Nr. 216 Erstes Blatt 188. Jahrgang Donnerstag, 15. September 1938 Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen VruL und Verlag: vrühlsche UniverfitStrdruckerei R. Lange ln Sietzen. Zchriftlettvng und SeschSflsftelle: Schulsttatze 7 Annahme von Anzeige« für öie Mittagsnummer b»s8'/,Uhr des Vormittags Grunvpretle für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Rpf., für Text- anzelgen von70mm Breite bl) Rpf.Platzvorschrift nach oorh Vereinbq.25°/<, mehr. Ermatztgte Grundpretfe: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rps., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. 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Der britische Premierminister, Herr Neville Chamberlain, hat heute dem Führer undReichskanzler durch Vermittlung des britischen Botschafters in Berlin folgende Mitteilung zugehen lassen: 3m Hinblick auf die zunehmende kritische Lage schlage ich vor, sofort zu Ihnen herüberzukommen, um zu versuchen, eine friedliche Lösung zu finden. Ich schlage vor, auf dem Luftwege zu kommen, und bin morgen zur Abreise bereit. Teilen Sie mir bitte den frühestens Zeitpunkt mit, zu dem Sie mich empfangen können, und geben Sie mir den Ort der Zusammenkunft an. Ich wäre für eine sehr baldige Antwort dankbar. (gez.) Neville Chamberlain. Der Führer und Reichskanzler hat auf die vorstehende Mitteilung geantwortet, daß er gern bereit sei, sich mit dem britischen Premierminister am 15 d. M. zu treffen. Herr Neville Chamberlain wird dementsprechend morgen, Donnerstag nachmittag, auf dem Obersalzberg erwartet. Starker Eindruck in London. Kundgebungen in der Downingstreet. London, 15. Sept. (Europapreß.) Wie eine Bombe schlug am Mittwochabend in London die Nachricht ein, daß Ministerpräsident Chamberlain am Donnerstagmorgen nach München fliegt, um dem Führer auf dem Obersalzberg einen Besuch abzustatten. Der Entschluß des Ministerpräsidenten erregte um so mehr Aufsehen, als Chamberlain bisher nie ein Flugzeug bestiegen hat und grundsätzlich allen Luftreifen abhold ist. Politische Kreise bezeichnen es als ein historisches Ereignis, daß Englands Ministerpräsident dem Staatsoberhaupt einer ausländischen Macht einen Besuch abstattet und sich zu diesem Zweck eines Verkehrsmittels bedient, das er bisher stets gemieden hat. Der Ministerpräsident wird den Flugplatz von Heston am Donnerstag gegen 8.30 Uhr in einem Flugzeug der Royal British Airways verlassen und gegen 13 Uhr in München eintreffen. Nach einer kurzen Unterredung in München wird der Ministerpräsident und feine Begleitung nach Berchtesgaden weiterfliegen. In Begleitung des Ministerpräsidenten befinden sich der Abteilungs- direttvr des Auswärtigen Amtes, William Strang, sowie der industrielle Berater der englischen Regierung, Sir horace Wilson. Sir horace Wilson gehört zu den engsten Mitarbeitern und Beratern des Ministerpräsidenten; als solcher hat er auch in der tschechischen Frage bereits mehrfach beratend mitgewirkt. William Strang, der Leiter der mitteleuropäischen Abteilung im englischen Außenamt, hat kürzlich Berlin, ^rag und Paris besucht, um mit den dortigen britischen Vertretern die Fühlung aufzunehmen. Die Londoner Morgenpresse spricht die Vermutung aus, daß Chamberlain am Donnerstagvormittag unmittelbar vor seiner Abreise noch eine kurze Besprechung mit K ö - n i g Georg haben werde, der in den frühen Morgenstunden von seinem schottischen Schloß Balmoral in London eintrifft. Als die Nachricht in London herausgegeben wurde, hatten sich Taufendevon Menschen in der engen Downingstreet und vor Whitehall eingefunden. Man verlangte Chamberlain zu sehen und gab ihm durch lebhafte Kundgebungen Wünsche mit auf den Weg. Eine Erklärung Ribbentrops. Der Reichsautzenminister aufrichtig befriedigt. münchen, 15. Sept. (DNB.) Der Reichsminister des Auswärtigen hat dem englischen Journalisten Ward Price erklärt: Als Reichsminister des Aus- wärtigen kann ich Ihnen versichern, daß der Entschluß Neville Chamberlains, den Führer zu besuchen, mich mit aufrichtiger Befriedigung erfüllt hat. Ich bin davon überzeugt, daß eine persönliche Aussprache Zwischen den beiden Regierungschefs sowohl zur Herbeiführung einer Lösung der Sudetenfrage als auch für die Gestaltung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern bedeutsam sein kann. Es ist von jeher mein Wunsch gewesen, daß der Führer und der Chef der britischen Regierung Zusammentreffen sollten, und ich freue mich, daß dieser Wunsch nunmehr durch 2Ur. Neville Chamberlain, dessen re a 1 e Einstellung zu den Problemen ich während meiner Anwesenheit als deutscher Botschafter in London schätzen lernte und von dessen persönlichem guten Willen ich fest überzeugt bin, verwirklicht wird. Die Abreise Chamberlains. Lord Halifax zum Abschied auf dem Flugplatz. London, 15. Sept. (DNB. Funkspruch.) In Downingstreet 10, dem Hause des Minlslerpräsiben- ten, zeigten verschiedene bereits in den frühen Morgenstunden hellerleuchfefe Zimmer an, daß der haushalt des Premierministers emsig bei der Arbeit war und alle Vorbereitungen für den Flug zum Führer und Reichskanzler traf. Die Polizei hatte alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um Elementen, die die Gelegenheit etwa zu einer Demonstration benutzen könnten, gleich entgegenzutreten. Die Kommunisten hatten nämlich Flugblätter verteilt. Nur solche Leute, die über gültige Ausweispapiere verfügten, wurden daher von der Polizei in Downingstreet zugelaffen. Kurz vor 8 Uhr zeigte sich der lUinifferprä- fibent an der Tür, wo er einen Augenblick lächelnd verweilte, und sich offensichtlich über die frische Morgenluft und den für Londoner Verhältnisse feiten blauen Himmel und die hereinbrechende Sonne freute. Presfephotographen benutzten den Augenblick zu einigen Bildaufnahmen. Chamberlain bestieg dann den Wagen und fuhr, von Ab- fchiedsgrühen der in der Downingstreet und White- Hall wartenden Menschen begleitet, zum Flughafen hefton. Dort hatte sich der deutsche Geschäftsträger Botschaftsrat Dr. K o r d t in Begleitung mehrerer Vol- schaftsbeamter und deutscher Pressevertreter als erster zur Verabschiedung des Ministerpräsidenten eingefunden, kurz darauf traf auch Außenminister Lord Halifax in Begleitung seiner Gemahlin Lady Halifax und dem ständigen Unterstaatssekretär L a d o g a n auf dem Flugplatz ein. Ministerpräsident Chamberlain unterhielt sich eifrig mit Lord Halifax und Botschaftsrat Dr. kordt. Bevor Chamberlain das Flugzeug bestieg, sagte er: „Ich befinde mich auf dem Wege zum deutschen Reichskanzler, weil es mir scheint, daß die Lage so ist, daß persönliche Besprechungen zwi- schen ihm und mir möglicherweise nützliche Folgen zeitigen könnten. Meine Politik ist stets die gewesen, den Fried e> zu sichern, und die bereitwillige Ausnahme meiner Anregung durch den Führer ermutigt mich in der Hoffnung, daß mein Besuch beim Führer nicht ohne Erfolg sein wird.- Die englische presse begrüßt einhellig den Entschluß Shamberlains. London, 15. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der überraschende Entschluß Chamberlains, nach Berchtesgaden zu fliegen, um mit dem Führer und Reichskanzler zu beraten, hat bei sämtlichen Londoner Blättern, sogar bei den Zeitungen der Opposition, nicht nur volle Zustimmung gefunden, sondern auch große Begeisterung. Gleichzeitig ist die Stimmung wieder erheblich gestiegen. Die „Times" schreibt, diese überraschende Nachricht habe tiefste Zufriedenheit und Erleichterung bei aller Welt ausgelöst, mit Ausnahme bei denjenigen, für die jede VerhanNung mit einem „Diktator" unverständlich sei. Für die große Masse der Engländer aber und für Millionen in anderen Ländern werde Chamberlains kühnes Vorgehen Beruhigung bedeuten und gleichzeitig einen neuen Beweis von seinem Mut ihn b seiner Vernunft darstellen. Der Führer habe Chamberlains Anfrage sofort in freundlicher Weise beantwortet; jetzt würden sich die beiden Staatsmänner zu Besprechungen treffen, als Männer und als Staatsmänner, die, ohne ein Jota von sich z u s sHLäi k onella6N,e.äöützllBFSKPZ ihren persönlichen Ueberzeugungen abzuweichen, sich zusammenzutun, um eine Kata- strophe zu vermeiden, und um die Nationen von Europa auf den Weg der Vernunft und des Friedens zurückzuführen. Ganz England werde mit Dankbarkeit anerkennen, daß Hitler das Seine dazu getan habe, um den Besuch Chamberlains in Berchtesgaden möglich zu machen. Die große Masse in England verstehe, daß „Diktator" und „Demokratie" Seite an Seite leben könnten, und die große Masse in England werde dankbar sein, daß endlich einmal etwas Definitives getan worden sei. lieber« all sei man davon überzeugt, daß ein Krieg wegen des tschechisch-sudetendeutschen Streites W a h n- sinn und Verbrechen sein würde. Der Besuch werde die erste Gelegenheit einer vollen und freien Aussprache fein. „Daily Telegraph" erklärt, Chamberlains bewußtes Abweichen von der diplomatischen Tradition verdiene Erfolg. Die Art und Weise, mit der er Formalitäten beiseite gelassen habe zugunsten einer unmittelbaren persönlichen Annäherung, sei bezeichnend für den Staatsmann, der es nie zuge- lassen habe, durch Gebräuche der Vergangenheit sich stören zu lassen, wenn große Ziele auf dem Spiel stünden. Chamberlain und Hitler hätten jeder eine ganze Nation hinter sich stehen. — Selbst der marxistische „Daily h e r a l d" wünscht Chamberlain Erfolg und meint, es stehe außer Zweifel, daß Chamberlain mit seinem Entschluß, zu Hitler zu fliegen, allgemeine Unter st ü t - z ung haben werde. Auch die liberale „News Chrönicle" wünscht Chamberlain Erfolg. Die konservative „Daily Mail" gratuliert Chamberlain zu seinem Entschluß, der die große Tat seiner Laufbahn sei und einen Beweis für seine Klugheit, seinen Weitblick und für seine aufrichtige Denkensart bringe. Die ganze Welt werde sich darüber freuen, daß Chamberlain und Hitler zusammenkämen und mit angehaltenem Atem werde die ganze Welt abwarten. — Der konservative „Daily Expreß" erklärt, wenn zwei Staatsmänner wie Chamberlain und Hitler sich an einen Tisch setzten, dann könnte alles andere ruhig beiseite stehen. Der Widerhall in Frankreich. Erleichterung in Paris. Erklärung Daladiers. Paris, 15. Sept. (Europapreß.) Die Nachricht von der persönlichen Besprechung Hitlers mit Chamberlain in Berchtesgaden ist in politischen Kreisen mit großer Erleichterung a u f g e n o m « m e n worden und hat die Hoffnung verstärkt, daß die europäische Spannung auf eine friedliche Werse gelöst werden könnte. Zahlreiche Pressevertreter begaben sich sofort in die Ministerpräsidentschaft, um von Daladier eine Erklärung zu erhalten. Auch Außenminister Bonnet stattete dem Ministerpräsidenten einen kurzen Besuch ab. Beim Verlassen des Gebäudes wurde er von den auf ihn wartenden Pressevertretern über seine Eindrücke von der bevorstehenden Begegnung zwischen Hmer und Chamberlain befragt. Bonnet erwiderte lächelnd: Das ist eine schöne Sach e!". Der Agentur havas erklärte Ministerpräsident Daladier wort- lich: In Anbetracht der schnellen Abwicklung der Ereignisse in der Tschecho-Slowakei, durch die normale Verhandlungen sehr schwierig gestaltet wurden, habe ich gegen Ende des gestrigen Nachmittags (Dienstag) die Initiative ergr t f f e n , eine persönliche und direkte Fühlungnahme mit dem britischen Mlnisterpra. s i b e n t e n aufzunehmen, um mit ihm zusammen bie Möglichkeit eines außerorbentlichen Vorgehens ins Auge zu fassen, bas gemein- s a m mit Deutschlanb bie Überprüfung ber wirksamsten Mittel für bie Sicherung einer freunbschaftlichen Lösung bes Streitfalles zwischen ben Subetenbeutschen unb ber Prager Regierung und bamit bie Erhaltung bes Frleben s in Europa erlaubt. Ich bin besonbers glücklich über bas Uebereinstimmen ber Ansichten ber beiben befreunbeten Regierungen. „Aussprache von Volk zu Volk." Pariser Pressestimmen. Paris, 15. Sept. (DNB. Funkspruch.) „Petit P a r i s i e n" stellt fest, bie Aussprache in Berchtes- gaben werbe nicht nur eine Aussprache von Mann zu Mann, von Staatschef zu Staatschef, sonbern ebenfalls von Volk zu Volk fein. — Der „Figaro" unterstreicht mit Bewunberung ben Entschluß Chamberlains, im Einvernehmen mit ber französischen Regierung sich nach Deutschlanb zu begeben. In beiben ßänbern sei man bereit, bas Nationalitätenproblem in ber Tschecho-Slowakei in einem realistischen Geiste zu prüfen unb zu regeln. — Der „Mati n" besaßt sich mit ben Besprechungen, bie Ministerpräsident Data« Gleiche neben Gleichen. „In Berlin herrscht vollkommene Ruhe", so schrieb gestern bie große französische Zeitung „Matin". Unb in ber Tat kommt es ja in Zeiten so ungeheurer Spannung, wie sie Europa bank ber Tätigkeit ber tschechisch-bolschewistischen Kriegshetzer gegenwärtig burchlebt, vor allem barauf an, baß wenigstens bie von verantwortungsbewußten Staatsmännern geleiteten Großmächte bie Nerven nicht verlieren, sonbern bie Entwicklung ber Dinge in ber hanb gehalten. Das beutsche Volk unb bie beut- sche Führung besitzen diese überlegene Ruhe, weil sich bie Nation vom Führer bis zum letzten Volksgenossen ihrer Macht, ihrer inneren Einheit unb ihres guten Gewissens bewußt ist. Für bas hohe Verantwortungsbewußtsein ber beutschen Reichsführung hat es gerabe in ben allerletzten Tagen hunbert Beweise gegeben, angefangen von ber Führerrebe selbst bis zu ber heraussordern- ben Antwort, bie bas Prager Regime in Form eines verstärkten Mordterrors mit allen seinen Begleiterscheinungen gab. Nahm schon bie Erklärung Adolf Hitlers auf dem Parteikongreß ben internationalen Brunnenvergiftern ben Winb aus ben Segeln unb ließ bie ganze Welt befreit aufatmen, bie oorbem von ben Kriegstreibern in eine wahre Alarmpsychose hineingetrieben worben war, so hat auch jetzt bie ruhige Haltung ber Reichsregierung ihren Einbruck auf bas Ausland nicht verfehlt. Durch den Ablauf der füngften Ereignisse wurde mit aller wünschenwerten Deutlichkeit bewiesen, daß es allein das Regime bes Herrn Benefch ist, bas für die nunmehrige Zuspitzung im sogenannten tschechoslowakischen Staat verantwortlich zu machen ist. Der Führer hatte — was heute von der geleimten Auslandspresse anerkannt wird — alle Möalich- keiten einer gerechten und zufriedenstellenden Lösung offen gelassen, er hatte dem Wunsch Ausdruck gegeben, daß eine schnelle Verständigung auf dem Verhandlungswege erreicht werde. Prag hatte also genügend Zeit, ohne Einbuße seines Ansehens, bie nötigen Schritte zu tun. Statt besten benutzte es bie absolut frieblichen Freubenkunbgebungen, welche bie Subetenbeutschen in ihrem eigenen Lande, in ihrer eigenen tausendjährigen Heimat veranstalteten, als billigen Vorwand, um tfie aufjubelnbe Bevölkerung mit den Mitteln bes gewalttätigen Terrors, bes Stanbrechts und der Zensur, ber Einschüchterung unb brutalen Gewalt in bas peinigende Dasein von Zuchthausinsassen zurückzuzwingen. Daß unter diesen Umständen, die jede Einwirkung ber subetenbeutschen Parteileitung auf ihre Anhänger unb Volksgenossen unmöglich machten, die weitere Verantwortung für ben Gang ber Ereignisse von ben Beauftragten Konrab Henleins abgelehnt werben mußte, ist nur zu verstänblich. Die' Deutschen in ber Tschecho-Slowakei finb nun einmal — was manche Auslqnbsblätter zu vergessest scheinen — feine Staatsbürger zweiten Ranges in biesem Lanbe, sonbern sie haben ein aninbeftenS ebenso' weit zurückliegenbes Anrecht auf ihren Bo- ben unb ihre Freiheit wie bie Tschechen, sie sind Gleiche neben Gleichen unb können nur als solche verhanbeln. Da Prag biese Rechtsbasis vorsätzlich zerstört hat, muß es auch bie Folgen tragen. Daß bie Tschechen in ben letzten Tagen vollkommen versagt haben unb baß es ben Subetenbeutschen nicht mehr zugemutet werben kann, sich ihnen zu beugen, ist in zunehmenbem Maße offenbar auch vom Aus« lanb begriffen worben. In ben italienischen, polnischen, ungarischen Zeitungen, aber auch in Dielen Pariser unb Lonboner Blättern wirb immer mehr der vernünftige Gedanke erörtert, baß bas un ab« bingbare Recht ber subetenbeutschen Selbstbe- ftimnnuna burch einen Volksentscheib verwirklicht werben müsse. Dabei spielt nicht nur ber Gedanke mit, dem beispielsweise der „Matin" Ausdruck gibt, daß nach allem Vorgefallenen feine Möglichkeit mehr für ein friedliches Zusammenleben in ber Tscheche! zu sehen ist. Sicher macht sich bereits bie Erkenntnis bemerkbar, baß bie tschechische Regierung in ihrer maßlosen Unehrlichkeit und Hinterhältigkeit selbst alle Grundlagen für eine friedliche Beilegung des Konfliktes zerschlagen hat. Am meisten freilich dürfte bie Üeberlegung wirken, baß es sich ja nicht etwa um bie Subetenbeutschen allein handelt, obwohl sie schon ein volles Viertel ber Gesamtbevölkerung ausmachen; vielmehr um Sube- tenbeutsche, Slowaken, Ungarn unb Polen, bie alle zusammen mehr als bie Hälfte ber Gesamtbevölkerung bes tschechischen Staates ausmachen. Es geht also um bie Zuerkennung bes — ^demokratischen! — Selbstbestimmungsrechtes an die Mehrheit eines Staates, bie von ber Minberheit nicht nutf terrorisiert, sondern buchstäblich in ber Cristen z tag» lich bebroht wirb. — In tiefsten, herzlichstem Mitgefühl gebenft bas beutsche Volk ber Sudetendeutschen unb ihrer Toten. Daß es bei biesem Mitgefühl auf die Dauer nicht mehr bleiben kann, Ist in Nürnberg von maßgeblichster Seite klaraestellt worden. Der Zwang zu entscheidenden Schritten für die Erhaltung bes Friebens liegt nun brüben. B. R. hier in ben letzten Tagen gehabt hat. Man habe von Schwierigkeiten innerhalb bes Kabinetts gesprochen. Die Wahrheit aber fei viel einfacher. Zwischen ben beiben extremen Thesen habe ber Minister- präfibent auf einer mittleren Linie eine Einigung erzielen können, bie es ihm auf ber einen Seite gestattet habe, ben ^rieben z u erhalten unb auf ber anberen Seite dem Lande bie notroenbigen Garantien ber Sicherheit zu bewahren. — Im „Journal" weist ber frühere Ministerpräsibent Flanbin barauf hin, baß er im Dezember 1937 in ben beutsch-französischen Beziehungen gegenseitige Zugestänbnisse im Interesse bes Friebens gefordert habe. Seine Erklärung habe er damals dem Ministerpräsidenten, dem Außenminister unb bem Kriegsminister gegenüber dahin- Oer Abbruch der Verhandlungen. Eine Erklärung der SDP. stellt die Schuld Prags eindeutig fest. gehend ergänzt, daß die österreichische Frage sich in drei Monaten und die tschechische Frage im Laufe des Sommers 19 3 8 ft eilen werde. Die Reife Chamberlains müsse mit Freude unter- strichen werden. Vielleicht trete man nun in eine konstruktive Zeit ein. Flandin fordert dann völlige militärische Zurückhaltung Frankreichs und leugnet das moralische Recht zu gegenteiligen Maßnahmen, da Frankreich nicht angegriffen sei. Auch die Dominions begrüßen die unmittelbare Aussprache. London, 15. Sept. (DRV. Funkspruch.) Nicht nur in England, sondern auch in den Dominions des englischen Weltreiches hat die überraschende Nachricht von Chamberlains Zusammentreffen mit dem Führer ein tiefes