Nr. 20? Erstes Blatt 188. Zahrgang Montag, 5. September 1958 LrlcheMt tLgltch, außer Sonntags und Feiertags Betlagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholl« Monats-Bezugspreis: Mil 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr , -L5 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gietzea Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Prüft und Verlag: Srühlsche UniverfitStrdruckerei «.Lange in «ehe». Schristleitvng und Seschästrftelle: Schulsttatz« 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/.UHr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Bps.. für Textanzeigen von70mm Brette 50Rpf.,Platzoorschrift nach oorh.Dereinbg.25"/« mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts» u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Nürnberger Parteitag im Großdeutschen OReid). Ein Jahr weltgeschichtlicher Ereignisse rundet sich, wenn der Führer in diesen Septembertagen vor den R e i ch s p a r t e i t a g der NSDAP, in Nürnberg tritt und mit dem deutschen Lolke Einkehr hält über das, was geschah und was noch zu tun ist. Sein Wille hat die Weltpolitik gewandelt. Deutschland ist nicht nur frei und stark, es ist in dem abgelaufenen Jahr der Partei größer geworden, es ist Groß- deutschland geworden! Was das heißt, weiß heute jedes Kind im Reich, und draußen weiß es die Welt, wenn sie auch noch so tut, als begreife sie es nicht. Heimkehr der Heimat des Führers, Heimkehr der Ostmark ins Reich, das ist freilich eine „Umwertung", denn sie erweist den Borrang des Deutschen in Mitteleuropa. Das Altreich, das Zweite Reich, ist die Schöpfung Bismarcks, und die Ostmark kehrte heim in das Gesamtvolk — in bas Dritte Reich. Draußen aber war noch die Fiktion erhalten worden, das Erste Reich lebe noch in dem Oesterreich der Schuschnigg und Genossen. Diese Fiktion wurde durch das Volk von Oesterreich selber zerschlagen, als es sich mit überwältigender Macht und Stimme zum Führer Adolf Hitler bekannte. In ergreifenden Worten hat R u d o l f H e ß, der Stellvertreter des Führers, dies bei der Toten- und Heldengedenkfeier in Wien.im Juli ausgesprochen: „Niemandem hat es zum Schaden gereicht, daß ihr Ostmärker aufgegangen seid im Großdeutschen Reich. Niemandem hat es zum Schaden gereicht, wohl aber wird es Millionen zum Segen werden, daß auch hier in diesem Lande neues Leben eingezogen ist, daß die Arbeitslosen wieder Arbeit bekommen haben, daß die Räder, die stillstanden, sich wieder drehen, daß der Bauer wieder weiß, warum er sein Korn sät und erntet, daß euer Dasein wieder einen Sinn hat, daß das Wirken von Kopf und Hand nicht nur dem eigenen Ich dient, sondern vor allem der großen gemeinsamen Heimat und ihrer Zukunft." Rudolf Heß zog dann gegen jene verleumderische Auslandsmeinung zu Felde, die immer noch wähnt, die „Freiheit" der Oesterreicher „wiederertämpfen" zu müssen. Mit Gewalt solle Zunichte gemacht werden, für was die Toten der Bewegung in Oesterreich gefallen sind — und letzten Endes solle in Oesterreich dann der Sinn und die Erfüllung der Opfer des Weltkrieges verfälscht werden. Befreiung — F r e i h e i t sie wurden ja gerade in Oesterreich erkämpft, für die Oesterreicher, die Ostmärker des Reiches der Deutschen! Freiheit — das ist die Parole dieses Kampfjahres gewesen, und ihr Sieg ist der höchste Triumph jener Auffassung von Freiheit, der allein noch Sinn und Zukunft hat. Diese gewaltige schöpferische Erweisung der neuen Freiheitsindee hat Reichsminister Rust in Göttingen vor den Studenten der zweihunder^ährigen Alma water im vorigen Jahre einmal vargedeutet, als er sagte: „Angesichts des kleinen Raumes unseres Reiches (1937!) haben wir mehr Drang nach Freiheit zu überwinden als die anderen. Unsere 67 Millionen haben nicht den Platz, um einfach vom Acker das Brot und aus dem Bergwerk das übrige zu haken. Wir müssen ungeheuer arbeiten, um die Grundlagen für unser Volk zu schaffen, und müssen uns ungeheuer in Zucht nehmen. Wir brauchen diese völkische Ordnung, auf daß dies Volk nicht noch einmal einen 9. November 1918 erlebt, auf daß nicht ein in die Tiefen führender Geist eines falschoerstan- denen Freiheitsbegrisfs den Widerstandswillen lockert und auf daß nicht eines Tages der Todesstoß von Moskau geführt werden kann. Denn mit Deutschland würde die ganze Welt diesen Todesstoß erhalten ..." muß die Welt jetzt in der Gestalt Großdeutschlands schon hinnehmen! Sie hat ja selbst Pate dabei gestanden — indem sie einst 1919 in Paris den Deutschen so tief erniedrigte ... Das Jahr, das jetzt in Nürnberg abgeschlossen wird, war voll gewaltigen Geschehens, aber auch voll unerhörter innerer Arbeit der Partei. Zu schweigen von der Eingliederung der ostmärkischen Partei- und Volksgenossen — unendlich vieles drängte zu Tat und Entscheidung. Mit der Heimkehr Wiens ins Reich kam die Judenfrage in ein neues Stadium. Stetig und klar ist unser Weg darin. Und die reichlich hilflosen Versuche der westlichen Demokratien — so auf der Konferenz von Evian — beweisen, wie drängend diese Frage für die Welt inzwischen geworden ist. Wir haben bei uns die Lösung gefunden, mögen die anderen jetzt aufrichtig die ihrige finden! Gefunden hat der Nationalsozialismus auch andere Lösungen, auf die das Schicksal der modernen Völker hindrängt: so in der aus unserer Idee der Freiheit gelösten Frage der Arbeitsgemeinschaft des ganzen Volkes. Die Ueberwindung des Klassenkampfes und die großartige Einbeziehung aller in den einen Arbeitsprozeß eines sich schwer zur Freiheit kämpfenden Volkes — das ist eine Tat, die der Welt als Beispiel gelten sollte und nicht als Gegenstand der Verhetzung! Und so treten wir alle im Geiste in diesen Tagen vor den Führer in Nürnberg, vor ihn, dem wir all das verdanken, und geloben ihm mit den Worten Treue, die Rudolf Heß in Wien sprach: „Unser Leben gehört dem Führer, wie ihr (der Toten der Bewegung) Leben und Sterben ihm gehört hat. Unser Leben gehört ihm, durch dessen Wirken das Schicksal unser Volk wieder auferstehen ließ. Unser Leben gehört ihm, mit dem der Herrgott war und mit dem der Herrgott sein wird. Das ist unser heißer Glaube." . C. H. Auf Per Nürnberger Burg. Oie Reichsjugendherberge „Luginsland" ihrer Bestimmung übergeben. (Scherl-Bilderdienst-M.) - V ü < M ä W M vZ> Großdeutschland lebt in dieser neuen Freiheits- idee, die den westlichen Demokratien so viel Kopfzerbrechen macht. Sie flüchten sich — wenigstens mtt den liberalen Flügeln — bis hin in die sowjet- russische Wüstenei, in diese mörderischste Ideologie des Materialismus, wo sich die falsche Freiheitsidee von 1798 zu Tode hetzt. Und schon erheben sich selbst im alten England Stimmen, wie die des Generalmajors Fuller, der fragt: „Gegen wen rüsten wir auf? Gegen jeden Angreifer, erzählt man uns. Die einzige Nation, die feit 1919 praktisch jede andere Nation angegriffen hat, ist die-UdSSR., denn ihr Ziel ist die Weltrevolutwn und ihre Angriffs« Waffe ist die Umsturzpropaganda." Die Wahrheit bricht sich also Bahn. Großdeutsch- lond ist in der zuchtvollen Haltung des Nationalsozialismus das Bollwerk Europas geworden. Das ist die schlechthin weltpolitische Bedeutung des „Anschlusses". Aber Großdeutschland in Mitteleuropa mit der Stellung Rücken an Rücken zu Italien und den übrigen Nachbarn im Südosten — das ist auch ein Schritt über Versailles hinaus, der endlich raum- politische Tatsachen schafft und keinen Zweifel mehr läßt über die endgültige Ueberwindung des Unglücks von 1919. Der Reichsparteitag wird gehalten in der Zeit der zwanzigsten Wiederkehr des Zusammenbruchs der Mittelmächte im Herbst 1918. Welche Wandlung seither! Dieser Aufstieg aus so tiefem Niederbruch ist einzigartig in der Geschichte und erweist die innere Größe und Zukunftsträchtigkeit des deutschen Gesamtvolkes. Wenn die Welt das begreifen würde und sich nicht in kleinliche Gehässigkeiten durch jüdische Kliquen hetzen ließe, dann würde schon viel gewonnen sein für den Dieb beredeten Weltfrieden! Das deutsche Element in der Welt ist eine tiefe metaphysische Notwendigkeit. Daß sich der Deutsche nach dem Zusammenbruch und der Haßorgie seiner Feinde wieder auf fein höheres Selbst lEsann und dies mit -einer bis dahin an ihm unerhörten inneren politischen Kraft ausdrückte, das Nürnberg, 4. Sept. (DNB.) Am Sonntagabend fand die Indienststellung der Reichsju - gendherberge „Luginsland" auf der Nürnberger Burg statt, in der der Reichsjugendführer fein Standquartier während des Reichsparteitages haben wird. Vom Rathaus bis zur Höhe hinauf säumte die Nürnberger Jugend, Jungvolk und HI. mit brennenden Fackeln die Burgstraße, dicht gedrängt dahinter Tausende von Volksgenossen, die sich quf dem ganzen Gebiet der Burg eingefunden hattest. Der Leiter des deutschen Jugendherbergswerkes, Obergebietsführer R o d a tz , erstattete dem Reichsjugettdführer Meldung, daß mit der Reichsjugendherberge „Luginsland" die 321. Jugendherberge feit der Machtübernahme fertig gestellt ist. Dann ergriff der Reichsjugendführer das Wort: „Es ist eine stolze Meldung", so sagte er, „die mir soeben erstattet wurde. Die Reichsjugendherberge „Luginsland" zu Nürnberg ist vollendet! Ich möchte dem tief gefühlten Dank der gesamten Führerschaft der Jugend in diesem Augenblick bewegten Ausdruck geben,' indem ich Ihnen, lieber Parteigenosse Streicher, im Namen all der Millionen, die in der Jugend des Führers für feine Idee und feine Parole'marschieren, das Goldene Ehrenzeichen der HI. verleihe. Sie sind, Parteigenosse. Streicher, mit der Geschichte der nationalsozialistischen Jugendbewegung untrennbar verknüpft. Sie waren es, der einst in einer Zeit, als noch niemand glaubte, daß aus dem kleinen Anfang von damals die Millionenbewegung der Hitler-Jugend wurde, ihr den Namen gab, der die Voraussetzung für ihren Ausstieg wurde und ohne den die Hitler- Jugend nicht denkbar wäre." Der Reichsjugendführer dankte dann weiter Reichsminister Kerrl, Ministerpräsident Siebert und Oberbürgermeister Liebel für ihre Unterstützung. Sein weiterer Dank galt Professor Brugmann, dem Gestalter der Reichsjugendherberge, und feinem Mitarbeiter Baurat. Lincke. Nach dem Fahnenlied der HI. übergab Oberbürgermeister Liebel dem Reichsjugendsührer die Schlüssel zur Reichsjugendherberge. DerAdols-Httler-Mrsch der HI. Feierliche Vereidigung im Lager Fürth. Fürth, 4. Sept. (DNB.) Am Freitagnachmittag trafen die einzelnen Marscheinheiten des Adolf- Hitler-Marsches im Sammellager Fürth ein. Jedes Gebiet hat eine Marscheinheit zum Adolf-Hitler-Marsch gestellt. Insgesamt wurden dabei rund 12 000 Kilometer zurückgelegt. Die Marscheinheiten aus Pommern mußten z. B. weit über 800 Kilometer zurücklegen. Eine besondere Freude hatte das Sammellager des Adolf-Hitler-Marsches durch den Besuch des Reichsjugendführers. Ihr seid, so sagte er, die Fahnenträger der Repräsentanten der Jugend und tragt mit' euren Fahnen die Herzen des jungen Deutschlands. Der Adolf-Hitler-Marsch ist der Marsch der jungen Generation. Möge die ganze deutsche Jugend in eurem Bekenntms- marsch ein Symbol erblicken. — Baldur v. Schirach dankte den Marschteilnehmern im Namen der Reichsjugendführung und im Namen der gesamten Hitler-Jugend für die große Leistung, die mit diesem Marsch vollbracht wurde, und nahm bann die Vereidigung vor. Laut sprachen die Fahnenträger den Eid nach, die Fahne der Jugend in Glück und Not dem jungen Deutschland voranzutragen, sich jederzeit der Fahne würdig zu erweisen, ihre Ehre mit dem Leben zu verteidigen, immer bereit, in ihrem Dienste zu leben und zu ihrem Ruhme in den Tod zu gehen. Am Samstag (Yemeinschaffsempfang der HI Berlin, 4. Sept. Der Leiter des Jugendamtes der DAF., Oberbannführer Schröder, teilt mit: Das größte politische Erlebnis eines jeden Jahres ist der Reichsparteitag der NSDAP. Dank der Entwicklung des Rundfunks nehmen an ihm nicht nur die Zehntousende teil, welche das Glück haben, selbst in Nürnberg sein zu können, sondern das ganze deutsche Volk ist am Rundfunk Zeuge dieses gigantischen Geschehens. Getragen von dem Bestreben, der schaffenden Jugend nichts vorzuenthalten, rufe ich hiermit zum Gemeinschaftsempfang der Kundgebung der Hitler-Jugend am Samstag, 10. September, 9.30 Uhr, auf. An alle Betriebsführer, Lehrherren und Meister richte ich die Bitte, allen berufstätigen Jungen und Mädeln die Teilnahme an diesem Gemeinschaftsempfang zu ermöglichen. Nähere Anweisungen ergehen von den (Sau* und Kreisjugendwaltern der Deutschen Arbeitsfront. „Freut Euch des Ledens!" Beginn des KdF.-Volksfestes in Nürnberg. Nürnberg, 4. Sept. (DNB.) Mit dem „Tag der Nürnberger und' Nürnbergerinnen" nahm am Samstag das große „Kraft-durch-Freude"-Dolksfeft „Freut euch des Lebens!" in der KdF.- Stadt am Valzner-Weiher, bas erst am 15. September seinen Abschluß finden wirb, feinen fröhlichen Beginn. Der Eröffnungstag war den Nürnbergern und Nürnbergerinnen, vor allem aber den Arbeitskameraden, die während des Reichsparteitages im strengen Dienst stehen, gewidmet. So war es denn auch nicht verwunderlich, daß sich in der KdF.- Stadt, die im Fahnenschmuck prangte und deren Freigelände mit herrlichen Blumenbeeten verschönt ist, ein Leben und Treiben entwickelte, wie man es nur in den Tagen des Reichsparteitages selbst gewohnt ist. In der Frankenhalle rollte, wie im Vorjahre, ein hervorragendes Programm ab. Artisten wie Truxa, die 4 Winstons, die 3 Franklins, 6V2 Lias usw. gaben Proben ihres Könnens, während das Ballett GeraiD mit neuesten Tanz- fchöpfungen das Publikum erfreute. Für Stimmung und Humor sorgte der Ansager Richard Kistenmacher, für die musikalische Ausgestaltung des Programms das NS.-Frankenorchefter sowie eine Nürnberger Militärkapelle. Auch in den übriben Hällen gestalteten beste deutsche Künstler der Artistik und des Humors das Programm. So bot die Hanseatenhalle Frohsinn von der Wasserkante, in der Bayernhalle herrschte echt oberbayerische Stimmung, und in der Berliner Halle kamen Artistik, Gesang' und Komik zu Wort, während in der Rheinlandhalle Koblenz und Köln in Gemeinschaftsarbeit die Festfolge bestritten. Am Nachmittag vermittelten hier Winzergruppen, Gesangs- und Tanzkräfte den Zauber der rheinischen Landschaft, und am Abend sorgten die Sttmmungs- kanonen aus Köln dafür, daß der rheinische Humor nicht zu kurz kam. In drei Zelten, die je 2000 Personen fassen, wurde den Besuchern ein KdF.-Abend vermittelt. Im Freien erfreuten die riesige Film» bühne, der Reichstheaterzug der DAF., die Puppen- und Hans-Sachs-Spiele, das Waldcheater und viele andere Darbietungen. Diplomaten als Gäste des ÄeichsparteitagS. Berlin, 3. Sept. