Nr.IO Erstes Blatt 188. Jahrgang Donnerstag, 15. Januar 1938 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat im Bild • DieScholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr . , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewall Zernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Zrantfurt am Main 11688 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Untverfilätsdruckerei R. Lange in Sieben. Schristleitung und Geschäftsstelle: 8chulstraße 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Nps., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Nps..Platzoorschrift nach Dort). Ö3ereinbg.25°/O mehr» ermäßigte Grundpreise: Stellen., Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Ministerpräsident Görings Geburtstag. Herzliche Anteilnahme in allen Kreisen des deutschen Volkes. Berlin, 13. Ian. (DNB.) Daß der gestrige Tag, an dem Ministerpräsident Generaloberst Göring sein 45. Lebensjahr vollendete, weit über Familie, Freunde, Kameraden und Mitarbeiter hinaus freudigen Widerhall finden würde, war bei der Volkstümlichkeit Hermann Görings selbstverständlich. Nach den Gratulationen im engsten Familienkreis nahm der Ministerpräsident, begleitet von dem Chef der Polizei Reichsfuhrer ff Himmler, dem Chef -der deutschen Ordnungspolizei General D a l u e g e und dem Chef der Sicherheitspolizei ---Obergruppenführer Heydrich, den Vorbeimarsch zweier Abteilungen der motorisierten Gendarmerie in Paradeuniform ab Nach dem Vorbeimarsch riefen die Angestellten und Arbeiter aus dem Reichsluftfahrtmini'sterium dem Generalobersten in Sprechchören ihre Glückwünsche zu, für die er mit freundlichem Winken dankte. Kur; vor Mittag erschien der Führer in der Wohnung des Ministerpräsidenten, um seinem getreuen Mitarbeiter persönlich seine Glückwünsche auszusprechen. Als Geschenk überreichte der Führer Hermann Göring ein prächtiges Gemälde des Malers Hans Makart, nach dem eine Stilepochs der bildenden Kunst ihren Hamen erhalten hat. Das in wundervollen Farben gehaltene Bild stellt eine Falknerin in dem Jagdkostüm der Mitte des 19. Jahrhunderts dar. In seinem Arbeitszimmer nahm der Ministerpräsident die Glückwünsche seines Stabes entgegen. Er empfing dann eine Abordnung des R e - giments General Göring sowie das Führerkorps der SA.-Standarte Feldherrn- Halle, dessen Chef dem ersten SA.-Führer den neuen SA. - Dolch in Silber überreichte. Im Garten des Hauses hatten inzwischen eine Kompanie des Regiments General Göring, ein Sturm der SA.-Standarte Feldherrnhalle, ein Sturm der Leibstandarte und eine Hundertschaft der Polizei Aufstellung genommen. Der Ministerpräsident schritt unter den Klängen des Präsenttermarsches die Front der aufmarschierten Formationen ab und dankte ihnen mit einer kurzen und herzlichen Ansprache. Vor dem Hause brachten die vereinigten Musikkapellen der Luftwaffe, des Heeres, der Polizei, der SA., der SS., NSFK., des Arbeitsdienstes mit Fanfaren und Schellenbäumen unter Leitung des Musikinspizienten der Luftwaffe Prof. Husadel ein Ständchen. Auch das Jungvolk wartete mit einem schmissigen Ständchen eines Fanfaren- und Trommlerkorps auf, für das ihnen der Ministerpräsident freundlich und humorvoll dankte. Im Vorraum des Arbeitszimmers des Ministerpräsidenten hatten sich inzwischen die Mitarbeiter aus den ihm unterstehenden Ministerien und Behörden, dem preußischen Staatsministerium, dem Reichsluftsahrtministerium, dem Wirtschaftsministerium, die Gruppenleiter des Vier- zahresplanes, die Mitarbeiter aus dem Peichsforst- emt der Reichsjägerfchast, dem Geheimen Staatspolizeiamt, die Generalintendanten der Staatstheater und eine Abordnung des Reichstages versammelt. Als ihr Wortführer sprach Staatssekretär General der Flieger Milch das Gelöbnis weiterer treuer Mitarbeit für Führer, Volk und Reich aus. „Sie werden verstehen", so betonte der Ministerpräsident in feiner Antwort, „daß mich die Glückwünsche, die Sie mir durch General Milch aussprechen ließen, besonders bewegen. Sie, meine engeren Mitarbeiter, sind diejenigen, mit denen ich nun seit Jahren Zusammenarbeiten darf, vielfälttg sind die Gebiete, die Sie vertreten und die sich in der Zusammenarbeit mit mir konzentrieren. So verschieden sie aber auch sein mögen, meine Sorgen und meine Anteilnahme an allen diesen Aufgaben sind gleich st a r k, an allen bin ich nicht nur mit dem Verstände, sondern auch mit dem Herzen beteiligt. Wenn ich so oft im Auslande gefragt werde, wie ich die gewaltige Arbeit durchführen kann, dann kann ich immer wieder mit Stolz und erfüllt von innerem Glück und tiefer Dankbarkeit antworten: »Das find meine Mitarbeiter!' Diese enge Zusammenarbeit ist das größte Glück, das uns heute im Reich Adolf Hillers erfreut, uns alle entflammt und erfaßt, jene wunderbare Treue und Loyalität, die vom Führer ausgeht, hier gibt es keine Intrigen, ein jed-r weiß, daß ein festes Vertrauen uns verbindet und durch gar nichts zu erschüttern ist." Zu den persönlichen Gratulanten gehörte auch das gesamte Reichskabinett mit'ben Staatssekretären, viele Rei chsleiter und Gauleiter, das Führerkorps der Kampfformationen der Bewegung und ihrer Gliederungen, die gesamte Generalität der Luftwaffe, eine Abordnung des Heeres und der Marine unter Führung des Generalobersten Freiherrn von Fritsch, Vertreter aus Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft, Industrie, Handel und Handwerk, viele Abordnungen der Arbeiterschaft, Vertreter der Ver- Sine Ansprache des Gauletters. RSG. Als Auftakt zur Arbeit im neuen Jahr 1938 vereinigen sich am Sonntag, dem 16. Januar, 11 Ahr, alte hoheitsträger und politischen Leiter der Partei sowie die Führer der Gliederungen und der angeschlossenen Verbände des Gaues Hessen-Nassau zu einem Führerappell. Mit dieser Großaktion wird die Propaganda-Arbeit für das neue Jahr eingeleitet. Der Führerappell wird in den 26 Kreisen unseres Gaues durchgeführt. Die Führer der Bewegung versammeln sich jeweils in den Städten, die Sih der Kreisleitung sind. 3m Mittelpunkt der Großaktion steht der Appell des Kreises Groß-Frankfurt in der Gauhauptstadt, wo der Gauleiter im Hippodrom zu den versammelten Parteigenossen spricht. In seiner Ansprache, die durch ein Fernkabel der Deutschen Reichspost in die 2-5 Kreisstädte des waUungen der Provinzen und Städte. Staats- minister Prof. P o p i tz gratulierte als der dienst- älteste preußische Staatsminister für alle preußischen Minister und Staatssekretäre und überreichte dem Ministerpräsidenten einen kunstvoll gearbeiteten bronzenen Jagdbecher. Stöße von Telegrammen, Blumen über Blumen häuften sich im Arbeitszimmer des Ministerpräsidenten, wahre Berge von Glückwunschschreiben aus dem In- und Auslande. Auch zahlreiche selbst gefertigte Geschenke, so eine selbstgeferttgte Ledermappe, die die Schüler der Hermann - Göring - Meisterschule hergestellt hatten, Federzeichnungen, handgebundene Bucher, Arbeiten aus getriebenem Metall und aus den neuen Werkstoffen. Besondere Freude bereiteten dem Ministerpräsidenten eine Anzahl antiker Kunstwerke, darunter ein prachtvolles Frauenbildnis Geiseneggers (1505 bis 1567) aus Holz, einige Darstellungen alter Iagdszenen, antike Holzplastiken, keramische und bibliophile Seltenheiten. Reichsminister Dr. Goebbels machte dem Ministerpräsidenten eine wundervolle Tierplastik, einen mit einem Bären kämpfenden Wisent, und Reichsleiter Amann eine Kassette mit Adolf Hitlers „Mein Kampf" in den Sprachen der Welt zum Geschenk. Der Stabschef der SA. Viktor Lutze überbrachte vier achtkerzige Leuchter, als Sinnbild der 32 SA.-Gruppen, Reichsführer ff H i mm l e r eine vorzüglich erhaltene Ausgrabung, das Führerkorps der ff einen Adler aus der ---Porzellanmanufaktur Allach. Die Stadt Köln hatte in einer meisterlich gearbeiteten Schatulle einige alte germanische Schließen überreichen lassen. Zum Abschluß der Geburtstagsfeier gratulierte Reichsminister K e r r l noch einmal im Namen aller anwesenden Gäste und sprach seine besten Wünsche für eine zukünftige glückliche Aufbauarbeit aus. Gaues übertragen wird, gibt er den Führern der Partei die Richtlinien für die Arbeit, die sie im Jahre 1938 für Führer und Volk zu erfüllen haben. Vor der Rede des Gauleiters, die allen führenden Parteigenossen des Gaues Ziel und Ansporn geben wird, ergreifen Gaupropagandaleiter Stöhr und SA.-Obergruppenführer Bek- ferle das Wort. Heirat des Reichskriegsniinisters. Berlin, 12. Jan. (DRB.) Der Reichskriegs- minifter, Generalfeldmarschall von Blomberg, hat sich am Mittwoch, dem 12. Januar, mit Fräulein G r u h n vermählt. Der Führer und Reichskanzler und Generaloberst Göring waren Trauzeugen. — Das deutsche Volk wird die Nachricht von der heirat des Reichskriegsminislers, der sich um den Aufbau der neuen deutschen Wehrmacht in hervorragendem Maße verdient gemacht hat, mit herzlicher Anteilnahme enlgegennehmen. SonMWrer-AppelldesGauesHeffen-Aaffau De* Führer mit Hermann-Göring bei der Betrachtung Des GeluEagsgeschsnks. (Scherl ° Bilderdienst-M.- W I w r - W-Ä >/ tz M , > 5 x -> • z M • 2 ?'x-'3 w 1 tzW W v. . ■ ■ ■- ■ - ':E ' Hw KMWWW lÄbi | WWW»,. - ■ ■ ■ . ' ■ ' ... MWIM 1 Götzendämmerung in Südamerika. Von Otto Corbach. Das Gespenst der „Heiligen Allianz" soll in der Alten Welt umgehen und finstere Pläne aus- brüten. „Möge sich niemand einbilden", warnte Präsident Roosevelt auf der panamerikanischen Konferenz in Buenos Aires, „daß Amerika entrinnen wird, daß es Schonung zu erwarten hat, ' daß diese westliche Erdhälfte nicht angegriffen werden wird." Neuyorker und Londoner Blätter riefen ihren südamerikanischen Freunden diese Aeußerung feierlich in die Erinnerung zurück, als der brasilianische Bundespräsident Getulio Vargas durch seinen neuen Staatsstreich einen Strich durch alle Rechnnungen machte, die auf Grund aufgewandter oder bereitgestellter fremder Wahlgelder gemacht worden waren. Nicht lange vorher hatte man sich nicht gescheut, Deutschland geheimer Absichten auf Erwerbung brasilianischen Gebietes zu verdächtigen. Darauf wurde im Monat August von Washington aus angespielt, als man Brasilien Kriegsschiffe anbot, im Monat September von London aus, als es galt, aus harmlosen deutschen Kolonisten in Südbrasilien Aufruhr brütende Hochverräter zu machen. Der wirkliche Kummer nordamerikanisch»r Beschützer südamerikanischer „Demokratien" besteht darin, daß die Südamerikaner um so weniger Verständnis für die „geopolitische" Bedeutung des geographischen Zusammenhanges ihrer Länder mit der nordamerikanischen Union mehr aufbringen, je eifriger Washington durch „gute Nachbarschaft" frühere imperialistische Aufdringlichkeiten vergessen zu machen sucht. Es konnte gewiß den von spanischer und portugiesischer Kolonialherrschaft befreiten Völkern nur recht sein, daß England nach den napoleonischen Kriegen mit seiner Seeherrschaft die Mächte der „Heiligen Allianz" in Schach hielt; denn diese wollten ja verlorene koloniale Machtstel- l u n g e n in der Neuen Wett wiederherstellen oder unhaltbar gewordene sichern. Ganz anders verhielt es sich mit den immer anspruchsvolleren Folgerungen, die die Aankees aus ihrer „M onroe-Dok- t r i n" zogen. Dagegen begehrte man von Anfang an auf. Dennoch mußte man mit der-Zeit gute Miene zum bösen Spiel machen, weil das Pankee- land den lateinischen „Schwesterrepubliken" allzurasch und allzusehr über den Kopf wuchs. Das seebeherrschende Albion hatte ihm einen Freibrief für kontinentale Machtpolitik ausgestellt, um in Europa um so wirksamer gefährliche kontinentale Machtgestaltungen hintertreiben zu können. Gleichzeitia zog sich britisches Finanzkapital aus lateinamenkani- schen Ländern immer mehr zurück, um in I n - dien und M a l a y a, wo sich das Kuli-System ungehindert entfalten ließ, eine Plantagenwirtschaft aufzuziehen, wie sie sich nach Aufhebung der Neger- Sklaverei in den Ländern der Neuen Wett nicht mehr recht lohnte. So vegetierten die ibero-ameri- kanischen Länder nur kümmerlich im Schatten des „Kolosses des Nordens", der seine Produktivkräfte für die massenhafte Hervorbringung von industriellen Rohstoffen und landwirtschaftlichen Stapelartikeln einsetzte, die diejenigen der „Werkstätte der Wett" glücklich ergänzten. Gewiß konnten manche idero-amerikanischen Länder schon vor dem großen Kriege durch ihre ,,M o - n o k u l t u r e n" zu beträchtlicher weltwirtschaftlicher Bedeutung gelangen, aber für eine wirklich selb- st ä n d i g e Entwicklung ihrer Produktivkräfte ergaben sich erst unter den Nachwirkungen des Weltkrieges und besonders der Weltwirtschaftskrise günstige Bedingungen. Das hatte seinen Hauptgrund gerade darin, daß man sich nach Ausbruch des großen Krieges gegenüber Europa, nach Durchbruch der Weltwirtschaftskrise auch gegenüber USA. oiet größere Freiheiten herausnehmen konnte als früher. Wenn die argentinische Republik zwischen 1934 und 1937 ihre Dollar-Anleihen von 257 546 540 auf 152 600 000 Dollar abbauen und brittschen Gesellschaften Eigentumsrechte an 3200 Kilometer argentinischer Eisenbahnen a b - kaufen konnte, so kennzeichnet das die Abhängigkeiten, unter denen ibero-amerikanische Länder zu leiden hatten, solange sie von us-amerikanischem wie britischem Finanzkapital unter Einsatz politischer Machtmittel unter Druck gehalten wurden. Argentinien beherzigte, als es sich aus dem Weltkriege heraushielt, die Mahnungen der Vorväter des Volkes der Vereinigten Staaten, sich in die Händel der Alten Welt nicht verwickeln zu lassen, während Onkel Sam selbst sie in den Wind schlug. Nach dem Kriege schloß es sich dem Völkerbunde an, von dem sich USA. schmollend zurückzog. Es stand diesem gegenüber fester auf amerikanischer Erde und hoffte durch bessere europäische Verbindungen panamerikanische Beziehungen noch mehr entbehren zu können. Die Bevölkerung Argentiniens ist vorwiegend italienischer und spanischer Herkunft; das bringt eine angeborene Abneigung gegen Anglo-Amerikaner mit sich. Aber auch materielle Gründe fehlen, den Ar- aentiniern panamerikanische Erwägungen nahezulegen. England kauft ihnen achtmal soviel ab wie die nordamerikanische Union und obendrein suchen sie auf dem Umwege über die Genfer Liga nach anderer europäischer Kundschaft, um sich für handelspolitische Zurücksetzungen schadlos zu halten, denen England sie wohl ober übel zugunsten seiner Dominien aussetzen muß. Im Rahmen „Panameri- kas" können sie am wenigsten hoffen, für Verluste auf europäischen ober asiatischen Märkten schadlos gehalten