Nr. 212 Erstes Matt 188. Jahrgang Sotnstag, lü./5onntag,ll. September 1938 krjchettu rügltch, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle monatS’BesngspreU: Mit 4 Beilagen RM.1.96 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüfie unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten? Anzeiger Gieße» Postscheckkonto: Kranksnrt am Main 11686 Gießener Anzeiger Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis 8»/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrist nach vorh. Dereinbg.25°/<» mehr. Ermäßigte Grundpreise: General-Anzeiger für Oberhessen Praift und Verlag: vrühlsche Univrrsilätrbruckerei R. Lange in Siehe». Schristleitvng «nd SeschSstsfttlle: Schulftrah« r Stellen«, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzei- gen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder», Unterrichts» u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Das Prager Protokoll veröffentlicht. Die Vorschläge der Regierung. Prag, 10. Sept. (DNB.) Der Vorschlag, den die Prager Regierung der Sudetendeutschen Partei übermittelt hat, trägt den Titel „Protokoll über den zwischen der tschecho-slowakischen Regierung und der Sudetendeutjchen Partei vereinbarten Verhandlungsmodus hinsichtlich der Regelung der nationalen Angelegenheiten". Der Vorschlag enthält im wesentlichen folgendes: 1. Zur Erzielung einer Einigung wird in der Weise vorgegangen, daß konkret uno praktisch die sofortige Erledigung der strittigen Hauptfragen in Angriff genommen wird. Für alle Fragen, welche hier nicht berührt oder konkreter formuliert sind, werden weitere eingehende Verhandlungen vorbehalten. Hinsichtlich der Frage der öffentlichen Ange stellten und Arbeiter besteht Ueberem- stimmung in dem Sinne,' daß der Grundsatz zu gelten hat, daß alle Nationalitäten auf einen ihrem Hundertsatz unter den Staatsbürgern entsprechenden Anteil am Personal st an de in der Staatsangestelltenschaft in allen Rangstufen Anspruch haben. Dieser Grundsatz ist für jede künftige Anstelluna neuer Kräfte bindend und gilt für alle Ressorts. Um möglichst rasch einen derartigen Zustand zu erreichen, wird die nationale Proportionalität bei der Annahme neuer Kräfte deutscher Volkszugehörigkeit für die nächsten zehn Jahre in dem Maße günstiger gestaltet werden, daß am Ende dieser Frist der entsprechende Hundertsatz erreicht wird. Es können deutsche Staatsangehörige, die die erforderliche Qualifikation besitzen, aus dem Prioatdienst oder freien Berufen in den Staatsdienst ausgenommen werden. Auch vorzeitig pensionierte oder entlassene Kräfte können wiedereingestellt werden. Ungeachtet der allgemeinen Aufrechterhaltung des Grundsatzes der Dersetzbarkeit der Staatsangestellten auf dem Gebiete der Republik hat jede Nationalität darauf Anspruch, daß in den einzelnen Verwaltungsgebieten die nationale Zusammensetzung der Staatsa-ngestellten und -arbeiterschast der nationalen. Zusammensetzung der Bevölkerung entspricht. Für die Zusammensetzung der Angestelltenschaft in den Zentralbehörden und in dem Obersten Gericht gilt der gesamtstaatliche Beoölkerungsschlüssel in allen Kategorien und Ranaklassen. Unbeschadet der den Nationalitäten zur Wahrung dieser Ansprüche zustehenden Rechte und Rechtsmittel wird beim Ministerptüsidium iur jede Nationalität eine aus Vertretern der Regierung und aus Vertretern der betreffenden Nationalität bestehende Paritätskommission unter Vorsitz eines Staatsbeamten der bezüglichen Volkszugehörigkeit errichtet. Die Vertrete- der Nationalität in der Kommission werden von den Parlamentsmitgliedern derselben Volkszugehörigkeit gewählt. Der Kommission obliegt a) die Evidenzhaltung (Führung eines ständig auf dem Lausenden zu haltenden Verzeichnisses) der der betreffenden Nationalität zugehörigen staatlichen Angestellten, ■ b) die Überprüfung, ob die Neueinstellungen dem festgesetzten Verhältnis entsprechen, c) die Prüfung, ob der festgesetzte Teil der Staatsangestellten und -arbeiterschast entsprechend den obigen Grundsätzen lokalisiert ist und verwendet wird. , Hinsichtlich der Proportionalität in der ösfent- l i ch e n Wirtschaft ist vereinbart worden, daß die im Staatsvoranschlag bestimmten Ausgaben und Kredite nach dem nationalen Schlüssel so ausgewiesen und verteilt werden, wie dies dem prozentualen Anteil der einzelnen Nationalitäten in der Staatsbevölkerung entspricht. Bei der Vergebung von Arbeiten und Lieferungen für den Staat wird der dafür gewidmete Gesamtbetrag auf die inländischen Unternehmungen nach dem nationalen Schlüssel verteilt werden. Beim Mmister- ratspräsidium wird für jede Nationalität eine aus Vertretern der Regierung und der betreffenden Nationalität zusammengesetzte paritätische K o m- Mission unter dem Vorsitz des Präsidenten des Obersten Rechnungskontrollamtes errichtet. Der Kommission obliegt die Prüfung, ob der Grundsatz des Verhältnisses bei den Staatslieferungen und -arbeiten eingehalten wird. Bezüglich der sofortigen wirtschaftlichen und finanziellen Hilfe für die von der Krise am meisten betroffenen Gebiete und Industriezweige wurde vereinbart, daß die Regierung bis längstens Ende dieses Jahres eine Anleihe in Höhe von einer Milliarde zur Hilfeleistung gewähren wird. Don dieser Anleihe werden 7 0 0 Millionen auf d i e deutsche Industrie entfallen. , Bezüglich der innerstaatlichen Sicherheitsorgane gilt der Grundsatz, daß die frühere Regelung wieder hergestellt wird, wonach sich in die Aufgabe der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit die st a a t l i ch e n Sicherheitsorgane (Gendarmerie) mit den lokalen Siche^ heitsorganen (Polizei) teilen. Es werden sogleich Maßnahmen dafür getroffen, daß ein entsprechender und normaler Zustand hergestellt und die Frage der wechselseitigen Zusammenarbeit und Verteilung der Kompetenz für die Zukunft abgegrenzt wird. Bei Benachteiligung wird die Behandlung konkreter Fälle nach ihrer Vorlage einem weiteren Verfahren mit der Regierung vorbehalten. Das Sprachrecht wird in der Weise neu geregelt werden, daß das bisherige Gesetz zur Herstellung der Gleichberechtigung der Sprachen mit der tschechischen Sprache novelliert wird. Im Staate wird das Prinzip der nationalen Selbstverwaltung angenommen, während das G a u s y st e m verwirklicht wird. Die öffentliche Verwaltung wird von Staats- und Selbstverwaltuntzsorganen besorgt. Die t e r r i t o - rial'e Grundlage der Selbstverwaltung ist nach der nationalen Zugehörigkeit der Bevölkerung abzugrenzen. Die nationalen Minderheiten werden durch ein Kurial- s y st e rn gesichert werden, und es wird ihnen in den einzelnen Selbstverwaltungsgebieten der Schutz ihrer nationalen Rechte nach dem Grundsatz der Gegenseitigkeit sichergestellt. Die Angehörigen der einzelnen Nationalitäten werden unter den Schutz besonderer Gesetze gestellt. Die Nationalität eines jeden Staatsbürgers wird durch nationale Kataster sichergestellt. Zur Verwirklichung und wirksamen Vertretung der Gleichberechtigung der Nationalitäten werden denselben m allen Selbstverwaltungskörpern wirksame Kurialrechte eingeräumt Zur wirksamen Geltendmachung der Ansprüche der Nationalitäten im Bereiche der Staats- und Selbstverwaltung wird das Gesetz über das Derfahrensgericht zweckentsprechend novelliert werden. Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Organen der öffentlichen Verwaltung sind durch ein besonderes Gericht zu entscheiden. Die Gerichte höherer Instanz werden je nach Zweckmäßigkeit in nationalen Abteilungen organisiert. Die Vereinbarung bildet in allen ihren Teilen ein unteilbares Ganzes. Die Durchführung der erforderlichen Gesetzesvorlagen wird unter Mitwirkung von Vertretern der Sudetendeutschen Partei erfolgen. Diesem Protokoll ist ein Ergänzungsprotokoll als Anlage beigefügt, das drei Punkte enthält: Im ersten verpflichtet sich die Regierung zwecks Durchführung der Neueinstellung bzw. Wiedereinstellungen dem Präsidenten der Republik einen Antrag auf Erteilung der A m n e st i e für gemaßregelte Staatsbeamte vorzulegen. Zweitens: Die Wahlen in die Sozialversicherung und Krankenkassen sowie ähnliche Einrichtungen werden in Kürze durchgeführt werden. Drittens: Die Regierung wird allen kompetenten Stellen Weisungen erteilen, daß die Zugehörigkeit zur Sudetendeutschen Partei oder einer ihrer Organisationen sowie zu einer deutschen völkischen Organisation überhaupt den Staatsbürgern i n keinem Falle zum Nachteil gereichen soll. Die Stellungnahme der Sudetendeutfchen. Don sudetendeutscher Seite erfahren wir zu diesem tschechischen Vorschlag das Folgende: Es ist unschwer zu erkennen, daß die wesentlichsten Forderungen der Sudetendeutschen in diesem Papier in der einen oder anderen Art ihre Behandlung erfahren, wenn auch in mehr oder weniger auffallenden Abwandlungen. War eine der Hauptforderungen Henleins die Gleichberechtigung und Gleichrangigkeit der deutschen Volksgruppe in dem gesetzgebenden Organ des tschecho-slowakischen Staates und damit die Sicherung eines gebührenden Einflusses auf die Staatsführung selbst, so ist von irgendeiner Zusicherung oder gar Festlegung auf diesem lebenswichtigen Gebiete wenig zu finden. Eine weitere entscheidende grundsätzliche Forderung soll eine Regelung finden, die in der vorliegenden Form unmöglich hin- genommen werden kann. Es ist dies eine Frage der Abgrenzung des deutschen Siedlungsraumes. Gerade die hier vorgesehenen Einschränkungen erwecken das ernste Bedenken, ob durch eine künstliche Geometrie nicht deutsches Siedlungsgebiet tschechischem Gebiet zugeteilt werde. Inwieweit die Zuständigkeit der autonomen Behörden gegenüber den Ansprüchen und Begehrlichkeiten der tschechischen Zentralbehörden feftgelegt und gesichert werde, darüber ist ebenfalls keine eindeutige Garantie gegeben. 3m übrigen kommt es ja nicht allein auf die Grundsätze an, auf denen in Zukunft das • Nebeneinanderleben der beiden Volksgruppen ausgestaltet werden soll, sondern angesichts 20jäf)riger bitterer Erfahrungen auf die pra f- tische Anwendung und die a n ff ä n - bige Durchführung dieser Leitsätze. Und diese Seife des Problems ist letzten Endes das Entscheidende. Haben doch die Zwischenfälle der allerletzten Zeit unsere Forderung nur zu sehr unterstrichen, daß gerade auf dem Gebiete der behördlichen Arbeit die Homogenität zwischen der Volksgruppe und der Staatsexekut i v e mit größter Beschleunigung hergestellt werden muß. Nur das Bestehen und das Bewußtsein einer Volksgemeinschaft zwischen Bürger und Behörden wird das unumgänglich notwendige Vertrauensverhältnis Herstellen können. Bei der jetzigen, geradezu unüberbrückbar erscheinenden Kluft zwischen Deutschen und Tschechen erscheint es im Interesse der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung erforderlich, daß keine Zeit verloren wird, um die von dieser Seife her drohende Gefahr an der Wurzel zu beseitigen, denn die Disziplin der sudefendeutschen Bevölkerung gibt die Gewähr dafür, daß sie mit ihren eigenen Organen in der Lage ist, Ruhe und Ordnung zu sichern. Im übrigen bleibt entscheidend, daß ein sofortiges praktisches D u r ch f ü h ru n g s- Programm hergestellt und ungesäumt verwirklicht wird. Pon dieser Ueberzeugung ausgehend muß von süd elende utsch er Seite jedoch zunächst erwartet werden, daß eine Sühne der Zwischenfälle der letzten Zeit und namentlich von Mährisch-Ö st rau die atmosphärische Voraussetzung schafft, die unerläßlich ist, wenn mit Aussicht auf Erfolg weiterverhandelt werden soll. Ruhige Beurteilung her Lage in London. London, 9. Sept. (Europapreß.) Die Unterredungen zwischen Ministerpräsident Chamberlain und Außenminister Lord Halifax wurden am Freitag fortgesetzt. Nachmittags wurde auch Schatzkanzler Sir John Simon zu den Besprechungen zugezogen. Ferner nahmen der Staatssekretär des Foreign Office, Sir Alexander C a d o - g a n, sowie der Erste Diplomatische Berater der Regierung, Sir Robert D a n s i t t a r t, daran teil. Lord Halifax erhielt außerdem einen- überraschenden Besuch des früheren Außenministers Eden, mit dem er eine halbstündige Unterredung hatte. Chamberlain hat den Oppositionsführer Ä t t l e e schriftlich zu sich gebeten, um mit ihm über die internationale Lage zu sprechen. Attlee wird am Samstagvormittag den Ministerpräsidenten aufsuchen. Die Ministerbesprechungen nehmen erklärlicherweise in der Presse einen breiten Raum ein. Da bisher über die Beratungen strengstes Stillschweigen bewahrt wurde, ergehen sich die Blätter in allerlei Vermutungen. Es wird u. a. behauptet, zwischen London und den Regierungen der Dominions sei ein laufender Meinungsaustausch im Gange. Ueber- einstimmend berichten die Blätter, bei den Besprechungen habe die tschecho-slowakische Frage im Vordergrund gestanden. Es scheine jedoch festzustehen, daß der Gedanke einer neuen Regierungserklärung über die Haltung Englands fallengelassen worden sei. Die „Times" schreibt, an. maßgeblichen Stellen sei man zu der Ansicht gekommen, daß im jetzigen Zeitpunkt eine solche Erklärung unzweckmäßig sei. Die „Times", der „Daily Telegraph" und der „Daily Expreß" wollen wissen, daß der englische Botschafter in Berlin, Sir Neville Henderson, mit der Berichterstattung an die deutsche Regierung beauftragt worden sei. Im übrigen legen sich die Blätter im allgemeinen große Zurückhaltung auf. Es macht sich deutlich das Bestreben bemerkbar, nicht durch Gerüchtemacherei zu einer Krisenstimmung beizutragen. Die „Times" stellt fest, es sei falsch, die Lage durch eine schwarze Brille zu sehen. „Daily Telegraph" betont, die englische Regierung habe nach wie vor das allerdringendste Interesse an geordneten Verhandlungen über die tschecho-slowakische Frage. Die. Ministerbesprechungen vom Freitag hätten gezeigt, wie ernsthaft die englische Regierung die Lage beobachte. Man gibt sich in London der Hoffnung hin, die Verhandlungen zwischen Prag und der Sudetendeutschen Partei würden bald wieder in Gang kommen. Jedermann in England müsse sich über seine Verantwortung klar sein und die Verbreitung von Gerüchten sowie allen gegenstandslosen Spekulationen auf jeden Fall vermeiden. Parallel mit den Beratungen in der Downing- street läuft der Meinungsaustausch zwischen London und Paris, der sehr eng sein soll. In politischen Kreisen gibt man zu, daß Paris mit Nachdruck versucht, die englische Regierung in einem dem französischen Kabinett genehmen Sinn zu beeinflussen. So wird auch behauptet, daß der Gedanke einer neuen englischen Regierungserklärung von Paris an London herangetragen worden sei. Halbamtlich wird noch erklärt, daß die französische Regierung England auch über die „Vorsichtsmaßnahmen" unterrichtet habe, die Frankreich zu treffen für nötig befunden habe. Die Rede des Führers vor den Politischen Leitern findet in der englischen Presse starke Beachtung. Die Blätter unterstreichen besonders die Worte des Führers, daß Deutschland vor niemand kapitulieren werde. Lord Runciman zum Wochenende abgereist. Prag, 9. Sept. (Europapreß.) Lord und Lady R u n c i m a n haben sich bereits am Freitagabend auf das dem Grafen Cerny gehörende Schloß Petersburg bei Poderfam zum Wochenende begeben. Daß Lord Runciman bereits so bald die Hauptstadt verlassen hat, läßt den Schluß zu, daß er in der politischen Lage eine Entspannung feststellen zu können glaubt, so daß er länger, als dies bisher der Fall war, von Prag abwesend sein wird. Vor seiner Abreise empfing Lord Runciman eine Abordnung des tschccho-slowakischen Nationalrates, die vom Fürsten Schwarzenberg geführt wurde. Elemente des Friedens. Mit dem deutschen Volk blickt die ganze Welt in diesen Tagen mit wachsender Spannung und größter Aufmerksamkeit nach Nürnberg, wo der erste nationalsozialistische Parteitag im neugeschmiedeten Großdeutschen Reich, der „Parteitag Großdeutschlands", mit einem weihevollen Akt von besonderer geschichtlicher Symbolik eröffnet worden ist: mit der Rückführung der ehrwürdigen Reichs- kleinodien von Wien, der alten Kaiserstadt an der Donau, nach Nürnberg, des Reiches Schatzkästlein. Dort in der Wiener Hofburg hatten einst Ende des 18. Jahrhunderts die hehren Insignien deutscher Kaiserherrlichkeit Zuflucht gefunden vor den Truppen der französischen Revolution, hier fanden sie nun wieder Aufstellung in der mit dem Wirken der Meistersinger eng verbundenen Nürnberger Katharinenkirche, einst „für Generationen nationaler Kämpfer in Oesterreich Sinnbild des größeren Reiches, Mahnung und Hoffnung zuAeich", heute „Unterpfand der zur Wirklichkeit gewordenen ewigen deutschen Gemeinschaft". Keine Stadt wäre würdiger, die leuchtenden Symbole der Erfüllung des Traumes vom einigen Großdeutschen Reich in Obhut zu nehmen als Nürnberg, nunmehr wieder wirklich und wahrhaftig „in des Reiches Mitte" zwischen Meer und Karawanken. Hier in der alten Reichsstadt schlägt aber auch einmal Jahr für Jahr das Herz der Nation, wenn Führer und Volk sich auf den nationalsozialistischen Parteitagen zu großartigen Bekundungen eines unerschütterlichen Lebens- willens vereinen. .Rückblick uckd Ausblick, Standpunkt und Zielsetzung, Generalappell und Paroleausgabe, das bedeuten die Tage von Nürnberg alljährlich für das deutsche Volk und seine Führung. Hier werden die großen Lebensaufgaben unseres Volkes klargestellt und auf die n a ti o n a l s o z i alistische Weltanschauung ausgerichtet. Hier marschiert unsere Jugend, hier huldigen die Aktivisten der Partei und ihrer Gliederungen dem Führer, hier tritt die Wehrmacht vor ihrem obersten Befehlshaber an. Hier durchleuchtet der Führer aus starkem eigenen Erleben heraus die ewigen, allgemeingültigen Gefetze jeder großen Kunst, die aus dem Volke wachsen und wieder zum Volke sprechen muß, will sie wahre Kunst und Ausdruck ihrer Zeit sein. Und hier sieht die Nation ihre besten Männer, hervorragende Philosophen und Forscher, Wissenschaftler und Techniker mit dem Nationalpreis ausgezeichnet, ein weithin sichtbares Zeichen dafür, mit welchem Ernst das Dritte Reich feine kulturelle Verpflichtung auffaßt und mit welcher Großzügigkeit und Tatkraft es ihr nachkommt. Am Anfang des Parteikongresses stand wiederum die Proklamation des Führers, die sich zwar ausschließlich an das deutsche Volk wendet, aus der aber auch das Ausland, das so erwartungsvoll nach Nürnberg blickt, wie wir haften möchten, vernommen haben wird, daß das nationalsozialistische Großdeutsche Reich weniger denn je sich bereitfinden wird, unveräußerliche Lebensrechte des deutschen Volkes zum Gegenstand eines diplomatischen Schachergeschäfts zu machen. „Ich trete vor Sie hin", so sagte der Führer, „nicht mit einem Pakt, sondern mit den sieben neuen deutschen Gauen meiner eigenen Heimat." Der Nationalsozialismus schuf eine neue politische Führung, sicherte die sozialen Fundamente einer neuen Volks- gemeinschaft, stellte die Wirtschaft in den Dienst der Nation und richtete eine neue starke, zentrale Autorität auf. Die fortschreitende innere Einigung des deutschen Volkes schuf die Voraussetzungen für feine äußere Befreiung, deren einzelne Phasen noch in unser aller Gedächtnis sind, bis zu jenem kühnen, aus dem Bewußtsein wiedergewonnener Kraft geborenen Entschluß des Führers, die alte deutsche Ostmark in das Reich zurückzuführen. Heute nun konnte der Führer verkünden, daß die Fundamente zu unserer wirtschaftlichen Unabhängigkeit gelegt sind, eine Tat, die zur Wiedererlangung unserer Wehrfreiheit in Parallele gesetzt werden darf. Deutschland ist ein armes Land, gemessen an der Fruchtbarkeit des Bodens, an der Gunst des Klimas, die viele andere Läitder auszeichnet. Wir wissen es selber am besten und wissen auch, wie sehr sich mißgünstige Neider des Auslandes daran gewöhnt hatten, diese Armut des deutschen Bodens als wichtigen Faktor in ihre Spekulation einzustellen, wenn sie sich vor ihren leichtgläubigen und unkritischen Mitbüraern in lauten Propbezeihunaen über den in absehbarer Zeit zu erwartenden Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes ergingen oder in einem Krieg gegen die autoritären Machte den Hunger als wirksamste Waffe priesen. Erinnern wir uns der Lügenkampagne bemofrati- scher Zeitungen über das Ernteergebnis des faschistischen Italiens. So wie Mussolini diese zu früh frohlockenden Hetzer sehr schnell hatte ad absurdum führen können, so konnte nun der Führer in Nürnberg feststellen: „Es ist uns durch die Gnade des Herrgotts in diesem Jahre endlich eine überreiche Ernte gegeben worden." Wir wissen, sie ist uns nicht mühelos in den Schoß gefallen. Der karge Boden großer Teile deutschen Landes und die Launen des Klimas fordern gewaltige Anstrengungen, soll es dem deutschen Bauern gelingen, ein Höchstmaß von Erträgen dem ihm anvertrau- t°n Boden abzurinaen. Die nationalsozialistische Agrarpolitik hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, daß der. Bauer wieder feiner Aufgabe entsprechen kann. Nährstand der Nation zu fein. Aber alle Mühen sind vergeblich ohne den Segen des Himmels. Er ist in diesem Jahre nicht ausaeblieben. Eine überreiche Ernte kommt zu den beträchtlichen Vorräten, die wir dank der Energie des Generalfeldmarschalls Gorina in früheren Jahren einlagern konnten, so daß wir fetzt, wie der Führer fesfttellte, auf Jahre hinaus jeder Nahrungssorge enthoben find. Auch in einem zweiten Punkt mußte er seine ausländischen Kritiker enttäuschen. Die Zielsetzung des Vierjahresplans hat alle schöpferischen Kräfte der deutschen Wissenschaft und Wirtschaft entfesselt und zu höchsten Leistungen angespornt. Auf dem Wege der Rohstoffversorgung der deutschen Wirtschaft aus eigener Kraft sind bereits staunenswerte Erfolge zu verzeichnen. Von der Leipziger Messe her wissen wir, daß unsere neuen Werkstoffe auch die größte Beachtung des Auslandes finden. Und aus einer Millionen-Arbeits- losigkeit, die der Nationalsozialismus bei seiner Machtübernahme vorfanü, ist ein empfindlicher Mangel an Arbeitskräften geworden, der uns zu sorgfältiger Regulierung des Arbeitseinsatzes zwingt. Mit Nachdruck wies der Führer wiederum darauf hin, daß durch die dadurch erzielte Steigerung der nationalen Produktion die deutsche Währung jene einzig reale Deckung erhalte, die als Voraussetzung für ihre Stabilität die immer gleiche Kaufkraft sicherstelle. Nur eine Erhöhung der Produktion ermöglicht die vermehrte Zuweisung von Lebensgütern an den einzelnen Volksgenossen. So sind steigende Produktion, Hebung des Konsums und stabile Währung die Merkmale der nationalsozialistischen Wirtschaftsführung geworden, die Deutschland zu einem Eiland des sozialen Friedens und einer blühenden Nationalwirtschaft im Chaos einer zusammengebrochenen Weltwirtschaft und erbitterter sozialer Kämpfe gemacht hat. Eine gesunde, starke Nationalwirtschaft ist der beste Beitrag zu einem Wiederaufbau der weltwirtschaftlichen Beziehungen. Diese Erkenntnis hielt der Führer allen denen entgegen, die an unserem deutschen Wirtschaftssystem fruchtlose Kritik üben und ihre Hoffnung auf internationale Konferenzen setzen, statt ihr eigenes Haus in Ordnung zu bringen. Nur eine gesunde nationale Volkswirtschaft 'wird durch ihre steigende innere Produktion in die Lage versetzt, auf dem Weltmarkt als Verkäufer so gut wie als Käufer aufzutreten. Wir sind bereit und sehr wohl imstande, ein wertvolles Glied in der Reorganisation des internationalen Güteraustausches zu sein, wenn man endlich darauf verzichten wollte, unserem Außenhandel die größten Schwierigkeiten zu machen statt sich über einen innerlich gesunden Handelspartner zu freuen. Freilich in einem Punkte kann es kein Kompromiß geben. Die deutsche Volkswirtschaft hat es gelernt, auf eigenen Füßen zu stehen, sie hat aus den furchtbaren Erfahrungen des Weltkrieges die einzig richtige Erkenntnis gezogen, daß die Sicherheit der Nation auch unsere Handelspolitik bestimmen und lenken muß. So konnte der Führer mit tiefer Befriedigung feststellen, daß der Gedanke an eine Blockade Deutschlands schon jetzt als eine gänziich unwirksame Waffe begraben werden könnte. So tritt neben die Wehrsreiheit die wirtschaftliche Unabhängigkeit jbes Großdeutschen Reiches. Deutschland ist so wenig mehr der Spielball der in Waffen starrenden Mächte rings um uns herum wie der großen Wirtschaftsländer, die dank ihres großen natürlichen Reichtums glaubten, selber zwar einer straffen Wirtschaftsführung, die sozialen Frieden und gesunde Volkswirtschaft sichert, entraten zu können, uns „Habenichtsen" aber die Daumenschrauben anlegen zu dürfen, wenn sie sich davon einen politischen Erfolg versprachen. Wie die englische Seemacht der Vater der Blockade überhaupt ist, war die wider alle völkerrechtlichen Abkommen mit größter Rücksichtslosigkeit auch gegenüber dem neutralen Handel durchgeführte Blockade auch Englands schärfste Waffe im Weltkrieg gegen uns. Die Feststellung des Führers, daß die Drohung mit einer Blockade für uns ihre Schrecken verloren hat, ist deshalb von besonderer Bedeutung für uns, weil sie in uns das Gefühl der nationalen Sicherheit stärkt, und für das Ausland, weil sie es nötigt, sich beizeiten von liebgewordenen, aber von den Tatsachen überholten Ideen zu trennen, als ob sich das nationalsozialistische Deutschland gegebenenfalls durch Hunger und Rohstoffknappheit in die Knie zwingen lasse. Die Befreiung von solchen Vorstellungen, die die internationale Atmosphäre unheilvoll vergiftet haben, ist eine Tat, die den Weltfrieden zu sichern sehr wohl geeignet ist. Und das ist gerade im gegenwärtigen Augenblick von kaum zu überschätzendem Wert, wo die tschechoslowakische Frage auf Europa lastet und fast täglich auf allen Seiten Entschlüsse fordert, die nur unter sorgfältiger Abwägung aller Momente eine friedliche Lösung vorbereiten und fördern können. So dient der Nürnberger Reichsparteitaq Großdeutschlands durch seine beherrschte selbstbewußte Demonstration der inneren Kraft des durch den Nationalsozialismus geeinten deutschen Volkes ebenso dem Frieden, wie die ruhige und eindeutige Darlegung unseres Weges und seines Ziels geeignet ist, die Luft zu reinigen und zu klären. Dr. Fr. W. Lange. Der ärgste Gefahrenherd. „Die Staatspolizei mutz aus dem sudetendeutschen Gebiet restlos verschwinden." Prag, 9. Sept. Die „Rundschau", die Wochenschrift der Sudetendeutschen Partei, fordert eine rasche Beseitigung der Staatspolizei im sudetendeutschen Gebiet. Wir alle wissen, so schreibt das Blatt, daß die Staatspolizei Prags zu einer Sondereinrichtung für das nichttschechische Sprachgebiet geworden ist. Wir wissen, daß plötzlich, ohne jeden ersichtlichen Anlaß, in fast allen deutschen Städten, ja selbst in größeren Dörfern die Gemeindepolizisten durch eine vielfache Zahl tschechischer Staatspolizisten a b g e - lost wurden. Wir wissen, daß der Staatspolizei sogar sehr wesentliche Teile der politischen Verwaltung übertragen wurden, daß ihre Leiter mit einer Machtvollkommenheit ausgestattet wurden, die einzig in der Geschichte demokratischer Staaten dasteht. Wir wissen auch, daß es bereits einen ganz besonderen Typ des Staatspolizisten gibt, den man in jeder Stadt und auf jedem Dorf m Reinkultur finden kann: Das ist der Typ des blutjungen, kaum aus den Eierschalen der Polizeischule geschlüpften „ts ch e ch i s ch e n P a t r i o t e n" der seine Umwelt nur aus Schilderungen einer no^ torisch hetzerischen tschechischen Presse kennt. Er kann meistens überhaupt nicht oder doch nur ein paar ^gefangene Brocken Deutsch. Es frißt sich in ihm das Mißtrauen eines Taubstummen fest, der in jedem unverstandenen Worte seiner Nachbarn eine gefährliche Drohung wittert. Was er hört und versteht, das sind die Einflüsterungen der tschechischen Grenzler. Und zu alledem kommt noch die ständige Furcht, selbst von irgendeinem Denunzianten als „nicht genügend zuverlässig", als „zu weich" oder „zu wenig scharfsichtig" verschrien zu werden' „Das Problem der Staatspolizei", so schreibt das Blatt weiter, „muß radikal und rasch gelöst werden wenn es sich nicht zu einem jederzeit leicht entzündlichen Gefahrenherd für d erinneren GM.