Nr. 206 Erstes Blatt 188. Jahrgang Samstag, 3^§onntag,4- September 1958 Lrlchewr rügllch, äuget Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle MonalS'Bezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt 8ernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sietzen Postscheckkonto: Zrantfurt am Main 11688 Gießener Anzeiger Annahme oon Anzeigen für die Mittagsnumme» vis8'/,Uhrdes Dormittags Srnndpretfe für l mm höhe für Anzeigen oon 22 mm Breite 7 Rpf.. für Text, anzeigen von 70 mm Breite 50Rpf.,Platzvorschrift nach oorh.Dereinbg.25°/, mehr. Ermäßigte Srnndpretfe: General-Anzeiger für Oberhessen Ormft und Verlag: vrühlsche UnlverfitStrdrllckerei «.Lange in Sietzen. 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Dieses heimtückische System der Entdeutschung des öffentlichen und privaten Lebens in Sudetendeutschland ist die Quelle der Vergiftungserscheinungen, die sich im gesamten Staatsorganismus finden. Systematisch wurden alle Stellen, die irgendwie vom Staate abhängig waren, vom leitenden Posten bis zum letzten Arbeiter, durch Tschechen besetzt. Das ist mit solcher Gründlichkeit üurchgeführt worden, daß heute in den sudetendeutschen Gebieten das Verhältnis der deutschen und der tschechischen Beamten in Staatsstellen meist das Umgekehrte der Beoölke- rungszusammensetzung ist. Besonders auffallend ist dabei, daß die Anfangsstellungen, also diejenigen, aus denen der Nachwuchs hervorgehen soll, fast ausschließlich mit tschechischen jungen Leuten besetzt wurden. In der Staatspolizei, deren Wichtigkeit.angesichts des gegen die Sudetendeutschen inszenierten Terrors besonders deutlich in die Augen springt, find fast gar keine Deutschen mehr tätig. Kürzlich wurde mit großem Pomp von den Tschechen angekündigt, daß sie sechs Postmeisterstellen an Deutsche vergeben wollten, und eine gewisse dienstfertige Presse hatte nichts Eiligeres zu tun, als diese Ankündigung als einen Ausdruck tschechischer Versöhnlichkeiten auszuposaunen. Abgesehen davon, daß bis zum heutigen Tage die amtliche Ernennung der deutschen Postmeister immer noch nicht erfolgt ist, würden diese wenigen Stellen doch bei weitem nicht ausreichen, um das Unrecht gutzumachen, das den Deutschen in der Vergebung von Staatsstellen zugefügt wurde. Aehnlich ist es in der Justizverwaltung. Wenn man in Prag kürzlich ankündigte, daß in Eger ein deutscher Kreisgerichtspräsident ernannt werden würde, so ist auch das nur ein Täuschungsversuch, weil gar kein Zweifel darüber bestand, daß diese von einem Deutschen verlassene Stelle wieder von einem Deutschen besetzt werden würde. Von den 18 Kreisgerichtspräsidenten, die es in Böhmen gibt, ist augenblicklich nur die Stelle in Brüx von einem ^Deutschen besetzt, während die anderen auf deutschem Gebiet liegenden Stellen, sieben an der Zahl, von tschechischen Richtern eingenommen werden. Aber auch auf den unteren Richterstellen wird das Deutschtum immer weiter zurückgedrängt durch tschechische Richte die die deutsche Sprache meist nur sehr unvollkommen beherrschen, so daß sie sich mit den Parteien kaum verständigen können. Bekannt ist auch die tschechische Schulpolitik, nach der in deutschen Gemeinden schon für wenige tschechische Kinder eigene Schulen errichtet werden. Eine andere Entdeutschungsmaß- nahme besteht in der Heranziehung von tschechischen Arbeitern für alle staatlichen Neubauten und in der Ausübung eines Drucks auf fudetendeutfche Unternehmungen, tschechische Arbeiter aufzunehmen, falls sie auf