.. . .-T Nr. 130 Erstes Blatt Dienstag, 7. Zunl 1938 188. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Universttatrdruckerei R. Lange in Sietzen. Schristlettvng und Geschäftsstelle: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis 8'/.UHr des Dormittag» Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rps „Platzvorschrist nach vorh. Dereinbg. 25°/0 mehr. Grmätztgte Grundpreise: Stellens, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie ein/ spaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rps., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. 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Am Pfingstsonntag kam eine Gruppe Tschechen aus dem Melniker Bezirk nach Liboch und veranstaltete dort Jagd auf weiße Strümpfe. Ein deutscher Bauer, der von einer tschechischen Gruppe umringt, ergriffen und gezwungen werden sollte, die weißen Strümpfe abzulegen, fetzte sich zur Wehr, es entstand eine Schlägerei, die gefährliche Formen anzunehmen drohte. Einige andere Deutsche kamen dem angegriffenen Bauern zu Hilfe und konnten ihn aus der Gruppe befreien, nachdem er bereits einige Verletzungen erlitten hatte. Erst dann schritt die Gendarmerie ein, stellte die Ruhe und Ordnung wieder her, verhaftete drei Personen und veranlaßte schließlich die auswärtigen Tschechen, den Ort zu verlassen. Die Vertreter der Sudetendeutschen Partei in Liboch haben wegen des Vorfalles bei der Bezirksverwaltung in Dauba Beschwerde erhoben. Bedauern der tschechoslowakischen Regierung. Berlin, 4. Juni. (DNB.) Auf den d e u t>s ch e n P r o t e st wegen des Vorgehens tschechoslowakischer Soldaten gegenüber dem reichsdeutschen Ehepaar Exner hat der tschechoslowakische Außenminister Dr. Krofta dem deutschen Gesandten das Bedauern der tschechoslowakischen Regierung ausgedrückt und gleichzeitig mitgeteilt, daß die Täter eingesperrt worden seien und jeder irgendwie Verantwortliche b e st r a f t werden würde. Mit Gummiknüppeln und Gewehrkolben gegen Sudetendeutsche. NeueunerhorteAusschreitungen tschechischer Gendarmenandenpfingstseiertagen Oie Slowaken fordern ihr Recht. Große pfingstkundgebung der slowakischen Auionomisten in preßburg Als gemeinsame tschechoslowakische Angelegenheiten werden in Dem Gesetzentwurf genannt: Die na- tional.e Verteidi gung, soweit sie nicht mit dem Gesetzentwurf über das slowakische Heer im Widerspruch steht: das Geld- und Münzwesen, das Versicherungswesen, das Verkehrswesen, das Zollfystem, das Maß- und Gewichtssystem, die Verwaltung der früher entstandenen Staatsschulden, die staatlichen Monopole und staatlichen U n - ternehmungen, mit Ausnahme der Wälder, Güter, des Berg- und Hüttenwesens und der Bäder. In der ebenfalls einstimmig angenommenen Entschließung heißt es u. a.: „Wir begrüßen das Interesse des Auslandes an der Ordnung der . inneren Probleme der Tschechoslowakei. Wir geben die Hoffnung nicht auf, daß wir unserem Volke die gesetzlichen Bürgschaften eines eigenen, rechtlichen autonomistischen Lebens in der Tschechoslowakei erringen werden. Wir fordern die Regierung des tschechoslowakischen Staates auf, eine gerechte Posttik zur Lösung der innerpolitischen Probleme und Anbahnung eines freundschaftlichen Verhältnisses mit allen Nachbarstaaten zu betreiben. Die Zeit der Lösung der slowakischen Frage ist gekommen. Wir fordern den Ausgleich des slowakischen Volkes mit dem tschechischen Volk auf der Grundlage unseres natürlichen Rechtes. Wir find bereit,,, an diesem Ausgleichswerk mitzuarbei- t e n, das dem slowakischen Volk, dem tschechischen Volk und unseren nationalen Volksgruppen unb den gesamten Staat für alle Zeiten gerechte Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten bieten würde." Der Generalsekretär der Partei, Dr. Sokol, hob in der Eröffnungsansprache die Bedeutung des Pittsburger Vertrags für die Slowakei hervor. Der Führer der amerikanischen Delegation, Hletko, erklärte, man habe die amerikanische Abordnung zwar in Prag hervorragend empfangen, aber die amerikanischen Slowaken hätten sich durch dieses Manöver nicht täuschen lassen. Nunmehr sei es restlos gelungen, das Interesse der gesamten Welt für den Pittsburger Verjrag und für die Forderungen der Slowaken zu erwecken. Hierauf verlas der Parteivorsitzende, Pater H l i n k a , die eingelaufenen Begrüßungs- bzw. Glückwunschschreiben der Sudeten deutschen P a r t e i, der vereinigten Magyarischen Parteien und der polnischen Minderheit. In dem Schreiben der Sudetendeutschen Partei heißt es: „Ihre Festlichkeiten bedeuten für Sie und für uns die erneute Bestätigung der Erkenntnis, daß Friede und Fortschritt in unserem Nationalitätenstaat nur aus dem ehrlichen Zusammenwirken der als Rechtspersönlichkeit anerkannten und mit Autonomie ausgestatteten Völker- und Volksgruppen erwachsen Fann." In einer Massenkundgebung auf dem Preßburger Theaterplatz fand die Tagung der slowakischen Autonomisten ihren Höhepunkt. Schon in den frühen Morgenstunden strömten aus allen Teilen der Slowakei die Anhänger Pater Hlinkas in die Hauptstadt des Landes. Um 10 Uhr begann der Aufmarsch der Parteianhänger auf dem Platz vor dem Stadttheater. Drei Stunden dauerte der Zug. „Die Slowakei den Slowaken, Prag den Tschechen, Preßburg, 6. Juni. (Europapreß.) Am Samstag wurde m Preßburg der Jubiläums- Parteitag der Slowakischen Volkspartei eröffnet. Die Delegiertenversammlung der Partei hatte einstimmig die Einbringung eines Autonomieentwurfs als „Autonomie-Verfassungsgesetz für die Slowakei" beschlossen. Der Entwurf sieht u. a. vor, daß 'm der Slowakei die slowakische Sprache zur Amtssprache erklärt, und daß ein slowakischer Landestag errichtet wird. Das Heer soll nach belgischem Munster national gegliedert werden, wobei in der Slowakei nur slowakisches Militär mit einem slowakischen Befehlshaber an der Spitze stationiert werden soll. — Der slowakische Landestag soll mit einem gesetzgebenden Recht ausgestattet werden, das sich auf alle die Slowakei betreffenden Fragen, mit Ausnahme der „gemeinsamen tschechoslowakischen Angelegenheiten" beziehen soll. Sie sollen auch arbeiten wie wir wnd nicht nur Geschäfte machen." Auf die Frage nach feiner Einstellung zum sowejetrussisch-tschechischen Pakt erklärte er, daß er gegen den Kommunis sei, daß seine Bewegung national sei. „Wenn wir die Mehrheit haben", sagte Hlinka, „so werden wir alle Verträge milden Kommunnisten kündige n." Hlinka fuhr fort: „Ob uns Europa zu Polen einteilen wird oder uns bei der Tschechoslowakei belassen wird, ist uns gleich. Ueberall müssen nur unsere Rechte gewayrt bleiben, und die Slowakei darf nicht geteilt werden." Auf die Frage, ob er eine selbständige Slowakei wolle, antwortete Hlinka: „Warum nicht, wer wollte die Selbständigkeit nicht? Aber heute ist dies nicht aktuell. Heute ist die Frage der Anerkennung unseres Volkes aktuell." Paris, 6. Juni. (DNB.) Nachdekn bolschewistische Flugzeuge erst vor einer Woche den französischen Grenzort Cerbere mit Bomben belegt hatten, verübten neun sowjetspanische Bomber am Sonntagfrüh einen neuen Ueberfall auf französisches Gebiet und warfen über den weit von der sowjet- katalanischen Grenze entfernt liegenden französischen Städten Ax « les - Thermes und O r g e i c zehn Bomben ab. Dabei wurde eine Hochspannungsleitung, die die Eisenbahn mit Strom versorgt, unterbrochen. Augenzeugen berichten, daß die Flugzeuge keine Kennzeichen trugen, ein Beweis, daß es sich um bolschewistische Flugzeuge handelt, die je nach Bedarf entweder nationale oder überhaupt keine Kennzeichen tragen, wenn sie von den bolschewistischen Machthabern in Valencia zu Störungsmanövern ausgesandt werden. Die Bombardierung hat in der französischen Öffentlichkeit große Empörung ausgelöst. Die französischen Luststreitkräfte, haben Befehl erhalten, jedes Flugzeug zur Landung zu zwingen, das die französische Grenze überfliegt. Havas meldet ferner aus Perpignan, daß a m Pfingstmonta gm argen um 11.10 Uhr neun Flugzeuge unbekannter Nationalität, die aus Richtung Puymorens kamen, das französische Gebiet der Perdagne überflogen und bann nach Sow- jetfpanien zu Kurs genommen hätten. Die französischen Flugzeugabwehrgeschütze hätte» Warnungsschüsse abgefeuert, und eine französische Flugzeugabwehrstelle nahe der Grenze habe eine rote Rakete abgeschossen. Die Flugzeuge seien daraufhin in Richtung Spanien verschwunden. — Eine ergänzende Havas-Meldung aus Perpignan besagt, daß unter den Flugzeugen, die zu dreien flogen, eine gewisse Unordnung eingetreten sei, als die fran- die Juden nach Palästina!", immer wieder ertönten diese Rufe aus dem Zug. Spruchbänder mit der Aufschrift: „Wir sind gegen d i e falsche Demokratie!" wurden im Zuge mitgetragen. Um 13 Uhr begann die Kundgebung. Der Vizepräsident des tschechoslowakischen Senats, Dr. Buday, forderte von dem Ministerpräsidenten Hodscha, daß er das slowakische Volk nicht mehr mit Versprechungen vertröste, sondern konkrete Taten zeigen möge. Pater Hlinka verlas ein Manifest. Es wirft vor allem dem Ministerpräsidenten Hodscha vor, daß er das aus dem Jahre 1919 stammende Autonomiegesetz einfach in die Schublade ge st eckt habe. Hlinka forderte seine Anhänger auf, für dieses Gesetz zu kämpfen, damit Prag endlich erkenne, daß die Autonomieforderung der Slowaken keine leere Phrase fei. Er brachte auch das Begrü- ß u n g s t e 1 e g r a m m des Staatspräsidenten D r. Benesch zur Verlesung und hob in scharfer Kritik die Tatsache hervor, daß der Staatspräsident in diesem Telegramm die Autonomieforderungen der Slowaken nicht erwähnt habe. „Ob ich leben oder sterben werde, nie "werde ich aufhören, dich, teures slowakisches Volk, zu lieben!" Mit diesen Worten schloß Hlinkas Manifest. Dr. Hl et ko, der Führer der von der Slawisch- Amerikanischen Liga nach der Slowakei entsandten Abordnung erklärte, die Abordnung sei gekommen, um im Sinne des Pittsburger Vertrages eine Versöhnung zwischen Tschechen und Slowaken herbeizuführen. Als amerikanischer Bürger werde er sich nicht in die inneren Verhältnisse der Tschechoslowakei einmischen, aber er werde alles unternehmen, um diese seine Mission zu erfüllen. Nach der Rede Hletkos zeigte Pater Hlinka der versammelten Menge' das Original des Pittsburger Vertrages. Er stellte an Dr. Hletko die Frage, ob er d i e Unterschrift M a s a r y k s als echt erkenne. Hletko bejahte diese Frage. Auch die bei der Kundgebung anwesenden Mitunterzeichner des Vertrages bekundeten vor der versammelten Menge das gleiche. Am Vorabend der Kundgebung fand, ebenfalls auf dem Theaterplatz, eine Versammlung der slowakischen Studenten statt, bei der die Sowjetfahne und eine Abschrift des tschechoslowakisch-sowjetrussischen Vertrages verbrannt wurden, womit die Ju- genb der Slowaken die betont antibolschewistische Einstellung der slowakischen autonomistischen Bewegung bekunden.. wollte. pater Hlinka vor der Auslandspreise. Preßburg, 6. Juni. (DNB.) Der Führer der Slowakischen Volkspartei, Pater Hlinka, empfing die in Preßburg anwesenden Auslands- berichterstatter und schilderte seinen Kampf um die Freiheit des slowakischen Volkes. „Wir sind keine Tsechoslowaken", so stellte er fest, „w i r sind Slowaken, wie es unsere Väter waren. Weil wir ein staatsbildendes Volk find, verlangen wir staatsbildende Rechte. Wenn sie nicht gewährt werden, so werden wir uns an die Welt wenden, denn wir wollen nicht ewig Sklaven fein!" Hlinka kam mit Entrüstung auf das Telegramm des Staatspräsidenten Benesch zu sprechen. „In diesem Telegramm", so sagte Hlinka, „ist zwar von der Arbeit der amerikanischen Slowaken die Rede, aber von meiner Arbeit und der meiner Kameraden hier steht nichts darin, von der Autonomie auch nicht, vom Pittsburger Verttag ebenfalls nicht, von der Unterschrift Masa- ryks auf dem Pittsburger Vertrag ebenso nichts." Hlinka schilderte die Opfer, die er noch im Vor- friegsungarn für seine Ueberzeugung habe bringen müssen. Die Tschechen hätten ihm diese Opfer so gelohnt, daß sie ihn ins Gefängnis geworfen hatten, als er 1919 von der Pariser Friedenskonferenz zurückkehrte. Er beschrieb, wie er nach Paris fuhr „und Slowaken suchte". Damals habe ihn der heutige Staatspräsident Benesch, als er seine Anwesenheit nach ^lcht Tagen bemerkte, sofort ausweifen lassen. Die Akklamation bei der Frage, ob die Versammlung für den Pittsburger Vertrau sei, komme einer Volksabstimmung gleich, da 2400 Abgesandte aus allen Orten der Slowakei anwesend gewesen seien, die frei von jedem Druck gesprochen hätten. Jeden Tag könne so eine Volksabstimmung durchgeführt werden. Wir sind staatsbildend und verlangen Volksrechte. Wenn man aber unsere Forderung nicht anerkennt wenn man den Pittsburger Verttag, den Landtag und was sonst nicht gemäßen wird, dann werden wir Minderhertenrechte fordern. Wir apellieren an Europa, well man unsere Rechte und unser Volk nicht anerkennen will. Die Frage, ob Pater Hlinka für Öie Autonomie der Deutschen und Magyaren stimmen werde, beantwortete er dahin, daß er für Gerechtigkeit sei und daß man jedem geben müsse, was ihm gebühre. Zu der in der Tschechoslowakei besonders aktuell gewordenen Juden frage äußerte sich Pater Hlinka sehr eindeutig: „Wenn es nur keine Juden auf der Welt gäbe! Wenn sie aber schon da sind, dürfen sie sich nur nach ihrem Hundertsatz in den Berufen betätigen. Jetzt haben sie alle einträgliche Stellen. Wir Slowaken sind arm geblieben, und sie wurden reich. Tschechische Gegenkundgebung. Preßburg, 6. Juni. (DNB.) Die Prager Regierung versuchte am Pfingstmontag eine Art Gegenkundgebung gegen die Heerschau der slowakischen Autonomisten vom Vortage zu inszenieren. Zu diesem Zweck war eine TagungderTsche- choslowakischen Agrarpartei ungewöhnlich groß aufgezogen worden. Ministerpräsident Hodza nahm zu den politischen Ereignissen der letzten Tage in keiner Weise Stellung. Aus die slowakische Forderung nach Autonomie antwortete Hodza: Die Grundlage der slowakischen Freiheit sei die Tschechoslowakische Republik. Wer mit Absicht oder aus einem Irr- . tum heraus den guten Namen der Slowaken und der Tschechoslowaken schädige, dem sage die „tschechoslowakische Einheit" den Krieg an. Die tschechoslowakische Einheit könne nicht erschüttert werden. Sie lasse sich auch nicht bedrohen. — Es sprachen dann noch Abgeordnete der Tschechoslowakischen Agrarpartei, die sich gegen die Autonomieforderungen wandten. Während der Veranstaltung demonstrierten in den Straßen die Anhänger Hlinkas. zösische Flugzeugabwehr in Tätigkeit trat. Es sei unmöglich gewesen, die Kennzeichen der Flugzeuge zu ermitteln, da sie in etwa 2000 Meter Höhe flogen. Die Flugzeuge seien In Richtung Barcelona zurückgeflogen, feien bis etwa 25 Kilometer ins Innere des Departements Ariege vorgestoßen. Ihre Bomben hätten sie auf dem Rück- flug nach Spanien abgeworfen, und zwar genau 18, deren Gewicht nach Ansicht militärischer Sachverständiger etwa 100 Kilogramm betrug. Ministerpräsident Da 1-adier hat sich am Mon» tagmittag ganz überraschend im Mugzeug von Poris nach Ax-les-Thermes begeben, um persönlich die Untersuchung über die Bombenabwürfe zu leiten. Die vom.Ministerpräsidenten getroffenen Schutzmaßnahmen an der französisch-katalanischen Grenze sind am Pfingstmontagvormittag bereits in Kraft getreten. Französische Flugzeuge sind von nun ab startbereit, um jedes fremde Kriegsflugzeug zu verfolgen und gegebenenfalls z u beschießen, falls es französisches Gebiet überfliegt. Aalionalspanische Flugzeuge kommen nicht in Frage. 100 Kilometer von der Grenze entfernt. Paris, 6. Juni. - (DNB.) Nach einer Havas» melbung hat der nationalspanische Sender Salamanca Montag abend eine Bekanntmachung des Generalstabes des Großen Hauptquartiers veröffentlicht, in der es heißt: Bezugnehmend auf die in der französischen Presse veröffentlichten Nachrichten über die neuen Angriff- Bad Schandau, 6. Juni. (DNB.) Selbst an den Pfingstfeiertagen war das Sudetendeutschtum unerhörten tschechischen Willkürakten ausgesetzt. In der Nacht zum Sonntag überfiel tschechische Gendarmerie bei Bodenbach zweimal Ordner der Sudetendeutschen Partei , die aus einer Wahlversammlung friedlich heimkehrten, und mißhandelten sie auf das schamloseste. Ein amtlicher Bericht spricht von „formierten Zügen" und will aus dieser Behauptung eine Art Begründung für das empörende Vorgeyen der tschechischen Gendarmerie konstruieren. Demgegenüber ist festzustellen, daß Bodenbacher, die einen gemeinsamen Heimweg von etwa einer Halden Stunde hatten und deshalb zu- fammengingen, keineswegs in einer g e - schlossenen Formation, sondern durchaus ungeordnet, ohne Kommando gingen. Um so größer war die Ueberraschung, als plötzlich ein Ueberfallroagen mit Polizei und Gendarmerie heranraste und die Heimkehrer unter brutaler Anwendung von Gewalt auseinanbergejagt wurden. Wenige Zeit später erschien der Ueberfall- roagen wieder. Die tschechischen Gendarmen sprangen heraus und schlugen sofort mit Gummiknüppeln und Gewehren auf die Heimkehrenden ein. Bei diesen wüsten Ausschreitungen tschechischer Gendarmen wurden 20 Sudetendeutsche verletzt. Der Sudetendeutsche Hirschmann mußte in ein Krankenhaus geschafft werden. Bei den Ueberfalle- jicn sind äeutlich sichtbare Spuren von Schlägen ärztlich festgestellt worden. Die Verletzungen wurden durchweg auf dem Rücken feftgefteöt, ein Beweis, daß sich die Mißhandelten nicht zur Wehr gesetzt hatten, sondern daß sie vielmehr von den Tschechen vor sich hergetrieben und dabei geschlagen worden sind. In dem hart umkämpften Sprachgrenzort Liboch Bombenüberfälle auf südfranzösisches Grenzgebiet. Ministerpräsident Daladier ordnet an Ort und Stelle verstärkten Grenzschutz an. ( c I 1 1 r e Abend gemeinsamer Fi wegungsspielen und Li leitet beiwohnte. unter seinem Patronat zur Hebung der deutschägyptischen Wirtschaftsbeziehungen in ungewöhnlichem Maße beigetragen hat. Wie auf politischem und kulturellem Gebiet eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zu verzeichnen fei, so konnte auch der Waren-Austausch zwischen Aegypten und Deutschland trotz zahlreicher Schwierigkeiten der Nachkriegszeit ständig gesteigert werden, so dpß im Jahre 1937 nicht nur die Zahlen des Jahres 1929, sondern auch die der Vorkriegszeit überschritten werden konnten. keitsrekordflug über die 100-Kilometer-Strecke mit einem neuen einsitzigen Heinkel-Äagdflugzeua nach einem kurzen Probeslug persönlich durch. Auf einer amtlich vermessenen Flugstrecke in der Nähe von Rostock—Warnemünde konnte der General den gleichfalls bisher vom Auslande mit 554,357 km/st gehaltenen Rekord um 80 Kilometer auf 634,370 km/st verbessern. Start und Landung erfolgten au dem Heinkel-Werksflugplatz bei Rostock. Diese Geschwindigkeits-Bestleistung reiht sich würdig dem vor einigen Monaten von einem Flugzeug der Bayerischen Flugzeugwerke mit 611 km/st in einer anderen Wertungsklasse ausgestellten Rekord an. Sowohl der „Große Dessauer" der Iunkerswerke wie das Heinkel-Jagdflugzeug waren mit Daim - ler-Benz-Motoren ausgerüstet. Beide Rekordflüge standen unter der amtlichen Kontrolle von Luftsportzeugen und wurden sofort dem Internationalen Luftfahrtverband (FAJ.) zur offiziellen Anerkennung gemeldet. Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Göring, hat seinen Dank und seine besondere Anerkennung den beteiligten Werken und den Besatzungen zum Ausdruck gebracht. 