Nr. 242 Erstes Blatt 188. Jahrgang Samstag, 15./5onntag,lb. Oktober 1938 Brldjetnt tägltd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monalr>Bezugrprei§: Mit 4 'Beilagen RM. 1.95 Ohne Illusttierte , 1.80 Zustellgebühr . -25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt jfernfprechanschlüste unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siehe» postscheckkento: Frankfurt am Main no86 Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche UniverfitStrdruckerei kl. Lange in Ließen. Schriftleitvng und SeschSftrftelle: Lchulstratz« 7 Annahme von Anzeige« für die Mittagsnummer vis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für le^t* anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach oorh.Dereinbg.25°/, mehr. 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So wie sich der deutsche Warenaustausch mit dem Südosten jetzt abspielt, wird niemals eine einseitige Abhängigkeit des Südo^stens entstehen, denn die deutsche Wirtschaft und die Südostwirtschaft ergänzen sich einander auf das glücklichste. Eine Abhängigkeit der Wirtschaften der Balkanstaaten von fremden Wirtschaften kann nur dann entstehen, wenn wirtschaftliche Beziehungen hergestellt werden würden, deneiv die natürlichen Voraussetzungen fehlen. Es ist nicht wegzuleugnen, daß von der Aordsee bis zum S ch w a r z e n 2N e e r ein natürlicher Wirtschaftsraum besteht, in welchem viele nationale Wirtschaften Platz haben. Die Ideen, die ich den einzelnen Regierungen unterbreitet habe, beruhen darauf, daß in allen Staaten noch uner- schlofsene wirtschaftliche Möglichkeiten vorhanden sind. Deutschland wird nun helfen, diese noch nicht erschlossenen Bodenschätze und Bodenerzeugnisse zu e n t - wickeln und zu heben. Auf diese Weise wird der Südoslen eine größere Kaufkraft und einen höheren Lebens stau- d a r d erhalten. Er wird von Deutschland mehr kaufen können als bisher, und umgekehrt wird Deutschland ein noch größerer Kunde des Südosiens werden. Deutschland wird, da die Möglichkeiten einer Produktionssteigerung vielfach beschränkt sind, a u f dem Wege von Warenkrediten dem Süd- osten helfen. Ein deutscher Kredit ist der Tür- k e i bereits in Höhe von' 150 Millionen Reichsmark bewilligt worden. Es ist dies nicht eitle Verschuldung des Landes im althergebrachten Sinne, denn Deutschland wird dafür mehr Waren aus der Türkei einführen als bisher. Im Gegensatz zu diesen Warenkrediten stehen Devisenoerschuldungen, da sie zu deflationistischen Maßnahmen führen, wodurch sich die Wirtschaftslage eines Staates , verschlechtern muß. An dieser Methode können aber die Staaten kein Interesse habm. Ich habe bei allen Regierungen außerordentliche Bereitschaft gefunden, aus meine Vorschläge einzugehen. Man muß berücksichligen, daß außerdem ein tra f ü r I i d) e s Verkehrsband zwischen Deutschland und Südosteuropa durch die Donau gegeben ist. Wien, wird unter Berücksichtigung dieser Voraussetzung zu einem der ersten Warenumschlagsplähe aus- grbaut werden. Durch den R h e i n - M a i n - Donau - Kanal wird eine gleichermaßen natürliche Verkehrsstraße von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer geschaffen werden. Sie wird die Länder des Südostens in noch größerem Maße verkehrstechnisch erschließen, als dies bisher der Fall gewesen ist. Wir wollen bei allem jedoch nicht den Handel anderer Staaten verdrängen. Die neue Handelsstraße wird dann im Gegenteil auch den Handel des Südostens mit dem anderer weft- tinS norüeuropäischer Staaten steigern. Wir wollen aber auch gewisse große Vorhaben, die für ganz Südosteuropa von Vorteil sein können, durchführen. Dabei denken wir einmal an die bereits erwähnten und im Ausbau begriffenen Wasserwege, dann aber auch an E i s e n b a h n-, Post- und Telephonverbindungen. Schließlich ist infolge der Ereignisse in der Tschecho-Slowakei eine veränderte Lage entstanden. Die Tschecho-Slowakei ist nicht mehr als reiner Industriestaat anzusprechen, sondern muß sich agrarpolitisch um st eilen. Die wirtschaftlichen Folgen aus der veränderten Lage werden mir Anlaß geben, mich bei meiner Rückkehr in der Hauptsache damit zu beschäftigen. Im übrigen bin ich der Meinung, daß durch diese großen politischen Ereignisse die W e/l t - Wirtschaft einen neuen Impu l s ersah- ren wird, denn nur bei einer guten Politik kann *3 eine gute und gesunde Wirtschaft geben. Die Afaehenden wirtschaftlichen Zerstörungen, die die Knse der Jahre 1931/32 anrichtete, lassen sich mit nen alten Methoden nicht mehr beheben. Jeder Staat muß in sich selbst gesund werden. Rur dann wird sich ein'neues Wirtschaftsleben herauslnstallifieren, wobei in ungleich stärkerem Maße der Warenaustausch und die Ergänzungswirtschaften gegenüber politischen Krediten und Währungsoperationen in den Vordergrund treten werden. In dem Verhältnis Deutschlands zu den Südoststaaten sind alle Voraussetzungen für eine sämtliche Teile zufriedenstellende Entwicklung gegeben. Da ich der lieber« zeugung bin, daß ich die Entwicklung in dieser Richtung vorangetrieben habe, bin ich mit meiner Reise zufrieden." Bulgarien Großlieferant Deutschlands. Irn Jahre 1936 war Äeutschland an der bulgarischen Gesamteinfuhr in Höhe von 3,2 Milliarden Lewa (1 Lewa = 3 Rpf.) mit fast zwei. Milliarden beteiligt und an der Ausfuhr aus Bulgarien in der Gesamthöhe von 3,9 Milliarden Lewa mit 1,9 Milliarden. Da Bulgarien auch im starken Maß von dem früheren Oesterreich und dem Sudetenland Waren bezog und umgekehrt auch in diese jetzt in das Reich rückgegliederMünchen, 14. Off. (DNB.) Der Führer empfing heute in Gegenwart des Reichsaußenministers v. Ribbentrop den lfchecho-stowaki- schen Außenminister Ehvatkovsky. Der tsche- cho-slowakische Außenminister gab dem Führer die Versicherung ab, daß die Tschecho-Slowakei eine loyale Haltung Deutschland gegenüber einnehmen werde, wovon der Führer mit Befriedigung Kenntnis nahm. Der Führer drückte dem tschecho-slowakischen Außenminister sein Bedauern darüber aus, daß in der Frage der ungarischen Minderheiten noch keine Lösung gefunden sei. Er sprach die Hoffnung aus, daß es gelingen möge, auch in dieser Frfftze baldigst eine befriedigende Lösung zu finden. Von der beflissenen und Ohr zweckvollen Nervosität, die in gewissen westeuropäischen Kreisen durch Förderung einer Gefahrenpsychose und Beschleunigung der Aufrüstung unterhalten wird, heben sich erfreulicherweise eine Reihe von Merkmalen der Befriedung ab. So hat zunächst der Beschluß des Internationalen Ausschusses, wonach sich Volksabstimmungen in den tschechisch-deutschen Randgebieten als überflüssig erweisen, die begrüßenswerte Folge, daß man schon in einigen Wochen die endgültige Festlegung der deutsch-tschechischen Grenze erwarten darf. Auch dieser Vorgang ist nur ein wei- weiterer Beweis dafür, daß die von Adolf Hitler verfolgte und in der Viererbesprechung vom 29. September sanktionierte Politik die einzig richtige war und vor allem auch überaus praktisch ist. Wir haben schon unmittelbar im Anschluß an das Münchener Abkommen darauf hingewiesen, daß seine Auswirkungen sich in absehbarer Zeit auch im weiteren Umkreis bemerkbar machen würden. Die Entwicklung hat diese Erwartung bisher vollauf bestätigt. Ein weiteres Zeichen ist das unverkennbare Bestreben der tschechischen Regierung nach einer vernünftigen Revisions- und Friedenspolitik. Das drückt sich nicht nur in den Pressestimmen aus, die eindeutig eine ersprießliche Zusammenarbeit mit Deutschland fordern, um so mehr als die Finanzlage der Tschechei infolge der beiden noch unbezahlten Mobilmachungen die Wiederherstellung möglichst umfangreicher wirtschaftlicher Beziehungen zu Deutschland dringend verlangt. Aber darüber hinaus spricht eine anscheinend doch recht weitgehende innere Einkehr in Prag auch aus solchen Tatsachen wie dem merklichen Abrücken vom Kommunismus, ferner aus der beginnenden Ueberprü- fung der Judenfrage, aus der Selbstauflösung der Freimaurer-Organisationen. Von deutscher Seite ist ja wiederholt betont worden, daß man nach endgültiger Regelung der Grenzfrage keinerlei Hinderungsgrund für den Ausbau der beiderseitigen Beziehungen sieht. In Prag scheint man ernstlich bereit zu sein, dieser großzügigen Verständigungsbereitschaft Deutschlands schon aus Gründen der Vernunft entgegenzukommen. Da auch die tschechisch- ungarische Frage entweder ohne oder mit nochmaliger Einschaltung einer Diermächtebesprechung in absehbarer Zeit gelöst werden dürfte, so rückt damit auch die Möglichkeit einer späteren Garantie Deutschlands für die neuen tschechischen Grenzen entsprechend den Münchener Abmachungen unter den bekannten Voraussetzungen in größere Nähe. Die alte Außenpolitik der Tschecho-Slowakei ist gescheitert, weil der Benesch-Kurs es zwanzig Jahre lang versäumt hatte, auch nur den leisesten Versuch einer Verständigung mit dem großen deutschen Nachbarn zu machen und sich stattdessen als Hilfsvolk für die zwischen Paris und Moskau mit deut- । licher Spitze gegen das deutsche Reich gebildete | Front einfpannen ließ. So muß die Tschecho-Slo- ten Gebiete lieferte, ist der prozentuale Anteil Großdeutschlands an dem bulgarischen Außenhandel noch erheblich gestiegen. Trotzoem ergeben sich noch große Möglichkeiten einer weiteren Vertiefung der gegenseitigen Beziehungen. Bulgarien erzeugt neben Tabak und Rosenöl vor allem Mais und Weizen. Aber Bulgarien ist ein Land der kleinen und mittleren Bauern. Es ist also hervorragend für die Entwicklung land- und gartenwirt- jchastlicher Sondererzeugnisse geeignet, die pflegliche Behandlung verlangen. Sein starker D b ft b a u deutet schon in diese Richtung und heute trifft man in allen deutschen Jndustriegegen- den auf bulgarische Trauben und bulgarische Äepfel. Der bulgarische Weinbau hat vor einigen Jahren eine Krise infolge der bekannten Schädlinge der Weinreben durchgemacht, erholt sich aber dank der rentablen Ausfuhrmöglichkeiten nach Deutschland sehr rasch. Wenig bekannt ist, daß auch Anbauver- juche mit Reis und Baumwolle in Südbul- garien unternommen wurden; im Vordergrund steht aber heute die kräftige Entwicklung des Oel- frucht- Anbaues und die Kultivierung der S o j a- Bohne. roafei heute eine völlig neue außenpolitische Orientierung suchen, sie muß sich dabei darüber klar sein, daß jede antideutsche Tendenz von vornherein ein auf gegenseitiger Achtung gegründetes Zusammenleben mit dem deutschen Nachbarn unmöglich machen würde. Der Besuch des, neuen tschecho-slowakischen Außenministers beim Führer und Reichskanzler darf wohl als Anzeichen dafür genommen werden, daß man in Prag sich entschlossen hat, einen neuen Weg zu suchen. Die Tschecho-Slowakei als Bundesstaat. Prag, 14. Oft. (DNB.) Die Prager Regierung hat eine Kommission von Verfassungsfachleuten eingesetzt, die die verfassungsrechtliche Lage des Staates überprüfen und neue Vorschläge machen soll. Die Kommission ist zu der Ansicht gelangt, daß infolge des Rücktritts des Präsidenten der Republik und der Gebietsabtretungen, durch die eine Reihe von Abgeordneten des Parlaments ihren ganzen Wahlkreis oder einen Teil verloren haben, die beschleunigte Ausarbeitung einer neuen Verfassung und einer neuen Wahlordnung notwendig ist. Nach der neuen Verfassung wird — so viel steht bereits fest — die Tschecho-Slowakei ein Bundes st aat sein. Diese Tatsache allein bedingt zahlreiche Aenderungen in der bisherigen Verfassung. Die Frage der Präsidentenwahl soll im engen Einvernehmen mit den politischen Führern der Slowakei und der Karpatho-Ukraine erfolgen. Die Vorsitzenden der Regierungsparteien haben sich bereits darüber geeinigt, daß nur ein einziger Kandidat aufgestellt und einstimmig gewählt werden soll. Hingegen ist weder über die Person des neuen Präsidenten der Republik noch über den Wahltermin eine Entscheidung gefallen. Man nimmt an, daß die Wahl erst nach dem vollendeten Umbau der Verfassung erfolgen wird. EinGtaatssekretariatfür Volksdeutsche in preßburg. Preßburg, 14. Oft. (DNB.) Der slowakische Ministerrat hat beschlossen, für die Interessen der deutschenVolksgruppe in der Slowakei ein Staatssekretariat zu errichten. Mit der Leitung wurde der Führer der Deutschen Partei, Abg. Karmasin, betraut. Auch für die ungarische Volksgruppe wird ein Staatssekretariat geschaffen werden. Staatssekretär Karmasin besuchte bereits den neuernannten slowakischen Schulminister Sernal und legte ihm eine Reihe von Dorsch l ä g e n für die Regelung der Kultur- und Schul- autono'mie der Deutschen in der Slowakei vor. Minister Cernak sagte weitgehendes Entgegenkommen zu. Auf Antrag des Staatssekretärs Karmasin wurden für das Gebiet der Slowakei von der neuen slowakischen Regierung Adolf Hitlers „M e i n Kampf" und folgende fünf reichsdeutsche Zeitungen freigegeben: der „Völkische Beobachter", die „Münchener -Neuesten Nachrichten", die „Berliner Börsenzeitung", die „Frankfurter Zeitung" und die „Neue Freie Presse". Außerdem wurden zwei polnische Zeitungen und die bisher verbotenen italienischen Zeitungen zugelassen. Von den Pariser Zeitungen wird hervorgehobem daß die deutsch-tschechischen Beziehu gen nach dem beiderseitigen Verzicht auf Volksabstimmungen in den bisher umstrittenen Gebieten in eine neue Phase der freundschaftlichen Zusammenarbeit eingetreten seien. Jetzt, wo die Tschecho- Slowakei Opfer gebracht habe, so schreibt der „Paris Soir", verstehe sie sich mit Deutschland am leichtesten. Das sei natürlich und eine politische und wirtschaftliche Notwendigkeit, Der Angriff im Süden. Während das kleine Europa in den letzten Wo- chen auf dem schmalen Brett zwischen Krieg und Frieden balancierte, ist die Welt draußen nicht stillgestanden, wenn sie auch wohl einen Augenblick den Atem angehalten haben mag in der Erwartung der Rückwirkungen, die eine europäische Katastrophe auch auf die von uns aus gesehen peripherischen Probleme haben mußte. Fast hatten wir über unseren Sorgen im eigenen Hause vergessen, daß im Fernen Osten ein halber Erdteil in Flammen steht, daß auf den Schlachtfeldern Mittelchinas nun schon feit länger als einem Jahr mit wachsender Erbitterung und mit Einsatz immer größerer Machtmittel um den Führungsanspruch in der ganzen östlichen Welt gerungen wird und daß es scheint, als ob Entscheidungen heranreifen würden, die auch die bislang nur im Hintergrund des chinesischen Kriegs, theaters agierenden Mächte vor neue und schwerwiegende Entschlüsse stellen könnten. Marschall Tschiangkaischek, der nach wie vor die Seele des chinesischen Widerstands gegen Japans Forderung nach Zusammenarbeit der beiden ostasiatischen Mächte unter japanischer Führung ist, hatte aus den mörderischen Schlachten um Schanghai zwar nur wenige seiner modern bewaffneten und geschulten Kerntruppen retten können, aber es war ihm gelungen, in der Weiten Kriegsphase die Japaner in zermürbenden Skellungskämpfen so lange hinzu- halten, bis aus eilig zusammengeholten Prooinzial- armeen wieder eine schlagkräftige Truppe bereit« stand, die nun den Japanern den Vormarsch längs der Lunghai-Bahn nach Westen zu und von Peking und Tientsin her durchs die Provinzen Hope und Schantung nach Süden' aufs äußerste erschwerte. Wenn auch erst nach vollen drei Monaten harter Kämpfe die Schlüsselstellung an der Lunghai-Bahn bei Sutschau nicht länger zu halten war, so konnte sich Tschiangkaischek doch der völligen Umfassung und Vernichtung rechtzeitig entziehen und weiter nach Westen auf Hankau ausweichen. Die Japaner stießen zwar schnell und energisch nach, um Hankau von Norden anzugreifen, aber die riesigen lieber- schwemmungen im Flußgebiet des Hoangho setzten diesen Operationen bald ein Ziel und zwangen die Japaner, den Angriff auf Hankau vorerst frontal durch den Vormarsch am Iangtsekiang entlang anzusetzen. Das war ein überaus mühseliges und zeitraubendes Unternehmen, das die ganzen Sommermonate in Anspruch genommen hat und bei den immer länger werdenden und von chinesischen Freischärlern ständig beunruhigten Nachschublinien von Japan außerordentliche Kraftaufwendungen verlangt hat, die — was ja ein Kennzeichen der japanischen Kriegführung in China überhaupt ist — immer nur tropfenweise, ruckweise nach langen Pausen der Sammlung und Beobachtung geleistet wurden. Japan ist ja nur sehr langsam und zögernd an die Ausweitung dieses „Zwischenfalles" zum offenen Konflikt und schließlich zum großen Festlandskrieg mit Millionenarmeen auf beiden Seiten her- angegangen. hatte offenbar gehofft, sein Ziel einer Ausschaltung der antijapanischen Strömung und einer Sicherung seiner Vormachtstellung in Nordchina durch Anwendung militärischer Druckmittel schneller zu erreichen. Stattdessen hatte die japanische Aktion den noch zögernden Tschiangkaischek, der das chinesische Volk weder militärisch noch organisatorisch für einen Entscheidungsgang mit der modernen japanischen Weltmacht für hinreichend gerüstet hielt, unter dem wachsenden Druck der zum Kampf gegen Japan drängenden südchinesischen Radikalen zum äußersten Widerstand gezwungen, wollte er sich nicht die Führung des chinesischen Volkes aus der Hand winden lassen. In Tokio hat man wohl lange den Widerstandswillen und die an den Schwierigkeiten und Mißerfolgen wachsende Widerstandskraft der Chinesen unterschätzt. Man wollte und konnte sich auch nicht ganz entblößen und alles auf die chinesische Karte setzen, mußte vielmehr stets ein Auge haben auf die Haltung der übrigen an allen Dingen des pazifischen Raums höchst interessierten Mächte, von denen besonders die Sowjetunion seit Beginn des Konflikts stets auf der Lauer lag, um bei passender Gelegenheit den Japanern Schwierigkeiten zu machen, wie ja überhaupt man in Tokio geneigt ist, den Widerstand der Chinesen, namentlich der Regierung Tschiangkaischek und der sie beherrschenden Kuomintang, der chinesischen Einheitspartei, gegen den Wunsch auf Zusammenarbeit mit China dem bolschewistischen Einfluß zuzuschreiben. So hat die japanische Regierung sich nur zögernd entschlossen, mehr und mehr Streitkräfte auf dem Festland zu binden. Die riesige Ausdehnung des Kriegsschauplatzes und die mit dem Vorrücken der japanischen Truppen ins Innere der Landes wachsenden Nachschubschwierigkeiten für ein modernes Heer brachten die Gefahr einer Verzettelung der Kräfte mit sich, zumal auch die ungeheuer ausgedehnte Etappe mit immer wieder überall aufflackernden Bandenkämpfen, Sabotageakten und Rachetaten, selbst in den Millionenstädten Peking und Schanghai, starke japanische Truppenmassen im Hinterland band. Erst die im Sommer großzügig eingeleitete Operation gegen Hankau ließ eine wenn auch oft vielleicht nur sehr lose zusammenhängende einheitliche Frontlinie erkennen. Sie umfaßte die Stadt Hankau in einem weiten Bogen von mehr als 1200 Kilometern vom Hoangho und der Lunghai-Bahn im Norden über Kiukiang am Iangtsekiang im Osten bis zur Westspitze des Po-jangsees und Nan- tschang. Da der Vormarsch am Iangtsekiang entlang, wie schon erwähnt, auf außerordentliche Schwierigkeiten stieß — die Japaner mußten eine chinesische Flußsperre nach der anderen mühsam erobern — so mußte den japanischen Heerführern vor allem daran gelegen sein, die chinesische Verteidigung der Stadt, die den Vorteil der inneren Oer tschecho slowakische Außenminister beim Führer. Linie genießt und starke Feldbefestigungen angelegt hat, von Norden zu überflügeln, zumal hier die Möglichkeit bestand, der Stadt die für die Zufuhr aus Sowjetruhland sehr wichtige Verbindung sowohl auf der Eisenbahnstrecke Tschengtfchou — Singan wie auf der großen Karawanenstraße, die über Sinjang-Singan durch Sinkiang nach West- sibirien führt, abzuschneiden. Durch die vor einigen Tagen gemeldete Eroberung der Stadt Sinjang an der nach Norden führenden Bahnlinie Hankau— Peking ist der Zweck erreicht, der Stadt Lankau und ihrer Verteidigungsarmee ist die Zufuhr von Kriegsmaterial aus der Sowjetunion von Norden und Nordwesten her äußerst erschwert worden. Das, was wir unter dem Namen Hankau als das große Lebenszentrum im Herzen Chinas zu begreifen pflegen, ist eine Ansammlung von drei Städten, deren einstmals kleinste und unbedeutendste, Hankau, um die Mitte des vorigen Jahrhunderts als „Ver- Iragshafen" dem fremden Handel geöffnet wurde und seitdem die Nachbarstädte Wutschang und Hanjang weit überflügelt hat. Seit zehn Jahren unter dem Namen Wuhan zusammengefaßt, dürfte diese bedeutendste Siedlung Mittelchinas rund zwei Millionen Einwohner zählen. Sie ist das letzte große Industriezentrum, über das Tschiangkaischek verfügt. Wenn er auch schon alle Anstalten^ getroffen hat, weiter im Innern Chinas neue Rüstungsindustrien aufzubauen und die Uebersiedlung der Zentralbehörden nach Tschungking angeordnet hat, um hier in Szetschuan, der äußersten Westprovinz des „eigentlichen China", ein neues Widerstandszentrum zu errichten, so deutet doch schon die Hartnäckigkeit, mit der die Chinesen Hankau verteidigen, hinreichend darauf hin, daß ihnen die Bedeutung eines Verlustes dieses wichtigsten Verkehrs- und Wirtschaftsmittelpunkts im mittleren China und die Schwierigkeit bewußt ist, rund 1400 Kilometer weiter flußaufwärts, eine Strecke, zu der die landesüblichen Dschunken fünf bis sechs Wochen brauchen, die nur in ihrem ersten Teil dem regelmäßigen Dampferverkehr erschlossen ist, zwischen Jtschang und Tschungking aber auf 700 bis 800 Kilometer durch gewalttge Stromschnellen in tiefen Felsschluchten, die das Flußbett oft auf 150 bis 200 Meter einzwängen, jede Schiffahrt äußerst schwierig gestalten, alles das zusammenballen, was für eine moderne Kriegführung notwendig ist. Gewiß würde der Krieg dann in wahrhaft asiatische Verhältnisse gleiten, an die man europäische Maßstäbe nicht mehr anlegen könnte. Auch würde schon die Natur des Landes den etwa weiter nach Westen vordringenden japanischen Truppen den Zugang zu diesen Kern- provinzen Chinas sehr erschweren. Aber mit dem Fall Hankaus würde Tschiangkaischek Chinas ganze Osthälfte zwischen der Bahn Peking—Hankau—Kanton und der Küste, Chinas wirtschaftlich reichste Provinzen, .entgleiten und sie der japanischen Durchdringung preisgeben. Es ist deshalb für die Behauptung Hankaus von ausschlaggebender Bedeutung, daß die Verbindung von Süden her, vom Meere über Kanton und die Bahn herauf offen bleibt. Das haben natürlich auch die Japaner erkannt und deshalb jetzt den Augenblick für gekommen erachtet, den schon oft erörterten Plan in die Tat umzusetzen, durch eine Truppenlandung an der Küste Kwantungs die Besetzung Kantons zu forcieren und durch Unterbrechung der Bahnstrecke auch die Zufuhr Hankaus von Süden her lahmzulegen. Wenn Japan sich hier bisher in der Hauptsache auf Luftangriffe beschränkt hat, so hatte das seine guten Gründe, die im wesentlichen in den Beziehungen zu den anderen Großmächten des pazifischen Raums lagen. Wir sagten schon, daß man in Tokio Anlaß hatte, vor der Sowjetunion besonders auf der Hut zu sein. Der Zwischenfall von Schanfeng an der mandschurisch-sowjetrussischen Grenze nicht weit von Wladiwostok im Juli hatte die Gefahr einer^Jntervention dritter Mächte bedenklich nahegerückt. Doch der Zwischenfall konnte überraschend schnell auf diplomatischem Wege beigelegt werden, und seitdem hat es sich erwiesen, daß die Krisis in der Führung der Roten Armee auch auf das ostsibirische Reich des Generals Blücher übergegriffen hat und ferner die westlichen Bündnisbeziehungen Moskaus durch die letzten Vorgänge in Europa einen schweren Stoß erhalten haben. Man glaubt also wohl mit Recht in Tokio, von dieser Seite vorerst kein offenes Dazwischentreten zu Gunsten Tschiangkaischeks befürchten zu brauchen. Prekärer freilich wird sich notwendigerweise durch die japanische Operation an der Südküste Chinas das Verhältnis zu Frankreich und England gestalten. Als vor einigen Monaten sich japanische Kriegsschiffe in der Hainan-Straße, dem Zugang zum Golf von Tongking, zeigten, antwortete Frankreich bereits mit der Drohung, daß es die chinesische Insel Hainan besetzen werde, wenn Japan an der Küste des Golfs von Tongking Truppen landen werde. Durch den nun mit der Landung von 60 000 Mann japanischer Truppen in der Bias-Bucht eingeleiteten Angriff auf Kanton wird ein Gebiet in den Krieg einbezoqen, das England als seine eigenste Interessensphäre betrachtet. In den letzten Wochen hat Japan versucht, mit England über die Auswirkungen des China-Konflikts in ein gütliches Einvernehmen zu kommen. Zwischen dem britischen Botschafter in Tokio, Sir Robert C r a i g i e, und dem japanischen Außenminister, General U g a k i, haben lange Verhandlungen stattgefunden mit dem Ziel, die sehr beträchtlichen englischen Wirtschatts- interessen namentlich am Jangtsekiang und in Südchina mit dem japanischen Führungsanspruch in Einklang zu bringen. Die Verhandlungen scheinen erfolglos geblieben zu sein, denn am 29. September nahm Außenminister Ugaki seine Demission, und wenige Tage darauf wurde der Entschluß zum Angriff auf Kanton den Mächten bekanntgegeben, gleichzeitig mit der Warnung, ihre Bahnen und sonstiges 'Eigentum im dortigen Kriegsgebiet von chinesischen Truppen benutzen zu lassen oder eigene Truppen- und Schiffsbewegungen dort vorzunehmen, wohingegen Japan versicherte, auf ihre wirtschaftlichen