Staatslieferungen Wert legen. Die tschechische Siedlungspolitik hat es ferner ermöglicht, daß rein deutsche Gebiete allmählich mit tschechischen Bauern durchsetzt wurden, die in frivoler Weise den Namen „Grenzler" angenommen haben, obwohl sie aus dem Innern des Landes stammen. Aber gerade diese zusammen mit den tschechischen Beamten fühlen sich als Herren des Landes und treten dementsprechend auf. Nur allzu verständlich ist es deshalb, daß Konrad Henlein die Forderung aufgestellt hat, daß den Sudetendeutschen in ihrem eigenen Lande das Hausrecht wiedergegeben wird, und daß all die schädlichen Folgen der Tschechisierungspolitik wiedergutgemacht werden. ’ Natürlich ist es den Tschechen vollkommen klar, daß sie mit diesen Methoden gegen ihre viel gerühmten demokratischen Grundsätze verstoßen, und sie haben dann auch alle möglichen Versuche unternommen, um den Tatbestand zu verschleiern. Aber trotz der Krise und trotz ihrer Beteuerungen, daß sie den Forderungen der Dudetendeutschen Verständnis entgegenbringen wollten, haben sie nicht aufgehört, ihre Methoden weiterhin anzuwenden, und zwar nicht nur in Einzelfällen, sondern ganz systematisch überall, wo Sudetendeutsche wohnen. Gerade in letzter Zeit sind wieder Maßnahmen bekannt geworden, die die Ueberführung der im sudetendeutschen Gebiet gelegenen wirtschaftlichen Betriebe in tschechische Hände bezwecken. Daß solchen Umgruppierungen weitere Entlassungen folgen werden, liegt auf der Hand. Die Verlegung der Verwaltungen aus sudetendeutschen Orten nach Prag ist ebenfalls darauf berechnet, die Steuerkraft der Gemeinden zu schwächen und außerdem die ortseingesessenen Lieferanten zu benachteiligen. Auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zeigt sich also diese für das Zusammenleben von Deutschen und Tschechen so abträgliche Erscheinung. Daß die Tschechen ihre Absichten in keiner Weise aufgegeben Haden, ist am besten auch daraus ersichtlich, daß in den bisher bekannt gewordenen Vorschlägen immer besondere Klauseln enthalten waren, durch die der unnatürliche Zustand der tschechischen Untersiedlung in den sudetendeutschen Gebieten aufrechterhalten, ja sogar durch besondere Bestimmunaen aeschützt werden soll. Reue Belastungen in der Tschecho-Slowakei. Immer wieder Ausschreitungen und Beleidigungen gegen das Deutschtum. Zuchtlose tschechische Soldateska. Prag, 2. Sept. (DNB.) Wie von zuverlässiger Seite bekannt wird, wurde in Zwickau bei Böh- misch-Leipa in einer tschechisch-kommunistischen Versammlung in unerhört scharfer Weise gegen die Sudetendeutsche Partei und das Deutsche Reich gehetzt. G^nz übel tat sich dabei der Stabskapi- t ä n der Reserve Stanorvsky hervor, der im Verlauf seiner Hetztiraden u. a. behauptete, die SDP. habe nichts anderes zum Ziele, als den Staat zu zertrümmern. Ferner plane Deutschland, die Tschecho-Slowakei zu überfallen. Die Linksparteien müßten diesen Absichten jedoch zuvorkommen. Man ist nachgerade bei der Unzahl der tschechischen Verleumdungen und Verdächtigungen übelster Art allerhand gewohnt. Was sich hier aber ein immerhin in höherem Range stehender Vertreter des tschechischen Militärs an schmutzigen Behauptungen leistet, erlaubt immerhin einen neuen tiefen Einblick in die Geistesverfassung gewisser tschechischer Kreise, die außer Haß und Ehrabschneiderei nichts anderes mehr zu kennen scheinen. * Wie aus sudetendeutschen Kreisen berichtet wird, kam es in Komotau erneut ^u bezeichnenden Zwischenfällen. Am 27. August versuchten