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat in diesem Jahre wiederum die Chefs der ausländischen Missionen in Berlin als seine persönlichen Gäste zur Teilnahme am Reichsparteitag in Nürnberg eingeladen. Ihr Erscheinen während des Reichsparteitages haben zugesagt: Die Botschafter von Frankreich, der Türkei, Polen, Italien, Brasilien, Argentinien, Großbritannien, Spanien, Japan, der Vereinigten Staaten von Amerika; die Gesandten von Norwegen, Dänemark, der Tschecho- Slowakei, Griechenland, Irland, Finnland, Portu- Sal, Haiti, der Union von Südafrika, Jugoslawien, ngam, Belgien, Nikaragua, Estland, Panama, Schweden, Iran, Rumänien, Bulgarien, Guatemala, der Schweiz, Aegypten, sowie die Geschäftsträger von Siam, Luxemburg, China, Chile, Mexiko, Afghanistan, Kuba, Peru, Niederlande, Venezuela, Albanien, Litauen und Lettland. Den Diplomaten werden zwei Schlaf- wagen-Sonderzüge zur Verfügung gestellt, die sie am Montag nach Nürnberg führen. Während der Anwesenheit in Nürnberg sind mehrere Ausflüge für die Missionschefs vorgesehen, so u. a. auch in das Salzkammergut. Auf der Reise werden die Diplomaten von dem Chef des Protokolls, Gesandten Freiherrn von Dörnberg, Legationssekretär von Rantzau, Attache von Bredow sowie von einer aus sprachkundigen -Männern bestehenden Mannschaft begleitet werden. ZRuöolf Heß in Nürnberg. Nürnberg, 4. Sept. (DNB.) Der Stellvertreter des Führers, Reichsminifter Rudolf Heß, traf am Sonntag kurz nach 19 Uhr im Hotel „Deutscher Hof" in Nürnberg ein. Er ließ sich von Hauptdienstleiter Schmeer über die organisatorischen Vorbereitungen des Reichsparteitages abschließend Bericht erstatten. Am morgigen Montag wird Rudolf Heß an der Spitze der Führerschaft der Partei den Führer in der Stadt der Reichsparteitage empfangen. Reichsorgamsationsleiter Dr. Ley eröffnet die DeutscheVau-undSiedlungsausstellung inZrankfurt NSG. Zur Eröffnung der 1. Deutschen Bau- und Siedlungsausstelluna in Frankfurt a. M. hatten sich zahlreiche Gäste auf dem festlich geschmückten Platz vor dem Gemeinschaftshaus der Siedlungsstraße eingefunden. Vom Eingang des Festhallengeländes bis zum Kundgebungsplatz bildete Reichsarbeitsdienst Spalier. Auf dem Platz waren die Handwerker, die die Ausstellung aufgebaut haben, in ihrer Berufstracht angetreten. Bürgermeister Gauamtsleiter Kremmer begrüßte im Namen der Stadt des deutschen Handwerks die'Gäste. Gauleiter Sprenger sprach dann über den Sinn der Ausstellung. Er erinnerte an die Nachkriegsjahre, in denen gerade in Frankfurt eine künstlerisch und technisch entartete, unter jüdischer Führung stehende Bauart zu einem wahren Baubolschewismus geführt habe. Die NSDAP, habe gegen diesen sofort den Kampf ausgenommen und immer wieder positive Wege zu einem deutschen Wohnstättenbau gewiesen. Die so- oenannten Arbeiterwohnungen an den Stadträndern seien Zeugen des Irrsinns jener Zeit und würden immer eine warnende Mahnung an das deutsche Volk darstellen, daß es nie wieder undeutschen Geist in sich aufnehme. Gauleiter Sprenger stellte dann heraus, daß nach der Machtübernahme die Partei ^sofort darangegangen sei, die nationalsozialistischen Ziele auf dem Gebiet des Siedlungswesens zu verwirklichen. In rascher Folge seien an 200 Orten mehr als 10 000 Sieülerstellen, Eigenheime und Mietwohnungen gebaut worden. Des Kernstück der Ausstellung „Unsere Mustersiedlung" stelle die vier Grundgedanken der Siedlungsarbeit in Hessen-Nassau dar. Bodenständige, heimatgebundene Bauweise, kein Schematismus bei Art und Größe der Häuser, eine wahre Gemeinschaftssiedlung für Menschen verschiedenen Berufes und verschiedenen Einkommens und mustergültige Gemeinschaftsanlagen. Die Ausstellung zeige weiter die großen Anstrengungen des Handwerks, die Ausgaben des Vierjahresplanes zu meistern, und eine große Schau von Bau- und Werkstoffen aller Art. Wenn der Arbeitsdienst sich auch beteiligt habe, so vor allem deshalb, weil gerade er vielfach erst die Voraussetzungen für das Bau- und Siedlungswerk schaffte. Mit dem Dank an alle Mitarbeiter und Gestalter dieser Ausstellung verband dann Gauleiter Sprenger seinen besonderen Dank an Gauamtsleiter Avieny, durch dessen zähe und zielbewußte Arbeit solche Erfolge im Bau- und Siedlungswesen Hessen-Nassaus aufzuweisen seien. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley eröffnete hierauf die Ausstellung. Es ist bekannt, so führte Dr. Ley aus, daß der deutsche Mensch besonders geeignet ist, sein Heim auszubauen. Das Heim ist die Vorbedingung für die Familie und für das Voll überhaupt. Wenn das Volk nicht alle Anstrengungen macht, um gesunde Wohnungen zu schaffen, sind alle anderen Anstrengungen zu einer Stärkung des Volkes ohne Erfolg. Ein Volk kann noch so tapfer fein, es kann die besten Soldaten haben, wenn es ihm nicht gelingt, genügend und gefunde Wohnungen zu haben, dann stirbt es eines Tages aus, weil ihm der gefunde Kindernachwuchs fehlt. In feiner Wohnung holt sich der Mensch die Kraft für seine Arbeit. Die einzige Freizeit verlebt der Mensch zu Häuft, dort holt er sich seine Gesundheit wieder. Man kann die Fabriken schon machen, man kann die Freizeit gestalten, man kann den Menschen die Möglichkeit zu Reisen geben aber das alles genügt nicht, vielmehr ist die Wohnung das A und das O aller Arbeit in der Gemeinschaft. Die Frage ist damit zu einer Frage der Dolksfüh- rung überhaupt geworden. Sie darf kein technisches Problem, kein bauliches Problem und kein Geld-, Problem mehr sein, sondern sie'ist ein höchst politisches Problem. Die Partei muß sagen, wie sie sich die Wohnung, wie sie sich die Häuser vorstellt, wie der Hausrat sein soll. Sie muß daraufhin wirken, daß mit den geringsten Mitteln der höchstmögliche Effekt erzielt wird. Die Partei hat diese Aufgabe der DAF. überwiesen, die für das soziale Wohl der Menschen zu sorgen hat. Allein die DAF. hat 830 000 Wohnungen in den letzten fünf Jahren erstellt, insgesamt sind seit der Machtübernahme IV2 Millionen Wohnungen vollendet worden. Und trotzdem fehlen heute immer noch drei Millionen Wohnungen. Daraus ist zu ermessen, wie schwierig es ist, den Bedarf an Raum zu decken. Es genügt aber nicht, daß ein Mann und eine Frau eine Wohnung haben, sondern es muß eine Wohnung geschaffen werden, in der es möglich ist, Kinder zu erziehen. Der Typ der sogenannten Kleinft- wohnungen ist des Volkes Tod und nicht des Volkes Leben. Die Wohnung muß auch schön sein. Wir haben bewiesen, daß man mit kleinen Mitteln auch etwas schön machen kann. Das verlangt nur etwas mehr Geist und Witz. Erst wenn diese drei Forderungen auf eine genügende Zahl von Wohnungen, auf ausreichenden Raum in der Wohnung und auf Schönheit der Wohnungen erfüllt find, dann können wir auch die einzelnen Wünsche der Menschen berücksichtigen. Es ist müßig, immer wieder die Frage zu stellen, ob Siedler st eile oder Stockwerkhaus. Die Art des Bauens hängt nämlich von den Mitteln ab, die zur Verfügung stehen. Und wenn wir jetzt in einer Zeit leben, in der mit Material aller Art, aber auch mit Arbeitskraft gespart werden muß, dann müssen wir natürlich auch mit dem Bau von Einzelwohnungen sparsam umgehen. Der deutsche Arbeiter kann auch nicht 80 öder gar 100 Mark Miete bezahlen. Es müssen Wohnungen gebaut werden, bei denen die Miete höchstens 25 bis 30 Mark beträgt. Die Art des Bauens hängt auch davon ab, für wen die Wohnungen bestimmt sind. Einem Bergmann gehört ein Einzelhaus mit Garten, denn er braucht Licht und Luft. Ein Feinmechaniker aber soll nicht abends im Garten schwer arbeiten, sondern er soll sich das geschickte Können seiner Hände erhalten. Es gibt keine grundsätzliche Forderung, nach der jeder ein Einzelhaus bekommen soll, wer aber siedeln will, wer Sehnsucht nach dem Lande hat, dem muß dazu die Möglichkeit erschlossen werden. Um alle materiellen Mittel der Deutschen Arbeitsfront zusammenzufassen, wurde eine neue Trägergesellschaft gegründet als Motor auf dem Gebiet des Bau- und Siedlungswesens. Zu dem einheitlichen Ziel werden eingesetzt die Baugesellschaften der DAF., die Bank der Deutschen Arbeit und die Versicherungen der Deutschen Arbeitsfront. Als besondere Anerkennung für die vom Gauleiter Sprenger im Gau Hessen-Nassau geleistete mustergültige Arbeit erhob der Reichsorganisationsleiter dann den bei Oberursel gegründeten und am gleichen Tag von ihm eröffneten Gausiedlungshof zum Reich ssied- l u n a s h 0 f und zu einer Hochschule des Siedelns, Bauens und Wohnens. Der Reichssiedlungshof soll die geistige Zentrale für die gesamte Siedlungsarbeit sein. Dort sollen Methoden und Möglichkeiten der Siedlungsarbeit erprobt werden, um dann mit dem Erprobten und Erforschten in der Siedlungsarbeit Mustergültiges leisten zu können. Ferner soll der Reichssiedlungshof die Keimzelle für ähnliche Einrichtungen von den übrigen Gauen sein. Die enge Zusammenarbeit des Reichssiedlungshofes mit der Universität gibt die Gewähr dafür, daß feine Arbeiten zu einem beachtlichen Erfolg führen werden. Der geschloffene materielle und geistige Einsatz zeigt aber auch, welche Bedeutung dem Bau- und Siedlungswesen zugesprochen wird. Der neue AeichLsiediungshos in Oberstedten. NSG. Am Nachmittag weihte Reichsorganisationsleiter Dr. Ley den Gausiedlungshof in Oberstedten bei Oberursel. Gauamtsleiter Avieny bezeichnete den Gausiedlungshöf als die Lehr- und Forschungsstätte aller am Rhein-Maintschen' Siedlungswerk Beteiligten, als Versuchs- und Forschungsstätte für alle mit Kleintierzucht und Gartenwesen zusammenhängenden Fragen und als Aufzuchtsbetrieb für Siedler-Kleintiere. Im Gaufied- lungshöf sollen die Kreisheimstättenwalter, die Obmänner für Kleintierzucht, die Siedlungsarchitekten und Handwerker zu zwanglösen Wochenendkurfen zusammen gefaßt werden. Die erstellten drei Siedler- Häuser, von denen zwei bewohnt sind, sollen als Anschauungsmaterial dienen. Dieser Lehrbetrieb ist in sinnvoller Weise ergänzt durch Versuchs- und Forschungsanlagen. Zwei Universitätsinstitute, das Institut für Kleintierkunde und das Institut für Bienenkunde, arbeiten mit dem Gausiedlungshof eng zusammen. Der Gauleiter gab dann einen Ueberblick über die frühere Siedlungspolitik im Gegensatz zu der des Nationalsozialismus. Dr. Ley bezeichnete es als ein Wunder, daß ein Staat, der erst so kurz aus einem unentwirrbaren Chaos sich entwickelt habe, heute schon an die Lösung solcher Aufgaben Herangehen könne.-Wenn Deutschland erst einmal mit seinen außenpolitischen Schmierigkeiten zu Rande gekommen sei, dann werde es der Welt beweisen, daß es in der Lage ist, innerhalb von drei Jahren die heute fehlenden drei Millionen Wohnungen zu schaffen. Zum Schluß feiner Rede verkündete dann der Reichsorgantfationsleiter die Berufung des Gauamtsleiters Avieny cntf Grund feiner Verdienste und vielseitigen Erfahrungen in die Reichsarbeitskammer. Hier solle er in größerem Rahmen weiter zum Segen des deutschen Volkes wirken. Die Reichstagung der Ausländsdeutschen in Stuttgart mit einem festlichen Appell beendet. Der Festzua Stuttgart, 4. Sept. (DNB.) „Das ganze Deutschland soll es fein!" — unter dieser Parole stand der große F e st z u g, den Stuttgart am letzten Tage der 6. Reichstagung der Ausländsdeutschen erlebte. Der Festzug mit seinen 2000 Teilnehmern wurde unter dem Beifall der begeisterten Zuschauer mit den Wagen aus der O st mark eröffnet. Da zieht eine „Donau-Plätte", ein langgestreckter Kahn, vorüber, auf dessen Brücke eine Ländlergruppe tanzt. Hundert Frauen, Männer und Kinder aus dem Gau Oberdonau gehen hinter dem Schiff her. Der Kärnten-Festwagen erinnert an die Freiheitskämpfe dieses Landes. Tirol bringt einen Wagen mit seinen Städtewappen, über die ein Freiheitsadler seine schützenden Fittiche spannt. Ferner zeigt Tirol eine besonders große Trachten- gruppe. Es kommen die Wagen der Steiermark mit den steierischen Wappentieren, die beiden Wagen aus Wien, der Zug der Nibelungen aus dem Gau Niederdonau, und dann erscheint der Mozart-Wagen aus Salzburg, der ein besonderes Meisterwerk dar- stellt. Sehr wirkungsvoll. iff dann die Gruppe der Fahnenschwinger, die nebst einer Trachtenkapelle den Wagen Danzigs anführt. Jetzt beginnt der bunte Reigen der Wagen des Altreiches. Jeder Gau zeigt eines feiner Wahrzeichen oder in einem besonders reizvollen Stuck die Eigenart seines Landes, seiner Sitten und seiner Bewohner. Ein großer, von Hitleriungen getragener Hoheitsadler beschließt die Gruppen der Wagen und Trachten, und dann dröhnt der Marschtritt der Kolonnen aller Gliederungen der Partei Die Spitze hat die zur Zeit in Stuttgart weilende Ehrenkompanie der Marine-Unteroffiziersabteilung. Der Schlußappel!. Am Sonntagabend sprach auf dem Schlußappell der Reichstagung auf dem Stuttgarter Schloßhof Reichspropagandaminister Dr. Goebbels. Weit über 100 000 Volksgenossen umsäumten den Schloß- hof den Schloßplatz bis zum Königsbau und die anliegenden Straßen schon lange vor Beginn der nächtlichen Feierstunde. Fanfarenstöße des Jungvolkes künden das Eintreffen des Reichsministers an, der sich durch das breite Ehrenspalier der SA zur Ehrentribüne begibt. Unter Vorantritt des Musikkorps schwenkt bann die von der Kriegsmarine gestellte Ehrenkompanie durch das Spalter vom rechten Schloßflügel ein und nimmt Aufftel- hing vor der Ehrentribüne. Nachdem der Kommandierende General des V. Armeekorps, General Geyer, die Meldung entgegengenommen hat, erfolgt der Einmarsch der etwa 200 Fahnen und Feld- Zeichen durch die Mitte des Schloßhofes. Bauleiter Bohle verabschiedete sich sodann von den Teilnehmern an der 6. Reichstagung. Wte in den vergangenen Jahren, so sagte er, haben zahlreiche führende Männer und Frauen des neuen Reiches durch ihre Anwesenheit bei der 6. Reichstagung ihrer tiefen Verbundenheit mit den Auslanddeutfchen Ausdruck verliehen. Sie haben zu uns gesprochen von ihrer Arbeit für Deutschland und haben uns das Schicksal des neuen Deutschland gezeigt. Schon diese Tatsache allein mußte auch dem letzten Auslanddeutschen das beglückende Gefühl vermitteln, daß er nicht w i e ein st allein in der Welt steht, sondern ein ganzes Volk und seine Führer ihm die Treue halten. Ihr habt auch im vergangenen Jahre der ganzen Welt gezeigt, daß euer Glaube an Adolf Hitler und fein Reich unerschütterlich ist. Ihr habt kein Opfer und keine Mühe gescheut, um euer Dr. Goebbels spricht zu Nach Gauleiter Bohle ergreift, von den Massen erneut jubelnd begrüßt, Reichsminister Dr. Goebbels das Wort. Dr. Goebbels begann mit dem Hinweis darauf, wie notwendig es fei, daß die deutschen Volksgenossen im Auslande, die ja doch immer wieder der Lügenflut einer feindlichen Propaganda ausgesetzt sind, von Zeit zu Zeit den Weg in die Heimat nehmen, um sich selbst ein Bild von den Verhältnissen in Deutschland zu machen und die Lüge mit der Wahrheit vergleichen zu können. Für uns sei es nachgerade langweilig geworden, all die Vorwürfe und Verdächtigungen zu entkräften oder zu widerlegen, die so oft draußen in der Welt gegen das Reich Adolf Hitlers erhoben würden. Die Gegner irrten sich sehr, wenn sie meinten, Deutschland durch die ständige Wiederholung dieser penetranten Bosheiten auch nur im geringsten aus der Ruhe bringen zu können. „Wir sind nicht die Schwächlinge", so rief Dr. Goebbels unter begeisterter Zustimmung der Ausländsdeutschen aus, „die ehedem das kaiserliche oder das marxistische Deutschland regiert haben! Wir kennen unsere Gegner. Deshalb machen diese Lügenkampagnen auf uns gar keinen Eindruck mehr. Das nationalsozialistische Deutschland hat sich als Großmacht in der Welt durchgesehk, und heute stehen wir wieder mitten im Spie! der Kräfte, weil wir uns mit Wut, Kraft und Intelligenz zu behaupten verstanden." Die Ausländsdeutschen hätten am eindringlichsten erfahren, welch ungeheure Wandlung sich in den letzten fünf Jahren vollzogen hat. Hätten sie sich früher immer wieder ihrer eigenen Heimat schämen müssen, einer Heimat, die von Bankrotteuren und Korruptionisten regiert wurde, so wüßten sie heute ein durch eigene Tatkraft gewachsenes machtvolles Reich hinter sich. Alle Erfolge habe Deutschland in Deutschtum in fernen Ländern und auf dem Meere hochzuhalten. Ich danke euch allen für diese Treue, eine Treue, die vom ganzen Reich erwidert wird. Ihr werdet wieder hinausgehen und denen, die nicht zu uns kommen konnten, sagen, daß Deutschland unter Adolf Hitler wieder ein Reich der Ehre geworden ist. Ihr werdet aber auch im besten Sinne des Wortes Brücken schlagen zu den fremden Völkern, unter denen ihr lebt. Die Welt weiß heute, daß ihr Nationalsozialisten seid und immer bleiben werdet, und sie weiß, daß keine Macht der Welt Euren Glauben an Deutschland erschüttern kann. Das wird das schönste Ergebnis dieser unvergleichlichen Tage sein, und das wird trotz allem Zuversicht geben für die kommende Zeit. den Ausländsdeutschen. unendlicher^Mühe und Arbeit sich selbst erkämpft und dem Schicksal abgepreßt. Es wäre darum gerechter, wenn die Welt diesen Weg des selbsterkämpften Aufstieges mit Hochachtung statt mit Haß verfolge. Z u Unrecht übe man Kritik an den Methoden, die Deutschland dabei angewendet habe. Mittel und Wege seien nebensächlich. Entscheidend sei das erreichte Ziel. „Und ich glaube", so fuhr Dr. Goebbels unter Beifallsstürmen fort, „daß wir uns der erreichten Ziele nicht zu schämen brauchen!" Auch dem Gerede von der in Deutschland angeblich mißachteten Demokratie trat der Minister mit prägnanten Ausführungen entgegen: „Es kommt schließlich ja darauf an, was man unter Demokratie versteht. Versteht man'darunter eine Vielzahl von Parteien, die sich gegenseitig im Wege stehen, versteht man darunter das Aufstellen unerfüllbarer Sozialprogramme, daun danken wir für diese Demokratie. Wenn man aber unter Demokratie versteht, daß sich ein Volk durch seine besten Söhne selbst regiert, dann haben wir diese höchste Form der Demokratie i n D e u t s ch- land erreich t." Dr. Goebbels wandte sich dann besonders an die Ausländsdeutschen. Als Söhne des neuen Reiches steht ihr in aller Welt auf Vorposten, müßt ihr es täglich am eigenen Leib erfahren, wie draußen in der Welt dieser Aufstieg von gewissen Kreisen mit Neid und mit Mißgunst verfolgt wird Darauf ist es auch zuvückzuführen, daß man euch unterstellt, Spione und Spitzel des Reiches zu fein, während ihr doch nichts anderes wollt, als ehrlich eurer Arbeit nachgehen. Immer wieder von Kundgebungen der Zustimmung unterbrochen, stellte Dr. Goebbels fest, daß die Ausländsdeutschen nichts anderes taten! wie die Angehörigen anderer Völker auch, daß sie fid) nämlich 3um eigenen Zglk pvd zum eigenen Reich bekennen. „Daß ihr das aber fo tapfer, fo mutig und so uneigennützig tut, dafür wollen wir euch danken. Wenn ihr nun gestärkt, innerlich