Nr. U5 Erstes Blatt 188. Jahrgang Mittwoch, 18. Mai O38 krjchetm tügltch. außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild • Die Scholle monatstBesugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zenisprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sieben Postscheckkonto: Zrantfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: vrühlsche Universttattdruckeret R. Lange in Sietzen. Schriftlettvng und Geschäftsstelle: Schulsttatze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8^/,Uhr des Vormittags Grundpreise für i mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Nps., für Text- anzeigen von 70mm Brette 50Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25O/» mehr. Ermähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts» u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Veschleumgle Fertigstellung der Mein-Sonau-Wassersiraße. Ein geschloffenes großdeutsches Wafferstraßenneh im Werden. Berlin, 17. Mai. (DNB.) Die Wiedervereinigung Oesterreichs mit dem Deutschen Reich und die Durchführung des Vierjahresplanes verpflichten zur beschleunigte n Fertigstellung der Wasserstraßenverbindung zwischen Rhein und Donau sowie zum Ausbau der Donau bis zur Reichsgrenze unterhalb Wiens. Die Reichsregierung hat daher ein Gesetz beschlossen, in dem es heißt: Die Reichswasserstraße zur Verbindung des Rheins über den Main mit der Donau soll bis zum Jahre 1 9 4 5 fertiggestellt werden. Gleichzeitig wird die Donau abschließend bis wr Reichsgrenze unterhalb Wiens als Reichswasserstraße ausgebaut. Die notwendigen Bau mittel werden alljährlich durch den Reichshaushaltsplan bereitgestellt. Der vertragliche Beitrag des Landes Bayern wird auf 50 Millionen RM. begrenzt. Die Bauten werden innerhalb des Landes Bayern durch die Rhein — Main — D 0 - nau - AG. in München, innerhalb des Landes Oesterreich durch die zuständigen Landes- behörden ausgeführt, soweit nicht der Reichsverkehrsminister eine andere Regelung trifft. Die Rhein—Main—Donau - AG. in - München hat den Bau nach den vom Reichsverkehrsminister genehmigten Plänen auszuführen. Sie erhält für ihre Aufgaben aus diesem Gesetz das Recht zum Ausbau und zur Enteignung. Die zuständigen Reichsminister sind ermächtigt, die landesrechtlichen Vorschriften des Wasser- und Enteignungsrechtes abzuändern, soweit sie es zur Durchführung dieses Gesetzes für notwendig halten. Innerhalb des Landes Oesterreich steht das Recht zum Ausbau und zur Enteignung dem Reiche zu. Die landesrechtlichen Vorschriften des Wasser- uni) Enteignungsrechtes bleiben aufrechterhalten; die zuständigen Reichsminister werden ermächtigt, sie abzuändern, soweit sie es zur Durchführung dieses Gesetzes für notwendig halten. Nachdem die Verbindung der großen norddeutschen Ströme unmittelbar bevorsteht, soll nunmehr auch die Donau an das deutsche Wasserstraßennetz angeschlossen werden. Der Plan, der nichts anderes bedeutet als die Anpassung einer schon'vorhandenen Wasserstraßenverbindung — Ludwig — Donau — Main- Kanal — an die inzwischen gesteigerten Verkehrsbedürfnisse, wurde bereits vor langer Zeit ausgestellt. Die Ausführung litt unter der Ungunst der Wirtschaftslage des ersten Jahrzehnts nach dem Kriege, jo daß es erst Ende des Jahres gelingen wird, vom Rhein her mit der Großschiffahrtsstraße Würzburg zu erreichen. Staatssekretär Königs vom Reichsverkehrsministerium schätzt d i e Kosten, die das Reich zu tragen hat, auf etwa 750 Millionen RM. Trotz der Schwierigkeit der Beschaffung der Arbeitskräfte wird alles getan werden, um das gewaltige Wert rechtzeitig zu vollenden, durch das der Wasserweg der Donau erst seine vollständige Bedeutung für Großdeutschland erhält. Hauptaufgabe der Wasserstraßen ist, die hochentwickelten Industriegebiete Deutschlands am Niederrhein mit Oesterreich und den Agrar- und Rohstoffländern im südöstlichen Donau^aum in günstige Verkehrsbeziehungen zu bringen. Der neue Wasserweg soll den Austausch der Ruhrkohle und Erze und sonstiger Rohstoffe Oesterreichs und der Balkanländer erleichtern und Bayern und Oesterreich ähnliche verkehrswirtschaftliche Standortbedingungen bieten, wie sie die anderen deutschen Länder bereits besitzen. Die Ausführung des großen Unternehmens liegt auf bayerischem Gebiet in den Händen der Rhein- Main—Donau-AG. Auf der österreichischen Donau wird die dortige Wasserbauverwaltung den Ausbau vornehmen mit Ausnahme der Staustufe bis Pbbs- Persenbeug, deren Herstellung der Rhein—Main— Donau-AG. übertragen wurde. In Deutschland bestehen noch eine Reihe anderer großer Wasserstraßenpläne, deren Ausführung zum Teil schon in Angriff genommen worden ist Diese sollen, auch wenn ihre Fertigstellung nicht gesetzlich verankert wird, keineswegs vernachlässigt werden. In Süddeutschland wird der Ausbau des Neckars über Stuttgart hinaus fortgeführt werden. An der oberen Donau von Ülm bis Kelheim besteht die Absicht, zunächst die dort anfallenden Wasserkräfte auszunutzen und in Verbindung damit den Ausbau dieser Strecke zur Großschifffahrtsstraße vorzubereiten, ein Plan, dem wegen der hierdurch zu erwartenden wirtschaftlichen Erschließung des schwach besiedelten oberen Donaugebietes besondere Bedeutung zukommt. Die Entwurfsaufstellung für eine Wasserstraßenverbindung vom Saargebiet zum Rhein, den sogenannten Saar—Pfalz-Kanal, wird in etwa Jahresfrist abgeschlossen sein. Deutschland erhält somit tn abjehbarer Zeit ein in s i ch geschlossenes Wasser st raßennetz, das die Erzeugungs- und Verbrauchergebiete des Reiches auf großen durch- aehenden Massengüterwegen in frachtgünstige Verbindung bringt. Krankreichs außenpolitische Gorgen. „ileberraschung" über die Rede des Duce. — Militärische Maßnahmen in den Kolonien. Paris, 17. Mai. (DNB.) Die französische Regierung hat unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten angesichts des günstigen Ergebnisses der Rüst u n g s a n l e i h e die sofortige Schließung der Zeichnungsliste beschloßen. Auf Vorschlag des Kriegsministers wurde der Divisions-General Bührer zum Generalstabschef für die in den Kolonien liegenden Truppen ernannt und gleichzeitig in den obersten Kriegsrat berufen, ebenso die Divisions-Generale H u n tz i n - g e r und Garchery. Der Kolonialminister wird an den Sitzungen des Ständigen Landesverteidi- gungsausschusses teilnehmen, wenn Angelegenheiten der Verteidigung der Kolonien zur Diskussion stehen. Der größte Teil der Beratungen war dem Bericht des Außenministers Bonnet gewidmet, der sich mit der Ratstagung der Liga, mit der Tschechoslowakei und den französisch-italienischen Verhandlungen befaßte. Man erklärt, daß der französische Geschäftsträger in Rom die „U e b e r r a s ch u n g" zum Ausdruck bringen werde, die bie Rede des Duce in französischen Kreisen hervorgerufen habe. Weiter verlautetz daß der Ministerrat einmütig den englischen Schritt hinsichtlich der Minderheitenfrage in der Tschechoslowakei begrüßt habe. Die franzö- fische Regierung werde mit allen ihren Kräften das englische Kabinett unterstützen, das sich bemühe, ein Kompromiß zu finden, um dieses Problem aus dem internationalen Gebiet auszuschalten. Der „Ternps" schreibt, Kolonialminister Man- d e l habe bereits in Ergänzung der vom Ministerrat vorgesehenen allgemeinen Maßnahmen die Generalgpuverneure von Jndochina und von West- und Aequatorial-Afrika aufgefordert, in diesem Jahr zusätzliche Aushebungen unter den Eingeborenen vorzusehen, und zwar in Jndochina in Höhe von 20 000 Mann und in Afrika in Höhtz von 50 000 Mann. Man nimmt in politischen Kreisen weiter an, so schreibt das Blatt, daß ebenfalls Maßnahmen zur besseren Derteidigungsausrüstung sowie zur Einrichtung schneller Verkehrsmöglichkeiten innerhalb des französischen Kolonialreiches vorgesehen seien. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß Kolonialminister Mandel beschlossen habe, in den französischen Kolonien, und zwar insbesondere in West- und Aequatorial-Afrika, einen Werbefeldzug zu unternehmen, um die B e - Ziehungen der Eingeboren enzu Frankreich zu festigen. Der Kolonialminister soll den Neger-Abgeordneten Galandou Dious, der Senegal in der französijchen Kammer vertritt, mit dieser Aufgabe betrauen und ihm einen Stab von assimilierten Negern zu diesem Zweck beigeben wollen. Die Abordnung soll mit erheblichen Mitteln ausgerüstet werden und in Zentralafrika eine rege Tätigkeit entfalten. Einst und jetzt. Italienische Betrachtungen über Frankreichs Volksfront-Politik. Rom, 17. Mai. (DNB.) Zu den vom französischen Luftfahrtministerium angekündigten Bestel - lungen von Flugzeugen in den Der» einigten Staaten erklärt „Popolo di Roma , niemandem könne die Bedeutung dieses französischen Schrittes entgehen. Vor der Machtübernahme durch die Volksfront fei Frankreich eines der führenden Exportländer für Flugzeug- material gewesen. Nachdem die zersetzende Wirtschaftspolitik eine Kri.se der Technik und einen Verfall der Organisation hervorgerufen habe, müsse sich Frankreich, das mit seinen Farman, Bleriot und Dewoitine zu den Pionieren des Flugzeugbaues zähle, an die Vereinigten Staaten wenden, um seinen dringendsten Bedarf zu decken. Dies werfe ein grelles Schlaglicht auf diese Krise, die durch die sozialen Unruhen und durch die Anstrengungen, Sowjetspanien mit Flugzeug- material zu versorgen, verursacht worden sei. Der Beschluß des französischen Luftfahrtministeriums sei die logische Folge einer Politik des Verzichts und der Unordnung. Schon lange sei die französische Luftfahrt immer mehr ins Hintertreffen geraten. Nach dem Mißerfolg des Langstreckenfluges Jstres—Damaskus—Paris, nach den empfindlichen Verlusten in Spanien, nach der fast vollständigen Schließung der Auslandsmärkte fei für Frankreich kein anderer Weg als der jetzt eingejchlagene mehr möglich gewesen. Auf das faschistische Flugwesen sehe Italien. mit berechtigtem Stolz. Im Italien Mussolinis bestehe keine Sorge für die Vorsorgung mit Flugzeugmaterial, das, was Qualität und Quantität anbelange, so hervorragend sei, daß Exporte im Werte von hunderten Millionen von Lire möglich seien. Mit dem Plan der totalitären Autarkie beherrsche das faschistische Flugwesen nicht nur den Himmel Italiens, sondern setze sich auch bereits in Ueberfee gegenüber der ausländischen Konkurrenz siegreich durch. Frankreich muß Farbe bekennen. Italien gegen dunkle Manöver in Paris. Rom, 17. Mai. (DNB.) Frankreichs ungewisse Haltung und die dunklen Manöver gewisser, auch verantwortlicher Kreise, die immer noch jeder Befriedigung Europas entgegenarbeiten, beschäftigen nach wie vor die römische Presse, die erneut betont, wie begründet Italiens Vorsicht feit „Tribuna" erklärt, daß, wenn sich französische Blätter dumm stellen wollten, indem sie behaupteten, daß Frankreich nicht den Sieg Barcelonas wünsche, dies geradezu unglaublich sei. Wenn aber diese Blätter die Absicht hätten, zu scherzen, so müsse man betonen, daß Italien da nicht mehr mitmache. Nicht nur weite französische Kreise, sondern sogar verantwortliche Minister hätten an der Seite Sowjetrußlands von Anfang an gemäß Moskaus Befehlen eine Ein - mischungspolitik in Spanien betrieben. Diese schamlose Politis, so könne man ruhig sagen, habe eine ausgleichende Reaktion herausgefordert, da man es nicht dulden konnte, daß ein Mittel- m e e r ft a a t von wenigen Verbrechern und Verrätern dem Kreml ausgeliefert würde. Die oben bargelegte Politik habe auch unter der neuen französischen Regierung keine wesentliche Aenderung erfahren. Paris sei nach wie vor nach Moskau hin orientiert, und eine solche Haltung müßte ihre Auswirkungen auf die Besprechungen mit Italien haben. Während nämlich die Franzosen die Tragweite der römischen Besprechungen aufzubauschen versuchten und alles rosig, alles einfach und bereit für eine neuerliche und bequeme Umarmung sehen wollten, fei von Genua die kalte Dusche gekommen, wo man die Lage eingehend geprüft und Frankreich vor die Notwendigkeit gestellt habe, gegenüber feinen wahren Absichten in Bezug auf das faschistische Italien und Europa Farbe zu bekennen. bas bolschewistische Barcelona. Ein Kompromiß sei in dieser Hinsicht unmöglich, denn Marxismus und europäische Ordnung schließen einander aus. Italien und Deutschland, so betont „Tribuna" abschließend, hätten erklärt: Es ist genug! Die weltzerstörende Pest möge bei den Völkern bleiben, die sich als Brutstätte hergeben wollen. Es sei der feste Vorsatz, ern ILebergreifen diejerSeuche aus die gesunden Teile Er opas nicht zu dulden. Bei einem Ueber- einfommen könne man von dieser Stellungnahme nicht abgehen; da es sich um das Schicksal, das Wohl und die Zukunft Europas handele, müsse Frankreich unter Beiseitelassen diplomatischer Spitzfindigkeiten feine Wahl treffen. Beklemmungen. Paris, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Einige Pariser Morgenblätter beschäftigen sich erneut mit den problematischen französisch-italienischen .Verhandlungen. Dabei kommt zum Teil große Besorgnis zum Ausdruck. Da die für Dienstag angekündigte Zusammenkunft zwischen Graf C i a n 0 und dem französischen Geschäftsträger B l 0 n d e l in Rom nicht stattgefunden hat, stellt der römische Berichterstater des „Journal" bedrückt fest, daß der italienische Außenminister seit seiner Rückkehr aus Genua dem französischen Ge- jchäftsträger nicht einmal ein Lebenszeichen von sich gegeben habe. In den letzten Tagen fei Mussolini ganz besonders ungehalten gewesen über die heimliche Durchführung der von der Regierung Blums seinerzeit getroffenen Verordnungen hinsichtlich des Waren-Transit-Ver- k e h r s zugunsten Rotspaniens über französisches Gebiet und über französische Häfen. Staatssekretär Willi kens, der dem Gast des Der Staatssekretär des königlich italienischen Landwirtschaftsministeriums, Professor Tassinari, traf am Dienstagabend in Berlin ein. Er war begleitet von seinen engsten Mitarbeitern, Commodore Fratari und Professor Perini, sowie von Das Italien Mussolinis sei nicht für .derartige Walzertouren, es bevorzuge, wenn es sich um die Zusammenarbeit in Europa handele, klare Positionen und habe auch den Mut, offen seine Meinung zu sagen. Es sei fest davon überzeugt, daß eine Politik des Wiederaufbaues in Europa Reichsernährungsministers bis zurdeutsch-italienischen unoereirtbar sei mit den täglichen Hilfeleistungen an i Grenze entgegengefahren war. Nordische Neutralität. Von unserem p.N.-Korrespondenten. Kopenhagen, Mai 1938. Der Vorstoß Ües Schweizer Bundesrates wegen der Wahrung der überlieferten Neutralität der Schweiz beim Rat der Genfer Liga hat in den skandinavischen Ländern ein Thema wieder an die Oberfläche gebracht, das seit dem vorigen Jahr ununterbrochen die Aufmerksamkeit der politischen Kreise beschäftigt. Die Neutralitätsfrage stellt sich auch für die nordischen Staaten mit immer größerer Dringlichkeit. Die Neuttalität der Schweiz auf der einen und der skandinavischen Staaten auf der anderen Seite kann zwar kaum in einem Atem genannt werden, da die Neutralität der Schweiz durch umfassende Verträge gesichert war, während die der skandinavischen Staaten mehr auf ihrer eigenen Einstellung gegenüber der politischen Entwicklung beruhte. Weder für Dänemark, noch für Schweden oder Norwegen gab es vor dem Kriege irgendwelche Möglichkeiten oder Wünsche einer Ausdehnungspolitik nennenswerten Umfanges. Worauf es ankam, war lediglich das Bestreben, den bisher erzielten Stand des Territorialbesitzes sowie die wirtschaftliche Stellung zu sichern. Dazu verfügte man in Vorkriegszeiten über angemessene Rüstungen. Nach Kriegsende tauchte dann jene gefährliche politische Chimäre der kollektiven Sicherheit auf, die den kleinen Staaten versprach, die Genfer Liga würde, wenn sie ihr nur als. treue Mitglieder anhingen, schon unter allen Umständen dafür sorgen, daß ihnen nichts widerführe. Auf diese Illusion bauten die Politiker der Linken in den skandinavischen Ländern auf, wenn sie seitdem planmäßig die Rüstungshaushalte ihrer Länder auf das Mindestmaß zurückdrängten. Das geht so weit, daß der dänische Ministerpräsident Stauning noch vor kurzem glaubte, die Versicherung aussprechen zu sollen, daß die von den nordischen Staaten gemeinsam beschlossene Aufwendung von je 50 Millionen Kronen lediglich zur Einführung gewisser Verbesserungen und zum Ersatz veralteten Materials dienen würde, daß aber darüber hinaus „nicht eine Patrone mehr" angeschafft - werden sollte. Die Illusion von der kollektiven Sicherheit hat sich also in den nordischen Ländern mit einer erstaunlichen Hartnäckigkeit gehalten, weil hier der Wunsch Vater des Gedankens war, man könne auf diese Art der eigenen Geldbörse unwillkommene Mehrausgaben ersparen. Auf der, anderen Seite aber wuchs die Zahl derer, die mit immer schwerwiegenderen Zweifeln an der Fähigkeit der kollektiven Sicherheit an den Tag traten, die Sicherheit der nordischen Staaten erfolgreich zu verteidigen. Diese Befürchtungen unterftriftjen die verschiedenen, sattsam bekannten Mißerfolge der Genfer Liga so lange, bis schließlich im Jahre 1936 der Vertreter Schwedens gleichzeitig auch im Namen der übrigen Mitgliedsstaaten des Oslo-Abkommens in Genf erklärte, man fühle sich in diesen Staaten an die Verpflichtungen des Sanktionsartikels 16 nicht mehr gebunden. Aus dieser Erklärung sprach die Erkenntnis, daß die Zugehörigkeit zur Genfer Liga, weit davon entfernt, den nordischen Staaten ihre Sicherheit zu gewährleisten, vielmehr — das hatte der Fall Abessinien gezeigt — gerade die kleinen Mächte in be» ängstigende Nähe zu einem Konflikt gebracht hatte, der sie weder territorial noch wirtschaftspolitisch unmittelbar berührte. Damit war der erste förmliche Schritt aus dem Rahmen der „kollektiven Sicherheit" heraus getan; jener kollektiven Sicherheit, von der von gewiß maßgebender Seite seinerzeit gesagt worden ist, sie bedeute in der Praxis nichts anderes als den Krieg für alle. Damit aber ergab sich gleichzeitig die Frage danach, wie man die Neutralität durch eigene Mittel so unterbauen könnte, daß sie auch von anderen respektiert wird — mit anderen Worten: die Frage nach der Möglichkeit der eigenen R ü - ft u n g e n. Es ist bezeichnend, daß in der letzten Zeit nur noch Finnland hier mit dem Argument zur arbeiten versucht hat, man dürfe den Sanktionsartikel des Genfer Abkommens ja schließlich nicht nur unter dem Gesichtspunkt betrachten, welche Unannehmlichkeiten man davon haben könne; man müsse auch berücksichtigen, daß man diesen Artikel aufb im eigenen Interesse für sich selbst anrufen dürfe. Ministerpräsident Chamberlain hat hierauf am 23. Februar eine ganz eindeutige Antwort gegeben, als er feststellte, man dürfe die kleinen Staaten nicht in den Klauben einlullen, daß sie auf irgendwelchen Schutz von der Genfer Liga zu rechnen hätten. Das war so klar wie möglich. Nicht nur ein Blick auf die Karte, sondern auch selbst die vorsichtigste Einschätzung der Nachrichten über bie Rüstungen der Sowjetunion an ihrer Westgrenze, über den ausgedehnten Soionagebetrieb in den nordischen Ländern und besonders an ihren Küsten mußten nur den politischen Führexn der skandinavischen Staaten das übrige sagen. Die Frage der Vorbereitung einer gern e in s am e n Abwehr ist brennend geworden. Erreicht ist — das sei vorausgeschickt — in dieser Hinsicht außer der Bewilligung der oben erwähnten je 50 Millionen Kronen noch nichts. Schon über die Anwendung dieser Mittel kann man nach der erwähnten Mitteilung Staunings seine Zweifel haben. Der Gedanke, daß es genug sei. wenn man die unmittelbaren eigenen Grenzen schützt, scheint noch zu überwiegen. Man hat in Dänemark offenbar noch wenig Meinung dafür, sich den Kovf darüber zu zerbrechen, wie Norwegen.die Nordfront schützt oder wie Finnland mit der gemeinsamen Ostgrenze fertig wird. Demgegenüber beobachten Norwegen, Schweden und Finnland mit Unruhe, aber ohne darüber feste Entschlüsse zu fassen, Däne« marks strategische Lage en der Südfront gegenüber den drei Zugängen zur Ostsee. Und nicht einmal zwischen Schweden und Finnland ist es bisher zu einer Verständigung in der beide Staaten ziemlich gleich stark berührenden Frage der Befestigung der Älandsinsel gekommen. Es scheint fast, als sei gelegentlich auch hier die öffentliche Meinung weiter in der Erkenntnis der Tatsachen vorgedrungen als die maßgebenden poli« tischen Stellen. Jedenfalls ist es unverkennbar, daß in der gesamten skandinavischen Sozialdemokratie die Willigkeit zu einer Verbesserung der eigenen Wehrhaftigkeit deutlich gestiegen ist. Die Einsicht breitet sich aus, daß bei militärischen Verwicklungen in der Zukunft die strategischen Grenzen etwa Dänemarks nicht nur, am Sund und den beiden Belten liegen, sondern ebenso gut zwischen Murmansk und Karelien oder bei den Alandsinseln, daß es aber an einem gemeinsamen Verteidigungsplan der nordischen Länder fehlt, und daß vor allen Dingen mit den vorhandenen Heeres stärken und R ü st u n g s b^e st ä n ü e n an die erfolgreiche Verteidigung der eigenen Neutralität nicht zu denken ist. Nur mit dem Platzgreifen dieser Erkenntnis ist es zu erklären, daß beispielsweise die dänische Polizei zwar Mitglieder des Verbandes der nationalen Jugend wegen der Teilnahme an einer Felddienstübung verhaftet, daß die Schuldigen aber mit einer höchst bescheidenen Geldstrafe wegen verbotenen Uniformtragens daoongekommen und daß das Echo in der Oeffentlichkeit — auch in der sozialdemokratischen Presse! — erstaunlich ruhig war. Noch vor einem Jahr wäre dies ein Anlaß zur größten Erregung gewesen, und auch die Polizei wäre kaum so milde verfahren. Es baynt sich also eine neue E i n st e l l u n g an. Wie lange sie brauchen wird, um die Oberhand zu ergreifen, und ob der Weg da- zu über eine innerpolitische Umorientierung der skandinavischen Völker führen wird, das sind vorläufig noch unbeantwortete Fragen. Francos Vormarsch dauert an. Salamanca, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Wie der nationalspanische Heeresbericht meldet, wurde an der Teruel-Front im Abschnitt Mosaueruela ein feindlicher Gegenangriff unter starken Verlusten für die Roten mühelos ab- gewiesen. Die nationalen Truppen konnten darüber hinaus ihren Vormarsch fortsetzen und die Kapelle San Antonio, sowie die Ortschaft Mosaueruela erobern. Der Feind verlor über 300 Tote. 214 Sowjetspanier wurden gefangengenommen und zahlreiche Waffen und Munition erbeutet. Im Ab- schnitt Corbalan sind vier weitere Stellungen erobert worden. Der Heeresberickterstatter des nationalen Hauptquartiers schreibt, daß die Truppen General Francos trotz des strömenden Regens hervorragenden