Nr. 64 Erstes Blaff 188. Jahrgang Donnerstag, 17. Mrz 1638 erschein» tflgltd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die DlIuftriAte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • DieScholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr . . , -.25 Auch bei llttchterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüste unter Sammelnummer 225) Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen OruÄ und Verlag: vrühlsche UnlverfitSttdruckerei «.Lange In Stehen. Schristleltvng und Geschäftsstelle: Schulftrah« 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Srundpreile für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Npf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50Npf.,Platzoorschrifi nach vorh Derembg.25"/«, mehr. LrmShigte Grundpreise: Stellen-., Vereins., gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf., Familienanzeigen, Bäder?, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Triumphaler Empfang -es Führers in Berlin. Zweieinhalb Millionen bereiten dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches entlang der Festsiraße vom Flugplatz Tempelhof bis zur Reichskanzlei in überströmender Dankbarkeit einen beispiellosen Willkomm in der Neichshauptstadi. Der Dank der Ration. Don unserer Berliner Schristleitung. I ' Die Freude und tiefste Dankbarkeit aller Deutschen gegenüber dem Führer, der alle Glieder des deutschen Volkes ohne Blutvergießen und ohne Krieg zu einer Einheit zusammenfügte, kam in geradezu beispielloser Art zum Ausdruck, als der Vollender der deutschen Geschichte in die Hauptstadt an der Spree einzog, nachdem er in Wien, der alten Hauptstadt der süddeutschen Ostmark, die aufrauschenden Herzensergießungen der ihm angestammten Heimat in Empfang genommen hatte. Mit Berlin hörte durch den Aether das gesamte Reich Deutscher Nation diesem Berliner Empfang zu. Zu Millionen umsäumten die Reichshauptstädter die mit Flaggenschmuck und Frühlingsgrün ausgezierten Straßen. Der Weg vom Tempelhofer Feld durch die Bellealliance- zur Wilhelmftraße war eine Jubelstraße geworden, die die Berliner wohl niemals vergessen werden. Was vergangene Oer Reichstag für Freitag einberufen. Berlin, 16. März. (DNB.) Amtlich wird mitgefeitf: Reichslagspräsident Generalfeldmarschall Göring hat den Deutschen Reichstag für Freitag, den 18. März 1938, 20 Uhr, einberufen. Zeiten an häßlichen Gebäuden errichteten, verschwand vor der wie eine Sonne alles überstrahlenden Dankbarkeit. Berlin gab sein volles und weitgewordenes Herz dem Führer des gesamtdeutschen Reiches. Und dieses Herzgefühl sprengte die Sprödigkeit der Norddeutschen und ließ eine Sturmwelle dankerfüllter Begeisterung zum Himmel steigen... Was geschah, wie die Zusammenfügung des Reiches in allen Einzelheiten erfolgte, welche politischen Umformungen das Antlitz des europäischen Festlandes in diesen Vorsrühlinastagen erfahren hat, das werden in mühevoller Kärrnerarbeit die Historiographen später feststellen. Sie werden die Antriebe und die Kräfte untersuchen, die zwanzig Jahre nach Versailles und St. Germain, den Mahnmalen eines verlorenen Krieges, die Deutschen zu den wirklichen Siegern durch die Genialität eines Führers und Reichskanzlers machten, der dem deutschen Volke vorbestimmt war und seiner Sehnsucht Erfüllung brachte. Erfüllt ist, was in „Huttens letzte Tage" zur Bismarckzeit der Deutsch-Schweizer Conrad Ferdinand Meyer, der Bismarck als Schmied des deutschen Schwertes empfand, der germanischen Natton zurief: „Geduld! Es kommt ein Tag, da wird gespannt ein einig Zelt ob allem deutschen Land", und verkündete: „Wenn andere welken, werden wir ein Staat!" In diesen Frühlingstagen, die mählich den Aufbruch des jungen Grüns, die künftige Blüte und Frucht in die Erscheinung treten lassen, ist die in den Besten unseres Volkes lebende Zuversicht, einst von Zwietracht und Hemmungen befreit ein einiges Volk zu werden, Erfüllung geworden. Wofür Generationen auf Generationen gearbeitet, gelitten und gestritten haben, das ward Tat! Was die Unzähligen, auf deren geheiligten Gräbern wir stehen, vorbereiteten, was ein Bismarck begann, das ward Wirklichkeit durch Adolf Hitler. Sein Werk der Erfüllung ist unsterblich, und die Deutschen aller Stämme brachten ihren Dank und ihr Herz ihm entgegen, von den Donauländern und Alpen bis zu der Nord- und Ostsee salzigen Wellen. Ein Führer, ein Volk, ein Reich! rt. Die Regierung empfängt den Führer. Ankunft aus dem Tempelhofer Feld. Berlin, 16. März. (DNB.) Der Führer aller Deutschen, Kanzler des geeinten Großdeutschen Reiches und Oberster Befehlshaber der Wehrmacht, Adolf Hitler, traf am Mittwochnachmittaa nach seiner Fahrt der Einigung aller Deutschen wieder in der Hauptstadt des Großdeutschen Reiches in Berlin ein. Ungeheure Spannung lag über dem weiten, mit unzähligen Menschen gefüllten Platz, als um 17.05 Uhr das Führer-Flugzeug, die Junkersmaschine Ju 52 mit den amtlichen Erkennungszeichen D 2600, über dem Flughafen Tempelhof sichtbar wurde, eine halbe Schleife drehte und um 17 06 Uhr auf dem Rollfeld aufsetzte. Und dann brauste ein unbeschreiblicher Jubel auf, als nach einer Minute Landungsmanöver der Führer am Eingang der Maschine sichtbar wurde und Berliner Boden betrat. Generalfeldmarschall Göring an der Spitze des gesamten Reichskabinetts hebt ihm grüßend den Marschallstab entgegen. Ein Lächeln überfliegt die Züge des Führers, als er einen Blick Über die ihn begrüßende Menschenmenge wirft. Blumen werden ihm entgegengereicht, er wendet sich der Front derE h r en- Kompanie zu. Die Militärmusik setzt ein. Der Führer nimmt die Meldung des Generalobersten v. B r a u ch i t s ch entgegen und schreitet die Front ab. Er grüßt stehenbleibend die Fahne der Ehrenkompanie der ßeib ft anbarte, verharrt dann abermals vor der präsentierenden Kompanie der Polizei, die vor ihm in Galauniform mit weißem Lederzeug steht. Daneben zeigt sich die SA. Immer von neuem brausen die Stimmen der Begeisterung zum blauen Himmel, dann ist Stille. W W .W tgr -MW iilll : M % , W Ein BDM.-Mädchen überreicht dem Führer auf dem Flughafen Tempelhof einen Blumenstrauß. Rechts: Generalfeldmarschall Göring, links Reichspressechef Dr. Dietrich; hinter dem Führer Obergruppenführer Brückner. — (Scherl-Bilderdienst-M.) W nn i, M ■- UW ‘W m y I ■i ■ M.....■ s UD'SW t WWME W ? t < Millionen Volksgenossen säumten den Weg, den der Führer nahm. Unser Bild zeigt die Wagenkolonne mit dem Führer auf dem Wege vom Flughaken zur Reichskanzlei. (Scherl-M.) Görings Willkomm. Göring, hochaufgerichtet, auf dem blumenbe* kränzten Podium. Seme Stimme hallt männlich über das Feld: Mein Führer! Ich darf Sie heute im Namen des ganzen Boltes, feiner Reichshauptstadt, feiner Reichsregierung, im Namen der Wehrmacht begrüßen. Worte gibt es heute nicht, die das ausdrücken können, mein Führer, was heute jeder von uns empfindet. Sie haben uns das ganze Deutschland heute gebracht. Die Brüder find befreit. Nicht mit Gewalt, mit Ihrem Herzen brachten Sie uns Ihre Heimat. In diesem Augenblick, mein Führer, darf ich die Bollmacht, die ich durch Ihr Bertrauen während dieser Tage hatte, wieder in Ihre Hände zurücklegen. Mein Führer! Namens aller: ich grüße Sie! Dr. Goebbels spricht. Dreimal erhebt sich brausend der Heil!-Ruf. Und dann tritt Dr. Goebbels vor seinen Führer und seine Berliner. „Mein Führer!", fo sagt er: „Dort drüben erwartet Sie eine festlichbewegte Stadt, hunderttausende, ja man kann sagen Millionen sind aufmarschiert, um Ihnen als Bortrupp Ihres Boltes Dank zu sagen. Wenige Tage erst sind es her, als Sie uns an jenem Samstagmotgen forgenberoegf verließen. Welch eine Wendung aber hat sich unterdes vollzogen! Wir sind in den vergangenen Tagen und Nächten Zeugen Ihres Triumphzuges durch unser deutsches Oesterreich gewesen. Mit klopfendem Herzen haben wir alle an den Lautsprechern gesessen, als Sie, mein Führer, Geschichte machten, als Sie Ihre Heimat in den großen Berbanb unseres Deutschen Reiches zurückführten. Die off haben wir es auf dem Obersalzberg erlebt, daß Oe st erreichet, Kinder und Frauen, aber auch Männer weinend an Ihnen vorbeimarschierten. Aus diesen Tränen des nationalen Leides sind nun Tränen der nationalen Freude geworden. Wie oft standen wir oben auf der Terrasse Ihres Hauses neben Ihnen, wenn Sie sehnsüchtig nach Salzburg schauten. Und nun, mein Führer, haben Sie Ihre Heimat zum Reich zurückgeholt. Das danken Ihnen nicht nur unsere deutschen Volksgenossen in Oesterreich, das dankt Ihnen das ganze große deutsche Botk (stürmische Zustimmung), dieses große deutsche Bolf, aus dem nun hunderttaufende und Millionen an den Straßen von Berlin stehen, um Sie, mein Führer, zu begrüßen und Ihnen aus tiefbewegtem Herzen stürmischen Dank entgegenzujubeln. Ich bin stolz darauf, der Dolmetsch dieser Gefühle fein zu dürfen. So grüße ich Sie denn, und fo grüßen wir Sie alle auf Ihrer Rückkehr nach Berlin mit unserem alten Ruf: Adolf Hitler Sieg-Heil! Sieg- heil! Sieg-Heil!" Während der Reichsminister von dem Dank, dem heißen Dank der Deutschen spricht, steht der F ü h -- r er unten, die Hände übereinandergelegt, die Lippen fest zusammen, und sein blaues Auge sieht ernst unter dem Mützenschirm hervor. Neben ihm steht Göring, den hellblauen, silberbeschlagenen Marschallstab in den Händen, im Kreise um sie herum die Mitglieder des Reichskabinetts. Donnernd erhebt sich das Sieg-Heil! der Menge, das Deutschland- uni) das Horst-Wessel-Lied. Der Führer steht, den Arm gereckt, schweigend und ernst allein. Die Hymnen der Nation sind verklungen. Mit einem freundlichen Lächeln wendet sich der Führer Reichsminister Goebbels zu und spricht einige Worte mit ihm. Dann geht er mit seinem Gefolge zum Wagen und im stolzen Zug geht es hinaus in dis Neichshauptstadt. Triumphfahrt zur Reichskanzlei. Durch den brausenden Jubel der Millionen. Vorn Belle-Alliance-Platz bis zum Wilhelmplatz steht wie eine Mauer das Spalier der Hunderttausende. Immer noch versuchen von allen Seiten neue Massen hinzuströmen. Einen besonderen Anziehungs- funjt, an dem sich die Massen zusammenballen, bildet der Umkreis des B e l l e - A l l i a n c e - P l a tz e s und des Halleschen Tores. In der Flucht der hier emmundenden Straßen ist die Ausschmückung bc- fonbers reich, Girlanden und Wimpelketten span- nen sich von Fahnenmast zu Fahnenmast, während von den Häuserfronten Hunderte von Fahnen leuchten An den Fenstern, auf Baikonen und Dächern stehen begeisterte Berliner voller Freude über ihre luftigen Aussichtsplätze, während unten längs der Triumphstraße die Tausende in einem scheinbar ux» entwirrbaren Riesenknäuel als schwarzer wimmelnder Ameisenhaufen auf und ab wogen, so daß die Sperrketten der SA. säst gesprengt werden. Brausende Heil ! - Rufe,' die stärker und starker werden: der Führer kommt. Und nun fliegen die Hände zum deutschen Gruß empor, nun winken wie ein dichter Wald die Hakenkreuzfähnchen, die begeistert aus der Menge heraus geschwenkt werden. Dem Führer schlägt eine einzige Welle der Dankbarkeit, der Liebe und des überströmenden Jubels entgegen. In langsamer Fahrt passiert sein Wagen, in dem auch Generalfeldmarschall Göring und Dr. Goebbels Platz genommen haben, die Straßen. Tatsächlich gelingt es einem BDM.-Mädchen, die Sperrkette zu durchbrechen und dem Führer einen Blumenstrauß zu überreichen. Lachend schüttelt er dem beglückten Mädchen die Hand. Der Jubel der Aber- tausende will nicht abebben und bricht sich immer wieder begeistert Bahn, als nun auch die Wagen mit der Begleitung des Führers erscheinen. Die Huldigungsfahrt des Schöpfers des Großdeutschen Reiches aber gebt weiter die Wilhelmstraße entlang bis zum Wilyelmplatz. Ergriffen steht der Führer in dem langsam fahrenden Wagen und grüßt nach allen Seiten seine Berliner, die ihm einen Empfang bereiten, wie er wundervoller, herzlicher und liebevoller nicht gedacht werden kann. Nach zuverlässigen Schätzungen hatten sich auf der Feststraße vom Tempelhofer Flughafen bis zur Reichskanzlei und in den angrenzenden Straßenzügen rund 2,5 Millionen Berliner eingefunden. Vor der Reichskanzlei. Von unserer berliner Schristleiiung. Der F ü h r e r dankt vom Balkon der Reichskanzlei für die ihm entgegenbrausenden Jubelrufe der unabsehbaren Menge auf dem Wilhelmplatz. Neben ihm Generalfeldmarfchall Hermann Göring. — (Scherl-M.) lieber fünf Jahre kennen wir nun schon dieses Berlin in Stunden der Begeisterung, wenn es dem Führer 3Ujubelt, am 30. Januar oder am 20. Avril oder am 1. Mai oder bei anderen großen Anlässen. Wie oft sahen wir schon diese gedrängten Menschenmassen, diese Wälder von hochgestreckten Armen — über etwas derartiges wie in den späten Nach- mittagsstunden dieses 16. März 1938 haben wir noch nie erlebt. Der Jubel, der Dank, die Verehrung für den Führer machten sich geradezu in einer Revolution der Begeisterung Lust, nachdem sie seit vier Tagen zurückgehalten waren. 15 Uhr: In den Straßen dröhnen die Märsche, marschieren die Kolonnen. Eine riesige Präzisions- maschine aus Disziplin und Organisation arbeitet. Höchste Zeit, nach der Pressetribüne am Propa- gandaministerium bei der Reichskanzlei zu eilen. Noch zwei Stunden bis zur Ankunft des Führers. Aber später ist jeder Durchbruchsversuch aussichtslos. Selbst mit dem Fernglas ist auf dem weiten Platz vor der Reichskanzlei kein halber Quadratmeter mehr frei. Und doch drängt es aus den Seitenstraßen immer noch heran, müssen immer neue Abteilungen ff, SA., Polizei usw. herangezogen werden, um die Absperrmauern zu verstärken. Wenigstens der Fahrdamm muß für die Triumphfahrt des Führers frei bleiben. Schließlich müssen auch noch die Ehrenkompanien des Heeres Platz finden. Solche Gesichter wie heute, in dieser strahlenden Begeisterung, in dieser ganz unverhüllten übergroßen Freude, ja Verklärtheit, habe ich nur ein einziges Mal gesehen, damals, am Abend des 30. Januar 1933. Gegenüber der Einfahrt der Reichskanzlei, in den vordersten Reihen der Glücklichen, die schon am frühen Vormittag hier Posten faßten, schwebt eine Anzahl Blumensträuße über den Köpfen, ängstlich emporgehalten von ihren Trägern. Womöglich hat man später, wenn die Absperrungen aufgehoben werden, doch noch Gelegenheit, sie drüben für den Führer abzugeben. 16.45 Uhr: Meldung aus den großen Pilzlautsprechern, daß der Führer in Begleitung von sechs großen Junkersmaschinen auf Berlin zufliegt. Die Ehrenkompanien marschieren auf, herzliche Zurufe der Menge für die Truppen und ehrfurchtsvoller Gruß für die Fahnen. Jetzt dröhnen die Kirchen- glocken durch das vieltausendfache Stimmengewirr. Im gleichen Augenblick die Meldung: „Der Führer ist em getroffen!" Sturmavtig schwillt das erregte Gespräch der Massen an. Droben, rings an den hohen Häuserfronten des Platzes glühen die Fahnen in der tiefstehenden Sonne, funkeln die breiten Goldbänder. Die schmetternde Kommandostimme Görings entbietet dem Führer jetzt in Tempelhof den ersten Gruß der Reichshauptstadt. Als dann Reichspropagandaminister Dr. Goebbels davon spricht, daß der Führer Geschichte gemacht habe, brausen Rufe der Zustimmung über den Platz. Das donnernde Sieg-Hell kommt vom Tempelhofer Feld durch die Lautsprecher zu uns, wird hier von den Massen vor der Reichskanzlei ausgenommen. Dann ist der Platz wie zugedeckt von den ausgestreckten Armen, als die Nationalhymnen erklingen. 