gefestigt und ausgerichtet wieder aus eure Vorposten in alle Länder der Erde zurückkehrt, dann seid ihr in Wahrheit des Führers politischeGefolgs- leute in der Welk, seid ihr unter den Deutschen in der Welt d i e Träger seiner Idee und seines Werkes. (Ittinuten- langer, stürmischer Beifall.) Eure Loyalität gehört eurem Gastland, eure Liebe aber eurem Vaterland! Adolf Hitler ist heute für alle Deutschen in der Welt b e r Inbegriff unseres Deutschlands. Zwar haßt man in der Welt vielfach diesen Mann, aber man beneidet uns auch um ihn. Deutschland besitze heute einen nationalen Reichtum, der wichtiger sei als Devisen und Goldbarren: nämlich Persönlichkeiten. Die Völker werden nicht von Aktionären, sondern von Männern geführt, und diese Männer haben wir. Deutschland schaut voll Vertrauen in seine Zukunft", schloß Dr. Goebbels, „denn es besitzt einen Führer, dessen getreueste Gefolgsleute wir alle fein wollen!" Ein Fanfarenruf des Jungvolks vorn Mittelbalkon des Schlosses kündet sodann den Einmarsch der Ehrenkompanie des Heeres für den GroßenZapfen- str e.i ch an. Es ist ein imposantes militärisches Schauspiel, das vor allem unseren Ausländsdeutschen noch einmal einen nachhaltigen Eindruck vermittelt von der ftraffen Disziplin unserer neu erstandenen Wehrmacht. Dann wird in den Anlagen vor dem Staatstheater und auf dem Karlsplatz ein Feuerwerk abgebrannt. Taufende betrachten das märchenhafte Schauspiel von den Stuttgart umgebenden Höhen. Kriegsmarine und Auslandsdeulschium. GeneraladmiralRaeder sprach in Stuttgart Stuttgart, 3. Sept. (DNB.) Jrn Mittelpunkt der letzten Kundgebung auf der 6. Reichstagung der Ausländsdeutschen stand eine Rede des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Generaladmiral Dr. h. c. Raeder. Nach Erläuterung der ersten Aus- landsf ährten der wiedererstandenen deutschen Kriegsmarine schilderte Generaladmiral Raeder die Vorbereitung und die Bedeutung der Auslandsfahrten, wie sie von der heutigen Marineleitung gesehen wird. „Erst die persönliche Anschauung und das persönliche Erleben", so erklärte der General- admiral, „ergibt jenen Schatz an Erfahrung und weltmännischer Sicherheit im besten Sinne des Wortes, aus der heraus in jeder Lage der richtige Entschluß entsteht und die zweckmäßigste Art der Durch- fuhrung erkannt wird. Wir . sind stolz darauf, Deutsche zu fein. Es gibt wohl niemanden unter uns, der wünschen möchte, daß seine Wiege in einem anderen Lande gestanden hätte. Aber wir Deutsche sind nicht allein auf dieser Welt. Um uns leben andere Völker, die auch ihr Lebensrecht fijr sich beanspruchen und ihr Leben nach anderen Ideen und in anderer Form gestatten. Dies zu erkennen, den eigenen Wert immer wieder an dem, was wir bei anderen sehen, zu überprüfen und frei zu werden von jener verhängnisvollen Einstellung, daß das, was für uns richtig ist, es auch notwendigerweise für andere fein müßte, kann nur durch persönliche Anschauung des Fremden erreicht werden. Das berechtigte Selbstgefühl", so betonte der Generaladmiral, „werde nicht gemildert, sondern viel- mehr vor der Gefahr der Selbstüberschätzung und Selbstüberheblichkeit bewahrt, wenn der einzelne feststellen könne, daß auch in fremdem Lande fleißig gearbeitet, klug geplant und mit Hingabe die Liebe Aum Daterlande gepflegt wird. Ich kann mit Stolz sagen, daß es sowohl in den Jähren vor wie nach 1933 bisher noch jedesmal gelungen ist, nach einem Aufenthalt in einem fremden Hafen von nur wenigen Tagen auch die feindseligste Stimmung zunächst in wohlwollendes Interesse, dann in uneingeschränkte Anerkennung und Bewunderung zu verwandeln." Den letzten Teil seiner Ausführungen widmete der Generaladmiral den herzlichen Beziehungen, die die deutsche Kriegsmarine überall dort, wo sie hinkommt, mit unseren Ausländsdeutschen aufnimmt und damit sowohl die Arbeit der Auslandsorganisation der NSDAP, in der Betreuung jener, die deutsche Reichsbürger sind, wie auch die Tättgkeit des VdA. in der Fürsorge für alle Volksdeutschen, die Staatsbürger fremder Länder sind, unterstützt. Vielfach zeige sich auch die Möglichkeit, die Deutschen mit den maßgebenden Kreisen des Gastlandes zusammenzubringen, deren Interesse zu wecken und so den eigenen Volksgenossen Türen zu öffnen, die ihnen bis dahin verschlossen waren. Immer wieder ergebe sich aus solchen Besuchen die Stärkung des Willens des einzelnen, sein Deutschtum zu pflegen und zu behaupten, auch seine Kinder darin zu erhalten; neben der ideellen Ausrichtung der Volks- und Ausländsdeutschen ergebe sich eine sammelnde und einigende Wirkung, die weit über die Tage des Besuches hinaus in Kraft bleibt. Das Gefühl, auch tief im Innern eines Landes in der Fremde nicht vergessen zu sein, sondern von den Weltboten des Reiches bedacht zu werden, schaffen neue starke Anhänglichkeit ans Vaterland. Ein Anschlag ans den König von Aegypten. Kairo. 5.Sept. lDNB. Funkspruch.) Ms König Faruk am Sonntag nach einer Verteilung von Sportpreisen das Schwimm-Stadion in Alexandria verließ, ereignete sich ein Zwischenfall, der anscheinend noch nicht völlig aufgeklärt werden konnte. Aus der Zuschauer- menge kam plötzlich ein Revolverschuß, durch den ein junger Italiener am Bein verletzt wurde. Augenzeugen ließen durch die im Stadion anwesenden Polizisten einen jungen syrischen Studenten festnehmen, der jedoch leugnete, geschossen zu haben oder der Besitzer des Revolvers zu sein, der auf dem Boden gefunden wurde. Während die ersten Vermutungen dahin gingen, daß ein Anschlag auf Öen König vorlag, spricht eine später veröffentlichte amtliche Verlautbarung nur von einem „Schuß- zwischenfall". Blutiges Wochenende in Palästina. Jerusalem, 4. Sept. (Europapreß.) Das Wochenende in Palästina hat wieder eine große Anzahl von Todesopfern gefordert. 17 Araber und ein Jude wurden erschossen und ein weiterer Jude verwundet. 2m Verlauf eines mehrstündigen Gefechte scheu Prag, e4'.‘ lichenIezirkss gebiefes ter : teulsche Pari ab. Huntertic |ammen^trc ten Feiern t Kundgebung Vesonders e in Asch, te rab Henlein, in Anspruch Ente der fr W begrii „Ein Ausgl deutschen i' Grund d Die Voraus liche Tschech detendeutsche ihre Heima Kamps nicht gesetzlichen. 2 im geheimen Militär beleg Gerechtigkeit N-' ^sollen f'L W m in K di Schan^ A die technische Entwicklung abnehme, um so mehr hätten sich die Amerikaner mit den europäischen Problemen zu befassen, es genüge Frankreich, wenn ber moralischen Entente mit Amerika sicher sei. Frankreich sei ber amerikanischen Freundschaft sicher, wenn es mit allen feinen Nachbarn eine Friedenspolitik verfolge, wenn es allen Staaten der Welt md zunächst denen, bie es umgeben, ein von Haß freies Herz hinhalte, wenn es versuche, mit allen in ehern so großen Einvernehmen zu leben, wie biete er wünschten. Er verhehle nicht ben Ernst des ischecho-slowakischen Problems, aber er hoffe, daß angesichts der friedlichen Gefühle, die Ee Völker beseelen sollten, und auf Grund des großen Verantwortungsbewußtseins der Regierungen von Berlin und Prag und der engen und loyalen Zusammenarbeit Großbritanniens und Frankreichs bie schweren Gefahren, bie über Mittel- ^iropa schweben, abgewenbet werben würben. Swnkreich werde auf jeden Fall den Pakten und Erträgen, die es abgeschlossen hat, treu bleiben, «s werde den übernommenen Verpflichtungen nach- btnmen. Frankreich wolle keinen Krieg. Sein wünsch bestehe darin, daß man ihm helfe, den Frie- ?n ZU bewahren und zu organisieren, um die Welt ' Messer zu gestalten Die französisch-amerikanische Kundschaft habe sich niemals ein anderes Ziel als ’J1 Frieden gesetzt. Diese Freundschaft bedeute in Mer Weise eine geschlossene Gesellschaft, im Gegen- s g, sie gewänne an Stärke, wenn andere Völker W ihr anschlössen. Kanada liefert Bomber für die britische Luftwaffe. L o n d o n , 3. Sept. (DNB.) Eine Mitteilung der ^enblicklich in Kanada weilenden britischen Luft- Mtmission, die die Möglichkeiten über kana - che Flugzeuglieferungen an England überprüfen soll, kündigt an, baß bie britische Reaierung zusammen mit den hauptsächlichen kanadischen Flugzeugwerken Vorkehrungen für bie Lieferung von Bombern auf Grund eines ausgedehnten Ankaufsprogramms getroffen hat. — Die kanadischen Flugzeugfabriken werden demnächst ihre augenblickliche Herstellungsfähigkeit vergrößern und hauptsächlich Flugzeugteile Herstellen. Für den gleichen Zweck sollen zwei neue Werke in Montreal und Toronto gebaut werden. Weiter haben die Vertreter der britischen Regierung mit den kanadischen Flugzeugfabrikanten Vorkehrungen besprochen, um andere Flugzeugtypen in Vancouver und Fort Williams herzustellen. Wetterbericht Während über Mitteldeutschland zum Wochenende wieder verbreitete Niederschläge einsetzten, die durch aufgleitende Warmluft verursacht sind, kam es in unserem Gebiet bei häufiger Aufheiterung nur zu vereinzelten, zeitweise aber gewittrigen Niederschlägen. Auch für bie Folge wird bei uns zeitweilig immer wieder Hochdruckeinfluß zUm Durchbruch kommen, doch ist beständiges Wetter keineswegs wahrscheinlich. Vorhersage für Dienstag: Vielfach diesig, zeitweilig aufheiternd, doch unbeständig und zu einzelnen Niederschlägen geneigt. Kühle Winde aus West bis Nord. Vorhersage für Mittwoch: Aufheitern- das Wetter mit einzelnen Niederschlägen. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton. Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumfchein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theoder Kümmel. 2). 21. VIII. 38: 8916. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G.,. sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. TEW MV M ■ FW L ■ -WUM- ' jFur Ülultrr imii Rlnö raiirtim 2-H7S stllss Ii»vbrrriiiinqsstr!lk,!tt! 17, DniKthlnnöiinirmdiid k WM v L1 AM ■:-, W /k. 11 5709 A Onkel Heinz in Gießen Lustiges Kunterbunt um die moderne Waschküche | Eintritt? | Eintritt frei | Es ladet ein: Ihrführendes Fachgeschäft für neuzeitliche Waschmaschinen EDGAR BORRMANN5: Gießen Neustadt 5-7 Ruf 4165 „Mit Wasser wird getrocknet“ Kommen Sie zu unserer heiteren Werbe-Veranstaltung Dienstag, 6., und Mittwoch, 7. September, abends 8 Uhr, im Cafe Leib Gießen, Seltersweg 69, Telephon 3616. 5611D im Alter von 53 Jahren. tcitfmuni Gießen, Großen-Buseck und Wieseck, den 4. September 1938. 5722D 04001 a. d. G.A.r-'üro. 04065 bungskosten berechnet werden. 5714A ein- Ihrem Fachdrogisten 6725A 5712D und Zwangsbeitreibung. LICHTSPIELHAUS Nur zwei Tage NmuiföM Zarah Leander 5711 A_ Heute Montag und Dienstag Vom 16. September 1938 ab wird die Strom- und Gaslieferung bei allen Abnehmern gesperrt, die die Einspaltige Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Millimeterzeile veröffentlich» Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Otto Reuter jun. und Frau Ilse, geb.Weimar Mariechen Reuter. mit Karl Martell, Ferd. Marian Beiprogramm Fox-Ton-Woche.Täglich 4,6, 8.80 Uhr 5721D Strom- und Gasgelder für Monat Juni 1938 schließlich Kosten noch nicht entrichtet haben. Gießen, den 2. September 1938. Direktion der Städtischen Betriebe. Ehepaar sucht !-3Moh Schr. Ang. unt. Allgemeine Ortskrankenkasse für Stadt- und Landkreis Gießen in Gießen. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 6. September, um 14.30 Uhr, vom Trauerhaus in Großen-Buseck aus statt z | Verkäufe"" WüMloe wenig gebraucht, f.40RM. zu verlaufen. Zu erfr. in d. Geschäftsst. deö G. A. [ 04046 montag.12.5eDt. 1938, aöenös SValtöt AutzerordenUiche Generalversammlung des landwirtscti. Konsumvereins Wieseck bei Gastwirt Georg Keller 1. Kreditgrenze, der Lagerhalter an die Mitglieder. 2. Abänderung der Firmenbe- Nachl Troßen die 9lai funktion Kabel g Gewalt sich etw k.ch in' M. Är er den unter Holen, hr hie «Äa? -'3otöi sanken p Kitt- Komisch, MWW an d. Johannes- kirche verloren. Gegen gute Belohnung abzugeben auf d.Fund^ Wie von S bemna W Gast greise Umba der be kurzen Tesch« Wer Charli M,1 zu at breite gerte malic entfdj Büche Haupt, dient Schi schöne tasie g Zurück, daß dk und ir Ilmfrei: haben i w Grch beschl Bau! 2Iuge Äöni( bener riqkei binai nicht- Ferdi eigen. Da: Ein großer fröhlicher Ufa-Film mit Viktor Stäal, Paul Kemp, Aribert Wäscher Paul Dahlke, Anton Imkamp, Kate Kühl Herstellungsgruppe u. Spielleitung: Karl Ritter Wenn sich der Schöpfer einzigartiger Ufa-Filme, Karl Ritter, nach den Erfolgen seines im Dramatischen wurzelnden Schaffens - „Verräter“, „Patrioten“, „Unternehmen Michael“, „Urlaub auf Ehrenwort“ - entschlossen hat, mit „Capriccio“ das gefühlvoll Heitere und kapriziös Lustige filmisch darzustellen - dann darf das Besondere und Ereignisvolle erwartet werden! Kulturfilm und Ufa-Ton-Woche Täglich 4, 6, und 8.30 Uhr. — Sonntag 3, 5.30 und 8.30 Uhr Bekanntmachung. Die Strom- und Gasgelder im Stadt- und Ueber- landgebiet sind nach den Lieferungsbedingungen grundsätzlich bei der Ablesung an den Erheber zu zahlen. Geschieht dies nicht, dann können die Stromgelder noch innerhalb der nächsten 8 Tage und die Gasgelder noch innerhalb 10 Tagen ohne kosten an die Kasse der Städtischen Betriebe Gießen, Gartenstraße 3, auf Postscheckkonto Frankfurt am Main Nr. 27707 oder auf die auf den Quittungskarten verzeichneten Bankkonten eingezahlt werden. Bei Ueber- schreiten der Zahlungstermine müssen die Beitrei- Drogerle Kreuzplatz 10 taiiiMniscliertelirlinij im Alter von ca.16 Jahren mit mindestens Mittelschulbildung per sofort gesucht. Nur schriftliche Bewerbungen mit Zeugnisabschriften erbeten. P ersönliche Vorstellungen zwecklos. Illlllllllllllllllllllllllllll gür den Natur» freund! MkMlM Die Lebensgemein, schäft des deutschen Waldes in Bildern 150 Naturaufnahme» aus dem Tier» und Pflanzenleben des hei» mailichen Waldes auf 128 Kupfertiefdruck» tafeln, mit lebendigem und aufschlußreichem Einführungstext von ^.Gerhard u.G.Wolff. Preis RM. 4,80. „Cs lebt und webt in dem Buche, und wer es versteht, mit empfänglichen Sinnen die bilügeword. Naturschönheiten in sich aufzunehmen, dem singen u. klingen die Tafeln tausend Erinnerungen wach an einstmals leibhaft Erschautes." Reclams Universum Verlangen Sie kostenlos unsere bebilderten Werbeblätter Iu beziehen durch lebe Buchhandlung! Hugo Dermühler Verlag Berlin. 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Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung Ich nehme die in der anonymen Postkarte an die Kncwvfchafts- kaffe Weilburg enthaltenen Beleidigungen gegenüber dem Bergmann Fritz Anmann auf dem Bergwerk Ob erbos als wissentl. unwahr mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück und bin damit einverstanden, daß diese meine Erklärung der Knavvschaftskasse in Weilburg mitgeteilt und im G. A. einmal auf meine Kosten veröffentlicht wird. Frau Karl Heß, Bergw. Oberhof. EINLADUNG1 Auf vielseitigen Wunsch wird die persönliche Assistentin von FRAU ELISABETH FRUCHT zur kostenlosen Behandlung und Beratung in neuzeitlicher Gesichtspflege einschließlich Entfernung von Sommersprossen, Pickeln, Mitessern und sonstiger Hautunreinheiten bei mir anwesend sein. Rechtzeitige Anmeldung erbeten für Montag, den 5. September, und Dienstag, den 6. September 1938. Löwen-Drogerie W. Kilbinger Nacht., Inh. W. 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September (938 Schloß Bellevue alsGästchaus für Staatsbesuche Das Palais des Prinzen Ferdinand von Preußen in Berlin. 8 > »•<- ■ Wie gemeldet, werden die Arbeiten zum Umbau von Schloß Bellevue im Berliner Tiergarten demnächst beginnen, so daß im kommenden Frühjahr das Palais seiner neuen Bestimmung als Gästehaus für Staatsbesuche und Kongresse übergeben werden kann. Der bevorstehende Umbau, der übrigens eine weitgehende Erhaltung der bestehenden Außenarchitektur vorsieht, mag einen kurzen Rückblick auf die anderthalbhundertjährige Geschichte des Schlosses rechtfertigen. Wer vom Brandenburger Tor kommend, die Charlottenburger Chaussee am Kleinen Stern verläßt, um im stumpfen Winkel rechts nach der Spree zu abzubiegen, steht in wenigen Minuten vor der breiten, im Hintergrund eines tiefen Hofes hingelagerten Schloßfront. Bellevue ist unter den ehemaligen Höhenzollernschlässern der Reichshauptstadt entschieden das Stiefkind; es gibt kunstgeschichtliche Bücher über Berlin, die das Palais, wenn überhaupt, nur mit ein paar Worten erwähnen. Verdient Schloß ^Bellevue eine solche Geringschätzung? Schon der Name läßt auf eine landschaftlich schöne Lage schließen. Wirklich, wenn man Phantasie genug hat, sich m das Berlin vor 150 Jahren zurückzuversetzen, wird man anerkennen müssen, daß der Blick in den noch waldartigen Tiergarten und in die ländlich stillen Spreeauen im ganzen Umkreis der Königsstadt nicht seinesgleichen gehabt haben mag. Verständlich also, daß Prinz Ferdinand von Preußen, der jüngste Bruder Friedrichs des Großen, gerade hier fein „Sanssouci" zu errichten beschloß. Noch im Jahre 1782, drei Jahre vor dem Baubeginn von Bellevue, scheint der Prinz ein Auge auf Monbijou geworfen zu haben, allein der König, dem Monbijou als Witwensitz seiner verstorbenen Mutter besonders teuer war, machte Schwierigkeiten und stellte die Bedingung, daß, wenn Ferdinands Wahl auf das alten Schlößchen fiele, nichts daran verändert werden dürfe. So verzichtete Ferdinand und baute sich ein Palais nach seinem eigenen Geschmack — eben „Bellevue". 