Ur. 2(5 Erstes Blatt (88. Jahrgang Mittwoch, (4. September (958 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Univerfitätzdruckerel «.Lange in Gießen. Schristleilvng und Geschäftsstelle: Schulstratze 7 krfcheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • DieScholle Monats'vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte e 1.80 Zustellgebühr. . , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsptechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben Postscheckkonto: • Zronfturt am Main 11686 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise fürs mm höhe für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Npf.,Platzvorschrift nach oorb- Berembg. 25°/0 mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellens, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenhettsanzei- gen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche AnzeigenKRpf. Mengenabschlüsse Staffel B Henlein entbindet die sudetendeutsche Delegation von ihrem Auftrag. „Voraussetzungen für Fortsetzung der Verhandlungen nicht mehr gegeben". — Henleins Forderung auf Aufhebung des Standrechts und Zurückziehung des Militärs nicht erfüllt. Die Sudetendeutschen vogelfrei unter tschechischem Terror. Zahlreiche Todesopfer wilder Lchietzereien tschechischer Polizei. Eger, 13. Sept. (DNB.) Wie im gesamtsudetendeutschen Gebiet, so wurde auch in der rein deutschen Stadt Eger die Rede des Führers von vielen tausend Menschen auf der Straße in voller Ruhe angehört. Nach Schluß der Rede zog ein viele tausend Personen umfassender Demonstrationszug durch die Stadt mit dem Ruf: „W i r wollen Volksabstimmung! Gebtuns frei!" Aus dem sozialdemokratischen Volkshaus wurde, als der Zug noch etwa 100 Meter entfernt war, eine Reihe von Schüssen auf den Zug abgegeben, die glücklicherweise nicht trafen. Die empörte Menge schlug daraufhin am Haus der Marxisten die Fenster ein.^Nach Mitternacht zerstreute sich die Menschenmenge. Am Dienstag früh war ganz Eger mit hakenkreuzfahnen beflaggt. Als kurz vor 8 Uhr die Arbeiter in die Betriebe fluteten und sich große Mengen von Schulkindern auf dem Schulwege befanden, wurden plötzlich am Marktplatz, wo gerade Jahrmarkt abgehalten wird, von mehreren Staatspolizi- ft e n ohne jeden Grund eine Reihe von S ch ü f - - f e n in die Menschenmenge abgegeben. Dabei wurde der 40jährige verheiratete Hausmeister Miklas G i b n e r durch einen Kopfschuß getötet. Sechs andere völlig unbeteiligte Straßenpassanten erlitte schwere Verletzungen. Der augenblicklich in Eger weilende Mitarbeiter Lord Runcimans, Major Sutton-Pratt, hatte selbst Gelegenheit, sich von der Disziplin der Massen zu überzeugen, die ihm eine begeisterte Kundgebung gebracht hatten. Major Sutton-Pratt hatte bei dieser Gelegenheit erklärt: „Ich habe mit großem Interesse die Vorfälle im sudetendeutschen Gebiet beobachtet. Ich bin davon überzeugt, daß den Sudetendeutschen ihrRechtwerden muß." Auf Grund der Feuerüberfälle der tschechischen Staa spolizei begab sich Major Sutton-Pratt sofort zum Ringplatz. Er besichtigte die Leiche des erschossenen Glbner. Ebenso besuchte er die Verletzten. 3n Eger wurden als Protest gegen den neuen Terrorüberfall der tschechischen Blutschergen sofort sämtliche Geschäfte und Schulen geschlossen. Um 9 Uhr wurde die Stadt von tschechischem Militär mit Maschinengewehren beseht. Die Bevölkerung wagt sich nicht auf die Straßen. Sämtliche Stadtausgänge sind g e s p e r r t. Der Zugverkehr ist fast völlig eingestellt. Auch die Post- und Telephonverbindungen sind völlig unterbrochen, so daß jeder Gerüchtebildung Tor und Tür geöffnet sind. Panzerwagen durchfahren in rasendem Tempo die Straßen und schießen blindlings in d i e Gegend. Auf der Straße Wassersuppen — Rei- nelmühle begegneten Angehörige der sichetem deutschen Ortsgruppen, die mit Kraftwagen nach Hause fuhren, einigen tschechischen Gendarmen und drei Finanzwachleuten. Ohne irgendeinen Grund gaben die Finanzwachleute auf die Sudetendeutschen mehrere Schüsse ab, durch die der Partei- angehörige Josef Var tödlich verletz t wurde. Var ist 32 Jahre alt und Vater von zwei Kindern. Als der Ronsperger Bezirksleiter Stange die Präger Behörde von dieser neuen feigen Mordtat telephonisch verständigen wollte, wurde ihm der Anruf von Gendarmen, die das Postgebäude besetzt hatten, verdatens!). In Pür stein an *t>er Eger hatte stch die Bevölkerung friedlich,zu einer Kundgebung versammelt, als aus Kaaden plötzlich mit Kraftwagen tschechische Gendarmen erschienen, die blindlings in die Menge schossen. Dabei wurde das Mitglied der SDP., Rudolf Klein, g e - tötef. — 3n lad) au sammelte sich eine Menschenmenge an, die eine Kundgebung für das Selb st verwaltungsrecht veranstaltete. Als bald darauf Militär im Stahlhelm mit entsichertem Gewehr erschien, geriet die Bevölkerung in große Erregung und verlangte den Abzug der Soldaten. Daraufhin besetzte eine starke Militärpatrouille das Tor der Bezirksbehörde und verweigerte einer Deputation von Sudetendeutschen den Zutritt zu der Bezirksbehörde. Mild mit ihren Waffen herumfuchtelnd, setzten die Soldaten den Mitgliedern der Abordnung d i e Bajonette a u f die Brust, doch drängte stch dessenungeachtet die Abordnung schließlich durch die Bajonette hindurch. 3n diesem Augenblick verlor die tschechische Soldateska den letzten Rest von Verstand und schlug mit Bajonetten und Kolben auf die Abordnung ein, schließlich schoß sie sinnlos in die Menge. Ohne im geringsten auf den Gegenbefehl eines Kommissars der Staatspolizei zu achten, schoß die entmenschte Soldateska auch dann noch weiter, als die Menge den Platz bereits in vollkommener Ruhe geräumt hatte. 2l ch t Sudetendeutsche waren die Opfer dieser sinnlosen und feigen Schießerei, von denen einet tot und sieben schwerverletzt in ihrem Blute auf dem Platz liegen blieben. In R o n s p e r g , wo am Dienstag ein Sudetendeutscher von Gendarmen feige niedergeschossen wurde, hält Gendarmerie und Militär die Straßen und Plätze besetzt. Berittenes Militär patrouilliert durch die Straßen. Die Gendarmerie ist in ständigem hin und her begriffen. In Autobussen wird sie immer wieder nach irgendeiner anderen Gegend verfrachtet. Ebenso ist in Karlsbad zahlreiche Polizei, Gendarmerie und Militär zusammengezogen. Der Aufenthalt in den Straßen nach 21 Uhr ist "nur Personen gestattet, die im Besitz eines von der Polizei ausgestellten Passagierscheines sind. Die Bevölkerung ist über diese Maßnahmen mit Recht außerordentlich erregt. In Tep-l durchfuhren tschechische Panzerwagen die Stadt und schossen auf die aus den Fenstern hängenden Hakenkreuzfahnen. Wie durch ein Wunder wurde bei dieser sinnlosen Schießerei niemand verletzt. Auch in Altwasser bei ^Marienbad durchrasten Militärkraftwagen, wild um sich schießend, die Straßen. 3n Habersbirk bei Falkenau an der Eger hat die tschechische Gendarmerie das Feuer auf die Bevölkerung eröffnet. Drei Todesopfer und zahlreiche Schwerverletzte find' die grausige Bilanz des hussitischen Blutrausches, hinzu kommt noch ein weiterer Toter im benachbarten Haselbach, wo tschechische F i - nanzbeamte einen Kraftwagen mit Angehörigen der SDP. beschossen, ohne den Versuch gemacht zu haben, ihn anzuhalten. Bezeichnend für den „Heldenmut" der tschechischen Zöllner ist es, daß die übrigen 3nsassen des Wagens, die auf das freie Feld geflüchtet, waren, um Deckung zu gewinnen, noch eine halbe Stunde von den Tschechen beschossen wurden, bis sie sich in den Ort retten konnten. Henlein fordert Herstellung normaler Zustande. Anordnung binnen sechs Stunden verlangt. Prag verhängt das Standrecht. Prag, 13. Sept. (DRB.) Das Tschecho-Slowakische Preßbüro gibt bekannt: „3n einigen Bezirken kam es heute nacht zu bedauernswerten Gewalttätigkeiten und Zusammenstößen mit Sicherheitsorganen. 3nfolgedessen hat die Regierung beschlossen, in allen Gebieten, in denen die öffentliche Ordnung und Ruhe gestört wird, das Stand- recht zu proklamieren. Zu derartigen Maßnahmen ist einstweilen in den Bezirken Eger, Reudeck, Preß- nih, Ellbogen und Kaaden gegriffen worden. Die Regierung fordert die gesamte Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Sicherheitsorgane reichen zur Aufrechterhaltung der gesetzlichen Ruhe vollkommen aus." 3n den Mittagsstunden wurden noch die Bezirke Karlsbad, Falkenau und Krumau einbezogen. Auf Grund eines Regierungsbeschlusses sind im ganzen Staatsbereich sämtliche Versammlungen politischen und unpolitischen Charakters sowie Umzüge und ähnliche Veranstaltungen verboten worden. DEUTSCHES REICH e PI AUEN ELB06EN F6ER • KAADEN NEUDEK Ueber acht sudetendeutsche Bezirke wurde von der Ptager Regierung das Standrecht verhängt. (Scherl-Bilderdienst-M.) Henleins Forderung. Prag, 13. Sept. (DRB.) Die Hauptstelle der Sudetendeutschen Partei in Eger teilt mit: 3n einer heute in Eger ftattgefunbenen gemeinsamen Sitzung prüfte der Politische Ausschuß und die Verhandlungsdelegation der SDP. die durch die Zwischenfälle des gestrigen und heutigen Tages und die Maßnahmen der Regierung geschaffene politische Lage. Die Ver- Handlungsdelegation der Sudetendeutschen Partei verwies hierbei darauf, daß seit Februar 1938 der tschecho-slowakische Ministerpräsident wiederholt erklärt hat, daß die Regierung nichts von Bedeutung ohne vorhergehendes Einvernehmen mit der SDP. unternehmen werde. Obwohl vier Delegationsmitglieder heute bis 10.30 Uhr in Prag weilten und sogar in telephonischer Vertun- düng mit dem Ministerratpräsidium standen, hat die Regierung ohne Fühlungnahme mit der Führung der SDP. außerordentlich weitgehende Maßnahmen ungeordnet und durchgeführt. Sie legte verstärkte Gendarmerie und Militärabteilungen in deutsche Bezirke, verhängte über große deutsche Gebiete durch den Rundfunk das Standrecht. Rach durchgeführter Beratung richtete der Stellvertreter Konrad Henleins, Abgeordneter Karl Hermann Frank, an den Ministerpräsidenten Dr. hodza folgende Forderung Konrad Henleins : Die Führung der Sudetendeutschen Partei stellt fest, daß eine große Zahl Sudetendeutscher durch Staatsorgane und tschechische Grenzler getötet und verletzt worden ist. Bei dieser Lage sieht sich die Führung der SDP. außerstande, frei und unbeeinflußt über Recht und Schicksal des Sudetendeutschtums mit bet Regierung z u verhandeln, wenn die Regierung nicht folgende Maßnahmen trifft: 1. Die Erklärung des Standrechts wird sofort zurückgenommen; 2, Aus allen Bezirken mit deutscher Vevöl- kerungsrnehrheit wird die Staatspolizei zurückgezogen. Die Ausübung der Polizeigewalt wird den Bürgermeistern und Gemeindevorstehern übertragen, die auch für die Einrichtung der entsprechenden Ersatzorgane für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu sorgen haben; 3. Die Gendarmerie und alle übrigen Organe der SOS. sind auf ihre normalen Funktionen und ihren normalen Stand zu beschränken. Sie haben gleichzeitig mit der Zurückziehung der Staatspolizei das Einvernehmen mit den Bürgermeistern und Gemeindevorstehern herzustellen, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden; 4. Sämtliche militärischen Formationen sind in ihren Ubikationen und in rein militärischen Objekten zu kasernieren. Sie sind von der Zivilbevölkerung fernzuhalten. Falls diese Forderungen des SLidetendeutschtums zur Herstellung eines normalen Zustandes, unter dem allein verhandelt werden kann, nicht binnen sechs Stunden angenommen, angeordnet, veröffentlicht und insbesondere durch den Rundfunk verbreitet werden, lehnt die Führung der Sudetendeutschen Partei jede Verantwortung für die weitere Entwicklung ab. Forderungen bleiben unerfüllt. Berhandlungsdelegation ihres Auftrags entbunden. A f ch, 14. Sept. (DRB.) Konrad Henlein hat am Dienstag mit der Verhandlungsdelegation d i e Lage geprüft. Es wurde feftgesiellt, daß mit Rücksicht auf die Vorfälle der letzten 48 Stunden, und da die Forderungen, die die SDP. stellte, nicht erfüllt wurden, die Voraussetzungen für eine weitere Fortführung der Verhandlungen im Sinne des bisherigen Auftrages nicht mehr gegeben feien. Konrad Henlein hat deshalb die Delegation ihres Auftrages entbunden und den Abgeordneten Kundt, Abg. Dr. Peters, Abg. Dr. Rosche, Dr. Sebe- kovsky und Dr. Schicketanz für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit gedankt. Verdrehung der Wahrheit. Von unserer Berliner Schristleiiung. Ueberblickt man die Spalten der Auslandspresse, soweit sie die Rede des Führers zum Thema haben, jo sieht man viel ungereimtes Zeug und entdeckt nur wenige vernünftige Gedankengänge. Aber eine Feststellung gibt es, die in mehr oder weniger ab= gewandelter Form in fast allen Blättern wieder- kehrt: daß es ttämlich recht und billig sei, wenn nunmehr die Sudetendeutschen über ihr. Schick - fal selbst bestimmen sollten. Es wäre ja auch in der Tat eine der größten Tragikomödien der Weltgeschichte, wenn jene demokratischen Mächte, die angeblich für das Selbstbestimmungsrecht der Völker einst in den Krieg zogen und unter diesem Vorwand namenloses Leib über die Menschheit brachten, heute sich der Verwirklichung dieses Grundsatzes in der Tschecho-Slowakei gewalttätig widersetzen wollten. Kein Mensch und am- wenigsten das nationalsozialistische Deutschland nimmt Anstoß daran, daß zahlenmäßig so kleine Völker wie etwa die Dänen, die Norweger,, die Litauer, die Letten, die Esten usw., die allesamt nicht die Stärke und Volkszahl der Sudetendeutschen erreichen, einen eigenen Staat bilden. Um so weniger aber kann es geduldet werden, daß man dem hochkultivierten und politisch gereiften deutschen Bevölkerungsteil im tschechischen Willkürstaat dieses Recht noch weiter verweigern will. Wer unter den Auslandspolitikern und demokratischen Staatsmännern das nicht einsehen will, der macht sich nicht nur lächerlich in den Augen der Welt, sondern auch mitschuldig an dem Blut, das Tag für Tag in Böhmen vergossen wird und das wohl nach dem Willen des tschechischen Pöbels solange fließen soll, bis das Deutschtum in diesem Lande ausgerottet ist. Freilich genügt es auch nicht", das Prinzip der Selbstbestimmung mit wohlgesetzten Worten als bloß „demokratisch und erörterungsfähig" hinzustellen, wie es die Londoner „Time s" tut, sondern es muß nun endlich nach diesem Prinzip auch gehandelt werden. Akademische Erörterungen sind zwei Jahrzehnte lang ohiw den geringsten Erfolg gepflogen worden, was allerdings die „Times" als Wortführerin der „ernstzunehmenden" Demokraten- presse anscheinend gern bestreiten möchte. Dieses Blatf hat sich nämlich erlaubt, die Feststellung des Führers, daß 3,5 Millionen Deutsche von 7"Millionen Tschechen gequält und unterdrückt werden, als eine „absurde Perversion der Wahrheit" zu bezeichnen und darüber hinaus zu behaupten, der Führer habe sich die an den Haaren herbeigezoge- nen Beschwerden der deutschen Presse wegen der Unterdrückung der Sudetendeutschen zu eigen gemacht. In der Tat, eine Perversion, eine Umkehrung der Wahrheit liegt hier vor. Aber diese Geschichtsfälschung ist nicht von deutscher Seite, sondern von der „Times" versucht worden. Hat dieses Blatt, das über eigene Berichterstatter in allen Ländern der Erde, über ein ausgezeichnetes Archiv und über ein umfassendes politisches Wissen verfügt, noch nie davon gehört, daß die sudetendeutschen Bauern zu Zehntausenden von ihrem angestammten Hof verjagt, daß die sudetendeutschen Beamten und Angestellten zu Zehntausenden aus den öffentlichen Aemtern vertrieben, daß die sudetendeutschen Kinder zu Zehntausenden aus ihren Schulen entfernt und mit Gewalt in die tschechischen Lehranstalten überführt wurden? Weiß die „Times" nicht, daß hunderte Sudetendeutsche seit 1918 ermordet und ungezählte Tausende verwundet oder grundlos eingekerkert wurden? Ist es der „Times" nicht bekannt, daß im sudetendeut- fcfjen Gebiet die höchste Selbstmordziffer Europas amtlich festgestellt wurde, daß die Prager Regierung planmäßig das wirtschaftliche Leben in diesem Lande vernichtete und so eine Arbeitslosen-Armee fchuf, die im Verhältnis zur Einwohnerzahl mehr als doppelt so hoch war und ist als die Arbeitslosen- Ziffer in den tschechischen Gebieten? Nein,, wir können nicht annehmen, daß die „Times" um den zwanzigjährigen Ausrottungs- und Ausplünderungsfeldzug der Tschechen gegen das Sudetendeutschtum nicht Bescheid wüßte. "Es ist vielmehr eine bewußte „Umkehrung der Wahr- heit" gewesen, wenn die „Times" ihre Leser glauben machen wollte, die Beschwerden her deutschen Presse seien an den Haaren herbeigezogen und die Sudetendeutschen niemals unterdrückt worden. Daß wir in diesem Falle das erste Blatt Londons in den Kreis der Hetzorgane stellen müssen, ist schmerzlich, aber man soll sich jenseits des Kanals nicht der trügerischen Hoffnung hingeben, als ob wir wie 1914 der Vergiftung der Weltmeinung tatenlos Zusehen würden. Im übrigen brauchen wir uns wohl mit geschichtlichen Erinnerungen an die Schreckensherrschaft der Tschechen nicht aufzuhalten. Die G e - genwart felbft straft die „Times" Lügen. Denn im gleichen Augenblick, da man in der Londoner Redaktion die Sanftmut und den Versöh- nungswillen der Tschechen rühmte, tobte sich die Mordwut der tschechischen Banditen erneut an der wehrlosen sudetendeutschen Bevölkerung aus, ver- hing die Prager Regierung das Standrecht über die sudetendeutschen Bezirke und verbot ausnahmslos alle Versammlungen. Ist das keine Bedrückung? Die Toten von Aussig, Eger und Taschau klagen an, ihre Stimme wird das Gewissen der Welt aufrütteln, auch wenn es den Zeitungsschreibern in London nicht paßt. Daß die vernichtende Abrechnung, die der Führer mit den Tschechen vornahm, den Prager Machthabern auf die Nerven gefallen ist, können wir uns wohl vorstellen. Auch erwarteten wir nicht, daß die Prager Regierung sofort eine totale Schwenkung ihrer Politik vornehmen und den Sudetendeutschen mit liebenswürdigen Worten ein fertiges Autonomiestatut überreichen würde. Aber wir glaubten immerhin, die Tschechen würden intelligent genug sein, um nach der ihnen erteilten Abfuhr wenigstens in Ruhe zu überlegen, wie man durch entsprechende Taten das verloren gegangene Ansehen wieder reparieren .könnte. Wir haben uns getäuscht. Statt die Polemik abklingen zu lassen, duldet es die Prager Regierung, daß in den tschechischen Blättern neben dummdreisten Entschuldigungen und Ausflüchten neue hetzerische Angriffe gegen das benachbarte Reich gerichtet werden. Wenn beispielsweise die „Prager Presse", das deutschgeschriebene Organ des tschechischen Außenministers sich zu der Behauptung versteigt, die Deutschen im Reich genössen heute nicht so viel Rechte wie die Deutschen in der Tschecho-Slowakei, so weiß man wirklich nicht, was man mehr bewundern soll, den Mut zur Lüge, oder die Mißachtung des aesunden Menschenverstandes bei jenen, die diesen Unsinn lesen und glauben sollen. Freilich, wir Deutschen im Reich haben nicht das Vorrecht, bei jeder Aeußerung unseres Lebenswillens bedroht, eingekerkert oder erschossen zu werden, wir haben auch nicht das Vorrecht, von einer Polizei, die in Wirklichkeit nur eine uniformierte Räuberbande ist, geschlagen, schikaniert und drangsaliert zu werden, und wir genießen auch im Gegensatz zu unseren sudetendeutschen Volksgenossen nicht den Vorzug, wegen unserer politischen Ueberzeugung einer unausgesetzten Verfolgung und Mißhandlung ausgesetzt zu sein. Ja, nicht einmal die vielen tausend Tschechen, die auf deutschem Reichsgebiet leben, erfreuen sich dieser Vorrechte. Oder kann die Prager Regierung den Namen auch nur eines einzigen Tschechen nennen, der in Deutschland beleidigt, geschlagen oder irgendwie geschädigt worden sei? Nein, der Terror, die blutige Unterdrückung der primitivsten Menschenrechte, ist nun einmal eine Spezialität des Prager Regimes, die offenbar aus dem verbündeten Sowjetrußland übernommen wurde. Die „Prager Presse" hat es dem Führer auch übel genommen, daß er die Tschecho-Slowakei als einen Vorposten des Bolschewismus hingestellt habe, aber sie ist natürlich nicht imstande, den Gegenbeweis anzutreten. Der kommunistische Abgeordnete im Prager Parlament, I. S l a n s k y , hat es ja klar ausgesprochen: „Die Kommunistische Partei der Tschecho-Slowakei stellt vor dem Proletariat die Perspektiven und das Ziel auf, die Tschecho- Slowakei zu einem festen Bollwerk der Sowjetunion, zum Bollwerk und Brennpunkt der proletarischen Revolution in Mitteleuropa zu machen." Wir haben aber nicht gehört, daß diesen famosen tschechischen Kommunisten deshalb von der Prager Regierung ein Verweis erteilt oder der Prozeß gemacht worden wäre. Im Gegenteil, die Prager Regierung hat öffentlich und heimlich immer dafür gesorgt, daß die bolschewistischen Agenten ungestört ihre Hetze aus dem tschechischen Staatsgebiet entfalten konnten. Die Tatsache allein, daß ein Militärbündnis zwischen Prag und Moskau besteht, genügt, um die offenbar halbamtliche Auslassung der „Prager Presse" als ein verlogenes Machwerk zu charakterisieren. H. Evers. Starkes Echo im Ausland. Ministerbesprechungen in London. London, 13.Sept. (Europapreß.) Die Ministerbesprechungen über die Rede des Führers wurden fortgesetzt. Außer dem Ministerpräsidenten nahmen daran teil: Lord Halifax, Sir John Simon und Sir Samuel Hoare und der diplomatische Berater der Regierung, Sir Robert Vansittart. Vormittags hatte Ministerpräsident Chamberlain Besprechungen mit den Oppositionsführern, Major A t t l e e und Sir Archibald Sinclair. Die Forderung der Opposition auf Einberufung des Parlaments soll Ministerpräsident Chamberlain in einem an Attlee gerichteten Brief a b g e l e.h n t haben. Der Zusammentritt des Parlaments werde von Chamberlain im gegenwärtigen Augenblick als unzweckmäßig bezeichnet. Zugleich habe der Ministerpräsident jedoch erklärt, falls die Lage nach Ansicht des Kabinetts eine Einberufung des Parlaments vor Beendigung der Parlamentsferien nötig machen sollte, würde er sofort dem Wunsche der Opposition Rechnung tragen. Die Ministerbesprechungen in der Downing Street sind kurz von 18 Uhr zu Ende gegangen. Voraussichtlich werden einige der beteiligten Minister in den Abendstunden erneut zusammenkommen, um zu den ständig im Außenamt einlaufenden Berichten über die Entwicklung Stellung zu nehmen. Zu den Nachmittagsbesprechungen wurde auch noch Kolonialminister Macdonald zugezogen. Kurz vor 19 Uhr erschien der Luftfahrtminister, Sir Kingsley Wood, in der Amtswohnung des Ministerpräsidenten. Nach ihm trafen dort der Kriegsminister Hore-Belisha, Marineminister Duff- Cooper, Verteidigungsminister Sir Thomas Jnskip und weitere Kabinettsmitglieder ein. Der Chef des Generalstabes, Lord Gort, des Chef des Admiralstabes und der Chef des Stabes der Luftstreitkräfte waren ebenfalls in die Amtswohnung des Ministerpräsidenten gerufen worden. Die Besprechungen waren um 19.45 Uhr vorläufig beendet. Wie am Vortage hatte sich eine große Zuschauer- menge in der Downingstreet angesammelt und konnte nur durch Polizei in Schach gehalten werden. Vorübergehend erwies es sich als nötig, einen Teil der Downingstreet zu räumen. Der vollständige Text der Führerrede ist in London eingetroffen, jedoch dürfte die Stellungnahme der Regierung hierzu vor der für Mittwochnachmittag anbexaumten Kabinetts- sitzung kaum bekannt werden. In politischen Kreisen rechnet man für Mittwoch oder Donnerstag mit einer neuen Regierungserklärung zur Lage. Inzwischen wird von zuständiger Stelle jede Erklärung abgelehnt und lediglich betont, man sehe keinen Grund, warum die Vermittlung Lord Run- cimans nicht zu einem Erfolg führen sollte. Diese Zuversicht wird allerdings getrübt durch den ersten Bericht des in Eger befindlichen militärischen Beobachters der englischen Regierung in der Tsche- cho-Slowakei, Major S u t t o n - P r a t t. Anscheinend befürchtet man, daß das Vorgehen der Tschechen zu einer Erschwerung der Lage führen versagen könnte. Selbstbestimmung, das Recht jedes' Volkes, seine eigene Regierungsform zu wählen, fei im Wesen demokratisch. Das Blatt weist dann darauf hin, wie überall bereits durch Volksabstimmungen wichtige Entscheidungen in angrenzenden Gebieten Deutschlands herbeigeführt worden seien. In Versailles habe man gerade bet der Tschecho-Slowakei, als diese künstlich geschaffen worden sei, die Völker nicht gefragt. Man habe sie, ob sie es wollten oder nicht, in den neuen willkürlich zusammengesetzten Staat hineingeworfen mit der zweifelhaften Sicherheit eines Minderheitenvertrages, der, wie die Ereignisse zeigten, nicht loyal ausgelegt worden sei. Jede Forderung auf ein Plebiszit oder jeder andere Plan, der die Minderheiten in den Stand setze, über ihre eigenen Rechte zu bestimmen, sollte auf das Stärkste beachtet werden. Der „Daily Telegraph" fühlt sich bemüßigt zu sagen, daß kein Wort der Rede als