Nr. 213 Erstes Blatt 188. Zahrgang Montag, 12. September M8 krjchemr lügltch. außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblattei Heimat im Bild - Die Scholl» Monalr-Vezugspretr: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte , 1.80 Zustellgebühr e -LS Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 225) Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sieben Postscheckkonto: Zrantfurt am Main 11688 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen DruÄ und Verlag: vrühlsche UniverfitStsdruckerei R. Lange in Sieben. Schriftleitvng und SeschSslrftelle: §chulftratze 7 Annahme von Anzeige» für die Mittagsnummer vis8'/.UHr des Vormittags Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen oon 22 mm Brette 7 Rpf., für Te^rt» anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg. 25°/e mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemein» nützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenhettsanzei- gen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder», Unterrichts» u* behördliche AnzeigenSRpf. Mengenabschlüsse Staffel B Generalappell der Kampfformationen. Adolf Hitler spricht zu den Kämpfern der nationalsozialistischen Bewegung. 3n Erwartung des Führers. Nürnberg, 11. Sept. (DNB.) Mehr als 120 000 Männer der Kampsformationen traten am Sonntag im Luitpoldhain zu dem großen Appell vor dem Führer an. Der diesjährige Ehrentag der Kampfformationen erhält seine besondere Bedeutung dadurch, daß nun auch die Kämpfer der Ostmark vertreten sind und ihre Standarten und Fahnen vom Führer geweiht werden. Sonnenübergossen liegt das gewaltige Rechteck des Luitpoldhaines. Auf der Ehrentribüne erwarten das Führerkorps der Bewegung, die ausländischen Abordnungen und die Ehrengäste des Führers die Ankunft Adolf Hitlers. Auf dem Felde aber stehen zu beiden Seiten der „Straße des Führers" dem 20 Meter breiten Granitplattenweg, der die Führertribüne mit dem Gefallenendenkmal verbindet, in 28 tiefen Säulen die SA.-, ff=, NSKK- und NSFK.-Männer. An der Spitze jeder Marschsäule stehen die Spielmannsund Musikzüge. In das Braun der Uniformen der SA. bringen die farbigen Mützenbänder der verschiedenen Gruppen eine bunte Note. An die SA. schließen sich auf beiden Seiten des Feldes die NSKK.-Männer mit ihren Sturzhelmen, die Männer des NSFK. in ihrem graublauen Tuch und auf den beiden Außenflügeln das schwarze Korps der ff an. Zwischen den Marschsäulen haben in den freigelassenen Gassen Tausende von Sturmfahnen Aufstellung genommen. Vor der gesamten Front stehen in einer Reihe die Standarten und vor diesen die Obergruppenführer und Gruppenführer in zwei Gliedern. Ganz in Grün gebettet liegt gegenüber der Haupttribüne am Ende der „Straße des Führers" das Ehrenmal der Gefallenen. In der Säulenhalle hängen schlichte Lorbeerkränze. Zu beiden Seiten des Vorhofes brennen auf halbhohen Pylonen die Opferschalen. Zn der Mitte dieses Vorhofes ruht der mit der Hakenkreuzschleife geschmückte Kranz des Führers. Hinter diesem steht die B l u t f a h n e und der Musikzug der Leibstandarte. Der Führer ehrt die Toten der Bewegung. Wenige Minuten, vor dem Beginn des Appells .ertönt das Kommando „'Stillgestanden!". Die Standarten und Fahnen fliegen hoch. Fanfaren schmettern, und tosender Jubel überflutet das Feld, als der Führer, begleitet von Rudolf Heß, auf der Führerkanzel sichtbar wird. Nachdem A^olf Hitler SA.-Obergruppenführer Hermann G ö n g begrüßt hat, tritt er an die Brüstung der weit vorgebauten Führerkanzel und grüßt seine Sturmabteilungen: „Heil, meine Männer!", und „Heil, mein Führer;" braust es wie ein Orkan als Antwort. Unter gedämpftem Trommelwirbel ziehen jetzt die Standarten durch die „Straße des Führers" zur Gedenkhalle, und zugleich marschieren die Fahnen auf der breiten Asphaltstraße zur Rechten und Linken der Gedenkhalle aus. Unter atemloser Stille schreitet der Führer, gefolgt von Stabschef Lutze und Reichsführer ff Himmler, an feinen Sturmmännern vorbei über die steinerne Straße zum Ehrenmal. Die Sturmmänner haben die Häupter entblößt, die Standarten, Feldzeichen und Fahnen senken sich. Gedämpft und feierlich klingt das Lied vom guten Kameraden auf. Langsam schreitet der Führer die Stufen zum Ehrenmal empor, tritt allein vor die Gedenkstätten und hebt den Arm. Der Führer bei der Weihe der Fahnen der Polizei. — (Scherl-Bilderdienst, Berlin.) : H HT ,M'z S» ■ V . ■ >, O v Ate. Nachdem das Lied vom guten Kameraden verklungen ist, schreitet der Führer zurück zur Ehrentribüne. Ihm folgt die Blutfahne, getragen von ff= Standartenführer Grimminger, die hinter dem Führer auf der Kanzel Aufstellung nimmt. Der Spielmanns- und Musikzug der SA.-Standarte „Feld- herrnhalle" führt die Standarten und Feldzeichen in 24er-Reihen über die granitene Straße zur Haupttribüne. Gleichzeitig sammeln sich die Tausende von Sturmfahnen zu einem breiten Strom, der sich über die drei Terrassen vor der Tribüne ergießt. Darunter zum ersten Male auch die Fahnen der sieben Gaue der deutschen Ostmark. In die Straße des Führers marschieren nun die Reichsoerfügungs- truppe, ff-Totenkopfoerbände und ff-Führerfchulen in Stahlhelm und weißem Lederzeug ein. Der Aufmarsch ist beendet. Der Führer spricht. Der Blick des Führers geht über die prachtvoll ausgerichteten Reihen seiner Kämpfer. Dann nimmt er das Wort: Männer der nationalsozialistischen Kampfbewegung! Zuerst grüße ich unter euch jene Kameraden, die seil Jahren in Treue und Ergebenheit zu unserer Bewegung gestanden haben, ohne daß sie dieser ihrer inneren Herzensgesinnung äußeren Ausdruck unter uns verleihen konnten. In diesem Jahre hat es die Vorsehung endlich ermöglicht, den Traum zahlloser Generationen zu verwirklichen. Auch in diesem Teile unseres Volkes ist die nationalsozialistische Bewegung Vollzieherin des Schicksals geworDie Kundgebung der Kampfformationen im Luitpoldhain. — (Scherl-Bilderdienst-M^ * ■ i \ $ 1 .3»: H ~ ■ i ' den. Ich grüße die SA.-Männer, die ff-Männev aus der neu zum Reich gestoßenen alten Ostmark! (Minutenlange stürmische Heilruse.) Wir alle ermessen es, wie groß die Opfer waren, die sie bringen mußten, um ihrem Ideal treu bleiben zu können. Wir ermessen aber auch den Stolz und die Freude, die sie jetzt erfüllen müssen angesichts dieser gewaltigsten sichtbaren Demonstration der Einigung des deutschen Volkes. Denn was jetzt hier steht, ist des deutschen Volkes beste politische Kampftruppe, die es je gehabt hat! (Jubelnde Begeisterung.) Die Zeit ist heute fo, daß es notwendig ist, sich dessen zu erinnern, daß der Nationalsozialismus nicht durch ein vages hoffen, sondern durch ein starkes Kämpfen zur Macht gekommen ist. Und daß er entschlossen ist, seine Stellung und die Stellung des Reiches, die er geschaffen hat, u nxf e r allen Umständen z u wahren! (Stürmische Heilrufe.) An eurer Spitze sind heute die alten Standarten getragen worden, jene alten Standarten, die vor nunmehr 15 Jahren am ersten Reichsparteitage der SA. Übergeben worden sind. Seitdem sind ihnen Hunderte und Hunderte nachgefolgt. Ihr Geist und der Geist ihrer Träger ist der gleiche geblieben: Sie sind uns Symbol für die Herrlichkeit, für die Macht und Stärke des nationalsozialistischen Glaubens und des von ihm eroberten Reiches! Ihr empfangt heute neue Standarten und sie werden sich äußerlich genau Einfügen in das Bild der alten. Ich erwarte aber auch, daß ihre Träger der gleiche Geist beseelt, von dem die Träger der früher verliehenen erfüllt waren und sind. Diese Zeichen werden einmal ehrwürdige Symbole sein, Zeichen der Erinnerung an Deutschlands tiefes Unglück, an Deutschlands kühnstes hoffen, an Deutschlands innerpolilisch schwerste Kämpfe. Und an Deutschlands glorreichste Wiederauferstehung! Sie fallen Symbol sein eines unvergänglichen und ewigen Reiches, des unvergänglichen und ewigen deutschen Volkes! ((Eine Woge des Jubels und Begeisterung.) Die Aufgaben, die in 15 Jahren feit dem Jahrs 1923 den Männern der Kampfbewegung der Partei gestellt worden find, die sind geblieben — ja sie haben sich erweitert. Damals mußte das neue Ideal in Deutschland verkündet und durchgesetzt werden, heute muß dieses Ideal gehalten und vertieft werden! Schule des Geistes, Schule des Willens, aber auch Schule des Körpers soll die na» tlonalsozialistische Bewegung sein! Und so stehen dieses Mal unter euch aud) d i e Sieger un f e- rerSportkämpfe. Ich grüße sie besonders und erwarte, daß sich im Laufe der Jahre diese Sport» kämpfe zu einem gewaltigen Ereignis entwickeln' werden, das feine letzte Krönung finden wird an bem Tage, an dem hier rechts von der neuen Kongreßhalle das Riefen st adion des deutschen Volkes entstehen wird. (Brausende Heilrufe.) In diesen beiden Bauten, von denen Sie den einen bereits sich langsam emporheben sehen, wird die Synthese der nationalsozialistischen Erziehung ihren klaren Ausdruck finden: Stärkster Geist des Glaubens und des Willens, der Zuversicht und der Beharrlichkeit, über allem die verantwortungsfreudige Tatkraft, verbunden mit starkem Körper, gesund und schön — so wollen wir unser Volk uns für die Zukunft gestalten. So wollen wir es erziehen und nie diese Aufgabe aus den Augen verlieren! Wir wollen genau fo unbändig an ihre Verwirklichung glauben, wie wir einst vor 15 Jahren daran geglaubt haben, daß aus den vier Standarten einmal ganz Deutschland werden wird! (Minutenlange nicht endenwollende Heilrufe der hunderttaufende.) Dieses Deutschland steht nun vor uns! Und wir haben das Glück, in ihm zu leben. Anderen Deutschen ist dieses Glück zur Zeit noch verwehrt. Unsere herzen aber fliegen zu ihnen hin — so wie wir wissen, daß ihre herzen in dieser Stunde mitten unter uns sind! (Bei diesen Worten des Führers geht ein gewaltiger Sturm der Begeisterung durch die hunderttausende, die minutenlang dem Führer zujubeln.) Und wir alle hegen nur ein Gefühl der Verpflichtung: Es ist tausendfach und millionenfach ausgesprochen worden und läßt sich immer wieder zufammenfassen in einem einzigen Wort, in einem einzigen Bekenntnis: Deutschland — Sieg-heil! Als der Führer geendet hat, geht es wie ein Sturm über das weite Feld. Aus dem gewaltigen Heer , wogen immer neue Heil-Rufe zum Führer heran. Dann fingen die Hunderttausende das Deutschlandlied. Die Weihe der Standarten. Der Führer wendet sich mit dem Stabschef, dem Reichsführer ff und den Korpsführern des NSKK. und NSFK. den Standarten, Feldzeichen und Sturmfahnen zu, die jetzt durch die Berührung mit der Blutfahne ihre Weihe durch den Führer erhalten. Es find 42 SA.-Standarten, darunter 12 Standarten der deutschen Ostmark, und unter ihnen auch die Jäger- standarte 3, die den Namen des Künders der nationalsozialistischen Revolution, Dietrich Eckart, trägt. Unter den 14 ff-Standarten, befindet sich eine Wiener Standarte, die den Namen „Der Führer" verliehen erhält. Ferner sind zur Weihe 21 NSKK.-Standarten und 16 Feld- Zeichen sowie 104 Sturmfahnen des NSFK angetreten. Das Dröhnen der Salutbatterien begleitet die symbolische Handlung. Nach der Standartenweihe tritt der Stabschef neben den Führer auf die Kanzel und richtet an ihn u. a folgende Worte: Durch die Berührung der Standarten mit der Blutfahne haben wir das Vermächtnis unserer Toten übernommen, unserer Kameraden, die einst in Reih und Glied mit uns marschierten und die ihre Treue zur Idee und ihren Glauben an Sie, mein Führer mit ihrem Blute besiegelten. Würdig dieser Toten haben diese Männer in den vergangenen Jahren des Kampfes und des Sieges gestanden, gearbeitet, gekämpft und geopfert. Wenn Sie Idealisten brauchten, mein Führer, hier standen sie, und wenn Sie Idealisten brauchen, mein Führer, hier st e h e n siel Freiwillig, uneigennützig und einsatzbereit. Sie haben Ihren Glauben, mein Führer, diesen Männern gegeben, und die Männer haben ihn in ihre Herzen ausgenommen, woraus ihn keine Macht der Welt wieder herausreißt. Meine Kameraden! Unsere Parole heißt heute wie immer: Unser Führer! Unser Glaube und unser Gruß und unser Gelöbnis gilt heute wie immer unserem Führer. Adolf Hitler — Sieg-Heil! Begeistert wird das Sieg-Heil auf den Führer von den Hunderttausenden aufgefangen Dann spielen die Musikzüge das Lied des Sängers der nationalsozialistischen Revolution, Dietrich Eckart, „Deutschland erwache!" Der Führer blickt noch einmal über das Feld. Er grüßt die Blutfahne und unter erneuten unbeschreiblichen Kundgebungen verläßt er den Luitpoldhain. Marsch durch Mrnberg. Der Marsch der SA. durch die Stadt über die Fleischbrücke. —- (Scherl-Bilderdienst-M.) r* s-M< ; .?. ■' * MW y. V '^,,4 4 Hz W* A«v - X' 'fif . Seit den frühesten Morgenstunden umsäumte bereits ein millionenköpfiges Spalier den weiten Marschweg, den die Kolonnen der Formationen der Bewegung nach Beendigung des Appells im Luitpoldhain zum Vorbeimarsch am Adolf-Hitler-Platz durchziehen. Am Adolf-Hitler-Platz ist jedes Fenster mit Teppichen geschmückt, die in ihrer zarten Farbgebung in roten und braunen Tönen, bald mit goldenen Kränzen und den Symbolen des Rei- ch.es, bald mit den alten Nürnberger Insignien, den Blick immer wieder gefangennehmen. Hierzu kommen noch die golddurchwirkten Tannengirlanden und bir prächtige Blumenschmuck, der sich an jedem Hause harmonisch dem Gesamtbild anpaßt. Aus den Erkern und Giebeln wallen lange Banner des Reiches und die alten Stadtfahnen der Reichsstadt in Rot-Weiß und dem Reichsadler herab. Ein besonders eisdrucksvolles Bild bietet die Frauenkirche mit ihrem schlichten Schmuck. Alt-Nürn- berger Fahnen wehen auch hier von dem Altan, der mit rot-violettem Samt verkleidet ist und gleichfalls den Schmuck frischer Blumen trägt. Jedes Fenster, aus dem sich ein Blick auf den Platz bietet, jeder Mauervorsprung, jedes Erkerchen ist Kopf an Kopf besetzt. Seit Stunden schon sind die drei Tribünen bis auf den letzten Platz gefüllt. Hier sieht man neben zahlreichen Mitgliedern des Diplomatischen Korps besonders die Abordnungen der Faschistischen Partei und der Falangisten. Kriegsopfer haben besondere Ehrenplätze erhalten. Zu stürmischen Kundgebungen kommt es, als gegen 11 Uhr Hermann Göring eintrifft, der die Uniform eines SA.- Obergruppenführers trägt. 11.40 Uhr zeigt die Uhr, als vom Rathaus her donnernde Heilrufe die Ankunft des Führers künden. Hermann Göring tritt vor den Wagen des Führers Der Vorbeimarsch beginnt. Vor dem Führer am Adols-Httler-Plah. Erhobenen Armes grüßt der Führer den an der Spitze marschierenden Stabschef Lutze. Die $Iut« fahne folgt In schneidigem Paradeschritt ziehen die Hauptamts-, Amts- und Abteilungschefs sowie die z. V.°Führer der Obersten SA. - Führung vorüber. Ihnen schließen sich zunächst in buntem Wechsel der Uniform die aktiven Teilnehmer der nationalsozialistischen Kampfspiele, SI.-Gruppe Alpenland marschiert an Adolf Hitler vorüber. Vor dem Wagen des Führers: SA.-Oberfuhrer P f e f f e r, SA.-Obergruppenführer Göring und SA.-Gruppenfuhrer Gießler von der SA.-Gruppe Alpenland. — (Scherl-Bilderdienst-Ar.) V: ■ WCW/ Mi' JÜ - >4 Ä ' - n £ F M I * " L .SS'.. ' ... s ; so Männer der Wehrmacht, der einzelnen Gliederungen der Dartei, der Polizei und des Reichsarbeits- dienstes, deren Führung der Reichssportführer von Tsch am in er und Osten übernommen hat, an. Schnell sind auch die Kolonnen der Reichsführerschulen am Führer vorbeigezogen. Und nun müssen die O st m ä r k e r kommen. Die SA.-Gruppe Donau macht Den Beginn. Endloser Jubel begleitet ihren schneidigen Marsch. Den 2600 Kämpfern der Gruppe Donau.folgen mehr als 200 Männer der Gruppe Alpenland und über 1900 Kämpfer der SA.-Gruppe Südmark. Neben dem Führer stehen zunächst Obergruppenführer Reschny, dann Gruppenführer Gieß- ler und Brigadeführer Nibbe. Erhobenen Armes grüßt Adolf Hitler die Söhne seiner Heimat Dann ist die SA.-Gruppe Franken an der Reihe, erkenntlich an den schwefelgelben Mützenaufschlägen. Wieder wechselt das Bild. Blaue Kragenspiegel und blaue Ränder der SA.-Mützen: Mit dem blauweißen Schellenbaum schwenkt der Musikzug der Gruppe Bayerische Ostmark gegenüber dem Führer ein. Es folgen die Gruppe Ostland und die Gruppe Nordsee, in deren Reihen man besonders starke Marschblocks der Marine-SA. sieht. Als nächste folgen die Berliner und Brandenburger. Heller Jubel braust über den Platz, als Hermann Göring ihren Kolonnen entgegengeht und mit der Gruppe Berlin-Brandenburg marschiert, die Obergruppenführer vön Jagow vorbeiführt. Dann folgen die Gruppen Hansa und Hessen, Mitte, Sachsen und Niederrhein in mustergültiger Disziplin und dröhnendem Marschtritt. Die Gruppe Hochland, teils in weißen Kniestrümpfen, teils in dunkelgrünen Hosen, begleitet besonderer Beifallssturm. Der Marsch der Westmärker beschließt den fast dreistündigen Zug der braunen Bataillone, nach dessen Abschluß der Führer Hermann Göring längere Zeit ins Gespräch zieht. ASM. und ASFK. Nach kurzer Pause vermittelt der nun einsetzende Vorbeimarsch der Männer der motorisierten Gliederungen der Partei ein völlig neues und eindrucksvolles Bild. Den Kolonnen der 12 000 NSKK.-Männer fuhren langsam und geräuschlos kleine graue Beiwagen-Motorräder voraus. Im ersten hielt ein Jungvolkpimpf stehend die schwarze Fahne seiner Formation, während im zweiten eine Fahne der Motor-HI. am Führer vorbeigefahren wird. Korpsführer Reichsleiter Hühnlein schreitet mit seinem Stabe den Männern des NSKK. voraus und nimmt dann, vom Führer herzlich begrüßt, an dessen Seite Aufstellung. Helle Hörnerklänge begleiten die in prachtvoller Geschlossenheit mit schwarzem Sturzhelm marschierenden Männer. Heil!-Rufe begrüßen auch hier wieder das Erscheinen der motorisierten Einheiten der O st m a r k, unter Führung von Obergruppenführer Ritter von Städtler. Die Einheiten aus allen Gauen des Alt- reiches schließen sich an, gefolgt Don einer dreihundert Mann starken Motorgruppe des NSKK.-Der- kehrserziehungsdienstes. Die den Abschluß bildenden Lehrtnänner der Motorsportschulen symbolisieren die Arbeit des Korps für die motorische Jugendertüch- tigung. . Korpsführer Christiansen meldet dann dem Führer die 3000 Männer des Nationalsozialistischen Fliegerkorps, die nun in ihren hechtgrauen Uniformen vvrbeidefilierem Unter den Fahnen, die dem Marschblock der Flieger oorangetragen werden, ziehen zum ersten Male die 16 Feldzeichen und die 104 Sturmfahnen am Führer vorbei, die beim Appell im Luitpoldhain geweiht worden sind. Das Schwarze Korps marschiert. Reichsführer ff Himmler führt die 25 000 Mann des Schwarzen Korps am Führer vorüber. Die Spitze der Kolonnen bilden die Stabsstürme der drei Hauptämter. In einem einzigen gewal- tigen Block zusammengefaßt folgen dann sämtliche Standarten der ff. Und nun marschiert Marschblock auf Marschblock der ff heran. Dumpf dröhnen die Schritte der in Zwölferreihen vorbeiziehenden Kolonnen. Der ^-Oberabschni tt Donau bildet die Spitze; in seinen Reihen marschiert die Wiener Standarte, die den Namen „Der Führer trägt. Es schließen sich die Polizeiverbände an, die General D a l u e g e führt. Ähre Paradeuniformen mit dem weißen Koppelzeug und den verschiedenfarbigen Tschakos ergeben ein prächtiges Schauspiel. Mit besonders begeisterten Kundgebungen werden die ^-Derfügungstruppe und die Totenkopfoerbände der ff begrüßt, im Stahlhelm und mit aufgepflanztem Seitengewehr. Den Abschluß bildet die Leib st and arte ff „Adolf Hit - l e r". Der Badenweiler Marsch kündet ihr Erscheinen. Voran die Standarte, die des Führers Namen trägt, die Sturmbannfahne des 1. Bataillons. In blendend weißem Koppelzeug, das Gewehr geschultert, so zieht des Führers Leibgarde über den Platz. Bald steht Obergruppenführer Sepp Dietrich nach herzlichem Händedruck neben dem Führer. Ein Ehrensturm begleitet die Blutfahne, die sich den letzten Reihen der Leibstandarte angeschlossen hat. Der Vorbeimarsch ist beendet. Unbeschreiblicher Jubel begleitet Adolf Hitler und die bald nach ihm abfahrenden Führer durch die von Menschenmauern umsäumten Straßen 'der Innenstadt zum „Deutschen Hof". Während noch die letzten Formationen auf dem Adolf-Hitler-Platz defilierten, waren einige der vorausmarschierten Kolonnen bereits auf dem Marsch zum Bahnhof, um am Abend oder in der Nacht die festliche Stadt der Reichsparteitage in Sonderzügen zu verlassen. In den Straßen der Altstadt aber wogte in den Abendstunden ein bewegtes Leben und Treiben, das'durch die verschiedenen Uniformen und die bunten Trachten der zahlreichen Mädel und Frauen aus der Ostmark von einem großartigen farbenfreudigen Reiz war. Prag liquidiert die Mhrisch-Ostrauer Vorfälle. SDP. zur Weiterverhandlung bereit. Prag, 10. Sept. (DNB.) Am Freitagabend empfing Ministerpräsident Dr. Hodza die Abgeordneten der SDP. Kundt und Dr. Rosche. Er teilte ihnen die auf Grund eines Beschlusses der Regierung zur Liquidierung der mährisch-ostrauer Vorfälle angeordneten Maßnahmen mit, und zwar: 1. Jene Polizeiorgane, die nachweisbar Gefangene geschlagen haben, werden im Wege eines beschleunigten Gerichtsverfahrens bestraft werden. Gegen den Polizeibeamten Dr. Malac wurde bereits Suspension von seinem Amte verhängt und das Strafverfahren gegen ihn eingeleitet, wobei die gesetzlichen Bestimmungen strengste Anwendung finden werden. Das gleiche gilt für die mitschuldigen Polizeiorgane. 2. Der Polizist, der den Asig. May mit der Reitpeitsche schlug, wurde auf eigenes Ansuchen vom Dien ft suspendiert und gegen ihn das Disziplinarverfahren eingeleitet. 3. Auf eigenes Ansuchen wurde gegen den Polizeidirektor von Mährisch-Ostrau ein Disziplinarverfahren eingeleitet, um festzustellen, ob und inwieweit er die Vorfälle mit zu verantworten hat. Bis zur Erledigung dieses Verfahrens wurde der Polizeidirektor vom Amte suspendiert. 