zu werden. Für den weltoffenen Sinn des Porteno, wie man den Bürger von Buenos Aires nennt, bedeutet die „Monroe-Doktrin" kaum etwas anderes als ein „tabu", bas die Medizinmänner angelsächsischer .Zivilisation" für rückständige Kon- tinentaleuropäer über die Länder der Neuen Welt verhängten Gewiß: neue Kolonialgründungen auf der westlichen Erdhalbkugel waren nach den napoleonischen Kriegen für kontinentaleuropäische Länder nicht mehr gut möglich, aber die Gleichsetzung eines entsprechenden Verzichts mit einer A n e r k e n - nuna anglo • amerikanischer Vorherrschaft über Gesamtamerika war ein Taschenspielerkunststück. auf das selbst die kontinentaleuropäische Diplomatie nur in der traurigen Verfassung hineinfallen konnte, in der sie die napoleonischen Kriege zurückließen. Die maßgebenden Kreise in Brasilien sehen sich geradezu gezwungen, in der Lenkung des Gesamtschicksals einer stark gemischten Beoölke- runa verschiedenartiger Wohngebiete innerhalb eines Riesenreichs einen immer autoritäreren Kurs ein« Zuschlägen, weil der gefürchtete Nachbar im Süden auf der Bahn moderner Entwicklung einen großen Vorsprung voraus hat. Argentinien hat eine ganz überwiegend weiße Bevölkerung, die fortgesetzt aus Europa neuen wertvollen Zuwachs erhält. Für die Entfaltung eines „Dranges nach Westen" liegen auf den Pampas ähnlich günstige Bedingungen vor wie einst auf den Prärien Nordamerikas. Uruguay, Paraguay und selbst Bolivien, Gebiete, die während der Kolonialzeit teils mit Argentinien zum Vizekönigtum La Plata, teils zum Dizekönigtum Lima mit seinem Schwerpunkt an der fernen Westküste gehörten, bilden heute Pufferstaaten, die Reibungen mit Brasilien vermeiden lassen, aber eine weit vorgeschrittene wirtschaftliche Durchdringung von Buenos Aires aus läßt voraussehen, daß sie möglicherweise eines Tages als Gliedstaaten in einem größeren Argentinien aufgegangen wären, wenn Brasilien.fortgefahren wäre, als modernes Staatswesen weit im Rückstände zu bleiben. Brasilien hat erst in jüngster Zeit angefangen, mit seinem Verkeyrssystem an die Mineralreichtümer Boliviens heranzukommen. Vorläufig wird das meiste, was an Zinn und Silber und Petroleum in bolivianischen Bergwerken gewonnen wird, über Buenos Aires ausgeführt. Durch die Vergünstigungen, die Argentinien dafür bieten konnte, war es ihm möglich, Bolivien einigermaßen dafür zu entschädigen, daß Paraguay während des Krieges die größeren Vorteile aus feiner Nachbarschaft ziehen konnte. Brasilien bedarf um so mehr einer straff organisierten starken Zentralgewalt, weil sich in den Gliedstaaten von jeher mächtige Sonderbestrebungen regten, die das nationale Cinheitsbe- wußtsein mit der Zeit fast völlig überwucherten. Auf dem Umwege über einzelstaatliche Lotterwirtschaft können bei allgemeinen Wahlen am leichtesten willfährige Werkzeuge fremder Interessen an maßgebende Stellen der Bundesregierung in Rio de Janeiro geschoben werden. Diese Gefahr lag 1930 vor, als Julio P r e st e s zum Präsidenten gewählt worden war, der vorher auf Reisen nach den Vereinigten Staaten und Europa mit fremden Banken Beziehungen angeknüpft hatte, deren Eigenart in eingeweihten Kreisen der brasilianischen Gesellschaft tiefe Unzufriedenheit und lebhafte Beunruhigung hervorrief. Nur deshalb konnte eine revolutionäre Bewegung den im Wahlkampf unterlegenen Kandidaten Getulio Vargas an die Spitze des Staates bringen, und nur, weil heute wiederum fremde Gelder das Wahlergebnis noch mehr zu beeinflussen drohten, als politische Leidenschaften, mußte eine Verlängerung des Mandates des amtierenden Präsidenten in Verbindung mit einer weiteren Erleichterung des Aufstiegs der Bundes-Gondel durch Abwurf demokratischen Ballastes als ratsam erscheinen. Die Völker Jbero-Amerikas lassen sich nicht, mehr an panamerikanischen Gängelbändern lenken. Sie sind mündig geworden. Sie lassen sich auch nicht so leicht, wie früher, weismachen, daß jenseits der Ozeane furchtbare Räuber darauf sännen, ihnen Gebiet zu stehlen. Dafür lauern an ihren unbe- stimMen Grenzen in den Urwäldern genug Gefahren rur neue blutige Kriege untereinander. Die Völker der Neuen Welt, die so gern über die kriegerische Vergangenheit Europas die Nase rümpfen, haben ihr kriegerisches Zeitalter noch vor sich, soviel sie sich vorläufig in weiträumigen Verhältnissen auch auf gegenseitige Duldung zugute tun. Zusammenkunft Chamberlain-de Valera. Irisch-englische Besprechungen in London. Dublin, 13. Jan. (DNB.) Ministerpräsident de V a l e r a hat vor der Vertagung des Deal mit«, geteilt, daß am 17. Januar in London eine Z u - sarnmenkunft zwischen Vertretern der irischen und der britischen Regierung stattfinden wird, bei der offenstehende englisch-irische Fragen erörtert werden sollen. An der Spitze der irischen Abordnung wird de Valero selbst stehen. Die irischen Minister werden mit dem englischen Ministerpräsidenten Chamberlain, Schatzkanzler S i - m o n, Innenminister Hoare und Dominion- minister Macdonald verhandeln. Reuter erklärt, die Beratungen hätten sich aus informellen Unterredungen zwischen de Valera und Dominionrninister Macdonald ergeben. Die bevorstehenden Unterhaltungen stellten seit langer Zeit wieder die e r st e n formellen Beratungen zwischen den beiden Ländern dar. Sollten die einleitenden Verhandlungen erfolgversprechend sein, würden V e r t e i d i« gungs - und Finanzprobleme erörtert werden. Außerdem sollen Frag en des Handels und der Landwirtschaft berührt werden. Es sei zu hoffen, daß auch die „Tren - nungsfrage^ aufgeworfen werde. Sicherlich aber würde die Ernennung irischer diplomatischer Vertreter im Auslande nicht angeschnitten, weil das eine innere Angelegenheit Eires (Irlands) sei. Das amtliche Organ" der Partei de Daleras, die „Irish P r e ß", schreibt, man könne sicher sein, daß die Vertreter Irlands in London einen wahren Geist der Versöhnung und des guten Willens zeigen würden, gleichzeitig aber würden sie fest auf den vitalen Grundsätzen bestehen. Das irische Volk zeige eine feste, ruhige und geduldige Haltung. Es hege nicht allzu große Erwartungen, wenn es auch den Wunsch habe, daß die Gründe der Streitigkeiten zwischen den beiden Nationen beseitigt würden. Das Blatt hebt besonders die Erklärung de Valeras hervor, wonach die Frage der Teilung Irlands (die Abtrennung des vorwiegend protestantischen nordirischen Ulsters) auch angeschnitten werden solle. Diese Frage müsse bei allen Verhandlungen im Vordergründe stehen. Das hervorstechendste politische Problem sei vom irischen Standpunkt aus gesehen, so erklärt auch die englandfreundliche „Irish Time s", die Frage der Teilung. Jeder irische Patriot bedauere die Teilung seines Landes. Kindisch wäre es aber, sich einzubilden, daß dieses Problem durch ein Abkommen zwischen London und Dublin gelöst werden könne Der Mer begiückrvünschi Alfred Rosenberg. ■ Unser Bild zeigt den Führer im angeregten Gespräch mit Reichsleiter Rosenberg, Brigadefuhrer Schaub und Reichsleiter Amann. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Berlin, 12. Januar. (DNB.) Nachdem Alfred Rosenberg im Außenpolitischen Amt der NSDAP, die Glückwünsche feiner Mitarbeiter entgegengenommen hatte, fanden sich schon früh die Gratulanten aus der Partei und ihren ©lieberun« gen in seiner Wohnung ein. Mit unter den ersten erschienen Obergruppenführer Herzog mit den Amtschefs der Obersten SA.-Führung und Gruppenführer Reimann mit den führenden Männern der SA.-Standarte Feldherrnhalle sowie eine Abordnung der Berliner Kameradschaft der Blutordensträger mit Pg. Dörfler an der Spitze. Hallenser Halloren mit Oberbürgermeister Dr. Weidemann beehrten den Reichsleiter mit einer symbolischen Gabe von Schlackwürsten und Soleiern sowie einer Kassette mit Halloren-Silber. Unter den vielen Gratulanten stellten sich auch der Reichsorganisationsleiter der NSDAP. Dr. Ley, der Präsident der Reichspressekammer Reichsleiter Amann, der seinem alten Kampfgefährten eine Kassette mit dem Werk des Führers „Mein Kampf" in den hauptsächlichsten Sprachen der Welt überreichte, und der Präsident der Reichsschrifttumskammer Staatsrat I o h st ein. Kurz nach 12 Uhr erschien der Führer und brachte seinem getreuen Mitkämpfer als Geschenk eine von Ferdinand Liebermann geschaffene Dietrich-Eckart-Büste und fein Bild mit einer sehr herzlich gehaltenen Widmung. Nach dem Besuch des Führers begab sich Reichsleiter Rosenberg zu einem Geburtstagsbesuch zu Ministerpräsident Generaloberst Göring. Mit seinen Mitarbeitern aus dem Außenpolitischen Amt der NSDAP, und anderen Gästen nahm Reichsleiter Rosenberg anschließend einen Tee in seiner Wohnung ein. Der Musik- und der Spielmannszug der Standarte „Feldherrnhalle" brachten dem Reichsleiter ein Geburtstagsständchen. „Deutsche Werkstoffe im Handwerk." Z -X ft 'M K# U s Unter diesem Namen wurde in Berlin eine Ausstellung eröffnet Unser Bild zeigt den Chef des Amts für deutsche Roh- und Werkstoffe beim Beauftragten des Führers für den Vierjahresplan, Oberst des Generalstabes Fritz Lob, wie er eine Kostprobe von Backwaren nimmt, die unter Verwendung von Fischeiweiß hergestellt wurden. (Scherl-Bilderdienst-M.) Schärfster Kampf gegen die Diphtherie-Seuche. von Professor Or. 3R. prigge, Frankfurt a. M. NSG. Mit Rücksicht auf den ungewöhnlich hohen Stand, den die Diphtherie-Erkrankungen im letzten Jahrzehnt erreicht haben und über den wir bereits berichteten, hat man sich neuerdings bas Ziel gesetzt, nicht nur die Erkrankten zu behandeln, sondern durck vorbeugende Maßnahmen beim Gesunden die Diphtherie-Seuche einzudämmen und nach Möglichkeit den Ausbruch der Erkrankung überhaupt zu verhindern. Schon seit langem sorgt man durch geeignete Verfahren, vor allem durch die Absonderung der Kranken, durch Schulschließungen und durch Desinfektion dafür, daß die Ansteckungsmöglichkeiten verringert werden. Alle diese Maßregeln haben aber nicht ausgereicht, um die Ausbreitung der Diphtherie in befriedigender Weise zu hemmen. Es hat sich gezeigt, daß Menschen, die eine Diphtherie durchgemacht haben, in der größten Mehrzahl der Fälle für ihr weiteres Leben von einer zweiten Diphtherie-Erkrankung verschont bleiben. Sie besitzen nupmehr einen Schutz gegen die Diphtherie. Dieser Schutz beruht auf dem Vorhandensein von Schutzstoffen, sog. Antitoxinen, die der Körper beim Abheilen der Erkrankung bildet und die vor allem im Blut in größeren Mengen auftreten. Diese Antitoxine machen das Gift des Diph- theriebazillus im Falle einer nochmaligen Ante ckung unwirksam. Der auf dem Vorhandensein der Antitoxine beruhende Schutz entwickelt sich nun nicht nur nach Ueberstehen einer Diphtherie, sondern auch bann, wenn man gewisse ganz ungiftige völlig um chübliche Umwandlungsprodukte des Diphtherie- bazillen-Giftes, sog. „Toxoibe", in den Körper einbringt. Diese Toxoide dürfen nicht mit dem vorwiegend bei Kranken verwandten „Heilserum" verwechselt werden: sie lassen sich durch einfache Verfahren im Laboratorium gewinnen. MU Hilfe der Toxoide kann man also eine Schutzimpfung durchführen, die mit keinerlei Störungen der Gesundheit verknüpft ist und trotzdem dem Körper den gleichen Schutz verleiht, als ob er schon einmal eine Diphtherie-Erkrankung durchgemacht hätte. Auf Veranlassung des Reicks- und preußischen Ministeriums des Innern find feit Beginn des Jahres 1934 in den von der Diphtherie besonders heimgesuchten Gegenden Deutschlands Massen- Impfungen mit Hilfe der Toxoide durchgeführt morden. Viele Hunderttausende von Kindern sind bereits geimpft morden. Dabei rnurde die völlige Unschädlichkeit der Impfung einmandfrei nachgerniefen. Und überall mar menige Monate nach dem Abschluß der Impfungen ein Rückgang der Erkrankungen und der Todesfälle festzustellen. Besonders lehrreich finb l)ie an verschiedenen Orten durchgeführten Vergleiche zwischen den Erkrcm- kungs- und Todesziffern, die bei der Gegenüberstellung von durd)geimpften und nichtdurchgeirnpf- ten Gebieten bzrn. von geimpften und nichtgeimpften Kindern im gleichen Gebiet gefunden murden. Auf Grund dieser Erfahrungen find die Aerzte und die Gesundheitsbehörden darum bemüht, die Impfungen immer roeiter auszudehnen. In einigen Landesteilen versucht man bereits, durch alljährliche Erfassung der nachmachsenden Jahrgänge den Schutz der Bevölkerung möglichst dauerhaft zu gestalten. Außerdem find die Verfahren zur Herstellung der Impfstoffe in den letzten beiden Jahren in ungeahnter Weife verbessert morden. Die Impfstoffe, die heute zur Verfügung stehen, finb etroa 50m al s o mirksam wie diejenigen, die zu Beginn des Jahres 1936 vorhanden waren. Wissenschaftlichen Untersuchungen, die im Staatlichen Institut für experimentelle Therapie in Frankfurt a. M. durchgeführt morden finb unb die bie Entwicklung von geeigneten Verfahren zur Messung der Wirksamkeit der Diphtherie-Impfstoffe ermöglicht haben, ist dieser Aufschwung in erster Linie zu verdanken. Die neuen Impfstoffe lasten nicht nur einen wesentlich höheren Schutz erwarten, sondern haben es bereits ermöglicht, daß man die früher dreimalige nunmehr burch eine nur zweimalige Impfung ersetzen kann, welche mit einem Zwischenraum von mindestens vier Wochen burchzuführen ist. Wir dürfen heute mit Sicherheit darauf vertrauen, daß der Seuchenzug der Diphtherie, dem in den letzten Jahren so viele blühende Menschenleben zum Opfer gefallen sind, jetzt nicht nur zum Stillstände kommen wird, sondern daß die Zahl der Erkran- kungs- unb Tobesfälle in den nächsten Jahren ganz erheblich zurückgehen wird. DerArbeitseinsah im Dezember. Frost unb Schnee beschränkten bie Anhenarbeit. Berlin, 12. Jan. (DNB.) Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung teilt mit: Die geringe Zunahme der Arbeitslosigkeit in den Monaten Oktober und November 1937 um insgesamt 104 000 war ein deutlicher Beweis dafür, daß die deutsche Wirtschaft bei dem gegenwärtig angespannten Besckäftigungs- grab in diesem Winter Freisetzungen erst bann unb nur in bem Maße vornehmen würbe, in bem das Wetter eine Stillegung der Arbeiten erzwingt. Das frühe Einsetzen des Frostes unb Schneewetters im ganzen Reich hat allerdings bereits im Dezember zu vorübergehenden Einstellungen zahlreicher Außenarbeiten gezwungen. Die Zahl der Arbeitslosen stieg infolgedessen um 422 000 auf 995 000. Die winterliche Zunahme der Arbeitslosigkeit bat damit bis jetzt eine Hohe von 526 000 erreicht. Der Gesamtumfang der winterlichen Zunahme der Arbeitslosigkeit betrug 1935/36 814 000, 1936/37 818 000. Die Hauptbelastung ging vom Baugewerbe aus. Bei bem außerordentlichen Umfang der Bauvorhaben insgesamt waren im Laufe der letzten Jahre zahlreiche berufsfremde Arbeitskräfte eingestellt, bie bei ihrer Entlastung in der alten Berufsgruppe ihres erlernten Berufes als Arbeitslose erfaßt werben. Die Zunahme her Arbeitslosigkeit in diesen Berufsgruppen ist also nur eine scheinbare, in Wirklichkeit geht sie ganz überwiegend auf Entlassungen aus den Außenberufen zurück. Die Rückwirkung auf das Baustoffgewerbe war geringfügig unb kam eigentlich nur dort zum Durchbruch, wo Witte- rungsgrünbe die Weiterarbeit nicht zuließen. Erfreulicherwise hielt der Rückgang der Ar« b e i t s l o s i g k e i t in der Berufsgruppe der Angestellten an. Insgesamt wurde noch eine Abnahme um 2500 erzielt, bie nicht unerheblich größer gewesen märe, wenn bie Berufsgruppe der technischen Angestellten nicht durch baubedingte Entlassungen eine vorübergehende Zunahme um 1500 erfahren hätte. Die Zahl der II n • terstützungsempfänger der Reichsanstalt stieg um 278 000, sie betrug somit Ende Dezember 578000. Die Zahl der Notstandsarbeiter ging infolge der Witterung von 52 000 auf 35 000 zurück. Dr. Filchner in Berlin herzlich empfangen. Berlin, 12. Jan. (DNB.) Dr. Wilhelm Filchner traf in Begleitung seiner Tochter in der Reichshauptstabt ein. Auf dem Anhalter Bahnhof hatten sich u. a. Staatssekretär Hanke vom Reichs- propaganbamimfterium, Hauptamtsleiter Claus Selzner von der DAF., der Kommandant von Berlin, Generalmajor Seifert, Vertreter des Auswärtigen Amtes, des Reichserziehungsministe- riums ufw. etngefunben. Die Bahnhofshalle war mit den Farben des Reiches geschmückt. Als der Zug einlief, spielte der Gaumusikzug der Werkscharen. Staatssekretär Hanke hieß den Forscher in der Reichshauptstadt willkommen unb überreichte ihm ein Handschreiben des Reichspropaganbaministers. In bem Schreiben von Dr. Goebbels heißt es: Als Sie im Jahre 1928 von Ihrer Expedition durch China, Tibet und Indien nach Berlin zurückkehrten, fanden sich nur wenige getreue Freunde zum Empfang ein. Heute umfängt Sie voll Begeisterung das ganze deutsche Volk. Nicht nur die Wissenschaft, die Ihnen hervorragende Beiträge zur Losung des Antarktisproblems, die Erforschung vieler „weißer Flecke" auf der Erdkugel unb wichtige geophysikalische Untersuchungen oerbantt, feiert Sie an Ihrem Ehrentage. Die deutsche Jugend, der Sie durch ihre Entschlußkraft, ihren unbeugsamen Mut und chre anspruchslose Bescheidenheit ein Beispiel echten deutschen Mannestums find, verehrt Sie als Vorbild. Am 3 0. Januar, dem 5. Jahrestage der Machtübernahme durch die nationalsozialistische Bewegung, wird Ihnen der Führer unb Reichskanzler selbstden deutschen Nationalpreis für Kun st unbWissenschaft überreichen unb damit vor aller Welt kunb tÜn, daß das deutsche Volk seine besten Söhne zu würdigen weiß. Dr. Filchner, der einen außerordentlich frischen Eindruck machte, dankte für den überaus freundlichen Empfang und gab feiner Freude darüber Ausdruck, nach vierjähriger Abwesenheit die Reichshauptstadt wieberzusehen. Bei seinem Eintritt in die Hauptstadt des Dritten Reiches wisse er nichts Besseres, als in tiefer Dankbarkeit ein Sieg- Heil auf den Führer auszubringen. Begeistert stimmten die Anwesenden in den Ruf ein. Vor bem Bahnhof hatten sich zahlreiche Volksgenossen versammelt, bie den Forscher mit stürmischen Heilrufen begrüßten. böswillige Sensationshascherei. Kindisch' ist der Versuch gewisser Auslandsblatter, die Ansprache des Päpstlichen Nuntius beim ‘Berliner Empfang des Diplomatischen Korps als eine „Warnung des Papstes an Hitler" hinzustellen. Die Anspielung des Nun- tius auf den inneren Frieden innerhalb jeden Volkes muß für diese Irreführung der ö f - entlichen Meinung des Auslandes herhal- en. Der Unsinn widerlegt sich von selbst. Denn er» tens ist bie Päpstliche Diplomatie unter ihrem Chef, bem Karbinalstaatssekretär Pacelli, viel zu gewitzt, um einen solchen lächerlichen Dreh ausgerechnet in einem ßanbe loszulassen, bas für bie Festigkeit unb Einheitlichkeit feines inneren Friedens nun bald fünf Jahre in der Welt bekannt ist. Zweitens würde die Kurie sich schwer hüten, eine „Warnung" in Bezug auf den inneren Frieden gerade* bann vorzunehmen, wenn die Vertreter von fünfzig Staaten als wohl unterrichtete Zeugen dieses Friedens dabei im Halbkreis Herumstehen und der Päpstliche Nuntius lediglich als ihr Beauftragter spricht, da er, wie in allen Staaten, bie biplomatische Beziehungen mit dem Vatikan unterhalten, nach altem Brauch Doyen des Diplomatischen Korps ist. Und drittens weiß ja gerade der Kardinal- Staatssekretär sehr genau von seiner Frankreichreise her, wie es mit bem Frieden in einem bet finanzen sehrgünstig gewesen. Der neue Staatshaushalt ist mit 563 Millionen Kronen ausgeglichen. In der Besteuerung sind keine Aenderungen vorgeschlagen worden mit Ausnahme der E r d ö l st e u e r, die leicht erhöht wurde, um mehr Mittel für den Bau von Straßen zu erhalten. Der V e r t e i^d i - gungshaushalt weist keine ^großen Veränderungen aus, während der auswärtige Dienst durch die Ernennung von norwegischen Gesandten in Bukarest und Mexiko verstärkt wurde. Lialien. Die neue li nie, die Zeitschrift des Verlages Otto Beyer, Leipzig, die sich durch ein besonders eindringliches Zusammenwirken von Bild und Wort auszeichnet, hat ihr Januar-Heft ganz dem Thema „Italien" gewidmet. Dem Heft sind Bilder des Königs und Kaisers Viktor Emanuel und der führenden Persönlichkeiten des politischen Lebens der italienischen Nation vorangestellt. Der Duce selbst begrüßt in einer Widmung den Zweck des Heftes, die schöpferische Kraft des neuen Italien dem befreundeten deutschen Volk näherzubringen, und auch Reichsminister Dr. G o e b b e l s ist mit einem Grußwort vertreten. Dem Herausgeber der neuen linie hat der italienische Minister für Volkskultur, Dino Alfieri, in einem Gespräch eine Darstellung der faschistischen Kultur gegeben, die besonders im Hinblick auf den deutsch-italienischen Kulturaustausch interessant ist. Aus der Fülle der Beiträge heben wir den hervorragend illustrierten Aussatz Henry Benraths: „Der .apulische Traum" hervor, in dem diesqr ausgezeichnete Kenner der frühitalienischen Geschichte die Stätten verklungener deutscher Kaiserherrlichkeit in ihrer Größe und Schönheit uns eindringlich nahebringt. Der bekannte Architekt Peter Behrens bespricht an Hand zahlreicher interessanter Illustrationen neue italienische Bauten. Ricarda Huch plaudert über die „Gentilezza", die Anmut und Haltung des Italieners, fein Gefühl für die Schönheit des Geordneten als Ausdruck vornehmer Gesinnung. R i - sozusagen demokratischsten Lander in Wirklichkeit ausfieht. Die Verdrehungen amerikanischer Blätter sind also nichts als böswillige Sensationshascherei. Krifenstimmung in Paris. Die sozialpolitische Aussprache vorerst gescheitert. Paris, 12. Jan. (DNB.) Die Sozialpolitische Konferenz im Matignon-Palast fand unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Chautemps im Beisein des stellvertretenden Ministerpräsidenten Blum und des ArbeitsminPers statt. Der Leiter der französischen CGT.-Gewerkschaft, I o u h a u x, erklärte nach Schluß der Konferenz, daß eine grundsätzliche Qryiigung nicht habe erzielt werden können. Jouhaux habe den Standpunkt der CGT.- Gewerkschaft zu'der augenblicklichen Lage und zu dem Arbeitsstatut dargelegt.. Die Regi'erungsmit- glieder hätten ihm geantwortet, daß sie sich noch mit anderen interessierten Organisationen in Verbindung setzen würden. In einer Verlautbarung heißt es, Ministerpräsident Chautemps habe betont, daß das neue Schlichtungsgesetz einfach in seiner Form gehalten und beschleunigt in Kraft gesetzt werden solle. Um gefällte Schiedssprüche der Nichtbeachtung oder Sabotage zu entziehen, seien Strafvorschriften vorgesehen. Finanzminister Bonnet besuchte den Mnister- präsidenten. Er soll auf den Schaden, der durch die neuen Fabrikbesetzungen auf dem Binnen- und Außenmarkt und auf dem Devisenmarkt hervorgerufen werde, hingewiesen haben. Nach seiner Besprechung mit Chautemps hatte er eine Aussprache mit dem Gouverneur der Bank über technische Maßnahmen zur Unterbindung der Franken-Spekulation. In den Wandelgängen der Kammer gingen Gerüchte über eine Kabinettskrise um. Bonnet soll Chautemps bereits sein Rücktritts gesuch ein- oereicht haben. „Epoque" glaubt, daß auch der Kammerpräsident Herriot bei der Aussprache zwischen Chautemps und Bonnet zugegen war. Der heutige Ministerrat dürfte Ueberraschungen bringen. Die britische Lustrüstung. Der Ruf nach dem starken Mann. London, 12. Jan. (DNB.) Vor kurzem hatte ein Londoner Linksblatt Luftfahrtminister Lord Swinton der Schlamperei bei der Durchführung des Aufrüstungspropramms für die Luftwaffe beschuldigt. Die „Daily Mail" will wissen, ein neues Amt solle das System der Lieferungen für die britischen Luftstreitkräfte rationalisieren. Ein bekannter englischer Geschäftsmann solle zum Leiter ernannt werden. „News Chronicle" berichtet, täglich kämen aus Kreisen der Luftfahrtindustrie Beweise für die Verzögerung des nationalen Luftaufrüstungsprogramms. Tausende von Motoren könnten nicht eingebaut werden, weil die Flugzeuge dafür fehlten. Niemand scheine sich darum gekümmert zu haben, daß die verschiedenen an dem Bauprogramm beteiligten Industriezweige zusammen arbeite- t e n. Die Schwierigkeiten, mit dem Ministerium über Typ, Menge und Preis zu einer Vereinbarung zu kommen, seien ungeheuer. Die Arbeitsmethoden seien veraltet. Darüber hinaus würden auf Wunsch des Ministeriums unnötige Dinge für viele Tausende von Pfunden e i n g e - führt werden. Dieser Zustand könne nur dadurch behoben werden, daß man einen starken Mann an die Spitze stelle. England sichert den Seeweg um das Kap London, 12. Jan. (DNB.) „Daily Herald" berichtet, daß England Schritte ergreife, um den Seeweg nach dem Fernen Osten über das Kap der Guten Hoffnung in „Verte i d u n g s z u st a n d" zu setzen. Diese Maßnahme stelle eine Antwort auf die angebliche Schließung des Mittelmeer - Suez - Kanal - Weges in Notfällen dar. Man werde den Hafen von Freetown, der 60 000 Einwohner zählenden Hauptstadt der Kronkolonie Sierra Leone in Westafrika, zu einer großen Flottenbasis umbauen, desgleichen K a p - st a d t. Man werde große Küstenbatterien anlegen, die ebenso stark sein würden wie diejenigen von Singarpore (16-Zoll - 40,6 cm - Batterien). Der Ausbau des Hafens von Kapstadt, der 15 Millionen Pfund (180 Mill. RM.) kosten werde, habe b e - r e i t s begonnen. Oie Schiffahrt auf dem Jangtse. Schanghai, 13. Jan. (DNB. Funkspruch.) In Berichtigung der Londoner Auffassung, daß die Jangtse-Schiffahrt für nicht japanische Handelsschiffe gesperrt sei, teilte der japanische Sprecher mit, die japanischen Behörden verlangten nur die Anmeldung jeder Fahrt, um Sicherheitsfahrzeuge für das Passieren stellen zu können. Der Seniorkonsul von Schanghai sei entsprechend unterrichtet worden. Im übrigen hätten die Japaner bei Beginn der Feindseligkeiten die Mächte darauf hingewiesen, daß die Jangtse- Sperren des chinesischen Militärs den internationalen Abmachungen zuwiderliefen. Die Sperrung sei jedoch protestlos hingenommen worden, woraus die Japaner nunmehr die Berechtigung ihres gegenwärtigen Verhallens herleiteten. In London wird amtlich mitgeteilt, England könne Japan nicht das Recht zugestehen, sich in die britische Schiffahrt auf dem Jangtse einzu- mischen. Schließung ausländischer Konsulate in Leningrad. Moskau, 12. Ian. (DNB.) Wie aus diplomatischen Kreisen verlautet, richtete der stellvertretende Außenkommissar Potjemkin an die Leiter der hiesigen diplomatischen Missionen Großbritannien, Schweden, Dänemark, Norwegen, Lettland und Estland das Ersuchen, ihre konsularischen Vertretungen in Leningrad zu liquidieren, da die Sowjetregierung die Wechselseitigkeit der Konsularbeziehungen zwischen der Sowjetunion und den genannten Staaten herzustellen wünsche. In Leningrad werden nur noch zwei aus- Die polnischen Minderheiten Das deutsch-polnische Abkommen und das Warschau, 13. Jan. (DNB.) Im Außenaus- schuß des Sejm ging der polnische Außenminister auf die Lage der t m Ausland lebenden Polen ein. Hinsichtlich Deutschlands habe er bereits darauf hinaewiesen, daß beide Regierungen die gleichen Grundsätze in der Behandlung ihrer Minderheiten auf ihrem Staatsgebiet festgelegt hätten. Diese Lösung werde naturgemäß auch einen Einfluß auf die Haltung der polnischen Regierung gegenüber der deutschen Minderheit in Polen haben. Die Besprechungen seien in einer Atmosphäre des Vertrauens geführt worden, das sich aus der Sorge zu beiden Seiten der Grenze ergeben habe, aus einem negativen Zustand positive Werte zu schmieden. Die Lage der Polen in der Tschechoslowakei gebe keinen Anlaß zu größerem Optimis- mus. Mit großer Sorgfalt müsse darauf geachtet werden, ob die Prager Regierung wirklich ihre unfreundliche Polittk gegenüber den in der Tschechoslowakei lebenden Polen fortzusetzen beabsichtige. Auch die Lage der polnischen Minderheit i n Litauen gebe zu Beunruhigungen Anlaß. Die von Marschall Pilsudski aus gegangene Initiative im Jahre 1927 habe zu keinen praktischen Verhältnis zu Danzig. Ergebnissen geführt. Die Sowjetunion erkenne im Gegensatz zu allen anderen Staaten nicht eine besondere nationale Kultur für die Volksgruppen an. Dies erleichtere die Beziehungen mit der Sowjetunion nicht. Die polnischen Rechte in Danzig seien ein beständiges _ und unantastbares Element. Er könne keine Veränderung zum Nachteil Polens feststellen. Mit sachlichen Methoden sei man bemüht gewesen, die Schwierigkeiten zu meistern. Der Minister verwies auf die Verlängerung des Vertrages über die Ausnutzung des Danziger Hafens um drei weitere Jahre, auf das Sozialversicherungsabkommen, auf die Erledigung der Frage der polnischen Schulkinder. So wie Polen feine wirtschaftlichen Interessen in der Freien Stadt Danzig verteidigen werde, so hege es doch keinerlei Unfreundlichkeit. Mit vollem Verständnis für die wirtschaftlichen Interessen Danzigs wünsche Polen posttive Auswertungen zu suchen. Die Schwierigkeiten fänden ihre Erledigung jetzt nicht mehr auf dem Wege von Prozessen oder Klagen in Genf oder im Haag, sondern auf dem Wege von Abkommen, im Vergleich mit der Vergangenheit ein grundsätzlicher Fortschritt. Das Ergebnis der Budapester Konferenz Bekräftigung der Achse Berlin—Nom, des