Ur. 40 Erstes Blatt 188. Jahrgang Donnerstag,17. Zebruar 1938 Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monalr-Bezugspreir: Mil 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr e -L5 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Gieße» Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche UniverfilStr-ruckerei R. Lange In Stehen. Schristleitvng und Seschäslrftelle: Schulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mitlagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm hohe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps.. für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rps..Platzvorschrift nach oorh. Dereinbg.25"/» mehr. 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Aber das immer grausamere und unruhigere Leben in Sowjetrußland hat in mir den Wunsch nach einer Flucht wachgerufen. Ich habe eingesehen, daß ich jedoch Sowjetruhland als Literat niemals hätte verlassen können. 1935 bin ich deshalb in die höhere Diplomatenschule eingetreten, als erster Posten wurde mir eine Stelle im sowjetrussischen Pavillon auf der Pariser Weitaus st ellung anvertraut. Der Kontakt mit der Kultur der europäischen Völker war für mich eine Offenbarung. Ich habe festgestellt, daß alle im s o w se t ru s s i s ch e h Pavillon aufge- st e l l t e n Statistikcn über „Die großen kommunistischen Verwirklichungen" Fälschungen waren, die in keiner Weise die tatsächliche Lage in Sowjetrußland wiedergeben. Ich habe den großen Abgrund ermessen, der die Welt der Kultur und die Lebenden vom Lande der Barbarei und der Unwirklichkeit scheidet, zu dem Sowjetrußland geworden ist. Diese tiefen Eindrücke, die mein Denken und Fühlen völlig gewandelt haben, haben sich noch auf meinen Reisen in Polen, Deutschland und Pelgien gewaltig gesteigert. Von Paris bin ich nach Moskau berufen morden, um als Geschäftsträger zur Leitung der sowjetrussischen Gesandtschaft i n ® u • k a r e st vorbereitet zu werden für den Fall, daß der Gesandte Ö st r o w s k i die rumänische Hauptstadt verlassen würde. In Rumänien habe ich festgestellt, daß das Land, das in Sowjetrußland als das „verfluchte Land des Faschismus" bezeichnet wird, ruhiger, besser und zufriedener lebte, als das sowjetrussische „Paradies". kaum war ich in Bukarest angekommen, halle ich das deutliche Gefühl, aufs schärfste von sowjetrussischen Agenten der GPU. überwacht und wie in einem eisernen kreis eingeschlossen zu fein. Inzwischen habe ich erfahren, daß man in Moskau über meine Vergangenheit Nachforschungen anstellte und entdeckt hatte, daß ich als Vierzehnjähriger an einer' Nationalist Ischen Erhebung feilgenommen hatte, als die Wrangelarrnee ihren Vormarsch in Südrußland Frau und mein sechsjähriges Töchterchen, aber ich habe auch erfahren, dah sie in Leningrad zurückgehatten wurden und nicht abreifen konnten; heute find sie sicherlich verhaftet. Ich habe den bestimmten Eindruck gewonnen, daß mein Leben bedroht und gefährdet ist. Der fowjetruffifche Gesandte Ostrowski hat Bukarest am 4. Februar verlassen. Aber am Vormittag war aus Wien ein verdächtiges Subjekt in Bukarest eingetroffen, das in der sowjetrusfischen Gesandtschaft abgestiegen war und sich im dritten Stock isoliert hatte. Niemand hat mir sagen wollen, warum es gekommen war. Am 5. Februar hat dieses Subjekt — offenbar ein f o ro j e t - russischer Agent — zusammen mit zwei weiteren Agenten der GPU., die in der Gesandtschaft wohnten, mich gerufen und dreimal unternahm. Ich erwartete in Bukarest meine darauf gedrungen, dah wir alle zusammen Bukarest verlassen und nach S i n a j a gehen. Ich lehnte jedoch ab, weil ich mich krank fühlte. Die Agenten bestanden jedoch auf ihrer Forderung. Ich sprach daraufhin von meinem Chauffeur, worauf mir geantwortet wurde, dah man ihnnicht brauche, da der Mann, der aus Wien gekommen war, sehr gut selbst das Auto steuern könne. Aus alledem verstand ich, dah man mir eine Falte stekl en wollte, um mich zu ermorden oder zu verschleppen. Daraufhin habe ich am 6. Februar die fowjetruffifche Gesandtschaft verlassen, aber erst am 10. Februar bin ich von Vukare st abgereist, wo ich mich vier Tage lang verborgen gehalten habe, und dann schließlich die Grenze überschreiten konnte." Budenko meldet der rumänischen Regierung seine Flucht Eine unerhörte Lügenkampagne zusammengebrochen. B u k a r e st, 16. Febr. (DNB.) Die Nachricht von Budenkos Eintreffen in Rom hat in Bukarest größtes Auftehen erregt. Am Mittwochabend ist folgende amtliche Erklärung erschienen: „Auf Grund der von den Gerichtsinstanzen der Hauptstadt geführten Untersuchungen wurde ohne jeden Zweifelfest- ge stellt, daß der Geschäftsträger der UdSSR, in Bukarest, Herr Theodor Budenko, auf bem Gebiete Rumäniens keinem Anschlag zum Opfer fiel. Herr Budenko befindet sich nicht mehr im Lande und hat, wie aus seiner an das Außenministerium gerichteten Erklärung hervorgeht, Rumänien freiwillig verlassen." Budenko bedankt sich in einem vor etwa 8 Tagen aus Budapest an den damaligen Außenminister M i c e s c u gerichteten Brief für die Unterstützung, die er während seiner kurzen Amtszeit von der rumänischen Regierung erfahren habe. Er erklärt weiter, daß er sich in Ungarn aufhalte und von dort nach Italien fliehe, um der GPU., zu e n t g e h en , vor der er sich in Rumänien nicht mehr sicher fühle. Budenko hat mit seinem falschen Paß die ungarische Grenze überschritten. Dieser falsche Paß ist ihm von der Buka- rester sowjet spanischen „Gesandtschaft zur Verfügung gestellt worden, die er unter Benutzung einer Ausrede darum ersucht hatte! Damit ist eine Lügenkampagne z u - sammengebrochen, die in Rumänien von der Sowjelgefandlschast und ihrem Anhang planmäßig betrieben wurde, um die Atmosphäre zu vergiften. Bis in die letzten Tage haben diese kreise sich nicht gescheut, das Märchen zu kolportieren, Budenko fei von einer „faschistischen Organisation" verschleppt oder gar getötet worden. Auch die unverschämte sowjetrussische Protestnote an die rumänische Regierung hat glauben machen wollen, daß ausländische Hände a m Werke gewesen seien. Diese nur allzu deutliche Anspielung hat nunmehr durch die amtliche rumänische Erklärung die verdiente Zurückweisung gesunden. Die sowjetrussischsn Hetzer haben sich nicht nur unsterblich blamiert, sondern es ist zugleich auch erwiesen, was die Sowjetdiplomaten vom Moskauer Terror halten, dem sie — im Gegensatz zum russischen Volk, das diesem Regiment ausgesetzt bleibt — zu entrinnen suchen, wo es nur immer geht. Oie Wahrheit über das „Gowjetparadies". Budenko schilderiim Giormle d'Iialia das Gystem der bolschewistischen Knechtschaft in Rußland Rom, 16. Febr. (DNB.) Budenko gibt in einem ausführlichen Artikel im „Giornale d'Jtalia" ein eingehendes Bild über die wahren Zustände in Sowjetrußland und die entsetzliche und katastrophale Lage im sogenannten „Arbeiterparadies". Budenko betont, daß trotz der Mängel des Regimes das Leben im alten zaristischen Rußland in jeder Hinsicht besser gewesen sei. Der Bolschewismus habe bas. Land in die schlimmste Knechtschaft geführt, die die Geschichte der Menschheit je gekannt hat. Er habe jegliche Eigentumsrechte an Grund und Boden abgefchafft, jede persönliche Initiative aufgehoben. Man habe den Arbeitern versprochen, ihnen die Fabriken und Werke auszuliefern und sie zu Herren der Lage zu machen. In Wirklichkeit habe der russische Arbeiterstand noch niemals solche Entbehrungen erdulden müssen wie jetzt in der sogenannten Epoche der Sozialisierung. An Stelle der „Kapitalisten" wurde eine neue Bourgeoisie gebildet, die fast zu 10 0 Prozent aus Juden besteht und die sich der besonderen Protektion des engsten Beraters von Stalin, des Juden Lazarus Kaganowitsch, erfreut. Alle großen , Fabriken, die Kriegsindustrie, handel und Kleinhandel, sind völlig in jüdischen Händen, während der Arbeiterstand nur in der theoretischen Abstraktion als „Herr der Wirtschaft" vorhanden ist. Budenko schildert dann die Lage der unterdrückten Nationalitäten in Sowjetrußland, insbesondere in der Ukraine, die ein blühender, fruchtbarer Garten sei, in dem aber heute fa ft ununterbrochen Hungersnot herrsche. Die arbeitsamen Bauern der Ukraine wurden zu Zehntausenden hingemor- d e t oder überfüllen die Gefängnisse. Das ukrainische Volk ist von einem maßlosen Haß gegen die Bolschewisten erfüllt, weil die ganze Ukraine unter dem Joch eines entsetzlichen Belagerungszustandes jener Briganten lebt, die das Volk unterdrücken und foltern. Die gleiche üble Lage besteht in Georgien, in Armenien, in Weißrußland und in Russisch-Asien. Es sei eine grausame und verlogene Budenko. — (Scherl-Bilderdienst-M.) w > & F -1 ,, \ I maten, Beamten und alten Parteisekretären halt. Die Prozesse seien eine ryine Farce, so daß -unweigerlich alle schließlich vollkommen ihre Schuld und ihren Hochverrat eingestanden und damit ihr eigenes Todesurteil unterschrieben haben. „Ich habe selbst", so erklärt Budenko, „diesen Prozessen in Sowjetrußland beigewohnt und kenne besser als jeder andere diesen ganzen furchtbaren Hexenkessel der Zerstörung, in dem zahllose hochverdiente und vollkommen unschuldige Personen ihr Leben lassen mußten. So habe ich mich entschlossen, ein für alle- rn a l mit dem Bolschewismus z u brechen, der auf mir immer ro i e der schlimmste Alpdruck gelastet hat. Ich habe eingefehen, daß es nicht mehr länger möglich ist, im Bannkreis des trügerischen Sozialismus zu bleiben, der die eigenen angeblichen Ideale ins Gegenteil verkehrt und entwertet und es f 1 ch herausnimmt, das Reich der Barbarei, des Krieges und der gegenseitigen Vernichtung aus die ganzeWeltzuübertragen. Die Kenntnis der bolfcheroistischen Revolution in Rußland, die ich 25 Jahre lang verfolgt Ironie, wenn die Bolschewisten behaupten, das sowjetrufsische Regime sei das Vorbild der idealsten Demokratie. Budenko betont, es geb^ nicht eine einzige Zeitung, die nicht kommunistisch sei, keine einzige, die auch nur neutral sei oder die nicht parteigebunden wäre. Schon allein der Verdacht, die Stimme gegen Stalin erhoben zu haben, gelte als der schlimmste Hochverrat und werde mit jahrelangem Zuchthaus, wenn nicht gar mit Erschießen bestraft. Das geradezu unerträgliche Regime mache mit seinen Greueln weder vor der Wissenschaft noch vor verdienten Offizieren, Diplo- und beobachtet habe, hat mich von der Vergänglichkeit und Falschheit der bolfcheroistischen Ideologien überzeugt, wenn sie auf das praktische tägliche Leben angeroanbt werden. Ich bin übergegangen ; u der Welt der wahren Kultur, der Zivilisation und Gerechtigkeit, die entschlossen ist, alle ihre Kräfte zur Verteidigung des Fortschrittes der Menschheit einzusehen." Europa erwache! Mit einer geradezu unglaublichen Dreistigkeit hatten die Sowjets versucht, den Fall Budenko so zurecht zu biegen, wie das nach ihrer Ansicht zur Entfachung einer neuen „antifaschistischen" Welle erforderlich war. -Sie schlugen in Bukarest mit der Faust auf den Tisch, sie behaupteten frisch und frei, Budenko wäre von Faschisten entführt worden. Uttb sofort stellten sich eine Reihe ausländischer Zeitungen Moskau zur Verfügung, um in das gleiche Horn zu stoßen. Nach der einen Lesart waren es Deutsche, die sich gegen den Sowjetgesandten in Bukarest verschworen hatten. Nach der anderen waren es Italiener. Auf jeden Fall verlangte die Sowjetunion in einer Note vom 10. Februar, daß die rumänische Regierung alle Maßnahmen treffen müsse, um diejenigen festzustellen, die Budenko hatten verschwinden lassen. DiEliberusung desReichstages Ganz Deutschland hört am Lonntagmittag den Führer. Berlin, 16. Febr. (DNB.) Der Präsident des Deutschen Reichstages, Generalfeld- rnarfchall Göring, hat den Reichstag auf Sonntag, den 20. Februar 1 938, mittags 13 Uhr, einberufen. Auf der Tagesordnung sieht die Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung. Der Reichspropagandaleiter der NSDAP., Dr. Goebbels, gibt bekannt: Am 20 .Februar, mittags um 13 Uhr, spricht der Führer zum Deutschen Reichstag und damit zum deutschen Volk und zur Welt. Alle Deutschen werden während der Rede des Führers am Lautsprecher versammelt fein. Wer z u hause nicht die Möglichkeit hat, die Uebertragung der Rede des Führers zu hören, dem wird in Sälen und Gaststätten dazu Gelegenheit gegeben. Die Gau- und Kreispropagandaleitungen der NSDAP, haben hierfür alle Vorbereitungen getroffen. Für Samstagabend hat der Führer der Reichstagsfraktion der NSDAP., Reichsleiter Dr. Frick, die Abgeordneten des Deutschen Reichstages zu einem Kameradfchaftsabend in das Berliner Schloß eingeladen. . Es wurde rund heraus behauptet, der Gesandte sei einem politischen Verbrechen zum Opfer gefallen. Das alles mochte sich eine gewisse Auslandspresse, voran der „Daily Herold", zu eigen. Inzwischen ist den Sowjets und ihren Mit- schreiern in der Auslandspresse etwas höchst Peinliches passiert: Budenko ist in Rom aufgetaucht, er hat im „Giornale d'Jtalia" klipp und klar die Dinge beim richtigen Namen genannt, daß er das Opfer der GPU. werden sollte, die schon seit vielen Tagen ihre Häscher in der Bukarester Gesandtschaft einquartiert hatte und die sich alle erdenkliche Mühe gab, ihn zu entführen. Schließlich war der Sowjetdampfer „Katamaja" nicht ohne Grund in den Hafen von Konstanza ein» gelaufen. Hier wollte man offensichtlich den verschleppten Budenko an Bord des Schiffes bringen. Der Sowjetgesandte ist jedoch seinen Häschern zuvor- gekommen, er hat sich in der Nacht vom 8. bis zum 9. Februar heimlich aus der Gesandtschaft entfernt, hat sich verborgen gehalten und schließlich die Flucht nach Italien angetreten. Allerdings hat er das Leben und die Freiheit von Frau und Kind aufs Spiel setzen müssen. Beide sind in Leningrad an der Ausreise nach Rumänien gehindert worden, beide werden nunmehr einem mehr als traurigen Schicksal entgegengehen. Die langen Gesichter der Sowjets und ihrer Freunde im Ausland möchten wir angesichts der gelungenen Flucht Budenkos und seiner Enthüllungen nur zu gern sehen. Denn das gerade Gegenteil von dem, was die Roten behauptet haben, hat sich nunmehr als wahr herausgestellt: die Bolschewisten waren es selbst, tue ihrem Gesandten nach dem Leben trachteten, während sie mit der ihnen eigenen Frechheit in ihrer Note an Rumänien behaupteten, Budenko sei das Opfer von Faschisten geworden. Wir sind nun wirklich gespannt, wie die ausländische Presse, von der Moskauer Regierung ganz .311 schweigen, aus der Sackgasse wieder herausfindet, in die sie blindlings hineingetorkelt ist. Sie wird wohl oder Übel die Wahrheit sagen müssen, sie wird damit aber auch ihre eigene Unglaubwürdigkeit zu bescheinigen haben. Und was das wichtigste ist, die Aufklärung des Falles Budenko hat ergeben, daß die Jagd der GPU. auf die sowjetrussischen Auslandsdiplomaten unentwegt fortgesetzt wird. Soeben wird die Erschießung des sowjetrussischen Gesandten in Kowno, Podolski, gemeldet, der Geschäftsträger in Athen der Botschaftsrat in Paris find geflohen, eine Menge anderer Diplomaten find nach Moskau zu- rückberufen worden, ohne daß über ihr Schicksal bislang etwas bekannt geworden ist. Aus Warschau sind der Botschafter Damian und Botschaftsrat Minogradow verschwunden, wahrscheinlich sind sie beide erschossen worden, wie man es auch von dem ehemals in Berlin amtierenden Botschafter Jureniew und vielen anderen Sowjetdiplomaten vermuten muß. Also gerade diejenigen, dis Moskau hinausschickt, um die Interessen der Sowjetunion wahrzunehmen, müßten eigentlich als dis Besten angesprochen werden, über die die Bolschewisten verfügen. Dor allem könnte doch kein Zweifel darüber aufkommen, daß sie absolut linientreu sind. Denn sie genießen alle Annehmlichkeiten des Lebens, sie werden ausgezeichnet bezahlt, sie leiden keine Not, so daß sie eigentlich allen Grund hätten, treu zum Kreml zu halten. Wenn aber die GPU. immer wieder die Auslandsvertreter zurückholt oder nach der Sowjetunion hineingelockt und erschießt, dann muß man sich fragen, wie nun eigentlich das Volk zum herrschenden System eingestellt ist. Denn die breiten Massen sind den größten Entbehrungen ausgesetzt. Für sie bestände also wirklich aller Anlaß, eine feindselige Haltung einzunehmen. Muß man also immer wieder gegen die bevorzugte Klasse GPU -Aktionen starten, dann bleibt nur noch der Schluß übrig, daß das russische Volk selbst durch einen unbeschreiblichen Terror davon abgehalten wird, seiner verständlichen Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen. Aber das will man weder in der bolschewistisch verseuchten Auslandspresse, noch im demokratischen Blätterwald wahrhaben. So passiert es denn, daß man aus lauter Begeisterung für den Bolschewismus und aus sturster Abneigung gegen den Faschismus in ein arges Dilemma hinemge^ät. „Llm keinen preis zurück." Sowjetruffifche Fliegeroffiziere im Flugzeug nach Estland geflüchtet. Reval, 16. Febr. (DNB.) Am Dien^agabend landete im Kreise Derro in Südost-Estland ein sowjetrussisches zweisitziges Flugzeug. Die beiden Insassen, ein 24lähnger Oberleutnant und ein 20- jähriger Leutnant, erklärten, das Flugzeug gehöre dem Aeroklub in Luga, wo der Oberleutnant Leiter der örtlichen Gruppe des ,^)sioaviachim" und der Leutnant Vorsitzender des Aeroklubs gewesen wären. Sie hätten das Flugzeug zurFluchtausSow- jetrußland benutzt in der Meinung b e - droht zu fein. Ihre Eltern seien als „Schad- linge" nach dem Ural verschickt worden und sie selbst hätten befürchtet, der augenblicklich im Gang befindlichen „S ä u b e r u n g s a k t i o n" innerhalb der sowjetrussischen Luftwaffe zum Opfer zu fallen. Bei der Ueberfliegung der Grenze fei das Flugzeug von der sowjetrusiischen Grenzwache beschossen worden, ohne jedoch getroffen zu werden. Nach Sowjetrußland wollten sie um keinen Preis zurück. Sie hofften vielmehr, als politische Flüchtlinge nicht ausgeliefert zu werden, um so mehr, als zwischen Estland und Sowjettußland kein Auslief^ rungsvertrag bestehe. Die beiden Offiziere sind nach Dorpat gebracht worden. Neues Verbrechen der GM. • in Paris? Ein Lohn Trotzkis untergeheimniSvollenUmftändengestorben Paris, 17. Febr. (DNB. Funkspruch.) In einer Pariser Klinik ist der Sohn Trotzkis, Leon Sedow Trotzki, nach einer Operation unter geheimnisvollen Umständen gestorben. Er hatte Die Operation gut überstanden und der cheilungsprozetz hatte einen normalen Verlaus genommen. Um so größer war die Bestürzung im Freundeskreise Trotzkis, als am Mittwochabend von der Klinik plötzlich eine kurze Mitteilung ausgegeben wurde, daß der Tod eingetreten fei. Die Freunde des Verstorbenen dringen auf eine genaueUn- tersuchu ng der Leiche mit der Begründung, der Sohn Trotzkis fei nach der Operation In der Klinik durchaus wohlauf gewesen, so daß man in Anbetracht der zahlreichen Attentate, Entführungs- und Vergiftungsversuche, denen er zu Lebzeiten ausgesetzt war, die wahren Ursachen seines, unter normalen Umständen niemals erwartbaren Todes feststellen müsse. Der frühere Prioatsekrosär Trotzkis, der Jude Wolf, ist von Agenten der GPU. von -s o w - jetspanien