Interessen jede nur mögliche Rücksicht nehmen zu wollen. .. Trotz dieses Vorsatzes ist sich Japan natürlich klar darüber, daß die Gefahr Zeines Konfliktes mit England während des ganzen China-Krieges noch niemals so nahe rückt wie jetzt. Kanton, das Ziel der japanischen Operationen, liegt rund 100 Kilometer landeinwärts am breiten Mündungsdelta des Perlflusses, durch eine Bahn mit der Küstenstadt K a u l u n verbunden, die bereits britischer Besitz ist, ein Teil der brittschen Kronkolonie Hongkong, die auf einer Insel der Mündung des Perlflusses vorgelagert ist. Die Japaner werden also versuchen, an Kaulun vorbei auf die Bahm strecke Kaulun—Kanton vorzustoßen, wonach ihnen dann noch die schwierigere Aufgabe bliebe, den Zugang von der See her durch Abriegelung des Perlflusses zu sperren. Kanton ist die weitaus wichtigste Industrie- und Handelsstadt Südchinas, und wenn sie auch mit etwas mehr als einer Million Einwohnern nur ein Drittel der Einwohnerzahl Schanghais erreicht, steht sie Schanghai doch an Bedeutung kaum nach. Kanton ist vor allem Ausgangspunkt der chinesischen Erneuerungsbewegung Sunyatsens und Sitz der Kuomintang, der von ihm begründeten chinesischen Einheitspartei. Don hier aus ist auch die japanfeindliche Bewegung, der Boykott japanischer Waren, immer wieder ange- acht worden. Professor Georg Wegener, einer der besten Kenner von Land und Leuten in China, nennt den Kantonesen im Gegensatz zu dem konservativen, besonnen und nüchtern denkenden Nord- chinesen beweglich, unruhig, voll Phantasie und neuerungssüchtlg. Es liegt also wohl im Volkscharakter begründet, wenn hier in Kanton die charfe, radikale Tonart der großen chinesischen Erneuerungsbewegung sich durchgesetzt hat. Japan wird also hier auf einen -äußerst fanatischen Gegnex toßen, der zwar bislang den Marschall Tschiang- 'aischek und die Hankau-Regierung mehr durch an» euernde Worte als durch Hilfstruppen unterstützt hat, aber wenn er nun selbst angegriffen wird, die Stadt gewiß nicht ohne erbitterten Kampf preisgeben wird. Die Insel Hongkong ist 1842 nach dem chmählichen Opiumkrieg in dem ersten der von den Chinesen so gehaßten „ungleichen Verträge" von China an England abgetreten worden. Sie zählt mit der 1860 ebenfalls von China abgetretenen gegenüberliegenden Küstenstadt Kaulun rund 900 000 Einwohner, meist Chinesen. England hat in noch nicht hundert Jahren aus einem wüsten Felseneiland eine herrliche Stadt und einen Welthafen ersten Ranges gemacht, den eine in den letzten Monaten bettächtlich verstärkte Festung schützt, der am weitesten nach Osten vorgeschobene Flottenstütz- punkt Englands im Pazifik Es war schon in Friedenszeiten der Hauptumschlagsplatz für den Warenverkehr mit Südchina, seit der japanischen Besetzung Schanghais hat sein Handel noch erheblich zugenommen, nicht zuletzt auch durch die Lieferungen von Kriegsmaterial aller Art, die von hier über Kanton landeinwärts nach Hankau gehen. Und grade um diese zu unterbinden und damit Tschiangkaischek alle von der See her kommenden Zufuhren abzuschneiden, hat Japan das Unternehmen gegen Kanton eingeleitet, auch auf die Gefahr hin, darüber mit England in Mißhelligkeiten zu geraten. Die weltpolitische Lage gibt den Japanern offenbar die Zuversicht, daß es England auf einen ernsten Konflikt auch diesmal so wenig ankommen lassen werde wie in Schanghai. Wenn den Japanern das Unternehmen gegen Kanton glückt, wäre Tschiangkaischek für seine Zufuhren aus dem Ausland auf die erst im Bau befindlichen Autostraßen angewiesen, die von der Provinz Szetschuan her in Jünnanfu den Anschluß an die durch Französisch-Indochina zum Meere führende Bahnstrecke aufnehmen sollen. Auch zur Grenze des englischen Burma sollen durch die Provinz Iünnan Autobahnen vorgetrieben werden, in dem gebirgigen Gelände ein langwieriges Unternehmen, das wohl nur noch für die Verteidigung des neuen Widerstandszentrums in Tschungking zurecht kommt. So beginnt mit dem japanischen Angriff auf Kanton ein neues Kapitel des chinesischen Krieges, wie es enden wird, ist heute noch nicht abzusehen. Dr. Fr. W. Lange. Der Londoner Gsenbohnerstreik. London, 13. Okt. (Europapreß.) Der Londoner Eisenbahnerstreik hat sich am Donnerstag, dem vierten Tage des Streiks, bereits auf 5000 Angestellte ausgedehnt. Die Londoner Lebensmittelversorgung ist durch den Streik e r n st l i ch beeinträchtigt. Bei den für die Versorgung der Hauptstadt wichttgen Bahnhöfen Broad Street und Commercial Road, die nicht zur ursprünglich allem bestreikten London Midland Scottish Railway, son- dem zur London North Castern Railway gehören, sind 400 Arbeiter in den Streik getreten. Die Entladung und Weiterbeförderung sämtlicher Güter, darunter großer Mengen leicht verderblicher Lebensrnittel für die Stadtmärkte Billingsgate und Smithfield, wurde ausgesetzt. Die Eisenbahnverwal- Srkaliunaen in der Llebergansszeit sollte mnn nicht vernachlässigen. Der häufig krasse Witterungswechsel macht nicht abgehärtete oder anfällige Naturen leicht wirklich krank. Deshalb wende man sofort bei den ersten Anzeichen wie f?roNeln, Husten/SchmwfenoderHeiserkeitfolgendesNezevlain Kurz vor dem Zubettgehen möglichst heiß zweimal ie einen Eßlöffel Klosterfrau-Melissengeist und Zucker mit der dovnetten Menge kochenden Wassers gut verrührt trinken: Kinder die Hälfte. Zur Nachkur nehme man noch einige Tage die halbe Menge. Klosterfrau-Melissengeist in der brauen Originalpackung mit den drei Nonnen erhalten Sie in Apotheken und Drogerien in Flaschen zu RM 2,80, 1,65 und —,90. 6230v Japanischer Erfolg vor Kanton. Oie Stadt Weitschau genommen. Tokio, 15. Off. (DNB. Funkspruch. Offafien- dienst.) Die das japanische Hauptquartier bekannt gibt, Haben die Japaner W e i t s ch a u am Ostfluß eingenommen. Die Stadt ist von großer strategischer Bedeutung für den weiteren Angriff auf d i e kaulun — kankon-BaHn. Der linke Flügel der Japaner hat sich bereits w e si- lich von Tarnschui auf knappe 20 Kilometer der Eisenbahnlinie an der Grenze von :on§ \ bnt. = fahren und haben Kurs »ach Westen genommen. 2Han vermutet, daß sie versuchen wollen, in hie Mündung des Perlflusses einzudringen, um dort möglicherweise Truppen zu landen. Danton vom Zivil geräumt Flüchtlingsstrom ergießt sich nach Nordwesten. Hongkong, 14. Okt. (Europapreß.) Nahezu die Halste der Zivilbevölkerung von Kanton wird auf Grund eines soeben bekannt- gegebenen Befehls Des Kommissars der Kwantung- Provinz, General Pu Han-mou, noch am Freitag aus der Stadt abbefördert werden. Diese Eile erscheint geboten, weil die Japaner sich nach Besetzung der Eisenbahnlinie der Stadt nähern wollen. Von dem Abtransport werden etwa 400 000 Personen betroffen. Die Räumung erfolgt auf Staatskosten. Alle verfügbaren Transportmittel, soweit sie nicht schon von der Militärverwaltung beschlagnahmt sind, werden für die Räumung in Anspruch genommen. Auf den nach Westen und Nordwesten führenden Straßen hatte schon in den frühen Morgenstunden des Freitags ein gewaltiger Flüchtlings ström eingesetzt. Dazu sind die Straßen durch Militär-, Waffen- und Munitions- transporte überfüllt. HongkongvomHinterlandabgescknitten Jung ist bestrebt, diese Güter auf einem anderen Wege zu befördern, was aber großen Schwierigkeiten begegnet. Der englische Eisenbahneroerband hat sich auf Grund seiner Verhandlungen mit den Parteien und mit Vertretern des Arbeitsministeriums entschlossen, den streikenden Arbeitern die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit zu empfehlen. Der Vollzugsausschuß des Verbandes hat sich erboten, am Freitagabend in .einer Versammlung den Streikenden die Gründe für diesen Ratschlag zu erläutern. Die weitere Entwicklung hängt nun ganz davon ab, ob die Arbeiter der Empfehlung des Verbandes oder den Einflüsterungen der linksradikalen Streikleitung Folge leisten werden, die noch am Freitagnachmittag mit einer A u sdehnung des Ausstandes auf andere Bahnhöfe drohte. Auch in dem Streik auf dem N eubau des Luftfahrt- M i n ist eriums , in den 2000 Bauarbeiter und Handwerker verwickelt find, ist von den Gewerkschaftsinstanzen die unverzügliche Wiederaufnahme der Arbeit angeordnet worden. „Daily Telegraph" schreibt, der Streik sei nicht eine Angelegenheit der Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Gewerkschaften, sondern gehe in erster Linie die Öffentlichkeit an, die darunter zu leiben habe. Nicht nur der Streik der Eisenbahner habe bisher großen Schaden angerichtet, sondern auch die Einstellung der Arbeiten beim Neubau des Luftfahrtministeriums könne verheerende Folgen haben. Dieses Ministerium sei eines der wichtigsten für 'die Landesverteidigung. Bei der Betrachtung dieser Streiks könne man die Hasser der „demokratischen Freiheit" verstehen, da die demokratischen Prinzipien durch derartige Streikhandlungen offensichtlich mißbraucht würden. Hongkong und dem chinesischen Staatsgebiet genähert. Bisher stießen die Japaner nur auf kleinere chinesische Abteilungen. Ulan nimmt an, daß die Hauptmasse der chinesischen Truppen vorbereitete Stellungen am Ostfluß entlang bezogen hal. Daher glaubt man, daß größere Kampfe erst beim Erreichen dieser beiden Verteidigungslinien zu erwarten sind. Zehn japanische Transportschiffe sind in Begleitung eines Kreuzers und dreier Zerstörer von Swatau ausge- Die Dienstpflicht in England. Aufstellung eines nationalen Registers. London, 15. Okt. (Europapreß.) Die Frage, in welcher Form der Dien st am Staat für wird. Als dessen Leiter wird der Abgeordnete und frühere Gouverneur von Bengalen, Sir John A n - derson, genannt, der sich auf dem Gebiet der Landesverteidigung bereits die Sporen mit der Organisation der Pläne für die Räumung Londons im gelegenen Insel Zypern, deren Bodenfläche ungefähr zwei Drittel des Gebietsumfanges des früheren Königreichs Sachsen beträgt, haben soeben in einem Telegramm an den englischen Ministerpräsidenten Selbstbestimmung gefordert. Der Name der Insel lebt in der deutschen Sprache — in dem Worte „Kupfer" — fort, weil die alten Phönizier hier einige Kupferminen betrieben haben. Sie ist von Hongkong, 14. Okt. (Europapreß.) Die britische Kronkolonie Hongkongs ist durch das Fortschreiten der japanischen Offensive in Südchina jetzt vollständig von allen Verbindungen mit seinem Hinterland abgeschnitten worden. Damit ist der Nachschub von Kriegsmaterial für die Streitkräfte des Marschalls Tschiangkaischek über Hongkong u i*n öglich geworden. Das erste Hauptziel der japanischen Truppenlandung in der Bias-Bucht ist damit bereits erreicht. England organisiert die Lustabwehr lebenswichtiger Industrien Die griechischen Bewohner haben wiederholt, so im Jahre 1929 und 1931, die Vereinigung mit dem griechischen Mutterland gefordert und diesem Wunsch so nachdrücklichen Ausdruck gegeben, daß sie damals den englischen Gouvernements-Palast niederbrannten, * Zu der in der ausländischen Öffentlichkeit aufgetauchten Behauptung, bei den Unabhängigkeits- fämpfen Zyperns handele es sich keinesfalls um a u f der Insel Heimatberechtigte, wird aus Kreisen des „Bundes in Griechenland anfäfpaer Zyprioten" erklärt: Die Einwohner der Insel Zypern können wegen e-ines strengen englischen Gesetzes keinerlei Proteste oder Gesuche auf Anwendung des Selbstbestimmungsrechtes an die englische Regierung weiterleiten, da ein solches Vorgehen als Landesverrat bestraft werden würde. Deshalb müssen diese Schritte von Die Pläne finden in der englischen Presse allgemeine Billigung. Selbst der arbeiterparteiliche „Daily Herald" fordert eine genaue Prüfung der Regierungsoorschläge, zugleich erklärt das Blatt aber, es würde ein Verbrechen sein, wenn der in den letzten Wochen bei allen Völkern zutage getretene Wunsch nach Frieden verplempert" werden würde. Mit Rüstungen allein könne keine Lösung der Probleme gefunden werden, die die Welt mit Verderben bedrohten. England und die Malteser. Rom, 14. O.kt. (Europapreß.) Der englische Kolo- nialminister Macdonald hat, wie die Agentur „La Correspondenza" meldet, durch den Gouverneur von Malta dem Führer der Malteser National- Partei, Dr. M i z z i, mitteilen lassen, daß die britische Regierung nicht beabsichtige, die Bestimmungen, die gegen den Gebrauch und den Unterricht der italienischen Sprache gerichtet sind, abzuändern oder aufzuheben. Dr. Mizzi hat diese Mitteilung mit einem Schreiben beantwortet, in dem er erklärt, die englische Regierung wolle offenbar die maltesische Be- völkerung zwingen, auf ihre italienische Kultur zu verzichten. Aber sie werde das Gegenteil erreichen, denn die Malteser würden der ungerechten Entscheidung der Londoner Regierung zum Trotz nicht aufhören, ihre unvergänglichen n a • tionalen Rechte zu fordern, bis ihnen ©erecp- tigfeit widerfahre. Die Erklärung Macdonalds stehe im Widerspruch nicht nur zu den c r 1 P r n ganz da« ag des Per. nksradrkalen >e noch am inung des ite. Auch in ^ftfahrt- irbeiter und en Gewerk- ederauf« n. eit jei nicht Arbeitgeber erster Linierter zu lei- Eisenbahner jtet, sondern Neubau des. verheerende' ei eines der Bei der Be- ie Wer der. m die dem- itreikhandlun' n. tiefer. M W )\e ^yntur Gouverneur er National- datz die bri- ge, die Berauch und lienischea i oder aus" ig mit ein5 lärt, die $ maltesisches ialieni/che sie bas >x würbm bet .er M^ng nglidjw n a • inen Gerech' onalds siehe vrechuv' der JE betn auch zu gen, welche men habe- N. äb°net gestellt, ?« ÖÄ ' j^oten, Jnii * Suter, „^'hng. '^verwal- srecht. es be. W* tz;L n-: ^ besiedelt., lurten -e| 1878 wurde ) e Se, stratK^. Aa:en* 1PÄ Derteid» < Außen gleicht is bew », UIti i ausgeba D«6t'auW WNich 1 diH« fäll*1 N r d" 3„ en« (n«‘L W s?trsj: den im Auslande vorhandenen Zyprioten und zypriotischen Vereinigungen, die sich in Griechenland hauptsächlich aus Anlaß der Erhebung gegen England im Jahre 1931 als Verbannte befinden, unternommen werden. Aufbau im Eudetengau. Eine Unterredung mit Konrad Henlein. ♦ Obwohl in London das Gesprächsthema „Zn- pern" im großen und ganzen vermieden wird, scheint man doch den nun in London verstärkt |purbaren Bemühungen z. B. der „Zypriotischen Bruderschaft" besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Das Foreign Office beabsichtigt, zunächst nicht auf das dem englischen Gesandten in Achen überreichte Me. moranbum der Auslandszyprwten emzugchen. Mag- licherweise ersolgt aber Lorlage der Denkschn t bei Premierminister Chamberlain, der in der Denkschrift gebeten wird, eines sener Versprechen zu erfu en, welche Lloyd George zur Zeit seiner Mmister- präsidentschast in den Jahren des Kriegsendes und der ersten Nachkriegszeit gab, ohne daß diese Zusagen e erfüllt wurden Im übrigen wird darauf bingewiesen, es sei in London wohl bekannt, daß bie 1925 erfolgte Erklärung Zyperns zur Kronkolonie von der seit Tausenden von Jahren auf ihrer Insel alteingesessenen Zyperngriechen als Demütigung insofern empfunden wurde, als sie damit mit'Eingeborenen afrikanischer Besitztümer praktisch auf eine Stufe gestellt" feien. Die Zyprioten zeigen sich besonders aufgebracht Über das Verbot des griechischen Ge- schichts- und G e o g r a p h i e u n t e r r i ch t s in den Schulen. Ferner wird auf die hohen Gehälter der englischen Derwaltungsbeamten hinge- wiefen, womit die Bevölkerung der Insel belastet werde. Alle aktivistischen griechischen Patrioten, darunter selbst die führenden Geistlichen der Insel, seien von der Insel verbannt. Alle gefefogebenbe und exekutive Gewalt auf der Insel ist in den Händen des Gouverneurs. Die Verfassung ist nur eine Schein Verfassung, außerdem ist sie seit Jahren a u f g e h o b e n. Die Bewohnerschaft Zyperns hofft nun, nachdem das Recht der Selbstbestimmung der Völker in eine neue Epoche trat, daß der englische Ministerpräsident sich der einst den Vertretern Zyperns gegebenen Versprechungen und Zusicherungen erinnern werde und das vom damaligen Ministerpräsidenten Lloyd George verpfändete Wort einlösen werde. Oer Oberbefehlshaber des Heeres in Güdböhmen. Linz, 15. Oft (DNB) Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, traf in Begleitung des Inspekteurs der Pioniere und Festungen, General der Pioniere Förster, an der ehemaligen Reichsgrenze bei Klein-Philipps- reuth ein. Hier meldete sich Generaloberst Ritter von L e e b , um den Oberbefehlshaber durch das besetzte Gebiet seiner Heeresgruppe zu geleiten. Die Fahrt ging über Obermoldau, Winterberg, Wallern, Prachatitz, Böhmisch-Krumau, Rosenberg und endete an der alten Reichsgrenze südlich Hohenfurth. Ueberaü bereitete die Bevölkerung Generaloberst von Brauchitsch mit Heilrulen und Blumengrüßen einen herzlichen Empfang. Die Truppe ehrte ihren Oberbefehlshaber in Wallern durch Paradeausstel- lung einer Gebirgsjägerkompanie, während in Böh- misch-Krumau und Rosenberg Vorbeimärsche statt- fanden, die.den Jubel der Bevölkerung auslösten. Auf dem Gipfel des Schoninger schallte dem Generaloberst ein Gruß der Jagdhörner der oberbayerischen Gebirgsjäger durch den herbstlichen Wald entgegen. Vom Turm wehte in der strahlenden Herbstsonne die Reichskriegsflagge über dem wieder deutsch gewordenen Land. Berlin, 14. Oft (DRB.) Reichskommissar ff- 1 Gruppenführer Konrad Henlein erklärte dem Hauptschriftleiter der RSK.: „Alle Volksgenossen sind des Lobes voll über unsere Herr-! wichen Truppen, die sich im Herzen der Sudetendeutschen für alle Zeiten ihren Platz erobert haben. Im Sudetenland ist eine politische Front geschaffen worden, die die ganze Bevölkerung erfaßt. Sie hat in den Monaten ihre große Bewährungsprobe in Ehren bestanden. Wir werden jetzt die ganze, dem Sudetendeutschtum innewohnende Kraft und Energie einsetzen, um aus unserer verelendeten Heimat so rasch wie möglich wieder das blühende Land zu schaffen, das es ehedem gewesen ist. Die Bevölkerung unseres Gaues, die jetzt jubelnd die Befreiung von 20jäh- rigem Terror erlebt, wird erst in den nächsten Wochen voll ermessen können, wie groß der Umbruch wirklich war, und wie aus einem wirtschaftlichen und sozialen Trümmerfelde ein neues, kräftiges, eroiaes Leben aufblühen wird. Es ist meine feste Absicht, bei der Angleichungsarbeit ein scharfes Tempo vorzulegen. Wir Sudetendeutschen sind gewohnt, ganze 21 eit zu machen und wir werden es auch jetzt so tun." Konrad Henlein wies darauf hin, daß im alten Oesterreich-Ungarn drei Viertel der gesamten industriellen Wirtschaft der Monarchie im Sudetengebiet konzentriert waren und daß es der Wille des Nationalsozialismus ist, diese alte Blüte nicht nur zu neuem Leben zu erwecken, sondern darüber hinaus diesen Gau zu einem der kräftigsten Glieder des Reiches zu machen. Vorerst sei freilich ein furchtbares Erbe der tschechischen Herrschaft zu liquidieren. Die ersten Maßnahmen der Partei müßten daher der Bekämpfung der größten Not dienen. Aber die Not roeroe in kürzester Frist überwunden sein, weil das Sudetenland entschlossen ist, auch von sich aus alles beizutragen, um ein eigenes, kräftiges Leben zu entwickeln. Henlein wies auf die außerordentlichen Entwicklungsmöglichkeiten hin, die sich jetzt für die Ausnutzung der großen Heilquellen und anderer Bodenschätze des Gaues eröffnen. Auch die verkehrsmäßige Erschließung, nicht zuletzt durch die Reichsautobahnen, die von Reichenberg über Eger nach München und von Reichenberg zur Autobahn Berlin — Breslau führen werden, soll wichtige Beiträge für die Zukunft des Sudetengaues liefern. „Ich glaube", so erklärte Henlein mit Nachdruck, „daß wir uns in ganz kurzer Zeit als ein Gau zeigen werden, dem nicht mehr geholfen werden muß, sondern der zur Kraft und Stärke, zur Blüte und Größe der deutschen Nation von sich aus einen würdigen Beitrag liefert. In der unermüdlichen Arbeit für diese Zukunft hoffen wir, unserem Führer einen kleinen Dank abstatten zu können für seine Tat, die uns die Freiheit brachte." Um die ungarischen Ansprüche an die Tschecho-Glowakei. Nach Abbruch der Verhandlungen von Komorn. Oerfrühere uügansche Ministerpräsident von Daranyi beim Führer. München, 14. Okt. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler empfing heute nachmittag in Gegenwart des Reichsministers des Auswärtigen von Ribbentrop den ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten von Daranyl zu einer Besprechung über Fragen des u n - gartschen Volkstums in der Tschecho- Slowakei. Ungarische Fühlungnahme in 2Rom. Rom, 14. Okt. (DNB.) Graf Csaky, der Kabinettschef des ungarischen Außenministers, ist in Begleitung des ungarischen Gesandten von Außenminister Graf C i a n o empfangen worden. Die Unterredung bezog sich auf die ungarisch-slowakischen Verhandlungen. Obwohl von amtlicher Seite noch keine bestimmten Angaben gemacht werden, will man wissen, daß Graf Csaky die Notwendigkeit einer Intervention der vier Mächte entsprechend den Münchener Vereinbarungen betont habe. Man nimmt an, daß Graf Csaky auch noch vorn Duce empfangen wird. Besprechungen in Paris. Paris, 15. Okt. (DNB.) Außenminister B o n - n e t empfing den ungarischen Gesandten und den tschecho-slowakischen Gesandten. Der ungarische Gesandte hat dem Außenminister die Gründe für den Abbruch der Verhandlungen in Komorn dargelegt und einen Antrag U n - garns auf das Schiedsgericht der vier Großmächte gemäß dem Münchener Abkommen in Aussicht gestellt. Die Unterredung mit dem tschecho-slowakischen Gesandten bezog sich auf die finanzielle Unterstützung, die England und Frankreich der Tschecho-Slowakei gewähren wollen. Komorn wie ausgestorben. Budapest, 14. Okt. (Europapreß.) Der von den Tschecho-Slowaken besetzte Stadtteil von Komorn liegt, wie die ungarischen Abendblätter melden, wie ausgestorben da. Zum Zeichen des Einspruchs gegen die tschecho-slo- wakische Haltung waren am Freitagvormittag d i e ungarischen Geschäfte geschlossen, und die Ungarn hatten sich in ihre Wohnungen zurückgezogen. Die ungarischen Fahnen sind in den frühen Morgenstunden des Freitags durch tschechoslowakische Polizei heruntergeholt worden. Die Stabilst m i l i t ä risch besetzt und die Grenze nach Ungarn wieder gesperrt. Auf der Donaubrücke stehen wieder Drahtverhaue, Spanische Reiter und Betonbarrikaden. Rumäniens Ausrüstung. B u k a r e st, 14. Okt. (DNB.) Kriegsminister General Argeschanu und Unterstaatssekretär im Kriegsministerium General Gl atz haben ihren Rücktritt erklärt, da in mehreren Kabinettssitzungen der Stand der rumänischen Rüstungen einer scharfen Kritik unterzogen worden ist. Unter dem Einfluß des Königs sind neue Grundsätze f ü r bie Aufrüstung des rumänischen Heeres festgelegt worden, durch die die verantwortlichen Generale gezwungen wurden, ihre Aemter zur Verfügung zu stellen. General Ciu- perca, bisher Kommandant des III. Armeekorps, wurde zum Kriegsminister und General 3 a echte i, bisher Kommandant des II. Armeekorps, zum Rüstungsminister ernannt. Damit ist erneut ein eigenes Rüstungsministerium ge- Vergessen Sie nicht [ E } Ihr Klassenlos! \,e;o1^T' Ziehung schon am Mittwoch schaffen worden, dem die Aufgabe gestellt ist, die rumänische Aufrüstung mit allen Mitteln voranzu- treiben. Dazu gehört Vereinheitlichung und Modernisierung der Bewaffnung, Organisierung der 23er» keyrsmittel, Versorgung der Rüstungsindustrie mit Rohstoffen. Zwei Landesverräter hinaerichtet. Berlin, 14.Off. (DRB.) Die Instizpresfest e l l e Berlin feilt mit: Heule wurden die durch das Reichskriegsgericht zum Tode verurteilten Landesverräter Franz Backes aus Trier und Josef B a r a n e k aus Rafibor hinge- richfef. Backes war aus Geldgier und Vergnügunqs- fuchf zu einem gefährlichen Spion geworden. Ba- ranek hafte sich aus Gewissenlosigkeit und Gewinnsucht dem Rachrichtendienst einer ausländischen Macht verkauft. Beide Verurteilte hatten ihr verbrecherisches Handwerk bedenken- und hemmungslos über einen längeren Zeitraum hin ausgeübf. Sie haben nunmehr ihren Verrat mit dem Tode büßen müssen. Wetterbericht Das festländische Hochdruckgebiet hat sich nach Norden hin erweitert und damit seinen Einfluß auf unser Wetter verstärkt. Trotz der fortgesetzten Wirbeltätigkeit über Nordeuropa ist ein stärkeres Eingreifen derselben bei uns nicht zu erwarten. Vorhersage für Sonntag: Besonders morgens dunstig ober neblig, sonst heiter bis wolkig, trocken, mittags ziemlich warm, Winde meist aus Süd bis West.____________________________________ Hauptschriftleiter vr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des HausUschristleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigenTeil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 38: 9143, Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2M einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vorn 1. September 1937 gültig. 'Jex'* FH Bl Br hatte sich schon als steinreichen Mann gesehen! 