17.45 Uhr: Der bekannte Motorradfahrer mit der gelben Flagge kommt. Der Führer ist unterwegs. Die freudige Erregung steigt. Bersten die Lautsprecher, die die Jubelstürme aufzunehmen haben? Mit einem Schlag ist der weite Platz e i n wirbelndes Meer von Hakenkreuzfähnchen. Der Präsentiermarsch klingt auf. Ein einziger zehntausendfacher Aufschrei — dort hinten am Luftfahrtministerium sieht man jetzt d i e G e - st alt des Führers im Wagen stehend herankommen. Dann schreitet er die Front der Ehrenkompanien ab, während auf dem Platz ein Orkan von Heilrufen und Jubelschreien tobt. Der ebbt für eine halbe Minute ab, die Menge weiß: jetzt geht er drinnen durch das Haus des Reichs- Präsidenten in den Neubau, in jedem Augenblick muß er jetzt auf dem Balkon da oben im ersten Stock sein. Was jetzt geschieht, ist nur noch anzudeuten. Aus der Balkontür tritt der Führer, neben ihm der Generalfeldmarschall. Heilrufe? Nichts mehr zu unterscheiden. Ein elementares Ungewitter rasender Freude. Das wiederholt sich ein zweites, ein drittes Mal. Sie lassen dem Führer, der strapaziöse Tage hinter sich hat, keine Ruhe. Zum viertenmal tritt er heraus — da erfolgt unten auf dem Platz unwiderstehlich der große Durchbruch. Die drei bis vier Mann tiefen Absperrungen der ff, der Polizei werden in einem einzigen Augenblick weg- gedrückt. Es sieht aus, als wolle die begeisterte Menge die Reichskanzlei stürmen. Es hilft nichts, sogar die Ehrenkompanien müssen eingesetzt werden, irgendwie muß die Umgebung des Führers die Möglichkeit bekommen, ihm in die Reichskanzlei 3ir folgen. 18.45 Uhr: An dem Bild hat sich nichts geändert. Die Masse steht und steht ober drängt nach vorn. Es ist, als habe jeder zehn Kehlen. Wer das hier mit angesehen hat, kann sich eine leise Vorstellung von der Begeisterung der Menschen in Oesterreich machen, als sie den Führer sahen. Die Pflicht mahnt gebieterisch. Irgendwie gelingt es tatsächlich, von der Tribüne herunter — und schließlich sogar vom Platz zu kommen. Man weiß, er wird um Mitternacht noch nicht anders aussehen, wenn die Laut- jprecher dem Führer nicht endlich Ruhe verschaffen. Der Führer spricht. Es ist schlechterdings nicht zu beschreiben, welche Stürme des Jubels den Führer umbraufen, als er nach geraumer Zeit erneut den Balkon betritt. An der Seite des Führers wird auch Mini- terpräfibent Generalfeldmarfchall Göring auf dem Balkon sichtbar. Der Jubel kennt keine Grenzen, denn jetzt fühlt sich jeder für fein Ausharren belohnt. Der Führer gibt in bewegten Dorten den Gefühlen Ausdruck, die ihn an diesen Tagen des endgültigen Zusammenschlusses des ganzen deutschen Volkes erfüllten. Er spricht von der großen Freude, die alle deutschen Lande ergriffen habe und vor allem das Land, das noch vor wenigen Tagen das unglücklichste war, und das heute das glücklichste geworden ist. Ünge- Wien, 16.März. (DNB.) Gauleiter Bürckel, der Beauftragte des Führers für die Durchführung der Volksabstimmung in Oesterreich, hat folgenden Aufruf erlassen: „An alle Oesterreicher! Deutsche Männer und Frauen! Der Führer hat mir den ehrenvollen Auftrag gegeben, euch Oesterreichern ein Helfer zu fein bet der Vorbereitung auf euren großen geschichtlichen Tag. Meine Aufgabe bei euch ist nicht schwer, denn ihr seid aus ganzem Herzen Deutsche. Die Frage, die der Führer am 10. April 1938 euch stellt, ist ja keine andere als die: „Bist du ein Deutscher?" Ein überwältigendes „Ja" wird einen geschichtlichen Abschnitt beenden, der gar zu oft der tiefsten Sehnsucht aller Deutschen zur Schicksalsgemeinschaft die Erfüllung verweigerte. Ich bin tolz darauf und dankbar, euch Oesterreichern a l s Saarpfälzer bei diesem historischen Geschehen zur Seite stehen zu dürfen. Ich tue es um so lieber, als ich Zeuge fein darf, daß ihr Oesterreicher im äußersten Osten in die Hand des treuen Saarländers im äußersten Westen einschlagen werdet zum tärEften Bündnis für unseren herrlichen Führer und unser großes gemeinsames Vaterland." * In einem Aufruf an d i e Partei stellt Gauleiter Bürckel fest, daß es jetzt nicht darum geht, irgendwelche Parteiangelegenheiten oder sonstigen Belange zu diskutteren. Es geht uns, so heißt es in dem Aufruf, ausschließlich um die Frage: „ B i st du ein Deutscher, gehörst du zu deinem Deutschland und seinem Adolf Hitler oder hast du mit uns nichts zu tun?" Diese Frage allein ist es, mit der wir uns zu befassen haben. Es muß uns höchste nationalsozialistische Pflicht und Freude zugleich sein, über alle Gegensätze hinweg jedem Kamerad und Bruder zu werden, der Es ist der 10. März, 20 Uhr. Abendlicher Friede ist bei der F l u g z e u g f ü h r e r s ch u l e C eingezogen. Nur von Zeit zu Zeit unterbricht der Start einer Ju 52 zum 300-Kilometer-Nachtflug die Stille und mahnt daran, daß auch bei Nacht bas Schwert ber Luftwaffe scharf geschliffen wirb. Plötzlich schrillt das Telephon, anbers als sonst, lang anhaltend, fordernd und zur Eile zwingend, irgendwie ist der Ton Besonderes versprechend. Der Adjutant des Kommandos: „Verlegeübung nach Bayern, mehrere Tage! Dazu Vorbefehl: ..." Man spürt es am Ton: das ist kein blinder Alarm! Schlag auf Scksiag folgen die Veranlassungen, ohne Hast, wie so oft ohne die krönende, praktische Erprobung einexerziert und gedrillt. Unaufhörlich geht das Telephon. Weitere Befehle gehen ein, werben umgesetzt und weiterge- geben. Rücksprachen mit anberen Dienststellen finb notwendig. Leute werden ausgerüstet und in Marsch gesetzt. Mit großer innerer Anteilnahme, schwungvoll und mit besonderer Sorgfalt wird alles ab= gewickelt. Die Nacht verrinnt, der Tag beginnt und — bringt die Auslösung der Spannung. „Die Staffel startet 8.30 Uhr nach Staaken!" 38 Ju 52: eine Kompanie an Bord. Pünktlich 8.30 Uhr hebt das letzte Flugzeug vom Boden ab. Die Kurve ist notwendig, um auf Gegenkurs zu kommen. Kettenweise, in der Präzision des Exerzierens einer alten Kampfstaffel gleich, für den Steigflug „alles drin", so nehmen wir vom Städtchen Abschied. Wenn es sich herumspricht, um was es geht, sollen unsere heueren Jubel findet feine Feststellung, daß unsere nun geschaffene große deutsche Volkseinheit niemals wieder zerstört werden könne. Den letzten Worten des Führers: „Deutschland ist nun Grohdeutschland geworden", folgte ein tosender Jubelsturm, der wie ein Orkan über den Wilhelmplatz braust. Immer wieder aufs neue branden die Heill-Rufe zum Balkon des Führers empor, der nach allen Seiten die begeisterten Massen mit erhobener Rechten grüßt und seinen Blick über dieses brodelnde Meer von ausgestreckten Armen und geschwenkten Fähnchen gleiten läßt. Ein letztes Anschwellen noch der fieitt-Rufe — dann verläßt der Führer den Balkon und die Türen schließen sich hinter ihm. Der Platz wird geräumt, nachdem bekanntgegeben worden ist, daß der Führer nunmehr die begeisterten Grüße der Massen nicht mehr erwidern kann. Mr eine Frage: „Bist -nein Deutscher?" Wichtige Anordnungen Bürekets zur Vorbereitung des w. April. Unser Flug zum deutschen reu Von Oberleutnant der Luftwaffe Hermann Kühl. sich an diesem großen Tage zu uns bekennt. Aufnahmen in die Partei nach diesem Termin sowie die Besetzungen der Führerämter tn der Partei werden nach diesem Termin entschieden und nicht nur nach der Große der bisher gebrachten Opfer, sondern darüber hinaus aus der Leistung, die der einzelne für das Zusammenschweißen der großen Gemeinschaft geleistet hat. Personelle Veränderungen sind zur Zeit unerwünscht. Sie werden deshalb nur dort vorgenommen, wo ein zwingendes politisches oder fachliches Bedürfnis dazu besteht. Für personelle Aenderungen in der staatlichen, kommunalen und berufsstärwischen Verwaltung sind allein der Reichs st atthalter und die nach den Gesetzen berufenen staatlichen Organe zuständig. Soweit es sich um leitende und politische Beamte in Staat und Gemeinden sowie um leitende Männer der gewerblichen Organisationen der Wirtschaft handelt, mache ich Ernennungen und Abberufungen von meiner jeweiligen Zustimmung abhängig. Bis zur Durchführung der Volksabstimmung ruht die Tätigkeit der Vereine und berufständischen Verbände, soweit es sich nicht um die Erfüllung von lebensnotwendigen Aufgaben für den Staat und soziale Pflichten gegenüber den Mitgliedern handelt. So sehr die große Anteilnahme des übrigen Reiches und insbesondere der politischen Stellen im Reiche an der Heimkehr Deutsch- Oesterreichs zu begrüßen ist, so zwingt doch die Durchführung der Wahl zu einer ft r e n g e n Scheidung der Tätigkeit der aus dem Reiche kommenden Politischen Leiter und Führer der Gliederungen und angeschlossenen Verbände der Partei. Ich verbiete diesen deshalb jede politische Tätigkeit in Oesterreich, soweit sie sich nicht im Besitz •eines von mir ausgestellten Ausweises befinden. Alle sonstigen Ausweise sind ungültig. Bürger und Kameraden der anderen Waffe wissen, daß „ihre" Flieger mit dabei finb. Wir landen in Staaten. Hier sollen weitere Befehle folgen. Die Besatzungen sind voller Erwartung, einsatzfreudig und tatendurstig. Wird es wahr werden, was kühne Jungem sagen? Wird diesem heißen Wunsch Erfüllung? Nach zwei langen Stunden Befehl: Start nach Fürstenfeldbruck! 38 Ju 52 aus dem Bereich des Kommandos rollen nacheinander an den Start, rollen an, heben ab, steigen, schließen zu Ketten auf und gehen auf Kurs. Ein herrliches Bild! An Bord ist eine Kompanie der Wachtruppe In Fürstenfeldbruck wird gelandet. Die Flugzeuge werden betankt und abgestellt. Dies kann nicht das Ziel fein! Was nun? Der Gruppenkommandeur ist zur Besprechung. Nach Rückkehr werden wir in die Lage eingewiesen. Erneut flammen Hoffnung und Begeisterung auf: Startbereitschaft morgen 5 Uhr. Wir fliegen auf jeden Fall über die Grenze! Mit welchem Auftrag? Das allein ist nur noch die Frage. Aber das ist uns gleich. Wir wollen nach Oesterreich hinein fliegen! Und wir sind geflogen! Strahlend blau ist der Himmel, als ihm am nächsten Morgen der erste Augenaufschlag gilt. Das verspricht glückhaften Tag. Sieghaft und voller Verheißung geht die Sonne auf. Wann steigt die Gruppe Kohlbach auf und fliegt ihr entgegen, sieghaft, zum deutschen Sieg in Oesterreich?! Da kommt der Befehl: „Die Gruppe Kohlbach fliegt direkten Kurs nach Wien und landet dort. Start 9.30 Uhr. Einzelflug. Flughöhe 300 Meter." Mit uns allen jauchzen fast gleichzeitig 114 Motore auf. Eine gewaltige Melodie, würdig der Größe unseres Erlebnisses. Wie in Staaken rollen — wieder mit der Wachtruppe an Bord — Flugzeug auf Flugzeug an den Start und steigen gen Himmel. Eine unübersehbare Kette, etn stolzes Bild schlichter Schönheit und unbezwingbarer Kraft. Kaum nehmen wir uns Zeit, dieses Bild in uns aufzunehmen. Vorwärts steht uns der Sinn. Die Zahlenden Augen suchen den Horizont ab, suchen ne Grenze. Die brave Ju52 kann nicht mithalten mit unserer vorwärtsdrängenden Sehnsucht. Der Inn taucht auf und dann — Braunau, fiter, wo die Wiege des Mannes stand, dessen Befehl wir jetzt mit so heißem fierzen und begeisterter fiingabe ausführen, überfliegen mir bie Grenze. Es ist ein erhebendes Gefühl, gerade über diese Stadt einzufliegen. Es ist, als ob dort unten der Führer stünde und jeden prüfe, wie er feinen Befehl ausführt. Jeden von uns ergreift es in der tiefsten Tiefe der Seele. Man lieft es den Kameraden an den Augen ab: Er ist über diesen Ort und in dieser großen Stunde beim Führer. Er sagt ihm, daß er ihm bient mit seiner Ganzheit und daß es ihm höchstes Glück ist. Der Schwur den wir ihm geschworen, er ringt sich uns heiß und treu empfunden erneut wortlos von den Lippen! Dann erst sucht unser Blick unter uns Oesterreich. Aus den Dörfern grüßen uns die Fahnen. Auf den Straßen sehen wir unsere Kameraden der anderen Waffen in der uns vertrauten Gliederung im Vormarsch. In größeren Orten sind Menschengruppen, die zu uns hinaufwinken. Rechts vom Kurs ragen in kalter, weißer Pracht die Berge auf, und es ist, als ob auch sie uns grüßen, lieber den vielbesungenen Wiener Wald erreichen mir Wien. Von Süden her überfliegen mir in geringer fiöha die Stadt in ganzer Ausdehnung. Dann drehen mir zum Flughafen ab. Welch ein Bild! Fast der ganze große Platz ist mit Flugzeugen bedeckt. Nur eine schmale lange Bahn ist übrig und darauf landet gerade vor uns eine weitere Gruppe Ju52 und dann landen auch mir in Wien. Auf dem Platz überall glückstrahlende Gesichter, denen die Begeisterung aus den Augen' leuchtet. Wir erleben das Aufziehen der Reichskriegsflagge vor dem Flughafengebäude und die Ankunft des Staatssekretärs General der Flieger Milch. Es mar nur ein kleiner Auftakt, als wir ant Abend in die Stabt gehen, kennt der Jubel nirgends Grenzen. Wie im Taumel feiert uns die Bevölkerung als Befreier. Alte Dtütter und junge Mädchen fallen unseren Soldaten um den fials; und küssen sie ab. Ueberall werden die deutschen Flieger auf den Schultern getragen und herum- gereicht. Wir finden niemand, der nicht begeistert ist. Ja, wir können niemand finden, von dem mir annehmen, daß er gezwungen und aus Berechnung mitmacht. Es ist eine spontane Freudenkundgebung. Es mirb uns schließlich zu toll auf der Straße. Wir wollen Ruhe haben und betreten ein Lokal. Noch ist die Tür nicht hinter uns zugeschlagen. Schon hallt uns das „fieil, deutsche Flieger!" entgegen. Die Leute springen von chren Stühlen auf, drängen an die Gänge, stehen auf Stühlen und Tischen, um uns zu sehen. Der Willkommenssturm nimmt kein Ende. Wir heben unseren Arm, zunächst zum Gruß, bann abwehrend. Wir lächeln und öffnen unseren Mund zum Gegengruß. Doch es ist ein vergebliches Bemühen. So geht es allen und überall in Oesterreich. Ein unvergeßliches Erlebnis, teilzuhaben an der Freude und dem Jubel von Deutschen, die nach langen harten Jahren bie Vereinigung mit dem Reiche feiern. Die Eingliederung der österreichischen Lustwaffe. Wien, 16. März. (DNB.) Generalmajor Wolff begab sich mit dem Chef des Stabes, Oberstleutnant des Generalstabes Korten, zum österreichischen Luftkommando in der Elisabethstraße, um die Eingliederung der österreichischen Flieger in die deutsche Luftwaffe vorzunehmen. Generalmajor L o e h r geleitete sie in den Ehrensaal, wo Generalmajor Wolff als Kommandeur der deutschen Luftstreitkräfte in Oestererich bie österreichischen Flieger im Verbände ber großen deutschen Luftwaffe willkommen hieß. Er bringe, so führte ber General weiter aus, den neuen Kameraden aus übervollem fierzen fein ganzes Können, feine ungeteilte Liebe entgegen, und ebenso freudig begrüße jeher Angehörige ber deutschen Luftwaffe und darüber hinaus des ganzen deutschen Volkes die Eingliederung der österreichischen Flieger. Ihre Leistungen beim gestrigen Pa- rabeflug vor dem Führer seien mustergültig gewesen. Mit dem fiänbebruck, den er jetzt mit General-' major Loehr wechsele, vollziehe er symbolisch die - Aufnahme der bisherigen österreichischen Flieger in den dritten Wehrmachtsteil des Deutschen Reiches. Freunde undHelfer des Bottes Die Vereidigung der österreichischenPolizei. Wien, 16. März. (DNB.) Der fielbenplaü war am Mittwoch Schauplatz der feierlichen Vereidigung der österreichischen Polizei- auf den Führer durch den Reichsführer ff und Chef ber deutschen Polizei. 