Nr. ui «Erftes Blatt 188. Jahrgang 8reitag,l5. mal 1958 krschettn tflgHd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Sezugsprelr: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte . 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Poftschecttomv: Zranifurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen DruÄ und Verlag: vrühlsche UniversttätZdruckerei R. Lange in Gießen. Schriftiettvng und Geschäftsstelle: §chuistratze ? Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis8'/.UHr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Text- anzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/, mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen«, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheilsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bader-, Unterrichts- tu behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Die Aufgabe Prags. Von unserem Ea.-Äerichtersiaiter. Prag, Mai 1938. Die Rückkehr der Ostmark ins Deutsche Reich hat die tschechoslowakische Innen- und Außenpolitik vor vollkommen neue Aufgaben oe= stellt. Die von der Prager Regierung seit Bestehen des Staates bewußt umgangenen Probleme erfordern nunmehr eine sofortige Lösung, die ohne eine Aenderung der gesamten politischen Linie undenkbar ist; denn es handelt sich jetzt nicht allein um die Lösung der Probleme, wie sie seit Jahren bestanden, sondern es muß unbedingt der veränderten Lage in Mitteleuropa Rechnung getragen werden. Dies um so mehr, als gerade die jüngsten Ereignisse die sudetendeutsche Entwicklung entscheidend beeinflußt und gestärkte haben. Die Scheinlösung der sudetendeutschen Frage durch die Versprechungen des 18. Februar 1937 an die ehemaligen deutschen aktivistischen Splitterparteien mußte zusammen- brechen. Denn einerseits stand die überwältigende Mehrheit der Sudetendeutschen abseits, andererseits haben aber die noch völkisch fühlenden deutschen „Aktivisten", der Bund der Landwirte und die deutschen Christlichsozialen, bald einsehen müssen, daß mit Versprechungen, denen keine Taten folgten, den Sudetendeutschen nicht geholfen werden kann. Sie haben aus dem Versagen der aktivistischen Politik die notwendigen Folgerungen gezogen; aber auch auf tschechischer Seite hat man einsehen gelernt, daß es unbedingt notwendig ist, daß die Prager Regierung mit den berufenen Stellen über eine wirkliche Lösung des sudetendeutschen Problems verhandelt. Das ist heute einzig und allein die Sudetendeutsche Partei, die unter Führung Konrad Henleins das gesamte nichtmarxistische Sudetendeutschtum, mehr als 90 v. H. der gesamten Volksgruppe, in sich vereinigt. Diese Erkenntnis hat sich aber nicht nur in Prag, sondern auch in den übrigen Hauptstädten Europas, vor allem in London und Paris, durchgesetzt und in zahlreichen ofsiziellen und inoffiziellen Auslassungen führender Staatsmänner ihren Niederschlag gefunden. Die Londoner Konferenz mußte sich mit der brennenden Frage beschäftigen, durch eine rasche und zufriedenstellende Lösung der Volksgruppenfrage in der Tschechoslowakei ein großes Gefahrenmöment für den europäischen Frieden aus der Welt zu schaffen. Die diplomatischen Vertreter Englands und Frankreichs haben der tschechoslowakischen Regierung die Wünsche und Ratschläge der Westmächte übermittelt, die dahin gehen, den sudetendeutschen Forderungen bis zur äußersten Grenze Rechnung zu tragen, d. h. alles zu tun, was mit der Integrität und Unteilbarkeit des Staates noch vereinbar ist. Die Karlsbader Erklärungen Konrad Henleins haben die sudetendeutschen Forderungen genau umschrieben und volle Klarheit geschaffen. Das Sudetendeutschtum verlangt volle Gleichberechtigung und Gleichrangigkeit mit dem tschechischen Volke sowie eine Anpassung der tschechoslowakischen Außenpolitik an die neuen mitteleuropäischen Verhältnisse, damit sie sich inlinern Fall gegen das benachbarte neue Großdeutschland richtet. Eine solche Aenderung der Außenpolitik würde aber unbedingt ein Abrucken von Moskau notwendig machen. Diese Punkte der sudetendeutschen Forderungen müssen ebenso berücksichtigt werden wie das Bekenntnis Konrad Henleins zur Weltanschauung des gesamten deutschen Volkes, soll ein wirklicher Ausgleich zustandekpmmen. Während die Prager Regierung mit einer offiziellen Stellungnahme zu den sudetendeutschen Forderungen bis heute noch zurückhält, hat die tschechische Presse in schärfster Weise eine entschiedene Ablehnung zum Ausdruck gebracht. Besonders nach den machtvollen Kundgebungen des geeinten Sudeten- deutschtums am 1. Mai setzte eine planmäßige antideutsche Kampagne der tschechischen Presse ein, die nicht dazu beiträgt, eine günstige Atmosphäre für die kommenden Verhandlungen zu schaffen. In welcher Weise die Prager Hetzpresse die tschechische Bevölkerung im deutschsprachigen Gebiet aufgeputscht hat, beweisen die Zusammen st öße, die sich bis m die jüngsten Tage hinein in zahlreichen deutschen Orten ereignen. Selbst in Prag kommt es immer öfter vor, daß Deutschsprechende auf der Straße von tschechischen Chauvinisten tätlich angegriffen werden. Die ständigen Zwischenfälle zeigen nur zu deutlich daß es der tschechischen Exekutive trotz des vielleicht vorhandenen guten Willens nicht mehr möglich ist, dem ^aß Einhalt zu gebieten, der m unverantwortlicher Weise von- der tschechischen Presse immer noch aufs neue geschürt wird. Nur der mustergültigen Disziplin der sudetendeutschen Bevölkerung ist es zuzuschreiben, daß unabsehbare Folgen des immer stärker aufflammenden Deutschenhasses verhindert werden konnten. _ __,, Die bedenkliche innerpolitische Spannung, welche gegenwärtig über allen Teilen des tschechoslowakischen Staatsgebietes liegt, erfordert rasches und entschlossenes Handeln der Prager Regierung. Bisher hat sie von ihrer Seite aus ein Nationalitäten st atut angekundigt, an bem aber immer noch „fieberhaft" gearbeitet wir- 3 diesem Statut sollen die Rechte aller nichttschechischen Volksgruppen des Staates gesetzlich verankert werden. lieber den Inhalt sind offiziell noch keinerlei Einzelheiten bekanntgegeben. Doch kann man aus Andeutungen der tschechischen Reglerungspresse entnehmen, daß den Forderungen der.sudetendeutschen Volksgruppe nur 311 eine m T e 1 l Rechnung ge fragen werden soll, obwohl Konrad Henlein am 1 Mai ausdrücklich betonte, daß er von den in Karlsbad aufgestellten Forderungen nichts ZU- rückzunehmen habe, daß sie melmehr die ge- Die Sudetendeulsthen fordern entschlossenen Kurswechsel der Prager Regierung. Erklärungen des Abgeordneten Kundt im Prager Parlament. Prag, 12. Mai. (Europapreß.) Im Abgeordnetenhaus erklärte Abgeordneter Kustdt, der Vorsitzende des Parlamentarischen Klubs der Sudetendeutschen Partei, daß das in Vorbereitung befindliche Gesetz über die Versorgung der langdienenden Unteroffiziere in Anbetracht des Ernstes oer inner- politischen Lage zurückgestellt werden müsse. Der Sudetendeutschen Partei sei es trotz der Versprechungen der Regierung unmöglich, zu glauben, daß bei dieser der Wille vorhanden sei, das für Europa unheilvolle innerstaatliche System zu ändern. Abgeordneter Kundt verwies vor allem auf die Tatsache, daß trotz wiederholter Einsprüche der Sudetendeutschen Partei die bisher bei Spionagefällen angewandte Praxis der tschechoslowakischen Justiz keine Aenderung erfahren habe. Er betonte ferner, daß im Gegensatz zu den Versprechungen der Regierung nur in 738 deutschen Gemeinden Wahlen ausgeschrieben wurden, obwohl mehrals3000deutsche Gemeinden vorhanden sind. Abgeordneter Kundt stellte vor allem fest, daß die Regierung nicht in der Lage sei, gegenüber deutschfeindlichen Ausschreitungen der tschechischen Bevölkerung durchzugreifen und fordere von der tschechoslowakischen Regierung zum Zeichen ihres guten Willens eine öffentliche Verurteilung dieser Geschehnisse und eine Bestrafung der schuldigen Organe des Staates und der Armee, sowie Bericht an die Nationalver- samml"ng. Anhand einer Photographie mies Abgeordneter Kundt nach, daß er selbst bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und der sudetendeutschen Bevölkerung von der Polizei geschlagen wurde. Abgeordneter Kundt führte bittere Klage über das Verhalten eines Teils der tschechischen Presse, die in ihrem Feldzug gegen das Sudetendeutschtum sich soaar zur öffentlichen Boykotthetze verleiten lasse. Während Kvnrad Henlein und die sudetendeutschen Parteistellen seit Wochen die mit Recht erbitterte sudetendeutsche Bevölkerung zur Ruhe und Ordnung angehalten hätten, sei nichts gleichartiges von den Leitern der tschechischen Regierungsparteien geschehen. Auch die Ungarn fordern Gleichderechlgung. Budapest, 12. Mai. (DNB.) Der Präsident der vereinigten ungarischen Parteien, Abgeordneter I a r 0 ß, und der Abgeordnete E st e r- hazy haben der Prager Regierung eine Denkschrift über die Forderungen der ungarischen Volksgruppen überreicht, in der sie Einstellung der Entnationalisierungsaktionen, Ueberprü- fung der jüngsten Volkszählung, Errichtung einer ungarischen Universität und Anerkennung der in Ungarn erworbenen Diplome verlangen. Abgeordneter Jaroß betonte, das Programm der ungarischen Parteien verlange die vollkommene Gleichberechtigung aller in der Tschechoslowakei lebenden Volksgruppen, Joroie die Autonomie für die Slowakei und Karpatho- rüßland. Dieses Programm könne nur durch die Schaffung einer neuen Verfassung verwirklicht werden, an deren Ausarbeitung sämtliche im Staate lebenden Volksgruppen teilnehmen müßten. Mermerc fordert Zurückhaltung Englands Die Franzosen Gefangene ihrer eigenen Torheiten. London, 13. Mai. (DNB. Funkspruch.) Viscount Rothermere behandelt in der „Daily Mail" die Stellung Frankreichs zur Tschechoslowakei. Er schreibt: „Die britische Regierung solle sich in allen Gesprächen mit französischen Ministern große Zurückhaltung auferlegen. Diese Herren nämlich sind die Gefangenen ihrer eigenen Torheiten. Sie wissen wohl, daß das französisch-tschechische Bündnis für Frankreich gefährlich ist und in Frankreich selbst außerordentlich unpopulär ist. Aber sie finden keine Möglichkeit, davon loszukomme n." Ein großer Teil des französischen Parlaments fordere die Aufgabe dieses Vertrages und mindestens die Hälfte der französischen Presse sei scharf gegen ihn eingestellt; sogar hohe französische Militärkreise hätten ihre Bedenken geäußert. Außer in kommunistischen und marxistischen Kreisen gelte Prag, die Hauptstadt der Tschechoslowakei, m Frankreich als ein Vorposten Moskaus. England sollte sich in mitteleuropäischen Fragen völlig freie Hand behalten und sich weigern, an irgendeinem Plan mitzuwirken, Deutschland zu schädigen. „Unsere Interessen liegen nicht in Europa. Wir sind ein ozeanisches Volk und sollten daher an unserer historischen Rolle als seefahrende Nation festhalten. Je schneller das tschechoslowakische Problem geregelt wird, um so besser! 