Angriffsgeist behalten. In der eroberten Kapelle San Antonio, die über 1500 Meter hoch liegt, hatte sich der Feind besonders stark verschanzt und diese Stellung zum Schlüsselpunkt der ganzen Verteidigungslinie ausgebaut. Der Angriff gestaltete sieh hier um so schwieriger, weil eine Unterstützung durcy Artillerie und Flugzeuge infolge des Nebels unmöglich war. Die Navarra-Divisionen stürmten mit Handgranaten und dem Ruf „Diva Espana!" die besetzten Steilhänge hinauf und vertrieben den Feind im Nahkampf, Mann gegen Mann, aus der wichtigen Bergstellung. Im Anschnitt Carbalan haben die national- spanischen Truppen einen vollen Sieg davongetragen. Die militärische Operation wurde mit dem Vorstoß auf die sehr starke bolschewistische Stellung gleichzeitig als Flankenangriff von Teruel und von C e d r i l l a s ausgehend, durchgeführt. Nach zähem Kampf gelang die Vereinigung beider nationalspanischer Truppenkörper, die das zwischen sich liegende Gros der bolschewistischen Verte idi g u n g sstellu n g mit ihrem zehnfachen Grabensystem zermalmten. Die feindlichen Verluste find außerordentlich hoch. Sämtliche Gräben wurden mit Toten angefüllt vorgefunden. Zahlenangaben können jedoch noch nicht gemacht werden. Das Gingen an der Lunghai-Bahn. Tokio, 18. Mai. (Ostasiendienst des DNB- Funtspruchs.) Nach den letzten Frontberichten und Beurteilungen aus japanischen Kreisen begann sich die chinesische Armee unter hinhaltendem Widerstand aus dem Abschnitt der Lunghai- Bahn südlich und östlich von Hs ü tschau nach Osten und SUdosten zurückzuziehen. Mit dem erwarteten Durchbruchsversuch in südwestlicher Richtung gegen die Bqhnlinien Peking—Han kau ist vorläufig nicht zu rechnen, da sich die von Westen und Südwestcn über Hsütschau angesetzte japanische Offensive, die mit einem starken Widerstand des zahlenmäßig überlegenen Gegners zu rechnen hatte, allmählich in Einzelaktionen auflöst, in deren Verlauf die Einnahme des langumkämpften Hsütschau zu erwarten ist. Es bleibt weiter die Frage offen, ob sich die chinesische Armee südlich der Lungyai-Bahn und östlich der Tientsin—Tunkau-Bahn erneut stellen wird, oder ob sie unter Umgehung des japanischen rechten Flügels im Durchbruch in südwestlicher Richtung nach H a n k a u zu gelangen versucht. Man hält es daher für möglich, daß neue Entscheidungen im Raum nördlich und nordöstlich von Nanking bevorstehen. Hsütschau unter schwerstem Feuer Rückzug der Chinesen nach Südosten. Schanghai, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die japanische Artillerie, die nach Erstürmung der chinesischen Befestigungen auf den We st bergen dort aufgefahrcn war, belegt die Stadtmauern von Hsütschau und die Stadt selbst mit schwerstem Feuer, um sie sturmreif zu schießen. Die Japaner rechnen damit, daß die Stadt erstineinigenTagen fallen wird. Nach Fliegermeldungen liegen auf der gesamten Strecke der Lunghm-Bahn 70 chinesische Transportzüge. Gleichzeitig wird der Abmarsch starker chinesischer Kräfte von Hsütschau aus in südöstlich-er Richtung gemeldet. Oer brasilianische Botschafter im Auswärtigen Amt. Berlin, 17. Mai. (DNB.) Der brasilianische Botschafter hat heute im A u s w artig e n A m t einen Besuch abgestattet und eine eingehende Unterredung über die Vorgänge der letzten Zeit in Brasilien gehabt, soweit sie die deutschen Interessen besonders berühre" Das Programm des neuen belgischen Kabinetts. Spaak fordert Reform der Demokratie. — Eine gesicherte Mehrheit. Brüssel, 17. Mai. (DNB.) Der neue belgische Ministerpräsident Spaak gab vor der Kammer die Regierungserklärung ab. Spaak erklärte, daß d i e Demokratie reformiert werden müsse. Die öffentliche Meinung erwarte eine st a r k e Regierung, die mutig ihre Verantwortung übernehme.. Belgien sehe sich dem Problem gegenüber, seine taatlichen Einrichtungen zu erneuern. Für die Regierung müsse eine gewisse Stabilität ge- chaffen werden, die zu einem energischen Vorgehen unerläßlich sei. Für das Parlament müßten bessere Arbeitsmethoden geschaffen werden. Für die Presse, die in letzter Zeit gewisse Mißbräuche gezeigt habe, müßten die gesetzlichen Bestimmungen abgeändert werden. Diese Reform werde möglicherweise eine Revision der Verfassung mit sich bringen. Die Regierung wünsche, daß die Sprachengesetze loyal eingehalten werden. Die Regierung verpflichte sich, das Gleichgewicht des Haushaltes unter allen 'Umständen herzustellen. Die Regierung werde die Parole: „Es muß gearbeitet werden" auf ihr Banner schreiben. Man werde zunächst die unerläßlichen öffentlichen Arbeiten berücksichtigen, insbesondere den Bau von Straßen, Schulen und Krankenhäusern, ferner die Entwicklung des Schiffsbaues und der Fischerei, die Modernisierung der Eisenbahnen und die Organisation der Luftdbwehr. Auf dem Wege von Anleihen und durch andere Mittel könnten die hierfür nötigen Beträge aufgebracht werden. Die Regierung werde außenpolitisch den Grundsätzen treu bleiben, die die vorhergehende Regierung einaehalten habe. Dasselbe treffe für die Militär- und Kolonialpolitik zu. Die neue Regierung betrachte sich als eine Regierung der nationalen Einigung, der Verteidi- auna der belgischen Einrichtungen und des wirtschaftlichen Wiederaufstiegs. Die Regierungserklärung wurde von der Mehrzahl aller Abgeordneten mit Beifall ausgenommen. Die Liberalen und die Sozialdemokraten beschlossen, der Regierung das Vertrauen 3U geben. Bei der katholischen Fraktion wurde mit 33 gegen 2 Stimmen und 13 Stimmenthaltungen ebenfalls das Vertrauen für das Kabinett Spaak ausgesprochen. Die meisten Mitglieder des konservativen Flützels der katholischen Fraktton enthielten sich der (Stimme. Durch die Entscheidungen der drei Regierungsparteien ist die Stellung des Kabinetts Spaak endgültig gesichert. Im Senat kam es zu einem größeren Zwischenfall, als Spaak seine Regierungserklärung auf Französisch verlesen wollte. Der nationalflämische Senator van D i e r e n forderte, daß die Erklärung z u • erst in flämischer Sprache verlesen werden solle. Die Mehrheit des Senats sprach sich jedoch gegen dieses Verlangen aus. Die gesamte nationalflämische Fraktion verließ daraufhin den Sitzungssaal und blieb dem Vorttag der Regierungserklärung fern. Der neue Ministerpräsident. Belgiens neuer Ministerpräsident Spaak ist 1899 geboren und mit feinen 39 Jahren der 'jüngfte Premier Europas. Es ist gewissermaßen politisch und auch literarisch vorbelastet. Sein Vater war ein bekannter flämischer Schriftsteller, dessen meistgespieltes Stück den Titel „Kaatje" führt; feine Mutter ist sozialdemokratische Senatorin, Tochter des früheren fortschrittlichen Liberalen Paul Janson und Schwester des bisherigen belgischen Ministerpräsidenten Paul Emil Janson, der also Onkel seines Nachfolgers ist. Der jetzige belgische Ministerpräsident hat vor 15 Jahren auf dem linken Flügel der belgischen Sozialdemokratie begonnen, ist aber unter dem Eindruck des Versagens Moskaus und des Entstehens der Volksfrontbewegungen auf den rechten Flügel gerückt und gilt als Führer der „nationalen Sozialdemokraten" Belgiens. Der Ministerwechsel in London Keine Spannung zwischen Chamberlain und Halifax. London, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" stellt fest, daß entgegen kürzlichen Gerüchten feine Spannung zwischen Chamberlain und Lord Halifax während dessen Anwesenheit in Genf entstanden sei. Es sei wahr, daß Chamberlain mit dem Außenminister währeird dessen Genfer Aufenthaltes in enger Fühlung gestanden und darauf gedrängt habe, daß jeder nur mögliche Schritt getan werde, um die schnelle Erledigung der aus der Tagung der Liga stehenden Punkte zu sichern. Halifax habe Chamberlain offen über die Schwierigkeiten berichtet, auf die die britische Abordnung in Genf gestoßen fei. Es habe sich dabei eher um einen Austausch van Informationen, als um Ansichten gehandelt. Auf jeden Fall seien Anzeichen einer Unstimmigkeit nicht vorhanden. Die Blätter veröffentlichen einen Briefwechsel zwischen Ministerpräsident Chamberlain und Lord Weir, einem engen Mitarbeiter des aus dem Kabinett ausgeschiedenen bisherigen Luftfahrt- Ministers Lord Swinton. Lord Weir teilte Chamberlain mit, er sehe sich infolge der Veränderungen im Luftfahrtministerium gezwungen, um seine Entlassung nachzukommen. Der politische Mitarbeiter des „Daily Expreß" sieht, wie die an« deren Morgenblätter Lord Nuffield als wahrscheinlichen Nachfolger Lord Weirs an. Ein Teil der Morgenpresse berichtet, daß die erste Amtshandlung des neuen Luftfahrtministers Sir Kingsley-Wood die sofortige Aufnahme von Besprechungen mit der Schwerindu- ft r i e und die Bildung eines Sachverständigen-Aus- fchusses gewesen sei. Letzterer solle eine Beschleunigung der Produktion herbeiführen. England stapelt aus. Nach Weizen und Futter folgt jetzt . das Cisen. London, 18. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Englische Jndustriekreise rechnen, dem „Daily Expreß" zufolge, damit, daß die Regierung demnächst einen Plan für die Aufstapelung von Roheisen zur Stahlerzeugung in Notzeiten bekannt gibt. Die Jnduftriewerke an der No xdo st k liste wurden von Der Regierung aufgefördert, künftig keinen Hochofen mehr auszublasen, selbst wenn laufende Aufträge nicht vorlägen. Nach dem Blatt sollen die Lagervorräte an Roheisen Don’gur Zeit 600 000 Tonnen auf 1 Million Tonnen er- höht werden. Bekanntlich hatte der Schatzkanzler im Unterhaus mitgeteilt, daß die englische Regierung schon Weizen, Waalöl und Futter auf. gekauft und für Notzeiten eingelagert habe. Jetzt folgt das Eisen. Zrland-Abkomkien auch vom Oberhaus angenommen. London, 17. Mai. (DNB.) Das Oberhaus hat heute in dritter Lesung das englisch-irische Abkommen einstimmig angenommen. Nachdem jetzt Ober- wie Unterhaus den Vertrag ratifiziert haben, wird er noch heute abend dem König zur Bewilligung übermittelt werden. Vormacht im arabischen Raum. Von unserem (5. K.-Korrespondenien. Kairo, Mai 1938. In den Tagen, da der türkische Außenminister Rüschdi Arras in Kairo weilte und die ägyptisch-türkische Verbrüderung feierte, ist in der ara» bischen Presse Aegyptens aller Schattierungen immer wieder herausgestellt worden, wie es nun Aufgabe des Landes am Nil fei, eine führende Rolle in der Politik des Nahen Ostens zu spielen und jene Vormachtstellung im arabischen Völkerkreis zu erringen, die dank des wirtschaftlichen Sckwerge- wichts Aegypten zukomme. Der Wille müsse nicht westwärts, nicht nach Europa, ausgerichtet sein — so schrieb ein großes Kairoer Abendblatt — denn in dieser Ausrichtung der Kräfte könne Kairo stets nur geduldetes Anhängsel Europas sein. Es gelte, das Antlitz der Nation gen Osten auszurichten. Vormacht im arabischen Raum werden — wie sehr dieser politische und wirtschaftliche Grundsatz des neuen Aegyptens im Bezirk des Geistigen, des Kulturellen schon verwirklicht ist, wird häufig übersehen. Im Bereich des Religiösen ist Aegyptens Stellung als Zentrale gesichert durch die „A y z a r", jene alte muselmanisch-theologische Hochschule, die auf bald tausendjähriges Bestehen zurückblicken kann. Aus ihr werden die Scheits und Ulemans in die Moscheen der gesgmien islamischen Welt entlassen und arbeiten überall in dem Geist, den man ihnen in den Hallen der Kairoer Ahzar ins Blut geimpft hat. Von den 15 000 Studenten, die an die- [er Hochschule studieren, geht ein großer Teil in die islamischen Länder jenseits der ägyptischen Grenzen und kommt aus diesen. Wenn die dominierende Stellung Aegyptens im religiösen Bezirk der iflamh- schon Welt noch eindeutiger Dokument werden soll, bann zweifellos durch jene Pläne, die mit einem ägyptischen Kalifat spielen, als dessen Kandidat der junge König gilt, und die gerade von Den Kreisen Der Ahzar, vor allem von ihrem im Stillen arbeitenden Leiter, dem Scheikh e I Maraghi genährt werden. Aber auch jenseits Des streng religiösen Bezirks, im Kulturellen schlechthin, ist die Vormachtstellung Aegyptens größer als man allgemein annimmt. Aegyptens arabische Presse ist Die beste Der gan- Zen arabischen Welt. Kairos bhdeutendstes Blatt, die „Al A h r a m" (Die Pyramide), mit eigenen Vertretern in aller Wett, versendet fast die Hälfte feiner Auflage über die ägyptischen Grenzen hinweg in die arabische Nachbarschaft und wird bis zur iranischen < Grenze hin ebenso gelejen, wie in Marokko, wenn sie Dort nicht durch die französischen Behörden verboten ist. Auch viele arabische Lokalzeitungen in Syrien und im Irak leben weitgehend von dem Nachrichten- und Artikelmaterial, das sie Den großen ägyptischen Zeitungen, vor allem Der „Ahram" entnehmen. Aehnlich wie mtt den Zeitungen ist es mit den Büchern. Wer im arabischen Kulturgebiet und Sprachraum seinen Wissensdurst mit arabischen Mitteln befriedigen will, ist wiederum auf Die ägyptische Produktion angewiesen, weil Kairo Die einzige Stadt ist, Die etwas wie „arabische Verleger" kennt. Der arabische Buchhandel, sowohl in schöngeistiger, als vor allem in historischer und theologisch-religiöser Sparte, wird fast ausschließlich gespeist von Kairo her. Und wer arabisch lesen will, muß zwangsweise zum ägyptischen Buch greifen. Beim Film ist es nicht anders. Der Film in arabischer Sprache, Der sich seinen Markt im arabischen Sprachraum zunehmenD und überraschend schnell erobert — fei er synchronisiert, fei er in eigener ProDuktion hergestellt —, stammt aus ägyptischen Ateliers und wird von den städtischen Massen mit einem schwer vorstellbaren Heißhunger begehrt. Das Gebiet Der arabischen Schallplatte wirD zwar nicht Durch ägyptische ProDuktion beherrscht — Das arabische Schallplat- tengeschäft liegt weitgehend in deutschen Händen! — aber Die Deutschen Produktionsgesellschaf- ten greifen zurück auf vornehmlich ägyptische Künstler unD Sprecher, und so Dominiert auch auf Dem Gebiet der Schallplatte indirekt bas LanD am Nil. Der ägyptische R u n D f u n k in ara» bischer Sprache hat sich im arabischen Raum eine DominierenDe Stellung erkämpft, und die in arabisch funkenden englischen oder italienischen Sender reichen an seinen Einfluß und Hörerkreis bei weitem nicht heran. Besonders Die Freitagprogramme Der ägyptischen Sender sind stark begehrt, Denn Die besten Koran-Pezitatoren unD Kommentatoren, Die die Ahzar zur Verfügung hat, stehen an diesem Tage im Kairoer Funkhaus vor dem Mikrophon. So ist, kulturell gesehen, Aegypten tatsächlich heute schon Zentrum Des arabischen Sprachgebiets unD hat feit langem Den Anspruch verwirklicht, Den es nun im Bereich des wirtschaftlichen unD politischen Lebens zu verwirklichen sucht, nachDem Der staatlichen Souveränität die Fesseln genommen wurden. Denn das Land am Nil ist das einzige, das den geistigen Verbrauch des einzelnen intellektuellen Arabers, wie Der Massen, an geistigen Gütern be> frieDigt, so er „arabisch" befriebigt werden soll. Amerikas Flottenrüstung. Washington, 18. Mal. (DNB.) Präsiden? Roosevelt hat am Dienstag die Flotten- aufrüftungsüorlage unterzeichnet, die den Betrag von 1,1 Milliarben Dollar während des nächsten Jahrzehnts vorsieht. Das Marineministerium hat Die sofortige Bewilligung von etwa 12 Millionen Dollars empfohlen, um in aller Kürze bas Bauprogramm zu beginnen, bas bis Flottentonnage um 20 v. H. erhöhen wirb. Das FlottenaufrMungsgesetz ergänzt das in bem ordentlichen 546 Millionen Dollars betragenben Marinehaushalt vorgesehene Bauprogramm für bas am 1. Juli beginnende Rechnungsjahr und billigt den Bau von insgesamt 46 Kriegs- und 26 Hilfsschiffen sowie von 9 5 0 Flugzeugen. Das Programm umfaßt die Bauten von drei weiteren Schlachtschiffen, zwei Flugzeugträgern und eines Luftschiffes. Die Bewilligungen für die Schiffsbauten im Rahmen des Aufrüstungsgesetzes müssen im Kongreß von Fall zu Fall angefordert werden. Stalin „liquidiert" weiter. Moskau, 18. Mai. (DNB.) Seit Anfang Mai hier hartnäckig umlaufenbe Gerüchte, monadj ber fteünertretenbe Vorsitzende des Dolkskommissaren- rates der Sowjetunion Kossior verhaftet worden sei, scheinen sich zu bestätigen. Kossior, Der bereits am 1. Mai bei Der ParaDe auf bem Roten Platz vermißt mürbe, war zugleich Vorsitzender ber Kommission für Sowjetkontrolle und Mitglied des sogenannten „Politbüros" ber bolschewistischen Partei. In letzter Zeit erwähnt bie Sowjetpresse in ben einzelnen Räterepubliken täglich sämtliche Mitglie- ber bes politischen Büros, wobei jeboch Kossior mit keinem Wort mehr erwähnt wird. Derartige Anzeichen pflegen bei ben hiesigen Verhältnissen un* trüglich zu fein. Mit Kossior, ber ber Abstammung nach ukrainischer Pole ist, verschwindet wieder ein „alter Bolschewist", ber bis in bie letzte Zelt hinein oberste Parteiämter bekleidete. Noch im Januar d. I. wurde Kostior, ber bis dahin zehn Jahre lang Generalsekretär der bolschewistischen Partei ber Ukraine gewesen war, bas Präsidium ber Sowjetkontrollkommission unb ber stellvertretende Vorsitz des Dolkskommisiarenrates übertragen. Im übrigen wird dem Fall Kossior deshalb besondere.Bedeutung beigelegt, als damit zum ersten Male eine Persönlichkeit von ber „Säuberungsaktion" ergriffen wirb, bie bem allerengften Umkreis Stalins angehörte. Das Schicksal Kossiors sollen bem Vernehmen nach auch ber Volkskommissar für Land wirtschaft Eiche und Der Chef Des Amtes für Agitation beim Zentralkomitee ber Kommunistischen Partei, Steffi, teilen. Die Tas chkenter Zeitung „Prawba Wostoka" melbet, daß eine neue konterrevolutionäre Gruppe von Funktionären ber Sowjetrepublik Usbekistan burch bas Militärtribunal ber Republik abgeurteilt worden sei. 15 Personen wurden zum Tode verurteilt, weil sie sich antibolschewistisch betätigt unb Sdjäblingsarheit geleistet hätten. Letztere habe Dem Sowjetstaat Millionenverluste zugefügt. Ein weiterer umfangreicher Schauprozeß fand nach einem Bericht Der Zeitung „Sowjetskaja Sibir" in S t a l i n s k (im Gebiet Nowosibirsk) statt. Dort ftanD eine Gruppe von Bergwerksingenieuren unb Bergleuten vor Gericht, ber in bekannter Weise bie notorischen Mißstänbe des sibirischen Bergbaues, vor allem zahllose Katastrophen, Verschleiß Der Grubenanlagen, Vergasung der Schächte, Brände usw. als böswillige Sabotageakte zur Last gelegt wurden. Die Anttage behauptete, Die angeblichen Verbrecher hätten im Auftrage eines trotzkistifeyen Zentrums gehandelt unb in Den Kohlenbergwerken von Stalinft zahlreiche Katastrophen unD Havarien organisiert, die vielen Bergleuten Das Leben kosteten. Die'Angeklagten sollen ferner absichtlich Den Transport ber Kohle unter Tage lahmgelegt, burch Vergasung der Schächte bie Bergleute vergiftet und auf diese Weise bie Kohlenförderung sabotiert Haven. Das Militärtribunal bes Nowosibirsker Gebietes verurteilte alle neun Angeklagten zum Tode. Ministerbesuch im Lande Oesterreich. Wien, 17. Mai. (DNB.) Reichsminister Dr. Frick traf am Dienstag in den frühen Nach- Mittagsstunden in Innsbruck ein. Der Minister be» fichtigte am Nachmittag bie Stadt unb hatte bann eine Besprechung, an Der Gauleiter unb Landes- hauptmann Christoph teilnahm. Der Minister unterrichtete sich über Die wirtschaftliche Lage unb bie Verhältnisse in ber Selbstverwaltung Tirols unb besprach jene Maßnahmen, bie zur Gesundung beitragen konnten. Der Reichsminister der Finanzen Graf Schwerin von Krosigk besichtigte am Montag in Linz bas Hüttengelände ber Hermann-Göring- Werke unb begab sich bann über Steyr nach Eisenerz, um bort ben Erzberg unb Die steierische Eiseninbustrie in Augenschein zu nehmen. Von Eisenerz begibt sich ber Minister nach Wien. Reichsarbeitsminister Seldte sprach Dienstag abend auf Einladung des österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins und ber übrigen Spitzen- verbänbe ber Bauwirtschaft und bes Wohnungswesens in Wien über Die Sieblungs- und Wohnungspolitik der Reichsregierung. Hohe Regierungsbeamte verunglück). ITtinifferiakat Dr. Wilke f. Wien, 17. Mai. (DNB.) Heute um 18 Uhr verunglückte ein Kraftwagen, in dem sich Staatssekretär im Reichsjustizministerium Dr. Schlegelberger unb Ministerialrat im preu- tischen Justizministerium Dr. Wilke befanden, auf ber Grazer Bunbesstraße. Bei der Ortschaft Erlaa, wenige Kilometer vor Wien, überquerte ein Kraftrabfahrer bei einer Straßenkreuzung mit übermäßiger Geschwindigkeit bie Bunbesstraße. Der Lenker bes Kraftwagens versuchte auszuweichen, riß sein Fahrzeug herum unb fuhr dabei gegen eine Tankstelle. Ministerialrat Dr. Wilke würbe o schwer verletzt, baß er am Abend verstarb. Staatssekretär Dr. Schlegelberger wurde mit einem Schienbeinbruch unb vermutlich inneren Verletzungen in Das Franz-Joseph-Spital gebracht. Zuchthaus für jüdische Kommunisten. Warschau, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Nach echstägiger DerhanDlung würbe in ber südostgalizischen Stadt Kolomea ein Prozeß gegen dreizehn Kommunisten abgeschlossen. Elf der Angeklagten waren bezeichnenderweise wieder Juden, bzw. Jüdinnen. Sie erhielten als Strafen bis zu sieben Jahren Zuchthaus. De» Angeklagten konnte nachgewiesen werden, daß sie kommunistische Flugblätter in den Krei- sen der polnischen Wehrmacht verteilt hatten. Meine politische Nachrichten. Ministerpräsident Generalfeldmarschall Göring ist in Begleitung von Staatssekretär Körner von seiner Oesterreichreise nach Berlin zurückge- kehrt. * NSG. Die Feierstunde aus Anlaß der 450. Wieder- kehr des Geburtsjahres Ulrichs von Hutten, die im April verschoben werden mußte, findet nunmehr am Sonntag, dem 29. Mai, statt. .Reichsleiter Alfred Rosenberg wird an diesem Tage um 11 Uhr auf oer Steckelburg bei Schlüchtern die Gedenkrede halten. Der Führer und Reichskanzler übermittelte dem Admiral a. D. S ch m i d t (München) anläßlich seines 75. Geburtstages telegraphisch seine besten Glückwünsche. * Vom 9. bis 16. Mai unternahm Reichsverkehrsminister Dr.