'reude mit Volkstänzen, Be- iedern statt, dem der Gau- ani 'Bei N PfingDl bem siebe schranken! Pfronten besetzter schäft na nach Ker schriftsmi suchte bei kommen, ersaht ut mürben Leichtve wo spät 3m Kai Derlei sowie f Der Fak ber Schi Abschiedsbankett für den ägyptischen Botschafter. Am 3. Juni veranstaltete die ägyptische Handelskammer für Deutschland im Marmorsaal des Hotels m pkinQ^C' Berlin, zu Ehren des nach London als Botfcbafter berufenen Kgl. Ägyptischen Botschafters Exzellenz o f e f f o r D r. Hassan Nachot P och OEM Abschiedsbankett, zu dem über 300 füh- renbc P^^vnllchkeiten der Reichsministerien, der Partei- und Wirtschaftsorganisationen, der Indu- üne«, Bank- und Handelswelt sowie der Britilcke sBotfd)after Sir Neville Henderson erschienen waren. DeI ?nihmhDc. ägyptischen Botschafters war aud) die Gründung der Aegyptifchen Handelskammer für Deutschland tn Berlin zu verdanken, die Zwei neue Erfolge der deuischen Lustfahrt Udet fliegt neuen Seschwindigkeitsrekord. - Oer „Große Dessauer" erringt internationale Bestleistung im Höhenflug. Am is halle au 32 Perl Weihens Fahrt r einen araben. Hallesche sich bie 2 sie nach' tonnten, schwerer bes Uns Parteitag der französischen Sozialisten Oie Forderung nach einer realistischen Außenpolitik. s-1 ;5- besuch' auf französisches Gebiet von nationalspanischen Flugzeugen bekräftigt der Gneralstab in der aller- kategorischsten Form, daß unsere Flugzeüge s i ch der spanisch-französischen Grenze übe r.h a u,p t nicht genähert haben. Alle Operationen, an denen unsere Flugzeuge leilgenom- men haben, haben sich' auf der Parallele von Barcelona abgespielt, über 100 Kilometer von der Grenzlinie entfernt. Es handelt sich um ein neues Manöver der marxistischen Häuptlinge. Heute müssen wir darauf Hinweisen, daß bereits andere Angriffe von den Roten gegen französische Schiffe oorberei - tet werden mit Hilfe von Flugzeugen, die mit den nationalen Farben Demalt sind zu dem Zweck, die Regierungen irre zu führen und den europäischen Krieg zu entfesseln. O»e nattonalfpanischen Truppen vor Albocader. Saragossa, 6. Juni. (Europapreß.) Die nationalspanischen Truppen standen am Sonntagabend unmittelbar vor den ersten Häusern von Albocader. Die Stadt ist von der Zivilbevölkerung verlassen, man hat nicht den Eindruck, als ob die roten Truppen die Stadt ernstlich zu verteidigen beabsichtigen. Die nördlichen Stadtviertel sind durch die ständigen Luftangriffe zum größten Teil zerstört. — Andere nationale Kolonnen haben ßucina des C i d und die Höhen um Penagolosa besetzt, von wo man bei klarem Wetter Valencia sehen kann. Im übrigen meldet der nationalspanische Heeresbericht noch die Zurückweisung mehrerer feindlicher Angriffe an der katalanischen Front und an der Front von Teruel. Oer nationalspanische Ministerrat fordert bedingungslose Uebergabe. Bilbao, 6. Juni. (DNB.) Unter Vorsitz des Generals Franco beschloß der Ministerrat folgende Erklärung: Die Regierung des nationalen Spanien erklärt angesichts der Gerüchte über neue Machenschaften des Barcelonaer Komitees und seiner Parteigänger zur Herbeiführung eines W a stufen still ft andes im Spanienkrieg erneut, daß Nationalspanien als Beendigung des Krieges niemals eine andere Lösung annehmen werde als die bedingungslose Uebergabe des Feindes. Jede Kampagne oder Einmischung im gegenteiligen Sinne stellt einen Beitrag zur Zerstörung Spaniens dar. Das Ziel kann einzig der Triumph der nationalen Sache sein. Diese Erklärung gibt / nichts anderes wider als den Wunsch einer Nation, die in heroischer Weise ihre historische Existenz und die Zivilisation verteidigt. -ei il Zu de' Tagung hat der gemeldet Hi o n", Reichs unb O^1 Stig undH bestre't--. hat61 bigen- Zm d' bem Flug meistert sich vier warben- vollen bei Lochn- Jahre de auf einer tamp! er Olzmai kamen 5 Leutnant Zivaan Zungmeist fünfdeuts beim der Klemm K be Zwaar Die ersten italienischen Arbeiter- Urlauber. Stuttgart, 6. Juni. (DNB.) Am Pfingst- sonntaa trafen von Novara kommend 5 50 ita - lienische Arbeiterurlouber, darunter 50 Frauen, in Stuttgart ein. Auf dem festlich ge- schmückten Hauptbahnhof hatten sich zahlreiche Der- treter der Bewegung sowie der italienische Konsul mit den faschistischen ^Verbänden zur Begrüßung eingefunden. Bei ihrem Marsch durch die Stadt churde den italienischen Gästen ein herzlicher Empfang bereitet. Die Straßen hallten wider von den „Heil!"- und „Eoiva!"-Rufen auf den Führer und den Duce. tionalsozialismus alle deutschen Menschen erfassen soll. Früher sei man gegen die Mitgliedschaft von Frauen in der Partei gewesen, da man glaubte, die revolutionären Aufgaben nur mit Männern erfüllen zu. können. Es habe sich jedoch bald gezeigt, daß die Frauen in ihrer Einsatzbereitschaft und Treue ein wertvolles Glied in der Partei sind unb ungeheure Leistungen vollbringen. Aus dieser Erkenntnis heraus erfolgte die organische Einglie- beriHig in die Partei. Die deutsche Frau, die dem Volk Kinder schenke und sie zu tüchtigen Menschen erziehe, sei im völkischen Leben von größtem Wert. Sie deutschen Mädel zu deutschen Frauen zü er» ziehen, sei Aufgabe der Jugendgruppenführerinnen. Wenn diese die ihnen aufgelegte Aufgabe erfüllen roollten, müßten sie selbst in ihrem Tun und Handeln leuchtendes Vorbild sein. Die Gaujugendgruppenführerin schloß die Feierstunde. Dann fand im festlich beleuchteten Garten des Kurhauses ein gen des Wiener Burgtheaters — das nun nach dem Verfall der Nachkriegsjahre wieder auf die ’ Hohe feiner alten, ruhmreichen Ueberüeferung ge» ’ hoben wird — werden mit denen der Berliner ' Staatsoper und zweier Berliner Bühnen — des ‘ Staatlichen Schauspielhauses und des Deutschen ' Theaters — abwechseln. Auf dem weithin sicht- • baren Podium dieser Reichsveranstaltung tauschen Wien und Berlin auserwählte Proben ihrer szeni- ■ schen Kunst aus, und in einem Vorgang von sinnbildlicher Bedeutung durchdringen sich Norden und ' Süden, ergänzen sich gegenseitig nach Kräften und 1 Eigenarten und nehmen voneinander in friedlichem Wettstreit Besitz. Dann aber schließt sich an die Wiener Reichstheaterfestwoche eine fast ununterbrochene Kette von großen, reichswichtigen künstlerischen Veranstaltungen, und wenn die Welt die Bedeutung solcher Ereignisse nicht wieder absichtlich und böswillig übexsehen will, so wird man ehrlicher- weise erkennen müssen: dieses Deutsche Reich, das ' immer als Ränkeschmied und Friedensstörer verdächtigt wird, kennt keine größere Sorge, als die, sein kulturelles Erbe zu verwalten, die Künste.auf ollen Gebieten zu pflegen und sich des Friedens und seiner Segnungen zu erfreuen. Wie aber ist es gewesen? Während der Führer in München den Grundstein zu einem großen technischen Unternehmen legte und den Deutschen das Geschenk des KdF.-Wagens bekanntgab, wurden wir einer Verschwörung gegen den Weltfrieden angetlagt. Diese friedlichen Kundgebungen und Veranstaltungen ziehen sich nun in langer Reihe durch den Sommer dieses Jahres, der ein echter und rechter Sommer der Kunst werden soll. Am Ende der ersten Juliwoche ist München der Schauplatz des zweiten Tages der Deutschen Kunst, der damit gleichfalls zu einer jährlich wiederkehrenden Veranstaltung erhoben wird. Nachdem im Sommer des vergangenen und im Februar dieses Jahres die erste Kunst- und die erste Archi- tektur-Ausstellung auch dem Ungläubigen bewiesen haben, welcher Leistungen und Schöpfungen das nationalsozialistische Deutschland fähig ist — mühe- los und ohne besondere Kraftanfpannung fähig ist — eröffnet der Führer im Hause der Deutschen Kunst wiederum eine Kunstausstellung, unb in dem Festzug, der dieses Ereignis zu einem großen Volks- est erweitert, werden in diesem Jahre auch sinnbildliche Darstellungen aus Oesterreichs Kultur- und Geistesgeschichte nicht fehlen. Wenige Tage später beginnen zwei große Festspielfolgen fast zum gleichen 'Termin: Bayreuth unb Salzburg, dessen Festspiele damit zum ersten Male von den verantwortlichen Stellen des Reiches bestimmt und gelenkt werden. Die beiden Spielfolgen ergänzen einander fehr glücklich: Bay. reuth repräsentiert die national-deutsche Kunst Ri- chard Wagners, Salzburg beweist, daß wir uns auch gegen die Kunst und die Künstler anderer Völker keineswegs kurzsichtig versperren wollen. Zu diesen Ereignissen kommen ferner die Heidelberger Rejchsfe st spiele, bei denen Künstler wie Werner Krauß unb Heinrich G c. arge mitwirken, und die fast unübersehbare Fülle von Freilichtbühnen, die, allenthalben in - deutschen Gauen verstreut, wieder zu einem eigen- kräftigen Dasein erwacht sind, die in den Sommer- monaten die Aufgabe der städtischen Theater übernehmen und allen Willigen ihre Kunst mitteilen wollen. ‘ Deutscher Kunstsommer 1938. Sein Programm beginnt Anfang Juni und erstreckt sich bis in den August hinein; die Monate, die sonst für die Kunst abgestorben waren, sind jetzt mit einem pulsenden Leben erfüllt. Wo ist das Land, das sich eines gleichen kulturellen Aufgebotes rühmen dürfte, roo ist die Nation, die ber Welt einen gleichen überzeugenden Beweis friedlichen Strebens und Sehens geben konnte? Ereignisse, die für diesen Sommer vorgesehen sind, sprechen deutlich genu^. Aus aller Wett. Riesiger Vflngslverkehr in der deutschen Ostmark. Der Ausflugsoerkehr am Pfingstfest in Tirol erreichte ein bisher unbekanntes Ausmaß. Don Freitag bis Montag find allein im Innsbrucker Hauptbahnhof 77 000 Reifende ange. kommen und abgefahren, doppelt soviel wie im vergangenen Jahr. Besonders stark war auch der Der- kehr auf den Bergbahnen. In Jnnsruck wurden an einer Stelle in einer einzigen Stunde 7000 Kratt- mögen gezählt. Auch in Salzburg war zu Psmgsten ein Verkehr wie noch nie. Besonders freu- pig wurden die tau\enb KdF.-Fahrer aus den verschiedensten Gauen des Altreichs begrüßt unb die SA.-Kameraden aus Berlin und Wien, die der Salzburger SA. einen Besuch abstatteten. Die Veisehungsfeier für Hans von Dolzogen. Aus d-m B°yr-uth-r Friedhof St. Georgen wurde ber b-konnte Schriftsteller und verdienstvolle Dor. fampfer des Werkes Richard Wagners, chans Paul Sr«6ert non Wolzogen. f-k-rlich zur letzten Siufje geleitet. In der großen Trauergemeinde HaH Gauleiter Sprenger bei den Zugendgruppenführerinnen. NSG. Die Jugendgruppensührerinnen der NS.- Frauenschaft unb bes Deutschen Frauenwerkes im Gau Hessen-Nassau wurden über das Pfingstfest erstmalig in einem Lager in Konigstein i. T. zusammengefaßt, dessen Höhepunkt eine Feierstunde mit Gauleiter Sprenger im Kurhaus in Bad Soden bildete. Die Gaufrauenschaftsleiterin stellte den Sinn der Jugendgruppenarbeit der NS.- Frauenschaft und des .Deutschen Frauenwerks heraus und wies darauf hin, daß das Lager den Führerinnen des Gaues die Richtlinien für die Arbeit in den nächsten Monaten geben und Freude vermitteln soll. Der Gauleiter betonte, daß her Na- genommenen Ausführungen des Abgeordneten LF6- oeber wurde der linksradikale Abgeordnete Levy kühl ausgenommen. Er sprach davon, der franzö - srsch-sowjetrussische Pakt und der französisch-tschechoslowakische Vertrag müßten auf das genaueste von Frankreich eingehalten werden. Die Wiederherstellung der Kontrolle an der französisch- spanischen Grenze könne nicht geduldet werden. Auch der Führer des linken Flügels ber Sozialistischen Partei, Zyr o m ski, erntete nur wenig Beifall, an verschiedenen Stellen seiner Rede lynchte sich sogar eine scharfe Gegnerschaft bemerkbar. Zyromfki erklärte, Frankreich müsse Sowjetspa - n ie n z u Hilfe kommen, die Sozialisten seien nicht Nationalisten, sondern Internationalisten; sie könnten die „Eroberung Europas durch den Faschismus" nicht mehr aufhalten, wenn Frankreich Sowjetspanien fallen lasse und damit praktisch auch die. Tschechoslowakei aufgäbe. Scharfen Protest löste der Redner aus, als er erklärte, Sowjet- ruß l a n b bleibe trotz ber jüngsten politischen Schwierigkeiten eine machtvolle militärische Nation. Er habe das Kriegsmaterial Sowjetrußlands in Spanien kennengelernt und wünsche nur, Frankreich möge ähnliches Kriegsmaterial besitzen. Die Kommunistische Partei hat an den sozialdemokratischen Landesparteitag ein Schrei- den gerichtet, in dem sie die Hoffnung ausdrückt, daß bie Beschlüsse bes Parteitages den An- hungern beider Parteien den gemeinsamen Kampf für die Rückkehr zu einer „wirklichen Politik ber Volksfront" und auch bie Wiederauf- nähme der Arbeiten des Ausschusses zur Herstellung einer „Einhei t s p a r te r erlauben mögen.. Berlin, 6. Juni. (DNB.) An den Pfingsttagen konnte die deutsche Luftfahrt zwei neue stolze Erfolge erringen. Am Samstag erreichte ein viermotoriges Junkers - Flugzeug des Musters „Der Große Dessauer" mit einer Zuladung von 5000 Kilogramm eine Hohe von 9312 Meter, unb am Sonntag erzielte ein Heinkel-Jagd- flugzeug auf Der 100-Kilometer-Strecke eine Geschwindigkeit von 634,370 Kilometer in der Stunde. Beide Ergebnisse stellen neue internationale Se ft lei ft ungen dar. In beiden Fällen gelang es, bisher in ausländischem Besitz befindliche Rekorde für Deutschland zu erobern. Der „Große Dessauer" wurde auf feinem vom Flugplatz Dessau ausgehenden Rekordflua, der sich über etwa zwei Stunden erstreckte, von dem Chefpiloten der Iunkerswerke, r Flugkapitän Kinder- mann, geführt. Außerdem gehörten Flugzeugführer Wendel und Flugversuchsingenieur H o - topfzur Besatzung. Durch die mit 5000 Kilogramm Nutzlast erreichte Höhe von 9312 Meter wurde der früher vom Ausland mit 8980 Meter gehaltene Rekord um mehr als 300 Meter Überboten. Generalmajor Übet, ber Chef des Technischen Amtes im Reichslustfahrtministerium, führte den Schnellig- 3n Nürnberg trafen am Sonntagmorgen die beiden Sonderzüge mit den 1000 italienischen Arbeiterurlaubern ein. In der Westhalle des Bahnhofs hieß die italienischen Gäste der Gauobmann der DAF. herzlich willkommen. Anschließend zogen sie. zu einer Kundgebung auf den Adolf-Hitler-Platz. Gauleiter Streicher hielt eine Ansprache. Präsident Gianetti führte aus: Unsere Freundschaft ist keine sogenannte traditionelle Freundschaft, auch wenn bie Geschichte durch die Jahrhunderte beweist, baß unsere beiden Völker gemeinsame Interessen und Ziele haben. Wir verdanken unsere Freundschaft dem Genie unserer beiden Führer,, die uns von einer göttlichen Vorsehung geschenkt worden sind. Dann richtete Reichsorganisationsleiter Dr. Ley kernige Worte an die Tausende. Präsident Cianetti am Mein. Lpd. Wiesbaden, 6. Juni. Der italienische Arbeiterführer und Präsident des faschistischen In- dustriearbeiterverbandes, Tullio Gianetti, traf am Pfingstsonntag von Nürnberg kommend, wo er an den Empfangsfeierlichkeiten für die ersten italienischen Arbeiterurlauber teilnahm, in Wiesbaden ein. Er wurde im Kurhaus von Oberbürgermeister Dr. W ix begrüßt. Rüdesheim war am Pfingstmon- tag ber Ausgangspunkt einer Rheindampferfahrt, um den Italienern neben den Schönheiten des Rheins oberhalb Düsseldorfs auch Deutschlands größtes Industriegebiet zu zeigen. Die Dampferfahrt schloß mit einer Besichtigung des Duisburg» Ruhrorter Hafengebietes ab. Am Abend mar Präsident Gianetti mit den Herren feiner Begleitung Gast ber Stadt Essen. Der Diens- tag sieht die Besichtigung des Bergbaugebietes unb eine Reihe anderer Besichtigungen vor. Paris, 6. Juni. (Europapreß.) Am Samstag» Dprmittaa wurde in Royan der Parteitag ber Sozialisten eröffnet. In bem Festsaal des Kurhauses, zu dessen Ausschmückung diesmal keine Trikoloren, sondern nur noch rote Fahnen verwendet worden sind, waren 800 sozialistische Abgeordnete versammelt. Noch vor der Eröffnung kam es zu einem Zwischenfall, da einige Anhänger Marceau ^3 inert5, die von der Teilnahme an diesem Parteitag ausgeschlossen worden sind, Zutritt verlangten, lieber die Frage der Teilnahme der sogenannten Pivertisten als äußer ft er linker Flügel der Sozialistischen Partei kam es dann gleich zu lebhaften Auseinandersetzungen. Es churde heftig darüber gestritten, ob die Wahrung der Parteidifziplin unb damit ein Ausschluß der Anhänger Piverts wichtiger sei, oder ob man mit allen Mitteln darauf hinarbeiten müsse, eine zahlenmäßige Schwächung der Sozialistischen Partei zu verhüten. Am Pfingstmontag hörte man aufschlußreiche Darlegungen von bem bretonischen Abgeordneten L'Fevsder, die eine glatte Absage an die bisherige sozialistische Ideologie barstellt, und fordert, daß die Sozialistische Partei sich, insbesondere auf außenpolitischem Gebiet, den „W irklichkeiten" anzupassen sucht. Das Schlagwort vom „Kampf gegen den Faschismus" sei überholt. Man müsse jetzt, um den Frieden zu retten, selbst eine Einigung mit ben faschistischen Nationen suchen. Ein Krieg müsse verhinbert werden, selbst wenn Frankreich bedeutende Zugeständnisse machen müßte. Frankreich könne nicht allein der Gendarm Europas sein. Man müsse eine wirklich realistische Politik treiben. Im Gegensatz zu den mit stürmischem Beifall aus- Neuer Lustangriff auf Kanton. Hongkong, 6. Juni. (Europapreß.) Zweimal während ber Pfingstseiertage würbe Kanton von japanischen Flugzeugen bombardiert. Der zweite Angriff, an dem sich etwa 50 Maschinen beteiligten, wurde in ben Morgenstunben des Montags eingeleitet. Die Auswirkungen sollen wiederum beträchtlich fein. Wegen bes UeberfHegens ber britischen Niederlassung durch japanische Flugzeuge bei den letzten Luftangriffen legte ber britische Generalkonsul in Kanton, A. P. Blunt, telephonisch bei dem Hongkonger javanischen Generalkonsul Protest ein. Der japanische Generalkonsul hat^sein Bedauern über die von englischer Seite angeführten Vorfälle ausgesprochen und zum Ausdruck gebracht, daß bie japanischen Flieger in Zukunft vorsichtiger fein würden. Der Zustrom ber ch i n e f i schen Bevölkerung von Kanton nach ber britischen Jnsel-Nieberlassung S cf) a m i e n hält an. Wegen ber durch den anhaltenden Flüchtlingszustrom verursachten UeberoölkerungHong- t o n g 5 unb ber damit verbundenen immer großer werbenden Epebemiegefahr ist die Zulassung weiterer Flüchtlinge nach Hongkong unterbunden worben. Man trägt sich mit dem Gebauten, aus der portugiesischen Besitzung Macao eine Flüchtlings- 3one zu schaffen. Nach Meldungen aus Amoy haben die japanischen Stellen beschlossen, dissse Jn- fel zu einem Flotten st ützpunkt auszubauen. Die Insel ist etwa 500 Kilometer von Hongkong entfernt; erst vor wenigen Wochen wurde sie von japanischen Marinestreitkräften besetzt. Kaifeng von japanischenTruppen beseht S ch a n g h a i, 6. Juni. (Oftafienbierift des DNB.) ^Q*feng, die Hauptstadt der Provinz Honan, ift am Montag in die Hände der japanischen Truppe gefallen. Die chinesischen Streitkräfte ziehen sich m westlicher Richtung längs der Lunghai-Bahn juruef. Die südlich der Bahnlinie stehenden chine- wchen Truppen gehen auf bie erste Hankau - Verteidigungsstellung zurück, die mit dront nach Nordosten etwa vom linken Flügelpunkt 5J e M t f tf) a n in Richtung Hwaiyang, Jing- t|d)au, Wuhu verläuft. Die zweite Verteioigungs- 11 nie der chinesischen Streitkräfte wird parallel zur erften etwa 120 Kilometer dahinter angenommen, öie umschließt S) a n f a u in einem großen Bogen. 