H ^'Nllnde^ Ur^ fe( und ge- 3?r in$Qn nidji uieUeich^nssern Wen ber-JW Ä‘Ä -ZL SK Q*ii i rbe )ft niS|e,net r:D sanjj S’s-j Ereuung. m,Noijen, dj'e 7or " äfl* । h°V"Mers .?es dörfliche I« geflU »'m $obin eine wobei ” Mtn anju, ! Erlangt die 7* und des lucht man die s'e deshalb am nle sollte ach dli Jugend die Z von ®emün= ^„Dar^ast- ■nmöbel und b?r( enschmuck, aber He Einrichtung;- •ft bas Dorfge- schem Baumate- ^ndschaft hinein- 'X\ seinen Stolj rtplatz, ein 65 HI.-Heim rklichen H, bas ?s ab. Denn mit ' kann es nicht 'ftsfinn, beiu verlangt, ist der gaben am besten r Bauer sich s» itet, daß er sii wenn jedes Dorf ach strebt, in den treibt zu werden, t ihr natürliche; inge Städter, die ■ Irbeitsdiensl odei | ;lze Bauern ken I ieruf wählen, de • nnöglicht. 4iab. inahme! Deinem lang' Geschäft einen )alon inrichtungen e hiermit um rmeister ngasseö ung. s i •gftfä Boltsgenoffei' d» 8)4 bi- v «* . 8% bi- « M bi- >2 nut 8^Is2i‘d .Ul«t8irl"( । I 12 ua> 8/ b'S 12 ’ * 12 “nh ;.80>’,2nn> Nr.Z trftes Statt trid)eini töq Md), außer Sonntag» und ftetertags Beilagen Die Jllultriert» Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle Monitr-Vezugspretr: Mit 4 ‘Beilagen RM 1.95 Ohne illustrierte e 1.80 Iustellgebühi e -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt »iernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Sietzen Postscheckkonto: firontfurt am Main 11688 188. Jahrgang Mittwoch, 5. Zanuar 1938 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche UniverfitStsvruckerei R.Lange in Gießen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8‘ /.Uhr des Vormittags Grundpreise für I mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Nps..Platzvorschrift nach vörh Vereinbg 25°,0 mehr. SrmStztgte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie em« spaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf., Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts» il behördliche Anzeigen6Npf. Mengenabschlüsse Staffel B Blick ins neue Lahr. Die politische Feiertagsruhe ist zu Ende, und schon verlangt der Alltag mit der Mannigfaltigkeit seiner Probleme wieder sein Recht. An der Jahreswende sind.mancherlei Bilanzen gezogen worden, wurden überall die machtpolitischen Entwicklungen und Auseinandersetzungen geprüft und gedeutet, wurde manche Losung gegeben und manche Hoffnung ausgesprochen. Zuversicht und Selbstvertrauen war auch außenpolitisch das Motto, unter dem das Reich die Schwelle des neuen Jahres überschritt. In der Neujahrs- botschaft des Führers und Reichs- kanzlers sind knapp und klar die tieferen Gründe dieser ruhigen Selbstsicherheit und eines guten außenpolitischen Gewissens dargelegt worden: Deutschland hat bei seiner Wiederausrichtung niemandem etwas genommen, noch jemandem Schaden zugefügt, und ebenso wie die Erstarkung Deutschlands auf friedlichem Wege und mit friedlichen Mitteln vor sich ging, so fällt auch das ganze Machtgewicht des neuen Reiches in die Waagschale einer friedlichen, und gesicherten Entwicklung des Völkerlebens. Nun sind wir freilich nicht allein auf der Welt. Ueberall prallen wir auf eine Mauer frem- d'er Wünsche und fremden Willens, und wenn deshalb die Frage auftaucht, was das neue Jahr außenpolitisch bringen wird, so wissen wir zunächst nur, daß die Entwicklung nicht von uns allein abhängt und daß die Entscheidungen in erster Linie bei der Gesamtheit jener großen Mächte liegt, die in der Lage und berufen sind, geschichtsbildend zu wirken. Die deutsche Außenpolitik ist gradlinig und klar in ihren Grundsätzen und Zielsetzungen. Noch kürzlich erst hat Herr Chamberlain das gewichtige Wort gesprochen, man besitze nunmehr einen ziemlich klaren Ueberblick über die Probleme, deren Lösung Deutschland für notwendig erachte. ^Kann man das Zeugnis gleicher Klarheit und positiver Zielsetzung auch den beiden großen Gegenspielern, der Politik Frankreichs und Englands ausstkstlen? Genau besehen, leiden beide zunächst und vor allem an dem gleichen liebel: sie bejahen beide nicht die Entwicklungen, die das Weltbild und die machtpolitischen Gruppierungen in den letzten Jahren so entscheidend und von Grund ‘auf gewandelt haben. Sie stehen davor mit der Miene und der Grundhaltung des verdrossenen Mitspielers, dem die Dinge entgegen dem eigenen Wollen vielfach ganz anders gelaufen find, und der, eben aus dieser Verdrießlichkeit über manche verlorene Partie, sich auch nur schwer zu einem gerechten Urteil und nützlichen europäischen Programm aufraffen kann Psychologisch ungewöhnlich aufschlußreich war eine außenpolitische Jahresbilanz des e m p s". In einer seltsamen Mischung von Verzichtstimmung und Ueberhebltchkeit ließ das führende französische Blatt die Ereignisse des abgelaufenen Jahres noch einmal vorüberziehen, und sowohl in der Deutung und Bewertung des Vergangenen, bereits Geschichte Gewordenen,' wie in Den Schlußfolgerungen für die Zukunft wurde die ganze Befangenheit deutlich, die einer befreienden Wendung der französischen Politik auch heute noch entgegensteht. So ist es zwar verständlich, wenn sich in französischen Augen^ der Zusammenbruch des liebgewordenen Genfer Systems der „kollektiven Sicherheit" mit einem Unterton des Bedauerns darstellt. Und wenn der „Temps" dies nicht zuletzt auf die Mitwirkung Moskaus in Genf zurückführt, so ist das sogar' ein beachtliches Zeichen nüchterner Erkenntnis. Aber was soll man sagen, wenn heute noch auf der Minusseite der französischen Bilanz auch Vorgänge und Ereignisse wie die Wiederherstellung d-er deutschen Souveränität im Rheinland oder die Wendung Belgiens, Polens, Jugoslawiens usw. zu einer Politik der Unabhängigkeit und guten Nachbarschaft verzeichnet werden? Hier hat der „Temps" in der Tat die letzten und eigentlichen Schwierigkeiten einer deutsch-französischen Verständigung berührt und offenbar werden lassen. Wir wissen es ja: auf die Frage, ob Frankreich an jenem 7. März 1936, da deutsche Truppen über die Rheinbrücken marschierten und deutsches Land „besetzten", irgendein Leid zugefügt oder Unrecht geschehen sei, gibt es drüben bis heute noch die gleiche Antwort, die auch der „Temps" noch für- zeitgemäß hält: die französische „Handlungsfreiheit", das Funktionieren der französischen Ostbündnisse habe seit jenem Tag einen empfindlichen Schlag erhalten, sei ngn ein „schwieriges strategisches Problem" geworden. Zugegeben, daß dem so ist. Aber mit welchem Recht — es sei denn jener Versailler Siegerwahnsinn, auf den man sich heute auch in Frankreich nicht mehr gern beruft — fonhte man die Wehrlosigkeit deutschen Landes als Voraussetzung der französischen „Sicherheit" verlangen oder etwa für alle Zeit beanspruchen? Wenn der 7 März 1936, an dem man heute noch psychologisch in Frankreich krankt, gewissen Interventionsmöglichkeiten einen Riegel vorgeschoben hat, so ist er deshalb noch lange nicht ein Minuspunkt der europäischen Entwicklung. Ein Minuspunkt ist vielmehr jene Einstellung, die immer noch die U n - ficherheit eines anderen zur Voraussetzung der eigenen „Sicherheit" machen möchte. Es ist nicht nur das deutsch-französische Verhältnis, das dadurch belastet wird Auch zum tieferen Verständnis der Politik von Ländern wie Belgien, Polen und Jugoslawien versperrt Frankreich sich auf diese Weise den Weg. Nach dem „Temps" sieht es so aus, als ob die Wendung dieser Staaten zu einer Politik der Unabhängigkeit und nachbarlicher Verträglichkeit gegen ihren Willen lediglich durch die Tatsache erzwungen sei, daß auf den französischen Bündnismechanismus wegen des „eisernen Dorhan- I . ' , Der neue Kurs in Rumänien. Llmfaffende Raffenschutzmaßnahmen des Kabinetts Goga. — Gegen den jüdischen Einfluß in der rumänischen Landwirtschaft. Bukarest, 4. Jan.. (DNB.) Das Regierungsblatt „Tzara Noastra" veröffentlicht eine Verfügung des Arbeitsministeriums, durch die jedem Juden untersagt wird, eine christliche Bedienstete unter 40 Iah.ren in Dienst zu halten. Die Arbeitsämter sind angewiesen, jede Anstellung dieser Art zu verweigern. 'Die Verfügung wird mit den zahlreichen Fällen begründet, in denen Juden rumänische Jugendliche als Dienstmädchen ange= worben haben, um Mädchenhandel zu treiben. Das rumänische Innenministerium hat auch eine Reihe von Provinzzeitungen verboten, die ganz oder fast ausschließlich von Juden redigiert wurden. Darunter befinden sich sämtliche in deutscher Sprache erscheinenden Judenblätter von Czernowitz. Weitere Verbote von Blättern, die gegen die Belange des Rumänentums verstoßen haben, stehen bevor. Die von der rumänischen Regierung gegen die jüdische Überfremdung angekündigten Maßnahmen mittels besonderer Gesetze haben die Juden zu Versuchen veranlaßt, das rumänische Volksvermögen zu schädigen, indem sie in großem Maße Valuten verschieben. In den nationalen Kreisen Rumäniens hat diese Haltung der Juden große Erbitterung ausgelöst. Umsomehr, als bisher nicht die geringste judenfeindliche Ausschreitung vorgekommen ist, da die nationalchristliche Bewegung ihre Anhänger in größter Zucht und Ordnung hält. Das jüdische Vorgehen ist öffenbar darauf berechnet, Verwirrung im Lande zu schaffen und die rumänische Wirtschaft zu benachteiligen. Man erwartet, daß die Regierung gegen diese Machenschaften einschreiten wird. Die Maßnahmen der rumänischen Regierung Goga gegen die Judenschaft finden ihre ganz simple Erklärung darin, daß die rumänische Juoen- schaft fast ein Zehntel der Bevölkerung des Landes ausmacht, wirtschaftlich aber geradezu eine Monopolstellung hatte. Nächst Polen ist Rumänien der am stärksten durch Juden überfremdete europäische Staat. Die nationalrumänischen Zeitungen geben die Gesamtziffer der unter ihnen lebenden Juden mit rund 2 Millionen an. Nach der offiziellen Zählung sind es zwar nur rund IV2 Millionen, aber gerade in den letzten Jahren, als die antisemitische Bewegung in Rumänien immer stärker wurde, sind zahlreiche Juden, oft ganze Familien, zur rumänisch-orthodoxen Kirche übergetreten, vielleicht, weil sie den Wetterumschwung witterten, und diese wurden natürlich als Rumänen gezählt. Das jüdische Vvlkselement hat sich in Rumänien in zunehmendem Maße eiijgeniftet, als das Land im vorigen Jahrhundert sich von der türkischen Oberherrschaft befreite und sich entwickelte. Rumänien durchlief sehr schnell das Zeitalter des Frühkapitalismus, das in westlichen Staaten Jahrhunderte währte. Im Jahre 1828 gab es in ganz Rumänien nur 25 000 Juden. Mit der Entwicklung der rumänischen Wirtschaft strömten immer mehr Juden hinzu, obgleich bis zum Weltkrieg der Jude nicht rumänischer Vollbürger werden und keinen •fr. w> M > 1 -7,'/- /r. Unser Bild zeigt das neue rumänische Kabinett:,!. Ministerpräsident M. Octavian Goga; 2. Staatsminister ohne Geschäftsbereich M. A. C. C u 3 a ; 3. Außenminister M. Jstrate M i c e 5 c 0 ; 4. Innenminister M. Armand Calinesco; 5. Nationale Verteidigung: General M. A n 10 n e s c 0 ; 6. Arbeitsminister M. GH. C u 3 a ; 7. Landwirtschafts- und interimistischer Verkehrsminister M. Virgil P 0 t a r c a ; 8. Volkserziehung M. I. Petro- v i c i; 9. Kultusminister M. I. Lupas; 10. Justizminister M. Radulesco-Mehedinti. (Associated-Preß-M.) Grundbesitz in Stadt oder Land erwerben konnte. Auch war es ihm verboten, Güter, Gaststätten, Mühlen usw. 3U pachten. Das ist nach dem Kriege anders geworden. Die rumänischen Juden nützten die Unerfahrenheit der rumänischen Bauern aus und traten als Inhaber der ihnen verliehenen Schankkonzessionen 3ugleich ass Kreditgeber für die Bauern auf, wodurch sie die Bauerngüter 3ur Versteigerung und in ihre Hand brachten.'. Weiter waren sie Viehhändler und Getreideaufkäufer und beherrschten auch dadurch das bäuerliche Wirtschaftsleben. So wurde der rumänische Bauer aus- gebeutet. Hin3u kam, daß die Juden immer mehr rumänischen Boden in ihren Besitz brachten, seitdem der Weltkrieg ihnen die Befreiung von den ausschließenden Vorschriften gebracht hatte. Allein in Bessarabien, das direkt an Sowjetrußland greift brachten innerhalb von acht Jahren die Juden 110 000 Hektar des rund 2 Millionen Hektar betragenden Ackerbodens in ihre Gewalt. < Wie überall so versuchten die Juden auch in Rumänien, sich der intellektuellen Berufe 3U bemächtigen. In der Anwaltschaft hatten" sie das Uebergewicht, die Aerzteschaft war überwiegend mit Juden versehen, die Presse war sehr stark in jüdischen Händen. Schon 1935 wurde in einer Statistik nachgewiesen, daß von 2854 Büchern, die feit 1920 in rumänischer Sprache erschienen, 1708 von jüdischen Autoren verfaßt waren. Von 14 000 Broschüren erschienen allein 11215 in einem einzigen jüdischen Verlagshause. Von 6520 Journalisten roar^n 5105 Juden. Die Juden beherrschten das rumänische Versicherungswesen zu 81, das Transportwesen zu 74, die Handelsgesellschaften zu 78, die chemische Industrie zu 68, die elektrotechnische zu 64 0. H. und im Lebensmittelhandel waren sie mit über 56 v. H. vertreten^. Alles ging durch Ju» denhände, überall saßen sie, wo es Geld zu verdienen gab; die rumänische Volkswirtschaft war ihnen hörig. Die Gegenbewegung konnte anfänglich in ihrem anscheinend hoffnungslosen Kampfe nicht vorwärts- kommen, da die Liberalen unter den Großkapitalisten der Bratianu-Familie eng mit den Juden verbunden waren und die antisemitische Bewegung des Professors Cuza, der jetzt als Einundachtzigjähriger in das Kabinett Goga aufgenommen worden ist, nicht aufkommen ließe-n. Jetzt ist diese Bewegung zum Ziele gelangt, Rumänien wird gesäubert, und die Judenschaft klopft vergeblich um Einlaß an die Psorten der Nachbarländer. D. S. ges am Rhein" kein unbedingter Versaß sei! Es wird also ein Vorgang negativ gedeutet, der zu den e r f r e u l i ch st e n' Erscheinungen der Gegenwart gehört, und gleichzeitig wird mit seltsam berührender Anmaßung jenen Staaten nachgesägt, daß sie sich im Grunde in der Rolle des Unverträglichen und im Zustand der Spannungen w 0 h l e r g e - fühlt hätten! Gegen solche 23erfennung der Fried- williakeit Dritter Stellung zu nehmen, ist nicht unsere Aufgabe. Wenn hier darauf eingegangen wird, so um das in vielem Unzeitgemäße des französischen politischen Denkens zu charakterisieren. Denn im Gründe liefert der „Temps", unfreiwillig, selbst das stärkste Argument gegen die „kollektive Sicherheit" und die Bündnispolitik alten Stils: indem er dartut, daß diese Art von „Sicherheit" das Vorhandensein von zwischenstaatlichen Spannungen und Gegenständen geradezu als Voraussetzung ihrer selbst braucht und infolgedessen auf eine Ermunterung zur Unverträglichkeit hinaus- läuft. Diese Konsequenz der Kollektiv-Politik und nicht jener 7. März 1936 ist auch der Grund, weshalb die französische Europa-Politik sich überlebt und soviel Boden verloren hat. Will sie das ändern, bann wird sie dort tatkräftig ansetzen müssen, wo scharf- denkende französische Politiker heute zum Teil schon angelangt sind: bei der Erkenntnis, daß Frankreich von einem Lande der „Unbegrenzten" Interessen zu einer Macht werden muß, die sich auf ihre wirklich legitimen Interessen beschränkt. Je mehr man sich in Frankreich darüber klar wird, je mehr man — wie kürzlich auch Flandin — das Fragwürdige und Gefährliche der Rolle des „Polizisten" in Europa einsieht, desto eher ist auch der Ausgleich mit Deutschland möglich. Denn niemand in Deutschland wird berechtigten französischen Lebensinteressen in den Weg treten wollen Im Grunde steht auch die englische Politik vor ganz ähnlichen Problemen, und ähnlich wie Frankreich schwankt auch England zwischen neu au dämmernden wirklichkeitsnahen Erkenntnissen und alten Illusionen. Die Kette der englischen Sorgen reicht heute von Spanien, über dös Mittelmeer und die gärende arabische Welt bis zu den Auseinandersetzungen in Fernost. Und Herr Eden versichert .mit ganz bestimmter Betonung immer wieder, daß England sich auch an dem Wohlergehen Mittel- und Südosteuropas „nicht desinteressieren könne". Ein so nüchterner Publizist wie Garoin weist im „Obseroer" seit Jahr und Tag darauf hin, daß es Rangunterschiede in dieser schweren Last englischer Verpflichtungen gebe, und daß diese Last leichter zu tragen, der Weg der britischen Politik erfolgreicher sein würde, wenn sie auf die Wahrung der Empire-Belange beschränkt wäre und all. das abstoßen könnte, was sie aus den Bezirken des „unteilbaren Friedens" sich noch dazu aufgebürdet hat. Dies ist in der Tat das Kernproblem der gegenwärtigen englischen Politik- und zugleich eine Frage, über die bisher in London alles andere als Klarheit besteht. Wenn wir richtig sehen, liegen drei verschiedene Tendenzen miteinander in Widerstreit. Die eine stammt noch aus der alten Versailler Welt und mündet in die Vorstellung von ber allgegenwärtigen Polizistenrolle im Dienste der Machtlage von 1919. Sie heute gleichzeitig auf allen Fronten durchzuhalten, geht — das wissen auch ihre Anhänger — selbst über Englands Möglichkeiten. So entstand in jenen Kreisen um die Jahreswende der phantastische Plan einer französisch-englischen Arbeitsteilung: England sollte in Fernost aktiv werden, Frankreich sollte unterdessen in Europa „für Ruhe sorgen". Diese allzu primitive und die tatsächlichen machtpolitischen Verhältnisse nerkennende „Konzeption" hat in Regierungskreisen keinen Anklang gefunden. Es ist wieder still um sie geworden. Der publizistische Vertreter des entgegengesetzten Programms ist ein Mann wie Garoin. Dieses Programm läßt sich dahin zusammenfassen: Beschränkung auf die echten Empire- Belange, auf die britischen Lebens- intereffen; d. h. dann aber auch, Frieden machen in Europa, Anerkennung der deutschen Notwendigkeiten (Kolonien), der natürlichen Schwerkraft des Deutschen Reiches in Mitteleuropa wie der Realität des italienischen Imperiums im 'Mittelmeerrc^im. Ein Blick auf die Beziehungen Englands zu Deutschland und zu Italien zeigt, daß man sich in London aych zu diesem Programm weiser Selbstbeschränkung noch nicht verstehen kann. Es bleibt die- dritte Möglichkeit, und sie scheint den verantwortlichen englischen Staatsmännern noch am nächsten zu liegen: z u rügten, Zeit zu gewinnen und im übrigen auf eine Besserung der machtpolitischen Konstellation zu hoffen — man erwartet in erster Linie zunehmende Schwierigkeiten Japans — um so am Ende weder hinsichtlich der Einflußnahme in Europa noch hinsichtlich der Empire-Belange von der Bühne abtreten zu müssen. Man sagt, daß D e I b 0 5 auf seiner letzten Rundreise derartige Mitteilungen über die strategische Linie der britischen Politik gemacht hat, und es bildet eine interessante Ergänzung dazu, wenn Benesch kürzliche dem neuen Jahr die Prognose stellte, „ein Jahr der Verhandlungen, des Diskutierens und des Abschlusses vorläufiger Vereinbarungen" zu werden. Die Entwicklung wird bald zeigen, ob das Jahr 1938 für England lediglich die Funktiön der „Zwischenzeit" hat und ob es „vorläufig" mit taktischem Lavieren und Fortsetzung der Rüstungen ausqefüllt werden soll. ' Dr. Hans von Malottki. Der (Haulejier bonff TIS(5. Zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel sind mir von zahlreichen Parteigenossen und Volksgenossen Grüße und Glückwünsche übermittelt worden, für die ich auf diesem Wege herzlichst danke. heil Hitler! gez. Sprenger. Eine neue Palästina-Kommission. Oie britische Regierung fühlt sich durch den Teilunqsvorschlag der Peel-Kommission nicht gebunden. London, 4. Ian. (DNB.) Dienstag abend wurde eine Botschaft des Kolonialministers Orrnsby Gore an den in den Ruhestand tretenden britischen Oberkommissar für Palästina'in $orm eines Weißbuches veröffentlicht, das die neuen Vollmachten für eine Kommis- s.i o n enthält, die demnächst nach Palästina gehen soll, um dort den sogenannten Peel-Bericht, der eine Teilung Palästinas oorsah, zu vervollständigen bzw. abzuändern. Angesichts der öffentlichen Kritik an gewissen Seiten des versuchsweise vorgebrachten Teilungsplanes wolle der Kolonialminister klarstellen, daß die britische Regierung in keiner Weise zur Billigung des Peel- Planes verpflichtet sei und insbesondere, daß sie nicht den Vorschlag der Kommission für die zwangsweise Uebersiedlung von Arabern aus dem jüdischen in das arabische Gebiet angenommen habe. Die weitere Untersuchung werde zweifellos das erforderliche Material liefern, das es gestatte, den bestmöglichen Plan auf seine Gerechtigkeit und praktische Durchführbarkeit hin zu prüfen. Es werde ein weiteres besonderes Organ genannt werden, um Palästina aufzusuchen. Es soll der britischen Regierung nach Beratung mit den örtlichen Behörden Vorschläge für einen detaillierten Teilungsplan unterbreiten. Es werde weiter die Aufgabe haben, innerhalb angemessener Frist Vorschläge für die provisorischen Grenzen der geplanten arabischen und jüdischen Gebiete und der neuen britischen Mandate zu machen. Wenn als Ergebnis der Untersuchungen der technischen Kommission, die zweifellos viele Monate in Anspruch nehmen werden, ein Teilungsplan von der britischen Regierung als gerecht und praktisch durchführbar angesehen roeröe, so werde er G e'n f zur Beratung unterbreitet werden. Wenn der Plan hier gebilligt werde, sei mattere Zeit erforderlich, um unter dem Mandat neue Regierungen zu errichten und zwar in den jeweils betroffenen Gebieten, und, falls die erforderliche Zustimmung gegeben werde, für die Aushandlung von 23 e r*= trägen, um gegebenenfalls unabhängige Staaten zu errichten. Es könnte notwendig werden, daß die britische Regierung angesichts des Berichtes der Kommission die Anregung der ständigen Mandatskommission erwäge, die arabischen und jüdischen Gebiete zeitweilig unter einem Kantonalsystem oder unter getrennten Mandaten zu verwalten. Es sei offensichtlich, so schließt der Bericht sehr vorsichtig, daß noch für eine gewisse Zeitdauer jede Aktion, die'die britische Regierung in Angriff nehmen werde, lediglich dazu bestimmt fei, Aufklärungenzu beschaffen. Die Rimdsimkpropaganda im Achen Orient Daventry gegen Van. Die italienische Rundfunkstation Bari hat seit geraumer Zeit ihr Programm so gestaltet, daß die arabische Welt, die im Wellenbereich dieses Senders liegt, bei den Darbietungen nicht zu kurz kommt. Damit sind die Engländer ganz und gar nicht einverstanden. Sie fürchten, das vvn den Italienern Gebotene könnte bei den Arabern gewisse Syrnpa-, thien für Italien auslösen. Also ging man daran, den Londoner Sender D a v e n t r y auf „arabisch" umzustellen. Mit Beginn des neuen Jahres war es soweit, daß einige Männer ans Mikrophon des Britensenders traten, deren Namen in Dorderasien einen gewissen Klang besitzen. Theoretisch war somit das Gleichgewicht wieder hergestellt: jetzt kann Arabien „arabische" Rundfunkdaroietungen, einmal Aunb einmal italienisch gewürzt, genießen, je une und Bedürfnis des einzelnen Hörers. Immerhin besteht für den Araber am Lautsprecher doch der Zwang, sich auch für den einen oder an- deren/Senoer zu entscheiden. Denn die, Sendungen werden zur gleichen Zeit ausgeführt. Der Araber kann also nicht hintereinander die Rundfunkspeise zu sich nehmen, sondern immer nur das eine oder das andere Gericht. Was liegt also näher, so sagt man sich in Daoentry, als daß der Araber zu dem Gericht greift, das ihm die größten Genüsse verspricht. Ein.Studium der Londoner Presse läßt jedoch erkennen, daß die Italiener in Bari wohl- ausgerüstet den britischen Angriff erwarteten. Während die Engländer politische Ansprachen durch den Aether sandten, ließen die Italiener einen der beliebtesten Sänger im Nahen Orient an das Mikrophon treten. Und die arabischen Hörer, was taten sie? Sie horchten einmal in die englische, einmal in die italienische Welle hinein, um dann dort zu bleiben, wo ihnen etwas zur Erheiterung