Nr. 285 Erstes Matt 188. Jahrgang Somstag, 5./5onntag,4 Dezember 1958 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr. . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt §ernfprechanfchlüffe unterSammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Kronifurl am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Univerfilätsdruckerei «.Lange in Giehen. Schriftleitung und SeschSftrftelle: Schulstratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf..Plahvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/a mehr. ErmShigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemein» nützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Das deutsche Volk unterzeichnet die Geburtsurkunde des Dritten Reiches. Oer Führer spricht in Reichenberg zu den befreiten Gudetendeutschen. sich als m a r x i st i s ch bezeichnete und den sozialistischen Begriff für sich in Anspruch nahm. Es.roar nicht abzusehen, welches Lager das andere würde überwinden können, und doch war das, meine Volksgenossen, die Schicksalsfrage für die ganze deutsche Zukunft. Denn zwei Welten können in einem Volk nicht bestehen. Wer überhaupk noch an eine deutsche Wieder-- aufersiehung glauben wollte, mußte erkennen, daß die deutsche Ration nur durch eine gigantische firaftanftrengung ge- Ribbentrops pariser Reise. Berlin, 2. Dez. (DRB.) Der Reichsminister । des Auswärtigen von Ribbentrop wird sich am Montagabend auf Einladung der französischen Regierung zu einem kurzen Aufenthalt nach Paris begeben. Reichsaußenminister von Ribbentrop und der französische Außenminister Georges Bonnet werden in Paris eine die deutsch-französischen Beziehungen betreffende gemeinsame Erklärung unterzeichnen. * Der Pariser „Excelsior" bemerkt, daß das genaue Programm für den Aufenthalt Ribbentrops noch nicht offiziell festgelegt sei. Außenminister B o n - n e t habe mit dem deutschen Botschafter Graf W e l c z e k eine Besprechung gehabt. Die Unterzeichnung der deutsch-französischen Erklärung werde für Dienstag nachmittag erwartet. Das Blatt weist weiter darauf hin, daß Herr von Ribbentrop in Frankreich zahlreiche persönliche Freundschaften unterhalte, da er lange Zeit in Frankreich gelebt habe. — Der „Matin" hebt hervor, daß in Paris zahlreiche Veran- st a l t u n g e n stattfinden würden. In den wichtigen diplomatischen Besprechungen werde die Mehrzahl der schwebenden Probleme im Geiste von München angeschnitten werden. Ohne Zweifel sei als Ergebnis ein konstruktiver Beitrag zu dem Werk der Beruhigung und des europäischen Wieder- i aufbaues zu erwarten, für das sich auch die französisch-englische Zusammenarbeit einsetze. I Lebhafte Zudendebaiie in der holländischen Kammer. Gegen die Deutschenhehe. — Guayana für die Juden. rettet werden konnte. Ein ganz neuer Weg mußte gegangen werden. Sein Ziel war eine neue deutsche Volksgemeinschaft aufzurichten und dadurch einen wahren homogenen Volkskörper herzustellen. Diesen Weg bin ich im Glauben an seine Richtigkeit, im Glauben an den natürlichen Instinkt, an die Kraft und den inneren Wert meines Volkes 15 Jahre lang gegangen. (Fortsetzung auf der zweiten Seite.) Der Außenpolitiker des dem Quai d'Orsay nahestehenden „Petit Parisien" erklärt, die in wenigen Sätzen zusammengefaßte deutsch-französische Erklärung stelle eine Verlängerung des Münchener Abkommens dar, wie es auch die deutsch-englische Erklärung gewesen sei, die im Anschluß an die Zusammenkunft in München von Adolf Hitler und Chamberlain unterzeichnet wurde. Sie drücke den Willen beider Länder aus, gute nachbarliche Beziehungen zu unterhalten und erkenne weiterhin die Unoersehrbarkeit der gegenseitigen Grenzen an. Der wirkliche Wert dieser Verpflichtung werde sich zwar erst richtig mit der Zeit erproben; aber man könne schon jetzt feststellen, daß eine bessere Atmosphäre geschaffen worden sei, worüber man sich auf beiden Seiten freue. Der rechtsstehende „Jour" sagt, durch die gemeinsame deutsch-französische Erklärung solle vor allem das Klima geschaffen werden, in dem Frankreich und Deutschland ihre Ansichten gegenüberstellen können. Das Blatt zweifelt nickt daran, daß die französischen Minister dem Wunsche Chamberlains gemäß sich bemühen werden, den Rahmen der Besprechungen zu erweitern und Zukunftsverhandlungen, vor allem wirtschaftlicher Natur, einzuleiten. Da die deutsch-französische Erklärung u. a. versichere, daß alle st^ webenden Fragen gelöst seien, womit also die Vergangenheit abgeschlossen werde, müsse man nun die Zukunft bauen. Des Sudetengaues großer Tag. Reichenberg bereitet dem Führer einen begeisterten Empfang. Reichenberg, 2. Dez. (DNB.) Schon viele Stunden vor der Ankunft des Führers im festlich geschmückten Reichenberg sind die Anfahrtstraßen zum Bahnhof bis auf den letzten Platz besetzt. Das Hauptportal des Reichenberger Bahnhofsgebäudes trägt reichen Flaggenschmuck. Auf dem Bahnhof bilden die Männer der ^-Verfügungstruppe Spalier. Kurz vor 14 Uhr rollt der Führerzug in die Bahnhofshalle ein. Nach der Begrüßung durch den Gauleiter und die übrigen Vertreter der Partei, des Staates und der Wehrmacht durchschreitet der Führer die Halle. Ein einziger Aufschrei der Freude empfängt den Befreier des Sudetenlandes vor dem Hauptportal. Orkanartig pflanzt sich der Jubel durch die Straßen fort, als der Führer die Fahrt zum Reichskommissariat antritt. Zur selben Zeit erscheint in den Lüften das neue Luftschiff „Graf Zeppelin". Nach einem kurzen Besuch im Reichskommissariat fuhr der Führer zum Gewerbe museum. In fast einstündigem Rundgang besichtigte Adolf Hitler seine wertvollen kunstgeschichtlichen Sammlungen. Anschließend berechtigte der Führer das Reichenberger Theater. Begleitet von dem brausenden Jubel der Reichenberger Bevölkerung begab sich der Führer sodann zu Fuß zum Rathaus. Bis zum Festsaal hinauf stehen sudetendeutsche Frauen, die, wie ihre Kinder, zum Empfang des Führers ihre fd)müden, Trachten angelegt haben. Im großen Sitzungszimmer stellt darauf Gauleiter Henlein die Vertreter der Partei und chrer Gliederungen sowie die Vertreter des Staates, der Wehrmacht und der Polizei dem Führer vor. Als Geschenk der Stadt Reichenberg überreichte der Oberbürgermeister dem Mhrer einen wundervollen Wandbehang aus Goldbrokat, der in der weit über das Sudetenland hinaus bekannten Reichenberger Textilschule nach einem allen italienischen Brokat gewebt wurde. Das Vorbild zu dieser künstlerisch schönen Arbeit wurde bei der Oeffnung der Königsgräber im Jahre 1928 im Veitsdom zu Prag gefunden und auf der Schule nachgebildet. 3n der Messehalle. Konrad Henlein begrüßt den Führer. Der Führer begibt sich dann zum M e s s e g e ° lande. Wieder empfängt ihn auf der Fahrt der gleiche unbeschreibliche Jubel und die g. iche Begeisterung, die ihn schon im Laufe des Nachmittags viermal auf den Balkon des Rathauses gerufen hatte. Grüne Girlanden und goldene Lorbeergewinde geben der Messehalle ein helles, freundliches Gepräge. Schon fast eine Stunde vor Beginn der Kundgebung haben oben auf der Tribüne Ehrengäste Platz genommen, Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht. Ein Jubel ohnegleichen erfüllt den weiten Raum der Messehalle, als der Führer dann auf das Podium zuschreitet. Gauleiter Henlein begrüßt den Führer. Wenn in diesen Stunden die Wogen der hellsten Begeisterung emporschlagen, so führt er aus, wenn Hunderttausende sudetendeutsche Männer und Frauen an den Hörgeräten sitzen, dann wird dieser laute Jubel und diese tiefe Freude übertönt von dem Gefühl der unaussprechlichen Dankbarkeit, die wir, mein Führer, für Sie empfinden. Das, was Sie uns und unseren Kindern getan haben, ist so viel und so groß, daß wir niemals diese Dankesschuld abstatten können. Die Jahrhunderte alte Sehnsucht erfüllten Sie, mein Führer. Sie haben uns h e i m g e h o l t ins große deut sch e Vaterland. Sie sind für immer in den Herzen dieser sudetendeutschen Menschen. Sie gehören zu uns, und wir gehören zu Ihnen. Und das wird so bleiben bis zu unserem letzten Atemzug. Der Führer forscht. Nun nimmt der Führer selbst das Wort. Unter dem immer wieder sich erhebenden Jubel der Tausende führt er in seiner Rede u. a. aus: Kaum zwanzig Jahre sind vergangen, seit sich der vielleicht tiefste Schatten über das deutsche Volk gelegt hat — ein Zusammenbruch, der um so erschütternder wirkte, als er ein Volk traf, das mitten in einem großen geschichtlichen Ausstieg begriffen zu sein schien. Dieser Zusammenbruch war nicht ein militärischer, wie man dies aus parteipolitischen Gründen gern behauptete, es war auch kein politischer, es war im tiefsten Grunde ein allgemeiner gesellschaftlicher Zusammenbruch. Das deutsche Volk befand sich mitten in einem Auflösungsprozeß. Bismarck schuf einst aus den Stämmen das DeutscheReich.die deutsche Volkwerdung aber hielt leider mit der Gründung des Reiches nicht Schritt! Im Gegenteil: in derselben Zeit, da das Reich an äußerer Macht zu gewinnen schien, sich weitete, stark und materiell reich wurde, begann der Volkskörper als solcher sich innerlich aufzulösen. Auf der einen Seite stand eine Welt, die sich als bürgerlich deklarierte und behauptete, den nationalen Begriff zu besitzen — aus der anderen Seite eine Welt, die Den Haag, 3. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Zweite Kammer des holländischen Parlaments beschäftigte sich im Zusammenhang mit einer jüdischen Interpellation, die die Zulassung einer noch größeren Anzahl jüdischer Emigranten forderte, mit der Judenfrage In seiner Antwort stellte Ministerpräsident Colijn fest, daß Holland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern bereits eine sehr große Zahl von Juden beherberge. Die Regierung könne ihre Haltung in dieser Frage im Interesse des holländischen Volkes nicht ändern. Grundsätzlich sei der Zuzug von Juden ohne Erlaubnis verboten. Der Ministerpräsident teilte mit, daß er aus allen Kreisen der Bevölkerung zahlreiche Schreiben erhalten habe, in denen nachdrücklich vor einer lleberflutung Hollands durch fremde Juden gewarnt wird. In einer sehr eindrucksvollen Rede wandte sich bann der Abgeordnete der NSB. Graf Marchant et d'Assembourg gegen bie deutschfeindliche Agitation. Ho"and habe bereits jetzt schon viel zu viel I u - d e n. Ihre Zahl müsse vermindert werben. Jeder weitere jüdische Zugang müsse aufhören. Die Behandlung der Judenfrage habe sich in Holland zu einer ausgesprochenen Hetze gegen Deutschland ausgewachsen. Es gebe anscheinend gewisse Kräfte, die Holland in den vom Internationalismus ständig zitierten Krieg gegen Deutschland Hetzen wollten. Sei man denn völlig blind gegen diese Gefahren? Das Verbot des Fußball-Länderspiels Holland gegen Deutschland sei mehr als bezeichnend. In der deutschen Presse werde aus diesem Anlaß darauf hingewiesen, daß Holland nicht länger als neutrales Land angesehen werden könne, und von der Möglichkeit gesprochen, daß deutsche Schiffe den Hafen Rotterdam melden würden. So weit habe man es also getrieben! Ls dürfe aber nicht geschehen, daß die Interessen des holländischen Volkes den Interessen Indas geopfert werden. Darum müßten die maßlosen Uebertreibungen und die hysterischen haßaesänge gegen das deutsche Volk, das dem niederländischen Volk niemals etwas angetan hat, endlich anfbören. Der Sprecher geißelte bann die wüste Reklame für eine Judenkollekte, die mit Hilfe eines gefälschten Fllms und verlogener Zeitungsberichte gemacht werben. Während so mit viel Tamtam eine Sammlung für Volksfrembe in Szene gesetzt werbe, werbe die große brennende Not im eigenen Volk übersehen. Nach der Feststellung, baß in Holland eine Zusammenarbeit gewisser katholischer Elemente mit jüdischen Kommunist »n bestehe, forderte der 9tebner eine grundlegende Losung der Jubenfrage, bie sich zu einer großen internationalen Gefahr ausgewachsen habe. Er entwickelte bann vor der Kammer ben vom Führer ber NSB., Mussert, entworfenen Plan. Dieser Plan geht dahin, einen Juden st aat zu schäften, in dem alle Juden, bie von europäischen Staaten nicht mehr beherbergt werben können, abgeschoben werben sollen. Als geeignetes Gebiet werde Britisch-, Französisch- und Niederländisch- Guayana an ber Norbküste Südamerikas bezeichnet. Dieses Gebiet mit einer Gesamtoberfläche von etwa 500000 Quadratkilometer könne alle Juden der Welt beherbergen und ihnen genügend Lebensmöglichkeiten bieten. Der Redner nannte es sehr bezeichnend, baß die jüdisch beeinflußte Presse Hollanbs diesen weitgehenden Plan totzusckweigen versuche. Sie tue es deshalb, weil dieser Plan brauchbar fei. Das gehe auch daraus hervor, daß Ministerpräsident Chamberlain Britisck-Guayana als jüdisches Kolonisationsgebiet vorgeschlagen habe. * Wir haben schon aus Anlaß der Absage des deutsch-holländischen Fußballänberspiels barnuf Hinweisen müssen, baß bie jübi'che Hetze gegen Deutschland im benachbarten Holland einen Höhepunkt der Maßlosigkeit erreicht hat. Mit Genugtuung können wir nun sestftellen, baß es auch in Holland noch maßgebliche Kreise gibt, die bie Gefahr erkennen, bie sich aus dieser hemmungslosen jüdischen Agitation für bas bislang burchaus gutnachbarliche Verhältnis ber beiben Völker ergibt. Man muß in Hollanb einsehen, baß gegen diese Gefahr es nur ein Mittel gibt, einen klaren Strich zwischen sich und ben jübischen Kriegshetzern zu ziehen. Es ist in biefem Zusammenhang von großem Interesse zu hören, daß man auch in Holland für den Plan Chamberlains, bie Juden nach dem südamerikanischen Guayana ab’urchieben, viel Svmpathie zeigt. Nur eine rabikale Lösung der Jubenfrage kann bas Zusammenleben der europäischen Völker von diesem Spaltpilz befreien. Reue Ansätze. Im jüngsten Gau des Großdeutschen Reiches, dem Sudetenland, finden morgen die Ergänzungswahlen zum Reichstag statt. Führende Männer der nationalsozialistischen Bewegung haben his in die kleinsten Orte hinein in überfüllten Versammlungen gesprochen und überall begeistertes Echo gesunden. Das ist kein Wunder, konnten sie doch auf die ersten sichtbaren Erfolge einer auf allen Lebensgebieten tatfräftig und zielbewußt in Angriff genommenen Aufbauarbeit Hinweisen, die schon in den ersten 60 Tagen nach der Befreiung des Landes durch den Einmarsch ■ deutscher Truppen allen Volksgenossen in irgendeiner Form am eigenen Leibe spürbar geworden ist. Jeder hat in dieser kurzen Zeit schon das Bewußtsein bekommen, daß die starke Hand des großbeutschen Vaterlandes auch ihn hält und die belebende Kraft der großdeutschen Volksgemeinschaft auch ihn in seinem vielleicht harten Lebenskampf stützt. Wie bereits zusammen mit den deutschen Truppen die ersten Hilfskolonnen der NS.-Volkswohlfahrt über die ehemalige Grenze gerückt waren und im kleinsten Fleckchen ihre segensreiche Tätigkeit ausgenommen hatten, so begann unmittelbar nach Uebernahme der Verwaltung durch die deutschen Behörden, deren leitende Stellen inzwischen auch vielfach schon mit Persönlichkeiten des Sudetenlandes besetzt sind, die planmäßige Drgani* sierung des Angriffs auf die Arbeitslosigkeit, bereit verheerende wirtschaftliche und sittliche Folgen die Sudetenländer in den zwanzig Jahren einer syste- mattschen Verelendungspolitik der Tschechen zur Genüge kennengelernt haben, um zu wissen, was es heißt, in zwei Monaten 50 000 Volksgenossen wieder in Arbeit und Brot zu bringen und die vorläufig noch Erwerbslosen des Segens der deutschen Reichsversicherung und ausreichender Arbeitslosenhilfe zuteil werden zu lassen. Daß in diesen Tagen b't Stellvertreter des Führers bereits den ersten Spatenfttch zu den Anschlußstrecken der Reichsauto- bahn im Sudetengau tun kann, ist der sichtbarste Beweis dafür, daß hier genau wie im Frühjahr in der zurückg'wonnenen Ostmark bas, Reich alle in ben ersten fünf Jahren nationalsozialistischer Aufbauarbeit gewonnenen Erfahrungen zur Ankurbelung der Wirtschaft nützen wird, um Schritt für Schritt das Wirtschaftsniveau des Sudetenlandes bem des Altreiches anzugliebern. Und Hand in Hand bamit geht die kulturelle Betreuung, die Reorganisation des Schulwesens, die Wiederherstellung ber Kunst- und Kulturdenkmäler, die tatkräftige Förderung der Theater und der Musikpflege, bie Reinigung ber Presse unb der Aufbau des Rundfunkwesens. Ueberall spürt der Sudetenländer den kräftigen Pulsschlag neuen Lebens, die mitreißende Energie einer großen Gemeinschaft, in der alle am gleichen Strang ziehen unb einer für den andern einsteht. Im Gefühl dieses tiefen Geborgenseins schreiten die Sudetendeutschen morgen zur Wahl, die für sie aleichzeitig ein vor aller Welt freudig abgelegtes Bekenntnis zu Adolf Hitler fein wird und ein aus übervollem Herzen strömender Dank, daß feine geniale Staatskunst nach dem Schrecken einer zwanzigjährigen Fremdherrschaft den alten Traum der Vereinigung mit dem Reich wahrgemacht hat. Auch die Tschecho-Slowakei,die in diesen zwanzig Jahren irrtümlicherweise geglaubt hatte, auf der rücksichtslosen Ausnutzung einer einmaligen weltpolitischen Konstellation ein Staatswesen von Dauer gründen zu können, hat nach ben im Zeichen des Sellbstbestimmungsrechts der Völker notwendig gewordenen Amputationen in diesen Tagen die ersten Schritte zur Konsolidierung innerhalb der neuen Grenzen getan. Das innerpolitische Leben bat burch den Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien in einer nationalen Einheitspartei unter Führung der tschechischen Agrarier eine Bereinigung erfahren. Durch das Verbot der Kommunistischen Partei hat schon bas Jnterimskabinett des Generals S i r o v y dem Bolschewismus, der in den kritiscken Septembertagen unter sachkunbiger Leitung Moskauer Agenten drauf unb bran war. über bie Eroberung ber Straße bie Macht im Staate an sich zu reißen, eine beutliche Absage erteilt, die auch keinen Zweifel darüber läßt, daß bie Tschecho- Slowakei ausgehört hat, eine Plattform, ober wie man es auch treffend genannt hat, ein „Flugzeugträger" der Roten Armee im Herzen Mitteleurovas zu fein. Das war bie selbstoerstänbliche Voraus- feßung für eine fruchtbare Fühlungnahme mit den Mächten der Achse Berlin—Rom, die sich der neue tschecho-slowakische Außenminister Choalkowsky zum Ziel gesetzt hat. Der von ihm unterstützte Antrag, Deutschlanb unb Italien möchten in ber Frage ber ungarisch-slowakischen Grenzziehung bas Schieds« amt übernehmen, unterstrich diesen neuen Kurs der Prager Außenpolitik, der die alten Bündnisse überflüssig macht, auch ohne daß sie bisher formell gekündigt wären. In der gleichen Linie liegen die mit Deutschland getroffenen Vereinbarungen über den gemeinsamen Bau eines Kanals und einer Autobahn, bie Schlesien mit Oesterreich verbinden sollen unb sowohl eine wesentliche Hilfe im Kampf gegen bie in ber Tschecho-Stowakei herrschende Arbeitslosigkeit, wie eine wichtige Verkehrsaber der heute mehr denn je auf regen Güteraustausch mit ben Nachbarn angewiesenen tschechischen Wirtschaft sein werben. Das schwierigste Problem der neuen Tschecho-» Slowakei, der Einbau der Nationalitäten in den Staat, ist freilich noch nicht restlos gelöst. Dazu war die Zeit auch zu kurz, denn die endgültigen Grenzen ber Slowakei und ber Karpatho-Nkraine stehen ja erst seit Durchführung bes Wiener Schiedsspruches fest. Doch die Grundzüge der neuen Verfassung sind bereits klar erkennbar. Man hat in Prag aus dem eklatanten Zusammenbruch der uni« torischen Tendenzen des unglückseligen Denesch« Regimes gelernt und sich entschlossen auf eine föde- rative Linie gestellt, die den wahren Charakter des tschecho-slowakischen Staates als eines Nationalitätenstaates, den Benesch nicht wahr haben wollte, anerkennt und zum Fundament des Lerfasfungs- Neubaues macht. So werden Slowaken und Kar- patho-Ukrainer ihre eigenen Landesparlamente und eigenen Landesregierungen baden, im Praaer Zentralparlament werden die Abgeordneten der drei Nationalitäten getrennt abstimmen, so daß eine Majorisierung durch die zahlenmäßig natürlich am stärksten vertretenen Tschechen unmöglich ist. Bei der Wahl des neuen tschecho-slowakischen Staatspräsidenten am Donnerstag ist dieses Verfahren zum ersten Male angewandt worden. Auch die Regierungsgeschäfte sollen, ähnlich wie in der alten österreich-ungarischen Monarchie dergestalt geteilt werden, daß für den Gesamtstaat gemeinsam vor allem die auswärtigen Angelegenheiten, die Landesverteidigung und die Finanzen der Zentralregierung vorbehalten bleiben, während Verwaltung, Wirtschafts- und sozialpolitische Ressorts und kulturelle Angelegenheiten den Landesregierungen zu- fallen. Der föderalistische Charakter des neuen Staates, der drei weitgehend autonome Länder zusammenfaßt, kommt ja schon in der Zusammensetzung des soeben durch den Abgeordneten Beran gebildeten neuen Kabinetts, das die Interimsregierung des Generals Sirovy abgelöst hat, zum Ausdruck. Neben den neugewählten Staatspräsidenten Dr. Hacha, der als bedeutender Jurist und kenntnisreicher, erfahrener Verwaltungsbeamter — seine Laufbahn hat den jetzt schon 66jährigen auch in den Derwaltungsgerichtshof der österreichischen Monarchie nach Wien geführt — wegen seiner aufrechten und unbestechlichen Objektivität auch in den Zeiten des schwersten politischen Kampfes sich das Vertrauen der nichttschechischen Volksgruppen zu bewahren gewußt hat, tritt jetzt mit dem Ministerpräsidenten Beran ein Mann, der als Füh- rer der tschechischen Agrarier, der größten tschechi- schen Partei des alten Staates, bereits in der Zeit Masaryks und Beneschs oft genug der Gegenpol der drutfchfeindlichen, alles auf die Pariser und Moskauer Karte setzenden Clique im Regierungs- lager gewesen ist, ohne freilich mit feinen Warnungen vor den Folgen einer solchen verblendeten, den natürlichen Interessen der Tschecho-Slowakei zu- widerlaufenden Politik Gehör zu finden. Er gilt als nüchtern und klug genug, um von ihm erwarten zu können, daß er mit Entschlossenheit di« sich aus der neuen Lage seines Volkes notwendig ergebenden Folgerungen zieht. Sie können außenpolitisch nur in der Anbahnung eines friedlichen Zusammenlebens mit dem großen, deutschen Nachbarn bestehen. Und diese gute Nachbarschaft wird auch die beste Gewähr dafür sein, daß die neue, auf ihre natürlichen Grenzen zu.rückgeführte und ihrem wahren Charakter entsprechend umgestaltete Tschecho- Slowakei auch ihre gewiß nicht leichten innerpolitischen Probleme wird in aller Ruhe lösen können. Einen neuen Abschnitt von diesmal weltpolitischer Bedeutung leitete auch die große Rede des italienischen Außenministers Graf Ciano vor der italienischen Kammer ein. Der Minister hat noch einmal Italiens Haltung während der Septemberkrisis rekapituliert und durch die genaue Aufgliederung der einzelnen Phasen der diplomatischen Verhandlungen, besonders aber durch die Bekanntgabe der Einzelheiten der vom Duce damals angeordnetcn und geräuschlos durchgeführten Teilmobilmachung der italienischen Wehrmacht alle jene Lügen gestraft, die vor und nach München die Festigkeit der Achse Berlin—Rom angezweifelt und Italiens Haltung während der Septemberkrisis zweideutig genannt haben. Wie Italien schon immer in Prag gewarnt hat, in der Nationalitätenfrage den Vogen nicht zu Überspannen, so trat es, als die Frage akut wurde, vorbehaltlos an die Seite Deutschlands. Es waren bereits gemeinsame Generalstabsbespre- chungen in München anberaumt, als Chamberlains Bitte, beim Führer eine Konferenz der vier Großmächte anzuregen, dem Duce die Möglichkeit gab, mit Vorschlägen nach München zu kommen, die dort dann die Grundlage für die Uebereinkunft gebildet haben. Aber Graf Ciano hat sich nicht auf die Erinnerung an diese in ihren Einzelheiten höchst dramatische Vorgeschichte des Münchener Abkommens beschränkt, er hat auch keinen Zweifel darüber gelassen, daß Italien und Deutschland darin übereinstimmen, nicht zu dulden, daß die in der Münchener Uebereinkunft und im Wiener Schiedsspruch endgültig gelösten Probleme erneut zur Diskussion gestellt werden. Letzteres bezieht sich auf die Festsetzung der Grenzen der Karpatho- Ukraine, die den in gewissen Kreisen von Warschau und Budapest gehegten Wünschen nach einer gemeinsamen ungarisch-polnischen Grenze nicht ent-1 sprachen hat und auch nicht entsprechen konnte, weil «ine solche Grenzziehuna dem für den Wiener Schiedsspruch maßgebenden Grundsatz der Volks- tumsgrenze widersprochen hätte. Die Bestätigung des ungarischen Kabinetts Jmrödy in seinem Amt darf wohl als Zeichen dafür genommen werden, daß man sich inzwischen in Budapest darauf besonnen hat, was erreicht worden ist. Graf Ciano hat zum Schluß seiner Red« in besonders herzlichen Worten der Inkraftsetzung des italienisch - britischenysterakkords gedacht, ohne jedoch auch nur mit einem Wort Frankreich, zu erwähnen, das durch die Beglaubigung seines neuen Botschafters Francois- Poncet beim Kaiser und König das ostafrikanische Imperium Italiens ebenfalls anerkannt hat. Aber es gibt zwischen Paris und Rom noch eine Reihe weiterer strittiger Punkte namentlich im Bereich des Mittelmeerproblems wohl nicht nur in der spanischen Frage, Punkte, die schon bei Chamberlains Besuch in Paris erörtert worden sind und gewiß auch bei dem soben für den Januar des kommenden Jahres angekündigten Besuch der englischen Minister in Rom eine Rolle spielen werden. Das offiziöse „Giornale d'Italia" hat in seinem Kommentar zur Rede des Grafen Ciano die Frage aufgeworfen, warum nicht die Münchener Uebereinkunft, der britisch-italienische Osterakkord und das deutsch- franzöfische Nichtangriffsabkommen, dessen Verwirklichung Ribbentrops Pariser Reise gilt, als Steine eines Fundamentes sich zusammenfügen ließen, auf dem ein umfassendes Befriedungswerk für Europa errichtet werden könne. Es würde sich dabei um einen Plan handeln, so sagte das Blatt, in dem die In- teressen und Rechte aller Nationen, wenn auch mit Opfern, wahrhaft befriedigt werden könnten. Es würde die endgültige Bereinigung aller europäischen Meinungsverschiedenheiten und damit die Stabili- fierung eines echten europäischen Gleichgewichts bedeuten. Die wesentlichste Voraussetzung dafür ist, daß Frankreich, nachdem in der Machtprobe zwi- schen Staatsautorität und Marxismus letzterer dank Oes Führers große Rede in Reichenberg kann über sie jederzeit sein Urteil abgeben! Es hat dieses Urteil abgegeben, und es ist so ausgefallen, wie ich es nicht anders erwartet hatte! was ist in diesen wenigen Jahren nickst alles geschehen! Die ungeheuersten Fragen find gelöst, Probleme, an denen andere Staatsmänner, die fortgesetzt als Lehrmeister des allen Europa aufzutreteu pflegen, auch heule noch leiden und die sie nicht zu meistern vermögen! Wir haben sie bewältigt! Und zwar glänzend! Fragen wirtschaftlicher und politischer Art, Fragen der Produktion, gewaltige nakio- nalpolitifche und außenpolitische Probleme wurden angepackt und gelöst. Ich glaube nicht, daß auch nur einer unserer Gegner von einst das für möglich gehalten hätte, was nun geschehen ist. Schon 1933 beginnt der deutsche Aufstieg, die Beseitigung all der inneren Erscheinungen des Verfalls, die Ueberwindung unserer Klassen, Stände und Parteien, das Zurückdrängen aller Störenfriede, es erfolgt der Austritt aus dem Völkerbund. 