'Das Schloß, wie es heute vor un steht, hat sich im Laufe der Zeit äußerlich kaum verändert. Der Entwurf stammt von dem jüngeren Baumann, Sohn jenes aus Holland eingewanderten Architekten Johann Philipp Boumann, dem wir unter anderem das große Palais für den Prinzen Heinrich, das heutige Universitätsgebäude, verdanken. Beide Baumanns, Vater und Sohn, wurzeln noch durchaus in einem Barock niederländischer Prägung, das von dem ausschweifenden süddeutschen Palaststil so weit entfernt ist wie die Spree von der Donau. Von Genialität und persönlicher Phantasie keine Spur, dafür aber ein so feines und verständnisvolles Eingehen auf die preußische Ueber- lieferung, daß in Bellevue ein Bauwerk entstehen konnte, das bei aller Nüchternheit im einzelnen den großen Wurf nicht vermissen läßt und sogar,' eben 'durch die geschickte und ganz ungezwungene Anpassung an den traditionellen „preußischen Stil", etwas Gewinnendes hat. Das Schloß ist eine Dreiflügelanlage mit einem „Corps de logis" als Hauvtbau und etwas niedrigeren, sehr schlichten Seitengebäuden, die zusammen den großen, nach dem Tiergarten gtzöffnten Ehrenhof bilden. Höhere Ansprüche, die über das Repräjentationsbedürfnis eines adligen Standes- herrn hinausgehen, erhebt nur das zweistöckiae Corps de logis mit seiner von durchgehenden Halbsäulen gegliederten Giebelfront in der Mitte. Eigentümlich, weil von der Gewohnheit, den Festsaal in der Mittelachse durch ein Vestibül mit Treppe zugänglich zu machen, ohne Not abweichend, ist die Anordnung der Eingänge in die wenig vorspringenden Eckbauten — ein entschiedener Nachteil, der jetzt bei dem Umbau des Schlosses durch Anlage eines mittleren Hauptportals mit Freitreppe eine Korrektur erfahren soll. Der Boumannsche Barock, der sich, so zahm er auch sein mag, besonders in der vorquellenden Plastik der Fensterbekrönungen und der beiden Portale bemerkbar macht, vermengt sich in dieser Schloßfront doch schon recht merklich mit einem die Fläche zum Sprechen bringenden Klafsizismus. Denkt man von hier an die Bauten des großen Könige in Potsdam zurück, an Sanssouci etwa oder noch an das Neue Palais, so wird einem der Formenwandel sehr deutlich. Kein stockwerkbetonendes Gesims, keine Dertikalgliederungen zwischen den Fenstern. Kurz gesagt: der altersschwache frideri- zianische Barock, am sichtbarsten in der Gesamtanlage des Schlosses, verteidigt mit Mühe seine letzten Stellungen, ohne es doch hindern zu können, daß der in Anhalt und anderswo längst siegreiche Klassizismus nun auch an der Spree festen Fuß faßt. Ein Jahr nach Beginn der Bauarbeiten an Schloß Bellevue bestieg mit Friedrich Wilhelm II. der neue Stil den preußischen Königsthron. Eine neue Aera Berliner Baukunst hebt damit an. Bellevue war einer ihrer Vorboten. Ganz klassizistisch dekoriert waren die Jgnen- räume mit Einschluß der nicht mehr vorhandenen Möbelausstattung. Nur einige wenige Stuckdecken zeugen heute noch von der edlen Anmut der Ornamentzeichnung. Allein für alles unwiederbringlich Verlorene entschädigt der glücklicherweise noch ganz intakte Festsaal im ersten Stock, um 1790 von Karl Gotthard Langhans, dem Schöpfer des Brandenburger Tores, eingebaut und mit frei von der Antike abgeleiteten Motiven geschmückt. Der Raum ist ein Rechteck mit abgeschrägten Ecken, das mit Hilfe eines oval geführten Kranzgesimses auf polierten Säulen und einer Flachkuppel darüber geschmeidig gemacht ist — eine von Langhans bevorzugte, für diesen Architekten geradezu - charakteristische Raumform, der man auch im Berliner Schloß (Pfeilersaal) und im Niederländischen Palais Unter den Linden begegnet. So kann man in Bellevue in der kurzen Spanne von vier Jahren den Weg des Klassizismus, eines ausgesprochen preußischen Klassizismus, bis zu seinem vollen Triumph verfolgen. Neben Boumann und Langhans steht schließlich noch als dritter Friedrich G i l l y. Aus ihn wird die für die Prinzessin Luise, eine Tochter des Prinzen Ferdinand, erbaute Meierei im Park zurückgeführt, ein ganz schlichter Nutzbau unter strohgedecktem Bohlendach. Als das einzige erhaltene Werk dieses frühvollendeten Baukünstlers hat diese kleine Spielerei doch eine erhöhte Bedeutung für uns. Gilly war der Lehrer von Schinkel, dem genialen Erneuerer der preußischen Baukunst unter Friedrich Wilhelm III. Ernst von Niebelschütz. 1000 Lungmädel treffen sich in Gießen. Eifrig gingen die Gießener Jungmädel in der vergangenen Woche von Haus zu Haus, um eine wichtige organisatorische Voraussetzung für ihr Jungmädeltreffen des Untergaues Gießen zu sichern. Mit Papier und Bleistift gingen sie umher, um Quartiere zu erbitten. Am Samstagnachmittag nun trafen die Mädchen aus vielen Orten des Unterbannes, meist des Kreises Gießen, ein, um bann am Abend mit einer schönen Veranstaltung an die breite Oeffentlichkeit zu treten. aibcnöfinqen. Das Abendsingen, mit dem die Jungmädchen ■ WUNMW hervortraten, wurde zu Jungmädel-Treffen. Im weiten Kreis lagerten sich die Mädchen um die einem schönen Erfolg. „Bunte Spielwiese". Auf Plätzen und in Straßen marschierten sie im Kreis oder im Halbkreis auf und sangen ihre schönen einfachen Volkslieder. Diele Zuhörer fanden sich dazu ein und viele von ihnen blieben auch gerne die halbe Stunde stehen, um ja alle die schönen Lieder zu hören. Dabei ließ man es .nicht etwa bei einstimmigem Gesang bewenden, vielmehr wurde mehrstimmig und auch — zur besonderen Freude der Zuhörer — im Kanon gesungen. Dabei bewiesen die Jungmädel, daß sie im Heimabend fleißig geübt hatten, denn überall klappte es ausgezeichnet.'Das Besondere an diesem Abendsingen mar, daß es eine stimmungsvolle Note in die noch vom Rattern der Straßenbahnen und vom Lärm der Motorfahrzeuge erfüllte Stadt brachte und. für eine halbe Stunde zu einem besinnlichen Verweilen aufforderte. Mit großer Freude hörte man die Löns-Lieder. Morgenfeier Der Sonntag morgen brachte in stillem Waldwinkel auf dem Trieb eine Morgenfeier. Im geschlossenen Viereck traten die Mädchen an. Der Spielkreis bot feine Musik, die durch ihren ernsten und feierlichen Charakter der Stunde die rechte Einstimmung gab. Da das Wetter über Erwarten schön war, die Sonne schien und blauer Himmel leuchtete, war in allen eine festliche Stimmung. Die Unter- gauführerin Lisl Göbel hielt nach einem gemeinsam gesungenen Lied, nach beschwingten Worten der Einzelsprecherinnen und eines Sprechchores, eine kurze Ansprache und wies auf den tieferen Sinn dieser Feierstunde hin. Jedes Jungmädel solle auf die Kraft hingewiefen sein, die aus der Gemeinschaft dem einzelnen erwachse.. Sie wies aber auch auf die großen Verpflichtungen hin, die der Hitler-Jugend, die den Namen des Führers tragen dürfe, aufgegeben seien. Kreisleiter Bankhaus hielt ebenfalls eine Ansprache, in der er die Notwendigkeit solcher Zusammenkünfte in größerer Gemeinschaft betonte, und diese Notwendigkeit an der immer wieder ziel- und richtungsgebenden Kraft bewies, die vom Reichsparteitag ausgeht und die so entscheidend sei für die in kleinem Kreis zu leistende Arbeit. Der Kreisleiter sprach auch eindringlich davon, wie es auf jeden ankomme, wenn es gelte, sich, in irgendwelcher Form in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. Jedes jüngste Jungmädel sei hier gemeint und müsse sich verpflichtet fühlen. Schließlich überbrachte noch die Jungmädel-Untergauführerin N i e m ü 11 e r (Frankfurt a. M.) die Grüße der Obergauführerin und forderte die Jung- Nie attische Krone. (gine Geschichte von Peter Matiheus. Nachts um elf hatte Prack, der Hauselektriker des Großen Museums, endlich herausgefunden, warum die Nachtbeleuchtung im Griechischen Saal nicht funktionierte. In einer Verteilerdose hatten sich drei Kabel gelöst. Es sah beinahe aus, als seien sie mit Gewalt herausgerissen worden. Die Dose befand sich etwas über Mannshöhe in einem Pfeiler ziemlich in der Mitte des Saales. Prack schüttelte den Kopf und brummte vor sich hin. Im Grunde jedoch war er ganz zufrieden, daß er den Fehler gesunden hatte. Als er dann hinunter in seine Kammer ging^ um Werkzeuge zu holen, begegnete er im Treppenhaus dem Wächter, der die Runde machte. „Na?" fragte der Wächter. „Schaden entdeckt?" „Jawohl", sagte Prack, blieb stehen und stemmte gedankenvoll die Fäuste in die Taschen seines weißen Kittels. „Drei Kabel rausgefetzt wie gar nichts. Komisch, was? Wie können sich drei Kabel in einer geschloffenen Dose lösen? Merkwürdige Sache!" „Hm", machtx der Wächter. „Sehen Sie sich mal oben ein bißchen um'', fuhr Prack fort. „Und wenn Sie dann gehen, schließen Sie -die Tür nicht ab. Ich will nur rasch einen Schluck Kaffee trinken. Nachher komme ich und bring' die Sache in Ordnung." Der Wächter nickte und stieg weiter die Treppe empor. Die vielen Schlüssel, die er an einem Ring am Gürtel trug, klirrten leise bei jedem Schritt. Prack dagegen'wanderte hinunter ins Kellergeschoß, kochte sich in seiner Kammer Kaffee und aß mit Ruhe ein paar Butterbrote dazu. Er sah keinen Grund, sich zu beeilen. Es war kurz nach Mitternacht, als er mit feinen Werkzeugen und einem halbhohen Schemel wieder im Griechischen Saal stand. Er knöpfte sich seine Taschenlampe am Kittel fest, schob den Schemel an den Pfeiler heran, stieg hinaus und begann, die Kabel wieder festzuschrauben. Dicht neben ihm erhob sich ein hoher Glaskasten, der das Prunkstück des Saales, die berühmte attische Krone enthielt — ein Wunderwerk aus Gold, Edelsteinen und zartem Email. Rechts und links davon standen auf Sockeln zwei lebensgroße Marmorstatuen, ein Hermes und eine Athene Prack hatte etwa zehn Minuten gearbeitet, als ein seltsames Geräusch ihn veranlaßte, blitzschnell die Taschenlampe auszuknipsen. Er fuhr auf seinem Schemel herum und blieb verblüfft bewegungslos stehen. Hinter dem großen Mittelfenster des Saales zeichnete sich deutlich die Gestalt eines Mannes ab, der draußen auf dem Sims kniete. Abermals ertönte das gedämpfte Knirschen, das Pracks Aufmerksamkeit erregt hatte. Dann gab es ein scharfes Knacken, und eine der Scheiben hatte ein Loch. Eine Hand kam durch die Oeffnung und wirbelte das Fenster auf. In der nächsten Sekunde war die Gestalt vom Sims verschwunden. Statt dessen sah Prack einen Schatten durch den dunklen Saal auf sich zu schleichen. Er war viel zu erschrocken, um eine Bewegung 3U machen oder zu schreien. Dann, als er den ersten Schreck überwunden hatte, dämmerte ihm die Erkenntnis, daß der Besuch unmöglich ihm gelten konnte. Er beschloß, sich ganz still zu verhalten. Völlig regun^Ios blieb er auf seinem Schemel stehen. Nur seine Augen folgten dem schleichenden Schatten. Der Schatten — es war der Mann vom Sims — glitt durchaus zielbewußt auf den Glasschrein zu, in dem die attische Krone ruhte. Ein leises Klicken wurde hörbar. Der feine Lichtstrahl ‘einer Taschenlampe huschte flüchtig über die beiden Marmor- statuen x rechts und links, streifte ebenso flüchtig einen Teil von Pracks weißem Kittel und heftete sich bann auf den Kasten mit seinem funkelnden Inhalt. Ein befriedigter Seufzer ertönte. Dann verlosch das Licht. Der Mann legte die Lampe behutsam auf den Boden und griff in die Tasche. * Prack rührte sich nicht. Wieder erklang das Knirschen, das entsteht, wenn ein Diamant über eine Glasscheibe fährt. Ein Knacken folgte. In dem schwachen Licht, das durch die Fenster sickerte, konnte Prack sehen, daß der Mann die ganze vordere Scheibe des Schreins angeschnitten und herausgebrochen hatte. Er legte sie geräuschlos neben die Lampe auf den Boden. Dann seufzte er zum zweiten Male befriedigt, beugte sich vor und langte mit beiden Händen nach der Krone. Jetzt hielt Prack seine Zeit für gekommen. Jäh streckte er den Arm aus und packte den Mann, der dicht unter ihm kauerte, an der Schulter. Er öffnete auch den Mund, um ein donnerndes Halt zu rufen. Aber er brachte keinen Laut heraus. Die Wirkung feines Griffs verschlug ihm die Stimme. Der Mann fuhr, als er so plötzlich die Hand an der Schulter spürte, herum und starrte sekundenlang voller Entsetzen die weiße Gestalt an, dje sich über ihn neigte. Dann stieß er ein geradezu unmenschliches Gebrüll aus, riß sich mit einem Ruck los und raste davon. Nicht zum Fenster — sondern zur Tür, durch deren Spalt ein matter Lichtschein vom Flur drang. Im Nu war der Mann draußen und jagte die Treppe hinauf. Er lief dem Wächter gerade in die Arme. Und Prack, der erheblich langsamer zur Tür gelangte, hörte, wie er atemlos und flehend hervorstieß: „Menschenskind! Um Himmels willen: bringen Sie mich von hier weg! Machen Sie mit mir, was Sie wollen — bloß weg! Eine von Ihren Gipsfigurcn hat mich angefaßt!" Ostsee — etwas herbstlich. Von Günter Schab. Auf Usedom, Anfang September. Sonntag abend sitzt die Ferienfamilie auf der großen Terrasse des Hotels und verspeist geräucherte Flundern. Flundern gehören hier sozusagen zur Scholle. Flundern gibt's, bei voller Pension, jeden Sonntag zum Nachtmahl, weil da nämlich die Warme Mamsell Ausgang hat und nur die Kalte Mamsell im Dienst ist Bald werden beide Mamsells so viel Ausgang haben, wie sie wollen. Denn die Saison sinkt langsam aber sicher. Vom Meere her zur Terrasse weht ein recht munteres Windchen. Es kommt aus Westen, ist also guter Seewind. Nur ein Beigeschmack ist da von leicht-herber Herbstlichkeit. Nicht allein, wenn die Sonne zeitig schlafen gegangen ist und graue Dämmerung aus dem Wasser den Strand und die Dünen heraus, über die Promenade bis in die weißgetünchten Häuser kriecht. Auch schon morgens manchmal, wenn der rote Ball im Osten grab eben über den wässerigen Horizont lugt. Dann hat er schon nicht mehr ganz die hochsommerliche Pracht. * Don der Kurkapelle sind der 1. Geiger, der 1. Trompeter und der Klarinettist schon abgereift In der 2 Geige fehlt auch ein Mann. Es fehlen^ also 20 v. H. des Monstreorchesters.' Es fehlt die Prominenz, weil die im Winter irgendwo Oper spielen muß. Mag der Rest sehen, wie er mit der langen Puccini-Fantasie, mit Heinzelmännchens Wachtparade, mit dem Armeemarsch Nummer soundsoviel und mit der Ouvertüre zu Zampa fertig wird. ♦ Im Kurhaus ist die sechste Wiederholung des großen Strandfestes ,Klein-Klcckersdorf steht Kopf" Ausverkauft. Wie kommt das nur? Es sind doch schon so viel Leute abgereist? Aha, da sitzt ja die Inhaberin vom „Seeschlößchen" zusammen mit der Wirtsfamilie des „Fremdenheims Aegir" und lacht sich krank und wieder gesund über die „urkomischen Überraschungen". Und der nette junge Mann, der immer die roten Tüten des „Photoha'uses Kühlein" — Sie knipsen, alles andere besorgen wir! — an die Amateure austeilt, tanzt mit der kleinen Dauer- wellen-Künstlerin vom ,Salon Ebhard aus Berlin". Und schaut man noch genauer hin, bann ist die Hälfte des Saales mit Einheimischen und die andere Hälfte nur mit Kurgästen besetzt. — Die Jazzband sieht auch aus, als wolle sie jeden Augenblick Saxophone und Schlagzeug nach Berlin oder Hamburg verfrachten. Zum Wochenende rattern nochmals Wagen aller Pferdestärken durch den Ort und parken drei bis sechsunddreißig Stunden, dieweil ihre Lenker und deren Anhang den Strand, die Promenade, die Villen, die Tanzca'es, die Hotels, den Wald, das Wasser und die Strandkörbe mit sonnabendlicher und sonntäglicher Freude an der Extratour erfüllen. Sind sie endlich wieder abqebrauft, hängen doppelt und dreifach so viel Schilder an den Fenstern: „Zimmer mit und ohne Pension zu vermieten". * Der Bademeister malt, um die Zurückgebliebenen zu trösten, 19 Grad Wassertemperatur an seine schwarzen Täfelchen. Zwei Tage später gibt er 18 Grad zu, der Gute. Wer aber vorsichtig seine Zehen ins Wasser steckt und dann mutig in die weißen Schaumköpfchen hineinwatet, spürt es bald, daß das Thermometer ein bißchen vorgeht. Es zeigt anscheinend immer zwei bis drei Grad zu viel an. * Dafür schaukeln die kleinen Schiffchen, die mit Motorkraft und lieblichem Geratter Seebrücke auf Seebrücke anlaufcn, doppelt so lustig hin und her. Sie sind ausgelassen wie der Wind der das Meer aufwühlt und aus der Ostsee beinahe eine Nordsee macht. Der Sand ist feucht. Erst gegen Mittag wird er trocken. .Sobald, er wieder ganz körnig ist, fitscht ihn der Wind in die Gesichter. Herrlich aber überstürzen sich im rauschenden Sviel die unendlichen grünlichweißen, gischtenden Wogen, die unablässig ans Ufer rollen. Da kommt für ein paar lanac, reife, milde Tage die Sonne wieder und streichelt Wasser, Sand, Strand, Menschen, Straßen und Häuser. Die grau- schwarzen Haufenwolken weichen kleinen, weißen, durchsichtigen Windwölkchen. Ein mastgoldener Schimmer liegt über diesen zauberhaften Tagen, denen sich die Menschen an dieser schönen Küste zärtlich hingeben ... Es werden wohl die letzten sein..