-Ing. h. c. Dorvmüller eine Informationsreise durch das Netz der ehemaligen österreichischen Bundesbahnen. Es wurden alle Fragen besprochen, die sich aus der Eingliederung der Bundesbahnen in die Deutsche Reichsbahn ergeben. Es sind große Angleichungsmaßnahmen, so- wohl organisatorischer wie technischer, betrieblicher und verkehrltcher Art notwendig, die allmählich von der in Wien errichteten Abwicklungsstelle des Reichs- Verkehrsministeriums durchgeführt werden. Der Reichsoerkehrsminister besichtigte ganz besonders diejenigen Stellen des Netzes, denen aus Gründen des Vierjahresplanes wichtige Aufgaben zufallen, und deren Leistungsfähigkeit deshalb erhöht werden muh. * In Anwesenheit des stellvertretenden Reichsstudentenführers Horn und des Rektors der Innsbrucker Universität, Professor Steinacker, wurden die freiheitlichen Hochschulverbindungen in In n s b r u ck feierlich in den Nationalsozialistischen Studenten- b-u n d übergeführt. • Zwischen der deutschen und der polnischen Regierung ist eine Vereinbarung getroffen worden, nach der der Eisenbahndurchgangsverkehr zwischen Ostpreußen und dem übrigen Deutschland durch das polnische Durchgangsgebiet auch für die Fahre 1939 und 1940 sich in der bisherigen Weise abwickeln wird. * Der portugiesische Botschafter in Rio de Janeiro teilte dem brasilianischen Außenamt mit, daß der führende Integralist Barbo Salima in der portugiesischen Botschaft Zuflucht genommen hat. 390 Flugzeuge startbereit. Z*rfhjghofen( enügreuge em» tlOugMug» 84WI 1* Rugztuge / Mw*» »fiugowge El toi Am 22. Mai, morgens 8 Uhr, starten von diesen Plätzen die zahlenmäßig darunter angegebenen Flugzeuge zum Deutschlandflug 1938, dem größten luftsportlichen Ereignis dieses Jahres. Das Ziel ist W i e n. — (Scherl-Bilderdienst-M.) NSG. Besuchte man in den letzten Wochen die als Startplätze für den Deutschlandflug 1938 bestimmten Flugplätze im Bereich der verschiedenen NSFK.-Gruppen, so konnte man überall einen regen Flugbe trieb feststellen. „Training für den Deutschlandflug", das war die Parole, die alle beherrschte, die an diesem einzigartigen luftsportlichen Ereignis des Jahres teilnehmen und sich nun nach Maßgabe der vom Korpsführer des NS.-Flie- gerkorps, Generalleutnant Christiansen, herausgegebenen Ausführungsbestimmungen auf diesen großen Wettstreit vorbereiten. Der Deutschlandstug stellt an die Besatzungen der Flugzeuge die größten Anforderungen und verlangt somit von jedem Einzelnen r e st l o - sen Einsatz und schärfste Konzentra- t i o n. Es gilt ja nicht allein von Platz zu Platz zu fliegen und Gutpunkte zu sammeln, vielmehr haben die Besatzungen innerhalb des Wettbewerbs Zielabwürfe, Hindernislandungen auszuführen sowie schwierige Orteraufgaben zu lösen. Auch muß man wissen, daß die Flugzeuge bei diesem Wettbewerb von den Besatzungen selb st zu warten sind. So hat der Orter die Aufgabe, die Maschine zu tanken und den Motor anzulasien, auf den lieber» nachtungsplätzen die Maschinen zu verankern usw. Dies verlangt in jedem Falle, daß die Besatzungen aufeinander eingespielt sind, da dis meisten Aufgaben ja im Verbandsfluge (1 Kette zu 3 Flugzeuge) zu erfüllen sind. Eine besondere Vorbereitung galt dem Karten st udium, um durch die bis ins kleinste ausgeklügelten Flugstrecken zwecks Anfliegen der Wertungsplätze eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen. Es galt also in den letzten Wochen, sich durch ausgedehnte Uebungs- sluge, Anstiegen der Wertungsplätze, Zielwürfe ufw. vorzubereiten. Dieses Training ist nunmehr abgeschlossen. Eine letzte Überprüfung der Maschinen findet statt und dann ist der Tag nicht mehr fern, an dem der Korpsführer des NS.-Fliegerkorps, Generalleutnant Christiansen, der auch in diesem Jahr wieder aktiv teilnimmt, über alle deutschen Sender den Befehl zum Start gibt. In diesem Augenblick werden von den 15 Startplätzen innerhalb des Deutschen Reiches 390 Flugzeuge zum ..Deutschlandflug 1938" starten. Eine Mllion Pimpfe bauen Segelflngmodelle. NSG. Die Begeisterung der Jugend für den Gedanken der Luftfahrt bringt die Gewähr für das Gelingen der Aufgaben, die im NS.-Fliegerkorps und der Hitler-Jugend in der Auswahl und Aus- bildung des Fliegernachwuchses liegen. Aus der heutigen modellbauenden Jugend sollen dereinst Oie einsatzbereiten Soldaten unserer stolzen Luftwaffe heroorgehen. Das sind die Ziele, für die das NS.- Fliegerkorps sich einsetzt und die in der Rundfunk-Flugmodellbaustunde, welche am 15 Juni aus Anlaß der Wiederkehr des Gründungstages des NSFK. stattfindet, zum Ausdruck EoJm^Rahmen der Rundfunk-Flugmodellbaustunde soll der Junge beim Bau und Flug des NSFK.- Segelflugmodells „Ich will fliegen höchste Sorgfalt beweisen und zeigen, wie hoch chon sein Verständnis für die Aufgaben der Luftfahrt entwickelt l%ie Bauunterlagen zur Herstellung des Segelflugmodells bestehen in einem 29X42 Zentimeter großen Kartonbogen, auf dem die Einzelteile eines Segel- flugmodells in zwei Farben vorgedruckt find. An dem Flugmodellbaubogen sind 2X5 Millimeter starke und je 400 Millimeter lange Kiefernleisten festge- heftet. Werden die vorgedruckten Kartonteile des Segelflugmodells ausgeschnitten und nach der vor- gedruckten Bauanleitung unter Benutzung eines gewöhnlichen Tubenleimes mit den Holzleisten verbunden, dann entsteht ein Segelflugmodell mit einer Spannweite von 400 Millimeter, das im Hang' und sogar im Hochstart gestartet werden kann. Das Modell legt bei richtiger Handhabung Flugstrecken von mehreren hundert Meter zurück. Am Jahrestag des NS.-Fliegerkorps, dem i 17. April, wurden die Bauunterlagen dem Deutschen Jungvolk übergeben, am 15. Juni findet der über oan, Deutschland durch Rundfunk übertragene gemeinsame Bau der Flugmodelle statt Jedem Fähnlein stehen hierbei eine Werkstatt und das Rundfunkgerät zur Verfügung. Die Werkzeuge bestehend aus Taschenmesser. Schere. Bleistrjt und Talglicht (zum Biegen der Leiste) muß jeder beteiligte Junge selbst beschaffen. Die Sendung dauert von 16 bis 16.30 Uhr. Bei der Verteilung der Bauunterlagen durch die Fähnleinführer werden in erster Linie die Jungen minderbemittelter Eltern bevorzugt. Um allen an dem Flugmodellbau begeisterten Jungen die Teil- nähme an der Modellbaustunde zu ermöglichen, ist vorgesehen, daß die fehlenden Bauunterlagen zum Preise von 0,10 Mark je Modell über die Fähnleinführer nachbestellt werden können. Das NS.-Fliegerkorps verspricht sich von dieser Veranstaltung ein großes Anwachsen der unter der Bauleitung von Modellbaulehrern des NS.-Flieger- korps stehenden Modellflug-Arbeitsgemeinschaften des Deutschen Jungvolks. Segelflieger erreicht 3000 Meter höhe. Ein von dem Innsbrucker Segelflieger Wilfried Wiedner gesteuertes und mit einem Segelflugschüler des NSFK. aus Innsbruck besetztes Segelflugzeug wurde von einem Motorflugzeug in der Richtung Unterinntal bis in die Gegend von Schwaz auf etwa 1200 Meter hochgeschleppt und dann losgeklingt. Infolge des Aufwindes erhielt das Segelflugzeug einen derartigen Austrieb, daß es eine Höhe von 3000 Meter und mehr erreichte. Insgesamt wurden drei Flüge durchgeführt, die alle erfolgreich verliefen. Die Flugdauer betrug bei sämtlichen Flügen über 1V2 Stunden. Anerkannte Weltbestleistungen deutscher Flieger. Der Internationale Flugverband hat in seiner letzten Sitzung wieder eine Reihe von Weltbest- l e i st u n g e n anerkannt, darunter auch die von den deutschen Fliegern Engel und Gundermann aufgestellten Höchstleistungen im Langstreckenflug für Wasserflugzeuge, die sie vom 27. bis 29. März 1938 von Start-Bay (England) nach Ca- ravellas-Bahia (Brasilien) ausführten. Diese Lei- stung wurde mit 8392 Kilometer anerkannt. Ferner wurde anerkannt als Weltbestleistung der Segelslug von Heye-Straatman.ll, der öte Strecke „Fliegende Elefanten" für die Verteidigung von London. W. Auf dem Truppenübungsplatz Cardington wurde zum erstenmal die neue Ballonsperre gezeigt, die London vor einem feindlichen Fliegerangriff schützen soll. Die Ballons, die eine Höhe von 7700 Meter erreichen können, sind alle miteinander verbunden und tragen ein riesiges Netz, das feindlichen Flugzeugen den Weg versperren soll. Die Ballons sind auf Wagen verladbar, so daß die ganze Ballonsperre außerordentlich beweglich ist. — (Scherl-M.) Luftschutz über London. In der englischen Aufrüstung nimmt neben der enormen Verstärkung der Luftwaffe der Luftschutz, das heißt die Abwehr feindlicher Luftangriffe, einen besonderen Platz ein. England hat hierbei auf den Erfahrungen des Weltkrieges aufgebaut. Die Luftabwehr wie der Küstenschutz waren bisher ausschließlich Sache der Territorialarmee, des neben dem aktiven Heer bestehenden Milizheeres in Stärke von augenblicklich 120 000 Mann. Bei der Wichtigkeit und Vielseitigkeit der Aufgabe hat man aber den Wunsch, eine Spezialtruppe heranzubilden. So hat die Regierung kürzlich die Jugend des Landes aufgerufen. Es soll ein I u g e n d l u fisch u tz k o r p s von 20 000 Mann gebildet werden. Durch eine großzügige Propaganoa werden die Jungen von 14 bis 18 Jahren zum Eintritt als Freiwillige aufgefordert. Die Ausbildung durch erfahrene Piloten wird sich auf alle Zweige des Luftschutzes und der Luftfahrt erstrecken, vom Flugzeugbau bis zur Wetterkunde. Nach zwei Jahren erfolgt die Ausbildung im Fliegen. Es wird so nicht nur ein brauchbarer und gründlich durchgebildeter Luftschutz heranwachsen, sondern auch ein vollwertiger Nachwuchs für die Luftwaffe erstehen, der jederzeit greifbar ist. Außerdem soll für den unmittelbaren Ersatz der Luftwaffe ein Luftkadetten korps gebildet werden. Hochinteressant sind Englands Versuche mit Sperrballonen gegen Flugzeuge, die jetzt zu einem gewissen Abschluß gekommen zu fein scheinen. Man hat derartige Ballone bereits im Weltkrieg gebraucht, aber ihre Wirkung war noch ziemlich unvollkommen. Man hängte an Ballone Netze aus «ptahldraht und ließ sie gruppenweise in die Höhe. Die Netze wurden am Boden fest- gemacht, hingen also senkrecht herunter. Anfliegende Flugzeuge mußten sich in ihnen verfangen, wenn sie sie nicht einfach überflogen, was leicht geschehen konnte, da die Höhe der Ballone beschränkt war. Dies Verfahren hatte noch mancherlei andere Nachteile, z. B. die Unmöglichkeit, es in der Stadt selbst anzuwenden. So blieb es auch örtlich auf einen engen Wirkungskreis beschränkt. Den Gedanken nun hat man nach dem Krieae weiter ausgebaut. Man verwendet heute nicht mehr Stahlnetze, sondern einzelne Drähte. An einem Draht, der an einem wendigen und geländegängigen, nicht allzu großen Gerätewagen befestigt ist, der Überall ausgestellt werden kann, wird der Ballon hochgelassen, man sagt, bis zu einer Höhe von 7500 Meter. In bestimmten Zwischenräumen wird. eine große Anzahl dieser Wagen aufgestellt, so daß die Drähte entweder eine Linie bilden ober unregelmäßig gestaffelt stehen. Die feindlichen Bomber werden also entweder gezwungen, m der enormen Höhe von 7500 Meter die Sperre zu überfliegen, wodurch natürlich ihre Treffähigkeit beeinträchtigt wird, ober sie fliegen ben Draht an, was, wie es heißt, sofortige Vernichtung bebeutet. Wie ber britische Rüstungsminister vor einiger Zeit im Unterhaus erklärte, sollen zehn Ballonoerbänbe ausgestellt werben. Die Anwerbung der Mannschaften ist im Gange. Eine Stammannschaft aus- gebildeter Soldaten wirb ben Ker« bilden, sonst wirb die neue Truppe aus Freiwilligen bestehen. Es könne natürlich niemand behaupten, so meinte öer Minister, daß jeder feindliche Bomber abgefangen werden würde, bevor er seine tödliche Last abgeworfen habe, aber auf jeden Fall sei eine wirksame Abwehr geschaffen. v S. Hirschberg—Hartau—Liegnitz und zurück bewältigte. Die in ber letzten Rekordliste Italien zuerkannte Bestleistung für Wasserflugzeuge mit 1000 Kilogramm Nutzlast ist jetzt für Deutschland anerkannt worden, und zwar für den Flug von Friedrich- r i tz am 20. März 1938 mit einer Höchstgeschwindigkeit von 328,64 Kilometer. Paris und Genug. ,,Welches sind also die Gründe, welche den Duce (in Genua am 14. Mai) zu dieser Stellungnahme bewogen haben? Wahrscheinlich kann man sie in folgender Reihenfolge aufzählen: zunächst das sichere Vertrauen in die Macht Deutschlands und in die Festigkeit ber gedanklichen Verbindungen zwischen Rom und Berlin; die Fortschritte der Arbeiterparteiler bei den letzten englischen Wahlen und der Widerstand der englischen Opposition gegen die Politik des Kabinetts Chamberlain; das vielleicht sehr tiefe Gefühl, auf kein beständiges und dauerndes Einvernehmen mit den demokratischen Mächten rechnen zu können; die Tatsache, daß die englisch-italienische Verständigung noch nicht in Kraft getreten ist und daß allein die Achse Berlin —Rom für Italien einen festen Halt darstellt; der Unterschied in der Haltung von Frankreich und Italien in den spanischen Angelegenheiten; die Kritiken ber, französischen Presse an ber italienischen Politik anläßlich bes Anschlusses unb währenb ber Reise Hitlers; bie Schwierigkeiten ber französisch-italienischen Gespräche unb vielleicht bie Unterschiebe in ben Gesichtspunkten, in ben Methoden und in bem Verfahren; bas Fehlen eines ftanzösischen Botschafters in Rom; die Rede des amerikanischen Kriegsministers usw.... Man kann noch andere Gründe finden, besonders, wenn man bis zu den Sanktionen zurückgeht. Diese Gründe sind übrigens nicht neu. Die meisten waren schon bekannt. Keiner dieser Gründe stammt von heute. Alles laßt in der Tat vermuten, daß die Rede des Duce in den letzten Tagen gründlich überlegt war und daß kein Wort aus dem Stegreif gesprochen wurde. Sie entspricht also wahrscheinlich einem tieferen politischen Beweggrund. Es könnte selbst' sein, daß aus ihr, wenn man es so ausdrücken will, die Seele spricht. Der Duce ist Herrscher; das bestimmt ihn; sein Instinkt ist mit seinem Schicksal verbunden; eine Naturveranlagung („Genie") bewegt ihn; er Jft ein Mann des Kampfes. Deshalb kann es wohl fein, daß er im Laufe feiner Unterhandlungen mit Hitler gefühlt habe, ein Beschreiten bes Weges ber europäischen Solibarität (im Sinne der westeuropäischen Demokratien) wurde ihm an dem einen ober an bem anberen Tage zur ganzen ober teilweisen Aufgabe seines Aktions- unb Unternehmungsprogramms zwingen, ja, vielleicht sogar dazu, bis zu einem gewissen Grade dem abzuschwören, was den Urgrund der seelischen Haltung und des Gewisiens des Faschismus ausmacht: Mut, kriegerischer Geist, Machtwille, soldatischer Ruhm, Größe und Glanz des Vaterlandes. In diesem Sinne dürfte der Duce schließlich den Weg des faschistischen Dynamismus (Kraft- entfaltung) dem Weg der europäischen Verständigung (wieder im Sinne der westeuropäischen Demokratten gemeint) vorgezogen haben." Wir haben mit einiger Ausführlichkeit eine Gewissenserforschung desrömischenKorrespon- deuten des „Temp s", Paul Gentizon> zitiert. Paul Gentizon hat, sichtlich auf Weisung seiner Pariser Heimatredaktion, während des Führerbesuches in Rom mit den anderen französischen Berichterstattern in dasselbe Horn albernster lieber» heblichkeit unb plumpester Querschießerei gefloßen; aber er stammt aus guter Schule, er ist sozusagen noch eine Hinterlassenschaft bes früheren französischen Botschafters in Rom, bes Grafen d e Chambrun, eines sehr klugen Vorfechters ber Interessen seines Laubes, ber nach bem Siege ber Volksfront sofort als „übler Reaktionär" in ben Ruhestaub versetzt worden ist. Nun wagt es Gentizon, feinen Landsleuten mit ärztlicher Gewissenhaftigkeit bie wirkli ch e Wahrheit tee* löffelweise einzugeben. Seine eigene Pariser Heimat- rebaftion ist atterbings unbelehrbar. Sie widmet der Genua-Rede des Duce einen Leitartikel, in bem sie „in aller Aufrichtigkeit" festzustellen glaubt, daß Frankreich mit „heiterer Gelassenheit" die ihm etwas unfreundlichen Abschattterungen des Duce in der Rede vom 14. Mai hinnehmen könne, weil Mussolini nur den Wunsch gehabt habe, sich um die „Rechtfertigung" bes Anschlusses in ben Augen bes italienischen Volkes zu bemühen. Erst werfen bie Franzosen Knallschoten unb, als bieses vergnügliche Spiel vergeblich bleibt, setzen sie sich triumphierend auf das hohe Roß. In der Methode liegt weder Verstand noch „Esprit". Dr. Ho. Weiterbericht Der Durchzug einer Störungsfront brachte Deutschland von West nach Ost fortschreitende Bewölkungszunahme und vielerorts Niederschläge, die in unferm Bezirk im allgemeinen nur leichter Natur waren, andernorts in Deutschland vielfach aber beträchtliche Ausmaße annahmen. Die Störungstätigkeit und mit ihr das unbeständige Wetter fetzen sich fort. Die Zufuhr kühler Meeresluft wird die Temperatur im allgemeinen etwas unter dem jahreszeitlichen Durchschnitt haften. Aussicht für Donnerstag: Veränderlich, doch zeitweilig bewölkt und Regeusälle, bei lebhaften Winden aus westlicher Richtung ziemlich frisch. Lufttemperaturen am 17. Mai: mittags 25 Grad Celsius, abends 14,4 Grad; am 18. Mai: morgens 12 Grad. Maximum 25,4 Grad, Minimum heute nacht 11,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17 Mai: abends 19,8 Grad; am 18. Mai: morgens 16,3 Grad Celsius.. — Sonnenscheindauer 3Z1 Stunden. Kunst und Wissenschaft. Hitler-Jugend erlebt Beethoven. Dom 20. bis 22. Mai veranstaltet das Kulturamt der Reichsjugendführung in Bad Wildbad im Schwarzwald ein Beet Hoven-Fe st der Hitler-Jugend. Die Deranstaltungssolge bringt fast sämtliche Sinfonien Beethovens, mehrere Ouvertüren und Klavierkonzerte, dos Violinkonzert und die beiden Diolinromanzen. Es spielt dos verstärkte staatliche Kurorchester unter Leitung von Arthur h a e l s ig. Als Solisten wirken mit Elly Ney (Klavier), Max Strub (Violine), Ludwig Hoelscher (Cello). Die Eröffnungsfeier findet in der neuen Trinkhalle statt. Nach dem gemeinsamen Lied „Die Flamme lodert" folgt die 1. Sinfonie in C-dur. Jeder Tag bringt drei Konzerte. Etwa 500 hitlerjun- gen und BDM.-Mädel aus den Gebieten und Obergauen Württemberg und Baden wird die Auszeichnung zuteil, an der Veranstaltung teilzunehmen. Es find aktive Führer und Führerinnen, die kulturellen Sachbearbeiter in den Bannen und Untergauen, Führer von Spielscharen und Jungen und Mädel der Formationen. Weiterhin nehmen als Gäste die Musikschaffenden Württembergs und Badens neben vielen Besuchern aus dem ganzen Reich an dem Fest teil. Hebel-Preis für Eduard Reinacher. Der Johann-Peter-hebel-Preis des badischen Ministeriums für Kultus und Unterricht, der als jährliche Ehrengabe in höhe von 3000 Mark für wertvolle Leistungen des oberrheinischen Schrifttums in dankbarem Gedenken an Johann Peter Hebel gestiftet worden ist, wurde für 1938 dem in Aichelberg in Württemberg wohnhaften, aus dem Elsaß stammenden Dichter Eduard Reinacher verliehen. Die Verleihung soll eine Auszeichnung darstellen für die in Gedichten, Erzählungen, Dramen, Hörspielen und Uebersetzungen bekundete stilistische Meisterschaft des Dichters, seine sprachschöpferische Kraft und enge Verwurzelung im oberrheinischen Raum, wie sie namentlich in dem Dicht- ws-rk „Elsässer Idyllen und Elegien" zum Ausdruck gelangt. — Das Gießener Stadttheater brachte vor einiger Zeit Reinachers volkstümliches Spiel vom „Lapp im Schnakenloch". , Erwinvon-Sleinbach-Preis für Professor Andreas Heusler. Der Erwin-vonSteinbach-Preis, der im Vorjahre dem Schweizer Komponisten Ottmar Scho eck verliehen wurde und dessen erster Preisträger 1936 der Dichter Emil Strauß war, wurde dem Germanisten Professor Dr. phil. Dr. jur. h.c. Andreas Heusler in Basel zugesprochen. Der Preis ist von einem Amerikaner ausgesetzt worden mit der Bestimmung, daß er zur Förderung der geistig-schöpferischen Kräfte im alemannischen Sprachgebiet von der Universität Freiburg verliehest werden soll. — Professor Heusler. hat sich durch feine Forschungen über altisländisches Schrifttum, über deutschen und antiken Vers und über Nibelungensage und Nibelungenlied einen hervorragenden Namen gemacht. / Eichendorff-preis für Professor Herbert Eysarz. Im „Deutschen Hause" in Prag versammelte sich das Prager Deutschtum zur feierlichen Ueberreichung des Eichendorfs-Preises an Universitätsprofessor Herbert Eysarz. Professor Dr. Otto Großer überreichte dem Literarhistoriker Professor Eysarz den Preis. Eysarz verband seinen Dank mit der Erklärung, er nehme diese Anerkennung als Gruß des ewigen Deutschland an die sudetendeutsche Bluts- und Schicksalsgemeinschast entgegen. Den Höhepunkt- der Feier bildeten die Ausführungen des Preisträgers über das Thema „Eichendorff und der Mythos". Internationales Mufikfest in Stuttgart. Der dritte Tag des Internationalen Musi k f e st e s in Stuttgart brachte im Kammerkonzert die Sonate für Violine und Klavier des schwedischen Tonsetzers Edwin Kallstenius, von Konzertmeister Willi K l e e m a n n und Professor Walter R e h b e r g (Klavier) hervorragend interpretiert, eröffnete den Reigen. Mit den folgenden Liedern für eine Singstimme führten die Isländer Arni Tor- steinssen, Pall Jsolfssen und Sv. Soeinbjoernssen in das reizvolle Musikgut ihrer Heimat ein. Es folgte die Aufführung des sehr anspruchsvollen Streichquartetts C-dur von Karl Szymanowski, das das Wendling-Quartett vollendet zu Gehör brachte. Mit großem Interesse hörte man zum Schluß das reizvolle Concertino da Camera des Franzosen Jacques Jbert für Altsaxophon und kleines Orchester. Die neue Staatliche Hochschule für TNusik in Frankfurt. Aus Anlaß der Anerkennung des Dr. hoch'fchen Konfervatoriums in Frankfurt als Staatliche Hochschule für Musik fand nach der studentischen Feier ein Akademiker-Festakt statt. Der Direktor der neuen Staatlichen Musikhochschule dankte allen staatlichen Stellen für die verständnisvolle Unterstützung und umriß die Aufgaben einer Mu- Aus all 18. Reichslagung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Der Reichs- und Preußische Minister des Innern Dr. Frick schreibt zur 18. Reichstagung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge vom 19. bis 23. Mai 1938 in Breslau folgendes Geleitwort: „Mit der Errichtung des Ehrenmals auf dem Annaberg, das die Erinnerung an die gefallenen deutschen Freikorps-, Grenz- und Selbstschutzkämpfer fiir alle Zeiten im Volke wach erhält, hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in den Kranz seiner rings um das Reich erbauten Ehrenstätten ein neues Mal eingefügt und sich ein bleibendes Verdienst erworben. Es ist mir eine besondere Freude, im Rahmen der 18. Reichstagung des Volksbundes dieses Ehrenmal im Hinblick auf seine nationalpolitische Bedeutung in die Obhut des Deutschen Reiches zu übernehmen. Ich hoffe, daß der Dolksbund die ihm noch obliegenden großen Aufgaben, die durch die hei^nkehr Oesterreichs in das Deutsche Reich eine bedeutende Erweiterung erfahren haben, mit gleicher Hingabe lösen wird, hierzu spreche ich meine besten Wünsche aus und versichere, daß ich das Werk der Heldenehrung jederzeit im Sinne unseres Führers fördern werde." Verein zur Errichtung eines Bismarck-Vational- Denkmals löst sich auf. Der Verein zur Errichtung eines Bismarck- National-Denkmals e. V. Düsseldorf hat unter dem Vorsitz von Staatsrat Dr. Jarres die Auflösung des Vereins beschlossen. Das Dereins- vermögen besteht im wesentlichen aus dem -Grundbesitz auf der Bismarckhöhe (früher Elisenhöhe) bei Bingerbrück. Das ganze Vermögen geht auf das Reich über. Für die Auflösung des Vereins war die Tatsache maßgebend, daß seine ursprünglichen Aufgaben wie auch d§r zuletzt vom Verein ver- sikhochschule im Dritten Reich, die darin bestehen, die Tonkunst mit dem neuen deutschen Geist zu erfüllen, den großen Meistern nachzufolaen und die Ziele, die der Führer der Kunst gewiesen hat, verfolgen. Oberregierungsrat Dr. lieberer gab davon Kenntnis, daß der Reichserziehungsminifter eine jährliche Beihilfe von 500 Mark zur Unterstützung von Studierenden zur Verfügung gestellt hat. , Berliner Kunstwochen 1938 im Zeichen Max Regers. Im Berliner Rathaus wurden durch Oberbürgermeister und Stadtpräsidenten Dr. Lippert die im Zeichen Max Regers stehenden Berliner Kun st wochen 1 9 3 8 feierlich eröffnet. Bei dieser Gelegenheit wurde der Musikpreis der Reichshaupt st adt verliehen, der in diesem Jahr folgenden Künstlern zuerkannt wurde: Der Sängerin Tilla Ariern, dem Sänger Heinz Marten, dem Pianisten Siegfried Schultze, dem Geiger Helmut Zer nick und dem Peter- Quartett. Oberbürgermeister Dr. Lippert wies darauf hin, daß die Reichshauptstadt erstmalig ein deutsches Reger-Fest veranstalte. Der zweite Teil der Kunstwochen stehe wie in den vergangenen Jahren wieder unter dem Motto „Alte Musik". Dankesworte richtete der Stadtpräsident an Gauleiter Reichsminister Dr. (So ebb eis für seine nachdrückliche Förderung aller kulturellen Bestrebungen der. Reichshauptstadt. er Welt. tretens Gedanke der Errichtung eines „Freiheits- platze- der Deutschen am Rhein" von diesem selbst nicht durchgeführt werden können, sondern der Initiative des Reiches bzw. der Partei überlassen bleiben muß. Das Reich hat die Schenkung des Vereins angenommen. Bei den Verhandlungen ist zum Ausdruck gekommen, daß bei der Ausgestaltung der höhe der ursprüngliche Gedanke der Bismarckehrung in würdiger Weise mit eingeschlossen werden soll. Folgenschwerer Autozusammenstoh. In der Nähe von Wasserburg am Bodensee ereignete sich ein schweres Autounglück. Ein mit 23 Reisegästen aus Thüringen besetzter Omnibus wollte einen Lastzug überholen. Dabei stieß der Omnibus Mit einem zweiten Lastzug zusammen. Der Zusammenprall war so heftig, daß der Kühler und der Motor des Omnibusses zertrümmert und in das Wageninnere geschoben wurde. 