1934 bereits vollzieht sich die Festigung des Reiches, der Kampf gegen den wirtschaftlichen Verfall, der Aufstieg unseres Verkehrswesens setzt ein, vor allem aber: Die Verdreifachung der deutschen Wehrmacht beginnt! 1935 wird der vielleicht entscheidendste Paragraph des Versailler Vertrages beseitigt: Die Wehrpflicht wird eingeführt und damit zum ersten Male die neue deutsche Freiheit proklamiert. (Die Massen bereiten dem Führer minutenlange Beifallskundgebungen.) Der Kampf zur Schaffung unserer neuen deutschen Wirtschaft wird erfolgreich weitergeführt. 1936 kann Deutschland bereits einen weiteren Zwangsparagraphen des Schanddiktats beseitigen: Das Rheinland wird unter die Souveränität des Reiches zurückgenommen! (Wieder minuten- lanäe stürmische Sieg-Heil-Rufe.) Noch im Herbst desselben Jahres werden die letzten Reste internationaler Beaufsichtigung in Deutschland ausgetilgt. Im gleichen Jahre tritt Deutschland auch zum ersten Male vor der Welt als eine Macht auf, die an außenpolitischen Vorgängen nicht mehr desinteressiert ist, und schon ein Jahr später zeigt es sich entschlossen, wenn notwendig auch unter dem Appell an die Waffen d i e Rechte des deutschen Volkes wahrzunehmen! (Brausender Jubel.) Dieses Jahr 1937 gilt aber auch dem gewaltigsten Wirtschaftsaufbau, den eine Nation je vorgenommen hat. Der Vierjahresplan beginnt sich zu verwirklichen: aus Theorien und Planungen wer- den nunmehr Realitäten. Die Wehrmacht wird auf das Außerordentlichste gestärkt. Und dann kommt das Jahr 1938: das Jahr, das Sie nun selber in tiefster Erschütterung miterleben dürfen, ein Jahr, das Pläne und Hoffnungen von vielen Jahrhunderten verwirklichte ! Meine Volksgenofsen: Das alles ist das Ergebnis des Kampfes um die deutsche Volksseele zu Gunsten einer deutschen Volksgemeinschaft! (Nicht endenwollende Heil-Rufe.) In diesem Jahre hat sich diese deutsche Bottsgemein- (Schluß von der ersten Seite.) In diesen Jahren habe ich vielen Menschen oft bitter weh getan, weil ich ihnen all das nehmen mußte, was' sie bis dahin vielleicht als richtig, ja manchesmal sogar als heilig angesehen hatten. Ich habe damals im Jahre 1918 zwei Ideale gefunden, die ohne Zweifel geeignet schienen, Menschen zu begeistern und in ihren Bann zu ziehen: Das sozialistische und das nationali stich e. Für diese beiden Ideale waren damals Menschen bereit, wenn notwendig auch zu sterben. Wenn ein Ideal nun einen Menschen so sehr zu begeistern vermag, daß er bereit ist, sein Leben dafür yinzugeben, dann liegt darin eine gewaltige und zündende Kraft. Und ich war nun entschlossen, gerade diese beiden Ideale in ein einziges zu verschmelzen. Wenn das gelang, dann konnte die Nation gerettet werden, wenn nicht, dann mußte sie sich immer mehr zerfleischen und endlich in Ohnmacht vergehen. Es war gam selbstverständlich, daß ich nun dabei von anderen Gedanken ausging als meine parlamentarischen und parteipolitischen Vorgänger in Deutschland. Ich sah ja vor mir nicht Bürger, nicht Proletarier, nicht Katholiken, nicht Protestanten, nicht Bayern, Sachsen, Preußen, sondern ich sah vor mir deutsche Volksgenossen, die durch Geburt, Blut und Schicksal zusammengehören und die durch falsche Erziehung und falsche Belehrung auseinandergebracht worden waren. Aufgabe der Zukunft mußte es nun fein, f i e wieder zusammen- zu führ en. Diese Frage wurde im Laufe der Jahre nicht theoretisch erhoben, sondern praktisch durch die Erziehungsarbeit der Nationalsozialistischen Partei gelöst! Langsam verschwinden aus dem Gesichtsfeld unserer heutigen Jugend alle die lächerlichen Vorurteile, unter denen vielleicht manche ihrer Väter noch leiden mögen. Und wenn mir einer sagt: „Ja, da werden aber doch welche übrig- bleiben...", dann antworte ich: Der Nationalsozialismus steht nicht am Ende seiner Tage, sondern erst am Anfang! (Stürmische Sieg-heil!-Rufe.) Warten wir eine, zwei drei, fünf oder zehn Generationen, dann wird von diesen Versteinerungen der heutigen Zeit nichts mehr übrig sein! Aber ein Volk wird dann dastehen: Stark und gesund, geschlossen, einig und unüberwindlich. Es wird sich sein Leben gemeinsam gestalten und sein Recht vertreten gegen jedermann, der es ihm nehmen will! Im übrigen aber können mir schon jetzt nach 20 Jahren mit den Ergebnissen unserer Arbeit z u • frieden sein. Die Partei, die man «inst so verlacht hatte, hat sich in Deutschland nicht nur auf legalem Wege d i e Macht erobert, sie hat auch die Volksgemeinschaft, die ihr als Endziel vorfchwebte, in sich bereits verwirklicht. Als mich der verewigte Herr Reichspräsident, Generalfeldmarschall von Hindenburg, berief, da hatte ich schon hinter mir rund 13 Millionen Wähler, fast doppelt so viel als die stärkste nächste Partei! Die Nationalsozialistisch« Partei trägt nunmehr seit dem Jahre 1933 di« Verantwortung in Deutschland. Und das deutsche Volk schast aber auch zum ersten Male gezeigt als eine Realität, die vor keiner Drohung und keiner Erpressung zurückweicht. (Erneut stürmisch« Jubelkundgebungen.) Wir haben sehr maßvolle Begrenzungen unserer außenpolitischen Zielsetzung vorgenommen, aber irgendwo hören internationale Rechte auf und das nationale Recht der Völker tritt in Ersckeinuna! Und für dieses nationale Lebensrecht find wir heuer einaetreten, entschlossen auch zum schwersten und letzten Einsatz. Millionen Deutscher haben diesen Sommer und diesen Herbst nicht bei ihren Familien verbringen können. Viele Monate lang standen sie in den Kasernen oder auf den Truppenübungsplätzen. Sie alle haben damit das feierliche Bekenntnis abgelegt, daß ihnen bie deutsche Volksgemeinschaft mehr ist als ein bloßes Wort, als eine Phrase, eine heilige Verpflichtung, für die jeder einzelne bereit ist, wenn notwendig, auch sofort sein Leben einzusetzen, so wie das Millionen anderer vor uns aetan haben. Aus dieser Entschlossenheit ist nun dieses Grohdeutsche Reich entstanden. Sie hat auch für euch, meine Volksgenossen, den Weg in dieses große Reich freigemacht, das euch nunmehr bei sich aufgenommen hat (Stürmische Heil-Rufe.) Daß ihr mit eurem ganzen Herzen dieser großen Gemeinschaft angehört, dieser sozialsten Gemeinschaft, die es heute auf der Welt gibt, das weiß ich. Ihr habt aber nunmehr diesen Entschluß eures Herzens vor aller Welt zu bestätigen! Ich weiß, wie dieses Bekenntnis ausfällt. Es wäre sachlich nicht notwendig. Es ist aber notwendig als Abschluß der Geburtsurkunde des Grohdeutfchen Reiches! (Abermals stürmische Sieg-Heil-Rufe.) Die Geburtsurkunde des Zweiten Reiches wurde unterzeichnet von den deutschen Fürsten. Die Geburtsurkunde des Drillen Reiches wird ausgestellt und bestätigt durch das deutsche Volk! (Stürmische Sieg-Heil- Rufe.) In diese Geburtsurkunde Großdeutschlanbs haben sich heuer bereits eingetragen alle die Männer und Frauen unserer deutschen Gaue, aus Ostpreußen, aus Pommern, aus Schlesien, aus Brandenburg, aus Berlin, aus Schleswig-Holstein, aus Hamburg, aus Hannover, aus Mitteldeutschland, aus Franken und Schwaben, vom Rhein, vom Süden, von unserer Ostmark bis nach Wien. Und jetzt werdet auch ihr euch eintragen, auf daß sie für ewige Zeiten Gültigkeit habe! (Die Sudetendeutschen bereiten dem Führer eine überwältigende Kundgebung.) Großdeutschland ist entstanden aus dem Willen der deutschen Nation! Das bestätigen alle Männer und Frauen dieses Volkes! Und darauf wird einst für ewig schwören die deutsche Jugend. Dazu fordere ich auch euch nun auf! Den Schlußworten des Führers folgen Szenen jubelnder Freude und begeisterter Dankbarkeit. In stürmischem Wechsel brausen Sieg-Heil-Rufe, Sprechchöre und Händeklatschen zum Führer empor, bis endlich das Niederländische Dankgebet, von den Zehntausenden ergriffen gesungen, die' Kundgebung beendet. der Energie des Ministerpräsidenten Daladier kläglich gescheitert ist, auf dem Wege der Vernunft fortschreitet und mit der inneren Gesundung auch außenpolitisch die Fesseln abstreift, die eine ibeolo- lisch verrannte Volksfrontpolitik ihm angelegt hat. Daladier und Bonnet stehen hier noch vor großen Aufgaben, von deren Lösung es auch abhängen wird, ob Frankreich zu dem von ihm so sehr ersehnten Ausgleich mit Italien kommen wird. Dr. Fr. W. Lange. Oie Aufgaben des deutschen Handwerks. Berlin, 2. Dez. (DNB.) Auf einer Arbeitstagung der Handwerksführung sprach Staatsrat Schmeer vom Reichswirtfckaftsministerium. Er ührte aus, die deutsche Wirtschaft habe in letzter Zeit den höchsten Anforderungen angepaßt werden müffen. Hierbei dürfe jedoch die Herstellung von Verbrauchsgütern keineswegs vermindert werden. Wenn nach herkömmlichen Begriffen dic Kapazität unserer Wirtschaft heute voll ausgeschöpft sei, so müsse sie rasch und dauerhaft aus- geweitet werden. Wir müßten mehr leisten, ohne daß darunter die Qualität der Leistung irgendwie leiden dürfe. Wir müßten die Produktion verbilligen, d. h. Arbeitskräfte und Material sparen. Eine weitere Aufgabe sei, einmal Menschen zu sparen und dann Menschen auf weniger wichtigen Arbeitsplätzen frei zu machen, um sie an den Stellen des dringendsten Bedarfes einzusetzen. Durch Umschulung der bisher falsch eingesetzten Volksgenossen müßten wir die Lücken im Arbeitseinsatz füllen. Auch im Handwerk sei die Lehrzeitver - kür zu na unbedingt notwendig. Wir müßten rasch die Zahl der Facharbeiter vermehren und bann durch verkürzt« Lehrzeit einen Jahrgang mehr gewinnen. Eine weitere Verkürzung der Lehrzeit über den Erlaß des Reichswirtschaftsministers hinaus sei nicht beabsichtigt — abgesehen von Einielfällen der Förderung außerordentlich Begabter. Wir müßten auch im Handwerk zu einer st ä r k e r e n Durch- fämmung der Berufe kommen. Ende 1939 wurden diejenigen aus dem selbständigen Handwerk auss ch e iden, die ihrer Verpflichtung, die M e l st e r p r ü f u n g abzulegen, nicht nachkom- men. Aber auch das Handwerk müsse von sich aus Mitarbeiten, die Ungeeigneten auszuscheiden. Das Handwerk werde beim Reichswirtschaftsministerium jebe Unterftütjuna ftnben. Ein Beispiel sei bie be- oorftebenbe Regelung der Altersversorgung des selbständigen Handwerkers. Norwegen wehrt sich gegen die Inden. . \2 2)651 Die in den letzten Tagen m Erscheinung getretene Abwehraktion gegen die puben m Norweaen durch Plakate an । übt» !-*? e I $ a. l! !n Oslo und Verteilung von Flugblättern hat die linksstehenden Blätter in großen Aufruhr versetzt. Andere Blätter vertreten den Standpunkt, daß die Juden in Norwegen nichts wenigeralserwünscht sind. So schreibt „Nationen": Wir haben keine Judenfrage in Norwegen, und mir wollen f i e auch nicht haben. Wir wünschen allerdings auch nicht, daß anderweitige Judenprobleme auf norwegischem Grund und Boden ausgetragen werden." — „Aftenposten" appelliert an die Behörden, daß keinerleiIudeninvasion zugelassen werde, denn, wie auch dieses Blatt erklärt: „Ein Judenproblem wollen wir uns in Norwegen nicht aufhalsen." Auch Uruguay nimmt keinerlei Einwanderungsantriige entgegen. Hamburg, 2. Dez. (DNB.) Das Generalkonsulat von Uruguay teilt mit, daß es zur Zeit keinerlei Anträge auf Einreise nach Uruguay zum Zwecke der Niederlassung annimmt. Auch bie bereits vorliegenden Anträge müssen bis auf weiteres zurück- gestellt werden. — Aus diesen Maßnahmen ist zu entnehmen, daß Urugunn auch keinen Wert darauf leat, dem jüdischen Au sw andere rstrom seine Grenzen zu öffnen. Regierungskrisis in Belgien. Finanzminister Gerard zurückgetreten. Brüssel, 3. Dez. (Europapreß.) Nach Schluß des Kabinettsrats am Freitagabend hat Minister- Präsident Spaak mitgeteilt, er werde am nächsten Dienstag in der Kammer eine Erklärung über die Finanzpolitik der Regierung abgeben. Darin werd« er betonen, daß die Regierung keine D « f I a . tionspolitik, sondern eine Sparpolitik im Rahmen des Möglichen treiben wolle und die Arbeitslosen-Versicherung einzuführen so- wie eine wirksame Preispolitik zu treiben beabsichtige. Finanzminister @ (Starb habe sich dieser Erklärung nicht a n g e s ch l o s s e n. In ben Abendstunden wurde bekannt, daß der Finanzminister seinen Rücktritt ein gereicht hat. Man hält es für möglich, daß Ministerpräsident Spaak versuchen wird, lediglich seinen Finanzminister auszuwechseln. Allerdings spielt nicht nur die Finanz-, sondern auch die Außenpolitik der Regierung eine beträchtliche Rolle. Am Montag nächster Woche tritt der sozialistische Landesrat zusammen. Man erwartet, daß er gegen ben Ministerpräsidenten heftige Vorwürfe wegen des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen zu Barcelona und her Entsendung eines Handelsvertreters nach Burgos erheben wird. Man hält es für möglich, daß der Landesrat die sozialistischen Minister auffordern wird, aus der Regierung auszutreten. Man glaubt jedoch nicht, daß Minister. Präsident Spaak, der selbst der Sozialistischen Partei angehört, sich derartigen Beschlüssen des Landesrats fügen wird. Großverdiener in Waffenschmuggel. Der Blockadebrecher Billmeir verlegt seine Tätigkeit nach China. Loudon, 2. Dez. (Europapreß.) Per zu Gunsten Sowjetspaniens arbeitende Blockadebrecher, der Reeder Jack Billmeir, hat sein Geschäft i n ben fernen £) ft « n »erlegt. In,der engli en Presse wird er bereits als „König von China^ bezeichnet, da er mit einer Anzahl von erst kürzlich erworbenen Dampfern ein gutes Waffen- lchmuggelgefchäft mit China betreibt Er liefert feine Transporte, die zum größten Teil aus Sowjetrußland stammen, in Rangoon (der Hauptstadt der britischen Kolonie Birma) in Hinterindien ab, von wo sie ihren Weg nach China finden. Einig« Daten und Zahlen aus der Tätigkeit dieser modernen Kriegshyäne find von nicht geringem Interesse. Billmeir war, als der Spanienkrieg begann, ein kleiner Reedereiangestellter, er gründete mit Geldern, deren Herkunft nur zu offensichtlich war, die „Stanhope Steamship Company", deren Schiffe sämtlich mit „Stan" anfangen. Aus zwei Dampfern wurden im Laufe der spanischen Kriegsjahre zweiundzwanzig. Er hatte, wie Reedereikreise wissen wollen, bisher eine Million Pfund Sterling am Waffenschmuggel nach Sowjetspanien verdient, die es ihm ermöAichte, sich in dem Londoner Stadtteil East Finchley eine pompöse Villa zu errichten, die in der sogenannten „Avenue des Millionaires" gelegen ist. Da die Schiffe feiner Gesellschaft in sowjetspanischen Ge- wässern schlechte Erfahrungen gemacht haben —- einige wurden von der nationalspanischen Luftwaffe versenkt — hat er nunmehr seine Tätigkeit nach China verlegt, wohin er sowjetrussische M u - nition und Geschütze liefert Es wird von der Langmut der Japaner abhängen, wie lange der Blockabebrecher seine Tätigkeit im Fernen Osten aufrechterhalten kann. Neubesetzung der kolumbianischen (Gesandtschaft in Berlin. B e r l i n, 2. Dez. (DRV.) Reber eine Reube- seßung der kolumbianischen Gesandifchafl in Berlin erfahren wir: Auf Grund eines vom neuer nannten kolumbianischen Gesandten Dr. Jaime Jaramillo A r a n g o und anderen Mitgliedern der kolumbianischen Gesandtschaft hervorgerufenen Zwischenfalles sah sich die deutsche Reichsregierung veranlaßt, der kolumbianischen Regierung mltzuteilen, daß der neuernannte kolumbianische Gesandte zur lieber- reichung seines Beglaubigungsschreibens beim Führer und Reichskanzler nicht empfangen werden könne. Die deutsche Relchsregierung hat der kolumbianischen Regierung im Interesse der deutsch- ""lumbianischen Beziehungen weiterhin bedeutet. Der Tag der AattonalenSolidaM ist derTag des VekenMisses zurVolksgememschast. deu Geschäftsträger Rafael Roch-Schloß von Der- Ha abzuberufeu. Die kolumbianische Regierung hat ihrerseits inzwischen milgeteltt, daß der ncueraannle Gesandte und der Geschäftsträger a u f anderen Posten Verwendung finden werden. Damit hat ein im Interesse der deutsch-kolumbianischen Beziehungen bedauerlicher Zwischenfall eine schnelle und befriedigende Regelung erfahren. pariser Besuch des englischen Lufifahrimiinfters Englische Flugzeug-Lizenz für Frankreich. London, 3. Dez. (Europapreh.) Wie der Pa- ri|er Vertreter der „Daily Mail" angeblich auf ©runh einer Mitteilung aus Regierungskreisen berichtet, finden gelegentlich des Besuchs des englischen Luftfahrtministers SirKingsleyWood in Paris Verhandlungen über die Erwerbung der Lizenz zum Bau von Jagdflugzeug e n vom Typ Svitfire durch die französische Regierung statt. Ein Flugzeug dieses Typs, das als eine der schnellsten einsitzigen Flugmaschinen in der Welt gilt, ist auf der Pariser Luftfahrtausstellung zu sehen. Die Geschwindigkeit der Spitfire wird mit über 560 Kilometern in der Stunde angegeben und liegt damit höher als die irgendeines französischen Kampfflugzeuges. Die Verhandlungen des englischen Luftfahrtministers in Paris gelten der bereits während Chamberlains und Halifax' Besuches grundsätzlich angeschnittenen Frage, ob Frankreich ebenso wie England sich in der nächsten Zeit in erster Linie auf die Verstärkung seiner Jagdflugzeuge konzentrieren soll. Der „Paris Midi" macht darauf aufmerksam, daß der gegenwärtige Zustand der französischen Flugzeugwerke ein ungünstiges Vorzeichen für den englischen Besuch darstelle. Im Sommer habe man noch gehofft, man könne in den französischen Werken ab April 1939 monatlich 200 Fluazeuge Herstellen. Inzwischen hätten sich die Aussichten wieder verschlechtert. Nach dem Generalstreik-Versuch vom 30. November sind vier verftaat- lichts Flugzeuawerke vom Luftfahrtminister vorläufig geschlossen worden. Der „Paris Midi" weist darauf hin, daß die verstaatlichte Flugzeug- Motoren-Fabrik von Argenteuil vom Februar 1936, bis zum Juli 1937 nach und na6 Bestellungen für 240 Flugzeugmotoren eines be>mmten Typs erhalten hat, von dem bis heute nicht ein Stück geliefert worden ist. pofens Industrialisierung. Fünf Dreijahresplüne zum Ausbau der polnischen Wirtschaft und Rüstung. Warschau, 2. Dez. (DNB.) Im polnischen Parlament bezeichnete Vizeministerprüsioent Kwiatkowski es als eine geschichtliche Notwendigkeit, für einen Ausgleich der Siedlungsdichte in der Welt und eine Rationalisierung der Auswanderung unter nationalen Gesichtspunkten Sorge zu tragen und die überseeischen Länder für Ansiedlungszwecke zu öffnen. Ein ebensolches Gebot sei der gleichberechtigte Zutritt aller ziollisierten Nationen zu den überseeischen Rohstoffquellen. Auch müsse die Möglichkeit geschaffen werden, internationale Schulden durch Waren und Arbeit zu bezahlen. Die Bilanz des Staates feit der Neugründung vor 20 Jahren fei zweifellos aktiv; trotzdem gebe es noch eine Reihe von Krisenpunkten in der polnischen Wirtschaftsstruktur, die allmählich beseitigt werden müßten. In der Entwicklung der polnischen I n - dustrie fei ein Anstieg der Produktionsziffer und eine fortschreitende Nationalisierung zu verzeichnen. Die Arbeitslosigkeit sei zurückgegangen, der Ausfall von Arbeitstagen habe sich um 25 v. H. verringert. Der günstigen Entwicklung des Innenhandels stehe eine ungünstigere des Außenhandels gegenüber. Während noch im Jahre 1928 drei Fünftel der polnischen Ausfuhr über die Grenzen zu Lande gegangen feien, würden heute 85 o. H. der polnischen Ausfuhr über die Häfen Gdingen und Danzig geleitet und nur 15 v. H. über die Grenzen zu Lande. Der erste konkrete Jnvestierungsplan von 1936 werde bereits im März 1939, also ein Jahr vor dem festgesetzten Termin, durchgeführt sesn. Beim Ausbau des zentralen Jndustriebe- z i r k e s hätten Millionen Arbeit und Brot gefunden, und Taufende von Produktionsstätten feien entstanden. Das bedeute nicht nur eine militärische, sondern auch eine wirtschaftliche Aufrichtung Polens. Der Gesetzesvorschlag über die Verstärkung des Rüstungsfonds für die Zeit vom 1. April 1939 bis 31. März 1942 um insgesamt 2 Milliarden Zloty leite eine neue Periode langfristiger Investierungen ein, denn der neue Plan erstrecke sich über fünf Abschnitte z u je drei Jahren. Diene der Jnvestierungsplan für die ersten drei Jahre dem Aufbau der Rüstungen, so werde cr von 1942 bis 1945 der Entwicklung des Verkehrs unter besonderer Berücksichtigung der Jnlandserzeu- gung von Kraftwagen zugute kommen. 