6000 Mann des bisherigen Sicherheitswachkorps, das von jetzt ab bie Ordnungspolizei barstellen wird, und 1500 Mann, bie ber deutschen Sicherheitspolizei entsprechen werden. An den Längsseiten des Platzes haben Ehrenforma- ' Honen ber reichsdeutschen Ordnungspolizei Aufstellung genommen. In der Mitte des Platzes sieht man den Reichsstatthalter Dr. Seyß-Jnquart mit Mitgliedern ber Staatsregierung, Generaloberst von Bock, den Oberbefehlshaber der VIII. Armee, ben Reichsjustizminister Dr. Gärtner, Gauleiter Bürckel und den Lanbesleiter der NSDAP. Major Klausner. Der Reichsführer ff und Chef ber deutschen Polizei fiimmler schreitet die Front ab. Dann verliest ein Offizier der Orbnungspolizei die zehn Grundsätze, nach denen sich fialtung, Gesinnung und Aufgaben der deutschen Polizei zu richten haben. Das Lied der Schuststaffel „Wenn alle untreu werden" erklingt. Der Reichsführer ff nimmt das Wort: Ich erwarte von euch, so sagt er, für die Zukunft in erster Linie, daß ihr alles daran setzt, all das, was in ber Vergangenheit durch dienstlichen Befehl und durch den einen ober anderen, ber aus eigenem Antrieb so handelte, an Feindschaft zwischen Staat und Volk geschaffen wurde, vergessen zu machen. Wir sind auf eines stolz in Deutschland, daß wir heute Freunde und fielfer des Volkes geworden sind Ich bin überzeugt, daß ihr dieses Ziel in kürzester Zeit als deutsche Polizei des Landes Oesterreich ebenfalls erreichen merbet Ö Haupt-Niederlage in Gießen: Jean Weisel, Sonnenstraße 6 Tel.Nr.3888. Schriften kostenlos 7REICH < OSTPREUSSEN} Bei Nieren-, Blasen- und Stoffwechselleiden Frequenz 1 9 3 7: 25 1 00 jCownoJ • (tWilna. ren! Es wäre übrigens schlechtester Geschmack, wenn ich mich dieser allzu leicht zu machenden Voraussage rühmen wollte. Jetzt schwirren in den diplomatischen und journalistischen Kreisen der ganzen Welt Klagen, polemische Ausfälle und Mahnungen durcheinander. Ein Haufen leerer Worte, die die Geschickte nicht aufhalten. Den Kreisen jenseits der Alpen, die fragen, warum wir nicht eingegriffen haben, um die Selbständigkeit Oesterreichs zu „retten", antworten mir, daß wir niemals irgendeine Verpflichtung dieser Art, direkt oder indirekt, schriftlich oder mündlich übernommen haben. Das Interesse Italiens an einer Unabhängigkeit des österreichischen Bundesstaates ging offenkundig von der Bedingung aus, daß die Oesterreicher mindestens in der Mehrheit diese Unabhängigkeit wollten, was sich aber in den letzten Tagen auf österreichischem Boden zugetragen hat, zeigt, daß die tiefe Sehnsucht des Volkes für den Anschluß war. Den überlebenden Anhängern eines zerfetzenden INacchiavellismus, den wir ablehnen, kann man erklären, daß, wenn ein Ereignis naturnotwendig geworden ist, es besser ist, es geschieht mit e u ch als etwa trotz euer oder noch schlimmer gegen euch. Es ist in der Tat eine nationale Revolution, die sich vollzieht, und wir Italiener können sie in ihren geschichtlichen Forderungen und auch in ihren Methoden, die wie immer bei allen Revolutionen sehr rasch zum Ziele zu kommen schei- nen, am besten verstehen. Der F ü h r e r mit dem greisen Sieger von Tolmein, dem General Kraus, und dem Reichsstatthalter Deutsch-Oesterreichs, Dr. Seyß-Jnquart, ber der Parade in Wien. — (Scherl-Bilderdrenst-M.) zum Schlußakt kam, haben die Wellgegener des Faschismus darauf gelauert, ob sie eine passende Gelegenheit finden konnten, um endlich die beiden totalitären Regime gegeneinander auszuspielen und ihre Solidarität zu zerschlagen, was übrigens, daß wollen wir gegenüber den berufsmäßigen Pazifisten noch besonders betonen, dasVorfpiel für einen neuen Weltkrieg gewesen wäre. Diese Rechnung der Demokratien, der Freimaurerei, der Dritten Internationale war falsch. Ihre Hoffnung war einfach kindisch. Sie war aber zugleich auch beleidigend, da sie auf unseren Charakter und unsere politische Einsicht einen Schatten werden wollte." Stolz erklärte der Duce des faschistischen Italiens: „Die Stunde der Bewährung der Achse war gekommen! Jetzt wissen die Deutschen, daß die Achse keine jener diplomatischen Konstruktionen ist, die sich nur bei normalen Anlässen wirksam er- Mussolini« große Rede vor der ilanenWen Kammer Ein Rückblick auf 10 Jahre. 0 u Warschau Wort '„Frieden" gestammelt. Das sei aber eine falsche und niederträchtige Geste gewesen. Der Schuschnigg war gewami worden ,©ie Bombe wird Euch in den Länden explodierend — $ _ ’^/DEUTfCiti Warschau, 16. März. (DRV.) Die polnischen Blätter berichten, der litauische Staatspräsident Smetana soll die Gesandten von Frankrerck und 8L« sj»=f. w- j-g j». dem Grenzzwischenfall beschäftigt. Der sowjet- russische Gesandte in Litauen soll im litau- regierung rechnen Ansicht verbreitet, oaß die Me, , Minister zu weitgehenden Zugeständnissen Polen gegenüber bereit sei, um den Zwischenfall auf gütlichem Wege zu regeln. Der regierungsfreundliche „Expreß Poranny" verweist darauf, daß die Normalisierung der Beziehungen zwischen Polen und Litauen dem verstorbenen Marschall Pilsudski stets am Herzen gelegen hat. 1927 habe der Marschall in Genf dem litau- ischen Diktator Woldemaras in soldatischer Kürze die Frage gestellt, ob er Frieden oder > . • - - ffClnfhnrtirtrrtG hnfn» hnmnfc; hnc; Wie schon berichtet, marschierten auf dem Wiener Rina vor dem Heldendenkmal die in der VIII Armee zusammengeschlossenen bisherigen österreichischen und reichsdeutschen Truppen vor dem Rührer auf. Unser Bild zeigt den Vorbeimarsch von Infanterie des ehemaligen österreichischen Bundesheeres. — (Scherl-Bilderdienst-M.) ________________ polnische Truppen in überraschendem Handstreich 1848 zurückreichten. Die Dinge hatten nach dem unter General Zeligowski das damals zu Weltkriege immer schneller zu der letzt vollzogenen Litauen gehörende Wilna-Gebiet mit der historischen Lösung getrieben. Was in den letzten Tagen ge= Hauptstadt Wilna. Seitdem datiert die tödliche schehen sei, hätte sich n at urn o tw e nd l g auch Feindschaft zwischen den beiden Ländern, die von trotz der Verträge schließlich ereignen müssen. Seit zu Zeit immer wieder Europa alarmiert und „Erst mit dem Regierungsantritt Scho- beunruhigt hat. Nach litauischer Ansicht gibt es bers 1929", so rekapitulierte der Duce, „beginnt ami eben Litauen und Polen keine Grenze, sondern eine italienische Politik gegenüber Oesterreich. Noch nur eine „Demarkationslinie" zwischen einmal lebt die — 1919 schon einmal konzeptlerte Litauen und dem durch Polen besetzten Wilna- Idee des Anschlusses in einer Art deutsch-osterrelchl- Gebiet. Alle litauischen Landkarten zeigen Wilna scher Zollunion auf. Der Vorschlag kommt nicht als litauische Hauptstadt und beziehen das Wilna- durch. Der Zustand Oesterreichs bessert sich nicht. Gebiet in die litauischen Grenzen ein. Jede Ver- Italien interveniert nun direkt, um Oesterreichs bindunq über diese wahrhaft „tote Grenze" ist unter- Wirtschaft durch die Abkommen von (Semmering brachen. Es gibt zwischen Litauen und Polen wieder aufzurichten. Im Januar 1933 kommt oer weder diplomatische noch Wirtschaft-Nationalsozialismus m Deutschland zur liche Beziehungen. Es gibt keinen Reise-Macht. Im März des gleichen Jahres erneut D o l l- verkehr und keinen Güterverkehr. Kein Brief wird über diese Grenze befördert. Der gerade Weg zwischen Kowno und Wilna ist etwa 100 Kilometer lang. Wer aber im Kraftwagen von Kowno nach Wilna gelangen will, muh einen Umweg von Hunderten von Kilometern über Ostpreußen Ein neues Gleichgewicht sichert die Zusammenarbeit der Völker Nie Achse Berlin-Rom hat sich in entscheidender Stunde bewährt. Deutschland und Oesterreich, um diesen Schwur zu bekräftigen. Italien glaubt an dieFreundschaften, es schenkt dem Wort Deutschlands volles Vertrauen und mag sicher sein, daß vvm 11. März 1938 ab diese Solidarität sich in jedem deutschen Herzen vertieft hat." Italien sei so wenig von den Ereianissen an seiner Grenze gestört, rief der Duce aus, daß es auch bei der Annahme ganz ruhig bleibe, daß schon in roe- nigen Jahren, während die Italiener ein 50-Mil- lionen-Volk geworden seien, die Deutschen 80 Millionen zählen würden. Der Duce hob dann hervor, daß es sich bei der deutsch-italienischen Grenze um die Grenze von zwei befreundeten Völkern und um unantastbare Grenzen handele, wie das der Führer immer in kategorischer Weise erklärt habe. „Im übrigen sind für die Faschisten alle Grenzen heilig. Man spricht nicht über sie, man verteidigt sie." „Als das österreichische Drama", so erklärte der Duce abschließend, „in den letzten Tagen fuß seine Regierung im obrigkeitlichen Sinn. Es beginnt der Kampf zwischen der Regierung und der nationalsozialistischen Bewegung. Dollfuß ist gezwungen, im Februar 1934 energisch einen sozialdemokratischen Aufstand niederzuschlagen. Wenige Monate nachher tritt die nationalsozialistische Erhebung in Wien auf." — Nun rollt der Duce seine Haltung in dem kritischen Augenblick auf, da man in Wien den nationalsozialistischen Dolkszorn zu unterdrücken suchte und damit dem bolschewistischen Chaos, Italiens Todfeind, Vorschub leistete. „Ich befehle, daß d i e v i e r Divisionen von Südtirol am Brenner Aufstellung nehmen. Es war ein Akt elementarer Vorsicht angesichts plötzlich möglich werdender blutiger Ereignisse, von denen man nicht die Tragweite ermessen konnte. Kein Oesterreicher verlangte dies von uns, fein Oesterreicher hat uns je dafür gedankt. Don 1934 bis 1936 folgte sodann die Politik der Römischen Protokolle. Die diplomatische Solidarität Italiens mit den Westmächten wird durch die Sanktionen und den eingestandenen Versuch, das italienische Volk „zu erdrosseln", zerschlagen. Im Oktober 1936 wird die Achse Rom- Berlin geschaffen. In Oesterreich breitet sich die Bewegung mit überwältigender Schnelligkeit aus. In diesem Augenblick gibt Italien Oesterreich den Rat, sich Deutschland wieder anzunähern, weil ein Staat, der sich als deutsch bezeichnet, nicht in antideutscher Funktion b e ft e b e n kann. Mit der Zustimmung Italiens werden die deutsch - österreichischen Abkommen vom Juli 1936 ins Leben gerufen, die ebenfalls von der Voraussetzung ausgehen, daß Oesterreich sich als deutscher Staat bekennt. R o m, 16. März. (DNB.) In einer Rede vor der italienischen Kammer befaßte sich der Duce aus- führlich mit den Ereignissen der letzten Tage. Oesterreich habe als Staat aufgehört zu leben und habe sich mit Deutschland vereinigt. Die Volksbefragung am 10. April werde die vollzogene Tat- fache besiegeln. Der Duce zog dann eine interessante geschichtliche Parallele zwischen der ElNigungsbe- wequnq in Italien in den Jahren 1859 bis 1871 und der jetzt zwischen Deutschland und Oesterreich vollzogenen Einigung, wobei er betonte, daß das Drama Oesterreichs nicht erst in unserer Zett be- | gönnen habe, sondern daß seine Wurzeln bis ins Jahr Öai't zwei Jahrzehnte hindurch ist um die Lösung Trotz der Vereinbarungen beginnt eine n e u c dieser Streitfrage erbittert gerungen worden. Un- Periode der Spannung: im April 3äbüge Vermittlungsversuche wurden unternommen, gab ich dem Bundeskanzler klar zu verstehen datz darunter auch wiederholt von dem verstorbenen die Unabhängigkeit Oesterreichs eine Frage ist, die Marschall Pilsudski. Die verschiedensten Lösungs- in erster Linie die Oesterreicher angeht uno Möglichkeiten wurden ins Auge gefaßt. Aber a l l e s daß die Achse Rom—Berlin die Grundlage der ita- war vergeblich. Litauen ließ sich nicht be- lienischen Außenpolitik ist. Am 7. Marz, 12 Uhr kehren. In dem etwa 220 000 Einwohner zählenden mittags, fragt mich ein e r tr a.u en s m a n n Wilna wohnen etwa 50 v.H. Polen und 40 v.H. von Schuschnigg nach meiner Ansicht über die Juden. Das übrige ist ein Gemisch aus Weißrussen, Volksbefragung und ihr Verfahren. Es war Deutschen Russen und Litauern. Mehr als 500 Jahre das erste Mal nach vielen Monaten. Ich antwortete müßte man die Geschichte zurückdrehen, um das ihm in der allerbestimmtesten Form, daß es sich um „litauische Wilna" zu entdecken. Damals, Ende des einen Fehler handell. Diese Bombe, sagte ich, 14. Jahrhunderts, als der litauische Fürst Ja- wird euch in den Händen explodie- giello die junge polnische Königin Jadwiga i ' n*- --- (Hedwig) heiratete und die litauisch-poimsche Union i schuf, mag es ein litauisches Wilna gegeben haben. , Heute sind davon aber höchstens noch die lieber» refte der alten Burg des litauischen Fürsten ©ebi» ; minas übriggeblieben. Schon vor Hunderten von < Jahren war in Litauen das Dolentum vorherrschend. Daneben hat die russische Herrschaft der Stadt der Türme und goldenen Kirchenkuppeln ihren Stempel aufgedrückt. Die litauischen Fürsten und der litauische Adel sind im Polenturn aufgegangen Die Sprache der oberen Schichten ist polnisch. Uebriggebüeben ist der litauische Bauer. Demgegenüber kann Polen daraus Hinweisen, daß einer seiner größten Söhne, Marschall P i l su d s ft, der Schöpfer des heutigen Polens, em Sohn der Wü- naer Landschaft ist, und daß polnische Kunst und Literatur mit Wilna auf das tiefste verwurzelt sind. Die verschiedensten litauischen Regierungen haben die Bevölkerung Litauens stets in dem Glauben gehalten, daß Wilna eines Tages zu Litauen zuruck- kehren werde. Bis in die jüngste Zeit hinein wird alljährlich der 9. Oktober als nationaler Trauertag mit großen Demonstrationen für die Befreiung Wilnas begangen, und in den Reden pflegt immer I wieder die Versicherung zu lehren, daß Litauen nicht eher ruhen werde, bis nicht Wilna und das Wilna-Gebiet wieder mit dem unabhängigen Litauen „vereinigt" sein würden. Auch die Zwanzig- Jahr-Feier der litauischen Unabhängigkeit am 16. Februar d. I. war ganz auf die „Rückeroberung" Wilnas ab gestellt und der litauische Sejm- Präsident gab in der Festsitzung des Parlaments unter dem Beifall der Abgeordneten der Hofftmng j Ausdruck, daß es gelingen möge, das Wilna-Gebiet mit der alten Hauptstadt wiederzugewinnen. Allerdings weiß man, daß das kleine Litauen mit seinen kaum 2,5 Millionen Einwohnern nie m der Lage sein wird, Wilna zurückzuerobern. Der litauische Anspruch auf Wilna hat — abgesehen von toomieb rußland — bisher nirgends Anerkennung gefunden. Selbst nicht in Reval und Riga. Die beiden anderen baltischen Staaten Lettland und Estland haben sich im Gegenteil stets bemüht, Litauen von der Aus- sichtslosigkeit seiner Wilna-Forderung zu überzeugen, und um Litauen klarzumachen, daß es in dieser Frage von den anderen Mitgliedern des baltischen Bundes keine Unterstützung zu erwarten habe. In letzter Zeit hat sich das litauisch-polnische Verhältnis immer mehr zugespitzt. Zu dem Streit um Wilna ist ein mit großer Erbitterung geführter Volkstumskampf hinzugekommen. Polen hat die Unterdrückung und Verfolgung des polnischen Volksteils in Litauen mit den gleichen Maßnahmen gegen die Litauer des Wilna-Gebiets beantwortet. Warum solle man plötzlich, fragte am Schluß seiner Rede der Duce, eine deutsche Gefahr am Brenner erblicken, wo doch das Deutschtum seit I a h r h u n d e r t en am Brenner ist und Italien dieses Deutschtum vorfand, als es 1918 an seine heilige Grenze gelangte? Italien, daß das Wesen der Probleme und nicht ihre äußeren Formen abwäge, wisse, daß in diesem Zeitalter der Massen nicht etwa die politische Geographie mit ihren vergänglichen Pufferstaaten, sondern die n a t i o na l e Geographie mit ihren unmittelbaren Massenbeziehungen ins Gewicht falle. Die italienische Politik habe sich immer zimunsten der rechtmäßigen Ansprüche der deutschen Nation aus- gewirkt und habe bis heute diese bewußte und unabänderliche Linie eingehalten. Adolf Hitler habe ihm versichert, d«tz er und Deutschland das nicht j vergessen werden. „Alle Stimmen erheben sich in SKW an der Wilna-Grenze <'0N unterem (JRfto)Öenchiernattei Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Kowno, März 1938. Ein Zwischenfall an der litauisch-polnischen Grenze, bei dem ein polnischer Grenzsoldat den Tod fand, hat die Aufmerksamkeit wieder einmal auf diesen gefährlichen Unruheherd in Oft» europa gelenkt. Die scharfe Sprache der polnischen Presse gegen Litauen und mehr noch die Gerüchte, daß zu beiden Seiten der