4. Die Untersuchung gegen die im mährisch- oftrauer Kreisgericht befindlichen sudetendeutschen Häftlinge wird mit besonderer B e- schleunigung durchgeführt, um die Haftentlassung selbst bei einer etwa notwendig erscheinenden Fortführung eines Strafverfahrens möglichst bald zu ermöglichen. Die Vertreter der Sudetendeutschen Partei nahmen diese Erklärungen unter Vorbehalt einer Kontrolle der restlosen Durchführung dieser Maßnahmen zur Kenntnis und betrachten hiermit die Vorfälle von Mährisch-Ostrau formell als liquidiert. Aus Kreisen der SDP. wird mitgeteilt, daß Ministerpräsident Dr. Hodza am Samstag 11.15 Uhr Vertretern der SDP. die von der SDP. gewünschten Erläuterungen zu dem letzten Dor- schlag der Regierung bekanntgeben wird. Diese Erläuterungen konnten nicht früher überreicht werden, weil durch die mährisch-ostrauer Vorfälle die Unterbrechung der Verhandlungen veranlaßt worden war. Die Verhandlungen über die Lösung der Nationalitätenfraae in der Tschecho-Slotvakei zwischen der SDP. und der Prager Regierung wer- den nunmehr am Dienstag fortgesetzt werden. Die Trauerfeier für Alfred Knoll Jägerndorf stand im Zeichen der Trauer um Alfred Knoll. Alle Häuser trugen Trauerschmuck. Die Turnhalle mar in würdiger Weise geschmückt Der Sarg ruhte in einem Blumenhain, umgeben von den Fahnen der Sudetendeutschen Partei. Turner hielten die Ehrenwache. Kreisleiter B a r - wig nahm im Namen Konrad Henleins und der Hauptadteiluna der Sudetendeutschen Partei das Wort. „Wir sichen heute", so führte der Redner u. a. aus, „tieferschüttert am Grabe eines Kameraden, über den der amtliche Bericht meldete, daß er bei der Einlieferung in die Haft durch Selbst- mord geendet hat. Der Hergang des Märtyriums wurde durch den Sargdeckel für immer verheimlicht. Das Grab jedoch, das stumm vor uns liegt, wird zur himmelschreienden, nie verstummenden Anklage. Es ist ein bitteres Los, zu wissen, daß einem der Siea nicht mehr entrissen werden kann, und dennoch, bevor dieser Sieg erschaut, im Ungewissen von hinnen achen zu müssen. Alle jene, die so um Leben und Sieg gerungen und den Tod dabei gefunden, sind m dieser Stunde mitten unter uns. Es sind die Helden der Nation, die fallen mußten, damit wir leben können. Wir Lebenden jedoch haben die heilige Verpflichtung, alles zu tun, damit die Opfer der Toten nicht umsonst gewesen sind. Opfer auf Opfer haben wir bisher in unserem Kampfe bringen müssen, und immer waren wir die Schuldigen, waren wir die Angeklagten, die, mochten sie auch hundertmal Recht haben, immer Unrecht hatten. Heute aber ist das anders. Wir find zu Anklägern geworden und erheben unsere Stimme vor aller Welt und fordern. Wenn wir in diesem Staate leben sollen, dann muß man uns das bieten, was wir zum Leben brauchen. Dieses Recht treibt uns auch von diesem Grabe wieder fort zum Kampf um jene Ideale, die auch diefes Leben erfüllten, das wir begraben, zum Kampf für Recht und Freiheit, gegen Knechtschaft und Tyrannei." Nach der Beisetzung kam es beim Rückmarsch der Amtswalter der SDP. und des Fahnenzuaes vom Friedhof zur Turnhalle zu einem Zwischenfall, der, Dank des sofortigen Eingreifens sudetendeutscher Abgeordneter und Der besonnenen Haltung der Teilnehmer, rasch beigelegt werden konnte. Der tsche- chische Bezirksarzt Mencl, der die Obduktion Knolls im Beisein deutscher Aerzte verweigert und die polizeiliche Einäscherung des Leichnams ange- ordnet hatte, fuhr in provokatorischer Absicht mit seinem Kraftwagen in den Fahnenzug hinein. Die empörte Menge drang darauf auf den Wagen ein. Bei dem Ansturm gingen einige Scheiben in Trümmer. Die Menge leistete jedoch den Weisungen der Abgeordneten Folge und zog sich sofort zurück. Der Generalinspektor Der Polizei, Regierungsrat Dr. Kracmar sicherte den intervenierenden Abgeordneten sofort strenge Untersuchung und Genugtuung zu. Erneut schwere Provokationen. Der Sonntag reich an Zwischenfällen. Eger, 11. Sept. (DNB.) Auch am letzten Sonntag ist es in der Tschecho-Slowakei wieder zu zahlreichen Zwischenfällen gekommen, die die unhaltbaren Zustände, die insbesondere auf tschechischkommunistische Provokationen zurückgehen, kennzeichnen. In Eger hielt es die tsckeckische Motorradwehrorganisation aus dem gesonnen tschechischen Gebetet für zweckmäßig, die Durchfahrt durch die rein deutsche Stadt Eger zu einer gemeinsamen Provokationsfahrt mit anschließender Flag- genhissung, Ansprache und Parole zu benutzen. Im Zusammenhang mit dieser unerhörten Provokation kam es zu Zusammenstößen, in deren Verlaus G e fi- bar m e r i e mit aufgepflanztem Bajonett gegen die Sudetendeutschen vorging. Aus das Einschreiten des sudetendeutschen Senators Ludwig Frank aus Marienbad wurde die Staatspolizei zurückgezogen. Die danach wieder eingetretene Ruhe benutzten die Tschechen jedoch wiederum, drohend und ausfällig gegen die deutsche Bevölkerung zu werden. So Durchfuhren die tschechischen Motorradfahrer, unter ihnen auch ein Polizist, mit erhobenen Fäusten die erregte Menge, nachdem auch bereits vorher der Kommunistengruß als Provokation ausgenutzt worden war. Bei den Zwischenfällen kam es zu zahlreichen Verletzungen. Es wurde fest- gestellt, daß zwei an den Auseinandersetzungen beteiligte bekannte Kommunisten mit Revolvern uno Messern bewaffnet waren. In der Nacht zum Sonntag wurden in Wallhof bei Neukirchen, BeUrk Wildstem, beim Nachhause- gehen auf einem Pferdewagen drei Sudetendeutsche meuchlings überfallen. Alle drei wurden dabei verletzt. Der Sudetendeutsche Adam Heinz er- hielt allein 13 Messerstiche, darunter auch einen Lunaenstich, so daß er schwer verletzt in das Egerer Krankenhaus überführt werden mußte An der Ortsgrenze von Konstantinsdad wurden von einem tschechischen Motorradfahrer auf einen Ordner der Sudetendeutschen Partei ohne ersichtlichen Grund mehrere Revolver s ch üsse abgegeben, die jedoch glücklicherweise ihr Ziel verfehlten. In der deutschen Gemeinde Triebendorf pflegt der dort amtierende tschechische chauvinistische Pfarrer Barak in der Kirche regelmäßig das Deutschtum zu beleidigen. Die Bevölkerung bemühte sich seit vielen Jahren bereits, diesen Geistlichen los zu werden. Eingaben blieben jedoch ergebnislos. Nunmehr traten einige Bürger des Ortes an Barak heran, um ihn zum Verlassen des Ortes zu veranlassen. In der Nacht fuhr dieser fort. Darauf erschien Militär und G.e n d a r m e r i.e in Triebendorf und nahm mehrere Mitglieder der SDP. in Haft. Der Ortsvorsteher wurde ebenfalls verhaftet. Barak besaß die Unverfrorenheit, nach Triebendorf zurückzukehren und den Frühgottesdienst zu halten. Die empörten Kirchenbesucher verließen sofort darauf das Gotteshaus. Ohne Garantien wertlos. Gerade die Meldungen über die von Dr. Hodza versprochene Liquidierung der Vorfälle von Mährisch-Ost rau zeigen an einer Einzelheit, auf welches Niveau die Tschechei gesunken ist: Die Sudetendeutschen sind heute nicht mehr in der Lage, die von tschechischer Seite genannten Un« tersuchungs, oder Disziplinarmaßnahmen gegen die Schuldigen als Tatsache anzusehen, wie das in einem Rechts- und Ordnungsstaat selbstverständlich wäre. Sie müssen sich vielmehr auf Grund jähriger Rechtsbrüche und Täuschungen die Kontrolle der wirklichen Durchführung jener Maßnahmen vorbehalten. Auch dadurch wird, wieder der hohe Grad von Unglaubwürdigkekt tschechischer Versicherungen gekennzeichnet, auf den wir hier schon wiederholt hingewiesen haben. Der erwähnte Vorbehalt ist gleichzeitig das entscheidende Merkmal gegenüber dem Ende der Woche endlich bekanntgewordenen tschechischen Vorschlag. Die Stellungnahme der Sudetendeutschen hat das Wesentliche daran bereits herausgehoben. Man könnte die tschechischen Punkte, Wendungen und Klauseln, die an einer Zubilligung der uneingeschränkten Gleichberechtigung vorbeigehen, geradezu an den Fingern aufzahlen. 3m übrigen ist vorläufig nur zweierlei als für die Bewertung der tschechischen Vorschläge ausschlaggebend zu erwähnen. Einmal ist die Bearbeitung des tschechischen Textes das typische Produkt des Bestrebens, vor der Welt den Anschein der Verständigungsbereitschaft und der Gebefreudigkeit zu erwecken, ein Bestreben, das ja während der gan- zen Dauer des Konfliktes um die Tschechei immer wieder erfolgreich gewesen ist. Man kann sich schon jetzt ausmalen, welche Lobsprüche und welch hohen Prozentsatz von Zugeständnissen man in Paris und London auf bewährtem Zeitungspapier den Tschechen bescheinigen wird. Und zweitens muß selbst ein hundertprozentiges Zugeständnis von tschechischer Seite nach allen Erfahrungen mit der Prager Illoyalität solange wertlos bleiben, als staatsrechtlich bindende Sicherheiten für die Durchführung in keiner Weise gegeben sind. Im übrigen wird man in Westeuropa vermutlich kein Wort darüber verlieren, daß selbst der unzureichende sachliche Inhalt des Prager Vorschlages nur eine neue Bestätigung für das den Sudentendeutschen seit 20 Jahren angetane Unrecht ist. B. R. „Wir wollen die Selbstbestimmung!" Gudeiendeutsche Abordnung von Lord ZRunrimon empfangen. — Kundgebungen der sudetendeutschen Bevölkerung. Karlsbad, 11. Sept. (DNB.) Lord Runci- man empfing auf dem Schloß des Grafen Czernin in Petersburg eine Abordnung der Endete n de utsch e n Partei unter Führung des Kreisleiters Abgeordneten W o l l n e r, der erklärte, das Sudetendeutschtum habe seit den Friedensver- Handlungen von St. Germain einen einzigen Leidensweg erlebt. Als wir im Jahre 1918 in dem Glauben an die 14 Punkte Wilsons die Waffen streckten und in die Heimat zurückkehrten, taten wir das in der selbstverständlichen Hoffnung, daß die in den 14 Punkten festgelegte S e l b st b e st i m - m u n g auch unserem Volke zugute kommen wird. Wir wurden bitter enttäuscht. Nach jähriger Leidenszeit sei die Spannung auf das h ö ch st e gestiegen, die Sudetendeutschen schenkten den tschechischen Versprechungen keinen Glauben mehr. Zum Schluß appellierte Wollner an Runciman, alles in seinen Kräften Stehende zu tun, damit die Sudetendeutschen ihre Rechte erhielten. Lord Runciman zeigte 'regte Interesse. Durch die Fürsprache des Grafen Ezernin war es zum ersten Male möglich geworden, daß örtliche Vertreter ihre Wünsche und Beschwerden dem Lord direkt vortragen konnten. Lord Runciman ließ durch den Dolmetsch antworten, daß er die Fälle von Unrecht, die ihm zu Gehör gebracht wurden, mit tiefstem Mitgefühl vernommen habe und das mitgebrachte Aktenmaterial studieren werde, doch bitte er, sich vor Augen zu halten, daß er nicht allmächtig sei. . _ , , „ Während der Vorsprache schallte in Sprechchoren der Rus der Menge: „Wir wollen die Selbstbestimmung!" Als Lord Runciman mit Gattin und dem Kreisleiter Wollner auf die Terrasse trat, wollte der Jubel kein Ende nehmen. Die Menge formierte sich zu einem Vorbeimarsch im Schloßpark und sang nochmals das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied. In Sprechchoren rief man immer wieder: Lieber Lord, mach uns frei von der Tschecho-Slowakei." Lord Runciman dankte unzählige Male durch Aufheben der Hand. Da die Menge keine Anstalten traf, heimzugehen, bat Lord Runciman den Abgeordneten Wollner, für ihn folgende Worte zu sagen: Im Auftrage Lord Runcimans soll ich euch den Dank aussprechen für euer Erscheinen. Lord Runci- man hofft, die tiefe Kluft, die die beiden Nationen dieses Landes trennt, zu überbrücken und beiden Nationen den Frieden zu bringen Tausendstimmig scholl aus der Menge der Ruf „Volksabstimmung" Lord Runciman entgegen. Abgeordneter Wollner fuhr dann fort: „Kameraden, Kameradinnen! Wir hoffen in beiderseitigem Interesse, daß das Recht Sieger bleiben wird. Wir glauben an dieses Recht, das anerkannt werden muß." Abgeordneter Wollner ersuchte dann Die Menge, in Ruhe und Ordnung auseinanderzugehen und brachte auf Lord Runciman ein dreifaches Herl aus. Lord Runciman sprach darauf noch in englischer Sprache zu der Menge folgende Worte^ die Graf Czemin sofort ins Deutsche übersetzt^ „Meine lieben deutschen Männer und Frauen! Sie leben hier in einem wunderschönen Lande, wohl eines Der schönsten auf Erden. Möge Gott diesem lchonen Lande den Frieden geben." Die Menge brach in Jubelrufe aus und sang das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied. Das Wochenende in Pons. Paris, 11. Sept. (Europapreß.) Ministerpräsident D a l a d i e r hatte am Samstagnachmittag eine Unterredung mit Generalstabschef GameIin sowie Besprechungen mit Innenminister Sarraut und dem Minister für öffentliche Arbeiten, d e M o n z i e, während Außenminister Bonnet Den Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschusses des Senates, M i st l e r , zu Rate zog. Als Hauptzweck der kurzen Reise nach Genf, die sonnet am Samstagabend antrat, werden vom -Paris-Mwi Verhandlungen mit dem sowjetrussischen Außenkommissar Litwinow-Finkelstein und dem rumänischen Außenminister Eomnen angegeben. Auf alle Fälle wird Bonnet bereits am Montag- mittag wieder in Paris eintreffen und dem Kabinettsrat einen ausführlichen Bericht über die Lage erstatten. Am Mittwoch tritt bann unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik ein Ministerrat zusammen. „Jour" stellt fest, Frankreich sei ganz und gor nicht durch das französisch-tschechische Abkommen zur Waffenhilfe gezwungen, wie man dies behaupte. Man brauche nur die Artikel 1 und 2 dieses Abkommens au lesen, um fefauftetfen. daß die ganze Angelegenheit vor einer Geste der Solidarität Prag gegenüber in Genf unterbreitet werden müsse und daß die Anwendung von Sanktionen vor einer Entscheidung der Genfer Liga lediglich eine „Möglichkeit" darstelle. Diese Tatsache sei zwar nur eine provisorische Barriere gegen einen europäischen Krieg. Frankreich und England aber hätten e i n kategorisches Mittel dagegen, nämlich die Tschecho-Slowakei zu zwingen, ihre Versprechungen von 1919 zu halten. Am 5. Februar 1919 habe Benesch die Schaffung des tschechoslowakischen Staates durchzusetzen versprochen, eine „verbesserte Schweiz" aus ihr zu machen. „Jour" fordert schärfsten Druck von London und Paris auf Prag, um endlich den vor 20 Jahren akut gewordenen Forderungen zu entsprechen. Die Pariser Presse, an .ihrer Spitze der halbamtliche „Petit Parisien", betrachtet die Lage zur Zeit als „stationär". Im übrigen beschäftigt sich die Presse in rtidjt immer freundlicher Form mit der Wiedergabe der ity Nürnberg gehaltenen Reden. Die Rede Görings in Nürnberg brachten die Nach, Mittagsblatter in Extra-Ausgaben. Zu den Sätzen aus dem Schlußteil der Rede Görings, die in Sperrdruck auf den ersten Seiten hervorgehoben werden, gehören die Feststellungen, daß Deutschland die Ent- wjcklung mit. Ruhe gbwarte, daß Deutschland zum letzten Opfer bereit sei, und daß kein Angriff auf den deutschen Boden vorgetragen werden könne. Die Zeitungen bringen der Göring-Rede kein Der- ständnis entgegen und bezeichnen sie als außerordentlich heftig. Sie unterstreichen, daß die Versicherungen der Macht und Unbesiegbarkeit Deutschlands bei den Massen in Nürnberg eine riesige Begeisterung gefunden, haben Der Sonderberichterstatter der „Epogue" schreibt, Göring fei unbestreitbar ein großer Redner. Er besitze Kraft und Feuer und habe eine tiefe Wirkung gehabt. M'm'sterbesprechUliaen in London Starker Eindruck der Göring-Rede. London, 11. Sept. (Europapreß.) Zur Erörterung der im Zusammenhang mit der tschechoslowakischen Frage stehenden Fragen hatten sich am Sonntagvormittag Lord Halifax, Sir John Simon, Sir Samuel Hoare, Sir Robert V a n s i 11 a r t und Sir Alexander C a d o g a n bei Chamberlain eingefunben. Dann begab sich Lord Halifax ins Foreign Office, um den früheren Außenminister Eden zum zweitenmale zu empfangen. der bei ihm fast eine Stunde blieb, während Ministerpräsident Chamberlain am Samstag eine Unterredung mit Winston Churchill und dem Vorsitzenden der Arbeiterpartei, Attlee, hatte. In parlamentarischen Kreisen konnte man in Zusammenhang mit den Besuchen Edens, Churchills und Attlees das Schlagwort von der „Konzentration der Ärfiffe" hören. Sonntagabend suchte der amerikanische Botschafter Kennedy den Ministerpräsidenten auf, nachdem er bereits am Nachmittag eine längere Unterredung mit Außenminister Lord Halifax gehabt hatte. In der englischen Sonntags presse ist ein pessimistischer Unterton nicht zu verkennen. Gleichzeitig geht aber aus den Londoner Sonntaasblattern hervor. daß man sich nach wie vor bemüht, sich nach ke'n-r Wrhfuna hin festzuleaen. Die Rede Görings in Nürnberg wird von der gesamten Sonntaasvresie ausführlich gebracht. Aus den Berichten geht hervor, daß die Rede einen starken Eindruck gemacht hat: jedoch liegen Kommentare bisher noch nicht vor. ..Sunday Times" weist besonders auf die aroßen Mengen an Lebensmitteln hin, die es Deutschland gestatteten, jeder Blockade zu trotzen. Im „DMeroer" wird dar- auf hinaewiesen. daß Deutschland feine Verfolgung seiner sudetendeutschen Bruder dulden werde — Der liberale . Sunday ChronRle" betont, daß Göring erklärt habe. Deutschlands Luftstreitmacht fei d i e größte der Welt. — „Sunday Erpreß" ver- öffentlicht die Rede unter der Ueberfchrist „Deutschland ist unbesiegbar". (Smpfotto ou^änbifcfw Journalisten durch den Bührer. London, 12. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Blätter berichten über den Empfang einer Reihe von ausländischen Journalisten durch den Führer Sie bemerken dabei, daß sich der Führer in bester Laune mit den ausländischen Gästen, insbesondere über Kunstfragen unterhalten habe. Im Nürnberger Bericht der „Times" wird von der Harmonie des Empfanges gesprochen, den der Reichsaußenminister veranstaltet habe, und bei dem der Führer eine freundliche Unterhaltung mit einigen feiner englischen Ehrengäste geführt habe. Im „Daily Telegraph" heißt es, der Führer sei sehr guter Laune gewesen. Er habe die Politik vermieden und über die verschiedensten anderen Themen gesprochen .Daily Herold" (marxistisch) ist entrüstet, daß Adolf Hitler die Wißbegier der Auslandspresse dadurch enttäuscht habe, daß er unter anderem das Thema U .)///////«' Nein - idi sagte 31 tTssgiSff * 6T10V wählte: „Entartete Kunst!" Der Führer habe Sen-1 fationslustige doppelt enttäuscht: Erstens indem er ihnen keine „Informationen" gegeben habe und \ zweitens, weil ihm niemand die schweren auf ihm lastenden Bürden angesehen habe. — „Daily Mail" berichtet, der Führer habe nicht gealtert ausgesehen. Seine Augen hätten vergnügt geblickt, als er über moderne Kunst gesprochen habe. Aus aller Welt. Neue Hochwassertveile in Schlesien. Während noch überall an der Beseitigung der durch das Hochwasser der letzten Wochen hervorgerufenen Schäden gearbeitet wird, sind die Grafschaft Glatz und die Gegend um das Eulengebirge nun zum dritten Male von -einer Hochwasserwelle heimgesucht worden. Wolkenbruchartige Regenfälle in der Nacht zum Sonntag brachten innerhalb weniger Stunden 50 bis 80 und um Glatz herum sogar über 100 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter. — Bei Bad Altheide durchbrach die Weistritz zwei Dämme, bildete einen reißenden! Strom und überschwemmte 70 bis 80 Grundstücke' zum Teil meterhoch. Fast sämtliche Brücken wurden beschädigt. Arbeitsdienst und Feuerwehr wurden alarmiert. In Ober- und Niederschwedeldorf wurden die Bewohner von den Fluten im Schlaf überrascht, so daß es ihnen nur mit knapper Not gelang, sich und das Vieh in Sicherheit zu bringen. Auch in Ober-, Mittel- und Niedersteine, in Ober- und Niederrathen stehen die an der Neiße gelegenen Wirtschaften im Wasser. — In Rengerdorf, wo ein großer Teil des Dorfes abermals unter Wasser steht, wurde ein Motorradfahrer von den Fluten umgerissen. Er wurde von einem Einsatztrupp der Technischen Nothilfe gerettet, ebenso zahlreiche Dorfbewohner und eine Menge Vieh. Schwer betroffen wurde auch die Stadt Frankenstein. In zwei anderen Ortschaften mußten freiwillige Helfer und die Feuerwehr, bis fast zur Brust "im Wasser stehend, in der Nacht Frauen und Kinder in die oberen Stockwerke der Häuser schaffen. Auch im Kreise Reichenbach wurden wieder große Ueberschwemmungen angerichtet. Idas ja alle Flüssigkeit sofort verdunsten läßt, nicht lohne weiteres aus; es muß eine besondere Behandlungsweise erfunden werden. Auch ist die Natur der Elektronenstrahlen an sich anders als die der Lichtstrahlen; bei diesen kommt es vor allen Dingen auf die Farbe an, bei den Elektronenstrahlen auf den Widerstand, den sie bei ihrer Bewegung finden., 9m gewöhnlichen Licht können wir beispielsweise ein Stück Glas im Wasser nicht sehen, während es sich bei den Elektronenstrahlen sofort verrät. Umgekehrt erkennen wir verschieden gefärbtes Glas in Lichtstrahlen ohne weiteres, dagegen nicht in Elektronenstrahlen. Genau wie seinerzeit beim Mikroskop ist also auch beim Uebermikroskop die Entwicklung einer besonderen Technik erforderlich. Hiervon nur ein Beispiel! Je stärker beim gewöhnlichen Mikroskop die gewünschte Vergrößerung, desto heller muß das Objekt beleuchtet werden. Ganz entsprechend muß beim Uebermikroskop die Dichte der Elektronenstrahlen mit wachsender Vergrößerung immer stärker werden. Aber üben solche mächtigen Elektronen-Hagelschauer nicht eine zerstörende Wirkung aus? Sie tun dies in der Tat, aber dicke Schichten sind mehr gefährdet als dünne; neuerdings ist es gelungen, als Objektträger Häutchen von nur einem Hunderttausendstel Millimeter Dicke zu erzeugen. Man erhält sie, indem man geringe Mengen Kollodium in einer leicht flüchtigen Flüssigkeit löst, nach deren Verdunstung das dünne Kollodiumhäutchen zurückbleibt. Im Ganzen wird man sagen können, daß das Uebermikroskop in den 5 bis 6 Jahren seines Bestehens den fast dreihundertjährigen Vorsprung des gewöhnlichen Mikroskops zum großen Teil bereits eingeholt hat. Die Erfolge find denn auch erstaunlich! Schon jetzt lassen sich mit dem Uebermikroskop etwa 20mal stärkere Vergrößerungen erzielen als mit dem gewöhnlichen Mikroskop; 30000 fache Vergrößerungen sind schon gelungen. Besonders wertvoll ist dies für die Erforschung der großen Zähl ansteckender Krankheiten, die man bisher einem „Virus" zuschrieb, worunter man einen wegen seiner Kleinheit nicht mehr sichtbar zu machenden, wie man sagte, „ultravisiblen" Keim verstand. Das Uebermikroskop hat das bisher „Ultravisible" sichtbar gemacht. Ungeheuer groß ist die Zahl der wissenschaftlichen und technischen Fragen, deren Lösung vom Uebermikroskop erhofft werden kann. — Hocherfreulich ist, daß sich nunmehr die Firma Siemens & Halske des Uebermikrofkops angenommen hat, so daß unbedingte Gewähr für die zielsichere Weiterarbeit gegeben ist. Professor Dr. P. Kirchberger. Rhein-Mainische Börse. Im verlaufe fester. Frankfurt a. M., 10. Sept. Da der Auftragseingang nach beiden Richtungen auch zum Wochenschluß überaus klein war, bewegte sich das Geschäft weiterhin in sehr ruhigen Bahnen. Unter dem Eindruck der ruhigen Auffassung der weltpolitischen Lage blieb die Grundtendenz am Aktienmarkt freundlich. Die wenigen zunächst notierten Werte wiesen wiederum nur kleinste Abweichungen auf, wobei Besserungen überwogen. In einzelnen Spezialwerten war das Geschäft zeitweise lebhafter. Im Vordergrund standen am Elektromarkt Siemens mit 190 bis 192 (187,75), ferner AEG. auf den Großauftrag mit 109,75 (108,50). Don Montanwerten setzten Hoesch, Verein. Stahl und Mannesmann unverändert ein, nur Rheinstähl 0,50 v. H. ermäßigt auf 133,50. IG.