17 Omnibus- insassen wurden verletzt, davon sechs schwer. Von den Schwerverletzten schweben zwei in Lebensgefahr. Schweres llnlergrundbahnunglück in Landon. In London hat sich ein folgenschweres Untergrundbahnunglück ereignet. In der Nähe des Charing-Croß-Bahnhofes sind zwei vollbesetzte Untergrundbahnzüge zusammengestoßen. In aller Eile wurden Rettungsmannschaften an die Unglücksstelle entsandt. Fünf Personen sind ums Leben ge.» kommen, die Zahl der Verletzten beträgt 29. Transportminister Bürgin hat die Unglücksstelle ausgesucht, um Maßnahmen zur Beschleunigung der Bergungsarbeiten zu veranlassen. Zwei Todesopfer eines Motorradnnglücks. In Kaiserslautern ereignete sich ein Verkehrsunglück, das zwei Todesopfer forderte. In voller Fahrtgeschwindigkeit — 90 Kilometer — raste ein Motorad auf einen städtischen Omnibus. Der das Motorrad fahrende Landwirt Ludwig und die mit« fahrende Berta Schlemmer wurden von der Maschine geschleudert. Ludwig wurde auf der Stelle getötet, die Beifahrerin starb auf dem Transport zum Krankenhaus. Vier Todesopfer eines Verkehrsunglücks. Ein schweres Unglück ereignete sich auf der Eisenbahnstrecke zwischen Aosta und Turin. Ein Lastzug stieß bei einem Straßenübergang mit einem Kraftwagen zusammen, wobei vier Insassen des Kraftwagens getötet wurden. Der Kraftwagenfahrer und eine 33jährige Frau waren sofort tot, zwei der im Wagen befindlichen Kinder starben auf dem Wege zum Krankenhaus, während das dritte Kind in schwerverletztem Zustand eingeliefert wurde. Amerikanisches Großflugzeug verschollen. Ein neues amerikanisches Großflugzeug, das sich mit neun Personen 'an Bord auf feinem ersten Flug befand, ist verschollen. Das Flugzeug war in St. Paul gestartet, um in Los Angeles an die North West Airlines ab geliefert zu werden. Man befürchtet, daß das Flugzeug über der Mojawe- Wüste abgestürzt ist. Die Baukosten des Flugzeuges betrugen 80 000 Dollar. Unglück in einem serbischen Steinbruch. In der Nähe der altserbischen Stadt Swilajnaz an der Morava waren drei Bauern in einem Steinbruch tätig. Um Dynamit zu sparen, untergruben sie einen Felsblock, statt ihn zu sprengen. Während sie sich in einer Arbeitspause mit einem hinzugekommenen Bauern unterhielten, loste sich plötzlich der Felsen und begrub alle vier Mann unter sich. Die Leichen konnten geborgen werden. Dolf hirlh fliegt in Südafrika. Der bekannte deutsche Flieger Wolf Hirth traf nach einer Dortragsreise durch Südafrika, die er aus Anlaß -der Ueberbringung eines Bückerflug- zeuges durchgeführt hatte, in Winhuk ein. Auf einem Segelflugzeug begeisterte er eine große Zuschauermenge durch prächtige Schauflüge. Glockengeläut bei jeder Geburt. Das Dorf Rehren in Schaumburg, das mit einem Schulneubau auch neue Glocken erhalten hat, beschloß, daß jede Geburt eines Kindes der Dorfgemeinschaft durch ein Zehnmin^itengeläut bekanntgegeben werden soll. Schachkampf Deutschland—Skandinavien. Der Großdeutsche Schach-Bund hat für. Juni einen Länderwettstreit mit den skandinavischen Staaten in Bremen vereinbart. Das Treffen findet an 20 Brettern statt. Die 20 Nordländer setzen fid£ zusammen aus je sieben Meistern Schwedens und Dänemarks, zu denen je drei aus Norwegen und Finnland kommen. In der deutschen Mannschaft werden sich vier Spieler aus Oesterreich befinden. Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: ' Dr.,Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen- fetter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 38: 9614. . Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. im 34. Lebensjahr, Lollar, den 18. Mai 1938. 3411V Heuchelheim, den 18. Mai 1938. Andenken bewahren werden. 02366 Schmidt, 0*267 ZEmSllWle uw linge nicht abschneiden. 02375 Schriftliche An- SttitoiMMWß anM u. 02376 Gieß. 2lnä, auch seidene, werden schnell, fast wie neu, wieder hergestellt. 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Nr.U5 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Mittwoch. 18. Mai M8 Hilfe für ein trauriges Hochzeitspaar. Staatsschauspieler Eugen Klöpfer erzählt. Staatsschauspieler Eugen Klöpfer erzählte unserem Mitarbeiter Walter Schimmel-Falkenau die folgende reizende Geschichte aus seinem Leben als Schauspieler. Die traurigen Hochzeitsreisenden waren Herr und Frau Palleske, die es sich vor ihrem Gange zum Standesamt als Fräulein Dorn Schmidt und Felix Palleske auch nicht hätten träumen lassen, daß ihnen auf ihrer traurigen Hochzeitsreise durch den Schwarzwald ausgerechnet eines Abends der Schauspieler Eugen Klöpfer so zum Lachen aufspielen würde, daß Frau Dora buchstäblich vor Lachen vom Stuhle fiel. lieber die Gründe der auffallend traurigen Stimmung dieses jungen Paares sind uns keine zuverlässigen Nachrichten übermittelt worden. Jeden Morgen gegen neun Uhr schon erschienen sie schweigend im großen Speisezimmer des Hotels „Zur Post", dessen Fenster zu den nebeloerhangenen, dichtbewaldeten Bergen hinaufsahen, an dessen Scheiben die Spritzer des nächtlichen Regens noch wie kleine Perlenschnüre hingen. Sie nahmen das Frühstück fast wortlos ein, sahen sich an, faßten fick an den Händen und starrten gedankenverloren in Die verregnete Landschaft hinaus. Sie. saßen dann bis elf Uhr zusammen an ihrem Fensterplatz, um dann auch noch bis zwei Uhr zu warten, zu welcher Stunde sie auch das Essen einzunehmen pflegten, obwohl sich auch um zwei Uhr die Wetterlage bekanntlich noch einmal grundsätzlich verändern kann. Ja, so und ähnlich sahen Palleskes aus. Glücklich und trotzdem traurig, wie Menschen, die seelisch schwer darunter leiden, daß sie die Hochzeitsreise doch nicht vier Wochen später angetreten haben. als für die beiden Hochzeitsreisenden zum Erlebnis wurde. Auf einen kaum merklichen Wink von mir ging einer nach dem anderen aus meinem Ensemble hinaus und wartete vor der Tür. Als letzter stand ich auf, warf noch einen bekümmerten Blick auf die jungen traurigen Leute und hatte dann im Vor- raüm mit meiner Spielschar eine lange Aussprache, zu der schließlich auch der Wirt und der Ober hinzu- gezogen wurden. Das Ergebnis dieser kriegsratähnlichen Unterhaltung war, daß der Ober mit dem Pikkolo und zwei vorhandenen Küchenmädchen einen Teil des großen Eßraumes auszuräumen begann, indessen wir alle uns auf unseren Zimmer genau so sorgfältig fertig schminkten und ankleideten wie zu jeder der oorhergegangenen Abendvorstellungen in den Theatern. Dem einen der Küchenmädchen hatte der Wirt, der spielfreudigste von allen, eine große Kuhglocke in die Hand gedrückt. Dann schwang das Küchenmädchen die Glocke, der Pikkolo stieß die Tür zum Eßraum weit auf, und die beiden traurigen Hochzeitsreisenden, die voll fassungslosen Erstaunens die bisherigen seltsamen Vorbereitungen mit verfolgt hatten, sahen uns geradezu entgeistert, an, als wir nach Art der altenSchauspielertruppen, ich als der Schauspielerprinzipal voran, den Eßraum betraten, uns im Gänsemarsch auf die von Tischen und Stühlen freigemachte Stelle, die natürlich die Bühne für uns darstellte, begaben und mit einer sehr höflichen und tiefen Verbeugung unsere beiden Zuschauer be=. grüßten. Eine Seitentür bildete die Kulisse, durch die die augenblicklich nicht beschäftigten Mitglieder des Ensembles abtraten, während wir — also, es ging eben los. Wir spielten unser vergnügliches Lustspiel, das an mehr als hundert Abenden bereits überall von den Bühnen Deutschlands herunter die übervollen Zuschauerräume zu Lachstürmen hingerissen hatte, nun vor diesen zwei traurigen Hochzeitsreisenden. Wir spielten mit einer Hingabe sondergleichen. Ich selbst weiß, daß ich-das letzte aus meiner Rolle herausholte und mitten im Spiel immer wieder einen prüfenden Blick auf unsere beiden traurigen Zuschauer warf. Zuerst, glaube ich, wollten sie aufstehen und fluchtartig den Raum verlassen, denn es hatte bestimmt etwas Gespenstisches an sich, so plötzlich aus dem Nichts ein Spiel aufwachsen zu sehen, an Stelle von nüchternen weißgedeckten Tischen ein Theaterstück zu erleben. Aber die junge Frau war es, die zuerst Tritt faßte, und ihre anfängliche schreckhafte Verwunderung Überwand und uns den ersten Beifall in die offene Szene hineinschickte, das erste laute, herzliche Lachen^ hinterher. Und dieser Beifall und dieses Lachen, Sie glauben gar nicht, wie das bei uns einschlug. Wir spürten den Kontakt mit dem „Publikum", mit einem Publikum, wie es bestimmt noch niemand vor uns gehabt hat: mit zwei unglaublich traurigen Menschen. Und wir gaben unser Bestes. Die junge Frau lachte Tränen, und wie sie lachte. Und ihr Mann verzog den -Mund und platzte dann mit los! Der Zählkellner, der Pikkolo, die beiden Küchenmädchen, der Wirt natürlich auch mitsamt Frau Gemahlin, und noch einige andere Angestellte, die sich in der Tür drängten und zuhörten, hielten sich die Seiten vor Lachen. Wir haben so ausgelassene Zuschauer selten gesehen. Und dann geschah das Allertollste: Frau Palleskes Stuhl kippte und mit ihm sie, und lachend saß sie am Boden. Und-da war es natürlich auch um unsere Fassung geschehen. Da nützte alle schauspielerische Routine nichts mehr. In einer mordsmäßigen Freude gingen bisherige Traurigkeit, Lustspiel und sogenannte' gespenstische Stimmung glatt unter. Walter Schimmel-Falkenau. wie Menschen, die dieses ausgesprochene Aprilwetter als eine persönliche Beleidigung auffassen, aber einsehen, daß es lächerlich wäre, darauf zu reagieren. Am elften Tage geschah dann das Unerwartete: Vom kleinen Bahnhof des Bades her flutete es geradezu von Reisenden. Sieben Leute und mehr, Damen und Herren. Der Hausdiener des Hotels zur Post, der seit mehr als vierzehn Tagen keinen Gast mehr gesehen hatte, schleppte mit einer Begeisterung an den Koffern, die kaum mehr als eine gewöhnliche zu bezeichnen war. Der Ober nahte sich den neuen Gästen und legte behutsam die Anmeld°- formulare vor die Damen und Herren hin. Da lachte der große, stattliche Mann zu ihm hin und tagte: „Schreiben Sie nur, Eugen Klöpfer ist mit seiner Truppe für eine Nacht hier abgestiegen ... und dann geben Sie mir mal einen Portwein ..." Erst nach einer geraumen Weile entdeckte Eugen Klöpfer, daß außer ihnen noch zwei andere Gäste anwesend waren, eben die Palleskes. Er sah sich die beiden an, grüßte höflich an ihren Tisch hinüber und sah noch einmal in die traurigen Gesichter der jungen Paares, dann fragte er im Hinausgehen den Zählkellner: „Ne Frage, wer oder was sind denn das für zwei traurige Leute da drinnen?" Der Zählkellner lächelte schmerzlich: „Hochzeitsreisende, Herr Klöpfer." Aber nun lasse ich Eugen Klöpfer lieber selbst weiter erzählen. „Es ist kein riesengroßes Erlebnis, aber es hat mir innerlich so viel Freude bereitet und baute sich so plötzlich auf, daß ich es tatsächlich aus der Fülle der Episoden und Erlebnisse mit zu meinen persönlichsten rechne. Sie müssen sich vorstellen, wir kommen aus einer Erfolgsserie, aus beifalldurchrausch- ten Abenden ganz unverhofft und programmlos in dieses Schwarzwaldbad, um dort mal einen ober zwei Tage auszuruhen. Da fitzen zwei traurige junge Leute am Fenster, und der Ober verrät mir, daß es sich um Hochzeitsreisende handelt. Weit und breit kein Gast außer diesen beiden Menschen. Was lag da für uns näher als die Frage: Wie kann man die beiden fröhlich machen? Und da hatte ich diesen plötzlichen Einfall, der in feiner Ausführung dann vielleicht viel mehr für uns Die neue Gauschule des ASLB. Einweihung durch den Gauleiter. NSG. Am Dienstagnachmittag übergab Gauleiter Sprenger in Bensheim an der Bergstraße die neue Gauschule des Nationalsozialistischen Lehrerbundes ihrer Bestimmung. Nachdem der Nattonalsozialistische Lehrerbund seine erste Gauschule in der GFZ.-Kaserne in Mainz durch die Wiederherstellung der Wehrhoheit im Rheinland verloren hatte, hat er sich jetzt in Bensheim an der Bergstraße eine neu Gauschule, die den Namen „Eulenhorst" trägt eingerichtet. Im Rahmen einer Feier wurde sie am Dietistag ihrer Bestimmung übergeben. Der Gauwalter des 7!SLB., Ministerialrat Hingshausen, sprach zu Beginn der Feier über die nationalsozialistischen Erziehungsgrundlagen, die im 'Blut und Boden, in Scholle und Heimat bestehen. Er umriß die Aufaabe des nationalsozialistischen Erziehers dahingehend, daß er ein starkes Herrenvolk zu erziehen habe. Auch diese Schule soll zur Durchsetzung der Idee beitragen, wobei es nicht auf das Aeußere, sondern auf das Herz ankomme. Er wies weiter auf die bedeutenden Werke und großen geschichtlichen Zeugen hin, die unser Gau sein Eigen nennt, und die täglich die Sehnsucht und Schaffenskraft des deutschen Volkes uns vor Augen führen. Seine Rede endete mit der Feststellung, daß nicht der Stand und der Beruf als Primäres gelten sollen, sondern nur eine einheitliche Ausrichtung, die Deutschland heißt. Gauleiter Sprenger führte dann etwa folgendes aus: „Es ist ein weiter Weg von der Kampfzeit zum Sieg und zu unserem heutigen Aufbau. Es war in der Kampfzeit unerhört schwer, in der Lehrerschaft Gehör zu finden. Wir müssen es immer wiederholen, daß zunächst das Herz des einfachen deutschen Menschen für die Mission des Führers aufnahmebereit war. Die Intelligenz hatte das Herz durch den Verstand abgeschlossen, und so kamen zunächst nur wenige von ihnen zum Führer. Dies soll heute kein Vorwurf sein, sondern es ist nur eine Folge der Erziehung des einzelnen, den man einst gelehrt hatte, jeder Mensch sei das Produkt seiner Umgebung. Aber der Führer hat eine so große, ich möchte sagen pädagogische Fähigkeit entwickelt, der sich niemand entziehen konnte. Er hat die Herzen gefunden und für seine Idee geöffnet. Er hat in seiner Bewegung die Kameradschaft werden lassen und so in seiner Partei eine große Erzieherschaft für das Volk geschaffen. Dieser Erzieherschaft, das heißt der Partei, konnte er dann die große Aufgabe anvertrauen, das Volk zum Nationalsozialismus zu erziehen. Um aber schon den jungen Menschen für den Nationalsozialismus zu erfassen, muß auch die Erzieherschaft nationalsozialistisch ausgerichtet sein. Dieser Erkenntnis ist die Schaffung des Nationalsozialistischen Lehrerbundes entsprungen, der sich schon in der Kampfzeit erprobt hat. Im Gau Hessen-Nassau wurde als einem der ersten Gaue im Reich die Lehrerschaft 'n Schulungslagern zusammengefaßt. Sie sollten nicht Vorträge hören, sondern im Lager die nationalsozialistische Gemeinschaft selbst erleben. Auch in diesem Heim, das durch seine herrliche Lage ausgezeichnet ist, wird das Werk gelingen. Jeder, der dieses Lager betritt, muß den Willen zur Gemeinschaft haben. Er muß selbst mit der Jugend mitfühlen und sein Leben so gestalten, daß er ein Vorbild der Jugend sein kann. Wir haben die aus der Vergangenheit bestehende Vielzahl der Lehrerbünde überwunden, die schon in sich den Kern einer AufZm spanischen Cafe. Äon £)r. Fritz Zessel, Malaga. Jedes Land hat eine bestimmte Art, sich nach der Arbeit Zerstreuung und Unterhaltung zu suchen. Man könnte glauben, Daß in Spanien, dem Land des Weines, der Genuß des edlen Traubensaftes an erster Stelle steht. Gewiß, man trinkt hier viel Wein und kann ihn vor allem sehr billig erhalten in den zahlreichen kleinen Schankstätten. Neben diesen bodegas ist aber vielleicht das Cafe der typischste Ausdruck der spanischen Lebensform. Eines fei im voraus bemerkt: Man sieht niemals Frauen allein in einem Cafä, wie es doch in der deutschen Heimat häufig vorkommt. Die jungen Mädchen oder gar die verheirateten Frauen sind in dieser Beziehung übel dran.^-Das hängt mit der strengen Erziehung zusammen. Es widerspricht den Sitten des Landes, daß sie ohne „Bewachung" ein Lokal betreten. Wie selten kommt es sogar vor, daß eine Chefrau an der Seite ihres Mannes eine Weile im Cafe fitzt. Nein, die spanische Frau hat die Aufgabe, in der Häuslichkeit zu wirtschaften und die Kinder zu erziehen ober — noch nebenher Geld zu verdienen. Im Cafä findet man fast ausschließlich Männer. Für sie allerdings ist es der liebste Aufenthaltsort. Ich sitze gerade in so einem typischen Cafe und lasse das Leben und Treiben an meinen Augen vorüberziehen. Es ist nicht etwa ein wohlgepflegter Raum, wie wir ihn in Deutschland kennen. Ganz schlicht und einfach sind diese Lokale eingerichtet. An den Wänden stehen Sofas, die mit Leder gepolstert sind. Davor befinden sich kleine viereckige Tische, die mit einer Glas- oder Marmorplatte bedeckt sind, damit man sie leicht und schnell reinigen kann. In der Mitte der meist langgestreckten Räume steht wieder eine Reihe Tische mit Stühlen; Kleiderhaken oder Ständer sind eine Ausnahme. Im allgemeinen befinden sich an den Wänden Borte, wie in einem Eisenbahnabteil, auf die man seinen Mantel zusammengefaltet legt. Musikkapellen sind unbekannt. Sie würden sich nicht halten, da kein Bedürfnis dafür vorhanden ist. Da selten ein weibliches Wesen eintritt, braucht man auch nicht so sehr Kavalier zu sein, eine Eigenschaft, die dem Spanier sonst nachgerühmt wird. Fortwährend strömt es ein und aus. Männer, die wenig Zeit haben, treten an den Schanktisch, um schnell im Stehen ein Glas Kaffee zu sich zu nehmen. Die Sitte, den Kaffee in Tassen auszuschenken, kennt man nur in sehr wenigen besseren Lokalen. An dieser „Theke" stehen oft «Reich und Arm nebeneinander. Der eine schlürft den Kaffee noch lauter als der andere. Neben mir nehmen gerade ein paar alte Männer Platz. Sie nehmen den Hut nicht ab. Schaut man sich um, so kann man dies an zahlreichen Tischen beobachten. Es ist wahrscheinlich bequemer und trägt zu der hiesigen Gemütlichkeit bei. Die beiden bestellen sich Kaffee. Der Kellner bringt nur ein Glas und die unentbehrliche Wasserflasche. Ein anderer, niedriger im Rang, hat zwei Kannen in der Hand, in denen Milch und Kaffee sind. Bevor meine Nachbarn in den Genuß des edlen Getränkes treten, spucken sie erst noch einmal kräftig aus, eine Sitte, die hier überall landesüblich ist. Kein Spanier wird dadurch in seiner Behaglichkeit gestört. Selbst im Theater ist man auf Rängen nicht sicher davor, daß plötzlich neben einem etwas auf den Boden fällt. Man sagt, daß dieses Bedürfnis hervorgerufen wird durch den starken Tabak, den der Spanier raucht. Uebrigens dreht sich jeder feine Zigaretten selber. Auch Aschenbecher kennt man im allgemeinen nicht. Die Not zwingt mich, die Bräuche des Landes mitzumachen und gebrauchte Streichhölzer sowie die Asche auf den Erdboden wandern zu lassen. So bietet der Fußboden — er ist -fast immer mit Steinen gepflastert — ein sehr buntes Bild. Da liegen Zigarettenreste, Streichhölzer, Asche und Papier in großer Menge friedlich nebeneinander. Im ersten Moment stoßen diese Dinge'jeden Ausländer, der es von seiner Heimat her anders gewohnt ist, ab. Später gewöhnt man sich daran und beginnt, sich auf diese Weise wohlzufühlen. Zum mindesten bleibt einem nichts anderes übrig. Nur das Spucken gefällt mir nicht. Was macht man nun im Cafä? Einige Männer sehe ich beim Zeitunglesen. Andere sitzen und starren in die Gegend, ohne während einer halben Stunde auch nur eine Miene zu verziehen. Ob sie über schwere Probleme nachsinnen? Ich glaube es kaum. Wieder andere befinden sich in eifriger Unterhaltung. Alle politischen und das öffentliche Leben betreffenden Dinge werden bei einem Glas Kaffee in mehr oder minder lebhafter Weise besprochen. Es treten gerade ein paar Blinde ein. Sie verkaufen Lotterielose, um dadurch eine Beschäftigung in ihrem trostlosen Dasein zu haben. Sie gehen von Tisch zu Tisch und haben wenig Erfolg. Im Staate Francos hat sich ihr Schicksal aber schon wesentlich gebessert. Sie haben wenigstens zu essen und zu trinken. • Plötzlich wird der Radioapparat eingestellt, der sich fast in jedem Cafe befindet. In schrillen Tönen hört man die Musik, so daß sich kaum jemand dabei unterhalten kann. Allmählich wird es immer voller. Es naht die Stunde, wo der offizielle Kriegsbericht bekanntgegeben wird. Diese Art des Gemeinschaftsempfangs kann man jeden Tag erleben. An der Wand hängt das Bild des Generalissimus. Am Schluß wird immer die Nationalhymne gespielt, die alle stehend und mit erhobenem Arm anhören. Ein Mann, der zu jedem fcafe gehört, muß noch erwähnt werden: der Schuhputzer. Er ist eine typische Figur ebenso wie der Zeitungsausrufer, ohne die das öffentliche Leden in Spanien nicht zu denken ist. Man hat hier eine Flüssigkeit, die dem Schuh einen ganz besonderen Glanz verleiht. Inzwischen ist es spät geworden. Viele haben stundenlang auf einem Platz gehockt. Morgens schon sind die Cafes häufig gefüllt. Gerade höre ich, wie an einem Nebentisch zwei Kaufleute miteinander verhandeln, um ein Geschäft abzuschließen. Alles das wird im Caf6 gemacht. Hier ist es nicht so steif, und jedes Unternehmen verspricht eine erfolgreiche Wirkung. Wer zahlen will, ruft nicht etwa den Ober mit Worten, sondern gibt einen Zischlaut von sich oder klatscht in die Hände. Das ist eine sehr verbreitete Art, sich bemerkbar zu machen. Sv spielt sich jeden Tag das gleiche Leben im Cafe ab. Ohne auf diese Art einige Stunden des Tages zu verbringen — es ist übrigens in allen romanischen Ländern ähnlich — könnte man sich den Spanier einfach nicht vorstellen. Ihm würde ungeheuer viel an feiner täglichen Behaglichkeit fehlen, zumal er wenig "dazu neigt, Spaziergänge ober Wanderungen zu unternehmen. Kinder als Künstler. In London werden in einer Ausstellung der New Burlington Galleries etwa 400 Oelbilder, Aquarelle und Zeichnungen, die von Roswitha Bitterlich im Alter von drei bis siebzehn Jahren ausgesiihrt sind, als etwas wirklich Wunderbares angestaunt, und zwar sowohl wegen der Stärke ihrer künstlerischen Phantasie als auch wegen der Geschicklichkeit der ausführenden Hand. Die junge Malerin ist 1920 am Bodensee geboren und hat seit 1928 in Innsbruck gelebt. Schon mit drei Jahren zeichnete sie sich selbst zwischen zwei Engeln als Beschützerin, als sechsjähriges Kind stellte sie Kühe dar, die tränenreich das Schicksal eines geschlachteten Schweines beklagen, und als Dreizehnjährige malte sie ein großes Bild „Das Bankett des Todes", bei dem Hungersnot, Pest, Krieg und Gier als Gäste neben den Rittern, den Verschwendern, der Königin und dem Schurken sitzen. Mit vierzehn Jahren malt sie ein großes Bild, das die spaltung der Jugend trugen. Heute haben wir nur einen Grundsatz der Erziehung, indem wir die Jugend zu Deutschen erziehen in einer Einheit des Glaubens, der Auffassung und der Tat. Wir wollen die Jugend üicht zunächst mit Wissenschaft vollpfropfen, sondern sie erst gesund und stark machen. So soll auch diese Schule ein Haus der national- sozialistischen Weltanschauung werden für die deutsche Erziehung der deutschen Jugend für alle Zukunft und ewig im Geist Adolf Hitlers." Nach dem Gauleiter sprachen noch ein Vertreter des NSLB., ein Mitarbeiter aus der Gauwattung Hessen-Nassau und der Schulleiter, Parteigenosse Schulz. An die erste feierliche Flaggenhissung schloß sich ein Rundgang durch die Gauschule an. Werde Mitglied der NSV.! NSG. Angesichts der Leistungen, die die NS» Volkswohlfahrt Tag für Tag an der Gesundheitsführung unseres Volkes vollbringt, ist es selbstverständliche Pflicht für jeden Volksgenossen, der NS- Volkswohlfahrt als Mitglied anzugehören und ihr den Betrag zur Verfügung zu stellen, der dem Einkommen entspricht. Große Aufgaben sind noch zu lösen. Jeder muß stolz darauf sein, durch seine Mitgliedschaft zur NSV. mithelfen zu dürfen auf den mannigfachen Arbeitsgebieten der NS.