Wilna-Grenze Truppenbewegungen stattfinden, haben in der „derzeitigen litauischen Hauptstadt" Kowno nicht geringe Nervosität ausgelöst, um so mehr, als sich die litauische Presse zum größten Teil über den neu entstandenen Konflikt ausschweigt. In der Tatsache, daß die Litauer Kowno als „derzeitige litauische Hauptstadt" ansehen und daß sie auch in der erst vor einigen Wochen angenommenen neuen Staatsverfassung Wilna erneut als die Hauptstadt Litauens bezeichnet haben, findet der litauisch-polnische Konflikt bereits seine Kennzeichnung. Am 9. Oktober 1920 besetzten Und seit einiger Zeit sind auch die bisher einzigen litauisch-polnischen Beziehungen, nämlich die gegenseitige Entsendung von Pressevertretern nach Kowno und Warschau, abgebrochen worden. polen fordert Normalisierung. Der „Kriegszustand" an der Grenze unerträglich. LETTLAND UTAUEN\— 61/mThrW biTlilauiWn M" für P°l„ urtientb«. •....... weiterhin einen „ständigen Kriegszusrano zu dulden. Polen könne nicht zulassen, daß Litauen tn (einer Staatsoerfassung Wilna als seine Hauptstadt bezeichne und die polnische Bevölkerung verfolge und schikaniere, die in seinen Grenzen ebenso al - eingesessen ei wie das litauische Element. Ms Beispiel für litauische Schikanen melden die. polnischen Zeitungen, daß seit Beginn dieses Schuliahres von den litauischen Behörden 3 00 polnische Familien mit Geldstrafen belegt wurden, weil sie ihre Kinder in der polnischen Sprache unterrichten ließen. t W weisen, sondern daß es sich um ein feslge- schmiedetes Instrument handelt. Ein Instrument, das sich gerade in einer außergewöhnlichen Epoche bewährte. Die beiden Nationen. deren Einigungsbewegung zeitlich wie nach den TNethoden parallel abgelaufen ist, können, in einer gemeinsamen Auffassung der Politik und des Lebens geeint, gemeinsam marschieren, um unserem gequälten Kontinent ein neues Gleichgewicht zu geben, das endlich die friedliche und fruchtbare Zusammenarbeit aller Völker ermöglicht. Das deutsche Volk wird sich dankbar erzeigen. Der Führer zum Vertreter des „Popolo d'Jtalia". Ma i l a n d , 16. März. (DNB.) „Popolo d'Jtalia" veröffentlicht eine Unterredung, die Adolf Hitler vor der großen militärischen Kundgebung auf dem Ring dem Wiener Berichterstatter, Filippo Bojano, gewährt hat. „Glauben Sie mir", so sagte der Führer, „ich werde es unter keinen Umständen mehr vergessen, was Italien getan hat. Das ganze deutsche Volk — hierbei machte er eine Handbewegung, als ob er die Gesamtheit der Deutschen von der Ostsee bis zur Donau zusammenschließen wollte — wird niemals vergessen, was Mussolini und Italien getan haben. Unsere Freundschaft steht über allen Formalitäten. D i e A ch s e ist stark und fest, mehr denn jemals. Wir sind bereit, euch unsere Freundschaft und Dankbarkeit zu zeigen, wenn Italien sie eines Tages benötigen sollte. Dieses Volk von Oesterreich fühlte den inneren Drang, mit Deutschland vereint zu sein. Haben Sie gesehen, wie es auf unser Kommen reagiert hat? 'Haben Sie die Begeisterung gesehen? Das österreichische Volk wurde lange von einer Handvoll Männern getäuscht und unterdrückt." Das Echo in Paris. Neberwaltigender Eindruck auf ausländische Augenzeugen. ' Paris, 17. März. (DNB. Funkspruch.) Der einzigartige begeisterte Empfang, den die Berliner Bevölkerung dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches bereitete, hat in der gesamten französischen Presse einen starken Eindruck hinterlassen. „Journal" betont in seinem Bericht, daß die Berliner wie nie zuvor dem Aufrufe von Dr. Goebbels gefolgt seien. Mehr als zwei Millionen Menschen seien aufmarschiert gewesen. Die Tatkraft, mit der die Nationalsozialisten derartige Massenmobilisierungen, die jedesmal größer und geschlossener und immer begeisterter sind, durchführen, kann nicht anders als mit ErstaunenundBewunderungerfüllen. In Deutschland hat man es mit einem einigen Volk zu tun, das von Vaterlandsliebe beseelt und sogar zum Opfern seines Lebens entschlossen ist, wenn es von ihm verlangt werden sollte. Die Deutschen sind stolz, Deutsche zu sein. Sie sind stolz auf ihre Kraft. Ohne falsche Scham gestehe ich ein: ich habe den unerhörten vaterländischen und nationalen Charakter dieser Kundgebungen ausgekostet. deren Zeuge ich erneut war. Diese Kundgebungen haben mir das Herz zerrissen und diese begeisterten Beifallsstürme, die zu dem Führer wie Donnergrollen emporstiegen, habe ich körperlich gespürt. Frankreich hat eine Niederlage erlitten. Der Jubel galt dem Kanzler Hitler, dem Sieger v o n W i e n. In der Tat, ein Sieger hat seinen Einzug in Berlin gehalten. „Petit Journal" schreibt: Unter dem Geläut aller Glocken habe die Menge in riesiger Begeisterung ihren Führer begrüßt. Berlin habe den Kanzler mit einem Triumph geehrt. Ohne Zweifel habe noch nie einen Staatschef ein derartigen Empfang erwartet, wie er dem Führer am Mittwochnachmittag in der Reichshauptstadt bereitet worden sei. Die Menge habe Blumen gestreut und bis zur Atemlosigkeit dem Führer zugejubelt. — „Figaro" sagt: Berlin hat den Kanzler wie einen Triumphator empfangen. Hitler habe seinem Volke einen großen Sieg gebracht. Und was für einen Sieg. Ein Sieg i n drei Tagen, ohne einen Tropfen Blut vergossen zu haben. Die Geschichte verzeichne nicht viele derartige Siege. Französisch-Oesterreichischer Iußballkampf abgesagt. Paris, 17. März. (DNB. Funkspruch.) Frankreichs Außenministerium hat dem französischen Fußballverband mitgeteilt, daß unter den augenblicklichen U m st ä n d e n ein für den 24. März vereinbarter Fußballkampf zwischen einer französischen und einer österreichischen Mannschaft nicht wünschenswert sei. Der französische Sport- vetband hat sich diesem Rat angeschlossen und den Fußballkampf abgesagt. Er bemüht sich nun um die Verpflichtung einer englischen Mannschaft. KleineAachrWenausOesterreich Der Führer und Reichskanzler hat den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht sowie die Mitglieder der österreichischen Landesregierung Minister Fischböck und Minister Neumayer, nach Berlin berufen zur unverzüglichen endgültigen gesetzlichen Regelung des Umrechnungskurses von Mark und Schilling. * Der Reichsschatzmeister der NSDAP, hat dem kommissarischen Leiter der NSDAP, in Oesterreich, Gauleiter Bürckel, für bedürftige Partei- und Volksgenossen Oesterreichs 1 Million Mark aus Parteimitteln als „Adolf-Hitler-Dank" zur Verfügung gestellt. * > Generalfeldmarschall Göring sandte an den Reichsstatthalter Seyß-Jnquart ein Telegramm, in dem es heißt: Die Tatkraft und der Schwung, besonders aber auch die ruhige Sicherheit, mit welcher Sie die Ihnen gestellten schweren Aufgaben bis zum Einrücken der deutschen Truppen durchgeführt haben, erfüllt uns alle mit Bewunderung. Daß unser aller Arbeit, vor allem aber auch der einzigartige zähe Kampf unserer österreichischen Parteigenossen diesen überwältigenden und einmaligen Erfolg gehabt hat, erfüllt mich mit einem stolzen Gefühl. Durch den vertrauensvollen Auftrag des Führers mußte ich während dieser erhebenden Tage in Berlin verbleiben, um die Reichsgeschäfte zu führen. Mit Freude erwarte ich nun den Tag, da ich nach langen Jahren zum ersten Male wieder in das befreite Oesterreich kommen kann. Im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft begrüßte der Führer der nationalsozialistischen österreichischen Bauernschaft, Minister R e i n t h a - ler, den Reichsbauernführer und Reichsernährungsminister Darre, der Reinthaler für feine und'seiner Mitkämpfer so erfolgreiche und zähe Arbeit dankte und ihn zum Mitglied des Deutschen Reichsbauernrates ernannte. Korpsführer Hühnlein hat einen Aufruf a n d i e deutschen Kraftfahrer des Landes Oesterreich erlassen, in dem er sie als eine neue Einheit der deutschen Kraftfahrt begrüßt und Richtlinien für die Neuordnung gibt. ♦ Der im Jahre 1934 wegen „Hochverrats" vom Militärgerichtshof zu lebenslänglichem schwerem verschärften Kerker verurteilte Major Rudolf S e - linger wurde a l s O b e r st reaktiviert und dem Armeeoberkommando VIII zur Dienstleistung zugewiesen. Der deutsche Botschafter in Washington, Dr. Dieckhoff, teilte dem amerikanischen Außenminister Hüll mit, daß die bisherige österreichische Gesandtschaft zum reichseigenen Gebäude erklärt sei und daher weiterhin exterritorialen Schutz genieße, sowie, daß der bisherige Gesandte P r o ch n i k und sein Personal in den Stab der deutschen Botschaft ein gegliedert seien. Ein Beamter der deutschen Botschaft begab sich zur österreichischen Gesandtschaft, versiegelte dort die Archive und Geheimakten und nahm das österreichische Dienstsiegel in Verwahrung. Italien baut die stärkste Lt-Bootstotte der Welt. Rom, 16. März. (DNB.) Der italienische Flottenhaushalt wurde von der Kammer nach Erklärungen des Unterstaatsfekretärs Admiral C a - vagnari angenommen. Danach wird die italienische Flotte auf Grund des heutigen Bauprogramms im Jahre 1941 rund 700000 Tonnen Kriegsschiffe besitzen, von denen auch die ältesten Einheiten nicht länger als zwölf Jahre in Dienst stehen. Auf die Linien- und Großkampfschiffe entfallen 240 000 Tonnen, auf die Kreuzer 160 000 Tonnen, auf die leichteren Einheiten 190 000 Tonnen und auf die U - Boote 100 000 Tonnen. Italien wird damit die st ä r k st e 0 -Bootsflotte der Welt besitzen, ohne damit die maximale Grenze seiner Möglichkeiten erreicht zu haben. Die italienische Flotte soll auch in fernen Meeren operieren können, wenn das das Interesse der Nation und die Notwendigkeit ihrer Verteidigung erforderlich machen sollte. Mit besonderem Stolz hatte Admiral Cavagnari auf die Flottenparade hingewiesen, die zu Ehren des Führers im Golf von Neapel stattfinden wird. Die Parade werde sowohl hinsichtlich der Schnelligkeit und Manövrierfähigkeit wie auch hinsichtlich der Zahl der teilnehmenden Schiffe em Ereignis bilden, „wie man es bis zur Stunde noch niemals gesehen hat". Jeder werde mit dem größten Stolz beim Anblick dieser Flotte ausrufen: „Das ist die herrliche faschistische Schöpfung, die der Gründer des Imperiums gchhnEH hat!" Oer nationalspanische Heeresbericht. Salamanca, 17. März. (DNB. Funkspruch.) Nach dem nationalspanischen Heeresbericht setzten dig Truppen ihre Operationen um C a s p e fort und besetzten das Caspe-Tal sowie mehrere strategisch wichtige Höhen und Straßenkreuzungen. Ueberall wurde der feindliche Widerstand aebrochen. Der Gegner hatte schwere Verluste. Die Legionäre konnten' ihre Stellungen bei A l c a n i z erweitern. Im südlichen Abschnitt bauten die nationalen Truppen die eroberten Stellungen aus und konnten auch hier mehrere wichtige Höhen besetzen, die den Ort Ejure beherrschen. Nationale Kavallerie-Abteilungen erbeuteten neben mehreren Geschützen auch einen bolschewistischen Tank. Die Bolschewisten haben verzweifelten Widerstand zu leisten versucht. Bei Caspe wurden drei bolschewistische Tanks erobert. Die an der nach Alcaniz führenden Straße gelegenen Orte Ejure, Molinos, Berge und Alcorifa mur». den besetzt. Aus aller Wett. Großer Erfolg des WhW.-Wunschkonzerles des Wehrkreises IX. Auch das diesjährige Wunschkonzert des Wehrkreises IX in der Kasseler Stadthalle hatte einen großen Erfolg zu verzeichnen, lieber 25 000 Mark konnte dem WHW. zur Verfügung gestellt werden. Zahlreiche Ehrengäste, an ihrer Spitze Gauleiter Staatsrat Weinrich, nahmen an der Veranstaltung teil, die der Kommandierende General des IX. Armeekorps, General der Artillerie D o l l m a n n , mit einer kurzen Begrüßungsan» spräche eröffnete. Es ist Vorsorge getroffen, daß bei der Wiederholung des Konzertes am 28. März die Uebertragung durch den Reichssender Frankfurt durchgeführt wird. Wetterbericht Die über Europa zur Ausbildung gekommenq Westwindwetterlage hat ihren Einfluß jetzt auf ganz Deutschland ausgedehnt. Naturgemäß werden dabei die nördlicheren Teile des Reiches ftärfec betroffen, während im Süden immer wieder de« Einfluß südeuropäischen Hochdruckgebietes zum Durchbruch kommt. Aussichten für Freitag: Wolkig bis auf» heiternd und im wesentlichen trocken, Mittagstempe» ratur zwischen 10 bis 15 Grad, Winde um West. Aussichten für Samstag: Bei südwest» lichen bis westlichen Winden leicht unbeständig, aber nicht unfreundlich, mild. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum» schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder? Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen^ leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2). 21. II. 38: 10 788. Druck und Verlag: Brühlfche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs-' preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Frau Luise Schmidt Witwe, geb. Wuth Es ladet herzlich ein: 170?O 91t So. SioöMon, £önmtt. 14 Gießen (Seltersweg 27), den 16. März 1938. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 18. März, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt 1703D Mädchen perf.inall.Haus 19 Uhr (auchTagesmäd- arb.u. i.Kochen, X - . - \ ' . . .1 «it rti T l I I 01236 sucht Stelle eben) bet gutem Lohn. 01238 kaufen. 01247 1412 A. LvicSMwcstcr vimrvcmLcvm STADTTASCHE a. liebst.inEinf.- Haus z. 1. 4. 38. Schr. Ang. unt. 01245 a.d.G.A. nach einem arbeitsreichen Leben im gesegneten Alter von 85 Jahren in ein besseres Jenseits abzurufen. Suche für sofort tüchtiges Vornehm I Geschmackvoll 1 Persönlich I Diese wesentlichen Eigenschaften der guten Familien- Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Ausführungsarten und Papieren zu mäßigenpreisen Brühl’sche Druckerei. Schulstr. 7, Ruf 2251 Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe, treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter und Tante Scheiben; buchse (7,65) zu verkauf, für Mk. 35.-. 