Nr. 252 Erstes Blatt 188. Jahrgang Dienstag, 4-Oktober 1958 krlcheinr tügllch. autz« Sonntags und Feiertags Beilagen: Dte Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle ölonats» Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr e -.25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Kernsprechaufchlüsie unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Sieben Postscheckkonto: „ firanffurt am Main 11688 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Druck und Verlag: vrühlsche Unloerfitätsdruckerei «.Lange in Sieben. Schristleitvng und Geschäftrftell«: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen Mi die Mittagsnummer vis8'/.UHr des Vormittags Grundpreise für \ mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Npf., für Testanzeigen von 70mm Breite 50Rpf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg. 25"/, mehr. ErmShigte Grundpreise: Stellen:, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder», Unterrichts» u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Das Gudetenland empfängt seinen Befreier. Beispiellose Szenen jubelnder Begeisterung und dankbarer Freude beim Einzug des Führers ins befreite Egerland. bader Quellwasser. Hier trägt sich der Führer auch in das Goldene Buch dieses bekannten Badeortes ein. Auf der Weiterfahrt nahm der Führer auf freiem Felde inmitten seiner führenden Wehrmachtsoffiziere ein militärisches Mittagsmahl ein. Wenige Minuten später konnte dann auch die Hauptstadt des Egerlandes ihrem dankerfüllten Herzen Luft machen. Egerland. Adolf Hitler, der Befreier des sudetendeutschen Gebietes, hat inmitten der die dritte Zone besetzenden deutschen Truppen das Egerland besucht. Er hat die tiefe und vom Tschechenterror erlöste Liebe der Befreiten entgegengenommen und die urdeutsche Stadt Eger, in der Wallenstein durch Habsburgs Tücke fiel, die Stadt einer alten deutschen Kaiserpfalz betreten. Untrennbar ist das Egerland mit der deutschen Geschichte verbunden. Dieser nordwestliche Teil Böhmens bildet den Uebergang zu den deutschen Siedlungsgebieten des Böhmerwaldes. Das Egerland selbst umfaßt neben den zahlreichen Badeorten, den Metall- und Keramikfabriken und den Kohlenlagern auch ein größeres landwirtschaftliches Gebiet, hauptsächlich im unteren Egerland, wo die Berge etwas zurücktreten. Dort ist eine der Kornkammern Böhmens. Diese Kornkammer ist das Gegenstück zu dem ebenfalls vorwiegend bäuerlichen Braun- auerLändchen im Osten Nordböhmens. Fast die Hälfte des Gebietes ist lOOprozeitig deutsch, das übrige Gebiet ist von 70 bis 90 und der Rest von 50 bis 70 v. H. Deutschblütigen besiedelt. Die alte Reichsstadt Eger hat städtebaulich den mittelalterlichen Charakter erhalten. Besonders in der Zeit während und nach der Befreiung Deutschlands von napoleonischem Joch war das Egerland mit den westböhmischen Weltbädern Karlsbad, Marienbad, Franzensbad, Teplitz dem deutschen Kulturkreis eng verbunden. Goethe weilte nicht weniger als 19mal tm Egerland, in seiner geliebten „Sommerheimat". Schiller und Herder, Mozart und Beethoven, Fichte und Körner, Kleist und Blücher hielten sich dort auf. Richard Wagner liebte dieses Land und der liebenswerte Maler deutscher Sitte, Ludwig Richter, kam oft aus Meißen herüber und legte in seinen volkstümlichen Holzschnitten und Radierungen den urdeutschen Geist seiner Bewohner dar. Es ist das Land, in dem deutscher Kunstfleiß herrliche Geigen schuf, weibliche Hände zarte Spitzen klöppeln, die Glasmacherkunst die herrlichen Eger- manngläser hervorbrachte und die Liebenswürdigkeit und mannhafte Standfestigkeit seiner Bewohner, die den berühmten Egerländer Marsch schufen, sich tapfer gegen die Tschechisierung wehrten. Die „Egerländer Gmoa" hat in den Zeiten der Unterdrückung für die deutsche Sache im Reiche in vorbildlicher Weise gewirkt. Jetzt ist das Egerland endgültig ein Glied jenes vielgestaltigen Großdeutschlands geworden, das aus der Vielheit zur Einheit erwuchs und dessen Führer Adolf Hitler die großdeutsche Ahnung stolze Wirklichkeit werden ließ. Im August 1848 fand in Teplitz der erste deutsch-böhmische Landtag statt, der beschloß, seine Abgeordneten in die Paulskrrche zu Frankfurt a. M. zu senden, um d^rt für den großdeutschen Gedanken einzutreten. Er ist jetzt erfüllt, und ganz Deutschland wird den Jubel der Egerländer nachempfinden, der wie Flügel der Liebe und Dankbarkeit den Führer umgibt, der die Freiheit allen Deutschen erkämpfte. 0.8. Unser Bild zeigt Adolf Hitler bei seiner Fahrt durch das Meer der jubelnden Menschen und wehenden Fahnen in Asch. — (Scherl-Bilderdienst, Berlin.) ' ' - < s < & V v> ; ,-A ■ -j h L *> • crM / - ■ Mp ■ ' ' % W f W - ’ w " * Fahri über die Grenze. Eger, 3. Okt. (DRB.) Rach dem begeisterten Empfang in Hof, dessen ganze Bevölkerung zu Ehren des Befreiers des Sudetenlandes auf' den Beinen war, geht es in schneller Fahrt über Rehau und Selb an die ehemalige Reichsgrenze. Flugzeuge der deutschen Luftwaffe brausen über der Wagenkolonne des Führers hinaus ins deutsche Sudetenland. Im Grenzort Wikdenau kündet noch ein Schild die bisherige Reichsgrenze an. Roch einmal senkt sich inmitten der vor Freude jauchzenden Männer und Frauen der Schlagbaum. Dem Führer wird Meldung erstattet. Es ist 11.20 Uhr. Der Führer hat sich zum Wagen zurückbegeben, und nun passiert der Befreier des Sudetenländes die Grenze, die auszulöschen seiner genialen Politik gelungen ist, um inmitten seiner stolzen Wehrmacht selbst zu den Sudetendeutschen zu kommen. Der Musikzug eines SA.-Sturmes spielt die Nationalhymnen, und langsam gleitet der mit Blumen überschüttete Wagen des Führers ins freie deutsche Egerland. Die Einwohnerschaft aller Flecken und Dörfer, die Adolf Hitler zunächst passiert, ist zur Stelle und jubelt dem Führer mit grenzenloser Begeisterung zu. Wenige Minuten später trifft Adolf Hitler i n As ch ein. Am Marktplatz wird haltgemacht. Ein einziger Jubelschrei, der überhaupt nicht wieder aufhören will. Männer und Frauen tränenden Auges winken und jubeln und schwenken ihre Fähnchen. Auf dem Marktplatz läßt sich der Führer zunächst die Mitglieder der Bezirksleitung vorstellen, die er einzeln mit Handschlag begrüßt Auch viele Freikorpsmänner haben hier Aufstellung genommen. Einer von ihnen berichtet dem Führer, der ihm darauf mit Worten des Dankes für oen restlosen Einsatz die Hand reicht. Der Führer geht auch zu den Männern und Frauen, die in Massen ihm unaufhörlich ihr „Heil!" zurufen, dankt und dankt immer wieder. Die Menschen wissen sich vor Freude und vor Rührung nicht zu fasten. Dann wendet sich die Wagenkolonne wieder. Langsam fährt der Führer durch das erneut von tosendem Jubel und jauchzendem Dank erfüllte Asch. Um 12.30 Uhr trifft der Führer in Franzensbad ein, wo inmitten der jubelnden Masten besonders zahlreiche Egerländer Männer und Frauen in ihren Trachten aufmarschiert sind. Auch hier will der Dank an den Führer schier kein Ende nehmen. Mitten im Kuroiertel von Franzensbad, am Franzquell, kredenzen Egerländer Mädchen in ihrer Tracht dem Führer einen Schluck Franzens- ■ ■ ■ U fi ,4 ~ < MM | sS - ■ -,z ■ ■ Am Montagvormittaq überschritt derFührerundReichskanzlerin Wildenau die frühere deutsch-tschechische Grenze, um seinen Einzug in das befreite Egerland zu halten. Links vom Wagen Konrad Henlein, der Reichskommissar für die sudetendeutschen Gebiete. — (Scherl-M.) Aach 600 Zähren heim ins Reich. Die alte Reichsstadt Eger feiert den Führer. Es ist 13.25 Uhr. Da tost das Brausen der Heilrufe durch die Straßen Egers: Der Führer i st d a. Die Menschen sind fassungslos vor Freude. Sie rufen und schreien und grüßen und winken. Ein wahrer Blumenregen geht auf die Straßen nieder, die der Führer langsam und nach allen Seiten dankend durchfährt. Bor dem Stadthaus verläßt der Führer den Wagen. Zwei Kinder in Egerländer Tracht überreichen dem Führer Blumen. Dann steigt er die alte Treppe hinauf zum Rathaussaal. Hier sind auf einem großen Tische die Urkunden der Stadt ausgebreitet. Kreisleiter W o l l n e r gibt aus übervollem Herzen der Freude des Sudetendeutschen Landes in fchliechten Worten Ausdruck und dankt dem Führer dafür, daß er den Glanz alter deutscher Kaiserzeit in dieser Stunde und in dieser Stadt zu neuem Leben erweckt habe. Der Führer dankt ihm und betont, daß er sich an die Spitze seines Kampfes den Satz gestellt habe, die zehn Millionen Deutsche, die vom Reiche getrennt waren, wieder zurückzuführen in das Reich. An diesem Tage werde dieser Entschluß von ihm verwirklicht. Hinter dem Deutschtum im Sudetenland stehe von jetzt ab die ganze deutsche Nation. Dann wende! sich Konrad Henlein an den Führer. Er weist daraufhin, daß Eger ursprünglich reichsunmillelbares Gell i e! war, das während des Thronstreites zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen von Oesterreich als Pfand dem Böhmenkönig übergeben wurde, der wertvolle Kriegs- und Geldhilfe geleistet habe. Noch vor der Verpfändung übergab Ludwig dem Rate der Stadt Eger eine Urkunde, in der es heißt: „Wisset, gewinnen wir Gewalt, die wir zu Recht haben sollen, daß wir immer danach trachten wollen, wie wir auch Luch zum rechten Staat w i ederbringen und Euch erlösen." Dieses Königswort ist, so schloß Konrad Henlein, durch mehr als sechshundert Jahre nicht eingelöst worden. Sie, mein Führer, haben es nun auch ermöglicht, daß Eger wieder ins Reich zurückkehren darf. Mit diesen Worten übergab Konrad Henlein dem Führer eine Urkunde aus dem Jahre 1315, in der dem Bürgermeister von Eger die Verpfändung der reichsunmittelbaren Stadt Eger an die Krone von Böhmen angekündet und der Stadt die Reichsunmittelbarkeit garantiert wird. Der Führer verläßt das Stadthaus. Auf dem Hof sieht der Führer an der dem S t e r b e z i m - mer Wallen st eins gegenüberliegenden Wand das Wort, das Felix Dahn 1897 an Badeni als Protest gegen die Sprachoerordnung schrieb: „Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk; das höchste Gut des Volkes ist sein Recht. Des Volkes Seele lebt in seiner Sprache, dem Volke, dem Recht und seiner Sprache treu fand uns der Tag, wird dieser Tag uns finden." Als der Führer vor dem Portal sichtbar wurde, schlug ihm erneut der unbeschreibliche Beifallssturm entgegen, der ihn auf dem Wege hierher geleitet hat. Auf dem Marktplatz schollen ihm minutenlang unaufhörlich die brausenden Sieg-Heil!-Rufe entgegen. Immer wieder vereinigten sich die überwältigenden Kundgebungen der Egerländer in dem einzigen Ruf: „Wir danken dem Führer!" Der Führer schreitet die Front der Ehrenkompanien der A-Leibstandarte Adolf Hitler und der Wehrmacht ab. Unter dem Jubel der Sudetendeutschen werden dem Führer sodann von Frauen und Mädchen in der schmucken Egerländer Tracht Blumensträuße überreicht. Als der Führer die Tribüne betritt und die Zehntausende vor ihm grüßt, da braust ihm erneut ein ungeheurer Begeisterungssturm entgegen. Erst nach vielen Minuten gelingt es Konrad Henlein, sich Gehör zu verschaffen. Des Sudetenlandes Schwur. Konrad Henlein spricht zum Führer. „Mein Führer! Meine Egerländer! Wohl selten hat unser Egerland, das reich ist an geschichtlicher Vergangenheit, einen solchen Tag erlebt wie den heutigen, und ich darf wohl sagen: Es ist der schön st e und der heiligste Tag, den wir heute erleben. (Begeisterte Heil!-Rufe und Sprechchöre: „Wir danken unserem Führer!") Denn unser Führer ist zu uns gekommen und hat' uns heimgeholt ins Reich. 20 Jahre waren wir gezwungen, in einem Staat zu leben, in den wir nicht wollten, in den wir nicht hineingehörten und der seine einzige Tätigkeit darin gesehen hat, unser Volkstum zu bedrängen. All -das Leid, die Not, das Elestd, der Kummer, die Tränen — sie lasten sich nicht in Worten ausdrücken. Das, was wir durch 20 Jahre erdulden mußten — es läßt sich nicht aussprechen. Aber um so glücklicher ist das Herz, das wir endlich, endlich frei sind. (Wieder erklingen die Sprechchöre.) Und so gilt unser Gruß dem Manne, der Deutschland aus tiefer Not emporgeführt hat zur Freiheit, emporgeführt hat zu Kraft und Stärke, dem Mann, von dem die Welt spricht und dem jeder Deutsche mit der letzten Faser seines Herzens angehört unt> verschworen ist. (Erneute Heil!«Rufe.) Und wir können ihm nicht schöner danken, ihm, der uns' und unsere Kinder vor dem sicheren Verderben geschützt hat, als daß wir den Schwur ablogen, zu ihm zu stehen in guten und bösen Tagen. Er kann sich jederzeit auf uns Egerländer verlassen. (Brausende Heill-Rufe.) So grüßen wir den Führer, so danken wir dem Führer, und so gehören wir unse- rem Führe r." Nach den letzten Worten Henleins erhebt sich aufs neue jubelnde Begeisterung, die minutenlang dem Führer entaegenbraust. Es dauert lange, bis der Führer zu Wort kommen kann, denn die ganze leidenschaftliche Freude, die unendliche innere Beglückung über die Befreiung vom tschechischen Joch äußern sich in diesem Augenblick erneut in unbeschreiblichen Kundgebungen. Nun spricht der Führer: „Die ganzeAallon fühlt nut Glich" Der Führer spricht zu den Sudetendeutschen. „Egerländer! Ich darf euch heule zum ersten Male als meine Egerländer begrüßen. Durch mich grüßt euch jetzt das ganze deutsche Volk! Es grüßt aber in diesem Augenblick nicht nur euch, sondern das gesamte Sudetendeutschland, das in wenigen Tagen restlos zum Deutschen Reich gehören lvird! Dieser Gruß ist zugleich ein Gelöbnis: Niemals mehr wird dieses Land dem Reich entrissen! Reber diesem Großdeutschen Reich liegt schützend der deutsche Schild und schirmend das deutsche Schwert. Ihr selbst seid ein Teil dieses Schuhes. Ihr werdet von jetzt ab, wie alle anderen Deutschen, euren Teil zu tragen haben. Denn es ist unser aller Stolz, daß jeder deutsche Sohn seinen Anteil nicht nur an der deutschen Freude, sondern auch an unseren Pflichten und, wenn notwendig, an unseren Opfern nimmt! Für euch war die Jlahon bereit, das Schwert zu ziehen! Ihr werdet genau so dazu bereit sein, wenn jemals deutsches Land und deutsches Volk bedroht ist. In dieser Schicksals- und Sinnesgemeinschaft wird das deutsche Volk von jetzt ab seine Zukunft gestalten, und keine Macht der Welt wird sie mehr bedrohen können. So steht heute das deutsche Volk in einer geschlossenen Einheit von Nord nach Süd und Ost nach West, alle miteinander bereit, füreinander einzustehen. Ganz Deutschland ist glücklich über diese Tage. Nicht ihr allein erlebt sie; die ganze Nation fühlt mit euch und freut sich mit euch! Euer Glück ist das Glück von den 75 Millionen des bisherigen Reiches, fo wie euer Leid bis vor wenigen Tagen das Leid von allen gewesen ist. Damit tretet ihr nun den Gang in die großedeutsche Zukunft an! Wir wollen in dieser Stunde dem Allmächtigen danken, daß er uns auf dem Dege in der Vergangenheit behütet hat, und ihn bitten, daß er auch in Zukunft unseren Weg zum Guten geleiten möge. Deutschland — Sieg-heil!" Satz für Satz dieser kurzen Ansprache des Führers wird von den Zehntausenden mit nicht enden- mollenden Heil!