Nr. 2U Erstes Matt 188. Jahrgang Zreitag, 9. September (938 LrlchetM «ügltch, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholl» Monats.Bezugspreis: Mil 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 225) Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sieben Postscheckkonto: fironffurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vru» und Verlag: vrühlsche Univerfiläts-nickerei kl. Lange in Sietzen. Schristleitvng und Geschäftsstelle: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen kür die Mittagsnummer vis8'/,Uhrdes Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für le^t* anzeigen von 70mm Breite 50Rpf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg. 25°/, mehr. LrmStzigte Grundpreise: Steilem, Vereins«, gemein* nützige Anzeigen sowie ein* spaltige Gelegenheitsanzei* gen 5 Rpf., Familienanzei* gen, Bäder«, Unterrichts« u, behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Gefährlicher Brandherd. Was uns Mährisch-Ostrau am 7. September gelehrt hat, das ist außer der rücksichtslosen Willkür der tschechischen Polizei die erneute Feststellung der kaum faßbaren Hilflosigkeit und Machtlosigkeit der Prager Regierung. Wvs die Auslandspresse nicht weiß, das ist, daß Mährisch-Ostrau mitten im sudetendeutschen Kerngebiet liegt, daß also, wenn dem tschechischen „Staatsvolk" die anderen Volksgruppen weiter ausgeliefert bleiben, Zwischenfälle dieser Art sich immer wieder ereignen werden. Die fromme Lüge, die sich in einem Teil der Auslandspresse eingenistet hat, es gäbe eine sudetendeutsche Frage erst seit der Machtergreifung in Deutschland, hat überhaupt nur deshalb Verbreitung finden können, weil das, was sich schon vor dem Kriege in Böhmen wie überhaupt in Oesterreich-Ungarn zutrug, im Auslande so gut wie unbekannt geblieben oder vergessen worden ist. Der nationale Gegensatz zwischen Deutschen und Tschechen in Böhmen war so scharf, so unversöhnlich, daß es in Böhmen selbst nicht nur stündig Reibereien und Zwischenfälle gab, sondern im Wiener Reichsrat ist es zwischen deutschen und tschechischen Abgeordneten wiederholt zu Schlägereien gekommen. Die Wahrheit ist, daß nach der Gründung der Tschecho-Slowakei die anderen Volksgruppen unter Druck gesetzt wurden mit dem Ziel, sie entweder zu tschechisieren oder aus dem Lande zu vertreiben. Weil auch heute die wirklichen Zustände in der Tschecho-Slowakei für die öffentliche Meinung in den westlichen Demokratien böhmische Dörfer sind, haben es die Tschechen erreichen können, durch einen systematischen Lügenfeldzug die öffentliche Meinung im Auslande irre zu führen. Reichspressechef Dr. Dietrich hat den Nagel auf den Kopf getroffen, als er vor dem Reichsparteitag in Nürnberg auf die internationale Geiahr der Presselüge hinwies. Finden sich Berichterstatter, die sich bereit erklären, diese oder jene tschechische Zwecklüge an ihr Büro oder an ihre Zeitung weiterzugeben, so ist das an unb für sich schon eine erhebliche Leistung. Was das bedeutet, haben wir in diesen Tagen und Wochen erlebt, in denen es hieß, es feien von der Prager Regierung „Vorschläge" oder gar Pläne herausgekommen, die über den Schellenkönig gelobt wurden, ohne daß ein Mensch jemals diese Pläne auch nur zu Gesicht bekommen hat. Sie waren einfach nicht vorhanden, sie wurden aber dennoch gelobt, weil nicht nur in westeuropäischen Hauptstädten die durch keinerlei Sachkenntnis getrübte Auffassung besteht, es handele sich in der Tschecho-Slowakei eigentlich nur um Gegensätze, die sich bei gutem Willen von beiden Seiten leicht schlichten ließen. . So hat es die Auslandspresse auch fertig gebracht, Meldungen über die Vorgänge in Mährisch-Ostrau zu veröffentlichen, die inhaltsmäßig so beschaffen sind, als handle' es sich um ortsübliche Krawalle. Auch dahinter steckt die tschechische Presselüge, die drauf und dran ist, m gewissen Te ten Europas eine Geistesverfassung hervorzurufen, die sowohl im Interesse des Friedens als auch aus Gründen der notwendigen Entspannung tief zu bedauern ist. Aus dem tschechischen Brandherd steigen eben nicht nur Rauchwolken auf, es züngeln auch Flammen empor, die leicht übergreifen können, zumal dann, wenn vom Auslande her kenntnislos und voreingenommen der züngelnden Flamme der Wind einer irregeführten öffentlichen Meinung zugefächelt wird. Dieser Brandherd läßt sich nur auslöschen, wenn dem tschechischen Staatsvolk keinerlei Gelegenheit mehr gegeben wird, die nationalen Rechte der anderen Volksgruppen anzutasten. D. S. Mcksvrache bei Hodza. Benesch kündigt Rundfunkrede an. Prag, 8. Sept. (Europapreß.) Die durch die Mährisch-Ostrauer Zwischenfälle bewirkte Unterbrechung der Besprechungen zwischen Ministerpräsident Dr. Hodza und den Vertretern der SDP. über die neuen nationalitätenrechtlichen Vorschläge der Regierung konnte bislang nicht überwunden werden. $n den Nachmittagsstunden sand eine Aussprache zwischen dem Regierungschef und dem Führer der SDP.-Abordnung, Abg. K u n d t, statt, der vom Abg. Dr. Neuwirth begleitet war. Dr. Neuwirth, der Augenzeuge der Mäh- rifch-O st rauer Vorfälle war, hatte als einer der Rechtsberater der Partei Erhebungen beim Kreisgericht in Mährisch-Ostrau hinsichtlich der Ursachen, die zur Verhaftung von 82 Mitgliedern in Freiwaldau geführt haben und über den Verlauf der Voruntersuchung gegen diese Verhafteten angestellt. Gleichzeitig erforschte er auch die Ursachen des Todes des Amtswalters Knoll, der unter „Spionageverdacht" verhaftet worden war und kurz nach feiner Verhaftung angeblich durch Selbstmord aus dem Leben geschieden ist. Neuwirth gab einen ausführlichen Bericht über die Ergebnisse der Untersuchung der nach Mährisch-Ostrau entsandten SDP.- Parlamentarier.^ U e b e r d i e Liquidierung der Ursachen der Unterbrechung der politischen Verhandlungen sagte der Ministerpräsident konkrete Mitteilungen zu. Unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten Dr. B e - n e s ch sand am Donnerstag eine Kabinetts- f i tz u n g statt. Wie das der Regierung nahestehende volkssoziale Blatt „A Z e t" meldet, wurde über die allgemeine Lage und die letzten innerpolitischen Ereignisse beraten. Die Regierung habe sich entschlossen, Freitag Einzelheiten über die Nationalitätenverhandlungen und die Neuorganisation der tschechoslowakischen öffentlichen Verwaltung bekanntzugeben. Präsident Benesch werde am Samstag im Rundfunk über die Entwicklung der Lage'sprechen. „Tag der Gemeinschaft" in Nürnberg. Oer Führer bei den Gemeinschafisvorsührungen der RG.-Kampfspiele. Körperschulung fff Volkssache. 31 ü r n b e r g, 8. Sept. (DNB.) Zu einem wahren Fest der Leibesübungen wurden am Nachmittag des Donnerstag die großen Gemein- s ch a f t*5 Vorführungen und Massen- frei Übungen aller an den Kampfspielen beteiligten Formationen der Partei, die dem Tag den Namen „Tag der Gemeinschaft" gegeben hatten. Den Beginn nach dem Aufmarsch der Gliederungen machten die Gemeinschaftsvorführungen der SA., des Arbeitsdienstes, des NSKK., des NSFK., aller Wehrmachtsteile, der ff und Polizei. Ihnen folgten Gruppenübungen der HI. und Volkstänze des Vor der Haupttribüne der Zeppelinwiese stehen die Spielmanns-, Musik- und Fanfarenkorps der Wehrmacht, 360 Mann stark, die mit der von dem Hamburger Komponisten Erd len geschriebenen Festmusik den rhythmischen Einklang zwischen der Linienführung der Körperbewegung und der Melodie geben. Die Leitung hatte Heeresmusikinspizient Professor Schmidt. Als kurz vor 15 Uhr der Führer, von begeisterten Kundgebungen empfangen, auf der sonnenüberstrahlten Zeppelinwiese eintrifft, haben die Männer der SA., des Arbeitsdienstes, des NSKK. und des NSFK. bereits ihre Plätze bezogen. 64 Fanfaren und Pauken künden mit dem Großen Weckruf den Beginn der pausenlos abrollenden Vorführungen an, bei denen das gesprochene Wort durch Kommandosignale mit Signalhörnern und Trommeln wiedergegeben wird. Ankündigung für die Aufführenden ist eine viertaktige Fanfare, die sinnfällig die einzelnen Vorführungen voneinander trennt’ Alle Uebungsformen werden von der Musik unterstrichen. Es ist ein großartiger Anblick, diese prächtigen braungebrannten Gestalten wie ein Mann ihre Hebungen durchführen zu sehen. Nach jeder Uebungsgrüppe wechseln die Formationen, mit der "Musik wundervoll abgestimmt, ihren Platz, so daß jeder Teil des gewaltigen F-ldes jede der Gruppen sehen kann. Die S A. - M ä n n e r zeigen bei ihren Gemeinschaftsvorführungen die Partner- und Handgeräte- Uebungen, mit denen sie bereits bei den Wettkämpfen der SA. einen fp außerordentlichen Erfolg errangen, während der RAD. neben der allgemeinen und der der Tätigkeit des Arbeitsdienstes entlehnten Körperschulung die charakteristischen Baurn- stamm-Uebungen zeigt. Der Block der NSKK. - und NSFK.-Männer bringt eine vielfältige M..M xTl t ch ? k». k'>" V M. D^r Führer beim „Tag der Gemeinschaft" auf der Zeppelinwiese, neben ihm Reichssportführer von Tfchammer und Osten, Stabschef Lutze und Reichsleiter Bormann. Als Gast des Führers weilt auch der Führer der Sudetendeutfchen, Konrad Henlein, in Nürnberg. Unser rechtes Bild zeigt ihn auf der Ehrentribüne der Zeppelinwiese mit Reichs» jugendführer Baldur von Schirach und (Bauleiter Adolf Wagner. (Bildtelegramm Scherl-Bilderdienft-M.) Kugelgymnastik, die Uebungsgruppen des Heeres, der Marine, der Luftwaffe, der ff und der Polizei bringen neuartige Hebungen mit dem Medizinball. Die Gruppe der HI. (alle Gruppen bestehen aus je 720 Teilnehmern) wartet mit lh'jungen aus der Körperschule der HI. auf. Nach jedem Platzwechsel folgen zunächst die von Musik untermalten Gemeinschaftsübungen, die in ihrer wundervoll genauen Ausführung immer wieder von neuem- minutenlange und tosende Beifallsstürme auslösen. Diese neue Form der Massenübungen ist ein einzigartiges und lebensfrohes Schauspiel der körperlichen Gestaltung, ein Beispiel für die Formung großangelegter Darbietungen, die das vielseitige Spiel der Bewegungen zu einem tiefen Erleben machen. Im überaus wirkungsvollen Gegensatz zu den Kraft, Gewandtheit, Mut und Einsatzbereitschaft verkörpernden Hebungen der Männer standen die anmutigen Volkstänze der 5200 Tänzerinnen des B D M. Schon der Aufmarsch der Mädchen in ihren fließenden weißen Kleidern mit den bunten Miedern bot einen zauberhaften Anblick. Bei den drei Tänzen, dem Doppelachter, dem Walzerkanon und dem Drehtanz glich der Rasen einem wogenden Blumenfeld. Dieses Schauspiel vollendeter Anmut fand eine nicht weniger dankbare Aufnahme als die Vorführungen der Männer. Damit waren die Gemeinschaftsvorführungen beendet. Als der Führer die Tribüne verließ, bereiteten ihm die Hunderttausend auf den Rängen minutenlange Ovationen. Die staatsbürgerlichen Grundrechte auf das schwerste bedroht. Empörende Mißhandlungen sudetendeutscher Llntersuchungshästlinge durch tschechische Polizeiorgane. Schutzlos der tschechischen Soldateska preisgegeben. Der Stadtrat von Komotau fordert wirksame Maßnahmen. Prag, 8. Sept. (DNB.) Der Stadtrat von Komotau hat angesichts der ständigen schweren Ausschreitungen der dortigen Garnison folgende Entschließung gefaßt: „In der letzten Zeit wurden in Komotau wiederholt in der Nacht Einwohner deutscher Nationalität auf der Straße von Soldaten der hiesigen Garnison angehalten und belästigt, ja in einigen Fällen mit dem Bajonett b e - droht ober sogar niedergeschlagen ober blutig verletzt. Daburch hat sich ber Bevölkerung eine tiefe Beunruhigung, ja Erbitterung bemächtigt. Trotz sofortiger Intervention bei ben behördlichen Stellen wurden die Täter weder festge- st e l l t noch b e ft r a f t, obwohl dies in dem Falle, der sich in der Nacht vom 3. auf den 4. September ereignet hat, ohne weiteres möglich gewesen wäre. Der Stadtrat zu Komotau stellt fest, daß die lokalen Behörden nicht die erforderlichen Maßnahmen ergriffen haben, um der durch diese Zwischenfälle hervorgerufenen Unsicherheit ein Ende zu machen. Die Bevölkerung hat trotzdem bisher in anerkennenswerter Weise Ruhe und Disziplin bewahrt. Der Stadtrat hält es aber für seine Pflicht, die maßgeblichen Stellen auf diese Zustände hinzuweisen und die Ergreifung wirksamer 3Naßnahmen gegen das Ausschreiten von Militärpersonen (Festellung und Bestrafung der Täter, Einschränkung der Heberzeitbewilligung und des Alkoholausschanks an Militärpersonen) zu fordern." Obduktion der Leiche Knolls ruge^ogt. Jägerndorf, 8. Sept. (DNB.) Der Leichenbestatter, in dessen Verwahrung der Leichnam des nach tschechischen Angaben an „Selbstmord" verschiedenen Amtswalters der Sudetendeutschen Partei Knoll ist, wurde von den Bezirksbehörden aufgefordert, die Leiche sofort beerdigen zu lassen, widrigenfalls er mit Entziehung der Konzession zu rechnen habe. Die darüber auf das höchste erregte Bevölkerung von Jägerndorf veranstaltete Kundgebung e n. Abgeordneter Kundt hat den Ministerpräsidenten auf den bedrohlichen Ernst der Lage hingewiesen. Ministerpräsident H o d z a sagte zu, daß diese Maßnahme-zurückgezogen und am Freitag die Obduktion der Leiche unter Beziehung eines deutschen Arztes statt- finben wird. Beschwerden bleiben erfolglos. Entschließung der Sudetendeutschen Partei. Prag, 8. Sept. (DNB.) Das Presseamt der Sudetendeutschen Partei teilt mit: Ohne vorläufig Einzelheiten über die in Mährisch- O st r a u geschehenen Mißhandlungen zu veröffentlichen, stellte der Politische A u s s ch uß der Partei allgemein fest, daß Untersuchungs- Häftlinge gesetzwidrig Untersuchungshaften bis zur Dauer von zwei Jahren unterworfen werden, daß feit mehr als Jahresfrist politische Untersuchungsgefangene nichttfchechischer Volkszugehörigkeit schwer st en Mißhandlungen ausgesetzt find. Es wurde einwandfrei festgestellt, daß u. a. als Mittel zur Erpressung von Geständnissen Bastonaden und das Verprügeln zugedeckter Häftlinge mit Gummiknüppeln angewandt werden. Aus der Tatsache, daß diese ungeheuerlichen Methoden gleichartig bei verschiedenen Untersuchungszentralen, wie in Pilsen, Prag, Olmüh, erwiesenermaßen angewendet werden, geht hervor, daß diese Methoden a u f Einflußnahme bestimmter interessierter Stellen zurückzuführen find. Die Sudelenöeulsche Partei erblickt die politische Bedeutung dieser Einflußnahme im besonderen darin, daß sie im gegenwärtigen Augenblick erfolgen müsse, obwohl die SDP. durch ihre berufenen Vertreter seit Jahr und Tag die zuständigen Stellen auf die unhaltbaren Verhältnisse aufmerksam gemacht hat und der Ministerpräsident und der Innenminister a u f wiederholte Beschwerden Untersuchung und Abstellung versprochen haben. Die fortgesetzte Anwendung dieser Methoden bis in die jüngste Zeit beweist, daß Ministerpräsident und Innenminister das aufgezeigte System nicht verhindern konnten. Andererseits muß in diesem Zusammenhänge festgestellt werden, daß der Ministerpräsident nicht in der Lage war, die Eintragung auch nur eines einzigen Anwalts der Sudetendeutschen Partei in die Sonderlisten der Militärverratsverteidiger zu erreichen. Die Mährisch-Ostrauer Ereignisse beweisen neuerdings, daß die Wirkungsmöglichkeiten der verfassungsmäßigen Faktoren zum Zwecke der Sicherung der staatsbürgerlichen Grundrechte gegenüber den Einflüssen militärischer und bürokratischer kreise nicht sichergestellt erscheinen. Es wurde beschlossen, in einem Memorandum an die Regierung alle Umstände zusammenzutragen, die die Verschärfung der Lage herbeige- führt haben, für die die SDP. die Verantwortung ablehnl. Die Mißhandlung des Abg. May ärztlich bezeugt. Mährisch-Ostrau, 7. Sept. (DNB.) Zwei Stunden nach dem Ueberfall des Staatspolizisten Nr. 367 auf ben Abg. May begab sich bieser zu bem Mährisch-Ostrauer Arzt Dr. Othmar S ch m t b t, ber oberhalb bes rechten Schulterblattes einen 15 cm langen unb XA cm breiten striemenförmigen Bluterguß, an ber Außenseite bes linken Kniegelenks eine Schwellung unb Rötung feststellte. In bem ärztlichen Zeugnis heißt es weiter: „Das Kniegelenk reagiert bei aktiver unb passiver Bewegung schmerzhaft." Zühlungnohme der nicbiichechischen Nationalitäiengruppe. Prag, 8. Sept. (DNB.) Am Dvnnerstagnachmit» tag fanb unter bem Vorsitz bes Abgeordneten K. H. Frank eine gemeinsame Sitzung bes politischen Ausschusses der Hauptleitung ber Subetendeutschen Partei mit ben Vertretern ber Slowakischen Volkspartei, ber Vereinigten ungarischen Parteien unb bes polnischen Verstänbigungsaus- schusses statt. In ben Grundfragen des dringend notwendigen Staatsumbaues und der Regelung ber Nationalitätenfragen wurde das volle Einvernehmen festgestellt. Es wurde beschlossen, die ge* meinfamen Beratungen nach Bedarf fortzufetzen. Besprechungen bei Chamberlain Halifax bleibt vorerst in London. — Die „Times" steht zu ßo n b q n, 8. Sept. (Europapreß.) Ministerpräsident Chamberlain, ist nach London zurückgekehrt und empfing in der Downingstreet Außenminister Lord Halifax, der vom Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Sir Alexander C a d o g a n , begleitet war. Nach einem Frühstück, an dem Schatzkanzler Sir John Simon und der diplomatische Berater der Regierung, Sir Robert B a n s i t t a r t, teilnahmen, kam es zu einer neuen Zusammenkunft zwischen Chamberlain und Lord Halifax, zu der später auch Sir John Simon hinzugezogen wurde. Es wurde bekanntgeaeben, daß der Außenminister seine für Freitag festgesetzte Abreise nach Genf bis auf weiteres verschoben hat. Lord Halifax erachte es im gegenwärtigen Stadium der Verhandlungen in der tschecho-flowakischen Frage für nötig, in engster Verbindung mit dem Ministerpräsidenten zu bleiben. Er habe sich daher genötigt gesehen, die Abreise hinauszuschieben. Nachmittags wurden noch mehrere Kabinettsmitglieder zu den Beratungen hinzugezogen, so der Luftfahrtminister Sir Kingsley Wood, der Kolonialminister Mac- Donald und der Verteidigungsminister Sir Thomas Jnskip. Kriegsminister Hore-Belisha hat seine Teilnahme an den Manövern im Aldershot- Bezirk abgesagt. Wie von gut unterrichteter Seite angedeutet wird, drehten sich die Besprechungen um die Frage, ob die englische Regierung ihre Haltung zu den letzten Prager Vorschlägen in irgendeiner Form öffentlich festlegen solle. Chamberlain soll den Standpunkt vertreten, eine öffentliche Erklärung sei im gegenwärtigen Augenblick nicht angebracht. Man hält es daher auch für wahrscheinlich, daß die Regierung von allen solchen Plänen Abstand nehmen wird. Nach einem Bericht des „Daily Telegraph" ist der „Times"-Artikel über den Plan einer Freigabe der Sudetendeutschen durch die Tschechen auf Veranlassung des tschechischen Gesandten in LorMn „dementiert" worden. Das Blatt schreibt, Der „bedauerliche Eindruck", den der „Times"«Artikel ihrem Vorschlag. bei den Tschechen in Prag hervorgerufen habe, sei schnell London mitgeteilt worden mit einem Ersuchen, daß der tschechisch-slowakische Gesandte Ma- saryk an das Foreign Office formal herantrete, um für ein Dementi dieser Meldung zu sorgen, was daraufhin geschehen sei. Die Haltung der „Times dagegen geht dahin, daß sie ihren Vorschlag weiter aufrecht erhält. Zum Beweise dafür, daß der Vorschlag nicht neu sei, wiederholt sie nicht nur alle Zitate, die bisher in diesem Sinne geschrieben wurden, sondern sie schreibt auch in ihrem heutigen Leitartikel noch einmal ausdrücklich: Heute sei die Maschinerie der Versöhnung und Aushandlung an der Arbeit. Falls sie aber in ihrem geaen- wärtigen Ziele fehlschlagen sollte, so besteht kein Grund, warum nicht nach den Beobachtungen unabhängiger Augenzeugen ein ganz anderer Weg versucht werden sollte. Eine Grenzrevision sei durchaus nicht völlig von der Liste der möglichen Lösungsergebnisse auszuschließen. Es sei das zwar keine Lösung, für die sich irgend jemand wirklich begeistern könnte. Aber die Aussicht auf endlose künftige Unruhen sei ein starkes Argument für eine an sich nicht populäre Lösung. Auf jeden Fall lohne keine Lösung, wenn sie nur darauf berechnet sei, für einige Monate zu halten. Die Hoffnung auf einen dauernden Frieden müsse ein Ziel nicht nur für die Tschechen und die Volksgruppen in der Tschecho-Slowäkei, sondern für jede andere Nation sein, die davon berührt werden könnte. Wenn man zu einem Abkommen gelangen könnte, unter dem die Tschecho-Slowäkei ein souveräner Staat in seiner gegenwärtigen Form bleibe, und das den Sudetendeutschen die Selbstregierung zubilligen würde, auf die sie innerhalb eines solchen Staates Anspruch hätten, dann sei das ohne Zweifel der unvergleichlich bessere Weg. Aber man dürfe keinen anderen Weg völlig ausstreichen, wenn er einen Ausweg aus einem ständigen Streit böte, in den die Welt früher oder später zwangsläufig verwickelt werden könnte. Mr Zurückhaltung in Paris. Paris, 9.'Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Entwicklung der internationalen Lage wird in bet französischen Morgenpresse mit größerer Zurückhaltung betrachtet, wenn auch vor allem die linksgerichteten Blätter die sudetendeutsche Frage weiterhin in tschechenfreundlichem Sinne behandeln und dabei einen unangebrachten Optimismus entwickeln. Daneben fehlt es am Freitag auch nicht an Pressestimmen, welche der Wahrheit näher zu kommen suchen. Das „Petit Journal" meint, daß die neuen sudetendeutschen Forderungen als ein Zeichen des guten Willens und des Wunsches einer Verständiaung aufzufassen feien. Der rechtsstehende „ 3 o u r 'y tritt für eine radikale Lösung der sudetendeutschen Frage ein. Der gesunde Menschenverstand müsse jedem sagen, daß die Sudetendeutschen sich in einem mit Frankreich verbündeten demokratischen Staat nicht ruhig verhalten würden, da sie dazu neigten, das nationalsozialistische Regime zu bewundern und ihm zu folgen. Selbst wenn man den augenblicklichen Forderungen weitestgehend Genugtuung gebe, so werde ifian in sechs Monaten doch wieder von vorn anfangen müssen. Unter diesen Umständen müsse man sich fragen, warum nicht gleich jetzt 3 u m Ziel gegangen und die Neu- tralisierung dieses Konglomerates verschiedener Volksgruppen in der Tschecho-Slowäkei verkündet werde. Eine solche Lösung habe Aussichten, den Frieden'zumindest für eine gewisse Zeit sicher- zu stellen. Die radikalsoziale Republiqe meint, bei den Ausführungen der Times dürfte es sich um einen Versuchsballon gehandelt haben, um die öffentliche Meinung in England auf einen Rückzug der englischen Regierung für den Fall vorzuberei- ten, daß die Bemühungen Lord Runcimans einen Mißerfolg erleiden und daß es sich als unmöglich erweisen sollte, in demselben Staat Tschechen und Deutsche unter demselben Gesetz, das dieselben militärischen Verpflichtungen enthalte, zusammenleben zu lassen. Man könne in einer für Europa so ernsten Stunde nicht verstehen, wie eine große Zeitung, oie der Regierung ihres Landes nahestehe, es sich erlaubt hätte, ohne vorher Fühlung mit dieser Regierung genommen zu (jaben und ohne sich vorher darüber vorgewissert zu haben, daß von ihr verbreitete Gedankengänge den englischen Interessen nicht schädlich seien, die Pläne und die Diplomatie des Londoner Kabinetts zu durchkreuzen. Man dürfe deshalb der amtlichen Verlautbarung des Foreign Office nicht blindes Vertrauen schenken. Im Grunde handele es sich bei der sudetendeutschen Frage darum, ob es möglich sei, daß Deutsche und Tschechen sich im Rahmen des tschechisch-slowakischen Staates verständigen und denselben Verpflichtungen — einschließlich der militärischen — gehorchen können. Wenn dies verneint werden müsse, wie dies die Times voraussetze, so würde die von der englischen Zeitung vorgeschlagene Regelung das Verdienst haben, die Weltöffentlichkeit über das Mißverhältnis und die Meinungsverschiedenheiten zwischen Sudetendeutschen und Tschechen zum Nachdenken zu veranlassen. Eine üble Provokation. Tschechische Sträflingskleidung nach Muster der sudetendeutschen Tracht. Eger, 8. Sept. (DNB.) Die „Egerer Zeitung" bringt eine Mitteilung, laut der das tschechische Justizministerium die Absicht hegt, die Strafgefangenen der Tschecho-Slowäkei künftig nach der Art der sudetendeutschen Tracht zu bekleiden. Diese Tatsache bedeutet eine gehässige und niederträchtige Verunglimpfung des Sudetendeutschtums durch den tschechischen Staat. Die „Egerer Zeitung" schreibt: Das Justizministerium hat bei den einzelnen Strafanstalten eine Umfrageaktion veranstaltet, die auf eine Aenderung der Sträflingskleidung ab- k' Bei den Verhandlungen in Prag über die endgültige Regelung der sudetendeutschen Dolks- tumsrechte spielt der von England entsandte Berater Lord Runciman eine bedeutsame Rolle. Unser Bild zeigt ihn zusammen mit seinen Mitarbeitern F. Ashton-Gwatkin (rechts) und Geoffrey P e t o während einer Besprechung in seinem Prager Büro. zielt. Die Verwaltung der Strafanstalten soÜte sich über die Zweckmäßigkeit einer derartigen Aenderung sowohl vom finanziellen wie auch vom hygienischen Standpunkt äußern, denn beantragt wurde eine grundsätzliche Aenderung des Hosenschnitts, und zwar in der Weise, daß für die Sträflinge kurze Kniehosen und weiße Baumwoll- strümpfe eingeführt werden sollen, die in der Strafanstalt Repy bei Prag gestrickt werden. Korpsführer Hühnlein zum Heichsleiter ernannt. 5-, JwL- Nürnberg, 8. Sept. (DNB.) Die Reichspressestelle teilt mit: Der Führer hat den Korpsführer des NSKK., Hühnlein, zum Reichsleiter der NSDAP, ernannt. Korpsführer Adolf Hühnlein, der Führer des NSKK. und des .deutschen Kraftfahrsports wurde 1881 in Neustädtlein (Oberfranken) geboren. Er besuchte das Gymnasium in Bayreuth und schlug bann vbie Offizierslaufbahn (Pionierwaffe) ein. In München besuchte er die Bayerische Kriegsschule und die Bayerische Kriegsakademie. Hühnlein nahm von 1914 bis 1918 als Kompanieführer, Bataillonskom- manbeur und Generalstabsoffizier am Weltkrieg teil. Er war ferner im Verband des Freikorps Epp an der Einnahme Münchens und an der Niederwerfung des Kommunistenaufstandes im Ruhrgebiet beteiligt. Bis 1923 blieb Hühnlein in der Reichswehr, zuletzt als Erster Generalstabsoffizier beim Jnfanteriefuhrer VII. Dann schied er freiwillig aus der Reichswehr aus. Wegen der Teilnahme an der Erhebung am 9. November bekam er eine halbjährige Haft in Stadelheim und Landsberg zudik- tiert. Hühnlein ist Träger des Blutordens und des Goldenen Ehrenzeichens der Partei. 1930 trat er in die Oberste SA.-Führung ein und wurde hier bet Chef des Kraftfahrwesens der SA. und der Organisator der Motor-SA. und des NSKK. 1933 wurde Hühnlein SA.-Odergruppenführer und 1934 vom Führer an die Spitze des aus Motor-SA. und NSKK. gebildeten und zur selbständigen Parteigliederung erhobenen heutigen Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps gestellt und zum Korpsführer befördert. Hühnlein ist ferner Ehrenführer der Motor-HI. Gememschaff und Persönlichkeit. Sondertagung des Hauptorganisations-, Hauptschulungs- und Hauptpersonalamts. Nürnberg, 8. Sept. (DNB.) Auf der Sondertagung des Hauptorganisations-, Hauptschulungs- und Hauptpersonalamtes zog Alfred Rosenberg die Grenze, die für die NSDAP, zwischen Großzügigkeit und Duldsamkeit einerseits und der Schwäche einer allzugroßen Nachgiebigkeit andererseits liegen könne. Ausgehend von der Großmut, die die NSDAP, allen Gegnern gegenüber xeigt, die zuletzt gerade bei der Angliederung der deutschen Ostmark bewiesen' wurde und die als Zeichen eines inneren Kraftbewußtseins anzusehen sei, wies Rosenberg darauf hin, daß mit der Verlegung des Kampfes von außen nach innen eine voraussichtlich längere Zeit der Auseinandersetzungen begonnen habe. Unter Anerkennung des Verdienstes des 19. Jahrhunderts, das uns in Forschung und Wissenschaft die Schätze der arischen Völker erschloß, habe nunmehr die Zeit der W e rt u n g dieser Erkenntnis unter dem völkischen G e - sichtspunkt begonnen. Nicht die Anklamme- rung der nationalsozialistischen Weltanschauung an 3m Lönskrug zu Winkel. Von August ZeddieS. Wenn man von Gifhorn aus die weite Landstraße nach Isenbüttel einschlägt, so findet man bald zur Rechten einen einsamen Birkenweg mitten durch die Eyselheide, der mündet zum Lönskrug ein, einem Gasthof inmitten hoher Bäume, still und abgelegen in verträumter Heideeinsamkeit. Von 1904 bis 1914 hat Hermann Löns in jedem Jahre hier etliche Wochen zugebracht. Das kündet auch ein Stein, der aus schlichten Findlingen zusammengetragen wurde. „Ich denke immer gern an die Zeit zurück", beginnt der Wirt Karl W a l e tz k y, in seiner vergnüglich-besinnlichen Art, um Stunden der Vergangenheit noch einmal lebendig werden zu lassen. „Wenn Hermann Löns hier ankam, war jedesmal Leben im Hause. Manche Nacht wurde hier gezecht, dort drüben am Tische, Hermann Tn der Mitte, die Gäste um ihn herum, wobei oft mehr leere Flaschen un- term Tische als volle auf dem Tische standen. Meine Großmutter war damals schon dlt und ftümperig, aber sie ließ es sich nicht nehmen. Her- mann Löns zu betreuen. Kaum war er eingetragen, so war sie auch schon bei ihm: „Na, Hermann, Junge — bist du wieder da! Dann will ich dir doch gleich erstmal Kaffee bringen, hast sicher Durst, was? Warte man, ich koche dir ’n ordentlich strammen!" Kam sie dann damit auf sein Zimmer so sagte er meistens: „Sieh, das freut mich, Großmutter! Aber nun mußt du mir noch einmal das schöne Lied Vorsingen, du weißt doch, welches ich so gern von dir höre!" Meine Großmutter erwiderte' dann voll Stolz: „Na ja, Junge, wenn du es denn so gerne hören willst!", stellte sich ein paar Schritte zurück, wie ein kleines Schulmädchen, das etwas aufsagen will, lächelte vor sich hin, stemmte die Arme in die Hüften und wippte im Takt der Melodie zur einen und zur anderen Seite, wobei sie jedesmal den Kopf hin- uyd herschwenkte: „Es war mal ein reicher Kaufmannssohn, der diente dem König von Preußen schon ..." Hermann war dann ganz in Freude aufgelöst, und meine Großmutter war selig, daß er so viel Gefallen an dem Liede fand. Sie' müssen sich vorstellen: meine Großmutter war schon über 80 Jahre alt! Ein andermal waren Hermann Löns und ich in Gifhorn, beide ein paar Flaschen Wein in der Tasche, die wir uns langsam zu Gemüte zogen. Na. wir waren dann auch schon ziemlich in Stimmung und sangen aus Leibeskräften durch die Straften, obwohl es nach Mitternacht war. Plötzlich tauchte eine Gestalt aus dem Dunkel auf und schlug die Hand auf Hermann Löns' Schulter: „Im Namen des Gesetzes, Sie sind Löns ruft verhnügt: „Was ist das? Menschenskind, mach' keine Geschichten! Hier, nun trink erst mal, trinf dreimal über den Daumen weg!" Nun, er tat es und trank sogar fünfmal über den Daumen weg, bedankte sich und tippelte stadtwärts, während wir lustig singend nach Winkel marschierten. Unterwegs fanden wir einen schlafenden Orgelspieler im Straßengraben. „Karl!" ruft Löns mich an. „Ich habe eine Idee!" Er weckte den Mann und fragte ihn, was er dafür haben wolle, wenn er uns bis nach Winkel hinspielen würde. „Einen Taler!" antwortete der Orgeldreher und rieb sich den Schlaf aus den Augen. „Gut!" gab Löns zurück. „Was hast du denn auf deinem Kasten? Einen Lustigen wollen wir hören." Dann tarn das Lied: „Nur einmal blüht im Jahr der Mai!" „Halt, den nehmen wir!" rief Löns. „Los! Nun geht voran und orgele!" Es ging los, immer mit der gleichen Melodie, immer im gleichen Walzertakt, ununterbrochen, bei stockfinsterer Nacht, kaum, daß man den weißen Heideweg erkennen konnte, und aus voller Kehle mitgefungen, daß uns die Tränen vor lauter Lachen kamen. Auf halbem Wege machte der Mann schlapp und konnte den Leierkasten nicht mehr schleppen, kurzentschlossen hängte sich Löns die Orgel um, und dann mußte der Mann weiterdrehen, ohne, Pause, einen Vers nach dem anderen, und dazu gesungen, daß wirklich die Heide wackelte und sämtliche Fuchse und Hasen Reißaus nahmen. Mit Hallo und Geschmetter in Winkel angekommen, haben wir die Gäste geweckt und Licht im Saal angezündet, und dann alle Mann, es waren 18 Personen, in den Saal, den Orgelspieler auf den Stuhl gesetzt, und nun getanzt, was das Zeug halten wollte, immer dieselbe Melodie: Ta humtata, ta humtata ... Bis der Mann glasige Augen bekam. Längelang lag er auf dem Fußboden ausgestreckt und schnarchte. Nun, da wird bann einfach von den Anwesenden abwechselnd die Orgel weitergedreht. „Nur einmal blüht im Jahr der Mai.'" Bis es gegen sechs Uhr morgens sich dann ausgeblüht hatte und alles in die Betten ging. Hermann Löns legte ein Fünfmarkstück auf die Orgel und wir ein ordentliches Schinkenfrühstück. Damit überließen wir den Orgelmann sich selbst, der immer noch schnarchte, daft die Wände dröhnten. Als wir dann vormittags den Saal aufräumen wollten, hatte der Mann längst sang- und klanglos das Weite gesucht l" • Geheimnisvolles Afrika. Erlebnisse eines englischen Polizcimannes. Man weiß, daß in Afrika noch überall bei den Negern Aberglauben und Zauberriten ihr unheimliches Wesen treiben und oft zu Ausbrüchen führen, von denen die Welt erfährt; aber man macht sich kaum eine Vorstellung, wie tief Geheimnisvolles in den Alltag hineingreift und wie der im schwarzen Erdteil lebende Europäer fortwährend bei den Eingeborenen auf Dinge stößt, für die er keine Erklärung findet. Einen Einblick in diese Erfahrung eröffnet die schlichte Schilderung des Engländers P. H. C o m b e, der lange Jahre als berittener Polizist in Rhodesia Dienst getan hat. „Mein Beruf brachte es mit sich", erzählt er, „daß ich weite Inspektionsreisen unternehmen mußte, zur näheren Untersuchung der Eingeborenen-Krals ober Um einfach in ihrer Nähe zu lagern unb mich zu vergewissern, baß in meinem „Bezirk" kein Frauenraub, kein Morb ober Diebstahl seit meinem letzten Besuch vorgekommen war. Obwohl ich diese weiten Ritte immer ohne jedes Aufsehen antrat und in aller Stille ins Werk setzte, um einmal unerwartet und überraschend zu kommen, so gelang mir das doch niemals. Ganz gleich, wie gewunden mein Weg, wie spät in der Nacht ich auch ankam, immer erwartete mich schon die Dorfgemeinde, alles war verdächtig gut in Ordnung, und alles, was geeignet war, mein Auge abzulenken und zu erfreuen, war hübsch auffällig in voller Sicht ausgelegt. Meine schwarze Leibwache, aus Eingeborenen bestehend, wußte gewöhnlich nichts von meinen Plänen, unb hätte sie selbst Kenntnis von meinen Absichten gehabt, so war sie mir hoch viel zu ergeben, um mich zu verraten. Doch wußten die Dorfoberhäupter nicht nur meine genaue Ankunftszeit, fonbern sie wußten auch um bas, was ich gerabe bei ihnen zu erfahren ober zu erlangen wünschte! Ein runzliger alter Jnbuna überreichte mir freundlich ein Paket des dort gewachsenen Tabaks, indem er sagte, er, wisse wohl, daß ich seit drei Tagen ein bißchen knapp mit meinen Zigaretten daran gewesen wäre, was auch stimmte; aber niemand, nicht einmal mein schwarzer Diener Mafuta, wußte, daft ich heimlich mein Zigarettenquantum hatte kürzen müssen, damit sie länger reichten. Trommeln: der Rundfunk Afrikas wird uns Weiften ja auch ewig ein Geheimnis bleiben. Mit diesen ausaehöhlten Baumstämmen, die etwa einen Meter hoch und an einem Ende mit stramm bespannten Tierhäuten bezogen sind, erzeugen die Eingeborenen so verschiedenartige Geräusche, daft sie alles mögliche von Dorf zu Dorf weitergeben können. In wenigen Stunden kann so eine Nachricht ganz Afrika durcheilen. Ich hatte hier ein besonders eindrucksvolles Erlebnis, als der Waffenstillstand im Jahre 1918 geschlossen war. Das Wort .Friede^ tönte schon, von Eingeborenenfäusten getrommelt über ganz Afrika hinweg, ehe noch der Telegraphist im Hauptquartier von Salisburg irgendeine Kunde davon empfangen hatte! Ich war mit.Matufa auf der Jagd, als er plötzlich den Kopf hob und ,Hor nur, die Trommelns murmelte, während ich trotz angestrengten Lauschens auch nicht den leisesten Ton zu vernehmen vermochte. Er konnte mir jedoch nicht sagen, was die Laute bedeuten sdllten. Die Botschaften können t^ur von Geübten .entziffert werden. Niemals wird ein Weißer den Schlüssel zu dieser Geheimsprache der Trommeln entdecken. Nicht nur im Gehör ist der Eingeborene den Weißen überlegen, er ist auch ein Läufer von unglaublicher Ausdauer. Ich habe eingeborene Boten gekannt, die nach vollbrachtem Tageslauf von 130 Kilometer noch frisch bei Kräften waren. Dabei erscheint dem Boten eine geschwinde Botschaft als etwas Heiliges; er trägt sie in einem gespaltenen Stock eingeklemmt, den er nicht aus den Augen läßt. Seine einzige Waffe ist ein großes Messer, bas er über ber Schulter trägt unb mit dem er sich den Weg bahnt, wenn er durch hohes Gras kommt. Das Merkwürdige ist, daß er mit dieser Waffe sicher an Löwen und Leoparden vorüberlaufen kann; sie werden ihn niemals angreifen, sondern den Läufer mit dem Messer übersetzen, während sie einen Mann mit Feuerwaffen überfallen. Die Verkörperung alles Aberglaubens unb aller Zauberei bebeutet aber der Zauoerdoktor unb feine schwarze Magie, von der ich immer wieder die unglaublichsten Beispiele erlebt habe. Den stärksten Eindruck machte mir der Fall eines Jungen, dem ber Zauberdoktor im Dorf eines Tages erklärte, er würde bei Sonnenaufgang am nächsten Morgen sterben. Der junge Mensch war vollkommen gesund. Er wird so sicher sterben bei Sonnenaufgang wie es regnen wird, erklärte der Zauberdoktor. Und fo unglaublich das klingt, der junge Bursche starb genau zu der Zeit, die der Zauberdoktor angegeben hatte..." C, K* möglicherweise entsprechende Philosophien und literarische Gruppen, sondern umgekehrt die Läuterung der Philosophie und Literatur durch die NSDAP, muß das Ergebnis der Arbeit der Partei sein. Das Verhältnis von Gemeiirjchaft und persönlicher Einzelleistung umriß Rosenberg dahin, daß eine Persönlichkeit fern von idealistischen Süchten auf der Grundlage des Gemeinschaftserlebnisses immer nur durch entscheidende, aus ihrem eigenen Innern stammende Gedanken, Werke und Taten wächst. Große Entschlüsse auf allen Gebieten des Lebens seien immer in der Einsamkeit, geboren worden. Ein mit Bewußtsein durchgeführter o r - ganischer Wechsel zwischen Gemeinschaft und Einsamkeit werde der nationalsozialistischen Erziehung nicht nur harte Männer, sondern auch schöpferische schenken. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley legte vom organisatorischen Standpunkt her die Wege der Reinerhaltung der Idee unb der Persönlichkeitsauslese der Partei dar. Dr. Ley bezeichnete die Organisation als den Garanten dafür, daß keine falschen Propheten der Bewegung in Erscheinung treten können. Neben der umfassenden Schul »ng sei vor allem die Auslese wertschaffend. Die Methoden der bürgerlichen Erziehung vor dem Kriege durch höhere Schulen und Hochschulen hätten lediglich zur Züchtung von guten Fachkennern geführt, sich aber zur Bildung eines volksführenden Elementes als völlig ungeeignet erwiesen. Als die Tugenden der Politischen Leiter bezeichnete der Redner Gehorsam, Fleiß, Einsatz, Opferfähigkeil, Ruhe und Ueberlegung in erregten und schweren Zeiten. Mit Stolz wies Dr. Ley darauf hin, daß die beiden Männer Heckmeier und Boers, die die Eigerwand bezwungen haben, Junker her Ordensburg Sonthofen waren. Gesundhetisführung in den Betrieben. Tagung des Hauptamtes für Volksgesundheit. Auf der Tagung des Hauptamtes für Volks- gefunoheit sprach der stellv. Leiter der Reichsaruppe Industrie, Pg. Dr. S e e l i g e r, über „Gesunoheits- führung im Betriebe". Er hob die Notwendigkeit der Erhaltung der Arbeitskraft des schaffenden Volkes hervor und wies dabei besonders auf die verantwortungsvollen Aufgaben des Betriebsführers hin. Staatsrat Meinberg, der stellv. Vorstand der Hermann-Göring-Werke, machte interessante Ausführungen über die gesundheitliche Betreuung der Arbeiter, die beim Aufbau dieses Werkes beschäftigt sind. Jeder Arbeiter werde vor der Einstellung von eigenen Aerzten der Hermann Göring-Werke untersucht und seine Leistungsfähigkeit festgestellt, damit ihm so der richtige Arbeitsplatz zugewiesen werden könne. Die Arbeiter stehen unter ständiger Betreuung der Aerzte, die selbst in den Lagerbaracken wohnen. Als Erfolg dieser Arbeit konnte eine ständige Verminderung der Krankenzahl festgestellt werden, die wesentlich unter dem Reichsdurchschnitt liegt. Der stellv. Leiter des Hauptamtes für Volksgesundheit, Reichsamtsleiter Dr. Bartels, zeigte an praktischen Beispielen an Betrieben, daß die für die Gesunderhaltung der Belegschaft angewandten Mittel sich als ungeheuer wirtschaftlich er» wi-esen. Die alljährlich durch die Minderung der Krankheitsfälle eingesparten Beträge beliefen sich auf mehrere Milliarden Reichsmark. Dr. Bartels wies weiter darauf hin, daß neben den Hausarzt der Betriebsarzt trete. Um den Volksgenossen einen Lohnausfall zu ersparen, müsse der Arzt seine Sprechstunden auch auf den Abend verlegen. — Mit besonderer Anerkennung sprach Dr. Bartels von den Werkscharmännern in den Betrieben, die dem Betriebsarzt wertvolle Anregungen und Vorschläge für die gesundheitliche Betreuung des Arbeiters zu geben vermögen. Das Leistungsprinzip auf deutschen Hochschulen. Sondertagung des NSD.-Studentenbundes. Unter Teilnahme des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß, und des Reichsminifters für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, R u ft, begann die Sondertagung des NS.-Stubentenbundes mit einer Kantate von Heinrich Spitta „Der Weg ins Reich". Reichsstudentenführer Dr. Scheel schilderte das große Kampferlebnis der nationalsozialistischen Studenten, düs sich nicht in der zweifelhaften Höhenlage liberalistischen Geistes, sondern als Erlebnis det Kameradschaft von Arbeiten der Stirn und der Faust vollzogen habe. Für alle Zukunft werde der NSD.-Studentenbund das Gewissen der Bewegung auf der Hochschule bleiben. Es werde sie zu einer dauerhaften Stätte nationalsozialistischer Erziehung und völkischer Bewegung machen. Die dieser Aufgabe dienenden Kameradschaften seien feine Neuauflage der Korporationen. Sie verkörperten die Einheit der Volksgemeinschaft und bekämpften rücksichtslos jeden Standesdünkel. An Stelle des Bildungsprinzips fei das Prinzip der Leistung getreten. Es solle in Zukunft keine Berufszweige mehr geben, die nur den Söhnen wohlhabender Eltern offenstehen. Ebenso dürfe der Jungakademiker nicht bis ins 3 0. Lebensjahr a l s Lehrling behandelt und bezahlt werden. Auch widerspreche «s den Grundsätzen der Partei, daß der Akademiker erst zwischen dem 2 9. und 3 0. Lebensjahr an d i e Gründung einer Familie denken könne. Daher sei das endgültige Ziel nicht nur eine radikale Senkung der Gebühren, sondern das gebührenfreie Studium überhaupt. Ser Kackeizug der politischen Leiter. Vorbeimarsch vor dem Führer. - Nürnberg in nächtlicher Festbeleuchtung. Nürnberg, 8. Sept. (DNB.