'Das tschechoslowakische Problem ist gegenwärtig ein Geschwür im Herzen Europas, das die Beziehungen zu der einen Hälfte Europas vergiftet." Die Anerkennung Mandschukuos. Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Berlin, 12. Mai. (DNB.) In Ausführung der Erklärung des Führers und Reichskanzlers in seiner Reichstagsrede vom 20. Februar dieses Jahres, daß Deutschland Mandschukuo anerkennen werde, wurde am 12. dieses Monats im Auswärtigen Amt durch den Staatssekretär Freiherrn von Weizsäcker und den Handelsbeauftragten von Mandschukuo, Hiyoshi Kato, em Vertrag unterzeichnet. Der Vertrag bestimmt die sofortige Aufnahme diplomatischer und konsularischer Beziehungen zwischen den beiden Staaten und sieht ferner den baldigen Beginn von Verhandlungen über einen Konsular-, Handels- und Schiffahrtsvertrag vor. Zwischen beiden Ländern besteht bereits ein reger Handelsverkehr. Mandschukuo ist flächenmäßig gut doppelt s 0 groß als das Deutsche Reich, aber mit 37 Millionen Menschen verhältnismäßig dünn besiedelt, wenn auch insbesondere durch Zuwanderung nordchinesischer Bauern das Land innerhalb der letzten 30 Jahre e.* aunlich schnell erschlossen wurde. Die wirtschaftlichen Fortschritte haben ein geradezu amerikanisches Tempo. Mandschukuo ist in Deutschland bekannt als Lieferant der außerordentlich oerwendungsfähigen Sojabohne , die zu ihrer Entwicklung einen fetten Boden und hohe Sommertemperaturen braucht. Die Mandschurei führt davon jährlich die stattliche Menge von 2,5 Millionen Tonnen aus, wobei ihr Export nach Japan noch gar nicht berücksichtigt ist. Davon gegen 1,5 Millionen Tonnen nach D e u t sich l a n d , wo ihr Fett zu Speiseöl, Mar- garine und Seife verarbeitet wird, während die Reste vorzügliche Kraftfuttermittel und Düngemittel liefern. Umgekehrt sind viele industrielle Anlagen 'm der Mandschurei zur Ausbeutung der Kohlenlager im Norden und Süden, der Erzlager im Süden und des ölhaltigen Schiefergesteins von deutschen Werken erstellt worden. Ebenso wurden Ausrüstungsgegenstände für den mandschurischen Hasen Dairen und für das in schneller Entwicklung begriffene mandschurische Eisenbahnnetz von Deutschland geliefert. Als Japan zu Beginn des 20. Jahrhunderts daran ging, sich für die Mandschurei zu interessieren, geschah das nicht nur, um Siedlungsland für den eigenen Bevölkerungszuwachs zu sichern, sondern in der Hauptsache deshalb, um das Vordringen Rußlands im Fernen Osten abzuriegeln. Die Russen standen damals schon jenseits des Amurs und hatten sich aus Dairen und dem befestigten Port Arthur Sprungbretter geschaffen, um weiter nach China selbst vorzudringen. Das wäre wohl auch geschehen, denn die Russen konnten auf der Jagd nach dem warmen Hasen im Fernen Osten ebenso wenig Halt machen wie in Südosteuropa und an der Ostsee. Japan ist dem in dem Kriege 1904/05 mit Erfolg entgegengetreten und hat nach dem Großen Kriege seine Vormachtstellung in der Mandschurei befestigt. Es hat unendlich viel getan und geleistet, um aus der Mandschurei ein wirtschaftlich und kulturell aufgeschlossenes Gebiet zu schaffen. Japan hat auch'nicht gezögert, dem Lande in der Person des letzten Kaisers von China einen Herrscher zu geben, was wohl dazu beigetragen hat, daß Mandschukuo von inneren Unruhen verschont geblieben ist. Der Genfer Rat zur Abessinien-Frage. Den Mitgliedern der Genfer Liga die Anerkennung des italienischen Imperiums freigestellt. rabe noch zulängliche Grundlage darstellen, auf der das deutsch-tschechische Problem einer Lösung zugeführt werden kann. Um diese Tatsache wird die Prager Regierung nicht herumkommen; vielmehr ist es ein Gebot staatsmännischer Klugheit und Voraussicht, den sudetendeutschen' Vorschlägen, die sich durchaus im Rahmen der Grenzen bewegen, welche auch in den Ratschlägen der Westmächte genannt sind, entgegenzukommen. Kein einziger Punkt der Karlsbader Forderung berührt die Integrität des tschechoslowakischen Staates, wie es besonders die tschechische Linke mit großem Gezeter behauptet. Der tschechischen Linken geht es hier hauptsächlich um die schmerzliche Erkenntnis, daß die endgültige Lösung der sudetendeutschen Frage auch die endgültige Aufgabe der tschechischen National st aats- illufion bedeuten würde. Gerade diese tschechi- chen Kreise haben sich in die gefährliche Idee verrannt, daß es die tschechoslowakische Regierung „nicht notwendig" habe, die vom tschechischen Volk ganz zu Unrecht eingenommene Vorrechtsstellung aufzugeben, sondern daß diese vielmehr auf jeden Fall bestehen bleiben müsse, koste es was es wolle. Daraus erklärt es sich, daß das Verhalten der Westmächte, besonders die Einstellung Englands, auf die tschechische Linke wie eine kalte Dusche wirkte, die zweifellos eine recht unangenehme Er-, nüchterung aus den Träumen bedeutete, daß die Heere dreier Großmächte eine wahnwitzige Politik der Tschechoslowakei decken würden. Die politische Lage der Tschechoslowakei ist al|o durchaus ernst. Die Prager Regierung steht vor der Lösung so wichtiger Aufgaben wie sie in den 20 Jahren des Bestandes der tschechostowakischen Republik noch nicht gestellt wurden. Es ist nur zu hoffen, daß es' der Staatsführung trotz des starken Einflusses der Linken gelingen wird, das Schifstem um alle Klippen in das ruhige Fahrwasser einer den mitteleuropäischen Gegebenheiten angepaßten Realpolitik zu lenken und damit den unerläßlichen Beitrag zum europäischen Frieden zu leisten, den die Welt von ihr erwartet. Genf, 12. Mai. (Europapreß.) Am Donnerstag wurde in Genf die „abessinische Frage", die amtlich „Frage der Folgen der in Abessinien bestehenden Lage" genannt wird, behandelt. Der E x - negus Ha'ile Selassie durfte am Ratstisch Platz nehmen. Der englische Außenminister Lord Halifax erklärte, die englische Regierung habe die Mitgliedstaaten der Genfer Liga zu Rate ziehen wollen, bevor England hinsichtlich der Anerkennung des italienischen Imperiums einen Entschluß fasse. Die Genfer Mitgliedstaaten hätten keine besondere Verpflichtung übernommen, so daß entsprechende Entschlüsse den einzelnen Mitgliedstaaten f r e i st ä n d e n. Italien habe tatsächlich die Kontrolle über das gesamte ehemalige abessinische Gebiet erlangt. Es gebe keine abessinische Zentralver- maltung mehr. Die Frage der Anerkennung des italienischen Imperiums sei nach englischer Ansicht eine politische und nicht eine moralische Frage. Es handle sich darum, den einzelnen Mitgliedstaaten ihre Haltung in der Anerkennungsfrage selbst zu überlassen. Obwohl die britische Regierung diese Ansicht vertrete, gebe sie in keiner Weise die Grundsätze des Ligapaktes auf. Sich mit müßigem Lamentieren über die Vergangenheit aufzuhalten, bringe keinen Nutzen. Die Aufbauwilligen sollten vielmehr ihre Bemühungen auf die Gestaltung der Zukunft richten. Sollte man sich weigern, den Tatsachen ins Auge zu sehen, so würde nichts gewonnen. Das größte Ziel der Genfer Liga sei der Friede. Der Friede setze aber voraus, daß Völker und Einzelmenschen völlig frei seien von allem, was der vollkommenen Harmonie unter ihnen schaden tonne? Der ehemalige Negus bat wegen seines angeblich schlechten Gesundheitszustandes darum, daß sein „ständiger Vertreter" seine Erklärung verlesen dürfe. Diese beklagt sich darüber, daß die Genfer Liga und die einzelnen Mächte „Abessinien im Stich liefe e n", dafe man die „Heiligkeit der Verträge" fallen lasse. Der Rat sei für die Behandlung der Abessinienfrage überhaupt nicht zuständig; vielmehr müsse die Angelegenheit durch die Vollversammlung geprüft werden. Es gebe zweierlei Möglichkeiten, den Frieden aufrechtzuerhalten, Dämlich den Frieden durch das Recht und den Frieden um jeden Preis. Nach verschiedenen weiteren, teilweise recht unklaren Aeußerungen faßte der Ratspräsident, der lettländische Vertreter, die Aussprache dahin zusammen, daß der Rat gefragt worden sei, ob die Prüfung der Lage in Abessinien zu den Angelegenheiten zähle, die jeder Staat von sich aus beurteilen könne. Es sei kein förmlicher Beschluß des Rats beantragt worden. Deshalb ergäbe sich auch keine Zuständigkeitsfrage, zumal die Aussprache im Rat der Vollversammlung nicht vor- areife. Es ergebe sich aus ihr, daß die große Mehrheit der Ratsmitglieder der Ansicht seien, ihre Haltung in der Frage der Anerkennung des italienischen Imperiums selber zu bestimmen. Erleichterung in Paris. Paris, 13. Mai. (DNB. Funkspruch.) Das Wichtigste des ganzen Genfer Palavers für Frankreich kommt in den Schlagzeilen aller Blätter zum Ausdruck: daß nunmehr das italienische Imperium anerkannt werden kann und daß Frankreich in kürzester