Zuliabkommens und des Antikominternpakts, - Anerkennung Francos. - Vorbehalt gegenüber Genf. - Ungarns Wiederaufrüstung. - Das Verhältnis zu Rumänien. Budapest, 12.Ian. (DNB.) Die gemeinsame Erklärung, mit der die Budapester Konferenz der Unterzeichnerstaaten der Römischen Protokolle beendet wurde, besagt: Die Vertreter der drei Regierungen haben neuerdings mit Genugtuung die positiven Ergebnisse und die günstige Entwicklung auf Grund der Römer Protokolle festgestellt. Sie haben gemeinsam ihren Willen neuerlich bekräftigt, ihre politische und wirtschaftliche Tätigkeit und ihre herzliche Zusammenarbeit im Geiste dieser Römer Protokolle zu verstärken. In diesem Zusammenhang haben die Vertreter Oesterreichs und Ungarns ihre Sympathie für d i e innige Zusammenarbeit mit oen beiden ihnen befreundeten Großmächten — Italien und D eutschland — zum Ausdruck gebracht, die in der Achse Rom — Berlin verankert ist und ein neues und wichtiges Unterpfand des Friedens und des Wiederaufbaues darstellt. Die Vertreter Oesterreichs haben ihre Politik, die sie auf das Zusammenwirken der Grundsätze der Römer Protokolle und des ö st erreicht sch-deutschen Abkommens vom 11. Juli 1936 gründen, dargelegt. Die Vertreter Italiens und Ungarns haben ihre volle Befriedigung über diese Politik erklärt. Die Vertreter Oesterreichs und Ungarns haben ihre eindeutig ablehnende Stellungnahme gegen denkommunls- mus wiederholt und daher mit Sympathie den italienifch-deutfch-japanischen Antikominternpakt — der auf den gleichen Grundsätzen beruht — begrüßt. Sie haben ihren Entschluß bekräftigt, die kommunistische Agitation in ihren Ländern mit allen Kräften zu bekämpfen. Die Vertreter Oesterreichs und Ungarns haben dem Vertreter Italiens ihren Entschluß bekannt- gegeben, zu der formellen Anerkennung der Regierung des Generalissimus Franco als der legitimen Regierung Spaniens und aller seiner Besitzungen und Kolonien zu schreiten. Die Vertreter der drei Regierungen haben ihrer übereinstimmenden Auffassung Ausdruck gegeben, daß ein solcher Entschluß einen tatsächlichen Beitrag zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Spanien und den anderen Nationen sowie zur Befriedung Europas darstelle. Die Vertreter Oesterreichs und Ungarns haben die gewichtigen und billigen Gründe, 'die die italienische Regierung zu ihrem Austritt aus dem Völkerbund bewogen haben, zur Kenntnis genommen, sie haben die weitgehenden Folgen dieses Entschlusses für die Zusammensetzung, die Ziele und die Möglichkeiten des Völkerbundes feslgesiellt und erklären, daß der Völkerbund den Charakter einer ideologischen Gruppierung weder annehmen könne noch dürfe. In einem solchen Falle behielten sich Oesterreich und Ungarn vor, ihre Beziehungen zum Völkerbund einer neuerlichen Prüfung zu unterziehen. Die Vertreter Oesterreichs und Italiens haben neuerlich beftätigt, daß ihre Regierungen die vollkommene Gleichberechtigung Ungarns hinsichtlich der militärischen Wiederaufrüstung anerkennen. Die Vertreter der drei Regierungen erachten die ehebaldige Verwirklichung dieses Grundsatzes als notwendig. Die Vertreter Oesterreichs und Italiens haben erklärt, daß ihre Regierungen mit großem Interesse die Entwicklung der Beziehungen zwischen Ungarn und Rumänien verfolgen. Sie sind der Auffassung, daß ein befriedigendes Ergebnis der ungarisch-rumänischen Verhandlungen in beträchtlichem Maße zur Befestigung des Friedens im Donauraum beitragen würde. Die Vertreter der drei Regierungen haben die wirtschaftliche Lage geprüft und stimmen darin überein, auf jede Weise den Handelsverkehr zwischen den drei Staaten auf der geschaffenen Grundlage zu verstärken. Die Vertreter der drei Regierungen haben ihren gemeinsamen Willen zur Zusammenarbeit mit allen Staaten bekräftigt, deren poli- ttsche Tättgkeit auf reale Ziele des Friedens und des Wiederaufbaues sowie auf ein besseres Verstehen unter den Nationen gerichtet ist. ländische Konsulate bleiben: das finnische und ein polnisches Generalkonsulat. Mit der Auflösung der Leningrader ausländischen Konsularvertretungen will die Sowjetunion offenbar eine möglichst weitgehende Abschließung Leningrads, des größten sowjetrussischen Seehafens und der zweitgrößten Stadt der Sowjetunion, vom Auslande erreichen. Soll Stalin offiziellesStaatsoberhaupt der Sowjetunion werden? Moskau, 12. Jan. (DNB.) Am Mittwochnachmittag trat der „Oberste Rat der Sowjetunion", der im ganzen 1143 Mitglieder zählt, im Moskauer Kreml zu seiner ersten Sitzung zusammen. Die beiden Kammern des Obersten Rates, die sogenannten^ Bundessowjets und die Nattonalitäten-Sowjets, versammelten sich zunächst getrennt. Donnerstag wird wahrscheinlich eine gemeinsame Sitzung anberaumt werden, um den Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Rates, 11 stellvertretende Vorsitzende sowie 24 Mitglieder des Präsidiums zu wählen. Man hält es für möglich, daß Stalin selbst, der bisher ja nur Parteiämter und niemals ein leitendes Staatsamt bekleidete, zum Vorsitzenden, also zum offiziellen Staatsoberhaupt der Sowjetunion gewählt werden könnte. Günstige Staatsfinanzen in Norwegen. Oslo, 12. Jan. (DNB.) Der norwegische Storfing wurde durch König Haakon VII. eröffnet. Der König erklärte, daß die internationalen Spannungen zugenommen hätten und das Tätigkeitsfeld der Genfer Liga durch den Austritt Italiens verringert worden fei. Die Nationen müßten im Interesse des aügemeinen Friedens nach der Wiederherstellung der internationalen Zusammenarbeit streben. Norwegen werde alles tun, um an dieser Aufgcche mitzuarbeiten, während es gleichzeitig stets bemüht sein müsse, sichvonKriegensern- z u h a l t e n. Das Jahr 1937 ist für die Staats- chartz Hamantt, ber Kunsthistoriker unsere? Nachbaruniversität Marburg, gibt in dem Aufsatz „Italia Sempiterna" eine Vorstellung von dem Wechsel des Jtalienbildes der großen Deuffchen in den verschiedenen Epochen, von Karl dem Großen über Friedrich II., Dürer und Goethe bis zu den Romantikern. Die Fülle der Anregungen, die dieses hervorragend ausgestattete Heft bietet, ist mit diesen kurzen Angaben auch nicht annähernd erschöpft. — e Kleine politische Nachrichten. Der Führer und Reichskanzler hat dem Präsidenten von Argentinien anläßlich des Flugzeugunglücks, dem auch der Sohn des Präsidenten zum Opfer gefallen ist, drahtlich feine Anteilnahme übermittelt. * Die Besserung im Befinden der Königin von D ä n e ma r t schreitet fort. Die Mitteilung, es werde erst am nächsten Tage wieder eine ärztliche Verlautbarung veröffentlicht werden, ist ein Zeichen, daß eine baldige Genesung der Königin von beit Folgen der am vergangenen Sonntag vorgenommenen Operation zu erwarten ist. Der Führer und Reichskanzler hat dem König drahtlich Wünsche für baldige Genesung der Königin übermittelt. * Bei dem deutschen Botschafter in Wien und Frau von Papen fand ein Empfang mit musikalischen Darbietungen statt, der unter der Devise „Musikalisches Bukett" stand. Die künstlerisch? Leitung hatte Prof. Carl (Fleming von der Berliner Musikhochschule. Zu dem Empfang waren Bundespräsident Miklas mit Gemahlin, Mitglieder der Regierung, des Diplomatischen Korps und zahlreiche Freunde des Hauses erschienen. * Reichsminister Darre hat mit Staatssekretär Backe die italienische Hauptstadt verlassen. Beide sind mit dem Großkreuz des italienffchen Kronenordens ausgezeichnet worden. * Der polnische Außenminister hat Warschau verlassen, um sich nach Genf zu begeben. Er wird sich unterwegs in Berlin aufhalten. x' * Der britische Unterstaatssekretär im Innenministerium, Geoffrey Lloyd, wird nach Deutschland reifen, um Einzelheiten der deutschen Luftschutzmaßnahmen zu studieren. Auf der Rückreise wird er auch Paris aus gleichen Gründen einen Besuch abstatten. Letzter Termin für die Anmeldung zum Reichsberufswettkamps. NSG. Bis zum Abschluß der Anmeldelisten für den Berufswettkampf aller schaffenden Deutschen bleibt noch kurze Zeit. Die organisatorischen und technischen Vorbereitungen bedingen es, daß die Anmeldung von Teilnehmern bis 15. Januar entgegengenommen werden kann. Die ersten Berichte der einzelnen Wettkampfgruppen lassen schon jetzt erkennen, daß der Arbeiternachwuchs fast vollzählig zu der einzigartigen Leistungsprüfung antreten wird. In vielen Betrieben marschiert der Betriebsführer auch beim Berufswettkampf an der Spitze. Zahlreich sind die älteren Gefolgschaftsmitglieder nertreten. Sicherlich wird mancher ältere Arbeiter und mancher ältere Angestellte gewisse Hemmungen zu überwinden haben, ehe er seine Unterschrift unter das Anmeldeformular setzt. Deshalb richtet sich auch der Appell, die letzte Anmeldefrist nicht ungenützt vorübergehen zu lassen, in erster Linie an die kelteren. Keiner ist für den Reichsberufswettkampf zu alt! Keiner braucht heute mehr den Gedanken mit sich herumzüschleppen, er gehöre eigentlich an einen anderen Platz. Was jeder wirklich kann, erweist dieser Wettkampf, den jeder aus eigenem Interesse mitmachen soll. Die Ortswettkämpfe werden vom 13. bis 27. Februar durchgeführt. Kunst und Wissenschaft. Magnesiumtagung in Frankfurt. In Gegenwart von über tausend deutschen Ingenieuren wurde in Frankfurt die 2. Magne- fiumtagung eröffnet. In Vertretung des Gauleiters und Reichsstatthalters Sprenger übermittelte der Leiter des Amtes Technik, Gauamtsleiter Böhm die Grüße des Gaues. Die Grüße des Veranstalters, des Vereins Deutscher Ingenieure, überbrachte Direktor Dr.-Jng. K ö l z o w. Er gedachte des Ministerpräsidenten Generaloberst G ö - ring, dem er zu seinem Geburtstag telegraphisch die Glückwünsche der Tagung übermittelte mit dem Gelöbnis, alle Kräfte der deutschen Technik für die großen Ziele der Sicherung unserer Rohstoffgrundlage einsetzen zu wollen. Auf der Tagung kamen führende Männer der deuffchen Wirtschaft und Technik über die Bedeutung des Werkstoffes Magnesium zu Wort. Dieser Werkstoff schaltet sich in die Bedarfsdeckung von Metall überall stärker ein. In Deutschland wird die Herstellung schon deshalb stark vorangetrieben, weil seine Ausgangsstoffe restlos aus deutschem Boden gewonnen werden können. Den Rohstoff bilden die Gesteinsformen Dolomit und Carnallit. Im Auftrage von Oberst Löb, Ches des Amtes für Deutsche Roh- und Werkstoffe, brachte Dr.-Jng. M. H. Kraemer dessen Ausführungen zur Verlesung. In Verfolgung der Ausgaben des Vierjahresplanes hätten die Leichtmetalle und da besonders die Magnesiumlegierungen eine große Aufgabe zu erfüllen. Ein Geschenk der Statt Frankfurt an die amerikanische Wissenschaft. Das Forschungsinstitut für Kulturmorphologie an der Universität Frankfurt übersendet am 1. Februar 1938 eine Kopie der Felsbilderdecke von Altamira (Spanien), des bedeutendsten Denkmals der europäischen Altsteinzeit-Kunst, als Geschenk an das Museum of Natural History in Neuyork, wo «s durch ein Mitglied des Institutes feierlich überreicht werden soll. Das in natürlicher Größe (6 :10 75tange(6Würfel)7 begrüßt. „Der Beruf einer freien Schwester oder Pflegerin", so erfahre ich auf meine Frage hin, „hat im Laufe seines Bestehens manche Wandlung erfahren. Im Jahre 1886 gründete die Kaiserin Friedrich nach englischem Muster eine weltliche Krankenpflegeschule ohne konfessionelle Bindung, das „Viktoria- Haus" in Berlin, angeschlossen an das Krankenhaus am Friedrichshain, das jetzige Horst-Wessel- Krankenhaus. Nach diesem Vorbild entstanden weltliche Krankenpflegeschulen, um jenen deutschen Mädchen und Frauen eine Berufsmöglichkeit zu verschaffen, die unabhängig von einem Mutterhaus als Krankenschwester oder Pflegerin tätig sein wollen. Und, sehen Sie, diese Ausübung eines freien Berufes kennzeichnet noch heute das Wesen der freien Schwestern und Pflegerinnen. Dennoch war es ein weiter Weg, der von der Viktoria- schwester bis zu den heute im ,Reichsbund" zusammengeschlossenen Schwestern und Pflegerinnen hinführte." „Und welche Arbeitsplätze, Frau Oberin, stehen den freien Schwestern und Pflegerinnen offen?" „Alle Arbeitsplätze in der Krankenpflege, sei es in einer Anstalt, sei es in einer Prioatklinik, in einem Sanatorium oder als Prioatschwester. Aber auch als Betriebsschwester oder Fabrikpflegerin üben unsere Schwestern und Pflegerinnen ihren Beruf aus, wie auch in Kinder- und Müttererholungs- heimen, ja in der gesamten freien Wohlfahrtspflege." „Ersetzt nun nicht gewissermaßen der Reichsbund als Organisation den freien Schwestern und Pflegerinnen das Mutterhaus?" „Ja und nein! Nein, weil ein Mutterhaus dem Wesen des freien Schwestern- und Pflegerinnenberufes widersprechen würde. Und ja, weil der Reichsbund natürlich diejenige Organisation ist, die den freien Schwestern und Pflegerinnen Rückhalt und Schutz gewährt, ihnen nach außen hin Achtung und Ansehen verschafft, ihnen Arbeitsplätze vermittelt, und durch eine zusätzliche Altersversicherung für den Lebensabend der freien Schwestern und Pflegerinnen sorgen will." Oie Kameradin der Soldaten. In der stillen Hansemannstraße, unweit des Zoologischen Gartens, steht das Haus des Deutschen Roten Kreuzes, in dem Frau Luise von Oertzen als Generaloberin der Schwesternschaften des Roten Kreuzes ihres Amtes waltet. Ihr gilt mein dritter Besuch. „Die Schwesternschaften des Roten Kreuzes", so beginnt Frau Generaloberin von Oertzen unser Gespräch, „haben die verantwortungsvolle Aufgabe, die erforderliche Anzahl geprüfter, irn Kriegssanitätsdienst ausgebildeter Schwestern für die Wehrmacht im Frieden und im Kriege, den zivilen behördlichen Luftschutz, den Amtlichen Sanitätsdienst bei besonderen Notständen sowie für die Mitarbeit an der Volksgesundheit bereitzustellen. Die Ausbildung unserer Schwestern, die im Krankenhaus und Lazarett vor sich geht, währt zwei Jahre und endet mit dem Staatsexamen als Krankenschwester." Auf meine Frage, ob in der Ausbildung der Rote-Kreuz-Schwestern seit dem Kriege viele Veränderungen vorgenommen wurden, höre ich: „Es versteht sich, daß mit dem Fortschritt der neuzeitlichen Kampfmittel auch die Sanitätsausbildung unserer Schwestern Schritt halten muß. Denken Sie nur an die Gasangriffe, die vor dem Krieg völlig unbekannt waren! Wir bilden unsere Schwestern aber auch als chirurgische Gehilfinnen des Arztes weit vollkommener aus als vor 1914, weil wir im Kriege einen Mangel an chirurgisch geübten Schwestern hatten. Und endlich bilden wir heute unsere Schwestern auch als Hebammenschwester aus, um sie in die- Eigenschast — auch eine Kriegserfahrung! — besetztes Gebiet oder in der