> Der erst- von schönem Wetter begünstigte Tag des Reichsparteitages neigt sich dem Ende, als die in 17 Lagern am Rande der Stadt untergebrachten 80 000 Politischen Leiter zur Deutschherrenwiese, dem Ausgangspunkt des F a ck e l z u g e s , mit fröhlichem Gesang marschieren. Gegen 20 Uhr leuchten die vielen tausend roten Lichter in den Fenstern auf, die Scheinwerfer strahlen die herrlichen Baudenkmäler an und tauchen Fahnengruppen und malerische Ecken der Stadt in ein Meer von Licht. Zur selben Minuten entzünden sich in der Deutschherrenstraße die ersten Fackeln, und langsam perlt dann das Feuer in zwei gelb leuchtenden Bändern durch die Stadt. Ganz Nürnberg ist auf den Beinen und bildet eine dichte Mauer in den Marschstraßen. Inzwischen hatten sich vor dem Deutschen H o f sämtliche Reichs- und Gauleiter, das Führerkorps der Ordensburg und zahlreiche leitende Männer der Partei und ihrer Gliederungen versammelt. Als der Fackelzug in den Frauentorgraben einbiegt, setzt der Musikzug der Ordensburg Sonthofen ein. Der Führer tritt heraus, umjubelt von der seit Stunden harrenden Menschenmenge. Reichsorganisations- leiter Dr. Ley begibt sich auf den Balkon zum Führer und meldet den Fackelzua. Gau um Gau zieht vorüber, an der Spitze die Kämpfer aus dem Lande Oe st erreich. Der Führer müßt mit erhobener Rechten. Hinter dem Führer stehen Rudolf Heß und Dr. Ley. Den Abschluß des Fackelzuges bilden die Junker der Ordensburgen. Ein märchenhaftes Bild! Im Hintergründe die in bengalisches Rot getauchte alte Stadtmauer, von der sich die Zinnen am Abendhimmel abheben. Dann die angestrahlten Söller im Fahnensckmuck. Am Horizont ragt in bezaubernder Schönyeit die taa- hell beleuchtete Burg aus dem Dunkel der Nacht heraus! So hält Nürnberg in feinem festlichen Kleid feine Gäste noch viele Stunden in Frohsinn und Fröhlichkeit zusammen. Chinesische Entlastungsoffensive für Hankan. Japan landet neue Truppen zum Segenstoß in Nordchina. Dairen, 9. Sept. (DNB. Funkspruch.) Unter Einsatz ihrer achten Armee haben die Chinesen in Nordchina eine größere Entlastungsoffensive für das stark bedrohte Hankau angesetzt. Die Aktion der Chinesen richtet sich insbesondere auf die rückwärtigen japanischen Verbindungen in Form eines planmäßigen Angriffes auf die in nordfüdlicher Richtung verlaufenden Eisenbahnlinien Peking—Hankau und Tientsin—Pukau. Die japanische oberste Heeresleitung sah sich infolgedessen genötigt, erneut starke Kräfte in Nordchina einzusetzen, deren erste Staffel seit Donnerstag auf dem Seewege, aus Japan kommend, auf der Reede von Taku, dem Hafen von Tientsin ausgeladen würden. Dieser Einsatz entspricht dem in den letzten Augusttagen in Tokio gefaßten Beschluß dec japanischen obersten Heeresleitung, den Chinakrieg unter Einsatz aller Mittel noch vor Ablauf dieses Jahres zu beenden. Die Reede von Taku ist angefüllt mit qualmenden Transportschiffen, aus denen bisher schätzungsweise etwa eine Division als Vorhut an Land ging. Es werden noch weit stärkere Kräfte ausgeschifft, die mit der Eisenbahn auf dem schnellsten Wege in Richtung Üi en fing abtransportiert werden. Die allgemeine Lage ist noch nicht klar. Insbesondere ist noch nicht heraus, ob hinsichtlich der Frage der ausländischen Niederlassungen in Tientsin eine Radikallösung durchgeführt werden soll. In Tientsin wurden alle japanischen Zivilisten infolge der aufreizenden Haltung der Engländer und Franzosen aus der ausländischen Niederlassung abberufen. Die Engländer haben sich dort militärisch erheblich verstärkt. Es herrscht ein Zustand besonderer Hochspannung. Die Absichten der chinesischen 8. Armee gehen darauf hinaus, nach einheitlicher Leitung einen Kleinkrieg größten Stils zu führen. Als Vorbild dient hierzu das Eingreifen chinesischer Guerilla- Verbände, die in der letzten Zeit den Eisenbahnverkehr selbst in der Nähe von Großstädten durch ihre Aktionen stellenweise für längere Zeit völlig lahmlegten. Da die verhältnismäßig schwachen japanischen Besatzungen der Städte für den Schutz des flachen Landes nicht ausreichten und sich dort bereits regelrechte unter dem Einfluß Hankaus stehende chinesische Verwaltungen gebildet haben, wird daher von den Japanern ein neuer Einsatz starker Kräfte durchgeführt werden. Die chinesischen Bestrebungen auf dem flachen Lande wurden dadurch begünstigt, daß die riesigen Ueberschwemmungen des Sommers dort besonders schwierige Verhältnisse erzeugten. Die neuen Operationen auf dem nordchinesischen Kriegs- Aus all Oie Jubiläumsfeier in Amsterdam. Amsterdam, 8. Sept. (DNB.) Im Rahmen der Jubiläumsfeier wurde am Donnerstag auf dem 5) eine Flottenschau abgehalten. Die Koni- g i n begab sich mit ihrer Begleitung an Bord der historischen Königsschaluppe, die durch 20 Matrosen gerudert wurde, auf dem gleichn Strom vor Amsterdam, wo auf den Kriegsschiffen die Mannschaften Paradeaufstellung genommen hatten. Eine unabsehbare Menschenmenge umsäumte den mit Flaggen reichgeschmückten Hafen und jubelte der Königin zu. Im Anschluß an Sie Flottenschau vollzog die Königin den S t a p e l l a u f des 20 000 Tonnen großen Ostindien - Dampfers „Drange", ber jür den Dienst Amsterdam — Batavia bestimmt ist. In den bei dieser Feier gehaltenen Reden wurde betont, daß das den Namen des holländischen Königshauses führende Schiff ein neues Band zwischen dem Mutterland und der Kolonie bilden werde. Am Vormittag hatte die Königin das geschmückte Arbeiterviertel „Jordaan" besucht, wo sie freudig begrüßt wurde. Entgleisung eines Pilgerzuges in Frankreich. In der Nähe der bretonischen Stadt L o r i e n t ereignete sich ein schwerer Eisenbahnunfall. Ein Pilgerzug, der aus Notre Dame de Roncier kam, schauplatz dürften längere Zeit erforderlich machen. Die japanische Presse weist darauf hin, daß die energischen japanischen Aktionen in Nordchina schon aus propagandistischen Gründen erforderlich seien, um Hankau zu beweisen, daß dort keineswegs die gesamten japanischen Kräfte zum Einsatz gekommen sind. Die Japaner 90 Kilometer vor Hankau. Schanghai, 8. Sept. ^Europapreß.) Das japanische Hauptquartier in Nanking meldet neue Erfolge nördlich des Jangtse, wo die japanische Vorhut bis auf 90 Kilometer an Hankau herangekommen ist. Südlich des Jangtse scheinen die japanischen Truppen auf größeren Widerstand zu stoßen. Sie stehen noch immer vor der strategisch wichtigen Stadt T e i a n. Eine große Rolle in der japanischen Offensive spielt nach wie vor die Luftwaffe, die sowohl die chinesische Front als auch die chinesischen Nachschublinien unter ständigem Feuer hält. Auch die chinesischen Flieaer sind sehr aktiv. Don sechs chinesischen Bombenflugzeugen, die bei Kiukiang japanische Flußkanonenboote zu bombardieren versuchten, wurden drei abgeschossen. Ergebnislose Verhandlungen. Der englische Botschafter beim japanischen Außenminister. Tokio, 8. Sept. (Europapreß.) Die englisch- japanischen Beziehungen bildeten den Gegenstand einer zweistündigen Unterredung zwischen dem japanischen Außenminister General Ü g a f i und dem englischen Botschafter in Tokio, Sir Robert Crai- g i e. Wie aus unterrichteten Kreisen verlautet, ist diese Unterredung ergebnislos verlaufen. Die Aussichten auf eine japanisch-englische Annäherung werden in politischen Kreisen als wenig hoffnungsvoll bezeichnet. Als größtes Hindernis gilt die japanische Forderung nach Einstellung der englischen Hilfeleistung für die chinesische Zentralregierung, von der Japan eine Aenderung seiner Haltung gegenüber den englischen Interessen in den von Japan besetzten Teilen Chinas abhängig machen soll. Wie verlautet, wird der japanische Botschafter in London, Yoshidi, der im Oktober in Tokio erwartet wird, voraussichtlich nicht auf seinen Posten zurückkehren. Als sein Nachfolger gilt der gegenwärtige japanische Botschafter in Moskau, Shigeru i t s u. er Wett. entgleiste aus bisher noch unbekannten Gründen in der Nähe des Bahnhofs Reguiny. Die ersten drei Holzwagen des Zuges wurden fast vollkommen zertrümmert. Drei Personen wurden getötet. Die Zahl der Verletzten übersteigt 30. Arbeitsloser gewinnt 250 000 Franks. Der Haupttreffer der 9. Ziehung der französischen Staatslotterie, der sich auf 20 Personen verteilt und in einem Tabakladen eines Pariser Vorortes verkauft wurde, hat einen arbeitslosen Zementarbeiter und Vater von 6 Kindern aus oroßem Elend geholfen. Der glückliche Gewirr- ner, Der feine Familie nicht einmal mit dem Notwendigsten versorgen konnte und eine hohe Arztrechnung für zwei erkrankte Kinder zu zahlen hatte, erhielt einen Gewinnanteil von 250 000 Franks ausgezahlt. Mussolini hilft bei einer Rotlandung. Wie nachträglich bekannt wird, hat Mussolini vor kurzem persönlich einem Wasserflugzeug der Linie Tripolis—Rom Hrlse gebracht, das infolge Motorschadens sechs Kilometer vom römischen Flug- haden Ostia entfernt am Strand von Castelfusano notlanden mußte. Der italienische Regierungschef pflegt hier oft einsam zu baden. Trotz der bewegten See war es dem Piloten gelungen, platt zu wassern, aber der hohe Wellengang zwang ihn, sich nach der Küste zu wenden und durch Notsignale Hilfe zu rufen. Plötzlich wurde ein Mann gesichtet, der dem Flugzeug entgegenschwamm und auf seine Not- signale durch Zeichen zu verstehen gab, daß er schon Hilfe aufgeboten habe. Dieser einsame Schwimmer war Mussolini, der dem Flugpersonal persönlich half, das Flugzeug am Strand zu verankern und die Passagiere in Sicherheit zu bringen. Denig Hoffnung auf den Goldschatz der „Lutine". Die Hoffnungen, mit Hilfe des Riesenbastgers „Karimata" den Goldschatz der „L u 11 n e" zu heben, schwinden mit jedem Tag. Der Meeresgrund bei der neuen Suchstelle ist so gut wie ab- qebagqert, ohne daß man mehr gefunden hat als Wrackholz und andere Ueberbleibfel. Es bleibt jetzt nur noch die Richtung auf die Insel Terschelling hin abzusuchen. Bisher war das Wetter ungünstig und es scheint lehr fraglich, ob der Bagger feine Arbeit fortsehen rann. Es dürfte feststehen, daß man das Achterschiff der „Lutine", in dem die Schatzkammern gewesen fein sollten, noch nicht gefunden hat. Beim Aepfelpslücken erhängt. In einem Dorfe in Galizien kletterte ein elfjähriger Junae im Obstgarten auf einen Baum, um Aepsel zu pflücken. Er hatte eine Schürze vorgebunden, in die er das Obst sammelte. Plötzlich brach der Ast, auf dem er stand. Beim Fall blieb an einem vorstehenden Ast die Schürze hängen und legte sich als Schlinge dem Knaben um den Hals. Che die Spielgefährten Erwachsene zur Rettung herbeiholen konnten, war der Knabe erwürgt. 3n dn Schlangennesl gegriffen und vor Schreck gestorben. In dem ungarischen Dorfe Bcttya fand eine Bauersfrau durch einen ungewöhnlichen Vorfall den Tod. Die Frau erntete zusammen mit ihrem Mann Bohnen. Dabei griff sie unversehens in ein Schlangennest und erschrak so sehr, daß sie einen Nervenanfall bekam und in wenigen Minuten starb. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß der Tod durch den plötzlichen Schreck eingetreten war. In dem Schlangennest wurden nur harmlose Nattern gefunden. Zwei Todesopfer eines Autounglücks. Auf der Fernverkehrsstraße ereignete sich in Brohl (Rheinprovinz) ein Verkehrsunglück, bei dem zwei Personen getötet wurden. Ein Personenkraftwagen, der aus Niederbreifig kqm, wollte im 80-Kilometer-Tempo ein vor ihm fahrendes Auto überholen, als aus der Gegenrichtung ein Lastzug herannahte. Auf der regennassen Straße kam der Personenkraftwagen ins Schleudern und rannte gegen den Lastzug. Der Versicherungsbeamte Kramer aus Köln wurde mit schweren Kopf- und Brustverletzungen aus den Trümmern geborgen; er starb kurz darauf an der Unfallstelle. Der Lenker des Personenautos, Dr. Sorge aus Köln, konnte erst nach Zersägen des Vordersitzes aus den Krümmern befreit werden. Er starb nach wenigen Stunden. Französischer Dampfer in Flammen. — hundert Todesopfer. Nach einer bfsher unbestätigten Meldung aus Hanoi ist der französische Dampfer „Claude Chappe" (4300 Tonnen) in der Nähe der Paracel-Inseln in Brand geraten und gescheitert. Die gesamte, etwa vierzigköpstge Besatzung sowie etwa 60 Fahrgäste sind umgetommen. Unter den Fahrgästen befanden sich auch mehrere französische Armeeoffiziere sowie eine Abteilung Soldaten, die zur Verstärkung der französischen Besatzung auf den Paracel-Inseln bestimmt war. lieber die Ursache der Katastrophe herrscht noch Ungewißheit. Kleine politische Nachrichten. Mit Zustimmung der beiderseitigen Regierungen werden vom 9. bis 12. September 6024 italienische Bauarbeiter nach Deutschland abreifen, um beim Bau der „ReichswerkeHer- m a n n Göring" in Salzgitter und der Volks- roagenfabrit in Fallersleben eingesetzt zu werden. Am 1. September 1938 betrug die Zahl der Rundfunkempfangsanlagen im Deut- fchen Reich (Altreich) 9 552 444 gegenüber 9 513 989 am 1. August. Jrn August ist mithin eine Zunahme von 38 455 (0,4 v. H.) eingetreten. Unter der Gesamtzahl vom 1. September befanden sich 640 260 gebührenfreie Anlagen. Der Reichsminister der Justiz hat den geschäftsführenden Präsidenten der Reichsnotarkcvmm-r Lothar W o lp er s aus Remscheid/Lennep auf vier Jahre endgültig zum Präsidenten der Reichsnotartammer berufen. Die Berufung bedeutet eine Anerkennung der Verdienste, die sich Notar Wolpers um das deutsche Reichsnotariat erworben hat. * Die von der Reichsregierung zur Verbilligung der Speise fette für die minderbemittelte Bevölkerung und der Sicherung des Bezuges von Konsummargarine getroffenen Maßnahmen werden für die Monate Oktober, November und Dezember 1938 im bisherigen Umfange fortgeführt. * Nach brasilianischen Zeitungsmeldungen hat ber Präsident der O5X.-Exportbank, Pearson, der zu einem Besuch in Brasilien weilt, in einer Audienz beim Staatspräsidenten Vargas die Finanzierung eines A n k a u f s der brasilianischen Regierung von 32 Lokomotiven und 1 00 0 Eisenbahn- roaggons im Wert von 6 Millionen Dollars durch die Od^.-Exportbank garantiert. Kartoffeln im Kuchen ? -Jau/ohl! nut Vf. Oetkers Backpulver- jßaduti! Backen Sie einmal KarhjffeUiamchen: lutoten mm Teig: 300 S IDeijenmehl 1 Päckchen Dr. 0 edier'» .. Badiin ", 100 t Zucker, 1 El einige Tropfe* Dr. Oetkers Backöl Zitrone, 2 tropfen Dr. Oetker*, Sacköl Bitter« manbei 65 < Butter, 250 e gekochte Kartoffeln (oom Tage vorher) Zur tülluna: 125-1501 beliebige Marmelade, Ium Bestreiken: 1 Eigeld und 1 Effi Milck. luberritun«: Mehl und .Backin" coerben gemilcht und auf ein Bachbrett gefleht. In die Mitte macht man eine Vertiefung, in die man Zucker. Ei und die 6ewürze gibt Man verrührt mit etwa, Mehl,Backin"-6emisck ju einem dicken Brei gibt die halte, in Studie geschnittene Butter darauf und bestreut mit etwa, Mehl Die fern geriebenen Kartoffeln legt man außen um bas Mehl Dann verknetet man alle, (chnelliu einem glatten Teig. Man stellt ihn etwa 1 Stunde kühl flnfchlieflenb rollt man den leig etwa 4 mm dick au» und bildet mit dem Bachrädchen Dreiecke, deren stöhe und Brunbflädie die länge eine, ..Bachin"-Beutel, haben. Die Mitte jede, Dreieck, belegt man mit gut einem halben Teelöffel Marmelade, rollt auf und formt Hörnchen, die mit verquirltem Eiaeld bestricken auf ein gefettete, Backblech gelegt werben. Da» Rezept ergibt etwa 30 Körnchen. (Bei 0«Wendung alter Kartoffeln empfiehlt e» stck, gleichzeitig mit dem 61-2 Effi milch in ben Teig iu geben.) Backzeit. 25-20 Minuten bei guter Mittelhitze. Bitte au»ftfiaelbeal Buntes Allerlei 1 5787 A . (Weserstraße 6), Berlin, im September 1938. Gießen Ml 22 y G/ESSEN*MXUÖßURG ICf 5754 A Zeichner für kl. Eisen- und Holzkonstruk- tionen oder zeichn, befähigten Herrn zum Umschulen gesucht. Angebote unter 5762V an den Gietzener Anzeiger. Knoblauch-Beeren • Jünger“ i and frisch 1 ille wirksamen des reinen un- Knoblauchs in her. gut »er« er Form, Schlaffer und Hilfsarbeiter gesucht. Eintritt kann sofort erfolgen. Vorstellung von 8-13 und von 14.30-16.30 Uhr bei Franz Vogts 60. 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Lufttemperaturen am 8. September: mittags 16,6 Grad Celsius, abends 10,9 Grad: am 9. September, morgens 10,8 Grad, Maximum 20,2 Grad, Minimum heute nacht 8,1 Grad. - Erdtemperaturen ,n 10 cm Tieft am 8. September: abends 14,6 Grad am 9. September: morgens 12,3 Grad. — Sonnenschein- dauer 5,7 Stunden. ftnuntfdirmietter vr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- fch °n Lantwortlich sllr Politik und für die Bilder: Dr Fr W. Lange; für Feuilleton: Or Hans Thynot; für'den'übrigenTeil: Ernst Blumschein Anzeigenleiter: fians Beck Verantwortlich für den Inhalt der,An- keinen Theoder Kümmel. D.A.VIH.38: 8916. Druck und Verlag- Brühlsche Universttatsdruckerei R.Lange, K -G sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2 05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illu- ftrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf-, mit der Illustrierten 5 Pf. mehr our 2ei? ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültip v tanfallg' Schon kündet er sich an in den 7 Schaufenstern Bettes, noch mehr aber in den gefüllten Regalen der Verkaufsräume. Neue Modewaren, moderne Damenblusen, Handschuhe, Strümpfe, elegante Damen- und Herrenwäsche, interessante Handarbeiten und vieles andere treffen Sie bei Bette in bekannter Auswahl und Preiswürdigkeit an. Um Ihren Besuch wird höflich gebeten! gesucht Krevert&Sohn __ 5785V HLeupin-Creme u. Seife seit25Jahren bewährt bei Pickel autjucken - Ekzem Gesichtsausschlag, Wundsein usw. In den Drogerien: W. Kilbinger Nachf., Seltersweg 79a; Winter- hoff, Kreuzplatz 10; Bornemann, Bahnhofstr. 17; C. Seibel, Frankfurter Str. 39. In Laubach: Solms- Laubacher Drog. K. Klein. *3$iV die Funde der Auffüllungsschicht, die aus dem e (.;$ ,um frühen 5. Jahrhundert stammen. Ihre Lage ließ deutüch erkennen, daß sie.einst ohne M Rücksicht an dieser Stelle fortgeworsen waren, daß man also vor einem „antiken Müllhaufen" stand Aber dieser Müllhaufen enthielt Kostbarkeiten, die für den Archäologen von großer Bedeutunasind, Dr Roland Hampe zählt sie in einem Bericht der „Forschungen und Fortschritte einzeln aus. Unter den Fundstücken waren: Eisengeräte und Eisenwaffen, allein über 200 Lanzenspltzen; bronzene Rüstungsteile, darunter 22 Helme von denen einer der älteste bisher bekannte Helm korinthischer Form ist; reliefgeschmückte Zierbänder vom Schild- innern, große bronzene Schildzeichen, die emst aus hölzerne Rundschilde genagelt waren; Reste von Kesseln und Dreifüßen; kostbare Beschlagbleche, mit frühen Sagenbildern und anderen zum Teil ganz neuartigen Motiven verziert; Zierglieder abgetragener Bauten, darunter ein ganz einzigartiges weibliches Terrakottaköpfchen mit noch ganz frischen Farben; ansehnliche Proben der für Olympia bisher fast unbekannten Keramik. Eine Reihe von Funden waren Weihgaben von Siegern in den sportlichen Wettkämpfen; bei der überraschenden Menge der FunÄstücke muß man annehmen, daß eines Tages ältere Weihgeschenke wegen ihrer Ueberfülle abgeräumt und fortgeworfen wurden. Darunter befindet sich eine feine Bronzestatuette eines startenden Wettläufers von 10 Zentimeter Höhe, die aus dem frühen 5. Jahrhundert stammt; eine kurze Zuschrift auf dem Schenkel und der Stil der Statuette sind argivisch, und man kann annehmen, daß der Stifter ein argivischer Wettläufer öiefer Zeit, Dandis von Argos, war, der 476 und 472 in Olympia gesiegt hat.________________ Leichtsinn kann das Leben kosten! Eine jugendliche Hausaehilfin wurde mit Rrini- aungsarbeiten in einem Wasserpumpenraum beschäftigt und säuberte die dort angebrachte Schalttafel. Sie bat den Hausdiener, den Strom abzustellen, der daraufhin nur das Licht im Raum ausschaltete. Als das Mädchen mit einem nassen Lappen die Ruckwand der Hauptschalttafel zu reinigen versuchte wurde es bei der ersten Berührung stromführender Teile durch elektrischen Schlag getötet und in die Maschine der Wasserpumpanlage geschleudert. Ein Steindrucker kratzte sich während der Arbeit einen Pickel im Gesicht auf. Die kleine Wunde entzündete sich und führte zur Blutvergiftung und zum Tode. Aerztliche Hilfe war zu spat m Anspruch^genommen worden. Ein Presser stieß sich den Ellen-, bogen an einer Maschine. Als fid) nach drei Tagen Schmerzen im ganzen Arm und in der Achselhöhle einstellten, ging er zum Arzt. Sieben Tage nach dem Unfall starb der Verletzte an Blutvergiftung. Ein Malergehilfe war mit dem Streichen von Straßenbahnleitungsmasten beschäftigt. Don der Werksleitung hatte er den Auftrag erhalten, die Masten jeweils bis auf eine Hohe von 1 Meter unter den Auslegern zu streichen, die die ström- jährenden Leitungen trugen. Die Spitzen und d,, Ausleger der Masten sollten m den D-triebspaus n, nach Ausschalten des Stromes gestrichen werden. Bei seiner Arbeit stieg der Maler entgegen dem aus- drllcklichen Verbot hoher die Leiter hinaus um ine Mastspitze mitzustreichen. Dabei kam er^ftromfuhre^ den Teilen eines Schalters zu nahe Er erlitt einen elektrischen Schlag und fiel rückwärts von der Vetter zu Boden. Ein doppelter Schade bruch war die tödliche Folge des Leichtsinns des Malergehilfen. Einern Arbeiter wurde sein Fahrrad. welch-- sich nicht in einem betriebssicheren Zustand b-I-nd.zum Verhängnis. Er stürzte mit dem Rade, nachdem er auch noch einen Arbeitskameraden unt-rw°gs anjuhr. tnhiirh Bei der Unfalluntersuchung stellte sich yer tQnb 9 Ein »antiker Müllhaufen". Bei den neuen deutschen Au^r°oungen m Olym^ le6teÄ^m 8r°fe,S^l39Ä" ‘ E-KroLhu'els. e7m?M Meter noällch nom Stadionablaus, in eSm durch abströmendes Regenwasser gegrabenen ckluchtartigen Bett eine Schicht, die eine reiche Nisbeute ergab. Erzgießer hatten im 6. Jahrhundert den Platz afs Arbeitsstätte gewählt dann war das Gelände künstlich aufgeschüttet und früher ?)teber rin Werkstattbetrieb eingerichtet zum Schluß war das ganze vom Wall des großen Stadions überschnitten? lieber die Bronzewerkstatt, in der fur eden Guß rin besonderer Gießofen je nach 1 einer Größe eingerichtet wurde und die hier zum ersten Male nach den vorhandenen Resten und nach Dajen- bildern rekonstruiert werden konnte, ist bereits berichtet worden. Nicht weniger wichtig aber waren Wer beaufsichtigt häusliche EateinatDeit eines Schülers d. 13. Klasse (Oberschule). Schriftl. Angeb. u. 04087 an d. Gieß. Anz. Junge Kä^dien unentgeltlich abzugeben 04116 Babnhofstr. 67. wenn Wolle dann .Dittmar GIESSEN A ^^Seltersweg 5-Zimmer- Wohnung Mitte der Stadt 2. Stock ab Ende Oktober zu vermieten. Angb.unt.5783v andenGietz.Anz. | Mietgesuche""] Ein trockener Raum zum Unterstellen von Möbeln ges. 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Nach dem Einmarsch der rund 600 Feldzeichen der Bewegung erklingen die feierlichen Klänge der „Coriolan"- Ouvertüre von Beethoven, gespielt vvm NS.-Reichs- symphon.ieorchester unter Stabführung von Kapellmeister Kloß. Der Stellvertreter des Führers eröffnet den Kongreß und erteilt zunächst Reichsleiter Dr. Frank das Wort. Nationalsozialistisches Recht. Reichsleiter Dr. Frank gab einen interessanten Ueberblicf über die Aufbauarbeit des nationalsozialistischen Staates auf dem Gebiete des Rechtswesens. Am stärksten kommen die Erfolge der nationalsozialistischen Rechtspolitik im Rückgang der Kriminalität zum Ausdruck. Die Gesamtzahl der rechtskräftig Verurteilten ist von über 564 000 im Jahre 1932 auf unter 380 000 im Jahre 1937 zurückgegangen, eine Ziffer, deren Tragweite man erst richtig ermessen kann, wenn man dem gegenüberstellt, daß nach einem Memorandum des Senates der Vereinigten Staaten von Nordamerika das amerikanische Volk an die Verbrecher selbst einen Tribut von 13 Milliarden Dollar (!) entrichten muß, ungerechnet die »Schädigung der amerikanischen Wirtschaft durch verbrecherische Erpressungen und brutalen Terror der untdr kommunistischer Kontolle stehenden Gewerkschaften. Bei der Aufzählung der einzelnen Gesetze des abgelaufenen Jahres wird deutlich, welche Fortschritte auf diesem Gebiet erzielt worden sind. Allen voran steht das Gesetz vom 13. März 1938, das die Wiedervereinigung Oesterreichs mit dem Reich festlegt. 