und Ermunterung geboten wurde. Der englische Versuch, die arabischen Sendungen Baris im buchstäblichen Sinne zu „übertönen", ist nur eine Einzelheit aus einem großangelegten englischen W e r b e f e ld z u g. In ihm spielt allerdings der Rundfunk eine besondere Rolle. Neben arabischen Sendungen sollen künftighin auch deutsche, italienische, spanische und portugiesische Darbietungen treten. Bezeichnenderweise geht England an sowjetrussische Sendungen nur sehr bedachtsarp heran und verweist in dieser Beziehung auf eine spätere Zeit. Aber daneben soll auch eine Presse geschaffen werden, die unmittelbar für die englischen Interessen wirbt. Ganz offen wird auch zugegeben, daß in den Rahmen dieses umfänglichen Werbefeldzuges auch ausländische Zeitung en gestellt werden sollen. Diese Methode soll besonders in den südamerikanischen Staaten und im Nahen Osten angewandt werden. Endlich, will England noch mehr als bisher, getarnt oder offen, Agenten in das Ausland entsenden, die in mündlicher Rede die Interessen der Londoner Regierung vertreten sollen. Die englische Regierung hat bereits sehr erhebliche Geldmittel für diese Zwecke zur Verfügung gestellt. B. R. Arabische Kritik. giait Rundfunkseudungen lieber Gerechtigkeit in Palästina. Jerusalem, 4. Ian. (DNB.) Zu der Eröffnung der englischen Rundfunksendungen in arabischer Sprache schreibt die Araberzeitung „Addis« a", Europa richte neuerdings viele schöne Reden an die Araber. Weil die Araber früher verstreut, nunmehr aber über künstliche Grenzen hinweg vereinigt seien und fest an einen politis che n Zusammenschluß glaubten, sei den fremden Mächten die arabische Freundschaft er« strebenswert und Arabien sei ein Weltfaktor geworden. Die Araber ließen sich aber durch Rundfunkvorträge nicht einfangen! Wenn England mit den Arabern^Zusammenarbeiten und die Sympathien von Millionen gewinnen wolle, dann solle es statt mit Rundfunksendungen mit G e - rechtigkeit in Palästina anfangen. Dom Londoner Sender erwarteten die Araber eine „ganz bestimmte" gute Nachricht. Der Irak als Vorkämpfer der arabischen IreiheilsbewegiW. Don unserem $. A Sch -Korrespondenten. Nachdruck verboten. Bagdad, Dezember 1937. Man kann wohl den Irak als den Vorkämpfer der arabischen Freiheitsbewegung bezeichnen. M e - sopothamien — der heutige Irak — hat eine Geschichte, die bis Jahrtausende vor Christus zu- rückgeht, aber kaum einen Zusammenhang mit dem Geschehen der letzten Jahre hat. Vor dem Weltkriege war Mesopothamien, das Land zwischen Euphrat und Tigris, türkisches Gebiet. Es ist das Land, in dem nach der Bibel „Milch und Honig floß" Doch diese Herrlichkeiten sind vorbei. Heute fließt in und aus dem Irak das so begehrenswerte O e l und nochmals Del. Die Türken, die Mesopothamien den Persern in einem Kriege abgerun- aen hatten, verwalteten die riesigen Gebiete, die yauptsächlich von nomadisierenden Beduinen, Arabern und sonstigen Völkerstämmen mohammedanischen Glaubens bevölkert waren, mit straffer Hand. Daß hierbei manchmal Härten vorkamen, war unausbleiblich. Denn die bewaffneten Stämme standen von jeher auf dem Standpunkt, daß das Land groß fei und der Kalif weit weg ist. Schon um 1750 herum versuchten die vom Kalifen in Konstantinopel eingesetzten Gouverneure von Mesopothamien, Selbständigkeitsbewe- gu n g e n ins Leben zu rufen, die zeitweilig auch gelangen. Aber diese ersten Freiheitsbestrebungen Mesopothamiens waren mehr Ideengut irgendeines starken, kriegerischen Gouverneurs und seiner Sippe, als des arabischen Volkes, denn der nomadisierende Araber stand nicht hinter einer solchen Bewegung. Er kannte keine territorialen Granzen, keinen weltlichen Herrscher oder Herrn. Er kannte nur Allah und seinen Kalifen. Ob dieser nun Türke, Araber oder Berber war, spielte für den gläubigen Mohammedaner und den nomadisierenden Beduinen durchaus keine Rolle. Erst mit dem Beginn des Verfalls des Ottomanifchen Reiches, den ständigen Rückschlägen, die der Mohammedanismus in Afrika erlitt, und den großen Niederlagen der türkischen Heere in Europa, begann däs Volk, soweit es inzwischen seßhaft wurde und mit der Außenwelt Handel trieb, auch politisch zu denken, was dazu führte, daß kurz vor dem Weltkriege im türkischen Mesopothamien arabische Nationalistenvereinigungen organisiert wurden, die das Endziel hatten, eine starke Freiheitsbewegung zu schaffen, um einen arabischen Staat zu gründen, der unabhängig von der Türkei fein sollte. Die Möglichkeit der Verwirklichung war aber nur dann gegeben, wenn auch die weltliche Macht des Kalifats — der Sultan der Türkei und der Kalif waren zu der Zeit immer eine Person — noch weiter geschwächt würde. Die Bewegung der Iungtürken schien den Irakis ein nachahmenswertes Beispiel. Es begann eine starke Propaganda, man gründete eine arabische Zeitung in Bagdad, die „Nahda", das erste Kampfblatt für die arabische Freiheitsbewegung. Fördernd kam der Ausbruch des Weltkrieges hinzu, der der arabischen Freiheitsbewegung einen gewaltigen Auftrieb geben sollte. Die Türkei trat auf die Seite der Mittelmächte, nachdem Italien im Jahre 1915 aus dem Dreibund ausgetreten war. Die Türken erblickten durch ihren Beitritt zu den Mittelmächten eine Gelegenheit, bei einem siegreichen Kriege, der ja auch gegen Italien ging, das an Italien verlorene Tripolitanien wieder zurückzugewinnen. Außerdem ging der Kampf der Mittelmächte gegen den jahrhundertealten Gegner und Rivalen am Schwarzen Meer und Bosporus: Rußland. Der "derzeitige Sultan Abdul Hamid griff, um fein Ziel schneller zu erreichen, zu dem zweifelhaften Mittel der,Proklamierung des Heiligen Krieges, d.h. daß alle gläubigen Mohammedaner der Welt gegen die „Ungläubigen", also vor allen Dingen Christen gleich Europäer, die Waffe führen sollten. Von diesen „Ungläubigen" waren allerdings ausgenommen die Verbündeten des Kalifen, die Deutschen und Oesterreich-Ungarn. Das war jedoch ein Unterfangen, was glänzend mißglückte. Der Mohammedaner in feiner Primitivität begreift wohl, das Schwert des Islams gegen die Ungläubigen zu wenden, daß es aber unter den Ungläubigen Ausnahmen geben feilte, ging über seinen Horizont, denn davon steht auch nichts im Koran geschrieben, dem er sich blindlings fügt. Der Ruf des Kalifen verhallte ergebnislos. Die 70 Millionen Mohammedaner I n - diens nahmen gar keine Notiz von dem Appell, der Heilige Krieg brach schon bei seiner Mobilisation zusammen. Weiter erschwerend war die politische Durchdringung des arabischen Raumes durch den englischen Geheim-Dienst, her auch die ara- bischen Stämme gegen das Kalifat aufwiegelte. Der berühmte Oberst Lawrence hat ein Buch geschrieben „Der Aufstand in der Wüste", in dem er der Oeffentlichkeit bekannt gibt, wie er während des Weltkrieges als Führer des englischen Geheimdienstes in Arabien die Araber nicht nur gegen die Mittelmächte, sondern auch gegen das türkische Kalifat aufwiegelte. Im Orient spricht neben dem Koran das Geld die deutlichste Sprache, und Lawrence kargte nicht mit englischem Gold. Aber auch mit noch was anderem wurden die Araber gewonnen, nämlich mit dem Versprechen, daß — wenn England den Krieg gewinnen würde — die Araber vom „türkischen Tyrannen" befreit würden, und daß sie ihre eigenen, selbständigen und unabhängigen arabischen Staate n bann gründen könnten. Am 15. Oktober 1916 fiel König Hussein von Hedschas, als erster Araberfürst, vom Kalifen ab und erklärte Konstantinopel den Krieg. Die Fahne des Propheten marschierte gegen die Hagia Sophia am Bosporus, den Sitz des Kalifats und des Herrschers der Türkei. Anstatt daß die Mohammedaner einen Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen führten, führten sie diesen gegen den Vertreter und Verteidiger des mohammedanischen Glaubens. Der Irak mußte 1917 von den türkischen Truppen, die unter Führung deutscher Offiziere fochten, nach schweren Kämpfen aufgegeben werden. Die deutsch-türkischen Streitkräfte hatten noch im Jahre 1916 die gesamte im Irak kämpfende englische Armee, die sich nach Kut-el-Amara zurückgezogen hatte, eingekreist und einige Generäle, einige hundert Offiziere und mehr als 13 000 Mann englischer Truppen gefdngengenommen, die letzte Tat des Generalfeldmarschalls von der Goltz, der fein Hauptquartier derzeit in Bagdad hatte. Die Engländer stellten jedoch bald eine neue, große Armee von über 40 000 Mann unter Führung Ge- neral Maudes auf, bestehend aus frischen indischen Truppen. In Basra am Persischen Golf wurde während der Wintermonate das neue Heer gelandet und aufgestellt. Dieser Uebtzrmacht müßten die ausgemergelten, abgekämpften Truppen weichen. Sie lieferten den Engländern nochmals eine große Schlacht am Diala-Fluß in den ersten Märztagen des Jahres 1917, doch dann kam das bittere Ende. Mit dem Herannahen der Engländer und deren Einzug in Bagdad am 17. März 1917 glaubten die nach Freiheit strebenden Irakis, daß mit den Engländern nun auch ihre Freiheit und Unabhängigkeit ihren Einzug in Bagdad und dem ganzen Irak hielt. Aber weit gefehlt. Die Engländer verkündeten durch öffentliche Anschläge in hochtrabenden Worten wohl, daß sie als, Befreier und nicht als Eroberer gekommen seien, priesen die alte Kultur und Kunst Mesopothamiens, die jahrtausendealten Wissenschaften und versprachen dem Lande eine eigene Regierung — — wenn die Bevölkerung bereit sei, mit den englischen Behörden und der Armee z"u s a m m e n z u arbeiten. Doch es war nur ein Versprechen und monatelang geschah gar nichts. Die Engländer richteten ihre eigene Verwaltung ein, es wurden immer mehr Truppen in den Irak gezogen und je mehr die Engländer ihre Macht im Irak festigten, um so weniger hörte man von der Erfüllung des den Arabern gegebenen Versprechens: Freiheit und eigene Regierung. Die Araber wurden unruhig. Da überraschten im November 1918 die Engländer die Araber mit einer neuen Proklamation, in der zum Ausdruck kam, daß man den arabischen Ländern Irak, Syrien, Libanon wohl eigene Regierungen bewilligen wolle, daß das aber nur unter dem Schutze und der Aufsicht von England und Frankreich geschehen könne. Von Freiheit hörte man nichts mehr. England hatte seine Soldaten nur auf den Schlachtfeldern Arabiens ja nicht für die Freiheit anderer Völker bluten lassen, sondern in Wirklichkeit ging es England nur um den Besitz der riesigen Oelfelder im Mossul-Gebiet. Am 25. April 1920, also fast zwei Jahre nach der Besetzung, schlug England sich den Irak a l s „M andat" zu. Die Araber aber fühlten sich betrogen. Der Irak war nun militärisch für England gesichert. Seine Besatzungstruppen rekrutierte der englische Oberstkommandierende fast ausschließlich aus dem christlichen Völkerstamm der Assyrer, die selbst ihre, eigene Unabhängigkeit von den Arabern erstrebten. Daher waren die Assyrer die geeignetsten Soldaten, um Revolten der Araber niederzuhalten. Die irakischen Araber, ihre Freiheit ersehnend, empfanden die Engländer nun aber ebenso sehr als „Tyrannen und Bedrücker" wie vorher die Türken. Wiederum organisierten sich irakische Freiheitskomitees, und im Juni 1920 brach eine große, offene Revolte — diesmal gegen England — aus. Die Engländer verhafteten die Führer des Freiheitskomitees, die verschickt wurden. Und wieder verwandelte sich 6er Irak in blutiges Kriegsgebiet. Ein Kleinkrieg entstand im ganzen Lande. Die Sicherheit der Engländer schwand von Tag zu Tag. Englische Offiziere wurden auf offener Straße in Bagdad und in anderen Städten ermordet — viele englische Soldaten mußten die Politik ihrer Regierung mit dem Tode bezahlen. England aber war nach den Strapazen des Weltkrieges nicht mehr in der Lage, erneut einen Krieg in Arabien zu beginnen, auch im englischen Parlament wurden Stimmen laut, nun endlich mit dem Kriegführen Schluß zu machen. Die Araber-Revolte war erfolgreich. Sir Percy Cox wurde über Nacht zum „Oberkommis - s a r" im Irak ernannt, und bei seiner Ankunft in Bagdad verkündete er, daß England nunmehr bereit sei, dem Lande die eigene Regierung zu gewähren. Unter englischer Aufsicht wurde die erste Regierung gebildet, die englische Geschicklichkeit ging aus der Tatsache hervor, daß die erbittertsten arabischen Gegner Englands, die Kämpfer und Führer der irakischen Freiheitsbewegung, in diese Regierung ausgenommen wurden. Die arabische Freiheitsbewegung trat ihren Siegeszug an. Ein halbes Jahr spater tra£ auf Anregung von Winston Churchill in Kairo eine Konferenz zusammen, die sich mit der Regelung der schwierigen Fragen des gesamten Nahen Ostens beschäftigen sollte. Die Interessen des Irak auf dieser Konferenz wurden von Sir Percy Cox, dem Mandatskommissar, dem englischen Oberbefehlshaber in Mesopothamien General Haldane (dem Nachfolger des Generals Maude, der inzwischen in Bagdad verstorben war im gleichen Hause und im gleichen Zimmer, in dem Generalfeldmarschall d. d. Goltz gestorben war) sowie dem ersten irakischen Kriegsminister der provisorischen Regierung General Jaffar el-Askari wahrgenommen. (Dieser wurde im vergangenen Jahr bei dem Staatsstreich Beker Sidkis am 29. Oktober erschossen.) Dieses Mal siegten die Araber nun auch am Konferenztisch. Die Versammlung faßte den Beschluß, dem Irak völlige Freiheit zu gewähren, als selbständiges, arabisches Königreich sollte das Land nun seine Form gewinnen. Emir F a i f f a l, Sohn des Königs Hussein von Hedschas, wurde zum König vorgeschlagen. Mit drei Viertel der Stimmen der Bevölkerung wurde Faissal zum König gewählt, nachdem er vorher die Verpflichtung eingegangen war, daß die Regierung des Irak eine Verfassung erhielt, parlamentarisch und fest an ein Gesetz gebunden sei. Im August 1921 wurde Faissal in Bagdad zum König gekrönt. Die Araber hatten sich nun ein eigenes Königreich und einen König erkämpft. Das englische Mandat wurde vorübergehend in ein Protektorat umgewandelt, und auch dieses aufgehoben, als der Irak im Jahre 1930 der Genfer Einrichtung beitrat. Der Irak war nun ganz selbständig, die arabische Freiheitsbewegung hatte hier auf der ganzen Linie endlich gesiegt. Der englische Einfluß bleibt jedoch b e st e h e n. Durch ein Militärbündnis und einen Freundschaftsvertrag sichert sich England zwei militärische Flugstützpunkte im Lande, durch einen Handelsvertrag fiel England die ganze Ausbeute an irakischem Oel zu. Als territorialen Besitz hat England den Irak verloren — dafür hat es aber doch sein Petroleum gewonnen. Im Jahre 1933 kam nochmal ein kritisches Stadium für den Bestand des neuen Staates. Die von den Engländern aus dem Militärdienst entlassenen assyrischen Soldaten, einige Tausend arj der Zahl, die eine gutausgebildete und gutausgerüstete Truppe darstellten, denen die Engländer merkwürdigerweise bei der Entlassung die Waffen belassen hatten, wollten nun ebenfalls ein. eigenes Land, ein unabhängiges Assyrien schaf« fen. Ihr Wunsch mußte ungehört verhallen. Die den Assyrern gegebenen Versprechen hatte man tatsächlich bei der Schaffung des Irak vergessen. Die Assyrer ihrerseits unternahmen einen Aufstand gegen den arabischen Irak. Unter den Maschinengewehren der irakischen Araber brach der Aufstand bald zusammen. Einige tausend assyrische Männer, Frauen und Kinder wurden an einem einzigen Tage dahingernordet, man verbrannte ihre Dörfer und verwüstete ihre Aecker. Beker Sidki, der am 12. August dieses Jahres ermordete Generalstabschef konnte für sich in Anspruch nehmen, den Assyrer-Aufstand an einem Tage niedergeschlagen zu haben. Er hatte als Kurde, also als Nichtaraber, den arabischen Staat gerettet. König Faissal starb kurz darauf nach langem, schwerem Leiden in der Schweiz. Sein Sohn Ghasi bestieg als König Ghasi I. den Thron. Heute ist die 24. Regierung, die Regierung Matfai, am Ruder des parlamentarisch regierten Königreiches. Die 23. Regierung Hikmat Sulaiman war in Wirklichkeit eine Diktatur Beker Sidkis, die auf heftigsten Widerstand im Lande stieß, da sie, wie man sagte, nicht verfassungsgemäß regierte. Sie wurde beseitigt durch die Ermordung Beker Sidkis, dem man auch noch vorwarf, er strebe nach Beseitigung des Königtums im Irak. Ihm soll vorgeschwebt haben, es Atatürk gleichtun zu wollen. Jnnerpolitische Kämpfe im Irak gibt es kaum, bei den Regierungswechseln sind wohl religiöse Gesichtspunkte auch mitsprechend. Der Irak war der Vorkämpfer der arabischen Freiheitsbewegung, und alle Anzeichen sind dafür vorhanden, daß er, als mächtigster arabischer Staat mit einer Armee von 40 000 Mann, auch weiterhin die Stütze im arabischen Freiheitskampf für ein Groß-Arabien bleiben wird. Verdientes Schicksal. Die Polnischen Kommunistenhäuptlinge Opfer Staüns. Warschau, 5. Jan. (DNB. Funkspr.) Der regierungsfreundliche Expreß Poranny beschäftigt sich mit dem Schicksal des Vorstandes der polnischen kommunistischen Partei, der seinen Sitz in Moskau hatte. Sämtliche komm- nistischen Oberhäuptlinge, die aus Polen stammen, seien entweder erschossen worden ober seien spurlos verschwunden. Man wisse nicht einmal, welcher von den Agenten Stalins und Jeschows augenblicklich der Oberhäuptling der polnischen kommunistischen Partei in Moskau darstelle. Jetzt seien die letzten Schleier gefallen, die das wahre Gesicht des Kommunismus in Polen noch verdeckten. Jetzt stehe der Kommunismus in seiner ganzen Nacktheit da als ein Werkzeug der Moskauer Gewalthaber zur Beseitigung der polnischen Unabhängigkeit. Die polnischen Kommunisten würden jetzt von den Machthabern des Kremls als „Verräter, Volksfeinde^ Spione und Schädlinge" gebranbmarft. Zweifellos feien sie Verräter und Feinde der polnischen Unabhängigkeit gewesen. Die aus Polen stammenden Kommunisten, die sich in den Dienst Sowjetrußlands einspannten, hätten als Ziel ihrer Tätigkeit mit Bestimmtheit die Rolle von Kommissaren gesehen, die Polen nach Weisungen Moskaus verwalteten. Jetzt fei ihnen ein schimpfliches Ende von der Hand derer zuteil geworden, denen sie dienten. Der Spruch des Schicksals sei hart, aber verdient. Lord Londonderry fordert klare Außenpolitik. Keine unnötige Brüskierung Deutschlands. London, 4. Ian. (DNB.) Lord Londonderry erklärt im „Newcastle Journal": Das Jahr 1938 beginne mit guten Aussichten. Die Genfer Liga existiere im gegenwärtigen Augenblick praktisch nicht mehr, weil viele Großmächte niemals Mitglieder gewesen seien ober ihre Mitgliedschaft aufgegeben hätten. Je eher man sich aber vergegenwärtige, baß ein wirklich internationales Verstehen nicht vorhanben fei, um so wahrscheinlicher könne man eine internationale Körperschaft bilben, die, ohne Befugnisse aggressiver ober militärischer Art zu besitzen, bie Vertreter der Nationen der Welt zu einer Konferenz einlaben könnte, in der sie entsprechend ihrer Wichtigkeit und Stärke vertreten sein würden. Man dürfe vielleicht sagen, daß die englische Außenpolitik in den letzten Jahren opportunistisch gewesen sei, und daß die führenden Politiker zu wenig getan hätten, um Miß - d e r ft ä n b n i f fe z u verhüten, die niemals hätten aufkommen sollen^ unb bie man scheinbar nicht mehr aus bem Wege räumen könne. Die Behandlung Deutschlanb seit dem Kriege sei ä u ß e r st u n s i n n i g. Die Theorie, daß Deutschland für immer der Angreifer sein werde, zeige einen fast unglaublichen Mangel an Geschichtskenntnis. Die ständige Weigerung, Deutschland zu helfen, nachdem es im Kriege, durch die Revolution erschöpft, unterlegen unb wohlüberlegten Unterbrückungen und Strafen unterworfen war, von denen einige wirklich ungerecht unb unnötig gewesen seien, habe bie gegenwärtige Lage hervorgerufen, in ber jede Anstrengung Deutschlands mit Furcht unb Verdächtigungen angesehen werbe. Abgesehen von dem englischen Plan habe Deutschland den einzigen wirklichen Beitrag zur Rüstungsbeschränkung geleistet, indem es einer Flottenstärke von 35 v. H. der englischen zu- ftimmte. Ein ähnlicher Vorschlag Deutschlands auf dem Gebiete der Luftrüstungen sei abgelehnt worden. Die unvermeidliche Folge sei gewesen, daß die .Deutschen ebenfalls ausgerüstet hatten. Es fei zu hoffen, daß England eine klare Außenpolitik verfolge und daß das Jahr 1938 eine endgültige Verbesserung in den internationalen Beziehungen zeitigen werde. Oesterreichs innerpolitische Probleme. Wien, 4. Jan. (DNB.) Zur Jahreswende haben Fd) mehrere Leiter der v o l k s p o l i t i s ch e n R e - ernte in den Bundesländern über die Entwicklung der österreichischen innerpolitischen Lage geäußert. So macht Professor Tardieu in der „Grazer Tagespost" den bemerkenswerten Vorschlag, die jetzt übliche. Bezeichnung „Nationale Opposition" durch das Wort „Nationale Bewegung" zu ersetzen. Der volkspolitische Referent von Salzburg, Dr. Reitter, schreibt im „Salzburger Dolksblatt", die Mehrheit der volkspolitischen Referenten sei ebenso wie die von ihnen zu betreuenden Personen Nationalsozialisten. Dabei müsse man sich klar fein, daß mit Nationalsozialisten nicht nur die Mitglieder der NSDAP, im engeren Sinne gemeint seien, sondern auch jener große Personenkreis, der sich, ohne einer Partei anzugehören, dem nationalsozialistischen Gedankengut weltanschaulich verbunden fühlt und in Adolf Hitler den vom Schicksal bestimmten Führer erblickt: Dr. Reitter wendet sich dann gegen die üblich gewordene Diffamierung der früheren Anschlußanhänger und erklärt, daß 14Jahre lang alle Oesterreicher nur den Anschluß als gemeinsame politische Plattform anerkannt hätten. Der Gefühle für diese Idee brauche sich niemand zu schämen und sich deshalb auch nicht zu einem. Staatsfeind stempeln zu lassen. Vielfältige Bestrebungen seien auf dem Boden Oesterreichs vereint. Die einen bekümmerten sich um das Schicksal der Habsburger, die anderen um das der katholischen Kirche. Die Sorge der Nationalen aber sei das deutscheSchicksal. Gm japani Des Sozialprogramm Tokio, 5. Jan. (DNB. Funkspruch.) Innenminister Admiral S u e t s u g u erklärte Pressevertretern, daß die bisherige chinesische Regierung nach den japanischen Siegen bedeutungslos geworden sei. Tschiangkaischek suche über Moskau verzweifelt Anlehnung an die Komm uni st en und erhoffe Hilfe von dritten Mächten. Hiergegen habe Japan auf politischem und militärischem Gebiet entsprechende Gegenmaßnahmen getroffen, um das unerschütterliche Ziel des Friedens im Fernen Osten ohne störende Eingriffe außenstehender Mächte durchzuführen. Das japanische Volk werde sich, so erklärte der Innenminister weiter, im kommenden „Kriegs- Reichstag" geschlossen hinter die Regierung und die Armee stellen. Das Kabinett werde am 10. Januar die Einrichtung eines Wohlfahrts- ministeriums beschließen zur Vorbereitung weitreichender sozialer Maßnahmen. Gleichzeitig werde die Regierung nach Verhaftung linksradikaler Elemente die kommunistischen und pazifistischen Gruppen streng beaufsichtic n, was angesichts der Lage im chinesischen Kampfgebiet und in Ausführung der Antikomintern-Politik selbstverständlich sei. Politische Kreise vermuten, daß das Hauptquartier und die Regierung Mitte Januar verschärfte Kampfmahnahmen beschließen werde, sofern die chinesische Regierung die von General Matsui angekündigte Frist wiederum ungenutzt lassen sollte. General Matsui habe ausdrücklich - betont, Japan verfolge keine territorialen Absichten. IapanischeBombenfliegerüber Hankau H a n k a u , 4. Jan. (DNB.) Nach einer Pause von mehr als zwei Monaten griffen japanische Kampfflugzeuge zum ersten Male wieder H a n - kau, die 780 000 Einwohner zählende Haupt- handelsstadt am mittleren Jangtsekiang, an. Neun Bombenflugzeuge, in Begleitung von drei Jagdflugzeugen, warfen nahezu 80 Bomben über dem Flugplatz ab. Bei dem Luftkampf wurde ein chinesisches Jagdflugzeug abgeschossen. Das Feuer der chinesischen Flakgeschütze blieb ohne Wirkung, da die