1915 vis 1948 soll das Bildungswesen ausgebaut und die landwirtschaftliche Erzeugung erhöht werden. Der 4. Abschnitt soll besonders den Städtebau und die Industrialisierung Polens vorwärtsbringen, während der 5. Abschnitt (1950 bis 1954) zur Vereinheitlichung der Wirtschafts st ruktur und Dynamik Polens im Sinne eines Ausgleiches zwischen den einzelnen Teilgebieten verwendet werden solle. Zum Schluß sagte Kwiatkowski, das neue deutsch-polnische Abkommen und die Art der Abwickelung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern seien in ihrer Einfachheit und durch den guten Willen, der die beiderseitigen Wirtschaftsbeziehungen auszeichnet, beispielhaft. Zwei Landesverräter hingerichtet. Berlin, 3. Dez. (DRV. Funkjpruch.) Amtlich wird milgeteilt: heute wurden die vom Reichs- kriegsgericht wegen Landesverrats zum Tode verurteilten Bruno Trojaner, geboren am 18. September 1915 in Heikendorf (Schleswig-Holstein), und Berthold Söhne, geboren am 17. Juni 1899 in Dahlem - Markleben, Bezirk Magdeburg, hingerichtet. — Trojaner wurde aus nichtigem Anlaß in das Ausland fahnenflüchtig, wo er alsbald in ein Lmigrantenlager eingeliefert wurde. Dort kam er mit dem ausländischen Rachrlchten- dienst in Verbindung. Er lieh sich durch Versprechungen xunb durch Geldzuwendungen bestimmen, einen großen Teil der ihm während seiner Dienstzeit bekanntgewordenen, geheimzuhaltenden Dinge zn verraten. Trojaner wurde dann vom auslän- Warum der Generalstreik ein Schlag ins Wasser war. Ein tödlicher Stoß für die marxistischen Gewerkschaften. — Reue Plattform für Daladier. Eigener Äericht des Gießener Anzeigers. E. F. Paris, 2. Dezember 1938. Der 30. November wird in der innenpolitischen Geschichte Frankreichs auf lange hinaus als ein Ereignis von historischer Bedeutung verzeichnet sein. Weder in Frankreich, noch in sonst einem Land hat man es wohl erlebt, daß eine von den Marxisten ausgegebene Generalstreiksparole mit einem so kläglichen Zusammenbruch geendet hat, wie dies jetzt mit dem vom Allgemeinen Gewerk- schastsbund vom Zaun gebrochenen „Generalstreik" der Fall war. Der Zweikampf Daladier — Gewerkschaftsbund war feilt dem Zusammenbruch der Volksfront fällig; auf dem Gebiet der reinen parlamentarischen Politik war mit den nach München vorgenommenen Kammerabstimmungen vom 4. und 5. Oktober und mit dem anschließenden Marseiller Kongreß der Radikalsozialistischen Partei das Schicksal der Volksfront besiegelt: es blieb noch eine Rechnung auf dem gewerkschaftlichen Gebiet zu begleichen. Das ist jetzt geschehen. Die Leitung des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes, in der sich die kommunistischen und die gemäßigten Tendenzen etwa die Waage hielten, — der letzte Gewerkschaftskongreß von Nantes hatte dies klar gezeigt — konnte sich der Verdrängung aus den einstigen Machtstellungen, die der Gewerkschaftsbund im Zeichen der Volksfront erworben hatte, nicht zufrieden geben. Gemäßigte Gewerkschaftsführer, wie Dumoulin, Belin, Delmas erhoben zwar ihre warnende Stimme, aber die kommunistischen Gegenspieler, Racamond, Frachon, waren zu stark. Der Generalsekretär Jouhaux hielt es jeweils mit der aktivsten Gruppe. Als vor einigen Wochen die Notverordnungen von Daladier und Paul Reynaud dem Lande die unumgänglichen Opfer für die finanzielle Gesundung auferlegten, und als Maßnahmen zur Steigerung der Produktion getroffen wurden, die, wie zugegeben werden muß, den kleinen Mann belastete, hielt die Leitung des Gewerkfchaftsbundes ihre Stunde für gekommen. Sie hat mit der Ausrufung des Generalstreiks einen schweren psychologischen Irrtum begangen. Die Streik absichten waren mindestens schon eine Woche vorher der Regierung bekannt, die in aller Ruhe chre Ab- wehrmaßnahmen treffen konnte. Weiter brachten die Arbeitermasien kein Verständnis dafür auf, daß sie rn einem solchen Machtkampf, der absolut nichts mit der Vertretung rein gewerkschaftlicher Ziele, wie Lohnforderungen usw. zu tun hatte, der Sturmbock sein sollten. Auch das Argument, daß man sich gegen die dauernde Ausschaltung des Parlaments, die ja nur eine logische Folge der Arbeitsunfähigkeit der Kammer ist, zur Wehr setzen müsse, verfing bei den großen Massen nicht im geringsten. Die Drohung mit dem massiven Einsatz der Staatsautorität, gestützt auf Reservisten, die erst ein bis zwei Tage vorher einberufen worden waren, hat genügt, um in wenigen Stunden den ganzen Generalstreik-Spuk zum Verschwinden zu bringen. Die Eisenbahnen fuhren beinahe fahrplanmäßig; Post, Banken, Versicherungsgesellschaften Usw. arbeiteten in vollem Umfang, und bei der Privatindustrie hielten sich die Arbectsausfälle in erträglichem Rahmen. Man kann ruhig sagen, daß die Gewerkschaftsbewegung in Frankreich, wenigstens soweit sie ausgesprochen marxistische, kommunistisch angehauchte Ziele verfolgt, die sich nut der Vertretung rein beruflicher Interessen nicht vereinbaren lassen, am 30. November einen tödlichen Stoß erlitten hat. Die Verbitterung bei den irregeleiteten Anhängern kann kaum Überschätzt werden; man hört immer wieder von Fällen, wo die enttäuschten Arbeiter die Mitgliedskarten des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes zerrissen und mit dürren Worten ihrem festen Entschluß Ausdruck gegeben haben, künftig die Finger von der Politik zu lassen. Ministerpräsident Daladier geht als unbestrittener Sieger des 30. November hervor. Damit ist das Bild dieses Politikers um einen interessanten Zug bereichert. Die suggestive Kraft, mit der Daladier seine Ideen vertritt, mag vielleicht nicht allzu. groß sein; man glaubte ost, in entscheid enden Stunden eine gewisse Passivität bei ihm feststellen zu müssen, aber immer wieder hat er, wenn es darauf ankam, durch ruhige Festigkeit die Dinge gemeistert. So war es in München, wo ihm die Mitwirkung bei der Erhaltung des Friedens in Frankreich eine ungeheure Volkstümlichkeit eintrug. Diese Volkstümlichkeit drohte im Laufe der letzten Wochen sich langsam zu verflüchtigen; es gab sogar Politiker, die die Stellung des Kabinetts Daladier für gefährdet hielten. Allerlei Intrigen wurden gesponnen, nicht zuletzt von dem halbjüdischen früheren Arbeits Minister Fros- sard, der mit seiner Sozialistisch-Republikanischen Union die Verbindung zwischen Radikalen und Marxisten aufrechterhielt. Ohne daß man recht wußte, woher sie kamen, waren diese Gerüchte über die Gefährdung der Stellung Daladiers da, es schienen bei der dauernden Ausschaltung des Parlaments mehr Gefühle politischer Unlust als irgendwelche konkreten Umstände für solche Gerüchte verantwortlich Dann kam zusammen mit dem englischen Ministerbesuch in der vergangenen Woche das Bekanntwerden der Einigung mit Deutschland über einen Nichtcmgriffsveistra g. Daladiers Stellung wurde wieder 'stärker, aber die Verblendung der rnarxisttschen Gewerkschaftsleitung wollte das^ nicht wahr haben. Jetzt verfügt Daladier über einen neuen Fonds von Vertrauen, aber dieses Vertrauen ist nicht so leicht erkämpft wie nach München und nicht so allumfassend wie damals. Daladier will nicht als Rächer nach gewonnener Schlacht erscheinen; er will eine Politik des „Apaifement", der Befriedigung, betreiben und dem geschlagenen Gegner die Hand zur Versöhnung entgegenstrecken. Aber das wird Daladier nicht der Notwendigkeit entheben, den eigentlich verantwortlichen Streikhetzern gegenüber eiserne Strenge walten zu lassen; denn sonst würden alle Hoffnungen dahin schwinden, die franzö- sische Produktion zu steigern. Raunte man nicht schon in den Wandelgängen der Kammer davon, die marxistischen Arbeiter könnten für die Niederlage des 30. November dadurch Rache nehmen, daß sie in passiver Resistenz die Arbeitsleistung herunterdrücken würden? Vorläufig zeigt sich die französische Wirtschaft durch solche Sorgen nicht beeinflußt. Das Gold strömt weiterhin aus dem Ausland zurück, die französische Währung scheint leicht gefestigt, und das Schatzamt kann seinen Geldbedarf mühelos befriedigen. Die parlamentarische Grundlage des Kabinetts Daladier bleibt bei alledem unverändert, auch weiterhin ist feine Stellung von dem Faktor des Unwägbaren bedingt. Die Kommunisten sind nach wie vor die Todfeinde des Kabinetts, die Marxisten fetzen ihre Politik des Beleidigtseins fort und sind ebenfalls als offene Gegner Daladiers zu werten, aber innerlich sind doch viele in ihren Wenn das Essen nickt schmeckt, bei Müdigkeit und Abfpannungserfcheinungen oder in Genesungszetten nehmen Erwachsene uns Kinder das blutbildende Kräftigungsmittel Bioferrin. 7267 V ZeX < A > BAYER Le) vy Reihen nicht ganz unzufrieden damit, daß der kommunistische Bruder bei den Gewerkschaften jetzt eine so gewaltige Schlappe erlitten hat. Nur offen sagen darf man es nicht. Die schmale parlamentarische Grundlage der Radikalsozialistischen Partei ist bei der innigen Verflechtung dieser Partei mit Mittelstand und Bürgertum von größter Wichtigkeit. Von rechts hat Daladier nichts zu befürchten, wenigstens bis auf weiteres nicht, solange er sich jn Kampfstellung gegen links befindet. Das Ausland blickt bei alledem auf gewisse Nuancen. Wird Daladier sich zu dem folgenschweren Schritt entschließen, jetzt die Kommunistische Partei aufzulösen? Das Verhalten der kommunistischen Führer gegenüber den von der Regierung ausgesprochenen militärischen Reguisi- ttonsmaßnahmen würde ihm das Recht dazu geben. Aber handelt es sich nicht um eine Aufgabe, die ein überdurchschnittliches Maß von Energie zur Voraussetzung hat? dischen Nachrichtendienst fallen gelassen und aus dem betreffenden Lande ausaewiesen. Löhne wurde auf einer Bahnfahrt von einem unbekannten Mitreisenden angesprochen. Leichl- finnigerroeife stellte er diesem seine finanziellen Verbällnisse dar, und erwähnte dabei auch, daß er verschuldet sei. Der Unbekannte war ein Agent im ausländischen Nachrichtendienst. Lr lockte Löhne durch Versprechungen Ins Ausland. Dort wurde Löhne über geheimzuhaltende Dinge ausgefragt und wurde zum Landesverräter. Auch hier hak der ausländische Nachrichtendienst sein Opfer preisgegeben, nachdem er keinen Ruhen mehr aus ihm ziehen konnte. — Beide Landesverräter haben jetzt ihr Verbrechen an Staat und Volk mit dem Tode büßen müssen. Codreanus Erschießung. Wurde der Führer -er Eisernen Garde im Gefängnis umgebracht? Vermutungen der Auslanvspreffe. Rom, 2. Dez. (DNB.) Die Ereignisse in Rumänien, die nach Dem tragischen Ende Codreanus und seiner Gefährten von der Eisernen Garde jetzt zur Verhaftung des ftüheren Kriegsministers General A n t 0 n e s c u, Amtsenthebung zahlreicher Beamter und zu scharfen Regierungsmaßnahmen gegen alle Elemente, die mit der Eisernen Garde sympathisierten, geführt haben, werden in der italienischen Presse ausführlich behandelt. Es wird unterstrichen, daß die amtlichen Auslassungen über die Vorgänge im Widerspruch stehen zu den hartnäckigen Gerüchten aus Kreisen der Eisernen Garde, die den rumänischen Innenminister persönlich verantwortlich machen für die „abscheuliche Mordtat". Anhänger Codreanus behaupten ganz offen, daß ihr Führer und seine Begleiter nicht bei einem Fluchtversuch, sondern im Gefängnis selbst umgebracht worden seien. Die rumänische Regierung habe bisher nichts unternommen, diese Gerüchte zu entkräften. Das rumänische Regierungsblatt „Romania" ver- öffenllicht einen Artikel, der gewisse Andeutungen enthält über das Vorgehen gegen die „Eiserne Garde". Jn dem Artikel heißt es, der Anschlag gegen den K l a u s e n b u r g e r Univer-- sitätsrektor sei das Signal zu einer gefährlichen Aktion gewesen. Das Blatt fährt dann fort: „Deshalb mußte die Unterdrückung blitzartig kommen; gegenüber der Drohung war eine andere Möglichkeit nicht gegebeik. Der Herd der Legionär-Unruhe und Anarchie, von dem sich erwiesen hat, daß er andauere, mußte ausgerottet werden, sonst wären uns allen die Hände gelähmt gewesen gegenüber anderen schweren Gefahren, die das Blutopfer der ganzen Nation gefordert hätten." * Den Ereignissen in Rumänien schenkt auch die polnische Presse starke Beachtung. , Dziennik Narodowy" schreibt, Codreanu und seine 13 erschossenen Kameraden seien aufrichtige und selbstlose Bekenner der nationalen Idee gewesen. Im Lichte dieser letzten Ereignisse zeige sich, daß der neue rumänische Staat nicht der Ausdruck der neuzeitlichen nationalen rumänischen Bewegung sei, sondern daß er mit dieser Bewegung 1 m Kampf stehe. Darum verurteile die westeuropäische demokratische Presse auch den Totalismus dieses Staates nicht und darum werde der tragische Tod Codreanus mit Gewißheit ohne Widerhall in dieser Presse bleiben. Ohne Zweifel werde nämlich der Tod Codreanus unter dem Gesichtspunkt der Interessen der jüdischen Politik als ein positives Ereignis bewertet. Die unzähligen Opfer der bolschewistischen Revolution in Rußland, die zu Tausenden hingemordeten Geistlichen, Militär- und Zivilpersonen in Spanien, der tragische Tod Codreanus und seiner Kameraden, das alles feien Ereignisse, die keinen Anspruch haben, in der sogenannten großen demokratischen Presse in Europa und Amerika Mitgefühl und Empörung her- vorzurufen. Denn in dieser Presse geben die Vertreter der jüdischen Politik den Ton an. „Goniec" meint, die Erschießung Codreanus sei reichlich rätselhaft. Unter den in Freiheit befindlichen restlichen Führern der ehemaligen Eisernen Garde herrsche die Ueberzeugung, daß es sich hier um einen Massenmord handele, durch den die wichtigsten Führer der Eisernen Garde beseitigt werden sollten, da diese Organisation noch immer einen gewaltigen Einfluß auf das politische Leben in Rumänien habe. Das Blatt weist auf die Tatsache hin, daß keiner von den Gefangenen lebendig daoongekommen ist. Da es sich um eine verhältnismäßig große Anzahl handelte, dürfte dies eher auf eine Exekution als auf eine organisierte Flucht hindeuten. Offenbar sollte kein Zeuge der Vorgänge in dem Walde bei Bukarest übrig bleiben. Dieser Vorgang zeige, daß Rumänien eine st a r k e politische Krise durchmache, wobei diejenigen politischen Gruppen die Oberhand zu gewinnen scheinen, die unter liberalen und freimauerischen Einflüssen stehen. Die royalistische Pariser „Action Fran^aise" schreibt: Die Ermordung des Kapitäns und Gründers der Eisernen Garde, Codreanus und seiner 13 Unterführer ist eine offensichtlich verabredete Massakrier ung gewesen. Sie ist ein Ereignis von politischer Bedeutung, das wegen seiner Rückwirkungen geeignet ist, entweder einen Bürgerkrieg, wie denjenigen nach der Ermordung des spanischen Falangistenführers ' oder einen europäischen Krieg, wie nach der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand, auszulösen. Codreanu ist in der Tat der Chef des rumänischen Antisemitismus gewesen, der alte und tiefgehende Wurzeln im ganzen Lande hat. Man wird nicht verfehlen, diese Mordtat einer Verschwörung Israels und der einflußreichen offiziellen Persönlichkeiten Rumäniens zu- zuschreiben. Die tendenziösen Meldungen der von Juden kontrollierten Nachrichtenagenturen haben schon vorgestern das Opfer so hingestelll, als ob es fein Schicksal wegen seiner Gewalttätigkeit und Wildheit verdient habe. Diejenigen aber, die den glühenden Patriotismus und das gefahrvolle Leben dieser außerordentlichen Persönlichkeit erkannt haben, können über die Vorgänge nicht im Zweifel sein. Kunft und Wissenschaft. Der norwegische Maler Erik Werenskiold f. In Oslo starb hochbetagt der Maler Erik W e - renski 0 ld, der die norwegische Malerei in einem entscheidenden Zeitpunkt ihrer Entwicklung stark beeinflußt hat. Er war 1855 geboren und hatte, nachdem er bei dem norwegischen Bildhauer Middel- thun studiert hatte, [eine eigentliche Ausbildung auf der Münchener Akademie unter Löfftz und Linden- schmit erfahren, war aber von dort zu Bonnat nach Paris gegangen. Er gehörte zu der Gruppe norwegischer Maler, die in den siebziger Jahren eine naturnahe Wirklichkettsmalerei national-norwegischen Gepräaes schaffen wollten. Werenskiold, der unter dem Einfluß des Impressionismus sich vom strengen Naturalismus zu einer freieren Haltung entwickelte, malte prachtvolle norwegische Landschaften, stellte in charaktervollen Bildmssen die großen Norweger seiner Zeit, wie Ibsen, Björnson, Grieg und Nansen, dar und hatte auch großen Erfolg mit feinen Illustrationen zu norwegischen Volksmärchen und zur norwegischen Königsgeschichte. 3nfemationaks Musikfest 1939 in Frankfurt. Dom 15. bis 25. Juni 1939 findet in Frankfurt am Main das Internationale Musikfest statt. Das Programm dieser Veranstaltung des „Ständigen Rates für die internationale Zusammenarbeit der Komponisten" sieht die Aufführung von Opern, Orchesterkonzerten, Kammermusik und einem Chorkonzert vor. Der nächste Aerztekongreß in Wiesbaden. Unter dem Vorsitz von Professor Dr. Stepp (München) findet vom 27. bis 30. März 1939 in Wiesbaden die 51. Tagung der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin statt. Gleichzeitig tagt die Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater. Weiterbericht Noch immer setzt sich die lebhafte, vom Atlantik ausgehende Wirbeltätigkeit fort. Daher ist trotz gelegentlicher Aufheiterung eine durchgreifende Wetter- befferung noch nicht zu erwarten. Vorhersage für Sonntag: Zunächst häufig aufheiternd und höchstens vereinzelte Schauer, nachts frisch und später zunehmende Unbeständigkeit. Abflauende, aber noch lebhafte Winde aus West bis Süd. Lufttemperaturen am 2. Dezember: mittags 7,4 Grad Celsius, abends 4,2 Grad; am 3. Dezember: morgens 5,1 Grad. Maximum 8,2 Grad, Minimum heute nacht 3,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Dezember: abends 5 Grad; am 3. Dezember: morgens 4,9 Grad. — Niederschläge 0,5 mm. — Sonnenscheindauer 3,5 Stunden. Hauptschriftletter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. X. 38: 10013. Druck und Verlag: Brühlsche Unioersitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 aW Sittern Sie sitt jetzt stton Ihren Jahres bedarf in Apfelsaft Günstige Abschlüsse für Wiederverkänfer! Apfelsaftkelterel W. Schweitzer, Braunfels Ruf 26t. 7778V Geschäis vor Weihnachten 7797V Zuoerlass, sauh. ] Verkäufe | Rote 7801D postlagerndA.V. 4J U I Lilly c LUU -41« mögt. Stadter Ad- gers. 7830D Stadttheater gibt der Gießener Einzelhändler seinem Wunsche Ausdruck, jeden Weihnachtskäufer so gut und beschleunigt zu bedienen wie nur möglich. Jeder einzelne Kunde soll durch bequemen, in Ruhe vollzogenen Einkauf an der Freude des Schenkens vollen Anteilhaben. Deshalb seien die Vormittagsstunden zum Besuch der Geschäfte besonders empfohlen. Dem Käufer kann am Vormittag mehr Zeit gewidmet werden, als es während der Stunden gegen Abend trotz besten Willens möglich sein kann. das sich zum Fabrikationsbetrieb eignet, in Giehen oder Umkreis bis zu 50 Kilometer zu pachten oder zu kaufen gesucht. - Schriftliche Angebote unter 05363 an den Giehener Anzeiger erbeten. ÄülüläftevonZdtt 20 v. 6. erhalten Ete bet wiederholien Auf. nahmen einer Am eis» Ein neues musikwissen- schaftich.Werk ist zu verkauf. Goethestr. Nr.67 part. ventsandacht 20. Lollar. KG. 13. Mainzlar. KG. 14; G. 20. Steinbach. G. 10. Wieseck. HG. 9.45; KG. 11. 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Schöpferkraft und Liebe, sie läßt ihn nicht aus den Augen, legt ihn der Mutter gleichsam ans Herz und sieht ihn sorgenvoll auf dem ersten Backblech im Ofen verschwinden. * Aber schon harrt ihrer neue Arbeit: auf jedes Die kleine Katharina hat sich wie ihre längst verstorbene große Namensschwester eine Krone auf ihren blonden Schopf gesetzt. Aber die Krone ist nicht aus eitel Gold wie die der verblichenen deutschen Prinzessin aus dem Hause Anhalt-Zerbst und nachmaligen Zarin von Rußland, sondern aus vurer Pappe. Und oben guckt ein kleiner Haarpinsel heraus Auch geschah diese Krönung nicht aus Machtgelüsten. sondern nur aus vorweggenommener Fest- Illi freude, seliger Erwartung und Ahnung kommenden Lichterglanzes, ... nur weil die Mutter am letzten Sonntag die erste rote Kerze am Adventskranz entzündet hat, weil in ein paar Tagen der Nikolaus kommt und in drei Wochen das Christkind. Bloß darum. * Die Mutter nun, da Katharina ernstlich und unabweisbar ihren Entschluß bekundet, bei der Weihnachtsbäckerei nicht allein zuzusehen, sondern tätigen Beistand zu leisten, hat .vorausschauend und ahnungsvoll, wie Mutter sind, ihrer kleinen bekrönten Tochter eine zwar unmajestätische, aber praktische Schürze umgebunden, ihr einen Stuhl herbeigerückt und ihr eine Ecke des Küchentisches nebst unerläßlichem Nudelbrett als Wirkungsbereich zugewiesen. Katharina macht sich geschäftig ans Werk. Ihr emsiges Tun wird beschwingt' von den lieblichen Düften, welche mittlerweile in der Küche aufsteigen und sich allmählich weihevoll durchs ganze Haus verbreiten Das ist em herrliches und würziges Aroma, welches unter dem schrecklichen Wiegemesser — die Mutter hat es lieber für sich behalten — emporsteigt: nach gehackten Mandeln riecht es, nach Zimt, nach Schokolade und nach Zitronat, und dies alles zusammen gibt eine Mischung, deren große und kleine Nasen meist nur einmal im Jahre teilhaftig werden. Dann weih jedermann, dem so ein lieblicher, warmer Hauch in die Nase steigt: nun kann es nicht mehr lange dauern. Allmählich ist es Zeit, an den Wunschzettel zu denken und an den Ehristbaum. Die kleine Katharina ist vorerst so hingegeben an das Werk ihrer Hände, daß sie keinen anderen Gedanken zustande bringt als backe, backe Kuchen. Es ist ein Geschäft, daß sie bisher nur. im Bilderbuch gesehen hat, und jedesmal, wenn sie es sah, erwachte in ihr der Wunsch, es selber zu tun, ganz allein, „ich auch" ... Zum erstenmal ist in bie|em Jahre ihr Wunsch in Erfüllung gegangen. Siehe: Katharina wirkt mit beiden dicken Pfoten in der geheimnisvollen Masse, welche hernach im glühenden Ofen die köstlichste Verwandlung durchmacht. Backen ist schön. Es ist eine Lust für Kinder in der Weihnachtszeit. Ha, aber nun ist es soweit. Katharina hat von der Mutter mit den zugehörigen Ermahnungen und Gebrauchsanweisungen ein prächtiges Spielzeug in die dicken, vom Teig klebrigen Pfoten bekommen, jenes sinnreich erdachte Küchengerät, welches man in unserer Gegend Wälgerholz nennt Katharina blickt mit tiefer Befriedigung auf das Werk ihrer Hände und erlebt zum ersten Male die Verwandlung der trägen Masse durch die Kraft des menschlichen Geistes nnd ihrer kleinen Arme. (Sie erlebt es natürlich nur, sie ist weit davon entfernt, derart verschmitzte und schwierige Gedanken in ihrem blonden Häuptchen hervorzubringen.) Aber sie ist schon so weit gediehen, daß sie sich beim emsigen Schaffen hin und wieder eine kleine Abschweifung gestatten darf. Und also entstehen auf der gelblich geglätteten Fläche unter dem rollenden Wälgerholz (man muß es vorher mit Mehl bestreuen rundherum, sonst schlingt sich der tückische Teig um das Holz wie eine Bauchbinde, und man hat seine Last, ihn wieder obzukriegen) — erscheinen also auf her glatten Fläche vor Katharinas großen Augen die wunderlichsten Figuren: sie erblickt da zum Beispiel ein herrlich bezopftes Puppenkind, einen Puppenwagen mit rosa Vorhängen dran, ein großes Bilderbuch und auch den Nikolaus mit seinem Sack ... Katharina sieht es wahrhaftig deutlich vor sich und rollt ganz selbstvergessen immerzu. Die Mutter, der das zu lange dauert, sieht hingegen zu Katharinas Verwunderung nichts von alledem ... höchstens, daß der Teig über so träumerischen Betrachtungen allbe- reits viel zu dünn geworden ist und einige Löcher aufweist, welche eilends gestopft werden muffen. Dann kommt das Ausstechen. Es ist beinah noch schöner als das Rollen, aber man muß achtgeben dabei und keine Nebengedanken haben. Schon bedeckt sich das bestrichene Backblech mit weihnachtlichen Figuren, mit Herzen und Sternen, mit Schäfchen und Vögeln, und aus dem übriggebliebenen Rest, aus dem man gar nichts mehr herausstechen kann, macht die phantasiebegabte Katharina mit den mehlbestäubten Fingerchen einen wunderlich eckigen Kloß, einen Privatkucken nämlich gewissermaßen, welcher am Heiligen Abend dem Puppenkind Marianne unter dem Christbaum beschert werden soll. An diesen Kloß verschwendet Katharina ihre ganze Plätzchen und auf jeden Stern eine Mandel zu legen, hübsch ordentlich in die Mitte. Die Mutter hat einen Teller voll bereitgestellt, und Katharina wird kein Ausgestochenes vergessen, das Werk ihrer Hände zu krönen .. Kneten ist schön, Rollen ist schön, Ausstechen ist schön . . aber das Allerschönste ist: ganz heimlich und verstohlen zu probieren, einen Finger voll süßer Teigmasse selbstvergessen und genießerisch in den Mund zu stecken. Katharina ist sogar bereit, dabei auf den Finger zu verzichten. hth. (Aufnahmen: Elisabeth Hase, Frankfurt a. M.) 1 5 4 Randglossen zur kleinen Zeitgeschichte. Von Ernst von Tliebelschüh. Die Ankündigungen des Büchermarkts für Weihnachten zeigen ein auffallendes Anschwellen der Briefliteratur. Es muß also ein allgemeineres Bedürfnis danach vorhanden fein, und wo wäre ein Bedürfnis, das sich nicht auf das Bewußtsein des-eigenen Mangels zurückführen ließe! Wohin man sieht — Briefe, auch, ja besonders Liebesbriefe! Ob freilich, wie zuverlässig behauptet wird, die herrliche Kunst, Liebesbriefe zu schreiben,- dem heutigen „sachlichen" Menschen wirklich ganz abhanden gekommen ist, wird schon deshalb schwer zu entscheiden sein, weil diese papiernen Sendboten des Eros die sehr begreifliche Neigung haben, sich der öffentlichen Kontrolle zu entziehen. Allein es spricht doch vieles dafür, daß diejenigen rechthaben, die da meinen, der echte Liebesbrief gehöre nun einmal der Vergangenheit an und könne ebenso wenig wiederkehren wie das Spinnrad oder die Postkutsche. Nicht weil mau heute weniger liebt als früher — wer wollte das wohl behaupten! — sondern weil das schriftliche Aeußern von Gefühlen und Empfindungen nicht mehr zeit- aemäß zu fein scheint, und überdies der Brief überhaupt aufgehört hat, als ein Kunstwerk behandelt zu werden. Weinen wir ihm eine redliche Träne nach, aber finden wir uns mit der Tatsache selbst ab, daß die unausrottbare Sympathie der Geschlechter andere Formen der Mitteilung gefunden hat, als es der Liebesbrief war. Gleichwohl — er kommt wieder, wenn auch zu- fördert nur in der doktoralen Gestalt eines k u l - turgefchichtlichen Dokumentes, also gewissermaßen mit der Brille auf der Nase. Er kommt wieder, und sieh, er findet eine zunehmende Bereitwilligkeit, ihm Beachtung zu schenken. Denn je weniger man ihn selbst schreibt, um so entzückender findet man es, in den Liebesbriefen bedeutender Menschen der Vergangenheit zu blättern und sich für Augenblicke in Angelegenheiten des Herzens zu mischen, die uns normalerweise nichts angingen, wären alle diese Dokumente, von fleißigen Forschern gesammelt und neu herausgegeben, nicht längst in dem großen Hafen der Weltliteratur gelandet. Da liegen sie nun und warten darauf, daß ihr gestorbenes Leden noch einmal erwache und den sympathischen Funken in uns entzünde. Viele Bände, gefüllt mit den Schwüren ewiger Liebe und Treue, sind nun in den Buchläden vor uns aufgestapelt: fast scheut man sich, sie in die Hand zu nehmen, aus Furcht, man könnte sich daran versengen — die große Gemeinschaft der Liebenden aller Zeiten und Völker. 