nach Moskau entführt und dort ermordet worden. Wolf war der Sohn eines jüdischen Großkaufmanns aus Reichcn- berg in Böhmen. Er hatte während des Aufenthaltes Trotzkis in Norwegen lange Zeit als dessen Sekretär gearbeitet. Später fuhr er als Berichterstatter der Sowjetunion nach Sowjetspanien, wo er im Herbst vorigen Jahres aus geheimnisvolle Weise verschwand. Nachforschungen des tschechoslowakischen Konsulats hatten damals nur das Ergebnis, das Wolf im Gefängnis Covento de Santa Ursula von der GPU. fest gehalten wurde. Don hier aus ist er nach Moskau fl e ■ bracht und erfch o ss e n wordell. t-- Italienische Landarbeiter kommen nach Deutschland. Rom, 16. Febr. (DNB.) Zu der Entsendung italienischer Landarbeiter nach Deutschland meldet die römische Presse, daß sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen einheitliche Uniformen erhalten. Für die Männer sind dunkelblaue Jacken und feldgraue lange Hosen vorgesehen, für die Frauen dunkelblaue Blusen und feldgraue Röcke. Die Unterführer, die die Landarbeiter betreuen, werden am 4. März in Rom besondere Instruktionen erhalten. Die Ausreise wird zwischen dem 15. März bis 15. April vor sich gehen. Die stärkste Beteiligung haben Modena, Roviqo, Ferrara, Udine und Bologna aufzuweisen. Ein großer Teil der Landarbeiter wird in Mitteldeutschland, in der Gegend von Magdeburg und Anhalt, die anderen werden in Niedersachsen (Braunschweig und Hannover), in Hessen sowie in Süddeutsch- land (Württemberg und Baden) und schließlich in einigen bayerischen Gebieten beschäftigt werden. Der Führer empfing das Diplomatische Korps. .......... -. .i.l . i Beim Führer und Reichskanzler fand — wie wir schon meldeten — zu Ehren des Diplomatischen Korps eine Abendtafel statt. Man sieht hier den Fuhrer (links) im Gespräch mit dem brasilianischen Botschafter M o n i z d e A r a g a o; in der Mitte Staatsmimster Dr. Meißnerim Gespräch mit dem Chef des Protokolls, Gesandten v o n B ü l o w - S ch w a n t e, und dem österreichischen Gesandten Tauschitz; rechts im Hintergründe Ministerpräsident Generalfeld- marschall Göring, Reichsaußenminister von Ribbentrop und dem britischen Botschafter Sir Neville Henderson.' ((Presse-Jllustrattonen Hoffmanti-M.) . Die Freiheit der Forschung im Dritten Reich. Alfred Rosenberg sprach in Halle über Nationalsozialismus und Wiffenschast. Halle, 16. Febr. (DNB.) Reichsleiter Rosenberg, der Beauftragte des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung der NSDAP., weilte auf Einladung der Marttn-Luther- Unioersität Halle-Wittenberg und der Stadt Halle zum Besuch in der Gaustadt. Der Rektor der Universität, Profesior Wei gelt, hieß chn in der Hochschule willkommen. Der Leiter des Amtes für Wissenschaft im Ueichserziehungsministerium, Staatsminister Or. Wacker, überbrachte die Grüße des Reichsmimsters Rust. Die Tatsache, daß Reichsleiter Rosenberg hier in Halle den Boden einer Hochschule betrete, um zu Männern der Wissenschaft zu sprechen, fei ein Symbol dafür, daß die Träger der nationalsozialistischen Weltanschauung zu einer harmonischen Arbeitsgemeinschaft mit den Kräften gelangen, die aus dem Raum der deutschen Hochschule heraus *u einer tieferen Verbindung mit der natio- nalsozialistischen Bewegung drängen. Die Wandlung, die sich seit dem Umbruch in Deutschland auf den Hochschulen vollzogen habe, komme schon darin zum Ausdruck, daß rund ein Drittel der Dozentenschaft neuen Männern Platz gemacht haben. 3m Zusammenhang mit der Feststellung, dah die Studentenziffer nach dem unge- wöhnlichen Hochstand in den Jahren 1927 bis 1932 wieder auf den Durchschnitt der 3ahre 1911 bis 1614 zurückgegangen fei, kam der Redner auch auf die Befürchtung der Schließung von Hochschulen zu sprechen, die einmal akut gewesen seien. Der Dille des Relchserziehungs- Ministers sei es, dah keine derbe stehen- den Hochschulen in Deutschland geschloffen werde. Line Planung und Aufgabenverteilung sei dagegen in Aussicht genommen. Sie werde sich niemals dahin auswirken, dah die Grundlage der Universitas zerstört werde, etwa in dem Sinne einer fachschulmählgen Aufspaltung. Der Rektor der Universität dankte dem Vertreter des Reichserziehungsministers und teilte mit, daß der Senat dem Reichsleiter Rosenberg vor Beginn des Festaktes ein auf Pergament abgefaßtes Dokument überreicht habe, in dem der Reichsleiter gebeten werde, der „an stolzer Tradition und großen Zukunftsaufgaben so reichen Martin-Luther- Universität feine besondere Förderung zuteil werden zu lassen. Anschließend nahm Reichsleiter Rosenberg das Wort. Reichsleiter Alfred Hosenberg führte dann in feiner Rede folgendes aus: Vor längerer Zeit seien der Gauleiter von Halle-Merseburg und der Oberbürgermeister der Stadt Halle an ihn herangetreten mit der Bitte, sich im Sinne einer weltanschaulichen Festigung der Martin- Luther-Univer s i tät zur Verfügung zu (teilen ; die gleiche Bitte wurde bann auch von der Universität selbst ausgesprochen. Er habe fein Einverständnis gegeben, weil ihm innerlich daran gelegen sei, an der Fortführung des Erbes teilzunehmen, das sich allein schon mit dem Namen der Universität für immer verknüpfe. Es handele sich für uns heute nicht mehr darum, den Namen Martin Luther im Sinne des Reformators einer Konfession zu werten, sondern feine Persönlichkeit als einen der größten deutschen Charakterrevolutionäre zu empfinden. Rosenberg behandelte dann das Thema „Reinheit des Forschens". Die nationalsozia- listische Bewegung könne nicht anerkennen, daß die Freiheit des Forschens gleichsam eine liberalistische Angelegenheit sei, vielmehr sei sie die Folge eines vielhunoertjährigen heroischen Kampfe des europäischen Forschergeistes. Deshalb würde der Nationalsozialismus allen kosmischen Forschungen der Welt, allen Forschungen der Erdkunde, Physik und Chemie freie Bahn lassen. Der Unterschied mit der scheinbar hier gleichlaufenden liberalistischen Anschauung bestünde aber darin, daß die nationalsozia- listtsche Bewegung doch ein Bekenntnis aussprechen müßte, wo derMensch unmittelbar selbst beteiligt sei. Hier hätte er sich nicht gescheut, mit der notwendigen Kühnheit zwei Gebiete mit- zuergreifen, deyen- er aus innerer Wahrhaftigkeit nicht aus dem Wege gehen konnte. Das seien die Gebiete der Rassenkunde und der G e - Unser Bild zeigt von rechts den Rektor Professor Dr. Wei gelt, Alfred Rosenberg, Gauleiter Ezgeling, Staatsminister Dr. Wacker und Oberbürgermeister Dr. Weidemann (Halle). (Scherl-Bilüerdienst-M^ 1? < schichte. Die Rassenkunde bedeute im tiefsten Grunde nichts anderes als die ehrliche Anerkennung der Gesetzmäßigkeiten des Lebe n s. Seit der Entdeckung des Blutkreislaufes ei die Entwicklung innerlich vorgezeichnet, unö nur hätten nur die Konsequenz einer vielhundertiahngen Arbeit gezogen. Damit fei nicht ein Materialismus ausgesprochen, sondern die tiefe Ei n h e 11 Des Lebensprogramms. Rasse sei deshalb für uns Außenseite einer Seele und Seele die Jnnen- eite einer Rasse. Es gebe noch vieles zu erlorichen, daß es aber eine Vererbung gebe, stehe aufier Frage. Die Kausalität ist die methodologische Vor- aussetzung aller unserer Wissenschaft überhaupt. Und die Biologie vertrage chrerseits auch eine Betrachtung, die den Zweck der Organe als Vorauf etzung ihrer Bildung begreife. Das Suchen noch Gesetzmäßigkeit ist das entscheidende Kennzeichen der germanischen Forscherseele. Das Gesetz der Welt ist für uns das große Wunder gewesen, nicht die ogenannte Durchbrechung der Gesetze durch Zaubereien. Das europäische Denken sei niemals reine, glatte Empirie gewesen, aber auch niemals magi- ches Denken. Es erblicke auch nicht in Idee und Erfahrung Gegensätze, sondern anerkenne, daß die Erfahrung in sich begreife Idee p l u s E x p e - riment. Die Rassenkunde sei heute bereits in das Bewußtsein der Wissenschaft als Erfahrung ein» gefügt worden Die Raffenseelenkunde hat uns neue Augen ge- chenkt, und auch Geschichte erscheint uns deshalb heute nicht als eine dogmatisch vorgezeichnete gradlinige Entwicklung zu irgendeiner behaupteten Christanisierung oder Humanisierung aller.kalter und Rassen. Vielmehr stehen wir vor dem Bild des dramatischen Kampfes der verschiedenen Rasien- eelen gegeneinander und damit ihrer Gotter, ihrer Werte und Ideale. Eine Rasse könne ewig bestehen, wenn sie nicht physisch vergiftet würde. Durch diese Erkenntnis diene der Nationalsozialismus dem chöpferischen Prinzip der Natur. Das ist ein F a-- n a l einer neuen Freiheit, einer neuen Jdeenstellung, neuer Experimente, neuer Aufgaben. Wer das bestreitet, kämpft nicht für die Freiherr der Forschung, sondern will unsere Forschungsfreiheit unterdrücken. Den Forschern seien aber heute Themen von einer Tiefe und Größe gestellt, wie eit einem Jahrtausend nicht. Wenn auch in unserem Zeitalter Staatsmänner und Soldaten im Vordergrund stünden und manche Forscher sich vielleicht zurückgesetzt fühlten, so sollten sie doch wissen, daß )ie nationalsozialistische Bewegung nun nach Beendigung des unmittelbaren politischen Ringens auch hier ein Bekenntnis zur Hochhaltung auch für den Denker und Forscher ablegen wolle. Stille Gedanken sind es oft, die einen Sturm in die Welt gebracht haben, zugleich sind sie aber auch die Ursache einer inneren Ruhe und Geborgenheit, wenn sie zum Weltbild einer Epoche werden. Der Genius wird ebenso dargestellt von ; Staatsmännern und Soldaten wie von seinen Künstlern und Forschern. Neben das große Erleben der Gemeinschaft stellen wir die notwendige Einsamkeit des Forschers. Beide Erkenntnisse stehen heute im Lichte einer entscheidenden Tatsache, daß das deutsche Volk sich den Traum der Jahr- hunderte in einem einigen Deutschen Reich verwirklichte, daß es zu gleicher Zeit aber auch eine seelische Völkerwanderung beendete. Diese führte einmal nach Rom, von wo man die Gesetze des Lebens ausgesprochen erwartete, nach Paris, um die Parolen der französischen Revolution zu empfangen. Das wirtschaftliche Zeitalter ergab eine Pilgerschaft nach London, und nach dem Zusammenbruch im Weltkrieg blickten viele Millionen hoffnungsvoll nach Moskau. Diese Fahrt der deutschen Seele durch die Welt hat heute eine Ende genommen, und der deutsche Mensch hat heim gesund en zu sich selbst. In diesem Zeichen der Besinnung steht unser politisches Dasein, steht heute unser Forschen und Denken, und wir alle sind berufen, diesen großen Prozeß des Ausbaues einer äußeren und inneren Heimat durch- zuführen, uns zum Schicksal unserer Zeit ohne jedes Wenn und Aber zu bekennen. Das scheint uns auch allein würdig jenes Mannes, dessen Namen diese Universität zu tragen die Ehre hat. Eine Alsred-Nosenberg-Slistung Eine Hallesche Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft verwaltet die Stiftung. Rach den Ausführungen Rosenbergs gab der Oberbürgermeister von halle die Errichtung einer 2Hfreb-Rofenberg -Stiftung z u r Förderung der Wissenschaften an der 2Har- tin-Luther-llniversität Halle-Wittenberg bekannt. Die Stiftung, die von der Stadt alljährlich mit 1 00000 Mark dotiert wird, soll nach der Bestimmung Alfred Rosenbergs im Einvernehmen mit Stadt und Universität zur Förderung des wissenschaftlichen Rachwuch- s e s verwendet werden. Dann verkündete der Gauleiter Staatsrat Eggeling die Gründung einer halleschen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, in deren Händen auch die Verwaltung der Alfred-Rosenberg-Stiftung ruhen solle. Er verkündete weiter die Schaffung von Arbeitsgemeinschaften von Hochschullehrern und Studenten, in denen erstmalig ein horizontaler Zusammenschluß der verschiedenen Wissenschaftsgebiete zu gemeinsamer Forschungsarbeit auf nationalsozialistischer Grundlage erfolge. Rach einem Bekenntnis zum Erbe Martin Luthers schloß der Gauleiter den Festakt mit der Ehrung des Führers. Kunst und Wiffenschast. Bavaria-Filmkunst GmbH, gegründet. München erhält wieder eine eigene Filmproduktion. Nach Ueberwindung gewisie'r Schwierigkeiten wurde die Bavaria-Filmkunst G. m. b. H. mit einem Stammkapital von 1 500 0000 RM. gegründet. Sie wird die Atelieranlagen und die Kopieranstalt in Geiselgasteig erwerben und ausbauen. Im erste» Produktionsjahr wird mit fünf bis sechs Filmen gerechnet. Der Vertrieb der Filme wird durch die bestehenden großen Organisationen erfolgen. Der Aufsichtsrat besteht aus Generaldirektor D ö h l e m a n n als Vorsitzendem, Präsident Albert Pietzsch und Direktor Ratsherr Max Reinhard, die den Wirtschaftsausschuß bilden. Der Kunstausschuß des AR. besteht aus dem Schauspieler '@o Hing als Vorsitzendem, Direktor Otto Falckenberg, Direktor Fritz Fis'cher und Frau Professor T r o o st. In der Geschäftsführung liegt die künstlerische Oberleitung dem Oberspielleiter Schwei kart ob, während die produktionstechnische Seite von Fritz Klotz sch betreut wird und die allgemeine kaufmännische Leitung in den Händen von Erich Waller Hexbell liegt österre'A gen» wieder °n thode 3 ner »eru;6eI" Schon nn . s-i'i flg drüben «J J SS? treten kann, e aus. M tiefer empfindet mc bet MN als eine Tn Druck. scher Weitab Schlage von Verwaltung? ausgehoben, tige Vorau; düng in 1 schlüsse der Auswirkunk folgten, la sozialistisch Rechte u die Vertret« braucht kein diese Oester Rahmen legal blei! für Ratior Disziplin, si Wunsch, die stützen und Menschen in als sie ja i unerWtter/i ihre Misch- &e haben fid Anerkennung' schen erworbe> p ihrem Sch M vor aller auch in ben i gessen ha kommen vor die segensre ner Bespre, Rückhaltlc österreichisch chischen Sic schen Besri Die Besch! Oesterreichs Bundeskam und Jnhab und zeigen oesterreichisi an Verstau! Wir mied Obersalzberc lur jeden, Micöer eine Europas notwendig, i Wen Doch l/n des Aus. ^arbeit ge den war, di L'ng noch vl chre-kte. M Feldzug Getier Rud «u,5 «men' ®ufonpolifd Jen getnifa ^Einzug Oberhaupt * .«>- »er el filierte, »Wen. $,r neuen große Sitter ' ‘„'""üerten Ärt1" Wie« i jS« folgt.®!* n e r h nUr ?ei l&M 6>eif„'.»ei zB -S auf 6 %ien dunS Li-Hk". palO" jte öerrS Ab fflc Wegweiser zum Europasrieden. Man mag die deutsch.österreichischen Ereignisse vom Besuch des Bundeskanzlers' Dr. Schuschnigg auf dem Obersalzberg bis zur Regierungsumb l- düng in Wien und bis zur österreichischen Amnestie vom deutschen, vom österreichischen oder vom europäischen Standpunkt aus ansehen, in_ jedem Fall ist eine weitere Grundlage für die Befriedung Europa» durch die Auswirkungen der Berchtesgadener Besprechung geschaffen worden. Nach dem Abkommen mit Polen, nach dem deutsch, englischen Flottenabkommen, nach dem vorläufigen deutsch-österreichischen Abkommen vom Juli 1936, nach der Schaffung der Achse Berlin—Rom und des Antikomintern-Dertrages ist jetzt in der deutsch- österreichischen Frage ein so bedeutsamer Schritt ge- tan worden, daß er jenen anderen Musterbeispielen nationalsozialistischer Befriedungspolitik mindestens ebenbürtig ist. Gleichzeitig wurde ein weiterer Beweis dafür geliefert, wie außerordentlich nutzbrin- gend und weittragend die von Deutschland immer wieder oorgeschlagene Derhandlungsme- thode zu Zweit werden muß, wenn beide Partner den e r n st e n Willen zur praktischen Förderung eines wahren Friedens in Europa betätigen. Schon mit dem deutsch-österreichischen Abkommen vom 11. Juli 1936 war energisch der Kurs in Richtung auf endgültige Verständigung eingeschlagen worden. Voraussetzung für eine wirkliche Verständigung war und blieb freilich, daß man drüben im Nachbarlande nicht die Menschen nationalsozialistischer Gesinnung als Staatsbürger einer geringeren Klasse ansah und behandelte. Die ausführlichen Besprechungen in Berchtesgaden führten u. a. zu der grundsätzlichen Erkenntnis, daß man nicht die Vertreter der deutschen Weltanschauung schikanieren und gleichzeitig zum nationalsozialistischen Deutschland in ein Freundschaftsverhältnis treten kann; eins schließt das andere logischerweise aus. Mit tiefer Genugtuung und herzlicher Freude empfindet man in beiden Ländern die Ergebnisse der Aussprache zwischen den beide» Staatsmännern als eine Entlastung von einem schweren Druck. Nun sind die Menschen nationalsozialistischer Weltanschauung in. Oesterreich mit einem Schlage von harten Strafen befreit, gerichtliche und verwaltungsmäßige Maßnahmen gegen sie werden aufgehoben. Damit werden außerordentlich gewichtige Voraussetzungen für die innere Befriedung in Oesterreich geschaffen. Denn die Be- schlösse der neuen österreichischen Regierung, die in Auswirkung der Berchtesgadener Besprechungen erfolgten. laufen darauf hinaus, daß die nationalsozialistisch gesonnenen Oesterreicher die gleichen Rechte und Freiheiten genießen sollen wie die Vertreter anderer politischer Anschauungen. Es braucht kein Wort darüber verloren zu werden, daß diese Oesterreicher ihre volitische Betätigung i m RahmenderDerfassung halten und st r e n g legal bleiben werden; dafür bürgt nicht nur die für Nationalsozialisten selbstverständliche strenge Disziplin, sondern zweifelos auch der allseitige Wunsch, die große Befriedungstat nach Kräften zu stützen und zu fördern. Die nationalsozialistischen Menschen drüben werden das um so freudiger tun, als sie ja in den vergangenen Jahren mit einem unerschütterlichen Idealismus ihren Glauben und ihre politische Ueberzeugung hochgehalten haben. Sie haben sich dafür das Recht auf uneingeschränkte Anerkennung und auf herzlichen Dank aller Deut- schen erworben, zumal man ja von hier aus nichts zu ihrem Schutz tun konnte. Daß Deutschland und daß vor allem unser Führer und Reichskanzler sie auch in den vergangenen Jahren niemals vergessen hat, das ging ja schon aus dem Abkommen von 1936 deutlich hervor und wird durch die segensreichen Nachwirkungen der Berchtesgadener Besprechungen aufs stärkste bestätigt. Rückhaltlose Anerkennung muß man auch der österreichischen Regierung zollen. Die österreichischen Staatsmänner sind der zielbewußten deutschen Befriedungstendenz offen entgegengekommen. Dis Beschlüsse, die die maßgebenden Männer Oesterreichs unmittelbar nach der Rückkehr des Bundeskanzlers gefaßt haben, stellen nach Form und Inhalt zweifellos eine große Geste dar und zeigen ein aufrichtiges Bestreben, auch von öesterreichifcher Seite her ein entsprechendes Maß an Verständigungsarbeit beizusteuern. Wir wiederholen: Durch die Aussprache auf dem Obersalzberg und ihre praktischen Folgerungen ist für jeden, der nicht ausgesprochen böfen Willens ist, wieder eine Grundlage zur Befriedung Europas geschaffen worden. Es ist besonders notwendig, dies festzustellen, weil ja gerade in den letzten Wochen und letzten Tagen in gewissen Krei- fen des Auslandes wieder einmal eine konzentrische Hetzarbeit gegen Deutschland in Szene gesetzt wor- den war, die weder vor der perfidesten Verleum- düng noch vor der albernsten Krisenmacherei zurück- schreckte. Während Deutschland diesen international len Feldzug der intensiven Friedensstörung in überlegener Ruhe abwebrte, schuf der N-ationalsozialis- mus einen neuen Beweis wahrhaft großzügiger außenpolitischer Befriedungsarbeit. Während draußen gewisse politische Kreise neue Minen in Europa einzpgraben suchten, ging