japanischen Flieger im Schutze der sehr tief hängenden Wolken operieren konnten. Zu gleicher Zeit erfolgte ein Angriff japanischer Flugzeuge auf die in der Nähe von Hankau liegenden Ortschaften H e i s ch a n und C h i a u k a u. Nie Schulverhältniffe in Ostoberschlesien. Warschau, 4. Jan. (DNB.) Im polnischen Senat brachte der deutsche Senator Wiesner eine Eingabe über, die Schulverhältnisse in Ostoberschlesien ein. In dieser Denkschrift wird darauf hingewiesen, daß seit dem Erlöschen der Genfer Konvention statt der im Jahre 1934 gegründeten deutsche polnischen Sprachprüfungskommission eine rein polnische Körperschaft darüber entscheidet, ob die schulpflichtigen Kinder deutsche oder polnische Schulen zu besuchen haben. Da die Handhabung der Sprachprüfungen vielfach zu Unzuträglichkeiten geführt hat, wird an den Kultusminister die Frage gestellt, ob er gewillt sei, diese Sprachprüfungen zu beseitigen und den g e s e tz l i ch e n Z u st a n d wiederherzustellen. Den deutschenEltern müsse das alleinige Bestimmungsrecht über ihre Kinder gewährleistet werden. Die bereits getroffenen Entscheidungen, die gegen den Willen der Eltern erfolgt sind, seien rückgängig zu machen und den Kindern wieder der Besuch der deutschen Schule zu ermöglichen. Amerika plant Nothilfe gegen die Arbeitslosigkeit. Washington, 5. San. (DNB.) Der Sonder- ausschuß des Bundessenates begann die Untersuchung der Arbeitslosigkeit, nachdem kürzlich durch eine Arbeitslosenzählung eine Erwerbslosenzahl von nahezu 11 Millionen festgestellt worden war. Senator B y r n e s , der Vorsitzende des Ausschusses, versicherte: Der Ausschuß wünsche in Zusammenarbeit mit Regierung, Arbeitgebern und Arbeitnehmern festzustellen, welche gesetzgeberischen Maßnahmen nötig seien, um die Privatwirtschaft zu ermutigen, mehr Arbeiter einzustellen. Für nicht unterzubringende Arbeitnehmer solle ein neues wirksames Nothilfe-Programm ausgearbei- tet werden. Umlegung ländlichen Grundbesihes. Am 1. Januar ist die R e i ch s u m l e g u n g s ordnung vom 16. Juni 1937 in Kraft getreten, tote regelt zum erstenmal von Reichs wegen unter Beseitigung der Landesgesetze das Recht der ländlichen Grundstücksumlegung. Von fachfremder Seite ist nun wiederholt behauptet worden, daß diese Umlegung «ine Enteignung bedeute. Zu diesen Behauptungen nimmt der Ministerialrat im Reichsernährungsministerium, Dr. H i l l e b r a n d t, in einem Aufsatz der „Zeitschrift der Akademie für Deutsches Recht" Stellung, Er verweist zuerst auf den Wortlaut des § 1 der Reichsumlegungsordnung, m dem es heißt: „Jeder Teilnehmer erhält für seinen Grundbesitz bei der Umlegung' grundsätzlich Land vom gleichen Werte zurück. Das ist der die ganze Umlegung beherrschende Grundsatz". Allerdings gilt er nur „n a cf) Vornahme d e r erforderlichen Abzüge" (§48 der Reichsumlegungsordnung). Diese Landabzüge betreffen vor allem den zur A n l e au n g gemeinschaftlicher Wege und Gräben erforderlichen Grund und Boden (§ 51). Sie sind es, um derentwillen der Umlegung wiederholt Enteignungscharakter beigemessen worden ist. Dabei wird aber übersehen — so heißt es in dem Aussatz —, daß die vom Staat durchgeführte Neugestaltung des Umlegungsgebiets regelmäßig so erhebliche Verbesserungen für die Teilnehmer mit sich bringt, daß die Landabzüge für die gemeinschaftlichen Anlagen mehr als aufgewogen werden. Auch der die Kostendeckung durch Landabgabe regelnde § 136 bedeutet wohl einen behördlichen Eingriff, Enteignungscharakter kann ihm aber nicht beigemeffen werden. Es handelt sich hier um die Deckung der Kosten der Umlegung, die in Geld aufzubringen den beteiligten Bauern meist schwer fällt. Dke Teilnehmer können sie deshalb ft a 11 in Geld in Land abdecken. Die Landabgabe darf 7,5 v. H. des Wertes der Grundstücke nicht übersteigen. Eine Ausnahme in der Reichsumlegungs- ordnuna, ein liebergriff in das Gebiet der Enteignung, bedeutet nur der §53, der aus agrarpoliti- fchen Gründen bei geringfügigen Splitte r b e f i tz uni) bei nicht lebensfähigen Kleinbetrieben ausnahmsweise völlige Entziehung des Landes gegen Geldentschädigung zuläßt. Obwohl sein Kleinbefitz nicht lebensfähig ist, muß dem Teilnehmer aber Gelegenheit gegeben werden, sich an anderer Stelle wieder anzusiedeln. Besonders gut sieht man den Unterschied zwischen Umlegung und Enteignung bei her La nd beschaff ung für Unternehmen mit großem Landbedarf (Reichsautobahnen, Staubecken, Kanäle usw.). Die Landbeschaffung für diese großen Unternehmen setzt als Enteignungsoerfahren ein, indem nach Enteignungsrecht die Enteignung für zulässig erklärt und der Enteignungsplan sestgestellt wird. Wenn aber der durch die Bereitstellung verursachte Landverlust auf einen größeren Kreis von Eigentümern verteilt oder die mit der Enteignung verbundenen Nachteile für die allgemeine Landeskultur vermieden werden sollen, so kann die Feststellung der Entschädigung und die Vollziehung der Enteignung in einem Umlegungsverfahren erfolgen. Durch § 1 Abs. 2 der Reichsumlegungsordnung ist hier in das Enteignungsverfahren die Umlegung eingeschaltet worden. Die für zulässig erklärte Enteignung wird also als Umlegungsverfahren fortgeführt und abgeschlossen. Natürlich kann nach der Aussonderung großer Land- flächen für das Unternehmen nicht mehr jeder Umlegungsteilnehmer Land von gleichem Wert zurückerhalten. Er muß zusätzlich Geldentschädigung erhalten, wobei ein Ausgleich durch die im Umlegungsverfahren vorzunehmenden Oedlandkultioie- rungen oder andere Bodenoerbesserungen geschaffen werden kann. Insofern trägt also die Verbindung von Enteignung und Umlegung Enteignungsmerkmale in die Umlegung hinein. Aber — „das für das Unternehmen erforderliche Land ist von den Teilnehmern nach Verhältnis des We.rtes ihrer alten Grundstücke aufzubringen" (§57). Dabei find die Umlegungsbehörden ermächtigt, den Anteil des einzelnen unter Berücksichtigung feiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu erhöhen oder herabzusetzen. Sie können auch das Umlegungsgebiet (§7) unabhängig von der für das Unternehmen benötigten Fläche so groß bemessen, daß der Landverlust für den einzelnen weniger fühlbar wird. B. R. Arbeiter aufs Land? In diesen Wochen wird eine Erhebung durchgeführt, die für den Arbeitseinsatz auf dem Lande von grundlegender Bedeutung ist, Der Erlaß des Präsidenten der Reichsanstalt vom 20. Oktober 1937 ordnete an, daß alle Betriebsführer der Landwirtschaft die Zahl und Art der für die Durchführung der Erzeugungsschlacht benötigten Arbeitskräfte dem zuständigen Arbeitsamt zu melden haben. Mit der Bedarfsanmeldung hatte der Betriebsführer ein Karteiblatt über Größe und Art seines Betriebes, zum Beispiel Viehbestände, einzureichen. Die Arbeitsämter haben die Bedarfsanmeldungen^ mit den Kreisbauernführern zu überprüfen und sie dann den Landesarbeitsämtern zuzuleiten. Dort findet eine abermalige Überprüfung mit den Landesbauernführern statt, worauf das gesamte Material an die Reichsanstalt weiterläuft. Die Reichsanstalt wird also einen genauen lieber- blick über die Arbeitskräfte haben, die nach Auffassung der Landwirtschaft von ihr gebraucht werden. Damit sind dann Unterlagen für eine planvolle Durchführung der auf dem Lande gegegebenen Arbeitseinsatzaufgäben vorhanden. lieber die Wichtigkeit gerade dieses Ausschnittes unserer Arbeitspolitik müssen keine Worte verloren werden. Wir sind uns alle darüber klar, was die höchstmögliche Erzeugung unseres heimischen Bodens ' für uns bedeutet. Es handelt sich hier also um eine Aufgabe, die um der Sicherung wichtigster deutscher Volksinteressen willen unter allen Umständen gelöst werden muß. Erhebungen und Verordnungen allein können nur den Weg bereiten, die Lösung bringen können sie nur, wenn alle mit« helfen. In erster Linie ist hierzu das Landvolk selbst berufen. Es muß die Parole befolgen: Landvolk, bleibe auf dem Lande! Wie wichtig gerade sie ist, kann aus wenigen Angaben ersehen werden. Bei der Berufszählung von 1933 wurden in der Landwirtschaft, Gärtnerei, Tierzucht, Forstwirtschaft und Fischerei 2,182 Millionen Selbständige, weiterhin 2,530 Millionen Arbeiter, jedoch 4,517 Millionen mithelfende Familienangehörige gezählt. In der Industrie dagegen waren es einschließlich des Handwerks 9,937 Millionen Arbeiter bei nur 273 000 mithelfenden Familienangehörigen. Mit Deutlichkeit zeigen diese Zahlen das entscheidende Gewicht, das in der Landwirtschaft gerade den mUhelfenden Familienangehörigen für die Sicherung der notwendigen Arbeitskräfte zukommt. Das gilt naturgemäß für die Bauern weit mehr als für die landwirtschaftlichen Großbetriebe. Eine Landflucht der auf dem Lande geborenen Menschen gefährdet also gerade für unser Bauerntum die Bereitstellung der erforderlichen Arbeitskräfte. Das ist die eine Seite des Problems. Auch die andere muß gelöst werden:, die eigentliche Land- arbeiterfrage. Hier leiden wir noch immer unter den Nachwirkungen der falschen Vorkriegsauf- fassung, die in der Landarbeit nur eine Saison- beschäftigung sah. Gewiß hat die Landwirtfckaft in den Erntemonaten einen Spitzenbedarf an Arbeitskräften. Aber fast jeder andere Wirtschaftszweig hat ihn zeitweise auch. Der Einzelhandel beispielsweise ist weitgehend vom Weihnachtsgeschäft abhängig. Niemandem wird es aber deshalb einfallen, den Einzelhandel als Saiscmgewerbe anzusprechen. In richtiger Erkenntnis des Erfordernisses, auch in der Landwirtschaft zu einem ausreichenden bodenständigen Arbeiterstamm zu kommen, sind im nationalsozialistischen Deutschland schon längst die entsprechenden Maßnahmen getroffen worden. Auch der letzte Erlaß spricht eine deutliche Mahnung m dieser Richtung aus. „Betriebsführer", sagt in ihm der Präsident der Reichsanstalt, „die ungerechtfertigt Landarbeiter in den Wintermonaten zur Entlass u n g bringen, alsdann aber dem zuständigen Arbeitsamt einen Vermittlungsauftrag für das Jahr 1938 erteilen, haben damit zu rechnen, daß ihre Aufträge entsprechend gekürzt bzw. ganz zurück- gestellt werden". ,, Die Bemühungen um tue Beseitigung der Ursachen der Landflucht liegen auf wirtschaftlichem, wie auch auf kulturellem und pädagogischem Gebiet. Durch die Ausarbeitung neuer Tarifordnungen wurde zunächst das wirtschaftliche Niveau des deutschen Handarbeiters gehoben. Seit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus sind die Landarbeiter- löhne von rund 1,36 auf 1,6 Milliarden, also um rund 18 v. H. erhöht worden. Ferner wurde der Wohnungsfrage eine'verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet. Der Bau von Landarbeiterwohnungen ist stark gefördert worden, aber auch auf die Behandlung durch den Gefolgschaftsführer legt mit Recht der Landarbeiter den größten Wert. Der Nationalsozialismus will eine gesunde und gleichberechtigte Landarbeiterschaft. Er will damit wieder das flache Land zu einer Heimat für die Bewohner machen und hat durch die Verbreitung von Kulturwerten (fahrende Theater, Rundfunkwesen, Gemeinschaftsabende usw.) auf dem Lande die Vorbedingungen dazu aeschaffen, daß sich der Landarbeiter heute nicht mehr nach den „Kulturfortschritten" der Stadt zu Zehnen braucht. Die Einführung der Gefolgschaftswarte hat die Streitigkeiten zwischen Landarbeitern und Betriebsführern wesentlich vermindert. Die Frage des Landarbeiterurlaubs war besonders schwierig zu lösen. Einen Teil des Lohnes erhält nämlich der Landarbeiter in Gestalt von Naturalien, den sogenannten Deputaten, so daß Bargeld auf dem Lande knapp ist. Die Urlaubsfrage scheiterte daran, daß selbst für verbilligte Urlaubsreisen die Landarbeiterschaft nicht das erforderliche Geld aufbringen konnte. Man hat sich durch den Landarbeiter-Austausch geholfen, bei dem nur die Fahrtkosten zu entrichten sind. Schließlich wird für die S e ß h a f t m a ch u n g der Landarbeiter viel getan. Bei der Errichtung von Neubauernhöfen wurden Landarbeiter bis zu 35 v. H., in Pommern sogar bis zu 50 v. H. berücksichtigt. Ebenso wurde die Feierabendgestaltung, die Kleintierhaltung und durch die Errichtung von Betriebs- und Dorfgemeinschaften und Ernte-Kindergärten der Gemeinschaftsgedanke gepflegt. Vor allem die auf dem Lande Heranwachsende Jugend wird durch alle diese Maßnahmen, schollenfest gemacht. So ist zu hoffen, daß der große Fehlbetrag an Landarbeitern in absehbarer Zeit ebenso verschwindet wie die Arbeitslosigkeit in den Städten verschwunden ist. Dr. E. S. NeichsministerDarrefährtnach Italien Berlin, 4. Jan. (DNB.) Am Schluß .jeden Wirtschaftsjahres findet in Rom die Preisverteilung an die Sieger der Getreideschlacht durch den Duce statt. Reichsminister D a r r ä ist gebeten worden, dieser Feier am 9. Januar beizuwohnen. Der italienische Minister für Landwirtschaft und Forsten, Rossini, hat den Reichsernährungsminister in Erwiderung seines vorjährigen Besuches in Deutschland eingeladen, sich persönlich ein Bild der Leistungen der faschistischen Agrarpolitik zu machen. Reichsminister Darrö wird der Einladung Folge leiftertT Er, wird vom Staatssekretär Backe und Ministerialüirektor Dr. Walter vom Reichsernährungsministerium begleitet werden. Erfreuliche Iahresb lanz des Neichsseuders Frankfurt. Srantf urt a. TL, 4. Jan, (LPD,) Den (Erfolg der Jahresarbeit des Reichssenders Frankfurt kann man an der Zunahme öer Hörerzahlen ablesen. Die Gesamtzahl der Hörer des Reichssenders Frankfurt betrug im November 1937 809 342 gegen 767 043 am 1. Januar 1937. Da seit November die Zahl der Hörer noch weiter gestiegen ist, beträgt die Zunahme der Hörer unseres' Reichssenders im abgelaufenen Jahr 1937 rund 45 000. Diese Zunahme der Hörer bedingt -eine Steigerung der Leistung sowohl im Programm wie auch in der technischen Uebertragung. Der Sender Kassel hat ein eigenes Sendehaus erhalten; er besitzt heute zwei Sendesäle, einen schalltoten Raum sowie gute Sprech-, Regie- und Verwaltungsräume, so daß Kassel die ihm zugedachte Aufgabe, 10 v. H. de s Programms zu übernehmen, bereits erfüllt. Außer den drei großen Uebertragungs- wagen, die der Reichssender Frankfurt heute be- sitzt, sollen noch je einer in Kassel und Koblenz stationiert werden. Im Frankfurter Sende- haus wurden 14 neue Universal-Schallabspiel- maschinen aufgestellt für Schwarzplatten, Folien und Wachsplatten. In der Schallplattenaufnahme wurde eine Klimaanlage eingebaut, die ein Schmelzen der Wachsplatten im Sommer verhin- dert. Weiterhin hat das Frankfurter Sendehaus einen neuen Meßraum erhalten, der eine Kontrolle aller ankommenden Leitungen und aller Apparate ermöglicht. Um auch beim Ausbleiben des Stromes weiter senden zu können, hat der Reichssender Frankfurt eine eigene Stromversorgung erhalten, die beim Ausbleiben des Stromes sich automatisch einschaltet und innerhalb von 6 bis 8 Sekunden die Stromversorgung für das ganze Sendehaus übernimmt. Der Führer ehrt Generalfrldmarschall Graf Schliessen. Berlin, 4. Jan. (DNB.) Des hochverdienten, langjährigen Chefs des Großen General- st a b e s der früheren preußischen Armee, des Generalfsldmarschalls Graf von Schlieffen, wurde heute anläßlich Der 25. Wiederkehr seines Todestages mehrfach in ehrender Weise gedacht. Vormittags erschien an der Grabstätte des verewigten Feldmarschalls aus dem Invaliden« friedhof der Chef des General st ab es des Heeres, General der Artillerie Beck, begleitet von Offizieren des Generalstabes, um Kränze für den Führer und Rei ch,s k a n z l e r, für Den Oberbefehlshaber des Heeres und beij Generalstab des Heeres niederzulegen. Auch im Auftrage des Reichskriegsministers und Oberbefehlshabers der Wehrmacht, Generalfeldmarschall von Blomberg, wurde ein Kranz niedergelegt. Ferner erfolgte vom Familienverband der Grasen und Herren von Schliessen ein ehrendes Gedenken. Generalfeldmarschall von Mackensen hatte sich ebenfalls zum Jnvalidenfriedhof begeben, um im Namen der Angehörigen der „Vereinigung Graf Sch l i e f f e n" den großen Lehrmeister des früheren Generalstabes zu ehren. Neichsminister Dr. Goebbels zum -ieichsberufswettkampf. Berlin, 4. Jan. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels hat zur Durchführung des Reichberufswettkampfes aller schaffenden Deutschen einen Aufruf erlassen. Darin heißt es: „Der Reichsberufswettkampf soll im Jahre 1938 er ft malig von allen schaffenden Deutschen durchgeführt und ausgetragen werden. Zur deutschen Jugend, die im vergangenen Jahr der alleinige Träger des Wettstreites um die Berufsleistung war, treten nunmehr weiter Gesellen und Facharbeiter, um der deutschen Volkswirtschaft durch ihr Können und durch ihren Willen zur fachlichen Höchstleistung neuen Boden zu erringen. Durch dieFreiwilligkeitderTeil- nähme ist die Gewähr dafür gegeben, däß aus diesem friedlichsten aller Wettkämpfe eine wahrhafte Arbeiterauslese, die sich ihrer weltanschaulichen und wirtschaftlichen Aufgabe voll bewußt ist, herausgebildet wird. Oer Handwerkerwettkampf im Gau Hessen-Nassau. (NSG.) In Frankfurt a. M. fand die erste Sitzung des Gauausschusses für den Handwerkerweltkampf 193# statt, dem 170 Handwerker aus dem Gau Hessen-Nassau angehören. Der Sachbearbeiter der Deutschen Arbeitsfront zeigte die Bedeutung des Handwerks für die Fundamentierung der Weltanschauung in der täglichen Umwelt der Menschen auf. Der Gauhandwerkswalter der Deutschen Arbeitsfront, Gauamtsleiter Garner, betonte, daß es nottue, Vertrauen für den Handwerker und das Handwerk zu erwerben. Parteigenosse Krause wies auf die Bedeutung guter Propaganda hin. Der Gau, in der die Stadt des Deutscher) Handwerks liege, mülle an der Spitze stehen. Der Reichsentscheid im Hanowerkerwettkampf findet unmittelbar vor dem Reichshandwerkertag in Frankfurt statt. Er wies nach auf die besondere Bedeutung der neuen Werkstoffe beim Handwerkerwettkampf hin. Der Gauausschuß selbst gehe mit gutem Beispiel voran, indem er geschlossen am Handwerkerwettkampf teilnehme. Das Handwerk im Leistungskampf. Frankfurt a. M., 4. Jan. (Fwd.) Die endgültige Zahl der für den Leistungskampf der deut sch en Betriebe gemeldeten Betriebe beträgt nach Mitteilung des, Reichsamtsleiters Dr. Hupfauer 84 000. Dabei steht das Deutsche Handwerk in der DAF. mit 24 000 teilnehmenden Betrieben an der Spitze aller Reichsbetriebsgemeinschaften. Die einzelnen Wirtschaftszweige bzw. Reichsbetriebsgemeinschaften nehmen wie folgt an dem Leistungskampf teil: Nahrung und Genuß 5 270, Textil 2 SPZ8, Bekleidung und Leder 2 563, Bau 7 836, Holz 3127, Eisen und Metall 5 922, Chemie 283, Druck und Papier 3 064, Verkehr und öffentliche Betriebe 2 034, Bergbau 326, Banken und Versicherungen 2 015, Freie Berufe 785, Landwirtschaft 4 023, Stein und Erde 3 061, Handel 15 877, Handwerk 23 995. Arbeitstagung aller Gau- und Kreisschulunqsleiter. Berlin, 4. Jan. (DNB.) Vom 8. bis zum 18. Januar 1938 führt das Hauptschulungsamt der NSDAP, auf der NS.-Ordensburg Sonthofen im Allgäu die erste Arbeitstagung aller Gau- und Kreisschulungsleiter der NSDAP, durch. U. a. werden Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Reichsleiter Rosenberg sowie der Leiter des Hauptschulungsamtes der NSDAP., stellvertretender Gauleiter Schmidt, sprechen. Die Arbeitstagung dient der einheitlichen Ausrichtung des gesamten Schulungs- apparates der Bewegung und hat die Aufgabe, im Sinne der Neujahrsbotschaft des Führers den verstärkten Einsatz der NSDAP, zur nationalsozialistischen Erziehung unseres Volkes vorzubereiten. Meine Doliftfcbc Nachrichten. Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst 'Freiherr von Fritsch, ist von seinem mehrwöchigen Erholungsurlaub in Aegypten zurück- gekehrt und hat seine Dienstgeschäfte wieder übernommen. * Wie die „Frankfurter Zeitung" mitteilt, hat das Reich das in der Saarlandstraße fn Berlin, gegenüber dem Anhalter Bahnhof liegende Europa- haus in feinen Besitz gebracht. Das Hochhaus, eines der wenigen der Reichshauptstadt, soll nach den bisherigen Plänen dem Reichsarbeits- ministerium zur Verfügung gestellt werden. Der parlamentarische Unterstaatssekretär für die britischen Kolonien, Lord B u f f e r i n. verließ im Flugzeug Southampton zu einer zweimonatigen Rundreise durch Ostafrika. Bufferin begibt sich zuerst nach Sansibar und eine Woche später nach Mauritius. Von dort fährt er zu Schis? nach Durban: von Durban aus fliegt er nach Kar- teilnehmen. Auch die Küftenbattenen von Singa- thum und eventuell nach Aden und Britisch So- pore, 38- und 45,7-Zentimeter-Batterien, die zu den mali-Land. Er wird am 10. März nach England mächtigsten der Welt gehören, werden in Aktion zurückkehren. Bundeskanzler Schuschnigg wird sich in Begleitung des Staatssekretärs des Aeußern, Dr. Schmidt. Sonntag nach Budapest begeben, wo eine Konferenz der Rom - Pakt - S t a a - t e n stattfindet. In Sin ga pore, dem britischen Flottenstützpunkt in Hinterindien, finden Ende Januar M a - n ö v e r statt, an denen Streitkräfte sämtlicher Waffengattungen, darunter auch malaiische Regimenter, sowie britische Bataillone aus Hongkong treten. * „Diorio de Notizias" meldet aus Tanger, daß der dortige portugiesische Gesandte Barjona de Freitas zum Präsidenten der Kontrollkommission für die Internationale Zone gewählt wurde. Der Herzog und die Herzogin von Kent begaben sich nach Athen, wo sie am Sonntag der Hochzeit des Kronprinzen Paul von Griechenland und der Prinzessin Friederike Luise von Braunschweig beiwohnen werden. Aus aller Welt. Sechs Todesopfer eines Flugzeugunglücks. CPb. Frankfurt a. IN., 4. Ian. Das planmäßige Streckenflugzeug D-ABUR „Charles haar", das aus INailand kommend heute um 13.15 Uhr über dem Flughafen Rhein-Main eintraf, stürzte, vermutlich infolge plötzlich eintretender besonders starker Vereisung, kurz vor der Landung ab und wurde zerstört. Dabei kamen drei Fluggäste, nämlich Fritz Vogel aus Turin, Theodor L a s e w i h aus Mannheim und Werner Levy aus Berlin sowie die aus Flugkapitän Wagner und dem Flugmaschinisten D ü st e r und Iohänntges bestehende Besatzung ums Leben. Deutsche Sternflug-Teilnehmer in Tunis gelandet. Von den drei deutschen Teilnehmern am internationalen Sternflug von Hoggar ist das erste Flugzeug mit der Besatzung Ministerialdirigent Mühlig - Hofmann (Reichsluftfahrtministerium) und Oberregierungsrat Dr. Mülberger in Tunis gelandet. Es ist damit zu rechnen, daß auch die beiden anderen Maschinen, Oberleutnant G o e tz e und Leutnant v. H a r n i e r von der Luftwaffe sowie Flugkapitän Klitsch und Funkermaschinist Schnurr von der NSFK.