'Gs verlautet, durch die zunehmende Bedrohung Hankaus hätten die dortigen Behörden mit der Räumung Hankaus von 300 000 Zivilisten begonnen. v 1 Wirtschaftliche Nothilfe in USA. Washington, 6. Juni. (DNB.) Der Senat nahm Samstag mit 60 gegen 10 Stimmen bie Re- gierutigsDorlage an, die 3723 Millionen Dollar für *>ie i e b e r a n t u r b e I u n g b e r 8B i r t f ch a f t vorsteht. Der Senat lehnte verschiedene Zusatzan- lr..a9c' J?.ur$ die die Beiträge für die Bundesbe- poröe für öffentliche Sauarbeiten zu bestimm» x "Zwecken fe ft gelegt werden sollten, ab, Da der Regierungsvertreter im Senat geltend gemacht hatte, daß ber Präsident bei der Auswahl ber Bauprojekte freie Hanb haben sollte. Die Vor- sieht 1425 Millionen Dollar für Nothilfezwecke, 965 Thüionen für öffentliche Bauarbeiten unb 175 Millionen für Farmerdarlehen vor. Oer Aufstand in Mexiko. San Antonio (Texas), 4. Juni. ((Europa- preß) Meldungen von ber mexikanischen Grenze befaaen, daß die Bewegung des Generals G e - dillo in ben mexikanischen Bundesstaaten Tamau- lipas und Ghihuahua neuen Auftrieb erhalten habe. Die Garnison der Bundestruppen in Garrcra Tar- raes im Staate Tamaulipas habe sich den Anhängern des Generals Gedillo ergeben müssen. Die Vorposten des Generals Gedillo seien bis an die mexikanisch-amerikanische Grenze vorgedrungen. Der General Guerrero, der Kommandant der mexikanischen Bunbestruppen im Staate Tamaulipas, habe an den Bundespräsidenten Gardenas das Gesuch gerichtet, die 28. Kaoallevie'Division, bie bie Anhänger des Generals Gedillo nur ungenügend verfolgt habe, durch andere Truppen zu ersetzen. — Die mexikanische Kammer hat einen Gesetzentwurf über bie Gründung einer Petroleumgesellschaft angenommen. Die Gesellschaft wird das gesamte am 19. März enteignete Vermögen der ausländischen Oelgesellschaften übernehmen. Don ben neun Mitgliedern beb Derwaltungs- rates sind sechs von der Regierung und drei von ber Gewerkschaft ber Petroleumarbeiter bestimmt. Deutscher Kuustsommer. Wenn ber Frühling in den Sommer übergeht, wenn die Wochen des Urlaubs und der Ferien näher kommen unb Reisepläne gemacht werden, wendet sich in diesem Jahre bie Sehnsucht unzähliger deutschen Menschen nach den österreichischen Gauen, von denen,wir nun erst sagen können, daß sie unser geworden sind für ewige Zeiten. Die Ereignisse, die zu dem freudigen und freiwilligen Aufgehen des alten Oesterreich im Deutschen Reiche führten, haben sich fast über Nacht und in einem atemraubenden Zeitmaß vollzogen; so daß man einen zeitlichen Abstand brauchte, um sich an diesen weltgeschichtlichen Umschwung erst zu gewöhnen. Wenn jetzt Hunl^rttausende aus dem Norden unb Westen des Reiches in bie Ostmark reisen, wird y ihnen der „Anschluß" erst au einer sichtbaren Tatsache, zu einem greifbaren Geschehnis werden; sie werden jetzt erst erfahren, was das Großdeutsche Reich seit dem 13. März 1938 an landschaftlichem Eigentum,' an künstlerischem Besitz an kulturellem Gut und an seelischen Werten erworben und gewonnen hat. Und die Empfindungen des einzelnen werden von der Staatsleitung gutge» heißen und bekräftigt. Es war in den Systemjahren üblich geworden, bie Kunst, mit ber man es ohnehin nicht recht ernst meinte, während der Sommermonate zu beurlauben — der nationalsozialistische Staat hat auch darin Wandel geschaffen, und etwa die Reichstheaterfestwoche ober bie Reichsfestspiele im Heibelberger Schloßhof sind seit 1933 zu ständigen Einrichtungen geworben. Nun hat aber Reichsminister Dr. Goebbels in diesem Jahre bie Reichstheaterfest« woche nach Wien verlegt und ihr einen Spielplan gegeben, der in der deutschen Theatergeschichte denkwürdig bleiben wird: die Aufführun- man auch Gauleiter Wächtlerund Frau Winifred Wagner. Gauleiter Wächtler legte einen prachtvollen Kranz des Führers nieder, Gauprvpa- gandaleiter K o l g e eine Kranzspende im Auftrage des Reichsministers Dr. Goebbels. Deutsche Flugzeuge bei internationalen Wettbewerben. Zu den am 4. bis 6. Juni in England zur Austragung gelangenden Isle of Man • Luftrennen 1938 hat der Aeroclub von Deutschland sechs Flugzeuge gemeldet. Unter Führung von Major Seide- mann werden Hauptmann P a s q u a y vom Reichsluftfahrtministerium, Leutnant Roeders und Oberleutnant M ü ll e n h e i m von der Luftwaffe sowie NSFK.-Hauptsturmführer G e r b r e ch t und NSFK.-Sturrnführer C l a ul e n das Rennen bestreiten. Major Seidernänn, der vorjährige Sieger, hat in diesem Jahve den Wanderpokal zu verteidigen. Zum dritten Male wurde am Pfingstmontag auf dem Flugplatz Eelde bei Groningen die Kunstflua- meisterschaft der Niederlande ausgetragen, um die sich vier deutsche und vier holländische Flieger bewarben. Der Kampf endete mit einem eindrucksvollen deutschen Sieg. Der Deutsche. Meister Rudolf L o ch n e r (Mannheim), der bereits im vorigen Jahre den Titel gewonnen hatte, verteidigte ihn auf einer Bücker-Jungmeister-Maschine nach Stich- kampf erfolgreich gegen den sächsischen Fluglehrer Olzmann. Auf den dritten und vierten Platz kamen zwei Offiziere der holländischen Luftwaffe, Leutnant Sondermann und Leutnant d e Z w a a n , die beide gleichfalls mit deutschen Bücker- Jungmeister-Maschinen starteten. Nicht weniger als fünf deutsche Maschinen lagen zum Schluß in Front, denn der deutsche Fluglehrer Kalkstein auf Klemm Kl 35 kam bei Punktgleichheit mit Leutnant de Zwaan ebenfalls auf den vierten Platz. Zwei Reiseomnibuffe am Pfingstsonntag verunglückt. Bei Nesselwang im Allgäu ereignete sich am Pfingstsonntag ein schweres Omnibusunglück, dem sieben Personen zum Opfer fielen. An dem schrankenlosen Bahnübergang zwischen Wank und Pfronten/Kappel begegnete ein mit 35 Personen besetzter Omnibus, der eine Stuttgarter Reisegesellschaft nach Innsbruck bringen wollte, dem Zuge nach Kempten. Obwohl der Lokomotivführer vorschriftsmäßig Warnungssignale gegeben hatte, versuchte der Omnibuslenker noch über die Schienen zu kommen. Der Omnibus wurde von der Lokomotive erfaßt und seine linke Seite aufgerissen. Bier Frauen wurden auf der Stelle getötet. Schwer- und Leichtverletzte wurden ins Krankenhaus gebracht, wo später eine Frau und zwei Männer st a r b e n. Im Kankenhaus befinden sich noch acht Schwer- verletzte, die meist Schädel- und Knochenbrüche sowie starke j äußere Verletzungen erlitten haben. Der Fahrer des Omnibusses wurde bis zur.Klärung der Schuldfrage verhaftet. * Am Pfingstsonntag v erunglückte kurz vor Halle auf der Straße Hohenthurm—Diemitz ein mit 32 Personen besetzter Reiseomnibus aus Berlin- Weißensee. Der Unglückswagen, der sich auf der Fahrt nach Sangerhausen befand, fuhr gegen einen Baum und stürzte in den Straßengraben. 17 Personen wurden verletzt in zwei Hallesche Kliniken gebracht. Glücklicherweise stellten sich die Verletzungen meist als leicht heraus, so daß sie nach Anlegung von Verbänden entlassen werden konnten. Nur zwei Frauen, deren Verletzungen schwerer waren, blieben in den Kliniken. Die Ursache des Unfalls ift^noch nicht bekannt. „Laßt Hutten nicht verderben'" Stelivertr. Gauleiter Linder eröffnet die Hutten-Festspiele auf der Steckelburg. NSG. Am Pfingstsonntagnachmittag eröffnete der Stellvertretende Gauleiter Linder die aus Anlaß des 450. Geburtstages des Kämpfers für deutsche Einheit und Freiheit stattfindenden Huttenfestspiele auf der Steckelbucg bei Schlüch- tern. Anschließend fand die erste Aufführung des von Erich Bauer (Schlüchtern) geschriebenen Festspieles „Laßt Hutten Nicht verderben!" statt. — Fanfarenklänge eröffneten die Feierstunde. Ein Chor der SA. und Einzelsprecher der Hitler- Jugend die Festspiele ein. Der Kreisleiter von Schlüchtern, Puth, begrüßte die Gäste Stellvertretender Gauleiter Linder führte u. a. aus: Das Leben Ulrich von Huttens fei ein immerwährender Kampf für Deutschland gegen seine inneren und äußeren Feinde, insbesondere gegen das päpstliche Rom gewesen. Als er einsehen mutzte, daß mit dem Wort allein das Ziel nicht zu erreichen sei, habe er entschlossen zum Schwert gegriffen. Seit der Zeit Armins des Cheruskers fei immer wieder die tiefe .Sehnsucht der Deutschen nach einem freien und einigen Reich durchgebrochen. Hutten habe mitten in diesem Ringen gestanden. Doch konnte dieses Sehnen trotz heißem Willen nicht erfüllt werden. Diese Erfüllung habe das Schicksal einem Manne Vorbehalten, in dessen großer Zeit zu leben wir das Glück haben. Gerade die endliche Erfüllung dieser Sehnsucht in unserer Zeit sei Veranlassung, uns der Männer zu erinnern, die in vergangenen Zeiten im Kampf um Deutschland standen. Nie sei das, was Hutten und die anderen in diesem Ringen aussprachen, verlorengegangen, die Sehnsucht sei immer gewaltiger geworden, bis sie sich in der Gestalt des Führers erfüllt habe. In den Spielen, so riet der Stellvertretende Gauleiter aus, wollen wir das Leben Huttens als das eines Kämpfers vor uns sehen und uns aus seinen Worten Kraft holen. Wir erkennen in diesen Worten die Richtigkeit des Weges, den unsere Generation geht. Bei der Eröffnung der Festspiele wollen wir daran denken, daß durch die Tat des Mannes, den wir unseren Führer nennen, das Gebet der besten Deutschen zweier Jahrtausende erfüllt wurde. Lebhafter Beifall dankte dem Stellvertretenden Gauleiter für seine Ausführungen. Ein Sieg-Heil auf den Führer und die Lieder der Deutschen schlossen die Eröffnungsfeier. Die erste Aufführung des Huttenfestspieles von Erich Bauer (Schlüchtern), die von den Darstellern des, Stadltheaters Gießen und von Wolfgang Heßler vom Theater der Deutschen Ostmark in Regensburg als Hutten gestaltet wurde, untermalt von der vpn K n a b geschriebenen Musik, hinterließ durch ihren weltanschaulichen Gehalt und die ausgezeichnete Wiedergabe einen starken Eindruck. Verkehrsunfälle fordern zwei Menschenleben. Im Landkreis Fulda ereigneten sich zwei M o - torradunfälle, die zwei Menschenleben forderten. In einer Eisenbahnunterführung in der Nähe des Dorfes Bronzell geriet ein Motorrad ins Schleudern, wobei eine mitfahrende Frau so schwer verletzt wurde, daß sie bald nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus st a r b. Der Fahrer trug Schädel- oerletzungen davon. — Im Dorfe Steinau stießen ein Motorradfahrer und ein Radfahrer so heftig zusammen, daß der Radfahrer, ein 17jähriger Lehrling, schwer verletzt wurde. Er starb kurz nach dem Unfall. Auch der Motorradfahrer erlitt gefährliche Verletzungen. \ Schweres Vrandunglück in einer Dachpappenfabrlk. In der Dachpappenfabrik von Rathey in Altona ereignete sich ein schweres Brandunglück, das vier Feuerwehrleuten das Leben kostete. In einer Teerdestillation war eine Rohrleitung undicht. geworden, und der hoch erhitzte Teer ergoß sich über den Fabrikhof. Als ein Trupp der Feuerwehr die Rohrleitung abzudichten versuchte, kam es zu einer schweren Explosion, durch die das Fabrikgebäude in Brand gesetzt wurde. Die Flammen griffen so rasch um sich, daß es drei Feuerwehrleuten nicht mehr gelang, sich aus dem brennenden Gebäude zu retten. Sie wurden später völlig verkohlt aus den Trümmern geborgen. Ein weiterer Beamter mußte mit schweren Brandverletzungen ins Krankenhaus gebracht werden, wo er starb, während ein Brandmeister leichtere Verbrennungen erlitt. Das Feuer, das unter den großen Dachpappen- und Teervorräten reiche Nahrung fand, konnte nur mit großer Mühe gelöscht werden. Schnelle Sühne. In Weimar ist der Emil Bargatzky h i n g e r i ch - tet worden, der vom Sondergericht wegen Mordes und wegen Verbrechens gegen das Gesetz zur Gewährleistung des Rechtsfriedens zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt worden ist. Bargatzky, ein schwer vorbestrafter Berufsverbrecher, hat am 13. Mai d. I. mit dem noch flüchtigen Peter Forster in Buchenwald bei Weimar einen Wachposten, den ^-Rottenführer Kall weit, überfallen und meuchlings erschlagen. Mit der Hinrichtung von B hat ein schweres Perbrechen, das allgemein größte Empörung heroorgerufen hat, binnen kürzester Zeit seine Sühne gefunden. Postdiebstahl aufgeklärt. — 40 000 Reichsmark im Steinbruch aufgefunden. Der Diebstahl eines Postbeutels mit 40 000 RM. Inhalt auf dem Bahnhof Zuffenhausen am 31. Mai hat nun seine Aufklärung gefunden. Gleich nach der Tat wurde der Postangestellte, der den Beutel am Bahnpostwagen in Empfang genommen hatte, Paul Schrauder, unter dringendem Tatverdacht in Haft genommen. Bald ergab sich auch der Verdacht der Mittäterschaft gegen dessen Bruder Wilhelm, der in der Nacht nach der Tat festgenommen wurde. Beide sind nun geständig. Wilhelm Schrauder hatte das Geld in einen Rucksack versteckt und diesen in einem verlassenen Steinbruch vergraben, wo er jetzt gefunden wurde. Drei Opfer eines Familiendramas. Ein schreckliches Familiendrama ereignete sich am Pfingstmontag in dem bei Owingen am Bodensee gelegenen Hohreuther Hof. Der Besitzer des Hofes, der Landwirt und Geologe Dr. Erich F o k e r t, wurde mit feinem anderthalb Jahre alten Kind erschossen aufgefunden, während ein dreieinhalb Jahre,altes zweites Kind, das ebenfalls schwere Schußverletzungen hatte, noch schwache Lebenszeichen von sich gab; man glaubt nicht, daß es mit dem Leben davonkommt. Was den Mann zu dieser furchtbaren Tat getrieben hat, ist noch nicht geklärt. Lchreckenslalen eines Amokläufers. In dem südunHarischen Ort Foktö bei Kalocsa richtete ein 25jähnger Bauernbursche ein Blutbad an. Zunächst erschoß er den Gendarmen, der ihn wegen Diebstahls zur Wache führen sollte, mit seinem Revolver. Hierauf nahm er das Dienstgewehr des Erschossenen, ging damit zum Gemeinderichter und schoß diesen gleichfalls nieder. Mit dem Amtsrock des Gemeinderichters und dessen Kopfbedeckung verkleidet ging er mit dem Gewehr durch das Dorf, suchte sämtliche Familien auf, von denen er glaubte, daß sie ihn wegen Diebstahls angezeigt hätten, und schoß in jeder Wohnung eine Person nieder, insgesamt drei Männer und eine Frau. Dann flüchtete er aus dem Dorfe. Die Gendarmerie des ganzen Bezirks ist aufgeboten worden, um den Amokläufer zu ergreifen. Kleinbahnunglück bei Aachen. Ein Kleinbahnunglück trug sich am Eingang der Ortschaft Haaren bei Aachen au. Bei einem Kleinbahnzug, der in Richtung Aachen fuhr, versagte die Bremse, so daß der Zug den Kaninsberg hinunterraste und in einer Weiche aus den Schienen sprang. L)er Zug prallte gegen einen Eisenmast, der das Dach des Triebwagens zertrümmerte. Zahlreiche Reisende wurden verletzt. Soweit bis jetzt fest- steht, sind sechs Personen schwer verletzt worden. Mißlungener Anschlag auf den Schnellzug Paris—venlimlglia. Der Schnellzug Paris—Ventimiglia ist in der Nacht zum Sonntag in der Nähe von Toulon entgleist. Die Lokomotive sprang aus den Schienen, der Zug konnte aber rechtzeitig zum Stehen gebracht werden. Reisende wurden nicht verletzt. Die Untersuchung hat ergeben, daß es sich um einen Sabotageakt handelt. Die Weiche, in der die Lokomotive entgleiste, war durch Eisenstangen, einen Hammer und zahlreiche Steine blockiert. Drei Hirten im Schneesturm erfroren. Von Vulchovce in den Karpathen trieben einige Hirten ihre Viehherden auf eine Sommerweide, die etwa 1600 Meter über dem Meeresspiegel lag. Unterwegs wurden sie von einem schweren Schnee- sturm überrascht. Drei Hirten gelang es nicht mehr, einen Unterschlupf vor dem Unwetter zu finden. Sie würden erfroren aufgefunden. Zwanzig Hochzeitsgäste auf den Philippinen durch Blitzschlag getötet. In Malamec in der Provinz La Union (Philippinen) schlug der Blitz in ein Haus, in dem e ne Hochzeit gefeiert wurde, lieber 20 Hochzeitsgäste wurden g e t ö t e t und zahlreiche andere verletzt. Wetterbericht Hinter der Gewttterfront, die unser Gebiet hauptsächlich im späten Verlauf des Sonntags bzw. in der Nacht zum Montag passierte, stellte sich sehr schnell im Bereich der eingedrungenen kälteren Lust der Schönwettercharakter wieder her. Er wird auch für die Folge vorherrschend sein und nur vorübergehend durch gewittrige Erscheinungen gestört sein. Aussichten für Mittwoch: Meist heiter und tagsüber recht marin, Neigung zu gewittrigen Störungen, Winde aus Süd bis West. Aussichten für Donnerstag: Freundliches und warmes Wetter. Lufttemperaturen am 6. Juni: mittags 21,0 Grad Celsius, abends 14,0 Grad; am 7. Juni: morgens 12,2 Grad. Maximum 22,4 Grad, Minimum 6,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Juni: abends 21,1 Grad; am 7. Juni: morgens 14,7 Grad. — Sonnenscheindauer 3,3 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschristleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. 'Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. 21..V. 38:' 9163. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr.' Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. geradezu idealen Schutz bietet! | 1Q38 12 STÜCK 50» OVERSTOLZ Z/ier 3ahre hindurch hat sich nun die sinnreiche Abdichtung der Metallschachteln auf das beste bewährt. Die Aussenluft kann nicht mehr in die OVERSTOLZ-Packung hinein und» das Aroma nicht mehr heraus. So geniesst heute der Taucher eigentlich erst richtig die Sonne auf Mazedonien, die jahraus, jahrein den köstlichsten Tabak der Erde,denTabak der OVERSTOLZ,reifen lässt 1934 e_A)e\ allenVorzügen hat der Mazedonen -Tabak leidereinen Fehler :Er verliert sein flüchtiges Aroma, sobald die Zigarette trocken wird. Seit jeher hat deshalb Haus Neuerburg seine Sorge darauf gerichtet,der OVERSTOLZ alle schädlichen Witterungseinflüsse femzuhal- ten. Aber erst 1934 gelang es nach jahrelangen Versuchen, eine neue und einfache Art der Frischhaltung zu finden: Die Tropen-Packung, die seitdem der OVERSTOLZ einen l * Am 3. 3uni entschlief nach kurzem Leiden meine liebe Mutter Frau Minna Cloos Wwe. Pokalsieger, gegen geb. Uhl Lerlln-Oahlem im Alter von 78 Jahren. 1938 Heinrich Cloos 391QD Gießen (Kaiserallee 81), den 7.3uni 1938. 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Neinhold: „Die Forst- und Holzwirischast im Großdeutschen Reich". 3914D Der aufgestellte neue Fluchtlinienplan wird in der Zeit vom 8. bis zum 20. Juni 1938 auf dem Stadt. Hoch- und Tiefbauamt, Asterweg 9, während der üblichen Dienststunden zur Einsicht offengelegt. Einwendungen sind während der Offenlegungsfrist bei dem Städt. Hoch- und Tiefbauamt schriftlich oder zu Protokoll vorzubringen. Kirchenvlatz23v Färb.Wallenfels " Wieseck, den 7. Juni 1938. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 8. Juni, nachmittags 2% Uhr vom Sterbehause, Rabenauer Strabe 18, aus statt. Baue gut.... mit Abermann Erwin Geißner Olga Geißner, geb. Kretzschmar Ihre am 2. Iuni d. I. stattgefundene Vermählung beehren sich anzuzeigen Oberleutnant zur See Alexander-Joachim Opalka und Frau Liselotte, geb. Mickel Und das Vogelfutter für Ihren „Liebling“ aus dem Gießener Zoo. Seltersweg 6, Tel.3292 einzig in ihren Leistungen finden Sie in der TORPEDO 6 Schreibmaschine Mädel en decken ihre Waldheimal. 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Becker nach langem schweren Leiden im Alter von 74 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Philipp Launspach, Schmiedemstr. Familie Karl Gerhard Reiskirchen, den 5. Juni 1P38. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 8. Juni, nachmittags um 2 Uhr statt. Gestern morgen 3 Uhr verschied nach langer schwerer Krankheit unsere liebe Schwester, Schwägerin, Gote und Tante Fräulein Elise Weller im 62. Lebensjahre. Heuchelheim, 7. Juni. In der Nacht zum zweiten Feiertag ereignete sich hier in einer Familie ein aufregender Vorfall, bei dem zum Glück noch im letzten Augenblick ein schlimmer Ausgang verhütet werden konnte. Die in der Mitte der 30er Jahre stehende Ehefrau war — vermutlich in einem plötzlichen Anfall von geistiger Umnachtung infolge Nervenzerrüttung — leise aufgestanden und versuchte, sich und ihren beiden vier und sechs Jahre alten Kindern mit einer Rasierklinge die Mittwoch, den 8. Juni 1938, mittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, 'Neuenweg (bei Hartmetz) bezw. an Ort und Stelle - Bekanntgabe imVersteigerungslokal-zwangsweise gegen bar: 3919^ Haus-, Laden-, Büromöbel, Näh- und Schreibmaschinen, Radios, Kassenschränke, Klaviere, Staubsauger, einen Posten Mäntel und Kleider, Micher, Schreibutensilien, Ausvutzmaschine, Bürsten, Pinsel, Körbe, Bettfedern, Gasherde, ordel, Füllfederhalter. Bestimmt: Möbel a.Art-lgold.Uhr. Bittorf, Gerichtsvollzieher. Sportplatz 1900 Donnerstag, 9. Juni, 19 Uhr Fufcball-Freundschaftsspiel Vienna Wien mehrfacher österr. Meister und ®19DD Sonderfahrt zum Sviel in Oberursel Sonntag, 12. Jnni Abfahrt 1230 Uhr,Bahnhof. Fahrpreis 2 RM. l3916D Anmeldung bis Donnerstag 6 Uhr bei Kemer & Co. Die Quelle neuen Lebern. Der Gehalt an Lecithin u.Eiser> macht’s! Gr. Fl. RM 2.75 Kurfl. RM 4.9Ä Engel-Apotheke, Gießen. äowV Kohlen Koks mmD Briketts Eiform Happel&Co. Kl.Mühlgasse 4u.6 Put 3925 Die Ratsherren der Stadt Gießen haben in der Sitzung am 10.12.1937 yon dem Beschluß des Herrn Oberbürgermeisters, die seitherige Straßenfluchllinien der Gartenstraße, am Ludwigsplatz, Kaiserallee, beginnend am Haus Gartenstraße 1, aufzuheben und neu festzusetzen, Kenntnis genommen. Tür Küche und Haus sofort gesucht. schreiben in Büdingen werden aus- gegeben. - Auskunft und Anmeldung _ Deutschen Stenograf en tag in Hamburg beim Ortsvereinsführer Werner. Aulweg 36. ^v ZnWWerskelmnng. Dienstag, d. 7. Jnni, nachm.SUhr, sollen im Versteigerungslokal, Neuenweg 28, bzw. an Ort und Stelle (Bekanntg. im obiy.Lokal) zwangsweise geg. sofortige Barzahlung versteigert werden: Haus-, Laden- u. Büromöbel aller Art, 2 Eisschränke, 1 VervielM- ligungsaparat, 2 Schreibmaschinen, 2 Registrierkassen,! Grammophon, 20 Paar Damenstiefel, ein Spiegel, 3 Gewehre, 1 Schaubek- 2(16um mit Briefmarken, 1 Fahrrad, 1 Klavier, Anzugsstoff. 3920° Bestimmt werden versteigert: 3 Damenmäntel, 1 Klavier. Rpi flPmann Gerichtsvollz. i. Gießen OUdl UldllU, Wiesenstr 2. Tel. 3108. Blut, Kraft Starke Nerven, frisches Aussehen, gesunden Appetit erreichen alt und jung durch lebens - EliKir - nanermann Aus her engeren Heimat. SOZahreGesangverein „Jugendfreund" Watzenborn-Steinberg. öp Watzenborn - Steinberg, 7. Juni. Am Samstag und an den beiden Pfingsttagen feierte b$r hiesige Männergesangoerein „J u - gendfreund" seinen 5 0. Geburtstag. Nachdem am Samstag eine Gefallenen-Ehrung am Kriegerdenkmal stattgefunden hatte, bei der Dereinsführer Karl Häuser VIII. einen Kranz niederlegte, wurden anschließend die hiesigen vier Brudervereine an ihren Vereinslokalen zum Festkommers abgeholt. Ferner hatte sich der Gesang- 'verein „Frohsinn" Steinheim, dessen Dirigent Lehrer Karl Sommer ein Sohn unserer Gemeinde ist, bereits am Samstag eingefunden. Am Samstagabend fand der Kommers statt, der den Auftakt zum Jubiläum gab. In der Volkshalle fand ein Jubiläums-Chor- und Orchesterkonzert unter Leitung des Chorleiters Albert Schleuse (Steinbach) statt. Vor einer großen Zuhörerschaft, die die geräumige Dolkshalle füllte, brachte der Chor im ersten Teil mit seinem vortrefflichen Stimmaterial Chöre von Lißmann, Hegar, Arnold und Strauß zu Gehör, die starken Beifall fanden. Im Mittelpunkt des Abends stand die Aufführung des Straußwalzers „Wein, Weib und Gesang" mit Chor und OrchesterbegTeitung. Die gesamte Kreiskapelle Wetterau unter Leitung von Kapellmeister Schleuse bereicherte den Abend durch ausgezeichnete instrumentale ^Darbietungen und half erfolgreich mit, den Jubiläums-Kommers des „Ju- z gendfrer.äd" zu einem schönen und denkwürdigen Erlebnis zu gestalten. Gesellfchast von Freunden und Förderern der Universität Gießen (Gießener Hochschulgesellschast) Samstag, 11. Funi 1938, nachmittags 5.30 llhr pünktlich im großen Hörsaal der llniverfltät Festsitzung 1. Orchestervortrag des Collegium musicum der llnlversität unter Leitung des Herrn Professor Dr. Temesvary: Geminiani, Concerto grosso in O-dur, 1. Satz (Solo- Puls- bzw. Schlagadern zu durchschneiden. Der Ehemann wurde durch das Geschrei der Kinder geweckt und sprang sogleich dazwischen. Es gelang chm, die Frau an ihrem Vorhaben zu verhindern. Mutter und Kinder mußten der Chirurgischen Klinik in Gießen zugesührt werden, wo sie mit Schnittwunden am Hals und an den Armen darniederliegen. Zum Glück besteht bei allen Verletzten keine Lebensgefahr. Leichenfund in einem Teich. * Kirtorf (Kreis Alsfeld), 7. Juni. Am gestrigen Pfingstmontagnachmittag fanden mehrere Arbeiter der Reichsautobahn, die in dem Reichsautobahnarbeiterlager bei Romrod wohnen, in einem Teich bei Heimertshausen einen ihrer Arbeitskameraden als Leiche auf. Es handelt sich um den 52 Jahre alten Arbeiter Ludwig Arnheiter aus Frankfurt a. M. Der Mann war an dem Bau der Reichsautobahn in der Nähe von Romrod beschäftigt. Dort hatte er sich am 15. Mai, einem Sonntag, in Werktagskleidern entfernt, und seitdem war er vermißt. Durch den Zufall, daß einige seiner Arbeitskameraüen am gestrigen Nachmittag zum Baden den Teich bei Heimertshausen aufsuchten, fand man nun die Leiche des vermißten Mannes. Die Todesursache ist noch unbekannt. Die polizeilichen Ermittlungen sind km Gange. Kreis Büdingen. LPD. Büdingen, 6. Juni. Im Verlauf eines Streites warf hier ein Vater seinem Sohne eine Kaffeetasse an den Kopf. Der Wurf war so verhängnisvoll, daß der Sohn mit einer lebensgefährlichen SchlagaderVerletzung am Kopfe in das Krankenhaus gebracht werden mußte. Der Vater wurde in Haft genommen. • Otngtiiü zu verkauf, oaess Marburger Str. 83 Gebraucht., sehr gut erhaltener * Kinderwagen zu verkaufen. Wolfstrasie 26 Kleine Anzeigen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Damm: Kleinanzeigen in die Hei- matzeitung, den BleßenerAnzeiger | Kaufgesuche"| Gebrauchte Memme zu kauf, gesucht. Schr.Angeb.unt. 02688a. d. G. A. gerbundes erhielten Jakob Sommer IV. und Georg Neurath. Für seine 40jährige Sanger- tätigkeit wurde Karl B r ü ck e l mit der Ehrennadel bedacht. Der Dereinsführer des Gesangvereins „Frohsinn" Steinheim übermittelte die Glückwünsche seines Vereins uni) überreichte einen Fahnennagel. Ortsgruppenleiter Jung beglückwünschte den Verein im Namen der Partei und der Gemeinde und wünschte guten Verlauf des Jubiläumssestes. Der zweite Teil des Abends wurde von den Brudervereinen und dem „Frohsinn" Steinheim mit dem Vortrag von Chören ausgestattet. Am Sonntagmittag bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Straßen zum Festplatz. Hier leitete der Jubiläumsverein das Fest mit einem Begrüßungschor ein, dem ein Festprolog von Frl. Anna Schmitt folgte. Nach einigen Worten des Gaubeauftragten Born ttugen alle Gastvereine einige Chöre und Lieder vor und halfen mit, das Fest zu verschönern. Der zweite Pfingsttag wurde mit einem Früh- kvnzert der Kreiskapelle eröffnet. Dann wurde der ganze Tag mit Tanz und fröhlicher Unterhaltung ausgefüllt. 3m letzten Augenblick Schlimmstes verhütet Gießen, Klinikstraße 28 Iuni Dereinsführer Karl Häuser VIII. eröffnete den Abend mit einer Begrüßungsansprache, in der er u. a. den Vertreter vom Gau 12 im Deutschen Sängerbund Kreisschulrat Born (Darmstadt), den Provinzführer Wendler (Bad-Nauheim) und den Sängerkreisführer Müller von Gießen willkommen hieß. In kurzen Zügen gab er einen Rückblick auf den Werdegang des Gesangvereins „Jugendfreund" und gedachte der 24 jungen Burschen, die am 1. August 1888 den Grundstein legten zu dem heutigen Verein. Ferner gedachte er der 16 Gefallenen des Weltkrieges aus den Reihen des Vereins. Während die Kapelle das Lied vom guten Kameraden spielte, ehrte die Zuhörerschaft in würdiger Weise diese Kameraden. Don den 24 Gründern erfreuen sich heute noch zehn bester Gesundheit; sie wurden vom Verein in würdiger Weise geehrt. Der Vereinsführer überreichte den noch lebenden Gründern Jakob Harnisch, Balthasar B r ü ck e l, Johannes Schnei d- m ü l l e r, Georg S ch m a n d t VI., Jakob Häuser X., Jakob Karl Schmandt, Balthasar Maid, Georg Häuser IV., Jakob Som- mer IV. und Georg Neurath je eine Ehrenurkunde und außerdem einen Sessel. Weiter ehrte er den Sänger Karl Brücke! für seine 40jährige aktive Sängertätigkeit und überreichte ihm dasselbe Geschenk. Im Auftrage der Brudervereine „Harmonie", „Sängerkranz", „Germania" und „Eintracht" überbrachte Vereinsführer Karl Häuser IX. von letzterem Verein die herzlichsten Glückwünsche zum Jubiläum und eine künstlerisch ausgestattete Fahnenschleife. Kreisschulrat Born übermittelte dem Verein die besten Wünsche für ferneres Blühen und Gedeihen und übergab dem Vereinsführer je ein Gedenkblatt vom Deutschen Sängerbund und vom Gau 12. Den Ehrenbrief des Deutschen SänDer Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm. iiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Einmaliges Offra ClfxVvwiVw mit berliner Gastspiel v-rlLO vvDlUlr Ensemble in Nur die beste Drucksache neben der Zeitungsanzeige kann Ihre Werbung wirksam unterstützen Geringwertige Drucksachen schaden mehr als sie nutzen. Deshalb sparen Sie bei Herausgabe der besten Drucksache i sie 3. Orchestervortrag: Telemann, 2 Satze aus dem Flöten- konzeri in a-moll (Goloflöte Herr Peter petermann). Eintritt frei! ______________________Gäste willkommen! Wir laden unsere Mitglieder, Kursusteilnehmer, sowie deren Angehörige, Freunde und Bekannte zu einem Tanz and DnterPaltunas-Abend mit Ueberraschungen am Samstag, dem 11. Juel 1938, abends 20.30 Uhr, anl der Karlsruhe ein. - Die Urkunden vom Kreisverbandswett- I Mündlich können |'Stee§nur wenigen lagen, schriftlich mehreren, durch eine Kleinanzeige sagen Sie es aUan I Vermietungen | Sofort zu vermieten 3 Zimm j. Wie (Dttrnsarde) Zentralheizung. Röntgenstraße 6 [ Mietgesuche"| ' Doppelzimmer ab 18. Juni bis ’ 18. Juu Nähe der Blockstraße 1 gesucht. Schristl. 1 Angeb.mit Preis 1 u.02680a.d.G.A. (Stellenangebote Keine Zeugnisse in Urschrift oavern nur Zeugat»- abichriften vew Be- werbungSichreiben bei« legen — Lichtbilder unoBewerdunqsunter. 'tflen müfjen ,ur Btt» meibung von Verlusten auf der Rückleite Romen un6 ütnfchrttt des Bewerbers SaarnI Suche f. Anfang Juli älteren, erfahr., tüchtigen Metzgepgesellen perfekt i. 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Kürzlich erkrankte das ein Jahr alte Baby, und den Eltern wurde gesagt, daß die einzige Hoffnung, daß das Kind, das an Eiterbildung in den Lungen litt, gerettet werden könnte, die sofortige Ueberführung im Flugzeug in ein Krankenhaus von Leopoldsville sein würde. Man dachte daran, einen Missionar, Pater Bradfer, der ein Flugzeug für seine Reisen im Lande benutzt, zur Hilfe herbeizuholen, aber in der ganzen Gegend um Kankinge gab es keinen genügenden Landungsplatz. Sofort wurden die erwachsenen Eingeborenen aus zwölf Dörfern der Umgegend auf- geboten, und während die meisten damit beschäftigt wurden, ein freies Gelände im Busch herzustellen, wurden einige der Jüngeren als Läufer nach allen Richtungen entsandt, um den Missionar zu suchen und nach Kankinge zu bringen. Die ganze Nacht hindurch liefen sie mit Aufbietung aller Kraft, und am nächsten Morgen wurde der Missionar in Nkolo aufgefunden, wo er gerade einen Schuppen ,für seine Flugmaschine Laute. Die Nachricht brachte ihm ein anderer Pater, der 80 Kilometer von ihm entfernt lebte und von einem der schwarzen Läufer die Nachricht von der Lebensgefahr des Babys erfahren hatte, worauf er in schnellster Fahrt im Kraftwagen den Pater Bradfer aufsuchte. Dieser flog sofort über die Bango-Berge nach Luozi und weiter nach Bandakani, wo er einen Flugplatz selbst angelegt hatte. Hier traf er einen anderen der schwarzen Läufer und nahm ihn als Führer in sein Flugzeug; so gelang es ihm schließlich, nach Kankinge zu kommen. Dort hatten die Eingeborenen rastlos gearbeitet, um eine Landungsfläche herzustellen. Aus der Luft aber sah der Ort noch sehr klein aus, und der Missionar setzte zweimal mit seiner Maschine auf, ging aber sofort wieder hoch, weil er einen Zusammenstoß fürchtete. Bei diesen Versuchen bemerkte er, daß der Boden teilweise wellig war, und so entschloß er sich zur Landung, bei der die Bodenwellen als Bremse dienen sollten. Er hatte Glück, die Landung vollzog sich glatt, aber das Flugzeug kam gerade einen Meter von den Urwaldriesen entfernt zum Stehen, an denen es in Gefahr war zu zerschellen. Mit dem Vater, der Mutter und dem Baby kam der Missionar wieder glücklich vom Boden ab und erreichte das Hospital in Leopoldsville, wo das Killd sofort in Behandlung genommen wurde. Dom Tanz der Germanen. Aus der Eigenart des nordischen Menschen, die dem Tänzerischen nicht zuneigen soll, und aus dem angeblichen Mangel an Tanznachrichten aus alter Zeit hat man gefolgert, daß es bei den Germanen keine Tänze gegeben habe, und man hat behauptet, daß diese erst in ausgedehnterem Maße zu tanzen begonnen hätten, seitdem sie beim römischen Mimus in die Schule gegangen seien. Dabei fehlt es jedoch keineswegs an Tanzzeugnissen aus alter Zeit, wie Richard Wolfram in einem Aufsatz der Monatshefte „Germanien" nachweist. Wolfram stellt eine Fülle von schriftlichen Zeugnissen über den Tanz der Germanen zusammen, er zeigt, wie die Sprachwissenschaft an vielen Fällen eine Ergänzung liefert, und er weist darauf hin, daß wir noch heute Tänze antreffen, die deutlich in der germanischen Zeit wurzeln und daher Rückschlüsse auf diese gestatten. Von besonderer Bedeutung ist, daß es unter den Felszeichnungen der Bronzezeit in Schweden und Norwegen eine Fülle von Tanz- bildern gibt, die als religiöse Urkunden anzusehen Zwei und ein Viertel. (Line pfingstgeschichie von Peter Mattheus. Es war ein Fehler der Vorsehung, Pitt mit so kurzen Beinen auszustatten. Denn Pitt machte alle Wege, die Fräulein Hella ging, mindestens dreimal — ein Stück voraus, zurück, und wieder ein Stück voraus. Er war ein Sealyham-Terrier mit dem üblichen, viel zu großen Kopf, dem walzenförmigen Leib, dem Stummelschwanz und den, wie gesagt, lächerlich kurzen Beinen. Seine Farbe war, wenn man ihn frisch gebadet hatte, weiß. Zweierlei im Leben schätzte Fräulein Hella ganz besonders: Herrn Hans Jürgen Krogh, den sie vor Jahresfrist bei einem Tennisturnier kennengelernt hatte, und dem sie ihre Wertschätzung verbarg, und Pitt, den sie ungleich länger kannte und dem sie ihre Wertschätzung keineswegs verbarg. Sie hielt sehr viel von ihrem Hund und rühmte oft seine KUlgheit. Sie pflegte zu sagen, er sei ein Viertelmensch. Zur Zeit war besagter Diertelmensch vollkommen verschwunden. Fräulein Hella hatte am Waldrand nahe der Chaussee im Gras gesessen und sich den Pfingst- betrieb angeschaut. Motorräder waren vorübergebraust mit vermummten jungen Männern am Steuer urib weniger vermummten jungen Damen auf dem Soziussitz, Autos mit zwei oder vier vergnügten Insassen und gelegentlich ein Lastwagen mit einer ganzen Ausflugsgesellschaft. Nur sie war allein. Schließlich hatte sie den Anblick nicht mehr ertragen, war aufgesprungen und in den Wald gegangen. Und dann war ihr plötzlich zum Bewußtsein gekommen, daß sie tatsächlich allein war. „Pitt!" rief sie. „Pitt! Wo steckst du?" Nichts. Sie pfiff. Erst mit gespitzten Lippen — sanft und lockend. Sie gehörte au den vom Schicksal begünstigten Mädchen, die pfeifen können. Dann steckte sie zwei Finger in den Mund und pfiff schrill und durchdringend wie eine Lokomotive. Dies war — was Pitt betraf — das große Alarmsignal. Nichts rührte sich. Besorgt eilte sie tiefer in den Wald hinein. Ein gewundener schmaler Pfad führte zu einer buschumstandenen Lichtung. Endlich schlugen vertraute Töne an ihr Ohr: Schnaufen, Niesen und tiefe Kehllaute. „Pitt!" rief sie abermals. „Wirst du wohl kommen!" Diesmal kam er. Er brach durch die Büsche, Allerlei. । sind. An erster Stelle sind die Bilder des berühmten Kivik-Grabes in Schonen zu nennen, die aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Totenkult in Zusammenhang stehen. Es sind -viele springende Gestalten dargestellt, Reihen von Männern, die einander an der Hand halten und wohl einen Kettentanz ausführen. Das schönste dieser Tanzbilder aus Lycke bei Tanum in Bohuslän in Schweden zeigt tanzende Männer auf einem Schiffsschlitten oder Wagen. Die Bewegung der fünf Männer ist mit großem Schwung gezeichnet. Sie tragen Gegenstände in den Händen, von denen nicht mit Sicherheit zu sagen ist, ob sie Keulen, Hörner oder Lanzen darstellen. Neben diesen bekannten Bildern hat Wolfram bei erneuter Durchsicht der skandinavischen Archive weitere Belege gefunden. In Aseliden, "Sundby (Bohuslän), entdeckte man auf einer Felszeichnung mehrere tanzende Männer in eigenartig stilisierter Haltung. Einer der Tänzer hält einen kleinen runden Gegenstand in der Hand, der vielleicht als Trommel gedeutet werden könnte. Ferner ist auf einer Schiffszeichnung aus Trättlanda bei Tanum, Bohuslän, eine Gruppe tanzender Männer dargestellt, wie sie ähnlich auch auf anderen Bildern vorkommt; dabei sind die Ausmaße in der Felsenhämmerung ganz beträchtlich. Auch für die nachchristliche Zeit sind Tanzbilder nachzuweisen, so auf einer Bronzeplatte aus Torslunda (Oeland) oder auf den Goldhörnern von Gallehus, Jütland. Auf dem untersten Ring des Goldhornes ist ein Tänzer dargestellt, der den rechten Fuß stark nach rückwärts biegt und mit der Hand wie bei einem Schuhplattler gegen ihn zu schlagen scheint. Neben ihm steht ein zweiter Tänzer, der in jeder Hand ein Kurzschwert hält, als ob er sie nach Art des heute noch in Jütland üblichen „Kaeppedans" hinter seinem Rücken zusammenschlagen wollte. Oer Regimentsdär. Seit zehn Jahren gehört der Bär Bolioano als anerkanntes und sehr beliebtes Mitglied zu einem Bataillon der französischen Alpenjäger, die in Antibes stehen, und er ist geradezu eine Berühmtheit der Gegend geworden, von deren Streichen immer wieder erzählt wird. Das erste, was man von ihm erwähnt, ist, daß er mit Leidenschaft Tabak frißt. Wenn ihm ein Neuling ein Paket mit der kostbaren Gabe überreichen will, so wird er gleich von allen Seiten belehrt, daß er es nicht aufzumachen braucht, da Bolioano nur daran zu schnüffeln braucht, um zu wissen, was darin ist. Seine zweite besondere Vorliebe ist das ohrenzerreißende Geschmetter von Trompeten, an deren Schallöffnung er gar nicht genug herankommen kann. Bolioano war zu dem Regiment in früherem Alter als sonst die Rekruten, mit drei Monaten, gekommen, die Soldaten hatten ihn in einem Dik- kicht in den Seealpen während des Sommermanövers entdeckt und trotz seines Sträubens mitgenommen. Ihr erster Gedanke war, ihn heranzufüttern und dann zu einem Festschmaus zu verwenden, aber dann zeigte er sich als ein so drolliger kleiner Kerl, daß die Soldaten nicht mehr daran dachten, ihn zu schlachten. Heute sieht man ihn auf dem geräumigen Exerzierplatz herumwandern, und wenn