Nr. 2<0 Erstes Matt 188. Jahrgang Donnerstag, 8. September 1938 krlchetM tägltd), außer Sonntag» and Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familien blätter Heimat im Bild - Die Scholl» Monatr-Vezugsprets: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte e t.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Kernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 225) Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sieben Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Metzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen ________und Verlag: vrühlsche Uaiversttätsdruckerei R. Lange in Gießen. Schriftlettung und GefchSstrftelle: Schulftraße 7 Annahme von Anzeigen kür die Mittagsnummer vis 8'/.ÜHr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breits 50Rpf.,Platzoorschrist nach vorh.Dereinbg.25°/, mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen», Vereins«, gemein* nützige Anzeigen sowie ein* spaltige Gelegenheitsanzei* gen 5 Rpf., Farnilienanzei* gen, Bäder«, Unterrichts« u. behördliche Anzeigen 6Rpsi Mengenabschlüsse Staffel B Oie Prager Verhandlungen unterbrochen. Oie Folge skandalöser Ausschreitungen tschechischer Polizei in Mährisch-Ostrau. Empörende llebergriffe an fudetendeutschen Abgeordneten Prag, 7. Sevt. (DNB.) In der letzten Zeit wurden in Mäyrifch - Schlefien 82' sudetendeutsche Parteimitglieder des Nachts aus ihren Betten herausgeholt, weil man sie des unerlaubten Waffenbesitzes beschuldigte. Sie wurden zu einer Zeit verhaftet, als man tschechische Grenzler und deutschsprechende Marxisten unter den Augen der Behörden bewaffnete. Da die Bevölkerung von Freiwaldau und Mährisch-Ostrau in immer größere Sorge über >das Los der 82 Verhafteten geriet, kamen Sm Mittwochfrüh die Abgeordneten der SDP., Dr. Fritz Köllner, Dr. Neuwirth, die Kreisleiter May und Nitsch sowie die Abgeordneten Knorre und Werner und der Bezirksleiter von Freiwaldau, Jarofchek, nach Mährisch-Ostrau, um dort Nachrichten behördlich überprüfen zu lassen, die besagten, daß die im Polizeigefängnis befindlichen Verhafteten von Mährisch-Ostrau furchtbar geprügelt werden und die im Kreisgericht befindlichen Häftlinge in Fesseln gelegt woroen seien. Die sudetendeutschen Parteiabgeordneten wurden, als sie in das Kreisgericht tarnen, von der Menge völlig ruhia und mit erhobener Hand begrüßt. Während der Aussprache der Abgeordneten mit dem Prokurator des Kreisaerichts hörte man plötzlich von der Straße herauf Lärm. , Als bie Abgeordneten Nachschau hielten, sahen sie, wie berittene Polizei mit ihren Reitpeitschen auf bje Menge los- schlug, uni sie auseinander zu treiben, ob- . wohl diese bereits freiwillig auf Anraten der sudetendeutschen Amtswalter im Weggehen begriffen war. Als die Abgeordneten Dr. Köll- I ner und May beim diensthabenden Kommandanten der berittenen Wache intervenieren wollten, und Abgeordneter May sich eben mit feiner Abgeordneten-Legitimatton a u s gern i es e n hatte, ritt der Wachmann Rr. 367 auf ihn zu. Abg. May rief, seine Abgeordneten- Legitimation hochhaltend, ihm entgegen: „Ich bin Abgeordueterl"»Der Wachmann antwortete „Te se fuf!* (soviel wie: Das ist g l e ich g ü l t i g) und zog gegen den Abg. May die Reitpeitsche. Dieser hatte noch die Geistesgegenwart, den Kopf vorzubeugen, so daß der Hieb mit der Reitpeitsche ihm nur den Kopf streifte und auf die Schulter nieder klatschte. I Die Abgeordneten May und Dr. Köllner stellten I darauf die Nummer des betreffenden Wachmannes I fest und förderten, daß seine Erkennungsnummer I auch amtlich festgestellt werde. Als Abg. Dr. Köll» I ner darüber noch mit dem Wachkommarwanten Der» ; handelte, drängte der berittene Komman- dant der Wache den Abo. Dr. Köllner plötzlich 1 mit seinem Pferde an eine Hauswand, zog die Reitpeitsche gegen ihn und schrie chn an: „Seien Sie ruhig ^oder ..." Der Abg. May forderte darauf von dem intervenierenden Polizei-Oberrat Pkorny die J sofortige Enthebung des Wachmannes Nr. 367 vom i Dienst, der immer noch lachte und vrovozierend mit j feinem Pferde auf die. sudetendeutschen Abgeordne- | ten zutänzelte. Die Polizisten in Uniform und die Geheimpolizisten erklärten nun einfach die Abge- I ordneten Dr. Köllner, May und Knorre, die ihre Legitimation andauernd in Händen hielten, im ; Namen des Gesetzes für verhaftet und Der» ' suchten, sie abzufuhren. Dazu kam es jedoch nicht mehr, da eine andere Polizeigruppe Kommu- I nist en gegen die ab gedrängten Deut- . s ch e n Dorgehen ließ. Die Polizisten erklärten, daß I es auch noch ein Alarmrecht der Tschechen gebe, [ und wenn erst einmat die Tschechen hier waren, | würde der „Kampf" erst richtig losgehen. Inzwi- [ schen gaben die Polizisten den herbeigeeilten tsche- [ chischen Journalisten Informationen, zeigten ihnen [ die sudetendeutschen Abgeordneten, welche darauf- I hin oon den tschechischen Hetzjournalisten oftmals I photographiert wurden. • Dr. Köllner, May, Knorre, Nitsch und Jarofchek I führten beim Regierungsrat Dr. Baca, der Polt« i^z^idirIktor ' oon Mährisch-Ostrau ist, Be- l^schwerde gegen das geradezu unerhörte Vor- I gehen der Polizei, das sie zur Anzeige brachten. | Abg. May wies dem Polizeidirektor die Spuren I des Reitpeitschenhiebes auf seinem Rock sowie die I Spuren eines Fußtrittes am linken Knie nach. Es I wurde ein Protokoll ausgenommen, das im Beisein I des Polizeikommisiärs Dr. Stumpfe unterschrieben I wurde. Die Zurückziehung des Wachmannes Nr. I 367, die Kreisleiter Dr. May auf der Polizeidirek- I; tion gefordert hatte, wurde oon dem Polizeidirek- tor a b g e l e h nt. I Regierungsvorschläge überreicht Noch keine Stellungnahme der SdP. P r a g, 7. Sept. (DNB.) Bon tschechischer Seite llfinb heute nacht die neuen Vorschläge der Vitschecho -slowakischen Regierung zum I Mationalitätenproblem verschiedenen internationalen i jNachrichtenagenturen zur Veröffentlichung zugestellt IIworden. Die -SDP. erhielt diese Vorschläge heute I iDortnittag durch einen Boten von der Regierung I jin versiegeltem Umschlag übermittelt. Die Vorschläge I ntnb eine skizzenhafte Darstellung der geplanten Reform; es wird weiterer Feststellungen über die gedachte Ausführung bedürfen, bevor die SDP. in die Lage kommt, dazu Stellung zu nehmen. Die SDP. wird dabei.gewissenhaft prüfen, ob die neuen Vorschläge als eine geeignete Vtzrhandlungsgrund- lage in . Uebereinfkimmung mit den Karlsbader Punkten zu betrachten fino. Bevor diese Prüfung erfolgt ist, find alle BehauMmgen über eine Stellungnahme der SDP. verfrüht. Das Presseamt der SDP. teilt nyt, daß von Lord Runciman oder von einem anderen Mitglied der englischen Mission ihr keine Vorschläge übergeben wurden. Die SDP. bedauert, daß durch Indiskretionen von gewisser Seite über den Inhalt des Regierungsv.orschlageK unvollständige und tendenziöse Nachrichten ausgegeben wurden, bevor noch der SDP. die Vorschläge überreicht worden waren. Der Beschluß der sudeiendeulscheu Delegation. Hodza sichert Untersuchung zu. Prag, 7. Sept (DRV.) Die bas Presseamt der Subefenbeuffdjen Partei mitteilt, hatte am Mitt- wochnachmittag bie Perhandlungsdelegation der SDP. das Studium de- neuen Vorschlages der Prager Regierung begonnen und beschlossen, auf Grund dieses Regierungsvorschlages vom Gesichtspunkt einer Regelung entsprechend den Karlsbader Forderungen die Verhandlungen mit der Regierung fortzusehen. Während der weiteren Beratungen fei ein Bericht ans Mah- rifch-Ostrau eingetroffen, der von den unerhörten liebergriffen derStaakspolizei und der Verprügelung sudetendeutscher Abgeordneter Mitteilung machte. Daraufhin habe die Delegation ihre Verhandlungen abgebrochen und beschlossen, dem Ministerpräsidenten mitzuteilen, sie fei gezwungen, wegen der Vorfälle in Mährisch-Ostrau die Verhandlungen zu unterbrechen. Die Vorfälle, in Mährisch-Ostrau zeigten, daß die Regierung die Lage nicht in dem Maße beherrsche, um mtt Erfolg im gegenwärtigen Augenblick die Besprechungen zu beginnen und in Ruhe abfchließen zu können. Das Vorgehen der Polizei in Mährisch-Ostrau stehe in krasse m-D i - versprach zu der im Regierungsvorfchlag zum Ausdruck gebrachten Absicht, die nationalpolitischen Verhältnisse zu regeln. Die Delegation verständigte von der neuentstandenen Lage den Staatspräsidenten und Lord Runciman, der die sudetendeutfche Delegation unter Führung von Karl Hermann Frank um 17 llhr empfing. Die Abgeordneten kundt und Dr. Rosche sprachen um 18.30 llhr bei Ministerpräsident Dr., Hodza vor und teilten ihm den Beschluß der Su- detendeutschen Partei-Delegation mit, daß die Sudetendeutsche Partei-Delegation solange nicht in der Lage sei, die Verhandlungen mit der Regierung fortzusehen, als die Vorfälle von M ä hrisch- O st r a u seitens der Regierung nicht liquidiert sind. Der Ministerpräsident sicherte zu, daß die Vorfälle untersucht würden. Morgen werde die sudetendeutsche Delegation darüber unterrichtet werden. Die sudetendeutschen Abgeordneten erklärten darauf, hierüber der sudetendeutschen Delegation zu berichten. Der Appell des Reichsarbeitsdienstes. WM WM WWW ■ ■ ■ WWWWMWM Unser Bild zeigt die Zeppelinwiese während der Feierstunde des, Reichsarbeitsdienstes vor dem Führer. Bericht und weitere Bilder finden unsere Leser im Innern des Blattes. — (Scherl-Bilderdienst.) Diplomatenempsang beim Führer. Steigende Anteilnahme der fremden Missionschefs am Reichsparteitag. Nürnberg, 7. Sept. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler gab Mittwoch nachmittag den als feine Gäste am Reichsparteitag teilnehmenden Berliner Chefs der auswärtigen Missionen im Beisein des Reichsministers des Auswärtigen, von Ribbentrop, einen Empfang im Deutschen Hof. An dem Empfang nahmen teil: die Botschafter von Frankreich, der Türkei, von Polen, Italien, Brasllien, Argentinien, Großbritannien, Spanien und den Vereinigten Staaten von Amerika, die Gesandten von Norwegen, Dänemark, der Tschecho-Slowakei, von Griechenland, des Irischen Freistaates, von Finnland, Portugal, Haiti, der Union von Südafrika, von Jugoslawien, Ungarn, Belgien, Nicaragua, Estland, Panama, Schweden, Rumänien, Bulgarien, Guatemala, der Schweiz und Aegypten, ferner die Geschäftsträger von Siam, Luxemburg, China, Chile, Mexiko, Afghanistan, Kuba, Peru, den Niederlanden, von Venezuela, Albanien, Litauen und Lettland. Der Führer richtete im Laufe des Beisammenseins Worte der Begrüßung an seine Gäste und wies daraus hin, daß die Berliner Missionschefs in immer steigendem Maße Anteil an dem Reichs- parteitag der NSDAP, nähmen. Namens des Diplomatischen Korps sprach als ältester Missionschef der französische Botschafter Frqnxois-Poncet in herzlichen und beredten Worten den Dank der Berliner Diplomaten für die freundliche und gastfreie Aufnahme in Nürnberg aus. 0er Reichsaußenminister im 0iplomatenzug. Nürnberg,?. Sept. (DNB.) Der Reichsminister; des Auswärtigen von Ribbentrop besuchte am, Mittwochmittag die als Gäste auf dem Reichsparteitag anwesenden ausländischen Missionschefs im Diplomatenzug auf dem Nordbahnhof. Der Reichsminister nahm tn Begleitung der Staatssekretäre Freiherr von Weizsäcker, Bohle, Keppler, des Unterstaatssekretärs Woermann und einer Reihe weiterer leitender Beamter des Auswärttgen Amtes, deutscher Missionschefs und Landesgruppenleiter an dem gemeinsamen Essen des Diplomatischen Korps teil. Bankrott der Staatsgewalt. Es ist kaum zu glauben, daß in dem Augenblick, wo die Prager Regierung nach langem Zögern endlich Vorschläge unterbreitet, die eine neue Verhandlungsgrundlage mit der sudetendeutschen Volksgruppe bilden sollen, tschechische Polizei sich wiederum in ärgsten Mißhandungen gegen die sudetendeutsche Bevölkerung und in unechörtesten Uebergriffen gegen sudetendeutsche Abgeordnete hemmungslos und ungestraft austoben oarf. Aber dies fast unbegreifliche Nebeneinander zeigt tatsächlich ganz deutlich die wahre Lage in der Tfchecho-Slowa« kei. Dieselbe Regierung, die der Wettöffentlichkeit gegenüber nicht genug betonen kann, daß die Tschecho-Slowakei als Ordnungsstaat ein Element des Friedens sei, ist ganz offensichtlich nicht mehr Herr der ^Lage, da sie es nicht vermag, dem unerhörten Treiben des tschechischen Janhagels, der in der Uniform der tschechischen Staatspolizei gegen die sudetendeutsche Bevölkerung losgelassen wird, em Ende zu machen. Die empörenden Vorgänge in Mährisch-Osttau sind ja nur ein Glied in einer ganzen Kette schwerster Friedensbrüche, die sich tschechische Staatsorgane seit Jahr und Tag gegenüber der sudetendeutschen Bevölkerung heraus genommen haben. Sie zeigen die wahre innere Lage dieses Vielvölkerstaates, dessen Regierung es offenbar nickt vermag, den nichttschechischen Nationalitäten auch nur bie primitivsten Lebensgrundtagen zu verschaffen. Denn diese bestehen doch wohl zumindest in der Sicherheit gegenüber verfassungswidrigen Uebergriffen von Organen der Staatsgewalt selbst, wie sie in jedem zivilisierten Lande selbstverständlich ist. In der Tschecho-Slowakei scheinen aber keinerlei Garantien dafür gegeben zu sein, daß die Organe der Staatsgewalt ihrer Pflicht nachkommen, die gesamte Bevölkerung des tschecho-slowakischen Territoriums gerecht und gleichmäßig zu behandeln. Vielmehr beweisen solche skandalösen Vorgänge wie in Mährisch- Osttau imtner wieder, daß tschechische Polizei und Soldateska chre einzige Aufgabe darin sehen, die sudetendeutsche Bevölkerung 'mit Reitpeitsche und Pistole bis aufs Blut zu drangsalieren. Ja, die Prager Regierung hat es selbst in dem Augenblick, wo ihr im Interesse der Verhandlungen mit den Sudetendeutschen an einer 'ruhigen Atmosphäre gelegen sein müßte, nicht ferttggebracht, ihren eigenen Organen Zügel anzulegen. Die Regierung kann sich von ihrer Verantwortung nicht drücken, sie kann nicht Unkenntnis der Lage Vorschüßen, denn immer und immer wieder ist sie durch Proteste der Sudetendeutschen Partei über die bedrohlich sich zuspitzende Atmosphäre aufgeklärt worden, und immer wieder ist ihr dargelegt worden, daß Polizei und Soldateska sich durch ihr unquali» fizierbares Verhalten als Feinde jeden Ausgleichs erwiesen haben. Auch die zahlreichen Grenzverletzungen sind dafür ja Beweis genug. So find gerade die Exekutivorgane des Staates zur größten Gefahr für die Ruhe und Sicherheit in der Tschecho-Slowakei geworden, dieselben Organe, die für den inneren Frieden sorgen sollten. Man wird darauf gespannt sein dürfen, welche Schlüsse Lord Runciman aus diesen empörenden Vorkommnissen, die den tatsächlichen Bankerott der' Staatsgewalt vor der Straße offenbar machen, ziehen wird. 1 „Spiel mit dem Feuer." Feststellungen des „Völkischen Beobachters" Berlin, 8. Sept. (DNB.) Zu den maßlosen Exzessen tschechischer Soldateska in Mährisch-Ostrau schreibt der „Völkiscke Beobachter" unter' der Überschrift „Spiel nnt dem Feuer": Was sich in diesen Tagen abgespielt hat, sind nicht etwa plötzliche ober einmalige Ausbrüche einer unbekannten tschechischen Leidenschaft,.sondern die Fort» setzung des Terrors, 'der seit Monaten unvermindert in dieser Mutigen Form im sudetendeutschen Gebiet wütet. Die gleiche tschechische Staatspolizei, die heute in Mährisch-Ostrau sudetendeutsche Abgeordnete mit ihren Reitpeitschen atta- fiert hat, hat in Teplitz-Schönau schon vor Monaten sudetendeutsche Abgeordnete niedergeschlagen. Die gleiche tschechische Staatspolizei, die heute in Troppau auf weinende Mütter eingeschla- gen hat, ist am 1. Mai gegen die Besucher der Maiveranstaltung mit gezogenem Säbel oorgegan« gen. Sie ist es, die die Toten von Eger auf ihrem ,b-emotratischen" Gewissen hat. Jedem tschechischen Friedenswort an die Welt folgen in diesen lagen hundert blutige Schläge der Polizei gegen das Sndetendentschtnm. Zwischen diesen verschiedenen Willensäußerungen einer Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen tut sich eine unüberwindbare Kluft auf. Die Verantwortung aber für alle die Zwischenfälle trägt die Prager Regierung. Sie hat feine abschreckende Bestrafung vorgenommen und kein Beispiel statuiert, um diesen uniformierten Unruhestiftern die Lust zum willkürlichen Verprügeln einer wehrlosen deutschen Bevölkerung zu nehmen. 3m Gegenteil. Sie läßt die Mörder frei bet umlaufen und weiter gegen die deutsche Bevölkerung vvrgehen und ermuntert durch Gewährung von Straflosigkeit zu neuen liebergriffen. Die Tatenlosigkeit der Prager Regierung dem Treiben der Polizei und der Soldateska gegenüber zeigt, daß sie nicht mehr Herr über diese Organe des Staates ist, die die Sicherheit und die Ruhe garantieren sollen. Sie zwingt zur Feststellung, daß nicht sie, sondern das Mysteriöser Selbstmord eines sudetendeuischen Soldaten. Als »Spion" zu 20 Zähren Haft verurteilt. - Ungeklärter Sturz aus einem fahrenden Zuge. 2Hifi f 8 r und dl e Polizei lm Lande r eg i e r e n. Aber weder das tschechische Militär mit seinen fortgesetzten Grenzverletzungen und seiner neuer-, lichen Mobilisierung und heimlichen Besetzung der Grenzgebiete, noch aber die tschechische Polizei mit ihren Willkürattacken erweist sich als ein Element der Ruhe und Ordnung im tschechischen Staat. Angesichts der letzten Vorfälle wird es verständlich, daß die Sudetendeutsche Partei ihre Beratungen und Verhandlungen mit der Regierung zunächst eingestellt und unterbrochen hat. Man kann nur gespannt sein, was Herr R u n c i ma n zu den neuesten unerhörten Proben der herausfordernden Sonderpolitik des tschechischen Militärs und der Polizei sagen wird. London warnt. London, 8. Sept (DHB. Funkspruch.) Die Tatsache, daß von sudetendeutscher Seite die Verhandlungen mit der Prager Regierung wegen der Zwischenfälle in Whrisch-Oskrau abgebrochen worden sind, hat in der Londoner Rlorgenpresse außerordentlich starkes Aufsehen hervorgerufen. Die Blätter berichten, daß der Premiermini st er von Schottland nach London zurückkehre. Es liege zwar für den Abbruch des Urlaubs durch Chamberlain kein besonders zwingender Grund vor, allerdings rücke die Entscheidungsstunde in der Tschecho-Slowakei jetzt näher. Daher erscheine es auch immer unwahrscheinlicher, daß Lord Halifax am Freitag nach Genf fahren könne. „Daily Telegraph" meint, daß die tschechischen Vorschläge auf schärf st en Druck aus London gemacht worden seien. Die Entwicklung habe nunmehr offensichtlich eine Wendung zum Ernsteren genommen. Der Sonderkotrespondent des „Rews Lhronicle" in Prag berichtet, daß der britische Gesandte in Prag Benesch am Sonntag ausgesucht und scharfe Vorstellun- gen erhoben haben soll. Er habe angeblich gesagt, daß, wenn die tschechische Regierung den Sudetendeutschen keine Zugeständnisse angäbe, die britische Regierung sie nicht weiter unterstützen und auch versuchen werde, die französische Regierung zu einer Zurückziehung ihrer Unterstützung zu veranlassen. Das Echo in Pans. Paris, 7. Sept. (Europapreß.) Die Nachrichten aus Prag über die schweren Zwischenfälle in Mäh- risch-Osttau haben in Pariser politischen Kreisen beträchtliches Aufsehen hervorgerufen. Obgleich man sich in der Umgebung des Quai d'Orsay am Mittwochabend bemüht, die Tragweite dieser schweren Zwischenfälle und chrer Folgen nach Möglichkeit 'zu mildern, gibt man doch zu, daß sie gerade in dem jetzigen Augenblick „besonders ärgerlich" seien, wo nach Ansicht politischer Kreise die Hoffnung auf eine, Annäherung der Standpunkte zwischen den Sudetendeutschen und der Prager Regierung bestanden hätten. Die französische Regie- rung hat sofort nach dem Bekanntwerden dieser Zwischenfälle durch den Pariser englischen Botschafter, Sir Eric Phipps, der in den Abendstunden eine Unterredung mit dem französischen Außenminister Bonnet .hatte, mit der eng- tischen Regierung Fühlung genommen. Wie nicht anders^ zu erwarten, stützen sich die Blätter ausschließlich auf die von tschechischer Seite hierzu abgegebenen Erklärungen, in denen der Versuch unternommen wird, die Angelegenheit zu bagatellisieren. — Der „Petit Parisien" meint, die sudetendeutsche Frage werde wahrscheinlich noch manche dramatischen Augenblicke durchmachen. — „I o u r" fragt, warum die Prager Regierung erst am Mittwochnachmittag eine amtliche Auslassung veröffentlicht habe.Db man wolle oder nicht, die Nationalitätenfrage in der Tschecho-Slowakei sei heute nicht mehr eine innere Ange- legenheit, die Prag als solche behandeln könne. Die internationale Oeffentlichkeit und insbesondere die französische habe ein Recht darauf, die W a h r - hei t über die Ereignisse zu erfahren. Es sei möglich, daß ein Irrtum oder ein Fehler begangen worden sei, aber es nütze nichts, sie verheimlichen zu wollen. Oie sudetendeutsche.Zeit" beschlagnahmt. Pr ° g , 8. Sept. (DNB.) Das Hauptblatt der Su- detendeutschen Partei „Die Zeit" wurde wegen der wahrheitsgetreuen Wiedergabe derunerhörtenVorfällevonMährisch- Ostrau an elf Stellen beschlagnahmt. Dem Rotstift des Zensors fielen zum größten Teil auch die Ueberschriften zum Opfer. Beobachter Runcimans fährt ins sudetendeutsche Gebiet. P r a g, 7. Sept. (Europapreß.) Major Sutton- Pratt, einer der englischen Beobachter, hat sich sofort nach Eingang der Nachrichten über die Vorfälle in Mährisch-Ostrau dorthin begeben, um a n Ort und Stell.e Erhebungen vorzunehmen. Deutscher Dampfer rechtswidrig von sowjetrussischem Wachschiff aufgebracht Berlin, 7. Sept. (DJtB.) Kürzlich wurde der Fischdampfer „Bahrenfeld" im Barenlsmeer außerhalb der fowjetrufsischen hoheilsgewässer von einem sowjelrussischen Wachschiff aufgebracht. Gegen diese offensichtliche Rechtsverletzung hat die deutsche Botschaft in Moskau sofort Protest erhoben und die sofortige Freigabe des Fischdampfers gefordert. Die sowjetrussische Regierung hat zwar rasche Untersuchung zugesagt, ist indes dem Der- langen nach Freigabe bis heute nicht nachgekommen. Stomonjakow nicht mehr im Amt. M°-'ou ^S-pt. (DNB.) Aus dem forojef. tu i[d;en S-s-tzesbl--tt geht hervor, daß der zweite stellvertretende Volkskommissar des Aeuheren Stomonjakow, von seinem Amt entbunden worden ist Ob er anderweitige Beschäftigung finden soll, ist nicht bekannt. Stomonjakow, der aus Bulgarien stammt, war von 1921 bis 1924 Handels- Vertreter in Berlin. Seit zwölf Jahren war er einer der obersten Funktionäre im sowjetrussischen Außen- kommissariat. Die georgische Zeitung „Sarja Wo- stoka meldet, daß der Erste Parteisekretär B e - rijna durch den bisherigen Dritten Parteisekretär Mähris cch-O st rau, 7. Sept. (DNB.) Wie der Abg. Knarre der SDP. aus Römerstadt in Mähren mitteilt, kam am 6. September der Landwirt Knoll aus Hangenstein bei Römerstadt zu ihm und teilte ihm mit, daß sein Sohn Alfred Knoll am 2. September nach Ungarisch-Hradisch zum Infanterie-Regiment 27 zu einer Waffenübung eingerückt sei. Am 5. September erhielt der Vater des Knoll ein Telegramm ohne Unterschrift: „Sohn Alfred gestorben