicht: Krankheit, Gefangenschaft, Flucht sind auch hier sein Los. Im Kriegslärm entstehen die Epigramme an Kaiser Max, in denen er sich, fünf Jahre vor Luthers Thesenanschlag, gegen das Papsttum wendet. (Doch sollten ihm europäische Politik und die innere Welt der Kirche zeitlebens fremd bleiben.) Als „verlorener Sohn" kehrt er heim. 1515 gab die Ermordung seines Detters Hans dem Leben Huttens eine neue Wendung; wieder an der Seite der empörten Seinen, richtete er, nach klassischem Vorbilde, vier Reden gegen den Mörder, Herzog Ulrich von Württemberg. Zum zweiten Male in Italien, schrieb er politische Gedichte für den Kaiser, gegen welsche Habgier und Untreue. Die Beschäftigung mit Lukian führte ihn zur Form des Gesprächs, der eigentlichen und höchsten, die er künstlerisch je gefunden hat. Als Verfasser des zweiten Teiles der berühmten Dunkelmännerbriefe, als pathetischer Satiriker, kam er zur Tagesschriftstellerei; prophetische Leidenschaft übertönte die ruhige Sachlichkeit. Seine wertvollsten, flammendsten Dialoge und Klagschriften entstanden in den Jahren 1519 bis 1521; damals wurde er, mit dem Uebergang von der lateinischen zur deutschen Sprache, wirklich volkstümlich. Der Reformation hat er aber innerlich nicht angehört; er stand bis zuletzt im hoffnungslosen Endkampf der Ritterschaft gegen das Fürstentum, an Sickingens Seite. Huttens Tod auf der Insel Ufenau im Züricher See, wo er bedroht und verfolgt, geächtet und schon totkrank, eine letzte Zuflucht gefunden hatte, war Erlösung von furchtbarem Leiden, .Befreiung aus unrettbarer Lage. „Der durch die lieber» macht widriger Verhältnisse verursachte Untergang", so schloß Professor Götze seine gehaltvollen, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Darlegungen, „hat dem Helden den Schimmer tragischer Große verliehen." — Mit dem Gruß an den Führer und den Liedern der Nation fand die Feierstunde ihren Ausklang. Kesselschmied und Dichter. Zum Todestage von Heinrich Lersch. „Und dann: ich will in den Stiebeln sterben; ich war mein Leben lang Soldat der Freiheit." Er war sein Leben lang Soldat der Freiheit. Und dieses Leben war nicht mit Rosen bestreut. Es ging durch die Tiefen pon Schmerz, Hunger und Krankheit. Es führte an die Abgründe tiefer Not und Sgrge. Es formte die Züge des Mannes hager und die Stirn furchig. Aber es machte auch das Herz fest und den Kerl hart. Er erkannte in diesem Sein des Kampfes die Herrlichkeit des Lebens. Sein Mund fang das Lied des Lebens und seinen Lippen entströmten Hymnen von Kraft, Liebe, Opfer, Leid, Schmerz und Jubel. Hein Lersch ist aus dem deutschen Arbeitertum gekommen. Die Feuer der väterlichen Kesselschmiede flammten um seine Geburt. Hammerschläge und Kesselklingen drangen in seine Wiege. Sie stand in München-Gladbach, wo Hein am 12. September 1889 dem Leben geschenkt wurde. Uns geschenkt wurde. Man wird seine Jugend am besten in seinen eigenen Worten finden. Er mußte mit seinen Brüdern von früh an in der väterlichen Schmiede arbeiten. Schwere Arbeit für einen Jungen, der nie ein Enakssohn gewesen ist. Und dann ein Junge, in dem sich schon Sehnsucht und Bestim- muna regten: „Schrie der Jüngling in Sehnsucht, überschrie ihn die Not: Du mußt! Mußt dienen! Dienen! Schwingende Hämmer schlugen die Sehnsucht tat." — Aber: „Aber die Nächte! Dann war ich Mann und Held. Ich trieb meine Schiffe bis an den Rand der Welt, Urwälder rauschten in meine Kammer hock unter dem Dach, Abenteuer hielten bis ins Frührot mich wach —." Nicht etwa, daß der junge Lersch ein Schwärmer und Phantast gewesen wäre. Schon damals war Hein mit beiden Beinen in der Wirklichkeit gestanden und von großer Redlichkeit erfüllt. Sie hatten in der Schule einen Aufsatz zu schreiben. Es hatte in der Nähe gebrannt. Hein schrieb in lakonischer Kürze: „In dem Dorf hat es gebrannt. Ich war nicht habet gewesen, kann also nichts darüber schreiben." Oder war dies nicht so sehr der redliche Sinn Heins, als. vielmehr feine Schalkhaftigkeit, die den Mann später trotz Not und Sorge das ganze Leben begleitete, um im Mann zum Humor und Teil seiner selbst zu werden? Hein Lersch war in Ernst und Spiel wohl immer, wie man so sagt, ein großes Kind. Deshalb wahrscheinlich hat er mit nachtwandlerischer Sicherheit zur Jugend gefunden. Er war Jungzugführer in der Hitler-Jugend, während einer feiner Jungen als Stammführer sein Vorgesetzter und der andere als Jungzugsührer sein Kamerad gewesen ist. Auf unzähligen Abenden sprach Hein zu Pimpfen und Hitlerjungen. Er stellte sich nicht aufs Rednerpult, sondern pflanzte sich mitten unter die Jungen auf eine Tischkante und erzählte ihnen aus seinem Leben. Wir liebten diesen Hein. Er war uns Inbegriff des Lebens, der Arbeit, des Dichters, wenn er so unter uns saß und die Stunden bleibend machte. — Unrast trieb Hein Lersch dann in die Welt hinaus. Er durchwanderte die Jndustriereviere Mitteleuropas. Er nahm Arbeit, wo er sie fand. Er hungerte oft, wenn es sein mußte. Er sah die Schweiz, Tirol, Oesterreich, Italien, Antwerpen und kehrte doch bald wieder in sein Deutschland zurück. Zurück in die Schmiede am Niederrhein, und griff sich den Hammer und schürte das Feuer und war der Arbeit verhaftet, die er besang. Seine ersten Gedichte wurden in den Zeitungen abgedruckt. Erst als 25jähriger erlebte Hein Lersch bann den ersten größeren Erfolg. 