Hilfe für den Frieden angesehen werden könne. Das entscheidende Wort über die Tschechei sei nicht gefallen. Hitler sei weiter gegangen, als die deutsche Presse es getan habe, als sie erklärte, daß die Mehrheit der Sudetendeutschen unterdrückt, mißhandelt und ihrer Rechte beraubt würde. Nachdem das Blatt dann von den drohenden Schatten der deutschen Macht spricht, meint es, von der unmittelbaren Gefahr eines Krieges könne man sich erholen. Es sei ein unerträglicher Gedanke, daß Europa möglicherweise auf Monate hinaus voller Spannung gehalten werden solle. Dqs sei eine Lage, die voll Gefahren jeder Art sei, in der Europa in Waffen stehen werde. Es sei eine einigermaßen klare Verständigung notwendig, wenn die vertagte Katastrophe endgültig vermieden werden sollte. — Der marxistische „Daily Herold" sogt, es werde zur Zeit keinen europäischen Krieg geben. Hitlers Redeweise sei drohend gewesen, seine Worte bitter, er habe aber keine Tür zugeschlagen und behalte sich freie Hand vor. Während die ganze Welt die Erholungspause willkommen heißen werde, die das Fehlen jeder weiteren Forderung zur Folge haben werde, würde es doch närrisch [ein, die künftigen Gefahren zu ignorieren. Man müsse die Frage stellen, was Hitler mit, den Worten „Selbstbestimmung" genau meine. — Dos liberale „News C h r o n i c l e" sogt: Die Lage bleibe die gleiche wie früher, aber ihr Ernst sei unterstrichen worden. Die RedS sei unzweifelhaft drohend und beunruhigend. Wenn man zwischen den Zeilen lese, so scheine Hitler die Absicht zu haben, eine Volksabstimmung in den sudetendeutschen Gebieten zu verlangen. Seine häu- .figen Bezugnahmen auf die Notwendigkeit der Selbstbestimmung für die Sudetendeutschen ließen hierauf schließen. Die Reoe dürfe keinerlei falschen Optimismus bei den demokratischen Mächten hinterlassen. Regierung hat die Ausfuhr von Rohstoffen für die Herstellunavon Kriegsmaterial wie Wolle, Häute, Seide, Hanf, Jute, Alt- eisen, Stahl usw. untersagt. An der nordfranzösischen Grenze sind zahlreiche Lastkraftwagen, die mit derartigen Stoffen beladen waren, angehalten worden. Um die Öffentlichkeit zu beruhigen, hat Finanzminister Marchandeou erklärt, daß ' hinsichtlich der Abhebung von Guthaben durch die Privatkundschaft die Regierung keinerlei ein- s ch r ä n k ende Maßnahmen getroffen hat. Seit einigen Tagen werden auf den Sparkassen und Banken starke Geldrückziehungen der privaten Kundschaft beobachtet. Der Finanzminister erklärte, daß die Bonk von Frankreich und das Schatzamt über genügend flüssige Mittel verfügen, um allen Anforderungen gerecht zü werden. Die Pariser Börse war am Dienstag etwas schwächer. Während'die Renten nur leicht obbröckelten, waren bei den französischen und den internationalen Jndu- ftrieroerten zum Teil bedeutende Kursdifferenzen nach unten festzustellen. Die der M o r g e n p r e s s e bei Redäktionsschluß vorliegenden Meldungen gehen nicht über die Nichterfüllung der Forderung der Sudetendeutschen hinaus. Eine Erklärung, Die Ministerpräsident D a ° lädier beim Verlassen des Kriegsministeriums 'Pressevertretern abgegeben hat, wonach die Dinge sich zu arrangieren schienen, bildeten den Schlußpunkt der in der Presse verbreiteten Nachrichten. Nach der radikalsozialen „R6publique" hat Daladier hinzuge-fügt, daß er an die Tschechen einen Appell zur Mäßigung gerichtet habe, der, wie er hoffe, befolgt werden würde. „Ordre" fordert, so schnell wie möglich eine internationale Polizei in den sudetendeutschen Gebieten an Stelle der tschechischen einzusetzen. Das Matt schreibt, in Berlin herrsche vollkommene Ruhe. In solch einem Augenblick sei die Kalt- blütigkft mehr denn je nötig. Pjan dürfe auch nicht an der Aufrechterhaltung des Friedens zweifeln. „Exelsior" schreibt, eine Aenderung der tschechoslowakischen Verfassung scheine noch immer besser zu sein, als sich zu einem Bruch treiben zu lassen. Ein Volksentscheid müsse, so sagt „Exelsior", von den Möglichkeiten ausgeschlossen werden. Im sozialistischen „Populaire" wiederholt Leon Blum mit größter Inständigkeit als je zuvor seinen Appell an die Ruhe und Kaltblütigkeit feiner Freunde. „Epoque" meint, man stehe heute vor einem diplomatischen Verdun und habe die Pflicht, den Heroismus der Verteidiger Verduns wieder zu finden. „Matin" erklärt, daß Tschechen und Sudetendeutsche an einem .Punkte angelangt seien, wo es menschlich fast unmöglich sei, sie Zusammenleben zu lassen. Dos sei dos erstemal in der Geschichte zweier Völker verschiedener Rasse, Sprache und Kultur. Die Geschichte zeige, wie es in Mazedonien und Irland gewesen sei. Sie zeige ebenfalls, wie es heute in Palästina sei. Unter allen Umständen werde Frankreich für eine innere Angelegenheit eines anderen Landes keinen Krieg führen. Juristisch zwinge keine Verpflichtung Frankreich dazu, und das französisch-tschechische Abkommen vom Jahre 1924, das man so häufig zitiere, laute in fernem ersten Artikel: Die französische und die tschecho-slowakische Reaierung verpflichten sich, sich in den Fragen der Außenpolitik zu einigen, die geeignet sein könnten, ihre Sicherheit zu gefährden. Das aber schließe die innenpolitischen Fragen aus. Traditionsmäßig könne Frankreich eines feiner geschichtlichen Prinzipien nicht verleugnen, nämlich das Prinzip des Selbstbesttm- mungsrechtes der Völker. Dieses Prinzip habe Frankreich für das Saarland gelten lassen. Es werde aber nicht einen Tropfen für ein Prinzip des Gegenteils ^ergeben. Prager Verlogenheit. Prag, 13. Sept. (DNB.) Die „Prager Presie", das in deutscher Sprache geschriebene Organ des Prager Außenministeriums, erlaubt sich zu der Kundgebung des Führers und Reichskanzlers „Feststellungen", deren Verlogenheit wir in unserem heutigen Leitartikel gebührend gekennzeichnet haben. Das Blatt schreibt: „Ohne auf Ton und Form dieser Rede einzugehen, die jedenfalls nicht den Gepflogenheiten zwischen Staaten, die miteinander noxmale Beziehungen unterhalten, entsprechen, muß festgestellt werden, daß die Rede des deutschen Kanzlers auf falschen Voraussetzungen beruht. Die Regelung der Nationalitätenfrage ist eine innere Angelegenheit der Tschecho-Slowakei. Die Tschecho-Slowakei regelt diese Frage nach ich r e n eigenen Bedürfnissen, ihren eigenen Anschauungen und eigenen Ueberzeugungen so, wie sie sich auf Grund ihrer demokratischen Prinzipien darüber entscheidet." Das Blatt eptblödet sich auch nicht, weiter zu schreiben: „Die Tschecho-Slowakei hat niemals jemanden unterdrückt, und sie unterdrückt niemanden. Mit ruhigem Gewissen kann sie sagen, daß die Deutschen im Reich heute nicht so viele Rechte genießen wie die Deutschen in der Tschecho-Slowakei. Drei Jahre lang bemüht man sich, die Tschecho-Slowakei als ein „bolschewi- siertes Land", als einen „Vorposten des Bolschewismus" hinzustellen. Die Tschecho-Slowakei will Ruhe und Frieden. Sie hat nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten, mit ihrer Innen- und Außenpolitik jederzeit den Willen bewiesen, mit allen in Freundschaft zu leben. Sie muß heute feststellen, daß ihr Wille zum freundschaftlichen Zusammenleben seine Antwort findet in den Reden, wie sie Göring, Heß, Goebbels und der Führer und Reichskanzler in Nürnberg gehalten haben. Auf diesem Wege der Drohung, der unwahreß Beschuldigung kann die Unterlage für einen dauernden und ehrenhaften Frieden nicht geschaffen werden." Das Prager „Tagblatt" behauptet: „Der Kanzler hat ein ganz überholtes Bild der Tschecho-Slowakei im Sinne, das nach den großen Zugeständnissen der Parlamentsmehrheit nicht mehr zutreffend ist." Das volkssozialistische „C e s k e Slovo" stimmt in seinem Kommentar die alte Heuchelei an und behauptet, die Tschechen hätten immer in guter Nachbarschaft mit den Deutschen leben wollen. Deshalb seien die scharfen Worte unnötig gewesen, die der Reichskanzler sicher auch nicht gebraucht hätte, wenn er „von seiner Umgebung richtig informiert" (!) gewesen wäre. Das Blatt versteift sich zu der kühnen Feststellung, es habe in der Tschecho-Slowgkei keine London, 14. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Blätter berichten sehr ausführlich über die gestrigen UeberfäUe im sudetendeutschen Gebiet. An der Art der Aufmachung der Meldungen sieht man jedoch deutlich, für welche Partei die Zeitungen eingestellt sind. So scheut sich „Daily Expreß" nicht, einen „Sonderkorrespondenten" zu Worte kommen zu lassen, der die Dinge einfach auf den Kopf stellt, indem er von dem „Versuch der Entfesselung einer Henlein-Revo- l u t i o n" faselt, ohne auch nur mit einem Worte die brutalen tschechischen Gewalttaten zu erwähnen. — Die „Time s" schämt sich nicht, die unglaubliche Behauptung aufzustellen, daß ebensoviel Tschechen wie Deutsche getötet worden seien, ja vielleicht mehr Tschechen (!!!). Das Blatt verschweigt weiter, daß Henlein durch die tschechischen Maßnahmen außerstande gesetzt ist, auf die schwer beunruhigte Bevölkerung einzuwirken. Das Blatt hält es einfach für ein Märchen, daß die deutsche Minderheit in Böhmen stündlich ihr Leben und Eigentum zu fürchten habe. Das Blatt muß jedoch zugeben, Adolf Hitlers Forderung auf Selbstbestimmung sei grundsätzlich gerecht und vernünftig. Sie fei d i e einzige Basis, auf Grund deren Europa in diesem Zeitalter des Nationalismus hoffen könne, Frieden und Sicherheit zu haben. Aus diesem Grunde würde es schwächlich und irreführend fein, im voraus irgendeine Lösung abzulehnen, die mit diesem Grundsatz vereinbar sei ober sich aus ihm ergebe. Die Weltmeinung werde, kurz gesagt, den Appell an die Selbstbestimmung weder ablehnen noch ausschließen, und der tschechische Staat fei der letzte, der es sich leisten könne, ihn zu ignorieren. Verhandlungen zwischen den Hauptmächten könnten eine Vertragsrevision erreichen und eine ruhige Entwicklung Europas sichern. Hitlers Erklärung in Nürnberg habe den Verhandlungen in Prag keinerlei Hindernis in den Weg gelegt. Das Blatt verlangt dann eine neue Formulierung der sudetendeutschen Forderung und stellt anschließend die Einwände auf, die seines Erachtens gegen eine Volksabstimmung zu machen seien. Sie habe an der Saar gut funktioniert. Wer solle nun die oberste Kontrolle im sudetendeutschen Gebiet übernehmen; wer könne einen Waffenstillstand nach innen und außen garantieren? Das direkte und unmittelbare Interesse Deutschlands an der Entwicklung Osteuropas sei offensichtlich, fährt die „Times" fort. Die britische Politik bestehe nicht darin, daß sie natürliche Proteste, die sich in diesem Gebiet abspielten, vereiteln wolle. „Daily Mail" stellt fest, die tschechische Regierung habe die Pflicht, sich aller provokatorischen Erklärungen und Maßnahmen zu enthalten. Hitler habe in feiner Rede keineswegs die Sudetendeutschen zur Gewalt aufgerufen. Eine Forderung auf Volksabstimmung fei derart, daß keine Demokratie sie Die Auffassung in Paris Paris, 13. Sept. (Europapreß.) Der französische Außenminister Bonnet hat Dienstag den englischen Botschafter Sir Eric P h i p p s , sowie den polnischen Botschafter Lukasiewicz empfangen. Auch Ministerpräsident Daladier hatte nachmittags eine lange Besprechung mit Bonnet sowie dem englischen Botschafter Sir Eric P h i p p s und verschiedenen Parlamentariern, wie Fl and in und Herriot. Senator Caillaux besprach sich mit Außenminister Bonnet. Die Nachrichten über den tschechischen Terror im sudetendeutschen Gebiet und die von den Spätabendblättern gemeldeten Zahlen von Toten und Verwundeten haben in Paris stärkstes Aufsehen erregt. Bonnet empfing in den späten Abendstunden den tschechoslowakischen Gesandten Osuski. Die französische konnte. Die Londoner -reffe zu den letzten Ereignissen. Vergewaltigung der Minderheiten gegeben, ebenso keine Vernichtung ihrer politischen und wirtschaftlichen Existenz. Für die Tschecho-Slowakei bedeuten die Worte des Reichskanzlers, so schließt das Blcttt, keine Aenderung ihrer bisherigen Politik. Die „Zeit" stellt das Erscheinen ein. Protest gegen die'verschärfte tschechische Zensur. Prag, 13. Sept. (DNB.) Das sudetrndeutsche Tagblatt „Die Zeit" hat heute nach dreijährigem Bestehen aus Protest gegen bi€_neuen verschärften Zensurmaßnahmen sein Erscheinen e i n g e st e l l t. Das Blatt ist am Dienstag das letztemal erschienen. Cs veröffentlicht folgende Mitteilung an ihre Leser: „Angesichts der abermals verschärften Zensuranweisung, die eine wahrheitsgemäße Berichter st attung über die Entwicklung der innerpolitischen Lage vollständig unterbindet, wird „Die Zeit" ihr Erscheinen einstellen. Für diese Pause verweisen wir unsere Leser als Nachrichtenquelle auf den Rundfunk." Einen ähnlichen Entschluß veröffentlichen die übrigen in Prag erscheinenden Organe der SDP., die „R u n d s ch a u" und die „Sudetendeutschen Pressebrief e". Aus reichsdeutsches Gebiet geflüchtet. In der Gegend von Waldmünchen sind 120 Sudetendeutsche vor dem Terror der tschechischen Staatspolizei auf reichsdeutsches Gebiet geflüchtet. Wie sie mitteilen, sei in Haselbach und Umgebung fein Deutscher mehr seines Lebens sicher. Staatspolrzisten und Finanzwachbeamte lägen überall an den Straßen und auf den Höfen und beschössen ohne Warnung jeden, der sich außerhalb der Ortschaft sehen lasse, so daß auch die Einbringung der Ernte unterbrochen werden mußte. Auch das Melken der Kühe auf den Wiesen sei dadurch unterbunden worden. Finanzwachbeamte seien auch in zahlreiche Häuser eingedrungen, hätten die Bevölkerung terrorisiert und wild in die Wände- und Decken geschossen. Sie hätten dabei erklärt, daß jetzt der Tag der Vernichtung des Deutschtums auf böhmischem Boden gekommen sei. „Jetzt werdet ihr alle a u 5 g e r o t f e 11", „23 o n euch darf nicht einer am Leben bleiben!" hätten die Staatspolizisten erklärt. Die oerqngftigte und verschüchterte Bevölkerung habe sich schließlich nicht mehr zu helfen gewußt, und in Der Dämmerung sei es dann einem Zuge von 120 Personen gelungen, über d i e nahe Grenze auf reichsdeutsches Gebiet zu gelangen. Unterwegs fei der Zug mehrfach beschossen worden. Schöffe auf Major Sutton proff. London, 14. Sept. (DNB.) ®ie Reuter aus Prag meldet, ist Major Sutton-Pratt, der als Beobachter der britischen Gesandtschaft in Prag z u g e t e i 11 ist, um ein Haar von einem tschechischen Beamten erschossen worden. Major Pratt weilte am Sonntag i n (Eger. Plötzlich feuerte ein tschechischer Pottzei- beamter ohne jeden Grund einen Schuß auf ihn ab, der jedoch glücklicherweise sein Ziel verfehlte. Auflösung des polnischen Parlaments. Warschau, 13. Sept. (DNB.) Der polnische Staatspräsident hat durch Sondererlaß die Auslösung des Sejms und des Senats der beiden Kammern des polnischen Parlaments verfügt. In dem Erlaß heißt es: Seit den letzten Parlamentswahlen (im Herbst 1935) hätten sich im innenpolitischen Leben Polens so wichtige Aenderun- gen vollzogen und habe sich in den breiten Massen der Bevölkerung das Verständnis für die Notwendigkeit aktivster Mitarbeit am Staate so entwickelt, daß eine Neuzusammensetzung der Kam- mern geboten erscheine, damit die im Volk vorhandenen Strömungen vollkommener in ihnen zum Ausdruck gelangen. Von den neuen gesetzgebenden Kammern werde eine Stellungnahme zu der Frage der Wahlordnung erwartet. Zum Sejm werden die Wählen am 6. November und zum Senat am 13. November beginnen. Bekanntlich sind gerade die Auflösung des Parlaments und die Ausschreibung von Neuwahlen nach einer neuen Wahlordnung die beiden Hauptforderungen der in der Opposition stehenden Parteien. Schwedische Herbstmanöver. Stockholm, 13. Sept. (DNB.) Die diesjährigen großen schwedischen Herbstmanöver beginnen am Freitag. Sie finden in der südostschwedischen Provinz Smaland an der Grenze von Schonen statt und stehen unter Führung König G u- staf V. mit dem Armeechef Generalleutnant Sylvan als Stellvertreter. Insgesamt werden bei den Manövern mehr als 24 000 Mann, 1000 Kraftwagen und 3000 Pferde teilnehmen. Das Hauptaugenmerk soll auf die Beweglichkeit der Truppen mit den motorisierten Einheiten in Wald- und Paßgelände nach dem neuen Felddienstreglement gelenkt werden. Die deutsche Wehrmacht wird durch General der Infanterie B l a s k o w i tz , Kommandierenden Generals des II. Armeekorps, Major.v o n Wedel vom Oberkommando der Wehrmacht, sowie von dem Militärattache an der deutschen Ge- sandschaft Oberst von Uthmann vertreten fein. Höchste spanische Auszeichnung für Göring. Nürnberg, 10. Sept. (DNB.) General Espb nosa b e l o s M o n t e r o s überreichte Generalfeldmarschall Göring in feinem Nürnberger Quartier im Auftrage des spanischen Staatschefs Generalissimus Franco die höchste spanische Auszeich- nung, die Große Ordenskette des im vierzehnten Jahrhundert begründeten und von Generalissimus Franco neu gestifteten Ordens der Roten Pfeile. In der Delegation befand sich der Generalsekretär der Falange, F a n g u I, und der zweite Kommandant des Alkazar von Toledo, Major Menbegparada. Der neue „Graf Zeppelin" vor dem Start. Bei günstigem Wetter findet heute die Jungfernfahrt statt. LPD. Silberglänzend liegt der Riesenleib des neuen Luftschiffes LZ 130 in der großen Montagehalle des Luftschiffbaues Zeppelin in Friedrichshafen. Weithin leuchtet das am Seitenruder angebrachte Hakenkreuz als Symbol deutscher Weltgeltung auch in der Luft. Ueberall wird noch letzte Hand angelegt, werden die letzten Pinselstriche über die aluminiumfarbene Hülle geführt, denn bereits am Mittwoch — wenn das schöne Spätsommerwetter anhält — soll das Schiff, dem der stolze Name „Graf Zeppelin" gegeben wurde, zu seiner Jungfernfahrt starten. Die Fertigstellung des 119. Luftschiffes LZ 130 (elf Entwürfe wurden nicht ausgeführt) bedeutet einen neuen verheißungsvollen Abschnitt in der Geschichte der deutschen Luftschifffahrt, die sich durch keinen Schicksalsschlag von ihrem Ziel abbringen ließ. Um das neue Luftschiff erstmals einer breiteren Öffentlichkeit in Wort und Bild oorstellen zu können, hatten die Vertreter der deutschen Presse, unter ihnen auch Reichshauptamtsleiter Dr. Dreß le r, Gelegenheit, den Luftriesen einer eingehenden Besichtigung zu unterziehen. Sie wurden von Direktor Dr. Eckener herzlich willkommen geheißen, der in kurzen Zügen auf die hauptsächlichsten Neuerungen des LZ 130 gegenüber dem Luftschiff „Hindenburg" hinwies. Die Besichtigung, die unter Führung von Offizieren und Fahringenieuren vor sich ging, vermittelte ein eindrucksvolles Bild von der Genialität deutscher Erfinder. Zunächst bestaunen wir das Aeußere des Schiffes, dessen Länge 2 4 5 Meter, größter Durchmesser 41,2 Meter, G ä s i n h a l t 200 000 Kubikmeter und Gesamttragkraft rund 200 000 Kilogramm beträgt. Das Gerippe besteht nach der bereits vom Grafen Zeppelin bei seinem ersten Luftschiff angewandten Bauweise aus Langträgern und Ringen, die aus einer hochwertigen Metallegierung hergestellt sind. Einen Begriff von der Weitläufigkeit der Konstruktion kann man sich machen, wenn man erfährt, daß die Gesamtlänge der Gerippeträger etwa 22 Kilometer umfaßt, die Gesamtlänge des verwendeten Stahldrahtes rund 135 Kilometer und die Zähl der verwendeten Nieten etwa 5,5 Millionen beträgt. Die Außenhaut des Schiffes besteht aus einem starken unzerreißbaren Stoffgewebe, das durch mehrere Lackanstriche wetterfest gemacht wurde. Die Gesamtfläche dieser Außenhaut mißt rund 28 000 Quadratmeter. Inder Führergondel müden Kommando- und Navigationsftänden sind die für die Schiffsführung erforderlichen Einrichtungen vereinigt. Hier befinden sich Höhen- und Seitensteuerstände, die auch elektisch betätigt werden können, die vollautomatische Kurssteuerung sowie die Schalttafeln für Gas und Ballast. Maschinentelegraph und Fernsprecher verbinden die Führung mit den einzelnen Motoren gondeln und anderen Schiffsteilen. Der Navigation dienen Kreisel- uhb Magnetkompasse, Peilgeräte, Höhenmesser und Echolot, das als Kontrolle des Höhenmessers namentlich daün angewandt wird, wenn das Luftschiff durch Tiefdruckgebiete fährt. Geschwindigkeit, Motorendrehzähl und Füllung der Gaszellen werden durch Meßgeräte angezeiat. Die über der Führergondel liegende F u n k st a t i o n ist für Lang- und Kurzwellen sowie für Sprechoerkehr eingerichtet. lieber den ziemlich schmalen Laufsteg gelangen wir ins Innere des Luftschiffes. Inmitten eines Labyrinths von Drahtoerspannungen bemerken mir riesige Wassertonnen, die je etwa 2500 Liter fassen und hauptsächlich zum Balla st ausgleich dienen. Das Traggas wird in 16 einzelnen Gaszellen geführt. 14 Zellen sind mit Ueberdruckventilen versehen, die in einen senkrechten (gleichzeitig der Entlüftung des Schiffsinnern dienenden) Luftschacht ausmünden. Wir schreiten den Laufsteg entlang und werfen einen Blick in die wohnlich eingerichteten Mannschafts-und O f fi z i e r s m e s s e n sowie die zweibettigen Schlafkammern der einschl. des Kommandanten und der Offiziere c s 45 Köpfen bestehenden Besatzung. In diesem Kiellaufgang befinden sich auch die Post- und Frachträume sowie über die ganze Schiffslänge verteilte Behälter für Brennstoffe, Del, Nutz- und Ballastwässer, für Vorräte, Ersatzteile und Werkzeuge. Unser Interesse wendet sich hierauf den Fahrgasträumen zu, die — wie beim „Hindenburg — in den eigentlichen Schiffskörper eingebaut sind. Zunächst die Gesellschafts- und Speiseräume. Sie verbinden in vorbildlicher Weise das Angenehme mit dem Nützlichen. Der S p e i s e s a a l ift in grauem und lindgrünem Ton gehalten und mit bequemen Ledersofas ausgestattet. An den Wänden hängen die Bilder des Führers, des General- feldmarschalls Göring und des Grafen Zeppelin, während Landschaftsbilder an die ruhmreichen Fahrten unserer früheren Luftschiffe erinnern oder Motive aus der deutschen Pflanzenwelt darstellen. Das Gesellschaftszimmer, die Lese- und Schreibräume und die Bar verraten ebenfalls behagliche Wohnlichkeit und stellen ihrem künstlerischen Gestalter, Professor Arpke (Stuttgart), das beste Zeugnis aus. / Zu beiden Seiten der Gesellschaftsräume befinden sich große Aussichtsfen st er, von denen aus die Fahrgäste einen herrlichen Ausblick haben werden. An K a b i n e n sind es mit 20 für 40 Fahrgäste etwas weniger als im Luftschiff „Hindenburg", dagegen ermöglicht ihre neuartige Anor^ nung, dem größeren Teil der Schlafkammern durch Außenfenster direktes Tageslicht zuzuführen. Vier dieser Kammern können als Luxuskabinen angesprochen werden. Alle Schlafräume sind mit elektrischem Licht und fließendem Wasser ausgestattet. Neu ist auch, daß sie nicht mehr Nummern, sondern die Namen deutscher Städte träger^, die mit dem Zeppelingedanken irgendwie verbunden sind. Zur betriebstechnischen Seite, die wir beim Einsteigen in die Motorengondel kennenlernen, ist zu bemerken, daß zum Antrieb des Luftschiffes vier Daimler-Benz-Dieselmotoren von je 800 bis 850 PS Dauerleistung (1200 PS Höchstleistung) benutzt werden, Die Motoren sind in vier Gondeln eingebaut, die an den beiden Schiffsseiten aufgehängt sind. Sie sind leicht überwachbar. Storungen können jederzeit während der Fahrt behoben werden. Die größte Geschwindigkeit des Schiffes beläuft sich auf 135 Stundenkilometer, die Marschgeschwindigkeit durchschnittlich 125 Stundenkilometer. Eine Neuerung ist der Einbau von Ballastwassergewinnern. Durch sie wird aus den Abgasen der Motoren Wasser niedergeschlagen, das als Ballast zum Ersatz des Gewichts des verbrauchten Brennstoffs dient. Diese Neuerung trägt wesentlich zur Erhöhung der Sicherheit des Fährbetriebs bei. Ferner sind im Schiffskörper zwei kleinere Dieselmotoren angebracht, mit denen der fur Beleuchtung, für den Kreiselkompaß usw. er- soroerllche elektrische Strom erzeugt wird. Die Auspuffrohre werden gleichzeitig ,wr Beheizung des Kochherdes benutzt. Bei einem an die Besichtigung anschließenden Essen wurden die Vertreter der Presse vom stellvertretenden Betriebsführer des Luftschiffbaues, Dr. Schmied, im Auftrag von Direktor Dr. Eckener und Schiffskonstrukteur Dr. Dürr nochmals herzlich begrüßt. Namens der in- und ausländischen Presse dankte Reichshauptamtsleiter Dr. D r e ß l e r dem Luftschiffbau Zeppelin und der Deutschen Zeppelin-Reederei; er gedachte der beider „Hindenburg"- Katastrophe gebliebenen Opfer, stellte fest, daß dasneüe Luftschiff der beste Beweis für den unerschütterlichen Lebenswillen des deutschen Volkes sei und erhob sein Glas auf eine glückhafte Fahrt des neuen Luftschiffes „Graf Zeppelin". Das neue Lustschiff gestartet. Friedrichshafen, 14. Sept (DRV. Funk- fpruch.) Das neue Luftschiff „Graf Zeppelin" ist heute vormittag unter Führung Dr. Eckeners zu seiner er st en Fahrt über dem Bodensee- gebiet gestartet. An der Fahrt, die einige Stunden dauern wird, nehmen 74 Personen teil, darunter außer der Besatzung Mitglieder der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt und des Luftfahrl- ministeriums. Larl-Peters-Gedenkfeier in Hannover. Am 20. Todestage des Vorkämpfers für den Kolonialgedanken und Begründers der deutsch-ostafrikanischen Kolonie, Carl Peters, begab sich ‘•ine Abordnung des Reichskolonialbundes und des Reichskolonialkriegerbundes zum Grabe auf dem Engesohder Friedhof in Hannover. Hinter der Fahne des Reichskolonialbundes schritten ehemalige Schutztruppler in Uniform. Hauptmann Freytag legte für den Reichskolonialbund und den Reichs- kolonialkriegerbund einen Kranz nieder. Er erinnerte in seiner Ansprache daran, daß Carl P e ° ters’ Wirken verkannt und verleumdet wurde. Nur wenige Getreue hielten zu ihm. Im Dritten Reich würden seine Taten ins Gedächtnis zurückgerufen. Am Denkmal auf dem Carl-Peters-Platz gedachte der Bezirksführer Niedersachsen des Deutschen Ko- lonialkriegerbundes des Mannes, der es, ganz auf sich gestellt und im Widerstand gegen innere Feinde, unternommen hatte, für Deutschland die wertvollste Kolonie zu erwerben. Die Sieger im Frankfurter Schachturnier. Der Großdeutsche Schachbund beendigte in Frankfurt die Austragung der Vereinsmeisterschaft von Deutschland; die Kämpfe waren bis zum letzten Augenblick spannend. Endergebnis der ersten Klasse: 1. Münchener Schachklub, 26 Punkte; 2. Mannheimer Schachklub, 25,5 Punkte; 3. Deutscher Schachverein Wien, 25 Punkte. In der zweiten Klasse belegten folgende Vereine die ersten Plätze: 1. Linz, 25 Punkte? 