-Volkswohlfahrt. Keiner wird mehr abseitsftehen wollen, und auch du, Volksgenosse, der du noch nicht Mitglied bist, hast Gelegenheit, dich in die Opfergemeinschaft unseres Volkes einzureihen und damit deine Einsatzbereitschaft für das Volksganze auch hier unter Leweis zu stellen. Werde Mitglied der NS.-Volkswohlfahrt! Wiedersehensfeier 2R32R. 116. Zum zweiten Male treffen sich die Kameraden vom R. I. R. 116 und III. Bataillon L. I. R. 85 in Friedberg, um Stunden echter Kameradschaft zu verleben und die in schwerster Zeit geschlossene Freundschaft zu bestätigen. Die Vorarbeiten für dieses Kameradschaftsfest sind abgeschlossen. Den Kameraden werden Stunden geboten, die ihnen wohl unvergeßlich sind, und die Zeugnis ablegen von der Freude, mit der die Stadt Friedberg und ihre Einwohner ihre alten Soldaten empfangen. Aus allen Teilen Deutschlands sind bereits Anmeldungen eingegangen, und noch wird eine ganze Anzahl Kameraden bei den Anmeldungen vermißt, die auch heute nochmals zur Teilnahme aufgerufen werden. An alle, die noch nicht gemeldet haben, ergeht der letzte Appell: Kommt zur Wiedersehensfeier nach Friedberg! Die bereits gemeldeten Kameraden warten auf euch! Anmeldungen an Kamerad PH. Bauch, Griesheim bei Darmstadt. Obermusikmeister Hauske t- LPD. Darmstadt, 16. Mai. Am Freitag ist im Alter von 71 Jahren der in ganz Hessen bekannte langjährige Regiments-Kapellmeister, Ober* musikmeister Hugo Hauske gestorben. Mit 19 Jahren trat er in die Kapelle des 1. Großh. Hess. Infanterie-Regiments (Leibgarde) 115 ein. Im Jahre 1900 übernahm er die Kapelle des 4. Magdeb. Infanterie-Regiments in Metz, um nach dem Tode des berühmten Musikmeisters Hilge, seines ersten Lehrmeisters, im Herbst 1907 die Kapelle des Infanterie-Regiments 115 zu übernehmen. 1914 zog er mit den 115ern ins Feld. Don 1919 bis 1922 übernahm er eine Reichswehrkapelle in Dessau, um dann seinen Ruhestand in seiner alten Garnison- . stadt Darmstadt zu verbringen. Einige Jahre wirkte , er hier noch an der Städtischen Akademie für Ton- * fünft. Auch als Komponist ist Hauske mehrfach hervorgetteten. lieber 48000 Mark Steuerstrafe. LPD. Frankfurt a. M., 17. Mai. Wegen fortgesetzter Hinterziehung der Umsatz-, Einkommen-, Vermögen- und Gewerbesteuer wurde der 60jährige Emil Odenheimer in Frankfurt a. M., Schu- mannstraße 49, vom Finanzamt mit insgesamt 4 8 6 7 3 Mark Geld st rase belegt. Flucht der heiligen Statuen aus einer Kirche darstellt, nachdem die Dorfbewohner den Glauben verloren haben. Von einer süßen Zartheit ist eine Madonna von 1937, eine ätherische blonde junge Frau, die Kinderkleidchen näht und dabei auf die noch leere Wiege neben ihr blickt. Für ein Buch mit Zwergengeschichten hat sie Aquarelle geschaffen, deren Phantastik an Walt Disneys Zeichnungen in den bekannten Trickfilmen erinnert — auf einer hocken die Zwerge neben den kleinen Vögeln auf den Telegraphendrähten. Das Mädchen scheint außerordentlich eindrucksfähig, und die Ideen strömen ihm in überreichem Maße zu. Dabei geht sie noch zur Schule und bereitet sich zum Abitur vor. Die Besucher der Ausstellung aber stehen staunend vor diesem Phänomen. * In einer Kunstausstellung, die kürzlich in Szege- din veranstaltet wurde, fiel allgemein ein Aquarell auf, das den Titel „Am Ende des Dorfes" führte. Die Besucher blieben bewundernd davor stehen, da die Arbeit ein ungewöhnlich künstlerisches Feingefühl und eine hervorragende Technik verriet. Mit größter Ueberraschung aber erfuhren sie dann, daß der Maler dieses Bildes ein siebenjähriger Knabe war, der Sohn des bekannten ungarischen Malers Julius Kurucz. Der Junge geht jetzt in die zweite Klasse der Vorschule, aber, wie sein Vater berichtet, zeigte er bereits im Alter von fünf Jahren eine überraschende Vorliebe für die Malerei. Er begann in der ersten Zeit damit, sich heimlich der Farben und Pinsel seines Vaters zu bemächtigen und von überallher Stücke Papier zu nehmen, um sie zu bemalen. Da der Vater befürchtete, daß feine malerische Neigung ihn vom ordentlichen Lernen abhalten konnte, hatte er ihm ausdrücklich verboten, weiterzumalen, aber der Kleine tat es doch heimlich, und eines Tages fand der Vater in seinem Zimmer eine Anzahl Schulhefte, in die der Knabe so meisterhaft kleine Bilder gemalt hatte, daß der Vater nicht mehr zweifelte, ein außerordentliches Talent vor sich zu haben. Er schickte das beste Bild an die Ausstellung von Szegedin, ohne jedoch der Jury den Namen des Malers zu verraten. Es wurde ein großer Erfolg. C. K. Hochschutuackrichten. Der Direktor der Würzburger Augenklinik und Ordinarius für Augenheilkunde an der Universität Würzburg, Geheimrat Professor Dr. Franz S ch i e ck , wurde von der Königlichen Gesellschaft der Aerzte in Budapest zum Korrespondierenden Mitglied ernannt Kür -en Bücheriisch. Reue Wötterbücher. — Trübners Deutsches Wörterbuch. Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft für deutsche Wortforschung herausgegeben von Alfred Götze. Siebente Lieferung: Geifer—Geschmack. (Band II, Lieferung 2.) Preis RM. 1,—. Verlag Walter de Gruyter & Co., Berlin, 1938. — (129) — Die früher schon angekündigte Beschleunigung in der Herausgabe der einzelnen Lieferungen des Trübnerfchen Wörterbuches macht sich erfreulich bemerkbar; sie wurde, wie der Herausgeber im Vorwort zur siebenten Lieferung berichtet, dadurch erreicht, daß die Verfasser der Wortaeschichten auch der Oeffentlich- keit gegenüber die Verantwortung tragen, wodurch der Herausgeber wesentlich entlastet wird. Für den dritten Halbband (G bis I) hat Professor Wolfgang Stammler die Durchsicht und Redaktion übernommen. Die Mitarbeiter an der neuen Lieferung sind überwiegend dieselben, die wir schon als Verfasser der bereits vorliegenden Wortgeschichten kennen. Von den teilweise recht umfänglichen Artikeln möchten wir diesmal die folgenden yervorheben: Geige; Geist; gelb; Geld; gemein; Gemüt; Genie; genießen; Genosse; genug; gerecht; Gericht; geschehen; Geschichte und Geschlecht. Hans Thyriot — DerSprach-Brockhaus, Deutsches Bildwörterbuch für jedermann. 1524 Spalten Text mit über 5400 Abbildungen und Übersichten. Zweite verbesserte Auflage. Ganzleinen 5 Mark. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. — (58) — Der Sprach-Brockhaus hat in der kurzen Zeit seit seinem ersten Erscheinen eine besondere Stellung unter den deutschen Wörterbüchern eingenommen. Er verdankt dies nicht zuletzt der neuartigen Verwendung des „sprechenden Bildes", das uns in allen Fällen schnelle und sichere Auskunft gibt, wenn wir einen Gegenstand nur vom Ansehen kennen oder seinen Namen vergessen haben: was ist der Widerrist des Pferdes, die Sohlbank am Fenster, ein Klüver, ein Kül? Dazu kommt, daß er eine Anzahl Sonderwerke in sich vereinigt: eine Rechtschreibung, eine Sprachlehre, ein Stilwörterbuch, ein Herkunftswörterbuch, ein Mundartenwörterbuch. Die neue Auflage bietet gegenüber der ersten weitere Vorzüge: die Herkunftsangaben wurden vermehrt, bei den Mundarten ist jetzt die Mundart genauer bezeichnet, das Rechtschreibebuch weiter vervollkommnet. Deutsches Recht. — Dr. G. K. Schmelzeisen: Deutsches Recht. Einführung in die Rechtswissenschaft. In Leinen gebunden 4,50 Mark. Verlag von Quelle und Meyer in Leipzig. — (146) — Die deutsche Rechtswissenschaft arbeitet daran, das deutsche Recht nach neuen Gesichtspunkten auszurichten. Wenn auch die Neuordnung noch nicht völlig abgeschlossen ist, so sind doch schon die grundsätzlichen Fragen geklärt. So erschien es an der Zeit, ein zusammenfassendes Lehrbuch des neuen ' deutschen Rechts zu schaffen. Schmelzeisen gibt einen lieber« blick über das Ganze, indem er den Grundgedanken der deutschen Rechtswissenschaft nachgeht, ihre wichtigsten Wege verfolgt, ihre bedeutendsten Fragen vor Augen führt und zeigt, wie rechtswissenschaftliches Denken sie zu beantworten sucht. In dem ersten Teil „Deutsche Rechtsanschauung" werden die weltanschaulichen Grundlagen des deutschen Rechts behandelt. Sodann verfolgt Verfasser die „Deutsche Rechtsentwicklung". In dem dritten Teil, „Deutsche Rechtsentfaltung", wird der Blick auf die verschiedenen Rechtsgebiete (Volk und Reich — Verwaltung — Familie und Erbe — Gemeinrecht — Stände usw.) gelenkt und festgestellt, wie sich das Recht zu den unmittelbaren Lebensfragen verhält. — Professor D r. E. Molitor: Deutsches Arbeitsrecht mit Einschluß der Grundzüge der Sozialversicherung. Gebunden 3,60 Mark. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — (44) — In der Sammlung „Hochschulwissen in Einzeldarstellungen", einer neuen Reihe von Studentenlehrbüchern, bietet das Buch von Molitor eine Darstellung des Arbeitsrechts, wie es durch den Nationalsozialismus ausgestaltet worden ist, aber bisher wissenschaftlich noch nicht im Zusammenhang behandelt ist. Die knappe, doch auch für den Nichtjuristen leicht verständliche Dar- stelluna macht das Buch für jeden geeignet, der als Betrieosführer, als Vertrauensratsmitglied oder Mitglied der Deutschen Arbeitsfront mit dem Arbeitsrecht in Berüyrung kommt und sich über die tieferen Zusammenhänge der ihm entgegentretenden Vorgänge des Lebens näher unterrichten möchte. Auch über die Sozialversicherung wird eine kurze Uebersicht gegeben. Die Schrifttumsangaben und die sorgfältigen Zusammenstellungen der gesetzlichen Bestimmungen am Ein- aang eines jeden Abschnittes geben jedem weitere Anhaltspunkte. Deutsche Erzähler. — August Scholtis: Schlesischer Totentanz. Erzählungen. 120Seiten mit sieben Zeichnungen von K. I. B l i s ch. Batistleinen 2,80 RM. Schwarzhäupter-Verlag, Leipüg. — (119) — August Scholtis, aus dem Hultschiner Ländchen stammend, ist der Dichter der schlesischen Grenze und chres bei allem Sprachgemisch deutschen Volkstums. Er kennt den oberschlesischen Menschen und sein Land aus feiner früheren Arbeit als Maurer und als Angestellter in Güteroerwaltungen, Gene- ralüirektionen, Banken, Fabriken und Stadtverwaltungen. In den hier vereinigten Erzählungen läßt chn die starke Sehnsucht des Städters nach seiner dörflichen Heimat das Mystische und Dämonische, das das Leben des zwiespältigen Grenzlän- ders beherrscht, aufspüren und gestalten. Mehrere Erzählungen aus dem „Schlesischen Totentanz" wurden von der „neuen linie" und von den „Schlesischen Monatsheften" mit ersten Preisen ausgezeichnet. — Margarete Windthorst: Die Lichtboten. Ein Geschichtenkreis. Grotes Aussaat- Bücher, Band 18. Biegsam gebunden 2 RM. G. Grote Verlag. Berlin 1938. — (112) — Von Margarete Windthorst erschien voriges Jahr der westfälische Bauernroman „Die Sieben am Sandbach", der als ein echtes, außerhalb der Konjunkturjägerei stehendes Dichtwerk anerkannt wurde. In dem Geschichtenkreis „Die Lichtboten" begegnen wir dem gleichen Menschenschlag, erleben wir dieselbe Landschaft. Wie „Lichtboten" in das Leben dieser Menschen eintreten und es als gute Geister begleiten, zeigen uns diese lebensvollen Bilder gesunden Bauerntums. Wie aufrechte Männer und tapfere Frauen ihrem Geschick begegnen und es zwingen, das ist in jeder dieser sieben Geschichten in drängendem Handlungsablauf geformt. — Walter Persich: Der Elfenbein- transport. Abenteuer in aller Welt. Mit einem bunten Vollbild und 20 Federzeichnungen von Kurt S ch ö l l k o p f. 152 Seiten. Halbleinen 2,20 Mark. Verlag A. Anton & Co., Leipzig. — (99) — „Der Elfenbeintransport" ist insofern eine ungewöhnliche Neuerscheinung, als der Autor sich gleicherweise an den reiferen Jugendlichen wie an den Erwachsenen wendet und in kurzen, spannenden, aber immer auf dem Boden der Tatsachen spielenden Erzählungen ein Spiegelbill) der bunten Welt liefert. Ob er den Leser durch Chinas geheimnisvolle Zustände geleitet, mit ihm im Pullmanwagen durch den amerikanischen Westen saust oder ihn ein Erdbeben in Formosa miterleben läßt, ob er mit ihm einen Ritt durch die Pußta unternimmt, wie sie heute ist, oder die Geschichte eines Schachbrettes erzählt, auf welchem Napoleon vor der Schlacht bei Waterloo eine Partie verlor, immer zeichnet er in knappen Strichen das Wesentliche auf eine interessante Art. — Josef Hofmiller: Von Dichtern, Malern und Wirtshäusern. „Kleine Bücherei" des Verlages Albert Langen-Georg Müller in München. — (109) — Zu dem Bayern-Büchlein des bedeutenden deutschen Essayisten Josef Hofmiller, das vielen ein guter Freund und Begleiter geworden ist, gesellt sich mit diesem neuen Hofmiller- Bändchen ein Werk von besonderem Reiz. Denn diese bunte Auswahl von Aufsätzen zeigt aufs neue die überraschende Vielseitigkeit eines Mannes, der über , einen Bildungsreichtum seltenen Grades verfügt. Ob er in diesen nachgelassenen Blättern voller Ehrfurcht seinen Blick auf Wilhelm Busch oder Hans Thoma richtet, ob er von frohen Wanderfahrten und der Schönheit alter deutscher Wirtshäuser erzählt, ober ob er schließlich während des Krieges'als einflußloser Warner in einer geschichtlich denkwürdigen Bettachtung seine Stimme erhebt: immer steht er als ein ganzer Mann vor uns. Durch Deutschland und die weite Welt. — Kasimir Edschmid: Auto-Reise- b u ch. 15 Serienreifen durch deutsche Flußtäler und Gebirge. Mit 15 zweifarbigen Wegekarten und 24 ganzseitigen Bildern. Preis in Seinen geb. 5,60 Reichsmark. Verlag L. C. Wittich in Darmstadt. — (151) — Wer einmal ohne Vorbereitung im Auto Rhein oder Mosel entlanggefahren ist oder Schwarzwald und Pfalz durchkreuzt hat, kennt das Gefühl des Bedauerns, mit dem man dann die Denkmäler der Vergangenheit an den Ufern und auf den Höhen liegen sieht, ohne daß man etwas von ihrer Geschichte weiß und ohne daß man ihre Namen kennt. An dieser Stelle möchte das Auto- Reisebuch einsetzen. .Kasimir Edschmid hat den Versuch gemacht, Städte, Dörfer, Flüsse, Berge, Menschen, Industrieanlagen, Kirchen, Schlösser und e>ecn vom Standpunkt des Automobilisten aus zu beschreiben. Edschmid fährt als Wagenlenker, sieht als Dichter und erklärt als Kenner. — Da die Orientierung des Autoreifenden geschwind und präzis erfolgen muß, ist die Darstellung sachlich, knapp und gefragt, ohne dabei außer acht zu lassen, was der Landschaft ihre Anmut und den Städten ihren Wert verleiht. Jedermann kann im Besitz dieses Buches die Flußtäler (Rhein, Main, Neckar, Mosel, Weser, Saale, Elbe, Lahn, Taubergrund) und Berglandschaften (Schwarzwald, Eifel, Taunus, Odenwald, Pfalz) mit seinem Wagen durchstreifen. Die großzügig angelegten Strecken der Reichsautobahn führen leicht an diese einzelnen Bezirke heran, die landschaftlich besonders schön und historisch überaus reich sind, und die der Verfasser mit Liebe in allen Winkeln zeigt. Das Buch will den Unzähligen, die durch das Reisen im Auto nicht nur den Reiz größerer Geschwindigkeit, sondern auch eine neue Art des Sehens kennengelernt haben, eine Vertiefung und Abrundung ihrer Eindrücke vermitteln. Es soll all denen dienen, die den Wunsch haben, ihre Autoferien nicht nur heiter, sondern auch nutzbringend und mit wirklicher Bereicherung zu verbringen. — Max Junge: Papageien und Eisberge. Meine Erlebnisse in den patagonischen Kordilleren. Im Deutschen Verlag, Berlin. Mit 16 Bildern. Preis in Ganzleinen gebunden 3,80 RM. — (29) — Wir kennen den einer feit Generationen in Chile ansässigen deutschen Familie entstammenden Verfasser schon aus seinem Buch „Durch Urwald und Pampa" als einen Mann, der bei der Schilderung feiner Forschungsreisen im westlichen, Patagonien nicht an der Oberfläche haften bleibt, sondern uns teilnehmen läßt nicht nur an dem verlockend schillernden Abenteuer, an dem Reiz des Vordringens in unerforschtes Land, sondern auch an seiner Arbeit und an seinen Sorgen als Leiter einer chilenischen Regierungsexpedition, die notgedrungen auch mit minderwertigem Menschenmaterial durchzukommen versuchen muß. So lieft man in einem äußerst dramatischen Kapitel des neuen Buches von einer Rebellion im Urwaldlager, einer Situation, die einen ganzen Kerl erforderte, um die vom Goldrausch Besessenen wieder zur Vernunft zu bringen. Aber Junge vergißt über solche persönlichen Erlebnisse nicht, den Zauber der subtropischen Urwaldlandschaft mit ihren erstaunlichen Gegensätzen in seiner ganzen Pracht vor uns zu entrollen. Ein faßt vergessenes Land am Ende der Welt tut sich auf, wir spüren die ungebändigte Urgewalt der Naturkräfte und sind ergriffen von der Großartigkeit einer unberührten Landschaft, die noch aus der Urgeschichte des Erdballs zu uns herüberzuragen scheint. Fr. W. Lange. — Profesfor Dr. Georg Wegener: Das deutsche Kolonialreich. „Wie es entstand, wie es war, wie es verloren ging." Mit zahlreichen Abbildungen. Preis RM. 4,50. Akademische Verlagsgesellschaft Athencrion m. b. H., Potsdam. Das Buch ist hervorgegangen aus Vorlesungen an der Berliner Wirtschaftshochschule. Der Verfasser, der als namhaster Geograph und Welt- reisender besonders berufen war, hat es verstanden, den Stoff so lebendig zu gestalten, daß drei Jahrzehnte deutscher Kolonialarbeit sich 'als ein Heldenlied von deutschem Wagemut und deutscher Zähigkeit dem Leser einprägen. Entstehung, Beschaffenheit uNd Verlust der Kolonien sind die drei großen geschichtlichen Abschnitte, innerhalb deren Wegener den Leser von der Erklärung der Formen deutscher Kolonisation und dem Wirken Deutschlands im Entdeckungszeitalter an über die afrikanische Gründung des Großen Kurfürsten, Kolonialpolitik und den Erwerb der Kolonien im neuen Kaiserreich, über eine eingehende Schilderung der einzelnen deutschen Kolonialgebiete bis zu ihrer heldenhaften Verteidigung im Weltkrieg und ihrem Raub im Versailler Diktat führt. Hier belegen nüchterne Zahlen und Tatsachenberichte den wirtschaftlichen Wert und die Schönheit unserer Kolonien. Die Lüge von der kolonialen Unfähigkeit der Deutschen zerfällt in ein Nichts, die deutsche Welt in Uebersee war als Betätigungsfeld für überschüssige Menschenkräft unseres Vaterlandes in einer hoffnungsvollen Entwicklung wertvollster Nationalbesitz. Von Kunst und Könstlem. — Herbert Günther: Künstlerische Doppel begab Ungen. 