-Rufen beantwortet. Nach dem letzten Ruf des Führers „Deutschland — Sieg-Heil!" erklingen über den Marktplatz von Eger das Deutschland- und das Horft-Wessel-Lied, und kaum jemals sind die deutschen Nationalhymnen inbrünstiger und bewegter gesungen worden als in diesem Augenblick, da Eger' den größten Tag seiner vielhundertjährigen Geschichte erlebte. An den KamvfMen der Ggerlämer. Der Führer im verwüsteten Hotel Victoria. Nach der erhebenden Kundgebung auf dem Marktplatz begab sich der Führer mit Konrad Henlein und seiner Begleitung ins Hotel Victoria, dem früheren Sitz der Geschäftsstelle der Nach dem kurzen Besuch im Hotel „Victoria" trat der Führer die Weiterfahrt durch das Eger! and an. Er berührte nun die Leidensgebiete des Cgerlandes, die durch die vollständige wirtschaftliche Vernachlässigung fettens der tschechischen Machthaber ganz besonders gelitten haben. Man sah es an den abgezehrten und ausgemergel- len Gesichtern der Landarbeiter und Tagelöhner, sie streckten dem Führer ihre schwieligen Arbeiterhände entgegen, die altert Mütterchen grüßen mit zitternden Armen. Sie alle haben ihre halbverfallenen Katen, zu deren Instandsetzung das tschechische Regime keinen Heller übrig hatte, mit Hakenkreuzfahnen geschmückt und sind von der Feld- und Hausarbeit auf die Straße geeilt, um den Führer zu grüßen. Aus ihren Augen spricht die Hoffnung auf den Führer. Aber auch in dieser ernsten Gegend des Sudetenlandes werden immer wieder Blumen in den Wagen des Führers und der übrigen Fahrzeuge der Führerkolpnne hineingereicht, so daß bald jeder Wagen fast in ein Blumenmeer getaucht ist. Immer und immer wieder läßt der Führer seinen Wagen halten, nimmt den Männern und Frauen, den Jungen und Mädchen selbst die Blumen ab und drückt ihnen zum Dank die Hand. Ueberaü stehen die Sudetendeutschen auf der Straße, der Freikorpsmann neben dem Weltkriegsveteranen, die Jungen in den weißen oder graublauen Hemden der sudetendeutschen HI., die Frauen und Mädel in ihren schmucken Trachten oder im schlichten Arbeitskleid, mit Tränen der Freude und des Glücks in den Augen und mit bewegten Stimmen jubeln sie dem Führer zu. Fast in jedem Ort sind riesige Spruchbänder an den Häusern angebracht: „Egerland grüßt seinen Befreier", „Wir grüßen das deutsche Heer". In vielen Häusern sind Bilder des Führers und Konrad Henleins in die Schaufenster gestellt 'oder an die Wand geheftet. Beglückend war überall die enge SDP. in Eger. Das Hotel wurde von den Sudetendeutschen heldenmütig gegen die tschechischen Belagerer verteidigt, mußte ober dann aufgegeben werden und wurde von den Tschechen aus geplündert und zerstört. Kein Fenster dieses Hauses ist heil geblieben. UeberaU sehen wir in den Wänden Einschußlöcher, die Inneneinrichtung ist zertrümmert. Hier wurde schlimmer gehaust, als es sich unsere Phantasie vorstellen kann. Jeder Schrank, jedes Möbelstück ist erbrochen und ausgeplündert worden. Von roher Hand ist das gesamte Mobiliar zerschlagen worden. Hier liegt die Telephonzentrale, herausgerissen aus der Wand, dort sehen wir zerschlagene Porzellanstücke, hier wieder begegnen wir Bruchstücken aus der Mitgliederkartothek, die das besondere Ziel der Zerstörungswut der tschechischen Plünderer war. Doll Empörung sehen wir, daß die Tschechen selbst Bilder des Führers zu zerschneiden und zu zerreißen versucht hatten. Mit Hackbeilen hoben sie in sinnloser Wut auf das Mobiliar eingeschlagen, um nichts als einen Trümmerhaufen zu hinterlassen. Der Führer geht mit Konrad Henlein durch die verwüsteten Räume und sieht die Zeugnisse dieser sinnlosen Zerstörungswut. Kameradschaft zwischen Bevölkerung und Wehrmacht, Freikorps und ^-Verfügungstruppe. Besonders die sudetendeutsche Jugend hat schnell mit den Soldaten und den ^-Männern aus dem Altreich Freundschaft geschlossen. Die in das Egerland eingerückten Truppen waren besonders stolz, daß sie unter den Augen ihres Obersten Befehlshabers diese großen Stunden miterleben durften. Bei kurzen Aufenthalten unterhielt sich der Führer häufig mit den Mannschaften und Offizieren der einzelnen Truppenteile. Große Begeisterung löste es bei der Truppe aus, daß der Führer das Mittagessen mit seiner Begleitung auf freiem Felde zwischen Franzensbad und Eger einnahm. Von Eger aus berührte der Führer die sudetendeutschen Orte W i I b ft e i n und Schönbach, in denen ihm ebenfalls wieder ein überaus begeisterter Empfang bereitet wurde. Nachmittags verließ der Führer dann zwischen Schönbach und Markneukirchen das sudetendeutsche Gebiet. Der Vormarsch geht weiter. Berlin. 4. Okt. (DNV.) Das Oberfom- manbo der Wehrmacht gibt bekannt: Die Truppen des Generalobersten v. V o ck (Gebietsabschnitt II) haben am 3. Oktober, 14 Uhr, die ehemalige deutsch-kschecho-slowaklsche Grenze zwischen Elbe und Dolfsberg, südlich Zittau und im Isergebirge überschritten und find gleichzeitig aus dem Rumburger und Friedländer Zipfel wieder zum Vormarsch angetreten. Westlich der Elbe gehen Truppen des Generals der Artillerie v. Reichenau aus der Grgend ostwärts Lau nstein auf kü- nigswald vor. Sie fetzten heute. 8 Uhr, den Vormarsch über die am 3. 10. erreichte Linie zur Besetzung weiterer Teile des Gebiels- a b s ch n i t t e s III fort. 3n den Leivensgebielen des Egerlandes. Iubel und neue Hoffnung. Chamberlain berichtet dem Unterhaus über das Ergebnis von München. London, 3. Okt. (Eurqpapreß.) Am Montagnachmittag wurde im Unterhaus die außenpolitische Aussprache fortgesetzt, die am vergangenen Mittwoch durch die dramatische Ankündigung der Vier-Mächtebesprechungen in München unterbrochen worden war. Die Tribünen waren wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. In der Diplomatenloge bemerkte man den deutschen Geschäftsträger, den italienischen und den französischen Botschafter, sowie den Vertreter Sowjetrußlands. Dieser hatte sich als einziger unter den Diplomaten am vergangenen Mittwoch demonstrativ jeder Beifallsbezeugung enthalten. Die Stimmung des Unterhauses und die der Tribüne unterschied sich am Montag wesentlich von dem Pessimismus, der am vergangenen Mittwoch auf dem Hause gelastet hatte. Damals glaubte sich England am Vorabend eines Krieges, bis dann die Erklärung Chamberlains über seine bevorstehende Reise nach München den jähen Umschwung hervorrief. Am Montag aber sah sich das Unterhaus am Vorabend eines europäischen Friedens. Und als Ministerpräsident Chamberlain kurz vor Beginn der Sitzung sich auf feinen Platz auf der Regierungsbank begab, wurde er mit rauschendem Beifall begrüßt. Zunächst gab der zurückgetretene Marineminister Duff-Cooper eine Erklärung ab, in der seinen Rücktritt damit zu begründen suchte, daß die britische Regierung gegenüber den „Diktatoren" nicht die klare Sprache anwende, die erforderlich sei. Weiter beschwerte er sich über das Vorgehen Chamberlains bei den Verhandlungen, " der ohne Konsultierung seiner Ministerkollegen, ohne Beihilfe der diplomatischen Berater, Sachverständigen usw. das Münchener Abkommen unterzeichnet habe, ebenso wie er sich zur Erklärung seines Schrittes dagegen wandte, daß England eine Garantie in Mitteleuropa übernommen habe. Wenn das der Fall sei, dann solle England jetzt auch ein Heer auf dem Fe st lande unterhalten und das Aufrüstungsprogramm beschleunigen. Nach einigen ausfallenden Bemerkungen gegen Deutschland schloß er mit der Erklärung, vielleicht habe Chamberlain recht, er hoffe es und bete dafür, aber er könne nicht daran glauben. Chamberlain spricht zum Unterhaus. Ueberroältigenber Beifall überschüttete Chamberlain, als er sich unmittelbar nach den Ausführungen Duff-Coopers erhob. Er erklärte einleitend, er müsse sich Vorbehalten, später bei der Beantwortung aller seiner Kritiker auf die Rede des ehemaligen Marineministers zu antworten. Er wolle lediglich feftftellen, daß er schon wiederholt in die Lage versetzt worden sei, im Unterhaus zu hören, wie ein ehemaliger Minister seinen Rücktritt gerecht- fertigt habe. Dann führte er nach einem Bericht Des Deutschen Nachrichtenbüros weiter aus: Als das Haus am vergangenen Mittwoch zusam-1 mengetreten sei, habe man unter dem Schatten einer großen, unmittelbar bevorstehenden Drohung getagt. | Einem Krieg, und zwar in stärkerer und schrecklicherer Form, als man ihn je vorher gekannt habe, habe man anscheinend entgegensehen müssen. Bevor er aber damals habe schließen können, sei eine Botschaft eingetroffen, die zu der Hoffnung Anlaß gegeben habe, daß der Friede noch gerettet werden könne. Heute müßten alle dafür dankbar sein, daß Gebete von Millionen erhört worden seien. Er sei nicht noch München gegangen, um zu bestimmen, daß die vorwiegend deutschen Gebiete des Sudetenlandes dem Deutschen Reich übergeben werden sollten, da dies bereits beschlossen war. Nachdem die tschecho-slowakische Regierung die englisch-französischen Vorschläge angenommen gehabt habe, habe man die hiervon verschiedenen Fragen der Bedingungen und des Zeitpunktes der Uebergabe zu prüfen gehabt. Die Zeit war einer der wesentlichsten Faktoren. Ls hätte alle Elemente für den augenblicklichen Ausbruch eines Konfliktes vorgelegen, der vielleicht überstürzt eine Katastrophe hätte herbeiführen können. „Es ist wesentlich gewesen, daß wir s ch n e l l zu einer Schlußfolgerung kamen, damit diese schmerzliche und schwierige Operation einer Uebergabe durchgeführt werden konnte, und zwar zum frühestmöglichen Zeitpunkt, und damit sie so bald abgeschlossen werden konnte, als dies mit einem ordnungsmäßigen Verfahren zu vereinbaren war, um die Möglichkeit zu vermeiden, die alle unsere Bemühungen um einx friedliche Lösung nutzlos gemacht haben würden." Chamberlain setzte sich sodann mit den Bedingungen des Abkommens von München auseinander'. Er schilderte die seiner Ansicht nach bestehenden Unterschiede zwischen der Münchener Lösung und den Godesberger Vorschlägen im einzelnen und fuhr fort: „Die gemeinsame Garantie, die gemäß dem Münchener Uebereinkommen dem tschechoslowakischen Staate von der britischen und französischen Regierung gegen einen unprovozierten Angriff auf ihre Grenze gewährt wird, gibt der Tschecho-Slowakei einen wesentlichen Ausgleich. Auch ist nicht ganz unbekannt, daß Deutschland und Italien sich verpflichtet haben, ihrerseits eine Garantie zu gewähren (Gelächter bei der Arbeiterpartei), sobald die ungarischen und polnischen । Minderheitenfragen geregelt sind. Der wahre Triumph bestehe darin, daß gezeigt worden fei, daß die Vertreter von vier großen Mächten es möglich gefunden hätten, eine Uebereinstimmung über einen Weg zu finden, um eine fchwierlge Operation durchzuführen, und zwar durch Erörterung, anstatt durch den Verlust von Menschenleben. Man habe so eine Katastrophe vermieden, die der Zivilisation ein Ende bereitet Hal n würde. (Stürmischer Beifall.) Chamberlain zollte dann der Haltung der Tsche- ch o - S l o w a k e i volle Anerkennung und teilte mit, daß die britische Regierung auf das Ersuchen der tschechischen Regierung um eine Anleihe in Höhe von 30 Millionen Pfund einen Vorschuß von 10 Millionen Pfund für den dringenden Bedarf gewährt habe. Die endgültige Höhe der gewährten Anleihe hänge von Faktoren ab, die noch festzusetzen seien. Chamberlain erkannte den wertvollenBei- t r a g bes deutschen Reichskanzlers für das Zustandekommen des Abkommens vorbehaltlos an. Dann würdigte er die großen Verdienste Mussolinis und D a l a d i e r s , denen Europa und die Welt dankbar sein müßten. Der Premierminister sprach auch den Vereinigten Staaten und den Dominien seinen besonderen Dank für das Interesse aus, bei der Erhaltung des Friedens mitzuwirken. Der Premierminister kam dann auf die deutsch-englische Erklärung von München zu sprechen. Er führte hierzu aus: „Von jeher, seitdem ich meinen jetzigen Posten Übernommen habe, ist es mein Ziel gewesen, für die Befriedung Europas zu arbeiten (stürmischer Beifall) und jenen Verdacht und jene Feindfetigkeit zu beseitigen, die seit langem die Luft vergiftet hat. Der Weg, der zur Befriedung führt, ist übervoll von Schwierigkeiten. Diese tschecho-slowakische Frage ist d i e letzte und vielleicht die gefährlichste von ihnen. Nachdem wir sie überwunden haben, bin ich der Ansicht, daß es möglich sein kann, einen weiteren Fortschritt auf dem Wege zur Gesundung zu machen. Duff Looper bat sich in etwas bitteren Worten aus meine Unterredung vom letzten Freitag mit Adolf Hitler bezogen. Ich habe keinen Pakt abgeschlossen, ich habe keine Verpflichtungen übernommen, es gibt keine Geheimabkommen. Unsere Unterredung richtete sich nicht gegen irgendein anderesVolk. Das Ziel dieser Unterredung, um die ich ersucht hakte (Beifall), bestand darin, den per- s ö n l i ch e n K o n t a k t, den ich mit Adolf Hitler gehabt gehabt hatte, zu vertiefen, wobei ich glaube, daß ein solcher für die moderne Diplomatie wesentlich ist. Line freundschaftliche, aber in keiner Weise bindende Unterredung wurde durctz mich weitergeführt hauptsächlich um festzustellen, ob es gemeinsame Punkte zwischen dem Haupt einer demokratischen Regierung und dem Führer eines totalitären Staates geben könnte. Das Ergebnis sehen wir in der Erklärung, die veröffentlicht worden ist und in der Duff Looper seinen Anlaß zu Verdacht findet." „Ich glaube, es gibt viele, die mit mir der Ansicht sind, daß diese Erklärung etwas mehr ist als Der dritte Schnitt. Wenn nicht alles täuscht, hat die Prager Re* gierung aus den Vorgängen der letzten Tage und Wochen doch einige Lehren zu ziehen gewußt. In der tschechischen Presse kann man lesen, daß nun ein neuer Anfang gemacht werden müsse uni) daß die Nation durch die Abtretung fremdvölkischer Gebiete sogar an innerer Kraft gewinnen könne. Das sind recht bemerkenswerte Erkenntnisse, die, wenn auch zunächst in resignierendem Tone oorgebracht, doch die Hoffnung erwecken mögen, daß Prag nicht nur einen Wechsel der außenpolitischen Grundsätze, sondern auch einen Wechsel d e r außenpolitischen Methoden vornimmt. Hierzu gehört vor allem der vollständige Verzicht auf die bisher so beliebte Taktik der Der- schleppung und Verzögerung in der Behandlung lebenswichtiger Probleme auf die Politik der Zweideutigkeiten und gebrochenen Versprechungen. Die tschechische Regierung hätte gerade in diesen Tagen eine ausgezeichnete Gelegenheit, auf die neugewonnenen Erkenntnisse eine Bewährungsprobe abzulegen. Sie muß sich nämlich entschließen, den dritten operativen Schnitt an ihrem aufgeblähten Staatskörper vorzunehmen: Die Abtrennung der ungarischen Volkstums- gebiete. In dem Maße, wie sich die ische^'istbe Staatsführung zu einer raschen und glatten Regelung der ungarischen Nationalitätenfrage ohne Hintergedanken und ohne Vorbehalte bereitfindet, wird man auf die Echtheit ihres Anschauungswandels schließen können. Denn im Gegensatz zum Deutschen Reich und zu Polen steht den Ungarn noch nicht eine militärische Macht zur Verfügung, die der Rechtsforderung einen unbedingt zu respektierenden Nachdruck verleihen konnte. Hier ist nur die harte Entschlossenheit eines freiheitsliebenden Volkes vorhanden und fein moralischer Anspruch, ein Anspruch freilich, der von den jungen Großmächten Europas voll und ganz unterstützt wird. Der ungarische Ministerpräsident Jmredy hat in seiner letzten öffentlichen Kundgebung den Wert dieser moralischen Hilfsstellung Deutschlands und Italiens anerkannt, aber auch keinen Zweifel darüber gelassen, daß Ungarn unzufrieden ist und solange unzufrieden bleiben wird, bis die ungarischen Gebiete der Tschecho-Slowakei in das Reich der Heiligen Ste- phanskrone zurückgekehrt sind. Die Budapester Regierung bedient sich der diplomatischen Mittel zur Erreichung ihrer