Deutschlands Staats, oberhaupt daran, wieder ein Spannungsmoment aus der europäischen Welt zu beseitigen, die von interessierten Auslandskreisen wachgehalten worden waren. Der Führer und Reichskanzler kann einen neuen großen Erfolg seiner planmäßigen Friedenspolitik verzeichnen. Wiederum hat er eine deutsche Vorleistung aufgestellt, der die Gruppe der westlich orientierten Mächte Gleichwertiges bibher nicht entgegenzusetzen hat. Wir sagen gewiß fein Wort zuviel, wenn wir feststellen, daß der deutsch-österreichische Ausgleich trotz stärkster Gegenarbeit von dritter Seite zustande gekommen ist. Das sollte man bei der Bewertung des neuen Friedenswerkes jetzt und später berücksichtigen, wenn man einen gerechten Maßstab anlegen will. B. R. Veränderungen in der Vaterländischen Front. Wien, 17. Febr. (DNB.) Im Rahmen der innerpolitischen Neuordnung, die nunmehr der Begegnung von Berchtesgaden und der Kabinettsumbildung folgt, wurden wichtige Veränderungenin- nerhalbderVaterländischenFront vorgenommen. Zunächst ernannte der Frontführer Bun- ■ deskanzler Schuschnigg den Minister ohne Geschäftsbereich Zernatto zu seinem Stellv er- freier bei der Vaterländischen Front. Zernatto ist weiter mit dem Amt eines Generalsekretärs betraut Der bisherige Stellvertreter des Frontführers, der jetzige österreichische Gesandte in Budapest, Baar-Bahrenfels, scheidet von diesem Posten. „Natürliche Entwicklung auf friedlichem Wege." Die Vorgänge in Oesterreich finden in der englischen presse lebhaften Widerhall. London, 17. Febr. (DNB. Funkspruch.) In der englischen Presse mehren sich die Stellungnahmen, in denen Verständnis für die Folgen der Berchtesgadener Besprechung gezeigt wird. „Daily Mail" betont, daß die britische Regierung im Gegensatz zu Frankreich nicht beabsichtigt habe, irgendwelche Vorstellungen bei der Reichsregierung zu erheben. Die Times schreibt vorsichtig, alles werde davon abhängen, was für ein end- gültiges Gesicht diese Maßnahmen in Oesterreich erhielten. Eine der verbrecherischsten und herausfordernd st en Kunstgebilde des Frieüensvertrages sei das Verbot einer Vereinigung Oesterreichs mit dem Reich gewesen. Einer der gröbsten Feh- l e r in der europäischen Politik seit dem Kriege sei die Haager Verurteilung der geplantenZ o l l u n i o n zwischen den beiden deutschen Staaten gewesen. Selbst wenn die österreichische Gemeinschaft wünsche, „ihre Traditionen und ihre Seele unberührt zu erhalten", so könne sie niemals antigerma» nisch sein. Das sei die währe Stärke der Forderungen des Reiches. Die „Times" vertritt dann die typische Ansickst, es handle sich um zwei Ncttioüen, die wohl eins in Rasse und Sprache feien, aber geteilt seien durch ihre geographische Lage, Geschichte und Mentalität ... In diesem Zusammenhang entwertet das Blatt einige seiner vorher gemachten richtigen Bemerkungen durch ebenso anmaßendes wie einfältiges Geschwätz. Die deutsch-österreichischen Vereinbarungen als solche, heißt es schließlich, könnten nur danach beurteilt werden, . inwieweit sie zur Stabilität in Mitteleuropa beitrügen. In England herrsche die Meinung vor, daß Deutschland sein Ziel jenseits der österreichischen Grenzen nur auf friedlichem Wege verwirklichen könne. Was aber die deutsche „Ausdehnung" — was Ausdehnung des deutschen wirtschaftlichen Einflus- s e 5 bedeute — anlange, so gehöre es nicht zur Friedenspolitik, sich einer solchen Ausdehnung zu widersetzen. „Daily Expreß" rät England, sich nicht in Dinge einzumischen, die es nichts angingen. England werde niemals einen Soldaten herausschicken, um Oesterreich und Deutschland auseinanderzuhalten. So wandere die seinerzeitiAe Erklärung über die österreichische Unabhängigkeit schnurgerade i n d e n Abfalleimer. Die ganze Landkarte Europas verändere sich. England könne das nicht aufhalten, man würde sich lediglich bei einem solchen Versuch schwächen. Die ganze Angelegenheit sei eine neue Lehre dafür, daß England sich aus den Händeln des Kontinents fernhalten solle. Ziehe man heute ins Feld, wie 1914, so werde niemand daraus Nutzen ziehen. Der schnelle Wechsel in Europa zeige deutlich, wie verrückt es sei, Versprechungen abzugeben, die das englische Volk nicht im geringsten einzuhalten wünsche. „Daily Mail" erklärt, Europa habe frei auf« aeatmet, als es die Einzelheiten der zwischen Schuschnigg und Hiller zustande gekommenen Vereinbarungen erfahren habe. Oesterreich sei durch die Friedensverträge vom Rest eines Imperiums a b - geschnitten worden. Es stelle sich jetzt unter den Schutz der mächtigen deutschen Nation, die ihr nächster Nachbar und Artaenosse sei. Das sei eine natürliche Entwicklung, und zwar herbeigeführt auf f r i e d li ch e m Wege. Durch sie sei die komplizierte Lage in Mitteleuropa geklärt und gefestigt. Zwischen zwei Staaten von gleicher Rasse und Sprache, die, Seite an Seite leben und bis Ausgangs des letzten Jahrhunderts eine gemeinsame Geschichte hatten, seien die Beziehungen unvermeidlich sehr eng. Wenn eine dieser Nationen 68 Millionen Menschen umfasse und die andere 6 Millionen, so sei es ebenfalls unvermeidlich, daß die größere Nation auf die andere eine beträchtliche Anziehungskraft ausübt. Deutschland als größter Staat im Herzen des europäischen Kontinents stelle einen Faktor dar, den alle Nachbarn Deutschlands in Rechnung ziehen mühten. Eine gewisse Zeit lang habe man den deutschen Einflug in Oesterreich neutralisieren können, indem man die deutschen Interessen gegen diejenigen Italiens ausgespielt habe. Seitdem aber Deutschland mit Italien zu einer Verständigung gelangt sei, habe solche Politik ihre Wirkung verloren. Dr. Schuschnigg habe, wenn er sich jetzt mit dem Reich geeinigt habe, staatsmännischen Wir- l'chkeitssinn gezeigt. Er sei dabei Mussolini gefolgt. Diejenigen Mächte, die vor allem anderen im Donaubecken Interessen hätten, seien Deutschland und Italien. Beträchtliches Mißvergnügen in Frankreich. pariser preffestimmen. Paris, 17. Febr. (DNB. Funkspruch.) Die Pariser Morgenpresse befaßt sich am Donnerstag sehr ausführlich mit der Entwicklung der Lage in Oesterreich, wobei es an feindseligen Kommentaren nicht fehle. Uebereinstimmend wird die französische Regierung mit dem Vorwurf der Schwäche bedacht. Ebenso werden mißmutige Bilanzen aus der Versailler und Genfer Politik gezogen. Auch die Panikmacherei setzt wie auf Kommando ein, und in hysterischen Ausbrüchen wird „der deutsche Imperialismus" in alter Weife zum Schreckgespenst gemacht. Die meisten Leitartikler bedauern, daß Frankreich und die Kleine Entente sich nicht rechtzeitig für die R e st a u r a t i o n der Habsburger Monarchie eingesetzt hätten, als es hierfür noch nicht zu spät gewesen sei. „Echo de Paris" sagt, im Grunde genommen seien sich das Foreign Office und der Quai d'Orsay" darüber einig, daß unter den augenblicklichen Umständen alle Erklärungen in der Art derjenigen vom Februar und September 1934 eher schädlich als nützlich sein würden. Heute würden sie noch schädlicher fein, da Italien nicht mitmachen würde. Der bekannte jüdische Skribent endet mit dem üblichen flammenden Appell, daß in Anbetracht der drängenden Zeit England und Frankreich sich einig fein mußten. „Journal" beklagt es, daß die legale Politik des Führers von Anfang an unerwartete E r - folge davonbetragen habe, die man nur von einer illegalen Betätigung erwartet hätte. Er fei nicht durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen, sondern im Gegenteil auf dem legalen und verfassungsmäßigen Wege. Dieselbe, Politik habe in Oesterreich einen Erfolg errungen, der die künstliche Erregung vergessen lasse, die sich in der Welt über die Berliner Neuregelungen vom 4. Februar bemerkbar gemacht hatte. Der Führer werde am 20. Februar nicht mit leeren Händen vor den Reichstag treten. „Ordr e" meint bedauernd, daß die Völker des europäischen Ostens, die ihre Blicke bisher nach London und Paris gerichtet hätten, sich nunmehr an Berlin wenden würden. „Action Fran^aise" sagt, die östereichischen ^Ereignisse bedeuteten den Zusammenbruch einer Politik, die mittelmäßig gewesen sei und die in sich den tätlichen Keim getragen habe. Das sei die Politik des Versailler Diktats gewesen. Vaar-Bahrenfels kam aus dem Heimatschutzlager. Gleichzeitig wurde Innenminister Seyß-Jn- g u a r t zum Leiter des volkspolitischen Referates ernannt. Der bisherige Leiter Dr. Pembauer wurde mit der Führung der Derwaltungsgefchäfte beauftragt. Dem Bundesleiter des volkspolitischen Referates wurde ein Beirat zur Seite gestellt, an dessen Spitze Dr. Hugo Jury berufen wurde. Dr. Jury entstammt dem Lager der nationalen Opposition und gehörte dem Siebenerausschuß für nationale Befriedung an. Von Beruf ist er Arzt in der nieder- österreichischen Stadt St. Pölten. Schließlich wurde auch für die SAG. (Soziale Arbeitsgemeinschaft), die als politische Vertretung der Arbeiterschaft seiner Zeit geschaffen wurde, in der Person des Ministers ohne Geschäftsbereich Rott ein Bundesführer bestellt. Rott kommt aus Kreisen der katholischen Arbeiterschaft. eine andere Auffassung der Dienstpflichten, insbesondere für Berücksichtigung politischer Einste klungen werde ich bei der Exekutive nie Verständnis haben. Die Bestimmung der politischen Haltung ist Sgche der berufenen Organe, und ich räume zur Zeit niemandem in Oesterreich das Recht ein, jeweils genauer und sorgsamer auf die Wahrung nationaler Interessen bedacht zu fein, als ich es bin. Guido Zernatto Staatsminister ohne Portefeuille. :v • Dr. Michael S k u b l Staatssekretär für Sicherheitswesen. Gründung eines Reichsjagdmuseum« in Berlin. Berlin, 16. Febr. (DNB.)' Dc- Reichsjägermeister Hermann Göring hat den Reichsbund „Deutsche I ä g e r s ch a st" mit der Aufgabe betraut, ein Reichsjagdmuseum einzurichten, damit die auf der Internationalen Jagdausstellung gezeigten Sammlungen erhalten und der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Das Reichsjagü- museum soll eine Sammelstätte allen auf die Jagd bezüglichen prähistorischen und historischen Materials fein und so eine lückenlose Darstellung der Jagdgeschichte von ihren ersten Anfängen bis zur Jetztzeit geben. Es soll im Verein mit einem der Jagdwissenschaft dienenden Institut eine Sammel st ätte der jagdwissenschaftlichen Forschung und eine Belehrungsstätte für alle Jäger, insbesondere aber für den jagdlichen Nachwuchs bilden. Als Sitz des Reichsjagdmuseums hat der Reichsjägermeister Berlin bestimmt, damit das Museum in enger Verbindung mit dem Reichsjagdamt als der Zentrale des gesamten jagdlichen Lebens Deutschlands bleibt. Die Auswirkung des Amnestieerlasses. Oie Entlassung der politischen Gefangenen. - Namhafle Persönlichkeiten unter den Amnestierten. Wien, 16. Febr. (DNB.) lieber die Auswirkung des Amnestieerlasses der österreichischen Regierung werden jetzt nähere Einzelheiten bekannt. Für alle politischen Häftlinge, die Untersuchungshäftlinge mit eingerechnet, hat die Freiheitsstunde nun geschlagen. Die Zahl der noch schwebenden Verfahren wird auf etwa 2500 geschätzt. Unter den vermutlich schon in diesen Tagen zur Entlassung kommenden Personen befinden sich auch zahlreiche Verurteilte aussen großen Prozessen nach den Julitagen 1934. So erwartet man jetzt die Freilassung des ehemaligen Ministers R i n t e l e n , der Polizeioffiziere Gotzmann und Seelitz mann und mehrerer Wachbeamte. Unter den Glücklichen wird sich ferner der Ingenieur Woitsche, der im Juni 1937 zu 12 Jahren Kerker verurteilt wurde und gegen den dann noch ein gesondertes Verfahren wegen Hochverrats eingeleitet wurde, befinden. Auch der kürzlich verhaftete Dr. Tavs wird in Freiheit gesetzt werden. Aus dem Konzentrationslager Wöllersdorf stehen etwa 40 Personen vor ihrer Entlassung. Aufständische der Julitage 1934 befinden sich nicht mehr dort. An eine Auflösung des Konzentrationslagers wird nach Blättermeldungen nicht gedacht. Aus Graz wird berichtet, daß sich im dortigen Landesgericht 15 0 politische Häftlinge befinden. Die Zahl der Personen in den dortigen P o l i z e i a r r e ft e n beträgt zur Zeit rund 40. Die neuen Männer. Wie'n, 16. Febr. (DNB.) lieber die neuen Mitglieder des österreichischen Kabinetts ist noch folgendes zu sagen: Der neue Justizminister Prof. Dr. Ludwig Ada- movich ist 1890 in Agram geboren, war Frontoffizier und trat nach dem Kriege in das Bundeskanzleramt ein. 1927 wandte er sich der akademischen Laufbahn zu und war zuerst Universitätsprofessor in Graz und später in Wien. An der Ausarbeitung der Mai-Verfassung vom Jahre 1934 hat er entscheidend mitgewirkt. Nach ihrem Inkrafttreten wurde er vom Bundespräsidenten in den Staatsrat berufen. Handelsminister Ingenieur Rudolph Raab ist Bürgermeister in der nieüerosterreichischen Stadt St. Pölten. Ursprünglich gehörte er der Christlich- Sozialen Partei an, war dann Mitbegründer des Oesterreichischen Heimtschutzes und hat bis zur Auflösung des Parlaments als Verbindungsmann zwischen den Christlich-Sozialen und der Heimwehr gewirkt. Als im Jahre 1934 das Gewerbe in einem eigenen Bund zusammengefaßt wurde, wurde zu dessen Präsidenten Raab bestellt. Der Staatssekretär für Arbeiter- und Angestelltenfragen, Adolf W atzet, gehörte bis zum Jahre^ 1934 der Sozialdemokratischen Partei an.- Er war ursprünglich Metallarbeiter und ist seit vielen Jahren Leiter des Arbeitsnachweises der Metallarbeiter. Seit dem 12. Februar 1934 ist Watzek politisch nicht mehr herporgetreten. Er gilt als" Fachmann auf dem Gebiet des Arbeitsrechts. Der Staatssekretär für Industrie, Oberstleutnant Stepsky-Dolivar, bekleidet in der österreichischen Wirtschaft zahlreiche einflußreiche Stellen und gehört zu den führenden Persönlichkeiten der Energiewirtschaft. Er ist Vizepräsident der Oester- reichischen Bundesbahnen und hat sich als folcher insbesondere für den weiteren Ausbau der Elektrifizierung eingesetzt. Nunmehr ist auch die bereits angekündiate Bestellung eines Staatssekretärs für Land« und Forstwirtschaft erfolgt. Die Wahl fiel auf den Vizepräsidenten der niederösterreichischen Landwirtschaftskammer Ingenieur Max M a t s ch n i g, der auch bereits vereidigt wurde. Seyß-Inquatt übernimmt sein Amt. Wien , 17. Febr. (DNB.) Bei Uebernahme seines Amtes sagte der neue Innenminister Seyß-Jnquart, daß es nun im Zusammenhang mit der Aussprache der Lenker der beiden deutschen Staaten möglich fei, zur organisato - Dr. Arthur Seiß-Jnquart Bundesminister für Inneres und Sicherheitswesen. rischen Einheit der inneren Verwaltung zurückzukehren, fei ein freudiges Zeichen dafür, daß der Weg zum inneren Frieden erfolgreich beschritten worden sei, und festige den Entschluß, mit äußerster Einsatzbereitschaft diesem Ziele zu dienen. Der Minister richtete bann an jene, die den Sicherheitsdienst ausüben, die Mahnung, den Staatsbürger von der Wichtigkeit und Notwendigkeit der Machtausübung des Staates zu Überzügen und unbeugsame Gesetzlichkeit und strengste Objektivität mit möglich st er Menschlichkeit zu verbinden. Eine deutsche Exekutive, sagte der Minister, hat nie versagt und versagt nie. Ich erwarte, daß Sie in biefen Tra- bitionen des deutschen Volkes und des österreichischen Vaterlandes Ihren Dienst vollziehen werden. Für aus. * Aus aller Welt Rege Beteiligung der Gymnastiklehrer am BDIN.-werk „Glaube und Schönheit-. Am 10. Februar hatte der Jugendführer des Deutschen Reiches an alle Gymnastiklehrer und -lehrinnen einen Appell gerichtet, an dem BDM.- Werk „(8 Laube und Schönheit" mitzuarbeiten. In Gymnastikkursen, Sport- und Bewegungsspielen sollen sie die weibliche Jugend ausbilden und so dem neuen Schönheitsideal dienen. Zahlreiche bewährte erzieherische Fachkräfte haben daraufhin ihre Mitarbeit zur Verfügung gestellt, und der Reichsverband Deutscher Turn- und Sport- und Gymnastiklehrer hat sich bereiterklärt, mit allen seinen Kräften das neue Werk der Jugend „Glaube Breslau, 16. Febr. (DNB.) Auf einer Ar- beitstaguüg der Leiter der für die Preisbildung zuständigen Behörden erklärte Reichskommissar Wagner, die erste Aufgabe der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik habe in der Ingangsetzung d e r deutschen Wirtschaft als notwendige Voraussetzung für die Wiedergewinnung der deutschen Freiheit bestanden. Dies sei gelungen. Der verhängnisvolle Kreislauf — Steigerung der Preise, Löhne und Zinsen, Druck auf die Nachfrage, Rückgang der Investierung und bet Produktion an Investitionsgütern — sei aus früheren Beispielen bekannt, und diese Gefahr drohe auch heute wieder vielen Volkswirtschaften, Die Stabilisierung der Konjunktur sei nur möglich, wenn es gelingt, den Grad der Unabhängigkeit der deutschen Wirtschaft 'vom Ausland zu erhöhen. Einem Ziel, dem der zweite Vierjahresplan dient. Im Gegensatz zu unserer auf die Stabilisierung der Konjunktur gerichteten staatlichen Wirtschaftslenkung herrsche in anderen Ländern, vor allem im sogenannten Welthandel, auch heute noch das A u f und Ab der K o n j u n k t u r. Beispielsweise sei in dem kurzen Zeitraum seit Oktober 1936 b’.e Indexziffer, der Weltmarktpreise um 23 v. $). gestiegen, um in den letzten Monaten bereits wieder einen Rückgang von 12,1 v. S). zu erfahren. Der unbekannte Richard Wagner Aufführung dreier Zugendwerke in Leipzig. Von unserem Sonderberichterstatter Johannes Zacobi. Stabilisierung der Konjunktur Die Aufgabe der Preisbildung. und Schönheit" zu unterstützen. Den Leiter der Medau-Schule, Hinrich M e d a u, berief der Reichsjugendführer in seinen Stab und beauftragte ihn, die Heranbildung und Ausbildung der erzieherischen Kräfte zu übernehmen, die für die gymnastische Arbeit des BDM.-Werkes „Glaube und Schönheit" eingesetzt werden sollen. Vergwachlführer Buckel aus dem Amt geschieden. Der Führer der Deutschen Bergwacht, Treuhanddirektor Albert Buckel, ist, wie der „V. B." meldet, aus dem Amt geschieden^ In dreijähriger Tätigkeit hat er die Deutsche Bergwacht im Rahmen des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen zu einer kraftvollen und einsatzbereiten Unter den Möglichkeiten staatlicher Wirtschaftsführung sei das Preisproblem ein Zentralproblem der Wirtschaftspolitik, denn die als Hauptziel gekennzeichnete Stabilisierung der Konjunktur fei nur bei gleichzeitiger Unterbindung von Preisschwankungen und Verhinderung einer Preiskonjunktur möglich. Es stehe fest, daß 1936 die Produktionskonjunktur im stärsten Ausmaß in eine Preiskonjunktur umzuschlagen begann. Indessen ist es durch die Preisstoppverordnung gelungen, die Beziehungsverhältnifse der verschiedenen Faktoren so zu stabilisieren, so daß es Verschiebungen zu Ungunsten irgend eines Faktors nicht gegeben hat. Die landwirtschaftliche Erzeugung müsse unter allen Umständen g e - sichert bleiben. Voraussetzung hierzu sei ein auskömmlicher Erlös. Es sei aber klar, daß dies nicht auf Ko st en der Verbraucher- schäft geschehen könne. Die hier notwendigen Maßnahmen müßten auf der Kostenfeite liegen, wie dies z. B. durch die Senkung der Preise für Düngemittel, für verschiedene landwirtschaftliche Bedarfsgegenstände und die Senkung der Landmaschinenpreise herbeigeführt worden ist. In gleicher Richtung liege die Absicht, den elektrischen Strom für die Landwirtschaft zu verbilligen. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum, schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen- leiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. I. 38: 11 000. Druck und Verlag: Brühlfche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM.2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. nächsten Oper, dem „Liebesverbo t", zunächst einmal ganz in die Arme der französisch-italienischen Richtung eines Auber, Boieldieu, Spontini und Bellini warf und vorübergehend ein „musikalisches Europäertum" durch Wort und Tat predigte, weisen die Feen" die Welt der deutschen Frühromantik als das eigentliche künstlerische Wurzelreich des späteren Vollenders der Romantik aus. Webers „Oberon" und Marschners Spukhaftiakelt bestimmen auch das szenische Bild. Indem die Aufführung des Neuen Theaters in Leipzig den Theaterzauber und die ständige Ueberschneidung von realer und überwirklicher Welt mit geradezu überwältigender Großartigkeit und technischer Mühelosigkeit herausarbeitete, verhalfen der regiesuhrende Intendant Hans Schüler und der ungemein Phantasie- und geschmackvolle Bühnenbildner Max Elten dem Jugendwerk Wagners zu einer beispielhaften Wiedergabe, der im Szenischen keinerlei „provinzielle" Züge mehr anhafteten. Auch gesanglich gab es einige glückliche Leistungen, unter denen vor allem Grete K u b a tz k i und August Seiber in ben Hauptrollen, hervorragten. Eine britte, nicht weniger bemerkenswerte Bekanntschaft mit einem „verschollenen" Werke Wagners brachte bie offizielle Eröffnungsfeier der Leipziger Festspiele am gleichen Tage: „D a s Liebesmahl der A p o st e l". Es entstand 1843, als Hilfsgemeinschaft ausgebaut. So erwies die Seufc sche Bergwacht ihre Schlagkraft im und Naturschutzdienst in fast allen Gebieten Deutschlands und auch bei größeren Unternehmungen wie den Katastrophen in der Watzmann-Ostwand und m der Eiger-Nordwand. Skehger Frost im Allgäu. i In der Nacht zum Donnerstag sank im Allgäu das Thermometer auf -17 Grad, womit eme Temperatur erreicht wurde, die im Dezember und ^unuar nur kurze Zeit feftzuftellen war Bei tiefer Schneelage und starkem Rauhreif zeigt sich die Landschaft in prächtigem Winterschmuck. Kleine politische Nachrichten. Di- überaus zahlreichen Glückwlln,ch- die Reichsaußenminister v R i b b e ntr d p anläßlich seiner Ernennung durch den Führer und Reichs- anzlssr aus dem In- und Auslande erhalten hat, machen es ihm unmöglich, sie alle persönlich zu beantworten. Reichsaußenminister von Ribbentrop spricht daher auf diesem Wege allen denen, die seiner so freundlich gedachten, seinen herzlichen Dank Der Reichsminister- des Auswärtigen v. Ribbentrop hielt einen Appell der Gefolgschaft des Auswärtigen Amtes im Haus des Reichspräsidenten ab, bei dem er Gelegenheit nahm, alle Angehörigen des Amtes persönlich zu begrüßen. Der in Deutschland weilende japanische Admiral Go do stattete dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, einen längeren Besuch ab. Er überreichte Dr. Goebbels dabei einen Silberkasten mit wertvoller japanischer Einlegearbeit als Zeichen der Verehrung des japanischen Volkes für das neue Deutschland. Wetterbericht Die vom Atlantik ausgehende, über den hohen Norden führende Wirbeltätigkeit bedingt das vor Skandinavien liegende Hochdruckgebiet westwärts abzuführen. Damit ist vor allem bie Zufuhr weiterer Kaltluft aus Jnnerrußland abgeschnitten. Die aus dem Mittelmeergebiet stammenden Luftmasien brachten auch unserem Gebiet in der Nacht zum Donnerstag verbreitete Schneefälle. Die damit entstandene Schneedecke wird einen raschen Temperaturanstieg verhindern und bei westlicher Aufklärung zu beträchtlicher Frostzunahme führen. Aussichten für Freitag: Zeitweise aufheiternd, doch im ganzen unbeständig und auch einzelne Schneefälle, nachts Frost ansteigend, W'nbe aus Nord bis West. Aussichten für Samstag: Unbeständig bei fortschreitender kälterer Witterung. Lufttemperaturen am 16. Februar: mittags 0,3 Grad Celsius, abends —2,8 Grad; am ^7. Februar: morgens —2,2 Grad. Maximum —0,5 Grad, Minimum heute nacht —3,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. Februar: abends 0,3 Grad; ‘ am 17. Februar: morgens 0,2 Grad. — Niederschlage 2,5 mm. — Sonnenscheindauer 5,6 Stunden.' Wintersport-Wetterbericht. Vogelsberg. Herchenhainer Höhe: Bewölkt, — 6 Grad, Gesamtschneehöhe 25 bis 40 cm, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. Schwarzwald. Feldberg: Heiter, —15 Grad, Gcscrmtschnerhöhe 275 cm, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. » Wagner Hofkapellmeister in Dresden geworden war, als Gelegenheitskomposition für em Dresdener Sängerfest und wurde in der Frauenkirche von 1200 Sängern uraufgeführt. Stilistisch bewegt es sich zwischen Männerchorstil nach Zelterschem Liedertafelmuster, geistlichem Oratorium und dramatisierenden Neigungen. Mit großem Geschick und feinem Geschmack wählte man jetzt in Leipzig eine szenische Darstellung. Sie zeigt die urchristliche Pfingstge- meinde, gestellt von mehreren Leipziger Männergesangvereinen unter der musikalischen Leitung Hans Stieb er s, in orientalisch weißer Gewandung. Die farblich abstechenden Dürer-Apostel künden der Gemeinde die beginnende Verfolgung, ermahnen sie zu Gebet und Ausharren und feiern nach der Ausgießung des Heiligen Geistes unter dem ragenden Kreuz hoch oben auf der Bühne das an Leonardo da Vinci gemahnende Abendmahl. Die melodisch weitgespannte, den Wortsinn bedeutungsvoll nachzeichnende Chordeklamation, der die Erfahrung des Holländer-Komponisten anzumerken ist, wird erst bei der Ausgießung des Heiligen Geistes durch den effektvollen Eintritt des in Tannhäuser-Klängen schwirrenden Orchesters unterbaut. Alterierte Akkorde schaffen schon die typische Wagnerstimmung, ein unsichtbarer Kammerchor aus der Höhe erinnert an die entsprechende Parsisalszene und die zeitweise Dreiteilung der Chöre verrät das latente dramatische Element. Hans Schülers „Inszenierung" unterstützte es durch konseguente chorische Bewegung der Massen und der Apostel sowie durch dezente und sinnvolle Lichteffekte. So hinterließ die festspielmähige Ausnahme- Aufführung einen nachhaltigen Eindruck. Das Lebenswerk Richard Wagners reicht in i der offijwfen Aufführungspraxis Bayreuths vom । „Fliegenden Holländer^ bis zum „Parsifal". Die I stehenden Operntheater berücksichtigen außerdem ' noch „Rienzi". Was aber vor diesen allgemein be- 1 kannten „Erstlingswerken" des sechsundzwanzig- । jährigen Rigaer Theaterkapellmeisters liegt, ist für < die Bühnen praktisch nicht vorhanden. Als Jugendsünden bezeichnete Wagner selbst seine ersten beiden Opern „Die Feen" und „Das Liebesverbot", die noch ganz dem überlieferten Operntheater verpflichtet find und sich „musikdramatisch" auch' nicht umdeuten lassen. . Um so größeren Dank verdient die Stadt Leipzig, daß sie in ihrer großen Festspielreihe dieses Sommers das gesamte dramatische Lebenswerk Richard Wagners berücksichtigt. Erhält dieser Zyklus, der zur Feier des 12 5. Geburtstages des größten Sohnes der Messestadt von Februar bis Juni reichen wird, seine stilistische Bedeutung, durch den aufschlußreichen Versuch, einmal sämtliche szenischen und Regieoorschriften Wagners getreulich zu erfüllen, so brachte uns der Beginn der ersten Festspielreihe am 55. Todestage Wagners die fesselnde Bekanntschaft mit drei von seinen fast unbekannten Werken. Die früheste Arbeit Richard Wagners für die Opernbühne ist leider nur noch als geringfügiges Bruchstück vorhanden. Es war eine Oper „Sie Hochzeit", zu der dem Neunzehnjährigen das Liebes- und Eifersuchtserlebnis mit den Geschwistern Pachta während eines Ferienaufenthalts in Prag die Anregung gab. Aber das Werk wurpe von Wagners ältester Schwester Rosalie, die bei der Leipziger Erstaufführung von Goethes „Faust" das Gretchen gespielt, hatte, mißbilligt, und der Bruder vernichtete es bis auf ein Fragment — eine Orchestereinleitung, eine Chorszene und ein Septett —, das jetzt in Leipzig erklang. Musikalisch scheint es üb^r die folgenden beiden Opern Wagners bereits hinauszureichen, bemerkenswert bleiben jedoch lediglich einige sprachliche Formulierungen — Wagner schrieb sich auch hier schon selbst den Text — die fast wörtlich im „Holländer" und in der „Walküre" wiederkehren. Eine angenehme Ueberraschung waren die „Feen". Sie sind bezeichnend für die künstlerische Herkunft und künftige Entwicklungsrichtung des damals neunzehnjährigen Dichterkomponisten. Die Handlung geht auf Gozzis „La donna serpente“ zurück und dreht sich um die Fee Ada, die ihrer halb irdischen, halb überirdischen Abstammung entsprechend zwischen der Liebe des irdischen Königs Arindal und der Unsterblichkeit der Feenwelt hin und her gerissen wird. Bezeichnend für den jungen Wagner ist es nun, daß er aus einer Zauberposse ein Erlösungsstück formt. Wird in fast allen spateren Werken seit dem „Holländer" der Mann durch die Opfertat des liebenden Weibes erlöst, so ist es in den „Feen" umgekehrt die Frau, die durch die - Liebe und heldische Bewährung des Mannes aus der Verzauberung und den Umgarnungen des Feenreiches befreit wird. Auch das Lohengrin-Motiv des Frageverbots ist bereits vorhanden, indem Arindal acht Jahre lang nicht nach Name und Herkunft der Gattin fragen darf. Wenn er schließlich die Verzauberte durch die Macht seines Gesangs aus dem Felsen befreit, wer dächte dann nicht an „Orpheus" und die Anknüpfung des späteren Musikdramatikers Wagner an die Opernreform Glucks? Sogar das Parsival-Motiv des Mitleids mih dem Tier klingt in den „Feen" schon an. In der musikalische Sprache Wagners lassen sich freilich von diesem Erstlingswerk aus noch nicht die gleichen weitreichenden Bögen zum späteren Schaffen ziehen. Es ist im allgemeinen konventionell, bezeugt aber für einen Neunzehnjährigen bereits eine erstaunliche Beherrschung der Mittel. Doch wichtiger ist die Tatsache, daß Wagner hier vor allem -an Weber und Marschner anknüpft. Daneben finden sich gewiß Einflüsse der französischen Oper, besonders die Kenntnis von Aubers „Stummer von Portici"; aber während sich Wagner in seiner Gießen (Asterweg 27, Nebenhaus), den 17. Febr. 1938. _____________________________________________________________ 0694 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen und für die überaus zahlreichen Kranz- und Blumenspenden ist es uns nur möglich, auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank auszusprechen. Ganz besonderen Dank dem Herrn Oberbürgermeister der Stadt Gießen, dem Wohlfahrtsamt, dem Städt. Beamtenbund, Westerwald-Verein. der Altersvereinigung und dem Herrn Dr. Flörke für die Kranzniederlegung. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Anna Mandler und Geschwister. 0693 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen, die zahlreichen Kranzspenden, sowie die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Schultheis sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Frau Kath. FaberWwe. und Kinder. Großen-Linden, den 17. Februar 1938. Perfekte Kontoristin von hiesigem Unternehmen für sofort oder per 1. April 1938 gesucht. Schriftliche Bewerbungen mit Zeugnisabschriften und Lichtbild erbeten unter 1031 D an den Gießener Anzeiger. Monhläoon von3bis20V-H-crha,tenSiebeiwied8T* NuuillduuU holten Veröffentlichungen einer Anzeige! Gewinnnuszug 5. Klaffe 50. Preußisch-Süddeutsche (276. Preuß.) Klaffen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 8» Ziehungstag 16. Februar 1938 2n der heutigen Dormibtagsziehung wurden gezogen 2 Gewinne zu 10000 RM. 390631 6 Gewinne zu 3000 RM. 121114 138140 385227 10 Gewinne zu 2000 RM. 30393 177609 267882 277628 361606 56 Gewinne zu 1000 RM 6463 11518 19366 25778 34369 72145 79353 87793 88048 103915 106229 145307 149981 181286 187942 202631 220352 230540 296746 306413 312754 336265 340888 347446 354002 359112 365340 397718 lieber Naturschutz und Naturkunde mit den allgemeinverständlichen Büchern des Hugo Berinühler Verlages, Verlin- Lichterfelde. Bitte verlangen Sie noch heute von Ihrem Gießener Buchhändler das ausführliche bebilderte Werbeblatt „Freunde der Natur sind Freunde guter Bücher" Großhandlung sucht zum 1. Juli evtl, bis dahin leerstehende tNtta mit Garten und Garagen. Angebote ohne genaue Angabe von Lage und Preis zwecklos. Schriftliche Angebote unter 1039 D an den Gießener Anzeiger. Großer Berkaus. Freitag, IS. 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Keine Zeugnisse in Urschrift lonbem nm Zeugnisabschriften dem Bewerbungsschreiben beilegen I — Lichtbilder undBewerbunqsunter- ^gen müssen zur Vermeidung von Berlusten auf der Rückseite Namen und Anschrift des Bewerbers trogen 1 Selbständiges ehrliches Mädchen fiirHaushalt und Laden gesucht. Zu erfrag, in der Geschäftsstelle d. Gieß. Anz. 1042V Gut empfohlenes zuverlässiges Tagesmädchen zum 1 März gesucht. 0683 Gr. Steinmeg 7. Empfehlungen Pelzwaren Pelz-Reparaturen sehr preiswert M. Liebler Kreuzplatz 2. Schöne l Masken ■Stoffe Moderne Masken-SchnittB Aparter Masken-Sclunuck Manfred VOLZ Gießen Marktstr. 27 ■Hanen alle lästig.Haare, Leberflecken Pickel, Sommer- spross, usw. entf. u. Gar. kür immer Frau B. Gulden seit 1935 Fr. W. Henkel Svrechst.Freitag Gießen, Am Riegelpfad 32, 9—6 /3 Uhr durchgehend. Stadttheater Heute Freitag 20—22 Uhr I Einmalig.Gastspiel ! Marzipan Die schönsten Tänze Am Flügel: Hanns Hasting Preise: Rm. 0.60-3.00. 20—22.30 Uhr 20. Freitag- Miete Erstaufführung ParkslrakelS Krimmalstück von Axel Ivers. SpieUeitung; Hans Geißler. Preise: ioi?D RM. 0.60-3.00. PeslbeM sm echen Leh In den verc finge in den E wie auch M riq damit des bewerb 1938 z wendigen Boi hängten Fenst danken ihre 2 Dienstag, wie die Beivertun kritischer Wär gen um gute überprüfen. N wurde das ha Der diesjäh in mehr als ei dem Leitgeda, Leistung" i bewerb und z an den beteilig das Sprud)ba: bewerb, lieber den die Beteil! ist insofern eil mal and) bie ä beteiligt Iein toi Ähren dieser 2 lingen vorbehalt erfreulich starke 'M diesem grundsätzlich dar beweist uud in stete. Die Unto! sollten möglich also, mit einjo wurde bemüh! fenster. Gleich sein, die Eigk ouszustellen. l ferner, daß bas gestellt wurde. Ginn der Gai Ichön und zwei säst nur aus, Früchte usw. z. eines l Wi erz, ^enjamino 6 T erzählt in ®Qtgarete Fj h. 0/bruärnu Hen oeröffer a n en Jemer sG °rtnubencho7 ?ur w der K Mh-n, i» d E HÜMetot ''Angelikas fifi Unb erlebte [0 he'u?^es : Mch mit ger^'Dl vor man AjOlf. weißes Senden Ceide Ni war irf? :o,e A to, Ä“* I« penlichi Do Ätz 'M; Ä" berate '.'»'m Stoot "«tu J"Igtei( Nr.Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 17. Zebruar 1938 Aus der Stadt Gießen Schöne Werbung für Bonbons und Drops. legen spro’cfe/fairf- ~ Allabendlich mit Nivea-Creme die Haut geschmeidig machen. Dann trotzt sie Wind und Wetter, ohne spröde zu werden. Gewertet wurde in 15 verschiedenen Fachgruppen. Die Bewertung wurde von sechs Kommissionen vorgenommen, die sich ehrenamtlich dem Kreiswettkampfleiter S t e i n l e (DAF.) zur Verfügung geteilt hatten. Die Beurteilung der Schaufenster ge- chah nach vier verschiedenen Gesichtspunkten, und zwar nach Idee und Planung, Beurteilung der Anwendung der Dekorationshilfen für die Schau- enftergeftaltung, nach technischer (handwerklicher) und künstlerischer Leistung und schließlich nach dem Werbeinhalt und der Werbewirkung. Gewertet wurde ferner nach fünf Leistungsklassen. In den Leistungsklassen 1, 2 und 3 wurden die Lehrlinge im 1., 2. und 3. Lehrjahre erfaßt, in einer weiteren Klasse die Berufsangehörigen bis zum-5. Berufsjahr nach beendeter Lehrzeit und in der letzten Klaffe Berufsangehörige mit über öjähriger Tätigkeit. Die Gestalter der neun besten Schaufenster werden mit Ehrenurkunden bedacht. 3. Gerhard Kl i p p e l (Eisenwarenhandlung Edgar Borrmann), Leistungsklasse 2. 4. Alfred Lindner (Photo-Winterhoff), Leistungsklasse 2. 5. Ludwig Hahn (Wäscheausstattung C. 0. Reuter), Leistungsklasse 5. 6. Rudolf F l i e g e l („Nordsee"), Leistungsklasse 5. 7. Adolf Heuser (Germania - Drogerie), Leistungsklasse 6. 8. Ottkar Eid mann (Drogerie Winterhoff), Leistungsklasse 6. 9. Richard Kuhlmann (Gebr. Seelbach), Leistungsklasse 6. Das Schaufenster als Werbung für den Seefisch-Genuß. .(Aufnahmen [3J: Neuner, Gießener Anzeiger.) Bällchen und stößt wütend gegen die blitzende Schelle, wie es alle Wellensittiche tun. Nur sein Geheimnis behält er für sich. Ist es nun der richtige familienberechtigte Peter, oder ist es nur ein zugeflogener fremder Vogel? Wer kann es wissen? Sch. Dornotizen. Tageskalender für Donnerstag. Stadttheater: 20 bis 22 Uhr, Gastspiel Mary Wigman „Die schönsten Tänze". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Urlaub auf Ehrenwort". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Geheimnis um Betty Bonn". — Oberhessischer Geschichtsoerein, L.