163 Seiten. Mit 125 meist erftveröffentlichten Abbildungen nach Werken deutschsprachiger Künstler vom 16. bis ins 20. Jahrhundert. Im Ernst Heimeran Verlag in München. — (101)— Ein überaus anregendes und aufschlußreiches Buch: man muß sich wundern, daß bisher noch niemand auf den Gedanken gekommen ist, das reiche Material zu sammeln und zu sichten und bar- zustellen, und man muß Herbert Günther Dank dafür wissen, daß er sich dieser Arbeit unterzogen hat; es geschah, wie man sich schnell überzeugen kann, mit großer Gründlichkeit und Belesenheit, auch unter Berücksichtigung der mancherlei Gesichtspunkte und Sonderprobleme, welche sich aus einer Beschäftigung mit dem eigentümlichen und, wie Günther betont, vorzugsweise deutschen Phänomen der Doppelbegabung auf künstlerischem Gebiete ergeben. Es handelt sich also hier um die in der Literatur- und Kunstgeschichte meist nur flüchtig gewürdigte ober ganz übersehene Erscheinung, daß sich Maler als Dichter, Dichter als Maler oder Komponisten, Architekten als Bildhauer, Schauspieler als Zeichner betätigen; es gibt da die verschiedensten Spielarten und Kombinationen, und die Erscheinung ist viel verbreiteter, als man anzunehmen geneigt ist. Das lehrt schon ein flüchtiger Blick in dieses Buch. Goethe und E. T. A. Hoffmann werden vermutlich dem Gebildeten sofort einfallen, wenn er auf gefordert wird, Beispiele solcher Doppelbegabung anzuführen; wie groß und wie verzweigt der Kreis der hierher gehörigen Erscheinungen tatsächlich ist, wird man gewahr, wenn man sich in die lange Folge kleiner biographischer Abrisse vertieft, die den Hauptinhalt ausmachen und das reiche und seltene Bildmaterial begleiten und erläutern, das hier großenteils zum ersten Male zugänglich gemacht wird. Da finden wir die Brentanos und Wilhelm Busch, Dauthendey, Max Eyth und Grimmelshausen, den Struwelpeter-Hoffmann und Gottfried Keller, Hermann Löns und den Prinzen Louis Ferdinand, Mörike und Morgenstern, Nietzsche und Raabe, Schiller, Schlüter und Schumann, Veit Stoß undRichardWagner: das ist nur einebunte und zusammenhanglose Auswahl, die zeigen mag, welche Fülle von Stoff hier verarbeitet und ausgeschöpft wurde. Unsere Leser wird der Hinweis auf Georg Büchner und auf Carl Maria von Weder besonders interessieren, von dem wir erfahren, daß er als Gelegenheitserzeugnis für den Dresdener Liederkreis die humoristische Novelle „Der Schlammbeißer" geschrieben hat. Ueberhaupt enthalten die Texte eine dankenswerte Menge von Hinweisen und Literaturangaben. — Einem im Vorwort in Aussicht gestellten zweiten Bande, der die Zeitgenossen behandeln soll, sieht man nach* der vorlieaenden Sammlung mit Vergnügen entgegen. Hans Thyriot. — Pompejanische Wandbilder. Zehn farbige Tafeln und zehn Abbildungen im Text. Eingeleitet von Amedeo M a i u r i, Generalintendant der Ausgrabungen in Herkulaneum und Pompeji. RM. 2,80. Die silbernen Bücher, Woldemar Klein, Bersin. —(149)— Den früher von uns besprochenen kunstgeschichtlichen Monographien in der bekannten Reihe der silbernen Bücher fügt sich mit den „Pompejanischen Wandgemälden" eine höchst reizvolle Neuerscheinung an. In der kleinen Auswahl der vorzüglich roiebergege'benen Gemälde erschließt sich dem Betrachter ein Teilgebiet alter Kunst, das den meisten kaum oder überhaupt nicht bekannt fein wird, manchem aber auch eine seit langem gehegte Vorstellung von diesen Dingen auf eine vermutlich überraschende Weise berichtigen wird. Die mit liebevollem Verständnis geschriebene Einleitung des Generalintendanten Maiuri macht darauf aufmerksam, daß mit den Ergebnissen einer durch fast zweihundert Jahre sich hinziehenden Ausgrabungstätigkeit (die noch in den letzten Jahren wertvolle Schätze zutage förderte) unsere Kenntnis vom Gesamtbilde der alten Kunst auf eine entscheidende Weise bereichert wurde: war die Heber« lieferung antiker Malerei an sich schon — im Vergleich zur Architektur und Plastik dieser Epoche — unverhältnismäßig gering, so „beruht unser Wissen von antiker, griechisch-römischer Malerei im wesentlichen auf der Kenntnis der Wandbilder aus Herkulaneum und Pompeji". Den wenigsten unter uns werden sie wahrscheinlich aus eigener Anschauung gegenwärtig sein. Der vorliegende Band vermittelt einen ausgezeichneten Eindruck. Hier ist eine Malerei, die nicht nur an sich, rein ästhetisch betrachtet, von ungemeiner Anziehungskraft ist, sondern auch kulturhistorisch und religionsgeschichtlich wichtige Aufschlüsse liefert. Den Kunsthistoriker mag in erster Linie das bereits von Winckelrnann angerührte Problem des Verhältnisses dieser Wandgemälde zu den griechischen Ur- und Vorbildern beschäftigen; der fachlich minder beschwerte Betrachter wird erfreut sein, aus der Anschauung dieser Blätter einen Begriff von den Motiokreisen wie von der stilisti- schen Haltung dieser antiken Kunstübung zu gewinnen. von der (vielfach überraschend zarten und feinfühligen) Farbgebung, von der Behandlung des menschlichen uno des tierischen Körpers, von der Komposition im allgemeinen und von der sehr in- tersssanten Auseinandersetzung mit den Fragen der Raumaufteilung und der Perspektive im besondern. Hans Thyriot. Politik und Geschichte. — GeneralWeygand: Ist Frankreich stark genug? (La France est-elle defendue?) Preis kartoniert 1,80 RM. Verlag Gerhard Stelling, Oldenburg i. O. —- (104) — Frankreichs ehemaliger Generalstabschef, einer der engsten Vertrauten des Marschalls Fach, teilt mit diesem eine von tiefstem Mißtrauen geleitete unwandelbare Feindschaft gegen Deutschland. Die Wiedererstarkung des deutschen Nachbarrt, die die Abrüstungsbestimmungen des Versailler Diktcsts nicht hatten verhindern können, ist für Weygand die Quelle aller Sorgen, und die inner- politische Entwicklung in Frankreich scheint ihm nicht geeignet, diese Sorgen zu zerstreuen. So ist dies klar und sachlich geschriebene Büchlein ein Aufruf an die für Frankreichs Landesverteidigung Verantwortlichen. Uns Deutschen gibt es einen fesselnden Einblick in die Grundauffassungen französischer Offizierskreise über die wehrpolitische Lage Europas, die erst durch die Wiederaufrüstung Deutschlands ihr Gleichgewicht wiedergefunden hat. Besonders interessant ist die überaus skeptische Beurteilung, die dec Zustand der Roten Armee in dem Puch Weygands erfährt. Und mit Genugtuung werden wir weiter feftstellen, mit welch hoher Achtung der General von den Qualitäten der deutschen Wehrmacht spricht und wehrpolitische Forderungen stellt, die bei uns zumeist schon verwirklicht sind. Eine sehr prägnante Porträtskizze Weygands ist dem Büchlein vorangestellt. Fr. w. Lange. — Iwan Solonewitsch: Die Verlorenen, eine Chronik namenlosen Leidens. II. Teil. Flucht aus dem Sowjetparadies. 1934. Essener Verlagsanstalt in Essen. Preis 5,80 RM., in Ganzleinen gebunden. — (97) — Trotz der jahrelangen Inflation an Literatur über Sowjetrußland ist es schwer, sich ein klares, sachliches Bild von den tatsächlichen Verhältnissen in der Sowjetunion zu machen, denn selten ist einem Manne, der als Russe unter Russen Jahre hindurch in der Hölle Stalins gelebt hat, Gelegenheit gegeben, seine Erfahrungen im Ausland zu Papier zu bringen. Daß Stalins Rache auch jenseits der Sowjetgrenzen ihre Werkzeuge zu gebrauchen weiß, hat der Verfasser dieses Buches selbst in wahrhaft erschütternder Weise erfahren müssen. Seine Frau wurde vor kurzem in Sofia das Opfer einer ihm zugedachten Höllenmaschine der GPU. Der zweite Band dieses trotz seiner fast nüchternen Sprache auf-' rüttelnden Erlebnisbuches schildert das trostlose Dahinvegetieren von Hunderttausenden russischen Bürgern, Bauern, Gelehrten, Technikern, die in den Zwangsarbeitslagern der Sowjets der Willkür einiger roten Bonzen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert sind. Das Buch erscheint uns deshalb besonders wertvoll und lehrreich, weil es wie wenige vor ihm uns einen Blick tun läßt in die geistige Verfassung des russischen Volkes nach zwanzig Jahren bolschewistischer Menschheitsbeglückung und uns Aufschlüsse gibt über die Prinzipien des Stalinschen Terrorregimes. Nach der Lektüre dieses Buches kennt jeder die grauenhafte Oede des Sowjetparadieses. * Fr. W. Lange. Fröhliche Kinderstube. — Fröhliche Kinderstube. Ein Buch für Mutter Und Kind zum Spielen und Feiern. Von Ruth Zechlin. Zeichnungen: Maria Maillard. Herausgegeben vom Deutschen Frauenwerk / Reichsmütterdienst. Geb. 3 Mark. Kart. 2 Mark. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin, 1938. — (148) — Für die Allerjüngsten gibt es Fingerspiele, einfache' Reime, luftige Neckoerslein, Fabeltiere entstehen aus Taschentüchern. Anregungen zum Geschichtenerzählen, Wiegenlieder und Kinderlieder folgen. Das Kleinkind und das Schulkind werden ihrem Fassungsvermögen nach beschäftigt; eine reiche Auswahl für Spiele am Familientisch, bei denen schon die Kleinen mittun können, bis zu schwierigen Schreibspielen u. ä. wird gegeben. Weiter findet man treffliche Ratschläge zum Basteln, zur Herstellung eigenen Spielzeugs und kleiner Geschenke aus wertlosem Material. — „D i e S) ä 51 e i n im Wald e." Ein lustiges farbenfrohes Hasenbilderbuch von Elisabeth B a ü • mann mit Versen von Friedrich Zöbigker. Mit 14 vierfarbigen Vollbildern. Für 4—7jährige. Kart. 1,80 RM Buchverlags-AG. Bern. — (125.) — Tief im Wald, wo die hohen Tannen stehen und nur selten ein Kind sich hin verirrt, steht das Haus der siebenköpfigen Osterhasenfamilie. Von ihren mannigfachen Freuden und Sorgen erzählt in luftigen Versen und Bildern dies neue Osterhasenbilderbuch. — „Rübezah l." Märchenbilderbuch von Fritz Baumgarten. 7 Erzählungen. Mit 8 vierfarbi» gen Vollbildern. Für 5—8jährige. Kart. 1,50 RM., Halbleinen 1,80 RM. A. Anton & Co., Leipzig. — (127.) — Wer kennt ihn nicht, den Alten vom Riesengebirge, den mächtigen Berggeist, der die Geiz- Hälse, Wucherer und Bösewichte durch allerlei Schabernack und Possen bestraft, aber den vom Schicksal Verfolgten ein großherziger Helfer ist und der zumeist gerade dann erscheint, wenn man ihn am vZenigsten erwartet? Diesen köstlichen Schatz alten Volksgutes auch den Jüngsten erschlossen zu haben, darf als ein Verdienst Baumgartens bezeichnet werden. — „Rübezahl bringt G l ü ck." Eine Erzählung für junge Mädchen von Toni Sarin g. Mit einem bunten Vollbild und 14 Federzeichnungen von Georg K i r ch b a ch. 208 Seiten. Halbleinen 2,70 RM. Verlag A. Anton & Co., Leipzig. — (124) — Die flott geschriebene Erzählung zeigt eint Schar junger Mädchen, die teils ihr Abitur machen, teils fiändjahrhelferin sind oder bereits im Beruf stehen. Sie stehen alle zielbewußt im fiebert, packen ihre Aufgaben ernst und tatkräftig an und wissen sich durchzüsetzen. Auf einer Riefengebirgswanderung in den Herbstferien finden, sie sich zusammen. Frohe Ueberrafd)ungen und ernste Vorkommnisse bewirken, daß die Wanderkameradschast immsr enger wird. — „Kopf hoch — M o ni k a!" Eine Erzählung für junge Mädchen von Else Jung. Mit einem bunten Vollbild und 15 Federzeichnungen von Georg K i r ch b a ch. 200 Seiten. Halbleinen 2,70 RM. Verlag 21. Anton & Co., Leipzig. — (123.) — Monika ist ein frische;, junges Mädel, das auf einem ostpreußischen Landgut aufwächst und mit leidenschaftlicher Liebe an der väterlichen Scholle hängt. Mit wachen Au.^en schaut sie um sich und erweist sich trotz ihrer Jugend allen Schwierigkeiten gegenüber als ein ganzer Kerl. Immer beb alt sie den Kopf oben, glaubt an das Leben, und das Leben gibt ihr reckt. So geht ein Zug heiterer Lebensbejahung durch diese Erzählung, in der es nicht an humorvollen Szenen fehlt. Nr. 115 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhefsen) Mittwoch 18. rNaiM8 Otto Wilhelm Ritter von Rompf zum Gedächtnis. Am 20. Mai dieses Jahres jährt es sich wieder, daß Oberleutnant Otto Wilhelm von Rompf in Frankreich den Heldentod fürs Vaterland starb. Inzwischen ist ein junges Geschlecht herangewachsen, das den Krieg nicht mehr aus eigenem Erleben kennt,.das aber in seiner nationalen Einstellung eine ganz andere Stellung zu den Taten der Vergangenheit einnimmt, als das früher der Fall war. Deshalb liegt es im Sinne unserer Tage, Männer und Taten für die Gegenwart wieder lebendig werden Oberleutnant Ritter von Rompf t- zu lassen, die damals mit vollem Einsatz ihres Lebens Geschichte haben machen helfen. Große Beispiele haben noch immer erzieherisch gewirkt, und unsere Erinnerung ist noch zu jung, um Männer zu vergessen, die die Anerkennung und Auszeichnung der höchsten Kommandostellen im Kriege erfahren haben. Als Forstassessor, der fünf Jahre zu Baltatesti in Rumänien Dienst getan hatte, zog O t t o W i l h e l m Rompf mit dem 2. bayerischen Infanterie- Regiment in den ersten Mobilmachungstagen 1914 ins Feld. Er hatte bei diesem Regiment gedient und war zum Leutnant der Reserve befördert worden. Otto Wilhelm Rompf war geboren am 8. September 1883 zu Lang-Göns, als Sohn des Landwirtes und späteren Bürgermeisters Wilhelm Anton Rompf I. und seiner Ehefrau Christine, geborenen Weber. Mit zwei Brüdern wuchs er auf. Auch sie sind inzwischen gestorben, der eine als Chefarzt des Bürgerhospitals in Friedberg, der andere als Besitzer des väterlichen Gutes. Die Ahnenreihe, die bis ins 17. Jahrhundert zurückgeht, weist nur wenige Namen von Frauen auf, die von den Nachbargemeinden hereingeheiratet haben. Die Familie ist also ein alteingesessenes bäuerliches Geschlecht in Lang-Göns. Rompf hatte in Gießen Forstwissenschaft studiert. um einen Beruf zu erwählen, der seiner Na- turoerbundenheit entsprach. Er war Mitglied der ehemaligen Landsmannschaft „Darmstadtia". Seine Kriegsbriefe, die in diesem Winter gesammelt und in einem stattlichen Erinnerungsband zeitlich ge- ordnet worden sind, zeigen ein Charakterbild, dem man folgende Gestalt geben könnte: Er war ein Mann mit glühender Vaterlandsliebe, so wie ihm seine engere Heimat lieb und teuer war. Zeuge dafür ist seine vorbildliche Einsatzbereitschaft in allen schwierigen Lagen in seinem über 2'/2jähri- gen Frontdienst. Von deni Umfang seiner Pflichterfüllung schreibt er begreiflicherweise seinen Eltern in der Heimat nicht sehr viel, um sie, die in ständiger Sorge um ihn leben, nicht noch mehr zu beunruhigen. Ja, von seiner am 10. März 1916 ausgeführten Heldentat, die ihm den bayerischen Militärverdienstorden und den persönlichen Adel einbrachte, erwähnt er in den Briefen jener Tage gar nichts. Aber andere, wenn auch kurze Andeutungen, lassen erkennen, wie er niemals zögerte, wenn es galt, todesmutig seine ganze Kraft einzusetzen. Von seinem Oberst muß er dazu gedrängt werden, nach einer Verwundung, die ihm das Gehen sehr erschwert, in ein Lazarett zu gehen, und er findet es selbstverständlich, daß er nach seiner Wiedergenesung sofort wieder zu seine? Kompanie geht. Die Briefe, die nach seinem Tode an seine Eltern gerichtet worden sind, vom einfachen Soldaten bis zum höchsten Vorgesetzten, bezeugen, daß er ein tadelloser Vorgesetzter und ein von seinen Leuten heißgeliebter Führer und Freund war. Auch aus seinen Briefen geht hervor, wie sehr er an seiner Kompanie hing und wie schwer ihm die Verluste aus den Reihen 'seiner Leute wurden. Als ein zum Idealismus erzogener Akademiker und in seinem Ehrenstandpunkt als Farbenstudent gefestigter Mann ging ihm die persönliche Ehre über alles. Nie hat er diese innere Haltung verleugnet. Wie groß war seine Liebe zu Eltern und Geschwistern. Immer wieder sucht er die Eltern, die sich um ihn, der in ständiger Gefahr ist, sorgten, zu beruhigen und auf alle Weise die Sorge auszureden. Er versucht es mit Vernunftgründen, aber er hat auch aus dem frommen Elternhaus soviel Gottvertrauen als Erbe mit ins Leben genommen, daß er sich der göttlichen Führung in allen Lagen der Gefahr Überläßt. So ist der Eindruck, den man von seiner Persönlichkeit erhält, der eines Mannes von tiefem Gemüt, von makelloser Gesinnung, unbeugsamem Willen und opferbereiter Pflichterfüllung, in bewegter Zeit lebend, an die Stille der Ewigkeit gebunden. ♦ Rompf war einer der ersten Offiziere seines Regiments — jedenfalls der erste Leutnant — der schön im September 1914 das Eiserne Kreuz erhielt. Den bayerischen Max-Josephs- Orden hat er sich durch folgende Tat erworben: Durch eine Sprengung im Frühjahr 1916 waren nach dem Feinde zu verschiedene große Trichter entstanden, deren Besitz bei schweren und verlustreichen Kämpfen immer wieder wechselte. Als das 2. bayerische Infanterie-Regiment'am 29. 2.16 die Stellung Übernahm, war noch ein Trichter von den Franzosen besetzt, die nun aber ihrerseits eine Sprengung vornahmen, um sich so wieder in den Besitz eines weiteren, neben dem von ihnen gesprengten Trichter zu setzen. Da der Feind von den Trichterrändern Einblick in die gegnerische Stellung hatte, mußte entweder eine neue Sprengung vorgenommen oder ein überraschender Angriff auf die feindliche Stellung unternommen werden. Als dann die Franzosen am 10.3. abends zum Angriff übergingen und in den deutschen Graben .eingedrungen waren, warf sie Rompf in einem 'erbitterten, von ihm selbst geleiteten Handgranatenkampf wieder aus der Stellung hertus und eroberte einen-vor der Stellung liegenden Stolleneingang, von dem aus die Franzosen hätten eine neue Sprengung vornehmen können. Für seine Umsicht und Tapferkeit und das dadurch erreichte taktische Resultat bekam er die hohe Auszeichnung. * Mit der Verleihung des Ordens ist die Führung eines Wappens verbunden, das vom bayerischen Heroldsamt entworfen und von dem damit Beliehe- neri angenommen wurde. In Rot ein goldener Wolf, eine silberne Gans raubend. Auf dem gekrönten Turnierhelm zwei wachsende, rot bekleidete Arme mit goldenen Aufschlägen, einen goldenen Lorbeerkranz emporhaltend. Helmdecken rechts: Rot-golden; links: Rot-silbern. Statt „Rot" hat der Beliehene „Grün" gewünscht und erhalten, wahrscheinlich entsprach das mehr seinem Beruf. Das Wappen des toten Helden. ■ Der die Gans raubende Wolf soll auf St. Vada- stus Hinweisen, der einem Wolf eine Gans abgejagt hat. Die Tat geschah in der Nähe von St. Vaast. * Am 25. 8.1916 wurde die Auszeichnung int Beisein von Generalmajor Prinz Franz von Bayern, K. H., Hauptmann Ritter von Desloch und Leutnant Ritter von Pohl und der unmittelbaren Vorgesetzten überreicht. Zum Schluß erfolgte eine Parade vor dem neubeliehenen Ritter. ♦ Am 20. Mai 1917 fiel der inzwischen zum Oberleutnant beförderte Otto Wilhelm Ritter von Rompf während eines Handgranatenkampfes, tief betrauert von Vorgesetzten, Kameraden und Mannschaften. Er wurde am 23. Mai 1917 in Coucy les Eppes, zehn Kilometer östlich Laon, begraben. Der Oberst seines Regiments, des bayerischen Regiments „Kronprinz", hat in einem ergreifenden Gedicht drei Helden aus der dritten Kompanie — darunter auch Rompf — ein bleibendes Denkmal gesetzt. Die Drei von der Dritten. Sagt zum Hauptmann der Major: „Ich verlaß mich auf die Dritte; Richtung dort des Waldes Mitte! Vorwärts!" Und in festem Ton Uhrig sprach: „Wir schaffens schon." Seht ihrs dort am Waldrand blitzen? Hei, wie stürmen unsre Schützen: .Hauptmann, Leutnant und Gefreiter: Uhrig, Rompf und Herrenreiter. Wißt ihrs noch, bei Cartigny: „Links die Höhe! Vorwärts Leute, ist ja früh am Tag noch heute!" Hurra! Oben find wir schon, erstes, drittes Bataillon. Doch um Uhrig ist's gefchehn; um den toten Kapitän trauert Leutnant und Gefreiter, trauert Rompf und Herrenreiter. Wißt ihrs noch, bei Lafolie? Schon sind wir im zweiten Graben, Wollen noch den dritten haben, Herrenreiter pirscht sich an — und da wars um ihn getan. Wie der Rompf dies hat vernommen, find die Tränen ihm gekommen. „War mein tüchtigster Gefreiter", sagt der Rompf, „mein Herrenreiter/ Wißt ihrs noch, am Chemin des Dames, wie der Franzmann attakieret. Weil er Stück um Stück verlieret. Tapfer haben wir gerauft und mit Rompf den Sieg erkauft. Drüben find vereint die Drei von der dritten Kumpanei! Hauptmann, Leutnant und Gefteiter: Uhrig, Rompf und Herrenreiter. Aus der Giadi Gießen. Auch darum ... Auch darum sollte man in Urlaub gehen — weil man eines Tages wieder heimkehrt; in die Wohnung, an die Arbeitsstätte. Denn als man in Ferien fuhr, frohlockte man und hatte das feste Gefühl: man war die eigenen vier Wände satt geworden und den Arbeitsplatz müde. Der Zug trug fort, wohin, das war beinahe gleich. Nur weg, nur fort, nur eine Strecke zwischen das Gewohnte und das Neue legen. Das Fremde. Das Wunder. Und das hat man dann auch genossen, am Wald, am See, im Hochgebirge, vielleicht, wenn du ein Sonderling bist, nur in einer anderen, aber fremden Stadt, vielleicht in der Heide. Es war immer schön. Man erholte sich wirklich. Man findet die Menschen anderswo entzückend... und bis es soweit ist, daß man ihre Schwächen erkennt und merkt, daß sie sich im Grunde überall gleich bleiben... bis dahin fährt man wieder ab. Im richtigen Augenblick. Dann rollt ein Zug wieder in der Richtung, aus der man vor ein paar Wochen gekommen. Im Abteil entdeckt man plötzlich, daß man eigentlich in den letzten Tagen schon sehr an das Daheim gedacht, an die Bilder an der Wand, die Bücher im Kasten, ja, so war es. Und nun freut man sich wahrhaftig auf die Heimkehr und auf das, was man im Augenblick der Uebermüdung verächtlich „Trott" nannte. Siehe, nun schmeckt es wieder. Es ist ein Glücksgefühl, die verlassene Wohnung aufzuschließen, ein wenig scheu durch die Räume zu gehen und festzustellen: Gut, es ist alles gut. Die Möbel, die Bilder, die Lampen. Spielerisch knipst man eine an. Spielerisch, o ja, gute Ausrede, trinkt man einen aus der Likörflasche, die hat auch Kaum haben wir den Garten und das Haus hinter uns, so haben wir auch schon die Weisheit und Erinnerung hinter uns. Im Geschäft angekommen, werden wir strenge Männer und haben die Stirn finster. Der Lehrling ist dumm, der Lehrling Ja, auf deinen Garten bist du stolz, tru bist auch auf dich selber stolz und denkst: „Ein jeder guter Garten lobt seinen Herrn!" Und du willigst ein, sowohl der Herr des Gartens, als auch der Diener deines Gartens zu sein. Und nun, du Lieber, gib mir einmal die Hand, laß uns lustwandeln in deinem Menschen-Garten. Lobt der dich auch? Preisen dich die Kräuter, rühmen dich die sauberen Wege, ehren dich die schönen Blüten? Reden die Leute Gutes von dir, schätzen sie deine Geduld, anerkennen sie deine hilfreiche Art, sprechen sie „Ja" zu dir, wenn sie dich — alles in allem — ins Auge fassen? In deiner Familie, in deinem Geschäft und unterwegs in der Straßenbahn — wie bist du da? Und gerade da solltest du etwas sein, denn das sind Gelegenheiten, die das Leben ausmachen, dein eigenes Leben und das Leben aller. Du klagst entsetzlich, die Menschen seien so... ich weiß nicht wie! Und deine Sprüche liegen dir gut zur Hand: „Und wenn er das nicht will, dann werde ich ihn treten!" ~ „ „Das lasse ich mir auf keinen Fall gefallen! „Dem Burschen werde ich das besorgen!" „Bitte, Fräulein, ich war zuerst da!" Dies alles soll nun weder geschimpft sein noch gepredigt. Schimpfen ist etwas zu billig, und predigen ist vielleicht noch billiger. Lassen wir es also eine „Betrachtung" gewesen sein, einen Hinblick auf dich, deinen Garten und dein Verhalten zur Welt. Wir gingen von dem Punkte aus: Dein Garten soll dir, um den äußersten Nutzen zu schaffen, nicht nur leckeres Obst und schöne Blumen tragen, sondern er soll dich auch lehren, Geduld und Verständnis zu haben mit dem Entwicklungsgänge und der Eigenheit und dem Zeitmaß, das allen Dingen ihrer Art nach eigen ist. Liebe, Verständnis und Geduld (und nicht das Gegenteil davon) bringen deinen Garten vorwärts; Liebe, Verständnis und Geduld (und nicht das Gegenteil davon) bringen auch dich, deine Arbeit und deine Umwelt voran, und wer von seinem Garten dies nicht gelernt hat, der hat die beste Ecke seines Gartens überhaupt nicht beackert.» ist nicht bei der Sache, der Lehrling hat den entsetzlichen Fehler, erst sechzehn Jahre alt zu sein, verlangt aber wird, daß er sei wie sechsundzwanzig, sechsunddreißig, sechsundvierzig. „Ich habe es Ihnen tausendmal gesagt, aber Sie haben eben keine Gedanken im Kopf, Sie sind Überhaupt zu nichts zu gebrauchen!" Oh, zu gebrauchen ist er schon. Es ist ein Höllenstück Arbeit und Zwang für ihn, deine Briefe richtig zu adressieren und bis Feierabend bei dir auszuharren, denn sechzehn Jahre sind sechzehn Jahre, und