Frist wieder einen Botschafter nach Rom entsenden wird. „Figaro" sagt, alle Welt habe große Fehler ge« Englands Regierung verteidigt ihr Lustaustustungsprogramm. macht. Ein einziges Land habe alles bei dem ganzen Spiel gewonnen: Deutschland. Hitler sei der große Sieger. Der „Matin" schreibt, der gestrige Tag habe den totalen Mißerfolg der bisherigen Politik der Sowjets gebracht. „Epoque" schreibt, trotz der Verteidigung des Negus werden Frankreich und England das italienische Weltreich anerkennen, doch sei die Eroberung Abessiniens „nicht anerkannt". „Rechtlich" bestehe das Problem noch weiter, der Negus könne sich im Dezember bei der Vollversammlung der Liga wieder vertreten lassen. Dann werde es aber an dem Vollmachten- ausschuß liegen zu erklären, daß die Beglaubigungsschreiben der abessinischen Vertreter nicht mehr gültig seien, da sie von einem nicht mehr souveränen Staat ausgestellt seien. „Es ist zu Ende. Selbst für Genf gibt e? kein Aethiopien mehr", schreibt der „Jour" und gibt hierüber seiner un- verhvhlenen Genugtuung Ausdruck, denn nun sei weder Frankreich noch England durch die Genfer Abmachungen gebunden und beide Mächte seien somit in die Lage versetzt, das -italienische Imperium anerkennen zu können. Die gestrige Sitzung werde sicherlich nickt das Ansehen der Genfer Einrichtung vermehren. Aber endlich sei die peinliche äthiopische Angelegenheit liquidiert. Weitere japanische Erfolge. Wachsende Bedrohung Hsütschaus. Schanghai, 13. Mai. (Europapreß.) Neue Erfolge der japanischen Truppen in Südschan- t u n g werden von den Chinesen zugegeben. Der japanische Griff um die Lunghau-Eisenbahn wird immer enger und hat nach Aeußerungen aus Hankqu in chinesischen Regierungskreisen „Unruhe" ausgelvst. Hsütschau wird stündlich stärker bedroht. Der Vormarsch der Japaner von Süden und Norden her hält an. Südlich der Eisenbahn sollen die Japaner Pungtschengschin, 35 Kilometer von der Bahnlinie entfernt, genommen haben. Die Bombardierungen der Stadt Hsütschau nehmen nach hier eintreffenden Meldungen immer größeren Umfang an. In den frühen Morgenstunden des Freitags bombardierten japanische Luftstreitkräfte Kan t o n. Der japanische Sonderbotschafter in Schanghai, Tani, hat am Freitag früh an die auswärtigen Vertretungen das dringende Ersuchen gerichtet, für die beschleunigte Abbeförderung ihrer Staatsbürger, vor allem längs der Peking—Hankau-Bahn, der Tientsin—Pukau-Bahn und der Lunghai-Bahn Sorge zu tragen, da dieses Gebiet der Schauplatz der größten Schlacht dieses Krieges zu werden scheine. Taufe im Haag. PrinzessinBeatrix der Niederlande getauft. Haag, 12. Mai. (DNB.) Am Donnerstagoormit- tag sand in der würdig geschmückten GrooteKerk im Haag die Taufe der Prinzessin Beatrix statt. In feierlichem Zuge fuhr das kronprinzliche Paar mit dem Täufling in der von vier Pferden gezogenen „Goldenen Kutsche" vom Schloß zur Kirche, während die Taufpaten und Gäste in Kraftwagen folgten. Im ersten Kraftwagen hatten die K ö n i g i n W i l h e l m i n a der Niederlande und der König der Belgier Platz genommen, in den folgenden Wagen sahen die weiteren Taufpaten, Prinzessin Armgard zur Lippe-Biesterfeld, Prinzessin Alice von Großbritannien und Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg. Die gottesoienstliche Handlung wurde vom Ortspfarrer von Baarn vorgenommen, zu dessen Pfarrsprengel das kronprinzliche Schloß gehört. Die Kronprinzessin Juliane hielt ihr Kind selbst über das Taufbecken. Die zahlreichen Uniformen der Würdenträger, Militärs, Diplomaten in dem sonnendurchfluteten, schönen Gotteshaus schufen ein überaus eindrucksvolles farbenprächtiges Bild. Bei der An- und Abfahrt brachte eine zahlreiche Menschenmenge dem Kronprinzenpaar herzliche Kundgebungen dar. Staatsbegräbnis für Saga. Bukarest, 12. Mai. (DNB.) Das Staats- degräbnis für den rumänischen Staatsmann und Dichter Octavian Goga begann mit einer Trauerfeier im Athenäum, der der König, der Patriarch, die Kronräte, die Regierung, das Diplomatische Korps und die Freunde des Verstorbenen bekwohnten. Das Philharmonische Orchester eröffnete die Feier mit dem Trauermarsch aus der „Götter- dämmerunh". Patriarch M i r o n nahm mit zahlreichen Geistlichen die kirchlichen Handlungen vor. Reden wurden auf Wunsch des Verstorbenen nicht gehalten. Militär marschierte an der Spitze und um Ende des langen Trauerzuges zum Friedhof. In der Mitte des Zuges schritten Bauern aus Gogas Heimatgemeinde. Für die Reichsregierung hatte der deutsche Gesandte Dr. F a b r i c i u s einen Kranz niedergelegt. Ein Kranz Alfred Rosenbergs wurde vom Stabsamtsleiter Schickedanz überbracht. Auch die Volksgemeinschaft der Deutschen in Rumänien legte an der Bahre einen Kranz nieder. Autonomieforderung der Ukrainer in polen. Warschau, 12. Mai. (DNB.) Das Zentralkomitee der Ukraine Undo (Ukrainische nationaldemokratische Organisation) veröffentlicht eine Erklärung, in der gesagt wird, daß die von der Undo bisher betriebene Politik zu keinerlei positiven Ergebnissen ge- führt habe. An Stelle einer angestrebten Normalisierung der Verhältnisse stehe die ukrainische Volksgruppe vor Tatsachen, die sich gegen das nationale Leben der Ukrainer richteten. Die Erklärung, die eine Reihe von Rechtsbeschränkungen aufzählt, fordert dann die Anerkennung des ukrainischen Volkes als besondere nationale Gruppe sowie die territoriale Autonomie auf dem von den Ukrainern bewohnten Gebiet. Die Erklärung hat in der polnischen Hauptstadt starken Widerhall gefunden. Verschiedene Blätter sehen in dem Hervortreten dieser stärksten ukrainischen Partei eine Kündigung des während der Wahlen 1935 abgeschlossenen Normalisierungsabkommens. Die Forderung der Ukrainer werde wohl auch auf der bevorstehenden Parlamentstagung erneut unstrichen werden. Luxemburgs Neutralität. Luxemburg, 12. Mai. (DNB.) Am Mittwoch begingen die Luxemburger den 71. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit und der im Londoner Vertrag vom 11. Mai 1867 von den europäischen Mächten proklamierten und garantierten Neutralität. Im ganzen Lande fanden patriotische Kundgebungen statt. In der Hauptstadt ergriff der Regierungschef Peter D u p o n g bei einer ter, lULeurdur gischen Sw- London, 12. Mm. (Europapreß.) Die mit gro- ;er Spannung erwartete Unterhaus-Aussprache über den Stand der -englischen Luftrüstungen begann mit oppositionellen Angriffen gegen das Luftfahrtmini-- terium. Der Luftfahrtminister Lord Swinton, der dem Oberhaus angehört und deshalb nicht im Unterhaus erscheinen konnte, wurde von dem Unterstaatssekretär im Luftfahrtministerium, Lord W inte r t o n , gegen die Angriffe der Opposition verteidigt. Der liberale Abgeordnete Sir Hugh Seesy erklärte, es bestehe kein Zweifel daran, daß die Regierung die Nation in ein falsches Ge- ühl der Sicherheit versetzt habe. Die Der» prochene Gleichheit zur Luft mit anderen Nationen ei nicht erreicht worden. Der Redner verwies auf die d e u t s ch e n Luftrüstungen und fragte, was die englische Regierung zu tun gedenke, um eine Gleichheit zur Luft mit anderen Nationen zu erreichen. Dem Wunsch der Opposition nach genaueren Angaben über den Stand der englischen Luftrüstung wich Lord W i n t e r t o n von vornherein aus und teilte fest, daß es nicht im öffentlichen Interesse liege, genauere Angaben zu machen. Immerhin führte Lord Winterton aus, daß bis zum 1. März 1940 das Helmalge schwatz e r eine Stärke von nahezu 2350 Maschinen tzer ersten Linie erreicht haben würde. (Auf jedes Flugzeug der ersten Linie kommen mehrere Reseroeflugzeuge.) Die Ueberfeege- sch wad er würden rnnd 490 Flugzeuge umfassen. Die Marinetuftstreitkräfle würden bis zum Mär; 1940 nahezu 500 Maschinen umfassen. Alles zusammen würde sich daher bis zum 1. März 1940 ein Stand von 3500 Flugzeugen der ersten Linie ergeben. England würde außerdem noch auf die Luftstreitkräfte der Dominions rechnen können. Ferner sei Aegypten im Begriff, sich eine wirksame Luftwaffe aufzubauen, was für die Sicherheit im Nahen Osten nicht ohne Bedeutung sei. Die Zahl der Geschwader und die Zahl der zu einem Geschwader gehörenden Flugzeuge werde erhöht werden. Die gesamte Luftaufrüstung werde eine Mehreinstellung von 40 000 Offizieren und Mannschaften erfordern. Der größte Teil dieser 40 000 Flieger werde schon in den nach st en 18 Monaten eingestellt werden. Vor dem Inkrafttreten des neuen Aufrüstungsschemas hätten 50000 Mann zur Luftwaffe gehört, heute dienten bei ihr 70 000 Mann, somit in zwei Jahren 110 000 Offiziere und Mannschaften. Lord Winterton kündigte die Errichtung -von zwei neuen Uebungslagern an. Zur Erfüllung des gegenwärtigen Luftrüstungsschemas seien dreißig neue Flugplätze erforderlich. Der Unterstaatssekretär erklärte: „Ich muß entschieden die Andeutungen zurückweisen, wonach die Flugzeuge der Luftwaffe minderwertig sind. Soweit man überhaupt Vergleiche ziehen kann, fallen diese Vergleiche mit anderen Luftflotten zugunsten Englands aus." Im allgemeinen seien die Aufttäge so dentenverbände das Wort. Dupong umriß die geschichtliche Entwicklung des Großherzogtums Luxemburg. Es habe vor allem ein TKeal, das Ideal des Friedens, und in feiner Haltung den Nachbarmächten gegenüber lege ihm seine Neutralität die Pflicht auf, sich jeder verletzenden Kundgebung den Nachbarstaaten gegenüber zu enthalten. Linz erwartet Göring. Feierlicher Baubeginn der „Reichswerke Hermann Göring". Linz, 13. Mai. (DNB.) Den Baubeginn der „Reichswerke Hermann Göring" in Linz wird die Stadt feierlich begehen. Alle Straßen sind festlich geschmückt. Neben einer mit Tannengrün gezierten Ehrentribüne ist ein riesiger Hundert-Tonnen - Kran - Bagger aus Essen aufgestellt, mit dem der GeneralseDmarschall symbolisch den Baubeginn