Nr. !37 Erstes Matt 188. Jahrgang Mittwoch, 15. Zum |938 tr|(t)eini tflgltd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Xßtefoener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle tnonat$«Be$ugsprei$: Mit 4 Beilagen RM 1 95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr • . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt gernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Stehen postschecNonto: granfftirt am Main 11686 Mchener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dm* und Verlag: vrühlsche Univerfitätrdruckerei R.Lange in Stehen. Schriftleitung «nd GeschSstsftelle: Schulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für \ mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Text- anzeigen von70mm Breite 50Rpf.,PlatzvorschrM nach vorh. 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In etwa 30 Privathäusern, zerstreut in der ganzen Stadt, friste zur Zeit die auch sonst errichtet würden, werden nunmehr planmäßiger geordnet und richt i g e r gelegt und ebenso werden viele andere Gebäude, Fortsetzung bis zu dem großen Reichsautobahnring finden und damit in der Zukunft den von außen kommenden Autoverkehr bis in das Herz Berlins hereinleiten können. Beide Straßen find, wie schon betont, nicht für das Jahr 1940 gedacht, sondern für kommende Jahrhunderte. Denn ich glaube an ein ewiges Deutschland und damit auch an seine Hauptstadt! So wie wir heute denen dankbar sind, die vor fast 300 Jahren die Straße „Unter den Linden" planten und ins Leben riefen, so wird auch einmal in 300 Jahren eiste Nachwelt uns dankbar sein! Mit der Anlage dieser Straßen wollen wir zugleich auch die großzügige Regelung des S ch n e l l - bahnverkehrs verbinden, der nach wie vor der Träger der großen Massenbewegungen sein wird. Mit diesen Bahnen werden in der Zukunft mehr noch als heute Millionen Menschen zu ihren Arbeitsstätten fahren. Auch dieses Problem wird damit großzügiger gelöst und für eine weite Zukunft entschieden! Und noch ein dritter Grund ist es, der uns bei diesem Werke leitet: Wir wollen in das willkürliche Bauen eine planvolle Ordnung hineinbringen! Alle diese Gebäude hier, meine Volksgenossen, die im Laufe der nächsten 10, 15 oder 20 Jahre errichtet werden, würden auch so entstehen, hier würde dann nach alter Erfahrung jeder so bauen, wie und wo er will. Alle diese Bauten, die Ein Schnappschuß von der Ankunft des Führers zur Grundsteinlegung auf dem Runden Platz. (Scherl-Bilderdienst-M.) Der Mrer spricht. Führer dankt dem Berliner Gauleiter und Oberste Justizbehörde des Deutschen Reiches als Untermieter ihr Dasein. Das sei unerträglich für eine solche Stadt und eine Schande für das Reich, die nicht länger geduldet werden könne. Es wl'rde also auch ein Justizpalast in Berlin errichtet werden. Und das Gleiche gelte auch für die meisten unserer Reichso-erwaltungen. „Stellen Sie sich vor", so rief der Führer aus, „wohin wir kommen würden, wenn in einer solchen Stadt das Reich, das Land, die Bewegung, die Gemeinde, die Wirtschaft, der handel, die Industrie usw. alle auf eigene F a u st bauen, sich irgendwo einen Platz heraussuchen und dort ihr Haus hinstellen würden. Das kann nur zu einem vollkommenen Chaos führen. Und hier allein habe ich eingegriffen und das Bauen in dieser Stadt in ganz bestimmte planmäßige« Bahnen gelenkt. Und daraus wird nun das neue Berlin entstehen! Dazu kommt noch die Notwendigkeit, große neue Wohngebiete zu-schaffen und sie mit in eine richtige Verbindung zu den Schnellbahnen zu bringen, die in die Stadt hereinführen. Zum ersten Male seit 150 Jahren ist damit wieder das Bild der Stadt Berlin in eine planmäßige Ord» nung gebracht worden! So ist es auch für mich ein stolzerTag. daß ich heule den Grundstein legen kann zu dem ersten Gebäude im Inneren der Stadt, das seine Existenz dieser neuen Planung verdankt. Das Haus des Deutschen So schaffen wir neben einer Anzahl von bedeutenden Rundstraßeü vor allem zwei große Durchgangslinien durch Berlin: die große Ost—West- und die große Nord—Süd-Achse. Ein der Ost—West-Achse wird vermutlich schon in tritt dann, von erneuten „Heil!"-Rusen empfangen, an das Rednerpult. In seiner kurzen Ansprache betont der Führer, daß mit der Grundsteinlegung zum Bau des Hauses des Deutschen Fremdenverkehrs zugleich der Grundstein zum ersten Bauwerk an der künftig größten Straße der Reichshauptstadt gelegt werde. Der Verkehr der Reichshauptstadt werde sich in den kommenden Jahrzehnten fortgesetzt steigern. Es sei daher nicht zweckmäßig, die Regelung dieses Verkehrs auf eine Zeit zu verschieben, in der vermutlich eine praktische Lösung nur mehr unter größten Anstrengungen gelingen könne. Schon heute sehe man, was es bedeute, eine größere Straße auf längere Zeit zu sperren und Umleitungen vorzunehmen. Man könne daraus ermessen, wie schwer dies erst in 30 Jahren, 5Q oder gar in 100 Jahren sein würde. Denn der Verkehr müsse zwangsläufig um ein Vielfaches anschwellen, wenn erst die Millionen von deutschen Volkswagen unseren Kraftfahrzeugbestand gewaltig erhöhen würden. „Es ist nicht nationalsozialistische Art", so fuhr der Führer fort, „in einem solchen Falle die Lösung wichtiger, schon heute vorauszusehender Aufgaben der Nachwelt zu überlassen, sondern es ist immer unser Grundsatz gewesen, solche Probleme selb st anzufassen und auch selb st zu lösen. Deshalb sind die neuen großen Straßenzüge weniger für das Jahr 1938, 1939 oder 1940 bestimmt, sondern dafür, den mit Sicherheit vorauszusehenden gigantisch gesteigerten Verkehr künftiger Jahrzehnte, ja Jahrhunderte, aufzunehmen! Berlin, 14. Juni. (DNB.) Mit der Grundsteinlegung zum „HausdesDeutschen Fremdenverkehrs" am Runden Platz, dem Schnittpunkt der neüersteyenden Nord-Süd-Achse mit der alten Potsdamer Straße gab der Führer in den Mittagsstunden des 14. Juni den Auftakt zu der größten städtebaulichen Neugestaltung Berlins. A n 16großen Baustellen wurde auf fein Geheiß und nach den Plänen seines Beauftragten, Architekt Professor Speer, ein Werk in Angriff genommen, das die völlige Wandlung der 4^-Millionen- Stadt im Geiste nationalsozialistischer Baugesinnung bedeutet. Der Runde Platz ist mit schlanken hohen Fahnenmasten eingefaßt. Das Mittelstück bildet eine Fahnengruppe mit dem Berliner Stadtwappen. Vor der Tribüne steht das Rednerpult, und wenige Stufen tiefer davor der Aufbau auf roten Ziegeln mit dem hellfarbigen G r u n d st e i n. Zu beiden Seiten, den ganzen Jnnenraum zwischen den Tribünen ausfüllend, Feldloren auf den Gleisen, Transportbänder und Fördergeräte. 200 Bauarbeiter harren des Befehls, um mit den Ausschachtungsarbeiten für das „Haus des Deutschen Fremdenverkehrs" zu beginnen. Außer den Tribünen ist der ganze 210 Meter große Platz, sind alle zu der Baustelle führenden Straßen, die Fenster der umliegenden Häuser und elbst die Dächer mit den Teilnehmern dieser Feier- tunde besetzt Gegenüber der Tribünenfront haben ne Angestellten der Gaststätten-und Beherbergungs- betriebe Platz erhalten. Die Seitenflügel der Tribüne sind Trachtengruppen aus allen deutschen Gauen Vorbehalten. Vor der Baustelle auf der Potsdamer Straße sind die Ehrenformationen aufmar- schiert^Auf der Ehrentribüne sieht man mit dem Stellvertreter des Führers zahlreiche Reichsminister, Reichsleiter, die Oberbefehlshaber der Wehrmachtsteile, das Führerkorps aller Gliederungen der Partei und die Vertreter aller Verkchrs- organisationen. Kurz vor 12 Uhr klingt der Prälentiermarsch auf und die Heil-Rufe künden die Ankunft des Führers, der die Front der Ehrenformationen abschreitet. Auf der Ehrentribüne wird der Führer von dem Präsidenten des Reichsfremdenverkehrsverbandes, Staatsminister a. D. Esser, begrüßt, der dann an dos Mikrophon tritt, um dem Führer zu melden, daß alles zur Grundsteinlegung bereit ist. „Welcher Tag", so sagte er, „wäre geeigneter als der heutige, darauf hinzuweisen, daß Sie, mein Führer, schon einmal vor 19 Jahren aufgerufen haben zum Abbruch und Niederreißen alles Märschen und Faulen, alles Ueberlebten und Ueberholten, um Platz zu schaffen für jenes neue, große Deutschland der Ehre, Macht und Stärke, das nach Ihrem Willen an die Stelle des ohnmächtigen, ehr- Und wehrlosen Weimarer Parteien- und Systemstaates erstehen sollte. Nun ist dieses Reich Wirklichkeit geworden. Nun begreifen und verstehen die deutschen Volksgenossen, daß Sie, mein Führer, damals nicht medergerissen haben um des Niederreißens willen, sondern um Schöneres und Größeres aufbauen zu können. In diesem sechsten Jahre Ihrer politischen Staatsführung haben Sie nun, mein Führer, Befehl gegeben, in den größten deutschen Städten niederzulegen, was nicht mehr zeitgemäß, einzureißen, was baufällig und verkehrshemmend ist, damit nach ihrer Idee neue Städtebilder emporwachsen. würdig der Zeit, in der wir leben, und würdig dem Rhythmus unserer herrlichen nationalsozialistischen Bewegung. Mehr noch wie bisher schon wird dann Deutschland für die Ausländer und die eigenen Volksgenossen bewundernswertes Reiseland sein, das seinen monumentalen Ausdruck herzlichen Willkommens und bester Gastlichkeit in diesem Haus des Deutschen Fremdenverkehrs haben wird. Während fast überall auf dem Erdenrund Unfrieden und Unruhen Schaffenswillen und Arbeitsfreudigkeit lähmen und unterbinden, schafft und -arbeitet das . nationalsozialistische Deutschland in Ruhe und Frieden, freut sich aber auch dieses Deutschland und ruft die Welt zu sich zu Gaste mit der Parole: ,Reist in das glückliche, reist in das fröhliche Deutschlands" Äeichsmimster Dr. Goebbels als Berliner Gauleiter ergreift dann das Wort. J)eute setzt", so sagte er, „eine neue Phase in der durch Sie, mein Führer, vorgezeichneten architektonischen Entwicklung Berlins ein. Sie wollen den Grundstein legen zum ,Haus des Deutschen Fremdenverkehrs" und damit den Beginn des ersten großen Monumentalbaues in der einzigartigen baulichen Umwandlung der Reichshauptstadt proklamieren. Es beginnt für die Reichshauptstadt der wichtigste Bauabschnitt in der durch den Nattonalsozialismus bestimmten Bauperiode. In Haltung und Sttl soll das Haus ein steinernes Dokument nationalsozialistischen Gestaltungswillens und politischer Größe werden. Berlin soll, das ist Ihr fester Wille, die wirkliche Haupt st a d t des Reiches werden, ein politisches und wirt- fchaftlickes Kraftzentrum ohnegleichen, das auch in seiner Architektur die Größe unserer Zeit und die Monumentalität unserer geschichttichen Entwicklung plastisch zum Ausdruck bringt. Im Neubau der Reichskanzlei in der Voß- straße, in der Ausgestaltung der Ost-West-Achse, im neuen Flughafen Tempelhof, in der Verlegung der Siegessäule, in der Planung der Universitätsstadt, des Wehrtechnischen Instituts im Rahmen der Hochschule und eines großzügigen Wohnungsbaupro- gramms von 30 000 Wohnungen allein im Jahre 1938 künden sich die ersten Anzeichen der baulich»" bände errichtet werden, und hier soll sich auch das „Haus des Deutschen Fremdenverkehrs" befinden. Ls soll eine große Tagungshalle mit Festräumen und Gaststätten umschließen, einen weiträumigen Parkplatz im Innern des Hauses beherbergen und eine neuartige Zuführung der Besuchermajsen bewerkstelligen. Wenn ich Sie, mein Führer, nun bitte, die Grundsteinlegung dieses Monumentalbaues zu vollziehen, so sind wir alle dabei in tiefster Seele bewegt. Ein wahres Werk des Nationalsozialismus soll hier begonnen werden. Möge das große Werk vom Segen des Allmächtigen begleitet sein! Mögen Sie und wir alle noch die Vollendung dieses monumentalen Projektes erleben und möge es Ihnen, mein Führer, dann noch vom Schicksal gegeben sein, in einem neuen und größeren Berlin das neue und größere Deutschland einer glücklichen geschichtlichen Zukunft entgegenzuführen! In diesem Sinne bitte ich Sie, mein Führer, die Grundsteinleaung des „Hauses des Deutschen Fremdenverkehrs^ als ersten Monumentalbaues an der neuerstehenden Nord-Süd-Achse der Reichshauptstadt zu vollziehen." Umgestaltung Berlins an. Ihre Krönung aber erfährt sie durch die Vollenduna der einzelnen Baumaßnahmen der Nord-Süd-Achse. Am heutigen Tage setzt an sechzehn verschiedenen Stellen die Arbeit ein. Diese entscheidende Straßenachse soll der Ausgangspunkt und Grundgedanke der Neugestaltung Berlins sein. Wit dieser Achse soll eine wirklich moderne Lösung des Verkehrsproblems der Reichshauplstadt gefunden werden, hier soll die Zusammenfassung der auf das ganze Stadtgebiet verstreuten Bahnhöfe erfolgen, hier soll die Einführung der Reichsautobahnen in die Rord-Süd-Achse, der Bau der lieber- und Unterführung am Kreuzungspunkt der beiden Achseti, die Einbeziehung des F l u g- wesens und die neuartige Leitung der Binnenschiffahrt durch die Reichshauptstadt erfolgen. Auf ihr soll sich auch das monumentale Kongrehgebäude als Wahrzeichen der Reichshauptstadt erheben, hier soll Unser BUd gibt einen Ueberblic? über die Feier am Runden Platz. » Scherl-Bilderdienst-W. wenigen Monaten dem Verkehr übergeben, werden können. Der Durchbruch nach dem Osten 'in derselben Breite wird die Aufgabe der kommenden Jahre v . sein. Und heute legen wir an dieser Stelle eigene deren Bau man immer wieder hinausschob, jetzt da» lich auch den Grundstein zum Beginn del 'Arbeit an der Nord—Süd-Achse. Fremdenverkehrs kann mit Recht die Reihe der neuen Bauwerke im Inneren von Berlin eröffnen. Denn alles, was wir bauen, wird insgesamt dazu führen, daß in der Zukunft ein unermeßlicher Zustrom von Fremden nach Deutschland kommen wird. Das wir heule im Reich Großes schaffen, es macht sich aber auch dadurch bezahlt, daß Deutschland immer mehr zu jenem großen Reiseland wird, das uns vorschwebt. D i e Welt wird zu uns kommen und sich vor allem davon überzeugen, daß dieses Deutschland ein Hort europäischer Kultur und damit menschlicher Zivilisation ist." Nachdem der Führer unter stürmischen minutenlangen Beifallskundgebungen seine Ansprache geschlossen hatte, nahm er mit folgenden Worten die G r um d st e i n l e g u n g vor: „Ich lege den Grundstein zum Neubau des Hauses des Fremdenverkehrs in Berlin und befehle damit zugleich ten Beginn der Arbeit des Umbaues von Groß-Berlin!" Im gleichen Augenblick stoßen die Arbeitsmänner auf dem Platz den Spaten in die Erde, rollen Lastkraftwagen auf den Platz, rasseln die Transportbänder; wie an dieser Stelle, so erklingt an allen 16 Baustellen das erhebende Lied der Arbeit mit dem Dröhnen der Dampframmen, dem Dröhnen der Preßlufthämmer, dem Lärm der Bagger und dem Surren der Transportbänder. Das Sieg-Heil, das Staatsminister a. D. Esser auf den Führer ausbringt, findet ein jubelndes Echo; die Lieder der Nation beenden die denkwürdige Stunde. Nassaus der deutschen Selbstverwaltung. Im gleichen Augenblick, in dem der Führer am Runden Platz die Grundsteinlegung zum „Haus des Deutschen Fremdenverkehrs" vollzog, begannen auch anden übrigen 15 Großbau st eilen die Arbeiten, die das städtebauliche Antlitz Berlins neu formen. So gab eine Feierstunde, in deren Rahmen Reichsinnenminister Dr, Frick und der Präsident des Deutschen Gemeindetages, Reichsleiter Oberbürgermeister Fiehler, sprachen, den Auftakt zur Schaffung des neuen Verwaltungsgebäudes, des Deutschen Gemeindetages in der Nähe des Bahnhofs Tiergarten. Es wird bei einer Frontlänge von 260 Meter neben großen und kleinen Sitzungssälen 300 Büroräume besitzen imd das Zentrum der deutschen Selbstverwaltung von 57 000 deutschen Gemeinden und Gemeinde- Verbänden bilden. Es wird von dem Architekten Stadtbaurat Prof. Dr. El kart (Hannover) und Diplomingenieur S ch l e m p p (Berlin) Unter Betreuung von Prof. Speer geschaffen. Der Bauplatz hat für öi£ Feierstunde eine prächtige Ausschmückung erfahren. Unter den Ehrengästen befanden sich 1000 deutsche Bürgermeister aus allen Gauen des Reiches. Reichsinnenminister Dr. Frick schritt in Be- gleitung von Oberbürgermeister Fiehler die Front der angetretenen Formationen ab. Hierauf trat Oberbürgermeister Fiehler an das Rednerpodium und eröffnete die Grundsteinlegung. Anschließend nahm Reichsinnenminister Dr. -Frick das Wort. „Wie in einem der ersten Grundgesetze des nationalsozialistischen Staates, der Deutschen Gemeindeordnung, die Selbstverwaltung deutscher Gemeinden neu gestaltet und für alle Zeiten als eine der Grundlagen unseres Volks- und Staatslebens überhaupt anerkannt wurde, so wird heute am Beginn einer neuen Bauepoche der Reichshauptstadt dem Deutschen Gemeindetag als dem Berater der deutschen Gemeinden und Gemeindeverbände an dieser repräsentativen Straße Berlins eine neue Stätte bereitet. Ich kann-in dieser denkwürdigen Stunde mit Freude und Genugtuung seststellen, daß der Deutsche Gemeindetag in nunmehr fünfjähriger Arbeit seine ganze Kraft in den Dienst der ihm zu- gewiesenen Aufgaben gestellt hat. Wer immer in seinem Dienst steht, der mag sich bewußt sein, daß er mitzuwirken berufen ist an einer glücklichen Zukunft unserer Gemeinden und Gemeindeoerbände, daß er mit zu wahren hat das hohe Gut unserer Gemeindeselbstverwaltung, der muß aber auch davon durchdrungen fein, daß die Arbeit des Gemeindetages sich allezeit einordnen muh in die von der Staatsführung gewiesenen Ziele. Hingebungsvoller Dienst an der deutschen Selbstverwaltung, treue Verbundenheit mit unserem Staate, das sollen die Richtpunkte sein, die die Arbeit des Deutschen Gemeindetages für alle Zeit bestimmen!" Zusammen mit Oberbürgermeister Fiehler und dem gefchästsführenden Präsidenten des Deutschen Gemeindetages, Jeserich, begibt sich dann Reichsinnenminister Dr.' Frick an den Grundstein, um die drei symbolischen Hammerschläge zu vollziehen. Die Feier am Kömgsplatz Heber den Tribünen am Nordrand des Platzes bilden inmitten eines riesigen goldenen Hoheitszeichens auf dunkelrotem Grund hochragende Banner eine leuchtend rote geschlossene Fahnenwand. Noch einmal gleiten die Blicke der Tausende über den Königsplatz, über dessen Mitte die goldene Siegesgöttin nur noch für kurze Zeit thront. Auf der rechten Seite des Platzes, vor dem Reichsministerium des Innern,haben sich die Gefolgschaftsmitglieder der Reichsbahn formiert, während zur Linken, nach dem Reichstag zu, die Angehörigen der Wasserbaudirektion Kurmark und der Binnenschiffahrt aufmarschiert sind. Auf dem Mittelstreifen dazwischen stehen zwei graublaue Kranbagger. Sie sind mit frischem Laub, Fähnchen und Girlanden geschmückt. In der Nacht haben an die 40 Fahrzeuge im Spreebogen zwischen der Moltke- und Kronprinzenbrücke an den Ufermauern festgemacht. Kurz vor Beginn der Feier marschiert je eine Ehrenkompanie des Reichsbahnschutzes unter Gewehr mit Stahlhelm und der in Naumburg (Saale) stationierten Reichsschule für Wasserstraßensicherung auf, deren schmucke hellgrüne Uniformen man zum ersten Male in Berlin sah. Die Feier auf dem Königsplatz begann mit der Rede des Reichsverkehrsministers Dr. Dorp- müller. In unmittelbarer Nähe dieser Stelle, so erklärte er, beginnen die Arbeiten für den Ausbau und Umbau der Wasserstraßen und fast der gesamten Reichsbahnanlagen der Hauptstadt. Ein Drittel des Berliner Güterverkehrs wickelt sich auf dem Wasser- wege ab. Mit Vollendung hes Mittellandkanals ist Berlin in das gesamte Wasserstraßennetz des Reiches mit Ausnahme der Donau einbezogen. Der Ausbau der Berliner Gewässer mit seinen neuen und erweiterten Fahrwasserstrecken und den neuen großen Schleusen wird den neuen Wasserverkehrsauff gaben Berlins Rechnung tragen. Die großen Pläne sehen neue Wasserflächen in reicher Gliederung vor, die In engem Zusammenhang mH der Spree stehen. Gleichzeitig mit dem Spreedurchstich wird hier die Erweiterung der Nord-Siid-8-Bahn eingeleitet, durch die die beiden neuen Zentralbahnhöfe Berlins, der Südbahnhof und der Nordbahnhof, und darüber hinaus die südlichen Vorortstrecken mit den nördlichen und nordwestlichen verbunden werden sollen. So mögen nach dieser denkwürdigen Feier die Rammen und Bagger nunmehr beginnen, auf daß in wenigen Jahren die Anlagen der Berliner Wasserstraßen und die der Reichsbahn von vollendeter Form als Sinnbildes deutscher Technik und deutschen Schaffens erstehen. Fauchend und zischend beginnen nun auch hier am Königsplatz die Greifbagger zu surren, um den Sand in die Lastwagen zu verladen, von denen die ersten schon nach wenigen Minuten die Fahrt zum Spreeufer antraten. Unter ohrenbetäubendem Gedröhn bohren die 70 Preßlufthämmer den Asphalt auf. Das große Werk der Erneuerung der Reichshauptstadt hat begonnen. 1 Oie tschechische Wirtschaft fordert gutes Verhältnis zu Deutschland. Wirtschaftskrisis durch Mobilmachung erheblich verschärft. Prag, 14. Juni. (Europapreß.) Am Dienstag fand hier die Haupttagung des Zentraloerbandes Der Industriellen statt, der sowohl die tschechischen, als auch die sudetendeutschen Jndustriellenverbände umfaßt. Der Präsident Preiß erklärte, die gegenwärtige gespannte Lage sei für die Dauer unhaltbar. Sie stelle an das Wirtschaftsleben und an Die Industrie Ansprüche, die sehr schwer zu meistern seien. Daher wünsche man einen günstigen Verlauf der Verhandlungen zwischen Den sudetendeutschen und Den tschechischen Vertretern. Bei aller Treue zu den Verbündeten sei ein aufrichtiges und freundschaftliches Verhältnis besonders zu Deutschland und 3u Italien wünschenswert. Ein Staat wie Der tschechoslowakische sollte keine andere Politik haben, als auf allen Seiten Freunde zu suchen, ohne ideologische Voreingenommenheit. Der Vorsitzende des sudentendeutschen Hauptverbandes der Industrie, der Reichenberger Textilindustrielle Liebig, erklärte, noch keine Regierung des tschechoslowakischen Staates habe ihr Wirtschaftsprogramm so ausgestellt, daß die sudetendeutsche Benachteiligung wesentlich gemildert worden wäre. Die Verhältnisse hätten sich für Das Wirtschaftsleben in Den Randgebieten während den letzten Wochen durch die tiefgreifenden militärischen Maßnahmen noch wesentlich verschärft. Die hierdurch hervorgerufenS Unsicherheit hätte eine Zeitlang zu einem regelrechten Käuferstreik geführt. Besprechung zwischen Hodza und den Gudetendeutschen. p rag, 14. Juni. (DRV.) Entsprechend den in den letzten Wochen getroffenen Vereinbarungen fand eine längere Aussprache zwischen dem Minlsler- präsidenten Dr. h o d z a und den bevollmächtigten Vertretern der Sudetendeutschen Partei, den Abgeordneten kundl, Dr. Rosche, Dr. peters und den Führungsratsmitgliedern Dr. Sebekowski und Dr. Schickedanz statt. Die Besprechung wird fortgesetzt. Ls wurde vereinbart, über den Verlaus der Aussprache am Mittwoch eine Verlautbarung auszugeben. Heftige Kritik an der britischen Kolonialverwaltung. Jamaika und Palästina die Gefahrenpunkte des Empire. London, 14. Juni. (Europapreß.) Bei der Aussprache über Den Haushalt Des Kolonialminifteriums äußerte sich Der Kolonialminister Malcom Mac- Donald zu Den 'beiDen augenblicklichen Gefahren- herben im englischen Kolonialreich: Westindien und P a l ä st i n a. Es könne keinem Zweifel unterliegen, daß die Unruhen auf Jamaika nicht auf irgendwelche Agitatoren zurückzuführen feien, sondern tiefergehende Ursachen hätten, soziale Notstände, Unsicherheit am Arbeitsmarkt, unzureichende Löhne und unzulängliche Wohnverhältnisse. England würde nichts unversucht lassen, um diese Uebelstände auszurotten. Es sei aber in einem gewissen Grade durch die wirtschaftliche Lage der Kolonie behindert. In Aussicht genommen sei einmal die Hebung der Preise für die wenigen landwirtschaftlichen Ausfuhrerzeugnisse der Insel, in erster Linie Zucker, und sozialpolitische Maßnahmen für die Neger bevöl- ferung, soziale Gesetzgebung und umfangreiche Siedlungspolitik, durch Die ein schwarzes Bauern tu m geschaffen werden soll. In P a l ä st i n a seien die großen Terrorbanden durch Polizei und Truppen zersprengt worden, aber noch immer tauchten neue kleine Banden auf. Die Voraussetzung für einen Erfolg Der Säuberungsaktion sei Die Fertigstellung Des Drahtverhaues an Der NorDgrenze Palästinas, über die noch immer Munition und Terroristen ins Land kämen. Die Regierung sei nach wie vor Der Ansicht, Die Aufteilung stelle die einzige Lösung Dar. Sie halte es für wünschenswert, jede Verzögerung auszuschalten. Nichtsdestoweniger müßte noch'einige Zeit vergehen, ehe die Vorschläge des Ausschusses in die Hände der Regierung gelangen könnten. In der Aussprache waren sich Die AbgeorDneten aller Parteirichtungen Darin einig, Daß nicht nur auf Jamaika, fonDem auch in vielen gnderen britischen Kolonien unerhörte Zustände herrschten. Ein Oppositionsliberaler erklärte, in Uganda würden massenweise Kinder beschäftigt, weil sie billiger seien. Besonders heftig kritisierte Lloyd George Die rigorose Polizeiverwaltung in Den Kolonien. Die Löhne seien unglaublich niedrig, und Die Arbeitsbedingungen unbeschreiblich. Es sehe so aus, als wenn Das Britische Empire ein bankrotter Konzern sei. Nach den Zuständen in Westindien werde aber Die britische Verwaltung beurteilt. Die Bevölkerung leide an schrecklichen., Seuchen infolge Unterernährung und ungesunder Lebensbedingungen. — Der unabhängig'? Labour - Abgeordnete MocGov^rn sprach von Ausbeutung, Plünderung und Mißhand- lung der Farbigen durch die britische Regierung, Handel mit Rotspanien aus eigene Gefahr Chamberlain über die Sicherung der englischen Handelsschiffahrt im Mittelmeer. London, 14. Juni. (Europapreß.) Die von Der Opposition erzwungene Aussprache über Die Verwicklung Der englischen Schiffahrt in Die Bombardierungen sowjetspanischer Häsen durch nationalspanische Luftstreitkräfte endete mit einer Niederlage der Opposition. Chamberlain begann mit einer Darlegung des Standpunktes der nationalspanischen Regierung, Die betont habe, daß sie die aus den Luftangriffen auf Valencia und andere Häfen entstandenen Menschenverluste aufs tiefste bedauere. Ihre Flieger eien keineswegs angewiesen worden, englische Schif e zum Ziel ihrer Angriffe zu machen, aber da engli che Schiffe zusammen mit Den Schiffen anderer Nationen in Der Nähe militärischer Ziele ankerten, sei es Den Fliegern unmöglich, zwischen Den Schiffen unD Diesen militärischen Zielen zu unterscheiden. Die nationalspanische Regierung sei nicht in Der Lage, auf Die Anwendung der Luftwaffe zu verzichten, da die Fortdauer des Krieges ausschließlich Darauf zurückzuführen sei, Daß englische und anDere Schisse Die sowjetspanischen Behörden ' laufenD mit Kriegsmaterial versorgten. Chamberlain erklärte, Daß Die englische Regierung Durch gesetzgeberische Maßnahmen Vorsorge dafür getroffen habe, daß keine englischen Schiffe Kriegsmaterial im eigentlichen Sinne des Wortes nach sowjetspanischen Häfen brächten. Dennoch seien. 