3n diesem Zusammenhang ersteht aus den nüchternen Zahlen der ö st e r r e i ch i s ch e n 3 u st i z b e r i ch t e, die Dr. Frank erwähnt, das furchtbare Leid, das die nationalsozialistischen Vorkämpfer in der Ostmark erdulden muhten: 1 9 Todesurteile gegen nationalsozialistische Kämpfer, davon 13 durch den Strang vollstreckt: 86 Verurteilungen z u le- benslänglichem Kerker, 7000 zu z. T. jahrzehntelangen Kerkerstrafen, Vermögensbe- fchlagnahmen in höhe von 3 800 000 Schilling, die Vernichtung von Tausenden von Existenzen. Mit stürmischer Zustimmung wurde die Feststellung ausgenommen, daß jetzt durch das Gesetz über die Verantwortlichkeit von Mitgliedern der ehemaligen österreichischen Bundes- und Landesregierungen die Verantwortlichen der Dollfuß- Sch u s ch ni g g - P e ri o d e zur Rechenschaft gezogen werden können. Dr. Frank streifte bann die zahlreichen gesetzgeberischen Maßnahmen, unter denen vor ollem die Schaffung des Jugendrechtes und die Neuordnung des Eherechtes hervorgehoben sei. Dieser Rechtssicherheit des deutschen Volkes stellte Dr. Frank zum Schluß den Zusammenbruch der Rechtsordnung in Sowjetrußland gegenüber. Allein zwischen dem 1.0 ktober 1937 und dem 1. Februar 1938 wurden in Sowjetrußland durch tschekistische „Liquidierungen" über 16000 Men- schen getötet, über 85 000 Menschen zur Zwangsarbeit verurteilt und damit einem grauenhaften Schicksal überliefert, unter dem nach den amtlichen Zahlen der Komintern siebeneinhalb Millionen Menschen schmachten. „In Moskau haben die gemeinen Verbrecher über dos anständige Volk gesiegt", stellt Dr. Frank fest. Anschließend gab der Stellvertreter des Führers dem Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, Dr. Todt, das Wort. Die Straßen des Führers die leistungsfähigsten und verkehrssichersten der Welt. Die planmäßige Durchführung des größten Bauvorhabens, das jemals angepackt wurde, spiegelt sich in den Ziffern wider, die Dr. Todt in seinem Rechenschaftsbericht über die Straßen Adolf Hitlers nennt. Er betont selbst mit Recht, daß bei den Zah- lenangaben über dieses gigantische Werk dem Laien schwindlig werden kann: Die bisher geförderten Erdmassen haben den Umfang von 300 Millionen Kubikmeter erreicht, eine Ziffer, die Leben gewinnt, wenn man hört, daß sie einem Erdkörper von der Grundfläche des Wannsees bei Berlin und seitlichen senkrechten Wänden von 104 Meter Höhe entspricht! Auch von den verarbeiteten Betonmengen von 14,5 Millionen Kubikmeter gewinnt man erst eine richtige Vorstellung durch den Vergleich, daß sechs Cheops-Pyramiden aus diesem Material erbaut werden könnten. Der mithin verarbeitete Zement könnte 300 000 Eisenbahnwaggons füllen, ein Zementzug, der vom Nordkap bis nach Venedig reichen würde. Die wachsende Bedeutung der Reichsautobahnen wird durch eine andere Ziffer erhellt: Rund eine halbe Million Fahrzeuge sind zu Pfingsten über die Autobahnen gefahren — und dabei ereignete sich nur ein einziger schwerer Derkehrs- unfall durch ungeschicktes Fahren. Die Straßen des Führers sind also nicht nur die leistungsfähig- st e n, sondern gleichzeitig auch die verkehrssichersten Straßen der Welt. Dr. Todt teilte weiter mit, daß im Laufe der nächsten Monate der 3 0 0 0. Kilometer der Reichsautobahn dem Der- kehr übergeben werden wird. Wie die Mitteilungen Dr. Todts über die Erschließung der deutschen O st - mark durch Reichsautobahnen, wurde auch mit besonderer Freude die Feststellung ausgenommen, daß durch die von ostmärkischen Ingenieuren durchzu- führenden unbedingt wintersicheren Verkehrswege unter Benutzung gewaltiger Tunnels alle Gaue der O st mark mit dem Reich verbunden werden, so auch das bishet verkehrsmäßig vollkommen vernachlässigte Burgenland. Das * gewaltige Straßenbauprogramm ist Schrittmacher für das gesamte Bauwesen geworden, so daß heute z. B. die Zahl der im Bauaewerbe Beschäftigten von 500 000 auf 2,5 Millionen gestiegen ist. vom 21. Mai 1938: „In Deutschland erhält man Weißbrot nur dadurch, daß man schwarzes Brot mit Chlor behandelt. Da dabei immer etwas Chlor im Weißbrot zurückbleibt, find unter der Bevölkerung zahlreiche Fälle von Vergiftung vorgekommen." Die tschechische Zeitung „Lidove Nooiny" vom 16. 1. 1938 entstellte einen Artikel der „Times" über die Kehrseite der Medaille des deutschen Vier- jahresplanes folgendermaßen: „Den Männern ist es erlaubt, sich nur ein Hemd im Jahre zu kaufen und sich nur viermal im Monat zu rasieren. Eine Frau darf nur fünf Paar Strümpfe im Jahre haben." Auch von einer anderen Spezies der sog. militärischen Presselüge haben wir in diesem Jahre zahlreiche Beispiele erlebt. Wie das bekannte Ungeheuer von Lochneß taucht bei diesen Hetzkampagnen immer wieder der berühmte deutsche Reichswehrgeneral auf, der Dokumente preisgibt oder kriegslüstern imperialistische Ziele der unersättlichen Pangermanisten enthüllt. Diesmal war es General von Reichenau. Das war das Signal für eine Hetze gigant i sch e n Ausmaßes. Indem man dem deutschen General unterschob, eine Reihe europäischer Nationen als Opfer deutscher Raubgelüste erklärt zu haben, peitschte man Furcht auf vor dem deutschen Ungeheuer und damit Haß gegen das deutsche Volk. Den ersten Preis im Lügenwettbewerb dieses Jahres aber müssen mir mit Abstand der politischen Großlüge vom 21. Maid.I. zusprechen. Hier ließ die Presselüge Armeen durch Mitteleuropa marschieren, um aus der Tatsache, daß sie nicht marschierten, Deutschland in den Augen der Welt nachträglich eine politische Niederlage anzudichten. Man behauptete in aller Welt mit einer Dreistigkeit ohnegleichen, Deutschland^ habe infolge der diplomatischen Proteste und Aktionen von London und Paris und infolge der entschlossenen Haltung Prags nachgegeben und deshalb seine Soldaten wieder nach Hause geschickt. Tatsache ist, daß der Führer, der sich aus dem Obersalzberg mit ganz anderen Dingen beschäftigte, von seinen angeblichen militärischen Maßnahmen erst durch die Presse erfuhr. Aber diese Lüge vom 21. wird noch heute geglaubt. Die Praxis der jüdisch- bolschewistischen Giftküche. Aus einer anderen Perspektive kommt die reine Greuellüge, die hemmungslose Mobil- machung des Hasses und der menschlichen' Leidenschaften. Sie verbreitet Abscheu und soll auf die Gemüter wirken. Diese Art der Lüge wurde im Weltkrieg aus der Taufe gehoben und ist seitdem nicht mehr vom Schauplatz der politischen Ereignisse abgetreten. Zur Zeit tobt die politische Greuelhehe wieder besonders stark gegen Deutschland. Line kleine Blutenlese aus diesem giftigen Sumpf möchte ich 3hnen nicht vorenthalten: Die tschechische „Narodny Politica" vom 10. 8.1938 schreibt unter der Überschrift: „Wird in Deutschland Hunde fett zu Explosivstoffen verarbeitet?" Mit einem kleinen Fragezeichen dahinter folgendes: „Nach einer Meldung der Kopenhagener Zeitung ,Dansk Avbeidje' ist in der letzten Zeit die Ausfuhr fetter Doggen aus Dänemark nach Deutschland in überraschendem Maße gestiegen. Die Hunde kauft eine große deutsche Fabrik in Husum. Es war jedoch nicht möglich, den genauen Zweck der genannten Käufe festzustellen. Es wurde bloß festgestellt, daß man in dieser Fabrik aus den Hunden Fett gewinnt, das dann weiterverarbeitet wird. Es liegt jedoch dann die Vermutung nicht fern, daß dieses zur Erzeugung von Glyzerin für Explosivstoffe verwendet wird, wie dies im Weltkrieg der Fall war." Zur Zeit marschiert ein großer Teil der amerikanischen Presse mit ihrer Lüaenhetze oegen Deutschland an der Spitze der Presse aller demokratischen Länder. Einen intereffanten Einblick in die Werkstatt dieser Art von Presse hat der Amerikaner Fletcher Pratt gegeben. Er schildert an einer Fülle amerikanischer Zeitunaslügen über Deutschland, wie die jüdisch-kommunistische Lügenpropaganda bereits in der Presse der Vereinigten Staaten Eingang gefunden hat. Er macht auf die bezeichnende Gewohnheit in der derzeitigen U8ä.-Presse aufmerksam, wonach die Berichte aus polittschen Rechtskreisen aller Länder stets als aus tenbemiöfer Quelle stammend gekennzeichnet werden, während die Mitteilungen der Linken unbesehen als zuverlässig und glaubwürdig den Lesern vorgesetzt werden. Die Lüge vom „Aus- marsch der 30 000 Deutschen nach dem svanischen Kriegsschauplatz" beispielsweise hat ein Londoner Datum. Die Badajoz-Geschichte von dem „weißen Massenmord in der Stierkampf-Arena" ist aus Lissabon übermittelt. Die Wiener „Frauen mit den Plakaten um den Hals" kam aus Prag. Die mittler* weile peinlich gewordene „Schuschnigg - Ernennung zum Nazi-Führer" dauerte aus London. Das Märchen von der „deutschen Riesenflotte, die man trotz des Flottenabkommens zu bauen beschlossen habe", ging über London via Washington. „The Week" ist eines der vielen neuen kleinen kommunistsichen Blätter aus einem wahren Schwarm, der sich über Europa verbreitet hat und jetzt auch in Amerika Fuß zu fassen beginnt. Diese kleinen Blätter sind nicht „copyrighted", also nicht urheberrechtlich geschützt, und zwar mit voller Absicht nicht, um den anderen Zeitungen einen Anreiz zu geben, ihre Spalten auszuplündern. — Die Nachrichten aber, die hier kostenlos und ohne Zitat zur Plünderung angeboten werden, sind plumpe Lügen und stammen aus der jüdisch - bolschewistischen Giftküche. Sehr aufschlußreich ist die Untersuchung, die Pratt über die Personalien und die Arbeitsweise der namhaftesten amerikanischen Kriegsberichterstatter in Spanien anstellt. Er kommt zu folgendem bemerkenswerten Ergebnis: Von sieben Korrespondenten, die über sich selbst Ausführungen gemacht haben, gingen fünf mit fertigen V o r urtei- len nach Spanien, und mir — so ruft Prall aus — Gott stehe uns bei, sind abhängig von diesen Kriegsteilnehmern in Zivil, von diesen Kriegsberichterstattern, die zeitweilig mehr Macht über da- zukünftige Leben ihrer Mitbürger besitzen als irgendeine andere Gruvpe Menschen auf der Welt. So ist insbesondere auch das ebenso unverichamte wie verantwortungslose Treiben der tschechischen Presse eine europäische Gefahrenquelle ersten Ranges geworden. Die Zeitung „Slovak", die es ja wissen muß, hat erst in den letzten Tagen dieser Presse folgende eindeutige Kennzeichnung gegeben: „Niemals ist jemand so fern der Wahrheit ge- wefen wie ein tschechischer 3ournalist. ob er nun über slowakische, deutsche, europäische oder Angelegenheiten der ganzen Welt berichtet Es gibt auf der ganzen Welt keine so schlecht informierte Oeffeutlichkeit wie die tschechische." Die Staatsmänner der Demotratien bedauern... Und was taten die Staatsmänner der Demokratien, um diesem Treiben Einhalt zu gebieten? Sie bestreiten nicht, daß die Weltgefahr der Preyeluge vorhanden ist. Sie beklagen die Auswüchse und mahnen zur Einsicht. Aber niemand handelt. Es ist seltsam, daß die Demokratien stets ihre heiligsten Gefühle bedroht fühlen, wenn man ihnen Vorschläge zur Bekämpfung der Presselüge macht. Sie unterschieben uns dann immer in unwahrhaftiger Weise, wir wollten ihrer Presse einen Maulkorb umhängen, während wir nichts anderes bezwecken, als den Lügensumpf in ihrer Presse an die Kette zu legen. Und warum handeln die Regierungen der Demokratien nicht? Mit dieser Frage sind mir an einen Punkt angelangt, wo das Problem der Presselüge aufhört, ein Problem der Presse zu sein. Hier scheinen mir an eines jener Geheimnisse derDemokratiezu rühren, die man nicht lüften kann, ohne das System selbst zu treffen und bloß- zustellen. Vielleicht haben diejenigen recht, die.'sagen, im Kampf gegen die Lüge ist der Arm der parlamentarischen Demokratie gelähmt. „Auf dem Kampfplatz des internationalen Wett- bewerbs und Konflikts", so sagte Baldwin 1925, „haben die Menschen die Vaterlandsliebe als die unerläßliche Tugend der Staatsmänner über die Wahrheitsliebe gestellt." Und es war ein Vertreter dieser selben Demokratie, der das Wort niederschrieb: „In Kriegszetten ist das Versäumnis zu lügen eine Nachlässigkeit, das Bezweifeln einer Lüge ein Vergehen und die Erklärung der Wahrheit ein 23er- brechen." Wenn die Lüge zum Wesen der Demokratie gehört, dann allerdings wird man begreifen, warum wir vergeblich auf ihren Kampf gegen die Presselüge warten. Dann verstehen wir, warum sie die Pressefreiheit trotz ihrer Entlarvung mit Nägeln und Zähnen verteidigen. Es hat nie eine wirkliche Pressefreiheit gegeben, und es gibt heute keine Pressefreiheit! Nirgendwo und in keinem Lande der Welt! Die Presse ist immer abhängig und immer irgend jemandem verpflichtet. Es fragt sich, nur wem?! Ob unverantwortlicher Partei- und Ge- schastspolitik, ob den anonymen Wachten des Geldes und der Zerstörung aller menschlichen Ordnung und Woral oder den für das Leben der Völker sich verantwortlich fühlenden Staatsmännern und politischen 3nstan;en der Nation. Dir haben uns für das Letztere entschieden. Deutschlands Weltmmps gegen die Lüge. Daß gerade mir Nationalsoziolisten in diesem Auf ktärungsf eldzug gegen Die Weltgefahr der Presselüge vorangehen, hat seinen tieferen Grund. Kein Volk der Erde hat mehr unter dieser Verhetzung und Vergiftung der Wellmeinung gelitten als gerade das unsere. Es glaubte, durch seine Leistung und Fähigkeit die Achtung und Freundschaft der Welt gewinnen zu können. In seiner leider oft weltfremden Anständigkeit hat es auch bei anderen Völkern nicht vermutet, was ihm selbst fremd war. Aber der gerade und offene Weg dieser Vertrauensseligkeit war immer und immer wieder mit Enttäuschungen gepflastert. So war es vor dem Kriege, so war es im Kriege, so blieb es nach dem Kriege. Aber heute sind wir gegen die Lügen wachsam geworden. Aus den bitteren Erfahrungen unserer Vergangenheit haben wir die Lehre gezogen. Wir haben durch unsere Aufklärungsarbeit im deutschen Volke Wandel geschaffen und unsere Abwehrmittel gegen die Lüge entwickelt. Solange die anderen nicht den Kampf gegen die verbrecherische Lüge aufnehmen, glaubt kein deutscher Volksgenosse auch nur eine Zeile von dem, was dort in der Lügenpresse gedruckt wir! Sie mögen zetern und schreien so viel sie wollen — wir sind taub geworden dagegen! Ihre Macht ist an unseren Grenzen zu Ende. Wir lassen uns auch nicht mehr ohne Gegenwehr verleumden! Dir haben unsere eigene Presse dazu erzogen, die 3nteressen unseres Volkes energisch wahrzunehmen. Wir haben sie dazu erzogen, Lüge zu nennen, was Lüge ist. wir haben heute gelernt, in der deutschen Presse so deutlich zu schreiben, daß wir in der Welt verstanden werden. Und wir können — wenn nötig — auch ebenso laut schreien wie sie. damit wir gehört werden. Wir haben eine Reihe von Proben unseres Abwehrwillens gegeben, und ich glaube, man hat unsere Sprache verstanden. Wir Nationalsozialisten haben die Lügenpresse ir. Innern nie-bergerungen. und wir werden ihr auch draußen zu begegnen wissen. Wenn die anderen den Haß und die'menschlichen Leidenschaften gegen uns mobil machen, dann kämpfen wir mit der gleichen Leidenschaft für die Mobilmachung der Gewissen. Dieser Kamps der deutschen Presse ist ist ein Kampf, der jeden deutschen Mann und jede deutsche Frau angeht. Ihn zu stärken, ist eine roabr- haft nationale Pflicht! Denn die Presse Deutschlands ist heute die Bresse der deutschen Nation und ihre Macht die Macht des deutschen Volkes. Der Führer empfing die faschistische Abordnung. Nürnberg, 8. Sept. (DNB.) Der Führer empfing im „Deutschen Hof" die auf seine Einladung zum Reichsparteitag in Nürnberg weilende Abordnung des faschistischen Italiens, an der Spitze das Mitglied des Großen Faschistischen Rates Minister F o r i n a c c i. Der Führer begrüßte die italienischen Gäste, unter denen sich auch Gesandter Magistrati und Generalkonsul Nenze 11 i befanden, auf das herzlichste. Entlarvung einer inlernalionalen Hetze. Dr. Dietrich spricht. Reichsleiter Reichspressechef Dr. Dietrich führte bann unter anderem aus Niemals zuvor hat das Wirken der Presse so unmittelbar in das politische Geschehen der Zeit eingegriffen. Es ist notwendig, daß wir uns hier mit diesem Problem eingehend auseinandersetzen, daß mir die gewonnenen Erkenntnisse so festlegen und unserem Handeln eine sichere Zielsetzung geben. Aber wie alle großen Erfindungen und Fortschritte, die der Menschheit Segen brachten, hat sie auch ihren Preis zahlen müßen. Das gleiche Nachrichtennetz, das über die Welt gezogen wurde, um die Wahrheit zu verbreiten, kann auch der Lüge dienen, wenn es verantwortungslos mißbraucht wird. Und darum ist die Bekämpfung der Presse lüge eine der allernotwendigsten Ausgaben, ein Werk der Selbstverteidigung aller Völker und des Schutzes der menschlichen Kultur. Die Presselüge ober Falsch- melbung ist deshalb so gefährlich, weil sie infolge der psychologischen Aufnahmebereitschaft der Massen für das gedruckte Wort suggestiv geglaubt wird, und zweitens, weil sie lawinenartige Wirkungen im Gefolge hat. , , ' Am 11. November 1918, 12 Uhr mittags, trat be- kanntlich an der Westfront der Waffenstillstand ein. Aber schon am 7. November, also volle vier Tage vorher, wurde durch die Falschmeldung des Korrespondenten einer großen amerikayischen Presseagentur der Eintritt des Waffenstillstandes nach Neuyork gekabelt und dort durch die Presse verbreitet. Die Wirkung war ungeheuerlich. Die Auslage der Zeitungen erreichte Millionenziffern. In den Büros und Kaufhäusern wurde die Arbeit eingestellt. Zur gleichen Zett also, während m den Argonnen und an der Maas die amerikanischen Soldaten bluteten und noch vier Tage lang zu Tausenden ihr Leben ließen, feierten die Vereinigten Staaten das Ende des Krieges in einem grenzen- losen und unvorstellbaren Freudentaumel! Dieses Beispiel von der Wirkung einer Falschmeldung auf einen ganzen Erdball hatte keine tra« Achen Folgen. Hier wurde den Menschen der Friede falsch gemeldet und glaubhaft gemacht. Mit der gleichen Leichtigkeit aber können sie durch eine Lügennachricht in schwerste Krisen getrieben werden. Die widerlegbare Lüge, also die plumpe Fälschung und freie Erfindung eines Tatbestandes, wird von vielen Leuten weniger gefährlich angesehen, metl — wie sie sagen — Lügen kurze Beine haben. Widerlegbare ober plumpe Lügen arbeiten nach dem psychologischen Erfahrungsgrundsatz, den schon die alten Lateiner kannten: „Etwas bleibt immer hänge n!" In die Sprache der Presse-Praxis umgesetzt, heißt es: „Die Lüge i st s ch n e 11 e r a l s ihr Dement i." hier ist noch hinzuzufügen: Wie die erste Nachricht immer die in der Presse wirksamste ist, so ist auch die Schnelligkeit der Lüge entscheidend für ihren Erfolg. Deshalb gilt in der Lügen- fabrikation unserer Gegner der Sah: „W e r schnell l ü g t, l ü g t d o p p e l t!" Wan muh die Wahrheit geradezu mit der Rakete hinterherfeuern, um die Lüge abzuschiehen, bevor sie ihr Ziel erreicht hat. Der unwiderlegbaren ober sogenannten Motiv- Lüge liegt ein an sich richtiger Tatbestand zugrunde. Aber er wird durch die Fälschung der Motive zu einer noch gefährlicheren Unwahrheit, weil man ihr oft nur schwer mit Gegenbeweisen beikommen kann. Ein Beispiel: Daß Oesterreich sich dem Reich anglieberte, ist eine unwiderlegbare Tatsache. Sie dem in der deutschen Geschichte unbewanderten Zeitungsleser als heimtückischen Ueberfall zu melden und als brutale Vergewaltigung zu schildern, ist eine Lüge, die sich lange aufrechterhallen läßt, wenn der Leser nicht Gelegenheit hat, sich persönlich van ihrer Unrichtigkett zu überzeugen. Die d i p l o m a t is ch e P r e s s e 1 ü g e ist auf die Vergiftung der politischen Atmosphäre gerichtet, in der internationale Verhandlungen ftdttfinben. Man will diese stören oder vereiteln, ehe sie überhaupt begonnen haben. Wir haben ein typisches Beispiel dieser Art erlebt, als Lord Halifax' Besuch m Berlin bevorstand. Wenige Tage vor der Abreise ließ ein Londoner Abendblatt die Bombe platzen, die alles über den Haufen werfen sollte. Sie schote ihren „diplomatischen" Korrespondenten vor, dessen Name zwar schamhaft verschwiegen wird, den aber doch jeder kennt. Es ist Herr P o ll a k o s s, ein Ostjude, in der internationalen Presse als „Augur bekannt. Er war es, der den angeblichen d e u t- schen Durchmarschplan durch die Schweiz in die Well setzte, der genau über deutsche Absichten auf Kolonien anderer Staaten Bescheid wissen wollte, der die deutschen B e - festigunqen in Nordasrika erfand. Die innerpolitische Zerrnurbungs- lüge, die sich tagein tagaus in immer neuen Verleumdungswellen vom Ausland her über uns er« qießt, ist bemüht, den Nachweis von Zerwur^üsen innerhalb der Regierung, der Partei, der Wehrmacht ober imteremanber zu erbringen. Dem deut- scheu Volk unb ber Welt soll vor Augen gesuhr ; werben, baß bie nationalsozialistische Macht nicht > festgefügt sei, baß bie Well kein Vertrauen in die : (Stabilität bes Reiches haben könne, baß Deut^h- ilanb kein verhanblungsfahiger Partner sei. Erinnern wir uns ber tollen P h a nt a f i e m e l - bungen dieses Jahres über revolutionäre Beset- zung der Wilhelmstraße ober Revolten n S^olp ^unb Alle nst ein, von der Flucht deutscher Generäle ins Auslanb, von B u r g e 111ieg , oon Massenverhaftungen, von Mord unb Totschlag überall. Unb bas ausgerechnet vier Wochen^vor ber größten politischen Dokumentierung ber Emheit ber Nation vor der Begründung des Großdeutschen Rei- “n ber letzten Seit vorwiegend mit angeblichen wirtschaftlichen unb zialen Schwierigkeiten in Deutschlanb. So schrettt beispielsweise die französische Zeitung „Oeuvre SJL-Sport Unsere Leichtathletinnen für Wien. Die Reichssportführung hat jetzt nach dem Aus- scheidungskampf in Bad-Nauheim die Auswahl unserer Leichtathletinnen getroffen, die das Hakenkreuz bei den Europameisterschaften am 17. und 18. September in Wien vertreten werden. In jedem Einzelwettbewerb werden drei Frauen nach Wien geschickt. Gegenüber der Mannschaft, die am kommenden Sonntag in Saarbrücken startet, hat es wenig Veränderungen gegeben. Die Vertretung lautet: 10 0m: Krauß (Dresden), Albus (Berlin), Künel (München). 2 0 m: Krauß (Dresden), Voigt (Berlin), Ehrl (München). 80 m Hürden: Gelius, Spitzweg (beide München), Westphal (Hamburg). Hochsprung: Ratjen (Bremen), Gräfin Solms (Berlin), Nowak (Wien). W e i t s p r u n g : Prätz (Salzwedel), Voß (Berlin), Kohlbach (Wien). K u g e l st o ß e n : Mauermayer (München), Schröder (Murürenheim), Wessel (Iserlohn). Diskuswerfen: Mauermayer (München), Mollenhauer (Hamburg), Sommer (Breslau). Speerwerfen: Gelius (München), Pastors (Berlin), Krüger (Dresden). 