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Oktober 1813 das Korvs des alten York im Verbände der „Schlesischen Armee" General Blüchers bei Wartenburg den ©Ibübergang erkämpft, seit der noch immer widerstrebende Schweden-Kronprinz Karl Johann — einst Marschall Bernadotte —, durch Yorcks Erfolg gezwungen, mit feiner „Nordarmee" nun auch den Fluß überschritten hat, stehen beide Heere in Napoleons Rücken. Mit einem Schlage gewinnt der Krieg ein neues Gesicht. Napoleon hat seit den Schlachten der August-Septemberwende in Dresden gewartet. Nach dem Tag von Wartenburg ist er, der Mulde zu, gegen Blüchers Armee aufgebrochen; er erkennt die Gefahr, die ihm den Weg nach Frankreich verlegen will. Das Leipziger Schlachtfeld, eine vielfach kupierte, dicht bevölkerte Ebene, ist mit wenigen Sätzen nicht zu erklären; der Leser findet es in jedem Atlas. Napoleon hält in weitem Kreise die Dörfer nördlich, östlich und südlich der Stadt besetzt. Am 16. beginnt die Schlacht. Noch ist Napoleon stärker; die große Lücke der Alliierten im Osten ist noch nicht geschlossen. Dennoch beschließt Schwarzenberg den Angriff, und Preußen, Oesterreicher und Russen greifen bei Wachau und Liebertwolkwitz mit gewaltiger Stoßkraft an. Seit frühem Morgen bebt die Erde von unerhörtem Artilleriekampf beider Parteien. Lange steht die Schlacht, dann, gegen Mittag, scheint sich der Sieg für Napoleon zu entscheiden. Den letzten Schlag zu führen, ballt er 9000 Mann Reiterei zusammen und schickt sie unter Murat gegen das Zentrum der feindlichen Aufstellung. Der Boden dröhnt, als sie Heranbraufen. Aber der Schlag mißlingt, und in gleicher Stunde erhalten die Verbündeten Auzug neuer Kräfte. Napoleon dagegen wartet vergebens auf Marmont und Ney, die von Blücher bei Möckern gefesselt werden. Auch Napoleons Infanterie versucht einen Generalsturm, aber die Schlacht bei Wachau-Liebertwolkwitz erstickt im Widerstand der Alliierten. Am Dorfe Möckern, nördlich nahe der Stadt, ist Yorck auf Marmonts 20 000 gestoßen. Lange schwankt der Kampf. Jedes Haus, jede Mauer wird zur Burg. Ein Reiterangriff Yorcks entscheidet den Kampf. Zwar ist Yorcks Korps zur Hälfte zer« schmolzen, aber sein Sieg bei Möckern hat die Niederlage bei Wachau verhindert. Wäre Bernadotte zur Stelle, so wäre schon heute Leipzig in der Hand der Alliierten, gewesen. Am 17., einem Sonntag, ruht die Schlacht. An diesem Tage arbeitet jede Stunde für Schwarzenberg gegen Napoleon. Der Kreis um ihn und Leipzig wird dicht und dichter; denn jede Stunde führt seinen Gegnern neue Truppen zu. An diesem Tage bietet Napoleon dem Wiener Kaiser auf dem Monarchenhügel bei Meusdorf Waffenstillstand unter Zugeständnissen, die er noch vor wenigen Wochen trotzig verschmäht hat. Umsonst: Man würdigt ihn nicht einmal mehr der Antwort. So aeht ein kostbarer Tag für ihn verloren; um so schlimmer für ihn, weil Blücher auch an diesem Tage nicht ruht und von Nordwest her kämpfend bis an die Tore Leipzigs dringt. Die Lücke im Osten hat Bennigsen gefüllt, und von Nordost her ist endlich auch Bernadotte im Anmarsch. So bricht der weltgeschichtliche 18. Oktober an. Napoleon hat 160 000 Mann in der Schlacht, der Oberfeldherr der Alliierten 250 000. Seit dem Morgen rollt über das Schlachtfeld hin der Donner der Geschütze. Im Dreiviertelkreis dringen die Preußen, Russen und Oesterreicher auf die im immer enger werdenden Bogen kämpfenden Truppen Frankreichs ein. Der Hauptkampf tobt zwischen Probstheida und Liebertwolkwitz. Die Leichen türmen sich zu Wällen. Muß Frankreichs Heer hier weichen, so ist Napoleon verloren. Aber .seine Garden kämpfen wie in den Tagen ihres höchsten Ruhms. Don Osten her dringt mittags Bennigsen vor, von Nordost etwas später ein Teil der Nordarmee unter Bülow. In diesen Stunden gehen Sachsen und Württemberger zu den Alliierten über. Gefahr droht den Siegern durch Bernadottes Zaudern. Der Kronprinz fordert 30 000 Mann Verstärkung von der Schlesischen Armee, und Blücher, der älteste und siegreichste der verbündeten Generale, verzichtet um der Sache willen auf die Aussicht, die Entscheidung selbst herbeizuführen. Er schickt dem Zauderer das geforderte Korps quer durch den Parthefluß gegen Marmont, und immer wütender wird der furchtbare Kampf. Blücher, Bernadotte, Bennigsen, Barclay de Tolly und Schwarzenberg — eine stählerne Klammer legt sich immer enger um Napoleons Große Armee, und nur mit Mühe gelingt es ihm, zu verhüten, daß ihm der Rückzug von Probstheida her auf Leipzig abgeschnitten wird. Als die Dunkelheit auf das Schlachtfeld -sinkt, hat Bonaparte die Leipziger Schlacht verlöre^ Der Kaiser sitzt in seinem Biwak auf einem hölzernen Stuhl, in Schlaf versunken. Seine Hände ruhten nachlässig gefaltet im Schoß, er glich in diesem Augenblick jedem anderen unter der Bürde des Mißgeschicks erliegenden Menschenkinds. Die Generale standen verdüstert und verstimmt um das Feuer, und die zurückziehenden Truppen rauschten in einiger Entfernung vorüber. Es ist später Abend, als der geschlagene Imperator nach Leipzig eilt. Der Rückzug der Großen Armee hat bereits begonnen; der Vollmond bescheint das Grausen des Schlachtfeldes und die Flucht des zertrümmerten Heeres. Am Morgen des vierten Tages beginnt der konzentrische Sturm der Alliierten aus Leipzig. Napoleon kämpft nur noch um seinen Abzug nach Westen. Es gibt dafür nur eine Straße, nur eine Brücke über die Elster. Durch alle Tore im Norden, Osten und Süden bringen die Sieger, während sich durch die engen Straßen, in denen Geschütz und Fuhrwerk aller Art den Einmarsch hindert, die fliehenden Feinde drängen. Und als die Flüchtenden das Flankenfeuer der Eindringenden trifft, wird aus dem Rückzug immer furchtbarere Verwirrung. Kaum bahnt man für den Kaiser selbst noch einen Weg. Als schließlich Furcht und Irrtum die Elsterbrücke zu früh in die Luft gehen läßt, ist die Katastrophe vollendet. Die Abgeschnittenen geraten in die Hand des Feindes, auch die Marschälle Reynier und Lauriston werden gefangen, Mac- donald rettet sich schwimmend durch die Elster, Poniatowski findet in den Fluten, von Kugeln durchbohrt, den Tod. Mittags ist die Stadt in der Hand der Sieger, die Fürsten und Feldherren ziehen triumphierend auf den Hauptplatz der Stadt vors alte schöne Rathaus. Mit Recht darf E r n st Moritz Arndt von der Kunde dieses Sieges fingen: „Das war ein Klang, der das Herz erfreut, Das klang wie himmlische Cymbeln hell: Habe Dank der Mär von dem blutigen Streit! Laß Witwen und Bräute die Toten klagen, Wir fingen noch fröhlich in spätesten Tagen Die Leipziger Schlacht!" n. M. Diese zeitgenössische Darstellung zeigt den Einzug der verbündeten Monarchen von Preußen, Oesterreich und Rußland in Leipzig. — (Scherl-Bildarchiv-M.) ,.'V v- /. I 8 z | W I -■ '•Äi . LMM WM jLM MW ■ Der Freiheitskrieg vor -12S Jahren. Don Siaaisminister Dr. Paul Gchmitthenner, Professor an der Universität Heidelberg. 125 Jahre sind vergangen, seit die europäischen Völker im Herbst 1813 das Joch der französischen Zwingherrschaft zerbrachen Die V ö l k e r f ch l a ch t bei Leipzig im Oktober 1813 brachte die Entscheidung und wurde zum Wende- und Höhepunkt des Befreiungskrieges. Der Ruhm dieses Geschehens gebührt vor allem dem preußischen Heer und dem preußischen Staate, der damals seine erste gesamtdeutsche Großtat vollbrachte und dadurch das Anrecht auf die deutsche Führung sich errang Schon früher hatten die europäischen Völker be° gönnen, sich gegen das französische Joch aufzubäumen. Ihr Widerstand setzte ein, als vom Jahre 1807 ab Napoleon den zentralistischen französischen Universalismus mit stählerner Energie durch die Unterjochung Europas zu verwirklichen strebte. Da spürten die Völker unter diesem Druck ihre eigene Seele, rissen die Fesseln entzwei und strebten der völkischen Freiheit zu. Es war die kriegerische Geburtszeit des europäischen Nationalismus. Vier Staaten warfen sich nacheinander der französischen Uebergewalt entgegen: Spanien, Oesterreich, Rußland und zuletzt Preußen-Deutschland. Mochte Großbritannien seit Jahren der unerbittliche Gegner Frankreichs gewesen sein, ohne die revolutionäre Erhebung der konttnentalen Völker, insbesondere Preußens, wäre der Sieg über den Bedrücker nie errungen worden. 3m Jahre 1807 hatte der Weltkampf Frankreichs gegen England feinen Höhepunkt erreicht. Nelsons Sieg bei Ira» f a 1 g a r hatte Napoleons Plan, den Weltfrieden in London zu diktieren, zum Scheitern gebracht. So sah sich der Korse gezwungen, einen anderen Weg zur Niederringung Englands zu betreten: nämlich den Kontinent mit Gewalt zu einigen und dem Jnselreich entgegenzuwerfen. 1807 war dieser Plan in seinen Grundlagen geglückt. Um das Kernland des französischen Kaiser- Wie steht es mit Ihren Augen?--Sehschärfe und hiermit Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden lassen sich durch eine Brille steigern. Sprechen Sie doch einmal persönlich mit mir darüber. der Optiker am Bahnhof 633D Lieferant auch Ihrer Krankenkasse! reichs, das von den Pyrenäen bis zum Rhein und von Rom bis Hamburg reichte, breiteten sich allseits die hörigen Vasallenländer. Das deutsche Kaisertum war 1806 zu Grabe gegangen. Damit war das deutsche Mitteleuropa in drei selbständige Machtgruppen zerfallen, die alle unter dem französischen Joche lagen: der Rheinbund, Preußen und das Kaiserreich pesterreich, das nur noch dem Namen nach eine neutrale Macht war. Rußland war in ein enges französisches Bündnis verflochten. Europa war mit Gewalt gegen Großbritannien geeint. Dessen Niederzwingung gedachte Napoleon nunmehr durch die Kontinentalsperre zu erreichen. Da durfte an keiner Küste des Erdteils eine Lücke sein, durch die -der englische Warensttom nach Europa hineinfließen konnte. So war die Einbeziehung der Pyrenäischen Halbinsel eine Notwendigkeit. Doch gegen dieses Unterfangen erhob sich das spanische Volk. Es begann ein furchtbarer Guerillakrieg. Er wurde xu einer schwärenden Wunde am französischen Reichskörper. Der spanische Nationalismus trug zwar die kirchlich-katholische Färbung eines halben Naturvolks. Doch das spanische Flammenmeer strahtte wie eine ausgehende Sonne über Europa. Napoleons Weltstellung war ins Wanken gebracht. Stärkste militärische Kräfte wurden in Spanien gefesselt, und der Kaiser selber mußte dort die Führung Übernehmen, ohne indes einen vollen Erfolg erringen zu können. Diese Notlage des Korsen nutzte Oesterreich aus und erhob sich im Jahre 1809. Damals schien Deutschland in seinem Lager zu sein. Führende Männer, besonders der Oberfeldherr Erzherzog Karl, fühlten sich als die deutschen Befreier. Doch vermochte man nicht, Bundesgenossen zu gewinnen. Nur in dem damals bayerischen Tirol, wo Andreas Hofer bis zum Märtyrertod die Fahne der Freiheit trug, und in einigen norddeutschen Kleinstaaten gelang es, revolutionäre Erhebungen hervorzurufen. Selbst in Preußen versuchte der Major Schill durch seine tragisch endende vaterländische Empörung seinen König zum Losschlagen fortzureißen. Indes besaß die österreichische Erhebung nicht die feste Verbindung zum breiten Volk. Ihr Nationalismus war mehr dynastischer Art. So wurde sie von Napoleon überwältigt. Ein Erfolg konnte von Europa erst errungen werden, als Napoleons Machtstreben 1812 am russischen Widerstand gescheitert war und sich nunmehr das preußische Volk in glühendem Befreiungswillen erhob. Dies sollte entscheidend werden. Während man sich im übrigen Der Kaiseradler von Möckern. Zum 125. Jahrestage der Schlacht am 16. Oktober. Das Yorcksche Korps marschierte am 15. Oktober 1813 in Richtung Leipzig gegen das Heer Napoleons. Vater Blücher war mitten unter feinen Soldaten. Ein Regiment Mecklenburgische Husaren, das sich bei Wartenberg ausgezeichnet hatte, wurde von dem Feldherrn besonders begrüßt. Er setzte sich an die Spitze des Regiments, nachdem er den Kommandanten von Warburg begrüßt hatte und sagte dann zu den Reitern gewandt: „Na, Landsleut', wenn wir morgen um diese Zeit nicht alle seelenvergnügt sind, so hat uns entweder der Teufel geholt, oder wir haben uns geschlagen wie Hundsfötter." — „Nun, Exzellenz", erwiderte Warburg, „führen Sie uns nur hinein, fürs Durchkommen lassen Sie unsere scharfen Messer sorgen." In der Morgenfrühe entbrannte der Kampf um den Besitz des Dorfes Lindenthal, das aber sehr bald von der französischen Avantgarde aufgegeben wurde. Dann rannten preußische Landwehrbataillone gegen das Dorf Möckern und die starken feindlichen Karrees, die links und rechts davon auf- gestellt waren. Ein Bataillon, feiner sämtlichen Führer beraubt, wird von zwei Ordonnanz-Hu- saren der Strelitzer mit großer Bravour gegen die vom Feinde hartnäckig verteidigte Ziegelscheune links von Möckern oorgesührt. Indessen hält das Husarenregiment, die Henrichs (Schlachtruf des Yorckschen Korps, mit dem sich Kameraden grüßten, die für ihre Tapferkeit besondere Anerkennung erhalten hatten) von Wardenburg den Säbel in Der Scheide, dem Feuer einer leindlilyen Batterie ausgesetzt, dicht vor dem Hohlweg, der damals aus dem Dorfe Möckern heraus- Iführte. Vier bis fünf Stunden mußten die braven Steifer in dieser Lage verharren, mancher sank getroffen vom Pferde. Don vorn strömten die Verwundeten zurück und schließlich zogen auch die letzten Jnfanteriereserven an den Husaren vorbei gegen die noch immer wie eine Mauer stehenden feindlichen Karrees. „Als sie (die Reserven) in unsere Nähe kamen" — so erzählt ein Mitkämpfer, Leutnant Milarch *- „rauschten sie in feierlicher Stille wie ein Wet- -ergewölk an uns vorüber, durch die Menge der aus der Kampfeshitze sich zurückschleppenden oder getragenen Verwundeten hindurch. Kein frivoler Soldatenwitz entschlüpfte mehr den Lippen, nur das mahnende Wort der Ofsiziere ließ sich vernehmen: „Seht die Pfanne und die Steine nach!" — und hier und da die Helle Stimme eines Marketenderweibes, die, um den Schnaps für höheren Preis zu verkaufen, sich bis an die Feuerlinie gewagt hatte." Die Pferde zitterten wie Espenlaub. Sie drängten sich zusammen, so daß manche zeitweise nahezu in die Luft gehoben wurden, bis endlich die harte Befehlsstimme des Kommandeurs ertönte: „Richt euch!" — „Gewehr auf!" — „Zügel kurz!" — Faustriemen über die Hand!" — Das war Erlösung. Die wankenden Reihen wurden wieder zujammengeschweißt, geordnet, und dann kam der BefeÄ zum Dortraben: „Husaren ran an den Feind!" Dies war die berühmte Attacke der OHusaren auf ein Karree der französischen Marinebrigade m der Nähe des Dorfes Möckern unter den Augen des eifernen Yorck Gleich zu Beginn fällt Der Prinz Carl von Mecklenburg schwer verwundet vom Pferde. Er wird von einigen Musketieren aus der Schlachtlinie getragen. Mehreren Jägern und Husaren ruft er zu: „Haltet euch nur so brav wie bei Wartenberg, Kinder, mit mir wirds wohl wieder besser." — Prinz Carl von Mecklenburg führte während der Freiheitskriege eine Brigade des Yorckschen Korps, zu der das Mecklenburgische Husarenregiment gehörte. Er war ein Bruder der Königin Luise' von Preußen (Schwager des Königs) und zeichnete sich durch persönliche Tapferkeit bei Goldberg und bei Möckern aus. In den ersten Jahren nach den Freiheitskriegen war der Prinz Kommandeur der Preußischen Garde. Er war Chef des Mecklenburgischen Husarenregiments, das nach ihm E-Husaren benannt wurde. „Die Signaltrompete schallt über das Schlachtfeld; die Reiter haben den Hohlweg von Möckem bezwungen und jetzt geht es im Galopp auf das fest zusammengeballte feindliche Karree. Die Bajonette blitzen den heranstürmenden Reitern entgegen — 60 Pferde wiesen nach der Schlacht Bajonettstiche in der Brust auf — jetzt sind sie ran! Es gibt ein wildes Durcheinander, Reiter gegen Grenadier. Bald löst sich das Getümmel in zahlreiche Einzelkämpfe auf, viele sinken getroffen vom Pferde. Schließlich gelingt es, einen Teil des Karrees von der Hauptmasse zu trennen Der Zuruf „Werft die Waffen weg" wird nicht befolgt. Die französischen Garden, immer wieder aufs neue aufgemuntert durch ihre Offiziere, die größtenteils durch Säbelhiebe scharf gezeichnet sind, halten immer noch Stand. Schließlich gelingt es dem Jäger von Derben, den Führer des feindlichen Bataillons gefangen zu nehmen. Mit besonderer Tapferkeit schlagen die Unteroffiziere Waltersdorf, Benzin und Reinhold, die mitten im feindlichen Karree zahlreiche Gegner zusammengehauen haben. Jetzt ist auch der Regimentskommandeur von Warburg mit seinen Ordonnanzen mitten unter den feindlichen Garden. Ein feindlicher Offizier verwundet ihn durch einen Degenstich am Handgelenk, Warburg schlägt ihn zu Boden. In diesem Augenblick zeigt sich feindliche Kavallerie, so daß der Kommandeur einen Teil der Reiter um sich sammelt, um dem neuen Feind entgegenzutreten. Da bemerkt der Ordonnanzhusar Timm einen Offizier der kaiserlichen Garde, der eifrig davon eilt, den blinkenden Adler des feindlichen Regiments zu retten. Timm jagt hinterher, streckt den Fliehenden durch einen Hieb zu Boden und entreißt dann dem Tapferen den Adler im Kampf Mann gegen Mann." „Der Kaiseradler von Möckern war wohl die kostbarste und seltenste Trophäe des ganzen Krieges. Wohl sind noch andere Adler französischer Linienregimenter erbeutet, aber nur ein einziger der französischen Kaisergarde. Der Kaiseradler, den der Husar Timm erbeutet hatte, wurde am nächsten Tage dem Kaiser Alexander I. von Rußland geschickt. Auf dem Monarchenhügel in der Nähe von Leipzig wurde diese Trophäe den stürmenden Regimentern der russischen Kaisergarde als Vorbild und zur Nachahmung entgegengehalten. Der Husar Timm lebte später als Arbeiter in Neustrelitz, wo er 1853 gestorben ist. Der Großherzog ließ ihm einen Grabstein setzen, der folgende Inschrift hat: .Joachim Christian Timm, Mecklenburgischer Husar, geb. den 31 August 1784, gest. den 17. September 1853, eroberte am 16. Oktober 1813 einen französischen Kaiseradler.'" Am späten Abend des 16. Oktober dröhnen die Trommeln des heranstürmenden Fußvolkes über die blutgetränkten Felder von Möckern. Jetzt erst ftrecfen die letzten Ueberlebenben der französischen Kaisergarde die Waffen. 24 Offiziere, darunter der Kommandeur, 384 Unteroffiziere und Mannschaften werden, meistens durch Säbelhiebe und Stiche verwundet, gefangen. Die Gefangenen werden nach Schkeuditz zurückgebracht. Von da aus bringt sie der Rittmeister, Graf Lüttichau, mit einer halben Schwadron Husaren über Halle nach Berlin. Möckern bedeutet den Anfang vorn Ende der Napoleonischen Herrlichkeit. Als Auftakt der Völkerschlacht bei Leipzig zeigt dies blutige Treffen, daß sich die bisherige Ueberlegenheit des Kaisers an strategischer Einsicht verdunkelt. Das Genie Gneisenaus überstrahlt den Ruhm des Korsen. Napoleon wurde endgültig im Kessel von Leipzig mit seinem gewaltigen Heer zusammengepreßt und in den folgenden Tagen, von drei Seiten angegriffen, nach heroischem Kampf geschlagen. Hermann Dahl. Gloria-palast: „Ich liebe Dich^. Manche Besucher werden sich des Lustspiels entsinnen, nach dem dieser Film gedreht wurde: es erschien in der letzten Spielzeit im Stadttheater; sie werden auch für diesen Vergleichsfall die Ueberlegenheit der Kamera feststellen, die aus der unscheinbaren Fabel viel mehr heraushalt. Die Möglichkeit räumlicher Ausweitung kommt dem heiteren Abenteuer sehr zu statten; die Vorgeschichte kann zwanglos-bildhaft eingeflochten werden; auch allerlei hübsche Episoden, wie die Szene mit dem Marionettentheater, bleiben der Bühne naturgemäß versagt. Man wird sich ferner eines anderen Stückes erinnern, das vom gleichen Schauspielerpaar mit einer unvergeßlichen Anmut getragen wurde: ein Abglanz der graziösen Heiterkeit Der Komödie „Versprich mir nichts!" fällt noch in diese viel harmlosere, von Problemen kaum beschwerte Szenenfolge. Luise Ullrich und Victor d e K o w a spielen auch hier, diesmal so gut wie ganz allein miteinander, ein Duett von Adam und Eva, eine Entführungsgeschichte mit Schlaftrunk und gemeinsamer Abreise zum Schluß — es wären kaum viele Worte darüber zu verlieren, wenn nicht eben diese beiden, wundervoll aufeinander eingestellt, hier am Werke wären: sie bringen es in ihrer Ausgelassenheit und ungebundenen Freude am Spaß zustande, daß man dem Scherz mit einem stillen, hingegebenen Vergnügen zuschaut. Die Ullrich hat eine bezaubernde Art, sich an eine so lockere Rolle mit allen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten unbedenklich zu verlieren, Ahr wienerisch getönter, natürlich-weiblicher Charme führt über alle Untiefen hinweg, und de Kowa ist noch immerber unbekümmerte, große Junge, der sich aus purer Verliebtheit in Die gewagtesten Experimente ein- läßt, die sich zuguterletzt wahrhaft genau so auflösen, wie er sich's von Anfang an vorgestellt hat. Wie weit die Spielleitung von Herbert Selpin an der schwebenden Schwerelosigkeit des Eindrucks beteiligt ist, läßt sich bei der Selbstverständlichkeit und Selbstvergessenheit, mit der die beiden ihr Wesen treiben, kaum entscheiden. — (Tobis.) Im Beiprogramm: ein Kulturfilm (Solinger Klingen); die Wochenschau mit Bildern vom Besuch des Führers im Sudetenland; ein Vorspann zu den „Roten Orchideen" (mit Albrecht Schoenhals persönlich); und auf der Bühne ein flüssig und gefällig arbeitendes Akrobatenpaar. Hans Thyriot Die Entwicklung Großdeutschlands unter Führung Adolf Hitlers i Deutschland 1938. Deutschland 1933 letzten fünf Jahren. Als der Führer das Reich übernahm, stand nicht nur das Saar g e b i e t " . , . . , . v ... -Ts .— x t V, Atyfhntyaitar’orht o rtitaiinon nll1"frP. nre 3U oen xierounueien uukl. jvui uh “*■1 .......... ~ ~ ;----■ u v ' ner Teil der französischen Armee konnte sich mit I der mstionalen Ehre, der völkischen Reinheit, der dem Kaiser über ^den Rhein retten. Napoleons > sozialen Gerechtigkeit und der Volkstarneradschaft. Herrschaft über Mitteleuropa war gebrochen. Deutschland war frei und alle feine Stämme trugen in den beiden folgenden Jahren dazu bei, den Sieg über den Unterdrücker endgül- £ödiX-$ia nz uecleiht Eleganz; schönt Deine Schult.. ist iilii^dazu! tern. Noch einmal gelang es Napoleon von der inneren Linie aus bei Dresden zu siegen. Doch seine zu selbständigen Unternehmungen entsandten, aber unfähigen Generale warben nacheinander meist von den Preußen geschlagen: bei Großbeeren, Hamburg, Hagelberg, an der Katzbach, bei Kulm, Nollendorf und Dennewitz. Blücher brachte die Entscheidung, als er bei Wartenberg die Elbe überschritt und dadurch Napoleons Stromverteidigung aus den Angeln hob. Der Kaiser war genötigt, seine Armeen rückwärts auf Leipzig zusammenzuziehen. So tarn es dort vom 16. bis 19. Oktober zur großen Volker- schlacht. 225 000 Mann der Verbündeten schloßen im Norden, Osten und Süden von Leipzig einen gewaltigen Kreis um Napoleons Armee, die nur noch 160 000 Mann zählte. Die konzentrische Umfassung endete vor allem durch Blüchers Dor- wärtsdrang mit dem vollen Sieg über Napoleon. Die Rheinbundtruppen gingen während der Kämpfe zu den Verbündeten über. Nur ein klei- Chemie erschließt die Welt. Äon den Grundlagen und Aufgaben des chemischen Zeitalters. bisher bekannte Natur nicht oder nicht in aus« reichender Menge oder brauchbarer Gestalt heraibt. Allein von den Aufgaben, Tendenzen und der Dynamik des chemischen Zeitalters erhält man erst eine rechte Vorstellung, wenn man bedenkt, daß an allen wesentlichen Punkten technischen und kulturellen Fortschritts der letzten Jahrzehnte, gestern und heute chemische Neustoffe zum fruchtbaren Einsatz kamen. • und morgen und übermorgen immer mehr kommen werden. t , Die Chemie griff ein und machte den Bergbau vollkommener. Durch wirksame Sprengmethoden wurde sein Tempo beschleunigt und durch Flotations- verfahren die Ausnutzung geringwertiger Lagerstätten ermöglicht. Die Chemie trieb das Tempo der industriellen Erzeugung insgesamt an. Durch chemischen Einsatz nahm die Geschwindigkeit der M e t a l l b e a r b e i t u n g zu. Es konnten mehr Maschinen in kürzerer Zeit gebaut werden. Chemie steckt in den großen Stromerze^rgungs- m a s ch i n e n , die ohne die Jsoliermateriaüen nicht hätten erbaut werden können. Chemie vermehrt unsere Volks-undArbeitskraft, indem sie die Felder düngt, durch ihre Heilmittel Seuchen nie- verschlägt, den Tod zurückdränat, das Leben verlängert. Chemie hat uns das Leben erleichtert, zahllose Produkte verbilligt, den Volkswohlstand erhöht und die Entwicklung Deutschlands von der Diktatur monopolistischer Rohstoffländer unabhängig gemacht. Schon heute beträgt der Erzeugungswert der chemischen Industrie in Deutschland im weiteren Sinne lehrte Liebig in seiner Agrikulturchemie die erste epochale Anwendung der Chemie, die in der Erkenntnis der Verwandlung und des Kreislaufs mineralischer, pflanzlicher und tierischer Energie das biologische Wachstum unseres Volkes als Fundament alles Kommenden ermöglichte und das chemische Zeitalter eröffnete. Er hatte es selbst vorausgesagt. Zusammen mit seinem Freund, dem genialen Fried- r i ch W ö h l e r schrieb er den folgenden prophetischen Satz: „Die Philosophie der Chemie wird aus dieser Arbeit den Schluß ziehen, daß die Erzeugung aller organischen Materien in unseren Laboratorien nicht allein als wahrscheinlich, sondern als gewiß betrachtet werden muß." Dor etwa 100 Jahren gelang Wöhler die erste organische Synthese. Heute liest man in einem bekannten Lehrbuch der organischen Chemie von allein 400 000 Verbindungen des Kohlenstoffs. Nur zum kleinsten Teil kommen sie in dem großen Reiche der Natur vor und zum allergrößten Teil stellen sie Fortsetzungen der Natur und ihrer drei Reiche, des mineralischen, pflanzlichen und tierischen, im vierten Reich der Synthese durch den Menschen dar. Aus einigen wenigen Grundstoffen, aus Kohle, Salz und Holz, aus Luft, Wasser und Kalk unter Zuhilfenahme einiger Erzsorten stellt die Verwandlungskunst der modernen Chemiker Zehntausende von Neustoffen her, die dem Verwendungszweck planmäßig angepaßt sind. C, H, O, N — das sind die Zeichen vier chemischer Grundstoffe: Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff. Wasser liefert uns die beiden Elemente Sauerstoff und Wasserstoff, aus der K o h l e stammen Kohlenstoff und Verbindungen von Kohlenstoff und Stickstoff mit Wasserstoff, aus Lust gewinnen wir Stickstoff und Sauerstoff, und aus Holz die Zellulose. Und aus diesen vier Grundstoffen gelingt es unseren Chemikern, ungezählte Erzeugnisse herzustellen, von denen zwölf als besonders typisch genannt werden sollen: Essigsäure Azeton, Alkohol, Ammoniak, Kohlensäure, Zellulose, Aethylen, Formaldehyd, Benzin, Glokose, Salpetersäure und Phenol. Und dieses Dutzend Stoffe kommt in der Tat für fast alle Gewerbe und Industrien in Betracht. Besonders deutlich für die folgenden: Landwirtschaft, Kraftfahrzeuge, Luftfahrt, Drogen, Farben, Nahrungsmittel, Beleuchtung, Füm, Munition, Parfümerie, Druck, Kältemaschinen Radio, Textilien. Man sieht, wir sind heute gar nicht so weit entfernt von der Lehre der Alten, daß die ganze uns sichtbare Welt letztlich aus den vier Elementen Feuer, Luft, Wasser, Erde gemischt und gestaltet sei. Und die schöpferische Universalität philosophischen Geistes lebt — man möge dies recht verstehen — auch in der heutigen chemischen Industrie, die gewillt und m der Lage ist, für alle Industrien und Lebensbereiche Stoffe zu wandeln und neu zu schassen, die uns die Aus der Feder unseres tt. Z.