einige tschechische Soldaten deutsche Gäste, meist sudetendeutsche Parteikameraden, im Gasthaus „Zur Stadt Leipzig" in Komotau durch herausfordernde Reden zu provozieren. Da diese plumpen Herausforderungen nicht beantwortet wurden, verließen die tschechischen Soldaten das Lokal, holten Verstärkungen herbei und belagerten das Gasthaus, wobei alle Fenster eingeschlagen und die Tür zertrümmert wurde, und zwar mittels Steinwürfen oder durch Schläge mit dem Bajonett. Obgleich man einen der Angreifer feststellen konnte, gibt die Polizeibehörde an, von diesem Vorfall keine Kenntnis zu haben. Der Schaden, den der Wirt erleidet, ist beträchtlich. Wie erst jetzt bekannt wird, hat sich am 30. August in Komotau noch ein weiterer feiger lieber- fall tschechischer Soldaten auf Sudeten d e u t s ch e ereignet. Als drei Angehörige der Sudetendeutschen Partei aus der Jahn-Turnhalle heimgingen, standen in der Nähe des Stadtparks zwei tschechische Soldaten, von denen der eine ohne jede Ursache einen der Sudetendeutschen mit einem Faustschlag ins Gesicht niederstreckte und den anderen mit seinem Bajonett bedrohte, dann aber unerkannt die Flucht ergriff. (Em zu Hilfe gerufener Polizist erklärte dem Angegriffenen, er ver - st ehe kein Deutsch, man müsse hier tschechisch sprechen (!). Erst nach Ansammlung einer größeren Menschenmenge begab sich der Polizist auf die Nachforschung nach dem Täter, der natürlich nicht mehr sestgestellt werden konnte. Auf Grund dieses und der anderen Vorfälle, die sich in Komotau ereignet haben, hat die Sudetendeutsche Partei und das Bürgermeisteramt beim Polizeikommando schärfsten Einspruch gegen die Schutzlosigkeit der deutschen Bevölkerung erhoben. * In Tachau im südlichen Pöhmerwald „vergnügten" sich tschechische Soldaten nachts damit, gröhlend und brüllend durch die stillen Gassen zu ziehen, die Einwohnerschaft aus dem Schlafe zu erschrecken und dann vor den ans Fenster Gestürzten höhnend mit ihren Bajonetten herumzufuchteln. Dann stachen sie wild auf deutsche Plakate ein und zerstückelten sie. Auch bas Abzeichen der Ortsleitung der SDP. versuchten sie herabzureißen. Wieder Schüsse über die Grenze. Dresden, 2. Sept. (DNB.) Am Donnerstag ereignete sich auf dem Wege vom Afchberg zum {□genannten Eisenstein in unmittelbarer Nähe der deutsch - tschecho - slowakischen Grenze ein Vorfall, der fast aufs Haar der am 31. August gemeldeten Freveltat gleicht, bei der tschechische Uniformierte an der Grenze bei Oelsen auf eine deutsche Zollwache schossen. Am Donnerstag versah auf dem Grenzweg der Zollassistent Rudolph aus Mühlleiten den Streifendienst. Plötzlich wurde aus dem Walde von der tschechischen Seite aus ein Schuß abgegeben. Die Kugel flog dicht an dem Beamten vorüber. Der Schuß war sowohl von anderen in der Nähe diensttuenden Beamten, als auch von KdF.-Urlaudern und Ausflüglern, die sich auf dem viel begangenen Waldweg von Sachsen- berg-Georgenthal nach Mühlleiten befanden, gehört worden. Kurz, nachdem der Schuß gefallen war, wurden im Walde zwei tschechische Grenzbeamte beobachtet, die sich entfernten. Die Ermittlungen wurden vom Leiter des Bezirkszollkommissariats Klingenthal sofort an Ort und Stelle ausgenommen. Wie die Ermittlungen ergeben haben, steht einwandfrei fest, daß von tschechischerSeite aus über dieGrenze herübergeschossen worden ist. Verhandlungen aus der ganzen Linie. Henleins Besuch beim Führer. Auf Wunsch Runcimans. Berchtesgaden, 2. Sepf. (DRV.) Der Führer empfing am Freitag auf dem