-Gruppe Lufthansa, die von Rom nach Trapani (Sizilien) flogen, inzwischen in Tunis eingetroffen sind. Der Weiterflug der deutschen Mannschaft führt von hier aus je nach der Wetterlage über Biskra oder Bone- Conftantine nach Algier. Mit diesem über 5000 Kilometer führenden Flug nach Algier ist dann der erste Teil des Wettbewerbes, der Sternflug, beendet. Anschließend geht es in den 2400-Kilometer- Wüstenrundflug zuM Hoggar-Gebirge und zurück. Zuchthaus für einen internationalen Autodieb. Der 34jährige Alois K u m b a aus Mainz, der schon mit verschiedenen ausländischen Gerichten Bekanntschaft gemacht hatte, wurde vor kurzem vom Schöffengericht wegen Diebstahls, Betrugs und Urkundenfälschung zu drei Jahren Zuchthaus und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. Er hatte in Wiesbaden ein Auto im Werte von 10000 Mark gestohlen, war damit nach der Schweiz gefahren, hatte es dort für 10 000 Franken verkackst, dem neuen Besitzer wieder gestohlen und war dann nach Holland gefahren, um das zweimal gestohlene Auto in Holland erneut zum Kauf anzubieten. Dabei wurde er verhaftet. Die Kennummer hatte er umgeändert und sich einen internationalen Zulassungsschein ausstellen lassen. Weiter hatte er einem Holländer einen wertvollen Wagen gestohlen und ihn in Basel verkauft. Gegen das Urteil legten die Staatsanwaltschaft mit dem Ziel der Sicherungsverwahrung und der Angeklagte Berufung ein. In löftündiger Verhandlung kam die Große Strafkammer zu dem gleichen Urteil wie die Vorinstanz. Frostschäden an der Reichsautobahnbrücke bei Rüdersdorf. Unter der Einwirkung des starken Frostes der letzten Tage sind an der Reichsautobahnbrücke bei Rüdersdorf (Berliner Ring) zwei Riffe entstanden, die es notwendig machten, die Brücke vorübergehend zu sperren. Der Verkehr wird durch Umleitung aufrechterhalten. Drei Binzer Fischer ertrunken. Bei Binz auf Rügen kenterte etwa 300 Meter vom Strande entfernt ein mit 3 Binzer Fischern besetztes Boot, das bei Windstärke 6 ausgefahren war, um Netze auf See zu bergen. Die Besatzung des Bootes ist ertrunken. Gemeingefährlicher Autofahrer wird abgeurleilt. Am Silvesterabend wurde — wie berichtet — der Friseur Fritz Dörner aus Striese auf der Straße Trebnitz—Breslau überfahren und von dem Kraftfahrer sterbend im Straßengraben liegen gelassen. Als Schuldiger konnte jetzt ein gewisser Erich Bartnick aus Breslau schnell ermittelt und fe st genommen, werden. Nach seinem Geständnis stand Bartnick unter Alkoholeinfluß, als er am 31. Dezember ausBreslau in Richtung Trebnitz fuhr, und außerdem war sein Fahrzeug nicht in betriebssicherem Zustande/ Es brannte nämlich nur eine Scheinwerferlampe, ein Betriebsfehler, der schon zu wiederholten Malen gerügt wurde und schon viele Unfälle verursacht hat. Nur infolge dieser beiden Umstände hat er den herankommenden Radfahrer zu spät bemerkt und überfahren. Es war ihm auch nicht möglich, nach dem Ueberfahren des Dörner fein Fahrzeug auf dem kürzesten Wege zum Halten zu bringen, sondern er schleifte den unter dem Motor Eingeklemmten fast 100 Meter mit. Als er sah, was er angerichtet hatte, vergaß er jede Menschenpflicht und ließ den Verunglückten im Straßengraben sterben. Bartnick wird nach Abschluß der Ermittlungen unverzüglich dem Richter vorgeführt, damit seine Aburteilung schnellstens erfolgen kann. Prozessor Robert Caner 75 Jahre alt. Professor Robert Cauer, ein Angehöriger des bekannten Kreuznacher Bildhauergeschlechts, beging in Darmstadt seinen 7 5. Geburtstag. Der rüstige Jubilar steht noch mitten im künstlerischen Schaffen. Seine Ausbildung fand Cauer im Atelier seines Vaters in Bad Kreuznach und in Rom, Später war er vorübergehend in Amerika und dann viele Jahre in Bad Kreuznach, wo er u. a. das bekannte Michel-Mort-Denkmal schuf, nachher in Berlin und Darmstadt. Viele wertvolle Denkmäler in Deutschland und im Ausland künden von seiner künstlerischen Arbeit. Der Tiroler Dramatiker Franz Kranewitter f. In seinem Heimatort Nassereith in Tirol ist der Tiroler Dramatiker Franz Kranewitter im 78. Lebensjahre einer Lungenentzündung erlegen. Der Dichter ist in Deutschland durch seine Tragödie „Andre Hofer" und durch den Einakter-Zyklus „Die sieben Todsünden", die wiederholt mit großem Erfolg in München aufgeführt wurden, bekannt geworden. jRunbfunfprogrdmm Donnerstag, 6. Januar. 6 Uhr: Andante Largo in C-dur, von Arnolds Polidori, Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.05: Wetterbericht. 8.10: Gymnastik. 8.30: Ein froher Morgengruß aus der Westmark. 9.30: Nur Koblenz-Trier: Nachrichten. 9.45: Hausfrau hör zu! 10: Schulfunk. Volksliedsingen. Wiederholung der schönsten Lieder des letzten Jahres. 11.40: Deutsche Scholle. Zweckmäßige Kälberfütterung. 12: Mittags - Konzert. Schöne Weifen von der Mosel. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert (Fortsetzung). 14: Nachrichten. 14.10: Liebe vertraute Weisen. 15: Volk und Wirtschaft. Unsere Kolonien — früher und heute. V. Togo. 15.15: Für unsere Kinder. Eine lustige Spielstunde mit der Plapperliese. 16: Nachmittagskonzert. Einlage: „Liebe Omi..." Kinder schreiben Briefe. Von Lenelies Pause. 18: Zeitgeschehen. 19: Nachrichten' 19.10: Unterhaltungskonzert. 21: Die Fahrkarte. Eine lustige Kurzhörszene von Jo Hanns Rösler. 21.10: Kamermusik. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk, Sportbericht. 22.30: Volks- und Unterhaltungsmusik. 24 bis 1: Nachtkonzer.t. Wolfgang Amadus Mozart. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung ) E. Sch. Die von dem Hausbesitzer geltend gemachte Mietnachforderung ist berechtigt. Als Erben Ihrer verstorbenen Mutter haften Sie jedoch nur mit dem Vermögen, welches Ihnen im Erbgang zugefallen ist. k. 0., Ober-Ofleiden. Einen Reichszuschuß gibt es für Ihren Fall nicht. Zuschüffe werden nur dann gegeben, wenn neue kleinere Wohnungen durch Tel» hing von größeren alten Wohnungen geschaffen werden können. Kircblicbe Nachrichten. Katholische Gemeinden. Donnerstag, den 6 Januar. Dreikönigsfest. Gießen. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt; 17.30 bis 18.30: Beichtgelegenheit. Freitag, den 7. Januar. Gießen. 6.30 Uhr: Hochamt mit Segen. — Lich. 7.15: Segensmesse. Wetterbericht. Mildere Luftmassen, die auf /bem Umweg über Skandinavien nach Rügen Vordringen und über die bei uns gelegenen Kaltluftmassen zum Aufgleiten kommen, werden uns erneute Schneefälle bringen, die voraussichtlich schon in der kommenden Nacht einsetzen werden. Dabei wird der Frost in etwas abgeschwächter Form weiter bestehen. Aussichten für Donnerstag: Bewölkt bis bedeckt, erneute Schneefälle, weiterhin Frost, Winde um Nord. Aussichten für Freitag: Bei anhaltendem Frost nur noch geringe Niederschlagssteigerung. Lufttemperaturen am 4. Januar: mittags —4,4 Grad Celsius, abends —4,7 Grad; am 5. Januar: morgens —12,8 Gkad. Maximum —3,8 Grad, Minimum — 12,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. Januar: abends —1,2 Grad; am 5. Januar: morgens —1,4 Grad. — Niederschläge 4,8 Millimeter. Wintersport-Wetterdienst. Vogelsberg. Hoherodskopf: Heiter, — 15 Grad, 50 cm Gesamtschneehöhe, 5 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. Rhön. Wasserkuppe: Heiter, —13 Grad, 78 cm Gesamtschneehöhe, 6 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. Taunus. Kleiner Feldberg: Heiter,"—13 Grad, 26 cm Gesamtschneehöhe, 5 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. — Großer Feldberg: Nebel, —12 Grad, 32 cm Gesamtschneehöhe, 5 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. Schwarzwald. Feldberg: Heiter, —14 Grad, 36 cm Gesamtschneehöhe, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. XII. 37: 11000. Druck und Verlag: Brühlsche Universitäisdruckerei R. Lange, K -G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Frau Christine Watz, geb. Dern im Alter von 58 Jahren. Großen Linden, den 5. Januar 1938. 35D £ Aus einem arbeitsreichen Leben verschied Montag abend nach schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Großmutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Die trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Watz Familie Karl Schäfer Auguste Watz Familie Wilhelm Watz jr. Ewald Watz. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 6. Januar 1938, nachmittags 3 Uhr statt Gießen (Sonnenstraße 6), 5. Januar 1938 24D Im Namen der Hinterbliebenem . Jenny Weisel Wwe. Danksagung Herzlichen Dank allen, die durch Kranzspenden und Anteilnahme ihre Verbundenheit mit dem teuren Entschlafenen bekundeten [steiienangebote] Suche per 15. d. M. fleißig., ehrl. »dien nicht über 20 I. Schrift!. Angeb. mit 1 Zeugnisabschriften erbittet Fran Müller Geilshausen (Oberbeffen) Molkerei. iü J-B J.B. Häuser Gießen, a.Oswaldsgarten (Parkplatz) Fernruf Nr. 2145 — 2148 [Verschiedenes] An-und Verkam von Lumven, Gif en, Bavier Flaschen u. alle Metalle. Jede Bestellung wirb abgeholt 020M H. Schneider Neuenweg 6 Telephon 3187 Stpbent erteilt Nachhilfestunden. Schr.Anfr.u.035 an d. Gieß. Anz. Herl. Wito 50 Jahre, mit Barvermögen unb Ausstattung wünscht zwecks Heirat mit Beamten ober ähnlichen bekannt zu werben. Zuschr u.034 a.b.G.A. 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Winterliche Vlütenwunder. Unser Sorgenkind: das Alpenveilchen. Sicher hat der Weihnachtsmann bei! Blumenfreundin auch in diesem Jahr wieder em kleines winterliches Blütenwunder beschert Zuerst stand unser Blumentopf in herrlicher Pracht, aber, o Schrecken, bereits nach wenigen Tagen wurden die Blätter gelb oder eine Blüte fiel gar ab. Welches ist nun der beste Platz, und wie muß man sie pflegen, damit all die Knospen zur Entfaltung kommen? Frauen, vor allem Mütter, werden begreifen, daß man auch die Kinder in der Pflanzenwelt nicht alle nach dem gleichen Grundsatz großziehen kann. Jede Blume will ihre besondere Pflege. Die Königin der Winterpflanzen ist die C h r l st - rose. Der Gärtner zieht sie in Stauden in den verschiedensten Färbungen vom schneeigen Weiß bis zum Purpurrot. Uns ist die Christrose hauptsächlich als Topf- oder Schnittblume bekannt. Für die festliche Tafel ist die Christrose besonders wirkungsvoll, wenn man die abgeschnittenen Blüten in einer flachen Schale, mit wenig Wasser gefüllt, anordnet, während einige Stiele zartes Grüns über den Schalenrand auf das Tischtuch fallen. An die Sitte, die abgeschnitt'e^en Blüten als Schmuck zu "benutzen, ' knüpft sich ein alter Aberglaube, der noch heute in der Schweiz lebt. Man legt in der Neujahrsnacht 12 Christrosenknospen, von denen jede einen Monat des kommenden Jahres verkörpert, in eine Wasserschale. Diejenigen Blüten, die in der Folgezeit aufgehen, sollen für den betreffenden Monat Glück . und dem Ballern gutes Wetter bringen. Während der sogenannte Weihnachtsstern meist bereits vor dem Fest verblüht ist, beginnt der Weihnachts-Kaktus 'ober Gliederkaktus erst nach den Festtagen seine leuchtenden, zart lila-rosa Blüten zu treiben. Der Gliederkaktus (Epiphyllum) ist ein Kind der tropischen Urwälder Brasiliens. Daher bedarf er in der deutschen zweiten Heimat besonderer Pflege. Der beste Platz für ihn ist in der Nähe des Fensters, bei guter Zimmertemperatur und möglichst feuchter Luft. Während der Blütezeit darf man nicht zu viel gießen. Bei sachgemäßer Pflege kann man den Weihnachtskaktus auch im nächsten Jahr wieder zum Blühen bringen. Sind alle Blüten abgefallen, dann werden auch die Glieder matt und ein wenig schrumpelig. Damit zeigt der Kaktus die erwünschte Ruhezeit an, die bis etwa Mai-Juni dauert. In dieser Zeit kann man ihn in mittel- schwere Erde umpflanzen. Kommen nun die ersten Triebe, beginnt man auch wieder reichlicher zu gießen und zu spritzen. Der Platz des Weihnachts- Kaktus ist auch in den Sommermonaten das Zimmer bzw. das Doppelfenster. Im November zeigen sich dann die ersten Knospen als Lohn für eine liebevolle Pflege. Unser Sorgenkind ist das Alpenveilchen. Wie oft hört man gerade bei ihm die Klage: „Bei mir will es nicht gedeihen!" Versuchen Sie es noch einmal nach dem bewährten Rezept: Der liebste Aufenthalt ist das Doppelfenster, denn das Alpenveilchen muß kühl stehen und braucht vor allem viel Licht. Zeigen sich trotzdem die ärgerlichen gelben Blätter, so heißt das „SOS, mit mir ist etwas nicht richtig!" Also, Achtung auch mit dem Gießen! Während der Blüte nicht zu reichlich, vor allem aber darf das Wasser niemals mit der Knolle in Berührung kommen. Auf solche Art gepflegt, wird das Alpenveilchen, das den ganzen Winter hindurch blüht, zum schönsten Zimmerschmuck. P. T. D. Finanzierung der Aussteuer. V. A. Wenn früher selbst das ärmste Dienstmädchen mit Hilfe kleiner Ersparnisse und Beihilfen ihrer Herrschaft ganz von sich aus einen bescheidenen Hausstand aufbauen konnte, so haben heute weder die Eltern noch die — meist — berufstätigen Bräute kaum noch die für einen bescheidenen Wäschevorrat erforderlichen Aussteuererspar- niffe. Deshalb konnte sich ja auch das Ehestandsdarlehen so segensreich auswir.ken, da es überhaupt erst die 'Grundlage für die Finanzierung eines neuen Hausstandes schuf. Die Höhe dieses Ehestandsdarlehens, das zwischen 600 und 1000 Mark schwankt, ist nun aber auch wieder nicht groß genug, um einen auch nur einfachen Hausstand mit allen' seinen unzähligen Kleinigkeiten restlos zu finanzieren. Begnügen sich die jungen Leute allerdings mit den minderwertigsten Qualitäten, so mag der Betrag des Ehesckindsdarlehens zur Not vielleicht noch'ausreichen. Die jungen Leute wissen aber viel zu gut, daß das billigste bei weitem nicht immer das beste ist. Die Ausstattung soll schließlich für das ganze zukünftige Leben Bestand haben. Wenn schön keine weiteren Mittel als das Ehestandsdarlehen zur Verfügung stehen, ist es gewiß das beste, zunächst nur das Allernotwendig st e anzuschaffen und den neuen Haushalt auf spätere Erweiterung einzustellen. Was zunächst nicht unbedingt erforderlich ist, also z. B. ein besonderes Wohn- oder Eßzimmer, ein großer Wäsche- ober Geschirrbestanb. wirb eine verständige Braut zweckmäßig zurückstellen. Es ist ja auch zu bedenken, daß das Ehestandsdarlehen nur eine geborgte üumme ist, die zur Rückerstattung verpflichtet. Ebenso verkehrt wie der Versuch, unter Verzicht auf Qualität nun alles aus dem Ehestandsdarlehen bestreiten zu wollen, ebenso verfehlt wäre es aber auch, das ganze Ehestandsdarlehen etwa zur Ausschaffung lediglich eines möglichst luxuriösen Schlafzimmers zu verwenden. Die von der Kammer der bildenden Künste in Zusammenarbeit mit den beteiligten Wirtschaftskreisen kürzlich durchgefuhrte Werbeschau des deutschen Mabels hat bereits die gediegenen und neuzeitlichen Möbelformen heraus- qeftellt. Wir haben nicht nur den Muschel- und Jugendstil unserer Eltern, sondern auch die neuen Nachahmungen pompöser Möbel für den praktischen Haushalt einigermaßen überwunden. Unter weiser Beschränkung auf das unbedingt notwendige Mobiliar und Hausgerät in einfacher und guter Qualiät wird sich beshalb das Brautpaar ohne eigenes Vermögen nötigenfalls zunächst mit entbehrlichen Stücken aus den elte r lich en Haushaltung en behelfen. Entsprechen diese oft auch nicht mehr dem heutigen Geschmack/ so können sie, unter Umständen für weniges Geld modernisiert werden. Das Sofa z. B. braucht nur feines Umbaues, feiner Fransen und Quasten entkleidet und mit einem neuen Bezug versehen zu werden. Die noch guterhaltene Sprungfedermatratze ist leicht zu einer Couch umgebaut, und selbst die alte Kommode kann sich im neuzeitlichen Haushalt sehen lassen, wenn ihre Kugelfüße durch glatte schmale Fußklötze ersetzt worden sind und ihre Kästen dicke kugelförmige Holzgriffe erhalten haben. Eine geschickte Hand und ein wenig Geschmack können auf diese Weise erhebliche Ersparnisse schaffen, die dann für Neuanschaffungen an anderer Stelle dienen können. Natürlich, die Modernisierung ist doch nur in engen Grenzen möglich. Neues läßt sich aus Altem hier schwer schaffen. Es soll ja aber auch nur ein Behelf sein. Hat der so eingerichtete Neuhaushalt gleich von Anfang an die Erweiterungsmöglichkei- t e n berücksichtigt, so wi'rd der allmähliche Ausbau des Haushalts weniger finanzielle Schwierigkeiten machen, zumal da heute die Gewährung des Ehestandsdarlehens nicht mehr von der Aufgabe der Berufstätigkeit der jungen Frau abhängt. In größerem Umfangt als früher kann nunmehr die junge Frau einen Teil ihres Einkommens für den Ausbau ihres Haushalts einfetzen und wenigstens mit PRAKTISCHE VORSCHLÄGE der Zeit das erreichen, was ihrer Mutter und Großmutter an ihrem Hochzeitstage fix und fertig hingestellt werden konnte. Mag diese neuartige Aussteuerbeschaffung auch beschwerlicher sein, ein Gutes hat sie bestimmt, und zwar das, daß die junge Frau viel stärker das Bewußtsein des Selbst- erworbenen hat und sie ihren Haushalt weit stärker als je eine Generation vor ihr selbständig ausgestalten kann. ' 1 Die Möglichkeit der.allmählichen Haushaltserweiterung ist zudem heute sehr erleichtert durch die । Kombinations m o glichkeiten des Mo-! biliars. Das Möbelgewerbe bietet heute vorzugsweise Anbau- und Ausbaumöbel, die nach und nach beschafft werden können. Durch angestellte schmale Seitenschränke z. B. wird der bisherige Küchenschrank zum Mittelschrank einer geräumigen Küche. Auch Schreib- und Wäscheschränke finden durch Ansatzschränke jede gewünschte Erweiterung für die 'wachsende Bücherzahl und die umfangreichere Garderobe. Hierbei wird auch wiederum1 erkennbar, welche Bedeutung die Qualität der zuerst angeschafften Möbelteile hat. wir tragen ? INS ERES MODEZEICHNERS W »'i Zu breite Schultern werden durch im Raglan- schnitt eingesetzte Aermel verkürzt, zu schmale durch tief angesetzte Aermel, vorstehende kleine Patten und ähnliches verbreitert Große, breite Hände wer- I den anmutiger, wenn man den Kleiderärmel schräg, Modisches a u s P e l z für die verschiedensten Gelegenheiten zeigt unsere heutige Skizze. Zunächst in der Mitte Krawatte, Muff und Mütze aus Indlschlamm. Die drei Teile ergänzen'gut den einfachen Mantel oder das Jackenkleid. Der Muff ist in drei Teilen gearbeitet, die Krawatte zeigt die neuartige Fächerform. Der breite Gürtel und die g r o ß e Mufftasche (links unten) sind aus Ozelot, der Gürtel ist mit dem Material des Kleides, in unserem Falle mit moosgrünem Wollstoff, eingefaßt. Die Abendjacke (rechts oben) in Boleroform aus braunem Seidensamt hat einen Besatz aus langhaarigem, braunem Pelz. Der Streifen läuft in einem Stück um Jacke und Aermel. Die W e ft e zum Schlittschuhlaufen aus blauer Affenhaut (Duvetine) hat einen Besatz aus grauem Lammfell und Verschnürungen aus roter Kordel. Der gleiche Besatz und die gleiche Verschnürung wiederholt sich an der Mütze und an den Handschuhen aus dem gleichen Stoff. H. Willst für die Hamsthmderei. Aus Ersparnisgründen lassen viele Hausfrauen ihren und der Kinder Kleiderbedarf trotz der iürjie damit verbundenen Mühe im Hause arbeiten. Sollen die etwas gefürchteten läge reibungslos vorübergehen, sind einige Vorbereitungen nötig. Zuerst hat man sich, unter Durchmusterung alter Kleider, die geändert werden sollen, darüber klar zu sein, was man gearbeitet haben will. Selbstverständlich hat man diese Stücke und auch die Lappen aus dem Flickenkorb vorher gereinigt und gebügelt, damit nicht eist, mpnn die Schneiderin dies oder jenes braucht, die Reinigung vor- Beschaffenheit bereit. Wichtig für das Gelingen der Arbeit ist auch, daß der Schneiderin ein Platz angewiesen wird, an dem sie nicht gestört wird. Sie muß ihre Gedanken auf ihre Arbeit konzentrieren und darf nicht durch lebhafte Kinder oder dauernde Unterbrechungen durch die Hausfrau gestört werden. Soweit die äußeren Dinge. Aber auch für sich s e 1 b st überlege sich die Hausfrau einiges, ehe sie mit der Arbeit beginnen läßt. Vor allem prüfe sie ehrlich ihre Erscheinung, ob der Stil, der gerade „modern" ist, zu ihr paßt, ober ob sie nicht diese ober jene kleine Deränberung vornehmen muß. Nicht jedes Kleid, das auf dem Modebild reizend aussah, sieht dann auf der Trägerin ebenso reizend aus. Gedrungene Gestalten vermeiden am besten die Teilung des Kleides in Rock und Bluse. Langgehalten, durchgehend mit schräger Nahtaufteilung gearbeitet, wirkt für sie viel besser. Breite Hüften vertragen keine oder nur ganz schmale Gürtel — auch wenn handbreite modern sind. Ein kurzer Hals soll seitlich gedeckt und der Halsausschnitt spitz sein; ein zu langer Hals scheint durch eine hoch angesetzte Garnitur kürzer genommen werden muß . Die Nähmaschine muß aus ihren tadellosen Laus geprüft, und muß gründlich geölt werden — auch nicht erst, wenn die Näherin da ist. Man sorge auch für Reservemaschinennadeln in verschiedener Stärke nichts ärgerlicher, als wenn das Nähen unterbrochen und erst in der Nachbarschaft nach Nadeln herumgeschickt werden muß Auch die Schneiderin arbeitet gerne planmäßig, und kann nur bann ruhig babeibleiben, wenn nicht balb < btes, halb jenes Versäumnis nachgeholt werden muß. Wenn sie auch ihr Handwerkszeug: Schere usw. mitbringt, kann es doch nicht schien, wenn die täüf fcn^ft&°b amH °fte*b ei° ber” Wtbilf e il)^ eigenes 1 auf dem.Handrücken verlaufen läßt. Eine stäche ® e »uo in Drbnunq bat. Da-- Süqcleifen Stuft wird durch w°ll.g° Garnituren verdeckt, °m° ^att ein. Mr die Bu.qelei halte man auch üppig-.zeichne mckn Nicht Mit enger Lmie nach - piniae taubere nahtlose Tücher aus weichem Leinen eine mäßig glockige Garnierung ist in solchem ^alle 6s1 ml.,mmn'i\ftntf bereit 1 besser angebracht. Ueberhaupt sollen starke Figuren Ob9rii? Waten- verschiedenfarbige Nähseiden, > nicht durch enge Kleidung markiert werden etwas Einchtzband Druckknöpse in mehreren Grützen Ivie gehaltene Machart steht ihnen v.el belfer; es Nähgarn seien in genügender Menge und guter! ist em Irrtum, zu denken, ste trage auf. D.S. Wer feinen Hammel ißt... V A Die Metzger sind eigentlich ungerecht. Sie nennen ihren Betrieb gewöhnlich Rind- und Schweineschlächterei und lassen den Hammel, J)en sie ebenfalls schlachten, babei ganz außer acht. Kem Wunber, wenn bann ber Hammel ber faufenben Hausfrau „nicht so ms Auge springt". Zeitweise ift er ja auch wirklich nicht im Fleischerlaben vertreten. Das liegt aber baran, baß ber Hammel hauptsächlich im Winter geschlachtet wirb, wenn er sich ben Sommer über auf ber Weibe fett’ gefressen hat unb im Winter ber Weibegang nicht recht möglich ist. Auch liefert ja ber Hammel die wertvolle deutsche Wolle Bekanntlich ift int Interesse dieser Erzeugung die in Deutschland schon beinahe verschwundene Schafhaltung wieder auf einen Hochstand gebracht worden. Was hat man eigentlich gegen das Hammelfleisch? Hausfrauen, die das meinen, Hammelfleisch habe infolge des Hammelfetts einen etwas unbeliebten Geruch, haben von der richtigen Zubereitung des Hammelfleisches doch etwas zu bescheidene Kenntnisse. Hammelfleisch, das nach der Schlachtung acht bis zehn Tage gelagert hat, und von dem Haut und Fett richtig entfernt sind, wird ohne jedes andere Fett im eigenen Fett gebraten. Es wird auch ohne Butter zu einem Leckerbissen. Das Hammelfett wird zuerst etwas aus= gebraten, und dann wird das wie üblich gesalzene und gepfefferte Fleisch auf allen Seiten darin scharf angebraten. Man darf es nur nicht zu früh loschen. Es soll überhaupt nur so viel Wasser zugesetzt werden, um das Anbrennen zu verhindern. Anderenfalls wird das Fleisch zu sehr ausgelaugt und bekommt bann ben unbeliebten Hammelfettgeruch. Bei richtigem Braten unter Verwenbung natürlicher Ge» würze wie Lorbeer, Wacholber, Salbei, Nelken, Zwiebeln unb Knoblauch, ift nicht bet geringste unangenehme Geschmack ober Geruch zu bemerken. Wer sich biese Bratenkunst noch nicht recht zu- traut, versuche es zunächst einmal mit „Hammel- schlegel auf Wildart" unb lege bas Fleisch vier Tage in eine Wilbdretbeize. Hammelfleisch kann übrigens auch w i e Sauerbraten zubereitet werben. Es gibt überhaupt eine so große Fülle von Berwenbungsmöglichkeiten für Lamm- und Schaffleisch, daß es jeder kochlustigen Hausfrau ein Vergnügen ist, sie der Reihe nach auszuprobieren. Selbst zu Eintopfgerichten ist Hammelfleisch vorzüglich geeignet. Aus ben beigegebenen Knochen läßt sich mit Hilfe von Wurzelwerk, Zwiebeln unb Grünzeug eine schmackhafte Fleischbrühe kochen. Hammelfleischgerichte müssen aüerbings stets auf heißer Platte aufgetragen und von vorgewärmten Tellern gegessen werden. Nur weniger beschlagene Hausfrauen verlangen vom Metzger immer nur Hammelkeule oder Hammelrippchen. Gute Köchinnen bagegen/roiffen, baß auch aus all ben anberen Stücken bes Hammels vortreffliche Gerichte zu bereiten finb. Wer also jetzt immer stoch keinen Hammel ißt, ist selber ... Aber bas mag sich die unbelehrbare Hausfrau selber sagen. T. W. Der Aerger mit dem VuchseliWer. V. A. Wer hätte es noch nicht erlebt, daß ihm beim Deffnen einer Büchse Qelsardinen nach mühevollem Anfang' der Deckel oder der dazugehörige Schlüssel abbrach und die ganze Büchse sich so verbog, daß ein Teil des Doseninhalts verschüttet wurde? Diesen ewigen Aerger hat man jetzt zunächst einmal dadurch abgestellt, daß man den Fischkonservenbüchsen keine Schlüssel mehr beigibt, die doch nur in Ausnahmefällen funktionieren. Gerade weil wir heute viel mehr als früher Fifch- konferven effen, wäre es auch eine sinnlose Materialverschwendung, wenn jeder Büchse ein — noch dazu unbrauchbarer — Büchsenöffner beigegeben würde. Natürlich sind die Büchsen nun nicht so eingerichtet, daß sie sich ohne Schlüssel oder mit jedem beliebigen Handwerkszeug öffnen ließen. Man muß sich schon zur Anschaffung eines dauerhaften Dosenöffners entschließen. Der macht sich aber auch in jeder Hinsicht bald bezahlt. Brauchbare Dosenöffner sowohl für den kleinen als auch für den großen Haushalt hat die Industrie herge- stellt. Für den kleinen Haushalt genüat in der Regel ein Schlüssel, ber bem vorhin erwähnten unzulänglichen Dosenöffner äußerlich ähnlich sieht, jeboch viel stabiler ist (nämlich aus Stahl) unb bei bem ber Einschnitt unten bffen ist so baß sich bas eingerollte Blech ber Dose aus ihm leicht mieber entfernen läßt. Durch eine geschickte Kombination bient ber Schlüssel aber gleichzeitig auch noch einem weiteren Zweck. Auf ihn wirb nämlich eine Hülse aufgesteckt, bie sich nach vorn gabelförmig verbreitert und dazu bestimmt ist, die Konserven bequem aus ber Dose herausnehmen zu können. Natürlich ist bieser Schlüssel nur für flache Fisch- tonservenbosen verwenbbar, bereu Deckel mit einer Blechzunge versehen finb. Für anbere Konservendosen gibt es schon seit «langem brauchbare Büchsenöffner. Die früher viel von ben Lebensmittelhänb- lern verwendeten Deffner, bei benen ber Büchsen- ranb scharfkantig stehenblied, finb wegen ber Möglichkeit von Verletzungen nicht zu empfehlen. Sehr zweckmäßig finb bagegen bie Deffner, bei benen durch ein einfaches Rechtsdrehen einer Flügelschraube ein kleines spitzes Mester automatisch in ben Büchsenbeckel einbringt. Jebe Büchse, ob rund, eckig oder oval, wird damit schnell und so sauber geöffnet, daß sie einen glatten Schnittrand behält und noch zu anderen Zwecken, z. B. auch zum Ein-- dosen selbstkonservierter Lebensrnittel dienen kann. Für große Haushalte, die täglich viele Büchsen zu öffnen haben, empfiehlt sich ein stabil gebauter Apparat. Er wird an den Tisch angeschraubt und ist zum Deffnen sämtlicher Dosen verwendbar. Von dem Apparat wird die Büchse gehalten, automatisch gedreht und geöffnet. Der Deckel wird von oben ausgeschnitten, so daß ber Doseninhalt vom schneibenben Messer gar nicht berührt wirb. Messer unb Zahnräber lassen sich leicht auswechseln. Auch biese Apparate schnetben bie Büchsen so sauber auf, daß sie zur weiteren Konservierung verwendet werben können. Tolle Lungs! Aus dem Winterlager des Gießener Jungvolks. Oberjungzugführer Gustyv Hofmann, Stamm 1/116, Gießen, stellt uns die Erlebnis-Schilderung eines Teilnehmers am Winterlager des Stammes 1/116 im südlichen Schwarzwald zur Verfügung. Wir entnehmen daraus die folgenden Abschnitte. „Einsteigen!" — Krach! schlägt die Tür zu, ein Ruck, wir fahren. — Das also ist eine Seilbahn.