vollziehen wird. Neben dem Festplatz markieren zahlreiche gefällte Bäume die Umrisse des zu erbauenden Sonderhafens und des Schiffahrtskanals. Die Stellen, wo sich in kurzer Zeit die Hochöfen erheben werden, sind durch Turmattrappen gekennzeichnet. Die Jugend braucht Herbergen! Generalfeldmarschall Göring zum Reichswerbe- und Opfertag 1938. Berlin, 11. Mai. (DNB.) Zum Reichswerbe- untz Opferlag, den tzie Hiller-Jugend am Sonntag durchführt, hat Generalfeldmarschall Göring folgenden Aufruf erlassen: Die deutsche Jugend soll das Großdeulfche Reich, diese stolze Gründung unseres Führers, in seiner Vielgestaltigkeilund reichen Gliederung kennenlernen. Ihr sollen die Stätten seiner heroischen Geschichte und seiner einzigartigen alten Kultur unauslöschliches Erlebnis werden. Nur wer sein Vaterland kennt, wird es stets mit Stolz sein eigen nennen und ihm in guten und schweren Zeiten d i e Treue halten. Das Iugendherbergs- werk hilft der Jugend, dieses Ziel zu erreichen. Das ganze deutsche Land in Ost und West, in Nord und Süd muß mit geräumigen und schönen Jugendherbergen versorgt werden, helft unseren Jungen und Mädeln Jugendherbergen bauen! Das Lugendschuhgeseh. Sinnvolle Ausnutzung des Urlaubs. Berlin, 12. Mai. (DNB.) Reichsarbeitsminister Seldte äußert sich in der „Zeitschrift der Akademie für deutsches Recht" über das Jugendschutzgesetz. Der Urlaub der Jugendlichen erhöht sich ohne Rücksicht auf das Lebensalter auf 18 Tage, wenn der Jugendliche mindestens 10 Tage an einem Lager oder einer Fahrt der HI. teilnimmt. Damit wird, so führt Reichsminister Seldte aus, die Bedeutung der HI. für tzie Erziehung der Jugendlichen anerkannt. Aufgabe der HI. wird es sein, eine sinnvolle Ausnutzung des Urlaubs zu gewährleisten. Zu diesem Zweck soll der Urlaub nach Möglichkeit in der Zeit eines Lagers oder einer Fahtt bei HI. uud möglichst zrffammenhängHnd von groß, daß die Werke unter Berücksichtigung der Interessen des Luftfahrtministeriums Erweiterungen vornehmen müßten. Diese Beschäftigungslage habe dazu geführt, daß die Zahl der Arbeiter von 30 000 im Jahre 1935 auf über 90 000 im gegenwärtigen Zeitpunkt an gewachsen sei. Das Luftfahrt- minifterium sei auch in die Lage versetzt worden, schon jetzt Pläne für den Ausbau neuer Flugzeugfabriken zu überprüfen. Der Leiter der Unterhausfraktion der Arbeiterpartei, Attlee, erklärte, Lord Wintertop hätte es nicht verstanden,- die Beunruhigung, die im englischen Volke über den Stand der Luftaufrüstung bestünde, zu beseitigen. Ganz England verlange genaue Angaben über die englische Aufrüstung, selbst tzann, wenn frühere Fehler dabei eingestanden werden müßten. Die Stärke anderer Staaten in der Luftaufrüstung sei von England durchaus noch nicht erreicht. England sei im Gegenteil dabei, die Ungleichheit in der Luftaufrüstung immer offensichtlicher werden zu lassen. Die englische Erzeugung Paris, 12. Mai. (Europapreß.) Der französische Kriegsmarineminister C a m p i n ch i gab der Presse Erklärungen über das französische Flottenbauprogramm für 1938. Danach belaufen sich die Gesamtkredite für 1938 auf 5,7 Milli ard e n Franken. 1,041 Milliarden Franken stellen zusätzliche Kredite für zwei Linienschiffe und einen Kreuz^er dar. Diese sollen bis zum 31. Dezember 1942 in Dienst gestellt werden. Die Regierung habe mit Rücksicht auf die Entwicklung der außenpolitischen Lage die Ersetzungder veralteten Einheiten nicht mehr länger hinausschieben können. Nach dem „Paris <5oir" erklärte Kriegsmarineminister Campinchi, neben den fünf älteren großen Panzerkreuzern besitze Frankreich die „Dünkirchen" mit 26 000 Tonnen, der im September d. I. auch noch ihr Schwesterschiff „Strasbourg" folgen werde. Drei Einheiten von je 3 5 0 0 0 Tonnen befänden sich seit einiger Zeit in Bau. Er habe sich darüber hinaus soeben noch entschlossen, einen vierten 35 00 0 = Tonnen ° Kreuzer und einen großen Flugzeugträger auf Kiel zu legen. Das gegenroärtig in Bau befindliche 26 000-Tonnen° Großkampfschiff „Strasbourg", das Schwesterschiff der „Dünkirchen", werden in aller Kürze seine Versuchsfahrten aufnehmen. Diese beiden Kriegsschiffe seien die modernsten Einheiten ihrer Art in der Welt. Frankreich werde dann sieben Großkampf schiffe in Dienst haben. Auch die schweren Torpedoboote „Hogador"- und, „Volta", die in Kürze in Dienst gestellt werden könnten, würden alles, was auf diesem Gebiete zur Zeit vorhanden sei, übertreffen. Frankreich besitze ferner 4 0 große U-Boote, die sich bei ihren großen Kreuzfahrten vollauf bewährt hätten. !tzen Bettiebsführern erteilt werden. Daß das Gesetz auf die Sicherung des Erholungszweckes ganz besonderen Wert legt, geht, wie Professor Siebert, der stellvertretende Vorsitzende des Jugendrechtsausschusses in einem weiteren Aufsatz ausführt, auch daraus hervor, daß nach dem Gesetz der Urlaub spätestens bis zum 31. März des folgenden Jahres gewährt werden muß und daß sowohl der Jugendliche wie der Unternehmer sich strafbar machen, wenn der Jugendliche eine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbsarbeit leistet. Die Frist bis zum 31. März ist nicht dahin zu verstehen, daß etwa der Anspruch des Jugendlichen auf seinen Urlaub aus dem verflossenen Jahre damit erlischt, sondern sie ist allein so zu verstehen, daß der Unternehmet bei Vermeidung von Strafe gezwungen sein soll, den Urlaub innerhalb der gestellten Frist auch tatsächlich zu gewähren. Vereinbarungen über Abgeltung statt Urlaub sind, wie überhaupt jeder Verzicht auf Urlaub, grundsätzlich unzulässig. Nur bei Beendigung der Lehr- oder Arbeitsverhältnisse kann es ausnahmsweise zu einer Abgeltung kommen, nämlich dann, wenn der Urlaub auch nicht mehr während einer Kündigungsfrist gewährt werden kann. Ein Geschenk des Duce für Göring. Berlin, 12. Mai. (DNB.) Ministerpräsident Göring hat im vergangenen Jahr die italienische Kunstausstellung in Berlin eröffnet. Bei der Besichtigung hatte er sich besonders anerkennend über einige Werke der italienischen Bildhauerkunst geäußert. Der Duce beauftragte den italienischen Minister Solmi, Generalfeltzmarschall Göring eine Vronzefigur des italienischen Künstlers Antonio, Maraini zum Geschenk zu machen. Die Figur stellt in heroischer Pose einen knienden Krieger mit Schild und Schwert bar. Generalfeldmarschall Göring nahm das Geschenk mit aufrichtiger Freude und Bewunderung entgegen. Ein Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges in Oberitalien. Auf Anregung Mussolinis wird in Rovereto im Oberitalien ein Ehrenmal für tzie Gefallenen des Weltkrieges errichtet. Das Ehrenmal wird eine zu Ehren der Gefallenen aus Kanonen des Weltkrieges gegossene Glocke enthalten, deren Guß Mussolini persönlich beiwohnen wird. Der Guß wird mit Wasser von allen Schlachtfeldern des Weltkrieges durchgeführt werden. Am Samstag wird der italienische Generalkonsul in Berlin, Oberst Renzetti, nach Ostpreußen kommen, um Wasser der Masurisch e n Seen zu schöpfen. Er wird zunächst am Reichsehrenmal Tannenberg einen Kranz nie» tzxrlegen und dann nach Waplitz fahren, wo ein Offizier der Wehrmacht die Gefechte, die sich in diesem Abschnitt abgespielt haben, erklären wird. Alsdann erfolgt die Uebernahme des Wassers und schließlich ein Rundflug über die Schlachtfelder. Generaladmiral Raeder in Budapest. B u d a p e st,-12. Mai. (DNB.) Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Generaladmiral Dr. h. c. Raeder, ist in Budapest eingetroffen, um einen Besuch des ungarischen Honoedministers General der Infanterie Roeder zu erwidern. -Generaladmiral Roeder wurde auf dem Budapester Flugplatz mit militärischen Ehren empfangen. Eine Offiziersabord- »ung der Honyed-Armee« des ungarischen Lriegs.- stelle eine Arbeit mit veralteten Systemen dar. Dir Leistung der „Schattenfabriken" fei unbefriedigend. Die Aussprache wurde von Lord Winterton abgeschlossen, der nochmals erklärte, daß eine allgemeine Verbesserung nicht nur in der Flu g - zeugherstellung, sondern auch in der Aus - rüftung eingetreten sei, daß die Anwerbungen ständig stiegen und man immer bessere Maschinen herstelle. Der Aufrü- stungsplan stelle eine der größten Maßnahmen dar, die je in Friedenszeiten getroffen worden seien. Der Mißtrauensantrag der liberalen Opposition wurde mit 299 gegen 131 Stimmen a b - gelehnt. Kurz vor Mitternacht haben indessen auch die Abgeordneten der liberalen Opposition sowie 20 konservative Abgeordnete unter der Führung von Winston Churchill Anträge eingebracht, in denen die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses über die Organisierung der Aufrüstung zur Luft geforber* wird. Nach einem Hinweis auf die französischen Zerst ö r e r , von denen einer mit 45 Knoten, in der Stunde den Weltgeschwindigkeitsrekord halte, erklärte Campinchi auf die Frage, welches Ausmaß die französische Flotte gegen Ende des Jahres 1942 haben werde, die französische Kriegsflotte werde zu diesem Zeitpunkt etwa um 5 0 000 Tonnen ftärfer sein a l s die italienische. Ohne die außerordentlichen Bauten (gemeint ist der Flugzeugträger, ein 35 000-Tonnen- Kreuzer und einige andere Einheiten) wäre die französische Flotte um etwa 100 000 Tonnen kleiner als die italienische. Amerikanische Lustmanöver an r er Atlantikküste. Neuyork, 12. Mai. (DNB.) Arn Donnerstag begannen an der Atlantikküste Manöver eines großen Teiles der amerikanischen Luftflotte. Als Gefechtslage wird angenommen, daß eine europäische Luftflotte, unterstützt von zwei feindlichen, etwa 300 Kilometer von der Küste entfernt befindlichen Flotteneinheiten, einen Angriff versucht. 