Etappe zum Wohle eigenen oder fremden Bevölkerung einsetzen zu können. Zu dieser über das frühere Maß weit hinausgehenden Ausbildung als Wehrmachtsschwester und Kameradin des Soldaten gesellte sich seit der politischen Wende noch die weltanschauliche und volksgesundheitliche Schulung, die unfern Schwestern in unseren Mütterhäusern zuteil wird. So ist jedes Mutterhaus des Deutschen Roten Kreuzes zugleich eine Pflegestätte und Keimzelle nationalsozialistischen Wollens und Glaubens." „Wie steht es nun, Frau Generaloberin, mit dem Nachwuchs für die Schwestern des Roten Kreuzes?" „Seitdem der Führer in der weiblichen Jugend Deutschlands den Sinn für die heroischen Ausgaben des Lebens wieder erweckt und gesteigert hat, wächst auch die Bereitschaft der deutschen Mädel, sich in die frohe Lebensgemeinschaft der Mutterhäuser des Roten Kreuzes einzufügen, um auf diese Weise das schöne Wort vorn Gemeinnutz, der vor den Eigennutz geht, nicht nur auszusprechen, sondern auch zu erleben!" Dr. Friedrich Bubendey. Aus der Stadt Gießen. Das Alte stürzt... Mit weitverzweigten Kronen überschatteten die Bäume einen kleinen Platz, an den wie an eine Insel die Wogen des Verkehrs einer Straßenkreuzung branden. Man braucht nur einen kleinen Schritt auf den Bordstein des Bürgersteigs zu tun und man war in Sicherheit und umahnet von der gelassenen Kraft der wuchttgen Baumleiber, die zwei Arme nicht umspannen konnten. Im Frühling saßen da alte Männer und junge Mütter mit ihren Kindern als Erste auf niederen Bänken, freuten sich der sonnenwarmen Luft, der hellen Tage und des frohen Getümmels der Kinder, denen im kleinen Spielkasten der leichte Sand wie Goldstaub durch die Finger rann. Dann bauten die Bäume auf ihren Zweigspitzen kleine Blütenpyramiden in Rot und Weiß auf, daß das helle Laubarün mitleuchtete und der ganze Platz von ihrer Lichtfreude überflutet war. Ab und zu streute der Wind von dem prangenden Ueberfluß eine Handvoll zur Erde, und die Kinder hatten ein neues Spiel. Sie sammelten die grünen erbsengroßen Früchte, die aus ihren rosigen und weißen Röckchen herausfielen, knipsten ihnen die winzigen Stiele ab und brachten sie in den kleinen Händen zur Mutter, damit sie die zierlichen Kugeln aufbewahre. Als später die Sommersonne heiß und drückend brannte, hatten die Kastanienbäume ihr Blättergefüge schon so dicht gebreitet, daß die Wipfel wie ein riesiger Schirm die Hitze abhalten konnten und kühlende Zuflucht wurden für jeden, der ein wenig Erholung und Erfrischung brauchte. Jähen Regenüberfällen wehrten sie ebenso, und es mochte prasseln und rauschen, der Eifer der hurtigen Tropfen die Straßen wie mit Fäden und Netzen zuspinnen, der Platz unter den Kastanien blieb trocken wie ein heiliger Raum, wie eine kleine Kapelle, von Gewölben überspannt. Dann gab es noch einmal ein Kinderfest, als die reifen Kastanien an die Erde knallten und aus den stacheligen Hüllen platzten. Man konnte die durchlöcherten Früchte auf Schnüre reihen und wie Ketten um den Hals hängen. Man konnte sie aushöhlen und kleine Winden aus ihnen machen. Aber da mußten schon die alten Männer mithelfen, die Geduld und Fertigkeit hatten. In den Boden der zu einer Schale ausgehöhlten Kastanie wurde ein Loch gebohrt, dann eine Haarnadel, die der Mutter abgebettelt war, durch die Wände der Schale von der einen Seite zur andern burdjgeftedt und zu einer Kurbel umgebogen. An einem daran befestigten Faden, der durch das Loch geführt wurde, konnte pian nun eine andere dickere Kastanie oder einen schwereren Gegenstand heraufleiern und wieder abschnurren lassen. Das war ein unterhaltsames Spiel! Die Mütter lächelten: sie hatten wieder einmal ihre Ruhe. Nun sind vor Wochen junge Bäume gepflanzt worden! Weil die alten die Sicht versperrten und die Sicherheit der eiligen Fahrzeuge gefährdeten, wurden sie gefällt. Ein Stück Romantik ist verschwunden, eine kleine Idylle zu Ende. Aber neues Leben wächst und sucht nach neuen Formen. B. Dornotizen. Tageskalender für Donnerstag. Stadttheater: 20 bis 22 Uhr, „Meister-Se xiett (Comedian Harmonists)". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Der zerbrochene Krug". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Berg ruft". — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 20.15 Uhr, in der Aula des Gymnasiums. — Deutsche Stenographenschaft: 19.15 Uhr, in der Oeffentlichen Handelslehranstalt Anfängerlehrgang in Maschinenschreiben. Gastspiel des Meister-Sextett (Comedian Harmonists) im Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend gibt das Meister-Sextett (Comedian Harmonists) ein einmaliges heiteres Gastspiel mit einer völlig neuen Vortragsfolge. UeberaU, wo das Meister-Sextett seine Lieder singt, strömt eine Welle von Frohsinn und glücklicher Unbeschwertheit über die Zuhörer hin. Auch bei uns haben diese luftigen Sänger ihren großen Kreis durch frühere Gastspiele gewonnen. Beginn 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr. Außer Miete. Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. In einem Vortragsabend der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde spricht heute, Donnerstag Auch am Tage die Haut gut pflegen. Das Gesicht mit Nivea-Creme leicht massieren, das kräftigt die Haut, regt sie an und erfrischt sie. abend, in der Aula des Gymnasiums, Dr. Alfred Kaufmann (Gießey) über das Thema „Palästina inmitten der Zeitereignisse". Krim Tremel-Eggert liest. Der Goethe-Bund und Kaufmännische Verein schreibt uns: Zum 4. Dichterabend am kommenden Freitag ist die Dichterin Kuni Tremel-Eggert zu einer Lesung aus ihren Werken nach Gießen verpflichtet worden. Die Romane, Erzählungen und Novellen Kuni Tremel-Eggerts wurzeln in der Heimatlandschaft, dem bayrischen Frankenland. Die Dichterin mit ihrem Humor gilt als eine ausgezeichnete Mittlerin ihrer Werke. BOM.-ttntergau 116. Das bereits angekündigte Referat im Rahmen des Rassepolitischen Kursus „Kunst und Rasse" findet heute, 13. Januar, um 17 Uhr, in der Kinderklinik statt. Pünktliches Er« scheinen ist unbedingte Pflicht! ZM.-!lntergau 116, Gießen. Dienstbefehl! Zu der am 16. Januar stattfindenden Besprechung der JM.-Gruppenführerinnen bringen die Gruppenführerinnen von 5, 6, 8, 10, 12 und 16/116 die Dienstpläne mit Vetr.: Wochenendschutung. Die 4. und 5. Winterwochenendschulung findet voraussichtlich am 13.2. statt. Alle JM.-Gruppen- führerinpen, Schar- und Schaftsführerinnen sowie die Sportwartinnen und Geldverwalterinnen halten sich diesen Sonntag frei. Gießener Gtadttheater. Dscar Wilde: „Lady Windermeres Fächer." Wir haben dieses Stück hier vor sieben Jahren zuletzt auf dem Theater gesehen: inzwischen erschien (1936) der Film gleichen Namens, zu dem Karl Lerbs mit andern zusammen das Drehbuck schrieb: er hat, nach der „Frau ohne Bedeutung , die wir vor einiger Zeit hier erlebten, nun auch „Lady Windermere" selbst neu übersetzt... überzeugt von der ungebrochenen Wirkungskraft und unveralteten Aktualität der Wildeschen Gesellschaftsstücke, die ja in der Tat in den letzten Jahren bei uns geradezu eine neue Blütezeit erlebt haben... im Theater wie auf der Leinwand. * Das Schauspiel vorn Fächer der Lady Windermere stammt aus dem Jahre 1892; es ist das erste eigentliche Gesellschaftsstück Wildes, mit unverkennbar französischer Technik geschrieben, aber doch in Stil und Dialogführung ebenso unverkennbar ein echtes Kind Wildes, seines witzigen, sattrischen, frivolen und in der Freude am Paradoxen sich spiegelnden Geistes. Für manchen mag der Reiz des Stückes sich schon erschöpfen im reinen Amüsement, im Vergnügen an diesen unübertrefflich formulierten, ganz unvermutet und nebenbei fallengelassenen, kleinen, frechen Randbemerkungen und Bonmots über die englische Gesellschaft, über den Klatsch, über Männer, Frauen, Liebe und Ehe... * Solche Zuhörer würden vielleicht überrascht sein, von Wilde selbst zu vernehmen, er habe mit der „Lady Windermere" die Geschichte „eines guten Weibes" erzählen wollen — wer kann diesem Spötter, der später so traurig endete, wirklich trauen? — aber sie werden dann vielleicht finden, daß die Mrs. Erlynne, als eigentliche Hauptperson der Fabel, mit nicht weniger Recht und nicht weniger Ironie „eine Frau ohne Bedeutung" genannt werden darf als jene Mrs. Arbuthnot. Und wer an den Ernst und die Echtheit eines solchen Schicksals bei Wilde nicht zu glauben vermöchte, der wird wiederum die brillante Technik der „mise en scene“ anerkennen müssen, die noch heute exakt und mit großartiger Wirkung ablaufende Mechanik unwiderstehlichen ^Theaters. * „Eines guten Weibes": die Mutter opfert sich selbstlos schweigend für ihr Kind; sie findet die. Tochter knapp vor der gleichen (Situation, welche sie, die Mutter, vor Jahren ins Elend brachte. Sie gibt sich, schweren Herzens, nicht zu erkennen, obwohl sie von der Tochter auf Grund eines falschen Verdachtes beschimpft wird, und rettet der jungen Frau das Glück einer großen Liebe und einer wolkenlosen Ehe. Nur den Fächer, dessen geistes- gegenroärtige -Vertauschung im gefährlichsten Augenblick eine Katastrophe verhindert, erbittet sie sich von der Ahnungslosen als Geschenk und Andenken. * Die Aufführung, vom Intendanten Schultze- Griesheim in Szene gesetzt, war ausgezeichnet. Uns scheint, als ob die Spielleitung und die Ueber- setzung von Lerbs sich hier auf eine gewinnende Weise ergänzt hätten: das Stück schien uns im Gesamteindruck höchst angenehm vermenschlicht, wobei weder die schlechterdings unwiderstehliche Theaterwirkung noch auch Wildes unverwechselbarer Esprit zu kurz tarnen. Die vier Akte wurden sehr kultiviert gespielt, präzis, federnd, mit großer Steigerung und jener Rundung, die zuletzt keine Frage oder Lücke mehr offen läßt. — Herrn Löfflers Ausstattung: so zweckmäßig wie geschmackvoll. ♦ Else Monnard spielte die Mrs. Erlynne mit seinem Gefühl für Möglichkeiten, Grenzen, Mischung der Wesenselemente, mit Intellekt und Herz, Salondame und „gutes Weib", Abenteurerin und Mutter in einer Person, mit bestechender Eleganz und Ueberlegenheit. — Frl. Retschy als Lady Windermere: eine „bezaubernde Puritanerin", wie Wilde durch Darlington es formuliert, sehr jugendlich, fast mädchenhaft wirkend; dabei wurde die innere Wandlung und Entwicklung vom ersten zum letzten Akt schön und einleuchtend profiliert. — Herr von G s ch m e i d l e r als Darlington gab, sympathisch und fast überraschend, hier viel weniger den typisch Wildeschen Räsonneur als vielmehr einen Mann mit Herz, als den man diesen Lord bisher kaum kannte. Gepflegt und taktvoll Herr Weiland als Windermere. Frau Stirl brillierte mit den amüsanten Bosheiten der Herzogin von Berwick; ergötzliche Konversation machten im Sinne Wildes die Herren Lindt und D o l ck. * Den sehr herzlichen Beifall konnte zuletzt der Intendant mit den Seinen entgegennehmen. . _ Hans Thyriot. //Der zerbrochene Krug." Gloria-Palast. Unter den zahlreichen Verfilmungen dichterischer Werke nimmt die des „Zerbrochenen Kruges" eine Sonderstellung ein: die Schöpfer des Filmes — künstlerische Oberleitung: Emil Hannings; Regie: Gustav Ucicky; filmische Einrichtung: Thea von Harbou — waren ehrfurchtsvoll und einsichtig genug, zu erkennen, daß jegliche „Bearbeitung" oder „Neufassung" dieses klastischen deutschen Lustspiels von vornherein ein aussichtsloses Beginnen sein würde, falls man sich dergestalt auf einen poetischen Wettkampf mit dem Genie seines Schöpfers hätte einlassen wollen. Aus schuldigem Respekt schrieb man also an den Anfang der Bilderfolge den Namen des größten preußischen Dichters, Heinrich von Kleist, und der Text folgt Vers für Vers getreu dem Wortlaut des Lustspiels. Was danach der Kamera zu tun übrig bliefT, war die der Bühne versagte Ausweitung des Schauplatzes, zu Anfang und zu Ende. Das Glockenspiel-Motiv (mit der Volkslied-Weise „lieb immer Treu und Redlichkeit") ist zwar auch im Film nicht neu, aber mit Glück von der Potsdamer Garnisonkirche ins niederländische Dorf übertragen: es rahmt beziehungsreich und lustig den bunten Reigen der Szenen ein. lieber ein nur photographiertes Theater gelangt der Film endlich auch insofern hinaus, als die Kamera im Bildausschnitt jeweils die Gruppe der Handelnden herausgreifen und in den Vordergrund bringen kann, auf die es im Verlaufe des unvergleichlich komischen und meisterhaft geführten Rechtsstreites wesentlich ankommt. Im ganzen gibt die Spielführung dem Werke jene niederländisch-behaglich ausmalende und schildernde Breite, die wir von den Sittenbildern der Breughel, Ostade, Sten und Te- niers kennen. Inmitten Emil Hannings als Dorfrichter Adam. Dieser Adam ist eine der unsterblichen charakterkomischen Gestalten der deutschen und der Weltliteratur. Wie Jannings ihn sieht, anpackt und lebendig macht, ist herrlich: die Figur strotzt förmlich von Saft und Leben; er schildert seinen Mann mit der nämlichen Breite, Ausführlichkeit und genießerischen Genauigkeit, wie jene Niederländer ihre Bilder malten, und wie der Film wiederum jegliche Szene angelegt hat. Er ist ein Schurke, und dennoch fällt es dem von stillem Gelächter geschüttelten Zuschauer schwer, ihn zu verdammen, wie es rechtens ist: seine Lügenphantasie, seine Bosheit und Bavernschläue. seine Angst und sein schlechtes Gewissen äußern sich mit so viel natürlichem Humor, mit so echtem Witz, daß man fast versucht ist, diese vierschrötig plumpe Erscheinung mit dem verbeulten Schädel und dem naiven Bie- dermannsgesicht anmutig zu nennen. Um seinetwillen vor allem muß man diesen Film auf sich wirken lassen, dessen schönstes Verdienst es ist, den Blick wieder auf eines unserer berühmtesten und ganz unvergänglichen Lustspiele gelenkt zu haben. — Kayßler gibt den Gerichtsrat mit einer großartig weltmännischen Ueberlegenheit, Gülstorff den verschmitzt-beflissenen Schreiber Licht, die S allo ker in Herzensangst ein liebliches Evchen, Lina Carstens eine robuste flämische Bäuerin; sehr hübsch auch Dahlke als Veit Tümpel und die Flickenschildt mit der pointierten Zeugenaussage der Brigitte. — (Tobis.) * Das Vorprogramm bringt die Wochenschau, einen vornehmlich für weibliche Besucher interessanten Kulturfilm und auf der Bühne das akrobatische Tanzpaar Mary und Roberts. Hans Thyriot. Stilles Heldentum. Die heldenmütige Tat eines Arztes wird in dem Jahresbericht des englischen Komitees für koloniale Entwicklung mitgeteilt. Dr. Corson in Tanganyika (Ostafrika), der sich mit dem Studium der gefürchteten Schlafkrankheit beschäftigt, wollte feftftehen, unter welchen Bedingungen sich die Ansteckung bei dieser vollzieht, um dadurch Fortschritte in der Verhütung der Krankheit zu machen und der Weiterverbreitung der Geißel Afrikas entgegenzu* wirken. Er machte Versuche an seinem eigenen Kör* per, indem er zunächst das offene Ende einer Glasröhre, in der infizierte Tfetfe-Fliegen waren, an feine bloße Hand hielt. Als dieser Versuch fein Ergebnis hatte, spritzte er sich das Blut eines schon erkrankten Meerschweinchens ein. Monatelang lag er in halber Bewußtlosigkeit, während seine Kollegen verzweifelt um sein Leben kämpften. Schließlich gelang ihnen seine Rettung durch das neud Gegenmittel Germanin. Hätte er sein Leben eingebüßt, schreibt eine englische Zeitschrift dazu, so hätte die öffentliche Meinung, die allzu bereit ist, Filmstars oder beliebte Sporthelden zu feiern, sicher nicht viel Aufhebens davon gemacht. Still hätte er sich der tapferen Schar jener Aerzte und Forscher beigesellt, die ihr Leben für die Menschheit opferten» parteiamtliche Bekanntmachung. Oer Kreisleiter. Führerappell derNSDAP.,Kreis Wetterau. Am Sonntag, 16. Januar, vormittags 10.30 Uhr, findet der Appell des Kreises Detterau in Gießen im Lafe Leib statt. Verlauf des Führerappells: 10.30 Uhr: Linnehrnen der Plätze durch die Teil- nehmer. 