22 englische Schiffe in die Bombardements verwickelt gewesen. Davon seien 11 Schiffe versenkt ober ernstlich beschädigt worden. Angesichts dieser Umstände habe sich die englische Regierung die Frage vorgelegt. ob sie etwas zum Schutze der englischen Schiffahrt tun könne, ohne die Politik der Nichteinmischung zu verletzen. Schauplatz dieser Luftangriffe sind spanische Häfen. Hieraus ergibt sich schon Der gründ- sätzliche Unterschied von Dem Piratenunwesen a u f hoher See, Das uns im vergangenen Sommer dazu nötigte, englische Seestreitkräfte zu feiner Beseitigung einzusetzen. Die Schiffe könnten nur durch in der Nähe dieser Häfen befindliche Kriegsschiffe oder Durch an Der Küste auf- gestellte Flakbatterien geschützt werden. Dagegen prüfe Die Regierung Die Schaffung von Sicherheitszonen für die Schiffahrt in bestimmten Häfen unD Dis Bestimmung eines Hafens im Sow- jetspanischen Gebiet ausschließlich für englische Schiffe. Die zweite Anregung stamme von Der nationalspanischen Regierung, Die Dabei lediglich die Bedingung gemacht habe, daß Die einen solchen Hafen anlaufenden englischen Schiffe keinerlei Munition oder sonstiges Kriegs- material mit sich führen Dürften. Die Verwirk- lichung Dieses Plans hinge davon ab, eine Verständigung Über Die Liste Der verbotenen Güter herbeizuführen. Abschließend stellte Chamberlain sehr eindeutig fest, daß — abgesehen von den zuletzt genannten Vorschlägen — ein wirksamer Schuh der spanische Häfen anlaufenden englischen Schiffe während ihres Aufenthaltes in spanischen Hoheitsgewässern nur dann möglich sei, wenn die englische Regierung bereit wäre, sich in die Feindseligkeiten ein- zumlschen. Die Regierung sei jedoch davon überzeugt, eine Einmischung in den spanischen Krieg sei nicht tragbar, da eine solche zu einer Erweiterung des ganzen Streitfalles führen mühte. Die englische Regierung mühte sich daher damit begnügen, die an die englische Schiffahrt ergangene Warnung 3 u wiederholen und erneut zu erklären, dah alle englischen Schiffe auf hoher See den Schuh Englands und seiner Flotte genössen, dah aber alle Schiffe das Anlaufen der im Kriegsgebiet liegenden Häfen auf eigene Rechnung und Gefahr tun mühten. Gleichzeitig dürfe aber nicht übersehen werden, dah die anhaltenden Angriffe auf englische Schiffe auf die Dauer zu einer Trübung der freundschaftlichen Beziehungen führen mühten, die die Vurgos-Regierung nach ihrer eigenen Erklärung mit der englischen Regierung aufrecht zu erhalten wünsche. Chamberlains UnterljauserHärung wird von Den LondonerBlättern — natürlich mit Ausnahme Der beiDen Oppositionszeitungen — begrüßt. Die „Times" sagt, wenn britische Kriegsschiffe im Kampfgebiet aktiv vorgehen würden, Dann könnte Das leicht zu einer Gegenaktion einer anDeren Macht fuhren, was schlimme Folgen mit sich bringen würbe. Auch ber „Daily Telegraph" schreibt, man müsse hoffen. Daß Die britische Regierung sich nicht von Dieser vorsichtigen Zurückhaltung Durch die ForDerung Der Opposition nach „energischeren Maßnahmen" abbringen lasse. Die Oeffentlichkeit in England habe nicht Die gleichen Sympathien für alle Schiffe, Die geroinnbringenben Handel mit den rotspanischen Hafen trieben. Die öffentliche Meinung in England würde bestimmt nicht Maßnahmen gut» heißen, die England in Den spanischen Krieg hineinziehen würden. Irland wählt. Von unserem G.T.-Korrespondenien. London, Juni 1938. Zum zweitenmal innerhalb eines Jahres wandern am 17. Juni die Wähler Südirlands zur Urne. Als sie Ende Juni vergangenen Jahres Den gleichen Weg gingen, befanden sie sich noch in einem Gliedstaat des englischen Weltreiches. Diesesrnal wählen sie als Bürger Des feit Dem 1. Januar bestehenden Staates Eire ober Irland, besten -Beziehungen zu England zwar nicht ganz einbeutig sind, Der aber Doch sehr viel weniger unselbstänbig ist, als Der einstige Irische Freistaat. Auch Dieser Zustand ist nur eine Zwischenlösung auf Dem Wege zu völliger Selbständigkeit, auf Dem Die Neuwahlen nach Dem Wunsche Des irischen Ministerpräsidenten de Valero ein weiterer Schritt sein sollen. Ihr unmittelbarer Anlaß war eine unwichtige Niederlage der Regierung in einer Abstimmung im Dail, Dem irischen Landtag. De Valero war bei dieser Abstimmung nicht einmal zugegen und hätte, wenn er wollte, eist Vertrauensvotum fordern können und es zweifellos auch erhalten. Stattdessen benutzte er Die Niederlage zur Auflösung Des Landtages, In dem die Regierungspartei, Fionna Fail, nur über die gleiche Anzahl Sitze verfügte, wie alle anderen Parteien zusammen und daher stets bei wichtigen Entscheidungen auf die Unterstützung der Arbeiterpartei angewiesen war. Dieser Abhängigkeit wollte de Valero ein Ende machen, denn er braucht für die Durchführung feiner Pläne eine geschloffene Mehrheit. Das Ziel wird erreicht, wenn Fianno Fail in diesen Wahlen auch nur zwei ober drei Sitze erobert. De Valero und seine Anhänger finb bavon überzeugt, das ihnen das mühelos gelingen wird, trotzdem die in Irland geltenden Verhältniswahlen Splitterparteien Vorschub leisten und sich gegen Die stärkste Partei auswirken. Der große Trumpf Fianna Falls in Diesen Wahlen ist Das englischirische Abkommen, mit Dem Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern auf eine neue Grundlage gestellt worden sind und (was noch wichtiger ist) die letzten englischen Machtstellungen in Süd- irlanb, die Häfen Queenstown, Berehaven und Lough Swilly, an Irland zurückgegeben wurden. Sogar die führende südirische Oppositionspartei mit Dem einstigen Ministerpräsidenten Cosgrave an Der Spitze mußte, wenn auch nur zögernd und widerwillig, Dem englisch-irischen Abkommen zu- ftimmen und hat sich sogar jetzt feierlich verpflichtet, im Falle ihres Wahlsieges Das von Den Gegneyn abgeschlossene Abkommen durchzusetzen. Verständigung mit England war bisher die hauptsächlichste Forderung der Opposition, der de Valero mit diesem Abkommen Das Wasser obgegroben hat und Deren Mühlen nunmehr leer klappern. Alles, wcis die Opposition in Dem mit steigender Erbitterung geführten Wahlkampf be Valero entgegenhalten kann, ist, baß er diktatorische Macht erstrebe, die sogenannten Pressefreiheit beschränken und das Vek- haltniswahlsystem abschaffen wolle. Irgendwelche weitgehenden wirtschaftlichen Fragen stehen in diesen Wahlen ebensowenig zur Entscheidung, wie grundsätzliche politische Dinge. Das einzige, was Irländer de Valero heute vorwerfen können und was ihm-tatsächlich auch von den Extremisten zum Vorwurf gemacht wird, ist, daß er bei der Trennung zwischen Irland und England noch nicht weit genug gegangen sei. Der einstige Vorkämpfer für Irlands völlige Unabhängigkeit von Dem Erbfeind England, lo behaupten Die Extremisten, sei immer mehr zu einem Opportunisten geworDen,. und statt Der an« gestrebten Republik/sei Irland heute ein völkerrechtliches Zwitterding, weder Fisch noch Fleisch noch Plumpudding. Auf alle solche Vorwürfe antwortet be Valero stets, daß er sich nicht geändert habe, seit er in Dem DfteraufftanD 1916 auf. Den Barrikaden Dublins gegen England kämpfte, daß Irland aber seitdem unter seiner Führung ein gutes Stück vorwärtsgekommen fei und daß.man auch weiter schrittweise vorgehen müsse, um das große Ziel, Die Einigung und schließlich Die völlige Loslösung Der ganzen irischen Insel zu erreichen. Der • Nachdruck liegt dabei auf Dem Wort „Einigung", D. h. Dem Anschluß Des n o rdiri sch en Z w e r g st o a t e s an Südirland. De Valero Hot nie, auch in London nicht, ein Hehl Daraus gemacht, daß dieser Anschluß die Voraussetzung für die völlige Unabhängigkeit Irlands sein müsse, und er weiß auch genau, daß dieser Anschluß, wenn überhaupt, nur auf friedlichem W eg e Durchzuführen ist. So nachsichtig England in Den letzten Jahren Den südirischen Unabhängigkeitsbestrebungen gegenüber gewesen ist, so energisch könnte es sein, falls Südirland in Ulster einmarschieren sollte. Zu hastigen Schlüssen neigende englische Blätter haben in Den letzten Tagen wieDerholt Parallelen gezogen zwischen der Entwicklung Der tschecho- fl o w a k i s ch e n Frage und dem Verhältnis von Südirland zu Ulster, wobei man sogar soweit geht, die in Ulster lebenden und für einen Anschluß kämpfenden Südiren als „Sudeten-Iren" zu bezeichnen. Augenscheinlich ist man in diesen Kreisen noch nicht einmal bis zu der Erkenntnis vorge- Drungen, daß „Sudeten" der Name eines Gebirges ist und nicht ein Eigenschaftswort für „abgetrennt". Diese Verwechslung allein erhellt bereits Die Tiefgründigkeit, mit der solche Parallelen zusammengeklaubt werden. Wenn man jedoch zwischen ber Entwicklung in Irland und in Mitteleuropa Vergleiche ziehen will, so könnte man sagen, daß in Irland bereits das geschehen ist, was in der Tschechoslowakei noch geschehen muß, nämlich die Schaffung rassisch begrenzter, autonomer Gebiete, von Denen eins, nämlich SüDirlanD ober Eire, allein steht (bas wäre Dos Gegenstück zu -einem rein tschechischen Staat), während bas anbere, Norbirland ober Ulster, sich an bas stammverwandte Großbritannien anlehnt und damit Das erreicht hat, was Der sudetendeutsche Volksteil Der Tschechoslowakei noch anstrebt. Man könnte Diesen Vergleich noch weiter führen und behaupten, daß Südirlands Bestrebungen auf die Einverleibung Ulsters zugleich auch auf die Einverleibung einer Minderheit ab» Zielen, also die Entwicklung zutückdrehen wollen und damit auf Die Bildung eines der Tschechoslowakei ähnlichen Staatsgebildes hinauslaufen. Aber alle solche Vergleiche lahmen auf beiden Seinen. -Die Voraussetzungen für Die Beurteilung ber ganzen Entwicklung in Jrlanb und Der Tschechoslowakei sind so grunblegenb verschieden, Daß ober- flächliche Aehnlichkeiten nichts bedeuten. Irland, und zwar Die ganze Insel Irland, war Jahrhunderte hindurch eine englische Kolonie mit einer rein keltischen Bevölkerung, die bis in Die Nochkriegs- jähre hinein von den Engländern mit allen Mitteln unterdrückt wurde. Dabei wurde Nordirland, mit der Hauptstadt Belfast, zur Zentrale der Unter» druckungspolitik, in ber England protestantische Einwanderer aus England und Schottland ansie- bette. Dazu kamen auch noch reine Iren, die Generationen hindurch das Brot Englands gegessen und sein Lied gesungen hatten. Während im katholischen Südirland immer wieder Freiheitsbewegungen aufstanden und blutig unterdrückt wurden, blieb das vorwiegend protestantische Nordirland nicht nur England treu, sondern gebärdete sich noch englischer als die Engländer selbst. Nordirland war und ist der letzte Hort englischer Vorurteile, englischen Kastengeistes und englischer Prüdereien. In England selbst hat die Entwicklung der letzten Jahre zumindest einige der erstarrten Trad'tiocken unterhöhlt. In Nordirland herrscht noch ein mittelalterlicher Geist, und als vor dem Ausbruch des großen Krieges eine etwas weitsichtigere englische Negierung Irland die Selbstverwaltung geben wollte, empörte sich Ulster, gegen diese Maßnahme und drohte mit dem Bürgerkrieg. Eher sollte das englische Reich zugrunde gehen, als daß Südiren und Nordiren die Rollen vertauschen und die Nordiren von Südiren beherrscht würden! Als sich dann nach dem Kriege die irische Freiheitsbewegung doch durchsetzte und es imJahre 1921 zur Gründung des I r i s ch e n F r e i st a a t e s kam, machte sich Nordirland mit englischer Hilfe ,s elb- ständig und ist es bis jetzt geblieben. Allerdings wurden damals die Grenzen nicht sehr sauber gezogen, und Ulster hat noch immer in seinen südlichen Grafschaften wenigstens eine starke katholische südirische (keltische) Bevölkerung, die fast ohne Ausnahme für den Anschluß Nordirlands an Südirland eintritt. Diese Minderheit meint man, wenn man hier geringschätzig von „Sudeten-Iren" spricht. Für de Valero ist die Trennuna bzw. der Anschluß jedoch nur bedingt eine Rassenfrage. Er und seine Anhänger vertreten in erster Linie den Standpunkt, daß ein auf geteiltes Irland nicht lebensfähig und die Zukunft der ganzen Insel erst dann gesichert sei, wenn die Zollschranken zwischen dem landwirtschaftlichen Süden und dem industriellen Norden fallen. Daneben wird allerdings auch geltend.gemacht, daß Irland ein keltisches Land sei und die Engländer Eindringlinge, die sich entweder anpassen müßten oder in ihre heimatlichen Gefilde zurück- wandern könnten. Daß es einmal soweit kommen wird, ist die feste Ueberzeugung aller Iren. Sie glauben, daß die Zeit für sie arbeitet und manches sich schon ändern werde, wenn die Unentwegten in Belfast ausgestorben sind und die jüngere Generation Nordirlands die Einigungsmäglichkeiten mit praktischem Blick prüft. Der Rahmen für eine Einigung ist bereits mit der theoretisch für ganz Irland geltenden Verfassung Eires geschaffen worden. Noch aber fehlen viele subjektive Voraussetzungen. Und hierzu gehört nach Auffassung de Valeros auch eine starke Regierung in Südirland, die aus den Neuwahlen heroorgehen soll. . Deutscher Bischof für Danzig. Danzig, 14. Juni. (DNB.) Nach einer Meldung dop Polnischen Telegraphen-Agentur hat der Papst den JRu'dtritf Oes Danziger B i - schoss Grafen O'Rourke angenommen und ihn zum Titularbischof von Safene in Mesopotamien ernannt. Der Papst hat als neuen Bischof von Danzig den Pfarrer der Kathedrale in Oliva Dr. Sple11 ernannt. Während der bisherige Bischof Irländer war, ist Dr. Splett gebürtiger Danziger. Das Danziger Bistum besteht fett 1925. Bischof Graf O'Rourke entstammt einer irischen Familie, ist aber in Weißrußland geboren. Die Danziger Diözese ist „exemt", d. h. sie untersteht direkt der Kurie, die den jeweiligen Bischof ernennt. Die Besetzung des Blschofstuhlss mit einem Kleriker fremdländischer Herkunft sollte. ein Kompromiß sein, das der Vatikan zwischen den selbstverständlichen Forderungen der Deutschen und den nicht selbstverständlichen Forderungen der Polen traf. Daß . dieses Kompromiß ein Mißgriff war, ging ja noch aus dem letzten Wahlergebnis 'in Danzig hervor, bei dem den 226 000 deutschen nur 8300 polnische Stimmen gegenüberstanden; und selbst bei dieser Zahl ist noch der starke polnische Zuzug seit 1919 nach Danzig in Rechnung zu setzen. Nur ein Drittel der Danziger Bevölkerung ist katholisch, und nur ein Bruchteil der katholischen Bevölkerung ist polnischer Abstammung. Der bisherige Bischof Graf O'Rourke reichte sein Rücktrittsgesuch beim Vatikan ein, als im Herbst vergangenen Jahres die Polen zwei Personalpfarreien in Danzig errichteten. Schon im Februar dieses Jahres erwarteten die Polen die Vollziehung des Rücktritts und hielten bereits einen Prälaten aus Pelplin, Prof. Dr. Sawicki, als Nachfolger bereit. Die Danziger Regierung gab damals klar zu verstehen, daß sie eine etwa über ihren Kopf hinweg gefällte Entscheidung keinesfalls anerkennen werde. Anscheinend hat sich der Vatikan nun doch für eine Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnisse in Danzig entschieden. B. R. Auf den Schlachtfeldern Ostpreußens. Appell aller deutschen Kriegsschulen am Reichsehrenmal von Tannenberg. Königsberg, 15. Juni. (DNB.) Der gesamte Offiziersnachwuchs des deutschen Heeres, der auf den Kriegsschulen ausg-bildet wird, besuchte in diesen Tagen die Provinz Ostpreußen. Aufgeteilt in viele Marschgruppen besuchten die Kriegsschulen von Allenstein und Ottelsburg aus den Raum, auf dem in den Augusttagen 1914 die große Einkreisungs- und Vernichtungsschlacht geschlagen wurde. An den verschiedenen Brennpunkten der Schlacht vermittelten Vorträge der Offiziere der Ktletzsschulen und Erlebnisberichte von Offizieren, die an den Kämpfen selbst teilgenommen haben, lebendige Eindrücke von dieser Schlacht. Den Abschluß der Reise bildete ein feierlicher Appell amReichsehrenmal Tannenberg. Neben den Kameraden der alten Schulen des Reiches standen die Offiziere, Fähnriche und Fahnenjunker der Kriegsschule Wiener-Neustadt vor der Gruft des Feldmarschalls von Hindenburg, der mit seinem Generalstabschef Ludendorff die Tannenbergschlacht schlug. Der Inspekteur der deutschen Kriegsschulen, Generalmajor Brand, sprach zu feinen jungen Kameraden. Das große Feldherrntum des Siegers von Tannenberg, so sagte er, vereinte sich im Generalfeldmarschall mit edlem Menschentum zu jenem wahren deutschen Soldatentum und Lleberschwemmuugskataflrophe auf dem chinesischen Kriegsschauplatz. Schanghai, 14. Juni. (DNB.) Der Gelbe Fluß selbst ist in die Kampfhandlungen in Mittelchina einbezoaen. Zwischen Kaifeng und Tschengtschau sind die S ü d d e i ch e des Gelben Flusses an 15 Stellen gebrochen. Aus Lücken, die bereits bis 150 Meter Breite klaffen, wälzt sich eine bis zu 15 Meter, hohe Flutwelle mit teilweise vier Kilometer Stundengeschwindigkeit von Norden her über die Provinz Honcm, in der bisher bereits über 1 00000 Menschen ertrunken sind. Alle Versuche der japanischen Pioniere, mit Unterstützung der Landeseinwohner den Fluß zu bändigen, sind gescheitert. Zahlreiche chinesische Banden griffen die Rettungstrupps an, um die Katastrophe zu beschleunigen, die unzweifelhaft von der chinesischen Heeresleitung zur Abwehr des japanischen Vorstoßes auf Hankau verursacht worden ist. Die Sintflut erreichte von Norden her den Lunghai-Eisenbahndamm zwischen Kaifeng— Tschengtschau, der bereits stellenweise überflutet wurde. Die Japaner machen die größten Anstrengungen, um die Deichbruchstellen abzudämmen, doch werden sie hierbei durch die seit Tagen niedergehenden Wolkenbrüche stark behindert. Die chinesische Lokalpresse weist auf die Gefährlichkeit hin, den Gelben Fluß in den Dienst der Landesverteidigung zu stellen, da Hundterttaufende von Bauern ertrinken würden und in der Riefenprooinz eine Hungersnot unausbleiblich sei. Wie „E-u r o p a p r e ß" aus Schanghai meldet, haben die Chinesen mit dem Durchstechen der Deiche des Gelben Flusses bei Tschentschau den Vormarsch der japanischen Armee vorläufig zum Stillstand gebracht. Nach chinesischen Darstellungen sollen etwa 5000 japanische Soldaten in den Fluten des Gelben Flusses ertrunken sein. Weiter wird gemeldet, daß große Mengen japanischen Kriegsmaterials, darunter 250 Geschütze, SO Tanks und 100 Panzerwagen, unter Wasser gesetzt worden seien. Eine japanische Division von etwa 7000 Mann soll in der Nähe von Kaifeng durch das Hochwasser abgeschnitten und den Angriffen chinesischer Bombenflugzeuge ausgesetzt sein. Ueber die Schuldfrage an den Ueberschwemmun- gen sind hier die verschiedenartigsten Meinungen verbreitet. Während die 'Japaner die Chinesen anklagen, die Deiche durchstochen zu haben, machen die Chinesen geltend, die Deiche seien durch Luftangriffe der Japaner beschädigt worden. Im übrigen werden hier Befürchtungen geäußert, daß der Zu st and der Deiche, die den Großen Knal, denHwei-Fluß und den Jangtse eindämmen, zur Zeit so schlecht seien, daß auch hier in nächster Zeit mit großen Überschwemmungen zu rechnen sei. Die japanische Offensive aus Hankau geht im übrigen weiter. Die japanischen Kriegsschiffe auf dem Jangse befinden sich bereits 25 Kilometer hinter der erst kürzlich eingenommenen Stadt An- fing, während die Artillerie bis nach Takukau vordringen konnte. Die Chinesen versuchten, die auf dem Jangtse befindlichen japanischen Flotteneinheiten durch die Luftwaffe anzugreifen, doch sind diese^Versuche infolge des schlechten Wetters mißlungen. Eine chinesische Meldung wollte bereits von der Versenkung eines japanischen Kanonenbootes etwa 10 Kilometer oberhalb Ankings wissen. Der Bericht hat sich jedoch nicht bestätigt. Daß die Bedrohung Hankaus mit jedem Tag stärker wird, ergibt sich auch daraus, daß die ausländischen Konsuln alle Vorbereitungen für den Abtransport der euröpäischen Bevölkerung nach Hongkong treffen. Lehren des kontinentalen Reklamekongreffes. Gemeinschaftswerbung muß durch Eigenwerbung ergänzt werden. Nach dem Abschluß der Beratungen des Kontinentalen Reklamekongresses in Wien, auf dem auch Reichspropagandaminister Dr. G o e b- bels das Wort ergriffen hat, kann man feststellen, daß die internationale Zusammen euch eit auf dem Gebiete der Wirtschaftswerbung sich immer mehr durchzusetzen beginnt. Wie auf vielen anderen Gebieten, so hat auch hier die neue deutsche Wirtschaftsgesinnung bedeutsame Umwälzung^ zur Folge gehabt, von denen zunächst das europäische Ausland stark beeindruckt worden ist. Die geschichtliche Entwicklung in den letzten beiden Jähren hat dazu geführt, daß zwei Kongresse nacheinander auf reichsdeutschem Boden stattfanden. 1936 hatten sich die Reklamefachleute in Berlin getroffen, wo viele von ihnen zum ersten Male Gelegenheit hatten, sich mit den nationalsozialistischen Grundsätzen im Werbungswesen vertraut zu machen. Seitdem hat sich herausgestellt, daß der vom deutschen Werberat eingeschlagene Weg der wirtschaftlichen Werbung rin weites Betätigungsfeld erschlossen hat, ein Weg, der gekennzeichnet wird von dem Streben nach Güte und Leistung und von der Lauterkeit der Handelsbräuche. Ministerialrat Professor Dr. Hunke hat mit Recht daran erinnert, daß die Wirtschäftswerbung zunächst eine technische Funktion der Wirtschaft ist. Die Spezialisierung der Wirtschaft hat sie enfftehen lassen, und mit der Vergrößerung des Marktes ist sie zu einem unentbehrlichen Teil des Wirtschaftslebens überhaupt geworden. Durch die Rationalisierung der Wirtschaft und dadurch, daß ständig danach gestrebt wird, jeden einzelnen zu einer höheren Leistung zu befähigen, wird der Wettbewerb sich verschärfen, was wiederum zu einer weiteren Entfaltung und Vervollkommnung der Wirtschäftswerbung führen muß. Inzwischen ist durch Normung die Benutzung der Werbemittel erleichtert. Die Ausbildung junger Werbefachleute macht Fortschritte, Einzelhandel und Handwerk sind in die Reihe der Werbungstteibenden ein getreten. Auch die Wissenschaft ist mobilisiert worden, um sich an der Ausgestaltung des Werbunaswesens beteiligen zu können. Vor allen Dingen hat man aber in Deutschland dafür gesorgt, daß die Werbung wieder glaubwürdig geworden ist. Man strebt auch danach, daß der Grundsatz „ S ch ö n- heit in der Werbung" überall zum Durchbruch kommt, weil man überzeugt ist, daß dadurch der Zweck der Wirtschäftswerbung am besten erreicht wird. Schließlich wird eine zweckmäßige, schöne und volksverbundene Wirischattswerbung mehr Erfolge bringen, als eine unwahre marktschreierische Reklame. Die jüngste Form der Werbung, die besonders in Einzelhandels- urtb Handwerkskreisen mit sehr viel Begeisterung aufgegriffen worden ist, ist die Gemeinschaftswerbung. Jetzt, nachdem man sich einige Jahre auf diesem Gebiet versucht hat, muß festgestellt werden, daß sich nicht alle Hoffnun- aen erfüllt haben, die man dareingesetzt hat. Man führt das darauf zurück, daß gerade im Einzelhandel und Handwerk bisher nicht genügend Werbefachleute zur Verfügung standen, daß aber auch der Sinn und der mögliche Erfolg der Gemeinschaftswerbung in diesen Kreisen noch nicht völlig klar geworden ist- Viele haben geglaubt, daß schon eine erste einmalige Aktion sofort praktische Erfolge bringen müsse. Aber man hat dabei übersehen, baß die Gemeinschaftswerbung sich wohl kaum sichtbar für den einzelnen Betrieb auswirken kann, wenn dieser auf jede Eigenwerbung verzichtet. Gemeinschaftswerbungen lenken ohne Zweifel die allgemeine Aufmerksamkeit auf die bezeichneten Gegenstände des täglichen Gebrauchs ober Verzehr, aber in dem einzelnen Geschäft wirb man bie Auswirkungen erst bann zu spüren bekommen, wenn man baneben einezweckmäßige Einz?lwerbung durchführt. Bei einer Nachprüfung der bisher unternommenen Gemeinschaftswerbungen hat es sich bestätigt, daß überall dort bie Erfolge nicht ausgeblichen sind, wo sie durch bie Eigenwerbung ber an ber Gemeinschaftswerbung Beteiligten unterstützt würbe. Aus diesen Erfahrungen ergibt sich, daß bie Gemeinschaftswerbung niemals bie Eigenwerbung ersetzen kann. Die beiben Werbearten haben verschie- bene Aufgaben zu erfüllen; durch die Gemeinschaftswerbung macht man breitere Kreise auf eine bestimmte Warengruppe aufmerksam, aber dabei berücksichtigt man z. B. überhaupt nicht den Geschäftsort und bie Preise. Erst bie ergänzenbe Eigenwerbung kann hier bie notroenbigen Angaben machen unb baburd) bie Aufmerksamkeit bestimmter Interessenten so verstärken,'daß nunmehr zum Kauf in einem bestimmten Geschäft geschritten rorrb. Wie nun beibe Werbearten aufgezogen werben, muß sich von Fall zu Fall ergeben. Hier fällt bem Leiter der,Gemeinschaftswerbung bie Aufgabe zu, sich mit killen Beteiligten über bie ergänzende Eigenwerbung zu 'einigen. Wenn man bas berücksichtigt, wirb die Gemeinschaftswerbung sich einmal segensreich für bie gesamte Geschäftswelt auswirken. H. D. machte ihn zum Vater nicht nur feiner Soldaten, sondern des ganzen deutschen Volkes. Wenn bei diesem ersten Appell der deutschen Kriegsschulen am R-eichsehrenmal in den Reihen der künftigen deutschen Offiziere auch die Kameraden aus Oesterreich stehen, bann ist diese Weihestunde der Ausdruck der vollständigen Uebereinftimmung der Pflicht- und Ehrauffassung der künftigen Offiziere 'des großdeutschen Heeres und offenbart deren Bekenntnis zum deutschen Soldatentum. — Die Niederlegung eines Kranzes am Sarkophag des Generalfeldmarschalls von Hindenburg beendete den Appell. Zwei Landesverräter hingerichtet. Berlin, 15. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Justizpressestelle beim Volksgerichtshof teilt mit: Die am 16. November 1937 vom Volksgerichtshof wegen Landesverrats zum Tode unb zu dauerndem Ehrverlust verurteilten Georg und Anna Schwitzer sind heute morgen hü n gerichtet worden. Die Verurteilten waren jenseits ber beut- schen Grenze mit dem Nachrichtenbien st einer auslänbischen M a ch t' i n Berührung gekommen und alsbald bereitwillig auf besten Spionagcansinnen eingegangen. Heber zwei Jahre lang haben sie bann, zuletzt in Kraftwagen, ausgedehnte Ausspähungsreisen durch Deutschland unternommen unb über die Ergebnisse ihrem Auftraggeber regelmäßig Bericht er- stattet. „Vorbildlicher Kleinbetrieb." Dr.Leh stiftet ein neues Leistungsabzeichen. Berlin, 14. Juni. (DNB.) Der Reichsorgani- sationsleiter und Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. N. L e y, hat ein Leistungsabzeichen „Vorbildlicher Kleinbetrieb", das im Rahmen desLei- stungskampfes der deutschenBetriebe verliehen wird, geschaffen. Der erste „Leistungskampf der deutschen Betriebe" hat gezeigt, daß auch der finanziell schwächere Betrieb jeden geeigneten Weg zur Förderung der Gemeinschaft geht. Eine große Anzahl kleinerer Betriebe hat die Auszeichnung „Nationalsozialistischer Musterbetrieb" erhalten. Unter den mit den einzelnen Leistungsabzeichen — „Kraft durch Freude", „Ve- rufserziehung", „Heimstätten und Wohnungen", „Volksgesundheit" — ausgezeichneten Betrieben befanden sich nur eine geringe Anzahl von Klein- und Kleinstbetrieben, da hie.r die Anforderungen in ihrer Spezialisierung nur von wenigen Kleinbetrieben erfüllt werden konnten. Um nun den ’3e» sonderheiten ber Klein- unb Kleinst- betriebe Rechnung zu tragen unb eine Belohnung für ihr besonders hoch zu wertendes Mit- fämpfertum im Leistungskampf der deutschen Betriebe zu schaffen^ hat ber Reichsorganisationsleiter bas Leistungsabzeichen „Vorbildlicher Kleinbetrieb" geschaffen. Französische Innenpolitik. Von unserem E. F.-Korrespondenien. Paris, im Juni. Der sozialistische Parteitag ist Royan hat außer der erwarteten Folge, daß dem Kabinett Dalad ier eine Gnadenfrist für seinen weiteren Fortbestand — mindestens dis zum Herbst — ein-, geräumt worden ist, noch die andere Folge gehabt, daß Frankreich um eine weitere Partei „bereichert" worden ist. Der „Sozialistl - schen Bauern- unb Arbeiterparte i", die sich unter Führung des ungebärdigen Marceau Pivert vom linken Flügel ber Sozialistischen Partei abgesplittert hat, steht ein ungewisses Schicksal bevor. Die Parteibürokratie ber SFJO. (Sec- tion Franxaise be ^Internationale Duoriere),. wie die Sozialistische Partei offiziell heißt, hat bei früheren Gelegenheiten den Verlust der vom rechten Flügel abgesplitterten Neusozialisten gut überstanden. Aber jetzt liegt der Fall wohl doch schwieriger, und man kann in ihm ein Generationenproblem sehen. Die Leute um Pivert wollen bie revolutionären Versprechungen erfüllt sehen, bie man ihnen einst gemacht hat, während bet Partei-Apparat selbst sich auf dem Weg zum Opportunismus und zur Regierungspartei befand. Heute ist die Frage, ob die Sozialisten auf diesem Weg bescheidener Mäßigung weitergehen ober sich roieber in ber Richtung zum Rabi- kalismus entwickeln werden, um möglichst wenig Mitglieder an bie Pivertisten zu verlieren. Der „Parteiführer" L^vn Blum selbst hat in seiner großen Rechtfertigungsrede vor bem Parteikongreß bas Unmöglichste an Verdrehungen unb Entstellungen geleistet; die Widerspräche waren entsprechend. Nach seinen Darlegungen hätte sich Frankreich in ber Zeit seiner einjährigen Tätigkeit als Ministerpräsident 1936/37 in ein Paradies des Wohlstandes verwandelt — mit der Folge, daß heute eine Regierung unter sozialistischer Führung überhaupt nicht mehr in Frage kommt, weil so riemlich alle Parteien im Parlament ihr die Gefolgschaft verweigern würden. Mit dem zu 'Pfingsten abgehaltenen Parteikon- areß fielen bie Bombenab wür f e in dem sübfranzö si schen ©ren3bepartement Kriege am Pfingstmontag zusammen. Man hat erst jetzt barauf hingewiesen, baß bie Urheber dieser Provokation der spanischen Bolschewisten zweifellos beabsichtigt hatten, den Kongreß gegen General Franco noch einmal besonders scharf zu machen. Aber das Manöver ist nicht recht geglückt. Die. kommunistischen und sozialistischen Blätter , stimmten wohl ihr bekanntes Wutgeheul gegen die nationalspanische Regierung Franco an, die sie auch ohne weiteres für die Bombenabwürfe oeralttwort- lich machten. Aber der Eindruck hat nicht sehr lange vorgehalten; bie Wahrscheinlichkeit, daß es sich um eine burchtriebene Herausforderung bes Valencia-Ausschusses hanbelt, leuchtet heute auch vielen Franzosen ein und wird burch mancherlei Beobachtungen bestätigt. Die unmittelbare Folge der Besichtigungsreise des Ministerpräsidenten D a - lab ier in das Grenzgebiet in ben Pyrenäen war jebenfalls bie, daß von den Bombenabwürfen nicht mehr gesprochen wird, denn auch so, wie die Regierung Daladier heute zusammengesetzt ist, kann sie es sich nicht gut leisten, den Leuten um Negrin besonders weh zu tun ... Wirb sich dieser Kurs in absehbarer Zeit änbern? Da alles von der parteipolitischen Zusammensetzung dec Regierung und den Rücksichten,^ bie sie nach links hin zu nehmen hat, äbhängt, sind die Aussichten hierfür denkbar gering. Bei der äußer st en Rechten hat man zwar gerade jetzt b^r Un- zufriebenheit mit dem außenpolitischen Kurs ber Regierung und ben Fehlern aller Volksfrontregierungen gegenüber Italien unb bem nationalen Spanien ben lautesten Ausdruck gegeben. „Actton Fran- ?aise", Doriots Volkspartei und Taittingers „Nationale unb Soziale Partei" haben am Mittwoch im Velodrom d'Hiver gegen die Italien- und Spanienpolitik der Regierung in einer Massenversammlung p r o t e ft i e r t, die eine ber wirkungsvollsten Kundgebungen der Nationalisten seit dem Kriege war. Aber man darf nicht unter bem frischen Eindruck solcher Erlebnisse sich zu voreiligen Schlüssen verleiten lassen. Redner wie Doriot, Taittinger, Daudet, reißen die Zehntausende von Zuhörern zu einem Begeisterungstaumel hin, der zu Ueberschätzungen der tatsächlichen Kraft dieser Bewegungen führen kann, die zum Teil, wie die „Action Fran^aise", noch nicht einmal Parteien sind. Diese Strömungen müßten sich zu mehr als gelegentlichen Kundgebungen zusammenffnden, wenn sie Bewegungen ber Massen werben unb dauernden Einfluß gewinnen wollen. An sich war es ein Schauspiel von eigenartigem Reiz, Männer wie die Leiter ber „Action Fran- ?aise", Charles Maur ras und Läon Daube t, die jahrzehntelang Generationen junger Offiziere unb Akademiker im Sinn eines materialistisch gefärbten Nationalismus beeinflußt haben, zusammen mit bem jungen, stiernackigen, bebrillten, von den Kommunisten hergekommenen Volksmann Doriot fau5 bem Vorort St. Denis auf ber Rebnenribüne stehen zu sehen. Die Hänbe flogen immer roieber zum faschistischen Gruß empor; aber genügt bieses äußerliche Kennzeichen wirklich? Ist dazu nicht eine tiefergehende geistige Umwandlung notwendig? Steht Frankreich oder ein Teil von ihm vor dieser Umwälzung? Nur die Zukunft roipb die Frage beantworten können, ob eines Tages alle diese Energien zu einer engen Verbindung zu- sammengesührt werden können, ohne die heute'politische Erfolge auch in Frankreich nicht mehr denkbar sind. Vorläufig machten sich auch in dieser Versammlung die Unterschiede gleichnishaft bemerkbar, das elegante, aristokratische und bürgerliche Publikum im Saal unb in ben Logen, bie Anhänger ber „Action Franxaise", die von einem König träumen; auf den Tribünen die Arbeiter, die „ihren". Führer Doriot beklatschen. Auf dem Rednerpodium neben Doriot und den anderen Rednern sehr gepflegte Herren, das Verzeichnis führte die Namen von etwas vielen Herzöaen und Marquis auf... Was als Ziel in diesen Kreisen ausgestellt wird, - ist nicht frei von Hintergedanken. Freilich, das drohende Kriegsgespenst, von ben Ideologien ber Volksfront in ber Spanien- unb Jtalienpolitik her- aufbeschworen, soll burch bie (Ernennung eines Botschafters in Rom unb eines biplomctzischen Vertreters in Burgos unschädlich gemacht werden, an schmeichelhaften Worten für Mussolini (und den toten d'Annunzio) hat es nicht gefehlt. Aber bie 3i>ad UUltdungtii für TLure uJSEcwe Union der „lateinischen Schwestern" wird auch hier wieder zu einem AushängeschiQ gemacht, das man gegen Deutschland auf« richten möchte. Und so belasten die Politiker, die die „Nationale Front" schaffen wollen, sie von vornherein mit der Hypothek des herkömmlichen und gedankenlos übernommenen Gegensatzes zu Deutschland, ein Zeichen, daß man vorläufig nichts gelernt und die Zeichen der Zeit nicht verstanden hat. Am gleichen Abend, an dem die „Nationale Front" im „Velodrome d'Hiver" ihre Versammlung abhielt, verpnftaltete die Sozialpartei des Obersten de la Rocque, auch ein Anwärter auf die nationale Führung, zehn Versammlungen in verschiedenen Sälen, de la Roccsue sprach in allen diesen Versammlungen. Der Konflikt mit de la Rocque, von der „Action Fran^aise" wegen der Bestechungsgelder, die de la Rocque angeblich empfangen haben soll, aufs äußerste geschürt, wird vielleicht die (Einigung des nationalen Flügels in Frankreich unmöglich machen... Neuer national,panischer Erfolg südlich von Castellon. Paris, 15. Juni.-(DNB. Funkspruch.) Nach einer Haoasmeldung aus Castellon haben die nationalen Truppen die 10 Kilometer südlich von dem eben erst eroberten Castellon gelegene Stadt Dillareal eingenommen und damit einen neuen bedeutenden Erfolg erzielt. Der Ueberqang über den Mijares-Fluß sei ohne große Schwierigkeiten erfolgt. Die sowjetspanischen Truppen schienen durch die nationalspanischen Erfolge völlig entmutigt ZU sein. Kleine politische Nachrichten. Am Montag fand in größerem Rahmen eine Besichtigung der Lehrtruppen der Luftwaffe durch den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht statt. An der vorpom- merschen Küst^ wurden im Beisein des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Generalfeldmarschall G ö - ring, sowie der Oberbefehlshaber der beiden anderen Wehrmachtstelle, Generaloberst von B r auch i t s ch und Generaladmiral Dr. h. c. R a e d e r Gefechtsübungen sowie eine Angriffsübung auf einen durch das Lehrgeschwader und Flakartillerie verteidigten Fliegerort durchgeführt. Am Dienstagabend hatte der Gauleiter von Berlin, Reichsminister Dr. Goebbels, in den Fest- räumeh seines Ministeriums die Vertrauensmänner der Alten Garde der Bewe- aung des Gaues Berlin bei sich versammelt. Jeden einzelnen der alten Mitkämpfer begrüßte Dr. Goebbels durch Handschlag und Worte ganz persönlicher ,Art, so daß in Kürze in dem Kreis der Geladenen die herzliche Verbundenheit hergestellt war. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat den Charakter als Generalmajor verliehen: Dem charakterisierten Oberst im Generalstab im Ruhestand Glaise-Horstenau unter gleichzeitiger Verleihung des Rechtes zum Tragen der Uniform des jetzigen Heeres. Mit dem 30. Juni 1938 scheidet aus dem aktiven Wehrdienst aus unter gleichzeitiger Verleihung des Charakters als Oberstleutnant.und des Rechtes zum Tragen der Uniform des Infanterie-Regimentes Nr. 7: Der Major Klausner im ehemaligen österreichischen Infanterie-Regiment Nr. 7. Dem Hauptmann i. R. Leopold im ehemaligen österreichischen Jnfanterie-Rgt. Nr. 6 wurde der Titel eines Majors sowie das Recht zum Tragen der Uniform des Infanterie-Regiments 67 verliehen. Aus aller Wett. FurchibaresEisenbahriunalückin Japan Tokio, 15. 3unl (Offafienbienff des DVD.) 3n der Provinz Okayama ereignete sich ein furcht- bares Eisenbahnunglück, bei dem nach ersten Meldungen mehr als 2 0 0 Tote und Verwundete zu beklagen sind. Das Unglück ereignete sich am Mittwoch gegen 4 Uhr bei fiuma- yama zwischen Okayama und Kioto. Der Bahndamm war an der Unsallstelle anscheinend durch Regen u n t e r w a s ch en. Unter den Toten, von denen bisher 18 geborgen wurden, befinden sich 16 Schulkinder. Oer Lütticher Giftmordprozeß. Im Lütticher Giftmordprozeß kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen der Verteidigung und dem Untersuchungsrichter. Die Verteidigung warf dem Richter u. a. vor, daß er nicht alle elf Personen, die die Becker vergiftet haben solle, ausgraben und untersuchen ließ. Der Untersuchungsrichter erwiderte, daß das bei der Eigenart des benutzten Giftes zwecklos gewesen wäre. Dann wurde mit den Aussagen der ärztlichen Sachverständigen begonnen. Prof. Firket wies darauf hin, daß alle Opfer unter ähnlichen Erscheinungen gestorben sind. Die Krankheit habe unvermittelt nach der Einnahme von Nahrung begonnen. Allen Erkrankten sei der bittere Geschmack der eingenommenen Nahrungsmittel ausgefallen, und in 15 Fällen hätten sich Erbrechungserscheinungen eingestellt. Jeder Mediziner müsse aus diesen Erscheinungen schließen, daß wahrscheinlich Vergiftung vorliege. Einwandfrei sei nur bei der Witwe Lange Vergiftung als Todesursache festgestellt. Bei den anderen habe man nur vermuten können, daß sie auf dieselbe Weise- umgekommen seien. Die übrigen Sachverständigen schlossen sich diesen Ausführungen an. Es sollen noch 313 Zeugen vernommen werden. Drei Todesopfer bei einem Einsturzunglück im Schwarzwald. Bei den Arbeiten zur Verbreiterung der Reichsstraße Zell im Wiesental—Schönau im Schwarzwald, die den Bau einer größeren Stützmauer erforderlich macht, ereignete sich ein Einsturzunglück. Infolge der Regenfälle der letzten Tage und durch die Erschütterung der stark befahrenen Straße, deren Rand steil in die Baugrube abfällt, lockerten sich die Erdmassen mitsamt einem großen Baumstumpf und stürzten in die Tiefe. Drei Arbeiter wurden erdrückt und konnten nur noch t o t geborgen werden. Ein vierter, der schon bis an die Schulter verschüttet war, konnte sich noch befreien. Tödlicher Absturz im Höllenlal. Beim Abstieg von der Zugspitze ins Höllental ereignete sich ein tödlicher Unfall. Der 22 Jahre alte Tourist Fritz Stadler aus Augsburg war mit einem Freund im Abstieg begriffen und bereits bis unter das Brett gekommen. Hier strauchelte er und stürzte ins Tal hinunter, wo er -euf einem Schneefeld t o t liegen blieb. Sein Begleiter hatte den Absturz nicht gesehen und war zur Höllental- Anger-Hütte gegangen, um den Freund zu erwarten. Als dieser am Abend noch nicht eingetroffen war, machte man sich auf die Suche und fand den Abgestürzten als Leiche auf. Unwetter in Oberitalien fordern drei Todesopfer. Nach den außerordentlich heißen Tagen der vergangenen Woche wurde die oberitalienische Tiefebene von schweren Gewittern heimgesucht, die große Verheerungen anrichteten und mehrere Todesopfer forderten. Ein Wolkenbruch verursachte in San Giovanni Jllarione (Venetien) den Einsturz zweier Brücken. In den Bergen gingen -vielfach Steinlawinen nieder. Die Etsch zeigt in Trient einen Wasserstand von zwei Meter über normal. In einer Ortschaft Venetiens stürzte ein Mann in die Wildwasser eines hoch angeschwollenen Flusses und ertrank. Auch in Alperone wurde ein Mann vom Hochwasser fortgeschwemmt. In Mogliano wurde ein Knabe, der unter einem Baum Schutz gesucht hatte, vom Blitz erschlagen. Hagelschläge haben vielfach großen Schaden in der Landwirtschaft angerichtet. Die Temperaturen sind überall um 10 bis 15 Grad zurückgegangen. Im oberen Os- sola-Tal herrschte heftiges Schneetreiben. Am Lago Maggiore wurden Straßen, Felder und Häuser überschwemmt. Der Spiegel des Sees stieg in kurzer Zeit um 80 Zentimeter. Gigli als Feuerwehrmann. Benjamino G i g l i.wechselte dieser Tage bei einer Aufführung von „La Boheme" in der Londoner Covent-Garden-Oper plötzlich seine Rolle als Rudolf und betätigte sich als Feuerwehrmann. Als die Künstler, wie in den Rollen vorgesehen, Manuskripte und Papier in den zur besseren Illustrierung erleuchteten Ofen warfen, fing das Papier Feuer. Ohne die Aufführung zu unterbrechen und die Feuerwehr zu bemühen, ging Benjamino Gigli hinter die Kulissen, holte zwei Eimer Wassel und einen Eimer Sand und löschte damit höchst eigenhändig den Brand in der Oper«. Erstes Reichest ontdichtertreffen in Guben. Das erste Reichsfrontdichtertreffen der „Mannschaft", zu dem Frontdichter aus allen Gauen des Reiches nach Guben gekommen find, brachte als Höhepunkt eine Feierstunde. Reichskriegsopferführer Oberlindober ging von der Führungsaufgabe des deutschen Frontsoldaten aus. Dieser habe sich immer als Träger einer aktiven Politik gefühlt. Reichsleiter Rosenberg führte u. a. aus, es zeige sich erneut, daß die großen Wenden in der Geschichte der Volker nie aus leichten Siegen kommen, sondern aus schweren Schicksalsschlägen. „Aus dem Erlebnis einer neuen Kameradschaft ist eine neue Kraft der Erinnerung geworden, und die Kraft der Erinnerung hat dann eine schöpferische Antwort verlangt. Kameraden der „Mannschaft", diese Antwort hoben Sie gegeben, jeder seinem Temperament gemäß, nach seiner Kraft. Wir müssen alle einen Protest einlegen gegen jede Konjunktur, die sich mit dem Weltkrieg und mit dem nationalsozialistischen Kanrpf befaßt. Jeder muß sich immer wieder prüfen, ob das, was er geschrieben hat, würdig ist, an die Öffentlichkeit zu kommen. Ich habe die Schirmherrschaft übernommen in dem Bewußtstem, daß hier eine Gemeinschaft von Menschen ist, die die Ereignisse der oergange-nen Jahre in gestaltprächtiqer Form wiedergegeben hat. Dieses Schrifttum wird einst ein wichtiges Erziehungsmittel darstellen." Nach der Feierstunde fuhren die Teilnehmer zum alten Blücherschloß Buderose. Oberbürgermeister S ch m i e d i ck e (Guben) übergab das Schloß der Stiftung „Haus der deutschen Frontdichter" mit dem Wunsch, daß die Künder des deutschen Fronterlebnisses hier eine Stätte der Ruhe und Erholung finden möchten. Reichsleiter Rosenberg verkündete die Uebernahme der Schirmherrschaft über Schloß Buderose. Die Lhemiker-Tagung in Bayreuth. Die Tagung der deutschen Chemiker in Bayreuth wurde von dem Vorsitzenden des Vereins deutscher Chemiker, Dr. Karl Merk (Darm» stadt) eröffnet; er begrüßte neben den Ehrengästen besonders die in großer Zahl aus Oesterreich ge« fommenen Chemiker. Dr. M e r k gab dann folgende Ehrungen bekannt: Die Ehrenmitgliedschaft des Vereins wird an Prof. Dr. Paul Duden (Frank- furt a. M.) wegen feiner Verdienste um den Verein verliehen. Die Liebig-Denkmünze wird an Prof. Eduard Sinti (Darmstadt) verliehen. Prof. Dr. Alder (Leverkusen) wurde davon verständigt, daß der Verein ihm die Emil-Fischer-Denkmünze per» leiht. Schließlich wurde der Karl-Duisberg-Gedächt- nispreis an Frl. Dr. Elisabeth Dane, Dozentin an dem Chemischen Universitätslaboratorium München, verliehen. Dann berichtete Dr. Merk über die Arbeiten des Vereins und seiner einzelnen Fach« gruppen. Verleihung des Mozart-Preises 1938. Jy einer stimmungsvollen Feier wurde im Salzburger Mozarteum in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste und des Vorsitzenden der Johann-Wolf- gang-von-Goethe-Stiftung, Professor Dr. Metz, Freiburg i. Br., der Mozart-Preis für das Jahr 1938 an den steirischen Dichter Franz N a b l und den Tiroler Dolksliedmeister Professor Josef P ö l l verliehen. Beginn der Weimar-Festspiele mit „Wallenstein". Nach der Eröffnung der W ei m a r - Festspiele der 'deutschen Jugend durch den Reichsjugendführer nahm im Nationaltheater die Festspielreihe ihren Beginn. Es wurden die drei Teile des „W a l l e n st e i n" gegeben. Die jungen Reichs- und Gausieger des Reichsberufswettkamp- ses, die Mannschaft des Ktll/urlagers der Reichs- lugendführung und die Hitler-Jugend aus den Schul- qnippen des Schülerbundes bildeten eine andächtige Festgemeinde. Wetterbericht Die großräumige Luftdruckverteilung über Europa ist unverändert. Während jedoch in den letzten Tagen bei wechselnder und oft regendrohender Bewölkung überwiegend niederschlagsfreier Wetterablauf herrscht, ist am Mittwoch vorübergehend ein stärkeres Eingreifen der Tiefdruckstörung zu erwarten. Im ganzen setzt sich weiterhin das wechselhafte und unzuverlässige Wetter fort. Die Temperaturen gehen erneut zurück. Vorhersage für Donnerstag: Wechselhaftes Wetter mit Neigung zu einzelnen, leicht schauerartigen Niederschlägen. Bei lebhaften Winden aus nördlichen Richtungen noch etwas kühler. Vorhersage für Freitag: Bei Luftzufuhr aus West bis Nord wechselhaftes und unzu- verläfiges Wetter, für die Jahreszeit zu kühl. Lufttemperaturen am 14. Juni: mittags 19,9 Grad Celsius, abends 13,9 Grad; am 15. Juni: morgens - 11,8 Grad. Maximum 20,4 Grad, Minimum 9,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Juni: abends 18,9 Grad; am 15. Juni: morgens 15,5 Grad, t- Sonnenscheindauer 4,2 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 38: 9163. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K -G, sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkauss- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Leit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. | Vermietungen"! | Mietgesuche ] A.MMIU . MM rszim Frau Elisabeth Pfau verw. Ochs, geb. Schultheis. Für die trauernden Hinterbliebenen: [Verschiedenes | Gießen, den 15. Juni 1938. Für Wanderer und Naturfreunde' 02803 Dr. Nohl wieder Sprechstunde 17. Juni 1938 4074D Standort Gießen. 4064° ießen. «es0 Mündlich können Sie e5 nur wenigen sagen, schriftlich mehreren, durch eine Kleinanzeige sagen (Sie eS allen Garage Nahe des Bahnhofs gesucht. Schriftl. Angeb. unt. 4069V an d. Gießen. Anzeig. Junge, tüchtige Frau enwf.sich i. Mess. Ahe u. Kleidungsstücke Schriftl. Angeb. unt.02791anden Gießen. Anzeig. Am 9. Juni entschlief sanft im 88. 