9 Apparate und Reparaturen Zentral-Rundfunk Bahnhofstr. 58,im Hause Brinkmann Elefant und Rotkehlchen. Von Peter Bamm. (Nachdruck verboten.) Wenn man in Betrachtung versunken vor einem Elefanten steht, so bewegt einen nichts so sehr wie der Gedanke, was wohl in der Seele eines solchen lebendigen Gebirges vor sich gehen mag. Durch einen glücklichen Zufall ist es der Naturforschung möglich gewesen, einen tiefen Blick in die Elefantenseele zu tun. Natürlich war der Zufall nur für die Forschung glücklich und nicht für den Elefanten, der sein Leben einbüßte eines Rotkehlchens wegen. Wir wollen nun in der Weise des Chronisten, ohne alle poetische Ausschmückung nämlich, den Sach- verhall schildern. Besagter Elefant im Zoo von Neu- york pflegte von Zeit zu Zeit fein Elefantenhaus einzudrücken. Natürlich war man da schnell bei der Hand mit Erklärungen wie, daß er ein Choleriker sei oder daß er die Frecheit nicht vergessen könne. Aber natürlich wissen wir gar nichts davon, was Jumbo zu einer so feindlichen Einstellung gegenüber seinem Eigenheim veranlaßte. Fest steht nur, daß eines Tages ein Rotkehlchenpaaar das Elefantenhaus bezog und dort sein Nest baute. Von diesem Tage an war Jumbo völlig friedlich, und die Rotkehlchen hielten fröhliche Zeckenjagden auf ihm ab und saßen zwitschernd auf seinem Rüssel. Auch damit natürlich ist noch sehr wenig bewiesen über die Meinungen und Ansichten des Elefanten Jumbo, fo sehr die Gazetten sich ausdrücklich verwunderten über die Freundschaft zwischen den ungleichen Tieren. Aber eines Tages verließen die Rotkehlchen das Elefantenhaus, und von Stund an fing Jumbo wieder an, besagtes Haus einzudrücken, und er wurde so ungebärdig, daß er totgeschossen werden mußte. Wir wollen uns keinen übertriebenen und phantastischen Vermutungen hingeben. Aber sicher dürfen wir daraus schließen, daß Jumbo an den Rotkehlchen hing, und daß Rotkehlchen geeignet sind, wild gewordene Elefanten zu beruhigen. Darüber verwundern wir uns. Und diese unsere Verwunderung ist die eigentlich überraschende Feststellung an der Sache. Wenn der Eelefant sich durch ein Nilpferd hätte beruhigen lassen, so hätten wir das nicht den zehnten Teil so merkwürdig gefunden. Aber das beweist nur, daß wir eine äußerst primitive Vorstellung von der W-^haben. Entschieden gibt Liebe zu Rotkehlchen einem Elefanten eine weit poetischere Note als Liebe zu Nilpferden. Nur liegt nicht der allergeringste Grund dafür vor, bas Poetische verwunderlicher zu finden als das Banale. Wie hätte sich erst Jumbo verwundern müssen über uns, wenn er uns je die Ehre erwiesen hätte, sich mit unseren Meinungen und Ansichten zu beschäftigen. Wie hätte Jumbo wohl je eine Erklärung dafür finden können, daß wir über ein Marien- käferchen in höchstes Entzücken geraten, während wir in höchstes Entsetzen geraten über eine Wanze, die doch alles in allem einem Marienkäferchen ziemlich ähnlich ist. Wenn die Lyriker wirklich einen Blick für die Gröhe der Schöpfung hätten, bann müßten sie imftanbe sein, über eine Wanze ein ebenso schönes Gedicht zu machen wie über ein Marienkäferchen. Darum eben halten wir Shakespeare für einen so großen Dichter, weil bas Poetische bei ihm nicht erst burd) Erklärungen verstanden wird, sondern sich von selbst versteht. Und darum eben halten wir den heiligen Franz für einen so großen Heiligen, well er den Sinn der Schöpfung so wohl verstanden hat, daß er zwischen einem Marienkäferchen und einer Wanze keinen großen Unterschied mehr sah. Denn die Unterschiede liegen nicht in den Dingen, sondern in unserem Kopf. Jumbo konnte sie nicht erblicken, und darum war ihm ein Rotkehlchen lieber als ein Nilpferd, und darum können wir von einem traurigen Elefanten, der ohne. Vorurteile ist, mehr lernen als von zehn traurigen Philosophen, die voller Vorurteile stecken. Doch können wir glücklicherweise sagen, daß der moderne Mensch nicht ganz so jumbofern ist, wie es scheint. Zwar findet Der aufgeklärte Mensch den chinesischen Lokomotivführer, der feiner Maschine Augen anmalt, damit sie nicht so blind dahineilt, äußerst belustigend. Doch tut der aufgeklärte Mensch mit seinen Maschinen dasselbe, was er mit seinen Kindern tut. Seinem Automobil nämlich gibt er einen Namen Jener Schuß Shakespeare, den wir alle haben, wenn wir uns von selbst unbeobachtet glauben, der findet hier ein weites Feld. Aus diesem Shakespeare- schen Schußfeld ist die Poesie selbstverständlich, und wenn jene, die der Hochmut zwackt, darüber glauben lächeln zu dürfen, so glaubt der Chronist, behaupten zu dürfen, daß da, wo das Poetische selbstverständlich wird, das Selbstverständliche auf dem Wege ist, poetisch zu werden. Alle alten Autofahrer sind der Meinung, daß ein Auto nicht bloß einen Motor, sondern eine Seele hat. Knirscht die Kupplung nicht unwillig? Ist der Anlasser nicht von wahrhaft männlicher Launenhaftigkeit? Rollt die Rollbüchse nicht sanft? Diese Fülle von humanen Eigenschaften lassen sich durch eine Nummer nicht in zureichender Weise zum Ausdruck bringen. Die Magie eines Namens dagegen umfaßt all bas auf einmal. Der am 6. 6. 06 geborene Mensch Nr. 822 836147, der so unb so gebaut ist und die und die Eigenschaften hat, was besagt uns das schon? Hingegen: „Elisabeth!" — da liegt alles drin. Die kleinen Stirnlöckchen, die Unpünktlichkett, die Vorliebe für Chrysanthemen uyd Kino, bas Grübchen links und der schräge Absatz rechts. Welche Macht hat ein Name! Die Macht, Erinnerungen herbeizuzaubern und Hoffnungen zu wecken. Zorn und Langeweile, alles Glück und Unglück dieser Welt kann in einem Namen aus- gedrückt werden. Schätzungsweise 16 000 Jahre trennen den europäischen Menschen von seiner magischen Zeit. Und doch hat der alte Zauber seinen Zauber noch nicht verloren. Der jumboferne Zeitgenosse mag immerhin mit Nr. 123 147 ins Grüne fahren. Der jumbonahe. Mensch rollt auf „Rotkehlchen" in die verzauberte Ferne aller jener magischen Hoffnungen, auf deren Erfüllung wir feit 16000 Jahren mit so viel Beharrlichkeit warten. Lübecker Marzipan. Sützes Wahrzeichen einer alten Hansestadt. Lübeck, Ende November. Das war vor ein paar Tagen auf dem Lübecker Bahnhof, als ich mit einem bekannten Filmschauspieler sprach. Der kam plötzlich mit der Frage: „Wo gibt es hier das echte Lübecker Marzipan?"' Ja, — das Lübecker Marzipan! Nicht nur in der Zeit vor Weihnachten fragt man danach. Es hat Unseren Ruf in alle Länder der Erde getragen, mehr als die Kolonisation der Hanse, mehr auch als die sieben goldenen Türme mit den Orgelklängen unter dem schirmenden Dach. Das Marzipan ist jünger als die ersten Städtetage der Hanse, älter als die Orgeln. Es kam im ausgehenden Mittel- alter zu uns aus dem Wunderland Arabien. In Lübeck ist es seit 1407 nachzuweisen. Eine von den duftig süßen Blüten des Orients mit dem zauberhaft fremden Namen: Marzapane — die Mandelspeise. Oder sollte es wirklich, wie die Legende will, das Brot des Schutzheiligen Markus von Venedig (Marei panis) sein, weil es durch dieses Tor aus der alten Welt ins Abendland drang, ober, wie manche Gelehrten wollen, mit dem spätlateinischen maza (Mehlbrei) Zusammenhängen? Jedenfalls gelangte es bis in die Handelsstädte des Nordens — Hamburg, Lübeck, Königsberg. Zu Zeiten soll das Marzipan ein Volksnahrungsmittel gewesen sein, das über Mißernten hinweghalf Zumeist freilich galt es als schöner Luxus des Lebens,! wie in jener Leipziger Ratsverordnung von 1661, die bestimmte, daß bei Vornehmen zum Gevattersgeschenk ein Marzipan bis zum Werte von zwei Reichstalern gegeben werden durfte. Handwerkern und gemeinen Leuten aber sollen zu Gevatterstücken alle Marzipane- durchaus verboten sein, auch sonsten insgemein alle Marzipane, welche bishero bei Austeilung der Pfannkuchen von etlichen beigelegt worden." Und immer schon hat die süße Mandelspeise die Baulust phantasievoller Zuckerbäcker her- ausgeforbert — wäre sonst der abenteuerliche Simplizissimus einmal in eine Nebenkammer mit Konfekt gekommen, „darin ganze Thürn und Schlösser von Marzipan stunden"? Die „Marzipanstädter" hat man uns Lübecker bissig genannt. Den Namen tragen mir gern. Lübecker Marzipan und Lübecker Rotspohn, beide gehören zusammen. Will man Lübecker Marzipan wirklich genießen, dann muß man sich in eine der dämmerigen alten Stadtschänken setzen, das Marzipan zwischen den Zähnen zergehen lassen und mit dem ersten Schluck Rotwein binunterspülen. Das ist Kennerwonne. Die russische Kaiserin Charlotte freilich machte es anders. Als sie 1858 eine Kiste Lübecker Marzivan geschickt bekam, (tippte sie jeden Morgen das Marzipan in ihren Kaffee. „Ich glaube" — heißt es in dem Brief aus Petersburg, in dem sofort eine neue Bestellung aufgegeben wurde — „wenn die Geschwister Niederegger (das ist eine berühmte Marzipanbäckerfamilie in Lübeck) diesen gastronomischen Verstoß hören, so betrachten sie das als eine persönliche Beleidigung." Manche der berühmten Lübecker Marzipanbäckerfamilien hüten ihre Geheimnisse seit Jahrhunderten in getreuer Ueberlieferung, und es gibt kein Land auf der Erde von Pol zu Pol, in das das Lübecker Marzipan nicht gedrungen wäre. Als unser» Soldaten um die Jahrhundertwende aus dem Boxeraufstand zurückkamen, war auch ein braver Lüderer dabei. Er erzählte, das erste, was er in einer chinesischen Arbeiterhütte fand, sei eine längst leergegessene Dose mit der Aufschrift „Echt Lübecker Marzipan" gewesen. Marzipan ist unentbehrlich in den weihnachtlichen Festtagen. Mancher Volksliedvers zeugt davon. Es ist irgendwie mit Knecht Ruprecht und dem Nikolaus verwandt. Am 6. Dezember stellen die Kinder die Schuhe heraus und finden ein Stück Marzipan darin. Es muß auch immer Festtagsbrot bleiben. Wer es aber nicht mag oder nicht vertragen kann, tröste sich mit der Weisheit des Sprichwortes, das unsere Vorväter schon vor 300 Jahren kannten: „Ein gesunder Zahn käuet aus einem Stück Schwarzbrot ein Marzipan!" Dr. H. E. Wer nie darüber nachgedacht hat, welche Dell- katesse doch eigentlich solch ein simples Hühnerei ist, hat jetzt in dieser Periode vorübergehender Knappheit Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen. Von diesem Gesichtspunkt aus gesehen ist es gut, einmal zu entbehren, was entbehren zu müssen man nie für möglich gehalten hätte, einfach, weil der Ueberfluß undankbar macht. Im Grunde ist alle Nahrung „Delikatesse", nur hört sie in unseren Augen auf es zu sein, sobald Mühelosigkeit der Beschaffung und niedriger Preis ihr den Seltenheitswert, der mit dem Begriff so eng verbunden ist, genommen haben. Wenn uns das edle Rebhuhn alle Tage auf den Teller flöge, kein Feinschmecker würde es sich einfallen lassen, viel Aufhebens davon au machen. Man leckt sich die Finger immer nur nach dem, was man nicht hat. Wenn der römische Geschichtsschreiber Sueton erzählt, bei einem Festschmaus des Kaisers Ditellius seien Lebern von Meerbrassen, Gehirne von Fasanen und Pfauen, Zungen von Flamingos und Mich von Muränen verzehrt worden, so kann man zehn gegen eins wetten: das alles hätte keinen Reiz auf die verwöhnten Gaumen gehabt, hätte nicht die ganze kaiserliche Flotte aufgeboten werden müssen, um diese Herrlichkeit nach Rom zu schaffen. Oder, um ein uns näher liegendes Beispiel zu nennen: vor Hundertundfünfzig Fahren gab es im Oder- druck um Küstrin so viele Krebse, daß sie, wenn sich im Mai das Ueberschwemmungswasser wieder verlief, zu vielen Hunderttausenden von den Bäumen geschüttell werden mußten. Die Krebse waren ■L, Fag DerRationakn _, _ UM Solidarität ■ Ql amSDezcmbcr ■ damals, wie Fontane sehr anschaulich zu erzählen weiß, eine wahre Landplage und bei der einfachen Bevölkerung dergestall verhaßt, daß es von den Be- Hörden verboten wurde, dem Gesinde mehr als dreimal wöchentlich Krebse vorzusetzen. Ein Schock Krebse kostete einen Pfennig. Heute bezahlt man für ein Zehntel davon ungefähr das Fünfhundertfache des Preises, aus keinem anderen als dem höchst dummen Grunde, weil der Krebs fetten geworden ist und nicht mehr von den Bäumen geschüttell werden kann. Den Eiern würde es genau so ergehen, wenn die Hennen einmal auf den nichtswürdigen Gedanken kommen sollten, die Produktion zu vermindern. Auch ein Beitrag zur Geschichte der Psychologie der Delikatesse! In der „Bewegung", dem Zentralorgan des NSD.-Studentenbundes, erfährt man allerlei Interessantes über das Hochschulstudium in den Vereinigten Staaten von Amerika. Da sind beispielsweise am Columbia-College folgende Vorlesungen ausgeschrieben: „Ringen und Selbstverteidigung", „Geschichtenschreiben", „Die Etikette der Mahlzeiten und die Gastlichkeit", „Grundzüge der Hauswäsche". Eine andere Universität kündigt Kurse über „Drogerieleitung" oder „Kleinhandelsreklame" an. Eine ähnliche Tendenz auf das Nur-Prakttsche wird von den Doktor-Dissertattonen vertteten, unter denen man Themen begegnet, die etwa so lauten: „Vergleichende Untersuchung über Zeit und Bewegungen bei vielerlei Arten des Abwaschens" oder „lieber den verschiedenen Kleidungsbedarf bei verschiedenem Einkommen". Wenn man das liest, könnte man zunächst vielleicht entschuldigend sagen: Nun, ja, das ist eben die natürliche Reaktion auf den rein abstrakten Wissenschaftsbetrieb von früher, der den Studierenden weltfremd und lebensuntüchtig gemacht hat, und jede Reaktion hat nun einmal die Neigung, nach der entgegengesetzten Seite hin zu übertreiben! Allein jeder noch so ehrliche Versuch, die amerikanische Mentalität objektiv zu verstehen, scheitert doch an der durch alle bisherigen Erfahrungen erhärteten Tatsache, daß diese einseitige Ausrichtung auf den Beruf keineswegs dazu beigetragen hat, auch nur ein Mindestmaß derjenigen wahren Bildung zu verbreiten, die in den höheren Schichten eines Volkes vorhanden fein muß, wenn nicht die Gesamtheit der Nation einem Zustand der allgemeinen geisttgen Barbarei verfallen soll. Das aber kann nur eine höhere, auf den Menschen als, solchen zielende Bildung, kein noch so exaktes Berufs- trainmg bewirken. Was bei einem solchen herauskommt, haben wir erst kürzlich anläßlich der Panik erleben müssen, die ausbrach, als eine Rundfunksendung in den Oststaaten von Amerika die Nachricht verbreitete, ein mit Todesstrahlen bewaffnetes Weltraumschiff sei auf New Jersey gelandet, um einen wohlvorbereiteten Angriff auf die friedlichen Bewohner von USA. zu unternehmen. Daß eine solche Verrücktheit in weiten Kreisen der Bevölke- rung Glauben finden und eine wahre Weltgerichtspsychose Hervorrufen konnte, spricht nicht eben für den Wert der von den amerikanischen Universitäten gelehrten und durch sie in das allgemeine Bewußtsein des Volkes gedrungenen „Wissenschaft". Im Gegenteil: ein lehrreiches Beispiel für den radikalen Unwert einer „Bildung", die nur den unmittelbaren Nutzen im Auge hat, hätte der Wett nicht leicht vorgeführt werden können. elt Chemie erschließt die Don den Grundlagen und Aufgaben des chemischen Zeitalters. Die erste auf dem Teer aufgebaute Farbenfabrik richtete ein Schüler des nach London berufenen utschen Gelehrten A. W. Hofmann. Die Eng- auf tation auf. hergestellt. Aus dem Steinkohlenteer hatte er das Anilin gewonnen und durch Reaktion von Chlorkalk auf Anilin einen blauen Farbftoff erzeugt. Dieses gelang 1833 Friedlieb Ferdinand Runge in Oranienburg bei Berlin. Im Auftrage feines Chefs hatte er sich verbissen und geduldig über den lästigen Teerabfall hergemacht, um aus ihm etwas Nützliches herauszuholen. Es der der Teerfarbenindustrie getragen wurden, war an sich ein historischer Irrtum. Denn fast 30 Jahre VIII. Wo stand die Wiege der Teersardenindnsttle? war äußerst tragisch — aber vielleicht aus der damaligen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Situation verständlich —, daß der Vorschlag Runges, Grund seiner Entdeckung zur Fabrikation zu und Bastler, ein genialer Forscher i ersten künstlichen Farbstoff aus dem schwarzen Teer schreiten, abgelehnt wurde. Zehn Jahre später, 1843, griff A. W. Hofmann, der damals A s s i st e n! des großen Liebig in Gießen war, in Zusammenhang eigener Anilinforschungen auf die Untersuchungen Runges zurück. Im Ganzen dieser Forschungen Hofmanns und seiner Assistenten muß man die Entdeckung Perkins sehen. Wenn die Wiege der jungen Teerfarbenindustrie im Londoner Laboratorium Hofmanns stand, so wurde das, was in ihr drin war, in der Retorte des Friedlieb Ferdinand Runge geboren. Und wieder 1906 wurde einstimmig in der Vor-I teten. Sie überflügelle dann in nicht allzu langer Zell die Industrien aller anderen Länder. 1906 fanden in London und Neuyork zu Ehren des fünfzigjährigen Geburtstages der ersten Anilin- färbe des Sir William Henry P e r k i n große 23er» anstaltunaen und Festessen statt. In Neuyork trugen die Chemiker zum festlichen Anzug violette Schlipse. Aber diese Schlipse waren eine modische Entgleisung, und daß sie zu Ehren des Herrn Perkin als Erfin- errichtete ein Schüler des nach deutschen Gelehrten A. W. 5) o f... 7 .. - länder wollten auch einen großen Liebig haben. In der wissenschaftlichen Atmosphäre feines Meisters, beim Versuch, aus Anilin Chinin zu gewinnen, entdeckte der Assistent einen schönen violetten Farbstoff. Es war im Jahre 1856, als diese für Den Typ einer Zufallsentdeckung so charakteristische Erfindung Sir William Henry Perkin gelang. Aus Grund eigener Versuche entwickelte er die yabnfa- tionsmethode und gründete ein Jahr darauf Öte erste Fabrik für künstliche Farben in England. Bald folgten andere Fabriken. Sie sind zum Teil noch heute am Werk und haben sich zu schönen Unternehmen entwickelt. Auch Greville Williams in Glasgow war wie Perkin ein jugendlicher Chemiker. Es gelang ihm kurze Zeit nach der Perkinfchen Entdeckung die Herstellung eines blauen Farbstoffes: Cy.a- n In Mit Perkin zusammen nahm er die Fahri- standssitzuna der Deutschen Chemischen Gesellschaft beschlossen, dem Engländer Perkin die Hofmann- Medaille, die höchste Auszeichnung der Gesellschaft zu verleihen — „ ... und besonders für die Begrün- _.. .... __________________ ___düng der Teerfarbenindustrie". Aber schon 1862 hatte vor Perkin hatte ein bescheidener deutscher Grübler ! Hofmann selbst als Präsident der „Royal Jnstitu- und Praktiker den tion", gelegentlich der Londoner Jnhustrie-Ausstel. ~ hing, Runge die Preisdenkmünze zuerkannt. Als Neunundsechzigjähriger schrieb Runge im „Moniteur scientifiques^ einen Artikel, in dem er Hofmanns Untersuchungen über feinen eigenen Farbstoff bespricht. Dort schrieb der stille und verehrungswürdige Mann diesen Satz: „So weit hat uns diese Entdeckung geführt, deren erste Bekanntschaft so verkannt und schlecht gemacht wurde, als sie. vor 28 Jahren unter meinen Händen entstand. Das Kölle- gium der Ausstellung, das soeben London wieder verläßt, hat sich meiner gemachten Entdeckungen erinnert und mir mit Einstimmigkeit t:e Verdienstmedaille verliehen." Wichtiger jedoch für die industrielle Entwicklung in der kommenden Zeit mar die Tatsache, daß es in den Laboratorien der Seidenfärberei von R e n a r d in Lyon dem ebenfalls jugendlichen Chemiker V e r g u i n gelang, aus dem Anilin einen prächtigen roten Farbstoff herzustellen. Man taufte ihn Fuchsin und nannte die nach damaligen Begriffen für seine Fabrikation gegründete bedeutende Aktiengesellschaft „La Fuchsine". Dieser französische, technische Großbettieb machte Schule. Deshalb schliefen einige Engländer schlecht. Die Herren Simpson, Maule und Nicholson — auch das waren Schüler des Deutschen A. W. Hofmann. Schloßen sich in ihr Laboratorium ein, und es gelang ihnen glücklich nach einer etwas anderen Methode, dasselbe herzustellen. Sie gründeten in England eine Fabrik und machten gute Geschäfte. Auch in der Schweiz taten sich Chemiker und unternehmungslustige Industrielle zusammen und begannen die Fabrikation künstlicher Farben. Und so hatten auch bald die Anwälte zu tun. In Patentprozessen wurden zahlreiche- Fabrikationsgeheimnisse enthüllt. Und das Gute dabei war, daß so mit einer wissenschaftlichen Durchleuchtung der verschiedenen Ergebnisse der chemischen Technik Vorschub geleistet wurde. Das hatte aber inzwischen schon der Mann getan, in dessen Londoner Laboratorium die Wiege dieser jungen Industrie gestanden hatte, der Deutsche A. W. Hofmann. Noch vor der Londoner Weltausstellung 1862, auf der die junge chemische Industrie ihre ersten leuchtenden Triumphe feierte und unter deren 13 Preisträgern fast nur englische und französische Firmen waren, erschien Hofmanns erste wissenschaftliche Untersuchung über die Zusammensetzung der von aller Wett bestaunten Teerfarbstoffe. Das war 1861. Der Forscher fand die Mutter der verschiedenen bisher hergettellten Farbstoffe, das R o s a n i I i n. Dabei entdeckte er selbst einen herrlichen violetten Farbstoff, der als Hofmann- Violett viel verwendet wurde. Solche methodischen Untersuchungen förderten mächtig die Entwicklung der Industrie. Denn sie legten die Entstehungsbedingungen und Zusammensetzungen so vieler ihrer Produkte klar, bahnten für die Herstellung neuer Farbstoffe ober Materialien den Weg und ebneten ihn für die Gewinnung schon bekannter. Aber dennoch blieb theoretisch noch vieles im Dunkeln. Noch herrschte die altgewohnte Empirie vor, durch alle möglichen Reagenzien auf alle möglichen Rohmaterialien, von