10.40 „ Fahneneinrnarsch. 10.45 „ Eröffnung des Appells durch den Kreisleiter, Gesang des Liedes „Volk ans Gewehr". 10.55 „ Einschalten der Uebertragungsanlage. 11.00 „ Beginn der Uebertragung aus dem Hippodrom in Frankfurt, die etwa eine Stunde dauern wird. Ls sprechen: Der Gauleiter, der Gaupropagandaleiter. der S2l.-Obergruppensührer Pg. Beckerle. Zur Teilnahme sind anher den Führern der Gliederungen folgende Politische Leiter verpflichtet: Die Mitglieder des Lreisstabes. Die Ortsgruppen- und Stühpunktleiter. Die Propaganda-, Organifations- und Presseamtsleiter der Ortsgruppen und Stützpunkte. Die Ortsobmänner der DAF. Die Ortsgruppenamtsleiter der RSV. und die Ortsfrauenschaftsleiterinnen. HI., Bann und Iungbann 116. Theaterring. Die Karten zur 5. Vorstellung unseres Veranstal- tunasringcs sind heute, Donnerstag, 13. Januar, zwischen 17 und 18 Uhr, auf der Verwaltungsstelle des Bannes und Jungbannes 116 in Empfang zu nehmen. An Nichtmitglieder des Theaterringes kann eine kleine Menge Karten zu dem üblichen Preis abgegeben werden. RSG. „Kraft durch Freude", Kreis Gießen. Omnibusfahrt auf den hoherodskopf. Am Sonntag, dem 16. Januar, führen wir eine Fahrt auf den hoherodskopf durch. Teilnehmerpreis 2,4 0 RM. Abfahrt 7 Uhr am Gießener Stadttheater. Anmeldungen Seltersweg 60. 187D Schaufenster-Wettbewerb. Aufruf an die Betriebsführer und Gefolgfchaftsmitglieder im deutschen handel! Kreisobmann Wagner von der Kreiswaltung Wetterau der Deutschen Arbeitsfront erläßt folgenden Aufruf: Meldet euch zum Schaufenster-Wettbewerb im Reichsberufswettkampf aller schaffenden Deutschen! Zum ersten Male rufen wir Betriebsführer und Gefolgschaftsmitglieder des deutschen Einzelhandels zu diesem Leistungskampf auf. In diesem Wettbewerb gilt es ganz besonders die Millionen der Verbraucher von der Leistung der deutschen Schaffenskraft zu überzeugen und deutsche Waren in den Vordergrund zu stellen. Alle Schaufenster müssen während der Wettbewerbswoche unter der Parole „W ir künden deutsche Leistung" stehen. Die Anmeldungen sind bis zum 2 5. Januar an die Deutsche Arbeitsfront, Kreiswaltung Wetterau, RBWK. 1938, Gießen, Schanzenstraße 18, zu senden. Die Anmeldung zum Schaufensterwettbewerb bedingt nicht die Teilnahme am Reichsberufswettkampf aller schaffenden Deutschen. Alle am Wettbewerb beteiligten Fenster werden durch ein Teilnehmerschild gekennzeichnet. 25 Musikalische Abendfeier. In der am nächsten Sonntag, 16. Januar, stattfindenden Musikalischen Abendfeier spielt der Organist der Johanneskirche Johs. Nebeling Orgelwerke von I. S. Bach und I. G. Walther, unter anderen die große Fantasie und Fuge g-moll und das ?-6ur-Pastorale in vier Sätzen. DieGau-SlraßensammlungamnächstenSonnlag Aufruf an das Handwerk. Am Samstag, 15., und Sonntag, 16. Januar, wird dos Deutsche Handwerk in Gemeinschaft mit den Volksgenossen des Kyffhäuserbundes, der Beamtenschaft, des Reichsluftschutzbundes und des Roten Kreuzes die Reichsstraßensammlung durchführen. Meister, Gesellen und Lehrlinge des Handwerks, ich betrachte es als eine Ehrenpflicht, daß das gesamte Handwerk des Kreises Gießen sich einmütig und geschlossen als Sammler zur Verfügung stellt, um durch tatkräftige Mitarbeit dem Sammelergebnis zu einem vollen Erfolg zu verhelfen. Alle Meister, Gesellen und Lehrlinge stellen sich innerhalb ihres Wohnortes den Ortsgruppen der NSV. zur Verfügung. Ausgabe der Sammelbüchsen und Blumen: am Samstag, 15. Januar, ab 13 Uhr. Ablieferung der Sammelbüchsen von 19 bis 21 Uhr; Sonntag, 16. Januar, Ausgabe ab 9 Uhr, Ablieferung nach restlosem Absatz der Blumen. Falls örtlich andere Abmachungen von den Dienststellen der NSV. getroffen werden, wolle man sich nach diesen Anordnungen richten. S tühle r, Kreishandwerksmeister. Oer Einsatz der Beamten. NSG. Wieder einmal greift die Beamtenschaft geschlossen in den Kampf des Winterhilfswerkes des deutschen Volkes gegen hunger und Kalte ein. Ihre SammeUätigkeit bei der Straßensammlung am Wochenende wird sie am Samstagvormittag durch eine Sammlung in den Dienststellen der öffentlichen Verwaltungen und Betriebe einleiten. Jeder Beamte und jede Beamtin wird am Samstag mit einer Nelke geschmückt den Arbeitsplatz verlassen. Für die Straßensammlung selbst hat das Amt für Beamte den Ortsbeauftragten für das WHW. die erforderliche Anzahl Sammler zur Verfügung gestellt, die an beiden Sammeltagen mit den Handwerkern, Lehrern, Amtsträgern des Luftschutzbundes und den Angehörigen des Deutschen Roten Kreuzes und des Kyffhäufer-Bundes auf den Straßen oder in den Häusern die Nelken zum Kauf anbieten werden. Selbstverständlich steht die uniformierte Beamtenschaft auch bei Propaganda-Umzügen mit den Fachschaftssahnen zur Verfügung, so daß bei der Gaustraßenfammlung mit Recht von einem restlosen Einsatz der Beamtenschaft des Gaues Hessen-Nassau gesprochen werden kann. Ernstetz und heiteres Alt-Gießen. Ein prächtiger Abend des heimatverbundenen Volkstums. Eine Kundgebung für Gießen — so bezeichnete der Ortsringleiter des Landfchastsbundes Volkstum und Heimat, Ortsring Gießen, Lehrer Dr. Michel, treffend die von ihm veranlaßte und von einigen Vereinen mitgetragene Heimatveranstaltung, die am gestrigen Mittwochabend in der Neuen Aula der Universität stattfand. Man hat nur selten die Aula so bis zum letzten Platze gefüllt gesehen, wie bei diesem Vortragsabend. Das Thema der Veranstaltung und vor- allem auch die Persönlichkeit *bes Vortragenden hatten nicht nur viele eingeborene Gießener, sondern auch die irgendwann von auswärts zugezogenen Volksgenossen (die .^hergelaufenen") mobil gemacht, die schon lange vor Beginn der Veranstaltung in ununterbrochenem Strom herbeikamen und bereits vor 20 Uhr den weiten Saal zum großen Teile besetzt hatten. Als gegen 20.15 Uhr Lehrer Dr. Michel den Abend eröffnete, konnte er zu seiner Genugtuung betonen, daß dieser außerordentlich starke Besuch geradezu auch als ein Bekenntnis zu unserer Stadt anzusprechen sei, die in ihrer Aufbaufreudigkeit in glücklicher Weise gleichen Schritt halte mit dem taffrohen Wiederaufbau in unserem lieben Vaterlande. Als besonderen Reiz und Gewinn der Veranstaltung konnte er dabei Herausstellen, daß den vielen Zuhörern bei dieser Gelegenheit die Seele Alt-Gießens, seine baulichen und menschlichen Denkwürdigkeiten vor Augen gestellt werden sollten. Dr. Michel konnte nach dem besonderen Gruß an den Vortragenden vor allem den Kreisleiter Backhaus als Vertreter der Partei, Bürgermeister Prof. Dr. Hamm als Vertreter des verhinderten Oberbürgermeisters, ferner den Beigeordneten Nicolaus und Stadtbaurat Grave et, Vertreter der Wehrmacht und mit besonderer Freude den Gesangverein „Liederkranz" als ältesten Gesangverein unserer Stadt willkommen heißen, darüber hinaus zahlreiche Persönlichkeiten des Gießener Vereinslebens und schließlich der außerordentlich großen Menge der Besucher selbst mit Gruß und Dank für ihr Erscheinen den Willkommen entbieten. Anschließend eröffnete der stimmlich ausgezeichnet zusammengesetzte und künstlerisch fein disziplinierte Chor des Gesangvereins „Liederkranz" unter der Leitung seines Chormeisters Kasten die Darbietungen mit dem schönen Gesang zweier Volkslieder. Dann begab sich, während starke Beifallskundgebungen ihn begrüßten, der Vortragende des Abends, Amtsgerichtsrat i. Jt. Franz Gros an den Rednertisch. Sein Thema lautete „Ernstes und heiteres Alt-Gießen". Man kann sich keinen fachlich geeigneteren und liebevolleren Erzähler über dieses Thema denken, als Franz Gros, der auf dem hofgut Kollnhaufen bei Lich geboren ist, ine ersten Jahre seiner Jugend dort und in Lich verbrachte, aber schon bald darauf als. Bub in den Gießener ©affen umher sprang, hier seine Bubenstreiche vollführte, als Gießener Pennäler und dann auch als Gießener Student, später feit vielen Jahren in Amt und Würden als Diener der Justiz fein Leben, immer mitten in der Gießener Volksgemeinschaft wurzelnd, führt. Gießen ist ihm Vaterstadt, an der er mit allen Fasern feines* Herzens hängt, mit deren Bevölkerung er sich in guten und in schlechten Tagen allezeit unlöslich verbunden gefühlt hat und der er sich zugehörig fühlt für seinen ganzen Lebensweg. Daß ein solcher Mann, dessen stärkstes Interesse für alles was Gießen betrifft immer lebendig ist, der fein zu beobachten und mit Geist und Humor zu erzählen versteht, feinen Hörern viel zu geben hatte, war schon von vornherein gewiß, und die Erwartungen wurden denn auch in vollem Ausmaße erfüllt. Bei der gewaltigen Fülle von geschichtlichem und heimatkurchlichem Material, von Schnurren und Anekdoten aus dem Wirken früherer Repräsentanten des Gießener Volkslebens, von Erinnerungen an alte Stadtbilder und bergt, das der Vortragende in überaus mühevoller Arbeit zusammengetragen und zu einem prächtigen Lokalbild geformt hat, ist für den Berichterstatter natürlich unmöglich, hier eine lückenlose Ueberficht zu registrieren. Es kann sich im Rahmen dieses Berichtes nur darum handeln, in großen Zügen anzudeuten, auf welchen Wegen und über welche Stationen Franz Gros bei feinem Vortrage die mit größter Spannung lauschenden Zuhörer führte. Er berichtete nicht als Gefchichtsforfcher ober als Lokalhistoriker, sondern er erzählte schlicht und gewinnend als Heimatfreund, als alter Gießener von echtem Schrot und Korn. Kurz ließ er zu Beginn die Gedanken in die Entstehungszeit unserer Stadt zurückgehen, um damit die Wurzel zu schlagen für feinen lokalen Spaziergang. Er ließ in Andeutung auch den „Gäißer Schlammbeißer" auftauchen und erinnerte an das den älteren eingeborenen Gießenern noch erinnerliche alte Stadtbild. Und dann begann der gemeinsame Rundgang durch Gießen, bei dem auf der Liebigshöhe abmarschiert wurde und der größte Teil des Stadtgebiets, ganz besonders natürlich die Innenstadt, stark interessierten Besuch erhielt. Dabei wurde die Erinnerung an manche Altgießener Originale lebendig gemacht, dieser Männer aber auch mit reicher Liebe gedacht. Von der Liebigshöhe aus marschierte die große Gemeinde unter Franz Gros' Führung über den Alten Friedhof, bann durch den einstigen Steins Garten herunter zur Innenstadt. Auf diesem Wege durch die Lokalgeschichte konnte man schon bis zu dieser Station mancherlei Interessantes vermerken. Nun aber begegnete man im Neuenweg dem in der Mitte des vorigen Jahrhunderts allbekannten Bürgermeister Vogt, einem prächtigen Original, der Gießens Einwohner in drei Klassen einteilte: 1. die Bannest, 2. die Beihäger und 3. die Butschka. Die Bannest waren — wie Franz Gros erzählte — die Kernbürger mit einem Haus in der Stadt, Aeckern in der Schwarzlach und hämrneln in der Herde; die Beihäger waren die Handwerker mit Grundbesitz; die Butschka aber waren die Beamten, Professoren und die übrige „Kaffrus". Von diesem Manne erzählte Franz Gros noch einige nette Erinnerungen. Weiter ging der Weg durch alte Gassen und Gäßchen der Innenstadt, irie heute vielfach Straßen geworden sind, über die alten Plätze (am Brand und Landgraf-Philipp-Platz vor dem heutigen Kreisamt), durch das Walltor, über den Lindenplatz zum Kirchenplatz, über den Markt und durch die Mäusburg zum Kreuzplatz, dann den Seltersweg hinauf, wobei selbstverständlich neben zahlreichen Erinnerungen noch Station in „dem Lotz" gemacht wurde. Auf dem Wege bis hierher lernten die Hörer wieder manches Original, manche Persönlichkeit von besonderer Eigenart kennen; wir denken hier besonders an den einstigen Kirchenrat Engel, an die Wirtin Frau W e i d i g , an den „Turm- Baue r", den Metzger M alkomesius, an den alten MMer Sack und an den Wirt Lotz aus ,-dem Lotze", von denen allen Franz Gros interessant zu erzählen wußte; wir denken aber auch an den ewigen Gießener Studenten Christian Busch, und an die zahlreichen „Starrende", an die einstigen Studenten- Verbindungen, an den Lügentisch ,Zn dem Lotz" usw. Dann wurde der Weg fortgesetzt den Seltersweg hinauf zum hettler, die Frankfurter Straße hin bis ' zur Liebigstraße, durch die Bahnhofsgegend mit der „Schwiegervaterstraße" und die Bahnhvfftraße herunter bis zur heutigen Marktstraße und zur Gegend des Schipkapasses. Dabei tauchten auch mancherlei Erinnerungen an Justus von Li'ebig auf, ferner an den alten Vater Lenz vom Felsenkeller. Interessante Blicke boten sich noch auf alte Gießener Gaffen und Häuser dieser Gegend. Damit schloß Franz Gros seinen etwa einstündigen Rundgang, in dessen Verlauf die Zuhörer häufig durch froh- geftimmten Beifall ihre starke innere Anteilnahme bekundeten, der sie am Schlüsse der Erzählungen noch durch langanhaltenden Beifall Ausdruck gaben. Schließlich zeigte der Vortragende noch eine Anzahl Lichtbilder aus dem Besitz des Stadtbauamtes, die Alt-Gießen in schöner Weise den Beschauern nahebrachten. Der Gesangverein „Sieber* trans" unter Leitung von Chormeister K a st e n fang dann noch zwei Chöre in feiner gesanglichen Gestaltung. Mit dem Bekenntnis zur unlöslichen Verbundenheit mit unserer Heimat und mit Führer und Vaterland schloß hieraus Ortsringleiter Dr. Michel den schönen Abend. Vortrag in der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Die Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde hatte für Dienstagabend zu einem Vortrag-im Physiologischen Institut den Studienassessor Walter h e u ß e l gewonnen. Professor Dr. A n k e l, als zweiter Vorsitzender, eröffnete die Sitzung. Danach führte Herr heußel in IVzftünbigem Vortrag eine Reihe von Versuchen mit einer von den Physikalischen Werkstätten in Göttingen ausgearbeiteten Apparatur aus, die sich mit der Photozelle, dem künstlichen Auge, beschäftigten. Der Vortragende ging dabei vom Hallwachseffekt aus, bei dem aus einer negativ geladenen Zinkplatte Elektronen herausgeschlagen werden, zeigte diese Erscheinung mit dem Kohlhörsterelektrometer und führte bann weitere Versuche mit bem technisch vollkommeneren Gerät, der Photozelle, vor. Nach einer Anzahl erläuternden Vorversuchen bekamen die Zuhörer eine ganze Reihe von Anwendungen des kleinen Wun- bergerätes zu sehen und zu hören, u. a. einen Sprechfilm, der sogar rückwärts lief, eine Lichtschranke, die man nicht überschreiten kann, ohne daß ein Klingelzeichen ertönt, die sogar schon auf bas Einblasen von Zigarettenrauch mit einem Klingelzeichen antwortet, und weiteres mehr. Die Besucher folgten den Vorführungen mit großer Aufmerksamkeit und hielten nicht mit ihrem Beifall zurück. (Siebener Dochenmarktpreiie * Gießen, 13. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, junge höhne 1,10, Suppenhühner —,90, Äiamanieli-Komödie Roman von Horst Biernaih. 29. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Im Kabinengang brannten nur noch die Nachtlampen. Humphrey öffnete die Tür der Doppelkabine und schloß sie wieder. Er tastete nach dem Lichffchalter, fand iyn rasch und drehte den Kontakt. Es blieb finster, und plötzlich spürte er, daß er nicht allein in der Kabine war, daß im Dunkel jemand vor ihm stand und ihn beobachtete. Einen Augenblick lang glaubte er, in eine falsche Kabine geraten zu sein. „Sie bemühen sich vergeblich, Martini!" ertönte eine Stimme aus der Finsternis. /,Jch habe mir erlaubt, die Birne aus der Lampe zu schrauben ..." Humphrey setzte zum Sprung an — aber die Stimme wurde scharf und hart: „Bleiben Sie stehen! Rühren Sie sich nicht vom Platz! Sie heben sich von der weißen Tür deutlich wie eine Zielscheibe ab. Seien Sie vorsichtig!" Humphrey verharrte wie festgenagelt — nicht, weil es ihm an Mut fehlte, sondern weil ihn die Verwechslung mit Martini zu sehr überraschte. „Das ist klug von Ihnen, Martini, daß Sie so schön stillhalten!" wurde er gelobt. „Ich hätte übrigens auch nicht eine Sekunde lang gezögert, abzudrücken. Aber Sie kennen mich ja und wissen, daß ich aufs ganze gehe." Humphrey schwieg. Er starrte angestrengt in das Dunkel und versuchte, den Sprecher zu erkennen. Aber er sah nichts als den schwachen Schimmer eines Gesichts, ohne jede Zeichnung, nicht anders, als wenn dort ein Blatt Papier oder ein Luft- ballon kopfhoch im Raum geschwebt hätte. „Ich will Sie nicht lange aufhalten, Martini! Sie wissen ohnehin, daß ich nicht gekommen bin, um Ihnen ein Gutenachtküßchen zu geben. ... Also kurz und gut: Ich schlaae Ihnen vor, mit mir halbpart zu machen! Nun? * Humphrey rührte sich nicht. Er preßte die Lippen zusammen. Wenn der andere Martini kannte, so mußte ihn seine Stimme verraten. „hören Sie zu, Martini!" drängte der Unbekannte. „Wir haben mit den verdammten Diamanten Ausgaben und Scherereien genug gehabt. John Daniels ist geschnappt worden und die Hälfte der Jungen dazu. Sie sind ein Außenseiter und Einzelgänger. Das ist fast soviel wie unlauterer Wettbewerb. Wir lassen uns das Geschäft nicht durch die Lappen gehen, weil Sie zufällig zehn Minuten früher dran waren als wir. Entweder Sie teilen, und das wäre noch immer ein gutes Geschäft für Sie; oder--" Humphrey schwieg. Er fieberte vor Spannung. Der Unbekannte wartete einige Sekunden. „Weshalb antworten Sie nicht?" fauchte er wütend. „Zum letztenmal. Sie teilen oder ich verpfeife Sie! Und wenn das ganze Geschäft zum Teufel fliegt! Glauben Sie nicht, ich würde meine Drohung nicht wahr machen, weil wir hier sozusagen auf holländischem Boden stehen und weil das Recht der Niederlande den Kronzeugen nicht spazierengehen läßt wie unser englisches. Das ist mir völlig gleichgültig. Sie teilen und rücken die Hälfte heraus — ober wir gehen allesamt kopfüber..." Wieder wartete er auf Antwort, und Humphrey wußte, daß er nicht länger schweigen dürfe, ohne Verdacht zu erregen. „Wie kommen Sie zu Ihrer unverschämten Behauptung", flüsterte er, „daß ich etwas mit den Diamanten zu tun hätte?" „Lassen Sie sich nicht auslachen, Martini!" knurrte der Unbekannte. „Ich habe Sie bei der Arbeit beobachtet. Leider waren Sie mir zu schnell. Ich hatte nämlich die Absicht, Sie ein wenig zu überraschen. Aber ich kam zu spät. Bevor ich mit meiner Apotheke fertig wurde, waren Sie schon fort. Und fast hätten Sie das Glück gehabt, mich loszuwerden. Statt Ihrer mußte ich mich nämlich mit den beiden Kerlen von der Mine befassen, die mir ganz überraschend auf den hals kamen..." Humphrey konnte einen Ausruf des Erstaunens nicht unterdrücken. Und im gleichen Augenblick ward ihm klar, daß er jetzt handeln müsse, daß er das Rätsel lösen müsse, wer der Unbekannte war; daß er den Zeugen packen und festhalten müsse, der Martini bei der Tat beobachtet hatte ... Im Bruchteil einer Sekunde duckte er sich, schnellte aus dem Stande flach vor und glitt ins Dunkel hinein. Wie ein Rugbyspieler, der seinen Gegner angeht, flog er im Hechtsprung auf den Fremden zu, um ihm durch den Anprall die Beine wegzureißen. Aber er krachte mit dem Schädel furchtbar gegen eine unsichtbare Barre, hinter die der Unbekannte sich in kluger Voraussicht eines ^überraschenden Ueberfalls verschanzt hatte. Er schlag so heftig auf, daß er für eine Weile hach betäubt liegenblieb und keinen ernsthaften Widerstand zu leisten vermochte, als der Unbekannte sich blitzschnell auf ihn warf und ihn bis zu den Schultern hinauf in den billigen und außerordentlich staubigen Teppich einrollte. Er besorgte das mit einer so erstaunlichen Fixigkeit, als hätte er fein ganzes Leben nichts anderes getan, als unbequeme Leute in Teppiche eingerollt. Unfähig, auch nur ein Glied zu rühren, und die »harten Knie des unbekannten Kerls auf der Brust, mußte Humphrey sich von einer Taschenlampe ab- leuchten lassen. „Wer, zum Teufel, sind Sie eigentlich? Und was haben Sie hier zu suchen?" fragte der schwere Bursche wütend. Er glaubte offensichtlich, in Humphrey ehren weiteren Nebenbuhler um den geraubten Diamantenschatz entdeckt zu haben. „Die gleiche Frage möchte ich an Sie stellen!" ächzte Humphrey, beschämt und zornig über seine neue Niederlage. „Mein Name ist Timperly — Humphrey Timperly! Und wenn Sie nichts dagegen haben, dann ist das hier meine Kabine!" „Erzählen Sie mir keinen Blödsinn!" fuhr der Unbekannte ihn an und schraubte ihm die Finger um den hals. „Diese Kabine gehört Martini!" „Ja, gerdiß", keuchte Humphrey halb erstickt, „diese Kabine gehört Martini — aber er hat sie mit mir geteilt, weil alle Plätze besetzt waren. Verstehen Sie doch, Mann: Ich kam an Bord, ohne mich vorher angemeldet zu haben — auf gut Glück. ..." „Und aus welchem Grunde?" „Wegen einer Dame, wegen meiner Braut sozusagen ..." „Was heißt ,Braut sozusagen^? Entweder — oder!" „Lust!" röchelte Humphrey. Der Kerl lockerte den Griff für einen Schnapper. „Also los! Was fft's mit der Braut?" Humphrey stemmte feine Arme gegen fein enges Gefängnis; das Gewicht des Mannes auf feiner Brust wurde unerträglich. „Die Dame — verstehen Sie doch endlich! — soll erst meine Braut werden .. „Und deshalb fahren Sie bis nach Europa mit?" fragte der andere in einem Tonfall, als wäre ihm solch ein Irrsinn in seinem Leben noch nicht vorgekommen. „Ja!" beteuerte Humphrey. „Deshalb!" „Und das ist die Wahrheit?" „Die volle Wahrheit!" „Weshalb aber schwiegen Sie, als ich Sie für Martini hielt und mit Ihnen sprach?" Der Würgegriff wurde wieder fester. Und rote ein Gebirge wurde die Last. „Weil ich zu erschrocken mar!" log Humphrey. „Oder glauben Hie vielleicht, daß jeden Abend ein Kerl in meinem Schlafzimmer steht und mich mit dem Revolver bedroht?" „Sie waren aber reichlich lange erschrocken", sagte der Unbekannte unsicherer als bisher. Teilweise schien ihm Humphreys Antwort einzuleuch- ten. Er blieb eine kleine Weile stumm. „Und dann sprangen Sie auf mich los!" sagte er plötzlich mit neuem Argwohn und drückte auch wieder kräftiger zu. „Ja, natürlich — jeder andere in meiner Lage hätte das auch getan. Man will schließlich wißen, wen man vor sich hat, nicht wahr?" „Und Ihre Frage, wie ich zu der unverschämten Behauptung käme. Sie hätten etwas mit dem Diamantenraub zu tun? He? Da haben sie doch sozusagen die Rolle des Mannes gespielt, den ich vor mir zu haben glaubte!" „Ich habe von all dem Zeug, was Sie erzählt haben, keine blasse Ahnung!" japste Humphrey, dem die Luft wieder knapp wurde. „Ihre Worte ließen mich nur vermuten, daß Martini Ihnen mit irgendwelchem Geschäft zuvorgekommen fei und daß Sie ihm die Hälfte abjagen wollten. Und da wurde ich neugierig. Nichts weiter! Schließlich teile ich mit Martini die Kabine. Vielleicht können Sie sich vorstellen, daß es mir nicht ganz gleichgültig ist, mit wem ich in den gleichen Wänden zusammen wohne?" „hol's der Henker", fluchte der Kerl mit merklicher Unsicherheit, „es Hingt alles ganz glaubwürdig, was Sie mir da erzählen. Aber trotzdem: Ich traue Ihnen nicht! Sie reden mir zu viel und zu geläufig — das tun immer die ausgekochtesten Halunken ..." „Nehmen Sie Ihre verdammten Finger von meinem hals! Sie erwürgen mich noch aus Versehen!" (Fortsetzung folgt) Gänse 1,20 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, ausländ. Kühlhauseier 11, Tauben 50 bis 60, Wirsing, grün, % kg 10 bis 12, Weißkraut 7 bis 8, Rotkraut 10 bis 12, Gelberüben und Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 25 bis 28, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 28 bis 35, Feldsalat, Vio 9 bis 10, Tomaten, % kg 45 bis 50, Zwiebeln 9 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 40, Aepfel 10 bis 20, Birnen 15 bis 18, Blumenkohl, Stück 45 bis 50, Endivien 10 bis 12, Lauch 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40 Pf., Kartoffeln, Zentner 3,25 bis 3,45 Mark. , parke mit Verstand! Nicht umsonst enthält die neue Straßenverkehrs- Ordnung besondere Bestimmungen über das Parken. Es ist selbstverständlich, daß man überall dort nicht parken darf, wo die Straße unübersicktlich ist, in Kurven, engen Durchlässen, wo man den übrigen Verkehr stört, selbst nicht für „5 Minuten"! Auch vor Ein- und Ausfahrten darf ein Fahrzeug niG ausgestellt werden. Außerdem sind für zwei Fälle bestimmte Vorschriften erlassen. Das sind Halte st ellenschil- der öffentlicher Verkehrsmittel und Straßenecken. Vor und hinter dem Haltestellenschild muß man je 10 Meter freilassen, also insgesamt 20 Meter. Dieser Raum ist notwendig, damit die Fußgänger Gelegenheit haben, ohne Gefährdung ein- und auszusteigen. Der Omnibus muß die Möglichkeit haben, rechts heranzufahren. Muß er in der Mitte der Straße halten, kann der fließende Verkehr nicht weiter und muß ebenfalls halten. Vor den Straßenecken ist ebenfalls ein Abstand von 10 Meter einzuhalten. ** U n f a fr. Auf einer hiesigen Baustelle ereignete sich heute gegen 9 Uhr ein Unglücksfall. Der Arbeiter Weber aus Richenbach (bei Gladenbach) wurde von einem Dierkantbalken getroffen und erlitt dabei eine erhebliche Kopfverletzung. Der Verunglückte wurde sofort von der Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik gebracht. Oie Arbeit im Deutschen Frauenwerk. Wenn wir einen Ueberblick über die Arbeit im Deutschen Frauenwerk geben wollen, die seit der großen Reichswerbung vor einem Jahre in unse- rem Kreise geleistet wurde, so müssen wir einmal hineinsehen in die Abende der einzelnen Abteilungen, in denen sich recht lebendig die Anteilnahme am Aufbauwerk des Führers zeigt. In den großen Städten ist die Ginteilung in besondere Gruppen vollzogen worden. An einem Abend im Monat kommen die Teilnehmerinnen einer Arbeitsgemeinschaft zusammen, um in lebhaftem Meinungsaustausch ein besonderes Thema aufzuwerfen und zu behandeln. Während die eine Gruppe an ihrem Abend Erziehungsfragen und die Beschäftigung des Kleinkindes behandelt und im praktischen Teil Spielsachen bastelt, werden bei der Arbeitsgemeinschaft Kultur und Schulung bäuerliche Trachten mit ihren schönen Stickereien gezeigt, und die Frauen versuchen selbst, Zierstiche und Weine Muster an Kindersachen zu verwenden. In d^n kleinen Orten werden die Pflichtabende durch die Vertrauensfrauen der Abteilungen abwechslungsreich ausgestaltet, die neugegründeten Jugendgruppen sorgen für Fröhlichkeit durch Chor- gesang und Volkstanz. Der Reichsmütterdienst wirbt erfolgreich in den kleinsten Dörfern für seine Lehrgänge und über« mittett den Frauen und Mädchen die wichtigsten Kenntnisse über Hausfrauen- und Mutterpflichten, zeigt Urnen aber auch die Freude, die aus reichem Kindersegen erblüht. Die Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft gibt nicht nur durch ihre Kurzkurse, bei denen die Herstellung zeitgemäßer Gerichte gezeigt wird, den Frauen wertvolle Anregungen, sie will vor allen Dingen das eigene Nachdenken über diese Fragen wecken und die Teilnehmerinnen befähigen, aus sich heraus selbst praktisch zu arbeiten und sich hineinzudenken in die großen Zusammenhänge zwischen Einzelhaushalt und Volkswirtschaft. Es ist erstaunlich, welch eine Fülle von praktischen Gegenständen nach und nach unter den geschickten Händen der Mitglieder entstehen. Wäsche und Kleidung für unsere Kinder im Grenzland, Spielsachen für die Kindergärten der NSV., nützliche Kleinigkeiten für die Wanderkisten der Schwestern vom Reichsmütterdienst, das alles wird in den Stunden gegenseitigen Gedankenaustausches bei gemeinsamen Liedern hergestellt. So steht das Deutsche Frauenwerk fest gegründet auf einer Basis des Vertrauens, bereit, die neuen Aufgaben zu meistern. F. K. Sektion Gießen-Obecheffen des Alpenvereins. Jahreshauptversammlung und Rückschau. In der stark besuchten Jahreshauptversammlung der Sektion Gießen-Oberhessen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenoereins stattete der Sektionsführer, Direktor W r e d e, einen eingehenden Bericht über das abgelaufene Jahr ab. Zunächst konnte er die erfreuliche Mitteilung machen, daß auch im Jahre 1937 die Sektion einen 'redjt ansehnlichen