ein Händler zur Kaserne kommt, um Nahrungsmittel zu bringen, ist er sofort zur Stelle und zeigt das lebhafteste Interesse für den Inhalt der Körbe. Besucher, die von seinem Dasein nichts wußteck, haben sich oft schon erleichtert den Schweiß von der Stirne gewischt, wenn der hellte recht stattliche Bär, ein 150 Kilogramm wiegendes Tier, endlich davon abließ, sich dicht an ihre Fersen zu heften und sie genau zu inspizieren, um festzustellen, ob er sie zulassen ober verjagen sollte. Einmal wurde Bolioano von Rekruten, die empört waren, daß er ihnen ihre Nahrungsmittel weggefressen hatte, mit Riemen geschlagen, aber das geschah nur einmal, denn sie erhielten dafür von den alten Soldaten ihrerseits eine gehörige Tracht Prügel. Wenn es sprang mit heraushängender Zunge auf sie zu und kläffte ausgelassen. Seine Nase war über und über mit Sand beschmiert, und oberhalb des einen Auges klebte ein schwärzlicher Klumpen Erde. „Himmel — wie siehst du aus?" sagte sie und rang die Hände. „Ich fürchte", klang eine demutvolle Stimme von den Büschen her, „es ist meine Schuld. Wir haben nämlich zusammen versucht, einen Maulwurf auszugraben." Rasch wandte sie sich um. Ihr Blick wurde eisig. Zwischen den Zweigen schaute, rot und verlegen, das Gesicht eines jungen Mannes hervor. Mit blauen Augen unter so hellen Brauen, baß sie wie weiße Striche wirkten. „Ah —!" stieß sie hervor unb nickte. „Das hätte ich mir denken können. Herr Krogh!" Sie kehrte dem Gesicht brüsk den Rücken, setzte sich ziemlich überraschend auf den Waldboden und begann, ziellos Maiglöckchenstiele zu rupfen. Der junge Mann — ein sehr langer unb sehr blonder junger Mann — wand sich aus den Büschen heraus und kam zögernd näher. „Da bin ich!" sagte er überflüssigerweise. „Es ist kaum zu übersehen", bemerkte Fräulein Hella spitz. „Darf ich fragen, wie Sie hierher kommen?" He^r Hans Jürgen Krogh sah eine Weile mit schiefgeneigtem Kopf zu ihr hinab unb zerrte so heftig an seinen Fingern, daß die Gelenke knackten. Dann stieß er einen Seufzer aus und ließ sich mit jähem Entschluß neben sie ins Gras sinken. „Die Wahrheit ist", sagte er kleinlaut, „daß ich Ihnen nachgegangen bin. Ich bin im gleichen Zug gefahren wie Sie — nur in einem anderen Abteil. Und als Sie vorn an der Chaussee saßen, bin ich ein Stückchen oor^elaufen. Pitt hat mich bann entdeckt. Wir sind ja sehr befreundet miteinander, nicht?" Pitt, der sich gerade in einer Sandkule wälzte, fuhr beim Klang seines Namens auf die Beine unb blinzelte freundlich herüber. Fräulein Hella jedoch sah starr auf die Maiglöckchen in ihrem Schoß unb fing an, sie zu einem Kranz zusammenzufügen. „Mich rounbert bas alles", erklärt sie. „Ich dachte, nach bem gestrigen Telephongespräch hätten 'mir uns nichts mehr zu sagen." „Doch!" sagte Jürgen eifrig. „Doch! Eine Menge. Es tut mir schrecklich leib, wenn ich unhöflich war. Das Ganze war ein bebauerlicher Irrtum. Ich habe inzwischen — hm — festgestellt, daß der Herr wirklich Ihr Onkel ist." „Wie? —" Sie starrte ihn fassungslos an. sonst nichts in der Kantine zu „fassen" gibt, geht Bolioano zum Wasserhahn, richtet sich mit seinem gewaltigen Körper auf unb brückt geschickt den Hahn auf, so baß bas Wasser fließt unb er trinken kann. Dasselbe tut er auch, wenn er Gelüste auf ein Bad hat; bann habet er erst die eine Seite, schließt den Hahn, breht sich um, öffnet den Hahn roieber unb läßt das Wasser über die anbere Seite riefeln. Aus der Stadt Gießen. Schöne Pfingsttage. Die beiben Pfingstfeiertage brachten unserer engeren Heimat rechtes, schönes Pfingstwetter, bas den Hoffnungen und Wünschen in Stadt und Land weitgehend gerecht wurde. Bereits am Samstag setzte der Reise- und Ausflüglerverkehr besonders stark ein. Während der beiden Feiertage war aus der Stadt eine große Wanderung hinaus ins Freie im Gange, wobei auf Schusters Rappen, mifbem Rad, oder mit dem Kraftfahrzeug nach allen Richtungen hin Großverkehr herrschte. Zwar bereitete der plötzliche Wirbelsturm mit kurzem Gewitterregen am Pfingstsonntag gegen Abend manchen Ausflüglern eine wenig erfreuliche Ueberraschung, jedoch war um diese Zeit der größte Teil des Sonntagsausfluges bereits bewältigt, so daß die Wanderfreude oder das Vergnügen an der Pfingstfahrt kaum noch beeinträchtigt werden konnten. Der gestrige zweite Pfingsttag brachte vom Morgen bis zum Abend herrliches Sommerwetter, bas wieder- um in umfangreichem Maße zu Ausflügen aller Art benützt würbe. Den ganzen Tag über herrschte in Feld und Wald, sowie auf allen Straßen unb Wegen reger Verkehr, wodurch die Inhaber der Ausflugsstätten erfreulicherweise zu dem von ihnen erhofften guten Psingstgeschäft tarnen. Die Reichsbahn unb die Kraftomnibusbetriebe waren unter Einsatz aller Verkehrsmittel tätig, um den erheblichen Anforderungen genügen zu können. Erfreulicherweise wickelte sich der gesamte Verkehr in unserer engeren Heimat trotz des Hochbetriebs ohne Unfälle ab, so daß auch die Sanitätsbereitschaft Gießen nach dieser Richtung hin Feiertagsruhe genießen konnte. Den Ausflüglern konnten die beiben Ruhetage bei bem schönen Wetter eine bantbar begrüßte Erholung von der Alltagsarbeit bringen. Dornotizen. Tageskalender für Dienstag. * Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr, „Der Raub der Sabinerinnen" mit Otto Gebühr. — Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Maultorb". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die unruhigen Mädchen". Okto Gebühr im Skadllheater. Heute abend findet ein einmaliges Gastspiel des bekannten Bühnen- und Filmkünstlers Otto Gebühr mit seinem Berliner Ensemble mit Franz unb Paul von Schönthans Schwank „Der Raub der Sabinerinnen" statt; 71GOAP., Ortsgruppe Gießen-Mitte. Am Mittwoch, 8. Juni, pünktlich um 20.30 Uhr finbet im „Burghof" (Burggraben) ein Schulungs- abenb für bie Politischen Leiter, Walter, Warte, Frauenschastsmitglieber, sowie bie Führer ber HI. unb bes BDM. statt. Es spricht Kreisschulungsleiter Pg. Michel. Erscheinen ist Pflicht. Etudentenkamerodschast „Ulrich von Hutten". Die Kamerabschaft Fischer des Nationalsozialistischen Deutschen Studenten-Bundes auf bem Gießener Frankenhause nahm am 4. Juni, bem Stiftungstage ber Frankonia, auf Vorschlag bes Bun- besleiters bes A. H.-Verbanbes ber Burschenschaft Frankonia ben Namen „Ulrich von Hütte n" an, ben Namen bes aus unserem Heimatgau stam- menben (Steckelburg, sein Name im Volkslieb: „Der eble Hut von Franken") aufrechten Vorkämpfers für bie beutsche Reichseinheit. Sperrt die Katzen ein! Lpb. Mitte Juni werben bie Jungen ber bei uns brütenben Singvögel flügge. Sie machen in bissen Tagen ihre ersten felbftänbigen Flugversuche und meist gelingen diese ersten Flüge nicht recht. Mancher junge Vogel erreicht sein Nest nicht wieder; er muß irgendwo in einer Hecke mit neuen Versuchen beginnen. Viele junge Vögel werden in diesen Tagen das Opfer der Katzen, die ihnen mit List und Tücke nachstellen. Sie jagen die halbflüggen Vögel, bis diese ermatten unb sich nicht mehr erheben können. Dann fallen sie der Katze unrettbar zum Opfer. Es muß baher von jebem Katzenhalter verlangt werben, baß er bie wenigen Tage über, an benen bie jungen Singvögel fliegen lernen, bie Katzen, befonbers bei Nacht, einfperrt. Viele taufenb junger Singvögel würben bann am Leben bleiben, benn bie alten Vögel finben ihre verirrten Sprößlinge mit unfehlbarer Sicherheit unb tragen ihnen bie erfor- berliche Nahrung zu. Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 7. Juni. Auf bem heutigen Wochenmarkt kosteten: Feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Köse, das Stück 4 bis 10, Sier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11%, Klasse D 10%, Enteneier 11% bis 12%, Wirsing, % kg 12 bis 14, neue gelbe Rüben, das Dünbel 15 bis 20, Karotten, % kg 10 bis 12, rote Rüben 10, Spinat 8 bis 12, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün, 25 bis 30, Spargel, 1. Sorte 60, 2. Sorte 55, 3. Sorte 50, 4. Sorte 35, Unterkohlrabi 10, Erbsen 15 bis 30, Tomaten 40 bis 60, Meerrettich 40 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Rhabarber 10 bis 18, Kartoffeln, alte, % kg 5 Pf., 5 kg 44 bis 45 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, neue, % kg 15 bis 18 Pf., Aepfel 30 bis 35, aus- länbische Aepfel 50 bis 60, Kirschen 60, Stachelbeeren 25, Blumenkohl, bas Stück 40 Pf. bis 1 Mark, Salat 5 bis 12 Pf., Salatgurken 40 bis 50, Oberkohlrabi 18 bis 20, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich 8 bis 10, neue, bas Bünbel 15 bis 20, Radieschen, das Bündel 5 bis 10 Pf. * ** Goldene Hochzeit. Am heutigen Dienstag, 7. Juni, begehen Rechnungsrat i. R. Michael Bauer und Frau Katharina, Alicenstraße 29, bet guter Gesunbheit bas Fest ber Golbenen Hochzeit. Dem Jubelpaar unseren herzlichen Glückwunsch! ** 75 Jahre alt. Frau Katharine Hofmann, geb. Keßler, in Gießen, Bruchstraße 14, vollendete am 1. Pfingstfeiertag ihr 75. Lebensjahr. Sie bezieht seit 1893 ben Gießener Anzeiger. Unseren herzlichen Glückwunsch! ** Trachtengruppen werben in Gießen verabschiebet. Die Trachtengruppen bes Gaues Hessen-Nassau, bie — vgl. unseren Bericht vom Samstag — zur Reichstagung ber NS.-Gemeinschaft „Kraft burch Freub'e" fahren, werben am morgigen Mittwochvormittag gegen 8.30 Uhr in Gießen vor bem Bahnhof von ber Gauwaltung Hessen-Nassau verabschiebet. Landkreis Gießen. <£ Reiskirchen, 7. Juni. Bei dem starken Verkehr, der sich gestern durch unseren Ort abwickelte, ereignete sich bedauerlicherweise auch ein Verkehrsunfall. In der scharfen Kurve am Eingang des Dorfes von Gießen her stießen ein Personenwagen unb ein Motorrad z u - summen. Das Unglück lief noch gut ab, es wurde nur ber Beifahrer bes Motorrades etwas verletzt. Von der Polizei wurde sofort der Tatbestand ausgenommen. „Ja", sagte Jürgen. „Der Herr, der Ihnen gestern vor Ihrer Haustür einen Kuß gab, ist wirklich Ihr Onkel. Ich habe — hm — ich habe mir erlaubt, ihn anzurufen." „Wie —?" fragte Fräulein Hella abermals. „Empörend!" „Oh — weshalb?" sagte er. „Es erschien mir so furchtbar wichtig. Der Herr war übrigens riesig nett zu mir. Ganz reizend war er." Sie schwieg und arbeitete an ihrem Kranz. „Es tut mir leid", fuhr Jürgen reuevoll fort und warf ihr einen scheuen Seitenblick zu. „Ich gebe zu, daß Eifersucht eine häßliche Eigenschaft ist. Aber vergessen Sie doch nicht: ihre Ursache ist meistens L..." Er verstummte plötzlich unb hustete. „Ja —?" sagte sie. „.. .Zuneigung", vollendete er. „Meistens Zuneigung." Der Kranz war fertig. Sie nahm ihn und stülpte ihn Pitt mit einem Ruck über die Ohren. „Sitz still, Untier!" lachte sie. „Sieht er nicht wundervoll aus?" „Wie ein kleiner Pfingstochse", sagte Jürgen anerkennend. Eine Zeitlang saß Pitt regungslos da und schielte mißvergnügt auf bie Maiglöckchenstiele, bie ihm über bie Augen hingen. Schließlich schielte er zu ben beiben hin. Und als er fand, daß sie sich gar nicht — aber auch gar nicht um ihn kümmerten, schüttelte er sich so energisch, daß bie ganze Pracht sich auflöste und in die Luft wirbelte. Die letzten Stiele entfernte er mit ber Pfote. Dann setzte er sich auf feine Keulen unb kläffte triumphierend, wobei sein Schwanz in einem Jrr- sinnstempo wackelte. Nicht einmal das bemerkten die beiden. Hochschulnachrichten. Der Honorarprofessor Dr. Werner Schule- mann wurde zum o. Professor ernannt. Ihm wurde an der Universität Bonn ber Lehrstuhl für Pharmakologie übertragen. Prof. Dr. phil. Dr. meb. Schulemann, der seit 1931 an ber Medizinischen Akabemie Düsfelborf wirkte, hat als Direktor bei ber IG. Farbenindustrie bahnbrechend für bie Herstellung von Arzneimitteln, befonbers für ein neues Präparat gegen bie Malaria, gewirkt. Professor Dr. Kurt Wagen er, der Leiter des Instituts für Veterinärhygiene ber Universität Berlin, würbe in gleicher Diensteigenschaft an bie Tierärztliche Hochschule Hannover berufen. AbenteuerzwischenAlgierundTimbuktu Hermann Scheffler hat ben Weg von Algier nach Timbuktu im Auto zurückgelegt unb seine Einbrücke in farbkräftigen Silbern festgehalten, bie im Juni-Heft von Del Hagen L Klasings Monatsheften veröffentlicht werben, lieber bie schlimmste Strecke berichtet er: „Nach ber Ab fährt von Reggan hatten wir nur noch kurze Zeit bas gewohnte Bild ber Bobengestaltung aus Sanb und Geröll, flachen unb tiefen Senkungen. Mehr und mehr verebbte biefer Geländecharakter, unb erschrek- kend schnell steigerte sich bie Wüste zu grauenhafter Leere, zu unvorstellbarer Monotonie. So ging es nun schon Stunben ohne Wechsel, lieber unermeßliche Fernen kriecht bas Schweigen bes Todes, ber lauernbe Irrsinn... Ich erschrecke über einen großen weißen Knochen, ber flirren!) über bie glühenden Kiesel kollert. Wer weiß, in welcher endlosen Ferne ihn ber Wind aus bem klapprigen Gefüge eines Kamelskeletts gelockert haben mag!. Der Chauffeur ist mübe. Er macht einen Halt. Wir steigen ebenfalls aus unb schlendern planlos in bas Nichts hinein. Wir entfernen uns etwa zweihundert Schritte vom Wagen unb kehren bann um Aber was für ein Anblick? Das Auto ist quer durch- fchnitten, aufgequollen schaukelt ber Unterteil über bem Sand, darüber schwebt die riesengroße Oberhälfte ... Im Näherkommen geht dies Zerrbild ber Hitze auf die normale Form zurück... bas unver- änberte Auto nimmt uns wieber auf. Optische Täuschungen narren uns auch auf ber Weiterfahrt. Don fünf zu fünf Kilometer ragen turmartige Gebilde auf. Sie schrumpfen zusehends zusammen, und beim Herankommen sind es mit Sanb gefüllte Shell- Tonnen, die Bojen des Sanbozeans. Wie zum Hohn auf die grausige Verlassenheit springen erschreckend plötzlich zwei Autos, riesig wie Wolkenkratzer ins hitzeflimmernde Blickfeld. Wir sind schnell heran und halten vor den beiden verankerten Stationsautos von „Bidon 5", ber einsamsten Tankstelle ber Erbe. Ein verstört blickender Araber, ber Tankwächter, kriecht hinter den Wagen hervor und Hilst mit lahmen Bewegungen bei ber Brennstoffaufnahme. Wie lange noch, bann wirb ihn ber Irrsinn gepackt haben wie seinen Vorgänger." Zwei Tage geht es so burch bie Wüste. Dann kommt mit spärlichem Grün ein Steppengürtel und enblich, endlich heben sich bie ersten Palmen in tropischer Hitze aus dem Dunst. Der Tob liegt hinter ben Wüstenfahrern, bas Leben Zentralafrikas beginnt. Die Hunderijahrfeier der „Cacilia" Lich. * Lich, 6.Juni. Die Feier des hundertjährigen Bestehens der Sängervereinigung „Cäcilia" während der Pfingst- tage gestaltete sich zu einem großen Heimatfest. Die Stadt prangte im schönsten Fahnenschmuck. Bereits am Pfingstsamstag waren die ersten Sänger ein- getroffen. Die Jubelfeier wurde am ersten Pfingsttag mit einem Festgottesdienst eröffnet, bei dem Stiftsdechant Kohn sprach. Die „Cäcilia" und der Bauersche Gesangverein Gießen bereicherten diese Feierstunde durch ihre Gesänge. Im Anschluß an den Gottesdienst fand eine eindrucksvolle Totenehrung am Kriegerdenkmal unter Mitwirkung der Sänger und des Musikkorps des II/JR-36 statt, während Der- einsführer K. Lotz die Kranzniederlegung vor- nahm. Dem großen Sohn der Stadt, Heinrich N e e b , dessen Liedgut in der Licher Sängerschaft stete Pflege fand, galt die Enthüllung eines Neeb-Gedenksteines der aus oberhessischem Lungstein unter Leitung von Baurat G i l b e r t, Gießen, ausgeführt und mit einem Relief nach einem Entwurf des Gießener Bildhauers Güngerich versehen ist. Vor dem Dostamt, wo eine geschmackvolle Grünanlage geschaffen wurde, fanden sich zu diesem Festakt zahlreiche Volksgenossen ein. Liszts festliche Ouvertüre, gespielt vom Musikkorps des II./JR. 36, und der von der „Cäcilia" I vorgetragene Neebsche Chor „Nachtwächterlied" boten die stimmungsvolle Ueberleituna zu der Weiherede des stellvertretenden Dereinsfuhrers O. Zimmer, der Heinrich N e e b als Sängerführer und Volksführer feierte. In ehrfurchtsvollem Gedenken und als stete Mahnung für die Zukunft hat die „Cäcilia" diesen Gedenkstein errichten lassen. Der Frankfurter Neebsche Männerchor sang seinem Gründer zu Ehren dos Neebsche „Willkommen". Für die Frankfurter „Neeber" gab Magistratsrot Dr. Reinert V. der Freude darüber Ausdruck, daß die „Cäcilia" ihrem Dirigenten und Förderer in seiner Vaterstadt eine so dankbare Verehrung bewahrt und diesen Gedenkstein errichtet hat. In Anlehnung an den Ausspruch von Neeb: ,Hch bin Künstler, darum muß ich Idealist sein!" forderte der Sprecher zu gleichm Idealismus und gleicher Einsatzbereitschaft für das schon von Neeb ersehnte und nun von dem Führer verwirklichte Großdeutschland auf! Nachdem er den Gedenkstein mit dem ersten Kranz geschmückt hatte, legte Vereinsführer Herbert von der „Liedertafel" Gießen ihrem Ehrenmitglied einen Kranz nieder. , Der gemeinsame Chor „Der Du von den Himmeln" leitete zur Uebergabe des Gedenksteines durch O. Zimmer an die Stadt Lich über, in deren Namen Ortsgruppenleiter Kuhn ihn in die Obhut übernahm, wobei er darauf hinwies, daß es immer ein schöner Zug sei, wenn Deutschland seine großen Männer nicht vergißt. Mit dem Sängergruß Hang die Weihestunde aus. Miläumskonzeri in der Festhalle. Eine der bedeutendsten Veranstaltungen im Rahmen der Jahrhundertfeier war das Jubiläums- k o n z e r t in der Festhalle. In seiner äußeren Haltung zeigte es, wie das Wirken des festgebenden Vereins freundschaftliche Bande nicht nur mit Vereinen der engeren Heimat, sondern auch mit solchen aus weiter Ferne geknüpft hat. So war ein Mannergesangverein aus dem sangesfreudigen Westfalenland, aus Nachrodt-Obstfeld, erschienen, um einer seit Jahrzehnten bestehenden Sängerfreundschaft am Ehrentage der „Cäcilia" sichtbaren Ausdruck zu geben. Der rühmlichst bekannte „Neebsche Männerchor" aus Frankfurt a. M. betrachtete es wohl als eine Ehrenpflicht, die Stadt Lich, deren berühmter Sohn Heinrich Neeb einst ihren Verein ins Leben rief, am Festtage zu besuchen und Zeugnis abzulegen, daß der Geist des alten Liedmeisters auch heute noch in ihm lebendig ist wie einst. Ebenso war der befreundete Sängerkranz Nidda (gemeinsam mit Liederkranz Ruppertenrod), der nächstes Jahr 100 Jahre besteht, erschienen. Mit den übrigen am Konzert teilnehmenden Vereinen, der Liedertafel Marburg, der Heiterkeit Gießen und dem Bauerschen Gesangverein, Gießen verbindet die Licher Cäcilia ein festes Band lano- jährioer Freundschaft. Sie alle gehörten einstmals dem Lahntalsängerbund an, jenem Sängerbund, der als erster den Gedanken des Zusammenschlusses zu einer größeren Gemeinschaft in unserer Gegend zur Tat werden ließ. Daß diese äußere Gemeinschaft, die bis nach 1933 bestand, im Laufe der Zeit zu einer wahrhaft inneren wurde, das beweist die starke Verbundenheit^' die auch heute noch unter jenen ehemaligen Lahntalsängerbundesvereinen besteht. Daß das Konzert, das von den sieben genannten Vereinen bestritten wurde, in feinen Darbietungen nicht einheitlich ausgerichtet sein konnte, bedarf für den Fachmann keiner Erläuterung. Aber gerade dieser Buntheit der Folge entbehrte nicht eines gewissen Reizes, denn sie zeigte gewissermaßen die Entwicklung auf, die der deutsche Männerfang im Wandel der Zeiten genommen hat. So standen neben Schubert, einem der ragendsten Säulen der Komponisten für Männerchor, der feinsinnige Julius Rietz, Wrede, den unsere Zeit fast ganz nergeflen hat, Wildt, der in