1914 erschien fein erstes Buch, der Gedichtband „Abglanz des Lebens". Hein Lersch wollte nicht Dichter „werden". Er schrieb einmal: „Es ist nicht wegen der Feder, Bruder. Hier, zwischen den Eisen habe ich keine Ruh. Das schreit alles mit metallenem Munde mich an in seiner Sprache. Nun soll ich bas ins Deutsche übersetzen. Wenn ich's nicht tue, wer soll es bann tun. Die andern wissen nichts vom Gott, her Eisen wachsen läßt." Dann kam der Krieg. Hein ging wie alle deutschen Arbeiter hinaus, die Heimat zu schützen, in dem Herbst wird eine weitere Versammlung stattfinden, in der die Wahl des Vorstands zur Erledigung stehen wird. Gießener IDodicnmarftpreile * Gießen, 18. Juni. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Feine Molkereibutter, Z kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück, 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12Z, Klasse B 12, Klasse C 11/,, Klasse D 10/, Enteneier 11/ bis 12/, Wir- fing, grün, / kg, 10 bis 12, Weißkraut 10 bis 12, gelbe Rüben, neue, bas Bündel 15 bis z5, rote Rüben, Z kg, 10 bis 12, Spinat 8 bis 15, Römifchkahl 8 bis 12, Bohnen, grün, 30 bis 35, Spargel, 1. Sorte 52 bis 55, 2. Sorte 48 bis 50, 3. Sorte 40 bis 45, 4. Sorte 20, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 40 bis 75, Zwiebeln, neue, das Bündel 10 bis 15, Rhabarber, Ruhl Seliersweg Nr. 67 adiO Telephon Nr. 3170 I eparaturen Z kg, 10 bis 15, Kartoffeln, alte, 5, 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, neue, Z kg, 13 bis 15 Pf., Aepfel, ausländische, 60 bis 65, Kirschen 60 bis 70, Stachelbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 55 bis 70 Pf., junge Hähne 1,— bis 1,15 Mark, Suppenhühner —,90 bis 1,05 Mark, Tauben, das Stück, 45 bis 55 Pf., Blumenkohl 10 bis 50, Salat 5 bis 10, Salatgurken 35, Oberkohlradi 8 bis 12, Lauch 5 bis 10, Rettich, das Bündel 20, das Stück 10 bis 20, Sellerie 10 bis 30, Radieschen, das Bündel 5 bis 10 Pf. ** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 9. bis 16. Juni ein: gegen Kraftfahrer mit 3 Anzeigen und 4 Verwarnungen und Belehrungen, gegen Radfahrer mit 4 Anzeigen und 10 Verwarnungen und Belehrungen, gegen Fußgänger mit 1 Anzeige und 1 Verwarnung und Belehrung. Kleine Strafkammer Gießen. Das Amtsgericht Friedberg verurteilte den Juden Willi Kahn und den Juden Ludwig Eckstein, beide aus Friedberg, wegen Hehlerei in vier Fällen Kahn zu acht Monaten und Eckstein zu vier Monaten Gefängnis. Gegen dieses Urteil legten sowohl Kahn, als auch Eckstein Berufung ein. Die am Freitag vor der Kleinen Strafkammer geführte Berufungsverhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Beide Angeklagten waren zusammen als Altwarenhändler tätig. In den Sommermonaten 1937 kauften sie van dem B., den sie schon von Kind auf kannten, viermal Altmetalle an. B. hatte dieses Altmaterial auf seiner Arbeitsstelle gestohlen und wurde deswegen als rückfälliger Dieb zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr verurteilt. Die Angeklagten leugneten, von diesen Diebstählen gewußt zu haben, auch hätten sie nach den Umständen nicht annehmen können, daß es sich um gestohlene Ware handelte. Für die drei ersten Ankäufe konnte ihnen dies nicht widerlegt werden. Anders in dem vierten Fall, bei dem beide Angeklagten zusammen von dem B. 200 Kilogramm gußeiserne Rohre kauften. Bei der Erfassung aller verwendbaren Metallabfälle mußten sich die Angeklagten sagen, daß eine solche Menge Gußeisen niemals herumliegen konnte. Sie wußten auch, daß B. auf einer Baustelle beschäftigt war, wo er Gelegenheit hatte, sich rechtswidrig Altmaterial anzueignen. Aus her Kenntnis all hiefer Umftänhe mußten die Angeklagten gewußt haben, haß hie von ihnen angekaufte Ware von B. strafbarerweise erlangt war. Die Strafkammer hob bas Urteil bes Amtsgerichts Friehberg auf urtb verurteilte ben Willi Kahn wegen Hehlerei in einem Fall zu einer Gefängnis strafe von brei Monaten. Gegen ben ßubroig Eckstein würbe bas Verfahren auf Grunb bes § 1 Abs. 2 bes Straffreiheils- gesetzes vom 30. April b. I. eingestellt. unerschütterlichen Bewußtsein, baß bie Pflicht voransteht im Leben. Er war ein fast schwächlicher Mann, von Krankheit zermürbt, unb bie Last und der Dreck her Schützengräben brückten hoppelt auf ihn. Der Freiwillige Lersch war Arbeiter