denen immer wieder neue aus dem Steinkohlenteer gewonnen wurden, einzuwirken, um zu beobachten und zu sehen, was sich dabei mehr ober weniger zufällig ergab. Diese erfinderische Methodik > war noch nicht rationell genug, um durch sie eine rentabel und sicher fortschreitende Industrie zu begründen. Es mußte erst der geniale deutsche Forscher 21 u g u ft Kekule diejenige schöpferische Methode entwickeln zur Erforschung der Strukturen der kleinen Bausteine der Stoffe, durch die man planmäßig neue Moleküle aufbauen und Neustoffe schaffen konnte, wie man sie brauchte. Diese Lehre — 1865 entscheidend geformt — mar eine neue Revolution der Chemie, die Hofmann als einer der ersten in ihrer praktischen fundamentalen Bedeutung erkannte. Sie erschien ihm als der echte Stein der Weisen der kommenden Industrie. Sie sicherte den Bund der Forschung mit der chemischen Industrie, der nirgends so innig und fruchtbar wurde wie in Deutschland. Nicht zuletzt deshalb, weil die Energien des Gelehrten und Organisators Hofmann, der 1865 wieder in seine Heimat zurückgekehrt war, nun ausschließlich die Entwicklung der deutschen chemischen Industrie befruch- Jugoslawiens 20. Geburtstag. Aktive Bilanz eines aufstrebenden Balkanstaates. (Eigener Bericht des Gießener Anzeigers. v. M. Belgrad, 1. Dezember 1938. Zwanzig Jahre sind im Leben eines Staates und in der Entwicklung eines Volkes keine große Zett- spanne. Dennoch können auch zwanzig Jahre die Lebenskraft eines Volkes und die Lebensberechtigung eines Staates nachweisen. Das ist der Fall mit Jugoslawien, das jetzt seinen zwanzigsten Geburtstag feiert. Arn 1. Dezember 1918 proklamierte der Regent, der spätere König Alexander, die Vereinigung aller Serben, Kroaten und Slowenen in einem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Später führte König Alexander die Umbenennung des Staates in Königreich Jugoslawien durch. Noch vor Ende des Weltkrieges gab es auf dem Gebiete des heutigen Jugoslawien drei staatliche Organisationen: die selbständigen Königreiche Serbien und Montenegro und die jugoslawischen Provinzen der früheren öfter- reichisch - ungarischen Monarchie, vorwiegend also Kroatien, Dalmatien, Bosnien, die Herzegowina und die südlichen Teile Ungarns, die mit Wien und Budapest alle Beziehungen abgebrochen hatten und von einem Nationalrat in der kroatischen Hauptstadt Zagreb regiert wurden. Die Volksvertretungen dieser drei staatlichen Organisationen hatten bereits den Wunsch nach Vereinigung aller jugoslawischen Volksteile in einen Staat geäußert, und der Regent Alexander führte durch die Proklamierung des gemeinsamen jugoslawischen Königreiches nur den Volkswillen formell durch. Diese Proklamierung war gleichzeitig auch die Verwirklichung eines jahrhundertealten Traumes aller Südslawen und die Realisierung ihres höchsten nationalen Ideals. Schon diese Tatsache beweist die Lebensberechtigung des jugoslawischen Staates, und vor ihr fallen alle innenpolitischen Kämpfe und Schwierigkeiten, die noch heute andauern. Der neue jugoslawische Staat stand vor zwanzig Jahren vor ungeheuren Aufgaben. In den Staat wurden zusammengefaßt sieben verschiedene verwaltungsmäßige und rechtspolitische Einheiten, die Jahrhunderte unter ganz verschiedenen Lebensbedingungen gelebt hatten. Auch wirtschaftlich, sozial und kulturell bestanden große Unterschiede zwischen einzelnen Teilen des neuen Staates, ebenso verkehrstechnisch, finanziell und religiös. Alle diese Unterschiede wirkten sich im politischen Leben des neuen Staates aus und verursachten zahlreiche Zusammenstöße und Erschütterungen. Diese politischen und psychologischen Schwierigkeiten dauern auch heute noch an. Die Aufgabe aller Regierungen von Jugoslawien war in erster Reihe, eine verwaltungsmäßige, rechtliche, soziale, wirtschaftliche, verkehrstechnische und sozusagen äufjer Angleichung der verschiedenen Teile des Staates durchzuführen. Die politische und geistige Angleichung mutzte der Zeit und dem Zusammenleben überladen werden. Deshalb scheint bei nur oberflächlicyer Beurteilung der Probleme des jugoslawischen Staates vielleicht, daß in den zwanzig Jahren seines Bestandes wenig erreicht worden fei, weil sich immer wieder dieselben Probleme vordrängen. In Wirklichkeit aber wurde ganz Großes und Hervorragendes geleistet. Insbesondere auf wirtschaftlichem, sozialem und geistigem Gebiet. Die Verwaltung und Rechtsprechung wurde vereinheillicht, die Verkehrswege wurden ausgebaut und den Bedürfnissen des Staates angepaßt, eine umfassende soziale Gesetzgebung und eine wirkungsvolle Agrarreform durchgeführt, ein Schulsystem von den Volksschulen bis zu den Universitäten aufgebaut, ein bedeutender Fortschritt auf allen Gebieten der Wirtschaft und des Geisteslebens erreicht. Schon die Tatsache, daß in bislang primitiven Agrarländern nie blühende Industrie geschaffen werden konnte, spricht für die Entwicklung des Landes. So wurde in Zenica ein großes Walzwerk für Eisen und Stahl gebaut, während in Bor Werke für die Elektrolyse von Kupfer errichtet wurden, die es dem Staate erlauben, im eigenen Lande beachtliche Goldmengen zu gewinnen, die im Kupfer enchalten sind. Daneben gibt es Eine Brille mit Zweistarkenglasern empfehle ich jedem, dem beim Blick wechsel (Ferne/Nähe) das Auf- und Absetzen der Brille lästig ist. Die fachgemäße Anpassung ist meine Spezialität! 83a XScr^GEULEIR xz der Optiker am Bebakst. Alluminiumfabriken sowie eine Fabrik für den Bau von Flugzeugmotoren. Bekannt ist der jugoslawische Reichtum an Bodenschätzen, vor allem an Erzen und Kohlen. Der Staat ist unablässig bemüht, seinen natürlichen Reichtum durch den Bau von Verkehrswegen und seine natürliche Schönheit durch eine entsprechende Lenkung des Fremdenverkehrs zur Geltung zu bringen. An Eisenbahnstrecken wird derzeit an einer Verbindung der Städte Kraljevo, Valjevo, Tuzla und Banja Luka gearbeitet. Auch die Mängel, die durch die sehr verschiedenartige geschichtliche Entwicklung verursacht worden sind, in zwanzig Jahren konnten beseitigt werden. Das zeigt die Lebenskraft des jugoslawischen Staates. Denn man muß sich stets vor Augen halten, daß die Jugoslawen Jahrhunderte lang durch Kämpfe um die nackte nationale Existenz in ihrer kulturellen Entwicklung zurückgehalten wurden. Heute ist Jugoslawien ein moderner, aufblühender Staat, stark und lebenskräftig ttotz der innenpolitischen Schwierigkeiten, die noch nicht überbrückt sind, die aber sichtlich einer Lösung entgegengehen. Denn auch in den härtesten innenpolitischen Kämpfen — und diese nahmen oft sehr scharfe Formen an — wurde niemals die Integrität des Staates, die Dynastie und die Landesverteidigung in Frage gestellt. Auch für die Kroaten und Slowenen, geradeso wie für die Serben bedeutet der jugoslawische Staat die denkbar beste Regelung chrer nationalen Belange. Diese Erkenntnis Der großen Mehrheit aller jugoslawischen Dolkstelle ist Das sicherste Pfand der Zukunft des Königreichs Jugoslawien. Den bedeutendsten Aufschwung nahm Iugosla- wien in den drei letzten Jahren unter der Regierung des jetzigen Ministerpräsidenten Dr. S t o j a» legene Lichtspielhaus der einzelnen Wohngegenden kaufen, denn das ist wirklich ein gutes Geschenk!" ß. lchuld. Dens in dies« Kinos huscht man schnell nacht ——------Jä— dem Abendbrot, ohne sich erst besonders umzuziehen, weil es ja im Kino dunkel ist und es keine Pause gibt Diese durchaus verständliche „Unfestlichkeit" übertragen dann viele gedankenlos auf den Theaterbesuch, obwohl sie Zeit genug hätten, „sich für das Theater anzuziehen". Und so kommt es dann zu der gekennzeichneten Nüchternheit des Bildes, das die Berliner Theaterbesucher bieten. Tropfsteinhöhlen in der Reichshauptstadt Rätsel um die Bismarckkapelle. Wenn die Möven zu Bett gehen. — Oie Straße der guten Geschenke. Don unserer berliner Schriffleitung. Eine Berliner Zeitung brachte vor kurzem einen Artikel mit der Ueberfdjrift „Soll man sich anziehen für das Theater?" Da kann man eigentlich nur den Kopf schütteln und die Gegenfrage stellen „Soll man denn nackt ins Theater gehen?" Allein beim Lesen Des Artikels entpuppt es sich, daß gemeint ist: Soll man s i ch umziehen für das Theater? Also: Soll man, wenn man in das Theater geht, sein Werktagskleid an- behatten oder ein festliches Gewand anziehen? Die Frage ist gerade für Berlin nicht leicht zu lösen, da Die Wege von der Arbeitsstätte in die Wohnung und von dort ins Theater meist so lang und beschwerlich sind, daß oftmals keine Zeit und keine Lust vorhanden sind, sich „in Schale" zu werfen. Der Chronist mutz wahrheitsgemäß berichten, daß das Bild der in Den Pausen auf- und abwandelnden Theaterbesucher meist fein sehr festliches ist. Hieran hat aber wohl das „um die Ecke" ge- Zü den vielen und bekannten Vierteln, wie sie die Reichshauptstadt beispielsweise im Regierungsviertel, im Zeitungsviertel, im Dergnügungsviertel besitzt, ist vor kurzem ein neues Viertel getreten: Das Höhlenoiertel. Es liegt mitten in Berlin auf Dem Königsplatz, der sich zwischen Reichstagsgebäude und Kroll-Oper ausdehnt. Niemand ahnte etwas von den geheimen Höhlen und Gewölben, die hier, wenige Meter unter dem Straßenpflafter, ihr gähnendes Dasein führen. Erst als man vor Monaten Daranging, die Siegessäule abzu- brechen, um sie auf Dem Großen Stern wieder aufzurichten, entdeckte man in ihrem Fundament ein ausgedehntes Gewölbe, in dem als Folge der eingedrungenen und durch die Mörtel- fugen gesickerten Feuchtigkeit tropfiteinähnliche Kalkgebilde entstanden waren, so daß man fast mit Recht von einer Tropfsteinhöhle sprechen konnte. Jetzt hat man nun eine zweite „Tropf, steinhöhle" unter dem Bismarckdenkmal, das ebenfalls vom Königsplatz nach dem Großen Stern verlegt wird, entdeckt. Ein bisher unbekannter Einsteigschacht hinter der Denkmalsfigur legte den Weg zu einem unterirdischen Raume beträcht- lichen Ausmaßes frei, der mit seinen gemauerten Gewölbebögen und Pfeilern an eine mittelalterliche Kapelle erinnert. Was es mit diesem völlig leer aufgefundenen Gewölbe auf sich hatte, ist nicht Vehr zu ermitteln. Da Die Baupläne des im Jahre 1901 eingeweihten Bismarckdenkmals nicht mehr vorhanden find. Und so bleibt, wie bei her geheimnisvollen Tropfsteinhöhle unter Der Siegessäule, nichts anderes übrig, als auch dieses Rätsel her unterirdischen Bismarckkapelle mit den Sandmassen zu begraben, die man zur Einebnung des Berliner Höhlenviertels heranzufahren bereits begonnen hat. Was für den Markusplatz in Venedig die Tauben sind, das sinh die Möven für Berlin, Allerdings mit dem Unterschied, daß die Möven nur von Ende September bis Ende März Gäste der deutschen Reichshauptstadt sind. Die Tierliebe der Berliner hat in diesen Monaten mehr als genug Gelegenheit, sich zu betätigen. Es ist erstaunlich, wie viele her sonst so beschäftigten und geschäftigen Berliner tagsüber Zeit haben, Die Möven zu futtern. Tagsüber! Denn sobald es dunkel wird, gehen die Möven zu Bett. Aber wo stehen ihre Betten? Wer dieser Frage nachgeht, erfährt bald, daß Die Möven das gastliche Berlin beim Eintritt her Dämmerung im gemeinsamen Abflug verlassen, um ihren Schlafplatz außerhalb Berlins aufzu- suchen. Von allen Seiten, von allen Winhungen der Spree und der Kanäle der Innenstadt kommen die Möven alsdann angeflogen, formieren sich im Osten Berlins, nahe Treptow, zu dichten Geschwadern und starten wie auf Kommando nach dem Müggelsetz. Kott M Dee weiten Fläche Des Der Berliner Weihnachtsmarkt, dessen Eröffnung am kommenden Dienstag, 6. Dezember, festlich begangen wird, lockt jetzt schon die Berliner Jugend in Hellen Scharen nach dem Lustgarten. Es ist in der Tat ein Garten voll weihnachtlicher Lust und Freude, der zwischen Schloß, Dom und Altem Museum im Aufbau begriffen ist. Wie immer seit dem Jahre 1933 nimmt sich die Stadt Berlin, insonderheit der Ratsherr Protze, Vorsitzender her „Arbeitsgemeinschaft zur Förderung her Berliner Innenstadt", her Ausgestaltung des Weihnachtsmarktes an. Selbstverständlich sollen Karussels, Fahrgeschäfte, Schaustellungen und Vergnügen aller Art einen frohen, ja ausgelassenen Weihnachtstrubel herbeizaubern. Es soll aber auch der Weihnachts- markt zu seinem Recht kommen: es soll recht viel gekauft werden! Deshalb wird quer durch den Weihnachtsmarkt eine „Straße der guten Geschenke" führen, in her Erzeugnisse der Heimindustrie aus allen deutschen Gauen, zum ersten Male auch Arbetten des s u d e t e n - deutschen Heimatwerkes, zum Überlauf gestellt werden. Als man sich in einer Berliner Familie über diese „Straße Der guten Geschenke" unterhielt, horchte plötzlich der kleine Max hocherfreut auf, um gleich darauf seinen Vater am Rockzipfel zu ziehen und ihm zuzuflüstern: „Pappi, in diese Straße mußt du gehen und ein Schaukelpferd Müggelsees fühlen sich die Möven sicher und geborgen. Den Kopf in ihr flaumiges Gefieder gesteckt, schlastn sie, bis die Sonne oder her an- brechende Tag sie wieder weckt. Ist her Winter besonhers kalt und her Müggelsee zugefroren, dann übernachten hie Möven auf hem näher bei Berlin gelegenen Rummelsburger See, dessen Wasser länger offen ist. Der Luftweg von her Berliner Innenstadt bis zum Müggelsee beträgt ungefähr 20 Kilometer. Da die Möven mit einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometer fliegen, .ist bas „zu Hause" in 20 Minuten erreicht, ohne daß es zu jenem nervenzermürbenden Gedränge in dett Untergrundbahnen, Autobussen und Straßenbahnen kommt, in das sich die Menschen Berlins an jedem Werktagsabend und Werktagsmorgen zu stürzen gezwungen sind. dinowitsch. Er verstand, die gespaltenen und zerstreuten Kräfte der jugoslawischen Wirtschaft zu- sammenzufassen, die Weltkonjunktur auszunützen und so einen ungeahnten Fortschritt auf wirtschaft- lichem und finanziellem Gebiet in die Wege zu leiten. Seine Aufbaupolitik wurde durch seine Außenpolitik erleichtert, die dem jugoslawischen Staat die volle außenpolitische Sicherheit gegeben hatte. Stojadinowitsch erreichte, daß in den Grenzen Jugoslawiens frühere Feinde, wie Italien unb Bulgarien, sich in Freunde wandelten, so daß in den Tagen der schweren internationalen Krise im September Jugoslawien ruhig in die Zukunft blicken konnte, und die Jugoslawen nicht durch eine Mobilmachung ihre Tätigkeit unterbrechen mußten. Das Gefühl der Sicherheit und Ruhe verdanken die Jugoslawen in erster Reihe der Freundschaft mit Großdeutschland, das gegenüber Jugoslawien wirtschaftlich und politisch immer größtes Entgegenkommen gezeigt hat. Die Freundschaft mit Italien und Bulgarien, die Stellung im Balkanbund, der wirtschaftliche Aufschwung, 'der materielle und geistige Fortschritt sind gewichtige Posten in der zwanzigjährigen Bilanz des jugoslawischen Staates. Hessens Siaafsfinanzen. Rach dem Jahres-Ausweis über die Einnahmen und Ausgaben des Landes Hessen im Rechnungsjahr 19 3 7 betrugen die Einnah - men im Ordentlichen Haushalt (Be- träge in 1000 RM., erste Zahl die Ist-Einnahme, in Klammer das Jahressoll einschl. I. und II. Nachtrag) an Reichs st euern nach Abzug der Einbehaltungen für den Ueberaang der Rechtspflege und der Polizei auf das Reich 38 243 RM. (37 087), an Landes ft euern 32383 RM. (31 945). Da- von gehen ab Ueberweisungen an Gemeinden (Ge- meinoeverbände) 16 781 (16 304), so daß verbleiben 53 845 RM. (52 728). Aus Ueberschüssen der Betriebe kamen ein 13821 RM. (11 702), davon ab Zuschüsse an Betriebe 6 917 RM. (7 469). Es verbleiben somit 6 904 RM. (4 233 RM.). Unter sonstigen Einnahmen (Schulwesen, Wissenschaft und Kunst, Kirche) stehen 8 856 RM. (8 351 RM.), Uebrige Landesverwaltung 27 635 RM. (30 856 RM.), so daß an Einnahmen insgesamt 97 240 RM. (96 168 RM.) verblieben. 'Die Ausgaben setzen sich zusammen aus Allgemeine (innere) Verwaltung (einschl. Polizei) 2125 RM. (2339), Verkehrswesen 3091 RM. (3 791 RM.), Schulwesen, Wissenschaft und Kunst, Kirche 32 303 RM. (33 515 RM.), Soziale Maßnahmen und Gesundheitswesen 9 556 RM. (10 011 RM.), Wohnungswesen 2 332 RM. (2 866 RM.), Schuldendienst 10797 RM. (8140 RM.), Ruhegehälter 14 917 RM. (15 092 RM.), Sonstige Ausgaben 22 119 RM. (22 886 RM.). Die Ausgaben betragen insgesamt 97 240 RM. (98 640 RM.). Der Außerordentliche Haushalt sieht als Einnahmen und Ausgaben insgesamt 61394 RM. im Jahressoll vor. k Alte Münzen wieder in Kurs. Aber nut für die Whlv.-Sammlungenl Das WHW. nimmt am „Tag der nationalen Solidarität" und auch an allen folgenden Sammeltagen bei seinen Haus- und Straßensammlungen neben den gültigen Münzen und Geldscheinen alle auch außer Kurs gesetzten in- und ausländischen Münzen, Gedenkmünzen, Plaketten, Prägemarken usw. entge-en. Sie werden umgehend einer rohstoffwirtschaftlichen Verwertung zugeführt. Jeder deutsche Volksgenosse möae einmal seinen Schreibtisch oder feinen Schrank oaraufhin untersuchen, um diese für ihn meist wertlosen Münzen bereitzuhalten. Es kann sich dabei um eiserne Kriegsmünzen, Aluminiumgeld', Messing oder Bronzemünzen handeln. Mancher hat noch von seinen Reisen her kleine Beträge an ausländischen Münzen, die er wegen Geringfügigkeit nicht ein- wechseln will. Alle diefe Münzen — seien die Beträge auch noch so gering — ergeben in ihrer Gesamtheit eine stattliche Summe, die eine fühlbare Hilfe für die Deoisenwirtschaft darstellen. Auch alle Dienststellen des WHW. nehmen solche Spenden entgegen. 3m Dienste des Winterhilfswerkes. Firma und Angestellte des Stoffhauses B e r - n a r d & Sohn in der Plockstraße haben sich in schöner Weise für das Winterhilfswerk eingesetzt. Die Firma stellte Stoffe zur Verfügung, die von den weiblichen Angestellten in ihrer Freizeit zu einer Anzahl Kleidungsstücke für Kinder verarbeitet wurden. So entstanden unter den fleißigen Händen der Angestellten 22 verschiedene Kinderkleidchen, Knaben-Sporthemden, Schlafanzüge, Schürzen usw. Sicherlich werden diese Kleidungsstücke bei den kleinen Empfängern und ihren Müttern große Freude auslösen. Der Inhaber der Firma hat für die besten Arbeiten, die aus diesem edlen Wettbewerb hervorgingen, einige Buchpreise vergeben. Die Kleidungsstücke wurden der NSV. zur Verfügung gestellt. Gießener Dochenmarktpreise. * Gießen, 3. Dez. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Güteklasse I, S 15, A 14%, B 14, C 13%, D 12%, Kühlhauseier, Klasse S 12, A 11%, B 10%, Wirsing, % kg 9, Weißkraut 5 bis 7, Rotkraut 10, gelbe Rüben 9 bis 10, rote Rüben 15 bis 18, Unterkohlrabi 6 bis 10, Grünkohl 12, Rosenkohl 15 bis 30, Feldsalat, 1/io 8 bis 10, Tomaten, % kg 45, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 30 bis 55, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3 bis 3,45 Mark, Aepfel, % kg 30 bis 45 Pf., Birnen 30 bis 35, Nüsse 40 bis 65 Pf., junge Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Gänse 1,10 bis 1,20 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 20 bis 50, Salat 5 bis 6, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 20, Radieschen, das Bündel 8 bis 12 Pf. ♦ ** Städtische Bücherei. Im November sind 2034 Bände ausgeliehen worden. Davon kamen auf: Literatur 1, Zeitschriften 14, Gedichte und Dramen 33, Erzählende Literatur 1204, Jugendschriften 321, Länder- und Völkerkunde 129, Kulturgeschichte 6, Geschichte und Biographien 199, Kunstgeschichte 2, Naturwissenschaft und Technologie 48, Heer- und Seewesen 26, Haus- und Landwirtschaft 8, Gesund- heitslehre 3, Religion und Philosophie 5, Staatswissenschaft 35 Bände. Nach auswärts kamen 30 Bände. ** Unfall beim Baumfällen. Gestern ereignete sich bei den Baumfällungsarbeiten in der Sicher Straße ein Unfall. Dem etwa 65jährigen Vorarbeiter Nocker aus Rödgen sprang durch einen unglücklichen Zufall ein Stück eines Eschenastes nach dem Aufprall auf die Erde gegen das Gesicht und brachte ihm eine heftige Prellung am Auge und eine Hautabschürfung an der Nase bei. Nach erster ärztlicher Behandlung konnte er sich nach Hause begeben. ** Der Naturheilverein hielt im ^acholischen Vereinshaus" einen Vortragsabend ab. Dr. weck. Bachem (Frankfurt a. M.) sprach über „Geschwülste und Wucherungen". Aus langjährigen Erfahrungen heraus stellte der Vortragende fest, auch bei solchen Krankheiten mit natürlichen Heilmitteln oute Erfolge erzielt werden können, wenn der Kranke sich einer Lebensführung bediene, die ihm der Naturheilarzt empfehle. Aber auch nach der Naturheilweise werde die Anwendung chirurgischer Hilfsmittel nie ganz ausgeschlossen bleiben können. Bei Warzen lasse sich durch einfache Mittel und auch durch seelische Einwirkung Abhilfe schaffen. Gegen Fettgeschwülfte, die sich an fiüfte und Schulter bilden, wie auch gegen Fasergeschwülste, nannte er eine Reche von Mitteln, die erfolgversprechend sind, wenn auch nicht in jedem Falle operative Hilfe zu umgehen sei. Ganz anders lasse sich das Muskelgeschwür bei Frauen behandeln, bei denen in erster Linie Bäder eine vorzügliche Wirkung erzielten. In sehr eingehender Weise besprach er die ernsteren Krankheiten der Schilddrüsen des Kropfes und vor allem des Krebses, wobei er die Ursachen andeutete und die Methoden aufzeigte, mit denen die Naturheilkunde bereits Erfolge erzielen konnte. Der Vortragende ging dann auf die Fragen nach der Vererbung und Ansteckung ein und führte eine Auslegung für das Entstehen dieser Wucherungen an, nämlich die Anhäufung von inneren Giften im menschlichen Körper, die zum Krebs führten. Abschließend besprach 4er eine Reihe von Heilerfolgen aus seiner eigenen Praxis und sprach die lieber» zeugung aus, daß sich in vielen Fällen durch eine naturgemäße Lebensweise eine solche Erkrankung nicht nur beseitigen, sondern schon In ihren Ursachen abschwächen und vermeiden lasse. Die Voraussetzung dazu sei ein gesunder und starker Körper, wie er durch Befolgung einer vernünftigen Ernährungsund Lebensweise erreicht werden könne. Landkreis Gießen + Grünberg, 3. Dez. Der hiesige Oberweichenwärter Hermann N e b h u t wurde für 40jährige Tätigkeit im Dienste der Bahn mit dem goldenen Treudienstehrenzeichen ausgezeichnet. Der Amtsvorstand, Oberbaurat Wilke (Gießen), überreichte ihm am Freitag im Dienstzimmer des Bahnhofs persönlich das Ehrenzeichen nebst der Urkunde des Führers. Auch vom Reichs- verkehrsminifter Dorpmüller und von der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. wurden dem Geehrten Glückwunschschreiben ausgehändigt. * Ober-Hörgern, 3. Dez. Am heutigen Samstag, 3. D e ze m b e r (nicht am gestrigen Freitrag, wie gestern irrtümlich berichtet), feiert der Landwirt Wilhelm Lotz I. in körperlicher und geistiger Frische seinen 8 3. Geburtstag. Spre^stnnden frer 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnachmittag geschlossen. Mgermeifler-Taglllig des Kreises Alsfeld. * A l s f e I b , 2. Dez. Anläßlich der Zuteilung von 13 Gemeinden des führenden Kreises Schotten zu dem Kreis Alsfeld fand am Donnerstag unter dem Vorsitz von Kreisdirektor Dr. S ch ö n h a l s im „Deutschen Haus" eine Bürgermeister-Versammlung des vergrößerten Kreises Alsfeld statt. Kreisdirektor Dr. S ch ö n h a l s begrüßte mit herzlichen. Worten die aus dem Kreise Schotten hinzugekommenen neuen Bürgermeister. Erst durch die Tatkraft der nationalsozialistischen Führung sei es möglich gewesen, die Vereinheitlichung der Staatsverwaltung in Hessen durchzuführen. Die besondere Initiative hierzu habe Gauleiter Sprenger ergriffen, dem es gelungen sei, den Verwaltunzs- apparat des Landes Hessen ourch Zusammenlegung der Ministerien mit einem Minister und durch Auflösung der Provinzen wesentlich billiger und einfacher zu gestalten. Kreisdirektor Dr. Schön- h a l s gab dann einen Ueberblick über die künftige Gestaltung des Kreises Alsfeld, der mit 9 7 Gemeinden mit 96 Bürgermeistereien räumlich an zweiter Stelle in Hessen stehe. Der Redner ging weiter auf die Arbeit der Bürgermeister im einzelnen ein und wies darauf hin, daß heute die Stellung des Bürgermeisters gegenüber früher eine ganz andere geworden sei. Im