-Mhoden in tschechischen Gefängnissen. Eindeutige Feststellungen auf sudetendeutscher Pressekonferenz. Prag, 9. Sept. (DNB.) Im Parlamentarischen Klub der Sudetendeutschen Partei fand eine Pressekonferenz statt, an der auch zahlreiche aus- ländische und tschechische Korrespondenten teilnahmen. Abgeordneter K u n d t wies darauf hin, daß die Gerüchte, die Sudetendeutsche Partei versuche, auf Grund der Ostrauer Vorfälle die Verhandlungen zu verzögern, unwahr sind. Die Sudetendeutsche Partei sei im Gegenteil zur Fortsetzung der Verhandlungen bereit, wenn die Ostrauer Vorkommnisse restlos aus der Welt geschafft seien. Der Leiter des Amtes ’ür rechtspolitische Kontrolle der SDP., Abgeordneter Dr. Neu wirth, erklärte dann, daß man auf tschechischer Seite der Sudetendeutschen Partei den Vorwurf mache, sie habe wegen eines Straßen- zwischensalles die Verhandlungen unterbrochen. Es gehe aber gar nicht um den Zwischenfall auf der Straße, vielmehr um die Mißhandlungen politischer U n t e r s u ch u n g s h ä f t l i n g e bei der Polizeidirektion in Mährisch-Ostrau, die von Funktionären des Gerichts und der Parlamentarischen Kommission der Sudetendeutschen Partei estgestellt wurden. Auf Grund aklenmäßigen Nachweises kann kein Zweifel darüber bestehen, daß in den Staatspolizeistellen, die mit der Bearbeitung politischer Fälle beauftragt sind und politische Häftlinge an die zentralen Unlersuchungsge- fängnifse überweisen, schwer st e Mitz - handlungen feit längerer Zeit zum Zwecke der Erpressung von Geständnissen vorgekommen sind und trotz gegenteiliger Zusagen der zentralen Regierungsstellen bis in die Gegenwart anhalten. Bezeichnend ist, daß die Methoden überall die gleichen sind, hieraus ergibt sich, daß bestimmte Stellen ihre Urheber sind. Immer kehrt in den Akten die Feststellung wieder, daß die Beschuldigten mit Gummiknüppeln auf die nackten Fußsohlen bis zur Erpressung des Geständnisses oder bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen wurden, daß Beschuldigte bis zur physischen Erschöpfung geprügelt werden, ja, daß sie bei der Polizeidirektion in Aussig sogar in einer h e i ß l u f t k a m m e r zermürbt wurden. Zu diesem Zweck wurden Tag und Nacht andauernd Bestrahlungen aus grellen Lampen vorgenommen, eine Methode, die ausgesprochen an Sowjetruhland erinnert. Ebenso steht fest, daß Nachgeordnete Organe unbekümmert um die Zusagen der zentralen Regierungsstellen im Staat den praktischen Zustand des öffentlichen Lebens in Derwaltuna und Justiz bestimmen, und zwar in einer Art, die von den Volksgruppen nur als diktatorische Unter» brütfung empfunden werden könne. — Abgeordneter Kundt appellierte an die tschechischen Journalisten, an der Zerstörung dieses Systems mitzuwirken, weil das tschechische Volk Gefahr lause, an Stelle gewissenloser Beamter s e l b st deren Der» brechen angeklagt zu werden. Frieden derRepublik und für den Frieden Europas verschlimmern soll. Die Staatspolizei ist die sichtbarste und für die breiten Massen ühlbarste Spitze eines Systems, das dafür verantwortlich ist, daß heute die aanze Welt mit unruhevoller Spannung auf die tschecho-slowakifche Republik blickt. Die Staatspolizei muß aus dem sudetendeutschen Gebiet re st los verschwinden! Das ist keine Forderung der Rachsucht und der Vergeltung, es ist eine Forderung des gesunden Menschenverstandes, der einfachen Vernunft." Die Obduktion der Leiche Knolls. Todesursache: Bruch der Schädelbasis. Iägerndorf, 10. Sept. (DNB. Funkspruch.) In den späten Abendstunden des Freitag fand in Iägerndorf die Obduktion der Leiche des sudetendeutschen Amtswalters Knoll, der auf ungeklärte Weise seinen Tod gefunden hat, statt. Der bereits am Montag von Militärärzten sezierte Leichnam war im Laufe des Freitagvormittag nach Jä- gerndorf in die Leichenhalle übergeführt worden, wo die Obduktion in Anwesenheit eines Obersten des militärischen Justizdienstes, dreier Regimentsärzte und der nach Intervention durch die Sudetendeutsche Partei zugelassenen deutschen Aerzte Dozent Dr. Neugebauer (Jglau), Professor Dr. Mate r n a (Troppau) und Primarius Dr. C l a r (Jä- gerndorf) vorgenommen wurde. Die Obduktion dauerte von 19.35 Uhr bis 21.32 Uhr und ergab alsTodesursacheeinenBruchderSchä- delbasis mit G e h i r n q u e t s ch u n g , entstanden durch eine stumpfe Gewalt. Die Leiche wies zahlreiche Hautabschürfungen und blutunterlaufene Stellen auf. Ohne Kenntnis der nqheren Umstände kann von feiten der Aerzte nicht ausgeschlossen werden, daß auch diese Verletzungen auf einen Sturz zurückzu- führen sind. Die Obduktion fand so spät statt, daß das Gehirn nicht mehr genau untersucht werden konnte, weil es zum Teil in Verwesung übergegangen war. Obwohl die Obduktion niemand bekanntgegeben worden war, hatte sich vor der Leichenhalle eine zahlreiche Menschenmenge angesammelt, die in stummer Ergriffenheit ausharrte, bis gegen 11 Uhr abends die Aerzte die Leichenhalle verließen. Italiens Haltung. Rom, 9. Sept. Die römische Presse bringt die Note der Informazione Diplomatien über die italienische Haltung zur tschecho-slowakischen Frage. Italien, so heißt es da, hat bereits während des Aufenthalts Hitlers in Rom, Anfang Mai, den am 26. April veröffentlichten Karlsbader Punkten Henleins z u g e ft i m m t, zumal da diese die Integrität des tschecho-slowakischen Staates wahren sollten. Wenn es zu einem dem Nationalitätengrundsatz entsprechenden Ausgleich nicht gekommen ist, so tragen fremde und unverantwortliche Elemente, die ihren Sitz in Paris und Moskau haben und die Frage auf das ideologische Gebiet übertragen, die eigentliche Schuld. Italien schätzt aufs höchste die ruhige Haltung des deutschen Volkes und die Zurückhaltung, die der Führer in seiner Rede in Nürnberg trotz der französischen Halbmobilisierung einnahm. Wenn Prag sich in die Wirklichkeit der Dinge fügt, so kann eine größere Krise vermieden werden. Kommt es zu einer solchen, so steht Italien mit seiner ganzen Macht an der Seite Deutschlands. Militärische Vorbereitungen sind nicht notwendig, da die italienische Organisation schon heute auf jede Eventualität vollkommen vorbereitet ist. Versailles muß korrigiert werden ^Paris, 10. Sept. (DNB. Funkspruch.) In der Stellungnahme der Pariser Presse ist keine Aende- rung eingetreten. Auch die letzten Vorschläae der Prager Regierung haben keinen Widerhall aus- gelöst. Der „Jour" vertritt die Ansicht von der Notwendigkeit der Neutralisierung der Tschecho-Slowakei. 1919 hätten die Unterhändler ^er „Friedensverträge" Deutschland entwaffnet, Oesterreich-Ungarn zersplittert und die künstliche Schaffung eines tschecho-slowakischen Staates beschlossen, aus dem sie das Bollwerk des Widerstandes gegen eine etwaige Wiedergeburt der deutschen Macht machen wollten. Während sie aus Oesterreich ein totgeborenes Kind machten, hätten sie der Tschecho-Slowakei 16 Millionen Untertanen geaeben, die sie von überall h e r h o l t e n und die sie durch Ueberredung ober im Notfall aud) du r ch Gewalt zusammenzuschmieden hofften. Benesch habe damals versprochen, aus der Tschecho-Slowakei ei ne verbesserte Schweiz zu machen. Wenn er dieses Versprechen gehalten hätte, wäre Europa nicht da angelangt, U3o es sei. Diese Gedankengänge führten notgedrungen zu der Feststellung, daß sich die Tschecho- Slowakei zur Schaffung einer Gruppe von Katonen und völkischen Einheiten entschließen und sich zur Neutralität hin entwickeln müsse. Nur Sowjetrußland und die von ihm in Frankreich unterstützten Elemente würden einen solchen Plan bekämpfen, weil er Stalin ieben Vorwand nehme, sich rn die europäischen Angelegenheiten einzu- mischen. Auf diese Weise würde jedoch ein Herd des Krieges in Europa erlöschen, der immer wieder von Sowjetrußland angesteckt werde. Oie Lage vor Hanlau. Eine chinesische Darstellung. Schanghai, 10. Sept. (Europapreß.) Trotz der Pementis japanischer Stellen bleibt das chinesische Hauptquartier bet seiner Behauptung, daß eine erfolgreiche chinesische Gegenoffensive nördlich des Jangtse zur Wiedereroberuna der strategisch wichtigen Stadt Kwangtsi geführt habe. Weiter wollen die Chinesen Sungyang und Tahopu nach heftigen Nahkämpfen eingenommen und an dem gesamten Frontabschnitt den Japanern schwere Verluste beigebracbt haben. Auch südlich des Jangtse sollen die Chinesen Erfolge errungen haben. Angeblich seien nach erbitterten Kämpfen größere japanische Abteilungen abgeschnitten worden. In japanischen Kreisen wird allen diesen Meldungen kein Glauben beigemessen. Dom japanischen Hauptquartier wird vielmehr mitgeteilt, daß die japanische Offensive nördlich des Jangtse weitere Fortschritte mache und die Pei- ping—Hankau - Bahn an mehreren Stellen bereits in b e r Reichweite japanischer G e» schütze liege. Der Sandschak Alexandrette wird Republik Hatay. Istanbul, 9. Sept. (DNB.) Der Sandschak von Alexandrette hat sich unter stillschweigender französischer Billigung in die Republik Ha- tay umgewandelt und gleichzeitig eine v o l l- ständige innere Gleichschaltung mit der türkischen Mutternation vollzogen. Präsident des so geschaffenen Staates ist der Turke Tagfur S ö k m e n, ein Abgeordneter der National« Versammlung in Ankara; er ist der Der» trauensmann der türkischen Regierung. Auch die Mitglieder der Hatay-Regierung, die aus einem Ministerpräsidenten und vier Mi- nistern besteht, sind sämtlich Türken. Das neue Land gehört zw"r völkerreckttlich zu Syrien, hat aber bereits als Nationalflagge die türkische Flagge angenommen, als Nationalhymne die der Türkei erwählt, wird eigene Briefmarken heraus- geben und für seine ins Ausland reisenden Bürger einen besonderen Hatay-Paß einführen. Oie rote Front am Ebro durchbrochen. Bilbao, 10. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die nationalen Truppen haben am Freitag, wie der Heeresbericht meldet, am Ebro die bolschewistische Front durchbrochen und fünf Reihen roter Gräben erobert. Die Verluste der Roten waren sehr hoch. Reiche Beute wurde gemacht, darunter vier Tanks, von denen zwei noch verwen- dungsfähig waren. Die nationale Luftwaffe hat am Donnerstag die militärischen Ziele im Hasen Oarr a und die Kriegsmaterialfabriken in Bla- n e s und Villanueva bombardiert, in der Nacht davor griff sie den Hasen von A l m e r i a an. Oiploniatenempfong bei Rudolf Heß Nürnberg, 9. Sept. (DNB.) Der Stellvertreter des Führers und Frau Heß gaben am Freitag- mittag in den historischen Räumen der Nürnberger Burg ein Frühstück zu Ehren der als Gäste des Führers in Nürnberg weilenden ausländi- schen Diplomaten. Don deutscher Seite waren die Reichsleiter der NSDAP., der Reichsaußenminister, der Leiter der Auslandsorganisation der NSDAP, und die Landesgruppenleiter der AO. geladen. Empfänge beim Führer. Der Führer empfing am Freitag im „Deutschen Hof" im Beisein von Reichspressechef Dr. Dietrich den Leiter der zur Zeit in Deutschland weilenden Abordnung japanischer Journalisten, Abgeordneten Azurn a, der ihm eine auf Pergament kunstvoll ausgeführte Adresse der japanischen Presse überreichte. ♦ Der Führer empfing im „Deutschen Hof" die am Reichsparteitag teilnehmende Delegation der nationalsvanischen Regierung unter Führung von Gmeral Espinosa de los Monteros und richtete herzliche Worte der Begrüßung an sie. Aus aller Wett. Versuche mit einem neuen Muskelkraft-Flugzeug. Die Warschauer Zeitung „Dobry Wieczor" be» richtet über eine interessante Erfindung eines Wil- naer Technikers. Diesem Blatt zufolge soll es dem Erfinder gelungen sein, mit einem von ihm konstruierten ßuftrab durch Muskelkraft 4 Kilometer weit zu fliegen. Beim Bau des Flugapparates stützte sich der Konstrukteur auf seine Beobachtungen des Insektenfluges, der viel wirtschaftlicher als der Dvaelflug sein soll. Das Luftrad besitzt zwei paarweise angeordnete kleine Vorderflügel und zwei größere Hinterflügel. Die Vorderflügel werden durch Pedale in leichte Schwingungen versetzt und ersetzen angeblich den Propeller. Der (Erfinder startete nach Art der Segelflieger mit dem Gummiseil und kehrte nach Zurücklegung von vier Kilometern ohne Ermüdung nach dem Startplatt zurück. Er hat, ermutigt durch den guten Ausfall der Probeflüge, die Absicht, in Kürze ein neues verbessertes Modell zu konstruieren. Blihslug des deutschen Kunstfliegers Gerd Achgelis nach Skandinavien. Der deutsche Kunstflieger Gerd Achgelis, der mit dem neuen zweimotorigen Reise- und Verkehrsflugzeug Ago „Kurier" auf dem Flughafen Berlin- Tempelhof zu einem Flug nach Skandinavien gestartet war, traf in Göteborg (Schweden) ein, nachdem er in Kopenhagen feine Maschine Vertretern der 'dänischen Luftfahrt vorgeführt hatte. Für die über 600 Kilometer lange Strecke nach Göteborg R UHL adio eparaturen Seilersweg Nr. 67 Telephon Nr. 3170 ■H9/L benötigte Achgelis nur etwas über zwei Stunden Flugzeit, erreichte also eine Geschwindigkeit von über 300 Stundenkilometer. Der Blitzflug des Kurier" hat in Dänemark und Schweden große Beach» tung gefunden. Nach Vorführungen in Göteborg fliegt Achgelis nach Stockholm weiter, wo er sich an einer Verkehrsflugwoche beteiligen wird. Anschließend setzt er seinen Flug nach Norwegen und Finnland fort. Ein Lastzug raff in eine Hauswand. Aus einer abschüssigen Straße in Mühlacker (Württemberg) ereignete sich ein schweres Kraftwagen» Unglück, das ein Menschenleben forderte. Ein schwer beladener Lastzug, dessen Fahrer die Herrschaft über das Fahrzeug verloren hatte, fuhr in einer Kurve gegen ein Gasthaus, wo er sich buchstäblich durch die Hauswand hindurchbohrte. Der Fahrer erlitt schwere Verletzungen, denen er kurz danach im Krankenhaus erlag. Zwei Beifahrer, denen es gelang, noch rechtzeitig abzuspringen, kamen mit leichteren Verletzungen davon. Bärenplage in Estland. Wegen eines Riesenbrandes, der feit einigen Tagen in den sowjetrussischen Wäldern an der estländifchen Grenze wütet, flüchten zahlreiche Bären auf estländisches Gebiet, wo die Bevölkerung in ständiger Angst vor diesen „Ueberläufern" lebt. Die Bewohner einer großen Zahl von Dörfern haben sich an die Behörden mit der Bitte gewandt, Maßnahmen gegen die Bärenplage zu ergreifen. Kunst und Wissenschaft. Die deutschen Ornithologen tagen. Die D e u t sch e Ornithologische Gesell- schäft hält vom 23. bis 25. September in Berlin ihre 56. Jahresversammlung in Verbindung mit der 2. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Tierpsychologie ab. Namhafte Vogelkundler des In- und Auslandes werden nach Berlin kommen und hier ihre Erfahrungen austauschen. Der Film im Dienste der tierärztlichen Wissenschaft. In diesem erfolgreichen Filmjcchr ist es gelungen, den Tonfilm auch für die tierärztliche Wissenschaft in den Dienst der Forschung und Aufklärung zu stellen. Auf dem 13. internationalen tierärztlichen Kongreß in Zürich-Interlaken hatten Hochschullehrer und Tierärzte der ganzen Welt Gelegenheit, der Uraufführung des ersten wissenschaftlichen Veterinär-Tonfilms beizuwohnen: der Film trägt den Titel „Storungen der Fortpflanzung bei Pferd und Rind". Bei der Her- fteUung waren besondere käme rate chnische Schwierigkeiten zu überwinden; einige Filmteue wurden durch mühselig herzustellende Trick-Zeichnungen ergänzt. Diese deutsche Leistung — eine Gemeinschaftsarbeit von Professor Dr. Goetze, dem Direktor der Klinik für Geburtshilfe und Rinderkrankheiten der Tierärztlichen Hochschule Hannover, und der Behringwerke Marburg — fand lebhafte Anerkennung der Wissenschaftler. herbstneuerfcheinungen der Deutschen Verlags-Anstalt. — Auf dem Gebiet der Schonen Literatur wird die Deutsche Verlags-An st alt, Stuttgart-Berlin, im Lause der nächsten Wochen und Monate folgende Werke veröffentlichen: Henry Benrath: Welt in Bläue. Hans Brandenburg: Vater Oellendahl. Roman einer Familie. Kurt Heynicke: Herz, wo liegst du im Quartier? Ein heiterer Roman. Anton Graf Knyphausen: Mann im Mittelvunkt. Roman. H. K. Houston-Meyer: Konrad Bäumlers weiter Weg. Ein texasdeutscher Roman. Clara Nordstrom: Rus der Heimat. Roman. Josef Ponten: Die Heiligen der letzten Tage. 4. Band von „Volk auf dem Wege. Roman der deutschen Unruhe". Eduard R e i n a ch e r : Der starke Beilstein. Eine schone elsässische Lügengeschichte. Otto R o m b a ch : Der standhafte Geometer. Ein Roman von der jungen Donau. Ina Seidel: Lennacker. Das Buch einer Heimkehr. Roman. Maria W a s e r : Das besinnliche BluMenjahr. Gedichte zu Aquarellen von Hedwig Krebs. Mit 20 farbigen Blumentafeln. Josef Winkler: Triumph der Torheit. Fröhliche Legenden. Mit 25 schönen Bildern von Felix Timmermans. Ernst Zahn: Hoch über das Tal. Roman. — Weitere Werke: Hans D r i e sch: Alltagsrätsel des Seelenlebens. Albert von Hofmann: Westfalenland. Eine geschichtliche Heimatkunde. Ernst Massel: Vom Geheimnis der Form und der Urform des Seins. Karl Alexander van Müller: Vorn alten zum neuen Deutschland. Aussätze und Reden 1914—1936. Johannes Müller: Dom Geheimnis des Lebens. Erinnerungen. F. D. O m m a n e y : Zauber und Grauen des Südmeers. Michael Prawdin: Tschingis Chan und fein Erbe. Fritz Sch umacher: Der Geist der Baukunst. Hugh Wilson: Lehrjahre eines Diplomaten. — In neuen billigen Ausgaben erschienen: Hervey A l l e n : Antonio Adoerso. Clara Ratzka: Familie Brake. Roman. Die bisher erschienenen Romane von Clara N o r d st r o m (Frau Kajsa. Kajsa Lejondahl, Roger Björn, Lillemor) liegen jetzt in i einer geschloßenen GescheMassette por. Der Generalappell der politischen Leiter. Eindrucksvolle Treuekundgebung unter dem Strahlendom der Zeppelinwiese. sich genau fo lauschen! (Minutenlange Heil!-Rufe brausen dem Führer entgegen.) Venn ich so zu euch spreche, dann sehe ich in euch nicht die 180 000 politischen Führer, die vor mir stehen, sondern: Ihr seid die deutsche 31 a H o n ! Immer wieder branden die heil!- Nürnberg, 9. Sept. (DNB.) 140 000 Männer der Politischen Leitung, unter ihnen zum erstenmal 10 000 Politische Leiter aus den sieben Gauen der deutschen Ostmark, vernahmen unter dem Strahlendom der Zeppelinwiese am Abend des Freitags die Parole Adolf Hitlers für die politische Arbeit des kommenden Jahres. Den ganzen Nachmittag über waren die braunen Kolonnen mit klingendem Spiel und alten Kampfliedern der Belegung hinüusge- zogen in das Parteitagsgelände. Bei Einbruch der Dämmerung stehen auf dem Zeppelinfeld 110 000, harren auf den Tribünen mehr als 150 000 Teilnehmer des Beginns. Weithin leuchtet vom Mittelbau der Tribüne der 7 Meter hohe Bronzekranz, der ein goldenes Hakenkreuz umschließt, flackern die Feuer in den beiden Opferschalen auf den seitlichen Vorbauten. Von dem Weitz der Tribüne heben sich die Freiheitsfahnen zwischen den Säulen in glühendem Rot ab. Unter der Führerkanzel stehen 800 Junker der Ordensburgen. Fanfaren schmettern, die Politischen Leiter nehmen Front zum Mitteldurchgana des Feldes. Dann wird der Führer auf der Freitreppe sichtbar. Dr. Ley meldet dem FührA:, und im gleichen Augenblick flammen die riesigen Scheinwerfer mit 180 Milliarden Kerzen kobaltblaues Licht auf und bauen einen Strahlendom am Firmament Der Führer schreitet dann mit dem Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und Rudolf Heß, gefolgt von den Reichs- und Gauleitern, zur Haupttribüne. Relchsorganisakionsleiter Dr. Ley eröffnet die Kundgebung mit einem Sieg-Heil auf den Führer, das ein donnerndes Echo findet. Dann singen die Junker der Ordensburgen „Heiliges Deutschland, Land unserer Väter". Das Lied leitet zur Ehrung der Gefallenen des Weltkrieges, der Opfer der Arbeit und der toten. Helden der Nationalsozialistischen Partei Über. Dann spielt die Musik „SA. marschiert" und darauf das Lied vom guten Kameraden, während die Hunderttausende entblößten Hauptes und mit erhobener Rechten der Manner gedenken, die für ein neutzs und glückliches Deutschland ihr Leben freudig Hingaben. Noch einmal fingen die Junker, dann nimmt der Reichs- organisationsleit^r das Wort. „Ein Volk ---/ein Reich — ein Führer!", so beginnt er. „Wie oft ist dieser Rus aller Deutschen im letzten Jahre immer wieder emporgeklungen, Jubel und Freude, Bekenntnis und Glauben und Stolz und Kraft für die gesamte deutsche Nation. Tausend Jahre Sehnsucht, Hoffen und Bangen, Schmerzen und Kummer, Tränen, Blut und Opfer der Besten unseres Volkes haben nun die Erfüllung gebracht. Tausend Jahre deutscher Geschichte sind heute vollendet worden. Sie, mein Führer, haben dieses Wunder vollbracht. Vor Ihnen steht nun wieder dieses geeinte deutsche Volk. In dem großen Rund dieses Lichterdomes sind sie angetreten, die Arbeiter und Bauern, die Bürger, Studenten und Soldaten aus Stadt und Land, um Ihnen, mein Führer, das deutsche Bekenntnis zu bringen. Uni) zum erstenmal nehmen auch die Männer und Frauen der deutschen Ostmark teil an allem, erleben das deutsche Wunder. Mein Führer! Ich bin nur ein schlechter Dolmetsch der Tausende und Millionen, um Ihnen die Gefühle des Dankes, der. Liebe und Verehrung, die sie alle in ihren Herzen tragen und die mich jetzt in dieser Stunde bewegen, zu übermitteln. Geben Sie uns nun, wie alljährlich, d i e Parole für das nächste Iah r." „Ihr seid die deutsche Ration!" „Glaubensträger unserer Bewegung und Repräsentanten des Großdeutschen Reichest Der Führer spricht. Stürmische, sich immer erneuernde Kundgebungen und taktmäßige „Sieg-Heil!"-Rufe empfangen den Führer, als er, weithin sichtbar, an die Brüstung der Kanzel tritt. Erst nach geraumer Zeit kann er das Wort nehmen: Parteigenosien! In einer für uns Nationalsozialisten in diesem Jahr^ besonders feierlichen Stunde kann ich euch begrüßen. Vor 15 Jahren fand der erste Reichsparteitag statt, und im September des gleichen Jahres der erste Deutsche Tag in Nürnberg. Damals sind wir — auch schon zu vielen Tausenden — in diese Stadt eingejogen, und doch nicht zu vergleichen mit der gewaltigen Heerschau von heute. Alles hat sich seitdem in Deutschland gewandelt. Jlur eines ist diese 15 Jahre hindurch geblieben: Unser Glaube an Deutschland, unsere Liebe zu Deutschland und unsere unbeirrbare Zuversicht an den deutschen Wiederaufstieg. (Brausende heil!,- Rufe.) Unter euch sind manche, die schon die damaligen Tage miterlebten. Viele andere sind in den darauffolgenden Jahren zu uns gestoßen. Insgesamt seid ihr aber die zuverlässigste und treueste Anhängerschaft, über die je ein Führer verfügen konnte! Dies hat das Schicksal in diesen 15 Jahren nicht einmal, sondern tausendmal gezeigt. Ihr selbst habt es be- wiesen ! (Jubelnde Beifallskundgebungen der Hunderttausende.) Es tst so leicht, heute für dieses große neue Deutschland zu schwärmen, und wieviele gibt es, die dieses Reich nunmehr als etwas Selbstverständliches ansehen, obwohl sie sehr wenig zu seiner Geburt und seinem Werden beigetragen haben. Ihr allein, meine Parteigenossen, wißt, wie schwer dieser Kampf war, den unsere Gegner für aussichtslos hielten. Ihr habt all das mitgemacht, was an Leid und Sorgen aufrechten Freunden des Vaterlandes zugefügt werden konnte. Ihr aber habt in diesen 15 Jahren nicht ein einziges Mal an Deutschlands Zukunft gezweifelt. Und vor allem: Ihr habt auch mir selbst unent- weat euer Vertrauen geschenkt. Ich würde undankbar sein, wenn ich Nicht jedes Jahr von neuem das Glück empfinden könnte, wenigstens diese Tage in Nürnberg und diese Stunden bei euch und unter euch zu sein, vor euch stehen zu dürfen, so wie ich die langen Jahre in unzähligen Versammlungen als der Kämpfer vor euch stand, und euch so vor mir zu sehen, wie ich euch so oft vor mir gesehen habe. Es ist nicht notwendig, daß wir uns letzt im einzelnen erkennen. Ich kenne euch und ihr kennt mich! (Minutenlange, immer wieder aufbrandende Heil!-Rufe der Hundert- tausende.) Zum ersten Male kann ich nun unter euch, meiner alten treuen Revolutionsgarde, die Kampfgarde aus unserer Ostmark begrüßen. (Bei diesen Worten gehen unbeschreibliche Kundgebungen des Jubels über das nächtliche Feld.) Sie stehen unter euch, meine alten Kämpfer, und sind nicht mehr herauszuerkennen. Dasselbe braune Kleid, dieselbe Fahne, über allem aber derselbe gleiche Sinn und dasselbe treue deutsche Herz! (Beifallsstürme begleiten diese Worte des Führers.) Ls sind dieselben Kämpfer! Denn genau so lang wie die politischen Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung im alten Reich gestritten haben, solange stritten auch sie schon in der Ostmark. Wie die Kämpfer im alten Reich gegen eine Welt von Widerständen anstürmen mußten, genau so auch die Kämpfer unserer Ostmark. Aus Leid und Sorge sind auch sie gekommen und nun aufgegangen in unserer großen deutschen Volksgemeinschaft, in unserem neuen Großdeutschen Reich für jetzt und alle ewigen Zeiten! (Minutenlang jubeln die Hunderttausende dem Führer zu.) Ihr alle werdet untereinander das Gefühl besitzen, wie stark wir sind in dieser Gemeinschaft. Und gerade in einer Zeit, da Wolken am Firmament sind, empfinde ich es als doppelt beglückend, um mich jene Millionengarde unerschütterlicher fanatischer Nationalsozialisten zu wissen, deren geistige // Tag der Gemeinschaft". «080 000 Ein gelungenes Bild von den Vorführungen am „Tage der Gemeinschaft" auf der Zeppelm- wiese in Nürnberg. 720 Arbeitsmänner begeisterten die Hunderttausende von Zuschauern mit ihren ausgezeichneten Baumstammübungen. — (Scherl-Bllderdrenst-M.) Spitze, deren Führung ihr seid! (Jubelnde Begeisterung.) So wie ich mich in den langen Jahren im Kampf um die Macht in Deutschland stets blind auf euch verlassen konnte, genau so — ich weiß es — kann sich Deutschland und kann ich mich Jjeute auf euch verlassen! (Minutenlange stürmische Heiü-Ruse hallen über das nächtliche Feld.) Ihr seid in diesen langen Jahren erprobt und gehärtet worden, Ihr habt es selbst erlebt, welche Kraft einer Gemeinschaft innewohnt, die unlösbar in s-ich gefestigt einen starken Glauben im Herzen trägt und entschlossen ist, vor niemand zu kapitulieren? (Bei diesen Worten erfaßt ein ungeheurer Sturm grenzenloser Begeisterung die Hunderttausende, die minutenlang dem Führer zujubeln.) So macht ihr es mir leicht, heute Deutschlands Führer zu sein! (Erneute stürmische Kundgebungen.) Alle die, die in 15 Jahren auf den verfall unserer Bewegung rechneten, sie hatten sich getäuscht! Aus jeder Rot und Gefahr ging sie stärker hervor! Und alle jene, die heute auf eine Schwäche Deutschlands hoffen, sie werden Rufe zum nächtlichen Himmel auf.) Lin Volk ist nicht mehr und auch nicht weniger als feine Führung. Unsere Führung aber soll gut fein — das wollen wir dem deutschen Volke versprechen! (Mit minutenlangen unbeschreiblichen Zusiirnmungskundgebungen antworten die hunderttausende dem Führer.) Und mit diesem Gelöbnis sollt ihr von Rürnberg wieder hinausziehen in eure Gaue und kreise, in eure Ortsgruppen und Stützpunkte, In eure Marktflecken und Dörfer und sollt dort in den kommenden Zeiten nicht nur unerschütterliche Glaubensträger unserer Bewegung, sondern des durch euch heute repräsentierten Großdeutschen Reiches sein. Deutschland — Siegheil! Als der Führer geendet hat, brandet ihm ein ungeheurer Sturm minutenlanger jubelnder Begeisterung entgegen, der in dieser feierlichen Stunde als heiliges Gelöbnis zum nächtlichen Himmel emporsteigt. Der Fackelzug -er politischen Leiter. 80 000 Politische Leiter huldigten am Donnerstagabend dem Führer, der auf dem Balkon des „Deutschen Hofes" stand, mit einem riesigen Fackelzug. — (Presse-Bild-Zentrale-M.) I W It w W ML- > . ' Ita*?? ’ MM /> >v M.M- WM & WEM V/ ? ■ v\-' ■shifcfc - WM. ' M * W " ■-W W /'M# i ■■■ -Sd-M • M -* M W • ■ V. - - */,t E / > * „•'/ / z - ■ - /* - * "yi"' ■> * ■■ % T& -y W | IN -U W MA',' - , ' xÄX > - ^2« Oos Gemeinschastslager der OAF. auf dem platnersberg. Nürnberg, 9. Sept. (DNB.) Die Stadt der Reichsparteitage hat den Platnersberg, eine Gaststätte, in der seit vielen Jahren ein Gemeinschaftslager der Betriebsführer und ihrer Obmänner durchgeführt wird, der DAF. für 99 Jahre als Geschenk überlassen Dr. Ley erklärte den Sinn dieses Gemeinschastslagers. Hier haben über 2 0 0 Betriebsführer @e= legenheit, mit ihrenBetriebsobrnännern während der ganzen Dauer des Reichsparteitages zusammenzuwohnen und gemeinsam d:e Veranstaltungen zu besuchen. Die Unterkunftsräume sind so eingerichtet, daß diese beiden Verantwortlichen eines Betriebes in einem Raum wohnen und sich so besonders nahe kommen. Hier wird alles noch etwa Trennende eingerissen und damit ohne große Schulung ein Erziehungswerk von weittragender Bedeutung geschaffen. Diese segensreiche Einnchtung soll für das nächste Jahr noch bedeutend erweitert werden, so daß beim Parteitag 1939 je 400 Betriebsführer und Obmänner im Gemeinschaftslager als Gast der DAF. wohnen können. In der Liste der augenblicklich auf Platnersberg Weilenden stößt man auf die Betriebsführer der größten deutschen Industriebetriebe mit ihren Obmännern. Fahnenübergabe an das NSFK. Nürnberg, 9. Sept. (DNB.) Im Lager des NSFK. fand die Uebergabe von 104 Sturmfahnen statt. Inmitten des riesigen SA.-Lagers in Langwasser sind die 3000 Männer des NSFK. in einem offenen Viereck angetreten. Korpsführer Christiansen wies auf die Verpflichtung hin, die den Männern aus der Uebergabe der Fahnen in verstärktem Maße erwachse. General der Flieger, Milch, der im Auftrage des Oberbefehlshabers der Luftwaffe Generalfeldmarschall Göring die Fahnenübergabe oornahm, brachte die Freude des Oberbefehlshabers über die glänzende Entwicklung des Korps zum Ausdruck, das heute vollkommen gleichberechtigt neben den anderen Gliederungen der Partei stehe. General Milch weihte dann die Fahnen durch Berühren mit dem zerschlissenen Tuch der SA.