und Solhat, Soldat her Freiheit sein Leben lang. Er hielt aus im Grabenkampf wie alle anberen, bis ihn eine Granate ins Kriegslazarett warf. Aber größer als alle anberen war dieser Hein, sein Herz sang wilde und glühende Rhythmen. Zwei glühende Dersbände erschienen während bes Krieges, und in ihnen auch bas Gehicht „Laß mich gehen, Mutter, laß mich gehen" mit her Zeile „Deutschlanh muß leben, unb wenn wir sterben müssen", bie allein als Wort schon bie Unsterblichkeit bes Dichters ahnen ließ. „Herz, aufglühe beirt Blut" unb „Deutschlanh" heißen bie beiden eisernen Bände. In der Zeit nach dem Krieg steht Lersch wieder in der Schmiede. Der Jnflationstaumel raubt dem Kesselschmied seine Werkstatt. Seine kaputten Lungen erschweren ihm die Arbeit. Aber in seiner kargen Dachstube sitzt der Dichter und schmiedet bie Nächte hindurch, schreibt Verse und Verse mit seinem Blut. Nach sieben Jahren, in denen Deutschland nichts gehört hat von seinem Dichter, erscheint ein neuer Band: „Mensch im Eisen". Das deutsche Arbeitertum hat seinen Hochgesang. Durch alle Jrrnisse unb Wirrnisse schlägt her Puls von Volk unb Werk. Von Hein Lersch stammt bas Wort: „Ich glaube an Deutschlanh wie an Gott!" Von ihm: „Ich schwur's beim Abschieb aus hem Schützengraben: Kamerad, was bu nicht hast, bas will ich auch nicht haben!" Hier schon fünben sich bie neuen Werte her körn- menhen Zeit, her Dichter ruft zum Glauben an Deutschlanh, in seinem Herzen wächst her Gehanke, ben wir beutschen Sozialismus nennen. Die Erfüllung feiner Sehnsucht konnte Hein noch erleben. Er sah bas Reich Adolf Hitlers erstehen, bas Reich der beutschen Arbeit unb bes beutschen Arbeiters. Er fanh glühende Worte der Verehrung für ben Führer unb fein Werk. Nicht in zeitgebundenen Ausrufen, sondern aus her Tiefe feines Herzens. Mit her Berufung in bie Dichter-Akademie 1933 schloß bieses Dichterleben nicht. Es wollte keinen Thron auf dem Parnaß finben. Es wollte gelebt unb erkämpft fein. Wie ein Fanfarenruf klang nach einmal bie Stimme Heinrich Lerfchs ins Land: „Leuchte, scheine, golbne Sonne" unb „Tritt heran, Arbeitsmann" aus bem letzten Gebichtband ..Mit brüberlicher Stimme" sinh als Lieder in unsere Herzen eingegangen. So, wie das gesamte Werk des Kesselschmiedes, Dichters und Kameraden Heinrich Lersch in uns fortlebt als Gesang eines Arbeiters und Soldaten Der Freiheit. 2lm 18. Juni*! 936 schloß Hein Lersch seine Augen. Sein Geist soll in uns sein und wirken. Harald Qlotfr Bäder, Sommerfrischen, Wanderfahrten Bübingen — Ronneburg — Altenstadt — Stockheim. prächtige Beim zli den Leustädter Hof, eine wohlerhaltene Wasserburg mit malerischem Burghof, zu unserem Endziel Stockheim. Wanderzeit fünf Stunden. Friedelhausen — Salzbödetal — Lohra — Kehna — Oberweimar — Marburg. Mit dem Frühzuge fahren wir nach Friedel- Haufen, überschreiten die Lahn, kommen durch das am Fuße des Altenbergs liegende Odenhaufen und gelangen in das liebliche Salzbödetal, das von bewaldeten Höhen begrenzt ist. Bei der anmutig gelegenen Schmelz, einer Sommerwirtschaft, treffen wir schwarze Kreuze, die uns bachaufwärts an einigen idyllischen Mühlen vorüber bis zur Station Damm führen. Kurz vor der Haltestelle verlassen wir die Zeichen, wenden uns links und kommen durch die Orte Damm und Lohra. Hinter Lohra führt ein schmaler Weg an den Hängen des Dam- mersbergs her nach Kehna, sodann eine breite Straße nach Oberweimar, wo wir auf rote Kreuze stoßen. Zumeist durch Wald leitet uns dieses Zeichen, das Allnatal überquerend, ein ziemliches Stück auf dem Pfaffensteg nach unserem Endziel, der alten Musenstadt Marburg. Dauer der Wanderung fünf Stunden. an die Nibelungen an der gleichen Stelle in den neuen Steinbildern und Wandgemälden des Rathauses sich bewahrt. Nie ist dieses Wissen im Wormfer Land ver- tummt. Immer wieder erwacht es zum Leben und verkündet die uralte Erfahrung unseres Volkes, die ich in der geschichtlichen Abfolge der Begebenheiten in so schicksalsvoller Weise mit Worms verbunden hat. Die Burgunder gründeten ihr Reich und wollten es unabhängig vom römischen Weltreich aufbauen. Aetius besiegte die Aufständischen im Jahre 435. Im folgenden Jahre aber wurden ie mitten im wiederhergestellten Frieden von hunnischen Heerscharen Überfällen und das Königsgeschlecht Gunthers vernichtet. Zweihundert Jahre päter führte Königin Brunichildis den Kampf um )ie Einung der Frankenstämme. Ihr Gemahl, Sigi- bert, das geschichtliche Vorbild der Gestalt Siegfrieds, fiel auf Anstiften der Königin Fredegundis. Brunichildis aber zog im Jahre 612 zu ihrem letzten großen Kriegszug von ihrer Königspfalz zu Worms aus und fand im Kampf mit Chlotar ihren Untergang. Da verkettete sich die alte Burgundergeschichte mit der Tragik der dämonischen Mero- wingerkönigin aus burgundischem Blut. Und als, immer