Krankenhaus Mährisch-Ostrau". Am 5. September fuhr der Vater nach Mährisch-Ostrau, wo die Polizeidirektion ihm erklärte, daß sein Sohn als Spion verdächtig sei, daß er 20 Jahre. Zuchthaus bekommen hätte, und daß er sich daher aus dem Zuge gestürzt habe, in welchem er eskortiert worden sei. Er sei tot. Der tschechische Distriktsarzt Johann Foltis erklärte, daß er den schwerverletzten Knoll, der nach Mährisch- Ostrau transportiert worden sei, behandelt habe. Er sei auf dem Wege nach Mährisch-Ostrau London, 7. Sept. (Europapreß.) Die „Times" beschäftigt sich am Mittwoch in einem bemerkenswerten Leitaufsatz mit der Volksaruppenfrage in der Tschecho-Slowakei und fordert dabei erstmalig die Loslösung nichttschechischen und nicht- slowakischen Gebietes von der Tschecho- Slowakei für den Fall, daß eine andere Lösung nicht gefunden werden könne. In einem solchen Falle müsse man, so heißt es in dem Artikel des Blattes, gänzlich neue Wege beschreiten und etwas Dauerhaftes tun. Wörtlich heißt es in der „Times" dann: „Wenn die Sudetendeutsche Partei mehr fordert, als die tschecho-slowakische Regierung zu geben gewillt ist, so kann daraus nur geschlossen werden, daß die Sudetendeutschen mehr als die Beseitigung unmöglicher Z u - t ä n d e wollen und sich in der tschecho-slowakischen Republik nicht wohl fühlen. In diesem Falle mag es für die tschecho-slowakische Regierung wertvoll sein zu überlegen, ob nicht auf einer völlig anderen Linie eine Lösung gefunden werden kann, die durch die Lostrennung jener Streifen der fremden Volksgruppen, die an den Grenzen der Nationen liegen, mit denen sie rassenmäßig verbunden sind, einen völlig homogenen Staat aus der Tschecho-Slowakei machen würde. In jedem Falle würden die g e st o r b e n. Außerdem erklärte, der tschechische Arzt, daß Knoll nur eine Schädelwunde gehabt hätte, daß er sio n st unverletzt gewesen sei, und daß auch seine Kleider nicht beschädigt gewesen seien. Den Abgeordneten der SDP. Dr. Neuwirth und Dr. Knorre wurde von der Leichenbestattungsanstalt Choroosky in Ostrau, anhand des Totenscheines und der Begleitpapiere erklärt, daß Knoll an einer Schädelbasisfraktur, herbeigeführt bei einem Selbstmordversuch durch Sprung aus dem fahrenden Zuge, gestorben sei. Der Leichnam Knolls soll am Mittwoch nach Iägerndorf übergeführt werden. Zur Stunde befindet sich der Leichnam noch in der Leichenhalle in Mährisch-Ostrau, wo der Prokurator des Kreisgerichtes den Abgeordneten mitteilte, daß die Polizei bereits eine Obduktion durchgeführt habe. Der Ostrauer Polizeidirektor erklärte aber, noch keinen Bericht darüber zu haben. Es sei Sache des Kommandos, diese Untersuchung zu führen, da Knoll der Zivilbehörde nicht übergeben wurde. Wunsche der betreffenden Bevölkerungsteile einen wichtigen Faktor bei der dauerhaften Lösung bil- den, und die Vorteile für die Tschecho-Slowakei, ein homogener Staat zu werden, könnten etwaige Nachteile überwiegen." Der Artikel hat in politischen Kreisen großes Aufsehen erregt, die Frage, ob es sich dabei lediglich um eine redaktionelle Meinung des Blattes handelt oder um einen von der Downing Street inspirierten Versuchsballon, ist bisher noch nicht beantwortet worden. Es ist von Interesse, daß der Lettartikel der „Times" vom „E v e n i n g Standard" aufgegriffen wird. Das Blatt gibt ebenfalls der Meinung Ausdruck, daß die Möglichkeit bestünde, die neuen Prager Vorschläge würden keine Brücke 'zur Einigung bilden, und schreibt dann, der tschecho-slowakische Staatspräsident Dr. Benesch würde zweifellos früher oder später von London oder Paris gefragt werden, ob er es nicht für angebracht halte, einer Grenzänderung zuzustimmen, wobei die eigentlichen sudetendeutschen Gebiete an Deutschland angegliedert werden würden. Eine solche Lösung, so dürfte Dr. Benesch nahegelegt werden, sei vielleicht zweckmäßiger, als die Schaffung eines „rebellischen" sudetendeutschen Staates innerhalb der Tschecho-Slowakei. schwere Verluste erlitten haben. In Jaffa wurdtz die Hauptpolizeiwache umstellt und ausgeplündert. Die Freischärler drangen auch in das Rathaus ein und erbeuteten die Stadtkasse. In Jaffa erschienen während des Mittwochvor» mittags Flugblätter der „vorläufigen n a t i o* nalen Regierung" mit der Aufforderung zum Widerstand gegen die Mandatstruppen. Die Flug« blätter wurden sogar an den Wänden und Türen der Moscheen angeschlagen, ohne daß es der Polizei gelang, die Verantwortlichen zu ermitteln. In Jaffa ist wieder der Ausnahmezustand ausgerufen worden. Alle Läden und Geschäfte müssen um 18 Uhr schließen, wahrend die Straßen bis 20 Uhr geräumt sein müssen. Um 21 Uhr müssen sämtliche Lichter gelöscht werden. Das Spielen von Gramms« phonen sowie die Benutzung von Rundfunkappa« raten ist von diesem Augenblick an verboten. Die arabische Bevölkerung brennt jedoch seit einiger Zeit überhaupt fein elektrisches Licht mehr, um die in jüdischen Händen befindlichen Ruchenberg-Elektrizitätswerke zu boykottieren. Das Wehrmachtsfürsorge- unt> Dersorgungsgesetz. Berlin, 8. Sept. (DNB.) In der Meldung des Deutschen Nachrichtenbüros vom 5. September: „D a s Reich sorgt für seine Soldaten" war ein Druckfehler enthalten. Es darf nicht heißen „Das Versehrtengeld betrage 15 bis 20 Mark monatlich-", sondern es muß heißen „15 bis 50 Mark monatlich". Aus aller Wett. Ein ganzer Betrieb vor dem Röntgenschirm. Die Röntgen - Schirmbildphoto gra • phie, die neue umwälzende Erfindung, die vor kurzem in dem Röntgen-Institut von Professor Janker (Bonn) der Oeffentlichkeit bekannt ge» macht worden ist, wurde jetzt zum ersten Male in größerem Maßstab angewendet. In Bonn wurde die gesamte, 1000 Mann umfassende Gefolgschaft eines Unternehmens der Metallindustrie nach dem Verfahren von Professor Janker ausgenommen. Die gesundheitspolitische Bedeutung dieses Versuches brachte der Kreisamtsleiter des Hauptamtes für Volksgesundheit, Dr. H o r st m a n n, zum Ausdruck. Das Hauptamt für Volksgesundheit, das an diesem Versuch maßgebend beteiligt ist und das das Röntgenschirmbildverfahren in Zukunft bei den Betriebsuntersuchungen der Deutschen Arbeitsfront in gro- 3em Maßstab anroenden will, hält den Auftakt für besonders wertvoll, weil der in Frage kommende Betrieb bereits für das Gesundheitsstammbuch der Deutschen Arbeitsfront klinisch untersucht worden ist. Es ergibt sich also hier ein aufschlußreicher Quer« chnitt durch das Gesundheitsbild einer größeren Gemeinschaft schaffender Menschen, das mit den modernsten medizinischen Untersuchungsmethoden gewonnen wurde. Der erste Feldberg-Flug vor 25 Jahren. Am 9. September 1913 gingen Telegramme durch die Presse, daß ein deutscher Flieger auf dem Feld- berg im Schwarzwald gelandet sei und von dort» wieder nach seinem Heimatflughafen Mülhausen im Elsaß starten wolle. Es sei ein deutscher Aviatik- doppeldecker und der Führer des Flugzeuges der durch feine Weltrekorde bekannte Fluglehrer Arthur Faller. Vor 25 Jahren gehörte eine große Portion Mut, Entschlossenheit und fliegerischer Instinkt dazu, eine solche Flugaufgabe zu vollbringen. Die Begeisterung über diesen gelungenen Flug war groß, und der Feldberg erlebte einen Riesenandrang neugieriger Wanderer und Sportler. Der Start am schiefen Hang war noch verwegener als der Anflug, und die Dolksmassen atmeten erleichtert auf, als Faller gut abkam und wohlbehalten in seinem Hei- matslughafen landete. Faller war auch während des Krieges ein bedeutender Frontflieger, der wegen seiner Leistungen und Tapferkeit vom einfachen Soldaten zum Offizier befördert wurde und als türki- scher Oberleutnant in der Armee des Marschalls Liman von Sanders Außergewöhnliches leistete. Heute ist Faller Geschäftsführer hn Hause der Jugend in Frankfurt a. M. Internationaler Kongreß für Geschichtswissenschaft in Zürich. Auf dem 18. Internationalen Kongreß für Geschichtswissenschaft sprach Man- t o u s e k (Prag) über die europäische Diplomatie im Zeitalter der Gegenreformation. — In der Sektion für die Geschichte der außereuropäischen Länder gab Winter einen Ueberblick über die Geschichte bes Jansenismus in den Sudetenländern. — Die Vorträge zur Rechts, und Verfassungsgeschichte galten fast ausnahmslos Osteuropa und dem Balkan. Es sprach Weiszäcker (Prag) über die mittelalterliche Gerichtsverfassung der böhmischen Länder im Lichte der mitteleuropäischen Rechtsentwicklung. — In der Sektton für historische Methoden sprach Aurich (Bonn) an Hand des Bismarck-Bildnisses über die Entwicklung der neuesten Geschichtsschreibung. Professor Nabholz (Schweiz) hob hervor, daß die Teilnahme der Vertreter der außereuropäischen Erdteile an dem Kongreß ein Beweis für die hohe Mission der Wissenschaft sei, die die Geister ■ der Nationen nicht trenne, sondern vereinen wolle. In der Schlußsitzung verlas der Generalsekretär Professor L h d r i t i e r (Paris), die Wünsche einiger Sektionen. Danach werden die Historiker gebeten, in Zukunft die Geschichte der Frauenemanzipation, der neulateinischen Literatur und die vergleichende Religionsgeschichte stärker zu pflegen. Das neue Büro des Kongresses besteht fortan aus Präsident L e - land (Amerika), Vizepräsident I o r g a (Rumäniens. 2. Vizepräsident Nabholz (Schweiz), und den Mitgliedern Handelsmann (Polen), Gans- h o f (Belgien), Volpe (Italien) und Holtzmann (Deutschland): als Generalsekretär amtiert Bros. Lhöritier (Frankreich) und als Kämmerer Woodward (England). Zu Ludwig Blckells 100. Geburtslage. Am 13. September sind es 100 Jahre, daß der weitbekannte Schöpfer der Sammlung hessischer Altertümer, Dr. phil. h. c Ludwig Bickell geboren wurde. Von 1875 bis zu feinem lobe am 20. Oktober 1901 gehörte er dem Vorstand des Hessischen Geschichtsverein als Konservator an. Der Hessische Geschichtsverein beabsichttgt, eine Gedenkfeier abzuhalten und eine Ausstellung der Lebensarbeit des Gelehrten im Marburger Museum zu veranstalten. — Wir werden in der „Heimat im Bild" der Verdienste des vorttefflichen Mannes ausführlicher gedenken. Schäfer mil Hunden vom Blitz erschlagen. Hebet Rothwesten (Bez. Kassel) ging ein schweres Gewitter mit Hagelschlag nieder. Auf dem Felde am Peterweg wurde ein hütender Wanderschäfer aus Felsberg vom Blitz getroffen und getötet. Seine der erdet Amerikanische Arrondierungswünsche. Landabtretungen gegen Streichung der Kriegsschulden. Tscherkwiani ersetzt worden ist. Berijna, Landsmann und Vertrauter Stalins, soll einen verantwortlichen Posten in Moskau übernehmen. In der Moskauer Zeitung „Rabotschaja Moskwa" wird der aus Deutschland emigrierte Kommunist Wilhelm Pieck als Oberhaupt Jnternattonalen Roten Hilfe bezeichnet. W a s hi n b t o n, 8. Sept. (DNB.) Bundessenator Reynolds, der von einer längeren Reise durch Kanada zurückkehrte, machte den Vorschlag, Großbritannien möge als Gegenleistung für die Streichung seiner Kriegsschulden Bermuda, Neu- u n d l a n d sowie einen Gebietsstreifen durch Westkanada zwecks Herstellung einer direkten Land- verbindung mit Alaska an die Vereinigten Staaten a b t r e t e n. Für die Begleichung der französischen Kriegsschulden schlägt Reynolds die Abtte- tung der Inseln St. Pierre und Miguelon im St.-Lorenz-Strom vor. Gleichzeitig empfiehlt er die Einverleibung Mexikanisch-Nie- berf aliforniens, um Amerika für die Enteignung amerikanischen Farm- und Oelbesitzes in Mexiko schadlos zu halten. Unter Hinweis auf die amerikanischen Prioritätsrechte schlägt Reynolds erner die Annektierung der Wrangel- i n s e l, 600 Kilometer nordwestlich der Behring- straße, vor, wo Sowjetrußland 1924 Fallensteller aus Alaska enteignete und eine Wetterstation richtete. Staatsidee zu feiern und darüber hinaus auch die Persönlichkeit Ludwigs XIV. selbst mit dem Glorienschein eines Volkskönigs zu umweben. Selbst- verständlich werden die Verwüstung der Pfalz und andere „Ruhmestaten" der damaligen französischen Soldateska mit Schweigen übergangen. .Den Höhepunkt der Feiern zu Ehren Ludwigs XIV. bildeten die Veranstaltungen des 5. September. Neben Saint G e r m a i n , das als Geburtsort Ludwigs XIV. bereits vor einiger Zell feinen „großen Mitbürger", wie eingefleischte Republikaner spöttisch sagen, durch Feste und Umzüge gefeiert hatte, wetteiferten besonders die einstige Residenz Versailles und die baskische Stadt Saint-Jean-de-Luz in der Ehrung des Sonnenkönigs. In der Baskenstadt, wo Ludwig XIV. sich mit der Schwester des spanischen Königs Karls II., Maria Theresia, vermählte, wurde ein Denkmal eingeweiht. In Versailles wurde eine religiöse Feier veranstaltet. Am Reiterdenkmal des Sonnenkönigs an der Place des Victoires in Paris legte eine Abordnung der „Action Francaise" einen Kranz in den Farben der Monarchie nieder. Die Japaner nähern sitz Hankau. Schanghai, 7.Sept. (Europapreß) Die japanischen Elnkreisungsbewegungen gegen Hankau haben nach Meldungen aus dem japanischen Haupt- Quartier in den letzten 24 Stunden weitere e r h e b- liche Fortschritte gemacht. Nördlich des Jangtse sind die japanischen Truppen über Kwangtsi h i n a u s g e k o m m e n und stehen nur noch etwa 120 Kilometer von Hankau entfernt Die chinesischen Truppen leisten an diesem Frontabschnitt kaum noch Widerstand. Der japanische Dor- marsch ist Nach japanischen Berichten nur noch eine Frage der Herstellung der Verbindungen. Nördlich von Kwangtsi haben die japanischen Truppen Ku- l.ch.^h gestürmt und nähern sich der Eisenbahnlinie Südlich des Jangtse ist die chinesische Gegen- offensive abgeschlagen worden, und die japanischen Truppen setzen ihren Vormarsch auf N a n t s ch a n a fort. 1 a Zwischen den japanischen Truppen die vom Jangtsekiang aus der Provinz Anweih in die Pxo- vmz Honan vorstoßen, und den chinesischen Truppen sind heftige Kämpfe im Gange. Die chinesischen Truppen werden auf neun Divisionen geschätzt unter denen sich auch die 88. Division befmden soll die gewöhnlich als Leibgarde Tschiangkaischeks genannt Die chinesischen Truppen sollen bemerkenswert stark mit Artillerie und besonders mit Gebiras- geschützen ausgerüstet sein. Wachsende Spannung in Palästina. „Vorläufige nationale Regierung" fordert zum Widerstand auf. Frankreich feiert den Sonnenkönig. Ludwig XIV. der Vater des französischen Imperialismus. Paris, 7. Sept. (Europapreß.) Die Zeiten, in öenen das Gedächtnis der Franzosenkaiser und -konige durch Zusammenstöße zwischen Royalisten und Bonapartisten oder Republikanern gefeiert muröe, scheinen endgültig vorbei zu sein. Die kürzlichen Napoleonfeiern in Ajaccio, der Geburtsstadt des großen Korsen, gingen zum ersten Male in der Geschichte der III. Republik unter der Schirmherrschaft des Staates vor sich, und die großartigen Fe-ern, mit welchen in diesen Tagen in Frankreich öer 3 0 0. Geburtstag Ludwigs XIV. begangen wurde, hatten ganz das Gepräge nationaler Gedenktage. Fast alle größeren Zeitungen brin- gen aus diesem Anlaß geschichtliche Abrisse und Bettachtungen aus der Feder von Mitgliedern der Academle Fran?aise und des Instituts, die die Persönlichkeit des Sonnenkönigs ganz besonders in bezug auf seine historische Sendung in der Geschichte Frankreichs Herausstellen. Ein bürgerliches Organ wie das ,Journal" veröffentlicht sogar an erster stelle einen Aufsatz des Grafen von Paris, des in Belgien im Exil lebenden Prätendenten auf den Bourbonenthron, über feinen großen Ahnen. Aus ollen Schriften und Reden dieser Tage tritt das deutliche Bestreben hervor, in Ludwig XIV. weniger den genialen Vertreter der Monarchie, als den Begründer der französischen Konti- nentalpotitit und Träger der imperialistischen Jerusalem, 7. Sept. (Europapreß) In Nacht zum Mittwoch kam es in Nordpalästina wieder zu größeren Zusammenstößen. — Bei Akre war am Nachmittag ein größeres Gefecht zwischen Freischärlern und englischen Truppen im Gange. Dieses Gefecht fleht anscheinend in Zusammenhang mit der Explosion einer Landmine in der Nahe von Tel Samar, durch die ein für den Streifendienst eingesetzter Lastkraftwagen oollstän- dig zerstört wurde. Zwei englische Soldaten fanden dabei den Tod, wahrend vier schwer verwundet wurden. Die Freischärler sollen bei dem Gefecht bei A^e, in das auch Bombenflugzeuge eingriffen, Ein Vorschlag der „Times". 3m Falle der Nichteinigung in Prag: Loslösung nicht-tschechischen und nichtslowakischen Gebietes von der Tschecho-Slowakei. beiden Hunde, die er wohl beschützend unter seinem Mantel geborgen hatte, wurden ebenfalls erschlagen. Der Tod in den Bergen. Ein gewisser August Schulz aus Hamburg stürzte vom Ostgipfel der Zugspitze tödlich ab. Von der Rettungsstelle Garmisch wurde die Leiche nach Oberbreinau gebracht. Die Ursache des Unfalls ist unbekannt. — Die Zweierseilschaft Max Egete- meier und Joseph Dischinger stürzte in der Venedikten-Nordwand ab. Während Dischinger von der Ortsgruppe Benediktbeuern der Deutschen Bergwacht lebend aus der Wand geborgen werden konnte, konnte der 22jährige Egetemeier aus München nur noch als Leiche zu Tal gebracht und in das Leichenhaus Benediktbeuern übergeführt werden. -r- Der Sohn des Garmischer Malermeist.ers Christian Schütz und der Gehilfe des Meisters, der 27 Jahre alte Alfred Scharnweber, bestiegen die innere Höllentalspitze. Auf bis jetzt ungeklärte Weise stürzte der Gehilfe ab und war sofort tot. Sein Begleiter verflieg sich in der Südwand und konnte weder vor noch zurück. Er mußke 16 Stunden in der Wand ausharren, bis ihn bergerprobte Männer nach dreistündiger Arbeit aus der b't fröhlichen Lage befreien konnten. Ein Knabe von einem Zirkuslöwen angefallen. Während der Vorstellung eines Wanderzirkus in der Stadt Przeworsk in Galizien ereignete sich ein dramatischer Vorfall. Ein elfjähriger Knabe stellte sich dicht neben das Gitter der Arena, in die nubische Löwen zum Dressurakt hereingelassen wurden. Das wildeste der Tiere, namens „Herkules", stürzte sich sofort auf den Jungen, ergriff mit beiden Pranken sein Bein und versuchte, das Kind in den Käfig hineinzuziehen. Durch die Geistesgegenwart eines anwesenden Tierarztes und der herbeieilenden Wärter wurde der Knabe befreit, mußte aber mit schweren Fleischwunden in das Krankenhaus übergeführt werden. Als der gereizte Löwe versuchte, das hohe Gitter der Arena zu überspringen, brach unter dem Publikum eine Panik aus, so daß die Vorstellung abgebrochen werden mußte. Es gelang aber, den Löwen wieder in seinen Käfig zu sperren. Siebenjähriger Knabe verursacht eine verheerende Feuersbrunst. In dem Dorfe Blotowce bei Zdolbunow in Ostpolen brach ein Brand aus, der fast das ganze Dorf vernichtete. Achtzehn Wohnhäuser und vierzig Wirtschaftsgebäude samt dem lebenden Inventar und der soeben eingebrachten Ernte wurden ein Raub der Flammen. Das Feuer entstand aus Unachtsamkeit eines siebenjährigen Knaben. Vorsicht mit selbstgesammelten Pilzen! Ein Einwohner eines Moselortes st a r b nach dem Genuß selbstgesammelter Pilze, unter denen sich giftige befunden haben müssen. — Das Vorkommnis ist wieder eine Mahnung, nur einwandfrei als genießbar erkannte Pilze zu verzehren und im Zweifelsfalle einen Sachverständigen zu befragen. Zauberkünstler aus aller Welt tagen in Frankfurt. Vom 17. bis 19. September findet in Frankfurt am Main der 2 6. Internationale Kongreß des Magischen Zirkels statt. Bis jetzt haben sich 400 Teilnehmer aus 15 Ländern angemeldet. Oberbürgermeister Dr. Krebs hat die Schirmherrschaft des Kongresses übernommen, als Vertreter der Reichstheaterkammer wird Reichs- kulturwalter ^-Oberführer Hinkel an dem Kongreß teilnehmen. Im Mittelpunkt des Programms steht der Wettkampf um den „Ring des Magischen Zirkels". Der erste, der ihn 1936 errang, war Alfred Keßler. 1937 auf dem Kongreß in Berlin holte ihn sich M a r v e l l i. In diesem Jahre wird er nun zum dritten Male in einem freien Wettstreit der Leistungen vergeben. Außerdem werden noch zwei weitere Preise zum Austrag kommen: ein zweiter Preis, der vom Schirmherrn des Kongresses. Oberbürgermeister Dr Krebs gestiftet ist, und ein dritter Preis, eine Stiftung des Präsidenten des Magischen Zittels« Helmut Sch re i® Kreuz und quer Von unserem W. S.-' Alt-Nürnberg ist ein Schmuckkästchen, in das man immer wieder mit hohem Genuß hmeinsieht. Und die Stadtverwaltung sorgt schon dafür, daß niemand von den Besuchern der Pegnitzstadt enttäuscht wird. Ununterbrochen wendet sie erhebliche Mittel auf, um bald hier, bald dort Schönheitsreparaturen vorzunehmen, vor allem aber Geschmacksverirrungen vergangener Jahrzehnte bei Wiederherstellungsarbeiten so zu korrigieren, daß das Gesamtbild, die Erhaltung der Ansicht einer mittelalterlichen und nachmittelalterlichen Stadt erhalten bleibt. So ist auch die Synagoge beseitigt worden/ die die Silhouette der Stadt immer wieder störte. Sie paßte nicht in das Bild hinein, das sich einem von der ebenfalls erneuerten Burg herab bietet: da liegen vor einem die schlanken Türme von St. Sebald und St. Lorenz, daneben die prächtige Egydienkirche, dort die Tür- kenkaserne, weiter eingestreut die mächtigen sieben Rundtürme an allen Durchlässen durch bie Stadtmauer. Dann nicht zu vergessen die Spitztürme der inneren Stadtmauer, die abgetragen wurde, als sich Alt-Nürnberg reckte und dehnte und Meister der Befestigungskunst aus Italien Quader auf Quader türmen ließen, bis die neuen imposanten Mauern standen, die heute den Stadtkern umschließen. Aber was sind Worte, was sind Beschreibungen einer Stadt, die in ihren Winkeln, in ihren Seitenstraßen und Gäßchen, an versteckten Plätzen, hinter Mauern und Torbogen Herrlichkeiten architektonischer Art in Hülle und Fülle bietet. Man muß diese Schönheiten sehen, man muß sie genießen, wie das immer roieber Hunderttausende von Parteitagsbesuchern tun, die nicht nur* tagsüber die Kirchen und Brunnen, das Rathaus und die schönen Höfe der Patrizierhäuser bewundern, sondern sich auch nach Anbruch der Dunkelheit, wenn überall die geschickt aufgestellten Scheinwerfer aufflammen, dem stillen Beschauen der angestrahlten Erkerchen und Vorbauten, der Kircheneingänge mit ihrer feinen Meißelarbeit und den Häuserfronten besonders eindrucksvoller Bauten hingeben. Sie alle kehren noch in besonders hohem Maße beglückt aus der Stadt der Reichsparteilage zurück. Nürnberg wandelt unablässig sein Gesicht: die Altstadt sucht zu erhalten, was einst war, die Neustadt weitet sich in unvorstellbarem Maße. Zu ihr gehört auch das umfangreiche Reichsparteitaggelände mit seinen fertigen und seinen unablässig in die Höhe schießenden Bauten. Steht man obeft auf der Burg, dann sieht man in der Ferne den Pfeilerbau der Führertribüne auf der Zeppelinwiese aufleuchten, sieht den wuchtigen Klotz der neuen Kongreßhalle und die Türme des Märzfeldes. Geht man aber über das Baugelände und spricht man mit einem Sachverständigen, dann durch Nürnberg. Sonderberichterstatter. schwirrt einem ber Kopf nur so von Zahlen, die sich vor allem^iuf das benötigte Material beziehen. ytabion beispielsweise wird mit seinen 450 000 Sitzplätzen so groß, daß es fast die gesamte Nürnberger Bevölkerung aufnehmen kann. Für den Kongreßdau braucht man noch 250 000 Waggons Material. Alle Wagen aneinandergereiht würden die Strecke Königsberg—Madrid füllen. 