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Von der sprachlichen und musikalischen Gestaltungskraft im Sinne echter Inspiration abgesehen, heißt die kritische Frage vielmehr so: Ist die auf anspruchsvolle Inhalte gerichtete Pathetik der Musiksprache Richard Wagners wirklich das passende Ausdrucksmittel für die einfach-gemütvollen volksmäßig-derben Stoffe und ihre Behandlung, wie sie Siegfried eignen? Oder klafft hier ein Mißverhältnis? Im „Schmied von Marienburg" schlägt Siegfried Wagner immerhin stärker als in manchem anderen Werk auch heroische Themen an, so daß die musikdramatischen Elemente keineswegs in der Luft hängen. Bemerkenswerter erscheint jedoch ein anderer Zug dieser Oper. Am wirkungsvollsten erweisen sich jene Stellen, an Die beiden Berliner Opernhäuser nahmen sich mit sichtlicher Liebe ihrer beiden Schützling Der optimistischen Absicht des Reiterschen „Toten- Berlin, im März. Der Sohn Richard Wagners hätte im nächsten Jahre seinen 70. Geburtstag feiern können, wenn er nicht schon 1930 aus seinem segensreichen Wirken für die Bayreuther Festspiele durch den Tod abberufen worden wäre. Josef Reiter, der österreichische Komponist, steht im 76. Lebensjahre. Die Generationsoerwandtschaft dieser beiden Musiker spiegelt sich wider in der Haltung ihrer Werke. Die beiden großen Musikbühnen der Reichshauptstadt, die Staatsoper und das Deutsche Opernhaus, schienen es darauf angelegt zu haben, durch die Erstaufführung dreier Opern von Siegfried Wagner und Josef Reiter an demselben Wochenende, den Berlinern einen Einblick zu vermitteln in die musikalischen Bestrebungen der Jahrhundertwende und die vielfältigen Versuche, dem erdrückenden Schatten Richard Wugners zu entrinnen. Führer auf diesem Wege war Engelbert Humperdinck. Er, der als Gehilfe des Bayreuther Meisters noch an der Instrumentation des „Par- fifal" geholfen hatte, vermochte es, mit seinem eigenen Schaffen eine Schule zu hinterlassen. Indem er vom schweren Pathos musikdramatischer Weltanschauung die Wendung vollzog, zu Sage, Volksglauben und unbeschwertem Frohsinn, schuf er — durchaus mit den stilistischen Mitteln Richard Wagners — die Märchenoper. Dieses Vorbild scheint auch für Josef Reiter maßgebend gewesen zu sein. Sein „Totentanz" verwendet das beliebte Rattsn- fängermotiv in der Ausprägung einer schlesischen Lokalsage vom „Sackpfeifer von Neiße" aus dem Anfang des 10. Jahrhunderts. Das Textbuch von Max M o r o l d versucht, den Tod in der Gestalt eines alten Dudelsackpfeifers, als Freund des Lebens und Beschützer der Liebenden zu charakterisieren. Für Reiter bieten die Volksszenen, die sich dabei ergeben, willkommene Gelegenheit, sein bedeutendes Können im Chorsatz auch auf der Opernszene zu erweisen. Durch seine zahlreichen Männerund gemischten Chöre ist Reiters Name ja vor allem bekannt geworden. Stärker noch als die orchestralen Anklänge an die Welt der „Meistersinger", an Cornelius' „Barbier von Bagdad" und die Totentanzrhythmen von S a i n t - S a c n s überzeugen Reiters liedhafte Gesänge und balla- deske Stimmungsbilder, die auf einen naiven Volkston gestimmt sind und unverkennbar österreichisches Gevräge tragen. Zehn Jahre später, 1905, entstand der Einakter „Der Bundschuh". Er zeugt von jener anderen Richtung, die ebenfalls aus dem Bannkreis Wagners zu eigenen Wirkungen strebte: der Verismus. Dramatisch zugespitzt, stoßen mit naturalistischer Wucht in einer Lagerszene aus dem Bauernaufstand von 1525 die Forderungen der Bauern mit der störrischen Weigerung einer gefangenen Adclsherrin zusammen. Die innere Ebenbürtigkeit des Bauernführers und des Edelfräuleins als 'Repräsentanten ihrer verschiedenen Welten symbolisiert sich in der tragischen Liebe der beiden zueinander. Veristischer Kunstwille verlangt aber, daß der von seinen Bauern gedrängte Führer als Gerichtsherr die geliebte Feindin niedersticht und dann selbst im Kampf gegen die adligen Rächer fällt. Wieder liegt Reiters Stärke in der flammenden Wut der Bauernchöre, grell läßt er aus dem Orchester die Farben leuchten, die vollstimmige Klangpracht und die treuherzig-volkstümliche Melodik verfehlen in ihrer sinnenhaften Unmittelbarkeit ihre Wirkung nicht. Das Publikum bereietete dem greisen Komponisten begeisterte Huldigungen. Daß Siegfried Wagners „Schmied von Marienburg" erst 1920 entstanden ist, mutet, stilistisch betrachtet, rein zufällig an. Denn von den musikalischen Tendenzen der Neutöner jener Zeit hielt sich der Sohn Richard Wagners zeitlebens mit tanzes" entsprechend, gab Hans Batteux im Deutschen Opernhaus seiner Inszenierung die greifbare Anschaulichkeit bunter Dolksszenen und nächtlicher Friedhofsstimmung. Die erregten Lagerszenen des „Bundschuh" waren für Will). Rodes naturalistisch-detaillierten Regiewillen ein dankbares Objekt. Artur Roth er war beiden Werken ein sorgsam ausfeilender und temperamentvoll antreibender Dirigent. Mit dramatischer Schlagkraft führte auch in der S t a a t s o p e r Robert Heger das Orchester Siegfried Wagners und die realistische Gastregie Edgar K l i t s ch s konnte die stimmungsvollen Bühnenbilder der Marienburg von Emil P r^ e t o r i u s als stärksten Trumpf einsetzen. Johannes Jacobi. Werte erhalten! Wir alle kämpfen gegen den Verderb. Es darf in Deutschland nichts umkommen. Darum sammeln wir Altmaterial und verwenden sorgfältig die Reste von Lebensmitteln. Es gibt aber im Hause so viele Werte, deren Erhaltung bei pfleglicher Behandlung eine ungeheure Ersparnis an Volksoermögen bedeutet, daß wir auch hierher unsere Aufmerksamkeit richten müssen. Denken wir jetzt beim Wechsel der Jahreszeit an unsere Kleidung. Wie viel Aerger, Zeit und Mühe ersparen wir, wenn wir unsere Wintersachen, gut gereinigt und gegen Motten geschützt, aufbewahren, so daß wir sie im Herbst nur zu greifen brauchen. Ebenso ist es mit den Sommersachen. Die sorgsame Hausfrau hat alle die hübschen, hellen Sommerkleider für sich und die Kinder gewaschen und gebügelt im Schranke hängen. Diese Sachen zu modernisieren oder zu verlängern ist eine Kleinigkeit. Und wie sieht es in der Wohnung aus? Der große Hausputz steht vor der Tür. Nicht nur die Teppiche, Vorhänge und Decken müssen gereinigt, gründlich geklopft oder gewaschen werden, es ist auch nötig, daß jedes Möbelstück seiner Art entsprechend behandelt wird. Welch' ein Unterschied zwischen gut erhaltenen Möbeln und ungepflegten! Gewiß, niemand soll der Sklave seiner Sachen sein, aber die Erhaltung dieser Werte ist heute Pflicht jeder verantwortungsbewußten Hausfrau. Möbel werden in der Generation nur einmal angeschafft, ein schönes Stück überdauert den Besitzer und erfreut noch die Enkel, aber nur, wenn es gut erhalten und geschont ist. Wer ein Eigenheim besitzt, der weiß, welche Werte er darin zu erhalten hat, und daß jede kleine Ausbesserung an den Wänden und Fußböden, an der elektrischen Leitung oder an den Röhren der Heizung große Ausgaben später vermeiden hilft. Aber auch die Familie, die zur Miete wohnt, sollte Achtung vor fremdem Besitz haben. Die Kinder müssen frühzeitig angehalten werden, daß die Tapeten nicht zum Beschmieren da sind, daß die Wände nicht wahllos beklebt werden mit Zeichnungen und Bildern aller Art. Auch hier gilt es, Werte zu erhalten, indem wir alle diese Dinge als Volksvermögen betrachten, das nicht vergeudet und vernichtet wer- denen Elemente der vorwagnerschen Oper, der deutschen Lustspieloper und italienische Theatralik mit fast nummernmäßig geschlossenen Arien und einem pompösen Ensemble-Finale ihren Einzug in das Schaffen des Sohnes, des großen deutschen Mufik- dramatikers halten. So zeigt sich auch hier, daß eine eigentliche Nachfolge Richard Wagners und die Weiterentwicklung seiner Errungenschaften unmöglich war, denn er war ein Vollender. Der Weg der Nachgeborenen mußte versuchen, in Neuland zu führen — er muß es noch heute! Dornotiren. Tageskalender für Donnerstag. NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Ost: 20.30 Uhr Singsaal des Realgymnasiums, Ludwigstraße, Schulungsabend. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Das indische Grabmal". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Fledermaus". — Obst- und Gartenbauverein Gießen: 20 Uhr im „Burghof" Vortrag „Saftgewinnung aus Obst- und Gartengewächsen". — Oberhessischer Kunst- verein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand. Spielplanänderung im Sladllhealer. Infolge Erkrankung von Ernst-August Waltz kann die Aufführung der Operette „Clivia" am Sonntag, 20. März, nicht stattfinden. Dafür ist auf Sonntag die letzte Aufführung von „Lady Windermeres Fächer", Komödie von Oscar Wilde in der Neubearbeitung von Karl Lerbs, vorverlegt worden. „Lady Windermeres Fächer" ist der größte Schauspielerfolg dieser Spielzeit. Die Aufführung findet zu Sonntagspreisen statt und beginnt um 19 Uhr. „Frauenarbeit in den deutsch-evangelischen Gemeinden Siebenbürgens." Ein Vortrag über dieses Thema findet am kommenden Sonntag in der Stadtkirche statt. WHW. Ortsführung Gießen-Süd. Am Mittwoch, 16., Donnerstag, 17., und Freitag, 18. März, findet im Bereiche der Ortsgruppe Gießen-Süd die Pfundsammlung durch die NS.- Frauenschaft statt. Es wird während der Dauer des WHW. 1937/38 nicht nur bei den Mitgliedern des Lebensmittel-Opferringes, sondern bei allen Volksgenossen die Pfundsammlung durchgeführt. Als Spenden sind vorwiegend Mehl, Hülsenfrüchte, Graupen, Nudeln, Zucker, Grieß, Wurstwaren und Konserven erwünscht. Selbstverständlich werden auch alle anderen Pfundspenden entgegengenommen. Die Einwohnerschaft wird gebeten, die Spenden bereitzuhalten. Hitier-Zugend Bann 116 Gießen. Thealerring der Hitler-Jugend. Die 11. Morgenveranstaltung des Stadttheaters, Sonntag, 20. März, „Maja von Rabenau tanzt", kann besucht werden. Karten für Mitglieder des Drei neue Opern in Berlin. Erstaufführungen von Siegfried Wagner und Josef Reifer. Theaterrings zu 25 Pf. an der Theater-Tageskasse gegen Ausweis. — Die 7. Vorstellung des Theaterringes findet am Montag, 21. März, statt. Es gelangt das Schauspiel „Wilhelm Tell" zur Aufführung. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Vorstellung um 19.30 Uhr beginnt. AS.-Iiechtswahrerbund. Die nächste Versammlung der Kreisgruppe Gießen des Nat.-Soz. Rechtswahrerbundes findet am Freitag, dem 18. März 1938, abends 8 Uhr, in Gießen im holel „Bayrischer Hof", Bahnhofstraße Nr. 45, statt. 1714D Es sprechen: 1. Amtsgerichtsrat i. R. Gros in Gießen über „Ernstes und Heiteres Alt-Gießens" und 2. Oberstudiendirektor Dr. Roloff, Gießen, von, „Gießener Sprache und Art". Es wird um zahlreiches Erscheinen gebeten. ^DitDtutfüeflröcWont NSG. „Kraft durch Freude", Kreis Gießen. Vortrag von Professor Dr. Schmitthenner fällt wegen schwerer Erkrankung aus. Der Vortrag wird voraussichtlich im Mai gehalten. „Parkstraße 13." Als nächste Vorstellung im Stadttheater Gießen bringen wir das Kriminalstück von Axel Jvers „P a r k st r a ß e 1 3". Eintrittspreise 90 Pf. und 1,— Mark. 1715V Neuverpflichtungen an das Stadttheater Gießen. Für die Spielzeit 1938/39 wurden an das Stadttheater Gießen verpflichtet: Ilse W inhold als 1. Altistin, vom Stadttheater Pforzheim: Walter Erl er als 1. jugendlicher Komiker und Tanzbuffo, vom Stadttheater Düren: Eduard Cossovel als 1. Held, vom Stadttheater Linz. Frühjahrsmüdigkeit — eine Ernährungsfrage. Diele Menschen klagen besonders im Frühjahr darüber, daß sie ständig müde seien. Die meisten versuchen diesem Uebel durch vermehrten Schlaf zu Leibe zu rücken, und nicht selten hört man sie dann ärgerlich stöhnen und klagen, daß sie trotz allem immer wie „zerschlagen" sind. Daß diese Frühjahrsmüdigkeit mit der Ernährung in Zusammenhang stehen könnte, auf diese Dann wird man Ihren Händen die Tagesarbeit nicht ansehen. Mit Nivea-Creme gepflegte Haut wird widerstandsfähig u. geschmeidig. Idee kommt kaum jemand. Und doch ist es in diesem Falle zum größten Teil die Ernährung, die einerseits das Leiden hervorruft und zum anderen durch geeignete Nahrungsauswahl Abhilfe zu schaffen in der Lage ist. Längst ist von bedeutenden deutschen Ernährungswissenschaftlern bewiesen worden, daß der menschliche Organismus außer den notwendigen Nährstoffen, Eiweiß, Fett und Kohlehydraten, auch der Ergänzungsstoffe, der Vitamine und Mineralstoffe bedarf. Diese führen wir unserem Körper größtenteils mit rohem Obst und Gemüse zu. Im Sommer, wenn Obst und Gemüse reich am Markt sind, besteht da kein Mangel. Viel schwie- Abenteurer-Bildnisse. Von Anton Schnack. E i s e n a r m. Sein Name ging wie klirrender Gesang in den verräucherten Kneipen von Fremis, Anton de Louise, Port de Plata, San Domingo und anderen Orten der Insel Espanola von Mund zu Mund, wo die Jäger, Matrosen und Seeabenteurer, eng aneinandergedrückt, summend, lachend, schmatzend und mit den Messern stechend, sich Herumtrieben, bis die Weinfässer der burgundischen Wirte leer waren. Eisenarm war der Name für einen Herkules, der zwei Meter groß war, ein blitzendes Tiergebiß hatte, Augen voll Größe und Feuer, und der seinen gewölbten Brustkorb wie eine befestigte Bastion durch die Wirtstüren zwängte. Immer war, wenn er Jnselboden betrat, süßes, girrendes Gelächter um ihn; denn er war freigebig mit Goldstücken, Edelsteinen und Zärttichkeiten. Dann schaukelte sein Schnellsegler, der „Phönix", an den Hasenpflöcken, und die Galeonsfigur, ein großer Vogel mit dem Kopf eines Weibes, wurde von den Schiffsjungen mit frischem Blau und Weiß gestrichen. Seine Strategie liebte nicht das Geschwader, sondern den Alleingang. Dafür aber griff er überraschend und unerwartet an. Er teilte nicht gern mit vielen, sondern hielt sich lieber eine kleine Schar von ausgezeichneten Schützen und Degenstechern. Sehr viel Merkwürdiges ist ihm, der aus einem nordfranzösischen Adelsgeschlecht stammte, für das er die Gemeinschaft der Küstenbrüder eintauschte, zugestoßen. Sein größtes Abenteuer ereignete sich zu Anfang eines Sommers, der über den Meeren längs der Landenge von Panama kochte und sott. Dabei stieg ein fürchterlicher, jäh aufkommender Sturm in das Geäst der Segel, brach sie, schwemmte sie über Bord und schickte noch einen zündenden Blitz in die Pulverkammer des Hinterschiffes, das in einer gelben Feuergarbe aufflog. Das Vorderschiff hielt sich noch kurze Zeit und brach dann an den Klippen der Insel, den Schiffbrüchigen unter dem Namen Saint-Andrs bekannt, auseinander. Eisenarm und ein geringer Teil der Besatzung retteten sich aus Feuer, Brandung und Wasser, versengt, zerschunden und geprellt, an den Strand, an oen sich grüne Dickichtwälder heranschoben. Mit Flüchen und Lästerungen ermunterten sie sich. Einige Waffen hatten sie gerettet, auch unversehrtes Pulver und kleine Säcke mit Bleigeschossen, aber ihre Bäuche waren voll Wasser, das Kleiderzeug triefte, und ein Platzregen kam nach dem anderen. Dazy ging der Pfeilregen verborgener Indianer! über sie hinweg. Sie anworteten mit Steinen und! manchmal mit einem gut gezielten Pistolenschuß. Den schwarzen Normannen Jakob, Söhn eines Fischers, traf ein Pfeil in die Halsschlagader. Die Wut darüber verwandelt sich in Freude, als zwei Tage später ein großes Schiff über den Horizont steigt und Kurs auf die Insel nimmt. Es hat kein süßes Wasser mehr in den Fässern; die Quellen der Saint-Andre-Jnseln waren bei allen Seefahrern berühmt und bekannt. Eisenarm macht einen unheimlichen Hinterhalt, dem die wasserholenden spanischen Matrosen und Soldaten zum Opfer fallen. Er sinnt dann den teuflischen Spuk einer Verkleidungsszene aus, das Kühnste und Frechste seit langem. Eine schwermütige, mit Nebeln gemischte Abenddämmerung hilft der Raubschar, denen die weiten spanischen Hosen um Gesäß und Beine schlagen: die Gesichter stecken unerkenntlich in den kapuzenähnlichen Mützen der Ueberfallenen: unter spanischem Gesang besteigen sie die Strickleiter der schönen „Isabella" aus Maracaibo. Die Segelmatrosen ließ Eisenarm am Leben, die Schiffssoldaten setzten sie in einem Boot aus, als der Tropenmond gerade aufging. Das Schiff war eine großartige Beute. Es enthielt Goldbarren, Edelsteinsäcke, Gewürze, feines Linnen, Waffen, Silberschmuck und schwarzen, allerbesten Tabak. Das war der Grund, warum dann Eisenarm nach Landung auf der Insel Tortuga wie ein Uebermütiger herumstolzierte, große Gelage veranstaltete, Musik spielen ließ, die Frauen mit Wein und süßem Gebäck traktierte, daß- sie sich vor Freude und Wollust die Kleider vom Leibe rissen. Eisenarm sieht, halb betrunken und mit lärmenden Worten um sich werfend, bei einem stolpernden Gang in die Nacht hinaus, eine große Sternschnuppe fallen und von Westen nach Osten über die Insel leuchten. Da schreit er: Lümmel, es regnet mir Gold! Tatsächlich, nie ging es ihm aus, und von jedem Raubzug kam. er reich und unverletzt zurück. Eisenarm wurde ein alter Mann, die größte Seltenheit eines Flibustierlebens. Kapitän Ansel. Seit der Einnahme von Puerto Belo, wo er auf dem Marsche zur Stadt die spanische Schildwache unschädlich machte, steht Kapitän Ansel im Vordergrund. Er trennt sich später bei Cabo de Lobos von dem berühmten und erfolgreichen Morgan, um die Stadt Comanago an der Küste von Caracas einzunehmen und zu plündern. Seinem Befehl gehorchen vierhundert Mann, verteilt auf fünf Schiffe und eine Barke. Die Schiffe heißen: „König", „Schnelles Wiesel", „Die lustige Barbara", „Der Schrecken" und „Der Sieg". Die Schlacht von