wieder mit der Königsburg in Worms verbunden, das Reich der Deutschen seine Gestalt gefunden hatte und zum tausendjährigen heiligen Reich aufwuchs, da klangen die alten Sagen und Geschichten mit. Es fügten sich Erinnerungen lokaler Art ein und formten unter der Hand des unbekannten Dichters das große Lied von den Nibelungen, als dessen Mittelpunkt und Hauptstadt Worms verherrlicht wurde wie keine andere deutsche Stadt. Die hochgebaute Stadt des alten Reiches tft versunken in der Not der europäischen Verwicklungen. Worms ist heute eine Mittelstadt wie viele andere Deutschlands. Aber die Festspiele heben sie heraus aus der Masse: Stadt und Spiel wachsen zur unvergeßlichen Einheit zusammen, in der das deutsche Volk seine Geschichte und -seine älteste Königstadt erlebt. ist mehr als ein Juwel. Diele Seen birgt dieses Land: den Starnberger See, den Ammersee, den Tegernsee, den Kochelsee, den Walchensee, den Eib- see und andere mehr, jeder hat seine Liebhaber und Freunde. Die sanften Vorberge mit den Wäldern und Matten und die erhabene Urwelt der Alpen sind herrlich wie am ersten Tag. Don den Allgäuer Alpen über Augsburg bis Nördlingen und Dinkelsbühl reicht der schwäbische Kultur kreis, der dem bajuwarischen und fränkischen an geschichtlichen Erinnerungen und reizvollen Landschaften nichts nachgibt. Das Land Bayern aber ist durchaus nicht ein Museum ge- chichtlicher Erinnerungen. München und Nürnberg sind Industriestädte wie das schöne, abseits liegende Amberg oder das goldene Augsburg, das ein bedeutendes Textilzentrum ist. In Augsburg am Lech erschien die erste deutsche Zeitung. Von hier aus wurde die erste deutsche Ueberseekolonie in Venezuela durch die Welser gegründet. Die Fugger wurden durch ihr Geld eine Weltmacht, mit der die deutschen Kaiser rechnen mußten. In Augsburg wurde der Vater von Wolfgang Amadeus Mozart geboren. Noch heute blüht das Geschlecht der Mozart in dieser Stadt, deren Maximilianstraße einmal eine Straße in die Welt gewesen ist. Die Luftwege in die Welt werden durch ein Augsburger Flugunternehmen mit befahren. Endlich hat in Augsburg auch der Dieselmotor seine Geburtsstätte. Nürnberg ist immer noch eine Fundgrube für jeden Betrachter. „Des Reiches Schatzkästlein" wurde sie früher genannt. In der Zeit der Reichsparteitage müßte Nürnberg Jüngborn des Volkes, geistige Waffenschmiede der Nation heißen. Kennt ihr den Zauber von Rothenburg ob der Tauber, von Dinkelsbühl und Nördlingen? Diese drei Städte werden immer gemeinsam genannt und sind das Ziel vieler Reisen. Sie sind ein Dreiklang aus der deutschen Geschichte, und jede Stadt hat ihren beförderen Ton. Das hochgebaute Rochenburg ist anders als das liebliche, wiesenumgürtete Dinkels, bühl oder das lebendige Nördlingen, die bäuerliche Hauptstadt des fruchtbaren Ries mit den schwäbischen Bauern. Kennt ihr die verträumten Mainstädte Marktbreit und Ochsenfurth? Wenn ihr über Bamberg fahrt, unterbrecht die Reise, gehr in den Dom und betrachtet den Bamberger Reiter, der in der dämmernden Kühle in die Ewigkeit reitet und als deutsches Kunstwerk neben der adligsten griechischen Statue für sich bestcht. Bayern ist wirklich ein Land, in dem der Mensch in jeder Jahreszeit das findet, was er sucht: große Mädte und verträumte Marktflecken, alte Burgen und merkwürdige Städtchen, schöne Tore untf Himmelauftagende Dome, herrliche Brunnen und bezaubernde Brücken. In der Bayerischen Ostmark hört er in den Hefen Wäldern die große Einsamkeit rauschen, in den Münchner Museen warten erlesene Kunstschätze auf ihn wie im Nürnberger Germanischen Museum, er kann einsam sein oder gemeinsam, wie er will und wonach ihn sein Herz drängt. In diesem Lande Bayern lebt und webt der deutsche Genius weiter. Von Bayreuth aus eroberte sich Richard Wagner die ganze musikalische Welt. E. T. A. Hoffmann, der Dichter und Musiker, hat lange in Bamberg ge- lebt, Dietrich Eckart, der erste Dichter und Rufer für das Dritte Reich, ist da unten geboren und gestorben. Der Ruhm von Albrecht Dürer, Hans Sachs, Veit Stoß, Peter Vischer, Tilman Riemenschneider, Balthasar Neumann und von vielen anderen großen Künstlern erfüllt noch unsere Zeit, wird weiterklingen und von der schöpferischen Kraft des Landes Zeugnis oblegen. In diesem einzigartigen Zusammenklang von ftänkischem, bejuwarischem und schwäbischem Geist und Gemüt, in diesem harmonischen Zusammenhang dreier Kulturen kann der Mensch alles finden: Traum und Wirklichkeit, Besinnung und Heiterkeit. Eine Reise nach Bayern blendet nicht, sie erleuchtet. Mit Sonntagskarte fahren wir nach der lieblichen Kreisstadt Büdingen, der Perle unter den hessischen Städten. Nach einer Besichttgung der mancherlei altertümlichen Schönheiten, wie Stadtmauer mit Untertor, Steinernem Haus, Fürstlichen Schloß usw., wandern wir gelben Kreuzen nach, die