2. Jena, 24 Punkte; 3. Rüsselsheim, 23,5 Punkte. Der Sieger wird sich nun mit dem Sieger der Kämpfe, die in ODeutschland noch bevorstehen, um den Titel messen. Tteue Flug-Weltrekorde. In Konstanz startete das zweisitzige, auf Schwim- mer'gesetzte Leichtflugzeug WKL 35, ausgerüstet mit einem HirtH-Motor, zu Rekordflügen, die von Erfolg begleitet waren. Chefpilot Helmuth Kalkstein erzielte auf der 100 Kilometer langen Meßstrecke einen Durchschnitt von 228,705 km/st. Im anschließenden Höhenflug erreichte Kalkstein 7000 Meter. Beide Leistungen wurden als Weltrekorde für Leichtflugzeuge der Klasse bis ji,6 Liter Zylmder- inhalt bei der FAI angemeldet. — Spater flog Kalkstein die gleiche Maschine mit einem Passagier V H 1 t > <■; •r* i n A Blick auf eine Motorengondel des neuen Zeppelins in der Halle. — (Scherl-Bilderdienft-MH Anhallend starker Bedarf an Arbeitskräften. Oie Arbeitslosigkeit in Oesterreich zu vier Fünfteln beseitigt. Berlin, 13. Sept. (DNB.) Der starke und immer noch anwachsende Bedarf der Wirtschaft an Arbeitskräften führte im Monat August zum Einsatz aller zur Zeit verfügbaren Reserven. Die Beschäftigung nahm trotz des bereits im Vormonat erreichten Hochftandes nochmals um 146 000 zu (+ 107 000 Männer, + 39 005 Frauen); sie stieg bis zum Ende des Monats auf rund 2 0,9 Millionen (Beschäftigte einschl. Kranke). Damit ist der hohe Stand des Vorjahres bereits um 1,2 Millionen überschritten. Auch gegenüber dem Jahre 1929, in dem die Beschäftigung seinerzeit ihren Höhepunkt erreicht hatte, ergibt sich eine Steigerung um rund 1,4 Millionen. In großem Umfange wurden wiederum bisher nicht erwerbstätige oder nicht in einem Arbeitsver- hältnis stehende Volksgenossen (Sozialrentner, Pensionäre, Kleinhandwerker, Erwerbsbehinderte usw.) für den Einsatz in abhängiger Arbeit gewonnen; auch der Z u ft r o m von Frauen in gewerbliche Arbeit hielt an. Der Kreis der insgesamt verfügbaren Arbeiter und Angestellten erweiterte sich so erstmals über die Grenze von 21 Millionen hinaus. Die Gesamtzahl der noch bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen betrug am Monatsende 179 000 (gegenüber 218 000 Ende Juli). Darunter waren nur noch 14 000 voll eins atz - und a u s g l e i ch s f ä h i g e, d. h. für den Einsatz voll Aus aller Well. geeignete Arbeitskräfte, die zudem fast alle am Stichtag nur vorübergehend wegen A r - beitsplatzwechfels ohne Beschäftigung waren. Abgefehen von diesen Stellenwechslern sind die Bestände an voll einsatz- und ausgleichsfähigen Arbeitslosen in sämtlichen Landesarbeitsamtsbezirken restlos erschöpft. Einige Bezirke haben nur noch wenige hundert voll verwendungsfähige Arbeitslose. Der Kräftemangel und die anhaltende Nachfrage nach Fach- und Hilfsarbeitern sowie Angestellten erstreckte sich auf alle Bereiche. Besonders dringlich war wiederum der Bedarf im Bau - undMe- tallgewerbe. In vielen Fällen wurde dem stärksten Mangel durch den Einsatz von Frauen abgeholfen. Die Landwirtschaft wurde bei der Erledigung der Erntearbeiten durch, zahlreiche freiwillige Erntehelfer unterstützt. Im Lande O e st e r r e i ch ist die Arbeitslosigkeit auch im Monat August wieder stark zurückge- ganaen (—37 000). Am Monatsende wurden von den Arbeitsämtern nur noch 114 000 Arbeit s l o se gezählt gegenüber 151 000 Ende Juli. Die Arbeitslosigkeit, die in Oesterreich bei der Eingliederung im März 1938 rund 600 000 betragen hatte, ist damit bereits z u v i er Fünfteln beseitigt. und erzielte dabei mit seinem Orter Voy auf der 1000-Kilometer-Strecke eine Geschwindigkeit von 227,704 km/st und erreichte im Höhenflug 5600 Meter. Diese neuen hervorragenden Ergebnisse wurden ebenfalls zur Anerkennung als Weltbestleistungen für Leichtflugzeuge der Klaffe bis 5,6 Liter dem Internationalen Luftsportverband gemeldet. Schwerer Unfall auf der Autostraße Köln—Bonn. Ein Unfall, bei dem ein Mann tödlich und fünf Personen schwer verletzt wurden, ereignete sich auf der Köln-Bonner Autostraße in der Nähe von Wesseling. Dort fuhr ein Personenkraftwagen, der mit vier Personen besetzt war, in voller Fahrt auf einen Lastzug auf. Bei dem Anprall wurde der neben dem Fahrer sitzende Mitfahrer so schwer verletzt, daß er infolge eines Schädelbruches sofort ft a r b. Zwei weitere Männer und eine Frau mußten erheblich verletzt ins Krankenhaus geschafft werden. Wenige Augenblicke später stieß ein Motorrad, das mit zwei Personen besetzt war, an die Trümmer des Personenwagens und geriet ins Schleudern. Dabei wurden der Fahrer und der Beifahrer aus Köln erheblich verletzt; sie kamen ebenfalls ins Krankenhaus. Reuyorker Skandalprozeh hynes abgebrochen. Der Neuyorker Sensationsprozeß gegen den ehemals führenden demokratischen Politiker Hynes, der auf schamlose Weise mit Gangsterbanden jufammenarbeitete und daraus politisch und finanziell Kapital schlug, ist vorzeitig und unerwartet abgebrochen worden. Bundesrichter Pecora erklärte heute auf Antrag der Verteidigung, daß der Prozeß falsch geführt worden fei. Der Anklagevertreter, Oberstaatsanwalt Demi), hatte nämlich tags zuvor während der Verhandlung einen for- maljuriftischen Fehler begangen, als er die Bemerkung machte, Hynes könnte vielleicht auch in er- prefferifche Machenschaften in einem anderen Wirtschaftsgebiet, im Geslügelgeschäfr, verwickelt fein. Hier griff die Verteidigung ein und nahm diese Bemerkung sofort zum Anlaß, aus formalen Gründen den Abbruch des Prozesses zu verlangen. Dieser sensationelle Ausgang des Riesenprozesses, der skandalöse Zusammenhänge zwischen Politik und Verbrechertum in USA. enthüllte, hat den Staat Neu- york bereits mehrere hunderttausend Dollar gekostet. Schon 40 Zeugen waren vorgeführt, und Hynes war auf das schwerste belastet worden, so daß man allgemein fest mit seiner Verurteilung gerechnet hatte. Ob und wann Hynes nun wieder vor Gericht kommt, läßt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Raubüberfall auf eine alte Frau. In Köln versuchte ein 33jähriger Mann einen Raubüberfall auf eine alleinstehende Geschäftsfrau auszuführen. Er betrat den Milchladen der Frau und bestellte ein Glas Milch und ein Stück Kuchen. Als er mit der Frau allein war, nahm er ein schweres Henkelglas und schlug auf den Kopf der wehrlosen Frau so lange ein, bis sie Jeder deutsche soll kömpser für Dao I 6emeinschaftowotsi der Nation sein. werde Mitglied der NSv.k blutüberströmt zusammenbrach. Zwei vorübergehende Soldaten hörten die Hilferufe der Frau und ergriffen den Täter. Die Verletzungen der 65jährigen Frau waren fo schwer, daß sie ins Krankenhaus geschafft werden mußte. Ein Kind in der Regentonne ertrunken. In Güls bei Koblenz ereignete sich ein ungewöhnlicher Unglücksfall. Das zweijährige Söhnchen eines dortigen Einwohners spielte mit dem Ball, der in eine Regentonne fiel. Bei dem Versuch, das Spielzeug aus' dem Wasser herauszuholen, kippt«» das Kind in die Tonne und ertrank, ohne daß jemand den Unfall bemerkte. Erft später fand man den Kleinen tot auf. Bahnbeamter tödlich verunglückt. In Koblenz wurde auf dem Bahngleis in der Nahe des sogenannten alten rheinischen Bahnhofes die Leiche eines Mannes gefunden. Es handelt sich um einen Koblenzer Bahnbeamten, der offenbar beim Ueberfchreiten der Gleise von einem Zug erfaßt und überfahren wurde. Feuergefecht mit einem Mörder bei Warschau. Auf den Feldern bei Mfczcenow in der Nähe von Warschau kam es zu einem blutigen Feuerge - fecht zwischen der Polizei und einem vielfachen Mörder, dem 36jährigen Andreas Dabrowski. Im Verlauf der Schießerei, die eine Stunde dauerte, wurde der Bandit, der sich in einem Gehöft verschanzt hatte und aus zwei Revolvern auf die Beamten feuerte, erschossen. Dabrowski, der im Frühjahr nach Verbüßung einer mehrjährigen Freiheitsstrafe das Zuchthaus verlassen hatte, stellte sich sofort wieder an die Spitze einer Bande, die die Umgebung von Warschau unsicher machte und vor allem Ueberfälle auf Skationskassen verübte, bei denen mehrere Post- und Eisenbahnbeamte ermordet oder schwer verletzt wurden. Auch den übrigen Mitgliedern der Bande ist man auf der Spur. Kunst und Wissenschaft. Professor Dr. Hugo Reubauer erhalt den Adlerschild des Deutschen Reiches. Der Führer Und Reichskanzler hat dem früheren Direktor der landwirtschaftlichen Untersuchungsstationen von Bonn und Dresden, Professor Dr. h. c. Hugo Neubauer in Dresden, aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres den Adlerschild des Deutschen Reiches mit der Widmung: „Dem Bahnbrecher auf agrikulturchemischem Gebiet" verliehen. Im Auftrage des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft überreichte Ministerialdirektor Moritz in Bad Salzbrunn bei der Festsitzung aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Verbandes deutscher landwirtschaftlicher Untersuchungsanstalten den Adlerschild mit Verleihungsurkunde. Herbskneuerscheinungen des Eotta-Verlages. Der Cotta-Verlag in Stuttgart kündigt folgende Neuerscheinungen an: Die 2. Folge der Reihe „D i e Dichter b er Deutsche n", Biographien großer deutscher Dichter der Vergangenheit, herausgegeben unter Mitwirkung der Deutschen Akademie in München: „Gertrud Bäumer, Wolfram von Eschenbach", „Alh^echt Goes, M ö r i k e", „Hans Leip, Liliencron, „Tamara Ramsay, Droste- H ü l s h o f f", „Peter Scher, Wilhelm B u s ch". — Die Romane: „Waldemar B o n s e l s, Die Reise um das Herz", ein Märchenroman. Puzo Pama - moto, „Wellen", Liebes- und Eheroman aus dem Japan von heute, Walter Pegel, „Insel im Strom", Ines Widmann, „Der Sohn". — Alfons Mayer-Sachs, „Ernte im Gestrüpp", eine Sammlung heiterer und ernster Epigramme. — Der wissenschaftliche Verlag bringt dem neuen Band von Johannes Hallers großem Werk „Das Papsttum": „Die Vollendung", und die einzige authentische Biographie des großen deutschen Erfinders „Graf Zeppelin" von Hugo Eckener. — Der Cotta-A lmanach stellt lebendig die Beziehung zwischen Dichter und Verleger her; mit heiteren Bildern von Fritz Busse. Wetterbericht An der Rückseite des zur Zeit über Nordost. europa liegenden Sturmwirbels bringen aus arktischen Gebieten ftammenbe Luftmassen gegen bas europäische Festlanb vor. Ihr Einbringen in die vorgelagerte Warmluft wirb auch bei uns die Unbeständigkeit zunächst wieder verstärken, voraussichtlich aber keine nachhaltige Verschlechterung im Gefolge haben. Die Temperaturen gehen zurück. Vorhersage für Donnerstag: Zunächst wieder unbeständig und strichweise auch Regen, wechselnde Bewölkung mit vereinzelten Schauern, zeitweise auffrischende Winde aus westlichen Richtungen, kühl. Vorh er sage für Freitag: Kühleres Wet- ter mit häufiger Aufheiterung, aber unbeständig. Lufttemperaturen am 13. September: mittags 23,3 Grad Celsius, abends 14,2 Grad; am 14. September: morgens 12,6 Grad. Maximum 23,4 Grad, Minimum heute nacht 11,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. September: abends 17,2 Grad; am 14. September: morgens 14,4 Grad. — Sonnenschein- dauer 4,7 Stunden. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum« schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Kans Thyriot; für den übrigenTeil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theoder Kümmel. D. 21. VIII. 38: 8916. Druck und Verlag: Brühlsche Unioersitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 LältiL Reiskirchen, Heuchelheim, Alten-Buseck, den 14. September 1938. Kameradscbah eheni.ll6er Gießen. 5890V Unerwartet ist unser lieber Alterskamerad Verkäufe Ernst Seibt »Gegen graue Haare« der bewährte 437^V 5888 A do ooo an Anzeiger erbet. Wir bieten an Die neuen Stoffe 4921A für Herbst und Winter GLORIr 2.75 Heute Mittwoch: 3.20 # 4.90 . .per Meter Kleider und Kompletware . 5.70 schwere Qualität mit Abseite per Meter 5.95 8.50 beige und dunkelblau per Meter Kreuzplatz 15 5907 A UFA- Schreib-, Rechen- u. Buchungsmaschinen Gießen,Vokohaus, Seltersweg 44, Ruf 2464 Haarfarbe#Wiederhersteller Flasche 1.74 extra stark 2.40 Dro'g. Winterhoft, Kreuzplatz 10, Part. Muhl. Bahnhofstraße 56. 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Man freut sich auf die Sauberkeit und Frische der neuen Räume, auf die mancherlei Annehmlichkeiten, die die Wohnung bietet. Und es liegt nahe, daß man die alte Wohnung fluchtartig verläßt, ohne daran zu denken, daß die Nachmieter ihrerseits oder der Hauswirt das Recht haben, eine zwar leere, aber ordentliche Wohnung und kein verlassenes Zigeunerlager vorzufinden. Die alte Wohnung muß „besen- rein" übergeben werden, d. h. weder unbrauchbares Gerümpel in den Ecken noch Kisten mit Holzwolle und herumgestreutes Papier werden mit „übernommen". Am zweckmäßigsten und menschenfreundlichsten ist es, wenn beide Mieterparteien — die alten und die neuen Mieter — sich in Verbindung setzen und den Umzug gleichsam gemeinschaftlich in Szene setzen. Da gibt es so viele Handreichungen, die auf diese Weise eine Ersparnis bedeuten. Wenn beispielsweise ein Installateur die Lampenglocken abnimmt und die Zuleitung sichert, so spart man Zeit und Geld, wenn der gleiche Handwerker im Anschluß daran gleich die neuen Leuchtkörper anbringt. Aehnliches gilt für die Einrichtung der Badezimmer, für die Gardinenstangen und die verschiedenen eingebauten Möbel. Daß die Familienmitglieder sich alle am Umzug beteiligen und etwa Spiegel und andere Sachen einzeln ins neue Heim, tragen, hat sich als unzweckmäßig erwiesen. Praktischer ist es, die liebe Familie für diesen Großkampftag ein wenig aus dem Schlachtfeld zu räumen und bei Freunden oder Bekannten unterzubringen, sofern nicht noch tatkräftig zupackende Hände gebraucht werden. Auch Haustiere und Pflanzen werden ein paar Tage zuvor bereits vor der Verwirrung, die mit dem Umzug verbunden ist, in Sicherheit gebracht und in Pflege gegeben. Zieht ein großer Haushalt um, so ist das Selbstpacken von Geschirr und wertvollen Einrichtungs- gegenständen nicht zu empfehlen. Wichtiger ist es, daß die Hausfrau das gesamte Inventar nach besonderen Gebieten ordnet und zusammenstellt — Geschirr, > Glas, Küchengeräte, Bilder — damit beim Packen später Zeit gespart und nichts übersehen oder vergessen wird. Auch der Inhalt der Schränke muß von der Hausfrau aeordnet und zum Packen bereitgestellt werden. Zuletzt wird die kluge Hausfrau erst die Betten in die Möbelwagen befördern lassen, denn sie sind es, die im neuen Heim zuerst aufgestellt werden müssen, damit nicht improvisierte Nachtlager auf kalten Dielen geschaffen werden, weil man sich mit der Zeit für das Einräumen verrechnete. Und wie räumt man ein? Nach einem schematischen Plan, den die Familie rechtzeitig zuvor aufgestellt hat. Jeder Mieter hat bei Abschluß des Mietvertrages das Recht, einen genauen Plan, einen Grundriß der Wohnung, vom Vermieter zu fordern. Im Maßstäb dieses Wohnungsplanes werden nun von allen vorhandenen Möbeln der alten Wohnung ebenfalls kleine Grundrisse aus buntem Papier geschnitten. Mit diesen „Schemamöbeln" reist man nun auf dem Plan der neuen Wohnung herum. Es ergeben sich hundert Möglichkeiten, von denen man die beste und günstigste wählt, und hundert Unmöglichkeiten, denn sehr bald stellt sich heraus, daß manche Möbelstücke sich in den neuen Räumen nicht unterbringen lassen. In diesem Falle heißt es, sich von den Dingen trennen, die später nur störend herumstehen und auf dem Boden ode im Keller enden würden. Es zeigt sich bald, wieviel verkauft oder verschenkt werden muß, und t)as| Einräumen der neuen Wohnung ist beinah ein Vergnügen, wenn man an der Tür die Ziehleute an Hand des kleinen, wohldurchdachten Einrichtungsplanes genau anweist. Gertrud Abel. Die zweckmäßige Küche. Biel Zeit und Mühe kann man sparen. Wieviel Zeit und Mühe kann sich die Hausfrau sparen, wenn sie in ihrer Küche alles praktisch und zweckmäßig einrichtet! Namentlich bann, wenn die berufliche Arbeit im Vordergrund stehen muß, bedeutet eine zweckmäßig eingerichtete Küche eine wesentliche Erleichterung in der Wirtschaftsführung. Das braucht nicht etwa immer mit hohen Anschaffungskosten verbunden zu sein. Nicht, daß man meint, ohne Anschaffung neuzeitlicher Küchenmöbel ließe sich die Küche nicht umgestatten. Man kann auch ohnedem die Küche praktisch und zweckmäßig gestalten. — Vieles von dem, was in mancher Küche auf Regalen und Wandbrettern herumsteht und -hängt, wird von der Hausfrau überhaupt nicht gebraucht. Es ist überflüssiger Ballast, der der Hausfrau unnütze Arbeit und Mühe verursacht. Auf den Töpfchen, Dosen usw. sammelt sich hartnäckiger Staub, der sich dem feuchten Lappen widersetzt und beim Abwischen schmierige Spuren ergibt, wenn nicht heißes Sodawasser genommen wird. Also weg mit diesen Dingen, die der Küche unserer Mütter und Großmütter zur Zierde gereichten, heute aber keine Daseinsberechtigung mehr haben! Auch bei einer gründlichen Durchsicht des Küchenschrankes wird sich so manches finden, das des Aufhebens nicht verlohnt, m erster Linie fehlerhaftes oder veraltetes Kochgeschirr u. a. m. Es bedeutet verkehrte Sparsamkeit, veraltete, unzweckmäßige Kochtöpfe mit Schneppen, aus denen der Dampf beim Kochen entweichen kann, oder schmale, yohe Töpfe, die viel mehr Beheizungskosten verursachen als breite, nur deshalb zu verwenden, weil sie nun einmal vorhanden sind. Ein überfüllter, unübersichtlicher Küchenschrank erschwert das Hantieren. Es muß in der Küche alles so untergebracht sein, daß es möglichst mit einem Griff zu nehmen und wieder an den Platz zu bringen ist. Nicht, daß man nach dem, was man gerade schnell braucht, erst umständlich suchen muß, und inzwischen läuft das Essen über oder es brennt etwas an. Unpraktisch ist auch ein zu hoher Küchenschrank, dessen obere Fächer für die Hausfrau nicht ohne weiteres erreichbar sind. »Oft sind nämlich die alten Küchenschränke mit einem Zwischenaufsatz versehen, den man einfach entfernen kann, und schon rückt Aus dem Reiche der Frau. das oberste Fach in bequem greifbare Nähe, und ber ganze Schrank wirkt nicht mehr so altmodisch. Die Anordnung der Küchenmöbel ist natürlich in erster Linie von dem vorhandenen Platz abhängig. Am zweckmäßigsten ist es aber für die Hausfrau, roenn der Küchentifch frei in der Mitte stehen kann, von allen Seiten erreichbar, und zwar so, daß die Beleuchtung gerade über dem Tisch liegt. Steht der Tisch an der Wand, ist es meist so, daß man sich selbst im Licht steht und im Schatten hantieren muß. Das strengt Auaen und Nerven unnütz an, und es lohnt sich, in solchem Fall eine zusätzliche Wandbeleuchtung anzubringen. (Eine, wesentliche Erleichterung bei allen Küchenarbeiten, die besonders die Hausstau als sehr angenehm empfinden wird, die in ihrem Beruf viel stehen muß, bedeutet der nach allen Seiten drehbare und in verschiedene Höhen einstellbare neue Küchen st uh l, der es der Hausfrau ermöglicht, Arbeiten wie Kartoffelschälen, Plätten und selbst Abwaschen im Sitzen zu erledigen. Dauernd gebücktes Stehen beim Geschirrabwaschen und anderen Haushaltsarbeiten ist sehr anstrengend und ungesund. Eine besonders wichtige Rolle für die berufstätige Frau spielt die Art der Kochgelegenheit, die so bequem wie möglich fein sollte. Auch hierin ist die Technik wesentlich fortgeschritten. Beim elektrischen Herd mit automatischer Schaltung kann die Hausfrau ihr Essen früh vor dem Weggehen aufsetzen, und wenn sie zurückkommt, ist alles fertig. Die Verwendung von feuerfestem Glas- oder Por- zellangeschirr erspart noch die Mühe, alles erst in Schüsseln umfüllen zu müssen. So kann die berufstätige Frau auf vereinfachte Weise ihrer doppelten Pflicht nachkommen. V. A. PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODE ZEICHNERS b w Drei Herb st hüte für 1938 zeigen wir heute. Typisch ist der Hut links in neuartiger Herrenhutform mit großer Ripsbandschleife und dem eng um den Kopf gebundenen Schleier. Das Material ist hellbrauner, stumpfer Velours (Antilope) mit dunkelbraunem Band. Die Form paßt besonders gut zum Schneiderkleid. Der Hut rechts oben aus b l a ß g e l b e m H a a r f i l z mit dunkelblauer durchgezogener Bandschleife ist für Leckere pilzgerichle. 23on Krida Aisch. „Ach, Sie sammeln wohl Pilze? Darf ich Ihnen diesen hier auch geben? Mit einem allein ist ja doch nichts anzufangen!" Und ich sacke vergnügt den prachtvollen Steinpilz ein. O ja, es läßt sich allerhand damit anfangen. Erstens läßt er sich fein in Scheibchen trocknen. Später finden wir mehr, und wenn der Winter kommt, ist ein Säckchen voll Würzpilze da. Wollen wir ihn gleich verspeisen, machen wir P i l z k o t e l e t t. Die Löpfe großer Steinpilze oder ähnlicher Pilzarten, wie Semmelpilze, Kuhpilze, befreit man von den Lamellen. Die Haut bleibt drauf. Nur zerfaserte Ränder werden abgeschnitten. Die Köpfe und Stiele schneidet man die Quere in dicke Scheiben, wälzt sie in Ei und Reibebrot, bestreut sie mit Basilikum und Salz und bäckt sie wie Koteletts in heißem Fett auf beiden Seiten. Kalt als Brotbelag, warm als Mittagessen zu Kartoffelbrei und Apfelmus. Ein einzelner Champignon, kleingehackt, mit Zwiebeln in Butter gedämpft, über einem halbierten, weichgekochten Ei angerichtet, ist ein Leckerbissen zum. Frühstück. EierkuchenmitPilzfullung. 500 Gramm Kalbfleisch werden mit Suppengrün in Salzwasser halbweich gekocht. Nach einer viertel Stunde kocht man eine Kalbsmilch und 125 Gramm Hirn etwa 10 Minuten mit, nimmt alles heraus und schneidet in Würfel. Das Suppengrün bleibt zurück. 100 Gramm Butter oder Fett werden mit 3 Löffel voll Weizenmehl gelb geschwitzt, mit einem viertel Liter Weißwein oder weißem Traubenmost und etwas von der Fleischbrühe zu dicker Tunke gekocht, dann gibt man Pfeffer oder Basilikum und Salz, 100 Gramm geriebenen Schweizerkäse, 1 Tasse Sahne oder Milch, mehrere Sardellen oder ein Heringsfilet darunter. In dieser Tunke wärmt man das gehackte Fleisch. In der übrigen Brühe kocht man 500 Gramm in grobe Stücke geschnittene Pilze, Champignons ober Blutreizker, kleine Pfifferlinge, was gerabe ba ist, am besten gemischt, läßt sie abtropfen unb mischt sie unter bas Fleisch. Jetzt macht man einen Eierkuchen- teig aus 200 Gramm Mehl, 2 Eiern unb 2 Teelöffel Eiersparpulver, bas Weiße zu Schnee, knapp % Liter jugenbliche Trägerinnen geeignet. Der kleibsame, mittelgroße Ranb fäJÜ hinten tief über bie Frisur. Der desonbers nahe Kopf ift in vier scharfe Kanten abgesteppt. Für reifere Erscheinungen ist ber flache, hellgraue Velours- (Solei!