feinen stark veräußerlichten Werken besonders dem artistischen Können der Vereine entgegenkommt, dann die neuzeitlichen Tondichter: Kämpf, Kann, Stürmer, Rein, die unserer heutigen Sängerbe- bewegung wirklich etwas gelten. Erfreulicherweise war dem Volkslied, dem Urquell allen Musizierens, ein breiter Raum gegeben worden. Es wurde teils in feiner schlichten Form geboten (Silcher), teils in mehr oder weniger kunstvoller Bearbeitung von Hannemann, Werth, Plötzeneder und Ulmennet. Für den Sangesfreund und Kenner dürfte es recht interessant und aufschlußreich gewesen fein, die Vereine, die in verschiedenen Gegenden unseres Vaterlandes beheimatet sind, in ihren Leistungen zu hören und zu vergleichen. Besonders auffallend war vjohl der Unterschied im Material zwischen den Hellen, metallisch klingenden Westfalenstimmen und den dunkler und weicher getönten Stimmen unserer Gegend. Es wurde berechtigterweise viel Beifall gespendet (das große Festzelt war fast vollkommen besetzt), denn die konzertierenden Vereine suchten in edlem Wettstreit sich gegenseitig zu überbieten. Es sangen: Cäcilia Lich (Chorleiter E. I l g e) Gott ist mein Hirt von Schubert; Liedertafel Marburg (Chorleiter Rohde) Nachtlied von Wred-e und Andreas Hofer von Hannemnan; Nidda-Rupp^r- t e n r b b (Chorleiter Daupert) Jugend von Kämpf uyd Wanderers Nachtlied von Stürmer, Frohsinn Nachrodt - Ob st seld (Chorleiter Imhof) Titanik von Wildt, Zu Straßburg von Werth; Heiterkeit Gießen (Chorl. Schütt- l e r) Der Wagen rollt von Kämpf, Mädele ruck von Plötzeneder; Bauerscher Gesangverein Gießen (Chorleiter Blaß) Maienzeit von Rietz, In der Ferne von Silcher; Need sch er Männerchor Frankfurt (Chorleiter Dr. Werner) Lebenslied von Kann, Sommermorgen von Rein, Wir marschieren von Ulmenriet. Konzert und Kommers zeigten eindrucksvoll, daß die Sängersache in unserer Gegend noch auf sehr erfreulicher Höhe steht. Möge es so bleiben! H. Blaß. Der Aestkonmers. Trotz eines am ersten Pfingsttag gegen Abend einsetzenden Gewitterregens vereinte der Festkom- rners etwa 2000 Volksgenossen zu einem schönen Erlebnis. Mit den Ehrenmitgliedern, deren Zahl anläßlich dieser Feier um die Sänger Jakob Liß- mann, Ernst T r e ch s l e r und Philipp Wolf erhöht worden war, hatten sich auch zahlreiche Ehrengäste eingefunden. Wiederum bereitete das Musikkorps des II/JR. 36 unter Leitung von Feldwebel Baumann die feierliche Einführung.' Dann entbot Dereinsführer K. L o tz den zahlreichen Besuchern den Willkommen- grüß. Der stellvertretende Vereinsführer Zimmer ging dann auf die Geschichte des Jubeloereins ein und zeigte, wie immer in Zeiten vaterländischer Not das Lied der Ausdruck der Sehnsucht und des Glaubens des deutschen Volkes über alles Trennende hinweg war. So war es auch in Lich, der Vaterstadt Heinrich Neebs. Der Redner bat auch für die Zukunft um die Unterstützung der Sänger, damit sie das Erbe der Väter, das deutsche Wesen und die deutschen Sitten in die Zukunft weitertragen können. Das vom Musikkorps vorgetragene „Largo" von Händel bildete den Auftakt zu der Ansprache des stellvertretenden Gausängerführers Schulrat Born (Darmstadt), der das Lied als Herzenssprache des Volkes würdigte. Er schilderte das Lied als Künder der nationalen Sehnsucht und als eine politische Angelegenheit des deutschen Volkes. Der ärgste Gegner der deutschen Einheit, Fürst Metternich, hatte das erkannt und darum das Lied aus dem deutschen Kulturleben auszumerzen versucht. Aber in den aufkommenden Gesangvereinen entstand das stärkste Bollwerk. -Sie wurden die Künder der nationalen Sache. ^So mag die Gründung in Lich wohl auch damit in Verbindung gestanden haben. Was immer das Dolk bewegte in Freud und Leid, all das fand seinen tiefften Ausdruck im Lied unter den Beweggründen: Gott, Freiheit und Vaterland! Auf dem Deutschen Sängerfest in Breslau hat der Gründer des Dritten Reiches, unser Führer Adolf Hitler, die Sänger anerkannt als die Hüter des deutschen Männergesanges und als die Sachwalter des deutschen Volksliedes. Der Führer hat den Sängern die hohe Aufgabe gegeben, das Dritte Reich mit bereiten zu helfen. Als die Sehnsucht der Deutschen in Erfüllung ging, hatten auch die Sänger ihren Anteil am Gelingen. Schulrat Born würdigte dann die Verdienste des Jubelvereins um die Pflege des Liedes und der Heimatliebe, überbrachte ihm die Glückwünsche des Bundesführers und des Gausängerführers: Im Auftrage des Bundesführers überreichte er der „Cäcilia" „für hundertjährige treue Dienste und in Anerkennung der erfolgreichen Leistungen" die Ehrenurkunde des Deutschen Sängerbundes und im Auftrage des Gaues XII (Hessen) ein vielsagendes Bild „Die Familie". Gleichzeitig teilte er dem Verein mit, daß er zur Verleihung der höchsten Sängerauszeichnung, der „Zelter-Plakette", eingereicht wurde, die ihm demnächst übergeben werden wird. Kreisführer Müller vom Sängerkreis Gießen überreichte dem Jubilar einen Chor. Ortsgruppenleiter der NSDAP. Kuhn überbrachte mit den Glückwünschen der Partei und der Stadt Lich em Gemälde des Führers. Mit der „Hymne an das Vaterland" von Jochem, von dem Männer-, Frauen- und Kinderchor der „Cäcilia" unter Or- chesterbegleitung wuchtig »orgetragen, fand der erste Teil des Festkommerffes einen eindrucksvollen Abschluß. Nach einer Pause kamen in den Glückwünschen der auswärtigen Gesangvereine die engen freundschaftlichen Beziehungen mit der „Cäcilia" zum Ausdruck. Die Vereine „Heiterkeit" Gießen, „Eintracht" Hungen, „Neebscher Männerchor" Frankfurt a. M., „Sängerkranz" Nidda, „Frohsinn" Londorf und „Liedertafel" Altena (Westfalen) ließen Geschenke überreichen. Die Marburger „Liedertafel" stiftete 200 RM. für bedürftige Mitglieder. Der Verein Nachodt-Obstfeld (Westfalen) ernannte den jeweiligen Vorsitzenden der „Cäcilia" zum Ehren- lwrsitzenden seines Vereins. Ein besonderes Geschenk überbrachte Erbprinz Dr. H. Otto zu Soms-Hohen- solms-Lich, und auch der Verein für Rafenfpiele, der Turnverein, der Kleinkaliberfchützenverein und der Derkshrsverein Lich überraschten den Iubelver- ein mit Geschenken. Am zweiten Pfingsttag unternahm der verdienstvolle Vorsitzende des Derkehrsvereins, Lehrer H i l d, eine Führung der Gäste durch die Stadt. Am Nachmittag bewegte sich ein großer Fesizug mit reichlicher Marschmusik, einigen sehr schönen Festwagen aus dem Wandel der Stadt und unter Beteiligung von 35 Gesangvereinen aus Westfalen, von Dill, Lahn und aus bet Wetterau durch die Straßen der Stadt. Von den tausenden, aus nah und fern herbeigeeilten Volksgenossen, die die Straßen säumten, wurden die Teilnehmer freudig begrüßt. Auf dem Festplatz begrüßte Erbprinz Dr. H. O. zu Solms ° Hohensoms - Lich.die Gäste aus nah und fern zur Kundgebung für den deutschen Männergesang. Er dankte ihnen für die Beweise freundschaftlicher Verbundenheit und sprach allen seinen Sanges- brübern vom festgebenden Verein, sowie allen Lichern Dank und Anerkennung für die Mithilfe zum Gelingen dieses Heimatfestes aus. Der Provinzsängerführer Wendler (Bad-Nau- heim) beglückwünschte die Sängervereinigung „Cäcilia" zu dem Gelingen dieser Demonstration für den deutschen Männergesang, die für alle Volksgenossen zu einem herrlichen Erlebnis wurde. Namens der Gastvereine dankte er den gastfreien Lichern für die freundschaftliche Au-fnahme. durch die sie diesen Sängertag zu einem schönen Heimatfeste werden ließen. Dem Jubelverein wünschte er auch für die Zukunft eine so rege Anteilnahme, die ein Ansporn zu weiterem selbstlosen Dienst an dem hohen Ideal der Pflege des deutschen Liedes werden möge. In der Erinnerung an die eindrucksvollen Tage anläßlich des Deutschen Sängerfestes sprach er die Hoffnung aus, daß die große Verpflichtung, die in den Worten der Väter gipfelt: „Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen" in weite 'Kreise unseres deutschen Volkes Eingang finden möge. Er forderte zu regem Besuch des 3. Hessischen Gaufängerfestes im Juli in Gießen auf und schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung, daß aus den kämpfenden Sängern nun singende Kämpfer für Großdeutschland und seinen Führer werden. Hierauf vereinigten sich die Festteilnehmer in dem Treugruß an den Führer und in dem Gesang der Nationallieder. Die Gesangvereine wetteiferten dann mit ihren Darbietungen, während sich ein reges Festtreiben entwickelte. Todessturz vom Dache. Lpd. Alsfeld, 6. Juni. In dem ftreisorte Schwarz stürzte der Schreinermeister Heinrich Krug, als er auf dem Dache seines Hauses etwas nachsehen wollte, so unglücklich ab, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt, an dessen Folgen er nach kurzer Zeit verstarb. Itundsunkprogramm Mittwoch, 8. Juni. 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Rus ins Land. 6: Morgenlied, Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Frühkon- zert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Aus Bad Münster am Stein: Bäderkonzert. 9.30: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 11.40: Schwester Elfriede. 12: Werkskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskon- 3ert. 14: Nachrichten' 14.10: Immer so weiter — froh und heiter! 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Gedanken um das Schicksal. 16: Aus Bad Kreuznach: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 18.45: Fliegendes Deutsch- lanö. 19: Nachrichten. 19.10: Von Hamburg: „Feierabend schlägt fein heiliges Rund..." 20.50: Zwi- schenprogramm. 21: Die tarierte Mütze. 22: Nach- richten. 22.15: Von Breslau: Deutsches Turn- und Sportfest 1938. 22.30: Von Wien: Unterhaltungs- konzert. 24 bis 3: Von Stuttgart: Nachtmusik. Fäden hin und her. Vornan von Hedda Westenberger. Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35. 40. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Hallo, jawohl, hier Hammerbacher." Eine Frauenstimme meldet sich: Herr Geheimrat Koch aus Eigelstein sei hier eingeliefert toorben mit einer hochgradigen Blinddarmentzündung, Der* weigere jedoch die Operation und lasse anpragen, ob Herr Doktor Hammerbacher nicht Herkommen könne, da er ihn seit Jahren behandelt habe und bisher der Meinung gewesen sei, daß man ohne Operation auskommen könne. Wenn es dem Herrn pottor möglich sei, zu kommen» so könne er noch heute nacht den Frankfurter v-Zug erreichen, der um sechs Uhr in Berlin eintreffe, und länger könne man auch nicht mit der Operation, die nach Mei- nung der Berliner Kollegen dringend notwendig sei, warten. Ob Herr Doktor also kommen wolle? Der Doktor zögert keine Minute. Jawohl, er komme. "OH ein paar kurze Fragen über den Zu- Itanö des eingelieferten Patienten, und er hängt ab. Sem erster Blick trifft auf Monikas neugieriges Aesicht, „Rasch, Monika, meinen Heinen Handkoffer. Geheimrat Koch liegt in Berlin mit Blinddarment. zundung. Er will sich ohne mich nicht operieren lassen, der Starrkops." „Sieht ihm ähnlich, Papa. Wann fährst du denn?" r?^,?oktvr schaut auf die Uhr. „Jetzt haben wir elf. Also in drei Stunden." Dann wendet er sich U' inzwischen auch hinzugetreten ist. „Tfa, Maraa, das hätten mir uns ja wohl nicht träumen lassen, daß ich nun nach Berlin fahre und Sie hierbleiben." Marga lächelt vielsagend. „Und wenn ich nun auch führe?" Der Doktor schweigt einen Augenblick und schaut hinter Monika her, die langsam die Treppe hinauf- steigt, viel zu langsam für seinen Geschmack. Nach, dem sie endlich verschwunden ist, nimmt er Marga bei der Hand und führt sie ins Wohnzimmer. „Ich mochte Sie sehr bitten", sagt er dort hastig und zieht die Tür zur Diele hin vorsichttg hinter sich zu, „ich mochte Sie sogar von ganzem Herzen bitten, nicht abzureisen, während ich weg bin. Erstens einmal —" er hüstelt leise, lächelt dabei ein wenig und meint es doch wohl ziemlich ernst — „erstens einmal wollen wir doch in Eigelftein keinen Skandal Hervorrufen, nicht wahr? Bedenken Sie doch, was sich die wilde Phantasie der Eigelsteiner und — Tante Marthas alles ausmalen konnte, wenn es hieße, wir seien nun beide plötzlich in Berlin, wir, das — verzeihen Sie meine Taktlosigkeit — das angehende Brautpaar! Und'außerdem — ich für meine Person empfinde es beinahe als eine Fügung des Himmels, daß ich jetzt nach Berlin gerufen werde. So haben Sie Zeit, sich einmal Eigelftein ohne meine Bemühungen, es Ahnen reizvoll erscheinen zu lassen, anzuse^n. Sie haben Gelegenheit, sich Eigelstein im pursten, grauesten Alltag ju betrachten, so, wie es vielleicht später einmal für Sie sein würde, wenn... wenn ich als alter vertrottelter Greis Ihnen nicht mehr der lebendige Kamerad sein könnte, der ich Ihnen allerdings bis zum Ende meiner Tage zu sein hoffe. Sie sehen, ich mochte Ihnen wirklich jede Möglichkeit geben, sich über Ihre eventuellen künftigen Schritte klarzuwerden. Und ganz abgesehen von allem: Man entscheidet sich immer in schwierigen Fallen leichter, wenn das Objekt dieser Entscheidung nicht in allzu bedrängender Nähe ist. Das ist eine Erfahrung, die ich im Lause meiner zweiundfünfzig Lebensjahre gemacht und stets beherzigt habe." Marga lächelt unwillkürlich. „Warum betonen Sie die zweiundfünfzig so?" Aber der Doktor verzieht keine Miene. „Man kann sie gar nicht oft genug betonen. Und wie steht es nun — wollen Sie hierbleiben, bis ich wieder? omme?" „Und wann kommen Sie wieder?" „Spätestens übermorgen." Marga geht ein paarmal im Zimmer auf und ab, dann bleibt sie vor dem Docktor stehen, sieht ihm fest in die Augen und streckt ihm entschlossen die Hand hin. „Gut, ich bleibe." Da beugt sich der Doktor stumm über ihre Hand und küßt sie. — Inzwischen hat Monika es für richtig gefunden, Tante Martha zu wecken und ihr ine neuesten Neuigkeiten mitzuteilen. Und als ob sie gehört hätte, was der Doktor unten zu Marga gesagt hat, ist ihre erste Frage, was denn nun aber mit Marga geschehen solle. Es sei doch undenkbar, daß Marga nun auch, wegfahre. Jedermann werde denken, sie sei dem Doktor nach und habe anderwärts ein Rendezvous mit ihm. Monika lächelt spöttisch. Nun, und wenn es jedermann denke, was sei denn dabei? Aber Tante Marcha, im Bett sitzend, das dünne Zöpfchen über der linken Schulter, ringt verzweifelt ihre Heinen Hände. „Ich bitte dich, Kind, deines Vaters ganze Stellung ist dann erschüttert! Und außerdem — es ist ja nicht gerade notwendig, daß wir, daß wir..." Sie verstummt und hat plötzlich Tränen in den Spitzmausaugen. Monika hilft ihr jedoch kühn und nüchtern über ihre Hemmungen hinweg. „Du meinst, daß es nicht unbedingt nötig ist, daß wir Vaters — na, sagen wir, Vorliebe für Marga Montwill Vorschub leisten, indem wir den Schauplatz der weiteren Geschehnisse nach Berlin verlegen helfen? Meinst du das?" Tante Martha ist zu Tode verlegen. Du lieber Himmel, wie kann man denn so kaltschnäuzig über so weltumwälzende, drohende Gefahren reden! Und noch dazu als Tochter! Monika tut ja wahrhaftig, als, als... Nein, sie bringt es nicht übers Herz, diese delikaten Sachen vor ihrer Nichte in den Munch ZU nehmen. Sie, Tante Marcha weiß, was sich gehört, und daß es Dinge gibt, die' eine Dame besser mit Schweigen übergeht! Sie setzt sich also noch gerade auf, schiebt unwillkürlich, wahrscheinlich in dem unbewußten Gefühl, daß es nicht sehr repräsentativ wirkt, ihr Haar- schwänzchen nach hinten und schaut ihre Nichte mit hochgezogenen Brauen mißbilligend an. „Liebes Kind", sagt sie streng, „laß, bitte, wenigstens mir gegenüber, deine frivolen Andeutungen. Wenn etwas vorfällt, und was Dorfällt, das werde ich wohl rechtzeitig von deinem Vater mitgeteitt bekommen. Vorher sehe und höre ich nichts. Was aber Fräulein Montwill betrifft, so ist es unsere Pflicht als Gastgeber, sie herzlichst aufzufordern, doch trotz deines Vaters Abwesenheit dazubleiben. Wenn man diese Bitte mit dem nötigen Nachdruck vorbringt, und wenn Fräulein Montwill nur ein bißchen Feingefühl hat, so wird sie es schon verstehen, wie wir es meinen, und wird bleiben." Monika lacht leise auf. „Na schon. Dann werde Hf) jetzt also hinuntergehen und mit entsprechendem Nachdruck mit ihr reden." Und der Tante zuwinkend, geht sie zur Tür hinaus. Tante Martha schaut ihr einen Augenblick wie erftarrt nach. Dann schießt ihr plötzlich eine nervöse; Rote ins Gesicht; sie schleudert die Bettdecke beiseite und ist mit einem Satz aus dem Bett. "Ach werde das doch lieber selber besorgen", murmelt sie und fährt mit erstaunlicher Schnelle in ihre Kleider. 26. „Sehr einfach, mein Lieber!" febt st* also!, denkt der Doktor und streift behaglich in den Straßen rings um die Gedächtnis- nrd)e umher. Hier fährt sie mit ihrem hübschen Heinen Wagen im Strom der anderen dahin. Die Verkehrsampel da oben hat sie gewiß schon hundertmal öfter angeschaut als mich, und dem Schupo da drüben winkt sie sicherlich immer zu und lacht ihn an, daß ihm der Kopf mehr davon faust als von dem Gewühl um ihn her. Und von dem Kaffeehaus da hinten hat sie mir auch schon erzählt; da trinkt sie manchmal mit ihrem Geschäftspartner, Metern — wie heißt er doch gleich? Ach so. ja: Breda^ Mit diesem Breda also trinkt sie dort manchmal Kaffee, und von hier aus rechts hinter der Kirche, die zweite Blumenfrau, das ist ihre Hoflieferantin. Der Doktor lächelt ein wenig unter feinem hohen, breitrandigen, etwas wüsten Hut und läßt sich, eingekeilt zwischen hundert andere,- über die Fahr- straße treiben, und obwohl er ganz genau weiß, daß er, wenn er jetzt nur der Nase nach geht, unfehlbar vor Marga Monttvills Laden geraten wird, tut er, als wüßte er es nicht, und „laßt sich eben treiben". steht er denn fünf Minuten später tatsächlich vor dem breiten und hohen Schaufenster der Firma Breda & Montwill, das wahrscheinlich lange keinen jo andächtigen Beschauer mehr vor seinem blanken Glas gehabt hat wie diesen hier. Denn der Do Hör steht und starrt das ungaubliche Vielerlei hinter den Scheiben an, wie ein Kind seinen Weihnachtstisch. Ja, du lieber Himmel, so großartig, so elegant, so modern, so auserlesen geschmackvoll und vornehm hat er sich Marga Montwills Geschäft wirklich nicht uoraestellt. Was für Werte das beherbergt! Da drüben die große zartgrüne Dose: 120 Mark. Dort bie handgewebte Divandecke in reinstem Weiß: 250 Mark. Und die ägyptische Schale — nein, der Teufel, was doch für ein Mut dazu gehört, so ein Dings zu kaufen und zum Verkauf anzubi'eten — 300 Mark kostet die Schale. Alle Wetter! Und wie feudal übrigens das Geschäft innen eingerichtet ist, mit dem graublauen Bodenbelag den dunkelblauen Sesieln und dem schönen, nußholzenen Dorleyetisch. Spaß muß das machen, in so einem Geschäft zu wirtschaften, sehr viel Spaß! Er räuspert sich, geht langsam an der Eingangs- für vorbei und stellt sich an das nächste Fenster wo ein paar metallene Serviertische, prachtvoll ae- Teeservice und zwei große geblümte Ohrensessel ausgestellt sind. Wo sie das nur alles auftreibt das Mädel! Wo sie nur das Händchen her hat, das für so ein Geschäft nötig ist! Und gut äst gehen scheint das Geschäft auch. Gerade kommt eine Dame heraus, und hinter ihr drein schleppt man zwei große Pakete. Drinnen stehen noch zwei Herren und lassen sich Keramikvasen zeigen. (Fortsetzung folgt.) Fußball in der engeren Heimat. 1900 auf dem zweiten Platz. 