-Flieger-Sturmfahne, die im Jahre 1932 einem Sturm in Essen verliehen worden war. Der Feier wohnten u. a. General der Flieger Kesselring und Gauleiter Weinrich bei. Wetterbericht Nachdem am Donnerstag und Freitag herbstliches Hochdruckwetter herrschte, hat in der Nacht zum Samstag eine bisher über Südfrankreich liegende Störung Einfluß auf unser Gebiet genommen. Bei stärkerer Bewölkung kommt es im Südwesten des Reiches und vor allem in den Alpen zu anhaltenden Regenfällen. Westdeutschland wird am Rande eines Schlechtwettergebiets bleiben, so daß auch hier zeitweise leichter Regen zu erwarten ist. * Vorhersage für Sonntag: Meist stärker bewölkt, zeitweise auch leichter Regen. Temperaturen wie seither. Winde aus östlicher Richtung. Vorhersage für Montag: Zeitweise auf- geheitert und im ganzen freundlich, etwas wärmer. Lufttemperaturen am 9. September: mittags 19,0 Grad Celsius, abends 13,2 Grad: am 10. September: morgens 12,6 Grad. Maximum 20,2 Grad, Minimum heute nacht 11,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. September: abends 14,9 Grad: am 10. September: morgens 12,5 Grad. — Sonnenscheindauer 4,8 Stunden. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Slum* schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigenTeil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theoder Kümmel. D A. VIII. 38: 8916. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM.- 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig ; Schon öroßimtgr nnhm£jetzt 110« 25 w | Vermietungen | Tüchtige w Mwageoifita mit Verdeck, Welcher eingeführte HW 1,8 Liter, 6 Zyl., Fleißiger älterer haurbursche Tüchtige |Stellengesuche] MM Schöne München 04133 Bezirks-Direktion Frankfurt a. M., Leerbachstr. 47. Bauplatz Kaiserstraße 15. 5783V Tüchtige Schlosser gesucht. lasiwap Benzin ob. Gas- FranzVogt&Co zu kaufen ges. Schrift!. Angeb. mit Angabe von Größe, Lage u. Preis unt. 04150 an den G. A. 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Steinweg 4. 11. 9. Bibelstunde 15.30. — Mittwoch, 14. 9. Bibel« u. Gebetsstunde 20.30. Bavtistengemeinde, Gartenstr.13. 11. 9. Predigt 16. — Mittwoch, 14. 9. Bibelstunde 20.15. Neuovostolische Gemeinden Gießen, Händelstr. 1, Eberstr. 13. 11. 9. G. 9 u. 15. — Mittwoch, 14. 9. G. 20 y2. Sonntagsdienst fürAerzte Arzt: Frau Dr. med. Marx, Bleichstratze 10. Zahnarzt (nur in bringenden Fällen): Dr. Schüttler, Frankfurter Straße 53 p. Nr.212 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) l0./ll. September (938 Appell an das Gewissen Europas. Ein Nachwort zum Stockholmer Nationalitätenkongretz? Wenn im Strudel der Ereignisse, die der Gärungsprozeß im tschecho-slowakischen Staate heroor- gerufen hat, sich d i e V e r t r e t e r d e r fremden Volksgruppen aus zwölf Staaten versammeln so wie sie es alljährlich seit 14 Jahren taten, dann wird man daran erinnert, daß in diesen europäischen Minderheitenkongressen seit Jahr und Tag der gute Geist Europas zu finden war, der wie ein nie ermüdender Mahner auf die Gefahren hingewiesen hat, die'die Mißachtung der Volkstums- rcchte einmal für den Frieden Europas heraufbeschwören müsse, und daß die erheblichen Spannungen, die sie seit zwanzig Jahren aufrechterhält, eine katastrophale Entwicklung zur Folge haben würde. Dieser dauernde Appell an das Gewissen Europas ist das Verdienst der Nationalitätenkongresse. In diesem Jahre hatte er Stockholm als seinen Tagungsort gewählt, also sich in eines der skandinavischen Länder zurückgezogen, die im Zuge einer langen ungestörten Entwicklung nach einer Trennung ihrer völkischen Bestände dennoch das Bewußtsein einer starken Zusammengehörigkeit zu entfalten vermochten und in der Behandlung von Minderheiten mustergültig vorangegangen sind. Seit Jahren ist der Slowene Dr. Wilfan der Präsident dieser Kongress. Tiefe geistige Durchdringung der Probleme und eine durch Sachlichkeit und Klarheit ausgezeichnete Sprache sind die Kennzeichen seiner Geschäftsführung, die auch dem Ablauf' der Verhandlungen und dem Inhalt der Entschließungen ihr Gepräge mitteilen. Die Nationalitätenkongresse haben nie ihren Wirkungsbereich überschätzt, sie wollten nicht Politik machen, sondern überzeugen, und die Rechtsgrundsätze, die sie aufstellten, die aber in einer Welt der Siegespsychose überhört wurden, erweisen heute ihre Geltung, wo der Bestand eines ganzen Staatswesens durch die Verletzung dieser Grundsätze aufs Spiel gesetzt ist. Der Kongreß spricht im Namen und im Interesse von 40 Millionen Menschen, die, politisch gesehen, aus den verschiedensten Lagern kommen. Die Deutschen stehen zahlenmäßig an der Spitze der Volksgruppen in fremden Staaten, das wird verständlich erscheinen, denn auf den nationalen Bestand des deutschen Volkes haben die Friedensmacher von 1919 bei der Neuaufteilung Europas am wenigsten Rücksicht genommen. Dann folgen Ungarn, Ukrainer, Kroaten und Slowenen, Russen, Schweden und andere, die zum Teil durch besondere Umstände genötigt waren, dem Kongreß fernzubleiben. Manches Trennende mag zwischen diesen Menschengruppen stehen. Was sie jedoch in dieser Organisation einigt, ist der Drang eines jeden, die völkische Gemeinschaft, der er angehört, auch über sein eigenes Leben hinaus zu erhalten, sie zu vervollkommnen und ständig weiterzubilden. Das Volkstum, die Sprache, die Tradition und alle Kulturgüter sind Werte, die er sich und seinen Kindern und Enkeln erhalten will. In diesem menschlichen Instinkt fanden die einzelnen Gruppen das gemeinsame Ziel, für das sie kämpfen. So hat sich die feste Ueberzeugung aus den gemeinsamen Beratungen entwickelt, daß die Liebe zum eigenen Volkstum, seine treue Bewahrung und das Eintreten für seine Lebensrechte ein sittliches Gebot sind, für dessen Erfüllung Millionen europäischer Menschen in Krieg und Frieden willig gelitten und ihr Leben gelassen haben. Mit dieser opferbereiten Liebe zum eigenen Volk soll sich die Achtung vor dem Daseinswillen und dem Daseinsrecht anderer Völker verbinden, dann erst wird es eine fruchtbare und ungehemmte Entfaltung der europäischen Völker und ihrer Kultur geben können. Die Bilanz der Nationalitätenpolitik in der Nachkriegszeit, die der Kongreß gezogen l tt, ist lehrreich und erschütternd zugleich und mündet in der Erkenntnis, daß die Genfer Liga auch in der Der Schlüssel. Von Albrecht Schaeffer. Ein Wanderer, der den ganzen Erdball umkreist hatte auf der Suche nach der Stadt Gottes» weil er in seiner Jugend vernahm, daß auch diese Stadt irgendwo auf der Erde gelegen sei, und daß Einlaß zu ihr erhalte, wer sie zu finden wisse: sah an einem Abend jenseits einer unermeßlichen Ebene diese Stadt wirklich unter dem Himmel liegen. Sie mußte es wohl sein, denn die Masse ihrer Türme und Kuppeln, die zwischen die Türme und Kuppeln der glühendsten Abendwolken hinaufragten, überstiegen alle Maße von Menschenbauten, die der Wanderer jemals gesehen hatte. Obgleich ihn noch eine kaum zu ermessende Wegstrecke von der ersehnten trennte, wanderte er rüstig zu; und er wußte nicht, wie viele' Stunden vergangen waren, als er, schon wankend vor Müdigkeit, aus der Nacht eine dunkle Wand aufsteigen sah. Ein winziger Lichtpunkt hatte ihn die letzte Strecke geleitet, und nun erkannte er, daß es das Schlüsselloch eines mächtigen Tores war, aus dem der Lichtstfahl herausfiel. Sogleich pochte er an; da tat sich im Tor ein Fenster auf, und er konnte drinnen in einem goldenen Dunst Lichter und selige Gestalten mit Flügeln erkennen, die da hin und her zu gehen schienen. Eine solche neigte sich aus dem' Fenster, reichte ein Brot heraus und sagte: Nimm und iß! mit engelsmilder Stimme. Allein der Wanderer versetzte: Dank! Speise habe ich selbst und bin nicht darum gekommen, sondern ich bitte um Einlaß. Das Fenster schloß sich sogleich; in die Finsternis schimmerte nur der einsame Strahl aus dem Schlüsselloch, und der Mann sprach: Es ist nicht das rechte Tor — der Einlaß wird anderswo sein. Und wie sehr seine Füße und Schläfen brannten, begann er unter dieser Mauer einherzugehen und ging viele Slunden lang. Die Mauer schien sich in einem unendlichen Kreise herumzubiegen, aber so oft auch seine Augen die Umrisse eines Tores zu erkennen glaubten, fiel aus keinem ein Schimmer heraus, und sein Pochen verhallte vergeblich. Und so fand er sich am Ende zu seinem Anfang zurückgeführt, dem glänzenden Schlüsselloch; und wieder wurde über dem tödlich Erschöpften das Fenster aufgetan, die Engelsgestalt bog sich zu ihm, reichte das Brot und sagte: Nimm und iß! mit der gleichen, mildklaren Stimme. Einlaß! rief er fast weinend, ach Einlaß ist, was ich begehre. Unbekanntes Hinterindien Von unserem W—st.-Sonderberichterstatter Lieferant auch Ihrer Krankenkasse! 633 D Damit ist die Nationalitätenfrage natürlich nicht aus der Welt geschafft. Die Liquidation des Genfer Systems bedeutet nicht eine Liquidation der Nationalitätenbewegung überhaupt. Das beste Zeichen dafür ist die Geschichte der Gegenwart, ist auch nach der theoretischen Seite hin die Tatsache des Stockholmer Kongresses. Europa sicht vor einer neuen Entwicklung des Nationali- tätenrechtes, das neue Wege und Formen seiner Geltendmachung sucht. Der' kollektive Schutz hat sich als unwirksam erwiesen und hat tatsächlich aufgehört, soweit man überhaupt noch behaupten wollte, daß er jemals vorhanden war. Heute sind die natürlichen Gesetze>er Blut- i\n b Sprachengemeinschaft wieder wirksamer geworden, es melden sich die Mutter st aaten der bedrängten Volksgruppen als berufene Vertreter ihrer Volksgenossen, und niemand wagt es mehr, dieses Mandat der Volksgemeinschaft als eine unberechtigte Einmischung in die. inneren Verhältnisse eines fremden Staates anzusehen. Die Mutterstaaten empfinden klarer ihre Verantwortlichkeit für das Schicksal der ganzen Volksgemeinschaft und sehen ihre Aufgabe darin, alle in der Welt verstreuten Volksgenossen organisatorisch unter ihrem eigenen Schutz zusammenzufassen. So entstand ein „Weltbund der Polen", so entstan- r°- bQ^L^er Kongreß bereits darauf verzichtet hat, seine Mahnungen noch an dieses Gremium zu richten. Er wendet sich unmittelbar an die R e - fetter Speck und Fisch leiten das Mahl ein, und 28 Grad Frost werden zu einem Vergnügen. In Nagasaki ist um diese Zeit Regenwetter. Die dunkelfarbigen Winterkimonos der kleinen Damen auf den hohen Holzghetas, mit denen sie praktisch auch durch Pfützen trocken kommen, verstecken sich unter wetterfesten Papierschirmen. In S ch a n q - h a i gibt's Schnee, der dort selten ist, aber als gutes Omen für das chinesische neue Jahr gilt. In Hongkong, etwa auf der Höhe von Formosa, wo es jedoch maritim wärmer ist, bleibt der Pic,' wo die feinen Leute wohnen, um die herrliche Aussicht zu genießen, in milchige Nebel gehüllt. Die gier ung e n der europäischen Staaten und richtet an sie den dringenden Appell, sich für eine Neuordnung einzusetzen, welche die Lebensrechte der Nationalitäten auf dem Gebiet der politischen und kulturellen Gleichberechtigung sichert. Denn die Gesamtlage der Volksgruppen in Europa hat sich fortlaufend — so stellt eine Entschließung fest — in erschreckendem Maße verschlechtert. Fast allen droht eine dreifache Gefahr: der endgültige Verlust ihrer politischen Geltung, die wirt- s ch a f tl i che Verelendung und die Minderung ihrer Volkszahl durch Assimilierung, erzwungene Abwanderung und die Verhinderung der Ausbildung nationaler gebildeter Berufsstände. Als aus der Katastrophe des Weltkrieges der Gedanke des Selbstbestimmungsrechtes der Völker hervorging, verfehlte er seinen 'Eindruck nicht auf die kämpfende und gequälte Menschheit. Hier erhob sich ein sittliches Ideal, für das gestorben zu sein, es sich verlohnt haben könnte.' Bald aber sollte es sich Herausstellen, daß es nur als ein zugkräftiges Schlagwort für einige Staatsmänner zu dienen bestimmt war, denn das Recht der freien nationalen Entscheidung blieb vielen vorenthalten, große Volksgruppen wurden von ihren Mutteroölkern losgerissen und in die Rolle von Minderheiten herabgedrückt. Wegen dieser bewußten Diskriminierung einzelner Völker stellte sich auch bei den Siegern die Unruhe des schlechten Gewissens ein, und sie schufen deshalb einen Ersatz für das freie Selbstbestimmungsrecht in dem System des internationalen Minderheitenschutzes. Immerhin wurde damit zum Ausdruck gebracht, daß die Achtung fremden Volkstums ein beachtliches Interesse der internationalen Staatengemeinschaft darstelle. Den Mehrheiten in den neuen Staaten sollte Gelegenheit gegeben werden, durch loyale Durchführung der Minderheitenabkommen sich gefährliche Nationalitätenkämpfe zu ersparen. Die Praxis zeigt heute, wie sehr einige es vorzogen, mit dem Feuer zu spielen, statt ihren jungen Staatswesen eine ruhige Entwicklung zu sichern. Als Hüterin im Tempel des Nationalitätenfriedens hatte man die Genfer Liga bestellt. Der Rat erhielt weitgehende Befugnisse, nicht nur bei einer Verletzung der Schutzrechte sollte er in Aktion treten, sondern bereits bei einer drohenden Gefahr einzugreifen berechtigt sein. Welch herrliche Perspektiven für den Fortschritt der Kultur! Aber auch hier mußte Genf an seiner eigenen Unaufrichtigkeit Schiffbruch erleiden, denn statt die Grundsätze der Gerechtigkeit und Freiheit zu hüten, brachten es einige im Rate sitzende Garanten der Minderheitenschutzbestimmungen fertig, als ihre letzte Aufgabe die allmähliche Assimilierung der fremden Volksgruppen durch die Mehrheitsvölker zu bezeichnen, und danach behandelten sie die Eingaben und Klagen der Volksgruppen. Die Mehrzahl der Beschwerden blieb in den Fußangeln eines raffiniert aus- gedachten Verfahrens hängen. Was kann Genf auf folgende Anklage erwidern? In den Jahren 1929 bis 1936 sind beim Völkerbundssekretariat 852 Klagen von Minderheiten eingereicht worden, von denen nur fünf zur Entscheidung vor den Rat gelangten. Dieser stand also auf feiten der verklagten Staaten und half ihnen bei der Sabotage der Minderheitenverträge. Gleichzeitig bemühten sich Staaten, die durch solche Verträge gebunden waren, um die Verallgemeinerung der Grundsätze und die Ausdehnung ihrer Wirkung auf alle europäischen Staaten. Daß dafür die Ratsmächte erst recht nicht zu haben waren, lag im Zug der ganzen Genfer Moral, und so wurde es fast unvermeidlich, daß Polen im September 1934 die Genfer Kontrolle durch eine ausdrückliche Erklärung gänzlich abschüttelte. Damit war das ganze System des internationalen Minderheitenschutzes ins Wanken geraten und befindet sich heute in völliger Auflösung. Genf hat aufgehört, als ein Faktor der Nattönalitätenpolitik zu gelten. Statt einer Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes Wahrnehmung des Schutzes der Minderheitenrechte | gab es also eine Außerkraftsetzung des Genfer Min- ! x LuLgabe i n keiner Ußeife erfüllt hat,'derheitenrechtes. Badesaison ist nicht unterbrochen, aber die Damen tun so, als ob es Winter wäre und fragen ihre Pelze, weil sonst niemand Gelegenheit hätte, von deren Existenz etwas zu merken. Ein sehr großer, trotz seines weißen äußeren Anstrichs düsterer, schwanker sranzösischerDampfer, dessen geschmacklose Einbastten seine Geburtsfehler als Truppentransporter nicht verdecken können, zieht südlich, und eines Morgens hat man das Gefühl, daß Pelz und Wolle völlig überflüssige Dinge auf der Welt sind. Der Geschmack wandelt sich: die kurzen Cocktails weichen „langen" Fizzes, Sodawasser, und die parfümierten grünen kleinen Zitronen „Limes" rücken in den Vordergrund. Und dann biegt das dicke Schiff von einer Bucht hinter einer Felsnase plötzlich in den Saigonfluß, dessen niedrige sumpfige Ufer einen einzigen riesigen Palmenhain bilden. Hier ist sicher die billigste Bezugsquelle für die beliebten Embleme der Friedensengel. Unvorstellbar fast, daß diese Chinesen, die fast nackt als Hafenarbeiter ölig in der heißen Sonne glänzen, Kulis sind vom Stamme der Eiskobolde auf dem erstarrten Sungari. Unfaßbar für uns, daß wir vor kurzen zwei Wochen uns Waden und Ohren angefroren haben. In dieser feuchten den die'Vereinigungen der Tschechen, der Litauer, der Esten, der Schweden und der Ungarn in der ganzen Welt. In der Linie dieser Entwicklung liegen auch d i e Abkommen zwischen Deutschland und Polen vom November 1937 und zwischen Italien und Jugoslawien vom März desselben Jahres. Auch Ungarn hat als wichtigste Bedingung für eine Verständigung mit den Staaten der Kleinen Entente und als einzige Grundlage für eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit ihnen die befriedigende Regelung der Lage der ungarischen Minderheiten in diesen Staaten genannt. Es ist nicht zu übersehen, daß als erste praktische Auswirkung dieser Forderung Rumänien ein neues Minderheitenstatut erlassen und ein besonderes Generalkommissariat für Minderheiten errichtet hat. Hier zeigen sich Umrisse einer neuen Rechtsgestaltung. Diese Art der Regelung ist heute der einzige Ausweg aus dem Gestrüpp der Nationalitätenfrage. Auch in Stockholm ist dieser Erkenntnis Raum gegeben worden, und man hat als Bedingung einer befriedigenden Lösung bezeichnet, die Anerkennung der Minderheiten als öffentlich-rechtliche Subjekte mit dem Recht auf freie Verwaltung aller ihrer Angelegenheiten, und dort, wo sie in geschlossenen Siedlungsgebieten leben, die territoriale, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Autonomie. Dr. Max Krull. Wie steht es mit Ihren Augen?--Sehschärfe und hiermit Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden lassen sich durch eine Brille steigern. Sprechen Sie doch einmal persönlich mit mir darüber. f^Ct^GEllER der Optiker am Bahnhof I. Zwischen minus und plus30Grad Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Singapur, Sommer 1938. Nicht leicht macht man sich klar, daß Japan in seiner heutigen Ausdehnung sich vom 2 2. bis zum 5 2. Breitengrad erstreckt, vom subtropischen Formosa bis zum arktischen Sachalin und zum Amur an der Nordgrenze von Mandschukuo. In Charbin im Januar ankommend, konnte man auf Kälte gefaßt sein und die Pelze wurden rechtzeitig vorgeholt. Sonne und Schnee, lang entbehrt, stimmen froh und warm, auch wenn die weiße Decke nicht ausreicht, um Schlitten zu fahren. Die kleinen mongolischen Pferdchen haben alle einen dicken zottigen Pelz an und dampfen mächtig, wenn sie ihren kurzen Trab laufen. Sie setzen weißen Reif an, als wären sie leicht anae- schimmslt. Dennoch überrascht es, von dem russischen Kutscher zu erfahren, daß wir heute „n u r" 28 Grad Frost hätten, und man faßt sich an die vorwitzige Nase, um festzustellen, daß sie noch da ist und Gefühl hat. Die Kulis auf dem Sungarifluß, wo sie sommers Fährleute sind, haben sich saisonmäßig umgestellt und besorgen ihr Geschäft auf primitivsten Fahrzeugen: „Tolkai-Tolkai" genannt. Das heißt nichts weiter als „stoßen" im Imperativ und ist der Ruf, mit dem sie ihre Kundschaft anlocken. Platz genommen wird auf einer Kiste, die auf einem breiten Kistendeckel steht. Der Kuli, bewaffnet mit einem Bootshaken, stellt sich dahinter und pickt seine Last und sich selbst vorwärts. Er hat dabei kaum eine Möglichkeit des Steuerns, und immerfort rutscht das Gefährt aus der nur oberflächlich gesäuberten Bahn über den metertief gefrorenen Fluß auf die Rampen von Schnee und Eisschollen. Die Pudelmütze, die Pelzschlinge um die Ohren, der speckige Schafspelz geben dem Kuli das Aussehen eines Waldkobolds, der mit ausladenden Gebärden feine Beute heimbringt. Das Ziel ist ein kleines russisches Gasthaus, ein Sommerhäuschen eigentlich, dessen Besitzer Pelmeny in alfsib irisch er Qualität zu bereiten weiß: jene Teigtäschchen, mit Schabefleisch, gefüllt, die sich in der Kälte knochenhart unbegrenzt halten und eine herrliche Suppe ergeben, tut man nur eine Handvoll in kochendes Wasser. Wodka, Das Fenster schloß sich zu, und in der Verzweiflungsentschlossenheit des Todes machte er sich abermals auf, ging und schlug an die Tore, wanderte, weinte, betete, fluchte — umsonst: von wo er ausgegangen war, da stand er am Ende wieder, und der Engel reichte das Brot. Diesmal nahm er das Brot, denn nun war sein Hunger begierig; und er sagte, hinsinkeNd an den Fuß der Mauer, murmelnd schon halb im Schlaf: Was will ein Mensch auch mehr? Ein Brot aus Gottes Stadt und Schlaf am Fuße ihrer Mauer. Seine Hönde brachen das Brot, und aus dem Brot fiel der Schlüssel, der ihm das Tor erschloß. Ich spiele mit Todllem... von V:lma Sturm „Klinglingling", sage ich, und Todilein ruft „rein!" „Guten Morgen, Herr Quex", sage ich, „ich wollte Sie mal besuchen kommen. Dars ich eintreten?" Todileins „Haus" ist unter dem väterlichen Schreibtisch, dessen Fußleiste ihm als Bank dient. Er hat sich ganz bequem darauf niedergelassen und lädt mich 'gleichfalls zum Sitzen ein. Wenn ich meine Knie bis ans Kinn bringe und den Hals ein- ziehe, kann ich auch Platz nehmen. Das Gespräch will uns nicht geraten. Es müßte jetzt eigentlich, da ich „zu Besuch" bin, Konversation gemacht werden. Und darauf versteht sich Todilein, Gott sei Dank, nicht. Ich verändere also kurzerhand unsere bis dahin sehr formellen Beziehungen in äußerst intime und werde Frau Todilein. „Mann, es ist Zeit, du mußt in die Fabrik, Geld verdienen!" gebe ich ihm höchst energisch zu verstehen. Gehorsam erhebt sich Todilein. Er verläßt das schützende Dach des Schreibtisches und geht bis zur Tür. Dort scharrt er ein weniges am Boden und kommt zurück. Im Begriff, feine Wohnung auf allen Vieren zu betreten, besinnt er sich und macht, wie er es von mir gelernt, erst „Klinglingling" auf irgendeiner imaginären Schelle. Ich halte ihm die geöffnete Hand entgegen: „Na, Mann, hast du Geld mitgebracht?" Todilein tupft mit dem Zeigefinger dreimal in meine habgierige Handfläche. „Fünf", sagt er strahlend. „Fünf Mark? Das genügt. Dafür können wir ein Kleid kaufen. Komm, Mann, jetzt gehen wir em Kleid kaufen." ' Ich ergreife Todileins Arm und gehe in Hockstellung neben ihm her. Seine dreijährige Größe schaut, ein wenig erstaunt und befremdet, auf mich herab. Als meine Knie anfangen zu zittern, mache ich halt. Wir sind am Schrank angelangt. Ich öffne die Schranktür/ „Guten Tag, Frau Müller. Mein Mann und ich, wir möchten gern ein Kleid kaufen. Haben Sie etwas Schönes da?" Ich gerate vor einer unsichtbaren Kleiderpracht in Entzücken. „Ja, Mann, was nehmen wir denn da? Das Rote? Oder vielleicht das Blaue? Oder etwa das Grüne?" „Grün!" ruft Todilein begeistert, „Ja, Mann, wenn es dir nur gefällt, das ist die Hauptsache. Dann wollen wir das Grüne nehmen, Fräulein. Packen Sie es uns gut ein." — Unten im Schrank steht eine kleine leere Schachtel. Selbstverständlich ergreift Todilein diese, „Kaocuier der er ist, und trägt sie mit großem Kraftaufwand nach Hause. Nachdem wir uns auf der Fußleiste wieder nie-der- gelassen und das in der Schachtel, enthaltene Stroh mit vielen „Ahs" und „Ohs" als „grünes Kleid" bewundert haben, sage ich: „So, Mann, jetzt muß ich kochen. Gleich wollen wir zu Mittag essen." Neben dem Schreibtisch liegt ein alter, gänzlich ausgedienter Ball. Seine Kugelgestalt ist durch zahlreiche Blötsche entstellt. Ich knuffe ihn recht kräftig, so daß er eine Vertiefung erhält, die ihn einer Schüsses nicht unähnlich macht. „Hier ist schon die Suppe, Mann!" und ich stelle die Terrine zwischen uns auf. „Ach, da habe ich ja das Tischtuch vergessen!" Gott sei Dank, ich besitze noch ein reines Taschentuch, womit ich den freien Raum auf der Fußleiste bedecke. „Jetzt wollen wir essen." Aber wir haben kein Geschirr. Todilein ist ein wohlerzogenes Kind, ich kann ihm nicht zumuten, mit den Fingern zu essen. Was könnte man denn da ...? Suchend öffne ich meine Tasche. Aha: Todilein bekommt den Drehbleistift, ich den Füllfederhalter. Eifrig kratzen wir mit unfern Instrumenten auf dem Ball herum, führen sie zum Munde und halten uns den Bauch, so gut schmeckt es uns.’ Ä „Mann, wir haben ja nichts zu trinken! Geh mal schnell in den Keller und hol eine Flasche Wein, weißt du, vom dritten Fach links, zweite Reihe." Eilfertig kriecht Todilein unter den Klubsessel. Wie er zurückkommt, haut er die um den eingebildeten Flaschenhals geklammerte Faust auf das Tischtuch, als ob solche Heftigkeit die Illusion zu beftätigen vermöchte. Ich gießss ein — „kluck, kluck, kluck" macht es — und lehre ihn, die Hand zum Becher zu formen. Und dann trinken wir in langen durstigen Zügen, wobei wir unsere Köpfe tief in den Nacken legen. Jetzt schlage ich das Tischtuch zum Fenster, das heißt zu den Schreibtischbeinen, hinaus-: „Damit die Vögel ihre Krümchen kriegen." Längst ist vergessen, daß wir ja nur Suppe gegessen haben, bei der Krümchen nicht ab fallen. Dann wird die Tischdecke zum Handtuch, das Geschirr damit abzutrocknen. Todilein scheuert seinen Löffel mit solchem Eifer, daß die Mine dem Drehbleistift entfällt. Erschrocken hält er sie mir hin. „Schreibe fort", sagt er. „Ja, nun ist die Schreibe fort", sage ich und stecke die Mine in die Tasche. Es ist ja auch besser, daß Todilein den Löffel ohne Schreibe benützt. Nachdem wir uns so im Hause abgerackert haben, fühlen wir beide das Bedürfnis zu schlafen. Wir suchen daher das Schlafzimmer, das heißt einen Sessel auf, und Todilein bettet sich sanft in meine Arme. Er versucht einen Schnarcher durch seine, kleine Nase. Darüber müssen wir beide lachen. Wir lachen, lachen, bis Mutti hereinkommt. „Ihr spielt aber schön miteinander!" Ja, wir haben wohl schön miteinander gespielt, mit einem oerblötschten Ball, einem Drehbleistift, einem Taschentuch und einem Füllfederhalter. Vielleicht hätten wir sogar das nicht einmal gebraucht. Die bunte Zauberei der Einbildungskraft, die das Genie zu den höchsten Werken befähigt, die hat dieses Kind mit mir getrieben, selbstverständlich, mühelos meine entlegensten Illusionen begleitend. Ein Wink, eine Andeutung genügt, und schon wird die Hand zum Becher, der Bleistift zum Löffel, das Nichts zu Jedem und Allem, wo.zu ich es nur aufrufe. Ist das nicht wie im Paradies? Wir waren für eine kurze Stunde, das Kind und ich, Herr über die Dinge, weil unserer Phantasie alles erreichbar war — über die Blumen des Teppichs schritten wir wie durch einen herrlichen Garten. O Todilein, es war sehr schön. Mein Leben will es, daß ich mich in der Gesellschaft der erwachsenen und großen Leute mehr bewege als in der der Kinv der. Trotzdem weiß ich, daß es nicht viele Dinge gibt, die schöner sind als mit dir zu' spielen, als mit dir zu sein in einer Welt, wo dem Menschen, wie im Garten Eden, selig alles gehorcht zu seinem Heile. Hochschulnachnckien. Dem Professor Dr. Otto M a u s s e r ist unter Ernennung zum ao. Professor der Lehrstuhl für Germanische Philologie an der Universität Königsberg übertragen worden. glühenden Luft werden die -aut seltsam weich und empfindlich, der Körper, die Schleimhäute nie trocken. Die Nächte bringen keine Kühlung, der erquickende Schlaf geht verloren. Der Entschluß, unter die muffige Dumpfheit der Musselinhülle des Moskitonetzes in das Hotelbett zu klettern, wird zur Qual. Wir Gewächse gemäßigter klimatischer Verhältnisse sind armselige Geschöpfe. Unser Wohlbefinden ist abhängig von Temperaturen in einem ganz kleinen Spielraum von wenigen Grad. Immerhin ist es leichter, sich gegen Kälte als gegen Wärme zu schützen. Daß Leute, die von den Umständen gezwungen sind, in ungewohnten klimatischen Verhältnissen durchzuhalten, in den Tropen bis an die Grenze des Wahnsinns geraten können, selbst wenn sie nicht physisch erkranken, ist wohl begreiflich. Rat -er Ratlosen. Don unserem 6. P.