Gegensotz zu dem früheren System sei der Bürgermeister heute nicht mehr das ausführende Organ des Gemeinderats, sondern der all einige verantwortliche Leiter der Gemeinde, der sein Amt immer in nationalsozialistischem Geiste zu führen habe. Am Schlüsse seiner Ausführungen gab Kreisdirektor Dr. .Schönhals einen Hinweis auf die Bedeutung des Tages der Nationalen Solidarität am nächsten Samstag und betonte, daß die Beamten in erster Linie berufen seien, im Sinne des Aufrufes des Führers sich bei dieser Gelegenheit für einen vollen Erfolg dieses Tages einzusetzen. Er regte deshalb anläßlich der Bürgermeisterveksamm- lung eine Sonderspende für den Tag der Nationalen Solidarität an. Als Ergebnis dieser Sonderspende der anwesenden Beamten des Kreisamts und der Bürgermeister konnte der stattliche Betrag von 2 5 0 Mark an den Kreisbeauftragten des WHW. abgeführt werden. Kreisleiter Zürtz als Beauftragter der NSDAP, begrüßte ebenfalls die neuen Bürgermeister des Kreises Alsfeld und sprach dann über die Stellung und Aufgaben des Beauftragten der NSDAP, und dessen Mitwirkung bei der Berufung der Bürgermeister, Beigeordneten und Gemeinderäte. Die Partei fei der-Willensträger des Deutschen Volkes, und die Tätigkeit der Bürgermeister in der Selbstverwaltung müsse immer im Rahmen der Ziele und Auffassungen der Partei stehen. Er behandelte sodann das Verhältnis zwischen Bürgermeister und Ortsgruppenleiter, die sich verständigen und zusammenarbeiten sollen. Der Ortsgruppenleiter solle nicht in die Belange des Bürgermeisters hineinreden, anderseits solle aber auch der Bürgermeister den Wünschen des Ortsgruppenleiters gerecht werden. Kreisleiter Zürtz wandte sich bann in scharfen Worten gegen diejenigen drinnen und draußen, die bestrebt seien, eine Spaltung in das deutsche Volk zu tragen und die die nationalsozialistische Weltanschauung bekämpften. Es sei Pflicht der Bürgermeister, sich von allen diesen Bestrebungen fern« zuhalten. Die Bürgermeister hätten nur für die weltanschauliche Sippengemeinschaft in ihren Gemeinden zu sorgen. Wenn allen zersetzenden Bestrebungen energisch entgegengearbeitet werde, bann werde sich auch das Dichterwort bewahrheiten, daß am deutschen Wesen die Welt genesen werde. Die Ausführungen des Kreisleiters wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Regierungsrat Deringer gab hierauf eine Anzahl allgemeiner Verfügungen der Hessischen Landesregierung bekannt. Derwaltungsinspektor Dip- p e l referierte über den neuen Finanzausgleich in Hessen und dessen Auswirkungen auf die Gemeinden, wobei er die Veränderungen in Einnahme und Ausgabe des Haushaltsplanes näher erläuterte. Verwaltungsinspektor kneifet sprach über Standesamtsangelegenheiten und über das militärische Erfassungswesen. Kreisdirektor Dr. S ch ö n h a l s schloß die Tagung mit dem Treuegelöbnis an den Führer. Anschließend fand bei gemeinschaftlichem Mittagessen ein kameradschaftliches Beisammensein statt, das noch Gelegenheit zur Besprechung verschiedener Angelegenheiten gab. CrxA- DaS ist die übliche Reihenfolge. Erkältungen unb den ersten Grippean- tzeichen. sofort wirksam begegnen, heißt deshalb schwere Ertränkungen in ver Regel vermeiden. Bei häufigem Witterungsumschlag, vor allem bei sogenanntem Grippewetter, trinke man dreimal täglich eine Tasse heißen Lee mit einem Schuß Klosterfrau-Melissengeist. Das meist wohltuende und (lotwendige Schwitzen, das die Krankheitserreger bekämpft und unwirk- am macht, wird dadurch begünstigt. Ist eine Erkältung bereits da, wende man folgende Schnellkur an: Kurz vor dem Zubettgehen möglichst heiß zweimal je einen Eßlöffel Klosterfrau-Melissengeist und Zucker mit der doppelten Menge kochenden Wassers gut verrührt trinken; Kinder die Hälfte. Halten Sie in Ihrer Hausapotheke Klosterfrau-Melissengeist stets vor- ILtig. Sie bekommen ihn in der blauen Original-Packung mit den drei Nonnen in Apotheken und Drogerien in Flaschen zu NM 2.80, 1.65 u. —.90. Bekanntmachung Die Steuerkarten für bas Jahr 1939 werden den Steuerpflichtigen sofort nach Fertigstellung durch die Post zugestellt. Mit der Zusendung kann voraussicht- llch vor dem 15. Dezember 1938 nicht gerechnet wer- den. 7685C Die Zusendung an Behörden und größere Firmen für ihre Gefolgschaftsmitglieder erfolgt ebenfalls nicht mehr an die zuständigen Lassen ober Firmen, sondern die Steuerkarten werden den einzelnen Steuerpflichttgen unmittelbar durch die Post zugesandt. Line Vorsprache der einzelnen Steuerpflichtigen wegen der Abholung ihrer Steuerkarten bei der Steuerkarten-Ausgabesielle ist daher zwecklos. Gießen, den 30. November 1938. Der Oberbürgermeister. J.V.: Vogt. Eie femngsvergrbung. Auf Grund der Reichsverdingungsordnung soll nachstehendes Steinmaterial frei Verwendungsstelle vergeben werden: 1. für Reichsstraße 7lr. 49 Abtlg. Ortsdurchfahrt Romrod: ca. 1135 t Kleinpflastersteine 8/10, ca. 505 t Großpflastersteine (Gossenpflaster) 14/16, ca. 200 m Randsteine; 2. für Reichsstraße Ar. 62 Abtlg. Alsfeld—Lisa: ca. 1700 t Kleinpflastersteine 8/10. Angebotsvordrucke sind, soweit der Vorrat reicht, beim Hessischen Straßenbauamt Gießen, Zimmer 8, ob Dienstag, den 6. d. M., erhältlich, woselbst auch die Bedingungen offenliegen. Die Angebote sind bis zum Eröffnungstermin Dienstag, den 13.12.38, vormittags 11 Ahr, in fest verschlossenem Umschlag portofrei beim Hessischen Straßenbauamt Gießen, Httlerwall 37, einzureichen. Gießen, den 1. Dezember 1938. 7793D Hessisches Straßenbauamt Gießen. Nur die beste Drucksache Wir beraten sie neben Öer Zeitungsanzeige kann Ihre Werbung wirksam unterstützen. Öerlng- wertlge Drucksachen schaden mehr al# eie nutzen. Deshalb sparen Sie bei Herausgabe der besten Drucksache» eie Wir entwerfen Wir drucken gut Ist die billigste! BrOhl'sche Druckerei, SchulstraBe 7, Anruf 2251 I PFAFF Zick-Zack- Universal- Nähmaschinen em Wunderwerk deutsch Technik. Unvcrbindl. Vorführung I Bequeme Zahlungs- 6963D weise. H. Kraft Zettersweg 30 Fernspr. 3369 bei die leichte ■ •- (denn . Erleichterung Friedri chstr.7 Lieferant aller Kassen LiMmsMl öer fttethMüffti jnOtoMIfMIieMt am 4. Dezember 1938. Die Wahlhandlung der Sudetendeutschen zum Großdeutschen Reichstag findet am Sonntag, dem 4. Dezember 1938, ununterbrochen von 9 bis 18 Ahr statt, und zwar befindet sich der Abstimmungsraum für sämtliche stimmberechtigten Sudetendeutschen aus dem Stadt- und Landkreis Gießen im Regierungsgebäude (Kreisamt), Gießen, Landgraf-Philipp-Platz 3, Sitzungssaal. Zur Stimmabgabe dürfen nur amtlich hergestellte Stimmzettel verwendet werden. Die Ausgabe der amtlichen Stimmzettel und Wahlumschläge erfolgt im Abstimmungsraum. Die Abstimmung ist so vorzunehmen, daß der Wille des Stimmberechtigten unzweideutig zum Ausdruck kommt (durch ein Kreuz im Kreis). Für dringende Fälle der Abwesenheit werden Stimmscheine, mit denen an einem beliebigen größeren Orte abgestimmt werden kann, noch bis einschließlich Samstag, den 3. Dezember 1938, mittags 12 Ahr durch das Städt. Wahlamt im Stadthaus Bergstraße 20, Zimmer Rr. 17 ausgestellt. Voraussetzung hierfür ist, daß dieser Ort (Reiseziel) für die Abstimmung zugelassen ist und einen Abstimmungsraum eingerichtet hat. Gießen, den 3. Dezember 1938. (7771C Der Oberbürgermeister. 3. V.: Vogt. Lebensmittelverdingung. Am 15.12.1938 erfolgt die Vergebung ber küchen- bebürfnisse der III./Art.Regt. 9, Bleibornkaferne, für die Zeit vom 1.1. bis 30. 6.1939 zu festen Preisen, unb zwar in folgenden Losen: 7780D Los I: Kolonialwaren. Los II: Frifchgemüfe. Die Bedingungen für die Verdingungen der Kü- chenbedürfnifse der III./Art.-Regt. 9 liegen bei ber Zahlmeisterei der III./Art.-Regt. 9, Bleidornkaserne, aus. Sie sind dort gegen Erstattung der Selbstgebühr von 0,50 RM. ab 5. Dezember 1938 erhältlich» Angebote mit der Aufschrift „Angebot auf Lebensmittel (Los I bzw. Los II) für die Zeit vom 1.1. bis 30.6.1939“ sind bis zum 15. Dezember 1938. vormittags 10 Uhr. der Küchenverwaltung III./Art.-Regt. 9 nur durch die post einzufenben. Höchstpreisüberschreitungen sind unzulässig. Angebot mittels Bietungsscheins, der von der Küchen- verwattung unentgettlich abgegeben wirb, können nur auf ganze Lose gemacht werden. Bieter sind nach den Bestimmungen der Verdingungsordnung bei der Oeffnung nicht zugelassen. Wenn Bewerber bis zum 24. Dezember 1938 nicht benachrichtigt sind, mußte das Angebot unberücksichtigt bleiben. küchenverwaltung III./Art.-Regt. 9. WflGENER&SCHLOTEL große Fachgeschäft für Damen- und Pelakleidung Frankfurt am Main, Zeil 109, gegenüber der Hauptpost Die Weihnaohtsausstellung n unserer großen Passage ist eröffnet. Prüfen Sie bitte selbst, ob unser großes Fachgeschäft, das sich ausschließlich der Pflege geschmackvoller und preiswürdiger Damen- und Pelzkleidung widmet, Ihnen auch zum bevorstehenden Fest der Geschenke Anregungen zu geben vermag. Ein Geschenk soll auserlesen und praktisch sein. 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W werde *ti™ ,er - ein bifa ’;.es Büberei miüe« ins A was Q N iw klein- ’S^ieP 2er erfreut Tlernchen ur iammenqefna schwärzlich gt mimberbarfen I odjluff werben ’ chen geformt ui itn bunten Tel , Jtfer und '. Sie f)ausfrcü fit freut sich in । Draußen ist'« j über i'nd in be: 63.,®« ! Dell.: Reichsbe I ÄMjche Eit ’ 5. i>riGligen 21 , ^Wettkamx in Mrer die Mflen lassen. Ke Ö1 -Ks M l,r mein sich alle nächtlicher Du Planchen geb Bäckchen. Dac au> V1 A lir! Spielwaren ^ratsermagazin Bahnhofstraße 33 7788 A OBERHESSISCHER KUNSTVEREIN Turmhaus am Brand Weihnachts-Ausftellun g oberheüifcher Künltler Oelgemälde. Graphik, Plaltik, Kunltgewerbe Dauer der Ausheilung: 4.— 24.Dez.1938 Besuchszeiten: Sonntags 11—1 Uhr Werktags 17 — 18 „ Eintritt für Mitglieder frei Nichtmitglieder 0.30 RM. „ „ Soldaten, Studenten und Schüler 0.10 RM. 77860 Modehaus Becker Marktplatz 6 Das Fachgeschäft für Damen- und Mädchenbekleidung 7857 A Ihre Vermählung geben bekannt Christian Weeg jun. Schuhmachermeister Emmi Weeg, geb. Schmidt Gießen, 3. Dezember 1938 05370 Zhre Vermählung geben bekannt Heinrich Stein und Frau Hilde, geb. Heck Gießen, den 3. Dezember 1938 Hiflerwall 19 Kaiserallee 40 05375 Wchard Pohl und Frau Helmi, geb Wettläufer geben ihre Vermählung bekannt Äuhbach Gießen Hindenburgallee 21 I Asterweg 60 3. Dezember 1938 •_________77830 KreishandweilerfM Gießen Bitt fjanönmhsarbeit wirb Doppelt beschert —* durch schöne beschenke von bleibendem Wert Allen Verlobten und zukünftigen Eheleuten in Gießen und Umgebung gewidmet ist das vornehm ausgestattete, reich bebilderte Haus- und Kochbuch Praktische Winke und Ratschläge für die Hausfrau Kostenlose Abgabe in der Geschäftsstelle des Verlages Schulstraße 7. VolfcsMdungsßätte Gießen in der NSG. „Kraft durch Freude“ Am Dienstag, 6. Dezember 1938,20.30 Uhr, findet in der Aula der Universität der dritte Einzelvortrag der Volksbildungsstätte Gießen statt. Es spricht der bekannte Rennfahrer der Auto-Union RUDOLF HASSE: Kampf der Motoren in drei Erdteilen Zu diesem Vortrag sind alle Volksgenossen herzlich eingeladen. Eintritt 50 Pfennig. Studenten, HJ. und BDM. erhalten ermäßigten Eintritt. 78370 Briefumschläge bei Brühl, Gießen Achtung! Versenkbare Nähmaschinen Harze . .Victoria“ vor- u. rückwärtsnähend, mit Garantie. RM.125.- H. Kraft Selters weg 30 Kennen Sie Küppersbusch? durefi eine gute Skiffe von Optike rmeistei Carl Leisler Gießen 747sA Neuen weg 16 Lieferant aller Krankenkaffen Nein-dattke ich nehme lieber mein Quick, das hüll mich frisch und leistungsfähig und ist so gesund. Nehmen auch Sie in der Hast des Alltags, im Beruf, beim Sport I" > Ha mit Lezithin wBlt für Herz und Nerven ist doch immer wieder etwas Neues, Modisches zum Anziehen, nicht wahr, meine Damen? Und sicher gehen Ihre Wünsche wiederum in dieser Richtung. 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Dezember, 20 Uhr JubilÄumskonzert des Sängerkranzes Gießen Das Livs VOR OLL GlSÄS Gedicht von Friedrich von Schiller, vertont von Max Bruch Leitung: Albert Kasten Karten zu 0.60, 0.75, 1.00, 2.00, 2.50 im Musikhaus Challier und an der Abendkasse 7804 A Spiel waren Staifevmagazin Bahnhofstraße 33 . _________________________7790 A Spielwaren ckraiirrmagarin Bahnhofstraße 33 7789A Fahrner-Schmuck ein beglückendes Geschenk für die Dame zu jeder Gelegenheit Ätr* Kunsthandlung, Kunst- gewerbe / Seltersweg 22 _____________ __________________________7776A Geschenke,die Freude bereiten Daunendecken, Steppdecken, Beltkolter, Kinderkolter,Reisedecken, Bettdecken,Chaiselonguedecken,Tischdecken, Filet-u.Klöppel decken, Wäschetruhen, Sofakissen, Kissenfüllungen, Kaffeewärmer, Teppiche, Bettumrandungen, Bettvorlagen, Fel le, Polstermöbel Große Auswahl 7861 A Niedrige Preise Gebr.SeelbachsX*^ ..TRElMlT-FiiiaiizienN bis 80"/n d. Gesamtkosten durch 1. u. 2. Hypotb. bei sof. Baubeginn. 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Wie oft wird wohl in diesen Wochen das Bravsein — das doch jetzt durch Ungeduld und Erwartung besonders schwer fällt — zur Bedingung gemacht! Vor Jahren, als das Christkindchen die Weihnachtsuhr zum erstenmal gebracht hatte, hingen lauter Magengenüsse daran: Plätzchen, Lebküchlein, Nüsse, Schokolade! Aber jetzt, seit das Kind zur Schule geht, sind auch nützliche Dinge da, wie Bleistifte, Radiergummi und Haarspangen. Täglich wandert der Zeiger auf die nächste Zahl: wieder ist ein Tag vorüber, bis endlich, endlich der ersehnte Tag gekommen ist. Die Zeit zu kürzen, wird tüchtig gearbeitet. Tannenzapfen, die wir im Wald gesucht haben werden für den Christbaum versilbert. Und dann vie Geschenke! Das ist eine Wichtigkeit! Da wird gemalt unb geklebt, gehäkelt und gestrickt. Eifriges Tuscheln mit dem Papi, wobei auch öfters Meinungsverschiedenheiten in Boxkämpfen ausgetragen werden, sagt der Mutti, daß auch sie überrascht werden soll. Es ist ihr etwas bänglich zumute, was bei dieser Ueberraschung herauskommen wird. Deshalb sucht sie burd). auffällig geäußerte Wünsche die Gemüter der Geber zu beeinflussen, um rüenigftens den Kauf der allerunnötigsten Dinge zu verhindern. Inzwischen werden eifrig Weihnachslieder geübt, zweistimmig sagar. Natürlich, Mutti hat wieder alle Verse vergessen und muß sie neu lernen! „Sti—i—Ile Nacht ..." tönt es vom Klavier her aus dem Kinderzimmer. Als Brigitte noch klein war, sang sie auch schon die schönen Weihnachtslieder so gern. Nur hieß rs bei ihr immer: „O du fröhliche, o du selige, knaben- bringenibe Weihnachtszeit," „Ihr Kinderlein, kommet" aber war ihr liebstes Lied. Eines Tages, als war gerade gesungen hatten: „... der Vater im Himmel für Freude euch macht", sah sie ihre Mutti fragend an: „Papa Himmel fliegt??" Als sie dann vom Lichterbaum erzählt bekam, an dem silberne Bälle seien, verkündete sie strahlend: „Bitta nehmen, Fußballspielen!" Wie schön ist diese Zeit der Erwartung und der heimlichen Vorbereitungen! In den Schränken sammeln sich allerlei geheimlisoolle Päckchen. Weihnachtlicher Duft kommt aus der Küche: es werden Plätzchen gebacken; Brigitte hilft mit glühenden Bäckchen. Nachdem die ausgestochenen Herzchen und Sternchen und Monde verschiedentlich wieder zulammengeknautscht und der Teig schon etwas -schwärzlich geworden ist, entstehen doch noch die wunderbarsten Sinne für die Pupvenkuche. Zum Schluß werden noch Brote, Brötchen und Hörnchen geformt und ein kleiner, runder Kuchen für den bunten Teller auf dem Puppentisch, der mit Zucker und Mandelschnitzeln bestreut wird. Die Hausfrau stöhnt zwar manchmal, aber auch sie freut sich innig an dieser Zeit. Draußen ift's kalt und dunkel, in den Zimmern aber und in den Herzens ift’s hell und warm! H^., Bann und Inngbann 116. Betr.: Reichsberufswrtkkampf. Sämtliche Einheitsführer bzw. Sozialwarte haben mir bis zum 5. Dezember 1938 zu melden, daß alle berufstätigen Angehörigen sich zur Teilnahme am Berufswettkampf angemeldet haben, und daß sich die Führer die beglaubigten Anmeldescheine haben oorlegen lassen. Dem Auge das Beste! Lassen Sie sich beraten von \ ( -3 Optiker JBlagnus dem Optiker Ihres Vertrauens / Seltersweg 33 1 Kassenlieferant, 22. Seltersweg, Goethe st raße: Seiher, Rektor: Ritter, Oberbürgermeister; Kratz, DRK.- Feldführer: Poppe, LS.-Hauptsührer; Schuchardt, LS.-Oberführer; Thierfeldt, Gefolgschaftsführer; Schwender, Sturmführer: Wagner, Kreisgeschäfts- führer; Schliemann, Kreisamtsleiter; Tellenbach, Universitäts-Professor; von Blumenthal, Universitäts-Professor; Rehm, Universitäts-Professor: Herta Brüning, Mädelgruppenführerin. Ferner folgende Mitglieder des Stadttheaters: Paul Walther, Heinz Markwardt, Rose Stirl, Fritz Böhlig, Marie Karden, Karl Löffler. 23. Kreuzplatz: Frau Wrede, Kreisfrauen- fchaftsleiterin; Gertrud Hübner, Mädelgruppeniüh- rerin; Stade, Universitäts-Professor; Gerber, Universitäts-Professor; Lahr, Kreisamtsleiter; cand. phil. Otterbein, Amtsleiter in der Studentenführung. 24. Johannes st raße, Plockstraße: Friedel Kreuder, Mädelgruppenführerin; Bonnard, Kreis- amtsleiter; Otto Stein, Kreishauvtstellenleiter; Baur, Kreisjugendwalter; Gerlach, Baurat. 25. Schul st raße, Johannes st raße, Neuenweg: Müller, ^-Standartenführer; Weitz, Universitäts-Professor; Klute, Universitäts-Professor; Schmidt, Universitäts-Professor; Winterhoff, Kaufmann; Blumschein, Schriftleiter. 26. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße; Sessous, Univerfitäts-Professor; Lehmann, Universitäts-Professor. Ferner folgende Mitglieder des Stadttheaters: Willi Endrich, Emil Kraft, Remigius Konen, Kurt Richter. 27. Bahnhofstraße, Neustadt: Zermak, Universitäts-Professor; Andreae, Universitäts-Professor; Frank, Studentenschaftsführer; Schmidt, Obersturmführer. 28. Neustadt, Wernerwall: Hofmeyer, Amtsgerichtsrat; Schudt, Amtsgerichtsrat; Bertram, Der Tag der Nationalen Solidarität in Gießen. Am Samstag, 3. Dezember 1938, dem Tag der Nationalen Solidarität, sammeln wie in den vergangenen Jahren alle führenden Männer der Partei, des Staates und der Wirtschaft für das WHW. des deutschen Volkes. Auf den größeren Plätzen unserer Staudt werden Standkonzerte durchgeführt. Es spielen: das Musikkorps des J.-R. 116 von 16 bis 17 Uhr ■ am Selterstor; die SA.-Kapelle der Standarte 116 von 16 bis 17 Uhr am Kreuzplatz und von 17 bis 18 Uhr am Selterstor. I. Bahnhofssammlung. Dauer: 12 bis 16 Uhr. Sie wird von den Politischen Leitern der Ortsgruppe Gießen-Süd durchgeführt. II. Straßen- und Haussammlung. Dauer: 16 bis 19.30 Uhr. Richtlinien für die Gammler: 1. Es wird in diesem Jahre nicht nur auf der « Straße, sondern auch in den Häusern gesammelt Von den in den verschiedenen Straßenzügen eingeteilten Sammlern sammelt jeweils die eine Hälfte auf der Straße, während die andere die Haussammlung übernimmt. 2. Es sammelt jeder nur da, wo er eingeteilt ist. 3. Es sammeln nur diejenigen, die bei der Einteilung aufgeführt sind. 4. Die Sammelbüchsen werden ab 15 Uhr im Caf4 Leib, Walltorstraße, abgeholt. 5. Die Sammelbüchsen werden um 19.30 Uhr auf der Bezirkssparkasfe zurückgenommen. Einteilung der Sammler: Straßenkreuzungen: 1. FrankfurterStraße, K l i n i k st r a ß e: Martin, Sturmführer; Hübner, Verw.-Sturmsüh- rcr; Cordier, Univ.-Professor: Rudolph, Univ.-Professor; Becker, Rechtsanwalt; Engisch, Rechtsanwalt: Zollfrank, Postrat; Grünewald, Kreisamtsleiter; Loth, Kreishauptstellenleiter; Jungnickel, ^-Untersturmführer; cand. med. H. K. Koch, Amtsleiter in der Studentenführung. 2. Frankfurter Straße, Friedrich- straße, Wilhelm ft raße: Folgende Mitglieder des Stadttheaters: 'Anni Asfion; Gert Buchheim; Erwin Bugge. Ferner Gisela Schäfer, Jungmädelscharführerin; Wiegand, Oberfähnleinführer; Seibert, Ortsgruppen - Propagandaleiter; Wende- roth, Altgardist und Presseamtsleiter; Dr. Seib, Landgerichtsrat; Hofmann, OG.-Amtsleiter; Nackat, //-Hauptsturmführer; Pühlmann, Gerichtsreferendar, Amtsleiter i. d. Studentenführung. 3. Friedrich st raße,. Wetzlarer Weg: Nebeling, Kreisamtsleiter und Kreisschulrat; Dop- Heide, Kreisamtsleiter; Grahlmann, Ortsgruppenleiter; Dr. Breuning, Presseamtsleiter; Rathcke, San.-Sturmführer; Breidenbach, San.-Sturmfüh- rer; Jöckel, Amtsgerichtsrat: Brückel, Amtsgerichts- rot; Pauli, Sturmführer, Bach, ^-Untersturmführer; cand. phil. E. Mahr, Amtsleiter i. d. Studentenführung. 4. Leihgesterner Weg, Ludwig st raße: Marianne Eger, Mädelgruppenführerin; Marg. Seim, Mädelgruppenführerin: Dr. Müller, Studien- rat; Hainz, Studienrat; Vogt, Obersturmführer; Schmidt, Amtsgerichtsrat; Bittner, Kreishauptstellenleiter, Bonke, ^-Untersturmführer. 5 Hamm st raße, Gabelsberger st raße, H o r st - W e s s e l - W a l l: Wenzel, Ortsgruppenamtsleiter; Bisck)off, OG.-Am^sleiter; Müller-Pe- heide, Altgardift; Dr. Wilhelm Greuer, Altgardist. 6. Bahnhof st raße, Liebig st raße : Nagel, Standartenführer: Dr. Brill, Landgerichtsdirektor: Biedenkopf, D. (3-9(mtsr2i I Nr j# f ®Qut5;. n ÄQIh Ser B ES S* K fe “3- vn schmeckt eine Tasse Pfefferminztee besonders gut Pfefferminztee ist sehr bekömmlich und sparsam im Gebrauch! 100 g edelste Blattware kosten BM. 0.70. 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Geschieht dies nicht, dann können die Strom- celder noch innerhalb der nächsten 8 Tage und die Äasgelder noch innerhalb 10 Tagen ohne kosten cn die Kaste der Städtischen Betriebe Gießen, Gar- tmstraße 3, auf Postscheckkonto Frankfurt am Main !lr. 27707 oder auf die auf den Quittungskarten verzeichneten Bankkonten eingezahlt werden. Bei Ueber- ichreiten der Zahlungstermine mästen die Beitrei- ^ungskosten berechnet werden. 7800A Dom 16. Dezember 1938 ab wird die Strom- und Aaslieferung bei allen Abnehmern gesperrt, die die Strom- und Gasgelder für den Monat September L938 einschließlich kosten noch nicht entrichtet haben. Gießen, den 1. Dezember 1938. Direktion der Städtischen Betriebe. Bekanntmachung. Blockstraße 12, Fernruf 2196. 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Nanu, was haben die denn? So jpät im Labor noch arbeiten? Das ist doch sonderbar, ja, es kommt ihm sogar verdächtig vor. Aber bann erinnert er sich der Anweisungen, die ihm Karajan gegeben hat. „Wernicke ist mein ständiger Vertreter!