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Und so erlebt man im Vorübergehen hier ein heiteres Stück aus dem neuen Usafilm „Eine Nacht im Mai", in der sich Marika Rökk und Oskar Sima treffen, während man dort Zeuge wird einer ergreifenden Szene aus dem Ufa-Film „Am seidenen Faden", in dem Köche von Nagy und Willy Fritsch den Lebenskampf siegreich bestehen... * Während man so von einem Atelier zum anderen wandert und immer wieder den Fleiß bewundert, mit dem Künstler und Könner, Arbeiter der Faust und Stirn, gemeinsam und freudig am Werke sind; und nachdem man in einer der größten Atelierhallen überrascht wurde von der Szenerie Alt-Hamburgs, das hier mit seinem malerischen Fleetviertel und dem, „alten Michel" im Hintergrund emporwächst, geht man auch an jenen schmucken Ziegelbauten vorüber, in denen die „Cutter" an der Arbeit sind. Diese „Cutter", die „Schneider" sind es, die dem Film den „Schnitt" geben und ihn auf diese Weise spielfertig machen. Was oft mit unendlicher Geduld gestaltet, gespielt, geformt und gedreht wurde, — hier fällt es der unbarmherzigen. Schere zum Opfer. Hier wird die große Kunst des Weglassens geübt. * Auch im Kantinengarten herrscht Leben und Treiben, Kommen und Gehen. Neben unbekannten Komparsen sitzen die „Großen" und die „ganz Großen"; sitzt auch Kristina Söderbaum, plaudert und ist, wie in ihrem letzten Film, ganz Jugend. Auf dem weiten Hof reiht sich ein Kraftwagen an den andern. Vom plumpen Gerätewagen bis zum schnittigen Sportzweisitzer. Geschäftige Menschen eilen hin und her. An der Portierloge wird sorgsame Kontrolle geübt. Uyd indem matt alles noch einmal überdenkt, was man auf dem Spaziergang durch diese Filmstadt gesehen und erlebt hat, und sich bald darauf wieder auf die Heimfahrt nach Berlin begibt, ist man sich gar nicht so sehr gewiß, wo eigentlich die Grenzen sind zwischen dem Wirklichen und Unwirklichen, zwischen dem Leben und dem Film ... Aufregender Venchi über eine Ameise. Aus der Arbeit an einem Kulturfilm. Von Hermann Thimmermann. Sie kam wie eine Wahnsinnige über den mit Grasbüscheln bewachsenen und von Kieselsteinen bedeckten Platz gerannt, auf den die Mittagssonne brannte und, wo die Hitze erbarmungslos zitterte. Ihre dünnen hellbraunen Beine arbeiteten rasend. Sie schaß, vom Standpunkt einer Ameise aus gesehen, wie eine Schnellzugslokomotive vorbei. Im Maul schleppte sie waagerecht ein klägliches Holz- spänchen, das viermal so lang war wie sie selber. Ihr Ziel schien die gegenüberliegende Mauer zu sein, wo in einem größeren Riß sich der Ameisenstaat niedergelassen hatte, denn dort wimmelte es von ihresgleichen, einen Meter hoch Über der Erde. Sie, den Balken quer im Maul, schuftete sich über die Kiesel, jagte wirbelnd über freie Strecken Sand, manchmal hing das eine Ende des Balkens auf dem Boden, manchmal das andere, aber immer wieder richtete sie sich die Last ins Gleichgewicht. Zu meinem grenzenlosen Erstaunen umging sie niemals die vielen Grasbüschel, die sich wie Urwälder vor ihr erhoben, um sich den Weg bequemer zu gestalten, sondern sie rannte wie eine Besessene mit ihrem quergetragenen Balken mitten in die grünen Baumriesen hinein, und jedesmal wurde ihr der Balken prompt aus dem Maul gerissen. Sie riß ihn wieder auf und nun, man meinte geradezu Ströme von Schweiß über ihr Antlitz rinnen zu sehen, nun schlug sie sich mit dem Balken durch das Urwaldgewirr, stemmte die Beinchen gegen den Sand, kletterte verzweifelt hoch, fiel wieder herunter, zerrte ihren Leib rücksichtslos, ruckweise und brutal durch das schreckliche Gehölz; wäre sie ein Mensch "gewesen, würde ihr das Fleisch in Fetzen vom Leide gerissen worden sein. Am anderen Ende erschien sie wieder, und um die verlorene Zeit einzuholen, hastete sie schneller und irrsinniger als zuvor dahin — um den nächsten Grasbüschel wiederum nicht zu umgehen, sondern sich wiederum wie eine hemmungslose Furie hineinzustürzen und durchzuwürgen. Das mit anzusehen war zum Verzweifeln. Nach einer halben Stunde war sie an der Mauer angekommen und begann sie zu ersteigen, nachdem sie wohl ein dutzendmal den Balken unterwegs verloren und entsetzt wieder aufgegriffen hatte; diesen furchtbaren Balken, der irgendwo im Ameisenstaat zu einem bestimmten Zeitpunkt dringend gebraucht zu werden schien, zu einem Zeitpunkt, der verhängnisvoll nahegerückt war, und den sie auf Tod und Leben einzuhalten hatte. Sie geriet an der Mauer in die aufgeregten, wimmelnden braunen Schwärme ihresgleichen, aber niemand von denen, die da leichtfüßig und unbeschwert hin und her hasteten, kümmerte sich um sie und ihre schwere Last. Sie kam an einen Felsüberhang, der für unfer- einen eine absolut unmögliche Wandstelle am Matterhorn gewesen wäre. Hier schien sie in der Tat auch einige Augenblicke zu verzagen, sie hielt ein und ruhte. Aber schon nach zwei Sekunden griff sie den Steilhang mit bestialischem Grimm an, ! zerrte den Balken mühselig mit und schon hatte sie einen prachtvoll gemeisterten Quergang hinter sich, als ihr der Balken entglitt pnd in die'Tiefe stürzte. Man hörte ihn geradezu von Fels zu Fels sput- ternd aufschlagen. Sie schien vor Entsetzen zu erstarren; aber auch das dauerte kaum eine Sekunde, bann raste sie, Kops voran, die Wand hinunter und verschwand in dem Grasgewirr am- Boden. Nach zehn Minuten erschien sie wieder, den Balken quer im Maul, und wutentbrannt ging sie d'e Steilwand von neuem an, schob sich senkrecht hoch, erledigte mustergültig den schwierigen Quergang, und nun, da sie wie atemlos einhielt, und man das Keuchen ihrer kleinen Lunge und das erschöpfte Donnern ihres tapferen Herzens zu vernehmen glaubte, nun griff eine andere Ameise zu, um den Balken tragen zu helfen. Aber zum grenzenlosen Kummer aller Mitleidigen, die dieser Tragödie schweigend zusahen, geschah dies freudige Ereignis nur auf der Strecke von kaum einem Zentimeter, dann ließ die Helferin den Balken los und rannte, wie überwältigt von einer plötzlichen, wichtigeren Aufgabe, im Tempo einer Amokläuferin davon, und wiederum war die meine allein. Einige Augenblicke schien sie von der unerwarteten Wendung so verblüfft, daß sie regungslos ver- j harrte, dann stob sie vom Fleck weg wie aus der Pistole geschossen den halben Meter hinauf. Dort öffnete sich der große Riß, in welchem zahllose ihresgleichen durcheinanderzuckten, und hier, inmitten ihres Volkes, immer noch den Balken quer im Mund, verschwand sie' in der Dämmerung der Mauerspalte. Nach Maßgabe menschlicher Gerechtigkeit müßte die oberste.Macht im Imeisenstaate sie fürstlich belohnen. Aber' es war nicht möglich, ihren Namen zu erfahren und ihr Schicksal zu verfolgen .. ; wenigstens nicht für die, welche dieser Episode zugesehen IjaP ten und die sich nunmehr auch ihrer Arbeit wieder zuwandten, obschon diese ihnen angesichts der Ameise und ihres Balkens ziemlich schäbig vorkam. Spaziergang in einer Filmstadt. Neugieriger Außenseiter wandert durch Babelsberg. Kaum hat man seinen Fuß in die Filmstadt gesetzt, da beginnt auch schon das Verwundern. Wo befindet man sich eigentlich? In der Wirklichkeit des Alltags oder in einem Traum? Man weiß nicht recht. Denn ging man eben an einem verwunschenen Rokokosthlößchen vorüber, sp steht man einen Augenblick später vor der chinesischen Mauer, die sich uns drohend entgegenstellt. Scheu durchschreitet man das niedrige Tor und atmet befreit auf, als man sich in eine Landschaft versetzt sieht, die die behäbige Behaglichkeit eines deutschen Bauerndorfes atmet. Vergessen ist, daß man vor einer halben Stunde noch in Berlin war und mit einem ö-Bahnzug nach Babelsberg-Ufastadt fuhr, um einen Rundgang auf dem Freigelände und durch die Ateliers der größten deutschen Filmgesellschaft zu unternehmen. * Doch wehe dem, der sich anschickt, in das niedersächsische Bauernhaus mit dem Strohdach einzutreten! Es gibt ein jähes Erwachen aus einem schönen Traum, weil einem, sobald man die Schwelle des Hauses überschritten hat, nur gähnende Leere empfängt. Schaut man sich etwas verblüfft um, so gewahrt man, daß dieser jahrhundertalte Fachwerkbau nur aus einer Vorderwand besteht. Wie denn auch alles, was man auf dem Freigelände erblickt, nur Vorderwand oder plastische Kulisse ist: dort rechts die herrliche Backsteinkirche mit dem stillen Friedhof; dort links die einladende Gaststätte mit der Tankstelle und dem roten Feuermelder davor; ebenso der Laubengang mit dem blühenden Flieder; die graue Mietskaserne; der Kleinstadtwinkel mit der Schusterwerkstatt: — alles ist nur Vorderwand! Und schon will man sich entrüsten, weil „nichts dahinter steckt", als man im Anblick eines haushohen Gerüstes mit einer Unzahl von Scheinwerfern zur Besinnung kommt, daß man eben in einer Filmstadt ist, in der die Häuser auch in halber Höhe des ersten Stockwerks getrost „aufhören" können, weil höher der Blickwinkel der Kamera doch nicht steigt. - ♦ Betritt man alsdann eins der hallengroßen Ateliergebäude, so schwindet zu Beginn alles Traumhafte, das einen eben noch umfing. Hier nämlich ist, das sieht man sogleich, alles „auf Theater" eingestellt. Doch die Ausmaße des Schnürbodens sind ins Riesenhafte gewachsen! Und seltsam:-vieles erscheint einem schief, verzerrt, völlig falsch gesehen. Aber die Kamera braucht diese Verschiebung des Wirklichen, damit sich später auf der Leinwand wieder alles „im Lot" darstellt. So überkommt einem doppelte Hochachtung vor dem Können der Architekten, der Maler und Beleuchter, die „richtig" und perspektivisch zugleich gestalten und wirken müssen. Nicht lange währt es übrigens, und auch hier in den Riesenateliers wird das Theaterhafte zu einem Wechselspiel, in dem man Wahrheit und Dichtung nicht mehr auseinanderzuhalten ver- mag. , Jetzt nämlich geht man durch Säle, Zimttierfluchten und Dielen, über Terrassen und Treppen hinweg, und stößt hier und da auf ein geschäftiges Treiben, auf ein anscheinend wirres Durcheinander von Betriebsamkeit, das sich aber nur allzu schnell als ein planvolles, fast automatisch wirkendes Hand- in-Hand-Arbeiten all jener Männer erweist, die hier zwar „tonangebend" sind und alles „ins rechte Licht" rücken, selbst aber meist im Schatten des Beifalls stehen, den eine begeisterte Filmgemeinde — wenige Wochen später — dankbar spendet. Plötzlich ertönt ein Hupensignal! Alles erstarrt. Und nur im Mittelpunkt der Vielheit, von Helfern, im Mittelpunkt blendender Strahlenbündel spielt sich eine Szene ab, zielt ein Stück schicksalhaften Lebens am Objektiv der Kamera und vor dem Mikrophon des Tonbandes vorüber; bewegen sich, Urahnen des Kinos. Camera obscura und Laterna magica. Wenn heute von Vorläufern des Kinos die Rede ist, so denken wir fast immer nur an die Laterna magica, die Zauberlaterne, die in den Zeiten unserer Großeltern bei der Vorführung im Familienkreis das Entzücken von Jung und Alt gewesen ist und in ihrer Entwicklung während des vorigen Jahrhunderts die aufeinanderfolgenden Kulturströmungen widerspiegelte. Aber die Vorgeschichte des Kinos führt viel weiter zurück. Schon in der. Antike gab es, wie Dora Hans mann in einem Aufsatz in „Westermanns Monatsheften" ausführt, Mittel, die Wirkungen des Hohlspiegels so zu benutzen, daß Götter und Geister auf Altären erscheinen; die Heliostaten Herons von Alexandria bringen aus diesem Gebiete erstaunliche Wirkungen hervor, und die Menschen der alten Zeit mögen vor solchen Erscheinungen gezittert haben, wie es 19 Jahrhunderte später geschah, als Pepper auf offener Bühne Geister zitierte und chnen leibhaftige bewaffnete Schauspieler entgegenschickte, denen gegenüber sie sich als hieb- und stichfest erwiesen. Die Schreckgestalten wuchsen höher und höher, so daß dem Publikum, wie den Schauspielern, die oft selbst nicht eingeweiht waren, die Haare zu Berge standen, da sie nicht wußten, daß diese Gespenster, in Lpken gehüllt, durchaus greifbar und verwundbar, einen Stock tiefer vor der magischen Laterne vorüberwandelten und durch eine mächtige schräg gestellte Glasscheibe zur Bühne hinaufgespiegelt wurden. Durch Jahrhunderte war so der gleiche Trick wirksam. Im Jahre 1000 wird die Camera obscura von dem Araber Ibn al Haitan beschrieben. Man hatte entdeckt, daß in einem dunklen Zimmer Gegenstände, die draußen waren und deren Reflex durch eine sehr kleine Deffnung hineingeleitet wurden, auf der Rückwand als umgekehrtes Bild erschienen. Was also in der Dunkelkammer bestaunt werden sollte, mußte außerhalb wirklich dargestellt werden. Man ließ Szenen erscheinen, wie Festgelage, denen die . Strafe auf dem Fuße folgte, indem Teufel den Verführer in den Höllenrachen zogen; es war auch einfach Rüpel in Bocksfelle zu nähen, ihnen Klquen, Schwänze und Hörner anzuhängen und den „greu-i lichen Reihen" aufführen zu lassen, sie mit Hexen auf Besen zu vereinen und so die Qualen vorzuführen, die im Jenseits den Bösen drohten. Jahrhundertelang hat die Wunderlaterne hauptsächlich dazu gedient, die Menschen in Schrecken zu versetzen; es waren wenige, die Mittel dazu in der Hand hielten und eine Geheimwissenschaft daraus machten, deren Kenntnis unter den Wissenden ängstlich gehütet wurde, teils aus Gewinnsucht, teils auch aus ethischem Wollen heraus, die Welt auf dem Wege der Tugend zu erhalten. Im 17. Jahrhundert erfand Athanasius Kircher aus Fulda die transportable Laterna magica, die er an die Stelle der dunklen Stube setzte. Als der durch den Dreißigjährigen Krieg vertriebene Mann 1646 in Rom sein Buch „Ars magna lucis et umbrae" schrieb, war der erste Projektionsapparat, der Ahne unseres Kinos, geboren. Auch dieser Gelehrte benutzte seine Erfindung dazu, seine Umgebung zittern zu machen. Als eines Abends seine Freunde beisammen saßen, erschienen auf den Fenstern, die dgmals noch mit Papier bespannt waren, Gestalten, die sich bewegten, verschwanden und wieder austauchten. Kircher projizierte sie von seinem eigenen Fenster aus, das schräg gegenüber lag, und versetzte so seine Bekannten in furchtbare Aufregung. Er selbst erzählt, daß er die Kreuzigung Christi „aufs Genaueste dargestellt" gesehen habe, und „ein trefflicher Weißkünftler hat alle Kaiser von Julius Caesar bis Karl V. leibhaftig fürgeftellt, daß sämtliche Teilnehmer an Schwarzkunst glaubten". Man weiß nicht genau, wie diese Vorstellungen, für die nur die Laterna magica in Betracht zu kommen scheint, entstanden sind. Ein weiterer großer Schritt wurde getan, als man sich nicht mehr auf das Helle Sonnenlicht beschränkte, sondern man darauf kam, der Laterna ein Kunstlicht einzubauen. Kircher selbst kam noch nicht so weit, obwohl davon berichtet wird, daß er eine Fliege mit Honig auf eine Glasplatte geklebt habe, die in ihrer ungeheuerlichen Größe die Zuschauer in Schrecken versetzte, ebenso wie ein Hampelmann, dessen Schattenbild er in Zuckungen geraten ließ. Weiter wird aus diesem Kreise erzählt, daß ein „Kunstfreund" eine Vorführung seiner ganzen Chinareise veranstaltet habe, womit wir also die Nachricht non dem ersten Lichtbildervortrag, der im Jahre 1653 stattgesunden hat, empfangen. Fttm-AMdlttktl. Das europäische Gleichgewicht. Luis T r e n f e r drehte seinen Terrafilm „Liebesbriefe aus dem Engadin". Er wohnte mit seinen Leuten in Davos. Nicht „da, wo's" nischt kostet, sondern im Sporthotel. Männer aus aller Herren Länder trafen sich da. Die Trenker- garde' stand natürlich im Mittelpunkt der Neugier. Ihr gefiel das gar nicht. Besonders einer war böse. Der Gerold-Luis. Er war ja Kummer gewöhnt, hatte mit Trenker in Kalifornien, in der Lombardei, in heißen Wüsten und in Gletscherspalten gearbeitet, und auch die „Liebesbriefe aus dem Engadin" wären ohne seinen stattlichen Vollbart undenkbar gewesen. Dieser Bart wurde die Zielscheibe des Spottes der anderen, der Ausländer. Eines Abends, die Filmleute ruhten sich von ihrer Arbeit aus, und Trenker lag schon zu Bett, ging es wieder los mit „Weihnachtsmann", „Rübezahl^ und „Berggeist", und das Ende vom Liede war eine Rauferei in dex Bar. Vierzehn gegen vier. Die vier waren Trenkerleute. Sie wurden ziemlich zugedeckt. Und hatten Angst, der „Alte" könnte es erfahren. Am nächsten Abend erzählten sie es. Sie gaben ihre Niederlage zu und wiesen dabei auf die Ueberzahl der Aus-län-der hin... Trenkers Gesicht verfinsterte sich. Die Vier erwarteten ein Donnerwetter. „Herrgottsakrament!" fluchte Trenker los, „da müssen wir das europäische Gleichgewicht aber sofort wiederherstellen!" Und setzte sich in Marsch. Richtung: die Bar. Das europäische Gleichgewicht wurd.e wieder hergestellt. Das Autogramm. Als Ernst W a l d o w einmal in Nürnberg zu tun hatte, saß er in einer von den gediegenen alten Schenken und trank in gemütlicher Ruhe sein Glas Bier. Die Kellnerinnen erkannten ihn und kamen der Reihe nach, hold lächelnd, vorbei und baten um ein- Autogramm. Ernst Waldow lächelte zurück und gab. Dann war wieder die Ruhe um ihn, eine himmlische Ruhe. Damit war es vorbei, als Waldow eine Dame bemerkte, die wiederholt in der Nähe vorbeistrich. Beim dritten Male machte sie eine strategische Schwenkung und stand vor ihm. Auch sie wollte ein Autogramm. Rundfunk im Film. Ein gegenwartsnaher Stoff. Die technische Entwicklung des Films und bei ständig wachsende Arbeitsbereich der filmischen Ressorts sowohl im Spielfilm wie im Kulturfilm haben es ermöglicht, daß fast alle Unterhaltungs» und Wissensgebiete des Lebens erfaßt werden können. Um so mehr muß es eigentlich erstaunen, daß einer her modernsten Begriffe der Neuzeit, der Rundfunk, bisher vom Film so selten behandelt wurde. Allerdings ist der technische Begriff Rundfunk schon so ungeheuer vielseitig geworden, daß ein Kulturfilm vom Rundfunk kaum noch das ganze Wesen dieser „achten Großmacht" so widerspiegeln kann, um es einem laienhaften Filmbesucher verständlich und gleichzeitig interessant zu machen. Wir haben bei den modernen Filmen unserer Tage immer häufiger Gelegenheit, zu sehen, wie sich die Kamera in große Industrien, auf die Flugplätze, in die Seeschiffahrt und nicht zuletzt in das große Fachgebiet der Filmtechnik selbst wagt. Nachgewiesenermaßen finden diese Filme, die reine Unterhaltungsfilme mit all ihren Vorzügen und Nachteilen darstellen, deshalb besonderen Anklang beim Publikum, weil sie „so nebenbei" Gebiete auf- blenden, mit denen der Durchschnittsbesucher des Films weniger vertraut ist, "die ihn aber um so mehr interessieren. Ein Film, der z. B. auf irgendeinem der großen Dampfer seine Handlung durchführt und dabei auch in die Eingeweide des -Schiffes, auf die Kommandobrücke oder in die Gesellschaftsräume der Fahrgäste blicken läßt, hat bestimmt seinen Publikumserfolg, denn dem Besucher werden auf diese Weise Eindrücke gewährt, die er sonst kaum so interessant, billig und ausführlich bekommen hätte. Ebenso ist es mit Aufnahmen, die in die Industrie führen. Beobachtet man bei einem solchen Film das Interesse des einfachen Arbeiters, so merkt man gleich, wie er sich bei diesen Bildern in seinem Element fühlt. Aber auch den anderen Besucher fesseln diese Bilder aus den Maschinensälen, weil sie ihm gegenwartsnah erscheinen und etwas Neues zeigen. Von diesen Gesichtspunkten aus könnte man im Spielfilmrahmen auch den Rundfunk erfassen. Der Senderaum des Rundfunks, die Arbeit des Rund- funkwisfenfchaftlers, das Aufgabengebiet eines Sendeleiters oder auch nur die Nachrichtenabteilung des Rundfunks geben genug Stoffunterlagen. Es wäre für die Filmbesucher zum Beispiel überaus interessant, zu sehen, wie ein Hörspiel, etwa eines aus dem großen Kriege, im Sendehaus akustisch gestaltet wird. Die großartigen Tage, die wir bei dem Anschluß Oesterreichs an Deutschland im Rundfunk miterlebten, technische Möglichkeiten, die dem Rundfunkbörer zwar schon selbstverständlich sind, deren praktische Gestaltung er sich aber kaum vorzustellen vermag, würden die Unterlage für einen spannungsreichen Spielfilm geben. Man könnte auf die großen Aufgaben der Propaganda, die der Rundfunk durchzuführen hat, in irgendeiner Weise im Spielfilm einschalten und damit dem Besucher innerhalb des Unterhaltungsfilms ein völlig neues Gebiet zeigen. So steht dem Film bezüglich des Rundfunks noch ein weites und dankbares Neuland offen. Vielleicht entschließt sich eine Filmgesellschaft zu einem Preisausschreiben für ein geeignetes Drehbuch. Unter unseren jungen Autoren gibt es bestimmt begabte Persönlichkeiten, die in der Lage sind, filmische und rundfunkmäßige Gesetze im Rahmen eines großen Spielfilms zusammenzufassen. Allerdings, das sei besonders hervorgehoben, ist es bei einem derartigen Rundfunkfilm nicht mit ein paar Ausschnitten aus dem Sendebetrieb getan, sondern in diesem Falle müßte der Begriff Rundfunk, sein ganzes Wesen und Aufgabengebiet im Mittelpunkt der Handlung stehen. Es müßte ein ernsthafter Film sein, der ebensowenig Sensationen enthält wie rührseligen Kitsch, sondern der ins natürliche fiebert greift. Wir glauben, daß der Rundfunk genau wie andere Gebiete manchen- Stoff bietet, der sich filmisch verwerten läßt. M. „Verbitte mir das! Bin Weinreifender! Heiße Hüber! Will mit Komödianten, Theater, Film etzettsra nichts zu tun haben!"1 Die Dame entfloh erschrocken. Aber sie kam wieder. Ernst Waldow erhob sich wie ein zürnender (Bott: „Unglaublich! Was wollen Sie! Autogramm? Lächerliche Unfittel Byzantinismus!" Weiter kam Waldow nicht. Die Dame blieb un- erschüttert. Ihr Lächeln wurde weich und zärtlich. „Herr Waldow", hauchte sie, „was sind Sie für ein Schauspieler! Wie haben Sie das wieder hingelegt!" Sie bekam das Autogramm. Es sei,wie es wolle... „Die Entfernung macht alles schöner", erzählt Otto Wernicke, mit dem wir in einer Pause während der Aufnahmen zu dem Terrafilm „Eine Frau kommt in die Tropen" zusammensitzen, „und noch 20 Jahren erscheinen selbst die bittersten Erlebnisse in einem freundlicheren Lichte. Das wissen Sie ja, daß ich nicht gleich ans Münchener Staatstheater und ans Deutsche Theater in Berlin engagiert wurde. Wenn ich.heute an meine Schmierenzeit zurückdenke... Nerven mußte man natürlich haben, wie man heute sagen würde. So passierte es einmal — wir spielten gerade „Ehre" von Sudermann —, daß der Depeschenbote des Ortes, den wir mit unserer Anwesenheit beehrten, mitten in der Szene an die Rampe trat «pd der Frau Direktor ein Telegramm überreichte... Ein andermal gaben wir ein Rührstück „Dorf und Stadt". Erster Akt: Schwarzwaldmühle, ein Maler verliebt sich in Lorie, die Müllerstochter. Zweiter Akt: Er nimmt sie mit in die große Stadt. Glück, viel Glück. Dritter Akt: Lorie wird der großen Gesellschaft voraestettt und „stinkt ab". Dierter Akt: Der Maler nähert sich mit Erfolg einer anderen Frau. Fünfter Akt: Reue, Heimkehr in den Schwarzwald, happy end. — Als wir nach der Pause zwischen dem zweiten und dritten Akt weiter-, spielen wollten, war kein Mensch mehr im Theater. Wir standen vor einem Rätsel. Dann erfuhren wir: Die guten Leute waren nach dem Glück des zweiten Aktes befriedigt nach Haufe gegang-n. Die Moral von der Geschichte: Man soll mit Glück sparsam fein." I i i G * c ( s »|i, 5 c r t c Z ( 5 f 1 1 h' l. n L Q s> 9. ti n' h hü d, r: ü. se 9 r r $ ir m E li ai di rc m fr L fo Sc. ni fr. dt re ci, P te ft' hl bc ai P bl 21 D in gr S de 61 in Al äu di» Ml toi fd beb fei an Lu tei mc fas gn ' ach da; kai Eu roh eui lich fpa bei, Hai Zu au- erfl ge.5 gel sich Fr- stet 11 n ode bur fchc net abt 2 Vo- ßüt tsch Der Tei B^; gen drei Kn Inf lin bäck We dun Äri1 van Enx mac We entt tior Landschaft — durch ein Weinglas gesehen. Von Anton Schnack. Die auf der weißgescheuerten Tischplatte aus Ahornholz steht, eine grünbauchige Bocksbeutel- . flasche, hat der fränkische Wirt aus bem Keller geholt. Vor den Augen des Zechers klopfte er sorgfältig den Siegellack vom Flaschenhalse, und ber Kork wurde mit sanftem Knall herausgezogen. Nun schimmert der Wein *in dem landesüblichen' kurzstämmigen Glase, das die Hand des Zechers verliebt und innig umfaßt. Dann hebt die Hand das gefüllte. Glas gegen das Licht, das mit feinem weißen Sonnenpfeil vom geöffneten Fenster her mitten durch den Wein schießt, dessen flüssiges und grünliches Gold einen unsagbar feinen Duft verströmt. Darin ist die Sonne eingefangen, flüstert der erinnerungsberoegte Zecher, die reisende Spätsommersonne vor zwei Jahren, die den heuttgen Zecher, der damals das Taubertal aufwärts wanderte, bräunte und senkte. Hinter dem edlen Schein des Traubengoldes blühen dem Trinkenden noch einmal Luft und Farbe jener Wandertage auf: Damals war er ein Wanderer ohne Hut, mit luftgebeiztem Gesicht, kalkweißen Schuhen und einer blauen Kornblume zwischen den Zähnen. Der Mann wanderte an der Tauber entlang, und zu seiner Rechten wand sich die dunkelgrüne Flußschlange langsam und ruhig unter dem kühlen Schatten ber Erlen und Weiden, zu seiner Linken war der Hllgelzug aufgebaut, nahe an die Straße und an den Fluß herangerückt, und zeigte die aufgerissene und blutende Brust roten Sandsteinfleisches. In dem Schein des Weines sah der Zecher die grüne Farbe des Klees wieder und der Laub- • wälder, das flüssige Gold zauberte ihm die Honigtropfen in die Erinnerung, die damals die Bienen aus den blühenden Bauerngärten in den Korb des weißhaarigen Imkers trugen. Er sah die träg dahin- ziehenden Sommerwolken wieder, auch die schönen Steinsäulen, von Weinlaub und Rebzweigen umwunden, vom dichtenden Dolksmund „Träubeles- bilder" genannt, Steinsäulen, von der IDrei faltigfeit gekrönt oder von der Schmerzhaften Mutter, die im Schoß den toten Sohn hält. Nun beim geruhsamen schmeckerischen Trünke kehrt die erquickende Tal- und Flußstille wieder in sein Herz ein; denn der aus der Traube gekelterte Wein hat Weltverlorenheit und Sommersttlle in seine lautere Flüssigkeit gezogen. Durch, das Glas blickend, sieht der ^edjer sich über eine alte verweiterte Sandsteinbrücke gebeugt und in das dunkelgrüne Wasser ber Tauber träumen, wo der Nixenleib der schönen Melusine ins grundlose Flußdunkel schwamm. Er folgte ihrem Lächeln und Winken bis zur schönsten Mühle im fränkischen Lande weit und breit, der „Eulschirbenmühle", wo sie einen kristallenen Märchenpalast in der Tiefe hat und in den Mond-' Mitternächten aus dem Wasser flieg. Da der Zecher ein Verklärter war, ein sonntäglicher Mensch, voll von Gesichten und erregt von Wundersüchtigkeiten, sah er Melusine, die lockende Frau, in den grüngoldenen Tropfen des Tauberweines erneut mit funkelndem Gesicht und winkender Gebärde. Und der Trunk, den er schlürfte, dünkte ihm wie ber Nixe feuriger und erregender Kuß. Im Schein des holden • Weines erschien auch wieder die verwunschene Klosteranlage Bronn- b a ch mit bem wunderbaren Kreuzgang, den moosumzogenen Gestalten Und Figuren des Brunnens im Klostergarten und dem Kleinod der Kirche, eine spätromanische Abteikirche. Der Zecher sieht den Wanderer an der Weinbergsmauer lehnen, der ganze Hügel ist von langen roten Steinrippen gegürtet, well eine Mauer über ber anderen sich bis zur Höhe aufbaut; hier wuchs ber Bronn- badjer Keme 1 rain, ber nun als Wein im Glase wie geschmolzenes Gold funkelte. Damals loderten die vielen Mauern und das sandige Gestein des rebenbesetzten Hügels hell und freudig unter der Sonne, die mittagssteil im blauen Himmelsgewölbe stand. Viele Tausende von Trauben reiften damals, und der Wanderer war den grünen Stockzeilen mit Freude und Ergriffenheit zugewandt — er roch und schmeckte bereits den gekellerten und geklärten Wein, der nach zwei Jahren ihm über die schlürfenden Lippen drang und ihn beseligte. Noch einmal fühlte er die gesammelte Wärme jenes Tages, die heiteren Farben ber stillen Landschaft, das Grün der Wiesen und der Wälder, das helle Ror des Steines und bas schwärzliche Dunkel des Flusses, den Duft der Blumen, des dörrenden Grases und der erhitzten Erde, noch einmal fühlte er das zitternde und bewegte Licht über den Hügellenden, über denen das sirrende Geräusch der Heuschreckengeigen und der Schaumzikaden flirrte. Durch das Glas hindurchblickend sieht ber Zecher einen alten Mann aus dem Klostergarlen treten, einen großen ländlichen Strohhut auf dem Kopfe, rote er in Franken von Öen Bauern zur Näharbeit und beim Getreideschnitt getragen wird. Der Mann hat sich eine blaue Gärtner'schürze umgebunden, und in ber emporgehallenen Gärlnerschürze liegen, von einer besonders heißen Wand geschnitten, die ersten reifen Trauben. Dieser Mann erzählte bem Wanderer, dex sich das Klosterwappen betrachtete, darauf Maria mit dem Kinde sitzt, eine weihe Lerche auf ber Schuller, die sanfte Legende ber Klostergründung. Als die Grafen Wolfram und Dieter von Wertheim und die Brüder Sigebodo und Dragebodo von Zimmern im zweiten Kreuzzuge ins Heilige Land ritten, hatten sie den Zisterziensern in Maulbronn eine (Stiftung ^ur Gründung eines Klosters im Taubertal gemacht. Der 21bt des Klosters Maulbronn schickte nun zwölf weißgekleidete Planche in Taubertal, die sich aber über den Bauplatz nicht einigen konnten. Als sie wieder einmal in Streit gerieten, erhob sich plötzlich mit lautem Jubelgesang eine schneeweiße Lerche vor ihrem Blick und flog zum Himmel empor. Da das Vogelgefieder so weiß wie ihre Mönchskleidung war, sahen sie