Ziele. Ein Notenwechsel mit Prag hat stattgefunden, und die tschechische Regierung hat auch schon ihre Bereitschaft erklärt, die Frage durch eine gemischte ungarisch-tschechische Kommission verhandeln zu lassen. Es muh sich nun erweisen, ob Prag die Methode der unverbindlichen Zusagen endgültig aufgegeben hat. Ungarn verlangt nicht nur ein schnelles Verhandeln, sondern auch ein schnelles Handeln. Es wird dabei auch jetzt wieder von der italienischen Politik tatkräftig unterstützt. Die im Münchner Abkommen festgestellte Frist von drei Monaten sei, wie die offiziöse „Jnformozione Diplomatien" bemerkt, fo gedacht, daß vor ihrem Ablauf die ganze Abtrennungsaktion bereits abgeschlossen fein müsse. Die Prager Regierung steht also vor der Notwendigkeit, sich sofort zu radikalen Entschlüssen aufzuraffen. Nicht umsonst hat Jmrädy die Warnung ausgesprochen, daß Ungarns friedliche Absicht nicht gleichbedeutend sei mit einer kraftlosen Resignation. H. Ev. (Sine neue ungarische Note an Prag. Budapest, 3. Okt. (DNB. Der Königlich Ungarische Gesandte in Prag überreichte am Montag der tschecho-slowakischen Regierung eine neue Note, in der verlangt wird, daß die Verhandlungen zwischen beiden Regierungen in den näch - st en Tagen beginnen Gleichzeitig fordert die Note ernste Garantien dafür, daß die Verhandlungen in entsprechender Atmosphäre glatt und rasch abgewickelt werden können. nur eine fromme Aeußerung der Ansichten. In unseren Beziehungen zu anderen Ländern hängt alles davon ab, daß Aufrichtigkeit und guter Wille auf beiden Seiten vorhanden sind. Ich glaube, daß hier Aufrichtigkeit und guter Wille auf beiden Seiten bei diesem Dokument vorhanden sind. Das ist der Grund, warum für mich seine Bedeutung weit über die in ihm vorhandenen tatsächlichen Worte hinausgeht. Wenn es eine Lehre gibt, die wir aus den Ereignissen dieser letzten Wochen ziehen können, so besteht sie darin, daß ein dauernder Friede nicht dadurch erreicht werde kann, daß wir stillsitzen und auf ihn warten. Er verlangt vielmehr aktive und positive Anstrengunge n." Seine Kritiker behaupteten, daß er sich einem leichten Optimismus hingebe, und daß es besser sei, wenn man jedem Wort mißtraue, das von den Herrschern der anderen großen Länder Europas gesagt werde. Er sei e i n z u g r o ß e r R e a 1 i st, um zu glauben, daß sich das Paradies an einem Tage verwirklichen lasse. Man habe nur den Grund st ein zum Frieden gelegt. Das Gebäude sei jedoch noch nicht einmal begonnen worden. Niemand würde glauben, daß, weil dieses Abkommen zwischen den vier Mächten in München erzielt worden sei, Großbritannien es sich nunmehr leisten könne, in seinen Rüstungsanstrengungen nachzulassen oder der Ausrüstung Einhalt zu tun, aber es sehe neue Möglichkeiten einer Behandlung der Abrüstungsfrage. Zurückgewinnung des Vertrauens und allmähliche Beseitigung der Feindschaften zwischen den Nationen läßt diese empfinden, daß sie mit Sicherheit auf ihre Waffen verzichten konnten. Dem wünsche er die Energie und Zeit, die ihm verblieben sei, zu widmen, bevor er sein Amt an einen jüngeren Mann abtrete. Die Opposition. Die Rede Chayzberlains wurde zunächst mit sichtlicher Kühle, dann mit einer gewissen Beklommenheit ausgenommen. Angesichts der klaren und überzeugenden Ausführungen des Premierministers wandelte sich die Stimmung aber sichtlich, und bei Schluß seiner Rede war deutlich, daß Chamberlain das Haus für sich gewonnen hatte. Der weitere Redekampf wurde daher von der großen Masse der Regierungsanhänger nur noch als innerpolitische Auseinandersetzung bewertet. Wie unsicher sich die Opposition trotz der scharfen Angriffe fühlt, geht schon daraus hervor, daß die Labour-Party keinen Mißtrauensantrag gegen die Re- gierung einbringen wird, sondern sich darauf beschränken wird, „Bedenken" gegen die Politik der Regierung zu äußern. Im Namen der Opposition sprach zunächst der Labour-Führer A 111 e e, der Chamberlain wegen seiner Friedenspolitik scharf angriff und den Führer Großdeutschlands mit nicht wiederzugebenden Wor, ten schmähte. Er meinte, die Ereignisse der letzten Tage stellten eine der größten Niederlagen für England und Frankreich dar Der Premierminister habe sich „von den Diktatoren hereinlegen lasfen".(!) Attlee verlangte Wiederherstellung der kollektiven Sicherheit im Rahmen der Genfer Liga und Beteiligung Sowjetrußlands an den weiteren Verhand- lungen.(!) Die Rede des Oppositionsliberalen Sir Archibald Sinclair bewegte sich aus ähnlicher Linie. Der frühere Außenminister Eden zollte den Bemühungen Chamberlains Anerkennung, brachte aber alle möglichen Einwände gegen die Münchener Besprechungen. Er wandte sich ebenfalls gegen die Ausschaltung „großer Mächte" bei der Neuorganisierung Europas und glaubte sich im übrigen wegen der politischen und wirtschaftlichen Lebensfähigkeit der verkleinerten Tscheche! Sorgen machen Zu müssen. In Anbetracht der ..ungeklärten Lage der Tschecho-Slowakei", so sagte Eden abschließend, müsse man Besorgnis wegen der englischen Garantie diesem Staate gegenüber haben. Diese Garantie bedeute seiner Ansicht nach eine beträchtliche Abweichung von der traditionellen englischen Außenpolitik. Die Debatte wurde durch Innenminister Sir Samuel Hoare abgeschlossen, der d.en Kriegshetzern, die eine Verständigung mit den „Diktatoren" von vornherein ablehnen, ohne sich die Mühe zu machen, ihren Standpunkt ernsthaft zu begründen, antwortete, Chamberlain habe als der Vertreter von Millionen Männern und Frauen gehandelt. Auch ein neuer Krieg hätte die nach dem Weltkrieg gezogenen Grenzen der Tschecho-Slowakei nicht aufrechterhalten können. Die Garantien jedoch, die der Tschecho-Slowakei noch Regelung aller Fragen in Aussicht gestellt seien, würden wirksamer sein als die bisherigen Ve.r träge. Hoare gab zum Schluß der lieber Zeugung Ausdruck, daß Demokratien und autoritäre Staaten friedlich nebeneinander leben könnten. Echo der presse. London, 4. Oktober. (DNB. Funkspruch.) Die Kommentare der Londoner Moroenpresse spiegeln in vollem Umfange die schwache Lage der Opposition wider und lassen bereits jetzt erkennen, daß m i t einem e r n st h a f t e n W i d e r- standnichtmehrzurechnen ist. Das Gerede von Parlamentsauflösung und Neuwahlen hat merklich nachgelassen. Die „Times" schreibt: Die Reaierung habe wenig Grund, vor dem Ergebnis dieser Debatte des Parlaments oder des ganzen Landes Angst zu haben. Diejenigen, die jetzt am lautesten schrien und von dem Betrug einer kleinen Nation sprächen, seien schlimmer als falsche Freunde. Ihre Vergangenheit verurteilten sie. Zwischen 1919 und 1933 habe es keinen liberalen oder Labour-Zivilisten oder Politiker gegeben der Achtung vor sich selbst hatte und nicht — wie die meisten anderen Engländer — die Politik, aus der die zusammengesetzte Tschecho-Slowakei gegründet war, als nutzlos und sogar als unmoralisch verurteilt hätte. „Ein dauernder Friede wird nicht erzielt, indem man dasitzt und auf ihn wartet." Dieser Satz Chamberlains gebe den Schlüssel zu seiner gesamten Politik. Zwischen England und Deutschland müsse entweder Zusammenarbeit oder Streit herrschen, beides berühre ganz Europa. „Daily Telegraph (konsero.) schreibt, die Debatte sei der erste Schritt zur Klärung gewesen. Obwohl sie bezeigt habe, daß die Krise viel Bedauerliches übrig gelassen habe, könne man in einem Punkt restlos zufrieden sein, nämlich, daß die Ereignisse den tiefen Friedenswillen aller Völker und die ebenso tiefe Abneigung gegen den Krieg bewiesen hätten. Der Premierminister habe tatsächlich nichts getan, dessen er sich chämen müßte. — Der „Daily Herold" (marxistisch) teilt fest, daß das Gerede von Neuwahlen tändig Nachlasse. Das Blatt kritisiert dann )en Willen Chamberlains, Adolf Hitler als Apostel der Vernunft und des guten Willens anzuerkennen. Es fetzt sich schließlich für eine Weltkonferenz ein, zu der auch Sowjetrußland eingeladen werden müsse. — Die konservative „D a i l y M a i l" schreibt, die Politik, die die Oppsition angesichts der Ereignisse der vergangenen Woche vorgeschlagen habe, würde einen unmittelbaren Sturz in den Weltkrieg bedeutet haben. Oie französischen Reservisten kehren heim. Paris, 3. Okt. (Europapreß.) Die Demobilmachungsmaßnahmen schreiten in Frankreich nunmehr rasch fort. Eine ganze Reihe von Reservisten ist über den Sonntag wieder nach Hause zurückgekehrt. Zn manchen kleineren Orten Frankreichs sind bereits sämtliche einberufenen Reservisten zu Hause. Der französische Generalissimus, General G a m e l i n, trifft am Dienstag in Straßburg ein, um die dortigen Grenzbefestigungen zu besichtigen. Es findet eine große Parade der gesamten 43. Division und eines Tankregiments statt. Game- lin wird auch die Verteidigungsanlagen besichtigen. Neubesetzung des französischen Botschafterpostens in Hom? Paris, 4. Okt. (Europapreß.) Der „Matin", dessen gute Beziehungen zum französischen Außenministerium bekannt sind, meldet, Außenminister Bonnet habe die Absicht, in wenigen Tagen einen neuen Bdtschafter nach Rom zu entsenden. Der neue Botschafter werde voraussichtlich ein Parlamentarier sein, dessen Mission nach den bestehenden Gesetzen sechs Monate nicht überschreiten dürfe. Als Anwärter werden der ehemalige Ministerpräsident P i e t r i und der Vorsitzende der Außenpolitischen Kammerkommission, M i st l e r , genannt. Weiter schreibt der „Matin", daß nach einer Normalisierung der französischen Beziehungen zu Italien kein Grund vorhanden sei, nicht auch mit Nationalspanien normale diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Oaö Olsagebiet von den polen völlig beseht. Kattowitz, 3.Okt. (DNB.) t)er Einmarsch der polnischen Truppen in das jenseits der Olsa von der Tschecho-Slowakei an Polen abgetretene Gebiet, der am Sonntag um 14.00 von Teschen aus begann, wurde am Montagabend beendet. Die polnischen Truppen unter der Führung des Kommandierenden Generals B o r t n o w s k i besetzten die beiden Kreise T e s ch e n und F r e i st a d t in einer Entfernung bis 20 Kilometer von der ehemals tschechisch-polnischen Grenze. In allen Ortschaften wurde das polnische Militär von der polnischen Einwohnerschaft jubelnd empfangen. Die Geschäfte und Schulen waren geschlossen, die Häuser wiesen reichen Flaggenschmuck auf. Beim Abzug der Tschechen am Sonntag kam es noch zu Zusammenstößen zwischen polnischen Freikorpstrupps und tschechischer Gendarmerie. Ueberall konnte sich aber die polnische Bürgerwehr durchsetzen. Ungarns Dank an den Führer. Berlin, 3. Okt. (DNB.) Seine Durchlaucht d e r Reichsverweser des Königreiches Ungarn, Admiral von Horthy, sowie der ungarische Ministerpräsident Imredy haben dem Führerund Reichskanzler zu der in München erzielten Einigung ihre Glückwünsche übermittelt und gleichzeitig ihren herzlichen Dank für die verständnisvolle und tatkräftige Unterstützung ausgesprochen, die der Führer hierbei der ungarischen Volksgruppe zuteil werden ließ. Der Führer und Reichskanzler hat in feiner Antwort auf eine baldige gerechte Lösung der Frage des ungarischen Volkstums in der Tschecho-Slowakei Ausdruck gegeben. Eine ungarische ^ichtiasteliung. Budapest, 3 Okt. (DNB.) MTJ. teilt mit: Aus einer Quelle, die man als vertrauenswürdig ansprechen konnte, wurde gestern gemeldet, daß die Tschechen den Bahnhof Tornala an der un- garisch-tschecho-slowakischen Grenze in die Luft gesprengt hätten. — Soeben wird festgestellt, daß dieser Bericht nicht auf Wirklichkeit beruht. Woher kommt der Name „Sudeten"? Unter dem Namen „Sudeta" waren die böhmischen Randgebirge schon den berühmten Geographen, Astronomen und Mathematiker Klaudios P t o I e m ä o s bekannt, der wahrscheinlich aus Oberägypten stammt und um das Jahr 150 n. Chr. in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria arbeitete. Alexandria war damals der Sammelpunkt des spät- griechischen (hellenistischen) Wissens und berühmt durch eine umfangreiche Bücherei. Die Kunde von den „Sudeten"-Gebirgen war sicherlich nach Griechenland durch die Bern st ein- und Salzhändler gelangt. Außerdem waren die Sudeten, insbesondere das Erzgebirge und einzelne Teile des Jsergebirges, reich an Halbedelsteinen, die auch viele Jahrhunderte später im Mittelalter noch einen starken Anziehungspunkt für italienische Händler darstellten. Ein Kamm des Jsergebirges heißt heute noch „Welscher Kamm", weil hier und in der näheren Umgebung venezianische Händler Halbedelsteine wie Granaten und Opale suchten oder kauften. „Böhmische Granaten" waren noch zur Zeit unserer Großmütter ein sehr beliebter und weit verbreiteter Schmuck. Im alten Oesterreich bezeichnete man als Sudetenlander die ehemaligen Kronländer Böhmen, Mähren und Schlesien und grenzte damit diese Länder ab etwa gegen die Alpenländer oder gegen den Begriff Galizien oder auch gegen die ungarische Reichshälfte. Nach dem Kriege wurde der Ausdruck Sudetendeutschtum allgemein üblich, da die früheren Kronländer verschwanden und man also nicht mehr von einem böhmischen, mährischen oder schlesischen Deutschtum reden konnte. Außerdem waren den Deutschen in diesen ganzen Raum zwischen Karpathen und Erzgebirge dieselben Wünsche, Ziele und Hoffnungen gemeinsam und es drängte sich also auch ein gemeinsamer Sammelname auf. Das Fried'ander Schloß. Durch den Einmarsch der deutschen "Truppen in die Zone II ist auch das Friedländer Schloß dem Dornröschenschlaf der Vergangenheit entrückt. Daß Wallenstein den Titel eines Herzogs von Friedland führte, ist aus der Dichtung Schillers wohl bekannt; wo aber dieses Friedland liegt, interessierte weniger. Vor wenigen Jahren besuchten wir das Schloß, daß auf einem mächtigen Basaltfelsen in der Nähe des jetzt vielgenannten Städtchens Friedland liegt, rings umgeben von den wuchtigen Bergen des Jsergebirges. Der Mann, der die Fremden durch die Schloßräume begleitete, versicherte, daß Wallenstein in seinem ganzen Leben nur ... 