-Mitarbeiters bringen wir eine Artikelserie: Chemie erschließt die Welt. Der Verfasser wird über die geistigen Grundlagen der modernen Chemie, über Geschichte und Entwicklung der modernen chemischen Industrie und über die Bedeutung chemischen Denkens und chemischen Schaffens für das moderne Leben berichten. I. 3n allem steckt Chemie. Ich machte mir vor kurzem einen guten Vorschlag und führte ihn auch aus. So traf ich mich denn in gewissen Abständen mit Chemikern vom Bau und führte mit ihnen Gespräche über die unsichtbare Großmacht der Chemie, die in alle Bereiche des Lebens eindrang und das politische, wirtschaftliche und kulturelle Geschehen unserer Zeit entscheidend gestaltet. Das war der Inhalt unserer Gespräche, die uns Beiträge zum Verständnis des Zeitgeschehens liefern sollten. Da saßen wir nun neulich nach einem solchen Gespräch, aßen eine Kleinigkeit und tranken einen Schoppen schwäbischen Weines. Und dies im stillen Gedenken an den großen Arzt und Naturforscher des Schwabenlandes, an den Heilbronner Doktor Robert Mayer. Kein Sonderkapitel in den Geschichtsbüchern der Chemie ist ihm. gewidmet. Wir verglichen diesen merkwürdigen Umstand mit der Tatsache, daß überhaupt eine umfassende und gründliche Vorgeschichte des Zeitalters der Chemie, dessen Beginn wir erleben, noch nicht geschrieben ist. Robert Mayer aber hat in kühner und energischer Arbeit das chemische Denken von der Verwandlung der Stoffe auf die Probleme der Energie angewendet, dem naturforschenden Denken den Faustischen Zug wieder eingepflanzt, nach der Einheit und den Zusammenhängen aller Kräfte und aller Stoffe zu fragen, um ihre Verwandtschaft und Verwandlung zu erkennen. Von einem chemischen Problem, dem der Umwandlung der Nahrung in Warme und Lebenskraft, ging er aus, um in der Deutung dieser Frage die Lehre von der Verwandlung und Erhaltung der Energie im ganzen des Welthaushaltes zu begründen. Es erhellten sich die Zusammenhänge und Uebergänge zwischen den verschiedenen Energien der Wärme, des Lichtes, des Chemismus, der Elektrizität, des Magnetismus und des Lebens. So wurde die erfinderische Phantasie und die sichernde und konstruktive Erkenntniskraft der Forscher befruchtet, das chemische Denken methodischer und universeller entwickelt, die verschiedenen Wissenschaften und ihre Anwendungsgebiete zur Berührung und zur Zusammenarbeit gebracht. _. , . . Nun war es zuerst Justus von Liebig, der in seinen „Annalen der Chemie" im Jahre 1842 eine grundlegende Arbeit von Robert Mayer veroffent- lichte. Das war kein Zufall. Im Geist dieses Großen tig zu machen. Die Befreiung von 1813 und die Befreiung seit 1933 sind wohl die gewaltigsten Merksteine am deutschen Schicksalswege und stehen in innerem Zusammenhang. Was damals begonnen, wurde heute vollendet. Der preußische Nationalismus oom Jahre 1813 wurde die Keimzelle des deutschen Nationalgefühls. Zwar konnte sich dieses noch länger als ein Jahrhundert, mit fremden Ideologien verkoppelt, nicht zur Reinheit entfalten. Doch der Keim blieb lebendig und wirkte fort, bis über Aufstieg und Untergang des Zweiten Reiches erst in unseren Tagen der Nationalsozialismus in einem neuen großartigen Befreiuungskamps uns Mit der äußeren Freiheit zugleich endlich auch die von allem Fremden gereinigte völkische Lebenskraft schenkte: die nationalsozialistische Weltanschauung Unsere beiden Karten veranschaulichen m sin— ^«ns^iÄi^»^ S ^durfte! unter fremder Herrschaft, sondern 'M Westen KüometerostUch Rh einsame (rnirmii tax gn' äderen Sperrzonen war Deutschland die An läge von 56 000 Quadratkilometer mit 15 Millionen ^artc /eigen die Gebiete in denen Deutschland seine Grenzen jedem feindlichen Zugriff offenhalten mußte. Befestigungen verboten. Die punküerten Linien munlerer Unken Ka z a Führers großen Plan für ein Großdeutschland verwirklicht. Die Grenzen schließen nun f^er-on international roicbcr 3Um mäd>liflen ^°p°- ^°rden. - Deutschland mit der von Heidelbera ausstrahlenden i deutschen Romantik begnügte, wurden in Preußen i die Jahre der Erniedrigung die Zeit eines gewal- f tigen Umbruchs. Die Menschen von 1813 waren । hier die gleichen, die seit 1795 eine erbärmliche Politik getrieben hatten und 1806 bei Jena und l Auerstedt unterlegen waren. Doch in sieben Iah- . ren hatten sie sich gewandelt. Heroische Männer hatten die Führung ergriffen, und das Volk selber war zum Bewußtsein seiner selbst erwacht. Neben den geistigen Erweckern wie Fichte, Arndt, Jahn, Kleist und Körner und neben der Königin Luise, die den Glauben an ihren Staat ungebrochen durch das Elend trug, leitete der Freiherr vom Stein die Reform des Staates ein auf den Bahnen einer aufdämmernden völkischen Gesinnung. Unter seinen Händen vollzog sich eine weltanschauliche, politische und militärische Wiedergeburt aus den tiefsten Wurzeln des preußischen und germanisch-deutschen Wesens. Volk und Staat drängten ineinander. Daneben gebührt den führenden Soldaten hoher Ruhm. Scharnhorst' wurde trotz gigantischer Widerstände der Schöpfer des preußischen Voltsheeres. Auch Volk und Heer begannen zur Einheit zu verschmelzen. Blücher und Gneisen au aber führten nach dem Heldentod des Meisters das von ihm geschmiedete Schwert und wurden das Feld- herrnpaar der Befreiung. So war in Preußen allein ein echter volkhafter Nationalismus als die entscheidende Kraft der Bezwingung des Welteroberers zur Ausprägung gelangt. Das Gottesgericht in Rußland wurde das Signal der deutschen Erhebung. Schon seit Jahren, besonders 1809 und 1812, hatten die preußischen Revolutionäre zum Krieg gedrängt. Doch der König hatte sich wohl mit Recht widersetzt. Diele der Besten, darunter Clausewitz, waren schließlich an Preußen verzweifelt und hatten es verlassen. Auch jetzt mußte der Entschluß dem Ko- rrig mühsam abgerungen werden. Die große Tat des Generals von Yorck, der sich aus eigener Verantwortung bei Tauroggen aus der französischen Zwangsoundesgenossenschaft löste, wurde der Auftakt des allgemeinen Aufbruchs. Im Marz 1813 hatte die entscheidende Stunde geschlagen. Das Bündnis mit Rußland, der „Aufruf an mein Volk", die allgemeine Mobilmachung, die Bildung der Freiwilligenformationen, der Landwehr und des Landsturms verwandelten Preusien in ein Heerlager. Als Frucht der Schamhorstichen Heeres- schöpfung standen im Frühjahr 135 000 und im Herbst 300 000 Mann zur Verfügung. Die Wehr- haftmachung des Volkes war gelungen. Das Volk stand auf, der Sturm brach los. ,,, r Das Beiseitestehen Oesterreichs und der Anschluß Sachsens an Napoleon hatten zur Folge, daß Westdeutschland noch nicht in die Erhebung einbezogen werden konnte und daß der Freiheitskrieg auf deutschem Boden ausgekämpft werden mußte. Die verbündeten Preußen und Russen rückten im April in Dresden ein. Inzwischen hatte Napoleon ein neues Heer aus dem Boden ' gestampft. Durch Rheinbundtruppen verstärkt, zog er über den Thüringer Wald, um die Verbündeten von Süden her zu umgehen. Diese waren im Vor- marsch nach Westen geblieben. So kam es am 2. Mai zur Begegnungsschlacht bei Großgörschen. Sie endete trotz bester preußischer Leistun- gen durch russische Führungsschwäche mit einem französischen Siege. Napoleon folgte den Verbündeten uno warf sie am 20. Mai in der Schlacht bei Bautzen zum zweiten Male zurück. Da drohte im russischen Lager die Friedenspartei die Oberhand zu gewinnen. Doch das preußische Heer verhinderte den Auseinanderbruch her Koalition, gab Berlin preis und nahm den Rückzug in Richtung Schlesien, um unter allen Umständen die Verbindung mit der russischen Armee zu wahren. Inzwischen hatte sich Napoleon zu einem W a ffe n st i ll st a nd bereitfinden lassen. Er hoffte durch Verhandlungen Rußland von Preußen zu trennen und Oesterreich zu aeroinnen. Doch.er täuschte sich. Als der Waffenstillstand ablief, war das Gegenteil eingetreten. Preußen, Rußland und Oesterreich hatten sich gefunden. Der Krieg begann aufs Neue. Nunmehr wurde die Elbe die französische Operationsbasis. Die Hauptlast des Kampfes lastete fortan auf den preußischen Schul- QUALITÄTS-ERZEUGNIS DER SI D O L-W E R K E_ 72 v. H. des Erzeugungswertes der landwirtschaft« lichen Produktion und 28 v. H. des der gesamten In» dustrie. Diese grandiose Entwicklung der Chemisierung des modernen Lebens vollzog sich in den letzten 60 Jahren. Wir können nicht abschätzen, in welchem Umfang in weiteren 60 Jahren das chemische Zeitalter das Antlitz der Erde verändern, ihre Kräfte und die Quellen des Wohlstandes und, wie wir hoffen mögen, der Gesundheit und der Harmonie aller Völker erschließen wird. Es gibt keine Industrie, die in einem so engen und fruchtbaren Verhältnis zur freien Erforschung ihrer geistigen Grundlagen und zur planvoll eingesetzten theoretischen Wissenschaft der Laboratorien steht, wie die der Chemie. Einst begann sie als Philosophie des Makrokosmos, die über das All-Eine, den Urstoff und seine Verwand- lungen grübelte und heute erschließt sie den Mikrokosmos der Atome. Und wir stehen verwundert und wagen noch nicht zu entscheiden, ob die neueste kühne Erkenntnis der Physik und Chemie der Atome alles über den Haufen werfen wird, was wir bisher über Raum, Zeit und Kausalität, über Energie und Materie als „richtig" annehmen mußten, oder ob wir zu einer Alchemie des 20. Jahrhunderts kommen, die jene geheimnisvollen Kräfte der „Urbaufteine" der Materie oder der letzten Kraftzentren der Energie erschließt und sie zur schöpferischen Gestaltung zwingt. H. Sch—r. Hochschulnachrichten. Professor Dr. med. Hermann Vier ordt, ein Sohn des Physiologen Dierordt in Tübingen, wurde 85 Jahre alt. Der Jubilar habilitierte sich 1881 in Tübingen für das Fach der Inneren Medizin, wurde 1889 zum Extraordinarius und 1902 3um Honorarprofessor ernannt. Emeritiert wurde er 1924. Der nd. ao. Professor Dr. Berthold Kihn hat den Lehrstuhl für Psychiatrie an der Universität Jena erhalten. Er hat sich besonders mit syphili- tischen Geistesstörungen befaßt. Dozent Dr. med. Cornelius Dienst von der Medizinischen Fakultät der Universität Köln wurde zum nb. ao. Professor ernannt. Seine Hauptarbeitsgebiete sind Magen- und Darmkrankheiten. tyugsbty dfamburg Krest Frankfurt (arIs ruhe Uhznz ■München JR>trrenien. Karlsruhe ■München. DO" ’.mbtirj ■tqer oJ . •Ceipzig Knslau. sw* O /"" ^VTZ1 LpSolibufg ojunsbruch ZT* Oie neue Reichsgrenze. Die am 5. Oktober provisorisch festgesetzte Grenze Großdeutschlands gegen die Tscyecho-Slowakei um« faßt unzweifelhaft völkischen Boden. Die zahlreichen deutschen Dolksinseln in Der Tschecko-Slowakei sind durch tschechische Gebiete voneinander getrennt, fte waren also nicht dem geschlossenen deutschen Sprachboden zuzurechnen. Eine Abstimmung in dlesen Gebieten würde sie nur dann zu Deutschland ge- bracht haben, wenn das Deutsche Reich bie sie umgebenden tschechischen Gebiete ebenfalls erholten hätte. Das widerspricht aber dem nationalsoziali. stischen Grundsatz, nur deutschblutioe und keine fremden Dolksbestandteile im Deutschen Reich zu vereinigen. Nach dieser Regelung im Geiste des Selbstbestimmungsrechtes verbleiben in der Tschecho- Slowakei noch einige hunderttausend Deutsche auf Dolksinseln, für die die tschecho-slowokische Regie- rung die Atmosphäre eines fnedlichen Zusammen- lebens schaffen wird. _ re . r , Beginnt man die deutschen Dolksinseln von B u d w e i s aus zu betrachten, so muß man feststellen, daß die Industriestadt Budweis, ehemals rein deutsch, heute überwiegend tschechisch ist. Die bäuerliche Umgebung weist höhere Anteile des Deutschtums auf, die zwanzig ehemals deutschen Gemeinden haben eine deutsche Minderheit, die bis zu 40 o. H. geht. Der Verzicht auf die Abstimmung in diesem Gebiet mit stark gemischten Nationali- täten entspricht also der praktischen Vernunft. Eine zweite Dolksinsel, die aber noch ungünstigere Verhältnisse aufweist, befindet sich bei Neuhaus und Neubistritz, etwas besser liegen die Der- hältnisie in den Bezirken Iemnitz und F r a l n. Breite Waldgebiete geben hier einen wirksamen Schutz der Sprachgrenze. Die deutsche Volks- und Sprachinsel I g l a u ist in zahlreiche kleine Inseln zerteilt. Die Stadt Iglau selbst hat seit der letzten Volkszählung eine tschechische Mehrheit und das tschechische Mehrheitsgebiet hat die Mitte der Sprachinsel bereits durchbrochen. Im Norden dieses Gebietes haben die Tschechen oder die Deutschen, je nach den einzelnen Gemeinden, die Mehrheit, nur der Süden ist noch mehr ober weniger geschlossen deutsch. Das Schicksal des Brünner und des 01 mützer Deutschtums ist dem von Budweis au vergleichen. Nur vier ländliche Gemeinden in der Umgebung von Brünn besitzen noch eine deutsche Mehrheit. Die deutsche Dolksinsel bei Wisch a u hängt mit der Stadt Wischau anscheinend nicht zusammen und hat auch niemals zu dieser Stadt gehört, deren Gründung wahrscheinlich nicht durch Deutsche vorgenommen wurde. Die deutsche Dolksinsel selbst ist deutsches Bauernland, wie überhaupt in den deutschen Dolksinseln gerade der deutsche Bauer sich zäh gegen die Ueberfremdung wehrte und zugleich mit seiner wirtschaftlichen Tüchtigkeit ein Vorposten des Deutschtums gewesen und noch ist. Er wird sich erhalten, besonders wenn die Tschechen nunmehr aus den gegebenen Tatsachen die Schlußfolgerungen ziehen. Zählt man die im rein tschechischen Gebiet verstreut lebenden Deutschen, vor allem in Brünn, Olmütz und Prag, hinzu, so ergibt sich eine Zahl von ungefähr 200 000 Deutschen, die außerhalb des Reiches bleiben würden. Es ist daher nur recht und billig, wenn auch bie im deutschen Gebiet liegenden tschechischen Inseln und Halbinseln dem Reiche angealiedert werden. Um so mehr, als es sich meist um Gebiete handelt, deren tschechische Mehrheit erst in den letzten Jahrzehnten durch die Maßnahmen der Prager Regierung geschaffen wurde, während die deutschen Sprachinseln jahrhundertealt und auf einem Boden entstanden sind, der von den Tschechen überhaupt nicht besiedelt worden ■ war. Es handelt sich um die tschechische Insel im Brüx-Duxer Kohlenrevier und den Korridor um Hoyenstabt in Nordmähren, der sich zwischen Mährisch-Schönberg und dem Schönhengstgau einschiebt. Auch im Gebiet der mährischen Pforte zwi- scyen Troppau und Neutitschein sowie in Süd- mähren waren ähnliche Korrekturen nötig. Hier wird das früher deutsche Lundenburg und Mährisch-Kromau sowie das gewaltsam tschechisierte Z n a i m dem Gau Niederdonau an- gegliedert. Nur an zwei Stellen fällt die bisherige und die neue Reichsgrenze Zusammen, Da hier auch die Volksgrenze verläuft: bei N a ch o b in Norbböhmen unb südöstlich von Wi11ingau in Südböhmen. Der westliche Punkt wirb vom Ascher Zipfel auf die Höhen westlich Taus verlegt und der nördliche Punkt östlich von Gablonz nahe der alten Reichsarenze sich befinden. Nur sechzig Kilometer wird die Breite des tschechischen Staats* körpers an seiner schmälsten Stelle zwischen dem nördlichen Punkt der Ostmark und dem südlichsten des Schönhengstgaues betragen; bis auf dreiund- dreißig Kilometer schiebt sich die Grenze an Prag heran, bis auf vierzehn Kilometer an Brünn, bet Pilsen verläuft sie in einer Entfernung von zwei Kilometer, und die Stadtgrenze von Mährisch- Ostrau fällt überhaupt mit der des Staates zusammen. f KdK.-Oonaufahrten bis zum Schwarzen Meer. Dr. Leh über seinen Besuch in Rumänien. Berlin, 14. Oft. (DNB.) Reichsorganisationsleiter Dr. Ley ist von feiner einwöchigen Reise durch Bulgarien und Rumänien im Sonderflugzeug wieder in Berlin eingetroffen. lieber seine Eindrücke erklärte Dr. Ley der Presie u. a. folgendes: „Es lag nahe, nach meinem Aufenthalt m Sofia zur Eröffnung der Wan- heraus Stellung des Internationalen Zentralbüros Freude und Arbeit den Wider- General Ritter von Epp. Oer Reichsstatthalter 70 Jahre alt. ®5 klingt fast unglaubhaft. Aber Franz Ritter von Epp, des Reiches Statthalter in Bayern, ist am 16. Oktober 1868 geboren. Gibt es etwas, was den Reichsstatthalter jung erhalten hat, so kann man nur ■ - Kl ■ WM WW". <>• sagen: eine ausgesprochene Kämpfernatur ujib ein Leben voll intensivster Arbeit für Volk und Reich. Er nahm schon 1900 bis 1901 an der Ostasien-Expe- bition teil, kämpfte als Kompaniechef 1904 bis 1905 bei der Schutztruppe in Südwestafrika gegen die Hereros, war im Kriege Kommandeur der „Leiber" an den Fronten in Frankreich, Belgien, Serbien, Rumänien unb Italien und kehrte heim mit dem Pour le mdrite unb bem bayerischen Max-Iosefs- Orden, mit dem ber persönliche Adel verbunden war. Der 51jährige führte nach dem Kriege ein Freikorps gegen die Roten, war hervorragend an ber Befreiung Münchens von ber Räteherrschast beteiligt, trat bann in bie Reichswehr über unb schieb im Dezember 1923 mit dem Charakter als Generalleutnant aus, nachdem er am Aufbau der Reichswehr mit gewohnter Energie mitaewirkt hatte. Seit zehn Jahren, seit den Reichstagswahlen von 1928, gehört Ritter von Epp bem Reichstag als Mitglied der NSDAP, für den Wahlkreis Franken an. Der hochverdiente Offizier wurde am 12. September 1932 vom Führer zum Leiter des damals neu geschaffenen Wehrpolitischen Amtes der NSDAP, ernannt. Am 9. März 1933 wurde er Reichskommissar in Bayern und am 10. April b. I. konnte er auf ein halbes Jahrzehnt seiner Arbeit als Reichsstatthalter zurückblicken, es war gerade der Tag, an dem bas befreite Oesterreich ein so einbrucksoolles Bekenntnis für sein Deutschtum ablegte. Aber der 70jährige trägt außer dem verantwortungsvollen Amt des Reichsstatthalters noch weitere Bürde. So ist er Leiter der Landesplanungsstelle und Landesplanungsgemeinschaft Bayern im Rahmen der Reichsstelle für Raumordnung, ferner ist er Landesjägermeister, Leiter des Kolonialpolitischen Amtes ber NSDAP., in welcher Eigenschaft er wie- berholt Deutschlands Kolonialforderung nachdrücklichst unterstrichen hat und ergänzt diese Arbeit durch feine Tätigkeit als Bundesführer des Reichskolonialbundes. Franz von Epp ist ein Mann, der das höchste Vertrauen unseres Führers unb Reichskanzlers genießt. Ganz Deutschland vereinigt sich in dem Wunsch, daß dieser ausgezeichnete Soldat, Organisator unb Kämpfer noch lange Jahre seinen hohen Posten im Dienste Großdeutschlands bei bester Gesundheit ausfüllen möge! B. R. hall dieser unb der vor einem halben Jahre in Athen durchgeführten gleichartigen Ausstellung in der Hauptstadt Rumäniens zu überprüfen, da die Absicht besteht, diese Ausstellung im kommenden Frühjahr in B u t a r e ft der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Dr. Ley teilte ferner mit, daß er auch Ver- handlunaen über einen deutsch - rumänischen Arbeiteraustausch geführt-hat und daß eine erste Fühlungnahme erfolgt ist hinsichtlich deutscher KdF. - Urlauberfahrten auf der Donau bis zu ihrer Mündung ins Schwarze Meer. Der zweite Tag seines Aufenthaltes in Rumänien habe ihm interessante Eindrücke verschafft, vor allem im rumänischen Erdölgebiet. Ich habe dort die Oelfabriken „Creditul Minier" besichtigen können. Zu meinem großen Erstaunen und au meiner besonderen Freude war der Be- triebssührer dieser Werke über die sozialpolitischen Einrichtungen der DAF. bis ins kleinste unterrichtet. Ebenso interessant war mein Besuch in der Zentralen Führerschule der Staatsjugend „Wacht des Landes". Lehrer und Professoren. aus bem ganzen Lanbe machen auf dieser Schule dreiwöchige Kurse durch, die sich nicht nur auf sportliche Betätigung, fonoern auch auf die Aneignung aller im Leben brauchbaren praktischen Fähigkeiten erstrecken. Der Empfang beim König Carol II. auf Schloß Sinai zeigte mir, daß der König sich für die Aufgaben und Ziele des Internationalen Zentralbüros Freude und Arbeit außerordentlich interessiert. Der erste deutsche Botschafter in Belgien vom König empfangen. Brüssel, 14. Ott. lDNB.) Der erste Botschas- ter Des Deutschen Reiches in Brüssel, v. Bülow-- Schwante, überreichte König Leopold III. fein Beglaubigungsschreiben. Nach überlieferten Zeremonien wurden ber Botschafter und die Botschaftsmitglieder von einem Flügeladjutanten des Königs in Drei Staatskarosfen zum königlichen Schloß geführt. Die Wagen wurden von einer Schwadron berittener Gendarmerie eskortiert. Vor dem Schloß hatte eine Infanterie-Kompanie als Ehrenwache Aufstellung genommen, die vom Botschafter abge- fchritten wurde. Der Botschafter überreichte hierauf Dem König fein Beglaubigsfchreiben und überbrachte dem König die herzlichen Wünsche des Führers und Reichskanzlers für das Wohlergehen Des Königs und der königlichen Familie sowie für das Glück Des belgischen Volkes. Der König dankte bem Botschafter hierfür besonders und bat, dem Führer seine herzlichen Grüße zu übermitteln. Nach der Audienz statteten der Hofmarschall und der Außenminister Svaak in Begleitung des Generalsekretärs des Außenministeriums bem deutschen Botschafter einen Besuch ab. Der Botschafter besuchte Die Präsidenten Der Kammer und des Senats und Den belgischen Ministerpräsidenten. Kunst und Wiffenschast. Internationaler Kongreß für Gingen unft Sprechen. Am sechsten Tage des Frankfurter Kongresses für Singen und Sprechen beteiligten sich auch Angehörige der HI. und des BDM: an den Beratungen. Seit Herders Zeit, so erklärte Dr. ß e b e D e (Berlin), wird in Deutschland Die Forderung nach einer Sprecherziehung der deutschen Jugend erhoben. Das Reichserziehungsministerium hat endlich Die Sprechpflege als Fach in den Schulunterricht aufgenommen. Vorbedingung Dafür ist, wie Dr. Kallenbach (Hirschberg) unb Dr. Gera t h e w o h l (München) erklärten, daß die Lehrer selbst nicht allein stimmtechnisch ausgebildet sind, sondern daß sie auch methodisch in der Sprecherziehung unterwiesen werden. Pros. Roede - meyer (Frankfurt) zeigte ergänzend, daß Die Sprechpflege nicht der Schule allein überlassen werden Darf. Die Reichsjugendführung hat dies klar erkannt und der Sprachpflege und der Sprachkunst daher ein eigenes Referat im Hauptreferat Volkstum gewidmet. In erster Linie in Der Führerschulung, auch in Lagern und auf Fahrten soll nach und nach die ganze Jugend auf eine sorgfältige Sprechpflege hingewiesen und in ihr unterwiesen werden. Neben den Stimmbildner tritt in der HI. der Facharzt, denn gerade die Jugendlichen im Stimmwechsel bebürfen besonderer Betreuung. Dies gilt vor allem auch deshalb, weil ber Jugendliche schon stütz- zeitig lernen muß, Befehle zu geben. Nun ist, so erklärte Prof, ßoebell (Münster), gewiß der Befehl und Ruf stimmlich nichts grundsätzlich anderes, als bie Sprache oder ber Gesang, aber ber Befehl stellt doch andere, zum Teil höhere Anforderungen. Agnes (Straub im Kraftwagen verunglückt und verletzt Zwischen Erfurt und Nordhausen verunglückte, wie bereits kurz gemeldet, in ber Nähe von Straußfurt vorgestern nachmittag die Schauspielerin Agnes Straub mit ihrem Kraftwagen. Frau Straub, die sich auf einer Gastspielreise befand, steuerte ihren Kraftwagen selbst. Auf ber regennassen Straße geriet ber Wagen ins Schleudern, drehte sich mehrmals um sich selbst, fuhr auf einen Lastkraftwagen auf und wurde gegen einen Telegraphenmast geschleudert. Die rechte Seite des Wagens wurde dabei völlig zertrümmert. Frau Straub erlitt schwere Kopfverletzungen, eine Gehirnerschütterung unb einen Bruch des reckten Armes. Sie blieb aber bei Bewußtsein; Lebensgefahr besteht nicht. Don Den Mitfahrern erlitt Dr. von Äriegner einen Bruch des rechten Beines, bie Schauspielerin Ilse Siegert durch einen Glassplitter Schnittwunden an der Hand, während Grete Bie bl unb Hans-Joachim Thö- I er mann unverletzt blieben. Die Verletzten wurden ins Erfurter Städtische Krankenhaus gebracht. Junge Musikerringen um Anerkennung Im Rahmen Der Gaukulturwoche in