darin einen göttlichen Wink und begannen mit dem Klosterbau zur gleichen Stunde. So entstand die Abtei Bronn- bacb inmitten eines bezaubernden landschaftlichen Rahmens. Sich dieser Erzählung erinnernd, hebt ber Zecher sein gefülltes Glas gegen die Sonne, zu der die Lerchen ber fränkischen Frühlingslandschaft im steigenden Fluge sich emporschwingen. Mil einem eingezwicklen Auge sieht der lächelnde Zecher die Vögel ins Blaue steigen. und immer kleiner und kleiner werden. Es sind aber weder legendenweiße noch feldbraune Lerchen, fonbern vom Wein vergoldete winzige Punkte. (Sier... Von H. E. Weinschenl. Im Mai 1915 wurde ich eingezogen. Mit den Gardeschützen in Berlin rückte ich ins Feld, nach dem Osten. Aus jener Heil, da wir im kalten russischen Winter an der Düna lagen, ist mir eine kleine Episode in ber Erinnerung geblieben, ein fast tragikomisches Erlebnis. Die Verpflegung war nicht immer reichlich, die Feldpostpakete aus der Heimat waren seltener geworden — so gab es eine freudige Ueberraschung, als mir eines Abends die Ordonnanz ein Päckchen brachte. Ich hatte keine Zeit mehr, es zu öffnen, denn ich mußte zur Ablösung in den Graben. Als ich am Maschinengewehr stand, dachte ich unentwegt an dieses Päckchen. Was, mochte es wohl enthalten — Wurste Butter, Käse, Marmelade, vielleicht Pulswärmer oder gar Hosenträger? Wie lang oft zwei Stunden fein können! Kaum war ich wieder im Unterstand, da riß ich den Karton auf: zwei Eier! Der Topf mit dem Kaffeewasser stand bereits auf bem Ofen. also rasch hinein mit Len Produkten eines „Nein, Neffe! braven Huhnes! Drei. Minuten fällten sie kochen, damit sie schon weich waren. Zwei Kommißbrolslullen lagen schon bereit, drei Minuten waren um, da fiel mir ein Zettel in die Hand: „Lieber Neffe! Die Eier sind gekocht! Deine Tante Ida!" Ich war wie gelähmt. Dann tarnen mir allerlei Gedanken: Die gute Tante wird sie fünf Minuten im Wasser gelassen haben wegen ber Haltbarkeit für ben Transport! Aus also ber Traum von den schonen, weichen, goldgelben Eiern! Ich fischte sie aus bem Topf — sechs Minuten waren um. Ich hatte an biefem Abend keinen Appetit auf steinharte Eier, tauchte bas Brot in Marmelade, aß und legte mich nieder. In zwei Stunden ging es erneut in ben Graben — bie Eier lagen noch immer auf bem Tisch. Rennen in Ascot - Englands großes Ereignis Ein aktuelles Kapitel von der britischen Wettleidenschast. lichen die Blätter täglich Extra-Ausgaben mit den letzten Vorberichten von den Rennplätzen und den Rennställen, bringt ein so nüchternes Blatt, wie die halbamtliche, konservative „Times" lange Rennberichte, unterhält jede englische Zeitung zum mindesten zwei ober drei „Rennsportschriftleiter" und entsendet die Londoner Presse bei großen Rennereignissen nicht nur Dutzende von Reportern, sondern auch ihre „ganz großen Kanonen" an die journalistische Feuerlinie. Die Erklärung für diese und andere Absonderlichkeiten ist einüg und allein die allgemeine W e ttle id e nsch a f t, die alle Klassen in einem Maße erfaßt, von bem man sich auf bem Kontinent keine Vorstellung machen kann. Gewiß wird auch in anberen ßänbern gewettet, und hier unb bort gibt es auch kleine Cliquen, beren Horizont durch ben Totalisator begrenzt wirb. Aber in keinem anberen europäischen Lanb nehmen Wett- leidenschaft und Wettumsätze solche Riesenausmaße an, wie in Englanb. Was in anberen ßänbern Ausnahme ist, ist in Englanb Regel. Bei dem Derby wettet einfach alles, teils indivibuell und teils gemeinsam. Es gibt in ßonbon wohl kein einziges Büro, bas nicht eine sog. Derbylotterie veranstaltet hatte. Außer- bem hat jeder, von ber Scheuerfrau bis zum Generalbirektor, noch Sonberwetten abgeschlossen, wobei der Unterschieb lebiglich der war,, baß die Scheuerfrau Pennys fetzte unb ber Gene'ralbirektor Pfunde. Der Totalisator allein hatte am Derbytag einen Umsatz von über 70 000 Pfund, d. h. weit über eine Million Mark. Aber selbst diese Summe ist nur ein geringer Bruchteil der tatsächlichen Wettumsätze. Der Totalisator ist in England verhältnismäßig neueren Datums, unb bie große Mehrheit geht noch immer z u bem Buchmacher, zu dem man in vielen Fällen ein persönliches Verhältnis hat. Die Zahl ber konzessionierten Buchmacher in England geht in bie Tau- senbe, bie Zahl ber nichtkonzessionierten in bie Hun- berttausenbe. Nicht selten betätigt sich ber Portier eines großen Miets- ober Geschäftshauses zugleich auch als Buchmacher. Diese „wilden" Buchmacher haben oft einen schweren Stand, der sich baraus ergibt, baß Bar- roetten außerhalb der Rennplätze verboten finb. Das mag, angesichts ber ganzen Verhältnisse, eigenartig erscheinen. Aber Englanb ist unb bleibt bas ßanb ber Wibersprüche und Gegensätze. Wer bei feinem roilben Buchmacher auch nur einen Schilling fetzt, macht sich strafbar, wer bagegen bei feinem konzessionierten Buchmacher 100 Pfund auf dieses ober jenes Pferd fetzt, bleibt innerhalb bie moderne Dramatik bet uns nicht zu kurz gekommen ist. Den Vorwurf, zu Ungunsten moderner Stücke zu viel Klassiker gespielt zu haben, brauchen wir jedenfalls, das wurde kürzlich m anderm Zu- samm'enhang gejagt, nicht auf uns zu beziehen. Mehr Risiko, — das ist ein ausgezeichnetes und beherzigenswertes Generalprogramm, sofern es nur richtig und jeweils sinngemäß verstanden und angewandt wird. Daß zwischen der Pflege der großen klassischen Traditton und dem wagemutigen und rührigen Einsatz für das Neue und Gegenwarttge ein gerechter jmb wohlabgewogener Ausgleich in der Spielplangestaltung zu walten hat, ist eigentlich selbstverständlich: jenes echte Dolksprogramm, von dem in Wien soeben die Rede war, kann grundsätzlich gar nicht anders in Angriff genommen werden. Und jedes einseitige Entweder Oder wäre gerade an den kleinen und mittleren Bühnen in der Provinz, die meist weit vielfältigere Aufgaben zu erfüllen haben als die groß- und haupfftäbtischen, verfehlt und auf die Dauer untragbar. Dies sind nur einige der uns besonders wesentlich scheinenden Gesichtspunkte aus der Wiener Rede des Ministers. Sie sind, so verschieden sie im einzelnen sein mögen, alle auf das eine große Ziel gerichtet, auf die Verwirklichung der alten Sehnsucht nach einem deutschen Volks- und Nattonalcheater. Hans Thyriot. Traditionspflege im NS.-Reichskriegerbund. Die Pflege der Tradition der einzelnen Truppenteile wirb hinfort in ber Weife geregelt werden, daß von jedem Truppenteil der alten Armee im N6RKB. e i n „T r aditionsverbanddesehem.x-Re- giments" gebildet wird. Dieser umfaßt alle ehemaligen Angehörigen, und zwar sowohl die Mitglieder der Regimentskameradschaften als'auch die einzelnen in den allgemeinen Kriegerkameradschaften vorhandenen ehemaligen Angehörigen des Regiments. Alle Traditionsverbände der Truppenteile einer Waffe werden zur Pflege der Waffentradition einem dem Reichskriegerführer unmittelbar unterstehenden Inspekteur der betreffenden Waffe zugewiesen. Für jeden Traditionsverband wird ber Reichskriegerführer einen Derbandsführer ernennen, ber der Reichskriegerführung unterstellt wird. Der Verbandsführer eines jeden Traditionsoerbandes ernennt feine Mitarbeiter. Zwangsbeiträge für den Traditionsverband dürfen nicht erhoben werden. Freiwillige Spenden unb Beiträge finb gestattet. Die Tätigkeit des Verbandsführers beschränkt sich auf die Traditionspflege (Veranstaltung von Regimentstreffen, Herausgabe eines kleinen Nachrichtenblattes, Herausgabe bzw. Vertrieb der Regimentsgeschichte, Verwaltung des Vermögens des Verbandes). Eine Stunde stand ich wieder auf Posten — da kam mein Kamerad August vorbei; er war abgelöst und wollte zum Unterstand. Ich wußte, daß er nie recht satt wurde, daß er ein ganzes Brot hintereinander aufessen konnte. Da schoß mir ein Gedanke durch den Kopf: Ihm werden die Eier munden, sie werden ihm schwer im Magen liegen, er roir\ einmal das Gefühl des Sattseins haben. „August, auf dem Tisch im Unterstand liegen zwei Eier — du kannst sie essen!" — „Danke, Kamerad!" — Als ich zurückkam, brannte noch immer das Feuer im Ofen. «Was ist denn los?" fragte ich. — „August hat noch gekocht!" fam'bie Antwort. — „Wasser?" — „Nein, Eier!" — Ich ftanb wie versteinert. Er hatte bie zweimal gekochten Eier nochmals gekocht! Sie mußten ihm wie Feldsteine im Magen liegen! Ich legte mich schlafen. Ich träumte, aus dem einen Ei krochen viele Hühner heraus, die trampelten auf meinem Bauch herum und gackerten: Die Eier sind gekocht! Aus dem anderen Ei aber stieg ein Hahn, der krähte: August ist tot! Da erwachte ich in Schweiß gebadet, trat an das ßager von August. Er atmete ruhig — er schlief — er lebte. Am nächsten Tage schrieb ich an Tante Ida: Vielen Dank für das Päckchen, bie Eier haben mir gut geschmeckt — Dein dankbarer Bausteine zumDeutschenNaiionattheaier Zum fünften Male findet in diesen Tagen die Reichstheaterfe ft woche statt. Daß sie nach Wien verlegt wurde statt nach Stuttgart, wie es ursprünglich geplant war, darf als eine kulturelle Demonstration vor der Welt gewertet werden, als ein Symbol für die auch aus geistig-künstlerischem Gebiete neu gewonnene Einheit des Großdeutschen Reiches. Und abgesehen davon: es gfbt ja nicht sehr viele Städte, die auf eine ähnlich reiche Theatergeschichte zurückblicken können wie die Stadt an der Donau, die nun eine neue stolze Kunstmetropole des Reiches geworden ist. Seit ber Machtergreifung sind bie Reichstheater- festwöchen Jahr für Jahr kulturelle Kundgebungen Ä Stiles in Deutschland gewesen. In diesen wurde Jahr für Jahr an repräsentativer Stelle die Summe künstlerischer Leistuntz gezogen, die inzwischen geleistet worden mar, wurde auch Rechenschaft abgelegt ü,ber das, was auf dem Felde des Theaters geschehen sollte unb geplant wurde. Wir haben bereits über die große Rede berichtet, die Reichsminister Dr. Goebbels diesmal in Wien gehalten hat. Uederblickt man seine Darlegungen, so lassen sich unschwer die Kernpunkte und ßeitmotioe herauskristallisieren, die von grundsätzlicher unb weittragend-programmatischer Bedeutung für das Theaterleben in Deutschland und seine künftige Gesamtentwicklung finb, für feinen materiellen unb geistigen Bestand. Jedermann wirb sich erinnern, mit welcher Energie unb Zielsicherheit schon vor Jahren die ßöfung der sozialen Probleme im deutschen Theaterleben in Angriff genommen worden ist. Es wurde der Grundstein gelegt für eine umfassende Altersversorgung unserer Bühnenkünstler, es wurde ber sogenannte Kulturgroschen eingeführt, die Millionenspende des „Künst- lerbankes" geschaffen, es wurden Erholungs- und Altersheime errichtet und das Vermittlungswesen einer notwendigen Revision und Reorganisation unterzogen. Alle diese Maßnahmen gingen von dem Gedanken aus, daß jegliche Bemühung um eine dauernde Blüte deutscher Theaterkultur fragroürbig sein würde, solange bem künstlerischen Schaffen eine gesunde unb natürliche wirtschaftliche Grundlage fehlte. Wie sehr bie geschillerten sozialen Maßnahmen das Theater in seiner künstlerischen Ent- Wicklung, Reichweite unb Volkstümlichkeit schon in wenigen Jahren geförbert haben, erläuterte der Minister mit dem Hinweis auf die zahlreichen repräsentativen ßeistungen deutscher Bühnenkunst, etwa in den Festspielen in Heidelberg, Bayreuth unb Salzburg, an ben Theatertagen der HI., wäh- renb ber Reichstheaterwochen, in den Grenzland- sestspielen ber Preußischen Staatstheater — auch mit bem Hinweis auf bie großen Theater-Neubauten in Dessau, in Zittau unb in Saarbrücken, wo man im fommenben Herbst bie Spielzeit eröffnen wird. Im Zusammenhang mit den bereits erwähnten unb bekannten sozialen Maßnahmen wirb ber vom Minister angekündigte Erlaß einer Verordnung weithin begrüßt werden, nach welcher der bezahlte Urlaub für alle Bühnenschaffenden zur Pflicht gemacht wird. Dieser Urlaub beträgt für jeden Anstellungsmonat zwei Tage. Don grundsätzlicher Bedeutung ist ferner die Ankündigung ber Gründung'einer Reichs theater- a f a b e m i e. Damit wirb für das deutsche Theater das geschaffen, was für den Film schon vor einiger Zeit ins ßeben gerufen wurde. Es ist bei dieser Gelegenheit bereits ausführlich davon die Rede gewesen, welche Wichttgkeit der Erfassung unb grund- legenben, planvollen Schulung des künstlerischen Nachwuchses auf allen Gebieten für jede gesunde, großzügige unb vorausschauen.be Theaterpolitik zukommt, unb man darf den demnächst zu erwartenden Mitteilungen über die Ausgestaltung, den ßehr- plan mnd den ßehrkorper dieser Akademie mit großem Interesse entgegensehen: was hier geschaffen wirb, dürfte für bie Formung unb bas künstlerische Gesicht bes Theaterlebens in Deutschlanb während der kommenden Jahrzehnte von entscheidender Wichtigkeit fein. Es sind endlich in der Wiener Rebe von Reichsminister Dr. Goebbels Gedankengänge zur Kolumbus persönlich. Eine amerikanische Universität erwartete eines Tages als Gast den berühmten englischen Professor Walter Raleigh, einen Nachkommen des großen Seefahrers. Der Rektor war an die Bahn gegangen, um den Gast abzuholen. Als ber Zug hielt unb ein Herr ausstieg, ging er auf ihn zu uitö fragte: «Sind Sie Sir Walter Raleigh?" — Der Fremde, der gar nicht der Erwartete war, faßte sich sofort unb antwortete: „Nein, ich bin Christoph Kolumbus, Sir Walter Raleigh sitzt noch hn Speisewagen bei Königin Elisabechj" Sprache gekommen, die sich auf die Spielplan- g e ft a 11 u n g unb auf die künstlerisch aktive Theaterleitung des einzelnen Intendanten beziehen. Diese Gedankengänge erscheinen insofern besonders bemerkenswert, als sie sich ausdrücklich gerade auch an bie Theater in ber Provinz roanbten. Zusämmen- f affend kann man, was ber Minister in diesem Zusammenhänge sagte, einen Appell an die persönliche Initiative und bie eigene Verantwortungsfreudig- feit nennen. Die großen Richtlinien für bie Führung eines Theaters werben und finb von der obersten Instanz gegeben und grundsätzlich auch feit langem bekannt. Aber „wir haben", so sagte der Minister, „nie versucht, über dem deutschen Theater ben geistigen ober ben künstlerischen Diktator zu spielen ..." Damit ist bentlief) genug zum Ausbruck gebracht, was jedem Theater von sich aus zu tun ubrigbleibt; das ist eine ganze Menge und des Ehrgeizes und des Schweißes ber Qcbeln wert. Wenn sich Dr. Goebbels in diesem Zusammenhänge Dafür einsetzte, daß bie jungen Kräfte, bie am deutschen Drama arbeiten, nachdrücklicher als bisher aufgespürt, herausgestellt und gefördert werden müssen, so dürfen wir wohl, im Hinblick auf unsere Verhältnisse hier in nächster Nähe, mit Genugtuung feststellen, daß gerade im abgelaufenen Splelplap erfreulich häufig die Jungen unb Jüngsten zu Worte gekommen sind, wie denn überhaupt der Gesetze. Der Unterschieb liegt darin, baß die 100 Pfund nicht sofort bezahlt werden, sondern eine Kreditoperation barstellen. Eine solche Wette wirb naturgemäß von dem Buchmacher nur bann angenommen, wenn er weiß, baß sein Auftraggeber trebitroürbig ist, was man dadurch beweisen kann, daß man bei seinem Buchmacher ein laufendes Konto unterhält. Kreditwetten finb ausdrücklich von bem Gesetz gestattet. Der roilbe Buchmacher kann seinem kleinen Kunden keinen Kredit einräumen, sondern muß auf Barzahlung bestehen, und ist daher den Nachstellungen der Polizei ausgesetzt. In jeder Polizeistation in ßonbon sind zum minbesten ein Dutzenb Detektive angestellt, bie keine anbere Arbeit haben, als auf roilbe Buchmacher Jagb zu machen. Weniger werben sie besroegen nicht, benn biefe wil- ben Buchmacher finb unentbehrlich für ben kleinen Mann, der roeber Kreditwetten abschließen, noch selbst zu ben Rennen gehen kann. Wirb ein wilder Buchmacher einmal gefaßt/ zahlt er ohne Protest ein paar hundert, vielleicht auch ein paar tausend Schilling Strafe, benn er weiß, baß bas Geschäft immer weiter blüht unb gebeiht. Millionen Eng- länber hoffen heute, daß sie in ben Ascot-Rennen bas roieber gewinnen werben (und noch etwas bazu), was sie im Derby verloren haben. Beginn der Rennen von Ascot. Die trab'itioneöen Pferd e-Rennen von Ascot begannen mit einem feit Jahren nicht mehr erlebten Prunk. Als der König unb die Königin in einem von vier Schimmeln gezogenen ßanbauer, gefolgt von ihren Ehrengästen, bei der Königstribüne vorfuhren, wurden sie von vielen Tausenden von Zuschauern bejubelt. Aus ganz England waren Rennsportbegeisterte einaetroffen. Während der König seine Ehrengäste auf Schloß Windsor beherbergte, mußten für viele ber übrigen Zuschauer Klubhäuser unb Zelte als Unterkunft bereit» gestellt werben. Die Mahlzeiten werben auf bem Rennplatz eingenommen, wo Riesenzelte aufge- jchlagen «morben finb, um bie nach Tausenden zählenden Gäste zu fassen. Mehr als achthundert' Küchenspezialiften mußten feit Wochen Vorbereitungen treffen, da jeden Tag rund dreizehntausend Mahlzeiten ausgegeben werden. Allein vierzehn ßa st wag en voll Erdbeeren trafen auf bem Rennplatz ein; fast die gesamte Ernte ber Grafschaft Surrey ist für bas Rennen aufgekauft worben. Für die Dauer des Rennens ist auf dem Gelände sogar ein Polizeigericht eingerichtet worden. Es trat bereits in Aktton und verurteilte einen < Taschendieb innerhalb von zwanzig Minuten zu einer Gefängnisstrafe unb ließ ihn nach Oxford abtransportieren. ßonbon, hn Juni. Im Gegensatz zu bem Derby in Epsom finb bie Rennen in Ascot eine höchst exklusive Peran- staltung. Zwar erscheint ber König auf beib'en Rennplätzen, aber auf bem Rennplatz in Epsom gibt es nur eine königliche ßoge. In Ascot gibt es eine königliche Tribüne, umgeben von einem schattigen Park, in bem in roten Zelten während der Rennpausen aus Kosten des Hofes Frühstück serviert wird. Die ßifte der dazu Geladenen wird vom Hofmarschallamt in jedem Jahr sorgfältig geprüft unb schließlich vom König gegengezeichnet. In biefe ßifte ausgenommen zu werden, ist der größte Ehrgeiz aller gesellschaftlichen Bergsteiger, und wer diesen Gipfel einmal erreicht hat, wird nie auch nur davon träumen, bie Ehrung auszuschlagen. In ber Geschichte ber englischen Rennen gibt es nur einen Hall, in bem eine Einladung zu ber königlichen Tribüne zurückgewiesen würbe. Der Ein- gelabene war ber chinesische Staatsmann ß i - Hung-tschang, dem der damalige englische Außenminister eine besondere Ehrung zu erweisen glaubte, als er ihm eine Einlaßkarte zu der königlichen Tribüne übermittelte. Einige Stunden später erhielt der Außenminister eine Antwort, bie ihn in seinen tiefsten Gefühlen getroffen haben muß. „Seine Exzellenz,,ber chinesische Sonberbevollmäch- tigte", hieß es in dieser Antwort, „banken bem Herrn Außenminister auf bas Derbinblichste für bie Einladung zum Besuch der Rennen in Ascot. Seine Exzellenz bitten jedoch, von diesem Besuch Abstand nehmen zu dürfen,^ da es in China seit mehreren tausend Jahren bekannt ist, daß ein Pferd schneller als bas andere läuft." Wenn ber Außenminister damals bem verständnislosen Chinesen hätte antworten wollen, würde er vielleicht gesagt haben, daß auch in England seit einiger Zeit Die Tatsache bekannt sei, bah ein Pferd schneller laufe als bas anbere, baß aber der von Sportgeist beseelte Engländer gern wissen möchte, welches Pferd das schnellere sei. Das ist auch heute noch der Standpunkt bes Engländers, wenn er versucht, einem Ausländer ben englischen Renn- betrieb verstänblich zu Machen. Nun mag es wahr fein, daß es in England einige wenige Tausenb gibt, bie ein wirkliches Interesse an Pferben unb Pferbezucht haben. Aber dieses Interesse erklärt keineswegs biefen ganzen, bem Ausländer oft sinnlos erscheinenden Rennbetrieb. Die wahre Erklärung dafür ist kurz und schlicht bie, baß Pferderennen unb alles, was bazu gehört in Englanb einen wichtigen Jnbustriezweig barstellen. Nicht um jener paar Tausenb willen verösfent- Nr. 137 Drittes Statt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) Mittwoch, 15. Zuni 1938 „Wallensteins Lager" in Vorbereitung. Aufführungsproben der Soldaten für den -1L6er-Tag. r Seit vier Wochen ist eine stattliche Anzahl Soldaten unseres Infanterie-Regiments 116 dabei, sich für die Aufführung von „W a l l e n st e i n s Lager" oorzubereiten, die mit zu den Höhepunkten des 116er-Tages zählen soll. Seit vier Wochen tragen diese Soldaten das schmale Bändchen, das Textbuch zu Schillers dramatischem Gedicht, mit sich herum. Mit Eifer wurde gelernt, und mancher der beteiligten Soldaten mag dabei tief emgedrungen sein in die geistige Haltung, die Schiller auszeichnet, mag mitgerissen worden fein von dem be,zwingenden Rhythmus der Worte aus der Feder des Dichters, der uns auch heute noch viel zu sagen hat. In jeder freien Minute, zu mancher Stunde haben die Soldaten das Textbuch zur Hand genommen und sich hineinversetzt in den Geist einer vergangenen Zeit, sich mit der Sprache vertraut gemacht und gelernt. Auswendig gelernt! Immerhin nicht ganz einfach, wieder einmal auswendig fernen müssen, wenn man es fünf oder sieben Jahre lang, d. h. seit der Schulzeit nicht mehr getan hat! Fleiß und alle Liebe zur großen Sache aber läßt es schaffen! Schließlich muß jedes Wort so „fitzen", daß auch 5000 Zuhörer den Sprecher nicht mehr aus dem Konzept bringen können. Man darf nach allen bisherigen Erfahrungen erwarten, daß es bei den Soldaten, fo wie immer, auch hier klappt! Zunächst hatten die beteiligten Kameraden für sich zu lernen, in den letzten Tagen ober konnte man es öfter erleben, daß hinter der Turnhalle der - Derdun-Kaserne, schon im Freien oder in großem Raume einzelne Szenen geprobt wurden. Wer als Unbeteiligter, vielleicht durch einen Zufall, etwas von diesen Sprechproben zu merken bekam, fühlte rasch, daß die Soldaten mit großer Hingabe bei der Sache sind. Schon aus diesen Sprechproben waren die Spannungen zu spüren, die das dramatische Gedicht in sich birgt. Die Aufführung, die am nächsten Sonntag zum ersten Male und am kommenden Montag ein zweitesmal gezeigt wird, findet vor einem großen und eindrucksvollen Prospekt statt. Wenn das Wetter günstig ist, werden die Sterne über Wallen- steins Lager blinken und der nahe Philo- fophenwald sein Lied rauschen. Die Lagerfeuer werden prasseln, und vor den zehn S p i tz z e l t e n, wie auch vor dem großen Zelt der Marketenderin wird sich auf der etwa 60 Meter breiten Freilicht-Bühne (am Sportplatz der Spielvereinigung 1900) das Spiel entfalten. 60 schlanke Tannen und Fichten, die erst am Freitagabend geschlagen werden, sollen die Bühne zu linker und rechter Hand säumen. Für die Aufführung werden etwa 18 0, Personen (140 Soldaten, 20 Mädchen und etwa 20 Pimpfe und Hitlerjungen) aufgeboten. Alle — von den Sprechern bis zum fünften Soldatenbuben im Hintergrund — werden in den historischen Trachten des 17. Jahrhunderts erscheinen. Man wird eindrucksvolle Aufzüge der Landsknechte, zu Pferde, angetan mit Hellebarden und schweren Musketen, sehen, wird das Leben und Treiben vor dem Zelt der Marketenderin beobachten — kurzum, es wird vor dem Auge der Zuschauer sich das naturgetreue Bild mittelalterlichen Lagerlebens entwickeln. Die Kostüme für diese Aufführung stammen zum größten Teil aus dem Fundus des Gießener Stadttheaters, zum Teil werden sie aus Frankfurt a. M. beschafft. So wird also Nicht allein vom Geiste, sondern auch in vollkommener Weise vom Bilde her die Zeit des Dreißigjährigen Krieges vor uns erstehen. Für die praktische Bewältigung der Aufführung auf so großem Raume und vor so vielen Zuschauern (für 5000 Besucher werden Sitzplätze geschaffen) sind umfangreiche technische Vorbereitungen notwendig. Moderne Lautsprechertechnik wird eingesetzt und soll jedem Zuhörer jedes Wort verständlich machen. Drei Mikrophone werden auf der Bühne aufgestellt, mehrere Lautsprecher werden das Wort übertragen. Zehn große Scheinwerfer werden das Lager, die Szenen beleuchten. Lagerfeuer werden die Stimmung des nächtlichen Lagers lebendig werden lassen. Die Vorbereitungen für diese Aufführungen sind von langer Hand, mit militärischer Gründlichkeit und soldatischem Schwung getroffen worden A m heutigen Mittwochnachmittag wird bereits eine Kostümprobe ftattfinben, die schon einen Eindruck vermitteln wird von dem, was man erwarten kann. Man darf mit den Soldaten und mit den Verantwortlichen für die große Sache wünschen, daß die Aufführung für die vielen aufnahmebereiten Zuschauer und Zuhörer das Erlebnis werden möge, das mit dazu beiträgt, den alten und den jungen 116ern den Regimentstag zu einer unvergeßlichen Erinnerung zu machen. Wenn das Wetter der edlen Sache günstig ist, wird man um den Erfolg nicht zu bangen brauchen. M Rammbock und Säge bei der Arbeit. Der große Platz zwischen Trieb und Artillerie-Kaserne hallt gegenwärtig wider von vielen Rammstößen und Schlägen. Die Soldaten bereiten den Platz vor, auf dem sich ein großer Teil des Regimentstages abspielen soll. Umzäunungen werden geschaffen, die den Platz der Vorführungen begrenzen. Mit Kraft und Schwung werden mit großem Holzhammer die Pfähle in den Boden getrieben, mit Picke und Schaufel das Erdreich da und dort gelockert und ausgehoben. Wieder andere Soldaten find wie Zimmerleute damit beschäftigt, einen kleinen Kommandoturm A. Soldaten bereiten den Festplatz vor. — (Aufn.: Neuner, Gießener Anz.) zu erbauen, von dem aus der ganze Festplatz zu übersehen ist. Die Bühne für die „Wallenstein"-Aufführung wird hergerichtet und, soweit der Dammweg als Bühnenboden nicht, ausreicht, durch große Podien erweitert. Während die Soldaten mit diesen, handwerklichen Vorarbeiten beschäftigt sind, üben andere für die militärischen Vorführungen auf dem Platze, so daß sich während des ganzen Tages auf dem Trieb etwas Sehenswertes ereignet. Auch auf dem Trieb nördlich der Artillerie-Kaserne gab es gestern nachmittag etwas zu sehen. Das Aufmarschgelände für die Parade wurde mit einer riesigen Walze, von einem mächtigen Traktor gezogen, befestigt, während zu gleicher Zeit die Fahnen-Kompanie übte. Die Vorberestungsarbeiten und die Hebungen für die Vorführungen werden heute mit gesteigertem Einsatz fortgeführt. Aus der Gia di Gießen. Waldbrand. Blutig rot ist die Sonne am Morgen dieses Sommertages aufgegangen. Nacht und Dämmerung haben den Tieren keine Erholung von der Hitze des Vortages gespendet. Drückend heiß ist es von der ersten Stunde des Tages an. Es schwelt und glast über den Feldern und Wiesen, matt ist der Flug der Vögel, die auf der Nahrungssuche zurück zum Nest streben. Dort sind ityre. Jungen, die Hunger haben und sich nach Schatten sehnen. Mit gefächerten Flügeln sitzt die Dogelmutter über ihren jungen, sie vor den Strahlen der stärker sengenden Sonne schützend. Mühsam ist der Weg für Pferd und Fuhrmann durch den tiefen trockenen Sand, der in die Speichen der Räder zu greifen scheint und diese zurückdrehen will. . Kein Baum spendet Schatten. Erst am Waldrand gibt es für Tier und Mensch eine kleine Erholungspause im Schatten einer alten Eiche, die am Eingang zum Walde gewissermaßen Wache hält. Schnell wird die Pfeife zubereitet, das Streichholz entfacht, um den Tabak in Brand zu bringen, und achtlos fortgeworfen. Mit Hü gnb Hott treibt der Fuhrmann fein Pferd wieder an: in einem weit entfernt liegenden Jagen will er Brennholz holen, da jetzt auf dem Felde doch nichts zu tun ist. Rumpelnd und knirschend verschwindet das Gefährt hinter der nächsten Biegung. Das leichtsinnig fortgeroorfene Streichholz ist unglücklicherweise auf einen Platz gefallen, wo vom Vorjahre welkes Gras sich in dicken Polstern gelagert hat. Langsam ist das Holz zu Ende gebrannt. Ein Flämmchen frißt sich um das Streichholz herum, droht manchmal zu ersticken, flackert wieder auf und setzt seine vielleicht harmlose, vielleicht sehr gefährliche Arbeit fort. Die Kaupe mit dem welken Gras steht am Rande einer großen Kieferndickung. Wie Soldaten sind die Reihen der 'Bäume aus- gerichtet. Die unteren Zweige der etwa Zwanzigjährigen sind vertrocknet und werden bald vom Stamm abgestoßen werden. Wo die Sonne noch nicht hinkam, hat sich das neue Grün des jungen Grases noch nicht entwickeln können, lagern die welken Blätter der vorjährigen Gräser und Farnkräuter. Mancherlei Getier beherbergt diese Dickung, die so nahe am Feldrande ist und dem Wild Deckung bietet, wenn es zur oder von der Feldäsung strebt. An die Bevölkerung der Stadt Gießen! Ich bitte die Bevölkerung, anläßlich der Jubiläumsfeier des Jnfanterie-Negts. 