Caracas zerstört wieder den Ruhm von Puertck Belo. Ansel, auf dem Marktplatz eingeschlössen und heftig bedrängt, läßt hundert Tote zurück. Mit knapper Mühe gelingt es ihm, die Verwundeten auf die Schiffe zu retten. Ohne Beute ankert die Flotte vor Jamaika. Ansel und seine Anhänger haben lange unter dem Spott der übrigen Piraten zu leiden. Auf sie war der Spruch geprägt, ob man in Caracas außer Piraten auch noch Münzen schlüge. Seitdem verschwindet Ansel aus der großen Ballade, welche die Seeräuber mit ihrem Blut und Leben gedichtet haben. Saint-Simon. Ein Franzose, zu der Schar von Mansfeldt gehörend. Mehr Organisator als Krieger. Er befestigte die Insel Santa Catalina mit grauen Himmelsmauern und machte sie fast uneinnehmbar. Er stapelte Lebensmittel auf und füllte mit Mehl, Fleisch, Branntwein, Pulver und Waffen die Türme. Er ließ einen Brunnen ausschachten, der tief in die Eingeweide der Erde ging. Trotzdem läßt er sich von einer spanischen Armada ins Bockshorn jagen: Nach einer dumpfen und bösen Kanonade übergibt er die Insel mit Mann und Maus und zieht vor, als Gefangener nach Puerto Belo gebracht zu werden, die Hände auf dem Rücken zusammengebunden, die Augen niedergeschlagen, verflucht und beschimpft. In Puerto Belo schleppt er Kalk und Steine für den Bau des spanischen Kastells Jero- nitno. Manchmal spucken ihn die schwarzgelockten spanischen Knaben während ihrer Kugelspiele an. Simon hatte sich eine Feigheit angeeignet, die mehr rührend als verächtlich war. Ein schwerer Stein rollte ihm auf das linke Bein und zerquetschte das Glied bis zum Schenkel. Nach seiner Genesung erhielt er von den Spaniern die Erlaubnis, bettelnd vor der Kirchentür zu sitzen. Viele Jahre saß er dort. Daviot. Vom Himmel und von der Erde vernichtet. In Staubsäulen erstickt und von ätzendem Schwefelwind vergiftet. Daviot hatte ein unterirdisches und ein oberirdisches Geheul gehört, von dem er glaubte, es wäre die große Weltuntergangstrompete des Erzengels Gabriel. Was nützte es, daß er sich Kreuzzeichen auf die Stirn machte und den Namen Jesus rief, den er sonst zu Lästerungen mißbrauchte. Die stechende Sonne lief wie ein Blitz auf der Spitze seines geschliffenen Degens hin und her. Mit der linken Hand hing Daviot an der obersten Sprosse der Sturmleiter, die an die Seemauer der Stadt Port Royal gelegt war. Der erste Pulvertopf, von einem Mann seiner Schar geschleudert, war hinter der Mauer unter großem Getöse zersprungen und hatte einen spanischen Stadtsoldaten getötet, der im gleichen Augenblick einen Eßsack mit Brot und gedörrten Fischen in eine Mauernische legen wollte. Aber im gleichen Augenblick hob urtöl senkte sich auch die Erde, das Mauerwerk knisterte. Staub stieg auf, das nahe Meer kam mit einer hügelhohen schäumenden Wand herangerollt, stülpte Schiffe und Boote um, riß sie von den Tauen und Ankerketten und warf sie, unterweltlich donnernd, an die Hafenmauer. Feiner Wasserrauch stieg himmelan und ging in einem Sprühregen über die ganze Landschaft. Die Erde bebte, und das Meer brach über die Ufer. Die gewaltige Mauer, bis in die Grundfesten erschüttert, stürzte ein, riß Daviot mit sich und begrub und zermalmte ihn, zusammen mit denen, die stürmten, und mit denen, die verteidigten. Daviot war damals achtundzwanzig Jahre alt, schwarze fette Haare fielen auf feine Schultern, er hatte den Körper einer Katze und die Ungeduld eines Knaben. Seine schönen Augen funkelten nun nicht mehr die französischen Mädchen an, die auf der Insel Tortuga in das Laoendelkraut sich setzten und Volkslieder aus der Normandie und der Bretagne fangen. Zeitschriften. — Als Rheinland-Sondernummer erscheint die neueste Ausgabe der „I l l u st r i r t e n Zeitung Leipzig". Mehr als 40 reichbebilderte Aufsätze berufener Autoren lassen ein plastisches und umfassendes Bild des Rheinlandes erstehen, das durch farbige ganzseitige Kunstblätter besonders lebendig gestaltet wird. Die Vielseitigkeit der Nummer zeigen etwa folgende Beiträge: „Das Rheinland — eine Verpflichtung!", „Rheinische Männer in Volks- und Staatsführung", „Rheinische Jugend", „Die Weltbedeutung der rheinischen Wirtschaft", „Rheinische Erbhöfe", „Rheinische Kunftschätze", „Die große Theaterprovinz", „Rheinische Musik", „Rheinland — Weinland". Hochschulnachrichten. Geh.Medizinalrat Professor Dr.Adalbert Czerny, der entpflichtete Ordinarius für Kinderheilkunde an der Universität Berlin, begeht am 17. d. M. sein goldenes Doktorjubiläum und am 25. d. M. seinen 75. Geburtstag. Professor Czerny darf als Begründer der modernen Kinderheilkunde als einer selbständigen medizinischen Disziplin gelten. Nach seiner Ha- bültatlon in Prag wurde Czerny 1894 an die Uni- versität Breslau berufen, wo er 1906 Ordinarius wurde; 1910 ging er nach Straßburg, von 1913 bis ZU feiner Entpflichtung (1931) wirkte Czerny in Berlin. Von feinen Arbeiten seien das grundlegende Werk über die Ernährung des Kindes und die Schrift über die Physiologie des Kinderschlafes her- vorgehoben. Gedenkappell bei der' ■xv ehrmacht. Am gestrigen Mittwochmittag fand in der Bergkaserne ein Gedenkappell anläßlich des dritten Jahrestages der Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit statt. Das I. Bataillon des Infanterie-Regiments 116 trat im großen offenen Viereck auf dem Kasernenhof mit dem Musikkorps zur Feier an. Nach der Meldung schritt der Bataillonskommandeur, Major Wiese, die Front ab, während die Soldaten das Gewehr präsentierten. Sodann hielt er eine kurze Ansprache, in der er die geschichtliche Bedeutung des Tages umriß. Er erinnerte zunächst an die Begründung des neuen deutschen Volksheeres durch unseren Führer Adolf Eitler und die Verkündung der deutschen Wehrhoheit in den Märztagen vor drei Jahren. Dann schilderte er kurz die beispiellose Entwicklung unserer Wehrmacht in diesen drei Jahren, in denen das deutsche Volksheer zu einer starken Waffe herangewachsen ist. Er sprach ferner über die volle Wiederherstellung der deutschen Souveränität durch die Verlegung deutscher Truppen in das Rheinland im März 1936. In seinen weiteren Darlegungen griff Major Wiese dann weiter zurück in die deutsche Geschichte und erinnerte besonders an das große Ereignis der Erhebung Preußens aus napoleonischer Knechtschaft durch den Beginn der Befreiungskriege im Jahre 1813, also vor 125 Jahren. Ferner hörten seine Soldaten von ihm noch von dem Beginn der großen Durchbruchsschlacht an der Westfront des Weltkrieges im März 1918, also vor nunmehr 20 Jahren, jener Schlacht, der der Waffenersolg nicht versagt blieb, deren Gewinn aber durch den Verrat volksfremder Kräfte illusorisch gemacht wurde. In kurzen Worten lenkte der Batarllons- kommandeur die Gedanken seiner Soldaten außerdem auf die jüngsten weltpolitischen Ereignisse und den Einmarsch deutscher Truppen in das zum Reich heimgekehrte Oesterreich hin. Mit dec Aufforderung zu unverbrüchlicher Treue und steter Bereitschaft zur Aufopferung für Volk und Vaterland, und mit dem „Sieg-Heil!" auf Deutschland und seinen Führer Adolf Hitler, den Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, fand die Ansprache ihren Abschluß. Unter präsentiertem Gewehr erklangen sodann die Nationalhymnen. Damit fand der Appell sein Ende. Frühlingsblüten für das WHW. Neue Kunstwerke der Odenwälder Elfenbeinschnitzereien. NSG. Für die sechste Reichsstraßensommlung des WHW., die Ende März stattfindet, werden viele Millionen von Abzeichen in den Schnitzereien in Erbach im Odenwald hergestellt. Es sind in diesem Jahre Kleeblatt, Teerose, runde Rose, Apfelblüte, Schneeglöckchen, Veilchen, Vergißmeinnicht und Stiefmütterchen in drei verschiedenen Farben. Es ist zu einer schönen Gewohnheit geworden, daß bei der letzten Reichsstraßensammlung jedes Winterhilfswerkes die kleinen Kunstwerke aus unseren heimischen Schnitzerwerkstätten verkauft werden. Denken wir noch an das Edelweiß des Jahres 1935, an die Narzisse des Jahres 1936 und an die Margueriten des vergangenen Jahres. Jedes dieser Abzeichen ist nicht nur ein geschmackvolles, künstlerisches Werk, sondern es finden mit dieser Arbeit auch Hunderte von Familien unseres Gaues in den arbeitsarmen Wintermonaten Derdienstmöglich- keiten. Die Abzeichen dieses Jahres werden zum größten Teil von den Elfenbeinschnitzereien der weltberühmten Schnitzerstadt Erbach hergestellt. An der Herstellung sind außerdem die Kammfabriken in Ober-Ramstadt und Betriebe in Württemberg, Baden und Bayern beteiligt. Wie in den vergangenen Jahren, werden die Abzeichen wieder aus Kunstharz hergestellt. Wenn man überlegt, daß allein die Arbeitsgemeinschaft des Odenwälder Elfenbeinhandwerks in Erbach rund 1200 Schnitzer und Hilfskräfte in 120 Schnitzereien und Drehereien für Wochen mit der Herstellung dieser Abzeichen beschäftigt, so kann man sich ein Bild von der außerordentlichen wirtschaftlichen Bedeutung der Herstellung dieser Abzeichen für unseren Gau machen. Vom Rohmaterial bis zu dem fertigen WHW.- Abzeichen sind mannigfache Handgriffe und viele Arbeitsgänge zu erledigen, die an das künstlerische Empfinden und die Fertigkeit der Schnitzer große Anforderungen stellen. Das Rohmaterial, hochwertiges deutsches Kunstharz, kommt in profilierten Stangen von 40 Zentimeter Länge zunächst zu den Drechslerbetrieben, wo von diesen Stangen Blättchen in der Stärke des Abzeichens abgeschnitten werden. Diese Blättchen lassen schon die groben Umrisse der Blüten erkennen. In diese Blättchen wird mit kleinen Hilfsmaschinen der Kelch eingedreht. Dann werden die Blütenblätter ausgefräst. Der Schnitzer gibt mit seiner Künstlerhand an einer kleinen Fräsmaschine der Blüte ihre endgültige Form. Nachdem die Löcher für die Anstecknadel eingebohrt sind, wird jede einzelne Blüte vom Staub, der beim Fräsen entstanden ist, gereinigt und von Mädchen bemalt. Später werden ebenfalls von Frauen und Mädchen — vielfach in Heimarbeit — die Anstecknadeln eingedreht, und erst nach diesen vielen Arbeitsgängen liegen die bunten Abzeichen vor, die auch bei dieser Sammlung wieder ihren großen Erfolg haben werden. Die Abzeichen werden, in Schachteln zu 100 Stück und zu 1000 Stück verpackt, vom Ort ihrer Herstellung an die Kreisamtsleitungen der NSV. verschickt. Don da nehmen sie ihren Weg in die Hand jedes einzelnen Volksgenossen, der sich bei der letzten Reichsstraßensammlung des WHW. des Winters 1937/38 damit schmücken wird. riger ist es im Winter und im Frühjahr. Und doch ist es bei einiger Kenntnis der Dinge ohne weiteres, d. h. auch ohne einen besonders großen Geldbeutel möglich, sich die Ergänzungsstofse mit der Nahrung auch in dieser Zeit in ausreichender Menge zuzuführen. Da ist z. B das Sauerkraut ein guter Helfer. Man darf nur nicht den Fehler begehen, es stundenlang zu kochen. Einen Salat aus rohem Sauerkraut, mit etwas Oel und saurer Milch, eventuell noch mit einem geriebenen Apfel oder mit Wacholderbeeren gewürzt, wird der größte Feinschmecker nicht verschmähen. Ebenso schmackhaft sind Salate aus unseren heimischen Wurzel- und Knollengemüsen. Auch die Kartoffel sei in diesem Zusammenhang erwähnt, sie muß nur, ebenso wie die Gemüse, möglichst schonend zubereitet werden. Dazu gehört, daß sie nicht tags zuvor schon geschält wird und im Wasser liegen bleibt. Pellkartoffeln in so viel Wasser gekocht, daß es verdunstet ist, wenn sie gar sind, oder in einem Dämpfeinsatz oder -topf gargemacht, sollten in jedem Falle geschälten Kartoffeln vorgezogen werden. Damit dienen mir nicht nur unserer Gesundheit, sondern wir Helsen mit bei dem Kampf um den vermeidbaren Verlust und Verderb an unseren Nahrungsgütern. Mit ein wenig Ueberlegung wird es jeder Hausfrau möglich fein, ihre Familie auch im Frühjahr so zweckmäßig zu ernähren,, daß sie frisch und leistungsfähig bleibt und daß die Frühjahrsmüdigkeit in ihren Grenzen gehalten wird. Gr. Aufmarsch der ehern. 116er in Gießen. Das Infanterie-Regiment 116 veranstaltet anläßlich des diesjährigen 125jährigen Bestehens des ruhmreichen Regiments in der Zeit vom 18. bis 20. Juni in Gießen ein Treffen aller ehemaligen Angehörigen des Regiments, einschließlich dessen Kriegsformationen, des Res.-Jnf-Regts. 116, des Landwehr-Jnf.-Regts 116, des Jnf.-Regts. 186, der Ref.-Jnf.-Regtr. 222 und 254, der Jnf.-Regtr. 390 und 418, ferner der ehemaligen Angehörigen der Erg.-Batl. Gießen und 53. Der Ruf des Regiments zur Teilnahme ergeht schon heute, um bei der sicher zu erwartenden Massenbeteiligung eine reibungslose Durchführung der vorgesehenen Großveranstaltungen zu ermöglichen. An die Einheiten der RS.-Kriegsopserversorgung, der Regimentsvereine, des Soldaten- und Kyff- häuserburck)es richtet das Regiment die Bitte, schon bei den nächsten Zusammenkünften ihre Angehörigen auf diese Tage besonders aufmerksam zu machen. Anmeldungen zur Teilnahme können schon jetzt beim Infanterie-Regiment 116 in Gießen erfolgen. Desgleichen ist das Regiment für Ueüermitt- lung besonderer Wünsche und Anregungen dank- bar* Das Regiment hat bereits tatkräftig mit den Vorbereitungen begonnen. U. a. gelangt „Wallensteins Lager" zur Aufführung. Also: Losungswort für den 18. bis 20. Juni für alle ehemaligen Angehörigen der Regimenter: „Auf zum Regimentstreffen in Gießen!" provinziattagung der Evangelischen Frauenhilfen. Am Dienstag trafen sich in Gießen die Evangelischen Frauenhilfen von Oberhesfen zu ihrer Frühjahrstagung. Der Besuch war außerordentlich stark. Am Vormittag fand im Markussaale eine Vor- ständebesprechung statt, die von der seitherigen Landesleiterin, Frau Heraeus (Offenbach a. M.) geleitet wurde. Nach einer Andacht, die der Landes- aeschästsführer, Pfarrer Röhricht (Darmstadt), hielt, belichtete Frau Ohly vom Hessischen Haupt- oerband über ihre Arbeit im verflossenen Winter in den angeschlossenen Frauenhilfen. Eine rege Aussprache schloß sich an. Am Nachmittag sand im Cafe Leib die Hauptversammlung statt. Der Landesgeschäftsführer, Pfarrer Röhricht, erstattete den Jahresbericht, lieber die Kassenverhältnisse berichtete der Rechner, Pfarrer Behringer (Darmstadt). Von besonderem Interesse waren die Mitteilungen über das neu hergerichtete Erholungsheim in Nieder-Ramstadt. Im Mittelpunkt der Hauptversammlung stand ein Vortrag von Frl. Dr. Nopitsch (Nürnberg) über die Arbeit des Evangelischen Mütterdienstes. Frau Heraeus dankte der Rednerin für ihre Aussicht rungen und stellte dann der Versammlung die neue Landesleiterin des Verbandes, Frau Dr. Schmidt (Darmstadt), vor. Gietzener Dochenmarktpreiie. * G i e ß e n, 17. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12H, Klasse B 12, Klasse C 11*4, Klasse D 10%, Wirsing, % kg 10 bis 14, Weißkraut 9 bis 10, Rotkraut 14, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 18, Grünkohl 15, Rosenkohl 15 bis 35, Feldsalat, Vio 8 bis 10, Tomaten, % kg 45 bis 50, Zwiebeln 12 bis 14, Meerrettich 30 bis 55, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Kartoffeln, % kg 5, 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mk., Aepfel, % kg 15 bis 25 Pf., Suppenhühner 1 Mark, Blumenkohl, das Stück 35 bis 50 Pf., Salat 10 bis 25, Endivien 8 bis 20, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 20 Pf. ** Arbeitsjubiläum bei der Stadt. Am heutigen Tage kann der bei dem Städtischen Elektrizitätswerk beschäftigte Zählerprüfer Wilhelm Pfeiffer auf eine fünftindzwanzigjährige Tätigkeit im Dienste der Stadt Gießen zurückblicken. Der Jubilar ist bei dem Prüfamt des Elektrizitätswerkes tätig und hat Prüfungen an den kompliziertesten Geräten und Instrumenten vorzunehmen. Zu diesen wichtigen Arbeiten gehört große Sachkenntnis und Gewissenhaftigkeit, da von dem Funktionieren der Instrumente sehr viel für das Werk abhängt. Herr Pfeiffer versieht seinen Dienst als Vorarbeiter und ist Vertreter des Prüfmeisters. Im Kreise seiner Arbeitskameraden wurde der Jubilar geehrt und ihm ein Glückwunschschreiben des Oberbürgermeisters überreicht. ** Klebgürtel müssen entfernt werden! In einer Bekanntmachung der Stadtverwaltung wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Obstbaumbesitzer nunmehr die zur Bekämpfung des Frostspanners an den Obstbäumen angebrachten Klebgürtel zu entfernen und zu verbrennen haben. Von der Arbeitsfront der Frau. gfs. Wieseck, 16. März. In unserer Frauen- schäft fand die feierliche Verpflichtung von 180 neuen Mitgliedern für das Deutsche Frauen- w e r k statt. Der Saal war für diese Feierstunde festlich mit Fahnen und Blumen geschmückt. Die Leiterin Frau M ö b u s begrüßte die Anwesenden. Nach gemeinsamem Lied sprach Ortsgruppenleiter Pg. Euler über die Aufgaben der Frau im Dritten Reich. Nach einem Vortrag des Gedichtes .Kameradschaft" von H. Annacker verpflichtete die Leiterin die Frauen durch Handschlag auf den Führer. gfs. Reiskirchen, 16. März. Ein schöner Abschlußabend beendete hier den Lehrgang in Gesundheitslehre und häuslicher Krankenpflege, den der Reichsmütterdienst unter Leitung von Schwester Josefine Englert durchführte. Die Mitglieder der Frauenschaft waren anwesend, ebenso Zellenleiter Roth und Bürgermeister Launspach, die beide ihrer Befriedigung über diesen Kurs Ausdruck gaben. Der erste Teil des Abends brachte eine Ansprache der Leiterin des Lehrgangs über die Aufgaben des Reichsmütterdienstes. Gedichte und Lieder erhöhten die Feierstimmung. Im gemütlichen Teil gaben die Teilnehmerinnen immer wieder ihrem Dank an Schwester Josefine Ausdruck, die keine Mühe gescheut hatte, ihr Wissen und ihre Erfahrung den Schülerinnen zu übermitteln. gfs. Lauter, 16. März, lieber die Aufgaben der Frau in der Volkswirtschaft sprach in unserer Frauenschaft Frau Schäfer aus Gießen. Die Rednerin machte die Frauen besonders darauf aufmerksam, beim Kuchenbacken für die kommenden Festtage zu Ostern sparsam mit den vorhandenen Lebensrnitteln umzugehen, einheimische Erzeugnisse soll man nicht vernachlässigen. Der häufig krasse Witterungswechsel macht nicht abgehärtete Naturen leicht anfällig. Deshalb beuge man rechtzeitig vor und wende sofort bei den ersten Anzeichen wie Frösteln, beginnendem Husten, Schnupfen und Heiserkeit folgendes Rezept an: „Je einen Eßlöffel Klosterfrau-Meliffengent und Zucker in einer Tasse gut umrühren, kochendes Wasser hinzugießen und zwei dieser Porttonen möglichst heiß vor dem Schlafengehen trinken (Kinder halb so stark). Zur Nachkur nehme man noch einige Tage die halbe Menge". Verlangen Sie also noch heute Klosterfrau-Melissengeist bei Ihrem Apotheker oder Drogisten? nur echt in der blauen Original-Packung mit den drei Nonnen. Preise: RM. -.90, 1.65, 2.80. vogV zu bevorzugen und die Reste praktisch zu verwerten. Die Frauen folgten den klaren Ausführungen mit großem Interesse. gfs. Weickartshain, 16. März. Unseren Ausländsdeutschen war der Abend in der Frauen- schast gewidmet. Fräulein Schwabe aus Klein- Linden sprach über das Deutschtum in Brasilien. Sie verstand es, das lebhafte Interesse aller Zuhörer zu wecken; besonders das JV. und die IM. folgten den fesselnden Schilderungen mit reger Anteilnahme. Der Abend war sehr gut besucht. gfs. Stockhausen, 16. März. Die Abteilung Volkswirtschaft — Hauswirtschaft im Deutschen Frauenwerk veranstaltete hier einen Fischkochabend, den Fräulein C h r i st aus Gießen leitete. Es waren eine Menge abwechslungsreicher Gerichte aus dem Seefisch hergestellt worden, deren Zubereitung erklärt und gezeigt wurde. Die Frauen waren mit Eifer dabei und nahmen voller Anerkennung die Kostproben. gfs. Gambach, 16. März. In unserer Gemeinde begann der Reichsmütter dien st einen Säuglingspflegekurs, an dem 45 Frauen und Mädchen teilnahmen. Die Abteilungsleiterin des Kreises Wetter, Schwester Emely (Böbbers, wird diesen Lehrgang leiten. Zuchthäusler im Nebel entwichen. LPD. Friedberg, 16. März. Zwei Gefangene des Zuchthauses Marienfchloß in Rockenberg waren mit Auhenarbeiten am Dorfrand beschäftigt. Ein Häftling benutzte das neblige Wetter zur Flucht und entkam über die Felder. Die sofort aufgenommene Verfolgung verlief ergebnislos. Abenteuer in Paris. Vornan von Hans Hirthammer. Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 10. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Die Erwähnung des Hotels „Esplanade" hatte sie stutzig gemacht. Woher wußte er davon? Willy wollte doch auch--Aber sie war ganz sicher, daß sie ihrem Reisebegleiter nichts davon gesagt hatte. Gerda schüttelte beunruhigt den Kopf. Sie fühlte sich von Geheimnissen umgeben Und konnte nichts tun. Wer war dieser Heinz Stadler? War er wirklich der harmlose Studierende, für den er sich ausgab? Sie zweifelte immer mehr daran. Madame Pluchard klopfte an die Tür. „Wollen Mademoiselle nicht zu Tisch kommen?" Gerda erhob sich und folgte der Wirtin in das Speisezimmer. Es war ein mäßig großer Raum mit dem Blick auf die Straße. „Hier, Mademoiselle, ich habe den Fenstertisch für Sie reserviert. Es ist Herrn Stadlers Stammtisch." „Herr Stadler scheint ein häufiger Gast Ihres Hauses zu sein. Ich wußte gar nicht, daß er öfter nach Paris kommt." Madame Pluchard machte ein erstauntes Gesicht. „Das wußten Sie nicht? Aber... es ist doch naheliegend, da sein Beruf--" „Welcher Beruf?" Die Besitzerin der „Drei Milchfrauen" geriet in große Verlegenheit. „Oh, verzeihen Sie, Mademoiselle, aber ... wenn Monsieur Stadler Ihnen seinen Beruf nicht genannt hat, dann ... oh, ich weiß wirklich nicht, ob ich fein Geheimnis--" „Aber nein, Madame, lassen Sie nur! Ich will mich selbstverständlich nicht in Herrn Stadlers Geheimnisse drängen." „Ich bin überzeugt, daß er Ihnen gerne Auskunft geben wird, wenn Sie ihn fragen werden." Gerdas Erscheinen war unter den Gästen nicht unbemerkt geblieben. An mehreren Tischen drehte man sich nach ihr um und musterte sie mit neugierigen, aber keineswegs unfreundlichen Blicken. Gerda hätte sich recht behaglich gefühlt, wenn nicht die Angst um die beiden Männer in ihr gewesen wäre. Don Willy Ruland war immer noch kein Lebenszeichen gekommen, und auch Stadler schien sich mehr zu verspäten, als man ohne Beunruhigung hinnehmen konnte. Sie begann zu essen, und obwohl die Speisen tatsächlich hervorragend zubereitet waren, hatte sie keinen Appetit und würgte Bissen um Bissen hinunter. Sie war kaum fertig geworden, da stand ein junger Mann vom Nebentisch auf und trat lächelnd auf sie zu. „Gestatten Sie, mein Fräulein, ich höre, daß Sie mit Herrn Stadler nach Paris gekommen sind! Ich bin ein guter Freund von ihm, Armand Larusse, Maler und Dichter in einer Person. Störe ich, wenn ich Ihnen ein wenig Gesellschaft leiste?" „Nicht im geringsten!" lachte Gerda, die von der rischen und ungezwungenen Art des jungen Mannes angenehm berührt war. Armand Larusse hatte einen ausgesprochen südländischen Typ. Das Haar war tiefschwarz und leicht gewellt, und die dunklen, feurig glänzenden Augen konnten einem jungen Mädchen sicher ge- ährlich werden. „Sie sind mit Heinz befreundet?" fragte er in einem Ton, als sei es selbstverständlich, darauf eine Antwort zu erhalten. „Keineswegs! Wir haben uns erst während der Reise kennengelernt. Außerdem bin ich bereits verlobt. Sie dürfen also unbesorgt sein, ich werde Ihnen den Freund nicht abspenstig machen." „Eine sehr beruhigende Nachricht! Darf ich Ihnen eine Zigarette anbieten?" Sie nahm dankend an, und als die blauen Rauchwolken über dem Tisch schwebten, begann Armand feine Fragen fortzusetzen. „Wo steckt er denn jetzt? Ich finde es nicht schön von ihm, gleich am ersten Tag seines Aufenthaltes seine Freunde zu versetzen. Man sieht ihn so selten." „Herr Stadler sagte mir, daß er hier seine Studien zum Abschluß bringen möchte. Sie kennen sich wohl von der Akademie her?" Armand lachte belustigt auf. „Ah, so ein Gauner! Jedem erzählt er etwas anderes. Mich wollte er einmal glauben machen, daß er als Filmregisseur tätig sei. Wenn man ihn nicht genau kennen würde, könnte man sich alles mögliche denken." „Wie meinen Sie bas?" „Nun, er treibt sich bald hier, bald dort herum, hat immer Geld, ohne daß er irgendeinem Beruf nachginge, — wäre es nicht naheliegend, ihn für einen Hochstapler ober etwas ähnliches zu halten?" „Um Gottes willen. Sie erschrecken mich!" „Keine Sorge, Mademoiselle, ich lege die Hand für ihn ins Feuer." Q 3n diesem Augenblick wurde die Tür aufgerissen, Heinz Stadler stürzte herein, warf einen raschen Blick über die Anwesenden und eilte auf den Tisch zu, an dem Gerda saß. Er sah schrecklich aus. Sein Haar war zerrauft, der Kragen hatte sich ver- choben, sein linker Aermel und Teile seiner Hose Daren von Staubflecken verschmutzt. Außerdem teckte er in einem merkwürdigen, frackähnlichen Anzug, er sah wie ein Kellner aus. Gerda war aufgesprungen. „Herr Stadler, mein Gott, was ist geschehen? Sprechen Sie doch!" „Nichts ist geschehen! Madame Pluchard, rasch ein paar Bissen zu essen! Irgend etwas, aber ganz schnell! Armand, fein, daß ich dich antreffe! Wie geht es dir? Haben uns ja lange nicht mehr gesehen! Was macht die Kunst?" „Habe gerade Lust, jetzt von der Kunst zu sprechen! Allen Ernstes, Heinz, willst du uns wirklich nicht sagen, was los ist?" „Nichts, zum Teufel noch mal! Laß die dumme Fragerei! Ich habe Hunger. Ah, da kommen ja schon die Herrlichkeiten!" Madame Pluchard hatte die Schüssel noch gar nicht richtig auf den Tisch gestellt, da fiel Heinz bereits über den Inhalt her; man hätte angesichts seines Heißhungers tatsächlich annehmen können, daß sein Magen schon seit mehreren Tagen auf das gröblichste vernachlässigt worden sei. Er kam aber nicht weit mit dem Essen, denn schon nach wenigen Minuten öffnete sich die Tür abermals. Diesmal jedoch waren es zwei Polizisten, die da unvermutet auftauchten. Sie blieben nahe der Tür stehen, hielten die Hand an der Pistolentasche und schauten sich prüfend im Zimmer um. Es entstand ein unbeschreiblicher Tumult. Verschiedene Gäste sprangen von den Stühlen auf, andere stießen erregte Rufe aus, alles aber wartete in großer Spannung, was das Erscheinen der Polizei zu bedeuten habe. Nun hatten die Polizisten Heinz Stadler entdeckt, und ihre Gesichter bekamen etwas Entschlossenes. Mit raschen Schritten strebten sie auf den Fenstertisch zu. Aber Heinz war flinker als sie. Er sprang auf. „Ich komme abends auf deine Bude, wenn sie mich nicht vorher schnappen!" flüsterte er Armand zu. Dann sprang er auf den Stuhl, vom Stuhl auf den Tisch, nun ein entschlossener Satz — er hatte durch das offene Fenster die Straße erreicht. Die verdutzten Gäste sahen noch, wie er auf ein eben haltendes Auto zustürzte, wie der Besitzer des Wagens urplötzlich auf dem Straßenbord landete — und schon saß Heinz im Wagen und sauste von bannen. „Verflucht!" zischte einer der Polizisten und steckte seine Pistole wieder in die Gürteltasche. „Wieder entwischt!" „Warum verfolgen Sie den Mann?" stotterte Armand Larusse mit bleichem Gesicht. Der zweite Polizist strich seinen Schnurrbart zurecht, der während der anstrengenden Verfolgung etwas in Unordnung geraten war. „Das ist ein ganz gerissener Hochstapler, hinter dem wir schon seit drei Monaten her sind. Diesmal hätten wir ihn beinahe erwischt." „Laß nur, Pierre! Wir fassen ihn schon noch." 13. Die Gäste des „Esplanade" hatten ihren Aperitif ausgetrunken und erhoben sich nun, um das Klub- zimmer aufzusuchen. „Wo bloß Loonde so lange bleibt?" begann Otto Czibulka, anscheinend der Häuptling dieser ehrenwerten Gesellschaft. „Er hatte uns doch seine Ankunft bestimmt zugesagt!" Otto Czibulka war ein etwas untersetzter, vierschrötiger Bursche, dem man cs ohne weiteres glaubte, daß er nicht gerade der Heilsarmee angehörte. „Weiß der Teufel! Mir will sein Fernbleiben gar nicht gefallen. Vielleicht hat er Verdacht geschöpft und hetzt uns womöglich die Polente an den Hals." Es war Paul Sacher, der diese Antwort gab, im Vergleich zu Czibulta ein sehr harmlos aussehender junger Mann, der sich seines flachsblonden Haares nicht wenig schämte. „Ach, Unsinn!" widersprach Czibulka. „Im übrigen möchte ich dir raten, deine Offenbarungen nicht so laut in die Welt zu schreien. Der Kellner kann jedes Wort hören." „Vorausgesetzt, daß er Deutsch versteht, was ich bezweifeln möchte." Er wandte sich an Heinz, der eben den Tisch abräumte. „Sie können uns dann ein anständiges Frühstück ins Klubzimmer bringen." Er bediente sich, scheinbar aus Versehen, der deutschen Sprache. Heinz zuckte verlegen die Schultern. „Oh, excu- sez, monsieur! Je ne comprends pas.“ „Na also!" triumphierte Paul Sacher. Siehst du wohl? Keine Silbe hat er verstanden." Er wiederholte den Auftrag auf Französisch. „Gewiß, für jeden Herrn ein Frühstück! Wünschen Sie Toast mit Schinken oder mit Ei?" „Ist uns vollkommen egal!" rief Czibulka und streckte die Beine von sich. „Na, bringen Sie mit Schinken! Uebrigens — führen Sie noch das gute deutsche Bier, das uns beim letztenmal vorgesetzt wurde? Es war wirklich ausgezeichnet." „Naturellement, Monsieur!“ Jedem Herrn eilt Glas Bier, n’est-ce pas?" (Fortsetzung folgt.) Aufgaben und Ziele der Hitler-Jugend. Propagandisten-Tagung in Wiesbaden. NSG. Als Abschluß der Führertagung des Gebietes Hessen-Nassau und im Rahmen der Arbeitstagung der Stellenleiter und -leiterinnen der Banne und Üntergaue fand am Mittwoch eine Propagandistentagung der Hitler-Jugend im Kurhaus zu Wiesbaden statt. Aus den Reden des Gaupropa- qandaleiters und des Gebietsführers ging die hohe Aufgabenstellung und propagandistische Zielsetzung der Hitler-Jugend-Arbeit hervor. Bereits am Nachmittag des 15. März trafen die Sachbearbeiter für Presse und Propaganda der Hitlex-Jugend und des BDM. zu einer Arbeitsbesprechung in der Jugendherberge in Wiesbaden ein. Diese Besprechung, die von dem Abteilungsleiter des Gebietes, Bannführer Lauterjung, geleitet wurde, diente vor allem der Vorbereitung und der eingehenden Klärung der propagandistischen Forderungen der kommenden Monate. Insbesondere wurden die Auswertung der Fahrten und Lager und der Werbeeinsatz für die HJ.-Heimbeschaffung behandelt. Der Mittwochvormittag war den Fragen der Filmarbeit und des Pressenachwuchses gewidmet. Am Nachmittag versammelten sich die Tagungsteilnehmer mit den Mitgliedern des Gauringes und der aktiven Führerschaft im Kurhaus. Bannführer Lauterjung betonte nochmals, daß die Größe der politischen Aufgaben der Hitler-Jugend eine erhöhte Propagandatätigkeit verlange. Hierauf zeigte Gaupropagandaleiter Stühr die Wege auf, die der aktiven Propaganda den Erfolg sichern. Gerade die vielseitigen Aufgaben der Hitler-Jugend verpflichten sie zu persönlichem, aktiven Einsatz. In der Art und Kraft dieses Einsatzes liegt der Erfolg der Propaganda begründet: nämlich das Verständnis für die Aufgaben der HI. im ganzen Volk zu wecken. Dies gilt insbesondere für die Landdienstwerbung, den Werbeeinjatz für die HJ.-Heimbeschaf- funa, die Film- und Funkarbeit. Der Gaupropa- ganoaleiter schloß mit einem Appell an die HI., den vom Führer geforderten revolutionären Geist in der Propaganda kompromißlos zu bewahren. Gebietsführer Brandt betonte sodann, daß die erste Forderung der HJ.