217 der modernsten und schweren Bombenflugzeuge mit 3000 Offizieren und Mann- schäften sowie mehrere Kriegsschiffe sind eingesetzt. Die für die Verteidigung zu lösenden Aufgaben schließen die Annahme einer Fallschirmlandung gegnerischer Kräfte im Rücken der Küstenverteidigung ein. Bei dem Manöver werden zum ersten Male neue Lockheed- „Sübstratosphären-Jagdflugzeuge" sowie mit Flugzeugkanonen ausgerüstete neue Bell-Maschinen praktisch erprobt. marineoereins sowie Offiziere und Mannschaften der ehemaligen k. u. k. Marine hatten auf dem Flugplatz Aufstellung genommen. Kurz nach seinem Eintreffen legte Generaladmiral Raeder einen Kranz an dem ungarischen Marine-Ehrenmal an der Horthy-Brücke nieder. Der Reichsverweser ejnpfing Generaladmiral Raeder in Prioataudienz. 390 Flugzeuge im Deuischlaudflug! Vvm 22. bis zum 29. Mai wird der diesjährige Deuffchlandfiug tzurchgeführt. Starteten im vorigen Jahr 180 Maschinen, so find es jetzt 390 Flugzeuge, die ihre Beteiligung angemeldet haben. Wenn dieser Tage im Zusammenhang mit den Darbietungen der italienischen Luftwaffe aus Anlaß des Führerbesuches berichtet wurde, daß die 400 Manövermaschinen des Imperiums die größte Zahl an Flugzeugen bilden, die -je bei Flugveranstaltungen festgestellt wurde, dann kann jeder selbst die Bedeutung ermessen, die dem Deuffchlandfiug mit einer um nur zehn Maschinen geringeren Beteiligung zu- kommt. Im deutschen Luftraum wird an den Tagen des Wettbewerbs ein zuvor noch nicht erlebter betrieb herrschen. Täglich wird jede Maschine 10 0 0 Kilometer zurücklegen. Insgesamt werden also über 2,7 Millionen Kilometer abgeflogen werden. Bei dem jetzt bevorstehenden Zweiten Deuffchlandfiug des Nationalsozialistischen Fliegerkorps handelt es sich aber nicht nur darum, die Propeller dröhnen zu lassen und in schneidigen Flügen über die deutschen Gaue hinwegzusegeln, es werden vielmehr unter jeweils veränderten Bedingungen von Mensch und Maschine höchste Leistungen gefordert. Die hohe Beteiliaung läßt erkepnen, in welchem Umfange der Flugsport bei uns Wurzel geschlagen hat. Aber die hellste Begeisterung für diesen Sport hätte nutzlos verpuffen müssen, wenn nicht die vielen hunderttausend fördernden Mitglieder des alten DLV. und des jetzigen NSFK. gewesen wären, die die Millionen zusammenbrachten, die erforderlich waren, um alle Einrichtungen zur fliegerischen Ertüchtigung unserer Jugend zu schaffen. S)nen muß besonders gedankt werden. Generalleutnant Christiansen, der Führer des NSFK., hat auch angeorbnet, daß diesen fördernden Mitgliedern Gelegenheit gegeben wird, dem Flug aus unmittelbar st er Nähe beizuwohnen. Erfteulich ist e£ auch, daß die Schuljugend überall mindestens einmal mit den Fliegern und ihren Flugzeugen in Berührung kommen wird, und also das vor Augen geführt erhält, was sie sonst in achthundert bis tausend Meter Höhe über sich sieht oder nur von BiDern kennt. Der nationale Vormarsch östlich von Teruel. Salamanca, 13. Mai. (Europapreß.) Das nationale spanische Hauptquartier erklärt: Im Kampfabschnitt von Teruel haben die nationalen Truppen ihren glänzenden Vormarsch fortgesetzt und dem Feind eine schwere Niederlage bereitet. Die nationalen Truppen haben bei Carba 1 a n , etwa 15 Kilometer nordöstlich von Teruel, bedeutende Stellungen besetzt. Sie haben sich des Bergmassivs von C a st e l F r i o und des Ortes A l l e p u z, etma 40 Kilometer nordöstlich von Teruel im Bezirk von Aliaga, und einiger Höhen an der Straße von Villaluengo nach Fortanete, rund 50 Kilometer westlich von Albocacer« bemäch- Frankreichs Floltenbauprogramm. Bier 3S OOO-Tonnen-Großkampfschiffe und ein Flugzeugträger. tigt. Die nationalen Truppen haben ferner den Ort Canada de Benatanduz besetzt und sind darüber hinaus vorgerückt. Die Navarra-Truppen haben den Ort Canta- vieja. rund 35 Kilometer westlich von Albocacer, besetzt. Die Kämpfe dauern noch an. Kleine politische Nachrichten. Der Danziger Gauleiter Forster besuchte in Warschau den polnischen Außenminister Beck und hatte mit ihm eine einstündige Unterredung. Die Unterredung hatte ebenso wie der etwa zehntägige Aufenthalt des Gauleiters in Polen privaten Charakter und dient dem Zweck, ein persönliches Sich- kennenlernen zu ermöglichen. Nach dreitägigen Beratungen hat die Konferenz der Oslo-Staaten (Dänemark, Schweden, Norwegen, Holland, Belgien und Luxemburg) beschlossen, das Haager Abkommen vom 28. Mai 1937 nicht zu verlängern. Die heutige wirtschaftliche Lage in der Welt lasse seine Fortsetzung nicht zu. Der gelegentliche Gedankenaustausch soll irHessen fortgesetzt werdem In Anwesenheit des Innenministers vollzog der türkische Staatspräsident Kemal Atatürk die gesetzlichen Förmlichkeiten derUeberschreibung sämtlicher eigenen Liegenschaften zu- g u n st e n d e r N a t i o n. Die vom Staatspräsidenten bisher innegehabten Häuser, Gutshöfe, Farmen und Sommersitze mit einem Gesamtwert von mehreren Millionen Mark sind nunmehr in den Besitz des | Staates üüergegangen. Das Dienstgebäude des ehrkreisesIX. I l ■ rwM &•>- * :W SV- Am Mittwoch wurde das neue Dienstgebäude des Wehrkreises IX i n K a s s e l in Anwesenheit führender Männer von Wehrmacht, Staat und Partei durch den Kommandierenden General des IX. Armeekorps, General der Artillerie Doll mann, seiner Bestimmung übergeben. Unser Bild zeigt den stolzen Bau am Schlieffenplatz in Kassel mit,seinem mächtigen Säulenportal während der Parade, die die Feier beschloß. *— (Scherl-Bilderdienst-M.) Die Reichsbahn in der deutschen Nationalwirtschaft Der Aeichsbahn-Zahresbericht. Seit dem 10. Februar 1937 ist die Deutsche Reichsbahn keine „Gesellschaft" mehr, sondern ein Zweckvermögen des Deut sch en Reiches. Mit 29,56 Milliarden RM. ist dies Unternehmen, das selbstverständlich nach wirtschaftlichen Gesichts- punkten geleitet werden muß, der größte Betrieb, den es überhaupt auf der Erde gibt. Die Reichsbahn legt jetzt den Geschäftsbericht für das Jahr 1937 vor und bietet darin ein getreues Spie- aelbild Der* wirtschaftlichen Entwicklung im fünften Jahr des nationalsozialistischen Aufbaues. Mit einem gewissen Stolz verzeichnet der Bericht, daß der Leistungsumfang des bisher günstigsten Geschäftsjahres, 1929, erstmalig i n al le n Punkten übertroffen worden ist. Der Personen- und der Güterverkehr haben um etwa 11 v H. gegenüber dem Vorjahr zugenommen und lieferten zusammen den stattlichen Ertrag von 4125 Millionen Mark. Da die Reichsbahn bewußt und in wachsendem Maße Dienst an der deutschen Wirtschaft leistet, sind die Erträge mcht so stark an=' öestiegen wie die Verkehrsleistungen. Im Jahre 1936 sind 68,6 v. H. aller beförderten Guter zu verbilligten Ausnahmetarifen gefahren worden, im Jahre 1937 70,1 v. H. Beim Personenverkehr trat eine Steigerung von 68,6 auf 71,6 v H. ein. Wenn auch die Reichsbahn nicht zu dem Zweck betrieben wird, um dem Reich hohe Gewinnquoten abzuliefern, so ist es doch selbstverständlich, daß echte Gewinne dem Reich zur Verfügung gestellt werden. Auf Grund der früheren Bestimmungen (Dcrwesplan) hat die "Reichsbahn immer noch mehr als 1000 Millionen Mark Vorzugsaktien m Umlauf, für die sie im Jahre 1927 76 Millionen Mark Dividende zahlen mußte. Nach der Umwandlung der Reichsbahn aus einer Gesellschaft in ein Zweckvermögen des Reiches sind auch die Bestimmungen über die Gewinnbeteiligung des Reiches geändert worden. Während ftüher die Reichsbahn an das Reich jährlich nur 70 Millionen Mark zahlte, hat es im Jahre 1937 fast 158 Millionen Mark abgeliefert. Der Gewinnverteilungs- schlüssel nimmt darauf Rücksicht, daß die Reichsbahn ihre Neuanlagen im wesentlichen aus eigenen Kass ende ft änden finanzieren muß und nicht der übrigen Wirtschaft und dem Reich die aus dem Kapitalmarkt verfügbaren.Mittel fortnehmen darf. Die Reichsbahn hat ihren Personalbestand hn Jahre 1937 um fast 44 000 Köpfe erhöht. Sie beschäftigte Ende 1937 rund 704 000 Beamte, Angestellte und Arbeiter und bot damit für etwa 2,5 Millionen Deutsche die Lebensgrundlage. Entsprechend dieser Personalvermehrung haben sich auch die Ausgaben erhöht, und zwar (für Löhne und Gehälter) von 2,36 auf 2,48 Milliarden Mark. Im Geschäftsbericht des Unternehmens heißt es, daß für den Vierjahresplan, für Jndustrieumfied- lung und für Verkehrsneugestaltung erhebliche Mittel aufgewandt werden müssen, und daß die Eingliederung des Netzes der früheren österreichischen Bundesbahnen in das Netz der Reichsbahnen umfangreiche Aufwendungen erfordern werde. Weiter hat die Reichsbahngesellschaft für mehrere hundert Millionen Mark Wechsel einzulösen, die in den Jahren 1933 und 1934 begeben worden sind. Alles dies zwingt zu vorsichtigen finanziellen Dispositionen. 0r. Aus aller Well Weitere Nordlichtbeobachtungen. Das Nordlicht, das in der Nacht zum Donnerstag in Schlesien gesichtet wurde konnte auch auf der Hamburger Sternwarte beobachtet werden. Die Erscheinung war bei fast wolkenlosem Himmel ungefähr von 0.30 Uhr bis 1.30 Uhr zu sehen. Um etwa 0.45 Uhr erfolgte innerhalb weniger Mi- nuten eine Teilung der Erscheinung in zwei Gruppen von roter Färbung, die im Nordwesten und Nordosten lagen. Aus beiden Gruppen schossen zahlreiche Strahlen von intensiver grüner Färbung hervor, die bisweilen über den Zemthhlnausreich- tpn 11m diese Zeit war auch die Nordlichtkrone gut er"eÄar - Die Sonnentätigkeit ist zur Zeit außerordentlich rege. Am Donnerstagmorgen waren auf der Sonnenscheibe fünf große Sonnenfleckengruppen zu erkennen. Tschechischer Staatssekretär tödlich verunglückt. Der Staatssekretär im tschechoslowakischen Außem "iää'S-c ä' Stadt Bosanski Novi stürzte der von ihm st bst gesteuerte Wagen in den Una-Fluß, der Hörwasser führte. Pavlu und eine Begleiterin ertränke in dem geschlossenen Wagen, wahrend seine Frau iüb durch ein Fenster retten konnte. Pavlvi mar tüneraeit der erste tschechoslowakische Gesandte in Lnn,fau Vorher war er in Sofia und Kopenhagen lchia aewksen Als Staatssekretär in Prag fiel die ©teUoertretung des Außenministers m I-men Amts- — Frau Pavlu. die ernste innere -ö e r leßungen und einen Bruch des linken Armes erlitten hatte, wurde ins Krankenhaus Novi ge- bracht. Schlesische Baude durch Feuer zerslörl. Die Baude auf der Dogelkoppe bei Waldenburg in Schlesien, ein bekanntes Ausflugsziel, ist durch ein Groß feuer gänzlich zerstört worden. Der Schaden ist sehr groß. Nur dem Umstand, daß völlige Windstille herrschte, ist es zu verdanken, daß nicht noch ein Waldbrand entstand. Wetterbericht Das mitteleuropäische Hochdruckgebiet verlagert sich langsam in östlicher Richtung bleibt aber immer noch für die Witterungsgestaltung für Deutsch- land maßgebend. Die Störungstätigkeit erstreckt sich nur auf Nordeuropa. Aussichten für Samstag: Heiter und weitere Erwärmung, Tagestemperatur um 20 Grad, nachts mild, schwache Winde um Sud. Aussichten für Sonntag: Freundlich und warm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Or. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der 2Imeiaen- Theodor Kümmel. D. A. IV. 38: 9614. W und Verlag: Brühlsche Univechtätsdruckerei R Lanae K -G sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM 2M einschließlich 25 Pf Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Ps mehr E'nz-lv-r °uss- nrels 10 Vs. und Samstags 15 Pf., mit Der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr.^vom 1. September 1937 ter le’ ’abli i.tuc !lten, alitäl , Ma' lok a. 4 h 5 i Q|^nko^ U-csM Der ^.Tabake z sä^ck her9=sl MundSIU uS 0 r c in* Q* lh 1 1 m r ............. xMUSTERCieA 33 615 35 f In de^ k . ,h»n Starnm* SMRus fo'9end ,nla«uer^:Ä ^S^m£RR60'm retten+ MISC ♦ ♦a ‘ I W Atexkid Mein innigstgeliebter, stets treubesorgter Mann Herr Ludwig Größer Gießen, den 13. Mal 1938. 02274 02280 im Alter von 49 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Sauber., ehrlich. (möglichst hell), von Shaw. Werbe-Drucksachen bei Brühl, Gießen Mäntel fesch und modisch höher höher Dürfen wir Sie erwarten? AHLE höher Gießen, Marktstraße 4-8 3261A Stadttheater A aus Heuchelheim. Schon viele Jahre in unserem Betrieb tätig, war er uns stets ein lieber und treuer Arbeitskamerad, dem wir ein ehrendes Andenken bewahren. Unsere große Auswahl und Preiswürdigkeit geben jeder Dame die Möglichkeit, bei uns das zu finden, was in jedem Falle gefallen wird. Was immer es auch sein mag, ob In tiefem Schmerz: Marie Größer, geb. Runzheimer Am vergangenen Mittwochnachmittag 14.45 Uhr entschlief sanft nach kurzem Krankenlager mein innigstgeliebter Gatte, unser treusorgender Vater und Schwiegervater der Landwirt und Raiffeisenrechner Johannes Seim ' Betriebsführung und Gefolgschaft der Genossenschaft für Häute- u. Fett Verwertung e. G. m. b. H. zu Kassel, Nebenstelle Gießen. __ 3288V Die Beerdigung fand auf Wunsch des Verstorbenen in aller Stille statt Gegen Mitesser u. Picke! Schönheits wasser Aphrodite Drog.Winterhoff, Kreuzplatz 10 Fris.-SalonWahl, Bahnhofstr. 63 Löwen-Drogerie, Seltersweg 60 Kostüme und Complets elegant und geschmackvoll Kleider duftig und schön 20—22.30 Uhr Zum letzten Male! Scharnhorft Schauspiel von Gerh. Menzel. Preise: 3222D RM. 0J60—3.00. Blusen und Röcke stets können wir jeden Wunsch erfüllen Die Beerdigung findet Samstag, den 14. Mat um 13 Uhr statt __3281D Gestern früh verstarb nach längerer Krankheit uns^r Gefolgschaftsmitglied Friedrich Kreutzer ■ Heute 20—22.00 Uhr Wolfgang Büttner v.d. Städt. Bühnen Frankfurt a. M. als Marchbanks in Candida Verloren Trauring verziert, innen 1. 1. 35 E. W. nachts 1 Uhr, am 4. auf 5. Mai Goethestratze bis Hindenburg wall 21 1 abzugeben geg. Belohnung. Ausführungen. ^eßr. fJmßeufer 2)as &adjgejcfjäft für tarnen- und SYlädcfjenflleidung Sdm SdarHt Mysterium Preise: RM. 0.60 bis RM. 3.00. SOMMER GIESSEN, BAHNHOFSTRASSE 14 Das Haus, das jeden anzieht. 3291A Gestern nacht entschlief sanft nach schwerem, mit großer Geduld getragenem Leiden unser lieber, unvergeßlicher Vater, Schwiegervater. Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Friedrich Kreutzer im Alter von 61 Jahren. » In tiefer Trauer: Familie Ludwig Kreutzer Familie Fritz Kreutzer Alfred Kreutzer und Frau Erich Schmidt und Frau Else, geb. Kreutzer Hermann Will und Frau Lina, geb. Kreutzer. Heuchelheim. Wattenscheid, Tilsit, den 13. Mai 1938. Die Beerdigung findet Samstag, den 14. Mat nachmittags 4 Uhr vom Sterbehause, Horst-Wessel-Straße 11, aus statt Sportsakkos moderne Formen 19.75 25.- 32.- 39.- 45.- und Sportanzüge 2- und 3-teiiig 26.50 32.- 37.- 45 - 59.- und Brav., fleißiges MW z.lö.Maio.sväf. inklein.Hausbalt (i.d.Näve Gieß.) für Haus-u. etw. Gartenarbeit gesucht. Schr. Ang. unter 3224D an b. Gietz. Anzerg. Sommerhosen 7.50 9.75 15.- 18.- 23.- und Schwan Pulver rnitdergroßen^gym^ HLeupin-Creme u. Seife selt25Jahren bewährt bei Picke! autjocken- Ekzem Gesichtsausschlag, Wundsein usw. In den Drogerien: W. Kilbinger Nachf., Seltersweg 79a; Wintet- hoff, Kreuzplatz 10; Bornemann, Bahnhofstr. 17; C. Seibel, Frankfurter Str. 39. In Laubach: Solms- Laubacher Drog. K. Klein. «351V Blau-graue langhaarige Perserkatze abhanden gekommen. 8278D Abzugeben geg. Belohnung RödaenerStrLL Professoreneck. i (Stellengesuche] Fräulein hier fremd, mit gutenZeugnissen sucht Stellung in kleiner. 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So erzählte Goethe seinem Schreiber und Freund aus dem immer noch werdenden zweiten „Faust"-Teil an eignem der letzten Tage des Jahres 1829: „Der Kaiser wünscht Paris und Helena zu sehen, und zwar sollen sie durch Zauberkünste in Person erscheinen. Da aber Mephistopheles mit dem griechischen Altertum nichts zu tun und über solche Figuren keine Gewalt hat, so bleibt dieses Werk Fausten zugeschoben, dem es auch vollkommen gelingt. Was aber Faust unternehmen muß, um die Erscheinung möglich zu machen, ist noch nicht ganz vollendet, und ich lese es Ihnen das nächstemal." Dazu kam es am 10. Januar des neuen Jahres. Eckermann berichtete: „Das Neue, Ungeahnte des Gegenstandes, sowie die Art und Weise, wie Goethe mir die Szene vortrug, ergriff mich wundersam, so daß ich mich ganz in die Lage von Faust versetzt fühlte, den bei der Mitteilung des Mephistopheles gleichfalls ein Schauer überläuft." Danach bat Eckermann Goethe um Erklärung dieser Szene, in der ja Faust zu „den Müttern" hinabsteigt, um die Urbilder des Paris und der Helena zu erhalten, die dann vor den Augen des Kaisers durch magische Kraft zu kurzem Scheinleben gestaltet werden. Aber Goethe? „Er hüllte sich, in seiner gewöhnlichen Art in Geheimnisse", wiederholte nur, indem er Eckermann „mit großen Augen anblickte", die Worte „Die Mütter! Mütter! 's klingt so wunderlich", und fügte hinzu: „Ich kann Ihnen weiter nichts verraten, als daß ich beim Plutarch gefunden, daß im griechischen Altertum von Müttern als Gottheiten die Rede gewesen. Dies ist alles, was ich der Ueberlieferung verdanke, das Uebrige ist meine eigene Erfindung. Ich gebe Ihnen das Manuskript mit nach Hause, studieren Sie alles wohl und sehen Sie zu, wie sie zurecht kommen." Das empfand Eckermann als eine verpflichtende Aufgabe. Und wenn wir auch jene Plutarchstelle kennen, an der außerdem die Rede ist „von dem Felde der Wahrheit, das in Mitten der in Dreiecksgestalt geordneten Welten liegt und die Gründe, Gestalten und Musterbilder all dessen, was da war und was da fein wird, in sich beschließt", wenn auch auf die „Essentien" Spinozas, auf die „Ideen" P l a t o s als Quellen Goethes hingewie- sen wird, und wenn auch endlich Hermann A m - m o n in seinem wissenschaftlich reichen Buche „Dämon Faust" nicht fälschlicher-, aber auch nicht wirklich fördernder- und erklärenderweise die gesamten Grundzüge Goethescher Naturwissenschaft heranzieht, so ist doch die verhältnismäßig sehr einfache Auslegung Eckermanns, die durch reines, fast möchte ich sagen kindliches Einfühlen gefunden worden ist, die beste, die schönste: „In ewiger Dämmerung und Einsamkeit beharrend, sind die Mütter das schaffende und erhaltende Prinzip, von dem alles ausgeht, was auf der Erde Gestalt und Leben hat. Was zu atmen aufhört, geht als geistige Natur zu ihnen zurück, und sie bewahren es, bis es wieder Gelegenheit findet, in ein neues Dasein zu treten. Alle Seelen von dem, was einst war und künftig sein wird, schweifen in dem endlosen Raum ihres Aufenthaltes wolkenartig hin und her und umgeben die Mütter. Der Magier muß also in ihr Reich gehen, wenn er ein früheres Geschöpf Hervorrufen will. — Wie nun bei allem, was aus der Erde durch Fortsetzung ein neues Leben erhält, das Weibliche hauptsächlich wirksam ist, so mögen jene schaffenden Gottheiten mit Recht weiblich gedacht werden, und man mag ihnen den ehrwürdigen Nomen Mütter nicht ohne Grund beilegen. — Freilich ist dieses alles nur eine poetische Schöpfung. Wir müssen anthropomorphi- sieren (in menschliche Erscheinung übersetzen), um unsere dunklen Ahnungen einigermaßen faßlich zu machen. So sind alle Mythen entstanden, die von Jahrhundert zu Jahrhundert in den Völkern fort« leben, und ebenso diese neue Mythe von Goethe." Der Dichter ist in seiner Art ein Schöpfer. Er schafft mit an dem, was ewig entsteht, vergeht und wieder wird. Er schafft mit an dem ewig sich wandelnden und ergänzenden Gewebe des Weltmythos. Ist er eingeweiht und berufen, dann darf er den Menschen Mythen schenken. Goethe stimmt nach der Weise der Eingeweihten, Berufenen ein in den Mythos der mütterlichen Gottheiten, denen die Schicksale offenbar sind, in den Mythos der griechischen Gaia, der Urmutter, in den Mythos der Nomen und Parzen. Wir könnten angesichts dieser fünften Szene im ersten Akt des Zweiten Faustteils (überschrieben „Finstere Gallerte") fragen, ob denn die törichte Willkür eines übersättigten Kaisers (.. .