Aufatmen zur Folge gehabt. So erklärte der kanadische Ministerpräsident, die ganze kanadische Nation begrüße das Vorgehen Chamberlains und heiße es gut. Unmittelbare persönliche Fühlungnahmen feien die wirksam st en Mittel, um Spannungen und Mißver- ständnifse zu beseitigen. Auch der augenblicklich in Genf weilende irische Ministerpräsident de D a l e r a erklärte, Chamberlains Methode sei die richtige. Nur in Prag wird der Schritt Chamberlains mit Mißtrauen und 23 e,r • legenheit ausgenommen, fürchtet man doch, daß die unmittelbare Fühlungnahme des englischen Staatsmannes mit dem Führer einen Strich ziehen könnte durch die Pläne gewisser tschechischer Cliquen. Der Gedanke der Volksabstimmung. Wachsendes Interesse in Paris und London London, 15. Sept. (DNB.) Funkspruch.) Neben der Reise Chamberlains erörtern die Londoner Morgenblätter weiterhin die tschecho-slowakische Frage ausführlich. Dabei tritt immer mehr derGedanke einer Volksabstimmung der Sudetendeutschen auf. Sehr hervorgehoben werden Pariser Presfestimmen, die die Ansicht vertreten, daß man sich in Frankreich für einen Volksentscheid im Sudetenlande erklärt habe. Im „Daily Expreß" heißt es, Frankreich würde sogar eine Vereinigung der sudetendeutschen Gebiete mit Deutschland „gestatten". — Auch „Daily Herold" schreibt, in Paris erörtere man jetzt ernstlich die Frage eines Volksentscheides. In vielen Kreisen habe man den Eindruck, daß es „zunächst" schwierig sein würde, grundsätzlich den Gedanken eines Volksentscheides obzulehnen. — Lediglich die liberale „News Chronicle" wendet sich verzweifelt gegen den Gedanken eines Volksentscheides. — Auch der Daily Telegraph" befaßt sich im Leitartikel mit der Frage eines Volksentscheides, versucht aber, seinen Lesern um jeden Preis klarzumachen, Henleins Taktik bestände in Verzögerungen und Verschiebungen; die sudetendeutschen Führer müßten die Verantwortung für eine spätere Katastrophe auf sich nehmen (!). Rumänien verweigert Durchmarsch von (Sowjettruppen. Rom, 14.Sept. (DNB.) Wie Agenzia Stefani aus Bukarest erfährt, sollKüniaCarol eine per- sönliche Botschaft an Benesch gerichtet haben, die in Uebereinstimmung mit den Ideen für eine friedliche Lösung der tschecho-slowakischen Frage stehe. Außerdem habe König Carol Außenminister C o m n e n gebeten, den Vorsitz in der Genfer Liga nicht anzunehmen, um so mehr als der auf den Außenminister ausgeübte Druck von sowjetrussischer Seite ausging. Weiterhin sei Außenminister Comnen, auf den in seinen Besprechungen mit Litwinow und Bonnet ein starker Druck ausgeübt worden sei, um den Transport so w j etrus s i scher Truppen und sowjetrussischen Kriegsmaterials durch Rumänien zu gestatten, von Bukarest mitgeteilt worden, daß sich Rumäniens Haltung nicht ändere, und daß derartige Forderungen absolut nicht angenommen werden können. Rumänien bleibe in dieser Frage der von König Carol einge- schlagenen Linie unbedingt treu, das heiße Ablehnung der sowjetrussischen Forderung. Diese Linie sei bereits vor einigen Tagen dem Vertreter der Agenzia Stefani von der für die rumä- nische Außenpolitik verantwortlichen Stelle bestätigt worden. Japan und die Lage in Europa Tokio, 14. Sept. (Europapreß.) Zur Lage in Europa erklärte ein Vertreter des Auswärtigen Amtes, daß Japan die Auffassung Deutschlands in der sudetendeutfchen Frage unter- stütze. Japan sei jederzeit bereit, zusam.men mit Deutschland und Italien im Geiste der Antikominternpaktes die roten Machenschaften zu bekämpfen. Die Verantwortung für die gegenwärtigen Verwicklungen läge zum allergrößten Teil bei der Kommuni st ischen Internationale, die in Prag ihre Puppen spielen lasse. Im Zuge ihrer verzweifelten 23ersuche, Europa zu bol- schewisieren, lasse die Komintern nichts unversucht, was eine friedliche Regelung der Volksgruppenfrage in der Tschecho-Slowakei verhindern könne. Japan habe in China genug Erfahrungen über die unterirdische Wühlarbeit der Komintern sammeln können. Die Lage der Tschecho-Slowakei als Stützpunkt für die Versuche der Komintern, den Bolschewismus nach Europa zu tragen, gleiche in jeder Hinsicht der Chinas in Ostasien. Angesichts der Tat- sache, daß die Machenschaften der Komintern für die gegenwärtige Entwicklung in Europa verantwortlich seien, sei zu hoffen, daß England und Frank- reich diese Tatsache in ihre Berechnungen ein- schlössen und sich um der Sache des Weltfriedens willen entsprechend verhalten würden. Ein englisches Geschwader in griechischen Gewässern. Athen, 14. Sept. (Europapreß.) Ein G e s ch w a- der der enalischen M i t t e l m e e r f l o t t e ist in den griechischen Gewässern eingetroffen und bei Milos vor Anker gegangen. Das Geschwader setzt sich aus vier Kreuzern, drei Torpedobootszerstörern und dem Flugzeugmutterschiff „Glo- rious" zusammen. Die Ankunft weiterer Einheiten der englischen Mittelmeerflotte wird erwartet. Prag, 14. Sept. (DNB.) Don führender sudetendeutscher Seite wird mitgeteilt: Im Anschluß an die Antwort des Ministerpräsidenten auf die Aufforderung der Sudetendeutschen Partei hatte Ministerpräsident Dr. Hodza privat dem Abgeordneten Karl Hermann Frank gegenüber die Forderungen der SDP. als vernünftig und erfüllbar bezeichnet, jedoch hmzugefugt, er müsse in Prag mit ihm verhandeln. Trotz dieser Aeußerung des Vorsitzenden der Regierung hielt es die tschecho-slowakische Regierung nicht für notwendig, dem in Asch auf eine Aeußerung -der Regierung wartenden Politischen Ausschuß der SDP. überhaupt nur eine Antwort auf ihre Forderungen zu geben. Konrad Henlein sah sich angesichts dieser Tatsache gezwungen, die von ihm ernannte Derhandlungsdele- gation von ihrem Auftrag zu entbinden und festzustellen, daß für weitere Verhandlungen keine Möglichkeiten gegeben ind. Ashton-Gwatkin traf in Begleitung der beiden Mitglieder der Kommission Lord Runcimans, P e t o und H e n d e r s o n, in der Nacht zum Mittwoch in A s ch ein. Henlein war zur Zeit unterwegs. Die Herren der Mission wurden von dem Kommunique in Kenntis gesetzt, das die Enthebung der SDP.-Delegation durch Konrad Henlein mitteilt und begründet. Die Herren fuhren daraufhin nach Eger, wo ein Gespräch mitAbaeordne- t e n Frank stattfand, bei welchem dieser nochmals die Notwendigkeit der Forderungen der Parteiführung begründete und die Verantwortlichkeit der tschecho-slowakischen Regierung dafür herausstellte, daß durch die Nichtbeantwortung der Forderungen die Verhandlungsgrundlage endgültig zerschlagen sei. Frank erklärte sich auf neuerliches Ersuchen Asthon-Gwatkins bereit, eine Unterredung mit Henlein zu vermitteln. Diese fand am Mittwoch um 11.45 Uhr in Asch statt. Es waren außer Henlein und den drei Herren der Mission Lord Runcimans die Abgeordneten Frank und Künzel anwesend. Karlsbad, 14. Sept. (DNB.) In dem Ort Haberspirk bei Falkenau an der Eger ist es am Dienstag und Mittwoch, zu außerordentlich blutigen Vorgängen gekommen, die nach tschechischen und englischen Meldungen eine große Anzahl von Todesopfern gefordert haben sollen. Da die^ Verbindungen mit Falkenau unterbrochen sind, war es bisher unmöglich, die genaue Zahl der Opfer festzustellen. Die tschechische Gendarmeriewache des rein deutschen Ortes hatte schon seit Wochen unter der Anführung des tschechischen Gendarmen B a r t o s ch ein blutiges Terrorregiment aufgerichtet. Nacht für Nacht wurden zahlreiche Sudetendeutsche aus ihren Häusern in das '©enbarmeriegebäuöe geschleppt und dort brutal mißhandelt und geprügelt. Die Bevölkerung war völlig eingeschüchtert, und es war ihr allmählich unmöglich geworden, überhaupt noch in der Dunkelheit die Häuser zu verlassen. Als am Dlenslag die Bevölkerung des Ortes mit Frauen und Kindern nach der Führerrede, von einem schweren Druck erleichtert, einen Freudenumzug veranstaltete, wurden sie von bewaffneten Kommuni st en, die mit Gendarmerieautos herbeigeschafft worden waren, angegriffen. Die Menge setzte sich zur Wehr und zwang die Kommunisten zum Ruckzug. Die Gendarmen, die den Vorfällen untätig zugesehen hatten, zogen sich daraufhin ebenfalls in das Gendarmeriegebäude zurück. Als der Umzug in der Höhe des Gen- darmeriegebaudes angelangt war, fiel in dem haus ein Schuh, gleich darauf prasselten ganze Salven vön Gewehrkugeln mitten in die Bevölkerung. Dabei wurde eine Reihe von Sudetendeulschen, darunter auch Frauen verletzt. Die empörte Bevölkerung stürmte nunmehr die Gendarmeriewache, wobei mehrere Gendar- men verletzt und der Gendarm Bartosch im Kampfe getötet wurden. Aussagen der verwundeten Gendarmen ergaben, daß Bartosch seinen Oberwachtmeister, einen Slowaken, der sich seinem Treiben schon seit Wochen widersetzt hatte, wegen der Verweigerung des Schießbefehls in Gegenwart seiner Kameraden niedergeschossen und dann das Signal zu der allgemeinen Schießerei gegeben hatte. Der slowakische Oberwachtmeister war sofort tot. Da kurz darauf erneut mit Lastkraftwagen tschechisch-kommunistischer Pöbel in den Ort Habersvirk einzudringen versuchte, bemächtigte sich die Bevölkerung der in der Gmdarmeriestation lagernden Waffen, um sich gegen die weitere Terrorisierung zur Wehr zu setzen. Die Kommunisten Zogen daraufhin ab. Am Mittwoch wurde haberspirk von tschechischen Polizei - und Militärkräf- ten mit Panzerwagen eingeschlos- s e n und aus größerer Entfernung von verschiedenen Seiten der Ort unter Maschinengewehrfeuer genommen. Die Sude- tendeutschen' erwiderten daraufhin das Feuer. Bei den sich entspinnenden Kämpfen sind nach noch nicht bestätigten Meldungen bisher auf lichechifcher Seite etwa 15, auf sudetendeutscher Seite bereits über 3 0 Personen g e - tötet worden. 3n den Abendstunden dauerten die Kämpfe noch an. Die Bevölkerung ist völlig verzweifelt, da sie von außen keine Hilfe bekommen kann und die Führer der tschechischen Polizeikräfte die Drohung ausgesprochen haben, daß die gesamte Bevölkerung von haberspirk bis auf den letzten Mann nieder- gemacht werden würde.(!) Der Bevölkerung der ganzen Umgebung von Falkenau hat sich auf Grund dieser Vorgänge eine ungeheure Erregung bemächtigt. Dieser Bericht, der von sudetendeutscher Seite stammt, wird von zahlreichen Augenzeugen ausdrücklich bestätigt, und auch von mehreren auslän» Henlein kennzeichnete unter Hinweis auf die ständig wachsende Zahl der Todesopfer und die brutalen Maßnahmen gegen die Sudetendeut- fchen die Entwicklung der Lage in den letzten Stunden und gab den Mitgliedern der Mission Lord Runcimans bekannt, daß er die Verhandlungsdelegation ihres Auftrages entbunden habe, weil die durch das Verhallen der Regierung allein verschuldeten Ereignisse im sudeten- deutschen Gebiet jede Verhandlungsgrundlage zerstört haben. Henlein erklärte jedoch, daß eine tatsächliche und fofortigeVerwirk- lichung der Forderungen der Partei immer noch die Möglichkeit geben würde, in Verhandlungen mit der Regierung einzutreten, wobei jedoch keinesfalls die Karlsbader acht Punkte die Grundlage abgeben könnten, sondern dem Selbstbeftimmungsrecht des Sudeten- deutfchtums Rechnung getragen werden müsse. Konrad Henlein dankte den Vertretern der Mission Lord Runcimans für ihre Arbeit, deren Ziel die Regelung der Ralionalitälenverhält- niste gewesen ist, und begründete abschließend die Schuld der tschecho-slowakischen Regierung daran, daß auch die Arbeit dieser Mission erfolglos bleiben muhte. Die Kanzlei des Parlamentarischen Klubs der Abgeordnete^ und Senatoren der Sudetendeutschen Partei und Karpathodeutschen Partei bleibt in Tätigkeit. Der Vorstehende des Parlamentarischen Klubs, Abgeordneter Ku ndt, ist zur Erteilung der notwendigen Weisungen in Prag eingetroffen. Ferner weilen in Prag der Abgeordnete Dr. Peters und der Prager Senator Rektor Dr. Braß sowie schließlich der in Prag wohnhafte Rechtsanwalt Abgeordneter Dr. N e u * wirth. dischen Nachrichtenbüros liegen entsprechende Meldungen vor. Von tschechischer Seite werden die blutigen Vorfälle am Mittwoch mit dreister Stirn glatt abgeleugnet. Man behauptet einfach, es handele sich um die Zusammenstöße vom Dienstag, bei denen es ebenfalls mehrere Tote gegeben hat. Es hat den Anschein, als ob Prag mit derartigen Taschenspielerkunststücken die schwere Blutschuld von sich abwälzen will, in die es sich immer mehr verstrickt. » Panzerwagen gegen die patteileiinng in Eger. Jede Tätigkeit der Partei lahmgelegt. Eger, 14. Sept. (DNB.) In Eger kam es am Mittwochabend erneut zu schweren Zusammenstößen. Tschechische Staatspolizei versuchte unter Einsatz von Panzerwagen im „Hotel Vik- toria", wo sich zur Zeit der Hauptsitz der Sudetendeutschen Partei befindet, eine Hausdurchsuchung vorzunehmen, um nun auch die restliche Tätigkeit der Sudetendeutschen Partei lahmzulegen und das gesamte Sudetendeutschtum führerlos zu machen. Da zu befürchten war, daß durch Beschlagnahme der Mitgliederlisten Zehntaufende von Sudetendeutschen dem schärfsten Terror seitens der Tschechenpolizei ausgesetzt sein würden, widersetzte sich die hauswache zunächst dem Eindringen der Polizei. Die Polizei eröffnete darauf das Feuer auf das Gebäude. Dabei wurde durch einen Querschläger ein tschechischer Polizist getötet. Die Polizei drang dann in das Haus ein und besetzte alle Räume. Sie nahm auch eine Durchsuchung nach w a f f e n v o r, bei der lediglich ein altes Jagdgewehr gefunden wurde. Den Angestellten der Hauptleitung der Sudetendeutschen Partei ist von der Parteileitung der Waffenbesitz und die Mitnahme von Waffen in das Büro schon seit einiger Zeit untersagt gewesen, so daß sich keinerlei Waffen im Haus befinden konnten. Anschließend drang die Polizei auch unter Anwendung von Gewaltmitteln in das Hotel Welzel (gegenüber dem Hauptbahnhof) ein, wo sich ebenfalls Büros der Sudetendeutschen Partei befinden. Sie feuerte ohne Grund in die Räume hinein und tötete dabei einen Mitarbeiter der Sudetendeutschen Partei. In den Abendstunden waren die Büros der Sudetendeutschen Partei immer noch von der Polizei besetzt. Somit ist jede Tätigkeit der Partei lahmgelegt. Aach Deutschland geflüchtet. Schon 3000 Sndetendeutsche aus reichs- deutschesGebiet übergetreten. — Schwader- bach von tschechischem Militär eingeschlossen Klingenthal (Erzgebirge), 14. Sept. (DNB.) Der größte Teil der Bevölkerung des sudetendeutschen Ortes Schwaderbach, das unmittelbar a n der Grenze liegt, ist heute vor anrückendem tschechischem Militär über die Grenze auf reichsdeutsches Gebiet geflüchtet und befindet sich in Sachsenberg-Georgenthal. Am Dienstag hatte in Schwaderbach vor dem Zollamt die Gendarmerie von der Arbeit heimkehrende A r - beiter beschossen. Dabei wurde ein Zollbeamter durch eine verirrte Kugel getötet. Bei der Erwiderung des Feuers durch die Zollwache erhielt ein Gendarm einen tödlichen Schuß. Der Vorfall hat dazu geführt, daß tschechische Polizei und tschechisches Militär den Ort von drei ©eiten erschlossen und angekündigt haben, daß die Bevölkerung mit Tränengas ausgeräuchert werden würde. Daraufhin sind die meisten Familien auf deutsches Gebiet geflüchtet. In Breitenbach, einem sudetendeutfchen Dorf in der Nähe der deutschen Grenze bei Johanngeorgenstadt, ist es am Dienstag ebenfalls zu jchwe- rren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Bevölkerung gekommen, bei. denen die Polizei schließlich den Ort verlassen mußte. Als sie heute mit großer Verstärkung zurückkam und ofort eine wilde Schießerei eröffnete, flüchtete f a ft d i e gesamte Bevölkerung auf deutsches Gebiet. Nach den bisherigen Mel- düngen schätzt man die Zahl der nach dem Reichsgebiet übergetretenen Sudetendeutschen auf insgesamt etwa 3000. Ausdehnung des Standrechts. Abgeordnete undAmtswalter festgenommen Prag, 14. Sept. (DNB.) Amtlich wurde verlautbart, daß das Standrecht auch auf die Bezirke Graslih und Joachimsthal ausgedehnt wurde. Damit ist das Standrecht nun über folgende Bezirke verhängt: Eger, Graslih, Neudek, Joachimsthal, Falkenau, Elbogen, Karlsbad, Kaaden, Preh- nih, krumau, Tachau und Bischosteinitz. Nach Mitteilung von amtlicher tschechischer Seile ist eine Reihe von sudetendeutfchen Abgeordneten und Amtswaltern von der tschechischen Staatspolizei f eftgenommen und dem Standgericht überstellt werden, das gegen sie auf Grund der Ausnahmegesetze vorgehen werde. Von fudetendeutscher Seite verlautet dazu, daß sich unter den Verhafteten auch der Abgeordnete Künzel befinde, der versucht habe, in Görkau, im westböhmischen Vraunkohlen- revier, zu vermitteln und dabei von der Staatspolizei, der an der Beruhigung der Bevölkerung nichts lag, rücksichtslos fest genommen wurde. Da die Standgerichtsbestimmungen sehr charf sind, bestehen für das Schicksal der sudeten- deulschen Führer die schlimmsten Befürchtungen. Feierliche Feststellung der Sudetendeulschen Partei. Asch, 15. Sept. (DRV. Funkspruch.) Die in Asch versammelten Führer der SDP. stellen in vollem Verantwortungsbewußtsein vor aller Dell fest: Die tschechische Demokratie läßt nun ihre heuchlerische Maske endgültig fallen. W e h r - löse Frauen und Kinder, Hunderte von Toten und Schwerverletzten klagen an. Anter dem Deckmantel humanitärer Phrasen wird gemordet und geplündert. Was heute im Herzland Europas vorgehl, kann nur verglichen werden mil den bolschewistischen Greueln in Spanien. Das Sudenlendeutschlum stellt vor aller well durch seine Volksführer fest, daß es sich bis zum letzten Augenblick um eine friedliche Lösung bemüht habe. Die tschechische Regierung lehnte jedoch alle Forderungen Konrad Henleins ab.. Bei diesen Zuständen im tschechischen Staatsgebiet ist es selbstverständlich, daß jeder Sudetendeutsche sein Leben und das seiner Familie mit allen Mitteln vor den mordenden und plündernden Horden verteidigt. Sudetendeutsche leisten Gestellungsbefehlen feine Folge. Asch. 15. Sept. (DNB. Funkspruch.) Tas tsche- chische Militär fetzt mit voller Absicht Sudeten- deutsche ein, die gezwungen werden, auf ihre wehrlosen deutschen Volksgenossen zu schießen. Aus allen sudetendeutschen Gebie- ten sind Meldungen eingegangen, daß Deutsche aus ihren Wohnungen und Werkstätten zum Sofortigen Militärdienstantritt eingezogen würden. So diese Einziehungen nicht gewaltsam vorgenommen würden, leisteten die Sudetendeutsche keine Folge und flüchteten vor den sie verfügenden Soldaten und Polizisten in die Wälder. Es ist selbstverständlich, daß von keinem Sudetendeutschen erwartet werden kann, daß er der Einberufung zum tschechischen Militär Folge leistet. Guttvn-pratts Klugzeug von Tschechen beschossen. London, 14. Sept. (DNB.) Wie der Prager Sonderkorrespondent der „Times" meldet, ist das Flugzeug des britischen Beobachters Major Sutton-Pratt, als dieser von Eger nach Prag zurückflog, über tschechischem G e- 5iet beschossen worden. Eine Kugel hat dabei die Aktenlasche Sutton-Pratts getroffen. Er selbst wurde nicht verletzt. Von zuständiger englischer Stelle liegt über diesen Vorfall, der aufs neue dir Skrupellosigkeit des tschechischen Vorgehens beweist, noch keine Mitteilung