-Farben notierten unv. 147,25, ebenso Metallgesellschaft unv. 125,13. An Maschinenaktien lagen Demag 0,75 v. H. niedrige? mit 141,25, auch Daimler bröckelten auf 129,50 (130) ab, andererseits Rheinmetall 124,50 (124,25). Sonst kamen noch Bemberg mit 126,75(126), Reichsbank mit unv. 179,50, Conti Gummi mit 198 (198,25) und Feinmech. Ietter nach Pause mit 87,50 (89) zur Erstnotiz. Im Verlaufe verstärkt sich die freundliche Haltung, ohne daß es aber zu größeren Umsätzen gekommen wäre, wie auch die Nachfrage im wesentlichen auf einzelne Spezialwerte beschränkt blieb. AEG. weiter fest mit 110,25 nach 109,75. Demag stiegen auf 142,50 nach 141,25, ferner Hoesch auf 106,50 nach 105,50, AG. für Verkehr auf 117 nach 116,50, Daimler wieder 130,50 nach 129,50. Die erst später notierten Papiere lagen zwar nicht einheitlich jedoch überwiegend 0,50 bis 1 v. H. höher. Verein. Deutsche Metall kamen nach Pause der gestrigen Schätzung entsprechend mit 161 (155) wieder zur Notiz. Niedriger lagen Scheideanstalt mit 203,50 (205). . Am.Rentenmarkt waren die Umsätze klein bei größtenteils gut gehaltenen Kursen. Don Liqui- dationspfandbriefen zogen die beiden Frankfurter auf 101 (100,70) an. Stadtanleihen notierten ebenso wie die meisten Staatspapiere unverändert, während Industrie-Obligationen die üblichen leichten Schwankungen verzeichneten. Von den variablen Werten lagen Reichsaltbesitz mit 130 unverändert, Reichsbahn-VA. 0,13 v. H. höher mit 123,90. Im Freioerkehr befestigten sich Wiederaufbauzuschläge auf 80,65 bis 80,75, Kommunal-Umschuldung nannte man 5 Pfennig höher mit 94,35. Von unnotierten Werten wurden Dirigier mit 85 bis 87, Katz 6- Klumpp fester mit 90 bis 92 (88 bis 90), Rastatter Waggon mit 46 genannt. Tagesgeld unverändert 2,50 v. H. Wetterbericht Nach meist freundlichem Ablauf am Sonntag hat mit dem Eintreffen der Störungsfront der nord- europäischen Wirbeltätigkeit am Montag wieder unbeständiges Wetter eingesetzt. Da wir für die Folge aber auf der Grenze zwischen Hoch- und Tiefdruckgebiet verbleiben werden, ist für vorübergehend der Durchbruch freundlichen Wetters zu erwarten. Vorhersage für Dienstag: Vielfach dunstig, sonst wolkig bis aufheiternd, aber strichweise auch etwas Regen. Temperaturen wenig geändert, Winde meist um West. VorhersagefürMittwoch: Fortdauer der wechselhaften und unbeständigen, aber nicht unfreundlichen Witterung. Lufttemperaturen am 11. September: mittags 20,4 Grad Celsius, abends 13,8 Grad; am 12. September: morgens 13,4 Grad. Maximum 20,7 Grad, Minimum heute nacht 13 Grad — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. September: abends 15,8 Grad; am 12. September: morgens 14,1 Grad. — Sonnenscheindauer 6,4 Stunden. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lang^ Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Sinnigen: Theoder Kümmel. D.21. VIII. 38: 8916. Druck und Verlag: Brühlfche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis NM.- 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig Das Uebermikroskop entschleiert Geheimnisse. OieLichlwellen sind zu grob.- Elettronenwunder. - Das Unsichtbare wird sichtbar Es war seinerzeit eine recht schmerzliche Erkenntnis, daß das Mikroskop, das uns tiefer als irgendein anderes Forschungswerkzeug in die Geheimnisse des Lebens eingeführt hatte, das uns die Zelle als Urbaustein alles Lebens, kleine Lebewesen als Träger gefährlicher Krankheiten, und sogar die winzigen Gene als Träger der Vererbung hatte erkennen lassen, seine unübersteiglichen, in der Natur der Sache liegenden Grenzen hatte. Denn es hat als erste und unumgängliche Voraussetzung die, daß das Licht sich geradlinig fortpflanzt. Aber das Licht ist eine 2ßeIIenberoegung, und inwieweit Wellen sich geradlinig fortpslanzen, das hängt, wie leicht zu sehen, von den Größenverhältnissen ab. Denn auch der Schall ist, wie allgemein bekannt, eine Wellenbewegung. Und doch wissen wir, daß wir zwar nicht um die Ecke sehen, wohl aber um die Ecke hören können, daß es zwar einen Lichtschatten, aber keinen Schallschatten gibt; der Schall läßt uns also von der geradlinigen Fortpflanzung nichts erkennen. Dieser Unterschied beruht aber nur darauf, daß die Schallwellen ungefähr eine Million mal länger sind als die Lichtwellen, so daß sie diesen gegenüber ungemein grob wirken. Könnten wir im Mittelmeer ein Getöse veranstalten, das in ganz Europa hörbar wäre, würden wir uns wohl auch über die Schärfe des Schallschattens wundern, den die Bergriesen der Alpen und Pyrenäen werfen würden. Nur der Kleinheit der Welle wegen zeigt das Licht geradlinige Fortpflanzung noch in Größenverhältnisfen, die eine Million mal kleiner sind als die zur Erzeugung eines Schallschattens nötigen. Aber einmal, nämlich, wenn wir zu immer kleineren und kleineren Größenverhältnissen übergehen, hört auch die geradlinige Fortpflanzung des Lichtes auf, und dann nutzt alle Vergrößerung nichts mehr, sie gibt keine scharfen Bilder, wodurch sie natürlich ihren Zweck verliert. Die Lichtwellen sind je nach ihrer Farbe etwas verschieden, — etwa gleich dem 2000. Teil eines Millimeters. Wollen wir also Gegenstände sehen, die ebenso klein oder noch kleiner sind, so brauchen wir feinere Hilfsmittel als die Lichtwellen. Ein solches Hilfsmittel sind Elektronen- strahlen, wie sie von der Kathode einer Vakuumröhre ausgehen. Es- muß aber noch das Gerät gefunden werden, das dem Mikroskop für Lichtstr gh len entspricht. Wie bekannt, besteht dieses im wesentlichen aus Linsen, die die Lichtstrahlen so brechen, daß sich ejne Verzögerung ergibt. Höchst merkwürdigerweise hat sich nun gezeigt, daß Drahtspulen, durch die ein elektrischer Strom geschickt wird, auf Elektronenstrahlen genau so wirken wie Linsen auf Lichtstrahlen. Auch das Zusammenwirken mehrerer Linsen, deren wichtigste Objektiv und Okular heißen, ist hier gänzlich ähnlich wie beim Mikroskop. Danach konnte das ganze Vergrößerungsprinzip des Mikroskops glatt auf diese an sich andersartigen Verhältnisse übertragen werden. Allerdings ergaben sich auch manche Aenderun- gen: Beispielsweise sind die Linsen des Elektronenmikroskops nicht unveränderlich; sie wirken stärker, wenn der hindurchgehende Strom ansteigt, und hieraus ergibt sich die Aufgabe, den (Strom mit einer Genauigkeit unveränderlich zu halten, wie dies bisher noch niemals verlangt wurde. Ein weiterer Unterschied, ist,, daß wir die Elekttonenstrahlung an sich nicht sehen können, sie muß also erst künstlich sichtbar gemacht werden. Dies geschieht durch einen fluoreszierenden Schirm, wie wir ihn von Röntgenstrahlen her kennen, oder durch die gewöhnliche Lichtbildplatte, die in ihrer das Auge übertreffenden Vielseitigkeit nicht nur sichtbares Licht aufnimmt, sondern auch unsichtbares sichtbar macht. Es mußten noch viele Fragen gelöst werden, bevor das Uebermikroskop praktisch verwendar wurde. So bewegen sich die Elektronen nur in einem Raum, in dem die Luft bis auf den .hundertmillionsten Teil ausgepumpt ist, und wenn auch dessen Herstellung, wie bekannt, heute nicht mehr schwierig ist, so müssen doch Einrichtungen erfunden werden, um die zu vergrößernden Gegenstände in diesen luftverdünnten Raum hinein und wieder heraus zu bekommen; auch halten feine organische Gewebe ein solches „Hochvakuum", sein. 04173 Frau Elisabeth Krumm, geb. Klein Gießen (Bahnhofstraße 40), den 9. September 1938. 5858D Ohne Gewähr Nachdruck verboten Frau Käthchen Stein, geb. Gerhard 10. September 1938 29. Ziehungstag Vn der heutigen Schluß-Ziehung wurden gezogen Gießen (Johannesstraße 9), den 10. September 1938. 77950 89864 96693 96726 97830 5854D SELTERSWEG 62 Die Beerdigung findet auf Wunsch der Entschlafenen in der Stille statt Beileidsbesuche und Blumenspenden dankend verbeten. 216998 218653 222623 305640 319927 335602 244210 335921 15169 140963 201364 265198 311826 372322 270861 342305 25052 283694 380124 31851 131683 186325 242733 307026 352752 132891 191804 262892 309654 368150 104938 167793 211487 284024 328659 390546 48580 259360 353286 120939 173899 215265 287847 338506 121753 183197 220092 288875 348724 Meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante ist uns nach kurzer, schwerer Krankheit durch den Tod entrissen worden. Unsere liebe, gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter und Tante ist an den Folgen eines Schlaganfalles im 84. Lebensjahre für immer von uns gegangen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Anna Stein Emma Schüßler, geb. Stein Heinrich Jughardt u. Frau Paula, geb. Stein, 46 Gewinne zu 500 RM. 5012 21255 37723 72396 83470 97980 111678 155497 164783 188753 206943 Die Beerdigung findet in der Stille statt. Vqn Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Im Namen der Hinterbliebenen: Eduard Krumm. Junges Mädchen in kleinen Haushalt tagsüber gesucht. Dasselbe hat Gelegenheit imDamenschnei- dern behilflich zu Außerdem wurden 1818 Gewinne zu 150 RM. genößen. Die Ziehung der 1. Klasse der 52. Preußisch- Süddeutschen (278. Preußischen) Klassen-Lotterie am IS. uub 20. Oktober 1338 statt. Gewlnnauszug 5. Klasse 51. Preußisch-Süddeutsche (277. Preuß.) Klasseu-Lotterie 2 Gewinne zu 1000000 RM. 380864 2 Gewinne zu 10000 RM. 323484 2 Gewinne zu 5000 RM. 25765 4 Gewinne zu 2000 RM. 76364 136008 34 Gewinne zu 1000 RM. 31616 43571 85029 104158 105150 117625 154671 278564 335574 335783 340440 346395 375306 395507 92 Gewinne zu 300 RM. ----- ----- 36852 38066 44532 46673 52646 63853 73216 Wegen Verheiratung des jetzigen, ordentlich., kinderliebes Mädchen in Einfamilienhaus (2 Erw. u. 2 Kind.) zum 1. oder 15. Oktober nach Düsseldorf gesucht. 5861B Nab. zu erfragen Gießen.Hinden- burgwall 20 I. Tüchtig.ehrliches Mädchen für 1. Oktober gesucht. 5860D Metzgerei Weitz, Bad-Nauheim Hauptstraße 15. Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar fe einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II Gr.Slelnwegl8o. Vermählungsanzeigen bei BrUhl, Schulstr. 7 Stellengesuche! Junger MleMlikel Wender 24 Jahre, sucht zum 1. Okt. 38 Stellung. Schriftliche Angebote u. 5863V an den Gießener Anzeiger erbet. ! 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September lfd. 3. ab eine Woche lang auf dem Amtszimmer der Bürgermeisterei dahier zur Einsicht der Interessenten offen. Einwendungen dagegen können innerhalb der Offenlegungsfrist schriftlich oder mündlich vorgebracht werden. Es ist eine Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 58590 Klein-Linden, den 10. September 1938. Der Bürgermeister: Fischer. Stimmbegabte Damen und Herren zur Chorverstärkung gesucht — Vorstellung: Dienstag, den 13. September 1938, von 19 bis 20 Uhr auf der Probebühne des Stadttheaters, Johannesstraße 3, HL Stock. 58680 - Rr.2'3 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)Montag, 12.September 1938 Deutschland ist das Land der Arbeit. Ministerpräsident Generalfeldmarschall Göring spricht auf der Iahrestagung der Deutschen Arbeitsfront in Nürnberg. Nürnberg, 10. Sept. (DNB.) In der bis in I den letzten Winkel besetzten Kongreßhalle wurde am Samstagvormittag bie VI. Jahrestagung ber' Deutschen Arbeitsfront eröffnet. Im Mittelpunkt ber Tagung stand neben dem ausführlichen Rechenschaftsbericht Dr. Leys, der von Reichsamtsleiter Dr. Hupfauer verlesen wurde, eine Rede des Beauftragten des Führers für den Vierjahresplan, Ministerpräsident Generalfeldmarschall Göring. Aus dem Podium der festlich geschmückten 5)aUe hatten neben dem gesamten Führerkorps der Partei die Betriebsführer der 103 nationalsozialistischen Musterbetriebe Platz genommen. Auf den Stufen der Stirnwand standen die Fahnen der DAF., 800 Werkscharmänner umrahmten das Reichs- sinfonie-Orchester. Nach einem Dorspruch und dem doW“ den Werkscharmännern gesungenen Liede „Wir sind des Werktags Soldaten" eröffnete Reichshauptamtsleiter Claus Selz ne r die Tagung. Dann gab Claus Selzner dem Reichsamtsleiter Dr. Hupfauer das Wort zur Verlesung des Rechenschaftsberichtes Dr. Leys. Nach der Verlesung ergriff, stürmisch begrüßt, der Beauftragte des Führers für den Vierjahresplan Hermann Göring das Wort. Göring svrM. „Meine lieben Volksgenossen und Volksgenossinnen! Parteigenossen? Zunächst darf ich Ihnen wie in allen vergangenen Jahren auch heute die Grüße des Führers überbringen, insonderheit an die Kameraden der Arbeitsfront aus der O ft mark, die heute zum ersten Male hier am Kongreß teilnehmen dürfen. Dis Schaffenden der Ostmark haben bisher die Fäuste geballt gegen ein System ber Unterbrückung, ber Not, des Terrors, gegen ein System, bas sich fälschlich noch außen beutsch gebärben wollte, das aber rücksichtslos alles unterdrückte, was wahrhaft deutsch empfand, deutsch fühlte und deutsch handelte. Jetzt, ihr Schaffenden ber Ostmark, sollt Ihr wieder dle Fäuste ballen, aber diesmal an dem Spaten, der Art 'linb bem Schraubstock zur Arbeit für bas Volk unb für den Führer. Ihr seid als Angehörige der Ostmark jetzt nicht nur hineingestellt in unsexe große deutsche Volksgemeinschaft, ihr seid als Schaffende auch hinei'nge- stellt in die deutsche Arbeitsgemeinschaft, in die Deutsche Arbeitsfront. Das Gespenst der Arbeitslosigkeit ist auch ' in der Ostmark verschwunden. Kraftvoll spannen sich die Arme, überall regt sich die Arbeit, hoffnungsvoll sehen die einst stumpfen und trüben Blicke klar in die Zukunft. Der Kampf, den ihr geführt habt, war nicht umsonst. Eu->r Vertrauen ist heute gerechtfertigt worden. Die Ostmark ist alücklich, die Ostmark ist wieder im Rei-^ Wir aber im Altreich vergessen oft, daß auch bei uns einst der Fluch der Arbeitslosigkeit geherrscht hat, wir vergessen zu leicht jene furchtbaren Z-i^en, da mir treffauf, treppab um Arbeit betteln mußten, da jene furchtbare Zeit der Not und des Elends eine alltägliche Erscheinung in unserem wa^ Wir vergessen zu leicht, daß in der Zeit vor der Machtergreifung im deutschen Volk üb°rall ein ungeheurer Mangel an Arbeit ronr, ein Mangel an Arbeit, d^m heute der Mangel n n Arbeitern gegenübersteht. Wo gibt es noch einmal ein Volk von 75 Millionen, dos noch nicht einmal genügend Arbeiter stellen kann, um all der brenn"n- ben Probleme Herr zu werben, bie uns unsere Bewegung gestellt hat. Wir bürfen mit Stolz von dieser gern fügen Aufbauarbeit und den Leistungen sprechen, denn jeder von uns hat seinen Anteil daran. Es kann niemand von uns diesen gewaligen Aufbau und diesen Erfolg für sich allein buchen. Nein, das ganze deutsche Volk in seiner Breite und Tiefe hat ein gerüttelt Maß Anteil am Erfolg dieser Aufbauarbeit. Uns allen ist sie zugutegekommen. Wir alle haben sie aber auch leisten müssen. Als mir damals die Arbeit ergriffen, ja, da fanden sich manche Teile nur ungern damit ab. Auch im Ausland sagte man: Das kann nicht von langer Dauer sein. Doch, sie mögen ja vielleicht ganz gute Politiker fein, sonst wäre es ihnen ja schließlich nicht geglückt, das ganze Volk für sich zu gewinnen. Sie sind vor allem Trommler, Redner und ganz gute Propagandisten. Aber an einem müssen sie scheitern: Von Wirtschaft haben sie keine Ahnung. Auf diesem Gebiet sind sie Phantasten. Schon allein die Tatsache, daß sie davon sprechen, das Problem der Arbeitslosigkeit in einigen Jahren — vier Jahre nannten sie damals — lösen zu wollen, ein Problem, an das sich die besten Köpfe unserer Zeit gemacht haben und keine Lösung fanden — mie roob len diese Knirpse, die ja noch nie überhaupt Wirtschaft getrieben haben, davon Bescheid wissen? Nun aber, meine lieben Parteigenossen, war es ja gar nicht möglich, die Wirtschaft mit irgendwelchen Berechnungen höherer Wissenschaft zu retten, sondern so weit wir in ber Wirtschaft das Leben und Gestalten und Gedeihen des Volkes sehen, konnte sie nur gerettet werden durch einen entschlossenen Willen, mit dem Willen zur Tat. Wie war das aber nun möglich? Um überhaupt die deutsche Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen und das Volk wieder gesunden zu lassen, mußte die Führung vor allen Dingen das Vertrauen des Schaffenden, das Vertrauen des deutschen Arbeiters gewinnen. Denn nur mit dem deutschen Arbeiter konnte die deutsche Wirtschaft wieder aufgebaut werden. Nur durch das Vertrauen dessen, der schaffte und arbeitete; in seinem Glauben zur Führung, im Schaffen seiwer Fäuste und in der Leistung seiner täglichen Arbeit allein konnten wir zur Gesundung kommen. Auf der anderen Seite mußten wir uns darum bemühen, beim Unternehmer auch das notwendige Verständnis für die neue Zeil zu gewinnen, besonders bei der jüngeren Unternehmerschaft. Wir mußten sie loslösen von veralteten Vorstellungen, sie wieder in ihr Volk hineinslellen, sie wissen lassen, daß im Gegensatz: Arbeitgeber und Arbeitnehmer keine Wirtschaft blühen kann, sondern daß wie überall, wo Großes geschaffen wird, nur die Einheit die Voraussetzung für den Erfolg ist. Nur das Au- sammenballen aller Energien kann große Taten vollbringen. So auch in der Wirtschaft. Vertrauen des Arbeiters unb Derftänbnis bes Unternehmers waren hier Voraussetzung. So mußte sich ein Spiegelbild ber gesamtes Volksumwälzung bilben. So wie ynr im Gesamten bie Volksgemeinschaft schmiedeten, mußte nun hier im Speziellen bie Ardelts - unb Betriebsgemeinschaft gebilbet werben. Unb wenn man einmal bie Geschichte auch über bie Ardeij ber Deutschen Arbeitsfront schreiben wirb, bann wirb sie festzustellen haben, baß bie Schaffung ber Betriebs- unb Arbeitsgemeinschaft über alle Dinge hinweg bas größte unb bleibenbe Verbienst ber Arbeitsfront ist. Es war auch notmenbig, auf ben ganzen Linie ben Kampf gegen bie Verhetzung vorzu- nehmen. Ich brauche nicht mehr daran zu erinnern, wie ungeheuer die deutsche Arbeiterschaft verhetzt war, ging sie doch jahrzehntelang burch bie Lehren bes Marxismus unb Kommunismus hinburch. Wahrlich, es war schon schwer für ben Parteigenossen Ley unb feine Männer, nun auch bie richtige Führerschaft in ber Arbeitsfront auszubilden, konnte doch nicht Rücksicht genommen werden auf jene alten Lohntabellenbonzen, bie vorher bie Gewerkschaften geführt hatten. Hier mußten vielmehr neue Männer unb vor allem Männer, die in ber Wolle gefärbte Nationalsozialisten waren, an bie Führung. Denn nur im Zeichen bes Nationalsozialismus war der beutsche Arbeiter wieder für sein Volk und für sein Reich zu gewinnen. Die anderen Probleme hatten wir längst abgetan. Mit dem Hineinfinden in unsere nationalsozialistische Ideenwelt begann bann auch bie praktische Arbeit der Partei unb bes Staates für ben Aufbau ber Wirtschaft. Gewiß, es war ein schwerer Weg, unb dieser Weg wurde begleitet von dem Tatwillen der Führung, begleitet aber auch bei allen unseren Gegnern von ber stillen Hoffnung eines balbigen Zusammenbruchs. Unb nachdem sie auf nichts anderes mehr hoffen konnten, nachbem auch ber Verrat zufchan- ben geworben war, bie Einheit bes Volkes nicht mehr gesprengt werden konnte, blieb immer noch bie Hoffnung auf ben wirtschaftlichen Zusammen-' bruch. Unb ba bie Dummen eine lange Leitung haben, besteht biese Hoffnung auch heute noch. (Heiterkeit und Beifall.) Gewiß, wenn man bie Grunbsätze unb die Gesetze ber Wirtschaft, wie sie im Liberalismus Geltung hatten, oornimmt und mit ben Geschehnissen von heute bei uns vergleicht, bann findet man gar keinen Zusammenhang. Dann sieht alles bas, was wir machen, wie ein Chaos aus. Aber wenn die Herrschaften bedacht hätten, daß hinter der deutschen Wirtschaft der unbändige Dille und Glaube und die Kraft des Führers standen und daß diese Wirtschaft nun von derPartei getragen wurde, dann hätten sie schon ahnen müssen, daß die Wirtschaft gefestigter steht denn je zuvor. Denn sie aber nebenbei nun auch noch die Wirtschaft in den Nachbarländern, besonders in den Ländern der großen Demokratien, die ja alles Wissen für sich gepachtet haben, mit unserer zu vergleichen beginnen, dann stimmt natürlich beides nicht überein. Nach ihrer Ansicht sind das natürlich alles nur Phantome, die den Zusammenbruch geradezu herbeiführen müssen. Und auf der einen Seite sehen sie ein Volk, das — man staune und höre — außer der Beschäftigung aller seiner schaffenden Menschen bereits aus anderen Ländern Arbeiter heranholen muß, und auf der anderen Seile Völker, wo die ungeheure Zahl der Arbeitslosen täglich noch weiter steigt und wächst. Wie will man das beides in Einklang bringen? MAarbeit mir für die Sicherheit der Ration. Man sagt: In Deutschland rüsten sie gewal- i i g. Sie vergessen aber, baß f i e f e I b ft auch g e - walti g zu rü ft en'begonnen haben. Es kann also nicht daran allein liegen, sondern es müssen schon andere Kräfte und Triebfedern diesen gewaltigen Umschwung herbeigeführt haben. Während draußen die Arbeitslosigkeit ansteigt, wächst die Krise. Wir lesen immer wieder davon. Es wächst aber nicht nur die Krise. Es steigen auch die Preise, es steigen bie Löhne, unb barauf roieber die Preise. Da muß ich nun schon sagen: Diese glorreiche Wirtschaftsweisheit haben wir ja auch einmal burchexerziert. Als in Deutschlanb noch bie „Scheide-, Raß- und anbere Männer" regierten, haben wir bas alles kennengelernt. Ich erinnere daran, daß diese einstigen Größen außerordentlich schnell den Weg ins Ausland gefunden haben. Vielleicht haben sie dort Beraterstellen auf wirtschaftlichem Gebiet, so daß sich dort dasselbe wiederholt, was uns einst geblüht hat. Wir sehen auch bie „liebgewordenen" Streiks im Auslände alle Augenblicke auftauchen. Auch bas kennen mir. Mir wissen ganz genau: Jeber Streik führt seldstverstänblich zur „Probuktionssteigerung", jeber Streik „festigt" selbstverstänblich bie Wirtschaft. § Meine lieben Volksgenossen, mir haben Drbnung । gemacht, unb barin liegt bas tiefere Gesetz unseres ! Erfolges. Wir haben dem Durch- unb Gegeneincm- ber ber Interessen ber einzelnen Halt geboten. Wir haben bas Gegeneinanoerstrahlen bieser Interessen abgebogen. Es gibt nur ein Interesse: Das deutsche Volk unb seine Zukunft, dem beugen sich alle. Gewiß, wir haben schwere Sorgen gehabt, und gewaltige Schwierigkeiten türmten sich auf und mußten überwunden werden. Ich habe niemals behauptet, daß ich ein großes Wirtfchafts- genie bin. Ich habe nur behauptet, daß ich alle meine Kräfte, das Beste unb meine ganze Willenskraft baran setze, dort Drbnung zu schaffen, wo Ordnung geschaffen werben muß. Dabei bildet bie Wirtschaft keine Ausnahme; benn Drbnung ist ein allgemeiner Begriff, ben wir auf allen Gebieten un-1 frer Tätigkeit eingesetzt haben. Heute stehen wir, wie ich eingangs schon sagte, vor ber großen Schwierigkeit: Wie lösen wir bas große Problem bes Arbeitseinsatzes? Denn Arbeitseinsatz unb Arbeitsleistung zu regeln, ist heute bie große Schwierigkeit, unb es ist bie Kernfrage bes Vier- jahresplanes. Die Sicherstellung der Reichsverteidigung hat es notwendig gemacht, daß ich eine Verordnung erlassen mußte, die mir an sich nicht leicht geworden ist. Als es darum ging, meine schaffenden Volksgenossen, das Reich zu sichern, als es galt, im Westen eine unüberbrückbare Barriere aufzubauen, da habe ich nicht gezögert, da habe ich die Pflichtarbeit eingeführt, und die Arbeiter sind mir willig und freudig gefolgt. Hunderttausende von Arbeitern sind aus ihren Betrieben herausgezogen worden. Warum? Weil diese für staatspolitisch notwendige Aufgaben eingesetzt wurden. Ich möchte aber eines gleich betonen, um gar keine Zweifel aufkommen zu lassen: Der Einsatz der Pflichtarbeit darf nur für wirklich wichtige Vorhaben