116 die Häuser festlich zu schmücken und zu beflaggen. Backhaus, Kreisleiter. Der Hase hat seine Sasse im Schatten einer älteren Kiefer, die urwüchsig ist und breit in den Aesten sich ausladet; gut versteckt sind dort die wenige Tage alten Junghasen geborgen. Keine fünf Meter weiter ist in einem geneigten Astquirl das Nest der Singdrossel untergebracht, in dem mehrere Junge von den Eltern betreut werden. Groß ist die Dickung, und hinter ihr dehnen sich Kulturflächen, alte Bestände mit Naturverjüngungshorsten und wieder große Dickungen aus. Das Flämmchen in der Graskaupe hat Nahrung gefunden, hat sich zur Flamme, zum Feuer entwickelt. Der Bundesgenosse des Feuers, der Wind, treibt das Feuer unaufhaltsam in die Dickung hinein. Dort findet es an Gräsern und Aesten reiche Nahrung, klettert geschwind am Stamm empor, läßt die harzigen Nadeln der Kiefern knistern und spritzen und frißt sich weiter. Um die Mittagszeit ist das Feuer zu einem gefährlichen Waldbrand geworden. Das Feuer, Bodenfeuer und Wipfelfeuer zugleich, hat sich mit rasender Geschwindigkeit der ganzen Dickung bemächtigt und hinter sich schon weite Strek- fen verbrannten Bestandes zurückgelassen, wo alles Leben vernichtet ist und in. den Wurzelstücken noch die Glut flackert und knistert. Die Gewalt des Windes ist durch die starke Hitzeentwicklung verstärkt worden und treibt das Feuer ohne Schwierigkeiten Über die Kultur hinweg, wirft die züngelnde Flamme in den hohen Bestand, wo die Bodendecke und die Jungwuchsh^rste wiederum Nahrung'bieten. nioea! JX Stärket braun durch Mit Nivea kann man länger in der Sonne bleiben, weil Nivea infolge des Gehalts an Euzerit die Haut gründlich //burd)fättigt//. C 154 Die Rauchwolken sind zuerst von dem Forstmann bemerkt worden. Mit dem Rade ist er in die Nähe der Brandstätte gefahren, um sich zu überzeugen, welchen Umfang der Waldbrand bereits angenommen hat. Unter Aufbietung aller Kräfte hetzt er zurück zum Fernsprecher, um die Nachbarförster, die Gendarmerie und die Feuerwehr der nächsten Dörfer zu benachrichtigen. Zu Hilfe sollen sie kommen, soweit Menschenkräste zur Verfügung stehen, alle, ohne Ausnahme. Nachdem er noch einen Botendienst eingerichtet hat, eilt er wieder zur Brandstätte zurück, um die ankommenden Löschmannschaften einzuteilen und die notwendigen Voraussetzungen für den Erfolg des Löschens vorzubereiten. Bald strömen von allen Seiten die Hilfskräfte herbei, verteilen sich um die Brandstätte und legen breite Streifen, frei von allem Brennbaren, an, damit das Feuer nicht weitergreifen kann. Da sich der Oer Mauser. Von Karl Scherer. r Ob der alte Bussardhorst in der Krone der einsamen Zirbelkiefer über dem verlassenen Sandsteinbruch am Berghang wohl wieder bezogen war? Von der Landstraße im Tal, die sich wie ein weißes Band längs des grünen Flüßchens hinzieht, läßt sich nichts wahrnehmen; doch als der Hütejunge in der Frühe feine Ziegen über die Berglehne trieb, strich zuerst das größere Weibchen vom Horste ab, und wenige Augenblicke später erhob sich der Bussard von der Spitze des hochstämmigen Ahorns im Steinbruch, um mit dem Weibchen unter klagendem „Hiäh" eine halbe Stunde über dem Tal zu kreisen, ohne sich von dem Horstbaum zu entfernen — also liegen die beiden Eier schon im Nest. Nach einer Woche streicht nur noch bäs Männchen; an einem sonnigen Maimorgen trägt es schwer rudernd eine lebende Ringelnatter dem brütenden Weibchen im Horste zu. Doch nicht lange, dann streichen beide Alten wieder gleichzeitig und unermüdlich: die Jungen sind ausgefallen und schreien nach Atzung. Schon beim ersten Schein im Osten schwingt sich das Weibchen, das die frierenden Dunenjungen während der kalten Nacht erwärmt hat, vom Horste ab; wenn die Sonne durch die Nadelzweige strahlt, sieht man die Jungvögel auf dem Neftrand hocken; bald stehen sie unbeweglich, bald schlagen sie, um sich im Gleichgewicht zu halten, heftig mit den Flügeln oder machen unbeholfene Schritte zur Seite. Jetzt ducken sie sich und beginnen zu schreien — einer der Alten muß in der Nähe sein! Und schon rüttelt der große Vogel über der Zirbelkrone, macht eine jähe Schwenkung, daß die bronzebraunen Schwingen in der Sonne leuchten, und läßt sich mit einem Klumpen in den Fängen nieder. Die Gierhälse sind still geworden, die Alte schiebt sie sorglich nach der Horstmulde zu, zerreißt die fette Wühlmaus, und die Nesthocker beginnen gierig zu kröpfen. Eine halbe Stunde vergeht; bann ist der Bussard mit neuer Beute da, einer Blindschleiche ober ein paar nackten Felbmäusen, die er aus dem Nest zwischen dem jungen Roggen geholt hat. So geht es den langen Tag hindurch. Eines Morgens aber fludert die kaum flugbare Jungmannschaft von Ast zu Ast zur Erde, wo sie weiter gefüttert wird oder der Fuchs sie holt... Auf der braunen Heide steht eine alte Hainbuche, an deren Stamm sich ein verwitterter Kreuzstein lehnt, der einzige hohe Baum in der Runde. Die buckligen Wurzelü und der meterdicke Stamm tragen schwarzgrüne Moosplatten; die Krone 'ist noch dicht belaubt, doch der Wipfel ist dürr, und seine durch Wind und Wetter entrindeten Aeste starren grauweiß in die blaue Lust. Der Baum gibt weite Sicht; darum ist die Einsiedlerbuche der Rastbaum für alles, was über die Heide fliegt. Nur selten einmal ist der kahle Wipfel leer, und wer aus den fernen Wäldern den endlosen Heideweg zwischen Zwergbirken und purpurroten Weidenröschen nach Norden wandert, hat lange das gleiche Bild vor Augen: hoch über der grünen Laubkuppel zeichnen sich die schwarzen Schattenrisse der Wandervögel gegen den Himmel ab, die hier zu ruhen pflegen, ehe sie weiterziehen; erst wenn der Torfbauer oder Heideläufer heran ist, schwingen sie sich ab und verschwinden in dem leuchtenden Glanz. Im Westen liegt schon ein breiter Streifen feurigen Abendrots. Junikäfer schwirren durch die Luft, an den Grabenrändern wiegen sich weiße und rosenrote Katzenpfötchen, und die Honigbienen fliegen von Blume zu. Blume. Seit Stunden ist kein Mensch vorübergekommen. Auf der Spitze der Buche blockt ein starker Mäusebussard, ein alter, mürrischer Geselle, der nicht mehr gern weit umherstreicht, sondern die Jagd lieber geruhsam im Ansitz betreibt. Mit den blanken Sehern äugt er aufmerksam umher — hat sich an dem dicken Porstbüschel unter ihm nicht was gerührt? Die Erde lockert sich und der gelbe Heidesand wölbt sich in kurzen Stößen auf. Lautlos läßt sich der Mauser fallen, ein Griff der scharfbewehrten Klauen fördert einen silbergrauen zappelnden Samtmann zutage, der dort auf Engerlinge jagte und den ein rauher Schnabelhieb tötet. Dann streicht der Mörder zweihundert Meter vom Wege ab und würgt den weichen Mull mit Haut und Haar hinunter. Der fette Bissen drückt ihn, er sträubt und schüttelt das Gefieder; dann rudert er satt und schwer über die Büsche, erhebt sich kreisend in die Luft, daß der matte Goldglanz der Flügeldecken in der Abendsonne funkelt, und strebt dem Schlafbaum am Rande der Heide zu ... Die Felder stehen leer, an den Berghängen rauchen die ersten Herbstnebel, das Laub beginnt sich zu färben. Der September hat reiche Buchelmast gebracht, und die Eichkatzen sind geschäftig, ihre Kobel mit Kienzapfen und Eicheln zu versorgen. Unter einer breitästigen Rotbuche tummelt sich ein Hörnchen zwischen den verstreuten Eckern; ein Biß der scharfen Schneidezähne, die knackende Hülse springt davon, und der kleine Nager führt sich den ölhaltigen Kern zu Gemüte. Dann aber besinnt er sich auf die Wintersorge, trägt ein halbes Dutzend Früchte zusammen, schält sie aus und hastet mit seinem Schatz die nahe Rottanne hinauf, in deren dunkler Krone der Kobel steht. Bald ist er wieder unten. Am Fuß des Stammes verhält er sich und richtet sich steil auf — in den Heidelbeeren hat's geraschelt! Eidechsen und Blindschleichen, die sich inj Sommer gern an der Halde sonnten, schlafen schon in Erdlöchern und Geröllhöhlen ihren Winterschlaf, aber vor dem Mauswiesel, das sich hier herumtreibt und täglich die Kaninchenbaue in der nahen Fichtenjugend durchstöbert, muß man sich hüten! Das stimmt, schon ist der Räuber über das Hörnchen her. Doch er hat nur den buschigen Schweif erwischt, und der Nager braucht Zähne und Krallen und wehrt sich auf Tod und Leben. Bald rollt der wirre Knäuel den abschüssigen Hang hinunter, und die Stauden und Steine färben sich rot., „Das ist ein gefundenes Fressen!" denkt der große Mauser, der tagsüber mit wenig Erfolg den Ackermäusen im Felde nachgestellt hat und jetzt hungrig dem Hochwald zustreicht. In sausendem Sturz läßt er sich fallen und steht mit schlagenden Schwingen über den Kämpfern. Das Hermchen ist ihm gerade recht, er fackelt nicht und bohrt dem Wiesel die Krallen bis an die Klauen in die Weichen. Das läßt die Beute fahren und zuckt jäh nach der hellen Kehle des Raubvogels. Der kennt die Gefahr und weiß sich zu wehren; das glatte Gefieder fängt den Biß ab, unb, wenn auch ein paar Federn davonstieben und das fletschende Gebiß ihm wild entgegenfaucht — die langen Fänge lassen nicht locker. Das Baumäffchen ist entwischt, flüchtet mit hastenden Sprüngen und verkriecht sich unter einem deckenden Farnbulch. Der Kampf tobt noch eine Weile fort, denn das Wiesel hat neun Leben: dann aber hängt es schlaif in den mörderischen Krallen. Breit klafternd verschwindet der Bussard mit der Beute zwischen den Bäumen... Hocksckmlnackrickien. Der Sprachwissenschaftler Professor Dr. Jakob Wackernagel von der Universität Basel, der von 1902 bis 1915 als klassischer Philologe an der Universität Göttingen wirkte, ist im Atter von 85 Jahren g e ft o r b e n. Professor Wackpr- nagel war Ehrendoktor der cheologischen Fakultät in Marburg. Professor Dr. Karl B l o m e y e r, Ordinarius für Bürgerliches Recht an der Universität Jena, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität München berufen. Dem Professor Dr. phil. Wilhelm Iost wurde unter Ernennung zum Extraordinarius der Lehrstuhl für angewandte physikalische Chemie an der Universität Leipzig übertragen. Die Blumenbücher des Großen Kurfürsten. Zum kostbarsten Besitz der Preußischen Staats^ bibliothek gehört eine 'hervorragende naturwissenschaftliche Bilderhandschrist, die Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, erworben hat. Seine Blumen- und Pflanzenliebe hat dazu geführt, daß der Grundstock zu einer botanischen Bibliothek geschaffen wurde, die in einem Pavillon des Berliner Lustgartens untergebracht wurde, und bei dessen Auflösung zum größten Teil in die Königliche Bibliothek gelangte. Die große Bilderhandschrift umfaßt, wie der Bibliothekar an der Preußischen Staatsbibliothek, Hans Wegner, im „Zentralblatt für Bibliothekswesen" ausführt, 16 Bände mit über 2100 großen Aquarellen, die hervorragend gemalt sind. Verfasser ist wahrscheinlich der Holländer Carolus Clusius, der „Vater der Botanik", wie aus einigen in der Handschrift mitgeteilten Tatsachen zu schließen ist, und als Entstehungszeit sind die Jahre 1565 bis 1570, anzunehmen, während der Große Kurfürst die Handschrift im Jahre 1663 aus der Bibliothek des Cleoefchen Kanzlers von Weinmann erworben hat. Ein zweites Werk, das von der Blumenlieben hes Großen Kurfürsten zeugt, ist eine Sammlung von acht Handschriften, in denen die Erlebnisse der naturwissenschaftlichen Forschungen bewahrt sind, die der gelehrte Fürst Moritz von Nassau-Siegen« in Brasilien anstellen ließ. Die heute in sieben Handschriften aufbewahrte Kostbarkeit wurde vom Großen Kurfürsten im Jahre 1652 erworben, und es finden sich eigenhändige Notizen von ihm darin. Sein Leibarzt Mentzel hat Bilder in vier große Foliobände eingeklebt und durch Texte ergänzt; es sind 1460 Abbildungen von brasilianischen Indianern, von Negern, von Pflanzen und Tieren aus Brasilien und Afrika, in bunten Kreidezeichnungen und Oelbildern auf Papier, die von hervorragender Qualität sind. Eine dritte Handschriftensammlung aus dem Besitz des Großen Kurfürsten stammt von dem brandenburgischen Leibarzt Siegismund E l s h o l z , dem der Ausbau des Berliner Lustgartens zum größten botanischen Garten Deutschlands zu danken war. Die Staatsbibliothek besitzt ferner noch drei Handschriften, die der Große Kurfürst erwarb, ein umfangreiches Blumenbuch mit der gesamten Gartenflora des 17. Jahrhunderts in Deckfarbenbildern, eine Handschrift, die neben Vogelbildern einen Anhang mit Blumenbildern und wichtigem Material für die Geschichte der Blumenzucht enthält, und eine Bilderbandschrift über Gartenpflanzen von dem Straßburger Arzt Gallus L u ck i u s aus dem Jahre 1640. 19. Juni, findet zusammen mit den Aurhessen eiri Dampferausflug nach Sakrow statt. ** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 3. bis 9. 6. ein: gegen Kraftfahrer mit 1 Anzeige und 2 Verwarnungen und Belehrungen; gegen Radfahrer mit 6 Verwarnungen und Belehrungen. ** Guter Nachwuchs an die Schreibmaschine! Die berufliche Fortbildung aller schaffenden deutschen Menschen sieht die Deutsche Arbeitsfront als eine ihrer wichtigsten Aufgaben an. So ist sie u. a. auch bemüht, für guten Nachwuchs an der Schreibmaschine Sorge zu tragen, denn eben- so wie die Kurzschrift, betrachtet die DAF. auch das Maschinenschreiben als wichtiges Hilfsmittel für die gesamte Berufs- und Leistungsgestaltung aller schreibenden Berufe. In Anbetracht des gesteigerten Einsatzes aller Kräfte wird nunmehr eine großzügige und erstmalige Erhebuna über den Leistungsstand der deutschen Maschinenschreiber und -schrei- berinnen durch das 1. Reichsleistungsschreiben der DAF. auf der Schreibmaschine vorgenommen. Dieses Leistungsschreiben wird unter einheitlicher Set- Wind allmählich wieder gelegt hat, gelingt es, des Feuers Herr zu werden, zumal genügend Menschen zur Feuerbekämpfung zur Verfügung stehen. Nachdem die letzten Mannschaften abgerückt und die Brandwachen eingeteilt sind, geht der Forstmann nachdenklich Über die Brandstätte. Jahre feines Lebens hat er damit verbracht, diese Krlltur, jene Dickung anzulegen, zu pflegen und zu erziehen. Durch den Leichtsinn eines Menschen, der nicht beachtet hat, daß im Walde nicht geraucht werden darf, find die Früchte der Arbeit vernichtet worden. Groß ist der Sachschaden. Diel Mühe wird es kosten, diese Flächen in Kultur zu bringen und das Unglück vergessen zu machen. Alljährlich fallen durch Leichtsinn und Nachlässigkeit Tausende von Hektar besten, hoffnungsreichen Waldes den Flammen zum Opfer. Es ist erwiesen, daß über 50 v. H. aller Waldbrände auf menschlichen Unverstand zurückzuführen find. Jeder muß sich darum hüten, durch Unachtsamkeit oder Leichtsinn Frevler am Walde zu werden, der Volksgut im besten Sinne des Wortes ist^ Dornotizen Tageskalender für rNiltwoch. 20.15 Uhr Kundgebung der HI., des BDM. und des Reichsluftschutzbundes auf Oswaldsgarten. — Gloria-Palast (Seltersweg): .Ireiklang". Kreisfrauenschaft. Velr.: Mülterdiensk. gfs. Der Mütterdienst wird in nächster Zeit in Gießen einen Lehrgang im Kochen durchführen. Frauen und Mädchen, die dafür Interesse haben, können sich bei der Geschäftsstelle der Kreisfrauenschaft anmelden. Die technische Lehrerin Fräulein Steinbach wird den Kursus leiten. Hitler-Jugend Bann 116 Velr.: Tagung aller Slellenleiter und Mitarbeiter des Vannes 116. Am kommenden Freitag, 17. Juni, 20 30 Uhr, findet auf der Dienststelle des Bannes 116, Bahn- hosstraße 92, eine Arbeitstagung oller Stellenleiter und Mitarbeiter des Bannes 116 statt. Stamm 1/116. Velr.: Iugendluflschuhlag. Am heutigen Mittwoch, 15. Juni, findet auf Oswaldsgarten der Jugendluftschutztag statt. Der gesamte Stamm 1/116 hat daher am Mittwoch, 15.6., um 20 Uhr, auf dem Oswaldsgarten anzu- treten. Im Anschluß an diese Kundgebung findet ein ^Marsch durch die Straßen der Stadt statt. Gebiets- und Obergauwettkämpfe in Mainz. NSG. In der Zeit vom 18. Juni bis 3. Juli finden in Mainz die Gebiets- und Obergauwettkämpfe der HI. des Gaues Hessen-Nassau ftatt, die mit einer Leistungsschau der Mainzer HI., „Die junge Stadt", verbunden ist. In großer Zahl treten die Jungen und Madels des Gebietes und des Obergaues zu den Wettkämpfen an und führen zum ersten Male der großen Oeffentlichkeit die Einheit der Leibesübungen der Jugend vor Augen. Die Jungen und Mädels werden in harten Kämpfen alles einsetzen, um Sieger zu werden. Die besten Jungen können dann in Breslau und in Nürnberg vor dem Führer die Ehre der hesfen-nassauischen HI. vertreten. Das ist der schönste und höchste Preis, den sich die Jungen bei den Sportwettkämpfen, die eine stolze Schau ihrer Leistungen sein werden, erringen können. Nach verschiedenen Veranstaltungen ab 18. Juni werden die Dorkämvfe vom 29. Juni bis 2. Juli ausgetragen. Am 3. Juli findet die Sportschau der HI. und des BDM. auf der Herbert-Norkus- Kampfbohn ftatt. Vorsicht beim Sammem vonMaipilzen. SPD. Die Landesstelle für Pilz- und Haus- schwammberatung. Mykologisches Institut der Deut« Em deutsches Mädel berichtet über Spanien. In einem Kameradschaftsabend der Gießener Kameradschaft ehemaligerFreikorps- k ä m p f e r am vorigen Samstag gedachte Kameradschaftsführer Beute zunächst des vor kurzem verstorbenen Kameraden Neugebauer in Butzbach. Weiter erledigte er eine Reihe interner Fra- gen. Kreisschießwart Kam. Ranf überreichte so- dann dem Kameradschaftsführer Beuke und den Kam. Hainer und Rudolph die bronzene Schießnadel. Kam. Beuke begrüßte hierauf als Vortragende des Abends Fräulein Anni Diedrich (Gießen), die über ihre Erlebnisse in Spanien berichtete, und er betonte als Einleitung zu dem Vortrag, daß gerade die ehemaligen Freikorpskämpfer das größte Interesse an diesem Vortrag hätten, da sie dabei an jene Zeit erinnert würden, in der sie in Deutschlands schwerster Bedrängnis mit der Waffe in der Hand und freiwillig, ohne Befehl, dem roten Mordterror ein Halt geboten. Fräulein Diedrich hielt hierauf einen zweistündigen Vortrag, über den uns von der- Kameradschaft ehemaliger Freikorpskämpfer ein Bericht zugeht, dem folgendes zu entnehmen ist: Im ersten Teil des Vortrags gab ,bie Rednerin einen Ueberblick über das Land Spanien und seine Bevölkerung. Wir hörten, wie Grund und Boden, wie der gesamte Besitz nur in den Händen Weniger ist. wie die breite Masse des Volkes in dem schönen Lande ein kümmerliches Dasein fristen muß, wie es keine tragende Mittelschicht wie bet uns gibt, wie alle Sozialeinrichtungen fehlen. Die Rednerin führte weiter aus, wie sich das Kirchenleben im katholischen Spanien veräußerlicht habe, wie die innere, wahrhaft christliche Bildung und Bindung fehle und wie schließlich die Instinkte der breiten Masse gegen die Reichen, die Kirchen und Klöster aufbegehrten und wie eine geschickte bolschewistische Propaganda es verstand, diese Unzufriedenheit der breiten Masse auszunutzen und zum offenen Widerstand aufzureizen. Der zweite Teil der Ausführungen war so erschütternd, daß mancher der anwesenden alten Landsknechte sich der Tränen nicht scheute. Wir hörten von der Beseitigung der Monarchie 1932, von einer schlechten Demokratie, von einer Revolution in 1934, und bqnn hörten wir von der Auswtr- kung der Wahlen vom 17. Febr. 1936, die einen großen Sieg der Linksparteien brachten. Spanien wurde zur russischen Kolonie. Umzügen folgten blutige Auseinandersetzungen. Kirchen und Klöster gingen in Flammen auf. Die Klosterfrauen/ wurden vergewaltigt und zu Tode gequält Die Rednerin berichtete, daß sie in Einzelfällen Augen- und Ohrenzeugin dieser bestialischen Untaten, die nur der Stellvertreter des Satans auf Erden, der Jude aushecken konnte, gewesen sei. So hörten ^wir, daß eine deutsche grau, die einen Spanier geheiratet hatte, aufgefordert wurde, sofort ihr Haus zu verlassen, andernfalls sie verhaftet würde. Die Mutter hob ihr kleines Kind aus der Wiege und wurde die Treppen hinuntergestoßen. Auf der Straße rief sie nach ihrem Manne. Das vertierte Gesindel lachte ihr ins Gesicht und zeigte nach oben. Dort sah die Frau ihren Mann am Fensterkreuz hängen. Die Frau wurde gerettet. Fräulein Diedrich berichtete weiter, wie über 15 gefesselte Männer ein Eimer Benzin gegossen und angezündet wurde. Frauen, die ihre Männer brennen sahen, wurden irrfinnig und warfen sich in die Flammen. Eine ©reueltat folgte der anderen. Nach der Wahl vom Februar 1936 war es vorbei mit der Sicherheit.der Frau. Jeder halbwüchsige Bengel erlaubte sich auf der offenen Straße Anpöbelungen und freche Reden gegen die „Sennora". Nicht nur in den fast allabendlichen Versammlungen der Marxisten wurde in wüstester Form die „freie Siebe" gepredigt, sondern bereits in Schulen erklärte der Lehrer den Jungen von 13 und 14 Jahren die freie Siebe und forderte zur Betätigung auf. Langsam errangen die Nationalen Erfolge um Erfolge. Und dann hörten wir, wie die Wut der Bolschewisten sich gegen die in ihrem Ort Logrosan lebende einzige Deutsche richtete, wie Frl. Diedrich sich dazu entschließen mußte, die 350 km lange Flucht zur portugiesieschen Grenze zu wagen, wie sie nichts als das packte Leben retten konnte, und wie sie das Ziel schließlich erreichte. Und wir hörten, wie in umfassender und liebevoller Weise die Partei für die Spaniendeutschen sorgte, und härten vom Schicksal .anderer Spaniendeutscher. Frl. Diedrich schloß ihren Vortrag mit dem Hinweis, daß die schlimmsten Hetzer in Spanien gerade die emigrierten Juden seien. Zwei Jahre, so führte Frl. Diedrich weiter aus, war ich in Spanien, sah die Schönheiten des Südens, lernte verstehen und lieben den Reiz spanischen Wesens. ,<5ie kämpfte dort als deutsche Pionierin, trug deutsche Kultur in einen fernen Flecken iberischer Berge. Sie erkannte draußen im kommunistischen Trommelfeuer die ganze Größe und Herrlichkeit des befreiten nationalsozialistischen Vaterlandes. Der Kameradschaftsführer dankte Frl. Diedrich und faßte in einem kurzen Schlußwort noch einmal durch eine Gegenüberstellung der spanischen und der deutschen Verhältnisse zusammen, wie unendlich dankbar wir dem Führer zu sein haben, der Deutschland vor einem gleichen Schicksal bewahrt hat. Der Adjutant des Kreisoerbandes Gießen, Kamerad Weber, dankte Frl. Diedrich für ihre sachgemäßen Ausführungen im Namen des Kreis- verbandes. Der Abend schloß in der üblichen Weise. schen Gesellschaft für Pilzkunde, Darmstadt, teilt mit: Meist im Dhai und Juni erscheint an grasigen Wegrändern, auf Wiesen und ähnlichen Plätzen der Maipilz. Sejn Hut wird meist kaum breiter als 10 Zentimeter. Alle feine Teile, auch die Unterseite und der Stiel, sind weißlich bis rahmgelblich. Auffallend ist der Geruch nach Mehl. Man hüte sich jedoch vor Verwechslung des Maipilzes mit Riß- pilzen, insbesondere mit dem lebensgefährlichen ziegelroten Rißpilz. Dieser, der schon öfters Menschen ums Leden brachte, wächst ebenfalls im Früh- jommer auf grasigen Plätzen. Er bleibt meist etwas kleiner als der Maipilz, kommt aber ebenfalls mit weißlicher ober gelblicher Färbung aus dem Boden und wird später, besonders beim Liegen, mehr ober weniger ziegelrötlich. Im Gegensatz zum Maipilz hat er einen