— Bald schweben wir hoch über den Bäumen, tauchen in den dichten Nebel, der den Gipfel des Schau- i n s l a n d umgibt. Vergebens schauen wir nach Schnee aus; keine Spur! — Das kann gut werden! Mancher fragende Blick gilt den Brettern, die außen an die Gondel geschnallt sind. — Schauinsland! — Der Nebel lichtet sich ein wenig — wir staunen. 20 bis 30 Zentimeter Schnee, und in der Luft wirbeln kleine weiße Flocken — gewonnen! Die Fahrt nach dem Belchen kann beginnen. Schnell die Bretter an, der eine oder andere noch einen Schlitten auf den Rücken und dann los! Schon gibt es die ersten Stürze, denn es befindet sich so mancher blutige Anfänger unter uns. Doch das ist noch gar nichts gegen das, was noch kommen soll. — Ueber vereiste Straßen und schneebedeckte Hänge geht es rasch vorwärts. Ueberall in den Tälern und auf den Bergen braut dichter Nebel, es hat aufgehört zu schneien, und die Dämmerung beginnt hereinzubrechen. Wir haben uns einmal schon beinahe verlaufen, sind einen steilen Berg umsonst hinaufgestiegen und müssen nun wieder hinunter. Es setzt das erste Kleinholz. Schlitten, Bretter und Menschenleiber wirbeln in wildem Durcheinander in dichte Schneewolken gehüllt talabwärts. Der Koffer meiner armen Quetschkommode hat den Schlag. Er muß auf einem Schlitten befestigt werden. Wird die ärmste Musika jemals heil ankommen? Weiter geht's in den sinkenden Tag, in Nebel und Schnee, in dunkle Wälder und... ungezählte kleine Abenteuer! — Bergauf, bergab, unermüdlich kämpft sich die kleine Schar durch die Wildnis. Kaum erkennt man den Vordermann, und oft fährt einer den anderen unversehens über den Haufen.— Den Berg hinauf fließt der Schweiß in Strömen, daß der Schnee Gefahr läuft, zu schmelzen. Oft wollen die Bretter nicht so wie ihr Besitzer, beide Teile fahren rückwärts, und der Bedauernswerte landet in irgendeinem verschneiten Graben. — Ist man glücklich oben angelangt, dann geht's in sausender Schußfahrt bergab, doch nicht ohne Zwischenfälle. Ohren steif und weiter. Wieder geht es über Hügel und Berge, und dann kommt die große denkwürdige Talfahrt über einen gewalttgen, freien Hang, weit hinab in eine große Mulde. — Mit Hurra brausen wir los tief in die Nacht, aus der die Schneedecke weiß ünd hell blinkt. Ich bin ganz begeistert, daß die Fahrt so schnell und glatt oon- statten geht, und brause in tollkühner Todesverachtung ins Tal. Ich sehe keine zehn Schritte weit, sehe nicht den tiefen Kessel, der die stetige Schneedecke jäh unterbricht. Das Unheil ist unabwendbar. Mit unverminderter, rasender Geschwindigkeit pfeife ich durch die Luft, die 'Skier wühlen sich in den Schnee, ein Ruck, ein Schlag, ich haue mit dem Gesicht auf die harte Schneekruste. Die Mütze fliegt davon, der Affe platzt ab — eine saubere Bescherung. — Mühsam rappele ich mich auf und klettere aus dem verfluchten Loch heraus. Meinen Tornister muß ich auf einen'Schlitten packen, denn der eine Tragriemen ist geplatzt. Gerade bin ich bei der Arbeit, da bekommen meine Skier, die bis dahin noch ganz geblieben sind, plötzlich Reiselust, und fahren alleine los. Einen kann ich gerade noch erwischen, während der andere in Nacht und Nebel verschwindet. Was tun? — Mit den übrigen Sachen wandere ich in reichlich gedrückter Stimmung den Kameraden nach, die in der Ferne auf mich warten. Unten im Tal sehe ich plötzlich vor mir einen dunklen läna- lichen Gegenstand im Schnee. Ich bücke mich, greife zu und... wer beschreibt meine Freude, ich habe meinen verlorenen Ski in der Hand! — Schwein gehabt! ♦ Unaufhaltsam fährt unsere Gruppe vorwärts. Sie ist inzwischen merklich- kleiner geworden. Vor uns fahren zwei Mann voraus, um so schnell wie möglich Multen, unser Endziel zu erreichen. — Hinter uns keucht eine Abteilung zu Fuß mit den Schlitten. Der Weg senkt sich bergab. Wieder stürzt so mancher. Hinter mir wälzt sich mein Bruder im Schnee. Beschwerlich ist der Marsch. Endlich blinkt ein Licht durch die Tannen: das „Wiedener Eck"! Mittlerweile zeigt die Uhr 22.30 Uhr. Um 14 Uhr sind wir abgefahren. Im „Wiedener Eck" lassen wir ein tüchtiges Abendessen auffahren, und auf den Mann kommt £ine Tasse Kaffee. Wie das schmeckt! Die Nacht bringen mit in einem Bauernhof, der zum Gasthaus gehört, zu. Wir schlafen in Feldbetten und frieren hundemäßig, trotz der vielen Decken, Kissen und Matratzen, die wir uns auf den Bauch gewälzt haben. — Am andern Morgen gehts die letzte Wegstrecke nach Multen zu. Die Sonne lacht am blauen Himmel. Noch einmal gibt es eine wilde, halsbrecherische Talfahrt einen schmalen Zickzackweg hinunter, dann sind wir glücklich am Ziel. Die mächtige, schneebedeckte Kuppe des Belchen grüßt zu uns herüber, wir haben's geschafft! — Oie deutschen Wasserstraßen. Das Jahr 1937 brachte für die deutsche Binnenschiffahrt eine Rekordentwicklung, deren Der- kehrsziffern die des Jahres 1929 teilweise noch übertreffen. So hat sich der Durchgangsverkehr i m Kaiser-Wilhelm-Kanal (für die Monate, für die Ziffern vorliegen) um 24 v. H. der Tonnage gegenüber dem Vorjahre gehoben. Der See- d i e n st O st p r e u ß e n hat mit über 160 000 Fahrgästen gegenüber 1935, dem letzten vergleichbaren Jahr, einen Verkehrszuwachs von rund 60 v. H. aufzuweisen. Der Betrieb wurde in der Hauptreisezeit mit vier Schiffen durchgeführt. Die Ein- und Ausladungen in den Häfen^ stieaen bis Ende Oktober um 13 v. H. gegen die gleiche Zeitspanne 1936. Ganz besonders verstärkte sich der Verkehr des Rheingebietes, nämlich um 27 o. H. Er überstieg den Verkehr des ganzen Jahres 1936 bereits Ende Oktober um mehr als zwei Millionen Tonnen. Die mitteldeutschen und ö st l i ch e n Wasserstraßen zeigten allerdings eine .etwas geringere Verkehrssteigerung. So stieg Hamburgs Oberelbeoerkehr um 11 v. H., der Berlins und Königsbergs nur um 1 v. H., während der Verkehr Kosels um 18 v. H. anstieg. Verstärkte Getreidezufuhren aus den Donauländern verursachten eine Verdoppelung des Verkehrs der deutschen Donauhäfen. Hier dürfte der Gesamtverkehr gegenüber 1936 eine mehr als lOprozentige Steigerung erreichen. Auch der K ü st e n v e r k e h r der deutschen Handelsflotte war 1936 bereits auf das Zweieinhalbfache von 1932 (10,2 Millionen Tonnen) gestiegen. In den ersten acht Monaten des Jahres 1937 hat er die Höhe von 9,2 Millionen Tonnen erreicht, so daß das Ergebnis von 1936 weit überschritten wird. Der Verkehr mit dem Ausland stieg in den ersten 8 Monaten des Jahres 1937 auf 29,4 Millionen Tonnen gegenüber 18,4 Millionen Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Obwohl die deutschen Werften durch ausländische Aufträge stark in Anspruch genommen waren, konnten 1937 bisher rund 170 000 Brutto-Register-Tonnen neuen Schiffsraumes in die deutsche Handelsflotte eingegliedert werden. Der Auftragsbestand der deutschen Werften für deutsche Rechnung belief sich am 1. Oktober auf fast 500 000 Brutto-Register- Die Hasenjagd. Von Karl Scherer. Wo das Buchenhochholz auf dem schmalen Basaltrücken über dem verlassenen Steinbruch endet, zieht sich eine Fichtenschonung zur Feldmark hinab; nur ein ausgesahrener Ackerweg trennt die jungen Rottannen von dem Kleestück, auf dem allabendlich ein Gespann des Hofbauern zum Futterschnitt erscheint. Sonst ist es dort einsam und ruhig. In der dichten Fichtenjugend hat Kohlbeißer, der alte Rammler, sein Lager. Die Kleebreite nährt ihn schlecht und recht, das nahe Roggenstück gibt Deckung gegen Fuchs und Dorfköter, und wenn es stürmt und regnet, schiebt er sich in seine warme trockene Sasse unter einer kräftigen Jungfichte inmitten der Schonung ein. Aber gegen Ende August wurde es in der Frühe eines heißen Morgens im Feld lebendig. Ein Trecker schleppte eine Mähmaschine um die reife Kornbreite, Frauen und Mädchen mit weißen Kopftüchern rafften die fruchtschweren Halme zusammen, banden sie mit Strohseilen und bauten die Garben zum Nachreifen auf; und als Kohlbeißer in der Nacht den Schaden besah, war ihm der Brotkorb höher gehängt. Freilich, noch hatte er das Kleestück; doch das wurde von Tag zu Tag schmäler, und wenn auch die abgemähte Fläche allmählich nachwuchs — so behaglich wie im Juli konnte er nicht mehr aus dem Vollen schöpfen. Die Tage wurden kürzer, Rasenschmiele und Wiesenfuchsschwanz wurden dürr, die Kartoffelfelder wurden leer, hin und wieder lag in der Frühe silbergrauer Reif auf Kraut und Gras, und eines Morgens im Windmonat wehten Flocken vom grauen Himmel. Als zur Weihnachtszeit Frost kam, blieb der Schnee liegen und deckte Flur und Wald mit fußhohen Wehen; über Berg und Tal lag weiße Stille. Da wuchs die Not für alles Wild; kaum daß die Kohlgärten den Löffelmännern das Leben fristeten; wenn sie nicht der Hunger auf die oben Felder hinaustrieb, blieben sie bei Tage in ihrem Lager. Dann kam ein eisiger Morgen, wo auf der Landstraße ein Dutzend Schlitten vorüberklingelte. Heller Sonnenschein lag auf der blitzenden Flur. Nach einer Stunde sah man in weiter Ferne auf der glitzernden Ackerfläche, über der am Himmelsrand ein duftverschleierter Föhrenwald stand, eine lange Reihe fingerlanger schwarzer Striche sich fortbewegen, sich auseinanderziehen und schließlich in einem mächtigen Bogen gegen den Steinbruch einschwenken — das waren die Zweibeine aus der Stadt, je ein Jägersmann mit zwei Treibern, die gekommen waren, ein Kesseltreiben gegen Familie Lampe zu unternehmen, und eine andere Kette hatte lautlos den Hügelrücken umwandert, vereinigte ihre Spitzenmänner mit den Herankommenden und schloß den weit ausladenden Kreis. Ein Hornruf, von dem unendlichen Raum eingeschluckt, zieht über die Ebene. Da und dort steigt ein Rauchwölkchen auf, dem ein schwacher Knall folgt. Dann aber, je mehr der Kessel allmählich sich verengt, beginnt das Leben in der todbringenden Umschließung sich zu regen. Die Treiber rühren ihre Klappern. Schatten huschen über die weißen Sturzäcker, aus den deckenden Schollen der Furchen fahren aufgestörte Krumme heraus, flüchten in wilder Eile, stoßen rings auf die feuerspeiende Rund und hasten zurück, überschlagen sich im Knall und bleiben liegen oder kriechen noch einige Schritte, um klagend unter den Hunden zu, verenden. Kohlbeißer saß in seiner Sasse, als der Hexensabbat anhob und ahnte nichts Böses. Nun aber begann die Schützenkette über den Hügelhang herabzusteigen, der Lärm rückte näher, Schüsse krachten; er hörte das Kläffen der Hunde und das Kriegsgeschrei der Treiber: „Haas! Haas!", das er von früher her in peinlicher Erinnerung hatte, und wußte: jetzt geht's um Kopf und Kragen! Ob er sitzenblieb und das wilde Heer vorüberziehen ließ? Denn in die schneeüberhangene Dickung traute sich kein Treiber hinein. Doch da vernahm er vom Rand der Schonung das Joppen und Hecheln eines hetzenden Köters, es fegte durch die schlagenden Fichten, Schnee iftäubte auf. Da^ hielt es ihn nicht länger — mit einem Satz fuhr er aus dem Lager und flüchtete gegen dos 'freie Feld. Als der lange Bankier den eiligen Rammler zehn Schritte neben sich auftauchen sah, funkte er zweimal hinter ihm her; doch er hatte in beiden Rohren krummes Schrot, und, von einem durchlöcherten Löffel abgesehen, flüchtete Kohlbeißer gesund weiter. In höchster Fahrt ging's den Hügel hinunter, die Landstraße lag hinter ihm. Ueberall sah er versprengte Hasen, die um ihr Leben liefen, und rote Spritzer im Schnee. Er schlug einen Haken links, einen Haken rechts, machte einen Kegel, um Ausschau zu halten, wo der Zimmermann das Loch gelassen hatte, raste verzeifelt eine Ackerfurche entlang und landete auf einer kleinen Höhe. Da sah er die lange Kette gerade auf sich zukommen. Also seitwärts durch die Lappen! Auch dort tauchten die Gestalten mit den Röhren auf. aus denen der knallende Tod kommt, und er flüchtete wieder nach der anderen Seite... Bis gegen Mittag hatte die Wintersonne grell über der Ebene gestanden, das war vieler Hasen Tod gewesen. Nun aber schoben sich niedrige graue ! Wolken herauf, und es begann zu schneien; ein Tonnen. Entsprechend der allgemeinen Lage am deutschen Arbeitsmarkt stellte sich auch eine Knappheit an Seeleuten heraus. Die Reichswasserstraßen-Verwaltung baute die Kanäle weiter aus oder neu und brachte wichtige Wirtschaftsgebiete durch Zubringerkanäle an die Ströme heran. Im Rhein-Main-Donau- gebiet wurde oberhalb Kehls durch Niedrigwasserregulierung die Fahrwassertiefe vergrößert. Der Ausbau des ersten Teilstückes des Rhein- Moin-Donau-Kanals ist soweit gediehen, daß im Jahre 1938 Würzburg für Oie Großschijfahrt erreichbar ist. An der Neckarwasserstraße wurde an der Fortsetzung der Kanalisierung bis Plochingen gearbeitet. Für die westdeutschen Kanäle wurden zum ersten Mal größere Mittel bereitgestellt, so für den Dortmund-Ems-Karl al 24 Millionen Mark. Im Wesergebiet wurde die Kanalisierung der Mittelweser von Minden bis Bremen für das Tausend-Tonnen- Schiff fortgesetzt. Die Schleusenkanäle der Staustufen Petershagen und Drakenburg wurden fertig- gestellt und andere in Angriff genommen. Die Kanalisierung der Werra wurde von Münden bis Wartha begonnen. Im Stromgebiet der Elbe wurde auf der Weser-Elbe-Strecke die Schleuse Allerbüttel-Sülseld vollendet, 1938 wird das Hebewerk Rothensee errichtet sein. Der Ausbau der Saale, des Elster-Saale-Kanals wurde weiter in Angriff genommen. Auf den märkischen und mecklenburgischen Wasserstraßen wurde der Ausbau der Anlagen vorgenommen und die Umgestaltung der Berliner Wasser st raßen im Hinblick auf die Heranführung des Mittellandver- kehrs an Berlin weiter durchheführt. In Mecklenburg wurde der Umbau der Staustufe Parchim begonnen. Im Odergebiet wurde das Staubecken bei Turawa weiter gefördert, ebenso der Bau des Adolf-Hitler-Kanals, der Gleivritz und Kofel verbindet. In Ostpreußen wurde der Bau des Masurischen Kanals, der Masuren an den Königsberger Seehafen anschließen soll, fortgesetzt. Die Seehäfen-Anlagen wurden verstärkt, insbesondere infolge des Anwachsens der deutschen Hochseefischerei die Anlagen in Wesermünde und Cuxhaven. Weiter wird in Büsum der Fischereihafen ausgebaut.' Der Kaiser-Wilhelm- Kanal wird auf 11,33 Meter vertieft, die Elbe und die Weser wurden unterhalb Hamburgs bzw. Bremens ausgebaut, und auf der Insel Borkum, in Pommern usw. wurden die Ufer weiter befestigt. Wir suchen Sternbilder. Oer Sternenhimmel im Januar. Von Or. Erwin Kossinna. Der Januar ist ein rechter Wintermonat; gewöhnlich bringt er einige Tage, manchmal auch einige Wochen strenge Kälte mit Schnee unb wunderbar klarer Luft. Wer das Glück hat, um diese Zeit fern auf dem Lande oder im Gebirge zu weilen, dem wird auch der winterliche ^Sternenhimmel zum tiefen Erlebnis. Wir treten hinaus in die frostklare Winternacht. Unter unseren Füßen leuchten Millionen Eiskristalle; über uns funkeln die Sterne. Während der ganzen Nacht beherrscht der Orion, das großartigste aller Sternbilder, den Südhimmel, das einzige, das zwei Sterne erster Größe aufweist. In dem langgestreckten Viereck sehen wir oben die rötliche Beteigeuze, unten rechts Rigel mit bläuliche weißem Licht. Stört kein Mondschein, so bemerken wir unter den drei, in einer geraden Linie stehenden Gürtclsternen einen Hellen Lichtsteck, hen berühmten Orionnebel. Schon ein Blick durch ein gutes Fernglas zeigt uns zahlreiche weiße Sterne in dem Nebel. Photographische Aufnahmen dieser Himmelsgegend lassen erkennen, daß die Verteilung dieser Sterne mit der Anordnung der Nebelmasscn in enger Beziehung steht, daß also die Sterne in die leuchtende Gaswolke eingebettet stnd. Gegen 20 Uhr geht im Südosten Sirius, der Hauptstern des Großen Hundes und hellste aller Fixsterne, auf. Wie das Feuer eines Diamanten funkelt fein blauweißes Licht durch die Winternacht. Zu Beginn des neuen Jahres steht der Hundsstern genau im Süden auf dem höchsten Punkt feiner Himmelsbahn, weshalb man ihn auch Neujahrsstern genannt hat. Von den bei uns mit freiem Auge sichtbaren Fixsternen ist Sirius der nächste. Trotzdem ist sein Licht nahezu neun Jahre unterwegs, bis es die Erde erreicht. Rund 83 Billionen Kilometer trennen uns vom Sirius, der 550 000mal weiter entfernt ist als die Sonne. Im Vergleich zur Sonnentemperatur von 5900 Grad hat Sirius eine Oberflächentemperatur von 10 000 bis 11000 Grad und feine Leuchtkraft ist 27mal größer als die der Sonne. In der Entfernung des Sirius würde unsere Sonne daher 27mal jchwächer erscheinen und nur etwa so hell wie die Gürtelsterne des Orion. Links über dem Großen Hund bemerken wir Prokyon, den Hauptstern des Kleinen Hundes, darüber das langgestreckte Sternbild der Zwillinge mit den Hauptsternen Castor und Pollux, die sich deutlich durch ihre Farbe unterscheiden. Ea- stor ist weiß, Pollux gelblich. Rechts anschließend folgt der Stier, wo sich um den roten Riesenstern Aldebaran die weißen Lichtpunkte der Hya- d e n scharen. Diese bilden einen ziemlich weit zerstreuten Sternhaufen in 130 Lichtjahren Abstand, während Aldebaran nur 57 Lichtjahre entfernt ist und nicht zu dem «Sternhaufen gehört. Viel gedrängter .als die Hyaden erscheinen uns die Ple« jaden oder das Siebengestirn, das allerdings mindestens viermal so weit entfernt ist wie die Hyaden. Nahe dem Zenit glänzt die helle gelbliche Kapella im Fuhrmann. Mustern wir die Himmelsgegend vom Orion bis zum Fuhrmann und Perseus mit einem lichtstarken Fernglas, so fällt sogleich der große Sternenreichtum dieser Himmelsgegend auf, die zur Milch» st raße gehört. Tausende von Lichtpunkten drängen sich in dem schmalen Lichtband der Milchstraße zusammen, die steil im Südosten aufsteigt, zwischen Prokyon und Orion hindurchzieht und sich über Zwillinge, Fuhrmann, Perseus, Kassiopeia und Kepheus bis zum Schwan verfolgen läßt. Zu Beginn der Dunkelheit ist im Nordwesten am nördlichen Rande der Milchstraße auch noch die Wega in der Leier zu sehen. Zwischen Perseus und der Wurmigen Kassiopeia bemerken wir zwei kleine Sternhaufen scheinbar dicht nebeneinander. Auch" hier lohnt es sich, das Fernglas auf diesen Doppelsternhaufen zu richten, der über 3000 Lichtjahre entjernt ist und mehrere hundert Sterne enthält. Der optisch veränderliche Stern Algol im Perseus, dessen Licht alle 69 Stunden durch den umlaufenden Begleiter stark ge- schwächt wird, zeigt günstig zu beobachtende Licht- minima am 17. Januar um 23 Uhr und am 20. Januar um 20 Uhr. Rechts vom Algol sehen wir die Andromeda als eine leicht geschwungene Linie von vier Hellen Sternen, über der wir unschwer den berühmten Andromedanebel als matten Lichtfleck erkennen, ein Milchstraßensystem, in der unvorstellbaren Entfernung von 900 000 Lichtjahren, das zwei bis drei Milliarden Sterne in sich vereinigt. Nach Westen schließt sich an die Andromeda das Pegasusquadrat, während südlich das Dreieck unb der durch zwei Helle Sterne gekennzeichnete Widder stehen. Den Südwesthimmel nehmen dis Sternbilder Fische, Walfisch und Eridanus ein. V Am Nordhimmel sehen wir den Wagen im Großen Bären auf seiner Fahrt um den Pol mit nach unten gerichteter Deichsel aufwärtssteigen. Um den Kleinen Bären windet sich der Drache, dessen Kopf nach unten auf die horizontale Wega zeigt. Der Mond zeigt folgende Lichtgestalten: Neumond 1. Januar; erstes Viertel 9., Vollmond 16., letztes Viertel* 23., Neumond 31. Januar. Der Kalendermonat stimmt also genau mit dem Mondmonat überein, was sehr selten ist. scharfer Nord peitschte feine Flocken in dichten Wirbeln vor sich her und blies Schauer spitzer Eisnadeln über das Feld. Kohlbeißer faßte neuen Mut. Mit einem halben Dutzend oerängfteter Hoppelmänner fegte der Rammler an der undeutlich gewordenen Schützenlinie außer Schußweite entlang. Auf das Wetter fluchend, waren an,einem verschneiten Hagebuttenstrauch zwei Jägersleute zusammengetreten und putzten sich die angelaufenen Brillengläser. Da winkte Rettung! Denn wat dem ee'n sin Uhl, is dem annern fin Nachtigall! Und wenn auch die Treiber ein wildes Geschrei erhoben und wie toll mit ihren Stecken und Klappern fuchtelten — eine ganze Kavalkade gehetzter Langohre fuhr durch die Lücke aus dem Höllenkessel hinaus! Mit letzter Kraft über eine verwehte Rübenbreite in die tiefe Bachsenke — Kohlbeißer war gerettet. Am andern Morgen saß er wieder in feiner warmen Sasse. Einnial in jedem Jahr, fand die große Hasenschlacht statt, und, bis zum nächsten Winter tvar's noch weit... Zum „Tag der Briefmarke". Wie im Vorjahre begehen die deutschen Briefmarkensammler auch diesmal wieder den „Tag der Briefmarke" an dem auf den Geburtstag des Generalpostmeisters Heinrich von Stephan (geboren 7. Januar 1831 in Stolp, gestorben 8. April 1897 in Berlin, Staatssekretär des deutschen Reichspostamtes und Schöpfer des Postmuseums in Berlin) folgenden Sonntag. Am 9. Januar 1938 werden zahlreiche Vereine durch Briefmarkenausstellungen ihre Verbundenheit bekunden; überall stehen die Werbeveranstaltungen im Zeichen der deutschen Philatelie und der Opferwilligkeit für das deutsche Winterhilfswerk, dessen Zuschlag-Freimarken überall vertrieben werden. Im Einvernehmen mit der „F£döration internationale de Philatelie“ gibt der Reichsbund der Philatelisten auch in diesem Jahre eine Fe st po st karte heraus, die in zwei Farben, blau und orange, erscheint und als Darstellung das Denkmal des Weltpostvereins in Berlin zeigt, dessen Gründung das Verdienst der tatkräftigen Anregung des Generalpostmeisters Stephan ist. In zahlreichen deutschen Städten wird dazu der einheitliche Sonder stempel die Bedeutung des Tages erkennen lassen. * NSG. In Frankfurt a. M. wird eine Werbeschau im Steinernen Haus allen Interessenten offenstehen. Neben dem klassischen Material werden neuere und neueste Gebiete zu sehen sein. Der Landesverband Südwestdeutschland des Reichsbundes der Philatelisten bringt eine Fälschungssammlung, die Deutsche Sammler-Gemeinschaft der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gau Hessen-Nassau, zeigt außer ausgewählten Kapiteln aus dem Gebiet der Briefmarke auch in einem besonderen Abschnitt Ausschnitte aus den von ihr betreuten sonstigen Sammelgebieten: Münzen, Notgeld, NS.