40 000 Sitz- plätje wird diese 57 Meter hol)e Halle aufweisen. Für die Bauten, auf dem Märzfeld braucht man öteine, die 30 000 Güterzüge füllen. In das Sportstadion werden 1,5 Milliarden Bausteine hinein- gebaut. Das sind Zahlen und Maße, die ahnen lassen, welche gewaltige Bauten auf dem Reichsparteitagsgelände langsam heranwachsen. Das Bindeglied zwischen der Stadt und dem Parteitagsgelände ist die Straßenbahn. Ihre Gleisanlagen sind erneut verbessert worden, vor allem hat man einen riesigen Tunnel gebaut, der sehr dazu beitragen wird, die Abwicklung des Verkehrs zu beschleunigen. Gerade die Erhöhung des Tempos bei An- und Abtransport der Parteitagsbesucher ist die stete Sorge der Straßenbahnverwaltung. Sie hat draußen auf dem Gelände richtige Bahnsteige gebaut. Ein Straßenbahnzug nach dem anderen fährt heran. Stets stehen aber auf einem Bahnsteig nur soviel Personen, wie die Wagen fassen können. Rasch wird vorn und hinten aufgestiegen, ein trillernder Pfiff des Schaffners, und schon verschwindet der Straßenbahnzug, während durch eine gassenartige Sperre der nächste Schub Fahrgäste hereinkommt. So wickelt sich der Rücktransport jedesmal ausgezeichnet ab. Die Hauptsache für alle ist natürlich immer, bis an den Stadtkern heranzukommen. Hier kann der Weitertransport niemals so klappen, wie man sich das wünscht. Denn dauernd muß der Führer von einer Veranstaltung zur andern eilen, dauernd müssen die ff5 Männer zum Absperrdienst Aufstellung nehmen. Dan tritt stets die Bezirkssperre ein, die zur Umleitung aller Fahrzeuge nötigt. Aber auch hoch oben im Luftraum gibt es eine Sperre, die für alle fremden Flugzeuge gilt. Nur die Wehrmacht und bestimmte Regierungsflugzeuge dürfen den Nürnberger Luftraum passieren. Fremde, die unerlaubterweise erscheinen, werden von der Luftpolizei nicht minder energisch angepackt wie der Verkehrssünder im Straßengewühl, der bei Rot die Straße überqueren will. Die Luftsperre hat ihre guten Gründe. Zur Zeit beherrscht die Luftwaffe mit ihren zahllosen Flugzeugen den Luftraum. Sie kann keine Bummler gebrauchen, die ihr in den Weg kommen und womöglich Unglücksfälle verursachen. ber, der für den geheimnisvollsten Trick gegeben wird. Zeitschriften. — Nach dem Kriege baute England seine Luftwaffe radikal ab. Die Welt hat das damals nicht verstanden, heute sieht sie den Grund ein: die Engländer erkannten nämlich, daß die damalige Kriegsgeneration für die Luftwaffe zu alt war. Deshalb behielten sie nur einen Stamm erfahrener Piloten und Lehrer und warben in der flugbegeisterten Jugend; man pflegte und förderte in erster Linie den privaten Luftsport und schuf damit ein gewaltiges Rekrutierungsbecken für die neue „Königliche Luftwaffe". Junge Club-Flieger zwischen 18 und 23 Jahren werden nach sorgfältigster Auswahl in die Luftwaffe übernommen, dienen hier 6 bis 20 Jahre und aehen danach sofort als Reserve-Flieger in die Flugsport-Clubs zurück, um jüngeren Kameraden Platz zu machen. Dieser Taktik verdankt England — wie das neue Heft der „Sirene" berichtet — seine moderne Luftmacht. — Die neue „Sirene" bringt außerdem eine Reihe aufschlußreicher Bilder-Artikel und Berichte über den Luftschutz und die Mitteilungen des Reichsluftschutzbundes. — „Die Kun st", Monatshefte für Malerei, Plastik und Wohnkultur, 39. Jahrgang, Heft 12, September 1938, Verlag Bruckmann AG> München, bringt eine ausführliche Würdigung der Großen Deutschen Kunstausstellung 1938. Das Umschlagbild schmückt die anmutige weibliche Plastik „Olympia" von Fritz Klinisch. Weitere hervorragende Werke dieser Schau, über die Ulrich Christoffel berichtet, finden sich im Inneren des Heftes. Ein schönes Zeugnis der hochentwickelten Drucktechnik ist die originalgetreue farbige Wiedergabe des Zyklus „Frühling, Sommer, Herbst und Winter" aus einem flämischen Kalender des 16.Jahrhunderts,« gemalt von Simon Bening, dem Hauptmeister des „Breviarium Grimani". Die Freude an diesen kleinen Meisterwerken der Malkunst vertieft der kunsthistorische Aufsatz von Hermann Gerstner: „Alte Kalenderbilder." Eine beachtenswerte Kunstausstellung veranstaltete die NSG. „Kraft durch Freude" in der Hamburgischen Kunsthalle unter dem Motto: mon-Gros und O. A. Schreiber, den künstlerischen Leiter der Ausstellung. Eine Reihe zartgetönter Illustrationen zeigen Georg Dillis, Mitschöpfer der Alten Pinakothek unter Ludwig I.r als Zeichner. Im zweiten Teil des Heftes finden Wohnkultur und Kunsthandwerk Beachtung. Innen- und Außenaufnahmen zeigen „Vier neue Einfamilienhäuser von Architekt Ernst Döbler, Stuttgart" sowie ein „Zweifamilienhaus in Klein-Machnow bei Berlin", von Architekt Friedrich Blume. Berlin-Zehlendorf. „Eleganz ohne Kühle" ist eine reichbebilderte Plauderei von Henri Rannen über die von Architekt K. G. Schoettle entworfenen Möbel. H. Gretsch's witzige Geißelung geschmackloser Möbelfabrtkation: „Kennen Sie Bubinga oder Sapeli?" wird durch Abbildungen edler Erzeugnisse des Wiener und Münchener Kunstgewerbes zum Positiven hin ergänzt.— Mit besonderem Entzücken wird vor allem aber die Leserin die handgeschnitzten Trachtenpuppen von Anna Fehrle betrachten. — In der neuesten Nummer der „Jllustrir- ten Zeitung Leipzig" wird u. a. in eindrucksvoller Weise der Tatsache gedacht, daß auch in diesem Jahre der Versuch, den Gipfel des Nanga- Parbat zu erreichen, gescheitert ist. Ein hübscher und fesselnder Bilderbericht heißt „Das Fräulein vom Amt in Tokio". Von allgemeinem Interesse ist ein Beitrag, in dem an'Hand von Aufnahmen von Dr. Ulrich K. T. Schulz gezeigt wird, wie der Naturfilm mit riesigen Fernkameras arbeitet und so das Leben in der Natur belauschen kann, ohne in störende Erscheinung zu treten. Vom Werden des geographischen Pflanzenatlas berichtet Dr. Fritz Mattick. Be- arüßenswert ist die umfassende Vorschau „Deutsche Filme — Spielzeit 1938/39" mit charakteristischen Bildprober» Sagten Sie sedis? Nein - ich sagte Ajl mev Von „Beetenbartsch" bis „Tiikolaschka". Kleiner Magenfahrplan für Ostpreußen. Von Hans Zippel. Wenn einer eine Reise tut, dann möchte er nicht nur alle Sehenswürdigkeiten und alle Naturschönheiten kennenlernen, sondern auch von den Menschen Eindrücke gewinnen, von ihren Sitten und Gebräuchen und nicht zuletzt von dem, worin sie anders sind als wir. Und da gilt auch heute noch das alte Sprichwort „Sage mir, was du ißt.." Jedes Land hat seine Leibgerichte. Zwar findet -man sie nicht immer auf den ^Speisekarten; denn die Durchschnittsküche muß sich nun einmal auf überall übliche Gerichte einstellen. Aber zwischen den Zeilen stößt der Wiß- und Eßbegierige doch manchmal auf einheimische Gerichte, die einen Einblick in die kulinarische Psyche des Landes geben. Ostpreußen gehört im besonderen zu den Ländern, die ihre Eigenart auf kulinarischem Gebiet bisher gern verschwiegen. Allenfalls kennt man den „Königsberger Klops" und „Königsberger Fleck", Gerichte, die man oft gering» schätzt, weil sie — am Rande seis bemerkt — selten so zubereitet werden wie in Ostpreußen selbst Aber dann entdeckt man z. B. in einem kleinen Speiselokal abseits des internationalen Reiseverkehrs „Graue Erbsen mit Speck", ein Gericht, das nicht wenig dazu beigetragen hat, den ostpreußischen Men- chenschlag hart und stämmig zu machen. Oder „Beete'nbartsch", ein Gericht, das aus roten Beeten, d. h. Rüben, Schmand, d. h. Sahne, -und Rindfleisch besteht und jedes Ostpreußenherz höher schlagen läßt. Oder „Schmand mit Glums", wobei man unter Glums den weißen Käse verstehen muß, den die ostpreußischen Rekordkühe in unübertrefflicher Güte liefern. Oder man stößt auf „S a u e r a m p f e r s u p p e" — im Sommer kalt, im Winter warm — eine ebenso delikate wie außerhalb Ostpreußens unbekannte Angelegenheit, deren nahrhaftester Bestandteil neben Sauerampfer und kleingehackten harten Eiern wiederum Schmand ist. Man könnte in diesem Zusammenhänge von Schwarz- und Weiß-Sauer, von „Schlunz" und anderen Merkwürdigkeiten ostpreußischer Kost sprechen, doch bei einem so nahrhaften Land wie Ostpreußen, ist Beschränkung geboten, zumal auch die Fische zu ihrem Recht kommen sollen, die berühmten C r a n z e r Flundern, die K ö n i g s b e r - q er Strömlinge oder der S t i n t, dem man in Nikolaiken sogar ein Denkmal „gesetzt" hat. Wem gebührt die Krone? Der Maräne? Sie kommt in Deutschland, ja 'in Europa nur einmal vor: in Masuren, vornehmlich in Nikolaiken, und muß geräuchert aus der Hand gleichsam „ä la Mundharmonika" gegessen werden, wenn sie richtig schmecken soll. Oder dem A a l ? Er ist ein Studium für sich. In Angerburg legten schon vor gut 600 Jahren die Ordensritter einen Aalfang an, weil die dortigen Aale besonders zart, besonders fett, besonders delikat waren. Als „Breitaal", d. h. der Länge nach aufgeschnitten und auseinandergeklappt, geräuchert, 'ist er eine ostpreußisch? Abart. Spezialität Labiaus ist der Spickaal, so genannt, weil er stückweise auf Hölzchen aufge„spickt" geräuchert und dadurch besonders bekömmlich wird. Auch die Neunaugen sind in Nordostpreußen zu Hause. Der berühmte Haffzander stammt aus dem Frischen Haff. In bekommt man in Elbing, in Cadinen oder auch im Ostseebad Kahlberg auf der Frischen Nehrung. Und der Nachtisch? Da kann man den Tilsiter Käse wählen, der ebenfalls in Nordostpreußen zu Hause ist, oder den „barscheren" Werderkäse, den es mehr im Danziger und Marienburger Lande gibt. Den Damen aber gebührt der Königsberger Marzipan. Die Getränke sind ein ebenso umfängliches wie fesselndes Kapitel, dem man sich am besten abends, nach getaner Arbeit, widmet. Der Grog, der „ostpreußische Maitrank" — im Winter wärmt er, im Sommer kühlt er — ist in ganz Deutschland berühmt, kaum aber der Tilsiter „Wasser- p u n s ch", ein gehaltvolles Getränk nach dem Rezept „Rum muß, Zucker kann, Wasser darf nicht darin sein". Die schlichte, treuherzig derbe Art des ostpreußischen Menschen findet ihren fröhlichen und genießbarsten Ausdruck in den verschiedenen Schnäpsen. Da gibt es den „Pillkaller Nikolasch- k a." — in der „Jlskefalle" z. B., jener berühmten, anheimelnd alten Seemannskneipe am Pillauer Bollwerk, die gern von Seedienstreisenden besucht wird — einen guten Doppelkorn mit.einer Scheibe ostpreußischer Landleberwurst und ei'Kem „Klacks" Mostrich darauf. Oder den „B ä r e n f a n g", den man in Masuren aus Sprit und Honig braut, in Nordostpreußen den „P e p p e r i n n e s", einen Pfefferschnaps. Oder „Flüssiges He u", „Ele - fantendups mit Setze i", „Dreidraht" und ,Kartoffelsuppe" und wie die meist landwirtschaftlich erklärbaren Getränke alle heißen mögen, die man auf keiner Getränkekarte, wohl aber in Krügen und Wirtshäusern entdecken kann. Neben jenen mehr ländlichen Erzeugnissen gibt es den berühmten Machandel, der in Tiegenhof, also in der Gegend von Marienburg und Danzig zu Hause ist, und die berühmten Liköre des Danziger Lachses, die man zwar am eindrucksvollsten in Danzig selbst kennenlernt, aber auch in Königsberg und allen anderen Orten antrifft. Wer weder für den Kurfürstlichen Magenbittern und den „Verfluchten Pomeranzen", noch für das mädchenhaft süße, glitzernde Danziger Gold wasser zu haben ist, dem sei als letzte Zuflucht das „Blut- g e r i ch t" im Keller des Königsberger Schlosses empfohlen. Hier findet man — in historisch bedeutsamen Räumen, deren Behaglichkeit durchaus im Gegensatz zu ihrem mittelalterlichen schauerlichen Namen steht — alle die guten Weingeister des deutschen Rheins, der Mosel, Ahr und Saar. Damit wäre der Bericht über Ostpreußens Speisen und Getränke beendigt. Und das Ergebnis? Es ist in der Vorhalle des schönen Nordbahnhofes in Königsberg zu lesen: „Wohin man immer wandern mag,' Ostpreußen darf sich zeigen! Ihm ist ein guter Menschenschlag und anderes Gute eigen!" Wiiierunasvorbersoge für die Zeil vom 8. bis 17. September. Herausgegeben vorn Forschungsinstitut für langfristige Witterungsoorhersage des Reichswetterdienstes in Bad Homburg v. d. H. am 7. Sept. 1938, abends. In den nächsten Tagen noch Fortdauer des unbestand!gen, zu häufigeren Niederschlagen neigttt, den und meist kühlen Wetters, jedoch im aügemet* nen allmähliches Nachlassen der Ergiebigkeit bet Niederschläge, wobei aber in Schlesien die Gefahr stärkerer Regenfälle noch fortbesteht. Zeitweise vor« übergehende Aufheiterung und tagsüber leichte Er« wärmung. Etwa bis zum Wochenende wird sich eine allgemeine Witerungsbesserung durchsetzen, die vielleicht noch einmal vorübergehend durch eine (Störung unterbrochen wird; dann aber wird in der nächsten Woche trockenes, zeitweise heiteres Herbstwetter mit starken Tagesschwankungen der Temperatur und häufigerem Auftreten von Morgennebeln vorherrschen. Gesamtsonnenscheindauer örtlich stark verschieden, jedoch in den zehn Tagen meiftenorts kleiner als 60 Stunden. Wetterbericht Durch Lie Ostwärtsverlagerung des Tiefdrucks, der Westdeutschland am Dienstag und Mittwoch anhal- tenden Landregen brachte, hat sich jetzt eine schwache nordwestliche Luftströmung eingestellt, die langsam zu Aufheiterung führt. Infolge der dadurch verstärkten nächtlichen Abkühlung kam es am Dvnners- taqmorqen zu verbreiteter Nebelbildung. Anschlie- ßend wird durch weitere Luftzufuhr aus Nord noch meist unbeständiges und kühles Wetter vorherrschen. DorhersagefürFreitag: Morgens neblig, doch vielfach ausgeheitert und meist trocken. Tagsüber etwas wärmer, schwache Winde. Vorhersage für Samstag : Lrmgsam weitere Aufheiterung und spätere Besserung.. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum« schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr Fr W Lange; für Feuilleton: vr. Hans Thynot; für den übrigenTeil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theoder Kümmel. £.21.VIII.38: 8916. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM.- 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Hausfrauen undTöchter Ohne Gewähr Nachdruck verboten nähen Sie? Haben Sie noch Schwierigkeiten beim Znsclmeiden! 26. 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Rechts vor dem Wagen steht Reichsarbeitsführer Hierl, während links der Stellvertreter des Führers Reichsminister Rudolf Heß, Reichsinnenminister Dr. Frick und zahlreiche weitere führende Persönlichkeiten Aufstellung genommen haben. — (Scherl-M.) 40000 Arbeitsmänner vor dem Führer. Nürnberg, 7. Sept. (DNB.) Der erste große Aufmarsch des Reichsparteitages Großdeutschlands war den Männern des Arbeitsdienstes Vorbehalten. Unter wolkenverhangenem Himmel sind seit den frühen Morgenstunden die erdbraunen Ko- lonnen des Arbeitsdienstes zum Aufmarsch auf der Zeppelinwiese anmarschiert. Zn zehn gewaUigen Marschsäulen stehen die 34 Arbeitsgaue bereit. Die massiven Tribünenaufbauten, die sich rings um das gewaltige Viereck ziehen, sind Kopf an Kopf besetzt. Auf der Ehrentribüne haben die ausländischen Missionschefs, das gesamte Führerkorps der Bewegung, die Generalität, die Behörden, die ausländischen Delegationen und die Ehrengäste der Partei Platz genommen. Vor dem Mittelblock der Haupttribüne sind die Gauarbeitsführer und die Amtschefs des Reichsarbeitsdienstes angetreten. In dem Ausschnitt, der den Blick auf die Aufmarschstraße zur Zeppelinwiese und dem dahinterliegenden Reichswald freigibt, steht das Mal der Arbeit: ein gewal- tiger Vierkantblock mit dem Zeichen des Arbeitsdienstes, dem Spaten und den gekreuzten Aehren, gekrönt. Auf den Stufen steht der Fanfarenzug des Reichsarbeitsdienstes, der wenige Minuten vor 9 Uhr die Ankunft des Führers kündet. Unter jubelnden Kundgebungen fährt er bis zur Mitte der Haupttribüne, wo ihn der Reichsarbeitsführer, Reichsleiter Hierl, und Reichsinnenminister Dr. Frick empfangen. Auf der an der Haupttribüne vorbeiführenden 50 Meter breiten Straße sieht man nun außerhalb des Feldes die unabsehbaren Kolonnen der Arbeitsmänner. Der Reichsspielmanns- und Reichsmusikzug marschiert auf und schwenkt schneidig vor der Haupttribüne ein. Gleich setzt sich das erdbraune Heer in Bewegung, geführt von dem Reichsarbeits- führer mit seinen Adjutanten, der Fahnenabteilung der Schulen des Reichsarbeitsdienstes, denen der Generalarbeitsführer Dr. Decker voranmarschiert. Der Reichsarbeitsführer meldet dem Führer den Vorbeimarsch und nimmt dann zur Linken des Führers vor dem Wagen Aufstellung. Unter brausendem Beifall marschieren zunächst die beiden Feldmeisterschulen vorüber, dann als erster Gau der Arbeitsgau Oe st erreich unter den Klängen des Kaiserjägermarsches in das gewaltige Viereck ein. Während die dritte Marschsäule den Eingang des Osttores erreicht hat, werden auf der breiten Anmarschstraße gegenüber der Hauptttibüne die nun in Abteilungskolonnen zu 32 Mann aufmarschierenden Blocks sichtbar. Die Fahnen sind an den rechten Flügel der Blocks gerückt. Die wundervolle Präzision, mit der der Anmarsch und die Schwenkung, aber auch die Aufstellung und das geschlossene Ablegen des Gepäcks und das Niedersitzen erfolgen, weckt jedesmal neuen Beifallssturm. Nun ist der Vorbeimarsch beendet, die letzte Marschsäule zieht auf ihren Aufstellungsplatz. Die Feierstunde aus der Zepveliuwiese. Der Führer begrüßt die Arbeitsgauführer und die Bezirksführerinnen des Arbeitsdienstes für die weibliche Jugend und begibt sich dann auf die Tribüne. Nach einem Fanfarenruf setzt sich nun die VII. Marschsäule in Bewegung und zieht mit d m Liede „Singend, singend wollen wir marschieren in die neue Zeit" in das Viereck. Ihr folgt mit dem Liede „Unsere Herzen, die sind jung, unsere Lieder klingen, unsre Arbeit wird das Bruch und das Brachland zwingen" die VIII. Marschsäule. Als die beiden Säulen ausgeschwenkt sind, ziehen mit entblößtem Oberkörper die Männer der Arbeitsdienstschulen ^singend ein. Ihnen voran werden zwei große Eichenlaubkränze vor das Ehrenmal der Arbeit getragen. Mit den Schulen kommen zu, gleicher Zeit Arbeitsmaiden in weißen Blusen, 'die an den beiden Außenseiten des Aufmarschfeldes Aufstellung nehmen. Die Männer der Arbeitsschulen marschieren vor dem Ehrenmal der Arbeit nach beiden Seiten gestaffelt auf. Ein herrliches Bild ist der Einmarsch der 32 Musikzüge des Reichsarbeitsdienstes. 1200 Musiker spielen das Marschlied „Wir tragen das Vaterland in unseren Herzen". Auf beiden Flügeln marschieren die Schellenbäume. Der Aufmarsch ist vollendet. Der ganze Innenraum ist von dem erdbraunen Block ausgefüllt, und nun machen die 40 000 Arbeitsmänner auf einen Schlag den Chrungsgrisf. Lauter Beifall dankt für das prächtige Bild. Dann meldetderReichsarbeits- führer dem Führer den Arbeitsdienst in einer Stärke von 40 000 Arbeitsmännern und 2000 Arbeitsmaiden. Der Führer tritt auf die weit vorgebaute Rednerkanzel und grüßt die Soldaten des Friedens: „Heil Arbeitsmänner!" Und wie aus einer Kehle antworten die 40 000: „Heil, mein Führer!" Glockengeläut und Musik leiten die F e i erst u n d e des Arbeitsdienstes ein, die im Zeichen der großdeutschen Einigung steht. In ruhigem gemessenem Schritt nehmen die Arbeitsmaiden in zwei Halbkreisen um die riesigen Fahnenmasten zu beiden Seiten des Ehrenmals Aufstellung. Zu gleicher Zeit sind die Fahnenschwinger im Vordergrund an )en Flanken der Marschkolonnen des Ar'beitsdien- tes aufmarschiert. Wieder setzt Glockengeläut ein, )as von dem Fahnenlied der Arbeitsmaiden unterbrochen wird, während an den beiden Masten die Fahnen des Reichsarbeitsdienstes gehißt werden. Weithin schallt dann die Stimme eines Rufers: „Und wieder sind wir vor dem Führer angetreten zu einer Heerschau und zu einer Feierstunde. Einmal im Jahre geben wir vor Volk und Führer feierlich Bericht und Kunde. Hier stehen wir! Wir sind bereit!" Wie ein Mann antworten die 40 000 Arbeitsmänner: „Wir sind bereit!" worauf in wuchtigem Chor die Mannschaften der Schulen das Lied des Grußes, des Dankes und des Gelöbnisses an den Führer singen, Kameraden zu sein und das Leben der Arbeit um Deutschland zu weihen. Nach dem Rhythmus des Liedes werden an den Flanken des Aufmarschfeldes die rotleuchtenden Fahnen geschwungen. Dann erschallt wiederum die Stimme des Rufers, der das großdeutsche Bekenntnis verkündet: „Wir taten unser Tagewerk — Mann für Mann, da drang es laut in unsere Einsamkeit, da schlug die große Stunde uns in Bann: Der Führer aller Deutschen formt das Bild der Zeit; die Grenze fällt, das neue Reich bricht an, die Sehnsucht der Jahrhunderte wird Wirklichkeit." In diesem Augenblick braust über den Platz das Bekenntnis: „G r o ß d e u t f ch l a n d!", an das sich von neuem der Gesang der Mannschaft schließt. Die Spalenübergabe an die Ostmark. Nun folgt die feierliche Spatenübergabe an die Ostmark. Ein Kamerad des Reichsarbeitsdienstes überreicht seinem Kameraden aus der Ostmark seinen Spaten mit den Worten: „Mein Kamerad! Der du für deine Kameraden aus Oesterreich an dieser Stelle stehst, nimm hier vor allem Volk den deutschen Spaten!" Der Arbeitsmann der Ostmark antwortet mit dem von allen Arbeitsmannern aus der Ostmark bekräftigtem Versprechen: „Wir wollen mit dem Spaten so wie ihr im Osten, Süd^n, Norden in Oesterreichs Heimaterde graben, die wieder deutsche Erde durch des Führers Tat geworden." Mit dumpfem Trommelwirbel wird die Totenehrung eingeleitet. Während sich die Fahnen senken und vier Eichenkränze am Ehrenmal der Arbeit angebracht werden, ruft einer auf zum Geden- kewan alle, die für die Größe und Ehre des Reiches im Felde gefallen sind, die für den Führer ihr Leben gaben, an alle Opfer der Arbett, an alle, die in Oesterreich gefallen sind. Der Ausklang der Feierstunde ist das Gelöbnis: „Es lebt das Reich nur aus dem Glauben feiner Herzen und von der schlichten Arbeit seiner Hände. — Unser ganzes Leden soll ein großer Arbeitsdienst für Deutschland «sein. — Was wir geloben, Führer, ist der höchste Eid, den deine deutsche Jugend dir geloben kann durch jede Arbeitsmaid, durch jeden Arbeitsmann! Es lebe Deutschland bis in alle Ewigkeit!" Glockenläuten leitet zum Vorspiel des Feier- liebes der Arbeit über, in das alle Arbeitsmänner und Arbeitsmaiden auf dem Aufmarschfeld einstimmen: jeder Spatenstich,'» den wir vollbringen, soll ein Gebet für Deutschland sein." Die Feierstunde ist vorüber. Anschließend nimmt Reichsarbeitsführer Hierl das Wort. Der Reichsarbeilssührer spricht. Reichsarbeitsführer Hierl erklärt: „Mein Führer! Zum erstenmal bet diesem Parteitag stehen hier auf diesem Felde in unseren Reihen Abordnungen des neuaufgebauten Reichsarbeitsdienstes aus der von