-B. Volkstum und Heimat: 20.15 Uhr, Aula des Gym- Oer Wellensittich. Er heißt natürlich Peter, und es ist auch gar nicht einzusehen, weshalb er anders heißen sollte. Denn Peter scheint ebensosehr der Gattungsname für Wellensittiche zu sein, wie Flocki für'die muntere Schar der Drahthaarterrier und Hänschen für die zahlreichen Vertreter der Kanarienvögel. Jedoch ist es unbesteitbar, daß alle Träger dieser Namen sich einer hervorragenden Beliebtheit erfreuen, auch wenn ihr Betragen nicht immer den uneingeschränkten Beifall ihrer Besitzer hervorruft. Peter wurde als junger Kiekindiewelt in den Familienkreis ausgenommen. Vati baute eigenhändig einen geräumigen Käfig, wobei er sich nicht unerheblich in den Daumen schnitt. Mutti besorgte unterdessen ein Spielbällchen und, eine blitzende Schelle, die an einem Faden im Käfig aufgehängt wurden, und unter dem Beistand der ganzen Familie erfolgte Peters triumphaler Einzug in die vergitterte Behausung. War Peters Seele nun verstockt, oder wußte er die vereinten Bemühungen seiner neuen Hausgenossen nicht zu schätzen — jedenfalls enttäuschte er die gespannten Erwartungen sehr. Er setzte sich auf die Stange- im äußersten Winkel, plusterte sich ein wenig auf und nahm ebensowenig Notiz von den unermüdlichen Lockver- suchen wie ein indischer Säulenheiliger. Später gab sich das, wozu nicht wenig der Drang zum Futter beitrug. Ja, sogar die emsigen Dressurbemühungen wurden von einigem Erfolg gekrönt. Peter spielte mit dem Bällchen und stieß auch von Zeit zu Zeit wütend gegen die blitzende Schelle, die auf diese Weise zum Klingen gebracht wurde. Und aus seinen schnarrenden Kreischtönen ließen sich mit besonders gutem Willen und einiger Phantasie hin und wieder auch Laute vernehmen, die als Sprach- Übungen gedeutet werden konnten. Die Familie strahlte, Peter war der erklärte Liebling. Indessen schlummerte in Peters Brust tief versteckt der Freiheitsdrang. Und dieser war es, der ihm eines Tages Veranlassung gab, durch das offene Türchen seines Bauers auf tue Fensterbank zu fliegen. Mutti erstarrte fast vor Schreck, das Fenster war geöffnet. Peter trippelte auf dem Fensterbrett hin und her, ließ alle zärtlichen Lockrufe außer Betracht und entschwand in dem Augenblick ins Freie, als Muttis Hand ihn haschen wollte. Beim Mittagessen gab es dramatische' Szenen im Familienkreis, wodurch Peter allerdings nicht wieder herbeigeschafft wurde. Er saß in einem Baum des nachbarlichen Garten und schnarrte vergnügt. Aber dann war er plötzlich verschwunden, niemand konnte sagen, wohin. Zwei Tage später kam ein Pete'r zum Fenster herein. Er sah genau so aus wie der Entschwundene, aber konnte er es sein? Die Familie erörterte dieses wichtige Problem gründlich, doch Peter nahm keine Notiz davon. Er tut es auch jetzt noch nicht, läßt sich vielmehr das Futter schmecken, spielt mit dem Bestbewertete Arbeit eines Lehrlings im ersten Lehrjahr aus der Fachgruppe Textil. In den vergangenen Wochen waren die Lehrlinge in den Einzelhandelsgeschäften unserer Stadt, wie auch Dekorateure und Kaufmannsgehilfen eifrig damit beschäftigt, für den Schaufenster-Wettbewerb 1938 zu planen, zu entwerfen und die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Hinter verhängten Fenstern fanden dann Entwürfe und Gedanken ihre Verwirklichung, und am vergangenen Dienstag, wie auch am gestrigen Mittwoch waren die Bewertungskommissionen unterwegs, um in kritischer Würdigung das Ergebnis der Bemühungen um gute und geschmackvolle Schaufenster zu Überprüfen. Noch im Laufe des gestrigen Abends wurde das hauptsächlichste Ergebnis errechnet. Der diesjährige' Schaufensterwettbewerb wurde in mehr als einer Hinsicht ein großer Erfolg. Unter dem Leitgedanken „W ir künden deutsche L e i st u n g" traten 87 Teilnehmer in den Wettbewerb und zeigten damit ihr Können. Ueberall an den beteiligten Geschäften sieht man gegenwärtig das Spruchband mit dem Leitwort für den Wettbewerb. Ueberall lassen auch die Teilnehmerurkunden die Beteiligung erkennen. Im Wettbewerb selbst ist insofern eine Aenderung eingetreten, als diesmal auch die älteren Berufsangehörigen beteiligt sein konnten, während in den vergangenen Jahren dieser Wettbewerb ausschließlich den Lehrlingen vorbehalten war. Darauf ist nicht zuletzt die erfreulich starke Teilnahme zurückzuführen. Bei diesem Schaufensterwettbewerb ging es grundsätzlich darum, daß der Bewerber eigene Idee beweist und in der Ausführung eigene Arbeit leistete. Die Unkosten für die Verwirklichung der Idee sollten möglichst gering gehalten werden. Es galt also, mit einfachsten Mitteln zu arbeiten. Erstrebt wurde bewußte Kundenwerbung durch das Schaufenster. Gleichzeitig sollte die Möglichkeit gegeben fein, die Eigenleistung des Einzelkaufmanns herauszustellen. Wichtig für diesen Wettbewerb war ferner, daß das deutsche Erzeugnis werbend herausgestellt wurde. Es entsprach zum Beispiel nicht dem Sinn der Sache, wenn ein Schaufenster noch so schon und zweckmäßig ausgestattet wurde und dabei fast nur ausländische Weine oder ausländische Früchte usw. zeigte. ______________________ Gchaufenster-Wettbewerb4938—ein großer Erfolg 8T Schaufenster in Gießen im Wettbewerb. nafiums, Vortrag Professor Dr. Götze „Unsere Familiennamen". — Deutsche Jägerschaft: 17.15 Uhr, Vorlesung Professor Dr. Krause „Wildkrankheiten". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand. heute Nlary-Wigman-Gastspiel. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute um 20 Uhr findet jm Stadttheater ein einmaliges Gastspiel von Mary Wigman statt. Mary Wigman hat durch ihre hohe Kunst in der ganzen Welt den Begriff eines deutschen Stils im Kunsttanz geschaffen. Am Flügel: Hanns Hasting. Das Gastspiel findet außer Miete statt und endet um 22 Uhr. Professor Dr. Götze spricht über „Unsere Familiennamen". Durch die reiche Schatzkammer der deutschen Namengebung führt uns» deren bester Kenner in einem Vortrag, zu dem der Oberhessische Geschichtsoerein und der LB. „Volkstum und Heimat" gemeinsam die Gießener Bevölkerung für den heutigen Donnerstagabend in die Aula des Gymnasiums einladen. Hitter-Zugend Bann 116 Gießen. Belr.: Groß-Konzert der Wehrmacht. Am 19. Februar, morgens 10 Uhr, findet ein Groß-Konzert der Wehrmacht in der Volkshalle statt. Dieses Konzert wird von der Hitler-Jugend besucht. Es haben daher am 19. 2., morgens 9.30 Uhr, alle Jgg., die in Gießen eine Schule besuchen, vor der Dolkshalle anzutreten. Der Schulunterricht für die Jgg., die das Groß-Konzert besuchen, fällt aus. Es wird in vorschriftsmäßiger Uniform ange- Auf einem Rundgang durch die Stadt und bei einer Besichtigung der am Wettbewerb beteiligten Schaufenster konnte man die erfreuliche Feststellung machen, daß sich die Teilnehmer mit vielem Fleiß den gestellten Aufgaben widmeten. In den besten Arbeiten tritt klar baS Bestreben zutage, durch Einfachheit und sinnvolle Raumaufteilung, durch Harmonie in Formen und Farben, guten Eindruck und Werbewirkung zu erzielen, allenthalben war man bemüht, eine lleberlabung der Schaufenster zu vermeiden. Manche ausgezeichnete eigene schöpferische Idee war anzutreffen, vielen Teilnehmern war es gelungen, durch gut geschriebene Schriften oder durch Ausschneiden von Buchstaben aus buntem Material das Schaufenster sinnvoll zu beleben. Das Ergebnis. Noch gestern abend wurden von der Leitung des Wettkampfes diejenigen Preisträger festgestellt, die mit den Ehrenurkunden ausgezeichnet werden. Mit Ehrenurkunden werden ausgezeichnet: 1. Helmut Schäfer (Modehaus C. Nowack), Leistungsklasse 1. 2. Hermann Luh (Tabakwaren-Groß- und Klein- Handlung Wilhelm Moser), Leistungsklasse 1. Erster Auftritt eines berühmten Tenors. Gigli erzählt von seinen Anfängen. Benjamino G i g I i, der große italienische Sänger, erzählt in einer fesselnden Plauderei, die von Margarete Fickeler übertragen wurde und in der Februarnummer von „Westermanns Monatsheften" veröffentlicht wird, von feiner Kindheit und von den schweren Anfängen seiner Laufbahn. Wegen seiner schonen Altstimme war er in den Sängerknabenchor des Doms in seiner Heimatstadt Re- canati aufgenommen, und der Knabe, der nicht nur in der Kirche, sondern auf den Straßen und bei der Betätigung im Haus fang, erregte überall Aufsehen, so daß sein Ruf bis in die Provinzhaupt- ftabt Macerata drang und man ihn dorthin Holle, als zu Wohltätigkeitszwecken eine heitere. Operette „Angelikas Flucht" von Studenten aufgeführt werden sollte. Er übernahm die Rolle der Angelika und erlebte so sein erstes Auftreten auf der Bühne. „Seltsames Debüt!" schreibt Gigli. „Ich sehe heute noch, mit welcher Bestürzung ich mich damals im Spiegel vor meinem Auftreten betrachtete: langer weißer Rock, Blüschen mit langen Aermeln, wie man sie damals trug, Samthütchen mit zwei großen weißen Blumen auf einer mächtigen, dunkelglänzenden Perücke, Sonnenschirm aus hellblauer Selbe... Die Aufmachung war großartig? Damals war ich noch schlank, mit runden, bartlosen Mangen, kurzum, von weitem und im künstlichen Rampenlicht ging ich für eine ganz hübsche „Angelika" durch. Für die Chronik sei gesagt, daß meine Altstimme außerordentlich gefiel; eine Zeitlang sprach die kleine „Hauptstadt" nur von dieser Aufführung. Tatsache ist, daß diese Aufführung wirklich mein Schicksal bestimmte!" ♦ Als 18jähriger war Gigli nach Rom gegangen in der Hoffnung, in der Schule von Don Lorenzo Pe- rofi aufgenommen zu werden, aber da er zu alt war, mußte er durch Gelegenheitsarbeiten feinen Unterhalt fristen und verlebte schwere Zeiten, bis es ihm schließlich gelang, mit einem Stipendium in der Gesangsschule „Santa Cecilia" unter Maestro Rosati aufgenommen zu werden. Nach zweijährigem erfolgreichem Studium nahm er 1914 an einem Sängerwettbewerb in Parma, der von einer amerikanischen Mäzenatin veranstaltet wurde, vor einer gewaltigen Prüfungskommission von Professoren und berühmten Sängern, teil. Er ging als Erster unter den Tenören aus der Prüfung hervor. Dor einiger Zeit schenkte ihm ein Freund in Parma den Zettel Nr. 75, seine damalige Examennummer, mit den Anmerkungen der Prüfungskommission. Sie lauteten so: . z „Name: Gigli, Beniamino, aus Recanati. Alter: 24 Jahre. Gestalt: Gut. Kraft der Stimme: Kräftiger Tenor, hochlyrisch. Klangfarbe: Warm, sympathisch. Intonation: Vorzüglich. Tonfüllt: Vollkommen. Interpretation: Warm, ausdrucksvoll, tief beeindruckend. Höchste Punktzahl: Neun. Aber unten darunter mit Blaustift in großen Buchstaben der Nachsatz, den ich damals nicht ahnte: »Endlich haben wir den Tenor gefunden^" Drei Monate nach dieser Prüfung hatte Gigli sein erstes Engagement für die Hauptrolle in der „Giacynda" im Theater zu Rovigo. „Alles kann em Sänger vergessen", schreibt er, „nur nicht den Abend seines ersten Auftretens. Noch sehe ich mich im bescheidenen Zimmerchen hinter der Bühne, fr der Erwartung, gerufen zu werden. Das Herz sitzt mir in der Kehle, und um die Kehle fühle ich einen Eisenring, der sie zuzieht. Ich werde einfach nicht fingen können! Ein Freund ist bei mir; er sollte mir Mut zusprechen. Aber er — zittert noch mehr als ich! So viele Jahre des Hungerns, der Entbehrungen, der Träume sollen nun endlich in die Wirklichkeit der Bühne münden! Aber wer gibt mir die Gewißheit, daß es nicht ein erbarmungswürdiger Mißerfolg fein wird? Man hat mir versichert, daß mein „Cielo e mar" unwiderstehlich sei. Aber werde ich es nun auch fingen können, wie ich es immer am Klavier gesungen habe? Ich versuche mir die Kehle frei zu räuspern, ich ftimme eine Arie an. Es geht nicht, nein, es geht nicht! Dieser infame Gifenring drückt, drückt... Der Freund „fragt mit einem Hauch von Stimme: „Wie geht es?" Ich antworte mit einem halben Hauch: „Es geht nicht! Bring' mir eine Taffe Kaffee, ich bekomme keine Luft mehr!" Der Freund springt auf, rast hinaus, prallt mit einem Feuerwehrmann zusammen, beinahe wäre er kopfüber die Treppe hinuntergestürzt. Mir bleibt keine Zeit, den erquickenden Kaffee abzpwarten. Es kommt jemand, der sagt: „Der Tenor Gigli in die Szene!" Ich wanke wie ein Schlafwandelnder auf die Bühnt, mische mich unter das Volk auf dem Markusplatz aus Papier und bunt bemalter Leinwand. Nun muß ich fingen. Ich bitte zu Gott, daß er mir helfen möge. Ich öffne den Mund. Der Gesang entströmt mir wie losgelöst von meinem Willen, meinem Zittern, ja von meinem eigenen Leben. Ich horte meine Stimme steigen, hell und klar, ohne jede Anstrengung, genau, wie gewiegt vom Orchester... / Der Freund ist inzwischen, keuchend vor Erregung, mit dem Kaffee erschienen. Er hort meinen Gesang, sieht mich aus den Kulissen heraus, reißt die Augen auf... Die Tasse schlägt mit einem Kroch zu Boden. Aber ich lächle. Ich habe den Sieg in der Hand!" Wie die Tiere heim finden. Das große Rätsel, wie die höheren Tiere, besonders die Vogel, es fertig bringen, über außerordentlich weite Strecken den Weg in die Heimat zurückzufinden, hat die Menschheit schon seit alter Zeit beschäftigt. Um so merkwürdiger ist es, daß dieses Problem erst seit kurzer Zeit, seit dem Jahre 1930, von der Wissenschaft in Angriff genommen worden ist und durch geregelte Versuche der Lösung nähergebracht wird. Man hat Hunde ausgesetzt und beobachtet, wie sie den Heimweg fanden, man hat solche Versuche mit Fledermäusen angestellt, und besonders hat die Vogelforschung große Auflassungsversuche mit überraschend guten Erfolgen durchgeführt. Es handelte sich hierbei um Tiere, deren ©innesleiftungen und Bewegungsformen sehr verschieden sind: der erdgebundene Hund hat kein besonderes Gesichtsvermögen, die Fledermaus sieht schlecht, während die Vögel vollendete Augentiere sind. Aber selbst bei den Vögeln haben die Versuche gezeigt, daß ihre Fähigkeit, heim zu finden, nicht allein auf die Augenorientierung zurückzuführen ist; vielmehr haben die Forscher den Eindruck gewonnen, daß dem Vogel „Anlagen zu Gebote stehen, die ihn in der Ferne die Lage der Heimat empfinden und ihn diese ausreichend sicher ansteuern lassen". Nun hat Professor Dr. Bastian Schmid, der früher bereits umfangreiche Versuche mit Hunden gemacht hat, eine Reihe von planmäßigen Aussetzungen von Waldmäusen unternommen, um sie auf ihr Heimfindevermögen zu prüfen, und er teilt die Ergebnisse in den „Forschungen und Fortschritten" mit. Von einer Anzahl Mäuse, die auf dem Speicher eines Hauses in Ludwigshöhe bei München gefangen waren, wurden zwei ausgewählt und markiert, indem ihnen mit der Schere'Haarbüschelchen ausgeschnitten wurden. Dann wurden sie mehrfach ausgesetzt, auf Entfernungen, die im Höchstfall 787 Meter vom Hause betrugen. Die Tierchen wurden in der Falle transportiert, die in ein Tuch gewickelt und dann in einem Behälter versenkt wurde, so daß ihnen jeglicher Ausblick versagt blieb; auch wurden sie nicht geraden Weges, sondern auf Umwegen zum Aussetzungsort gebracht. In allen Fällen haben die beiden Mäuse den Rückweg in das Haus, in dem sie zuerst gefangen waren, gefunden. Da die Haustür stets geschlossen gehalten war, mußten sie den Weg von außen her nehmen, indem sie über den hochrankenden wilden Wein hinweg kletterten, im Dach war eine kleine Deffnung, die den Tieren wohl als Eintritt in den Speicher diente. Die Heimkehr erfolgte ausschließlich des Nachts, und zwar mit beginnender Dunkelheit Die Tiere waren in Gärten, in einem Steinbruch, in freiem Gelände, auf Eisenbahndämmen und in einem Wald ausgesetzt, und ihr Rückweg führte sie stets an einer Reihe von Villen oder Garagen und Schuppen sowie Gärten vorüber, aber immer wieder zog es sie in ihr freiwillig gewähltes Heim, so daß man geradezu von einer Heimanhänglichkeit sprechen konnte. Es ist anzunehmen, daß sie im Garten des Hauses oder wenigstens in der Nähe zur Welt gekommen waren. Merkwürdigerweise war die Rückkehr stark von der Witterung abhängig. Bei schlechtem Wetter kamen sie schon 24 ober 48 Stunden später nach Hause; im schönen Frühjahr 1936 aber trieb sich eine Maus, die im Walde ausgesetzt war, sogar 66 Tage umher und kehrte dann gelegentlich eines Wettersturzes heim. Die körperliche Leistung darf bei der Kleinheit der Tiere nicht unterschätzt werden. Wenn bei Hunden die Aussetzungen 12 Kilometer vom Heimatsort stattfanden, bei den Mäusen aber höchstens 787 Meter, jo ist das Verhältnis der Rumpflänge von Schäferhund und Waldmaus 72:6 und 1 Kilometer Weg • entspricht rund 1400 Hunderumpflängen, dagegen 16 700 bis 20 000 Mäuserumpflängen. Auf Grund dieser Untersuchungen unterliegt es keinem Zweifel, daß die hundertprozentige Heimfindefähigkeit der Mäuse zu einem erheblichen Teil auf deren Orientierungsvermögen beruht und nur in einigen Fällen auch Erinnerungen an bereits gegangene Wege mitsprechen. Auch bei den Mäusen konnte keines der bekannten Sinnesorgane leitend wirken, und so ist wie bei allen mit Erfolg ausgesetzten Tieren auch bei ihnen eine „zielempfindende" Heimkehrfähigkeit anzunehmen, die auf einen uns unbekannten Faktor zurückgeht. G K« treten. Auswärtige Schüler der Gießener Schulen können auch das Groß-Konzert der Wehrmacht be» suchen unb haben ebenfalls in Uniform um 9.30 Uhr vor der Lolkshalle anzutreten. Die Einheiten melden sich bei Oberscharführer Werner Büdenbender. Bek.: Iugendfilmstunde. Arn kommenden Sonntag, 20. Februar, findet um 10 Uhr im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, eine Iu- gendfilmstunde statt. Es wird der Film „Standschütze Bruggler" aufgeführt. Die Karten Und von den Einheiten in Sammelbestellungen auf der Verwaltungsstelle des Bannes abzuholen und kosten 0,20 Mark. Betr.: Leisiungsbewertung der Gefolgschaften im Bann 116. Am kommenden Sonntag, 20. Februar, finden folgende Bewertungsappelle statt: 8.30 Uhr Gefolgschaft 16/116 in Lich, 11 Uhr Gefolgschaft 11/116 in Hungen, 13 Uhr Gefolgschaft 12/116 in Inheiden. Betr.: Arbeitsbesprechung aller Unterbann- und Gefolgschaftsführer. Die Arbeitsbesprechung der Unterbann- und Gefolgschaftsführer des Bannes 116 findet, wie bereits bekannt, am kommenden Freitag, 18. 2., um 20.30 Uhr, auf der Banndienststelle statt. Betr.: Arbeitsgemeinschaft der HJ.-Führer und-Führerinnen des BD2H. Die für- kommenden Freitag, 18. Februar, vorgesehene Arbeitsgemeinschaft wird auf Freitag, 4. März, verlegt. ÄOM.-ilntergau 116. Dienstbefeht für den Standort Großen-Linden. Der BDM. des Standortes Großen-Linden ist heute, 17. Februar, 20 Uhr, am Heim zum Appell angetreten. Dienstbefeht für den Standort Leihgestern. Der BDM. des Standortes Leihgestern ist heute, 17.2., um 20 Uhr, am Heim zum Appell ange* treten. BOM.- u.ZM.-Llntergau 116, Gießen. Betr.: HI.-Arbeitsgemeinschaft. Um Irrtümer zu vermeiden, wird noch einmal durchgegeben, daß die Arbeitsgemeinschaft für M- und IM.'Gruppenführerinnen am Freitag doch stattfinüet. Betr.: Kurs für Führerinnen-Anwarterinnen in Schloß Dehrn. Die M.- und JM.-Führerinnen fahren am Sonntag, 20. 2., um 14.09 Uhr von Gießen ab und find um 15.43 Uhr in Eschhofen, von wo aus nach Schloß Dehrn marschiert wird. Von der Universität Gießen. Der frühere Rektor der Universität Gießen, Prof. Dr. Pfähler, wurde mit Wirkung vom 1. April 1938 ab auf den Lehrstuhl von Prof. Ach in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen berufen. Er gehört aber gleichzeitig auch der Philosophischen Fakultät an und nimmt hier die Aufgaben des früher von Prof. Nohl innegehabten Lehrstuhls wahr. Er vertrttt die Fächer Psychologie und Pädagogik. Weiter wurde der Direktor der Chirurgischen Klinik der Universität Gießen Prof. Dr. med. A. W. Fischer ebenfalls mit Wirkung ab 1. April 1938 aüf den gleichen Lehrstuhl an der Universität Kiel und zum Direktor der dortigen Chirurgischen Universitätsklinik berufen. Beide werden dem Rufe folgen. Militärische Hebung bei Gießen. Am morgigen Freitag findet südwärts und südostwärts von Gießen eine Winterübung der Wehr- machtsteile der Standorte Gießen, Wetzlar, Butzbach, Friedberg, Büdingen und Gelnhausen statt. Die Gefechtshandlungen werden schon am frühen Morgen beginnen und sich im Laufe des Tages irn^ mer mehr entwickeln, bis sie voraussichtlich erst in den Abendstunden zum Abschluß kommen werden. Der Verlauf der Uebung verheißt den Schlachtenbummlern mancherlei interessante Ereignisse, da in den Kampfhandlungn auch die Waffenwirkung der motorisierten Truppenteile zur Geltung kommen wird. pflüg’ mit, Kamerad! Mehr Helfer für den Bauern! - Landarbeitslehre, eine große Forderung. — Schaffung eines Reubauerntums. Für die Bauern und Landwirte ist die Lanb- arbeiterfrage von großer Wichtigkeit. Der Bauer und feine Familienangehörigen sind in den meisten Fällen erheblich überlastet. Der Arbeitstag ist lang, die Freizeit kurz, (£s‘ fehlt an den notroenbigeh Landarbeitern. Leider wanderte in den vergangenen Jahrzehnten ein großer Teil des bäuerlichen Nachwuchses in die Stadt ab, wandte sich der Industrie zu, im Glauben, dort bessere Lebensbedingungen zu finden. Diese Meinung erwies sich in vielen Fällen als irrig. Die Lebenshaltung des Landarbeiters ift. insbesondere im Hinblick auf die Ernährung, meist weitaus günstiger. Die Landarbeiterfrage stellt heute ein Problem von staatspolitischer Bedeutung dar. Landarbeitermangel kann den Erfolg der Erzeugungsschlacht in Frage stellen und die Volksernährung gefährden. Die Landflucht stellt aber auch eine völkische Gefahr bar, denn durch die Abwanderung vom Lande wirb ber Blut- unb Lebensquell geschwächt, den bas Bauerntum darstellt. Leider ist früher das fianbarbeiterproblem allzulange vom grünen Tisch aus bearbeitet worden. Der Beruf des Landarbeiters fand keine sonderliche Achtung, und zur Zeit der Systemregierung glaubte man in Arbeits- und Fürsorgeämtern, das unerfreuliche Menschenmaterial in ber Landwirtschaft unterbringen zu können. Der Jnbustriearbeiter glaubte auf ben Landarbeiter herabsehen zu können. Unter der Führung der nationalsozialistischen Regierung wird hier ein grundsätzlicher Wandel anae- ftrebt. Schon mancher Fortschritt ist dabei erreicht worben. Der ßanbarbeiter steht heute nicht mehr abseits in der Gesamtbetrachtung des Landvolkes, sondern er gehört in Haus-, Hof- unb Tischgemein- fcbaft zum Landvolk. Einen ßanbarbeiter„ftanb" gibt es nicht, unb ihn soll es auch in Zukunft nicht geben. Der ßanbarbeiter soll aber auch bas besitzen, was man die Binbung an ben Boben nennt. Aus bem ßanbarbeiter, aus tüchtigen unb erbgefunben Menschen soll ein Neübauernturn geschaffen werben. Die ßanbesbauernschaft in unserrn Gau, wie auch im Reiche setzt sich energisch bafür ein, daß dem ßanbarbeiter bessere ßebensbebingungen geschaffen werben. Vor allem soll durch einen großzügigen Wohnungsbau dem ßanbarbeiter unb seiner Familie eine gute Unterkunft gesichert unb damit gleichzeitig eine engere Bindung zum deutschen Boden gegeben werben. Dieses Ziel ist energisch in Angriff genommen worben. 