Düsseldorf veranstaltete Die Reichsmusikkammer eine Kundgebung, an der auch ber Präsibent der Reichsmusikkammer, Professor Dr. Peter Raabe, unb der Leiter der Fachschaft Komponisten, Professor Paul G r ä n e r, teilnahmen. ßanbestulturroalter Brou * mers betonte, baß es wesentlich sei, bem Künstler immer neue Aufgaben zu stellen. So habe Gauleiter Florian sich entschlossen, seinen in diesem Jahre zum ersten Male verteilten Kunstpreis von 2500 Mark vom nächsten Jahre ab auf 10 000 Mark zu erhöhen. Nachdem Professor G r ä n e r seine Komposition „Feierliche Stunde" selbst dirigiert hatte, sprach der Präsident der Reichsmusikkammer, Professor Dr. Raabe, über bie Ausgaben ber Kammer, wobei er auch auf berufsständische Fragen der deutschen Musiker einging. Um Den Nöten ber Musiker zu steuern, bedürfe es einer durchgreifenden U m - fteHung des Publikums ber Musik gegenüber. Es sei töricht, sich immer nur an bewährte alte Musik zu halten unb sich nicht die Mühe zu machen, auch junge Musik zu hören. Denn dadurch entginge Den Hörern mancher große Genuß, unb die aufstrebenden jungen Künstler würden in ihrer Entwicklung behindert. Ein bemerkenswerter Versuch, hier Wandel zu schaffen, sei in Berlin unternommen worben durch bie Einrichtung Der .Konzerte junger Künstle r", bei Denen nur unbekannte Künstler zu Worte kämen, sowie ber „Stunde der Musik", bei ber jeweils die Werke eines namhaften unb eines noch um Anerkennung ringenden Künstlers zu Gehör kämen. Neben der ernsten Musik müsse auch Der Unterhaltungsmusik Achtung entgegengebracht werden. Danach wandte sich Professor Raabe gegen das kritiklose fortgesetzte Abhören der Musikdarbietungen des Ruick- funks oder der Schallplattenindustrie. Man Dürfe Musik nicht nur als Geräuschkulisse für seine tägliche Arbeit betrachten; per Nimbus der eigentlichen Musitveranstaltung, zu der man sich im festigen Kleide zusammenfinden solle, gehe dabei verloren. Es sei wünschenswert, daß mehr als bisher Die gute selbst ausgeübte Hausmusik wieder zu Ehren komme. Der Maler Mus 70 Jahre alt. Der bekannte Maler unb Graphiker Fibus, mit feinem bürgerlichen Namen Hugo Hoeppener, ber seit Jahren in Waltersdorf im Kreise Weber» Barnim wohnt, wurde 70 Jahre alt. Zu seinem Geburtstage sind ihm aus Den Kreisen seiner Verehrer und seiner Berufskameraden zahlreiche Ehren zuteil geworden. Fibus erfreut sich geistiger unb körperlicher Frische und betätigt sich auch im kulturellen Leben der Bewegung. Fidus, Der in symbolhaften Bildern nordische Menschen zur Darstellung brachte, ist in weiten Kreisen Durch seine völkisch eingestellten Kunstwerke bekanntgeworden. In vielen Familien findet man das Bild „Lichtgebet". — Im Heimatmuseum von WolterSdorf befinden sich mehrere Werke von Fidus. Kleine politische Nachrichten. Das amtliche französische Gesetzblatt veröffentlicht eine Verordnung, die eine strengere lieber« wachungderNachrichtensendungen politischer, wirtschaftlicher und finanzieller Art bei den privaten französisch en Rundfunksendern vorsieht. Die Sender sind verpflichtet, sich in enger Fühlung mit den amtlichen französischen Sendern zu halten unb täglich den genauen Wortlaut ihrer Nach- ridjtenfenbungen ber Runbfunkverwaltung mitzu- teilen. * Nach einer Melbung ber Agentur Stefani sind die jüdischen Börsenmakler von allen ita- lienischen Börsen ausgeschlossen worden. Den Kommissionären und Vertretern jüdischer Rasse, denen der Zutritt zu den italienischen Börsen gestattet war, sind die Zutrittsausweise entzogen worden. * Der B e i von Tunis weihte in Gegenwart des französischen Postministers und des französischen Generalresidenten die arabischen Sendungen des neuen Großsenders Tunis ein. Der Bei ließ ber Regierung für die Errichtung des Senders danken. Ministervräsident S p a a k soll im Außenpolitischen Ausschuß Der belgischen Kammer erklärt haben, bie Unabhängigkeitspolitik des Landes mache es erforderlich, daß auch die belgisch-franzöfische Grenze befestigt würde, damit man das gesamte belgische Gebiet verteidigen könne. Aus aller Wett. Heber 200 Todesopfer einer Taifunkalastrophe in Sübjapan. Ein schwerer Taifun raste über Die japanischen Küsten. Besonders schwer wurde K a g o s ch i m a, an der Südküste Japans, betroffen. Bisher wurden über 200 Personen getötet und vermißt. Aufregende Banbifenjagb in Marseille. Der Marseiller Polizei ist es gelungen, fünf Mitglieder einer berüchtigten Bande festzunehmen, Die sich u. a. auch an Dem am 22. September auf einen Postzug unternommenen Raubüberfall beteiligten. Bei der Durchsuchung ber Wohnung Des flüchtig gegangenen Führers der Bande, eines gewissen Auguste Mela, Der wegen eines bewaffneten Uederfalls auf den Flugplatz von Lyon zum Tode verurteilt worden war, stieß bie Polizei mit zwei anderen Mitgliedern Der Bande zusammen, die sich unter Melas Bett versteckt hatten. Während sich Der eine der beiden Verbrecher ohne weiteres festnehmen ließ, bahnte sich der andere mit vorgehaltener Pistole einen Weg ins Freie. Im Verlaufe einer wilden Jagd durch die Straßen von Marseille wurde der flüchtige Bandit durch einen Revolverschuß so schwer verletzt, daß man an seinem Aufkommen zweifelt. Geheimnisvoller Mord in Warschau. Ein rätselhafter Kriminalfall hält die polnische Hauptstadt in Spannung. Dor einigen Tagen wurde ein junger Architekt, der in der Warschauer Gesellschaft eine große Rolle spielte und als sehr wohlhabend galt, in seinem Arbeitszimmer über Den Schreibtisch gebeugt t o t aufgefunden. Das Zimmer war verschlossen und der Schlüssel nirgend aufzufinden, die Telephonleitung durchschnitten. Sonst wies alles auf einen Selbstmord durch Vergiftung hin, so daß ber Leichnam zur Bestattung freigegeben wurde. Eine im lebten Augenblia auf Verlangen ber Kriminalpolizei durchgeführte Sektion brachte aber ein sensationelles Ergebnis. Es wurde festgestellt, daß ber Architekt durch einen Schuß aus einem Revolven kleinsten Kalibers erschossen wurde. Die Polizei arbeitet fieberhaft, um Das Rätsel des Mordes im verschlossenen Zimmer zu lösen. Vrandkatasirophe in einem polnischen Dorf. In bem Dorfe Lubikowicze in Wolhynien äscherte ein Großfeuer 150 Wohnhäuser mit zahlreichen Wirtschaftsgebäuden ein. Durch Den Brand sind weit über 100 Familien obdachlos geworden. In den Flammen kam auch viel Vieh um. zu sein, ist der Wunsch vieler Menschen. Leicht ist er jetzt auch . . . Grundpreis von 5 Pf. für die Kleinanzeigen Milllmeterzelle veröffentlicht! 1.R6ICHSSTRASSENSAMMLUNG lS.nA6.ÖMA?6iuc WINTERHILFSWERK 1958/1959 Fast 100 Jahre Wertarbeit ist die Garantie unseres FCauses 16 Fenster Schaufront zeigen Sffjnen entzückende 9feu- fjeiten der führendsten BMöBel- faßriUen Deutschlands 5 Stockwerke unseres Hauses Bestätigen, daß wir nicht nur hinsichtlich Qualität und Formvollendung, sondern auch zeitgemäße fPreissteUung jeden ‘Wunsch erfüllen Spezialwerkstätte für gute Polstermöbel FtlleinverHauf der weltBerüfjm- ten Flntimott-Sessel ilESSEhLa^RPaun. m att das führende Fachgeschäft OBerßessens 6625 A MLUNG !5./!6. Moder 1938 Uhr, Ende 12.30 Uhr. Am Abend findet eine Wie- derbolung des großen Lustspielerfolges „Der Frontgockel" von Hans Fitz statt. Spielleitung Hans Geißler. Die Vorstellung findet außer Miete zu kleinen Preisen statt. Die Intendanz macht darauf aufmerksam, daß die Aufführung 19.30 Uhr beginnt. Ende 21.45 Uhr. Montag, 17. Oktober, Agnes-Straub-Gastspiel fällt aus! Dienstag, 18. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr: „Eine Frau wie Jutta", Lustspiel in drei Akten von Möller und Lorenz. Spielleitung: Karl Dolck. Dienstag-Miete, 3. Vorstellung. Mittwoch, 19. Oktober, Anfang 19.30 Uhr, Ende 22.30 Uhr: „Der süßeste Schwindel der Welt", Lustspieloperette von Robert Stolz. Musikalische Leitung: Joachim Popelka, Spielleitung: Gert Buchheim. Mittwoch-Miete, 4. Vorstellung. Freitag, 21. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 22.45 Uhr: „Ein Sommernachtstraum" von Shakespeare. Dem Auge das Beste! Lassen Sie sich beraten von Optiker Jflagnus dem Optiker Ihres Vertrauens I Seltersweg 33 Kassenlieferant. Spielleitung: Hermann Schultze-Griesheim. Musikalische Leitung: Paul Walter. Freitag-Miete, 4. Vorstellung. Sonntag. 23. Oktober, Anfang 19 Uhr, Ende 22 Uhr: Erstaufführung „Wiener Blut", Operette von Johann Strauß. Musikalische Leitung: Joachim Popelka, Spielleitung: Gert Buchheim. Außer Miete. Oberhessischer Kunstverein. Im Turmhaus am Brand findet vom 16. Oktober bis 6. November eine Ausstellung von Oelgemälden und Aquarellen von Professor Otto Geigenber- ger, München, statt. Lichtbildervortrag über „Nanga-parbal". Wie bereits mitgeteilt, wird am kommenden Montag Prof. Dr. Troll, einer der beiden überlebenden Wissenschaftler der Nanga-Parbat-Expedi- tion 1937, auf Einladung des Goethe-Bundes, Kaufmännischen Vereins und der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde einen Lichtbildervortrag über „Nanga-Parbat" halten. Es sei auf diesen Vortrag nochmals hingewiesen. Hitler-Zugend Bann 116. Ueberweisung in die Gliederungen der Partei. Die symbolische Ueberweisung in die Partei und Gliederungen derjenigen Hitterjungen, die in diesem Kalenderjahre 18 Fahre all werden, fand auf dem Reichsparleikag 1938 stakt, Die formalionsmaßige Ueberführung wird am kommenden Sonntag, dem 16. Oktober, gemeinsam mit der Aufnahme der 18jährigen hitterjungen in die Partei in Form einer gemeinsamen Feier aller Gliederungen unter der Leitung des Kreisleiters durchgeführt. Die Ueberweisungsfeier für den Kreis Friedberg findet am kommenden Sonntag, 16.10., um 15 Uhr auf dem Burghof in Friedberg, für den Kreis Gießen am Sonntag, 16.10., um 20 Uhr auf dem Universitäts-Sportplatz in Gießen statt. Die Bevölkerung ist zu dieser Ueberweisungsfeier herzlich eingeladen. BOM.-Uniergau 116 Gießen. Der BDM.-Untergau 116 Gießen teilt mit, daß die Ueberweisung von Mädels des BDM. in die NS.-Frauenfchaft am morgigen Sonntag nicht stattfindet, und zwar weder im Kreise Gießen, noch im Kreise Friedberg. Die Grundsteuer für den älteren Neuhausbesitz. LPD. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — veröffentlicht eine Bekanntmachung der Zusammenstellung und in ihrer ©emeinfamfeit betrachtet, so wird man den sie verbindenden lie- benswürdigey musikalisch-harmonischen Charakter nicht verkennen können, der sie von den Anekdoten mancher anderen Berufsgruppe deutlich abhebt. Zeitschriften. — „D a s Innere Rei ch." (Herausgeber Paul Alverdes. Verlag Albert Langen-Georg Müller, München.) — Reich an dichterischem Gebalt und vielfältig in den Themen ist das Oktober-Heft. Am Anfang finden sich Gedanken und Sprüche aus nachgelassenen Tagebüchern Rudolf G. Dindings, Zeugnisse seiner ritterlichen Haltung und seiner Teilnahme am großen Geschehen der Zeit. Am Schluß steht die gründliche Würdigung, die Erich Trunz dem neuen Roman „Das gottgelobte Herz" von Kolbenheyer widmet. Dazwischen findet man Gedichte von Josef Weinheber, Joachim von der Goltz, Martin Raschke, Heinrich Zillich u. a. m.; eine packende Erzählung von Moritz Jahn, einen Brief von Hermann Claudius an sich selbst zu seinem 60. Geburtstag, ein weiteres Kapitel aus Wilhelm Schäfers großangelegtem Versuch, die Gestalt des Theoderich unserer Zeit neu zu gewinnen. Eindrucksvolle Aquarelle und Zeichnungen von E. A. v. Mandelsloh bereichern das Heft, das in seiner Umschau auch einen Bericht über die Schiller- Festspiele in Eger, dem jetzt befreiten Hauptort des Egerlandes, bringt. — Scarlett O'Hara, die Heldin des amerikanischen Erfolgsromans „Vom Winde verweht" und ihr Gegenspieler Rhett Butler sind Gestalten, von denen jeder Leser eine lebendige Vorstellung hat. Run machte „die neue l i n i e" (Verlag Otto Beyer, Leipzig), das interessante Experiment, sechs Zeichner aufzufordern, einmal zu zeigen, wie in ihrer Phantasie diese beiden Gestalten aussehen — das überraschende Ergebnis steht im Oktoberhest. Mädchengestalten von Fleisch und Blut zeigen die Bilder des Beitrages „Erziehung zur Harmonie", der sich mit den Aufgaben des BDM.-Werks „Glaube und Schönheit" befaßt. „Blut und Boden", ein anderes Leitwort unserer Zeit, erhält eine eindrucksvolle Beftättgung in den Gesichtern einer Hofgemeinschaft, die auf einem norddeutschen Erbhof die Tradition der Sippe und die Gesetze des Hofes treulich bewahrt. „Drei preisgekrönte Eigen- Häuser" und „Gärten der verschiedensten Stile", von den Aegyptern bis heute, sind zwei weitere markante Veröffentlichungen dieses Heftes, aus bestem reichen Inhalt noch die Themen Reise, Kunst, Unterhaltung und Mode erwähnt werden sollen. Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Ur.242 Drittes Blatt Umfangreicher Wohnungsbau in Gießen Stadtkreis Gießen im Entstehen Spielplan des Stadttheaters vom 16. bis 23. Oktober. Die zweite Morgenveranstaltung des Stadttheaters am Sonntag, 16. Oktober, bringt zum 5Ö. Todestag von Theodor Storm Lieder und Rezitationen. Es wirken mit: Gustav Bley, Heinz Markwardt, Intendant Hermann Schultze-Griesheim. Die Morgenfeier sieht Lieder von Trunk, Reger, Haym und ein Lieder-Zyklus von Joachim Popelka vor. Der Intendant liest „Der kleine Häwelmann" und Gedichte. — Die Veranstaltung beginnt um 11.30 Stadttheater Gießen. Heute abend findet eine Wiederholung des großen Erfolges „Der süßeste Schwindel der Welt", Lustspieloperette in drei Akten von Rudolf Weys, Musik von Robert Stolz, statt. Musikalische Leitung: Joachim Popelka, Spielleitung: Gert Buchheim, Tänze: Thea Maaß. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 1. Vorstellung für den KdF.-Feierabendring statt. Beginn 20 Uhr, Ende 23 Uhr. Musiker in der Anekdote. Don Wilhelm von Scholz. Die echtesten Musiker-Anekdoten sind natürlich die, welche sich mit einem der Musik zugehörigen Thema befassen. Also: Hans von Bülow, der einem Posaunisten zuruft „Forte!" und, nachdem der den Ton verstärkt hat, wieder mahnend „Forte! Forte!" und mit „Forte!" so fort, bis der Posaunist, dessen geblähte Backen fast geplatzt sind, erschöpft sagt: Lauter könne er nicht blasen, worauf Bülow freundlich den Kopf schüttelt: „Das sollen Sie ja auch gar nicht! Sie waren von Anfang an auf Fortissimo, Sie sollen Forte blasen!" Oder der liebe Kollege, der bei seinem Freunde Philipp Scharwenka Partituren aus dem Flügel liegen sieht, sie anblättert und, als er Wagner findet, mit enttäuschter Stimme sagt: „Ach, ich habe immer gedacht, du komponierst auswendig!" Oder der Dirigent von böhmischen Straßenmusi- kaMen, die in London spielen, zu dem eine Engländerin spottet: „Sie wollen sein deutsche Musikanten und spielen so falsch?" Er erwidert: „Und Sie wollen eine Engländerin sein und hören es? Oder schließlich diese: Die Spieler eines Quartetts waren im Zusammenspiel ziemlich beträchtlich auseinander geraten. Einer der Konzertzuhörer fragt freundlich lächelnd seinen Nachbarn: „Auf wen setzen Sie?" (In welchem Falle der musikalische Kaiser Franz zu seinen Mitspielern zu sagen pflegte: „Unter dem Schwippbogen treffen wir uns wieder!") Die Musiker sind aber auch sonst, wie die Leute vom Theater allgemein witzig. Ihr Witz ist zwar scharf und satirisch, doch spürt man fast immer, daß er aus Köpfen voller Musik kommt, daß er gemildert unÜ nicht ohne Harmonie ist. x Auch der einfache Wortwitz wird nicht verschmäht, aber so überraschend angewendet, daß selbst bei Leuten mit kurzer Leitung, bei denen der Groschen gleich fällt, manchmal eine tausendstel Sekunde zwischen Hören und Lachen vergeht. Den Kollegen Scharwenkas mit dem boshaften »A propos“ frpgt jemand mit Verwunderung: Wie es komme, daß sich Scharwenke ein Reitpferd gekauft habe, das sei doch seltsam! „Ja, wissen Sie", antwortet der Gefragte, „Komponieren wirst nicht genug ab!" Ein Klaviermeister aus diesem Kreise gab während eines Pariser Aufenthaltes, einzelnen fortgeschrittenen Schülern und Schülerinnen Klavierunterricht; so auch einer Damy, der Besitzerin eines entzückenden bräunlichen Schoßhündchens das ,Ch'ocolati hieß und von dem Meister, vielleicht als Huldigung für die Herrin, sehr verwöhnt wurde. Eines schönen Tages sandte die dankbare Schülerin ihrem verehrten Lehrer den kleinen ,Chocolati als Geschenk. — Es waren noch nicht vierzehn Tage vergangen, da wurde .Chocolati in einem Körbchen wieder bei der Spenderin abgegeben. Er trug einen Brief am Halsband, wie man Briefe an Blumengaben zu befestigen pflegt. Der Brief lautete: „Meine verehrte Gönnerin! Sie haben sicher noch den Ton meiner überschwenglichen Freude im Ohr, mit der ich Ihnen für daß großmütige Geschenk des kleinen,Chocolati, meines Lieblings, dankte. Sie wissen, was mir das Hündchen war und ist — nicht zuletzt etwas, das Ihre gütige Hand gestreichelt, geliebkost hat, und das in jedem Augenblick mich an Sie, Gnädigste, erinnert. Wenn ich trotzdem das Hündchen heute in die Obhut seiner einstigen, von ihm zärtlich geliebten Herrin zurücksende, so ist es nicht nur die Sehnsucht, die ich in seinen großen schönen Augen zu sehen glaube, die mich bestimmt. Es ist auch das Bewußtsein, daß er in Ihrer weiblichen mütterlichen Pflege besser gedeihen kann als m meiner, der ich Junggeselle bin. Nicht allein Junggeselle bin, sondern, gnädige Frau, auch im vierten Stock wohne! ,Chocolati ist völlig straßenrein und schweigt über seine Bedürfnisse stets bescheiden, bis ganz zuletzt. Aber selbst wenn er nicht schwiege und sich einmal meldete — es wäre bei meinen vier Treppen doch zu spät, ihn noch rechtzeitig zur Straße zu führen, die geduldig und ohne Störung aufnimmt, was man ihr gibt So begreifen Sie — doch lassen Sie mich in meinem Trennungsschmerz, den ich trotz ober gerade wegen der bitteren Notwendigkeit dieser Trennung empfinde, schweigen. Nur eines noch, meine Verehrte: Tau;en Sie ihn um! Nennen Sie ihn statt Chocolat lieber ,Cacao-!" Eins unserer bekanntesten Quartette gastierte einmal in einer kleineren Stadt. Da erhielt es eine außerordentlich lobende Kritik, die von dem Schlußsatz gekrönt wurde: „Möge es der tapferen kleinen Künstlerschar durch ihren Fleiß und ihr Talent bald gelingen, sich zu vergrößern!" Einem Musiker zeigt ein Bekannter ein neugekauftes Bild, das in kostbarem Rahmen das Musikzimmer ziert, und bittet: „Raten Sie mal, was ich für das Bild bezahlt habe!" — „Unmöglich, unmöglich!" erwidert der Befragte, dessen ruhige forschende Blicke nicht von dem Gegenstände der begehrten Schätzung weichen. „Raten Sie!" — Aus der Stadl Gießen. Kraft des Herzens. Von Neinhold Braun. Nie wird das Reich verderben, wenn echte Liebe lebt, im Kämpfen und im Sterben zum Opfer sich erhebt! Hans Maurer. M opfere meine Ruhe und bürgerliche Bequemlichkeit den großen Zielen der Nation! sprach der Führer am Abend der diesqahrlgen Eröffnung des Winterhilfswerks. Er fuhr fort, daß er dieses Opfer freudig bringe, weil er wisse, daß das deutsche Volk ebenfalls zu jedem Opfer für das Vaterland bereit märe. Nur diejenigen verständen das nicht, die nicht die Kraft des Herzens besitzen. Da liegt das Geheimnis für das, was er und, von ihm geführt, in treuer Gefolgschaft die Nation mit ihm vollbrachte. Einzig aus der Kraft des Herzens wurde das Leid unserer Geschichte immer wieder in neue Auferstehungen verwandelt. Diese Kraft ist der beste Beweis für die ewige Jugend unseres Volkes. Aus der Kraft des Herzens geschah alles Erhebende unserer Geschichte, wurden die Großtaten im Weltkriege vollbracht. Nur weil jene Kraft von frevelnden Mächten zermürbt und verdrängt wurde, mußten wir die Schande von Versailles erdulden. Nun geht unser Blick von selbst zu den Sudetendeutschen. Es gibt ein Buch, das den Titel trägt: „Ein Sudetendeutscher ergibt sich nicht!" Nur die Kraft des Herzens konnte zwanzig Jahre hindurch all das Schwere ertragen, konnte die Fundamente zu der Herrlichkeit des Glaubens unserer Sudetendeutschen legen. „Wir tragen ein Licht im Dunkel der Nacht. Wir tragen ein Licht, von Sehnsucht entfacht. Wir glauben an eine Wiederkehr!" So singt Franz Höller. Und wenn der Führer in Karlsbad zu den befreiten Brüdern und Schwestern sagte: „Daß ich einmal hier stehen würde, daß habe ich gewußt!", so ist das die Gewißheit aus der Kraft seines Herzens Und war es mit Oesterreich nicht das gleiche Wunderbare? Nun gilt's, daß jeder an seinem Teile die Kraft des deutschen Herzens befestige, jung und federnd erhalte bis in die letzten Gründe! Die beste Erhaltung aber geschieht immer durch die Tat, das Opfer und das Opfern. So weiß jeder, was er auf seinem Platze zu tun und zu leisten hat nach feinen Gaben und nach seinem Können. Die Herzenskraft aller Opfergänger hat sich bis zu dieser Stunde beglückend bewiesen, und sie wird sich ferner beweisen im letzten, stillsten Winkel des Vaterlandes. Sie wird das Ganze weiter wunderbar durchdringen, so daß wir wie ein einziges „gläubiges Heer", als eine einzige machtvolle Opfergemeinde dastehen. Und das Glück gebender und bindender Liebe, wie auch jetzt wieder beim Opfern und bei jeglicher Mitarbeit für das Winterhilfswerk, wird von innen her das Ganze durchsonnen, und jeder einzelne fühlt sich teilhaftig an dieser Sonnenkraft deutschen, frühlingshaften Lebens. Alle, die die Kraft des Herzens besitzen, werden sprechen: „Ja, so ist es! So wird und soll es fürderhin sein!" 7. Gesundheitspolizei (Deterinärpolizei). 8. Landwirtschaftliche Angelegenheiten im Stadtgebiet (Grundstücksverkehrs-Bekanntmachung). 9. Begutachtung der Ortsbaupläne innerhalb der Stadt Gießen. 10. Enteignungs-Angelegenheiten innerhalb der Stadt Gießen. 11. Uebernahme von Aufgaben des Kreisaus- fchuffes als Verwaltungsgericht erster Instanz, soweit bei diesen Angelegenheiten die Stadt Gießen in Betracht fommf Nach dem Gesetz vom 9. August werden die Geschäfte der allgemeinen Landesverwaltung, die nach den Gesetzen und Verordnungen vor dem Kreis- direktor (Kreisamt) und die von dem Kreisausschuß im Beschlußverfahren zu erledigen sind, in dem neuen Stadtkreis von dem Oberbürgermeister oder dem Polizeidirektor wahrgenommen, soweit der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — im Rahmen der reichsrechtlichen Regelungen nichts anderes bestimmt. An Stelle des Kreisausschusies tritt im Verwaltungsstreitverfahren als untere Instanz ein Stadtverwaltung sger i ch t. Beim Kreis Gießen bleibt jedoch neben dem Kreisausschuß als untere Instanz für Angelegenheiten der Landgemeinden das Bezirksverwaltungsgericht als nächsthöhere Instanz im Derwaltungsstreitverfahren für die Kreise der ehemaligen Provinz Oberhessen und nunmehr auch für den Stadtkreis Gießen bestehen. Die Zusammensetzung dieses Stadtoerwaltungsge- richts für den Stadtkreis Gießen hinsichtlich der Auswahl der Persönlichkeiten dürfte die erste Arbeit des Leiters unseres Stadtkreises sein. plant. Es ist beabsichtigt, in diesem Stadtteil im Verlaufe der nächsten Jahre weitere 5 00 Kleinwohnungen mit allem neuzeitlichen Zubehör zu schaffen, so daß sich den jetzigen neuen Straßen eine Reihe weiterer anschließen werden. Mit diesen 500 weiteren Kleinwohnungen kann man wohl — allerdings nur nach dem heutigen Stand der Dinge — den dringlichsten Bedarf an kleinen Wohnungen als einigermaßen annehmbar erfüllt ansehen. Die Erfordernisse an ausreichendem Wohnraum, die in einer Stadt von der Größe und der vielseitigen Bedeutung Gießens sich von selbst ergeben, sind aber auch mit diesen weiteren 500 Kleinwohnungen noch nicht erfüllt. Wenn auf diesem Gebiete, auch im Hinblick auf die fortschreitende Entwicklung unseres Gemeinwesens eine allgemein befriedigende Lösung geschaffen werden soll, so muß man mit der Tatsache rechnen, daß bann immer noch rund 1500 Wohnungen in unserer Stadt gebaut werden müssen. Es ist also eine außerordentlich weitreichende Aufgabe, die auf dem Gebiete des Wohnungsbaues in unserer Stadt noch der Lösung harrt. Man kann aber die Gewißheit hegen, daß der Leiter unserer Stadtverwaltung alle Mittel einsetzen und keine Gelegenheit versäumen wird, um auch in diesem Abschnitt unserer städtischen Aufbauarbeit in einem möglichst absehbarem Zeitraum ein zufriedenstellendes Ergebnis herbeizuführen. Im Verlaufe des Frühjahrs und Sommers ist in unserer Stadt die Schaffung neuen Wohnraums außerordentlich kräftig vorangekommen. Der Neubau von Wohnhäusern hat zum Tell die Fläche eines neuen Stadtviertels mit einer Reihe von Straßen bedeckt. Es sei hier vor allem an die räumlich und zahlenmäßig umfangreichste Wohnungsbautätigkeit dieses Jahres erinnert, die in der Schwarzlach entfaltet wurde. Dort sind in rund 50 Häusern 306 Kleinwohnungen mit je zwei bzw. drei Zimmern und Zubehör entstanden, die jetzt sämtlich im Rohbau fertig sind. Bei einem Teil dieser Häuser wird gegenwärtig der äußere Verputz hergestellt, gleichzeitig ist in sämtlichen Häusern der Innenausbau im Gange. Von ansehnlicher Bedeutung sind weiterhin die Wvh- Haus-Neubauten im Eichgärtengebiet und jenseits der Lahn in „Sachsenhausen", schließlich auch das Wohnhausprojekt am Kirchenplatz/Lindenplatz im Zuge der Altstadtsanierung I. Soweit die Wohnungen in diesem Jahre nicht mehr bezugsfertig werden, darf man hoffen, daß sie im Verlaufe des Frühjahrs oder Frühsommers nächsten Jahres zum Einzug der Mieter bereitstehen werden. Die Schaffung des neuen Wohnraums durch die diesjährige Wohnhaus-Neubautätigkeit genügt aber noch lange nicht, um den dringlichsten Wohnungsbedarf in befriedigendem Ausmaß zu decken. Deshalb wird von dem Leiter unserer Stadtverwaltung der weitere Ausbau des neuen Wohnviertels in der Schwarzlach ge- Nach der Bekanntmachung des Reichsstatthalters in Hessen — Landesregierung — über das Inkrafttreten des Gesetzes über die Bildung der Stadtkreise Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach und Worms wird am 1. November 1938 auch der Stadtkreis Gießen ins Leben gerufen. Der Leiter unserer Stadtverwaltung, Oberbürgermeister Ritter, ist zur Zeit mit der Ausführung dieses Gesetzes, also mit der Organisierung des neuen Stadtkreises Gießen, in vordringlicher Weise beschäftigt. Es ist dabei eine Reihe von Maßnahmen zu treffen, wobei der Aufbauarbeit zustatten kommt, daß manche Aufgaben, die nunmehr von dem bisherigen Kreise Gießen auf den neu- gebildeten Stadtkreis übergehen, auch bisher schon von der Stadt Gießen bearbeitet wurden. Die Aufgaben, die der Stadtkreis Gießen von dem bisherigen Kreis übernimmt, find z. B. auf folgenden Verwaltungsgebieten zu erblicken: 1. Handels- und Gewerbewesen in der Stadt Gießen (insbesondere Einzelhandels-Schutzgesetz, Erteilung von Wandergewerbescheinen und Wander- Legitimationspapieren usw.). 