der Sicherheit des Reiches in Frage kommen. Die Entscheidung darüber habe ich mir allein in jedem Falle Vorbehalten. Sollte ich sehen, daß für eine Aufgabe auf dem üblichen Wege die Arbeitskräfte beschafft werden können, dann werde ich nie und nimmer einwilligen, daß für diese Arbeit Pflichlarbeiter zur Verfügung gestellt werden. Es darf kein Zweifel darüber bestehen, daß diese Verordnung eine Sonder- maßnahme für ganz bestimmte Zwecke ist, für Bauvorhaben, von deren Durchführung das Schicksal der Nation schlechterdings abhängt. In der Regel muß der kräflebedars auf dem üblichen Wege gedeckt werden. Die Aachwuchssrage muß gelöst werden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch einer Aus- landshetze entgegentreten, bie verleumderisch be= hauptet, in Deutschland würde nach- und nach die Zwangsarbeit eingeführt werden. Sie verstehen nicht, Zwang und P f l ichit unter einen Hut zu bringen. Was für uns Pflicht. >st, mag ihnen als Zwang erscheinen. Sie vergessen aber, daß auch der deutsche Arbeiter heute den kategorischen Imperativ ber Pflicht als Richtungsnabel >n sich trägt, unb baß er auch bereit ist, Zuerst seine Pflichten zu erfüllen. Unb bie höchste Pflicht ist bie Sicherheit bes Reiches, barüber bisfutieren wir mit niemanb in ber Welt. Ich weiß ganz genau, daß man mit Zwang nichts Besvnberes erreicht Ich weiß zu genau: Zwang tötet bie tfreubigEeit ab- babei mürben nur mittelmäßige Leistungen herauskommen. Ich habe auch gewußt woran ich appelliere, wenn ich ben beutschen Arbeiter z u r Pflicht für bie Sicherheit ber Nation aufrufe. Ich hätte gern gewünscht, daß -bie ausländischen Journalisten sich bie Züge angesehen hatten, bie aus allen Teilen bes Deutschen Reiches mit bte= sen sogenannten „Zwangsarbeitern" nach bem ! Westen fuhren. Das waren nicht Zwangsarbeuer, sie fuhren jubelnb hin, benn sie wußten: Sie sl- Ichern jetzt bie Grenze bes Reiche?. ! Gottlob zählt bei uns Deutschen bas Eintreten für I bie Sicherheit ber Nation, sei es mit ber Axt ober bem Spaten, mit bem Schwert ober bem Gewehr, ! immer noch zu ben höchsten unb erstrebenswertesten : Pflichten bes beutschen Mannes. Ich glaube, baß in diesem Augenblick die ganze Umgebung, in ber wir hier sind, uns zu hoch steht, als daß ich auf alle die Kleinigkeiten emgehen kann. Gewiß, es wird immer gewisse Uebergangs- schwierigkeiten geben, daß der eine mal warten mußte, bis bie Baracke gebaut war, daß bem einen bas Fleisch und bem anberen bas gewohnte Gemüse fehlte, bas finb Dinge, bie sich jo nebenbei losen lassen, ^ber es kommt immer nur daran, an. Was soll hier überhaupt geschafft werden? Und da ist die Willenskraft und bie freudige Einsatzbereitschaft der Hunderttausende wirklich so wunderbar gewesen, daß man immer wieder fragen muß: Was ist diesem Volke überhaupt noch unmöglich? Ich wollte mal sehen, ob eine Nation es fertigbringen kann, in wenigen Tagen und Wochen ein Arbeiterheer von Hunderttausend en aufzustellen, an einem Platze zu vereinigen unb dort eine Arbeit zu vollziehen, von beren Ausmaß sich bie anderen hoffentlich nicht zu überzeugen brauchen. Wir bekennen es ganz offen: Deutschlanb ist heute bas Land der Arbeit geworden. Wenn es uns an Kräften fehlt, meine lieben Volksgenossen, dann kann ich nicht etwa sagen: Es fehlt an Kräften, also kann die Arbeit nicht getan werden. Sondern ich muß mir dann noch überlegen, was noch Zusätzliches geschehen kann. Und ihr wißt es selbst: Wenn eine hohe Aufgabe gestellt ist, und ich kann sie nicht durch bie Masse der Arbeiter schaffen, bann muß ich sie burch höhere Leistung unb Mehrarbeit bes einzelnen bewältigen. Hier muß bann bie Qualität bie Quantität ersetzen. Und schon aus diesem Grunde ist es unendlich notwendig, baß wir unser Augenmerk auf ben Facharbeiternachwuchs richten. Es ist notwendig, auch den Nachwuchs an gutgualifizierten Kräften auf allen Gebieten, nicht nur der Facharbeiter, auch auf den Technischen Hochschulen, den Universitäten, an Ingenieuren und Chemikern und anderen Berufen heranzubilden. Die deutschen Hochschulen müssen heute alle Kräfte aufbieten, um in dieser Zeit ihren Aufgaben gerecht zu werden. In der wissenschaftlichen Forschungsarbeit und Schulung des Nachwuchses stehen wir voran. Auch die Hochschulen müssen verstehen, daß heute die Zeiten einer rührseligen Altheidelberg-Romanlik vorbei sind, sondern Arbeit heißt das Gesetz der Stunde. Der Deutsche muß heule zeitnah denken, und ich möchte an die deutsche Jugend den Appell richten, sich vor der Berufswahl zu überlegen, welche Berufe das deutsche Vaterland heute am n o 1 w e n dJ g si e n hat. Denn es ist immer höchste Erfüllung eines Berufes, wenn man versieht, daß man in diesem Beruf auch höchsten Dienst für sein Volk leistet. Diese allgemeine Arbeitsanspannung wirkt sich natürlich auch in der Arbeitszeit aus. Unb es ist schon notwendig, baß vorübergehend zehn unb mehr Stunben gearbeitet wirb, ünb ich barf euch versichern, Schaffende, bas ist nicht nur bei euch so. Wenn bereinst in ben Ministerien und Amtsstuben ein wohliges Dahindämmern zu Hause war und mitten im Wort Punkt sechs ber Feberhalter weggelegt wurde, bann ist bas heute vorbei. Das Ausland hat es leicht, hier seine Glossen darüber zu machen. Viele europäische Staaten lassen in ihren überseeischen Besitzungen Millionen Misch- , farbiger aller Schattierungen für sich arbeiten. Die Peitsche hinter bem Sklaven herrscht bort immer noch. Ihr Wohlstanb stützt sich nur auf bie Hilfsquellen bes Mutterlandes. Auch gewaltige Kolonien stehen zu ihrer Verfügung. Das deutsche Volk aber muß auf einem dichtbesiedelten Boden alles aus ft d) allein heraus schaffen, aus seiner Arbeitskraft, aus seiner Hingabe, aus dem deutschen Boden. Denn man hat uns bie Voraussetzungen in einem schmachvollen Friedensbiktat genommen. Wenn wir unsere Kolonien behalten hätten, bann brauchtet ihr, meine Herren, euch nicht so viel anzustrengen, barüber nach- zubenken, ob bas beutsche Volk Zwangsarbeit leistet. Wir wissen, wir dürfen nur von unserer eigenen Hände Arbeit leben, nichts können wir ver- brauchen, was wir nickst selbst erzeugt haben. Ungeheure Lücken des Weimarer Systems können nur allmählich wieder geschlossen werben. Trotzbem ist hier, ich möchte sagen. Unwahrscheinliches geschehen. Wir, bas heißt unsere Generation, wir wollen unsere besondere Verantwortung fühlen, wir wollen dieser Verantwortung nicht feige ausweichen unb nicht unseren Kindern und Nachkommen überlassen, was wir selbst tun können. Wir sind bereit und müssen bereit fein, alle Hilfsmittel lethnischer und organisatorischer Art einzusetzen für die Wirtschaft, damit sie bie Grundlage unseres Lebens beschaffen kann. Eine Höchftbeanspruchung ber Arbeitskraft setzt natürlich, auch in ber Jbeenwelt bes Nationalsozialismus begründet, eine entsprechend Sozialpolitik voraus. Sozialer Fortschritt muß auf weite Sicht stets gewährleistet bleiben. Nur bann, wenn ich bereit bin, Aeußerstes an sozialer Leistung zu geben, kann ich auch Aeußerstes an Einsatz- dereitschaft und Pflichterfüllung von euch fordern. (Beifall.) Ich erinnere an die Verordnung zur Bezahlung der Feiertage, an bie erfolgreichen Bestrebungen ber Deutschen Arbeitsfront unb befonbers an den Leistungskampf der Betriebe, diesen großen sozialen Wettstreit. Auch meine Verordnung, bie die Aufgaben der Reichstreuhänder ber Arbeit erweitert hat, möchte ich erwähnen. Die Reichstreu- händer der Arbeit können sich heute praktisch um bie gesamten Arbeitsbedingungen im Betriebe kümmern. Auf Grund dieser Verordnung wirb es bem Betriebsführer zur Pflicht gemacht, jede Aenderung der Betriebsordnung vorher anzumelden. Ich möchte aber darauf mit Nachdruck Hinweisen, baß diese Verordnung niemals mißbraucht werben barf, ben sozialen Rückschritt zu proklamieren. (Beifall.) Wenn ich die Reichstreuhänder ber Arbeit angewiesen habe, sich nicht nur um ben Arbeitslohn, sondern darüber hinaus auch um die anderen Arbeitsbedingungen zu kümmern und nötigenfalls einzugreifen (natürlich nur ba, wo die Linie der Staatspolitik überschritten wird), bann heißt bas nicht ohne weiteres, daß sozialpolitisch „Das Ganze halt" geblasen wirb. Noch viel weniger wollen wir den gewaltigen Ausstieg, ben unser soziales Lebern in den letzen Jahren erreicht hat, künstlich wieder zurückschrauben. Nur eines muß unter allen Umständen erreicht werden: Die gegenwärtige Knappheit an Fachkräften darf nicht dazu führen, baß bie Betriebsführer sich durch ungewöhnliche Versprechungen, durch übersteigerte Löhne ober soziale Zuwenbungen gegenseitig die Arbeiter abjagen. Das allein ist der Sinn ber Verordnung. Meine Volksgenossen? Ihr wißt es selbst, wenn ich em berartiges Wegengagieren ober solche Vertragsbrüche bulben würbe, bann hätten wir in kürzester Frist auf bem Gebiet bes Arbeitseinsatzes ein Chaos ohnegleichen, unb bie Durchführung all unserer großen staatspolitischen unb sicherheitswichtigen Aufgaben wäre auf bas höchste gefährdet. Heber* treibungen können nun einmal immer mehr schaben als nutzen, unb beshalb barf ich sie nicht bulben. Daß aber bie Lebenshaltung tatsächlich in biefem Jahre gestiegen ist, bas können Sie auf allen Gebieten sehen. Mag ba unb bort auch manches zu wünschen übrigbleiben — man soll immer wünschen —• so ist boch vieles geschehen, unb bas Abbild dieses Geschehens zeigt sich ja auch überall. Ganz abgesehen von der Beseitigung ber Arbeitslosigkeit sehen wir fortgesetzt sieigevbe Um- sahziffern auf allen Gebieten. Wir sehen eine Zunahme bes Verkehrs, bes Besuches ber Gaststätten, Theater unb Kinos, ber Väber unb ber Kurorte. Wie klein finb demgegenüber Einzelfragen, bie einmal hier, einmal bort auftreten unb vorübergehenb etwas verstimmen. Schon möglich, baß mal jemanb nach Hause kommt unb lagt: „Ich habe statt eines halben Pfundes nur ein Viertelpfund Butter heute bekommen." Es kann sein, baß statt einem Schwein ein Ochse verkauft wird ober umgekehrt. Der eine will nun mal gerabe Schweinefleisch, wenn es nur Ochsenfleisch gibt, und ber anbere will bas Umgekehrte. Aber bas sind ja alles so nebensächliche Dinge. Der soll hier aufstehen, ber mir erklärt: „Ich kann im Dritten Reich nicht satt werben." Den möchte ich sprechen. Ich jedenfalls bin glücklich, bas muß ich euch versichern, baß ich weiß: Das deutsche Volk lebt heute viel besser Rahmen des Vierjahresplanes gesammelt und aufgekauft habe. Und wenn ich überall, meine Volksgenossen, gegen das Hamstern oorgegangen bin, hier habe ich s e l b st gehamstert, davon könnt ihr fest überzeugt sein. (Große Heiterkeit und Beifall.) Wenn schon die gewaltige Ernte dieses Jahres uns einen Vorrat von über zwei Jahren geliefert hat, so haben die Vieh kaufe, die wir bereits getätigt haben, uns einen Vorrat gebracht, der uns auf viele Jahre, fast möchte ich sagen auf unabsehbare Zeit, genügt, um zusätzlich alles tun zu können. Das heißt, wenn wir jetzt eine schlechte Ernte bekommen und im zweiten Jahre und auch im dritten Winter, s o reichen die Vorräte aus, um den Ausfall sicherzustellen durch die Vorräte, die wir bereits haben. (Großer Beifall.) Ich hoffe aber vom All- Die Volksemährung stehl allem voran. Ich werde jetzt auch die Lagerräume requirieren müssen, die in privater Hand sind, und ich werde auch gezwungen sein, Turnsäle zu füllen, es wird dann im Freien geturnt. Ich werde auch T a n z s ä l e füllen, dann könnt ihr im Freien tanzen, meine lieben KdF.-Fahrer! Der Tanz macht auch im Freien Spaß. Aber das ist alles nicht entscheidend. 3m übrigen, meine lieben Volksgenossen, habe ich Ihnen nun aber insofern auch Günstiges zu vermelden, als ich jetzt daran gehen kann, eine gewisse Zahl von Verordnungen wieder a u f z u h e b e n. die ich seinerzeit einführte, um zunächst einmal diesen gewaltigen Vorrat zu sammeln. Aus der Aufhebung dieser Verfügungen, aus der Lagerung des Getreides an allen Orten, wie gesagt, sogar in Turnsälen ufw., mögt ihr erkennen, daß das die beste Illustration ist für das, was ich gesagt habe: 1. Ab 1.Oktober wird bei den Brötchen wieder die Beimischung von TNais w e g s a l l e n, und ihr alle werdet wieder die schönen weihen Brötchen bekommen wie früher. (Beifall.) Letzteres habe ich besonders verfügt im Hinblick auf unsere ostmärkischen Leckermäuler. (Lachen und Beifall.) 2. Der Frlschbrotverkauf wird wieder gestattet. 3. Die höhe der Ausmahlung beim Roggenbrot wird herabgesetzt, und ihr werdet wieder unser altes gutes Brot essen. Dadurch werden 4. wleder mehr Futtermittel als Kleie an die Landwirtschaft abgeführt. 5. Trotz sämtlicher Qualitätsverbesserung des Brotes darf das Brot in keiner Weife auch nur im geringsten verteuert werden. Und 6. wenn ich eben den Ostmärkern ein Bonbon geben konnte, so will ich das auch mit meinen bayerischen Landsleuten tun. Die Viererzeugung wird auch erheblich gesteigert werden. (Großer Beifall.) Ich glaube, meine lieben Volksgenossen, mehr könnt ihr jetzt nicht von mir verlangen. (Beifall.) Aber wir haben unser Augenmerk nicht nur auf Brot und Brotgetreide gerichtet, sondern gleichzeitig auch auf Fleisch und Fett. Auch zu diesen Vorräten, die Parteigenosse Darr6 angesammelt hat, treten weitere Vorräte, die im Ressort des Vierjahresplanes gekauft und gelagert würben. Wenn gestern davon gesprochen wurde, daß wir Fettvorräte für siebeneinhalb Monate haben, dann möchte ich euch darüber auf- Sie inimflrielle Produktion auf höchsten Touren. mächtigen, daß dieses Jahr der ausgezeichneten Ernte das erste der sieben fetten Jahre sein wird. (Große Heiterkeit.) Allerdings hat uns diese Ansammlung von Vorräten auch vor neue Schwierigkeiten gestellt, aber, wie gesagt, die Schwierigkeiten werden wir zeitlebens nicht mehr los werden. Immer, wenn wieder etwas Schönes erreicht ist, kommt dadurch auch wieder eine neue Schwierigkeit. Diese Schwierigkeiten entstehen einmal für mich und einmal für euch. Für mich insofern, als ich es schwer habe, die gewaltigen Mengen unterzubringen. Ihr wißt, wir haben schon unsere Kornkammern bis unters Dach gefüllt. Wir werden aber noch weiter Kornkammern bauen, in denen dieses wunderbare Gold, das wir hier in Gestalt des Brotgetreides besitzen, sicher gelagert wird. klären, was das heißt. Das bedeutet nicht, daß wir lediglich einen Vorrat haben, der nur noch für siebeneinhalb Monate reicht, sondern das bedeutet, daß zu der eigentlichen Fettmenge, die im Reich erzeugt wird, zusätzlich durch Käufe üsw. Vorräte hinzukommen, die siebeneinhalb Monate reichen würden, wenn heute plötzlich überall die ganze Fetterzeugung e i n g e st e l l t werden würde, ü. h. wenn es im ganzen Reich keine Milch, keine Schweine ufw. mehr gäbe. Das heißt also, diese Reserve von siebeneinhalb Monaten, die als Vorrat daliegt, gestattet zusätzlich zu dem auch bei schlechten Zeiten anfallenden Fett eine Zeit der Manipulation von Jahren. Das ist das Entscheidende. Das wollte ich euch nur sagen, damit hier keine falsche Auffassung entstehen kann. (Beifall.) Nun die Kartoffeln! Wir haben im letzten Jahre eine Rekordernte an Kartoffeln gehabt, und die diesjährige Ernte wird der letzten nicht nachstehen. Wir haben sogar vom letzten Jahre noch Vorräte und werden nun wieder neue Vorräte bekommen, die uns in der Lagerung erhebliche Schwierigkeiten bereiten werden. Kartoffeln wachsen bei uns sehr gut. Die Dümmsten haben die besten, weil sie die größten haben. (Schallende Heiterkeit.) Aber das kommt ja der Allgemeinheit zugute. Man muß auch immer gerecht sein. (Beifall.) Nun zum Zucker! Auch Zucker, meine Volksgenossen, haben wir in solcher Menge, daß wir bereits exportieren könnten. Wir haben außerdem Konserven aller Art gelagert, besonders Fischkon- fernen. Wir haben eine große Fischflotte aufgebaut. Unsere Fischflotte ist zum ersten Male hoch droben fischen gegangen. Wir sind nicht mehr das kleine Volk, das hintendran sitzt. Wir haben in diesem Jahre zum ersten Male unsere Walfang- flotte ausgeschickt, und sie ist mit gewaltigen Ergebnissen zurückgekommen. So ist alles geschehen, was geschehen konnte, und ich kann Sie versichern, die Lagerräume, die wir heute haben, sind „proppevoll". Das deutsche Volk braucht nichts zu befürchten. Aber trotzdem ermahne ich euch zu dem, was der Führer sagte: Weiter sparsam sein. Ich habe die Vorräte nicht angesammett, damit sie vergeutet werden, sondern damit sie in Zeiten der Rot dem deutschen Volk sein tägliches Brot sichern. (Beifall.) Diese günstige Schau sott die Landarbeiter nicht etwa dazu verleiten, zu glauben, sie könnten jetzt vom Lande weggehen in die Fabrik, weil sie dort angeblich etwas mehr Lohn bekommen. Rein, jetzt erst recht auf dem Lande geblieben und gearbeitet! Line Ernte muß besser werden als die andere, dann sind wir unüberwindbar und unbesiegbar geworden. (Beifall.) als vor fünf Jahren und viel besser als in der Zeit des schmachvollen Systems. Ich möchte jetzt auf die V e l k s e r n ä h r u n g etwas eingehen, und zwar deshalb, weil gerade hier die größten Lügen und Verleumdungen des Auslandes immer wieder einsetzen. Hier herrscht aber auch die allergrößte Unkenntnis. Ich will nun heute hierüber einen offenen Ueberblick geben. Jrn Ausland sagt man, die Ernährung sei der schwächste Punkt des Reiches. Man denkt daran, erinnert sich zurück an die Jahre der Blockade. Man erinnert sich zurück an die verhungerten Menschen, man erinnert sich zurück, wie man damals mit dieser feigen Abschneidung nicht nur den deutschen Mann, sondern auch die deutsche Frau und das deutsche Kind getroffen hat. Man weiß, daß das einmal tatsächlich der schwächste Punkt des Reiches gewesen ist. Die Erinnerung an diese Blockade, an die Folgen einer solchen Blockade, die tauchen jetzt wieder da und dort in den Zeitungen auf, wenn man dem deutschen Volke wieder einmal eine Lektion geben oder eine Drohung aussprechen will. Immer wieder taucht dann der Hinweis auf: Das deutsche Volk soll sich stets erinnern, daß es nicht selbständig in der Ernährung ist, denn wir sind die großen Mächte und haben die anderen Mächte noch dazu, dem deutschen Volk die Zufuhren abzuschneiden — und andere Geschichten mehr. Ich kann den Herren nur eines versichern: Nicht nur sie erinnern sich der Blockade, auch wir erinnern uns der Blockade. Und wenn wir uns nicht erinnert hätten, Jo danke ich nun ausnahmsweise in diesem Falle den Herrschaften, daß sie mich durch ihre heutigen Hinweise immer wieder aufs neue mit der Nase darauf stießen, was notwendig ist. Gerade jetzt in der allgemeinen politischen Spannung hört man immer wieder von der Ernährungsschwäche des Reiches reden. Ich versichere euch, meine schaffenden Volksgenossen, als ich vom Führer damals berufen wurde, zuerst für die Rohstoffe und Devisen und dann für den Vierjahresplan, da allerdings war mir auch klar, das Erste und Wichtigste ist: Die Ernährung des deutschen Volkes muß jo ficherge stellt - werden, daß kommen mag/was will, und wenn dies Deutsche Reich von lauter Feinden umspannt wäre — zu essen muß es haben, und wenn ein Krieg dreißig Jahre dauert! Darauf waren von der ersten Stunde alle meine Bemühungen abgestellt, und ich hatte es leicht, denn bereits unser Parteigenosse Darrs hat seit der ersten Stunde seines Amtsantrittes die gleichen Ideen und die gleichen Gedanken gehabt und infolgedessen auch die gleiche Arbeit getan. So trafen mir uns im gemeinsamen Handeln. Und heute kann ich nur davon sprechen, und ich bin besonders glücklich — das müßt Ihr verstehen —, daß ich es ausgerechnet in einem Augenblick tun kann, wo sich der Himmel wieder einmal zuzieht und verdüstert. Der Führer hat in seiner Proklamation und der Parteigenosse Darrs hat gestern in seinen Zahlen schon ausführlich darauf hingewiesen. Ich will euch heute eine ganz offene R e - ch e n s ch a f t geben, nicht — das möchte ich betonen — zu einer falschen Beunruhigung, denn dazu ist kein Anlaß. Ihr wißt außerdem eines von mir, daß ich, was ich euch versprochen habe, auch immer halte. Ich sage auch hartes. Unangenehmes und Schweres, wenn es sein muß. Denn ich habe mich im Weltkriege zum Schluß davon überzeugen können, wie furchtbar es ist, wenn eine Führung das Volk im unklaren und ungewissen läßt und dann über Rächt das Volk aus Höhen in Tiefen gestürzt wird. Ich bin überzeugt, das deutsche Volk hätte damals nicht so versagt, hätte den Hetzern nicht das Ohr so geliehen, wenn die Führung sich von vornherein an bie Stärke desVolkes gewandt und das Volk über die Schwere der Zeit aufgeklärt und an den Zusammenhalt appelliert hätte, statt es einzulullen und dann in die Tiefe zu stürzen. Dann wäre es anders gekommen, niemals, meine Volksgenossen, sollt Ihr belogen, niemals getäuscht, niemals dort beruhigt werden, wo Beruhigung nicht am Platze ist. Das deutsche Volk ist stark und verlangt, daß es seinen Anteil auch am Schweren hak. Gewiß, wir Führer wollen alles tun. Unsere ganze Arbeit gilt nur eurem Wohl, eurem Glück. Aber wenn es Zeiten gibt, die zu schwer sind, dann muß das Volk auch das Seinige auf die Schulter nehmen. Auge in Auge mit jeder Schwierigkeit, Auge in Auge mit jeder Gefahr, Auge in Auge mit dem Schwersten wird man seiner Herr werden. Wan muß es nur wissen, damit man es anpacken kann. Um so glücklicher bin ich nun natürlich, euch heute wirklich Günstiges melden zu können. In der Proklamation des Führers wurde ja darauf schon hingewiesen. Sinn und Zweck des Vierjahresplanes liegt ja letzten Endes allein darin, alle Vorkehrungen zu treffen, um die Sicherheit des Reiches auf das Aeußerste zu steigern, die das Reich unabhängig machen in allem, denn nur wer unabhängig ist, braucht auch niemals seine Ehre preiszugeben. Wir Deutschen wissen: Es gibt nichts Fürchterlicheres sur em Volk, als seine Ehre preiszugeben. Unsere Ehre werden wir nie, nie mehr preisgeben Unb damit sie gesichert ist, haben wir diese ganzen ■arbeiten vollzogen und werden sie auch weiter vollziehen. Es soll nicht mehr möglich fein, zuerst das "C .a^ubungern, dann durch Lügen aufzuhetzen und schließlich zum Zusammenbruch zu bringen D - e Zelten sind oorbei, die Tatsachen haben uns eine zu furchtbare Belehrung gegeben Meine lieben Volksgenossen! Neben der guten Ernte und allem war ich fortgesetzt bemüht, Vorräte anzusammeln, Vorräte auf allen Geboten, wo wir sie notwendig hatten. Darüber hinaus wurde die Produktion aller wichtigen Dinge bis zur äußersten Kraft gesteigert. Rohstoffe wurden selbst erzeugt oder ersetzt, vor allem aber die Erfahrung über alles gesichert. Verordnungen und Maßnahmen, die ich getroffen habe, sind Ihnen bekannt, vor allem auf dem Ernährungsgebiet, die zunächst vielleicht dem Bauern schwer fielen,' daß er z. B. sein Brotgetreide nicht mehr an das Vieh verfüttern durfte, sondern daß dieses Getreide als höchstes Gut der Nation sichergestellt werden mußte. Ich habe euch auch einige -Schwierigkeiten auferlegen müssen, und ihr habt schlechteres Brot bekommen Aber seht ihr, heute haben wir nun dafür diesen Vorrat. Die Ernte ist gut. Der liebe Gott ist uns hier zu Hilfe gekommen. Und jetzt steht es so, daß zu den Zahlen, die euch gestern genannt wurden, und die im Ressort des Parteigenossen Darrs liegen, noch die Vorräte hinzutreten, die ich im Hand in Hand mit der Vorratsbewirtschaftung auf dem Gebiete der Ernährung ging selbstverständlich eine solche auf dem Gebiete der industriellen Wirtschaft. Auch hier sind Vorräte gesammelt worden, in erster Linie natürlich in den Dingen, die wir tatsächlich durch nichts ersetzen konnten und die uns im Falle einer Blockade unangenehm geworden wären. Mit diesen Dingen haben wir uns reichlich eingedeckt. Darüber hinaus haben wir aber vor allen Dingen auch Vorräte auf all den Gebieten angeschafft, die kriegswichtig sind. Aber weit über die Vorratsbewirtschaftung und über die Vorratslagerung hinaus sind wir daran gegangen, eine ungeheure Produktion anlaufen zu lassen. Diele neue Produktionsstätten, hunderte, ja tausende von Fabriken sind im Zeichen des Vierjahresplanes neu entstanden, in denen Eisen und unedle Metalle, Kupfer, Gummi, Treibstoff, Bekleidung usw. gelagert sind. Wir haben heute keine leeren Fässer mehr, die wir mit Benzin oder Benzol füllen könnten, weil alles gefüllt ist. Wir haben unsere Produktion und den Ausbau der Produktionswerkstätten gewaltig erhöht und Vorräte angesammelt, die uns auf lange Zeit sicherstellen. Hier läuft nun sichtbar der Vierjahresplan an. Erst jroei Jahre sind vergangen, Fabrik um Fabrik gebaut, die ersten Fabriken stehen schon auf höchster Produktion, und so wie Schiff auf Schiff vom Stapel läuft, wie Fabrik nach Fabrik weiter anläuft, so wird sich auch die Produktion steigern. Deutschland wird nicht mit jedem Jahr schwächer, sondern Deutschland wird mit jedem Jahr stärker. Sein Potential wächst, sei es im Frieden, sei es im Kriege. Das wird niemand verhindern können, diese Versicherung gebe ich euch. Was für das Leben der Nation notwendig ist, wird bei Tag und bei Nacht aetan und nicht eingestellt. So ist ein gigantischer Aufbau vor sich gegangen. Ich erinnere nur an die Hermann- Göring-Werke in Salzgitter und in Linz. Das sind die größten W er ke, die es in der ganzen W e l t gibt. (Beifall.) Es gibt in der ganzen Welt kein Werk, das auch nur annähernd den Um« fang und die Größe dieser Werke besitzt. Ueberall wird der deutsche Boden erschlossen. Wo Eisen, Kupfer, Blei, Zink usw. — wenn auch in geringsten Vorkommen — vorkommt, ist es aufgeschlossen. Wo Erdöl vorkommt, ist es angebohrt. Ueberall sitzen Pfropfen darauf. Ich brauche nur zu drehen, und schon strömt das kostbare Gut des Erdöls zur Verwertung heraus. Wir haben nicht ge- schlafen. Das soll die Welt'wissen. Wir haben gearbeitet, wie noch nie in einem Volk' und ZU keiner Zeit gearbeitet worden ist. An Buna, Treibstoffen, Zellulose, Kunstfasern besitzen wir d i e größten und zahlreichsten Fabriken der Welt. Aber trotzdem, meine Volksgenossen, nochmals die Mahnung: Sparsam bleiben! Man muß sich überlegen: All das ist ja kostbares Gut, das in unendlichem Fleiß hier geschaffen worden ist, und immer mit dem Blick auf die Sicherheit unserer Nation und unseres Volkes. Deshalb müssen weiter auch die kleinsten und allerkleinsten Abfälle gesammelt werden. Derjenige begeht ein Unrecht, der von der Tafal Schokolade das Silberpapier abmacht und wegwirft. Ich brauche ^nch den alten Korken, und wenn ihr eine Seltersflasche aufmacht, dann vergeßt nicht, den Stöpsel abzugeben. Ich nehmen alles, und ich brauche alles! (Große Heiterkeit und Beifall.) Man hat mich deshalb ausgelacht. Man hat gesagt, das wären kindische Methoden, wenn ich glaube, auf diese Weise die Wirtschaft ein^s Volkes regulieren zu können. Mögen sie weiter lachen, der Erfolg spricht für sich, und er gehört uns! (Beifall.) Dazu kommt eine gigantischeRüstungs- i n b u ff r i e, die weiter ausgebaut und gesteigert wurde. Fabriken für Flugzeuge und Wo- toren sind in großer Zahl vorhanden und sichern eine ungeheure Kapazität. Kanonen und Wa- schinengewehre kommen in ausreichendem Wahe zur Auslieferung. Schiffe laufen programmähig von den Werften. Auch hier in der Rüstung ist alles geschehen, was geschehen konnte. Ja, wir haben hierbei noch ein besonderes Glück: wir haben den Start zuerst begonnen und sind deshalb jetzt um ein paar Rasenlängen schon den anderen voraus. (Stürmischer Beifall.) Ich komme jetzt zu einem Kapitel, das mich — ich gestehe es ganz offen — am wenigsten interessiert. Es ist trotzdem wichtig: Börse und Finanzierung. Die Kursentwicklung an der Börse hat im Auslande auch oft reichlich Gelegenheit gegeben, den Zusammenbruch der deutschen Finanzierung zu verkünden und damit den Zusammenbruch für Rüstungen und alles weitere. Dabei war natürlich wie überall der Wunsch der Vater des Gedankens. In einer liberalen Wirtschaft kann nur das Abbröckeln von Kursen gewiß außerordentlich schwerwiegende Bedeutung haben. Man blicke nur auf die verschiedenen schwarzen Freitage und Donnerstage, die da in Amerika gewesen sind. In der nationalsozialistisch gelenkten Wirtschaft bedeutet das aber wirklich nichts. Die Börse hat bei uns nämlich keine beherrschende Stellung mehr. Das ist vorbei. (Beifall.) Sie hat eine wichtige Funktion: sie dient dem Umsatz der Wertpapiere und wirkt als Instrument der Kapitallenkung. Der Wert der Effekten aber liegt nicht in den Stücken selbst — das ist Papier, etwas härter als anderes, aber sonst auch nur Papier (Heiterkeit) —, sondern in der Arbeitsleistung, die dahinter steht. Aktien beispielsweise repräsentieren lediglich den Wert der dahinter stehenden Betriebe und Werkstätten, der dahinter stehenden Menschen, was sie arbeiten und leisten, vom jüngsten Lehrling bis zum Generaldirektor. Diesen Wert repräsentieren sie aufgeschrieben, sonst gar nichts. Bei vollbeschäftigten Werken, hohem Auftragsbestand, glattem Absatz und gesunder Verwaltung kann sich der Wert der Aktien an sich kaum ändern. Noch schärfer prägt sich das aber alles bei den Reichsanleihen aus. Hinter diesen Reichsanleihen steht die gewaltige Arbeitsleistung des ganzen deutschen Volkes und dieGarantie des Dritten Reiches, und ich glaube, die Herren haben alle schon gefühlt, was die Garantie dieses Dritten Reiches bedeutet. (Beifall.) Selbstverständlich können Kursschwankung n auftrten. Wie ich Ihnen schon sagte: Ich bin fein Fachmann auf diesem Gebiet. Aber wenn gewisse Herren nun anfangen, diese Aktien abzustoßen und so verschiedene Manöver zu machen, dann bröckelt — einmal künstlich und bann wieder gewollt und dann wieder gemacht und gewünscht — etwas davon ab. Das ist aber an sich lediglich ein neckisches Spiel, das diese Herren an der Börse unter s i ch treiben, ohne jede Rückwirkung auf das Werk, ohne jede Rückwirkung auf die Arbeiter, die dort beschäftigt sind. Das braucht euch, liebe Volksgenossen, gar nicht zu interessieren, was und wie die Aktieninhaber manipulieren. Wenn der eine glaubt, er kann den anderen übers Ohr hauen oder Manöver machen ober nicht, das interessiert die deutsche Volkswirtschaft einen Schmarren. (Heiterkeit und Beifall.) Wenn sich heute jemand mit Effekten voll gehamstert hat und nun Baugeld brauchte, dann stößt er die Aktien ab, so heißt der Fachaus« druck. Wenn er nun viele von den „Dingern" abstößt, dann sagt sich der andere: Au Backe, ist da etwas faul? Der stößt ja soviel ab. Jetzt gebe ich für die Effekten nicht mehr so viel, sondern weniger,' und bas sind dann Schwankungen. Was interessiert das schon die deutsche Wirtschaft? Anders allerdings kann es fein, wenn nun wirtschaftlich unnötige Verkäufe erfolgen, besonders von Anleihen, und zwar aus einem ganz anderen Grunde. Solange sie mit ihren Kuxen und Aktien Blindekuh spielen, mag das hingehen. Wenn aber Menschen durch d a s R e i ch große Aufträge bekommen haben und durch das Reich sehr viel verdient haben, was ihnen eigntlich gar nicht in dem Umfange zu gekommen wäre, und ihren Zaster schon irgendwo anlegen, dann ist schon das Mindeste, daß sie dieses durch das Reich verdiente Geld i n Reichsanleihe anlegen — sie können sich ja nicht daraufsetzen, und fressen können sie es ja auch nicht. (Heiterkeit.) Wenn jetzt plötzlich Gerüchte kommen: „Es gib Krieg" oder „Es gibt keinen Krieg", odr wenn sie vermuten, es wird hier und dort oder da sich etwas ändern, dann gehen solche Leute her und sagen: Ach, faule Sache, das haben wir mit der Kriegsanleihe schon einmal durchererziert — und dann heben sie die Reichsanleihe ab. Das bedeutet dann, daß dieser Mann bereit ist, alles Gute vom Reich zu nehmen, aber nicht auch nur einen Funken von Vertrauen für dieses Reich einzusetzen. (Stür- mische Zustimmung.) Ganz schlimm sieht aber die charakterliche Seite dieser Herren aus, wenn sie bann noch dazu übergehen, Noten oder Gebrauchsgegenstände zu hamstern. Ich werde hier ein außerordentlich wachsames Auge haben, und - Gott sei Dank passen heute in Deutschland so viele Menschen auf, daß unserem heiligen Reich kein Schaden geschieht, so daß man meistens früher ober später doch dahinterkommt. Im übrigen möchte ich den Herren zu bedenken geben, daß ein solches Spiel sehr gefährlich ist. Es ist gefährlich, Noten zu hamstern, denn sollten einmal all zu viel Noten gehamstert sein, könnte es sich leicht ereignen, daß über Nacht diese gehamsterten Noten nichts mehr wert sein dürften. (Lebhafte Zustimmung.) Es kann sich nun einmal niemand der deutschen Schicksatsgemeinschaft entziehen. Wenn die Herren bereit sind, im Guten davon zu genießen, dann sollen sie auch dann zum Reiche stehen, wenn sie dieses Reich bedroht glauben. Niemand kann sich seiner Pflicht gegen Volk und Reich entziehen, kein Arbeiter und kein Bauer, kein Generaldirektor und kein Lehrling, auch nicht der Aktionär oder gar der Hamsterer von Bargeld. Riemand soll glauben, er könne sich auf irgendeinem Schleichweg den Pflichten gegenüber den Volksgenossen entziehen und dem gemeinsamen Schicksal ausweichen. Diese These haben wir ja auch schon exerziert. Wie oft hat man früher gesagt, der Zusammenbruch geht den deutschen Arbeiter nichts an, davon würben nur die Großkopfeten, die Schlotbarone, betroffen werben. Wer aber vom Zusammenbruch z u ■ erst betroffen wurde, war tatsächlich der deutsche Arbeiter. (Stürmische Zustimmung.) Das glaube ich, müßte auch der Dümmste allmählich einsehen: Der Volksgemeinschaft und dem Schicksal dieser Volksgemeinschaft sind wir verfallen, im Guten wie im Schlechten. Wir können ihm nicht ausweichen, und wer anständig ist, will a u ch, n i ch t ausweichen. (Lebhafter Beiiall.) Konzentration aller Kräfte — das ist jetzt eine entscheidende Frage unb ein entscheidendes Problem. Ich sagte schon eingangs, daß es nur darauf an kommt, jetzt die notwendige Kraft der Arbeit zu finden, um die Probleme lösen zu können. Wenn ich aber hier und dort nicht eine volle Lösung herbeiführen kann, weil ich nicht für alle Arbeiten und Aufgaben genug Leute habe, muß ich zu einer Konzentration der Kräfte schreiten, muß ich einen Schwerpunkt bilden, wohin ich diese Konzentration lenke. So, meine Volksge- noffen, wie wir jetzt in so wunderbarer und instruktiver Weife eine Konzentration durchführen und den Schwerpunkt auf die Westbefestigunaen legten, wo es möglich war, in wenigen Wochen mit Hunderttausenden ein solches Werk erstehet zu lassen, so ist es auch notwendig, daß wir st-ts dort, wo die wichtigste Aufgabe liegt, auch die schwerste Konzentration der Kräfte hinbringen. Das ist kein Schikanieren. Glaubt mir, ich ronrr fel'a, wenn es jedem von euch am besten ginacr Wenn ich aber nun zu fordern gezwungen bin. daß ein Arbeiter für einige Wochen seine Arbeits-stätt- ver- lasien muß, vielleicht auch seine Familie, um an einem anderen Platze zu verdienen, io weiß ich, daß ich Schweres von ihm fordere. Er ober weih, roarum es geschieht und daß ihm das einmal gelohnt wird — und wenn nicht ihm, dann seinen Kindern. Seid aber versichert: wir Führer wollen immer eingedenk sein, daß wir nie etwas verlangen wollen, was wir selbst nicht auch '-de Stunde .zu geben bereit sind. (Lebhafter BeilalN Meine liebe Volksgenossen! Schweres und Gewaltiges liegt hinter uns. Muß nicht jeder einzelne, der gerne in diesen so erhebenden Togen an die letzten zehn Jahre zurückdenkt, in die Knie sinken vor Demut über das, was unserem Volk be- chert worden ist. Wenn wir dieses gewaltige Ge- chehen ln seiner ganzen großen Wirklichkeit erfassen, dann haben wir doch nicht nur das Recht, wlr faben gerabe3u die Pflicht, oertrauens- oollen Blickes in die Zukunft zu sehen, denn ein Volk, das unter solcher Führung steht und so etwas geleistet hat, das hat nicht etwa fünf Jahre hindurch Gewaltiges geleistet, um nun in den weiteren fünf Jahren gar nichts mehr zu leisten. Ich darf Sie alle bitten, wohin auch immer Sie kommen, meine schaffenden Freunde, euch ihr Amtswalter der Arbeitsfront, ihr müßt schon als Nationalsozialisten Träger sein dieses großen Vertrauens in die Zukunft, Träger fein mit der Blickrichtung nach vorn, Träger einer blinden Gefolgschaft für den Führer, wohin auch immer er uns führen mag. Es gibt auch unter uns Haghafte. Ich muß feststellen, mir scheint, wer besonders viel denkt besonders viel liest, sich besonders gescheit dünkt' der ist auch am zaghaftesten. Vielleicht deshalb, 'weil er zu viel Möglichkeiten überlegt und durchklügelt Der einfache Mann vertraut auf den Führer, und das ist richtig. (Stürmische Kundgebungen.) Ich werde keinen Augenblick verneinen, daß schwere Wolken am Firmament aufgezogen sind. Eine gewaltige politische Spannung durch, pulst Europa und die Welt. Ein kleiner Teil der europäischen Menschen schikaniert heute andere, ihm anvertraute Minderheiten, und ist damit zu einem Unruheherd in ganz Europa geworden. (Pfuirufe.) Leider sieht man nun nicht wieder den Unruheherd selbst, . sondern man sucht überall wieder an der Peripherie herum, versucht dort die Spannung zu erkennen, statt auf den Ausgang der Spannungen zu kommen. Wir wissen, was dort vor sich geht. Wir wissen, daß es unerträglich ist, wie dieser kleine volkssplitter do unten — kein Mensch weih, woher sie gekommen find — ein Kulturvolk dauernd u n - »erdrückt und belästigt. (Dauernd wachsende gewaltige Zustimmung.) Wir wissen aber, dah es ja nicht diese lächerlichen Knirpse sind. Dahinter steht Moskau, dahinter steht die ewige jüdisch-bolschewistische Zerrfrahe. Don dort her wird gehetzt und geschürt. Von dort Tn nuF/. es da unten Mord und nX* L? L? 9s 6,bt Wenn es sich dort beruhigt Hot, Üh/r Fuders los. Uns Ermahnungen hakelt ZU geben, ist verhältnismäßig 3U 'Hein, erhebt hegen Deutschland und Italien sind 9eroo?.nt würde uns direkt etwas ab- feiM etnumaI mehr da wäre. (Heiter bl*r ,n völlig gelassener Nuh e und .harren der Dinge, wie sie auch kom- men mögen. Wir haben getan, Volksgenossen, was wir turt konnten, um Deutschlands Ehre und Deutschlands Sicherheit zu garantieren. Wir haben versucht, außenpolitisch wieder Freunde zu finden, dort, wo eine gleiche Auffassung der Ideale uns verband. Wir haben sie gefunden, und trotz aller Versuche, uns zu trennen, trotz allen, die dies nicht wahr haben wollen: Die Achse und die Freundschaft Italien-Deutschland steht fester denn je zuvor. (Stürmische Kundgebungen.) Beide Völker bilden heute in Europa zusammen mit I a p a n im Fernen Osten überhaupt das einzige und große Bollwerk gegen die Weltpest des Bolschewismus und damit gegen die Weltauflösung. MchnieinseinerGeschichtewarSeiiischlandsostark Wir haben aber auch alles andere getan, um die Garantie für Ehre und Sicherheit fest zu untermauern: eine eben geschilderte großzügige Vorratswirtschaft, der Aufbau einer großen R o h st o f f i n d u st r i e, die Erschließung aller Bodenschätze sichern Deutschland völlig vor jeder Blockade, fei es mit fogenann- ten friedlichen oder kriegerischen Mitteln. Der Aufbau einer gewaltigen Rüstungsindustrie sichert die Kampfkraft unseres großen Heeres, gespeist aus der Fülle von 75 Millionen, sichert den Aufbau und die Versorgung einer neuen, ständig im Wachsen begriffenen m o - dernsten Flotte, sichert den Aufbau und die Versorgung der Luftflotte, die ich, ohne Aebertreibung und ohne Anmaßung, die technisch modern ste, einsatzbereiteste, z a h l e n m ä h i g st ä r k st e der W e l l nennen darf. (Tosender Beifall.) Die Luftwaffe erfüllt gleich wie Heer und Flotte eine unbändige Kühnheit und eine unerschütterliche Siegeszuversicht. (Erneuter stürmischer Beifall.) Roch nie in seiner Geschichte war Deutschland so stark, so gefestigt, so einig. Eine mit neuesten Erfahrungen und einmaliger gewaltiger Anstrengung gebaute mehrgliedrige Befestigungszone sichert das Reich im westen gegen jeden Angriff, hier kommt keine Macht der Erde mehr durch ins deutsche Land. (Lang anhaltender stürmischer Beifall.) Eine kampfgewohnte, von höchstem Idealismus erfüllte Partei formt und eint das deutsche Volk in einer wunderbaren, durch keine Lügen und Hetzen zu zerstörende Ge- m e i n s ch a f 1, in welcher Arbeiter und Bauern das granitene Fundament bilden. So stehen wir, das Volk Großdeutschlands, fest und geeint. Keine Lüge soll uns verwirren, keine Schmeichelei soll .uns täuschen, keine Drohung uns jemals schwach machen. Ich weiß, daß gerade jetzt immer wieder mit Drohungen gegenüber Deutschland gearbeitet wird. Meine lieben Volksgenossen! Gegen diesen lächerlichen Versuch, uns einzuschüchtern, möchte ich für ganz Deutschland, besonders aber für uns nationalsozialistische Kämpfer, mit den Worten des Kriegsministers Feldmarschall Roon eines versichern: Wir sind allezeit Schießer gewesen, niemals aber Scheißer. (Nicht endenwollender Beifall.) Wir wollen niemand etwas zuleide tun. Wir wollen aber auch kein Leid an deutschen Brüdern länger dulden. Riemand in der Welt, ich glaube, kein Volk, wünscht heißer den Frieden als wir, weil wir diesen Frieden so lange entbehren muhten. Vergeht nicht, Völker: Versailles hat den Frieden aus der Welt gebracht. Und heute steht ihr kümmerlichen Schöpfer von Versailles vor diesem elenden Machwerk und wißt nicht mehr wie ein und wie aus. Ls find die Staaten der Ordnung gewesen, die den Frieden wieder in die Welt gebracht haben: Deutschland, Italien. (Wieder lebhafter Beifall.) Diese beiden Völker wollen der Welt einen neuen gerechten Frieden wieder aufbauen. Ietzt muh es sich zeigen, ob in der Welt noch Vernunft oder hah regiert. Wir stehen, bewuht unserer Kraft, bereit, für die Vernunft allzeit einzutreten. Sollte aber der haß über die Völker siegen, dann sind wir entschlossen, mit höchstem Mut und letzter Entschlossenheit dem Befehl unseres Führers zu folgen, wohin er immer uns ruft. (Tosender Beifall.) Wir wissen, daß der Führer in all diesen Jahren, da er uns Führer ist, immer unb überall bas Richtige getan hat. Wir wissen aber auch, daß uns nichts so stark macht wie das blinde Vertrauen, zu dem sein gewaltiger Glaube mehr als Berge versetzt hat. Sein gewaltiger Glaube an Deutschland hat unser Volk aus tiefster Nacht und Not, aus Elend, Verzweiflung, Schmach und Schwäche wieder emporgeführt in strahlendes Licht, hat Deutschland zu einer Großmacht erhoben, und in all diesen Jahren hat der Allmächtige ihn und das Volk gesegnet, wieder und immer wieder. Er hat uns im Führer den Retter gesandt. Unbeirrbar ging der Führer seinen Weg, und unbeirrbar folgten wir ihm. Der Weg war steil, doch herrlich sein Ziel: unser Großdeutschland. In diesen Stunden und Tagen aber, da von außen immer wieder versucht wird, hier und dort Klein- m u t ins deutsche Volk zu bringen, Zweifel an seiner Führung im deutschen Volk zu erwecken, das deutsche Volk zu umschmeicheln und zu bedrohen, kann ich nur das eine zu euch allen und zum ganzen Volke sagen: Deutsches Volk, trage die stählerne Gewißheit in dir: So lange Volk und Führer eins sind, wird Deutschland unüberwindlich sein. Der Herr sandte uns den Führer. Nicht damit wir untergehen, sondern damit Deutschland auferstehe. (Am Schluß seiner Rede wurde der Feldmarschall nach jedem Satz von stürmischen Beifallskundgebungen und Heill-Rufen unterbrochen.) wird versprochen, was natürlich niemals gehalten wird. Von dort kommen die Gerüchte, die Lügen, die Verleumdungen, die Helle putscht die ganze Welt auf, und die demokratischen Völker fallen darauf herein. Wie könnte es auch anders sein. Also die Welt hallt mal wider von Krieg und Kriegsgeschrei. Und wenn nun überhaupt die Welt in den Demokratien von Kriegsgeschrei widerhallt, dann haben auch diese Demokratien sofort die Schuldigen gefunden. Dann sind diese Schuldigen ausgerechnet immer die st arken Staaten der Ordnung, Deutschland und Italien. Immer heißt es dann, w i r sind die Unruhestifter. Ausgerechnet zwei Völker, die bereit waren, und es bewiesen haben, daß sie zunächst einmal fähig waren, im Gegensatz zu den anderen, den Frieden in ihrem eigenen Lande wiederherzustellen. (Stürmischer Beifall.) Beides zudem noch Völker, dis gegenüber dieser verschwommenen anonymen Verantwortung von Parlamenten zwei Männer von Höch st er Verantwortung besitzen. Das ist etwas anderes als ein so anonymer Begriff von Mehrheit und Parlament, der niemals Verantwortung übernehmen kann und übernehmen will. Diese Staaten, die in ihrem Innern Zucht und Ordnung, Frieden und Glück ihren Völkern gebracht haben, haben das nicht getan, um nach außen plötzlich die Kriegsfackel anzuzünden und die Kriegsfurie loszulassen. Es kommt nicht darauf an, wer am meisten vom Frieden schwätzt, sondern wer am meisten für den Frieden tut. Darauf allein kommt es an. Es würde auch England gar nicht schlecht zu Gesicht stehen, daß es, bevor in diesem Lande soviel von Frieden und vom bedrohten Frieden in Europa geschwätzt wird, erst einmal Frieden i seinem alten Juden st aat ba unten machen würde. (Starker Beifall und Heiterkeit.) Aber zunächst lesen Träger der deutschen Zukunst. Der Führer beim Appell der HF. im Nürnberger Stadion. Ehrentag der deutschen Iugend. Nürnberg, 10. Sept. (DNB.) Schmetternde Fanfarenklänge, Trommelschläge im Marschtakt und frohe Lieder aus Hunderten und Tausenden von jungen Kehlen hallten am frühen Morgen des Samstags durch die Straßen der Stadt der Reichsparteitage. Nürnberg steht im Zeichen der Hitler- Jugend, die in der Hauptkampfbahn des Stadions aufmarschiert ist, um auf diesem mit der Vereidigung der 18jährigen Hitlerjungen, die in die Partei aufgenommen werden, verbundenen Appell vom Führer die Parole für das neue Jahr entgegenzuneh- men. Zum erstenmal sind auch Abordnungen von 9000 Jungen aus den HJ.