viel strengeren Geruch, der gerade für ihn charakteristisch ist. Während der Maipilz auf der Hutunterseite weißliche Blättchen hat, werden die des Rißpilzes bald mehr oder weniger bräunlich, ähnlich wie beim Angerling (Champignon). Der Champignon hat einen angenehmen Duft und einen charakteristischen Schleier bzw. Ring am Stiel, die sowohl dem Rißpilz wie dem Maipilz fehlen. Vergiftungen durch den Rißpilz äußern sich durch Schweißausbruch, Uedelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Schüttelfrost und ähnliche Erscheinungen. Wie bei jeder Vergiftung ist sofort fürarünb» liche Entleerung von Magen ühb Darm zu sorgen und der Arzt sofort zu Rate zu ziehen. — Berichte über Pilzvergiftungen erbittet die Landesstelle stets zur Bearbeitung durch ihre medizinische Fachkommission (Darmstadt, Neckarstraße 3). In jedem Zweifelsfalle wende man sich vor dem Genuß der Pilze an die nächste Pilzberatungsstelle oder an die Reichsarbeitsgemeinschaft Schadenverhütung, mit der die Landesstelle zusammenarbeitet. Landsmannschaft der Hessen in Berlin. NSG. Bei der jüngsten Abendveranstaltung der Landsmannschaft der Hessen in Berlin feierten unsere Landsleute Justus von Liebig. Der stellvertretende Dereinsführer Amtsrat Scholz sprach über den großen deutschen Chemiker, dem feine Vaterstadt am Haupteingang des Realgymnasiums ein Standbild gesetzt hat. Im weiteren gedachte Amtsrat Scholz des Ehrenmitgliedes der Landsmannschaft, des Mitbegründers Der, Vereinigung, des Professors Dr. Ludwig Heck, der am 1. Juni sein öOjähriges Berussjubiläum als Zoodirektor feiern konnte. Ebenfalls 50 Jahre im Beruf steht Landsmann Jakob Renk'er aus Groß-Gerau als Architekt bei ber Firma Holzmann. Am Sonntag, RUHL Seltersweg Nr. 67 I adlo Telephon Nr. 3170 JSj eparaturen____B tu na nach einheitlichen Richtlinien und einheitlichen Anforderungen vor sich gehen. Die Leitung des Wettbewerbs hat die Abteilung für Berufserziehuna und Betriebsführung der DAF. in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stenographenschaft. Für den Wettbewerb werden zwei Aufgaben gestellt. Alle Volksgenossen und Dolksgenossinnen, ob Anfänger, Durchschnitts- oder Spitzenschreiber, sind zur Teilnahme an diesem Leistungsschreiben berechtigt. Für jede brauchbare Leistung wird eine Leistungsbe- scheiniguna ausgestellt, außerdem werden Gau. und Reichspreise ausgesetzt. Vezirtsschöffengericht Gießen. Dor dem Bezirksschöffengericht hatte sich am Dienstag der PH. H. aus Nieder-Eschbach wegen Steuerhinterziehung zu verantworten. Der Angeklagte hatte in den Jahren 1931 bis 1933 ständig zu wenig Umsatzsteuer angegeben. Allein der Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren, sowie von Brennmaterialien war dreimal so groß, als des von dem Angeklagten insgesamt angegebene Umsatz: hinzu kamen aber noch sehr beträchtliche Lieferungen, die PH. H. für Kinderspeisungen an eins städtische Behörde leistete und die ebenfalls Umsatz, steuerpflichtig waren. Auf diese Weise schädigte der Angeklagte den Staat um 1900 Mark. Das Gericht verurteilte ihn wegen fortgesetzten Vergehens der Steuerhinterziehung gemäß § 396 RAbgO. zu einer Geldstrafe von 2000 Mark. Außerdem hatte sich noch der W. L. wegen Vergehens nach § 175 b StGB, zu verantworten. Der Angeklagte wurde mangels Beweises frei« gesprochen. Große Strafkammer Gießen. Gestern hatte sich der S. B. aus Lützellinden vor der Großen Strafkammer wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Weiter warf ihm die Anklage vor, sein Fahrzeug noch gefteuert zu haben, ob« wohl er wegen Alköholgenusses hierzu nicht mehr in der Sage gewesen sei. Der Anklage lag folgender Sachverhalt zu Grunde: Der Angeklagte fuhr am 6. Dezember vorigen Jahres gegen 20 Uhr von Dorlar, wo er in einer Wirtschaft ein paar Glas Bier getrunken hatte, mit seinem Lieferwagen nach Lützellinden. Kurz hinter ber Abzweigung nach Allendorf, wo die Straße eine kleine Rechtskurve macht, begegnete ihm ein einspänniges Pferdefuhrwerk, das infolge des diesigen Wetters und schwacher Beleuchtung schlecht erkennbar war. Es kam zu einem Zusammenstoß beider Fahrzeuge. Dabei wurde dem Lenker des Fuhrwerks, einem Mann aus Allendorf (Lahn) ber Brustkorb eingequetfcht, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Passanten sanden den Toten mitten zwischen den Vorder- und Hinterrädern seines Fuhrwerks liegend auf. Der Angeklagte bestritt jede Schuld an dem Un« WittetewWte Roman von Hans von Hülsen. Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell. 2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Es paßt mir aber so schlecht", klagte er und gab seine Sache schon verloren. Wenn Reh etwas wollte, dann tat sie es, da mochte man sich auf den Kops stellen. „Und wie lange willst du denn bleiben?“ „Ja, auch bas hängt ja nicht allein von mir ab. Ich weiß nicht, wie lange die Eltern bleiben. Und vielleicht gehe ich mit ihnen auch noch nach San Bartolomeo.“ „Wird ja immer heiterer!“ „Also, Oktober kann es werden, bis ich wieder« komme, damit mußt du rechnen. Mir tut es übri» gens auch gut, denn ich habe im letzten Semester ein bißchen viel gearbeitet. Aber daran denkt der Herr Egoist natürlich nicht!" „Rehlein, sei lieb und nenne mich keinen Egoisten! Ich bin unter allen Menschen, die ich kenne, der größte Altruist — mein Pech ist nur, daß mirs niemand glauben will. Uebrigens siehst du blühend aus und keineswegs überarbeitet. Schau mich dagegen an!" „Fritz, dein Vollmondgesicht läßt nichts zu wünschen übrig“, lachte sie, indem sie ihn betrachtete: „Du wirst direkt unanständig dick. Es tut dir bitter not, daß du dich einmal kasteist! Ich bin überzeugt, wenn ich wiederkomme, wirst du etwas manierlicher aussehen, so daß man sich mit dir wieder zeigen kann!“ Sie hatte das alles nur so herausgesprudelt, in ihrem immer ein wenig fremdländischen Akzent, den sie nicht verlor, und sie erreichte damit, was sie wollte, nämlich, daß er ins Lachen geriet. Er sah sie an: nein, man konnte diesem schonen Menschenbild nicht böse sein, man konnte es einfach nicht. „Und wann fährst du denn?“ fragte er ergeben. «Heute abend. Mit dem einzig möglichen Zuq, um zehn Uhr." „Schön — oder vielmehr scheußlich. Ich hatte mich zwar für den Abend verabredet, aber dann nachtmahlen wir. also zusammen, und ich bringe dich zur Bahn. Einverstanden?“ „Ader natürlich! Ich hatte nichts anderes erwartet!" Das versöhnte ihn einigermaßen. „Aber, Rehlein, vergiß nicht, daß der selige Othello ein Waisenknabe an Eifersucht ist neben mir! Und mache dich immer darauf gefaßt, daß ich eines Tages plötzlich da unten vor dir stehe, wenn es mir gelingt, Frau Armbruster weich zu machen!" ,^Hu!" lachte sie. „Ich höre dich schon ordentlich deklamieren: Hast du zur Nacht gebetet, Desde- mona?" „Gut, gut! Denke immer daran. Nimm dich zusammen. Mache niemand Aeugelchen!" „Sagen Sie mal, Herr Armbruster", entrüstete sie sich zum Schein, „wofür haltexi Sie mich eigentlich? Ich bin ein Kind aus gutem Hause, mein Vater ist Offizier, meine Mutter ist eine geborene Gräfin — und was sind Sie, Herr?" Da lachten sie beide, und Armbrusters schlechte Laune war verflogen. Ottcnrieths Stimmung schlug bald um. Nachdem er ein paar Tage in Torbole gesessen hatte, kam ihm der ganze Heine Ort unendlich langweilig vor, und er fragte sich, ob er es hier wirklich wochenlang aushalten werde. Nach und nach hatte er die meisten Gäste der „Cafa Rossa“ kennengelernt-, aber da man ihn für einen Industriellen hielt, nahm dies leichtbeschwingte Künstlervölkchen in seiner Ferienseligkeit nicht viel Notiz von ihm — was ihn nun wieder verdroß. Er verwünschte feinen Einfall, eine Maske vorzu- binden; aber das war nun mit Anstand nicht mehr rückgängig zu machen. Zudem waren sie alle schon seit mehreren Wochen hier, hatten sich zu engen Kreisen zusammengeschlossen, machten gemeinsame Segelparkien — gegen Albend kehrte eine Barke nach der anderen voll froher Menschenfracht in den kleinen Hafen zurück. Er blieb allein. Nur das merkwürdige italienische Ehepaar, das zweimal täglich neben ihm speiste, hatte Ottenrieth nicht kennengelernt. Nie kam es, wenn man sich zu Tisch setzte, über einen höflichen gegenseitigen Gruß hinaus, so sehr er sich es auch gewünscht hätte. Diese immer noch schone, schwermütig, fast tra» gisch wirkende Frau interessierte ihn sehr, ihre dunkle Stimme empfand er wie 'Wohllaut, so oft er ein Wort von ihr auffing, und das schwere Schicksal, von dem Leutstetten andeutungsweise gesprochen, gab ihrer Erscheinung einen Hintergrund, der sie vertiefte und weit über die Schar der Sommergäste erhöhte. Ader sie schien nur für ihren Mann da zu sein, niemals zeigte sie sich allein. Vier Tage nach seiner Ankunft holte Ottenrieth den Wagen aus der Garage, bestellte die Mahlzeiten ab und fuhr über Riva die Gardesana entlang. Er wollte den ganzen Tag über fortbleiben,, ja, er packte vorsichtshalber fein Toilettenzeug in ein kleines Köfferchen, um unabhängig zu fein, falls ihm etwa ein Abenteuer über den Weg liefe. Ein Abenteuer wäre in dieser Langweile willkommen gewesen. Der Tag war heiß, der See spiegelglatt, blendend schlug sein Glanz durch die Bogen der vielen Tunnels, in deren dunklen Schlauch die Straße immer wieder tauchte. In dem eleganten Gardonerioiera, wo zwischen weißen, Dillen Orangen und Simonen golden im dunklen' Laub hingen, frühstückte Ottenrieth Früchte zu einem Glas Wein. Mittags saß er auf der Terrasse eines großen Hotels in Sermione über der lichtüberfluteten Seebreite. Und abends hielt er vor dem kleinen, ländlichen, unter Delbäumen ganz verborgenen Albergo eines Dorfes am Ostufer, dessen Namen er in der plötzlich hereingebrochenen Dunkelheit nicht hatte erkennen können. In den Garten, durch dessen Gezweig der See im Sternensilber zu funkeln begann, bestellte er sich ein Nachtmahl, weißes Brot und Ravioli, eine Bistecca alla Milanese mit einem tüchtigen Berg wundervoll frischen Salats und grüngeäderten Gorgonzola und bagu einen halben Liter von biefem ausgezeichneten Barbolina, der nicht fern von hier an ben sanften Hängen des südlichen Gardasees wuchs. Er war ber einzige Gast. Der ganze weite ©arten, in Dunkelheit schweigenb, gehörte ihm. Das leise Plätschern des Sees lockte zu Träumereien, und bie vom Lärm des Motors und von der wild vorbeijagenden Bilderflucht erregten Nerven ließen sich willig einlullen. Von einer Barke, die im letzten Abendwind langsam über das Wasser trieb, klang Gesang, und ferner Gesang antwortete aus ben Gassen bes Ortes, ber mit ein paar Dutzend Häusern hügelan kletterte. Ottenrieth summte die Melodien, die chm zuflogen, leise mit. Seine Seele war auf Musik gestimmt in dieser schönen, stillen Stunde. Er bestellte einen weiteren Halben und fragte den Wirt, der ibn hemdärmelig bediente, um ein Zimmer, entschlossen, für die Nacht hierzubleiben. Später machte er noch einen Bummel durch den kleinen, säst schon schlafenden Ort, horte dem sanften Gemurmel eines Flüßchens zu, das sommerlich wasserarm unter einer alten Bogendrücke dahinplätscherte, und stieg mit schweren Beinen den Hügel hinaus zur kleinen, weißen Kirche, die sich hinter einem Gitter von Zypressen halb verbarg. In ihren Fenstern war ein mattes Licht. Die Tür stand offen. Er trat ein. Dox dem dörflichen Altar schimmerte rot die Ewige Lampe, auf dem Chor huschte im Schein von zwei Kerzen ein Schatten hin und her. Plötzlich ertönte die Orgel. Sie Hub ganz leise an, mit einer so erschütternd zarten Melodie, daß es dem Lauschenden warm ums Herz wurde. Lautlos barg er sich in einer von den alten Holzdänken, um zuzuhören. Das ganze Kirchlein war mit einem Male von Orgelklang erfüllt wie von Weihrauchduft. Gleich Engelsstimmen fangen die zinnernen Pfeifen, die matt im armen Kerzenschein leuchteten. Das Thema, das so leise und schüchtern angehoben, wuchs und entfaltete sich voller und voller, die Bässe untermalten es, jubelnd schwang sich die vox Humana darüber empor, zart und kräftig zugleich sprach das Cello hinein, und herrlich stand der Zwiegesang für viele Atemzüge allein in der schweigenden Dunkelheit. Dann brach es ab — und fetzte sogleich, flutend und anschwellend, von neuem ein. Was war das, fragte sich Ottenrieth betroffen? Das war kein frommer Kirchengesang. Das war ein- inbrünstiges Liebeslied, voll Jubel und dunkler Klage. Und w e r spielte dort oben? Wer lockte diesen süßen Zauber äus dem armseligen Werk der kleinen Dorforgel? Das war kein Dorforganist. Das war ein Künstler, der die Orgel beseelte. Ihm war, als sänke die Wirklichkeit unter ihm weg und er träte in einen verzauberten Bezirk. War er noch hier, in diesem kleinen italienischen Dorf, dessen Bewohner vom Fischfang lebten und vom armen Ertrag ihrer Lastbarken? Wie kamen solche überirdischen Klänge in diese Welt? Wer war die Seele, Die hier, unter der hallenden, steinernen Wölbung^ Zwiesprache hielt mit einer anderen Seele? Welches übervolle Menschenherz klagte und jubelte dort oben in dem goldenen Dämmer? Er lauschte der Musik, die In immer neuen Anläufen gegen ein unsichtbares Ufer brandete, bald sanft, süß und mild wie der See im ersten Morgen- licht, bald stürmend und wild, wie unter dem gewalttätigen Brausen eines Orkans. Plötzlich fiel ihm alles ein, was er selber je an Melodien ersonnen und zu Papier gebracht, seine Tanzmusiken, die man in den Kaffeehäusern von Wien und Prag, von Berlin und Paris spielte, und die Schlager aus dem „Hellblauen Engel". Scham sank dunkel über sein Herz. Und aus dem Fluten und Wogen der Musik fliegen die goldenen Träume, die er einst geträumt, in jungen Jahren, da fein Herz noch für die strenge Kunst erglühte, und er sich, hungrig und durstig nach bei*n Vollkommenen, bei den Meistern in Zuckt und Schule gab. Was war aus ihm geworden? Was hatte Ehrgeiz und Erfolgshunger aus ihm gemacht? (Fortsetzung folgt!) für die Gemeindebilanz in Krofdorf-Gleiberg starke Einschränkung erfährt, die wiederum Erspar- die im Denkmalausschuß wirbt um weitere Geldmittel Aus der engeren Heimat r u n - in Glei- Wirtschaft ' Rhein-Mainische Börse. 5.AE«inb-ch, 12. Juni Zum Auftakt zog derIabgeholt. In dem Festzug gingen die Ortsgruppe erein am Samstagnachmittag zum Heldenehren- 29 Vereine, außerdem die Schuljugend die Fes Ql hiMm fflnfiöfihrtiiia nm 4. : c... rv 7 < X 7 . l,w'.ulE t>el Gedenkfeier iried. Irum gestellt menge Ar, Ian. I f en« [füc Wt tten roß. Rs. Brei, her Die. Lei. Verein am Samstagnachmittag zum rual beim Gotteshause, wo sich neben den Hinterbliebenen der Gefallenen viele Gemeindeglieder versammelt hatten. Hier fand eine nisse im elektrischen Stromverbrauch nach sich zieht. 3. Ausbau des Kanals an der Gießener Straße, bedingt durch einen Neubau der Firma Rinn & Cloos7 Hierfür sind 3000 Mark vorgesehen. 4. Errii'' ~ ' ung eines Erinnerungs Males an eltkrieg gefallenen Söhne der Gemeinde. Hierfür spendet die Gemeinde 5000 Mark. Ein lichm I bes puna Irbett I ben Alls 1 nger. Keili Für Ksbe- [uni) Das Zubiläumssest desGesangvereins„Emtracht"E>teinbach > len- h Abendbörse weiter leicht schwacher. Soweit überhaupt Kursfestsetzungen an der Abendborse auf Grund von tatsächlichen Umsätzen erfolgten, war weiterhin eine leichte Abschwächung festzustellen. Die kaum noch zu überbietende Geschäftsstille bietet keinerlei Anreiz für das Käuferpublikum. In den Hauptwerken waren überwiegend die niedrigsten Tageskurse verzeichnet, u. a. lagen Gesfurel noch 1 o. H., Hoesch 0,50 v. H., IG. Farbenindustrie 0,50 o. H. unter Mittagsschluß. Auch Renten zeigten keine Erholung, Kommunal-Um- schuldung 96,13. Im einzelnen notierten: 4,50 v. H. Krupp 99,75, Adca 103,90, Braubank E 127, Commerzbank 114,25, Deutsche Bank 120,25, Dresdner Bank 112, Reichsbank 195, Mannesmann 113,25, Hoesch 113,25, Rheinstahl E 140,75, Laurahütte 17,90, Adlerwerke Kleyer 114,75, MAN. 134, Bem- berg 138, Berger Tiefbau 152, Daimler 146,50, Erdöl 137,25, Scheideanstalt 246, Deut che Linoleum 160, Licht & Kraft 142, IG. Farben 160,25, Fein- Mechanik Ietter 99,25, Gesfürel 146, Iunghans 118, Moenus 132, Rheinmetall 143,75, BDM. 173, Reichsbahn-Vorzüge 125,13. Frankfurter Schlachkviehmarkk. Frankfurt a. M., 14. Juni. Auftrieb: Kälber .95, Schafe 65, Schweine 2660, am vergangenen Dienstag 520, bzw. 96, bzw. 3622. Notiert wurden l6 50 Kilogramm Lebendgewicht in Mark: Kälber 3) 63 bis 65 (62 bis 65), b) 53 bis 59 (55 bis 50), c) 45 bis 50 (44 bis 50), d) 38 bis 40 (34 bis 40), Lummer und Hämmel b2 Weidemafthämmel) 48 bis 52 (47 bis 48), c) 40 bis 45 (4 Obis 45), d) 34 bis 39 (35 bis 39). Schafe a) 37 bis 42 (38 bis 40 , b) 34 bis 36 (33 bis 35), c) 27 bis .30 (30 bis 3?^chweiwe a) 57 (57), bl) 56 (56) b2) 55 (55), c) 53 (o3), d) 50 (50). Sauen gl) 54 (54) g2) m ü r f Beschickung: 828 Vier- 48 Qanie Kälber, 3 ganze Hammel, ;22C/Äe Schweine, 9 Kleinvieh. Notiert wurden e .50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch a) 80, Bul- lenfleisch a) 77, b) 66, Kuhfleisch a) 77, b) 65, c) 54 SuWetfdb a) 80, Kalbfleisch I. Qualität 81 bis 95; II. 75 bis 80, Hammelfleisch b) 76 bis 90, c) 65 bis 75, Schweinefleisch b) 73, Fettwaren d) roher opjtf unter 7 Zentimeter 78, Flomen 80. Markt* verlauf: Lebhaft. Rundfunkprogramm Donnerstag, 16. Juni. ren. ?n nor Lötung lnklage n, ob« lehr in gtnber ir om von @f05 . noch nad) slmve besuhl» schwa« :s kam Dabci Mann ;uelscht, issanten :r- und m Un« I am Wegen finge» ■änbiq I 2er- von ; der Um. rLie» t eine . msatz. ' le der Bericht s her einer ( i Der« t Der • rei< » jetgtcn in ihren Gesängen und Chören eine beach. tenswerte Höhe der Leistungen. Reicher Beifall wurde ihnen zuteil. Der Iubelverein mußte sogar einen Chor — ein Marschlied mit Orchesterbeglei- tung — wiederholen. Vereins- und Festleiter W a l b begrüßte die Gäste und besonders die Bruderver- eine. Die Grüße des Verbandes überbrachte der Kr^sfuhrer Müller. Die Brudervereine überreichten mit ihren Grüßen an den Iubelverein oahnennögelv und Schleifen sowie Wimpel, ferner wurde ein Chor als Ehrengabe überreicht. Die Fest- kapelle Schleuse sorgte für die nötige Abwechslung, io daß der Festabend einen sehr schönen Verlauf nahm. Verein kann auf den Verlauf stolz sein. Nur durch den Einsatz aller Mitglieder konnten alle Vorbe* reitungen und die Organisation so durchgeführt werden, daß alles seinen geordneten Verlauf nahm» Der Montag brachte als Volksfesttag das übliche Volksfesttreiben. Auf dem Festplatz boten Karussell, Schießbuden, Zuckerwarenstände und Eiswagen für jung und alt Gelegenheit, sich Freude zu bereiten. Zum Ausklang des Festes ergriff noch einmal Ortsgruppenleiter Bürgermeister Rink das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er seiner Freude daüber Ausdruck gab, daß so viele Sänger den Weg nach Steinbach fanden. Er gab ferner dem Wunsche Ausdruck, daß das gute Einvernehmen zwischen dem Gesangverein und der Gemeinde auch fernerhin erhalten bleiben möge. innerhalb der Bürgerschaft. Er hatte von verschiedenen einheimischen Fachleuten Pläne und Modelle angefordert. In Verbindung mit dem für Denkmalpflege zuständigen Vertreter der Regierung ist der Bildhauer B o u r c a r d e mit der Herstellung eines dem Gesicht und Charakter des Dorfes entsprechenden Modell beauftragt worden. Als günstigsten Platz für das Denkmal hat man die aufgefullte Stelle am Ausgang Krofdorfs nach Gleiberg mit dem unteren Teil des alten Friedhofs gewählt. Dor allem soll eine geschmackoo" anlage den Ehrenplatz umsäumen, die später nach Einebnung des übrigen Friedhofes eine begrüßenswerte Erweiterung erfahren könnte. Steuersenkungen können vorerst nicht vorgenommen werden, da die gesetzmäßigen Rücklagen zuvor angesammelt werden müssen. Die von der Ge- Der Sonntag war der Hauptfesttag. Das Dorf hatte zu Ehren des Festes reich geschmückt. Früh morgens sckon ertönte der Weckruf der Spiellsute durch die Dorfstraßen. Gemäß der Ueberlieferung n-u« ermn9 1a"g cr morgens im Gottesdienste zwei Chöre. Gegen 13 Uhr wurde der Festzug ausgestellt und die auswärtigen Vereine mit Musik Sängewcr-imgung" etwa 0,25 o. q. abgefchwa^. JG^Far^n^'eben. "pugenbfreunö falls kleinstem Umsätze gehalten. Rentenmarkt zeigte sich auch im Verlaufe noch Abgabeneigung, Kommunal-Umschulduna gi». gen mit 96,10 und 96,15 um. Oesterreichische Werte blieben zu den ersten Kursen behauptet. Freiverkehr wurden Dingler mit 94,75 WZ, Rastatter Waggon 56,50 (56,25), Ufa 73 Vereinigte Fränk. Schuh waren bei 79 (81) angeboten. 2er Geldmarkt zeigt immer noch eine gewisse ™pannun£ bei einem unverändertem Satz von 2/50 v. H. meinde in der Systemzeit übernommenen Bürgschaften für private Hausbesitzer in Höhe von 112 000 Mart sind durch nunmehr eingeführte Amortisation bis jetzt aus 101 000 Mark herunter- gedrückh 437 Hektar Wald, das bebaute Gelände, Wasserleitung, Kanalisation usw. stellen insgesamt einen Vermögenswert von 856 372 Mark dar, dem eine Belastung von 104 000 Mark gegenübersteht. Aus der Mitte der Versammlung wurde darauf hingewiesen, daß durchweg die Straßen und Wege auf den Höhenlagen besser im Schuß seien, als in den Tälern, aber gerade letztere dienten zur Heimfahrt der Lasten und bedürften deshalb der Instandsetzung. Eine lebhafte Aussprache gab es über bie vorgesehene Begradigung der starken Kurven des Forstweges (Straße nach Fellingshausen), wobei man durchweg der Meinung war, daß der Neubau einer. Straße durch die „Weiherdell" zweck- mäßiger wäre. Verbesserungen am Bullenstall und an der Viehwaage wurden zugesagt. Schein eise an, baß es Lautlos banken, t einem .hrauch' meinen ichteten. ehoben. e M« ie vox lUgletty ibber schwel- Heye m em. i-ii-n' 15 wak dunkler . biefen kleinen is war er ih>n -k. War , Dorf' ib oo>n t solche oar die inernen iE rfe und r? en ft e, bald rs ■ je an t seine spiel!' w: *’S nähren» 60"‘ - i)«“e f- für b i e Toten des Vereins statt, die um. r-Q2mLxIDar DOn Mei Chören. Vereinsführer Friedrich W a l b hielt die Gedenkrede. Den 25 Gründern des Vereins, den drei Dirigenten, so vielen r die alle auf dem Kirchyofe ihre letzte Ruhestätte fanden, und den 11 Sangesbrüdern darunter den damaligen Präsidenten, die im Welt- krieg fielen, galt seine Rede. Den Abschluß der Feier bildete das Lied vom guten Kameraden. Am Samstagabend fand ein Frühmusik. 5.45; Ruf ins Land. 6: Gym- nafhf. 6.30: Fruhkonzert. In der Pause, 7: Nach, Achten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30* Nur Koblenz-Trier: Nachrichten. 9.40: Kleine Rat. de für Küche und Haus. 10: Schulfunk. Volks- 11,45: Uebunasftätten der DAF 12* Mlttaaskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskon- VSf Fortsetzung). 14: Na«)richten. 14.10: Buntes, Derlei. 15: Für unsere Kindern 16: Nachmittags- ködert. Als Einlage, 17 bis 17.10: Das Mikrofon unterwegs. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 18Lo: Bericht von den Feierlichkeiten und dem Volksfest anläßlich des 80. Geburtstages bes schwedischen Königs. 19: Nachrichten. 19.10: ^ang der Landschaft. „Verschwiegene Täler — rer* 9nUbr-rler SS&- einc Hörfolge um den Spessart. ^'i--bchwedlscb-flnnisches Konzert 22: Nachrichten. 2.2,15/ Deutschland-Rad-Rundfahrt: Etappe 7, Friede richshafen--.Freiburg. 22.30: Volks- und Unterbau tungsmustt. 24 bis 3; NachtmusiL V 0 Landkreis Gießen. gfs. Staufenberg, 14. Juni. In der Frauenschaft fand ein Werbeabenü für die Iugendgruppen statt. Die Leiterin Frau Mitter- meier begrüßte die Frauen, die auch aus Mainzlar und Doubringen gekommen waren. Nach gemeinschaftlichen Liedern wurde der Film „Unsere Iugendaruvven" aezeiat. Ein zweistimmig eilige- nbtes Fruhlingslied und ein lustiger Spieltanz, an dem sich alle beteiligten, schufen eine fröhliche Stim- mung. ck- Staufenberg, 14. Juni. Die hiesige Frauenhilfe führte am Sonntag in zwei Omnibussen eine Fahrt zur Hillersbach-Talsperre und zum Hoherodskops durch. Allen Teilnehmerinnen war die Fahrt ein schönes Erlebnis. Mainzlar, 14. Juni. Schlossermeister Louis Pfeffer konnte auf eine 25jährige Tätigkeit in Den Didierwerken zurückblicken. Aus diesem Anlaß war sein Arbeitsplatz festlich geschmückt und in der Schlosserwerkstatt fand ein Appell statt. Der stellv. Betriebsführer hielt eine Ansprache. Dr. Thiel sprach für die Firma, Betriebsobmann E. Schlapp für die Gefolgschaft herzliche Glückwünsche aus. — 21m Sonntag begann auf dem hiesigen Schießstand das diesjährige Preisfchießen der K r i e g e r- f ame radschaft. — Der 63jährige Arbeitskame- rad Joh. Sauer, der schon über 40 Jahre in den Buderusschen Eisenwerken beschäftigt ist, hat durch eine Freizeiteinrichtung, die im Wert getroffen worden ist, eine Stägige „Kraft-durch-Freude"- 6ahrt nach Lindau unternehmen können. Erfüllt von vielen schönen Erlebnissen kehrte er zurück. . gfs. Grünberg, 13. Juni. Die Frauen- j ch a f t veranstaltete einen Werbeabend für die Jugendgruppen, zu dem von der Ortsfrauenschaft Gießen-Mitte und »Süd je acht Jugendgruppen- mitglieder unter der Führung von Frl. Rosen- schon gekommen waren, um durch kleine Vorträge und durch musikalische Darbietungen zu zeigen, welche Aufgaben die Iugendgruppe zu erfüHen hat. Orl. Hiltrud Schepp, die Führerin der Iugendgruppe Gießen-Mitte, sprach über die Arbeit im allgemeinen, über die Erziehung zur nationalsozialistischen Weltanschauuna, die Schulung in rassen- und bevölkerungspolitischen Fragen und wies auf den Erwerb des Leistungsbuches hin. Zum Schluß wurde der Jugendgruvpenfilm gezeigt. Alle Darbietungen fanden herzlichen Beifall. oo Eberstadt, 14. Juni. Die älteste Einwohnerin unserer Gemeinde, Frau Marie Bender Wwe., geb. Görlach, konnte dieser Tage im Kreise ihrer zwei Kinder, drei Enkel und vier Urenkel bei guter Gesundheit ihren 8 5. Gedurts- tag feiern. — Auch Frau Elise L ö s ch h o r n, geb. Görlach, konnte ihr 83. Wiegenfest begehen. Sie Alitlagsbörse bei ruhigem Geschäft abbröckelnd. Frankfurt a. M., 14. Juni. Bei sehr ruhiger Umsatztatigkeit verursachte einiges aus den bekannten Quellen kommende Angebot überwiegend uvyeyuu. «an uern riejlzug gingen Die Ortsgruppe, I ®e^tc^en Kursdruck. Stärker betroffen waren 29 Vereine, außerdqm die Schuljugend, die iMtJPai™er urit 145,50 (—2), Scheideanstalt 246,25 jungfrauen, Ortsvorftand, Freiwillige Feuerwehr ?