-Korrespondenten. Genf, September 1938. Am 9. September beginnt für drei bis vier Wochen wieder einmal eine „Hochkonjunkturzeit" der Genfer Liga. Zunächst tritt der Rat der Liga zu seiner 102. Tagung zusammen, die etwa vierzehn Tage später, nach der Neuwahl dreier nichtständiger Ratsmitalieder, in die 103. Tagung übergehen wird. Drei Tage nach dem Rat, nämlich am 12. September, beginnt dann die 18. vrdenlliche Tagung der Vollversammlung. Und wenn man die Dinge rein äußerlich betrachtet, so wird wenigstens während der ersten Tage in Genf ein ziemlicher Auftrieb zu verzeichnen sein, was schon aus der Tatsache heroorgeht, daß mindestens zehn Außenminister erscheinen werden, nämlich Lord Halifax (England), Georaes Bonnet (Frankreich), Oberst Beck (Polen), Litwinow-Finkelstein (Sowjetrußland), Spaak (Belgien), Patijn (Holland), Sandler (Schweden), Munch (Dänemark), Comnen (Rumänien) und Munters (Lettland). Was aber tatsächlich in Genf geschehen wird, dürfte — wieder einmal — diesem äußeren Auftrieb in keiner Weise entsprechen. Die Tagesordnung des Rates umfaßt zwar achtzehn und die der Versammlung sogar fünfundzwanzig Punkte, aber dabei handelt es sich im wesentlichen nur um interne Personalfragen oder um Probleme zehnter Ordnung. Die wirklich wichtigen Probleme der • Gegenwart dagegen dürften in Genf entweder überhaupt nicht oder nur in der Kulisse zur Erörterung gelangen. Die tschecho-slowa- kische Frage z. B. ist überhaupt nicht auf der Tagesordnung zu finden; der spanische Bürgerkrieg ist nur mittelbar vermerkt; der chinesisch-japanische Streitfall steht nur pro memoria auf der Tagesordnung des Rates; und wenn schließlich die Abrüstungsfrage sowie das Problem einer Reform der Liga zu den offiziellen Genfer Ladenhütern gehören, so ist es ein offenes Geheimnis, daß diese Debatte, wie schon so oft, auch diesmal wieder ergebnislos wird verlaufen müssen. Das Hauptinteresse wird sich also mehr denn je auf die allgemeine Aussprache konzentrieren, in deren Verlauf die Vertreter der verschiedenen Staaten die Auffassung ihrer Regierungen zu den aktuellen Angelegenheiten darlegen werden. Und der Wert dieser aus einseitigen Reden bestehenden Aussprache wird darin zu erblicken sein, > daß sie die gegenwärtige Gruppierung der Mächte und die voraussichtliche Entwicklung der großen Politik veranschaulichen dürfte. Nicht der zu fassenden Beschlüsse wegen, sondern in Anbetracht ihrer taktischen Bedeutung verspricht übrigens im Lichte dieser großen Zusammenhänge selbst die Behandlung einiger zweitrangiger Punkte interessant zu werden. So dürfte sich schon die Wahl des Präsidenten der Versammlung als aufschlußreich erweisen. Ursprünglich hatte man als Vorsitzenden den Neuseeländer Jordan ins Auge gefaßt, der den internationalen Volks- frontlern höchst gelegen käme, weil er Husarenattacken zu reiten pflegt, um selbst heute noch die Genfer Doktrin unentwegt zu verteidigen. Aber Jordan hat turnusmäßig den Vorsitz im Rat zu übernehmen, und da man beide Aemter nicht gut in die gleiche Hand legen kann, mußte man sich nach jemand anderem umsehen. Und zwar kam man auf den Gedanken, die Präsidentschaft der Versammlung dem jugoslawischen Ministerpräsidenten Stojadinowitsch anzutraben, mit dem Hintergedanken, daß als Gegenleistung Jugoslawien, obwohl es turnusmäßig an der Reihe ist, zurücktreten würde, damit an Stelle des ausscheidenden Rumäniens die Tfchecho-Slowakei in den Rat gewählt werden könnte! Aber beide schönen Pläne scheinen in Belgrad auf keine sonderliche Gegenliebe zu stoßen, und so dürfte voraussichtlich der Finnländer Holsti Präsident der Versammlung werden. Der zweite nichtständige Mitgliedsstaat, dessen Amtszeit im Rat abläuft, ist Ekuador. An seine Stelle wird voraussichtlich Kolumbien treten, dessen neuer Präsident Dr. Sa.ntos (früher Vertreter Kolumbiens in Genf) sich um die Liga „verdient" gemacht hat, indem er im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Lopez den Gedanken aufgab, als elfter der zwanzig Lateinamerikaner aus der Genfer Liga auszutreten. Die internationalen Volksfrontler werden zwar darüber murren, daß die Lateinamerikaner bei einem nur noch zehn- köpfigen Mitgliedsbestand jene drei Ratssitze b e - halten sollen, die ihnen zugebilligt wurden, als ihrer zwanzig der Liga angehörten, aber das dürfte, wie so vieles in Genf, gerade diesmal mehr pro forma geschehen. Bei der dritten Neuwahl zum Genfer Rat handelt es sich um Polen, das einen sog. halbständigen Sitz inne hat und mit Zweidrittelmehrheit wiedergewählt werden muß. Hier bestand die Gefahr, daß sich die internationalen Volksfrontler für die vorjährige Ausbootung Valencias aus dem Rat rächen und die Wiederwahl Polens hintertreiben würden. Aber die Dinge scheinen sich einzu« renken. Wenn es nicht zu einer jener Ueberraschun- gen kommt, mit denen in Genf immer gerechnet werden muß, dürfte Polen von den Neutralen gebeten werden, sich wiederwählen zu lassen, und da selbst für die internationalen Volksfrontler einige Veranlassung besteht, die Neutralen vorsichtig an- zufassen, dürfte die polnische Wiederwahl glatt ver- laufen. Allerdings wird man von den Neutralen verlangen, daß sie nicht wider den Stachel der Genfer Doktrinen löten und vor allem, daß sich die Oslo-Staaten bei ihrem erwarteten Vorstoß gegen die Zwangsmaßnahmen des Artikels 16 einer gewissen Mäßigung befleißigen Noch vor Beginn der Genfer Tagungen zeichnen sich also bereits einige der nun einmal üblichen Kuhhändel ab, und auch der englische Vorstoß gegen Artikel 16, von dem gerüchtweise die Rede war, ist wohl kaum anders zu werten. Vielmehr dürfte es der Genfer Regie nicht allzufchwfr fallen, Lord Halifax zu veranlassen, auf diesbezügliche Absichten zu verzichten. OerGlaubeanOeuischlandforderidenEinsahderTai Die Reichsfrauenführerin spricht auf der Kundgebung der RG.-Frauenschast. Nürnberg, 9. Sept. (DNB.) Die Kundgebung der NS.-Frauenschaft in der Kongreßhalle gestaltete sich zu einem Bekenntnis der deutschen Frauen zu Führer, Volk und Reich. Fast 50 000 deutsche Frauen füllen die Halle bis auf den letzten Platz. Unter ihnen fallen besonders die Jugendgruppen der NS.- Frauenschaft mit ihren zum ersten Male gezeigten kleidsamen schwarzen Kostümen mit weißen Blusen auf, ferner die schmucken Trachten der weiblichen Mitglieder der Arbeitsfront und des BD M., sowie die erdbraunen Uniformen der Arbeitsmaiden. Das ganze Bild wird bunt belebt durch die zahlreichen Tvach- tengruppen, die die Mannigfaltigkeit der deutschen Gaue widerspiegeln. Stürmischer Beifall begleitet den Einzug der Ehrenabteilungen der verschiedenen Frauenorganisationen. Unter ihnen werden mit besonderer Herzlichkeit begrüßt die zahlreichen Trachtengruppen aus der Ostmark. Im Namen der Reichsfrauenführerin begrüßt dann Reichsamtsleiter Hil- genfeldt die ausländischen Gäste sowie die Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht. Darauf nimmt die Reichsfrauenführerin Frau Scho ltz-Klink das Wort. Je gründlicher wir in unseres Volkes Geschichte zurückschauen, so sagt sie, um so eindringlicher kommt es uns zum Bewußtsein, daß allein die treibende Kraft des Glaubens unser Volk bis auf den heutigen Tag erhalten hat, und daß unsere schwächsten und beschämendsten Stunden immer die gewesen sind, in denen der Glaube an Deutschland unter uns selbst nicht genügend selbstlose Kämpfer fand. Wer vom Glauben spricht und den Einsatz verweigert, redet leeres Geschwätz. Das Gesicht unserer Nation aber, wie es in die Geschichte eingegangen ist, ist über alle wechselvollen Schicksale hinweg immer geformt worden von Menschen, die sich für ihren Glauben an die Größe dieses Volkes innerlich und äußerlich verzehrten. Weil es unserem Führer gelungen ist, uns alle durch seine Haltung, seine Lehren und seine Offenbarung den Glauben und das geschichtliche Bewußtsein von der Kraft unserer Ration zum eigenen Erleben werden zu lassen, kann er von uns den Einsatz dieser Kraft verlangen. Diese Forderung kann in den schwierigsten Jahren keinen Halt machen vor irgendeinem' Stand oder irgendeiner Altersschicht, wenn einem bewußt wird, daß wir zum ersten Male ein Deutsches Reich und einen Geist hinterlassen wallen, in dem auf wirtschaftlichem, geistigem und seelischem Gebiet ein in sich gesichertes, in sich ausgeglichenes und seiner Eigenart stolz bewußtes Volk leben soll. Daß d i e junge Generation ganz besonders in diesen Gemeinschaftsweg hineingestellt werden muß, ist eine selbstverständliche Sache, die auch mit der Bereitwilligkeit opferfreudiger Herzen ausgenommen wird. Bereits heute, knapp drei Monate nach Inkrafttreten der Verordnung über den Frauenhilfsdienst, stehen 3000 Mädel einsatzbereit. „Eins müssen wir allerdings gerade bei dieser Gelegenheit einigen Müttern sagen", erklärte die Reichsfrauenführerin, „wenn deine Tochter diese Wege gehen will oder auch gehen muß, dann stelle du dich nicht mit Anschauungen dazwischen, die weder dir, noch deiner Tochter Ehre machen, und die da etwa lautet in Form einer Zeitungsanzeige: Stellung zur Ableistung des Pflichtjahres für meine Tochter gesucht; Bedingung: Zentralheizung, fließendes Wasser, keine Kinder! Wenn ein Volk nach einer Weltanschauung lebt, die den Glauben an die Zukunft auf ihre Fahnen geschrieben hat, und dieses Volk alles tut, um mit der hergabe bester Kräfte diese Zukunft zu sichern, dann haben die Quellen dieser Zukunft das erste Anrecht auf Schuh und Hilfe, nämlich die Mütter, die viele Kinder haben. Deshalb sollte gerade deine Tochter, die vielleicht als einzige ausgewachsen ist, diesen Aufgabenkreis einmal kennenlernen, damit sie reicher und vielleicht mit mehr Ehrfurcht als bisher durchs Leben geht." Frau Scholtz-Klink gedachte dann der Leistungen,, die in der Nachbarschaftshilfe, der Erntehilfe ober' auch der Betreuung der Erntehilfe der NSD. in stiller Selbstverständlichkeit getätigt wurden.' Die Frauenschaft hat in ihren Mütterschulkursen 1 663 054 Teilnehmer in 83 381 Kursen erfaßt. Gerade dieses Gebiet der Zusammenhänge zwischen Volkswirtschaft und Hauswirtschaft ist wie kein zweites geeignet, uns zu beweisen, daß der Glaube an eine Idee die fruchtbarste Kraft eines Lebens ist; denn so manche Frau komme zu ihr im ersten Unverständnis und sagt: „Ach, laßt mich in Frieden mit eueren Ideen, davon kann ich nichts herunterbeißen. Ich glaube nur an die Wirklichkeit." Und sie hat noch nie darüber nachgedacht, daß z. B. die Maschine — als ein? absolute Wirklichkeit, die dem Mann Arbeit und Lohn gibt — nicht als fertige Maschine vom Himmel gefallen ist, sondern daß einmal derGlaube eines Menschen nötig war, um aus rohem Material all die hundert Teile auszuarbeiten, die eine Maschine ergeben haben. Und dann war eine Zeit, da standen diese Maschinen still, und man gab uns Geld als Erwerbslosenunterstützung. Aber es nützte uns nichts, weil wir nichts mehr hatten, was wir damit hätten kaufen können. Da war es wieder die Idee eines Einzigen und'der Glaube an ihre Verwirklichung, die Maschinen wieder in Gang zu bringen und uns am Leben zu erhalten. Die Reichsfrauenführerin ging dann auf die geschichtliche Aufgabe Deutschlands und feine große Tradition ein. Tradition heißt Ver- pflichtung, nämlich nicht nur dazu, Großes zu erhalten, sondern aus Fehlern zu lernen! Ein Volk kann immer nur fo viel Anspruch auf Glück erheben, als es bereit ist, dafür als Preis dem Leben zu zahlen. Das ist Völker- fchickfal ebenso wie Linzelschicksal; wer Liebe will, muß Liebe geben, wer einen Freund fein eigen nennen will, muß bereit fein, Freund zu sein. Wer im Gleichschritt gehen will, muh Kamerad sein können; es sei denn, er gehöre zu den armseligen Kreaturen, die ernten wollen, wo sie nicht gesät haben; die Liebe fordern, wo sie wohlwollende Herablassung gewähren. Viele menschliche „Enttäuschungen" kommen nur daher, daß der Mensch etwas, was ihm das Schicksal in die Hand gegeben hat, selbstzufrieden hinnimmt, und nicht das Geringste dafür tut, sich dieser Gabe wert zu erweisen. Wir wollen das Glück unseres Volkes, und wir ' wissen, daß wir dem Leben dafür unseren Tribut zollen müssen. Weit wir das wissen, ist die Gemeinschaft auf diesem Wege die erste Voraussetzung zum Gelingen. Denn je mehr Menschen bereiten Herzens Lasten tragen, um so leichter werden diese Lasten und um fo rascher kommt man zum Ziele. Der Glaube an die Größe Deutschlands bleibt immer die Voraussetzung zu seiner Zukunft; dieser Glaube fordert immer Einsatz der Tat. Für diesen Einsatz ist kein Opfer zu groß! Daß unser Werk aut und immer besser werbe, dem gelte, unsere Arbeit an uns selbst — baß es allezeit vor dem Führer bestehen könne, sei unsere vornehmste Sorge — baß es aber dereinst der deutschen Geschichte zur Ehre gereichen möge, dazu helfe-uns Gott!" — Stürmischer Beifall dankte der Reichsfrauenführerin, die anschließend den hier versammelten deutschen Frauen die Grüße des Führers übermittelte. Begeistert stimmten die Zehntausende in das Sieg-Heil auf den Führer ein. Deutschlands Ernährung für volle zwei Jahre garantiert. Reichsleiier Darre spricht vor dem Parteikongreß über die Erfolge der nationatf ozialistifchen Agrarpolitik und Dorratswirtfchasi. Der Reichsarbeitsdienst Schule der deutschen Volksgemeinschaft. Reichsarbeitsführer Hierl spricht vor dem Parteikongretz. Nürnberg, 9. Sept. (DNB.) Auch die Kon- greßsitzung am Freitag begegnete unvermindert großem Interesse. Wieder belebte die Vielfalt der Uniformen und der bunten Trachten von Männern und Frauen aus den Gauen des Großdeutschen Reiches das festliche Bild. Die Ehrenkompanie vor der Halle stellt die erste Unteroffizierlehrabteilung Kiel, deren Front der Führer, von vielen Tausenden mit stürmischen Ovationen empfangen, unter den Klängen des Deutschlandliedes und Horst-Wessel- Liebes abschritt. Nach der „Egmont"-Ouvertüre von Beethoven gab zunächst Reichsleiter Hierl einen Rechenschaftsbericht über den Einsatz der Männer des Spatens im abgelaufenen Jahr. Der Reichsarbeitsführer «wachte von einer soeben vom Führer verfügten Anordnung Mitteilung, wonach die Stärke des Arbeitsdienstes für d i e weibliche Jugend .auf 50 000 Arbeitsmaiden erhöht ist, da für die weibliche Jugend die Erziehung durch den Arbeitsdienst besonders notwendig sei. Er sei auch das beste Mittel, um den überan strengten Bauernfrauen die notwendige Hilfe und Unterstützung bieten zu können. Im übrigen ging der Reichsarbeitsführer auf den verstärkten Einsatz des Reichs- arbeitsdienstes ein, der auch in diesem Jahre eine Dienstzeitverlängerung bis Ende O k - tob er aufweisen wirb. Ohne die Hilfe des Reichs- arbeitsbienftes hätte die Ernte nicht geborgen werden können. Im Jahre 1937/38 wurden durch Deichbauten und Hilfsregulierungen rund 29 000 Hektar Bauernland den Ueberschwemmungen durch Hochwasser entzogen, 118 000 Hektar in ihrer Ertragsfähigkeit gesteigert, 9000 Hektar der vollen landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt. 1500 Hektar wurden dem Meer abgerungen. Die insgesamt bewirkte Ertragssteigerung entspricht ungefähr einem Neulandgewinn von rund 35 000 Hek ° tar oder 140 000 Morgen. 5700 Hektar wurden zur Aufforstung vorbereitet und 2500 Hektar neu angepflanzt. Durch die Heimkehr der O st mark sind dem Reichsarbeitsdienst neue große Aufgaben erwachsen. Der Aufbau der neuen vier Arbeitsgaue ist bereits so weit gediehen, daß am 1. Noveyiber der erste Halbjahresgang arbeitsdienstpflichtiger Oesterreicher einrücken kann. Am 1. April 1939 werden in Oesterreich 150 Abteilungen bestehen. Der Reichsarbeitsdienst Großdeutschlands wird bann 370 000 Arbeitsmänner umfassen. Für die weibliche Jugend in der Ostmark sind 120 Lager vorgesehen. Der Reichsarbeitsführer gab seiner Freude Ausdruck, daß der Reichsarbeitsdienst im Auslände immer besseres Verständnis findet. In der ersten Hälfte dieses Jahres sind insgesamt 2875 ausländische Besucher im Arbeitslager gewesen, darunter zehn Minister und Staatssekretäre. „Wir würden uns freuen", fo sagte der Reichsarbeitsführer, „wenn die Völker, anstatt gegeneinander um die Wette zu rüsten, miteinander um d i e Wette arbeiten würden." Unser Reichsarbeitsdienst ist eine rein na» t i o n a l s o zi a li st i s ch e Schöpfung. Seine Aufgabe ist, durch die Arbeit am deutschen Boden und die Erziehung und Ausbildung in der Lager- gem^inschaft unsere nationalsozialistische Auffassung von der Volks gemeins chaft und der A r b e 11 immer von neuem durch die Heranwachsende Jugend ins Volk hineünzutragen. Der Arbeitsdienst ist die Schule der sozialen und arbeitsethischen Erziehung des Volkes. Nach dem Willen des Führers soll die ganze Nation durch diese Schule gehen. Der Arbeitsdienst ist Ehrendienst. Es kann keine Ausnahme geduldet werden. Jede Ausnahme für den Arbeitsdienst würde die ethische Grundlage Darres Seridjt Reichsleiter Reichsminifter Darre wies dann in seinem Rechens chaftSb ericht bar auf hin, daß die mit größter Aktivität durchgeführte Erzeu- gungs schlacht des vergangenen Jahres zu neuen Steigerungen auf faft allen Gebieten der Produktion geführt hat. Es stieg z. V. im Altreich, im vergleich zum Durchschnitt des Jahrfünfts vor der Machtüber- nähme, die Getreideernte von 21,9 auf 22,2 Millionen Tonnen im Jahre 1937. Sie wird sich im laufenden Jahr nach der August- schähung auf 24,5 und nach der neuesten Sep- temberfchähung sogar auf 25,5 Millionen Tonnen stellen, fo daß die Erzeugung in diesem Jahr um 3,5 Millionen Tonnen höher ist als im Durchschnitt der Jahre 1928 bis 1932. Der Mehranfall stellt fast die Hälfte des Vrotgetreidebedarfs eines ganzen Jahres dar. Die Zuckerrübenemte erhöhte sich von 11,2 Millionen Tonnen in den Jahren 1928—1932 auf 15,7 Millionen Tonnen im vorigen Jahr. Sie wird in diesem Jahre den Rekord von 1937 noch über» treffen. Weiter ist trotz der Verringerung der Futtermitteleinfuhr die Erzeugung von Schweinefleisch innerhalb des genannten Zeitraumes von 2 023 000 auf 2 243 000 Tonnen angewachsen, die von Rindfleisch von 855 000 aus 931 000 Tonnen. Der Milchanfall erhöhte sich von 22 auf 26,2 Milliarden Liter, also mehr als die Hälfte unseres jährlichen Frischmilchoerbrauches. Diese Entwicklung ist aber nicht etwa nur den günstigen klimatischen Verhältnissen, son- dem nicht zuletzt auch dem Mehreinsatz pro- buftionsfteigernber Betriebsmittel ju danken, so der erheblich stärkeren Verwendung von Kunstdünger und dem gewaltigen, seit 1932/33 auf bas Dreifache gestiegenen Mehreinsatz -von Maschinen und Geräten. Die Erörterung der wichtigen Aufgaben der Marktordnung gab Darre Veranlassung, an Beispielen auf den Gebieten der Schweinefleisch- und der Marmeladeversorgung darzulegen, von welch aroßer Bedeutung die regulierende, weit voraus- schauende und auf die Anlegung in jedem Falle hinreichender Vorräte bedachte Marktordnungspoli- Für Getreide habe Deutschland noch niemals eine fo günstige V o r ra t s wi r t f ch a f t verzeichnen können wie jetzt. „Dir haben Vorräte an Brotgetreide, die die Versorgung des beuf- bes Arbeitsdienstes erschüttern. Der Arbeitsdienst soll zugleich ein festgefügtes, in der Hand der Führung ruhendes Werkzeug für das Wohl des Volkes fein. Er verbindet in sich den Charakter einer staatspolitischen Schule und eines staatspolitischen Werkzeuges. Der Reichsarbeitsdienst ist aus der Partei erwachsen und mit ihr untrennbar verbunden. Er verkörpert in stärkstem Maße die Einheit zwischen Staat und Partei. schen Volkes für volle zwei Jahre garantieren! 3m Vergleich zum Juli 1936 find ferner die Vorräte an Gefrierfleisch und konkaven aus Rindfleisch von 5000 auf 62 000 Tonnen gestiegen, und die Vorräte an tieri- t schen Fetten haben sich in der gleichen Zeitspanne beinahe verdoppelt. Noch günstiger ist die Vorratslage auf dem sonst sehr schwierigen Gebiet der Pflanzenfette, die Ende Juli d. I. in einer Menge lagerten, die dem Bedarf von siebeneinhalb Monaten entspricht. Außerordentlich günstig ist weiter auch die Dor- ratslage bezüglich der Futtermittel und der Kartoffeln." Das Festhalten an den einmal als richtig erkannten agrar- und ernährungspolitischen Grundsätzen gebe die sichere Gewähr, daß auch ein ausgesprochen zj schlechtes Erntejahr die Ernährung Deutschlands nicht im mindesten gefährden könne. Abschließend bankte Reichsleiter Darre vor allem der Wehrmacht, dem Arbeitsdienst und der Hitler-Jugend für ihren tatkräftigen Einsatz bei der Bergung der Ernte dieses Jahres. Die presse im Dritten Reich. Sorge für den Leser statt Berantwortungslosigkoit. Als letztem Redner der Kongreßsitzung erteilte Rudolf Heß Reichsleiter Amann bas Wort zu bedeutsamen Ausführungen über: „Das Wesen der nationalsozialistischen Revolution in der Presse." Ausgehend von einer Gegenüberstellung der nach den Lebensgesetzen des Liberalismus zur Industrie des Wortes degradierten Presse zu der von größtem Derantwortungsbewußtsein gegenüber der Gemeinschaft des Volkes getragenen Mitwirkung der Presse ^n der staatspolitischen Arbeit kennzeichnete Reichsleiter Amann die Geschichte der Bewegung als die Geburtszeit einer neuen Presse. Er widerlegte dabei den Vorwurf, die Presse in Deutschland würde der Politik der Partei unterworfen und die Meinung uniformiert. Er wies daraus hin, daß unsere Revolution die Zeitung und das Zeitungsschaffen in ihrer Ganzheit ergreife, indem sie der Zeitung ihren Standort bei der Gemeinschaft, von der sie kommt, und damit den positiven Wert für alle zurückgibt. Als die drei entscheidenden Wesensmerkmale der Zeitung bezeichnete Reichsleiter Amann die Vollständigkeit ihres Inhalts, die Allgemeinheit ihres Interesses in Inhalt und Darbietungsform und die Aktualität als die zeitliche Erscheinung des All- Gewaltige produktionssteigeningen im Gmähriingssektor. gemeininieresses. Bei der Zeitungsführung komme es auf die Beachtung dieser Grundsätze an, weil sie allgemeine Wirkungsooraussetzung jeder Presie- arbeit seien und ihre Anwendung nach den moralischen und politischen Prinzipien gegeben sein müsse, die in Uebereinstimmung mit der Arbeit aller anderen politischen Wirkungsfaktoren aus einem Publikum eine Gemeinschaft, das Volk, bilden und die Fortentwicklung des einzelnen gewährleisten. Besondere Zustimmung fand die Feststellung Amanns, daß die Verantwortungslosigkeit jor dem Leser abgelöst worden sei durch die Sorge für ihn und das, was die Anziehungskraft des Edlen steigern, dem Schlechten und Niederen aber die Suggestivwirkung nehmen wolle. Mit besonderer Betonung wies der Redner dann darauf hin, daß wir alles und alle ablehnen, die die Presse in ihrem Wesen schändeten und sie dadurch mit Recht der Diffamierung preisgeben, und daß wir ebenso bedingungslos die Männer der deutschen Presse von heute zur ersten Reihe der Arbeiter in Deutschland rechnen. Freudige Zustimmung löste Amanns Feststellung aus, daß die re st lose Säuberung d . r Presse der O st mark durchgeführt sei. Beifall fand auch der Dank an die Männer, die unter den schwierigsten Umwinden noch vor der Heirn- kehr der Ostmark in das Reich ihrer politischen Verantwortung bewußt gewesen seien. Mit Einzelangaben über den Aufbau der Parteipresse in der Ostmark, die nunmehr nur noch einen einzigen Auftraggeber anerkenne und eine einzige Aufgabe ein einziges Ziel, nämlich Deutschland, sehe, schloß Rerchsleiter Amann seine Ausführungen. Die italienische Abordnung a ehrt die Toten der Bewegung. Nürnberg, 9. Sept. (DNB.) Am Freitagnach- mittag erschien die Abordnung der Faschistischen Partei in der Ehrenhalle des Luitpold- Haine s. Der Delegationsführer, Staatsminister F a r i n a c c i, und der stellvertretende General- ftabschef der Faschistischen Miliz legten unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden zwei große Lorbeerkränze mit Schleifen in den Farben der italienischen Trikolore und der faschistischen Jugendbewegung nieder. Dem feierlichen Akt, zu dem Ehrenformationen der SA.-Standarte „Feldherrn- halle", der ^-Leibstandarte und der ^-Verfügungs- truppe sowie der Polizei angetreten waren, wohnten viele Tausende von Zuschauern bei. Geschichten aus aller Welt (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Das verrückteste Haus der Welt. B. San Franzisko. Als unbewohnbar wurde in San Jose in Kalifornien ein Haus erklärt, das einen gewaltigen Umfang hat, 150 Ziwmer enthält und an dem dreißig Jähre mit großem Aufwand gebaut worden ist. Das Gebäude hat eine seltsame Geschichte. Eine Mrs. W. Wert Wincester, der der Mann gestorben war, hatte sich an einen Arzt gewendet, um sich von ihm beraten zu lassen, wie sie die furchtbare Angst, die -sie bedrängte, besänftigen könnte. Der Arzt gab ihr einen merkwürdigen Rat: sie sollte sich ein Haus bauen, ohne jedoch bie Hilfe eines Baumeisters in Anspruch zu nehmen- Die Frau nähm diesen Rat an und machte sich sofort an die Ausführung. Da sie jedoch nicht die leiseste Ahnung von der Baukunst hatte, fing sie ohne jeden vernünftigen Plan an zu bauen, immer einen Teil an den andern zw fügen, ohne daß sie zueinander paßten, und so verbrachte sie dreißig Jähre emsigsten Schaffens und gab Millionen für den Bau aus. Sie hatte Arbeiter angenommen, die wenige Monate bei ihr tätig fein sollten, da das Haus kaum längere Zeit erfordern würde, aber die Leute blieben viele Jahre bei ihr und brachten die Zeit damit zu, daß sie nach den täglich wechselnden Befehlen der Baüherrin aufbauten und wieder abrissen. Trotz aller Mißerfolge war Mrs. Wincester nicht dazu zu bringen, die Bauleitung niederzulegen. So wurde ein Ergebnis erzielt, wie es nicht anders sein konnte, jedenfalls dds verrückteste Haus, das je auf Erden entstanden ist.^Es ist ein stattliches Bauwerk, das 150 Räume enthalt, aber keiner liegt auf demselben Niveau. Es sind Treppen darin, die nirgends hinführen, und-von einem Stockwert in das andere zu kommen, muß man bis zu sieben Windungen emporsteigen. Mit einer unendlichen Zahl von Kabeln, Drähten und Leitungen ist es nur gelungen, in wenigen Zimmern Wasser und Elektrizität zu haben. 47 Kamine krönen das Dach, von denen nur zwanzig benutzbar sind. In dem Maße, wie das Haus größer wurde, mehrten sich auch die Gänge und Korridore, und so ist schließlich ein neues Labyrinth entstanden, das bei der Baupolizei natürlich keine Gnade finden konnte. Die Diät der Filmstars. C. K. Hollywood. In Hollywood gibt es einen Mann, der genau weiß, was die Filmstars essen, wieviel, wie oft, wie zubereitet und warum. Vielmehr, eigentlich sind es zwei Männer, nämlich Dr. Hauser, der Diät- Spezialist, und sckn Freund und Geschäftspartner Fred Brown. Die beiden sehen sich so ähnlich, daß die Steuerbehörde von Washington kürzlich einen Beamten in ihre Wohnung schickten, um festzustellen, ob es wirklich zwei Männer seien und der doppelte Name nicht vielleicht ein feiner Kniff, um eine niedrigere Einkommensteuer zu zahlen. Dr. Hauser ist nicht Arzt. Er hat seine Erfahrungen in bezug auf Diät an sich selbst gemacht, und zwar in Deutschland, als er hier vor ^3 Jahren studierte und an. einer scheinbar hoffnungslosen Tuberkulose erkrankt war und die Spezialisten ihn bereits aufgegeben hatten. In seinem Sanatorium in Chikago weihte er einige Jahre später den Kunstschüler Fred Brown in seine Ideen ein, die beiden wurden nahe Freunde und nach zwei Jahren Geschäftsteilhaber. Der Speisezettel, den' zahlreiche Filmstars, auch wenn sie Dr. Hauser nicht unmittelbar zu Rate ziehen, sich mit mehr oder minder erheblichen Abweichungen zu eigen gemacht haben, ist folgender: „Erstes Frühstück: Ein Glas Orangensaft und andere Früchte, ein Spiegelei, Toast und Kaffee oder Kräutertee. Lunch: Fruchten ft, roher Gemüsesalat, Gemüsebrühe und Nachtisch von Früchten. Tee: Eine Tasse Kräutertee. Dinner: Eine Tasse Gemüsebrühe, Lammkotelett, Geflügel oder Fisch, zwei grüne Gemüse, eine kleine gebackene Kartoffel oder Weißbrot und noch mehr Früchte. Dr. Hauser versichert, daß diese Ernährung für das junge Mädchen, das den ganzen Tag im Filmatelier arbeite, ideal sei. Sie gebe Lebenskraft und verleihe Auge und Haar einen neuen Glanz. Besonders Mohrrübensaft empfiehlt er als eines der besten Nahrungsmittel, die es geben fömfe. In der Hauptsache sind es natürlich die weiblichen Filmstars, die diese Diät einhalten, aber auch von den männlichen Schaufpielern haben viele sie angenommen. Shirley Temple ißt Hulsen- früchte, Eier, Milch, Gemüsesuppe, ein wenig Fleisch und sehr viel verschiedene Salate. Augenblicklich hält sich Fred Brown in England auf, um zu erforschen, ob günstige Vorbedingungen bestehen, auch dort in den nächsten Jahren ein Sanatorium nach Dr. Hausers Grundsätzen einzurichten. Elefant in Rosa? v C. K. Kapstad t. Aus Kapstadt wird berichtet, daß von einem zuverlässigen Beobachter im Knysna-Walde in der Kap-Provinz ein rosa Elefant, der erste, von dem man bisher gehört hat, gesehen worden ist. Es war ein neugeborenes Kalb, nur etwa einen Meter hoch und am ganzen Körper rosafarben. Der ungewohnte Anblick setzte eingeborene Holzfäller so in Schrecken, daß sie flohen und nicht zu bewegen waren, näher an das Tier heranzugehen. Auf diese Nachricht hin wurden Beamte des Londoner Zoo über ihre Meinung befragt „Wir haben niemals bisher von einem vollständig rosa Elefanten gehört", erklärte ein Sachverständiger. „Albinos gibt ös wyhl unter den Elefanten, und vor einigen Jahren hatten wir sogar einen in England, der später nach Amerika kam. Aber auch diese sind außerordentlich selten und haben daher einen hohen Wert. Ein weißer Elefant kann von Eltern von gewöhnlicher dunkler Farbe geboren werden, und er ist nicht von vornherein von schwächerer Konstitution. Es wäre möglich, daß der jetzt beobachtete rosa Elefant ein junges Albino- Kalb ist, bei dem die natürliche rosa Hautfarbe noch hell durch das dünne Haarkleid hindurchscheint. Merkwürdig ist bei dieser Nachricht, daß sie so weit aus dem Süden der Kap-Provinz kommt; denn dort ist das Auftreten der Elefanten sehr ungewöhnlich." Die weißen Elefanten, von denen hier die Rede ist, genießen in Burma eine hohe religiöse Verehrung. Sie werden als Inkarnationen von Buddha angesehen und müssen als solche geachtet werden. Wie in Europa jeder Schatzfund dem Staate gemeldet werden muß, so muß auch das Auftauchen eines weißen Elefanten angezeigt werden, sobald er entdeckt" ist. Dor etwa zwölf Jahren wurde nun in den Wäldern von Burma ein Elefant gefangen, dessen Farbe als hell lachsrosa beschrieben wurde. Er wurde in einem besonderen mit Blumenkränzen geschmückten Gehäuse, das mit Vorhängen bedeckt und mit einer goldenen Matte ausgelegt war, nach Bangkok gebracht; Wärter badeten und parfümierten ihn, und «als Nahrung wurde ihm Reis und Zuckerkuchen gereicht. Nachdem er neun Tage gefeiert war, während derer seine Stoßzähne mit goldenen Ringen versehen und kostbare Ketten über seinen Nacken gehängt waren, wurde der Elefant in den königlichen Stall geführt. Ein seiner „Onkel Doktor". AS. Warschau. Auf eine merkwürdige Weise kam es in Lodz zur Entlarvung eines Betrügers, der sich als Arzt ausaab. Der angebliche Doktor besuchte die urn- liegendey Dörfer und hatte viele Patienten, bei denen er sich eines großen Ansehens erfreute. Einem seiner Patienten fiel es jedoch auf, daß der „Herr Doktor" seine Rezepte den Kranken immer diktierte. Der argwöhnische Patient benachrichtigte die Polizei, die den Scharlatan festnahm. Bei der Untersuchung stellte es sich heraus, daß der angebliche Arzt weder lesen noch schreiben konnte. Seine Studien bestanden lediglich darin, daß er einmal in einem Warschauer Krankenhaus eine Stellung als Hausknecht inne hatte. . t Eine Konferenz gegen Heuschrecken. . C. K. Brüssel. Die internationale Konferenz gegen die Heuschrecken, die soeben eine Beratung von mehreren Tagen abgehalten hat, hat den Vorschlag des englischen Delegierten angenommen, daß ein internationales Amt zum Studium der Heuschrecken und der Anwendung von Mitteln, sie an ihren Ursprungsplätzen zu zerstören, begründet wird. Da verschiedene Delegierte erst die Einwilligung ihrer Regierung wegen der Bewilligung der notwendigen Mittel einholen mußten, wurde die Ausführung bis zu einer späteren Konferenz vertagt, die im nächsten Jahr in Lissabon abgehalten werden soll. Bei den Beratungen war man sich darüber einig, daß der sicherste Nürnberger Streiflichter ^.