-Plaketten. Eine fast vollständige Sammlung von Briefmarken unserer Auslandsgeschwader aus dem Weltkrieg verdient hervorgehoben zu werden, die zum Teil die letzte Heimatpost vor dem ruhmreichen Untergang des Geschwaders des Grafen Spee enthält. Auch die Fachschaft Briefmarken der Bezirksgruppe Hessen ist an d?r Veranstaltung beteiligt; sie wird die Sammler-Bedarfsartikel bringen und auch sonst manches 3eigen, was des Sammlers Herz begehrt. 309 Lose werden zugunsten des Winterhilfswerkes zu 0,50 Mark je Los verkauft und Briefmarken mindestens in dem gleichen Verkaufswert enthalten. Ein Sonderpoftamt im Steinernen Haus verwendet Sonderstempel, die nur an diesen beiden Tagen in Gebrauch sind. Die Arbeitsgemeinschaft der Frankfurter, Offenbacher und Hanauer Briefmarken, sammler-Vereine bringt zum Gedächtnis des am 6. Mai 1937 verunglückten Luftschiffes „Hindenburg" zwei Sonderpostkarten, die den Untergang des Luftriesen in Lakehurst zeigen unb als Zeichen der Erneuerung den sich aus den Flammen erhebenden Phönix. 'Diese Karten sind auf der Ausstellung erhältlich. Am Sonntag, 9. Januar, spricht Dr. E. Dub (Oberstein), der Spezialprüfer der Marken des Saargebietes, in einem Lichtbildervortrag über „Die Marken des Saargebietes unb die Fremdherrschaft". Die Winterhilfsmarken 1937/38 werden auf der Ausstellung ohne Aufschlag verkauft, das-heißt zum Postpreis von 2 Mark für den vollständigen Satz. Ein neuer Gpihtveg. Ein neuentdeckter Spitzweg wird im Januarheft von Velhagen & KlafiAgs Monats,- heften zum erstenmal abgebitbet. Das Gemälde gehört zu der Reihe der Soldatenbilder des Meisters unb stellt ein Wachtposten-Jbyll bar. Der Bieder- meierfolbat hat sich im Schutz bes Wachtturms unb der Stadtmauer schlafen gelegt unb an bie Brüstung als Spatzen- unb Menschenschreck Tschako unb Uni-. form gelehnt. Nach Ansicht der Kenner handelt es" sich um ein frühes Werk Spitzwegs. Dafür spricht eine gewisse satirische Zuspitzung, die in späteren ähnlichen Werken einem mehr behaglichen Humor Platz gemacht hat. Das Gemälde war viele Jahre im Ausland unb ist erst jetzt wieder nach Deutschland gekommen, und zwar in hannoverschen Privatbesitz. Nr.Z Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch. 5. Zanuar 1938 Der gefrorene Strom. Von Gerhard Bohlmann. Von Gerhard Bohlmann, dem Verfasser der Romanwerke „Die silberne Jungfrau" (Johanna von Orleans) und „Der vergessene Kaiser" (Diokletian), erschien kürzlich ein neues Werk zeitgemäßer Geschichtsdeutung: „Wallenstein ringt um das Reich". Früher mögen die Winter doch wohl härter und schneidender gewesen sein als heutzutage, denn damals geschah es noch, daß der Fluß zufror und wochenlang unter Eis blieb — oder es macht die Erinnerung, die uns die Ereignisse der Jugend in so hoher Vollkommenheit erscheinen läßt. Wenn wir damals aus der Schule nach Hause gingen und uns zwischen den hochgiebeligen Dächern der östlichen Hafenstadt heimwärts trollten, stob uns an einer Ecke der Langgasse ein Dunst von Wasser und ein Wehen von Weite entgegen, darein auch der Ruch von Teer, Kohlen und Hanf gemischt war: so empfing uns der Fluß. Auf einer Brücke hielten wir an und blickten landeinwärts. Am Kai lagen schwarze, bauchige Kähne, von Eis umkrustet und an die Stelle gebannt; an dem Ufer entlang standen Häuser aus mürrischem Grau, der Schnee war festgestampft und schmutzig geworden. Aber auf den Verdecken der Kähne leuchtete das Leben, prangten die Farben; dort lagerten auf Holzgestellen die Früchte der Flußn^tzerung, dunkelrot glänzende Aepsel, grau schimmernde Birnen und, zu Säulen getürmt Käselaibe mit honiggelben, fettglänzenden Schnittflächen — aus der Kargheit des Winters erstanden ferne Erscheinungen von grüßenden Wiesen und blühenden Obstgärten. .. Wenn wir uns über das Geländer der Brücke beugten, hatten wir den Fluß dicht unter uns. Aus seiner Mitte hatte der Eisbrecher die Fahrrinne gefressen, dort strudelte das lehmige Wasser und klatschte den Schwall an den zackigen Eisrandern hoch. Wenn es unter uns schäumte und wirbelte und die großen Eisschollen mit sich hinausnahm in wütendem Zuge zum Meer hin, empfanden wir den Zorn des gefesselten Riesen, der gegen winterlichen Zwang sich empörte, und ahnten die Strafte seines unterirdischen Strömens und Reißens. Dann beugten wir uns tiefer hinab, als sollten wir den Herzschlag des Starken belauschen, und vernahmen ein wenig von seinem geheimen Dasein. Es war, als horchten wir dem Leben eines bedrängten Wesens; wir vernahmen ein Scheuern, als dehne sich auf dem Flußgrund ein schlafender Leib und bäume die gewölbte Brust gegen die Kruste des Eises, wir hörten das brodelnde Murmeln des Schläfers, seinen grollenden Atem, den rauschenden Blutlauf und ein zitternbes Klirren, als werde in der Tiefe an Ketten gerührt... Das aber ist geblieben, damals wie heute: Menschen stehen auf den Brücken und blicken in das Treiben des Wassers hinab, gebannt von dem Rätsel des Anflutens, des Entweichens, der Erneuerung, das geheimnisvoll ist wie die Brandung des Meeres oder die entrinnende Zeit. * Anders zeigt sich der Fluß vor der Stadt, wo er im Haff aufgeht. Dort ist er Strom geworden; in majestätischer Breite, in gelassenem Strömen treibt er seinem Ende entgegen. Er ist kein Strom, wie die Dichter ihn heben. Kahl dehnen sich seine Ufer und flach zu den Seiten, nirgends ein Hügel, kein Strauch, kein Baum. Er piegelt keine Ritterburg wieder, aber er empfängt in seiner stählernen Fläche die Bläue des Himmels, das Wandern der Wolken, das Kreisen der Sterne. Wohl ist er ruhig und würdig geworden, aber zur Zeit der Schneeschmelze und des Eisgangs steht er noch immer im Saft; er jagt seine Fluten über die Ufer, unterwäscht die struppigen Weidenbusche und läßt Kietzflächen und rissigen Lehm zuruck. Aber an diesem Winternachmittag hat eine Kuppel von Schneewolken sich über das Land gesenkt. Verschneit ruhen die Gestade, verschneit der vereiste Strom: alles ist eins geworden, ein einziges, feierliches Weiß. Als wir zum erstenmal da hinauskamen, wie klein fühlten wir uns, schwarze Flecken in einer unermeßlichen Einöde, wie staunten wir über die gewaltige Ebene des Stroms zum andern Ufer hinüber. Was wir in Jndianerbüchern gelesen hatten, hier stand es leibhaft vor unseren Augen: hier war der vereiste Mississippi, hier der Missouri, hier rollten die breiten Ströme Amerikas dorn O'eon zu Auch war es, als erhebe sich hinter den Weidenbüschen ein düsterer Schatten: dort steht der letzte der Mohikaner, auf den Jagdspeer gestützt, und schaut durch den dämmernden Abend über das verlorene Land seiner Väter hinaus in den Tod. Langsam senkt sich die Nacht, lautlos beginnt es 3U schneien. Nun erlöschen die fernen Lichter, Ufer und Ränder neigen sich gegeneinander, aus der Hohe senkt sich das Dunkel, Himmel und Erde verwehen im Fall der Flocken. Verschwunden der Schatten des Mohikaners, ausgelöscht die Bilder Amerikas — um fer^ Herzen werden von einer neuen Ahnung bewegt, sie heißt Unendlichkeit....... , Aus der Stadl Gießen. Oer Januar in Brauch und Einnspruch Das ist das Kennzeichen dieses Monats: daß sein Beginn unter glückverheißenden Symbolen steht. Der Januar leitet den Jahreskreis ein, und wer würde sich für den Ablauf des neuen Jahres nicht gern Gesundheit und Wohlergehen für (eine Familie, Erfolg und gute Erträgnisse für seine Tätigkeit wünschen? Altes Brauchtum sorgt in mancherlei Form dafür, daß diese guten Wünsche nicht nur in der Neujahrsnacht und am Neujahrsmorgen, sondern auch noch in den darauffolgenden Tagen von allen Seiten dargebracht werden. Und wenn wir in der Stadt auch sonst ziemlich weiten Abstand von den Ueberlieferungen des ländlichen Lebens haben, in den Gepflogenheiten zum Beginn des neuen Jahres offenbaren sich noch vielfach alte Zauber- und Fruchtbarkeitsriten, die der lärmenden Abwehr der Dämonen und dem Herbeirufen aller guten Geister galten. In diesem Monat spüren wir gewöhnlich erst die rechte Kraft des Winters. „Wenn der Tag beginnt zu langen, kommt der Winter erst gegangen." Nicht umsonst trägt der Januar deshalb den alten Namen Hartung. Eis und Schnee sind feine Begleiter, und wenn feine Winde aus Nordwest wehen,' ist es am erträglichsten in der Nähe des wärmespendenden Ofens. Zu einem aussichtsreichen Jahr gehört nun mal die Kälte und der Schnee. Weshalb eine alte Bauernregel die Weisung gibt: „Januar warm, daß Gott erbarm." Und über die Notwendigkeit des Flockentanzes heißt es: „Im Januar Reif ohne Schnee, tut Bäumen, Bergen und allem weh." Wenn aber der Januar feinem Namen Hartung alle Ehre macht, so ist das für die Wintersportler Grund genug, sich ordentlich zu freuen. Skier und Schlitten kommen dann gebührend zur Geltung. Falls es für eine Reise nach all den Feiertagen nicht mehr reicht: zu einem winterlichen Wochenendbummel reichts gewöhnlich noch, und im übrigen können „zwei Brettl und ein g'führiger Schnee" auch die Abendstunden nach' dem Werktag zur Freude machen. "„An Fabian und Sebastian (20.) fangen die Bäume zu saften an." Woraus hervorgeht, daß bei aller winterlicher Starre insgeheim doch rege Kräfte der Natur am Werke find. Das Leben in der Natur ist ja keineswegs tot, es ist nur weniger sichtbar, und im stillen formt bereits wieder in vielen verborgenen Werkstätten die unversiegbare Schöpferkraft jene wunderbaren Erscheinungen, mit denen uns demnächst das Frühjahr beglücken wird. Oer erste Eintopfsonntag im neuenIahr NSG. Der erste (Eintopffontag im neuen Jahr am nächsten Sonntag, 9. Januar, wird alle Volksgenossen im Gau Hessen-Nassau bereitfinden, wieder durch ein Opfer ein Bekenntnis zum Winterhilfswerk des deutschen Volkes abzulegen. Die Spend-e zur Fürsorge für die bedürftigen Volksgenossen dürfen am Sonntag nicht geringer sein, als an den Eintopfsonntagen im vergangenen Jahr. Im Gegenteil! Wer in der Lage ist, soll sie noch höher bemessen und dadurch beweisen, daß er auch 1938 durch freiwillige Opferbereitschaft am Aufbauwerk des Führers mithelfen will. Sozialisten der Tat sein, das wollen wir am Anfang des neuen Jahres freudigen Herzens bekennen! Für den nächsten Eintopfsonntag, 9. Januar, sind folgende Eintopfgerichte in den Gaststätten vorgesehen: 1. Kohlsuppe mit Kartoffeln und Hammelsleisch- einiage; 2. Mohrrüben oder Kohlrüben mit Rindfleisch; 3. ein Fischgericht und 4. Gemüsetopf mit Einlage nach freier Wahl. NG.-Volkswoblfakrt. Detr.: Schulungskurs des Nassenpolitischen Amtes. Der für heute, 20 Uhr, in der Neuen Aula angesetzte Schulungskurs fällt aus. Wir bitten die Ortsgruppen, des ehemaligen Kreises Gießen, hiervon Kenntnis zu nehmen. Gießener Preisausschreiben für ein M. Hrm. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen hat in Verbindung mit der HI., Gebiet Hessen-Nassau, und der Neichskamrner der bildenden Künste, Landesleitung Hessen-Nassau, einen Wettbewerb Zur Erlangung von Entwürfen für ein HI.-Heim in Gießen ausgeschrieben. Zu dem Wettbewerb sind alle Architekten im Bereich des Gebietes Hessen-Nassau, die seit mindestens sechs Monaten hier wohnen oder aus dem Gebiet gebürtig und Mitglieder der Reichskammer der bildenden Künste sind, zugelassen; ferner auch Studenten der Oberstufe der Bauabteilungen von Hoch- und Fachschulen, sowie beamtete oder an- gestellte Architekten der Behörden, sofern sie den Anordnungen der Reichskammer entsprechen. Als Preise für den Wettbewerb wurden ausgesetzt: ein 1. Preis von 1500 RM., ein 2. Preis von 900 RM., ein 3. Preis von 600 RM. und zwei Ankäufe von je 300 Reichsmark. Dem Preisgericht gehören u. a. an: Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger, Oberbürgermeister Ritter, HJ.-Gedietsführer Brandt, der Gebietsbeauftragte für die Heimbeschaffung, Unterbannführer Lünenschl.oß, Bürgermeister Prof. Dr.-Jng. Hamm, Stadtbaurat Gravert, ferner einige auswärtige Architekten. Die Wettbewerbsarbeiten müssen bis zum 18. März eingereicht sein. Heimbeschaffungsaktion des Bannes 116 Von dem Bann-Beauftragten für HJ.- Heimbefchaffung im Bann 116 erhalten wir die nachstehenden Zeilen. D. Schriftltg. Im Anschluß an die Ausschreibung eines A r ch i- tekten-Wettbewerbes der Stabt Gießen zur Erlangung von Entwürfen für ein H I. - Heim in Gießen ergibt sich die Notwendigkeit, am Jahresanfang einen Rückblick auf das verflossene erste „Jahr der HJ.-Heimbeschaffung" zu werfen. Der Gedanke, für die Hitler-Jugend Heime und Sportplätze von dauerndem Wert zu schaffen, bestand zwar schon, seine Verwirklichung erfuhr aber erst einen Auftrieb durch den Aufruf des Führers vom 1. Dezember 1936. Galt es bis dahin zunächst einmal „Unterkünfte" für Schulungszwecke usw. zu beschaffen, so entstand nun überall die Forderung nach den „Heimen der Hitler-Jugend", Stätten, die nach ihrer äußeren Gestaltung sowohl, als auch in' ihrer Ausstattung würdig sind, die verantwortungsvolle Aufgabe erfüllen zu können, die gesamte deutsche Jugend körperlich, geistig und sittlich im Geiste des Nationalsozialismus zum deutschen Volke zu erziehen. Damit wurde gleichzeitig die Erziehung der Jugend von einer privaten Aufgabe zur politisch-nationalen Verpflichtung des Staates. Aus dieser Erkenntnis heraus hat auch der Herr Reichsinnenminifter Dr. Frick in seinem Aufruf sich an die deutschen Gemeinden gewandt, diese große Arbeit der Hitler- Jugend tatkräftig zu unterstützen. Die Gemeinden im Kreise Gießen haben dieser Verpflichtung sofort das notwendige Verständnis entgegengebracht und begonnen, da und dort den Weg zu ebnen und die Hindernisse wegzuräumen, selbstverständlich immer im Hinblick darauf, die zunehmende wirtschaftliche Gesundung nicht zu gefährden. Es galt daher überall, wo bereits eine Möglichkeit zum Bau bestand, einmal Klarheit übet die endgültige Planung zu bekommen. Raumprogramm und Bauplatz, Sportplätze und Schwimmbäder waren die Ausgangspunkte in kleineren Gemeinden, Bevölkerungsdichte und Bebauungspläne maßgebend in Gießen. Träger der Bauvorhaben und der späteren Unterhaltung sind in jedem Falle die Gemeinden, Durchführung und Ueberwachung liegt in den Händen des Arbeitsausschusses für die HJ.-Heimbeschaffung der Reichsjugendführung, zusammen mit den Gebiets- und Bannbeauftragten. Sie wählen die für die Planung in Frage kommenden Architekten aus und erteilen den Bauschein. Erst mit ihm entsteht die Bezeichnung „Heim der Hitler-Jugend"^und er berechtigt zum Anbringen des HJ.-Heim-Symboles. So ist es ganz klar, daß in einem Jahr eine derartige Aufgabe nicht durchgeführt werden konnte und' die bestehenden Schwierigkeiten erst nach und nach beseitigt werden müssen. Meist ist es auch so, daß eine fertige Planung nur in. Etappen durchzuführen ist, denn Schulden können wir in unseren Gemeinden auf keinen Fall gebrauchen. Mit dem Jahr 1937 konnte daher lediglich der Anfang einer planmäßigen Erstellung von HJ.-Heimen gemacht werden. Im Bann 116 haben wir zur Zeit an größeren Planungen in Bearbeitung: in Heuchelheim, Wieseck und Lollar je ein Achtscharheim und in zehn weiteren Gemeinden Ein- bis Vier-Scharheime, jeweils mit dem erforderlichen Feierraum. In Gießen wird zunächst außer einer zentral gelegenen Banndienststelle ein Sechsscharraumheim mit Feierraum im Wartweg, an Stelle der jetzt abbruchreifen Banndienststelle erstehen. Für dieses Bauvorhaben hat die Stadt Gießen, zusammen mit der Gebietsführung der HI. und der Landesleitung der Neichskamrner der bildenden Künste, in vorbildlicher Weise einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, an dem sich jeder im Gebiet Hessen-Nassau wohnende Architekt beteiligen kann. Bei dem großen Interesse, das hier gerade von feiten der „Privatarchitekten", die ja in erster Linie herangezogen werden, vorliegt, ist zu wünschen, daß Gießen auf diese Weise ein Heim erhält, das Anspruch darauf erheben kann, künftighin ein Denkmal des heutigen Zeitgeschehens zu sein. Die Führung des Bannes 116 erwartet daher in ihrem Bannbereich, im Bewußtsein ihrer eigenen Pflicht und im Vertrauen auf den guten Willen und die Leistungskraft der Volksgenosjen des Kreises, eine bevorzugte Förderung ihrer Vorhaben. Helfen Sie alle mit, in geldlicher und beratender Hilfe, auch im neuen Jahre die Durchführung unserer Bauvorhaben zu beschleunigen und nach Möglichkeit die Zeit zur Errichtung der Gesamtvorhaben ahzukürzen! Dornoüzen. Tageskalender für AUtlwoch. Stadttheater: 15 bis 17.30 Uhr „Schneewittchen"; 19.30 bis 22.15 Uhr „Die Geisha". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Mutterlied". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Gasparone". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr: Kunstausstellung im Turmhaus am Prand. Sladtthealer Gießen. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute nachmittag zum letztenmal „Schneewittchen" nach Grimm von Trude Wehe. Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim. Musikalische Leitung Heinz Markwardt. Tänze Irmgard Zenner. Die Vorstellung beginnt 15 Uhr und endet 17.30 Uhr. Außer Miete. — Am Abend sind et die erste Wiederholung des Operettenerfolges „Die Geisha" von Jones statt. Musikalische Leitung und Gesangstexte Joachim Popelka, Spielleitung Karl-Ludwig Lindt. Leitung und Einstudierung der Chöre Heinz Markwardt. Tänze Irmgard Zenner. Die Vorstellung findet als 14. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Anfang 19.30 Uhr, Ende 22.15 Uhr. Gießener Konzert-Verein. . Für das nächste Solistenkonzert am kommenden Sonntag wurde der weltberühmte Pianist Claudio A r r a u gewonnen. Der Künstler ist im Jahre 1903 in Chile geboren und zeigte im Jahre 1914 im Alter von elf Jahren zum ersten Male in Berlin sein ungewöhnliches Können. Er wurde damals als Wunderkind gefeiert. Bereits 1916 errang er sich den Ibach-Preis. Zweimal erhielt er den Liszt- Preis. Inzwischen hat sich das ehemalige Wunderkind zu einer ausgereiften Künstlerpersönlichkeit entwickelt, deren Weltruf allgemein anerkannt ist. Der Künstler wird Werke von Bach, Chopin und Liszt zu Gehör bringen. Ratsherr Georg Heß als Zollrat nach Dresden versetzt. Oberzollinspektor Georg Heß beim Hauptzollamt Gießen wurde mit Wirkung vom 17. Januar 1938 zum Z o 11 r a t und stündigen Vertreter des Haupt- zollamtsoorstehers des Hauptzollamtes Dresden- Altstadt ernannt. Zollrat S) eß, als Sohn unserer Nachbargemeinde Leihgestern ein treuer Oberhess', ging in jungen Jahren nach Deutsch-Ostafrika und diente dort als Beamter der Reichskolonialverwaltung feiner neuen und feiner alten Heimat. Unter General von Lettow-Vorbeck machte er als Leutnant der Reserve den Krieg zur Verteidigung unserer ost- afrikanischen Kolonie gegen die Engländer und deren Hilfsoölker mit, bis er als Typhuskranker seine Waffengeführten nicht mehr begleiten konnte und als kampfunfähiger Krieger in englische Gefangenschaft geriet. Er wurde von den Engländern . zunächst in Indien, dann in Aegypten in einem Gefangenenlager untergebracht. Nach dem Kriege und dem Verlust unseres Kolonialbesitzes kam Georg Heß, der 1918 zum Hauptmann der Reserve befördert worden war, nach Deutschland zurück. Er wurde zunächst in Berlin bei dem Ministerium für Wiederaufbau beschäftigt. Dann trat er zur Reichsfinanzverwaltung über, die ihn zur Dienstleistung dem Hauptzollamt Gießen zuteilte. Hier, wurde er Zollinspektor, dann Oberzollinspektor, bis nunmehr im Anschluß an die von ihm bestandenen Prüfungen feine Beförderung zum Zollrat erfolgte. Im Dienste der Führers hat Zollrat H e ß im öffentlichen Leben unserer engeren Heimat eine ganze Reihe von Ehrenämtern bekleidet, die er nun nach seiner Versetzung niederlegen mußte. Er ist Sturmbannführer der SA., in der er auch in feinem neuen Wohnsitz Dresden als Gefolgsmann des Führers mitmarschieren wird. Ferner war er Ratsherr der Stadt Gießen, Kreisamtsleiter des Amtes für Beamte Kreis Wetterau, Kreiswalter des Reichsbundes der deutschen Beamten Kreis Wetterau, Mitglied des Verwaltungsrates der Bezirksspar- kasfe Gießen, Ersatz-Ortsgerichtsmann beim Ortsgericht Gießen, Beisitzer beim Versorgungsgericht Hessen im Ausschuß für Kriegsoerletzte, Kreis-Fachredner der Partei und des Reichskolonialbundes, für dessen Zielsetzung er in zahlreichen Vortrügen über seine Erlebnisse und Eindrücke in den Kolonien in Stadt und Land eifrig geworben hat. Oöerfinanzrat Schäfer beigesetzt. Mit einer stillen Feierstunde im Kirchlein am Alten Friedhof ging gestern der Wunsch des in Berlin verstorbenen Oberfinanzrats i. R. Adolf Schäfer von der hessischen Vertretung in Berlin, in seiner Vaterstadt Gießen die letzte Ruhestätte zu finden, in Erfüllung. Die Fülle der Kränze und frischen Blumen, die die Urne schmückten, war beredter Ausdruck für die Zuneigung und Verehrung, die sich der treue Sohn unserer Stadt trotz seiner langjährigen Abwesenheit für seine Heimat bewahrt hatte. Auch vom Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt a. M., Staatsrat Dr. Krebs, lag ein Kranz als letzter Gruß dabei. Die Turnbrüder vom Münnerturnoerein hielten mit ihrer Fahne Ehrenwache. Mit den Turnern waren viele Vertreter der ältesten Gießener Familien zu der Abschiedsfeier erschienen. Lehrer Roth schuf mit den getragenen Weisen der „Fantasia" von Bach eine finnige Lieberleitung zu den Worten des Pfarrers Schmidt, in denen die Heimatliebe dieses Sohnes unserer Stadt nicht mehr wie ein sehnsüchtiger Wunsch, sondern wie eine dankbare Erfüllung mitschwangen. Nach einem kurzen Hinweis auf die großen Ehren, die dem Verstorbenen bereits bei der Trauerfeier iN Berlin zuteil geworden waren, zeichnete Pfarrer Schmidt Sanft wirbelt der Schnee, die Nacht ist da. Zu unseren Füßen ahnen wir kaum noch den Strom, er schweigt. Jetzt tobt er nicht mehr gegen den Zwang des Winters, er ist weife geworden und trägt das verschneite Eis als eine Krone, den Reif der Greifen. Aber dorther, aus der Mitte des Stromes, wo der Eisbrecher die Fahrrinne ausgenagt hat, dorther kommt noch ein Rauschen, dort regt sich ein Dasein, dort atmet der Riese. Aber sein Atem geht friedlich, wir lauschen dem letzten Verhauchen bes Sterbenden, der sich dem Ende zustreckt, um aufzugehen im Meer, im Ozean, in der Unendlichkeit. * Der