- plötzlich dieser Zug von Energie auf dem schmalen Gesicht seiner Frau erschien. Nach kaum halbjähriger Che kehrte die Tochter als Witwe ins Elternhaus zurück. Es war ein tragisches Schicksal, und Wilhelm Bertram fühlte das Leid feines Kindes auf das aufrichtigste mit, aber tief drinnen saß doch eine leise Befriedigung, daß er die Tochter wieder hatte. Er dachte schott mit Mißbehagen daran, daß sie nach Ablauf des Trauerjahres vielleicht wieder fortgehen würde. Da griff abermals das Schicksal ein, auf eine böse und unbarmherzige Weise. Irene Bertram erlag einer Grippe. Sehr zart war sie immer gewesen, und das Herz hielt dem Ansturm der Krankheit nicht stand. Da ergab es sich von selbst, daß die verwitwete Tochter an die Stelle der Hausfrau rückte und den Vater betreute. Daß es nicht bis in alle Ewigkeit so bleiben würde, darüber war sich Bertram klar: eine so gut aussehende Frau wie Dore würde einmal wieder heiraten, das war nur natürlich. Aber dann hoffentlich einen Mann der eigenen Kreise, mit einem gediegenen bürgerlichen Beruf, nicht etwas so Ausgefallenes wie einen Rennfahrer. Und solche Männer sanden sich auch in Grünhagen, dazu brauchte man nicht auf Reisen zu gehen. Der junge Kollege der Quinta, Dr. Niemeyer, zeigte sehr offen sein Interesse, und wenn es doch mal sein mußte, so wäre das ein Schwiegersohn nach seinem Herzen gewesen. Da hatte man Berührungspunkte in Fülle und wußte, wie man dran war. Aber merkwürdig: als sie Orivius kennengelernt hatte, konnte es gar nicht rasch genug gehen mit Verloben und Heiraten, und jetzt — mit Niemeyer — kam die Sache nicht vom Fleck. Er hatte gehofft, Dore würde sich noch zu Pfingsten verloben, statt dessen erklärte sie, sie fühlte sich erholungsbedürftig und wolle in die Schweiz fahren. Der Kollege Niemeyer war sehr befremdet gewesen, und er hatte ihm eine lange Geschichte erzählen müssen, daß Dr. Weber, der langjährige Hausarzt, diese Reise in die Berge schon immer gewünscht hätte. Aber nun kam sie zurück, und nun würde wohl auch hoffentlich bald die Verladung stattfinden. Denn — wie gesagt — wenn sie sich schon wieder verheiraten sollte, dann war ihm Niemeyer weitaus am angenehmsten. In einer Stunde kam der Zug, er wollte gleich nod) einmal Friederike daran erinnern. Es wäre uicht nötig gewesen. Friederike vergaß so wichtige Dinge nicht. Sie war mit Frau Berttam in dös Haus gekommen und im Laufe der Iabre so mit öcr Familie verwachsen, daß niemand mehr auf den Gedanken kam. in ihr eine Angestellte zu sehen. Sie war ein Glied der Familie geworden, hatte wie ein solches ihre Eigenheiten, denen man Rechnung tragen mußte, und mar im übrigen oie Treue uni) Zuverlässigkeit in Person. So gab sie auch nur ein kurzes verächtliches Brummen von sich, als der Oberstudienrat sie an die Ankunft der Tochter erinnerte; als ob sie so etwas vergessen könnte! — Sie hatte bereits eine weiße, frischgeplättete Schürze um und ordnete Rosen in einer Kristaklschale, gelbe Rosen aus dem Garten, die Dore am liebsten hatte. Dann trug sie sie sorgfältig in das kleine Wohnzimmer, zog nochmals die Decke auf dem runden Tisch glatt und musterte prüfend ihr Werk. Sie nickte zufrieden: hier und in dem kleinen Schlafzimmer nebenan war alles in bester Ordnung. Ein nachdenklicher Zyg lag auf ihrem Gesicht. Wie lange würde sie das Kind noch hier haben? Dr. Niemeyer meinte es doch sehr ernst. Ob er der Richtige war? — Friederike verzog etwas das Gesicht, was aber nicht gegen Dr. Niemeyer zu sprechen brauchte. Ihr war eben kein Mann gut genug für das Kind. Aber wenn sie glaubte, mit ihm glücklich zu werden ... Es war ja durchaus zu verstehen, daß der Oberstudienrat Bertram ihn als Schwiegersohn wünschte. Es gab viele Väter in Hrünhagen, die den gleichen Wunsch hegten, und viele Mütter, die mit gemischten Gefühlen sahen, wie diese begehrte Partie sich Dore Orivius zuneigte, „die doch schon einen Mann gehabt hatte". Sämtliche Mütter heiratsfähiger Töchter waren sich einig, daß der „arme Niemeyer geradezu raffiniert eingefangen" wurde. Tatsächlich hatte sich wohl noch nie eine Frau so wenig um einen Mann bewüht, wie Dore um Rudolf Niemeyer, und vielleicht war es gerade das, was ihn zuerst auf sie aufmerksam gemacht. Er wußte längst, welch begehrenswerte Partie er war. Er sah gut aus, wenn auch das hellblonde Haar des kaum Dreißigjährigen sich zu lichten begann und er seiner kurzsichtigen Augen wegen eine Brille trug. Dennoch spielte er ausgezeichnet Tennis, hatte ein hübsches Kabrioletts in dem er seine Bekannten spazieren fuhr, war von Haus aus vermögend und hatte außerdem gute Aussichten im Beruf. Er verstand es, mit Jungens umzugehen; ein Lehrer mit Auto hatte bei Quintanern von vornherein ein „Plus". Als Hauptfach lehrte er Mathematik. Dies waren die Menschen, in deren Kreis Dore Orivius nunmehr zurückkehrte. In der ersten Zeit ging alles gut. So gut, daß Dore tatsächlich glaubte, sie könnte diese vierzehn Tage aus ihrem Leben fortnehmen, wie man einen Gegenstand fortnimmt, beiseite legt und schließlich vergißt. Die gewohnte Umgebung, die sie diesmal mit einem förmlichen Aufatmen begrüßte, erleichterte ihr diese Einbildung. Die alljährliche Ferienreise mit dem Vater half ebenfalls dazu, sie abzulenken, um so mehr, als sie diesmal an die See fuhren. Sie war zum erstenmal wieder an demselben Strand der Nordseeküste, an dem sie einst ihren Mann Fennengelemt hatte. Und wenn sie etwas befremdete, so war es die Erkenntnis, wie sehr fein Bild inzwischen verblaßt war. Sie hatte ihn sehr lieb gehabt und einmal geglaubt, sie könnte seinen Tod nie überwinden, und nun mußte sie fast gewaltsam die Erinnerung heraufbeschwören. Und was das Seltsamste und Erschreckendste war: immer, wenn sie an ihn denken wollte, drängte sich ein anderes Gesicht davor — das Gesicht eines Mannes, der für sie noch viel mehr gestorben sein mußte als Orivius, der wenigstens "in. ihren Gedanken weiterleben durfte. Immerhin bot ihr der Aufenthalt an der See so viel Zerstreuung, daß dieser Schatten sie nicht sonderlich beunruhigte; solch ein seltsames Erlebnis brauchte schließlich seine Zeit, um vergessen zu werden. Aber bann, als sie längst wieder zu Hause war, mußte sie mit wachsendem Erschrecken feststellen, daß sie von dieser Erinnerung immer weniger loskam, je mehr Zeit darüber verging. Es half nichts, daß sie sich Vernunft predigte und sich zusammennahm, sich vorhielt, wie unwürdig es sei, noch an einen Mann zu denken, der seinen Vertrag, sie nach vierzehn Tagen aus seinem Leben wieder auszuscheiden, so gründlich durchgeführt hatte, daß sie bis heute von ihm nicht mehr wußte als seinen Namen. Es hals nichts, daß sie sich selbst mit den schärfsten Ausdrücken belegte, sich eine Frau ohne Charakter und Stolz nannte, sie kämpfte gegen einen Schatten, der zwar verschwand, wenn sie nach ihm schlug, aber sofort wieder da war, wenn sie glaubte, sich befreit zu haben. Sie versuchte, sich durch Sport auf andere Gedanken zu bringen, ging morgens zum Schwiim- men, nachmittags zum Tennis und half sich damit über den September hinweg. Aber der Oktober brachte nasse und kalte Tage, und mit dem Sport war es nichts mehr. Was habe ich denn sonst in all den Jahren gemacht, dachte Dore nervös und sah in den Regen hinaus. Ein bißchen Haushalt, lesen, Handarbeiten, spazieren gehen, Bekannte besuchen, Bridge spielen, sie war doch bisher von diesem Tageslauf aus gefüllt gewesen. (Fortsetzung folgt!) model tu immer frohen Einsatz auf. Lied und Musik beschlossen die schöne Feierstunde. Bunte Spielwiese. Nach der-Morgenfeier trat man bann in langem Zuge, voran bie Wimpelgruppe, zu einem Marsch burch bie Stabt an, währenbbem mieberum viele Lieber gesungen würben und gleichzeitig bewiesen würbe, mit welcher Disziplin selbst bie jüngsten Iungmädel aufzutreten vermögen. Der Nachmittag war bann ganz der Fröhlichkeit und dem Spiel gewidmet. Am Waldrand auf dem Trieb bildete sich rasch ein weiter Kreis der lagernden Iungmädel, deren weiße Blusen hell in der Sonne leuchteten. Auch zahlreiche Eltern fanden sich ein und folgten mit großer Aufmerksamkeit den vielfältigen Darbietungen, bie bie Iungmädel zu geben wußten. Da lernte man zunächst den witzigfrechen Till-Eulenspiegel kennen, sah die mutigen „Sieben Schwaben" bei ihren Taten, und verfolgte dann die Iungmädel im schmucken Sportdreß bei ihren originellen Spielen, Wettbewerben, lustigen Staffelläufen, beim Tauziehen und dem Spiel mit dem Medizinball. Auch das Sackhüpfen und andere Geschicklichkeits-Wettbewerbe wurden ausgetragen und trugen zur allgemeinen Erheiterung bei. Lustige Lieder und Kanons wurden geübt, an denen sich mit mehr oder weniger Erfolg auch die Eltern beteiligten. v. v Erst am späten Nachmittag gingen die Stunden der fröhlichen und unbeschwerten Gemeinschaft zu Ende und angeregt begaben sich die Iungmädel nach Hause. Aus der Stadt Gießen. Oie Drachen steigen. Bei keinem Spiel unserer Buben zeigt sich so die Geschicklichkeit und sorgfältige Vorbereitung wie beim Unfertigen der Dramen; denn wer irgendwie mitreben will, muß natürlich seinen Drachen selber Herstellen. Die kleinen Buben, die noch nicht zur Schule gehe/i und denen ihr Vater einen schönen Drachen zusammenleimte, werben von den „richtigen" Drachenbefitzem nur mit einem mitleidigen Lächeln von ber Seite angeschaut. Wenn aber an einer Wegkreuzung — bas ganze Felb steht ihnen ja leiber noch nicht zur Verfügung, auch bie vielen Drahtleitungen Hinbern sie oft — einige Buben zusammenkommen, um vor bem eigentlichen Start ihre Flugzeuge fachmännisch zu begutachten, bann kann man allerlei hören. Da wirb sehr scharfe Kritik geübt, manchmal auch eine ganz falsche; benn die Buben lassen sich gar oft von der Größe und Schönheit eines Drachens täuschen. Wenn er aber in ber Luft bie bekannten zuckenben Be- roegungen macht unb balb wieber in einem Kartof- felfelb lanbet, bann sehen sie erst, baß weber Größe noch Schönheit bei einem guten Drachen ausschlag, gebend sind. Die Herstellung eines guten Drachens erfordert eine ganz genaue und exakte Arbeit, und wir konnten in diesen Tagen beobachten, daß alle die Buben, bie auch beim Mobellbau von Segelflugzeugen Mitwirken, besonbers gute Drachen hatten. Sie „ftanben" in ber Luft, wie bie Buben sagen. Keiner zuckte, unb wenn bie Schnur langte, fliegen sie immer höher, bis sie schließlich ganz klein erschienen. Das Umgehen mit Metermaß, Feile usw., die Lehre vom Gleichgewicht u. v. a. haben doch viel mitgeholfen, daß diese Drachen ohne Fehler waren. Es ist immer reizvoll, dabei zu sein, wenn bie Drachen steigen, bas Alter spielt hier gar keine Rolle. Wir freuen uns immer, wenn ein kleiner Knirps Glück hat unb fein Drache gut steigt. So kam biefer Tage ein ganz kleiner Junge schüchtern unb bescheiben zu ber großen Schar ber Sachverständigen. Sein Drache hatte nicht bas schöne bunte Papier, wie man es eben in allen Geschäften kaufen kann. Es war nur Zeitungspapier, mit einigen stärkeren Streifen Packpapier überklebt. Die meisten Buben lachten über ben unansehnlichen Drachen unb über bie bicke Rolle Schnur, bie ber Kleine mitgebracht hatte. Einer meinte, bas Ding käme überhaupt nicht von ber Erbe, er solle ihm lieber bie Schnur geben, da seine eben abgerollt sei. Doch unverbrossen unb gar nicht beleibigt, bat ber Kleine einen anderen Buben, bie Rolle zu hotten. Darauf ging er einige Meter weiter, fing an zu laufen und ließ den Drachen los. Der Wind griff zu, und schon erhob er sich in bie Lüste. Der Start ging glänzenb vonstatten, ber Junge gab Schnur, der Kleine kam zurück unb nahm seine Schnur selber in bie Hand, und in wenigen Minuten hatte er die andern Drachen überflügelt. Ganz winzig klein stand er zwischen Der bunten Schar. Die Augen des Buben lachten. Er wußte, was er sich zusammen- geleimt hatte. Er hatte genau gemessen unb scharf gerechnet. Nun schwiegen auch bie anbem. Nur ber Schwanz sei etwas zu leicht, meinte einer noch. Aber bie anbem lobten ben Drachen. Dann wurden bie Briefe hinaufgeschickt. Das ist eine Sache für sich unb macht immer Freube, be- fonbers wenn ber Wind scharf weht. Etliche schrieben sogar einige Zeilen Darauf. Lustig flatterten bie Zettel himmelwärts. Dann kam bas schönste: ein Flugzeug tauchte auf, schon lange hatte man bas Brummen ber Motore gehört. Nun näherte es sich. Die Buben ftanben mit ihren Drachen unb schauten, schauten. Ob sie wohl auch so hoch waren? So ganz reichte es nicht, aber bas Flugzeug war gar nicht so hoch. Ob sie da droben bie Drachen bemerkten? Sicher. Die Buben riefen, unb winkten. Es gab ein großes Hallo! Sie wollen doch alle einmal Flieger werben. Und wenn sie jetzt mit ihren Drachen ba braufeen in ben Felbern stehen unb Papiergrüfee hinaufsenben in bie Lüste, bann mag ihr Herz klopfen, wenn sie Daran Denken, baß auch sie einmal in einem richtigen Flugzeug burch bie Wolken fahren können. Noch sinb es Träume, aber bei gar manchem wirb es wohl Wirklichkeit werden. H. Vornoiizen Tageskalwder für Montag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Capriccio". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): ,La Habanera." Lund Deutscher Mädel. Derkgruppe 4/116 (Musik). Heute, Montag, tritt die Musikschar um 20.15 Uhr am Uhkheim an. Der Beitrag ist von jedem Mädel mitzubringen. Mit dem Landschastsbund Volkstum und Heimat auf pilzgang. Alljährlich lesen wir in den Zeitungen, daß wertvolle deutsche Menschenleben durch Pilzvergiftung zugrundegehen. Die Arbeit amtlicher Pilzberatungssteilen, bie Aufklärungsarbeit ber Schule unb Presse über Pilze können nicht genug unterstützt werben. Aus bissen Gebanken heraus finden von berufener Seite immer wieder Pilzwanderungen statt. Auch der Landschastsbund Volkstum und Heimat führt solche Wanderungen alljährlich durch. Daß sie einem Bedürfnis entsprechen, beweist die stets sich ein- stellende große Teilnehmerzahl. 33 Personen waren am gestrigen Sonntag um 9 Uhr am Eisenbahnübergang Der Anneröder Chaussee dem Ruf Gefolgt, sich von Universitätsgarteninspektor i. R. R e h n e l t auf einem Pilzgang führen zu lassen. In einem Begrüßungswort führte der stellvertre- tende Ortsringleiter Dr. Rolc> ff aus, daß ber Landschastsbund mit biefer Wanberung neben der rein nützlichen Seite auch dem Ziel des Bundes dienen wolle, heimatbewußte und heimatverbundene Menschen zu schaffet;. Herr R e h n e l t liefe bann bie Versammelten gewissermaßen durch ben Wald ausschwärmen unb babei Pilze sammeln, bie teils in ben Rucksack manberten, teils aber auch als Anschauungsmaterial dienten für bie an verabredeten Treffpunkten ein- fetzenden Belehrungen. Da würben bann viele Fragen gestellt unb beantwortet. Auch Professor Dr. Henneberg stellte seine Pilzkenntnis in ben Dienst der Sache. An besonbers schönen Einzelstücken konnten die verschiedenen heimischen Pilzarten veranschaulicht werden. Es gelang auch, verschiedene ganz giftige vorzuführen, auf Deren genaue Kenntnis es ja bei der wirtschaftlichen Verwertung besonders ankommt. Herr R e h n e l t schärfte immer wieder den Grundsatz ein: Was man nicht wirklich als ungefährlich kennt, stehen lassen ober fortwerfen! Manche mitgebrachte Tasche ober Tüte hatte sich inzwischen mit eßbaren Pilzen angefüllt. Man trennte sich gegen 12.30 Uhr mit besonderem.Dank für bie reiche Belehrung, die man in nahezu vierstündigem Gang durch unseren Stadtwald gewonnen hatte. Artillensten-Kameradschast 1895 Gießen. Am Samstag versammelten sich bie Kameraben der Artilleristen-Kamerabschast 1895 Gießen im Kamerabschaftsheim hessischer Hof" zum üblichen monatlichen Kameradschaftsabend. Dabet beschäftigte man sich u. a. noch einmal mit ber Singlieberung Der Kameradschaft in den NS.-Reichskriegerbund, die bis Eirbe September von ben einzelnen Kame- rabschaften als geschlossene Einheit vollzogen sein muß. Die Artilleristen-Kamerabschaft 1895 Gießen tritt geschlossen bem NS.