4X100 «m »Staffel: Kohl (Frankfurt a. M.), Krauß (Dresden), Albus (Berlin), Künel (München). AS.-Kampsspiele in Nürnberg. Eine strahlende Sonne lag am Donnerstag, dem „Tag der Gemeinschaft", über Nürnberg. Die Wärme wurde nach dem trostlosen Regen und den niedrigen Temperaturen der Vortage doppelt an- aenehm empfunden, und sie zauberte im Nu eine festliche Stimmung hervor. Der Vormittag gehörte den wehrsportlichen Wettbewerben auf dem Märzfeld, das dereinst das große Aufmarschgelände und der Festplatz künftiger Reichsparteitage sein wird. Vor einer Tribüne war eine mustergültige Kampfbahn mit allen „Schikanen" aufgebaut worden. Hier befanden sich Start und Ziel zum 4000-Meter-Ge- ländelauf, dem letzten Wettbewerb des Modernen Fünfkampfes, und hier machten sich auch die Teilnehmer am 20-Kilometer-Gepäckmarfch zum Wehr- mannfchaftskampf auf den Weg. Auch Start und Ziel der 25-Kilometer-Radfahrftreife waren in unmittelbarer Nähe der Tribüne. Daß unter diesen Umständen auf dem Märzfeld ein Riesenbetrieb herrschte, ist nicht verwunderlich. Am Nachmittag stand die Zeppelinwiese im Zeichen des „Tages der Gemeinschaft", und im Stadion der Spvgg. Fürch trugen die Handballer und Fußballer ihre Trostspiele aus. Die Ringer hatten den Saalbau Kolosseum vom frühen Morgen an mit Beschlag belegt und ermittelten in viel- stündigen, harten Kämpfen ihre Kampfspielsieger! Feldwebel Garvs Fünfkampfsieger. Der Moderne Fünfkampf wurde am Donnerstagvormittag mit dem Geländelauf über 4000 Meter beendet. ^-Scharführer Rhinow (Berlin), der nach vier Hebungen die Spitze hatte, kam mit einer Zeit von 15:41,3 Minuten nur auf den 24. Rang und fiel dadurch in der Gesamtwertung auf den vierten Platz zurück. Bester Geländeläufer war Feldwebel Garvs (Wünsdorf) mit 13:58,9 Min., und diese gute Leistung brachte ihm auch den Gesamtsieg vor Oberleutnant Cramer und Oberleutnant ßemp ein. In der Klasse B konnte Polizei-Oberwachtmeister Albrecht (Oberhausen) die Spitze ebenfalls nicht halten, da er im Laufen nur Zwölfter wurde. Leutnant Kuhn (Wels) überflügelte ihn durch einen guten fünften Platz im Laufen. Bester Läufer der Klaffe B war NSKK.-Truppführer Friede (Schweidnitz) mit 14:02,8 Minuten. SA.-Triumph bei der Radfahrstreife. Ein ganz neuartiges Bild bot die Radfahrstreife über 50 Kilometer. Vom Märzfeld aus ging es F' - r Der wichtigste Wehrsportwettbewerb der NS.-Kampfspiele war der Wehrmannschaftskampf. Sieger wurde die Mannschaft der SA.-Standarte 14 Nürnberg. Unsere Aufnahme zeigt die ^-Leibstandarte Adolf Hitler Berlin nach dem Nehmen eines Grabens in der Wehrkampfbahn. Sie mußte sich mit dem vierten Platz begnügen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Einer der Teilnehmer am Modernen Fünfkampf im Ziel des 4000-m-Geländelaufs. (Scherl-Bilderdienft-M.) acht Kilometer durch hügeliges Gelände, Waldstreifen, Feld, Morast und Steingeröll. Mit Ausnahme von 10 Kilometer Orientierungsfahrt war die Strecke abgefteckt. Auf diesen 10 Kilometer mußten drei Kontrollstellen gefunden und Sonderaufgaben erledigt werden. Nach den ersten beiden Aufaaben — Geländesehen und Handgranatenzielwerfen — lag der Höhepunkt an der Dritten Kontrollstelle, wo die Teilnehmer zunächst einen hohen Bretterzaun zu überwinden und dann 20 Meter weiter einen 25 Zentimeter breiten Schleusensteg passieren mußten. Dieser Steg wies noch ein ein Meter langes Loch auf, das mit geschultertem Rad zu überspringen mar. Einen ganz hervorragenden Eindruck hinterließ die zwölf Mann starke Vertretung der SA.- Reichsführerschule München, die aus dieser schwierigen Prüfung, die im großen Dienstanzug durchgeführt werden mußte, fiegreitf) heroorging. Da auch die beiden nächsten Plätze von SA.-Mannschaften belegt wurden, gestaltete sich der Wettbewerb zu einem großen Triumph der Sturmabteilunaen des Führers. Den vierten Rang nimmt die ff (Germania Arolsen) ein, und dahinter folgen der Reichsarbeitsdienst (182 Hannover-Herrenhausen) und die Polizei (Kommando-Bereich Stuttgart). SA.-Sieg auch im Wehrmannschaftskampf. Einer der schwersten, aber auch spannendsten Wettbewerbe bei den NS.-Karnpfspielen war der Wehrmannschaftskampf, der von Mannschaften mit je einem Führer und 36 Mann bestritten wurde. Nach der ersten Uebung, dem Kleinkaliberschießen, lag die ff-Leibstandarte in Front. Am Donnerstag konnten die ff-Männer aber ihren Vorsprung beim 20-Kilometer-Gepäckmarsch mit anschließendem Ueberwinden der Wehrkampfbahn nicht behaupten. Sieger wurde die ortskundige SA.-Standarte 14 Nürnberg. Mit größter Aufmerksamkeit verfolgten die Zuschauer aus den einzelnen Formationen den Endkampf auf der 250 Meter langen Wehrkampfbahn. Nach Ueberwinden mehrerer Hindernisse — Wassergraben, Spanischer Reiter, Kriechhindernisse usw. — mußte ein feindlicher Schützengraben mit Handgranaten gesäubert werden; die fliehenden Feinde — dargestellt durch Kopffallscheiben — wurden anschließend noch unter Gewehrfeuer genommen. Einen ungemein fesselnden Verlauf nahm der Orientierungslauf, zu dem je ein Führer und drei Mann eingesetzt wurden. Auf einer sechs Kilometer langen Strecke waren vier Kontrollpunkte anzulaufen. Im Rahmen der zahlreichen Sonderaufgaben wurden verlangt: Keulenzielwerfen, Meldungsempfang und -Weitergabe, Geländesehen und Schießen. Als Sieger ging die SA.-Standarte 4/J. 5 Hirschberg mit 416 Punkten aus dem Kampfe hervor. Den zweiten Platz belegten die Stuttgarter Polizisten. Die Entscheidungen im Ringen. Am Donnerstag zogen die Ringer in das Nürnberger Kolosseum ein, um dort in sieben Gewichtsklassen ihre Kampfspielsieger zu ermitteln. Von den bekannten Teilnehmern fehlten nur Schweickert und Hornfischer. Im Bantamgewicht kamen nur zwei Ringer auf die Matte, so daß schou Nach dem ersten Gang in Sterb ent (SA.-Gruppe Thüringen), der Schönleben (SA.-Gruppe Westfalen) 3:0 nach Punkten besiegte, der Turniersieger feststand. Feldwebel Garvs, der Sieger im Modernen Fünfkampf. — (Scherl-Bilderdienst.) ■XV Böhmische Landschaft. Von Rudolf Adrian Dietrich. Umschlossen von waldreichen, teils schroffen Höhen- Zügen, ist das Innere der böhmischen Landschaft meist flach und nur von leichten Hügelwellen unterbrochen. Da hindurch ziehen die vielen kleinen Gewässer, die sich zur Moldau und Eger und mit diesen zur Elbe sammeln. Alle diese von den Waldhöhen kommenden, die Ebene durchfließenden und wieder nordwestwärts den Berg- und Waldgebieten zustrebenüen Gewässer geben dem Landschaftscharakter des nördlichen Böhmen feine erste charakteristische Note. Wenn man abends oder in stiller Nacht, am Ufer hingehend, die Holzflößer flußabwärts ziehen und dahinter das weite Wiefen- und Ackerland sieht,' da und dort von kleinen freundlichen Dörfern überragt, bis die Wälder sich um einen schließen und Berge und Felsen, von alten Burgruinen, wie dem Schreckenstein, oder Bergkapellen gekrönt, so empfindet man ganz das Eigenartig-Melodische, was im Klang des Namens Böhmen liegt. Versteht man auch die innere Verbundenheit der Menschen dieser Landschaft mit ihrer Heimat? Besonders deutlich wird einem das in jenen deutschen Gebieten des Böhmer Waldes, des Erz-, Elbsandstein- und Lausitzergebirges, die alljährlich Tausende als Gäste in ihren Bann, locken. Etwas südlicher, wo das nordböhmische Land noch flach ist, erhebt sich als höchster Berg (mit 835 Meter) der sagenumwobene M i l l e s ch a u e r,' dessen Silhouette von allen Seiten weither zu sehen ist. Inselhaft steigt er aus der Ebene und den leichten Hügelwellen des böhmischen Mittelgebirges auf; als wirkliche Insel ragte er wohl einst aus rauschenden Wellen empor. Denn ursprünglich war das Gebiet von einem gewaltigen See erfüllt, der erst in viel- tausendjähriger Flutung sich zum Sandsteingebiet hin und durch dasselbe den Flußweg grub, der heute das Stromland der Elbe markiert. So ordneten sich die Wasser im Grundgebiet. Die innerböhmische Landschaft nahm an Trockenheit zu, und das flache Land weist heute eine weit unter mitteleuropäischem Durchschnitt liegende Niederschlagsmenge auf — indes der ehemalige Urwaldgürtel ber Sudeta oros (zu deutsch: Wildschweingebirge) den größten Teil des Regens anzieht und abfängt. Hier toben in Frühjahrs- und Herbstzeiten oft noch die Wetter, erinnernd an jene Urvergangenheit, da sie vereint mit dem seinen Weg grabenden Elfenstrom (der Elbe) die bizarren, manchmal turmartigen Naturbauwerke des Elbsandsteingebirges formten; wie sie im Westen die ausgedehnten Hochmoore (Filze) und düsteren Forste des Böhmerwaldes schufen, aus denen dem Wanderer stille einsame Seen unerwartet entgegenblicken. Bewegter als die dunkle Tiefe der Böhmer-Wald-Landschaft im Westen, in sich wohl auch geschlossener als das romanttsche Elbdurch- bruchsgebiet des Nordwestrandes, erscheint die östliche Umrandung des böhmischen Kessels: die Südwand des I s e r g e b i r g e s , wo in die teils waldlose Granitmasse von den Gletschern der Eiszeit her. scharfe Talrisse eingeschnitten sind, durch die rauschende Bäche und Flüßchen zur Tiefe eilen, während in den böhmischen Ausläufern der Lausitzer Berge die Grundmotive dieser Gebirgsformationen in einer besonders lieblichen, idyllischen Landschaft ausklingen. Ueberall zeigt sich in diesen Gebieten an Weilern und Dörfern die seit Urvätertagen gewohnte d e u t - sche Siedlungs- und P l a n u n g s w e i s e ; wurden doch diese ehedem menschenleeren Gebirgs- Hänge an der heutigen sächsischen, schlesischen und fränkischen Grenze zuerst vom Westen und Nordwesten, von Deutschland her erschlossen und kultiviert. So bieten diese alten Dorfsiedlungen und Städtchen in Nordböhmen durch ihre Flurverfassungen und ihre Ortsnamen die besten Zeugen der von jeher deutschen Kultur, die dem Lande sein gegenwärtiges Gesicht gab. Tief ins Innere drang diese Welle seit der Kolonisationsarbeit ostfränkischer Herzöge. Was wir heute in der stillen, zähen Kulturarbeit der Sudetendeutschen gepflegt wissen, es ist das Vermächtnis einer langen Vergangenheit, die dem Eger-, Moldau- und Elbegebiet ihren Arbeitsrhythmus, ihr Lebensgesetz, ihren Kulturausdruck gab. Selbst Prags berühmte Bauwerke stammen ja fast alle von deutschen Meistern, wie auch die Burg (Hradschin) durch einen deutschen Baumeister, Benedikt R i e t h , erbaut wurde. Und die Erinnerung an größte Namen unseres deutschen Kunst- und Geisteslebens verknüpfen sich unwillkürlich mit unseren Gedanken, wenn wir durch die freundlichen Ebenen, die rornanttschen Berg- und Waldlandschaften Nordböhmens ober die ernste Stille des Böhmer Waldes wandern. Durch dieses Land Böhmen zog in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts ein junger Mensch mit seiner Geige, der in den Waldbergen des Leit- meritzer Kreises als Försterssohn aufgewachsen war und von dem zu jener Zeit noch niemand ahnte, daß er einst einer der größten deutschen Musiker werden sollte: Christoph Willibald Gluck. — Und zu den berühmten Bädern des böhmischen Erzgebirges — Karlsbad vor allem — zog es immer wieder den größten unserer Dichter, Goethe, hin. Betrachtet man eine Landschaft nicht nur in ihrem äußeren Naturbild, erlebt man sie auch zugleich im Austausch mit den lebendigen geistigen Kräften und Wesenheiten, so offenbart sie einem erst die tiefere Bedeutung ihres Ausdruckscharakters. Und gerade diese Landschaft der böhmischen Wald- und Randgebiete ist in dieser Hinsicht von einem eigenartig suggestiven Charakter beseelt. Wenn man über diese Höhen wandert ober als Gast in ben waldümschlos- senen Säbern weilt, bie hier an ber Kammhöhe liegen, in Teplitz, Karlsbad oder drüben in Eger; wenn man die kleinen lebenstüchtigen Städtchen der die böhmischen im Nordwesten abrundenden mährischen Gebiete besucht: überall zeigt sich dieser Austausch von Landschaft und in "tiefer Heimatliebe der Landschaft sich verpflichtet fühlender menschlicher Werkschaft. Auch wo — im mährisch-böhmischen Uebergangsgebiet, ober im Kohlengebiet dicht bei ben nordböhmischen Bädern — diese Landschaft von den rauchenden Zeichen der Industrie mitbe- stimmt ist, immer noch bleibt einem jene poetisch- romantische Melodie, die über dem ganzen nordböhmischen Landschaftsbild liegt. Und dann klingt eines Sonntags, ehe man wieder Abschied nimmt, aus der Tiefe der Wälder, aus den Wassern, die sich hier sammelnd nordwärts zum Reiche strömen, in dem Klang einer Dorfglocke oder einem Lied, das der Wind von den Aeckern weht, die ganze verhaltene Sehnsucht dieser Landschafts- rnelodie, — unvergeßlich für alle Zeit. Sochschulnachrichten. Professor Dr. med. Hans Schulten in Hamburg wurde in der medizinischen Fakultät der Universität R o st o ck mit der Vertretung des durch das Ausscheiden von Prof. Dr. Georg Ganter freigewordenen Lehrstuhls für Innere Medizin beauftragt. Geh. Iustizrat Dr. Erwin R i e z l e r, o. Professor für deutsches bürgerliches und römisches Recht an der Universität München ist wegen Erreichung der Altersgrenze von ben amtlichen Verpflichtungen entbunben worden. Geh. Rat Riezler ist Mitherausgeber ber Kritischen Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft und hat zahlreiche Arbeiten, vor allem über Werk- und Arbeitsoer- frag, sowie über Urheber- und Erfinderrecht, veröffentlicht. Kleine Liste sonderbarer Unfälle. Es geschehen tagtäglich merkwürdige Singe. Würde man sie in Lustspielen oder Romanen verwerten, so könnte der Autor sicher sein, daß fein Verleger sich dazu herbeilassen würde, seine Einfälle zu drucken. Daß einer Witwe, die das Grab ihres kürzlich verstorbenen Mannes mit frischen Blumen dekorierte, ber Grabstein auf ben Kopf fiel und sie schwer verletzte, ist noch etwas, bas man für glaubhaft halten könnte, obwohl man auch hier über die Höhe des Grabdenkmals oder" des Standpunktes der Frau zur Zeit des Unfalls Bedenken hegen möchte. Ein merkwürdiger Unfall passierte einem Mann, der mit dem Kopf zuerst ins Bett sprang: er brach sich das Genick. In Kalifornien geschah es Einern Bauern, daß sein Pflug eine Patrone aus der Erde wühlte und sie zur Entzündung brachte, so daß sie ihn durch einen Schuß in den Kopf tötete. Die Liste dieser sonderbaren Unfälle kann beliebig fortgesetzt werden. Die statistischen Büros der amerikanischen Staaten sammeln täglich Berichte über derartige Unfälle. Ein junger Mann wurde vor kurzem so stürmisch von seiner Braut an die pochende Brust gedrückt, daß ihm verschiedene Rippen dabei gebrochen wurden. Ein anderer Jüngling nahm das geliebte Mädchen auf den Schoß, dabei schlief sein linkes Bein ein. Als er sich erhob, sackte das Bein so unglücklich unter ihm ab, daß es gebrochen wurde. Eine Versicherung mußte einem Mann eine Unfallsentschädigung bezahlen, weil dieser auf einer dunklen Landstraße über eine schlafende Kuh fiel und sich dabei erheblich verletzte. Ein anderer schlug mit der Nase gegen das Bett und bekam Nasenbluten; Blutvergiftung stellte sich ein; er starb. In England fuhr ein Motorradfahrer gegen einen Elefanten. In Deutschland und Amerika passierten Motorradfahrern gleichartige Unfälle mit Rehen. Der Besitzer eines Milchautos fuhr zu einer Tank- stelle, um Benzin einzufüllen. Heiße Asche von seiner Zigarette setzte seine weiße Schürze an einer Stelle in Brand, auf die Beyzin getropft war. Der entsetzte Mann riß die Schürze vom Leibe und warf sie von sich. Sie landete auf dem Schwanz eines in der Nähe stehenden Pferdes. Das Pferd schlug sie mit einer Schwanzbewegung in einen Heuballen. Eine Scheune, das Milchauto, vier Autos und zwei Wagen brannten als Folge dieser merkwürdigen Ereigniskette ab. Abturnen in ländlichen Turnvereinen X Wirtschaft Neues für -en Büchertisch j Wir kennen Strohmeyer als berufenen Schilderer Wehr. Aus der Uebsrfchwemmung retten Nachbarn (43 bis 45), b) 39 bis 41 (39 bis 41), c) 36 (33 bis befferungen ist der Verfasser dankbar. hth. 36), d) 29 (29); Bullen a) 40 bis 43 (42 bis 43), 1 : igt" — Curt Strohmeyer: „D e r Weiberhof. Roman. Broschiert 3,50 RM., Ganzleinen 0 ). Färsen a) 41 bis 44 (42 bis 44), b) 38 bis 40 (38 bis 40), c) 33 bis 35 (35), d) 25 bis 27 (—); Kälber a) 62 bis 65 (62 bis 65), b) 56 bis 59 (55 bis 59), c) 46 bis 50 (45 bis 50), d) 34 bis 40 (35 bis 40); Härnrnel b2) 48 bis 52 (50 bis 52), c) 40 bis 45 (40 bis 45), d) 30 bis 38 (38); Schafe a) 38 bis 42 (38 bis -42), b) 34 bis 37 (34 bis 37), c) 20 bis 32 (20 bis 32); Schweine a) 59 (60), bl) 58 (59), b2) 57 (58), c) 55 (56), d) 52 (53); Sauen gl) 56 (57). — Marktoerlauf: Rinder, Kälber und Schwein« zugeteilt, Härnrnel und Schafe mittelmäßig. vor- und weiterhin keine einheitliche Haltung bei kleinen änderungen. Liquidationspfandbriefe bröckelten wiegend leicht ab, während Goldpfandbriefe Staatspapiere behauptet lagen. Schafe, 176 (372) Schweine. Notiert wurden je 50 kg Lebendgewicht in Mark: Ochsen a) 42 bis 45 mit ihm nach Afrika zu gehen. Anna will aber den Hof nicht ihrem 20jährigen Sohn Elke überlassen. Elke, den sie in der Stadt beim Studium wähnt, will Bauer sein; er arbeitet auf einer benachbarten Wirtschaft. Mit einer jungen Magd vom Weiberhof unterhält er zarte Beziehungen. Er will Helge heiraten, aber zunächst tritt die Mutter zwischen sie. Dorettes böses Mundwerk vertreibt die wenigen Knechte vom Hof, aber Anne Karna muß sie bald wieder rufen. Dorette rächt sich und öffnet ein mal zu Ehren aller tatkräftigen und erfolgreichen Idealisten ausgesprochen hat: „Die Welt kann nicht bestehen, wenn die Menschen selbstsüchtig und der herbeigerufene Elke, was zu retten ist. Wieder bittet Harm Anne, ihm nach Afrika zu von Tier und Landschaft. Er hat Kindheit und Lehrjahre auf Bauernhöfen und Gütern zugebracht und kennt das Leben dort aus eigenem Erleben. — Harm Karna ist kein guter Bewirtschafter; er wird „ausgemeiert". Seine Frau Anne übernimmt den Hof. Sie arbeitet nur mit Mägden, und der Hof heißt darum bald „der Weiberhof". Ein Original ist die lange Dorette, nicht mehr ganz jung, energischer „Eh! Buana mkubua etu kupanda scharo!“ — „Ja, unser Führer ist der Stürmer der Städte!" So schallte uns das Lied der Somali-Neger über den Viktoriasee, als der deutsche Kolonialpionier Carl Beters in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts das weite Gebiet zwischen der an der Ostküste Afrikas gelegenen Insel Zansibar und dem Viktoriasee, nachmals Deutsch-Ostafrika genannt, unter die Befehlsgewalt der deutschen Reichsflagge stellte. ' „Stürmer der Städte!" Dies also war der verehrungswürdige Ruf der Eingeborenen des schwarzen Erdteils! Und in Deutschland? Nichts Eiligeres hatten die Linksparteien des Deutschen Reichstages, an ihrer Spitze der Marxist August Bebel, zu tun, als gegen diesen Mann der deutschen Tat ein Trommelfeuer des Hasses, des Neides und der gemeinsten Verleumdung zu eröffnen, bis es ihnen gelang, daß der „zur Disposition gestellte" Eroberer außer Landes ging und in England bis zum Ausbruch des Weltkrieges Zuflucht nahm. Was damals die völkisch gesinnten Deutschen zwang und was uns heute zwingt, den Mann Carl Peters zu rühmen, das sind seine kühne Tat, sein unbeugsamer Wille, und sein durch keine Erniedrigung ausgelöschtes Deutschtum. Mit 995 000 qkm war diese deutsche Kolonie mehr als doppelt so groß als das Deutsche Reich nach dem Weltkrieg. Erst nach dem Verlust dieser größten deutschen Kolonie, in der Sisalhanf, Kaffee, Baumwolle, Häute und Felle, Kopra und Erdnüsse die hauptsächlichsten und ertragreichen Anbaupflanzen und tierischen Rohstoffe waren, können wir Deutschen den materiellen und ideellen Wert dieser Gebietseroberung in Uebersee würdigen, zugleich aber den vorausschauenden Blick Carl Peters erkennen, der zu einer Zeit, in der selbst Bismarck noch zögerte, sich der Kolonialpolitik zuzuwenden, daran ging,, unter den allerschwierigsten Umständen sein Vaterland in kolonialer Hinsicht dem großen England wenigstens in etwas gleichzustellen. Dem hohen Verstände, dem diplomatischen Geschick bei den Verhandlungen mit den afrikanischen Häuptlingen, dem Einsatz persönlichen Opfers und der Erduldung unerhörter körperlicher Strapazen, — allen diesen Eigenschaften Carl Peters allein ist es zu danken, daß das Britische Reich in Deutschland einen ebenbürtigen Kolonisator neben sich gewähren lassen mußte. Diese Tat vermochte aber nur ein Mann zu bewältigen, der in sich einen unbändigen Willen trug, der sich durch nichts eindämmen ließ. Kennzeichnend für jene Zeit, aber auch überhaupt für den eigenbrötlerischen Sinn der Deutschen war, daß es damals zw e-i Vereinigungen gab, die sich deutscher Kolonialpolitik zugewandt hatten: den „Deutschen Kolonialverein" und die „Gesellschaft für deutsche Kolonisation", die — von Carl Peters gegründet — ihn bewunderungswürdig unterstützt hat. In dieser kolonialen Gesellschaft saßen die einzigen Freunde Carl Peters'. Alle anderen waren gegen ihn! Wie mancher wäre da an den Widerständen gescheitert, die sich dem begeisterten Ko- aus dem Verkehr, Reichsaltbesitz und Reichsbahn- VA. kamen mit unv. 129,65 bzw. 123,50 zur Notiz und Kommunal-Urnschuldung stellten sich auf unv. 94,40. befestigten sich außer den bereits genannten Werten Gesfürel auf 128 (127,50), Felten auf 128 (127,75), AEG. auf 109 (108,50), Lahmeyer auf 122 (121,75). Sonst notierten u. a. Daimler mit 129 (128,50), AG. für Verkehr mit 118 (117,50), Reichsbank mit 179,75 (179,25), Adlerwerke mit unv. 104, Rheinmetall mit unv. 124 und Junghans mit 105,50 (106). Großbankaktien lagen behauptet. Am Ren- recht. Nun ist wieder ein Mann Herr auf dem Weiberhof, aber es werden dort immer nur Mäd- chen geboren. — Erich Bauer: Laßt Hutten nicht verderben! Festspiel, geschrieben für die Freilichtaufführung auf der Steckelburg. 