uns vorerst durch Feld nach Vonhausen, später durch prächtigen Buchenwald zur Ronneburg führen. Beim Austritt aus dem Wall) bietet sich uns ein Schönes Vayemland Von Max Barthel. Worms,dieSladtderAibelungen Don Or. Friedrich M. Illert. NSG. Andere Städte verdanken ihre Festspiele der Tradition einer gepflegten Theatertultur, m der höchste Gestaltungen der Oper und des Schauspiels erreicht werden. In Worms wächst das Festspiel aus den geschichtlichen Wirklichkeiten heraus, die diese Stadt erfüllen. Die Gestalten des Schauspiels schritten einst in der Größe und Tragik ihres Lebens über den gleichen Boden, auf dem sich jetzt ihr Bild und Schicksal im Spiel erneuert. Das Theater spielt vor der gleichen Szenerie, die in der Stadt das tägliche Äben umrahmt. So bleibt das Wormser Festspiel im geschichtlichen Raum der Stadt be- Ö: da in diesem Raum aber das Schicksal des s sich formte, und da in diesem Raum das Heldenlied unseres Volkes wurzelt, begibt sich das Seltsame und Einmalige, daß Spiel und Wirklichkeit ineinandergreifen. Nur wenige wissen, daß schon vor 50 Jahren Friedrich von Schoen ein Volksspielhaus in Worms baute, das als Gegenstück zu Bayreuth das nationale Volksschauspiel aus der Gewalt der geschichtlichen Erfahrungen der Stadt schäften wollte. Während Bayreuch den genialen Meister hatte, dessen Kunst das Theater schuf, blieb dem Wormser Festspielhaus bisher der Dichter versagt, der diesem Haus und der Tradition des Bodens die grofee künstlerische Gestaltung hätte geben können. Wenn heute aus der Bewegung des Volkes heraus das Wormser Festspielhaus aufs neue ersteht und dem Spiekhaus seinen Sinn zurückgibt, und wenn die Geschichte und Sage der Nibelungen als großes symbolisches Thema diese Erneuerung einleitet, so ist auch hier die Hefste Begründung in der geschichtlichen Wirklichkeit gegeben: es sind jetzt 1500 Jahre vollendet, seit König Gunther als Volkskönig des Burgunderreiches in Worms residierte und in fchreck- . sicher Schicksalsoerkettung seinen Untergang fand. Vom Schauspielhaus aus siebt man das alte Münster aufragen, in dessen Schatten die Königsburg stand. So nahe liegen in Worms Spiel und Wirklichkeit 'beieinander. Am Dom bezeichnet an der Nordseite ein ruinöses Mauerwerk die Stelle, an der die Kachedrale mit der alten versunkenen Königsburg verbunden war. Man sieht noch eine schmale hohe Pforte und eine zugemauerte Tür im Obergeschoß, die einst von der Königsburg aus den Zutritt zum Dom ermöglichten. In monumentaler Größe stand dieser Palast auf der Nordseite des Domes. Als königliche Pfalz und als Bischofshof bildete er den Schauplatz von mehr als hundert Reichs- und Fürstentagen und großen Entscheidungsstunden der Geschichte. Der Dichter des Nibelungenliedes schildert diese Burg als Köniasplatz Gunthers in der Gestalt, wie sie um das Jahr 1200 vor seinen Augen aufragte. In der Zusammenfassung der großen Baukörper des Königinnenhofes, des Königshofes, des großen Saales, der Saalstiege und der Palastkapelle gehörte sie zu den großartigsten Werken der Baukunst. Im Jahre 1689 wurde sie von den Franzosen gänzlich zerstört. Heute ist nur noch der schöne Schloßgarten vorhanden. Gepflegte Rasenteppiche bedecken die Schutthalden und versunkenen Fundamente, und breit- wipfelige Bäume beschatten die Stätte großer Erinnerungen. Nur die Saalstiege ist an der alten Stelle geblieben und durch die schöne Freitreppe erneuert worden, die vom Garten auf den Schloßplatz hinunterführt. Noch stehen die Reste der alten Stadtmauer, die „Zinnen" auf der Wesfteite des Gartens, noch ragt der grandiose Bau des Münsters in erhabener Schönheit über die Wipfel der Bäume hinaus und läßt vor unserem geistigen Auge das Bild der alten Königspfalz in gleicher Größe erstehen. Nicht weit davon, am alten Prunkrathaus der Stadt, der „Münze", verkündeten schon vor 400 Jahren die Fassadenmalereien Niklas Nivergalts die Mär von dem hörnen Siegfried und von Kriemhild und den Riesen, so, wie auch heute noch das Andenken überraschender Blick auf die vor uns liegende Burg, ein Schmuckstück mittelalterlicher Baukunst. Für die Besichttgung der Burg, die sehr zu empfehlen ist, wird ein Entgelt erhoben (Sonntags geöffnet). Der innere Hof mit dem über 80 Meter Hefen Brunnen bietet ein reizvolles Bild. Lohnend ist die Besteigung des Bergfrieds, da sich oben eine umfassende Rundsicht über zahlreiche Ortschaften bis zu den Höhen des Spessarts, des Odenwaldes, Taunus und Vogelsbergs erschließt. Grüne Andreaskreuze leiten uns hinab über Alt-Wiedermus nach Langerürergheim und weiter ein großes Stück den Pfahlgraben entlang bis Altenstadt, von wo wir jetzt roten Dreiecken nachgehen bis zur Straße, die von Nieder-Mockstadt kommt. Hier verlassen wir die Zeichen, wenden uns rechts und kommen über Auf enter Reise nach Bayern erlebt