Eislauf, auch er war ein Geschenk, das wir dem Fluß verdankten. Wir übten ihn auf den Wiesen, die er überschwemmt hatte, aber dann ging nach einigen Tagen unter uns das Gerücht um: Der Fluß trägt schon, wir wollen nach Arnau laufen! Wir btachen durch braun-vertrocknete SchiUwäl- d"r, deren Halme unter uns splitterten wie Glas, standen auf dem Eis und beschlossen feierlich, nach Arnau zu laufen, als schickten wir uns zu einer Expedition an. Denn in Arnau sollte es einen Dorfkrug geben mit prasselndem Eisenofen und dampfendem Grog — wir sind niemals dorthin gelangt, das kleine Dorf ist eine unerfüllte Sehnsucht geblieben, wir hatten die Entfernung unterschätzt. Dennoch, um wie viel freier und freudiger bewegten wir uns hier auf dem Fluß als drinnen in der Stadt auf dem Schloßteich. Wir hatten ein Ziel, wie herrlich war es, nach einem Ziel zu laufen, die Richtung zu wissen. Hell klirrten die Stahlschienen auf der spiegelnd-dunkelblauen Flüche, sie glitten durch kleine Schneewehen sanft dahin wie durch Samt, und bisweilen ratterten sie unter unseren Sohlen. Dort war das Eis gekräuselt; das Wasser war so gefroren, wie es eben vom Winde gewellt wurde, und so war Wunderbares geschehen: gebannt die enteilende Welle, die Bewegung gefroren, die Sekunde erstarrt. Strohwische standen auf Stangen. Da waren Löcher ins Eis gehackt, den Fischen zum Atmen, und ein jedes erschien wie ein dunkler, feuchtschimmernder Blick, den ein Gefangener zur Freiheit emporhebt. Wenn wir dort niederknieten, dem Treiben bes. Flusses zu lauschen, drängten die Fische herbei; wir meinten, in ihre glotzenden Augen zu sehen, und wenn Luftblasen aus dem Wasser fliegen, glaubten wir, wir hätten Atemzug und Herzschlag der stummen Kreatur behorcht... Auch gab es immer ein Donnern und Knattern, das unter dem Eise dahin rollte, bas ermahnte an bas ewig ftrömenbe Leben ber Tiefe — es war Aufenthalt allenthalben, so daß wir niemals an unser Ziel gelangt sinb. Später, nach manchen Stunben, kamen Fluß, Ufer und Land noch einmal wieder und wirkten in Nacht und Traum. Beim Einschlafen fühlten wir in unseren Gliedern das Gleiten und Gaukeln des schwingenden Eislaufs, wir sahen noch einmal den ergrauenden' Himmel und die silberne Stille ber Sterne. ---------- j Zwei Dramen von Mütter-Schcld. Der Theateroerlag Albert Langen/Georg Müller, Berlin, hat bas Schauspiel „(Ein Deutscher namens Stein" von Wikhelm Müller- Scheib, welches 1936 im Schauspielhaus in Frankfurt a. M. uraufgeführt wurde, als Buch herausgebracht. Das Schauspiel, welches inzwischen auch in Wiesbaden, Regensburg, Bremen, Anna- berg und (Erfurt in Szene ging — eine Aufführung in Görlitz steht bevor — hat wegen ber (Eigenart ber Geschichtsauffassung, ber Kühnheit ber einzelnen Bilber unb ber originellen Kraft ber Sprache Aufsehen erregt. Von ber Sprachkraft bes Werkes schrieb bie Westfälische Lanbeszeitung: „Wir haben schon lange nicht mehr so fein abgewogene Dialoge, so messerscharfe Wortgefechte, so erregende Aus- einanbersetzungen sprachlicher Form auf ber beut= schen Bühne erlebt." Gerabe burch biefe Eigenschaften wirb bas Schauspiel auch als Buch zu einer Lektüre von ungewöhnlicher Spannung. Im gleichen 'Verlag ist inzwischen ein Lustspiel von Müller-Scheib als Bühnenmanuskript erschienen mit bem Titel: „(Ebuarb K e i m". Der Aufführung am 11. Januar 1938 im Schauspielhaus in Frankfurt mit Direktor Salzmann als Spielleiter, Caspar N e h e r als Bühnenbildgestalter und Toni Impekoven in ber Titelrolle kann man mit großer Erwartung entgegensehen. Daß es sich bei bem Werk nicht um eine billige Unterhaltung für „Kinber unb Lasten" hanbelt, ist bei der Einstellung des Verfassers zu den Erscheinungen des Lebens klar. Friedrich B e t h g e, der Chefdramaturg der Städtischen Bühnen, der diesjährige Staatspreisträger, schrieb denn auch, daß dieser „Eduard Keim" ein „kämpferisches Gelächter" entfachen werde. — Müller-Scheid selbst sieht in diesem Lustspiel den Abschluß seiner ersten künstlerischen Schaffensperiode unb wirb in absehbarer Zeit mit einem ganz neuartigen Werk vor die l Oesfentlichkeit treten. e Wesenszüge dieses charaktervollen Menschen. Sein letzter Gang sei zur Vereinigung der hessischen Landsleute in Berlin gewesen, in der er der verunglückten großherzoglichen Familie einen herzlichen Nachruf widmete. Pfarrer Schmidt kennzeichnete den Verstorbenen als lieben Freund und aufrechten Turner, der trotz seiner wirtschaftlichen Betätigung und der großen Entfernungen seine alten Freunde nie vergessen habe. Mit Kriegers Weisen: „Nun sich der Tag geendet hat" klang die Ansprache des Pfarrers aus. Hierauf rief dem Ehrenmitglied des Männerturnvereins dessen Vereinsführer Karl Müller einen letzten Abschiedsgrutz nach, in dem er die großen Verdienste Adolf Schäfers um den Verein während seiner 41jährigen Mitgliedschaft würdigte und die Erfolge hervorhob, die Schäfer als siegreicher Mehrkämpfer in den Reihen der Gießener Turner bei den verschiedensten großen Turnveranstaltungen errungen hatte. Während das Lied vom guten Kameraden erklang, senkte sich die Turnerfahne zum letzten Male vor dem verstorbenen Turnbruder. Der letzte Kreisvertreter des früheren Mittelrheinkreises und Gauvertreter des alten Gaues Hessen der DT. Arthur Pfeiffer (Wetzlar) nahm mit herzlichen Worten Abschied von dem mit wahrem Turnergeist erfüllten und mit einem starken Charakter ausgestatteten Turnbruder Schäfer, für den er die vielen, ihm aus dem alten Hessengau und aus dem Mittelrheinkreis aufgetragenen letzten Grüße überbrachte. Im Auftrage des Oberbürgermeisters Ritter legte Beigeordneter Nicolaus als Zeichen des Dankes und der Anerkennung für den treuen Sohn Gießens, für die Hessischen Industrie- und Handelskammern der stellvertretende Präsident der Industrie- und Handelskammer Gießen, Mühlenbesitzer Heinrich Christ (Lollar), Kränze nieder. Ergreifend war auch der Abschied des Ehren-Gau- oberturnwartes Will im Namen der ältesten Hessenturner und der Gießener Mehrkampfsieger. Dann trugen die Turner, Vereinsführer Karl Müller begleitet von Ehren-Gauoberturnwart Will und dem ältesten Aktiven des Tv. 1846 W. Dapper, voran mit ihrer Fahne, die Urne zum Familiengrab, wo nach Gebet des Pfarrers die Verwandten und Freunde Abschied nahmen von dem Hessensohn, der in seine Heimat heimgefunden hat. Starker Schneefall in Oberhessen. Fast ununterbrochen rieselte gestern über unserer Stadt und der heimatlichen Landschaft die weiße wintevliche Pracht vom Himmel herab. Die Kinder hatten ihre helle Freude daran und nützten gleich die gebotenen guten Wintersportmöglichkeiten aus. Auch der bescheidenste Hügel geäugte zum Rodeln. In den Außenbezirken sah man einige Freunde des Reit- und des Skisportes beim Skijöring. Anderseits macht der Schnee manchen Leuten großen Kummer. Bei der Reichsbahn hatte man eifrig zu tun, um die Weichen beweglich zu halten und außerdem gab es Zugverspätungen über zum Teil recht erhebliche Zeiträume. Insbesondere die Fernzüge hatten Verspätungen, die sich auch auf den Verkehr der oberhessischen Bahnen auswirkten. Heute morgen herrschte nun gar noch klirrende Kälte und wer zu früher Morgenstunde unterwegs war, dem knirschte bei den 13 Graden Kälte der Schnee unter den Füßen. Für den Kraftfahrzeugverkehr bedeutet der Schneefall und die damit verbundene Glätte der Straßen auch eine erhebliche Erschwerung. Der Schneefall und der Külteeinbruch hat sich in weiterem Umkreis ausgewirkt. Die Lahn ist zwischen den beiden Limburger Wehren zugefroren. Auch der Rhein führt Eisgang und der Main ist stark oereift, so daß mit einer Einstellung ber Schiffahrt gerechnet werden muß. In den Gebirgen Vogelsberg, Taunus und Westerwald gab es anhaltende, zum Teil stürmische Schneefälle und ausgedehnte Verwehungen. Die Vögel nicht vergessen! Lpd. Jetzt ist die schlimmste Zeit für unsere Vögel. Nachts herrscht empfindliche Kälte, der Boden ist gefroren, die Fluren sind mit Schnee bedeckt. Durch den Frost werden unseren gefiederten Freunden die letzten Futterquellen versperrt. Wenn wir die Vögel, unsere getreuen Helfer bei der Vernichtung der Schädlinge, über die kalten Wochen hinwegbringen wollen, dann müssen wir ihnen jetzt regelmäßig auf besonderen Plätzen Futter streuen! Manche Vögel halten es nur einen halben Tag ohne Futter aus und müssen dann, wenn ihnen nicht geholfen wird, elend zugrunde gehen. Das Füttern der Vögel mit Brotresten und Kartoffeln, besonders wenn diese feucht geworden sind, ist unzweckmäßig und verursacht oft Erkrankungen oder den Tod der Tiere. Vorsicht beim Verbrennen des Weihnachtsbaumes. NSG. Wenn das neue Jahr begonnen hat, erhebt sich immer wieder die Frage: Wohin mit dem trockenen Weihnachtsbaum? Soll man ihn zerhacken und als Brennstoff in den Ofen stecken? Und was macht man mit den Tannennadeln? Der Fachmann rät entschieden ab, das harzige und kienige Holz der Weihnachtsbäume im Kachelofen oder im Herd zu verbrennen. Bei jeder Verbrennung bildet sich Gas. Je harziger das Holz oder je kleiner der zu verbrennende Körper, in diesem Falle die dünnen Aeste und Nadeln, um so stärker die Gasbildung. Wenn wir unseren Ofen mit diesem Brennmaterial heizen, wird er geradezu zu einer „Gasanstalt". Zu wiederholten Malen ist es schon vorgekommen, daß der Kachelofen oder Kachelherd durch diese Gase Risse und Sprünge bekommen hat und sogar in die Luft geflogen ist. Wer glaubt, den trockenen Weihnachtsbaum nicht anders beseitigen zu können, als ihn im Ofen zu verfeuern, der muß größte Vorsicht walten lassen. Das Weihnachtsbaumholz darf stets nur in kleinen Mengen in den Ofen gesteckt werden, ferner ist für guten Zug des Ofens oder Herdes zu sorgen, der Rost muß völlig aschenrein sein, und die Ofentüre darf nicht geschlossen werden. Oie neue Straßen Unser Verkehrsfachi Allerlei nebenbei-und doch sehrwichtig „Der Führer eines Fahrzeuges hat so zu halten, daß der Verkehr nicht behindert oder gefährdet wird." Viele mögen sich über diesen ersten Absatz des § 15 der StVO, wundern, weil er etwas Selbstverständliches ausdrücklich zur Verordnung stempelt. Aber so selbstverständlich ist es gar nicht, denn es wird vielfach den Tag über gerade gegen diesen Paragraphen gesündigt. Wie zum Beispiel? Der Fahrer eines Lieferwagens muß im Haus Nr. 10 einer vielbefahrenen Straße Waren abliefern und findet die rechte Straßenseite vor diesem Haus mit parkenden Fahrzeugen besetzt. Obwohl einige Meter weiter eine Lücke 3um Halten vorhanden ist, bleibt er aus Beguemlichkeit einfach neben einem parkenden Wagen vor dem Haus Nr. 10 mitten auf dem Fahrdamm stehen, ladet umständlich ab, muß vielleicht noch einige Zeit auf die Empfangsbestätigung warten, ehe er dann endlich mit seinem Fahrzeug weiterfahren kann. Die Folge davon ist eine empfindliche Behinderung, wenn nicht gar Gefährdung des fließenden Durchgangsverkehrs durch das im Wege stehende Fahrzeug. Der § 18 gestattet wohl das Be- und Entladen auf der Straße — nicht etwa auf der Straßenmitte — aber auch nur dann, wenn dies ohne besondere Erschwernis sonst nicht möglich ist. Das Ladegeschäft auf der Straße muß außerdem ohne Verzögerung durchgeführt werden. Bei der Gelegenheit sei festgestellt, daß nur auf der rechten Seite in der Fahrtrichtung gehalten werden darf, abgesehen von Einbahnstraßen, in denen man auf beiden Seiten halten oder parken darf. Wo ist das parken grundsätzlich verboten? Wie kann man Brennholz sparen? Verbesserte Oefen sind vorteilhaft. DNB. Wie zu jedem Winter, 'so hat sich die Landbevölkerung auch für die Heizperiode 1937/38 reichlich mit Brennholz versorgt. Bei der bedeutend höheren Einschätzung des Nutzwertes des Holzes in den letzten Jahren in seiner Verwendung für volkswirtschaftlich nützliche Güter wird auf die Notwendigkeit einer sparsamen Verwendung der Brenn- holzoorräte nachdrücklichst hingewiesen. Erhebliche Mengen an Brennholz lassen sich durch neuzeitliche, mit hohem Wirkungsgrad arbeitende Holzbrandöfen ersparen. Desgleichen sind andere Wärmespender, insbesondere Braunkohlenbriketts, Steinkohle und Torf, sehr angebracht. Sofern Kachelöfen ohne Rost, in Benutzung sind, empfiehlt sich dec Einbau eines Rostes, da die Brennstoffe dann wesentlich besser ausgenutzt werden. Der Einbau eines Rostes ist stets erforderlich, wenn Steinkohle verfeuert werden soll. Die Kosten dieser Verbesserung an den Oefen sind unerheblich im Verhältnis zu den laufenden Ersparnissen an Brennmaterial. ♦ ** Winter-Sterntreffen der Wester - waldvereine. Aus Anlaß der Winter-Stern-' Wanderung der östlichen Gruppen der Westerwald- oereine findet am Sonntag, 9. Januar, nach dem Eintreffen der Wanderer, ein Marsch durch die Stadt zum Landgraf-Philipp-Platz statt. Am Ehrenmal der gefallenen 116er wird ein Kranz niedergelegt. Anschließend trifft man sich zu einem kameradschaftlichen Beisammensein im Cafö Leib. nann hat das Wort. auf den mittleren von drei oder mehr voneinander getrennten Fahrbahnen einer Straße. Die im Interesse des Verkehrs notwendigen Parkverbote, haben eine streng zu beachtende Aen- derung erfahren; die Parkverbotsgrenzen vor und hinter Haltestellenschildern der öffentlichen Verkehrsmittel und vor und hinter Straßenkreuzungen oder -einmündungen sind von fünf auf je zehn Meter erweitert, worden. Diese neue Regelung war trotz des Mangels an Parkraum auf den öffentlichen Straßen notwendig, um den Kraftomnibussen das Heranfahren an die Gehbahn zu ermöglichen. Bei Straßenkreuzungen und -einmündungen wird die Entfernung derZehn- Meter-Freigrenze von der Ecke gerechnet, an der die Fahrbahnkanten Zusammentreffen. Kurzes Aufblinken der Scheinwerfer statt Hupzeichen gesto ttrt. Der Kampf des Berliner Polizeipräsidenten gegen das sinnlose Hupen an jeder Straßenkreuzung yat die Reichshauptstadt zu einer der ruhigsten Großstädte gemacht. Die in Berlin gesammelten Erfahrungen haben in der neuen Straßenverkehrsordnung ihren Niederschlag gefunden. Die Abgabe von Warnzeichen ist durch die Neufassung der Vorschriften auf das notwendigste Maß beschränkt worden, um den Verkehrslärm in allen Städten mehr als bisher zu verringern. Wenn auch der Fahrzeugführer gefährdete Verkehrsteilnehmer durch Warn- Zeichen auf das Herannahen feines Fahrzeuges aufmerksam machen muß, so ist es doch streng verboten, Warnzeichen zu anderen Zwecken, insbesondere im Interesse des eigenen rücksichtslosen Fahrens abzugeben. Es darf auch nicht mehr als unbedingt notwendig gehupt werden. Dabei sei besonders darauf hingewiesen, daß das Geben von Warnsignalen den Fahrer durchaus nicht von sei- Verkehrs auf ober neben bcr Straße insbesondere die Rücksicht auf entgegenkommende Verkehrsteil- nehmer es erfordert. Diese Verpflichtung besteht gegenüber Fußgängern nur, wenn sie in geschlossenen Abteilungen marschieren. Wenig bekannt dürfte es wohl fein, daß beim Halten vor Eisenbahnüber- gänaen in Schienenhöhe stets abzublenden ist und Suchscheinwerfer nur vorübergehend und nicht zum Beleuchten der Fahrbahn benutzt werden dürfen. Wenn die Fahrbahn durch andere Lichtquellen ausreichend beleuchtet ist, z. B. die Straßen in den Städten, darf mit Standlicht gefahren werden. Einheitlich für Polizei und Feuerwehr: Grüne Fahrzeuge, blaue Scheinwerfer und das Martin-Horn. Nach der Unterstellung der Feuerwehren unter die Befehlsgewalt des Reichsführers Jf und Chefs der deutschen Polizei und ihre ausdrückliche Erklärung zur Feuerlöschpolizei werden allmählich alle Fahrzeuge der Polizei und Feuerwehr einheitlich ausgerüstet und auch nach außen hin kenntlich RUHL Seltersweg Nr. 67 ■ adiO Telephon Nr. 3170 I eparaturen 18S7[) B3 gemacht werden. Das Rot der Feuerwehrfahrzcwge ist schon zum größten Teil dem einheitlichen Grün gewichen. Außerdem werden alle Fahrzeuge mit dem bekannten Martin-Horn ausgerüstet, das Privatwagen nicht führen dürfen, um Verwechslungen zu vermeiden. Die Lampen vor den Polizeirevieren werden, wie auch die Feuermelder, nicht mehr grün bzw. rot leuchten, sondern einheitlich blau. Bei Dunkelheit werden Polizei und Feuer- löschpolizei, wenn sie im Interesse der Allgemeinheit freie Fahrt brauchen, blaue Scheinwerfer einschal- tert, um schon von weitem auf sich aufmerksam zu machen. Freie Dahn für Polizei und Feuerwehr. Für die Fahrzeuge der Polizei und Feuerwehr, die sich durch die oben geschilderten Zeichen bemerkbar machen, ist nach ausdrücklicher Vorschrift schon bei ihrer Annäherung freie Bahn zu schaffen. Alle Fahrzeugführer haben beim Bemerken dieser Zeichen ganz rechts heranzufahren und müssen sogar — unter Freihaltung von Straßenkreuzungen und -einmündungen — vorübergehend halten. Auf die Beachtung dieser Bestimmung wird mit allem Nachdruck gesehen werden, damit der Einsatz von Polizei und Feuerwehr im Allgemeininteresse nicht auf erhebliche Schwierigkeiten zu stoßen braucht. Widerspenstige Fahrzeugführer haben mit hohen Strafen, gegebenenfalls sogar mit Entziehung der Fahrerlaubnis zu rechnen. Sicher parkende Fahrzeuge. Nach dem § 35 hat der Fahrzeugführer beim Verlassen des Fahrzeuges die nötigen Maßnahmen zu treffen, um Unfälle und Verkehrsstörungen zu vermeiden. Neu ist vor allem der § 35, der dem Führer eines Kraftfahrzeuges vorschreibt, beim Verlassen des Fahrzeuges zur Verhinderung der unbefugten Benutzung die üblicherweise hierfür bestimmten Vorrichtungen am Fahrzeug in Wirksamkeit zu setzen. Der Fahrer darf z. B. nicht den Starterschlüssel stecken lassen und soll nach Möglichkeit das Fahrzeug so verschließen, daß es ohne Gewalt nicht geöffnet und benutzt werden kann. Private Hinweiszeichen auf Grundstricksein- und -ausfahrten für Verkehrsteilnehmer auf der Straße sind unzulässig. Sie haben auch gar keinen Zweck, denn noch dem § 17 der STVO, hat sich der Fahr- zeugsührer beim Fahren in ein Grundstück oder aus einem heraus so zu verhalten, daß eine Gefährdung des Straßenverkehrs ausgeschlossen ist. Vornehmste Aufgabe der Verkehrspolizeibehörde ist vorbeugend und unfalloerhütend zu wirken. Diesem Grundsatz trägt die neue Straßenverkehrsordnung auch dadurch Rechnung, daß sie über das Parken ganz klare Bestimmungen herausgestellt hat. Das Parken, also das Äufstellen von Fahrzeugen, soweit es nicht nur zum Ein- ober Aussteigen und Be- ober Entladen geschieht, ist nicht zulässig: An den durch amtliche Verkehrszeichen ausdrücklich verbotenen Stellen; an engen und unübersichtlichen Straßenstellen, sowie in scharfen Straßenkrümmungen; an Verkehrsinseln; vor Grundstücksein- und -ausfahrten, sowie ner Sorgfaltspflicht entbindet. Die Absicht des Ueberholens- darf durch Warnzeichen kundgegeben werden. Als Warnzeichen sind Schallzeichen (Hupen) zu geben. Neu ist die Bestimmung, daß bei Dunkelheit an Stelle des Hupens auch Leuchtzeichen gegeben werden können durch kurzes Pufblenden der Scheinwerfer, wenn z. B. in wenig beleuchteten Nebenstraßen diese Zeichen deutlich wahrgenommen werden können. Eines ist dabei aber streng zu beachten: bas Aufblenben ber Scheinwerfer barf am bere entgegenkommende Fahrzeugführer nicht blenden. Denn auch dabei muß ber § 33 ber StVO, respektiert werden, ber bas rechtzeitige Abblenden ber Scheinwerfer anorbnet, wenn bie Sicherheit bes Fahrzeuge richtig beladen. hinausragenbe Lasten vorschriftsmäßig kennzeichnen! Im Interesse ber Verkehrssicherheit wirb in Zukunft streng bar auf geachtet werben, baß die Labung eines Fahrzeuges richtia verstaut ist, baß sie niemanden gefährdet ober schädigt, ober mehr als vermeidbar behindert ober belästigt. Dor allem barf bie Betriebssicherheit bes Fahrzeuges burch die Labung auf keinen Fall leiben. Das gilt auch bet Beförderung von Personen, für deren Unterbringung und für ihr Verhalten während ber Fahrt. Die Breite ber Ladung darf nicht mehr als 2,50 Meter betragen; das seitliche Herausragen von ein- Diamanten-Komödie Vornan von Horst Biernath. 22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Es war ein verdammter Blödsinn!" knurrte ber Alte. „Und ich hätte mich auf diesen Transport niemals einlassen sollen! Jetzt ist natürlich Dreck Trumpf und ich werde vier Wochen auf den Diamanten sitzen können. Von vornherein hab' ich's für einen glatten Unsinn gehalten, daß bie Gesellschaft mir die beiden Kerle mitschickte. Wenn ich den Transport in meine Hand genommen hätte, wär's 'ne andere Sache gewesen. Aber diese Trottel von Direktoren ließen sich die beiden Detektive ja nicht aus dem Kopf schlagen. Jetzt haben sie ihre Sicherheit!" Humphrey fächelte beruhigend mit der Hand: „Na, es müßte wohl schon mit dem Teufel zugehen, wenn es jemand gelingen sollte, sich an die Steine heranzumachen. Vorläufig jedenfalls, solange bie ,Catharincfi auf hoher See schwimmt, ist bie Möglichkeit eines Banbitenstreichs ja ausgeschlossen. Ge- fährlich wird bie Geschichte natürlich, wenn mir •uns dem ersten Hafen nähern. Aber schließlich haben wir in diesem Fall noch immer bie Möglichkeit, den Hafen zu umgehen, unb dann bleibt die ,Cathavina< eben das Haus ohne Ausgänge." „Ich weiß nicht", brummte Zanten unbehaglich. «Das hab' ich mir zwar auch schon gesagt, aber mich macht mein Riecher nervös. Ich tann imir nicht helfen: Seit biese Steine an Bord sinb, wittere ich Verrat unb Unheil." „Wo befinden sich bie Steine?" „In ber Kabine ber Minerva-Leute in einem Panzerschrank eingeschlossen. Leider ist dieser Schrank eine ziemlich veraltete Kiste, bie jeder Fachmann mit einem Hausschlüssel aufknacken könnte." „Und wer trägt bie Verantwortung für ben Transport?" • „Glauben Sie etwa: ich? Nee! Nachdem man mir die beiden Kerle auf die Nase gesetzt hat, hab' ich abgewinkt. Den Schaden trägt bie Mine, unb mit der Verantwortung mögen sich die Herren Fer- gufon und Hooten abplagen... Trotzdem ist mir ber Gedanke, baß auf meinem Schiff eine Schweinerei geschehen könnte, unangenehm genug!" „Sind bie Steine versichert?" „Wahrscheinlich. Ich kann mir jedenfalls glicht denken, daß man bei ber Minerva-Gesellschaft so leichtsinnig wäre, eine halbe Million unversichert über fünftaufenb Seemeilen und eine durchschnittliche Meerestiefe von zweitausend Faden schwimmen zu lassen..." Zanten stand auf. Er stützte sich schwer auf den Tisch. Die Zigarre, bie er sich ausgesucht hatte, stand kalt und waagerecht zwischen seinen Zähnen. „Kommen Sie mit, Humphrey!" sagte er schließlich. „Sie können den beiden Leuten von ber Mine mal erzählen, was Sie von dem gescheiten Einfall ber Herren Direktoren halten, mir ihre Detektive gleich in Regimentsstärke auf ben Halz zu schicken!" Er ging mit schweren Schritten voraus. Und Humphrey folgte ihm in kurzem Abstand. Es schmeichelte ihm nicht wenig, bas Vertrauen des alten Herrn so völlig erobert zu haben. Er räusperte sich. „Nun, Onkel Paul, vielleicht ist es nicht einmal so ungeschickt, daß ich an Bord geblieben bin?" sagte er tastend. „Ach, mein Junge", rief der alte Herr erleichtert, „es ist ein wahres Glück! Und ich bin dem Zufall dankbar, ber Sie hergeschickt hat! Jetzt sinb wir doch vier Männer, die ihre Augen offenhalten können." „Darauf können Sie sich allerdings verlassen!" versicherte Humphrey grimmig. „Für Sie ist diese Geschichte ein Sport, mein Junge — ein Sport wie Jagd und Fischfang", meinte Zanten etwas trüb. „Mir ist bedeutend weniger lustig zumute als Ihnen." Sie durchschritten den mäßig erleuchteten Kabinengang auf der Backbordseite und standen bald vor der Jnnenkabine zweiter Klasse, bie ben beiden Detektiven gehörte. Zanten klopfte leicht an die Tür und gab sich zu erkennen. Aber es wurde ihnen nicht geöffnet. Humphrey lauschte. Anscheinend schliefen die Herren schon; denn es war deutlich zu vernehmen, daß innen ein Mann schnarchte. Zanten klopfte stärker, aber der Erfolg blieb auch