„erst haben wir ihn reich gemacht, nun sollen wir ihn amüsieren" ...) es wert sei, daß Faust um seinetwillen zu den „Müttern" gehe. Nein, diese Willkür selber verdient den ernsten Gang zu den Urgründen des Seins nicht. Aber das allmächtige Walten nimmt oft Anfänge, die für menschliche Begriffe seltsam sind. Der zaubergierige Kaiser will Helena sehen. Aber ihm kommt sie nicht zu. Sie erscheint, hinsichtlich des ganzen Schicksalszusammenhanges, doch nur, damit Faust sie sieht, in ihr das Vollkommenste, was Menschenaugen erblicken können, gewahr wird und danach mit ihr den Euphorion zeugt, die Verkörperung der Poesie, dieser schönen aber gefährlichen Kraft, die von einem Bildner weise gezügelt werden muß, wenn sie nicht zerfallen soll. WW ■g//. Ferdinand Georg Waldmüller: Im Fenster. — (Galerie Brettauer, Wien). Oer junge Goethe an seine Mutter. Obgleich kein Gruß, obgleich kein Brief von mir So lang' dir kommt, laß keinen Zweifel doch Ins Herz, als mär’ die Zärtlichkeit des Sohns, Die ich dir schuldig bin, aus meiner Brust Entwichen. Nein, so wenig als der Fels, Der tief im Fluß vor ew'gern Anker liegt, Aus seiner Stätte weicht, obgleich die Flut Mit stürrn'schen Wellen bald, mit sanften bald Darüber fließt und ihn dem Äug' entreißt. So wenig weicht die Zärtlichkeit für dich Aus meiner Brust, obgleich des Lebens Strom, Vom Schmerz gepeitscht, bald stürmend drüber fließt Und, von der Freude bald gestreichelt, still Sie deckt und sie verhindert, daß sie nicht, Ihr Haupt der Sonne zeigt und ringsherum Zurückgeworfne Strahlen trägt und dir Bei jedem Blicke zeigt, wie dich dein Sohn verehrt. Leipzig, im Mai 1767. Stunde der Kindheit. Von Werner Schumann. Er ist noch immer ihr „großer Junge", dem man gute Ratschläge erteilen und vor allem Bösen in der Welt bewahren muß. Gegen Husten und Verschleimung empfiehlt sie warmen, aesüßten Zwiebelsaft. Zur Zeit der Herbst- und Fruhlings- stürme sind ihre Briefe voll von sorgenden Mahnungen. Freilich lacht ihr Junge solcher Bemutterung und schreibt scherzhaft abwehrend zurück, daß sie ihm wohl noch den rechten Weg weisen werde, wenn er weißes Haar trage und mit dem Kopfe wackele! Bis er sich in die Bahn fetzt und die Stätten seiner Kindheit aufsucht. Und da geschieht eine merkwürdige Wandlung mit ihm: die Mutter nimmt langsam wieder ihren alten Platz ein als Betreuerin seiner Seele, feiner kleinen Bedürfnisse und Liebhabereien, sie wacht über ihm und mahnt ihn wie vor dreißig Jahren — und er nickte zu allem und meint: sie solle nur machen, es wird schon richtig sein. Er ließ sich ausschelten, als er beim Geschirrspülen eines der wenigen heilen Stücke zerbrach — mein Gott, wie lange hatte er fein Gläsertuch mehr in der Hand gehabt! Wie in seiner Bubenzeit trug er ihr den Mülleimer auf den Hof, wischte sorgsam die Spritzer von Fußboden und Wand, die er bei der morgendlichen Reinigung hinterlassen hatte, und half ihr lächelnd beim Abwickeln der Wolle. Und während das Knäuel in ihren abgearbeiteten Händen wuchs und wuchs, sah er ganz nahe ihr abgehärmtes Gesicht mit der Nickelbrille, die immer schief saß auf der Nase, sah die hell schimmernde Haut mit den zahllosen Fältchen und die kleine, kahle Stelle im einst üppig wuchernden, tiefschwarzen Haar. Da spürte sie feinen Blick, und aufsehend, ohne das Wickeln zu unterbrechen, sagte sie leise und freundlich: „Jungchen, ja, das ist lange her..." So hatte sie also an früher gedacht, als hier noch drei, vier Trabanten lärmten und Vater donnernd wie Wotan dazwischenfuhr, daß zuweilen die Leute unten auf der Straße stehen geblieben waren. Beide lauschten, als hörten sie wieder feine aufbrausende Stimme. Was gäben sie darum, wenn sie wieder das Haus erfüllte und sie sich zitternd unsichtbar machen könnten! Sie lauschten auch noch anderen Stimmen. Sie kamen wie aus Träumen zu ihnen, lachende und flüsternde, liebevolle und leidenschaftliche. Des Sohnes Gedanken gingen wunderliche Wege. Das Klavier, dachte er erschrocken — wo ist es? Und er fürchtete sich, hinzusehen, wo es einst gestanden hatte. „Verkauft", hörte er ihre Stimme, „wir mußten, es war kein Geld da, aber Elisabeth brach es das Herz." Er fühlte, wie feine Augen inwendig sich mit Bildern füllten. Eine Hand traf klatschend seines Bruders Backe, der schrie und himmelhoch beteuerte, daß er's wahrhaftig nicht gewesen sei, daß er niemals den Klavierdeckel gehoben und mit Zange und Bohrer den Saiten zu Leibe gegangen sei! Niemand, Vater nicht und Mutter erst recht nicht, ließ durchblicken, daß es auch der „Große" gewesen sein könnte. Es muß einmal ausgesprochen werden, dachte er in plötzlicher innerer Not, das Gewissen hielt ihn in der Zange, er stand unvermittelt auf, beugte sich über den grauen Scheitel der alten Frau und sagte so leichthin, wie es ihm möglich war: „Mutter, hör mal, die Sache mit dem Klavier damals, als Hans Prügel bezog — er war ja unschuldig!" Mit Staunen vernahm er ihre Antwort: „Warum sagst du mir das? Ich habe es immer gewußt." Da küßte er, zum ersten Male, ihre Hände. Am Abend saßen sie am Tisch mit der alten, grünen Plüschdecke, die Uhr tickte wie ehedem, und er langte sich den „Lederstrumpf" vom Wandbrett, den „Letzten der Mohikaner" und las feiner Mutter vor — wie ehedem. Ein reifer Mann mit vier kleinen Kindern daheim war wieder in die eigene Kindheit zurückgekehrt; der Glockenton dieser Stunde hallte durch sein ganzes Leben. Gießener Stadttheater. Gastspiel des Rairnonda-Battetts. Das Raimonda-Ballett vom Empire Theatre und vom Prince of Wales Theatre in ßonbon gab gestern ein Gastspiel bei uns. Die Gäste brachten, auf der Rundreise durch Deutschland begriffen, em großes Programm mit 22 Nummern. Der erste Tei der Folge ist überschrieben „Tournee-Impressionen und läßt die technischen Voraussetzungen und Aus- qanqspunkte erkennen: die Grundlage bildet die Schule des alten klassischen Balletts, obwohl der Spitzentanz so gut wie keine Rolle spielt. Das tänzerische Bild ist im wesentlichen auf dem Zusammenwirken der Gruppe aufgebaut; die Einzeltanzer wirken weniger solistisch, eher als Vor-Tänzer und Gruppenführer. In den unterschiedlichen Nummern ist die Tendenz zum geschlossenen, farbig-dekorativ betonten Schaubild, ferner zu pantomimischer Wirkung, darüber hinaus zum Scherzo und zur Groteske unverkennbar. Außerdem erwies im besonderen der erste Teil der Folge die stilistische Einfühlungsgabe und Wandlungsfähigkeit des Balletts. Die Ouvertüre bildete eine etwas matte Komposition im antiken Gewände, doch zeigte gleich der folgende spanische Bolero was die Gruppe zu leisten vermag: dies war em farbiger, straft rhythmisierter Tanz, voll Ursprünglicher Bewegung und mit origineller Kastumwm- kung, eine der besten Schöpfungen derFoHe Es folgte ein ganzes Potpourri charaktenstrscher Mo °e ein indischer Tempeltanz, ein orientalischer Bauchtanz, oon Tambourin und Handglockchen akzentuiert, ein lapanischer Tanz mit Masken Schwertern und Fachern, chinesische Szenen — teitoei|e, wie in der „Liebe in China", schon ins Groteske aufgelöst , eine bäuerliche Mazurka zu Zweit und em fern- östlicher Laternentanz, in dessen einfacher Linienführung die Tänzerinnen merkwürdig lemuren haft wirken. * Vom zweiten Teil des Programms lagen noch etwa das „Aste Spielmannslied" und der sehr rassig vorgettagene Rak6czy-Marsch auf der anfangs em- geschlagenen Linie, während die von Dvoraks Hu- moreske ausgehende „Melodie" für unser Gefühl einigermaßen aus dem Rahmen fiel: derzwei e Teil der Vortragsfolge ging überwiegend auf hei tere, pantomimisch-szenische Wirkungen aus wofür etwa das turbulente Tanz-Drama .'Ausverkauf oder das drollige zweistöckige Tingettangel . (mit akrobatischem Einschlag) besonders charakteristisch schienen. * Die tänzerisch ausgeprägtesten und auch vielseitigsten Begabungen innerhalb der Gruppe sind Kaat Lenz, (toa Marks („Bolero"; „Lausbuben") und Willi M o m m b e ck, dessen lockere und disziplinierte Körperbeherrschung im „Bolero", im „Herrenwalzer" und im „Springsolo" glücklich^ zur Geltung kam. „Avec grand chic“, im Cancan-Stil von 1900, mit Schwung und Laune getanzt, bildete den effektvollen Abschluß und mußte prompt wiederholt werden. Ideen, Gestaltung und Kostümentwürfe stammen oon Ballettmeister Hans R a i m o n d a. Regie führt Hansjosef Paul. Bühnenbilder: Wolf'Leder, Berlin; die Dekorationen beschränken sich auf einen jeweils stilistisch andeutenden, großlinigen Prospekt. Die Zuschauer bedankten sich mit lebhaftem Applaus und erklatschten, obwohl das Programm gewiß reichhaltig war, verschiedene Zugaben. Hans Thyriot. „Es leuchten die Sterne." Lichtspielhaus. Die großen Revuen finb seit einiger Zeit aus der Mode gekommen; sie sind aus Mangel an Ideen und in bloßer Ausstattung erstickt. Das spricht nicht gegen die Revue an sich, sondern gegen die Leute, die sie gemacht haben. Wenn man diesen Zilm auf sich wirken läßt, hat man etwa folgenden Eindruck. Der Regisseur Hans H. Zerlett, der auch selber das Drehbuch schrieb, dachte bei sich: die Revue ist gar nicht tot, man braucht sie bloß zum Leben zu erwecken, und jetzt wollen wir's den Leuten mal zeigen — „Es leuchten die Sterne", und die Stars der Tobis marschieren auf, so viele Filmsterne hat noch kein Mensch auf einem Hausen oder jedenfalls in einem einzigen Film gesehen. Forst, Trenker, Alexander, Diehl, Fröhlich, George, Hartmann, Hörbiger, Kemp, Liebeneiner, Lingen, Moser, Paulsen, Roberts, die Dagover, die Dorsch, die Hildebrand, die Jugo, die Tschechowa, die Ullrich, die Weiser, die Wüst, und das sind noch nicht einmal alle. Natürlich tauchen sie, jeder und jede von diesen, nur einen Augenblick