-Sonderberichterstatter. Don unserem W. „3a, bist du es wirklich?" — „Na klar Mensch, wer soll ich denn sonst sein!" Die dies sprachen, waren — zufällig wurde ich Zeuge dieser Begrüßung — ein Kreisleiter und- ein ^-Oberführer, die in diesen Tagen vor dem Hauptbahnhof in Nürnberg einander trafen und ein herzliches Wiedersehen feierten. — „Wie lange haben wir uns nicht gesehen?" Das ist eine Frage, die man in diesen Tagen in Nürnberg tagtäglich härt, wenn alte Nationalsozialisten Zusammentreffen, die in der Zeit vor der' Machtübernahme Seite an Seite gekämpft haben, in den Jahren nach 1933 zu wichtigen Auf^ gaben berufen wurden und dabei auseinander gekommen sind. Und wenn solche alten Kämpfer sich plötzlich treffen, dann versinkt auf einmal alles, was um sie herum ist, dann taucht die Vergangenheit auf, wird die Zeit vor 1933 lebendig, jene Jahre, ba man in härtesten und schwersten Kämpfen stand und niemand wußte, ob er am nächsten Tage noch seine gesunden Knochen haben mürbe, Es ist etwas Rührenbes um dieses plötzliche Zusammentreffen öfter Nationalsozialisten. Sie haben vier, fünf Jahre nichts voneinander gehört, was durchaus nicht an beiderseitigem dösen Willen lag, sondern eben daran, daß die Fülle der Aufgaben, die es zu erledigen galt, keine Zeit zum Briefschreiben ließ. Und nun stehen sie auf einmal einander gegenüber und müssen beide feststellen — Gott sei Dank! —, daß sie die. alten geblieben sind! Und beim ersten Wort bereits spüren sie es, daß das halbe Jahrzehnt, welches dazwischen Hegt, sie nicht im geringsten entfremdet hat. Ihnen ist so zu Mute, als ob fte sich erst gestern abend nach einer Versammlung, in der es hoch Verging, getrennt hätten. Das Geheimnis dieser Verbundenheit ist fehr einfach! Die Jahre der Kampfzeit haben um die Männer, die in diesen für Deutschlands Geschichte so schweren und entscheidungsvollen Jahren ihren Mann gestanden haben, ein Band geschlagen, das nie zereißen wird, ein Band, bas gewirkt, ist aus bester und treuester Kameradschaft. Denn die Kameradschaft bewährt sich erst bann, wenn der eine weiß, daß er, wenn es nottut, sich für den anderen einsetzen muß bis zum Letzten. Stundenlang stehen die Menschenmauern a m „Deutschen H o f", wo der Führer, wie auch in vergangenen Jahren, abgestiegen ist. Nicht immer scheint bie Svnne^vom wolkenlosen, strahlenb blauen Himmel hernieber, es ist manchmal recht unfteunb- lich, und Regen bleibt gleichfalls nicht aus. Aber bie Menschen, bie sich hier eingefunben haben, schert bas alles nicht im geringsten. Sie haben ein Ziel, sie haben einen Wunsch, und dieser Wunsch lautet: Wir wollen unseren Führer sehen! Wann er kommt? Ja, so recht weiß das niemand. Es kann vielleicht eine halbe Stunde dauern, aber auch zwei Stunden! Bequem ist es ganz gewiß nicht, immer so eingekeilt auszuharren. Weder die Vorder- noch bie Hintermänner wanken und weichen. Jeder ist in Sorge, daß er vielleicht seinen guten Platz, den er sich so mühselig erkämpft hat, verlieren könnte. Aber alle Unbilden nimmt man gerne in Kauf, denn schließlich muß der Führer doch wieder einmal zurückkommen! Und auf einmal kommt Bewegung in die Masse, die Heilrufe pflanzen sich lawinenartig fort, und ein zehntausendfaches Brausen und Jubeln erfüllt auf einmal die Luft. Arme strecken sich zum Gruß empor. Wie dankbar sind alle, daß der Führer, im Auto stehend, an ihnen vorüberfährt, denn sonst würden sie ihn bestimmt nicht so gut sehen können. Der Führer lacht, grüßt mit einem Blick voll Stolz und Freude, und dann ist er schon im Hotel verschwunden. Fünf, zehn Sekunden hat das alles gedauert, aber bie Menschen stehen noch ganz im Banne dieser wenigen Augenblicke, und noch lange gibt es für sie nur einen Gesprächsstoff: „Wir haben den Führer gesehen, ganz nahe, höchstens sechs Meter entfernt ist er an uns vorübergekommen!" An einer Straßenecke stehen zwei Italiener, Führer der faschistischen Miliz. Sie haben einen Stadtplan aus der Tasche gezogen, stecken die Köpfe zusammen und scheinen irgend etwas zu beraten. Im Handumdrehey sind sie von einer Menge umringt: SA.-Männek, Politische Leiter, Zivilisten. Alle wollen den italienischen Kameraden helfen, die sich in der fremden Stadt nicht auskennen, und deren gesamter deutscher Sprachschatz in dem einzigen Wort „danke" zu bestehen scheint. Die Italiener ziehen einen Brief aus der Tasche, auf dem eine Adresse vermerkt ist. Durch Gebärden geben sie zu erkennen, daß dort ihr Quartier ist. Zwei Koffer stehen neben ihnen. „Na, wenn es weiter nichts lst!" sagt ein- SA.-Scharführer, „wir werden die beiden Kameraden schon richtig in ihr Quartier bringen." Gesagt, getan. In Begleitung von einem halben Dutzend Reichsparteitagsteilnehmer streben die Italiener ihrem Quartier zu. Mit einigen französischen und englischen Brocken gelingt es, sich wenigstens etwas zu verständigen. Aber viel tiefer als bie Verstänbi- gung durch Worte ist bie Verständigung der Herzen, die, wenngleich verschiedenen Völkern gehörend, dach in einem großen Rhythmus schlagen. Die Nürnberger Gastwirtschaften und Kaffeehäuser brauchen sich nicht in diesen Tagen über Gästemangel zu beklagen. Gedrängt voll ist es überall und inan staunt manchmal 'wirklich, wie um einen runden Tisch von 80 Zentimeter Durchmesser sechs, ja sogar acht Personen Platz haben. „Na, dann rücken wir eben noch etwas zusammen!" Dieses Wort kann man immer wieder hören, es ist Sinn- bild echter Freude und Gemütlichkeit. Wer jetzt in Nürnberg Dialektstudien machen will, der kommt voll auf seine Rechnung. Da sitzt der Bayer neben dem Schlesier, der Ostpreuße neben dem Sachsen, der Wiener neben dem Rheinländer, und wahre Lachsalven erschallen, wenn der eine und der andere den Dialekt feiner Heimat mit ganz besonderem Ausdruck spricht. Witze und Scherze flattern non Tisch zu Tisch, es herrscht eine fröhliche und lustige Stimmung, eine Stimmung, wie sie bei einem Reichsparteitag unerläßlich ist. In allen Gesichtern liegt bie stolze Freube barüber, baß man dabei sein bars, und eifrig wirb Darüber gesprochen, was bie nächsten Tage wohl noch bringen werben. Es ist eine Kameradschaft, die alle Deutschen im Altreich und in der Ostmark umschließt, es ist die Kameradschaft eines 75-Millionen-Volkes, das, von einem Willen beseelt und einem Geist erfüllt, unter dem Hakenkreuz marschiert. Weg der Bekämpfung der Heuschreckenplage ist, ihre Brutplätze ausfindig zu machen und sie dort zu vernichten, so daß ihre Wanderflüge verhindert werden. Die Verwüstungen der Wanderheuschrecken sind besonders schwer im belgischen Kongogebiet an der Grenze von Rhodesia. Der englische Plan beabsichtigt, getrennte Kontrollorganisationen für jede der drei Heuschreckenarten in Afrika zu bilden, dem internationalen Komitee aber die Oberaufsicht zu überlassen. Der photographierte Diebstahl. B. Paris. Am Schluß einer Prozession, die vor einigen Tagen zu einer bretonischen Kirche zog, bemerkte eine Frau, daß ihr 15 000 Franken gestohlen waren, die sich in ihrer Tasche befunden hatten. Sie hatte nichts von einem Taschendieb bemerkt, aber sie erhielt eine unerwartete Hilfe von den Photographen, die beruflich ober als Liebhaber zahlreiche Aufnahmen von dem feierlichen Zuge gemacht hatten. Die Polizei ließ sich bie Photographien vorlegen, und sie fanb auf einer, von ihnen die Frau, bie bestohlen worben war. Daneben bemerkte man einen jungen Mann, ber gleich des Diebstahls verbächtig schien. Schließlich fanb sich noch eine zweite Photographie, auf ber man beutlich benfelben Mann erkannte, ber gerabe bamit beschäftigt war, ein Damentäschchen zu durchsuchen. Die Photographie wurde vergrößert, und so hatte man ein genaues Bild des Taschendiebes, der der Polizei nicht mehr unbekannt war. Es gelang auch, dem Dieb auf einer Pariser Eisenbahnstation zu verhaften, als er aus einem Zuge stieg. Es war ein vorbestrafter Taschendieb, ber gerabe solche Diebstähle mit großSr Gewandtheit ausführte und ohne die Photographie in diesem Fall kaum zu fassen gewesen wäre. Der „Reibeisenbart". B. M-a i I a n b. In einer Mailänder Dorstadtkneipe gab es vor einigen Tagen aus einem seltsamen Grunde einen hitzigen Streit, der in Tätlichkeiten ausartete und seinen Abschluß auf dem PoUzeibüro fand. Einer der treuesten Gäste ist dafür bekannt, daß'er einen ganz ungewöhnlich starken Bartwuchs hat. Kaum hat er sich rasieren lassen, so sprießen bie bichten starken Haare von neuem, so daß man nur von feinem „Reibeisenbart" spricht und seine Freunde allerhand Scherze darüber machen, in die er selbst gutmütig einstimmt. So wollte er jetzt seine Freunde, während sie beim Kartenspiel saßen, verblüffen, holte ein Streichholz hervor, rieb sich damit bie Wange und zündete sich, als es tatsächlich brannte, zur größten Freude aller Dabeisitzenden eine Ziga- rette an. Etwas später sah man, wie er in höchster Wut aufsprang, während bas Blüt aus einer Kratzwunbe- über feinen Bart floß, und sich auf einen feiner Freunbe stürzte, um ihn mit den Fäusten zu bear- beiten. So war ber Krach da, ber so lebhafte Formen annahm. Als der Freund, der den Aufruhr veranlaßt hatte, zur Rede gestellt wurde, erklärte er: „Ich fjabe es nur wie er machen wollen, durchaus im guten Glauben." In der Tat hatte er ein Streichholz durch energisches Reiben an dem „Reibeisenbart" onzünden wollen, damit aber keinen anderen Erfolg als eine tiefe Kratzwunde auf der Backe des Barlbefitzers erzielt. Jetzt war die Reihe, sich zu erklären, an dem Mann mit dem starken Bart. Er war sichtlich verlegen, aber schließlich gab er doch zu, daß er in seiner hohlen Hand ein kleines Stück Glaspapier verborgen gehalten hatte, um seinen Freunden etwas vorzuzaubern, indem sie glauben sollten, daß er die Zündhölzer an seinem Bart gerieben hätte. Daß ihm das einer nachmachen würde, hatte er freilich nicht angenommen. Schöne Damen ... AS. Belgrad. Als im Monat Mai nach einer Kinovorstellung drei Belgrader Herren auf der Straße zwei Damen folgten, soll einer der Herren die Bemerkung „Schöne Damen!" gemacht haben. Diese Worte sollen aber nur, so behaupten die Herren, die Einleitung eines Satzes gewesen sein. Die Damen mißverstanden aber diese Anrede und legten dieser Bemerkung negative Bedeutung bei. Darauf blieb eine ber Damen stehen unb versetzte einem ber Herren eine Ohrfeige. Da die beteiligten Männer angesehenen Kreisen Belgrads angehörten, wurde aus der Sache ein großer Skandal. So beschäftigte sich jetzt das Gericht mit dieser Sache, wurde sich aber nicht über den Sachverhalt klar, da Aussage gegen Aussage stand. Die Damen erklärten, es seien auch andere, viel anstößigere Bemerkungen gefallen, und Ankauf von Rohprodukten aller Art Lumpen, Knochen, Papier, Gummi, Flaschen Alteisen Verkauf von Nntzeisen Abbrüche von Maschinenanlagen usw. Born & Co., Giefaen (früher Firma Hermann Heß) Schützenstraße 62 Telephon Nr. 4243 Bestellungen werden durch Sammler abgeholt. ^KohlerHotz Tel. 4061 Kaiserallee 11 JOCMHfft« nntjdtfk Saran gefch^os ILebmDmUDuttCTui&lKnb £u fJiuteen, iftSer roller llen qelStfc^en IKampjisP ■^DOL^Tie^ lieber Naturschutz und Naturkunde öcs Hugo Bermühler Verlages, Berlin-Lichterfelde. Bitte verlangen Sie noch heute von Ihrem Gießener Buchhändler das ausführliche bebilderte Werbeblatt „Freunde der Natur find Freunde guter Bücher". Wasserdichte Dächer erzielt man unter Garantie durch die seit über zwölf Jahren bewährte, kalt aufstreichb. 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E t t i g h o f f e r (Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh, gebunden 4,40 RM.). —(246)— Der Autor berichtet in diesem spannend geschriebenen Buche über das schwere Schicksal des „letzten Kriegsgefangenen", dessen Fall in dem ersten Jahrzehnt der Nachkriegszeit in Deutschland und auch in den gerecht denkenden Kreisen Frankreichs gewaltiges Aufsehen erregte. Es handelt sich um den Elsässer Paoli Schwartz, der im März 1886 als Kind deutscher Eltern auf der französischen Insel Korsika geboren wurde, aber schon bald danach mit seinen Eltern nach Deutschland kam, hier als Deutscher groß wurde, als deutscher Soldat den Weltkrieg mitmachte und nach dem Kriege in seine Heimatstadt Kehl zurückkehrte, . um dort wieder seinem Beruf als Privatlehrer nachzugehen. Obwohl Schwartz also deutscher Abstammung war, sich stets als echter Deutscher betrachtete und danach auch als Soldat gehandelt hat, wurde er in Kehl bald nach dem Einmarsch der französischen Besatzung von den Franzosen verhaftet, weil diese ihn nach dem veralteten französischen Gesetz, das alle auf französischem Boden geborenen Menschen ohne weiteres als Franzosen ansieht, als Franzosen betrachteten und ihm nun „Verrat an Frankreich" und Kampf gegen das französische „Vaterland" zum Vorwurf machten. Damit begann für den „Kriegsgefangenen" Schwartz eine unendlich schwere Leidenszeit. Er erklärte den Franzosen gegenüber stets, er sei Deutscher, die Franzosen vertraten dagegen stur und unbelehrbar den Standpunkt, er sei Franzose. Einige Jahre lang hielten sie ihn in zermürbender Untersuchungshaft, ohne ihn niederzwingen zu können. Dann wurde ihm der Prozeß wegen „Vaterlandsverrats" und Kampfes gegen „sein Vaterland Frankreich" gemacht und er zu lebenslänglicher Verbannung nach Guayana, der berüchtigten Strafkolonie Frankreichs, verurteilt. Sein Weg führte ihn, der sich mit Recht als unschuldig Verurteilter fühlte, durch eine Reihe französischer Zuchthäuser, dann durch die Menschenkäfige von La Rochelle und schließlich auf dem „Totenschiff" nach Guayana mit seinen mörderischen Lebensverhältnissen und der Teufelsinsel. Bis zum Frühjahr 1932 mußte Schwartz dort schmachten, wehrlos den Brutalitäten des französischen Strafsystems für die Bagnosträflinge preisgegeben, nur aufrechterhalten durch seinen zähen Willen und durch den Glauben, daß doch auch ihm noch Gerechtigkeit zuteil werden wurde. Erschütternd berichtet der Autor über die furchtbaren Jahre dieses aufrechten deutschen Mannes, in dessen dreizehnjähriger Leidenszeit das ttagische Grenzländerschicksal eines deutschen Elsässers zutage tritt und der nur ein einziges „Verbrechen" begangen hat, indem er sich frei amt) aufrecht zu Deutschland bekannte. Es ist kein Ruhmesblatt für Frankreich, das in diesem Buche vor aller Welt beschrieben wird. Die „grande nation" und ihre Rechtspflege, insbesondere ihre Militärjustiz, werden hier vor der Weltöffentlichkeit so an den Pranger gestellt, wie sie es verdient haben. Das für Frankreich beschämende Kapitel der Kylturschande, das mit der Verwendung von Farbigen im Kampfe gegen Weiße während des Krieges begann und dann in der Besetzung deutschen Bodens durch Farbige aller Rassen und aller Länder als schwarze Schmach Frankreichs seine Fortsetzung erfuhr, wird mit dieser aktenmäßig fundierten Schilderung des Falles des „letzten Kriegsgefangenen" um ein weiteres Stück bereichert. Ettighöffer hält sich bei seiner Darstellung des Falles Schwartz ftreng an die Tatsachen, er vermeidet bewußt alle Tendenzmacherei und wirkt dadurch um so eindrucksvoller auf jeden Leser. Dieses Büch sollte besonders auch den jungen deutschen Menschen in die Hand gegeben werden, die jene Jahre des Krieges und der französischen Rachsucht in den Nachkriegsjahren als urteilsfähige denkende Personen nicht miterlebt haben. Hier wird ihnen ein Stück Frankreich geschildert, wie es, frei von aller Schönfärberei, in Wirklichkeit durch seine Machthaber vertteten wird. Darum ist dieses Buch als ein rvertoolles Stück Aufklärungsarbeit zu be- ttachten, dem man weiteste Verbreitung wünschen kann. Ernst Blumschein. — „Ein Volk kehrthei m." Von Hans Gustl K e r n m a y r. (Deutscher Verlag, Berlin. Kartoniert 2 RM., gebunden 2,85 RM.) — (191) — Der Ai^or hat dieses fesselnde Buch über Oesterreichs Kampf und Befreiung „dem unbekannten nationalsozialistischen Kämpfer in der Ostmark" gewidmet. Er hat damit ein Werk getan, das alle Anerkennung verdient. Er erzählt in packender Sprache davon, wie^ Oesterreichs deutschfühlendes Volk seit dem Gewaltfrieden von St. Germain um die Heimkehr in ein geeintes Deutschland kämpfte, und wie Männer und Frauen, Kinder und Greise Oesterreichs opferfreudig ihren Anteil zu diesem Befreiungskampf beitrugen. Dieses Buch mit seinen erschütternden Schilderungen über den Aufbruch der Deutschen in Oesterreich ist ein Erlebnisbericht aus dem unmittelbarsten Gefühl eines stürmisch bewegten Herzens, eine Schilderung von dokumentarischer Treue, der Roman eines geschichtlichen Geschehens, wie es einzigartig in der Welt dasteht. Das Buch hat seinen Lesern viel zu geben. Oie Narrenkappe. Schwere Dahl. Zu Lenbach kam einst eine reiche, etwas eingebildete und nicht eben hübsche Dame. „Herr Professor", sagte sie, „ich möchte mich von Ihnen malen lassen, ich möchte ein ähnliches und schönes Bild haben." Lenbach erwiderte: „Ja, gnädige Frau, da müssen Sie sich schon für das eine oder das andere entscheiden." Feierlicher „Don Carlos". Eine Aufführung des „Don Carlos" im Städtischen Schauspielhaus zu K. Marquis Posa liegt zu Tode getroffen am Boden. Carlos wirft sich über die Leiche des Freundes und klagt herzzerreißend. König Philipp muß auftreten, tritt aber nicht auf. Unheimliche Pause. Carlos wiederholt den Satz: „Hier liegen meine Reiche ..." bis er, von Wut' gepackt, den toten Marquis am Wams schüttelt und ihn 'andonnert:.„Herr — Sie sind mein Zeuge, daß ich das richtige Stichwort gebracht habe!!" Stephan auf der Jagd. Heinrich von Stephan, der berühmte Gene« ralpostmeister, war ein großer' Nimrod vor dem Herrn, doch wird berichtet, daß seine Jagd- und Schießleidenschaft größer war als seine Treffsicher- heit. Man erzählt sich, daß er einst einer Einladung zur Hofjagd in Bornstedt bei Potsdam Folge leistete und dort bei der Begrüßung einen Treiber, der ihm bekannt vorkam, anredete: „Mir ist, als hätte ich Sie schon einmal gesehen, mein Lieber. Wo habe ich Sie doch zuletzt getroffen?" Und der brave Holzarbeiter, mit einer unmißverständlichen Handbewegung nach seiner abgewandten Körper- hälfte: „Hier, Herr Staatssekretär, hier!" Der Schultheiß und der Schimmel. Einmal vor Jahren, als die schwäbischen Bürger- . meister noch „Schultheiß" genannt wurden, ging über den Schultheiß von Geislingen folgende Geschichte um: Der Schultheiß, der ein guter Zecher vor dem Herrn war, fuhr eines Tages mit feinem Schimmel und dem Wägete nach „Stuergett" (Stuttgart). Nach Erledigung der Geschäfte traf der Schultheiß von Geislingen mit Freunden zusammen, mit denen er bis Ultimo zechte. Reichlich benebelt trat er dann die Rückfahrt nach Geislingen an. Als er sich kurz vor Geislingen befand, schlief der Schultheiß in seinem Wägele ein und verließ sich auf den Instinkt des Schimmels, der ihn nach Hause bringen sollte. Da kamen aber zwei Bauern daher, die sahen den friedlich schlafenden Schultheiß und erlaubten sich den Scherz, den Schimmel in aller Ruhe aus- zuspannen. Als nach einiger Zeit der Schultheiß wach wurde und die Bescherung sah, konnte er seinen Augen nicht trauen. Da brummte er leise vor sich hin: „Bin i der Schultes von Geislinge, han i 'n Schimmel verlöre; bin i der Schultes von Geislinge nei, Han i 'n Wägele g'funne ...!" Und nach einiger Ueberlegung: „Sauerei! I bin der Schultes von Geislinge." Giesser. Friedrichstr.7 Lieferant aller Kassen j bei ßeS5weSn ^*****>bringt. die leichte, Maßei^ von Bischofsreut (Bayr. Wald), z. Z. Gießen, Bleichstraße 10, 8. September 1938. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 13. September, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof in Gießen statt 5851 d In tiefem Schmerz: Otto Köhler, Bez.-Zollkommissar (G.) Familie P. Jos. Mobs Familie Aug. Köhler. TGott hat es gefallen, meine liebe, gute, treusorgende, innigstgeliebte Frau, unsere gute Tochter, Schwester, Schwiegertochter u. Schwägerin Frau Anna Köhler, geb, Mobs nach einer gut verlaufenen Operation in der Univ.-Frauenklinik München, infolge einer Embolie, zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Hartbrennholz, ä Wagen 5 Mk., Anmachholz, ä, Wagen 6 Mk., 1 Sack Anmachholz 1 Mk. frei Keller. fl92D J. Wellhöfer, Telephon 2313, Marb.Str.24. Nachruf! Hermann Sack Heuchelheim, den 9. September 1938. Gemeindeverwaltung Heuchelheim. 5822D Unerwartet und plötzlich erhielten wir die Nachricht von dem Dahinscheiden unseres Ortsdieners Seit 1933 hat der Verstorbene unermüdlich und mit großer Hingabe seinen Dienst in der Gemeinde versehen und war stets bemüht, seine Pflicht zu erfüllen und der Allgemeinheit zu dienen. 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Klarheit der Luft verbindet sich mit reinem Gold der Sonne Es ist die Zeit der Reife und Fülle, der goldenen Traube, der Farbenpracht des Obstes. Hölderlin singt: „In seiner Fülle ruht der Herbsttag nun, geläutert ist die Traub'." Es liegt aber zugleich der Hauch des Abschieds über diesen Tagen. Wir verstehen, wie die Gedanken mancher Völker dieses Geschehen von der erwärmenden Frühlingsfonne über den Sommer bis zum Herbst als einen Opferrhythmus deuten. Die Natur hat sich verschwendet, ihre Frucht ist abgemäht, das Stoppelfeld wird zum Totenacker, und wenn die Früchte vom Baum gebrochen sind, so hat er für dieses Jahr seine Pflicht erfüllt, ist selbst ein „Gebrochener" und harrt der Wiedererstehung im nächsten Jahre. So verbindet sich in diesem Gefühl des Nachsommers die Klarsichtigkeit unseres leiblichen und geistigen Auges mit der tragischen Weltdeutung, in der es vom Licht zur Finsternis, von der Wärme zur Kälte nur einen unausweichlichen Pfad gibt. Aber wir entdecken, daß dieses Nachsommergefühl noch andere Erlebnismöglichkeiten in sich birgt. Der Mensch kann nicht immer in den großen Bildern eines dramatischen Geschehens leben, er muß aus der heiligen Erschütterung vor Leben und Tod, Schöpfung und Vernichtung sich immer wieder einen kleinen Platz suchen, wo ihm das Leben erträglicher wird. Er muß sich gewissermaßen ein- engen. So hat es Stifter in seinem „Nachsommer" aemacht, so hat es ein Mann erlebt, bei dem wir sonst nur die große Leidenschaft der Weltdeutung und der tragischen Erneuerung des Menschseins zu finden gewohnt sind: Friedrich Nietzsche. Er hat den „Nachsommer" des Sudetendeutschen Adalbert Stifter besonders geliebt. Er fand in ihm erfüllt, was er sein Leben lang vergebens suchte und nur für Augenblicke verwirklichen konnte: das Spätglück, die stille Stunde des Herbstes, das Aufhören von Sturm und Drang und aller Verzn-eif- lung. Nietzsche, der von einer Unrast zur anderen, von einer Erkenntnis zur anderen getrieben wurde, schreibt, lange ehe er Stifters „Nachsommer" kennenlernte, als junger Professor in Basel, er habe immer nur einen Wunsch: nicht hastig zu werden „und solch wohlgemutes Spätsommerwetter predigt diese Lehre anschaulich, blau und goldgefärbt." Wahrlich, keine Zeit des Jahres ist so dazu angetan, uns diese Lehre ins Herz zu schreiben, wie der Nachsommer. Dieses „Abklingen" ist etwas Wunderbares, und in seinem tiefen Klang erfahren wir etwas über den Sinn unseres Daseins, wie wir es sonst in den Tagen der rastlosen Hingabe an Arbeit und Dienst nicht so leicht erfahren. Wir wissen nun, daß unser Dienst und unsere Arbeit nur dann Wert haben, wenn sie ergänzt werden durch die Augenblicke der Stille und goldenen Fülle. Was soll alles Wagen und Kämpfen, alle Hast und alles Streben? Gewiß, es ist unsere vorgeschriebene Lebensform, der wir nicht entweichen können, ohne das Urgesetz aller Dinge zu verraten; aber es verlöre sich im Haltlosen, wenn nicht die Tage und Wochen dieses späten Glückes dazu kämen. „Es war einer jener vollkommenen Tage, wie sie, in unserem Klima wenigstens, nur eben Spätsommerzeit zu erzeugen vermag: Himmel und Erde im Einklang ruhig nebeneinander hinströmend, wunderbar aus Sonnenwärme, Herbstfrische und blauer Unendlichkeit gemischt." Unser Wunsch ist, daß viele diese Klärung und Verklärung des Lebens erfahren möchten. Bund Deutscher Mädel. Velr. Gruppe 3/116. Die Turnstunde am kommenden Montez fällt wegen der Führer-Rede aus. Unsere politischen Leiter in Nürnberg. DÄß die Nürnberg- Fahrer der Politischen Leiter des Kreises Wetterau in der Stadt der Reichsparteitage im allgemeinen und in ihrem Lager Moorenbrunn im besonderen denkwürdige Stunden erleben, wird auch in den neuesten Meldungen aus dem frohgestimmten Lagerleben berichtet Als kleinen Ausschnitt des kameradschaftlichen Erlebnisses zeigt unser nebenstehendes Bild die Politischen Leiter des Kreises Wetterau beim Schmücken des Einganges zu ihrem Zelt. Bei dem Zeltschmuck steht man u.a auch (rechts) das Gießener Stadtwappen. — Aufn.: Schwarz. 6k --r ■ Spitzenleistung des deutschen Handwerks Das Kasino eines Fliegerhorstes, eine Spitzenleistung des deutschen Handwerks, auf der Deutschen Bau- und Siedlungsausstellung in Frankfurt. (Aufnehme Kern) Die deutsche Bau- und Siedlungs-Ausstellung in Frankfurt a. M. zeigt in den Siedlungshäusern und an vielen anderen Stellen mustergültige, zweckentsprechende und dabei doch preislich durchdachte Wohnungseinrichtungen. Eine Spitzenleistung des deutschen Handwerks, die in überzeugender Weise von der Kunst der Raumgestaltung Zeugnis ablegt, ist das Kasino des Fliegerhorstes in der großen Gemeinschaftsschau des Reichsstandes des deutschen Handwerks. Hier haben Schreiner und Polsterer, Sattler und Tapezierer, Stukkateure und Elektro- handwerker, Ofensetzer und Kunstschmiede, Parkettbodenleger und Glaser zusammengewirkt, um diesen vorbildlich ausgestatteten Raum zu schaffen. Alles in diesem Raum ist rein handwerkliche Arbeit, ganz dem Stilgefühl unserer Zeit angepaßt. Der große Kachelofen zeigt mit seinen Bildern die Geschichte der Fliegerei von Ikarus bis zu den Großflugzeugen der Gegenwart. Die indirekte Deckenbeleuchtung an frei tragender Stuckdecke gibt dem Raum .ein einheitliches Licht. Handgeschmiedete Leuchter zeugen von handwerklicher Kunst. Die Möbel sind gediegene Handwerksarbeit. Stucksäulen, in Handarbeit hergestellt, grenzen den Raum ab. So wie dieser Raum Zeugnis von handwerklichem Können und feinem Stilgefühl ablegt, fo sind auch in den anderen Abteilungen der Ausstellung die Wohnungseinrichtungen mit demselben Geschmack zusammcngestellt. Diese Schau der Jnneneinnchtun- gen spricht nicht nur zu dem Fachmann, dem Archi- tekten und Raumgestalter, sondern sie wendet sich erst recht an die Frauen, denen gezeigt wirb, wie schön und zweckmäßig und dabei doch bei aller Behaglichkeit preiswert sich das Heim der deutschen Familie gestalten läßt. Dornotizen Tageskalender für Samstag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Urlaub auf Ehrenwort." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Ehrenlegion." Tageskalender für Sonntag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Urlaub auf Ehrenwort." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Ehrenlegion." — Gießener Radfahrer-Vereinigung: 20 Uhr „Burghof" Filmvorführung 1. Deutsche Straßenmeisterschaften 1938 in Gießen, 2. Olympiade 1936 — Radrennen. KMWWWMWlll NS.-Gemeinfchafl „Kraft durch Jteube“. Jtalienfahrt vom 11. bis 31. Oktober 1938. In der vorstehenden Zeit findet diese Fahrt statt, die über Madeira, Tripolis nach Italien führt. Der Teilnehmerpreis beträgt ab Frankfurt am Main 175,— R2N. Nähere Auskunft erteilt die Kartenverkaufsstelle Gießen, Seltersweg 60, die auch Anmeldungen entgegennimmt. 5807V HZ. morgen von Nürnberg zurück. Am morgigen Sonntag, 11. September, kehren die Nürnberg-Fahrer der Hitler-Jugend des Bannes 116, Wetterau, von Nürnberg nach Gießen zurück. Die Ankunft' auf dem Gießener Bahnhof erfolgt um 18.31 Uhr. Kameraden und Freunde unserer Hitler-Jugend werden den Nürnberg-Fahrern sicher- lich einen herzlichen Empfang bereiten. SA.-Brigade 147 in Nürnberg Gestern nachmittag traten Einheiten der SA.