man Wunder über Wundes, denn in dieser Landschaft ist um alle Dinge eine stärkere Leuchtkraft. Die Gotik und das Barock alter Städte entzücken den Betrachter. Die Menschen findet man aufgeschlossener, herzlicher und derber als in Norddeutschland, das sich anders entfaltet und gestaltet hat. Die Magie der bayrischen Landschaft geht von der Rhön und den Abhängen des Thüringer Waldes bei der Veste Coburg bis in die Alpen hinunter. Sie ist groß und eindringlich am Main wie an der Donau, in Bayreuch wie in Berchtesgaden, in Garmisch-Partenkirchen oder Ellingen. Eine Reise nach Bayern ist eine Augenweide und eine Herzerquickung. Die größte Entdeckung aber ist die Entdeckung dreier Elemente, die das Land formen und bilden. Da ist zuerst das alte Frankenland, dann das derbere Bajuwarien und schließlich der schwäbische Kulturraum. Franken grüßt mit wundervollen Städten, mit Nürnberg, Würzburg, Bamberg, Rochenburg ob der Tauber, Bayreuth, Ansbach, Forchheim, um einige nur, zu nennen, in denen die Zeiten vom Mittelalter bis zum Barock in unvergleichlichen Bauten und Kunstwerken chren Ausdruck gefunden haben. Sie ruhen in keinem Dornröschenschlaf, sie sind lebendig, wie es nur eine Stadt sein kann. In den Dörfern lebt ein gesundes Landvolk mit altem Brauchtum. Dorf und Stadt wachsen in einer Landschaft, die als Geschenk der Götter hingenommen weroen muß. Wir finden berühmte Bäder und Heilquellen, und in manch halbvergessenen Marktflecken sind Kunstwerke, um die uns eine ganze Welt beneidet. Im alten Bajuwarien beglückt uns die heitere Aufgeschlossenheit und Erdverbündenheit der Menschen. Nicht ohne Heferen Sinn begann in München, dem alten Kulturzentrum, die Erneuerung des Reiches. Passau an der Donau schwimmt wie ein riesenhaftes Steinschiff in den verdämmernden Abend. In seinem Bannkreis ist das uns Deutschen heilige Nibelungenlied ausgezeichnet und gefunden worden. Regensburg mit seinem uralten Dom und der nahen Walhalla ist allein eine Reise wert. Von den vielen Seen, die wie blaugrüne Augen der Landschaft sind, ist wohl der Chiemsee der schönste. Die Fraueninsel in ihm Alsfeld (Oberhessen) Bad Selters am Vogelsberg Herbstein (Vogelsberg) Alsfeld, die Heimstadt althessischer Bau- und Handwerksttmst. Historischer Marktplatz mit Rathaus aus dem Jahre 1512. Wett berühmtes Heimatmuseum. Schwimmbad. Sportplatz. Aufenthalt für Ruhe- und Erholungsbedürftige. Gute Hotels und Gaststatten.. Auskunft und Prospekte durch das Städtische Verkehrsbureau. 1 BadSelters(0derd.).amSüdhangd.Vogelshg.,i.schön.Niddettal: I Reichsstr. 275 (2 km v. Ortenberg); Bahnlinie Stockheim-Lauterbach. Heilbad f.Stadtmüde u.Naturfreunde,' absolut ländl.Ruhe, zwangl Kurleben.Liegewiese.»vlleüiktus-8pruüvI,hervorragend bewährt bei Rheuma, Gicht, Ischias, Herz-, Gallen-u.Leberleid.,Kreislaufftörung Herbstein, das alte Bergstädchen (455mü.M.), an der Bahnstrecke Lauterbach — Stockheim, umgeben von Wiesen, Weiden und hettlichen Laub- und Nadelwäldern. Bade- und Schwimm- gelegenheit in schönen Natutteichen im reizvollen Schalksbachtal. Gute,preiswerte Unterkünfte. 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Bad-Nauheim sieht sich genötigt, seiner steigernden Besucherzahl den notwendigen Platz zu schaffen. Zu diesem Zweck ist ein in drei Abschnitte geteiltes Bauvorhaben in Angriff genommen worden, dessen erster Bauabschnitt vollendet ist. Es handelt sich um die neue Ausgestaltung der Kurhausterrassen, die über die ganze Kurhausfront durchgeführte Weinterrasse, den Anbau einer Eingangs- und Empfangshalle, die zu den Terrassen überleitet, und die Heranziehung des Kurparkrasens — unter Aufhebung der bisherigen Durchfahrtsstraße — bis zum Fuß der Terrasse. Der Gedanke, das wohltuende Grün der schönen Parkanlagen möglichst nahe an die Räumlichkeiten heranzuführen, hat hier Architektur und Gartenbaukunst zu diesen Veränderungen sehr glücklich vereinigt. Der Umbau der Terrasse hat Sitzmöglichkeit für 4000 Personen geschossen. Marburger Festspiele. In diesem Jahr haben die Marburger -Festspiele Frohsinn und Heiterkeit auf ihr Programm geschrieben. Shakespeare wird allein mit drei Lustspielen den Spielplan bestreiten. Die Spielzeit beginnt mit „Wie es Euch gefällt", es folgen „Diel Lärm um Nichts" und „Sommernachtstraum". Von den besten Bühnen Deutschlands, aus München, Dresden, Hamburg, Darmstadt, kommen die Künstler zu gemeinsamer Arbeit zusammen. Auch Berlin stellt eine Anzahl durch Theater und Film bekannter Persönlichkeiten. Grenzübertritt aus dem Reich nach Italien. Zu den Fragen des Grenzübertritts aus dem Reich nach Italien teilt der Centro Alpinistico Italiano (CAI.) dem DAV. mit, daß der Grenz,- übertritt nur Personen, welche im Besitze eines gültigen Reisepasses oder einer andern, gesetzlich gleichwertigen Urkunde sind, erlaubt ist und