-Propaganda sein müsse, den Weg zur Eroberung des deutschen Menschen zu finden. Er wies dieser Aufgabe verschiedene Möglichkeiten, in deren Vordergrund die Fahrten des Sommers stehen, mit ihrer engen Verbindung von der Jugend zu den Aelteren. Die Hitler-Jugend habe weiter die Pflicht, der Elternschaft und der Oesfent- lichkeit Einblick in das Erlebnis und den Geist des HJ.-Dienftes zu geben. Ihr überzeugendster Beweis wird immer die Haltung und der Einsatz des einzelnen sein. Abschließend betonte der Gebietsführer die Zusammenarbeit zwischen Hitler-Jugend und Partei, denn die Hitler-Jugend sei ein Teil des Blockes, der den Marsch in die deutsche Zukunft angetreten habe. Verantwortung im Werkschaffen. Am Montagabend sand in der Aula des Gymnasiums ein Vortrag mit Lichtbildern statt, den die Abteilungen für Kultur, Erziehung und Schulung der vier Gießener Ortsfrauenschaften veranstalteten. Fräulein Kellner sprach zunächst in eindrucksvollen Worten über die geschichtlichen Ereignisse, die wir in diesen Tagen erleben durften. Anschließend las Fräulein Kern einige Abschnitte aus „Mein Kampf" vor, in denen der Führer von seiner Heimat spricht und von dem Kampf, den das Deutschtum im alten österreichischen Bundesstaat führen mußte. Ein Gedicht von Bogislaw von Selchow beschloß diesen feierlichen Teil des Abends. Dr. Lohse aus Dresden begann dann seinen Vortrag über „Die Verantwortung im Werkschaffen". Ausgehend von dem Umbruch auf allen Gebieten, dessen Zeuge wir sind, und den in diesem Ausmaß ein Volk wohl in Jahrhunderten nur einmal erlebt, erklärte der Redner die Forderung nach neuen Ausdrucksformen im Werkschaffen. Das große, einmalige Geschehen unserer Tage drängt nach Gestaltung und will der Welt das Bild deutschen Wesens zeigen, wie wir es heute als Ideal vor uns sehen. Als Beispiel für das Angesicht dieser neuen Formkultur zeigte der Redner im Lichtbild das Haus der deutschen Kunst in München. Er erklärte daran den strengen, heroischen, nordischen Stil, der das Wesen unserer idealen nationalsozialistischen Weltanschauung verkörpert und damit ein Vorbild gibt für jedes Werkschaffen, das sich seiner Verantwortung dem Volke gegenüber bewußt ist. An eindrucksvollem Bildmaterial zeigte der Redner weiterhin, zurückgehend auf die Zeit vor dem Kriege, das Absinken der deutschen Kultur im Kunstschaffen, die Loslösung von jeder Tradition in den Bildern der „Primitiven", und die Entartung der Kunst in den Bildern verantwortungsloser Stümper. In bewußter Abkehr von diesen Verirrungen gilt es heute zurückzufinden zu den Quellen des deutschen Wesens und aufzubauen auf echter Volkskunst. Sie ist nicht verloren, sondern wird mit jedem deutschen Kinde pufs neue lebendig. Das zeigten die Zeichnungen von Kindern, die in ihrer Ursprünglichkeit und phantasieoollen Bewegtheit an die schönsten Werke altdeutscher Volkskunst erinnerten. Zum Schluß betonte der Redner, daß die Frau besonders mit verantwortlich sei, dem neuen Gestaltungswillen im Werkschaffen, sei es in der Kunst, im Kunstgewerbe oder im Handwerk, zum Durchbruch zu verhelfen, indem sie in ihrem Wirkungskreise, in ihrem Heim, in ihrer Familie das Echte, Arteigene unterscheiden lernt und in seinem Wesen zum Ausdruck bringt. Dadurch nur kann sie Vorbild werden für unsere Jugend, die aufwächst in dieser Zeit und das Angesicht ihrer Kultur prägen wird. Die Frauen folgten mit lebhaftem Interesse und dankten dem Redner durch reichen Beifall. Oie Zwischenrunde zum Adlerpreis im Handball. Nachdem der erste Start der 16 deutschen Handball-Gaumannschaften in der Vorrunde zum Adlerpreis-Wettbewerb bereits große Ueberraschungen brachte, werden die Ergebnisse der Zwischenrunde, die am kommenden Sonntag, 20. März, steigt, mit um so größerer Spannung erwartet. Auch hier sind Ueberraschungen nicht ausgeschlossen. Schlägt Hessen auch Bayern? Eines der wirklich nicht erwarteten Ergebnisse der Vorrundenspiele bedeutete der Sieg der Hessen- Mannschaft gegen die starken Westfalen. In der Zwischenrunde wird die hessische Elf zu beweisen haben, daß der damalige (Erfolg nicht ein Zufallssieg war. Gegner ist diesmal der Gau Bayern, der in der Vorrunde Baden ausschaltete. Eine rein süddeutsche Begegnung steht also in Kassel bevor. Die Stärke beider Mannschaften liegt in ihrer großen Kampfkraft und dem Siegeswillen. Technisch dürften die Gäste etwas überlegen sein. Außerdem treten zur Zwischenrunde an: Mittelrhein — Niederrhein in Aachen; Mitte — Brandenburg in Magdeburg und Pommern — Schlesien in Stettin. Hessens Handballelf gegen Bayern. Tor: Günther (CT. Kassel); Verteidiger: Siebje (TV. Hersfeld), Diez (CT. Kassel); Läufer: Rütt (MSV. Hanau), Wiese (CT. Kassel), Mathes (TV. Wetzlar); Stürmer: Prinz (Jahn Gensungen), Malcherek (MSV. Hanau), Sievert (Hessen- Preußen Kassel), Hermann (TV. Wetzlar), Meyer (Hessen-Preußen Kassel). Erfolgreiches Frankfurter Hallensportfest. Das erste Nationale Hallensportfest des Gaues Südwest in der Frankfurter Festhalle gestaltete sich zu einem schönen Erfolg, obwohl es einer Reche von Spitzenkönnern durch die Verlegung der Veranstaltung nicht möglich war, chrer Startverpflichtung nachzukommen. Besonders bedauert wurde natürlich das Fehlen der Olympiasieger Gerhard Stöck und Hans Woellke. Der Besuch war ganz ausgezeichnet. Im Mittelpunkt der rein sportlichen Wettbewerbe standen die Leichtachletikkämpfe, und hier vor allem der Sprinterdreikampf. Mit Ausnahme von Meister Borchmeyer waren alle angefün- tilgten Läufer erschienen. Den Sieg holte sich der Berliner Leichum durch seinen ersten Platz im letzten Lauf mit 19 Punkten vor Hornberger (Frankfurt) mit 18 Punkten unti Neckermann (Mannheim) mit 17 Punkten. Beim Kugel st oßen der Männer wartete der Münchener Lampert mit recht guten Leistungen auf. In feiner Sechserserie kam er dreimal über 15 Meter; fein bester Wurf betrug 15,47 Meter. Zweiter wurde der Düsseldorfer Trippe. Die 800 Meter sicherte sich Schmidt (Durlach) in Abwesenheit von Dr. Dessecker vor dem Frankfurter Hohlbein. Im Gerätewettkampf siegte der Südwestmeifter H l i n e tz k y mit 77,50 Punkten vor Winter (77,2 Punkten), der wieder einmal seinem Ruf als „Ewiger Zweiter" treu blieb. Den 60 - Meter - Lauf der Frauen gewann die Frankfurter Polizeisportlerin Kohl in 8,0 Sek., während sich Frl. Burggraf (Frankfurt 80) die 60-Meter-Hürden in 9,7 Sek. holte. Von den zahlreichen Dorführunam fanden die Körperschule der 300 BDM.-Mädel, die Ballschule der Frankfurter Fußballjugend unter Leitung des bekannten Nationalspielers Karl Hohmann, die für Breslau vorgesehenen Reifenübunaen der Frauen, das Kunstradfahren und das Rollschuhlaufen größten Beifall. Helle Begeisterung löste das Fußballspiel zweier Frankfurter Schülermannschaften aus. Natürlich gingen die Zuschauer auch beim Hantiball- kampf zwischen Frankfurt und Darmstadt wieder lebhaft mit. Von der Leistungsfähigkeit unsrer SA. gab die große Hindernisstaffel, die mit 25 Pfund Gepäck zu laufen war, einen Begriff. Olympia 1940 endgültig. Das Internationale Olympische Komitee hak bei seiner Arbeitstagung auf dem Nil in Aegyplen endgültig beschlossen, die 12. Olympischen Spiele 1940 in Tokio abzuhallen. Die Spiele werden mit Rücksicht aus die besonderen klimatischen Verhältnisse Japans in der Zeit vom 21. September bis 6. Oktober — also wesentlich später als bisher üblich — stattfinden. * Die mit einiger Spannung erwartete Arbeitstagung des olympischen Kongresses nahm einen überaus friedlichen Verlauf. Hatte man angenommen, daß die vielleicht anti-olympisch beeinflußten Delegierten dieses oder jenes Landes mit ihren Meinungen heftig gegen die sich an die Bestimmungen haltenden Mitglieder des Kongresses vom Leder ziehen würden, so sah man sich enttäuscht. In echt olympischer Friedfertigkeit wurden die Probleme — soweit man sie als solche überhaupt ansprechen kann — behandelt, und allein ein Vorstoß des chinesischen Vertreters Wang brachte einige Aufregung. Wang verlangte nichts weniger als die Veranstaltung der Olympischen Spiele 1940 in einem anderen Land als in Japan, ein Ersuchen, dem schon aus rein formalen Gründen nicht ftattgegeben werden konnte. Die olympischen Bestimmungen besagen, daß zwar die Spiele a u 5 f a 11 e n , nicht aber verlegt werden können. Hinzu kam, daß Senator Kano, einer der japanischen Delegierten, erklärte, Tokio tue alles, um die Spiele 1940 z u einem wirklich großen sportlichen Erlebnis zu gestal- t e n. Exz. Naaai, der Generalsekretär des japanischen Olympischen Komitees, legte dann zusammen mit dem deutschen Berater des IOK., Werner Klingenberg, die Pläne für d'e Organisation der Spiele vor. Einige vom Kongreß vorgeschlage- nen Abänderungen dieser Pläne wurden von den Japanern gutgeheißen, um den erstmals in Asien ifattfintientien Olympischen Spielen auch eine würdige Durchführung zu sichern. Nach Abstimmung beschloß der Kongreß dann. als endgültigen Termin die Zeit vom 21. September bis 6. Oktober 1940 festzusetzen. Diese kurze Terminverschiebung war bedingt durch die besonderen klimatischen Verhältnisse Japans. Entsprechend den olympischen Regeln forderte das IOK. dann noch die Beendigung der für 1940 vorgesehenen Weltausstellung in Tokio vier Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele. Hierzu ist zu bemerken, daß Japan 1936 in Berlin die Spiele nur unter dieser Bedingung zu - gesprochen erhielt. Am Schluß dieser Tagung befaßte sich das IOK. dann noch mit den Regeln des Kun st Wettbewerbs und beschloß, diese Konkurrenz auf Grund der in Berlin gewonnenen Erfahrungen sowie der bestehenden Vereinbarungen ausschreiben zu lassen. Auch die Winterspiele in Japan ... Der Nachmittag der zweiten JOK.-Arbeitstagung des Olympischen Kongresses brachte einen weiteren wichtigen Beschluß. Die Olympischen Winterspiele 1940 werden, wie ursprünglich vorgesehen, in Sapporo in Japan durchgeführt. Da mit dem Internationalen Schi-Verband im Hinblick auf die Startberechtigung der Schilehrer keine Einigung erzielt werden konnte, finden die V. Olympischen Winterspiele ohne Schi-Wettbewerbe statt. Das OJK. bedauert die Haltung der FIS. beim Schi-Kongreß von Helsinki. Mercedes-Benz ist zufrieden. Auf der Mailänder Monza-Bahn setzte Mercedes- Benz auch am Mittwoch seine Schulungsfahrten für den Rennfahrernachwuchs mit dem alten Grand- Prix-Wagen fort. Zum ersten Male wurde dabei der neue, nach der jetzt gültigen Rennformel gebaute Grand-Prix-Wagen zu einer längeren Probefahrt eingesetzt. Wie man von dem Untertürkheimer Werk erfährt, ist diese Fahrt zur vollsten Zufriedenheit der Rennleitung und der Konstrukteure verlaufen. Kurze Sportnotizen. Oesterreichisches Gebiet wird die Internationale Deutschland-Rundfahrt in diesem Jahre berühren, nachdem jetzt die Teilstrecken München— Innsbruck und Innsbruck—Friedrichshafen neu in den Streckenplan aufgenommen worden sind. Dadurch haben auch die ins Reich heimgekehrten Deutsch-Oesterreicher Gelegenheit, unmittelbar an der großen radsportlichen Prüfung teilzuhaben. Rundfunkprogramm Freitag, 18. März. 6 Uhr: Morgenlied. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.30: Nachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 9.55: Glosse des Alltags. 10: Schulfunk. Ein Brief und eine künstliche Insel im Ozean. Hörszenen von Hans Roeper. 10.30: Von der Badbütt zum Schwimmstadion. 11.55: Offene Stellen. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Notenhochzeit. (Schallplatten.) 15: Deutsche Romantiker des Liedes. 15.30: Mutter turnt und spielt mit dem Kind: Wer reift mit? 15.45: Ost- land — Schicksalsland. Ritter zogen nach dem Osten. 16: Nachmittaaskonzert. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. (Schallplatten.) 19: Nachrichten. 19.10: „Mein Sinn, der ist ins Feld gericht' ..." Ewiges Sanssouci. 19.50: Einführung in die Oper „Der Barbier von Sevilla". Wirtschaft. Rhein-Mainische Börse. Mitlagsbörse: Aktien im Verlaufe schwächer. Frankfurt a. M., 16. März. Die Börse hatte am Aktienmarkt zunächst einen wenig veränderten Beginn, wobei eine freundliche Grundtendenz vorherrschend war. Allerdings hielten sich die Umsätze in Anbetracht des nur kleinen Ordereinganges in sehr engen Grenzen. Nach den ersten Notierungen zeigte sich aus Börsenkreisen heraus stärkere Abgabeneigung, so daß die Haltung vorwiegend zur Schwäche neigte, da dem herauskommenden Angebot nur wenig Aufnahmelust gegenüberstand. Don wenigen Ausnahmen abgesehen, hielten sich die Veränderungen unter 1 v. H. IG. Farben zunächst 0,25 v. H. höher mit 159, dann jedoch 1,50 v. H. schwächer. Von Anfang an schon niedriger lagen Montanwerte, Verein. Stahl 113,25 bis 112,75 (113,25), Mannesmann 113,50 (114), Hoefch 113,50 (114), stärker ermäßigt Deutsche Erdöl auf 140,25 (141,50). Elektrowerte zeigten Abweichungen von 0,50 bis 0,75 v. H. Der Rentenmarkt war still. Von den variablen Papieren gingen Altbesitzanleihe auf 132,75 (132,95) zurück, Kommunal-Umschuldung mit 96,10 und Reichsbahn-VA. mit etwa 131,75 konnten sich voll behaupten. Goldpfandbriese wurden wieder teils gestrichen unti teils stark repartiert, wobei die Umsätze sehr gering waren. Liquidationspfandbriefe waren wenig verändert, ebenso wichen Statit- anleihen kaum ab. Staatspapiere lagen sehr ruhig. Industrie-Obligationen zeigten kleine Abweichungen. Im weiteren Verlauf fanden nur noch wenig Abschlüsse statt. Gegenüber den tiefften Kursen hörte man z. T. leichte Erholungen, so bei IG. Farben mit 158,25 nach 157,50, etwas höher Tagen Rheinstahl mit 143,50 nach 143. Dagegen gingen AEG. auf 113,50 nach 114,50, Mannesmann auf 113,25 nach 113,65 und Reichsbank auf 197,25 nach 198,50 zurück. Die später notierten Papiere lagen überwiegend niedriger, besonders Südd. Zucker mit 211 (212,75), Felten mit 139 (140,50), Feldmühle-Papier mit 138,50 (139,50) und Conti-Gummi mit 213 (213,75). Großbankaktien tarnen unverändert zur Notiz, während sonst der Einheitsmarkt meist Rückgänge aufwies. keine Abendbörse. Mit Rücksicht auf die Übertragung des Empfangs des Führers in Berlin fiel die Abendbörse heute aus. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 16. März. Cs notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in RM.: Weizen W 13 211,00, W 16 214,00, W 19 218,00, W20 220,00, Roggen R 12 193,00, R15 196,00, R 18 200,00, R 19 202,00 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete, Futtergerste —, Futterhafer —, Weizenmehl Type 812 W 13 29,50, W 16 29,60, W 19 29,60, W 20 29,95, Roggenmehl Type 1150 R 12 22,45, R 15 22,80, R18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 RM. Frachtausgleich, Weizenfuttermehl 13,60, Weizenkleie W13 10,75, W16 10,90, W19 11,10, W 20 11,20, Roggenkleie R12 9,95, R 15 10,15, R18 10,40, R 19 10,50 Mühlen- festpreis ab Mühlenstation, Sofaschrot —, Palmkuchen —, Erdnußkuchen —, Treber 14,00 Höchstpreis ab Erzeugerstation, Trockenschnitzel —, Heu gut, gesund, trocken —,Heu drahtgepreßt —, Weizen- unti Roggenstroh drahtgepreßt und gebündelt —. Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M. 17. März. (Dorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 1083 Rinder (197 Ochsen, 159 Bullen, 499 Kühe, 228 Färsen, 646 Kälber, 33 Schafe, 476 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 36 bis 45 Mark, Bullen 34 bis 43, Kühe 20 bis 43, Färsen (Kalbinnen) 35 bis 44, Kälber 30 bis 65, Schafe 20 bis 42, Schweine 49,50 bis 56,50 Mark. — Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Schafe mittelmäßig. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurS Schlußk. Abendbörse Schluß- kurs Schluß! Mittag- börse Datum 15.3- 16.3. 15.3. 16.3. 5% Deutsche Retchsanlethe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934