Ihnen, mein Führer, wieder ins Reich heimgeführten deutschen Ostmark. Diese Arbeitsmänner und Arbeitsmaiden »sind stolz und glücklich, unserer großen Reichsorganisation angehören zu dürfen, in der die Erfüllung langer Sehnsucht nach einem Reich und einem Führer Ausdruck findet. Am Beginn der großen Aufmärsche des Reichsparteitages steht unsere Feier des Reichsardeits- üienstes. Sie wird von vielen Teilnehmern, insbesondere von uns Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes selbst, als einleitender Gottesdienst empfunden. In dieser Weihestunde bekennen wir uns erneut und feierlichst zur untrennbaren Gemeinschaft aller Deutschen. Wir verpflich- ten uns, dieser Gemeinschaft zu dienen, unser ganzes Leben Lang als Arbeiter und, wenn es Not tut, als Kämpfer. Wir glauben, daß wir damit einem Gesetz der Natur und damit einem G e - bot Gottes gehorchen, der die Völker geschaffen und uns in unser Volk gestellt hat. Wir bekennen uns erneut zu einer Auffassung von der Arbeit, die in der Arbeit mehr sieht als nur ein Mittel zur Befriedigung materieller Bedürfnisse oder Genüsse, mehr auch als nur ein Mittel zur Erringung von Ansehen und Macht. Wir sehen in der Arbeit vor allem eine sittliche Pflicht, die Erfüllung einer gottgewollten Bestimmung. Wir glauben, daß wir auf dieser Erde sind, um die von Natur in uns gelegten Anlagen und Fähigkeiten zu entwickeln und zu entfalten, um zu arbeiten und zu schaffen unb dadurch einem göttlichen Willen zu dienen Wir glauben, daß die Erziehung im Reichs- arbeitsdienst in diesem Geist zugleich eine Er- Ziehung zu Lieser, echter, positiver Religiosität bar» Mein Führer! Wir scheiden von dieser Stätte und rücken wieder in unsere Arbeitsstellen mit dem heißen Wunsch und dem festen Glauben, daß Gottes Segen so wie bisher auch in Zukunft über Ihnen, mein Führer, und über ihrem Werke ruhen wird." Der Führer an feine Arbeitsmänner. Der Führer richtete an den Reichsarbeitsdienst bann folgende Ansprache: Zum 5. Male kann ich euch Männer bes Reichsarbeitsbienstes hier begrüßen. Zum zweiten Male euch Maiben! Zum ersten Male- begrüße.ich die Arbeitsmänner meiner engeren Heimat. Ihr feib damit nicht nur symbolisch, fonbern wirklich eingerückt in die große Front der neuen deutschen Volksgemeinschaft, die kein schöneres Symbol hat als den Spaten, der zum Zeichen unserer nationalsozialistischen Gemeinschaft geworden ist. Ihr kämpft im Innern Deutschlands für den Ausbau dieser Gemeinschaft und ihre geistige Vertiefung/ Aber ihr kämpft auch für die Verteidigung d e s Reiches und feine Unabhängigkeit, indem jeder Spaten neuen Boden schafft und altes Reichsgebiet sichert! So steht euer Spaten heute im Herzen Deutschland, im Norden, im Osten, im Süden und im Westen im Dienst der Sicherung und Erhaltung des Reiches! Ihr helft aber auch mit, ein neues Geschlecht zu erziehen, das fest auf dem Boden der Heimat steht in Gesundheit, in Kraft und in Stärke. Ihr selbst seid ein Fleisch und Blut geworbener Ausdruck dieser deutschen Mannbarkeit, Während der Kundgebung auf der Zeppelinwiese begrüßte der Führer eine Reihe von Führern des Arbeitsdienstes und der Arbeitsmaiden mit Handschlag. — (Scherl-M.) | - » fifW ’7- A ■:vZ- «T F f K - < W" \ Den Abschluß der Kundgebung des Arbeitsdienstes bildete der Marsch der Arbeitsmänner mit geschulterten Spaten durch bk festlich geschmückten Straßen der Stabt. Im Hintergrund der Frauentorturm, — (Bilbtelegramm Scherl-Bilderdtenst-M.) II AH so wie wir sie UNS wünschen für die Zukunft. Braungebrannt und gestählt — das ist des deutschen Lölkes heutige Jugend! Wir sind stolz aus euch! Ganz Deutschland liebt euch! Denn ihr seid nicht nur die Spatenträger, sondern darüber hinaus Dolksträger unseres Reiches geworden! In euch repräsentiert sich uns das erhabendfte Motto, das wir kennen: „Mensch, hilf dir selbst, dann hilft dir auch Gott!" Ich danke euch für euer Schaffen und Wirken! Ich danke eurem Reichs- arbeitsführer für das gigantische Werk eueres Aufbaues! Als des, Reiches Führer und Kanzler bin ich glücklich über den Anblick, der sich -mir bietet, glücklich über den Geist, der euch beseelt und glücklich über mein Volk, das solche Männer und Maiden besitzt? Heil euch! Roch einmal singen die Männer und Maiden, noch einmal blitzt die Welle der Spaten beim Ehrungsgriff über das gewaltige Feld. Dann verläßt der Führer die Zeppelinwiese. Die Feierstunde des Arbeitsdienstes ist beendet. Der Barsch durch Mrnberg. Rach kurzer Rast auf der Zeppelinwiese erfolgte der Aufbruch des Reichsarbeitsdienstes zum Marsch durch die Stadt. Es ist ein herrlicher Anblick, wie die Zwölferreihen der Arbeitsmänner in straffster Ordnung und mustergültiger Ausrichtung heranrücken. Die Uniformen sind mit Eichenlaub, Tannen- grün, Heidekraut und Blumen geschmückt. Frauen und Mädchen reichen den Männern Blumen über Nürnberg,?. Sept. (DNB.) Der Kongreß des Großdeutschen Parteitages kam am Mittwochabend zum zweitenmal im festlichen Rahmen zusammen. Im Mittelpunkt stand die große Rede Alfred Rosenbergs über das Thema „Autorität und Freiheit", in der er u. a. folgendes ausführte: Die europäische Menschheit sieht sich der weltgeschichtlichen Tatsache gegenüber, -daß äußere Formen sich zersetzen oder schon zerfielen und daß dieses Zusammenfinken alter Bindungen und Ordnungen die Folge einer nahezu alle Gebiete umfassenden inneren Glaubenslosigkeit darstellt. Was man früher als Autorität lehrte und auch bereit war, innerlich anzuerkennen, ist nicht nur im Verlaufe der letzten Jahrzehnte, sondern in einem schon Jahrhunderte fortwährenden Prozeß abgenutzt worden. Autorität jeglicher Art im menschlichen Leben entsteht durch den Glauben an bestimmte Ideale. Inmitten einer geschichtlichen Möglichkeit, die durch viele Komponenten entsteht, wirkt im Kampf des Daseins entscheidend e i n Ideal und steigt siegend aus den Herzen der Völker zur politischen staatsbildenden Macht empor. Dann entscheidet sich, ob der Glaube an die gepredigten Werte bei der führenden Schicht stark genug ist, sich durch die Kämpfe der Völker und Zeiten zu erhalten. Schließlich brechen Wertsysteme und politische Ordnungen zusammen, wenn die Führerschaft nicht mehr die Kraft besitzt, die gelehrten Werte eines Systems zu verkörpern, wenn schreiende Widerspräche zwischen Lehre und Haltung Nicht mehr Einzelerscheinungen, sondern Symptome werden. Tritt dieser Zustand aber ein, dann erleben die Völker stets ihre entscheidende religiöse, weltanschauliche, geistige, sozial^, politische Krise. Kein Zweifel kann darüber bestehen, daß wir nach der furchtbaren Erschütterung des Weltkrieges in dem entscheidenden Zustand leben, da einst herrschende weltanschauliche, soziale und politische Autoritäten sich zermürben, zum Teil schon zusammengebrochen sind, und daß dieser Zustand nicht erst seit einigen Jahren zu verzeichnen ist, sondern daß der Weltkrieg mit all seinen Folgen schon das Ende einer solchen Entwicklung bar» stellt. Es hat in diesen vergangenen Jahrzehnten vielleicht viele Kunstformen gegeben, aber keinen Stil. Wir hatten viele Kirchen und Sekten — aber keine Religion. Wir hatten viele Philosophen und Philosophenschulen, aber keine Weltanschauung mehr. Und weil das so war, deshalb besaßen wir 500köpfige Parlamente und keinen wirklichen Führer von Volk und Staat. Deshalb besaßen wir riesige Banken und Konzerne, aber keine wirkliche Nationalwirtschaft. Schließlich war über viele Theorien auf allen Gebieten der tiefere Lebensinstinkt verschüttet worden, und der Mensch in Deutschland konnte Spielball werden der Besitzer der großen Nachrichtenzentralen, Börsenspekulationen und politischen Regierer einer Welt des Unterganges. Das Mittelalter wurde groß durch den Sieg der Lehre von den hohen Werten der Armut, der Demut und der Askese. Die Lebens enthaltung, und nicht die Lebens st e i g e r u n g, wurde als höchste moralische Prüfung betrachtet, und das Opfer für dieses Wertsystem schuf jene breite Grundlage zur autoritären weltanschaulichen und dann auch politischen Herrschaft des kirchlichen Mittelalters, das Jahrhunderte der europäischen Entwicklung bestimmt hat. Diele Völker haben sich an den neuen Ideen des 18. Jahrhunderts begeistert, die bewußten nationalen Versuche haben sich, diese Aufklärungsphilosophie assimiliert, und in dieser verschiedenartigen Mischung zwischen Menschheitsideal und Nationalkultur ist der Kampf des 19. Jahrhunderts bis zum Weltkrieg vor sich gegangen. Niemand aber wird verkennen, daß im Laufe dieser 150 Jahre ein Ent- artungsprozeß und nicht ein Fortschritt vor sich gegangen ist. Auch die im Laufe einer langen und großen Geschichte entstandene englische Demokratie hatte ursprünglich nichts gemeinsam mit dem Geraufe in den sogenannten demokratischen Parlamenten und mit dem Schiebertum der Demokratie in Deutschland nach dem Weltkrieg. Sie war einst ein angelsächsisch-germanischer Ausgleich gegenüber dem harten Eroberertum der Normannen, auch ein Beispiel eines organischen Ausgleichs zwischen Autorität und Freiheit, und die abgeschiedene Lage ermöglichte ein von außen nicht gestörtes Spiel zwischen Spannung und Entspannung, das für England so kennzeichnend war. Blumen und bekunden damit die innige Verbundenheit zwischen Reichsarbeitsdienst und Bevölkerung. Besonders groß ist der Jubel, mit dem die Schule des Reichsarbeitsdienstes und der Arbeitsgau der Ostmark begrüßt werden. In der Umgebung des Deutschen Hofes, an dem die Arbeitsmänner mit frohen Marfchliedern auf den Lippen vorbe-imar- tichieren, herrscht eine besonders begeisterte Stimmung. Hier erreicht der Marsch des Reichsarbetts- dienstes seinen Höhepunkt. Dom Frauentorgraben aus führt der Weg zurück zum Partettaggelande am Märzfeld entlang in das Zeltlager Langwasser, wo die Arbeitsmänner für die Dauer ihrer Teilnahme am Reichsparteitag untergebracht sind. Or. Todt zum SSl.-Obergruppenführer befördert Nürnberg, 7.Sept. (DNB.) Wie NSK. meldet, hat der Führer auf Vorschlag des Stabschefs der SA. den Generalinspektor für das deutsche Straßen* ?sen, SA.-Gruppenführer Dr. Todt, mit Wirkung vom 6. September zum SA.-Obergruppenführer befördert. Damit erhalt der Na.wnalpreisträger, der schon viele Jahre vor der Machtübernahme als aktiver SA.-Mann und Führer sich in den Reihen der Sturmabteilung für die Idee Adolf Hitlers eingesetzt hat, eine weitere Anerkennung für seine genialen Schöpfungen auf dem Gebiet des Straßenbaues. Diese Haltung kam in ---der melancholischen Abschiedsrede des letzten britischen Ministerpräsidenten, besonders auch menschlich sympathisch, zum Ausdruck. Vor der Jugend des Empire sagte er, sie solle im Leben die P-f licht voranstellen und erst nachher an ihre Rechte denken, ein Gedanke, der uns verwandt scheint, mit dem Geschrei der sonstigen als verwandt bezeichneten Demokratie aber wenig gemeinsam hat. Diese durchaus germanische Deutung müßte ein näheres Verständnis gerade des deutschen Strebens wohl möglich machen, wenn nicht einige Unwägbarkeiten von gegnerischer Seite immer wieder erfolgreich ausgewertet würden. Im Hinblick auf die strafferen staatlichen Formen des nach vielen Seiten offenen Deutschlands schreiben Unverantwortliche schmeichlerisch über deutsche Unfreiheit, um von dem für uns sicher unerträglichen einengenben Korsett der a u ß e r st a a t l i ch e n Lebensformen abzulenken. Und schließlich beliebt man von.öer Tatsache abzusehen, daß die britische persönliche Unbekümmertheit die Beherrschung und das heißt F r e i h e i t s b e r a u b u n g vieler anderer, nicht nur kolonialer Völker und die Auswertung der Früchte reichster Länder dieses Erdballes zur Voraussetzung hat) Dieser Zustand'ist aber n l ch t die Folge einer universalistischen, angeblich friedlichen Demokratie, sondern das Ergebnis einer jahrhundertelangen militärisch-politischen Eroberung gewesen. Und während kein Brite einer fremden Staatlichkeit untersteht, vergißt man in London, daß Millionen ebenso freiheitsliebender Deutscher im Joch einer fremden Tyrannei leben, die einst mit Hilfe auch Englands in Europa aufgerichtet wurde. Die insulare Geschickte als Ganzes ist es, die Großbritannien fein arteigenes, im wesentlichen ausgeglichenes politisches Leben ermöglichte, bis fremde, vorwiegend jüdische Finanzinter- essen das Gleichgewicht der britischen Lebensform störten und diese der französisch-jüdisch-demokrati- schen, Englands Denken direkt kompromittierenden Haltung annäherten. Einmal stand die gesamte Weltanschauung des 18. Jahrhunderts in ihrer Auswirkung auf dem erstrebten Gipfel und hatte buchstäblich die Macht der ganzen Welt in der Hand und damit die Möglichkeit, die gelehrten einheitlichen Ideale zu verwirklichen und eine Ordnung zu gestalten, die sie geprdigt hatte. Dieser Tag trat ein im November 1918. Und nunmehr war die Möglichkeit gegeben, drei Ideen in die Tat umzusetzen. Es waren dies die Ideen einer Weltkultur, einer Weltwirtschaft und eines Weltfriedens. Kein noch fo großer Sophist kann heute leugnen, daß diese weltgeschichtliche Stunde die denkbar geringsten Geister und fragwürdigsten Charaktere zu ihrer Vertretung und Wesenszeichnung auserlesen hatte. Die Demokratie auf der Höhe einer die Welt umfassenden Autorität zeigte sich unfähig zum wirklichen staatsmännischen Denken, und statt eine versprochene neue Ordnung zu errichten, sind die sogenannten „Großey von Versailles" die Verantwortlichen für die Zersetzung der Welt geworden. Sie haben nicht eine Weltkultur mitschaffen helfen, sondern sie haben in fast allen Ländern die furchtbarste Barbarei und Kulturzerstörung heraufbeschworen, und wenn nicht überall ein bolschewistisches Chaos entstanden ist, so verdankt die Welt das nur den starken Gegenkräften, die sich wider die Pariser Diktate aufbäumten. Es ist nur olgerichtig, wenn auch der Bolschewismus sich heute chon — demokratisch nennt, weil er in Zu- ammenfaffung aller entwurzelten Elemente unter jüdischer Führung praktisch nur das in voller Konsequenz aufweist, was in der Entartung der liberalen Zeitepoche durch korruptionierende Finanz- polittk schon Tatsache des sozialen Lebens geworden war. Ohne jede KenntniL der Geschichte in einer geradezu verbrecherischen Ahnungslosigkeit, bestimmten Menschen in Versailles, in Saint-Germain, in Trianon, in Sevres über lebendige Völker, zerschnitten ihren Leib und amputierten wie die Metzger den volksverbundenen Boden der Nationen, und der Völkerbund, angeblich die ausgleichende Institution für die den Weltfrieden gefährdenden Kräfte, war vollständig taub für die auftretenden wilden Klageschreie der mißhandelten Nationen und Volksgruppen. Wenn man heute von staatlichen und sozialen und schließlich weltanschaulichen Krisen spricht, so ist das alles auf die Tatsache zurückzuführen, daß Döl- Filmuraufführung in Mrnberg. Nürnberg, 7. Sept. (DKK.) Der Heimkehr der deutschen Ostmark in das Reich trägt auch die Uraufführung eines bedeutenden deutschen Filmwerkes aus Anlaß der Nürnberger Tage Rechnung. Im Nürnberger Ufa-Palast lief in Anwesenheit zahlreicher Persönlichkeiten aus Bewegung und Staat der Peter - Ostermayr - Film der Ufa „Frau Sixta" an, ein von Gustav Ucicky nach dem Roman Ernst Zahns gedrehter Stoff aus der Bergwelt Tirols. In der Titelrolle errang die Staatsschauspielerin Franziska Kinz, eine geborene Tirolerin, einen außerordentlichen Erfolg. Schon in der äußeren Erscheinung mit dem offenen und klaren, von schweren Flechten umrahmten Gesicht, der von innerem Adel beseelten stolzen Haltung war sie beherrschender Mittelpunkt. Durch ihre großen sprachlichen und darstellerischen Mittel gestaltete sie das Schicksal der schönen Posthalterin, die ihr Glück dem der Tochter opfert, mit bewegender Eindringlichkeit. Der Spielleiter hatte der schlichten Fabel alle Einfachheit gelassen. Die Darsteller zeichneten eine Reihe vortrefflich gesehener Gestalten. Um so gegensätzlicher wirkte Gustav Fröhlich in der Rolle des „Fremden", der zu den Menschen dieser Bergwelt keinen Kontakt finden kann. Hans Schneeberger schuf mit wundervollen Aufnahmen aus den Oetztaler Alpen einen großartigen Hintergrund, Herbert Wines eine kongeniale Musik. Der Film fand eine begeisterte Aufnahme. ker, die einstmals an Liberalismus und Demokratie glaubten, nunmehr den Glauben an die gelehrten Ideale immer mehr zu verlieren beginnen. Was sich hier 3um zweiten Male in fünf Jahrhunderten vollzieht, ist der Zusammenbruch einer einst starken Autorität. Die wüsten Schlägereien in den Parlamenten, die fortdauernden sozialen Krisen, die Hilflosigkeit, selbst bei reichsten Naturschätzen die Arbeitslosigkeit zu beheben, das alles sind nur Zeichen dafür, daß eine alte Welt hier ihr Sterbelied singt, und daß die Völker, die aus 'innerem Instinkt und schöpferischem Willen gegen einen solchen Verfall sich aufbäumen müssen, Ausschau halten nach einer neuen Autorität. hierin liegt bas Geheimnis der großen Erfolge der nationalsozialistischen Bewegung, der faschistischen Revolution und mancher anderer neuen Erscheinung unseres Daseins. Weil Deutschland in einer der schwersten Stunden seiner Geschichte eine ganz große Persönlichkeit gebar und INenschen fand, die ihre Kraft bedingungslos einer neuen Zeit zur Verfügung stellten, so konnte hier die Antwort auf die gebieterisch gestellten Fragen unserer Epoche gefunden und Abschied genommen werden von allem, was innerlich nicht mehr tragfähig, überlebt oder untüchtig geworden war, ein großes Volk in eine große Zukunft zu führen. Und wenn über allem für uns die Idee einer Dolksfreiheit schwebt, so ist auch die nationalsozialistische Bewegung mit der Lehre einer bestimmten Rangordnung der Werte ins Dasein getreten, hat mit diesem Postulat gesiegt und schickt sich an, dieses Ideal in der Zukunft als lebenstüchtig zu erweisen. Die nationalsozialistische Autorität wurde geschaffen durch die Lehre und Vertretung der nationalen Ehre als Höchstwert, der sozialen Gerechtigkeit nach innen als Ausdruck der Gleichwertigkeit aller Deutschen, und der Volks- k a m e r a d f ch a f t als Ergebnis eines opferbereiten Kampfes für eine neue Idee und als formende Kraft für die Ewigkeit einer großen Zukunft. Die Idee der Freiheit von früher war die Entfesselung zwar auch vieler schöpferischer Einzelkräfte, aber um so mehr in späterer Auswirkung die Entfesselung auch chaotischer Kräfte. Sie war die Lehre der Freiheit von einer Bindung, die Lehre des Nationalsozialismus ist die Lehre der Freiheit für eine Aufgabe. Die eine Lehre mußte enden in einer Auflösung in eine Vielzahl subjektiver Wünsche, die andere gipfelt in Pflichtforderungen gegenüber einem unübersehbaren und durch ein gemeinsames Schicksal gebildeten und zufammengchallenen Volkstum, darüber hinaus des europäischen Menschentums. Mit der Schöpfung des Dritten Reiches find alle jene Mächte der Vergangenheit, die einst absolut sein wollten, in den gehörigen Rang der partikularen Kräfte eingeordnet worden. Die Stam- imesrioalitäten sind als Faktor der Politik dahin, ja sind zu einem edlen Wettstreit der Arbeit geworden; die Zwistigkeiten der vielen Fürsten gehören der Vergangenheit an; Konfessionsstreitigkeiten, die Deutschland so oft aufrührten und nahe an den Abgrund brachten, sind schon längst im Dolksbewußtsein rein persönliche, private Aussprachen, damit zweitrangig geworden. Was die deutsche Philosophie in Luther und Kant und Goethe von der Gebundenheit nach außen und von der Freiheit nach innen als germanische Auffassung des Lebens verkündete, das ist, ohne daß. es im einzelnen immer bewußt gelehrt worden war, politischer Grundsatz unserer Bewegung und unseres Staates geworden. Weil die nationalsozialistische Bewegung keine taumelerregenden Phrastn in die Welt setzen will, sondern die Kräfte der Ordnung und der Pflicht aufruft, deshalb kann sie eine mit hohen Werten nicht verbundene Freiheit auch nicht verkünden, sondern nur eine lebendiae Gestalt, die eine unlösbare Bindung zwischen Freiheit und Autorität darstellt. Autorität des einmal in entscheidender geschichtlicher Stunde auf Grund einer überragenden Leistung gewählten Führers, und eine Freiheit, die auch den Mut aufbringt, auf Grund von Forschungen und einer neuen Haltung Antworten an eine Zeit zu erteilen, die den angeblich freien und im Grunde durch überalterte Konventionen und wirtschaftliche Knechtung doch unfreien Menschen einer dahinversinkenden mittet» alterlich-tiberalistischen Vergangenheit heute üft» möglich erscheinen. Die deutsche Nation wird genau wie die Autorl- täten der Vergangenheit in Zukunft auch die jetzt aufgerichtete nationalsozialistische Autorität bar an messen, wie die Führung von Bewegung und Staat dieses Wertsystem in der persönlichen und sachlichen Vertretung zu verkörpern vermag. Ueber alle Menschlichkeiten hinweg wird deshäl'b die große Pflicht unserer gesamten Bewegung darin bestehen, auch auf den Reichsparteitagen eine innere Ueber- prüfunq des gesamten Verhaltens des vergangenen Jahres bei jedem einzelnen zu vollziehen und als immer erneuerte Gesamtoerpflichtung hinauszugeben für die Arbeit der kommenden Zeit. Deutscher Sozialismus der Tat. Der Stellvertreter des Führers erteilt dann Haupt» amtsleiter H i l g e n f e l d t das Wort über die Aufgaben des Winterhilfswerks und der nationalsozialistischen- Dolkspflege. Fast zwei Milliarden Geld- und Sachwerte konnten durch das WHW. dcs deut» schen Volkes in den letzten fünf Jahren mobilisiert und für die nationalsozialistische Volkspflege verwendet werden. Vier Millionen Besucher zahlten die Hilfs- und Beratungsstellen für Mutter und Kind seit dem letzten Parteitag; 952 000-Personen wurden durch dieses Hilfswerk tm Monatsdurchschnitt betreut; 214ß 000 Kindern wurde durch die NSV. ein mehrwöchiger Erholungsaufenthalt zuteil; 76,5 Millionen Mark beträgt die bisherige Leistung für Oesterreich, 127 000 Kinder konnten bisher aus den Gauen der Ostmark verschickt werden; eine Feststellung, die mit besonders starkem Beifall ausgenommen wurde. Die Erfolge in der Bekämpfung öer Säuglingssterblichkeit haben dazu geführt, 162 000 Kinder mehr am Leben zu erhalten, die bei der gleichen Entwicklung wie in der Systemzeit gestorben wären; von den Helfern und Helferinnen der NSV. wurden im letzten Jahr allein 96 Millionen Arbeitstage geleistet. Das entspricht den Arbeitstagen, die in den vergangenen vier Jahren in allen europäischen Staaten und den Vereinigten Staaten von Amerika durch Streiks und Aussperrungen verloren gegangen sind. Dle volksgesundheMcheu Maßnahmen der Pattei. Als letzter Redner des Tages gab der Stellver- treter des Führers dem Reichsärzteführer Dr. Wagner das Wort zu seiner Rede über „Rasse und Volksgesundheit". Im einzelnen zog der Reichs- ärzteführer einen Querschnitt durch die Erfolge unserer bevölkerungspolitischen Maßnahmen. In den vier Jahren 1934/37 seien im Deutschen Reich insgesamt 1 170 000 Kinder mehr geboren worden als geboren worden wären, wenn die Geburtenzahl so niedrig gewesen wäre wie im Jahre 1933! Besonders bemerkenswerte Mitteilungen machte der Reichsärzteführer über die volksgesund- heitlichen Maßnahmen der Partei. So haben 30 000 im Amt für Volksgesundheit tätige Aerzte in der Zeit vom 1. Juli 1937 bis 1. Juli 1938 etwa 2 000 00 0 Untersuchungen durchgeführt, die der Betreuung zum Zwecke der frühzeitigen Erkennung gesundheitlicher Schäden dienen. Die Zahl der vom Amt für Volksgesundheit laufend beaufsichtigten Betriebe sei ständig im Steigen begriffen. Die gleichen energischen Maßnahmen werden für die Jugend unternommen. Zum Schluß sprach der Relchsarzteführer über die Gefahren, die durch einen übermäßigen Verbrauch von Genußgiften hervorgerufen werden. Es fei nicht daran gedacht, etwa von jetzt an jeden Genuß von Alkohol und Tabak zu verdammen und zu verbieten. Bekämpft werde im Interesse der Volksgesundheit lediglich der M i ß b r a u ch dieser Genußmittel, und dieser Kampf werde unbeirrt fortgeführt. Der Stellvertreter des Führers vertagte bann den Kongreß auf Donnerstag. Oer Gauleiter im Zeltlager Morenbrunn. NSG. Für den Gau Heffen-Nafsau ist in diesem Jahre die Unterbringung in einem Zeltlager erstmalig. In den früheren Jahren waren Schulen zu Massenquartieren umgemanMt worden. In diesem Jahre hat aber der Gau Hessen-Nassau eine eigene Zeltstadt errichtet, die in allem zu einer vorbildlichen Unterkunft ausgebaut ist. Der Gauleiter, der sich schon die Vorbereitungsarbeiten selbst sehr angelegen sein ließ, besuchte am Mittwochnachmittag nach dem großen Appell des Reichsarbeitsdienstes das Zeltlager Mooren- brunn, um sich von den Einrichtungen des Lagers zu überzeugen. Am Montag waren die ersten beiden Züge eingetroffen, und am Mittwoch kamen die resttichen Teilnehmer, die sich inzwischen alle in dem Laaer gut eingelebt haben. Obwohl das Zeltlager für unseren Gau große organisatorische Umstellungen mit sich brachte, sand der Gauleiter ein gut eingerichtetes Lager vor. Eingehend besichtigte er zunächst die große Baracke, in der die Verpflegungsräume untergebracht sind und wo für ihn ebenfalls ein Arbeitsraum eingerichtet ist. Dann besuchte er jedes einzelne Zelt und überzeugte sich, daß die Zelte vorbildlich ausgestattet sind. Mittwoch sind für die einzelnen Zelte, die mit Stroh und Matratzen gut eingedeckt sind, noch weitere 3000 Wolldecken geliefert worden, so baß die Teilnehmer hinreichend gegen die Unbilden der Witterung geschützt sind. Trotz des gerade nicht günstigen Wetters ist die Stimmung bei allen Parteigenossen hervorragend. Freudig wurde der Gauleiter überall begrüßt. Besonders eingeheist» erkundigte er sich nach der Verpflegung, die durch den Hilfszug Bayern sichergestellt ist. Auch die übrigen Einrichtungen fanden seinen Beifall. Nach eingehender Besichtigung aller Einrichtungen verweilte der Gauleiter noch längere Zeit im Lager. Bei seiner Abfahrt bereiteten ihm die Hoheitsträger seines Gaues einen herzlichen Abschied. Unsere Freiheit heißt Bindung an Pflicht und Schicksal. Alfred Rosenberg spricht aus dem Parteikongreß über Autorität und Freiheit. 