Mitgliederzuwachs verzeichnen konnte. Nach Berücksichtigung von Abgängen ergab sich eine Erhöhung der Mitgliederzahl um 40 auf 296 Sodann führte er zusammenfassend nochmals die besonderen Veranstaltungen des Jahres. auf: Die vielen schönen Vorträge, die die Mitglieder in die Berge und auf interessante Reisen führten, und das gutgelungene Winterfest, das die Mitglieder mit ihren Familienangehörigen zu frohen Stunden vereinte und damit dazu beitrug, die bereits vorhandenen guten persönlichen Beziehungen noch zu vertiefen. Weiter konnte festgestellt werden, daß die laufenden Veranstaltungen sehr zahlreich besucht wurden, und daß sich insbesondere die monatlich durchgeführten Sonntagswanderungen großer Beliebtheit erfreuen, die in der sich von Jahr zu Jahr stark steigernden Teilnehmerzahl sichtbar zum Ausdruck kommt. Dem Wanderwart, Regierungsrat Wecker, wurde in diesem Zusammenhang besonderer Dank gesagt. Großes Interesse brachte man dem Bericht der Hüttenkommission entgegen. Konnte doch 1937 erstmalig nach langen Jahren wieder die in Kärntens Hochgebirgswelt so schön gelegene Gießener Hütte von einer Reihe von Mitgliedern — soweit die beschränkt zur Verfügung stehenden Reisezahlungsmittel dies gestatteten — besucht werden. Im neuen Jahre, am 15. August 1938, sind 25 Jahre seit der Einweihung der Hütte verflossen, und es ist vorgesehen, in der Hütte dieses Jubiläum im Rahmen des Möglichen festlich zu begehen. Den Ausführungen des Leiters der seitherigen Jugend- und jetzigen Jungmannengruppe, die ihren Sitz im benachbarten Wetzlar hat, wurde ebenfalls große Aufmerksamkeit gewidmet. Es soll erneut versucht werden, auch in Gießen eine Jugendgruppe zu gründen, um unserer Heranwachsenden Jugend das technische Können und notwendige Wissen, das zum Besuch der Berge erforderlich ist, zu vermitteln. In dankenswerter Weise hat sich ein Mitglied, das über langjährige eigene Erfahrungen in der Hochgebirgswell verfügt, zur Leitung einer fol- chend Jugendgruppe zur Verfügung gestellt. Der Kassenbericht ergab eine gute finanzielle Situation der Sektion. Dem Sektionsführer und dessen Mitarbeitern wurde Entlastung erteilt. Einstimmig wählte die Versammlung wiederum Direktor W r e d e als Sektionsführer, der dieses Amt nun schon mehrere Jahre innehat und es mit gutem Erfolg zur allseitigen Zustiedenheit bekleidet. Aus dem Vorstand schied aus Gesundheitsgründen Bücherrevisor Vaubel aus, der ihm viele Jahrzehnte lang angehörte, und dem für seine treue Mitarbeit im Interesse der Sektion herzlich gedankt wurde. Zum Schluß konnte für 25jährige Mitgliedschaft an vier Mitglieder das silberne Edelweiß verliehen und außerdem an fünf weitere Mitglieder besondere Wanderauszeichnun- gen verteill werden. Mit einem „Sieg-Heil!" auf den Führer endete der offizielle Teil der Jahresversammlung, die ein beredtes Zeugnis für den Kameradschaftsgeist und das rege Leben in der Sektion ablegte. Aus der engeren Heimat. Maul- und Klauenseuche in Garbenteich. ♦ Garbenteich, 13. Jan. In der Hofreite des Karl Weigel II. Jft der Ausbruch der M a u I« und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. Die Gemarkung Garbenteich wurde zum Sperrgebiet erklärt, die Gemarkungen Steinbach und Dors- Gill sind Beobachtungsgebiet. Unfälle auf dem Lande. Der 25jährige Arbeiter Ernst Henkelmann aus Aliendorf a. d. Lumda zog sich durch einen Sturz eine schwere Kopfverletzung zu. — Der Landwirt Wilhelm Köhler von Oberkleen glitt in seinem Hofe aus und stürzte so unglücklich, daß er einen Ellenbogenbruch erlitt. — Frau Anna Heinrich aus Münchholzhaus en kam auf dem Wege zu ihrer Arbeitsstelle so unglücklich zu Fall, daß sie einen Bruch der linken Hand erlitt. — Unter dem Verdacht auf innere Verletzungen mußte der Arbeiter Hch. Repp von Bingenheim (Kreis Büdingen) in ärztliche Behandlung gebracht werden; er war eine Treppe hinabgestürzt. Sämtliche Verunglückten mußten in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. Landkreis Gießen. "Y" Watzenborn-Steinberg, 12. Jan. Der hiesige Gesangverein „Jugendfreund" hielt im Dereinslokal „Zur Krone" seine Hauptversammlung ab. Der Vereinsführer gedachte zunächst der im vergangenen Jahre verstorbenen Ehrenmitglieder und gab anschließend einen kurzen Rückblick auf die ausgedehnte Tätigkeit im abgelaufenen Geschäftsjahr. Die vom Rechner vorgetragene Jahres- rechnung wies geordnete Kasfenoerhältnisse und einen Ueberschuß auf. Für ein freiwillig aus» scheidendes Vorstandsmitglied wurde Georg Sommer bestimmt. Sangesbruder Friedrich Jung wurde aus Anlaß seiner 25jähriaen aktiven Sängertätigkeit mit der Ehrenrnitgliedschast ausgezeichnet. Der Verein, der unter der Leitung von Chorleiter Albert Schleuse steht, kann in diesem Jahre auf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Grunde wurde bereits über die Vorbereitungen zur Feier des Jubiläums gesprochen. Das Jubiläum soll in den Tagen vom 4. bis 6. Juni (Pfingsten) mit einem größeren Sängerfest begangen werden. Bereits jetzt haben einige Vereine ihre Teilnahme xugefagt. Gesangliche Darbietungen verschönten den Verlauf der Hauptversammlung. △ Lollar, 12. Jan. Am Montag fand ein Schulungsabend der Feuerloschpoli« 3 ei Lollar statt. Für den verhinderten Wehrleiter, Hauptbrandmeister H. Schelm, eröffnete dessen Stellvertreter, Oberbrandmeister K. Schwabe, den Schulungsabend. Der Abend brachte einen Vortrag über „Unfallverhütung im Feuerwehrbetrieb", der von Kreisfeuerwehrführer Bouffier (Gießen) gehalten wurde. Der Redner schilderte die Gefahren, die im Feuerwehrdienst entstehen können, wies auf die Unfälle und deren Verhütung hin sowie auf die Prüfung der Löschgeräte und Der Ausrüstungen. Weiter mahnte er alle Wehrmänner bei Bränden, trotz Schnelligkeit und raschem Eingreifen, größte Vorsicht zu üben, um Unglücksfälle zu vermeiden. Der Vortrag wurde von allen Zuhörern mit starkem Interesse aufgenommen. Danach berichtete Oberbrandmeister Hch. Rohrbach VIII. interessante Einzelheiten über das Thema „Der Weg zur Feuerlöschpolizei". D Weickartshain, 12. Jan. Im Saale des Gastwirts Bräuning veranstaltete am Sonntag die Hitler-Jugend einen Volks gemein- schaftsabend. Nach einem Sieb und einer kurzen Ansprache des stellvertretenden Gefolgschafts- führers zeigten die Jungens Box- und Ringkämpfe und sonstige sportliche Spiele. Ferner trug man Mundartgedichte vor; Blockflöten, Geige uni) Konzertzither wirkten mit, und gemeinsam mit den Zuschauern sang man einfache Volkslieder. Dazwischen wurde ein Kurz spiel gegeben. Den Schluß des Abends bildete die Aufführung eines heiteren Singspieles. Mit dem gemeinsamen Lied „Ade, nun zur guten Nacht" klang die Veranstaltung aus. Kreis Schotten. f. Schotten, 12. Jan. Im abgelaufenen Jahr 1937 fanden in unserer Stadt 71 Geburtsfälle, 35 Sterbefälle und 17 Eheschließungen statt. — Am 15. Mai wird vom Sängerkreis Niddatal das alljährlich ftattfinöenbe Wertungssingen hier abgehalten. Kreis Alsfeld. # Ober-Ohmen, 12. Jan. Um dem Ueber- handnehmen der" S p e r l i n g e entgegenzuwirken, hat die Gemeinde eine Fangprämie von 10 Pfennigen pro Stück ausgesetzt. Der Erfolg ist nicht ausgeblieben; überall hat der Kampf gegen diesen Schädling eingesetzt. j) Groß-Felda, 12. Jan. Bei der von Dr. N e r n abgehaltenen Treibjagd — ein Teil der hiesigen Kidjagd — wurden 22 Hasen und ein Fuchs zur Strecke gebracht. Kreis Wetzlar. < Lützellinden, 12. Januar. Die hiesige Scbäfereigesellschaft hielt ihre Generalversammlung ab, die vom Vorsitzenden, Landwirt Johannes Bork, eröffnet wurde. Rechner Schäfer trug den Geschäftsbericht vor. Die Kasse schloß mit einem geringen Defizit ab. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Der seitherige Schäfer Rinker wurde auch für bas laufende Jahr 1938 verpflichtet. Da die Schafherde von Jahr zu Jahr größer wird, war es schon im vergangenen Jahre notwendig, von der Gemeinde ein Wiesengelände als Schafweibe zu pachten. Da die bis jetzt gepachteten Weideflächen nicht für diese starke Herde im Sommer ausreichen und die hiesige Herde vom Jahre 1939 ab zu den Stammherden für Zucht des Deutschen schwarzköpfigen Fleischschafes zählt und aus diesem Grunde die Herde feinen Rückschlag durch Futtermangel erleiden darf, wurde beschlossen, weitere Grünlandflächen pachtweise als Schafweiden zu erwerben. ch R o d h e i m (Bieder), 12. Jan. Der Reichsluftschutzbund veranstaltete im Saale von Mank einen Filmabend. Zur Aufführung ge- Wirtschaft. Rhein-Mainische Börse. Mittagsbörse gut behauptet. Frankfurt a. M., 12. Jan. Entsprechend den vorbörslichen Annahmen entwickelte sich zu Beginn des amtlichen Verkehrs nur sehr kleines Geschäft. Wenn auch weiterhin kleine Käufe der Kundschaft vorgenommen wurden, die allerdings gegenüber den letzten Tagen wesenllich schwächer geworden sind, so lagen anderseits auch wieder Abgaben, teils aus der Börse heraus und teils auch von der Kundschaft vor. # Am Aktienmarkt entwickelten sich die Kurse wiederum uneinheitlich, wobei Besserungen um Prozentbruchteile in der Mehrzahl waren. Diel besprochen wurde der bisherige Erfolg der Zeichnungen auf die Reichsanleihe und die Möglichkeit einer vorzeitigen Schließung. Kleine Nachfrage lag in Montanwerten vor, die zumeist 0,13 bis 0,25 v. H. höher einsetzten, Rheinstahl waren 1 v. H. fester mit 149,50, dagegen gaben Deutsche Erdöl 1 v. H. nach auf 145,50. Von chemischen Werten blieben IG. Farben mit 164,75 behauptet, hingegen ermäßigten sich Scheibeanstalt um 1,50 v. H. auf 256. Elektroaktien lagen bei kleinen Umsätzen durchweg voll behauptet und teilweise 0,25 bis 0,50 v. H. höher. Maschinenwerte schwächten sich leicht ab, Daimler 142,75 (143,25), Demag auf 147 (147,50), Moenus 127,50 (128,25), Ablerwerke Kleyer 113 (113,50). Nach den ersten Notierungen waren einige sogenannte schwere Werte fest, man nannte Siemens mit 214 (213,75) und Reichsbank nach unverändert 212 mit 213. Der Rentenmarkt lag zwar still, die Haltung war aber unverändert fest. Verstärkte Kund- schastsnachfrage verblieb in Goldpfandbriefen und Kommunal-Obligationen bei unveränderten Kursen. Liquidationswerte wichen im allgemeinen nur wenig ab. Rheinische Liquid. 0,40 v. H. niedriger mit 102,13. Nass. Landesbank GoD weiter erhöht auf 100,25 (100,13), do. Kommunal-Obligationen 99,25 (99). Stadtanleihen lagen teilweise etwas niedriger, 4,50 v. H. Darmstadt von 1926 98,40 (98,75), 4,50 ü. H. Frankfurt nach Pause 98,90 (99,25). Industrie- Obligationen sowie (Staatspapiere zeigten nur geringe Veränderungen. Im Freiverkehr stellten sich Kommunal-Umschuldung auf unverändert 95,15, höher waren u. a. späte Schuld buchst rderungen mit 99,50 (99,25) und Zinsvergütungsscheine mit 97,13 (97). Im Verlaufe war das Geschäft bei freundlicher^ Tendenz unverändert klein und Kursbewegungen traten kaum ein. Lebhafter waren Reichsbank mit 213,50 nach 212. IG. Farben gewannen 0,25 v. H. auf 165, Dagegen Scheide anstatt weiter nachgebend auf 255,50 nach 256. Die später notierten Werte wichen nach beiden Seiten nur wenig ab, Goldschmidt 1 v. H. höher mit 144,50, Rheag nach Pause 130,50 (129,75). Für Großbankaktien hielt Nach- frage an, Deutsche Bank 127,75 (127,50), Commerzbank 120,65 (120,50), Dresdner Bank unverändert 114. Abendbörse still. Die Abendbörse nahm einen stillen Verlauf. Der Ordereingang war sehr klein, wodurch auch der berufsmäßige Handel keine Unternehmunaslust bekundete. Am Aktienmarkt bröckelten Die Kurse überwiegend leicht ab, doch handelte es sich in Den meisten Fällen um nominelle Bewertungen, wobei auf dieser Basis Nachfrage bestand. Don Montan- papieren ermäßigten sich Rheinstahl auf 149 (149,50), Verein. Stahl auf 115,50 (116), Buderus auf 126 (126,25), Laurahütte auf 20,75 (21), während Erdöl 0,25 v. H. anzogen auf 145,75 und Mannesmann mit 117,75 unverändert blieben. IG. Farben gingen auf 164,50 (165), Bemberg auf 145 (145,75), ferner Westdeutsche Kaufhof auf 61 (61,75), Gebr. Junghans auf 128,50 (129,25), Scheideanstalt auf 255 (255,50), AEG. auf 123 (123,50), Demag auf 146,50 (147) und Daimler auf 142,50 (142,75) zurück. Etwas höher gefragt wurden Hapag mit 82,25 (82). Unverändert notierten u. a. Adlerwerke Kleyer mit 113,75, MAN. mit 133, Moenus mit 127,50. Schuckert mit 179, VDM. mit 172,50, Ges- füret mit 150, Licht und Kraft mit 146,50 und Betula mit 166, ebenso Großbankaktien. Renten hatten ebenfalls nur kleinste Umsätze. 4,50 v. H. granffurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 12. Jan. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 13 211, W 16 214, W 19 218, W20 220, Roggen R 12 193, R15 196, R 18 200, R19 202 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste —, Futterhafer —. Weizenmehl Type 812 W 13 29,30, W 16 29,40, W19 29,40, W20 29,-75, Roggenmehl Type 1150 R12 22,45, R 15 22,80, R18 22,30, R19 23,50 plus 50 Pf. Frachtausgleich. Weizenfuttermehl 13,60. Weizenkleie W13 10,75, W16 10,90, W19 11,10, W20 11,20, Roggenkleie R12 9,95, R15 10,15, R 18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfestpreise ab Mühlenstation. Soyaschrot —, Palmkuchen —, Erdnußkuchen —, Treber gefr. 14,00 Höchstpreis ab Erzeugerstation. frankfurter Schlachtmehmarkt. Frankfurt a. M., 13. Jan. (Dorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Markttage: Dorauftrieb: 986 Rinder (darunter 282 Ochsen, 64 Bullen, 468 Kühe, 172 Färsen), 650 Kälber, 84 Hämmel, 17 Schafe, 370 Schweine. Es kosteten: Ochsen 36 bis 45 Mark, Bullen 34 bis 43, Kühe 20 bis 43, Färsen (Kalbinnen) 38 bis 44, andere Kälber 30 bis 65, Lämmer und Hümmel 40 bis 46, Schweine 49,50 bis 56,50 Mark. Marktoerlauf: Rinder und Schweine zugeteilt, Kälber, Hämmel, Schafe ruhig. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt öeschlosienen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 v H^ Lombardzinsfuß 5 v. H. Darum 6% Deutsche StetchSanleihe v. 1927 <% Deutsche Retchsanl. von 1934 4Vi% Deutsche Reichsschatzanwet- sungen von 1935 ............ 414% Deutsche Reichsschahanwei- sungen von 1935, II. ftolge ... Deutsche Retchsschatzanwei- jungen von 1936, III. Folge .. 6Yi% Doung Anleihe von 1930 .. 4%% Hessische Bollsstaat von 1929 *H% Deutsche Reichspostschatz von 1934 I...................... *yt% Deutsche Reichsbahnschatz von 1936 I.................. Keichsanleihe-Altbesitz.......... vberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten.............. 4H% Hess.,Liudesbi. Darmstadl Goldpfe. R. 12.............. 5%% Hess. Landes-Hyp.-Bank Liqu. Goldpfe...............