1900—Oberurfel 3:1. So erfreulich der Ausgang für die Blau-Weißen war, so unschön wirkte der Kampf an und für sich. Die Gäste, die am Sonntag in Hanau $u einem Unentschieden gekommen waren, hatten jedenfalls ihre Berechnung nach der Art aufgemacht, daß, nachdem Dunlop Hanau in Gießen gewonnen hatte, ihnen ebenfalls ein Sieg zufallen würde. Und als sie sahen, daß die Blau-Weißen mit dieser Berechnung ganz und gar nicht einverstanden waren, brachten sie eine so unschöne Spielart auf, die den outen Eindruck, die die beiden anderen Aufstiegspiele hinterlassen haben, vollkommen verwischt. Mit einem Wort, Oberursel war ein schlechter Verlierer. Oberursel: Kircher Keim Scheller Nagel Wolf Remy Hirsch Leipold Kähler Pletsch Meisinger Löbsack Sack Hormel Koch Schellhaas Knauß Quick Erhard Pankvk Lippert 1900: Fischer Mit Wind und Sonne nehmen die Blau-Weißen das Spielgeschehen aleich in ihre Hand. Die gegnerische Hintermannschaft wird schwer unter Druck gesetzt, und da sich hierdurch eine gewisse Nervosität bei ihr bemerkbar macht, entsteht manche gefährliche Situation im Strafraum der Oberurseler. Bei den Blau-Weißen fehlt ebenfalls die ruhige Ueberlegung und kühle Berechnung, und so bleiben die Erfolge aus. Dies dauert bis zur zwanzigsten Minute, da hebt Koch den Ball über die gegnerische Verteidigung, und der durchstoßende Sack kann trotz Bedrängung zum 1:0 verwandeln. Dies verwirrt die Gäste noch mehr, und die Folge ist, daß sie ihr Heil in körperlichem Spiel suchen, in dem sie dank ihrer Körpergröße manchen Vorteil haben. Dadurch kommen sie im Feldspiel etwas auf, was ihnen auch kurz vor Halbzeit den Ausgleich einbringt. Nach dem Wechsel treten starke Ermüdungserscheinungen bei den Gästen auf. Ihr Spielt wirkt stellenweise matt. Dafür wird aber ihr körperlicher Einsatz um so stärker. Ja er artet zu mancher Unsportlichkeit aus, als Sack die Blau- Weißen nach einem schulgerechten Flankenwechsel 2:1 in Führung gebracht hat. Dem dritten Erfolg geht denn auch ein großes Foul des rechten Läufers voraus. Sack ist mit einer Vorlage in den Strafraum vorgedrungen. Nagel kann den Ball nicht mehr erreichen, und so bleibt denn einzig und allein Sack, der sich im nächsten Augenblick auf dem Boden befindet. Gegen den verhängten Strafstoß wird von den Gästen lebhaft protestiert. Es dauert einige Zeit, bis man sich mit der Entscheidung abgefun- gen hat. Dies genügt Sack zur Erholung, und trotz Täuschung von Kircher sitzt der Ball im Netz. In einem verzweifelten Schlußangriff versuchen die Gäste nochmals eine Verbesserung herbeizusühren. Die Hintermannschaft der Platzbesitzer läßt jedoch Erfolge nicht mehr zu. Im zweiten Spiel der Gruppe Süd zwischen Dunlop Hanau — Elz kam der Lahnmeister stark unter die Räder. Mit 8:2 blieben die Hanauer auch in dieser Höhe verdient Sieger. Nach dem dritten Sonntag hat die Tabelle folgendes Aussehen: Spiel Gew. Unentsch. Verl. Tore Pkte. Hanau 1900 Oberursel Elz 3 2 3 2 3 1 3 — 1 — — 1 1 1 11:4 5:1 7:2 4:2 6:6 3:3 3:15 0:6 DfB. Reichsbahn Gießen. vfv.-R. I — Germania 06 Frankfurt-Schwanheim 3:3 (1:2). Einen zu jeder Zeit spannenden Kampf erlebten die Zuschauer am Sonntag auf dem Waldsportplatz. Die Gießener, die noch in letzter Minute auf Thron und Fischer verzichten mußten, wurden gut ersetzt. Was die Frankfurter in technischer Beziehung voraus hatten, glichen die Grünweißen durch ihren Eifer aus. Seit dem Burgsolmser Spiel haben sich die Hiesigen als eine durchschlagskräftige Mannschaft erwiesen, die imstande ist, noch größere Leistungen zu vollbringen. Das Spiel nahm den gerechten Ausgang, der beiden Mannschaftsleistungen voll und ganz entspricht. Aus dem Spielverlauf ist folgendes zu berichten: Der Anstoß der Gäste wird abgefangen, und schon entwickelt sich ein schnelles Spiel. Es hat den Anschein, als ob die Gießener etwas durchschlagskräftiger sind. Und als Bach in der 16. Minute durch einen wunderbaren Drehball die Führung erkämpft, wird das Spiel noch schneller. Die Frankfurter greifen jetzt besser an, können aber an der Verteidigung der Gießener nicht vorbeikommen. Wieder liegen die Gäste im Angriff, im Gießener Strafraum gibt es ein Gewühl, wo ein Gießener und ein Gästespieler hinfallen. Der Schiedsrichter entscheidet Elfmeter für die Gäste, der den Ausgleich /bringt. Bei einem Angriff nimmt der Linksaußen den Ball, der schon über der Linie war, auf, gibt zu seinem Halblinken, und das Spiel steht 1:2 für die Schwanheimer. Nach dem Wechsel haben die Gäste in der ersten Viertelstunde mehr vom Spiel. Dann aber setzen sich die Grünweißen durch und erzwingen durch Szponik 2 Tore. Man glaubt schon an einen Sieg der Gießener, aber der Linksaußen schafft noch kurz vor Schluß den Ausgleich. FC. Phönix Bad Vilbel — VfV.-R. I 2:2 (2:1). Einen schönen Erfolg brachten die Grünweißen aus Vilbel mit. Die Gastgeber, die in der Friedberger Gruppe der Bezirksliga hinter dem Meister Oberursel und Großkarben den dritten Platz haben, mußten sich mit einem Unentschieden zufriedengeben. Der Ausgang des Spieles entspricht dem Spielverlauf. Es war zu jeder Zeit ein spannender Kampf, da beide Mannschaften guten Kampfeifer an den Tag legten. Schon nach Anstoß entwickelte sich ein schnelles Spiel, das vorerst die Gastgeber in Vorteil sah. Ihre erste Ecke in der 5. Minute wurde sicher abgefangen. Beide Torwächter hatten harte Arbeit zu leisten. Die Gießener, -die gegen die Sone spielen mußten, gerieten etwas ins Hintertreffen, verstanden aber, keinen Erfolg des Gastgebers zuzulassen. Aber in der 37. Minute fiel das erste Tor für Vilbel. Der Halblinke nahm den Ball auf, und schoß aufs Tor. Als der Gießener Hüter den Ball fangen wollte, sprang er in eine andere Richtung und landete im Netz. Aber die Freude der Vilbeler dauerte nicht lange. Schon vier Minuten später schoß Heß durch einen Schrägschuß zum Ausgleich ein. Kaum eine Minute später war es Häuslmeier, der den Ball aufnahm und unhaltbar für den Vilbeler Torhüter zum 1:2 einschoß. Kurze Zeit darauf war Halbzeit. Nach dem Wechsel fiel in der 4. Minute überraschend der Ausgleich. Ein Spieler von Vilbel gab von 30 Meter einen Schuß aufs Tor ab, auf den der Gießener Tormann nicht gefaßt war. Nun fetzte ein scharfer Kampf um den Sieg ein. Beide Torwarte hatten harte Arbeit zu verrichten, aber es wollte keine Tor mehr fallen, obwohl für beide Mannschaften noch Torgelegenheiten vorhanden waren. ' Fußball der SA. Am 1. Feiertag spielte die erft$ Mannschaft der SA.-Kampfspielgemeinschaft Gießen in Alsfeld und verlor gegen die dortige SA. mit 3:1 Toren. Die Gießener SA. hatte fünf Ersatzspieler in ihren Reihen und konnte das Spiel stets überlegen ge=\ stalten, aber der Sturm konnte die sichersten Torgelegenheiten nicht verwerten. Die Alsfelder hatten mit ihren Durchbrüchen mehr Glück. Kurz vor Halbzeit gelang dem Halbrechten von Alsfeld das erste Tor, das für den Gießener Torwart unhaltbar war. Der Mittelstürmer von Gießen hatte kurz darauf eine sichere Gelegenheit zum Ausgleich ausgelassen, er brachte ganz freistehend den Ball nicht in das leere Tor. Auch in der zweiten Halbzeit hatte die Gießener SA. mehr vom Spiel. Trotzdem gelang es Alsfeld, noch zwei weitere Tore zu schießen, bevor es Gießen gelang, das längst verdiente Ehrentor einzusenden Am zweiten Feiertag spielte eine kombinierte Mannschaft der SA. in Garbenteich und verlor nach ausgeglichenem Spiel mit 2:0. Während die erste Halbzeit torlos verlief, gelang es Garbenteich in den letzten zehn Minuten, zwei schöne Tore zu erzielen. Auch hier gelang es dem Sturm der SA.- Mannschaft nicht, sichere Torgelegenheiten auszunutzen. Beide Spiele wurden fair ausgetragen. Sportverein 1920 Lollar. Lollar I — Bad Vilbel I 2:5 (0:1). Am 1. Feiertag weilte Bad Vilbel als Gast in Lollar. Die Gäste warteten mit einem temperamentvollen Kampf, verbunden mit schönem Kombinationsspiel auf. Wenn man in der ersten Halbzeit das Spiel mehr als ausgeglichen bezeichnen konnte, so änderte sich dies in der zweiten Spielhälfte zugunsten der Gäste. Jeder einzelne der Gästespieler aab sich redlich Mühe und trug zur Gesamtleistung seinen Teil bei. Vor allem muß die entschlossene Stürmerreihe der Vilbeler hervorgehoben werden, die immer wieder durch aktions- und schußfreudigen Einsatz sich durchzusetzen verstand. So konnte Vilbel als verdienter Sieger den Platz verlassen. Dagegen klappte es in der Lollarer Elf wieder weniger aut. Obwohl die Platzelf durch einige alte Spieler Verstärkung erhalten hatte, kam sie nicht in den sonst gewohnten Schwung und spielte ohne Zusammenhang. Ungenaue und oft zu langsame Ballabgabe gaben der gegnerischen Hintermannschaft immer wieder die Möglichkeit zur Abwehr. Das Flachspiel vermißte man, Der Ball wurde viel zu hoch gespielt, und zu all diesen Ungeschicklichkeiten wurde der Kampf die meiste Zeit einseitig auf den linken Flügel verlegt. Die Gäste hatten Anstoß. Es entwickelte sich sofort flottes Spiel. Die erste Viertelstunde verlief ausgeglichen, und die Hintermannsckaften konnten immer wieder klären. Doch bald nahm der Kampf schärfere Formen an. Die Situationen vor den Toren wurden immer gefährlicher. Schon glaubte man den Führungstreffer der Platzbesitzer sicher, doch den vom Rechtsaußen geflankten Ball konnte der Mittelstürmer nur noch mit der Brust mitnehmen und sprang dem Torwart direkt in die Hände. Was Lollar versagt blieb, gelang Vilbel. Im Anschluß an einen Eckball konnte der Halbrechte der Gaste über den herausgelaufenen Tormann einköpfen und damit seine Mannschaft in Führung bringen. Trotz größter Anstrengung der Lollarer, die noch einige günstige Chancen durch übereifriges Handeln vor dem Gästetor verpatzten, vermochten sie bis zur Pause an der l:0-Führung der Vilbeler nichts mehr zu ändern. Nach dem Wechsel nahm der Kampf in gleichem Tempo seinen Fortgang. Die Gäste trachteten nach einem weiteren Vorsprung. Sie ließen auch nicht lanae warten und nützten ein Mißverständnis der Lollarer Hintermannschaft aeschickt zu einem zweiten Treffer aus. Nun rissen sich die Platzbesitzer zusammen. Durch eine schöne Vorlage an den Rechtsaußen wanderte der Ball von diesem zum freistehenden Mittelstürmer, der unhaltbar einsenden konnte. Die Hoffnungen auf einen möglichen Ausgleich waren etwas gestiegen. Doch es kam anders. -Die Gäste spielten nun ein technisch schöneres Spiel und machten es den Gastgebern immer schwerer, an den Ball zu kommen. In gewissen Abständen erhielten die Vilbeler dann zwei weitere Tore. Dadurch wurden die Lollarer etwas aus dem Konzept gebracht. Der Widerstand hatte merklich nachgelassen. Im Lollarer Sturm wollte es gar nicht klappen. Der Rechtsaußen versuchte es einrital auf eigene Faust, doch der wuchtige Schuß prallte an den Pfosten, und der Nachschuß vom Mittelstürmer sauste über die Latte. Immer noch behielten die Gäste durch ihr zweckmäßigeres Spiel eine leichte Feldüberlegenheit. Noch einmal gelang es dem Lollarer linken Flügel durchzubrechen. Der Halblinke, dem der Ball vor die Füße kam, konnte noch halb im Fallen dem guten Gästetorhüter noch zum zweiten Male das Nachsehen geben. Nochmals zeigten die Vilbeler ihr Können und brachten den Lollarer Strafraum in Gefahr. Durch einen Strafstoß kamen die Gäste dann zu ihrem letzten Treffer, als der Ball dem Lollarer Torhüter durch die Beine ins Netz entwischte. Fußball-Blitzturnier in Saasen. Das von dem Fußball-Club Saasen am ersten Pfingstfeiertag veranstaltete Blitzturnier war für den Fußballsport ein großer Erfolg. Elf Mannschaften waren erschienen. Es spielten in der A« und B-Klasfe die Mannschaften von Garbenteich, Queckborn, Harbach, Lehnheim und Göbelnrod. 1. Sieger der A-Klasse Queckborn, 2. Sieger Garbenteich. 1. Sieger der B-Klasse Harbach, 2. Sieger Göbelnrod. In der Jugendklasse spielten die Mannschaften Nieder-Ohmen, Ettingshausen, Göbelnrod, Rodheim, Garbenteich und Grünberg. 1. Sieger wurde Garbenteich, 2. Sieger RodheiM, 3. Sieger Nieder- Ohmen. Den Mannschaftspreis erhielt die Iugendelf von Garbenteich. Den Höhepunkt des Turniers bildete das Spiel einer Auswahlmannschaft gegen Saasen, das mit 0:0 endete. Die Einzelspiele füllten den Vormittag voll aus. Nach kurzer Mittagspause fanden die letzten Ausscheidungsspiele statt. Kreisfachamtsleiter Henkel hielt eine kurze Ansprache, in der er hervorhob, daß der Fußballsport in hiesiger Gegend einen großen Aufschwung genommen hat und forderte auf, auch weiterhin dem Fußballsport treu zu bleiben. Die Rückspiele begannen. Die hessischen Fußball-Aufstiegsspiele. Bei den Fußball-Aufstiegskämpfen im Gau Hessen begann Pfingstmontag die Rückrunde der Gruppe Nord. Kurhessen-Kassel behauptete seine Führung auch weiterhin durch einen zwar knappen, aber verdienten 1-0-Sieg über Eschwege. Allerdings bleibt den Kasselern der VfL. Lauterbach scharf auf den Fersen. Der Meister der Gruppe Fulda siegte in Marburg beim VfL. 1860 mit 4:2 und hält damit seinen zweiten Platz sehr sicher. In der Gruppe Süd fiel der bisherige Spitzenreiter der 1. FC. 04 Oberursel auf den dritten Platz zurück, da er in Gießen der Spvg. 1900 verdient mit 1:3 unterlag. Der nunmehr führende Dunlop SV. Hanau siegte zuhause gegen den sehr unglücklich kämpfenden SV. Elz hoch mit 8:2 Toren. Es dürfte in beiden Gruppen noch zu einem scharfen End kam pf zwischen den führenden Mannschaften kommen. Die Tabellen: Gruppe Horb. 1. Kurhessen Kassel 4 10:2 7:1 2. VfL. Lauterbach 4 10:10 6:2 3. SC. Eschwege 4 8:11 2:6 4. VfL. 60 Marburg 4 4:9 1:7 Gruppe Süb. 1. Dunlop Hanau 3 11:4 5:1 2. Spvg. 1900 Gießen 3 7:2 4:2 3. 1. FC. Oberurfel 3 6:6 3:3 4. SV. Elz 3 3:15 0:6 392 Segelflugzeugmodelle im Kamps. Reichswettbewerb des RSFK. auf der Wassersuppe. X MW t v M W Beim Reichswettbewerb für Segelflugmodelle auf der Wasserkuppe in der Rhön konnte Rhönvater Urfinus (rechts) auch dieses ganz neuartige Modell von Helmut Sinn (links) bewundern. Das Modell, das beim ersten Start zehn Minuten flog, besitzt am Vorderteil eine automatische Selbststeuerungsanlage, die mit Hilfe einer Photozelle die jeweils günstigste Steuerung selbständig einstellt. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Der Korpsführer des NS.-Fliegerkorps, Generalleutnant Christiansen, veranstaltete an den Pfingsttagen, vom 4. bis 6. Juni, auf der Wasserkuppe die Reichswettbewerbe für Segelflugmodelle. Aus allen Gauen des großdeutschen Reichs trafen die Teilnehmer im Fliegerlager ein. Zum ersten Male sind auch die jungen Modellbauer aus Deutschösterreich in der Rhön. 392 Modelle lagen am Samstagfrüh ausgerichtet in der Hermann-Göring-Halle/ nach NSFK.-Grup- pen eingeteilt. Bei der Abnahmeprüfung stellte man eine ganze Reihe vielversprechender Neukonstruktionen fest, darunter Modelle mit automatischer Steuereinrichtung durch Photozellen. Alle Modelle wiesen eine tadellose Bauausführung auf, so daß keine Beanstandungen bei der Abnahme zu machen waren. Man sah die verschiedenartigsten Segelflugmodelle, Nur-Flügel-Flugzeuge, Entenflugzeuge, sowie die jetzt herausgebrachten Leichtmetallkonstruk-> tionen. Besonders muß erwähnt werden, daß sehr viele Jungen dazu übergegangen sind, von sich aus neue Werkstoffe für den Bau von Segelflugzeugen ausfindig zu machen. Zahlreiche Zuschauer bekamen wieder einen^Einblick in den Willen der deutschen Jugend zum oegeb flug und die Arbeit, die auf diesem Gebiete geleistet wird. Zahlreiche Ehrengäste, unter ihnen Gauleiter, Staatsrat Weinri ch (Kassel), Vertreter des Reichsluftfahrtministeriums, des Reichserziehungsministeriums, der Gliederungen der Bewegung und der Wehrmacht, wohnten dem 9. Reichsmodell-Wettbewerb bei, der mit 370 Teilnehmern die größte dieser Veranstaltungen war. Die deutsche Segeljugend zeigte ihre große eigen- schöpferische Kraft in zahlreichen Modellen. Besonders auffallend waren die gleichmäßig guten Durch- fchnittsleistungen bet erprobten Modelle. An beiden Tagen wurden über 2220 Starts vollzogen. NSFK.-Gruppenführer von Eschwege begrüßte nach der feierlichen Flaggssnhissuna am ersten Wettbewerbstage im Auftrage des Korpsführers, Generalleutnant Christiansen, die Ehrengäste und Teilnehmer. Für den Reichsjugendführer sprach Obergebietsführer Dr. S t e l l r e ch t. Die ausgesetzten Preise wurden fast ausnahmslos vergeben. Den Wanderpreis des Korpsführers des NSFK. gewann der NSFK.-Mann Helmut Sinn (Oehringen). Die goldene Plakette des Korpsführers ourbe ber NSFK.-Gruppe 15 Stuttgart zugesprochen, bre gleichzeitig eine Prämie von 500 RM. für bie beste Gesamtleistung erhielt. An zweiter Stelle lag die NSFK.-Gruppe 13 Nürnberg, bann folgten: NSFK.-Gruppe 12 Rheinland, NSFK.- Gruppe 1 Ostland und NSFK.-Gruppe 17 Wien. Den Ehrenpreis bes Reichsjugendführers erhielt als bester Pimpf Karl Richter (Elbing) und als bester Hitlerjunge Horst I a r i s ch e w s k i (Danzig- Langfuhr). Ergebnisse: Hand st art: Klasse A: 1. Wilhelm Reinhardt (HI., Köln-Mühlheim): Klasse Al: 1. Günther Wuttke, (HI. Breslau): Klasse B: 1. Wilh Kocher (HI. Reutlingen): Klasse Bl: 1. M. Schubeck (HI. Grünwald): Klasse C: 1. H. Schäfter (NSFK. Rüsselsheim). Hochstart: Klasse A: 1. Karl Richter (Elbing DJ.): Klasse B: 1. Erich Linke (Köln, NSFK.): Klasse C: 1. Gottlieb Thiele (Dresden, NSFK.). Klasse DS: Hanbstart: 1. H. Lang (Wien), 2. Scholl (Pforzheim). — Hochstart: 1. Helmut Sinn (Oehringen). Das Grasbahnrennen auf dem Telerower Sergring. Hier sieht man einen Blick auf bie Bahn während des Rennens der 350-Kubikzenttmeter-Klasse. (Schirner-Bilberbienst-M.) t J V ' 'VV x 3 x 'M - > r ~ .ww ■ > UKW »V ~ s r ‘ T"' Gunzenhauser war Schnellster. Dem 11. Teterower Bergring-Rennen in Mecklenburg wohnten bei schönstem Sommerwetter runb 30 000 Zuschauer bei. Der Held des Tages war ber Neiblinaer Gunzenhauser, der zweimal den Bahnrekord brach. Zunächst schraubte er die von dem Berliner Bertram mit 87,6 km/st gehaltene Bestleistung auf 90,24 und später sogar auf 90,97 km/st. Gunzenhauser siegte in der Klasse bis 350 ccm und bis 500 ccm, kam also zu einem vielbejubelten Doppelerfolg und erhielt damit auch den Ehrenpreis des Korpsführers Hühnlein. Der Berliner Bertram holte sich den Sieg in der 250-ccm-Klasfe. Einen vielversprechenden Eindruck machte der Hitlerjunge M i l c z i n s k i bei den Ausweisfahrern. 10. Juli: Motorradrennen »Rund umSchatten". NSG. Mitten in dem heißesten Monat hat diesmal ber Veranstalter des 12. Schotten-Rennens, bie Oberste Nationale Sportbehörbe (ONS.), den Termin für bas Rennen gelegt. Unb bas mit gutem ©runb, denn es pfeift schon im frühen Herbst ein empfindlicher Wind im hohen Vogelsberg. Die große Chance für bie mit der Durchführung beauftragte Motorgruppe Hessen, die schon seit Monaten mit umfangreichen Vorbereitungen beschäfttgt ist, liegt im Ausfall des diesjährigen Eifel-Rennens. Dadurch ergibt sich für alle Rennställe und auch für alle Lizenzfahrer die Notwendigkeit, Schotten als Auftakt für den am 20. Juli auf dem Nürburgring stattfindenden „Großen Preis von Deutschland" zu beschicken. Die Schottener Rennstrecke, die sich in» folge bes von Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger auch dieses Jahr weitgehendst geförderten Ausbaues in ibealter Verfassung befindet, ist mit ihrer Länge von 16,4 Kilometer, ihrem Höhenunterschied von 660 Meter und ihren vielen spitzen Kehren, Steigungen unb Gefällen für alle Motorradrennen sportlich bie letzte unb einzige Gelegenheit zur Ueberprüfung von Fahrer unb Maschine. Wir werden also alle Spitzenfahrer unb ben in diesem Jahr besonders stark oorbrängenben Nachwuchs am Start sehen. Deutschland-Schweiz 1:1 (1:1) trotz Verlängerung. Dramatische Ouvertüre zur Kußbatt-Wettmeisterschast. Wiederbolungsspiel am 9.3utii. Der packende Kampf zwischen den beiden großen Fußball-Nationen wird am 9. Juni im Pariser Prinzenpark-Stadion wiederholt werden. Deutsche Elf hat Paris verlassen. ■ x&7..