- Brigade 147 aus Gießen die Fahrt nach der Stadt der Reichsparteitage an, um vor dem Führer unsere oberhessische Heimat würdig zu vertreten. Kurz nach 14 Uhr traten die Mannschaften, soweit sie in Gießen zweckmäßig zusammengefaßt werden konnten, im Hofe der Standarte 116 an und marschierten dann unter klingendem Spiel des Musikzuges und des Spielmannszuges der SA.-Standarte 116 Dem Auge das Beste! Lassen Sie sich beraten von IS—* Optiker JKagnus dem Optiker Ihres Vertrauens / Seltersweg 33 / Kassenlieferant. nach dem Bahnhof. Dort stand schon der lange Sonderzug bereit, der die SA.-Männer nach Nürnberg zu bringen hatte. Rasch und vergnügt wurde vom Zug Besitz ergriffen; erfreut belegten die Kameraden die schönen und fast neuen geräumigen Eilzugwagen mit Beschlag. Die Stimmung war die denkbar beste, denn jeder freute sich auf das Erlebnis von Nürnberg. Die Organisation im Sonderzug war ersichtlich gut. An den Wagen hingen Schilder, auf denen die Bezeichnungen der Formationen standen, jeder Wagen hatte außerdem seine eigene' Nummer. An jedem Fenster konnte man die Nummern der Sitzplätze des Abteils lesen, so daß also jeder auch für die Rückfahrt feinen Platz rasch finden kann. Um 15.08 Uhr verließ der stattliche Sonderzug den Bahnhof. Voraussichtlich werden die Kameraden der Brigade 147 am kommenden Mittwoch wieder zurückkehren. DerLmdwurm »mTappenkar. Don Karl Heinrich Waggerl Ich treibe im Boot auf der schimmernden Fläche des Wassers. Es wird schon Abend, ein wenig Wind kommt aus der Tiefe des Gebirges, aber ich bin ganz mit Sonne vollgesogen und ohne Wunsch in der Glückseligkeit dieses Gleitens, — nein, ich werde die Rüder liegen lassen und mit dem Zug der Strömung irgendwo landen, irgendwo bleiben, in den Uferföhren, auf den warmen Felsen, gleichviel ... Ich liege still und schaue, die Zeit wächst ungeheuer über mich hinaus. Ich bin fein Mensch mehr, dreißigjährig, geschäftig und um reine Fingernägel besorgt. Hier bin ich tausend Jahre alte und im Wesen nicht mehr verschieden von der Lust, vom Wasser, vom Gestein der Berge. Ja, ich treibe auf einem rohen Stück Holz, und ein anderes Stück Holz schwimmt vorüber, eine braune Geierfeder, ein Büschel Gras, — ich betrachte es genau, dieses winzige Gestrüpp aus dünnen Halmen, Moos und allerlei Samen. Ein Vogel streicht über den See, feine Schwingen zeichnen eine glitzernde Spur in das Wasser, bann wirft er sich hoch in bie Luft, und sein heller Schrei schwebt lange in der Stille. Ich schaue in bie Tiefe unb sehe Fische langsam unter mir wegziehen. Fische sind seltsame Tiere, sie stehen oft eine ganze Weile ruhig, unb plötzlich verschwinben sie "mit einem blitzschnellen Ruck im samtgrünen Abgrund. Was ist es mit ihnen, was hat es mit ihnen, was hat sie an gerührt? Dieses Wasser hat alle Farben, es leuchtet wie buntes Glas, es ist von Bänbern aus zartgrüner Seide durchwirkt, die lang hinwallen und im einfallenden Licht zerfließen. Dieses Wasser, sagt man, ist grundlos, aber seine Fläche ist so friedlich und glatt, sie spiegelt das Bild der Berge und des großen, des unermeßlich hohen Himmels wider. Zuweilen löscht ein Windhauch alles aus, das leuchtend Licht zerrinnt und wird grau wie geschmolzenes Silber. Manchmal steigen auch Wirbel aus dem Wasser, wölben die Oberfläche ein wenig und verlieren sich mit fanften Ringen in der Ferne, — es sieht aus, als rege sich etwas Lebendiges im See. In der liefe, jagen die Leute, auf dem Felsen .^gt ein Lindwurm, ein Ungeheuer aus grauer Zeit, tödlich verwundet, aber immer noch stark genug, an den Felsen zu nagen und allmählich einen Weg für bie große Flut zu graben, die einmal alles Lebende im Tal ersäufen wird. Manchmal wendet er den gewaltigen Leib, und bann wölbt sich oben das Wasser über dem Spiegel. Es ist eine wehmütig einfältige Geschichte, das alte Lied vom Drachenkampf, von Mut, Liebe und tödlicher Treue, ich habe es an irgendeinem Herdfeuer gehört. Da lebte ein Hirt in alten Zeiten im Kar, der arm war und die Herden der Bauern hütete. Er liebte ein Mädchen, das war jung, schön und reich. Aber sie konnten nicht zusammenkommen, und wie es eben so geht in alten einfältigen Geschichten, der hartherzige Vater willigte nicht ein, es sei denn, daß der lästige Brautwerber den Drachen im Kar erlegte. Der Hirt nahm feinen Mut zusammen und schlug das Untier mit der Axt in einem furchtbaren Kampf. Noch heute sind die Felsen vom Atem des Wurmes verbrannt und von feinen Krallen zerrissen. Nun, der Drache empfing den tödlichen Hieb und fuhr in den See, aber auch der Sieger kam nicht ohne Unheil davon. Er lebte zwar, aber sein Atem war vergiftet. So hatte er den Preis errungen und doch verloren, er konnte die so schwer erkämpfte Braut nicht umarmten, ohne sie zu töten. Allein die ßiebe des Mädchens siegte über alle Arglist und alles Verhängnis, sie küßte selbst den Geliebten und nahm den Tod von seinem Munde. Der Hirt aber sprang von der Höhe des Felsens in den See. Das ist die Sage vom Lindwurm im Tappenkar. Ihr seht die Felsen, Ungläubige, von seinem Atem Derbrannt, ihr seht das zerrissene Gestein. Wenn das Untier in der Tiefe die wunden.Glieder streckt, dann wölbt sich die ebene Fläche und treibt Ringe, die sich sanft an den Ufern verlieren ... $i;d)fang zu Pferde. Nicht weit von der französischen Grenze, dort, wo die einsamen Dünen des belgischen Nordfeestranbes sich am weitesten in das Inland erstrecken, traf ich auf einer Wanderung in weltverlassener Abgeschiedenheit auf bie schlichten Hütten der Garnelenfischer von Eoxyde inmitten einer unfruchtbaren Sandwftle, wo außer bem nutzlosen Dünengras nichts gedeihen will. Dieses unansehnliche Fischerdörfchen zeichnet sich aber durch eine Eigentümlichkeit aus: Obwohl es weder einen Hafen noch Schiffe irgendwelcher Art besitzt, betreibt es doch den Fischfang m großem Maßstab. Es hat — fast klingt es wie ein Märchen — das Boot durch das Pferd ersetzt. Viele Generationen sind vergangen seit jenem Tag, an bem die ^Vorfahren dieser Nordseefischer den eigenartigen Fischang hoch zu Roß zum erstenmal praktisch erprobt haben. Seitdem hat der Fortschritt auch im F'scherel- betrieb mit den alten Sitten und Gebrauchen aufgeräumt. Mit bewundernswerter Hartnäckigkeit haben jedoch die Fischer von Eoxyde an den von ihren Urgroßvätern erdachten Methoden festgehalten. Wie der Fischfang der Eoxyder Fischer heute noch vor sich geht, habe ich selbst in allen Einzelheiten miterlebt. Es ist zur Zeit der Ebbe. In den kleinen Fischer- Hütten hinter den Dünen beginnt es sich zu regen. Man rüstet zum Aufbruch nach dem Schauplatz des „Pferdesischfanges", der zur Zeit des tiefsten Wasserstandes am günstigsten ist. Der wettergebräunte Fischer schwingt sich auf sein geduldig harrendes Roß, auf dessen Rücken der als Sattel dienende Strohsack, zwei große Körbe und das Netz mit den Zugleinen befestigt sind. In dem weiten, bauschigen, wasserdichten Anzug, den „Südwester" auf dem Kopf, und mit den unpraktischen, in dieser Gegend jedoch geradezu obligatorischen Holzpantoffeln als Fußbekleidung gewahrt der sonderbare Reiter auf dem korb- unb netz- belaoenen Pferd einen merkwürdigen Anblick. In gemütlichem Trab geht es durch den lockeren Dünensand dem Sammelplatz auf bem Straub entgegen, wo die Vorbereitungen zum Fang bereits im Gange sind. Einem alten, recht vernünftigeh Brauch zufolge arbeiten nämlich diese Leute nie einzeln, sondern stets gemeinschaftlich, ein Vorgehen, das schon in Anbetracht der gleichmäßigeren Verteilung der Beute das gute Einvernehmen unter den Konkurrenten aufrechterhält. Meist trifft man daher die Garnelenfischer in Trupps von drei bis zehn Leuten, die sich folgendermaßen ihrer täglichen Aufgabe entledigen. Sooald die Netze ausgestellt und mittels langer Zugleinen an dem Pferd befestigt sind, fetzt sich die Gesellschaft in Bewegung. In einer langen Reihe schreiten die.dicht nebeneinander gehenden Pferde, die Netze über den Boden schleifend, im Wasser watend, die Küste entlang. Don Zeit zu Zeit werden, um eine Benachteilung einzelner zu vermeiden, die Plätze getauscht, denn die Garnelen suchen mit Vorliebe die tieferen Stellen auf. So geht es in gemächlichem Schritt mehrere Kilometer weit die Küste entlang, dis sich schließlich die Seine stramm zu ziehen, und das Pferd die schwere Last zu fühlen beginnt. Den glitzernden Inhalt des Netzes auf dem Strand auszubreiten, von Seetang, Quallen und sonstigen unerwünschten Eindringlingen'-zu befreien und die zappelnden Garnelen und was sich sonst noch Eßbares eingefunden hat, in die Körbe zu befördern, ist das Werk weniger Minuten. Dann geht es zum zweitenmal hinaus in die Brandung, um auf bem Rückweg nach Haufe noch einige Kilometer abzufischen. Gerabezu ftaunenerregenb sinb bie Arbeits- freube und bie Unerschrockenheit der Pferde, bie sich oft weit in bas Meer hinauswagen, wo bie Wellen ihnen fast über ben Köpfen zusammenschlagen. Stun- benlang halten sie sich im Wasser auf unb ertragen bie oft beträchtliche Kälte ohne schlimme Folgen. Aber wie bie Reihen bieser tüchtigen Fischer, bie so zäh an Urväters Gebräuchen festyalten, wenn auch nur langsam sich zu lichten beginnen, verschwindet leider im gleichen Maße auch die prächtige Pferderasse immer mehr. Dr. Kr. Aus her Geschichte hes Fallschirms. Eine Pariser Zeitung stellt eine längere Betrachtung über die Adsprungmethoden im Fallschirm an und weift im Rahmen dieser Betrachtung darauf hin, daß der unfreiwillige Erfinder des Fallschirms ein französischer Strafgefangener namens Lavin war, der wegen Falschmünzerei um bie Mitte des 17. Jahrhunderts im Wachtturm der Festung Miolan am Jserefluß eine mehrjährige Hast abzusitzen hatte. Lavin hatte eines Tages einen Fluchtversuch gewagt, indem er mit Hilfe eines Regenschirms aus dem Turm in die Tiefe sprang. Der unfreiwillige Erfinder des Fallschirms wurde nach einer glücklich gelungenen „Wasserung" auf dem Jserefluß allerdings von den Gefängniswärtern wieder aufge» fischt. 150 Jahre später unternahm ein anderer Strafgefangener, der für die Flucht Ludwigs XVI. verantwortlich gemachte Postmeister Drouet, mittels eines von ihm gebauten Fallschirms einen ebenfalls mißlungenen Fluchtversuch aus preußischer Festungshaft. Drouet bekam es aber mit der Angst zu tun und rief während des Absprungs um Hilfe. Er wurde von den Gefängnisaufsehern mit gebrochenem Bein aufgelesen. Der eigentliche Erfinder des heutigen Fallschirms ist ein Kommissar der französischen Revolutions- armee, Jaques Garnerin, der gleich feinen Vorgängern mit Hilfe eines Regenschirms aus dem Gefängnis entfliehen wollte. Garnerin aber machte aus der Not nicht nur eine Tugend, sondern setzte seine Fallschirmabsprünge fort, bis es ihm im Jahre 1797 gelang, durch einen für bamaliae Verhältnisse kühnen Absprung aus einer Montgolfiere aus 1000 Meter Höhe bie Weltaufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Beim Anblick bes über Paris herabschweben- ben Fallschirmspringers fielen oerschiebene Zuschauerinnen in Ohnmacht, und als der kühne Springer wohlbehalten auf festem Boden landete, war der Jubel der Menge unbeschreiblich. Alteisen darf nicht verrosten? ZdR. Neben der Arbeitskraft unserer Menschen sind die Rohstoffe die größten Schätze unserer Volkswirtschaft. Die meisten der wertvollen Rohstoffe, insbesondere Eisen, sind in unferm Lande nicht in unbegrenzten Mengen vorhanden. Wir müssen deshalb sparsam damit umgehen. Trotz der großen Sammelaktion liegt besonders auf unseren Bauernhöfen noch viel altes Eisen herum, das bei planmäßiger Er- Fassung für unsere Rohstoffwirtschaft einen erheblichen Wert darstellen könnte. Welche Bedeutung Eisenschrott als Rohstoff in Deutschland hat, geht schon daraus hervor, daß jährlich für viele Millionen Mark Schrott aus dem Ausland eingeführt werden muß. Allein in den letzten vier Jahren haben wir für fast 50 Millionen RM. Alteisen importiert. Diese Tatsache verpflichtet uns, auch die letzte herumstehende, unbrauchbar gewordene Landmaschine, aber ebenso jeden Herdring, jedes Schild und was es sonst an altem Eisen gibt, sorgfältig zu sammeln und den Eisenhütten wieder zuzuführen. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie der Rost langsam, aber sicher große Mengen des kostbaren Rohstoffes zerfrißt. Der Beauftragte für den Vierjahresplan, Generalfeldmarschall Göring, hat deshalb den Reichskommissar für Altmaterialoerwertung beauftragt, das auf dem flachen Lande nutzlos Herumliegende Alteisen restlos sammeln zu lassen. Die SA. hat sich bereitwillig in den Dienst der Sache gestellt und führt in der Zeit bis zpm 31. Oktober d. I. im ganzen Reich eine Eifensammelaktion durch. Das gesamte deutsche Landvolk beteiligt sich an dieser Alteisensammlung. Eintragungen von Berufsausbildungen im Arbeitsbuch. NSG. Durch den Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung wurde neuerdings wieder eine Reihe von Berufsausbildungen zur Eintragung in das Arbeitsbuch freigegeben. Waren schon früher die Eintragungen als „Feuerungs- und Ofenmaurer" und als „Schornsteinmaurer" auf Grund von besonderen Prüfungen oder Berufskenntnissen gestattet, so tritt zu diesen Spezialberufen noch der des „Gasanstaltsund Koksofenmaurers". Diese Spezialarbeiter, die auch im Tarifvertrag gekennzeichnet finb, beherrschen nur den Gasanstalts- und Koksofenbau, während von den Feuerungsmaurern diese Kenntnisse auch verlangt werden. Vie fortschreitende Spezialisierung des Arbeitseinsatzes macht auch sonst feinere Unterschiede notwendig. So ist jetzt angeordnet worden, daß zwischen der Gesellenprüfung und der Fach- arbeiterprüfung bei der Eintragung in das Arbeitsbuch gewissenhaft zu unterscheiden ist. Angeordnet ist schließlich auch die Eintragung von Kumschriftkenntnissen. Hierzu war angeregt worden, die Eintragung von dem Nachweis einer Mindestleistung von 150 Silben in der Minute abhängig zu machen. Nach der Auffassung des Präsidenten ist diese Anforderung aber zu hoch, da bei ihr die Eintragung für die Mehrzahl der Kurzschriftkundigen nicht in Frage kommen würde. Der Präsident hat mit Rücksicht darauf angeordnet, daß die Eintragung bei einer nachgewiesenen Leistung von 120 Silben in der Minute zu erfolgen hat, und zwar ohne Angabe der Silbenzahl. Legt der Arbeitsbuchinhaber Prüfungszeugnisse früherer Jahre vor, so darf die Eintragung nur erfolgen, wenn er glaubwürdig erklärt, daß er eine solche Schreib« geschwindkgkeit auch heute noch beherrscht. Die Eintragung im Arbeitsbuch über Kurzschriftkenntnisse besagt also nur, daß der Arbeitsbuchinhaber zum Zeitpunkt der Eintragung über eine Schreib - geschwindigkeit von mindestens 120 Silben verfugt hat. Soweit also nach Art der zu besetzenden Arbeitsplätze eine Prüfung der Kurzschriftleistung erforderlich ist, wird auf Aebeitszeugnisse, Probediktate usw. zurückgegriffen werden müssen. Ebenso wird auch das Arbeitsamt bei arbeitsuchenden Angestellten den möglichst genauen Stand der Kurzschriftfertigkeiten feststellen, ihn aber nur zwecks Arbeitsvermittlung auf der Arbeitsbuchkarte vermerken. Bestimmt ist schließlich noch, daß der vorstehend angegebenen Mindestleistung in der Kurzschrift im Maschinenschreiben eine Mindestleistung von drei Taftenanschlägen in der Sekunde entspricht. Kannst du zurück, Dore? Vornan von Hedda Lindner. Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35. 11. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Er war sehr blaß geworden. ,Lch hätte dich für großzügiger gehalten, Dore. Es war gewiß unrecht von mir, diese Beziehung nicht gleich bei unserer Verlobung zu lösen. Aber du schobst die Heirat immer wieder hinaus und — und —" Er stockte. „Ich verstehe dich durchaus, Rudolf. Männer denken nun mal anders in solchen Dingen." „Nicht wahr?" sagte er erleichtert. „Und daß ich vor unserer Hochzeit alles in Ordnung gebracht hätte — mein Wort darauf." „Das nehme ich an", diesmal klang leichte Ironie durch ihre Worte. „Denn sonst", fügte sie hinzu, „wäre dein inneres Gesetz doch wahrscheinlich mit den endgültigen Moralanschauungen in Zwiespalt gekommen. Aber darum handelt es sich nicht. Ich bin nach ehrlicher Prüfung zu der Ueberzeugung gekommen, daß meine Gefühle für dich nicht zu einer Ehe ausreichen; nicht für eine Ehe, wie wir sie verstanden haben wollen." Er beugte sich vor und faßte nach ihrer Hand. „Liebling, ich kann verstehen, daß du eifersüchtig bist. Aber dieses Mädchen bedeutet mir innerlich gar nichts. Sie war meine Freundin, nun — wie man eben eine Freundin hat, nicht mehr." „Ob du ihr mehr warst, scheint dich wenig zu kümmern", entgegnete Dore aus der Solidarität der Frau heraus. „Sie ist sich stets darüber klar gewesen, daß ich sic nicht' heiraten werde. Mit meiner Liebe zu dir hat diese Beziehung nichts zu tun, du brauchst wirklich nicht eifersüchtig zu fein." Jetzt verlor Dore die Geduld. „Mein Gott", sagte sie leise und zornig, „be- greifft du denn nicht, daß es gar nicht auf dieses Mädchen ankommt. Ich bin nicht eifersüchtig, nicht die Spur, und darum gerade kann ich dich nicht heiraten." „Diesem Gedankengang kann ich nicht ganz fol- en,^falls du nicht überhaupt nur mit mir gespielt „Gespielt?! — Das sind Redensarten. Ich hätte mich nicht verlobt, wenn ich Nicht überzeugt gewesen wäre, daß wir zusammen passen." „Und jetzt hast du diese Ueberzeugung nicht mehr? Nur weil ich als Junggeselle eine Freundin habe, Slromverbrauchssörderung durch neue Tarife. Genaue Fragebogen-Ausfüllung sehr wichtig! Die Elektro-Innung für Stadt und Kreis Gießen hatte für den gestrigen Freitag nachmittag ihre Mitglieder zu einer Versammlung in den „Burghofs eingeladen. Zweck der Versammlung war, den Elektro-Jnstallateuren einen Einblick in die Voraussetzunaen zu geben, die erfüllt fein müssen, wenn ein neuer Stromtarif eingeführt werden soll. Diplom-Ingenieur Schaffner vom Elektrizitätswerk Gießen gab in vielen Einzelheiten Aufschluß. Er ging in seinen Ausführungen davon aus, daß die Technik die eine große Aufgabe zu erfüllen habe, dem Wohlergehen des Dolles zu dienen. Dann umriß er den beispiellosen Fortschritt auf vielen Gebieten der Technik nach dem Jahre 1933 und kennzeichnete insbesondere den Einsatz der Elektrizität als Kraft, ohne die es nicht möglich märe, die großen Werke zu vollenden, die unserer Gegenwart zu wirken aufgegeben sind. Er erinnerte daran, wie der Bau der Reichsautobahnen, die Herstellung von Kunststoffen, die ziel- bewußte Dolksführung über den Rundfunk, die Funktechnik, und vieles andere nicht möglich wäre ohne die Elektrizität. Drei Viertel der deutschen Stromerzeugung aber werde für Kraftzwecke eingesetzt. So sei die Elektrizität eine Dienerin der Menschen, hie^eine Arbeit auf sich nehme, die von den Menschen allein nie bewältigt werden könne. Trotzdem sei die Elektrizitätswirtschaft nicht volkstümlich, und noch mancher Volksgenosse befinde sich zu den Erzeugungsstätten der elektrischen Energie nicht in dem wünschenswerten Verhältnis. Die neue Tarifgestaltung solle dazu beitragen, der Arbeit der Elektrizitäts-Erzeugungsbetriebe in breiten Volkskreisen zu einer gerechten Würdigung zu verhelfen. Die neuen Tarife sollten ein Mittel sein, dem Abnehmer unter günstigen Bedingungen den Vorteil der gesteigerten Verwendungsmöglichkeit elektrischer Energie zu ermöglichen. Für die mene Tarifgeftaltung bedürfe es zunächst unter Einsatz guten Willens der Mitarbeit all derer, die Elektrizität überhaupt in Anspruch nehmen. Von jedem Abnehmer müsse erwartet werden, daß er die übermittelten Fragebogen verständnisvoll, richtig und wahrheitsgemäß aus fülle, denn aus ihnen mir werde die Grundlage für die neuen Tarife gewonnen. Wer glaube, den oder die Fragebogen nicht ausfüllen zu brauchen, schädigt damit nicht etwa das E.-Werk, sondern in erster Linie sich selbst, da er dann nicht in den eventuellen Genuß einer Strompreisverbilligung gelange. Im übrigen hindere derjenige, der die Bogen nicht ausfüllen wolle, die statistische Arbeit des E.-Werkes, und der neue Tarif werde dann eben dementsprechend später herauskommen. Die neue Tarifgestaltung gehe von dem Grundsatz aus, alle Stromabnehmer in sozial gerechter Weise an den Lasten zu beteiligen, die durch die Stromerzeugung und den Kapitalaufwand für Werks- und Leitunasunter- haltung sowie für Verwaltung Entstehen. Darüber hinaus solle erreicht werden, eine gleichmäßige Ausnutzung der Werksanlagen zu ermöglichen, die im Grunde nur in wenigen Stunden des Jahres (diese Leistungsspitzen liegen in einigen Abendstunden einiger Tage im Dezember) voll ausgenützt sind. Eine Verringerung der Gestehungskosten sei nur möglich durch bessere Ausnützung der Werksanlagen und des Leitungssystems, das ja unterhalten werden müsse, ganz gleich, ob wenig oder viel Strom erzeugt und verbraucht werde. Der neue Tarif sehe vor, in Staffelungen feste Grundgebühren zu schaffen und dann die eigentlichen Strompreise so zu halten, daß den meisten Teilnehmern die Gelegenheit geboten werden kann, die Kilowattstunde Strom für 8 oder 15 Pfennige in Anspruch zu nehmen. Die Fragebogen, die das E.-Werk in den letzten Tagen verschickte, dienen zunächst einer statistischen Arbeit, die die Grundlage für die Errechnung der Grundgebühren darstelle. Je rascher die Fragebogen ausgefüllt zurückkommen, um so früher könne die Arbeit an der Errechnung der Grundgebühren vollendet werden. Das E.-Werk hoffe, durch die Einführung der neuen Tarife auf der Grundlage einer gerechten sozialen Lastenoerteilung das Vertrauen zwischen E.-Werk und Abnehmerschaft zu fördern. Diplom-Ingenieur Schaffner gab im Anschluß an diese grundsätzlichen Ausführungen noch Einzelheiten vekannt, die die Installateure in die Lage versetzen, ihrem Kundenkreis, sofern es überhaupt notwendig erscheint, bei der Ausfüllung der Fragebogen behilflich zu sein. Jnnungsobermeister Schmidt dankte, nachdem noch manche Frage gestellt und beantwortet worden war, dem RÄmer für seine aufschlußreichen Darlegungen. Hilfswerk „Mutter und Kind". Neue Wege der nationalsozialistischen Wohlfahrtspflege. NSG. Im Mittelpunkt der nationalsozialistischen Wohlfahrtspflege steht die unermüdliche Arbeit für die Gesundung und Stärkung der deutschen Familie. Das wird für immer ihre Grundaufgabe sein, und je mehr sich die wirtschaftlichen Verhältnisse bessern, um so umfassender kann diese Aufgabe erfüllt werden. Während bis zur Beendigung der Arbeitslosigkeit die Beseitigung der schlimmsten wirtschaftlichen Notstände im Vordergründe der Arbeit stand und gleichzeitig in dieser Zeit der organisatorische Aufbau geschaffen werden mußte, steht heute im Mittelpunkt der ganzen Tätigkeit der B e - oölkerungspolitik und die erzieherische Arbeit. Die nationalsozialistische Wohlfahrtspflege ist damit in größtem Umfange eine Ange- legenheit der Menschenführung und reicht weit in die Zukunft des deutschen Volkes hinein. Durch diese Gewichtsverlagerung von der organisatorischen Aufbauarbeit und der Beseitigung augenblicklicher Notstände zur positiven bevölkerungspoli- ttschen, vorsorgenden und erzieherischen Arbeit ergeben sich natürlich neue Wege und neue Methoden bei der Erfüllung dieser Aufgaben. In dem Jahresbericht des Hilfswerkes „Mutter und Kind" befinden sich bemerkenswerte Anhaltspunkte und Hinweise hierüber. Ihre Kenntnis ist für die Vertiefung des Verständnisses für das Wesen der NSV. und des Hilfswerkes „Mutter und Kind" unerläßlich. Die neue Arbeitsweise zeigt sich vor allen Dingen bei der Mütter« und Säuglingsbetreuung. Das Hauptgewicht wird niemals auf große zahlenmäßige Mütterverfchickung gelegt. Vielmehr wird die Auswahl fo getroffen, daß tatsächlich eine gesundheitliche und seelische Hebung der Leistungsfähigkeit der Mütter erzielt wird. Aus diesem Grunde werden für die Müttererholung vor allem junge Frauen bevorzugt. Ferner bemüht sich das Hilfswerk „Mutter und KiNd", in verstärktem Maße Landfrauen in Erholung zu schicken. Die Betreuung der ledigen Mütter wird im Hinblick auf größere Erfassung der werdenden l e - digen Mütter ausgebaut. Es ist dies im Rahmen der Bekämpfung der Abtteibung eine sehr wichtige Aufgabe. Wenn ein Mädchen weiß, daß vor und nach der Entbindung für sie liebevoll gesorgt wird, und daß sie nicht plötzlich allein mit'ihrem Kinde dasteht, wird sie auch weniger oder gar nicht auf den Gedanken der Abtreibung kommen. Die Abtteibung ist ja nicht nur deswegen zu bekämpfen, weil dadurch zahlenmäßig weniger Kinder geboren werden, sondern vor allen Dingen, weil durch den künstlichen Eingriff die Gesundheit der Frau schwersten Schaden erleidet. Bei der Säuqkingsfürsorge ist bas Bemühen festzustellen, alle Kräfte einheitlich einzusetzen. Es soll unter allen Umständen vermieden werden, daß die Maßnahmen der staatlichen Gesundheitsämter und des Hilfswerkes „Mutter und Kind" nebeneinander herlaufen. Darum erfolgt eine konzentrische Tätig- Mit der du mich peinlicherweise gesehen hast, auf die du aber dennoch nicht eifersüchtig bist?" „Peinlicherweise, das ist es", griff Dore das Wort auf. „Es war mir peinlich und sonst nichts. Normalerweise aber muß sich eine Frau, die einen Mann liebt, in solchem Falle todunglücklich fühlen, muß kämpfen, zittern um ihn. Und tut sie das nicht, sondern empfindet es nur peinlich, dann fehlt auch das Gefühl, auf dem allein man eine Che aufbauen kann." „Das heißt also, daß die gnädige Frau mich mit einem höflichen Dankeschön nach Hause schickt", sagte er bitter. Jetzt war es Dore, die nach seiner Hand faßte. „Nicht so, Rudolf, nicht so", bat sie. „Wir sind doch schon ein Stück Wegs zusammen gegangen, es war nur ein Irrtum, wenn wir glaubten, daß mir immer zusammen gehen könnten." „Wie schön du das sagst!" Er lächelte mit schmalen Lippen. „So, als ob du dir diesen Satz sehr lange und genau vorher zur echtgelegt hast." Dore zog betroffen ihre Hand zurück, es mar etmas Wahres in dem, mas er da sagte. „Ich quäle mich schon eine ganze Zeit damit herum", gab sie dann zu. Der gestrige Vorfall beschleunigte nur etmas, was doch gekommen wäre." Wieder Schweigen. Er schien immer noch nicht recht an den Ernst ihrer Entscheidung zu glauben. Dore hatte ihm vom ersten Sehen an gefallen, sie war kein Durchschnittsmensch, und gerade dieser Gegensatz zu seinem eigenen, etmas philiströsen Wesen hatte ihn unbewußt gelockt. Außerdem reizte sie ihn als Frau; die kleine Freundin in der benachbarten Stadt war tatsächlich nur ein Ueberbleibsel an seine Junggesellenjahre, nicht mehr. Insofern hatte er keinerlei Gefühl einer Untreue gegen seine Braut, wenn es ihm auch natürlich sehr unangenehm sein mochte, daß sie davon wußte. Sein Selbstbewußtsein ließ chn trotz ihrer Versicherung immer noch glauben, daß Eifersucht sie zu der Aufhebung der Verlobung veranlaßte; er war nicht feinfühlig genug und außerdem von seinem Werte als „glanzende Partie" zu überzeugt, um zu merken, wie sehr sie sich in den letzten Wochen schon innerlich von ihm losgemacht hatte; für ihn kam diese Aussprache ganz unerwartet. Daß sie böse auf ihn war, wenn sie zehnmal jede Eifersucht bestritt, das konnte er von seinem Standpunkt aus verstehen, aber wenn sie sich beruhigt hatte, würde sie sich die Sache schon nochmal überlegen. 