13 Tage insgesamt auf dem Friedländer Schloß geweilt hätte. Tatsächlich führte Wallenstein sein „Regiment" (Regierung) im Umherziehen, wie es die wirren Kriegsverhältnisse jener Tage mit sich brachten. Daran erinnert auch noch die mächtige Eichentruhe, die auf dem Friedländer Schloß aufbewahrt wird und die Wallenstein auf seinen Kriegszügen mit dem Kriegsschatz begleitete. Gemälde und Waffensammlungen geben eine recht lebendige Vorstellung jenes unglückseligen Krieges, der die Bevölkerung Deutschlands zwischen 1618 und 1648 von achtzehn auf drei Millionen Menschen herunter- brachtel Deutsche Kulturträger des Sudetenlandes Der sudetendeutsche Volksstamm ist bekannt durch seine Treue und seine gewerbliche Leistungsfähigkeit. Daneben besitzt er reiche künstlerische Anlagen. Stadt und Land, Städte und Kirchen zeugen von deutscher Baukunst im böhmischen Raum. Man schaue nach Prag, das die älteste deutsche Universität beherbergt. Diese Stadt war lange Jahrhunderte vorwiegend deutsch und hatte noch vor 80 Jahren eine deutsche Mehrheit. Das ist im Zeitalter der Industrialisierung und des Anwachsens des Tfchechen- tums anders geworden, aber die herrlichen Bauten des Domes und der Burg legen Zeugnis ab von deutschen Meistern bis in ferne Zeiten. Der Baumeister Peter Parker hat den St. Deitsdom geschaffen. Seine Vorfahren stammten aus Süddeutschland, sie erbauten den Münsterchor zu Freiburg i. B. und den Dom zu Schwäbisch-Gmünd. Zahlreich sind die Forscher, Dichter, Maler und Musiker, die im deutschen Böhmerland ihre Heimat haben. Die Musikbegabung der Sudetendeutschen findet ihren vornehmsten Vertreter in C h r i st o p h Gluck, den Erneuerer der deutschen Oper. Er wurde 1714 in der Oberpfalz geboren, stammt aber von deutschböhmischen Eltern. Franz Schubert, der große Liedersänger, stammt aus dem schlesischen Teile Mährens. Wie Gluck, so hat auch er zum musikalischen Ruhm Wiens beigetragen. Aus Nordmähren stammt auch Gregor Mendel, der Entdecker der Erbgesetze des Menschen und der Lebewelt. Adalbert Stifter ist aus dem Böhmer Wald. Er ist der Dichter des Hochwaldes und der Bergheimat. Zu den bedeutendsten Erzählerinnen gehört die Sudetendeutsche Marie von Ebner-Eschenbach. Hans W a tz l i ck stammt ebenfalls aus dem Böhmer Wald. Ein anderer aus dem Reiche der Dichtkunst, der zu den bedeutendsten iuer Fabrikatlons- wird ausschließlich ohne ius folgenden Distrikten: Durch methodische Umlagerung und Regulierung der Luftzufuhr, Temperatur und Druckverteilung wirdderFermentationsvor- gang planmäßig gesteuert. ERNTEN 34 BIS 36 + MUSTERCIGARETTEN + MISCHUNGSi H.R1PH.R REEMTSMA + CIGARETTENFABRIKEN + WERK H< ;ajyagen unseres technischen Stamm- völlig neuen Methoden hergestellt Der ungewöhnlich zarte und reine Charakter dieser Mischung beruht darauf, daß sämtliche Tabake zweimal EfrifStCt Mundstück hergestellt D>^MtM^n^?e r*\ . — /-x L Diese Cigaretten werden In den FatfW Werkes in Hamburg-Bahrenfeld nacm R^Btelten . 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Dienstag- Miete Aimee oder Der gesunde Menschenverstand 19.30—21.45 2. Mittwoch- Miete Flachsmann als Erzieher Komödie von Otto Ernst. Preise: RM. 0.60-3.00. Komödie in 3 Akten von Heinz Coubier. Spielleit.Wolfg. Kühne. Preise: RM. 0.60-3.00. 6227D Parfüm eri e JVTu/Ll 5ei fen - Kerzen Sp ezia tg eschä ft Mäusbung 6 ■ . Nr.232Zweite§ Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienrtaa. 4. Oktober 1938 Daladier entzündete das Ewige Feuer am Grabe des Llnbekannten Soldaten. X H M ' wli k' - j K W MM .7. ■ ■ ■ >=** » " MK' V^\ I -> In Paris kam es am Samstag zu einer überaus eindrucksvollen Friedenskundgebung, als der französische Ministerpräsident Daladier sich an der Spitze der Frontkämpfer zum Grabe des Unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen begab und hier das Ewige Feuer entzündete. Die Menge brach in den Ruf aus: „Es lebe Daladier, es lebe der Friedens Links neben Daladier sieht man General Gouraud. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Aus der Stadt Gießen. Kartoffelernte. „Schön rötlich die Kartoffeln sind und weiß wie Alabaster. Sie däu'n sich lieblich und geschwind und sind für Mann und Weib und Kind ein rechtes Magenpflaster." So singt Mathias Claudius, der also anscheinend ebenso gern Kartoffeln aß wie Gottfried Keller, der in einem Briefe seiner Mutter aus München klagt, Laß er nirgends jo gut gesottene Kartoffeln bekommen könne wie zuhause. Was sind nun eigentlich die Kartoffeln? Die unterirdischen Knollen eines Nachtschattengewächses! Sie enthalten Stärke, Wasser und Eiweiß. Ihre Heimat sind die Hochebenen von Nordchile und Peru, von wo sie Mitte des 16. Jahrhunderts durch die Spanier nach Europa gebracht wurden. Aus dem Jahre 1587 hören wir, daß im Garten des Arztes Lorenz Scholtz in Breslau eine Kartoffelanpflanzung gewesen sei, und aus dem Jahre 1600 berichtet ein Schriftsteller, daß er die Kartoffel unter den in schlesischen Gärten angebauten Pflanzen gefunden habe und manche Menschen die in der Asche gebratenen Knollen wie Trüffeln äßen. 1705 taucht die Kartoffel unter dem Namen „tar- tuffolo" in der schlesijchen Generalaccise-Ordnung auf: mit sechs Kreuzern vom Taler Wert war sie zu versteuern. Dann, so scheint es, ist ihr Anbau wieder in Vergessenheit geraten, und sie wurde aus benachbarten Ländern, wahrscheinlich Italien, eingeführt. Erst eineinhalb Jahrhunderte nach ihrem ersten Erscheinen in Deutschland, nämlich 1734, haben sächsische Hammerschmiede die Kartoffel wieder nach Schlesien gebracht und sie angepflanzt. Dann war es Friedrich der Große, der durch Regierungsmaßnahmen ihren Anbau erzwang. Er ließ durch das schlesische Finanzministerium im Kreise Leobjchütz Saatkartoffeln verteilen und Aussaat und Ernte durch Dragoner überwachen. H§ute sind Deutschland und Polen die Hauptanbauländer der Kartolfel, die uns ein unentbehrbares Nahrungsmittel geworden ist. Draußen weht der Herbstwind über die Felder, auf denen überall fleißige Hände sich regen, um die Kartoffelernte einzuheimsen. Es ist eine schwere Arbeit, das Hacken und das viele Bücken! Vom Wald her ziehen schon die ersten Nebelstreifen heran, die Säcke werden prall, der Wagen mit den leise schnaubenden Kühen steht bereit, sie heirnzu- fahren. E. L. St. BDM.-Untergau 116 Gießen. Die nächste Stabsbesprechung findet am Mittwoch, 5.10., um 15 Uhr auf der Dienststelle des Untergaues statt. Am Mittwoch, 5. 10., findet um 20.30 Uhr ein Appell für die Schar 2 der Mädelgruppe Lollar statt. Für die Mädelgruppen 15 und 16/116 findet am 6.10. um 20.30 Uhr ein Gruppenappell in Großen- Linden statt. Appell des Standortes Langd: 7.10. um 20.30 Uhr. 9. 10. Uebernahme der Führerinnenschaft des Kreises Friedberg um 10 Uhr in Bad-Nauheim. 9.10. Schulung der Sportwartinnen und Gruppen- sozial-Referentinnen um 10 Uhr auf der Dienststelle des Untergaues. t Dorrwiizen. Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 20 bis 22 Uhr: „Aimee" oder „Der gesunde Menschenverstand". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Unter Mordverdacht". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „13 Stühle". — Herbstmesse auf Os- waldsgarten. Erstaufführung „Aimee" oder „Der gesunde TNenschenversiand". Heute abend findet die' Erstaufführung von „Aimee" oder „Der gesunde Menschenverstand", Komödie in drei Akten von Heinz Coubier statt. Spielleitung: Wolfgang Kühne, Bühnenbild: Karl Löffler. Es wirken mit: Giesela Vollert, Eduard Cossovel, Hans Schlick und Erich Weiland. Die Vorstellung findet als 1. Vorstellung der Dienstag- Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr. Margarineversorgung verstärkt. FWD' lieber die Versorgung mit Fetten ist die Oeffentlichkeit von maßgebender Stelle vor kurzem unterrichtet worden. Hiernach soll trotz unserer günstigen Vevsorgungslage bei Margarinerohstoffen nach wie vor sparsam gewirtschaftet werden. Zugleich muß der Verbrauch mehr als bisher den Bedürfnissen der Vorratshaltung und der Marktordnung angepaßt werden. Um im Rahmen der normalen Versorgung in nächster Zeit bei der saisonmäßig abfallenden Milcherzeugung Margarinerohstoffe in erhöhtem Maße dem Verbrauch zuzuführen, wird bis Ende des Jahre auf die Kundenliste für Butter auch Margarine (Spitzensorte) ausgegeben werden, und zwar'entsprechend der zu ersetzenden Butter. Die Margarineversorgung wird im übrigen gegenüber den Vormonaten verstärkt. KdF.-Feierabend. Am 10. Oktober ist der letzte Termin zur Anmeldung für die Feierabend-Veranstaltungen von „Kraft durch Freude". Es ist bekannt, daß bei diesen Abenden den Besuchern immer gute Unterhaltung in vielseitiger Abwechslung geboten wird. Die Broschüren über diese Veranstaltungen weisen denn auch für diesen Winter eine reichhaltige Dortrags- folge auf. Wer sich die Vielgestaltigkeit und den hohen Rang dieser Veranstaltungen vor Augen hält, der wird sicherlich gerne auch an den KdF.- Feierabenden im kommenden Winter teilnehmen. Gießener Wochenmarktpreife. * Gießen, 4. Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Wirsing, % kg 8 bis 10, Weißkraut 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 11, rote Rüben 10, Spinat 15 bis 20, Bohnen, grün 25 bis 30, gelb 25 bis 30, Rosenkohl 30 bis 35, Feldsalat, 1/iö 10, Tomaten, kg 15 bis 25, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 45 bis. 70, Rhabarber 12 bis 15, Kürbis 8 bis 9, Kartoffeln, kg 4 Pf., 50 kg 3,15 bis 3,45 Mark, Aepfel, kg 25 bis 40 Pf., Falläpfel 15, Birnen 20 bis 40, Brombeeren 40 bis 50, Preiselbeeren 30 bis 40 Pf., junge Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, ^Blumenkohl das Stück 10 bis 60 Pf., Salat 8 bis 15, Endivien 5 bis 15, Salatgurken 10 bis 20, Einmachgurken 1 bis 6, Oberkohlrabi 5 bis 12, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf. ** D i e n st j u b i l ä u m. Am 1. Oktober waren es 25 Jahre, daß Gefolgschaftsmitglied Werkmeister Johann Jost Schmidt im Dienst der Landes-Heil- und Pflegeanstalt steht. Der Betriebsführer, Direktor Dr. Schneider, sprach dem Jubilar Dank und Anerkennung für seine treue und tadellose Dienstzeit aus. ** Person en st ands- und Betriebs- aufnahme. Nach dem Stande vom 10. Oktober 1938 wird eine Personenstands- und Betri^bsauf- nahme durchgeführt, bei der die Listen mit größter Sorgfalt ausgefüllt werden müssen. Die Listen werden im Laufe dieser Woche zugestellt, vom Donnerstag, 18. Oktober, ab werden sie wieder eingesammelt. ** Unterrichtsbeginn in Öen Volksschulen. Am nächsten Montag — nicht, wie bekanntgegeben, am kommenden Donnerstag — wird nach den Herbstferien der Unterricht in d»v Volksschulen wieder ausgenommen. — In der Berufsschule beginnt der Unterricht bereits am kommenden Donnerstag. ** Die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche betrifft eine Anordnung des Reichsstatthalters in Hessen, Landesregierung, die heute vom Oberbürgermeister zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird. ** Polizei gegen Verkehrssünder. Dis Polizei schritt in der Zeit vom 23. bis 29.9. ein: Gegen Kraftfahrzeugführer mit 5 Anzeigen und 11 gebührenpflichten Verwarnungen: gegen sonstige Fahrzeugführer mit 2 gebührenpflichtigen Verwarnungen und 2 gebührenfreie Verwarnungen und Belehrungen; gegen Radfahrer mit 2 Anzeigen, 16 gebührenpflichtigen Verwarnungen und 6 gebührenfreien Verwarnungen und Belehrungen. ** Zwei Fälle von spinaler Kinderlähmung sind in den letzten Tagen im Kreise Gießen, und zwar in Rödgen und in Lindenstruth, festgestellt worden. In beiden Fällen handelt es sich zum Glück um leichte Fälle. Erkrankt sind ein drei und ein sechs Jahre altes Kind. Die Kleinen wurden sofort in ärztliche Pflege gegeben und befinden sich in geeigneter abgeschlossener Behandlung. Wie wir auf < V* Anfrage beim Staatlichen Gesundheitsamt des Kreises Gießen hören, besteht wegen dieser leichten Erkrankungen keinerlei Anlaß zu Beunruhigung, da selbstverständlich alle Vorsichtsmaßnahmen sofort in weitestem Umfange getroffen wurden. Neuer Vorstand des Hessischen Denkmal-Archiv«. Lpd. Darmstadt, 3. Okt. Auf fein Nachsuchen wurde Museumsdirektor Prof. Dr. Feigel aus seinem Amt als Vorstand des H e s s i sch e n Denk- rn a l a r ch i v s entlassen. Zu seinem Nachfolger wurde Ministerialrat i. R. Wagner in Darmstadt ernannt. Das Deutsche Note Kreuz rüst aus! Nochmaliger an die gesamte Bevölkerung der Auf meinen Aufruf vom 26. 9.1938 zur aktiven Mitarbeit im Deutschen Roten Kreuz haben sich erfreulicherweise eine große Anzahl meist weiblicher Personen bereitgefunden, dem Deutschen Roten Kreuz als DRK.-Helfer, DRK.-Helferin und DRK.-Schwe- ster anzugehören. Neben dieser aktiven Mitarbeit bedarf aber bas Deutsche Rote Kreuz auch der Mittel, die notwendig sind, um die ihm gestellten Aufgaben zu erfüllen, denn ohne Geld ist eine wirksame Tätigkeit nicht möglich. Ich vermisse noch die Meldung solcher Personen, die gewillt sind, als unterstützende und fördernde Mitglieder in die Kreis- und Ortsgemeinschaften einzutreten. ernster Appell Stadt und des Kreises Gießen. Ich rufe daher die Bevölkerung der Stadt und des Kreijes Gießen nochmals auf, recht zahlreich den Gliederungen des Deutschen Roten Kreuzes, insbesondere den Ortsgemeinschaften, beizutreten. Der Jahresbeitrag beträgt 3 Mark. Höhere Beiträge sind selbstverständlich willkommen und erwünscht. Anmeldungen sind zu richten an die DRK.-Kreisi stelle Gießen, Landgraf-Philipp-Platz Nr. 3 (Fern* jprecher 2951), täglich von 7 bis 13 Uhr. DRK.-Kreisstelle Gießen. < Dr. Lotz, Kreisdirektor, DRK.-Oberfeldführer. Schwarzschwinge, der Turmfalke Von Karl Scherer. Vor der alten Burgruine aus dem Hügel über dem Buschholz, unter dem das graue Band der Landstraße ins Weite zieht, ist nicht viel mehr erhalten; die Mauern sind zerfallen, die verwitterten Quadern liegen verstreut in der Tiefe. Doch der mächtige Wachturm aus dem 12. Jahrhundert, von dem einst die Heerfahne wehte und die Reisigen au= sammenrief, wenn der Feind drohte, ragt noch hoch ins Blau. v In einer tiefen Scharte unter der Mauerkrone nach Süden hat sich ein zierliches Räuberpärchen angesiedelt. Die quarrenden Krähenschwärme, die tagsüber auf der breiten Zinne rasten, stören es nicht; um die Starenflüge, die allabendlich wie eine dunkle Wolke auf die Brüstung herabrauschen, ehe sie in den Kronen der Parkbäume und der dichtgrunen Efeuwand des alten Gutshauses für die pacht' untertauchen, kümmert sich der Turmfalke nicht, denn nur selten treibt ihn der Hunger im Spätherbst zum Vogelmord, und die Taubengeschwader, die in Der Frühe die Warte blitzend umkreisen und dann aus die Felder hinausfliegen, haben von ihm nichts zu fürchten. . .. Ein goldener Herbstmorgen liegt über dem weiten Land. Die Buchenwälder stehen in brennenden Warben, die Felder find leer, und wenn die Sonne über den fichtendunklen Hügeln im Osten aufgeht, hangt schon silbergrauer Reif an Kraut und ®ras. „HU, kli, kli" kommt es hell und freudig von der hohen Mauerkrone. Der Falke blockt auf der zackigen Zinne und putzt und glättet das Gefieder, plustert es seoer- knisternd auf und ordnet die langen spitzen Schwingen sorgfältig und geruhsam von neuem; denn aus der weiten Streife, den den Jäger über Waloer und Felder, Höhen und Tiefen bis hinaus zu Den Schluchten der meilenfernen Berge führt, muh feoe Schwungfeder ihien Dienst tun. Bald steht er reisefertig auf der höchsten Quader der Warte, sein seiner Schattenriß zeichnet sich schwarz gegen den sonnenhellen Himmel ab, und die blanken Seher äugen ins Weite — wohin soll heute die Fahrt liehen/ Nun schwingt er sich ab, steigt rasch zu großer Hoye auf und gleitet leichtbeschwingt durch den zlether. lieber den Wiesen bleibt er rüttelnd stehen, per ebene Plan und die leeren Stoppelbreiten stnö wn Herbst sein bestes Revier. Sv lange die Kornfelder in dichten Aehren wogen und die hohen Grashalme sich im Winde wiegen, ist die Jagd dort schwierig, Eidechsen und Mäuschen wissen sich zwischen dem krausen Gewirr wohl zu bergen und finden schnell einen sicheren Unterschlupf. Jetzt oder ist alles kahl und sichtig — hat sich in dem Grasbüschel am Grenz» stein nicht etwas^ gerührt? Wie ein Stein fällt er herab, eine späte Dornheuschrecke windet sich zwischen den kräftigen Klauen der Fänge, schon hat sie der Jäger zerdrückt. Weiter geht die Streife. Der starke Wanderfalke schießt in sausender Fahrt, Beute suchend, über das weite Land; der Turmfalke übt die Jagd gelassener und bedächtiger aus, der Flug ist weniger stetig, wechselt immer von neuem Höhe und Richtung; bald rüttelnd, bald schwebend zieht er über Aecker und Niederholz. Jetzt'hakt der kleine Räuber auf der Spitze der einsamen Silberlinde über dem Bildstock mitten im Feld auf. Dort rasten die Landleute