-) H u t mit bem rund- um etwas aufgeschlagenen Ranb, den schmalen Ripsbandrollen und ber flachgelegten Feber in Dunkelblau. H. Wasser unb 1 Eßlöffel gehacktem Schnittlauch. Davon werben zwei bis brei große Eierkuchen gebacken. Sie müssen berb fein, bamit sie beim Füllen nicht zerreißen. Das muß man ausproben, weil nicht alles Mehl gleichmäßig quillt. Die Füllung gibt man zwischen bie Kuchen, bie man entweder ganz offen läßt ober auf bie Hälfte klappt. Die Oberfläche wirb mit wenig Sahne bestrichen, bie mit Eigelb verrührt ist. Darauf streut man biet geriebenen Kräuterkäse unb feines Reibbrot. Alles wirb noch im Bratofen mit Oberhitze zu brauner Kruste gebacken. Gleich heiß anrichten! Würzextrakt. Alle Sorten frischer Knochen werben mit ganz kleingeschnittenem Suppengrün unb wenig Fett langsam bunfelbraun geröstet, was man burch mehrere Tage machen kann. Dann gibt man orbentüd) Wasser barauf, etwas Salz, einige Zwiebeln, tüchtig Sellerieblätter unb möglichst ben gesäuberten Abfall aller Arten Pilze, kocht alles zwei Stunben, gießt bie Brühe burch ein Sieb unb siebet sie auf bie Hälfte ein, füllt sie heiß in kleine Flaschen unb sterilisiert eine halbe Stunbe. Die Flüssigkeit muß bunfelbraun aussehen, hält sich' jahrelang unb ist eine gute Hilfe bei geschmacklosen Speisen. Das Einmachen von Pilzen. Alle Pilze, bie man an einem Tag gesammelt hat, ganz gleich welche Sorten, werben mehrmals gewaschen, in größere Stücke geschnitten und in wenig Salzwasser abgekocht Sie werden in einen Steintopf gelegt und mit abgekochtem Essig, in dem etwas Einmachehilfe aufgelöst wurde, übergossen. Zwischen die Pilze gibt man etwas kleine Zwiebeln und Senfkörner, beschwert sie mit einem Tellerchen und Stein, daß die Flüssigkeit darübersteht. Man kann den ganzen Som- fner über immer wieder genau so vorbereitete Pilze dazulegen. Der Topf wird gut mit Pergamentpapier zugebunden und an kühlem Ort aufbewahrt. Wird der Essig nach längerer Zeit schleimig, so muß er erneuert werden. Kleine, weiße Perlboviste und Eierbo- v i st e schneiden wir in die Hälfte, kochen sie in dünnem Essigwasser mit reichlich Perlzwiebeln oder sehr kleinen Schalotten und Gewürzkörnern, sterilisieren sie und geben sie an alle saueren Salate. Auch frisch schmecken sie gut, gemischt mit Champignons und Gulaschpilzen, in Fett mit Zwiebeln gebraten zu Pellkartoffeln. Der Beruf der Kinderoä'rtnerin. NSG. Im Mittelpunkt ber nationalsozialistischen Volkswohlfahrtspflege steht bie deutsche Familie. Die zahlreichen Einrichtungen, die ber Gesundung und Erstarkung der Mütter und Kinder dienen, sind in dem großen Hilfswerk „Mutter und Kind" zusammengefaßt. Eines der wesentlichsten Teilgebiete dieses Hilfswerkes find die Kindertagestätten der NS.-Volkswohlfahrt. Sie ergänzen, unterstützen unb ersetzen, soweit als möglich und nötig, bie Erziehung burch bie Familie. Die Kindertage st ät- t e n, bie von ber NS.-Volkswohlfahrt teils neu geschaffen, teils übernommen ober nach nationalsozialistischen Grundsätzen um- unb ausgestaltet werben, umfassen Säuglingskrippen, Kinbergärten, (Erntefinbergärten unb Horte. Im Rahmen ber Kindertagestätten kommt den Kindergärten die größte Bedeutung zu. Sie dienen der Sorge für das Kleinkind im Alter von 3 bis 6 Jahren. Durch die Kindergärten, insbesondere auch durch die Erntekindergärten, wird die erwerbstätige Mutter von ihrer Arbeit im Haushalt entlastet. Sie kann beruhigt an ihren Arbeitsplatz oder auf das Feld zur Ernte gehen, wenn sie weiß, daß ihre Kinder während ihrer Abwesenheit wohlbehütet werden. Außer diesen sozialen Gründen sind aber auch erzieherische Gesichtspunkte bei der Aufnahme in den Kindergarten maßgebend, so z. B. bei Einzelkindern, denen die Gemeinschaft mit Geschwistern ober Gleichaltrigen fehlt ober deren häusliche Verhältnisse eine Herausnahme aus der Familie erfordern. Weiterhin verfolgt der Kindergarten auch kulturelle Ziele, indem in ihm deutsche Sitte, deutsches Brauchtum und deutsche Sprache gepflegt werden. Es kommt heute nicht in erster Linie daraus an, das Kind nur mit schönen Spielsachen zu beschäftigen, sondern die vornehmste Ausgabe des Kinder- bartens von heute besteht darin, Vorsorge zu treffen, daß körperliches Wachstum und geistig-seelische Entwicklung in harmonischem Einklang stehen. Damit ist das erzieherische Moment stark in den Vordergrund gerückt. Gleichzeitig wird aber auch in der umfassendsten Weise auf die Gesundheit der Kinder geachtet. So finden z. B. etwa alle 6 Monate in jedem NSV.-Kindergarten ärztliche Untersuchungen statt. Die Kindergärten stehen unter der Leitung von staatlich anerkannten Kindergärtnerinnen. Durch die zahlreichen Maßnahmen, die seit der Machtübernahme auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege und der Gesundheitsführung getroffen worden sind, ist naturgemäß der Bedarf an Kindergärtnerinnen gewaltig gestiegen, so daß wir heute einen großen Mangel an ihnen haben. Diesen Mangel gilt es zu beseitigen, denn der Beruf der Kindergärtnerin ist von sehr großer Bedeutung für die körperliche und seelische Erstarkung unserer Jugend. Deshalb werden die Mädel aufgerufen, sich zur Kindergärtnerin ausbilden zu lassen. Kindergärtnerin kann jedes junge Mädel werden, das bas 17. Lebensjahr vollendet hat und die charakterliche, pädagogische und gesundheitliche Eignung für diesen Beruf besitzt. Ihre Ausbildung genießen die Mädchen in einem sozial-pädagogischen Seminar. Als Voraussetzung für bie Ausnahme wirb u. a. verlangt: bas Schlußzeugnis eines Lyzeums oder einer anerkannten neunklassigen Mittelschule (Volksschülerinnen müssen eine schulwissenschaftliche Prüfung ablegen), ein Jahr hauswirt- schastliche Vorbildung (Betätigung in der Familie, davon mindestens ein halbes Jahr in fremder Familie, ober Hauspraktikantin in einem Heim ober Frauen- ober Haushaltungsschule) unb ein amtsärztliches Gesundheitszeugnis. Durch bie Ausbildung soll bie Kinbergärtnerin in alle Zweige ber sozial-pädögoischen Arbeit eingeführt werben. Neben ben theoretischen Fächern nimmt ber künstlerische und handwerkliche Unterricht einen großen Raum ein. Sehr stark betont wird bei der Ausbildung auch die Frage der Gesundheitsführung und 'Körperertüchtigung durch Sport und Gymnastik. Großer Wert wirb natürlich weiter auf bie praktische Ausbildung gelegt. Darum werden die Schülerinnen van vornherein in den praktischen Einrichtungen eines Kindergartens, Säuglings- und Erholungsheimes für ihre spätere praktische Arbeit vorbereitet. Die letzte weltanschauliche Erziehung erhalten die Schülerinnen der NSV.- Seminare in Kameradschaftsheimen, bie ben Seminaren angegliebert sind. Hier sollen sie das Leben »in der Gemeinschaft kennenlernen. Die Ausbildungskosten auf den NSV.-Seminaren belaufen sich auf 80 bis 90 Mark monatlich. Es sind eingeschlossen, Schulgeld, Wohnung und Verpflegung. Ermäßigung der Ausbildungskosten ist möglich. Nach zweijähriger Ausbildungszeit beginnt die praktische Tätigkeit in einem Kindergarten oder in einem Erntekindergarten. Die NSV. ist stets bemüht, die tüchtigen Erntekindergärtnerinnen auch während des Winters in einer anderen Arbeit zu verwenden. Ein großer Teil von Kindergärtnerinnen wird auch in den Erholungsheimen beansprucht. Vor allem sei noch darauf hingewiesen, baß jebe Kindergärtnerin die Möglichkeit hat, sich in ihrem Beruf weiter ausbilden zu lassen. Sie kann z. B. Jugendleiterin werden >und als solche einer großen Kindertagestätte, einem Erholungsheim, Jugend- und Mütterheim vorstehen oder als L e h r k r a f t d e s Reichsmütter- d i e n st e s oder der sozial-pädagogischen Seminare wirken. Die Ausbildung der Jugendleiterin dauert ein Jahr. Weiterhin kann eine Kindergärtnerin auch als Werklehrerin oder als Volkspf lege- r i n ausgebildet werden. Man kann sagen, daß gerade der Beruf als Kindergärtnerin ein wirklich schöner und glücklicher Beruf ist. In dem ständigen Umgang und der erzieherischen Einwirkung auf die Kinder kann sie alle ihre seelischen Kräfte entfalten. Das trifft vor allen Dingen auch für Mädchen zu, die Begabung in kunstgewerblicher Hinsicht haben, die gerne zeichnen, modellieren, fingen und musizieren. Der Beruf verlangt freilich viel Idealismus, Aufopferung unb Verantwortungsbewußtsein. Es ist aber fajsch zu sagen, er sei ein zu schwerer Beruf für ein gesundes Mädchen. Bei der Berufswahl sollte jedes gesunde Mädchen, das die notwendigen charakterlichen Eigenschaften besitzt, an den Beruf der Kindergärtnerin denken. Auch die Eltern sotten in dieser Hiäsicht auf ihre Tochter einwirken, denn es ist ein Beruf, der dem Wesen der Frau entspricht und ihr viel Glück, Frohsinn und Freude bringt Amerika in Waffen. Don Otto Eorbach. Die Zeiten, wo der Durchschnittsbürger der Vereinigten Staaten von Nordamerika Fragen der Wehrkraft und Landesverteidigung nur geringes Interesse entgegenbrachte, sind unwiederbringlich dahin. Einst glaubte man im Schutze zweier Ozeane, auf die militärischen Anstrengungen europäischer Völker, ihr gegenseitiges Säbelrasseln und Wettrüsten, als Reste „mittelalterlicher Barbarei" herabsehen zu können. Im eigenen Heerwesen sah man fast eine müßige Spielerei, eine Einrichtung, die allenfalls den Nutzen hatte, jugendliche Raufbolde und Taugenichtse einer heilsamen Disziplin zu unterwerfen oder im Bedarfsfälle für den inneren Frieden zusätzliche Polizeikräfte abzugeben. Aehnlich sah man in der eigenen Kriegsflotte nur eine Art Seepolizei, für außenpolitische Zwecke nur brauchbar, übelwollenden ibero - amerikanischen Regierungen Schrecken einzuflößen. Der Krieg mit Spanien 1898 änderte kaum etwas an dieser Auffassung. Zu leicht war der Sieg, den man über eine verkümmerte europäische Kolonialmacht errang. Den „Boxerkrieg" 1900 machte man mehr zum Schein mit, stets darauf bedacht, zu den europäischen Kolonialmächten Abstand zu halten, und den friedfertigen Charakter amerikanischer Fernostpolitik demonstratio zu offenbaren. In den Weltkrieg ließ man sich hineinziehen, weil man wähnte, von der Vorsehung berufen zu sein, die Kulturvölker vom „Militarismus" als einem Erbübel der Alten Welt zu erlösen und den ganzen Erdkreis für eine, den dauernden Frieden verbürgende Demokratie „sicher zu machen". Als die Art und Weise, wie Präsident Wilson bei den Friedensverhandlungen von den „Alliierten" genasführt wurde, grausam enttäuschte, zog sich Onkel Sam schmollend auf seine panamerikanischen Angelegenheiten zurück, in der Hoffnung, nunmehr in glänzender „Isolation" den Händeln anderer Erdteile wirklich fernbleiben zu können. Erst die große Weltwirtschaftskrise brachte eine endgültige Ernüchterung. Man machte die schmerzhafte Erfahrung, daß gerade das unerhörte Glück Amerikas als Kriegsgewinnler fein Wirtschaftsleben zum Seismographen machte, der jegliche Gleichgewichtsstörung in irgendeinem Winkel der Erde anzeigte. Da die Versuche, solche Gleichgewichtsstörungen mit Worten zu beschwören, immer wieder kläglich scheiterten, erwachte man zu der bitteren Erkenntnis, daß die großen Ozeane aufgehört hatten, trennende Schranken zu bilden und daß man fich aus allen Kräften stark und immer stärker machen müsse, um bei allen Entscheidungen das eigene Gewicht mit in die Waagschale werfen zu müssen. Senator Borah sprach 1930 die Befürchtung aus, daß die Union sich bald genötigt sehen würde, „dem Durchschnittsbürger eine solche Angst vor überseeischen Gefahren einzuimpfen, daß er nicht ruhig schlafen fönne, solange er sich nicht durch eine Flotte geschützt wisse die jeder denkbaren Gruppierung fremder Seestreitkräfte überlegen wäre". Nicht nur geschieht das heute in überreichlichem Maße, sondern man ist aus dem besten Wege, dem Volke der Vereinigten Staaten eine kriegerische Reizbarkeit gegenüber Vorgängen in andern Erdteilen anzuerziehen, die den Frieden der Neuen Welt wirklich nicht im geringsten zu stören brauchten. Einst prägte Präsident Harbin g das Wort von der Flotte der Union als „Amerikas großer Mauer". Ihre Hebungen galten vorwiegend dem Zweck, den Panamakanäl und die pazifische Küste Nordamerikas zu schützen. Auch die großen Flottenmanöver, die in diesem Jahre zwischen dem 15. März und 28. April abgehalten wurden, fanden im Pazifischen Ozean statt, aber in einem Raume von 33 Millionen Quadratkilometer zwischen der Küstenlinie von Panama bis hinauf nach Alaska, der Kette der Aleuten, den Hawaiischen Inseln und den amerikanischen Aequätorialinseln, einschließlich Can- ton unb Enderbury. Der ganze Verlauf der Manöver drückte den Grundsatz aus, daß die beste Deckung der Hieb. ist. Damit aber im Volke der Vereinigten Staaten ja nicht das Gefühl aufkomme, daß es sich nach der atlantischen Seite hin verhältnismäßig sicher fühlen dürfe, sollen sich in Kürze Flottenübungen entsprechenden Ausmaßes im Atlantik abspielen. Die strategischen Probleme, die die Manöver im Pazifik aufrollten, wurden von der amerikanischen Presse in einer Breite und mit einer Gründlichkeit erörtert, die in früheren Zeiten undenkbar gewesen wären. Kaum hatte das öffentliche Interesse dafür nachgelassen, als die in diesem Monat beginnenden großen Land - und Luftmanöver im Südwesten der Union, also im Raum von Kalifornien und Texas, in den Spalten der Presse ihren Schatten vorauswarfen. Es wirb darauf hingewiesen, daß es sich „um bie größte Truppen-Konzentra- tion und die ausgedehntesten Friedensübungen in der Geschichte der Vereinigten Staaten" handele. 30 000 Mann sollen allein um St. Antonio zusammengezogen werden, um in dieser Gegend drei Wochen lang ihre Kriegsspiele abzuhalten. .Andere größere Truppenmassen sollen an verschiedenen Stellen längs der Südwestgrenze, vom Mississippi bis zum Pazifik, zusammengezogen werden. Das Interesse der amerikanischen Oeffentlichkeit gilt aber weniger der Stärke der an den Manövern beteiligten Truppen, als den gewaltigen Veränderungen, die in der Wehrmacht vor sich gegangen sind. „Ein Veteran von St Mihiel oder den Argonnen", meinen New Port Times, „würde kaum manche der Einheiten roiebererfemrfn, die bei den kommenden Hebungen in Aktion treten werben." Während des Weltkrieges waren die amerikanischen Divisionen große und' schwerfällige Einheiten von ungefähr 22 000 Mann. Versuche, die im vorigen Jahre mit kaum halb so großen Divisionen angestellt wurden, brachten vielen Ofsizieren die Heberzeu- gung bei, daß bei der fortschreitenden Motorisierung der Truppen eine Division von nur 10 000 > Mann bei größerer Beweglichkeit und stärkerer Mechanisierung den Anforderungen eines modernen Krieges besser entsprechen würde. Die Manöver werben reichlich Gelegenheit geben, diese Erfahrung neu .zu erproben. Besonderes Gewicht soll auf das Zusammenwirken zwischen den Landtruppen und den Luftstreitkräften gelegt werden. Die Schnelligkeit der Flugzeuge hat sich seit dem großen Kriege verdoppelt, „fliegende Festungen" traten in Erscheinung, Bomber großen Umfangs mit schwereren und vernichtenderen Bomben, als man je für möglich gehalten hatte. Jagdflugzeuge mit einer Geschwindigkeit von 480 Kilometer in der Stunde. Ein Arme'e- führer braucht nicht mehr durch Reiter den Standort feindlicher Truppen auskundschaften zu lassen. Selbst in den Fällen, wo solche von den Fliegern nicht gesichtet werden verrät sie die B'ldanfnahme aus der Luft. Trotzdem treten bei den Manövern „Kavallerie- Rekognoszierung-Schwadronen" in Tätigkeit. Sie bestehen aus je 15 Offizieren und 195 Mann. Eine jede gehört einer der verkleinerten Versuchs-Divisionen an. Eine solche „Schwadron" ist aber nicht beritten, sondern verfügt über besonders leistungsfähige, schnellfahrende Kraftwagen, in denen sie mit dem Wagemut herkömmlicher Reiterscharen als Kundschafter und Stoßtruppler der Division weit vorauseilen. Jeder Wagen ist mit 30 bis 40 Maschinengewehren ausgerüstet. Um das Gewicht zu verringern, verzichtete man auf das Verdeck, legte aber um so mehr Wert auf Schutzausrüstung gegen Gewehr- und Maschinengewehrfeuer. Auf langen Märschen ist die Schwadron der Division ost zwei bis drei Tagesmärsche voraus. Jeder Wagen hat eine Funkeinrichtung, so daß alle Beobachtungen prompt den betreffenden StabsguarUeren übermit- ielt werden können. Solche Schwadronen haben freilich gegenüber der Kavallerie alten Stils eine Schwäche: sie können bei heftigen Regenfällen über aufgeweichtem, schlammigem Gelände nicht wirksam operieren. Eine andere neue motorisierte Einheit bildet das sogenannte „antimechanische Bata i l l o n", das aus fliegenden Stabsquartieren und drei Batterien 37-mm-Geschützen besteht. Diese Geschütze sind technisch so entwickelt, daß sie imstande sind, die schwersten Tanks außer Gefecht zu setzen und einen heftigen feindlichen Tank-Angriff zum Stehen zu bringen. Es wird bei den Manövern wenig marschiert werden. In Lastkraftwagen auf Bänken sitzend, werden die kämpfenden Mannschaften rasch von Ort zu Ort bewegt werden. Motorisierte „Schattenriß"- Maschinengewehrträger sind so eingerichtet, daß sich Aus der Geschichte des Gordon-Vennett-Rennens. In diesen Tagen wird in Lüttich zum 26. Mal das Gordon-Bennett-Rennen der Freiballone gestartet, der bedeutendste internationale Wettbewerb für Freiballone. Die Geschichte der Gordon-Bennett-Wettfahrt der Freiballone reicht erst 33 Jahre zurück. Als im Jahre 1905 der Internationale Luftsportverband, die F£d6ration Aero- nautique Internationale, gegründet wurde, stellte James Gordon-Bennett, der Herausgeber der amerikanischen Tageszeitung „New Port Herold" dem Verband einen Preis von 50 000 Franken zur Verfügung, um damit den sportlichen Freiballonfahrern einen materiellen und ideellen „Auftrieb" zu geben. Die auch heute noch geltenden Be- timmungen des Wettbewerbs waren deutlich und klar: Sieger des alljährlichen Rennens um den Wanderpreis sollte derjenige Teilnehmer sein, der mit einem Freiballon die längste Fahrt zurückge- legt hat, gemessen in der geraden, den Startort mit dem Landungsort verbindenden Luftlinie. Für den Fall, daß eine Nation dreimal hintereinander den Sieger im Wettbewerb gestellt hat, soll der Pokal in das Eigentum des Aeroklubs des betreffenden Landes übergehen. Sechs Sieger-Nationen in 25 Rennen Der Gorbon-Bennett-Preis wurde zum ersten Male von Paris aus am 20. September 1906 ausgetragen. Da der Weltkrieg in den Jahren 1914 bis einschließlich 1919 eine Durchführung des Rennens unmöglich machte und auch 1931 kein Rennen zuftandekam, sind bisher 25 Gordon-Bennett-Fahrten durchgeführt worden. Die Sieger dieser Wettfahrten teilen sich unter nur sechs Nationen auf, und zwar stehen die Vereinigten Staaten von Amerika mit zehn Siegen an der Spitze, davon sechs in ununterbrochener Reihenfolge in den Jahren 1926 bis 1932. Es folgt dann Belgien mit sieben Siegen, Polen mit drei, Deutschland und die Schweiz mit je zwei und Frankreich mit einem Sieg. Der erfolgreichste / Gordon-Bennett-Fahrer ist der Belgier Ernst Demuyter mit sechs Siegen in den Jahren 1920, 1922, 1923, 1924, 1936 und 1937; ihm folgt der Amerikaner van Orman mit drei Siegen. Deutschland siegte in den Wettfahrten der Jahre 1907 und 1911 durch Erbslöh und Goericke. Der Startort des Wettbewerbes, der stets von dem -Sieger des vorjährigen Rennens bestimmt wird, lag achtmal in Amerika, sechsmal in Belgien, dreimal" in Polen und zweimal in Deutschland (Berlin und Stuttgart). Die längste Strecke wurde von dem Franzosen Bienaime 1912 von Stuttgart aus mit 2191 Kilometer zurückgelegt, während die längste Fahrdauer der deutsche Freiballonfahrer Dr. Kaulen (Elberfeld) erreichte, der 1913 volle 87 Stunden in der Luft blieb. Um den fünften Pokal. Der Pokal dieses Wettbewerbes ist schon längst nicht mehr der von Gordon-Bennett gestiftete. Dieser Pokal ging satzungsgemäß 1924 in den Besitz des Aeroklubs von Belgien über, nachdem die Belgier dreimal hintereinander im Rennen gesiegt hatten. Der Aeroklub von Belgien stiftete dann einen zweiten Pokal, der schon 1928 in den Besitz der National Aeronautic Association of USA. überging. Den dritten Pokal stiftete Henry Ford, den abermals die amerikanische Luftfahrervereinigung gewann, und zwar im Jahre 1932. Diesmal stiftete die „Chicago Daily News" den vierten Pokal, den 1935 der Aeroklub von Polen gewann, was ihn veranlaßte, nun Deinerseits einen neuen Preis zu stiften. Um diesen fünften Pokal geht es jetzt. zwei Mann auf ihnen in liegender Stellung verhalten können, während der eine das Gefährt lenkt, der andere feuert. Hauptquartiere in alten Schlössern oder sonstigen festen Gebäuden sind zur Sage geworden; auch die Stäbe sind motorisiert und befinden sich in fortwährender Bewegung, wobei ihnen die modernsten Radioeinrichtungen ,^ur Verfügung stehen. Schützengräben werden nicht mehr mühsam mit Schaufeln ausgehoben; auch dafür stehen besondere Maschinen zur Verfügung. Der Nachschub von Lebensrnitteln und Munition wickelt fich mit ungeahnter Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit an die jeweiligen Verhältnisse in der Kampfzone ab. Bei allem Stolz auf solche Spitzenleistungen der Kriegstechnik hütet sich die amerikanische Wehrpropaganda, den Eindruck zu erwecken, als hielten die Fortschritte der Aufrüstung mit der wachsenden Bedrohlichkeit der Weltlage Schritt. Die hohen Militärs hüllen sich nach jedem Manöver in geheimnisvolles Schweigen und trageh besorgte Mienen zur Schau, als habe vieles nicht geklappt und als habe in mancher Hinsicht zuviel geknausert werden müssen. Heber die großen Flottenmanöver und ihr Endergebnis wurde bisher überhaupt fein klarer und ausführlicher amtlicher Bericht ausgegeben; man nährte vielmehr Gerüchte, als könnten die vorgeschobenen Stellungen im Pazifik, im besonderen auf den Hawai-Jnseln, im Ernstfälle nicht behauptet werden. In Wirklichkeit handelt es sich dabei nur um einen geflissentlich zur Schau getragenen Zweck-Pessimismus. Es kommt alles darauf an, für neue Rüstungsforderungen eine günstige Stimmung in den breiten Massen des Volkes der Vereinigten Staaten vorzubereiten. Neun'Ballone haben diesmal für das Gordon- Bennett-Rennen aemelöet, und zwar je drei belgische und polnische Ballone, zwei französische und ein schweizerischer Ballon. Die genaue MeldeUste ist: 1. „Maurice Ballet" (Frankreich), Führer: Charles Dolsus; 2. „La France" (Frankreich) Mit Jean- Marie Crombez; 3. „Copp" (Polen) mit Kapitän A. Janusz; >4. „Lopp" (Polen) mit Kryszkowski; 5. „Polonia II" (Polen) mit Koblanski; 6. „Zürich III" (Schweiz) mit Dr. E. Tilgenkarnp; 7. „Belaica" (Belgien) mit Ernst Demuyter; 8. „Wallonie" (Belgien) mit Qu et f in; 9. „S II" (Belgien) mit Thon- nard. Warum Deutschland nicht dabei ist. Deutschland befindet sich diesmal nicht unter den Wettbewerbern. Das hat feinen Grund in den schlechten Erfahrungen, die die deutschen Mannschaften bei dem vorjährigen Rennen machen mußten. Bekanntlich wurden damals die beiden deutschen Ballone „Chemnitz 10" und. „Alfred Hildebrandt" burji) tschecho-slowakische Militärflieger zur Landung gezwungen, obwohl deutlich zu sehen war, daß es sich um die am Gordon-Bennett-Rennen teilnehmenden Ballone handelte. Durch diese erzwungene Landung wurden die beiden deutschen Ballone, die noch genügend Ballast an Bord hatten, um die Fahrt noch eine ganze Zeit fortzusetzem um ihre Gewinnaussichten gebracht, was zu einem deutschen Protest führte, der aber keinen Erfolg hatte. Schon das Mißgeschick, das den beiden deutschen Ballonen im Vorjahr durch die Unoernunft tschechoslowakischer Militärflieger zustieß, zeigt, daß die Teilnehmer am Gordon-Bennettt-Rennen manchen Zufälligkeiten ausgesetzt sind. Das weiß man auch bei der Organisationsleitung. Man händigt deshalb jedem Teilnehmer einen Paß aus, der in Den letzten Jahren in neunzehn Sprachen vier- undzwanzig europäische Visen enthielt, und in dem die Behörden gebeten wurden, dem Inhaber des Passes jede Hilfe angedeihen zu lassem Aber selbst solch ein mehrsprachiger Paß schützt nicht vor den Hebergriffen allzu eifriger Soldaten, zumal wenn die Hebergriffe in der Luft erfolgen, wie der Fall der beiden deutschen Ballone gezeigt hat. Auch andere Fälle aus früheren Jahren bewiesen das. Die Räterussen z. B. ließen es nicht nur an der nötigen Höflichkeit und Hilfsbereitschaft fehlen, sondern schossen sogar mit Gewehren nach den Ballonfahrern, um sie zur Landung zu zwingen. Vollends unwirksam aber ist der Paß gegen die Naturgewalten, die den Gordon-Bennett-Fahrern oft schwer zu schaffen machen. (Gefährliche Abenteuer. 1930 geriet der deutsche Ballon „Barmen" mit Dr. Kaulen als Führer bei dem von Cleveland (USA.) ausgetragenen Rennen in große Schwierigkeiten. Schwere Fallböen drückten den Ballon so tief, daß die Besatzung sich gezwungen sah, mit allem Ballast auch die überflüssig erscheinenden Kleider über Bord zu werfen, um wieder hochzukommen. Als dann aber der Ballon bis über 6000 Meter hochstieg, fror die Besatzung so, daß sie sich schließlich zur Landung entschließen mußte. 