>y.v2? Unser linkös Bild zeigt eine prächtige Abwehr des deutschen Tormannes Raftl (im Bild rechts)./Rechts: Gefährliche Situation für den schweizerischen Torwart Huber (im Bild rechts.) — (Scherl-Bilderdienst-M.) Der erste große Kampf der Fußballweltmeister- schast ist geschlagen. Mit Hoffen und Bangen haben die deutschen Fußballfreunde auf den großen Kampf zwischen den beiden alten Fußballnationen Deutschland und Schweiz im Pariser Prinzenpark-Stadion, mit dem am Samstag die F u ß - ballweltmei st erschaft eröffnet wurde, gewartet. Nach den großen Erfolgen der letzten Zeit — 2:2 gegen Italien, 4:1 gegen die Tschechoslowakei, 2:1 gegen England — waren die Eidgenossen zu einem überaus gefährlichen Gegner geworden, ja, sie galten als Favoriten. Mock und Minelli wählen... Der Platz macht einen gut gepflegten Eindruck. Ueber der Tribüne wehen das Hakenkreuzbanner, die Schweizer Nationalflagge, die Trikolore und die Fahne der FIFA, des internationalen Fußball- Berbandes. Kurz vor 17 Uhr laufen die beiden Mannschaften aus dem Tunnel gleichzeitig auf den Platz. Deutschlandlied und Horst-Wessel-Lied rauschen über den Platz. Der belgische Schiedsrichter John Lan- aenus, dem die Linienrichter van Morset (Holland) und M a r e n g o (Frankreich) zur Seite stehen, läßt zwischen dem Wiener Mittelläufer M o ck und dem Schweizer Verteidiger Minelli wählen. Der Schweizer gewinnt und entscheidet sich gegen die Sonne und den seitlich wehenden Wind. Dann nehmen die 22 Kämpfer wie folgt Aufstellung: Deutschland: Raftl (Wien) Janes Schmaus (Düsseldorf) (Wien) Kupfer Mock Kitzinger (Schweinfurt) (Wien) (Schweinfurt) Lehner Gellesch Gauchel Hahnemann Pesser (Augsburg) (Schalke) (Neuendorf) (beide Wien) Aebi Tr. Abegglen Bickel Walacek Amado (beide Servette) (Graßhoppers) (Servette) (Lugano) Springer Vernati Lörtscher (beide Graßhoppers) (Servette) Lehmann Minelli (beide Graßhoppers) Schweiz: Huber (Graßhoppers) Schweizer starten schnell. Nach dem Verlauf der ersten Viertelstunde sind die Hoffnungen der deutschen Kolonie bedenklich ge- ftinken. Würden nicht Janes in der Verteidigung und Kupfer in der Läuferreihe immer wieder die schwungvollen Angriffe der Schweizer auffangen, dann hätten die Eidgenossen schon hier mit einem Tor Vorsprung geführt. Eine gefährliche Situation spielt sich in der achten Minute vor dem deutschen Tor ab. Trello Abegglen gibt von links eine Flanke in den deutschen Strafraum, die Bickel verpaßt. Aufatmen in der deutschen Kolonie! Schon aber ist Walacek bereit, das Leder aufzunehmen, in letzter Sekunde aber wirft sich Raftl dem Sweizer in den Schuß und rettet. Nach fünfzehn Minuten kommt auch Zusammenhang in den deutschen Angriff. Besonders Kitzinger und Kupfer bauen aus der Defen- Sae heraus zweckdienlich auf und bieten so dem ngriff eine wertvolle Unterstützung. Doch in der 20. Minute muß Raftl wieder einmal als letzter Mann retten. Bickel schießt aus 20 Meter Entfernung, Abegglen springt dazwischen, aber Raftl nimmt ihm im Sprung den Ball weg. Zwei Minuten später muß Abegglen, der von Kitzinger an- aesprungen wurde, den Platz verlassen. Es zeigt sich immer deutlicher, daß unser Mittelläufer Mock dem Schweizer Bickel allzu viel Spielraum läßt. So schießt der gegnerische Mittelstürmer freistehend in der 26. Minute mit Bombenschuß aufs Tor. Raftl wehrt den Ball ab, schlägt ihn aber, von Amado bedrängt, zur ersten Ecke ab. Groß ist der Jubel, als Abegglen in der 27. Minute wieder auf dem Spielfeld erscheint. 4:0 durch Gauchel. 5n die deutschen Angriffe kommt immer mehr Zug, und in der 27. Minute fällt der deutsche Führungstreffer nach einer wunderschönen Kombination. Kitzinger gibt eine lange Vorlage in den freien Raum zwischen Springer und Minelli, geistesgegenwärtig schaltet sich Pesser ein, flankt geschickt zu dem freistehenden Gauchel. Der überlegt nicht lange und feuert einen 16-Meter-Schuß unhaltbar zum 1:0 für Deutschland ins Netz. „Trello" schiebt Ausgleich. Mehr und mehr wird Deutschland überlegen, vor allem, weil es die Läuferreihe versteht, Fühlung mit dem Angriff zu halten. Sie hat erkannt, daß die Eidgenossen durch das deutsche Tor etwas an Schwung verloren haben, und widmet sich immer mehr dem Aufbau. Ja, unsere Verteidiger stehen sogar oft auf der Mittellinie. Nur hin und wieder dringen die schnellen Schweizer (Stürmer mit gefährlichen Durchbrüchen in den deutschen Strafraum ein. So erreichen sie in der 35. Minute eine zweite Ecke, die aber von der deutschen Verteidigung gebannt wird. In der 37. Minute nimmt Raftl wagemutig Aebi den Ball vom Fuß. Bei den deutschen Angriffen hat Hahnemann zweimal mit schönen Schüssen Pech. Dann fällt mitten in der deutschen Ueberlegen- heitsperiode in der 44. Minute der Ausgleich. Der Ball prallt von Mock ab, kommt zu Walacek, der genau zur Mitte flankt. Abegglen ist zur Stelle, völlig frei und unbehindert jagt er den Ball aus sechs Meter ins Netz. Bis zum Wechsel ereignet sich nichts mehr von Belang. Nach der Pause hochdramatisch. Während der ersten zehn Minuten der zweiten Spielzeit erzwingt die deutsche Elf noch eine leichte Feldüberlegenheit, der ganze Rest der zweiten Halbzeit gehört aber den Schweizern, die sich dem Spiel der Deutschen ausgezeichnet anzupassen wissen. Mehr und mehr wird die eidgenössische Elf überlegen, mehr und mehr spielt sie sich in die Form, in der ihr der sensationelle 2:1-Sieg über England gelang. Dabei bedient sich die Schweizer Mannschaft ganz einfacher Mittel: sie deckt vorbildlich, ist technisch ausgezeichnet, spielt schnell und steil ab und setzt sich vor dem deutschen Tor restlos ein. Der deutsche Angriff dagegen arbeitet zu breit und umständlich. Wäre Raftl nicht in so glänzender Form, dann hätten die Deutschen ihre Hoffnungen längst begraben können. In det 62. Minute zeigt Gauchel eine technisch feine Leistung. Der Koblenzer windet sich elegant an Vernati vorbei und flankt zu Hahnemann, der aber von Springer im Strafraum regelwidrig gelegt wird. Der Belgier Langenus pfeift nicht ab. In der 69. Minute tauschen Walacek und Trello Abegglen die Plätze. Immer noch sind die Eidgenossen stark überlegen. Ihre Angriffe folgen fast Schlag auf Schlag, immer sind sie gefährlich, und die deutsche Verteidigung kommt kaum zu Atem. Lehner hat einen schwarzen Tag, ihm gelingt aber auch gar nichts. Auch Gellesch, der eine halbe Stunde recht gut gefallen konnte, fällt in der letzten Viertelstunde der regulären Spielzeit mehr und mehr ab. 14 Minuten vor Schluß umfpielt' Aebi Janes und gibt zu Amado, der aber von Raftl vom Ball gedrängt wird. Wenig später faustet der Wiener zu kurz, Amado nimmt den Ball auf und leitet weiter zu Aebi, doch wirft sich Kupfer dazwischen und klärt. Beängstigend ist der Druck der Schweizer. In jeder Minute können sie zum Führungstreffer kommen. Da begeht Minelli in der 84. Minute an Hahnemann ein offensichtliches Foul; Lehner verschießt aber den 16-Meter- Freistoß. Kurz vor Schluß der regulären Spielzeit hat Lehner die größte Chance des Spiels: er erwischt einen von Huber schlecht abgewehrten Ball und schießt unbehindert aufs Tor. Aber hier steht der Schweizer Verteidiger Lehmann als letztes Bollwerk. Dann pfeift Langenus. Kämpferischer Einsatz bis zum letzten. Man nimmt die 30 Minuten der Verlängerung in Angriff. Zur größten Ueberraschung der kleinen deutschen Kolonie beginnt unsere Mannschaft sofort mit schönen Angriffen. Zahlreiche Vorstöße kommen vor das Schweizer Tor, aber immer wieder erweisen sich die Verteidiger Minelli und Lehmann als unüberwindliches Bollwerk, oder die deutschen Stürmer schießen zu schwach. In der 25. Minute wird Kitzinger bei einem Zusammenprall verletzt. Der Schweinfurter wechselt nach Rechtsaußen, Lehner spielt halbrechts, während Gellesch Kitzingers Läuferposten übernimmt. Lehner findet sich jetzt besser zurecht als vorher am Flügel. Er zeigt schöne Weitschüsse und drängt stark zum Tor. Eine große Chance haben die Eidgenossen in der 104. Minute, als Bickel über den herausgelaufenen Raftl hinweg aufs Tor köpft. Zum Glück ist aber Kupfer zur Stelle und befördert den Ball ins Aus. Das hätte das Schweizer Siegestor sein können! Mit letztem Einsatz kämpfen Deutsche und Schweizer um den siegbringenden Treffer. Riesenpech haben wir, als in der 111. Minute ein prächtiger 30-Meter-Schuß von Janes über Gauchel zu Lehner kommt. Der Augsburger schießt, aber auch sein Schuß bleibt an dem am Boden liegenden Gauchel hängen. Verzweiflung packt die deutschen Schlachtenbummler über so viel Unglück. Denn Huber hätte den Ball keineswegs mehr erreichen können. Dann kommt es zu einem bedauerlichen Zwischenfall. Minelli hat bereits abgewehrt und ist nicht mehr im Besitz des Balles, als Pesser nachtritt und an dem Schweizer ein schweres Foul begeht. Langenus kann nicht anders: er muß den Wiener, der von den Zuschauern gehörig ausgepfiffen wird, vom Platz stellen. Das ist ärgerlich. Seit Jahren hat es keinen Platzverweis eines deutschen Nationalspielers in einem Länderkampf gegeben. Schade, daß es gerade in Paris sein mußte. Der Zwischenfall hat beide Mannschaften nervös gemacht. Es kommt kaum noch zu zusammenhängenden Kombinationen, es bleibt beim 1:1. Kritische Vetrachilmg. Kupfer und Nastl die besten Deutschen. Die deutsche Elf hat mit Ausnahme der zweiten Halbzeit, wo sie verschiedentlich arg in Not geriet, ein sehr gutes Spiel geliefert. Größte Anerkennung verdienen vor allem der körperliche Einsatz und die hervorraaende Kondition, die es gerade nach der Pause allein ermöglichten, den zahlreichen Schweizer Angriffen standzuhalten und bis zur letzten Minute der Verlängerung den Kampf ausgeglichen zu gestalten, wenngleich Pesser nach einem bitteren Vergehen nicht mehr mittun konnte. Die unstreitig besten deutschen Spieler waren der Schweinfurter Kupfer und Raftl im Tor. Gerade in kritischen Situationen zeichneten sich die beiden immer wieder durch Ruhe, Entschlossenheit, erfolgreichen Einsatz und Schnelligkeit im Handeln und Denken aus. In der Verteidigung hatten Janes und Schmaus ein ungeheures Arbeitspensum. Janes spielte dis zur Pause und nach der zweiten Halbzeit meisterlich, abgeklärt, ruhig und sicher. Schmaus zeigte famose Zweikämpfe mit dem kleinen Amado, fiel aber gegen Schluß eine Kleinigkeit ab. Mock liefe seinem Mittelstürmer, der sich allerdings als überaus wendig erwies, manchmal etwas viel'Spiel- raum. Sein Aufbauspiel aber war ohne Tadel. Kitzinger fiel keineswegs ab, arbeitete energisch, zer? störte mit Erfolg und unterstützte auch den Sturm. Im Angriff sah man viele schöne Einzelleistungen; hin und wieder gab es auch zügige Kombinationen — den Eindruck eines geschlossenen, schußgewaltigen Quintetts gewann man aber nicht. Großartige Schweizer Elf. Es ist erstaunlich, wie wundervoll einfach und zweckmäßig die Schweizer Elf auch diesmal wieder spielte. Die Eidgenossen deckten ausgezeichnet, kämpften mit hundertprozentigem Einsatz, dabei aber mit dem Körper und dem Kopf. Ihre besten Spieler waren ohne Zweifel Minelli, Lehmann und der Mittelläufer Vernati, der überaus beweglich war und sich ganz der jeweiligen Situation anpaßte. Die Außenläufer kamen nicht ganz an ihre Leistungen von Köln heran. Im Sturm gingen die meisten Angriffe von Walacek und Trello aus, am gefährlichsten aber war der spurtschnelle Bickel. Von den Außen gefiel Amado besser als Aebi. Als Mannschaft hinterließen die Eidgenossen einen verblüffend einheitlichen Eindruck. Sie haben das 1:1 ebenso verdient, wie die Deutschen. Kämpfe von großem Iormal. Sechs weitere Vorrundenspiele zur 111. Iußball-Weltmeisterschast. Zu welch gewaltigen kämpferischen Leistungen Fußball-Nationalmannschaften fähig sein können, wenn es um hohen und höchsten Einsatz geht, das bewiesen am Pfinastsonntag die restlichen sechs Vorrundenspiele zur III. Fußball-Weltmeisterschaft auf französischem Boden. „Kampf bis zur letzten Sekunde", das war schon das Leitwort des großen Ringens zwischen Deutschland und der Schweiz am Samstag — und die gleiche Losung beherrschte auch am Pfingstsonntag die Weltmeisterschafts-Vorrunde. Der Weltmeister Italien schlug Norwegen erst in der Verlängerung mit 2:1 (1:0, 1:1). Brasilien zwang die tapferen Polen erst in der verlängerten Spielzeit zur 6:5-Niederlage (3:1,4:4). Die Tschechoslowakei erreichte erst nach der regulären Spielzeit den Sieg, der dann allerdings mit 3:0 (0:0) klar gegen die Holländer errungen wurde. Ohne Entscheidung blieb das Treffen zwischen Rumänien und Kuba, die sich trotz Verlängerung 3:3 (1:1, 2:2) trennten und ihren Kampf, ebenso wie Deutschland und die Schweiz, nunmehr am kommenden Donnerstag wiederholen müssen. Einen leichten Gegner hatten die Ungarn in Niederländisch-Jndien; die Magyaren siegten mühelos mit 6:0 (4:0). Frankreich schaltete Belgien mit 3:1 (2:1) aus. 3n der zweiten Runde am kommenden Sonn- tag 12. Juni, treffen sich nunmehr: in Lille: Deutschland oder Schweiz — Ungarn, in Antibes: Schweden — Rumänien oder Kuba, in Paris: Frankreich — Italien, in Bordeaux: Tschechoslowakei — Brasilien. Nach ihrem Unentschieden gegen die Schweiz haben die deutschen Fußballer Paris wieder verlassen. Sie werden bis zum Wiederholungskampf gegen die Eidgenossen am kommenden Donnerstag in Aachen ihr Quartier aufschlagen, um fern von allem Meisterschaftstrubel zu fein. Da Pesser nach seinem Platzverweis nicht mehr spielen darf, und Kitzinger verletzt ist, wird die deutsche Mannschaft das Rückspiel mit einer anderen Aufstellung bestreiten, als am Samstag. Es ist damit zu rechnen, daß S t r e i 11 e in der Verteidigung eingesetzt wird, Wagner oder S k o u m a l (beide Wien) für den Schweinfurter Kitzinger und im Angriff Hahnemann, Stroh, Gauchel, Szepan, Neumer aufgestellt werden. Voraussetzung ist natürlich, daß der Wiener Stroh gesundheitlich wieder hergestellt ist. Im anderen Falle wird Szepan und Lehner den rechten Flügel bilden und Hahnemann und Neumer werden auf der linken Seite spielen. Pesser bestraft. Die Reichssportführung hat durch Reichsfachamtsleiter Linnemann den Spieler Johann Pes- s e r wegen seines unsportlichen Verhaltens im Pariser Spiel gegen die Schweiz von den weiteren Kämpfen um die Fußballweltmeisterschaft ausgeschlossen. Außerdem ist Pesser für die Dauer von zwei Monaten für jeden Sportverkehr gesperrt. 1 185 000 Franken wurden eingenommen. Von allen sieben Spielen der Vorrunde zur Fußball-Weltmeisterschaft hatte der Kampf zwischen Deutschland und der Schweiz am Samstag im Pariser Prinzenpark den größten Publikums-Erfolg. Wie schon berichtet, betrug die Einnahme über 500 000 Franks. Erst an zweiter Stelle folgt das Spiel Frankreich — Belgien, bei dem im Colömbes- Stadion rund 490 000 Franks umgefetzt wurden. Italien — Norwegen in Marseille brachte 280 600, Brasilien — Polen in Straßburg 200 000, Holland — Tschechoslowakei in Le Havre 145 000, Ungarn — Niederl.-Jndien in Reims 140 000 und Rumänien — Kuba in Toulouse 110 000 Franks. Der Gesamtbetrag der Brutto-Einnahmen aller sieben Spiels stellte sich auf 1 185 000 Franks. Dazu kommen noch die Beträge der beiden Wiederholungsspiels am kommenden Donnerstag zwischen Deutschland und der Schweiz auf der einen und Rumänien und Kuba auf der anderen Seite. Großer deutscher Hockeysiea! Großbritannien in München mit 2:1 (2:0) geschlagen. Nach den wenig befriedigenden Ergebnissen der letzten Spiele errang die deutsche Hockey-Nationalmannschaft am Pfingstsonntag in München gegen die Auswahl Großbritanniens einen glanzvollen 2:1 (2:0)-Sieg. Die 1500 Zuschauer erlebten einen mitreißenden Kampf, in dem besonders die deutsche Elf durch ihre vorzügliche Zusammenarbeit gefiel. Der Erfolg unserer Nationalspieler war durchaus verdient, wenn sie auch in der zweiten Hälfte weniger energisch spielten und so den Briten einen Gegentreffer ermöglichten. Der zweite Tag. Im Mittelpunkt des zweiten Feiertages beim Münchener Pfingsthockeyturnier standen die Begegnungen Wiener Frauen gegen Bayern und Münchener Stadtelf — All British Wanderers. Den Kampf der beiden Frauen-Auswahlmann- fchaften gewannen die bayerischen Vertreterinnen mit 1:0 (1:0). Die Bayerinnen waren wesentlich schneller und siegten verdient. Das einzige Tor schoß in der 6. Minute Frl. Beiküfer (Nürnberg). Der Kampf der Männer stand kaum den Leistungen des Vortages zwischen den Nationalmannschaften nach. Die All British Wanderers, die mit einer Ausnahme aus Leuten der Nationalmannschaft des Vortages bestanden, gewannen nur knapp und glücklich mit 2:1 (1:1) über die Münchener Stadt- Vertretung. Rittmeister K. Haffe siegt. Abschluß des Warschauer Reitturniers. Das Internationale Reitturnier in Warschau wurde am Pfingstsonntag bei herrlichem Wetter abgeschlossen. Im Abschiedsspringen über 16 Hindernisse siegte Rittmeister K. H a s s e auf Cascade als Zweitschnellster in 137,4 Sekunden vor dem französischen Lt. de Chassay mit Rei de Coussan in 139,4 Sek. Einen französischen Sieg gab es zum Schluß im Wettbewerb der Sieger, der über 18 Sprünge von 1,40 Meter Höhe und 5 Meter Breite führte. Lt. Chevalier verwies im Stechen auf Gros Jean in 108 Sek. wiederum fehlerfrei den polnischen Rittmeister Nowak auf Toreador mit 110,3 auf den zweiten Platz. Oblt. Brinkmann schied im Stichkampf aus Ergebnisse. Abschiedsspringen: 1. Cascade (Rittmei- fter K. Hasse, Deutschland) 0 F. 137,4 Sek.; 2. Rei de Coussan (Lt. de Chassay, Frankreich) 0 F. 139,4; 3. Florek-Silacz (Rittmeister Bilinski, Polen) 0 F. We11dewerb der Sieger: 1. Gros Jean (Lt. Chevalier, Frankreich) 0 F., 108 Sek.; 2. To- reabor (Rittmeister Nowak, Polen) 0 F., 110,3; 3. Acrobate (Lt. Poswick, Belgien) 0 F., 118 Sek., im Stechen entschieden. Den Preis der Nationen gewann Polen mit 223/< Punkten vor Deutschland mit 32, der Türkei mit 54, Belgien mit 58, Frankreich mit 59 und Rumänien mit 603/4 Punkten. Als einziger Teilnehmer blieb der polnische Leutnant Skulicz in beiden Umläufen ohne Fehlerpunkt. Kneisel gewinnt dasGlockner-Nennen. Der vierte Groß-Glockner-Abfahrtslaus von der Adlersruhe über den Hofmannsgletscher zur Pasterze gestaltete sich bei prachtvollem Wetter zu emem großartigen sportlichen Kampf, dem auch Reichsstatthalter Seyß-Jnquart, Reichssportführer von Tschammer und Osten und Korpsführer Hühn- lein beiwohnten. Sieger wurde Eberhard Knei- sel. Der führende deutsche Meister Lantschner stürzte und brach das rechte Bein. Nach langer Zett sah man wieder Leo Gasperl im Kampf. In'der Klasse d-r Säufer mit dem Thirringmantel war er mit 3:49,3 Minuten der Beste. Ergebnisse: 1. Kneisek (Söldens 3-45 2- 2 ©ftrein (®urg() 3:47,2; 3.' Staffier (Innsbruck) Flausmg (Partenkirchen) 4:01,2; 5.56. ler (Bad Tolz) 4:02,4; 6. Christian (Kabenberg) ^4?lD5'^a“JM™Cr9) ie 4:04; 8- Rudi Matt Beete (Sehfeld) ^"tenkirchen) 4:05,4; 10. Toni