während der Kartoffellese gern in den Mit- .tagsftunben, und die vom Imbiß verlorenen Brotkrumen und Speckstückchen locken die Ackermäuse an. Eine Wühlmaus huscht in der Furche hin und her, entfernt sich aber nur wenig von dem rettenden Schlupfloch. Der Rotfalk lauert eine Weile, dann senkt er sich im Sturzflug hinab; den Wühler aber hat um Haaresbreite der dunkle Erdgang einge- schluckt. Doch sein Revier hat keine Grenzen, lieber die sacht ansteigenden, frischgepflügten braunen Aecker zieht er den Kamm der Höhe zu, wo in einer alten Steingrube am Waldrand eine graue, von allerlei dichtem Gesträuch übersponnene Kasematte steht — die Krähenhütte! Auf hohem Trittholz fußt auf Schußweite vor der breiten Schießscharte der Uhu, der als Lockvogel die kleinen und großen Räuber der Luft magnetartig auf sich zieht. Beim Anblick der großen Eule stutzt der Falke und blockt auf einem Ast des Fallbaums — das wäre ein sicherer Schuß! Doch der Grünrock im Innern der Hütte lächelt nur still und hat seine helle Freude an dem Bild des schönen Fliegers, der keinen Blick von der schreckhaften Gestalt des Uhus verwendet. Dann zieht der zierliche Nimrod weiter. * Es ist Frühling geworden. Die Hecken stehen in frischem Grün, Schneeglöckchen und Märzbecher läuten den Lenz ein, und auf den Rasenflächen sprießt violetter, silberweißer und safrangelber Krokus. Hoch oben auf dem Glockenturm des gotischen Doms im Westen der Großstadt schlüpft durch die Schalllöcher und Luken ein schön gefiedertes Pärchen aus und ein und baut im Winkel zwischen Turmdach und Glockenstuhl sein Nest — Schwarzschwinge ist von den Küsten des Mittelmeers zurückgekehrt und hat die alte Herberge wieder bezogen Die Sonne scheint warm und hell. Da rauet sichs gut in den Ornamenten des Maßwerks oder auf dem spitzgiebeligen, langgestreckten First des kupfergedeckten Kirchendachs, dessen grüner Edelrost einen warmen Ton in das Grau des Häusermeers mischt. Unten brandet der Verkehr der Millionenstadt, hoch oben ziehen Flugzeuge in jagender Fahrt vorüber; doch weder das Donnern der Motovdn noch das Hupen der Kraftwagen stört die Turmgäste in ihrer freien, luftigen Höhe, nur selten einmal verirrt sich ein Blick aus der hastenden Menge zu ihnen hinauf. Vom ersten Tagesschein bis zur Dämmerung tragen Schnäbel und Fänge aus den nahen Parks und den Gärten -der Vorstädte Reiser und Bastfasern zusammen, und in der Stille wächst der Bau. Fleißig sitzt das Falkenweibchen, stärker und größer als der Falke, auf den fünf rauhschaligen rundlichen Eiern, bis unter ihm sich neues, junges Leben regt. In der Frühe eines funkelnden Maimargens flattern fünf junge Jäger aus den Luken auf die Dachstreben und Turmzieren der Kathedrale hinaus — „kli, kli, kli". Die goldene Freiheit winkt, bald sind sie den Blicken entschwunden ... Hochschulnachrichten. Professor Dr. Dipl.-Jng. Theodor Döring, der Ordinarius für angewandte Chemie an der Bergakademie Freiberg' i. Sa. tritt wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand. Der ao. Professor Dr. Hermann v. Wiß- mann, der die durch das Ausscheiden von Profes- jor Uhlig frei gewordene Professur für Geographie in Tübingen vertretungsweise übernahm, ist zum o. Professor ernannt worden. Professor v. Wißmann, ein Sohn des berühmten Afrikaforjchers, ging 1929 an die Universität Wien und wurde 1931 als Professor der Geographie an die nationale Zentraluniversität in Nanking berufen, wo er sechs Jahre lang lehrte. Geh. Rat Professor Dr. Gustav M i e, der seit 1935 im Ruhestand lebende frühere Ordinarius der Physik in Freiburg, wurde 70 Jahre alt. Er habilitierte sich 1897 in Karlsruhe. 1902 ging er nach Greifswald, wo er 1905 Ordinarius wurde. 1917 ging Professor Mie nach Halle und 1924 nach Freiburg. In Leipzig wurde Dozent Dr. Robert Dopel zum ao. Professor ernannt und ihm der Lehrstuhl für Radiophysik übertragen. — In Göttingen hat der Dozent der Rechts- und Staatswissenschaften Dr. Hans Kretschmar die Dienstbezeichnung nb. ao. Professor erhalten. — Dem Dozenten Dr. Dirl- meier wurde der Lehrstuhl für Klassische Philologie in München übertragen und Gelehrte zum o. Pro- , sessor ernannt. 3m Lichtspielhaus: „13 Stühle." Erbschaftsgeschichten behalten durch die Jahrhunderte ihren romantischen Schimmer. Ohne alte Tante keine Erbschaft, auch das ist obligat. Es kompliziert sich erst, wenn die neckische alte Tante ihre Erbschaft der Polsterfüllung eines von dreizehn Stühlen anoertraut hat und der Neffe Heinz R ü h m a n n, alias Felix Rabe, der „Unglücksrabe", Friseurgehilfe [eines Zeichens, ahnungslos die ihm vermachten Stühle schon in der ersten Wut über den Geiz der so schmählich verkannten alten Tante einem Trödler verhökert, öer für sie wider Erwarten schnell Abnehmer findet, so daß die dreizehn und unter ihnen der eine mit der goldenen Füllung im Handumdrehen in alle Winde zerstreut sind. Es geht immerhin um bare einhunderttausend Mark, da lohnt sich schon die wilde Jagd, die nun Heinz Rühmann und Hans Moser, der Trödler, den er am in Aussicht stehenden Erfolg beteiligt hat, veranstalten, um des goldenen Vogels wieder habhaft zu werden. Und nun haben Per Schwenzen und E. W. Emo, die das Drehbuch schrieben, es sich einige Schweißtropfen kosten lassen, um für die beiden Glücksjäger die phantastischsten Situationen zu erfinden. In deO Gummizelle einer Irrenanstalt oder als Wachsfiguren im Panoptikum sind unsere Beiden von zwerchfellerschütternder Komik. Aber es gibt auch gedämpftere Szenen, die Rühmann mit einer, stillen Heiterkeit erfüllt, so das traurige Nachtlager im kahlen Zimmer der alten Tante, die aus ihrem Rahmen recht spöttisch auf ihren enttäuschten Neffen blickt oder Rühmanns Umherirren in dem brennenden Haus, wo er zwar den Stuhl mit der Goldfüllung vergebens sucht, aber so nebenbei einem Hündchen das Leben rettet. Er ist überhaupt eine Seele von Mensch. Am Ziel aller Mühen, den Stuhl vor Augen, findet er sich großmütig in die Rolle des „namenlosen Spenders", dessen Erbschaft iit einem Waisenhaus Segen stiftet. Seine Großmut wird, fast wie im Märchen, köstlich belohnt. Zerknirscht in seinen Friseurjalon zurückgekehrt, findet er aus zerdepperten Flaschen ein Haarwuchsmittel zusammengegossen, das seinen unfreinriUigen Mixer und gerechterweise auch Hans Moser, den Gefährten der grotesken Jagd, nun schließlich doch noch ans Ziel aller Wünsche bringt. Fast ebenso schön wie der Film ist übrigens die Selbstankündigung Rühq manns im Programmhaft der Terra. Fr. W. Lange. Kannst du zurück, Sore? Roman von Hedda Lindner. Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35. 31 Fortsetzung (Nachdruck verboten!) 2lls sie zusammen durch den Park gingen, kam er auf das Medaillon zurück und ließ sich genau Willis Worte wiederholen. „Halten Sie das irgendwie für bedeutungsvoll? fragte Dore, über fein Interesse an dieser Nebensächlichkeit erstaunt. „Ach nein, aber in solchem Fall mutz man natürlich alles wissen." Dore sah ihn verstohlen von der Seite an und schwieg.-- Die Unterhaltung der beiden Männer dauerte über eine Stunde. Was sie miteinanber gesprochen haben, hat nie jemand erfahren. Der alte Frecher sah tieferschüttert und dennoch gleichzeitig befreit und verjüngt aus. Vielleicht war ihm in diesem Augenblick zutiefst zu Bewußtsein gekommen, wie sehr Gerald schon den Platz eines Sohnes eingenommen hatte. Das Herrschaftsauto — mit Paul am Steuer — war vorgefahren. Clemens schüttelte seinem Besuch die Hand. „Also, es bleibt dabei: Sie holen nur Ihre Sachen und sind vorläufig mein Gast." „Evers, sorgen Sie, daß ein Gedeck mehr aufgelegt wird!" sagte später der alte Herr. „Ein Kriegskamerad Friedrich Alexanders, der zufällig in der Gegend ist, wird einige Tage mein Gast sein." „Sehr wohl. Herr Baron!" Nach Tisch unterhielt man sich über den Krieg, tauschte Erlebnisse aus, während Evers — die Gläser füllend — lautlos hin und her ging. „Sie waren doch sicher auch draußen?" fragte der Gast. Er sprach plötzlich auffallend laut, wie jemand, der sich einem Schwerhörigen verständlich machen will. jawohl, Herr Doktor", antwortete Evers korrekt. „Dann müssen Sie auch mal mit anftoßen; holen Sie sich ein Glas!" Evers warf einen erstaunten Blick auf den fremden Herrn, der so vertraulich tat, und zögerte „Holen Sie ein Glas, Evers!" sagte der alte Baron mit einer merkwürdig rauhen Stimme. „Sie sehen, unser Gast wünscht es." Evers fügte sich schweigend. Gerade als er eingeschenkt hotte, klopfte es an die Tür. „Wollen Sie bitte nachsehen!" befahl sein Herr, immer noch in dem gleichen heiseren Ton. Evers ging zur Tür, so sah er die kurze Bewegung nicht, die der fremde Herr über seinem Glas machte. Dore stand draußen. „Ich muß noch ein paar Unterschriften haben", sagte sie mit etwas zitternder Stimme und anscheinend sehr verlegen, daß sie stören mußte. „Ich habe Herrn Baron vorhin vergeblich gesucht. Die Post muß morgen früh heraus." „Legen Sie nur hin, Fräulein Bertram! Ich werde nachher unterschreiben." Dore legte die Mappe auf einen Seitentisch und ging rasch hinaus. Fiedler ergriff sein Glas. „Trinken wir auf die Männer, die wissen, daß große Ziele auch großen Einsatz fordern!" Einen Augenblick blitzte ob dieses absonderlichen Trinkspruchs ein winziger Funke des Mißtrauens in Evers' Augen auf, aber gleich darauf zeigten seine Züge wieder den gewohnten unpersönlichen Ausdruck. Er trank sein Glas mit einem Zug aus und behielt es in der Hand. Sofort hatte Fiedler wieder eingeschenkt, seine Abwehr kam zu spät. „Zum mitnehmen", sagte er freundlich. „Unser Vorrat hier ist groß genug." Er wies auf die breite Anrichte, auf der noch mehrere Flaschen standen. „Sie können sich zurückziehen, Evers!" sagte der alte Freiherr. „Ich brauche Sie heute nicht mehr." — „Solche Komödie liegt mir verdammt nicht"', fuhr er leise fort, als Evers gegangen war. „Dieser Mann ist nicht nur seit vielen Jahren mein Diener, er ist zugleich ein Stück meiner Jugend." „Was ihn nicht hinderte, auf Sie zu schießen, um Sie auf die unerhörteste Weise Ihres Erben zu berauben", erwiderte der Kriminalrat kalt. „Auch ich schätze dieses Mittel nicht, aber wenn die Gerechtigkeit es verlangt, haben solche Erwägungen zurückzutreten." Clemens nickte trübe vor sich hin. „Sie mögen schon recht haben", murmelte er, „aber der Gedanke, den Eyers ins Gefängnis zu liefern .. „... in das er Ihren Neffen schicken wollte, Baron Heßling! Daran müssen Sie denken! Gerald wäre nicht einen Tag seines Lebens sicher, wenn es uns nicht gelänge, Evers zu überführen." „So überzeugt sind Sie, daß er es war?" fragte der alte Mann, den dieser bestimmte Ton schmerzlich berührte. „Ja!" Weiter nichts. Aber dieses Ja stand so ehern, so unverrückbar in dem großen Raum, von dessen Wänden längst vergangene Heßlings auf diese seltsame Szene blickten, daß der letzte ihrer Reihe den Kopf senkte und schwieg. Erst noch einer ganzen Weile fing er wieder an. „Und wann, wann glauben Sie?" „Bis das Mittel richtig wirkt, muß man schon zwei Stunden rechnen", antwortete Fiedler mit einem Blick auf die Uhr. „Aber dann wird der Schlaf für mindestens drei volle Stunden sehr tief fein." „Und wenn Sie nichts finden?" - „Dann werde ich weiter suchen. An meiner Ueber- zeugung wird es indessen nichts ändern." Clemens seufzte tief auf und lehnte sich mühe in feinen Sessel zurück. Fiedler hatte Mitleid mit dem alten Mann. „Wollen Sie nicht lieber zur Ruhe gehen?" schlug er fast herzlich vor, und auf ein entschieden ablehnendes Kopfschütteln hin sagte er: „Wie wäre es denn mit einer Partie Schach? Ich sah vorhin ein Schachbrett im Spielzimmer." Der alte Herr hob sichtlich belebt den Kopf. „Sie spielen Schach? Das ist ja großartig. Ich liebe dieses Spiel über alles, habe nur leider viel zu selten Gelegenheit dazu." Mit jugendlicher Behendigkeit eilte er davon, ehe Fiedler es hindern konnte, und erschien gleich darauf mit dem Spiel. Fiedler spielte selbst gern und gut, es war die beste Art, sich über das Warten hinwegzuhelfen. ,Zch biete remis an, Herr Baron", sagte er anderthalb Stunden später, „ewiges Schach habe ich sicher, aber zum Matt reicht es nicht." „Nee, dazu reicht es nicht", sagte der alte Herr befriedigt. „Aber Sie haben mir höllisch zugesetzt. Solchen Partner habe ich mir schon lange gewünscht, Sie mästen unbedingt bleiben." „Sehr liebenswürdig von Ihnen, aber ..." Fiedler hob bedauernd die Schultern. „Ach so!" Ein tiefer Seufzer. „Ja, ja — ich hatte es fast vergessen." „Jedenfalls sind mir gut über die Wartezeit hinweggekommen. Ich gehe jetzt." BankenSerufsschule Gießen eröffnet. Am gestrigen Montagvormittag wurde in der geschmückten Turnhalle an der Steinstraße die Bankenberufsschule für den Ausbildungsbezirk Gießen eröffnet. Die Banken- berufsschule steht unter besonderer Förderung der Industrie- und Handelskammer Gießen und güt als Tell der Oeffentlichen Handels-Lehranstalt Gießen. Zahlreiche Ehrengäste aus der Partei, von den Behörden und aus dem Wirtschaftsleben unserer Stadt nahmen an der Feier teil. Der Mufikzug der SA. - Standarte 116 (Leitung: Musikzugführer Herrmann) gab mit der Wiedergabe des Frie- densmorfches aus „Rienzi" von Richard Wagner der Feier einen schönen Auftakt. Sodann hielt der Präsident der Indnstrie- nnd Handelskammer Gchroth, die Begrüßungsansprache, in der er die zahlreichen Gäste willkommen hieß. Er betonte, das zahlreiche Erscheinen werde als ein Zeichen dafür angesehen, daß sich die Oeffenlliche Handels-Lehranstalt aller Anerkennung erfreue. Heber die allgemeinen Lehrgänge hinaus habe sich die Schule bemüht, auch spezielle Kenntnisse zu vermitteln. Es sei zunächst eine Drogisten-Fachklasse entstanden, in der mit bestem Erfolg gearbeitet werde. Nun habe die Fachgruppe Banken den Wunsch geäußert, art der Oeffentlichen Handels-Lehranstalt eine Bankenfachklasse zu errichten, durch die eine zusätzliche fachmännische Ausbildung ermöglicht werden solle. Die Lehrarbeit solle in engstem Zusammenhang mit der Praxis geleistet werden, dann werde der Erfolg nicht aus- bleiben. In diesem Sinne erkläre der Redner die Bankenfachklaste an der OeHL. für eröffnet. Nachdem der Musikzug der SA.