1934 machte der deutsche Ballon „Wilhelm von Opel" unter der Führung von Dr. Zinner eine tolle Sturmfahrt. Schon die Nachtfahrt war sehr stürmisch. Am frühen Morgen wurde der Ballon durch Regenschauer auf den Boden gedrückt und gegen eine Baumgruppe geschleudert, wodurch das Radiopeilgerät zertrümmert wurde. Infolge der Regenbelastung und der starken Böigkeit war nachts ein erheblicher Teil des Ballastes verbraucht worden. Dieses Jahr ist Deutschland nicht dabei. Ein schöner Blick auf den Startplatz von Lüttich. Einer der Ballone ist bereits gestartet. (Scherl-Bilderdienst-M.) Plötzlich wurde der Ballon durch eine Sturmböe herabgeworfen, er verfing sich mit der Antenne des Kurzwellensenders, Der Verschluß des Wasser, ballastsackes klemmte, und schließlich drohte der Bal- Ion gegen ein in der Fahrtrichtung liegendes Haus zu prallen, so daß man schleunigst landen mußte. u r W/i-Kn Ungarns Weg zur Unabhängigkeit. Mit einer Rede in Kaposvar hat der ungarische Ministerpräsident Jmredy durch die Ankündigung der allgemeinen Wehrpflicht für Ungarn die Wiedergewinnung der Wehrhoheit und damit die Wiedergewinnuna her vollen Souveränität und Unabhängigkeit oes ungarischen Staates bekundet. Damit ist Ungarn, eins der unglücklichsten Opfer der Pariser Vorortdiktate von 1919, in ein neues Stadium nationalpolitischen ^luf- chwunges eingetreten. Nicht weniger als acht -tage hat der ungarische Ministerrat vor der Verkündung jener weittragenden Beschlüsse zusammengesessen, ein Zeichen des ernsten Verantwortungsbewußtseins der ungarischen Staatslenkung, ein Zeichen aber auch für die gar nicht zu unterschätzende Bedeutung der ungarischen Maßnahmen. Diese müssen zweifellos betrachtet werden auf dem Hintergrund' der freundschaftlichen Anlehnung Ungarns an die Achse Berlin—Rom. Die Deutschlandreise des Reichsverwesers, Admirals von Horthy, bekundete das in augenfälliger Weife. Es ist ein schier endlos langer Weg der Mühsal und Geduld, der Entbehrungen und Opfer, der Demütigungen und des nationalen Stolzes zwischen jenem 24. Juni 1919, an dem die Lehrer und Schüler der Budapester Offiziersschule, der Hon- ved-Akademie Ludovika, den ersten gegenrevolutionären Versuch gegen die rote Herrschaft in Ungarn und zugleich gegen das Diktat von Trianon unternahmen, bis zu dem Septembertag von 1938, an dem Ministerpräsident Jmrsdy in einem diktatfrei gewordenen Europa die Wiederherstellung der vollen Souveränität Ungarns verkünden konnte. Nur 35 000 Mann alles in allem Durfte das um zwei Drittel seines Bestandes verstümmelte Ungarn als stehendes Heer unterhalten. Generalstab, Flieger, schwere Arttllerie, Tanks usw., alles war ihm durch die erpreßte Unterschrift von Trianon verboten. Das freilich hatten die rühmlosen Sieger von 1919 nicht gedacht, daß die rigorose zahlenmäßige Beschränkung des ungarischen Heeres genau wie im 100 000-Mann-Heer des früheren Deutschland naturnotwendig eine aller- strengste Auslese für Mann und Offizier nach Charakter, Körperanlagen und geistiger Befähigung zur Folge hatte. An der Geburtsstätte jenes 'kleinen Nationalheeres aber, aus dem nun die künftige Wehrmacht eines frei gewordenen Ungarn hervorgehen soll, stehen die Namen zweier Männer, die für immer in die Geschichte des Lanhes eingetragen bleiben werden, des Admirals von Horthy, der die Sammlung eines kleinen Heeres 1919 von Szeged aus geleitet hatte und des damaligen Hauptmanns (späteren Ministerpräsidenten) Julius von Gömbös, der $ur gleichen Zeit in Wien aus ungarischen Offizieren ejnige Kaders aufstellte. Am 15. Juni 1932 schenkte Mussolini Ungarn ein neues Sportflugzeua, das den symbolhaften Namen „Giustizia per l’Ungharia — Gerechtigkeit für Ungarn" trug. Längst kämpfte Ungarn für eine Beseitigung der militärischen Sperrklauseln von Trianon. Aber noch stand ihm bis ms Jahr 1937 hinein Die Kleine Entente gegenüber, Die bemüht war, sich einen ungarischen Revisionsoerzicht durch eine neue Bekräftigung Der Unterschrift von Trianon zu verschaffen. In Budapest ließ man, je mehr /die Pariser* Vorortdiktate ■ zersplitterten, immer deutlicher merken, daß man sich die Wehrhoheit notfalls auch durch eine einseitige Erklärung wieder zu nehmen gedachte. Diese Entschlossenheit der ungarischen Regierung wurde gesteigert einmal durch die vielfache Ueberlegenheit der Ungarn umgebenden Armeen und vor allem durch die zunehmende Bedrohung Ungarns im Zusammenhang mit dem Moskauer Paktsystem. Schon der frühere Ministerpräsident Graf Stephan B e t h l e n hatte gegen Ende 1935 in einem aufsehenerregenden Artikel die völlige Verschiebung der Machtverhält- nisse in Mitteleuropa durch das Moskauer Paktsystem aufgezeigt. Es konnte Ungarn keineswegs gleichgültig jein, wenn auf Grund des sowjet- russisch-tschechischen Militärabkommens die russischen Fliegergeschwader plötzlich eine neue, um 1300 Kilometer nach Westen verschobene Basis in der Tschechei bekamen, die ihnen überdies noch einen Spielraum von 1000 Kilometer Länge in Ostwestrichtung gewährt. Der Ausbau der sowjet- russischen Fliegerstützpunkte im Gebiet Der Tschecho- Slowakei tat ein übriges; schließlich liegt die ungarische Hauptstadt Budapest nur 60 Kilometer, also für Flieger nur eine knappe Viertelstunde von der tschechischen Grenze entfernt und kann von den nächstgelegenen fremden Militärflughäfen in knapp 20 Minuten erreicht werden. Im Juni 1937 gab es in Ungarn zum ersten« mal einen Begeisterungssturm der Zuschauermenge, als man bei einem Vorbeimarsch plötzlich motorisierte Kolonnen und schwere Arttllerie sah., Noch im gleichen Monat erklärte Honvedminister Wilhelm von Roeder, die Regierung werde die Wehrhoheit des Landes „im gegebenen Zeitpunkt" wiederherstellen. Am 6. März d. I. machte dann Ministerpräsident D a r a n y i in Raab die konkrete Mitteilung der bevorstehenden Wiederaufrüstung, für die u. a. eine einmalige Vermögensabgabe von 8 v. H. zu Zwecken der nationalen Verteidigung während der nächsten fünf Jahre vorgesehen war. Als dann vor einigen Wochen die Konferenz der Kleinen Entente in Bled begann, war das Thema der ungarischen Wehrhoheit längst seines Charakters als Konfliktstoff entkleidet. Die Wiederherstellung der Wehrhoheit und damit der vollen Souveränität Ungarns bedeutet naturgemäß zugleich eine Normalisierung der ungarischen Beziehungen zu den Nachbarn. In absehbarer Zeit wird Ungarn im europäischen Völkerkonzert auch machtpolitisch wieder die Rolle spielen, die dieser ruhmreichen und tapferen Nation zukommt. B. R. Dos fiilfetDtrh JDultet und Kind" ift 6it Gotntinyiafieoufoab» des ganzen deutschen Volkes. Durch deine Mitgliedschaft in der YLK dieyp Du diesem gr-SeokUsLiusrir. Nr. 215 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 14. Septemberi938 Aus der Stadt Gießen. Altweibersommer. Er steht zwischen den Jahreszeiten, der Altweibersommer. Wie ein letztes Aujglühen der sommerlichen Herrlichkeit ist die Schönheit seiner Tage, die doch schon die stille Melancholie herbstlichen Vergehens in sich trägt. Der Altweibersommer kommt plötzlich, als würde er beseelt vom Feuer jugendlicher Ve- schwingthtzit, und er vergeht wie ein leise verklingendes Lied, dessen letzte Takte zu einem neuen bewegten Spiel überleiten. Es sind die Tage, die mit Nebelschwaden am frühen Morgen beginnen, gegen die das Himmelslicht sieghaft anzukämpfen sucht. Milchig-weiß steht die Sonne hinter den Schleiern, während die Fluren im feuchten Dunst liegen. Je mehr das Sonnenlicht sich Geltung verschafft, um so strahlender erhebt sich der junge Tag, der mit seiner Farbe und seinem Geruch der Reife alle Sinne zu betören vermag. Lockt er nicht unwiderstehlich hinaus? Läßt er nicht gleich Vorstellungen wach werden von herrlichen Ausflügen? Wohin der Blick geht, zeigt sich die Natur noch einmal in ihrem schönsten Kleide, in einem Kleide allerdings, an dem die ^glänzenden Spinnfäden haften. Diese Spinnfäden sind das Wesensmerkmal des Altweibersommers. Von ihnen sind am Morgen die Stoppelfelder und Wiesen in erstaunlicher Menge überzogen. Sie hängen im Blattwerk der Bäume und Sträucher, sie fliegen tagsüber durch die Luft, sie setzen sich ins Haar des Spaziergängers und sind überall zu finden, wohin der Fuß sich auch wenden mag. Dieses feine weiße Gewebe ist das Erzeugnis kleiner Feldspinnen, die sich samt ihren Fäden vom Winde treiben lassen, weshalb der Volksglaube in ihnen früher das Gespinst von Elfen und Zwergen oder von Schicksalsgöttinnen zu sehen glaubte. Da diese kleinen Spinnen nur bei gutem Wetter spinnen, steht die Erscheinung der Spinnfäden tatsächlich im Zusammenhang mit den schönen Tagen, die den Namen Altweibersommer tragen. In Bayern heißt der Altweibersommer Aehnl- summer, und in der Schweiz nennt man ihn Witwen- sömmerli. Alle Bezeichnungen vergleichen diesen kurzen, aber schönen Zeitabschnitt also mit später Frauenliebe. Wie es damit aber auch bestellt sein mag, sicher ist, daß diese flüchtigen Tage noch einmal alle Schönheit des Sommers hervorzaubern, ehe der Herbst endgültig feine Herrschaft antritt. Ji.W.Sch. Dornotizen. Tageskalender für NMlwoch. Gloria-Palast, Seltersweg: „Diskretion Ehrensache". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Verwehte Spuren". NSDAP. — Amt für Aolkswohlfabrt. Gießen-Nord. Am Dienstag, 13. September, und Mittwoch, 14. September, wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Nord der Lebensmittelopferring durchge- führt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpäckchen bereitzulegen und den Inhalt auf die Umhüllung zu schreiben. Gießen - Ost. Die Sammlung wird Mittwoch, 14. September, und Donnerstag, 15. September, von der NS.-- Frauenschaft durchgeführt. Die Spende wird öem' Hilfswerk „Mutter und Kind" zur Verfügung gestellt. Es wird deshalb um reichliche Zuwendungen gebeten. ** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 2. bis 8. September ein: gegen Kraftfahrzeugführer mit 4 Anzeigen und 9 Verwarnungen'und Belehrungen; gegen sonstige Fahrzeugführer mit 1 Anzeige; gegen Radfahrer mit 2 Anzeigen und 13 Verwarnungen und Belehrungen; gegen Fußgänger mit 1 Anzeige und 1 Verwarnung und Belehrung. Reitersiandarte 147 unter neugeweihter Standarte. L -AM Die Rückkehr der SA. der Brigade 147 von Nürnberg gestaltete sich gestern vormittag — wir berichteten gestern bereits kurz darüber — zu einem eindrucksvollen (Ereignis. Zahlreiche Volksgenossen hatten sich am Bahnhof eingefunden, um Zeuge des Aufmarsches der SA. zu sein. Kaum war der Zug im Bahnhof eingefahren, da bestimmte auch schon die braune Uniform der SA. das Bild. In Marschdisziplin verließen die Männer den Bahnsteig und formierten sich dann auf dem Bahnhofsvorplatz Der Musikzug der SA.- Standarte 116 setzte sich an die Spitze, und unter Führung von Brigadeführer Schwarz begann nun der Marsch in die Stadt. Den Fahnengruppen und der stattlichen Marschkolonne wurde neben den Standarten „Wetterau" und „Vogelsberg" erstmalig auch das durch den Führer in Nürnberg verliehene und neugeweihte Feldzeichen der Reiterstandarte 147 vorausgetragen. Der Marsch führte zunächst zum Standartenhof in der Senckenbergstraße, wo die Standarte „Wetterau" und die Fahnen der Standarte 116 in den Fahnensaal ein- gebrgcht wurden. Auf dem Landgraf-Philipp-Platz hatten sich währenddessen die Kameraden des hiesigen SA.-Reiter- sturyis zu Pferde eingefunden. Sie ritten nun an die Spitze der Marschkolonne, nahmen das neue Feldzeichen zu Pferd, und nun wurde der Marsch fortgesetzt, der jetzt zum Wetzlarer Weg vor das Haus der Reiterstandarte 147 führte. Hier hielt Brigadeführer Schwarz eine kurze Ansprache, die er insbesondere der neugeweihten Standarte und dem Reitersturm widmete. Er erinnerte an die Berührung des Tuchs der Standarte mit der Blutfahne der Bewegung und wies auf die hohe, heilige und immerwährende Verpflichtung hin, die den SA.-Reitern mit der Verleihung des neuen'Feldzeichens auferlegt sei. Mit der Einbringung her Standarte fand in üblicher Weise der Schlußappell sein Ende. Verdunkelungsübungen überall im Reich Wichtige Richtlinien zur sorgsamen Beachtung. DNB. Von zuständiger ©eite wird mitgeteilt: Für die in nächster Zeit' überall in Deutschland überraschend zu erwartenden Verdunklungsübungen ist folgendes zu beachten: Die Verdunklung ist so durchzuführen, daß Wirtschaftsleben und Verkehr nicht unterbrochen werden. Sie ist so vorzubereiten, das sie jederzeit wirksam werden kann, sobald ihr Beginn durch die Polizeibehörden bekanntgegeben ist. Die Verdunklung ist ein Dauerzustand, der sich auf mehrere Nächte erstrecken kann. Die häufig vertretene Ansicht, daß die Verdunklung erst bei Fliegeralarm vollständig zu sein braucht, ist irrig. Berkehröbeleuchtung. Während der Verdunklungsübung wird die öffentliche Straßenbeleuchtung gelöscht. An wichtigen Verkehrspunkten bleiben abgeschirmte und abgeblendete Richtleuchten in Betrieb. Die Beleuchtung von Verkehrs- und Warnzeichen, Hinweisschildern und Haltestellensäulen ist so herabzusetzen, daß diese Lichtquellen nur auf eine Entfernung' von 500 Meter sichtbar sind. Signale an Land- und Wasserstraßen, die auf größere Entfernung sichtbar sein müssen, sind gegen Sicht aus der Luft abzuschirmen, so daß sie nur in der verkehrstechnisch notwendigen Blickrichtung zu erkennen sind. Die zur Kennzeichnung von Bauarbeiten und ähnlichen Gefahrenquellen auf Straßen verwendeten roten Laternen sind ebenfalls gegen Fliegersicht abzuschirmen. Der Bevölkerung wird geraten, die Benutzung von öffentlichen Straßen im eigensten Interesse und im Interesse der Sicherheit und Ordnung auf das notwendigste Maß zu beschränken. ÄerkehrSmittelbeleuchtung. Bei sämtlichen Kraftfahrzeugen, Straßenbahnen, Fahrrädern und Fuhrwerken sind sämtliche Außen- lichtquellen mit Verdunklungsvorrichtungen zu versehen. Die Scheinwerfer von Kraftfahrzeugen und Straßenbahnen sind so abzudecken, daß nur ein wagerechter, 5—8 Zentimeter langer, 1,5 Zentimeter breiter Ausschnitt das Licht durchläßt. Bei Fcchr- radscheinwerfern . ist der Lichtaustritt auf einen wagerechten Schlitz von 4 Zentimeter Länge und 1 Zentimeter Breite zu 'begrenzen. Mit den Der- dunklungsvorrichtungen fahren Kraftfahrzeuge auf freier Landstraße mit Fernlicht, in geschlossenen Ortschaften mit abgeblendetem Licht. Schluß- und Bremslichter sowie sonstige Beleuchtungsvorrichtungen sind so abzublenden, daß sie nur auf eine (Entfernung bis zu 500 Meter sichtbar sind. Die Fahrtrichtungsanzeiger ^sind auch während der Verdunklung zu benutzen. Bei öffentlichen Verkehrsmitteln sind Nummern- und Zielschilder so schwach zu beleuchten, daß sie nur auf eine (Entfernung von 10 bis 15 Meter lesbar find. Nicht in Fahrt befindliche Verkehrsmittel (außer Fahrrädern) müssen auf öffentlichen Wegen vorn und hinten durch eine abgeblendete Lichtquelle kenntlich sein Bei Wasserfahrzeugen dürfen nur die Positions- und Ankerlichter in Betrieb bleiben, die aber gegen Sicht aus der Luft abzuschirmen sind. Sonstige Auhenbeleuchtnng. Lichtreklamen, Normaluhren sowie die Schaufensterbeleuchtungen und jede sonstige, nicht zur Durchführung dringender Arbeiten im Freien notwendige Beleuchtungen werden während der Verdunkelung gelöscht. Die notwendigen Lichtquellen sind so abzuschirmen und abzublenden, daß aus der Luft keine auffälligen Lichterscheinungen wahrzunehmen sind. Bei Außenarbeiten mit größerem Lichtbedarf oder Hellen Lichterscheinungen, z. B. Schweißarbeiten, müssen die Arbeitsstellen durch die Zelte oder ähnliche Maßnahmen lichtdicht abgeblendet werden. Taschenlampen usw. dürfen nur abgeblendet benutzt werden. 1 Lnnenbeleucktuna. In Räumen, in denen nur schwache Helligkeit zum Zurechlftnden notwendig ist, wie Flure, Treppenhäuser, Lagerräume, Aborte usw., ist zweckmäßig die Jnnenbeleuchtung zu verdunkeln. Die Helligkeit der Jnnenbeleuchtung ist in diesen Fällen soweit herabzusetzen, daß keine aus der Lüft wahrnehmbare Lichterscheinungen ins Freie dringen können. Dies kann durch Herabsetzen j)er Stromspannung, Verwendung von Glühlampen und Glühkörpern geringerer Lichtleistung oder von besonderen Luftschutzglühlampen, durch Umhüllen der Lichtquellen mit lichtdämpfenden Abblendemitteln, schließlich durch Abschirmen der Lichtquellen erreicht werden. Hierbei sind helle Lichtflecke auf dem Fußboden oder an Wänden in Nähe der Fenster zu vermeiden. In Räumen mit größerem Lichtbedarf sind die Fenster und Oberlichter so abzublenden, daß kein Licht ins Freie dringt. Hierfür können Klapp- untt Rolläden, Zug- oder Rollvorhänge aus Holz, Gewebe, Papier oder anderen Stoffen verwendet werden. Häufig wird es zweckmäßig sein, nur die einzelnen Fensterflügel abzudecken und die hierfür verwendeten Blenden während der Verdunkelungsübung ständig an den Oberflügeln der Fenster zu belassen. Es empfiehlt sich, die Blenden nach Zimmer und Fenster zu bezeichnen. Bei industriellen Arbeitsräumen mit großen Fensterflächen und zahlreichen Oberlichtern ist das Anbringen von Verdunkelungsoorhängen oder ähnlichen Vorrichtungen aus technischen und wirtschaftlichen -Gründen vi'elfach nicht, möglich. Bei stärkster Einschränkung der allgemeinen Raumbeleuchtung ist in solchen Fällen abgeschirmte Einzelbeleuchtung der Arbeitsplätze zu empfehlen. Die Erfordernisse der Verdunkelung müssen hierbei mit einer möglichst geringen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in Einklang gebracht werden. Bei Türen, die aus beleuteten Jnnenräumen un- Ereignis ans drei Türen. Don Dr. Hans Arthur Thies. Soeben sind die R e i ch s k l e i n o d i e n aus Wien nach Nürnberg zurückgekehrt. Im Jahre 1936 wurde der weltberühmte Wel - fen schätz aus Amerika, wohin er verkauft worden war, auf Veranlassung des Führers zurückgeholt. Im Zusammenhang mit diesen Maßnahmen kommt den Veränderungen in der Münchener Residenz, von denen im folgenden berichtet wird, erhöhte Bedeutung zü. \ Nur wenige Orte gibt es in jedem Land, wo auf gedrängtem Raume der Schatz der völkischen Geschichte wie in einem Strahlenbündel zu leuchten beginnt und fein Licht nach allen Seiten streut. In Deutschland etwa die Schatzkammern der Hofburg in Wien, das Grüne Gewölbe in Dresden, der Welfen schätz in Berlin, jetzt in Nürnberg und — erst jetzt, seit der Erschließung von Teilen, die der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich waren — die Münchner Residenz. Drei Türen vor allem sind es (wenn wir von einer Reihe andrer neuaufgestellter Dinge von höchstem historischen Belang hier absehen wollen), deren Oeffnung getrost ein (Ereignis genannt werden darf. Daß sie aufgetan wurden, ist dem Ministerpräsidenten von Bayern zu danken; Ludwig Siebert gab seine Zustimmung zu den Plänen, die ihm der neue Direktor der Residenz, Dr. Heinrich Kreisel, unterbreitete, und ermöglichte die Vollendung der umfangreiche Arbeiten in der verhältnismäßig kurzen Zeit von zwei Jahren. Es sind die letzten Räume, die zu öffnen übrig blieben, und diese Endglieder bilden den krönenden Abschluß des Ganzen. Die erste Tür führt uns in die „Geheime Kammerkapelle" Maximilians I., die jetzt mit Recht die „Reiche Kapelle" genannt wird. Bis zum vorigen Jahr eine verschlossene Stapelkammer der kirchlichen Hausschätze der Wittelsbacher, hätte die mit den gehorteten Gegenständen überfüllte Kapelle schon aus Sicherheitsgründen nie gezeigt werden können; so wurde denn für jene ein besonderes, mit allen erdenklichen Schutzmaßnahmen behütetes Gelaß eingerichtet, die „Schatzkammer der Reichen Kapelle". Diese Kapelle selber aber wurde mitsamt ihrer Ausstattung, so der kostbaren Orgel, dem geheimnisvollen Heiltums-Schrank und den Prunkschreinen mit den schneeig schimmernden Kristallschnitten, zu dem erstaunlichen Raumkunstwerk ausgebildet, das sie nach ihrer Instandsetzung wieder darstellt. Kurfürst Maximilian L, der früheste leidenschaftliche Dürer-Sammler, ließ die Wände in Scagliola-Technik — malerisch verwendetem Stuckmarmor — mit Darstellungen aus Dürers Marien- leben ausstatten, und dieser Wandschmuck nun gibt dem Raum eine Weite und Blickfreiheit, daß man sich immer wieder aufs neue durch messende Schritte überzeugt, wie begrenzt er doch eigentlich ist. Zuletzt aber wird der Blick hinangezogen und hinaufgerissen in die steile Höhe der Kuppel, und die Betrachtung steigt aus engstem Raume in die Unendlichkeit auf. Ganz anders ist der Geist, der uns beim Durchschreiten der zweiten Türe empfängt: es ist der Geist der Erde, das Reich dieser Welt, der Glanz und das Gefunkel irdischer Macht, die uns erwarten. Die niedern Gewölbe dieser weltlichen Schatzkammer sind nur spärlich erhellt; aber an den Wänden, in den gläsernen Schreinen, klettert das Licht gleichsam die Glasfächer hurtig hinan, als wollte es in atemloser Eile mit dem Glanz der Kronen und Geschmeide, der Bergkristalle und Pokale wetteifern. Was für Ereignisse, was für ein Gewicht an Geschichte trägt dieser Raum! — Dinge tragen leicht an der Last des Gewesenen; fortft würde dieser Boden einbrechen. Dort liegen die Kronen der einstigen Könige und Königinnen von Bayern. Jener wundersame St. Georg, schimmernd von Gold und Glasfluß, funkelnd von Smaragden und Rubinen, war das mystische Kleinod des St.- Georg-Hausordens der Wittelsbacher. Die edelstein- befäten Dolche dort stammen aus der Beute des Türkensiegers Max Emanuel, der dem Prinzen (Eugen Waffenhilfe leistete. Das Fränkische Schwert trug der Würzburger Fürstbischof; ihm allein war es unter den geistlichen Fürsten Vorbehalten, ein Schwert zu führen, seit ihn Friedrich Barbarossa als Herzog von Franken bestätigte. So geht es Schritt um Schritt weiter hinab in die Tiefe der Zeiten, und wir könnten lange erzählen von Dingen, die Geschichte sprechen ... Aber schon öffnet sich die dritte Tür. Schwer wälzt sich der Stahlblock von dem (Eingang fort, und man härt von Sicherheitsvorkehrungen reden, wie sie sonst nirgends in dem weitläufigen Schlosse zu finden sind. Hier in der „Schatzkammer der Reichen Kapelle" wird der Atem leise und das Wort verstummt. Sie verwahrt einige der weihevollsten Erbstücke, die der deutsche Lebensraum birgt. Ein volles Jahrtausend deutschen Kunsthandwerks ist hier gesammelt; das Barock, die Renaissance — diese vor allem mit neuerkannten Augsburger Goldschmiedearbeiten —, die Gotik sind mit beispielhaften Zeugnissen vertreten; die letzte Höhe aber wird erreicht in den Schautümern aus dem romanischen Zeitalter. Zwischen dem Kreuz der Königin Gisela von Ungarn, das ein Goldschmied kurz nach dem Jahre 1000 schuf, und dem Gebetbuch Kaiser Karls des Kahlen erhebt sich ein ehrwürdiger Gegenstand voll,Glanz und Ernst, voll Kostbarkeit und Strenge. Als Kaiser Arnulf sich diesen Tragaltar bei den berühmten Goldschmieden von St. Denis bestellte, schrieb man noch nicht das Jahr 900 — wir erwägen, daß die ältesten Stücke des Welfenschatzes, das Kuppelreliquiar und der Ger- trudis-Tragaltar, nur bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Mächtiger noch als das Alter aber rührt uns die reine Form an. Was die Goldschmiede des 9. Jahrhunderts in diesem Tragaltar schufen, ist .gleichsam ein Inkarnat des romanischen Form- 'gefüges, ein Goldkristall jener einfachsten Grundformen, aus denen der deutscheste Baustil hervorging; hier ist heiliger Bezirk des frühen deutschen Mittelalters. Dieses ehrwürdige Stück stand zusammen mit andern vor mehr als hundert Jahren in Gefahr, in die Münze zu wandern und dort zu Dukatengold eingeschmolzen zu werden. Daß der ideal gesinnte Kronprinz, später Ludwig I., damals allen Einfluß und alle Mittel aus feiner Privatschatulle aufwenden mußte, um das Wertvollste vor schmählichem Untergang zu retten, will uns heute unbegreiflich erscheinen. Denn wir leben in einer Zeit, der ein neuer Sinn, ein neuer Auftrag eingeboren ist: alles Hohe und Heilige der Ahnen wieder einzuholen — rief doch der Führer selber im Jahre 1936 auch den Welsenschatz aus Amerika zurück — und uns daran gleichsam ihres großen Atems frisch zu bemächtigen. Die Oeffnung der Schatzkammern der Münchner Residenz liegt im Verzüge dieser Bemühungen Der Weg zu ihnen ist ein Weg zu uns selber, und die Aufschließung der drei Türen ein (Ereignis der völkischen (Erneuerung unserer Tage. Zeitschriften — lieber die Abwehr der Tuberkulose im Kindesalter bringt das neue Heft der Zeitschrift „Mutter und Kind" (Verlag Elwin Staude, KG., Berlin W 30, und Osterwieck am Harz) einen lehrreichen Beitrag. Auch der übrige Inhalt des Septemberheftes ist interessant und lehrreich. „Mein Kind ist ein Brustkind", „Ersatz für Obst", „Gesunde und ungesunde Kinderspiele", „Abhalten oder nicht", „Lass' deine Kinder Fragen stellen", „Woher kommt unser schönstes Spielzeug" usw., das sind Beiträge, die jede junge Mutter und alle, denen die Pflege eines Säuglings oder Kleinkindes obliegt, gern lesen werden. Wie immer ist auch das neue Heft reich bebildert. Afrikanisches Iagdparadies. Die Verhältnisse im afrikanischen Jägerparadies haben sich dadurch sehr geändert, daß an die Stelle der „Safari", der schwerfälligen alten Karawanenreise, das bewegliche Auto getreten ist. Wie leicht dadurch das Großwild zugänglich geworden ist, schildert sehr anschaulich ein englischer Säcjer. Früher war es der Ehrgeiz jedes Jägers in Afrika, einen Löwen zu töten, und sicher war es in den Tagen, in denen man ihn zu Fuß in dem Buschlande aufsuchen mußte, mit manchen aufregenden Augenblicken verknüpft. Heute, wo man mit dem Kraftwagen kommt, ist es leicht, Löwen zu sehen, die so sehr daran gewöhnt sind, daß es die einzige Schwierigkeit ist, wie man sie dazu bringt, aus dem Wege zu gehen. Das Schießen vom Wagen aus ist streng verboten. Es geschieht heute viel, es den Besuchern leicht zu machen, so daß sie Großwild, wie Elefanten, Rhinozerosse und Büffel, in aller Bequemlichkeit und Sicherheit sehen können. (Ein1 unternehmender Mann in Nyeri hat Hochsitze in Bäumen gebaut, von denen aus die Besucher nicht nur Elefanten und Rhinozerosse, sondern auch Giraffen, Antilopen und manchmal auch Löwen beobachten können. Es gibt zwei große Wildschutzgebiete \n Ostafrika, von denen das eine sich an der Eisenbahn zwischen Nairobi und Mombasa hinzieht. Da kann man vom Eisenbahnsenster aus Herden von Zebras, Gnus, Gazellen und alle möglichen anderen Tiere sehen. Während früher die Safari dreißig bis hundert Träger erforderte, braucht man heute ein Auto und ein paar Lastkraftwagen. Die große Gefahr beiin Jagen im dichten Busch ist immer das ungeschlachte Rhinozeros gewesen, und wenn ein solches Tier auf eine Trägerkette traf, dauerte es nur Augenblicke, bis jeder Träger auf den nächsten Baum geklettert war. Daß ein Rhinozeros ein Auto angegriffen hätte, hat der Jäger jedoch noch nicht erlebt, aber wenn es sich in den Weg stellt, wird es immer ein schweres Hindernis sein. Das gefährlichste Tier in Kenia ist aber doch der Elefant, und nach ihm kommt gleich der Büffel. Die Elefanten find so viel intelligenter als andere Tiere, daß sie sich bald darüber klar sind, was ein Schuß bedeutet, und statt daß sie fortläuft, wird eine wildgewvrdene Herde einen Angriff in der Richtung machen, aus der der Schuß gefallen ist. In den Bambuswäldern an den Abhängen des. Kenia hielt sich gewöhnlich eine Elefantenherde aiif, die einen ganz besonders bösen Ruf in dieser Bezie- hung hatte. Das meiste Großwild wird nur angriffslustig, wenn es verwundet ist, aber einer Elefantenkuh kann man niemals trauen. B. mittelbar ins Freie führen, sind Lichtschleusen oder Vorhänge vor den Türen notwendig. Für die Jnnenbeleuchtung von Fahrzeugen aller Art sind sinngemäß die gleichen Derdunkelungsmatz- nahmen zu treffen. Sicherheitsmaßnahmen und Verantwortlichkeit. Diejenigen Beleuchtungsanlagen und Lichtquellen, für die keine Derdunkelungsmaßnahmen getroffen werden, sind so außer Betrieb zu setzen, daß jede Betätigung durch Unberufene und jede versehentliche Betätigung verhindert wird. Verantwortlich für die Durchführung der Der- dunkelungsmaßnahmen sind innerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches im Werkluftschutz die Betriebsfüh- rder und Werkluftschutzleiter, im erweiterten Selbstschutz die Behördenleiter, Betriebsführer und Betriebsluftschutzleiter, im Selbstschutz die Hauseigentümer, Pächter, Mieter und Luftschutzwarte. Für die Verdunklung auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen sind die für die Verkehrssicherheit sorgenden Dienststellen, für Fahrzeuge die Fahrzeughalter und Fahrzeugführer, im übrigen jeder Verkehrsteilnehmer verantwortlich. Während der Derdunklungsübungen werden allabendlich die Derdunkelungsmaßnahmen geprüft und Mängel gegebenenfalls der Polizei gemeldet, der die Ueberwachung der Maßnahmen obliegt. Der Zweck der Verdunkelungsübungen kann nur erreicht rüerden, wenn die ganze Bevölkerung einschließlich aller öffentlichen und privaten Betriebe die notwendigen Vorkehrungen mit größter Sorgfalt durchführt und während der Hebungen vorbildliche Derdunkelungsdisziplin walten läßt. Mädel aus dem Zrauenhilfsdienst in der Arbeit der NSV. NSG. Für alle Mädel, die sich zum Frauenhilfsdienst für Wohlfahrts, und Krankenpflege gemeldet haben, ergaben sich viele Möglichkeiten des Einsatzes in der praktischen Arbeit der NS.