2In diesen Gedanken klammerte er sich. Er erleichterte ihm den Abgang. „Und wie denkst du dir die äußere Lösung?" fragte er sachlich. Dore atmete auf, sie hatte mehr Widerspruch, mehr Szene befürchtet. Er ist doch ein netter Kerl, dachr- sie wohlwollend und merkte gar nicht,. daß gerade diese objektive, wohlwollende Beurteilung zeigte, wie völlig sie schon mit dem Manne fertig war, der vor kurzem ihr Lebensgefährte werden sollte. „Grünhagen wird für den Gesprächsstoff dankbar fein und dir im übrigen feine uneingeschränkte Zuneigung erweisen. Darum werde ich für längere Zeit zu meiner Tante nach Berlin fahren." „Und was sagt dein Vater dazu?" „Vater weiß noch nichts", antwortete sie zögernd. Etwas wie Triumph huschte über fein Gesicht. Er konnte sich denken, wie der Oberstudienrat diese Nachricht aufnehmen würde. ,XEr wird sehr überrascht fein von deinem Entschluß?" Sie hatte seinen Ausdruck wohl bemerkt. „Das sicher", antwortete sie darum kühl, „aber er wird ihn nicht ändern können." „Ich bin immer noch der Ueberzeugung, daß du aus einer Stimmung heraus handelst, die ich verstehen kann nach dem betrüblichen Vorfall gestern. Und ich fühle mich so weit in der Schuld, daß ich eine Woche warten werde, ob du deine Ansicht nicht wieder änderst." Dore schüttelte entschieden den Kopf. „Das ist ein unnützes Hinzichen, Rudolf, erspare es dir und mir. Ich werde niemals deine Frau'" 3hr Gesicht beftätigte diesen felsenfesten Entschluß, und nun kam die ganze verletzte Eitelkeit des Mannes, der sich abgelehnt fühlt, in ihm hoch. Er stand brüsk auf und machte eine steife Verbeugung ohne ihre Hand zu berühren. ,Hch will dir wünschen, ^daß du es nie bereuen mögest", sagte er Dann fiel die Tür hinter chm ins Schloß Dies Deklamieren hatte er sich schenken sollen, dachte Dore, es steht ihm gar Nicht. Sie horchte seinen Schritten nach, die im Flur verklangen, hörte das scharfe Schnappen der Haustür, und damit war diese Episode ihres Daseins, die die lieber- schrift Rudolf Niemeyer trug, für sie beendet. Nachdenklich und traurig sah sie vor sich hin, sie wäre so gern in Freundschaft von ihm geschieden. Es tat ihr aufrichtig leid, daß es fo endete, aber sie litt nicht darunter. Nun gab es noch eines für sie zu tun, und das war fast schwerer als die Unterredung mit Niemeyer; sie mußte es ihrem Vater sagen, mußte ihm vor allem sagen, daß sie fort woltte. kett tti den einzelnen, vor allen Dingen bedrohten Gebieten. Was die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit anlangt, so geht es nicht nur darum, die Sterblichkeitsziffer herabzudrücken, sondern auch allgemein die Schäden, die im ersten Kindesalter auftreten, zu verhüten. Darum soll die Rachitisbe- kämpfung noch weiter ausgebaut werden. Großer Wert wird weiter auf eine möglichst lückenlose nachgehende Betreuung der Säuglinge gelegt. Aus dem Gebiet der Jugenderholungspflege wird die Betreuung des Kleinkindes und der Schulentlassenen weiter ausgebaut. Im vergangenen Jahre sind erstmalig schulentlassene Jugendliche in größerem Umfange verschickt wor- den. Dieser Maßnahme war ein großer Erfolg belieben. Es ist dabei daraus aufmerksam zu machen, daß die Jugenderholungspflege im engsten Zusammenhang mit der Familienbetreuung steht. Durch die intensive F a m i l i e n b e t r e u u n g soll erreicht werden, daß die gesamten Gefahrenquellen, die Mutter und Kind bedrohen, ausgeschaltet wer- den. Die Jugenderholungspflege fat sich weiterhin Viele Millionen mal 2 Vfenrtige werden beim Ein- kauf von Erdal jetzt gespart und können zur noch besseren, täglichen Erdal-Schuh pflege verwendet werden. Dann halten die Schuhe länger und bleiben länger schön. Der neue Preis für die Normal- dose ist für schwarz 20 Pf., für farbig 25 Pf. von der einfachen Erholungsmaßnahme zu einer spezialisierten Erholungsfürsorge verlagerte Die Neuausrichtung erfolgte durch die Aufstellung einheitlicher Richtlinien für die gesamte Entsendung durch die öffentliche und freie Wohlfahrtspflege. Damit kommt der Gedanke der Vorbeugung und der Vorsorge jetzt auch auf dem Gebiete der Erholungspflege voll zur Geltung. Das Ziel der spezialisierten Erholungsfürsorge ist eine stärkere Ausnützung der klimatischen Verhältnisse und der natürlichen Heilquellen, verbunden mit einer erweiterten Einschaltung des Arztes. Allgemein ist überall auch die Frage der Z a h n- fanierung stark in den Vordergrund getreten. Die beste Müttererholung nützt nichts, solange infolge Zahnfäule Magen- und Verdauungskrankhei- ten bestehen und somit eine Besserung des Gesundheitszustandes nicht möglich ist. Also auch hier gilt es, die Ursachen zu bekämpfen. Bei der umfangreichen Tätigkeit, die das Hilfswerk „Mutter und Kind" ausübt, hat sich in verstärktem Maße gezeigt, wie notwendig die fachliche Durchdringung der ganzen Arbeit ist. An den leitenden Stellen, den Hilfsstellen, Kindergärten usw. müssen .fachlich ausgebildete Kräfte stehen, die den ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen die notwendigen Grundlagen und die richtige Blickrichtung für ihre Arbeit geben können. Das große soziale und gesundheitliche Aufbauwerk der NSV. erfordert also gebieterisch die Beseitigung des Kräftemangels in den sozialen Frauenberufen. Man denke nur an den Ausbau derNS. -Gemein de st ationen, der Erntekindergärten und der Erholungsheime. Wichtig ist weiterhin eine Vermehrung der Zahl der Haushaltshelferinnen, insbesondere auf dem Lande, die den Haushalt während der Abwesenheit der Mütter versorgen. lieber allen diesen Einzelfragen und Einzelsorgen steht der unermüdliche Kampf um die Gesundheit der deutschen Familie und damit des deutschen Volkes. Die nationalsozialistische Wohlfahrtspflege will durch ihr Hilfswerk „Mutter und Kind" die Menschen in ihrer Häuslichkeit erfassen, sie führen und stark machen für das Leben. Warnung vor einem Betrüger. LPD. In letzter Zeit suchte ein Mann, der sich I. Puderbach urtb Johann Müller nannte, bäuerliche Betriebe auf, wobei er sich als Beamter des Arbeitsamtes ausgab. Er erklärte, daß von der Regierung Maßnahmen getroffen worden seien, den bäuerlichen Betrieben zu helfen, um die notwendigen Arbeitskräfte zu beschaffen. Diese Kräfte mürben aus Landarbeitsdienststellen zugeteilt, und zwar derart, daß auf 40 Morgen Land je eine Arbeitskraft zugewiesen würde. Außer einem Taschengeld feien lediglich Krankenkassen- und Invaliden!) eiträge für ein. Jahr im voraus zu zahlen. Es ist dem Unangenehme Dinge werden nicht leichter, wenn man sie hinausschiebt, sagte sie sich mit einem Seufzer und stand auf, um zu ihrem Vater zu gehen. Der Oberstudienrat sah unwillig von seinen Aus. satzheften auf, als seine Tochter das Zimmer betrat. „Was ist denn, Kind? Du weiß doch, daß ich beim Karrt gieren nicht gestört werden will." „Ich weiß es. Und du kannst daraus erkennen, daß etwas sehr Wichtiges mich zu dir führt." Bertram nahm Mit ergebenem Seufzer seinen Kneifer ab. „Was ihr Frauen schon wichtig nennt! Asio, wach s kurz!" „Ich habe meine Verlobung ftit Niemeyer gelöst." Kürzer konnte ich es nicht sagen, dachte Dore, als sie das entgeisterte Gesicht ihres Vaters sah. „Was hast du? — Unfinn!" „Um Unfinn zu machen, würde ich dich jetzt nicht stören." „Ja, Mädchen, btft du denn verrückt geworden?" polterte er los, noch gänzlich außer Fassung. „3m Gegenteil. Ich habe nur klar eingesehen, daß wir nicht zueinander passen." „Nicht zueinander passen — wenn ich das schon höre —, das merkt man erst, wenn man verheiratet ist." „Meistens. Leider. Um so besser, daß ich es schon vorher gemerkt habe." „Einem Manne wie Niemeyer setzt man doch nicht einfach den Stuhl vor die Tür", schrie Bertram aufgebracht. „Was sollen denn die Leute denken!" „Die Leute! — Die werden sich aufregen und auch wieder beruhigen", Dore hatte keine sehr hohe Meinung von „den Leuten" als Sammelbegriff. „Und es werden sich genug finden, um ihn zu trösten." „Das glaube ich allerdings auch, nachdem du dir mit solchen Überspanntheiten deine ganze Zukunft verscherzt hast. Niemeyer hat eine große Laufbahn vor sich." Bertram hatte sich in Wut geredet. „3d) will einen Mann heiraten und keine Laufbahn' , erwiderte Dore, nun auch aufgebracht- „Rudolf ist ein Philister." „Hast du ihm das etwa gesagt? Einen Grund mußt du doch schließlich angegeben haben." „Ich habe ihm gesagt, daß meine Neigung zu ihm für eine Ehe nicht ausreicht. Den äußeren Anlaß ZU dieser Aussprache gab er mir durch einen Zufall. 3ch sah ihn geftem mit einem Mädchen sehr vertraut in der Alhambra." Bertram sank in seinen Stuhl zurück. (Fortsetzung folgt!) A ; 4 ,4 L ! M Morgen inLheit n Bolle will Men- l unb kennen, t.u Den Lhn. reten. te in. ckhei- {unb. r M sich jerlidje es Ar- Regie- n, den lohnen» ke mür- ib zwar llrbeits- chengeld beiträge ist dein Ws. 1 oer. fach. Ar. stellen, bildete n und ftb bie Dirnen, luwerk tigung Kufen. -Ge« rflär- "g ist Haus- )e, bie Rätter ' gelöst' wie, ®5 wenn Lecher tuen llul' ittr de- einer Neuheit- ■ durch >amit b bet t Er. Upe. Aus. Wür» erten jOltW' nö- ngesehe". ias föj .rheiratv Rundfunkprogramm Zum 20. Todestage von Larl Peters. Vor Aus der engeren Heimat den Citfovin-Fabrik 6.m.b.H.Frankfurt M.| mußte man ihn nach seinem Körper mfang ei schätzen, hatte sich seinen Platz auf üem Rück« em- ücken und häusliche Krankenpflege durch. Die Gesamt- Wirtschaft aus und zeigte starke eine den Ein eines der Pferde ausgesucht, während die übrigen Glieder der Affenfamilie bis herab zu einem kleinen, nied-lichen Sprößling auf dem Dache des Wohn-, Orgel- und Affenwagens, also des „Einfamilienhauses" der ganzen zwei- und vierbeinigen Gesellschaft, die Fahrt durch Gießen machten. Daß diese ungewohnte Fuhre, die sich schon von weitem durch ihr schmalziges Orgelspiel bemerkbar machte, von einer großen Menge von Kindern aller Altersklassen begleitet war, versteht sich von selbst. Ihr besonderes Gaudi hatten die Buben und die Mädels natürlich mit der Affenfamilie, während die eifrige dauer beträgt sechs Wochen, die Teilnehmerzahl etwa hundert. Widerstandskraft und war bei nicht ganz einheitlicher Kursentwicklung überwiegend leicht erhöht. Seitens der Kundschaft erfolgten mäßige Anlage- käufe, während Abgaben in nennenswertem Um- ange auch weiterhin nicht vorlagen. Im allgemeinen bewegten sich am A k t i e n m a r k t die Schwankungen zwischen 0,50 bis 1 v. H. Von Bergwerkswerten lagen Rheinftahl etwas lebhafter mit 133,13 (132,13), Hoesch mit 105,50, Vereinigte Stahl mit 99,75 und Mannesmann mit 104,65 lagen bis 0,25 d. H. höher, während Buderus auf 108,25 (108,50) und Ilse Genuß auf 131 (131,50) abbröckelten. IG. Farben konnten sich mit 147,25 (147,75) nur knapp behaupten. Am Elektromarkt hielten sich die Abweichungen bei 0,25 bis 0,75 v. $)., weiter befestigt waren Siemens mit 187,25 bis 188 (186,65). Maschinen- und Motorenwerke stellten sich bis 1 v. H., Demag jedoch 2,25 v. H. höher. Etwas rückläufig waren Reichsbank mit 179 (179,75), Cement Heidelberg mit 141,75 (142,50), Holzmann gaben 1,90 v. H. auf 147 nach. Am Rentenmarkt waren non den variablen Werten Reichsaltbesitz auf 130 (129,65) und Reichsbahn-Vorzugsaktien auf 123,75 (123,50) befestigt, Kommunal-U'Mschuldung bröckelten auf 94,30 (94,40) ab. Industrie-Obligationen und einzelne Stadtanleihen wiesen Schwankungen um 0,25 bis 0,50 auf, während der Psandbriefmarkt bei sehr ruhigem Geschäft zumeist unveränderte Kurse brachte. Einzelne Serien der Kommunalen Landesbank Darmstadt bröckelten 0,25 v. H. ab. Im Verlaufe kam das Geschäft fast völlig zum Stillstand, und die Mehrzahl der Kurse zeigte keine Veränderungen mehr. Die Haltung blieb im Grund- ton freundlich. Noch etwas höher lagen am Aktienmarkt Hoesch mit 106 nach 105,50, Mannesmann mit 105 nach 104,50, Rh ein stahl weiter fest mit 134,25 nach 133,13, ebenso Demag mit 143 nach 142,25, ferner gewannen IG. Farben 0,25 auf 147^)0, Schuckert 0,50 o. H. auf 166 und Rheinmetall 0,50 d. H. auf 124,25. Die später notierten Werte lagen uneinheitlich. Stärker abweichend Scheideanstalt mit 205 (207), AG. für Verkehr mit 116,50 (118). VDM. waren gesucht, Taxe 161 bis 162 (zuletzt notiert mit 155). Der Freioerkehr lag ruhig. Man nannte Dingler mit 86 bis 87, Katz & Klumpp mit 88 bis 90 (89 bis 91), Elsass. Bad. Wolle 81 bis 83 (82 bis 83) und' Vereinigte Pinsel Nürnberg mit 63 Geld. Tagesgeld leicht erhöht auf 2,50 (2,25) v. H. Abendbörse fest. Mit Rücksicht auf den bevorstehenden Wochenschluß war die Unternehmungslust auch an der Abendbörse unbedeutend, zumal sich die Kundschaft auch weiterhin kaum beteiligte. Trotz der Geschäftsstille blieb die Grundtendenz fest. Die größtenteils nominellen Notierungen wiesen' keine einheitliche Richtung auf, zeigten aber weiterhin nur minimale Abweichungen und stellten vielfach Anpassungen an den Berliner Schluß dar. So z. B. Bemberg mit 126 (127) und Demag mit 142 (143). Von Montan- werten waren Verein. Stahl beachtet mit 99,65 bis 99,75 (99,40). IG.-Farben lagen bei sehr kleinem Umsatz 0,25 v. H. niedriger mit 147,25. Auch an den übrigen Märkten waren die Veränderungen ähnlich. U. a. notierten: Reichsbank 179,50 (179), Buderus 108,50 (108,25), Mannesmann 104,65 (105), Hoesch 105,50 (106), Rheinstahl 134 (134,25), Adlerwerke 104,50, BMW. 144,50, Daimler 130, Scheideanstalt 205, Lickst und Kraft 133, Gesfürel 127,50 (127,90), Lahmeyer 121,75 (121,50), Metallgesellschaft 125,25 (125), Rheinmetall 124,25, Westd. Kaufhof 93,25. liche Lautsprecher. 19: Fortsetzung und Schluß des Parteikongresses. 21: Nachrichten. 21.10: Stuttgart spielt auf. 22: Nachrichten. 22.15: Kamerad, wo bist du? 22.30: Nachtmusik und Tanz. 24: Großer Zapfenstreich der Wehrmacht. 0.45: Nachtkonzert I. 2 bis 3: Nachtkonzert II. Dienstag, 13. September. 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk: Eppelein von Gailingen. Spiel. 11.45: Warum Devisenbewirtschaftung? 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Kurzweil nach Tisch. 15: Kleines Konzert: Neue deutsche Hausmusik. 16: Nachmittagskonzert. Das Mikrophon unterwegs. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19.15: Volk und Wirtschaft: Die geschulte Verkäuferin. 19.30: Steh' auf hohem Berge, schau ins Tal hinunter. 20: Nachrichten. 20.15: Kleine Abendmusik. 21.15: Kammermusik für Blasinstrumente. 22: Nachrichten. 22.20: Politische Zeitungsschau. 22.35: Unterhaltung und Tanz. 24: Nachtmusik I. 2 bis 3: Nachtmusik II. der an den öffentlichen Straßen, Plätzen Wegen stehenden Bäume veranlassen. Nhein -Mainische Börse. INittagsbörse gut behauptet. Frankfurt a. M., 9. Sept. Die Bö^se gegenüber der anhaltenden Geschäftslosigkeit -MESUM» j wox? x vor allem dem offenbar ziemlich einträglichen schäft Les Geld sammelns gewidmet war. Amtsgericht Gießen dessen Bedeutung gestern bereits eingehend gewürdigt wurde. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Weitere Jettverbilligung für Minderbemittelte. Fwd. Die von der Reichsregierung zur Verbilligung der Speisefette für die minderbemittelte Bevölkerung und zur Sicherung des Bezuges von Konsummargarine getroffenen Maßnahmen werden für die Monate Oktober, November und Dezember 1938 im bisherigen Umfange fortgeführt. Oer Hering ist eines der gesündesten Nahrungsmittel. ZdR. Wenn jetzt in der Heringssaison in den deutschen Städten und Dörfern Heringe in großen Mengen zu billigen Preisen angeboten werden, sollten die Hausfrauen daran denken, daß der Hering in den mannigfaltigen Arten der Zubereitung, in denen er auf dem Markt erscheint, nicht nur ein preiswertes, sondern auch ein gesundheitsförderndes Nah» Hätten die Angeklagten H. F. und I. G. W. Gießen eine auch nur ähnlich gute Schuldnermoral, wie sie offensichtlich über einen gesunden Durst verfügen, dann hätten sie gestern nicht auf der Anklagebank gesessen. Da dem aber leider nicht so ist, haten sie sich gestern vor dem Einzelrichter wegen fortgesetzten Zechbetruges zu verantworten. Bei acht Gießener Gastwirten gingen sie in so auffällig sich gleichender Weise vor, daß man, mit dem Vertreter der Anklage, direkt von einem System der Zechprellerei sprechen kann. Sie verkehrten zuerst immer als zahlende Gäste in einem Lokal. Dann tranken sie auf Pump, zahlten manchmal etwas ab, pumpten wieder, und schließlich ließen sie sich nicht mehr blicken. Ihre Zechschulden sind je nach der Gutmütigkeit und Gedankenlosigkeit des einzelnen geprellten Wirtes verschieden hoch, manchmal nur einige Mark, bei einem anderen Gastwirt schulden der H. heute noch 118 RM. und der W. 151 RM. Liefen nun die geprellten Gastwirte ihrem Geld nach, oder schickten sie Unterhändler, dann wurden die beiden unfein und zitierten manchmal <£ Saasen, 9. Sept. Die hiesige Kriegerkameradschaft veranstaltet an den kommenden Sonntagen auf ihrem^-Schießstand ihr diesjähriges P r e i s s ch i e ß e n. Mit seinen vier Schußbahnen dürfte der Schießstand allen Anforderungen genügen. Neben einigen Ehrenscheioen winken *" besten Schützen wertvolle Preise. — Hier fand Inspektion der Pflichtfeuerwehr durch Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier statt. Brandangriff auf eine Scheuer klappte gut. Eine neue Feuerwehrleiter wird astgeschafft. Oie Jleischdiebskähle im Frankfurter Schlachthaus. Die Verhandlung vertagt. Lpd. Frankfurt a. M., 8. Sept. Im Laufe der Zeugenvernehmung am Donnerstag im Prozeß wegen der Fleischdieb st ähle im Frankfurter Schlachthaus richtete der Sachverständige eine Frage an einen Zeugen, die von dem Verteidiger des Hauptangeklagten als nicht in den Rahmen eines wissenschaftlichen Gutachtens fallend b e - anstandet wurde. Der Sachverständige erklärte, daß er als Vertreter der Schlachthofverwaltung ein Interesse an vollster Aufklärung aller Dinge habe. Der Verteidiger stellte den Antrag, den Sachverständigen wegen Besorgnis ber" Befangenheit abzulehnen. Diesem Antrag widersprach der Staatsanwalt. Das Gericht hielt das Ablehnungsgesuch für begründet und beschloß das Verfahren gegen 15 Angeklagte, darunter den Hauptangeklagten, der in H a f t bleibt, abzutrennen und zu vertagen. Der Vorsitzende betonte, die Vertagung sei erforderlich, weil nach Auffassung des Gerichts der neu zu ladende Sachverständige tunlichst der ganzen Verhandlung beiwohnen solle. Es handele sich bei dem Gutachten nicht nur um rein wissenschaftliche Fragen, sondern der Sachverständige solle sich über den ganzen Komplex vom Standpunkt des Tierarztes, des Verwaltungsbeamten des Schlachthofs und über Erfahrungen auf dem Schlachthof äußern. Aus diesem Grunde seien auch die von dem Sachverständigen gestellten Fragen in der Verhandlung nicht beanstandet worden. Die Verhandlung wurde dann fortgesetzt: sie richtete sich nunmehr nur noch gegen einen Angeklagten, nämlich den der Untreue beschuldigten Hilfswieger, der etwa 130 Schweine gebührenfrei gewogen hatte, wodurch ein Schaden von zwanzig Mark entstand. Sein Verteidiger beantragte, den Angeklagten zu amnestieren, was Zustimmung des Staatsanwalts fand. Das Gericht entsprach dem Antrag. 20 Jahren starb in Wohlstorf (Hannover) der große deutsche Kolonialpolitiker Carl Peters, Aufmerksamkeit der Zigeuner und Zigeunerinnen ........ Ge- Roßkastanien und Eicheln billige Futtermittel. Fwd. Die in Deutschland allgemein verbreitete Kastanie stellt für unsere Ernährungs- und Volkswirtschaft einen wichtigen Rohstoff dar, der für die Eiweiß-, Fett- und Stärkegewinnung von großer Bedeutung ist. Neben dieser industriellen Auswertung können Roßkastanien und Eicheln aber auch als billige Futtermittel, namentlich für die Wildfütterung verwendet werden. Wie im vergangenen Jahr, sollen deshalb auch in diesem Herbst Roßkastanien und Eicheln für die industrielle Verwertung im Rahmen des Vierjahresplanes gesammelt werben. An der Sammlung werden sich vor allem das Jungvolk in der HI. unter Mitwirkung des Reichsnährstandes beteiligen. Die Bezirks-Gartenverwaltungen werden die Sammlung der Früchte Schwindler gelungen, Beträge von 30 bis 68 Mark zu erlangen. In einigen Fällen prüfte er die In- validenkarte, errechnete Fehlbeträge und versuchte, diese einzuziehen. Gelingt es ihm nicht, die Beträge zu erhalten, so nimmt er die Quittungskarten mit, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden Der Betrüger wird wie folgt beschrieben: etwa 35 Jahre alt, 1,75 Meter groß, schlank, längliches frisches Gesicht, rötliche hochstehende Haare, vorstehende Augen. Er sprach schwäbische oder chemische Mundart Bekleidet war er mit dunkelblauem Anzug und schwarzen Lackschuhen. Beim Auftreten des Mannes wird ersucht, seine Festnahme durch den nächsterreichbaren Polizei- oder Gendarmeriebeamten zu veranlassen Brüder Odenweller erkennen das Urteil an. Das von der Großen Strafkammer Gießen nach mehrtägiger Verhandlung gefällte Urteil im Wilderer-Prozeß wurde, wie wir heute von zuständiger Seite hörten, von den beiden Brüdern Oden- weller anerkannt. Die Mitverurteilten Lauer und Mathern haben sich noch nicht erklärt, ob sie das Urteil annehmen oder nicht. Der außerdem mitverurteilte Thyssen aus Frankfurt a. M. hat durch seinen Anwalt Revision gegen das Urteil einlegen lassen. Gießener lvochenmorktpreiie * G i e ß e n , 10. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, ausländische 11 bis 12t Wirsinq, % kg 8 bis 10, Weißkraut 8, Rotkraut ID bis 12, gelbe Rüben und Karotten 10, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 25 bis 30, gelb 25 bis 30, Erbsen 20, Tomaten 20 bis 35, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 45 bis 60, Kürbis 6 bis 10, Pilze 30 bis 50, Kartoffeln, % k Montag U. Donnerstag Dienstag u. Freitag Dienstag u. .Freitag Nicht nur gewaschen, nicht nur rein . persll.gepflegt soll Wäsche seinl Montag u. Donnerstag 19.15-20.45 Montag ii. Donnerstag 20.45-22.15 Schutz, Stütze, Formlchönheit auf natürlicher Grundlage durch Thalysla-Formenpflege-System. 123974 133414 152657 173108 190363 212978 249818 278178 286340 309110 325444 349021 358391 380003 8.— Dienstag 8.— Dienstag Montag u. Donnerstag 20.45-22.15 Montag u. Donnerstag 19.15-20.45 Gewinnauszug 5. Klasse 51. Preußisch-Süddeutsche (277. Preuß.) Klassen-Lotterie Die Haut bekommt unschöne Porenlöcher. Besser ist ein tägliches Waschen mit der echten Klein-Linden 5850A 55915 61356 61997 63786 75806 79501 87894 100650 ------ ------ ------ Schanzenstratze 18, vorgenommen werden. Lehrlinge — soweit zugelassen — erhalten 25% Ermätzigung. Für Teilnehmer mit oder aus kinderreichen Familien besondere Ermäßigung. Gebührenzahlung mit der Anmeldung. B808d Unsere diesjährigen Winter-Kurse beginnen im September und anfangs Oktober. — Einzelstunden zu jeder Tageszeit. Gefl. Anmeldungen erbeten Pelikan-Apotheke, Kreuzplatz 2 Herrn. Elges, Drog., Seltersweg 66 Emil Karn, Drog., Schulstraße Aug. Nojl, Drog., Bahnhofstr. 53 O. Winterhoff, Drog., Kreuzpl. 9-10 Parfümerie Koch, Seltersweg 63 Parfümerie Muhl, Mäusburg 8 Parfümerie H. Plank, Seltersweg 8 Grundlagen der Elektrotechnik ............... Fach- und Werkstoffkunde, Fachzeichnen, Fachrechnen, Stufen I—III (für Facharbeiter in d.Elekro- technik und Mechanik).. Vorbereitung a.d.Meisterprüfung (f. Facharbeiter in Maschinenbau und „Zum kühlen Grund1* Inh.: A. Schepers Auf jede gezogene Eummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lofe gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II Art der Mnhnahme Apels/d. Gebühr Tag Das in den städtischen Waldungen noch lagernde Nutz- und Brennholz aus dem Ws. 1938 ist bis fpä- testens 20. September d. J. abzufahren, andernfalls Anzeige erstattet werden muß. 5819C Gießen, den 9. September 1938. Der Oberbürgermeister. I. 23.: Bog t. ist® u. Samstag 10 5.— Dienstag 30 Gewinne zu 2000 NM. 9068 44035 59947 161377 184745 197968 212984 220886 234717 70 Gewinne zu 1000 RM. 2782 29721 46163 61630 92080 114951 19.00-22.00 15.00-19.00 20.00-22.00 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Das Spezialhaus für Gardinen, Teppiche, Betten, Polstermöbel Setsr. Senner Reparaturwerkstätte Wieseck bei Gießen Gießener Straße 18 6841D Gießen, den lO.September 1938 ____________________.______________04158 Für die uns zu unserer Der- Mahlung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlich. Bahnhofstraße 67 Telephon 2980 Kein Laden! Kurzschrift I........... (Anfänger) Kurzschrift II........... (60-100 Silben) Kurzschrift III.......... (100-120 Silben) Kurzschrift IV.......... (120-150 Silben) Arbeitsgemeinschaft in Kurzschrift (140-180 S.). Maschineschreiben I..... Aufpassen, er schadet Ihrer Wäsche! Den Schaden, den der Kalkteufel des harten Wassers anrichtet, sieht man erst nach öfterem Waschen. Die Wäsche wird grau, hart und spröde, und verliert . In oft starkem Grade • ihre schweißaufsaugende Fähigkeit. Früher gab es kein Mittel dagegen, heute bietet Persil wirksamen Schutz. Persil unterbindet beim Waschen die schädlichen Kalkablagerungen des Wassers und er. höht dadurch die Lebensdauer Ihres Wäschegutes. Es heißt nicht umsonst: Adolf Desch u.Frau Irmgard, geb. Engel 2,5 Ltr, 6 Zyl. »Super 6« von RM. 3350.— an ab Werk kurzfristig lieferbar WAVftrA. Reformhaus 6. Schlumberger Seltersweg 52 Rundfunk- Geräte Röhren Reparaturen kleine Kreatur in Wasser, Dusch und Halm Bon K.O. Bartels. - 164 Naturaufnahmen aus dem Leben der niederen Tierwelt mit erläuternden Bildunterschriften, Namensangaben und 62 Seiten Text. Mit einem Geleitwort von Professor Dr. Deegener, Universität Berlin. 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In den Parkanlagen von Bad-Nauheim blühen jetzt Tausende von Blumen in schönster Pracht. In der Trinkkuranlage, vor dem Musikpavillon, vor dem Kurhaus läßt der Spätsommer noch einmal alle Farben prangen, die ihm die Natur auf die Palette gegeben hat. So bietet sich die Badestadt wie ein einziger Blumengarten dar. Der vergangene Donnerstag ließ im Scheine einer strahlenden Sonne alles doppelt freudig erscheinen und lockte die Kurgäste ins Freie. Bald wird die eigentliche „Saison" zu Ende sein. Wieder haben Tausende von Kurgästen Linderung gesunden aus den Quellen im Tal der Ufa, haben in vielen Bädern, die die Aerzte verordneten, für ihre Gesundheit tun können, was zu tun möglich war. Hunderttausende von Bädern (Sprudel- und Sprudelstrombäder, Thermalsprudel, Sol- und Kurbrunnenbäder) wurden ermöglicht. Hunderttausende von Bädern in jenen für Bad- Nauheim charakteristischen tiefen Wannen aus australischem Moaholz, das allen den Salzen, die in den Wassern von Bad-Nauheim enthalten sind, stärksten Widerstand entgegensetzt und selbst dem Emaille oder Porzellan überlegen ist. Hunderttausende von Bädern also! Da liegt der Gedanke nahe, zu fragen, wie dies technisch überhaupt möglich gemacht werden kann. Nun, über die technische Ermöglichung der Verabreichung dieser großen Zahl» von Einzelbädern läßt die Kurverwaltung kein Geheimnis walten! Jedermann, der sich dafür interessiert, kann sich durch Augenschein von allen Einrichtungen des Staats-- bades überzeugen. Wöchentlich zweimal werden für die Kurgäste und sonstige Interessenten Führungen veranstaltet, bei denen sich ein tiefer Einblick gewinnen läßt in einen technischen Betrieb eigenster gen bestreitet Wölfersheim die Stromversorgung des Staatsbades. Die Fernheizanlage ist eine technische Einrichtung von beachtlichem Ausmaß. Eine stattliche Reihe Kessel sorgt für Dampf und heißes Wasser. Automatisch wird der Wanderrost für die Beheizung der Kessel mit Feuerungsmaterial beschickt. 13 Quadratmeter groß ist die Derbrennungsfläche, 400 Quadratmeter groß die Heiz- und 129 Quadratmeter groß die Ueberhitzesfläche. Weiterhin sind Kessel für die Vorwärmung des Wassers vorhanden. Selbstverständlich wird auch der Dampf, mit dessen Hilfe die Dampfmaschinen betrieben werden, für die Heißwasserbereitung ausgenützt. t Ein interessanter Teil des Rundgangs ist lener, der unter die Erdoberfläche führt! Da das Fernheizwerk und auch das E.-Werk jenseits der Bahnlinie liegen, mußten lange Rohrleitungen unterirdisch verlegt werden. Für diesen Zweck wurde ein etwa 500 Meter langer Gang geschaffen, der bis unter die Badehäuser führt. Zwei Heißdampf-, eine Heißwasserleitung und mehrere Stromkabel sind in diesem Gang verlegt, der so hoch gebaut ist, daß man ganz bequem darin gehen kann. Wenn man diesen Kanal unmittelbar im Fernheizwerk betritt, dann schlägt den Besuchern eine brütende Hitze entgegen, denn die Heißwasser- und Heißdampfleitungen geben auf dem 500 Meter langen Weg trotz aller Isolierung etwa 20 Grad ihrer Wärme ab. Interessant die Tatsache, daß das heiße Wasser nicht etwa dazu gebraucht wird, um die Bäder selbst auf die nötige Temperatur zu bringen, vielmehr wird es meist nur dazu verbraucht, die Wannen nach jedem Gebrauch heiß auszuspülen, denn die Bäder, die unmittelbar vom Sprudel aus gegeben werden können, haben eine natürliche Wärme aus dem Erdinnern in der Höhe von 32 Grad Celsius. Durch die Heißwasserbereitungsanlage können je Stunde 25 Kubikmeter 90 Grad Celsius heißes Wasser den Badeanlagen zugeleitet werden. Selbstverständlich dient das Fernheizwerk auch dem Zweck, den sein Name ausdrückt: der Beheizung der zahlreichen Ge- ‘ In der Saline. Das blütenweiße Kochsalz wird abgewogen. * MM bäude, die mittelbar und unmittelbar zum Staatsbad gehören. Eine technische Anlage von phantastisch zu nennender Form ist die Sprudelverteilung auf die einzelnen Badehäuser. In einer Kreuzung der „Katakomben", die etwa unter dem Sprudelhof liegt, begegnet sich eine für den Laien kaum ausdeutbare Fülle von Rohrleitungen, die von den Sprudeln, vom Fernheizwerk aus, wie auch vom E.