-Standarte 116 eine Komposition von Grieg zum Dortrag gebracht hatte, hielt Bankdirektor Dleyer einen Vortrag, in dem er sich mit der Ausbildung des Nachwuchses für' die Bankenwirtschaft beschäfi tigte. Er dankte zunächst dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer und dem Leiter der Oeffentlichen Handelslehranstalt für die Bemühungen um das Zustandekommen der Dankenfachklasse. In seinen Ausführungen legte er dann u. a. dar, daß die Sorge um die Aufrechterhaltung und Steigerung des fachlichen Könnens unserer Heranwachsenden Jugend, die Sorge um einen zur Führung und Leistung befähigten Nachwuchs schon lange Jahre brennend gewesen sei und heute noch ist. Die großen Aufgaben unserer Zeit erforderten Höchstleistungen auf allen Gebieten. Sorgfältige Ausbildung des Nachwuchses fei um so notwendiger, als die Schematisierung und Maschinisierung gerade im Bankgewerbe, besonders in Großbetrieben, vielfach eine einseitige Ausbildung der Bankangestellten mit sich gebracht habe. Die heutige engere Verflechtung innerhalb der Wirtschaft und ihre gleichmäßige Ausrichtung erfordere ein größeres Maß allgemeinen Wissens. Es sei unbedingt erforderlich, daß der Bankangestellte neben der Beherrschung seiner beruflichen Aufgaben jene gesinnungsmäßige und charakterliche Einstellung mitbringen müsse, die unerläßlich sei. Mehr denn je müsse der Blick der Gefolgschastsmttglieder über die Tagesgeschäfte hinaus auf die großen Finanz- und wirtschaftspolitischen Zusammenhänge hingelenkt werden, um so die Arbeitsfreude und die Einsatzbereitschaft für Beruf und Volk zu steigern. Es gehe auch nicht etwa darum, einige besonders Begabte und Fleißige zu Spitzenkönnern zu erziehen. Der Fleißige werde ohnehin an sich arbeiten und seinen Weg gehen. Vielmehr komme es darauf an, daß jeder Mitarbeiter die großen Zusammenhänge verstehen lerne und wisse, warum diese und jene Arbeit notwendig sei, wie sie sich in den Gesamtplan erngliedere, welche Beziehungen zu anderen Lebensgebieten vorliegen und welche Folgen aus der Unterlassung irgendeiner Tätigkeit zu befürchten seien. Das Vertiefen der beruflichen Kenntnisse sei eine unabdingbare Pflicht. Zur Durchführung der Bestrebungen sei es unbedingt erforderlich, die vielfach zersplitterte Ausbildung der Lehrlinge in ein einheitliches System zu bringen. Wenn auch bisher manches getan worden sei, Vortragsabende und Schulungskurse veranstaltet wurden, so bedeuteten sie doch keine Schulung nach einheitlichen Gesichtspunkten. Ein Schulungszweck werde in regelrechtem Unterricht bester erreicht, als lediglich in Vorträgen, die keine Kontrolle des Hörers zuließen. Die Schulung der Lehrlinge in der Bankenfachklasse der Oefsentlichen Handels-Lehranstalt finde in einer Unter- und in einer Oberstufe statt. Sie dauere zwei Jahre, und zwar acht Sunden wöchentlich. Der Besuch der Bankenklasten gelte als Ersatz für den Besuch der gesetzlichen Berufsschule. Der Lehrplan sei sehr reichhaltig und erstrecke sich auf Volks- und Staatskunde, Wirtschaftslehre des Kreditwesens, Buchhaltung, Rechnen, und Kurzschrift. In der Sammelbezeichnung „Wirtschaftslehre des Kreditwesens" würden alle Fragen des vielseitigen Bank- und Sparkassenwesens eingehend behandelt. Zum Ausbildungsbezirk Gießen gehören im weiteren Wirtschaftsbezirk 22 Plätze. Lehrlinge aus 45 Geldinstituten werden an der Ausbildung beteiligt sein. Don dem Unterricht werden 60 bis 70 Lehrlinge erfaßt. Jede Klaffe zähle also etwa 30 Schüler. Nachdem her Redner der Ueberzeugung Ausdruck gegeben hatte, daß die Erwartungen, die an die Schulung der Lehrlinge geknüpft würden, nicht nur allein erreicht, sondern übertroffen würden, schloß er seinen Dorttag mit einem Appell an die jungen Berufskameraden, die er eindringlich zu reger, aktiver Mitarbeit aufforderte. Der Schule wünschte er für ihre Arbeit den besten Erfolg. Oberbürgermeister Bister hiett ebenfalls eine kurze Ansprache. Er begrüßte den Entschluß zur Gründung dieser Bankenfachklasse und gab her Ueberzeugung Ausdruck, haß das Gießener Schulwesen damit einen wertvollen Zweig gewonnen habe. In kurzen Worten erinnerte Im Anschluß an die gestrige Eröffnungssitzung der 33. Tagung her Deutschen Orthopädischen Gesellschaft in her Aula her Universität — vgl. den Bericht in unserer gestrigen Ausgabe — begann die erste Arbeitstagung mit einer Reihe fachwissenschaftlicher Vorträge. Das Hauptthema dieser ersten Arbeitstagung beschäftigte sich mit den B e - Ziehungen der Orthopädie zum schaffenden Volk. Der stellvertretende Reichsärzteführer, Dr. Bartels (München), mußte im letzten Augenblick seine Teilnahme an der Tagung absagen. Damit fiel fein mit großem Interesse erwarteter Dorttag über die Aufgaben her Orthopädie in der Gesundheitsfüh- rung des Deutschen Volkes aus. Prof. Wacholder, Rostock sprach als erster Redner des gesttigen Verhand- lungstages über hie funktionelle Anpas. Jung in her Muskulatur an hie von ihr geforherten £ e i ft ungen. Er unterschied zwei Muskelarten, wovon die eine auf augenblickliche maximale Leistung und die andere auf Dauerleistung eingestellt ist. Besondere Wirkstoffe finh im Muskel selbst vorhanden, die bei her Ausübung von Muskelleistungen in starkem Maße verbraucht werden. Der Muskel kann sogar durch Eigenschaffung eines solchen Wirkstoffes eine erhöhte Leistung sicherstellen. Starke Muskelarbeit bedingt einen Mehrverbrauch an dem Vitamin C, das wir in Sonderheit in her Zitrone vorfinhen. Bei Mangel an hiesem Vitamin im Muskel und im Blut fällt hie Leistungsfähigkeit des Muskels. Für bestimmte Muskelerkrankungen, die in der Orthopädie eine große Rolle spielen, wird deshalb die Berücksichtigung des allgemeinen Stoffwechsels und eine diätetische Ernährung z. D. durch Ditamm-O Zufuhr gefordert. Interessant waren die Ausführungen, daß selbst bei normal ausreichender Vitamin-Zufuhr des menschlichen Körpers selbst der Muskel an Ort und Stelle vitaminarm fein kann. Deshalb ergibt sich die Notwendigkeit, die Vitamine in wesentlich größeren Mengen als pormalerweife zuzuführen. Erst dann würde der vitaminarme Muskel zur Aufnahme dieses Vitamins sozusagen gezwungen werden. Einige Wirkstoffe der inneren Drüsen wurden erwähnt, die insofern für die Muskelarbeit unbedingt notwendig find, weil sie über den Weg her Nerven die Muskeltätigkeit veranlasien. Der Arbeitsstoft- wechsel beruhe größtentells, wenn nicht ausschließer an das Wesen der Banken in der Systemzeit und kennzeichnete Den Wandel, der sich im Bankwesen unter her Initiative des Führers und her Partei vollzogen habe. Er betonte, daß alle Anstrengungen gemacht werden müßten, damit her Nachwuchs zu wertvollen Helfern herangebildet werde. Dies um so mehr, als die Banken Diener des Volkes geworden seien. Der Nachwuchs müsse bewegt sein von hem Geist, her unsere Gegenwart erfüllt Jeher Junge müsse has Rüstzeug bekommen, bas er haben müsse, wenn er wertvoller Mitarbeiter sein wolle. Wie hie Stadt bie Schule bisher unterstützt habe, so werde bie Stadtverwaltung auch der neuen Einrichtung der Oeffentlichen Handelslehranstatt nach Kräften förderlich fein. Zum Abschluß der Feier sprach her Leiter der Oeffentlichen Hanbelslehranstalt Direktor Dr. Kruse, ber in kurzen Zügen barlegte, wie die Arbett an her neuen Bankfach klasse gedacht sei. Er ließ wissen, baß auch in diese neue Klasse jener Geist hinein- getragen werbe, ber bisher bie Schule beherrschte. Er gab seiner Freude Darüber Ausbruck, baß ber Schule Gelegenheit gegeben sei, nun auch auf hiesem Gebiete wirksam zu werden. Die Arbeit für die Ban- kenfachklasse sei der Schule um so eher möglich, als eine Anzahl Lehrkräfte aus dem Bankfach gekommen fei. Die Schule werbe bemüht fein, im Nachwuchs Initiative zu wecken und ber Iugsnb den Weg zur Hohe zu weifen. Dem Oberbürgermeister unb ber Industrie- und Handelskammer dankte er für die Förderung, die der Plan der Er- richtung ber Fachklasse gefunden hat. Nachdem er noch bie Gebanken auf Die großen politischen Ereignisse der Gegenwart hingeienkt hatte, beschloß er hie Feier mit dem Gruß an Den Führer. lich, auf der Oxydation. Bei maximaler Muskellei- ftung können jehod) auch andere Reaktionen als sogenannte Ersatzreaktionen eingreifen. Die Leistungsfähigkeit des Muskels hängt von feiner Weichheit ab. Nur ein geringer Tell von Menschen, meistens ©portier, verfügen über diese Weichheit ihrer Muskeln. Die maximale Muskelleistung über längere Zeit würde nur von der Minderzahl ber Menschen ausgeübt werden können. Sehr wichtig für die Beurteilung her körperlichen Leistungskraft des Menschen ist seine seelische Einstellung zu ber geforherten Leistung. Das Uebertraining stelle häufig eine Störung bes seelischen unb nervösen Systems bar. Prof. Mauz, Marburg sprach über bas Thema „Konstitution unb Leistung". Eine große Anzahl ber ßeiftungs» behinderten hätten häufig gar nicht die besonbere Organbehinderung, die sie sich selbst bzw. andere zusprechen. Es käme darauf an, bie dem Menschen innewohnenben Kräfte, bie das Gesamtbild bes Menschen mit Seele unb Charakter barstellen, auch zu gebrauchen. Viele Fähigketten würben sozusagen brachliegen. Der Mensch habe die Aufgabe, mit gesundem Sinn und Wollen an bie ihm möglichen Aufgaben heranzugehen. Störungen in ber Konstitution bes Menschen könnten zu einer Leistungs- Herabsetzung führen. Die optimale Leistung Des einzelnen Menschen könne nur bann erreicht werden, wenn körperliche unb seelische Unbefangenheit zur Bezwingung ber gestellten Aufgaben vorliegen. Mit dem Leistungsabbau würbe das Gesamtbild des Menschen gestört werben, so baß letzten Endes der Mensch versagen muß. Der Leistungsbehinderte hat i^tsprechend seiner körperlichen und seelischen Anlagen ein großes Maß von Wollen und Energie mttzubringen, damit er entsprechend seiner Anlagen seine maximale Leistung vollbringt. Gesund ist, nicht der, ber tun kann, was er will, sondern nur ber, ber tun kann, was er soll. Pros. Anthony, Gießen berichtete über Methoden zur Prüfung der Leistungsfähigkeit, über bie Ergebnisse unb bie Grenzen dieser Methoden. Bei der Prüfung der Leistungsfähigkeit des Menschen käme es insonderheit Darauf an, seine Arbeitskraft im Versuch über längere Zett zu untersuchen. Die kurz dauernde Prüfung des menschlichen Organismus könne keinen genügenden Aufschluß über die Funktionstüchtigkeit der einzelnen Organe bringen. Um einen Dauer« schaden her Organe zu verhindern, wird die Besei- Erste Arbeitstagung der deutschen Orthopäden. Spender fürdnsSttvttmvmMe Mfswrrk Die NS-Kvolkswshifahrt hat -le 8er treuung -er fu-eten-eutschenZtüchtllnge> lnsbefon-ere -er Mütter uv- Kinder, übernommen. Sei allen Dienststellen -er NSV. uv- bel allen Sanken uv- öffentlichen Sei-» avstalten werden Spen-en auf -as Sonderkonto ,Su-etev-eutjches Hilfs» werk* entgegengenommen. Zabluvgeu können auch mit Aahlkarte oder postüberweifung unmittelbar auf -as Postscheckkonto Serlln Nr. 307 68 -er Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt e.v., Neichsfuhrung, Serlln 60 36, mit -em Hinweis «für -as Su-etea-eutsthe HUfswerk" geleistet wer-ev. tigung schwerster körperlicher Arbeit gefordert. Mit den angegebenen Untersuchungsmethoden kann wohl bie Grenze her allgemeinen Leistungsfähigkeit in Diäten Fällen ttstgestellt werben. Häufig und in den allermeisten fMlen jedoch wird die Beurteilung der seelischen Einstellung bes Arbeiters hinzukommen müssen. Schwierigketten berejtet namentlich bie objektive Feststellung ber Ermüdung und der Ermüdungserscheinungen. Diese seien bekanntermaßen auch willensmäßig zu beeinflußen. Es wurde darauf hingewissen, baß bei Raumbe- hinderung bes Brustkorbes, wie z. B. bei Wirbelsäulenverkrümmung mit Buckelbilbung, deshalb eine schnelle Ermüdbarkeit einsetzt, weil bie für die Leistung notwendige Arbeit her Lungen unb Des Herzens stark beeinträchtigt sind. Es wurde schließlich, um bas Bild ber Leistungsfähigkeit eines Menschen abzurunden. die Kenntnis seines Charakters, seiner seelischen Einstellung zur Arbeit, die Kenntnis des Arbeitsvorganges unb des Arbeitsplatzes gefordert. Prof. Günh, Frankfurt a. M. sprach über die H altun gs schäd e n am Hattun gs- und B e m e gu n g s ap p ar a t. Er führte bie in ber Reichsunfall-Versicherung aufgeführten Erkrankungen an, die als Berufskrankheiten gelten. Daneben gibt es eine Anzahl von Krankheiten, die nicht unter Berufskrankheiten ausgezeichnet sind, aber als Arbettsschäden unbedingt gelten müssen. Der an körperliche Arbett nicht gewöhnte, von der Schulbank kommende Lehrling sei vielen Gefahren im Betriebe ausgesetzt. Durch langes Arbeiten in ungewohnter Haltung, langes Stehen, durch schweres Tragen würden die Jugendlichen Schäden ausgesetzt, bie in den seltensten Fällen wieder gutzumachen seien. Der Redner sprach von der Ausbildung ber Plattfüße beim Bäcker, Frtstur, beim Kellner usw. Auch andere Skelettveränderungen, wie das Ibein, ber Rundrücken feien auf bas Mißverhältnis zwischen Leistungsfähigkeit und Beanspruchung zurückzuiüh- ren. Bei schwer tragenden Arbeitern habe man fest- gestellt. baß wegen Plattfüßigwerdens ein großer Teil von ihnen schon mit dem 30. Lebensjahr aus dem Arbeitsprozeß ausscheiden mußte. Die Ursache für die Arbeitsunfähigkeit im späteren Alter seien Die sog. Abnutzungserscheinungen. Die Ursachen für viele Arbeitsschäden könne man abstellen, besonders die. Die Den wachsenden Körper betreffen. Man solle daher für bie ärztliche und Berufsberatung keine Kosten scheuen, wenn man dadurch von vornherein Schäden vermeiden kann. Wie wichtig gerade bie Verhütung dieser Berirfsschäden ist, beweist die Tatsache, daß man nach Den Worten von Reichsorganisationsleiter Dr. Ley durch Verhütung und Vermeidung dieser Schäden bei tausend Menschen etwa Vk Million Mark einsparen könne. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach» mittag geschloßen „Ich erwarte Sie hier." Es dauerte nicht einmal sehr lange, kaum eine halbe Stunde, da war ber Doktor zurück. „Menschen verhallen sich doch manchmal merkwürdig", sagte er kopfschüttelnd zu dem Baron, ber ihm voller Spannung entgegensah. „Der Mann hat so fabelhaft geschickt alle Spuren verwischt, unb harnt dies hier." Er öffnete die Hand. „Afrikanische Marken?" fragte Clemens erstaunt. Der Kriminalrat nickte. „Mit deutlichem Post- stempel. Die Briefe hat er vernichtet, unb bie Marken hebt er auf. Unb dieses hier ist wohl Der Nach- schlüsiel zu Ihrer Postmappe?" „Also doch!" Der Baron war erschüttert. „Ich fand beides in einem Geheimfach feiner Brieftasche unb muß es sofort zurückbringen. Das Fehlen bes Schlüssels würbe ihn warnen." Der alte Clemens saß ganz gebrochen in seinem Stuhl. ,Llber warum, jagen Sie mir nur eines, warum?" „Wahrscheinlich sah er seine Stellung hier gefährdet, wenn Ihr Neffe Gerald hier Herr würbe", entgegnete Fiedler zögernd. „Aber daß er darum zu solchen Mitteln greifen konnte — das hätte ich ihm niemals zugettaut! Wie wenig kennt man doch bie Menschen! Nicht einmal die, die täglich um einen sind!" Fiedler schwieg. — Am nächsten Morgen ließ sich der Baron gleich nach dem Frühstück von Paul in die Stabt sichren, wie es ber Kriminalrat mit ihm verabredet hatte. Dieser hatte es dem alten Mann ersparen wollen, dem Schlußakt des Dramas beiwohnen zu müssen. Er selbst ging m das Arbeitszimmer, setzte sich in eine Ecke des großen Klubsofas unb blieb dort regungslos sitzen — schweigend, wartend. Es dauerte nicht allzu lange, da ging bie Tür auf, unb Evers brachte bie Postmappe. Er war schon halb im Zimmer, als er Fiedler bemerkte. „Der- zeihung!" sagte er. „Wenn ich gewußt hätte, baß her Herr Doktor ..." „Schon gut", unterbrach ihn Fiedler, „Sie tonnten es selbstverständlich nicht wissen." Evers legte die Postmappe auf Den Schreibtisch unb wandte sich zur Tür. (Fortsetzung folgt!) Aus den Gießener Gerichtssä'len. Gondergericht in Gießen. Das Sondergericht verhandette zunächst gegen den Karl Weigand aus Großen-Linden. Der Angeklagte, der in sozialdemokratischen Gedankengängen ausgewachsen war, hatte als Gefolgschaftsmitglied emer Gießener Firma zersetzende Hetzreden geführt. Cr hatte sich daher wegen Vergehens gegen § 2 des Heimtückegesetzes vom 20. Dezember 1934 zu verantworten. Der Angeklagte bestritt im wesentlichen die ihm zur Last gelegten hetzerischen Aeuße- rungen. Er wurde aber durch die Zeugenaussagen im Sinne der Anklage überführt. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten eine Gefängnisstrafe von vier Monaten unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Der Verteidiger beantragte Freisprechung seines Mandaten. Das Sondergericht verurteilte den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von zehn Wochen, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gilt. * In der Nachmittagssitzung hatte sich der Ludwig K i r n b e r g e r, zuletzt wohnhaft in Friedberg, gleichfalls wegen Vergehens gegen § 2 des Heimtückegesetzes zu verantworten. Der Angeklagte, der aus Wien stammt und ehemaliges Mitglied der österreichischen Sozialdemokratischen Partei und der Vaterländischen Front ist, hatte nach jahrelanger Erwerbslosigkeit in unserer Gegend bei der Reichsbahn Arbeit und Brot gefunden. 3m Gegensatz zu feinen anderen ostmärkischen Kameraden erwies er sich als großer Drückeberger. Als ein anderer Wiener vorschlug, gemeinsam für den Unterkunftswagen des Bautrupps ein Führer-Bild zu kaufen, machte der Angeklagte eine ganz unerhörte Bemerkung. In der Hauptverhandlung will der Angeklagte sich an nichts mehr erinnern können. Aber auch er wurde durch Zeugenaussagen überführt. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von Zehn Wochen. Die Untersuchungshaft wurde dem Angeklagten mit zwei Monaten angerechnet. Amtsgericht Gießen. Die Ehefrau E. K. aus Gießen war bei einer Gießener Familie beschäftigt. Ihrer Arbeitgeberin fehlten am 1. August .12 Mark und am 2. August 5 Mark. Der Verdacht fiel auf die'Angeklagte. Man fand in ihrer Geldbörse Geld und getrennt hiervon in ihrer Handtasche wettere fünf Mark. Diesen letzteren Betrag vermißte aber gerade ihre Arbeitgeberin. Die Angeklagte bestritt energisch, sich ftraf- bar gemacht zu haben. Sie blieb bei ihrer Darlegung, obwohl ihr nachgewiesen wurde, daß sie in der fraglichen Zeit mehr Geld ausgegeben hatte, als sie verdiente und an Unterstützung bezog. Da die Hauptbelastungszeugin ausgeblieben war, mußte der Termin abgefetzt werden. Aus der engeren Heimat. Wie schütze ich mich vor Lleberlragung der Kinderlähmung? Der Amtsarzt des Staatlichen Gesundheitsamtes Schotten, Dr. Jockel, veröffentlicht im „Schottener Kreisblatt" folgende Mitteilung: „Das Wiederauftreten der Kinderlähmung in Schotten gibt Veranlassung, alle Volksgenossen auf folgendes hinzuweisen: An der Kinderlähmung erkranken meist die weniger widerstandsfähigen Kleinkinder. Erwachsene beherbergen insbesondere aus der Hingebung Erkrankter — sehr oft die Erreger in ihrem Nasenrachenraum, ohne dabei krank zu fern. Wahrscheinlich wird die Krankheit durch solche Keimträger häufiger übertragen als durch Erkrankte selbst. Da aber solche an sich gesunde Keimträger nicht zu erkennen sind, so müssen Angehörige unD Wohnungsgenossen, sowie alle die mit dem Kranken in Berührung gekommen sind, damtt rechnen, daß sie möglicherweise die Krankheit wetter verbreiten und daher folgende Vorsichtsmaßregeln genauestens beachten: Sie sollen sich davon hüten, andere Personen anzuhusten, beim Husten oder Räuspern ein Taschentuch vorhallen, unnötige Berührungen, insbesondere Küssen unterlassen, eigene Handtücher und Taschentücher benutzen und häufig ihre Hände, waschen. Unbedingt aber sollen sie jedoch unnötige nahe Berührung mit Kindern vermeiden, die um so empfänglicher für die Ansteckung sind, je kleiner sie, sind. Es ist ferner empfehlenswert, ein Munüdesinfizienz (Panflavin, Formamint u. dgl.) täglich mehrmals zu nehmen. Auch Gurgeln und mehrmalige tägliche Mundreinigung können gute Dienste tun.' Unbeleuchteter Kartoffelwagen als Unfallursache. * Lang-Göns, 4. Oft. Am gestrigen Montag gegen 19 Uhr ereignete sich auf der Landstraße Lang-Göns—Kirch-Göns dadurch ein U n f a 11, daß ein Kartoffelfuhrwerk unbel suchtet auf der Land ft raße stand, auf das ein Personenauto auf fuhr. Bei dem Anprall des Kraftwagens wurden zwei Personen verletzt, das Auto schwer beschädigt. Die behördlichen Ermittlungen wurden alsbald eingeleitet. Landkreis Gießen. △ Großen-Linden, 3. Oft. Die Herbst- sammlung für bas Deutschtum im Ausland ergab den ansehnlichen Betrag von 123 Mark. Daß das Ergebnis wett über dem vorigen liegt, ist wohl auch auf den Einfluß der Ereignisse im sude- tendeutschen Gebiet zurückzuführen. — Als Ergebnis des A e h r e n l e s e n s unserer Schiller konnten der NSV. zwei Zentner ausgedroschener Frucht zur Verfügung gestellt werden. — Die Schüler der zwei obersten Jahrgänge suchten vor der Kartoffelernte mehrmals die Felder nach dem Kartoffelkäfer ab, glücklicherweise wurde aber der Schädling nirgends gefunden. ~ m < Leihgestern, 4. Okt. Ihren 80. (Behüt t s t a g kann am heutigen Dienstag, 4. Okto der, Frau Sophie Gibb Wwe., geb. Textor,, in guter Gesundheit begehen. Unseren herzlichen Gluckwunsch. — Am 1. Oktober oerftarb in Bad-Nauheun, wo er bei seinem Sohn in letzter Zeit wohnte, der hiesige langjährige Lehrer und spätere Rektor Heinrich Jung tm 82. Lebensjahre. — Ähre s 11 b e r n e Hochzeit können am Mittwoch, 5. Oktober, der Eisenbahn-Rangiermeister Karl Ulm und Ehefrau Marie, ged. Heß, Schillerstraße 9 dahier wohnhaft, begehen. , ... 8. Lang-Göns, 3. Okt. Für die Arbeit des VDA. (Volksbund der Deutschen im Ausland) wurden von den hiesigen Schulkindern 36 Mark gesammelt. v , # Mainzlar, 3. Okt. Die hier von der Schuljugend durchgeführte VDA. - Sammlung erbrachte einen Betrag von 30,40 Mark. > Allend orf a. d. Lumda, 3. Okt. Am Samstagabend fand hier eine Versammlung des Reichsluftschutzbundes statt, die von Un- tergruppenführer Döll gefettet wurde. Schulungsleiter Dr. M i 11 e rm e i e r hielt einen lehrreichen Dorttag über richtige Verhaltungsmaßregeln bei Luftangriffen. Kreis Friedberg. 5) Münzenberg, 3. Okt. Nachdem vor wenigen Wochen Bürgermeister W e tz in den Ruhestand trat, wurde jetzt Ortsgruppenleiter Ludwig Metzger als neuer Bürgermeister in fein neues Amt eingeführt. Kreisdirektor Dr. Braun nahm in einer Sitzung der Gemeindevertretung die^Vereidigung des neuen Bürgermeisters vor. Dieser übernahm sofort die Amtsgeschäfte der Gemeinde. Die Dorfbewohner brachten am Samstagabend dem neuen Bürgermeister ihre Glückwünsche dar. Nachdem in traditioneller Art ein Tannenbaum vor Dem Hause des Bürgermeisters gepflanzt worden war, gratulierte Pg. Weiß dem Bürgermeister mit herzlichen Worten. Hierauf wurden von dem Datschen Frauenwerk und von dem BDM. kle'ns Geschenke überreicht. Bürgermeister Metzger dankte für die Glückwünsche und gab der Hoffnung auf gute Zusammenarbeit Ausdruck. Er lud darauf alle Anwesenden zu einem Glas Bier ein, wobei man noch einige gemütliche Stunden verbrachte. Kreis Schotten. >( Ruppertsburg, 3.Okt. Während im September 1934 in unserer Gemarkung 6173 Obstbäume gezählt wurden, konnten jetzt bei der Obstbaum - zählung 6350 Bäume festgestellt werden. Es sind also nahezu 200 Bäume mehr, obgleich in den letzten Jahren sehr viele abgängige Bäume, namentlich Zwetschenbäume, beseitigt werden mußten. Kreis Alsfeld. £ Bernsfeld, 3. Okt. Heute gegen 13 Uhr kam hier ein seltener Gast an. Ein Schwan hatte sich hierher verflogen und konnte, da er vollkommen erschöpft war, von hiesigen Einwohnern eingefangen werden. Das Tier hat eine beträchtliche Größe und wurde hier in Pflege genommen. GrauenhafleTateines Geistesgestörten Lpd. Frank f urt a. M., 3. Okt. In dem Haus Speyrerstraße 19 ereignete sich in der Nacht zum Montag ein grauenhafter Vorfall. Im 1. Stock lebte Das in den 70er Jahren stehende Geschwisterpaar G. Beide Leute waren bereits wegen ihres Geisteszustandes längere Zeit in . einer Heilanstalt, von dort aber als gehellt wieder entlassen worden. Gegen Mitternacht erschoß nun der 68jährige Emil G- seine 71jährige Schwester Anna, dann richtete er die Waffe gegen s i ch und brachte sich einen sofort tödlich wirkenden Schuß in den Kopf bei. Vorher hatten die beiden Leute Abschiedsbriefe recht verworrenen Inhalts geschrieben; einige Briefe flatterten auch auf der Straße umher. Außerdem hatte G. in den beiden Zimmern Feuer angelegt, so daß die Räume fast völlig ausbrannten. Als das Feuer bemerkt wurde, fand man die beiden allen Leute und entdeckte die furchtbare Tat, die nach den polizeilichen Feststellungen zweifellos in geistiger Umnachtung begangen wurde. Großhandel mit gestohlenen Fahrrädern Vier Jahre Zuchthaus und Sicherungsverwahrung. LPD. Marburg, 3. Okt. In einer ausgedehnten Verhandlung beschäftigte sich die Große Strafkammer mit dem 39jährigen Karl Schütz aus Neustadt, der sich neben anderen Straftaten des Dieb- stahls von 35 Fahrrädern schuldig gemacht hatte. In den meisten Fällen hatte Schütz die ge- stohlenen Fahrräder durch drei Mittelsmänner, Die jetzt wegen Hehlerei ebenfalls auf der Anklagebank saßen, veräußert. Außerdem hatte er eine geschiedene Frau, mit der er verlobt war, nach und nach um 400 Mark leichter gemacht. Einem Bauer in Erksdorf bei Kirchhain sandte er einen Brief des Inhalts, daß er bei verbotenem Handel mit Butter und Eiern in Marburg bemerkt worden fei. Zwecks Vermeidung einer Anzeige müsse er sofort 130 Mk. postlagernd nach Marburg senden. Der Bauer übergab den Brief der Polizei, und als anonymen Erpresser stellte man Schütz fest, der sich ferner noch einer wissentlich falschen Anschuldigung schuldig machte, indem er einen Bauer aus Wohra bei der Polizei eines Fahrraddiebstahls bezichtigte. Beim Verkauf eines gestohlenen Fahrrades stellte Schütz eine Bescheinigung mit falscher Namensunterschrift aus. Wegen dieser Delikte wurde Schütz zu insgesamt vier Jahren Zuchtbaus verurteilt. Da er mehrmals einschlägig vorbestraft ist, ordnete das Gericht die Sicherungsverwahrung gegen ihn an. Der 52jährige Karl Berk erhielt wegen fortgesetzter gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei IV» Jahre Zuchthaus, zwei weitere Hehler wurden 'zu zwei Monaten Gefängnis bzw. 35 Mark Geldstrafe verurteilt. jRunbfiinfprogramm Mittwoch, 5. Oktober. 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzcrt. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 950: Gaunachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk. Ein deutscher Komponist in Egerland. Eine musikalische Hörfolge um Händel. 11.45: Ruf ins Land. 12: Werkskonzert. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Jeder hört zu! 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Nachtigal fährt nach Togo und Kamerun. 16: Kaffee verkehrt aus Wien. „Die Wiener Mittwoch-Jause" bringt Gesang, Musik und Fröhlichkeit. Einlage (17 bis 17.10): Der Schiefer- Hammer. Ein Kindhei-tserinnerung. 18: Ein Wort an alle. 18.10: 300 Meter bergauf — bergab. Mit dem Kurzwellensender auf dem Malberg bei Bad Ems. 18.30: BDM.-Werk Glaube und Schönheit. Pflege deutscher Hausmusik durch den BDM. 19: Fliegendes Deutschland. Monteure am Werk. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautspre- sprecher. 20: Nachrichten. 20.15: Unterhaltungskonzert. 22: Nachrichten. 22.30: Musik aus Wien. 24 bis 2: Nachtkonzert. <9 Jl.-'SpOTt Vereinszusammenschluß in Heuchelheim. Schon vor einiger Zeit waren in den beiden Leibesübungen treibenden Vereinen Heuchelheims Neigungen "vorhanden, die auf eine Vereinigung hinzielten. Durch die Initiative und Vermittlung des Ortsgruppenleiters Wobkerin jüngster Zeit wird die Vereinigung nun in die Tat umgesetzt. Eigentlich handelt es sich ja um eine Wiedervereinigung. Derrn der SDH. 1920 ist aus dem Tv. Heuchelheim heroorgegangen. Die tiefere Ursache der Trennung lag damals bei Den oberen Sportbehörden, deren Kurzsichtigkeit und Kastengeist nicht zuließ, daß Vereine das Turnen und gleichzeitig das Fußballspiel pflegten. Die beiden Dereinsführungen haben in den nunmehr zum Abschluß gekommenen vorbereitenden Besprechungen den 1. Oktober als Zeitpunkt des Zusammenschlusses bzw. Wiedervereinigung bestimmt. Dem Namen nach erlischt der Sportverein 1920 Heuchelheim, existiert jedoch als Fußballabteilung des Turnvereins aktiv weiter. Im Interesse beider Vereine sowie von ganz Heuchelheim liegt es, wenn der Sport in Heuchelheim zu einer Einheit wird. Die Leistungen aller Abteilungen werden bestimmt eine Steigerung erfahren, wenn sich die in beiden Vereinen vorhandenen Kräfte passend ergänzen. Es bieibt bei Berlin—Hamburg - Leipzig. Der ursprüngliche Plan, den Dreistädtekampf im Kunstturnen zwischen' Berlin, Hamburg und Leipzig zu einem Bierstädtekampf mit Wien zu erweitern, ist vorläufig zurückaeftellt worden. Wie wir von der Reichssportführung hören, fühlen sich die Wiener Turner noch nicht stark genug, um in einen auf so hoher Stufe stehenden Kampf eingreifen zu können. Dazu kommt, haß die Runde der Austragungskämpfe erst mit der am 16. November in Leipzig zur Durchführung kommenden Veranftattung abgeschlossen wird. Es bleibt also diesmal noch beim Dreistädtekampf. ■ Geher auf Nekordjagd. Die erste Klasse der deutschen Geher versammelt sich am kommenden Sonntag geschloffen auf dent Sportplatz Friedrichshain in Berlin. Hier werden zwei Wettbewerbe über eine und über drei Stunden ausgetragen, die beide als Rekordversuche anzusehen sind. Den schon 30 Jahre alten Stundenrekord von Paul G u n i a mit einer Leistung von 13,009 Kilometer wollen die deutschen Meister H. Schmidt (Hamburg) und W. Schmitt (Berlin), ferner Krüger (Köln), Seeh (Haag), Modes, Höhner (beide Leipzig), Fecht, Rövesath (beide Hamburg) und Horlemann (Berlin) mit Unterstützung von Schwab Vater und Sohn angreifen, lieber drei Stunden dürste der Versuch bestimmt gelingen, da diese Sttecke erst im Vorjahre als rekordfähig von der IAAF, anerkannt worden ist. Mit Ausnahme von Meister Dill, der am Sonntag die deutschen Farben in Mailand vertritt, sind mit Peters, B'ei- weiß (Berlin), Nagel, Blau, Prehn (Leipzig), Albrecht (Mainz), Bauer (Stuttgart) und vielen anderen namhafte Bewerber am Start. Leichtathletik -Bekorde in Kopenhagen. Bei einem Leichtathletik-Sportfest in Kopenhagen verbesserte der schwedische Meisterläufer Lennart Strandberg über 200 Meter den Landesrekord von 21,6 auf 21,5 Sek. Mit 21,8 Sek. holte der als Zweiter einkommende Holger Hansen noch eine dänische Bestleistung heraus. Auf der gleichen Veranstaltung wurde die dänische Meisterschaft im 20 - Kilometer - Gehen entschieden, die Diggo Ing-» Dorfen in 1:37:15,8 gewann. Rekorde fielen auch bei einem leichtathletischen Treffen in Malmö zwischen Kopenhagen und bet schwedischen Provinz Schonen. Birgit Lund- ström erzielte im Diskuswerfen mit 44,38 Meter eine neue schwedische und Edith H a n s e n im Speerwerfen mit 43,21 Meter eine neue dänische Bestleistung. Ihren knappen Sieg von 80:77 Punkten verdankten die Kopenhagener Mädel der vielseitigen Inge S m i t h - N i e l s e n , die allein drei Wettbewerbe gewann. Englandfahrt unserer Bennwagen. Das ursprünglich abgesagte englische Autorennen um den Großen Preis von Donington-Park wird nachgeholt, und zwar noch in diesem Monat. Da die beiden kommenden Samstage internationale Veranstaltungen in Brookland und auf der Kristallpalast-Bahn bringen, kommen für das Donington- Park-Rennen nur noch der 22. ober 29. Oktober in Frage. Die Entscheidung, welcher Tag gewähll wird, ist noch nicht gefallen. Schon jetzt haben aber Auto-Union und Mercedes-Benz erklärt, daß sie ihre Meldungen aufrechterhalten und mit je vier Wagen starten werden. Für die Untertürkheimer besteht sogar die Möglichkeit, daß ihr Europameister Rudolf Caracciola bis dahin von feiner Fußverletzung soweit wiederhergestellt ift, daß er starten kann. Budge und Bromwich geschlagen. Zwei große Ueberraschungen brachten die Süd- west-Pazifik-Tennismeisterschaften in Los Angeles. Weltmeister Donald Budge, der seit zwei Jahren in keinem Turnier besiegt wurde, mußte sich dem Austtalier Adrian Quist beugen, der 7:5 6:2 5:7 6:3 gewann. Schon beim Davispokalkampf hatte Quist gegen den Kalifornier keine schlechte Rolle gespielt. Nach Budge wurde auch der von vielen Tennis-Sachverständigen an die zweite Stelle der Weltrangliste gesetzte Australier John Bromwich aus dem Rennen geworfen. Der Führer der australischen Daoispokal-Mannschaft Harry H o v m a n n schlug seinen Landsmann in drei Sätzen 6:3 6:3 10:8. Kurze Sportnotizen Der Berliner Werner Beu 1 hner gewann beim Tennisturnier in Varese zusammen mit dem Italiener Palmieri das Männerdoppel gegen bei Bello-Sada 6:4, 6:2, 2:6, 9:7 und war auch mit ber Italienerin Tonolli als Partnerin im Gemischten Doppel 6:1, 6:2 gegen Frl. Heidtmann-Mitic erfolgreich. Um die 1. Europameisterschaft im Basketball der Frauen bewerben sich Frankreich, Italien, Polen und die Schweiz. Die Kämpfe werden vom 12. bis 16. Oktober in Rom durchgeführt. * Der deutsche Derbysieger Orgelton und Blasius werden im Herbstmodenpreis am 30. Oktober in Wien starten. Wahrscheinlich wird auch Orgeltons' Stallgefährte Wund er Horn in Wien laufen. * Zum Dreifaltigkeits-Bergrennen bei Speichingen in Württemberg, das am kommenden Sonntag zum fünften Male ausgetraqen wird, gingen über 100 Meldungen ein. Die Besetzung läßt auch an Qualität nichts zu wünschen übrig. Wirtschaft. Rhein-Mainische Börse. Mttagsbörse: Aktien schwacher. Frankfurt a. M., 3.Okt. Der Wochenbeginn gestaltete sich an der Börse sehr ruhig und am 21!