^ und „Die Dame ist meine Braut. Fräulein Westner ist der einzige Mensch, der außer den Angehörigen des Werks hier Zutritt hat — jederzeit!" So hat es Dr. Karajan angeordnet. Na, er muß es ja wissen. Er, Westerhausen, hat keinen Grund, mißtrauisch gegen zwei Menschen einen Verdacht zu äußern, denen Dr. Karajan so großes Vertrauen schenkt. Mögen sie also um neun Uhr abends im Labor arbeiten! Inzwischen ist oben eine Reihe von Fenstern hell geworden. Karola und Wernicke begeben sich an die Arbeit. Sie sprechen nichr viel dabei. Der schwere Tresor öffnet sich geräuschlos, er ist fast leer, wie sie mit Erstaunen sehen. Da liegt ein alter Sakko — den hat Karajan auch mit hinejn- gestopft — er muß in einer andern Welt gelebt haben, als er die Tür zum letzten Mal schloß — aber das hier — dieses sauber Zehestete Bündel in blauem Aktendeckel — das ist's! Das finh die Pläne „Schwein gehabt! Er hat's mit der Schreibmaschine abgeschrieben. Wenn es handschriftliche Auszeichnungen gewesen wären, hätten wir die Sache aufgeben müssen", brummt Wernicke. „Warten Sie, ich suche die interessantesten Stellen heraus! Schauen Sie inzwischen, wo er seine Schreibmaschine stehen hat!" Sorgfältig löst Wernicke die Drahtklammern und entfernt drei — vier Blätter. > „Die müßten wir frisieren. Sie enthalten den Extrakt. Können Sie Maschine schreiben, Karola?" Karola nickt und jetzt sich schon vor der kleinen klapprigen Reiseschreibmaschine zurecht, die Karajan immer benutzt, wenn er für sich schreibt. „Hauptsache, daß Sie mir etwas diktieren, was nicht auf den ersten Blick als Schwindel zu durchschauen ist. Meßdorff ist zwar kein Chemiker, sondern Jurist, aber er hat einen sehr scharfen Blick und im Laufe der Zeit doch allerhand Sachkenntnis gewonnen." „Unbesorgt! Ich werde die Fehler unmerklich einfließen lassen. Auf alle Fälle müssen wir aber den Sinn so verdunkeln, daß man sich nachher keinen Vers mehr draus machen kann! Also los!" Langsam beginnt fein Diktat. Er hat reichlich Zett, sich jede Formel, iede weiterführende Analyse und Synthese zu überlegen, denn Karola schreibt nicht sehr schnell und besonders Zahlen und Formeln machen ihr Mühe — So vergeht eine gute halbe Stunds^Dann haben sie es geschafft. „Fertig!" seufzt Wernicke. „Nur noch das Ein- heften. Aufpassen dabei, daß wir genau dieselben Löcher wieder treffen." „Geben Sie sich damit keine Mühe!" tönt da plötzlich eine wohlbekannte Stimme hinter ihnen, und wie sie entsetzt zurückfahren, steht höflich lächelnd Dr. Meßdorfs in der Tür, neben ihm zwei Männer, die ihre Schießeisen unzweideutig im An- fchlag liegen haben. „Meßdorfs!" stammelt Karola entsetzt. „Was soll das heißen! Was tun Sie hier?" „Ich wollte mich überzeugen, daß unser Geschäft ehrlich abgewickelt wird. Leider sehe ich zu meinem Erstaunen, daß das nicht der Fall ist." Und plötzlich verläßt ihn feine Beherrschung: „Sie wollten mich betrügen, Karola! Wissen Sie, was darauf steht?" „Tun Sie, was Sie wollen", entgegnet sie eiskalt und richtet sich hoch auf. „Ich habe keine Veranlassung, mit Ihnen zu verhandeln." Ein Wink Meßdorffs — die beiden Männer stürzen sich auf Wernicke. Der hott aus, will sich wehren, aber es ist ein ungleicher Kampf. Die zwei Kerle scheinen geübte Leute zu fein, mit wenigen Griffen haben sie ihn wehrlos gemacht — Wernicke fühlt etwas widerlich Süßes — Aether! denkt er noch, dann weiß er nichts mehr. „Und Sie haben die Güte, mir zu folgen!" befiehlt Meßdorfs barsch. Mit verächtlichem Lächeln zerreißt er die frisch beschriebenen Bogen, ordnet die richtigen wieder ein und läßt alles in Karolas Tasche verschwinden. „Los!" „Was wollen Sie von mir noch? Warum lassen Sie mich nicht ebenso niederschlagen wie Wernicke? Warum morden Sie mich nicht gleichfalls? Ist Ihnen der Mut ausgegangen?" höhnt Karola, aber Meßdorff nimmt gar fein Notiz von ihr. „An einem Aetherrausch ist noch niemand gestorben", knurrt er unhöflich. Dann zu den beiden Burschen: „Eure Arbeit ist zu Ende. Ihr wißt ja Bescheid. Los! Fort!" Sie gehen voran. „Also los, Karola! Ich habe jetzt keine Zeit mehr!" herrscht Meßdorff sie an und stößt sie vor sich her. „Sie werden mich mit Ihrem Wagen noch ein wenig spazierenfahren!" Halb betäubt geht Karola weiter. Als sie am Pförtnerhaus vorbeikommen, sieht sie Licht. Eine letzte verzweifelte Hoffnung bemächtigt sich ihrer. Wenn Westerhausen — Ein Telephonanruf, ein einziger! Aber Meßdorff lächelt nur, als hätte er ihre Gedanken erraten: „Keine Sorge, Fräulein Karola! Der Pförtner schläft genau so tief wie der Herr Wernicke dort oben. Für die nächsten drei Stunden sind sie außer Dienst, nun — und bis dahin —" Einer der beiden Männer hat dem bewußtlosen Pförtner den Schlüssel abgenommen. Er öffnet und verschließt die Pforte auch wieder sorgfältig hinter ihnen. „Schlüssel über den Zaun!" befiehlt Meßdorfs „Sie können sich noch ein Weilchen mit ihren eigenen Schlössern abmühen! Und nun los! Verduftet!" In scharfem Schritt biegen die beiden Männer um die Ecke. Karola sieht sich um Die Straße ist menschenleer. Natürlich. Ist ja auch nicht anders zu erwarten um diese Zeit. Ihr Gehirn arbeitet fieberhaft. Einen Ausweg! Irgendeinen Ausweg! „Sie werden mich jetzt dahin fahren, wohin ich es Ihnen sage. Ich bin kein besond'rs tüchtiger Autofahrer, außerdem kennen Sie Ihren Wagen besser. Er ist schnell. Holen Sie her us, was er hergibt. Steigen Sie ein!" Fast gleichzeitig nehmen Sie Platz. „Eigenartig, daß wir beide noch ei mal (o dicht nebeneinander in einem Auto sitzen!" ladjt Meßdorfs. „Hätte ich wirklich nicht gedacht! Hätte ich mir tatsächlich nicht träumen lassen. Und damit Sie Bescheid wissen, Karola, aus alter Anhänglichkeit verspreche ich. Ihnen kein Haar zu frümmen und auch Ihrem Karajan nicht, wenn Sie mich da abliefern, wohin ich Sie dirigieren werde. Das ist Diel Entgegenkommen nach Ihrem Verrat. Hoffentlich wissen Sie es zu schätzen! Im andern Falle — schieße ich Sie erbarmungslos über den Haufen. Die Waffe kommt nicht aus meiner Hand. Und nun los! Und keine Albernheiten, wenn Sie irgendwo einen Polizeibeamten sehen sollten! Geradeaus, erste Straße rechts, dann geradeaus und der Straßenbahn nach!" Karola startet, schaltet, kuppelt, schaltet und läßt den Motor fingen. Meßdorft hat die Tasche mit dem kostbaren Inhalt auf den Sitz gelegt und sich daraufgesetzt. In der Rechten hält er den Revolver. Manchmal in einer Kurve fühlt Karola den Druck des Laufes an ihrer linken Schulter. Meßdorff läßt sie keinen Moment aus den Augen. Da ... ein Polizist ... gelassen steht er am Straßenrand ... Karola fühlt, wie sich der Lauf der Pistole fester gegen sie preßt ... einen kleinen Augenblick ist sie in Versuchung, einfach anzufahren und um Hilfe zu schreien. Aber dann wagt sie es doch nicht. Der Polizist sieht den beiden nach und kneift neidisch die Augen zusammen. Junges Glück! denkt er. Wer's auch mal so schön haben könnte. Unsereiner steht dabei und muß zusehen. Bald liegt die Stadt hinter ihnen. Der Wagen rollt, aber es ist Meßdorff noch lange nicht schnell genug. .Können Sie nicht schneller fahren?" schreit er. Aber Karola hat gar kein Interesse daran, allzu schnell zu fahren. Jede Minute, die sie die Fahrt verzögert, kann eine Veränderung ihrer aussichtslosen Lage bringen. Eine überspannte, wahnwitzige Hoffnung, aber doch noch immer eine Hoffnung — An irgendeiner Tankstelle halten! Bescheid sagen! — durchzuckt es sie. Los! Versuchen! „Ich muß tanken", ruft sie durch den Lärm des Motors. Was Meßdorff antwortet, ist nicht zu verstehen. Etwas Freundliches ist's nicht gerade. (Fortsetzung folgt!) Aus den Gießener Gerichtssälen Handball im SRL.-Kreis Gießen Wirtschaft eine 2. Lreisklasse. letz- am Die Tabelle. Große Erfolge im Gießener Basketball des Motorsturms 4/M 147 im Hippodrom eine SA.-Mannschaft. der alle Mein-Mainische Börse. Mttagsbörse etwas freundlicher. stellten sich MAN. 1 d.^. höher merfe und Rhemmetall gewannen je 0,25 v. H. auf Bei der Spieloereinigung 1900 wird evtl. Löb- sack eingesetzt, wenn er seine Verletzung überwunden hat. Bei VfB.-R ist die Beteiligung von Benner im Tor nicht ganz sicher. Teutonia L — Ehringshausen L Mit dem morgen stattsindenden Spiel eröffnet die Teutonen-Els bereits die Rückrunde. In der Dorrunde hat es die Mannschaft verstanden, durch restlosen Einsatz und Kameradschaft innerhalb des Vereins die Tabellenspitze mit Borsprung zu behaupten. Wird die Elf es nun verstehen, diesen Vorteil zu halten, oder sollte doch noch eine Mannschaft da sein, die in den kommenden Spielen die Teutonen übertrifft? Der Gegner von morgen hat bis jetzt eine unwesentliche Rolle gespielt. Lediglich am letzten Sonntag gewannen die Ehringshäuser gegen Bisien- berg. Sie zieren aber weiterhin das Tabellenende. Der Papierform nach müßte man den Teutonen Steinberg empfängt Ehringshausen und steht damit vor einem weiteren Erfolg. Die Begegnung Sinn — Frohnhausen ist für die Platzbesitzer noch nicht gewonnen, denn die Dränier haben in den letzten Spielen bewiesen, daß sie auch auf fremdem Gelände zu Erfolgen kommen können. Das Spiel Burg — Bissenberg birgt für die Gastgeber die Chance zum ersten Erfolg zu kommen, nachdem die Bissenberger am Vorsonntag gegen den Neuling die Segel streichen mußten. Die Mannschaften zum Lokalkampf Sf8.f5oanV2^Q^r^fen- 22.15: Kamerad, wo N.du? 22.30: Nacht- und Tanzmusik. 24 bis 2? Nachtkonzert, Nur fünf Spiele umfaßt das Spielprogramm des Somttpgs, da einzelne Spiele abgesetzt wurden, an- derersells die Vorrunde soweit beendet ist. Die SA.- Kampfgemeinschast empfängt den derzeitigen Tadel- „ lenführer, die äußerst starke Els von Großen-Lin- st r den, und dürfte wohl kaum um eine Niederlage M Es ist möglich, daß die noch rückständigen Spiele des ersten Durchganges vor allem in der Bezirksklasse nicht ohne wesentlichen Einfluß auf die Tabellengestaltung sein werden. Zunächst steht eine Reche von Begegnungen der derzeitigen Spitzenreiter aus, bann aber auch hat es sich erwiesen, daß gerade die Mannschaften, mit denen man am wenigsten rechnete, eine ganz ausgezeichnete Form an den Tag legen. Eine einzige Niederlage wird, wie die Erfahrung lehrt, Verwirrung anrichten und nicht zuletzt von ausschlaggebender Bedeutung für die Zukunft sein. Diesmal treffen sich: Spogg. 1900 Gießen — MSV. Barbara, Luftwasfensportverein — 1860 Marburg. Ettingshausen — Göbelnrod (Ges.-Sp.) Londorf — Krofdorf Staufenberg — SA. II VfB.-R III — Großen-Linden II. Stadlmannschaft Universität Marburg Unter Leitung des Gauobmannes Mohr fand in Marburg ein Basketball-Lehrgang statt, der mit 24 Teilnehmern aus dem gesamten Gaugebiet sehr gut besucht war. Als Lehrwarte standen Krau sch (Gießen) und V o k i e t a i l i s (Marburg) zur Verfügung In Theorie und Praxis gaben die beiden Tage den erschienenen Spielern und Uebungs- leiteim alles Notwendige. Ein Turnier innerhalb des Lehrgangs sorgte für den nötigen Kampfgeist und zeigte die praktische Anwendung des Uebungs- ftoffes. ö Lehrgang abschließende Lehrspiel Universität^ Marburg gegen Stadtmannschaft Gießen war glanzend geeignet, den Kursteilnehmern und Zuschauern die Schönheit und den Wert des Spie- $£5 offenbaren. Die Gießener, ganz groß in Fahrt, konnten den mitreißenden Kamps 24 • 15 fur sich entscheiden. Motorslurm 4/M 147 - SA.-Kampfspielgemein. schäft Frankfurt O.21L 30 : 21 (9 :10). einer Einladung der SA.°Kampfspielgemeinschast Frankfurt folgend, spielte die Basketballmannschaft Fra n kf urt a. M., 2. Dez. Wenngleich sich die Umsätze angesichts der immer noch unbedeutenden Kundschaftsbeteiligung vor wie nach in engsten Grenzen bewegten, so war die Börse am Aktienmarkt doch auf einen freundlicheren Grundton I gestimmt, was sich auch in überwiegend leicht gebesserten Kurse ausdrückte. Der Berusshandel zeigte nach dem Ultimo etwas mehr Initiative und schritt zu kleinen Käufen, zumal Angebot nur wenig vorlag. Bevorzugter waren Montanwerte, die bis zu 1 v. H. höher einsetzten und nach den ersten Kur- sen meist nochmals ein wenig hoher lagen. Hoesch 109 bis 1^0, Mannesmann 107,50, Verein. Stahl 105 bis 105,50, Rheinstahl 131,25 bis 13175 (130,13). Von Elektroaktien waren AEG. um 1,40 vH auf 116,13 erholt, Licht und Kraft 134,75 (134,25)’ 103 bzw. 132,50 und Junghans 0,40 o. H. auf 98 75, Demag dagegen 0,25 v. H. leichter mit 146. In der chemischen Gruppe lagen IG. Farben mit 143, Scheldeanstalt mit 196 behauptet, Metallqesellschast 0 50 v. H. chöher mit 115,50; Kunstseide Bernd?ra stiegen um 1 v. H. auf 137. Sonst kamen u. a. zur Notiz: Gessürel 128,50, DDM. 172,50, Westdeutsche Kmrfhos 104,75 (104,25) Licht und Kraft 134,50 (1^,75) unb nach Pause Nordd. Llorst) mit 72 50 Das Rentengeschäft lag bei einigen Jndustrie- Dbligationen, von denen 4V- v. H. Hüttenwerke Sie- aerland mit unverändert 96,25 und 6 v.H. Hess 6- Herkules nach Pause mit 103 (103,50) umgingen' wahrend 6 v. H. NSU. mit unverändert 103,50 unb 6 v. H. IG. Farben mit unverändert 118 ohne Um= 3m gretaertehr lagen Kommunal. Umschuldung nut 92,10 (92,15) nur knapp gehalten. Frankfurter Vferdemarkt. Der letzte diesjährige Frankfurter Pferdemack ®.lrb Dlenstag, 6. Dezember, abgehalten. Die Preise für volljährige Arbeitspferde guter Qualität sind wetter gehalten; hingegen dürften sich geringere Zug- und Laufpferde auf dem bevorstehenden Markt billiger stellen. .Nach Schlachtpferden besteht zur Zeit Nachfrage. 0 M binas stark ersatzgeschwächt antraten, konnte Londorf gewinnen. — Zu einem harten Kampf bürste es in Hochelheim kommen. Das Spiel wird bis Entscheidung bringen, wer an den bemnächstigen Endspielen um den Aufstieg in die 1. Kreisklaffe teilnehmen kann. Beide Gegner stehen nämlich punktgleich an der Spitze ihrer Staffel und absolvieren auch je ihr letztes Spiel. Die 1. Kreisklaffe im Kampf um den Aufstieg. Der erste Durchgang ist beendet. Der „Herbst- meister" steht fest. Die ursprünglich erwartete „Rivalität" trat nicht ein. Eine Mannschaft war allen ihren Gegnern überlegen: der Tv. Holzheim. Es ist möglich, daß der Elf in diesem Jahre der große Wurf gelingt, j unb baß sie im nächsten Jahre Bezirksklasse spielen kann. Noch ist allerdings nicht aller Tage Abend. alles ganz gut. Im Jahre 1927/28 hatte er In s-i. ner Kasse ein Defizit von 500 RM. Als Ende 193^ eine Kassenr^vision von Friedberg aus vorgenom- men wurde, ergab sich der stattliche Fehlbestand, von 14 000 RM. Die Revisionsbeamten fanden iit den Büchern des Angeklagten eine so große Unordnung vor, daß es ihnen unmöglich mar, sofort: den Saldo zu ziehen. U. a. waren z. B. die Hilft» tagebücher lange Zeit nicht übertragen worden. Der Angeklagte schrieb nun, die Revision müsse bis Fe, btuar 1935 verschoben werden, ba er verreiseir wolle. Außerdem reichte er noch seine Kündigung für ben 1. April 1935 ein, alles Momente, die nicht gerade für den Angeklagten sprechen. Die Revision wurde aber fortgesetzt. Am 1. 12. 1934 war ein Fehlbettag von 11000 RM. festgestellt worden Hierbei bemerkte der Angeklagte den Beamten ge. genüber, selbst 5 Professoren kämen aus dem Durch, einander in seinen Büchern nicht heraus. Der An. geklagte versuchte nun ganz geschickt, gegen fein bi, maliges eigentümliches Verhalten feine Kopfgrippe ins Feld zu führen. Es wurde aber festgestellt, bah er nicht Ende 1934, sondern im März 1935 an Kopfgrippe erkrankt war. Das Gericht horte drei Kinder, einen Schwieger, lohn und verschiedene andere Zeugen über die Lebenshaltung des Angeklagten. Er wurde auch von den unbeteiligten Zeugen als knauserig geschildert. Die einzige Passion des alten Mannes bestand scheinbar darin, gelegentlich einmal nach Frankfurt zu fahren und sich dort etwas zu gönnen. Obwohl er, nach dem Bemerken des Vorsitzenden, ein begeisterter Die Spiele bes morgigen Sonntags, bis die Rück- runde einleiten, stehen im Zeichen der beiden Lokalbegegnungen in Gießen und Wetzlar. VfB.-R. — 1900 Wetzlar — Naunheim Steinberg — Ehringshausen Sinn — Frohnhausen Burg — Bissenberg. Amtsgericht (Sieben Der W. Sch. aus Orüningen hatte die Aufforderung erhalten, feine baufällige Scheune abzu- reißen. Dieser Aufforderung kam er nicht nach. Er erhiett deshalb wegen Uebertretung bes § 367, Ziffer 13, StGB, durch Strafbefehl eine Geldstrafe von 50 Mark. Gegen diesen Straft befehl legte er Einspruch ein. In der gestrigen Hauptverhandlung konnte Sch. mit feinen Einwendungen nicht durchdringen. Es blieb aber bei der Geldstrafe von 50 Mark. Große Strafkammer Gießen. Der O. L. aus Niesdors (Vorpommern) hatte, nachdem er in den verschiedensten Gegenden Nord- deutschlands feinem Beruf nachgegangen war, am 1. April eine Stelle als Schweinefütterer bei dem Molkereibesitzer R. in Ulrichstein angetreten. Zunächst gestaltete sich das beiderseitige Verhältnis gut. Es tarn aber bald zu einer Trübung, ba der Angeklagte sich schikaniert glaubte. Am Abend des 13. Juli suchte er mit seinem Fahrrad zunächst einige Bekannte auf. Gegen 22.30 Uhr kehrte er in die Molkerei zurück. Sein Rad stellte er in „Schumannianer" mar, gab er doch eigentlich wenig aus Im Laufe der Jahre dürften feine Ausgaben in Frankfurt kaum mehr als hundert Mark be- tragen haben, so führte z. B. der Schwiegersohn aus. Selbst seinen eigenen Kindern gegenüber hielt der Angeklagte reicklich den Geldbeutel zu. Es ist deshalb bis jetzt noch völlig ungeklärt, wo die 14 000 Mark verblieben sind. Fest steht nur, daß der An. geklagte an zwei Einwohner von Ober-Mörlen Dar. lehen im Bettage von 1100 Mark gegeben hatte. Die Revisoren konnten von dieser Geldhingabe zu. nächst nichts in den Büchern feststellen. Sie erfuhr später durch die Darlehensnehmer elbst. Em Bucherrevisor fand aber einen merfmür- ngen „Brandbrief" im Geldausgleich des Ange- klagten. Zu diesem Briese vermochte der Angeklagte keine Erklärung abzugeben. Der Schwiegersohn B. sagte unter seinem Eid aus, daß er den mit „Euer Alfred unterzeichneten Brief nicht geschrieben habe. In den Abendstunden erging Beschluß, daß der Zeuge K. durch den Vorsitzenden der Großen Strafkammer am nächsten Mittwoch in Worms kommissarisch vernommen werden soll. Die Verhandlung wird am nächsten Freitag fortgesetzt. Die Runde 1938/39 fing gerade für die 1. Kreis- klasse sehr verheißungsvoll an. Eine schöne Staffel unS I * aU5' S£d,S Mannschaften Holzham machte, wie schon erwähnt, eine iwer° wor-nOSch^deanst-lt'mit^SS (198* und^Reichsbank kgene Figur. Nicht weniger gut führte sich auch mit 191 (191,25) sowie Metallgesellschaft mit 115 50 ©runingen ein. Zwei unerwartete Niederlagen, die (116). ceiauge]eu^afr mit 115,50 Zudem hätten vermieden werden können, brachten Der fRenienmftrH . fte^L Ob er diese Stellung allerdings wird behaupten ten Kursen aufgenommen. Von StabtanrpihVn können, ist kaum anzunehmen. Mit einer ganzen ben 4 50 Darmstadt n 9R qr anleihen blie- Reihe von Ueberraschungen wartete Dillenburg auf, Mainz gaben au^V (96 50) nach" Industti) Ob da- aus eigenem Platz kein Spiel verlor. Recht un- gationen lagen gut behauptet Ä ’tT” Dutenhofen. Vollkommen aus fie! 6 n A ^ben M Ä fn°bÄ" xo. Jiauborn. | besitzanleihe des Reiches erfolgt wegen der Ziehung d'ute und morgen keine Notiz. Reichsbahn-VA^ ,0^lr "^t 124.13. ferner 4 50 v. H Kaffe- ?^'^ksoerband zu 97 (96.50) gefragt. Im Frei- t^^ben Kommunal-Umschuldung mit 92 15 ÄUtP98'2. Pate Schuldbuchsorde?unge/9?L. nach Der Lokal kämpf in Gießen, der noch aus Dorserie rückständig ist, bewegt wieder einmal Fußballbegeifterten. Ueberall, wo man hin,..., bildet diese Begegnung den sportlichen Gesprachs- stoff. Natürlich fehlt es hierbei auch nicht an den nötigen Tips. Sich auf einen solchen festlegen, märe jedoch verfehlt. Entscheiden wird die Tagesform. In Wetzlar versucht der Sportverein gegen Naunheim die Vorspielniederlage wettzumachen. Ob dies ohne weiteres gelingt, bleibt abzuwarten, denn von dem Ausgang des Spieles hängt auch der zweite Tabellenplatz ab, den die Naunheimer zur Zeit innehaben. Im Falle einer Niederlage fällt er wieder an den Sportverein. Ein Grund, der für beide Mannschaften Anlaß zur besonderen Leistung fein wird. einen glatten Sieg zuschreiben. Wenn die Tabellenführung behauptet werden soll, so bedarf es auch einem Nebengebäude der Molkerei unter. In diesem morgen aller Anstrengung, um eine Ueberraschung Gebäude befanden sich auch die Stallungen für 83 zu vermeiden. Die Elf tritt aller Voraussicht nach Schweine. Als der Angeklagte sein Fahrrad unter- in stärkster Ausstellung an. • stellte, fiel sein Blick auf eine große Strohmatte, Teuloola IL - Ehrlag-hauseu IL di- -r selbst einmal für die Mistbeete seines Arbeit- . •. nrrc s / -Je « .... . gsbers geflochten hatte. Als er die Strohmatte sah, Di- zweite Els der Teutonen wird hossenüich ein tam if)” 'tljm sein Groll gegen seinen Brotherrn besteres Spiel zeigen w,e am letzten Sonntag, da- übermächtig hoch. Er steckte hierauf die Matt- in imt st- den Sieg an ihr- Fahne h-ft-n kann. hBran6, v-rschloß di- Tür und fchlich sich heimlich und leise in sein Bett. Kurze Zett später wurde er von dem Molkereibesitzer herausgeklopft, da es brannte. Der Angeklagte beteiligte sich dann auch bei der Rettunft der wertvollen 83 Schweine, die alle in Sicherheit gebracht werden konnten. 60 Hühner kamen aber in den Flammen um. Weiterhin verbrannten Futter- und Düngemittel, Verpackungsmaterial Usw. Durch das Feuer wurde ein Schaden ! von insgesamt 7000 RM. verursacht. Der ^Angeklagte war in vollem Umfange geständig. Die Kammer verurteilte ihn, einen Psychopathen, wegen einfacher Brandstiftung (§ 308 II StGB.) unter Zubilligung mildernder Umstände gemäß § 51 II StGB, zu einer Gefängnis- firafe von zwei Jahren und sechs , . , -- ------o- Monaten. Da der Angeklagte geständig war, herumkommen. wurden chm vier Monate unb 17 Tage Unter« Ettingshausen erwartet Göbelnrod zum angesetzten suchungshaft auf die Strafe angerechnet. Wären Gesellschaftsspiel. Man rechnet mit einem sicheren ihm keine mildernden Umstände zugebilligt worden Siege der Platzherren. Krofdorf reift nach Londorf dann hätte er mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren zum Tabellenführer und hat dort wenig Aussichten I bestraft werden können, auf Punktgewinn. Sicherer Sieger sollte Staufen-1 * berg über die Reserve der SA. werden. Bei dem Gestern nahm das Sttafverfahren gegen den Spiel der Dritten des VfB.-R. gegen Großen-Lin- früheren Rechner der Feldbereinigung in Oberden II erwartet man die Platzherren in Front. | Mörlen, den I. L. K. aus Ob er-Mörlen, seinen Anfang. Vor lanaen Jahren mürben dem nunmehr 75jährigen die Geschäfte eines Feldbereinigungsrechners in Ober-Mörlen übertragen. Zunächst ging Tv. Krofdorf — SA. 116 Gießen VsB.-Reichsbahn Gießen — Tv. Lich Tv. Londorf — Luftwaffe II Tv. Hochelheim — SA. I. 33 Wetzlar. Wenn auch die Mannschaft der SA. erst an ten Sonntag eine sehr schöne Leistung bot, so wirb ihr Können doch nicht ausreichen, um die eifrigen SMöorfer auf eigenem Platz zu schlagen. — Dem VfB.-R. sollte es nach seiner derzeitigen Spielstärke gelingen, ein achtbares Ergebnis gegen die Gäste aus Lich zu erzielen. Schwer kämpfen muß Londorf um gegen die Reserve der Luftwaffe die Oberhand zu behalten. Ein vor einiger Zeit ausgetra» genes Freundschaftsspiel, bei dem die Gäste aller- Der Verlauf der Börse blieb recht ttill, die Aal- »ar aber unter geringfügigen Schwankungen freundlich Etwas hoher lagen Bembera mit I3fi n°» 135,65. Berger Tiefbaus 144 „ach U3 uA ouil) fonft traten vielfach Besserungen um etwa 0 25 b-- 148.25 Ms 148. ekenf/LLmonn mit^ü^S nisch und taktisch auf Grund ihrer größeren Spiel- Im Frei verkehr waren TUnn/or $ \ nn erfobruog den Spielverlauf diktierten. 1 v. ch. und Rastatter Waggon mst 51 s7'nm __ | pom .6unbert höher gefragt Katz & @fnmnn a? r>- (96 bis 98), Ufo 84.75 <84 50) 6'5 ter ermäßigt auf 2.25 (2,50) uch 9 9 b “e” Dein Opfer Ab-ndbSrs- freundlich. kann nicht groß genug sein. SP “ 1 °S?