ausnahmslos nur an den eigens hierzu vorgesehenen Grenzübergangsstellen erfolgen darf. Diese sind beschränkt auf acht Uebergangsstellen: Paßstraße aus dem Oberinntal — Hochfinstermünz — Reschen — Scheideck in den Vintschgau; Brennerstraße, Brennerbahn; Bahn Sillian — Jnnichen, Straße Gillian — Winbach — Jnnichen, Vlöckenpaßstraße — Mauthen — Timau; Straße Villach — Gogaau — Tarvis und Eisenbahnübergang Villach — Tarvis im Tal der Gailitz. Um das italienische alpine Grenzgebiet besuchen zu dürfen, ist es notwendig, daß sich die Bergsteiger an das für ihren Wohnsitz zuständige italienische Konsulat wenden, um von diesem den besonderen Sichtvermerk, welcher im Reisepaß eingetragen wird und die Gültigkeit des besonderen Ausweises hat, zu erlangen. Geschichten aus aller Wett. . [ NaOruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Sie will sich einen kaufen. (be) Kalkutta. Fräulein Klai aus Burma (Hinterindien), eine nach den Begriffen ihrer Heimat besonders schone junge Inderin, hat jetzt genug Geld verdient, um sich ihren brennenden Herzenswunsch erfüllen zu können. Sie gehörte zu einer Eingeborenentruppe, die in einer Schau aus englischen Kolonialausstellungen zu bewundern war. Die bronzene Schönheit war sparsam, legte sich jeden Schilling, den sie verdienen konnte, beiseite und hat jetzt ein kleines Vermögen beisammen, das es ihr ermöglicht, in die Heimat zurückzufahren und sich — einen Mann zu kaufen! Ich will mir meinen Mann, so erklärte sie selbstbewußt, nicht von irgendwelchen Verwandten besorgen lassen. Ein richtiger Ehemann für mich ist nur Der, den ich mir selbst mit meinem eigenen Geld taufe. Wegen eines Lippenstiftes enterbt. (lz) Istanbul. Der 95jährige Rachid schickte dem Armenhaus 10 000 türkische Pfunde mit der Erklärung, daß er wegen Streitigkeiten mit seiner Familie sein ganzes Vermögen dem Krankenhaus vermache. Der Haupt- cmlaß zu der Enterbung war die Tatsache, daß seine Nichte einen Lippenstift benutzt und sich die Fingernägel rotgefärbt hatte. Der Mann mit der Pfeife. (—) London. Als der Richter Avory morgens im Omnibus Platz nahm, suchte er mit Rücksicht auf seine Erkältung das Nichtraucherabteil aus. Prompt erschien in diesem Abteil ein Mann, der eine stark qualmende Pfeife rauchte. Der Richter versuchte den Raucher erst mit Blicken einzuschüchtern, wies dann mit zorniger Stimme darauf hin, daß das Rauchen im Nichtraucherabteil eine Beleidigung darstelle. Doch der Mann mit der Pfeife rauchte weiter und kümmerte sich um nichts. In hochgradiger Wut zoa der Richter Avory seine Visitenkarte, überreichte sie dem Raucher und wies darauf hin, er werde bestimmt von ihm auf anderem Wege hören. Der Mann schaute auf die Karte, lächelte und schickte sich an, an der nächsten Station auszusteigen. Der Richter, dem es mit seiner Aktion gegen den Raucher im Nichtraucherabteil bitter Ernst war, forderte den Schaffner eiligst auf, die Personalien jenes Mannes mit der Pfeife festzustellen. Der Schaftner eilte denn auch dem Mann mit der Pfeife nach, kehrte dann aber sehr schnell wieder zurück. Als der Richter ihn fragte, ob er den Namen des Frevlers habe, erwiderte der Schaffner, er habe nicht den Mut gehabt. Aber der Mann habe ihm eine Visitenkarte gegeben. Als Richter Avory die Visitenkarte zur Hand nahm, stellte er fest, daß es feine eigene Karte war, die der Sünder zur Entlastung dem Schaftner übergeben hatte. Die Juxzeitung. —en. Oslo. 9000 Exemplare ihrer Iuxzeitung verkauften diesmal die jungen Osloer Studenten — und als die Polizei eingriff, konnte sie nur noch 1000 Zeitungen beschlagnahmen. In jedem Jahr geben die norwegischen Studenten in Oslo ein Blatt heraus, dessen Hauptaufgabe darin besteht, die Erwachsenen zu ärgern. Diese Aufgabe wurde bisher stets in hervorragendem Maße erfüllt, die Lehrer, die Eltern, die Polizei, die Geistlichen ärgerten sich, daß es nur so eine Freude war, und das Blatt wurde mit Begeisterung von allen Osloern gekauft und aelesen. Diesmal war darin eine parodistische Rundfrage enthalten: „Warum baden Sie nicht nackt?" und eine Reihe erdichteter Osloerinnen antwortete: „Woher wissen Sie denn, daß ich es nicht tue?" In diesem Stil waren alle Beiträge gehalten, und prompt wie immer wurde allgemein Anstoß genommen. Während die Kirchen- und Schulbehörden, denen die Studenten ihr Werk selbst vorlegten, beide Augen zudrückten und die Zeitung als das nahmen, was sie war: als Studentenulk, der nach einem Tage vergessen wurde, alarmierte der Generalstaatsanwalt seine Truppen und schritt ein. Ein Exempel solle statuiert werden — hieß es, und ein für allemal müsse jetzt das unmoralische Treiben der Osloer Studenten unterbunden werden. Aus dem Jux ist also Ernst geworden, zumal die verantwortlichen Herausgeber des Blattes befürchten müssen, daß eine etwaige gerichtliche