« tienmarkt weiter etwas schwächer. Nach den starken Erhöhungen der Vorwoche bestand weiterhin Neigung zu Realisationen, daneben dürsten aud\ Vorbereitungen zur Zeichnung der neuen Reichsanleihe getroffen worden sein. Anderseits lagen Kaufaufträge kaum vor, so daß durchschnittliche Rückgänge von 1,50 bis 3 v. H. eintraten. Am Montanmarkt ermäßigten sich Verein. Stahl um 1,25 v. H. auf 102,13, Mannesmann um 1,50 v. H. auf 108,25, Ilse Genuß nach Pause um 2,50 o. H. auf 136,50, Hoesch lagen mit 110,75 (111,25) verhältnismäßig gehalten. Am Maschinenaktienmarkt waren die Einbußen stärker, Demag 142 (145), Rheinmetall 127,25 (130,50), Daimler 135,25 (137), Moenus jedoch unn. 124,50. In Der chemischen Gruppe schwächten sich IG.-Farben auf 152,75 bis 152,50 (154), Metallgesellschaft auf 127,50 (129) und Scheideanstalt nach Pause auf 220 (225) ab. Von Elefttowerten fielen AEG. auf 113,90 (117), RWE. auf 120,40 (122,75) und Lahmeyer auf 128,75 bis 128,50 (130) zurück. Sonst kamen zunächst noch Conti Gummi mit 207 (210,50), Süddeutsche Zucker mit 212 (213), Hapag mit unv. 71,50 und Reichsbank mit unv. 186 zur Notiz. Am Rentenmarkt war die Haltung bei noch kleiner Nachfrage gut behauptet. Fester lagen Reichs-? bahn-DA. mit 125,50 (125,13), Reichsaltbefitz 0,13 v. H. höher mit 130,90. ßtguibafionspfanbbriefe lagen vorwiegend fest bei Erhöhungen von 0,25 bis 0,50 d. Sy; Frankf. Hyp. 101,10 (100,65), Meininger 101,25 (100,75). Stadtanleihen zogen teilweise 0,25 d. H. an, dagegen notierten Industrie-Obligationen etwas uneinheitlich. Fest lagen ferner Defofama I mit 138,50 (137,50). Pfandbriefe und Staatsanleihen blieben unverändert. Im Freioerkehr lagen Kom- munal-Umschuldung mit 94,05 (94,13) knapp gehalten. Im Frei verkehr war das Geschäft ruhig. Dingler 89 bis 91 (90 bis 92), Verein. Fränk. Schuh unv. 73 bis 75. Tagesgeld unv. 2,25 v. H. Abendbörse sehr ruhig. Die Abendbörse war sehr ruhig. Der Auftragseingang bewegte sich in engen Bahnen, so daß die Umsätze keinen besonderen Umfang annahmen. Die ÄursfeftfteUungen erfolgten größtenteils nominell und die Entwicklung war unregelmäßig bei im allgemeinen kleinen Veränderungen. Lediglich AG. für Verkehr mit 123,50 (125), Gesfürel mit 136 (137), Buderus mit 110,50 (111,50), Deutsche Lino- leum mit 157 (158), Dagegen Nheinrnetall mit 128 (127) waren über Die durchschnittlichen Abweichungen von 0,25 bis 0,50 v. Sy hinaus verändert. Montanwerte lagen mit Ausnahme von Buderus mwer* ändert; Verein. Stahl 101,75, Rheinstahl 139,25, Hoesch 110,75, Mannesmann 108,25, Erdöl jedoch 0,50 v. H. ahbröckelnd auf 128,25. IG.-Farben zogen bei einigem Interesse auf 153,25 (152,75) an, auch Metallgesellschaft 0,50 v. Sy höher mit 128, ebenso Licht 8- Kraft mit 137,75. Sonst notierten noch u. a. MAN. mit 132,25 (132), Daimler mit 135,25 (135), Iunghans mit 106 (106,25), Adler- werke mit unv. 110, Bemberg mit unv. 135, Demag mit unv. 142, RWE. mit unv. 120,40. Am Rentenmarkt war einiges Geschäft bei meist etwas erhöhten Kursen. Reichsaltbesitz 131 (130,90), 5proz. Gelsen Berg 101,25 (101), 4,5proz. Verein. Stahl 97,75 (97,25), 4Lproz. Stadt Darmstadt v. 26 98 (97,75), 4,5proz. Franks. Pfandbrief-Bank Gold R. 12 bis 15 100, 6proz. IG.-Farben 123,50. Im Freiverkehr hörte man Kommunal-Umschuldung mit unv. 94,05. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 3. Okt. Es notierten ((Betreibe je Tonne, alles übrige je 100 kg) in RM.: Weizen W 9 200 (letzte Notierung 198), W 11 202 (200), W 12 203 (201), W 13 204 (202), W 16 207 (205), W18 209 (207), W 19 211 (209), W20 213 (211). Roggen R11 185 (183), R12 186 (184), R14 188 (186), R15 1 89 (187), R16 191 (189), R17 192 (190), R18 193 (191), R19 195 (193). Futtergerfte — (—), Futterhafer — (—). Weizenmehl, Type 812, W13 29,25 (28,85), W16 29,25 (28,85), W 18 29,25 (28,85), W19 29,25 (28,85), W20 (Kreis Alzey) 29,25 (28,85), W 20 (Kreis Worms) 29J50 (29,20), plus 0,50 RM. Frachtaus* gleich. Dif greife für Weizenmehl Type 812 mit Beimischung von Maisbackmehl sind 30 Rpf. niedriger als die Notierungen. Roggenmehl, Type 997, R 12 22,45, R 15 22,80, R 16 22,95, R18 23,30, R 19 23,50, plus 0,50 RM. Frachtausgleich. Weizcn- futtermehl 13,60. Weizenkleie W13 10,75, W16 10,90, W18 11,00, W19 11,10, W 20 11,20 Mühlenfestpreise ab Mühenstation. Roggenfuttermehl R19 12,50 (—), Roggenvollkleie R19 11,00 (—). Roggenkleie R 12 9,95, R15 10,15, R16 10.25, R18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfestpreise ab Mühlenft ation. Treber getr. —. Wiesenheu mit Besatz (bis ein Drittel) 5,00, Wiesenheu mit unerheblichem Besatz (bis etwa ein Zehntel) 5,80 bis 6,00, Kleeheu, gut, gesund, trocken 7,00 bis 7,50, Weizenstroh 2,80, Roggenstroh 2,90 bis 3,00, Hafer- und Gerstenstroh 2,40 bis 2,50 Erzeugerpreis ab Erzeuger-Verladestation. Frankfurter Schlachtvieh markt. Frankfurt a. M., 4. Oft. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauf trieb: 309 Kälber, 291 Hämmel, 420 Schafe, 1113 Schweine. Es kosteten: Kälber 35 bis 65 Mark, Hämmel 32 bis 52, Schafe 20 bis 42, Schweine 50 bis 57 Mark. — Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt; Schafe und Hämmel langsam. Nieder-Ohmen, den 3. Oktober 1938. 6313D Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Stein Familie Theodor Schüßler. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 5. Oktober, nachmittags um 2% Uhr statt. Todes-Anzeige. Heute morgen 11% Uhr entschlief nach langem schweren Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater und Urgroßvater Georg Kornmann Schuhmachermeister im Alter von 75 Jahren. 1 Auf der Messe! Slittereislolledie grofie Mofle | In Farben, Mustern und Qualität ganz grob! Preis? Sehr klein! AngOra 130 cm breit gestickt, in allen Farben, ganz preiswert! ■ Erich Knebel aus Görlitz Stand: Gegenüber der Ausfahrt J. B. Häuser 631 ID Heber Naturschutz und Naturkunde ffÄ»™ mit den allgemeinverständlichen Büchern des Hugo Dermühler Verlages, Derlin- Lichterfelde. 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III (Innere Verwaltung) vom 20. 9. 1938 wird auf Anordnung des Lerrn Oberfinanzpräsidenten Lessen in Darmstadt am 10. 10. 1938 in der Gemarkung Gießen eine Personenstands- und Betriebsausnahme durch- geführt. Das Austragen und Einsammeln der Lauslisten, Laushaltungslisten und Vetriebsblätter erfolgt durch die Vlockwalter der NSV. Sollten Lausbesitzer, Laushaltungsvorstände, Betriebsführer usw. die Vordrucke nicht erhalten, dann ersuche ich die fehlenden Listen auf Zimmer Nr. 18 des Stadthauses, Bergstraße 20, abholen zu lassen. Nach dem Stand vom 10. 10. 1938 müssen ausgefüllt werden: 1. Hauslisten, enthaltend sämtliche Haushaltungen und Betriebe des Grundstückes und zwar durch den Lausbesitzer oder seinen Vertreter, 2. Hauslisten V, enthaltend sämtliche Personen, die im Laus wohnen, und zwar sind diese vom Lausbesitzer, seinem Vertreter oder dem Lausverwalter aus den Laushaltslisten in diese zu übertragen, 3. Haushaltslisten, vom Laushaltungsvorstand, 4. Betriebsblätter, vom Vetriebsinhaber. Es wird empfohlen, vor der Ausfüllung der Listen die Anleitung aus den Vordrucken genau zu beachten. Die einzelnen Spalten der Listen müssen vollständig und gut leserlich ausgefüllt werden, da nach den Laushaltslisten die Steuerkarten und zum Teil die Bürgersteuerbescheide für 1939 ausgestellt werden. Die rechtzeitige Abgabe und genaue Ausfüllung der Vordrucke erspart unter anderem Person- liche Einladungen und Vorsprachen, spätere Nachfragen nach der Steuerkarte für 1939, sowie die Anforderung zu hoher Lohn-, Kirchen- oder Bürgersteuer usw. Die ausgefüllten Vordrucke, und zwar die Haushaltslisten und Vetriebsblätter, sind sofort dem Hausbesitzer oder dessen Vertreter abzugeben, der in der Lausliste die Vollständigkeit der Laushaltslisten und Vetriebsblätter zu bescheinigen, die Laüs- liste V auszufüllen und die gesammelten Listen zur Abholung bereitzuhalten hat. Die Erfüllung dieser Verpflichtungen kann auf Grund der Neichsabgaben-Ordnung durch Strafen erzwungen werden. Das Austragen der Vordrucke wird im Laufe dieser Woche erfolgen, während das Einsammeln von Donnerstag, den 13. Oktober 1938 ab durchgeführt wird. Ich erwarte bestimmt von allen inWrage kom- wenden Volksgenossen, daß sie die eyrenamtlich tätigen Helfer (Vlockwalter der NSV.) bei ihrer Arbeit weitgehendst unterstützen, damit das Austeilen und Einsammeln der Listen ordnungsgemäß, gewissenhaft und fristgerecht erledigt werden kann. Die Zählung erfüllt nur dann ihren Zweck, wenn alle in den Listen gestellten Fragen lückenlos und richtig beantwortet sind, und daß im übrigen jedes Haus durch eine Hausliste, jede Haushaltung durch eine Haushaltsliste und jeder Betrieb durch ein Betriebsblatt erfaßt worden ist. Gießen, den 4. Oktober 1938. Der Oberbürgermeister. I. V.: Nicolaus, 6306(5 Beigeordneter. Liefenmgsvergebung. Die Lieferung von: zirka 3000 Zentner gelbfleischige Speisekarloffeln soll unter Zugrundelegung der Verdingungsordnung für Leistungen (VOL.) im Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. 6303D Es kommt nur großfallende, handoerlefene, gesunde, gelbfleifchige Ware in Frage. Die Lieferungsbedingungen liegen vom 4. bis 8.10.1938, vormittags von 9 bis 12 Uhr, auf der Verwaltung der hiesigen Anstalt aus. Sie sind da- elbst gegen Zahlung einer Gebühr von 25 Pf. erhältlich. Angebote sind verschlossen und mit der Aufschrift „Angebot zu der am 3.10.38 ausgeschriebenen Lieferung" zu versehen und bis Dienstag, den 11. Oktober 1938, vormittags 10 Uhr, nur durch die Post an die Verwaltung der hiesigen Anstalt einzureichen. In den Angeboten sind auch die Lieferungsbedingungen anzuerkennen, andernfalls das Angebot keine Berücksichtigung finden kann. Bieter sind nach der Verdingungsordnung bei der Oeffnung der Angebote nicht zugelassen. Wenn Bewerber bis zum 20.10.38 nicht benachrichtigt worden sind, mußten die Angebote unberück- ichtigt bleiben. Weiter bleibt eine etwaige Teilung )er Mengen in Lose und Vergebung der Lose an ver- chiedene Bieter vorbehalten. Gießen, den 3. Oktober 1938. Direktion der Landes-Heil- und Pflegeanstall Gießen. Bekanntmachung. Betr.: Viehseuchenpolizeiliche Anordnung über die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Auf die nachstehende Anordnung des Lerrn Neichsstatthalters in Lessen — Landesregierung — weise ich die Tierbesiher in der Gemarkung Gießen und Schiffenberg besonders hin. Gießen, den 3. Oktober 1938. Der Oberbürgermeister. I. V.: Nicolaus. Abschrift! Der Reichsstatthalter in Lessen — Landesregierung — Betr.: Viehseuchenpolizeiliche Anordnung über die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Vom 19. September 1938. Auf Grund der §§ 17, 18 ff. und 79 Abs. 2 des Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 (RGBl. S. 519) wird zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche für das Land Lessen folgendes bestimmt: § 1- Der § 13 Abs. 1 Sah 1 der viehseuchenpolizei- lichen Anordnung vom 9. März 1938 (Reg.-Bl. S. 25) erhält folgende Fassung: Zu Nutz- und Zuchtzwecken aus verseuchten Ländern bzw. Regierungsbezirken eingeführte Rinder, Schafe und Ziegen werden am Bestimmungsort auf die Dauer von fünf Tagen, Schweine auf die Dauer von 14 Tagen der polizeilichen Beobachtung unterstellt. §2. Diese Anordnung tritt mit ihrer Verkündigung in Kraft. Darmstadt, den 19. September 1938. Der Reichsstatthalter in Lessen — Landesregierung — 6309C I. V.: Reiner. Bekanntmachung. Betr.: Schulbeginn nach den Lerbstferien in den Volksschulen. Achtung! , Nachdem die Volksschulgebäude wieder zur Verfügung stehen, beginnt der Unterricht in den Volksschulen am Montag, dem 10. Oktober 1938, um 8.15 Uhr und nicht, wie bereits bekanntgegeben, am Donnerstag, dem 6. 10. 1938. Der Berufsschulunterricht beginnt am D onners- tag, dem 6. Oktober 1938. Stadtschissamt Gießen. 63079 I. V.: gez. Müller. 6297 A -OPEL- 1,5 Ltr. 4 Zyi. »Olympia« V. RM. 2675.- an a.W. 2,5 Ltr. 6 Zyl. »Super 6« v. RM. 3350.- an a.W. kurzfristig lieferbar Motorwagen- Verkauf sges. m. b. H. Gießen Frankfurter Str. 52 / Ruf 2847 Cafe NizzawTid Täglich frischer 631gd MsdieiiMei Danksagung. Allen, die unser an unserem goldenen Hochzeitstage in Liebe gedacht, durch Blumen, Karten oder sonstige Geschenke erfreut haben, sagen wir auf vielem Wege unseren herzlichsten Dank Wilhelm Spaar und Frau Anna, geb. Hansult Wieseck, den 3. Oktober 1938 04476 3d) bin von der Wehrmachtö- übung zurück und nehme wieder Umzüge entgegen. Friedrich Kuhl Automöbeltranspyrt und Lagerung Gießen, In Löbers Hof 3 Fernruf 2280 04485 Verlobungs-Anzeigen liefert Brühl'sche Druckerei WWW zur Selbstanfertigung 6325° von Kleidern, beginnen jetzt wieder Anmeldungen erbeten MMM,GMekkr.Zl Verkäufe 3/15BMW.- limousine zu verkauf. 04471 Woliel. Wiftmar. Opel-Hell Svez.-Lim. 2türig,Bauj.38, ca. 9000 km gelaufen, zu verk. Schr. Ang. unter 04468 a.d.G.A. DWK.- Reichsklasse Cabriolet in bestem Zustand, preiswert zu verkauf. 04439 Satteei Griilz Gießen Neustadt. UMNWW m.ca.50 Platten Ofen zu kauf, gesucht. Offert, m. Preis unter K. 66 haupt- posttagemd. o44BO Empfehlungen Spinat ‘/,kg 15 Pf. Kopfsalat 5-10 Pf. Endivien 5-10 Pf. p. St. Seitz 04487 Neuenweg 52 Baumpfähle Rosenstäbe Latten m4sD Dachpappe Karbolineum Happel&ßo. Kl. Mühlgasse 4 u.6 Ruf 3925 preiswert zu verkaufen. Zu erfr. in der Geschäftsstelle des Gieß. Anzeigers. v44«i | Kaufgesuche Gut erhaltenes Aren- unö Speisezimmer Pelzwaren Pelz-Reparaturen billig. I seoa0 M. 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