-Volkswohlfahrt. Die Angehörigen des Frauenhilfsdienstes können in den Dienststellen und Einrichtungen zur Entlastung der pflegerischen, fürsorgerischen und sozialpädagogischen Fachkräfte eingesetzt werden. Der Einsatz der Mädel, der auf zwei Jahre vorgesehen ist, kann erfolgen in den Gemeindestationen, in denen eine Hilfeleistung bei der Tätigkeit der Gemeindeschwester in Frage kommt, weiterhin in Kinüertagestät- ten, einschließlich Erntekindergärten, in Erholungsheimen für Mütter und Kinder, in Krankenhäusern, in denen NS - oder Reichsbundschwestern mit der Pflege beauftragt sind, sofern nicht durch die Schwe- sternorganisation Schwesternvorschülerinnen hier tätig sind, und schließlich in allen anderen Dienststellen der NS.-Volkswohlfahrt, sofern die Mädel durch bereits vorhandene Vorkenntnisse eine tatsächliche Entlastung der Fachkräfte bedeuten. Die NSV. als Träger der Arbeit gewährt den in NSV.-Einrichtungen tätigen Frauenhilfsdienst- mädeln frei Wohnung, sofern die Mädel nicht wie bisher im Elternhaus oder bei Angehörigen wohnen können, außerdem freie Verpflegung, ein Taschengeld und einen im ersten Jahr fünfzehntägigen und im zweiten Jahr achtzehntägigen Urlaub. Ebenso werden die Beiträge zur Krankenversicherung von der NSV. bezahlt. Die bei den Dienststellen der NSV. beschäftigten Hilfsdienstmädel werden ohne weiteres durch die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Krankenpflege bei Unfällen erfaßt. DieBerechnungderTrennungsbeihilfe. NSG. Wird ein Arbeiter auf Grund der Richtlinien zur Förderung der Arbeitsaufnahme für einen auswärtigen Arbeitseinsatz herangezogen, so wird die Trennungsbeihilfe nach den Unterstützungssätzen der Lohnklasse V gewährt. Wenn allerdings der Hausgemeinschaft noch Einkünfte zufließen, etwa durch den eigenen Erwerb der Ehefrau oder eines anderen Familienmitgliedes, so wird die Trennungsbeihilfe um den Betrag dieser Einkünfte insoweit gekürzt, als diese nach den Bestimmungen des Arbeitslosengesetzes überhaupt anrechnungsfähig sind. Nun machen die Bestimmungen über die Arbeitslosenunterstützung hinsichtlich der Hilfsbe- dürftigkeit einen Unterschied zwischen dem Einkommen des Hauptunterstützungsempfängers selbst und dem Einkomrben seiner Familienangehörigen. Wahrend das erstere noch Abzug der gesetzlichen Lasten voll angerechnet wird, bleibt bei dem Einkommen der Angehörigen ein bestimmter Teil, bei Ehefrauen wöchentlich bis zu 15 Mark anrechnungsfrei. Bei einzelnen Arbeitsämtern sind Zweifel entstanden, ob die Ehefrau eines solcher Weise auswärts Beschäftigten als Hauptunterstützungsempfanger, oder nur als Angehöriger eines solchen zu gelten hat, d. h. ob das Einkommen der Ehefrau auf die Trennungsbeihilfe voll anzurechnen ist, oder nur mit dem Teil, der die Freigrenze übersteigt. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat sich in einem Rund erlasse für die letztere Auffassung entschieden und die Arbeitsämter entsprechend angewiesen. Zugleich macht der Erlaß noch darauf aufmerksam, daß Arbeitslosenunterstützungen, die an im Haushalt des auswärts Beschäftigten lebende Angehörige gewährt werden, auf die Trennungsbeihilfe ebenfalls anzurechnen sind. Für derartige Angehörige wird aber auch kein Familienzuschlog zur Trennungbeihilfe gewährt. Die Trennungsbeihilfe hat also keinen Einfluß auf die einem solchen Familienangehörigen gewährte Arbeitslosenunterstützung. * * 8 2- Jahre alt. Am heutigen^Mittwoch, 14. September, kann Frau Charlotte Schäfer, Walltorstraße 30 wohnhaft, in körperlicher und aei- ftiqer Frische ihren 82. Geburtstag begehen. Der Jubilarin, die an allen Ereignissen unserer Zeit noch regen Anteil nimmt, auch unseren herzttchen Glückwunsch. * *72 Jahre alt. Heute kann der Spenglermeister Christian Arnold, Asterweg 48 wohnhaft, in Frische und Gesundheit seinen 72. Geburts- tag feiern. Der Jubilar ist noch in seinem Beruf tätig. Unfern herzlichen Glückwunsch. ** Schulkinder in Tracht besuchen Gießen. Gestern weilten etwa 20 Schulkinder aus Vockenrod (Kreis Alsfeld), die sich auf einem größeren Schulausflug befanden, in unserer Stadt zu Gast. Die Gruppe der Schulkinder fiel deshalb sehr auf, weil die Mädchen durchweg in leuclstend bunte Tracht gekleidet waren. Die Kinder sahen reizend aus und fanden die allgemeine Bewunderung all derer, die der Gruppe begegneten. * * V o n einem Auto angefahren. Am gestrigen Dienstag gegen 10 Uhr ereignete sich an der Ecke Kirchenplatz^Kaplaneigasse ein Verkehrsunfall. Dort wurde ein hiesiger Handwerksmeister, der auf seinem Fahrrad fuhr, von einem Auto angefahren. Dabei wurde der Radler so erheblich verletzt, daß er nach der Chirurgischen Klinik verbracht werden mußte. Aus den Gießener Gerichtssälen. Anerkennung des Urteils. Der im Wilderer-Prozeß Odenweller wegen fortgesetzter gewerbsmäßiger Hehlerei und schwerer mittelbarer Falschbeurkunoung zu 1 Jahr und 10 Monaten Zuchthaus, sowie 5 Jahren Ehrverlust verurteilte Angeklagte Lauer, der sofort nach der Urteilsverkündung verhaftet wurde, hat nunmehr das Urteil anerkannt. Vezirksschöffengencht Gießen. Ein Opfer seiner Spiel- und Wettleidenschaft wurde der H. S. aus Emmerich, zuletzt in Friedberg wohnhaft. Seit Jahren ist der Angeklagte, der sonst keinen ungünstigen Eindruck macht, dieser üblen Sucht verfallen. In bunter Reihenfolge gewann und verlor er. Oesters waren seine alten Eltern gezwungen gewesen, für ihren Sohn Spielschulden zu bezahlen. Vor einiger Zeit erhielt der Angeklagte eine Anstellung in Friedberg, wo man von seiner Spiel- leidenschast nichts wußte. Hier hatte er Gehälter auszuzahlen. An einem Samstag im Juli arbeitete er mit den anderen Angestellten bis in die späten Abendstunden hinein. Er wurde mit seinen Arbeiten nicht ganz fertig und hatte noch einen Geldbetrag in Höhe von 1280 Mark in Händen. Da er das Gsld nicht verschließen konnte, nahm er es mit nach Haufe. Am Sonntagnachmittag arbeitete er wieder mit seinen Arbeitskameraden. Auch dabei lieferte er das Geld nicht ab. Später fiel ihm ein, daß er auf einem Frankfurter Wettbüro eine Wette abgeschlossen hatte. Er fuhr deshalb nach Frankfurt, und er mußte auf dem Wettbüro feststellen, daß er verloren hatte. Er wollte seinen Verlust aus- gleichen und setzte auf verschiedene Pferderennen, die an diesem Tage gelaufen wurden. Er hatte an eigenem Gelbe 40 Mark bei sich. Als diese nicht ausreichten, griff er die 1280 Mark an, die ihn nichts angingen. Schließlich hatte er an diesem Nachmittag 120 Mark verpulvert. Da er nicht wußte, wie er das Geld ersetzen konnte, war nun seine Not groß. Da sah er im Frankfurter Bahnhof das Schild des v-Zuges nach Baden-Baden. Er hielt dies für einen Wink des Schicksals und fuhr nach Baden-Baden. Dort spielte er zuerst im Kübus- faal des Kasinos. Ohne die Spielregeln zu kennen, spielte er darauflos, immer von dem Bestreben getrieben, seinem Betrieb die volle Summe zurück- zahlen zu können. Der Verlust wurde aber immer größer. Er übernachtete in Baden-Baden und spielte am nächsten Tage im Roulettesaal, Aber auch da verlor er mehr, als er gewann. Er blieb noch eine Nacht. Am nächsten Tage verlor er alles und stand nun mittellos da. Die Spielbank lieh ihm das Geld für ein Telephongespräch nach Friedberg, wo er mit seiner Braut sprach. Seine Braut schickte ihm sofort das Reisegeld. In Friedberg angekommen, legte er vor der Polizei sofort ein umfassendes Geständnis ab. Auch in der gestrigen Hauptverhandlung vor dem Bezirksschöffengericht war der Angeklagte im vollen Umfange geständig. Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn wegen Unterschlagung eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Das Gericht verurteilte ihn antragsgemäß. Im Hinblick auf fein Geständnis rechnete es ihm die volle Unter- suchungshast in Höhe von einem Monat und zehn Tagen an. Der Angeklagte legte hinsichtlich der Strafhöhe Berufung ein. Große Strafkammer Gießen. Wegen Sittlichkeitsverbrechen hatten sich der Andreas Fey aus Vilbel und drei weitere Angeklagte gestern vor der Großen Strafkammer zu verantworten. Der Angeklagte Fey, ein bereits vorbestrafter Jugendverderber, erhielt wegen Verbrechens und Vergehens gegen §§ 176 I. Ziff. 3, 175 StGB, eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren und drei Monaten. Der Angeklagte H. erhielt wegen Vergehens gegen § 175 StGB, eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Ein weiterer Angeklagter.mußte mangels Beweises freigesprochen werden. Das Verfahren gegen eiben vierten Angeklagten, der entschuldigt fehlte, wurde abgetrennt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit statt. Weiter wurde die Berufung des F. R. aus Butzbach, der wegen Gebrauchmachens einer verfälschten öffentlichen Urkunde und Vergehens gegen das Krafts ahrzeug gesetz zu einer Gefängnisstrafe von neun Monaten verurteilt worden war, verhandelt. Der Anklage lag folgender Tatbestand zugrunde: Der Angeklagte befaß im Jahre 1936 einen Opelwagen, den er Ende d. I. als Schlachtauto nach Frankfurt o. M. verkaufte. Um die gleiche Zeit kaufte der Angeklagte von dem Zeugen I. einen gebrauchten Wagen, der jedoch schon eine Zeitlang abgemeldet war. An diesem Wagen befestigte er das alte Nummernschild des verkauften Wagens und unternahm mehrere Fahrten. In der gestrigen Berufungsverhandlung bestritt der Angeklagte jede Schuld. Seine Einlassung ging dahin, er habe sich nach einer Anfrage beim Kreisamt für berechtigt gehalten, das alte Nummernschild an dem gekauften Wagen anzubringen, lediglich, um damit von dem Kaufort nach HaNse bzw. zur Zulassung zu fahren. Auch habe er den Wagen noch am gleichen Tage beim Kreis amt Friedberg Wtt Zulassung anmelden wollen. Er sei deswegen in Friedberg gewesen und habe sich Anmeldeformulare gekauft. Es sei jedoch schon zu spät gewesen, so daß er nicht mehr habe antcmmen können. Dann habe er den Wagen nur noch einmal gefahren, und zwar habe er wieder nach Friedberg zur Zulassung fahren wollen. Unterwegs sei der Wagen liegen geblieben und habe abgeschleppt werden müssen. Zu Hause sei er repariert worden. Außer diesen habe er lediglich noch eine Fahrt' nach Frankfurt, jedoch auf Anordnung und in Begleitung eines Pollzerbeamten. unternommen. Die Darstellung des Angeklagten wurde durch die Beweisaufnahme widerlegt. Es konnte einwandfrei festgestellt werden, daß der Angeklagte den Wagen zu verschiedenen größeren Fahrten, darunter sogar zu einer Fahrt nach Düsseldorf, benutzt hatte. Ueber- dies ist der Angeklagte von einem bei ihm beschäftigten Zeugen mehrere Male darauf aufmerksam gemacht worden, daß er den Wagen ohne Zulassung nicht fahren dürfe. Bei dieser Sachlage hatte das Gericht feine Veranlassung, das Urteil des Vorderrichters abzuändem, und es wies die Berufung als unbegründet zurück. Ohne Erfolg blieb auch die Berufung des W. Sch. aus Gießen, der vom Schöffengericht wegen Betrugs und Urkundenfälschung unter Zubilligung mildernder Umstände zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Der Angeklagte war im Marburger Bezirk als Vertreter einer Herdplatte Nfirma in Hildesheim tätig und unterstand als solcher einem Generalvertreter, der in Gießen feinen Sitz hat. Der Angeklagte hatte seine auf. genommenen Bestellungen an diesen weiterzüleiten. Dieser gab sie an die Firma weiter, worauf Liefe, rung und Auszahlung der Provision erfolgte. Im Januar d. I. hatte der Angeklagte in Marburg mehrere Interessenten aufgesucht, jedoch keinen Auftrag erhalten. Dies hinderte ihn nicht, die Bestellzettel mit dem Namen dieser Leute zu fälschen und einzusenden. Daraufhin wurde ihm die Pro- v'ision von dem Generalvertreter ausgezahlt. Als der Generalvertreter die angeblich bestellten Platten den „Kunden" aushändigen wollte, kamen die be. trügerischen Manipulationen des Angeklagten ans Licht. In der gestrigen Hauptoerhandlung gab der Angeklagte zu, die Unterschriften gefälscht zu haben. Er behauptete jedoch, dies sei auf Anweisung des Generalvertreters erfolgt zu dem Zwecke, sich auf diese Weise in Gießen einen größeren Poften Platten auf Lager legen zu können, weil die Lieferung von der Zentrale sehr schleppend vonstatten gegangen sei. Aus diesem Grunde habe er den Generalvertreter auch gebeten, vorläufig, bis zum Verkauf der Platten von der Zahlung der Provision Abstand zu nehmen. Er habe auch keine Provision dafür erhalten. Die Darstellung des Angeklagten wurde jedoch von dem damaligen Generalvertreter widerlegt. Die Kammer hielt die Schuld des Angeklagten für er- wiesen und wies die Berufung ebenfalls zurück. Amtsgericht Gießen. Der Gastwirt L. aus Gießen hatte wegen lieber- tretung des Gaststättengesetzes einen Strafbefehl erhalten, gegen den er Einspruch einlegte. Er besann sich aber dann doch eines anderen und erschien nicht zu der gestern vor dem Einzelrichter anberaumten Hauptverhandlung. Es blieb demgemäß bei dem Strafbefehl. Enteneier müssen gekennzeichnet sein. LPD. Frankfurt a. M., 13. Sept. Der Verkauf von Enteneiern in Ladengeschäften ist an gewisse Vorschriften gebunden. Ein Geschäftsmann erhielt vom Amtsgericht eine Geldstrafe, weil er gegen diese Bestimmung gefehlt hatte. Er hatte es unterlassen, an dem Behältnis, in dem die Enten- eier sich befanden, einen Hinweis anzubringen, wie Enteneier vor dem Gebrauch zu behandeln sind. Außerdem verstieß er gegen die Stempelvorschrift. Enteneier müssen eine deutliche, unverwischbare Aufschrift „Enteneier" tragen. DerRannvomgrauenLastwagen Erzählung von K. N Neubert. Ein schwerer Lastwagen mit Anhänger rollte über die Landstraße. „Güterfernverkehr" war auf dem Firmenschild an der Seite zu lesen. Am Steuer saß ein noch junger Mann. Ein nachdenklicher Zug war in seinem Gesicht, das von Wind und Wetter gebräunt war. Jetzt würde bald das einsame Gehöft auftauchen, wo Otto, sein Beifahrer, eine Mädchen hatte. Heute war Otto nicht mit. (£in anderer saß neben Franz. Otto war heute nicht zum Dienst erschienen. Man brauchte nicht zu halten beim Gehöft. Als sie mal mit einer Panne vor dem Gehöft liegen geblieben waren, hatte Otto das Mädchen kennengelernt. Otto war immer der glücklichere bei den Mädchen gewesen. Franz hatte ihm neidlos in Mecklenburg die Lina und in Schlesien die Hanne gegönnt, nur bei der Trude war es ihm nahe gegangen, denn die gefiel ihm selber. Aber er hatte nie davon gesprochen. Stumm hatte er dagesessen, wenn sie auf der Rückfahrt am Abend hinter dem Gehöft hielten und Otto ins Birkenwäldchen hin- überlief, wo das Mädchen wartete. Ob er nicht doch hielt? Trude würde vielleicht den Lastwagen sehen und sich wundern, daß er heute vorbeifuhr. Das Birkenwäldchen war schon zu sehen. Er fuhr langsamer. Drüben auf dem Feld stand das Mädchen und winkte. Er hielt an. Als sie den Lastwagen auf der Landstraße halten sah, kam sie schnell herbeigelaufen. Wie hübsch sie aus- sah! Der Wind hatte ihr blondes Haar zerzaust, ihre Wangen hatten eine frische Farbe, unter dem Dirndlkleid wölbte sich ihre junge, feste Brust. Aber das Aufleuchten, das Franz manchmal in ihren Augen gesehen hatte, wenn Otto neben ihm saß, vermißte er diesmal. Ihr Blick fragte nach Otto: „Er ist krank!" sagte er, und sie war erschrocken. Wie gern sie Otto haben mußte! Er spürte wieder leine hoffnungslose Zuneigung für sie. „Nur keine Angst, Fräulein", meinte er, unsicher lächelnd, vielleicht fährt er dos nächstemal schon wieder mit." Der Lastwagen setzte sich in Bewegung. Das Mädchen lief plötzlich neben ihm her. „Wann kommen Sie zurück?" rief sie. „Heute abend!" antwortete Franz. „Warten Sie auf mich am Birkenwäldchen." Es war schon spät am Abend, als Franz auf der Rückfahrt ein paar hundert Meter hinter dem Gehöft den Lastwagen anhielt. „Wart hier!" sagte er zum Beifahrer und sprang vom Sitz. Langsam ging er in die Dämmerung hineiy. Ein Vogel rief im Gehölz. Es roch nach Wald und Erde. Hier war Otto immer gegangen, fiel ihm ein. Da sah er das Mädchen. Sie kam rasch den Weg heran. „Geben Sie ihm dies!" sagte sie, noch ein wenig außer Atem vom Laufen, und drückte ihm ein Päckchen in die Hand. „Es ist nur eine kleine Liebesgabe", flüsterte sie. „Ich werde es ihm geben!" Seine Stimme klang heiser.' Sie dankte ihm und huschte davon. Und er kam mit schwerem Schritt zum Lastwagen zurück, wo der Beifahrer eine gutmütig-dumme Bemerkung machte, weil es so schnell gegangen war. „Quatsch nicht. Das ist Ottos Mädel. Verstanden?" Franz war fassungslos, als er am nächsten Tag hörte, daß Otto gestorben sei. Eine Blutvergiftung war zu spät erkannt worden. Nie mehr würde Otto mit ihm fahren? Nie mehr auf nächtlicher Fahrt die letzte Zigarette mit ihm teilen? Nie mehr auch — fiel ihm ein, und es würgte ihn im Halse — vor dem Gehöft am Bitkenwäldchen halten und zu Trude gehen? Das Mädchen wußte noch nichts. Vielleicht sah sie in diesen Tagen manchmal von ihrer Arbeit im Felde oder im Haus auf und blickte auf die Landstraße, ob nicht der große, graue Lastwagen vorbeikam? Eines Mittags hielt er vor dem Gehöft. Er hatte das Mädchen nicht auf dem Feld entdecken können. Nun ging er in das Haus. Neben der Landwirtschaft betrieb der Besitzer des Gehöftes auch einen kleinen Ausschank. Franz ließ sich ein Bier geben und plauderte mit der Frau, die es ihm gebracht hatte. Er war schon unruhig. „Wo ist denn das Mädchen, das hier —, ich meine die Trude?" Die Frau blickte ihn rasch und wie prüfend an. „Meine Nichte? Die ist mit dem Rad fort." Franz erhob sich. „Wollen Sie was von ihr?" fragte die Frau. — „Sagen Sie ihr, daß jemand da war." Die Frau folgte ihm zur Tür. „Wer?" wollte sie wissen. „Der Mann vom grauen Lastwagen!" rief Franz und sprang die Stufen herab. Am selben Abend, auf der Rückfahrt, hielt er an der alten Stelle. Das Mädchen war schon da. „Wie geht es ihm?" fragte sie angstvoll. Er holte das Päckchen aus seiner Tasche hervor. Sie erschrak. „Ich konnte es ihm nicht mehr geben", sagte er. Sie griff nach seinem Arm. „Was ist denn ...?" rief sie leise und mit einer Stimme, die ihn zittern machte. Schonend, wie er es eben vermochte, sprach er von Ottos Tod. Sie schien zu wanken, er stützte sie. und langsam ließ sie sich zu Boden, hockte im Wiesenrain und meinte. „Hören Sie mich doch!" fing er wieder an., Er setzte sich zu ihr. „Ich weiß, Sie haben ihp sehr geliebt, aber — Sie sind auch jetzt nicht allein." Sie trocknete die Tränen, sah ihn mit einem seltsamen Ausdruck an und sagte: „Nein, ich bin nicht allein. Ich werde ein Kind von ihm haben." Wie erstarrt hockte er neben ihr Alles, was er ihr hatte sagen wollen, verschloß sich in ihm. „Er wollte mich doch heiraten", sprach sie leise weiter. „Oder denken Sie, daß ich es jetzt nur so sage. Oder daß er ...?" Und als wäre sie selher erschrocken über solchen Gedanken, der das Andenken des Toten verdunkelte, rief sie: „Nein, nein, niemand kann das denken". „Was werden Sie jetzt tun?" fragte er nach einer Weile. „Ich weiß es nicht, will auch gar nicht daran denken. Sie sehen ja, wie rasch man sterben kann." Sie erhob sich nun. „Gute Nacht!" sagte sie und gab ihm die Hand, die kalt war. Er rang nach Worten. Dann sagte er nur: „Aber Sie werden nichts lliwernünftiges tun?" Sie lächelte, und er konnte dies Lächeln lange nicht vergessen. „Nein, nichts — Unvernünftiges!" Und sie ging ein wenig schwankend, und er sah ihr nach, als wollte er ihr jeden Augenblick nachstürzen, dann drehte er sich aufatmend um und rannte zum Lastwagen zurück. Ohne Aufenthalt fuhr er bas nächstemal am Gehöft vorbei. Als er nach Wochen wieder einmal diese Tour hatte, sah er das Mädchen auf der Wiese beim Heumachen. Sie winkte nicht, er hielt nicht an. Sie schien aber den grauen Lastwagen erkannt zu haben. Regungslos sah sie ihm nach ... Die Monate vergingen. An einem Regentag, der die Landstraße glitschig machte, hatte er einen Unfall und mußte ins Krankenhaus. Hier dachte er oft an das Mädchen. Als er nach langer Zeit wieder an beim Gehöft vorbeifuhr, war schon Frühling. Er fuhr langsam und blickte sich um. Ob es ein Junge -war, mußte er benfen. Er hielt vor dem Ge- Höft an, wie er es sich im Krankenhaus vorgenommen hatte, und trat in die Gaststube. Die ^rau kam aus der Küche und sprach mit ihm. Und plötzlich erschien auch das Mädchen. Vielleicht hatte seine Stimme sie herbeigelockt. Die Frau fuhr das Mädchen unwirsch an, und Trude verschwand wieder. Sie sah etwas schmal aus und blaß. Ihr Blick war schüchtern zu Franz ge« fonftmcn. „So, so", dachte er und ärgerte sich. Die Frau sollte mit Trude anders reden. Als er wieder draußen war, huschte das Mädchen aus dem Torbogen. Er eilte ihr nach. Sie standen am Zaun. „Wie gehts denn? Mädel ober Junge?" Sie nickte. „Ein Junge!" Er machte eine Kopfbewegung zum Haus hin: „Haben Sie es jetzt schwer hier?" „Nein", flüsterte sie, „ich bin zufrieden." Vor der Tür erschien die Frau, und das Mädchen gmg rasch in den Hof zurück. „Auf Wiedersehen! rief er. Die Frau sollte es hören. Sie blickte ihn mürrisch an. Er schwang sich fröhlich auf den Lastwagen. Von nun an hielt Franz den Wagen an, wenn er sie auf dem Felde erblickte, und sie kam rasch heran- gelaufen. Der Wind hatte ihr blondes Haar zerzaust, und ihre Wangen waren schon wieder gerötet. Leuchteten ihre Augen nicht, wenn er vor ihr stand? Einmal hatte sie den Kinderwagen bei sich. Er stieg vom Sitz und beugte sich über den Kleinen. „Das ist also der kleine Mann!" sagte er. Sie lächelte verlegen. Das Kind patschte mit den Händchen in das Männergesicht. Als er sich aufrichtete und das Mädchen anblickte, war auch er verlegen. „Ich muß Ihnen etwas sagen", fing er an. „Schon damals wollte ich ..., aber ..." Wie sie ihn ansah, konnte er nicht weiter. ,,Heute abend", stotterte er' los, „werden Sie an jeher Stelle sein?" Es war ihr wohl nicht recht. „Was wollen Sie mir denn sagen?" fragte sie. — „Daß ich Sie gern hab', schon lange." Sie stand mit tiefgeröteten Wangen da, nach Worten suchend. Ein Gespann fuhr gerade vorüber. Plötzlich griff sie nach dem Kinderwagen wie nach einem Halt und ging davon. „Heute abend!" rief er ihr nach. Sie war ganz verwirrt. Aber abends kam sie doch ins Birkenwälochen. Und Franz konnte weitersprechen. Jetzt ging es besser. Sie waren allein, und es war schon dunkel. — „Und das Kind!" seufste sie. „Er mar mein bester Freund. Wenn wir heiraten, soll sein Kind es nicht schlechter haben als —" Aber das sprach er nicht aus. Er lächelte und hörte ruhig das leise Weinen des Mädchens. Es war ein Wei« nen, in dem das Glück sich erst begreifen.mußte. Lochschulnachrichten. Dr. phil. Wilhelm Finsterwalder von der' Universität Frankfurt a:M., der dort feit 1932 die historischen Hilfswissenschaften in Vorlesungen und Hebungen vertrat, erhielt die Dienstbe-zeichnung nb. ao. Professor. Finsterwalders Veröffentlichungen betreffen in der Hauptsache Geschichte des Mittel« alters, besonders Kirchengeschichte. Aus der engeren Heimat. Keldfcheuerbrand bei Bad-Nauheim. * Bad-Nauheim, 14. Sept. Heute nacht geaen 3.10 Uhr wurde in der zum Gut L o u i s a gehörenden Feldscheune in der Nähe der Gradierwerke von Bad-Nauheim ein Brand entdeckt. Dem Feuer sind nach den bisherigen Feststellungen 30 bis 40 Morgen ungedroschene Frucht zum Opfer gefallen. Für die Annahme einer vorsätzlichen oder fahrlässigen Brandstiftung liegen bis jetzt keine Anhaltspunkte vor. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei sind noch im Gange. Unfälle auf dem Lande. Der Hilfsarbeiter Ludwig Sommer aus Watzenborn-Steinberg stürzte bei der Arbeit von einer Leiter ab und erlitt dabei Gesichts- und Oberschenkelverletzungen. — Mit einem Schädel- und einem Rippenbruch mußte der 59 Fahre alte Arbeiter Johannes Rehm aus Homberg-, der an der Reichsautobahn beschäftigt ist, in ärztliche Behandlung gebracht werden. Er stürzte von einem Laufbrett ab. — Einen rechtsseitigen Oberschenkelbruch erlitt der 35 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Rieß aus Ober-Ofleiden. — Beim Abloden in der Scheune stürzte der 64 Jahre alte Landwirt Heinrich Seipp aus Berns selb mit der rechten Brustseite auf ein Gerüst ab und erlitt mehrere Rippenbrüche. — Der 28 Jahre alte Arbeiter Ernst Schneider aus Rodheim a. d. Bieber stürzte bei der Arbeit von einem Gerüst ob und mußte mit einer schweren Brustquetschung in ärztliche Behandlung gebracht, werden. — Durch einen Unfall bei der landwirtschaftlichen Arbeit erlitt die 24 Jahre alte Helferin Anna Pfeiffer aus Ober- Seemen einen Halswirbelbruch. Sämtliche Verunglückte wurden in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht. Landkreis Gießen. * Heuchelheim, 12. Sept. Am Samstag fand eine Inspektion der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr und der Pflichtfeuerwehr durch den Kreisfeuerwehrführer Bouffier statt. Dazu waren die Wehren unter dem Kommando des Hauptbrandmeisters Ludwig Schmidt mit sämtlichen Geräten auf dem Sportplotz angetreten. Zunächst wurde in schneidiger Weise Gruppenexerzieren gezeigt, dem sich in guter Durchführung das Zug- und Abteilü°ngsererzieren anschloß. Ausgezeichnet war auch das Exerzieren an den Geräten. Dieser Teil der Besichtigung schloß'mit einem Vorbeimarsch der Wehren ab. Sodann folgte unter dem Kommando des Stellvertreters des Hauptbrandmeisters, Oberbrandmeister Karl Sack, ein Drand- angriff, der an den Gebäuden der Heuchelheimer Mühle als reine Schulübung durchgeführt wurde. Zu dieser Hebung, die zunächst einen stillen Alarm eines Stoßtrupps mit einem Hydrantenwagen, sodann Großalarm der beiden Heuchelheimer Wehren mit gleichzeitigem Einsatz der Bezirksmotorspritze aus Lollar vorsah, rückten die Heuchelheimer Feuerwehrmänner mit sämtlichen Geräten in schneller Folge an, ferner war schon nach 18 Minuten die Bezirksmotorspritze aus Lollar auf dem Hebungsplatze zur Stelle. Im Verlaufe dieser Schulübung zeigten die Feuerwehrmänner in vielseitigen Hebungen ihre Schlagfertigkeit und volle Einsatzbereitschaft. Nach dem Abschluß dieses Brandangriffs folgte auf dem Heuchelheimer Mühlchen die kritische Besprechung des gesamten Hebungsverlaufes. Hier begrüßte der Wehrleiter eine Reihe von Gästen, Vertreter der Partei, die Gemeindevertretung und Personen der Heuchelheimer Industrie. Dann besprach Kreisfeuerwehrfuhrer B o u f f i e r die Leistungen der beiden Wehren, die er als sehr zufriedenstellend anerkannte, gleichzeitig auch den guten Geist in den beiden Wehren mit ehrenden Worten würdigte. Ferner sprach er noch über die Ausbildung als Einheitsfeuerwehrmann, die von besonderer Wichtigkeit ist. Der offizielle Teil der Besprechung und damit der gesamten Hebung fand mit dem Gruß an den Führer seinen Abs hluß. Die Feuerwehrkameraden verblieben sodann in Gemeinschaft mit den Gästen noch einige Zeit in froh- gestimmter kameradschaftlicher Hnterhaltung beisammen. ______________ Kannst du ziM, Dm? Roman von Hedda Lindner. Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35. 14 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Vera von Petry war em bildhübsches, reichlich exzentrisches Mädchen gewesen, das eine Zeitlang «llen Klatschbasen Hnterhaltungsstoft gab, besonders, als sie plötzlich den um zwanzig Jahre älteren Herrn von Petry auf Weiga heiratete. Den Grund begriff kein Mensch; denn Petry war weder wohlhabend noch hatte er äußere Reize aufzuweisen. Dagegen galt er charakterlich als einwandfrei und außerordentlich gutmütig. Vielleicht hatte sie das zu der Heirat veranlaßt; denn nicht jeder Mann hätte seiner Frau so weitgehende Freiheiten in der Ehe gestattet: sie brachte einen großen Teil des Jahres auf Reisen zu und ließ sich auch keine Berliner Saison entgehen. Im übrigen war das Leben, das sie führte, reichlich kostspielig für Weigaer Verhältnisse, und der gutmütige Clemens hat manche Schneid"rrechnung für die elegante Schwester bezahlt. Darum war sie ganz zufrieden, ihm gefällig sein zu können, und gab sich wirklich Mühe um den jungen Neffen. Aus dieser Tanzstunde nun lernte Gerald seinen Detter Gunther kennen und traf zum ersten Male auf Carola Schäfer. Carola Schäfer war die Tochter des Arztes aus der benachbarten Kreisstadt. Sie war eine Schönheit, wie man sie eigentlich nur auf den Bildern der Märchenbücher sindet: und dieses Mädchen wurde die große Liebe des jungen Gerald, eine Liebe, von deren Hnwert er sich erst überzeugte, als er fast daran zerbrochen war. Carola hätte den ernsten Jungen wohl kaum beachtet — bei der Auswahl an jungen Männern, die diese Tanzstunde bot — aber das einzige Gefühl, das neben der Anbetung ihrer Schönheit in ihrem Innern Raum hatte, war der brennende Ehrgeiz, dieser geliebten Schönheit einen würdigen Rahmen zu schaffen. Sie wußte sehr genau, daß der große, noch etwas schlacksige junge Mensch einmal der Erbe von Rehwaldau, Jägerhof und den ungarischen Besitzungen der Familie fein würde. Unb so — zu Geralds Hnglück — behandelte sie ihn mit bezaubernder Freundlichkeit. Sie verloren sich aus den Augen, als er erst auf eine landwirt- jchaflliche Schule und dann nach Ungarn geschickt Der Gebieisstand Hessens am 1. Oktober 1938. Lpd. Mit dem Inkrafttreten der neuen Kreisein- teilung und der Errichtung der fünf selbständigen Stadtkreise am 1. Oktober 1938 wird die Ge- bletsgliederung des Landes Hessen folgendermaßen sein: hestehen an Stelle von bisher 18 Kreisen bei Auflösung der Kreise Bensheim, Schotten und Oppenheim und Neubildung der'Stadtkreise Darmstadt, Gießen, Mainz Offenbach und Worms 2 0 Kreise. Nach der letzten Volkszählung vom 16.Juni 1933-zählte Hessen eine Wohnbevölkerung oon 1 429 048 Seelen, wovon der Berufsgliederung nach 21,5 d. H. auf Land- und Forstwirtschaft, 41,1 d. H. auf Industrie und Handwerk, 15,3 v. H. auf Handel und Verkehr, 7,5 v. H. auf öffentliche Dienste und private Dienstleistungen, 1,6 o. H. auf häusliche Dienste entfielen, während der Rest von 13 v. H. als ohne Beruf gemeldet war. Für die neuen Stadtkreise ergibt sich nach her letzten Volkszählung eine Gesamtbewohnerschaft von rund 436 000; davon entfallen auf Mainz 150 800, Darmstadt 110 740, Offenbach 87 050, Worms 51430, Gießen 35 910. Den größten Flächeninhalt hat Darmstadt mit 116,3 qkm; es folgen Mainz mit 93,12, Gießen mit 41,76, Offenbach mit 41,68 und Worms mit 30,59 qkm. Der Fläche nach ist der Landkreis Büdingen mit 730,34 qkm der größte, der Kreis Bingen mit 264,8 qkm der kleinste Kreis. Dazwischen liegen der Hitler-Jugend Gefolgschaft 6/116 Am Samstag sand im HJ.-Heim zu Großen-Buseck eine Führertagung der Gefolgschaft 6/116 „Wilhelm Belloff" statt. Gefolgschaftsführer B r ü cf 'eröffnete die Tagung mit einem kurzen Bericht Über die Arbeit im vergangenen Sommerhalbjahr und dankte den Führerkameraden für die tatkräftige Hntei stützung, um einen immer geregelten Dienftbetrieb, auch während der Erntearbeiten, aufrecht erhalten zu können. Zum Schlüsse seiner Ausführungen gab er noch einige formelle Angelegenheiten bekannt. Dann gab er dem Stammführer Dr. Schneider das Wort. Dieser verstand es vortrefflich, die Arbeit eines Führers in der jungen Garde des Führers zu schildern. Er hob immer wieder das Pflichtbewußtsein und das Verantwortungsgefühl hervor, das ein Führer gegenüber seinen ihm anoertrauten jungen Kameraden zu zeigen hat. Am Schluffe dankte er der Führerschaft für ihre Einsatzbereitschaft und konnte im Auftrage des Bannführers einige Bestätigungen und Beförderungen vornehmen. Am Sonntag fand ein Gefolgschaftsappell statt. Schon in den frühen Morgenstunden — man konnte kaum etwas sehen durch den dichten Nebel — fuhren die einzelnen Standorte in einer Sternfahrt nach Burkhardsfelden, um hier ihrem Sonntagsdienst nachzukommen. Auf der höchsten Kuppe einer 2In= höhe mar ein Fahnenmast aufgestellt, von dem aus nach oer Flaggenhissung die Fahne der Jugend weit in das Busecker Tal 'hineinleuchtete. Nun begann der Dienstbetrieb. Es wurde zuerst mit den Scharbewertungen innerhalb der Gefolgschaft begonnen. Kritische Augen musterten die einzelnen Scharen auf Uniformierung, Ordnungsübungen, weltanschauliche Fragen, und jede im Wettbewerb (außer Großen- Bufeck) liegende Schar gab sich die beste Mühe, um den ausgesetzten wertvollen Preis heimzuführen. An- Größe nach die Landkreise Alsfeld (694 qkm), Gießen (653), Lauterbach (594), Erbach (593), Perg- straße (592), Friedberg (573), Dieburg (458,5), Worms (440), Groß-Äerau (426), Alzey (418), Offenbach (335), Mainz (313) und Darmstadt (280). Anders sieht es bei den Landkreisen der Zahl der kreiszugehörigen Gemeinden nach aus; dann ist die Reihenfolge: Kreis Büdingen mit 102 Gemeinden, Bergstraße 101, Erbach 98, Alsfeld 97, Gießen 86, Lauterbach 74, Friedberg 71, Alzey 60, Dieburg 57, Worms 44, Darmstadr, Mainz und Bingen je 39, Offenbach 32 und Groß- Gerau 31. Und wieder anders stellt sich die Verteilung nach den zuletzt gezählten Einwohnerzahlen dar: Landkreis Offenbach 97 990, Bergstraße 96 095, Friedberg 93 481, Worms 81646, Gießen 74 420, Groß-Gerau 69 957, Dieburg 63 964, Büdingen 60 707, Bingen 58 215, Darmstadt 57 745, Alzey 55 577, Mainz 55 258, Erbach 49 968, Alsfeld 44 140, Lauterbach 33 959. Der Bevölkerungsdichte nach kommen Einwohner auf den qkm; in den Stadtkreisen: Offenbach 2089, Worms 1681, Mainz 1619, Darmstadt 952, Gießen 860; in den Landkreisen: Offenbach 293,, Bingen 220, Darmstadt 207, Worms 185, Mainz 176, Groß-Gerau 164, Friedberg 163, Bergstraße 162, Dieburg 140, Alzey 133, Gießen 114, Erbach 84, Büdingen 83, Alsfeld 64, Lauterbach 57. im Buseckerial. „Wilhelm Belloff". schließend wurde das Gelände- und Geschicklichkeitsfahren durchgeführt, um die beste Kameradschaft der Gefolgschaft herauszustellen. Dies ging durch schwieriges Gelände und verlangte Mann und Material alles ab. Die gestellten Bedingungen wurden in tadelloser Disziplin erfüllt. Die beste Mannschaft stellte der Standort Großen-Buseck, die mit weitem Vorsprung ins Ziel kam. Es war eine Freude, mit anzusehen, mit welchem Geist und mit welcher Geschicklichkeit diese Fahrt durchgeführt wurde. Währenddem legte eine Nachrichtenkameradschaft des Standortes Großen-Buseck in Burkhardsfelden unter schwierigen Verhältnissen eine Fernsprechleitung, woran Die Bevölkerung regen Anteil nahm und staunte, was alles im Dienstbetrieb der Hitler-Jugend getrieben wird. Nach Beendigung der Geländefahrt wurde im Handball um den Wanderpreis gekämpft, der nach zwei schönen Siegen des Standortes Großen-Buseck über Standort Beuern 8:3 und über Burkhardsfelden 3:2 in den Besitz der Busecker ging. Dieser Preis muß fünfmal erkämpft werden, bis er in den Besitz des Siegers übergeht. Stammführer Dr. Schneider, der zur Freude aller Hitlerjungen im Busecker Tal anwesend war, überzeugte sich von den einzelnen Dienstauzschnitten und konnte sich nur zufriedenstellend ausdrücken. Anschließend besichtigte er die Fernsprechanlage in Burkhardsfelden; er war selber erstaunt, mit welcher Geschicklichkeit diese gelegt war. Am Dienstende meldete ihm Gefolgschaftsführer Brück die Schar 2 Beuern-Bersrod, unter ihrem bewährten Scharführer B e l l o f f, als beste Einheit (ausgeschl. Großen- Buseck) der Gefolgschaft 6/116 „Wilhelm Belloss". Ein wertvoller Preis wurde verliehen. Dieser Dienst war jedem Jgg. ein Erlebnis und gab ihm neuen Ansporn für den ferneren Dienstbetrieb. CO Klein-Linden, 14. Sept. Am kommenden Freitag, 16. September, feiern die Eheleute Heinrich Wahl und Frau Marie, geb. Jung, in geistiger und körperlicher Frische ihre Goldene Hochzeit. Herr Wahl, gebürtig aus dem benachbarten Großen-Linden, wohnt seit seiner Verheiratung in unserm Dorfe und nahm sehr regelt Anteil dm dörflichen Leben unserer Gemeinde. 25 Jahre lang war er Vorsitzender des hiesigen Männer- gesangoereins „Harmonie", um dessen Entwicklung er sich bleibende Verdienste erworben hat. Diele Jahre lang gehörte er dem Gemeindevorstand als wurde, um sich mit den dortigen Verhältnissen vertraut zu machen; aber als er sie fünf Jahre später wiedersah, flammte auch sofort die alte Liebe auf. Er setzte die Verlobung durch, obwohl sein Onkel wenig erbaut von dieser Verbindung war, und heiratete ein Jahr daraus. Unb da Carola immerhin klug genug war, den alten Herrn mit äußerster Zuvorkommenheit zu behandeln, ging soweit alles ganz gut. Fünf Jahre lang. Fünf lange Jahre war Gerald zufrieden, ausgefüllt von einem Beruf, der ihm lag, und in dem er Ausgezeichnetes leistete, und zufrieden auch im Besitz der Frau, die er liebte — trotz all der Fehler, die ihm beim engen Zusammenleben nicht verborgen bleiben konnten. Gerald gehörte zu den Menschen, die nicht leichtfertig mit Gefühlen umgehen und durchaus nicht einfach zu gewinnen sind. Haben sie sich aber für einen Menschen entschieden, so gehört unendlich viel dazu, diesen Menschen wieder aus ihrem Herzen heraus- zureißen. Carola behandelte ihren Mann nicht eigentlich schlecht; ihr Gefühl warnte sie davor, sich ihm gegenüber allzusehr gehen zu lassen. Es waren immer nur zwei Punkte, die zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen führten. Einmal ihre Ablehnung, vor ihrem dreißigsten Jahre ein Kind zu haben, weil nach ihrer Ansicht Kinder die Figur verdarben. Gerald hätte gern Kinder gehabt, und Rehwaldau brauchte einen Erben, und doch war diese Ablehnung später das einzige, wofür er Caryla von Herzen dankbar war. Der zweite Punkt war ihre Verschwendungssucht. Ihre persönlichen Ausgaben überstiegen schon nach wenigen Jahren die Einnahmen ihres Vaters, der oft genug über seine Tochter den Kopf schüttelte, ohne sie beeinflussen zu können. Gerald bezog auf Rehwaldau für seine Tätigkeit, die ungefähr der eines Oberinspektors — ober, ba er sich auch um bie ungarische Verwaltung kümmerte — Güterbirektors gleichzusetzen war, neben dem freien'Haushalt ein sehr ansehnliches Bargehalt oon seinem Onkel, mit bem er aber wegen Carolas Ansprüchen meist weit im Vorschuß war. Er selbst hatte keine befonberen Neigungen außer einer Liebhaberei für edle Hunde; ba er aber gleichzeitig erfolgreich züchtete, brachte biese Liebhaberei sogar noch etwas ein. So lagen die Dinge auf Rehwahlbau, und sie wären woh noch lange so weitergegangen, wenn nicht im August ein Vorfall sich ereignet hatte der das Schicksal aller Beteiligten in eine völlig andere Bahn lenken sollte. Carola war von der See zuruckgekommen. Sie (Semeinberatsmitglieb an, lange Jahre zählte er auch zu den Vertretern der evangelischen Kirchen- gemeinbe. Bis zum heutigen Tage versieht er noch trotz seines hohen Alters von 75 Jahren mit großem Eifer bas Amt eines Felbgeschworenen in unserer Gemeinbe. Von.Beruf Maurerpolier, war er den größten Teil seines Lebens in Gießen tätig. Ein großer Verwandten- und Bekanntenkreis nimmt an der Goldenen Hochzeit freudigen Anteil. Auch wir gratulieren dem Jubelpaar herzlich. CO Klein-Linden, 12. Sept. Am Samstag konnte der Zugführer i. R. Georg Dönges in gei- fuhr jeden Sommer allein an die See, Gerald kante sie wegen der Ernte nicht begleiten. Da er sich aus dem gleichen Grunde ihr auf bem Gut auch nicht viel widmen konnte, war es ihm lieber, sie reifte, als daß sie mißgelaunt zu Hause saß. Diesmal war sie— nach auffallend zärtlicher Begrüßung — ein paar Tage still und in sich gekehrt, um ihm schließlich zu gestehen, daß sie erhebliche Schulden hatte. Nicht nur, daß ihr Verbrauch auf der Reise sehr viel höher war als vorgesehen — durch Spielschulden, wie sich nachher herausstellte —, sie hatte auch feit langem große Beträge bei Schneiderin unb Mobistin aufsummen lassen unb die Leute begannen ungemütlich zu werben. Schließlich kam heraus, daß alles in allem rund fünftaufcnb Mark zu zahlen waren. Gerald wurde blaß, als er die Zahl hörte, der Betrag überstieg seine flüssigen Mittel erheblich, unb als er bebachte, wie sinnlos dieses Geld vertan war, ba wurde er seiner angebeteten Carola gegenüber so grob, wie sie ihn in ben Jahren ihrer Ehe noch nicht erlebt hatte. Aber zahlen mußte er doch, unb ba blieb ihm nichts anderes übrig, als sich abermals an seinen Onkel zu wenden. Er traf eine besonders unglückliche Stunde. Erstens hatte gerade eine Kuh verkalbt, worüber sich der alte Herr immer lehr aufregte, unb zweitens war durch die Anschaffung eines neuen Bulldogg mit Dreschkasten das Bargeld tatsächlich im Augenblick knapp. Als nun sein Onkel erfuhr, wozu Gerald das Geld brauchte, gab es einen furchtbaren Krach. Die Auseinandersetzung endete damit, daß er es schroff ablehnte, auch nur einen Pfennig herzugeben, und erklärte, wenn sein Neffe so ein Weiberknecht wäre, daß er die holde Gattin in ihren sinnlosen Ausgaben nicht bremsen könnte, bann solle er auch sehen, wo er bas Geld bazu hernähme. Darauf geschah zwei Tage nichts. Der junge Baron lief mit finsterem Gesicht umher, bie Gnäbige spielte bie Beleibigte unb blieb in ihren Gemächern. Am britten Tage fuhr ber alte Herr in bie Kreisstabt, kam in furchtbarer Aufregung zurück unb ließ sofort seinen Neffen rufen. Es gab anscheinenb mieber eine böse Szene, eine Tür schlug bann mit lautem Krach zu, dann kamen ein paar Augenblicke Stille, unb bann — fiel ein Schuß. Die entsetzt Herbeieilenben fanden ben alten Baron blutenb unb bewußtlos am Boben liegen, unb über ihn gebeugt seinen Neffen unb ben Förster, der gerade zur Berichterstattung ins Schloß gekommen war. Als man Gerald verhaftet hatte, reichte seine Frau ftiger unb körperlicher Frische im Kreise seiner Farn el, seinen 60. Geburtstag feiern. Herrn Schimmel, selben Tage konnte ber Kamerabschaftsführer der hiesigen Kriegerkamerabschaft, Friebrich Schimmel, seinen 60. Geburtstag feiern. Herr Schimmel, ber feit Jahren unseren Kriegeroerein geleitet hat, mürbe vor einiger Zeit für seine Verbienste um bas Kriegerkameradschaftswesen das Ehrentreuz zweiter Klasse des Kyffhäuserbundes überreicht. Beiden Geburtstagjubilaren wurden von vielen Seiten Glückwünsche übermittelt. △ Lang-Göns, 12. Sept. Am Samstagnach- mittag überfuhr ein leeres Lastauto an ber Kurve bei Kaufmann Wilhelm Müller ben Bordstein und streifte dabei ein Wohnhaus. Durch den Anprall wurde bie Vorberachse des Autos zer« brochen und das Auto selbst stark beschädigt. @Iüdh licherweise waren zur Zeit des Unfalls keine Personen auf dem Fußsteig, da sonst ein großes Unglück hätte entstehen können. Das Haus wurde leicht beschädigt. Die Polizei nahm sich des Fahrers air. s. Lang-Göns, 12. Sept. Am Samstag wurde vom hiesigen G e f l ü g e I z u ch t v e r e i n- ein Schulungsabend durchgeführt. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden May, der auch die Vereinsführer von anderen Orten begrüßte, sprach der Kreisvorsitzende H e ß (Watzenborn-Steinberg) über die Aufgaben, die den Geflügelzüchtern innerhalb des Vierjahresplanes erwachsen. Er ordnete seine Ausführungen nach vier Punkten: Stallung, Fütterung, Tiermaterial, Leistung. Besonderen Wert legte er auf die Forderung, daß sich alle organisierten Geflügelzüchter beratend betätigen und andere Geflügelhalter aufklären. Die Ausführungen wurden durch wirksame Anschauungsbilder ergänzt. 4= Aus dem Hü11enberg, 12. Sept. Der Zweigverein „H ü 11 e n b c r g" vom VHC. unternahm am . gestrigen Sonntag seine letzte diesjährige Tageswanderung. Die Bahn brachte die Teilnehmer zunächst ins Bufeckertal nach der Station Großen-Buseck. Von da führte der Weg bei schönstem Herbstwetter über Beuern, durch herrlichen Hochwald nach Allertshausen, und dann steil ab ins Lumdatal nach Londorf. Nach einer Mittagsrast wurde bie schöne Kirche in Lonbors besichtigt. Am Nachmittag ging es zum Sickler Teich (Wasserscheide zwischen Ohm- und Lumdatal), der unter Naturschutz steht, bann weiter durch schönen Wald nach Nordeck, dem Endziel der Wanderung. Die Rückreise erfolgte von Londorf mit der Bahn. $ Steinbach, 13. Seot. Am Donnerstag, 15. September, kann Heinrich Arnold IV., von Beruf früher Maurer, seinen 8 0. Geburtstag feiern. Der Gesundheitszustand des alten Herrn ist noch so gut, daß er immer noch von früh bis spät tätig sein kann. Vor vier Jahren konnte er das Fest ber Goldenen Hochzeit feiern; seine Ehefrau Carolina Sophie, geb. Roth, ist 79 Jahre alt. #Daubringen, 13. Sept. Unsere Kriegerkameradschaft führt zur Zeit ein öffentliches Scheibenschießen durch. Es wirb auf eine Entfernung von 100 Meter mit Wehrmannsbüchse geschossen. Bis jetzt ist Schießleiter Heinrich B i e r a u von hier der beste Schütze. Mit 12 Schuß schoß er 140 Ringe. CO Beuern, 12. Sept. Der hiesige Konsumverein hielt bei Mitglied Gastwirt Ranft eine außerordentliche Generalversammlung ab, in der eine Namensänderung des Vereins beschlossen wurde. Entsprechend einem einftimntigen Beschluß führt die Genossenschaft in Zukunft den Namen „Landwirtschaftliche Bezugs - unb Absatzge - nossenschaft Beuern". Direktor Schwalb gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Mitglieder auch fernerhin der Genossenschaft die Treue halten möchten und die Genossenschaft auch in Zukunft bie gleich günstige Entwicklung nehme, wie seither. Im weiteren Verlaus wurden noch Fragen ber Saat- gutbeschoffung besprochen. — Die Schulkinder unseres Ortes haben sich wieder in den Dienst der Erzeugungsschlacht gestellt. Sie sind gegenwärtig damit beschäftigt, den von der Gemeinde gebauten und geernteten Flachs in der Gemeinde- scheuer zu rjffeln. Kreis Alsfeld. A Alsfeld, 13. Sept. Am Sonntag veranstal« tete ber hiesige G e s ch i ch t s - unb Altertumsverein in Gemeinschaft mit dem Zweigverein Alsfeld des VHC. einen Ausflug nach sofort bie Scheibung ein, bie ausgesprochen wurde, während er noch in Hntersuchungshaft saß. Er hatte keinerlei Widerspruch erhoben, sondern die Angelegenheit nach Möglichkeit erleichtert. Daß diese Scheidung ihn in ber Öffentlichkeit stark be- lastete, schien ihm gleichgültig zu fein, um fo mehr erbitterte es seinen Onkel, dessen stille Abneigung gegen bie Frau des Neffen sich nunmehr in Haß verwandelte. Als Geralb zuerst nach Rehwaldau kam, war Friedrich Clemens zu sehr getroffen von dem Verlust seiner Familie, zu sehr verbittert durch das Schicksal, um seinen Neffen irgend welche Empfindungen entgegenbringen zu können. Im Gegenteil, er mußte zuerst immer ein wehmütiges Gefühl Niederkämpfen, wenn er ihn an hem Platz sah, der eigenttich feinen Söhnen gehörte. Die Zeit linderte sein Leid, und im gleichen Maß wuchs das Interesse für ben Jungen, ber einmal auf dem altererbten Besitz ber Herr fein würde, und allmählich kamen sich Onkel und Neffe näher. Wenn bas Schicksal ihm auch die Söhne enttissen hatte, so hatte es ihm doch einen würdigen Erben gelassen, davon konnte er sich von Jahr zu Jahr mehr überzeugen. Die Heirat mißbilligte er, aber er versuchte nicht, sie zu verhindern. Er wußte, Gerald war von seiner Art, und was die Heßlings sich einmal in den Kopf gesetzt hatten, das kämpften sie durch. Unb es war mehr, um Gerald aufzurütteln, als um ihm Schwierigkeiten zu machen, daß er ihm das Geld ver-- weigerte; nach ein paar Tagen hätte er es doch gegeben. Da kam dieser Zwischenfall. Seine Wunde war nicht tödlich, nicht einmal schwer. Aber bei seinem Alter mußte man vorsichtig fein, unb es dauerte fast vier Wochen, bis er erfuhr, daß fein Neffe in Hntersuchungshaft faß und Carola bie Scheidung ein gereicht hatte. Er regte sich derart auf, daß man mehr für feine Gesundheit fürchtete als unmittelbar nach dem Schuß, und trat sofort auf das entschiedenste für seinen Neffen ein. Friedrich Clemens wußte, was der Verrat ber geliebten Frau für diesen Mann bedeutete, auch ehe Gerald ihm sagte, daß er sofort nach Erledigung des Falles Europa für immer verlassen wollte. Der alte Clemens hatte bisher Carola geduldet, weil fein Neffe sie liebte. Daß ihn diese Frau jetzt wieder in die Einsamkeit zurücksinken ließ, ihm den Nachfolger verjagte, den er längst als Sohn be- ttachtet hatte, das war es, was seine Abneigung in offenen Haß verwandelte. (Fortsetzung folgt!) 