• $ Verger Tiefbau 152 (— 150), Metallund der tzhrenausfchuß mit. .Zwei Musikkapellen Seiellschaft 131,50 (—0,50), Zellstoff Waldhof 143 wirkten mit. Der Festzug, der sich durch die Dorf- ^",50). IG. - Farbenindustrie waren anfänglich straßen nach dem Festplatz bewegte, war so stattlich, ?u' öie ,am Samstag stattfindende Hauptoersamm- wie er seit Menschengedenken nicht hier gesehen Iung mit 161 leicht gebessert. Günstige Haltung wurde. zeigten auch Kaliwerke, die ‘um 1 auf 103 anzogen. Auf dem Festplatz. Am Rentenmarkt waren die öffentlichen Än- Nach der Ankunft des Festzuges auf dem Fest- wmunal-Umschuldung wie Platz sang der festgebende Verein zunächst einen 96,15 .^,20, Altbesitz-Anleihe mit 131,75 Begrüßungschor. Vereins- und Festleiter W a l b 5nkre,^e bestand wieder für begrüßte die Sangesbrüder und alle Gäste, seine wogegen of enbar etwas Rede klang aus in dem Gruß an den Führer. Dar- besonders m Andustrie-Schuldverschreibun- auf überreichten die Festjungfrauen als Festgabe ^i^urse der österreichischen eine Fahnenschleife mit Wimpel. Der Ortsgruvpen- ^re ^"Slelchung an den Stand der leiter und Bürgermeister'Ri n k hielt dann eine An- Der Verlanl • n r k „ spräche und überreichte ein schönes Führerbildnis pnfmirfhtnA U- brad)!e uoch Kurs- das die Gemeinde dem Festverein zugedacht bat. Veränderung. In An- Dereinsführer W a l b sagte dem Ortsgruppenleiter fnLiJLk« Geschaftsstille wichen die Kurse in den und Bürgermeister sür di°,°- Geschenk den herzlichen st,« Sei der überaus groben Menge der Festgaste aus Eine^Au'/nahm^ nah und ern war die sehr große Fejthalle und auch späterhin seine feste Grundbaltuna nffonfenr 5 b-id° Nebenhallen im Aug-nbl?-k 8icht be,etz. Vie^ Licksicht au^di? .ürtoSWgeru3n0 bf:5n62ün? fanben kernen v'tzPlatz mehr. In der Festhalle Mittelabsatzes behauptete. Von den spater nMietten sangen nun di- Gastoereme - e- waren 25 Ber- Werten eröffneten unter Vortag Aeeumulatoren um -,n- — unter starkem Bestall ber dankbaren Zu- i 1,75 t>. $v, RWE 0 65 Konti Gummi 2 n ki horersthast nacheinander ihr« Chöre. Nach der Fest- LDM, I o. Adlerwerke 0,50 p H , fierant zugordnung ^.»ngefuhrt waren es: „Germania" Heid-lberg 0.50 n. tz. S-g-nstb-r den -Aen Kursen Steinbach, „Eintracht Hausen, Frohsinn" Garben- waren Stahlaerein UM weitere 0,25, Rhe nstM um teich, „Harmonie Rodgen, „frtanopimrrpininHnn" I n ok « Albach, „Sängerlust" Oppenrod, „l Watzenborn-Steinberg, „Liederkranz" ^eihgeftern, „Germania" Watzenborn-Steinberg, „Eintracht" Leihgestern, „Sängerkranz" Watzenborn, „Harmonie" Großen-Linden, „Eintrackst" Hattenrod, „Eintracht" Watzenborn-Steinberg, „Germania" Burkhardsfelden, „Harmonie" Watzenborn-Steinberg, „Cäci- lia" Cid), „Konkordia-Liederkranz" Ettingshausen, „Viktoria" Garbenteich, „Heiterkeit" Gießen, „Harmonie" Birklar, „Eintracht" Inheiden, „Germania- Liederkranz" Kirch-Göns. „Germania" Großen- Linden. wurde, daß der Angeklagte eine Alkohol- v von 1,45 pro Mille im Blute hatte, also eine Menge, die zwar hart an, aber immer noch unter der Grenze liegt, die normalerweise die Annahme einer Alkoholbeeinflussung rechtfertigt. Immerhin kam der Sachverständige auf Grund der Gesamtumstände zu dem Ergebnis, daß eine Fahr- untüchtigkeit des Angeklagten infolge Alkoholgenusses vorliege. Da kein eigentlicher Tatzeuge vorhanden war, gestaltete sich die Beweisaufnahme recht schwierig, so daß die Verhandlung kein rechtes Licht, in die Dinge bringen konnte. Die Kammer sah sich daher veranlaßt, zur restlosen Aufklärung einen Augenscheintermin anzuordnen, der am Nachmittag am Tatort ftattfani). 0 Auf Grund des Augenscheins sah die Kammer als erwiesen an, daß der Angeklagte bei etwas vorsichtiger Fahrweise den Unfall hatte vermeiden können, zumal festgestellt wurde, daß das Pferdefuhrwerk scharf rechts gefahren war. Im übrigen vertrat das Gericht den Standpunkt, daß der An- «e, wenn auch nicht schlechtdin fahruntüchttg, ) infolge des Alkoholgenusses uno die hierdurch eingetretene Uebermüdung etwas beeinträch- konzerl mif Kommers in der großen Festhalle auf d/m Sportplatz, der als Festplatz diente, statt. Der festgebende Verein und die Brudervereine „Germania" Steinbach, „Victoria" Garbenteich, „Germania" Watzenborn Zeigten in ihren Gesängen und " tenswerte Höhe der Leistungen fall und behauptete, lediglich einen leichten Stoß verspürt zu haben. Er sei dann noch einige hundert Meter weitergefahren, weil er dort erst die Möglichkeit zum Wenden gehabt habe. Demgegenüber sah die Anklagebehörde in dieser Tatsache ein’ Indiz £“ ' Alkoholbeinflußtheit des Angeklagten. Fest- Der Leiter der Wehr, Kreisfeuerwehrinspektor berg in Ordnung sind, und keine großen Bauobjekte Rausch, begrüßte die Erschienenen, besonders die wehr schweben, kann das Augenmerk auf den Aus- Ehrenmitglieder und die Beyördenvertreter. Er er- &au Feld- und Waldwege gerichtet werden. Eine stattete dann den Bericht über die Tätigkeit ber besondere Aufgabe sieht die Gemeindeleitung in der Wehr im abgelaufenen Jahre. Die Iahresrechnung Befestigung der örtlichen Bürgersteige. Im Jahre und der Voranschlag wurden vorgetrogen. Der seit- 1939 erhält die Krofdorfer Hauptstraße in ihrem herige verdienstvolle Kommandant Otto Stang Weht kanalisierten oberen Teil eine neue • Decke, und dessen Adjutant Moser wurden im Hinblick Persönliche und schriftliche Vorstellungen des Büraus die großen Verdienste um die Wehr zum germeisters bei dem Herrn Regierungspräsidenten Ehrenkommandanten und Ehrenadjutanten ernannt, führten zu dem Erfolg, daß die Verbindungsstraße Bürgermeister Menget übermittelte der Wehr von Krofdorf nach Gleiberg demnächst teilweise Derben Dank und bie besten Wünsche ber Stadt. Die brettert und neu gedeckt wird. Feuerwehrkapelle verschönte den Abend durch den 3m laufenden Jahr dürften an größeren Vortrag vieler Musikstücke. Bauten vorgenommen werden: 1. Errichtung Groia -moM/tt. ’ $ e * m ß 5, bas voraussichtlich seinen «reiS^Detzlar. Platz auf den „Stühlen" erhält. Hierfür sind 20 000 O Krofdorf-Gleiberg, 14. Juni. Die qe= vorgesehen. 2. (Erweiterung Der Was- plante Errichtung eines HJ.-Heimes in unterer UrIeet Lun 9 Kostenanschlag von 3500 Gemeinde geht ihrer Inangriffnahme entgegen. 3?art ?ß-r "lchl-ch Wasser enthaltende „Rechte Dieser Tage weilten ber Vertreter oon Äreisleiter ®riinnßn w Gleiberg soll der Leitung angeschlossen Haus, Kreiskassenleiter Nor mann, und der Be-1 ™ Tn' wodurch das laufend notige Pumpen des auftragte ber Gebietsführung der HI. hier, um mit 2ya''erd flUS 6em Gleibachtal auf ben Berg eine Bürgermeister Sckmidt die vorbereitenben Besprechungen abzuschließen. Unter Zugrundelegung eines Bauentwurfes von dem Frankfurter Architekten Diplomingenieur Walter Junior plant man, das zweiflügelige Gebäude auf dem Schulsportplatz, .. "Auf den Stühlen", hinter dem ehemaligen Amts- Gteßenet' GchlachEviehmarkt. burgermeistereianwesen, zu erstellen. Von diesem er- Zum gestrigen Gießener Sä>lack)tviebmarkt mittelatterlicken .^baltung von (Schlachtviehverkeilungsmarkt) in ber Diehversteige- ?n hK Ä später., von Jahr, rungsHalle Rhein-Main in Gießen wurden 3 mit h.v m te' 1«.s^ouer Weise Ochsen, 4 Bullen, 34 Kühe, 24 Färsen, 134 Kälber n \9?n ®ulber£ und Vetzberg, wie über 238 Schweine, 2 Schafe aufgetrieben. bewaldeten Randhohen. Zur Fi- An Preisen wurden erzielt: Ochsen 4t bis 44 nan^iening des Proiektes ift bereits eine Summe Bullen 42, Kühe 22 bis 42, Färsen 37 bis 43 Kätt im gegenwärtigen Haushaltsplan und dazu ber ber 30 bis 66, Schafe 33 *Bf. je V- Kiloaramm Le- hem^rh^ft mvorgesehen. Außer- bendgewicht. Für Schweine wurden je Kilogramm bem erhofft man Zuschüße von anderen Stellen. Lebenbgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a O Wißmar, 14. Juni. Auf dem hiesigen Kilogramm und mehr) 1,12, Klasse bl (135 Güterbahnhof wurde dieser Tage ein großes Bag- Kilogramm) 1,10, Klasse b2 (130 bis gerschiff für die Lahn-Kiesbaggerei ausgelaben. L34-5 Kilogramm) 1,08, Klasse c (100 bis 119,5 Der Transport bes 20 Meter langen, 3 Meter drei- Kilogramm 1,04, Klasse d—f (unter 100 Kilo- ten und 160 Zentner wiegenden Schiffes erregte ?,98, gl (fette Specksauen und 1 und Altviel Interesse. Das Ladegewicht beträgt 28 Tonnen *,06, g2 (andere Sauen und Eber) 1,02 Lieferfirma war eine Schiffswerft in Würzburg.' , e r . , ° • Marktverlauf: Großvieh und Schweine zugeteilt. Kälber und Schafe sehr lebhaft. Alles ausverkauft. U, Das Urteil lautete auf neun, 3m »erlaufe des Nachmittags traf zur Freude Monate Gefängnis. aller Feftteilnehmer noch Kreisletter Backhaus ein, der es sich trotz der vielen Veranstaltungen am Alte Arnlleristen treffen sich in Frankfurt vergangenen Sonntag nicht nehmen ließ, auch in LRD fm ia e, tm 2 Steinbach für einige Zeit dabei zu fein. Er über- 10 urta. M., 14. Juni. Vom 8. bis brachte, nachdem er durch den Vereinsführer be- ebemn ul^9?'2 >?Tsme nrr e Kameraden der grüßt worden war, dem Iubelverein die herzlichsten ehemaligen A Feldartillerie-Brigade, ber Feld- Glückwünsche zu seinem Jubiläum und gab dem ihr r 1 27 unb 63, und Wunsche Ausdruck, daß der Verein noch lange bc- ff i Feldformationen (Reserve-Feld- stehen unb noch lange dem deutschen Liede, dem ar n er no 36, 56, 19, Feld- edlen Volksgut, dienen möge. 2^8 240 997fi1Uo7C233oo?35'oA239V241' Abends zogen die Gastvereine wieder ab, und 24?' i?69, r?76, 278/ 283, 302, Feld- bas Volksfest, das schon während des Nachmittags m»nUteisbm>ertt-868; Landwehr-Feldartillerie-Regi- unter den Klängen der Musikkapelle seinen Anfang %nt l0n5xDrf°”nen xIrains .XVIU- genommen hatte — zwei Tanzböden waren cr= 7-„'' t f u t • ^ei”er Kriegstruppenteile) zu richtet —, vereinigte die immer noch sehr zahl- m>iHr»rn?Hp?erIe^entieAer lnn ?irankfurLa' reichen Festgäste viele Stunden. Der gaftgebenbe Mittelpunkt bes Festes steht die Denkmal- weiheder63er. Die vorläufige Festfolge sieht vor: Samstag, 8. Oktober, 20 Uhr: Begrüßungs- abenb im Tiergarten mit Vorführungen. Sonntag, 9. Oktober, 11 Uhr: Denkmalweihe unter Beteiu-1 m . . . , . oung oon Wehrmacht, Partei, Staat und Stabt <_ 3" «'»er ®emeinbeDerfammrung m St r o f b o r f danach elfen der Formationen in Standquartieren berichtete Buraermeister Schmidt über die Ent- Ab 16 Uhr Wiederfehensteier im Ziergarten. TOom a,Kf‘un? öer Semembe St r o f b o r f - ® I e i b e r g tag, 10. Oktober: Vorführungen des Traditions- ,m. V-rlaufe der letzten Saljre und über ben gegen- truppenteils, II. Abt. Artl.-Regts. 15, Frankfurt am “ar‘19en Stand bzw. Plane für die nächste Zu- Mam-Bonames, in ber Kaserne: Feldküchenessen. £U2JL ,f., . . „, .. .. . m Anmeldungen für Das Fest find an ben Regiments- ?°>Ech st§ die starke Befferung ber ©e- suhrer Oberstleutnant v. Rekow, Dberurfel i T melndeoerhaltmife IN dem liefen Rückgang der Füllerstraße 12, zu richten. ' K r o fdo r i - © l e I b e r g e r G e m e l n d e sch ul. 0 } I b enlflft. Diese betrug am 1. April 1933: 65 000 Mark, sank bis 1935 auf 51 000 Mark, bis 1936 auf 17 200, bis 1937 auf 11 000 Mark und war am 1. April 1938 vollständig getilgt. Rücklagen waren bereits 1935 vorhanden: 25 000 Mark, 1936: 27 000 _ , Mark, am 1. April 1938: 45 000 Mark. Im großen war Zeit ihres Lebens nie ernstlich krank und er« und ganzen kann gesagt werden, baß sich die Ver- freut sich auch heute noch besonderer Rüstigkeit. In Mögensverhältnisse um etwa 48 000 Mart gebessert ber Landwirtschaft ihres Sohnes vermag sie noch haben. heute wertvolle Arbeit zu leisten. Beide hochbetagte Es sind Einrichtungen geschaffen und verbessert Frauen nehmen am Geschehen unserer Tage noch worden, von denen in erster Linie das S ch w i m rn- regen Anteil. b ab zu nennen ist, das mit etwa 20 000 Mark Gf.pi« Kosten errichtet wurde. Das Wasserleitungs- und R CIS sajotten. Kanalnetz erfuhr eine umfangreiche Erweiterung. g. Schotten, 13. Juni. Am Samstagabend Soweit die Straßen in Pflege der Gemeinde hielt die hiesige Freiw. Feuerwehr ihre dies- stehen, haben sie seit 1933 eine anständige Ver- jährige Jahresversammlung im ,Hess. Haus" ab. besserung erfahren. Wenn die Straßen ' Der Leiter der Wehr, Kreisfeuerwehrinspektor berg in Ordnung sind, und keine großen 3 Rausch, begrüßte die Erschi .....— Ehrenmitglieder unb die Bey, ,?\i ( c t de ( S D in 3 ti n' h d , r ü 9 r r 3° n n E li a. di re ro Lr i fc zc Nl fr. b( rc ci P te ft- Hk bl Q) P bl 3 h f IM r L Q SI in Al äu dil jet Zc , Ml toi sel ' dei sei an Lu tei mc Fr all fas ' . gn och da; kor Eu roh eui lich spo bei m . Hai Zu au< erst gez gcl sich Fri stel Un ode dur \ schc neu i abt 2 Doi Lch tsch Der । , Tei , Bvc gen drei Kri Inf . Iin dock Wei dun Krsi von Enx mac We entt Hon Gießener Tennisklub in den Gaumedenspielen erfolgreich. Am vergangenen Sonntag fand auf den städtischen Tennisplätzen hinter dem Schützenhaus ein größerer Wettkampf des GießensrTennis- klubs 1 9 2 2 gegen feinen alten Rivalen, den Marburger Tennisklub, statt. Der Kampf setzte sich aus der zweiten Runde der Gaumeden- jpiele der Klasse I, die der Marburger Klub gegen Blau-Weiß Kassel in der ersten Runde gewonnen hatte, und aus einem erweiterten Klubkampf zusammen und wurde von Gießen überräschend glatt gewonnen. Besonders zeigte sich die Ueberlegen- heit in dem Gaumedenspiel, in welchem auf jeder Seite die sechs besten Männer der betreffenden Vereine in je einem Einzelspiel und einem Doppelspiel mitwirkten. Di-e Ergebnisse dieses Wettkampfes waren folgende: Herren - Einzel: Stöcker-Kirchner 3:6, 4:6; Hantfche-Magath 4:6, 4:6; Deerhoff-Fischer 11:13, 6:2, 6:2; Mommsen-Dönges 6:2, 8:6; Weckesser- Hamann 3:6, 4:6; Kaiser-Waldschmidt 3:6, 2:6. Herren - Doppel: Stöcker-Veerhoff/Kirch- ner-Magath 3:6, 8:6, 4:6; Mommsen-Weckesser/ Hamann-Waldschmidt 2:6, 6:2, 4:6; Hantsche-Kaiser/ Fischer-Dönges 3:6, 4:6. (Die Gäste aus Marburg sind jeweils an erster Stelle genannt.) Der Gießener Tennisklub entschied den Kampf mit 7:2 Punkten, 15:6 Sätzen und 117:98 Spielen für sich und ist damit in die Vorschlußrunde der Medenspiele des Gaues XU aufgerückt. Er wird vermutlich nun gegen den spielstarken Hanauer Klub anzutreten haben. Außer den sechs an den Medenspielen beteiligten Männern wirkten auf jeder Seite noch weitere sechs Männer und fünf Frauen in dem erweiterten Klubkampf mit, und das Gesamtresultat belief sich auf 15:10 Punkte für Gießen. Das Zubiläumsschießen des (Schützenvereins Gießen. Am Montagnachmittag wurden die Kämpfe des dreitägigen Schießens zum Abschluß gebracht. Hauptsächlich kamen an diesem Tage die Groß- laliberschützen zur Geltung. Die an den Vortagen erzielten Resultate wurden zum größten Teil überboten. Die Ergebnisse: Wehrmannscheibe, 17 5 Me ter liegend freihändig: 1. Wilhelm Scheid, Schützenverein Gießen (Ehrenpreis der Stadt Gießen), 59 R.; 2. Heinen, Wetzlar, Vorstädter Schützenverein, 57 R.; 3. Georg Schilling, Schützenverein Gießen, 56 R.; 4. Hch. Appel, Schützenverein Gießen, 56 R.; 5. Briel, Schützenverein Marburg, 56 R.; 6. Hartmann, Schützenverein Nidda, 55 R.; 7. Karl Nickel, Schützenverein Nidda, 55 R.; 8. W. Georg, Schützenverein Gießen, '55 R.; 9. Konrad Dreyer, Schützenverein Gießen, 55 R.; 10. Willy Schilling, Schützenverein Gießen, 54 R.; 11. Plank, Schützenverein Marburg, 54 R.; 12. Ernst Nagel, Schützenverein Gießen, 54 Ringe. Standmeisterscheibe, 175 M et e r stehend freihändig: 1. W. Georg, Schützen verein Gießen, 54 R.; 2. Walter Leonhardt, Schützenverein Frankfurt a. M., 54 R.; 3. Georg Schilling, Schützenverein Gießen, 52 R.; 4. Karl Nickel, Schützenverein Nidda, 50 R.; 5. Willy Horn, Schützenverein Gießen, 48 Ringe. Auflege st andmei st erscheibe, 10 0 m : 1. W. Georg, Schützenverein Gießen, 35 R.; 2. Hermann Sauer, Schützenverein Gießen, 35 R.; 3. W. Metz, Kreisschützengesellschaft Wetzlar, 35 R.; 4. Josef Krumpen, Schützenverein Gießen, 34 R.; 5. Georg Schilling, Schützenverein Gießen, 34 R.; 6. Wilhelm Scheid, Schützenverein Gießen, 34 R.; 7. Karl Nickel, Schützengesellschaft Nidda, 34 R.; 8. Hartmann, Schützengesellschaft Nidda, 34 R.; 9. Schwarz, Kriegerkameradschaft Annerod, 34 R.; 10. Hch. Balzer, Schützengesellschaft Gießen, 33 R.; 11. Heinrich Appel, Schützenverein Gießen, 33 R.; 12. Briel, Schützenverein Marburg, 33 R.; 13. Ernst Wagner, Schützenverein Gießen, 33 Ringe. Kleinkaliberjcheibe,50Meter,funf Schuß liegend freihändig: 1. Gustav Hartmann, Schützengesellsch'aft Nidda, 60 R. (Ehrenpreis der Stadt Gießen); 2. Josef Krumpen, Schützenverein Gießen, 60.R.; 3. Karl Magel, Kriegerkameradschaft Annerod, 60 R.; 4. Briel, Wetzlar, 59 R.; 5. Otto Dula, Schützenverein Marburg, 58 R.; 6. Georg Schilling, Schützenverein Gießen, 58 R.; 7. Wilhelm Scheidt, Schützenverein Gießen, 58 R.; 8. Adolf Kraft, Schützenverein Marburg, 58 R.; 9. Volbert Briel, Schützenverein Marburg, 58 R.; 10. Kurt Strack, Postsportverein Gießen, 58 R.; 11. Wilhelm Schwarz, Kriegerkameradschaft Annerod, 58 R.; 12. Wilhelm Georg, Schützenverein Gießen, 58 R.; 13. Willy Schilling, Schützen- verein Gießen, 57 R.; 14. Ernst Schäfer, Kriegerkameradschaft Dorf-Gill, 57 R.; 15. Paul Edelmann, Schützengesellschaft Nidda, 57 R.; 16. Spah- mer, Schützengesellschaft Nidda, 57 R.; 17. Karl Mootz, Schützenverein Gießen, 57 R.; 18. W. Schmidt, Verein Wetzlar-Niedergirmes, 57 R.; 19. Heinrich Balzer, Schützengesellschaft Gießen, 57 R.; 20. Helmut Scheller, Postsportverein Gießen, 57 R.; 21. Heinen. Wetzlar, Vorstädter Schützenverein, 57 R.; 22. Wilhelm Büdinger, 2. Kompanie M. G.-Bataillon 2, Wetzlar, 57 R.; 23. Werner Scheller, Postsportverein Gießen, 56 R.; 24. Sim- mer, Schützenverein Marburg, 56 Ringe. DfB.-NeichSbahn-Leichtathletik. Otto Luh und Helmut INöll siegen in Marburg. Am vergangenen Sonntag starteten £X Luh und H. Moll vom VsP.-R. bei den Kreismeisterschaften in Marburg, da dieselben in Gießen leider aus- fallen mußten. Otto Luh siegte im Diskuswerfen mit der ansprechenden Weite von 42,01 Meter, wurde im Kugelstoßen Zweiter mit 13,86 Meter und im Hammerwerfen ebenfalls Zweiter mit 37,42 Meter. Helmut Moll siegte im Dreisprung mit 12,65 Meter. Im Weitsprung wurde er mit 6,40 Meter Dritter. Beide sind noch immer nicht in richtiger Form. Es mangelt an Wettkämpfen, die nun einmal nötig sind, um in Wettkampfform zu kommen. Freundschastsfußbckl in Heuchelheim Sv. 1920 Heuchelheim I—Klein-Linden I 4:4 (1:0). Arn Sonntag standen sich beide Lokalgegner auf dem Heuchelheimer Sportplatz gegenüber. Die Einheimischen hatten für beide Außenstürmer und den Torhüter Ersatzleute aufgestellt, während Klein-Linden in stärkster Besetzung antrat. Heuchelheim spielte "zunächst mit dem Wind und konnte bis zur Pause trotz großer Ueberlegenheit nur einmal erfolgreich sein. Einen Elfmeter verschossen die Blauweißen und einmal konnte nur noch die Querlatte bei einem scharfen Kopfball Klein-Linden vor einem weiteren Tore bewahren. Nach der Halbzeit mit dem Winde spielend, zeigte der Heuchelheimer Sturm vorbildliche Flachkombination, die bald durch zwei von Christ verwandelte Steilvorlagen belohnt wurden. Durch einen Deckungsfehler konnten die Gäste ein Tor aufholen. Doch blitzschnell erhöhte der Heuchelheimer Sturm auf 4:1. Abermals brachte ein Fehler der blau- weißen Hintermannschaft den Gästen eine Torgelegenheit, die ohne Zaudern ausgenützt wurde. Bei dem folgenden Mittelanstoß ließ der Heuchelheimer Halbrechte den zugeschobenen Ball einfach liegen. Die Gästestürmer fuhren dazwischen und ehe die Heuchelheimer Verteidigung aus dem Staunen heraus kam, war das dritte Tor gefallen. Die Einheimischen ließen nun die Flügel hängen und so konnten die, Gäste einen vierten Torerfolg sicherstellen. Kurheffen Kassel steigt auf! Bei den hessischen Fußball-Aufstiegspielen fiel am Sonntag die erste Entscheidung. Kurhessen Kassel, das in einem äußerst hart durchgeführten Kampf in Lauterbach gegen den dortigen VfL. klar mit 5:1 die Oberhand behielt, hat sich die Gauliga erkämpft. Die Kasseler, die zwar noch ein Spiel vor sich haben, können von keinem Verein mehr eingeholt werden. Fußball der Hitler-Jugend. Am heutigen Mittwoch bestreitet die 1. Jugendmannschaft der Spielvereinigung 1900 ein Freundschaftsspiel gegen eine Mannschaft der Hitler-Jugend Gefolgschaft 2/116. Die Mannschaft der Gefolgschaft 2/116 tritt zum erstenmal auf den Plan. Sie ist daher noch unbekannt. In ihrer Mannschaft stehen aber einige Könner, die allen Fußballinteressenten schon bekannt sind. Es ist deshalb mit zwei ebenbürtigen Gegnern' zu rechnen. Die Blauweißen müssen im Sturm zwei ihrer besten Leute ersetzen. Erst mit dem Schlußpfiff wird der Sieger dieses Kampfes feststehen. Um die Fußball-Weltmeisterschaff. Brasilien schlägt Tschechoslowakei 2:1 (0:1). Am Dienstag wurde in Bordeaux vor 15 000 Be* suchern der Zwischenrundenkampf zur Fußball- Weltmeisterschaft zwischen Brasilien und der Tschechoslowakei, der am Sonntag unentschieden ausgegangen war, wiederholt. Die Südamerikaner siegten mit 2:1 (0:1) Toren und erwarben sich da- mir die Teilnahmeberechtigung an der Vorschlußrunde, die am kommenden Donnerstag, 16. Juni, folgende Begegnungen bringt: In Paris: Schweden — Ungarn, in Marseille: Italien — Brasilien. Die Schweden, die in der Vorrunde spielfrei waren und in der Zroischenrunde einen leichten Sieg über Kuba (8:0) erfochten, werden in Paris zeigen müssen, was sie wirklich können. Schwedische Kampfkraft gegen ungarische Technik — wie wird der Sieger heißen? Ein sehr interessanter Kampf steigt in Bordeaux, wo Weltmeister Italien auf den Vertreter Südamerikas trifft Auch hier ist eine ausgeglichene Partie zu erwarten, aber es wäre doch eine Ueberraschung, wenn sich Italien, das als Mannschaft höher einzuschätzen ist, schlagen ließe. Ein Endspiel Italien — Ungarn ist die wahrscheinlichste von vier Möglichkeiten. Fünf Mercedes-Benz-Wagen starten. Großer Aulo-Preis von Deutschland. Für den Großen Auto-Preis von Deutschland z am 24. Juli auf dem Nürburgring hat die Daimler- Benz AG. fünf Wagen gemeldet. Als Fahrer stehen bisher der Vorjahrssieger Rudolf Caracciola, Manfred von Brauchitsch und Hermann Lang fest. Für die beiden anderen Wagen kommen die Nachwuchsfahrer Seaman, Hartmann, Bäumer, Brendel und Bauer in Frage. Jedoch fällt hier die Entscheidung erst nach den Trainingsfahrten. Handball-Werbetag aus dem AlTV.-platz. Kämpfe der Kreismannschasten. Die vom Fachamt Handball durchgeführte Werbeveranstaltung hat etwas darunter gelitten, daß nicht alle Kreise ihre tatsächlich' besten Vertretungen zur Stelle hatten. Zunächst mußte der Kreis VIII seine ^-Mannschaft noch in letzter Minute umstellen, roeil neue Absagen hinzugekommen waren, dann war der Kreis Friedberg ebenfalls nur mit einer zweiten Garnitur erschienen. Die Fülle der Veranstaltungen wirkte sich schließlich auch noch auf den Besuch aus, was allgemein bedauert wurde, roeil es eine ganze Reihe ausgezeichneter Spiele gab. Sv entpuppte sich der Kreis Marburg als außerordentlich spielstark und seine Elf zeigte zweifellos die weitaus geschlossenere Mannschaftsleistung. Die übrigen Kombinationen verrieten, daß sie aus verschiedenen Vereinen zusammengestellt und infolgedessen nur außerordentlich schwierig unter einen Hut zu bekommen waren. Besonders deutlich kam das bei der A-Mannflchaft des Kreises VIII zum Vorschein, die sich wenigstens in den ersten Spielen zu keiner geschlossenen Leistung auf raffen konnte. Der Zweck des Mannschaftstages dürfte, abgesehen von diesen kleinen Unebenheiten, restlos erfüllt sein. Es hat sich nicht nur gezeigt, daß vor allen Dingen die Kreise VIII und IX über den erforderlichen Nachwuchs verfügen und daß es nur der intensiven Schulung bedarf, um alle Kräfte zu einer einheitlichen Leistung heranzubilden. Erfreulich war es vor allen Dingen auch, mit welchem Elan die jungen Spieler an die i.hnen gestellten Aufgaben herangingen und sie schließlich auch losen konnten. Danach zu urteilen, scheint die Frage des Nachwuchses geklärt zu sein, wenn auch die Aufstellung der augenblicklich stärksten Kreismannschaft noch Sorgen bereitet. Einzelkönner sind genug vor-. Händen — in wieweit diese allerdings zu einer Ein-* beit zusammengebracht werden können, muß die Zukunft ergeben. Der Freundschaftsspielbetrieb ruhte mit Rücksicht auf diese Veranstaltung vollkommen. Nachdem L'ch rechtzeitig vorher auf die Austragung des Spieles gegen Atzbach verzichtet hatte, fand nur ein Aufstiegspiel statt. Tv. Nauborn holte sich in Dillen-- bürg eine empfindliche ll:5-Niederlage, die über* die wirkliche Stärke der Gäste aus dem Dillkreis Aufschluß gibt. 2. Handbatt-Blih-Turnier der Ortsgruppe Gießen des DTR£. Das zweite HandbalLBlitz-Turnier, eine Veranstaltung der Ortsgruppe Gießen des DRL., findet am Sonntag, 26. Juni, statt. Teilnahmeberechtigt sind sämtliche der Ortsgruppe angehörenden Vereine sowie Formationen. Gespielt wird in drei Klassen (Bezirksklasse, Kreisklasse und Jugend). In jeder Klasse wird um einen Wanderpreis der Ortsgruppe gekämpft. je n 10- 40 Std. I Dauer je */2 Jahr, Gebühr einmalig I je RM. 3.20 u. monatlich je NM. 1.- Kreuzplatz 10 Drogerie l*f EDDE DRUCKSACHEN W un DC Brühl. 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