-B°rufsha^^L Tv. Holzheim Spiele 5 Gew. 4 Unentsch 0 . Verl. 1 Pkte. 8:2 Tv. (Brimingen 5 3 0 2 6:4 Tv. Atzbach 5 2 1 2 5:5 Tv. Dillenburg 5 3 0 2 6:4 Tv. Dutenhofen 5 2 0 3 4:6 Tv. Nctuborn 5 0 1 4 1:9 Bücher unter dem Weihnachis-aum. Sie Erbin Napoleons. — Alphons Nobel: Königin Hortense, die Erbin Napoleons. Mit 16 Bildern. Preis in Leinen geb. 5,40 RM. Societäts-Berlag Frankfurt a. M. —(409)— Aus der reichen Memoirenliteratur der Zeit kristallisieren sich mehr und mehr auch die Nebenfiguren des gewaltigen Napo- leon-Dramas heraus. Nach, der Madame Mere, Josephine und Marie Louise, nach Talleyrand und Fouchö, nach Murat und Jerome und vielen anderen erhält nun auch Hortense Beauharnais, die Stieftochter und Schwägerin Napoleons I. ihre moderne Biographie. Als Mutter Napoleons III., dessen Aufstieg zur Macht sie zwar nicht mehr erlebt, aber mit allen Fasern ihres Herzens ersehnt und politisch vorbereitet hat, bildet sie recht eigentlich die Brücke zwischen den beiden Epochen der Dynastie Bonaparte. Alphons Nobel schildert, sich vorwiegend auf die Memoiren und Briefe Hortenses stützend, ihre Jugend in den furchtbaren Revo- lutionssahren, die auch ihrem Vater, dem Generäl Beauharnais, das Leben kosteten, und dann den märchenhaften Aufstieg an der Seite ihrer Mutter, der kühl berechnenden Josephine, zur kaiserlichen Prinzessin und Königin von Holland. Aber der Glanz der Königskrone wird getrübt durch eine politische Ehe, die Josephine gegen den Willen der beiden Parmer aus krasser Eigensucht gestiftet hat, um ihre eigene zu sichern, die freilich trotzdem geschieden wird, als Napoleon zur Begründung einer Dynastie die Verbindung mit einem legitimen Herrscherhaus sucht. Hortense und Louis, ihr Gatte, sind zu verschiedene Charaktere, um zusammen glücklich zu werden. Bald leben sie getrennt, nur der Wille Napoleons verhindert die Scheidung, aber Hortense tröstet sich mit dem Grafen Flahaut, einem unehelichen Sohne Talleyrands. Ihrer beider Sohn, der Herzog von Morny, wird einmal unter seinem Halbbruder Napoleon HI. Großkanzler der Ehrenlegion werden. Es sind für Hortense kurze Jahre einer fast besinnungslosen Jagd nach dem Glück, noch der Liebe, die ihre sehr frauliche Natur mehr ersehnt als politische Macht. Sie hat, wenn auch nicht in dem Maße wie ihr klar schauender Gatte, das Gefühl für die Vergänglichkeit der Macht und findet sich, nachdem sie während der „Hundert Tage" in beispielloser Treue zu Napoleon gehalten hat, mit Anstand in die Rolle der Verbannten, die erst in Augsburg, dann in Are- nenbera am Bodensee und in Rom mit dem ihm verbliebenen Sohn einen kleinen Kreis von Verehrern um sich versammelt, eine schöne, anmutige Frau mit der sentimentalen Selbstsucht ihrer Zelt, voller Interesse für Musik und Literatur, aber immer sich dessen bewußt, Bewahrerin des napoleonischen Erbes zu sein. Nobel hat in der Lebensskizze Hortenses die menschlichen Züge betont, ohne ihr zu schmeicheln. Trotzdem macht sie in dem farbenreichen BUd, das er von der Gesellschaft ihrer Zeit in ihrem abrupten Wandel von den blutigen Tagen Robespierres über die Diktatur Napoleons zurück zur legitimen Monarchie der Bourbonen entwirft, dank ihrer natürlichen Fraulichkeit eine vorteilhafte Figur. Sicher war sie eine der liebenswertesten Erscheinungen int Kreise der Familie Napoleons. Dr. Fr. W. Lange. Durch die wette Welt. — Walter Hinz: Iranische Reise, eine schiert 2,80 Mark, Ganzleinen 3,80 Mark. Deutscher Verlag, Berlin. — (534) — Paul Graetz war der wagemutige deutsche Forscher, dem viele Jahre vor dem Kriege die ersten Durchquerungen Afrikas im Auto und im Motorboot gelangen. Ein deutscher Kolonialoffizier und Forscher, der den dunklen Erdteil jahrelang nach vielen Richtungen hin bereiste und tatkräftig an der ersten Organisation eines europäischen Luftverkehrsnebes mitwirkte. Er berichtet in diesem Buch von seiner Jugend, von der Militärzeit, von feinem früherwachten Wunsch, Forscher zu werden; wie er dann auszog, um draußen in den Kolonien etwas zu leisten, wie er dort Straßenbaute und seine beiden denkwürdigen Expeditionen durchführte. Gespannt verfolgt man die fesselnden Schilderungen, nicht zuletzt interessieren uns auch die Berichte von der großen Stuüien- und Vortragsreise durch Niederländisch-Jndien, die Paul Graetz in reiferen Jahren noch einmal in die Ferne führte. „Xeniwtfer", Roman von 3na Seidel — Ina Seidel: Lennacker. Das Buch einer Heimkehr. 768 Seiten. In Leinen RM. 8,50, in Halbleder RM. 12,—. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, Berlin. — (465.) — Hans Lennacker, ein junger Deutscher, der 1914 mit Hunderttausenden seinesgleichen in den Krieg gezogen ist, kehrt Weihnachten 1918 als verabschiedeter Offizier heim, um ein neues Leben zu beginnen. Da seine Eltern tot sind, verlebt er bei seiner einzigen, noch lebenden Verwandten, der Domina eines Damenstiftes, im wunderlich-fremden Kreise alter Frauen und Fräuleins den Heiligen Abend, vertieft sich hernach mit der Domina in Erinnerungen an die gemeinsame Familie und fällt noch in der gleichen Nacht in ein hitziges Fieber, mit dem eine verschleppte Krankheit zum Ausbruch kommt. In den zwölf Nächten, zwischen Weihnachten und Neujahr, liegt er im unruhigen Fieberschlaf, und die alte Volksweisheit — daß in Erfüllung gehe oder Wahrheit sei, was man in dieser Zeit träumt — erhält in den Visionen des jungen Heimkehrers einen merkwürdig-hintergründigen, neuen Sinn. Die traumhaften Gestalten, Ereignisse und Gespräche dieser zwölf Nächte machen den eigentlichen Inhalt des Buches aus; in der gleichsam fortlaufenden Entwicklung der Traum- gesichte zwischen Weihnachtsabend und Jahresanfang, zwischen Wachen und Wiedererwachen, gewinnt Ina Seidel die innere Form und die künstlerische Geschlossenheit ihres Romans: die Rahmenerzählung schafft nämlich nicht allein die Rundung und den äußeren Zusammenhalt der zwölf Geschichten, welche die Hauptkapitel und den Kern des Romans bilden, sondern auch die lebendige Beziehung zwischen dem Träumer und den Erlebnissen seines Traumes, zwischen den wirklichen und den unwirklichen, den vergangenen und den gegenwärtigen Ereignissen des Buches. In den zwölf Traumnächten erscheint dem jungen Lennacker, letztem männlichen Erben seines Namens, die Geschichte seiner Väter, eines alten Pfarrergeschlechtes. Diese Geschichte geht weit über das Maß etwa einer Familienchronik hinaus, denn was hier von der Reformationszeit bis an die Schwelle der Gegenwart an ihm und uns vorüberrauscht, ist zugleich ein bedeutendes Stück deutscher Vergangenheit und deutschen Lebens durch vier Jahrhunderte hindurch. Jeder der zwölf Lennacker nämlich, die dem letzten Enkel da erscheinen, steht an einer Wende seines Schicksals, vor einer Entscheidung, in einem Gewiffenszwiespalt, in einer Notzeit seines Volkes. Aus den Wirrnissen des Bauernkrieges und des Ringens um die reine lutherische Lehre taucht die Gestalt des ersten der zwölf Vorfahren auf, des Pfarrers Johannes Jakobus Lennacker, 1500 bis 1562. Ein anderer kämpft verzweifelt mit Weib und Kindern um die wirtschaftliche Behauptung und um die Würde seines Amtes in einer dörflichen Hungerpfarre, wieder einer um die Bewahrung seiner kleinen Gemeinde vor der Schwedenverfolgung im 30jährigen Kriege. Ein Lennacker im 17. Jahrhundert ringt mit all seiner Glaubens- und Ueberzeugungskraft um die Rettung Unschuldiger vor Hexenverfolgung, Folter und Feuertod; wieder einer, Tobias Laurentius, erlebt unter schweren seelischen Erschütterungen seine Berufung im vielfältig verwirrenden, weltlichen Prunk und Glanz der Residenz Augusts des Starken; Reinhard Christian, „damals vor Jena", hilft am Vorabend der Schlacht unter Einsatz seines Lebens einem verwundeten preußischen Offizier zur Flucht; und das letzte, leise Gespräch vor dem nächtlichen Aufbruch ins Ungewisse kreist um Novalis, Schiller und Schleiermacher. Die drei jüngsten in der Generationenreihe kämpfen um ihre Bewährung in den großen Entscheidungen des 19. Jahrhunderts, um soziale Fragen, um widerstreitende Strömungen der modernen Theologie und Kirchenpolitik der wilhelminischen Zeit, ... im tiefsten Grunde wieder den alten Gewissenskampf der Vorfahren um die Gnade ihres geistlichen Amtes und um die reine Lehre des wahren Christentums. Während der Roman sich gerade in diesen letzten, uns zeitlich und gefühlsmäßig nächsten Gestalten und Ereignissen zu einer manchmal erschütternden Gewalt geistiger Auseinandersetzung und seelischer Selbstbehauptung steigert und eine bewundernswerte Reife künstlerischer Einfühlung bestätigt, erscheint inmitten der Geschlechterfolge, wie ein idyllisches Zwischenspiel und pastorales Scherzo im Rokoko-Jahrhundert, die Geschichte des Justus Erdmann Lennacker, 1720 bis 1800: Alltagssorgen in einer thüringischen Landpfarre am Dienstag vor Erntedankfest, gewinnend heiteres Bild deutschen Lebens, von allen zarten Lichtern eines gütigen Humors überspielt, den wir aus manchen andern Büchern Ina Seidels kennen: das entfaltet sich vor unfern Augen wie ein Stich von Chodo- wiecki. — Wie „Das Wunschkind", dessen Auflage die 200 000 längst überschritten und den Namen der Dichterin volkstümlich gemocht hat, so wird auch der neue Roman, das Buch einer Heimkehr, zu den Werken gehören, die — über den flüchtigen Reiz der Neuerscheinung oder der Modelektüre hinaus — Bestand haben und dauern, weil er an die Wurzeln und Urgründe des deutschen Lebens rührt und Zeugnis ablegt von den unerfchöpfbaren, fortwirkenden Kräften des Geistes und des Herzens in unserem Volke. Das Buch „Lennacker" wurde aus einer gestaltenden Kraft und einer in sich ruhenden, menschlichen Reife geschrieben, der sich kein Leser wird entziehen können. Ina Seidel ist, neben Ricarda Huch, heute unter uns wohl die einzige Frau, deren dichterische Intuition einem so weitschichtigen und tiefgründigen, einem so männlich anmutenoen und verpflichtenden Stoff gewachsen war. Hans Thyriot Forschungsfcchrt durch das heutige Persien, mit 93 Abbildungen nach eigenen Aufnahmen des Verfassers, Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. Preis in Leinen geb. RM. 4,80. — (527.) — Die Einbanddecke des auch äußerlich schmuck ausgestatteten Buches ziert ein vor der Sonne herfchrei- tender Löwe mit erhobenem Schwert, das persische Wappen, das in den meisten von uns Bubenerinnerungen an hoffnungslos leere Seiten unserer Briefmarkensammlung weckt. Auch sonst gehen die Gedanken beim Stichwort Persien weit zurück an die ersten Geschichtsstunden, in denen die alten Perserkönige Kyros, Darius und Terxes eine Rolle spielten. Und zwischen ihnen und den Schahs der Vorkriegszeit, die bei ihren Besuchen in Europa eine Sensation unserer Illustrierten waren, klafft eine beträchtliche Lücke. So ist es gut, daß es ein deutscher Gelehrter ist, dem wir in diesem Buch auf seiner Fahrt durch Persien folgen. Professor Hinz ist Direktor des Seminars für den Nahen Osten an der Universität Göttinnen und seine Forschungen galten vorwiegend der Safawidenzeit um die Wende des 16. Jahrhunderts, die in der besagten Lücke zwischen den persischen Großkönigen und Resa Schah Pah- lawi, dem Begründer des modernen Irans in der Geschichte, Kultur und Baukunst Persiens den weitaus nachhaltigsten Eindruck hinterlassen hat. Professor Hinz läßt uns teilhaben an seinen Entdeckerfreuden auf den Spuren fast verschollener oder aus einer falschen Einstellung zu den „Ruinen" früherer Geschichtsepochen von den das moderne Iran repräsentierenden Behörden mit Absicht verborgen gehaltener Baudenkmäler der Safowidenherrscher, deren bedeutendster Abbas der Große sich in Jspa- han eine Residenz von märchenhafter Pracht geschaffen hat, von der wir heute noch beim Betrachten der vielen ausgezeichneten Bilder des Verfassers und aus seinen begeisterten Schilderungen einen nachhaltigen Eindruck bekommen. Nicht weit davon liegen die gewaltigen Ruinen von Persepolis, das die Residenz der persischen Großkönige des Altertums gewesen ist und dessen Ausgrabung durch amerikanische Archäologen von der iranischen Regierung eifrig gefördert wird. Tun sich hier im Süden die Wunder des Orients in herrlichen Denkmälern aus den beiden Glanzperioden der persischen Geschichte vor uns auf, so erleben wir in Teheran, der heutigen Hauptstadt, mit dem Verfasser das moderne Iran, das unter der zielbewußten Führung Resa Pahlawis mit staunenswerter Energie dem Schlendrian einer jahrhundertelangen Mißwirtschaft der Verfallszeit ein Ende gemacht hat und vorsichtig aber entschieden den Anschluß an die kulturelle Entwicklung des Westens herstellt. Da der Verfasser die persische Sprache beherrscht, ist es ihm möglich gewesen, mit allen Dolkskreisen Fühlung zu bekommen, Jo daß wir ein sachlich gut fundiertes, in der Verteilung von Licht und Schatten wohl abgewogenes Blld des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens im heutigen Iran mit all feinen Problemen erhalten. Ein besonderes Lob verdienen die zahlreichen schönen Bilder, die den Bericht des Verfassers nach allen Seiten hin wirkungsvoll ergänzen. Fr. W. Lange. — Paul Graetz: Buntes Erleben in drei Erdteilen: Erinnerungen eines alten Afrikaners. Mit 29 Bildern und einer Karte. BroWF — Die Kunstdenkmäler de s Kreises Gießen. Band I: Nördlicher Teil. Bearbeitet von Heinrich Walbe. Geschichtlicher Teil von Karl Ebel und Carl W a l b r a ch. Vorgeschichtlicher Anhang von Herbert Krüger. XXIII und 389 Seiten. Mit einer Karte und 433 Abbildungen. Preis brosch. RM. 12,—. Hessisches Denkmalarchiv — Schloß. Buchhandlung Arnold Bergsträsser Nachf., Darmstadt 1938. — (374.) — Mit dem vorliegenden, sehr stattlichen Bande wird das große Werk der „Kunstdenkmäler tn Hessen" um einen gewichtigen Beitrag vermehrt und im besonderen die Denkmälerbeschrci- bung des Kreises Gießen abgeschlossen. Band II, 1919 erschienen, enthielt Kloster Arnsburg mit Altenburg; Band III, 1933, enthielt den südlichen Teil des Kreises mit 36 Orten. Der neue, erste Band bringt den nördlichen Teil mit insgesamt 53 Orten, darunter die Städte Gießen und Grünberg. Die Vorarbeiten für das jetzt abgeschlossene Werk reichen bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück und knüpfen sich an die Namen v. Ritgen, Wagner, Bronner, Sauer und Ebel. Professor Ebel, 1933 verstorben, hatte auch für den Band I, was dessen geschichtlichen Teil betrifft, Vorarbeiten geleistet, Die von Dr. C. Walbrach in Gießen nunmehr vollendet und ergänzt worden sind. Die Beschreibung der Denkmäler lag, wie bei den voraus- gegangenen Bänden, wiederum in den bewährten Händen von Geh. Rat Walbe. Für das sehr reiche und vorzüglich wiedergegebene Abbildungsmaterial hat die Brühlsche Druckerei zahlreiche Druckstöcke aus den Beständen unserer „Heimat im Bild" beigesteuert. Für den vorgeschichtlichen Anhang lieferte Professor Krüger eine dankenswerte, aus der Literatur und den Schätzen des Gießener Museums erarbeitete Zusammenstellung. Die Gesamtanlage des Werkes entspricht nach Inhalt und Form grundsätzlich und sinngemäß den früher erschienenen Bänden. Die Darstellung wird eingeleitet mit einer sachkundig zusammenfassenden Uebersicht über die Besonderheiten in Bauweise und Kunst des Kreises Gießen; hier wird beispielsweise über die landschaftlichen Charakteristiken der Hof- und Haussormen, über Straßen- und Dorfbild und über das hessische Fachwerk gehandelt. Die Einzeldarstellung umfaßt in alphabetischer Folge — von Alb ach bis Wirberg — 53 Kreisorte; sie beginnt jeweils mit einem kurzen historischen Abriß, der etwa Lage, Einwohnerzahl, Namen, früheste Erwägung, wesentliche llrfunben und kirchliche Beziehungen des Ortes nachweist. Anschließend erscheint die Beschreibung der Denkmäler, wobei naturgemäß in der Mehrzahl der Fälle der Kirchenbau im Mittelpunkt steht; es folgen frühere Befestigungen, Tortürme, Rathäuser, Wohnhäuser und Höfe, Spritzen- und Backhäuser, kurz alles, was als Denkmal im kunstgeschichtlichen Sinne irgend von Bedeutung scheint; die Beschreibung reicht bis in die Einzelheiten wie die kirchlichen Altargeräte oder die Steinmetzzeichen, und verzeichnet auch, soweit sie dessen wert erscheinen, die Glocken, die Grab- und Taufsteine. Man muß sich schon eine Weile in das Werk vertieft haben, um das Maß an ler in Hessen. Arbeit und Ausdauer, an Kenntnissen und liebevoller Genauigkeit zu würdigen, das hier eingesetzt worden ist zu einer Bestandsaufnahme, die mit gutem Grunde als lückenlos bezeichnet werden darf und ein überaus reiches Material vorlegt, das kunst- geschichtlich wie allgemein historisch, folkloristisch und familienkundlich von unerschöpflichem Wert ist. Innerhalb der Gesamtanlage dieses Bandes nehmen die Darstellungen der Städte Gießen und Grünberg weitaus den breitesten Raum ein. Insbesondere darf der Abschnitt über Gießen, der uns von besonderem Interesse ist, als eine geschichtlich-kunstgeschichtliche Monographie unseres Gemeinwesens von vorbildlicher Vollständigkeit und Genauigkeit gelten. Ein breiter Raum ist hier beispielsweise der Beschrei- bung der alten Stadtsiegel und der Gießener Siede- lungsgeschichte gewidmet; neben der gründlichen Darstellung der zahlreichen architektonischen Denk- mäler ist die einläßliche Behandlung alter Grabsteine besonders auch familiengeschichtlich von Nutzen und hohem Reiz. Es sei ferner auf die umfängliche Literatur hingewiesen, die im Denkmälerwerk verarbeitet wurde und zu Beginn übersichtlich zusam- mengefteUt ist. Nicht zu vergeßen endlich der im Hinblick auf die vorzügliche verlegerifche Ausstattung des Werkes bemerkenswert geringe Preis. Das Buch ist aus Mitteln des Reiches und des Landes Hessen hergestellt worden; die Landeskirche, der : Kreis und die Stadt Gießen haben dankenswerterweise Zuschüsse geleistet. Es darf erwartet werden, daß auch dieser neue Band die weite Verbreitung findet, die seiner Bedeutung für die Geschichte unseres engsten Heimatgebietes entspricht. * Hans Thyriot. — Carl Sanier: Hessen in her beut» schen Malerei. Mit Kunstchronik von Willingshausen. Zweite vermehrte Auflage mit 153 Abbildungen. Halbleinen RM. 4.50, kart. RM. 2,80. N. G. Elwertsche Verlagsbuchhandlung (G. Braun), Marburg 1939. — (469) — Die stattliche Schrill erscheint als viertes Heft der „Beiträge zur hessischen Volks- und Landeskunde", die an die Stelle des früher in 24 Jahrgängen von Professor Dr. Chr. Rauch herausgegebenen Jahrbuches „Hessen-Kunst" treten sollen. Die erste Auflage des Bantzerschen Werkes, die seinerzeit hier ausführlich gewürdigt wurde, war in kurzer Zeit vergriffen; die vorliegende zweite wird um so willkommener fein, als sie gegen die erste vermehrt und vereinheitlicht worden ist. Die großen Vorzüge des Werkes liegen klar zu Tags: der Verfasser ist ein hervorragender Kenner nicht nur der hessischen Kunst, sondern auch von Land und Leuten in Hessen. Damit gewinnt das Buch, seiner ganzen Anlage nach, nicht nur künstlerischen und kunstgeschichtlichen Wert, sondern auch bedeutende volkskundliche Qualitäten. Das reiche Bildmaterial, das auch Werke aus jüngster Zeit berücksichtigt, ist vorzüglich reproduziert. Das Verzeichnis der^Künstler, die in Hessen gearbeitet haben, weist insgesamt 225 Namen auf. Der Preis ist in Anbetracht des Gebotenen lehr mäßig zu nennen. hth. Scherz und Satire. — Ludwig Thoma: „I o z e f F i l s e r s ge« samelter Brieswexel". Zwei Bände in einem. Mit dreißig Zeichnungen von Eduard Thöny. In Seinen gebunden 3,80 RM. Albert Langen/Georg Müller Verlag, München. — (363) — Seit Ludwig Thoma den kenigl. Abgeorneten Jozef Filfer aus Mingharding feine Erlebnisse als „Barlamendahrier" zu Papier bringen ließ, schlecht und recht, wie es dem „Man des Folkes" geziemte, sind einige Jahrzehnte vergangen. Die Zeiten haben sich inzwischen gründlich verändert, aber dieser Briefwechsel ist frisch und lebendig geblieben bis auf den heutigen Tag. Denn all die brieflichen Ergüsse dieses biederen ,T>egonohmen", der am Gängelband der Zentrums- Geistlichkeit die Stufen des Parlaments emporklimmt und bann im Schoße der mittlerweile sanft entschlafenen „Zändrumsbardei" fein von keiner Erfahrung getrübtes Regierungshandwerk übt, lesen sich heute wie damals mit grimmigem Behagen. In diesen Briefen wird greifbar die Welt der Münchner Vor-- kriegszeit lebendig, deren Maibockproben und Fasching und sonstige bajuvarische Ereignisse der abenteuerreiche Hintergrund dieses witzigen Buches, das zugleich aber die ernsteste und treffendste politische Satire der deutschen Dichtung ist. — Robert Högfeldt: Das harmonische Familienleben. 40 Zeichnungen mit Versen von Hayno Focken. Geh. RM. 2,—, geb. RM. 3,—. Paul Neff Verlag, Berlin. — (464.) — Das moderne Schweden hat nach O. Jacobsson, dem Schöpfer des auch in Deutschland verdientermaßen populär gewordenen kleinen Herrn Adam- son, abermals einen Humoristen der Zeichenfeder heroorgebrocht, dessen Begabung über die übliche Witzblattzeichnung und die Karikatur hinausreicht und sich durch die Komik des Einfalls und die Prägnanz des Ausdrucks allenthalben unmittelbar ver« stündlich machen kann. Während eine Gestalt wie Adamfon gewissermaßen der Pechvogel in Person ist, im ständigen Kampfe mit den kleinen Tücken und Abenteuern des täglichen Lebens, sind Högfeldts Figuren nicht auf einen Generalnenner der Erscheinung gebracht, obgleich sie im Typus alle unter» einander unverkennbar verwandt sind. Högfeldt sieht das tägliche Leben seiner Geschöpfe nicht so pessimistisch wie Jacobsson, obwohl auch er die Gchat- tenseiten, die kleinen Unfälle und Entgleisungen keineswegs vertuscht. Die harmonische Familie, die er uns in feinem neuen Buche vorstellt, wird uns schnell vertraut, nicht allein um der Treffsicherheit der Zeichnung willen, sondern auch wegen einer gewissen Allgemeingültigkeit der Motive: der künftige Schwiegersohn und der witzige Vetter, das schwarze Schaf und die Erbtante, der Geburtsmorgen und die heimliche Verlobung, der große Krach und der Besuch beim Zahnarzt — das sind, um einiges herauszugreifen, Figuren und Situationen, die immer und Meral wiederkehren und ohne viele Worte awf menschliches Verständnis rechnen können. Immerhin geben manche der Begleitverse von Focken den Bildern Högfeldts erst die rechte Würze, die klangliche Rundung sozusagen der linearen Komik. Das Buch wird bald seinen Freundeskreis haben und vielen eine Stunde unbeschwerter Heiterkeit schenken. Hans Thyriot. Für unsere Kinder. — 3n neuer Ausgabe erschien: Dr. Heinrich Hoffmann: Der Struwwelpeter. Nach der Urfaffung neu gezeichnet und in Holz geschnitten von Fritz Kredel. In vielfarbigem Offsetdruck. Halbleinen 1,50 Mark, unzerreißbar 3,50 Mark, Sonderausgabe in Halbpergament 6,50 Mark. — Rütten und Loening Verlag, Potsdam. — (540) — Die prächtig lebendigen Hoffmannschen Origlnalzeichnungen des „Struwwelpeter" sind (mit Ausnahme der in einmaliger Auflage erschienenen Faksimile-Ausgabe des Struwwelpeter-Manuskripts) aus drucktechnischen Gründen nie in der Urform übernommen worden. Bei allen früheren Ausgaben des Bilderbuches waren es Lithographen, die mit bravem, aber doch unzulänglichem handwerklichen Können den Originalzeichnungen die für den Druck erforderliche neue Gestaltung gaben. Wollte man eine Neugestaltung versuchen, die Anspruch auf Gültigkeit für die Gegenwart wie für die Zukunft erheben konnte, so stellte sich die Aufgabe, das Werk von allen Schlacken geschmacklich andersgearteter oder unsicherer Zeiten zu reinigen und die Neufassung einem kongenialen Künstler zu übertragen, der fähig und willens war, diese in echter Einfühlung aus der ursprünglichen Fassung Hoffmanns zu entwickeln. Dadurch, daß es gelang, in Kredel einen Künstler von Rang für diese Arbeit zu gewinnen, der zudem die für den „Struwwelpeter" besonders geeignete Technik des Holzschnitts überragend beherrscht' fand der lang erwogene Plan auf schönste Weise Erfüllung. — „B a st e l, der R e i t e r b u b.* Eine Erzählung aus dem Dreißigjährigen Krieg von Werner Siebold. Mit 30 Zeichnungen von O. A. Brasse. RM. 2,90. Walter Flechsig Verlag, Dresden. — (357.) — Das wechfelvolle Schicksal eines armen elternlosen Reiterbuben, der sich durch Mut und Entschlossenheit auszeichnet. Er ist daraus bedacht, der guten Sache zu dienen, und stürzt sich in allerlei Abenteuer. Ein neues Buch des bekannten Jugendautors voll Spannung und Schwung, das geschickt die geschichtlichen Ereignisse verarbeitet. — MariaGrengg: NurMut,Brigitte! Eine Erzählung aus dem Leben junger Menschen. 160 Seiten. Mit einem Titelbild und 30 Bildern im Text von der Verfasserin. Ganzleinen 3,60 RM. (Herold-Verlag, Stuttgart.) — (448) — Die bekannte österreichische Dichterin erzählt in diesem schönen Buche von einem jungen Mädchen, das tapfer seinen Weg ins Leben geht. Brigitte läßt sich nicht unter» krieyen und arbeitet trotz aller Schwierigkeiten zäh auf chr Ziel hin. — Wie in allen Büchern von Maria Grengg sind auch hier ernste Fragen in schlichter Form berührt und alle Gestatten atmen die Liebe und Mütterlichkeit, die Maria Grenggs Gestalten saft immer eigen sind. — Molli. Eine Geschichte erdacht und illustriert von Clare Turlay N e w b e r r y. Aus dem Amerikanischen übertragen von I p f. 31 Seiten mit zweifarbigen Kupfertiefdruckbildern. 2,25 RM. Verlag Josef Scholz, Mainz. 1938. — (433) — Das Buch vom Kätzchen Molli wird dis Kinder entzücken und die Großen, die ein Herz für Kinder und Tiere haben, werden an der Freude der kleinen Leser mit Vergnügen teilnehmen. Denn in dieser klaren Geschichte wird das Tier weder verniedlicht noch vermenschlicht, sondern es bleibt ein Geschöpf, das sein eigenes Da* fein febt Teppiche öoucle unü Fitis# Hallo! Hallo! 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