-Reichskriegerbund bei, weil auch fernerhin lebensfähige Waffenkameradschaften — unb eine solche ist Die KameraDschaft Der alten Artilleristen in unserer Stabt — unb Regi- mentskamerabschaften bestehen bleiben können. In der Führung biefer Kamerabschaften wirb auch künftighin im großen unb ganzen alles beim alten bleiben. Da über diese Angelegenheit schon wieber- hott im Kreise ber Kameraben berichtet unb beraten worben ist, sind Die Angehörigen Der Kameradschaft über Die Einzelheiten vollständig unterrichtet. Weiterhin wurde man sich im Verlaufe Des AbenDs noch schlüssig, im Herbst einen Ausflug Der Kameradschaft mit den Familienangehörigen zu unternehmen, der in Die nähere Umgebung von Gießen führen soll. Baracken verschwinden. Nachdem Die Bewohner Der Baracken in Der oberen Kaiserallee sämtlich cnDermeitig guten Wohnraum erhalten haben, ist nunmehr mit Dem Abbruch Der feit etwa 14 Jahren stehenden und mittlerweile wenig ansehnlich gewordenen Wohnbaracken begonnen worden. Der obere Barackenbau in Der Nähe ber „Germania" ist bereits abgetragen. Der Abbruch Der weiteren Baulichkeiten wirb Zug um Zug folgen. Das Baumaterial, soweit es noch verwen- bungsfähig ist, wird zunächst auf Lager genommen, bis sich eine andere Verwertungsmöglichkeit ergibt. Mit dem Verschwinden Dieser Baracken, die ein wenig erfreuliches Stück aus einer schlimmen Notzeit darftellten, wirb nun wieder ein Baugelände verfügbar gemacht, das wohl in nicht allzu langer Zeit Durch Die Errichtung ne-uy? unb zeitgemäßer Wohnungsbauten einer würdigeren Gestaltung dieses Straßenteiles Dienstbar gemacht werden Dürfte. * ** Fällige Gas- unb Stromgelber. Die Direktion ber Städtischen Betriebe gibt bekannt, daß Die Strom- und Gasaelder im Stadt- unb Ueberlandgebiet bei Der Ablesung an den Erheber zu bezahlen sind. Stromgelder können noch innerhalb acht Tagen und die Gasgelder innerhalb zehn Tagen ohne Kosten bezahlt werden. ** Städtische Bücherei. Im August sind 1571 Bände ausgeliehen worden. Davon kamen auf Literaturgeschichte 3, Zeitschriften 8, Gedichte und Dramen 6, Erzählende Literatur 975, Iugend- schriften 239, Länder- und Völkerkunde 98, Kulturgeschichte 2, Geschichte unb Biographien 138, Kunstgeschichte 7, Naturwissenschaft unb Technologie 50, Heer- unb Seewesen 16, Haus- und Lanbwirtschaft 6, Religion unb Philosophie 5, Staatswissenschast 14, Sport 1, Außerbeutsche Literatur in den Originalsprachen 3 Bände. Nach auswärts kamen 23 Bände. ** Kleine Unfälle. In der Licher Straße stürzte ein 24 Jahre alter Motorradler mit feiner Maschine so unglücklich, baß er eine Gehirnerschütterung und Schädel- unb Schulterverletzungen bavon- trug. — Ein Kellner kam auf ber Straße so unglücklich zu Fall, daß er einen Kniescheibenbruch erlitt. — Ein 13jähriges Mädchen wurde von einem Insekt im Gesicht gestochen. Schon nach kurzer Zeit traten infolge Infektion derart heftige Schwellungen ein, daß das Mädchen sofort in ärztliche Behandlung gebracht werden mußte. Aus her engeren Heimat. 50 Jahre au einem Arbeitsplatz. + Grünberg, 3. Sept. Die landwirtschaftliche Gehilfin Katharine Rühl, hie in Diensten des Bauers Konrad T r i n k a u s steht, erhielt das Treudien st- Ehrenzeichen für treue Arbeit. An Weihnachten 1885 trat sie beim Vater ihres jetzigen Dienstherrn in Stellung; seit dieser Zeit ist sie ununterbrochen in diesem Hause tätig. Auf dem Rathause wurde ihr durch Kreisbirektor Dr. Lotz bie Auszeichnung mit folgenber Urkunde überreicht: „Der Führer unb Reichskanzler hat mit Erlaß vom heurigen Tage ber lanbwirtschaftlichen Gehilfin Katharine Rühl in Grünberg als Anerkennung für 50jährige freue Arbeit im Dienste bes Deutschen Volkes das Treudienst-Ehrenzeichen verliehen. Berlin, den 8. August 1938. Der Staatsminister und Chef Der Präsidialkanzlei bes Füh- rers unb Reichskanzlers. Meißner." Die Auszeichnung ist ein silbernes Kreuz mit gol- benem Eichenkranz, getragen am blauen Bande. Die Mitte der Vorderseite zeigt bas Hakenkreuz, bie Rückseite trägt bie Inschrift „Füx treue Dienste." Anonyme Postkarten — acht Monate Gefängnis. Lpb. N i b b a , 3. Sept. Eine verheiratete Frau aus bem Nachbarort Geiß - Nibba hatte ihrem Zorn gegen zwei unbescholtene Frauen bes Ortes auf anonymen Postkarten an Die Frauen unD in einer anonymen A n zeige an Die Gendarmerie Luft gemacht, wobei sie sich f ch w e r ft e haben den Erdölpreis gesenkt. Dadurch ist jetzt noch bessere Erdal-Schuhpflege möglich. - Bessere Schuhpflege bedeutet Schuhe sparen, denn die Schuhe halten länger und v bleiben länger schön BeleiDigungen und Verleumdungen angesehener Personen Des Dorfes zuschulden kom- men ließ. Nach umfangreichen Ermittlungen und nach langem Leugnen gestand Die Frau ihr übles Treiben ein, zugleich mußte sie auch Die Haltlosigkeit ihrer BeschulDigungen zugeben. Die Sache kam teuer zu stehen, Denn das hiesige Amtsgericht verurteilte Die anonyme Schreiberin unb Beleioigerin zu acht Monaten Gefängnis. 700 Zentner Gtroh verbrannt. Am <5amstagabenb brannte in der Nähe des Dorfes Petterweil (Kreis Friedberg) ein g r o - • feer Stroh Haufen, ber zu bem Gutshof von Petterweil gehörte, vollständig nieder. Schätzungsweise sind etwa 7 0 0 Zentner Stroh den Flammen zum Opfer gefallen. Die Kriminalpolizei Gießen nahm die Ermittlungen alsbald auf. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 4. Sept. Gestern abend fand bis Inspektion ber hiesigen Fr e i w i lli g e n unb Pflichtfeuerwehr statt. Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier mit seinem Abjutanfen Schmück wohnten ben Hebungen bei. Es mürben bas Exerzieren, Geräteexerzieren sowie ein schulmäßiger Brandangriff gezeigt. Hierbei wurde Das Wasser einem alten Brunnen vor der Kirche entnommen, der ungefähr 20 Minuten Wasser lieferte. So ist in unserer Gemeinde im Falle der Gefahr immer noch eine Brandreserve vorhanden, bie sehr gute Dienste leisten kann. Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier ging bei seiner anschließenben Kritik auf bie Mängel ein, Die noch bestehen, sanD aber auch Worte Der Anerkennung, wo es angebracht war. Mit Dem Gruß an Den Führer fand »Die Inspektion ihr Enbe^ Kannst du zurück, Sore? Vornan von Hedda Lindner. Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35. 6 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Die Kollegen schätzten besonders seine reiche Erfahrung, die er stets bereitwillig zur Verfügung stellte. Wirtschaftlich waren seine Verhältnisse gut. Das kleine Vermögen seiner Frau hatte er kurz vor bem Kriege zum Bau eines Hauses verwenbet, unb bamit entging es ber Entwertung. Das Untergeschoß dieses Hauses bewohnte er selbst mit seiner Familie — des Gartens wegen —, den ersten Stock des villenartigen Gebäudes hatte seit über zehn Jahren ein pensionierter Oberst mit seiner Frau gemietet — ruhige Leute, mit denen man sich auf Das beste verstand. Der erste wirkliche Schicksalsschlag traf ihn, als er seine Frau verlor. Irene Bertram war ein feiner, stiller Mensch gewesen unb hatte es hervorragend verstanden, seine gesellschaftliche Stellung angenehm zu befestigen. Kinder hatten sie nicht außer Dore, an ber er hing — wie Väter an der einzigen Tochter meistens hängen. Es war ein richtiger Schock gewesen, als sie sich vor fünf Jahren plötzlich verlobte. Noch dazu mit einem Rennfahrer. Sie hatten sich während der Sommerferien in Westerland kennengelernt, drei Wochen Darauf hielt Orivius bereits um ihre Hand an. Bertram war Dagegen gewesen, seine Frau Dafür. Es war eine merkwürdige Sache um diese fülle, ’?inc Irene Bertram. Sie war im allgemeinen Die Fügsamkeit selbst und gönnte ihrem Gatten das angenehme Bewußtsein, der absolute Herr im Hause zu fein. Es gab sogar Leute — Fernstehende —, Die sie für einen schwachen, anlehnungsbedürftigen Charakter hielten, der völlig unter dem Einfluß des willenskräftigen Mannes stand. Die näheren Bekannten wußten, daß Irenes Nachgiebigkeit ihrer Großzügigkeit entsprang: es lohnte nicht, wegen Kleinigkeiten Auseinandersetzungen heraufzubeschwören. Hatte sie aber etwas für notwendig erkannt und sich entschlossen, ihren Willen einzusetzen, dann gab es einfach keinen Widerstand. So gab sie auch hier den Ausschlag, als Bertram sich gegen diese Verlobung sträubte. „Wenn Dore glaubt, mit ihm glücklich zu werden, soll sie ibn heiraten", hatte sie gesagt, und damit war die Angelegenheit erledigt. Er fügte sich wie immer, wenn O.Jf.4porf Olympische Winterspiele 1940 in et Moritz. Der Vollzug«usschuh des Internationalen Oltjrn- pifchen Komitees beschloß in Brüssel unter Vorsitz des Präsidenten Graf Vaillet-Latour. die Olym- pifchen Winterspiele 1940 an die Schweiz zu ergeben. Gleichzeitig wurden weitere Beschlüsse über die Sommerspiele in Finnland gefahk. * Für die Winterspiele lagen drei Bewerbungen vor. Lake Placid, Lahti und St. Moritz. Der amerikanische Wintersportplatz schied wegen zu großer Abgelegenheit aus der engeren Wahl aus. Lahti kam nicht in Frage, weil Finnland nicht in der Lage war, die olympischen Bobrennen zu veranstalten. So fiel die Wahl endgültig auf St. Moritz, das schon vor zehn Jahren Schauplatz der 2. Olympischen Winterspiele war. Das Programm der 5. Olympischen Winterspiele umfaßt Bobretmen, Eishokey, Eiskunstlauf und Schnellauf sowie als Vorführungswettbewerbe Militär - Patrouillenlauf, Torlauf unfo Sprunglauf als einzige Schikämpfe. Der Beginn der Olympischen Sommerspiele in Helsinki wurde auf den 20. Juli Mgesetzt. Die Wettkämpfe dauern bis zum 5. August, ote erstrecken sich, wie schon gemeldet, nicht nur auf die obligatorischen Sportarten, sondern auch auf Fußball, Wasserball und »Kanu, während Handball, Hockey und Basketball aus Gründen der Unter» bringungsmöglichkeiten nicht stattfinden werden. Die ^chießwettbewerbe wurden auf Prüfungen mit dem Armeegewehr erweitert. Erste Musterung unserer Fußball-Nationalen. Die erste Musterung unserer Fußball-Nationalen m der neuen Spielzeit dürfte im Hinblick auf die bevorstehenden Länderkämpfe gegen Polen und Rumänien ihren Zweck voll erfüllt haben. Im Berliner Olympia-Stadion lieferten sich zwei Ländermann- schäften am Sonntag einen zeitweilig sehr schönen Kampf, in dem man Leistungen zu sehen bekam, die höchst erfreuliche Ausblicke für die kommende Spielzeit eröffnen. Wenn das Treffen 1:1 (0:1) endete, so gibt dieses Ergebnis auch den Spielverlauf wieder. Die A=(£lf hatte in Janes, Mock und dem linken Flügel Peffer- Schön überragende Einzelspieler und wirkte darüber hinaus als Mannschaft reifer, während die junge B-Elf elanvoller und einsatzbereiter war. Auftakt der AS.-Kampfspiele. Geländerill zum Modernen Fünfkampf. Die II. NS.'Kampfspiele begannen am Sonntag auf dem Truppenübungsplatz Hohenlohe mit dem 5-Kilometer-Geländeritt der Klasse A für den Modernen Fünfkampf. 36 Bewerber nahmen den Kampf über den mit 20 Hindernissen gespickten Kurs auf. Der Wehrmachtmeister Dblt. Lemp blieb als zweiter Starter mit einer Zeit von 9:57 Min. nicht lange an der Spitze, denn. ^-Scharf. Rhinow legte die Strecke sofort im Anschluß in 9:49 Min. zurück. Im weiteren Verlauf wurde die Bestzeit immer weiter unterboten. Sieger blieb schließlich Polizei- Wachtmeister Schloemp (Berlin) mit 0 F. und 9:13 Min. Deutsche Schwimmersiege in Portugal. In dem mit über 5000 Zuschauern besetzten Schwimmstadion des Klubs Alges Dafundo in Lissabon wurden am Freitagabend die ersten deutschportugiesischen Schwimmwettkämpfe gestartet. Sämtliche Wettbewerbe des Schwimm-Länderkampfes wurden von Deutschland gewonnen. Höhepunkt der Veranstaltung war das Schauspringen des deutschen und Europameisters Erhard Weiß, dessen überragendes Können die Zuschauermenge zu jubelndem Beifall hinriß. Das zum Schluß durchgeführte Wasserballspiel war eine einseitige Angelegenheit .zugunsten ber Deutschen, die mit 14:1 Toren siegten. Europas beste Leichtathleten in Titelkämpfen. Die Titelkämpfe der besten europäischen Leichtathleten nahmen am Samstag im Pariser Colom- bes-Stadion ihren Anfang. Das Interesse war leider nicht sehr groß. Nur 6000 Zuschauer füllten die weiten Ränge. Die Organisation verlief nicht immer reibungslos. In ausgezeichnetem Zustand befanden sich dagegen die Bahnen. Die kleine deutsche Kolonie, an ihrer Spitze der deutsche Botschafter in Paris, Graf Welczek, erlebte einen hocherfreulichen Auftakt für ihre Landsleute. Brachte doch bereits der erste Tag, an dem vier Wettbewerbe entschieden wurden, zwei deutsche Europameister. Wllhelm L e i ch u m , der Weitsprung-Sieger von 1934 in Turin, verteidigte seinen Titel erfolgreich mit einem Sprung von 7,65 vor dem Italiener Maffei (7,61 Meter) und dem Leipziger Luz Lang (7,56 Meter). Etwas überraschend kam aber der Sieg des Freiburgers Sutter, der seine ausgezeichnete Leistung von Stockholm wiederholte und den Stabhochsprung mit 4,05 Meter gewann- hinter ihm belegten drei Mann mit je 4,00 Meter die Platze. Im 10 0-Meter-Laus setzte sich der favorisierte Holländer Osendarp im Endlauf in 10,5 Sek. durch und verteidigte damit das Erde seines großen Landsmannes *" Berger. Aus dem Zweikampf der beiden Finnen im Speerwerfen ging der erfahrene Matti I ä r d i n c n mit einem Pracht- wurf von 76,87.Meter als Sieger hervor; sein Landsmann Nikkanen kam auf 75,00 Meter. weHkommen. Bei den mit letzter Energie durch- gefuhrten Versuchen machte sich wieder die alte Sehnenzerrung bei Sievert fo stark bemerkbar, daß er den Kampf aufstecken mußte. Großes Pech hatte Deutschland auch im Marathonlauf. Der Stuttgarter Bertsch übernahm auf halber Strecke, zusammen mit seinem Kameraden Puch, die Führung, die er nach einem aufregenden Kampf mit dem starken Franzosen Leriche erobert hatte. Beim 37. Kilometer wurde Bertsch bann von einem Radfahrer so schwer an- aefahren, daß er das Ziel nur noch mit äußerster Kraftanstrengung erreichte und dabei auf den sechsten Platz zurückfiel. Auch Puch konnte zum Schluß nicht mehr ganz mithalten und wurde Fünfter. Der Sieg fiel an den Finnen Muinonen mit 2:37:28,8 Stunden und Darrow (England). Wölke geschlagen. Die Kämpfe des Sonntags Der Sonntagvormittag der Leichtathletik-Europameisterschaften im Pariser Colombes-Stadion gehörte den Zehnkämpfern und 200-m-Läufem. Meister Hans-Heinz Sievert lag nach den ersten drei Hebungen (100-m-Lauf, Weitsprung und Kugel- -stoßen) schon weit in Front vor Bexell und Plawczyk. Auch unser zweiter Mann, Glötzner, hielt sich gut in dieser erstklassigen Gesellschaft. Die Leistungen dieser vier Mann waren nach den ersten drei Hebungen: Sievert (11,3 + 6,68 m 4-14,39 m); Bexell (11,5 + 6,67 m + 13,62 m); Plawczyk (11,4 + 6,56 m + 11,12m); Glötzner (11,6+ 6,50m + 12,42 m). In den Nachmittagsstunden hatten sich rund 25 000 Zuschauer im Stadion eingefunden, um die End- kämpfe in elf Wettbewerben zu erleben. Die etjte Entscheidung fiel in der langen Hürde n st r e ck e, die der Franzose I o y e in 53,1 Sek. vor Kovacs (Ungarn) in 53,3 und Areskoug (Schweden) in 53,6 gewann. Nach einem Fehlstart des Deutschen Glaw setzte sich Joye beim zweiten Startschuß sofort an die Spitze des Feldes und behielt die Führung während der ganzen 400 m. Ebenso sicher, wie der favorisierte Franzose siegte, belegten Kovacs, der ungarische Titelverteidiger, und Ares- koua die nächsten Plätze. Holling, auf den wir einige Hoffnungen setzten, sprang schlecht und lag lange Zeit an letzter Stelle, bis er im Endspurt noch den fünften Platz hinter Glaw eroberte. Die große deutsche Heberlegenheit im Hammer- werfen kam auch in Paris wieder zum Ausdruck. Heber sechs Meter trennten unsere beiden Vertreter von dem Dritten, dem Schweden Malmbrandt. Während Blask in Stockholm feinen Kameraden Hein hinter sich lassen konnte, siegte diesmal wieder der Hamburger mit einem großartigen Wurf von 58,77 m vor Blask (57,34 m), während Malmbrandt nur auf 51,23 m kam. Heber 4 00 m hatte der Berliner Linnhoff die Außenbahn. In scharfem Tempo zog der glänzend laufende Engländer Brown davon.'Aber Linnhoff hielt ausgezeichnet mit, übernahm sogar eine Zeit- lang die Führung. Auf den letzten 100 m mußte der Deutsche aber feinen Gegner ziehen lassen, der in 47,6 Sek. vor Baumgarten (Holland) gewann, der zum Schluß noch an Linnhoff. vorbeiging. Hervorragende Zeiten wurden im Endkampf der 5 00 0 m erzielt; die ersten sechs Läufer blieben sämtlich unter der 15-Minuten-Grenze. Nach anfänglicher Führung des französischen Titelverteidigers Rochard übernahmen die beiden Finnen Mäki und Pekuri die Spitze und liefen ein Rennen für sich; nur der Schwede Henry Jonsson und der Pole Noji konnten in den Endkampf eingreifen, während Rochard nach 2000 m rettungslos geschlagen mar. In der Zielgeraden unternahm Johnsson einen Angriff auf die beiden Finnen, konnte auch Pekuri pas- fieren, doch Mäki nicht mehr erreichen, der in 14:26,8 Minuten vor Johnsson (14:27,4) und Pekuri (14:29,2) sicher siegte. Harbigs Rekordlauf in 1:50,6! Den