2. Verkehrswesen im Gießener Stadtgebiet (Zulassung von Kraftfahrzeugen, Erteilung von Führerscheinen, Genehmigungen für den Güterfernverkehr, Aussicht nach dem Personenbeförderungsgesetz usw.). 3. Staatsangehörigkeitswesen im Stadtgebiet (Anträge auf Einbürgerung, Erteilung von Staatsangehörigkeitsausweisen und Heimatpapieren usw.). 4. Naturschutz und Denkmalschutz im Stadtgebiet. 5. Jagd- und Fischereiwesen, Durchführung des Pachtgesetzes (Lahn). 6. Schornsteinfegerwesen. „Nein) nein! Ich kann es nicht." — „Dann will ich es Ihnen sagen: fünfzig Mark! Nur fünfzig Mark!" Der Besitzer erwartet strahlend eine erstaunte Aeußerung des Prüfenden. Dessen Blicke hängen noch immer gebannt, wie ungläubig, mitten irn Viereck t/es schönen Rahmens, und er sagt im Tone aufrichtigster Bewunderung: „Ja, aber — soviel ist ja das Bild wert!" Ein großer Hofmann und Theaterintendant, der auch gelegentlich komponierte, hatte ein Streichquartett geschrieben, das vier ausgezeichnete Musiker anläßlich einer Soiree bei Hofe spielen sollten. Bei der Uebernahme der Aufgabe hatten sich die Herren ausbedungen, daß der Schöpfer des Quartett nicht vor der Hauptprobe ihrer Einstudierung beiw.ohnen dürfe. Als der witzige ältere Cellist des Quartetts einmal während einer Probe hinausgeht, stößt er an der Tür mit dem dahinter lauschenden Generalintendanten zusammen und sagt rasch gefaßt: „Exzellenz, der Lauscher an der Wand, der hört sein eigenes Streichquartett!" „Wann arbeitest du eigentlich?" fragte ein Musiker einen Kollegen, der als sehr faul galt. „Wenn ich dich vormittags treffe, lieft du die Zeitung, wenn ich dich nach dem Mittagessen treffe, liegst du auf dem Diwan —' ich glaube, du tust gar Nichts!" — „Ja, weißt du", erwidert der andere, „zwischen zwei Mahlzeiten arbeite ich nicht gern!" Der österreichische Kaiser Franz tritt nach Beendigung des Konzerts zu dem Klaviervirtuosen, reicht ihm huldvoll die Hand, klopft ihm auf die Schulter und sagt: „Liszt hat hier gespielt, Rubinstein und viele andere Virtuosen —" — schon leuchtet helles Glück auf dem Gesicht des Angeredetssg — „aber so wie Sie, Herr Bachmaier, hat noch keiner beim Spielen geschwitzt!" Zu einem sehr eigenwilligen Musiker, mit dem nicht gut Kirschen essen war, sagt ein reicher Mann, nachdem er in irgendeiner Angelegenheit auf der ganzen Linie hat nachgeben müssen: „Mein Lieber, Sie sind ein Despot!" Bei dem Wort ,Despoti passiert es dem erregt Sprechenden, daß ihm sein Gebiß herausfliegt. „Das nächste Mal", meint nun der Musiker mit mildem sanftem Ton, „sagen Sie statt ,Despati lieber Tyrann! Da kann nichts passieren!" (Hierzu gibt es eine nicht an die Musik geknüpfte' Variante: „Wo wollen wir unser Glas Bier trinken? Bei Porrsch —?" — „Es heißt doch Pschorr!" — „Ja, aber mein Gebiß sitzt ein bißchen locker. Wenn ich nicht Porrsch sagen würde, flöge es heraus.") Wenn man hier die wiedererzählten kleinen Ge- fchichtchen, die zum Teil schon lange zum umlau» senden Anekdotengut gehören, sich in der Wirkung Vornotizen. Tageskalender für Samstag. Stadttheater: 20 bis 23 Uhr „Der süßeste Schwindel der Welt". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Ich liebe dich". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Spieler". Tageskalender für Sonntag. Feier der HI.: 20 Uhr Universitäts-Sportplatz. Stadttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr Morgenoeranstal- tung Theodor Storm. 19.30 bis 21.45 Uhr: „Der Frontgockel". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Ich liebe dich". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Spieler". — Oberhessischer Kunstverein: 11 bis 13 Uhr: Ausstellung im Turmhaus am Brands________ Ätz! Ast > ilnj! Sfc oie« Längen ö bes ’W’W bi» ,®ut»päir "en, als in 'S 3* SMaben Karinen .n 'hn bar. J? 3ibn, ^llege tDä. «Bei« kni bann '.pW uni unchen to lade neui werbens Stämme', 'chülern aus ed Eydt in 3e in bet ltungssteige. Ingaben bes gischen Kor- Mweisind r, über „Ke- i - in denen •tonalen @e. ttsthnj her- rtarbelt ont ands 8res Hauses ** a'**jedi« ellunf 1 Dnx-Dragees !*• erhält sich dfrische auch 1 durch den aekömnlichea ‘mäßigten 5 Pf. für die eröffentllehtf kräuterfee Ml bereiten. Man bedenke dabei vor allem, daß sie ihre Bestellkarte ausgestellt sind'und zum Bezug der Pflicht ehrenamtlich tun und daß ihre mühe- Dolksgasmaske berechtigen. Die Blockwalter der' volle Arbeit der Sicherung aller Volksgenossen gilt. Oer Grünberger Gallusmarkt Globus wäs eher 6579^ UfEDDE DRUCKSACHEN W en DE Brühl. Gießen für Kartoffeln und Rüben, nalit auf jed Waschzuber. Leistung 60 Pfd. je Minute Trommel verzinkt Hersteller: Fr. C. WeißNachf. Inhaber Heinrich Schroer, Land- maschinen. GrttnbergfHessenll Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlichen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens unddamitdurcherweitertesWissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift: „Aus der Natur“ Hugo BermQ hier Verlag Berlin-Lichterfelde Oer Verkauf der Volksgasmaske beginnt Oie ersten 5000 Stück in Gießen eingetroffen. Hotel Hirsch Am Gal I usmarkt Erstklass. Stimmungskapelle MittwochabendTanz! Bekannt gute Küche la Weine und Biere 6581 D NSV. nehmen gleichzeitig die Anträge auf Verbilligung der Volksgasmaske ent- aegen. Die Ausstellung der Zuweisungsscheine erfolgt lediglich durch die NSV.-Ortsgruppen. Betriebe, die Sammelbestellungen aufgeben, haben die Anträge bei der zuständigen NSD.-Ortsgruppe einzureichen. In der Zeit vom Mittwoch, 26. Oktober, bis Dienstag, 15. November, erfolgt zunächst täglich von 14 bis 20 Uhr die Ausgabe und Derpassung der Volksgasmasken. Dies geschieht, soweit bisher feststeht, im NSD.-Lager „Einhorn", Eingang Wetzsteingasse, und in den Räumen der NSV.-Orts- grupve Gießen-Nord, Walltorstraße 38 (Vorderhaus). Jeder Besteller hat dazu persönlich zu er- scheinen. Alle Anfragen sind an die NSV.-Ortsgruppen zu richten; in Zweifelsfällen gibt die Kreisamtsleitung der NSV., Goethestraße 34 (Fernruf 2297, Nebenstelle 02) jegliche Auskunft. Es ist Pflicht jedes Volksgenossen, dem ihn besuchenden Amtsträger des RLB. und den Amtswaltern der NSV. einen freundlichen Empfang zu sitz des Schutzgerätes. Ab Montag, 24. Oktober, werden dann die Blockwalter der NSV. in den einzelnen Haushaltungen vorsprechen und die Zuweisungsscheine verkaufen, die entsprechend der über die Richtlinien für Billigkeitsmaßnahmen auf dem Gebiete der Grundsteuer für den älteren Neuhausbesitz. Der Reichsminister der Finanzen hat sich im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern damit einverstanden erklärt, daß die Ge>mein- den, soweit die Besteuerung des älteren Neuhausbesitzes für die Zeit vom 1 April 1938 ab zu einer Verminderung der Rückflüsse aus den vom Lande Hessen, der Hessischen Landesbank — Staatsbank — Darmstadt und den öffentlichen Sparkassen in den Rechnungsjahren 1924 bis 1930 ausgegebenen Woh- nungsbaudarlehen gegenüber 1937 führt, die Rückflüsse entsprechend aufzufüllen haben. Für Darmstadt, Bensheim, Offenbach, Gießen, Friedberg, Nauheim, Butzbach, Mainz, Worms, Alzey, Bingen und Oppenheim gelten die Baudarlehen aus Sondergebäudesteuermitteln, die zu den gleichen Zins- und Tilgungsbedingungen (2 v. H. Zinsen und 1 v. H. Tilgung) ausgeliehen wurden. Bolkstrachtengruppe im Dienste des Winterhilfswerks. Die heutige und morgige Reichsstraßensammlung für das Winterhilfswerk 1938/39 soll nicht nur im zahlenmäßigen Ergebnis, sondern auch rein äußerlich ein großer Erfolg werden. Neben den gestern bereits angekündigten Platzkonzerten am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag wird auch die Trachtengruppe aus dem Hüttenberg unter Leitung unseres Heimatdichters Georg Heß (Leihgestern) bei der Werbung für die Spende tätig sein. Die Trachtengruppe, die sich insbesondere aus Mädchen und Burschen aus Leihgestern, Lang-Göns, und Kirch- Göns zusammensetzt, tritt als Gruppe der NS.-Ge- meinschaft „Kraft durch Freude" auf und wird ihr Können sowohl im Gesang schöner Volkslieder als auch mit Volkstänzen zeigen. Die Trachtengruppe tritt zuerst am Sonntagnachmittag um 15 Uhr am Selferstor auf. Anschließend wird noch auf dem Kreüzplatz getanzt und gesungen. Sicherlich werden sich viele Volksgenossen unserer Stadt das schöne Schauspiel, das sich dabei bieten wird, nicht entgehen lassen und ihrer Dankbarkeit auch den entsprechenden und erwarteten Ausdruck mit Opferspenden in die Sammelbüchsen geben. Südwestdeutsche Hals-, Nasen- und Ohrenärzte tagen in Gießen. Die Vereinigung südwestdeutscher Hals-, Nasen- und Ohrenärzte, in der sämtliche Fachärzte dieser Gruppe vereinigt sind, halten in den Tagen vom 22. und 23. Oktober in unserer Stadt ihre 28. Tagung ab. Zum Gebiet des Verbandes gehören auch die Spezialisten der Universitäten in Marburg, Gießen, Heidelberg, Frankfurt a. M. und Freiburg i. Br., die bei dieser Tagung sämtlich vertreten sein werden. Der Samstag, 22. Oktober, bringt im Studentenheim den Begrüßungsabend. Am Sonntagnachmittag beginnt im Hörsaal des Physiologischen Instituts die Wissenschaftliche Sitzung. Die Wissenschaftliche Sitzung sieht folgende Vorträge vor: Brüggemann (Gießen): Referat über Ohrtuberkulose; Schütz (Berlin): Verteilung der erblichen Taubstummen in Hessen; Schwarz (Frankfurt): Erbliche Mißbildungen des äußeren Ohres; H. U f f e n o r d e (Frankfurt): Die Bedeutung des Röntgenbildes für die Begutachtung der erworbenen und erblichen Taubstummheit; Richter (Erlangen): Der Einfluß der Pneumatisation auf den Verlauf der akuten Mittelohrentzündung; Berendes (Heidelberg): Kurze. Bemerkung zur Hörrestbestimmung bei Simulanten; Schmidt-Hackenberg (Hersfeld): Fastenkuren in der Ohrenheilkunde; L. K. S t e r n (Marburg): Das Röntgenbild von normalen Nasennebenhöhlen. K. Stern (Marburg): Das Röntgenbild von entzündlich erkrankten Nasennebenhöhlen. Knapp (Münster): Zur Frage des malignen Granuloms. Moritz (Gießen): Malignes Granulom. Griebel (Frankfurt): Das E-Ditamin im Krankheitsgeschehen. Waeser (Stuttgart): Diagnostik und Therapie des Heufiebers mit Pflanzensamenextrakten. Ar old (Gießen): Heilerfolge bei Kehlkopftuberkulose. Die Tagung steht unter der Leitung von Prof. Dr. Brüggemann (Gießen). Gestern sind im Güterbahnhof Gießen die ersten 5000 Volksgasmasken eingetroffen und in das Lager der NSV. aebracht worden, um demnächst zum Verkauf zu gelangen. Die Amtsträger des Reichsluftschutzbundes werden nunmehr ab kommenden Montag, 17 Oktober, damit beginnen, von Tür zu Tür zu gehen, um die Bevölkerung über die Versorgung mit Volksgasmasken aufzuklären. Die Amtsträger des Reichsluftschutzbundes haben Bestellkarten bei sich und werden auf jede einschlägige Frage antworten. Diese Aufklärungsaktion des Reichsluftschutzbundes wird während der ganzen nächsten Woche durchgeführt. Außerdem werden Flugblätter in allen Haushaltungen verteilt. Wer die Bestellkarte sogleich ausfüllt und dem Amtsträger des RLB. zurückgibt, erleichtert wesentlich den Verkauf und die Ausgabe der Volksgasmaske. Wer sich dabei rasch entschließt, gelangt auch zuerst in den Be« Of'm Gallmährt es goar schi, Drum gieh mer all se same hi Mit Gäul, en Säu, en Rinner, en aach met ise Kinner. Es gibt nichts Schön'res auf der Welt als Gallusmarkt und recht viel Geld. Die ganze Welt könnt's nicht verstehn, würd' jemand nicht zum Gallmarkt gehn. Der Gallmarkt is des schönst' Fest off de Welt, Den hol de Deufel, dem er net gefällt. Parol is: „Es wird off de Gallmarkt gegange, Wer net hingeht, der wird affgehange." Dem Konerad, dem gefällt's naut mih, drim will e off de GallmährtHieh, do wird mr wirrer lewensloftig, ean hem zou eas mr naut mih dorfchtig. Diese vier Proben aus dem vorjährigen Schülerwettbewerb zum Lobe des Grünberger Gallus m a r k t e s zeigen uns, wie hoch der Gallusmarkt schon bei den Kindern in Ansehn steht, und wie es bei ihnen als ganz selbstverständlich gilt, daß man an ihm teilnimmt. Daß diese Beteiligung am Gallusmarkt aber auch für die Erwachsenen von Grünberg und aus der ganzen Umgegend ebenso als Selbstverständlichkeit gilt, das bestätigt sich Jahr« für Jahr aufs neue. Am Gallusmarkt feiern selbst die Leute, die sich sonst von manchen Veranstaltungen fernhalten. So sparsäm sie auch sonst leben, an diesem Tage sitzt auch ihnen das Geld locker in der Tasche, und mit dem Spruche: 's eas nur emol Gallmährt" suchen sie ihr Tun und Treiben zu entschuldigen. Und wie der Grünberger an seinem Gallusmarkt hängt, das beweisen auch die auswärts wohnenden Söhne und Töchter der Stadt, die stets in großer Zahl zu dieser Feier in der Heimat erscheinen, um sie im Kreise ihrer Verwandten und Bekannten begehen zu können. Aber auch für die Umgebung ist er eine große festliche Angelegenheit. Der vordere nordwestliche Vogelsberg, die Rabenau, selbst Teile des Ebsdorfer Grundes, das Busecker Tal, die nördliche Wetterau schicken zahlreiche Besucher zum Gallusmarkt. Selbst die Nachbarstadt Gießen entsendet alljährlich eine große Zahl Besucher, viele von ihnen sind gewissermaßen Stammkunden, die es auf eine ganz beträchtliche Anzahl miterlebter Gallusmärkte gebracht haben. Kamen früher im September die Reservisten aus der hiesigen Gegend zur Entlassung, so hieß es beim Abschied: „Of'm Gallmährt treaffe mr is wirrer." Sicherlich werden auch dieses Jqhr, sofern die vom Führer angekündigte baldige Reservistenentlassung bis zum Gallusmarkt durchgeführt ist, all die Männer, die seither ben feldgrauen Rock trugen, besonders und mit großer Freude den Gallusmarkt feiern. So ist er das große Stelldichein für die ganze Gegend, alte Bekanntschaften und Freundschaften werden wieder aufgefrischt, neue geschlossen. Am Mittwoch, als dem Hauptmarkttag, ist Grünberg das Ziel großer Scharen von Menschen, die zu Fuß, zu Rad, mit Auto oder mit der Bahn kommen. Freilich hat der eigentliche Markt nicht mehr die Beschickung aufzuweisen, wie in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts, da man oft über 300 Krämerstände, 200 bis 300 Stück Rindvieh und weit über 1000 Schweine zählte. Hier hat der Gallusmarkt wie alle Jahrmärkte im Laufe der Zeit verloren. Trotzdem zählt er heute noch "zu den größten Jahrmärkten Oberhessens. Eine Vorbedingung dazu ist auch in der günstigen Lage Grünbergs gegeben, das durch seine Bahnverbindungen der wirtschaftliche Mittelpunkt an der Grenze der drei oberhessischen Kreise Gießen, Alsfeld und Schotten ist. Aber auch die Marktkommission ist in rühriger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung bestrebt, den Markt auf seiner Höhe zu erhalten. Grünbergs Geschäftswelt bietet alles auf, um den zum Kauf kommenden Landbewohnern mit ihren Waren dienen zu können, für sie ist ja der Markt eine Haupteinnahmequelle des Jahres. Den größten Umsatz weisen wohl Gasthäuser, Metzgereien und Bäckereien auf; bei ihnen sind die Markttage Großkampftage im wahren Sinne des Wortes. Zu Bergen aufgetürmt liegen am Dienstagabend in den Metzgerläden die Erzeugnisse von Rind, Kalb und Schwein, und der staunende Beschauer hält es für unmöglich, daß diese Mengen alle benötigt werden. Die Wirtschaften richten für die Markttage außer den Gaststuben noch alle irgendwie verfügbaren Räume als Wirtschaftsräume ein, um den Ansturm der Besucher, der namentlich bei regnerischem Wetter sich stark in die Stadt ergießt, bewältigen zu können. Das ist ein frohes Leben und Treiben in den Wirtschaften, denn nicht nur Geschäfte will der Landbewohner erledigen, sondern am Gallusmarkt ist die Gelegenheit, wo der sonst sparsame Bauersmann es sich auch einmal etwas kosten läßt. Bei einer Portion Fleischwurst, Braten oder Solberfleisch wird mancher Schoppen in fröhlicher Gesellschaft geleert. Die Jugend der Dörfer kehrt nach ausgiebiger Besichtigung des Juxplatzes in die Säle der Stadt ein, um hier dem Tanze zu huldigen, und bis lange nach Mitternacht hört man noch den Gesang der in Scharen heimziehenden Burschen und Mädchen. Groß ist der Zustrom von Schaustellern, Artisten aller Art und fahrendem Volk. Musikanten und Harfenmädchen lassen auf den Straßen, in den Wirtschaften der Stadt und in den Wirtschaftszelten des Marktes ihre Weisen und die neuesten Schlager hören. Schon in der vorhergehenden Woche treffen die ersten Schausteller mit ihren Wagen auf dem Juxplatz ein und beginnen mit dem Aufbau ihrer Buden, so daß am Sonntag schon Eröffnungsvorstellungen stattfinden können. Nachdem am Montag und Dienstag noch die Nachzügler eingetroffen sind und am Dienstag auch die Verlosung der Krämerstände erledigt ist, so daß auch deren Aufbau vor sich gehen kann, präsentiert sich der Platz des Gallusmarktes — die Käswiese neben dem Finanzamt an der Gießener Straße — als eine große Buden- und Zeltstadt. Nach den bei dem Marktausschuß vorliegenden Meldungen ist auch dieses Jahr wieder eine gute Beschickung des Juxplatzes zu verzeichnen; u. a. sind angemeldet: ein Globusfahrer mit Motorrädern, ein Irrgarten, eine Schau mit 100 Exoten und 50 Wunderaffen, die sich „Märcheninsel Hawai" betitelt, ein großes Autoselbstfahrer-Geschäft, ferner Karussell, Schiffschaukel, Schießhallen und Verlosungsbuden. I Zum Schluß noch eine kurze Uebersicht, wie Bürgermeister und Marktausschuß den Verlauf des dies« jährigen Gallusmarktes festgelegt haben. Der voraus» gehende Sonntag (16. Oktober) bringt im Sitzungs» saal des Rathauses die Eröffnung der Ausstellung „Das Dorf- und Hausbuch". Gleichzeitig werden im unteren Rathaussaal die Gewinne der Gallusmarkt» lotterte, die in diesem Jahre mit der Lotterie des „Kalten Marktes" in Ortenberg verbunden ist, ausgestellt. Der Abend bringt in der Turnhalle einen großen Heimatabend", in dessen Mittelpunkt ein Vortrag von Lehrer Schmoll (Elpenrod) über „Heimatliebe und Heimattreue" steht. Am Dienstagabend (18. Oktober) wird der eigentliche Markt aus dem Marktplatz beim Rathaus mit Platzkonzert, Ansprache des Bürgermeisters und His- jung der Marktfahne feierlich eröffnet. Der Mittwoch (19. Oktober) als Hauptmarkttag wird zwar dieses Jahr auf den Rindvieh- und Schweinemarkt infolge der Seuchengefahr verzichten müssen. Durch verschiedene Maßnahmen verspricht man sich aber eine stärkere Beteiligung des Pferdemarktes. Anschließend ist Krämermarkt, Volksbelustigung auf dem Juxplatz und vom Nachmittag ab Tanz in allen Sälen der Stadt und in der Turnhalle. Der Donnerstag (20. Oktober) als zweiter Markttag bringt die Fortsetzung des Krämermarktes und der RUHL Seilersweg Nr. 67 I adlO Telephon Nr. 3170 I eparaturen I Volksbelustigung auf dem Juxplatz. Für die Jugend sind noch besondere Kinderwettspiele vorgesehen, z. B. Sacklaufen, Topfschlagen, Wettlaufen über einen Schwebebaum, Wurstschnappen am Kletterbaum und Mattewettessen. Der Sonntag (23. Oktober) bringt die Abschiedsvorstellungen auf dem Juxplatz und Wiederholung der Kinderwettspiele. Vorgesehen ist sowohl an diesem Tage als auch am zweiten Markttag ein Ballonwettbewerb. Ein billig zu erwerbender Kinderballon wird mit einer Meldekarte des Marktausschusses versehen. Die am weitesten fliegenden Ballone erhalten Preise. Selbstverständlich wird die Stadt während der Markttage, wie das schon über ein Jahrzehnt üblich ist, wiederum im Flaggen- und Wimpelschmuck prangen. Außerdem wird, wie in den beiden letzten Jahren, die Beleuchtungsanlage am Rathaus sowohl zur Eröffnung am Dienstag als auch an den beiden Markttagen am Mittwoch und Donnerstag im Hellen Lichterglanz erstrahlen. Gießener Dochenmarktpreise. * Gießen, 15. Oft. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12^, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, ausländische 11 bis 12%, Wirsing, % kg 8 bis 9 Pf., 50 kg 5 bis 7 Mark, Weißkraut, % kg 6 bis 7 Pf., 50 kg 3 bis 5 Mark, Rotkraut, % kg 7 bis 8 Pf., 50 kg 5 bis 7 Mark, gelbe Rüben und Karotten 7 bis 10 Pf., rote Rüben 10, Spinat 12 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen, grün 20 bis 30, Unterkohlrabi 6 bis 8, Erbsen 30 bis 40, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat, 1Iio 8 bis 10, Tomaten, % kg 10 bis 25, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 35 bis 70, Schwarzwurzeln 35 bis 40, Kürbis 8 bis 9, Pilze 20 bis 50, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,15 bis 3,45 Mark, Aepfel, % kg 30 bis 45 Pf., Birnen 20 bis 40 Pf.,' junge Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 80 Pf. bis 1,05 Mark, Enten 1,20 Mark, Gänse 1 bis 1,10 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 60, Salat 5 bis 12, Endivien 5 bis 12, Salatgurken 10 bis 20, Einmachgurken 3 bis 5, Oberkohlrabi 5 bis 12, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 12, Brombeeren, % kg 35 Pf. Aus der engeren Heimat. Zuchthäusler entflohen. Lpd. Butzbach, 14. Oft. Am Donnerstagabend ist ein Gefangener des Zuchthauses Marienschloß in Rockenberg, der auf Außen- arbeit war, in den Wald gegen Munzenberg — Wohnbach flüchtig gegangen. Es ist damit zu rechnen, daß er durch Einbruchsdiebstahl sich Kleider zu beschaffen versuchen wird. Alle diesbezüglichen Wahrnehmungen sind sofort der nächsten Gendar- meriestation zu melden. Der Gefangene trägt blau- weiß gestreiften Anstaltsanzug. Es handelt sich um den 31 Jahre alten Strafgefangenen Adolf Ludwig Uhl aus Rüssingen (Pfalz). Landkreis Gießen. «^Leihgestern, 15. Oft. Seinen 81. Geburtstag kann am Montag, 17. Oktober, der frühere SchuhmachermLister Johannes Dietz in guter Gesundheit begehen. Kreis Schotten. j Schotten, 14. Oft. Eine schöne Feier sand heute im hiesigen Kranfenhaus statt. Die Eheleute Karl Eberhard aus Oberschmitten begingen heute ihr Goldenes Ehejubiläum. Vor furzem hatte die Ehefrau einen landwirtschast» Grünberger Gattusmarst 1538 Sonntag, den 16. Oktober: n—16 Ubr tm Erd- geichoi; des Rathauses Ausstellung von Gewinnen der Sammelverloiung zugunsten der Viebmärkte von Grünberg und Ortenberg; tm oberen Rathaussaal: Ausstellung „Das Dorf- uod Hausbuch" 20 Uhr- Heimatabend in der Turnhalle Dienstag, den 18. Oktober: 20Ubr vor dem Rad haus Erösinung de^ Gallusmarktes durch Plahmusik, Ansprache de-'- Bürgerm tsters und Hiskung der Marktfahne anschließend - Anfeiern des Marktes in den Gaststätten. Mittwoch, den 19. Oktober: 9 ubr- Begrüßung der auswärtigen Markt- gaste mit Marschmusik durch die Straßen. PFERDEMARKT Krämermarkt und Volksfest, in den Gasthäusern Stimmungs- und Tanzmusik, in der Turnhalle Filmvorführung mit anschließendem Tanz unter Mitwirkung von Künstlern des Frankfurter Stadtorchester^, eines Ansagers und einer Ballettgruvve._________ Donnerstag, den 20. Oktober: Ab 9 Uhr bis abends: Krämermarkt und Volksfest; 10 Uhr, vom Marktbrunnen aus: Abmarsch mit Musik zum Frühschoppen im Wirtszelt, in den Gasthäusern Stimmungsmuslk; 14 Uhr aus dem Gallusmarkt- platz: Kinderfest mit Wettspielen für die Schul'ugend von Grünberg und Umgebung, Volksfest bis zum Abend. 20 Uhr in der Turnhalle: Wiederholung der Film- und Tanzveranstaltung mit Einlagen wie am ersten Markttag. Sonntag, den 23. Oktober: Nachmittags: Nachfeier und Kinderwettsviele auf dem Gallusmarktplatz. Sondevzüser Siehe Aushänge an den Bahnhöfen. Es laden ein: ewo0 Vüvgevmelttev u.GaUusmavktausstbuk 6623D Trinkt Hveing-Melchior-Pier /5 das Gute Was ist Arbeitseinsatz-Maßnahme „Landdienst der HZ"? Mit ständige Einsatzbereitschaft und würdigte die Dieder Schule in Frankfurt. 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Lanka Kaffee (das billige Hag- Erzeugnis) 50 Pfg, Folgt der Parole des Führers — gebt nach besten Kräften zur ersten Reichsstrahensamm- lung der Deutschen Arbeitsfront am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag! Das schaffende Volk dankt damit dem Führer! ßen Ausgaben des Deutschen Roten Kreuzes in Krieg und Frieden umriß. Er unterstrich, daß der Führer des Dritten Reiches wiederholt den Friedenswillen,des deutschen Volkes bekundet und durch die Tat bewiesen habe, daß aber dennoch für das Deutsche Rote Kreuz ebenfalls die Richtschnur gelten müsse, immer bereit zu sein. Er dankte allen Männern und Frauen der Gefolgschaften für ihre ix L2D Frankfurt a. M., 14. Okt. Da in dieser i/’ocktt !ein neuer Erkrankungsfall an spinaler K’ * y i mb k l ä t) m u n g aufgetreten ist, wird mit Zu- (r x nnnur? des Stadtgesundheitsamtes der Schul- ^'0kutfchr,,t!!r icht an allen Frankfurter Schulen am 12, roafie C )N!