42 Seiten. Druck und Verlag: Justus Christ, Inhaber Karl Christ, Gießen. — (212) — Die in diesem Jahre begonnenen Festspiele auf der Steckelburg bei Schlüchtern haben zahlreiche Besucher angezogen und die Aufmerksamkeit vieler wieder auf die ritterliche und vorkämpferische Gestalt Ulrich von Huttens gelenkt. Das von Erich Bauer in Schlüchtern geschriebene Festsviel ist vor einiger Zeit im Verlage von Christ in Gießen im Druck erschienen, sauber ausgestattet und mit Bildern geschmückt. A. Rüffer schrieb ein Vorwort zu dem Spiel, das kurz nach dem Wormser Reichstage auf der Steckelburg anhebt und ein Bild der bewegten und gärenden Zeit entwirft, in der sich Hutten als ein glühender Kämpfer für das Reich, als „ein Deutscher der Tat" einen unvergänglichen Namen gemacht hat. hth. — BrunoNelissen-Haken: Das große Hundespiel. Oder: Herr Schmidt zieht — sage und schreibe — fünf junge Haidjer-Dackel groß. 263 Seiten mit 147 Pinselzeichnungen und farbigem Einband von Hans Speidel. Gerhard Stalling, Verlagsbuchhandlung, Oldenburg i. O./Berlin. Gebunden 3,60 RM. — (263) — Herrn und Frau Schmidt bleibt nichts erspart. Der Dackel Haidjer sorgt dafür, daß die Aufregungen kein Ende nehmen: und damit seine feine, freche Rauhhaar-Rasse nicht ausstirbt, überrascht er die arme Familie Schmidt über Nacht mit quieklebendigen, krummbeinigen, langohrigen Dackelbabys von der gleichen Sorte wie er selbst. Mit diesem Ereignis beginnt „Das große Hundespiel". Herr Schmidt zieht, sage und schreibe, fünf Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 8. Sept. Auftrieb: 1117 Rinder (gegen 1062 am 1. 9.), darunter 198 (166) Ochsen, 184 (124) Bullen, 522 (573) Kühe, 213 (199) Färsen; 464 (531) Kälber, 169 (222) Härnrnel und bin ich!" ein Herrenmensch reinsten Wassers, ja im Sinne Nietzsches ein »Uebermensch', der nicht schmiegsam und biegsam war und deshalb vielen bürokratischen und dünkelhaften Naturen im sicheren Deutschland „auf die Nerven fiel". Der unbeugsame Wille, der Carl Peters eigen war, kam natürlich auch bei der Eroberung Deutsch- Ostafrikas und bei der Behandlung der Eingeborenen zum Ausdruck. Wenn dieser geborene Führer, der für seine Untergebenen kameradschaftlich sorgen, aber auch, wenn's not tat, hart sein konnte, in der Tat afrikanische Eingeborene hat hinrichten lassen, dann nur, weil die Sicherheit seiner kleinen Truppe und das Ansehen der weißen Rasse heischte, dem Widerstand und der Spionage feindlicher Neger dieses standgerichttiche Urteil entgegenzusetzen. Was hat man aber aus dieser notwendigen Tat gemacht! Man hat sie benutzt, um Carl Peters in der deutschen Heimat als „gierigen Bluthund" hinzustellen; man hat diese Tat der Gerechtigkeit solange ausgewalzt, bis weite Kreise in Deutschland glaubten, sie sei wirklich das Ergebnis niedrigster Instinkte eines zügellosen „Diktators" gewesen. So sehr hat man Carl Peters beschmutzt, daß es heute noch Deutsche gibt, die unbewußt unter diesem beabsichtigten „Etwas bleibt doch hängen!" stehen und ihm den schuldigen Dank versagen möchten. Aber selbst diese Demütigung konnte den Willen Carl Peters nicht brechen. Als man ihm weitere Eroberungszüge für Deutschlands koloniale Größe unmöglich gemacht hatte, ging er auf die gefahrvolle Suche nach Emin Pascha, den er — der inzwischen von Stanley gefunden worden war — in Mpuapua traf. Wie aber der Wille Carl Peters stark blieb, wenn er auch durch deutsche Intrigen außer Gefecht gesetzt wurde, so versiegte auch niemals das Deutschtum, das in ihm lebendig blieb, obwohl man ihm Jbie alleroerlockendsten Angebote machte, Engländer zu werden. Sicher wäre Carl Peters einer der bedeutendsten Kolonialpolitiker Englands geworden! Cecil Rhodes hat ihn immer wieder umworben! Man hat ihm, als er in England Zuflucht nahm, die höchsten Posten im britischen Kolonialreich angeboten. Man wußte in England sehr viel besser als in Deutschland, wer Carl Peters war. Doch er, der zu den ersten Rufern gehört, die den Zusammenschluß aller Auslanddeutschen forderten und in die Wege leitete, er blieb in seinem Herzen und in feiner Haltung Deutscher! Kurz nach Ausbruch des Krieges kehrte Carl Peters in die deutsche Heimat zurück. Als 62jäh- riger starb er am 10. Septmber 1918 einsam und zurückgezogen in Harzburg. Em gütiges Schicksal hat ihn davor bewahrt, daß er Deutschlands tiefste Erniedrigung und vor allem mit dem Verlust der deutschen Kolonien auch den Raub Deutsch-Ostafrikas noch erlebte. Was wir, das heute lebend? deutsche Geschlecht, diesem Manne zu danken haben, ist das, was der deutsche Dichter Paul Ernst einUnfälle auf dem Lande. Durch einen Autounfall erlitt der 38jährige Händler Paul Schäfer aus Dorf-Gill einen schweren Unterkieferbruch. — Bei einem Betriebsausflug zog sich die 41 Jahre alte Arbeiterin Katherina S ch m a u ß einen Unterschenkelbruch zu. — Mft schweren Prellungen im Rücken mußte der Ziegeleiarbeiter Richard Steiner aus L e i h g e st e r n in ärztliche Behandlung gebracht werden. — Schwere innere Verletzungen erlitt der an der Reichsautobahn beschäftigte Joseph Julinede aus dem Ar- beiterlager Großen-Buseck. Er mußte durch die Sanitätsbereitschaft vom Roten Kreuz in Gießen der Klinik zugeführt werden. — Durch einen unglücklichen Sturz erlitt der 24 Jahre alte Karl R i n- fer aus Allendorf a. d. Lda. eine Gehirn- erschütterung. — Der in einem Gießener Industriewerk beschäftigte Arbeiter Ludwig Heß aus Watzenborn-Steinberg war zwischen zwei An- Hängerwagen geraten und erlitt eine erhebliche Brustquetschung sowie Rippenprellungen. Sämtliche Verunglückte wurden in die Chirurgische Klimt nach Gießen gebracht. junge Haidjer-Dackel groß! Und Bim, Bam, Bum, Paulinchen und Smutje, die putzigen kleinen Jäger in der Besenkammer, übernehmen das Regiment in der Schmidtschen Wohnung. Wer gern wissen möchte, wie die bedauernswerte Frau Schmidt mit ihrer übermütigen Etagenmeute fertig wird, und wie der verzweifelte Herr Schmidt den fünf eigensinnigen Dackelklippschülern das Hunde-Abc beibringt, Der greife zu diesem Buch. — J o c o s a. Lateinische Sprachspielereien, gesammelt und erläutert von Dr. Hans Weis. 113 Seiten. Geb. 2,40 Mark. Verlag R. Oldenbourg, München, Berlin 1938. — (239) — „Mit dem Lateinischen kann man spielen wie mit einer jungen Katze ..." So beginnt das Vorwort, und dieser Satz kann als Motto für das vergnügte Bändchen gelten. Der Verfasser, ein begeisterter Lateiner, als Professor an der Oberschule in Memmingen tätig, hat in jahrelanger Arbeit eine lustige Sammlung von Scherzoersen, Wortspielen, Anagrammen, Rätseln, Lautmalereien, komischen Übersetzungen und merkwürdigen Inschriften aus dem Lateinischen geschaffen, die den Freunden dieser „sehr lebendigen toten Sprache" Vergnügen, Anregung und Unterhaltung bereiten wird. Für Ergänzungen und Ver- Larlpeiers, der Gründer von Äenssch-Ostasrika 3u seinem 20. Todestage am 10. September. Von Dr. Friedrich Bubendey. Stettin Le es en iie ub- die der hte- mn, rod) iem :rbe ß° Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) H. 2D. und Abonnent £. Die Haftung kann im vorliegenden Falle verschieden sein. Handelt es sich um einen sog. Wanderschäfer, der eine eigene Herde besitzt, so haftet dieser als Tierhalter, sofern er nicht nachweist, daß er bei der Beaufsichtigung der Tiere die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet hat, oder daß der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt eingetreten wäre. Handelt es sich dagegen um einen Gemeindeschäfer, so können sowohl die Eigenbesitzer der Sck)afe als Tierhalter als auch der Schäfer als Tierhüter oder sogar beide, je nach Lage des Falles, für den Schaden verantwortlich fein. Der Tierhalter, der einen Tierhüter bestellt hat, muß, um von der Haftung frei zu werden, über die Bestellung eines tauglichen Tierhüters hinaus die erforderliche Sorgfalt bei seiner Beaufsichtigung beobachten. Tut er dies, so wird er von der Haftung frei. Der Tierhüter ist nach, gesetzlicher Vorschrift für den Schaden verantwortlich, den die Tiere, deren Beaufsichtigung er vertraglich übernommen hat, einem Dritten zufügen. Die Verantwortlichkeit entfällt, wenn er bei Führung dec Aufsicht die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet hat oder wenn der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt entstanden sein würde. Sowohl der Tierhalter als auch der Tierhüter können also den oben näher bezeichneten Entlastungsbeweis führen^ gelingt er, so werden sie von der Haftung frei. Vermögen Sie jedoch den ihnen aesetzlich obliegenden Entlastungsbeweis nicht zu führen, so haften sie als Gesamtschuldner, d. h. jeder von ihnen kann von dem Geschädigten für den gesamten Scha< den in Anspruch genommen werden hebet >- irbe die Kip- iE Hoß, hob, j es M roeii eine etile- Bett W Fußball der II. Kreisklaffe. Staffel Gießen A. 25. 9.: Grünberg—Nieder-Ohmen, Flensungen— Lehnheim, Queckborn — Ettingshausen, Geilshausen —r Wetterfeld, Harbach — Saasen. 9. 10.: Nieder-Ohmen — Harbach, Lehnheim — Grünberg, Ettingshausen — Flensungen, Saasen — Queckborn. 16. 10.: Harbach — Geilshausen, Grimberg — Ettingshausen, Wetterfeld — Saasen, Queckborn — Lehnheim, Flensungen — Nieder-Ohmen. 23. 10.: Ettingshausen — Harbach, Saasen — Flensungen, Lehnheim — Wetterfeld, Nieder-Ohmen gegen Queckborn. 30. 10.: Geilshausen — Grünberg, Harbach — Lehnheim, Flensungen — Queckborn, Wetterfeld — Nieder-Ohmen, Saasen — Ettingshausen. 6. 11.: Grünberg — Saasen, Lehnheim — Geilshausen, Queckborn — Wetterfeld, Nieder-Ohmen — Ettingshausen, Flensungen — Harbach. 13. 11.: Wetterfeld — Flensungen, Ettingshausen gegen Geilshausen, Saasen — Nieder-Ohmen, Harbach — Grünberg. 20. 11.: Grünberg — Wetterfeld, Nieder-Ohmen gegen Lehnheim, Geilshausen — Queckborn. 27. 11.: Queckborn — Harbach, Flensungen — Grimberg, Wetterfeld — Ettingshausen, Saasen — Geilshausen. 4. 12.: Geilshausen — Nieder-Ohmen, Ettingshausen — Lehnheim, Grünberg — Queckborn, Harbach — Wetterfeld. 11. 12.: Flensungen — Geilshausen, Lehnheim — Saasen. auf 129,65 (129,80) ab. Unverändert lagen u. a. Kommunal-Umschuldung mit 94,40, Reichsbahn- Dorzugsaktten mit 123,50, 4 v. H. Rentenbank-Ablösung mit 92,13, Wiederaufbauzuschläge mit 80,40. Industrie-Obligationen und Stadtanleihen hatten " ' ‘ ...... ' ’ ' Ver- ScfjeNer (SA.-Gruppe Thüringen) und Ohlig (West- ir>?r2 ?Hn!?n.^cr ‘n dieser Reihenfolge auf die Platze. Polizeioberwachtmeister Siebert gewann ebenso unangefochten im H a l b s ch w e r g e w i ch t. Den zweiten Platz errang Engelhardt durch einen Knappen 2:1-Punktsieg über Köstner. Im S ch w e r- (H wl ch t triumphierte Fritz Müller, der deutsche Melster von der RAD.-Abteilung 5/286 durch zwei elnstlmmige Punktsiege über Hartmann (SA.-Gr. Thüringen) und Stehrn (SA.-Gr. Oesterreich), die in dieser Reihenfolge die nächsten Plätze belegten. Borrunde im Basketballturnier. Die Vorrundenspiele zum Basketballtur- ni e r nahmen den erwarteten Verlauf. Die Mannschaft des DRL. schaltete das NSKK. 28:9 aus und die ^-Männer von der Leibstandarte Adolf Hitler triumphierten 39:11 über das NS.- Fliegerkorps. wurde ein 400-Meter-Lauf gestartet, sowie die Meisterschaften im Stabhochsprung und erftmalig auch im Speerwurf entschieden. Am Abend fand die Siegerehrung statt. In der Oberstufe errang Heinrich Klee den Fünfkampfsieg, in der Unterstufe erreichte Hans Walter die höchste Punktzahl. Ein gutes Ergebnis wurde im 400-Meter-Lauf durch Heinrich Klee mit .64,1 Sek. und mit 70,5 Sek. von Hans Walter erreicht. Im Stabhochsprung erreichte Fritz Metzger die Höhe von drei Meter. Turnverein Wieseck. Aus Anlaß des Opfertages des deutschen Sports hielt der Turnverein Wieseck im Saale Braun eine unterhaltsame Veranstaltung ab. Die Turnerinnen warteten mit einigen Tanzvorführungen auf, die Turner stellten eine starke Riege für das Bodenturnen und für die Uebungen am Reck. Die Vorführungen fanden reichen Beifall und bewegten sich auf beachtlicher Leistungshöhe. Vereinsfüyrer Daupert hielt eine kurze Ansprache, in der er den tieferen Sinn des Opfertags umriß. Er erinnerte auch an die Leistungen der acht Vereinskameraden in Breslau und gab feiner besonderen Freude darüber Ausdruck, daß Schöffmann unter 800 Wettbewerbsteilnehmern den 23. Rang einnehmen konnte. Eine aus Anlaß des Opfertages durchgeführte Sammlung erbrachte einen stattlichen Betrag. Turnverein „Gut-heil" Obbornhofen. Der Turnverein „Gut-Heil" Obbornhofen hielt dieser Tage sein Abturnen ab. Am frühen Morgen zog der Spielmannszug zmn Wecken durch das Dorf. Bald darauf begannen die Wettkämpfe. Geturnt wurde in vier Stufen. Dabei wurde ein Vierkampf verlangt; gleichzeitig wurde um Drei Wand er preise gekämpft. Gewinner des Wanderpreises für den Vierkampf wurde Hugo S ch n e i d e r, im 1500-Me- ter-Lauf Paul Widdersheim und im Kleinkaliberschießen Wilhelm Müller. Die Handballjugend des Vereins trug ein Spiel gegen Gettenau aus, das die Obbornhofener Jugend mit 8:5 Toren gewinnen konnte. Die Veranstaltung bewies, daß die Kameraden im Verein von rechtem sportlichen Geist erfüllt sind. Turnverein Münzenberg. DK Münzenberger Turner bewiesen bei ihrem Abturnen am vergangenen Sonntag, daß sie bereit sind, ihr Teil zur Ertüchtigung der Volksgemeinschaft beizutragen. Das Abturnen brachte zunächst einen Fünfkampf der Jugend, der sich aus 100-Me- ter-Lauf, Kugelstoßen, Weitsprung, Hochsprung und Keulenwurf zusammensetzte. In allen Disziplinen wurden gute Leistungen gezeigt. Die Jahrgänge 1922 und älter kämpften in der Jugendoberstufe, während die Jahrgänge 1923/24 in Der Jugend- unterftufe zusammengefaßt waren. Anschließend Im Federgewicht belegte Meister Ferdinand Schmitz den ersten Platz. Er hatte Arbeitsmann Senne (RAD. 6/262) und $JtageI (SA.-Gruppe Westfalen) nach Punkten und Bauer (SA.-Gruppe Berlin-Brandenburg) nach 10:30 Minuten entscheidend besiegt. Einen überraschenden Ausgang nahm das Turnier im Leichtgewicht, wo Sperling (SA.-Gruppe Westfalen) im letzten Gang den deutschen Meister Heini Schwarzkopf (SA.-Gruppe Westmark) glatt auspunktete und so Sieger vor dem Meister und Vinzenz (NSKK.-Motorgr. Ostmark) wurde. Kampfspielsieger im Weltergewicht .wurde der Thüringer SA.-Mann Wahl, der Polizeiwachtmeister Rust nach 1:30 Min. auf Die Schultern brachte und gegen Arbeitsmann Fischer (RAD. 3'94) nur eine Minute benötigte. Den zweiten Platz sicherte sich Rust durch einen entscheidenden Sieg über Fischer. Eine ganz überlegene Rolle spielte Europameister Schäfer (Ludwigshafen) im Mittelgewicht. Die SA.-Männer inen ■rfen hen. anh von inec Der poff $ in Rhein-Mainifche Börse. Mttagsbörse schwankend. Frankfurt a. M., 8. Sept. Die Börse eröffnete in abwartender und vorwiegend etwas schwächerer Haltung, Da Der Berufshandel kleine Abgaben vornahm. Anderseits blieb Die Kundschaft im Hinblick auf den bevorstehenden (Steuertermin zurückhaltend, so daß Die Umsätze wiederum nur kleinsten Umfang hatten. Die erften Kurse am Aktienmarkt lagen überwiegend 0,50 bis 1 v. H., teilweise auch bis zu 1,50 o. H. niedriger. Im Verlaufe bahnte sich jedoch wieder eine freundliche Tendenz an und zum Teil konnten Die anfänglichen Rückgänge ausgeglichen werden, Da Rück- und Meinungskäufe erfolgten. Von Den führenden Werten hatten IG. Farben mit 147,13 bis 147,75 (147,65) und Vereinigte Stahl mit 99,40 bis 99,75 (100) lebhafteres Geschäft. Am Elektromarkt waren Die Einbußen deutlicher, Licht und Kraft, Felten und Gesfürel gaben je 1,50 v. Sy, RWE. und Schuckert je 0,75 v. H. nach, AEG. dagegen 0,25 v. H. höher mit 108,50 und Siemens nach Pause 185,50 (185). Montanwerte setzten durchweg bis 1 v. H. schwächer ein. Im einzelnen eröffneten Westdeutsche Kaufhof 1 v. H., Bemberg 1 v. Sy, Aschaffenburger Zellstoff 1 v. Sy, Daimler 1 v. H. und Conti Gummi 1,40 d. Sy niedriger. Am Rente nma r k t war das Geschäft nach wie vor unbedeutend, und die Kurse wiesen nur geringe Abweichungen auf. Reichsaltbesitz bröckelten In der zweiten Börsenstunde schrumpfte das vorübergehend etwas lebhafter gewordene Geschäft wieder stark zusammen, da Die Börse im wesentlichen auf sich selbst angewiesen war. Die nach den ersten Kursen eingetretenen Besserungen konnten zumeist behauptet werden, gegenüber dem Vortag war Die Entwicklung jedoch unregelmäßig und überwiegend etwas schwächer. Der F r e i v e r k e h r lag bei ruhigem Geschäft gut behauptet, etwas evholt waren Katz & Klumpp auf 89 bis 91 (88 bis 90). Im übrigen wurden genannt: Dingler 86 bis 87, Elsäss. Bad. Wolle 82 bis 83, Verein. Fränk. Schuh 70 bis 71, Growag 72 bis 74, Rastatter Waggon 45 bis 46. Tagesgeld unverändert 2,25 v. Sy Abendbörse gut behauptet. An der Abendbörse war die Haltung gut behauptet. Nennenswerte Umsätze wurden nicht bekannt, das Publikum hielt sich weiterhin fast völlig vom Geschäft fern und auch die Kulisse verharrte in Zurückhaltung. Die Kursentwicklung war nicht ganz einheitlich, es überwogen jedoch kleine Erhöhungen, die vielfach nominelle Anpassungen an den höheren Berliner Schluß Darftellten. Insbesondere bei BMW. mit 143,50 (142) und bei Siemens auf 186,65 (185,50), ferner bei Demag mit 140 (139) und bei Licht und Kraft auf 131 (130). Am Mon- ianmartt notierten Verein. Stahl 99,65 (99,75), lonialmann entgegentürmten! Gewiß: Carl Peters -..... -- -----. war mit feinem shakespearefchen Losungswort „Ich > sind; es muß Menschen geben, welche sich opfern! Rheinstahl 132,13 (132,50), Buderus 108,50 (108), Mannesmann 104,50 (104,25) und Hoesch unv. 105,25. In der chemischen Gruppe lagen IG.-Farben 0,25 v. H. höher mit 147,75, Bemberg gewannen 0,75 v. Sy auf 126,25, Metallgesellschaft unv., . . . , 125, Scheideanstalt unv. 207. Von Elektrowerten 14,50 RM. Deutscher Verlag, Berlin. — (264) — tenmarkt gingen 6 v. H. IG.-Farben mit 122,25 v .......- » . . (122,13) und Mannheimer Altbesitz mit unv. 136,50 i als die Herrin, und mit einem respektablen Mund- ---- v ...... * ~ •' - z , werk. Harm bemüht sich, seine Frau zu bewegen, L\ *>7 g :» ort /Dn\ _\ q.j /qm j \ 9k ( \. ZulCOCl ulIICl UJlil nuuj 4X|itiu qu m Al dl QQ folgen. Sie tut es. Jetzt übernimmt Elke Den Hof a) 41 bis 43 (40 bis 43), b) 34 bis 39 (35 bis 39), s. ftöjrnfpf feine fSelae Dorette Den Knecht Ruvv- c) 27 bis 33 (28 bis 33), d) 18 bis 25 (18 bis 25)- und heiratet feine .Helge, .Dorette oen xnecyt .nupp Herbst-Angebote im Stoffspezialhaus! 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Preußisch-Süddeutsche (277. Preuß.) Klasseo-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beideu Abteilungen I und II 27. Ziehungstag 8. September 1938 tln der heutigen Dormittagsziehung wurden gezogen 2 Gewinne zu 10000 NM. 347367 2 Gewinne zu 5000 NM. 317859 12 Gewinne zu 3000 NM. 9826 36306 113200 177022 183011 374457 18 Gewinne zu 2000 NM. 7709 22066 32774 66520 106942 214922 238137 366010 371103 88 Gewinne zu 1000 RM. 6883 9257 17940 49787 54716 63855 66628 66910 127627 127803 143681 148736 158189 172125 173270 192351 194543 196481 195983 231604 240032 243243 246125 251238 252550 261236 267202 269973 278267 289099 292838 306463 306637 312164 314192 316765 331082 335692 342413 346914 349965 352486 361969 397620 500 NM. 6187 10803 18133 27126 123290 171824 211902 281438 325345 388436 129136 181059 212763 282303 335308 118198 163102 206111 238547 312322 359744 123256 165848 209450 259364 314211 369576 87733 115621 142531 198782 231986 299676 357997 133554 195086 230668 299207 340895 102 Gewinne zu _____ ____ _________ 27820 33471 51255 76788 83877 85310 88797 89538 98405 104064 110202 112390 160 Gewinne zu 300 RM. 892 3297 8015 22572 23275 25458 27349 33690 37319 46118 52016 52240 54890 61295 64386 67323 77454 78243 84622 90685 92882 102952 103663 105536 107257 112072 121624 122941 130755 131881 143080 147582 151486 155099 157982 158017 166200 213020 244688 266740 288055 319361 347681 364030 387597 167646 215044 244921 269331 289761 327144 347858 367517 388372 173476 225256 253872 270964 296014 327235 349377 368373 388420 194283 231661 259093 271023 305016 330284 353028 378166 396644 195488 237886 260953 284150 307610 336828 353892 383628 10963 41007 64673 99034 114103 143625 161519 207838 243643 261039 287179 318434 347061 356832 386954 Außerdem wurden 4566 Gewinne zZ 150 RPt. gezogen. Gießen, Seltersweg tu uns und bestätigt: ; Unsere, Neuheiten kosten nicht riet! VW - MD W MM teigen wir in unseren elegant ausgestalteten Fenstern jetet mit i all ihren verlockenden Neuheiten. t Mehr denn je lohnt sich ein Weg Ön der heutigen Nachmlttagsziehung wurden gezogen 2 Gewinne zu 5000 RM. 362855 14 Gewinne zu 3000 RM. 21166 43778 78728 180191 189012 189172 344478 14 Gewinne zu 2000 NM. 31645 31704 78643 81317 208847 300894 342240 133105 174365 223025 274363 327989 369798 390767 136044 197811 232339 287358 329839 373890 108891 146762 198930 233864 293199 344287 377137 112420 147165 220813 245298 302071 369532 385119 118851 160183 222637 268861 316367 366135 388150 51802 95329 135455 194663 226762 276426 328893 371253 ! 66810 238126 1000 RM. 1649 3394 34412 158257 223305 227882 1 66 Gewinne zu 78907 138212 239594 266699 324720 326895 367524 368871 269858 285371 287842 310396 330944 342112 361549 362690 369515 372261 373769 399734 104 Gewinne zu 500'RM." 457“~7838~’45871 55180 68665 81248 85844 87781 92817 105132 ------ ------ 122993 124280 160047 202289 227272 266445 299055 325193 361873 392022 136698 176641 205186 255350 283322 302090 339047 385805 166796 202627 250504 269423 301456 329167 363551 395075 168210 204284 264613 276494 301974 335123 381876 399802 137040 178918 205354 258098 297351 318252 345223 387988 JCw®Ä»u 300 5iK- 5866 6159 18910 64366 SSJ S 7808? S8g$ 1 ’g9^ JJ.43S7 117978 24138 45163 93514 119907 151410 193295 207489 261264 298619 324813 358432 389614 Außerdem wurden 3658 Gewinne zu 150 RM. gezogen. - 3m Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu je 1000000, 4 311 je 10000, 2 zu je 5000, 6 zu je 3000, 34 2UQnQ2OO°'< 104 3U fc 1000, 146 Zu je 500, 308 zu je 300, 6394 zu je 150 NM. Vornehm I Geschmackvoll I Persönlich I Diese wesentlichen Eigenschaften der guten Familien- Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Aus- führungsarten und Papieren zu mäßigen Preisen Brühl'sche Druckerei, Schulstr. 7, Ruf 2251 57715 -OPEL- 2,5 Ltr. 6 Zyl. »Super 6« von RM. 3350.— an ab Werk kurzfristig lieferbar Motorwagen- Verkauf sges. m. b. H Gieben Frankfurter Str. 52 / Ruf 2847 Ihre Vermählung geben bekannt Medizmalrai Or. Fritz Hermann ploch Annelies ploch, geb. Wünsche Äüren i. Wests. Warnemünde, parkstr. 9 10. September 1938 5770V Sonntag, den 11. September 1938, abends 20 Uhr, im »Burghof« FümrliiM 1. 