vor. Kleine politische Nachrichten. Reichsminister Dr. Goebbels empfing am Mittwochvormittag die Hauptschriftleiter der Berliner Zeitungen sowie die B e r l i n e r Vertreter der großen Zeitungen im Reich. Er gab ihnen einen Ueberblick über die politische Lage. * Bei den Herbstübungen des I. Armeekorps i n O st preußen werden vom 13. bis 18. September die fremdländischen Militärattaches, insgesamt 36 Offiziere, zugegen sein. Außer Teilnahme an den Hebungen der 11. und 21. Division ist eine Besichtigung des Schlachtfeldes von Tannenberg geplant, wobei das Militär- attach6korps an der Gruft des Generalfeldmarschalls von Hindenburg einen Kranz niederlegen wird, um damit der Verehrung Ausdruck zu geben, welche die Soldaten aller Länder dem Feldmarschall des Weltkrieges und treuen Hüter soldatischer lieber* lieferung entgegenbringen. ♦ Die Verhandlungen über ein neues deutsch' mandschurisches W i rtschoftsabko M* men, die durch den deutschen Geschäftsträger in Hsinking geführt worden sind, sind abgeschlossen. Die Unterzeichnung des neuen Abkommens erfolgte am Dienstag in Hsingking. Das chilenische Kabinett ist zurückgetreten. ffiie verlautet, sollen sämtliche Posten neu besetzt werden, Neue blutige Zusammenstöße. Sudetendeutsche Ortschaft im Feuer tschechischer Maschinengewehre. Mehr als 30 Sudetendeutsche getötet. Wie sieht es in der > 'ii: irtschast aus? Ein zusammenfossender Bericht der Reichsbahn- direktion Nürnberg gibt einen Ueberdlick über die Leistunaen der Deutschen Reichsbahn w ä h- rend oes Parteitages. Danach wurden im Antransport insgesamt 692 Svnderzüge mit 561 400 Personen gefahren, im Abtransport sind es 632 Sonderzüge. Insgesamt wurden also 1324 Dvll- svnderzüae gegen 1213 im Vorjahre gefahren. Die größte Stiftung der Bahnhöfe ist am 13. und 14. September, den beiden Haupttagen des Abtrons. Portes der Sonderzüge, festzustellen. Die Leersonder- züge fuhren teilweise bis zu 330 Kilometer von Nürnberg entfernt zu ihrem neuen Bestimmungsoder Unterstellbahnhof. Die gesamte Fahrleistung für den Personenverkehr beträgt hierdurch 2710 Sonderzüge und Sonderfahrten. Mit fahrplanmäßigen Zügen, die oft doppelt und dreifach gefahren werden mußten, brachte die Reichsbahn rund 709100 Teilnehmer noch Nürnberg gegenüber rund 480 000 im Vorjahre. Die Zahl der Zuschauer hat also um rund 50 d.5). gegenüber 1937 zugenom - men. Insgesamt hat somit die Reichsbahn rund 1270 500 Personen nach Nürnberg gebracht, was gegenüber 1937 mit 1 063 000 eine Steigerung von rund 20 v.H. bedeutet. Da alle diese Personen auch wieder mit der Reichsbahn nach Hause gefahren werden mußten, verdoppelt sich diese Zahl auf 2 540000 Teilnehmer. Die Reichsbahn hat somit über 2V2 Millionen Fahrgäste be - fördert. Aus der deutschen Ostmark konnten zum ersten Male offiziell 62 000 deutsche Volksgenossen an einem Reichsparteitag teilnehmen. Sie wurden in 67 Sondcr^ügen befördert. Für die Bequemlichkeit der Reisenden und Reichsparteitagsgäste hatte die Reichsbahn weitgehend gesorgt. Sie hatte ihre sogenannten „fliegenden Hotels", bestehend aus Speise-, Schlaf- und Salonwagen der Mitropa vermehrt. Auf den Bahnhöfen Nürnberg- Nord, Nürnberg-Süd, Nürnberg-Schweinau und Hauptgüterbahnhof waren sogenannte Mitropa- d ö r f e r eingerichtet, die in ihrem festlichen Schmuck, ausgestattet mit Badeanlagen und Kaffeegärten, eine angenehme Aufenthaltsmöglichkeit boten/ * Erst 1888 wurde Hamburg als Stadtstaat in dos deutsche Zollgebiet ouf genommen. Als große Hafenstadt, die beweglich bleiben wollte, weil sie ihr Gesicht dem Meere und dem Welthandel zukehrte, hatte sich Hamburg außerhalb des deutschen Zollvereins gehalten und blieb auch nach der deutschen Reichsgründung ein selbständiges Wirtschafts- gebiet unter Zollausschluß. Mancher alte Hamburger wollte sich von diesem Zustande nicht trennen, der einige sehr persönliche Annehmlichkeiten mit sich brachte als da sind: billige Zigarren und Weine und andere schöne Sachen. Es gab aber auch sehr erhebliche praktische Schwierigkeiten zu überwinden: Als Umschlagsplatz für den Welthandel war es tatsächlich unpraktisch, Waren erst in das deutsche Zoll- gebiet einzuführen und dabei zu verzollen, wenn diese Waren dann wieder ousgeführt wurden, wobei der Zoll natürlich zurückerstattet werden mußte, sobald es sich um reine Durchfuhrgüter handelte. Dor der Einbeziehung Hamburgs in das deutsche Zollgebiet mußte also erst für einen großen Freihafen Sorge getragen werden, wo die Durchfuhrgüter auf ihre Weiterbeförderung warten konnten. Hamburg hat sich diesen Freihafen etwas kosten lassen. Ganze Straßenzüge wurden niedergerissen, neue Hafenkanäle mit neuen Lagerhäusern gebaut und Eisenbahngeleise bis auf die neuSn Kaimauern gelegt, die eine Ausdehnung von 7 Kilometer hatten. Die Gesamtkosten betrugen 106 Millionen RM. — eine für die damalige Zeit erstaunliche Summe. Aber das Geld rentierte sich sehr gut. Die erweiterten Anlege- und Lagermöglichkeiten kamen zunächst einem sprunghaft steigenden Hafenverkehr zugute und durch den Zollausschluß fühlten sich auch viele Industrielle veranlaßt, sich in Hamburg selbst gewerblich zu betätigen, so daß sich die alte Handelsund Schiffahrtsstadt auch durch eine mächtige auf- blühende Industrie von großer Vielfältigkeit ergänzte. ♦ Der deutsche Rohstoff Holz hat im Rahmen her deutschen Rohstoffwirtschaft in den letzten Jahren eine immer größere Rolle gespielt. Holz wurde ferner vielfach als Ersatz für andere deoisenschwere Rohstoffe auf den verschiedensten Wirtschaftsgebieten verwandt. Dazu kommt, daß der reguläre Holz- bedarf vor allem in der Bauwirtschaft sich erheblich vergrößert hat. So wurde die Bewirtschaftung des Woldes auf die Bedürfnisse der Wirtschaft eingestellt. Die Einschläge in den Staats- und Privatforsten wurden erhöht. Nach der letzten großen statistischen Forsterhebung von 1927 ergab sich ein Gesamteinschlag von 42 Millionen Festmeter. Im Forstwirtschaftsjahr 1935 waren es 52 Millionen Festmeter. 1936 wurden wieder 52 Millionen, 1937 bann 56 Millionen geschlagen und für 1938 ermar« iet man einen Gesamteinschlag von 59 Millionen deftmeter. Diese umfangreichen Einschläge waren infolge des zurückhaltenden Einschlags der Vorkriegszeit möglich. Daß es sich bei den genannten Zahlen aber nur um Ausnahmen gehandelt haben kann, geht daraus hervor, daß die Maßnahmen für das neue Holzwirtschaftsjahr 1938/39 eine Zurückführung des Holzoerbrauches auf den Einschlag hes Jahres 1937 vorsehen. In Zukunft wird, das Holz ebenso wie dos Eisen bewirtschaftet werden, d. h. die Zuteilungen dürften nach dem Grade der Dringlichkeit erfolgen. Von besonderem Interesse mag die Frage nach den Holzreseroen sein, die wir aus der O st m a r k erwarten können. Hier heißt es, sich keinen übertriebenen Hoffnungen hingeben, weil nämlich einige Länder wie Italien und Ungarn für die nächsten Jahre noch vertragsmäßige Ansprüche auf Holzlieferungen haben, die auf etwa zwei Millionen Festmeter geschätzt werden. Der jährliche Holzeinschlag in der Ostmark beläuft sich auf 9,3 Millionen Festmeter. Diese Menge dürfte sich in den kommenden Jahren nur langsam steigern lassen, soweit nämlich in den Bergwaldungen die Transportverhältnisse für größere Holzabfuhren sich bessern. Stärkere Einschläge sind in den meisten Waldungen der Ostmark kaum möglich, weil dort schon in den veragngenen Jahren ein über die echten Reserven hinausgehender Rückgriff auf die Bestände erfolgt ist. ♦ Von den internationalen Rohstoffmärkten wird immer noch eine gewisse Flaute berichtet, die vielfach auf außenpolitische Erwägungen zurückgeführt wird. Es muß auch angemerkt werden, daß Währungsschwankungen, wie sie zur Zeit beim englischen Pfund üblich sind, großen Einfluß auf hie Unternehmungslust ausüben. Es wird zwar immer wieder gemeldet, daß die Vereinigten Staa- ten vor einem neuen Konjunkturaufttieg stehen, aber dem widerspricht, daß selbst in den Staaten biß Rohstosfmärkte für die wichtigsten industriellen Rohstoffe stilliegen. So wurden in den Vereinig- ten Staaten im Monat August nur 23 195 Tonnen Küpser umgesetzt gegen 122 812 Tonnen im Mo- nat Juli, sowie 90 987 Tonnen im Monat Juni. ••ci r *a*Lin biefen beiden Monaten war der groß^ seit Oktober 1936, also seit der Zeit, in der Der Konjunkturoerlauf in der Union rasch abwärts ging. Auf den Getreidemärkten ist unter Dem Einfluß der Vorgänge in Nordamerika die öhmmung noch lustloser, obschon die Weizenernte m Den Vereinigten Staaten sowohl als auch tn Manaöa als gut bezeichnet wird. Der Getreidehan- Del vermag aber trotz seiner Jnternationalität allein mlt dem Erntesegen nicht fertig zu werden, so daß in beiden Weizenstaaten die Regierung eingreifen inufjte. Wie beim Weizen, so muß auch bei der Baumwolle wenigstens in den Vereinigten Staaten mit Ausfuhrsubsidien nachgeholfen werden. Wenn Kohle und Eisen wichtige Gradmesser für Den industriellen Ausstieg bedeuten, so ist es nicht ohne Interesse, festzustellen, daß die Roheisen und Rohstahlgewinnung in Deutsch- I a nb feit 1933 in ununterbrochenem Aufstieg begriffen ist. Betrug die arbeitstägliche Rohstahl- gemmnung 1933 in Deutschland rund 20 000 Tonnen, so stieg sie bis August 1938 auf 76 000 Tonnen. Dabei wurde selbst die arbeitstägliche Erzeugung der Vereinigten Staaten überholt, also eines Landes, das feit Jahrzehnten weitaus an der Spitze her eisen- und stahlerzeugenden Länder lag. Die Erzeugungskurve der Vereinigten Staaten bildet gerade für Die Stahlerzeugung seit 1933 eine mit großen Sprüngen auf- und absteigende Linie, die den tiefsten Sturz Ende 1937 verbuchte, wo sie von einer arbeitstäglichen Rohstahlerzeugung von 200 000 Tonnen fast ohne Uebergang auf 60 000 absank. Auch die Kurve Englands zeigt Schwankungen auf, ebenso die Frankreichs, während die Kurve für die internationale Rohstahlgemeinschaft so ziemlich parallel zu der Linie verlaust, die die Entwicklung der deutschen Rohstahlerzeugung wie- dergibt. ♦ Eine sehr interessante Lage hat sich auf den Wollmärkten ergeben. Der Rückgang des Verbrauches und das Aufkommen der Zellwolle ist darauf zurückzuführen, daß sich ganze Volkswirtschaften von der Wolleinfuhr unabhängig jui machen suchen und daß diese Neustoffe sogar in Ländern Eingang gefunden haben, die, wie England oder die USA., am Rohstoff Wolle keine,n Mangel leiden und ihn mit Devisen bezahlen können. In Australien hat man den Vorschlag an London gerichtet, Wollmindestpreise einzuführen, aber diese Forderung geht in die Luft, denn selbst, wenn die Haupt- ausfuhrlander von Wolle im britischen Empire, also Australien, Südwales und Südafrika, sich auf solche Mindestpreise einigen würden, ist es noch längst nicht ausgemacht, daß die südamerikanischen Wollieferanten sich diesem Vorgehen anschließen würden. Der Rückgang der Wollpreise liegt in erster Linie in der manaelnoen Aufnahmebereitschaft von Japan und den USA. begründet, denn die australischen Verkäufe dahin gingen von einem Drittel der Gesamtausfuhr in der Saison 1935/36 auf ein Zehntel zurück. Der Hinweis, daß die englische Regierung ja auch eine Preiskontrolle für Zinn und Gummi eingeführt hätte, geht fehl, denn englisches Kapital ist zwar an der Zinn- und Gummigewin- nung ganz erheblich beteiligt, njcht aber an der australischen Schafzucht und zudem galt es, die Gefahren einer akuten Uebererzeugung zu vermeiden, die bei Wolle gar nicht vorhanden ist. Am 30. August wurde an der Londoner Börse der höchste Goldpreis feit Mitte Mai 1935 erzielt und auch der Dollar war ungewöhnlich befestigt. Der Goldumsatz belief sich an jenem Tage zwar „nur" auf 935 000 Pfund gegenüber Tagen, der Vorwochen, die mit mindestens 1,5 Millionen Pfund abschlossen, aber der Goldpreis zog auf 142 sh 11 d an. Die englische Kontrolle hat daher eine unmittelbare Goldabgabe an den amerikanischen Währungsfonds vorgenommen, die im Drei- mächte-Währungsabkommen vom September 1936 vorgesehen. Ueberraschend kam die Heraufsetzung des Londoner Platinpreises auf 8 Pfund per Unze, nachdem im Mai und Juni die Notierungen sich um 6% bewegten. Der Platinverbrauch hat nämlich mit der Erzeugung nicht Schritt gehalten und die amerikanischen Platinvorräte haben sich stark erhöht. Aber die Amerikaner hoffen auf eine Geschäftsbelebung im Herbst und England folgte dieser Spekulation, obgleich sie auf sehr schwachen Füßen steht. Es ist daher wohl kaum zu erwarten, daß die offiziellen Notierungen von der Privatwirtschaft innegehalten werden. Neue blutige Zwischenfälle in Palästina. Jerusalem, 14. Sept. (Curopapreß.) In der Nähe der Nordgrenze Palästinas kam eineLand- mine unter einem Autobus zur Explosion. Dabei wurden 10 Araber getötet und 11 schwer verletzt. Die Straße wurde sofort für den Zivilverkehr gesperrt. Bei Einbruch Der Dunkelheit wurde auch auf den benachbarten Straßen jeder Zivilverkehr verboten. Die Leichen der ermordeten Araber wurden nach Safed geschafft. Gleichzeitig wurde in Safed Der Ausnahmezustand erklärt. In Bethlehem griffen Freischärler die Polizeistat i o n an und' steckten sie nach Vertreibung der Wache in Brand. Auch Das in Der Nähe gelegene Postamt wurde angezündet. Beide Gebäude sind vollständig eingeäschert worden. Ein starkes Polizeiaufgebot wurde zur Verfolgung der Freischärler eingesetzt. In Jerusalem wurden zwei Juden erschossen, während in der Nähe von Beisan Drei Juden durch eine Bombe den Tod fanden. Vier Lustsperrgebiete an der Westgrenze Berlin, 12. Sept. (DNB.) Durch eine Polizeiverordnung des Reichsministers der Luftfahrt, die am 2 0. September 19 3 8 in Kraft tritt, wird der Luftraum über folgenden Gebieten an der Westgrenze des Deutschen Reiches für a l l e L u f t- fah.rzeuge bis auf weiteres gesperrt: I. Luftsperrgebiet Aachen, II. Luftsperrgebiet Trier, III. Luftsperrgebiet Pfalz, IV. Luftsperrgebiet Baden. Die Luftsperrgebiete werden durch Flugzeuge luftpolizeilich überwacht. Wird die Landungsauforderung nicht befolgt, so wird das Luftfahrtzeug unter Feuer genommen. Die weitergehenden Beschränkungen des Luftraumes nach der Verordnung über das Derb o t des Aufenthaltes aktiver Angehöriger einer ausländischen Wehrmacht in den Sperrgebieten vom 30. Juli 1938 bleiben unberührt ERNTEN 34 BIS 36♦ MUSTERCIGARETTEN ♦ MlSCHUNQSNUMMER R6 OM lagen (jnwes technischen Stamirv wird ausschließlich ohne ius folgenden Distrikten# Diese Cigaretten werden Tn defi Fall werkes in Hamburg Bahrenfeld nac __ _ völlig neuen Methoden hergestellt Der ungewöhnlich zarte und reine Charakter dieser Mischung beruht darauf, daß Beschaffenheitskontrolle beim Eintreffen der Tabake im Hamburger Freihafenlager. n jyuer Fabrikation» XxH-o ''31 g auf H.R1PH.E REEMTSMA ♦ CIGARETTEN FABRIKEN ♦ WERK HAMßUR sämtliche Tabake zweimal I Mundstück hergestellt Dil Ak« Dfe Cigaretten methoden. die zuÄ$Ä totirden 3 70871 Ei wlmaßnchmcn ÖurthgeführtC 1 WM GIESSE/J'MäUZBUR. GIG Wirtschaft 977 212 und Frankfurt a. M., 15. Sept. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftneb 077 Rinder (177 Ochsen, 117 Bullen, 471 Kühe, Färsen), 357 Kälber, 151 Hämmel, 54 Schafe 180 Schweine. Es kosteten: Ochsen 36 bis 45 Mark, Bullen 34 bis 43, Kühe 20 bis 43, Färsen 35 bis 44, Kälber 35 bis 65, Hämmel 35 bis 52, Schafe 20 bis 42, Schweine 52 bis 59 Mark. — Marktverkauf: Rinder, Kälber, Schweine zugeteilt; Hammel und 50 Pf. Frachtausgleich. Weizenfuttevmehl 13,60. Weizenkleie W 13 10,75, W 16 10,90, W18 11,00, W19 11,10, W 20 11,20, Roggenkleie R 12 9,95, R15 10,15, R16 10,25, R18 10,40, R19 10L0 Mühlenfestpreise ab Mühlenstation. Treber —. Wie» sercheu, handelsüblich, gesund, trocken, mit Besatz (bis ein Drittel) an minderwertigen Gräsern 5,00, Wiesenheu, gut, gesund, trocken, mit unerheblichem Besatz (bis etwa' ein Zehntel) an minderwertigen Gräsern 5,80 bis 6,00 Erzeugerpreis ab Erzeugers Verladestation. Weizenstroh, bindfadengepreßt und qebündelt 2,80, Rogqenstroh, bindfadengepreßt und gebündelt 2,90 bis 3,00, Hafer- und Gerftenstroh, bindfadenqepreßt und gebündelt 2,40 bis 2^0, Kleeheu, gut, gesund, trocken 7,00 bis 7,50 ab Erzeuger-Verladestation. Tendenz: ruhig. Aranksurter Schlachwiehmarkt. Don Motorenwerten lagen Daimler besonders schwach mit 125,50 (129,75), Adlerwerke Lingen auf pari (102), und von Maschinenaktien stellten sich Demag auf 137 (139,50). IG. Farben ermäßigten sich auf 144,25 (145,75), Metallgesellschaft auj 120 (122). Im einzelnen kamen Reichsbank mit 176,50 (179), Conti Gummi mit 194 (197) und Bemberg mit 122,25 (124,50) zur Notiz. Gut behauptet lagen Zement Heidelberg mit 141,25 (141) und Sudd. Zucker mit 205. Der Rentenmarkt lag ebenfalls still und teilweise schwächer. Reichsaltbesitz 128,65 (129H5), Reichsbahn-VA. 123,25 (123,65), ferner im Freioer- kehr Kommunal-Umschuldung 94,05 (94,20). Industrie-Obligationen lagen uneinheitlich, überwiegend aber etwas niedriger, Farben-Bonds 120,75 (121,50), 5 o. H. Röchling 100,75 (100,13). Pfandbriefe lagen unverändert, auch Stadtanleihen wiesen kaum Abweichungen auf. Liquidationspfandbriefe bröckelten z. T. leicht ab. In der zweiten Börsenstunde blieb die Haltung am Aktienmarkt unerholt, zumeist ergaben sich weitere leichte Rückgänge, da auch am Einheitsmarkt einiges Angebot herauskam. U. a. gingen Verein. Stahl auf 95 nach 95,40, IG. Farben auf 143,75 nach 144,25 zurück. Von später notierten Werten, die überwiegend 1 bis 2,50 v. H. niedriger a--kamen, lagen Junghans mit 101,25 (105), Westdeutsche Kaufhof mit 90,25 bis 89,75 (93,65), AG. für Verkehr mit 113 (116,50) und Feldmühle Papier nach Pause mit 127 bis 126 (131,50) besonders gedrückt. Der Schluß brachte vereinzelt auf Deckungen leichte Erholungen um etwa 0,50 bis 1 v. H., doch standen diesen auch noch Rückgänge bis zu 1,50 v. H. gegenüber. Im Freiverkehr nannte man meist schwächere Kurse. Ufa 72 (74,50), Katz & Klumpp 88 bis 90 (90 bis 91), Dirigier 84 bis 86 (84,50 bis 86,50), Rastatter Waggon 45 bis 46,50 (46 bis 47). Tagesgeld war in Nachwirkung des Steuertermins noch gefragt, der Satz wurde auf 2,75 (2,50) v. H. erhöht. Abendbörse weiter etwas erholt. Die beruhigtere Auffassung der weltpolitischen Lage prägte sich an der Abendbörse in einer weiteren leichten Erholung der Aktienkurse aus, nachdem bereits im Mittags'schlußverkehr auf Teilgebieten mäßige Besserungen eingetreten waren. Neben einigen Deckungen der Kulisse erfolgten auch kleine Käufe der Kundschaft, so daß bei verschiedentlich etwas lebhafteren Umsätzen durchschnittliche Besserungen um 0,50 o. H. eintraten. GI. Farben erholten sich um 1 v. H. auf 145 bis 145,50 und Verein. Stahl stiegen um 1,50 v. H. auf 96,50. Ferner erhöhten sich Adlerwerke um 1 v. H. auf 101. Im übrigen notierten u. a. Mannesmann mit • 102 (101,40), Rheinstahl mit 132,25 (131,75), AEG. mit 105,50 (105,25), MAN. mit 121,90 (121,50), Demag mit 136,50 (136), Gesfürel mit 126 (125,50), Lah- mener mit 121 (120,50), Rheinmetall mit 121,50 (121) und Reichsbank mit 176 (175,50). Nach Pause notierten Berger Tiefbau mit 138,50 (143,65), Eß- linger Maschinen mit 95 (96,75) und am Einheitsmarkt Seilindustrie Wolff mit 102,65 (105). Don Renten hatten Industrie-Obligationen etwas Interesse, 5 v. H. AEG. 100,75, 4V2 v. H. Harpener 112,50, 5 o. H. Eisenbahn-Bank 77,50, 6 v. H. IG. Farben 120,75. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 14. Sept. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 9 198, W 11 200, W 12 201, W 13 202, W 16 205, W 18 207, W 19 209, W 20 211, Roggen RH 183, R12 184, R14 186, R 15 187, R 16 189, R 17 190, R 18 191, R 19 193 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste —, Futtechafer —. Weizenmehl Type 812 W 13 28,85, W 16 28,85, W 18 28,85, W19 28,85, W20 (Kreis Alzey) 28,85, W20 (Kreis Worms) 29,20, Roggenmehl Type 997 R 12 22,45, R 15 22,80, R 16 22,95, R 18 23,30, R 19 23,50 plus Einstellung der Notierung von Neubesitz-Gtädteanleihen. Fwd. Die Ortsausschüsse Berlin, Frankfurt a. M., Düsseldorf und Hannover der Ständigen Kommission für Angelegenheiten des Handels in amtlich nicht notierten Werten teilen mit, daß mit Ablauf des 30. September 1938 die Preisfeststellung für die in ihren Tätigkeitsbereich einbezogene Anleiheablösungsschuld ohne Auslosungsscheine (Neubesitzanleihen) der Städte Alzey, Baden-Baden, Barmen, Bingen, Büdingen, Darmstadt, Düsseldorf, Duisburg, Elberfeld, Frankfurt a. M., Freiburg i. B., Freudenstadt, Friedberg (Hessen), Gießen, Karlsruhe, Köln, Konstanz, Lindheim, Lübeck, Mainz, Mannheim, Mühlhausen, Neu-Isenburg, Pforzheim, Rastatt, Solingen, Wandsbek, Wertheim (Main), Wiesbaden, Wiesloch und Worms, sowie der römisch-katholischen Kirchengemeinde in Freiburg i. Br. eingestellt wird. Rhein-Mainische Börse. IMtlagsbörse schwach. Frankfurt a. M., 14. Sept. Die Börse war am Aktienmarkt auf fast allen Gebieten recht schwach. Es herrschte allenthalben weitgehende Zurückhaltung. Kaufaufträge lagen kaum vor, vielfach seien solche zurückgezogen worden, dagegen hat sich die Abgabeneigung etwas verstärkt. Infolge der geringen Aufnahmeneigung stellten sich durchschnittliche Rückgänge von 1 bis 2 v. H. ein, wobei alle Marktgebiete ziemlich gleichmäßig betroffen wurden. Don Montanwerten setzten Hoesch, Mannesmann und Verein. Stahl je 2,40 v. H., Klöckner 2,75 v. H. und Klöckner 1 v. H. niedriger ein. Elektroaktien gaben durchweg 1 v. H., AEG. jedoch 2,50 v. H. auf 105,25 nach, nur Lahmeyer behauptet mit* 121,50. Schafe mittelmäßig._____________________ Hauptschriftleiter Vr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr Fr W. Lange; für Feuilleton: vr. Hans Thyriot; sürden übrigenTeil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theoder Kümmel. D A. VIII. 38: 8916. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM.- 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illu- ftrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. , Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültia Wir suchen zum baldigen Eintritt für unser technisches Büro einen jüngeren Ieichnee zum Anfertigen von Werkstattzeichnungen usw. Verlangt wird flottes und sauberes Zeichnen. 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Es sei Sitte, jedem Luftschiff, bevor es aufsteige, einen Namen zu geben. Ein altes Sprichwort laute: „Nomen est omen“. Deshalb soll das neue Luftschiff im Jahre des 100. Geburtstages des Grafen Zeppelin dessen Namen erhalten als Ersatz für das alte Luftschiff „Graf Zeppelin", das sich so glänzend bewährt habe. Während die Hülle, die den Namen bisher verdeckt hatte, weggezogen wurde, nahm Dr. Eckener die Taufe, wie es üblich ist, mit flüssiger Luft vor, als dem Element, in dem das Luftschiff sich bewegt. Nachdem die Besatzung von 35 Mann sich an Bord begeben hatte, wurde das Luftschiff hinausgezogen. 7.52 Uhr fielen die Haltetaue, und langsam stieg das Schiff unter dem Beifall der Anwesenden empor. Es nahm Richtung gegen Westen, wo es bald im Morgendunst verschwand. An Bord befanden sich Dr. Eckener, der die Führung des Luftschiffes übernommen hatte, ferner Chefkonstrukteur Dr. Dürr sowie 71 Mann. Das Luftschiff überflog das Bodenseegebiet, das Allgäu und das schwäbisch-bayerische Oberland. Gegen Mittag hatte es München erreicht, über dem es eine große Schleife zog und etwa 20 Minuten kreuzte. Die Bevölkerung verfolgte mit Bewunderung, Ueberraschung und Freude das majestätische Schauspiel. Ueberall fiel das geringeMotoren- g e r ä u s ch des „Grafen Zeppelin" auf, das im Lärm des Großstadtverkehrs fast unterging. Das Luftschiff berührte um 13.30 Uhr Nürnberg. Bei der Fahrt über die noch im festlichen Reichsparteitagschmuck prangende Altstadt jubelten Tausende dem Luftriesen freudig zu. Das Luftschiff setzte seine Fahrt in westlicher Richtung fort. „Gra Zeppelin" ist 16.40 Uhr von seiner ersten Werksiatten- sahrt nach Friedrichshafen zurückgekehrt und um 17.30 Uhr auf dem Flugplatz Löwental glatt g e - landet. 3m „Dreieck des Terrors". Bon unserem 3- K.-Korrespondenien. Djenin (Palästina), September 1938. Es gibt mehrere Kampfgebiete ausgeprägten Charakters in Palästina, wenngleich das ganze Land systematisch vom Kleinkrieg überzogen ist. Die Umgebung von Jerusalem und das Gebiet zwischen Jerusalem und Jaffa längs der vielbefahrenen Straße zwischen beiden Städten, die Gegend von Hebron, wo seit jeher besonders räuberische Araber wohnen, das Gebiet zwischen Nazareth und Haifa, wo Juden und Araber im täglichen Leben hart aufMianderprallen, und jüdische neben arabischen Siedlungen liegen, sind solche Bezirke. Das Hauptkampfgebiet, der Raum, wo die schwersten Auseinandersetzungen stattfinden und der Kampf von beiden Seiten, englischer sowohl wie arabischer, mit unerbittlicher Härte auf Leben und Tod geführt wird, ist das sogenannte Dreieck des Terrors, zwischen den Städten Nablus, Tulk-Arem un>d Djenin. Das Gelände — unübersehbare, steile und felsige Berge — scheint zum Bandenkrieg geradezu vorbestimmt. Und wenn man durch dieses Gebiet fährt, drängt sich unwillkürlich die Frage auf: Lauert nicht hinter jedem dieser Hunderttausende von Felsblöcken ein Freischärlergewehr, kampiert nicht in jeder der zahllosen Höhlen und Winkel eine Freischärlergruppe ...? Um die Kontrolle dieses Gebiets kämpfen d i e englischen Truppen seit Jahren vergebens. Sie haben die männliche'Bevölkerung zur Sklavenarbeit gezwungen und neue Straßen gezogen, um das Gebirge aufzuschließen; sie haben Militärlager und Posten auf beherrschenden Hügeln errichtet, mit Maschinengewehren besetzt und mit Scheinwerfern ausgerüstet, die Stunde um Stunde während der Nacht ihre lichten Kreise über die Berge ziehen, damit jede Bewegung des Gegners frühzeitig entdeckt werden soll. Sie haben in die Städte Garni- sonen gelegt — unübersehbar sind die Reihen der Rundzelte in Nablus. Sie haben Hunderte von Männern dieser Städte verhaftet und ins Konzentrationslager gesandt. Sie nehmen täglich neue Verhaftungen vor — wenn man früh über die Straßen fährt, kann man sehen, wie sie in Lastwagen, von schwerbewaffneten Truppen begleitet, abtransportiert werden. Sie haben mit Dynamit ganze Dörfer und in den Städten ganze Straßen- züge niedergelegt. Erschütternde Bilder bieten sich in Djenin, wo hundert der besten Häuser in die Luft flogen, kaum, daß den Bewohnern Frist gegeben war, sie zu räumen. Sie haben Tausende von Pfunden Geldstrafen verhängt und die Bevölkerung wirtschaftlich bis aufs Blut ausgepreßt, daß nun Not herrscht, Elend, — vielfach Hungersnot. Sie haben dieses Dreieck des Terrors unter schwerstem Einsatz immer und immer wieder durchgekämmt, mit Flugzeugen systematisch kontrollieren lassen — vergeblich. Der Bürgerkrieg, den hier das Arabertum gegen die Mandatsregierung und ihre Exekutive führt, ist immer schärfer geworden. Und es vergeht hier keine Nacht, da es nicht zu kleineren oder großen Zusammenstößen kommt. Und die Liste der Verluste ist lang, auch der englischen — obschon der amtliche englische Bericht grundsätzlich keine Verluste englischen Miliärs zugibt. Hier — in diesen Bergen — immer den Standort wechselnd — hat das allmächtige Hauptquartier der Freischärler seinen Sitz. Von hier aus wurde unter den Augen einer englischen Armee die Befehlsdurchgabe der Nationalisten ins ganze Land hinein organisiert. Von hier laufen die Fäden hinüber nach Syrien — über den Teggartzaun hinweg. Von hier aus gewannen die Freischärler ihre Macht über das Volk. Hier wurden zuerst die,harten Strafaktionen gegen Verräter in den eigenen Reihen geführt, Spione und Renegaten niedergemacht, Zweifelhafte entführt. Hier begann sich angesichts der wachsenden. Macht der Freischärler, angesichts ihrer umfassenden Organisation und Kontrolle zuerst die Zuverlässigkeit des arabischen Sektors der Mandatspolizei zu zersetzen. Hier wurden die ersten kühnen Entführungen durchgeführt, die blitzschnellen Aktionen gegen die englischen Banken, die nun in diesem Bezirk ihre Pforten geschlossen haben. Hier steht heute die ganze Bevölkerung geschlossen gegen England. alle Männer — und Frauen und Kinder machen Meldegänge. Aber auch englischerseits wird in diesem Sektor am unerbittlichsten gekämpft. Der Truppcneinsatz ist größer als irgendwo anders. Seit Monaten ist Curfew über das Land gelegt, Ausgehverbot zu bestimmten Stunden. Manchesmal dürfen die Menschen hier nur zwei Stunden am Tag aus ihren Häusern. In diesem Gebietsabschnitt wird das Reisen zur Qual — nicht wegen der arabischen Freischärler, sondern wegen der endlosen englischen Kontrollen, die nicht gerade zart und schonend sind, und bei denen von den Händen englischer Polizisten und Soldaten die Rückseiten der Autopolster unbarmherzig und rücksichtslos während der Suche nach Waffen zerfetzt werden. In diesem Gebiet hat die englische Nervosität einen Grad erreicht, daß sich englisches Militär und englische Polizei mehrfach schwerste Uebergriffe gegen unbeteiligte Reisende zuschulden kommen ließen. England weiß, daß hier das Herz der Revolte schlägt, daß von hier der Bürgerkrieg weithin organisiert wird, daß hier jeder — ein Gegner ist, und daß die englischen Verluste in diesen Bergen, auch wenn man sie nie nennt — am höchsten sind. Seit Jahren geht hier der Krieg. Er wird noch Jahre weitergehen, so nicht eine politische Lösung kommt, die den Arabern tragbar scheint. Schon sind viele Männer, die vom englischen Vergeltungsterror getroffen wurden, in die Berge verschwunden und kämpfen nun in den Reihen der Freischärler. Allein in Nablus zählt man 2000 Männer weniger als zu Beginn der harten Auseinandersetzungen. Und in diesen Tagen werden wieder umfassende Rekrutierungen vorgenommen. Immer breitere Kreise werden kämpfend aktiv. Die Bürgermeister der Dörfer haben einen Geheimbefehl erhalten. Listen über alle Wehrfähigen aufzustellen. Sie werden dem Befehl nachkommen. Was hier, in diesem Dreieck des Terrors das arabische Volk an Kampiwillen, Widerstandskraft, Organisations- und Leidensfähigkeit aufbringt, hätte ihm niemand zugetraut; Zeichen vergangener Größen leuchten darin. MndergIoste,wandemdeFlaschen,Karlenfonnen Oer Wettkampf der Zauberkünstler aus aller Welt. Zum Internationalen Kongreß des Magischen Zirkels in Frankfurt. Ist Magie eine Kunst? — diese Frage haben wir einigen Zauberkünstlern vorgelegt. Wenn das Wesen der Kunst Gestaltung ist, dann ist auch Magie eine Kunst, denn jede magische Vorführung ist Gestaltung. Sie hat ihren eigenen Stil, der sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat. Der Magier stellt die göttliche Weltordnung durchaus nicht guf den Kopf, die Gesetze der Schwere, der Undurchdringlichkeit, der Statik und Dynamik sind nicht aufgehoben und in ihr Gegenteil verkehrt, sondern sie sind umgangen. Nur wer das Gesetz der Schwere kennt, kann eine Kugel schweben lassen — so sagt der Magier. Nur wer von der Undurchdringlichkeit der Stoffe überzeugt ist, kann Mittel und Wege ersinnen, dieses Naturgesetz zu umgehen. Der Magier rührt uns mit seinem Zauberstabe an und führt uns in das Reich der Illusion, in die Sphäre zwischen Traum und Wirklichkeit, wo das Unmögliche möglich wird. Wir vergessen den grauen Alltag und wandern in das Reich unserer Kindheit, in das Reich der Märchen aus tausendundeiner Nacht. Ein Mensch, der solche Wunder hervorzurufen vermag, muß ein Künstler sein. Und wir wollen ihm das „Wunder" danken. Schon am Hofe des Cheops... Magie hat es immer gegeben. Das älteste Dokument der profanen Zauberkunst, der Papyrus Westcar, erzählt von dem Zauberer Deda, der 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung am Hofe des ägyptischen Königs experimentierte. Im Mittelalter hat dann der Jahrmarktsgaukler und Taschenspieler die Magie arg in Verruf gebracht. Erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts entsteht mit dem Aufkommen der Physik die Zauberei als Kunst. Ein Jahrhundert später wirken der Klassiker der Zauberkunst, Dr. H o f z i n s e r , und Döbler, den Goethe in sein Haus bitten ließ, damit er seinem Enkel einige Kunststücke beibringe, lieber die Kunst des österreichischen Zauberkünstlers Ludwig Döbler äußerte sich Goethe „...ein herrliches Mittel zur Hebung in freier Rede und Erlangung einiger körperlicher und geistiger Gewandtheit". Aber auch andere Dichter haben sich begeistert über die Zauberkunst geäußert oder sie gar als Steckenpferd erwählt. In unserer Zeit wanderte die Magie aus den Salons ins Varietä. Hier mußte sie sich wieder völlig umstellen nach dem Geschmack des Publikums, des Direktors oder den Wünschen des Agenten. Aber auch hier hat der Zauberkünstler sich zurechtgefunden — und so steht er heute im Frack auf der Bühne, der Faust unseres Jahrhunderts, die magische Persön- lichkeiet. Sie alle werden sich zu dem Kongreß in Frankfurt einfinden, sicherlich einem der interessantesten Kongresse, die es überhaupt gibt. Vierhundert Zauberkünstler aus 15 Ländern. Vom 17. bis 19. September findet in Frankfurt am Main der 2 6. Internationale Kongreß des Magischen Zirkels statt. Es Der Iltis. Bon Karl Scherer. Unterhalb des Heidedorfs, wo der beschotterte Feldweg der breiten Heerstraße entgegenzieht, steht ein Gehölz hoher grauer Eichen. Wacholder und Torfbeere wachsen darunter, und bis in den Herbst hinein blüht es hier von blauen Glockenblumen und igoldblütigem Habichtskraut. Den letzten Hof schließt Line Mauer aus Bruchsteinen ein; in den Fugen Bjaben sich Eiskraut und winzige Farne angesiedelt. Altersgraue Scheunen umstehen den strohgedeckten, an den Giebeln von vier Neidköpfen aus Uroäter- xeit überragten Fachwerkbau. Einer der Schuppen beherbergt den wertvollsten Besitz des Hofes, die zweihunderköpfige Schnuckenherde. Der Hirt ist früh «uf den Beinen. Als er an einem Septembermorgen J>ie Torflügel des Schafstalls öffnet, um feine in braunem Strom hinausdrängenden Schutzbefohlenen in die Heide zu entlaffen, blafft sein Hund aufgeregt zegen die Höhe der Scheune, und der Schäfer sieht im Dämmer des dunklen Raumes einen grauen Schatten über den Richtbalken huschen. Das war der Kater nicht! Der verirrt sich nicht Iricht bis unters Dach, der bleibt lieber auf dem Kornboden, wo ihm das Mäufevolk zuwächst, oder im Keller. Der Jagdhüter, der der Herde unterwegs tegegnet, weiß Bescheid: „Dat was 'n Stänker!" Vom Hörensagen kennt den Iltis jeder, gesehen «der haben ihn die wenigsten, und die wenigsten wissen auch, daß hinter dem „Frettchen", das jung ^fangen und zur Kaninchenjagd abgerichtet wird, sch das Albino des Iltis verbirgt. An Hals und {opfunb um den mit dolchspitzen Zähnen bewehrten fang helldotterfarbig, zeigt der seidenzarte Bmg tes Rumpfes ein schönes Kastanienbraun. Mit veichbehaarten Sohlen, ist der „Ratz" ein Schleifer wie er im Buche steht und darum ein gefähr- icher Feind des Hausgeflügels. Ein Allesfresser, Ratten und Mäusen stellt er unermüdlich nach, i'rösche und Kröten vertilgt er in unwahrscheinlichen Mengen, Fische und Krebse, Nattern und Eidechsen ^schmäht er niemals. Den volkstümlichen Namen -Stänker" aber verdankt er zwei Drüsen am Ansatz ?-r buschigen Rute, aus denen er in Gefahr eine ü>el duftende Flüssigkeit verspritzt, deren Gestank l^on manchen draufgängerischen Hund empört auf- KiHenb flüchten ließ ... । Den ganzen Apriltag hindurch hat es geweht und graupelt, bei Einbruch der Nacht ist es mild und I'll geworden. Verlorener Sternglanz blickt durch »e Ziehenden Wolken. Aus dem Gebälk der Scheune schiebt sich ein dunkler Schatten durch die Mauerlücke, springt auf den First des Anbaues, von dort auf die Mauer und gleitet lautlos zur Erde. Unter den Ginsterbüschen am Wegrand drückt er sich durch, rutscht in den Graben und duckt sich, als er die Weiden erreicht, tief ins nasse Gras, dann taucht er zwischen dem Röhricht unter. Denn im Gestrüpp des Teiches unken seit Sonnenniedergang die Frösche. Anfangs versucht nur da und dort einer der Sänger ein aufmunterndes Solo, dann bildet sich ein Quartett, und bald rollt kräftiger Chorgesang über Weiher und Wald. Einen braunen Moorfrosch hat das Schicksal rasch ereilt, ein grasgrüner Hupfer will sich ins Wasser retten, doch der Ratz springt nach und erwischt ihn an der zappelnden Ferse. Das Plätschern des Hassers hat den Chorus auf Augenblicke verstummen lassen, dann setzt er vollstimmig wieder eih — um so besser: je lauter der Gesang, desto, leichter und lohnender die Pirsch! Um Mitternacht ist er der wabbligen Kost überdrüssig. Vor einem Mausloch am Hügelhang, dessen frische Witterung ihn festhält, lauert er geduldig; ein quietschender Laut, und der kleine Nager wird mit Haut und Haaren den Lurchen nachgeschickt. Unter den Eichen steht ein vorjähriger Reisighaufen. Das dichte Gewirr ist der Schlupfwinkel mancherlei Getiers, das nicht in Höhlen und Steinlöchern haust. Der Iltis reckt sich hoch auf, steckt die schnuppernde Nase tief zwischen die Reiser und sucht und windet. Ein Girlitz hat dort in sicherem Versteck fein Nest gebaut. Die aufgeschreckte Mutter flattert schreiend davon, mit den Krallen der Brante reißt der Räuber die Brut heraus, und die noch nicht flüggen Jungen verschwinden zwischen den schmatzenden Kiefern. Als der Tag graut, liegt er wieder unter dem Dach und holt nach, was er in der Nacht versäumt hat ... Es ist Regenzeit über die Heide gekommen, Wochen hindurch schüttet es, daß der Teich im Grunde aus den Ufern tritt und die Wiesen überschwemmt. Gänse und Enten haben es gut, doch die Hühner drücken sich trübselig unter den Vordächern herum und gehen vor Dunkelwerden schlafen. Die Jung- maqd, die das Federvieh versorgt, hat der Bäuerin berichtet, daß die Falltür der Hühnersteige über dem warmen Kuhstall von der Nässe so verquollen ist daß der sonst schließende Schalter eine Handbreit offenbleibt; und am Morgen fehlen zwei rebhuhn- farbige Italiener und der neue Sichelhahn. Der Stall sieht aus wie eine Mördergrube, Wände und Sltz- ftangen sind rot von Blutspritzern, und zwischen den Federhaufen am Boden liegt