19 000 Wohnungen in Einfamilienhäusern würben im ganzen Reichsgebiet geschaffen. Ohne Inanspruchnahme ber Förderungs- mittel würben 7000 Lanbarbeiter-Wohnungen gebaut. So ist man bemüht, bem ßanbarbeiter ein Heim zu schaffen, aus bem er mit immer neuer Arbeitskraft auf bas Felb geht. Wohl ist bie1 Bar- entlohnung bes ßanbarbeiters noch nicht in ber Höhe möglich wie in ber Inbustrie, häufig wird aber übersetzen, daß ber ßanbarbeiter nie für Wohnung ober für bas Essen befonbere Ausgaben hat, sonbern baß er in ben weitaus meisten Fällen mit kräftiger Kost von seinem Gefolgschaftsführer versorgt wird unb außerbem Deputat (Naturalentlohnung) in Form von Kartoffeln, Korn, Holz, Ge- fpannbienft für bas eventuell vorhandene eigene Stückchen Land erhält, während ber Industriearbeiter in ber Stabt für jedes Pfund Kartoffeln ben entsprechenben Preis sofort bar auf ben Tisch legen muß. Der ßanbarbeiter kann sich, sofern er ben Willen dazu t)at, Geld sparen, er kann Ein- richtungskrebite in Anspruch nehmen unb nach Jahr unb Tag sehr wohl zu einem Neubauerntum geführt werben. Hier finbet sich für ihn eine große neue Zielsetzung. Zur Sicherung ber Lebenshaltung des Land- arbeiters sollen nach Möglichkeit langfristige Arbeitsverträge abgeschlossen werben. Als eine erfreuliche Tatsache ist zu meiben, baß in ben Iah- ren 1935/1936 20 000 bis 25 000 Saisonarbeiter in ber Landwirtschaft für Dauerarbeit übernommen werben konnten. Zur finanziellen Sicherstellung find für ben Landarbeiter Tarife geschaffen worden, bie sich schon erheblich zu seinen Gunsten aus- gewirkt haben. Alle Bemühungen laufen darauf hinaus, ein ungerechtes Vorurteil gegen bie Land- arbeit zu entkräften. Eine wichtige Neuerung auf bem Gebiete ber ßanbarbait stellt bie Forderung einer exakten, anerkannt guten Berufsausbildung für die Zukunft bar. Es soll nicht mehr so sein, daß in Zukunft ein junger Mensch nach der Schulentlassung auf ben Hof kommt unb nun ftänbig mit untergeordneter Arbeit beschäftigt wirb. Auch ber ßanbarbeiter soll in Hukuttst seinen Beruf richtig erlernen. Die zweijährige ßanbarbeitslehrzeit soll babei eine Grund- ausbilbung barstellen, auf die sich eine Spezialausbildung aufbauen kann. Für ben männlichen ßanbarbeiter gibt es babei eine stattliche Anzahl von Möglichkeiten, sich befonbers auszubilden: er kann Melker, Schäfer, Schweinewärter, Geflügelzüchter, landwirtschaftlicher Brenner, Milchkontrollassistent, Gärtner, Fischer, Privatforstwart usw. werben. Kaum weniger groß ist die Zahl ber Möglichkeiten für die Landarbeiterin. In bem Bemühen, auch bie Bauersfrau zu entlasten, müssen auch ßanbarbeiterinnen herangebildet werben, die gegenwärtig nur in verhältnismäßig geringer Zahl zur Verfügung stehen. Unter dielen neuen Gesichtspunkten wird mancher junge Mensch zu erwägen haben, ob er die Arbeit unter Gottes freiem Himmel, ben Umgang mit ber lebenbigen Frucht, mit bem Tier unb schließlich mit der dienstbereiten Maschine nicht ber Arbeit vorzieht, die ihn in einem Fabrikbetrieb bet einer häufig gleichgearteten Arbeit hinter immer ben gleichen Fenstern festhält. Der ßanbbienft hat hier große Aufgaben zu erfüllen, indem er in ben jungen Menschen bie ßiebe zur bäuerlichen Arbeit, zur freien Natur und zur Heimat weckt unb ihnen so ber Dienst an ber Mutter Erbe zu einer Berufung wirb, als bie bas Bauerntum seine Aufgabe aufzufassen hat. Am vergangenen Dienstag würbe den Vertretern ber Presse bes Rhein-Main-Gebietes durch die ßanbesbauernschaft Hessen-Nassau Gelegenheit gegeben, sich bei einer Rundfahrt durch Oberhessen mit den Angelegenheiten des ßanbarbeiters bekannt zu machen. Insbefonbere wurden landwirtschaftliche Betriebe verschiedener Größe besucht und babei auch bie-Unterbringung ber ßanbarbeiter in Augenschein genommen. So besuchte man ein Hofgut bei ß i cf) und überzeugte sich dort von ber guten Unterbringung der ledigen ßanbarbeiter unb sah auch eine vorbildliche Schweizer- Jetzt Möbel billig kaufen im Total-Ausverkauf Möbelhaus KOOS Marktstraße 8, 1. Stock 993a Kein Laden Wohnung. In ßangsborf hatte man Gelegenheit, einen Dauern zu sprechen, der einen Land- arbeitslehrling halten will unb sich für dessen Ausbildung einen klaren Plan gemacht hatte. In Büches hielt man in einem kleinen bäuerlichen Betrieb Einkehr, dessen Besitzer für fernen ßanbarbeiter ein schönes Eigenheim gebaut hat. Schließlich hörte man in einem größeren landwirtschaftlichen Anwesen in D 0 n h a u s e n bei Büdingen von einem schönen patriarchalischen Verhältnis des Bauern mit feiner Landarbeiter-Gefolgschaft, sah in Mittelgründau großzügige Werkwohnungsbauten des bortigen Hofgutes und besuchte abschließend in Nieder-Florstadt einen großen Gutshof, auf dem schon feit Jahrzehnten ein sehr gutes Einvernehmen zwischen Betriebsführer unb Gefolgschaft herrscht. Landarbeitslchre - Grundlehre für alle landwirtschaftlichen Berufe. Mit dem Erlaß der Grundbestimmungen für die Ausbildung in ben Berufen ber ßandwirtfchaft durch den Reichsbauernführer wurde eine Entwicklung abgeschlossen, die als Ziel die Anerkennung ber fianbarbeit als Facharbeit hat. Es rft damit eine Forderung der Hitler-Jugend — ben schweren und verantwortungsvollen Berufen ber ßandwirtfchaft endlich ben ihnen gebührenben ehrenvollen Platz im Berufsleben zuzuerkennen — erfüllt worden. Auf Grund der Ausbildungsbestimmungen für bie landwirtschaftlichen Berufe ist nunmehr ein Lehrvertrag geschaffen worden, ber einen wertvollen Beitrag zur Neuregelung bes Berufslebens im nationalsozialistischen Sinne darstellt. Im ersten Teil des Vertrages für Landarbeits- lebrlinge heißt es z. B.: „Die Lanbarbeitslehre ist ein Erziehungs- und Ausbildungsverhältnis auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens und gegenseitiger Treue. Ihr Ziel ist ein beruflich tüchtiger, körperlich gesunder unb fest im Nationalsozialismus stehender Nachwuchs." Die ßandarbeitslehre ist für alle Berufe der ßandwirtfchaft der Ausgangspunkt. Auf die zweijährige ßandarbeitslehre bauen erst alle anderen allgemeinen und Spezialberufe ber ßandwirtfchaft auf. Nach bem Bestehen ber Lehrlingsprüfung unb ber abgeschlossenen zweijährigen Landarbeitsgehilfen- zeit erlangt der Lehrling ben ßanbarbeiterbrief und ist damit ein anerkannter Facharbeiter. Es wird sich tünftig niemand mehr ßanbarbeiter nennen dürfen, ber nicht den ßanbarbeiterbrief erhalten hat. Für bie Ausbilbung in den Sonderberufen erfolgt nach der zweijährigen ßandarbeitslehre der Eintritt in - bie meist zweijährige Sonberberufs« lehre, wie der Lanbwirtfchaftslehre oder ber Ausbildung zum Melker, Geflügelzüchter, Tierzüchter, Schäfer u. a. Mit ber Grundausbildung in der ßanbarbeits- Lehre soll erreicht merben, baß der später in bie Spezialberufe abgehende Nachwuchs Kenntnisse von den allgemeinen Arbeiten der ßanbwirtschaft hat unb ber Ausbilbung auf einem Teilgebiet ber ßanbwirtschaft so bie notwenbige Grunblage gegeben wirb. Damit ist die Gewähr gegeben, daß ein vielseitig ausgebilbeter Berufsnachwuchs auch für die Spezialberufe der Lanbwirtschaft heranwächst. Oeffenllich meistbietende pachtveksteigernngen verboten. Fwd. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — Stelle für die Preisbildung — hat angeordnet, daß bis auf weiteres mit sofortiger Wirkung bie öffentlich meiftbietenbe Verpachtung landwirtschaftlich, gärtnerisch, fifchereiwirtschaftlich ober weinbaulich genutzter Grundstücke allgemein zu unterbleiben hat. Verstöße gegen das Verbot werden geahndet. 19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Die Mädchen aus der Burgflraße Noman von Hilde K Lest. Du bist eigentlich, mein lieber Karl Viereck, ein schwächlicher Patron. Du redest gern vom Zupacken, ober tust es nicht, wenn es soweit ist. Sieh dir das kleine Mädel an, wie es tapfer an seiner Liebe festhält. Wo hat es bloß bie Kraft her? Von der ßiebe etwa? Dann muß diese ßiebe also doch niehr sein als das bißchen Pulsschlag, das du bisher zuweilen gespürt hast. „Dann, Herr Viereck, hätten wir das also noch vor uns--?" „Was hast du vor dir?" fragte Ursel. Viereck erschrak. „Habe ich laut gesprochen? Verzeihe, bas sollte nicht sein. Ich habe mir nur überlegt, was ßiebe ist, unb ob sie mir noch bevorsteht." „ßiebe ist", sagte Ursel und legte die Hanb auf seinen Arm, „fahre langsamer, ich will es dir sagen, ßiebe ist, wenn man all seinen Stolz abwirft, wenn man sich bedingungslos dem andern ausliefert, auch auf, die Gefahr hm, abgeschüttelt zu werden. Ich wußte es gestern noch nicht, heute weiß ich es. Und du wirst es auch einmal wissen." "Aber, Ursel, ich habe doch gar keinen Stolz, ben ich abschütteln müßte. Paß auf, ich trete jetzt die Bremse, dann nehme ich dich bedingungslos in die Arme, und wenn du mich abschüttelst, ist es zu spät!" "Es wird nicht zu spät sein, denn ich werbe dich dann bitten, mir zu helfen, damit ich den anderen erringen kann. Siehst du, jetzt fährst du schon wieder schneller." Viereck bremste mit aller Gewalt, so daß er den schleudernden Wagen wieder fangen mußte. Ursel sah ihn erschreckt an, aber die Ursache ihres Schrak- kens war schon vorbei. „Nun werfe ich all meinen männlichen Stolz über Bord", sagte er, „unb sag dir, daß ich dir helfen will, so gut ich es vermag. Das ist auch Liebe, aber es ist nicht bie von ber Art, wie sie die kleinen Mädchen sich wünschen. Nenn sie meinetwegen Freundschaft. Schieß los kleine Ursel, wo ist der böse Feind, ben ich packen soll?" Sie hatten ben Wagen in Geltow verlassen unb schritten am Ufer ber Havel entlang zur Meierei. Auf diesem Wege erfuhr Viereck das letzte Kapitel ihrer Deichte: bah ber böse Feind Lisbeth hieß. Er kannte Lisbeth nur vom Sehen, aber bie Vorstellung stimmte ihn heiter, baß biejes herbe, verschlossene Mäbchen sich des Assessors Mansfeld gewissermaßen bemächtigt haben sollte. „Du lachst!" sagte Ursel betreten. Viereck zog ihren Arm in ben feinen. „Paß auf, kleine Ursel, wir trinken jetzt in der Meierei ein mächtiges Glas Milch zu einem ungeheuren Stück Butterbrot. Das ist gefunb unb vertreibt die Rosinen aus dem Kopf, die meinen und bie beinen. Wenn du willst, laß ich bir vorn Wirt erzählen, daß eine Rike hier im Wildpark, wie anderswo auch, nie zum Hafen findet. Zum Löffelmann gehört eine Häsin, eine süße, weiche, kuschelige Häsin mit ängstlichen Augen und mißtrauischen Ohren. Eine Ursel- Häsin. Siehst du, jetzt lachst du selbst. Lach' mich aus. Kleines, morgen spätestens wirst du auch über dich lachen." „Aber du darfit nicht mit ihm sprechen!" „Mit Herrn Löffelmann?" Dazu hätte Viereck auch nicht bie geringste Lust gehabt. Aber er sagte ausweichenb: „Stellst du schon wieder Bebingungest? Mir scheint, der Stolz kehrt schon wieder in unser kleines Mädchen zurück." * "Herr!" sagte ber Iustizrat, „bas ist Menschenraub, darauf steht Paragraph ..." „Lassen Sie bas", meinte fein Gegenüber, „ich bin nicht für Ihre Ehe verantwortlich unb kann nichts bafür, wenn dieser kleine Schwindel die einzige Möglichkeit war, Sie ohne Ihre werte Gattin zu einer Unterredung aus bem Hause zu lotsen. Ich habe mich also als Fahrer bes Senatspräsidenten Kleinmann ausgegeben, ber Sie bitten läßt, zu einer bringenden Besprechung zu kommen. Nun stimmt es zwar, daß Herr Kleinmann nichts davon weiß unb baß ich auch nicht sein Fahrer bin. Aber bafür fitzt man hier im Krollschen Garten recht gemütlich, die Musik spielt gerabe, wie Sie hören, einen Walzer aus Ihrer Iugenbzeit, unb mit mir plaubert es sich auch nicht übel, wenn ich auch von einem Dreistufenvergaser mit polierten Ansaug- kanälen mehr oerstetze als von Ihren Paragraphen. Was haben Sie also gegen biefe Situation?" "2ch werde Sie verhaften lassen", knurrte ber Iustizrat unb trommelte babei mit ben Fingern ben Walzertakt. Dann putzte er seine Brille, faßte sein Gegenüber fester ins Auge und sagte: „Sind Sie nun eigentlich ein Erpresser oder Mitglied einer Einbrecherbande, die meine Villa unterdessen ausräumen will?" „Der Herr Iustizrat waren wohl nie Strafver- teibiger? Sonst müßte Ihnen die kriminalistische Logik sagen, daß Einbrechern mehr gedient ist, wenn man Ihre Frau Gemahlin aus bem Hause entfernt..." „Unverschämtheit!" „Im übrigen , sagte Viereck unbeirrt, „bin ich Erpresser. Ich möchte Ihre Zustimmung zu ber Verlobung Ihres, Sohnes mit Fräulein Ursula Lenz einholen. Da lachte ber Iustizrat. „Mann, Sie leben wohl Hinterm Monde! Seit Wochen ist von nichts anderem bie Rebe als von dieser Verlobung mit einem Fräulein Lenz. Ich habe mir den Spaß schon zwanzigtausend Mark kosten lassen müssen. Und jetzt — jetzt'kommen Sie, gebärden sich wie ein Berserker und fordern, was längst gewährt ist. Komischer Mensch." „Gemach, Herr Iustizrat! Ihr Sohn verlobt sich also mit Ursula Lenz?" „Mag sie Ursula oder wie immer heißen, Lenz heißt sie auf jeden Fall." „Herr Justizrat, ich habe nicht bas Vergnügen, Ihren Herrn Sohn persönlich zu kennen, aber bas Zeug zu einem Bigamisten ober gar Trigamisten scheint er mir boch nicht zu haben." „Wie? Was? Wieso?" rief der Justizrat erschrocken. „Wir können bas Schlimmste Noch verhüten, wenn Sie mir aufmerksam folgen wollen. Punkt eins: Kennen Sie Fräulein Lenz?" „Jawohl! Ich habe biefes entzückende kleine Fräulein einmal im Hotel meines Sohnes gesehen7, sagte bar Iustizrat, nicht ohne mit ben Augen zu zwinkern. „Ich habe ihr bann sogar einen Blumenstrauß geschickt. Mehr kann man von einem bösen Schwiegervater aufs erste nicht erwarten." „Bitte keine Umschweife", mahnte Viereck. „Punkt zwei: Ist biefes Fräulein Lenz, bas Sie gesehen haben, das nämliche Fräulein Lenz, das nun gemeinsam mit Ihrem Sohn di^ besagten zwanzig- taufenb Mark verwaltet?" „Wie?" sagte ben Iustizrat entgeistert, „sollte es deren zwei geben?" „Zwei nicht. Aber drei." „Um Himmels willen!" entfuhr es bem alten Herrn, „wer ist dann bie britte?" „Die britte", sagte Viereck, ohne mit der Wimper zu zucken, „ist diejenige, um deren Hand Ihr Sohn anhielt, nachdem er um ihretwillen sein Elternhaus verlassen hatte." Der Iustizrat bedeckte fein Gesicht mit beiden Händen, er war fertig, total fertig. Viereck winkte bem Ober finb ließ, eine zweite Flasche Mosel kalt stellen, bann fuhr er unerbittlich fort: „Die Situation ist also bie: Ihr Sohn hat Fräulein Carla Lenz heiraten wollen. Sie haben Ihre Zustimmung zu Fräulein Ursula erteilt, unb Ihre Frau Gemahlin hat aus zwanzigtausenb Märkern eine golbene Brücke gebaut, auf ber sich Ihr Sohn mit Lisbeth Lenz finden soll. Stimmt bas? „Totaler Blöbsinn", murmelte ber Iustizrat gei- ftesabroefenb, „ich verstehe kein Wort. Ich sehe nur ein hoffnungsloses Durcheinanber." „Das ist es auch", anerkannte Viereck, „aber es ließe sich entwirren." „Wie?" „Herr Iustizrat!" rief Viereck schneidig, so baß der alte Herr unwillkürlich zusammenzuckte, „haben Sie in Ihrem Hause Lu bestimmen ober nicht?" „Ich habe ... bas heißt ..." war bie wenig überzeugenbe Antwort. „Finben Sie, baß Fräulein Ursel die richtige Schwiegertochter für Sie ist ober nicht?" „Sie ist es, aber ..." „Ich sehe kein Aber. Denn erstens kann Ihr Sohn Carla gar nicht heiraten, weil sie ihn gar nicht haben will. Zweitens liebt er — wie sollte es anbers sein — Ursel, und Ursel liebt ihn. Drittens will Lisbeth nichts von ihm wissen." „Ja, aber meine Frau ..." „Heiratet Ihr Sohn, ober heiratet Ihre Frau? Ihre Gattin ist nur bas Opfer eines Irrtums. Sie hielt Lisbeth für Carla, so wie Sie Ursel für Carla gehalten haben. Unter beiben Irrtümern war je- boch Ihrer der bessere." „Meine Frau irrt sich nie", sagte schüchtern ber Iustizrat. „Das kann ich mir benken, unb hier ist auch ber heikelste Punkt, ben wir zu klären haben. Wenn Ihre Frau erfährt, baß Lisbeth gar nicht diejenige ist, welche ... bann ist bie Hölle los. Wir können jetzt aber keine Hölle gebrauchen. Da ist noch bie Sache mit Lisbeth und bem Assessor. Wir können bie beiben nicht weiter zusammen arbeiten lassen, wenn Ihr Sohn sich mit Ursel verloben soll. Er tanzt nun lange genug auf drei Hochzeiten. Das muß aufhören. Sonst werben am Enbe alle verrückt unb keiner weiß mehr, zv wem er eigentlich gehört. Es ist jetzt schon halb so weit." -Gut", sagte ber Iustizrat, „dann muß sich mein Sohn eben aus dem Geschäft zurückziehen, und das Geld —" „Halt!" sagte Viereck sehr bestimmt, „sprechen Sie, bitte, nicht weiter unb- benken Sie nicht zu Ende, benn es ist nutzlos. Ihr Gelb bleibt unbedingt im Macherschen Dampfkessel investiert." „Verzeihen Sie —", entrüstete sich ber Iustizrat. (Fortsetzung folgt.) Frohe Dolksschwestern. NSG. Zur Zeit wird im ganzen Reich eine umfangreiche Werbung für den Schwesterndienst durchgeführt. Je nach Neigung und Eignung stehen den Bewerberinnen drei Organisationen zur Verfügung: Die NF. -Schwesternschaft sieht ihr Aufgabengebiet hauptsächlich in der Gemeindearbeit. Dort soll sie neben der Krankenpflege vor allen Dingen auch die Gesundheitsführung der Bevölkerung überwachen, d. h. der Gesunderhaltuna aller Be- völkerungskroife ihre besondere Aufmerksamkeit schenken. Die Freie Schwesternschaft findet ihren Wirkungskreis in Kliniken, Sanatorien, Kranken- hünfern, Heimen und in der privaten Krankenpflege. Krankenhaus und Sanitätsdienst, ziviler und behördlicher Luftschutz sind das Aufgabengebiet der Rote-Kreuz-Schwestern. Don allen Schwestern wird verlangt, daß sie lebensbejahend im Geiste der nationalsozialistischen Weltanschauung sich der Gesundheitsführung widmen. Richt lebensferne Abgeschiedenheit, sondern verständnisvolle Mitarbeit verbürgen erst die Tüchtigkeit der kommenden Schwesterngeneration. Ob NS.