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September 1958 Aus der Stadt Gießen. Aach der Ernte. Im Gonderzug der politischen Leiter nach Nürnberg Die letzten Wochen brachten den Bauern manche Sorgen. Das Getreide war reif, die heißen Tage tarnen, aber noch war der Schnitt nicht beendet, da setzte der Regen ein. Fast täglich strömte es vom Himmel. Das'Getreide war in Gefahr. Jede Stunde, jede Minute wurde dann, wenn die Sonne wieder hervorkam, oder der Wind ein wenig wehte, ausgenutzt, um schnell die Frucht einzufahren. Manche Garbe kam feucht in die Scheune, abfcr schließlich war bann doch alles unter Dach und Fach. Die Dreschmaschine konnte kommen. Und wenn man jetzt durch die Dörfer wandert, so hört man überall das eintönige Summen der Maschinen. Wohl sehnt der Bauer den Tag herbei, an dem er seine Vorräte dem Dreschwagen übergeben kann, aber noch froher ist er, wenn die Tage vorüber sind. Wohl krönt gewissermaßen die Dreschmaschine die Erntearbeit, indem sie das goldene Getreide fein säuberlich in die aufgehängten Säcke schüttet, und je mehr es ist, desto mehr lacht das Herz des Bauern Aber es ist doch ein schwerer Tag für alle, für Männer und Frauen, denn es sind gar viele Hände nötig, um die Arbeit bei der Dreschmaschine zu bewältigen. Frisch und mutig greifen alle an, wenn in der Morgenfrühe die Maschine ihren Pfiff ertönen läßt. Abgehetzt, verstaubt, mit entzündeten Augen vom Schmutz, sagen alle am Abend: Endlich! Aber ist der Tag noch so schwer, der Abschluß gleicht wieder alles aus, und ein Nachtessen am Dreschtage ist nicht zu verachten. Frisch gewaschen, mit gutem Appetit versehen, erscheinen die Arbeitsleute. Die Hausfrau legt ihre Ehre drein, daß alles in Hülle und Fülle da ist. Am Tage vorher wurden Kuchen gebacken, und frische Wurst und Braten fehlen auch nicht. Für die Getränke, die den staubigen Hals glätten sollen, sorgt der Hausherr. So ist es kein Wunder, wenn beim Dreschernachtessen bald alle Mühe vergessen ist und frohe Unterhaltung in Fluß kommt. Gar manche Schnurre wird erzählt, manche alte Geschichte aufgewärmt. Und nicht selten kommt es vor, daß ein altes Volkslied durch die stille Nacht ertönt. Das ist das Schönste, daß ein Lied den Tag abschließt. Die Frucht liegt nun auf dem Speicher. Der Bauer geht durch die Dorratsräume. Er ist froh, daß alles geborgen ist. Der Ertrag war, trotz des schlechten Wetters, gut. Langsam läßt er die goldenen Körner des Weizens durch die Finger laufen. Drüben liegt der Hafer. Er ist wohl etwas feucht und bedarf noch der Pflege. Dahinter kommt die Gerste und zuletzt der Roggen. Daraus wird das Brot gebacken: Unser täglich Brot! In einem besonderen Raum liegt das beste Getreide, sorgfältig aufbewahrt. Die schönsten Körner sind es: Die Saatfrucht. Nur noch einige Wochen, und der Bauer fährt hinaus ins Feld, um von neuem das eben gedroschene Getreide der Erde zu übergeben. N-eues Brot soll wachsen. H. Einst Kurhaus — jetzt Gauschule. LPD. Die Gauschule Büdingen, die der Schulung der Politischen Leiter der Kreise Alsfeld- Lauterbach, Büdingen - Schotten, Gelnhausen und Schlüchtern diente, war nur als Notlösung gedacht. Die Räumlichkeiten waren auf die Dauer zu klein. Kürzlich wurde nun das Kurhaus Bad Selters von der Partei erworben. Es wird hinfort als G a u f ch u l e für diese vier Kreise dienen. Das Haus vereinigt in sich alles, was es für eine Schulungsstätte der Partei geeignet macht. Neben großen Lehrsälen sind schöne und vorbildliche Schlaf- und Aufenthaltsräume vorhanden, dazu ein üzvoller Garten. Die neue Schule wird, nach geringfügigen baulichen Veränderungen, Mitte Oktober ihrer Bestimmung übergeben. M 1 l. . Links: Die Politischen Leiter des Kreises Wetterau treffen in ihrem Lager ein und werden von Kreisleiter Backhaus begrüßt. R e ch. t s : Der älteste Politische Leiter aus dem Gau Hessen-Nassau, Pg. Räder aus Ostheim bei Butzbach, im Gespräch mit dem Kreisleiter Backhaus. Pg. Röder wird am morgigen Samstag 71 Jahre alt. — (Aufnahmen [2J: Schwarz, Frankfurt a. M.) NSG. Ein letztes Grüßen der alten Stadt Büdingen, bann fährt ber Sonberzug mit den Politischen Leitern aus ben Kreisen 5ß etter au unb Büdingen-Schotten Nürnberg entgegen. In Gelnhausen und Schlüchtern steigen noch 'Marschteilnehmer zu. Bekannte von früheren Reichsparteitagen werben in ihren Reihen entdeckt unb begrüßt. In ben Abteilen herrscht frohe Stimmung. Mag es es auch immer noch trüb fein am Mittwochmorgen, bas macht nichts aus. Es gilt zu beweisen, baß jedes Wetter recht ist, echten Frontgeist zu behaupten. In Gemünden und Würzburg ist kurzer Aufenthalt. Freudig wird es von allen Kameraden begrüßt, daß die Fahrt zum Neichsparteitag am Tage durch- geführt wurde. Dadurch haben wir Gelegenheit, die wechselnde und immer schöne deutsche Landschaft zu erleben: Kinzigtal, Spessart und die Mainlandschaft ziehen an den Fenstern vorüber. Besonders die Weinberge an den Mainbergen erregen das lebhafte Interesse der Oberhessen. Immer näher kommen wir dem Ziele. Deutlich zeigen es die anliegenden Ortschaften. Die Bahnhöfe sind festlich geschmückt, die Häuser zeigen reichen Flaggenschmuck, und frohe Menschen grüßen und winken uns zu. Auf den Bahnhöfen werden Scherzworte gewechselt. Von allen Seiten schallt lautes Lachen. Und dann sind wir in Fürth. Man merkt die unmittelbare Nähe Nürnbergs und die jahrhundertelangen engen Beziehungen: denn schon Fürth steht ganz im Zeichen "bes Reichsparteitages. Es gleicht einem einzigen Flaggenmeer. Langsam fahren mir um Nürnberg herum. Immer ist ber Blick auf bie schöne Stabt unb bie frönende Burg gewandt. Plötzlich klingt Musik ans Ohr. Reichsarbeitsdienst marschiert mit blinkendem Spaten burch bie Straßen. Ein herrliches Bild! Dann sind wir am Ende ber Fahrt. Der Zug läuft im Bahnhof Dutzenbteich ein. Nach herzlicher Begrüßung geht es in unser L a q e r Moorenbrunn, weit draußen in der Nähe des SA.-Lagers Langwasser. Hessen-Nassaus Frauen in Nürnberg. NSG. Am Reichsparteitag nehmen in diesem Jahre 500 Frauen der NS.-Frauenschaft des Gaues Hessen-Nassau teil. Die hessen- nassauischen Frauen sind ausnahmslos sehr gut in Privatquartieren in den Stadtteilen Steinbühl und Galgenhof untergebracht. Im Standquartier des Gaues Hessen-Nassau in der Humboldstraße herrscht Hochbetrieb. Hier laufen die Fäden der Organisation zusammen, die für die Unterbringung von 500 Frauen notwendig ist. Die Gaufrauenschaftsleiterin, Pgn. Westernacher, bestätigt als Sprecherin der Frauen aus Hessen- Nassau, daß sie alle in Nürnberg sehr gut untergebracht sind. Schon mit der Stunde der Ankunft setzte die Betreuung durch die Ortsgruppen Steinbühl und Galgenhof ein. Ein Lotsendienst brachte die Frauen in ihre Quartiere. Die Gastgeber sind bestrebt, alles für ihre Reichsparteitagsgäste zu tun. Nürnberger und Hessen-Nassauer verstanden sich bald aufs beste. Es herrscht das herzlichste Einvernehmen zwischen Gastgebern und Gästen. Das große Erlebnis, die erhebenden Tage in Nürnberg miterleben zu dürfen, wird den Frauen unseres Gaues unvergeßlich bleiben. Verwaltungs-Neuordnung im Kreise Gießen. Künftig Landkreis Gießen. — Stadt Gießen wird selbständiger Stadtkreis. — Zuwachs des Landkreises Gießen durch Gemeinden aus dem Kreise Schotten. Im Zuge der Verwaltungsreform in Hessen ist nach der Aufhebung der hessischen Provinzen und nach der Auslösung ber Kreise Bensheim, Schotten unb Oppenheim von bem Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Sprenger, als Führer ber Landesregierung mit Zustimmung ber Reichsregierung am 9. August 1938 ein Gesetz beschlossen worben, nach bem bie fünf Städte Darmstabt, Gießen, Mainz, Offenbach unb Worms mit Wirkung vom 1. Oktober 1938 ab aus ihren bisherigen Kreisen aus scheiben unb selbstänbige Kreise, sag. Stadtkreise, unb staatliche Verwaltungsbezirke werben. Das Ausscheiben ber Stabt Gießen aus bem Derbanbe bes Kre »ifes Gießen bringt eine Verlagerung in ben öffentlichen Aufgaben, fernerhin natürlich auch Auswirkungen für bie Finanzwirtschaft ber Stabt unb bes Kreises Gießen mit sich. Alle Einzelheiten biefer Veränderungen find heute noch nicht abzusehen, da erst die nächsten Wochen die Durchführung des Gesetzes bringen werden, hierzu auch noch die näheren Anordnungen des Reichsstatthalters in Hessen (Landesregierung) zu erwarten sind. Immerhin kann man jetzt schon bis zu einer gewissen Grenze die Neugestaltung der Verwaltungs- und Aufgabenbefugnisse erkennen. Zunächst ist die bedeutsame Veränderung festzustellen, daß mit dem Ausscheiden der Stadt Gießen aus dem bisherigen Kreisverband dieser um die Zahl ber runb 36 000 Gießener Einwohner unb um bie Fläche bes last 42 qkm großen Gießener Stabt- gebietes verkleinert wirb. Mit biefer Neugestaltung werben auch bie bisherigen finanziellen Leistungen ber Stabt Gießen an ben Kreisoerbanb in- absehbarer Zeit in Fortfall kommen — man benke an bie Kreisumlagsn — jeboch sind hierüber heute noch keine genauen Angaben möglich, da zunächst die Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetz vom 9. August abzuwarten sind. Wenn Gießen nach dieser Richtung hin auch eine Verminderung seiner finanziellen Leistungen an den Kreisoerbanb erfahren wird, so steht doch dem gegenüber, daß dem neuen Stadtkreis mit ber Uebernahme ber bisher vom Kreis Gießen bearbeiteten Aufgaben auch ent- sprechenbe finanzielle Aufwendungen erwachsen werden. Di-ese neuen Aufgaben f ü r den Stadt- k r e i s G i e ß e n, die er vom Kreis zu übernehmen hat,, sind z. B. auf folgenden Derwaltungsgebieten zu erblicken: 1. Handels- unb Gewerbewesen in ber Stadt Gießen (insbesondere Einzelhanbels-Schutzgesetz, Erteilung von Wanbergewerbescheinen unb Wander- Legitimationspapieren usw.). 2. Verkehrswesen im Gießener Stabtgebiet (Zulassung von Kraftfahrzeugen, Erteilung von Führerscheinen, Genehmigungen für ben Güterfernverkehr, Aufsicht nach bem Personenbeförberungsaesetz usw.). 3. Staatsangehörigkeitswesen im Stabtgebiet (Anträge auf Einbürgerung, Erteilung von Staatsangehörigkeitsausweisen und Heimatpapieren usw.). 4. Naturschutz unb Denkmalschutz im Stabtgebiet. Kannst du zurück, Dore? Roman von Hedda Lindner. Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35. 10 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Zuerst fühlte sie nur eine grenzenlose Überraschung über dieses Zusammentreffen. So also verbrachte er die. Tage, wenn sie durch ihr Bribge- spiel fejtgef)alten war. Ihre zweite Regung war, sich das Mädchen anzusehen, was jede Frau in dieser Lage tun würde. Sie beugte sich wieder vor und musterte sie eingehend, soweit das ungewiße Licht — der Hauptfilm rollte, inzwischen ab — es zuließ. Was sie sah, enttäuschte sie: ein ziemlich unscheinbares Wesen und durch nichts besonders anziehend. Sie schüttelte unwillkürlich tadelnd den Kopf: Sie hätte Rudolf einen besseren Geschmack zugetraut. Vielleicht gefiel ihm das schmachtende Getue; er war entschieden zärtlich veranlagt und kam darin bei ihr erheblich zu kurz. Dafür würde er ihr morgen erzählen, wie lang dieser Tag ohne sie gewesen war, und wie er sich nach ihr gesehnt hatte, eine ganz überflüsige Erklärung, denn sie fragte ihn nie, wie er die Tage verbrachte, an denen sie sich nicht sahen. Sie sah wieder zu den beiden hinüber. Ein merkwürdiges Gefühl war es doch, den Mann, den man eigentlich heiraten sollte, so neben einer andern Frau zu beobachten. Aber sie wollte ihn ja gar nicht heiraten. Und mit einem Male gingen alle anderen Gefühle — Ueberraschung, Verstimmung und ein wenig auch gekränkte Eitelkeit — unter in einer riesengroßen Erleichterung. Jetzt gab er selbst ihr den Anlaß zu der entscheidenden Aussprache. Nur durfte er fie hier nicht sehen. Eine solch peinliche Lage mußte sie sich unb ihm ersparen. Geräuschlos stand sie auf unb verließ das Kmo. Friederike war noch auf und kam aus der Küche, als sie die Haustür schließen hörte. „Schon zurück. Ich denke, Sie wollten noch ins Kino?" „War ich auch, ich bin nur früher fortgegangen. „Ach, hat Ihnen ber Film nicht gefallen?" Friederike hängte sorgsam Dores Mantel über den Bügel. * „Der Film? Doch — aber ... Friederike, ich werde Dr. Niemeyer nicht heiraten", sagte Dore in plötzlichem Entschluß. Das derbe, gutmütige Gesicht vor ihr zeigte keinerlei Ueberraschung. ,Das habe ich mir wohl schon gedacht", meinte sie gelassen. „Ach nein!" Dore drehte sich verblüfft um. Warum? — Wieso? —M Friederike hob etwas die'Schultern. „Sie sind ja fein bißchen richtig verliebt gewesen, Sie haben ja bloß manchmal vor sich selber so getan", stellte sie ruhig fest. „Friederike!" „Na, es ist doch so. Ich bin doch auch mal jung gewesen und weiß, wie es ist. Und damals bei Ihrem Manne, da wußten Sie es auch. Da zap-. pelten Sie ja doch immer nach der Post, unb wenn's nur 'ne Karte war. Aber jetzt — ba zappeln Sie noch nicht mal, wenn er selber kommt. Unb benn ist es ganz gut, wenn Sie ihn nicht heiraten. Da kommt benn doch nichts dabei 'raus", schloß sie energisch. „Ach Frieberike, ich hätte mich nicht verloben sollen. Es war eine furchtbare Torheit von mir", sagte Dore verzweifelt. Friederike war ihr ins Zimmer gefolgt unb half ihr beim Ausziehen. „Sie werben schon _bamals gedacht haben, daß es das Richtige ist", tröstete fie. „vielleicht sollte Herr Niemeyer Ihnen helfen unb konnte es bann boch nickt." Dore, bie gerabe Jm Begriff war, bie Strümpfe abzustreifen, fuhr mit einem Ruck van ihrem Bett hoch- . „Mir helfen, wie meinst bu bas, Friederike?" fragte sie ein wenig atemlos vor Schreck. , Das alte Mädchen sah sie einen Augenblick nachdenklich an, ehe sie sich zur Antwort entschloß. Und als sie bann sprach,, schlug sie unwillkürlich ben alten, vertrauten Ton der Kinderzeit an. „Sehen Sie, Dorle, ich kenne Sie boch von dem Augenblick an, da Sie als Säugling vor mir auf der Wickelkommode strampelten, und da soll ich nicht gemerkt haben, daß Sie seit bem Sommer anders geworben sinb, baß Sie etwas quält, womit Sie nicht recht fertig werben fönhen. Da hat Ihnen Dr. Niemeyer helfen sollen, benke ich, unb nun sehen Sie, baß er bas nicht kann." Dore sah sie an. Dann warf sie bie Arme über bas Kopfkissen unb begann zu meinen, stoßweise, heftig zu meinen. .. Frieberike sagte gar nichts. Sie ging geräuschlos im Zimmer umher unb räumte bie Sachen roeg. Erst als bas Weinen nachließ, trat sie an bas Bett. „Nun aber gleich schlafen, Dorle! Morgen sieht alles schon viel besser aus." : Dore überließ sich willig unb dankbar den sorgenden Hänben. Als bas Licht gelöscht mar, seufzte sie noch ein paarmal tiej auf unb fiel enblich in einen festen, traumlosen Schlaf. Am nächsten Tage sah mirklich alles besser aus. Nicht gerabe heiter, aber menigftens bie guälenbe Unsicherheit mar gemichen, unb fie mußte nun enblich ihren. Weg. Sie mürbe Grünhagen für längere Zeit verlassen, nicht nur, um ben Redereien aus dem Wege zu gehen, vor allem, meil dieses bequeme Dasein fie nicht mehr befriedigen konnte. Sie brauchte eine Tätigkeit, die fie ganz ausfüllte und so sehr in Anspruch nahm, daß sie keine Zeit mehr hatte, der Vergangenheit nachzuhängen. Zurück in ihr gemahntes Leben konnte sie nicht wieder, das hatte sie nun begreifen müssen, al er fie war eine viel zu energische Natur, um sich durch diese Erkenntnis entmutigen zu lassen. Wenn es fein .Zurück mehr gab, so gab es doch immer noch ein Vorwärts. Man mußte nur den Mut haben, einen neuen Weg zu gehen. Nur mußte sie sich vor allem mit Niemeyer aussprechen, und ihr graute ehrlich davor; es kam bei sogenannten Aussprachen nicht viel heraus. Einen Augenblick dachte sie an Schreiben, aber dann verwarf sie diesen Ausweg wieder. Es war feige, und Niemeyer hatte ein Recht darauf, daß sie ihm Rede unb Antwort stanb. Es paßte gut, baß ber nächste Tag ein Freitag mar. Freitags mar Dr. Niemeyer schon gegen fünf Uhr frei unb holte seine Braut meist zu einem Spaziergang ab. Nur menn bas Wetter sehr schlecht war, trank er in ihrem Zimmer Kaffee, unb sie unterhielten sich bis zum Abenbessen. Es kam aber selten vor, baß Dore bas Wetter „zu" schlecht fand, unb in ben letzten Wochen mar sie von jeber Witterung begeistert gemesen, um bieten Kaffeestunben zu entgehen. Weil er bqs Alleinsein natürlich zu Zärtlichkeiten benutzte, unb weil sie biefe Zärtlichkeiten einfach nicht mehr ertrug. Sie schalt sich selbst ungerecht und unbiszivli- niert, aber seine Art und Weise ging ihr voNTag zu Tag mehr auf bie Nerven. Heute tobte ber Vorfrühling feine schlechte Laune in wilben Graupelschauern aus; bie Kaffeestunbe war nicht zu umgehen. Aber biesma! war Dore froh barüber, war es boch bie beste Gelegenheit zu sagen, was gesagt werben mußte. Es klingelte. Sie hörte bas Mädchen die Tür öffnen und bald darauf den kratzenden Laut auf ber Matte, mit bem er feine Schuhe abtrat. Er machte bas immer sehr gründlich und umständlich, und es gehörte auch zu den Dingen, die ihr auf die Nerven gingen. „Altjüngferliche Angewohnheiten", nannte fie es einmal gereizt; denn er machte es genau so, menn das Wetter draußen trocken mar;-sie vermied es seitdem, ihn im Flur zu begrüßen. Er trat ein, einen Strauß Veilchen in der Hand. „Wie herrlich sie duften!" sagte Dore und steckte ihr Gesicht hinein. Dadurch konnte sie seinem Be<- grüßungskuß ausmeichen. Er streifte nur flüchtig ihre Wange. Sie faßen sich gegenüber. Dore schenkte Kaffee ein und hätte beinahe etmas verschüttet, so zitterte ihre Hand vor Aufregung. Sie mären immt-tfm monatelang verlobt gemesen, mit all den kleinen Vertrautheiten, die es mit sich bringt, und sie mar ehrlich genug sich zu sagen, daß er sich immer tadellos benommen hatte. Sie mar im Unrecht, sie ganz allein, und dies Bemußtsein erleichterte ihr die Sache mahrhaftig nicht. In ihrer Bedrückung seufzte fie tief auf, und da gab es ihr unbewußt das Stichwort. „Du feufzst ja so, siehst auch blaß aus. Ist dir euer Bridge gestern abend nicht bekommen?" fragte er halb scherzend. „Wir haben, nicht Bridge gespielt. Frau Wiemann hatte Grippe." Dann — mit einem Ruck „Ich mar in der Stadt gestern. Im Kino — in der Alhambra!" „In der ..." Die Tasse klirrte leise, als er sie niedersetzt. Sie sahen sich beide an und schwiegen, nur eine dunkle Röte hatte sich langsam über sein Gesicht gebreitet. Es ist schrecklich, einen Mann erröten zu sehen, dachte Dore und schlang in einer ratlosen und peinlichen Verwirrung bie Finger ineinander. Sie hatte sich so viele vernünftige Sätze zurechtgelegt, unb jetzt — mit einem Male — war ihr Hirn wie ausgeblasen. Er brach zuerst bas Schweigen. „Ich nehme an, dost bu mick gesehen.hast?" Seine Stimme war heiser. Dore nickte „Ja!" „Unb —" er räusperte sich „unb beabsichtigst bu irgenbwelche Folgerungen baraus zu ziehen''" Jetzt könnte ich ja sagen unb mich hinter strengen moralischen Anschauungen verschanzen, dachte Dore; es wäre bequem unb feige. Ich will nicht roieber feige sein, unb er hat es auch nicht oerbient. „Die Dinge liegen nnbers als bu glaubst, Ru- botf", sagte sie beherrscht. Run sie in ber gefürchteten Unterrebung brin war, hatte fie ihre Ruhe miebergefunben. ,',Das, was ich gestern abenb sah, ist allenfalls ein äußerer Anlaß zu einer Aussprache, bie ich ohnehin herbeiführen wollte. Ich—" — es war boch sehr schwer, ihm bas so geradezu ins Gesicht zu sagen — „ich kann bich nicht heiraten." 'Fortsetzung folgt!) Strenge Strafen im Wilderer-Prozeß Odenweller. im B. Volkspflegerin im Dienste der Gememschafl Aufgabe der Volkspflegerin nicht nur der Kampf neuen Stadtkreis von dem Oberbürgermeister oder dem Polizeidirektor wahrgenommen, soweit der Ren' " " '■ ’ ' " richten, noch überhaupt hiervon etwas zurückzahlen, wenn er bei seiner Landarbeit bleibt. Ar, beits- und Wehrdienst sowie Zeiten der Krankheit oder der Erwerbslosigkeit werden auf die Tätigkeit in der Land- und Forstwirtschaft oder als ländlicher Handwerker ungerechnet. Besonders wichtig ist die Bestimmung, daß auch solche Personen als Land- arbeiter oder als ländliche Handwerker gelten, die im land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb oder im ländlichen Handwerksbetrieb von Verwandten ansteigender Linie überwiegend beschäftigt sind, wie z. B. Bauernsöhne und -töchter oder Kinder von ländlichen Handwerkern, die auf dem elterlichen Hof oder im" elterlichen Betrieb arbeiten. ** Die H an d verbrannt. In einem Wirt- schaftsbetrieb in der Bahnhofstraße zog sich eine 26jährige Hausangestellte bei der Arbeit am Herd eine schwere Verbrennung an der rechten Hand zu. Die Verunglückte mußte in die Chirurgische Klinik gebracht werden. Seit drei Tagen vermißt. ichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — Rahmen der reichsrechtlichen Regelungen nichts anderes bestimmt. An Stelle des Kreisausschusses 5. Jagd- und Fischereiwesen, Durchführung des Pachtgesetzes (Lahn). 6. Schornsteinfegerwesen. 7. Gesundheitspolizei (Veterinärpolizei). 8. Landwirtschaftliche Angelegenheiten im Stadtgebiet (Grundstücksverkehrs-Bekanptmachung). 9. Begutachtung der Ortsbaupläne innerhalb der Stadt Gießen. 10. Enteignungs-Angelegenheiten innerhalb der Stadt Gießen. 11. Ueberncchme vor Aufgaben des Kreisaus- fchusses als Derwaltungsgericht erster Instanz, soweit bei diesen Angelegenheiten die Stadt Gießen in Betracht kommt. Rach dem Gesetz vom 9. August werden die Geschäfte der allgemeinen Landesverwaltung, die nach den Gesetzen und Verordnungen von dem Kreisdirektor (Kreisamt) und die von dem Kreisausschuß im Beschlußvefahren zu erledigen sind, in dem Dornotiren. Tageskalender für Freitag. Gloria-Palast (Seltersweg): .„Urlaub auf Ehrenwort". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Ehrenlegion". — Stunde der Hausfrau: 16 und 20 Uhr, „Germania" (Kaiserallee 141), Weiß-Wasch-Vor- sührungen. — „Bayerischer Hof", 14 und 20 Uhr: Zuschneide-Dorführungen. Heiratserleichterung für Landarbeiter. nach anderen Städten versetzt worden sind. Dieser Stand der Neuordnung der Gießener Kreis- verwaltung durch die Schaffung des Stadtkreises Gießen und durch die Auflösung des Kreises Schotten ist irh gegenwärtigen Zeitpunkt erkennbar. Die weiteren Schritte der Umgestaltung dürften in aller Kürze wohl ebenfalls zutage treten. Volkspflegerin im Dienste der Gemeinschaft. RSG. Durch den ständig zunehmenden Ausbau des Gesundheitswesens und durch die immer größer werdenden ’ Aufgaben der NS.