-Gebieten der Ostmark angetreten. Der BDM. in seinen kleidsamen Uniformen hält die Ränge auf beiden Seiten des gegenüber der Tribüne im Hintergrund befindlichen Treppenbaues besetzt. Im Mittelfeld haben Trommler und Fanfarenbläser des Jungvolks sowie Spielmanns- und Musikzüge der HI. Aufstellung genommen. In Begleitung des Stellvertreters des Führers betritt der Führer die Kampfbahn, während die Führerstandarte neben dem Nednerpodium hochgeht. Reichsjugendführer Baldur von Schirach macht dem Führer Meldung. Mit den Worten: „Heil, meine Jugend!" grüßt Adolf Hitler die Träger der deutschen Zukunft, „Heil, mein Führer!" braust es 50 000fach zurück. Nach dem Fanfarenruf und nach dem Chor „Wach auf, du deutsches Land", rücken von beiden Seitentoren der Kampfbahn die Fahnen ein, die alle getragen werden von den Teilnehmern des Adolf- Hitler-Marsches. Während des Einmarsches erklingt das gemeinsam gesungene Lied Heinrich Spittas „Lang war die Nacht und lang war die Not". Reichsjugendführer Baldur v. S ch i r a ch entbietet dann in einer kurzen Ansprache dem Führer den Gruß der angetretenen Jungen und Mädel und vor allem der Jugend aus der Heimat des Führers. Der Führer spricht. Immer wieder braust der gewaltige Orkan der Heilrufe auf, als d e r F ü h r e r an das Mikrophon tritt. Die vor der Tribüne angetretenen Jungen und Mädel der Ostmark rufen im Sprechchor: „Die Ostmark grüßt den Führer!" Im leuchtenden Weiß der von dem BDM. besetzt gehaltenen Ränge zu beiden Seiten des Hintergrundbautzs der Kampfbahn tauchen plötzlich in Braun d i e Buchstaben A und H auf, gebildet von den Mädeln, die ihre braunen Jacken angezogen haben. „Deutsche Jugend!" so wendet sich der Führer nun an feine Jugend. „Alljährlich begrüße ich in euch hier, die Millionenmassen aller unserer deutschen Jungen und Mädchen im ganzen Reich! Im vergangenen Jahr wies ich darauf hin, wie sehr ihr es als ein großes Glück empfinden müßt, in diese Zeit hineingeboren zu sein. Damals ahnten wir alle noch nicht, was sich ein Jahr später in der deutschen Geschichte Großes ereignet haben wird. Ihr seid nun die Zeugen eines geschichtlichen Vorganges geworden, der sich oft in Jahrhunderten nicht wiederholt. Ihr seid dabei selb st Kämpfer g e • mefen fürbiefes neue größereDeutsch- land. In euren jungen Herzen habt ihr immer schon getragen, was heute Wirklichkeit geworden ist. Zum ersten Male sind heute am Reichsparteitag der Nationalsozialisten zu Nürnberg auch Jungen und Mädchen aus der Ostmark des Reiches angetreten, die nunmehr für immer und ewig ein Teil Deutschlands ist und sein wird. Daß dieser große Erfolg errungen werden konnte, das danken wir nicht dem Zufall, nicht einem äußeren Gerede von Einigkeit und Brüderlichkeit, sondern einem inneren Erleben und Nachleben dieser Gebote. Es ist das unvergängliche Verdienst der nationalsozialistischen Bewegung, daß sie in der Zeit der tiefsten Erniedrigung unseres Volkes in keinem Augenblick den Glauben an diese Zukunftsentwicklung verloren hat, daß sie diesen Glauben pflegte und die Deutschen lehrte, diesem Glauben entsprechend zu leben. Was konnte dieses alte Deutschland in seiner inneren Zerrissenheit noch für unsere Zukunft bedeuten? Glaubt jemand, daß dieses vergangene Deutschland das hatte gestalten können, was heute Wirklichkeit ist? Eine neue Bewegung mußte kommen, um unser Volk dafür zu erziehen und einsatzbereit zu machen! Und wenn - der Rationalsozialismus in feinem geschichtlichen Dasein nichts anderes erreicht haben würde als die Tage des 12./13. März 1938, dann hätte er damit allein bereits feine Daseinsbe- Frau Aja in ihren Briefen. Zum 13V. Todestage von Goethes Mutter am 13. September. Täglich erle-b ich Begebenheiten, die kein anderer Mensch beachten würde, aber sie sind meine Welt, mein Genuß und meine Herrlichkeit. Wenn ich in einen Kreis von langwelligen Menschen trete, denen die aufgehende Sonne kein Wunder mehr ist, die sich über alles hinaus glauben, was sie nicht verstehen, so denk ich in meiner Seele: ja, meint ihr nur, ihr hättet die Welt gefressen! Wüßtet ihr, was die Frau Rat heut alles erlebt hat! ♦ Ohne den felsenfesten Glauben an Gott, an den Gott, der die Haare zählet, dem kein Sperling-fehlet, der nicht schläft noch schlummert, der nicht verreist ist, der den Gedanken kennt, eh er noch da ist, der mich hört, ohne daß ich nötig habe, mich mit Messern und Pfriemen blutig zu ritzen, der mit einem Wort die Liebe ist — ohne Glauben an den wäre so etwas unmö'glich auszuhalten. — (Nach dem Tode der Tochter.) * Ich kenne so viele Menschen, die gar nicht glücklich sind, die das arme bißchen von Leben sich so blutsauer machen, und an allem diesem Unmut und unmusterhaftem Wesen ist das Schicksal nicht im geringsten Schuld. In der Ungenügsamkeit, da steckt der ganze Fehler ... ♦ Ordnung unb Rühe sind Hauptzüge meines Charakters — daher tu ich alles gleich frisch von der Hand weg — das Unangenehmste immer zuerst — unb verschlucke den Teufel — nach bem weisen Rat des Gevatter Wieland — ohne ihn erst lange zu begucken. Liegt bann alles wieder in den alten Falten, ist alles Unebene wieder gleich, bann biete ich dem Trotz, der mich im guten Humor übertreffen wollte. * Zwar habe ich die Gnade von Gott, daß noch keine Menschenseele mißvergnügt von mir weggegangen ist — wes Alters, Standes und Geschlechtes sie auch gewesen ist — ich habe die Menschen sehr lieb, unb bas fühlt alt unb jung. Ich gehe ohne Prätension durch diese Welt und das behagt allen Evens Söhnen und Töchtern — demoralisiere niemand, suche immer die gute Seite aüszuspähen, überlasse die schlimme dem, der den Menschen schuf und der es am besten versteht, bti scharfen Ecken abzuschleifen. ♦ Ich habe zur Zeit nicht die geringste Furcht — ebenso wenig denke ich ans Weggehen — ein panischer Schrecken hat sich freilich über ganz Frankfurt verbreitet, und es wäre kein Wunder, wenn man von dem Strudel fortgerissen würde., Furcht steckt an wie der Schnupfen — ich hüte mich daher, soviel ich kann, den Memmen auszuweichen, um mir den Kopf nicht auch verdrehen zu lassen — doch ist das sehr schwer zu vermeiden. — (Beim Dorrücken der Franzosen 1793.) ♦ - Da werde ich nun Urgroßmutter? Um nun diesem Vorfall noch mehr Rarität zu geben, entschloß ich mich, eine Arbeit vorzunehmen, die — ich wette mein Sjab und Fahrt — seit der Erschaffung der Welt — ein stark Stück! — keine Urgroßmutter verfertigt hat; nämlich die Spitzen an das Kindszeug zu klöppeln, und nicht etwa so lirum larum, nein, sondern ein Brabanter Muster, drei Finger breit und — wohl zu merken! — ohne Brille. Nun denke dir die kürzen Tage — mancherlei Abhaltungen und du, und wer es hört, wird meinen Fleiß bewundern, daß das Wunderwerk fix und fertig und schon spediert fft. Der Glaube an Gott, der macht mein Herz froh und mein Angesicht fröhlich — ich weiß, daß es mir unb ben Meinen gut geht und bas die Blätter nicht einmal verwelken, geschweige der Stamm! (Zusammengestellt von Eva Leiser.) Dos Wunder aus Glas. Wie die Glühlampe entsteht. Mit ber zunehmenben Vervollkommnung ber elektrischen Glühlampen ist biefe künstliche Lichtquelle für ben Menschen unentbehrlich geworben. Der heutige Stanb ber Herstellung ermöglicht es, bie Glühlampen je nach ben Erfordernissen auszu- wählen, mag es sich um Wohnräume, Arbeitsplätze, Ausstellungshallen ober Verkehrsstraßen, handeln. Die Zahl ber verschiebenen Lampenarten mit Leistungen zwischen 0,2 Watt bis 50 Kilowatt belauft sich auf über 6000. Als kleinste wird bie medi- zinische Lampe angefertigt, beren Kolbendurchmesser ganze 3 Millimeter beträgt; mit ihr wirb bas Innere bes lebenden Menschen durchforscht. Zu ben größten Lanlpen gehören bie lichtstarken Kino- lampen unb besonders widerstandsfähige Lampen für bie Beleuchtung großer Plätze. Sowohl bie kleinen als auch bie ganz großen Lampen fmb Meisterwerke ihrer Art, wie überhaupt die gesamte GlühlampenhersLellung ein Gebiet ist, auf dem sich nur erprobte Qualitätsarbeit durchsetzen kann. Nur in wenigen Fällen ergibt sich die Notwendigkeit, sie gleichzeitig mit einer Massenanferti- gung zu verbinden. In dem bekanntesten deutschen Fabrikationsunternehmen wurde dem Verfasser eine umfassende Besichtigung aller Herstellungsgänae ermöglicht. Es fällt sogleich auf, daß ber Maschine im weitesten Sinne ein wesentlicher Anteil an ber Fertigung von Glühlampen zufällt. Zwei wichtige Gründe waren dafür ausschlaggebend: die Genauigkeit auch in allerkleinsten Dingen, wie sie für menschliche Arbeitskräfte einfach unerreichbar ist, und die Forderung nach größtmöglicher Billigkeit des Enderzeugnisses. Langjähriger Forschung ist es bann gelungen, eine Maschine zu erfinden, die nicht nur diesen Bedingungen gerecht wird, sondern darüber hinaus gesundheitliche Schäden für die menschliche Arbeitskraft verhindert. Diese würden durch die hohen Hitzegrade entstehen, die bei der Bearbeitung ber gläsernen Lampenhülsen unvermeidlich sind. Ein eigener Versuch ergab sogar, daß es für menschliche Kräfte einfach unmöglich ist, sich auch nur kürzere Zeit in der Nähe solcher Hitze aufzuhalten, um dabei noch eine Feinarbeit zu verrichten. Die ständig in Drehung befindliche Maschine durchläuft dagegen ungehindert die Arbeitsvorgänge, bei denen das Glas durch Gasflammen an ben Schmelzstellen so stark erweicht wirb, bis es beliebig geformt unb geschnitten werben kann. Auch bies besorgt die Maschine selbsttätig in den weiteren Arbeitsvorgängen, die sämtlich durch mechanisch ausgelöste Kupplungen in Bewegung geraten. Solchen Maschinen braucht man nur die Teile zur Verfügung zu stellen, aus denen die Glühlampe in ber Hauptsache besteht; davon wirb bas äußere Glasgehäuse ebenfalls durch mechanische Vorrichtungen ber in Drehung befindlichen Maschine zugeführt. Die einzelnen Jnnenteile entnimmt sie sich aus seitlichen Vorratsbehältern selbst. Erstaunlich, wie aus einer großen Zahl von überaus feinen Leuchtbrähtchen genau bie erforberlichen zwei Stück entnommen unb in bas Glasgehäuse eingesetzt werben, unb zwar innerhalb des sehr kurzen Zeitraumes, ben bie Maschine bafür übrig läßt. Da sich alles dreht, muß jeder Vorgang unbedingt zu gleicher-Zeit beendet sein, sonst entstände eine Stockung. Noch erstaunlicher, daß diese Maschine selbständig ihren Stillstand auslöst, sobald an irgendeiner Stelle nicht alles in Ordnung sein sollte. Man könnte sich fragen, ob bei einer derart verfeinerten maschinellen Herstellung die Glühlampen nicht eigentlich billiger fein müßten. Hierbei muß aber berücksichtigt werden, daß eine Unsumme von wissenschaftlicher und praktischer Vorarbeit geleistet werden muß, ehe die Fertigung- auch nur einer neuen Lampentype aufgenommen werden kann. Der Entwurf und die ersten Versuche mit der erwähnten Fabrikationsmaschine haben z. B. Jahre beansprucht, und wieder erst Jahre später gelang schließlich die fehlerfreie neue Herstellungsart. Die Herstellung des in den Lampen angebrachten Wolframdrahtes ist überaus schwierig und kostspielig; er muß auf eine Feinheit gebracht werden, die nur etwa ein Fünftel von blondem Frauenhaar beträgt, bas viel stärker ist als schwarzes Frauenhaar. Hierzu muß ber Draht zum Schluß burch Diamanten gesogen werben. Von dem hohen Diamantenbebarf eines großen Lampenerzeugers kann ber Außen- stehende sich nicht entfernt einen Begriff machen; natürlich erforbert er entsprechen!) hohe Aufwen- bungen, bie alle im Endpreis ber Lampen zum Ausdruck kommen müssen. Hinzu kommen bie Kosten für die ftänbige Prüfung Zehntausenber von Lampen, von benen bei etwaigen Mängeln ganze Serien vernichtet werben müssen, um nicht ben Ruf bes Erzeugnisses zu gefährden. Schließlich kann man bei ber Glühlampe ihren Preis nur danach beurteilen, wie stark bas von ihr gelieferte Licht ist und wieviel Brenn st und en eine Lampe bei gutem Licht überdauert. Die deutsche Wertarbeit auf bem Gebiet ber Glühlampen kann in dieser Hinsicht jeden Vergleich aushalten. Jedem Verbraucher ist es möglich; 'Versuche unter Beobachtung dieser Gesichtspunkte anzustellen; sie werden ihm die Frage nach der Preiswürdigkeit klar beant» warten. NK. Hochschulnachrichten. Geh. Reg.-Rat Professor Constantin (Tara- th 6 odory, einer unserer führenden Mathematiker in München, wird 65 Jahre alt. Professor Carathöodory, der in Berlin geboren ist, habilitierte sich 1905 in Göttingen, lehrte dann in Bonn, als Ordinarius an der Technischen Hochschule in Hannover und in Breslau. 1913 kehrte er nach Göttingen zurück und wurde 1918 nach Berlin berufen; er bekleidet seit 1924 einen Lehrstuhl an ber Mün- chner Universität. Von feinen Arbeiten, die namentlich geometrischen Prdblemen, der Mengenlehre, Relativitätstheorie und Thermodynamik gelten haben besonders die Vorlesungen über reelle Funktionen große Verbreitung gefunden. „W baue aus Luch fest und zuversichtlich." N i: z M 3: • -7?'- Unser Bild zeigt den Vorbeimarsch der HJ.-Fahnen vor dem Führer. Links von ihm (vom Beschauer aus gesehen) Baldur von Schirach und rechts Rudolf Heß. (Bildtelegramm Scherl-Bilderdienst-M.) rechNgung erwiesen für ein Jahrtausend. Aber ich glaube, daß dies er ff der Beginn des segensreichen Wirkens unserer Bewegung ist. Unermeßlich sind die Aufgaben, die uns gestellt sind. Wie immer es aber auch sein möge: Gelöst zu werden vermögen sie nur durch einen geschlossenen Volkskörper, der nicht durch Wünsche und hoffen entsteht, sondern nur durch die Erziehung. Nur durch sie allein können wir uns das Volk schaffen, das wir brauchen, und das jene benötigen, die nach uns Geschichte gestalten wollen. Dieses Volk aber wird nicht in den allen Generationen erzogen, sondern immer aufs neue in seiner Jugend. Und deshalb bin ich so slolz und so glücklich, wenn ich euch sehe! Don Jahr zu Jahr formt sich euer Bild schöner. Es ist wirklich eine stolze Freude, jetzt an die deutsche Zukunft zu denken. Was an alten erprobten Männern heute in Deutschland vorhanden ist, das wissen wir. Daß die deutsche Jugend aber dem besten deutschen Mannestum und dem besten deutschen Frauenideal nachleben wird, dos ist unser aller stolze Gewißheit. Und damit — weil das deutsche Volk sicher und fest stehen wird — weiß ich auch für alle Zukunft das Reich sicher und geborgen! Es ist ein anderes Volk als jenes, das ich selbst in meiner Jugend erlebte und kennenlernte. Stärker zusammengefügt wie jemals zuvor, ein Volk, das seine große Lebensaufgabe nunmehr begriffen hat und eine Schicksalsgemeinschaft bildet auf Leben und Tod, um diese Aufgabe zu lösen. In diese Schicksalsgemeinschaft seit ihr hineingestellt! In sie werdet ihr hineinwachsen und sie selbst einmal tragen. An eurer Festigkeit wird einmal die Festigkeit Deutschlands gemessen werden. Und ich baue>auf euch fest und zuversichtlich. Wenn mich einmal die Vorsehung von meinem Volk wegnehmen wird, dann werde ich dem kommenden Führer ein Volk hinterlassen, das fest zusammenge- fügt und eisern zusammengeschlossen ist, das niemals mehr getrennt und zerrissen werden kann, unerschütterlich zusammenstehend, glücklich in Freudenzeiten und trotzig im Leid! Dafür seid Ihr, Junge um Junge, Mädchen, um Mädchen, die lebenden Garanten! Der hat noch immer in deutschen Landen am besten gebaut, der vertraute auf das eigene deutsche Volk! Und das seid Ihr! Die Vereidigung der parieianwä'tter. Anschließend singen die Jungen und Mädel gemeinsam das Lied „Run laßt die Fahnen fliegen!". Es folgt dann der feierliche Augenblick der Vereidigung der jungen Parteianwärter, die der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, mit einer kurzen Ansprache vornimmt. Der Führer tritt nach der Vereidigung an das Mikrophon und grüßt mit einem „Heil, meine Parteigenossen!" die vereidigten Hillerjungen, die mit einem kräftigen „Heil, mein Führer!" antworten. Während dann das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied, gemeinsam gesungen wird, wird am Fahnenmast zum Symbol der Verbundenheit zwischen Partei und Hitler- Jugend die Parteifahne gehißt. Es erklingt dann das Lied der Jugend „Vorwärts, vorwärts, schmettern die hellen Fanfaren". Nach dem Kommando Baldur von Schirachs, „Stillgestanden!" schreitet der Führer die Front der HI.-Formationen ab. Mit dem Fanfarenruf klingt die Feier aus. Unter nicht endenwollenden Heilrufen verläßt der Führer die Kampfbahn. Sportfest des SDN in Samberg Bamberg, 12. Sept. (DNB.) Den Abschluß des Reichstreffens 1938 in Bamberg bildete das Spor t- f e st des B D M. im Stadion. Seine besondere Bedeutung erhielt das Sportfest durch die Anwesenheit des Reichsjugendführers, des Reichssportführers und von Jugendführern aus Spanien, Italien, Ungarn, Japan, Bulgarien und Rumänien. Nach dem Einzug der Wimpelträgerinnen hieß Jutta Rüdiger den Reichsfugendführer herzlich willkommen und betonte, daß der BDM. mit diesem Sportfest Ausschnitte aus seinem sportlichen Können zeigen wolle. Anschließend erfolgten die sportlichen Vorführungen. Hierauf ergriff zunächst der Reichssportführer von Tschammer und Osten das Wort. Er betonte, daß der BDM. auf seine sportlichen Leistungen, die er in emsiger Arbeit und durch vollen Einsatz hervorgebracht hat, stolz sein könn5. Daß die Leistung auf dem Gebiet der Leibes» ertüchtigung und -erziehung in der breiten Front der weiblichen Jugend einen gewaltigen Fortschritt gemacht habe, erfülle uns mit Freude und Glück, denn ein mutiges Mädel werde auch einmal eine mutige Frau, und eine mutige Frau werde allen Fährnissen des Lebens widerstehen. Der Reichsjugendführer sprach von der tiefen Wandlung, die sich in unserem Volke vollzogen hat. Das frühere deutsche Mädchenideal, die sogenannte höhere Tochter, kenne man heute gottlob nicht mehr. Eine gesunde und anmutige Jugend ist das neue Ziel der Deutschen geworden. Daß das vor einigen Monaten ins Leben gerufene Werk „Glaube und Schönheit" von den Mädeln richtig verstanden worden sei, das habe dieses Fest gezeigt. Korpsführer Hühnlein ehrt die Giegerstürme im Heichsweiikampf. Nürnberg, 10. Sept. (DNB.) Der Führer des NS. - Kraftfahrkorps, Reichsleiter H u h n l e i n , nahm in dem Zeltlager des NSKK. die Ehrung der aus dem diesjährigen Wettkampf des Korps als Sieger hervorgegangenen Stürme vor. Der Korpsführer teilte mit, daß diejenigen Sturmangehörigen, die ein zweites Mal aus dem Wettkampf siegreich hervorgegangen sind oder hervorgehen werden, die silbern umrandete Raute am linken Unterarm für drei Jähre tragen können und während dieser Zeit an dem Wettkampf außer Konkurrenz teilnehmen. Dann rief Hühnlein die Führer der siegreichen Stürme vor und überreichte ihnen außer seinem Bild mit Widmung die Urkunden, mit denen die Stürme auch in den Besitz des Preises, eines Motorrades, kamen. Der Abend vereinigte den Korpsführer mit seinen Männern beim Biwak. Oie Werkscharen vor Adolf Hitler. Nürnberg, 10. Sept. (DNB.) Am Samstagnachmittag nahm der Führer von dem „Deutschen Hof" den Vorbeimarsch einer Abordnung der DAF.- Werkscharen ab. Trotz des regnerischen Hetters hatte hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden. Als der Führer auf den Balkon hinaustrat, empfing' ihn ein brausender Begeisterungssturm der Massen. Mit klingendem Spiel rückten die Werkscharen an. An der Spitze marschierte der Leiter der DAF., Reichsorganisationsleiter Dr. L e y. Ihm folgten die Arbeitsfrontfahnen der NS.« Musterbetriebe und die Betriebsobmänner. Als die ersten Werkscharmänner den „Deutschen Hof" erreicht hatten, begab sich Dr. Ley zum Führer auf den Balkon und erstattete Meldung. Der Führer nahm gemeinsam mit Dr. Ley den Vorbeimarsch ab, wobei die Menge dem Führer immer wieder begeistert zujubelte. Statt Karten werden versteigert: 5866Ö 5864 A Stettin (Kaiser-Wllhelm-Straße 49), im September 1938 5857V LICHTSPIELHAUS Heute Montag Erstaufführung 5787 A töpfe u. v. a. GLORIr Nur heute und morgen Dienstag 585o A 5853A Beiprogr. a. Fox-Ton-Woche. Tägl. 4, 6, 8.30, So. 3, 5.30, 8.30 SELTERSWEG 47 natur POLOST Giesseri Meine Verlobung mit Fräulein £oni Oekkert, Tochter des Kaufmanns Herrn Georg Oekkert und seiner Gemahlin Charlotte, geb. Schröder, beehre ich mich anzuzeigen Georg Oekkert und Frau Charlotte, geb. Schröder sorgen für herzliches Lachen! Beiprogramm und Ufa-Ton-Woch6 Täglich 4, 6 und 8.30 Uhr OieDerlobung ihrer ältesten Tochter Toni mildem LeuinantHelmutAollgebey hiermit bekannt xer* Der heutigen Gesamtausgabe liegt ein Werbeblatt der Firma Böhme Fettchemie - Ges. m. b. H., Chemnitz über „Fewa“ bei. f686öv Bin neuer außergewöhnlicher VEIT-HARLAN-FILM 6862^ Wer hat die Anwartschaft auf das Große Los der 52 /278. Lotterie? - Nur derjenige, der in der Klassenlotterie mitspielt! Sichern Sie sich deshalb sofort Ihr Los in Gießen bei den Staatlichen Lotterieeinnahmen Stimm Walltorstraße 63 Vor einigen Tagen auf der „Biennale“ in Venedig mit großem Erfolg uraufgeführt Baue gut.... mit Abermann Wegen Umzug verkaufen wir in der Liebigstr. 56 amDienstag, dem 13.Sevtember, ab lOUhr, folgende Gegenstände: 2 Sofas, 4 Betten, 1 Schreibtisch, ovale und andere Tische, 1 zweitür. Kleiderschrank, Polsterstühle, eine Vitrine, ITrumeauspiegel, Kommoden, Waschtische, 1 Friseurtoilette, 1 Handnähmaschine, Federbetten, 1 Waschbütte, Einmach- Helmut Noll Teutnc.it im Korps-pionier-Äatl.42 Amüsantes und Pikantes aus einer kleinen Residenz Hilde Hildebrand, Liebeneiner Lien Deyers, Walter Steinbeck 111 Flaschen Rotwein, 1 Krupp- Registrierkasse, 2 Damenmäntel- Gcharmann Gerichtsvollzieher in Gießen, Wiesenstraße 2 Tel. 3108 Studiadxev Neuen Baue 11 No^hlöcco von 3 bis 20 v. H. erhalten Sie bei wieder- aullldooc holten Veröffentlichungen einer Anzeige! ‘Dittman, k GIESSEN Dienstag, den 13. d. M. nachm. 2 Uhr sollen im Bersteigerungs- lokal, Neuenweg 28, bzw. an Lrt nnd Stelle (Bekanntg. im obigen Lokal) zwangsweise geg. sofortige Barzahlung versteigert werden: Haus-, Laden- und Büromöbel aller Art, 1 Bild, 1 Schaufenster- ausstellungseinrichtg., 1 Vervielfältigungsapparat, Registrierkass en, .Eisschränke, 1 Schaubekalbum m. Briefmarken, 1 Spiegel, Schreibmaschinen. WahrscheinL bestimmt Wep Betriebs-Ausflug ist unser Geschäft 5856D nuiriei DieosI^ geschlossen! W. & G. Schuchard. der das tragische Schicksal einer jungen Ausländerin vor dem glanzvollen Hintergrund der ersten Weltausstellung in Paris schildert. VV o ist Madeleine Lawrence ? Warum hat man alle Spuren von ihr verwischt? — Ein Film von mitreißendem Tempo, mit suggestiver Eindringlichkeit und künstlerischer Kraft gestaltet. In den Hauptrollen: KRISTINA SOEDERBAUM FRITS VAN DONGEN Friedrich Kayssler/Jacob Tiedtke S)as Sagebutfi der Baronin W GIESSEN* MAUS BURG ICf 5865 A Wie würde es Ihnen stehen? Es käme auf einen Versuch an. Möchten ‘Sie nicht einmal zu einer unverbindlichen Bleyle-An- probe kommen? Dieses elegante, gediegen-vornehme Bleyle-Kleid wird Ihnen sicher sehr gut stehen. Wir haben aber auch noch viele andere Bleyle-Formen, unter denen Sie ganz nach Ihrem Geschmack wählen können. <0 to L Ul ec X m Ur. 213 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiaer für Oberhesfen) Montag. 