der ausgeblutete, bleiche Gockelkopf. . Der Altknecht braucht nur noch wenig Schlaf. In einer halbdunklen Novembernacht steht er spät am kleinen Fenster seiner Kammer und schaut den Ratten zu, die wie Schatten zwischen Göpel und Dreschmaschine umherhuschen; jetzt sind sie weggewischt. Ein graues Tier schleicht über den Hof und verschwindet zögernd in dem halboffenen Zugang der fensterlosen Futterkammer. Mit drei langen Sprüngen ist der Knecht über die Diele und schlägt die Tür zu, und in der Frühe kommt der Jagdhüter mit den beiden scharfen Teckeln, die, mit der Witterung des Räubers im Windfang, sich wie toll gebärden. Die Kammer ist leer, doch zwischen Wand und Haferkiste klafft ein Spalt, breit genug zum Einschliefen für den Hühnerdieb. Mit Mühe wirb die schwere Txuhe abgerückt, der Bauer schreit auf und trifft mit seinem Prügel den Altknecht in die Kniekehlen, mit einem wilden Satz fährt der Ratz durch die offene Tür Doch der Walhüter kann sein Pulver sparen. Die Rüden haben den Stänker abgewürgt, und der He- ger springt zu, den hochbezahlten Balg zu retten ... Gloria-palast: „Diskretion Ehrensache." Es muß auch Filme geben, welche, von keinerlei ernstlichen Problemen beschwert, der reinen, lächelnden Entspannung bienen: bas ist so einer. Welche Möglichkeiten ber schlichte Schwank auch vor ber Kamera hat, konnten tpir beispielsweise am „Mustergatten" beobachten; solche Treffer gibt es freilich nicht alle Tage. Hier geht es ein bißchen ähnlich und auch ein bißchen anders zu. Was tut eine kapriziöse junge Dame, die den ihr von Papa zuge- dachten, sanft vertrottelten Lord wegen unüberwindlicher Abneigung mit nichten zu heiraten begehrt? Nichts einfacher als das: man besorgt sich den „Herrn auf Bestellung", dessen einträglicher Berus es ist, die junge Dame zu entführen und unterwegs so furchtbar zu kompromittieren, daß selbst dem vertrottelten Lord die Lust vergeht. Was geschieht aber, wenn ber bestellte Herr zu spät kommt und ein anderer, den es gar nichts angeht, mit der unternehmenden Tochter davonfährt: dann ist alles in Ordnung, dann kommt ber Schwank auf Touren, unb bie Verwechslungen und Mißverständnisse häufen sich im weiteren Verlaufe nahem automatisch. Amüsant, diesem Tohuwabohu zuzuschauen; schade, daß es etwas in die Länge geraten ist, und die Autoren Rolf Meyer und Kurt Walter samt dem Spielleiter Johannes Meyer ein bißchen umständlich zu Stuhle kommen. Heli Finkenzel - ler ist bie Tochter; man erinnert sich aus dem „Mustergatten", welche Reize sie dergleichen unmöglichen Situationen abzugewinnen vermag. Hans Holt spielt mit gebotenem Takt den unfreiwilligen Partner, Theo Lingen mit bemerkenswerten Gesichtern und Sprüchen den Lord. Fita Benthof f führt ihr in ähnlichen Fällen bewährtes Mundwerk spazieren, R. A. Roberts ist der grimmige Vater, Ida Wüst und Paul Henckels machen mit süßen Mienen in ahnungsloser Verwandtschaft. — (Märkische-Panorama-Schneider.) * Beiprogramm: die neue Wochenschau; ein Kulturfilm aus dem Schwarzwald; auf der Bühne die Rantinis in einem Jonglier- und Kraft-Akt: sehr sichere, saubere Arbeit mit verblüffenden Einzelheiten; übrigens würde die Nummer durch eine Kürzung des begleitenden und verbindenden Textes noch gewinnen. Hans Thyriot. Sonderbare Zeitungen. In Tibet wirb bie Zeitung öffentlich vorgelesen. Von der einzigen Zeitung, bie in tibetanischer Sprache erscheint, gibt es nur fünfzig Exemplare. Diese fünfzig müssen für brei Millionen Einwohner ausreichen. Wenn nun aber diese fünfzig Exemplare von Hand zu Hand wanderten, würden sie zerknittert, zerrissen und unleserlich werden, schon ehe nur der kleinste Teil des Volkes sie gelesen hätte — überdies können nur wenige Tibetaner lesen. Daher sendet Walter A s b o e, der die einzige' Zeitung Tibets druckt und herausgibt, die fünfzig Exemplare Lamas oder Priestern zu, die die Bewohner der nächsten Dörfer zur Zeitungsverlesung zu sich bestellen. Dann gehen die Zeitungen an andere Gruppen von Geistlichen. Mit der Zeit, wenn die Zeitungen endlich die Grenzen Tibets erreichen, sind sie zwar ziemlich veraltet, manche wohl zwei Jahre alt, jedoch lauschen die Zuhörer mit unverminderter eifrigster Aufmerksamkeit. Auch in Grönland erreicht bie Zeitung bie grönländischen Eskimos selten schneller als in Jahresfrist. Die Lieferung ins Haus bedeutet in vielen Fällen eine halbjährige Hundeschlittenreise über Hunderte von Kilometer in öden Polarwüsten. Man braucht aber nicht in bie verlassensten Winkel ber Erbe zu gehen, um merfmürbige Zeitungen zu finben. Ober ist es nicht seltsam, daß es in Tokio eine Tageszeitung für Kinder mit extra großem Schriftsatz und mit Bildern gibt, und in Paris eine „Bettlerzeitung" mit vielen Anzeigen, in denen Krücken, gebrauchte, aber noch wohlerhaltene Holzbeine, Drehorgeln unb so weiter angeboten werden?, haben sich bereits 400 Teilnehmer aus 15 Ländern angemeldet. Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs Hot die Schirmherrschaft des Kongresses übernommen, als Vertreter der Reichstheaterkammer wird Reichstulturwalter ^-Oberführer $ i n • kel an dem Kongreß teilnehmen. Richt allein Berufskünstler, sondern auch sehr viele Amateure werden zu dem Kongreß nach Frankfurt kommen. Es ist oft seltsam, aus welch verschiedenen Berufen die Amateurzauberkünstler kommen. Da finden sich Juristen, Industrielle, kaufmännische Angestellte, hohe Militärs, Musiker und andere Berufe. Die großen Tricks — so erzählt uns der künstlerische Leiter des Kongresses, Rudolf Rieth — sind alle von Amateuren erdacht , worden. Denn so fügt er erläuternd hinzu, die Amateure haben viel mehr Zeit, einen Trick zu erdenken und auszuarbeiten als die Berufskünstler. Und so kann man ost genug den etwas seltsamen Dorgong verfolgen, daß ein Berufszauberkünstler von einem Amateur einen Trick kauft. Unter den Amateurzauberkünstlern, die nach Frankfurt kommen, ist auch der bekannte Komponist Hermann Zilcher. Der 1912 gegründete Magische Zirkel ist die einzig zugelassene und aner. kannte Vereinigung zur Pflege und Förderung der modernen Zauberkunst in Deutschland. Er umfaßt vier korporativ angeschlossene ausländische Vereine mit etwa 700 aktiven Amateur- und Berufszauber, fünftlem. Jedes Mitglied des Magischen Zirkels muß vor der Aufnahme eine Pr ü fu n g ablegen und ist nach Erwerbung der Mitgliedschaft verpflichtet, sämtliche Tricks geheim zu hal- t e n. Das ist das oberste Gesetz des Magischen Zirkels; alle Geheimnisse der Zauberkunst sind der Außenwelt gegenüber geheimzuhalten. Im Geheimnis liegt allein schon der größte Zauber. Um den .Ring des Magischen Zirkels". Im Mittelpunkt des Programms des 26. Internationalen Kongresses steht der Wettkampf um den „Ring d e s M a g i s ch e n Z i r k e l s". Dieser Ring wird auf dem diesjährigen Kongreß zum dritten Male an den besten Zauberkünstler verliehen. Der erste, der ihn 1936 errang, war Alfred Keßler. 1937 auf dem Kongreß in Berlin holte ihn sich Marvelli, einer der bekanntesten Zauberkünstler mit den besten Zigaretten-Tricks. In diesem Jahre wird er nun zum dritten Male in einem freien Wettstreit der Leistungen vergeben. Außerdem werden noch zwei weitere Preise auf dem diesjährigen Kongreß zum Austrag kommen: ein zweiter Preis, der von dem Schirmherrn des Kongresses, Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs 'gestiftet ist, und ein dritter Preis, eine Stiftung des Präsidenten des Magischen Zirkels Helmut Schreiber, der für den geheimnisvollsten Trick gegeben wird. Das Preisrichterkollegium besteht aus dem Vorsitzenden Dr. T e u m e r , einem Berufskünstler, einem Amateur, einem Laien aus dem Publikum und zwei Beisitzern. Ausgetragen wird der Wettbewerb in der Festoorstellung und der Reuheiten-Ausstellung. Die festliche Eröffnung des Kongresses findet am 17. September statt. «Hebeimnisvolle Zaubergeräte. Don besonderer Bedeutung wird für die Mitglieder des Magischen Zirkels das Magische Seminar sein. Die Leitung des Magischen Seminars hat Dr. T e u m e r. Selbstverständlich ist das Maische Seminar streng geheim und nur den Mitgliedern des Magischen Zirkels und ausländischer Vereinigungen zugänglich. In diesem Magischen Seminar werden nue unbekannte Tricks erklärt, zum Teil in allen Einzelheiten im Film gezeigt. Während der Dauer des Kongresses findet eine Magische Messe statt, in der, ebenfalls nur an dis Mitglieder des Zirkels, Zauberapparate und sonstige Geräte der Zauberei verkauft werden. Hier kann man alle magischen Neuheiten bewundern, den neuen Talerfang-Kühler, die verbesserte Wunderglocke, den Jdeal-Tuchrevolver, die Astral- Uhr, die Wandernde Flasche oder die Kartensonne und alle anderen geheimnisvollen Zaubergeräte. — Auf dem seltsamsten aller Kongresse in Frankfurt wird man diese geheimnisvollen Zaubexgeräte nicht nur kaufen können, sondern wird mit Staunen und Bewunderung sehen, wie sie von den Zauberkünstlern aller Welt meisterhaft gehandhabt werden. r. Aus her Stadt Gießen. Begegnung mit leichten Geschöpfen. Wir gingen um eine Straßenecke ins Freie. Plötzlich sahen wir am Himmel Drachen stehen. Da hingen die goldgelben und süßrosa Fließpapiere um leichte Lättchen im ganzen Gewimmel umher, sie kurvten sich langsam hoch, sie trugen Schwänze aus Papier, um das Gleichgewicht zu halten. Während wir schmunzelnd den munteren Vögeln zusahen, brauste plötzlich, ruhig und gewaltig, eine Verkehrsmaschine der Luft hoch über all dem hinweg. Und man dachte im gleichen Augenblick an die eigene Jugend. Denn als wir Buben waren und Drachen bauten, da bauten Lilienthal und Farman und bauten die Gebrüder Wright andere und größere Drachen. Jene Maschinen, die über bie Felder hoppelten und manchmal nur hundert Meter weit flogen. Aber sie waren der wahrhafte Beginn der Lufteroberung. Wir aber, während wir mit Kordeln und Drachen über die Sieder zogen, träumten von den Flugmaschinen, die so gewaltige Wasserwüsten wie den Aermelkanal hinter sich brachten und so ungeheure Höhen wie achthundert Meter erklommen. Mußte nicht mit der Eroberung der Luft und der planmäßigen Selbstverständlichkeit der Verkehrsfliegcrei die kindliche Freude am Drachensteigen nachlassen? Aber siehst du, da gingen wir dahin und die Kinder ließen Drachen steigen, wie einstmals. Schöne, stattliche, farbige Seidentiere, knisternd und bunt. Dann sahen wir ein kleines Mädchen sprin-- gen. Es hatte auch einen Drachen. Den rührendsten und primitivsten aus unserer eigenen Kindheit. Ein Blatt aus dem Schulheft, rechts gefaltet, links gefaltet, ein Stück Nähfaden am einen Ende befestigt. Siehe, es flog auch. Die Augen des Mädchens leuchteten. So wenig Papier kann so großes Glück bedeuten. Der Kinder Spiele sind unvergänglich. r. k. Sornoiizen Tageskalender für Donnerstag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Diskretion Ehrensache." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Verwehte Spuren." BOM.-llntergau 116 Gießen. Dienstbefehl l Am kommenden Sonntag, 18. September, treten alle Führerinnen, einschließlich Schäftführerinnen, Sportwartinnen, Geldverwalterinnen und Sozial- warttnnen des Kreises Friedberg zur Uebernahme durch die neue Untergauführerin. und zwecks Neueinteilung der Gruppen um 10 Uhr an der Unter» gaudienststelle des bisherigen Untergäues in Bad- Nauheim, Moltkeftraße, an. Ende der Tagung gegen 13 Uhr. Keine bevorstehende Einführung der Kalkulationspflicht im Handwerk. Fwd. Der Reichskommissar für die Preisbildung teilt mit: Entgegen privaten Mitteilungen, die in letzter Zeit auch ihren Weg in die Presse gefunden haben, wird die Einführung der Kalkulationspflicht im Handwerk, insbesondere auch im Bauhandwerk, zur Zeit nicht erwogen. Im Interesse höherer Wirtschaftlichkeit ist es allerdings sehr erwünscht, wenn das Kalkulations« und Rechnungswesen auch im Handwerk Fortschritte macht. Eine solche Entwicklung setzt jedoch eine umfangreiche Vorberei- tungs- und Erziehungsarbeit voraus, die keineswegs durch Verordnungen ersetzt werden kann. Die Einführung der Kalkulationspflicht würde auch dem Erlaß des Reichswirtschaftsministers vom 11. November 1936 widersprechen, mit dem gleichfalls die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit im Handwerk angestrebt wurde. Unrichtige Meldungen über eine bevorstehende Einführung der Kalkulationspflicht sind dagegen nur geeignet, Verwirrung zu stiften und die schon sehr bemerkenswerten Ansätze zur selbständigen Entwicklung eines geordneten Rechnungswesens und einer richtigen Kostenerfassung im Handwerk zu stören. Gießener Dochenmarktprette. G i e ß e n, 15. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Vt kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse C 11)4, ausländische Kühlhauseier 11 bis 12%, Wirsing, % kg 8 bis 10, Weißkraut 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Karotten 10, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 30, gelb 30, Tomaten 20 his 35, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 45 bis 60, Rhabarber 12, Kürbis 6 bis 8, Pilze 30 bis 50, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,30 bis 4 Mark, Aepfel, % kg 25 bis 45 Pf., Falläpfel 15, Birnen 25 bis 40, Brombeeren 40 bis 55, Preiselbeeren 40, Hauszwetschen 23, Edelzwetschen 40 Pf., junge Hähne 1,10 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 30, Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 2 bis 6, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 10 bis 12 Pf. ** Arbeitsjubiläum Am heutigen Tage feiert der Arbeiter Karl Heinrich D öII aus Linden- struth bei den Gailschen Tonwerken in Gießen fein 25jähriges Arbeitsjubiläum. Herr D ö 11 ist in diesem Betriebe seit seinem Eintritt als Werksttmmer* mann beschäftigt. Er hat sich während dieser Zeit die Zufriedenheit und Achtung der Betriebsführung erworben, und 'mit allen Mitarbeitern pflegt er gute Kameradschaft. Durch die Firma und seine Arbeits-. kameraden wird der Jubilar an seinem Ehrentage entsprechend gefeiert werden. ** Verein der Aquarien- und Terra- rienfreunbe gegründet. Dieser Tage wurde in Gießen ein Verein der Aquarien- und Terrarien- freunde gegründet. Der junge Verein wird am kommenden Samstag mit einer Versammlung an die Öffentlichkeit treten. Der Gauvorsitzende des (Baues 18 im Reichsverband deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde, Willy Ullrich, Frankfurt a. M., wird über Ziele und Zwecke des Reichsverbandes sprechen. Außerdem sollen zwei Filme gezeigt werden. M „firafl durch Freude" in den Minier1038/39 Erweitertes Programm für Stadt und Land. Die NS.-Gerneinschast „Kraft durch Freude" in der Deutschen Arbeitsfront, die es sich seit über fünf Jahren mit großem Erfolg zur Aufgabe gemacht hat, alle schaffenden Volksgenossen zu lebendigem Anteil am gesamten deutschen Kulturleben zu führen, hat auch für den Winter 1938/39 vor, diese Arbeit zielbewußt fartzuftihren. Um einen breiteren Kreis unserer Bevölkerung mit den Absichten und dem Veranstaltungs-Programm vertraut zu machen, hat Kreiswart Pg. Dopheide (Gießen) die Vertreter der Presse im Kreis Wetterau mit dem Vorhaben der Kreiswaltung Wetterau der NSG. ,Kraft durch Freude" bekannt gemacht. Dabei ließ sich die Erkenntnis gewinnen, daß das Programm für den Winter 1938/39 sowohl für die Stadt als auch für das Land eine erhebliche Ausweitung erfahren hat. Durch die Zusammenlegung der Kreise Gießen und Friedberg zum „Kreis Wetterau" hat sich für die Kreiswaltung eine außerordentliche Vermehrung der Aufgaben ergeben.' 155 Orte gilt es zu betreuen, dazu 537 Betriebe mit je über 5 Mann Gefolgschaft, darunter 220 Betriebe mit über je 20 Mann Gefolgschaft. Die bevorstehende Winterarbeit soll im Rahmen von sog. „Feierabendringen" geleistet werden, denen möglichst viele Volksgenossen angehören sollen. Die bisherigen reinen „Theaterringe" kommen in Fortfall. Diese Feierabendringe sollen insbesondere in den Städten Gießen, Friedberg, Bad-Nauheim und Butzbach stark ausgebaut werden. Veranstaltungen für die Stadt Gießen Für die Stadt Gießen ist im Rahmen des Feierabendrings eine stattliche Anzahl verschiedenartigster Veranstaltungen vorgesehen. Das Theater wird zwölf Vorstellungen bieten, und zwar — auf das Winterhalbjahr gleichmäßig verteilt — folgende Aufführungen: „Der süßeste Schwindel der Welt", „Sommernachtstraum", „Der Frontgockel", „Rigo- letto", „Flachsmann als Erzieher", „Die Tänzerin Fanny Elßler", „Fidelio", „Das Weib des Andern", „Die lustige Witwe", „Lauter Lügen", „Die andere Seite" und „Der Rosenkavalier". ■— Ferner sind zwei große bunte Abende, zwei Konzerte, ein Gastspiel der Kuban-Kosaken und eine Revue „Wiener Spielzeugschachtel" (mehrtägiges Gastspiel) vorgesehen. Dazu kommen noch einige Veranstaltungen aus Anlaß der Gaukulturwoche und des Jahrestages der NSG. »Kraft durch Freude". Die G a ukulturwo ch e (23. bis 30. Oktober) bringt den Dichterabend Bruno Brehm, eine sudetendeutsche Morgenfeier und als Festaufführung Shakespeares „Sommernachtstraum". Zum Jahrestag der NSG. „Kraft durch F r e u d e " ist als Festaufführung „Riga- letto" gedacht, der unmittelbar der Rechenschaftsbericht des Kreiswarts Pg. D o p h e i d e (Gießen) über die Jahresarbeit vorausgehen wird. — Für Anfang Oktober ist die Abhaltung eines Oktober- f e st e s in der Volkshalle vorgesehen. Selbstverständlich sind für die Städte Butzbach, Bad-Nauheim und Friedberg ebenfalls umfangreiche Programme ausgearbeitet. Die dabei vorgesehenen Theater-Aufführungen werden vom Rhein-Mäinischen Künstler-Theater be- stritten. Beste Unterhaltung auch für die ländliche Bevölkerung. Alle Sorgfalt wird auch der Programmgestaltung für die ländliche Bevölkerung gewidmet. Theater, Film, Bunte Abende und Dorfgemeinschastsabende, insgesamt 150 Veranstaltungen sind vorgesehen. Hierbei wirken eine Theatergruppe, Wehrmächte- kapellen, ein Gau^Vartete „Lache mit uns!", ein lustiges Wochenend-Kabarett sowie Künstler des Gießener Stadttheaters mit. Für die Volksgemem« schaftsabende werden auch die „KdF."- Volkstums» Hein« aruppen „Alten-Bufecker Spielschar", „Spielschar Wißmar", Singschar „Goldkehlchen" Ober-Rosbach, die Musikschar Nieder-Rosbach und die Tanzgruppe Ober-Rosbach eingesetzt. Die NSG. ,Kraft durch Freude" wird außerdem bei der Durchführung größerer und alter heimatlicher Veranstaltungen. Mitwirken, so z. B. beim (Brünberger Gallusmartt sowie beim Friedberger Herbstmarkt. Das Programm für die Staat Grün berg liegt noch nicht in allen Teilen fest. Lediglich vier Theater- aussührungen (durch das Rhein-Mainische Künstler- Theater) können gegenwärtig genannt werden. Es werden gegeben: „Viel Lärm um Nichts", „Der Weibsteusel", „Spatzen in Gottes Hand" und „Was den Damen gefällt“. Für Bad-Nauheim, sind u. a. zwei größere und bedeutende Veranstaltungen vorgesehen: ein Konzert des NS-Reichs- Symphonie-Orchesters und ein Gastspiel des „Romantischen Balletts". Eigener Dortragsdienst im Dollsbildungswerk. Für die Bereicherung des Allgemeinwissens aller Kreise der Bevölkerung, auch auf dem Lande, soll wiederum das „Volksbildungswerk" sorgen. Zu diesem Zweck wurde ein eigener Kreisvo rtrags- dienst organisiert, der in 16 Orten des Kreises Kannst duzunilk, Sore? Roman von Hedda Lindner. Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35. 15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Die schöne Carola bekam ihn zu spüren. Wenn sie geglaubt hatte, als schuldlos geschiedene Frau ohne die läftige Beigabe eines ungeliebten Mannes ihr angenehmes Leben fortsetzen zu können, so wurde sie bitter enttäuscht. Da Gerald nicht über eigenes Vermögen verfügte, Verträge über feine Stellung nicht vorhanden und er außerdem bei seinem Onkel tief in Schulden war, konnte er sie nicht alimentieren. Carola sah sich also eines Tages gezwungen, das Carlton in Berlin, wo sie die Er- lebigung der Scheidung mit Modeschauen, Tanztees und ähnlichen Zerstreuungen äbzuwarten gedachte, wegen gänzlichen Versiegens der Geldquellen mit dem Elternhaus zu vertauschen, wobei ihr Vater, ein sehr rechtlicher Mann, ihr so deutlich seine Mei- nung sagte, daß das kleine Hausmädchen nachher behauptete, er habe sie geschlagen. Jedenfalls gab es ein großes Hin und Her der Rechtsanwälte, und schließlich setzte ihr der alte Freiherr eine Rente aus, die nicht einmal dem entsprach, was sie sonst für Hüte, Parfüms und Handschuhe auszugeben pflegte. Sie blieb einstweilen bei ihren Eltern, von der Mutter wie immer maßlos verwöhnt, vom Vater geduldet, und überlegte, wie sie sich am raschesten wieder die Mittel zu ihrer früheren Lebenshaltung verschaffen könnte. Die Voruntersuchung erstreckte sich über einen Zeitraum von fast sieben Monaten. Es waren schwerwiegende Indizien, die gegen Gerald sprachen. Er hatte nachweislich von seinem Onkel einen höhe- ren Geldbetrag verlangt, der ihm verweigert wurde, wobei es zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen war. Drei Tage darauf war der alte Freiherr in die Stadt gefahren, um auf einer Bank verschiedenes zu erledigen-, dort mußte er etwas sehr unangenehmes erfahren haben: denn er befahl in großer Aufregung feinem Chauffeur, sofort nach Rehwaldau umzukehren, was ursprünglich nicht im Programm gestanden hatte. Es bedurfte keiner langen Untersuchung, um festzustellen, daß der Bank ein Scheck vorgelegt worden war über den gleichen Bettag, den Gerald von seinem Onkel verlangt hatte. Der Scheck trug Friedrich Clemens' Unterschrift und wurde anstandslos honoriert; der Name des Ueberbringers auf der anderen Seite war unleserlich und unbekannt. Man entsann sich feiner dunkel als eines älteren Herrn mit Vollbart und Brille. Anscheinend eine ziemlich primitive Maskierung, die nur Erfolg hatte, weil niemand argwöhnisch war. Der alte Baron zahlte häufiger große Beträge durch Scheck. Der Scheck nun war gefälscht, und der Unter» uchungsrichter folgerte so: Friedrich Clemens hatte einen Neffen wegen dieser Fälschung zur Rede ge- tellt und ihm mit Enterbung gedroht. Das konnte ür Gerald als Motto ausreichen, ihn durch Nieder» chießen daran zu verhindern. Gerald bestritt zwar nicht nur den Schuß, sondern auch die Fälschung auf das entschiedenste, aber er war der einzige, dem das Scheckbuch zugänglich war. Für ihn sprach andererseits, daß diese Fälschung außerordentlich töricht war; denn er mußte damit rechnen, daß sein Onkel sie schon bei der nächsten Bankabrechnung feftstellen würde. „Das ist richtig", gaben seine Gegner zu, „es sei denn, er rechnete damals schon damit, seinen Onkel vorher auszuschalten." „Dann müßte die Anklage auf Mordversuch lauten", sagte der Staatsanwalt, und nicht auf Totschlagsoersuch." Als Geralds Onkel einigermaßen wiederhergestellt war, trat er also mit aller Energie für seinen Neffen ein. Das blieb gewiß nicht ohne Eindruck, aber auch da erhoben sich gegnerische Stimmen, die zum Ausdruck brachten, daß diesem alten Aristokraten vor allem daran läge/ seinen Namen rein» Anhalten, und daß er in diesem Bestreben auch den schuldigen Neffen decken würde. So ging es eine ganze Zeit mit dem Für und Wider. Der Bruchteil einer Sekunde entschied die Sache. Der Förster Schröder war damals zum Bericht gekommen und stand grabe am Fuß der Treppe in der großen fialle, als der Schuß fiel. Die Schrecksekunde war bei dem Forstmann nur sehr kurz, und er jagte in großen Sprüngen die Treppe hinauf. Oben stieß er auf Gerald, der von der anderen Seite des langgestreckten Flures herbei- aeftürmt kam, und sie rannten zusammen in das Arbeitszimmer. Hätte Gerald den Schuß abgegeben, so hätte er von der Tür des Arbeitszimmers bis zur Treppe mindestens ebensoviel Zeit gebraucht wie der Förster, um die Stufen zu nehmen. Er war aber von rechts gekommen, aus der Richtung seines Zimmers, das auf dieser anderen Seite lag. Nun fragte sich folgendes: konnte er den Schuß abgeben, den Korridor hinunterrennen, an der Treppe vorbei; dann kehrtmachen und wieder zurück in der gleichen Zeit, die Schröder brauchte, um die Stufen hochzujagen? Der Untersuchungsrichter Dr. Goltz var ein äußerst gewissenhafter Mann. Beim Lokaltermin mußte der Förster unendliche Male die Treppe hinaufstürmen, während er mit der Stoppuhr dabei stand. Es handelte sich um Sekunden, aber es erwies sich immer wieder, daß auch bei größter Schnelligkeit Gerald mindestens einen Meter vor der Treppe hätte stehen müssen, als er mit dem Förster zusammentraf, während er noch gut dreiviertel Meter hinter der Treppemnünbung war, was Schröber bereit war, auf seinen Eid zu nehmen. Er entsann sich trotz der Aufregung genau, daß er erst den Kopf nach rechts gedreht hatte, als er Gerald sah, und dann mit ihm nach links weitergelaufen war. Dr. Goltz stand nach Beendigung des Lokaltermins in der Halle und war tm Begriff, aufzubrechen, als der Chauffeur zwei wundervolle persische Windhunde hereinführte, die sich sogleich vor den Kamin lagerten, ohne den Fremden zu beachten. Dr. Goltz war ein großer Hundeliebhaber. „Das sind ja Sakulis", sagte er interessiert. „Eine seltene Rasse hier in Deutschland." „Die verstorbene Baronin züchtete sie, es waren ihre Lieblingshunde, und darum werden sie weiter gehalten." Dr. Goltz kam näher. „Das kann ich verstehen. Ein paar Prachtexemplare", sagte er bewundernd. „Ja, es sind schöne Tiere, darum waren wir auch sehr in Sorge, daß sie uns eingingen." „Ach! Wohl Staupe, sie scheinen noch jung zu sein?" „Staupe gerade nicht", antwortete der Chauffeur zögernd, dann entschlossen: „Es sind die Hunde des jungen Barons, der führt die Zucht weiter. Und wie er weg war, haben sie wochenlang nicht fressen wollen." „So hängen sie an ihrem Herrn? Windhunde gelten doch im allgemeinen nicht als besonders treu?“ „Diese wohl. Und an dem jungen Herrn hängen alle Tiere, auch die auf dem Hof", lautete die ieb» haste Antwort. „Wenn der Tierarzt kommt, muß er immer dabei sein, damit er besser untersuchen kann. Es ist besser, wir gehen. Die Hunde haben schon gemerkt, daß wir von ihm sprechen." Tatsächlich, beide Hunde hatten die Köpfe gehoben und sahen Dr. Goltz mit großen, forschenden, Augen an. Und es war merkwürdig: immer, roenn; er von jetzt an auf Grund der Indizien — daß ber Schuß aus Geralds Pistole gekommen war, belüftete: ihn ebenso wie das unerklärliche Verschwinden dieses Waffe — sich zu der Ueberzeugung durchattbeitem wollte, daß er der Täter sei, dann kamen die vor- wurfsvollen Hundeaugen dazwischen, und es schien ihm gänzlich unmöglich, daß ein Mensch, den all« Tiere so liebten, ein heimtückischer Meuchelmörder sein sollte. Und als schließlich die Untersuchung ein* gestellt wurde, ohne daß es zur Eröffnung des Der* fahrens kam, war es selbstverständlich nur aus dem Grunde, weil die genaue Zeitberechnung ergebens hatte, daß Gerald Hilger diesen Schuß nicht ab" gefeuert haben konnte. Aber ein ganz klein bißchen: mar es doch auch, weil die Tiere von RehwaDa^ so eindringlich für ihren Herrn plädiert hatten. Man begnügte sich vorläufig mit der Erklärung, daß möglicherweise ein Landstreicher sich ein* geschlichen habe, der dann in der allgemeinen Aus» regung entkommen sei, eine Erklärung, deren Faden* scheinigkeit allen klar war, am me'iften den Behörden. Man legte die Angelegenheit in das Faö> der unaufgeklärten Fälle, und Gerald war frei. Er hätte fein gewohntes Leben wieder aufnehmen können. Ganz Rehwaldau war bereit, ihn diese Zeit vergessen zu lassen. Ganz Rehwaldau? — Nur eine nicht, die eine einzige, die Sinn und Jnhatt seines Daseins gewesen war. Das Kränkende einer solchen Verhaftung hätte Gerald überwunden, ebenso wie die Untersuchungshaft selbst; denn er war keineswegs ein Schwächling. An dem Verrat der geliebten Frau brach er innerlich zusammen. Er bestand daraus, nach Ostafrika zu geben, W° der Bruder feiner Mutter eine KaffeepflanzunA hatte, und Friedrich Clemens mußte ihn ziehen lassen. Seine Mahnung an die Pflichten gegen Reh" waldau tat Gerald mit dem Hinweis ab, daß ’£ Günther von Pdtry noch ein Erbe da sei, dennoaH gab der alte Clemens nie die Hoffnung auf, ba® Gerald zurückkomrnen würde. Er mußte nur Zeit haben, um sein seelisches Gleichgewicht wieder zu finden, und darum war es vielleicht das beste, wenn, er erst einmal ganz herauskam aus dieser Umgebung. Onkel imb Nesse schieden in Harmonie, feine Frau sah er nicht wieder. Er fuhr zunächst in die Schweiz, weil er dir Wartezeit, bis alles für die Ausreise geregelt war, in einem fremden Land besser ertragen konnte. In dieser seelischen Verfassung traf er aus Dore» 'Fortsetzung folgt!) n V;-.' i, ohne HpieW durch der - be$ Zwei 6m. 5s .> xvb" und auheim Dnanstal- ls.'AeichS' des „No> 6ttQ. tourbi ^rien, Mot. Q* dir ’.e b65 'ne fut forscht mer, Di" -batzd' ar, b* üxr. LmdtI jen. 3>* orW des Ä®« Buchungen seine Verwirklichung finden, als auch in der Lehre und Forschung zum Ausdruck gebracht werden. Während es die besondere Aufgabe der zur stationären Aufnahme der Patienten eingerichteten Kliniken ist, die bereits ausgebrochenen Erkrankungen mehr oder minder schweren Grades durch ein Heilverfahren zu beheben, muß die Medizinische Poliklinik durch Frühdiagnostik und durch vorbeugende Untersuchungen die Entstehung ernsterer Gedesuniversität gewonnen. Es sprechen Professor Dr. S e s s 0 u s über „Die deutsche Kolonie Samoa", Profesor Dr. A n k e l über „Die Lebewelt des deut» schen Meeres", Dr. Scheibe behandelt das Thema „T)it deutsche Hindukusch-Expedition", Studienrat Dr. Glöckner spricht über „Deutsche Kulturarbeit in Südamerika", Professor Dr. Meyer-Bark- hausen über „Dos ^deutsche Bauernhaus und die Dorskirche". Professor Dr. Hummel zeigt Bilder von einer Reise durch Süd- und Ostafrika, Dr. Krüger, der Leiter des Oberhessischen Museums, spricht über Hessens Vorgeschichte, und der Leiter oes Kreyes Friedberg ein- jedem dieser Orte wird das ober« öberg >1", ein ler de; sgemem« lkstiW, die vordringlichsten Aufgaben im Arbeitsbereich Medizinischen Poliklinik. Dieses Programm muß sowohl Tag für Tag in der Praxis bei den Unter- Die Ausgaben der Mdizimschen polillimk Von Prof. Dr. med. Haas, Direktor der Medizinischen Universitäts-Poliklinik. heim, zum Glauberg; eine botanische Exkursion findet in den Schiffenberger Wald statt. Kurse der Dolksbildungöstälte. In Gießen wird die Unterabteilung des Volksbildungswerkes, die Volksbildungsstätte, einen Hand- harmonika-Kursus, einen Zeichen- und einen Photo- Kursus, so wie einen Arbeitskreis für Laute- und Gitarrespiel einrichten. Selbstverständlich wird auch in Zukunft der Sportarbeit breiter Raum gewidmet werden, über die in anderem Rahmen zu berichten sein wird. Insgesamt kann man erkennen, daß es sich die RSG. „Kraft durch Freude" sehr angelegen sein läßt, Kulturarbeit auf breitester Grundlage zu leisten. Alle Volksgenossen, die bewußten Anteil am deutschen kulturellen Leben nehmen wollen, haben hier die Möglichkeit, in unmittelbarer Verbindung mit deutscher Kunst und deutscher Kultur zu bleiben. las I iegt noch 1 Theater- " hin "bie. tuner, ^eit Orunq r flute: rbeitg, sundheitsschäden zu verhüten suchen. Sie ist damit in allererster Linie berufene Hüterin zur Aufrechterhaltung der Dolkskraft und der Gesundheit der Nation. Um nur andeutungsweise und in Stichworten einige Arbeitsgebiete der Medizinischen Poliklinik zu skizzieren, kommt zur Zeit bei der Durchführung des Vierjahresplanes der Betreuung der Belegschaften der Hüttenbetriebe besondere Bedeutung zu. ES gilt hier in erster Linie, die Staübschäden der Lunge in dem Stadium zu erkennen, wo durch rechtzeitiges Auswechseln des Arbeitsplatzes ernstere Gesundheitsstörungen der Gefolgschaftsmitglieder einerseits und Entschädigungspflicht des Werkes bzw. der Berufsgenossenschaft anderseits vermieden werden, könnem Ubi nicht Raubbau mit der Gesundheit der Belegschaft zu treiben und damit durch Ausfall von Arbeitskräften den Vierjahresplan zu gefährden, werden terminmäßige Untersuchungen der Gefolgschaftsmitglieder in der Poliklinik mit hierfür vorgebildeten Aerzten bei entsprechender Einrichtung des Institutes durchgeführt. Viele, ganz präzise Entscheidungen sind hier von ausschlaggebender Bedeutung, um den letzten arbeitsfähigen Mann an die richtige Stelle im Arbeitsprozeß einzugliedern. Aehnlichs Ziele verfolgen die Untersuchungen anderer Be- ttiebe, wo die Auffindung von Infektionsquellen di-! Hauptrolle spielt, wie z. B. der Kliniken und Veterinärkliniken mit ihren zahlreichen Betriebsmitgliedern. Damit kommen wir zu einem besonders großen Arbeitsbereich der Medizinischen Poliklinik: der Lungenfürsorge. Die Medizinische Poliklinik ist nicht nur die Fürsorgestelle für Stadt- und Landkreis Gießen, sondern darüber hinaus kommen die zu Betreuenden aus dem großen Umkreis Oberhessens und dem Lahn-Dillgebiet. Oberstes Gesetz für die Tuberkulosebekämpfung ist 1, Aufdeckung und Sanierung der Entstehungsquellen, d.h. der offenen Lungentuberkulose, und 2. Auffindung und Behandlung der Lungentuberkulose, bevor sie offen ist. Um dieses große Ziel zu erreichen, sind ungeheuer mühselige, zeitraubende und vielseitige Umgebungs-, Reihen« und Gruppenuntersuchungen erforderlich. Es werden durch diese Maßnahmen Tausende von Volksgenossen nicht nur in Industriegebieten, sondern besonders auch bei der Landbevölkerung, die sich für gesund halten, rechtzeitig dem traurigen Schicksal des z Schwindsüchtigen entrissen und als wertvollste Dolkskraft dem Staate erhalten. Eine nicht minder große Rolle, wie in der Verhütung der Lungenkrankheiten, spielt die Fürsorge und Vorsorge bei Beschwerden von (eiten des Magens. Auch hier ist die Frühdiagnose und frühzeitig gegebener ärztlicher Rat, gleichgültig, ob es sich um einen Magenkatarrh, Magengeschwür oder Krebs handelt, entscheidend für den weiteren Verlauf. Bei der großen Zahl von Magenkranken gerade in dev heutigen Zeit bedeutet deshalb die exakte fachärztliche Betreuung für den Arbeitseinsatz ungeheue« viel. Nicht anders steht es mit den Zuckerkranken, di6 wir heute ebenfalls, auch wenn es sich um schwere Formen handelt, bei exakter Fürsorge voll leistungs- und in der Arbeitsschlacht einsatzfähig erhalten können. Ganz ähnlich liegen die Aufgaben bei vielen anderen Krankheitsgruppen, wo durch sachgemäße Ueberwachung und terminmäßige Kontrolle die Arbeitsfähigkeit erhalten werden kann. Es bedarf wohl keines weiteren Hinweises, daß einer Klinik, die zur Erfüllung dieser gewaltigen Aufgaben eingesetzt ist, auch, nur einigermaßen soviel Raum zur Verfügung stehen muß, daß 1. überhaupt die Arbeit geleistet werden kann, 2. die Patienten in entsprechend geräumigen und hygienischen Warteräumen untergebracht werden können. In dieser Beziehung sind die Verhältnisse in der Medizinischen Poliklinik keineswegs ideal, um so erfreulicher ist die Tatsache, daß die schon seit Jahren von der Direktton geforderte Erweiterung nun in Erfüllung- gehen soll. Genau so selbstverständlich wie die notwendig gewordene Vergrößerung und Erweiterung der Unter« suchungs- und Warteräume dürfte die Errichtung eines eigenen Hörsaales fein, der der Medizinischen Poliklinik seit ihrem Umzug in die Frankfurter Straße immer noch fehlte. Hier sollen den Studieren- den in engstem örtlichen Zusammenhang mit den poliklinischen Untersuchungen bei selbsttätiger praktischer Betätigung Erfäbrungen und Richtlinien der Gesunderhaltung zur Bewahrung der Leistungsfähigkeit unseres Volkes gelehrt werden. Die großen Bauprojekte für die Llniversität Gießen Baumeister und Wissenschaftler über die Ziele der neuen Bauaufgaben. Chirurgische Veieriuärllinik im Aufschwung Von Prof Dr. Bolz, Direktor der Chirurgischen Veierinärklinik. Seiler im Frankfurter Westhafen. Lpd. Frankfurt a. M., 14. Sept. In der Nacht zum Mittwoch gegen 2 Uhr brach im Wett- Hafen in einem der Stadt Frankfurt gehörenden Kornlagerhaus Feuer aus, das die Maschinenanloge zum größten Teil zerstörte. Die eingelagerten Getreidevorräte blieben völlig unversehrt. Das Feuer konnte rasch gelöscht werden. Ein Arbeiter erlitt eine leichte Fußverletzung. Vermutlich ist der Brand durch eine Staubexplosion entstanden. Der Volkswagen in Frankfurt. Lpd. Frankfurt 0. M., 14. Sept. Am Mittwochnachmittag ist ein Volkswagen in Frankfurt 0. M. eingetroffen, der auf der Bau- und Siedlungs-Ausstellung aufgestellt und dort zu sehen sein wird. Den zahlreichen Volksgenossen, die die Bau- und Siedlungs-Ausstellung besuchen, wird damit eine Gelegenheit geboten, den Volkswagen aus eigener Anschauung kennenzulernen. Rundfunkprogramm Freitag, 16. September. 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Mor< genfieb. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkon« zert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäder* konzert. 9.30: Nachrichten. 9.40: Mutter turnt untj spielt mit dem Kind: Wir spielen im Sand. lOij Schulfunk: Johann Nikolaus Dreyse. 10.30: Kampfspiele: Ergebnisse der HJ.-Kämpfe und die Lehren, daraus. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15^ Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Caruso —- Gigli. 15: Kleines Klavierkonzert. 16: Nachmittags* konzert. — Das Mikrophon unterwegs. 18: Zeit* geschehen. 18.30: Meisterwerke der Chormusik. 19q Der Garnmacher Crompton, Erzählung von Heinrich Diefenbach. 19.15: Unterhaltungskonzert. 20: Nachrichten. 20.15: Unterhaltungskonzert. 21.15: Ich will leben und kämpfen, lieben und hassen. Eine Hörfolgel um Hermann Löns. 22: Nachrichten. 22.30: Unter* Haltung und Tanz. 23 bis 23.20: Sporteknlage. 