-Schwester, Freie Schwester oder Rote-Kreuz- Schwester, ihnen allen soll der Weg in das private Leben oder zur Ehe nicht verschlossen bleiben. Ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntnis kann jedes Mädel Mitglied einer der drei Schwesternschaften werden. In wirtschaftlicher Hinsicht ist in weitgehendem Maße für die Schwestern der genannten Verbände gesorgt. Bewerberinnen wenden sich an: Gauvertrauensschwester der NS.-Schwesternschaft, bei dem Amt für Volkswohlfahrt, Gau Hessen- Nassau, Darmstadt, Steubenplatz 17. Gausachbearbeiterin der Freien Schwesternschaft, Amt für Volkswohlfahrt der NSDAP., Gau Hessen- Nassau, Darmstadt, Steubenplatz 17. Deutsches Rotes Kreuz, Provinzialverband Hessen- Nassau, Kassel, Karthäuserstraße 21. Deutsche Rotes Kreuz, Hessischer Alice-Frauenver- ein, Darmstadt, Dieburger Straße 31. Ein schöner Abend mit Friedel Hintze. Der Goethe-Bund und Kaufmännische Verein in Verbindung mit der Dolksbildungsstätte der NSG. ,Lraft durch Freude" bereitete mit dem frohen Vortragsabend von Friedel Hintze am gestrigen Mittwoch in der Aula einer zahlreichen Hörergemein- schast zwei schöne Feierstunden nach des Alltags Mühe und Kampf. Die Vortragskünstlerin Friedel Hintze verstand es in feiner Weise, mit ihren köstlichen Erzählergaben die Herzen ihrer Hörer warm und froh zu machen. Sie begann mit der Erzählung einer reizenden Anekdote vom alten Feldmarschall Blücher, dem Marschall „Vorwärts", die sich bei seinem Aufenthalt zur Kur in Karlsbad am dritten Jahrestage der Schlacht von Belle-Alliance ereignete und die Begegnung mit zwei Abordnungen aus der dortigen Bevölkerung zum Gegenstand hatte. Die Erzählerin verstand es dabei in ausgezeichneter Weife, den prachtvollen alten Haudegen und seine ganze Art den Hörern lebendig und packend geistig vor Augen zu stellen. Als ein feines Gegenstück zu dieser köstlichen Begebenheit brachte sie dann die Erzählung von einem Goldenen-Hochzeits-Paar an der holsteinischen „Waterkant", wobei sie den alten Jochen und seine „auch nicht mehr junge" Trina in so lebendiger und bodenständig feiner Art schilderte, daß wohl jedermann mit aller Liebe des Herzens diesen goldenen Hochzeitstag der beiden miterlebte. Voll warmherziger Stimmung waren ferner die beiden anschließenden Vortragsgaben, nämlich die Erzählung von der Brautsuche des Schmetterlings und von der Testamentseröffnung auf dem Rathaus zu Haßlau; auch hier vermochte es die Vortragende, warmherzig und lebensvoll zu gestalten und dadurch die Hörer ganz mit den Köstlichkeiten dieser Erzählungen zu erfüllen. Lebhafter Beifall brachte der Vortragskünftlerin und den Veranstaltern des Abends den herzlichen Dank der Besucher zum Ausdruck. Achtung? Ehemalige 116er herhören? Alle ehemaligen 116er schalten heute, Donnerstag, 17. Februar, um 22.10 Uhr, den Reichssender Köln ein und hören dort eine wichtige, alle alten 116er interessierende Mitteilung. Betriebsordnung bei mehr als 20 Sefolgschastsmitgliedern. Lpd. Der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen hat in seinen „Amtlichen Mitteilungen" vom 10. Februar 1938 durch eine allgemeine Anordnung die Betriebe mit in der Regel mindestens 20 Gefolgschaftsmitgliedern, die bisher eine Betriebsordnung noch nicht erlassen haben,'veranlaßt, diese sofort im Vertrauensrat zu beraten und zu erlassen. Bei Nichtbesolgung dieser Anordnung werden Strafmaßnahmen angedroht. ©iefoener Dochenmorltprette * Gießen , 17. Febr. Auf dem-heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse D 10%, Wirsing, % kg 12, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 12, Spinat 15, Unter» kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25 bis 28, Feldsalat, Vio 9 bis 10, Tomaten, % kg 40 bis 45, Zwiebeln 9 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,25 bis 3,75 Mark, Aepfel, % kg 12 bis 25 Pf., Birnen 25, Blumenkohl, das Stück 45 bis 60, Salat 20 bis 30, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35 Pf. ** Eine Fünfundsiebzigjährige. Am morgigen Freitag, 18. Februar, begeht Frau Elise B e y r e n s , Asterweg 16, bei guter Gesundheit ihren 75. Geburtstag. Der Jubilarin unfern herzlichen Glückwunsch. ♦♦ Ster befalle in Gießen. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 1. bis 15. Februar: 1. 2. Wilhelmine Becker, geb. Georg, o. B, 54 Jahre, Wilsonstraße 4; 5.2. Emma Henkel, geb. Schäfer, 64 Jahre, Seltersweg 61; 5.2. Horst Fritz Willi Thomas, 5 Jahre, Asterweg 40; 9. 2. Philipp Mandler, Oberamtsgehilfe i. 9t., Asterweg 27; 9.2. Konrad Schmidt, Schausteller, 68 Jahre, Rodheimer Straße 57; 29. 1. Katharine Lohr, geb. Stein- meyer, o. B., 67 Jahre, Landgraf-Philipp-Platz 7; . 10. 2. August Lamm, Gastwirt, 54 Jahre, Horst- Wessel-Wall 52; 11.2. Elisabeth Althaus, geb. Nau, 77 Jahre, Steinstraße 55; 12.2. Wilhelmine Heckel, geb. Sasse, 49 Jahre, Schi'fenberger Weg 13; 12. 2. Wilhelm Henning, Reichsbahninspektor, 54 Jahre, Frankfurter Straße 28; 14.2. Ludwig Hofmann, o. B., 80 Jahre, Neustadt 37; 15.2. Elisabeth Nink, geb. Velte, o. B., 74 Jahre, Glaubrechtstraße 8. ** Die Kameradschast ehem. hessischer Leib-Dragoner 24 hielt, wie man uns berichtet, am Sonntag im Kameraüschaftsheim „Frankfurter Hof" ihren diesjährigen gutbesuchten Jahreshauptappell ab. Kameradschaftsführer S ch ö m b s begrüßte zunächst die Kameraden vom Patenverein Marburg, vom Unteroffizierkorps 13/116 und die Kameraden der Vereinigung selbst mit herzlichen Worten, gedachte sodann der Toten des Weltkrieges und der Bewegung, der Verstorbenen der Kameradschaft und schließlich des zur großen Armee abgerufenen Generals Ludendorff. Der Schriftführer Kamerad Grau schilderte hierauf in seinem Jahresbericht die Begebenheiten des Jahres 1937 innerhalb der Kameradschaft. Aus dem Kassenbericht des Rechners Kamerad Wagenbach war ein guter Stand der Kasse ersichtlich, so daß dem Rechner Entlastung erteilt werden tonnte.- Wegen Überlastung durch andere dringende Pflich- ten stellte der bewährte Kameradschaftsführer Schömbs zum großen Bedauern der Kameraden sein Amt zur Verfügung der Kameradschaft. Einstimmig wurde als neuer Kameradschaftsführer der Kamerad Cloos gewählt, der anschließend seine Gedanken über die weitere Führung der Kameradschaft entwickelte und nach dem Gruß an den Führer den offiziellen Teil des Appells schloß. Beim Gesang alter Soldatenlieder und bei Austausch von Erinnerungen blieben die Kameraden bann noch einige Stunden in schönster kameradschaftlicher 23er» bundenheit beisammen. Der Verlauf des Appells hat wiederum bewiesen, daß es in der Kameradschaft der alten Leibdragoner stetig vorwärtsaeht. *♦ Der VfB.-Reichsbahn-Maskenoall am Samstag in den Räumen des Gesellschaftsvereins zeigte wiederum, wie sehr diese Veranstaltung des Vereins geschätzt und beliebt ist. Bei der vortrefflichen und unermüdlichen Musik kamen die vielen Besucher sehr schnell in die heiterste Stimmung, die alle Narren und Närrinnen bis weit in den Sonntagmorgen hinein in ausgelassener Maskenfröhlichkeit beisammenhielt. Der VfB.-Reichsbahn kann mit dem Erfolg dieser karnevalistischen Veranstaltung sehr zufrieden fein. Schöffengericht Gießen. Wegen fortgesetzten Zechbetrutzs stand der W. Z. aus Bad-Nauheim vor dem Schöffengericht Gießen. Der Angeklagte, bei dem es sich um einen alten Bekannten des Gerichts handelt, ist erst vor kurzem nach Verbüßung einer üiermonatigen Gefängnisstrafe aus der Strafanstalt entlassen worden. Dies hinderte ihn nicht, alsbald an mehreren Orten, fo in Ockstadt und in Oppershofen, in Wirtschaften ab» zusteigen, obwohl er nicht einen Pfennig Geld in der Tasche hatte. Dort gab er sich jeweils als Vorarbeiter einer Baukolonne aus und bestellte zum Abend wärmes Essen für mehrere Personen. Er ließ sich ebenfalls Speisen und Getränke reichen, dazu die nötigen Rauchwaren, verzehrte diese und verschwand dann in einem unbewachten Augenblick auf Nimmerwiedersehen. Dieses Manöver wiederholte er an verschiedenen Orten. Der Angeklagte war geständig und behauptete, aus Not und infolge seiner schlechten Familienverhältnisse zu diesen Handlungen getrieben worden zu fein. Da die Familienverhältnisse des Angeklagten sehr trübe sind und mit Rücksicht auf die Geringfügigkeit der Beträge ließ es das Gericht noch einmal bei einer verhältnismäßig geringen Sühne bewenden und erkannte auf eine Gefängnisstrafe von f ü jt f Monaten. Amtsgericht Gießen. Der W. 23. aus Dillenburg hatte wegen Ueber- tretung der Reichsstraßenverkehrsordnung einen Strafbefehl über 15 Mark erhalten, gegen den er Einspruch einlegte. Der Angeklagte befand sich mit seinem Wagen auf der Durchfahrt durch Lollar. Dort suchte er ein Lokal auf. Seinen Wagen ließ er in der Toreinfahrt auf dem Bürgersteig stehen, ohne ihn zu beleuchten. In der gestrigen Hauptoerhandlung behauptete der Angeklagte zur Begründung seines Einspruchs, der Platz, auf dem er geparkt habe, gehöre ausschließlich zum Anwesen der Wirtschaft. Außerdem sei sein Wagen von den Lampen eines dicht dahinterstehenden anderen Fahrzeugs in genügendem Maße beleuchtet gewesen. Die Beweisaufnahme ergab im Gegensatz zu dieser Darstellung einwandfrei die Schuld des Angeklagten. Das Gericht erhöhte die Strafe auf20Mark. • Besseren.Erfolg mit seinem Einspruch hatte der A. H. aus Offenbach a. M., der wegen fahrlässiger Körperverletzung und Uebertretung der Reichs- straßenoerkehrsordnung einen Strafbefehl über 50 Mark erhalten hatte. Der Angeklagte befuhr vor einiger Zeit die Frankfurter Straße in Richtung Seltersweg. Dabei bog er nach links zur Großtankstelle ein, ohne jedoch Zeichen zu geben. Zwei ihm entgegenkommende Rcwfayrer bemerkten dies zu spät, so daß der Angeklagte mit dem einen von ihnen zusammenstieß. Dieser fiel dadurch zu Boden und verletzte sich leicht an der Hand. Das Fahrrad wurde gleichfalls beschädigt. Zu seiner Entschuldi- gung brachte der Angeklagte vor, er sei so langsam gefahren, daß bei etwas größerer Aufmerksamkeit des Verletzten der Unfall hätte vermieden werden können. Im übrigen habe er nicht hupen dürfen, weil damals Hupverbot geherrscht habe. Demgegenüber kann nur immer wieder betont werden, daß das sogenannte Hupverbot nur dem übermäßigen Hupen fteyern soll, den Verkehrsteilnehmer jedoch keineswegs davon befreit, dann, wenn es nötig ist, Zeichen zu geben. Trotzdem kam das Gericht zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte im allgemeinen ein durchaus zuverlässiger Fahrer' sei. Da der Verletzte auch keinen Strafantrag wegen Körperverletzung gestellt hatte, entfiel eine Bestrafung unter diesem Gesichtspunkte, so daß das Gericht die Strafe auf 20 Mark ermäßigte. Kreis Wetzlar. # Lützellinden, 15. Febr. Die Holz- hauerarbeiten im hiesigen Oberwald sind gut fortgeschritten. Die Arbeiten nehmen fast den ganzen Winter in Anspruch, da nur zwölf Mann eingesetzt werden konnten. Die Arbeiten wurden dem Holzhauermeister Ludwig Krombach übertragen. Es werden 565 Festmeter Nutz- und Brennholz und 12 000 Wellen geschlagen. O Rodheim a. d. Bieber, 15. Febr. Die hiesige NS. - Frauenschaft veranstaltete in der Wirtschaft Bender einen Gemeinschafts- abend. Heitere Vorträge und gemeinsam gefundene Lieder verschönten den Abend. Bei Kaffee und Kuchen verbrachte man einige unterhaltsame ©tun» den. — Der Motor st urm21/M 147 Bieber hielt am Sonntag eine Fahrdienstübung ab, die von Bieber über Gießen nach dem Schiffenberg führte. Dort wurde kurze Rast gehalten. Auf der Rückfahrt über Watzenborn-Steinberg wurde in Gießen auf Oswaldsgarten das schmackhafte Eintopfessen aus der Soldaten-Feldküche eingenommen. Todesurteil gegen Armand. Prozeß vor dem Schwurgericht Limburg. LPD. Limburg, 16. Febr. Das Schwurgericht in Limburg verhandelte am Dienstag und Mittwoch gegen den 24jährigen Erwin Armand aus Wasenbach im Unterlahnkreis. Er war angeklagt, am 12. Oktober 1935 die zwei Jahre ältere Käthe Meier aus Marburg getötet zu haben. Armand hatte seit 1. Mai 1933 in Marburg studiert. Im November 1933 lernte er bei einer Festlichkeit die Käthe Meier kennen, an der er Gefallen fand. Das Verhältnis wurde bis nach Anfang 1935 fortgesetzt, obwohl Armand im März 1935 ein Mädchen von Katzenelnbogen kennen lernte, in das er sich verliebte. Wie der Angeklagte bei seiner Vernehmung angab, will er andauernd geschwankt haben, doch habe er nicht den Mut gehabt, rilit der Käthe Meier Schluß zu machen, schließlich fei diese an ihn herangetreten mit der Mitteilung, daß sie von ihm ein Kind erwarte. Er habe die Vaterschaft abgestritten und wollte nichts mit der Sache zu tun haben. Schließlich habe er der Meier Tabletten gebracht. Diese und einige weitere Versuche zur Abtreibung im Sommer 1935 führten nicht zum Ziel, schließlich bestellte er das Mädchen für den 12. Oktober 1935 nach Laurenburg an der Lahn. Er ging ihr durch den Wald entgegen und brachte sie an eine einsame Stelle in der Nähe eines verlassenen Stollens einer Schiefergrube. Nach seinem Geständnis habe er ihr ein Fläschchen gereicht, in irtschast. <* Einlösung der Neubesitzanleihen. Fwd. Mit dem 15. Februar beginnt auf Grund der Anordnung der Reichsregierung das Angebot zum vorzeitigen Rückkauf der Neubesitzanleihen der Länder, Gemeinden und Gemeindeverbände. Den Inhabern der Neubesitzanleihen wird ein bis zum 30. Juni 1938 befristetetes Angebot auf Rückkauf der Titel zum Gegenwert von £8,J5 v. H. gemacht. Die Neubesitzanleiben sind, wenn von diesem Angebot kein Gebrauch gemacht wird, am 2. Januar 1970 zum Nennbetrag fällig, doch wird eine Verzinsung, wie das bisher der Fall war, nicht gewährt. Eine vorherig Einlösung oder ein freihändiger Rückkauf der Anleihen erfolgt nicht. Diese Regelung gilt auch für die sogenannten Sammelablösungsanleihen. Es handelt sich um die Neubesitzanleihen von Anhalt, Baden, Bremen, Hamburg, Hessen, Lippe, Mecklenburg, Oldenburg Schaumburg-Lippe und Thüringen, ferner um die bayerischen und die braunschweigischen Neubesitzanleihen. Gleichzeitig werden auch die Ablösungsangebote für Neubesitz- anleihen der Girozentrale und verschiedener Städte veröffentlicht, darunter Berlin, Bingen, Darmstadt, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Gießen, Mainz und Worms. Hhein-Mainische Börse. ANttagsbörse fester. Frankfurt a. M., 16. Febr. Die deutsch-österreichischen Vereinbarungen hinterließen auch» an der Börse einen guten Eindruck und haben die an sich etwas zuversichtlichere Stimmung noch verstärkt. Auf kleine Käufe, vornehmlich des berufsmäßigen Handels, war die Tendenz am Aktienmarkt etwas fester, zu nennenswerten Umsätzen kam es aber nicht, da das Publikum kaum mit Aufträgen vertreten war. Auch sonst verblieb noch etwas Zurückhaltung, was im wesentlichen darauf zurückzu- sühren ist, daß man mit großem Interesse der Reichstagssitzung am kommenden Sonntag entgegensieht. Durchschnittlich betrugen die Besserungen 0,50 bis 1 v. H., ste konnten später nicht immer voll behauptet werden, da die Geschäftsstille auf die Kurse drückte. Montanwerte setzten durchweg 0,50 bis 0,75 v. H. höher ein, Rheinstahl gewannen 0,90 o. H. auf 143,90. IG. Farben erhöhten sich auf 161 (160), Metallaesellschaft auf 147 (146,25). Je 1 v. H. gewannen ferner Bemberg mit 139, Reichsbank mit 207,25, Gesfürel mit 148,65 und Feinmechanik Setter nach Paufe mit 107. Nicht ganz behauptet lagen Zement Heidelberg mit 164 (164,25) und Ilse Genuß mit 134,25 (134,65). Am Rentenmarkt war die Haltung weiter fest. Die Umsätze blieben aber aus dem bekannten Grunde klein. Etwas lebhafter waren Kommunal- Umschuldung mit 95,50 bis 95,521/» (95,45); ferner fliegen 4 o. H. Rentenbank-Ablösung auf 94,45 (94,30). Reichsbahn-VA. lagen mit 130 unverändert. Goldpfandbriefe wurden überwiegend wieder repartiert. Pfälzische teilweise 101,25 (101). Rheinische KO. 100 (99,75). Liquidationspfandbriefe zogen zumeist 0,13 bis 0,25 o. H. an, fest lagen Meininger mit 102,60 (102,25). Nach Stadtanleihen bestand größere Nachfrage, die Kurse zogen bis 0,25 v. H. an. Industrie-Obligationen lagen uneinheitlich, 5 v. H. Hoesch 103,25 (103,50), 6 v. H. IG. Farben 129,90 (130,50), dagegen 5 v. H. Röchling 102,65 (102,40), 4,50 v. H. Krupp 1.00,50 (100,40). Im Freioerkehr erhöhten sich 4 v. H. Rentenbank-Ablösung, auf 94,50 nach 94,45 und 4,50 v. H. Bafio gingen mit 99,05 (98,90) um. Im Freioerkehr herrschte Geschäftsstille, die Kurse lagen unverändert. Niedriger nannte man Frankfurter Maschinenbau mit 161 bis 163 (163). Tagesgeld unverändert 3 v. H. Abendbörse behauptet. Bei ruhigem Geschäft war die Abendbörse behauptet. Einige Umsätze erfolgten in IG.-Farben zu 160,75 (160,25), in Verein. Stahl zu 112,13(112,25), in Rheinmetall zu 141,50 (141), in Conti Gummi zu 191 (191,50), in Adlerwerke Kleyer zu unv. 119 und in Goldschmidt zu unv. 141,25. Moenus Maschinen gingen weiter zurück auf 134 (135). Im übrigen lagen die Märkte sehr still- Und fast unverändert, wobei die meisten Notierungen nominell waren. Buderus 122,50, Mannesmann 113,75 (113,65), Rheinstahl 143,75, BMW. 151,50 (151), Bemberg 138,75, Demag 146, Scheideanstalt 254, Licht unb Kraft 144,50, Elektr. Lieferungen 129,75 (129,50), Gesfürel 148,50, Holzmann 160,50 (160,75), Metallgesellschaft 147, Schuckert 178,50, DDM. 172,50. Bcmkiakiien blieben behauptet, Reichsbank 0,25 v. H. hoher mit 207,50. Am Nentenmarkt befestigten sich Reichsaltbesitz auf 131,50 (131,40), 6 v. H. IG.-Farben waren 0,13 v. H. höher. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 16. Febr. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 13 211, W 16 214, W 19 218, W 20, 220, Roggen R 12 193, R 15 196, R 18 200, R 19 202 GroßhanÜelsvreise der Mühlen der genannten Preisgebiete, Weizenmehl Type 812 W 13 29,40, W 16 29,50, W 19 29,50, W 20 29,85, Rog- gcnmehl Type 1150 R 12 22,45, R 15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizenfuttermehl 13,60, Weizenkleie W 13, 10,75, W 16 10,90 W 19 11,10, W 2011,20, Roggenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfestpreise ab Mühlenstation, Treber getr. 13,00 Höchstpreis ab Erzeugerstation. Tendenz ruhig. Irankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 17. Febr. (Dorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Dorauftrieb: 868 Rinder (237 Ochsen, 107 Bullen, 378 Kühe, 146 Färsen), 588 Kälber, 31 Hämnzel, 13 Schafe, 341 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 36 bis 45 Mark, Bullen 34 bis43, Kühe 20 bis 43, Färsen (Kalbinnen) 35 bis 44, Kälber 36 bis 65, Hämmel 30 bis 48, Schafe 20 bis 42, Schweine 49,50 bis 56,50 Mark. Marktverkauf: Rinder und Schweine zugeteilt, Kälber und Hämmel mittelmäßig. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe Der zuletzt oeschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 o H., Lombardzinsfuß 5 v. H 1 Frankiurt a. M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurs Schlußk. Abend- börse Schluß, kurs Schlußk Mittag börse Schluß- kurs Schluß?. Abend börse Schluß» kurs Schluß!. Mittag, börse Dalum 15.2. 16.2. 15-2. 16.2. Dalum 15.2. 16.2. 15-2. | 16-2. 