-Volkswohlfahrt ist die vermehrte Ausbildung von Volkspflegerinnen eine der dringlichsten Forderungen innerhalb der sozialen Berufe. Die Wirkungsmöglichkeiten der staatlich anerkannten Volkspflege, rin sind außerordentlich groß und vielseitig: sie wird angesetzt in Jugend- und in staatlichen Gesundheitsämtern, im Reichsmütterdienst, in Industrieunternehmungen als soziale Betriebsarbelterin in Arbeitsämtern als Arbeitsoermittlerin und Berufsberaterin. Die Volkspflegerin mit akademischer Vorbildung ist am besten geeignet für den Unterricht an sozialen Frauenschulen für Volkspflege. Auch für den liebergang zur weiblichen Kriminalpolizei wird das Examen als Volkspflegerin verlangt. Von besonderer Bedeutung» ist die Arbeit der Volkspflegerin in der NS. -Volkswohlfahrt Hier wird jie tir erster Linie für die Durchführung der Aufgaben des Hilfswertzs „Mutter und Kind'? der Iugendhilfe und für besondere Aufgaben der Gesundheitsfürsorge eingesetzt. Der Ort ihrer Tätigkeit ist vor allem die Kreisamtsleitung der NSV Man findet sie darüber hinaus aber auch- schon in größeren Ortsgruppenamtsleitungen, in den Ge- sundheitsstatlonen des Hilfswerkes „Bayerische Ostmark" und vor allem als Sachbearbeiterin in den Gauamtsleitungen. In mancher Beziehung unterscheidet sich die Tätigkeit der NSV.-Volkspflegerin von der einer kommunalen Fürsorgerin oder einer Gesundheitspflegerin des staatlichen Gesundheitsamtes. Ihre wichtigste und schönste Aufgabe ist die der Menschenführung. Neben organisatorischen Fähigkeiten muß die Volkspflegerin daher vor allem pädagogische Begabung besitzen. Die Aufgabe der Menschenführung erstreckt ulcht nur auf die einzelne Erziehungsarbeit, die die Volkspflegerin an dem hilfesuchenden Volksgenossen oder an der Mutter zu leisten hat vielleicht noch größer ist diese Ausgabe bei der Gewinnung und Schulung der ehrenamtlichen Helferinnen, die für die Durchführung der großen «Ausgaben Heuchelheim, 9. Sept. Der hiesige Orts- diener wurde seit drei Tagen vermißt. Er ent- sernte sich mit dem Fahrrad. Seine Aktentasche wurde inzwischen im Walde zwischen Klein, und Großen-Lmden aufgefunden. Don ihm selbst fehlte bis heute früh jede weitere Spur. Bei einer Suche ber Gendarmerie sand man den bedauernswerten Mann heute früh im Walde bei Großen-Linden erhängt auf. Offenbar kommt Selbstmord in Betracht. gegen alle soziale und wirtschaftliche Not, gegen gesundheitliches und sittliches Elend, sondern vor allem auch eine ausgesprochene erzieherische Aufgabe, die viel Liebe, Takt und Derantwortungs- bewußtsein fordert. Die angehende Volkspflegerin (früher Fürsorgerin oder Wohlfahrtspflegerin genannt) erhält ihre Aus- bildung in den sozialen Frauenschulen für Volks, pflege. Während der Ausbildungszeit werden den Schülerinnen die theoretischen und praktischen Kenntnisse vermittelt, die notwendig sind, um allen Anforderungen, dre sich aus der sozialen Praxis ergeben, gerecht werden zu können. Die Ausbildung hat aber auch zum Ziel, den Schülerinnen in der nationalsozialistischen Auffassung vom Wesen der Wohlfahrts- und Gesundheitspflege die Grundlage zu geben, von der aus ihr späteres Wirken bestimmt wird. LPD. Nach der Verordnung des Beauftragten für den Dierjahresplan zur Förderung der Landbevölkerung vom 7. Juli 1938 kann dem Landarbeiter bei der Verehelichung ein Heiratsgeld von insgesamt etwa 1800 Mark gewährt werden. Erstens erhält der Landarbeiter das übliche Ehestandsdarlehen, das mit etwa durchschnittlich 600 Mark anzusetzen ist. Dieses Ehestandsdarlehen wird zinslos gestundet und nach zehn Jahren gänzlich erlassen, wenn die Ehegatten nachweisen, daß etr^er von ihnen während der Stundungsfrist 10 Jahre ununterbrochen in der Land- oder Forstwirtschaft oder als ländlicher Handwerker tätig gewesen ist. Ländliche Handwerker im Sinne des Gesetzes sind Handwerker, die ihre Berufstätigkeit in einer länd- lidjen Gemeinde ausüben. Ferner kann auf Antrag außer dem Ehestandsdarlehen ein Cinrichtungs- darlehen im Betrage von 800 Mark gewährt werden, wenn beide Ehegatten in den letzten fünf fahren ununterbrochen eine Tätigkeit in. der Landwirtschaft ausgeübt habesi. Wenn dies nur für einen der beiden Ehegatten zutrifft, so beträgt das Einrichtungsdarlehen 400 Mark. Die Gewährung des Ehestandsdarlehens ist gleichfalls an die Bedingung geknüpft, daß einer ber Ehegatten vor der Che- .z schließung mmbestens fünf Jahre lang landwirt- schaftlich tätig gewesen ist. Das Ehestanbsdarlehen wird in Bebarfsdeckungsscheinen für Möbel unb Hausrat gewahrt, währens das Einrichtungsbar' lehen m bar gezahlt wirb, lieber feine Verwendung bestehen keine Vorschriften, so baß cs auch zur Beschaffung von Vieh unb sonstigem Wirtschafts- gerat dienen kann. Es wirb durch Arbeit getilgt unb vermindert sich nach Ablauf von 10 Jahren um 500 Mark, in jedem weiteren Jahre um 100 Mark, sc daß es normalerweise nach 13 Jahren getilgt ist. Außerbem kann ein Einrichtungszuschuß von 400 dzw. 200 Mark gewährt werben. — Dieser Einrichtungszuschuß, der alle fünf Jahre erneut gezahlt wirb, ist nicht rückzahlbar unb weder übertragbar noch pfändbar. Er ist also seinem Wesen nach als Treueprämie anzusprechen. Insgesamt kann demnach ber Landarbeiter bei seiner Verhei- ratung an Ehestandsdarlehen, Cinrichtungsdarlehen unb Cinrichtungszuschüssen rund 1800 Mark erhalten. Er braucht hierfür keine Zinsen zu ent- Dorbedingung für den Berus der Volkspflegerin ist der Nachweis einer abgeschlossenen Fachausbildung, z. B. als Kranken- und Säuglingspflegerin, Kinderpflegerin oder Kindergärtnerin. Aber auch eine vierjährige Berufstätigkeit wird als Fachausbildung gewertet. Aus den allgemeinen Aufnahmebedingungen ist als Wichtigstes zu entnehmen: das vollendete 20. Lebensjahr, ber Nachweis ber arischen Abstammung unb hauswirtsckaftlicher Kenntnisse, eine hinreichende Allgemeinbildung, die burch das Zeugnis ber mittleren Reife, bei Volksschulbildung durch eine Vorprüfung nachgewiesen werden muß. Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Zur Vertiefung des theoretischen Unterrichts werden Uebungen, Arbeitsgemeinschaften und Besichtigungen von Wohlfahrtseinrichtungen und Betrieben durch- aeführt. Die praktische Ausbildung erfolgt unter Anleitung einer staatlich anerkannten Volkspflegerin in den Dienststellen der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege. Während ber Ausbildungszeit wohnen die Schülerinnen in Kameradschaftsheimen, die den sozialen Frauenschulen angegliedert sind. Die Ausbildungskosten betragen einschl. Wohnung unb Verpflegung RM. 65,00 bis RM. 90,00 monat- lich. Können die Kosten ganz ober teilweise nicht aufgebracht werden, so besteht die Möglichkeit von der N-s.-Dolkswohlfahrt notwendig sind. So ist die Stipendien “ 1 OlirrnnPiA hnr 'Rnl . -Ll ...... < n - r ' **EntflohenerStrafgesangenerwie- ber gefaßt. Am 2. September ging ein Strafgefangener der Strafanstalt Frankfurt a. M.- Preungesheim, der eine längere Freiheitsstrafe erhalten unb bauen noch einen erheblichen Teil zu verbüßen hatte, bei Außenarbeiten flüchtig. Der Ausreißer lenkte seine Schritte nach Oberhessen unb kam babei bis in die Nähe bes Dorfes Rödgen bei Dießen. Hier ereilte ihn sein Geschick, denn er mürbe am 5. September gefaßt unb sofort in gehöriger Weise bingfest gemacht. Nun ging die Reise 3U ber Strafanstalt zurück, wo ber Flüchtling für Heine eigenmächtige Entfernung natürlich noch .'inen Denkzettel zu gewärtigen haben wirb. bogens verlausen sei, als unglaubwürdig. Der Strafantrag lautete auf fünf Monate G e - f ä n g n i s. Das Plädoyer der Beseitigung. Nach dem Plädoyer des Staatsanwaltes ergriff ber Verteidiger ber Angeklagten aus Krans- berg-Friedrichstal bas Wort. Er befaßte sich zuerst mit den Straftaten, die die Anklage dem Angeklagten Lauer zur Last legt. Gewerbsmäßiges Wildern sei bezüglich dieses Angeklagten nicht gegeben. Weiterhin habe Lauer auch nicht den Tatbestand ber gewerbsmäßigen Hehlerei erfüllt. Der Zeuge W., der als Wildhändler von Lauer Wilb gekauft habe, habe ausgefagt, daß er von diesem Anaeklag- ten nur wenig Wild erhalten habe. Andere Zeugen hätten bekundet, daß L. nichts davon gewußt habe, daß das Wild unrechtmäßig erlegt worden war bzw., daß diejenigen, die ihm den Fund von Wild mitteilten, dessen widerrechtliche Schützen waren. Gewerbsmäßige Hehlerei setze aber voraus, daß ber Täter außerdem sich burch sein Tun eine Erwerbsquelle verschafft habe. Nach den Zeugenaussagen könne davon keine Rede fein. Hätte L. wirklich gewerbsmäßig gehehlt, bann wäre seine finanzielle Lage nicht so schlecht gewesen, wie sie es tatsächlich ist. Es wäre dann insbesondere auch nicht erforderlich gewesen, bas Entschuldungsverfahren gegen ihn burchzuführen. Wenn die Anklage ihm weiterhin vorwerfe, von falschen Ursprungsscheinen Gebrauch gemacht zu haben, so lägen die Fälle schon lange Zeit zurück. Er sei der Auffassung, daß auch sie unter die Amnestie fallen müßten. Was den Angeklagten Josef Dbenmeller betreffe, so fei dieser nicht, wie die Staatsanwaltschaft es angenommen habe, trotz seiner zahlreichen strafbaren Handlungen, die ihn auf die Anklagebank gebracht hätten, als Gewohnheitsverbrecher gemäß § 20a StGB, zu betrachten. Der Angeklagte sei nicht vorbestraft, ber Bürgermeister und verschiedene Zeugen hätten ihm ein gutes Zeugnis ausgestellt. (Der Angeklagte bricht in Tränen aus und meint fast während ber ganzen Sitzung.) Der unglückselige Schuß auf den Förster Nothnagel läge, wie die meisten der ihm zur Last gelegten strafbaren Handlungen, Jahre zurück. Alle diese Delikte seien verjährt oder fielen unter eine Amnestie. Er habe sich lediglich wegen bes Wilderns eines Hirsches und eines Bockes zu verantworten. Der Verteidiger bat, gegen diesen Angeklagten, ber in. ärmlichen Verhältnissen lebe, nicht auf eine Zuchthausstrafe, sondern auf eine Gefängnisstrafe zu erkennen. Was die strafbaren Handlungen des Karl Oden weller und des Matern betreffe, so lägen hier die Dinge durch das Geständnis klar. Auch Karl Odenweller, der in sauberen und geordneten Verhältnissen lebe unb gut für seine Familie sorge, sei kein Gewohnheitsverbrecher. Der Verteidiger hob hervor, baß dieser Angeklagte, wie sein Bruder, bereits seit zehn Monaten sich in Untersuchungshaft befänbe. Was den Matern betreffe, so sei dieser meistens nur mitgegangen. Er habe eigentlich nur einmal einen Frischling erlegt. Dieser Angeklagte versorge fleißig eine kleine Landwirtschaft und habe außerdem noch seine alte Mutter zu versorgen. Nach den längeren Ausführungen dieses Verteidigers ergriff der Anwalt bes Angeklagten Thyssen das Wort. Er führte eingangs aus, daß er den Eindruck habe, der Geist des ermordeten Bürgermeisters Wilhelm Odenweller überschatte ba'$ Verfahren, ein Schatten, ber noch durch den Schuß auf den Förster Nothnagel verstärkt werde. Um den Angeklagten gerecht werden zu können, müsse man diesen Schatten beiseite räumen. Für die Gemeinde Kransberg sei es ein Gutes, daß nicht noch mehr ihrer Einwohner auf der Anklagebank säßen, auf die sie eigentlich gehörten. Aus diesem unerfreulichen Milieu rage der Angeklagte Thyssen,, der aus einer sehr achtbaren Familie stamme, heraus. Er sei es auch gewesen, ber Reue gezeigt habe. Thyssen stecke nicht mit ber Kransberger Bevölkerung unb den Angeklagten unter einer Decke. Er habe lebiglich nicht die nötige Vorsicht walten lassen. Er sei als Iagdliebhaber nur durch seinen Wunsch, einen kapitalen Hirsch zu schießen, in die Kransberger „Jagdgesellschaft" hineingeraten. Im Falle des Abschusses des Stückes tritt im Derwaltungsstreitverfahren als untere Inst anz ein Stadtverwaltungsgericht. Beim Kreis Gießen bleibt jedock neben dem Kreisausschuß als untere Instanz für Angelegenheiten der Landgemeinden bas Bezirksoerwaltungsgericht als nächsthöhere Instanz im Verwaltungsstreitverfahren für bre Kreise ber ehemaligen Provinz Oberhessen unb nunmehr auch für ben Stadtkreis Gießen bestehen. Auf b^m Gebiete bes Fürsorgewesens wirb durch bas Gesetz vom 9. August keine Verlagerung von Aufgaben vom Kreis auf die Stabt eintreten, da bie Stabt Gießen bisher schon ein eigener Für- sorge-Derbanb war unb innerhalb ihres Gebietes die Aufgaben ber öffentlichen Fürsorge selbständig erfüllte. Verliert der Kreis Gießen durch das Ausscheiden der Stadt Gießen einen Teil seines bisherigen Besitzstandes, so erhält er durch die Auslösung des Kreises Schotten, bie am 1. Oktober 1938 in Kraft tritt, eine Anzahl Oemeinben unb selbständige Gemarkungen als neues Kreis- gebiet zur Betreuung zugewiesen. Von dem Kreise Schotten kommen zum Kreise Gießen am 1. Oktober 1938 hinzu: bie Gemeinben Freienseen, Gonterskirchen, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld, ferner bie selbständigen Gemarkungen Laubacher Wald I, II unb III unb Stockhäuser Hof. Die Einwohnerzahl biefes neuen Kreisgebjetes beläuft sich auf runb 5000 Köpfe. Die Fläche des Kreiszuwachses stellt insgesamt runb 9300 Hektar bar. Mit ber Uebernahme biefer Orte in die Verwaltung bes Kreises Gießen sind natürlich ebenfalls Auswirkungen auf die Finanzwirtschaft verbunden, denn ber Anteil dieser Gemeinden an ben Kreisumlagen, ber bisher an die Verwaltung des Kreises Schotten ging, wird künftighin an die Kasse des Kreises Gießen zu zahlen fein. Genaue Angaben über das Ausmaß dieser Veränderung sind heute noch nicht möglich, da auch hier gegenwärtig noch alle Dinge in Fluß sind. Selbstverständlich werden aus dem Aufgabengebiete dem Kreise Gießen neue Verpflichtungen erwachsen, denn er wird für die hinzukommenben Gemeinden künftighin z. B. die öffentliche Fürsorge und Wohlfahrtspflege, das Feuerwehrwesen usw. zu betreuen haben. Ferner wird eine Neuordnung hinsichtlich der Gendarmerie- Verwaltung kommen, für bie mit dem Amtssitz in Laubach eine Genbarmeriestation mit zwei Bezirken ins Auge gefaßt wirb. Natürlich werben auch bie Kreispolizeiverorbnungen des Kreises Gießen vom 1. Oktober ab ihre Wirksamkeit auf bie neuen Kreisgemeinben erstrecken. Dagegen werben Beamte ober Angestellte des Kreises Schotten nicht zum Kreisamt Gießen hinzukommen, da diese Kräfte Oer Staatsanwalt spricht. — Oie Strafanträge. In ber gestrigen Schlußverhandlung des Wilderer-Prozesses gegen die Brüber Odenweller unb die übrigen Angeklagten nahm zunächst ber Vertreter ber Anklagebehörde, Staatsanwalt Dr. Finke, bas Wort zu einem mehrstündigen Plädoyer. Er wies eingangs barauf hin, daß bie früheren lanbes- rechtlichen Bestimmungen, bie vor bem Inkrafttreten bes Reichsgesetzes galten, völlig unzulänglich waren unb ben Verhältnissen nicht gerecht wurden, auch nur ganz geringe Strafen für Jagdvergehen vorsahen. Er bedauerte, daß diese Bestimmungen mit Rücksicht darauf, daß ein Teil der Verfehlungen verhältnismäßig lange zurückliegt, teilweise zugunsten ber Angeklagten zur Anwenbung kommen müßten. Diesen milden Bestimmungen unb ber damaligen Auffassung der Strafgerichte sei es zuzuschreiben, daß das Wildern in erschreckendem Maße um sich griff, unb bas sei letzten Endes eine der Hauptursachen, daß derartige Zustände, wie sie früher der Mieger-Prozeß und jetzt ber Prozeß Oden- weller zeigten, im Taunus eingerissen waren. Der Staatsanwalt begrüßte es, daß nach den neuen Be- ftimmungen, die eine Unterscheidung zwischen ber einfachen unb ber gewerbsmäßigen Wiloerei treffen, für bie letztere Zuchthaus vorgesehen sei. Hierauf behanbelte er noch einmal bie Vorgeschichte bes Prozesses unb schilderte insbesonbere die Schwierigkeiten der Ermittlungen, die infolge der störrischen Haltung ber Bewohnerschaft von Kransberg eine ganze Zeitlang nicht -vom Flecke kamen. Wie tief damals die Achtung vor den Gesetzen dort gesunken sei, erkenne man daraus, daß es zu einem Mord unb einem Morbversuch gekommen sei, bie leiber ihre Sühne nicht ftnben könnten. Sodann wandte sich der Staatsanwalt ben einzelnen strafbaren Hanblungen ber Angeklagten zu unb befaßte sich zunächst mit bem Fall Lauer. Er wies darauf hin, daß ber Angeklagte Lauer bis 1932 als Zentrale ber ganzen „Jagdgesellschaft" anzusprechen fei. Er bedauerte, baß alle diese Fälle verjährt seien bzw. unter bie Amnestie fielen. Wenn auch feststehe, baß ber Angeklagte noch später ge- wilbert habe, so sei eine Strafverfolgung auch hier nicht möglich, da bie Straftaten möglicherweise vor ber Amnestie von 1934 lägen. Dagegen seiLauer der gewerbsmäßigen Hehlerei eindeutig überführt. In biefem Falle bat er auf eine recht exemplarische Strafe zu erkennen, und er beantragte wegen gewerbsmäßiger Hehlerei, unter Einbeziehung einer Gefängnisstrafe wegen mittelbarer Falschbeurkundung durch bas Erschleichen der Ursprungsscheine, eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren und einem Monat. Den Josef Odenweller bezeichnete der Staatsanwalt als denjenigen, ber bie größte Ver- chlagenheit unb Kaltblütigkeit frei bem Begehen einer Delikte gezeigt habe. Er bezeichnete ihn als einen gefährlichen Gewohnheitsverbrecher. Wenn auch bie früheren Verfehlungen nicht mehr abgeurteilt werben könnten, so seien sie boch bei der Würdigung ber Gesamtpersönlichkeit dieses Angeklagten entsprechend zu berücksichtigen. Der Staatsanwalt ging hier noch über seinen Antrag im Falle Lauer hinaus unb beantragte wegen gewohnheitsmäßiger Wilderei eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren drei Monaten. Außerdem beantragte er für Lauer unb Josef Odenweller die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Dauer von fünf Jahren. Bei bem Karl Odenweller betonte der Staatsanwalt, daß dieser ber einzige sei, ber burch ein Gestänbnis wenigstens etwas Klarheit in biefe verworrenen Verhältnisse gebracht habe. Er beantragte baher, bem Angeklagten milbernbe llmftänbe zuzubilligen, unb hielt eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten ür ausreichend Gegen ben H. Matern beantragte der Anklagevertreter aus denselben Erwägungen bie gleiche Strafe. Bezüglich bes Angeklagten Thyssen vertrat der Staatsanwalt die Auffassung, daß es sich bei biefem nicht um einen Gewohnheitswilberer hanbele. Immerhin hielt er ihn zweier Einzelfälle für über- ' ührt unb bezeichnete feine Einlassung, er habe damals nicht gewußt, wo 'bie Grenze seines Jagb- Kahlwild müsse man zu einem Freispruch kommen. -Verschiedene Zeugen hätten ausgefagt,- baß die Ab- schußstelle nicht im fremben Revier liege. Wenn die Anklage ihm weiterhin Gebrauchmachen von Falschbeurkundungen im Sinne des § 273 StGB, vorwerfe, so habe der einzig mögliche Belastungszeuge nichts aussagen können. Der Verteidiger beantragte insofern Freispruch wegen Mangels an Beweisen. Rachem die Anklage gegen Thyssen zu 75 v. H. zusammengestürzt sei, verbliebe nur noch die An- gelegenheit mit dem Sechserhirsch. Es sei objektiv wahr, daß der todwunde Hirsch in das fremde Revier hinüberwechselte. Es sei weiterhin wahr, daß Thyssen mit I. Odenweller dann den Hirsch dort holte. Thyssen habe aber erst später erfahren, daß der Hirsch sich bereits auf fremdem Jagdgebiet befunden hätte. Gerade an dieser Stelle der Krans- berger Jagd seien die Grenzoerhältnisse besonders unübersichtlich. Weiterhin müsse geprüft werden, ob sich dieser Fall nicht schon im Winter 1933/34 zu- nm habe. Auch in diesem Falle beantragte erteibiger in erster Linie Freispruch, sonst Anwendung der Amnestie und vorsorglich im Verurteilungsfalle Anrechnung der Untersuchungshaft. Anschließend wurde den Angeklagten das letzte Wort erteilt, ein Recht, von bem sie zu ihrer Verteidigung Gebrauch machten. Lediglich Thyssen schloß sich den Ausführungen seines Verteidigers an. Oas Urteil. Nach fünfstündiger Beratung verkündete das Gericht in den späten Abendstunden folgendes Urteil: Der Angeklagte Josef Odenweller wird wegen Verbrechens der gewohnheitsmäßigen Wilderei, teilweise in Mittäterschaft begangen, zu einer Gesamtzuchthaus st rase von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihm auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Sieben Monate gelten durch bie Untersuchungshaft als verbüßt^ Der Angeklagte Lauer wirdjunter Freisprechung von der Anklage der Wilderei wegen fortgesetzter gewerbsmäßiger Hehlerei sowie einer schweren mittelbaren Falschbeurkundung zu einer Gesamt- zuchthausstrase von einem Jahr und 3 e I)ji Monaten verurteilt. Die Untersuchungshaft wurde nicht angerechnet. Auch ihm wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre abgebrochen. Es erging gegen ihn Haftbefehl. Der Angeklagte Karl Odenweller wird wegen gewohnheitsmäßiger Wilderei in fünf Fällen, sowie der Beihilfe zur Wilderei in zwei Fällen, unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer G e - f ä n g n i 5 ft r a f e von IVt Jahren verurteilt. Die Untersuchungshaft wurde in der vollen Höhe von neun Monaten angerechnet. Die Haftbefehle gegen die Brüder Odenweller wurden aufrechterhalten. Der Angeklagte Matern wird ebenfalls wegen gewohnheitsmäßiger Wilderei in sechs Fällen zu einem Jahr unb f ünf Monaten ® e» f ä n g n i 5 verurteilt. Der Angeklagte Thyssen wird wegen Wilderei in einem Falle zu vier Monaten Gesäng- n i s verurteilt. Sechs Wochen der Untersuchungshaft kommen zur Anrechnung. Bei Karl Odenweller, Matern und Thyssen wurden die Jagdgeräte ein- gezogen. In ber Urteilsbegründung ging der Vor. sitzende, ber sich im wesentlichen den Ausführungen bes Staatsanwaltes anschloß, noch einmal auf bie Vorgeschichte der ganzen Affäre ein unb betonte babei insbesondere, daß diese schwere Strafe notwendig sei, um endlich einmal der weit verbreiteten Meinung entgegenzutreten, daß die Wilderer keine Verbrecher, sondern bedauernswerte Opfer ihrer Jagdleidenschaft seien. Insbesondere im vorliegenden Falle handle es sich bei den angeklagten Wilderern nicht um Iagdliebhaber, sondern um verbrecherische Geschäftemacher im übelsten Sinne. Leuten dieses Schlages gegenüber sei jegliche Gefühlsduselei fehl am Platze. Der Vorsitzende gab der Hoffnung Ausdruck, daß die schweren Strafen bei all denen, die es angeht, ihre abschreckende Wirkung nicht verfehlen. Hierauf wurde bi^ Sitzung, nachdem bie Angeklagten noch über ihre Rechtsmittel belehrt worden waren, geschlossen.