wohl mit der größten Spannung erwarteten Wettbewerb bildete der 800-Meter-Lauf, der das Duell Har big — Lanzi (Italien) brachte. Nach seiner großen Beständigkeit in diesem Jahr und den Siegen über die Amerikaner galt der Dresdener als Favorit, aber Lanzi war von feinem prächtigen Kampf bei den Olympischen Spielen in Berlin noch in bester Erinnerung. Nun, Harbig erwies.sich einwandfrei als der Bessere. Zunächst übernahm der Franzose Leveque die Führung, wurde aber bald von Lanzi abgelöst, in dessen Fahrwasser Harbig das scharfe Tempo mühelos mitging. In der Kurve vor dem Ziel trat der Deutsche an, schloß zu dem Italiener auf und ging spielend an ihm vorbei, Meter auf Meter gewinnend. In der neuen deutschen Rekordzeit von 1:50,6 Minuten — die alte Bestleistung hielt Hm/big mit 1:50,9 Minuten — ging der Dresdener unangefochten durchs Ziel, während hinter ihm der erschöpfte Lanzi noch von dem überraschend gut gelaufenen Leveque auf den dritten Platz verdrängt wurde. Der Holländer Osendarp erwies sich als würdiger Nachfolger seines großen Landsmannes Berger, der 1934 in Turin beide Sprintstrecken gewonnen hatte. Auch Osendarp holte sich nach den 100 Meter am Samstag nun am Sonntag noch die 2 0 0 Meter. Jakob Scheuring hielt bis zum Beginn der Zielgeraden wacker mit, konnte aber dem Endspurt des Holländers, der in 21,2 Sekunden siegte, nicht mehr folgen. Immerhin hielt Scheuring in 21,6 den zweiten Platz vor dem in gleicher Zeit einkommenden Engländer Pennington. Mit einem finnischen Doppelsieg endete der Dreisprung. Sowohl Rajasaari (15,32 Meter) wie auch Noren (14,93 Meter) waren besser als unser Kotratschek, der nur 14,73 Meter bewältigte. Die 110 Meter Hürden entwickelten sich zu dem erwarteten Zweikampf Finlay (England) — Lidman (Schweden), den der Engländer in 14,3 Sekunden ebenso erwartungsgemäß zu seinen Gunsten entschied. Sievert verletzt ausgeschieden. Leider erlebte die Deutsche Kolonie am Sonntagnachmittag das Ausscheiden eines unserer besten Leute, des Zehnkämpfers Hans-Heinz Sievert, der als hoher Favorit in den Kampf gegangen war. Der Hamburger, der im Hochsprung 1,75 Meter bewältigt hatte, wollte auch über die von dem Polen Gierutto oorgelegten 1,83 Meter noch hin- Der deutsche Olympiasieger Hans- Wöllke unterlag in diesem Jahre erheblichen Formschwankungsn. In Paris blieb er mit 15,52 Meter genau um einen Meter hinter der Weite von Stockholm zurück und kam dadurch nur auf den dritten Platz im Kugelstoßen hinter dem Esten K r e e k mit 15,83 Meter und dem gerade in dieser Hebung sehr beständigen Stöck (15,59 Meter). Um fo angenehmer überrascht wurden wir dagegen von unseren Gehern, die sich auf der langen Strecke von 50 Kilometer in einem auserlesenen Felde sehr gut hielten. Der deutsche Meister Dill belegte in 4:43,54 Stunden den zweiten Platz hinter dem heißen Favoriten Whitlock, dem englischen Olympiasieger. Deutschland führt in der Länderwertung. Nachdem die deutschen Leichtathleten nach den vier Entscheidungen des ersten Tages mit 16 Punkten t>or Finnland und Italien (je 13) in Front gelegen hatten, vergrößerte sich der Abstand zwischen Deutschland und den übrigen Nationen am Sonntag ganz erheblich. Deutschlands Führung am Sonntagabend betrug 73 Punkte vor den beiden schärfsten Rivalen Finnland (48) und Schweden (38). Vier Europameisterschaften für Deutschland. Die Kämpfe der ZRuöerer in Mailand. Deutschlands Vorherrschaft im Rudersport bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin geschaffen und dann bei den Europameisterschaften des Vorjahres verteidigt, ist unbestritten. Das haben die Titelkämpfe 1938" auf dem Mailänder Wasserflughasen „Jdrescalo" klar genug bewiesen. Wieder gab es vier glanzvolle deutsche Siege, die uns abermals den ersten Platz in der Nationenwertung, dem begehrten Glandaz-Pokal, einbrachten. Der Wiener Hasenöhrl beherrschte das Sechserfeld im Einer vollkommen! Eckstein-Stelzer (Berl. RK. am Wannsee) holten sich den Zweier „ohne", ruhig und energisch rudernd — überlegen, Wra- tislaoia Breslau sicherte uns im Vierer mit Steuermann den Titel und der überhaupt wertvollste Erfolg der Mailänder Kämpfe fiel gleichfalls an Deutschland: der feine Achtersieg des Berliner RE., der schließlich auch den Ausschlag gab für unseren Triumph in der Nationenwertung. Der Tag begann für Deutschland überaus erfreulich, da Wratislavia Breslau im einleitenden Vierer-Rennen mit Steuermann siegreich fein konnte. Deutschland, Italien, Ungarn, Jugoslawien lagen im Kamps. Nach halber Strecke lagen die vier Boote noch gleichauf, dann aber schoben sich die Breslauer in Front vor Italien, Ungarn und Jugoslawien. Im Zweier „ohne" blieb das Feld bis 1000 Meter ziemlich geschlossen, dann gewannen E ck« ftein-Stelzer zusehends an Boden und in ruhigem 30er-Schlag, rein nnd zügig rudernd strebten sie unangefochten dem Ziele zu. Italien holte sich den zweiten Platz vor Dänemark Vom Start weg setzte sich der Wiener Hasen- ö h r l im Einer auf der Außenbahn an die Spitze. Mit seinem wuchtigen, langen Schlag war er die Ruhe selbst. Bei 600 Meter hatte der deutsche Meister bereits zwei Längen gegenüber Rufli (Schweiz) herausgerudert. Frankreich, Italien, Polen und die Tschechoslowakei folgten auf den Plätzen. Ohne die Schlagzahl zu erhöhen, vergrößerte Hasenöhrl feinen Vorsprung. Sicher überlegen siegte der Wiener. Im Zweier „mit" vertraten die Oli)mpia-Sie- gcr und Europameister Gustmann-Adamski (Friesen Berlin) unsere Farben. Aufregend war der Kampf bis zur letzten Sekunde. Die Deutschen führten fast über die ganze Strecke, aber zum Schluß holten die Italiener mächtig auf und erzwangen schließlich auch noch mit einer Zehntelsekunde Vorsprung den Sieg. Bereits vor vier Jahren stellte der FC. Zürich im Vierer „ohne" einen Europameister. In Mailand nun war wiederum die Schweizer Mannschaft sieg- reich. Die deutsche Mannschaft des Regensburger R V. wehrte sich aber; aber es reichte nur zum vierten Platz. Im Doppelzweier gaben sich unsere Vertreter Marquardt-Paul (RV. Germania Frankfurt) alle Mühe, aber sie mußten sich schließlich doch geschlagen geben. Die Italiener Scherl- Brosch ruderten kräftig und machtvoll, ließen sich während des ganzen Rennens nicht beirren und siegten mit gut drei Längen vor den Deutschen. Außerordentliche Bedeutung kam dem Achter zu, was schon allein daraus hervorging, daß diesem Rennen im Kampf um den Glandazpokal zwei Punkte gutgeschrieben wurden. Italien hatte durch einen Sieg in diesem Kampf also noch die Möglichkeit in der Länderwertung Deutschland vom erstes Platz zu verdrängen. Der Berliner RE. rechtfertigte aber das auf ihn gesetzte Vertrauen. Er riß die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hin und wies alle Angriffe meisterlich ab. Italien führte bald vor Ungarn, Deutschland und Dänemark. Nach der Hälfte der Strecke gingen die Berliner zum entscheidenden Angriff über, passierten Italien und Ungarn und ließen nur für kurze Zeit noch einmal Ungarn an sich vorbei. Ohne wesentliche Erhöhung der Schlagzahl holten die Berliner eins halbe Länge gegenüber Ungarn heraus, während Italiens Achter 'die Dänen sicher halten konnte. Radfahrer-Weltmeisterschaft. Schweizer Ooppelsieg bei den Amateuren. Die Rad-Weltmeisterschaften in Amsterdam brachten eine Ueberraschung: Der Titelkampf der Amateure wurde am Samstag auf der 10 Kilometer langen Rundstrecke bei Valkenburg in Südholland nicht etwa von einem der starken italienischen, französischen oder dänischen Fahrer gewonnen, sondern von einem Schweizer. Und noch mehr: die Eidgenossen eroberten sich sogar ganz überlegen die beiden ersten Plätze. Franz Knecht, der in großen internationalen Rennen bisher eigentlich nur wenig hervortreten konnte, schlug im Spurt seinen Weggefährten Josef Wagner glatt mit einer Radlänge in 4:51:49,4 für die 170 Kilometer. Bester Deutscher war diesmal erwartungsgemäß der starke Schweinfurter Heller, der als einer der regsamsten Kämpfer des Feldes schließlich einen schönen siebenten Platz herausfuhr. Meurer und Irr- gang tarnen auf dem 11. und 12. Rang ein. 20 000 Zuschauer hatten sich längs der 10-Kilo- mcter-Strecke eingefunden, als der Start um 13 Uhr für die 49 Fahrer aus 14 Nationen freigegeben wurde. Der Franzose Talle zog zusammen mit dem Schweizer Wagner und dem Luxemburger Orth in der vierten Runde davon, nach langer Jagd schlossen aber die Verfolger, von dem Deutschen Meurer angeführt, wieder auf. Der Berliner Willi Jrrgang enteilte in der achten Runde dem Felde. Er selbst und seine beiden Begleiter Dumoulin /Belgien) und Diggeimann (Schweiz) wurden aber gleichfalls bald wieder gestoppt. In der 11. Runde fiel bereits die Entscheidung, als Heller, die beiden Schweizer Wagner und Diggelmann, Engel (Holland) und Ericsson (Schweden) mit mächtigen Tritten das Weite suchten und bald auch 45 Sekunden Vorsprung erobert hatten. Verbissen kämpften die Zurückgebliebenen um den Anschluß. Schließlich rückten noch sieben Mann zu den Führenden auf, darunter auch die Deutschen Jrrgang und Meurer sowie der spätere Sieger Knecht. Knecht und Wagner stoben dann in der vorletzten Runde mit dem Holländer Demmenie davon, während das Hinterfeld im harten Kampfe zusehends auseinandergerissen wurde. Die beiden Schweizer ließen schließlich auch noch den Holländer stehen und rüsteten am Fuß des Cauderges zum Endkampf, den dann Knecht sicher zu seinen Gunsten entschied. Demmenie rettete noch den dritten Platz. Der Belgier Bruneel führte über eine Minute später eine weitere Gruppe ins Ziel. Berufsfahrer-WelimeisterKint-Belgren Zu einem gewaltigen Erfolg für den Radsport gestaltete sich der Schlußtag der Rad-Weltmeisterschaften, der auf der 10 Kilometer langen Rundstrecke in dem kleinen südholländischen Ort Dalken- bürg den Titelkampf der Berufsstraßenfahrer brachte. Trotz regnerischen Wetters umsäumten mehr als 100 000 Zuschauer die Rennstrecke, auf der sich erbitterte Kämpfe abspielten sollten. Auf der schwierigen Strecke, die schon am Tage vorher den Amateuren manche Sorge bereitet hatte, hatten die Berufsfahrer 270 Kilometer zurückzulegen. 27 Runden mußten also zurückgelegt werden — ein schweres Stück Arbeit für die 35 Mann aus 11 Nationen. Den Titel errang schließlich der Belgier Marcel Kint, der damit nach den beiden Erfolgen von Ronsse sowie den Siegen von Kaers, Aerts und Meulenberg seinem Lande zur sechsten Weltmeisterschaft in diesem Wettbewerb verhalf. Die beiden Schweizer Egli und Amberg belegten die nächsten Plätze, abermals ein großer Erfolg der Eidgenossen. Die vier Deutschen waren schon auf halbem Wege ausgeschieden. Arents und Umben« Hauer fielen Defekten zum Opfer, Schild war gesundheitlich nicht auf dem Posten und streckte gleichfalls vorzeitig die Waffen. Als Letzter gab dann auch noch Scheller auf, der ebenso wie verschiedene andere Fahrer durch die zuletzt nur noch eine enge Gasse bildenden Zuschauer aufgehalten worden war und immer wieder abstoppen mußte, um einen Sturz zu vermeiden. Nur acht Fahrer beendeten das schwere Rennen und vier blieben bis zum Schluß zusammen. Der Endkampf war dann nicht ganz einwandfrei, da die Zuschauer auf der Zielstrecke immer dichter zUsammengerückt waren und den Fahrern so kaum Bewegungsfreiheit ließen. Generalversammlung des ÄfÄ.-Neichsbahn Gießen. Am Samstag hielt her VfB.-Reichshahn feine Generalversammlung im „Schipkapaß" ab. Geschäftsführer Luh erstattete Bericht und betonte, daß der Verein durch den Weggang seines Führers, Pg. Niederstraßer, lange Zeit ohne Führer mar, jedoch hatte er eine tatkräftige Stütze an den Mitarbeitern, denen er feinen Dank aussprach. Die Handballabteilung wftd wieder aufgebaut, die Kegel- und Schießabteilung hatte durch mangelnde Beteiligung in letzter Zeit ihren Betrieb eingestellt. Die finanzielle Lage des Vereins hat sich im vergangenen Jahre verbessert, die Zahl der Mitglieder ist fast die gleiche wie die des Vorjahres, die Zahl der Aktiven betrug 380. Anschließend kamen die Abteilungsleiter zu Wort. Kamerad Overbeck, der sich dem Verein wieder jur Verfügung gestellt hat, berichtete über die Fuß- fcaUabteilung. Die 1’ Mannschaft mußte im vergangenen Jahre aus der Bezirksklasse absteigen, hat sich aber die Meisterschaft und damit den Aufstieg gesichert, so haß man in der Spielserie 1938/39 wieder in der Bezirksklasse spielt. Die 1. Mannschaft konnte mit einem Torergebnis von 96:18 ihre Spiele beenden und steht damit an zweiter Stelle aller Vereine im Reich. Erwähnenswert ist das gute Abschneiden gegen den Hessischen Gaumeister, der mit 2:0 verlor. Auch in den Gesellschaftsspielen schnitt die Mannschaft gut ab. Die 2. Mannschaft sicherte sich in der gleichen Spielklasse den Meistertitel, während die dritte Mannschaft den zweiten Tabellenplatz errang. Die beiden ersten Mannschaften rour* den mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet. Kamerad Fehling berichtete über die Erfolgs der Jugendmannschaften. Kein Verein im Sportkreis Gießen konnte vier Jugendmannschaften stellen, die 1. und 2. Mannschaft errang den Meister- lltel in ihrer Gruppe, während die dritte und vierte Mannschaft wenig Gelegenheit hatte, sich auszuzeich- nen, da ihr die Gegner fehlten. Kamerad Fischer berichtete über die Abteilung Leichtathletik. Im Jahre 1937 errang die Abteilung 118 erste, 112 zweite und 76 dritte Siege. Die Abteilung konnte bei den Deutschen Vereinsmeisterschaften an zweiter Stelle im ganzen Reiche in der Klqsse B rangieren mit einem Punktverhäitnis von 5236,15. Die Jugendabteilung wurde ebenfalls Gau- und Kreissieger mit einer Punktzahl von 3869,95. Die Frauen und Mädchen kamen nicht so gut in Fahrt. Emmi Arnold -konnte beim 1000-Meter- Schwimmen den ersten Sieg erzielen. Im Jahrs 1938 konnten bis jetzt 96 erste, 57 zweite und 53 dritte Preise geholt werden. Bei den Gaumeist'er« schäften wurden alleine 10 Gaumeisterschaften errungen. In Breslau gelang es, gut abzuschneiden. Kamerad Brühl erstattete Bericht über bid Kasse, die Prüfer fanden keinerlei Beanstandungen, und mit Zuversicht kann man der Zukunft entgegen» sehen. Die Wahl des Vereinsführers ergab einstimmig, daß nunmehr Reichsbahnrat Köehne den VfB.-Reichsbahn Gießen führt. Er dankte dem Kameraden Luh für feine bisherige aufopfernde Tätigkeit und bestimmte dann folgende Mitarbeiters Stellvertr. Vereinsführer Overbeck, Geschäftsführer L u h , Schriftführer Schütz, Kassenprüfer Weigel und Fleischhauer, Dietmart Zitzer, Geldverwalter Brühl, Platz- und Gerätewart Kreiling, Presse- und Werbewart Z i tz e r , Ver* einsjugendwart Mootz, Fußball Erb, Fullball* fugend Fehling, Handball Koch, Handball« fügend Büdenbender. Reichsbahnrat Köehne betonte in feiner Ansprache, daß der Reichsbahn-Turn- und Sportverein stolz auf seine Erfolge sein kann. Unter dem Punkt Verschje* denes setzte eine lebhafte Aussprache über interne» Verelnsangelegeyheiley. wn. GRG. gewinnt wieder den Gtä'dteachier. von der Der Kampf um den Städteachter Spannende Rahmenkämpfe. Zunächst wurde die K l u b m e i st e r sch a f t und Berauch Dr. Sensationeller Kampfbeginn. Schon nach 100 Meter lag der Achter der Gießener Rudergesellschaft eine Länge voraus. — (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) auflockern halfen. Mit dem Wunsche, daß auch diese Veranstaltung eine Werbung für den Rudersport werden möge, verband er die Glückwünsche an die Sieger. Um den von den Städten Gießen und Wetzlar gestifteten Wanderpreis, war bereits am Vormittag die Vorentscheidung zwischen der Mannschaft des Gießener Ruderklubs „Hassia" 1906 und der der Gießener Rudergesellschaft von 1877 ausgetragen worden. Die GRG. fuhr die ausgezeichnete Zeit von 6,02 Minuten. Die „Hassia" kämpfte zunächst Bord an Bord mit ihr und mußte sich nachher knapp mit 5 Sekunden Unterschied geschlagen bekennen. Bei dem Hauptrennen hatte die GRG. die Mannschaft des Wetzlarer Rudervereins von 1919 als Konkurrenten, die durch Abgabe von vier Mann im letzten Augenblick nicht in gewünschter Stärke antreten konnte. Sie kam zwar gut vom Start ab, kam aber nicht gleich zu gutem 'Schlag, so daß die GRG. schon nach den ersten hundert Meter einen Vorsprung herausfahren konnte,, den die Wetzlarer nicht mehr aufzuholen vermochten. Sie hielten bis zum Zielband durch, obwohl sie mit 11 Sekunden im Nachteil waren. Nach diesem Hauptrennen wurde noch ein HJ.- V er er zwischen Gießen und Wetzlar ausgetra- ge i, den die „Hassia" gewann. Beim II. H I. - durchstehenden Gießener Hitlerjungen durchs Ziel. In einem Anfänger-HI.