241 Nachtkonzert I. 2 bis 3: Nachtkonzert II. der sich in ein Lehr- und in ein Forschungsinstitut gliedert, zeigt eine durchaus symmetrische Anlage in Hufeisenform, die bei der Beschaffenheit des Bauplatzes, der an der Ecke der Uhlandftraße und des Wartwegs liegt, leicht möglich war. Seitdem man Anatomien baut, hatte man die rein symmetrische Grundrißanlage gewählt, die dem Charakter des Gebäudes entsprach und monumental wirkte. Erst in letzter Zeit ging man vereinzelt hiervon ab, insbesondere bei großen Anlagen wie Basel, München, Königsberg u. a., die durch mchr sachliches Aneinanderreihen der Räume moderneren Eindruck machen. Seitens des Instituts wurde besonderer Wert auf die Anlage eines mit dem Gebäude verbundenen Gartens gelegt, als Erholungsstätte in der Freizeit während der Arbeitszeit. Der Grundriß zeigt eine Straßen- und eine Gartenfront, letztere mit dem Hörsaal mit den hierzu gehörigen Räumen, die nach Nordwesten liegen. Der Neubau der Erweiterung des Physikalischen Instituts, der an der Stephanstraße unmittelbar anschließend an das bestehende Hauptgebäude errichtet wird, wird in feiner äußeren Erscheinung bestimmt durch den großen Hörsaal und das fensterlose Hochspannungshaus, das angeschlossen ist. Eine neue Anordnung der Räume in dem bestehenden alten Physikalischen Institut gliedert nach Ausführung des Erweiterungsbaues die gesamte Gebäudeanlage in ein Lehr- und Forschungsinstitut. Die Poliklinik erhält den Anbau eines Hörsaals mit den erforderlichen Nebenräumen nach der Klinikstraße zu. Die Chirurgische Veterinarklinik er. hält die erforderliche Erweiterung durch Anbauten nach dem Hofe und nach der Straße zu, ferner durch Aufstockung eines ganzen Geschosses. lieber den Entwurf zu einem Neubau der Landwirtschaftlichen Institute soll an anderer Stelle Näheres ausgeführt werden, ebenso über die Neugestaltung der K l i n i k st r a ß e und über weitere geplante Kliniks- und Institutsbauten. Im „Gießener Anzeiger" Nr. 200 vom 27728. August haben wir unter Beifügung von Modellbildern über große Neu- und Erweiterungsbauten für die Universität Gießen berichtet, die mit Genehmigung der Landesregierung als vordringliche Aufgaben für den weiteren Ausbau und damit für die verstärkte Förderung unserer Alma mater Ludoviciana in absehbarer Zeit zur Durchführung kommen werden, lieber diese Neu- und Erweiterungsbauten und über die baukünstlerischen Ziele, die mit der Verwirklichung der Projekte erreicht werden sollen, äußern sich nunmehr, auf unsere Bitte, der Entwurfsbearbeiter, Re- gierungSbaurat G e r l a ch vom Hessischen Hochbauamt Gießen, und die Leiter der in Betracht kommenden Universitätskliniken in eigenen Aufsätzen. Nachstehend bringen wir die ersten Artikel zu diesem Thema, einige weitere Aufsätze werden folgen. D. Schriftltg. Zu neuer Baukultur. Von Regierungsdaurai Gerlach, Hessisches Kochbauamt Gießen. Dem Gesicht des Menschen als Ausdruck feiner inneren Haltung sei verglichen das „Gesicht" des Hauses als äußerer Ausdruck seiner inneren Gestaltung, wir können es hierbei unbeachtet lassen, mit welchem zeitlichen Auge wir es betrachten. Jedes Gebäude wird für einen besonderen Zweck errichtet, der einen bestimmten, zu feiner Erfüllung notwendigen Raum-Aufbau fordert. Die äußere Gestaltung ist geprägt durck die Baugesinnung als seelischer und geistiger Ausdruck der baukulturellen Wertigkeit der Kulturperiode, sie wird damit Zeitdokument der Kulturgesinnung eines Volkes, sie wird Stil schlechthin. Mr leben am Ausgang einer stillosen Zeit, die fein£ eigne kulturelle Formensprache hat. Sie hat sich schuldig gemacht, indem sie geist- und sinnlos längst abgeschlossene Stilperioden vergangener Kulturepochen unverstanden nachahmte und sich von dort chre Formenwelt nahm. Diese Zeit liegt in ihren schlimmsten Auswirkungen hinter uns als eine Zeit größten baukulturellen Verfalls, wie sie die Geschichte vorher nicht kannte. Es kann an dieser Stelle nicht darauf eingegangen werden, was zu diesem kulturellen Tiefstand führte — die staatliche Führung versagte —, den Menschen als Einzel- individuum kann man in vollem Umfange dafür nicht verantwortlich machen, da er, um ein Wort unseres Führers anzuführen, in feiner inneren Aus- richtung nicht „klar und gesund" war, denn das „Klare und Gesunde" ist auch für das baukulturelle Schaffen unbedingt erforderliche Lebensbedi gung. Die unbedingte Anerkennung dieser Forderung einer erwachenden Zeit führte zurück zur Wiedererfassung des hohen künstlerischen Wertes des Handwerks in der deutschen Baukunst als sichtbar gewordener Ausdruck des handwerklich schöpferisch gestaltenden Menschen. Sie führte aber auch zugleich vorwärts zum Umbruch und zeigte den Weg zur Wiedergeburt des deutschen Handwerks, die nurt ihrerseits rastlose und restlose Beseitigung einer „Baugesinnung" verlangte, die als Ausdruck ihrer Zeit mißgestalttg an Seele und Geist zum Untergang geboren war. Die Erkenntnis des Tiefstandes dieser Kulturperiode und seine Ursachen, das Wiedererwachen des Verständnisses für das große Gestalten vergangener Kulturepochen und die damit verbundene Achtung vor der Tradition als der Mutter jedes neuen Kulturschaffens — mit der man vor etwa hundert Jahren gebrochen hatte — führt zur Ordnung und Gesundung des inneren Kulturmenschen und dahin, wo der Faden wieder anzuknüpfen ist. Wir stehen heute im Kampfe gegen eine Zeit des Verfalls und sehen bereits erste und große Erfolge im Ringen um die Form, das uns innerlich neu Bewegende baulich zum Ausdruck zu bringen. Ebenso wie der Mensch nicht aus dem Nichts entstehen kann, so kann auch ein Kulturzustand niemals vom Himmel fallen oder eines Tages erfunden werden. Kultur lebt von altersher, bas kulturelle Geschehen, ihre Fortentwicklung und Gestaltung sind in die Hände der hierzu Berufenen vnd in die des Volkes gelegt. Kulturschaffen hat mit Hirn- und herzlosen „Narreteien" nichts zu tun, wie sie die vorausgegangene Zeit predigen und produzieren konnte. Der Tiefstand unserer Baukultur kann endgültig I und vollwirksam nur durch einschneidende richtungweisende Maßnahmen seitens des Staates beseitigt werden. Diese Anordnungen hätten sich als Disziplin Für die Belange der Baukultur, wie sie bereits auf □nberen, das Leben unseres Volkes gestaltenden Ge- vieten bestehen, zu befassen, mit der Schulung und Belehrung des Kulturschaffenden — hier des Archiven und des Handwerkers — mit dem Ziele, siö .. W wahrhaften Kulturarbeitern unseres kulturfor- I Druden Volkes zu erziehen. Wir brauchen deshalb das „Gesetz gegen die Veranstaltung", das keineswegs bürokrattfche, reaktivere Zwangsjacke sein soll, sondern das als Schutz -Wb Stütze deutscher Baukultur jene Freiheit wieder- | l'bt, die den deutschen Baumeister und Handwerker , Wieder wie zu Zeiten bester Kulturarbeit befähigt — Gießen und in 10 Orten des Kreises Fi gesetzt werden wird. In jedem dieser Di.. ________ Winterhalbjahr je zwei Verträge bringen. Im Kreise Gießen sind es die Orte: Allendorf an der Lumda, Daubringen, Großen-Buseck, Großen- Linden, Leihgestern, (Brüningen, Heuchelheim, Hungen, Klein-Linden, Lich, Lollar, Mainzlar, Stein- bad), Watzenborn-Steinberg und Wieseck. Für die Vorträge wurden u. a. Wissenschaftler unserer San- Die von mir geleitete Chirurgische Dete- rinärklinik unserer Universität hatte in den letzten Jahren einen erheblichen Aufschwung zu verzeichnen. Dies ist äußerlich allein daran erkennbar, daß sich die Belegung der Klinik feit dem Jahre 1934 verdreifacht hat. Nicht zuletzt ist dies dem Aufblühen der Landwirtschaft und der Tierzucht im Dritten Reich und der Besserung der wirtschaftlichen Lage der Tierbesitzer zu verdanken. Die Klinik ist die einzige ihrer Art in einem Umkreis von mehreren hundert Kilometern. Wenn sie auch weiterhin ihre Ausgabe erfüllen soll, wertvolles deutsches Nationalvermögen zu erhalten, das in dem deutschen Tierbestand verankert ist, so ist eine Erweiterung und Modernisierung nicht mehr zu umgehen, um so mehr, als sich auch Die Anforderungen an die Klinik vom Blickwinkel des Vierjahresplanes aus gesehen erheblich vermehrt haben. Da auch die chirurgisch erkrankten Pferde der Wehrmacht in der Klinik Aufnahme finden, fahrt) der geplante Neu- und Umbau der Klinik nicht nur die Unterstützung der Hessischen Landesregierung, sondern auch tatkräftige Förderung durch die in Frage kommenden militärischen Dienststellen. Der Neubau wird nach neuzeitlichen Gesichtspunkten erstellt werden und insbesondere auch durch seine innere Ausgestaltung dem Studierenden einen umfassenden Ueberblick über das Gebiet der modernen Deterinärchirurgie in allen ihren Zweigen vermitteln können. Die Stallungen für Pferde und Rinder werden eine erhebliche Erweiterung erfahren, um den seit Jahren bestehenden Platzmangel endgültig zu beheben. Die einzelnen Abteilungen werden baulich und vom hygienischen Standpunkt aus derart gehalten sein, daß sie den Ansprüchen jedes Tierfreundes und Tierhalters genügen. Eine neue große Öperattonshalle mit Oberlicht wird einen zweiten, besonders konstruierten Operationstisch erhalten, in dem die Pferde umgelegt werden können. Die Röntgenabteilung wird vergrößert. In ihr sollen die neuesten Apparate Aufnahme finden. Ein besonderer Operations- und Behandlungsraum für Kleintiere ist ebenfalls vorgesehen. Da die Räume für Unterricht und Forschung zu klein geworden sind, wurde es notwendig, den Bau um ein Stockwerk zu erhöhen. Eine 10 Meter breite und 40 Meter lange, Helle, geräumige Sammlung wird das wertvolle Anschauungsmaterial und Präparate von chirurgischen Krankheiten ber Tiere aufnehmen. Eine besondere Abteilung soll als Rönt- genmufeum eingerichtet werden, und eine weitere soll einen Ueberblick über die Hufkrankheiten und die Hufbeschtagskunde vermitteln. Dieses Stockwerk wird auch den neuen Hörsaal mit Nebenräumen, Laboratorien für Blut- und Gewebsuntersuchungen, das Rontgenlaboratorium, Räume zur Bearbeitung wissenschaftlicher Filme und Photographien, die Bibliothek, ein Laboratorium für Doktoranden usw. enthalten. Im oberen Stockwerk befinden sich die Dienstwohnungen der Assistenten, Operationsgehilsen und Wärter, die in eiligen Fällen stets schnell erreichbar sein müssen. Die Bodenräume werden die für die Verpflegung der Tiere erforderlichen Vorräte auf- n^hmen. , Auch die kleinen Haustiere werden in einem de- 'sonderen Bau ein neues und in jeder Beziehung ansprechendes Heim erhalten. Die mit Zentral- Heizung versehenen geräumigen, Hellen Zwinger für Hunde werden weitestgehend nach neuen Gesichtssichtspunkten errichtet und zahlenmäßig vermehrt. Auch für Katzen, Vögel usw. sind besondere Räume vorgesehen. Eine größere Verbandhalle, eine eigene Küche, ein Baderaum usw. werden auch diese Abteilung allen an sie gestellten Anforderungen gerecht werden lassen. So wird eine Klinik entstehen, wie sie kaum anderswo anzutreffen ist und die dem Studierenden beste Arbeitsmöglichkeiten bietet. Die akchitektoni- schsn Schwierigkeiten zu überwinden, Operations- Halle, Stallungen, Arbeits- und Wohnräume, Laboratorien und Futtermittellager unter einem Dach zu vereinigen und das Ganze ansprechend in das Straßenbild einzufügen, war eine schwere Aufgabe, die jedoch durch Herrn Baurat Gerlach 'vom Hessischen Hochbauamt in vortrefflicher Weise gelöst worden ist. so er nun das Alphabet beherrscht —, eine eigne Sprache zu sprechen und schöpferisch zu gestalten. Während die neuerdings ausgeführten Bauten der Universität als Putzbauten im Geiste einer wieder ZUM Leben erwachenden Baukultur ausgerichtet sind, zeigen die älteren, in Blendsteinen mit Haustein- Verzierungen errichteten Gebäude, in deren unmittelbare Umgebung die jetzt geplanten Bauten gestellt werden, bei wohl selbständiger Haltung die Nachteile eines übernommenen, starren Formensystems. Eine Anpasiung hieran kann nicht in Frage kommen. Die jetzt auszuführenden Neubauten werden als Putzbauten ausgeführt, sie erhalten das wetter- abweisende und damit bobenftänrtnge deutsche Schieferdach in altdeutscher Deckung, die Fenster als organisches Glied der äußeren Formung erhalten Hausteinumrahmungen und Sprossentellung in gleichgroßen Feldern. Betonungen im architektonischen Ausbau treten nur da hervor, wo sie von innen heraus bedingt und städtebaulich gerechtfertigt sind. Die Bauten werden in Garten-Anlagen gestellt, die mit plastischem Schmuck versehen werden. Beeinflußt wird die Gestaltung der Grundrisse und somit auch die äußere Gestaltung insbesondere beim Krankenhausbau und in gleicher Weise bei Gestaltung des Anatomischen Institutes durch die notwendige Orientierung der Räume nach der Himmelsrichtung. Der Neubau der Erweiterung der Medizinischen Klinik wird an der Ecke der Gaffky. und Klinikstraße an der Stelle des Mediko-mechanischen Instituts errichtet, das, soweit erforderlich, abgebrochen wird. Die Verbindung' mit dem Hauptgebäude der Klinik wird neu gestaltet, die nach dem Jsolierhaus neu geschaffen. Der Neubau erhält eine neue Röntgen-Abteilung, Laboratorien für klinische und wissenschaftliche Arbeiten, Behandlungs- und Krankenräume, eine neuzeitliche Bäder-Anlage, Wohn unb Schlafräume für Aerzte, sowie Räume für Schwestern usw. Der Neubau des Anatomischen I n st i i u t s. nett mb es Ifr fll * TäI leuHelEI» rfuchM.^' ung de^ nut aus t iung eG utz nicht klembs n W6 i hatte". >r ßrtlö4| er sich, I ememen« deren O 1 den & a in bas « , war r || er auAI »alt sei-«» einer 1- r sar t der F I MI s av, ä ■ a | .ung WI uätejUl vtA «w. ber Ortsgruppe Gießen des Reichskolonialbundes, berichtet von Erlebnissen in Deutsch- Sudwest-Afrika. Besichtigungen und Führungen. Für Gießen und Umgebung sind mehrere Besich- ttgungen und Führungen beabsichtigt: Oberhessisches Mu eum lFuhrung: Dr. Krüger). Völkerkunde- Museum (Professor Dr. Klute), Liebig-Museum (Professor Dr. B e h a g h e l), Geologische Samm- Professor Dr. Hümme I), Botanischer (Borten (Dr. Heidt), Schmetterlings- und Käfer-Sammlung von Universitäts-Gartenbau-Inspektor Nessel und Stadttheater (Intendant (S ch u l tz e - G r i e s- h e i m). Eine Führung durch Gießen wird unter der ^Leitung von Professor Dr. Rauch durchge- suyrt. Führungen und Besichtigungen werden auch m die Umgebung unternommen, z. B. nach den Goethestätten in Wetzlar und Frankfurt a. M., zum Limes und nach Kloster Arnsburg, nach Bad-Nau- Die Medizinische Universitäts-Poliklinik ist ein Institut, welches nicht nur in Zusammenhang mit anderen Universitätskliniken, sondern weit darüber hinaus in Verbindung mit den Gesundheitsämtern, Parteiinstanzen (NSV. und Amt für Volksgesundheit), Landesoersicherungsanstalten, Berufsgenossenschasten, Wohlfahrtsämter, Arbeitsämter, Industrie, Kommunen, Militär- und Arbeitsdienststellen die gesundheitliche Ueberwachung der breitesten Volksschichten durchzuführen hat. Die Verhütung gesundheitlicher Schädigungen und die Auf- rechterhattung der beruflichen Leistungsfähigkeit sind Haupt-Niederlage in Gießen: Jean Weisel, Sonnenstraße 6 Tel. Nr.3888. Schriften kostenlos Bei Nieren-, Blasen- und Stoffwechsel leiden Frequenz 1937: 25100 Zußbaü-LändelkampsDeuWand-polen Die von G. E. D. (RAS.) vorüber! Wien ausgebeiben letzten Kraftprobe stehen will. Polen. In der nun am 17. und 18. September in tragen werben. Deutschland hat sich nur an den Die Mannschaften. der Reichssportführung vor einigen Nokd und Hauptverwaltung zu messen. Die Uebun- zeigten eine sehr gute Leistung und blieben nur mit gen bestanden aus: Kugelstoßen, Weitsprung, 100- ganz geringer Punktzahl (38) bei einer 1000-Punkt- Meter-Lauf und einer 2000-Meter-Staffel. 1. Sieger Wertung hinter dem 1 ..Sieger Berlin zuruck. Die wurde die Hauptverwaltung Berlin, 2. Sieger die nächste Werksgruppe folgte erst mit erheblichem Werksgruppe West (mit Mainzlar). Die Mainzlarer Abstand. Die Serie von rund einem Dutzend Länderspielen, die unseren Fußball-Terminkalender der Spielzeit 1938/39 ziert, wird am kommenden Sonntag in Chemnitz mit dem fünften Ländertreffen gegen Polen . eingeleitet. Acht Tage später ist dann in Bukarest Rumänien unser Gegner und am 2. Oktober steht der Kampf gegen Bulgarien in Sofia bevor. Unser östlicher Nachbar hat im letzten Jahrzehnt auf vielen Sportgebieten, vor allem im Fußball, riesige Fortschritte gemacht und seine Fußball- Nationalelf zählt mit zu den führenden in Mitteleuropa. Die Geschichte der deutsch-polnischen Fußballbegegnungen ist schnell erzählt. Im Dezember 1933 fand in Berlin der erste Länderkampf statt, der mit einem knappen deutschen l:0-Sieg endete. Einen deutlichen Sieg gab es dann im Rückspiel in Warschau im September 1934, wo das Endergebnis 5:2 zu unseren Gunsten lautete. Am 15. September 1935 gab es im dritten Länderkampf in Breslau wieder ein mageres 1:0 und ein Jahr später in Warschau lautete das Schlußergebnis 1:1. Tagen bekanntgegebene Mannschaft mußte auf einigen Posten geändert werden, aber, wie es den Anschein hat, nicht zu ihrem Nachteil. Die Polen gaben ihre Vertretung am späten Montagabend bekannt technisch hochklassige Spieler auf, die auch über einen gesunden Torschuß verfügen. Zwischen ihnen steht der wuchtige, torhungrige Koblenzer Gauchel. Das Stürmerspsel unserer Nationalelf war in der letzten Spielzeit alles andere als begeisternd und wir wünschen nur, daß sich beim Spiel gegen Polen in dieser Hinsicht eine Wandlung zum Guten vollzieht. Bei den Polen sind in den letzten zwei Jahren auch einige altbewährte Kämpen abgetreten, so vor allem der großartige Verteidiger Martyna, der Läufer Kotlarczyk und der Stürmer Matias. Geblieben sind u. a. der Verteidiger Szczepaniak, der Läufer Dytko und die Stürmer Piec, Peterek, Wil- limowski und Wodarz. Schiedsrichter des Kampfes ist der Schweizer Hans W ü thri ch, der schon viele Länderspiele mit Erfolg leitete. Landkreis Gießen. K Steinbach, 15. Sept. Das Fest der Goldenen Hochzeit können am 16. September die Eheleute Adam Müller und Susanne Margaretha, geb. Arnold, zu Steinbach feiern. Der Ehemann, 74 Jahre alt, «erfreut sich noch einer guten Gesundheit und geht noch täglich seinen landwirtschaftlichen Arbeiten nach, der Gesundheitszustand der Ehefrau, die 77 Jahre alt ist, ist erträglich. Von den acht Paaren, die im Jahre 1888 den Ehebund schlossen, find die Eheleute Müller die einzigen, die dieses Jahr die Goldene Hochzeit feiern können. Einen Sohn haben die Eheleute Müller im Weltkriege verloren, eine Tochter starb im jugendlichen Alter, ein Sohn lebt bei ihnen im Hause. Mainzlar, 13. Sept. Nachdem am 27. August von zehn Arbeitskameraden der hiesigen „Didier- Werke" vier davon siegreich aus dem Betriebssport- Wettkampf der Westwerke Didier in Bonn hervorgegangen waren, durften diese vier Sportler nunmehr am vergangenen Samstag am Betriebssport- Endkampf des Gesamt-Unternehmens in Berlin auf bem Hubertussportplatz teilnehmen. Die vier Kame- raben von hier: Zecher, Scharf, Röhl unb Opper kämpften in ber Werksgruppe West mit, um sich mit den Werksgruppen Ost, Mittel-Süd, Das letzte große Ereignis bes Leichtathletik-Sommers 1938 geht am kommenben Wochenende in, Wien vor sich: bie Europameisterschaften ber Frauen. Zum erstenmal werben bie Kämpfe ber besten europäischen Leichtathletinnen unter dieser Bezeichnung gestartet. Bisher wurden sie alle vier Jahre als Frauen-Weltspiele durchgeführt. Aber nur die ersten Wettspiele 1922 in Paris verdienten diesen Namen wirklich. Später waren die Europäerinnen immer unter sich. Als 1936 ber Internationale Frauensport-Verband aufgelöst unb bie Leichtathletinnen durch ihre ßanbesoerbänbe ber IAAF, eingegtiebert würben, schrieb ber Weltverbanb bie ersten Europameisterschaften ber Frauen aus, bie vorübergehenb benützt werben, sind am zweckmäßigsten mit Hilfe von Ueberglocken über die Glühbirne, bie nach unten eine höchstens 5 Zentimeter große Lichtöffnung haben, zu verbunkeln. Mit Taschenlampen bürfen Räume vorübergehenb nur bann aufgesucht werben, wenn ber Lichtkegel mit blauem Glas abgeblenbet ist. Auch auf ber Straße bürfen vorübergehenb Taschenlampen nur benützt werben, wenn obige Bebingungen erfüllt sinb. Kraftfahrzeuge unb Fahrräber muffen die Scheinwerfer mit Ädblenbkappen abblenben, die z. B. eigens hierfür hergerichtet im Handel erhältlich sind. Der Lichtstrahl der Scheinwerfer darf nur durch einen 5 Zentimeter breiten unb 1 Zentimeter, hohen Schlitz 10 Meter vor dem Fahrzeug auf die Erbe fallen. Das Licht muß babei abgeblenbet sein. Auf jedem Dachboden eines Gebäudes müssen Sandkislen und Wasserbehälter mit. einem Fassungsvermögen von mindestens 100 Liter bereit stehen. Für die Lebensmittel sind abgedichtete Behälter bereitzustellen. Dazu eignen sich z. B. sehr gut Steintöpfe, die mit Zellophan überzogen werden (ähnlich wie die Einmachgläser). Badewannen, Eimer, Kannen, Bottiche usw. sind mit Wasser zu füllen, damit bei allenfallsigen Bränden unb einem Versagen ber Wasserleitung genügenb Wasser zum Löschen kleinerer Brände zur Verfügung steht. Auch muß baran gebucht werben, für ben Aufenthalt im Schutzraum b.ie notwenbigen Sachen bereitzulegen, z. B. Lebensrnittel, Decken, Mäntel, elektrische Taschenlampen usw. (Schutzraumgepäck!). Der Schutzraum ist sachgemäß oorzudereiten. 