1O ^Pf9y MAGGI ■ 1 Immer reichlich Soße - was Sie auch kochen und braten! Auch zum Verlängern, Verbessern, Abbinden, Kräftigen und Bräunen vorhandener Soßen. Nr. AO Drittes Blatt (Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesjen) Donnerstag, 8. September (938 Dos Modell her Schwimmhalle im Gießener Spvrlseli» Echäferhunve-Körung in Gießen vorgeführt, die Zähne wurden nachgesehen, dke na- türliche oder andressierte Schärfe beobachtet, die Aufmerksamkeit, die das Tier an den Tag legt, beurteilt, wie überhaupt seine ganze Veranlagung überprüft. Umfangreiche Fragebogen wurden ausgefüllt, so daß die Körung geraume Zeit in Anspruch nahm. Der tiefere Sinn dieser Körung liegt darin, daß | unferm Garten zum Beispiel. Aber Erntehilfe! Die Wiese, die wir nun überqueren, ist übersät mit lila Herbstzeitlosen. Leise murmelt der Bach, dunkel steht der Wald zur Seite. Jetzt haben wir das Feld unserer Tätigkeit erreicht, die andern sind schon an der Arbeit: Mann und Frau und Großmutter, dazwischen wuselt ein kleiner Junge. Schnell ein Kopftuch umgebunden und den großen, hölzernen Rechen in die Hand! Drüben, neben dem Kartoffelacker, ist noch ein großes Stück umzuwenden. Als das fertig ist, wird das schon Gewendete zu Haufen zusammengerecht. Wir arbeiten wie die Wilden! Die Kinder müssen natürlich Unsinn machen, sie verstecken sich in den Grummethaufen und lassen sich suchen. Gott sei Dank! Jetzt gibt's erst mal Kaffee! Wir lagern uns malerisch auf die Wiese. Die große, braune Deckelkanne wird geholt und weiße Becher. Unb Riesenstücke köstlichen Schwarzbrotes kommen zum Vorschein. Hei, wie das schmeckt! Unser Blick schweift über die weiten, weiten Felder, in der Ferne leuchten rote Dächer, seidig blau ist der Himmel darüber ausgespannt. Run aber geht's weiter mit der Arbeit: setzt wird aufgeladen.! Das braunweiße Kuhgespann steht geduldig vor dem Wagen, in den das Grummet kunstgerecht verstaut wird. Die Frau steht im Wagen, der Mann reicht es ihr zu und wir rechen nach. Von Haufen zu Haufen geht es. Eine schwere Arbeit. Wieviel Zeit, Kraft und Geschick erfordert das Ausladen, und doch nur, um daheim wieder-- abladen zu müssen! Ein spielerischer Herbstwind weht jetzt über das Feld, wir rechen immer wieder die zerzausten Haufen und Häufchen zusammen. Aber endlich ist das Werk gelungen: hochaufgetürmt steht der Wagen da, das Feld ist leer. Run werden noch die Kinder hinaufgereicht: sie quietschen vor Vergnügen. Schwankend und im langsamsten Trott fährt der Wagen auf dem unebenen Wiesenboden mit dem „getrockneten, zweiten Herbstschnitt" davon. Die Sonne ist hinter zarten Wolken verschwunden, die rosenrot von ihr gefärbt sind. Die ersten Nebelstreifen tauchen am Waldrande auf und lassen ihn noch schwärzer erscheinen. Es ist Herbst! E. L. St. Vereinbarte Kündigungsfristen einhalten NSG. Es ist vielen Gefolgschaftsmitgliedern immer noch nicht genügend bekannt, daß die Nichteinhaltung der durch Tarifordnung vorgeschriebenen, oder vertraglich vereinbarten Kündigungsfristen ein Verstoß gegen den das Arbeitsverhältnis begründenden Treuegedanken ist. Ein solches Vergehen ist einem Vertragsbruch gleichzustellen. Sofern durch Tarifordnungen Kündigungsfristen vorgeschrieben sind, liegt in solchen Verstößen auch ein vorsätzliches Zuwiderhandeln gegen die schriftlichen allgemeinen Anordnungen des Reichstreuhänders der Arbeit. Der Reichstreuhänder hat in geeigneten Fällen die Möglichkeit, Verfolgung durch das Soziale Ehrengericht zu veranlassen bzw. Strafantrag zu stellen. Der Platz an der Pul- vermähle war dieser Tage während einiger Stunden erfüllt vom Gekläff vieler Schäferhunde Die „Fachschaft Deutsche Schäferhunde" hatte die Besitzer zuchtwürdiger Schäferhunde zusammengerufen, um die Tiere einer gründlichen Schau zu unterziehen. Es galt festzustellen, welche Tiere für die nächsten zwei Jahre zur Nachzucht zugelassen werden können. Die Körung wurde durch Kör- meister Sauter (Alzey) vorgenommen, dem etwa 30 Tiere aus Oberhessen und aus dem angrenzenden Marburger Gebiet vorgeführt wurden. Zum Teil handele es sich um die Körung von Tieren, die bereits zugelassen waren und wieder zugelassen werden sollten, anderseits wurden aber auch eine Anzahl Jungtiere erstmalig angekört. Die Prüfung für die Zuchttauglichkeit wurde sehr eingehend vor'genommen. Die Tiere wurden nach Höhe, Länge, nach Brustumfang und Widerristhöhe gemessen, sie wurden gewogen, im Gang, im Lauf hP?'h,;Sener yn5='9cr" Nr. 208 Dom 8. Septem- ber berichteten mir über das große Modell des m sRÜP°rs^lbe5 m dem Gießener Stand lni-t n wUVnb Siedlungs-Ausstellung in granf= 2hQ,2R(m ws.un*erem Bericht beigefügte Bild DOn4»?C!In ^dell des Schwimmhalle-Baues macht dem Beschauer die Schönheit dieses projektierten Baues deutlich. Wenn man das Modell eingehend betrachtet, >o gewinnt man interessante Erkenntnisse von den grundlegenden Gedankengängen, die zu dieser Gestaltung des Projektes geführt haben, ferner kann man aus manchen Einzelheiten der Modellqestal- m/rfen5merte Schlußfolgerungen ziehen. Zu- nachst erkennt man das Streben nach einer e i n - aumgestaltung darin, daß in x S °? 5 1 die Nebenräume (wie Auskleideräume und Wasch- und Duschmöglichkeiten) in einen be- lonöeren Vorbau gelegt werden, der auch die ein- Zlge Zugangsmöglichkeit zu der Schwimmhalle bietet. Die Ausmaße der Schwimmhalle chemen^ nach dem Modell, den Normen des Deutschen Sportausschusses zu entsprechen, da das Hauptbecken offenbar etwa 20:50 Meter, das Sprungbecken mit dem dargestellten Sprungturm 20: 20- Meter groß sein wird. Die Gestaltung der -b ' b u n e n s ü r s^p o r t l i ch e V e r a n st a l t u n - g e n scheint man in der Form vorgesehen zu haben, daß man die Tribünen nicht a n steigen, sondern sie nach dem Wasser zu a b steigen läßt. Dadurch wird die Einheitlichkeit der Raumgestaltung ebenfalls gewahrt, die notwendig ist, um die Verbindung der Schwimmhalle mit der breiten vorgelagerten Terrasse herzustellen. Da in dem Modell der Schwimmhalle einige Scheiben der von unten nach oben durchgehenden Fenster etwa zur Hälfte fortgelassen sind, kann man wohl den Schluß ziehen, daß durch diese Anordnung die Verbindung der überdeckten Schwimmhalle mit der Sportwiese als verkürzter Weg zur sportlichen Betätigung auf der Wiese ermöglicht werden soll: die Besucher der Schwimmhalle können also kurzerhand durch den freien Raum der fehlenden Fensterscheiben hinaus auf die Wiese gelangen und diesen Weg natürlich auch umgekehrt zurückiegen Dieses Projekt stellt u. W. eine der ersten Anlagen Deutschlands dar, die den Gedanken besonders herausstellt, daß das Schwimmbad nicht eine räumlich für sich abgeschlossene Einrichtung ist, sondern sowohl im Sommer, als auch im Winter die Möglichkeit der sportlichen Betätigung im Freien bieten soll. Ganz abgesehen davon, daß die bis zum Fußboden herunterreichenden Fenster gerade in den Abendstunden, wenn das ganze Sportfeld im Sonnenschein liegt, einen schönen Ausblick auf die grüne Fläche der Sportwiese, auf die großen Wasserflächen und weiter hinaus in das Buseckertal er- möglichen, wird durch das Fehlen von Mauerwerk an der unteren Seite der Fensterfronten die körperliche Erholung in der Schwimmhalle in glücklicher Weise mit der seelischen Entspannung durch den Blick in die Weite und auf die herrliche Umgebung verbunden. Dieses Fehlen von Mauerwerk an der unteren Seite der Fensterflächen läßt auch keinerlei einengende Wirkungen auf das seelische Empfinden des Besuchers auskommen. Der Platz zwischen dem Vorbau und der Haupthalle soll offenbar repräsentativen Zwecken dienen. Dieser Vorplatz ist in dem Modell dar- gestellt mit zwei großen Wasserbecken mit B r u n n e n a n l a g e n und seitlich aufgestellten Erholungsbänken. Außerdem scheint, die Verwendung von P l a st i k e n dem ganzen Jnnen- bof eine gerade in ästhetischer Hinsicht glückliche Gestaltung zu geben. Man könnte sich vorstellen, daß man diesen Jnnenhos mit seinen Plastiken gewissermaßen als einen Ehrenhof der Körperschönheit aufzufassen vermag. Die don dem Jnnenhof in die Haupthalle führenden großen Türen scheinen nur für besondere Veranstaltungen vorgesehen zu sein. Die in dem Modell sehr eingehend dargestellte Jn- nenraumbildung vermittelt eine eindrucksvolle Vorstellung von der geplanten Ausführung. Wie u£5 auf Anfrage an zuständiger Stelle mit- aeteilt wird, sind die beiden Modelle, sowohl das der Schwimmhalle als auch das der städtebaulichen Lösung, von dem Bildhauer Arnold in Allendorf an der Lumda, dem Schöpfer des 116er-Denkmals in Gießen, ausgezeichnet angefertigt worden. Aus der Stadl Gießen. Grummeternte. Grummet ist ... ja, was ist es eigentlich? Mal nachsehen: Grube, Grude, Gruft, „Grummet = Grünmahd, der getrocknete, zweite Herbstschnitt der Es war ein leuchtender Septembertag, sonnig und doch kühl und ganz klar, in den Gärten flammten die Dahlien, als wir frohgemut dem Walde zuschritten. Wir waren Erntehilfe und kamen uns sehr wichtig vor. Am Trieb ging es vorbei und dann durch den Wold, jetzt mußte sie doch bald kommen, die Wiese. Aha! Dort hinten! Nun ging es eine Böschung hinunter und dann über einen kleinen Bach: „Ei, Mutti, so hüpp doch, dein Rock.is ja heute gar nich so eng!" ruft das Kind, das schon vor Ungeduld zappelt. Sonst ist es nicht so wild auf Arbeiten, in die Fachschaft Deutsche Schäferhunde verpflichtet ist, einen guten Gebrauchshund heranzuzüchten und diesen Hund auch so auszubilden, daß er für die oer* schiedensten Aufgaben eingesetzt werden Fann. Vornotizen Tageskalender für Donnerstag: Gloria-Palast (Seltersweg): „Diskrete Ehrensache." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Ehrenlegion." — Stunde der Hausfrau: 16 und 20 Uhr, „Germania" (Kaiserallee 141), „Weiß-Wasch-Dor- sührungen". Wochenspruch der NSDAP. Jteuartiae Maßnahme der Gaupropagandaleitung Hessen-Nassau. NSG. Die Partei hat für die Verbreitung nationalsozialistischen Gedankengutes einen- neuen Weg gefunden, der in bisher unbekannter Weise das Nützliche mit dem Angenehmen verbindet. Dies ist der Wochenspruch der NSDAP., den die Gaupropa- gandaleitung Hessen-Nassau mit Wirkung vom 3. Oktober 1938 herausgibt. Gerade in der jetzigen Wirksam und preiswert herrlich erfrischend, verhindert den Ansatz des gefürchteten Zahnsteins. Sroße Tube 40 *BL, kleine Tube 25 *BL Zeit dürfte sich der Wochenspruch, der auch das innen- und außenpolitische Geschehen der Zeit in kurzen, kernigen Worten behandelt, eines regen Zuspruchs erfreuen. Für den Wochenspruch wird augenblicklich in den Kreisen des Gaues Hessen- Nassau geworben. Er soll in den Schulen, in Be- trieben, in Gaststätten, in Wartezimmern, in Behördendienststellen, kurz überall da, wo deutsche Menschen zusammenkommen, Eingang finden. Namhafte Künstler des Gaues Hessen-Nassau werden jede Woche einen neuen Entwurf schaffen, der den Wochenspruch, der in einem Wechselrahmen zum Aushang gelangt, zu einem künstlerischen Wandschmuck werden läßt. Krankenversicherung bei militärischen Üebungen. NSG. Wenn ein nach den Vorschriften der reichs- gesetzlichen Krankenversicherung Versicherter an einer kurzfristigen Ausbildung oder einer Hebung der Wehrmacht teilnimmt, so wird die bestehende Versicherung hierdurch nicht berührt. Jedoch ruhen für die Zeit der Teilnahme die Beitragspflicht und die Versichertenkrankenhilfe. Die Familienhilfe dagegen läuft weiter. Da nun dem Träger der Krankenversicherung Beiträge entgehen', zahlt ihm das Reich zur Deckung der Aufwendungen für die Familienhilfe, die für die Angehörigen der Versicherten während deren Teilnahme an einer kurzfristigen Ausbildung oder einer Hebung entsteht, einen bestimmten Pauschalbetrag. Hm diesen zu erlangeh, benötigen die Dersiche- rungsträger (Ortskrankenkasse usw.) laufend genaue Unterlagen über Beginn und Beendigung der Hebung. Zu diesem Zweck hat der Reichsarbeitsminister unter dem 13. Juni 1938 besondere Be- stimmungen getroffen, bei denen unter „Hebung" die Teilnahme sowohl an einer kurzfristigen Ausbildung der Wehrmacht, als auch an einer Hebung der Wehrmacht zu verstehen ist. Danach sind die Unternehmer wie die Versicherten zu bestimmten Meldungen verpflichtet. Und zwar haben die Pflicht- Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen, die an einer Uebung teilnehmen, den Beginn der Hebung unter Vorlegung des Einberufungsbefehls und die Beendigung der Hebung unter Vorlage des Wehrpasses ihrem Unternehmer jeweils sofort zu melden. Das gilt auch dann, wenn Krankenkassen mit Unternehmern, mit Inhabern von Betrieben oder „Ehrenlegion." Im Gießener Lichtspielhaus. Wir haben nicht allzu häufig Gelegenheit, ausländische Filme kennenzulernen, und begrüßen schon aus diesem Grunde jede Gelegenheit, die Produktion der anderen mit unserer eigenen zu vergleichen. Wir sahen vor einiger Zeit den „Roman eines Schwindlers" von Sacha Guitry; es war ein ungewöhnlich starker Eindruck. Der ebenfalls aus französischer Produktion kommende Film „Ehrenlegion" wirkt künsterisch und vor allem rein filmisch nicht so überaus anregend wie jener, aber man begreift sehr wohl, daß dieses Werk, das übrigens mit Unterstützung der französischen Luftfahrt- und Kriegsministerien hergestellt wurde, den großen französischen Filmpreis des Jahres 1938 erhielt: der Film gestaltet eine Fabel, die bei den Beschauern in Frankreich ähnliche Empfindungen wachrufen muß wie „Bengali" bei Engländern. Die Handlung spielt im Kolonialkriege in Der afrikanischen Wüpe und verherrlicht die Tuaenden der Ehre und der Ritterlichkeit, der soldatischen Tapferkeit und der männlichen Kameradschaft; sie gibt in ausgezeichneten, natürlichen Bildern eine Vorstellung von der Weite der afrikanischen Landschaft und von der Kriegführung kleiner, auf sich selbst gestellter Kolonialtruppenteile gegen aufständische Eingeborene. Eine Verhandlung vor dem Militärgericht ergibt gleich zu Beginn lebhafte Spannung und schafft die Voraussetzungen für die analytische Entwicklung der Vorgeschichte, in welcher sich das nationale Thema mit einem persönlichen Konflikt glaubhaft und ohne verstimmende Effekthascherei verquickt. Ein junger Offizier, eines schimpflichen Verbrechens angeklagt, nimmt schweigend den Spruch des Kriegsgerichtes, das ihn unschuldig verurteilt, aus sich, um der Freundschaft willen, die ihn mit einem älteren Kameraden verbindet; die nicht unerwiderte Neigung zu der Frau des Kameraden hat der Leutnant tapfer unterdrückt, um sich keines Vertrauensbruches schuldig zu machen. Die Ehre der Frau, die Freundschaft der beiden Männer bleiben von jedem Schatten und Makel verschont, da der Leutnant darauf verzichtet, die wahren Zusammenhänge vor Gericht aufzudecken, und wenig später in einem Gefecht gegen Aufständische in Nordafrika fällt. — Das Manuskript schrieb M. G l e i z e, der auch Regie führte; daß zwei so wesentliche Funktionen in einer Hand vereinigt waren, gibt dem Film seine innere Geradlinigkeit und Geschlossenheit. Außerdem wird, wie fast stets in französischen Filmen,, sehr gut gespielt; man sieht eine abgewogene, gepflegte Darstellung, deren unpathetische Schlichtheit zwar von romanischen Schauspielern nicht von vornherein zu erwarten war, aber dem Gegenstände wohltuend angemessen ist. Das Terzett Abel Jac- q u i n (Leutnant Vallin), Marie Bell (Simone Dabrau) und Charles V a n e l (Hauptmann -Dabrau) hebt sich sehr ebenmäßig aus dem auch sonst vortrefflich besetzten Ensemble heraus. Ausdrückliche Anerkennung verdient auch der Kameramann C. Matra s. Deutsche Fassung: Lüdtke und Dr. R o h n ft e i n. * Das Programm wird durch die Fo^-Wochenschau, einen Kulturfilm „Fahrt nach Kamerun" und einen Vorspann zu „Verwehte Spuren" ergänzt. Hans Thyriot. Die „Moniblanc-Braui". Eine Hundertjahr-Erinnerung. Bergsport ist in unserer Generation auch unter Frauen beliebt geworden. Wie viele aber von den Frauen, die heute Jahr für Jahr Erholung und Freude in Hochtouren finden, wissen noch etwas von der Ahnin des Bergsportes, die gegen eine ganze Welt voll Entrüstung und Spott als erste Frau den Montblanc bestieg? In diesem Monat werden es genau hundert Jahre, seitdem Henriette d'Ange- oille diese Tat vollbrachte. Als ihre Absicht in Chamonix bekannt wurde, bekam sie so viele Warnungen, Bitten, Drohungen, davon abzustehen, von Privatpersonen wie von feierlichen Deputationen, daß sie sich zuletzt gezwungen sah, ihre Türe zuzusperren und niemanden mehr zu empfangen. Den Montblanc zu besteigen, erschien den Zeitgenossen für eine Frau -nicht nur gefährlich, sondern vor allein auch unschicklich. Henriette d'Angeoille hatte schließlich den Eindruck, daß von den 25 000 Einwohnern ihrer Heimatstadt Genf höchstens fünf ihr wirklich Erfolg wünschten. Sogar ihre beste Freundin, die Engländerin Lady Cullum, bat sie in Tränen, ihr Vorhaben aufzugeben. Aber Henriette war entschlossen. Es war schon einmal eine Frau auf dem Gipfel des Montblanc gewesen, ein Bauernmädchen, das von Führern hinaufgetragen worden war. Doch Henriette wollte auf ihren eigenen gesunden Beinen hinaufgehen. Sie war 44 Jahre alt und glaubte sich den Strapazen gewachsen. Von einem Arzt ließ sie sich vorher gründlich untersuchen, außerdem sand sie es notwendig, ihr Testament zu machen. Sie kam im Juli nach Chamonix, und die beiden nächsten Mo- nate vergingen mit Vorbereitungen und mit Training. Für den Ausstieg wählte sie sechs Führer und sechs Träger und entwarf sich selbst ein passendes Kostüm. Dieses Costüm, das sie später dem Gastwirt in Chamonix zum Geschenk machte, ist einigermaßen phantastisch. Es bestand aus einem Unter- gewand aus rotem Flanell, darüber Hofen aus schottischem Tweed, die gleichfalls mit rotem Flanell verziert waren und bis an die Knöchel reichten. Eine Art von Tunika aus dem gleichen Stoff, von einem Gürtel gehalten und vorn und hinten in Falten gelegt, fiel bis auf die halben Schenkel herab. Ihre große Eitelkeit waren seidene Strümpfe, aber sie war weise genug, wollene Kniestrümpfe darüber zu ziehen. Handschuhe1 und Mütze waren pelzbesetzt. Heber der Mütze saß noch ein Strohhut. Zum weiteren Schutze gegen Sonnenstrahlen trug sie noch eine Samtmaske, einen Schleier und eine grüne Brille, und endlich vervollständigten die Ausrüstung ein Plaid, ein Bergstock und ein pelzgefütterter Umhang. Ebenso eigenartig mutet uns der mitgeführte Proviant an, nämlich zwei Hammelkeulen, zwei Ochsenzungen, 24 Hühner, sechs Brotleibe, 18 Flaschen Wein, eine Flasche Kognak, eine Flasche Sirup, ein Fäßchen „gewöhnlichen Wein", zwölf Zitronen, drei Pund Zucker, drei Pfund Schokolade und drei Pfund getrocknete Pflaumen. Diese Vorräte waren für die Führer und Träger bestimmt. Für sich selbst begnügte sich Henriette mit einem Flammeri, einer Flasche Orangenlimonade, einer Flasche Zitronenlimonade und einem Topf Hühnerbouillon. Am 3. September, um 6 Uhr früh, brach die kleine Karawane von Chamonix auf, unter Leitung des Führers Joseph-Marie Cduttet. Um 10 Uhr war man bei Pierre ä l'Echelle und vier Stunden später bei Grand-Mulets. Hier wurden Zelte aufgeschlagen und biwakiert. Die Gesellschaft sand hier unerwarteten Zuwachs in Gestalt eines polnischen Touristen, des Grafen Carol Stoppen. Der Graf scheint wohlausaerüstet gewesen zu sein, denn er schickte seinen Führer mit seiner Visitenkarte und bat um die Erlaubnis, Henriette in ihrem Zelt seine Auf- roartuna machen zu dürfen, was sie gestattete. Nachts zwei Uhr wurde weitermarschiert. Henriette, die sich noch tags zuvor als gute Steigerin bewährt und den hilfreichen Führern erklärt hatte, daß sie überall hinaufkäme, wo zwei Männer ihr vorangegan- gen wären, wurde nun ein Opfer der Bergkrankheit. Sieben Schritte verursachten ihr Herzklopfen, und wenn sie ruhte, so drohte vollständige Lethargie sie zu übermannen Vier Stunden lang kämpfte sie gegen diesen Zustand an, dachte aber niemals daran, aufzugeben. „Wenn ich sterbe, bevor mir oben sind", sagte sie zu den Führern, „so tragt meinen Körper auf den Gipfel und laßt ihn dort'." Um 1.25 Uhr mittags stand sie auf dem Gipfel. Hier erholte sie sich augenblicklich. Zuerst brachte sie die Gesundheit des Grafen von Paris in einem Trunk Milch aus. Dann setzte sie sich auf den Thron von Schnee und schrieb, das Gesicht nach Frankreich gewendet, fünf Briefe. Die Führer, die ihr den Namen „die Montblanc-Braut" gaben, baten um die Erlaubnis, sie küssen zu dürfen, und dies vollsühr- ten sie so schallend, daß Henriette glaubte, man müßte es bis Chamonix hören. Der Aufenthalt auf dem Gipfel dauerte fast eine Stunde. Abends 6.20 Uhr wurden die Zelte bei Grand-Mulets wieder erreicht, und Henriette war froh, hier die Nacht verbringen zu können. Am nächsten Tage, dem 5. September, war sie wieder in Chamonix. Kanonen wurden ihr zu Ehren abgefeuert und ein großes Bankett gegeben. Ein Bericht im „Journal des Debats" verlangte, daß „ber Name d'Angeoille hinfort neben den Namen Jacques Balmat und de Saussure genannt werden müsse. Henriette d'Angeoille setzte ihre bergsteigerische Laufbahn noch lange fort. Im ganzen bezwang sie 21 Gipfel, den letzten, das Olkdenhorn, im Alter von 69 Jahren. Diesen Perg - bestieg sie in einer Krino- line. Damit schloß sie ihre alpinistischen Erfolge ab, indem sie erklärte: „In meinem Älter ist es klüger, den Wanderstab beiseite zu legen, bevor er mich beiseite legt." C. K. Hochschulnachnchten. Professor Dr. Oertel, lange Jahre hindurch Direktor der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik der Medizinischen Äkademie Düsseldorf, ist gestorben. Oertel wurde am 26. August 1871 in Kreuzberg geboren. Nach dem Studium in Greifswald, Breslau und Halle war Oertel als Militärarzt an der Unioerfität Kiel und später an die chirurgische Uniperfitätstünif in Berlin abkommandiert. Nach dieser Tätigkeit wandte er sich ber Hals-, Nasen- unb Ohrenheilkunde zu unb arbeitete lange in Berlin unter Professor Passow, bei dem er sich habilitierte. 