diesmal aus. „Da —1" knurrte er. „Raustragen könnte man die Kerle! Schlafen' wie bie Besenbinber, unb bas Ganze nennt sich Dienst!" „Uebrigens schnarcht ber eine ziemlich merk- roürbig", wunderte sich Humphrey horchend. Er hämmerte mit der Faust an bie Tür unb rüttelte schließlich, als auch ihre vereinten Sturmsignale nichts halfen, am Drücker. Die Tür sprang auf. Das Zimmer war stockfinster. Ein beizender, beiden unbekannter Geruch quoll ihnen entgegen. Zanten drängte fick an Humphrey vorbei in bie Kabine. Im nächsten Augenblick flammte bas Deckenlicht auf. Das erste, was Humphrey ins Auge sprang, war das weit aufgeriffene schwarze Maul eines rostbraunen und völlig leeren Panzerschranks. Das nächste, daß bie Detektive Ferguson und Hooten bewußtlos und stöhnend nebeneinander säuberlich aus= aerichtet auf ihren Doppelbetten lagen, weder ge= fesselt noch geknebelt, sondern mit Aether betäubt und so bewußtlos, daß ein Chirurg an ihnen seine Freude gehabt und bie kunstvollsten Operationen hätte.ausführen können. Humphrey hatte keisie Ahnung davon, wie man einen betäubten Mann zu sich bringt. Auf jeden Fall eilte er zunächst zur Wasserleitung und goß jedem der beiden eine halbe Karaffe Wasser über den Kopf. Zanten ging mit versteinertem Gesicht in der Kabine umher, machte mal vor Ferguson, mal vor Hooten und dann wieder vor dem geplünderten Panzerschrank halt und murmelte leer und schlaff: „Da haben wir den Salat! Da haben wir die Soße!" Er sah alt unb verfallen aus; ber Anzug schlotterte an feinem Leib. Er wackelte mit dem Kopf wie ein Greis unb tat Humphrey leib. Doch jetzt bürste man keine Zeit für Gefühle verschwenben. „Sie wissen genau so gut wie ich, Onkel Paul", rief er hastig, „wer bie Diamanten geraubt hat! Niemanb anbers als Martini! Kommen Sie sofort!" Aber ber alte Herr entzog sich seinem stürmischen Zugriff. „Ach, mein lieber Humphrey", äußerte er mit brüchiger Stimme, ber man nicht anhört, ob er selber so schwach wäre ober ob er Humphrey für. schonungsbedürftig hielte, „aber wenn Sie meinen, daß Martini es gewesen sei, was ich Ihnen auch ohne weiteres glauben will, bann kommen wir leider zu spät, um mit Eile noch etwas zu erreichen. Als wir beide uns von Fräulein Hollerthau verabschiedeten, bemerkte ich nämlich, daß Martini bie junge Dame am Haupteingang bes Speisesaals erwartet und ihr seine Begleitung für ben Abend» spaziergang angeboten hat..." „Das ist doch unmöglich!" „Ich kann mich auf meine Augen verlassen, Humphrey!" Humphrey stieß ben Absatz auf ben Boben, als wolle er das Bein bis zum Kiel herunterstohen. „Dann hat er den Schrank geleert, während wir beim Dinner faßen!" „Wahrscheinlich", gab Zanten gebrochen zu. „Die beiden Detektive haben den Saal in kurzem Abstand nacheinander verlassen. Sie selber sprachen doch noch mit Ferguson ..." „Ja. Ihn ängstigte Martinis Fernbleiben. Ich rief den Steward heran und erfuhr, Martini speise in seiner Kabine. Ferguson beunruhigte diese Nachricht sehr. Vielleicht roch er bereits den Braten und lief, um die Kabine noch zu erreichen, ehe etwas geschehen könnte ..." Humphrey zerrte an den Seidenaufschlägen feines Smokings; er schien große Lust zu haben, ihn sich vom Leibe zu reißen. „Ich habe mich übertölpeln lassen!" stieß er wütend hervor. „Ich hätte ben Verrat merken müssen, als Martini mir mit aller Gewalt ben schwarzen Einzug aufschwatzte!" „Ich weiß, ich weiß", nickte Zanten müde, „Fräulein Carola hat mir bie Geschichte erzählt... Aber wie hätt' ich mißtrauisch werden sollen? Am ersten Tage ber Fahrt —!" * Humphrey schüttete einen neuen Wasserschwall über die zwei Betäubten. Er rüttelte sie, aber sie fielen schwer zurück. „Nacheinander hat er sie fertig» gemacht. Zuerst Ferguson, ber ihn wahrscheinlich mitten bei ber Arbeit bebrüefte, und bann Hooten, der kurz vor Beendigung des Dinners ben Speisesaal verließ. Jawohl! Aber, bitte, wie soll man sich bas erklären, daß er fünf Minuten später bie Steine bereits beiseitegeschafft hatte unb an ber Speife- faaltür erscheinen konnte, wie?" „Durch einen Helfershelfer vielleicht?" mutmaßte Zanten. „Woburch sonst?" schrie Humphrey erbost. Der alte Herr zuckte zusammen. Er war offenbar mit feinen Nerven fertig. „Brüllen Sie doch nicht so, Humphrey!" bat er flehentlich. „Mir dreht sich ja schon ohnehin ber Kopf." (Fortsetzung folgt.) zeknen Stangen und Pfählen, von waagerecht liegenden Platten und anderen schlecht erkennbaren Gegenständen ist unzulässig. Nunmehr ist für die Kenntlichmachung nach hinten herausragender Ladungen bei Tage eine rote, mindestens 20X20 Zentimeter große Flagge, bei Dunkelheit oder starkem Nebel mindestens eine rote Laterne zwingend vorgeschrieben. Damit diese Warnungen auch von den nachfolgenden Fahrzeugführern erkannt werden können, dürfen die Laternen nicht höher als 125 Zentimeter über dem Erdboden angebracht werden. Ab 1. April keine Wirtschastswerbung mit Verkehrszeichen. Die von Jahr zu Jahr wachsende Geschwindigkeit der Fahrzeuge, besonders auf den Landstraßen, hat die Polizei veranlaßt, sämtliche Verkehrszeichen so klar zu halten, daß sie sckon von weitem erkennbar sind. AuS diesem Grunde wurde auch im § 50 der StVO, verordnet, daß Wirtschastswerbung in Verbindung mit Verkehrszeichen bis zum 31. März 1938 zu beseitigen sind. Einrichtungen aller Art, die durch ihre Form, Farbe oder Größe sowie Ort und Art der Anbringung zu Verwechslungen mit Verkehrszeichen und -einrichtungen Anlaß geben, oder deren Wirkung beeinträchtigen können, dürfen an öffentlichen Straßen nicht angebracht werden. Aus der engeren Heimat. Mit dem Auto überschlagen. # Allendorf (Lahn), 4. Jan. Unweit unseres Ortes auf der Hauptstraße Koblenz—Gießen ereignete sich ein D e r k e h r s u n f a l l, der die schlimmsten Folgen nach sich ziehen konnte. Der Versicherungsbeamte Walle aus Frankfurt, der mit seinem Auto aus der Richtung Wetzlar kam und Frau und Sohn bei sich hatte, verlor in der Kurve des Abhanges vor dem Kleebach die Herrschaft über den Wagen, das Auto geriet ins Schleudern und kippte schließlich um, so daß die Räder nach oben standen. Die Insassen mußten sich durch die zertrümmerten Fenster den Weg ins Freie suchen. Obwohl der Wagen fast völlig zerstört wurde, kamen die Insassen wie durch ein Wunder ohne jegliche Verletzung davon. Landkreis Gießen. # Allendorf (Lahn), 4. Jan. Der Turnverein hielt sein Winteroergnügen ab, das ausschließlich der Unterhaltung gewidmet war. Vereins- führer A. L u h begrüßte die Teilnehmer. Die Leitung des Abends lag in Händen des Kameraden Ernst Volk, der sich um die Aufführung einiger Theaterstücke und um den Vortrag humorvoller Gedichte bemüht hatte. Die Darbietungen fanden lebhaften Beifall. Die Pausen füllten Kameraden vom Musikkorps des^JR. 116 mft guter Musik aus. Eine Verlosung brachte den Gewinnern schöne Gebrauchsgegenstände. Im Verlaufe des Abends wurden auch einige treue Mitglieder ausgezeichnet. Für 25jährige treue Mitarbeit wurden die Turner Anton P l i t s ch, Friedrich L u h und Friedrich Heinrich mit Diplomen bedacht. □3 Reiskirchen, 4. Jan. Der G e s,a n g v e r- € i n „Harmonie " vereinigte Mitglieder und Gäste zu einem Wintervergnügen im Saale „Zum Hirsch". Musik und ein Liedvortrag des Vereinschores gingen der Begrüßungsansprache des Vereinsführers voraus. Im Mittelpunkt des Abends stand die Aufführung zweier Theaterstücke, die sehr beifällig ausgenommen wurden. Weitere Liedvor- träae, musikalische Darbietungen der Kapelle Nicolai und eine Verlosung füllten die Abendstunden aus. ch Lauter, 4. Januar. Im abgelaufenen Jahr waren hier neun Geburten (fünf Knaben und vier Mädchen) xu verzeichnen. Drei junge Erdenbürger (zwei Knaben und ein' Mädchen) erblickten im Krankenhaus zu Laubach das Licht der Welt. Es beläuft sich somit die Zahl der neugeborenen Kinder rm abgelaufenen Jahr auf zwölf (sieben Knaben und fünf Mädchen). Verstorben sind drei Personen. Sechs Paare schlossen im abgelaufenen Jahr die Ehe. )( Lick, 4. Jan. Aus der kirchlichen Statistik: Im Jahr 1937 wurden in der evangelisch- lutherischen Gemeinde Lich 74 Kinder getauft, 40 Kinder konfirmiert, 15 Paare getraut und 26 Personen beerdigt. Nach ylter Sitte werden in den Neujahrsgottesdiensten die Namen der drei ältesten verstorbenen Gemeindeglieder verlesen. Es waren diesmal: Margarete Mitnacht, geboren am 28. Oktober 1847; Philipp Reinhard Heller, geboren am 17. Januar 1845 und Thusnelda Ernestine Junker, geboren am 7. Oktober 1855. od Langsdorf, 4. Jan. Einem Sohne unserer Gemeinde wurde eine wertvolle Auszeichnung zuteil. Dem Unteroffizier Richard Köhler vom Artillerie-Regiment 72 in Wiesbaden wurde durch den Führer und Reichskanzler die Rettungsmedaille verliehen. Köhler hatte im vergangenen Jahr auf dem Truppenübungsplatz Münsingen einen Kameraden vom Tode des Ertrinkens gerettet. Kreis Wetzlar. (D Krofdorf-Gleiberg, 4. Jan. Die von Behörden und Eltern gewünschte Einrichtung von S ch u l s p a r k a s s e.n hat sich auf dem Lande durchweg gut bewährt. Lehrerschaft und Kassen arbeiten Hand in Hand und erziehen bewußt die junge Generation zum rechten Sparen. So weist die hiesige Schulsparkasfe, die der örtlichen Genossenschaftskasse angegliedert ist, mit Ablauf des Jahres 1937 nach dreijähriger Tätigkeit Einzahlungen in Höhe von 6000 Mark auf. Fast alle Schulkinder besitzen Sparbücher, manche verfügen schon über eine ansehnliche Sparsumme, die ihnen bei der Schulentlassung oder im späteren Leben sehr zustatten kommen wird. Das Sparmarken -System hat sich gut bewährt. Die Dorfkasse vermittelt durch die Schule Sparmarken von 5, 10, 20 und 50 Pf., die in eine kleine Mappe eingeklebt werden. Je nach dem geklebten Wert schreibt die Kasse dann den Sparbetrag dem Sparkassenbuch gut. Die damit verbundene umfangreiche Kleinarbeit wird reichlich aufbewogen durch das Bewußtsein, volkspolitische Erziehung an der Jugend zu leisten und gleichzeitig einen Stamm von Sparern für die Zukunft heranzubilden. Kreis Marburg. LPD. Marburg, 4. Jan. Dem bekannten hessischen Heimatschriftsteller und Volksdichter Heinrich Naumann in Nanzhausen bei Lohra wurde vom Waffenring der Deutschen Kavallerie in Anerkennung seiner verdienstvollen Tätigkeit um die Erhaltung der Tradition der alten ruhmreichen deutschen Kavallerie die Mackensen - Ehrenschnalle 1. Klasse verliehen. Der nunmehr 81jährige Heimatschriftsteller ist ein Reitersmann von altem Schrot und Korn. Er hat seine Dienstzeit bei einem Dragonerregiment in dem bekannten Buch „Wie ich Soldat war" geschildert. darunter acht aus 142 Meldungen eingegangen, it-frtif nnh hontfcKö Der Ha r z e r S k i kommenden Sonntag, schäft von Lollar in Großen-Buseck. ging um! Deutschland. Sechs deutsche Fahrer starten in Pa- die Punkte. Großen-Buseck trat mit Ersatz an, die lermo, einer in Reval und einer m Stavanger. zniiriT Ü(»..ax.funn mta hör orftpn ffff in * i - Staffellauf wird am lui.......„y, 9. Januar, zum 15. Male durchgeführt. Er führt über die altbekannte Strecke vom Brocken nach Altenau. ' Großen-Buseck! — Sportv. Lollar ll 5:3 (2:3). Am Sonntag weilte die spielstarke zweite Mann- Der SC. For st haus st raße Frankfurt wirkte beim Eishockeyturnier in Kandersteg (Schweiz) mit. Das Spiel gegen den HC. Kandersteg endete 0:0, im Treffen gegen Mailand unterlagen die Frankfurter mit 0:3 Toren. Mailand besiegte dann auch Kandersteg mit 4:2 und wurde damit Turniersieger. * Der Auto-Rennfahrer Hans Ruesch (Schweiz) ist auch ein erfolgreicher Bob-Fahrer. Beim ersten größeren Rennen in St. Moritz siegte Ruesch in. zwei Fahrten. * zu Henß gab, dieser verlängerte zu Hofmann, der wiederum in schöner Flanke zum vorausgelaufenen Harbach II. abgab; ihm gelang dann unhaltbar der vierte Erfolg. Bei einem weiteren Sturm auf das Gästetor konnte Balser durch einen seelenruhigen Nachschuß auf 5:3 erhöhen. Schiedsrichter Nesiel- dreher hatte ein leichtes Amt. Die Jugend von Großen-Buseck weilte in Wie- seck zum Verbandsspiel und mußte sich der körperlich stärkeren Platzelf beugen. Ergebnis 4:2 für Wieseck! Freundschaftsspiele des SV. 1920 Heuchelheim. Noch im alten Jahre weilte die Bezirksklassenelf Ober-Mörlen in Heuchelheim und konnte nach schönem Kampfe mit 4:2 die Gastgeber besiegen. Sonntag, 2. Januar, zogen die Heuchelheimer mit zwei Mannschaften nach Ober-Mörlen, um das Rückspiel auszutragen. Die Blauweißen, durch Ersatz geschwächt, zeigten sich trotzdem im Feldspiel den Einheimischen gewachsen. In der ersten Halbzeit hätten die Gäste sogar den Sieg sicher stellen können, wenn der Sturm es verstanden hätte, die zahlreichen Torgelegenheiten auszuwerten. Bei Halbzeit führten die Einheimischen mit 2:0. Nach der Pause gelang es W. Schmidt eine sich bietende Gelegenheit blitzschnell auszunutzen. Doch bald vergrößerten die nun besser werdenden Gastgeber ihren Vorsprung auf 3:1. Noch einmal drehten die Gäste mächtig auf und einige Kombinationszüge schafften brenzliche Situationen im Strafraum. Doch der Mangel an präzisen Torschüssen verhinderte jeden Erfolg. Zum Schluß kontne Ober-Mörlen durch Bombenschuß auf 4:1 erhöhen. Die Reserven beider Mannschaften lieferten sich einen hartnäckigen Kampf, der torlos verlief. Hier zeigten die Gäste die bessere Partie, es gelang jedoch kein erfolgreicher Torschuß. <üur$e Sportnotizen. Zur Monte Carlo-Sternfahrt, die Ende des Monats gestartet wird, sind insgesamt Gäste hatten VerLärkung aus der ersten Els in ihren Reihen. Die Platzbesitzer erschienen mit Koch; Brück, Eisenmc.cher; Rohrbach, Harbach IL, Belloss; Hofmann, Henß, Harbach L, und Balser. Es entwickelte sich ein flotter Kampf, der reich an schönen Kombinationen war, die aber zunächst nichts einbrachten. Erst ein schönes Zusammenspiel der Busecker Innenstürmer brachte durch Harbach I. den ersten Erfolg. Bald darauf kam Henß xum zweiten Erfolg für die Platzbesitzer Nun drehten die Gäste auf, sie verkürzten durch ihren Halblinken auf 2:1, und kamen wenig später durch eine schwache Abwehrleistung des einheimischen Torhüters zum Ausgleich. Ja, sie vermochten durch ihren Mittelläufer sogar mit 2:3 in Führung zu gehen. Aber die Busecker gaben sich nicht gestylt' gen. Balser glückte kurz nach der Pause der Ausgleich. Dann kam ein überlegt abgewehrter Ball zu Harbach II., der einige Gegner umspielte und Kluges zweiter australischerRennerfolg Seinem großen Weihnachts-Erfolge in Australien hat der deutsche Motorradmeister Ewald Kluge schon wenige Tage später einen neuen anreihen können und damit gleichzeitig dem deutschen Motorradsport zu einem hervorragenden Start im Jahre 1938 verholftn. Auf einem 5 Kilometer langen Straßendreieck mit vielen Kurven wurde am Dienstag um die „Balla- rat-Centenay-Trophy" gekämpft. Kluge gewann auch diesmal die 250-cew-Klasse auf seiner schnellen Auto-Union-DKW. ganz überlegen und holte sogar noch eine um 12 Sekunden bessere Zeit heraus als der Sieger der 350er-Mafchinen. In 23:56 Sekunden ließ er die beiden Australier Heymann auf Ex- celsior (25:38) und Donovan auf New Imperial (25:41) weit hinter sick. Kluge wurde nach seinem Siege von einer riesigen Zuschauermenge, in der die deutsche Kolonie wieder stark vertreten war, stürmisch gefeiert. Für ihn gibt es fetzt eine dreiwöchige Pause bis zum 1. Februar. DieSpiele derFußball-SauligaHessen Das Programm der Gauliga Hessen verzeichnet folgende Begegnungen: SpD. Kassel — BC. Sport Kassel; FC. Hanau 93 — Borussia Fulda und Hessen Hersfeld — VfB. Friedberg. Meister Spielverein Kassel muß sich zusammenreißen, wenn er nicht bald die führende Stellung verlieren will. Auch der Kampf gegen den Lokalgegner BC. Sport Kassel wird für ihn nicht leicht sein. Schon im Vorspiel rettete der Neuling einen Punkt. Hanau 93 ist gegen Borussia Fulda in Front zu erwarten, ebenso darf man Hessen Hersfeld einen Sieg über den VfB. Friedberg zutrauen, doch sollte der Erfolg Friedbergs über den Spielverein die Hersfelder zur Vorsicht mahnen. Fußball her Kreisklaffen. Wirtschaft. Neuregelung her Schweine- unh Sch-ofpreise für 1938. Unveränderte Großvieh- und kätberpreise. Frankfurt a. M., 4. Jan. (Fwd.) Für das Jahr 1938 sind dieser Tage Einzelheiten des Verkehrs mit Schlachtvieh und Fleisch durch eine Generalregel neu geordnet worden. In der Preisregelung für Schlachtvieh ist die Neufestsetzung der Schweinepreise von befon» derer Bedeutung. Es handelt sich hierbei um Maßnahmen, die vor einiger Zeit zur Sicherung einer vollständigen Verwertung der Rekordkartoffelernte und zur Erhöhung des Schweinebestandes und des Schweinefleischanfalls ergriffen worden sind. Die jahreszeitlichen Zu- und Abschläge auf die Grundpreise sollen eine möglichst gleichmäßige Beschickung der Märkte gewährleisten. Die Preise für Groß- v i e h und Kälber bleiben gegenüber 1937 unverändert. Bei Hammelfleisch wird dagegen eine Preisherabsetzung vorgenommen, um den Absatz von Hammelfleisch im Kleinverkauf zu heben. Dementsprechend sind auch die Höchstpreise für Schafe neu g e - regelt würden. Die neuen, vom 3. Januar 1938 ab gültigen Grundpreise für Schweine für die ins Rh ein-Main-Gediet fallenden Schlachtviehmärkte Frankfurt a. M., Mainz, Wiesbaden, Darmstadt und Worms stellen sich wie folgt: Schlacht- w e r t k l a s s e n : a) 55—57, bl) 55—56, b2) 54—55, c) 52—53, d—f) 50, gl) 54, g2) und h) 52. Die angegebenen Grundpreise erfahren je 50 kg Lebendgewicht vom 3.1. bis 28.5.1938 einen Abschlag von 0,50 RM., vom 18. 7. bis 4. 9.1938 einen Zuschlag von 3,00 RM., vom 5. 9. bis 2.10.1938 einen Zuschlag von 2,00 RM. Die neuen Höchstpreise für Schafe lauten auf den Märkten im Rhein-Main-Gebiet wie folgt: Schlachtwertklasse: Lämmer und Hammel al) und a2) 46—52, c) und d) bis 45. Schafe: a) und b) 33—42, c) bis 32. Die obere Preisgrenze darf bei allen Schlachtwertklassen nicht Überschritten werden. Soweit eine untere Preisgrenze festgesetzt ist, darf diese nicht unterschritten werden. Rhein-Mainische Börse. rNilkagsbörfe fest. Frankfurt a. M„ 4. Jan. Die Börse setzte am Aktienmarkt ihre Aufwärtsbewegung fort. Der Zinstermin machte sich in weiteren Anlagekäufen geltend. Das Geschäft war jedoch nur teilweise etwas lebhafter, da es im großen und ganzen an entsprechendem Angebot fehlte. Hieraus erklären sich auch z. T. sprunghafte Kurserhöhungen, immerhin ergaben sick) durchschnittliche Befestigungen von 1 v. H. Die feste Haltung wurde unterstützt durch die Ausführungen von Staatsrat Reinhart über die neuen Aufgaben des Bankgewerbes, auch die Mitteilungen über die Entwicklung Steueraufkommens hinterliehen einen günstigen Eindruck. Im Vordergrund des Inter- elfes standen am Montanmarkt Verein. Stahlwerke mit 115,50 bis 115,75 (133,90), Hoesch, Klöckner und Buderus zogen bis 1 v. H. an. Stärkere Nachfrage verblieb ferner für Mafchinenaktien, die bis 1 v. H. anftiegen; darüber hinaus befestigten sich Moenus auf 126 bis 126,50 (125) und Gebr. Jung- hans (prangen sogar um 3,25 v. H. auf 126,25. IG. Farben zogen bei etwas größeren Umsätzen auf 161 (159,90) an, ferner kamen AG. für Verkehr mit 133,50 (131,75), Adlerwerke Kleyer mit 110 (108,75), Westdeutsche Kaufhof mit 59,50 (58,50), Bemberg mit 140 (139), Rütgerswerke mit 151 (150), Reichsbank mit 209,75 (209,25), Aschaffenburger Zellstoff mit 144,50 (144), AEG. mit 122 (121,75), RWE. mit 130,50 (130,25) und Deutsche Linoleum mit 164 (163,50) zur Notiz. Nicht ganz behauptet lagen Zellstoff Waldhof mit 151,25 (151,50) und Kali Aschersleben mit 115,50 (116), ferner lagen Schuckert 1,50 o. H. schwächer mit 176. Am Rentenmarkt war die Haltung gleichfalls weiter fest, das Geschäft hatte ebenfalls keinen größeren Umfang. Reichsaltbesitz stiegen auf 129,70 (129,30), Reichsbahn-Vorzugsaktien auf 129,40 (128,75). Kommunal-Umschuldung lagen mit 94,90 unverändert. Am Pfandbriefmarkt ergaben sich bei starker Nachfrage teilweise Erhöhungen bis 0,25 d. H. Goldpfandbriefe der Frankfurter Hyp. und Frankfurter Pfandbrief-Bank sowie der Meininger Hyp. Bank stiegen auf Pari (99,75). Li-> quidationspfandbriese bröckelten zumeist 0,13 v. H. ab, Rheinische um 0,25 v. H. aus 101,75. Kornrnu« nal-Obligationen und Stadtanleihen notierten unverändert. Industrie-Obligationen lagen uneinheitlich, niedriger 5 v. H. Union Rheinbraun 103,40 (103,75). Don den variablen Werten erhöhten sich Reichsbahn-Vorzugsaktien auf 129,50 nach 129,40. Im Verlaufe blieb die Haltung unverändert fest, die Kurse unterlagen jedoch kleinen Schwankungen. Das Geschäft konnte sich kaum vergrößern. U. a. notierten: IG. Farben 160,50 bis 160,75 bis 161,75 nach 161, Verein. Stahl 115,25 dis 115,75 nach 115,75, Hoesch 117 bis 116,75 nach 116,75, andererseits Mannesmann 116,50 üach 116, Bemberg 140,50 nach 140. Von erst später notierten Werten stiegen Scheideanstalt auf 253,25 (252), Rheinstahl auf 147,50 (146,25), Feldmühle Papier auf 137,50 (135,50). Der Einheitsmarkt nahm gleichfalls einen festen Verlauf. Der Freioerkehr war fest. Dingler Maschinen 84 bis 85,50 (83,50), Wayß & Freytaq 148 bis 150 (147), Katz & Klumpp 106,50 bis 108,50 (105,50), Elsäss. Bad. Wolle 82 ckis 84 (80), Verein. Fränk. Schuh 71 bis 72 (70,50). Tagesgeld wurde auf 2,25 (2,50) v. H. ermäßigt. a Abendbörse weiter fest. Die Abendbörse war auf der ganzen Linie weiter / fest. Aus dem Publikum setzten sich die Käufe fort, während sich das Angebot weiterhin in engen Grenzen hielt, lediglich seitens der Berufskreise erfolgten verschiedentlich kleine Abgaben, so daß die Umsätze teilweise etwas größer waren. Gegenüber dem Mittagsverkehr stellten sich neue Erhöhungen von durchschnittlich "0,50 bis 1 v. H. ein, teilweise betrugen sie bis 2 v. H., so daß auch der Berliner Schluß vielfach bis 1 v. H. überschritten wurde. Verhältnismäßig ruhig lagen Bergwerksaktien. Fest lagen jedoch Buderus mit 124 (122,75), Rheinstahl waren 0,90 v. H. höher angeboten mit 148,40, Hoesch zogen 0,50 v. H. an auf 117,25, während Verein. Stahl 0,25 v. H. nachgaben auf 115,50. Lebhaft waren IG. Farben mit 162,50 (161,75) und zeitweise 162,75 bis 163. Stärkere Steigerungen hatten Gesfürel mit 148,75 (147), Feld wühle Papier mit 139,25 (137,50), Th. Goldschmidt mit 142 (140), Rütgerswerke mit 153 (151) und je 1 v. H. höher notierten Demag mit 146,75, Zellstoff Waldhof mit 152,25, bei den übrigen Werten betrugen die Besserungen 0,50 bis 0,75 v. H. Leicht ermäßigt waren Bemberg mit 140 (140,50), Conti Gummi mit 191,50 (192). Am Einheitsmarkt zogen Bankaktien weiter an, Deutsche Bank 125,75 (125,50), Commerzbank 119,13 (119), Pfälz. Hyp.-Bank 109 (108,50). Das Rentengeschäft hielt sich in engem Rahmen. Farben-Bonds weiter erhöht auf 131 (130,65), ferner Kommunal-Umschuldung auf 94,95 (94,90), ReichsbahmDA. unverändert 129,50, ebenso 4,50 v. H. Krupp mit 100. Im Freioerkehr waren Wayß & Freytag weiter fest mit 150 bis 151 (149), ebenso Katz & Klumpp mit 108 bis 109 (107,50) und Schuhfabrik Herz mit 121 bis 122 (120). Frankfurter Pferdemarkt. F r a nkfurt a. M., 4. Jan. Der erste diesjährige Frankfurter Pferdemarkt holte infolge der Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 v H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt o. M. Berlin Schlußkurs Schluß'. Abendbörse Schluß- kurs Schluß! Mittagbörse Schlußkurs Schluß?. Abend börse Schluß- kurs Schluß Mittag« bSri« Damm 3.1. 4.1. 3-1. 4.1. Datum 3.1. 4.1. 3.1. 4.1. 5% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 101,85 101,75 101,6 101,5 Aceumulatoren-Fabrik.......14 227,5 228 225 228 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 99,8 99,65 99,8 99,65 Aschaffenburg Zellstoff........6 144 144 ,5 144,5 145 4*4% Deutsche Reichsschatzanwei- 100,25 — _ Bemberg......... .. O 139 164,5 140 165,5 137.75 164.5 139,75 165,25