Verfolgung ihrem Studium Schwierigkeiten in den Weg legt. Inzwischen bekämpfen sich die „richtigem Osloer Zeitungen erbittert wegen des „Falles", und die Leser erkundigen "sich jetzt schon, ob sie nicht für das Studentenblatt vom nächsten Jahr Vorbestellungen aufgeben können. Sport und Theater. A. B. Kopenhagen. Sport und Theater nehmen im Norden eine unfreundliche Stellung zueinander ein. Die Sportsleute gehen nicht in die Theater, und die Theater- schriftsteller — um das anspruchsvolle Wort Dichter zu vermeiden — haben bisher nicht gemerkt, daß durch das Eindringen des Sports in das Leben des modernen Menschen neue Probleme entstanden sind, die durchaus einer Behandlung wert wären. Jetzt hat aber ein Kopenhagener Dramatiker eine Sportsatire geschrieben, „Chas", die die lachlustigen Kopenhagener in Massen in das Königliche Theater treibt. Chas ftt ein junger Mann, der die Konsequenzen aus der allgemeinen Sportbegeisterung zieht und einfach „Sportheld" wird. Damit erledigt er alle Schwierigkeiten, er wird berühmt, verdient viel Geld und stürzt in den Abgrund des Vergessenwerdens, als ein anderer Held auftritt. Das ist nun alles ein bißchen sehr einfach gemacht, wie eben Menschen, die den Sport nur von den Ueberschriften der Zeitungen her kennen, so etwas sehen. Aber trotzdem hat das Stück Erfolg: die Sportler gehen ins Theater, weil sie sich einmal auf der Bühne sehen wollen, und die Gegner des Sports sind entzückt, weil chre Anschauungen in witziger Weise bestätigt werden. Ein dänischer Sportsmann, der nichts vom Theater, aber viel vom Sport versteht, der frühere Meisterboxer Knud Larsen, ist von einer Zeitung um seine Meinung gefragt worden. Und er hat in aller Naivität eine ausgezeichnete Antwort gegeben, die den Kern des Problems und den entscheidenden Fehler des Stücks trifft Er sagte: „Ich finde, daß Chas einen Fehler yatte. Das war ja gar kein Stück, das von einem Sportsmann handelt. Soya — der Verfasser — irrt sich ja, wenn er glaubt, daß man sportliche Leistungen heroorbringen kann, ohne zu arbeiten. Im wirklichen Sportsleben muß man sich die guten Ergebnisse schwer erarbeiten, und daraus lernt man sowohl sich selbst, rote auch seine Umgebung einzuschätzen." Damit ist alles gesagt: es gibt nämlich keinen wirklich großen Sportler, der hingeht und „be- rühmt wird" —hier irrt Herr Soya. Und wenn er diese gute Gelegenheit, etwas von einem kundigen Boxer zu lernen, benutzt und einmal ein Jahr lang in einem Sportklub als aktiver Sportsmann lebt, dann wird er möglicherweise einmal ein Stück schreiben, in dem außer Witz und Satire auch die Wirklichkeit vorkommt. Sieg der Liebe. (ep) Venedig. In einem Dorf in der Nähe von Venedig begann diese ungewöhnliche Geschichte. Ein junges Mädchen sollte heiraten. Alles war bereits zur Hochzeit gerüstet. Mit dem Brautschleier angetan, wartete Das junge Mädchen in der elterlichen Wohnung auf den Bräutigam, um mit ihm zur Kirche zu fahren. Sie wartete und wartete, aber er kam nicht. Schließlich schickte man in seine Wohnung, um ihn zu suchen. Aber auch dort fand man ihn nicht, wohl aber einen Zettel mit einer längeren Mitteilung des jungen Mannes des Inhaltes, daß er sich immer wieder die ernsten Folgen seines Schrittes überlegt habe und daß er nun zu dem Schluß gekommen sei, daß er doch nicht heiraten könne. Um aber einer Auseinandersetzung mit seiner Braut aus dem Wege zu gehen, sei er davonge- fahren, um ins Ausland zu gehen, lieber diese Erholung u. gute Vor pflegun i sind. Sie nicht nur in der fterneIond.auch in den Sommeririschen u. Gast» Hätten d. Heimat nndint Punkt Erholung das Waidhaus RaiomüMe üb. Hünfeld (Rhönl. Prowekt vom Bes. Adam Kemler und beim GA. Privat-Sommerfrische in schön.Lage d.Vogelsbergs, Höhenlage 460 Mir., eig. Landwirtschaft, gut einger. Fremden;, m. fl. 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Als er las, daß ihn das Mädchen nicht vergessen wolle, ergriff ihn tiefe Rührung — so daß er noch am selben Tage die Rückreise in die Heimat antrat, um zu seiner Braut zurückzukehren. Und so wurde tatsächlich bald darauf, wenn auch mit einiger Verspätung, die Hochzeit gefeiert. Die ganze Bevölkerung der Umgegend nahm an diesem Hoch- zeitqfeste teil, unü das junge Paar schritt auf dem Wege zur Kirche durch einen wahren Blumenregen, was den jungen Mann, der anfangs solche Angst vor der Ehe gehabt hatte, nun doch etwas hoffnungsfroher in die Zukunft blicken ließ. Die Liebe hatte ihn besiegt. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach« mittag geschlossen Das ist Herr Mertens beim Frühstück auf dem Balkon seiner Pension im SonnentaL So was Gemütliches ...! Das macht vielleicht nur, weil der Gießener Anzeiger auch dabei ist; den hat er sich ja nachschicken lassen ... 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