so wenig du dich verjüngen kannst, so wenig kann er sich mit Erfolg alt machen, vernünftig, geschäftlich... ach, laß den Jungen in Ruhe, du, der du ein Gärtner sein willst und weißt immer noch nicht: Zupfen hat keinen Zweck; mit den Fingern kann man Blüten nicht hervorzupfen! Haft du deinen Lehrling schon einmal mit liebevoll abgestandenem, lauwarmen Wasser sorgsam und schonend begossen? Man lache nicht, weil das Gleichnis schief ist. Nicht im Traum haben wir daran gedacht, solches Wasser zum Begießen erst lau werden zu lassen, damit es milde wirke. Nein, derb haben wir losgespritzt. „Unser Emil, unser Walter, das ist ein Lümmel. Ein maulfauler, vsr- stockter, interesseloser Lümmel, aus dem wird nie was!" Ganz besonders Schöne sagen: „Uns keiner geholfen!" Und das ist so ungeheuerlich, daß man ordentlich den Kopf schütteln möchte. Zeitschriften. — „Die Kun st", Monatshefte für Malerei, Plastik und Wohnkultur, 39. Jahrgang, Verlag F. Bruckmann in München, Preis vierteljährlich 7 Mark, eröffnet das Mai-Heft mit einer lebendigen Untersuchung „Ueber das künstlerische Plakat". Aus der Würdigung des Münchner Bildhauers Toni Stadler sei das letzte Werk des Künstlers: ein „Weiblicher Akt" und die im Auftrag der Stadt München geschaffene „Dogge" erwähnt. In dem Aussatz „zu meinen Bildern" erzählt der Wiener Maler Eisenmenger von seiner künstlerischen Entwicklung. Das mit der Silbernen Olympia-Medaille, Berlin 1936, ausgezeichnete Gemälde „Läufer am Ziel" sowie „Der Morgen" und „Das Liebespaar" werden den Betrachter fesseln. Der durch seine Bildnisse bekannte Düsseldorfer Maler Leo Sebastian Humer hat sich auch der Wandmalerei zugewandt. Seine Fresken „Feierabend" und „Aufbau" sind gekennzeichnet durch zeichnerische Strenge und Oeko- nomie in der Farbe. Der zweite Teil des Heftes zeigt in Innen- und Außenaufnahmen „Das Haus Stahlmann-Ohler in Remscheid" von Ludwig Lem- mer sowie „Ein Haus auf der Höhe" von dem Stuttgarter Architekten Hans Paul Schmohl. Einen Querschnitt der Jahresschau des Tischlerhandwerks in Leipzig gibt Friedrich Pütz in einem Bildartikel „Deutsches Wohnen 1938". Anregungen zur Gestaltung unseres Gartens gibt Harry Maaß, Lübeck, in einem bebilderten Aufsatz „Landschaft formt den Garten". Als Ergänzung hierzu darf die Plauderei „Ueber künstlerischen Schmuck im Garten" von dem Gartenarchitekt I. E. Schweizer angesehen werden. Vier Myomen und ein Lehrling. Von Felix Memkasten. Erst war es ein Stück vom Bauplatz, bann inurbe les planiert, und dann kam der Gärtner. Er brachte Kuhdünger und Muttererde hinein, streute Torfmull, und jetzt ist es ein Garten. Es ist gar kein Garten, es ist eine Hochschule der Weisheit. Oder soll das nicht Weisheit sein, wenn man am liebsten alle Pflanzen heute schon blühen sehen möchte, und wenn man sich dann sagen muß: „Zupfen hilft nicht; hier hilft nur abwarten, vernünftig begießen und sorgsam pflegen?!" Auch das Unkraut muß entfernt werden. Aber, ach, was ist Unkraut? Der Nachbar lacht und lacht: „Menschenskind, das waren doch junge Triebe, die Sie da abgerissen haben!" Und so lernt man erstens das Warten und zweitens das Unterscheiden, und das sind zwei große Besitztümer. Und dann die Sorge um die vier Mahonien, die als kahle Strünke dastanden und keineswegs „aufgehen" wollten. Aber man gießt mit lauwarmem Wasser, man zupft jedes Unkräutlein im Bereich der Wurzel aus, und da — eines Tages — treibt ein Trieblein, und heute fitzen schon Blätter, die wie frischer Lack glänzen, so kräftig und schön, so richtig und lebensstark, an den Zweigstrünken, daß es... nun, daß es ein wahrer Lohn ist. Und meine Frau sagt: „Wenn du dir das man merken wolltest!" Ich bin nämlich ein sehr nervöser Herr. Aber ich will mir die Lehren merken, die so ein Garten zu geben hat. So viel Mühe gibt man sich um Pflanzen. Mit den Menschen verfährt man bedeutend kürzer. Paffen sie einem nicht, so reißt man sie ohne Rücksicht heraus aus dem Umgang und wirft sie hinter sich im Bogen weg. Menschen gibt es ja viele. Und wir sind sehr schlechte Menschen-Gärtner. Geduld? Gar keine! Pflege und Hege? Gott bewahren! Was aus ihnen werden soll? Laß sie man sehen, laß sie man selber sehen, wie sie fertig werden! Hochschulnachnchten. Geh. Rat Professor Dr. phil. Dr. jur. h. c, Edward Schröder, der hervorragende frühere Ordinarius für Germanistik an der Universität Göttingen, wird am 18. Mai 80 Jahre alt. Schröder, 1858 in Witzenhausen geboren, wurde 1889 Professor in Marburg und lehrte von 1902 bis zu seiner Entpflichtung 1926 in Göttingen. Als vielseitiger und gelehrter Anreger wie als Erzieher und Kritiker hat er auf Generationen von Germanisten stärksten Einfluß ausgeübt. Deutsche Philologie steht bei Schröder vor dem Hintergründe deutscher Geschichte und Gesamtkultur. Seine weit verstreuten Abhandlungen auf dem Gebiet der Namenforschung werden zu seinem 80. Geburtstag in einer „Deutschen Namenkunde" zusammengefaßt. Schröders Untersuchungen haben für viele Dichtungen Zeit und Heimat festgestellt und Echtheitsfragen entschieden. Besondere Verdienste hat sich Schröder auch um die Wortforschung erworben, namentlich durch seine Tätigkeit bei der Fortführung des Grimmschen Wörterbuches und um die Betreuung der deutschen Texte des Mittelalters. Schröder ist seit 1891 Herausgeber der Zeitschrift für deutsches Altertum. Geh. Rat Professor Dr. Alexander Westphal, der entpflichtete Ordinarius für Psychiatrie und Neurologie andrer Universität Bonn, vollendet am 18. Mai das 7 5. Lebensjahr. Geborener Berliner, wirkte er früher in feiner Vaterstadt und in Greifswald; von 1904 bis zu' feiner Entpflichtung 1928 lehrte er in Bonn. Westphal ist Mitarbeiter des Lehrbuches für Psychiatrie. Der NSD. Dozentenbund veranstaltet vom 22. bis 24. Mai in Braunschweig eine Arbeitstagung der Dozentenbundsführer an den Technischen Hochschulen, die sich mit den brennenden Fragen auf diesem Gebiet des Hochschulwesens auseinandersetzen wird. In der Burg Dank- warderode werden die Tagungsteilnehmer durch den Ministerpräsidenten Klagges empfangen. Während der Tagung sprechen u. a. der Reichsdozentenführer, ff - Brigadefüyrer Professor Dr. Walter Schultze, sowie der Generalinspektor für dar deutsche Straßenwesen, Professor Dr.-Jng. Fritz Todt. Vom Reichserziehungsministerium wird Professor Nipper anwesend sein, der über dis Planung des technischen Studiums spricht. Am ersten Tage soll die Nachwuchsfrage behandelt werden, die gerade auf diesem Gebiet von größter aktueller Bedeutung ist. Weiterhin behandelt die Veranstaltung die Einsatzmöglichkeiten der Technischen Hochschule auf allen Gebieten unseres öffent« lichen Lebens. man zu leeren vergaß, ehe man abreiste, er schmeckt, gut, gut, alles schmeckt. Man ist wieder daheim. Um dieses Gefühl zu erleben — auch deshalb. sollte man in Urlaub fahren. r- k. Dornotizen. Tageskalender für Mittwoch. DAF.-Taguna der Betriebsberufswalter 15.30 Uhr im „Burghof". — NSDAP.. Ortsgruppe Gie- ßen-Ost: 20.30 Uhr Führerschulung im Singsaal der Langernarck-Schule, Ludwigstraße. — Stadttheater: 19.30 bis 21.30 Uhr „Ein Glas Wasser". — Lichtspielhaus (Seltersweg): „Frau Sylvelin". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Es leuchten die Sterne". — Wettbewerb HJ.-Heim, Gießen: 16 bis 18 Uhr Ausstellung der Entwürfe in der Volkshalle (Empore). — Maienblasen ab 19 Uhr vom Turm der Stadtkirche. , Stadtthealer Gießen. .heute abend Wiederholung des großen Lustspielerfolges „Ein Glas Master", nach Scribe von Otto Stockhausen. Spielleitung Hans Geißler, Bühnenbild: Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 32. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Beginn 19.30 Uhr, Ende 21.30 Uhr. Landschaftsbund Volkstum und Heimat. Uns wird geschrieben: Welcher Heimatfreund möchte nicht einmal unter sachkundiger Führung eine Wanderung durch das Naturschutzgebiet Hangelstein mitmachen? Der Landschaftsbund bietet dazu am kommenden Sonntag Gelegenheit. Die Führung hat freundlicherweise Prof. Dr. Funk übernommen. An Himmelfahrt veranstaltet der Landschaftsbund seinen beliebten großen Ausflug, der dieses Mal nach Sichertshausen — Heidenkönigsgrab — Staufenberg führt. RS.'Gemeinfchasi „fitaff durch Freude". Theatervorstellung. Samstag, den 21.2ttai 1938. 20 Uhr. kdA.-Vliete Gruppe H (letzte Vorstellung der Spielzeit) „Versprich mir nichts" Komödie von Charlotte Rihmann. Karlen im freien Verkauf zum Preise von —.90 und 1,— R21L sind in der Kartenverkaufsstelle Gießen, Seltersweg 60, erhältlich. 3410V BOM.- u. ZM.-Untergau 116, (Sieben. An alle Teilnehmerinnen der hessen-Vassau-Fahrt. Wir machen letztmalig darauf aufmerksam, daß die Teilnehmerinnengebühr für die Hessen-Nassau- Fahrt vom 2. bis 9. Juni in höhe von 10.— NM. umgehend auf der Verwaltungsstelle des Untergaues eingezahlt werden muß. Das gleiche gilt auch für die Fahrtanmeldungen. * *♦ Frühere Briefkastenleerun g. Vom Postamt wird uns mitgeteilt: Seit 16. Mai ist die Briefkastenleerung von 17.00 Uhr ab gegenüber der seitherigen Zeit um eine halbe Stunde vorverlegt worden. Die auf den Briefkästen befindlichen Angaben über die Leerungszeiten werden im Laufe der Woche berichtigt werden. *♦ Maienblasen. Am heutigen Mittwoch, um 19 Uhr findet das Maienblajen vom Turm der S t a d t k i r ch e mit folgenden Darbietungen statt: 1. Choral: „O Gott, du frommer Gott", Meiningen 1693 (Johann Heermann): 2. „Abschied vom Walde": 3. ..Der Lindenbaum", Fr. Schubert. ** Sterbe fälle i n Gießen. Es verstarben in Gießen: 1. Mai: Anna Maria Hamel, geb. Seu- fert, o. B., 73 Jahre alt, Bleichstraße 7; Karl Weller, Eisenbahn-Sekretär i. R., 76 J„ Zu den Mühlen 12. 2.: Katharine Schwarz, o. B., 92 I., Licher Straße 74. 5.: Aenne Jülfs, Sängerin, 33 I., Schulstraße 3; Clothilde Schirmer, geb. Ohly, o. L., 75 I., Marburger Straße 15; Katharina Gans, geb. Wagner, o. B-, 83 I., Licher Straße 74. 6.: Heinrich Claus, o. B., 62 I., Licher Straße 74; Ute Rohrbach, 2 Monate alte, Werncrwall 47. Oer Gleiberg-Verein hält Rückschau. S000-M.-Svende der oberhessischen Industrie. Im neuhergestellten Kaisersaal auf Burg Gleiberg hielt am Samstagnachmittag der Gleiberg- verein unter dem Vorsitz von Direktor Menten (Kinzenbach) seine diesjährige Generalversammlung ab,x die mit einem Gedenken für die Verstorbenen einaeleftet wurde. Der dienstlich verhinderte 1. Vorsitzende Kreisdirektor Dr. Lotz hatte seine Grüße und Wünsche übermittelt. Direktor Menten begrüßte zunächst die Gäste und die Mitglieder. In seinem Geschäftsbericht gab dann der um die Burg verdiente Lehrer Praß (Krofdorf) einleitend einen Ueberblick über die Arbeiten des Gleibergvereins zur Erneuerung der Burg während des ersten Jahrhundert seines Bestehens. Erst mit dem Jahre 1933 sind ganz erhebliche Fortschritte festzustellen, so daß der Verein mit Stolz auf die Erfolge der letzten 5 Jahre zurückblicken kann. Das Jubiläumsjahr bedeutet zugleich einen gewissen Abschluß der baulichen Erneuerungen und der Finanzgebarung des Vereins' Mit dem Ausbau des Albertus'Baues und mit der Errichtung des Schulungslagers haben die langwierigen und umfangreichen baulichen Arbeiten ihre Krönung erfahren. Im Jubiläumsjahr hat der Verein das Bewußtsein, durch die Bereitstellung des ganzen Flügels der Bura für den Dienst an der nationalsozialistischen Weltanschauung ganze Arbeit geleistet zu haben. Dafür spricht die Zahl der Uebernach- tungen. Mehr als 5000 Volksgenossen haben auf dem Gleiberg das Rüstzeug für den Dienst am neuen Staat erhalten. Im Jublläumsjahr ist der Verein durch die finanziellen Opfer und durch eine Reihe von Spenden von seinen Geldforgen befreit worden. Noch vor zwei Jahren hatte er eine ansehnliche Schuld. Nun ist ihm dank der Vermittlung des 1. Vorsitzenden, Kreisdirektors Dr. Lotz, vom Zweckverband der oberheffifchen Industrie eine Geldspende von 5000 Mark zugegangen. Diese Summe soll für größere Ausbauarbeiten ausgespart werden. Im letzten Jahre sind der Kaifersaal und das Luxemburg-Zimmer mit ihren Vorzimmern stilgerecht renoviert worden. Durch die tatkräftige Hilfe des Oberbauinspektors Mohr (Gießen) und durch die Mitarbeit des Malers Presber (Wiesbaden), der reiche Erfahrung in Burgrenovierungen hat, haben diese Räume ein schönes, zweckentsprechendes Kleid erhalten. Die Uebernachtungen im Schulungslager waren zahlreicher als im Vorjahr. Insgesamt wurden 12 Schulungslager abgehalten, die von der ff, der DAF., dem Luffichutzbund, der HI., der Marine- SA., der SA. und dem BDM. durchgeführt wurden. Weite Kreise der Bevölkerung aus Rodheim an der Bieber, Atzbach, Heuchelheim, Kinzenbach, Launsbach und Krofdorf-Gleiberg haben den Verein aus Anlaß seines Jubiläums mit Spenden in Höhe von 350 Mark bedacht, wovon Krofdorf- Gleiberg allein 150 Mark, aufgebracht hat. Von Privatpersonen sind insgesamt 350 Mark eingegangen. Die Stadt Gießen hat dem Verein einen Sonderzuschuß von 600 Mark überwiesen. Dazu kommt die erwähnte Spende der oberhessischen Industrie. Der Verein zählt etwa 320 Mitglieder. Der Bericht schloß mit einem Appell an alle Heimatfreunde, die heirnatburg und damit den Verein als Mitglieder oder als Vurgbefucher zu unterstützen. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, daß durch das Entgegenkommen von Bürgermeister Schmidt (Krofdorf-Gleiberg) die Anfahrtsstraße von Krofdorf zur Burg instandgefetzt werden konnte. Aus dem Kassenbericht, den gleichfalls Lehrer Praß erstattete, gingen günstige Kassenverhält- nisse hervor. Das Land Hessen, der Kreis Gießen und die Stadt Wetzlar haben je 150 Mark, der Kreis Wetzlar 200 Mark laufende Zufchuffe ge- währt. Den Einnahmen von rund 9212 Mark standen entsprechende Ausgaben, darunter rund 2500 Mark für laufende Unterhaltunasarbeiten und für die Erneuerung des Mobilars, sowie ein Guthaben gegenüber. Der Voranschlag für 1938 sieht u. a. 1700 Mark für neue Bauarbeiten vor. Lehrer Praß wurde Entlastung erteilt und herzlicher Dank für seine Mühewaltung ausgesprochen. Bauoberinfpektor Mohr (Gießen) berichtete hieraus über die erforderlichen Arbeiten im laufenden Jahre, die in erster Linie der Erneuerung der Burgmauern dienen, wofür allein 400 Marr notwendig sind. Für Erneuerung des Estrichs, der Gebäude, Ausbesserungen am Philippsturrn, die Unterhaltung der Dächer, die Türöffnung am Burghelm der Oberburg, die Ausbesserung des Geländers in der Ruine und für die des Balkons, dem Wilhelm- Altan, für die Umgestaltung des Ausschankes im Burghof und die Erneuerung des Mobilars, kleinere Arbeiten im Flur und für die Ausbesserung der Decke in der Bauernstube werden insgesamt etwa 1600 Mark für alle Arbeiten zusammen rund 2000 Mark Kosten erforderlich. Direktor M e n k e n dankte Bauoberinspektor Mohr für die Mühewaltung und würdigte dessen selbstlose Dienste während mehr als 35 Jahren, für die Bauoberinfpektor Mohr zum Ehrenmitglied des Gleibergvereins auf Lebenszeit er» nannt wurde. Dazu sprach ihm die Versammlung beste Glückwünsche aus. Abschließend wurde das G l e i b e r g s e st, das wieder zum Heimatfest der näheren und weiteren Umgebung des Gleibergs ausgeftaltet werden soll, auf Sonntag, 17. Juli, festgesetzt. In der Aussprache gab Bürgermeister Schmidt dem Wunsche nach Unterbringung der Feuerwehrspritze Ausdruck. Hierfür soll im Einvernehmen mit Bauoberinspektor Mohr ein geeigneter Raum be» schafft werden. Weiter wurde darauf hingewiesen, daß die Post bei größeren Veranstaltungen den Omnibus Gießen—Krofdorf bis zur Linde unterhalb der Burg durchführen möge. Rektor i. R. Müller überbrachte die Grüße der Heimatvereinigung Schiffenberg. 7.: Ria Schneider, geb. Lehr, o. B„ 48 I., Jahn- straße 53. 8.; Julie Meuser, geb. Kleuser, o. B., 73 I-, Wernerwall 1. 9.: Wilhelm Herr, Buchdrucks- reibesitzer, 60 I., Walltorstraße 77; Werner Faust, 23 Tage alt, Rodheimer Straße 51. 10.: Ludwig Größer, Lackierer, 51 I., Steinstraße 67; Theodor Kerl, 3 I., Asterweg 61. 12.: Max Rüger, Hausmeister, Licher Straße 74. 13.: Frieda Hintze, geb. Milatz, o. B., 52 I., Schwarzlachweg 35. 14.: Katharine Simon, geb. Bollmann, o. B>, 53 I., Crednerstraße 19; Lina Lein, o. B., 79 I., Licher Straße 74. 16.: Wilhelm Konrad Grau, Reichsbahn- Werkmeister i. R., 68 I., Liebigstraße 89. Große Strafkammer Gießen. Gestern hatte sich der A. S. aus Essen vor der Großen Strafkammer wegen Sittlichkeitsverbrechens zu verantworten. Der Angeklagte, der auf einem Gut beschäftigt ist, hatte dort im vorigen Jahr ein damals 11 Jahre altes Mädchen unsittlich berührt. In der gestrigen Hauptverhandlung, Die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, war der Angeklagte geständig. Mit Rücksicht hierauf billigte ihm die Kammer mildernde Umstände zu und erkannte auf sieben Monate Gefängnis. Sodann wurde, ebenfalls unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, die Berufung des W. K. aus Frank- furt a. M., der vom Schöffengericht Meßen im März dieses Jahres wegen Abtreibung bzw. Beihilfe hierzu drei Monate Gefängnis erhalten hatte, verhandelt. Der Angeklagte hatte mit einem Mädchen aus der hiesigen Gegend, die in der gleichen Angelegenheit bereits rechtskräftig verurteilt ist, ein Verhältnis, das nicht ohne Folgen blieb. Auf Drängen des Mädchens schickte er ihr mehrmals chemische Mittel, die allerdings unwirksam waren. In der gestrigen Hauptoerhandlung begründete der Angeklagte seine Berufung damit, er habe von vornherein gewußt, daß die Präparate unschädlich seien, und er habe die Tat nür begangen, um ba.5 Mädchen zu beruhigen. Mit dieser Einlassung fand er jedoch keinen Glauben, so daß er zum Schluß feine Berufung auf das Strafmaß beschränkte und Einstellung auf Grund der Amnestie beantragte. Auch hierzu konnte sich die Kammer bet einem derartigen Delikt nicht verstehen. Immerhin wandelte sie die Strafe mit Rücksicht darauf, daß das Mädchen der treibende Teil war, in eine Geldstrafe von 250 Mark an Stelle einer an sich pen. wirkten Gefängnisstrafe von sechs Wochen um. Aus der engeren Heimat. Theaterabend in Dad-Nauheim. * Bad«Nauhe1m, 18.Mai. Am morgigen Donnerstag, 19. Mai, wird im Großen Bühnensaal des Kurhauses Mozarts „Entführung aus dem Serail" aufgeführt. Dabei wirken Solisten der Staatsoper Berlin, ferner die Kammersängerin Margherita P e r r a s von der Staatsoper .Wien, Helge Roswaenge und andere weltbekannte Künstler mit. Die Aufführung bedeutet für unsere Badestadt einen künstlerischen und gesellschaftlichen Höhepunkt der Saison. Festvorbereitung bei der S.-V. „Gärilia", Lich. Ueberall in der Stadt Lich macht sich immer mehr das an Pfingsten stattfindende Fest der Sängervereinigung „Cäcilia" bemerkbar. Keberhaft wird an der Fertigstellung verschiedener Straßenzüge, wie Bahnhofstraße, Klrchgassö usw., gearbeitet, an vielen Häusern stehen die Gerüste der Weißbinder, um in letzter Minute dem Straßenbild noch ein. sauberes Aussehen zu geben. Die Arbeiten am Neeb-Gedenkstein auf dem Platz RUHL Seltersweg Nr. 67 ad io Telephon Nr. 3170 I eparaturen ibstd W vor der Post gehen flott voran, so daß auch hier die Gewähr einer rechtzeitigen Fertigstellung gegeben ist. Bei den Ausschüssen, wie Wohnungsausschuß, Empfangsausschuß, Bau- und Ausschmük- kungsauSschuß, Festwagenausschuß, Finanzausschuß und nicht zuletzt gefchästsführender Ausschuß, häuft sich durch die tägnch einlaufenden Anmeldungen die Arbeit von Tag zu Tag, sind doch bis jetzt annähernd 30 Vereine mit rund 1500 Sängern gemeldet, von denen für einige Hundert auch Nachtquartiere beschafft werden nrüssen. Die Hauptvorbereitungen für den unter dem Motto: „Das deutsche Lied" stehenden Festzug am 2. Pfingstfeier- tag mit über 10 Festwagen sind ebenfalls getroffen, so daß auch dieses Mal der Festzug seine Anziehungskraft nicht verfehlen 'wird. Goldene Konfirmation. )( Lich, 16. Mai. In unserer Kirche fand gestern zum ersten Male die Feier einer goldenen Konfirmation statt. Nach einem Beichtgottes- dienst im Gemeindesaal zogen die Jubelkonfirmanden, die von nah und fern erschienen waren, unter Führung des Geistlichen, empfangen von den fest- lichen Klängen der Orgel, in die geschmückte Kirche ein und nahmen auf den Ehrenplätzen im Frauen- ftuhl Platz. Der Gottesdienst wurde von dem Kirchenchor unter Leitung von Chormeister und Or- gant ft Stein und Dem Frauenchor unter der Stabführung von Frl. Hilde Junker kirchenmusikalisch und festtich umrahmt. Nach der Eingangs- liturgie sprach der Geistliche auf Wunsch der goldenen Konfirmanden über dasselbe Textwort, das einst vor 50 Jahren den Konfirmationstag ant 21. Mai 1888 geweiht hatte: „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben". Anschließend nahmen die Feiernden am hl. Abendmahl teil. Nach dem Gottesdienst gedachten sie am Ehrenmal und auf dem Friedhof der Heimgegangenen Kameraden und Kameradinnen, sowie der verstorbenen Geistlichen und Lehrer. Am Nachmittag vereinigte -eine Kaffeetafel im Parkhotel die mit dem golbenen Sträußchen geschmückten 23 Männer und Frauen mit ihren Angehörigen und Fäden hin und her. Vornan von Hedda Westenberger. Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35 25. Fortsetzung. (Nachdruck verbotenI) Aber statt nun aufzuspringen und Monika zu begrüßen, bleibt Kahl ruhig liegen. Er stützt nur ein wenig seinen Oberkörper auf, kneift die Augen zusammen und schaut Monika kopfschüttelnd an. „Liegt fich's gut, da auf dem Boden, Herr Doktor?" fragt Monika spöttisch und fühlt dabei, wie ihr Gesicht rot und röter wird. Aber darauf gibt Kahl gar feine Antwort. Sondern er pfeift leise durch die Zähne, stützt feinen Oberkörper noch etwas höher auf und sagt langsam: „Wenn Sie radfahren, während er bei Ihnen zu Hause Kaffee trinkt, dann habt ihr euch in den Haaren gehabt. Stimmt's?" Monika schraubt verlegen an ihrer Klingel herum. „Nein, cs stimmt leider nicht." Robert von Kahl reißt erschrocken die Augen auf: „Es stimmt nicht? O Gott, dann ist noch viel Schlimmeres passiert!" Und als litte es ihn jetzt doch nicht länger am Boden, springt er hastig auf und stürzt zu Monika hin, um ihre schmale Hand zwischen seinen großen langen Händen heftig zu pressen. „Haben Sie ihm vielleicht einen Korb gegeben, Fräulein Monika? Du lieber Himmel, dann geht er uns glatt ein, wie ein Kaktus ohne Licht und Sonne. Aber übrigens: Guten Tag, guten Tag, Fräulein Monika, vor lauter Aufregung vergaß ich ganz, guten Tag zu jagen. Und bitte, bitte, sagen Sie mir: Wo steckt Lenzsch? Hat er sich schon in den Stadtgraben gestürzt? Oder wenn er noch wohlbehalten bei Ihnen zu Hause sitzt, warum fahren Sie Rad, wenn Lenzsch Kaffee trinkt? Und wieso.. " Monika zieht halb ärgerlich, halb amüsiert ihre Hand aus der seinen. „Wollen Sie mir nicht lieber sagen, warum Sie da so komisch am Boden gelegen haben? Und schauen Sie sich an, wie Sie aussehen!" Kahl schaut gehorsam, aber äußerst uninteressiert an seinem erdbeklebten Mantel herunter: „Ich? Am Boden? Ach so, ja. Aber das ist ganz uninteressant. Ich wollte nur ein Schneeglöckchen knipsen, Nahaufnahme, wissen Sie. Doch setzt mag ich gar nicht mehr, und erst muß ich wissen, warum Sie rad- fahren, während Lenzsch ..." Monika klingelt, was nur die Radklingel hergibt. so daß Kahl erschrocken zu reden aufhört und respektvoll zwei Schritt von dem Rad und seiner Besitzerin zurücktritt. Dann macht er eine stehende Gebärde: Aufhören, verehrtes Fräulein Monika, bitte, aufhören. Das ist ja fürchterlich! Mir fällt ja bei dem Lärm mein ganzes bißchen Gehirn auseinander. Monika hält lachend inne. „Wollen Sie also nicht wieder von Lenzsch anfangen?" „Nein, das heißt — wüßte ich doch wenigstens, wo er im Augenblick ist!" „Also gut, bei uns zu Hause sitzt er. Ganz wohlbehalten und — sehr vergnügt. Wir haben nämlich noch eine Dame zu Besuch." „Aha! Eine nette Dame, ja? Sehen Sie! Und deshalb ..." Abeb Monika lehnt diesen Verdacht großartig ab. „Gar nichts: deshalb! Es ist nämlich eine ganz alte Dame, die wir zu Besuch haben, eine Freundin von Papa, und nur weil sie aus Berlin kommt und Lenzsch doch so sehr von Berlin schwärmt und darum ..." Sie verstummt, und Kahl lächelt verstohlen. Kein Wort glaubt er ihr, fein Wort. Laut sagt er: „Ach so. Und da ist cs Ihnen zu langweilig geworden. Weil Sie doch Berlin nur ganz flüchtig kennen. Ja, das versteh' ich. Nur wundert es mich, daß ausgerechnet Lenzsch von Berlin schwärmt. Er ist doch sonst so ein langweiliger Bursche." Er schielt zu Monika hin, die ihre Vorderradbremse auf und nieder drückt. Fährt sie nicht auf? Nein, sie fährt nicht auf. „Ja, er ist ziemlich langweilig^', sagt sie gelassen. Und nach einer kleinen Pause: „Aber wollen Sie jetzt nicht endlich Ihr Schneeglöckchen knipsen?" Der lange Robert von Kahl schaut auf Monika nieder, als sähe er sie zum erstenmal. Was ist denn nur mit dem Mädel? Kommt es ihm nur so vor, oder ist ihr Gesicht wirklich ein bißchen älter und reifer geworden? Und woher plötzlich diese Ge- lassenhelt? Und der Blick zu ihm hin — gar nicht mehr so kindlich, spröde wie früher. Da ist doch irgend etwas vorgegangen. Aber was? Und wann denn nur? Es find doch schließlich feine vier Wochen her, daß er sie zuletzt gesehen hat. Aber vielleicht hat er sie eben nur niemals richtig gesehen. Das gibt es ja, daß man über einen Menschen jahrelang, monatelang hinwegsieht, und ganz plötzlich, aus beinahe geheimnisvollem Anlaß heraus, entdeckt man auf einmal sein Gesicht, sein Wesen, alles. Als ob man plötzlich einen Schlüssel dafür in die Hand gedrückt bekommen hätte. Eine Weile stehen die beiden nun stumm voreinander, jedes mit seinen eigenen Gedanken beschäf- tigt und so ein bißchen unsicher und verlegen. „Wissen Sie was", sagt Robert von Kahl dann und greift entschlossen nach dem Rad, „wissen Sie was, ich verzichte auf meine Schneeglöckchen-Nahaufnahme und begleite Sie statt dessen ein Stück. Darf ich?" Monika hebt den Kopf und streift den langen Doktor mit einem flüchtigen Blick und schaut dann den Waldweg entlang, als wüßte sie nicht so recht, ob... „Darf ich?" fragt Kahl deshalb noch einmal und beugt sich Dabei ein roenia nach vorn, wie große Leute' es oftmals unwillkürlich tun, wenn sie kleineren ins Gesicht sehen wollen. Da nickt Monika entschlossen. Ja, er Darf. Und er Darf sogar noch mehr, als nur ein Stück mit» gehen. Er darf mit nach Hause kommen, zum Kaffeetrinken! Hat er Lust? Jetzt ist es an Kahl, ratlos Den Waldweg entlangzuschauen. Unwillkürlich stellt er sich das genauer vor: Er geht neben Monika her durch den Wald. Ganz Eigelstein sieht ihn neben Monika her- gehen. Er tritt in Das Hammerdachsche Haus, und alle wundern sich, wieso er mit Monika daherkommt, Die doch bisher immer Lenzsch feiner Begleitung vorgezogen hat. Dann fitzt er da, und Lenzsch bombardiert ihn mit wütenden Blicken... Dies letztere gibt dann den Ausschlag: daß Lenzsch ihn mit wütenden Blicken bombardiert. Obgleich »doch eigentlich wissen sollte, daß ihn, Kahl, ädchen Monika, um nicht zu sagen: das Kind Monika, gar nicht interessiert, nie interessiert hat. Nein, den Spaß darf man sich nicht entgehen lassen, daß Lenzsch einen mit wütenden Blicken bomb ar» diert, und eigentlich sollte man daraufhin sogar ein bißchen mit der kleinen Monika flirten. Die „kleine" Monika hat inzwischen ähnliche Ge- danken gehabt. Warte nur, Lenzsch, hat sie gedacht, warte nur, jetzt wirst du dein blaues Wunder an mir erleben, und du wirft deine Marga Montwill vor Schreck stehenlassen wie eine falt gewordene Tasse Kaffee. Ihr alle werdet euer tiefblaues Wunder an mir erleben, alle! „Gehen wir also!" sagt Kahl in ihre Gedanken hinein, und seine Stimme klingt, als habe er vor- geschlagen, zum Jahrmarktsrummel au gehen. Und auch Monika sagt, indem sie ihr Rad wendet, mit gänzlich veränderter Stimme: „Ja, gehen wir also.'^ Und sie gehen. Sie gehen unD schweigen lange Zeit. , Merkwürdig, denkf Monika und betrachtet die großen Stiefel, die neben ihr hermarschieren, noch nie bin ich mit diesem Doktor von Kahl allein gegangen. Und wenn er mit Lenzsch zu uns kam, oder wenn ich ihn irgendwo in Der Stadt traf, dann hat er immer nur Dummes Zeug gerodet, Späße gemacht, geschwatzt. Dabei hat er doch ein ganz ernstes Gesicht, beinahe ein trauriges. Warum habe ich Das aber vorher nie bemerkt? Und —> warum redet Kahl Denn jetzt fein Dummes Zeug? Merkwürdig, denkt Kahl und schaut auf Monikas Hände, Die das Rad führen, merkwürdig, noch nie bin ich mit diesem Mädchen allein gewesen. Und wenn ich sie mit Lenzsch zusammen traf oder sprach, so halben mir Dummes Zeug geschwatzt. Warum eigentlich? Sie hat doch gar fein Dummes Gesicht, und übrigens herrliche Augen, ungeweckte zwar, aber so tiefe und klare Augen. Wer weiß, vielleicht ist es unrecht, über sie hinzusehen wie über etwas Unfertiges, Unreifes. Vielleicht... Und vorsichtig tastend fängt Robert von Kahl auf einmal an, von Dingen zu reden, Die wir mit dem Ausdruck „persönlich" bezeichnen. Von seinem Elternhaus in Königsberg, von seinem heißer- käntpften Studium, den Stunden, Die er geben mußte, um Die Studiumsgelder aufzubringen, von feiner kranken alten Mutter, Die er mit ernähren muß, von feiner jüngeren Schwester, Die irgendwo draußen in Südamerika ziemlich traurig verheiratet ist, von feinen ersten Stellen als Assistenzarzt und von vielem anderen. Und Die Stille Des vorfrühlingshaften Waldes macht. Daß Dies alles gar nicht unangebracht, gar nicht zu vertraulich, gar nicht zu aufdringlich klingt, sondern fast selbstverständlich und schlicht und einfach, ein gutes Wort von Mensch zu Mensch, nichts weiter. Und Monika, mit gesenktem Kopf, hört zu. Manchmal stellt sie eine Frage, manchmal streift sie rn.it raschem, forschendem Blick Den Sprechenden an ihrer Seite, dann senkt sie Den Kopf wiedex. Und je länger Robert von Kahl spricht, um so ruhiger wird Monika. Es gelingt ihr zum Beispiel ohne Anstrengung, zehn Minuten lang jeden Gedanken an Lenzsch auszusckalten. Es gelingt ihr auch, nicht mehr an sich selbst, an Marga Montwill und den Kaffeetisch zu Hause zu denken, sondern statt dessen an das, was Kahl sagt, nur an das. „Aber vielleicht langweile ick Sie mit alledem, was ich da erzähle", sagt Kahl Dann plötzlich und besinnt sich erschrocken, daß Dies Mädchen noch vor einer halben Stunde in seinen Augen cm Kind war, mit Dem man nur Späße treiben kann. (Fortsetzung folgt) 9J.-fpori des Wirtschaft 17.5. Darum 16.5. 99,3 ! 99,4 99,9 99,9 . 99,9 99,9 104 100 140,13 140,13 Berlin - Frankfurt a. ZIL 100 100 102 99,3 78,9 126,13 1 196 I 127,25 102 99,3 100,75 100 133,5 104,25 100,5 100,65 104,25 100,5 100,65 42,01 0,147 47,10 55,31 47,10 12,39 5,47 6.977 137,97 13,11 101 100 100 99,75 139,9 100 100 101 101 111,45 137,5 101 I 111,65 137,65 I 100,75 100 133,5 100,9 111,65 138 41,98 0,147 47,10 55,37 47,10 12,39 5,48 6,977 138,00 13,11 0,720 5,694 62 J2 11,23 63,71 56,74 8,656 2,489 0,722 5,706 62,24 11,25 63,83 56,86 8,674 2,493 41,90 0,145 47,00 55,25 47,00 12,36 5,47 6,963 137,72 13,03 .. o .. 4 .. 7 0,65 6 4 5 7 6 0 12 , 6 , 6 , 6 . 7 . 6 . 7 . 4 10 10 . 5 0,721 5,694 62,20 11,22 63,79 56,75 8,656 2,491 0,723 5,706 62,32 11,24 63,91 56.87 8,671 2,435 41,93 0,145 47,00 55,19 47,00 12,36 5,46 6,963 137,69 13,09 14 . 6 . 0 . 8 . 5 . 8 14 6 % . 5 6 .. 9 , 10 .. 6 7 .. 6 7 .. 7 .. 0 4'/r .. 5 .. 8 .. 7 .. 7 .. 4 .. 5 Nach dem herrlich gelungenen Stafsellauf „Rund um die Anlagen" am vergangenen Sonntag glaubt man, daß gerade dieser Kampf dazu dienen wird, die Leichtathletik in Gießen wesentlich zu fördern. Es wird für jeden eine hohe Ehre sein, Mitglied der Stadtmannschaft zu sein, und deshalb werden sich an den Ausscheidungen-.'recht viele beteiligen. Die endgültige namentliche Nennung der Stadt» Mannschaft werden wir nach der Aufstellung, die im Anschluß an die Ausscheidungen erfolgt, bekannt» geben. Leichtathletik der Gp.-Lg. 1900. Lleemaan und Förster in Kassel erfolgreich. 132.25 ! 133,25 78 j 77,4 79,5 79,25 126,5 ' 126,25 196,751 195,5 127,65 ; 127,5 115,9 , 115,75 120,25 ’ 120,25 112,9 : 112,75 115,9 I 115,75 120.25 j 120.25 112,9 I 112,75 101 I 100 ! 100 99,75 I 139,75 : 100 100 101 I 101 | 111.45 I 137,5 77,5 78,9 126,25 197 127,5 Lahm eher.................. Mainkrafl ManncSmann ManSfelder Bergbau Metallgesellschafl.......... Crenftetn & Äopfel Rheinische Braunkohle....... : Rheinische Elektro............ Rheinstahlwerke.............. Rheinisch-Westfalische Elektro .. RütgerSwerke ............... Sohdelfurth Kali............ Schuckcrt L Co............... Schultheis Patzenhofer........ Siemens & Halske.......... Bannes 'zusammengestellt. Heil Hitler! Der Bannfachwart für Schwimmen. O r t w e i n. Juhball in der Hitler-Jugend. Klocknerwerke........ Kotewerte und Chemische Fabrik 7 17.5. 16.5. Sott der Hebung zum bitteren Ernst. LPD Alsfeld, 17. Mai. Während Feuerwehren, SA., SS., NSKK. und Arbeitsdienst in der Nahe von Zell-Romrod eine W a l d b r a n d ü b u n g 3Ur Schulung in der Löscharbeit durchführten, wurde plötzlich aus der Hebung bitterer Ernst. An einer anderen Stelle des großen Waldreviers, das von der Bahn Gießen—Fulda durchzogen wird, war durch Funkenflug aus der Lokomotive ein Waldbrand entstanden, der auf einige hundert Meter Entfernung an mehreren Stellen aufflammte. Dem energischen Zugreifen der Uebungsmannschaften gelang es in kurzer Zeit, den Brand zu unterdrücken Todessturz mit dem Fahrrad. Nidda, 17. Mai (LPD.) An einer steilen Stelle der Landstraße Geiß-Nidda—Bad Slllzhau- sen st ü r z t e die auf dem Fahr r ad hclmfahrende Frau N e u s e l von hier so unglücklich, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der mit dem Fahrrad folgende Ehemann der jungen Frau war unmittelbar Zeuge des tragischen Endes seiner Lebensgefährtin. Landkreis Gießen. Hitler-Jugend Sann 116 Vetr.: Schwimm-Mannschafl des Vannes. Alls Junggenossen, die im vergangenen Jahre in der Bann-Mannschaft Wasserball spielten oder in irgendeiner anderen Disziplin aktiv mitgewirkt haben, und alle die, die dieses Jahr an der Bannme-ister- schaft teilnehmen wollen, haben sich am kommenden Donnerstag um 18 Uhr in der Müllerschen Badeanstalt einzufinden. In der Müba wird dann die Schwimmannschaft Aschaffenburg Zellstoff.... Bemberg...*........... Sehila................. BuderuS Eisen........... gement Heidelberg....... Konti Gummi........... Daimler Motoren ...... Teslauer Gas........... Deutsche Erdöl Deutsche Gold- und Silber Deutsche Linoleum....... Elektrische Lieferungen.... Elektrische Sid-t und Kraft. F. K. Farben-Jndustrie ... Felten & Guilleaume Gessürel................ 2T). Goldschmidt......... Gritzner Maschinen....... Harpener ............... Hoesch Eisen............ Philivv Holzmann....... Ilse Bergbau............ Ilse Genüsse.......... Kali Aschersleben........ ^Erstmalig wird damit in der Leichtathletik mit der Bildung einer Stadtvertretung eine geschlossene Mannschaft aufgestellt. Als Grundlage für diesen großen Mannschaftskampf werden nachfolgende Konkurrenzen zur 1500 Meter, 4X1«) Meter, 4X400 Meter, Hochsprung, Weitsprung, Kugel, Diskus, Speer. , Gewertet werden jeweils 2 Mann, und zwar nach der Zehnkampfwertung. Das Fachamt hat zur Ermittelung der Stadtmannichaft Ausscheidungs- kämpfe festgeleqt, die am Jommenben Donnerstag» nachmittag auf dem Unioersitätssportploß Gießen zur Durchführung kommen. Berücksichtigung für Aufstellung in die Mannschaft können nur die finden die an diesen Ausscheidungen teilgenommen haben. Diese Entscheidung ist deshalb notwendig gewesen, weil zu Beginn der Wettkampfsaison die Leistungsfähigkeit noch nicht genügend übersehen werden kann. Es wird also fedem die Möglichkeit gegeben, sich durch gute Leistungen einen Platz m ße? Stadtmannschaft zu erkämpfen. Es sei noch besonders darauf hingewiesen, daß in den Lausen je 4 Teilnehmer und in den übrigen Konkurrenzen ie 3 Teilnehmer für die Aufstellung Berücksichtigung finden. Darüber hinaus wird es^notwendig sein für die Staffeln noch genügend Ersatzaufstellungen vorzunehmen. s. Lang-Göns, 17. Mai. Der neue Somme r f a h r p l a n bringt auch für unsere Station mehrere recht angenehme P e r b e s s e r u n g e n. Bor allem wird begrüßt, daß nun noch 21.50 Uhr ein Zug von Gießen abgeht, der 22.01 Uhr hier ankommt. Seither wurde es sehr unangenehm empfunden, daß nach dem Zug 19.49 erst um 22.47 Uhr wieder ein Zug von Gießen nach Frankfurt a. M. abstihr. Diese drei Stunden Wartezeit werden nun durch den neu eingelegten Zug angenehm verkürzt. Außerdem haben nun die Reisenden, die von Fulda, Gelnhausen, Wetzlar usw. kommen, einen schönen Anschluß nach Frankfurt a. M. Der letzte Zug von Gießen fuhr seither um 22.47 Uhr ab, war also für manche Theater- oder Kinovorstellung etwas zu früh. Er fährt in diesem Sommer erst 23.04 Uhr, also 17 Minuten später ab. Auch diese Verlegung kann -nur begrüßt werden. Daß außerdem Samstag und Sonntag ein letzter Zug (23.39) ab fahrt, fei hier nur erwähnt, er fährt auch 10 Minuten spater als seither ab. Don Frankfurt kommend fährt mit Beginn des 15. Mai noch ein neuer Zug hier in Lang-Göns 20.31 Uhr nach Gießen. *bn der Richtung nach Frankfurt verkehren nun vom hiesigen Bahnhof 15 Züge, nach Gießen 16. Die Verbindung ist besonders von der Mittagszeit ab nach beiden Richtungen ausgezeichnet, denn dann geht fast in jeder Stunde ein Zug. L e i h g e st e r n , 17. Mai. Der im 76. Lebensjahre stehende Johannes H e ß XXII., dahier, war gestern nachmittag damit beschäftigt, aus einem mit einer Kuh bespannten Wägelchen Stückgüter zum Bahnhof zu fahren. Am Bahnübergang scheute plötzlich das sonst so ruhige Tier und versuchte durchzugehen, wobei der alte Mann vom Wagen heruntergeschleudert wurde und zahlreiche Verletzungen hauptsächlich am Kops und an den Nkn davontrug, d^ sofortige ärztliche Hilfe er» iOrra , 16. M°i. Am Sonntag unter, nahm die hiesige K r i e g e r k a m e r a d s ch a f t einen Familienausflug an den Rhein. Die 68 Teilnehmer fuhren in zwei großen Omnibussen über Gießen —Weilburg —Limburg — LangeNschwalbach, durch das Wispertal und erreichten bet Lorch den Rhein. Längeren Aufenthalt nahm man in Rndes- heim zum Besuch des Niederwalddenkmals sowie in der Badestadt Wiesbaden. Die ^)nfahrt führte über eine Teilstrecke der Autobahn. Alle Teilnehmer waren hoch befriedigt von der genußreichen Fahrt, die von gutem Wetter begünstigt war. Kreis Alsfeld Go Groß-Felda, 16. Mai. Gestern kam es hier an einer gefährlichen Kurve innerhalb des Dorfes zu einem Zusammenstoß zwilchen zwei Motorradfahrern. Beide stürzten, und der eine trug einen Kniescheibenbruch sowie andere Verletzungen am Fuß davon. Der andere^ erlitt keine wesentlichen Verletzungen. — Hier herrscht unter der noch nicht schulpflichtigen Jugend eine Masernepidemie, so daß der Kindergarten vorübergehend geschlossen werden mufcte- kurz war, konnten sie den zweiten und dritten Platz belegen. Es wurden gezettet: 1. 511 d) e r ML* Standarte 256 Paderborn), 4:15,2 Jütin.; 2. K l e e» mann (Gießen 1900), 4:19,8 Min.; 3. Forstep (Gießen 1900), 4:26,5 Minuten. Die Rülkrunde beginnt Um die deutsche Handball-Meisterschast. Am vergangenen Sonntag wurde die Vorrunde zur deutschen Handballmeisterschaft abgeschlossen. Der kommende Spielsonntag bringt die ersten Kämpfe der Rückrunde. Wohl hat es bisher einige Überraschungen gegeben; Sensationen blieben dagegen aus. Klar ist die Lage in Gruppe 1, wo dop deutsche Meister MTSA. Leipzig ungeschlagen in Front liegt, gefolgt von Oberalster Hamburg. In der wohl interessantesten Gruppe, die Weißenfels, Berlin, Carlowitz und Wetzlar umfaßt, hat Weißenfels zwar eine unerwartete Niederlage in Berlin einstecken müssen, besitzt aber trotzdem noch die besten Aussichten auf den Gruppensieg. Hindenburg Minden wird wohl als Sieger aus den Kämpfen der Gruppe 3 hervorgehen. In der süddeutschen Gruppe hat SD. Waldhof nach seiner ersten Niederlage die Spitze erreicht und dürfte sic wohl nicht mehr abgeben. nun in Dreirundenspielen um die Entscheidung, wer im Endspiel um die Gebietsmeisterschaft spielen wird. Im Bann 116 Gießen hat sich die Mannschaft ab auf 133,50, Kommunal-Umschuldung hatten Meines Geschäft bei 96,15 (96,20). Der Pfandbrief- markt zeigte insgesamt kaum eine Aenderung, nur Meininger Liquid. 101 (— 0,25 v. H). Auch ^-tadt- anleihen und Jndustrie-Obligationen lagen ruhig und meist behauptet, ebenso blieben StaatSpapiere sehr still. In der zweiten Börsenstunde ergaben sich teilweise kleine Besserungen um etwa 0,25 bis 0,50 o H, so bei Verein. Stahl auf 108,65, bei Daimler auf 150 nach 149,50 (150,50) sowie bei IG. färben, die bei etwas mehr Umsatz auf süddeutsche Kaufe auf 159 nach 158,13 anzogen. Die später notierten Papiere lagen fast ausnahmslos 0,50 bis 1 v. H. niedriger. Felten verloren 1,75 v. H. auf 141,50, etwas höher Scheideanstalt mit 249 (248,50). Abendbörse still. Die Abendbörse hatte stilles Geschäft, da kaum Aufträge Vorlagen. Die Haltung war aber auf dem etwas erholten Mittagsfchlußstand meist gut behauptet, und vielfach ergaben sich in Anpassung an den höheren Berliner Schluß nochmals kleine Besserungen um 0,25 bis 0,50 v. H. Niedriger lagen nur Rheinstahl mit 142 (142,25). Sonst notierten u. a.- Buderus 119 (118,75), Hoesch 113 (112,75), Verein. Stahl 108,75 (108,65), Deutsche Erdöl 141 (140,75), AEG. 123,50 (123), BMW. 158,25 (158), Bemberg 149,50 (149,25), Demag 147 (146,90), IG. Farben 159,13 (159), Gessürel 146 (145,75), Metallgesell» schäft 137 (136,75), Rheinmetall 146 (145,75), Westdeutsche Kaufhof 108,25 (107,75), Reichsbank 196 (195,75), Norddeutscher Lloyd nach Pause unocr«. ändert 78,90. Der Rentenmarkt war ohne besonderes Geschäft. Gemeinde-Umschuldung wurden mit unverändert 96,15 genannt. Icanksurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 17. Mai. Auftrieb: Kälber 718 (gegen 655 am 10. Mai), Hämmel und Schafe 49 (112), Schweine 5081 (4039). Notiert wurden je i 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Kälber a) 60 bis 65 (63 bis 65), b) 54 bis 59 (57 bis 59), . c) 48 bis 50 (45 bis 50), d) 40 (40). Hammel c) 40 bis 42 (42 bis 45), d) 34 (35 bis 40). Schafe i a) 40 bis 42 (38 bis 40). Schweine a) 56.50 (56.50), : bl) 55.50 (55.50), b2) 54.50 (54.50), c) 52.50 (52.50), d) 49.50 (49.50). Sauen gl) 53.50 (53.50). Markt- - verlauf:' Kälber und Schweine zugeteilt, Hämmel . und Schafe mittelmäßig. 100 ; 100 133.75 I 133,5 - | 137,25 100,25 ' 100.25 Süddeutsche Zucker. - - Bereinigte Stahlwerke Westdeutsche flonfljof. Westeregeln Alkali.... Zellstoff Waldhof .... Olavi Minen........ Kurszettel der Berliner und Frankfurier Börfe. Die hinter den Papieren angesührten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlallenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. dem Geistlichen zu gemüüichem Zusammensein und zum Austausch alter Erinnerungen. Auch em eigens zu diesem Ehrentag von Frl. Marie Jäger ihren Mitkonfirmanden und Mitkonfirmandinnen gewid- metes Gedicht kam zum Dortrag. An Die noch lebenden einstigen Lehrer und die Witwe des Konftrma- tors wurden Kartengrütze geschickt. Tv. Heuchelheim auf Wanderung. Wie alljährlich, so führte auch in diesem Jahre : der Turnverein Heuchelheim eine Tageswanderung durch, um seinen Mitgliedern die schöne Heimat näherzubringen. Ueber 120 Teilnehmer sanden sich am Sonntagfrüh zusammen. Mit frohem Gesang aina's gen Dutenhofen, von wo aus die Reichsbahn die Wartderer bis nach Edingen brachte. Bon dort ging es auf herrlichen Wegen zur Burgruine (Brei» fenftein, wo während einer kurzen Frühstückspause Gelegenheit war, der alten ehemaligen Schloßkirche, die jetzt im Besitz der Gemeinde Greifenstein ist, einen Besuch abzustatten und das von einem italienischen ^Reister im Jahre 1684 mit Stuckfiguren verzierte Deckengewölbe zu bewundern. Werter ging dann die geschickt zusammengestellte Wanderung unter Leitung des Wanderwarts saft immer durch herrlichen Buchenwald, und in knapp zwei Stunden erreichte man die Dianaburg, wo eine längere Mittagsrast gehalten wurde. Mit fröhlichen Spielen verkürzte man sich die Zeit. Andere wieder — vor allem die Aelteren — zogen es vor, unter schattigen Bäumen etwas der wohlverdienten Ruhe zu pflegen, um sich für kommende Taten zu rüsten. Die Ämateurphotographen waren eifrig bei der Arbeit, unö man sah sie überall da austauchen, wo es etwas Interessantes auf die Kamera zu bannen gab. Nach gut zwei Stunden hieß es wieder auf» brechen, und weiter ging die Wanderung immer Wieder durch schönen Wald bis nach Leun und nach abermaliger einstündiger Pause, in der die Unentwegten auch ihr Tanzbein schwingen konnten, nach Station Braunfels, von wo aus Die Rückreise bis Dutenhofen mit der Bahn angetreten wurde. Hatte Petrus den ganzen Tag über den strahlenden Sonnenschein beschert, der mit dafür sorgte, daß die Stimmung immer froh und heiter war, so konnte er doch trotz der mit starker Hand plötzlich zusam- mengeschobenen dunklen Gewitterwolken diese Stimmung nicht mehr beeinträchtigen. So fand die Wanderung mit $nem fröhlichen Einmarsch in Heuchelheim ihr Ende, und sie wird jedem, der dabei war, eine schöne Erinnerung bleiben. Fahrplanverbesserungen der Reichsbahn werden begrüßt. Auslos.-Rechten.............. <14% Hess. LandeSbk. Tarmftad Goldpse. R. 12.............. 5yz% Hell- Landes-Hyp.^Banl Liqu. Goldpse. ..