2. Bei Fliegeralarm: Sobald die Sirenen ertönen, muß jedermann wissen, daß nur wenige Minuten bis zum Eintreffen der Flieger für bie Erledigung ber wichtigsten Arbeit zur Verfügung stehen. Eine Menge kleinerer Arbeiten sinb noch burchzuführen, bevor alles in Ruhe unb Drbnung ben Schutzraum aufsuchen kann. Es ist nochmals Nachschau zu halten, ob auch olle Fenster geschlossen finb. Wo ßäben ober Rolläben angebracht sinb, müssen auch biese geschlossen bzw. heruntergelassen werben. Herbfeuer müssen gelöscht, Oefen vollkommen geschlossen unb der Haupthahn ber Gasleitung ab gestellt werben. Wassergefäße finb vor bie Wohnungen zu stellen. Der Wohnungsschlüssel ist an einen dafür bestimmten Platze aufzuhängen. Sodann begibt sich alles mit dem Schutzraumgepäck in den Schutzraum. Kranke, ältere unb gebrechliche Personen unb Säuglinge, soweit sie transportfähig sinb, müssen selbstverstänblich mit in ben Schutzraum gebracht werben. Wer auf ber Straße von einem Fliegeralarm überrascht wirb, hat sich auf bem kürzesten Weg in den nächstgelegenen öffentlichen Sammelschutzraum zu begeben. Soweit ein solcher nicht zu erreichen ist, muß in bem nächsten Luftschutzraum mit ausreichen- ber Belegungsfähigkeit untergetreten werben. Es geht also nicht an, baß ein tolles Jagen zu Rab, mit bem Auto ober zu Fuß noch ber eigenen Wohnung einsetzt. Jeber wirb dort geschützt, wo er sich bei Fliegeralarm befindet. Fahrzeuge finb scharf an bie rechte Straßenseite heranzufahren, Zugtiere auszufpannen unb unterzustellen ober an einen Laternenpfahl ober Gartenzaun anzubinben. Dabei ist immer barauf zu achten, baß Hybranten unb Ka- nalbeckel frei bleiben. Wer gerabe bie Straßenbahn benützt, hat auszusteigen unb sich ebenfalls in ben nächsten öffentlichen Sammelschutzraum ober Schutzraum zu begeben. Den Anorbnungen ber Polizei ist unbedingt Folge zu leisten. 3. Während des Angriffes: Alle nicht aktiv im Selbstschutz eingeteilten Personen haben sich im Schutzraum aufzuhalten. Dort ist peinlichste Ruhe zu bewahren und Ordnung zu halten. Rauchen unb offenes Licht sinb verboten. Alle sich im Schutzraum definblichen Personen sollen möglichst ruhig sitzen ober liegen, um ben Luftverbrauch auf ein Minimum herabzusetzen. Selbstverstänblich barf ber Schutzraum ohne Erlaubnis bes Hauswartes ober ber Drbner nicht verlassen werben. Den Anorbnungen bieser Aufsichtspersonen ist unbebingt Folge zu leisten. Von ben Polizei- Beamten wirb nachgesehen werben, ob auch tatsächlich alle Personen den Luftschutzraum aufgesucht haben und ob sich dort alles in Ordnung befindet. 4. Nach der Entwarnung: Erst, wenn die öffentliche Entwarnung kommt, dürfen die Schutzräume verlassen und ber sonst übliche Verkehr wieber ausgenommen werben. Be- sonbers wirb barauf hingewiesen, baß bie Verbunkelung mit der Entwarnung nicht aufgehoben ist. Sie muß weiterhin solange bestehen bleiben, bis durch die Polizei ober ben Runbfunk entsprechend Weisungen ergehen. Zum Schlüsse sei nochmals erwähnt, daß jeder Deutsche auf Grund bes Luftschutzgesetzes bie Pflicht hat, sich luftschutzmäßig zu verhalten. Wer diesem Gesetz und ben auf Grunb dieses Gesetzes erlassenen polizeilichen Anordnungen zuwiderhandelt, versündigt sich an der Volksgemeinschaft und hat strenge Bestrafung zu erwarten. Luftschutz ist Schutz des deutschen Volkes und der deutschen Heimat. Witterungsvorhersage für die Zeil vom 15. bis 24. September. Herausgegeben von dem Forschungsinstitut für lanz- fristige Witterungsvorhersage bes Reichswettel« bienstes in Bad Homburg v. d. H. am 14.9.19Ä abenbs. In den nächsten zehn Tagen bei schwankenden Temperaturen unbeständige, im ganzen aber nich unfreundliche Witterung. Zwischen ben meist von Westen nach Osten fortschreitenden Störungen mit Abkühlung, starker Bewölkung und Niebevschlägei, vielfach auch frischen Winben, werben immer wi-' ber einige bessere Tage auftreten, an welchen auj' geheitertes, meist trockenes, warmes, ftellenroeiii nebliges, tagsüber wärmeres Wetter vorherrM Die Nieberschlagsmengen können z. T., vor allen am Norbrand ber Gebirge, große Ausmaße anne'y men, boch ist, insbefonbere für Schlesien, die ®c 1 fahr anhaltender Starkregen vorüber. Im ganzen wirb, von größeren Stauregen Norbranb ber Alpen abgesehen, bas Wetter in Sä> beutschlanb.freunblicher sein als in Norbbeutschland vor allem wirb die Ostmark überwiegend trocken unb aufgeheitertes Wetter haben. Wetterbericht Don ber Rückseite des nordosteuropäischen Sturir* Wirbels sinb arktische Luftmassen in breiter ffror! auf bas Festlanb vorgestoßen. Sie brachten dab'-> auch Deutschlanb — von Norb nach Süd fotffu)rc‘ tenb — unter böigen, auffrischenden Nordwestw^' ben stärkere Abkühlung unb Nieberschläge. Anschi"-' ßenb wirb sich im Bereiche ber zusammensinkend Kaltluft rasch Besserung burchsetzen, boch ist rn“. weit unter bem jahreszeitlichen Durchschnitt liegen' ben Temperaturen zu rechnen. J Voraussage für Freitag: Vielfach M ter, tagsüber kühl, nachts sehr frisch, Winde in Nord. . 1 Voraussage für Samstag: Noch vielsaa heiter, doch wieber auffommenbe Unbeständig»^ und tagsüber etwas wärmer, Leichtathlelik-Eurvpa-Msterschaflen der Frauen Deutschlands Leichtathletinnen vor neuen Erfolgen. deutschen Els hat besonders die Hintermannschaft als überaus stark zu gelten. Davor steht eine bewegliche Läuferreihe mit den beiden Schweinfurtern Kupfer und Mtzinger und dem Wiener Mock. Gegen diese prächtige Phalanx wird nicht allzu viel auszurichten sein. Und der Sturm? Er weist mit Hahnemann, Stroh, «chön und Pesser vier Vier punkte im Lustschuh. Lustschuhmäßiges Verhalten der Bevölkerung bei Lufischuhübungen Die 1 0 0x 9JI e t e r unb bie 2 0 0 Meter endeten 1934 in London mit einem Doppelsiege von Käthe Krauß vor Stella Walasiewicz. Die Polin ist inzwischen aber erheblich stärker geworden, ja, man kann sie ohne Uebertreibung als die zur Zeit schnellste Frau der Welt bezeichnen. Ein neuer Erfolg der Dresdenerin vor ihrer polnischen Gegnerin wird also kaum möglich sein. Hinter ihr werden sich Käthe Krauß, die Holländerin Koen, die Engländerin Lock und vielleicht auch nach bie Italienerin Testoni einen großen Kampf liefern. Gute Aussichten hat Claudia Testoni über 8 00 Meter Würben; boch halten wir die Münchnerin G e •> lius für stärker. Auch ihre Kameradin Spitz- weg, sowie bie Hollänberin Doorgest -und bie Eng- länberin Robertson sind zu beachten. Bei ber Be- stänbigkeit unserer Weltrekorblerin Dora Ratjen im Hochsprung sollte ber Sieg nicht zweifelhaft sein. Die ungarische Dlympiafiegerin Csak, bie Eng- länberin Garbner unb schließlich auch die Schweizerin Pfenning gehen mit guten Aussichten in ben Kampf. Dar einem dritten Siege steht bie Palin Walasiewicz im W e i t s p r u n g. Gegen ihre 6-Meter-Sprünge hat unsere Meisterin Prätz nicht viel zu bestellen. Ganz einroanbfrei überlegen finb bie beutschen Leichtathletinnen in ben Wurf- unb Stoß-Wettbewerben. Mit zwei Titeln geschmückt, (Sorgfältig beachten und auf bewahren!) In ben nächsten Tagen werben bie Vertreter der NSV. bie Wohnungen aufsuchen und die Volks- gasmasken zum Kauf anbieten. Von jedem Volksgenossen wirb bringend gewünscht, dieses u n - entbehrliche Gerat zum persönlichen Schutz zu erwerben. Nur dann, wenn jedermann gegen feindliche Kampfstoffe geschützt ist und sich bei Fliegeralarm luftschutzmäßig verhält, ist Gewähr geboten, bas Leben ber Nation auch im Ernstfall zu erhalten. Die Bevölkerung Gießens weiß noch von ben Luftschutzüvungen bes vorigen Jahres, wie sie sich bei Fliegeralarm zu verhalten hat. Die Anordnungen der Polizei und des Reichsluftschutzbundes wurden damals zur vollsten Zufriedenheit befolgt. Nach Ertönen ber Alarmsirenen waren bie Straßen in wenigen Minuten völlig leer. Mit großem Interesse wurden alle Maßnahmen durchgeführt, die für bie Erhaltung ber Sicherheit von Leben und Eigentum unerläßlich sinb. . Der Reichsluftschutzbunb hat nun in ber Folgezeit mit ber Bevölkerung weitergearbeitet unb die Aus- bilbung jedes einzelnen Volksgenossen vervollkommnet. Diese fortschreitende Ausbildung bedingt natürlich auch ein noch besseres Verhalten jedes einzelnen bei Luftschutzübungen. Die Bevölkerung, gleichgültig, ob sie jetzt schon zu irgendwelchen Tätigkeiten bei einer Luftschutzübung, ober bei einem tatsächlichen Fliegerangriff eingeteilt ist ober nicht, muß dazu erzogen werben, eine Reihe von Aufgaben zu erfüllen, bie dazu bienen, die Wirkung ber Luftangriffe auf ein Mindestmaß herabzusetzen. Diese Aufgaben finb: 1. Bei Aufruf des Lustschuhes: Die Fenster in den Wohnungen sind zu schließen und mit breiten Papierstreifen zu überfleben, damit die Luftdruckwirkung einschlagender Bomben nicht alle Glasscheiben zerspringen läßt. Die Wohnung ist bei Dunkelheit nach außen grundsätzlich so abzu- blenben, daß fein Lichtstrahl nach außen dringt. Fenster, Oberlichter unb Türen finb mit schwarzem ober sonst lichtunburchlässigem Papier und bgl. ab= zublenben. Fenster- und Rolläden mit Licht- und Luftstreifen bieten keine Gewähr für vollständige Verdunklung. Sie sind daher, wenn die Fenster nicht schon genügend abgedichtet sind, z. B. an ber Innenseite mit schwarzem Papier zu bekleben. Wenrgstens ein Raum in ber Wohnung ist als Aufenthaltsraum einzurichten, d. h. in biefem Raum sind alle Vorbereitungen für eine vollkommene Verdunkelung so zu treffen, daß das tägliche Leben bei voller Jnnen- beleuchtung feinen Fortgang nimmt. Räume, die nur Aus dieser kurzen Charakteristik der bisherigen deutsch-polnischen Begegnungen ist ziemlich zu sehen, baß Polen ein jeberzeit starker unb gefährlicher Länberspielpartner war. Unsere Elf wirb sehr gut spielen müssen, wenn sie bie erste internationale ~ ' des neuen Spieljahrs erfolgreich be- follte Giesela M a u e.r m a y e r heimkehren. Wäh- renb sie bas Diskuswerfen vollkommen sicher hat, könnte sie im Kugelstoßen nur von Frau Schröder übertroffen werben. Gleich gut finb un« ere Sperwerferinnen Gelius (München),' ^aftoors (Berlin) und Krüger (Dresden). Auf einen deutschen Sieg rechnen wir auch in der 4X100- Meter-Staffel, die mit Kohl, Krauß, Aldus und Kühnel gelaufen wird. Im ganzen betrachtet, dürften sich die Europameisterschaften in Wien zu einem Zweikampf Deutschland—Polen zuspitzen, ober genauer ausgedrückt, zu einem Zweikampf Deutschlanb—Stella Walasiewicz! Gprelvereinigung 1926 Leihgestern. Leihgestern I — Tuspo. Rodheim I 7:2 (3:0). Wie erwartet verlief bas vorsonntägliche Spiel der Blauweißen gegen Robheim. Leihgestern trat schon ohne die im November zum Reichsarbeits- bienst Einrückenben an, lebiglich Krick hütete bas Tor so baß bie Mannschaft wie folgt stand: Krick; Velten, K. Laux; Wedemann, Funk, Textor; Martini, Arnold, Schäfer, G. Laux unb Sommer. Leih- gestern war bie einroanbfrei bessere Mannschaft und iegte nach Belieben. Kurz nach Spielbeginn brachte Sommer durch einen überraschten Schuß seine Mannschaft in Führung und Schäfer drückte nach einem Fehler der Gästeverteidigung das Leder zum 2:0 ins Netz. Arnold stellte bas Halbzeitresultat her. Kurz nach ber Pause war es Sommer, ber wiederum bas Leber hoch in bie rechte obere Ecke unhaltbar einsandte unb Arnold machte nur 5. Im Bewußtsein bes sicheren Sieges ließen bie Einheimischen nach und konnten auf 5:1 verkürzen und burch einen groben Schnitzer der Verteidigung gelang ihnen sogar ein zweites Tor. Dann aber setzten die Einheimischen nochmals zum Sturm an und Arnold stellte durch zwei weitere Tore den Sieg sicher. Aus aller Wett. Wieviel Fahrräder gibt es in Deutschland? Während man vor anderthalb Jahren etwa 17 Millionen Radfahrer in Deutschland zählte, kann man heute damit rechnen, daß ungefähr 19 Millio- nen Radfahrer, und, zuzüglich der Ostmark, 20 Mil- Honen in Deutschland verkehren. Die steigende Konjunktur ber allgemeinen Wirtschaftslage, bie Ein- glieberung auch bes letzten Arbeitslosen unb bannt bie anfteigenbe Lebenshaltungskurve befonbers bes beutschen Arbeiters, bie gewaltige Wohnungsbau- tätigkeit an ben Stadträndern, bie Anlage ausge- dehnter Wohnsiedlungen in den Vororten brachten es mit sich, baß bie Zahl ber Fahrräder sehr stark stieg. Man kann den Steigerungssatz an Hand bes Varhergesagten mit 8 bis 10 v. H. annehmen, sa baß wir im Augenblick bie oben angegebene Zahl von Radfahrern zählen bürsten. Das bebeutet, daß heute in Großdeutschland etwa jeber vierte Einwoh-' ner im Besitz eines Fahrrades ist. Die Anstrengungen des Generalinspektors für bas deutsche Straßenwesen und der von ihm mit dieser Aufgabe betreuten Reichsgemeinschaft für Radwegebau zum systematischen Bau ausgedehnter Radwege in Deutschland, sind also angesichts der Tatsache, daß bas Fahrrad ein Dolksverkehrsmittel ist, zu begrüßen. Eisenbahnunglück auf der Linie Belgrad—Sarajevo. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignet-? sich auf ber Eisenbahnlinie Beigrab—Sarajevo. Der Belgrader Schnellzug fuhr mit voller Geschwindigkeit: auf einen in ber Station Owtschar Banja stehenden Personenzug. Durch ben Zusammenprall würben b-s Lokomotive, der Postwagen und brei Wagen bes| Personenzuges vollkommen zertrümmert. Vieri Reisende unb der Schaffner des Personenzuges rour- ] 'ben auf der Stelle getötet, während 16 Personen! schwer unb 20 leichter verletzt würben. Don ben Reisenben bes Schnellzuges würbe niemand verletzt. Vollstreckung eines Todesurteils. Berlin, 14. Sept. (DNB.) Am 14. September ist. der 1909 geborene Isidor Salzberger hingerichtet worben, ber burch Urteil bes Schwurgerichtes beim Landgericht München I zum Tode verurteilt worden ist. Salzberger hat in München an ber 26 Jahre alten Ehefrau Wilhelmine Trini h bestialischer Weise ein Sittlichkeitsverbrechen Betrübt unb um bie Zeugin bes Verbrechens zu befei« tigen, fein schwer verletztes Opfer durch Faustschlägr ermordet. Die von Salzberger gegen das Urteil eingelegte Revision ist vom Reichsgericht verworfen worden. Das grauenhafte Sexualverbrechen hat feine gerechte Sühne gefunden. Diese schnelle Sühne des Verbrechens entspricht dem nationalsozialistischen Grundsatz, daß bie Strafe der Tat auf dem Fuße folgt. Verkehrsstrafen sind keine Sportauszeichnung! Durch die Häufigkeit der Verkehrsunfälle haben wir uns leider an sie gewöhnt. Es regt uns kaum nach auf, wenn wir in der Zeitung van einem tödlichen Derkehrsunfall lesen. Dabei geschieht es im Jahre SOOOmal, daß der Verkehr das Leben deutscher Volksgenossen vernichtet. Und roas besonders schwerwiegend dabei ist: 80 v. H. aller Verkehrs- unfälle werden aus Leichtsinn und Unachtsamkeit verursacht! Dieser Leichtsinn wirkt sich aber auch noch nach einer anderen Richtung aus. Wenn z. B. ein Kraftfahrer einen Unfall verursacht hat und er wird vom Gericht bestraft, so sind wir leider zu leicht versucht, ihn als „armen Verkehrssünder" obendrein noch zu bedauern. Und Verkehrsstrafen werden aus einem ganz falsch verstandenen sportlichen Ehrgeiz vielfach sogar , von ben Betroffenen als KavaUer- f traf en ober wie eine Art „Sportauszeichnungen" aufaesaßt. Das Gegenteil sollte der Fall sein! Wir müssen uns angewöhnen, denjenigen, der leichtsinnig unb fahrlässig einen Verkehrsunfall herbeiführt unb den dafür die gerechte Strafe ereilt, als einen Verbrecher anzusehen! Das klingt hart: Aber vergeht er sich nicht schwer am Leben unb an der Gesundheit eines deutschen Volksgenossen?! Was halten wir beispielsweise van einem Lokomotivführer, der etwa im Rausch einen Zugunfall verursacht? Was sagen wir von einem Apotheker — nur um ein Beispiel anzuführen —, der ein falsches Medikament verabreicht, oder von einem Kindermädchen, das nicht auf den ihr anvertrauten Zögling aufpaßt und feinen Tod. verschuldet? Hier sind wir mit Urteil unb Aechtung schnell bei der Hand. Nein, wir müssen uns ab gewöhnen, vom Verkehrssünder zu sprechen; wenn Leichtsinn und Unachtsamkeit zbas Unglück verschuldete, dann muß es Verkehrsverbrecher heißen! Mit vollem Recht werden nach den Bestimmungen der neuen Verkehrsordnung Verkehrsstrafen auch in den Führerschein eingetragen: Ein Führerschein mit Strafeintragung aber ist keine Spartauszeichnung, kein Beweis besonderer Schneidigkeit, sondern ein Makel, ein Flecken auf dem Ehrenschild des Kraftfahrers. Reichsminister Dr. Goebbels hat in seiner großen RundfunkMnsprache Ritterlichkeit im Verkehr gefordert: Zur Ritterlichkeit aber gehört der blanke Schild. Die Zeit der Strauchritter des Verkehrs ist und somit ergibt sich für den Sonntag folgende Kampfformation: Deutschland. Jakob Janes — Münzenberg Kupfer — Mack — Kitzinger Hahnemann — Stroh — Gauchel — Schön — Pesser Wodarz — Willimowski — Peterek — Piontek — Piec Dytko — Sytz — Gora Galeiki — Szczepaniak Madejski Weltspielen beteiligt, unb zwar 1930 in Prag unb 1934 in Lonbon. Beide Male holten unsere Leichtathletinnen einen überragenben Gesamtsieg heraus. In Prag gab es fünf beutsche Siege, in Lonbon sogar acht (!)'; damals stand allerdings der Fünfkampf noch auf dem Programm. Wie wird es diesmal ausgehen? Daß unsere Frauen wieder einen siber- legenen Endsieg erringen werden, daran zweifeln wir keinen Augenblick. Im einzelnen hoffen wir auf den Gewinn von sechs Titeln.