1910 kam er als Leiter ber Hals-, Nasen- unb Ohrenklinik nach Düsselborf. 1923 übernahm Professor Oertel bas Düsseldorfer Dr- binariat. 1936 wurde er emeritiert. Dem Dr. med. habil. Ernst Rolshoven würbe bis Dozentur für bas Fach ber Anatomie an der Unioerfität Marburg verliehen. mit Verwaltungen von Betrieben Abweichungen von den Melüevorschristen vereinbart haben. Wird die Hebung und ihre Dauer nicht gemeldet, so sind die Beiträge bis zur vorschriftsmäßigen Meldung weiterzuzahlen. Die Meldungen können unterbleiben, wenn für die Zeit der Hebung die vollen Beiträge weitergezahlt werden. Freiwillige Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen und Mitglieder von Ersatzkassen haben den Beginn der Hebung unter Vorlegung des Einberufungsbefehls und die Beendigung der Hebung unter Vorlegung des Wehrpasses ihrer Kasse sofort schriftlich zu melden. Die Meldungen können unterbleiben, wenn für die Zeit der Hebung die vollen Beiträge weitergezahlt werden. Die Meldungen der Hnternehmer über die Teil-! nähme der Versicherten an Hebungen unterliegen der Nachprüfung bei der Betriebsprüfung. Diese Bestimmungen gelten sinngemäß auch für die Teilnahme an einem anerkannten Lehraang für Zwecke der fieibesübung. Erwähnt fei noch, daß der Einberufungsbefehl künftig in einem Vermerk ausdrücklich auf die vorgenannten Meldepflichten Hinweisen wird. Gießener Wochen Marktpreise. * Gießen, 8. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse C WYk, ausländische Kühlhauseier 12, Wirsing, Y? kg 8 bis 10, Weißkraut 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Karotten 10, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 25 bis 30, gelb 25 bis 30, Erbsen 20, Tomaten 20 bis 35, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 45 bis 60, Kürbis 6 bis 7, Pilze 30 bis 50, Kartoffeln, kg 4 bis 5 Pf., 5kg 40 Pf., 50 kg 3,50 bis 4 Mark, Aepfel, kg 25 bis 45, Falläpfel 16 bis 20, Birnen 25 bis 50, Pfirsiche 45 Pf., junge Hähne 1,10 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Enten 1,20 Mark, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50 Pf., Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken 2 bis 6, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Sellerie 15 bis 30, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 12 Pf. Hitlerjugend ab nach Nürnberg. Heute morgen gegen 10 Hhr machte sich auch die Hiller-Jugend des Vannes 116 zur Abfahrt nach Nürnberg bereit In geschloffenen Kolonnen trat sie kurz nach 9 Hhr auf dem Bahnhofsvorplatz an. Auf allen Gesichtern konnte man die Freude lesen, mit der sie den Tagen in Nürnberg ent- geaensehen. Die Hillerjungen machten in chrer Ausrüstung und in ihrer Haltung einen vorzüglichen Eindruck. Oer Wilderer-Prozeß Odenweller. Gestern wurde von der Großen Strafkammer in dem Wildererprozeß Odenweller die Beweisaufnahme zu Ende geführt. Sie ergab im wesentlichen nichts Neues. Bemerkenswert war wieder die allgemeine Zurückhaltung der Krans- berger Zeugen, die erst dann etwas auftauten, wenn es sich um Vorgänge Handelle, die wegen Verjährung nicht mehr oerfolgt werden können. Sie betätigen lediglich, daß sie öfters im Auftrage oder in Begleitung der Angeklagten Wlld aus fremöen Revieren geholt haben, also eine Tatsache, die durch die Verhandlung längst erwiesen ist. Der Sachverständige, Forstmeister Fuchs aus Ufingen, gab zunächst eine Schilderung der Zustande, wie sie in den ganzen Jahren in Krcms- berg herrschten. Man sei sich bei den Forstbehörden darüber im klaren gewesen, daß in Kransberg gewildert wurde. Wegen der ablehnenden Haltung der Kransberger Bevölkerung fei es aber nicht möglich gewesen, hinter die Dinge zu kommen. Es waren zwar einige Anzeigen bei der Forstbehörde eingelaufen, die jedoch nur einen Teilerfolg hatten, daß ein angeblich gefundener Hirsch sichergestellt werden konnte. Der Angeklagte Matern war von einem Revierförster auch einmal im Walde ohne Waffenschein angetroffen worden, desgleichen von einem weiteren Zeugen, dem er die Worte zurief: „Mach dich nur nicht mausig hier an der Grenze, sonst kommst du ins Loch. Der Zeuge hatte dabei den Eindruck, daß damit der Schacht gemeint sei, in dem der Bürgermeister Odenweller damals tot aufgefunden wurde. Ein Jagdaufseher aus der benachbarten Jagd hatte im Jahre 1932 einmal einen Zusammenstoß mit einem Wilderer, den er aber nicht stellen konnte. Dieser Zeuge bekundete weiter, daß er während der Schonzeit einen Hirsch anaetroffen habe, dem drei Läufe lahmgeschossen.-gewesen seien. Außerdem fand der Zeuge in seinem Revier einen geschossenen Hirsch, den er sicherstellte. Nach einigen Tagen tarnen mehrere Kransberger Jäaer, darunter auch einer der Gebrüder Odenweller, die das Tier für sich in Anspruch nahmen. Bemerkenswert für die Zustände während dieser Zeit in Kransberg-Friedrichstal ist die Darstellung eines Revierförsters. Dieser Zeuge war nach Krans- berg versetzt worden. Er war dem für den Krans- berger Bezirk zuständigen, schon älteren Förster zur Unterstützung zugeteilt. Der Grund hierfür war, daß zu dieser Zell ein Wilderer erschossen worden und hierdurch eine solche Stimmung gegen den schon bejahrten Förster aufgekommen war, daß man auf das Schlimmste gefaßt sein konnte. Dementsprechend war denn auch der Empfang des neuen Försters durch die Bevölkerung. Man bedrohte den Beamten nicht nur, sondern man griff ihn auch tätlich an und warf mit Steinen nach ihm. Natürlich war auch hier die Aktton, wie bei den ganzen Wilddiebereien so angelegt, daß der Beamte trotz größten Einsatzes die Täter nicht fassen konnte. Zum Schluß wurde noch der Bürgermeister von Kransberg vernommen, der jedoch auch keine wesentlichen Bekundungen machen konnte. Er gab an, daß in mehreren Fällen Hrsprungsscheine von ihm ausgestellt worden seien, jedoch nicht in dem Maße, daß ihm der Gedanke an eine strafbare Handlung gekommen sei. HinsichÜich der Höhe des Wildschadens erklärte der Zeuge, daß dieser im Jahr 500 RM. betragen habe, wobei besonders zu bemerken ist, daß er vornehmlich in dem Jagdbogen entstand, in dem die Angeklagten die Jagd aus« übten. Dies ist darauf zurückzuführen, daß gerade dieser Bezirk zum größten Teil Feldjagd ist. Mit der Vernehmung dieser Zeugen.war die Beweisaufnahme geschlossen. Nach längerer Beratung wurde sich das Gericht über die Beeidigung der Kransberger Zeugen schlüssig. Bemerkenswert ist, daß das Gericht diesen Zeugen — außer dem Bürgermeister — einen moralischen Denkzettel gab. Wenn auch eine strafrechtliche Verfolgung nicht mehr ftattfinöen konnte, so lehnte das Gericht doch die Beeidigung dieser Zeugen unter dem Gesichtspunkt des § 60, Ziffer 3, der Strafprozeßordnung ab. Nach dieser gesetzlichen Vorschrift ist dann von der Beeidigung abzusehen, wenn es sich um Personen handelt, die der Tat, die den Gegenstand des Verfahrens bildet, oder zu- mindesten der Beteiligung an ihr oder der Begünstigung bzw. Hehlerei verdächtig sind. Da zur Sichtung des unter großen Schwierigkeiten in der Beweisaufnahme zutage geförderten umfangreichen Belastungsmaterials längere Zeit notwendig ist, wurde bereits in den Nachmittagsstunden die Sitzung geschlossen. Die Verhandlung wird am heutige» Donnerstag zu Ende geführt. Hunöfunfprogramm Frei lag, 9. September. 5 Hhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.40: Mutter turnt und spielt mit dem Kinde. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.30: Reichssendung. 18: Dem Opernfreund. 19: Die Gaunerzinke. Erzählung. 19.15: Einmal links zwei drei, einmal rechts zwei drei ... Alte und neue Tanzmusik. 20: Nachrichten. Reichssendung. 21.30: Kleines Konzert. 22: Nachrichten. 22.30: Tanz und Hnterhaltung. 24: Nachtkonzert I. 2 bis 3: Nachtkonzert II. Aus der engeren Heimat. Vogelschutz-Tagung in Bad-Nauheim. ch Bad-Nauheim, 7. Sept. Im Kerckhoff- Jnstllut fand die Hauptversammlung des Vogelschutzvereins für Hessen statt, die aus allen Teilen Hessens gut besucht war. Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden, Landesforstmeister Hesse, gedachte er zunächst des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Prof. Dr. Seitz. An der Tagung nahm eine Reihe Vertreter der Partei und der Behörden teil. Besonderen Gruß entbot der Vorsitzende der erschienenen 87jährigen Frau H ä h n l e, die sich um die Belange des Vogelschutzes in hervorragender Weise verdient gemacht hat. Geschäftsführer Schäfer erstattete den Jahresbericht und stellte die Bedeutung des Vogelschutzes und des Landesvereins heraus. Der Geschäftsführer hob unter besonderer Anerkennung die Tätigkeit der Vereine in Gießen und D a r m ft a ö t durch Schaffung von neuzeitlichen Vogel- schutzgeholzen hervor. Nach der Erledigung des Kassenberichtes und der Festsetzung des nächstjährigen Tagungsortes (Darmstadt) hielt der Leiter der neuerrichteten Vogelschutzwarte Frankfurt a. M. Dr. B a n z h a f einen Licht- bildervortrag über das Thema „Adler in Nord- deutschland". Der Vortrag und die naturgetreuen Bilder fanden großen Beifall. Damit war die Vormittagssitzung beendet. Am Nachmittag wurde eine belehrende Führung durch den Kurpark und die Anlagen am Goldstein unternommen. Forstassessor Schäfer schilderte dabei alle Maßnahmen, die ergriffen worden sind, um die ausgedehnte Vogelwelt zu schützen. Landkreis Gießen. H Lollar, 7.Sept. Am Sonntag fand hier ein Amtsträgerappell der Gemein degruppeLol- lar des Reichsluftschutzbundes statt, an dem die Hntergruppenführer und Untergruppen» Frauenfachbearbellerinnen teilnahmen. Gemeinde- aruppenführer Eberle sprach über die Arbeit im kommenden Winterhalbjahr und machte eine Reihe geschäftlicher Mitteilungen. Ausbildungsleiter Dr. Mittermeier machte Ausführungen über Aus- bilbungsfragen, die Gemeindegruppen-Frauensach- bearbeiterin Frau Eberle sprach über die Mitarbeit der Frau im Luftschutz. In seinem Schluß- wort ermahnte der Gemeindegruppenführer die Amtsträger und Amtsträgerinnen zu ernster Arbeit und treuer Pflichterfüllung. Der Appell klang aus mit dem Gruß an den Führer. — Der seitherige Führer der Untergruppe Lollar des Reichsluftschutzbundes, Lehrer Eberle, führte schon seit einem Jahre auch die Gemeindegruppe Lollar, -die die Orte des Lumdatales und des Buseckertales umfaßt. Nunmehr wurde zum Untergruppenführer für die Untergruppe Lollar Lehrer Fenchel ernannt. △ Lollar, 7.Sept. Im hiesigen Lichtspielhaus wurde für die Schulen von Lollar, Ruttershausen, Staufenberg, Mainzlar und Saubringen auf Veranlassung der Kreislichtbildstelle der Film „Unter» nehmen Michael" gezeigt. — Die hiesige Kameradschaft des NS.- Kriegerbundes fuhrt an den kommenden Sonntagen ein Preisschießen durch, an dem sich jedermann beteiligen kann. Insbesondere werden die verschiedenen NS.-Gliederungen und Verbände zur Teilnahme eingeladen. # Dau bringen, 7. Sept. Vom Kreisamt wurde Karl Herrmann zum ersten und August Erb von hier zum zweiten Beigeordneten ernannt Steinbach, 7. Sept. Das diesjährige Kirchweihfest fand in alter Art im fogenann« ten „Wiesgarten" statt. Das Wetter war günftig, so daß nach den sauren Wochen der dieses Jahr beson» ders schweren Erntearbeit ein fröhliches Fest gefeiert wurde. Vor 90Jahren am 1. Septembersonntag wurde die Steinbacher Kirche eingeweiht, und seitdem liegt ein Beschluß aller beteiligten Körperschaften vor, die Kirchweih jeweils am ersten Septembersonntag zu feiern. Zum Andenken an die erste Kirchweihe vor 90 Jahren wurde am Sonntag ein Festgottesdienst gehalten, in dem der frühere Pfarrer von Steinbach, Pfarrer Wilh. Kraemer, jetzt im Ruhe-1 stand in Darmstadt lebend, die Festpredigt hielt. Auf I dem Altar standen die altehrwürdigen Abendmahls, geräte, die damals vor 90 Jahren bei der Einweihung der Kirche in feierlichem Zuge in die Kirche getragen worden waren. Seit 32 Jahren waren diese vasa sacra als Leihgabe im Oberhessischen Museum in Gießen gezeigt. Nun wurden sie wieder in der Kirche aufgestellt. Nach Ansicht des früheren Direktors des Museums ist der eine der Kelche aus der katholischen Zeit des Deutschen RitteEens der Klosterkirche Schiffenberg stammend. In der Refor- mationszeit zog der letzte Pfarrer, der auf dem Schiffenberg wohnte, Valentin Leus! er, 1582 nach Steinbach. Bis 1838 predigte der Pfarrer von Steinbach allsonntäglich auf dem Schiffenberg, bis 1838 Schiffenberg zu Hausen kam und Albach zu Steinbach. * Hungen, 7. Sept. Die Imker der Ortsfachgruppe Hungen hielten dieser Tage ihre Monatsversammlung.ab. Kreisfachgruppen-Dorsitzen- der Braun (Rodheim v. d. Höhe) machte in einem Vortrag die Imker mit den Aufgaben der Gegenwart bekannt. Seinen Ausführungen fei folgendes entnommen: Hm den Bedarf an Honig in Deutschland aus eigener Scholle zu decken, darf nichts unversucht bleiben. Dor allem sind daher alle Klein« bienenstände bis zur vollen Wirtschaftlichkeit auszubauen. Auch sind die Trachtlücken durch Anbau von geeigneten Pflanzen und Sträuchern, wie Himbeeren, Brombeeren, Schneebeeren usw., auszufüllen. In Gegenden, wo durch die Unfrautbefämpfung der Landwirtschaft (Hedderich, Kornblumen usw.) dis Trachtquellen nicht mehr fließen, ist die Wanderung durchzuführen. Unter gewissen Voraussetzungen kann in der engeren Heimat, und sogar in der Gemarkung selbst, gewandert werden, damit vorhandene Bienenweide noch besser ausgenutzt wird. Leider beftimmt nicht immer das Vorhandensein von Nektarquellen die Tracht, sondern auch das Wetter. Günstige Wit- terung während der Wanderung wird immer dis Mühe des Wanderns reichlich lohnen. Der Grundpfeiler der Imkerei ist die Zucht. Entscheidend dabei ist die bessere Leistung eines Volkes. Es gibt noch viele Bienenstände, die im Ertrag weit unter dem Durchschnitt liegen, im Vergleich zu anderen Ständen unter gleichen Voraussetzungen. Durch Zusetzung von Zuchtköniginnen wird auch hier eine Ertragssteigerung erzielt. Zum Schluß appellierte der Redner an alle, freudig mitzuhelfen und sich der großen und schönen Aufgabe wohl bewußt zu sein. Reicher Beifall belohnte den Redner. Tobsüchtiger greift eine taubstumme Frau an. LPD. Wetzlar, 6.Sept. In Waldgirmes griff ein 40jähriger Mann in einem Tobsuchts« a n f a 11 eine taubstumme Frau, die aufs Feld gehen wollte, an und schlug sie mit einem Holzhammer nieder. Die -überfallene Frau trug erhebliche Verletzungen davon. Die herbeigerufene Polizei griff der Tobsüchtige bei seiner Verhaftung ebenfalls an. Es kam zu einem regelrechten Kampf, in dessen Verlauf er in seine Wohnung flüchtete und sich einschloß. Erst als weiter Polizei'- verstärkung erschien, ließ er sich überwältigen und nach Wetzlar abführen. Oie Fleisch- und Leberdiebstähle im Frankfurter Schlachthof. Lpd. Fra nkf urt a. M., 6. Sept. Vor der Dritten Sttafkammer begann Dienstag eine mehrtägige Verhandlung gegen 16 Angeklagte. Gegenstand der Anklage bilden die Fleisch-, Fett- und Leberdiebstähle im Schlacht Hof, die in den Jahren, 1933 bis 1936 begangen wurden. Die Angeklagten sind beruflich Metzgermeister, Metz- gergefellen, Schlachthofwärter, Kopffchlächter, Stemp» ler, Schießer, Hilfswieger. Dem letzteren wird Untreue in , feinem Dienst vorgeworfen, die übrigen Angeklagten sind teils des Diebstahls, teils der gewerbsmäßigen Hehlerei und verschiedene auch des Dergehens-gegen das Lebensmittelgesetz beschilldigt. Als Hauptbeschuldigte sind ein Metzgermeister und ein Großschlächter anzusehen, deren Betriebe im Fe- bruar polizeilich geschlossen wurden. Insgesamt Mo. Von Zosef Friedrich perlonig. Vergönnt einem alten Herrn die letzte Freude seines einsamen Alters und wundert euch nicht, daß er seine Liebe an einen Vogel verschwendet. Er hat es in seinem stillen Leben, auf dem immer ein wenig Staub zu liegen schien, versäumt, eine Frau in sein Haus zu nehmen, Kinder zu haben, er bedachte .über seinen Akten nicht, wie er einmal allein sein würde, und als er sich eines Tages in feiner altväterischen Wohnung umblickte, da wurde er seines verlassenen Lebens gewahr, stumme Vorfahren sahen aus unbeholfen gemalten Bildern auf ihn nieder, und ihr Schweigen fiel ihm schwer aufs Herz wie niemals zuvor. Als nun der alte Hofrat in Ruhe der Toten- fttlle in feiner Wohnung überdrüssig geworden war und ein lebendes Wesen um sich zu haben wünschte, ging er hin und brachte aus einer Dogelhandlung einen blauen Wellensittich heim. Zwar hatte ihm der Händler einen Sittich mit grellerem Gefieder angepriesen, aber die sanfte blaue Farbe hatte es lf)m angetan, ein gedämpftes Blau — sagte er — fei die Farbe für einen Hofrat in Ruhe. Es begann für ihn nun ein neues, bewegteres Leben, beim der Vogel hatte kleine Sorgen in das Haus mitgedracht, auch ein Tier hat seine Eigenheiten, die einen alten Herrn, dessen Lebensinhalt es geworden war, wohl in Atem halten können. Der Vogel hätte einen landläufigen Namen empfangen rönnen, aber der Hof rat meinte, sein Sittich sei der König aller Wellensittiche, und er nannte ihn Yoko öas war ein erfundener Königsname aus Asien, vielleicht auch aus China, vielleicht aus Siam, und das Prunkhafte an ihm war das Ypsilon, denn der Hofrat schrieb den Namen auch auf das Papier, etwa wenn er einem Freunde, einem alten Herrn m einer anderen Stadt mitteilte: „Ich lebe jetzt mit meinem Sittich Yoko ein kurzweiliges Leben. spricht wie ein Mensch und ist ein wahres Lahsal für mein Alter.. Im Winter bann las an einem Abend der Herr Hofrat in der Zeitung, daß in der Stadt eine fünf» fopfigc Familie an der Papageienkrankheit dar» nieöerhege; am nächsten Abend war über alle Papageien und Wellensittiche im Lande der Stab gebrochen, es wurde bekannt, daß Hunderte von Menschen ihren Vögeln eine alte Liebe aufgekün- digt hatten, und auch in der Wohnung des Holrats kam eine bittere Stunde. *Doko", sagte der Hofrat zu feinem Wellensittich, „es ist furchtbar, aber es geht leider nicht anders." „Jawohl! Jawohl!" schnarrte der Vogel. „Du mußt verstehen", sprach der Hofrat weiter, „ich habe niemand: wenn ich krank bin, liege ich allein hier. Hnd in das Svital möchte ich nicht." „Was kommt dort von der Höh?" fang Yoko. „Hnd sterben möchte ich auch noch nicht. Ick kann dem Staat doch nicht das viele Geld schenken/" „Jupeidi — jupeida!" fang Yoko unbekümmert. „Wenn dich noch jemand nehmen möchte. Aber es nimmt dich niemand, auch der Händler nicht." Jetzt schwieg Yoko, als wundere er sich über die Furcht der Menschen. „Vielleicht geschieht ein Wunder", hoffte der Hofrat, als er das Fenster öffnete und den Wellensittich aus seinem silbernen Hause scheuchte; er vollbrachte es mit einem Federstiel, eben jenem, mit dem er einige Male liebevoll das Ypsilon des Do- gelnamens geschrieben hatte; ja, so ändern sich die Zeiten. Zu berühren wagte er den Vogel nicht mehr, das blaue Vögelchen, das er oft zwischen seinen Händen gehalten hatte, um es in dem kühlen 3immer zu wärmen, um seinen Herzschlag zu püren, und hinter dem Vogel schloß er das Fenster chnell und setzte sich in den Lehnstühl mit den großen, schwarzledernen Ohren. Er schall in Gedanken ein altes, feiges Leben, er schalt seine Untreue und tröstete sich zuletzt dock wieder damit, daß er seine letzten Jahre nicht für einen Wellensittich aufs Spiel setzen könne. Eine Weile saß er in dem pellen Zimmer, er vermied es, zu dem Fenster hinzusehen, dann löschte er das Licht aus. Yoko, als sich fein Haus in die Nacht hinein geöffnet hatte- fah zuerst einen großen goldenen Stern, auf den flog er zu. Aber er merkte bald, baß der Stern zu ferne sei, und er spürte auch nach einigen mühsamen Flügelschlägen die eiskalte Nacht. Er flatterte wieder zum erleuchteten Fenster zurück und setzte sich auf den Sims. Er sah feinen Herrn . ^er $err rührte sich nicht und dachte nicht daran, ihn wieder einzulassen. In dem kleinen Vogelhirn waren ein paar kleine Vogelgedanken, man kann sie nicht in Menschenworte fassen; und in dem kleinen Vogelherzen war eine Trauer, wie im sie hier auch nicht zu beschreiben vermag. Man hatte sehen müssen, wie Yoko in der eisigen Jiaa)t auf dem Fenstersims wartete, wie er immer Heiner zu werden schien, er hatte den Kopf unter öen einen Flügel gelegt, wie er sich förmlich in sich etter verkroch Vielleicht reute es ihn in feinen leßten Augenblicken, den Herrn mit seiner qelehn- gen Art ergötzt zu haben, vielleicht auch nicht. Es ist wahrscheinlich, daß so ein Vogel feine eigene wunderliche Seele hat, die nichts von uns weiß, wie wir nichts von ihr. So waren der Hofrat und Yoko in ihrem Leid getrennt. Es g ,chah kein Wunder, wie der alte Herr gehofft hatte, was für ein Wunder sollte sich auch für einen Vogel ereignen, den man. in der Winternacht ausgesetzt hatte? Der Hofrat breitete noch im Finstern ein Tuch ü&er das silberne Vogelhaus, er hätte seinen Anblick nicht mehr ertragen. Hnd der Wellensittich Yoko wartete geduldig und stumm auch nod) an dem dunklen Fenster. Seltsam, aber wohl seinem Wesen entsprechend war, daß er seine Stimme auch nicht em einziges Mal gebrauchte; vielleicht hätte er mit einem Menschenwort hinter der Fensterscheibe den Menschen zuletzt doch gerührt, aber das wußte er nicht. Sehr bald erstarrte er, und fein zarter, blauer Leib fiel hinab in den weißen Schnee. Neuerscheinungen des Insel-Berlages. , ?on Gruppe Hessen damit von 43 000 im Jahre 1936 auf nunmehr 51 000. Der Anteil der Gruppe Hessen an der Gesamtzahl der ausgegebenen SA.