12. September 1938 Geld minderwertiges Zeug angedreht erhielten, sollten für jedermann eine Mahnung sein, sich auf derartige Geschäfte nicht einzulassen, sondern bei Einkäufen nur solche Geschäfte zu benutzen, die Gewähr dafür bieten, daß der Kunde einwandfrei bedient wird. * ** Eine Achtzigjährige. Ihren 80. Ge- burtstaZ kann am heutigen Montag, Frl. Julie Buff, Läberstraße 10, begehen. Die Jubilarin entstammt einer alten Gießener Familie. Frl. Duff erfreut sich großer Bekanntschaft und hoher Wertschätzung. Der Jubilarin unseren herzlichen Glückwunsch. Klein-Motorspritze für Ruttershausen. * Ruttershausen, 12. Sept. Am vergangenen Freitag wurde in der Gemeinde Ruttershausen eine Klein-Motorspritze in Dien st g e- stellt. Es handelt sich um die seither von der Freiwilligen Feuerwehr Grünberg benutzte Motorspritze, die nach Beschaffung einer für Ueberlandfahrten geeigneten Motorspritze in Grünberg überflüssig geworden ist. Die Beschaffung einer Motorspritze für die Gemeinde Ruttershausen hat sich mit Rücksicht auf das Fehlen einer Wasserleitung als dringend erforderlich erwiesen. Nunmehr wird es möglich sein,chim Brandfall das Löschwasser aus der Lahn zu entnehmen und zu jedem Grundstück innerhalb: Aus der Stadt Gießen. Hitler-Jugend aus Nürnberg zurück. Zahlreiche Eltern aus unserer Stadt waren am gestrigen Sonntagabend am Bahnhof, um ihre Jungen abzuholen, die gegen 18.30 Uhr im Sonderzug von Nürnberg erwartet wurden. Pünktlich lief der Zug ein, und dann bestimmten die braunen Uniformen der HI. für kurze Zeit das Bild. Kameraden aus den oberhefsischen Orten fuhren in An- schlußzügen gleich weiter, während die Gießener HI. zum Schlußappell auf dem Bahnhofsvorplatz antrat. Der Spielmannszug der Marine-Hitler- Jugend wartete mit einem Marsch aus. Der Bannführer drückte noch jedem Kameraden die Hand Dann wurde weggetreten. Mit den Eltern machten sich hierauf die jungen Kameraden auf denHeimweg und erzählten eifrig von den Erlebnissen in Nürnberg, die für viele unvergeßlich sein werden. SA.-Reiter mit neuer Standarte morgen erwartet. Am morgigen Dienstag, 9.36 Uhr, werden die Siebener Angehörigen der SA.-Reiterstandarte 147 von Nürnberg zurückkommen. Sie werden die ihnen vom Führer verliehene und geweihte Reiterstandarte mitbringen. Vom Bahnhof aus wird man sich zum Standartengebäude am Landgraf-Philipp-Platz begeben, um das Feldzeichen dort zur Aufbewahrung zu übergeben. Der Schlußappell wird vor der Dienststelle der Reiterstandarte im Wetzlarer Weg stattfinden., Amt für Dolkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Nord. Am Dienstag, 13. September, und Mittwoch, 14. September, wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Nord der Lebensmittel-Opferring durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfund- packchen bereitzulegen und den Inhalt auf die Umhüllung zu schreiben. Dornotizen. Tageskalender für Montag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Das Tagebuch der Baronin W.". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Verwehte Spuren". »Echt italienische wollene Stoffe." Mit dieser Behauptung gingen in den letzten Tagen in Gießen einige Stoffverkäufer auf die „Tour", um in zahlreichen Häusern Stoffe anzubieten, die „Reste von der Leipziger Messe" seien und angeblich „echt italienische Ware mit prima Wolle" darstellten. Die Verkäufer waren Ausländer, die sich im Besitze von italienischen Ausweispapieren befanden. In einer Reihe von Fällen konnten sie die Stoffe zu gutem Preis an den Mann bringen. Als fachkundige Kreise unserer Stadt auf diesen „fliegenden Stoffhandel" aufmerksam gemacht würden und die Ware genauer unter die Lupe nahmen, stellte es sich heraus^ daß der angebliche „italienische Stoff aus reiner Wolle" in Wirklichkeit ausgesprochener Schund ist, mit dem die Käufer geleimt worden waren. Die Verkäufer hatten diese Ware nicht als „Reste von der Leipziger Messe" erhalten, sondern sie von einer jüdischen Firma in Frankfurt a. M. bekommen, in deren Auftrag sie die Stoffe vertrieben. Es handelt sich also um einen aufgelegten Schwindel, bei dem der Jude im Hintergrund steht, der die beiden ausländischen Stoffverkäufer vorgeschickt hat. Da die Verkäufer keinen Wandergewerbeschein und auch keinen Hausier-Erlaubnisschein hatten, wurde zunächst der gesamte, noch greifbare Stoffvorrat zur vorläufigen Siche- rung für die zu erwartende Strafe beschlagnahmt und gegen die Beteiligten ein Verfahren in Gang gebracht, bei dem zunächst der Handel hne Wandergewerbeschein und ohne Hausier-Erlaubnisschein als Strafgrund in vorderer Reihe steht. Diese Fälle, in den die Stoffkäufer für ihr gutes Gehörlose lagen in Gießen. Gaubundtagung in Gießen. — Dannerübergabe. .^^und Hessen-Nassau im Reichsoerband der Gehör osen Deutschlands hatte für den gestrigen ^nt£r ?in* Mitglieder zu einem Gaubundestag nach Gießen Ungeladen. Die Versammlung, mit der gleichzeitig die Feier der Üebergabe eines Gau- banners verbunden war, fand im Saale des Cafe r^eib statt und nahm einen würdigen Verlauf. Als Vertreter des Reichsstatthalters war Kreisdirektor x ' jur. $iß ^r€i5s und die Gauamtsleitung der N^sV. Kreisamtsleiter F r a n k, für die Kreis- waltung der DAF. Heidt, für die Stadt Gießen Derwaltungsoberinfpektor Rispel und als Vertreter der Staatlichen Gehörlosen-Schule in Friedberg Reallehrer Klingler erschienen. Musik der Kapelle K r e n g e l leitete die Feier ein. Dann wurden die Fahnen, unter ihnen auch das neue Gaubanner, eingebracht. Gaubundesleiter Härdtner, Frankfurt hielt die Begrüßungsansprache, in der er u. a. aus- fuhrte: Die Gchörlosen Hessen-Nassaus wollten mit ihrem Gaubundestag zeigen, daß sie nicht zurück- stehen, sondern sich voll der Volksgemeinschaft einfugen wollten. Heiß sei der Wunsch in ihnen allen, Anteil zu haben am großen Erleben unseres Vater- landes. Durch vermehrte Vorträge und Schulungen müsse ihnen flar gelegt werden, was der Nationalsozialismus wolle, was das Vaterland von ihnen erwarte. Andererseits gehe es in Zukunft nicht an, daß der Gehörlose frage: was bekomme ich! Vielmehr müsse er sich fragen, was leiste ich für unsere völkische Schicksalsgemeinschaft! Die Gehörlosen müßten mehr und mehr Schicksalsgemeinschaft der Arbeit und der Leistung sein wollen. Wenn die Gehörlosen sich zu dieser Auffassung bekennen, dann seien sie richtige Nationalsozialisten und handelten rm Sinne unseres Führers. Reichsbundesleiter Albreghs, Berlin stellte seinen Ausführungen voraus, daß wohl die wenigsten der hörenden Volksgenossen sich einen Begriff davon machen könnten, wie schwer es für die Gehörlosen sei, sich zu behaupten. Aber trotz aller Schwierigkeiten hätte der Gehörlose den Glauben an das Leben nicht verloren. Ja, er stehe heute als Kämpfer im Leben, so wie jeder andere Volksgenosse. Er wolle auch nicht Mitleid ober gar Erbarmen, sondern lediglich Verständnis. Die Gehörlosigkeit sei nur ein äußeres Gebrechen, das keinerlei Vorurteil rechtfertige. Der Gehörlose liebe sein Vaterland, sein Volk, seine eigenen Kinder ebenso wie jeder andere Volksgenosse. Als bekannt müsse vorausgesetzt werden dürfen, daß die Gehörlosen mM ausgezeichnete Arbeiter seien. Sie könnten sich ganz auf ihre Tätigkeit konzentrieren. So seien unter den Gehörlosen viele hervorragende Handwerker, Kaufleute, Schriftsteller usw. Viele der Gehörlosen trügen eine heiße Liebe zum Vaterland in sich. Mancher sei unter ihnen, der das Goldene Ehrenzeichen der Partei mit berechtigtem Stolz tragen könne. Der Führer sehe die Gehörlosen als wertvolle Volksgenossen an und habe ihnen durch die NSV. eine wirkungsvolle Betreuung angedeihen lassen. Seit 1933 sei für die Gehörlosen viel geschehen. Das gehe schon allein aus der Tatsache hervor, daß vor 1933 fast 95 v. H. der Gehörlosen ohne Arbeit gewesen seien. Heute seien nur noch 3 bis 5 v. H. ohne Beschäftigung. In seinen weiteren Darlegungen sprach der Redner in markanten Sätzen über die Gegenwart, über bps Dritte Reich und über die großen Aufgaben in der deutschen Zukunft. Er schloß mit dem Bekenntnis zum Führer und erklärte, daß auch die Gehörlosen jederzeit zum Einsatz mit Gut und Blut bereitstünden. Nachdem der Gefallenen des Weltkriegs und des deutschen Freiheitskampfes für das Dritte Reich gedacht war, übergab der Reichsoerbandsleiter dem Gaubund Hessen-Nassau die verliehene Fahne. Die Teilnehmer folgten dem Redner mit gespann- ter Aufmerksamkeit. Die Aufnahme des gesprochenen Wortes wurde ihnen dadurch möglich, daß der Mund des Sprechenden beleuchtet war, andererseits jedes gesprochene Wort durch Zeichensprache begleitet wurde. Ein Erlebnis besonderer Art und für den hörenden Teilnehmer dieser Versammlung von fast erschütternder Wirkung war die Wiedergabe des Deutschlandliedes und des Horst-Wesiel- Liedes in der Zeichensprache. Zur Ausgestaltung der Feier hatte sich unter der Leitung des Gefolgschaftsführers Ruppe l die Marine-Hitler-Jugend zur Verfügung gestellt, die durch ihr straffes Auftreten den Gehörlosen große Freude bereiteten. Gottesdienst — Kameradschastsabend. In den Nachmittagsstunden fand in der Stadtkirche ein Gottesdienst statt. Gegen 17 Uhr trafen alle wieder im Cafe Leib zu einem Kameradschaftsabend ein. Hier hatten sich bereits die Kegler betätigt, für deren Wettbewerb schöne Preise zur Verfügung standen. Die Musikkapelle Krengel gab dem kameradschaftlichen Zusammensein das Gepräge. Dabei zeigte sich, daß die Gehörlosen ein ausgezeich- netes Einfühlungsvermögen besitzen und zu den für sie nicht hörbaren Klängen der Musik sich sogar im Tanzen zu schwingen vermochten. Im Laufeder heiteren Stunden begrüßte Gaubundleiter Härdtner (Frankfurt a. M.) noch einmal alle Erschienenen und wünschte, daß die frohen Stunden ihnen allen eine schöne Erinnerung für die kommende Zeit werden mögen. Dann dankte er dem Reichsbundesleiter Albreghs (Berlin) für feine aufopfernde Tätigkeit für die Gehörlosen Deutschlands. Als Zeichen der treuen Gefolgschaft überreichte er ihm für die Mitglieder des Gaues eine schöne Holzschnitzerei als Geschenk. Der Reichsbundesleiter Albreghs dankte ergriffen. Gehörlose des> Turnvereins Frankfurt am Main zeigten einige Hebungen am Barren, Volkstänze wurden gezeigt und noch manche andere Unterhaltung geboten. der Gemeinde zu leiten. Oberrevisor Schneidmüller von der Brandversicherungskammer Darmstadt und Kreisfeuerwehrführer Bouffier unterwiesen die Mannschaft der Pflichtfeuerwehr Ruttershausen eingehend in der Behandlung des neubeschafften Geräts. Die Gesamtzahl der im Kreis Gießen vorhandenen Kleinmotorspritzen ist damit auf 15 gestiegen. In den Abendstunden des gleichen Tages wurde von dem Dezernenten für das Feuerlöschwesen des Kreisamts Gießen, Regierungsrat Dr. Fuhr, dis Bezirksmotorspritze Lollar probeweise nach Ruttershausen alarmiert. Schon wenige Minuten nach fernmündlicher Durchgabe der Brandmeldung an die Gemeinde Lollar rückte die Motorspritze mit Vor- spannkraftwagen. aus und konnte nach einigen weiteren Minuten das angenommene Brandobjekt bekämpfen. In der anschließenden Kritik brachte Wehrführer Schneidmüller zum Ausdruck, daß die erstmalige Alarmierung der Bezirksmotorspritze unter Benutzung der kürzlich fertiggestellten stillen Alarmanlage in Lollar den Beweis erbracht habe, daß es im Ernstfall künftig möglich sein wird, innerhalb kürzester Frist an jeder Stelle des Kreises Gießen eine oder mehrere Motorspritzen mit geschulten Bedienungsmannschaften einzusetzen. Krofdorf-Gleibergs Haushalt für 1938 0 Krofdorf-Gleiberg, 12.Sept. Erfreulicherweise haben auch unsere ländlichen Gemeinden seit der Machtübernahme eine starke finanzielle Gesundung erfahren. Das zeigt auch der Haushaltsplan von Krofdorf-Gleiberg für 1 9 3 8, der im ordentlichen Haushalt in Einnahme und Ausgabe mit 165 885 Mk. und im außerordentlichen Haushalt in Einnahme und Ausgabe mit 28 301 Mk. abschließt. Im einzelnen sei u. a. folgendes hervorgehoben: Vorgesehen ist für die allgemeine Verwaltung eine Ausgabe von 12 400 Mk., eine Einnahme von 2400 Mark. Ausgaben für das Polizeiwesen 4670 Mark. Die mit der Pensionierung von Polizeihauptwachtmeister Langsdorf freigewordene hauptamtliche Polizeibeamtenstelle bleibt unbesetzt. Den 20 234 Mark Ausgaben für das Schulwesen stehen 7215 Mk. Einnahme gegenüber. Veranschlagt für das Wohlfahrtswesen sind 26 990 Mk. Davon entfallen auf die öffentliche Fürsorge 8000 Mk. (im Vorjahre noch 11 200 Mk ), Zuschuß für die HI. 600 Mk., Kindergarten 600 Mk., NS.- Schwesternstation 2400 Mk., Zuführung an den außerordentlichen Haushalt für den Bau des HJ- Heimes 13 000 Mk., restliche Baukosten 2650 Mark. Die Einnahme für das Kapitel „Wohlfahrt" ist mit 4000 Mk. vorgesehen. Die Straße von Krofdorf nach Gleiberg, die gegenwärtig eine neue Decke erhält, soll mit Randsteinen besetzt werden, wofür 4000 Mk. bereitstehen. Für Bachregulierung und Uferschutz sind 600 Mark eingesetzt. In der Zuchttierhaltung stehen 4600 Mk. Ausgaben 4305 Mk. Einnahmen gegenüber. Die Kosten für Straßenbeleuchtung find veranschlagt mit 3250 Mk., für das Feuerlöschwesen mit 3260 Mk. (darunter 3000 Mk. für Beschaffung von Feuerlöschgeräten). Unter den 4120 Mk. für den Friedhof befinden sich 3000 Mk. für den Bau des ' Kriegerdenkmals. Zur weiteren Vervollständigung des dörflichen Kanalnetzes sind 4000 Mk. für Kanalisierung der Gießener Straße vorgesehen. Vorgesehene Einnahmen aus Kanalgebühren 2000 Mark. Die durch Einnahme von Wassergeld zu deckenden Ausgaben für die Wasserleitung betragen 9450 Mark. Veranschlagte Einnahmen aus dem Grundvermögen: Miete aus Gemeindewohnhäusern 3000 Mk., Pacht aus Gemeindegrundstücken 650 Mk., Einnahmen aus der Forstnutzung 33 600 Mk., Ver- kauf von Obst und Gras 1800 Mk., Jagdpacht 1200 Mk., Wildschaden 800 Mark. Ausgaben: für Ge- meindewohnhäuser und Grundstücke 7110 Mk.. für Waldungen 19 590 Mk. und Wildschaden 700 Mark. Veranschlagtes Steueraufkommen: Anteile an den Reichssteuerüberweisungen 5195 Mk., Grundsteuer für land- und forstwirtschaftliche Betriebe '28 044 Mark, Grundsteuer für die Grundstücke 15 516 Mk., Gewerbesteuer nach Ertrag und Kapital 6000 Mk., Burgersteuer 10 000 Mark. Umlage an den Kreis 22 000 Mk. und Anteil an den Zweckverbandskosten Kannst du zurück, Dm? Roman von Hedda Lindner. Copyright by Carl Duncker Verlag, Berkin W35. 12. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Das war Pech. Aber du brauchst es nicht so tragisch zu nehmen; so was kommt vor jeder Ehe mal vor." Er beruhigte sich sichtlich; wenn es so lag, ließ sich das wieder einrenfen. „Du irrst, Vater", sagte Dore nun energisch. „Ich bin nicht eifersüchtig. Wäre ich es, würde ich Rudolf nicht aufgeben. Das Zusammentreffen war mir peinlich, weiter nichts." „Das ist schlimm", Bertram drehte nervös seinen Kneifer, „sehr schlimm." Er wußte nicht allzuviel von Frauen, aber daß dieser Fall -hoffnungslos war, ging ihm doch allmählich auf. „Wie benahm er sich bei der Eröffnung?" „Wie der kleine Mann, der er im Grunde ist. Es traf mehr seine Eitelkeit als fein Herz." „Wenn du so liebenswürdig über ihn urteilst, verstehe ich allerdings nicht, warum du dich erst Mit ihm verlobt hast?" Der Vorwurf saß. Dore senkte den Kopf. „Ich verstehe es selbst nicht mehr." „Und was soll nun werden?" fragte der Vater nach einer Pause. „Ich will etwas Ernsthaftes lernen, etwas, was Mich wirklich in Anspruch nimmt." „Du hast das doch wahrhaftig nicht nötig." „Doch, Vater. Ich habe es nötig. Sehr nötig sogar. Wenn ich eine Tätigkeit gehabt hätte, die mich ausfüllt, wäre ich nie auf den unglücklichen Gedanken dieser Verlobung gekommen." „Ich glaubte dich mit deinem Leben hier zufrieden!" „War ich auch. Jahrelang. Aber bann ..." Sie stockte. „Jetzt mochte ich erst mal fort", vollendete sie hastig. „Wird wohl nichts anderes übrig bleiben, nachdem du dir den Scherz der Entlobung erlaubt hast." Man merkte trotz aller Beherrschung, daß Bertram innerlich tief empört mar. „Ich nehme an, daß du auch darüber bereits entschieden hast?" „Nur vorläufig. Ich habe bei Tante Elfriede an» gefragt, ob sie mich aufnehmen kann." „Auch das noch!" „Sei nicht ungerecht, Vater!" bat Dore. „Du weißt, daß Mutter fehr große Stücke auf Tante Elfriede hielt." „Weil sie nun mal ihre einzige Schwester war." „Nicht nur darum — sondern weil sie ein tapferer und wertvoller Mensch ist. Das hat Mutter mir oft gesagt." Bertram zuckte brummig die Achseln. „Du hast ja entschieden. - Also ist meine Ansicht überflüssig." Dore biß die Zähne zusammen. Sie fühlte, daß ihre Nerven nachgaben. „Mach es mir doch nicht so schwer, Vater. Ich kann nicht anders handeln, und ich wünschte so, daß du mich verstehst." Bertram sah seine Tochter an. Diesen Zug kannte er. Wenn Irene dieses Gesicht machte, war nichts imstande gewesen, ihren einmal gefaßten Entschluß umzuwerfen, und Dore war ihre Tochter. Nie war die Aehnlichkeit mit der Mutter so ijeroorgetreten ryie in diesem Augenblick. „Daß ich dich verstehe, das kannst du nicht verlangen von mir. Meiner Ansicht nach hätte die Ehe mit Niemeyer das Glück für dich bedeutet. Aber du mußt wissen, was du tust, du bist alt genug dazu. Also gehe deinen Weg, und ich wünsche dir von Herzen, daß es das Richtige ist." „Ich danke dir, Vater", sagte Dore und verließ das Zimmer. „Damenhüte — Elfriede Reichert", stand in matt- silbernen Buchstaben auf dem schwarzen Firmen- child. Ein Hutsalon in einer Seitenstraße des Kur- ürftenbamms ist eine häufige und keineswegs eine besondere Angelegenheit. Dennoch war Elfriede Reichert unbestreitbar eine besondere, durchaus nicht alltägliche Frau. Sie verstand es, ihrem Geschäft eine „Atmosphäre" zu verleihen. Längst nicht jeder Modesalon hat eine Atmosphäre, und längst nicht jede Frau empfindet sie. Aber hier war es so, daß die meisten Frauen, die anfangs nur durch Zufall in das Geschäft geraten waren, nachher ständige Kundinnen wurden, obwohl ihnen — oder vielleicht gerade weil — bei aller Höflichkeit in keiner Weise geschmeichelt wurde. Sie wurden ernsthaft beraten, und wenn Frau Reichert — sie wurde Frau genannt; ob sie verheiratet gewesen, wußte fein Mensch — nach eingehender Musterung erklärte: „Der Hut steht Ihnen, gnädige Frau", dann war tatsächlich dieser Hut auch das Kleidsamste, was die jeweilige Mode für die Trägerin bringen konnte. Die Damen kauften gerne dort, weil der vornehme Geschmack der Inhaberin ihnen zusagte. So konnte Elfriede Reichert schon seit Jahren sorgenfrei und sogar in einem gewissen Luxus leben; nicht einmal die Wirtschaftskrise vermochte den Gang ihres Geschäftes wesentlich zu beeinflussen. Dies also war die Frau, die jetzt auf dem Bahnsteig in Charlottenburg stand, um ihre Nichte in Empfang zu nehmen. „Hallo, Dore, freut mich, daß du mich besuchst", begrüßte sie die Ankommende. „Ich bin zwar aus deinem Telegramm nicht recht klug geworden, aber daß die Grünhager Lust dir augenblicklich nicht bekömmlich scheint, habe ich doch begriffen." „Fabelhaft, wie du wieder au?siehst, Tante Elfriede!" sagte Dore statt einer direkten Antwort. „Wenn man denkt, daß du ..." „Stop!" unterbrach ihre Tante sie lachend. „Solltest du die Absicht haben, mir mein ehrwürdiges Alter nachzurechnen, so laß dir gesagt sein, daß ich bereits seit fünf Jahren rückwärts zähle." „Kannst du auch, wirklich. Wenn ich ein Mann wäre, würde ich mich glatt in dich verlieben." ,Hst zwar Unsinn, was du da redest, aber man hört's doch ganz gerne." Elfriede schob ihren Arm in den der Nichte. „Und nun gib deinen Gepäckschein, sonst wird zu Haus der Kaffee falt." Vor dem Bahnhof ging sie auf pin graues Kabriolett zu und öffnete einladend die Tür. „Bitte, steig ein!" „Du hast einen Wagen? Das ist ja herrlich!" rief Dore begeistert. „Seit einem Jahr. Da sieht man, wie lange wir uns nicht gesehen haben." Dore empfand den leisen Vorwurf. „Ich wollte immer fommen, aber bann hatte ich mich verlobt, und da wurde es nichts", entschuldigte sie sich. „Und dein Vater hat dir sicher nicht zugeredet", es sollte spöttisch flingen, aber es lag doch mehr Bitterfeit darin als Spott. „Du tust Vater unrecht", begütigte Dore, „er er» fennt deine Tüchtigfeit sehr an." „Und fann mich im übrigen nicht ausstehen", antwortete die Tante fühl, während sie gewandt den Wagen durch den Verkehr des Bahnhofsplatzes steuerte. „Nein, liebes Kind, gib dir feine Mühe! Das weiß ich nun zu genau. Daß sich die Tochter des Majors a. D. Reichert mit ihren paar Groschen lieber selbständig machte, statt zu Hause geduldig auf den Mann zu warten, bas hat er in bald dreißig Jahren noch nicht verwunden und erst recht nicht begriffen. Und ich weiß, daß deine Mutter die Verbindung mit mir regelrecht erkämpfen mußte. Daß sie es getan hat, war mit das Beste, was ich im Leben gehabt habe. Aber wir wollen nicht sentimental werden", fuhr sie in leichterem Ton fort, -/dein Vater ist nun einmal in einer Zeit geblieben, in der eine alte Jungfer höchstens einen Mops oder einen Kanarienvogel haben durfte — und fein Auto. Wie gefällt dir übrigens der Wagen?" „Fein!" Dore war froh über die Ablenfung. „Ich habe auch inzwischen meinen Führerschein gemacht", berichtete sie. „Ist die Möglichkeit! Sollte der gute Wilhelm sich tatsächlich so geändert haben? Damals, als Orivius es gern wollte, fand er es doch noch im höchsten Grade un weiblich." „Das war damals, aber schließlich bleibt auch in Grunhagen die Zeit nicht stehen. Ausschlaggebend war wohl, daß Doktor Niemeyer feinen Wunsch unterstützte — er hat selbst einen Wagen", setzte sie etwas zögernd hinzu. „Das ist der Mann, mit dem du verlobt bist?" „Nicht mehr." „So etwas dachte ich mir schon, als du deine plötzliche Ankunft meldetest." Sie sprach nicht wei- ter; denn sie waren angelangt. »Pack nur einstweilen aus, ich bringe den Wagen noch rasch in die Garage", ordnete die Tante an. „Dann trinken wir in Ruhe zusammen Kaffee." Das hübsche, kleine Gastzimmer war von früheren Besuchen her ihr vertraut, auch das Mädchen, das beim Auspacken half, war schon seit Jahren im Haus. "Was haben gnädige Frau zu unserem Wagen gesagt?" fragte sie voller Stolz. „Fabelhaft, Liesbeth. Ich war mehr als überrascht. Tante hat nie etwas davon geschrieben." „Sie brauchte ihn aber auch", erklärte Liesbeth nachdrücklich. „Wenn man hier so mitten in der Stadt sitzen muß wegen des Geschäfts, dann muß man wenigstens abends noch mal Luft schnappen können. Darum haben wir jetzt auch ein kleines Wochenendhaus am Crampnitzsee, und Samstag übernachten wir da, wenn gutes Wetter ist." „3ft ja großartig, Liesbeth! Hab ich da auch noch Platz?" 