-Vierer siegte die Mannschaft der „Hassia" vor der der GRG. Der Einer im Wander-Faltboot in der Altersklasse fiel mit einer guten Zeit an Erich Lohr. Als Einlage brachte die Gießener HI. ein Kutter- Rennen, .in dem die Gefolgschaften große Hebung haben. Sieger wurde die Mannschaft der Schar 1 unter Scharführer Pletsch, die bereits in Mainz die Gebietsmeisterschaft errang, in einer Zeit von 5:8 Minuten vor der Schar 2 unter Scharführer Bommer, die 5:10 Minuten brauchte. Die „Hassia" sicherte sich auch den Alt en - Herren-Vierer im Gigboot. Die Stadtmeisterschaft im Zweier-Wander-Faltboot sah mit einem großen Vorsprung Karl Esser und Weimar von der Paddler-Gilde durchs Ziel gehen. Zweiter wurden die Gildekameraden Rohn und Senner. Im Zweier-Wander-Faltboot siegten Mangold und Mangold jun. vom Schiklub vor Lohr und Rau von der Paddler-Gilde. Die Veranstaltung begann mit der Flaggenhissung und der Auffahrt einer stgttlichen Anzahl Booten. Der Wetzlarer Bürgermeister Kindermann überreichte der Siegermannschaft der GRG., die zum zehnten Male siegreich aus dem Wettstreit hervorging, die Siegestrophäe und die Ehrenurkunde und beglückwünschte Vereinsführer Studienrat Scharmann zu dem Erfolg seines Vereins. Bürgermeister Professor Dr. Hamm begrüßte im Namen der Stadt Gießen alle an dieser Veranstaltung Beteiligten und gab seiner besond'eren Freude darüber Ausdruck, daß der Bürgermeister der- Nachbarstadt Wetzlar, Kindermann, durch sein Erscheinen die alte Bande neu festigen half. Er beglückwünschte dann den Sieger und sprach mit Anerkennung von der lobenswerten sportlichen Hgltung der unterlegenen Wetzlarer Mannschaft, die angesichts der Niederlage noch bis ins Zielband forsch und beharrlich ihr Rennen ausfuhr. Erfreut dankte er der Jugend für die Beteiligung knüpfte daran die Hoffnung, daß dadurch diese anstaltung noch eine Zukunft habe und daß die Tradition der Vereine gesichert erscheine. ^Der Vereinsführer der Paddlergilde, Schwarz maier, wies darauf hin, daß der Kanusport in Gießen wieder im Aufschwung begriffen sei, so daß bereits in diesem Jahre einige größere und auch gauosfene Wettbewerbe durchgeführt werden konnten. Seine Aufforderung, diesem Kanusport weit mehr als bisher Eingang in der Jugend und bei den Erwachsenen zu verschaffen, fand lebhafte Zustimmung. Bei der Siegerverkün- digung hob er die Erfolge des Gildekameraden Gefreiten der Flieger Karl Esser hekoor, der in diesem Jahre eine große Anzahl von Ehrenpreisen und ersten Siegen für die Gießener Paddlergilde hereingebracht hat. Für die HI. nahm der Bannfachwart Hans R ü b s a m e n die Siegerehrung vor, der dabei her- vorhob, daß dieser erste Versuch einer Beteiligung öer Gießener HI. sich so erfolgreich gezeigt habe, daß im kommenden Jahr ein Gebietsfest für den Rudersport in Gießen durchgeführt werden wird. Die Siegerehrung klang aus in dem Treugruß an den Führer und dem Gesang der Nationallieder. Nachher wurden noch Vereinsrennen der „Hassia" ausgefahren und bei einem kameradschaftlichen Zusammensein die wertvollen Preise und Andenken an die beteiligten Mannschaften ausge-geben. „Hassia" t m Einer ausgefahren, die Hartmetz sicher vor Baumann mit fünf Sekunden Vorsprung gewann. In der Stadtmeisterschaft im Einer- Wander-Faltboot gab es ein spannendes Rennen zwischen dem erfolgreichen Kanuten, dem Gefreiten der Flieger Karl Esser, und seinem Gildekameraden Karl Rohn, bei dem sich Karl Esser mit 11 Sekunden Vorsprung den von der Paddlergilde gestifteten Wanderpreis sicherte. Bei dem 1. H I. - V i e r e r stand die aus Jugendmitgliedern des Ruderklubs „Hassia" gebildete Gießener Mannschaft den erfahrenen und körperlich überlegenen Schülern der National-Politischen Erziehungsanstalt Oranienstein gegenüber. Die Ora- niensteiner, angefeuert durch 'ihre Kameraden, fuhren ein exaktes und schönes Rennen und gingen mit etwa 28 Sekunden Vorsprung vor den tapfer Bei schönstem Spätsommerwetter wurde am Sonntag auf der Lahn der 13. Städte-Achter-Wett- kampf Gießen—Wetzlar ausgefahren, mit dem zugleich „Der Opfertag des Deutschen Sportes" begangen wurde. Die Ausrichtung hatte diesmal der Gießener Ruderklub „Hassia 1906" übernommen, der dieser Veranstaltung einen großen und abwechslungsreichen Rahmen gab. Die Ufer der Lahn säumten viele Zuschauer. Die Wetzlarer Gäste, die wieder sehr zahlreich erschienen waren, und die Gießener Anhänger des Rudersportes füllten die ausgedehnte Platzanlage der „Hassia". Für den DRL. war Kreisführer Dr. Schäfer gekommen, die Stadt Wetzlar war durch Bürgermeister Kinde r m a n n und Stadtrat Lünzmann vertreten und im Auftrage des Oberbürgermeisters war Bürgermeister Professor Dr. Hamm gekommen. Die Marine-HI., die mit einigen Gefolgschaften an den Kämpfen teilnahm, stand unter dem Kommando von Gefolgschaftsführer R u p p e l. Für die Unterhaltung der Zuschauer sorgte das Musikkorps des JR. 116 (Feldwebel Ochse) und auch der Lokomotivführer-Gesangverein, der unter seinem Dirigenten Nicolai (Großen-Buseck) einige Ehöre, zum Teil mit Unterstützung des Musikkorps, zu Gehör brachte, für die reichlicher Beifall gespendet wurde. rangen. Die Siegerehrung. Vereinsführer Schüßler von der „Hassia" sprach zu den Versammelten über die Bedeutung des Opfertages des Deutschen Sportes und dankte allen, die ihr Scherflein und denen, die zum guten Gelingen der Veranstaltung beigetragen- haben. Vor allem begrüßte er die zahlreich unter der Leitung ihrers Vereinsführers W. L e i st e r erschienenen Wetzlarer Kameraden und nicht zuletzt die „Sänger vom Flügelrad", die gemeinsam mit dem Musikkorps des Infanterie-Regiments 116 die Rennfolge Vierer rangen in einem Lauf die Mannschaft der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt Oranien- stein mit denen des Wetzlarer Rudersportoereins „ und der Gießener „Hassia" und in einem zweiten-^ Lauf die der GRG. mit der des Limburger Ruder- • Vereins um den Sieg. Oranienstein und die GRG. konnten sich dabei behaupten. Großes Interesse fand auch der Verlosungs-Achter, bei dem drei Boote, die jeweils mit Wetzlarer und Gießener Ruderern besetzt waren, um das übliche Siegespaket Sofatfampf VfB.-R. -1900 4:0. ■ Die Zeit Mannschaften der Spielvereinigung 1900 (rechts) und VfB.-Reichsdalm wieder einmal zum Lokalkampf angetreten. Kreisfußball-Fachwart H eine kurze Ansprache/ (links) nach langer enkel hält vorher Nachdem die zweiten Mannschaften beider Ver- ieine das Spielfeld verlassen hatten, liefen vor ungefähr 1000 Zuschauern beide Mannschaften mit dem Schiedsrichter Gutmann auf. Wohl niemand ahnte in diesem Augenblick, daß dieses Spiel mit einem eindeutigen Sieg der Platzbesitzer enden würde. Beide Vereine brachten folgende 22 Spieler auf das Feld: 19 0 0 : Fischer Heiler Lippert Erhard Rensing Möller Koch Bergmann Hormel Löbsack Heuser Szponick Kramer Mattern II Godqlück Fehlina Lukaschewski Thron Kramer Leutheuser II Leutheuser I DfB.-R.: Gottschalk 3n einer Mannschaftsbetrachtung ist festzustellen, daß die Hintermannschaft des DfB.-R. ein fast fehlerfreies Spiel lieferte. Dabei überragte Leutheuser I seine Mitspieler und war auch der beste Mann auf Dem Platze. Da Thron in der ersten Halbzeit überhaupt sich nicht finden konnte, so mußten die Außenläufer ihn unterstützen, was sie ohne Vernachlässigung ihrer Deckungsarbeit taten. Ohne die Leistung des VfB.-R. schmälern zu wollen, ist doch festzustellen, daß die einheitliche Linie noch gefunden werden muß. Für die gute Leistung des Sturmes spricht, daß es ihm gelang, Lippert und Zeiler vier- ™ 3U überwinden. Die Verteidigung von 1900 G a ?tleußsUferIeil)e erhebliche Mängel aufwies, die Hauptlast des Kampfes zu tragen. Hier leistete Zeilsr ein gewaltiges Arbeitspensum und kämpfte mi dem gewohnten Einsatz. Dem Sturm von 1900 teilte im Strafraum die nötige Uebersicht. Mit Kombination allem erzielt man keine Tore. Halbzeit 0:0. Nachdem sich die erste Nervosität gelegt hatte mußten die Hintermannschaften auf beiden Seiten emgreifen. 2Ü5 der Rechtsaußen von 1900 eine halb- Me Flanke dem Halbrechten auf den Fuß flankte K Torgelegenheit für die 1900er da' Dieser schoß jedoch hoch über das Tor. Auf der Gegenseite versuchte es Kramer mit Weitschüssen die jedoch neben das Tor gingen oder von Fischer Qp= halten wurden. Als die Verteidigung den Ball nicht wegbrachte, konnten die 1900er kurz hintereinander brei Scfen erbeten. Diese wurden jedoch nicht verwertet Aufsal enderweise legten die Blauweißen das Spiel fast vollkommen auf die linke Seite, wo Heu- Ier und Lobsack sich gegenüber Leutheuser nicht durchsetzen konnten. Da Thron sich als Verteidiger m seiner Aufgabe als Mittelläufer nicht gefunden hatte, waren die Blauweißen durch die Lücke in der Mitte leicht im Vorteil. Von der Mitte der ersten Spielhälfte ab waren beide Mannschaften gleichwertig. Gutgemeinte Flügelvvrlagen von Mattern erwiesen sich jedoch als zu scharf, um von den Außen erreicht werden zu können. Ein geschlossener Angriff der Grünweißen: das Leder kam z_. dem zurück- stehenden Kramer, dieser schoß sofort, und der Ball landete im Tor. Mit dem Schuß hatte der Schiedsrichter wegen gefährlich drohendem Spiel abgepfiffen und gab daher das Tor nicht. Der Halbzeitpfiff sah Löbsack allein vor dem VfB.-R.-Tor. Zweite Halbzeit: BfB./R. in Fahri. Nach Wiederbeginn änderte sich sofort das Bild. Die 1900er waren offensichtlich das Opfer ihres eigenen Tempos in der ersten Halbzeit. Die Platzbesitzer spielten zügiger und schnürten die 1900er ein. Szponick war es vorbehalten, den ersten Erfolg zu erzielen. Hierdurch angespornt, drückten die VfB.-Re^ noch auf. das Tempo. Eine hohe Vorlage auf das Tor brachte Fischer nicht weg, und «Gvdg'lück erfaßte blitzschnell die Situation und schob ein. 'Durch diese Erfolge wurden die Leute vom Trieb noch einmal aufgerüttelt. Besonders Heuser auf dem linken Flügel drängte immer wieder nach vorne, und seine Flanken brachten kritische Augenblicke im VfB.-R.- Strafraum. Hierbei machte ein VfB.-Rer Hand. Der fällige Elfmeter wurde jedoch nicht gegeben. War das der Ausgleich für das in der ersten Halbzeit nicht gegebene Tor? Dadurch, daß die 1900er; hierbei die Deckung vernachlässigten, kam das, was kommen mußte! Der VfB.-R.-Sturm zog die Verteidigung der Blauweißen auseinander, und Mattern konnte bei einer mißglückten Abwehr das dritte Tor erzielen. Kurz vor Schluß war es Szponick, der einen von Fischer abgeklatschten Kopfball im Nachschuß verwandelte. Damit war der 4:0-Stand erreicht, an dem sich bis zum Schluß nichts mehr änderte. Mit dem Schlußpfiff hatten die Platzbesitzer einen besonders durch ihren Mannschaftsgeist verdienten Sieg errungen. VsV.-R. Gießen II — 1900 Gießen II 1:4. Ein Ergebnis, für das in erster Linie der Tormann der 1900er zeichnete, der auch die schwersten Bälle meisterte. Trotz überlegenem Spiel wurden die VfB.-Rer durch das steile Spiel der 1900er geschlagen. Teutonia I. — Leihgestern/Großen-Linden 7:1. Der Kampf, über den wir noch ausführlich be- richten, endete mit einem überraschend klaren Sieg der Teutonen. Wirtschaft. Rhem-Mamische Börse. Fest. Frankfurt a. M., 3. Sept. Die Wvchenschluß- börse nahm einen festen Verlauf. Weiteren kleinen Kaufaufträgen der Kundschaft und einigen Deckungen der Berufstreife standen nur wenig Verkäufe gegenüber. Hinsichtlich der weltpolitischen Lage war man weiterhin zuversichtlich. Der Aktienmarkt begann überwiegend mit etwa 0,50 bis 1 o. H. höheren Kursen, teilweise gingen die Steigerungen; infolge der Marktenge — bzw. — leere barübef hinaus. Indessen waren die Umsätze im großen und ganzen sehr klein. Am Montanmarkt lagen Rheinstahl sehr fest mit 133,50 (129,50), Mannesmann zogen auf 106,25 (104,90), Hoefch auf 107 (106), Buderus auf 108,13 (107), Deutsche Erdöl auf 122,25 (121,75) und Verein. Stahl bei etwas größeren Umsätzen auf 99,75 bis 100,40 (99,50) an. Am Elektromarkt betrugen die durchschnittlichen Besserungen 0,25 bis 0,50 v. H., Gesfürelv gewannen 2 v. H. auf 129,50 und Felten 1 v. H. auf 129. Bon chemischen Werten lagen JG.- Farben überaus still und kaum verändert mit 147,90 (147,75), dagegen Metallgesellschaft weiter fest mit 127,25 (125,50). Von Autowerken fliegen Daimler auf 129 (126,75), Adlerwerke auf 105 (103,50), ebenso zeigten die übrigen Maschinenwerte Erhöhungen bis 1 v. H. Feste Haltung wiesen ferner Zellstoffaktien auf, Waldhof zunächst 131,50 (130,50), später etwa 133,50. Von Einzelwerten stiegen Reichsbank auf 179,50 (177,75), Südd. Zucker lagen mit 208 behauptet. Im Verlauf hielt die feste Stimmung an, die Umsätze zeigten jedoch kaum eine Ausweitung. Nochmals fester waren u. a. Rheinstahl mit 134,25 bis 134 nach 133,50, Gesfürel mit 129,90 nach 129,50, Feldmühle Papier mit.125 nach 124,25, Hoefch mit 107,50 nach 107 und Verein. Stahl mit 101,25 nach 100,40, sowie u. a. IG.-Farben mit 148,75 nach 147,90. Die erst später notierten Papiere wiesen zumeist Erhöhungen von 1 v. H. und teilweise bis 2 v. H. auf, niedriger aber Bekula mit 148 (149). Der Einheitsmarkt war zum Teil ebenfalls fest, eine Reihe von Werten erschienen mit Plus-Zeichen. Sin den Rentenmärkten war das Geschäft wenig lebhaft, die Stimmung war aber ebenfalls freundlich. Von den variablen Papieren blieben Reichsaltbefitz mit 129,50 unv., Reichsbahn-VA. 0,25 d. H. fester mit 123,25 und im Freiverkehr Kommu- nal-Umfchuldung 94,40 bis 94,45 (94,30). Industrie- Obligationen blieben gefragt und waren z. T. weiter etwa 0,25 v. H. höher. Von Liquidationspfandbriefen zogen die beiden Frankfurter je 0,13 v. H. an und von Stadtanleihen lagen Frankfurter 0,25 v. H. hoher mit 99. In Staatspapieren war das Geschäft bei nahezu unveränderten Kursen ruhig. Der F r e i o e r k e h r lag fest. Man nannte u. a.i Dmgler 85 bis 87, Katz & Klurnpj) 93 bis 95 R»- stoAr Waggon 44 bis 46, Elsäss. Badische Wolle 82,50 bis 84,50, Verein. Fränk. Schuh 67 bis 69 Großalmerode Thon 97 bis 99. Tagesgeld uno.' 2,50 v. H. a Aus aller Wett. Oie Lage im schlesischen Hochwaffergebiet. $^r Sla^ g.um Sonntag und am Sonntag felb|t mürben in Neiße fieberhafte Anstrengungen gemacht, die durch das verheerende Hochwasser verursachten größten Schäden zu beseitigen und oie noch unter Wasser stehenden Wohnungen aus- ?U£xIUpen- Mit besonderer Eile wurde die Wiederherstellung des elektrischen Stromnetzes sowie der Gas- und Wasserleitung betrieben. Insgesamt sind vier Neiße-Brucken, darunter eine Eisenbahnbrücke >em Hochwasser zum Opfer gefallen. Leider ereignete ich, wie erst jetzt bekannt wird, beim Zusammenbruch der Elsenbahnbrücke ein tödlicher Unfall Der Feuerwehrmann E r l e m a n n aus Konrads- öorf wurde In die Flut gerissen und konnte nicht mehr gerettet werden. Am Sonntag herrschte in ganz Schlesien nie. derschlagsfreies Wetter, so daß an den Quellgebieten und an den Oberläufen der Dieben* lüfse der Oder teilweise wieder normale Verhältnisse eintraten. In diesen Gebieten ist das Hochwasser immer stärker im Absinken begriffen. Anders dagegen ist die Lage in den Mündungsgebieten wo sich das Hochwasser nunmehr auf die Oder elbst auswirkt. Auf den Eifenbahnstrecken Glatz— Kudowa und Trachenberg—Herrenftadt die durch das Hochwasser unterbrochen waren, ist der Betrieb wieder aufgenommen worden. Die Hauptstrecke Breslau—-Oberschlesien dagegen ist noch immer still- gelegt. Der Zugverkehr nach Oppeln wird über Carlsmarkt aufrechterhalten. ♦ 3n D(mü(j (Mähren) hat das Hochwasser katajtrvphale formen angenommen. Die March auch in ihrem regulierten Teil aus den Ufern getreten und hat zahlreiche Stadtviertel und Bor- durcki t?,er Personenverkehr wird durch Kahne aufrechterhalten, während der Wagen- verkehr eingestellt werden mußte. Aus zahlreichen röenrbennnur 6ie notwendigsten Möbel. Segelschulschiss „Admiral Sarpfanger" aufgegeben. S aTn'Tann , ?--5 Se9cIJ$.uWff „Admiral ftarpfanger nun endgültig als verloren gedenkt die gesamte deutsche Seeschiffahrt in tiefer Bewegung ihrer hierbei ums ßeben gekommenen Kameraden. 60 deutsche See- leute haben in vorbildlicher Pflichterfüllung ihr Leben für Deutschlands Seegeltung gegeben^ Ihr Andenken wird in unseren Herzen fortleben Alle üe’i Trmi^-anbe 5^re fJa9£Gn zum Ausdruck tiefster Trailer am 5. September Halbmast. 3ebn Tote bei einem Flugzeugunglück in London. Mn Schulflugzeug der englischen Lustwasfe flog in Edmonton, einem Vorort Londons, gegen ein haus und zerschellte Die Flugzeugtrümmer und das haus standen sofort in Flammen. Das ijeuer griff auf zwei benachbarte Häuser über Das Unglück ha, 10 Tote und über 2 0 Sertehte geforÖErt. Unter den Todesopfern befinden sich tier M'tgUeder einer Familie, und zwar die Eltern und zwei Sohne. Außerdem brannte das Haus, auf das die Maschine gestürzt war, bis auf die Grundmauern nieder, wahrend ein weiteres Haus zum Teil aus- brannte. Die Feuerwehr konnte hier nur noch ein Stockwerk retten.