-Sportabzeichen im Reich beträgt 4 v. H. Wird die Zcchl der verliehenen SA.-Sportabzei- chen der Wohnbevölkerung im Bereiche unserer SA.- Gruppe gegenübergestellt, so kommen Ende 1937 21,4 Abzeichen auf je 1000 Einwohner gegenüber 18,4 im Vorjahre und 19,5 im Reichsdurchschnitt. An der Spitze aller SA.-Gruppen steht, wie im Vorjahr, die Gruppe Thüringen, in der 29,2 Abzeichen auf 1000 - Einwohner entfielen; es folgen Niederrhein mit 21,9 und an dritter Stelle die Gruppe Kurpfalz mit 21,7 SA.-Sportabzeichenträ- gern auf je 10GÄ der Bevölkerung. Wegen Mitwisserschaft eines Mordes vor Gericht. LPD. M a i n z, 7. Sept. Das Mainzer Schwur, g e r i ch t verhandelte einen Fall von Mitwisserschaft eines Mordes, der nach den verschärften Bestimmungen des § 139 StGB, neben Zuchthaus auch mit der Todesstrafe bedroht ist. Es war dies der erste Fall, der nach der Neufassung dieses Paragraphen im Reich zur Aburteilung gelangte. Im November vergangenen Jahres ereignete sich bei Ingelheim in Rheinhessen ein Verkehrsunglück, bei dem eine Frau ums Leben kam. Gerüchtweise verlautete in der Bevölkerung, daß es bei diesem Unfall nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Die Polizei stellte bei ihren Nachforschungen fest, daß es sich um einen Mord handelte. Der Fahrer des Autos, der in Sprendlingen in Rheinhessen wohnende Jakob K r o l l m a n n , hatte seine Frau unterwegs mit einem Hammer erschlagen und einen Autounfall fingiert. Er selbst hatte sich, obwohl er völlig unverletzt war, mit einem angeblichen Schädelbruch in ein Krankenhaus gelegt und es verstanden, durch Simulieren die Aerzte und Schwestern zu täuschen. Als Krollmann schließlich in Untersuchungshaft genommen wurde, beging er nach wenigen Tagen Selbstmord, indem er sich über die Brüstung des Treppengeländers im Untersuchungsgefängnis stürzte. Dor seinem Tode hatte er in einem Abschiedsbrief seine Geliebte, die 24- jährige Maria L e s k e , der Mitwisserschaft an dem Mord an seiner Frau bezichtigt. Die L e s k e, die ein Kind zur Welt brachte, das von Krollmann stammt, ist aus Ostpreußen gebürtig und in verwahrlosten Verhältnissen groß geworden; sie betätigte sich auch früher in Kreuznach in einer Jugendgruppe der KPD. aktiv. Sie hatte sich wegen Mitwisserschaft an dem Verbrechen Krollmanns und unter dem Verdacht der Anstiftung des Mordes zu verantworten. Nach dem Selbstmord Kroll- manns hat die Angeklagte alle Geständnisse, die sie bet ihrer ersten protokollarischen Vernehmung vor der Poltzet machte; abgestritten, und blieb auch jetzt XnÄUeenMn b6m 0an3Cn 580190,13 nid>‘5 ptad) mehrtägiger Verhandlung verurteilte das Schwurgericht die Angeklagte Leske zu drei Ä u ch t h a u s und fünf Jahren Ehrverlust. Bet der Strafzumessung wurde mit Rücksicht daraus daß bte ermordete Frau Krollmann fünf unmündige Kinder hinterläßt, das Dorliegen eines schweren Falles angenommen. Dagegen hat das Gericht der Angeklagten die grauenvollen Umstände der Ermordung nicht zur Last gelegt. Es hat trotz des drtngenden Verdachts, daß die Leske die Tat womöglich sogar angestiftet hat, nur angenommen, daß fte allgemein Kenntnis davon hatte, daß Krollrnann seine Frau beseitigen wollte. Der Staatsanwalt hatte eine fünfjährige Zuchthausstrafe beantragt und auf Beihilfe zum Mord plädiert. Tagung der Handelsvertreter und Handelsmakler im Bezirk Hessen. LPD. Frankfurt a. M, 3. Sept. Die Fach- gruppe Handelsvertreter, die bisher in Hessen noch nicht an die Oeffentlichkeit getreten ist, veranstaltete am Samstag ihre erste Tagung im Bezirk Hessen. In den Nachmittagsstunden tagten der große Beirat und die Fachgruppe Baustoffe. Am Abend vereinigten sich die Handelsvertreter zu einer öffentlichen Kundgebung. Der Leiter der Fachgruppe Handelsvertreter und Handelsmatter, Kersting (Köln), wies auf die Notwendigkeit hin, den Handelsvertretern und Maklern eine Grundlage zu schaffen, auf der sie durch Fleiß und Fähigkeit weiterbauen könnten. Nicht minder wichtig sei es, daß eine Berufsbereinigung durchgeführt werde. Weiter sprach der Leiter der Wirtschaftskammer Hessen und Präsident der Handelskammer Frankfurt Professor Dr/Lüer über den Aufbau der Berufsorganisation des Handels, in der auch der Handelsvertreter einen wichtigen Platz einnehme. Als Präsident der Handelskammer und als Wissenschaftler habe er erkannt, daß die Funktion des Handelsvertreters durchaus produktiv sei. Der Hauptgeschäftsführer der Fachgruppe Handelsvertreter und Handelsmakler, Dr. Engel (Berlin), sprach über die Sorgen und Nöte des an sich jungen Berufs des Handelsvertreters. Der ganze Erfolg der Arbeit des Handelsvertreters beruhe auf seiner persönlichen Leistung. Falle der persönliche Einsatz fort, dann sei meistens auch das mühsam ausgebaute Geschäft gefährdet. Darum gelte es, dem Handelsvertreter eine Stellung zu geben, in der er geschützt sei. Dazu werde das neue Handelsvertreterrecht dienen, das in Bälde kommen werde. Das neue Handelsrecht werde Herausstellen, daß der Vertreter selbständiger Kaufmann sei. Eingehend behandelte der Redner die Frage der Fürsorge für den Handelsvertreter. Aus der Berufsgemeinschaft heraus werde eine Altersversorgung geschaffen werden müssen. Als ein Haupterfordernis der nächsten Zeit bezeichnete der Redner das Abschütteln unerwünschter Elemente. Es werde auch nötig sein, solche Vertreter, die sich nicht für diesen Beruf eignen, in andere Berufe zu überführen. Schließlich wies der Redner noch darauf hin, daß kein Vertreter sich dazu verleiten lassen sollte, ein Vertretergeschöft von Juden zu kaufen, weil das ganze Geschäft auf dem Persönlichkeitswert des Vertreters beruhe und ein solcher Wert den Juden abzusprechen sei. Als letzter Redner sprach der Leiter der Fach- gruppe Einzelhandel, der betonte, daß der Vertreter ein Freund und Berater des Einzelkaufmanns fei, wie der Einzelkaufmann der Freund und Berater des Verbrauchers fein müsse. Wirtschaft. Rhem-Mainische Börse. Alillagsbörse wenig verändert. Frankfurt a. M., 7. Sept. Die Börse bewahrte ihre freundliche Grundtendenz, hatte aber mangels nennenswerter Kundschaftsbeteiligung nur außerordentlich kleines Geschäft, da auch die Kulisse keine Unternehmungslust bekundete. Am Aktienmarkt lagen die Kurse nur wenig verändert, wobei Besserungen um Bruchteile vom Hundert überwogen. Verschiedentlich wurden kleine Anlagekäuse beobachtet. Feste Haltung hatten Daimler Motoren mit 129 (127,25), AEG. mit 108,75 (107), Felten mit 129 (127,50) und Rütgers- werke mit 145 (143,50). Von Montanwerten gewannen Buderus und Mannesmann je 0,50 v. H. auf 109 bzw. 105, Verein. Stahl erreichten wieder einmal den Paristand (99,75), Hoefch lagen nur knapp gehalten mit 105,90. Nicht ganz behauptet eröffneten ferner JG-Farben mit 147,50 (147,75), WtWR. mit 123,25 (123,50), Deutscher Eisenhandel mit 135,25 (135,50) und Conti Gummi, die 1 v. H. nachgaben, auf 198. An den übrigen Marktgebieten lagen Erstkurse zunächst nicht vor. Der Rentenmarkt lag gleichfalls sehr still und gut behauptet. Befestigt waren Reichsaltbesitz auf 130 (129,70), Reichsbahn-VA. unv. 123,65. Im Freiverkehr gehandelte Werte, wie Kommunal-Um- schuldung (94,40), 4prvz. Rentenbank-Abl. (92,13), Städte-Altbesitzanleihen (135,25) und späte Schuldbuchforderungen (98,65), blieben ebenfalls gut gehalten. Stadtanleihen lagen uneinheitlich bei Schwankungen bis 0,50 v. H., ebenso zeigten Industrie-Obligationen keine einheitliche Entwicklung, fest waren 5proz. Daimler mit 101,50 (am 5. Sept. 100,50). Liquidationspfandbriefe waren gefragt und zumeist 0,13 bis 0,40 v. H. höher und von Goldpfandbriefen wurden Kasseler wieder auf 100,25 (100) heraufgesetzt. Auch im Verlaufe hielt die Unlust und Zurückhaltung in vollem Umfange an. Bei den führenden Werten am Aktienmarkt bröckelten die Kurse um Bruchteile vom Hundert ab, IG.-Farben 147 nach 147,50, Verein. Stahl 99,50 nach 100, Mannesmann 104,50 nach 105 und AEG. 108,25 nach 108,75, während im übrigen mangels Geschäfts kaum weitere Notierungen erfolgten. Die später zur Notiz gekommenen Papiere wiesen Veränderungen von durchschnittlich 0,50 bis 1 v. H. aus, fest lagen Feldmühle Papier mit 129 (127) dagegen Kaliaktien bis zu 2 v. H. niedriger. Jrn Freiverkehr war das Geschäft bei behaupteten Kursen gering. Schwächer lagen Katz & Klurnpp mit 88 bis 90 (90 bis 92). Tagesgelo unverändert 2,25 v. H. Abendbörse freundlich. \ Die Abendbörse wurde von einer freundlichen Grundstimmung beherrscht. Seitens der Kundschaft zeigte sich etwas Nachfrage und auch die Kulisse bekundete mäßiges Interesse, ohne daß es aber zu größeren Umsätzen gekommen wäre. Ueberroiegenb ergaben sich gegenüber den Mittagsschlußkursen Besserungen um durchschnittlich 0,25 bis 0,50 v. H. Etwas lebhafter lagen AG. für Verkehr mit 117,75 bis 118 (117) und Gesfürel mit 128 (127,25), während von den führenden Papieren IG.-Farben mit 147,65 (147,50) und Verein. Stahl mit 100 (99,75) verhältnismäßig still lagen, wie auch auf den übrigen Gebieten die Feststellungen zumeist nominell erfolgten. U. a. notierten: Buderus 109,25 (109), Ilse Genuß 133 (132,75), Mannesmann 105 (104,75), Rheinstahl 133,25 (132,75), Deutsche Erdöl 123 (122,50), Daimler 129,50 (129), Metallgesellschaft 125,75 (125,50), Rheinmetall 124,25 (124), Schuckert 165,50 (165), Westdeutsche Kaufhof 94,50 (94,25), anderseits bröckelten Hoesch auf 105,50 (105,90) und Licht und Kraft auf 131,50 (132) und Demag auf 139,50 (139,75) ab. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 7. Sept. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 kg) in Mark: Weizen W 9 198, W 11 200, W 12 201, W 13 202, W 16 205, W 18 207, W 19 209, W 20 211, Roggen R 11 183, R 12 184, R 14 186, R 15 187, R 16 189, R 17 190, R 18 191, R 19 193 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete; Weizenmehl Type 812 W 13 28,85, W 16 28,85, W 18 28,85, W 19 28,85, W 20 (Kreis Alzey) 28,85, W 20 (Kreis Worms) 29,20; Roggenmehl Type 997 R 12 22,45, R 15 22,80, R 16 22,95, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 Mark Frachtausgleich; Weizenfuttermehl 13,60; Weizenkleie W 13 10,75 W 16 10,90, W 18 11,00, W 19 11,10, W 20 11,20; Roggenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 16 10,25, R 18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfestpreis ab Mühlenstation; Wiesenheu, handelsüblich, gesund, trocken, mit Besatz (bis etwa %) an minderwertigen Gräsern 5,00, Wiesenheu, gut, gesund, trocken, mit unerheblichem Besatz (bis etwa */io) an minderwertigen Gräsern 5,80 bis 6,00, Erzeugerpreis ab Erzeuger-Verladestation; drahtgepreßt bis 40 Pf. Aufschlag; Weizenstroh, bindfadengepreßt und gebündelt 2,80; Roggenstroh, bindfadengepreßt und gebündelt 2,90 bis 3,00; Hafer- und Gerstenstroh, bindfadengepreßt und gebündelt 2,40 bis 2,50; Kleeheu, gut, gesund, trocken 7,00 bis 7,50 ab Erzeuger-Verladestation. Tendenz ruhig. Frankfurter Schiachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 8. Sept. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 1114 Rinder (198 Ochsen, 183 Bullen, 529 Kühe, 204 Färsen), 463 Kälber, 99 Hämmel, 70 Schafe, 176 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 29 bis 45 Mark, Bullen 34 bis 43, Kühe 18 bis 43, Färsen 35 bis 44, Kälber 36 bis 65, Hämmel 38 bis 52, Schafe 20 bis 42, Schweine 52 bis 59 Mark. — Marktoerlauf: Großvieh, Kälber und Schweine zu- geteilt, Hämmel und Schafe mittelmäßig. Kunst und Wissenschaft. Neuerscheinungen des Verlages Langen/Müller in München. Der Verlag Albert Langen/Georg Müller, München, kündigt folgende Neuerscheinungen an: Almanach, Ausritt 1938/1939. — Paul A l • verdes, „Das Schlaftürlein", ein Märchen. — Georg Bri11ing, „Das gerettete Bild", Erzählungen. — Hermann Claudius, „Jeden Morgen geht die Sonne auf", Gedichte. — Erna Brand, „Max Reger im Elternhaus". Mit Bildern. — „Die Trommel schlug zum Streite." Deutsche Gedichte aus dem Weltkrieg. Eine Sammlung von Wilhelm Westecker. — Joachim v. d. Goltz, „Der Steinbruch", Roman. — Paul Anton Keller, „Der klingende Brunn", Gedichte. — E. G. Kolbenheyer, ein Roman aus der Zeit der deutschen Mystik. — Curt ßangenberf, „Der Hochverräter", tragisches Schauspiel. — Numme N u m m s e n, „Hermann Claudius". Versuch -einer Deutung seines Werkes. — I. Fr. Per- ko n i g, „Lopud. Insel der Helden". Roman. — Gottfried Rothacker, Erzählungen. — Gerhard Schumann, „Schau und Tat", Gedichte. — Unto Seppänen, „Markku und sein Geschlecht". Roman. Uebersetzung aus dem Finnischen. — Ludwig Thoma, ,Hozef Filsers Gesammelter Briefwexel". „Briefwechsel eines bayrischen Landtagsabgeordneten" und „Jozef Filsers Briefwexel" in einem Band als Volksausgabe. Mit 29 Zeichnungen. — Josef Weinheber, „Zwischen Gottern und Dämonen". Vierzig Oden. — Erwin Wi11stock, „... abends Gäste", Gestalten und Geschichten. — Heinrich Zillich, „Der Weizenstrauß", Roman. — „Die Kleine Büchere i." 1. Folge: Dichtung der Gegenwart: Wilhelm Pley er, „Der Kampf um Böhmisch-Rust", zwei Erzählungen. — Nikolaus Schwarzkopf, „Der Storch", Erzählung. — Moritz Jahn, vier Erzählungen. — E. G. Kolbenheyer, Worte aus seinen Werken. — 2. Folge: Herkunft und Gestalt: „Sinnbilder des Reichs". Mit Abbildungen. Von Hubert Schrade. — „Sinnbilder des Lebens". Mit Abbildungen. Von Hubert Schrade. „Wort und Verantwortung in deutschem Schrifttum". Eine Auswahl von E. Bertram. — Goethe, St.-Rochusfest zu Bingen. Mit 8 Bildern und einem Nachwort von Wilhelm Schäfer. — „Stimme O esterre i chs ". Zeugnisse aus drei Jahrhunderten. Von Max Mell. — „Seume, der deutsche Wanderer". Eine Auswahl aus seinen Werken. —< Moltke, Briefe aus der Türkei. — Die Türken vor Wien, stimmen und Berichte aus dem Jahre 1683. — „Schelme und Narren im V o l k s m u n d". Geschichten. — „V o m Alltag des deutschen Mittelalters". Aus alten deutschen Chroniken. Mit Bildern. Kannst du Möck, Sore? Vornan von Hedda Lindner. Copyright by Carl Dunrfer Verlag, Berlin W 35. 9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Ich meine, es kann doch auth Fälle geben, wo eine Frau einem Mann angeyört, ohne darum gleich ihre Ehre zu — zu beschädigen", versuchte Dore den Eindruck ihrer vorhergehenden Bemerkung abzuschwächen. „Das bestreite ich. Ein Mann, der eine Frau liebt, will sie auch heiraten. Tut er das nicht, ist es ein Beweis, daß er nur Zeitvertreib, Abenteuer sucht, und dazu gibt ein anständiges Mädchen sich nicht her." „Wie einfach das klingt", sagte Dore erbittert. „Du bist als Mathematiker gewohnt, alles auf eine Formel zu bringen. Und in der Mathematik mag es wohl für alles eine Formel geben, im Leben nicht." „Doch!" widersprach er. „Jeder anständige Mensch hat von seinem Gewissen die genaue Unterscheidung von Gut und Bose mitbekommen, hat fein inneres Gesetz, nach dem er handeln muß." „Und wenn das Leben dich vor Entscheidungen stellt, die dein inneres Gesetz zu den äußeren Moralanschauungen bringen, wonach handelst du dann?" Sie fühlte die wilden Stoße ihres Herzens, jetzt mußte es sich zeigen, was für ein Mensch unter der gepflegten, korrekten Hülle Rudolf Niemeyers steckte, was für ein Mensch! „Ich kann mir nicht vorstellen, daß mein inneres Gesetz mich jemals zu den geltenden und erprobten Sittenbegriffen in Widerspruch bringen könnte. Darum halte ich theoretische Erörterungen darüber für zwecklos." Die ganze Ueberheblichkeit eines Mannes, dessen Dasein sich stets in gesicherten Grenzen abgespielt hatte, lag in seiner Antwort. Dore sah ihn an, er war plötzlich unendlich weit fort von ihr. Wie wenn man ein Fernglas mndreht und die Leute, die man eben noch neben sich hatte, nun ganz weit, ganz ttein und entfernt sieht, so sah sie jetzt den Mann, der ihr bis dahin doch immer noch groß genug erschienen war, um ihr Leben auszufüllen. „Du hast recht", sagte Dore müde. „Ich rede Unsinn, verzeih!" „Siehst du, wie vernünftig du bist!" Niemeyer war sichttich erfreut über ihre Nachgiebigkeit. „Ich habe deine Behauptungen auch gar nicht ernst genommen. Ich weiß ja, du liebst diese kleinen Wort- plänkeleien." Was nun, dachte Dore verzweifelt, als sie abends endlich allein war; wie soll das weitergehen? Sie hatte sich rasch ausgezogen und ins Bett gelegt Das Bett war immer ihre Zuflucht gewesen, wenn sie etwas quälte, schon als Kind war sie mit jedem Kummer hineingeflüchtet. Und das gute brave Bett hatte auch stets seine Schuldigkeit getan: ein paar Stunden Schlaf, und alles sah ganz anders aus. Diesmal war es kein kindlicher Kummer, der an nächsten Morgen verwunden war. Sie lag und sah mit heißen, trockenen Augen in das Dunkel. Ruhe und Geborgenheit hatte sie von dieser Verbindung erhofft und sich damit mir in neue Schwierigkeiten gestürzt. Denn was sie seit jenem Schi- ausflug dumpf gefühlt, darüber half jetzt kein Hinwegtäuschen mehr: sie konnte Rudolf Niemeyer nicht heiraten, sie konnte nicht. Nicht mehr, nachdem die Unterhaltung dieses Abends so unbarmherzig ttar gezeigt hatte, wie grundverschieden ihre Denkungs- weise war. Er ist entweder ein großer Heuchler oder ein großer Philister, dachte sie mit einem bitteren Geschmack im Mund, nur eines ist sicher: ein großer Mensch ist er nicht. Er würde nie, nie verstehen, daß sie vierzehn Tage ihres Lebens verschenkt hatte. „Eine anständige Frau tut so etwas nicht", würde er sagen, und wahrscheinlich wäre es für ihn sogar ein Schei- dungsgrund, wenn er es jemals erführe. Und man konnte nie vorausfehen, wie der Zufall spielt. Sollte sie aber den Bestand ihrer Ehe von einem Zufall abhängig machen? Niemeyer wäre bestimmt nie auf den Gedanken gekommen, von einer Frau zwei Wochen ihres Lebens zu verlangen. Aber Niemeyer würde sich auch niemals einem rasenden Stier entgegenwerfen, um das Leben dieser Frau zu retten. Er gehörte zu den Leuten, die hinter dem Zaun gute Ratschläge erteilen. . „ . . & schien alles so einfach damals. Was sind vierzehn Tage — so wenig, daß man sie ruhig weggeben kann, und dann kehrt man in das gewohnte Leben zurück. Falsch, grundfalsch, Dore Orivius! Man kann nicht zurück, man kann nicht einen Tag aus seinem Leben streichen, wenn dieser Tag in irgendeiner Weise Erlebnis war. Denn daraus kommt es an: auf den Inhalt dieses Tages. Tote Tage, leere Tage gibt es, die kannst du vergessen, sie verlieren sich im Ablauf der Jahre wie eine Nadel t-m Dünensand. Aber ein Tag, der erlebt war, der bleibt. Und hier waren es doch elf volle Tage gewesen, und jeder einzelne bis zum Rand gefüllt. Du kannst nicht zurück, Dore! Feigheit war es, die dich in diese Verlobung trieb! Danke dem Schicksal, daß es dich zur Erkenntnis zwingt, ehe es zu spät ist! Denn sonst machst du nicht nur dich unglücklich, du wirst auch schuldig gegen diesen andern, der dich auf seine Weise liebt. Nudolf Niemeyer ist ein Mensch wie unzählige andere, die ein gleichmäßiges Leben ohne Kampf und Widerstände geführt haben: selbstgerecht und eng, aber niemals schlecht. So erkannte Dore Orivius, daß sie die Folgerung ziehen mußte, die ihr inneres Gesetz von ihr forderte. Sie sah zwar all die Schwierigkeiten voraus, die eine aufgelöste Verlobung mit sich brachte. Welch ein Gesprächsstoff für die Klatschbasen. Sollte sie aber vielleicht der Klatschbasen wegen die Ehe eingehen, fragte sie sich. Sollte sie aus Feigheit sich und den ungeliebten Mann ins Unglück stürzen? Sie hatte ja wirklich geglaubt, das Richtige zu tun. Das andere war vorbei, und hier tatenlos herumsitzen, das konnte doch nicht ihr Leben sein. Sie wollte eine Aufgabe haben, darum hatte sie heiraten wollen. Es gab andere Aufgaben. Arbeite, lerne, das ist würdiger als dieser Ausweg. Und mein Vater? Er würde außer sich sein, wenn sie diese Verlobung löste. In diesem Falle stehst du dir selbst am nächsten, sagte sie sich dann. So lag sie die halbe Nacht mit offenen Augen, bis sie endlich gegen Morgen in unruhigen Schlaf fiel, aber erst, nachdem sie ihren Weg klar erkannt hatte. Der Entschluß, ihre Verlobung zu losen, stand fest. Nur die äußere Form bereitete ihr noch Unbehagen. Einen Mann wie Niemeyer, der außerdem Kollege ihres Vaters war, einfach nach Haufe schicken, nur weil sie sich anders besonnen hatte, das war unmöglich. Ihm die Wahrheit sagen — sie lächelte bitten Die Gewißheit, daß er sie nicht verstehen würde, war der letzte Anstoß zur Losung einer Verbindung, die sie niemals hätte eingehen dürfen. Ihre Verlobung war ein Unrecht gegen Rudolf Niemeyer — da half kein Beschönigen. Um so rücksichtsvoller mußte sie bei der Trennung sein. Aber diesmal hatte das Schicksal ein Einsehen und half ihr, — half ihr durch- einen Zufall. Am nächsten Tage war ihr allwöchentlicher Bridgeabend, und diesmal sagte eine der Damen im letzten Augenblick ab, zu Dores Erleichterung. Sie war so gar Nicht in der Stimmung, tausend wohlgemeinte Fragen Über ihre Zukunftspläne, ihre künftige Einrichtung und ähnliche Dinge über sich ergehen zu lassest. Sie beschloß, den freien Tag zu benutzen und. nach der nahen Großstadt hinüberzufahren. Etwas Ablenkung würde ihr gut tun, vielleicht kam dabei der erlösende Gedanke. Sie hatte ein paar Besorgungen gemacht, sich die Schaufenster angesehen, ihren Tee in der Halle eines Hotels genommen und beschloß nun, noch von sieben bis neun in ein Kino zu gehen. Sie wollte nicht zu früh nach Grünhagen zurückkommen, um ein Zusammentreffen mit ihrem Vater zu vermeiden; er würde sie bestimmt fragen, warum sie Niemeyer nicht von diesem freien Abend benachrichtigt hatte. Die Rettame lief schon, als sie das Kino be* trat, das zu dieser Vorstellung nicht allzu sehr besucht war. Sie folgte der kleinen Lamve der Platzanweiserin und tastete sich zu ihrem Sitz durch. Allmählich gewöhnte sich ihr Auge an die Dunkelheit, und sie begann, da die Rettame sie nicht sonderlich fesselte, das Publikum zu mustern. Ein paar ältere Damen vor ihr, die sie nicht kannte, verschiedene Pärchen, die sich mehr für sich stzlbst als für den nunmehr abrvllenden Werbefilm zu interessieren schienen. Die Zeit von sieben bis neun scheint bei Liebespaaren besonders geschätzt zu sein, dachte Dore leicht amüsiert und beobachtete zwei Reihen vor ihr ein weibliches Wesen, das völlig hingegeben an der Schulter eines Kavaliers lag. Sehr geschmackvoll ist diese Art, feine Gefühle auszudrücken, gerade nicht, dachte sie weiter, es muß wohl noch ein ganz junger Mensch ... Sie zuckte zusammen — die Dame, die zwischen ihr und dem Partner des schmachtenden Mädchens saß, hatte sich etwas zur Seite gebeugt und dadurch den Blick auf den Mann freigegeben. Dores Augen weiteten sich in fassungslosem Staunen: Das war doch einfach nicht möglich, das konnte doch gar nicht möglich fein! Daß Rudolf Niemeyer, ihr Verlobter, hier in einem Kino faß mit einer Frau, die durch ihre Haltung ihre Zusammengehörigkeit unmißverständlich verriet. Das war ja albern, so etwas zu glauben, eine" zufällige Aehnlichkeit der Kopfhaltung täuschte sie» in dieser Dunkelheit war nichts zu erkennen. Ob es nicht endlich mal hell wurde — Dore biß sich nervös auf die Sippen, dieser Werbefilm da oben nahm anscheinend gar kein Ende. Jetzt wurden auch noch die demnächst zu erwartenden Filme ausführlich an- gefünbigt, aber endlich wurde es langsam hell. Sie beugte sich nach vorn, in atemloser Spannung hing ihr Gesicht an der Gestalt des Mannes vor ihr. Er wandte sich etwas zur Seite und sprach ein paar Worte zu seiner Begleiterin. Dore sank auf ihren Sitz zurück, fte hatte genug gesehen. (Fortsetzung folgt!) 