9J.Jport noch Wirtschaft Spar- drittes Tor für sich buchen konnte. Handball im Kreis Gießen Börse Leichtaihlelik-Großkamps aus dem Waldsporiplatz oder daß sich im Endstand ein vollkommen Bild über die tatsächliche Stärke der beiden 11,5 ; 3. Hessen-Nassauischer Sparkaffentag 1938. (mit Krä- Auf einer am letzten Sonntag in Kassel stattgefundenen Besprechung der Kreisfachwarte und Staffelleiter wurde der Beginn der Pflichtspiele für die Staffel 4 der Bezirksklasse auf den 25. September festgesetzt. Die dazwischen liegende kurze Zeitspanne erklärt sich aus der Tatsache, daß jeder Sonntag be=c nutzt werden muß, um die Spiele der aus 11 Mannschaften bestehenden Staffel alle rechtzeitig unter Dach und Fach zu bringen. — Die 1. und 2. Kreisklasse beginnen wahrscheinlich am 2. Oktober, während die Jugend am 9. Oktober eingesetzt wird. Nachdem inzwischen bereits eine Reihe von „Probetreffen" stattgefunden hat, läßt sich auch die Auswirkung der neuen 13-m-Regel übersehen. Für viele Vereine, aber auch für einen großen Teil der Zuschauer, wird es sehr schwer fallen, sich einzupassen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Ausgang eines Spieles noch in letzter Minute durch einen leichtsinnig herbeigeführten Wurf entschieden wird falsches Mann- 47,5 Sek.; 3. TG. Friedberg, 49,2 Sekunden. Vereinszweikampf der Jugend A. DfB.-R. — Io. Heuchelheim 51:27. 10 0 Meter: 1. E. Rinn, Heuchelheim, Sekunden; 2. G. Menzel, BfB.-R., 11,7 Sek. Als die Korpsführung den Motorsturm 4/M. 147 mit der Vertretung des RSKK. beim Basketballturnier der NS.-Kampfspiele betreute, war es klar, daß zu einem ehrenvollen Abschneiden sehr viel Arbeit gehörte. Ein eifriges, zielbewußtes Training setzte ein, das seinen Abschluß durch einen Lehrgang fand. Gut gerüstet ging die Fahrt am 4. September nach Altdorf bei Nürnberg ins Sportlager des NSKK. hier waren alle Leistungssportler des NSKK. zusammengezogen. In dem alten Städtchen, auf dessen ehemaliger Universität auch Wallenstein studierte, verlebten die Männer des 4/M. 147 Tage schönster Kameradschaft mit den anderen Kampfspielteilnehmern, von denen sehr viele aus der Ostmark stammten. Bei der Auslosung zum Turnier hatten die Gießener insofern Pech, als sie im ersten Spiel gegen die Nationalmannschaft'antreten mußten. Trotzdem ging es mit frischem Mut in den Kampf, denn wenn auch die Reichsmannschaft über die besseren Einzelkönner verfügte, so war doch noch Hoffnung vorhanden, durch bessere Mannschaftsarbeit ehrenvoll abzuschneiden, schon deshalb, weil der Gegner in einem Trainingsspiel in Gießen knapp geschlagen worden war. Leider kam es anders! Durch allzugroße Nachsichtigkeit des-Schiedsri^hters gegenüber der DRL.- Mannschaft waren die NSKK.-Männer etwas deprimiert und lagen bei Halbzeit schon mit 20:3 im Rückstand. Die zweite Halbzeit war dafür ausgeglichen und beim Schlußpfiff war das Spiel mit 26:9 verloren. Das nachfolgende Spiel sah die jf mit 32:12 über das NSFK. siegreich. Da im k. o.-System gespielt wurde, kamen die Hessen nur noch für den 3. Platz in Frage. , Diesen eroberten sie sich im schönsten Spiel des Turniers. — Gegner war das NSFK. In einem technisch und taktisch überlegenem Spiel wurden die Flieger mit dem Endergebnis von nicht weniger als 36:2 überzeugend geschlagen. Deckung und Angriff arbeiteten hervorragend und ließen den Gegner zu keiner Aktion kommen. Bei der Siegerehrung überreichte der Reichssportführer persönlich den Männern die Siegerplaketten und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß ein einziger Sturm eine so erfolgreiche Mannschaft stellte. Es war ein besonderes Erlebnis für die Männer, daß sie am Sonntagmorgen die Kundgebung in der Luitpoldarena mitmachen und zusammen mit den anderen Kampfspielteilnehmern im ersten Marschblock am Führer vorbeimarschieren durften. 59 Punkte. Eugene: 1. Willi Bepperling 118 Punkte, 2. Hugo Schreiner 103, 3. Wilhelm Ott 82, 4. Walter Ott 81, 5. Erich Marschek 79, 6. Kurt Felde 70, 7. R. Schubecker 65, 8. R. Erdmann und Alfred Spaar je 54, 9. Ernst Sauer 52 Punkte. VfB.-R., 2:20,7 Min.; 2. Rinn, Heuchelheim, 2:25,8 Min.; 3. Kreuter, Heuchelheim, 2:27 Min. — hoch- sprung: 1. Rinn, Heuchelheim, 1,55 Meter; 2. Diedrich, DfB.-R., 1,52 Meter; 3. Rühl, VfB.-R., 1,52 Meter. — Weitsprung: 1. h. Mootz, DfB.-R„ 5,49 Meter; 2. Diedrich, VfB.-R., 5,45 Meter; 3. Krüger, Heuchelheim, 5 Meter. — Kugel- schaften widerspiegelt. Das Handballspiel wird durch die neue Regelung zweifellos für das Auge schöner und im Kamps „Mann gegen Mann" auch anständiger. Die Schiedsrichter jedenfalls haben Anweisung, mit der ganzen Strenge der Bestimmungen durchzugreifen und keinerlei Nachsicht walten zu lassen. Die Spiele des letzten Sonntags: Der Mtv. Gießen hatte die 1. und Jugendmannschaft des Tv.s Garbenheim zu Gast, die beide sehr schöne Spiele lieferten. Der VfB.-R. gab eine gute Antrittsvorstellung. Die Mannschaft, die erst vor einiger Zeit zusammengestellt wurde, gewann ziemlich klar gegen Dutenhofen 15:10. — Die Heuchelheimer warteten vergeblich auf den Gegner. MSV. Hanau trat trotz ordnungsgemäßer Zusage nicht an. st o ß e n- 1 Sack, Heuchelheim, 11,89 Meter; 2. Herrmann, VfB.-R., 10,45 Meter; 3. h. Mootz, VfB.-R., 9 47 Meter. — Diskuswerfen: 1. Sack, Tv. Heuchelheim, 28,90 Meter; 2. Kreiling, Heuchelheim, 23 77 Meter; 3. Herrmann VfB.-R., 22,87 Meter. _ 4X100-Meter-Staffel: 1. VfB.-R. 48,8 Sek.; 2. To. Heuchelheim 53,8 Sek. Rundfunkprogramm Donnerstag, 15. September. 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik. 6.30: Frühkmnert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk. Volksliedsingen. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert (Fortsetzung) 14: Nachrichten. 14.10: Tip — Top! 15: Für unsere Kinder: „Zwetschenkuchen". 16: Aus dem Palmengarten Frankfurt a. M.: Nachmittagskonzert. 17: England — Deutschland. Spielende Dorfkinder dort und hier. 17.30 Nachmittagskonzert (Fortsetzung). 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19: Allerlei vom Sport der Woche. 19.10: O holde Frau Musica. 20: Nachrichten. 20.15: Adolf Hitler: Mein Kampf, Hauptamtsleiter Pg. Baur spricht anläßlich der Vier-Millionen-Auflage des Führerbuches. 20.30: Unser singendes klingendes Frankfurt. 22: Nachrichten. 22.20: Unsere Kolonien. 22.30: Volks- und Unterhaltungsmusik. 24; Nachtkonzert I, VfB.-R., 12,55 Meter; 3. Lang? To. Heuchelheim, 11,56 Meter. — 4X100-Meter-Staffel: 1. VfB.-R. Gießen, 46,9 Sek.; 2. To. Heuchelheim, Kälber und Schafe rege. Rhein-Mainische Börse. rMllagsbörse schwächer. Frankfurt a. M., 13. Sept. An der Film: Deutsche Amateur-Meisterschast im Einer-Streckenfahren Die Gießener Radfahrer-Vereinigung hatte für den vergangenen Sonntag ihre Mitglieder und Freunde zu einem Filmabend in den Burghof eingeladen. Vereinsführer E. Hauck hieß die Besucher, die den Saal bis auf den letzten Platz füllten, herzlich willkommen und erinnerte in kurzen Zügen an die großen Veranstaltungen, die der Rad- fportsaison 1938, die Ruhmesblätter in der Geschichte der Radfahrer-Vereinigung geworden feien. Im Anschluß daran wurde ein Film gezeigt, der die Radrennen bei den Olympischen Spielen im Jahre 1936 zeigte, die in vielen Bildern festgehalten waren. Mit besonderem Interesse erwartete man dann den Filmstreifen, von der durch die Gießener Radfahrer-Vereinigung veranstalteten Deutschen Amateur-Meisterschaft im Einer-Streckenfahren. In rascher Folge sah man Bilder vom Start, der'eindrucksvoll bewies, welche bedeutungsvolle Veranstaltung das Rennen darstellte. Dann folgten einige Szenen aus dem Rennen, insbesondere auf der schlechten Wegstrecke bei Staufenberg, die so vielen Fahrern zum Verhängnis geworden war. Den Abschluß bildeten Zeitlupenaufnahmen vom Ziel, die die letzten Meter des Kampfes in allen Einzelheiten erkennen ließen. Die Zuschauer folgten mit größter Aufmerksamkeit und bedauerten nur, daß man nicht auch Ausschnitte aus dem hochinteressanten Rennoerlauf zu sehen bekam. F.-Gp.-V. 1926 Steinbach. Steinbach I — Watzenborn-Steinberg II 3:2 (1:1). Am Sonntag trug Steinbachs neu um gruppierte 1. Mannschaft ein Freundschaftsspiel in Watzenborn- Steinberg aus. Das jederzeit anständig durchgeführte Spiel begann mit beiderseitigen forschen Angriffen, die jedoch vorerst nichts einbrachten. Durch sammen. Es kamen ausgezeichnete Leistungen zustande. Schleenbecker übersprang 1,90 Meter einwandfrei, in der Mitte gemessen (wahrscheinlich deutsche Bestleistung für Junioren) während zwei Jugendliche (Bepperling und h. Schreiner) im Hochsprung auf 1,70 bzw. 1,65 kamen, ebenfalls gute Leistungen für Jugendliche. Schleenbecker stieß schließlich noch fünf Hebungen), 2. Karl Will 100, 3. Hans mer 94, 4. Emil Becker und Otto Bodenbender je 92, 5. August Wicke 88, 6. Karl Spaar 84, 7. Heinrich Wicke'82, 8. Ernst Bodenbender 79, 9. Karl Erdmann 78, 10. Willi Karber 68, 11. Karl Schwarz II. Vergangenen Sonntag herrschte auf dem Waldfportplatz des VfB.-R. Hochbetrieb. Die Jugendlichen der TG. Friedberg, des Tv. Heuchelheim und des VfB.-Reichsbahn traten zu Mannschaftskämpfen an. Ferner die Frauen der TG. Friedberg und des VfB.-R. Es gab eine Fülle hervorragender Leistungen und prächtige Kämpfe. Die Ergebnisse. Frauen: DfB.-R. Gießen — TG. Friedberg 21:13. 100 Meter: 1. L. Diehl, VfB.-R., 13,3 Sek.. 2. Frau hink, Friedberg, 13,5; 3. Elfr. Schmidt, VfB.-R., 14,2 Sekunden.-— Weitsprung: 1. Frau hink, Friedberg, 4,84 Meter; 2. L. Diehl, DfB.-R., 4,71 Meter; 3. Luise Weber, VfB.-R., 4,30 Meter. — Kugelstoßen: 1. Elfr. Schmidt, VfB.-R., 9.57 Meter; 2. Gertrud Muhl, VfB.-R., 9,35 Meter; 3. Frau hink, Friedberg, 8,36 Meter. 4 X 100 - Meter - Staffel: 1. VfB.-R., 54,6 Sekunden; 2. TG. Friedberg, 55,2 Sekunden. Dereinsdreikampf Jugend A. 1. DfB.-R. Gießen 49 Punkte; 2. Tv. Heuchelheim 32 Punkte; 3. TG. Friedberg 30 Punkte. 100 Meter: 1. E. Rinn, Heuchelheim, 11,5 Sek.; 2. G. Menzel, VfB.-R., 11,7 Sek.; 3. Lang, Tv. Heuchelheim, 12 Sekunden. — 400 Meter: 1. Messerschmidt, Friedbg., 56,8 Sek.; 2. W. Schwarz, DfB.-R., 57 Sek.; 3. K. Schäfer, VfB.-R., 58,1 Sek. — 1 5 00 Meter: t Messerschmidt, Friedberg, 4:26 Min.; 2. K. Gemmer, VfB.-R., 4:28,4 Min; 3. C. Heller, VfB.-R., 4:36,1 Minuten. — Weit- fprung: 1. G. Menzel, VfB.-R., 6,35 Meter; 2. E. Rinn, Heuchelheim, 6,28 Meter; 3. Gärtner, Friedberg, 5,71 Meter. — Kugel st aßen : 1. G. Menzel, VfB.-R., 13,52 Meter; 2. Artur Schmuck, 12 Meter Kugel. ' Die Ergebnisse: Aktive: 1. h. Schleenbecker 142 Punkte 4/JH147 beim VaskelbMurmer der AS.-Kampsspiele. NSG. Der diesjährige Hessen-Nassauische kassentag findet am 8. Oktober in Bad Salzschliss statt. Außer Ansprachen des Verbandsvorsitzenden, Dberbürgevmeister a. D, Dr. Stadler (Kassel), und des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und 146,25, Verein. Stahl von 99,50 auf 98,50, Mannesmann von 105 auf 104, Metallgesellschaft von 124 auf 122,50 AEG. von 108,50 auf 107 und Adlerwerke von 103,25 auf 102,50 zurück, anderseits waren Schuckert auf 167 nach anfangs 165,75 erhöht. Der Freiverkehr lag sehr ruhig. Din gier etwas schwächer mit 84,50 bis 86,50, auch Katz & Klumpp nur knapp gehalten mit 90 bis 91, im übrigen hörte man die letzten Bewertungen. Tagesgeld unDt. 2,50 d. h. Abendbärfe: Weitere Rückgänge. Jrn Anschluß an den Mittagsverkehr war auch die Abendbörse schwach gestimmt, da sich die Abgaben fortsetzten. Obwohl die durchschnittlichen Rückgänge von 0,50 bis 1,50 v. h. größtenteils Anpassungen an den Berliner Schluß darstellten, wurde auch dieser Stand vielfach noch bis zu l v. h. das an fti) schon geringe Geschäft völlig zusammen, unterschritten. Da auf dem ermäßigten Stand auch etwas Kaufinteresse oorlag, waren die Umsätze teilweise etwas lebhafter. Am stärksten ermäßigt lagen Bemberg mit 124,50 (127,50). Von Montanwerten verloren Rheinstahl 2 v. h. auf 132, Buderus 1,25 v. h. auf 106, Hoesch 1,25 v. h. auf 104,50, Deutsche Erdöl 1,50 v. h. auf 120, Mannesmann 0,50 v. h. auf 103,50 und Verein. Stahl 0,75 v. h. auf 97,75. JG.-Farben senkten sich auf 145,75 (146,25), Metallgesellschaft auf 122 (122,75), Scheideanstalt blieben zu 200 behauptet. Von Maschinenaktien ließen Demag 1,25 v. h. auf 139,50, Rheinmetall 1 v. h. auf 122 und Adlerwerke 0,50 v. h. auf 102 nach. Etwas erholt waren AEG. auf 107,75 (107), andererseits Gesfürel 126,50 (127,50). Von Schiffahrtsaktien ka- men Nordd. Lloyd nach Pause mit 63 zur Notiz. Am Einheitsmarkt fielen Kahlgrund Eisenbahn auf 30 (32) zurück, Bankaktien notierten unverändert. Renten lagen weiter sehr still und wenig verändert. Farben-Bonds wurden 0,13 v. h. niedriger gefragt mit 121,50 und Kommunal-Umschuldung bewegten sich bei 94,20 nach 94,25. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 13. Sept. Auftrieb: Kälber 537 (gegen 552 am 6. Sept.), hämmel und Schafe 409 (328), Schweine 1971 (1643). Notiert wurden je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Kälber a) 63 bis 65 (63 bis 65), b) 55 bis 59 (56 bis 59), c) 44 bis 50 (48 bis 50), d) 35 bis 40 (36 bis 40). hämmel b2) 46 bis 50 (50 bis 52), c) 41 bis 45 (42 bis 45), d) 36 bis 38 (38 bis 40); Schafe a) 39 bis 42 (39 bis 42), b) 33 bis 38 (36 bis 38), c) 23 bis 32 (25 bis 32). Schweine a) 59 (59), bl) 58 (58), b2) 57 (57), c) 55 (55), d) 52 (52); Sauen gl) 56 (56). Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt, hämmel und Schafe mittelmäßig. Giroverbandes ist ein Vortrag des Präsidenten des Institutes für Konjunkturforschung, Professor Dr. Wage mann (Berlin), über „Wachsende Staatsaufgaben in aller Welt" vorgesehen. Gießener Gchlachtviehmarkt. Zum gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Viehversteige- rungshalle Rhein-Main in Gießen wurden 5 Ochsen, 2 Bullen, 28. Kühe, 31 Färsen, 130 Kälber, 125 Schweine, 13 Schafe aufgetrieben. Preise: Ochsen 42 bis 44 Pf., Bullen 41 bis 42, Kühe 16 bis 42, Färsen 39 bis 43, Kälber 36 bis 61, Schafe 35 bis 46 Pf. je V2 kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,16 RM., Klasse bl (135 bis 149,5 kg) 1,14 RM., Klasse b2 (120 bis 135,5 kg) 1,12, Klasse c (100 bis 119,5 kg) 1,08, Klassen d bis f (unter 100 kg) 1,02, Klasse gl (fette Specksauen) und i (Altschneider) 1,10, Klasse g2 (andere Sauen) und h (Eber) 1,06 RM. Marktoerlauf: Großvieh und Schweine zugeteilt. Hessische Friseure tagen in Frankfurt. LPD. F r a n k f u r t a. M., 13. Sept. Die Bezirksstelle Hessen im Reichsverband des Friseurhandwerks hielt eine Tagung der Fachbeiratsleiter und Fachlehrer in Frankfurt a. M. ab, die von den 50 Innungen des Bezirks gut beschickt war. Der Bezirksinnungsmeister und kommistansche Bezirksfachbeiratsleiter W e i Öner (Frankfurt a. M.) erstattete das Hauptreferat und gab die Richtlinien für die künftige Arbeit bekannt, die ohne Eigennützigkeit allen Berufskameraden zugute kommen soll. Um das fachliche Leben aufs stärkste zu aktivieren, stellte er hauptsächlich folgende Punkte auf: Genaueste Prüfung aller modischen Neuheiten auf ihre nutzbringende Verwendung im Friseurhandwerk, jedwede Förderung des Nachwuchses und Heranziehung der besten Lehrlinge zu einem Lehrlings- Städtewettkampf, der im Frühjahr in Frankfurt stattfindet, zweckmäßige Vorbereitung aller Berufsangehörigen für ihre Meisterprüfung, soweit sie diese dis zum Schlußtermin im Jähre 1939 noch nachholen müssen. Zur praktischen Nutzanwendung führten Fachbeiratsmitglieder der Frankfurter Innung eine Reihe modischer und historischer Frisuren vor. Ferner wurde über Aufgaben des Friseurberufs im Nahmen des zweiten Vierjahresplanes gesprochen und allen Innungen zur Pflicht gemacht, sich für die Haarabfallsammlungen usw. nachdrücklich einzusetzen. Im Anschluß an die Beratungen fand das Abschlußfrisieren der Teilnehmer der Fortbildungskurse der Frankfurter Innung statt, das zeigte, welch hohe Leistungen durch die Schulungsmaßnahmen der Innungen erzielt werden. ein Mißverständnis des sonst sehr guten Torhüters von Steinbach gelang den „Teutonen" der erste Treffer. Jedoch lange sollte diese Freude nicht dauern. Bei einem plötzlichen Durchbruch des ausgezeichneten Mittelstürmers Kraft konnte der Torhüter der „Teutonen" den Ball gerade noch um den Pfosten lenken. Der von Kemmler gut hereingegebene Eckball wurde von Kraft unhaltbar zum Ausgleich verwandelt. Bei diesem Stande ging es in die Pause. Den Wiederbeginn eröffnete Steinbach mit fchönen Kombinationen des gesamten Sturmes. Vorerst reichte es nur zu einigen Eckbällen, die aber nichts einbrachten. Eine schöne Flanke von Kemmler krönte Hahn mit dem zweiten Treffer. In der 57. Minute kamen die „Teutonen" wieder auf 2:2 heran. Kraft riß nochmals feinen Sturm nach vorne, fetzte den Rechtsaußen ausgezeichnet ein, der den Ball gut aufnahm und sofort schoß. Vor dem Tor prallte der Ball Haas direkt vor die Füße; besonnen schoß er zum Siegestor ein. Steinbach hat bewiesen, daß es für die Verbandsspiele gerüstet ist. Die Mannschaft steht mit Deuker; Schmitt, Becker; Schneider, Becker, Arnold; Kemmler, Ordi, Kraft, Haas, Hahn. Klein-Linden 1. Jugend — Rodheim 1. Jugend 4:3 (1:1). Bei dem Freundschaftsspiel der beiden 'Jugendmannschaften am Sonntag trat Rodheim nur mit zehn Mann an, legte aber zu Beginn mächtig los und konnte bald den Führungstreffer erzielen. Zehn Minuten später glich Klein-Linden aus. Nach der Abturnen in Ruttershausen. Zchleenbecker erreicht im Hochsprung 1,90 Meter. Am Sonntag veranstaltete die Turneroere'inigung Ruttershausen bei günstigem Wetter ihr Abturnen. Die Beteiligung war außerordentlich gut. Geturnt wurde in zwei Stufen für Aktive und Jugendliche. Die Hebungen der Aktiven setzten sich aus einem Sechskampf (50-Meter - Kleinkaliberschießen, 75- Meter-Lauf, hoch- und Weitsprung, Kugelstoßen und Schleuderballwerfen), und die der Jugend aus einem Fünfkampf (100-Meter-Lauf, hoch- und Weitsprung, Kugelstoßen und Diskuswerfen), zuhat sich die Zurückhaltung eher verstärkt, insbesondere lagen Kaufaufträge der Kundschaft kaum vor, und auch die Aufnahmebereitschaft gegenüber dem in kleinem Umfange vorliegenden Angebot, das zumeist zu Glattstellungen resultierte, war nur gering. An den Aktienmärkten überwogen daher bei Eröffnung mäßige Rückgänge, die nur in einzelnen Werten stärkeres Ausmaß als 0,50 bis 1 v. h. erreichten. Verhältnismäßig matt lagen JG.-Farben mit 146,50 (148,50), Scheideanstalt mit 200 (203,50) und Th. Goldschmidt mit 125,50 (127,25). Bei Montanwerten hielten sich die Rückgänge in engen Grenzen mit minus 0,25 bis 0,50 0. h., nur hoesch verloren 1 v. h. und Mansfelder nach Pause 1,50 0. h. Maschinen- und Motorenwerte gaben bis 1 v. h. nach, Adlerwerke jedoch 2 v. h. gedrückt mit 103,25 und Rheinmetall minus 1,25 auf 123. Der Elektromarkt lag sehr still, AEG. bröckelten auf 108,50 (109,50) ab. Bei den übrigen zunächst nur spärlich notierten Werten waren keine Veränderungen von Belang festzustellen. Am R?ntenmarkt blieb das Geschäft ruhig. Weiter rückläufig lagen Reichsaltbesitz mit 129,25 (129,45), ebenso Kommunal-Umschuldung mit 94,25 (94,30). Reichsbahn-VA. unv. 123,65, ebenso Städte- Altbesitz mit 135 und späte Schuldbücher mit 98,65. Der Pfandbriefmarkt brachte nur bei Liquidationswerten geringfügige Abweichungen, wie auch Industrie-Obligationen und Stadtanleihen keine einheitliche Haltung aufwiesen. Staatspapiere notierten zumeist unverändert. . Im Verlaufe schrumpfte am Aktienmarkt so daß weitere Schlüsse kaum erfolgten. Die Kurse blieben auf dem Anfangsstand gut behauptet und wurden zum Teil mäßig höher bewertet. Farbenindustrie erholten sich um 0,50 v. h. auf 147 und Berger Tiefbau um 0,65 v. h. auf 143,65. Die später notierten Papiere wiesen nur leichte Schwankungen auf, wobei am Elektromarkt mäßige Befestigungen überwogen.. Anderseits gingen Südd. Zucker um 3 d. h. auf 205 und Holzmann um 1,50 0. h. auf 145,25 zurück. Der Schluß der Börse war allgemein schwächer. JG.-Farben fielen von 147,25 auf der zwischen Angersbach und Bad Salzschlirf gelegenen Burgruine Wartenberg, auf der gegenwärtig unter Leitung von Studienrat i. R. Maurer (Lauterbach) Ausgrabungen ftattfinben. Dieser hatte auch für den Alsfelder Besuch die Führung durch die Burgruine übernommen. In interessanten Ausführungen gab Studienrat Maurer an Hand zahlreicher Funde einen Heberblick über die einstige Burg. Don besonderem Interesse ist die Feststellung, daß sich unterhalb der Burgmauern älteres Mauerwerk befunden hat, das in die germanische Zeit gehört. Auch dos Wappenschild der Burgherren von Wartenberg ist gefunden worden. Nach zweistündigem Aufenthalt auf der Burg nahmen die Besucher mit herzlichen Dankesworten Abschied von der Lauterbacher Führung, um in dem nahen Bad Salzschlirf noch einige gesellige Stunden zu verleben. Im Zusammenhang mit den Ausgrabungen hat der Alsfelder Geschichts- und Altertums- nerein sich erneut mit dem Plan befaßt, eventuell auch Ausgrabungen an der Alsfelder Burg, der nachweislich ältesten Befestigung in Alsfeld, vorzunehmen, deren Umriffe noch gut erhalten sind. kreis Wehlar. c Frankenbach, 12. Sept. Gemeinderechner Johannes Brück, der seit nahezu 18 Jahren das Amt des Gemeinderechners bekleidet, schied am 31. August aus gesundheitlichen Gründen und wegen seines vorgeschrittenen Alters aus dem Dienst. Seine Amtsführung war stets vorbildlich. Er erfreut sich aller Beliebtheit. Im Weltkrieg kämpfte er vier Jahre mit, verlor zu Ende des Krieges das rechte Bein und geriet in englische Gefangenschaft. Lang, Heuchelheim, 12 Sekunden. — 4 00 Meter: 1. W. Schwarz, DfB.-R., 57 Sek.; 2. K. Schäfer, DfB.-R., 58,1 Sek.; 3. Hahn, Heuchelheim, 59,9 Sekunden. — 1 5 0 0 Meter: 1. K. Gemmer, DfB.-R., 4:28,4 Min.; 2. C. Heller, DfB.-R., 4:36,1 Min.; 3. Bepler, Heuchelheim, 4,44 Minuten. — Hochsprung: 1. W. Schwarz, VfB.-R., 1,70 Meter; 2. G. Marquardt, VfB.-R., 1,65 Meter; 3. Schmidt, Heuchelheim, 1,55 Meter. — Weit- fprung: 1. G. Menzel, VfB.-R., 6,35 Meter; 2. E. Rinn, Heuchelheim, 6,28 Meter; 3. E. Oehler, VfB.-R., 5,62 Meter. — Diskuswerfen: 1. Artur Schmuck, VfB.-R., 32,33 Meter; 2. Rudi Büdenbender, DfB.-R., 32,15 Meter; 3. Lang, Heuchelheim, 29,60 Meter. — Kugelstoßen: 1. G. Menzel, VfB.-R., 13,52 Meter; 2. A. Schmuck, VfB.-R., 12,55 Meter; 3. Lang, Heuchelheim, 11,56 Meter. — 4X1 00-Meter-Staffel: 1. VfB.- Reichsbahn, 46,9 Sek.; 2. Tv. Heuchelheim, 47,5 Sekunden. — 10 X - V2 - Rundenstaffel : 1. DfB.-R., 4:32 Min.; 2. Tv. Heuchelheim, 5:27,3 Minuten. Wannschaftskampf. DfB.-R. — Tv. Heuchelheim Jugend B 35:29. 1 00 Meter: 1. Diedrich, VfB.-R., 12,1 Sek.; 2. Herrmann, VfB.-R., 12,5 Sek.; 3. Krüger, Heuchelheim, 13,3 Sek. — 8 0 0 Meter: 1. Cawein, Halbzeit waren die Platzbesitzer stark überlegen und übernahmen mit ihrem zweiten Tor die Führung, jedoch konnte Rodheim erneut ausgleichen. Allmählich machte sich aber die zahlenmäßige Unterlegen* heit der Gäste stark bemerkbar, und Klein-Linden konnte zwei weitere Tore schießen. Im Gefühl ihres sicheren Sieges fielen die Gastgeber aber gegen Spielende ab, so daß Rodheim noch ein drittes