-Werk aus über diesen Knotenpunkt nach den vier Himmelsrichtungen weitergeführt werden. Alles ist blitzblant und in vorbildlicher Ordnung. Ueberall sieht man die Steuerräder für Ventile und Schieber, mit deren Labyrinth der Röhren. Die Verteilungszentrale der Sprudel nach den einzelnen Badehausern. . .. r W*. & 4, r w L- ' \.tv ■ . * und nicht alltäglicher Art. Die Teilnahme an diesen Führungen ist denn auch stets außerordentlich stark. Der technische Teil der Badeanlagen gliedert sich in mehrere Stationen: Elektrizitätswerk, Fernheizwerk, Großwäscherei, Sprudelfassung und Sprudelverteilung. Selbstverständlich kann man zu den technischen Einrichtungen auch die Hunderte von Badezellen in den verschiedenen Badehäusern rechnen. Das Elektrizitätswerk des Staatsbades dient eigentlich nur der Spitzendeckung. Zwei große Dampfmaschinen und eine Dampfturbine stehen zur Verfügung. Die Dampfmaschinen vermögen Kraft für je 200. Kilowattstunden elektrischer Energie zu vermitteln: mit Hilf? der Dampfturbine aber können 350 Kilowattstunden erzeugt werden. Im übri- Hilfe die Heißwasser-, die Sprudel- und die Heiß- dampfströme beherrscht und geleitet werden. Und ein ähnliches Bild, wenn auch einfacher, bietet sich in der Sprudelkammer, die unmittelbar unter den beiden Sprudeln im Sprudelhof liegt. Da sind es die beiden blitzenden Kupferrohre, die man sich nicht ohne eine gewisse Besinnlichkeit betrachtet, denn es sind jene metallischen Adern, die die heilsamen Wasser aus 160, 180 (bzw. 220) Meter Tiefe emporführen und der leidenden Menschheit nutzbar werden Noch eine wichtige Station im technischen Betrieb des Staatsbades verdient Erwähnung: die Großwäscherei! An Waschmaschinen, an Schleudern, die auf hohen Touren laufen, und an den Heiß- mangeln stehen viele Volksgenossen und Volksgenos- H W r ’ - M H $ .ZM' Nil an Ein Blick in die mächtigen technischen Anlagen d^s Fernheizwerkes. reine Kochsalz aus. L.._z . prozeß wird das Salz in Schleudern gebracht dort werden die letzten Spuren von Feuchtigkeit aus dem Salz getrieben. In feine Säcke wird dann das Salz verpackt und versandt. Im Arbeitsprozeß über fünf Tage fallen aus den drei Siedepfannen insgesamt etwa 600 Zentner wunderbar feines Kochsalz an. Neben dem reinen Kochsalz füllt aber auch noch Badesalz, und außerdem Gewerbesalz (Viehsalz) an, das durch Vergällung (Färbung) als für den menschlichen Genuß nicht zu verwenden gekenn- Unter dem Sprudelhof. Die Sprudelfassungen. (Aufnahmen: [3] Emy Limpert, Frankfurt a. M., Liebfrauenstraße 5, und f3] Neuner, Gieß. Anz.) höhen, ragt steil der Johannisberg auf! Moderne Technik, Weltbadeverkehr und Heimat- zeichnet wird. So rundet sich auf einem solchen Gang durch die technischen Anlagen des Staatsbades das Gesamtbild. Das Verständnis für die Voraussetzungen der Nutzbarmachung der heilsamen Quellen vertieft sich. Erfüllt von den vielen Eindrücken verläßt man die „Katakomben", um sich dann in der Stille und Lieblichkeit eines Schmuckhofes wiederzufinden, um wieder auszutauchen in die Welt unter freiem Himmel. * Ueberhaupt! Reizvoller Wechsel der Erscheinungen! Aus der Blütenpracht dei^ Anlagen hinabzusteigen in die Gänge voll brütender Wärme, hineingestellt zu sein in das Reich der Technik der Kraftanlage und des Fernheizwerkes — dann wieder Türen hinter sich zu schließen und wieder umgeben zu fein von spätsommerlicher Pracht! Schön ist es dann, die Ufa entlangzugehen, durch die Wandelhallen der Trinkkuranlage zu schlendern, um schließlich und etwas unvermutet im Schatten der mächtigen Mauern aus Holz und Dorngeftrüpp zu stehen. Reizvolle Gegensätzlichkeit, die sich hier auf kleinem Raum weniger hundert Meter und im Zeitraum einer halben Stunde ungewollt erleben läßt. Hier der Arbeiter und Techniker, souverän herrschend im Reich der Maschinen und Motoren, verantwortlich und verantwortungsbewußt — und dort in den Kuranlagen die Kurgäste, der.Ruhe bedürftig, leicht oder schwer krank, hoffend auf Besserung und Genesung. Frisch und kühl ist die Luft im Bannkreis der Gradierwerke; auch dann, wenn die Sonne heiß auf den Kiesweg scheint und sommerlichen Glanz glaubhaft zu machen versucht. Die Sole sprüht über das Dorngestrüpp, in Myriaden Tropfen löst sich das Licht in die Farben des Regenbogens auf. Langsam fließt die Sole in breiten flachen Rinnen dahin, als wollte sie ihre Schwere und gesteigerte Salzhaltigkeit nun durch diese träge Bewegung beweisen. Und dann werden an den Gradierwerken auch geschichtliche Erinnerungen wachgerufen, hauptsächlich, wenn man an dem alten Pumpwerk an der Ufa ankommt, das ehemals die Aufgabe hatte, die Sole auf die Höhe des Gradierwerkes zu treiben. An dem grobschlächtigen Werk ist eine Tafel angebracht, auf der zu lesen steht: „Errichtet um 1740 vom Obersalzgrafen Waitz, dem späteren Minister Waitz von Eschen." Diese Inschrift bezieht sich auf das ganze Gradierwerk, das heute noch wie ehemals Dienst tut. Das alte Pumpwerk aber ist nur noch eine schone Reminiszenz! Es ist längst durch elektrische Pumpen ersetzt, aber das mächtige Rad dreht sich noch wie einst, getrieben vom spärlichen Teil Wasser der Ufa. Da ruckt es im Gestänge, da rauscht das Wasser, gefühl — das alles besteht harmonisch nebeneinander und rückt freundlich in die Sphäre des Be- Hochschulnachrichten. Geh. Regierungsrat Professor Dr. Ludwig Borchardt, Begründer des Deutschen Instituts für ägyptische Altertumskunde in Kairo, dessen Direktor er bis 1929 gewesen ist, ist im 75. Lebensjahr geftorben. Als Baumeister und Aegyptologe hak er die planmäßige Architekturforschung erstmalig in den ägyptischen Ausgrabungen angewandt, vor allem in den Grabungen von Abusir und Amarna, deren Ergebnisse das Berliner Museum zeigt. Neben der Bauforschung stehen seine Einzeluntersuchungen philologischer und archäologischer Art, dabei entscheidende Arbeiten zur Zeitbestimmung der alt- ägyptischen Geschichte. finneft, die dafür sorgen, daß, wenn es notwendig ist, täglich 10 000 Kilogramm Wäsche - Trockengut, das sind etwa 24000 Stück Wäsche, die Großwäscherei blütenweiß verlassen können. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß ,pjm Betrieb des Staatsbades auch eine Saline gehört, die aus den überschüssigen Wassern der Sprudel ganz erhebliche Mengen feinsten Salzes gewinnen läßt. Auch die Saline ist ein sehr interessanter Teilbetrieb der technischen Einrichtungen des Staatsbades. Die Sole, die über die Gradierwerke geleitet wird und dort durch Verdunstung einen erheblichen Teil Wasser verliert, erfährt also eine Erhöhung des Salzgehaltes von 3,3 v. H. auf 22 v. H. Von den Gradierwerken aus wird die Sole nun in die Siedepfannen geleitet, nachdem sie in einer Vorerwärmung in ihrem Salzgehalt auf 26 v. H. erhöht worden ist. Der eigentliche Siedeprozeß geht dann über den Zeitraum von insgesamt 5 Tagen. In drei Pfannen, die vollkommen überdeckt sind, wird die Sole zuerst auf 107 Grad zum Kochen gebracht und bann während der nächsten Tage unter einer Temperatur von 80 Grad Celsius gehalten. Dabei wußtseins, wenn eine Stunde der Muße einen Gang den Gradierwerken entlang möglich macht. N. kristallisiert allmählich das ~ . ., . . m t.r s .. . ’ J ' Nach beendetem Kristallisations-1 Burg zu Friedberg und das Profil der Stadt im ialz in Schleudern gebracht und | Schattenriß empor — westlich blauen die Taunus- da dreht sich das Rad langsam, rascher, wieder langsam, bleibt fast stehen, um dann wieder in unregelmäßigem Rhythmus weiterzulaufen. Auf Holz- brüden führen die langen Mauern des Gradierwerkes über die Ufa hinweg, stetig rieselt die Sole über das Gestrüpp, unaufhörlich tropft es von oben. Lustig schießen die Wasser der Ufa in kleinen Kaskaden unter dem Gradierwerk durch. Nahebei schält ein Bauer seinen Stoppelacker nach später Ernte, auf der Straße Gießen — Frankfurt bewegt sich schier ununterbrochen der Strom der Kraftfahrzeuge, brausen auf den Schienen die Züge dahin. Im Süden ragen der Turm der In der Großwäscherei, Unser Bild zeigt eine der großen Heißmangeln^ MWMMWWWWW ■ *' SJL-tfport Fußball der heimischen Mnnschasten. Watzenborn-Steinberg ohne Berlustpunkte in den Derbandsspielen. Vor einiger Zeit war über die Mannschaft des FL. Watzenborn-Steinberg durch eine Entscheidung des Gaues für drei Spielsonntage der Derbands- spiele eine Sperre verhängt worden, die für die Teutonen den Verlust von 6 Punkten ohne weiteres bedeutethätte. Auf erhobenen Einspruch hin wurde die Angelegenheit in den Instanzen des Fachamts noch einmal zur Sprache gebracht und der Beschluß revidiert. Gestern erhielt der Fußballverein „Teutonia" Watzenborn-Steinberg, wie uns der Geschäftsführer des Vereins mitteilt, ein Schreiben des Reichsfachamtsleiter Linnemann, in dem die verhängte Sperre als aufgehoben bezeichnet wird. Watzenborn-Steinberg geht also ohne „Handicap" in die Verbandsspiele. BezlrksklasseN'Melsker Lauterbach in Watzenborn. Steinberg zu Gast. Der Vereinsleitung der TeutonerWist es gelungen, für den kommenden Sonntag einen Großkampf abzuschließen. Lauterbach ist auch in unserem Bezirk bekannt, und jeder Fußballanhänger weiß, daß diese Elf über erstklassiges Können verfügt. Mit ihrer ganz auf Erfolg eingestellten Spielweise haben sie schon manche große Mannschaft überrannt. Für die Teutonen ist also größte Vorsicht am Platze. Es wird aller Anstrengung bedürfen, wenn sie auch die- sen Kampf zu ihren Gunsten entscheiden wollen. Das Porspiel wurde wohl klar gewonnen. Vielleicht drehen die Gäste diesmal den Spieß um? Man er- wartet ein schönes Spiel. Teutonia II — Steinbach I. Zwei alte Rivalen treffen hier aufeinander, die bisher mit wechselndem Erfolg ihre Kräfte maßen. LfL.-Reichsbahn Gießen. Bad-Nauheim auf dem waldsportplah. Auf dem Waldsportplatz erwartet der VfB.-Reichs- Lahn die bekannte Ligamannschaft des Sportvereins Bad-Nauheim zu einem. Freundschaftsspiel. Da der DfB.-Reichsbahn mit seiner ersten Mannschaft in Ehringshausen zum Aufstiegsspiel antreten muß, Hot sich der Verein entschlossen, dem Gegner eine kombinierte Mannschaft entgegenzustellen. In der Hauptsache werden hier neue Spieler, die für die erste Mannschaft in Frage kommen, vertreten sein. Außer Schlitz, Godglück, Fleischhauer, Mattern und einigen anderen Spielern wird Schöller, früher Spvg. Fürth, und Hamböck, der von Wien kommt, erstmals mitwirken. Wenngleich der Gegner der Papierform nach stärker ist, im Vorjahre .konnte Bad-Nauheim die Meisterschaft erringen, in diesem Jahre holte sich die Mannschaft den dritten Platz, darf man doch den Grünweißen, die über ein ausgezeichnetes Spielermaterial verfügen, einige röelle Chancen auf Sieg einräumen. Ehringshausen — DfB.-Reichsbahn. Die Grünweißen tragen in Ehringshausen ihr l'etztes, aber auch wichtigstes Aufstiegsspiel au& Gelingt es den Grünweißen, einen Sieg herauszu- holen, so haben sie sich damit den Titel eines Kreismeisters errungen, verliert die Mannschaft, dann darf das Ergebnis nicht höher wie 9:0 ausfallen, denn sonst wäre Burgsolms der lachende Dritte. Wenngleich das Spiel in Gießen verloren ging, so darf man doch mit Zuversicht auch diesem Spiel entgegensetzen, denn die Mannschaft hat durch ihren prächtigen Sieg gegen den Lokalgegner einen starken Rückhalt und geht mit Vertrauen in den Kampf. Die Mannschaft spielt in starker Aufstellung, Bach ist auch wieder mit von der Partie. Großen-Linden II — DfB.-Neichsbahn III. Erstmals tritt die neu ausgestellte 3. Mannschaft des VfB.-Reichsbahn in Tätigkeit und hat in Großen- Linden einen Gegner, der mit ihr in der gleichen Spielklasse spielt. Auch der Gegner macht sein erstes Spiel, wer hier Sieger wird, kann man nicht Voraussagen. Spielvereinigung 1900 Gießen. Ockershausen — 1900. Die Blauweißen bestreiten am Sonntag in Ockershausen das Rückspiel. Diesmal ist die Aufgabe weit schwieriger als vor drei Wochen, denn der Platz in Ockershausen hat seine Eigenheiten. Hinzu kommt, daß die Marburger Vorstädter die Dorspielniederlage wieder auszugleichen versuchen werden. Durch die Verletzung von Löbsack vom Opferspiel her, erscheint der Sturm wieder in neuer Formation, während die Hintermannschaft in der für die Derbondsspiele vorgesehenen Besetzung erscheint. Im einzelnen sind es: Herbst, Zeiler, Lippert, Erhard, Rensing, Pankok, Günther, Koch, Möller, Kociok, Heuser, die die blau- weißen Farben vertreten. 1900 komb. — Gehörlosen Spv. Die Reserve der Blauweißen bestreitet ein'Freundschaftsspiel gegen die Elf des Gehörlosen Sportvereins, die mit diesem Spiel zum erstenmal an die Oeffenllichkeit tritt. HJ.-Kampfgemeinschaft Vetzberg — 1900 3. 3gb. Am kommenden Sonntag tragen die Jüngsten der Iugendmannschaften der Blauweißen ein fälliges Rückspiel in Vetzberg aus. Das Vorspiel konnte die HJ.-Kampfgemeinschaft Vetzberg mit 6:1 für sich entscheiden. Die 1. und 2. Jugend sind am kommenden Sonntag spielftei. Spvgg. Leihgestern I — Tuspo. Rodheim I. Zum letzten Male tritt am Sonntag die 1. Mannschaft der Spvgg. vor der Verbandsserie 1938/39 im Gesellschaftsspiel auf eigenem Platz an. Gegner ist die 1. Elf des Tuspo. Rodheim a. d. B. Dos Vorspiel endete 1:1. Wie aber das sonntägliche Spiel ausgehen wird, hängt viel von der Tagesform der Leih- gesterner ab. Man nimmt aber an, daß die Leih- gesterner vor Beginn der Serie 1938 noch einmal den Zuschauern eine Freude bereiten werden. Die Leihgesterner. haben in der letzten Zeit bewiesen, daß sie Fußball zu spielen verstehen. Die Iugendmonnschaft, die durch einen klaren 4:0- Sieg über 1. Jugend von 1900 Gießen von sich reden gemacht hat, fährt zum DfB.-R. Gießen (1. Jugend). Man hofft, daß die Partner ein faires Spiel austragen. SD. Heuchelheim I — Raunheim I. Die vorsonntägliche Niederlage gegen die erste Elf des FC. Lollar hält den SV. Heuchelheim nicht ab, am morgigen Sonntag schon wieder die Kräfte mit einer Mannschaft der Bezirksklasse zu messen. Die erste Elf von Naunheim ist Gast in Heuchelheim. Naunheim stellt zur Zeit wieder eine äußerst spielstarke Mannschaft ins Feld, die den Heuchelheimern am Sonntag viel zu schaffen machen wird. Die Einheimischen verfügen wohl über talentierte Kräfte, vermochten jedoch nicht, sich zu einer überragenden Leistung aufzuschwingen. Es fehlte immer der letzte Einsatz, der Tore schafft. .Heuchelheim spielt mit Müller, Kreiling, Volkmann, i Waldschmidt, Mandler, E. Arnold, Christ, F. Arnold, IO. Hofmann, Schmidt und Bach. Die Handballrunde in der Vezirksklaffe Kreis 8 Die für die Teilnahme an der neuen Handballrunde 1938/39 abgegebenen Meldungen lassen wenigstens in den oberen Klassen die erforderliche Uebersicht zu. So steht inzwischen fest, daß die Gauklasse in der Zusammensetzung des Vorjahres — allerdings unter Berücksichtigung des Auf- und Abstieges — spielt und daß der Tv. Wetzlar seinen Titel nicht mehr verteidigen kann, lieber das Schicksal der Mannschaft ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden; vielleicht roirjb sie Bezirksklasse spielen, vielleicht aber auch freiwillig in eine der beiden Kreisklassen absteigen. Das ist eme Tatsache, die um so bedauerlicher ist, als damit der einzige Vertreter des Kreises VIII in der höchsten Spielklasse sang- und klanglos verschwindet. Es kommt noch hinzu, daß die Aussichten für einen Wiederaufstieg vorerst wenigstens gleich Null sind, weil keine Hoffnung besteht, die verwaisten Mannschaftsteile innerhalb kurzer Zeit neu und vor allen Dingen vollwertig zu besetzen. — Ob nach dem Ausscheiden von Wetzlar die Gauklasse trotzdem auf zehn Mannschaften erhöht wird, bleibt abzuwarten. Nach den geltenden Bestimmungen muß jede Gauklassenstaffel mindestens 10 Teilnehmer aufweisen. Die Bezirksklasse (Staffel 4) ist ausgerich- tet. Ihr werden in diesem Jahre angehören insgesamt 11 Mannschaften, und zwar: To. Lützellinden, Mtv. Gießen, Tv. Heuchelheim, To. Hörnsheim, Tv. Münchholzhausen, Tuspo. Wetz- lar-Niedergirmes, VfL. 1860 Marburg, Spieloer. emigung 1900 Gießen, MSV. „Barbara" Gießen, Tv. Garbenheim und Tv. Ockershausen. Gegenüber dem vergangenen Jahr sind also neu hinzugekommen: MSV. „Barbara" Gießen, Tv. Garbenheim und To. Ockershausen, während frei- willig ausgeschieden sind: Tv. Roch, VfB.-R. Gie- ßen und VfB.-Kurhessen Marburg (infolge Vereins- Zusammenschluß). Ob man nun die vorjährige Staf- fel 4 mit Rücksicht auf die Teilnehmerzahl aufteilen wird, muß der Gau entscheiden. Es besteht aber roenig Aussicht, daß man dieser schon immer vorgebrachten Bitte der beteiligten Vereine entspricht, weil gerade die zuständigen Männer des Gaues Wert auf große Staffeln legen. Mit welchen Aussichten die einzelnen Mannschaf- ten in den Kampf gehen, ist vorerst noch nicht abzu- sehen. Trotzdem dürfte es angebracht sein, einmal die augenblickliche Form zu beleuchten, um so viel- leicht irgendwelche Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Da ist zunächst der vorjährige Staffelsieger Tv. Lützellinden, der in ganz überragender Weise den ersten Platz einnahm. Diesmal wird es ihm wesentlich schwerer fallen, sich zu behaupten, weil er seine Mannschaft vollkommen umformen muß. Gerade die jungen talentierten Spieler sind abgegangen, auf die man sich in der Hauptsache stützen konnte. Die noch vorhandenen äteren Kameraden werden kaum noch mitkönnen, so daß schon nichts anderes übrig bleibt, als aufzufrischen. Zwar wird das Lützellinden nicht sonderlich schwer fallen, weil genügend Nachwuchs vorhanden ist. Immerhin wird oieftr Nachwuchs schon eine ganze Zeit spielen müssen, um sich für die Treffen der Bezirksklasse zu eignen. Der Mtv. Gießen kann zwar auf einen Stamm alter Spieler zurückgreifen und vorhandene Lücken auch durch Reserven ausfüllen. Ob dadurch aber die Kampfkraft erzielt wird, die erforderlich ist, um die Spitze zu erringen, bleibt abzuwarten. Es ist allerdings absolut möglich, daß den Gießenern bei einigermaßen gleichbleibenden Leistungen der große Wurf gelingt. Die Heuchelheimer stützen sich auch in diesem Jahre wieder auf die alte, schon seit Jahren erprobte Mannschaft, die dank ihrer vorzüglichen Leistungen im letzten Spieljahr einen guten dritten Platz erkämpfen konnte. Wenn auch der eine oder andere Posten neu besetzt worden ist, so bleibt die „große Linie" doch gewahrt und es steht zu erwarten. daß Heuchelheim auch heuer wieder spannende Spiele vermitteln wird. Das gleiche gilt auch für Hörnsheim. Denn auch hier ist es wieder die Mannschaft, die man schon feit Jahren sieht und die gerade im Augenblick wieder recht gut in Form zu fein scheint. Also auch mit ihr ist zu rechnen. Gespannt darf man fein, wem Münchholzhausen seine Vertretung übertragen wird. Hier haben die alten Spieler der Jugend Platz machen müssen. Daß diese „Auswechslung" aber in Ordnung geht, haben die letzten Spiele gezeigt. Hoffentlich bleibt die Mannschaft zusammen, damit auch Münchholzhausen wieder einmal die Rolle von ehedem spielen kann. In Wetzlar-Niedergirmes scheint man sich über die endgültige Aufstellung noch nicht im Klaren zu sein. Die bisher ausgetragenen Spiele waren mehr oder weniger Probespiele, in den die neuen „Leute" ausprobiert wurden. Die endgültige Aufstellung wird wohl erst kurz vor Beginn der Runde herauskommen. 1 8 6 0 Marburg hot bisher noch nicht gespielt, auch noch nichts über die endgültige Zusammensetzung seiner Mannschaft verlauten lassen. Vollkommen offen ist, wen 1 900 Gießen ins Feld schicken wird. Die Mannschaft hat schon im vergangenen Jahr außerordentliches Pech gehabt und wird auch diesmal nicht davon verschont blei-, den, wenn sie nicht auf einen Stamm guter Spieler zurückgreifen kann. Gespannt darf man fein, wie sich die drei Neulinge schlagen werden. Fest steht, daß der MSV. eine kampfkräftige Einheit zur Stelle hat und daß auch Garben heim zur Zeit recht gut ist. Weniger stark durfte dagegen Ockershausen sein, das bis jetzt noch nicht weiter in Erscheinung gc- Alles in allem gesehen wird sich also die neue Runde würdig ihren Vorgängerinnen anschließen. Selten wohl ist der Kampf so offen gewesen, wie gerade jetzt und kaum einmal haben alle Mannschaften gleich große Chancen gehabt. Handball-Freundschastskämpfe. Miv. Gießen I — Tv. Garbenheim I. Zu einem Freundschaftsspiel treffen sich am'morgigen Sonntag auf dem Platz des Mtv. die Mannschaften von Mtv. und Tv. Garbenheim. Für die Platzbesitzer sowohl, als auch für dje Gäste gilt es, kurz vor Beginn der Runde den vorhandenen Nachwuchs zu schulen, damit die Lücken, die durch allerlei Abgänge entstanden sind, aufgefüllt werden können. Die endgültige Aufstellung des Mtv. ist noch nicht bekannt. Fest steht auf alle Fälle, daß ich die Mannschaft strecken muß, wenn sie gegen die ehrgeizige und auch technisch gute Mannschaft der Gäste gewinnen will. — Das gleiche gilt auch für die Jugend. Tv. Heuchelheim — DISD. Hanau. Einen guten Griff haben die Heuchelheimer mit der Verpflichtung der Hanauer Soldaten getan. Nicht nur, daß die Gäste als außerordentlich spiel- stark bekannt sind; sie spielen vor allen Dingen auch einen Handball, der über den Gau hinaus bekannt ist Der gute Tabellenplatz, den die Hanauer in der Gauklasse innehatten, kommt sicher nicht von un- gefähr. — Wie die Platzbesitzer gegen einen der- artigen Gegner bestehen werden, bleibt abzuwarten. Man sollte annehmen, daß man die Zeit gut ge-, nutzt und für eine spielstarke Vertretung gesorgt hat; andernfalls dürfte man um eine hohe Nieder- läge nicht herumkommen. AS.-Kampsspiele in Nürnberg 1938. Der vorletzte Wettkampftag. Am Freitag, dem vorletzten Wettkampstag der NS.-Kampfspiele in Nürnberg, war der „Zabo", die schöne Wettkampfstätte des 1. FC. Nürnberg, der Schauplatz der Hauptereignisse. Vormittags und nachmittags hatten Wehrsportler und Leichtathleten das Wort, und wieder wurde mit der gleichen Erbitterung und dem gleichen Einsatz gekämpft wie an den Vortagen. Leichtathletik-Entscheidungen. Nur eine einzige Leichtathletik-Entscheidung war am Freitagvormittag fällig, die im 10 0 0 0 - Meter-Lauf. Es gab einen packenden Kampf zwi- chen Meister Berg (ASV. Köln) und SA.-Mann Schönrock (Wittenberg), indem diesmal der Wittenberger das bessere Ende für sich hatte. Berg und Sch'önrock blieben bis zum Schluß beisammen, und im Spurt siegte der Wittenberger in der vorzüglichen Zeit von 31:17,4 Minuten vor Berg (31:17,4) und Hönninger (31:45,4). Am Freitagnachmittag fielen in den leichtathleti- chen Wettbewerben weitere Entscheidungen. Die 1500 Meter sahen Polizei - Oberleutnant Schaumburg in ausgezeichneter Form. Zu- ammen mit dem Freiburger Stadler hatte er lange Zeit die Führung. Eingangs der letzten Runde löste ich Schaumburg von feinem Widersacher, der zwar rerzweifelt kämpfte, aber den in 3:58,4 Minuten legenden Polizisten nicht mehr erreichte. Den dritten Platz belegte der Kulmbacher Arbeitsmann Pauli. lieber 50 0 0 Meter war mit der Nennung von Eitel (Eßlingen) der Sieger gegeben. Eitel und Adams (Oberhausen) liefen lange Zeit gerne in= am vor dem gesamten übrigen Felde, bis der Oberhausener zum Schluß das Tempo nicht mehr mit- halten konnte und zurückfiel. In 15:17,8 Minuten zerriß der Eßlinger das Zielband. Weltrekordmann Schröder veÄesierte in der Entscheidung des Diskuswerfens seine Vorkampfleistung und iegte überlegen mit 49,34 Meter vor dem Wiener Wotapek, der mit 47,17 Meter wieder einmal seine große Beständigkeit bewies. SA.-Mann Hafter gewinnt Kunstspringen. Im Schwimmbecken des Nürnberger Stadions wurde am Freitagvormittag das Kunstspringen ent» chieden. Erwartungsgemäß kam hier SA.-Mann Haster (Berlin) zu einem überlegenen Sieg. Seine wundervollen Kürsprünge lösten hellste Begeisterung aus. Das wegen der niedrigen Waffertemperatur im Stadion nach dem Nürnberger Volksbad verlegte 1 5 0 0 - Meter - Kraulschwimmen wurde am Freitagabend in zwei Läufen entschieden, wobei die bessere Zeit sofort den Sieger ergab. Den ersten Lauf gewann der Arbeitsmann Hurtig aus Mühlhausen in 21:02 Min., aber SA.-Sturmmann Bachmann (Dortmund) war als Sieger des zweiten Laufes in 20:59,6 Min. um 2^ Sekunden schneller und damit Gesamtsieger. Arbeitsmann Kirsch siegt im Deutschen Mehrkampf. Der Deutsche Mehrkampf, der sich aus den leichtathletischen Hebungen des SA.-Sportabzeichens zusammensetzte, wurde am Freitag zu Ende geführt. NSKK.-Mann Lampert (München) konnte seine führende Stellung auch nach der vierten Hebung, dem Handgranatenweitwerfen, mit 347 Punkten vor NSKK.-Mann Thunner (Graz) mit 337 Punkten, SA.-Mann Bade (Aschaffenburg) mit 332 und Arbeitsmann Kirsch (Ostenwalde) mit 325 Punkten behaupten, aber im abschließenden 3000-Meter-Lauf fiel der Münchener mit einer Zeit von 12:27 Minuten, die nur 26 Punkte einbrachte, ziemlich aus und erreichte im Gesamtergebnis nur den siebten Platz. Sieger wurde Arbeitsmann Kirsch mit insgesamt 404 Punkten vor Thunner (392 P.) und Bade (391 P.) RAD. siegt auch int Deutschen Wehrwettkampf. Der Freitag brachte dem Reichsarbestsdienst einige ganz großartige Erfolge. Die Arbeitsdienst- männer gewannen nicht weniger als d«i wehrsportliche Wettkämpfe. Nach dem Deutschen Mehrkampf und dem Mannschaftsfünfkampf sicherten sie sich auch noch einen Doppelerfolg im Deutschen Wehrwettkampf. Insgesamt 13 Mannschaften, bestehend aus einem Führer und elf Mann, traten vor über 1500 Zuschauern auf dem Platze des 1. FC. Nürnberg zur letzten Hebung, der 12X -Runde-Hindernisstaffel an. Wieder zeigten die Arbeitsdienstmänner ganz hervorragende Leistungen. Auf der Bahn war zuerst ein Holzstoß zu überwinden, dann ging es über einen Zaun und den Abschluß bildete ein Kriechhindernis. Mit 7:00,2 Minuten erzielte zunächst die 3. Komp, der ff-Stan- barte Deutschland (München) die beste Zeit, die jedoch bald unterboten wurde, und zwar von den Arbeitsmännern der Gruppe 96 Wusterhausen mit 6:58,8 und den Männern der Gruppe 301 München mit 6:50,1 Min. Den Gesamtsieg errang Wusterhausen vor München. Ihren verschiedenen Erfolgen in den Wehrsport- Wettbewerben reihten die Arbeitsmänner am Frei- tag einen neuen an: auch im Mannschafts-Fünfkampf kamen sie durch die RAD. - Gruppe 92 Blankenfelde zum Sieg und — um den Triumph zu vervollständigen — durch die Gruppe 132 Klötze-Altmark auch zum zweiten Platz. An dritter Stelle folgt die Berliner Polizei, die nach vier Hebungen in Front gelegen hatte. Die Entscheidung fiel im 8X50-Meter-Schwimmen, bei dem RAD. Blankenfelde mit 4:18,2 Minuten hinter SA - Standarte 109 Karlsruhe (4:08,3) die zweitbeste Zeit erzielte, während die Berliner Polizisten mit 4:53,8 nur Vierte werden konnten und damit des Gesamtsieges verlustig gingen. Polizei Berlin führt im Fünfkampf. Der Mannschafts-Fünfkampf wurde mit der vierten Hebung, dem 100-Meter-Lauf, fortgesetzt. 2ten besten Durchschnitt für acht Mann erreichte die ff- Leibstandarte Adolf Hitler Berlin mit 12,2 Sekunden vor Polizei Berlin (12,3), RAD. Blankenfelde (12,4), ff Leipzig (12,4) und Polizei Köln (12,5). Nach vier Wettbewerben lag die Mannschaft des Pol.Kdo. Ber. Berlin mit 436 Punkten an der Spitze. Die Deutschlandriege umjubelt. Die besten deutschen Turner stellten sich am Frei- tognachmittag unter Führung von SA.-Sturmführer Schneider (Leipzig) im „Zabo" vor und ernteten für ihre mustergüttigen Vorführungen am Barren und Settpferd stürmischen Beifall. Die Riege, die am Samstag noch einmal mit einem Reckturnen aufwarten wird, bestand aus den Meisterturnern Schwarzmann, Stangl, Krötzsch, Müller, Steffens, Sandrock, Friedrich, Lüttinger und Volz. „Rotweitz" siegt im Futzball-Turnier. Das von vier Auswahlmannschaften des DRL. bestrittene Fußballturnier wurde am Frei- tag mit einem knappen 2:1- (2:1)-Siege der rotweiß gekleideten ersten Mannschaft über die dritte Mannschaft fortgesetzt. Die ersten 45 Minuten, in denen sämtliche drei Tore fielen, waren spielerisch am wertvollsten. Nach dem Wechsel flaute das Tempo bei leichter Heberlegenl)eit der dritten Mannschaft stark ab; erst in der letzten Viertelstunde erlebten die Zuschauer auf dem Zabo wieder spannende Kampfhandlungen. DRL. gewinnt Basketball-Turnier. Auf den Tennisplätzen des Zabo wurden die beiden letzten Spiele des Basketball-Tur- niers ausgetragen, die jeweils eine Mannschaft hoch überlegen sahen. Den Endsieg errang der DRL. mit einem hohen 32:2- (12:2)-Erfolg über die ff, und im Kampf um den dritten Platz setzte sich das NSKK. noch überlegener 36:2 (14:2) gegen die Flieger durch. SA.-Oberscharführer Beinborff gewinnt (Belänberift Zum erstenmal bei den NS.-Kampfspielen wurden am Freitag auch die Reiter einer Prüfung unterzogen. Auf dem schwierigen Gelände des Truppenübungsplatzes in Tennenlohe ging es über 25 Hindernisse. Da die Mannschaft der ff nicht antrat, war der Sieg der SA.-Retter in diesem Geländeritt von vornherein gegeben. Mit 21,3 Punkten blieb die Mannschaft der SA. erfolgreich. In der Einzelwertung siegte SA.-Oberscharführer Beindorff (Niedersachsen) auf Ossa mit 0,6 Punkten. Fußball der II. Kreisllaffe Staffel Gießen B. 25. 9.: SA.-Kampfgemeinschaft II — Grüningen; Krofdorf — Daubringen; DfB.-R. III geaen Großen-Linden II; Staufenberg — Heucyel- heim II; Londorf — Treis. 9.10.: Grüningen — Londorf; Daubringen gegen SA. II; Großen-Linden II — Staufenberg; Heuchelheim II — DfB.-R. III; Treis gegen Krofdorf. 16.10.: VfB.-R. III — Grüningen; SA. II — Heuchelheim II; Staufenberg — Treis; Londorf — Daubringen; Krofdorf — Großen- Linden II. 23.10.: Grüningen — Krofdorf; Daubringen gegen Staufenberg; Treis — VfB.-R. III; Großen- Linden II — SA. II; Heuchelheim II gegen Londorf. 30.10.: Krofdorf — Heuchelheim II; DfB.-R. III gegen Daubringen; Staufenberg — Grüningen; SA. II — Treis; Londorf— Großen- Linden II. 6.11.: Heuchelheim II — Großen-Linden II; Londorf — Staufenberg; SA. II — DfB.-R. III; Treis — Daubringen. 13.11.: Grüningen — Treis; DfB.-R. III — Krofdorf; Londorf — SA. II; Daubringen gegen Heuchelheim II. 20.11.: Großen-Linden II — Grüningen; Staufenberg — DfB.-R. III; SA. II — Krofdorf; Treis — Heuchelheim II. 27.11.: Treis — Großen-Linden II; VfB.-R. III gegen Londorf; ' Krofdorf — Staufenberg; Heuchelheim II — Grüningen. 4.12.: Londorf — Krofdorf; Staufenberg — SA. II; Grüningen — Daubringen. 1|. 12.: Daubringen — Großen-Linden. Die mißtrauische Gattin. Am Bahnhof von Hochspeyer in der Pfalz ging ein Mann durch die Sperre, ohne dem Beamten seine Fahrkarte abzugeben. „Halt", rief ihn der Beamte zurück, „gerne Se mol Ihr Fahrkart ab!" * .Herr Schaffner", bat der Mann, „können §e mer die Fahrkart net loffe — sunscht määnt rnei Fraa, ich wär zu Fuß geloff un hätt's Fahrgeld ve söffe!"