6% Deutsche Reichsanlethe v. 192) 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 <¥i% Deutsche Reichsschatzanwei- jungen von 1935 . .......... iy.% Deutsche Retchsschatzanwei- jungen von 1935, II. ftolge ... 4yt% Deutsche Retchsschatzanwei» jungen von 1936, III. jSolge .. 6%% Doung Anleihe von 1930 .. 4*/z% Hessische Voltsstaal von 1929 Wi% Deutsche Reichspostschatz von 1934 L..................... V/i% Deutsche Reichsbahnschatz von 1936 1.................. Reichsanleihe-Altbesitz.......... Lberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten.............. 4yt% Hess. Landesbk. Darmstadt Goldpse. R. 12.............. bVi% Hess. Landes-Hyp.-Bant Liqu. Goldofe............... 4yz% Preuß. LandeSpfdbr.-Anst. Goldpse. R. 19............. 4%% Preus« Gold-Komm. R. 20 4yt% Darmstädter Komm.-Lan» desbank 31 6................ Deutsche Komm.-Sammel-Anleihe Auslos.-Nechte 1.............. 4yz% Franks. Hyp. Goldpse. R. 15 4y,% Franks. Hyp. Gold-Komm. Lbl. 2 3.................. 5yz% Franks. Hyp.' Liquidation Goldpse..................... 6yz% Rheinische Hyp. Liquidation Goldpse.................... Steuergutsch» in-Berrechnungskur- S.G. für Verkehrswesen .... 6% Hamburg-Sudam. Dampsschiss. 0 102 99,25 99,7 99 108 100,75 100,65 100 131,25 100 102 102 99,25 99,7 99 108,25 100,5 100,65 100 131,5 137,75 100 100 101,8 99,25 99,7 99 108,25 100,7 100 131,2 100 101,9 99,25 99,7 99 108,25 100,75 100,7 100 131,6 100 Accumulatoren-Fabrik.......14 Midi Offenburg Zellstoff........6 Bemberg............... O Bekula................. 8 Buderus Eilen............ 6 Cement Heidelberg .......... 7 Cement Karlstadt............6 Conti Gummi.............. 12 Daimler Motoren..........6y, Dessauer Gas ............... 4 Deutsche Erdöl.....x........5 Deutsche Gold- und Silber .... "9 Deutsche Linoleum.......... 10 Elektrische Lieferungen........6 Elektrische Licht und Kraft.....7 I. G. Farben-Induftrte ....... 7 Felten & Guilleaume.........6 Gesfürel............. 7 Tb. Goldschmidt...... 6 Gritzner Maschinen...........O Harpener................. 3’/z Hoesch Eisen............... 3VZ Philipp Holzwurm........... 8 230 141 138 170 122,5, 164,25 192,5 141,5 141.75 255 165 130 143,75 160 137,5 147,5 140 113,5 16! 230 141 138,75 170 122,5 164 191 142,25 254 165,5 129,75 144,5 160,75 138,25 148,5 141,25 50,4 170 114 160,5 134,25 110,25 118,75 122 95,75 113,75 147 229,5 129 143,75 126,75 151 169 178,5 211,5 212 112,13 61 110.5 147 28,75 203 114 137,75 170 122 192 141,4 121.5 141,75 165 129.5 143,75 159,75 137,5 148 50 169 113,13 161 230 141 139 170 122,5 191 142 122 143 165 129,5 144 160,65 138,5 148,9 141,25 50 172 113,4 160 _ 99,75 99,25 137 99,75 102,5 102,4 111,4 134,25 99,75 99,25 137,25 99,75 102,5 102,5 111,4 134,5 137,5 100 102,4 111,6 134 135 99,75 137,65 102,65 135,13 Ilse Bergbau................6 Ilse Genüsse................6 Kalt Aschersleben............ 4 Klöcknerwerke .............4yz Kokswerke und Chemische Fabrik 7 Lahmeyer..................6 Mainkraft.......... 4 Mannesmann.............4*/: Marisfelder Bergbau......... 7 Metallgelellsckast............. 6 treustem & Koppel .........O Rheinische Braunkohle.......12 Rheinische Elektro............6 Rheinstahlwerke..............6 Rbelnisch-Destfälische Elektro .. fl Rütgerswerke ...............7 Salzdetfurth Kali.......... 6 134,65 110 118,25 122 95,75 113.5 155 146,25 231 143 126,5 150 158,5 135 110.25 118.25 156 122,5 113,4 155 146,75 108,13 231,5 128,75 143 126,4 151 170 178 96 211,75 211,75 112 60,5 110 147 28,75 138.5 134,25 110,13 119 156,5 122,25 114 146,5 108 229,5 123 1.44 126,5 151,25 169 178,5 96,5 211,5 212 112.13 60,75 110,25 147 . 28,75 Hamburg-Amerika Paket......O Norddeutscher Lloyv..........O Deutsche Reichsbahn Vorz.-Wt. 1 Berliner Handelsgesellschaft . 6H Commerz- mö Prival-Bank... 5 Deutsche Dükonto............ 6 Dresdner Bank..............4 78,25 80 130 206,25 122,25 127,25 114,4 78,5 80 130 207,5 135 122,4 127,25 114,4 Devise 78 80 130 206,5 135,25 122,25 127,25 114,4 nmartl 78,5 80,5 130 207,75 135,25 122,4 127,25 114,4 Berlin Schuckert L Co......... 7 Schultheis Patzenhofer........4 Siemens L Halske...... 9 Süddeutsche Zucker.......... 10 Vereinigte Stahlwerke......4V, Westdeutsche Kaufhof.........O Westeregeln Alkali............ 4 Zellstoss Waldhof............6 Ltavi Minen...............0,6 — Stanffurl a ZU. 178^ 211 112,4 60,4 110 146,13 28,6 15-Februar 16.Februar 15-Februar 16 Februar Aint!>cti> Geld hn-enit g Brief mn cp-Neuerung Geld | Brief jlmthche *Jioii*,rung Geld | Brief ttmU'cheNoi'eiung Geld | Brief 0,653 0,657 42,06 0,147 47,10 55,54 0,653 0,657 Japan.................... Jugoslawien .............. Oslo ................... Wien.................... Lissabon.................. 0,723 5,694 62.39 48,95 11,275 0,725 5,706 62,51 49,05 11,295 0,723 | 5,694 62,39 48,95 11,275 63,98 57,47 0,725 5,706 62,51 49,05 11,295 Brüssel................... Rio de Janeiro............ Polen.................... Kopenhagen............... 41,98 0,145 47,00 55,42 41,98 0,145 47,00 55,42 42,06 0,147 47,10 55,54 Danzig................... London................... 47,00 12,415 5,49 8,137 138,46 13,09 47,10 12,445 5,50 8,153 138,74 13,11 47X10 12,415 47,10 12,445 Stockholm................ Schweiz.................. 63,98 57,45 64,10 57,57 64,10 57,59 tzeisingfor»................ Paris.................... Holland.................. gtal la»................... 5,49 8,112 138,45 13,09 5,50 8,128 138,73 13,11 Spanten.................. Prag..................... Budavek................. Neuyork.................. 8,676 2,470 8,694 2,474 8,676 2,468 8,694 2,472 dem sich Zyankali befand. Das Mädchen habe in der /Meinung, es sei ein Abtreibungsmittel, die Flüssigkeit zu sich genommen. Die Wirkung sei unmittelbar eingetreten. Als das Mädchen röchelte, habe er eine an seinem Fahrrad befestigte Picke geholt und damit mehrere Schläge auf den Kopf des Mädchens geführt. Dann schleppte er die Leiche in den 70 Meter weit in die Erde führenden Stollen, legte sie in einem Seitengang nieder und bedeckte sie mit Steinen. Danach reinigte er sich in dem nahen Bach und begab sich zu dem Mädchen in Katzenelnbogen, das er in einer Theatervorstellung fand, an der er teilnahm. Nach der umfangreichen Beweisaufnahme kam das Gutachten des' leitenden Arztes der Landes- Heilanstalt Marburg, Dr. Giese, zu dem Schluß, daß dem Angeklagten die Milderungsgründe des § 51 nicht zuzubilligen seien. Am Abend kurz nach 9 Uhr verkündete der Vorsitzende das Urteil. Das Gericht folgte im wesentlichen den Ausführungen des Staatsanwalts und sah Armand für schuldig an. Er wurde wegen Mordes zum Tode verurteilt. Aus der engeren Heimat. Altbürgermeister Leun 83 Jahre off. A Großen-Linden, 16. Febr. Am heutigen Tag konnte Altbürgermeister Leun in seltener körperlicher und geistiger Frische seinen 8 3. Geburtstag feiern. Altbürgermeister Leun hat 33 Jahre lang die Geschäfte der hiesigen Bürgermeisterei versehen. Während dieser langen Amtszeit wurde die hiesige Wasserleitung gebaut, die Kirche durch einen Erweiterungsbau umgebaut, das Pfarrhaus erweitert und eine Anzahl neuer Straßen angelegt, da der Ort sehr stark anwüchs. Sein Hauptverdienst bleibt aber wohl die Errichtung eines Bahnhofes an der Main-Weser-Bahn, ein Projekt, das ihn viel Mühe und Arbeit kostete. Aber gerade hierin zeigte sich sein Weitblick/ denn seitdem unser Ort Haltestelle wurde, begann er aufzublühen. Lange Jahre war Leun auch Landtagsabgeordneter und als solcher weit über unsere Grenze hinaus bekannt. Bielen hat er mit Rat und Tat geholfen. Auch Vorfahren von ihm waren schon Bürgermeister. Landkreis Gießen * Klein-Linden, 17. Febr. Unter der Parole „Einwohner von Linnes, wir rufen euch alle!" veranstaltet die Hitler -J^jgepd, Gefolgschaft 5/116 (Klein-Linden) am kommenden Samstag, 19. Februar, in der „Deutschen Eiche" einen Volksgemeinschaftsabend. An diesem Abend sollen alle Volksgenossen in kameradschaftlicher Weise ein paar frohe und heitere Stunden mit unseren Jungens verleben. - Steinbach, 16 Febr. Der Obst- u n,b G a r- tenbauverein Steinbach hielt am Sonntag bei Wirt Deuker seine Jahresqeneralversammlung ab, die gut besucht war. Der Vorsitzende, Balth. Jakob Haas, erstattete den Jahresbericht. Dem Rechner Wilhelm R e e b wurde nach Vortrag und Prüfung der Rechnung Entlastung erteilt. Es wurde hierauf der Arbeitsplan für das'neue Jahr besprochen: u. a. soll im Herbst eine Obstausstellung veranstaltet werden. Die Versammlung wurde in üblicher Weise geschlossen. <5 Lollar, 15. Febr. Die Kriegerkameradschaft Lollar hatte am Samstag ziu einem wehrpolitischen Vortrag im Gasthaus „Zur Linde" eingeladen. Kameradschaftsführer T a u b e r t .eröffnete den Abend und begrüßte die Kameraden aus Lollar und Umgegend. Nach dem Fahneneinrnärfch gedachte er der Gefallenen des großen Krieges und der Bewegung. Alsdann sprach Major a D. Rietsch in längeren Ausführungen über eine Reihe wehrvolitischer Fragen, u. a. Berufsheer — Volksheer, Oberbefehl, die einzelnen Waffengattungen, ihre Verwendung, und zeigte zuletzt ausführlich den Aufbau unserer neuen Wehrmacht. Sein lehrreicher Vortrag wurde ergänzt durch Lichtbilder. Kameradschaftsführer Taubert dankte dem Redner und begrüßte noch den stellvertr. Kreissührer. Ortsgruppenleiter P e t r a s ch gedachte des Führers, dem wir die Schaffung unserer neuen Wehrmacht zu danken haben, und schloß den Abend in der üblichen Weise. Die SA -Kapelle umrahmte den Abend mit Musikvorträgen. A Bersrod, 16. Febr. Eine Derdunke - l u n g s ü b u n g, die sich auch auf das Hofgut Winnerod erstreckte, fand hier statt. Dank der aufklärenden Tätigkeit des Reichsluftschutzbundes nahm sie einen guten Verlauf. e 1 Burkhardsfelden, 15. Febr. Hier fand eine Verdunkelungsübung statt. Um 19.45 Uhr ertönte das Alarmsignal und innerhalb weniger Minuten lag unser Ort im tiefsten Dunkel. Mit der Uebung war eine Uebung der Feuerwehr verbunden, die einen Brandangriff auf die Kirche ausführte. Der Uebung wohnten Beauftragte des Kreisamts und des Reichsluftschutzbundes bei, die sich zufriedenstellend über den Verlauf der Uebung äußerten. , Generaloberarzi Dr. Hugo Grrlach Darmstadt, 16. Febr. (Lpd.) Im Alter von 77 Jahren ist nach längerer Krankheit der Generaloberstarzt a. D. Dr. med. Hugo Gerlach in Darmstadt gestorben. Dr. Gerlach wurde im Herbst 1899 Regimentsarzt beim 2. Großh. Hess. Feldartillerie-Regiment Nr. 61 in Darmstadt. Im Weltkrieg bekleidete er die Stellung des Kriegslazarettdirektors 18>Nach der Demobilmachung war er Chefarzt des neuen Versorgungslazaretts in Darmstadt, welche Stellung er im September 1919 niederlegte, um in den Ruhestand zu treten. ZRunhfunfprogramm Freitag, 18. Februar. 6 Uhr: Morgenlied, Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Nachrichten. 10: Schulfunk. Günther Groen- hoff. Ein Leben für die Fliegerei. Hörfolge. 10.30: Sport und körperliche Ertüchtigung. Mann über Bord. 10.45: Froher Klang zur Werkpause. 11.40: Hausfrau, hör zu! 11.50: Aristokratisches Führer- tum. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Das Stündchen nach Tisch .k, 15: Volk und Wirtschaft. Die moderne Lehrwerkstatt. 15.15: Mutter turnt und spielt mit dem Kind: Lieber Schuster, du ... 15.30: Große Kinder sammeln. 15.45: Aus Kunst und Kultur. 16: Nachniittagskonzert. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher (Jndustrieschall- platten). 19: Nachrichten. 19.10: Unterhaltungskonzert. Wir grüßen vom Rhein. 20: Eine Stunde Kabarett. 21.10: Kammermusik. 22: Nachrichten. Universität Gießen Hochschul-Handball-Ganmeister. Universität Frankfurt 6:5 geschlagen. M Jr , T —L ,5 * W . Till w * » Z M 5 M SM' ■ Die erfolgreiche Hand^äll-Mannschaft der Universität Gießen. Gau- im Mit Sieg aus, Sturm; Götzelt, Rittershausen, Hüfner, Winter, Seipp. Universität Frankfurt a. M.: Simon; Becker, Weiß; Besser, Burkhardt, Wannemacher; gaben sehr zuverlässig ab, aber auch die Gäste waren, wenn sie den Ball hatten, gefährlich, zeigten sich jedoch im Torschuß reichlich unentschlossen, kamen aber auch an der Gießener Abwehr nicht platz den Titel des meisters Südwest Hochschul-Handball. 6:5 Toren fiel der zwar sehr knapp immerhin gewannen die Gießener Studenten verdient. Folgende Mannschaften standen sich im entscheidenden Kampf gegenüber: Universität Gießen: Mayer; Bork, Krausch; Ringk, Grünig, In einem rassigen und hochinteressanten, vor allem sehr abwechslungs- reich/m Kampfe sicherte sich gestern die Mannschaft der Universität Gießen im entscheidenden Spiel gegen die Handballelf der Universität Frankfurt a. M. auf dem hiesigen Universitätssport- Wille, Endres, Melior, Schmant, Hörle. Das Spiel begann mit lebhaften Angriffen der Gießener Mannschaft, die zunächst mit ihrer guten Kombinationsarbeit und dem taktisch richtigen Einsatz ihrer Flügel gefiel. Bald hieß es denn auch 1:0 für Gießen. Die Frankfurter wurden nun etwas energischer und erzielten auch wenige Minuten später den Ausgleich, vermochten sogar noch in der gleichen Minute mit 2:1 in Führung zu gehen, aber bald nach dem Wiederanpfiff hatten die Gießener Studenten ihrerseits ausgeglichen. Einen schönen Erfolg gab es für die Einheimischen, als der Halblinke Stürmer vor dem Tor mit dem /Lall zu Fall kam, im Liegen aber tadellos an den Mittelstürmer abgab, der sicher zum 3:2 einschoß. Ein weiterer zügiger Angriff der Gießener Elf wurde mit einem vierten Tor abgeschlossen. Mit diesem Ergebnis ging es in die Pause. Auch nach dem Wechsel blieben die Blauweißen leicht überlegen, sie waren immer rascher am Ball, ohne weiteres vorbei. So vermochten die Gastgeber sogar auf 5:2 zu erhöhen. In der Folge rafften sich die Gäste auf und diktierten für kurze Zeit das Spielgeschehen, während man bei den Hiesigen einige Ermüdungserscheinungen bemerkte. So kamen die Gegner auf 5:3 und auf 5:4 heran, ja, der Ausgleich hing für jeden Augenblick in der Luft, als es den Gießenern schließlich doch gelang, mit 6:4 die Tordifferenz wieder etwas größer zu gestalten. Aber auch dabei blieb es sticht lange. Obwohl die Gäste gegen Mitte der zweiten Halbzeit fast in ihrer Spielhälfte festgehalten wurden, blieben weitere Erfolge versagt. Dagegen hatten die Frankfurter Glück. Ein scharf geschossener Ball traf die Querlatte, prallte hinter die Torlinie in das Tor hinein ab, rollte aber sofort wieder heraus. Die Torentscheidung bestand zu recht. Mit dem Ergebnis von 6:5 war nun die Spannung auf ihren Höhepunkt gestiegen. Noch waren etwa sieben Minuten zu spielen. Die Frankfurter setzten alle Sportruhe am Sonntag. Die Reichsbu.nd-Pressestelle teilt mit, daß für Sonntag, 20. Februar, Sportruhe angeordnet ist. In der Zeit von 11.45 Uhr bis 17 Uhr dürfen feine sportlichen- Veranstaltungen durchgeführt werden. Dadurch ist der gesamten deutschen Turn- und Sportgemeinde Gelegenheit gegeben, die große Rede des Führers anläßlich der Eröffnung des Reichs« tages zu hören. Energie an den Angriff und wurden massiv, während die Gießener ihre Läuferreihe mit in die Verteidigung zurückzogen, um das Ergebnis zu halten. Das gelang denn auch, obwohl die Gäste bis zur letzten Minute versuchten, das Bollwerk zu überwinden. Schließlich löste der Schlußpfiff die Spannung. Der knappe Sieg bedeutete die Meisterschaft. Die Gießener Elf war in allen Teilen sehr gut besetzt. Der Tormann nahm in der ersten Halbzeit seine Aufgabe etwas leicht und hielt manchen Ball in gewagter Manier. In der Verteidigung war Krausch sehr beweglich. In der Läuferreihe sorgte Grünig für Schwung und im Sturm wurde gut zusammengearbeitet. Die Gäste standen den Einheimischen in der Leistung wenig nach und wenn sie im Torschuß energischer gewesen wären, konnte das Spiel sehr wohl einen anderen Ausgang nehmen. Schiedsrichter war P l o ch vom Mtv. Gießen^ Der von schmelzendem Schnee sehr schlüpfrig gewordene Platz stellte an die Mannschaften hohe: Anforderungen. • Gießener Gymnasium im Gerätekampf der Gießener Schulen. Arn 15. Februar fanden (wir berichteten bereits! darüber) in der Neuen Pestalozzischule die Ge/äte- wettkämpfe zwischen dem Landgraf-Ludwigs-Gym* nafium, den Oberschulen für Jungen Langemarck« schule und Justus-von-Liebig-Schule und den Volksschulen Alte und Neue Pestalozzischule und der Goetheschule statt. , In den drei von den vier Wettkämpfen für das 5. bis 8. Schuljahr konnte das Gymnasium beiX 1. Sieger stellen. Bei den Kämpfen des 7. Schuld jahres errang es den 3. Platz. Die klare Ueberlegent heit des Gymnasiums trat besonders in den Mannschaftswettkämpfen durch gutes Zusammenarbeiten! und größte Einsatzbereitschaft hervor. Das Gymnasium, das die kleinste Schülerzahl aufweist, Fann# mit den schönen Erfolgen äußerst zufrieden sein. Schmeling —Dudas in Hamburg. Wieder Großkampftag in der Hanseatenhalle. Die Direktion der Hamburger Hanseatenhalle teilt mit, daß sie außer dem bereits gemeldeten Kampf Walter Neusel — Ben Foord jetzt auch den Abschluß des Kampfes Max Schmeling — Steve Dudas bekanntgeben kann. Beide Begegnungen finden am Ostersamstag, 16. April, in der Hanseatenhalle statt. Nach den Kämpfen mit Harry Thomas und Ben Foord bestreitet Max Schmeling damit gegen den Amerikaner Steve Dudas den dritten Prüfungskampf vor der Weltmeisterschaft mit Joe Louis. Zwischenrundenkampf Kanada —Deutschland 3:2. Deutschland hat bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Prag mit der Aufstellung seiner Mannschaft kein Glück. Bereits in der Vorrunde hätte es gegen England wahrscheinlich zu einem Siege gereicht, wenn unsere Mannschaft in stärkster Besetzung angetreten wäre. Diesmal wurde in der Zwischenrunde ein ähnlicher Fehler gemacht. Da ein Sieg gegen den Titelverteidiger Kanada als unmöglich angesehen wurde, spielte Deutschland ohne- Egginger und Jänecke. Doch schlug sich unsere Mannschaft ganz hervorragend, führte 30 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit noch 2:1 (!), um dann in der Verlängerung knapp 3:2 geschlagen zu werden. Kanada kam damit knapp um eine sensationelle Niederlage herum? Lady Windermeres Fächer von OSCAR WILDE tO4?D 1045D Samstag, den 19. Februar, 20 Uhr, im Stadttheater die entzückende Komödie Karten zu RM. 0,90 und R.\f. 1,- sind in der Verkaufsstelle Seltersweg 60 erhältlich Deutsche Arbeitsfront NSG. „Kraft durch Freude" fiinöet- klWMIAn u.Siuöenroogen gebraucht, z. verlaufen. 069« bbelftraße 30 I. Baue gut.... mit Abermann AM ZU Döthten gesucht 200-300 qm in der Nabe der Katbolisch.Kirche Schr.Angeb.mil Preis u. 1030D an d. Gieß. An;. Genejalvertrieb: Baumss Treib ig Gießen Bahnhofstraße26 Ruf 8700 „nA Iauerwellapparat Trw Köln, 220 Volt, neu preiswert zu verkaufen. 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LICHTSPIELHAUS Heute Donnerstag Erstaufführung A MM /■ ' EIN GEORG-WITT-FILM DER UFA nach dem Roman „Der Streit um die Betty Bonn“ von Friedrich Lindemann e mit 1037A Maria Andergast Theodor Loos - Hans Nielsen Ein starker und ausdrucksvoller Film, dem der großzügige Einsatz filmischer Mittel durch Darstellung und Handlung das Format eines mitreißenden Erlebnisses gibt! Beiprogramm - Ufa-Ton. Wodie