2. A. Klotz, 105,5 Punkte (32,45 Meter, 5,52 Meter. 12,58 Meter). — Mittelgewicht: 1. H. Noel, ler, 73 Punkte (24,88 Meter, 6,46 Meter, 10,68 Meter), 2. L. Wagenpfeil, 61,5 Punkte (22,71 Meter, 6,32 Meter, 10,40 Meter), 3. Adolf Schrader, 53 Punkte (23,30 Meter, 6,60 Meter, 8,98 Meter). Boxen: Federgewicht: Lehmann schlägt Nikolei nach Punkten; Nikolei besiegt Hofmann. 1. Lehmann, 2. Nikolei, 3. Hofmann. — Mittelgewicht? Einen harten Kampf liefern sich Gefreiter Mucha und Wagenpfeil. Wagenpfeil muß wegen Luftmangel aufgeben. 1. Mucha, 2. Wagenpfeil. Wettrudern der höheren Schulen. Dieser Tage trugen die „I.-v.-Liebiz-Schule" und die „Langemarckschule" ihr Wettrudern im Gig- Vierer um den im Jahre 1916 von der Gießener Rudergesellschaft gestifteten Wanderpreis aus. Die Mannschaft der „J.-v.-Liebig-Schule" siegte auf der 1000 Meter langen Strecke in 4:9,2 Minuten mit fast zwei Bootslängen Borsprung, nachdem sie sich gleich durch einen schnellen Start in Führung gesetzt hatte. Die Gießener Rudergesellschaft sorgte für die Ausrichtung des Rennens. Vereinsführer Studienrat Scharmann sprach im Schlußwort über den Zweck dieser Schülerveranstaltung und überreichte der siegreichen Mannschaft den Wanderpreis. Rundfunkprogramm Samstag, 10. September. 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Reichssendung. 11.30: Reichssendung. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Kleines Konzert. 14.30: Reichssendung. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19: Sportschau des Tages und für den Sonntag. 19.10: Komponisten der Gegenwart ifiiter* halten uns. 20: Nachrichten. 20.15: Frohe Klänge zum Wochenende! 22: Nachrichten. 22.30: Wir tanzen in den Sonntag. 24: Nachtkonzert I. 2 bis 3: Nachtkonzert II. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach^ mittag geschlossen. SA.-Kampfspielgemeinschast Gießen beim Gtaffellauf Wilhelmshöhe-Kassel Die junge, aufstrebende Leichtathleten-Abteilung der Kampfspielgemeinschaft Gießen weilte mit einer Staffelmannschaft (zehn Läufer) in Kassel, um an dem Großstaffellauf Wilhelmshöhe—Kassel teilzunehmen. Nach sorgfältiger Vorbereitung fuhr die Mannschaft nach Kassel. Die Stimmung der Mannschaft war ausgezeichnet, und jeder hatte nur das eine Ziel im Auge, diesen Lauf nach Möglichkeit als Sieger zu beenden. Kaum in Kassel angekommen, mußte sich die Mannschaft sofort umziehen und zum Start. Lastwagen usw. standen nicht zur Verfügung, und so mußte die Verteilung der Männer auf die Strecke unter Benutzung der Straßenbahn vorgenommen werden. Alles klappte wie am Schnürchen, und kurze Zeit später war die Aufstellung beendet. Jeder Mann wußte bald, daß es die Strecke in sich hatte, denn mindestens Zweidrittel der Strecke stieg ganz erheblich an und stellte an die Läufer außerordentliche Anforderungen. Aber bange machen gilt nicht! So setzte sich auch schon der erste SA- Läufer nach dem Startschuß mit einem Vorsprung an die Spitze, der bis ins Ziel nicht wieder abgegeben wurde. Wenn auch die Gegner einmal wieder auf der Strecke etwas heranrückten, so konnten sie doch den Sieg niemals gefährden. Tüchtig angefeuert wurde die Mannschaft von ihren SA.-Kameraden aus Kassel, und schon verkündete der Lautsprecher am Ziel Friedrichsplatz, daß die Läufer sofort eintreffen würden, und bald erschien auch am Friedrichsplatz ein Läufer in brauner Hose und mit dem SA.-Wappen, und erst mit 80 Meter Abstand folgte der Verteidiger des Wanderpreises der Stadt Kassel — Tuspo. „Guts-Muts", Kassel. Der letzte Wechsel klappte ausgezeichnet, und schon legte der letzte Läufer der SA. mächtig los, um den Vorsprung um weitere Meter zu vergrößern. Die Zeit des Siegers betrug für die 2200 Meter lange Strecke 5,50 Minuten, für den Zweiten wurden 6,10 Minuten gestoppt. Ein beachtlicher Erfolg! Leider wurde der Wanderpreis der Stadt Kassel dem Zweiten zugesprochen, da eine Bestimmung besagt, daß dieser Preis nur von Vereinen innerhalb Kassels errungen werden kann. Die SA.- Mannschaft erhielt einen Ehrenpreis der DRL- Ortsgruppe in Form eines Buches. Berücksichtigt man, daß die Mannschaft unmittelbar von der Bahn an den Start ging, ferner die örtlichen Verhältnisse völlig fremd waren, so muß dieser Erfolg noch höher bewertet werden. Sechs Mannschaften lagen im Kampf. Nächstes Jahr startet die Gießener Mannschaft in der Klasse „B", die eine Laufstrecke von 4200 Meter erfordert. Das Monate Aauensporlfest in M-Aanheim. Leistungen nahe an Weltrekorden. Trotz aller Ungunst des Wetters wurde das Nationale Frauensportfest in Bad-Nauheim zu einem schönen Erfolg. Es wurden Leistungen erzielt, wie man sie kaum erhoffen durfte. Zwei Tage lang hatte es fast ununterbrochen gere'gnet. Die Aschenbahn war schwer geworden, die Anlaufbahnen waren weich, die Grasbahn war eine einzige Pfütze. Und trotzdem knüpften die deutschen Leichtathletinnen an ihre besten Leistungen an! Zahlreiche Zuschauer folgten den Wettkämpfen, die etwas spät begannen und in Dunkelheit endeten, mit größter Aufmerksamkeit. Die Leichtathletinnen selbst zeigten sich fast durchweg und auch schon rein äußerlich als ungeDie besten deutschen Leichtathletinnen in der von-Tschammer-und-Osten- Kampfbahn in Bad-Nauheim. — (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) mein sportgestählte Gestalten. Elastisch und federnd gingen sie auf und ab, sprangen, liefen zur Probe, standen dann in Augenblicken, in denen es galt, sich zusammenzuraffen, mit äußerster Konzentration an der Anlaufbahn, um Wurfring und traten ohne Nervosität in den Kampf. Lediglich beim Hürdenlauf gab es zweimal Fehlstart. Immer wieder gab es lebhaften Beifall. Immer wieder wurde die Technik der Leichtathletinnen bewundert, die elegant über die Hochsprunglatte glitten, die mit graziösem Schwung und doch mit aller Kraft zum Diskuswurf starteten, die locker und gelenkig zum Weitsprung und mit raumgreifenden Schritten zur schönsten Hebung, zum Speerwurf, anliefen. Immer wieder hatten die Zuschauer ihre helle Freude an Kraft und Grazie, die in den verschiedensten Wettbewerben sinnfällig zum Ausdruck kamen. Die Organisation war vorbildlich. Kampfgericht, Schiedsgericht, Obmänner usw. stellte der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen aus den Kreisen 11 und 8, Durch Lautsprecher-Uebertragung wurden die Zuschauer säst über jede einzelne Leistung, über jedes Wurf- ober Sprungergebnis schon nach wenigen Sekunden unterrichtet. Unermüdlick tappten die Kampfrichter mit dem Bandmaß in der Hand in Nässe und Morast herum. Oie Kämpfe. Auftakt waren zwei 100-Meter-Läuf e. Im ersten Lauf siegte die Mannschaftsführerin Frl. Krauß (Dresden) klar mit 12,1 Sek. vor Kohl (Frankfurt a. M.) in 12,4 Sek. Im zweiten Lauf wurde überraschend die Münchnerin Kühnel mit 12,2 Sek. vor der Berlinerin Albus mit 12,5 Sek. Siegerin. Im Kugelstoßen erwartete man mit Recht einen Zweikampf zwischen Gisela Mauermeyer und Frau Schröder (Mundenheim). Die Münchnerin erreichte beim dritten von sechs Versuchen ihre beste Leistung mit 13,51 Meter, während Frau Schröder sich mit 13,08 Meter und damit dem zweiten Platz beanügen mußte. Vielbewundert wurde die fabelhafte Technik der Siegerin. Erika R ö h m i g (Gießen), die zu dem Wettbewerb ebenfalls eingeladen war, konnte hier nicht ganz mithalten und ließ es bei drei Versuchen bewenden. Sie erreichte als beste Leistung 10,98 Meter. Ein schönes Rennen gab es über 8 0 - Meter- Hürden. Das Rennen sah vier gleichwertige Läuferinnen im Kampf. Frl. Gelius (München), die man als Siegerin erwarten durfte, gewann mit 1L7 Sekunden vor ihrer vorzüglichen Landsmännin S p i tz w e g. Einen ungemein spannenden Verlauf nahm der Kampf im Hochsprung, der geraume Zeit in Anspruch nahm. Drei Springerinnen, Gräfin Solms (Berlin), Staudt (Limburg) und No- w ak (Wien) bewältigten 1,56 Meter. Dora Rat - j e n (Bremen) aber wartete mit der Leistung ihres Welt- und Deutschen Rekords auf und erreichte 1,66 Meter. Sie unternahm auch einen neuen Rekordversuch. 1,67 Meter wurde aufgelegt und sie übersprang diese Höhe! Schon wurde sie eifrig- beglückwünscht — da mußte, als man nachmaß, fest- gestellt werden, daß die effektive Höhe doch „nur" 1,66 betrug! Unter den gegebenen Platz- und Witterungsverhältnissen durste dieser Sprung als die beste Leistung des Tages angesehen werden. Im Diskuswerfen konnte man Gisela Mauermeyers schöne Art, zu werfen, erneut bewundern. Mit unbeirrbarer Ruhe und in geradezu klassischer Schönheit der Bewegung warf sie das Gerät und erreichte mit ihrem besten Wurf 46,43 Meter. Ihre Weltbestleistung liegt bei 48,31 Meter. In Fräulein Mollenhauer (Hamburg) hatte sie eine beachtliche Konkurrentin. Der 200 • Meter - Lauf wurde zu einer sicheren Angelegenheit für Käthe Krauß, die mit erheblichem Vorsprung ihre Mitbewerberinnen Vogt (Berlin) und E h r l (Hamburg) hinter sich ließ. Einen spannenden Zweikampf gab es dann im W e i t s p r u n g. Die Deutsche Meisterin P r a e tz (Salzwedel) lag im Kampf mit der Wienerin Koh 1 b.ach, die in ihren drei letzten Sprüngen jeweils exakt 5,60 Meter erreichte. Praetz (Salz- wede!) steigerte ihre Leistung dagegen mit jedem Sprung, kam auf 5,46 Meter, 5,67, 5-,68 und schließlich auf 5,83 Meter und damit zum Sieg. Die Gießenerinnen Röhmig (Mtv.) und Diehl (VsB.-R.) lagen mit im Wettbewerb, konnten aber bei ihren, für sie selbst guten Leistungen, die Klasse der Springerinnen aus dem Reich nicht erreichen. Bei hereinbrechender Dunkelheit und in regnerischem Dunst wurden das Speerwerfen und die Staffeln entschieden. Die 4X100-Meter-Staffel sah zunächst die National-Staffel A mit der Ncttio- nal-Staffel B im Wettbewerb. 'Die A-Mannschaft mit Kohl, Krauß, Albus und Kühnelt sicherte sich dabei einen klaren Sieg. Frl. Krauß lief schon einen beachtlichen Vorsprung heraus, den die Schlußläuferin noch auf etwa zehn Meter ausbaute. Die B-Mannfchaft mit Ehrl, Wendel, Spitzweg und Winkels wurde damit ziemlich klar distanziert. Die erzielten Zeiten mit 49 und 50,4 Sekunden dürften in Anbetracht der ungewöhnlich schweren Bahn als sehr gut bezeichnet werden. In einem zweiten Lauf sah man die Läuferinnen von „Eintracht" Frankfurt und DfB.-R. Gießen im Wettbewerb Die Gießener Vertretung hatte leider fast nichts zu bestellen und mußte die Frankfurterinnen unbehelligt ziehen lassen. 51,4 Sekunden betrug die Zeit der siegenden Mannschaft. Als das Speerwerfen zu Ende ging, war es völlig Nacht geworden. Fel. Pastors (Berlin) kam hier zu der schönen Leistung von 43,06 Meter und sicherte sich damit den Sieg vor Gelius (München) mit 42,50 Meter und Krüger (Dresden) mit 41,15 Meter. Die Ergebnisse. 10 0 ° Meter - Lauf: 1. Lauf: 1. Krauß (Dresden) 12,1; 2. Kohl (Frankfurt a. M.) 12,4; 3. Wendel (Mannheim) 12,6; 4. Winkels (Köln) 12,9; 2. Lauf: 1. Kühnel (München) 12,2; 2. Albus (Berlin) 12,5; 3. Eckhardt (Frankfurt a. M.) 12,6; 4. Rothe (Hanau) 12,7 Sekunden. 2 0 0 -> Meter - Lauf: 1. Krauß (Dresden) 25,0; 2. Ehrl (München) 25,9; 3. Voigt (Berlin) 26,0 Sekunden. 80 - Meter - Hürden: 1. Gelius (München) 11,7; 2. Spitzweg (München) 11,8; 3. Westphal (Hamburg) 11,9 Sekunden. 4 X 10 0 - Meter - Staffel (Nationalstaffel): 1. Mannschaft A (Kohl, Krauß, Albus, Kühnel) 49,0; 2. Mannschaft B (Ehrl, Wendel, Spitzweg/ Winkels) 50,4 Sekunden. 4 X 10 0 - Meter - Staffel (Vereinsstas- feln): 1. Eintracht Frankfurt 51,7; 2. DfB.-R. Gießen 56,0 Sekunden. Hochsprung: 1. Ratjen (Bremen) 1'66 Meter; 2. Gräfin Solms (Berlin) 1,56; 3. Staudt (Limburg) 1,56; 4. Nowak (Wien) 1,56 Meter. Weitsprung: 1. Praetz (Salzwedel) 5,83 Meter; 2. Kohlbach (Wien) 5.60; 3. Voß (Berlin) 5,52; 4. Wilkening (Duisburg) 5,50 Meter. K ug e l st o ß e n: 1. Mauermeyer (München) 13,51 Meter; 2. Schröder (Mundenheim) 13,08; 3. Wessel (Iserlohn) 13,01 Meter. Diskuswerfen: 1. Mauermeyer (München) 46,43 Meter; 2. Mollenhauer (Hamburg) 42,37; 3. Hagemann (Kassel) 41,09; 4. Volkhausen (Dortmund) 40,60 Meter. Speerwerfen: 1. Pastors (Berlin) 43,06 Meter; 2. Gelius (München) 42,50; 3. Krüger (Dresden) 41,15; 4. Matthes (Berlin) 40,36 Meter. AS.-Kampsspiele in Nürnberg 1938. Oer zweite Wettkampftag. Von den Schießständen der Wehrsportler ging es am zweiten Tag der NS.-Karnpfspiele auf den „Zabo", der Kampfstätte des 1. FC. Nürnberg. Unaufhörlich und durchdringend regnete es. Am Mittwoch beherrschten Leichtathleten und Schwimmer das Tagesprogramm. Erste Leichtathletik-Entscheidungen. Die leichtathletischen Wettbewerbe der NS.- Karnpfspiele brachten gleich zu Beginn am Mitt- wochoormittag eine große Überraschung und zwar bei der Entscheidung Des Hochsprungs, wo sich Meister Weinkötz (Köln) hinter dem mit 1,88 Meter siegenden Augustin (Berlin) mit dem zweiten Platz beghügen mußte. Im Stabhochsprung kam der Breslauer Hartmann mit 3,70 Meter zum Sieg. Der Mittwochnachmittag brachte im Stadion bei den leichtachletischen Wettbewerben eine weitere Entscheidung. Meister Koratschek (Wien) gewann den Dreisprung mit 14,41 Meter vor Kegel (Hamburg), der nur um 2 Zentimeter schlechter war. * Mit drei leichtathletischen Uebungen wurde am Mittwoch auf der Hauptkampfbahn des Stadions auch der Deutsche Mehrkampf begonnen, der sich aus den fünf sportlichen Uebungen zum SA.- Sportabzeichen zusammensetzt. Nach dem 100-Meter- Lauf, dem Weitspruna und Kugelstoßen lagen die drei NSKK.-Männer Lampert (München), Wür- felsbobler (München) und Tunner (Wien) an der Spitze. Die besten Einzelleistungen erzielten Tunner über 100 Meter mit 11,7 Sek., Kramschke (SA.- Gruppe Pommern) im Weitsprung mit 6,16 Meter und Meister Lampert im Kugelstoßen mit 14,27 Mtr. Schwimmwettbewerbe im Stadion. ■ Jrn Schwimmbecken des Nürnberger Stad'ons gab es die ersten Dorkämpfe im Schwimmen und Springen. Das Wasser war sehr kalt und wahrscheinlich werden die Wettbewerbe im städtischen Hallenbad fortgesetzt. lieber 4 0 0 » Meter - Kraul war Meister Plath (Berlin) mit einer Zeit von 5:09,4 Minuten der weitaus beste Mann. Ihm am nächsten kam der Westfale Bachmann (Dortmund) mit 5:26,6 Minuten. Im Kun st springen hatte nach den Pflichtübungen der Berliner Hafter eine klare Führung vor Walter (TH. Berlin) und Lorenzen (Recklinghausen). Bei einer Temperatur von nur 13 Grad Celsius wurden die Schwimmkämpfe in der Stadion- Schwimmkampfbahn fortgesetzt, und zwar mit dem 100-Meter-Rückenschwimmen und dem Turmspringen. Die beiden ^-Männer Nüske und Schlauch setzten sich im Rückenschwimmen mit 1:15,1 bzw. 1:13,8 Min. erfolgreich durch. Im Turmspringen lag der Stuttgarter Jaiser nach vier Pflichtsprüngen an der Spitze vor dem SA.-Mann Grothe (Berlin). Am Mittwoch erledigten auch die Teilnehmer am Modernen Fünfkampf wieder einen ihrer Wettbewerbe, und zwar das 300-Meter-Schwimmen. Bei diesem vierten Wettbewerb blieben in Klasse A allein elf Mann unter der Fünfminuten-Grenze. Die beste Zeit erzielte Pol.-Hwm. Hermes mit 4:11,4 Minuten. Lt. Schröter (Berlin) und Lt. Kempa (Parow) führten die Schwimmer der Klaffe B mit 4:51,5 Minuten an. In den Spitzengruppen hat sich wenig verändert. Schwerer Mannschafts-Fünfkampf. Der Mannschafts-Fünfkampf stand am Mittwoch im Mittelpunkt des wehrsportlichen Programms. Nach der ersten Hebung, dem Kleinkaliberschießen, lag am Dienstag der RAD. in Führung. Durch zwei dritte Plätze im Handgranatenweitwerfen und 400-Meter-Hindemislauf setzte sich die stämmige, aber schnelle Mannschaft der Polizei Berlin an die Spitze des Feldes. Um sieben Punkte schlechter schnitten die Arbeitsmänner aus Klötze ab, deren Aussichten auf einen Sieg vom Ergebnis des 100-Meter-Laufes und der 8X50-Meter-Schwimm- ftaffel abhängen, die den Abschluß dieses Mannschaftskampfes bilden. Arbeitsdienst ganz hervorragend. Bis zur letzten Hebung, der 12X V2Runde-Hinder. nisftaffel, war am Mittwoch der Deutsche Wehrwettkampf gediehen. Wenn nicht, alles trügt, werden die Männer des Reichsarbeitsdienftes, die mit ihrer Härte und Einsatzbereitschaft gerade in den wehrsportlichen Wettbewerben der NS.- Karnpfspiele bisher ausgezeichnet abgeschnitten haben, hier einen Doppelsieg feiern. In prächtiger Form befand sich die RAD.-Mannschaft aus Wüster- hausen, die das Handgranatenweitwerfen und den 3000-Meter-Lauf überlegen gewann. Selbst wenn die 3000-Meter-Strecke in ihrer Länge nicht ganz gestimmt haben sollte, bleibt die Zeit der Arbeitsmänner von 9,11 Minuten für die ganze Mannschaft ausgezeichnet. Riesenbegeisterung bei der Hindernisstaffel Prächtige (Stimmung herrschte in der Stadion- Kampfbahn, als 14 Mannschaften in zwei Dorläufen zur 20X V2 Runde-Hindernisstaffel antraten; je ein Führer und 19 Mann gingen in jeder Mannschaft an den Start. Konnte sich im ersten Rennen die owohl durch ihre Schnelligkeit im Lauf, wie im icheren Nehmen der Hindernisse glänzende Mann- chaft der ^-Standarte Deutschland (München) in 9,51 Minuten vor dem RAD. 13 (Dessau-Ziebigk) mit 9,56 und der Mannschaft der Polizei (Berlin) mit 10:03,4 durchsetzen, so drehten die Arbeitsmänner im zweiten Vorlauf den Spieß um. Hier lief der RAD. 90 (Berlin-Langwitz) in 9:48,6 die beste 3eit des Tages und schlug die Mannschaften des A-Oberabschnittes Südwest (Stuttgart) Mit 9:54,6 und der SA.-Gruppe Franken (Nürnberg) mit 10,13. Diese sechs Mannschaften bestreiten am Samstag die Entscheidung. ff I. siegt im Säbelfechten. Im Kolosseum wurde am Mittwoch das Sabelmannschaftsfechten entschieden. Die erste Mannschaft der ff belegte mit 3 Mannschafts- und 33 Einzelsiegen den ersten Platz vor SA. I. (2 : 27) und der sich in guter Form befindlichen ersten Mannschaft des NSKK. (1:21) sowie der zweiten Mannschaft der ff (0:15). Hitler-Jugend im Schiestweitbewerb. Im Rahmen der NS.-Kampfspiele wurde auch der dritte Reichsschießwettbewerb der Hitler-Jugend durchgeführt. Dabei wurden je zehn Schuß liegend aufgelegt und freihändig abgegeben. Die Mannschaft des Gebietes 21 Baden, die bereits das Gefolgschaftsschießen gewonnen hatte, siegte mit 2149 Ringen bei einem glänzenden Durchschnitt von 10,74. Auf den zweiten Platz kam das Gebiet 3 (Berlin) mit 2139 Ringen vor Württemberg (2114), Westfalen (2101) und Ruhr-Niederrhein (2095). Oie Spielturniere. Fußballturnier begonnen. Vier Fußball-Nachwuchsmannschaften bestreiten im Rahmen der NS.-Kampfspiele in Nürnberg ein Turnier. Die beiden Vorrundenspiele am Mittwoch wurden in der Stadion-Hauptkampfbahn bzw. auf dem Platz der SpVg. Fürth durchgeführt. Die vierte Mannschaft siegte über die erste mit 3:2 (0:1) Toren und die zweite Elf setzte sich gegen die dritte mit 3:1 (2:0) Toren durch. Besondere Höhepunkte gab es in keinem der beiden Kämpfe. DRC. und SA. handballEndspielgegner. In der Stadion-Kampfbahn und im Fürther Ron- Hof wurde das Handballturnier mit zwei Spielen der Zwischenrunde fortgesetzt. Im Stadion siegte der DRL. über die erste Mannschaft der ff mit 11:6 (7:3) Toren. Die Mannschaft des DRL. mußte schon ihr ganzes Können aufbieten, um zum Siege zu kommen. Nicht ganz erwartet kam aus dem Ronhof der Sieg der SA. mit 8:6 (2:1) über die Polizisten. Der Sieg der SA. war knapp, aber verdient. Die erfolgreichen Mannschaften der SA. und des DRL. kämpfenHom Samstag im Stadion um den Turniersieg. Dereinsmeisterschasten des 1. Kraft- und Sportklub 1893. Die Gießener Kraftsportler führten jetzt ihre Vereinsmeisterschaften durch. Die Beteiligung war sehr aut. Mit den gezeigten Leistungen konnte man zufrieden sein. Bei einer internen Feier wurden für langjährige Zugehörigkeit zum Verein folgende Mitglieder ausgezeichnet: 45 Jahre gehören dem Verein an Hermann Lorenz und Ludwig Vogelhöfer, 35 Jahre Heinrich S t a u b a ch , über 30 Jahre Heinrich Hartmann, Karl Hartmann und Heinrich S ch o m b e r, über 15 Jahre Fritz Hend - r i ch , Willi B e l l o f f, Alex Götz und Ludwig Wagenpfel, über 10 Jahre Adolf Klotz und Alois Funk. Die Ergebnisse der Bereinswettkämpfe: Ringen: Jugendklasse: 1. Sieger Fritz Dern, 2. Willi Büttner, 3. Paul Hatz. — Anfängerklasse: Mittelgewicht: 1. Schmidt, 2. Weber; Federgewicht: 1. Karl Hebeis, 2. Paul Eder, 3. Georg Wedel; Mittelgewicht: 1. Adolf Klotz, 2. Ludwig Wagenpfeil. Gewichtheben: Jugendklasse: 1. Fritz Dern, 2. Willi Büttner, 3. Paul Hatz. — Anfängerklasse: 1. Willi Schmidt und Walter Kröck, je 385 Pfund im Dreikampf, 2. Otto Weber, 370 Pfund. — Aktiv, Leichtgewicht: 1. Fritz Funk, 410 Pfund, 2. Adolf Klotz, 3. Alex Götz. — Aktiv, Mittelgewicht: 1 Adolf Schvader, 470 Pfund, 2. Ludwig Wagenpfeil, 420 Pfund, 3. H. Noeller. Schrader erreichte erstmals 200 Pfund im beidarmig Stoßen, Wagenpfeil brachte mit unfreiem Hmsetzen ebenfalls 200 Pfund zur Hochstrecke. Gewichtwerfen (25 Pfund): Federgewicht: 1. Paul Eder, 10,10 Meter, 2. Alex Götz, 10,05 Meter. — Leichtgewicht: 1. Adolf Klotz, 12,58 Meter, 2. Fritz Funk, 12,18 Meter. — Anfängerklasse: 1. H. Noeller, 10,68 Meter, 2. L. Wagenpfeil, 10,40 Meter, 3. A. Schrader. Rasenkraftsport, Dreikampf (Hammerwerfen. Steinstoßen, Gewichtwerfen): Federgewicht: 1. A. Götz, 54,5 Punkte (26,78 Meter, 5,02 Meter, 10,05 Meter), 2. Paul Eder, 43,5 Punkte (19,65 Meter, 5,60 Meter, 10,10 Meter). — Leichtgewicht: 1. Fritz ' Funk, 118 Punkte (33,40 Meter, 6,60 Meter, 12,18 Meter),