-.ac 17. Oktober, wieder ausgenommen. 11 bis 12 /,' » bis 7 Mark, ■Echter BOHNEN KAFFEE Elektra Leuchten- Radio / « ?bschi^ b'ederhvl^ IL lersfagabtA hthaus" auf Außen« izenberg - 't damit zu [ sich Rieftet rsvezMchen ten Gendar« e trägt blau« nbelt sich unt Adolf Ludnng KAF HAG LeppehEckert Möbelwerkstätten Wieseck-Gieflen. Ausstellungsräume Gießener Straße. Uspulun Universal Gern genommen von groß und klein, stärkt sie Nerven, weckt Lebenskraft, bildet Blut, Muskeln, Knochen, verleiht lebensfrisches Aussehen. Lecithin und Vitamine machen'«. Gr. Flasche RM. 2.50 Universitäts-Apotheke zum goldenen Engel, A.Habricb, Marktplatz. «ruV neu 81 l. Oktober, o? nes 2)ie6 11 Motorwagen* Verkaufsges. m. b.H. Gießen Frankfurter Str. 52 / Ruf 2847 Gebrauchte Schreibmaschinen aufgearbeitet. Große Auswahl! Günstige Preise! Teilzahlung. BaumsLTreibig Büromaschinen Gießen Bahnhofstr. 26. 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Die zur Zeit in vollem Gange befindliche, zum Teil schon beendete Kartoffelernte gibt Veranlassung, schon jetzt auf die richtige Einlagerung der Kartoffeln zu achten. Es ist unbedingt dafür Sorge zu tragen, daß nicht durch unsachgemäßes Einlagern die Kartoffeln später dem Verderben preisgegeben werden. Besonders muß darauf geachtet werden, daß kranke und beschädigte Kartoffeln vor der Einlagerung ausgelesen werden. Sollten sich da oder dort krebskranke Kartoffeln zeigen, so ist sofort die zuständige Polizeibehörde zu verständigen. dienste der früheren Großherzogin und der großherzogin von Hessen um das Deutsche Rote Kreuz. Einweihung des neuen Heimes der Roten- Kreuz-Landesstelle Darmstadt. Lpd. Darmstadt, 14. Okt. Am Freitagnachmittag erfolgte die feierliche Einweihung des neuen Hauses der Landesstelle XII des Deutschen Roten Kreuzes in Darmstadt, Hermannstraße 41. Zahlreiche Ehrengäste aus Partei, Staat, Wehrmacht, den Formationen der Bewegung und der Stadtverwaltung, sowie der gefchäfts- führende Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Wasserdichte Dadier erzielt man unter Garantie durch die seit über zwölf Jahren Joe währte, kalt aufstreichb. Bedachungsmasse IPAMRAYTIECT Dächer, Mauern und Behälter aus Blech, Beton oder Pappe, sowie Fugen, Löcher und alte Dächer werden durch einfaches Aufträgen von „Paratect“ vollkommen wasserdicht gemacht und bleiben dadurch gegen schädliche Einwirkung v. Wasser, Feuchtigkeit u. Verwitterung dauerhaft geschützt. Wir allein schon leisten jahrelange Garantie Verwenden Sie deshalb „Paratect“. Sie werden in jeder Weise zufrieden sein. Kostenlose Aufklärungsschrift T 24 von August Degenhardt, Frankfurt a. 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Müller 66400 Frankfurter Str. 60, Telefon 3571 Bis zum Jahre 1933 war jeder Bauernhof schutzlos der Systemwirtschaft ausgeliefert, was zur Folge hatte, daß eine große Anzahl gesunder Bauernhöfe derart verschuldeten, daß' sie einfach nicht mehr in Betrieb gehalten werden konnten. Nachdem die Zwangsvollstreckung durchgeführt war, verließ der Bauer mit seinen Angehörigen den Hof und ging in die Stadt, um hier seinen Lebensunterhalt als Arbeiter zu verdienen. Wenn zu solchem Handeln schon ehemalige Betriebsführer und selbständige Bauern gezwungen wurden, ist es nicht verwunderlich, daß die Mitarbeiter der Bauern, Knechte und Mägde, das flache Land in hellen Scharen verließefi. Hinzu kommt noch, daß feit Jahrhunderten über den Bauer mit einer gewissen Leichtfertigkeit, ja sogar mit Verachtung gesprochen u^urde und ein Angehöriger des Bauernstandes bei manchem von der Stadtbeoölkeruna allmählich als rückständig angesehen wurde. Dies führte dazu, daß in Deutschland eine Landflucht einsetzte, die, wenn sie nicht durch Maßnahmen der Reichsregierung und des Reichsnährstandes abgestoppt worden wäre, sich zu einer Katastrophe für die Nation aus- gewirkt hätte. Es aalt daher, nicht nur das flache Land von dem Einfluß des Judentums zu säubern, feste Preise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu bestimmen, sondern vor allen Dingen mußte dafür gesorgt werden, daß die auf dem Lande befindlichen Arbeitskräfte dort verblieben und neue hinzukommen, damit die Aufgabe des Reichsnährstandes, die Ernährung des deutschen Volkes sicherzustellen, durchgeführt werden kann. Man wird nun fragen: Was hat die Hitler- Jugend mit diesen Dingen zu tun? Seit einigen Jahren ist es gerade die Jugend des Führers, die für diese Arbeit das größte Verständnis entgegenbringt und sich im „L a n d d i e n st der Hitler- Jugend" zur ernsten Mitarbeit dem Bauern zur Verfügung stellt. Es sind dies die schulentlassenen Jungen und Mädel, die in Landdienstlagern zusammengefaßt werden und bei den Bauern arbeiten. Sie werden hierfür tariflich entlohnt und erhalten einen Nettolohn von etwa 12 bis 15 Mark monatlich. Die Verpflegung wird vollkommen von dem Bauern gestellt, ebenso wird die Instandsetzung der Wäsche und Kleidungsstücke von dem Bauern vorgenommen. Die Jungen und Mädel kommen abends nach getaner Bauernarbeit in das Lager zurück, und nachdem der Tag mit einem Heimabend, Sport, Singen, weltanschaulicher Schulung oder Werkarbeit beendet, ist um 21.30 Uhr Zapfenstreich und Bettruhe — bis um 6 Uhr das neue Tagewerk beginnt. Sie haben in dem Lagerführer und bei ihren Kameraden jederzeit einen festen Rückhalt. Der Lagerführer ist seiner vorgesetzten Dienststelle dafür verantwortlich, daß er darüber wacht, daß kein Ueber dem gesamten Landdienst-Einsatz steht als verantwortliche Führungsstelle das Landdienst- Referat der Gebietsführung der Hitler-Jugend, von welchem alle irgendwie auftretenden Fragen durch persönliche Fühlungnahme mit den in Frage kommenden Personen geklärt werden. Es ist also den Eltern der Landdienstjungen und -mädel von vornherein die Gewähr gegeben, daß ihr Kind in jedem Zweifelsfall 4 bis 5 Führungsstellen der Partei, ihrer Gliederungen und des Staates um Rat und Hilfe angehen kann, die ihm ohne weiteres zuteil wird. Mit Rücksicht auf die ungeheure Bedeutung der Aufgabe, deren Erfüllung der Bauer übernommen hat, wäre es sehr zu begrüßen, wenn viele Eltern ihr Einverständnis dafür geben würden, daß ihr Junge oder Mädel, die Ostern zur Schulentlassung kommen, vorerst ein Jahr Bauernarbeit im „Land- dienst der HI." leisten dürfen, um somit als die Jugend des Führers ihm bei der Erfüllung einer feiner wichtigsten Aufgaben helfen zu können. Auskunft und Anmeldungen für den Landdienst der HI. bei allen Arbeitsämtern, HI.- und BDM.- Dienststellen. Junge irgendwie ausgenutzt und über seine Kräfte hinaus beansprucht wird. Es bekommen nur solche Bauern einen Landdienstler zugewiesen, die weltanschaulich unbedingt zuverlässig und würdig sind, einen 14jährigen Jungen oder ein 14jähriaes Mädel zu erziehen. Die Auswahl der Betriebe wird in Zusammenarbeit mit dem Reichsnährstand, d. h. mit dem jeweiligen Ortsbauernführer, der der HI. für die Zuverlässigkeit jedes einzelnen Bauern verantwortlich ist, vorgenommen. Die Hilfe, die unsere Jungen und Mädel dem Bauern bringen, ist als die einer zusätzlichen Arbeitskraft zu betrachten. Um die Zu- sätzlichkeit zu gewährleisten, wird jeder einzelne Betrieb vor Vertragsabschluß in bezug auf seine Zusätzlichkeit geprüft und bejahenden Falles zugelassen. Die Hitler-Jugend als Träger der Arbeitseinsatzmaßnahme „Landdienst" schließt sowohl mit dem Bauern als auch mit dem Jungen oder dem Mädel einen Arbeitsvertrag, der von dem Ortsbauern- führer gegengezeichnet wird. In diesem Arbeits- vertrag ist die Arbeitszeit festgelegt, und zwar pro Jahr 2800 Stunden, die dann auf den jeweiligen Arbeitsanfall nach ortsüblicher Arbeitszeit entsprechend verteilt werden. . Nächster und letzter diesjähriger großer TT pferdeverkaus ostpreußische und belgische Arbeitspferde. Dienstag, den 18. Oktober, vormittags 10 Uhr HanS-Handwerk-Siraße 23 Händlern und Maklern Zutritt nicht gestattet, (essav Eiswerke F. H. Günther & Co Uf be8 b. 1 oOtQ’^ -ki- Unfall erlitten, der ihre Aufnahme in das VWL Dichaus nötig machte. So mußte das ©ofbene mSfteC tzM.läum hier begangen werden. Die Schwe- Men ' ' es Hau es hatten durch sinnigen Schmuck «llusm J njj Aschenk die Feier vorbereitet, Gesang, An- ^tterie h irdw des Geistlichen, viele Geschenke unb Be- 'en ist 85 Ralfen den Gedenktag verschönen. — Eben ^oQe'eJ5, M in ber hiesigen Försterschule wieder lelpuntt ? n i Lörkursus für Forstbeamte, Holzhauer usw. hirob) fiLln ah, [er die Teilnehmer in allen einschlägigen Oet rcneli des Waldbaues unterichtet. — Eine be- ber ejg Mts Gotztstätte und Sommerfnsche war die alte M ! r o f d o r f ° G l e i b e r g, 14. Okt. bhuf des Sommerhalbjahres schied Frl. Hed- aü Eh t e r n a ch t, Tochter des hier im Ruhend übenden Rektors Echternacht, infolge Ver- irdwg aus dem Schuldienst aus. Frl. Echter- chr t-treute außer der weiblichen Fort- Wimgsfchule Krofdorf-Gleiberg eine Reihe M« Schulen gleicher Art in Orten der Um- iblanhi p bnng Der Beginn ihrer Tätigkeit reicht in den Aallnn^? rfiiinc des Bestehens der im Kreise Wetzlar ein« rbnifn»™'. riihieen ländlichen weiblichen Fortbildungs- •es np?ulr M M und sie hat seit dieser Zeit zur Zufrieden- iltpnCJ ?' itii br Behörde, der Eltern und Schülerinnen lührLs d' rea iäenft versehen, der den zum größten Teile ruh»iom ui Berufsleben stehenden jungen Mädels üblich , -Dchtigkeit und Vielseitigkeit von hausfrau- A.mud pran« Lj, vokkspolitischen Kenntnissen theoretisch letzun ^ah. krisch vermittelte. Als Nachfolgerin nahm Mohl zur { . jginn des Winterhalbjahres Frl. Lydia "kn beiden , i: r-. b den Dienst an den Schulen oirf. !*“S irn Men Mein Mann litt Jahrelang an » • einer nartnficklgen Flechte. 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Ottober 1938 _________________________________K 1 R Keller J. Wellhöfer, Telephon 2313, Marb Str. 24. Goethe-Bund • Kaufmännischer Feoij Gesellschaft für Erd- and Völkete Montag, 17. Oktober 1938, abends 8 Uhr, Neue Alt Lichtbildervortrag: ...nervöses Herr? Öfters Herzstör- ungen. Schwäche. Herzbeklemmung u. Angstgefühle? DaS Herz durch „Herzkraft" schonend stärken! Flasche RM. 2.70, nur in Apotheken. Auch die inaktiven Schp können sich daran beW 18 Uhr: Königfeier mit im Schühenhaus» MWmierein GiA Heute Samstag __ ClI iro Rheingolli Nanga=Parbi Mitglieder: Eintritt frei. 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November 1938 Besuchszeiten: Sonntags von 11 — 13 Uhr Werktags von 17—18 Uhr 'Eintritt für Mitglieder frei, für Nichtmitgl. 30 Pf. für Soldaten, Studenten und Schüler 10 Pf. 6589D Nur eo können Sie Ihre Zeftunge- Straff im Text enreigen durch zeitgemäße. gepflegte Einprägsam in derForm We fbed TUC kS3C h CH Wirksam in der Farbe gut unterstützen. Nur eo oerät und beliefert Sie zu günstigen Preisen die BrOhl'eche Druckerei, Schulstraße 7, Anruf 2251 Gebr. Seelbach Gießen, Seltersweg 20 6597 A Wer zeitgemäße WOHNKULTUR für sein Heim wllnscht, besuche die interessante große MÖBfeL-SCHAll woh n f er 11 g eingerichteter Räume einschließlich Teppichen. Beleuchtungskörper, Kunstgewerbe, Dekorationen. 200 ZIMMER In erlesenem Geschmack und allen Preislagen zur Auswahl Eine Auslese der deutschen Möbelindustrie Das große Einrichiungshaua Häiiger FRANKFURT A. M. L \ Annahme von Ehestands- // Darlehensscheinen yy „HÖHENSOKNE-^W^z* r 3n der Bahnhofstraße | finden Sie die berühmten 1 Nr. 242 vierter Vlatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) I5./I6. Ottober 1938 Gießener Mädchen in ländlichem Dienst. Auf dem Wege zur Arbeit in der schönen oberhessischen Landschaft. M & -/ Das schöne Heim der Landdienstmädchen in Schlitz. ■>< ■ M - wr. Beim Kartofselsortieren in weiter Landschaft. (Aufnahmen |5]: Neuner, Gießener Anzeiger.) Bunte und lustige Gesellschaft, die sich zusammengefunden hat, um bäuerliche Arbeit zu leisten im großen Hofgut Hallenburg der Gräflich Görtzischen Gutsoerwaltung in Schlitz! Unproblematische und sinnvolle Sache, blutjunge Mädchen von 14 bis 17 Jahren, und frisch von der Schulbank, wissen zu lassen, wie das eigentlich ist mit der Getreideernte, mit dem vielen Bucken bei der Kartoffelernte und mancher anderen ländlichen Arbeit. Wer es ganz begreifen will, was es mit der bäuerlichen Arbeit auf sich hat, der muß in seiner Jugend nachgraben, vorausgesetzt, daß er Wochen auf dem Lande zugebracht, bei Verwandten vielleicht, und mitgeholfen hat bei all den Arbeiten, die ein halbwüchsiger Junge oder so ein schrmppiges Ding von 10 bis 15 Jahren zu leisten vermag. Es gibt da viele Möglichkeiten, die Zeit der Ferien her- umzubringen, sich nicht zu langweilen, sondern sich nützlich zu machen. Also, man muß auf dem Bauernwagen gesessen haben und auf holprigen Feldwegen durchgeschüttelt worden, sein, muß die Kühe gehütet haben, daß sie sich nicht in des Nachbars Kleeacker verlaufen, muß dabei gewesen sein bei der Ernte und jene große Anstrengungen und Eile miterlebt haben, wenn der Bauer noch drei Fuhren Getreide einbringen wollte. wahrend im Westen schon die weißen Sturmwolken der drohenden Gewitterwand oorauseilten. Und dann muß man auch einmal allein hinausgeschicki worden sein auf den weit entfernt gelegenen, abgeernteten Acker, mit jenem großen Sammelrechen mit dem die letzten Halme und Aehren zusammengerecht wurden Wie schön war es da, das Feld in schweren Stiefeln auf und ab zu gehen! Wer hätte nicht noch das Rascheln der Halmstoppeln m den Ohren und das Tirilieren der Lerche die dabei Gesellschaft leistet. Und während man fo hin- und her- ging, den Rechen hinter sich Herzog, da kamen immer noch zwei oder drei Garben zusammen, so daß sich's lohnte. ♦ Das alles erleben nun auch jene 15 Mädchen im Hofgut Hallenburg. Sie erleben noch viel mehr, weil sie den Ablauf bäuerlicher Arbeit über ein ganzes Jahr kennenlernen und so gut erfahren, was Arbeit am deutschen Boden bedeutet. Manchmal mag der Rücken schmerzen, oft werden die Hände schmutzig, morgens heißt es früh aufstehen (um 5 Uhr schon), und der Tag ist lang. Manchem dieser Mädchen kam es in den ersten Wochen sauer an, aber in Gemeinschaft der Gleichgesinnten wurden und werden sie täglich stärker Das gilt nicht nur für die Leistungsfähigkeit, sondern auch für das Körpergewicht. Monatlich werden sie gewogen! Gewichtszunahmen sind an der Tagesordnung! Gewichtszunahmen bis zu 10 Pfund! Die körperliche Arbeit bringt gesunden Appetit mit sich Manche, wenn auch nicht alle, sind sehr geschickt, und gerne erzählt der Inspektor davon, wie z. B eines der Mädchen Getreidefuhren lud wie der erfahrenste Großknecht Die Gutsverwaltung entschloß sich deshalb auch zu einer Sonderbelohnung. Täglich sind die Mädchen zusammen mit bewährten und treuen Landarbeiterinnen und Landarbeitern, mit Männern und Frauen aus Schlitz, die auf dem Höfgut Dienst tun Die Mädchen verrichten mit ihnen alle Arbeit, für die ihre Körperkraft ausreicht. Sie erhalten den gleichen Stundenlohn' Sie sitzen mit ihnen zur Frühstücks- oder Desperpause am Feldrain zusammen und essen das gleiche kräftige Brot, trinken den mitgebrachten Kaffee. Wer von den Mädchen städtisch-zimperlich gewesen sein solUe, hat das rasch verlernt. Vielmehr: die etwas und selbstverständlich derbere bäuerliche Art färbte bald auf die Mädchen ab, und nachdem nun ein halbes Jahr ihrer Landdienstarbeit um ist, passen sie längst in den Streifen. Uebrigens ist auch eine junge Italienerin dabei! Maria heißt sie! Und „Du" sagt man zu ihr. Ein kraftvolles Mädchen und nicht häßlich! Sie arbeitet, ißt und schläft mit den jungen deutschen Kameradinnen, die ihr schon die notwendigsten deutschen Worte beigebracht haben. Gerne lacht und scherzt man mit ihr, wenn auch hinüber und herüber meist nur die Hälfte des gesprochenen Wortes verstanden wird. Es gefällt ihr ausgezeichnet in der Schar der blonden jungen ^Deutschen. Fast täglich fahren die Mädchen hinaus auf das Feld. Sie taten es während der arbeitsreichen Zeit der Getreideernte, und gegenwärtig sind sie auf den weitläufigen Kartoffeläckern beschäftigt. Wir fanden sie an einem herrlichen Herbsttag hoch über dem Talgrund, als die Sonne in fast sommerlichem Glanze über der Landschaft log. Der Inspektor hatte uns den Weg gewiesen, aber seine Erläuterungen waren bald überflüssig geworden,denn das frohe Lachen der Mädchen klang bis zum Tal und ließ den Weg nicht verfehlen Hoch über der weiten Landschaft waren sie dabei, zusammen mit Frauen und Männern des Hofgutes große Haufen Kartoffeln mit einer einfachen und sinnreich konstruierten Maschine der Größe nach zu sortieren, in Körbe aufzufangen, in Säcke oder gleich auf den Wagen zu schütten. Und immer wieder schweifte der Blick in das Tal ab, wo das türme« und burgenreiche Schlitz lag, das im Kranz von Feldern und Wäldern sich darbot wie ein romantisches Gemälde. Man möchte zugunsten der Mädchen, die aus Gießen, Wiesbaden, Frankfurt am Main, Hachenburg, Trebur usw stammen, an- nehmen, daß sie diese schöne oberhessische Landschaft nie vergessen werden. Man möchte sie beneiden um diese Jugendeindrücke, um dies Land- schafts-, Volks- und Arbeitserlebnis, das erst dann noch an Wert gewinnen wird, wenn sie aus größerer zeitlicher Ferne erinnernd darauf zurückblicken können. Was den Mädchen außerdem diese Zeit des Landdienstjahres, trotz aller manchmal harten und ungewohnten Arbeit, zu einer schönen Erinnerung werden lassen wird, ist die Tatsache, daß sie dank der Bemühungen der Gutsoerwaltung aanz ausgezeichnet untergebracht sind. Die Mädchen leben in einer geschlossenen Tagesgemeinschaft. Sie haben ihr „Zuhause" in einem idyllisch in Gärten gelegenen sauberen Fachwerkhaus, dessen obere Räume ausschließlich für sie ausgestattet sind. Da ist ein schöner Gemein- schafts- und Eßraum eingerichtet, da sind zwei große luftige Schlafräume mit etwa 15 schneeweiß bezogenen Betten, da ist das Arbeitszimmer der Lagerleiterin mit einer Lesenische usw. Selbstverständlich fehlt auch der Volksempfänger nicht. Frühsport, Moraenwäsche (in dem mit den kippbaren Emaille-Waschschüsseln ausgestatteten Waschraum) und gemeinschaftliches Kaffeetrinken, Bettenbau, Auszug zur Arbeit und Rückkehr zum Mittagessen in dem eigenen Heim, das ist der Vormittag! Und nach reichlichem, gutem Mittagessen geht es trällernd und unter Lachen und Scherzen das kurze Stück Wegs vom Haus zum Gut. Nach der Rückkehr vom Feld, vom Getreideboden ober von der Arbeit in der Scheuer, wohin die Pflicht sie immer rufen mag — nach dem gemeinsamen Abendbrot wird noch eine Stunde in kameradschaftlicher Unterhaltung, beim Lesen oder bei kleiner Handarbeit verbracht, bis dann der allgemeine Aufbruch in die Schlafstuben den Tag beschließt. — Ueberall in den Zimmern stehen große Blumensträuße, bunte Pracht aus der Schloßgärtnerei. Die Lagerleiterin — übrigens ein Gießener Mädel von netter, fraulicher Art — ist allen eine gute Kameradin. Das geht schon daraus hervor, daß man sich mit Titeln „keine Verzierungen abbricht", vielmehr heißt es, wenn der Lagerleiterin etwas gesagt werden muß: „Sag's doch, Irene!" Irene ist übrigens Ausländsdeutsche aus Deutsch-Ostafrika. In Swakopmund erblickte sie das Licht der Welt. In jugendlichem Alter kam sie nach Gießen und wohnt seitdem hier. Noch bis April nächsten Jahres bleiben die Mädchen in Schlitz. Dann ist ihr Landdienstjahr um. Wenn sie wieder nach Hause in die gewohnte Umgebung zurückkehren, bann werben sie, gestärkt an Leib unb Seele, anderen Gleichalterigen einiges voraus haben, und sie werden mitreden können, wenn einmal von Landarbeit gesprochen wird, denn sie waren dabei und können es an harten unb kraftvollen Hänben beweisen. N. Bei ber Frühstückspause im Park bes Hofgutes Hallenour^ öm freunoiid) ausgestaneren Heim. Ruhige abendliche Lesestunde. :* 4 :: ■eSESBSS* ■ '■ T L v' “ Z b. I WMMMWWM Roman von Kurl Riemann Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa 7. Fortsetzung (Nachdruck verboten!, Karola ist heftig aufgesprungen. Nein, sie kann das nicht mehr ertragen! Das ist ja entsetzlich! Asio Irene — Irene war damals schon Meßdorffs Geliebte — Nun ist ihr mit einemmal auch alles klar! Während er angeblich in Radevormwald saß und für sie und ihre gemeinsame Zukunft arbeitete, benützte er jede Gelegenheit, in Berlin mit jener ihr unbekannten Irene zusammenzujein, seine neuen Fäden heimlich zu knüpfen, ohne daß sie eine Ahnung hatte Sie war damals noch notig für Herrn Dr. Meßdorffs Pläne — er brauchte ja die Erfindung und mußte deshalb die Herrm des Wer- fes xu seiner Verfügung haben, mußte ihr schöne Briefe nach Dresden schreiben und ihr den Glauben lassen, er habe sie allein lieb. Als es dann entschieden war — da konnte er einfach lächelnd mitteilen, daß er gedenke, eine gewisse Irene Didriksen zu heiraten und damit in die „Union AG überzu- wechseln • Unb sie saß friedlich in Dresden bei ihrer Musik hatte geglaubt, sie bedeute Herrn Meßdorff alles —! Närrin, die sie war! Nun schleppte sie ein Leben lang bas Bewußtsein mit sich herum, Karajans Erfindung mit gestohlen zu haben ..Fräulein Karola — ich habe ja gleich gesagt Sie sind nicht ganz auf dem Posten heute — lassen Sie uns gehen!" Besorgt legt Karajan seinen Arm um ihre Schulter. Ein Schauer läuft ihr über die Haut, als sie seine Mabe spürt. Es muß gut sein, so in diesem Arm geborgen zu liegen — geborgen für immer! "Sehen Sie! Nun beginnt auch der Schüttelfrost! Kommen Sie! Ich bringe Sie sicher nach Hause!" Langsam dreht sie sich herum zu ihm. Er blickt in ein tränenüberströmtes Gesicht „Aber Karola — liebe Karola — Sie meinen ja? Warum denn nur?" „Ja, Karajan, ich meine. Nehmen Sie an, ich meine über ein vertanes Leben " „Kleine Karola —!" Er streicht ihr leise übers Haar unb denkt: Wie sehr empfindsam sie doch ist? Weinen über mein vertanes Leben! Ach nein, Karola, ganz vertan ist es noch nicht! Noch kann alles gut roerben! Du weißt noch nicht alles! — „Karola, könnten Sie sich entschließen — biesem vertanen Leben einen neuen Inhalt zu geben?" Sie blickt ihn mit entsetzten Augen an. „Was so bas heißen? Wie kann ich — Ihrem Leben etwas bebeuten?" „Das soll heißen: Ich stehe vor einem neuen Auftrag. Das gelbe Kuvert, bas Sie so sorgfältig neben mein Krankenbett legten, enthält bie Pläne, die fertigen Klänge einer neuen Erfinbung Ich habe meine Zeit brüben jenseits ber Grenze gut benutzt. Aber ich wollte nicht, baß ein anberes Land die Vorteile genießt, die meinem Vaterland zukommen. Drum stahl ich mich übet die Grenze, weil man mich freiwillig nie herausgelassen hätte Das ist ber einzige Grunb für mein fonberbares Verhalten Daß mich eine Zöllnerkugel erwischte, war nicht in Rechnung gesetzt Diese Erfinbung wirb meine ganze Kraft beanspruchen — so sehr, baß ich einen Menschen brauche, bei bem ich mir neue boten kann — Karola —!" „Ja —?" haucht sie schwach — unb weiß, daß es nun keinen Widerstand mehr gibt, daß sie jetzt nur noch ja sagen kann unb in seinen Arm flüchten, ganz gleich, was einmal daraus werben soll. .Larola, glaubst bu baran, baß es mir gelingen wirb, uns ein neues Leben aufzubauen?" „Ja — es roirb bir gelingen — „Willst bu mir dabei Helsen?" In ihren Augen schimmern Tränen und die harten Konturen feines Antlitzes werden weich in ihrem Blick. Nun kann er in ihrem Antlitz lesen wie in einem Buch, und Augen und Wangen unb bebenbe Lippen singen ihm nur eine einzige Melobie: ,^Jch will — ich will — ich hab dich lieb!" Er sieht bas schmale, braune Gesicht — bie Hellen blonben Haare barüber — sie glänzen wie Dünensand, auf den die abendliche Sommersonne scheint — die kleine Falte über der Nasenwurzel — groß und hingegeben die Augen, die jede Linie seines Geficktes zu erforschen suchen — die Hände, fest und doch schlank, gute feste Mädchenhände, hält sie über der Brust gekreuzt — es ist alles gesund an ihr und doch nichts plump und derb — „Wie ich dich liebe —" flüsterte er, „wie ich dich liebe." Und sie schließt die Augen und fühlt ihre Knie schwach werden, als er sie küßt „Dereingte Chemische Werke, vom. E. A. Batten- feldt" steht auf dem kleinen Glasschild, das in ber Mitte schon einen zaghaften Sprung zeigt. Ader der Besucher wird das übersehen, denn dieser kleine Schönheitsfehler ist bereits Tradition. Er stammt aus der gleichen Zeit, in der der alte Ernst Alfred Battenfelbt hier drei kleine Firmen zu einer großen vereinigte unb sich sagte: „Nun werbe ich einmal bie Welt nach Herzenslust mit allem, was nach Chemie riecht, beliefern!" Er hat seinen Vorsatz auch ausgeführt, ber alte Battenfelbt. Unb weil er eine gute Nase besaß unb überbies bie Zeit bamals bie beutsche Jnbustrie auf einen hohen Berg trug, ba gelang es ihm auch. Die kleine Firma mit bem langen Namen gab in Rabevormwalb über zweihunbert Menschen Arbeit unb Brot Durch bie ersten Knegsjahre steuerte ber alte Battenfelbt noch bas Schiff ber Firma, unb es war ganz natürlich, baß sein Sohn ber Nachfolger