auf, leuchten em wenig und versinken. Das ist originell, aber noch keine Revue. Zer- lett besann sich auf das Eigentliche, den Ursprung, auf die Anfänge des Theaters im Mittelalter (das Menschen und Stände Revue passieren ließ) und marschiert mit Musik und Siebenmeilensttefeln durch die Weltgeschichte ... von Adam und Eva über Altertum und Mittelalter in die Gegenwart hmem; in ein paar Minuten, mit ein paar markanten Melodien und Marschrhythmen ist alles vorüber. Römische Legionäre, alte Landsknechte, Wilhelm Teil, Falstaff, Don Juan, Friedrich der Große, Napoleon — das sind nur ein paar flüchtige Sekunden in der großen Revue. ♦ Zerlett verfolgt diese (an sich fruchtbare) Idee nicht weiter und bricht ab, er entdeckt ein neues, nicht ganz neues Leitmotiv: Blick hinter die Kulissen und in die rauhe Alltagsrealität des Films. Man sieht „Schicksale, die nicht Dichtung, sondern Wahrheit sind. Die Ereignisse haben sich so abgespielt, wie sie hier gezeigt werden, auch wenn manche der handelnden Personen einen andern Namen tragen." Das gibt, flüchtig und zwanglos eingebettet in den lockeren Stil der Revue, die mehr aus Bildern als aus Szenen zu bestehen hat, und immer wieder aufgelöst in Melodie und Tanz, dem Film seinen Inhalt, seinen Hintergrund, seinen Zusammenhalt und seinen Reiz. Die alternde Diva, die eine jugendliche Rolle nicht mehr spielen kann Und das Fach wechseln muß; die große Chance und die große Enttäuschung; der märchenhafte Aufstieg des jungen Talentes aus der anonymen Masse der Komparserie; es ist nicht alles Gold, was glänzt... aber es leuchten die Sterne; die Geburt eines Schlagers; das Drum und Dran im Atelier, die Kantine, die Mittagspause, das persönliche Leben, der ewige Aerger, das traute Heim und die „Panne im Beruf" —: das sind etwa die Hauptmotive, und deshalb ist dieser Film nicht langweilig und nicht ermüdend wie die meisten Revuen. * Von den „eigentlichen" Darstellern zeigen vor allem Ernst Fritz F ü r b r i n g e r als der Regisseur, der drollige Rudi G o d d e n mit seinem abgebrühten Mundwerk als Aufnahmeleiter, Elisabeth Wendt als der Star, der passe ist, und Vera B e r g m a n als die jäh entdeckte Komparsin lebendige Gestalten mit persönlichem Umriß. Professor Benno von A r e n t schuf die großartige Gesamtausstattung. Leo L e u x schrieb die Musik; besonders das mehrfach wiederholte -Lied der Diva ist sehr melodisch gesetzt. Die Tanzgruppen exerzieren mit bewunderungswürdiger Präzision. Die Tänzerinnen Ursula D e i n e r t, Geschwister Höpsner , 2a Jana. Paul ßinrfe dirigiert persönlich. Die drei Rennfahrer Caracciola, Brauchitsch und Lang verkörpern das unheimliche Tempo des 20. Jahrhunderts. Und sogar Max S ch m e I i n g sieht man mit seiner Frau Anny Kaffee trinken... Es leuchten die Sterne. — (Tobis.) Aus dem Beiprogramm sind neben einem Kulturfilm vor allem die neuen Aufnahmen vom Führer- besuch in Italien hervorzuheben: blendende Bilder oon den Vorführungen der Wehrmacht. Hans Thyriot. Zeitschriften. — Die Frage der Uebereinstimmung zwischen körperlichem und seelischem Erscheinungsbild beim Einzelmenschen ist einer der Hauptpunkte in der modernen Rassenforschung. Darüber bringt Wilh. Schneider einen Aufsatz im Maiheft der Zeitschrift „So l k und R a f f (I. F. Lehmanns Verlag, München 15) und weist darauf hin, daß die Körperlichkeit des Menschen in ihren Einzelheiten und Besonderheiten das Ausdrucksmittel der Seele ist. — Das aktuelle Problem „Die biologischen Gefahren der Abwanderung" ist von Walter Groß interessant dargestellt. — Dr. Walter Rauchenberger bringt einen reichillustrierten Aufsatz über die Dichterin Gerda von Below — eine Urenkelin Herders. Der Verfasser gibt hier einen Hinweis auf die Tatsache, daß bei fast allen geistig hochstehenden Menschen eine stärkere Blutmjschung in den zunächst liegenden Ahnenreihen zu finden ist. Hochschulnachrichten. An Stelle des verstorbenen Vorsitzenden des Marburger Universitätsbundes, Geheimrat H a e u f e r, wurde von dem Verwaltunasrat das seitherige Vorstandsmitglied Professor Ör. phil.,/ Dr.-Jng. e. h., Dr. phil. nat. h. c. Paul Duden in Frankfurt a. M., Ehrensenator der Universität Marburg, gewählt Professor Dr. Karl Deichgräber, Extraordinarius für klassische Philologie an der Universität Marburg, wurde zum Ordinarius an der Uni» oerfität Göttingen ernannt. Er tritt dort die Nachfolge des emeritierten Professors Dr. Max P o h l e n z an. Dem Dozenten Dr.-Jng. habil. Helmut Pfann- müller aus Wimpfen am Neckar wurde unter Ernennung zum o. Prof, in der Fakultät für Bau- wesen an der Technischen Hochschule Hannover der durch das Ausscheiden von Prof. Schleicher freigewordene Lehrstuhl für Statik und Stahlbau übertragen. Der nb. ao. Professor Dr. A. Nitschke in Berlin- Dahlem wurde beauftragt, an der Universität Halle die freigewordene Professur für Kinderheilkunde sowie die Leitung der Kinderklinik und Poliklinik vertretungsweise zu übernehmen. Einen gleichen Auftrag erhielt der nb ao. Professor Dr. Johann F ü ck an der Universität Frankfurt für die in Halle freigewordene Professur für semitische Philologie. 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Ich habe schon welche in meinem Körbchen und will ihn dazu tun; da fahre ich erschrocken zurück, lieber mir erschallt ein lautes, heftiges Bellen, wie von einem kleinen Hund. Auf dem Ast der Buche sitzt ein Eichhörnchen, schaut zu mir hinab und schilt wütend, daß ich seinen Pilz nehmen will. Es hat ihn eben erbeutet und wollte ihn verzehren, als es durch mich gestört wurde. Das ganze Tierchen ist lebhafteste Erregung, -bie Krallen scheuern die Rinde, und unablässig erschallt das zornige Bellen. Nein, ich nehme ihn dir nicht, kleiner Bursche, er ist dein rechtmäßiges Eigentum. Du sollst mich nicht am jüngsten Tag verklagen müssen. Auf die Stimme der Tiere wird dann nämlich das größte Gewicht geleat. Man sagt Dir üble Dinge nach, du kleines, quicklebendiges Wesen. Du sollst die Vogelnester berauben, dich nicht einmal mit Eiern begnügen, sondern sogar die jungen Vögel nehmen. Es erheben sich auch Stimmen zu deinen Gunsten, aber ganz unschuldig bist du nicht. Nur, wie würde es uns ergehen, wenn wir jedes Abweichen vom rechten Wege mit dem Tode bezahlen müßten. Ist es dein roter Pelz, der dich so verdächtig macht? Schon unsere Dorfuhren trauten dir Böses zu. Dein Stammvater Ratatosk kletterte am Stamm der Weltesche auf und ab und trug böse Worte und Üble Zeitung vom Drachen Niddhog an der Wurzel zum Sonnenaar, der im Wipfel horstete. In unserer Stadt hat man die Eichhörnchen fast ausgerottet. Es gab einmal viele in den Anlagen und in den Privatgärten. Sie spielten auf dem Rasen, haschten sich im Gezweig und trieben allerlei fröhliche Kurzweil. Da saß eins auf der Mauer bei den Himbeeren, holte sich mit einer Hand zierlich ein Zweiglein heran und ließ sich die saftigen Früchte gut schmecken. Sie kamen auf die Fensterbank zum Dogelfutter, ja sogar ins Zimmer. In zierlich aufrechter Haltung, den buschigen Schwanz anmutig gebogen, saß eins auf dem Nähtisch, blickte sich mit seinen blanken Augen neugierig im Zimmer um und sah auf die arbeitenden Hände der Frau, die ihre innige Freude an dem Tierchen hatte. Oft leistete es der Einsamen Gesellschaft. Dann führte es das Holzdecherchen, in dem die Meisen ihr Futter bekamen, mit beiden Händen zum Munde, legte das so entnommene Hanfkorn auf den Handrücken und schälte es ab. Bald hatte es auch den Körnervorrat entdeckt; er stand in einer Büchse mit übergreifendem Deckel innen auf der Fensterbank. Schnell hatte das Eichhörnchen gelernt, den Deckel au entfernen. Einmal wurde es überrascht, als es den ganzen Vorrat stehlen wollte. Es konnte mit der großen Büchse nur leider nicht über das eiserne Dorsatzgitter am Fenster hinweg. Eichhörnchen kann man leicht zähmen, aber man darf sie nicht in Käfige sperren, sie brauchen die Freiheit und die Weite nötiger als irgendein andres Tier. Mit den Kindern der Natur soll man behutsam verfahren, sagt Svend Fleuron. Wer sich nicht chineinversetzen kann in Wesen und Lebensbedingungen eines Tieres, ihnen Rechnung trägt und Opfer dafür bringen will, der nehme es nicht in feine Obhut, es bringt ihm Leiden und Tod. K. Aornoiizen. Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr „Candida". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Das Mädchen von gestern nacht". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Es leuchten die Sterne". — Wettbewerb HJ.-Heim Gießen: 16 bis 18 Uhr Ausstellung der Entwürfe in der Volkshalle (Empore). — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand. Stadttheater Gießen. Heute abend findet die erste Wiederholung von „Candida", Mysterium von Bernard Shaw, statt. Spielleitung Wolfgang Kühne. Bühnenbild Karl Löffler. Für die Rolle des Marchbanks wurde Wolfgang Büttner von den Städtischen Bühnen, Frankfurt a. M., verpflichtet. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 31. Vorstellung der Freitag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr. Morgenfeier am Muttertag. NSG. Am Muttertag, 15. Mai, findet vormittags 10.15 bis 11 Uhr eine Morgenfeier über alle Reichs- fenber statt, bei der die Reichsfrauenführerin sowie Reichsminister des Innern Dr. Frick sprechen werden. Die Umrahmung der Feier liegt in Händen der Frauenwerks-Iugendgruppen.___________________ (5E g § E Zum JUuttertaü finden Sie auch bei mir das pass. Geschenk. Wie wäre es mit einer guten Flasche Likör, Sekt, Trauben- oder Apfelsaft Kommen Sie bitte zu mir, Sie finden sicher das Richtige. 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Gießen, Kreuzplatz 15 Beachten Sie bitte unsere Auslagen Kreuzplatz 1 u. 15 _____________3276* f. ?•