1 „Es sind ja drei Zimmer. Wenn wir'n bißchen zusammenrücken, geht es", versicherte Liesbeth großmütig. „Frau Reichert bat schon öfter Besuch draußen gehabt. Und wenn ich meinen freien Sonntag habe, komme ich sowieso nicht mit." Nachher saßen Tante und Nichte am Kaffee- tflch- Elfriede plauderte von allem möglichen, nur nicht von dem, was Dore zu diesem unerwarteten Besuch veranlaßt hatte. Es war ihr Grundsatz, nie durch Fragen in ein Vertrauen einzudringen, sondern zu warten, bis es ihr von selbst entgegen- gebracht wurde. (Fortsetzung folgt!) 7435 Mark. Vorgesehen im außerordentlichen Haushalt sind 6950 Mark für den Bau des Kriegerdenkmals, 20 000 Mark für den Bau des HI.-Heims (vorläufiger Teilbetrag). — Die Gemeindesteuern werden wie folgt erhoben: Grundsteuer für land- und forstwirtschaftliche Grundstücke 190 v. H., Grundsteuer für die Grundstücke 220 v. H., Gewerbesteuer nach Ertrag und Kapital 170 v. H., Bürgersteuer 500 v. H. Die bebauten Gemeindegrundstücke stellen einen Wert von rund 300 000 Mk., die unbebauten Grundstücke, darunter 437 Hektar Wald, einen solchen von rund 200 000 Mk. dar. lieber Betriebsvermögen verfügt die Gemeinde mit rund 100 000 Mk. (Wasserleitung, Kanalisation, Steinbrüche, Waagen). Die ehemaligen Schulden in Höhe von 65 000 Mk. sind getilgt. Die von der Gemeinde angesammelten Rücklagen standen zu Beginn des Rechnungsjahres in Höhe von 45 500 Mark. Nach der letzten Feststellung vom 11.10.1937 beträgt die Einwohnerzahl des Ortes 2557 Personen. Die Gemarkung umfaßt 930 Hektar Feld und 1586 Hektar Wald. 2. Hauptrunde: FSB. Frankfurt — BC. Hartha 3:1: BfR. Mannheim — Bayern München 2:1; TSD. 1860 München — Freiburger FL. 3:1; Fortuna Düsseldorf — Opel Rüsselsheim 7:1; Grünweiß Eschweiler — SD. Waldhof 1:2 und Punktekämpse. Gau Südwest: Eintracht Frankfurt — Kickers Offenbach 2:0; FD. Saabrücken — Reichsbahn Frankfurt 3:4; Wormatia Worms — Borussia Neunkirchen 1:0; FK. 03 Pirmasens —' TSG. 61 Ludwigshafen 1:2. Gau Baden: 1. FC. Pforzheim — Spvgg. Sandhofen 4:1; FD. Offenburg — DfL. Neckarau 2:3. Gau Bayern: Schwaben Augsburg — BC. Augsburg 2:4; 1- FC. 05 Schweinfurt — Jahn Regensburg 2:0. „Großer Preis von Men." gjix DfB.-Reichsbahn Gießen. Ehringshausen I — VfV.-Reichsbahn I 0:4 (0:2). Die I. Mannschaft des BfB.-Reichsbahn konnte nach hartem Kampfe auch das letzte Aufstiegspiel für sich entscheiden und sicherte sich somit den Titel eines Kreismeisters. Die Platzverhältnisie in Ehringshausen waren äußerst schlecht, auch die überaus harte Spielweise der Gastgeber zwang die Grünweißen, sich nach Halbzeit zurückzuhalten. Dem Schiedsrichter Schmidt (Dillenburg) stellte sich der DfB.-Reichsbahn mit folgender Mannschaft: Gottschalk, Leutheufer I, Leutheuser II, Lukaschewski, Thron, Krämer, Mattern, Godglück, Bach, Kramer, Szponick. Zu Beginn sah man die Gastgeber in Front, die versuchten, durch forsche Angriffe die Gäste zu überrumpeln, aber die Verteidigung stand. Bald machte sich die reifere Spielweife der Grünweißen bemerkbar, doch dauerte es 30 Minuten, ehe Godglück den ersten Treffer anbringen konnte. Der Gegner versuchte, den Ausgleich zu erzielen, aber schon in der Läuferreihe blieb der Angriff stecken. Eine fein durchdachte Kombination schloß Bach mit einem weiteren Treffer ab. Mit diesem Ergebnis ging es in die Halbzeit. Nach dem Wechsel setzten die Gastgeber alles auf eine Karte, doch konnten sie die Hintermannschaft nicht bezwingen. Das Spiel wurde hart. In der 60. Minute schoß Bach einen weiteren Treffer, und kurz vor Schluß machte Kramer einen Alleingang, er umspielte vier Mann und ließ einen seiner gefürchteten Schüsse los, der von dem Torwächter nicht gehalten werden konnte. Durch diesen Sieg hat der DfB.-Reichsbahn erneut seine gute Form bewiesen. DfV.-Relchsbahn II — Vad-Nauheim Liga 1:4 (0:0). Obwohl man sich von vornherein klar darüber war, daß die Reserve gegen die routinierten Ligaspieler der Gäste wenig zu bestellen hatten, wurde man angenehm enttäuscht von der Energieleistung, die die Reserve vollbrachte. Dem Gegner wurde alles ab- oerlangt. Zu Beginn des Spieles machte sich eine leichte Ueberlegenheit der Grünweißen bemerkbar. Die Grünweißen hatten ober in ihren Schüssen Pech. In der zweiten Hälfte kam die reifere Spielweise der Gäste zum Ausdruck. Die Grünweißen waren ihrem eigenen Tempo zum Opfer gefallen. Mühlhäuser schoß kurz nach der. Pause den ersten Treffer, und kurz daraus war' es derselbe Spieler, der auf 2:0 erhöhte. Das war den Grünweißen zuviel, und vom Anstoß weg nahm Schmidt den Ball und verkürzte auf 2:1. Bei einer Abwehr hatte Matern das Pech, den Ball zurückzuspielen, in der Annahme, der Torwart bekäme den Ball, ober dieser rollte ins eigene Tor und brachte den Gästen einen billigen Erfolg. Ein Elfmeter ergab das vierte Tor. „FL. Teutonia'' Watzenborn-Steinberg Teutonia I — Lauterbach I 4:1 (2:1). Die Zuschauer mögen vielleicht etwas enttäuscht den Platz verlassen haben; denn Lauterbach trat mit nur neun Mann an. Die Gäste hatten sich dementsprechend nur auf Abwehr eingestellt. Einige her- vorvagende Einzelkönner besaß die Elf und manchmal wurden die drei Stürmer gefährlich. Die Teutonen spielten ihr gewohntes Spiel, ob- wohl Naumann und Schmandt fehlten. Außerdem schied Lang am Anfang der zweiten Halbzeit aus. Steinberg hatte Anstoß und sofort brannte Schmidt durch, jedoch der abschließende Torschuß sauste vorbei. Lauterbach beschränkte sich sofort auf die Abwehr, und hier zeigte die Hintermannschaft große Leistungen. Immer wieder kamen Lang und Schmidt an, aber sie wurden aufgehalten, bis Schmidt in der 15. Minute einen schönen Flachschuß zum Führungstor einsandte. Der Gäste-Sturm griff unentmutigt an und in der 25. Minute wurden die Bemühungen belohnt. Lange dauerte die Freude jedoch nicht, denn Buß setzte in der 30. Minute einen Bombenschuß in die Moschen. In der Folge wurden noch manche Ge- legenheiten verpaßt. Auf der andern Seite waren die Teutonen von großem Pech verfolgt. Zwischendurch kamen die Lauterbacher mit- ihrem Drei- Männer-Sturm auch' zur Geltung, ohne jedoch die aufmerksame Hintermannschaft der Steinberger zu überlisten. Halbzeit 2:1! Rack> dem Wechsel drängte Steinberg mehr und fünf. Lauterbacher Spieler kämpften verbissen im Strafraum. Lang schied nach zehn Minuten aus und mit vier Stürmern erzielten die Teutonen noch zwei schöne Tore durch Däublin und Schmidt. Schiedsrichter war Philipp (Gießen). Steinberg II — Steinbach I 2:3 (1:1). Hier trafen zwei gleichstarke Mannschaften auseinander. Die Gäste wurden glücklicher Sieger. Spielvereinigung 1900 Gießen. Ockershausen — 1900 2:5. Besser als erwartet, haben die Blauweißen in Ockershousen obgeschnitten. Und dabei waren die zu bewältigenden Umstände nicht geringer Art. Don der vorgesehenen Aufstellung standen nur sieben Mann zur Verfügung, fo daß auf weiteren Ersatz zurückgegriffen werden mußte. Wenn trotzdem ein Sieg zustande kam, dann ist dies um so bemerkens- werter, zumal er auf dem gefährlichen Gelände in Ockershausen errungen wurde. Die mit nur neun Mann beginnenden Plotzbesitzer gestalteten den Spielbeginn sehr zu ihren Gunsten. Doch bald wandte sich das Blatt. Die jetzt vollzähligen Platzbesitzer konnten sich nun der Angriffe kaum erwehren. Aber erst in der 30. Minute' kam Heuser dazu, die Führung zu erzielen. Mit diesem Stand werden die Seiten gewechselt. Noch Wieder- beginn drängen die Platzbesitzer stark auf Ausgleich. Und wieder ist es Herbst, der die härtesten Schüsse von Scherer und Ortwein, den beiden Schuß- kononen im OckerShäuser Sturm, mit bestimmter Sicherheit zunichte machte. Aus dieser Drongperiode heraus kamen die Blauweißen zum zweiten Treffer. Eine weite Vorlage von Rensina gab Heuser weit zu Schellhaas, und dessen Flanke schoß Hormel wuchtig ein. Drei Minuten später war es wieder Hormel, der einen Fehler der Verteidigung geschickt ausnützte und auf 3:0 erhöhte. Wenig später gelang den Platzbesitzern aus einem Gedränge heraus der erste Gegentreffer. Lange dauerte diese Freude nicht, denn im Gegenangriff erhöht Bergmann auf 4:1. Dies wurde den Gastgeben zu viel. Mit erhöhtem Eifer griffen sie erneut an. Doch die Hintermannschaft der Blauweißen gab sich keine Blöße. Am Strafraum wurde eifern „Halt" geboten. In der 75. Minute kam wieder eine weite Vorlage Rensings zu Heuser, und gegen Hessen Schuß war der Tormann machtlos. Die Blauweißen führten 5:1. Kurz vor Schluß gelang es den Gastgebern dann noch auf 5:2 zu verkürzen. Bei den Platzbesitzern waren es der Mittelläufer und die beiden Halbstürmer Scherer und Ortwein, die aus dem Gefüge hervorstachen. Bei den Blau- weißen, die mit der Aufstellung Herbst; Zeiler, Hain; Erhard, Rensing, Günther; Schellhaas, Bergmann, Hormel, Kociok, Heuser antraten, gab es keine Versager. Sportverein 1920 Lollar. Lollar II. — Treis I. 8:0 (2:0). Schon in der ersten Hälfte des Spieles konnten die Platzbesitzer eine 2:0 - Führung erzielen. Die Ueberlegenheit trat nach dem Wechsel dann noch mehr in Erscheinung. Die Gäste hatten einen ziemlich hilflosen Sturm und kamen nicht einmal zum Ehrentor. Lollar Jugend — Treis Jugend 4:0. Ebenfalls konnte die Jugend von Lollar über die gleiche von Treis in einem schönen Spiel erfolgreich sein. Süddeutsche Tschammerpokalspiele. 1. Hauptrunde: FC. Hanau 93 — VfB. Mühlburg 0:4; VfB. Stuttgart — Phönix Karlsruhe 7:1. Glanzvoller 1 Trotz Hegen hervorragende Leistungen. Dem Schlußtag der NS.-Kampfspiele in Nürn- berg war leider kein gutes Wetter beschieden. Seit den frühen Morgenstunden regnete es, und die Wehrsportler, Leichtathleten, Handballer und Schwimmer mußten am Nachmittag im Nürnberger Stadion ihre entscheidenden Kämpfe unter erschwerten Bedingungen durchführen. Wenn trotzdem auf der ganzen Linie ausgezeichnete Können und die wurden, so svricht das für das Können und die Einsatzbereitscyaft der Teilnehmer. Die 15 000 Besucher, die trotz der Ungunst der Witterung den Weg ins Stadion gefunden hatten, wurden Zeugen erbitterter Kämpfe. Hindernislauf - Handgranaten-Weitwurf. Mit dem Hindernislauf über 400 M e - ter wurden die Ereignisse des Schlußtages eröffnet. Die sechs Läufer,' die mit einfachen Schuhen ohne Dornen über die mit sechs „Schikanen" versehene Bahn mußten, hatten es auf dem glatten Boden Das regnerische Wetter hatte die Bahnen im Nürnberger Stadion recht schwer gemacht. Große Pfützen machten den Läufern viel zu schaffen, besonders in den Kurven gab es einige unangenehme Stürze. Die 4 0 0 Meter wurden auf unabgesteckten Bahnen gelaufen. Bei der nassen Bahn kam es in den Kurven zu Rempeleien, dessen Opfer ausgerechnet einer der Favoriten, SA.-Rottf. Rinck, wurde. Der Berliner stürzte und fiel, aussichtslos zurück, während vorn KluPsch den Nürnberger Robens überraschend klar in 49,8 Sek. abfertigte. Eine sichere Sache für unseren Europameister Rudolf Har big waren die 8 00 Meter. Der Dresdener lief zunächst im Bummeltempo und ließ Eichberger die Führung, so daß das Feld lange zusammen blieb. Erst auf den letzten 50 Metern zog Hardig feinen Spurt an, und in diesem Augenblick schien auch das ganze Feld geradezu stehen zu bleiben. In 1:54,2 Min., einer guten Zeit bei der schlechten Bahn, siegte der Dresdener vor Eichber- ger (1:54,9) und Schumacher (Düsseldorf). Als schnellster Mann erwies sich Meister Hornberger (Waldfischbach), der die 100 Meter klar in 10,7 Sek. gewann. Hornberger hatte den besten Start und lag ständig in Front; hinter ihm hielt sich Altmeister I o n a t h ausgezeichnet. lieber 2 0 0 Meter war der Mannheimer Neckermann eine Klasse für sich. Sein Sieg in der ausgezeichneten Zeit von 21,4 Sek. stand nie in Frage. Der Fuldaer Pontow blieb mit 21,9 noch vor Steinmetz (22,2). Recht gleichwertig war das Feld auf der Für» 3 en Hürden st recke. Im Endspurt zerriß der Wiener ---Mann Leitner'in genau 15 Sek. das Zielband knapp vor dem Berliner SA.-Mann Be- schetznik (15,1). lieber 400 Meter Hürden schob sich Darr (Gotha) bald in Front und gewann in 53,9 Sek. Der Berliner SA.-Mann Mayr konnte mit 54,3 noch Klix (55,4) auf den dritten Platz verweisen. Der 3000-Meter-Hindernislauf stand klar im Zeichen von SA.-Oschaf. Raff (Oberhausen), der in 9:38,0 Minuten als Erster durchs Ziel lief. Hinter chm hielt sich der Kieler Arbeitsmann Seidenschnur sehr tapfer, konnte aber den Sieg des erfahrenen Oberhauseners nicht verhindern. Die Mannschaft der SA. mit Bönecke, Struckl, Horn- berget, Gillmeister siegte in der 4 X 1 0 0 - M e t e r - Staffel in 41,7 Sek. vor dem DRL., der genau 42 Sek. benötigte. Dagegen holte sich die DRL.- Mannschaft mit Helm, Rodens, Klupsch und Harbig als Schlußmann die 4 X 4 0 0 - M e t c r in 3:18,5 i Minuten sicher vor der ff. Nuvolaris großer Sieg. — An diesen „Großen Preis" werden die 80 000 Italiener, die ihn auf der Monzabahn erlebten, noch lange denken. Ihr gefeiertster Fahrer, Tazio Nu- v o l a r i, trug nach langer Zeit wieder einen großen Sieg davon. Er errang ihn nach Kampf auf feinem Auto-Union-Rennwagen und verhalf damit dem deutschen Werk zum Sieg im ersten Grand- prix-Rennen der neuen Formelära. Mit 155,726 km/st für die 419,6 Kilometer lange Strecke erzielte der Italiener einen Durchschnitt, der dicht an die besten Trainingsrunden herankam. Eine Runde zurück belegte der Italiener Dr. Farina auf Alfa Romeo den zweiten Platz. Zwei weitere Runden zurück folgte R. Caracciola auf Mercedes-Benz. Damit hatte „Carratsch" seinen Europameistertitel gegen Manfted von Brauchitsch erfolgreich verteidigt. Die übrigen deutschen Wagen und zahlreiche ihrer Gegner schieden vorzeitig aus. Ein verblüffender Wetterumschlag bereitete den Rennleitern große Sorgen, denn die Einstellung der Motoren war an den vielen regenreichen Trai- ningstagen vorgenommen worden. Und nun herrschte strahlender Sonnenschein. Auf 80 000 Personen wurde die Zuschauermenge geschätzt. Zunächst Lang vorne. Mit Ausnahme von Hans Stucks Auto Union standen die deutschen Wagen in der Folge Lang, von Brauchitsch (beide Mercedes-Benz), Caracciola (Mercedes-Benz), Müller (Auto Union) und dahinter Nuvolari (Auto Union), Seaman (Mercedes- Benz) und Kautz (Auto Union) in den beiden vordersten Reihen. Nach dem Startzeichen schossen die Wagen von Lang, Müller, Seaman, Caracciola und Nuvolari als erste an den Tribünen vorbei. Nuvolari gewann schnell an Boden. Die zweite Runde brachte die ersten Ausfälle: Kautz mußte die Waffen strecken, auch Caracciola fehlte. Er hatte in den Schikanen die Strohballen angefahren, war aber aus eigener Kraft wieder flott geworden. Nach acht Runden lag Nuvolari nur zwei ^Bogenlängen hinter Lang. Plötzlich erscholl lauter Beifall: Nuvolari ilbschluß der AG nicht leicht. Der überragende Teilnehmer mar Arbeitsmann Gebhardt (Hofstätten) mit einer Zeit von 1:06,9 Minuten. Mit Otruf. Bastian (Rätzlingen) fiel auch der zweite Platz an die tüchtigen Ar- beitsmänner. Im Handgranaten-Weitwerfen wurden in der Entscheidung die Vorkampfleistungen nicht erreicht, da der Boden zu rutschig war. Polizeiwachtmeister Herbolzheimer (Stuttgart) kam mit seinen im Vorkampf erzielten 78,10 Meter zum Sieg. Schwerste Hindernisstaffel. Zu einem Riesenkampf gestaltete sich die Hinder- nisstaffel 20X14-Runde, die sechs Mannschaften im Wettbewerb sah. Die Anforderungen waren fast übermenschlich, vor allem an der Holzwand, die naß und glatt war. Nach ständigem Führungswechsel siegte schließlich die von Stürzen verschont gebliebene Stuttgarter ff. Die aussichtsreiche RAD.- Mannschaft von Berlin-Lankwitz mußte nach einem Sturz des vierten Läufers aufgeben. I-ILMWkwlUMN. Beim Weitfprung kam nur der Oberhausener Kron über die 7-Meter-Grenze hinaus und holte sich den Sieg mii einem Sprung von 7,15 Meter. Gleich zweifacher Kampfspielsieger wurde SA.- Otruf. Gerhard Stöck, der das Kugelstoßen mit 15,71 Meter vor dem Olympiasieger Polizei- oberlt. Wöllke (15,46 Meter) und das Speerwerfen mit 69,47 Meter vor dem Berliner Büsse (66,76 Meter) gewann. Im Hammerwerfen war in Abwesenheit von Blask der Hamburger Hein eine Klasse für sich; er siegte mit 57,67 Meter. Erfreulicherweise kamen aber noch weitere vier Mann glatt über 50 Meter hinaus. Schwimmer in letzten Wettbewerben. Auf der Stadion-Schwimmkampfbahn fielen am Samstag die letzten Entscheidungen der NS.-Kampf- spiele 1938. Fast die gesamte deutsche Spitzenklasse war als Vertreter der einzelnen Formationen bzw. des DRL. am Start. lieber 10 0 Meter Kraul gab es einen glatten Fehlstart. Trotzdem wurden die Schwimmer nicht zurückgerufen, von denen der Berliner ff- Rotts. v. Eckenbrecher am meisten im Vorteil war, während SA.-Mann Werner Plath am stärksten benachteiligt wurde. Trotzdem kam Plath in 1:01,8 Min. noch auf den dritten Platz hinter dem in 1:00,7 siegenden v. Ecken brecher und Heidel (Bremen) mit 1:01,7. Dafür holte sich Plath unangefochten die 4 00 Meter Kraul, die er in 5:05 Min. von SA.- Sturmmann Bachmann (5:16,7) ebenso sicher gewann, wie Europameister, ff-Mann Schlauch, die 100 Meter Rücken in 1:09,6 an sich brachte. Erfreulich war dabei, daß SA.-Mann Gerstenberg, der in 1:11,2 Zweiter wurde, an seine Form von 1936 wieder anzuknüpfen scheint. Der Hallenspezialist Pol.-Wm. Heina konnte im 200-Meter-Bru st schwimmen den Hamburger Erwin S i e t a s nicht gefährden. Sietas schlug in 2:49,0 vor Heina (2:52,5) und dem jungen Arbeitsmann Temke (2:56,3) an. Auch in der 4X200-Meter-Krgül staffel schwamm Plath ein großes Rennen für die SA., die außerdem Stecker, Laugwitz und Bachmann eingesetzt hatte. Für den Arbeitsdienst hatten Heimlich, Schroer und Brauner 6 Meter Vorsprung herausgeholt, als Plath für die SA. und Iurgeit für den NAD. den Kampf aufnahmen. Plath machte nicht nur den Vorsprung wieder gut, sondern führte seine Mannschaft in 9:47,9 noch überlegen zum Siege. Die 400-Meter-Lagenstaffel endete in Caracciola Europameister. führte vor Lang, Müller, Seaman, von Brauchitsch und Stuck. Hinter der deutschen Wagsnphalanx jagte Biondetti (Alfa Romeo) einher, o. Brauchitsch fiel durch Kerzenwechsel zurück. Seaman gab mit Motorschaden auf. Taruffi (Alfa Romeo), Belmondo (Alfa Romeo), Zehender (Maseratt) und Wimille (Alfa Romeo) mußten später den Kampf aufstecken. Stuck rückte auf und setzte sich hinter Nuvolari, Lang und Müller vor Dr. Farina auf den vierten Platz. Noch verschiedentlich versuchte es von Brauchitsch mit neuen Kerzen, bis er in der 21. Runde endgültig von der Bahn ging. Drei Auto-Union an der Spitze. Ereignisreich und entscheidend war der Verlauf der nächsten zehn Runden. Caracciola übergab seinen Mercedes-Benz an von Brauchitsch. Lang mußte fast zwei Minuten an die Box und gab dann doch auf. Caracciola übernahm wieder feinen eigenen Wagen. Nach der 40. Runde (60 waren zu fahren) lagen drei Auto Union an der Spitze. Nuvolari führte vor Hans Stuck und Müller. In der nächsten Runde ereilte den zweifachen deutschen Meister Hans Stuck das Geschick. Mit defekter Oelleitung schied er aus. Das 17er Feld war nunmehr auf sieben Wagen zusammengeschrumpft. Müller wieder im Pech. Noch zehn Minuten waren zu fahren. Unverändert lautete der Stand. In der viertletzten Runde war es auch um Hermann Müller geschehen. Der frühere deutsche Motorradmeister mußte aussteigen, sein Motor streikte. Die Entscheidung war gefallen. Rundenabstände trennten die sechs übriggstbliebenen Bewerber voneinander. Ruhig und beherrscht zog Nuvolari seine Kreise. Stürmischer Jubel umbrandete ihn auf seiner letzten Runde und als er dann als Erster von der schwarzweiß tarierten Schlußflagge gestoppt wurde, kannte die Begeisterung seiner Landsleute keine Grenzen mehr. -Kampfspiele. 5:09,7 mit einem Siege des DRL. dank ihres guten Brustschwimmers Sietas. Oie (Spidtiirniere. SA. toafferban-Sieger. Einen glatten Sieg landete die Sieben der SA. im Endspiel des Wasserball-Turniers über die Mannschaft der ff mit 3:2 (1:0) Toren. Schirrmeister hatte die SA. vor der Pause in Führung gebracht und erhöhte nach dem Wechsel auf 2:0. Brauer verringerte für die ff auf 2:1, aber Schirrmeister stellte mit einem weiteren Treffer den alten Abstand wieder her. Noch einmal konnte die ff durch Schwartz ein Tor aufhosen, aber zum Ausgleich oder Siege langte es nicht mehr. Bei der ff verstand sich Schwartz übrigens gar nicht mehr mit seinem Magdeburger Kameraden Schulze. DRL. gewinnt Handball-Turnier. In der Stadion - Hauptkampfbahn traten die Mannschaften des DRL. und der SA. zum End- kämpf des Handball-Turniers an. Auf dem schlüpfrigen, mit. Pfützen übersäten Baden hatten die Spieler keinen leichten Stand. Den Ausschlag in dem Kampfe gab die größere Standsicherheit des DRL. - Innensturmes mit Baumann - Herrmann- Theiling. Mit 11:3 (5:1) Toren kamen die Männer des Reichsbundes zu einem klaren Erfolge. Erbitterte Kämpfe im Boxen. Vor rund 1500 Zuschauern ermittelten am Samstagabend die Boxer im Nürnberger Kolosseum ihre Kampfspielsieger. Es gab harte Gefechte und knappe Entscheidungen. Den einzigen k.-o.-Sieg errang im Schwergewicht Olympiasieger Runge über den Westfalen Pabski in der ersten Runde. Den schönsten Kampf gab es im Halbschwergewicht zwischen Schn arre (Westfalen) und Vosen (Godesberg). Polizei-Owm. Vosen siegte schließlich verdient nach Punkten. Im Mittelgewicht trat der Berliner Polizist Campe nicht mehr zur Schlußrundenbegegnung an, so daß SA.-Mann Garmeister (Ostland) zu einem kampflosen Siege kam. Unerwartet war der Sieg des SA.^Mannes Minsk o w fk i (Mitte) im Fliegengewicht über Olympiasieger Kaiser (Westfalen). Glatt war auch der Punktsieg des Berliners Schiller über den NSKK.-Mann Hamann. Der Arbeitsmann Graaf (Berlin) schlug Scholten (Niederrhein) gleichfalls sicher nach Punkten. Der Punktsieg von Eurova- meifter Nürnbergim Leichtgewicht über den SA.- Mann Schulze (Mitte) wirkte nicht gerade überzeugend. Michel M u r a ch war zum Turnier doch nicht erschienen. Im Endkampf der Weltergewichtsklasse siegte der Westfale Kalinowski über ben Polizisten Schmidt. Kurze Sportnotizen. Einen neuen Segelflug-Weltrekord stellten die Wiener NSFK.-Männer Kahlbacher und Führinger über dem Fluggelände Spitzerberg auf. Mit ihrem doppelsitzigen Flugzeug blieben sie 40,51 Stunden in der Luft urtb verbesserten damit den absoluten Dauerflug-Weltrekord um mehr als vier Stunden. Einen neuen Weltrekord im Hoch- f p r u n g stellte die Bremerin Dora R a t j e n am Sonntag beim Leichtathletik-Sportfest in Saarbrücken mit 1,67 Meter auf. Ihre bisherige Welt- beftieiftuna stand auf 1,66 Meter. Ausgezeichnet liefen auch die beiden Münchnerinnen Gelius unb Spitzweg über 80 Meter Hürden mit je 11,7 Se- künden. EuropameisterHarbig startete am Sonn- tag bei einem Sportfest in Mailand und schlug über 800 Meter abermals den Italiener Lanzi in 1:52,6 Sekunden. Max Syring gewann die 5000 Meter in 14:59,3 Minuten. Dagegen mußten sich unser ABeltrekordmann im Diskuswerfen, S ch r ö - der, und Europameister L e i ch u m im Weitsprung jeweils mit dem zwecken Platz begnügen.