seines Vaters sein sollte Er kehrte von einem nächtlichen Patrouillengang in Rußlanb nicht mehr zurück. Der alte Battenfelbt nahm sich diese Nachricht so zu Herzen, daß er das Ende des Krieges nicht mehr abwartete, unb bie einzige Tochter würbe bie alleinige Erbin. öie hatte in ihrem Leben nicht viel Glück gehabt. Um ihre Erziehung kümmerten sich fast nur frembe Leute, ihre Heirat mit Felix Westner, einem bekannten Klaviervirtuosen, würbe allgemein mißbilligt, aber nicht verhinbert. Nach ber Geburt ber einzigen Tochter Karola packte ben Künstler bie Schwinbsucht unb ließ ihn nicht wieder los. Zwei Jahre nach seinem Tobe heiratete bie Witwe von neuem, einen Professor Paarmann, ber die Geschäfte in Radevormwald nicht ohne Geschick leitete. Aber auch er starb vor feiner Frau, zur gleichen Zeit etwa, als Karajans Prozeß zugunsten des Werkes entschieden wurde. Als bann auch bie Mutter starb, stand Karola ganz allein. Aber ba aus bem kleinen, vergessenen Mäbel nun im Laufe ber Jahrzehnte ein großes, erwachsenes geworben war, so antwortete es auf bie bange Frage seiner Verwanbten „Was soll benn nur aus bem Geschäft werben?" mit größter Selbstoerstänb- lichkeit: „Das werbe ich nun allein übernehmen! Schließlich ist's ja mein Erbe." Man schlug bie Hände über bem Kopf zusammen: „So jung! So unerfahren! Keinerlei Kenntnis bes Geschäftslebens! Unb bie schlechten Zeiten! Außer- bem schickt sich bas nicht! Dahin gehört ein Mann. Die Karola soll heiraten! Ober Onkel Theobor soll die Leitung —* „Nichts da!" hatte Karola gesagt „Ich bin mündig. Ich kann tun, was ich will, nicht was ihr denkt. Ich werde die Sache gleich klarstellen! In meiner Fabrik werde ich regieren, ganz allein! Hägebarth hat als Lehrling noch bei Großvater angefangen. Auf den verlasse ich mich — und einen tüchtigen Betriebsleiter habe ich ja in Doktor Meßdorfs. Wahrscheinlich werden wir bald heiraten. Auf keinen Fall aber nehme ich den Mann, den Tante Cilly für mich bereits in Erwägung gezogen hat. Der Vorschlag, Onkel Theodor ins Geschäft zu nehmen, widerspricht allen menschlichen Erfahrungen Geld verdirbt bie beste Freundschaft und viel mehr natürlich noch bie Derwanbtschaft. Man müßte versuchen, einen gutbezahlten Posten für ihn bei irgenbeiner Firma ausfinbig zu machen, benn ich sehe ein, baß bu, Tante Finny, mit beinern knappen Wirtschaftsgelb kaum beine brei jährlichen Badereisen finanzieren kannst. Ich bin ja kein Direktor, sonbern nur ber Besitzer, ich fahre barum auch nur zur Tante Therese, aber bei dir ist das natürlich etwas anderes. Und nun lade ich euch herzlich ein, bei der kleinen, stillen Feier, die ich aus Anlaß meines Eintritts ins Geschäft gebe, meine Gäste zu sein!" Das war die längste, aber auch bie wirksamste Rebe, die Karola je gehalten hat. Seit dieser Zeit arbeitet sie in ihrer Fabrik, und wenn Hägebarth sagt, daß er sehr zufrieden sei mit seinem Chef, dann ist etwas daran; er läßt sonst selten einen guten Faden an einem Menschen, mit Ausnahme von Tante Therese. Die Verwandten erinnern sich Karolas jetzt nur zu Weihnachten unb zu Neujahr, (Fortsetzung foljt!) Schu Rundfunkprogramm bei Kampf um Punkte auf breiter Front Wirtschaft würzig mild - mit dem .bekannten- Schi'n'kenbildJ 0,50 unb Don mit 1,75 Motorstandarte 147 stark beteiligt. Selbstverständlich ist auch unsere Gießener Mo« torstandarte 147 an der Hessenfahrt beteiligt. Insgesamt wurden 19 Mann, zum Teil auf Krafträdern, zum Teil auf Personenkraftwagen gemeldet. Im einzelnen und in den verschiedenen Klassen sind es folgende Fahrer: v. H. erholt auf 126. Elektroaktien lagen still gehalten, AEG. 0,75 v. H. höher mit 119.50. Einzelwerten wurden Westdeutsche Kaufhos 99,75 (99,25) gefragt, AG. für Verkehr zogen v. H. an auf 124,75, Reichsdank notierten unver- Der erste Trainingstag zum Kurpfalzrennen Hockenheim brachte am Freitag gleich Rekord-Geschwindigkeiten. Europameister G. Meier erreichte mit seiner BMW. auf der 7,25 Kilometer langen Strecke 2:44,1 Min. oder 169,5 km/st und war da- hauptet, Eßllnger weiter fest mit 109 (107,50). Don chemischen Werten schwankten IG.-Färben zwischen 151,50 bis 151,25 (151), Metallgesellschaft Lollar und trifft dort auf einen Gegner, der sehr! ausgeschattet werden. Dagegen stoßen die Eiicheimf« - - -- ~ '■ ' -ch ! schen auf einen Geaner, der ehrgeizig genug rst, um mindestens ehrenvoll abzuschneiden. Den Platzbesitzern Startbereit für die 4 Heffensahrt Aad Salzschlirf im Zeichen des Motorsports. ändert 187. Renten lagen sehr ruhig und wenig verändert. Reichsalwesitz 0,25 v. H. abbröckelnd auf Steinhäger- Urquelt« MF sollte man einen knappen Sieg zutrauen. Heuchelheim I — Großen-Buseck L In Heuchelheim steigt am kommenden Sonntag eine der interessantesten Begegnungen innerhalb der ersten Kreisklasse. Beide Mannschaften waren in den letzten Jahren ständig Rivalen in der Spitzengruppe. Die Gäste konnten in der letzten Spielsaison beide Spiele für sich entscheiden. Auch in dem bevorstehenden Kampf scheinen die Aussichten für die Gäste äußerst günstig. Die Heuchelheimer, die in ihrem ersten Spiel gegen Klein-Linden überzeugend siegten, mußten am vergangene Sonntag, stark ersatzgeschwächt, in Rodheim Federn lassen: Zwar steht die Mannschaft der Blauen etwas günstiger wie am vorigen Sonntag, doch ist der Gegner zu gefährlich, als daß man sich voreiligen Hoffnungen hingeben könnte. Großen-Buseck stellt eine Mannschaft ins Feld, die weniger durch überragende Technik, vielmehr durch ungeheuren Kampfgeist und Eifer ihre Gegner schachmatt zu setzen sucht. Es bleibt abzuwarten, ob die Heuchelheimer, die gut talentierte Stürmer besitzen, auch dem Kampfgeist der Gäste gewachsen sind. Auf jeden Fall bringt die sonntägliche Begegnung die vorläufige Entscheidung, wer in der Spitzengruppe führt, und darum findet dieser Kampf besondere Beachtung. Heuchelheim spielt mit Müller; Dolkmann, Kreiling; E. Schmidt, Wald- schmidt, O. Bepler; A. Henkelmann, Garth, Christ, W. Schmidt, H. Steinel. Spvgg. Leihgestern I — TSV. Hungen L Zum zweiten Pflichtspiel in dieser Saison empfängt die Spvgg. Leihgestern den TSD. Hungen. Der SB. 1933 und der Turnverein Hungen haben sich in diesem Jahre zu dem TSV. Hungen zusammengeschlossen, und dieser neue Verein soll nun eine gute Fußballmannschaft besitzen. Die Blauweißen werden also auf der Hut sein müssen, wenn keine Ueberraschung Zustandekommen soll. Die Blauweißen treten komplett an, und man sollte mit einer geschlossenen Leistung rechnen dürfen. mit nicht nur Schnellster der Halbliterklasse, sondern ließ auch alle übrigen Fahrer hinter sich. W. Winkler (DKW.) und B. Petruschke (DKW.) erzielten mit 3:07,0 und 3:22,1 die besten Zeiten in der 350er- bzw. 250er-Klasse. (Herborn) vertreten. In Personenkraftwagen bis 1100 ccm fahren die Alsfelder Schlabach, Müller und Stößler als Mannschaft. In der gleichen Klasse starten H. Wegener aus Blitzenrod und K. Appel aus Alsfeld als Einzelfahrer. Eine starke Mannschaft stellen die Wetzlarer Angehörigen der Motorstan- darte, I. Lind, K. Lanzendorf und W. Vogt in der Klaffe der Personenkraftwagen bis 2000 ccm. Als Einzelfahrer liegen Franz Vogt (Gießen), A. B r e u s ch und H. Bücking (beide aus Alsfeld) im Wettbewerb. Das Aufgebot unserer Gießener Motorstandarte ist also ziemlich und vor allem zahlenmäßig stark. Hoffentlich gelingt es, für die Motorstandarte einige „Goldene", ehrenvolle „Silberne" oder die Anerkennung der „eisernen" Medaillen zu erringen. Rekordgeschwindigfeiten beim Training für Hockenheim. schwer zu bezwingen ist. Die Gastgeber haben durch ihre Zugehörigkeit zur Bezirksklasse doch mehr Spielerfahrung und werden sich einen Sieg über die junge, eifrige Elf der Wißmarer nicht nehmen lasten. Rüddingshausen empfängt Rodheim und wird kämpfen müssen, denn die Gäste haben am Sonntag bewiesen, daß mit ihnen zu rechnen ist. Lich hat seinen Lokalgegner Steinbach zu Gast. Beide Mannschaften treten stark verjüngt auf den Plan, man muß daher abwarten, wer das bessere Ende für sich behält. Hungen muß in Leihgestern antreten und hat wenig Aussichten, dort zu Punkten zu kommen. Harbach sollte ursprünglich gegen Geilshausen spielen, aber die Gäste haben augenblicklich keine Mannschaft zur Stelle. Dafür springt Oueckborn ein. Wer hier den Sieger stellt, kann man schwer sagen. Grünberg trägt das Spiel auf des Gegners Platz aus, da in Grünberg Gallusmarkt abgehalten wird. Wenn auch die Gäste eine beffere Mannschaft haben, als beim ersten Spiel, glauben wir doch an einen knappen Sieg der Platzherren. Wenn Flensungen wieder die Spieler beisammen hat, wird Rieder-Ohmen schwer zu kämpfen haben. Die SA. sollte stark genug sein, gegen Heuchelheims Reserve zu Erfolgen zu kommen. Daubringen muß beim stärksten Gegner antreten und wird alles aus sich hergeben müssen, wenn ein ehrenvolles Ergebnis erzielt werden soll. Offen ist der Ausgang des Spieles Grüningen gegen Großen-Linden II. Lollar I — Wißmar I. Zu einem interessanten Spiel dürste es morgen auf dem Lollarer Sportplatz kommen, wo die Lol- larer 1. Elf die gleiche vom nachbarlichen Wißmar empfängt Wie die Mannschaftsaufstellung der Lollarer aussieht, ist bis jetzt noch nicht bekannt; aber soviel steht fest, daß wieder mit einigen Ersatzleuten angetreten werden muß. Es sollte nicht wieder, wie in der vorjährigen Derbandsrunde, dazu kommen, daß die Elf eher auf fremden Plätzen ihre Siege erringt, als auf dem eigenen. Bei etwas schnellerem und planvollerem Einsatz der Spieler sollte diese Befürchtung Sonntag, 16. Oktober. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Evangelische Morgenfeier. 8.45: Was dich nicht beugt, das macht dich stärker. 9: Deutsche Meister: W. A. Mozart — Hugo Wolf, Joses Haydn. 9.45: Dichter unserer Zeit: Quinn Engasser liest feine Erzählung. 10: Wie schön ist so ein Feiertag! Frohsinn auf Schallplatten. 10.30: Chorgesang: Heimat 11: „General Ritter von Epp". Zum 70. Geburtstag des Reichsstatthalters in Bayern. 11.30: „Zärtliche Geschwister". Mozart und seine Schwester Rannerl. Eine Hörfolge. 12: Musik am Mittag. 13: Das Mikrophon unterwegs. 13.15: Platzkonzert 14: Achtung! Achtung! Wir spielen Rundfunk. Koblenzer Jungmädel singen, spielen und scherzen. 14.30: Uns gehört der Sonntag! Ein Reigen sorgloser Melodien. 15.15: Heimat und Volkstum: „Alemannentum am Tor der Ostmark". 16: Unterhaltung und Sport. 18: Eine fröhliche Weinlese mit der Rundfunkspielschar 8 Fsm. der RIF. 18.30: „Gläubiges Herz". Eine Stunde mit Matthias Claudius. Hörfolge. 19.30: Sportspiegel des Sonntags. 20: Nachrichten. 20.10: Großes Volkskonzert für die Betreuten des WHW. in Zusammenarbeit mit der RS.-Gemeinschaft Kraft durch Freude. 22: Nachrichten. 22.15: Sportbericht. 22.30:. Unterhallung und Tanz. 24 bis 2: Nachtkonzert: Franz Schubert. Montag. 17. Oktober. 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werk- pause. 9.40: Kleine Ratschläge für den Garten und die Zimmerpflanzen. 10: Schulfunk: Kinderlieber- singen. 11.45: Ruf ins Land. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Schloßkonzert 14: Nachrichten. 14.10: Komponisten der Gegenwart unterhatten uns. Heute: Gerhard Winkler. 15: Für unsere Kinder: Jetzt basteln wir ... 16: Nachmittagskonzert. 17 bis 17.10: „Bei Marschall Balbo". Aus einer Reise nach 11.45: Ruf ins Land. 12: Mittaaskonzert I 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert ll. 14: Nachrichten. 14.10: Operette und Film. 15: Kleines Konzert. 16: Nachmittagskonzert. 18: Von der Liebe zum Vaterland. Heinrich von Äleift — ein deutsches Schicksal. 18.30: Wer _ schäften will muß fröhlich sein. Von morgens früh bis abends spät mit den Arbeitsmaiden im Erbhöfedorf. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 20.15: Abendmusik. 21: Haydn-Zyklus I des Reichs- fenders Stuttgart. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Politische Zeitungsschau. 22.35: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 2.: Nachtkonzert. 130,10. Im Freiverkehr Kommunal-Umschuldung gut behauptet mit 93,95 (93,90), dagegen 4proz. Rentenbank-Ablösung 0,40 v. H. schwacher mit 91,13. Der Pfandbriefrnartt lag ruhig und unverändert, Rhein. Liquid. 10 Rpf. niedriger mit 101,20, Pfälzische 0,13 v. H. höher mit 101,13. Stadtanlei- hen notierten meist wie gestern, ebenso zeigten Staatspapiere kaum Abweichungen, dagegen blieb die Entwicklung für Industrie-Obligationen ungleichmäßig. Don den variablen Werten bröckelten. Reichsattbesitz weiter ab um 10 Rpf. auf 130, dagegen Kommunal-Umschuldung 94 nach 93,95. Der Freiverkehr lag still bei teilweise etwas erhöhten Kursen. Katz 8t Klumpp 98 bis 100 (97 bis 99), Elsäss. Bad. Wolle 86,50 bis 88,50. (85 bis 87) und im telephonischen Freiverkehr stellten sich Maschinenbau Beck & Henkel auf 79 bis 81 (78 bis 80). Tagesgeld weiter leicht und unverändert 2,25 v. H. Abendbörfe still und gut behauptet. Obwohl auch an der Abenbörse weitgehende Geschäftsstille herrschte, konnte sich die schon mittags abzeichnende freundlichere Stimmung erhallen, und auf den meisten Gebieten bestand eher leichte Nachfrage. Zu besonderen Umsätzen kam es allerdings nirgends. Indessen notierten die meisten Kurse des Aktienmarktes 0,25 bis 0,50 v. H. höher. Für Mon- tan- und Maschinenwerte blieb das Interesse größer. Vereinigte Stahl 104,50 bis 104,90 (104,50), Hoesch 113,65 (113), Deutsche Erdöl 131,25 (130,50), Mannesmann und Rheinstahl je unverändert mit 109,25 bzw. 138,25, Buderus nur knapp gehallen mit 111 (111,50). Don Maschinenwerten gewannen Eßlinger und MAN. je 0,50 v. H. auf 110 bzw. 142,50, ferner notierten BMW. 144 (14350), Moe- nus 126 (125,75), Rheinmetall 129,25 (129). anderer- feite Demag 147,75 (148). Sonst lagen noch etwas höher Gesfürel mit 1339,50 (138,50), Westdeutsche Kaufhof mit 100,75 (100), Metallgesellschast mit 126,50 (126) und Reichsbank mit 187,75 (187,50). IG. Farben konnten sich voll behaupten mit 151,40 (151,25), auch Kemberg mit 136,40 (136,25) und Adlerwerke mit 110,50. Am Einheitsmartt verblieb für Bankaktien Interesse; Deutsche Ueberseebank nach Pause 1,40 v. H. fester mit 110,75, Commerzbank 112, Deutsche Bank 117,25, Effektenbank 84,50. 1900 II — Burg N. Die Reserve der Blau-Weißen, die sich fast ganz aus Nachwuchsspielern rekrutiert, wird gegen die körperlich überlegenen Gäste einen schweren Stand haben. „Teutonia" Dahenborn-Steinberg I — lufpo Raunheim I. Zum meuteren Verbandsspiel treffen sich die beiden genannten Mannschaften in Watzenborn- Steinberg. Durch seine vorsonntägliche Niederlage hat Naunheim etwas überrascht. Aber gerade aus diesem Grunde sollten die „Teutonen" dieses Spiel nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Gäste aus Naunheim, die dieses Jahr als sehr spielstark eingeschätzt werden müssen, sind nun einmal ein beachtlicher Gegner. Alle bisherigen Begegnungen beider Mannschaften in Watzenborn-Steinberg waren reich an Spannung und endeten mit wechselndem Erfolg. Auch für dieses Treffen ist eine Vorhersage nicht, am Platze, da die Einheimischen immer noch auf ihre besten Spieler verzichten müssen. Der bisher eingestellte Ersatz hat sich aber bewährt, und die Mannschaft wird auch am kommenden Sonntag alles daran setzen, um den bisherigen Derbandsspielerfolgen einen weiteren anzufügen, zumal vor eigenem Publikum gekämpft wird. Vorher treten sich die Reservemannschaften beider Vereine im Derbandsspiel gegenüber. Die Mannschaften standen sich noch nie gegenüber. BL. Sinn I — VfB Reichsbahn I. Sehr schwer haben es die Grünweißen, die auf dem gefürchteten Gelände in Sinn anzutreten haben. Ja, wenn die Mannschaft komplett wäre, wäre der Gang freudig angetreten worden, aber, wieder mit zahlreichem Ersatz und belastet mit vier Derlustpunkten, werden die Aussichten auf Erfolg gering sein. Der fremde Platz wird noch sein übriges tun, um die Chancen aus ein Minimum herabzusetzen Der Gegner kann zwar auch nicht seine beste Mannschaft einsetzen, aber die Spieler machen sich nichts daraus, sondern kämpfen um so verbissener um den Sieg. Die Grünweißen hätten auch besser abschneiden können, wenn sich die Mannschaft einmal zusammenreißen würde und mit allem Einsatz und unbedingtem Siegeswillen in den Kampf ginge. BL. Sian II — VfB.Reichsbahn II. Dor dem Spiel der 1. Mannschaften treffen sich die Reserven. Wir glauben doch, daß sich die Reserve der Grünweißen einen knappen Sieg nicht nehmen läßt. Oie Preisklasse. 1. Kreisklasse. Heuchelheim—Großen-Buseck Lollar—Wißmar Rüddingshausen—Rodheim Lich—Steinbach Leihgestern—Hungen. 2. Kreisklasse. Harbach—Queckborn Ettinghausen—Grünberg Flensungen—Nieder-Ohmen SÄ. II—Heuchelheim II ' Londorf—Daubringen Grüningen—Großen-Linden II. In der Klasie der Krafträder bis 125 ccm fährt Klaus Schulte (Aßlar). In der Gruppe der Krafträder bis 250 ccm W. Knecht (Bieber). Als Mannschaft fahren in der Klasie für Krafträder über 250 ccm die Oberscharführer Kreßmann, Schuchard (beide Alsfeld), und Scharführer Hölscher (Grebenau). Als Einzelfahrer startet in dieser Klaffe Paul Kopp (Herborn). In der Klasse der Krafträder mit Seitenwagen ist die Motorstandarte durch Oberscharführer R e u s ch l i n g (Heuchelheim) und durch Rottenführer Rohrmann In wenigen Stunden werden am Fahrtsr in Frankfurt a. M., wie auch auf dem Friedrichsplatz in Kassel mietet die Motoren dröhnen, die letzten technischen Grifte und Kontrollen werden noch schnell erledigt — und — auf geht's, zur 4. Hes- sensahrt 1938! Wenn in diesem Jahr einige Nennungen ment- ger als im Vorjahr erfolgt sind, so fieat der Grund barm, daß unsere Wehrmacht leider Diesmal sehr schwach vertreten ist, einige Fahrer, _ die augenblicklich ihrer Wehrpsticht genügen, können ebenfalls nicht am Start erscheinen, so daß diesmal das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps fast ausschließlich „unter sich" ist, abgesehen von Fahrern der ff und des DDAC. Immerhin ist es bemerkenswert, daß die Nennungsliste 306 Namen aufweist! — Besonders auffallend und erfreulich ist es, daß die Motor-HI. allein 121 Fahrer für die 4. Heffensahrt genannt hat, was ein weiterer Beweis für den Erfolg der Schulungsarbett des NSKK. überhaupt und der Motorgruppe Hessen insbesondere ift . Ein weiteres neues und erfreulich gutes Zeichen ist es, daß diesmal eine größere Anzahl von Lizenzfahrern, vornehmlich aus den angrenzenden Gauen, gemeldet haben. Hier mag der Grund auch noch darin liegen, daß diese jungen Fahrer „Punkte sammeln" wollen, für das vom Führer neu geschaffene „Motor-Sport-Abzeichen" — das dem deutschen Motorsport abermals einen großen Auftrieb geben wird. Am heutigen Samstag wird die 4. Heffensahrt mit einer schweren Orientierungsfahrt beginnen, am morgigen Sonntag werden Einzelsahrer und Mannschaften eine große Geländefahrt mit Start und Ziel „Bad Salzschlirf" absolvieren, eine Geländefahrt, die zu den schwierigsten überhaupt ge- zählt werden darf! Anschließerü) haben sich alle Teilnehmer noch einer Fahrzeugzustandsprüfung zu unterwerfen, die für das Refuttat von ausschlaggebender Bedeutung ift Alles in Allem: Die 4. Hessenfahrt stellt an Fahrer unb Maschinen die allerhöchsten Anforderungen, und die „Goldene" tonn unb wird nur dem Besten zusallen! Schließlich sei aber noch der vielen unbekannten NSKK.-Männer gedacht, die an diesen beiden Tagen jeweils über acht Stunden lang ihren Dienst als Kontrollposten, Absperrmannschast, Sanitäter usw. in Wind und Wetter versehen, und zum Ge- lingen einer derartigen' sportlichen Großveranstaltung, wie sie die Heffensahrt 1938 ist, wesenttich beitragen. Oie Spanne im Milchhandel. Fwd. Im Zusammenhang mit der kürzlich bekannt- gegebenen Neuregelung der Milchpreise erfolgte jetzt eine Begrenzung der Handelsspannen in der Milchverteilung. Eine Anordnung oes Preiskommissars bestimmt, daß bei der Abgabe von Mllch im Kleinhandel je Liter ab Laden nur vier und bei Lieferung frei Haus sechs Pfennig berechnet werden dürfen. Bei Flaschen-, Marken- und Vorzugsmilch betragen die Zuschläge viereinhalb bzw. sechseinhalb Pfennig. Die Einstandspreise der Kleinverteiler erhöhen sich um die dadurch eintretenbe Kürzung ber Kleinverteilerzuschläge. Wurden bisher niedrigere Zuschläge erhoben, so dürfen sie nicht erhöht werden. Rhein-Mainische Börse. INittagsbörse still. Frankfurt a. M., 14. Okt. Auch an der heutigen Börse blieb das Geschäft infolge des geringen Aufttagseinganges beschränkt. Das Hauptinteresse beansprucht nach wie vor die Reichsanleihe. Der Zeichnungseingang wird weiterhin als günstig bezeichnet, insbesondere erfolgten viele Kleinzeichnungen. An den Aktienmärkten wiesen die Kurse, wiederum nur mäßige Veränderungen auf. Sie zeigten jedoch meist leicht nach oben, wobei es sich in der Hauptsache um einen technischen Vorgang handelte. Die Berufskreise schritten verschiedentlich zu Deckungen. Der Montanmarkt behätt aus dem bekannten Grunde etwas mehr Interesse; Hoesch 113 (112), Klöckner 122,75 (122,50), Verein. Stahl 104,50 (104,25), Mannesmann 108,25 bis 108.75 (108,13). Maschinenaktien notierten meist voll de- Die Spiele, die zum Austrag gelangen, versprechen guten Sport. Heuchelheim erwartet seinen atten Widersacher Großen-Buseck unb muß mit unteren Leistungen aufwarten wie am Dorsonntag. Die Gäste sind ein guter Verfassung und wollen ihre Tabeüenführung dehatten. Wißmar spiett in Dor interessanten Begegnungen in der Bezirksklasse. 11 Die Paarungen, die für den morgigen Sonntag ] vorgesehen sind, 1900 — Burg Steinberg — Raunheim Sinn -BfB.-K Wetzlar — Biffenbetg Frohnhausen — Ehringshausen werden auch diesmal ihre Anziehungskraft nicht verfehlen. Nachdem die Spielvereinigung 1900 die schwere Klippe in Naunheim überwunden hat, darf man wvyl annehmen, daß der vielfache Ersatz sich auch diesmal der Schwere der Aufgabe bewußt und mit demselben Eifer bei der Sache ist, wie am vergangenen Sonntag, zumal es dem eigenen Anhang zu beweisen gill, daß der Sieg keine Zufallserscheinung war. Die Begegnung Steinberg — Naunheim hat Einfluß auf den zweiten Tabellenplatz, den z. Z. die Teutonen infolge ihres besseren Torverhältnisses innehaben. Nach Lage der Dinge ist nicht anzunehmen, daß sich die Steinberger denselben ftreitig machen lassen, ba die seitherigen Leistungen der Mannen von der Neumühle beständiger waren. Einen schweren Gang hat ber DfB.-R. vor sich, der beim BC. Sinn antreten muß. Beite Mannschaften haben bis jetzt noch keinen Erfolg zu verzeichnen unb stehen sehr ungünstig in der Tabelle. Da sich dies durch einen weiteren Verlust noch mehr verschlechtern würde, werden beide Mannschaften bemüht sein, dies durch eine entsprechende Leistung zu verhindern. Der Sportverein Wetzlar empfängt den derzeitigen Tabellenführer Bissenberg. Nach der Leistung ber Wetzlarer in Frohnhausen barf man wohl annäjmen, daß ber Spitzenreiter biesmal nicht un- gerupft bavon kommt. Sollte es anders kommen und sich die Bissenberger auch hier durchsetzen, muß man sie mit in den Kreis der engeren Bewerber ziehen. Der Versuch des Neulings Ehringshausen, sich durch einen Sieg auf eigenem Platz entsprechend in die Bezirksklasse einzufuhren, ist gescheitert. AuH beim zweiten Spiel wird es bei dem Versuch bleiben, denn es ist anzunehmsn, daß die „Dränier sich diesen Scherz leisten werden und den Neuling auf eigenem Gelände zum Erfolg kommen lassen. 1900 — Burg. Im zweiten Spiel treffen die Blau-Weißen morgen auf den Sport- unb Spielklub Burg. Also jene Mannschaft, Die dem Meister bie einzige Niederlage in ber vergangenen Serie beibringen konnte. Obwohl bies in Burg war, haben die Gäste immer noch einen gewissen Rückhalt in der Hoffnung, daß dasselbe auch auf dem Platze des Gegners zu ermöglichen ift Die Aufgabe ist dadurch für die Blau-Weißen noch schwieriger, und selbst wenn man nach dem erfolgreichen Abschneiden in Naunheim zu der Ansicht kommt, daß die Elf auch dieses Spiel gewinnen müßte, bann kann dies nur mit demselben Eifer unb ber gleichen Hingabe wie am Vorsonntag möglich sein. Das bis jetzt nicht so erfolgreiche Abschneiden der Burger barf jedenfalls zu keiner Unterschätzung sichren. An der vorsonntäglichen Aufttellung, die lediglich durch die Verletzung Erhards (ein Knochenriß zwingt den sympathischen Spieler zu längerem Aussetzen) eine Aenterung erfährt unb im einzelnen solvente ist: Fischer, Schneider, Pankok, Kirchner, Rensing, Hain, Güncher, Jäger, Lobsack, Kociok, Heuser, wirb sonst nichts verändert. Nordafrika; bann: Schöne deutsche Volkslieder. 18: Wir blättern zurück. 18.10: In ber Schattenburg zu Felbkirch. 18.20: Politischer Scheinwerfer. 18.30: Schwingt bie Hämmer, regt bie Hänbe. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 20.15: Stuttgart spielt auf. 21: Aus Turin: Italienische Volksmusik unb Volkstänze. 22: Nachrichten. 22.15: Schottische Tanzmusik. 22.40: Nacht- unb Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert. Dienstag, 18. Oktober. 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werk- pause. 9.30: Nur Freiburg: Nachrichten. 9.40: Was können wir Frauen besser machen? 10: Schulfunk. Das Sonnwendfeuer vom Lenzenberg. Ein Hörspiel. Haupt-Niederlage in Gießen: Jean Weisel, Sonnenstraße 6 Tel. Nr. 3888. Schriften kostenlos [Bei Nieren-, Blasen- und Stoffwechselleiden Frequenz 1937: 25100