Obersalzberg den Führer der Sudetendeutschen, Konrad Henlein, der ihm aus Wunsch Lord Runcimans einen Einblick in den derzeitigen Stand der Verhandlungen mit der Prager Regierung geben sollte. Der Führer nahm die Aufklärungen mit Interesse zur Kenntnis. Es ergab sich dabei eine vollkommene lleberelnstimmung in der Beurteilung der Lage. Konrad Henlein, der noch am Mittagsttsch des Führers teilnahm, verließ am Rachmillag den Berghof. Sudetendeutsche Vertreter bei Venesch. Montag Fortsetzung der Verhandlungen. Prag, 2. Sept. (DRV.) Das Sekretariat der Mission Lord Runcimans hat am 2. September, um 19.30 Uhr, folgenden Bericht ausgegeben: „Der Präsident der Republik, Dr. Eduard Bene s ch, empfing um 17 Uhr Lord Runciman und teilte ihm mit, daß er heute die Vertreter der Sudetendeutschen Partei empfing und mit ihnen von 10.30 Uhr bis 14.30 Uhr verhandelte. Die Verhandlungen wurden verschoben und werden am Montag fortgesetzt werden." London wartet ab. London, 3. Sept. (Europapreß. Die Londoner Blätter beschäftigen sich noch am Samstagmorgen mit der Besprechung des Führers Und Konrad Henleins auf dem Obersalzberg und glauben, darin eine weitere Besserung der Lage sehen zu dürfen, die die Weiterführung der Verhandlungen ermögliche. Soweit sich die Blätter weiter mit der Entwicklung beschäftigen, find ihre Ausführungen aus einen äufjerft zurückhaltenden Ton gestimmt. Einmütigkeit und volles Vertrauen. P r a g , 2. Sept. (DNB.) Das Presseamt der SDP. teilt mit: Unter Teilnahme des Stellvertreters Konrad Henleins, Abg. Frank, sowie von Hauptleitern, Kreisleitern und Landesvertretern fand Freitag nachmittag im Deutschen Haus in Prag eine Sitzung des Parlamentarischen Klubs der Abgeordneten und Senatoren der Sudetendeutfchen Partei und der Karpathendeutschen Partei statt. Der Bericht des Kluboorsitzenden und Delegationsführers der SDP., Abgeordneten Kundt, zur politischen Lage und über die bisher von der sudetendeutschen Parteiführung in den Verhandlung gen eingehaltene politische Linie im Sinne der Verwirklichung der acht Karlsbader Forderungen Konrad Henleins wurde einmütig gebilligt. Insbesondere kam das volle Vertrauen der Klubsitzung zur Parteiführung und sudetendeutschen Parteidelegation $um Ausdruck. Abschließend gab Propagandaleiter Abg. Sandnerfür Sprecher bei. den bevorstehenden Parteiveranstaltungen Richtlinien bekannt. Gau Hessen-Nassau zum Reichsparieiiag gerüstet. Unterredung mit Gauleiter Sprenger. NSG. Gauleiter Reichsstatthalter Sprenge r gewährte unmittelbar vor Abschluß der Vorbereitungsarbeiten für den diesjährigen Reichsparteitag dem NS.-Gaudienst eine Unterredung, in der er besonders über das Zeltlager, das in diesem Jahr zum ersten- mal von den Politischen Leitern des Gaues Hessen-Nassau bezogen wird, Ausführungen machte.. Die Unterredung hatte folgenden Wortlaut: Frage: „Der Reichsparteitag erfordert alljährlich von den Gauen besondere Anstrengungen. Wird sich der Reichsparteitag 1938 für den Gau Hessen- Nassau irgendwie wesentlich oon den vorhergegangenen Parteitagen unterscheiden?" Gauleiter: „Für uns ist in diesem Jahre in-' sofern eine Veränderung eingetreten, als wir dieses | Jahr erstmalig in einem Zeltlager und nicht mehr in Schulen untergebracht werden." Frage: „Das erfordert doch eine Umstellung der ganzen Vorbereitungsarbeiten gegenüber den früheren Jahren?" Gauleiter: „Bis zu einem gewissen Grad ja. Aber vergessen Sie nicht, daß die Frage der Unterbringung nur einen Teil der gesamten Vorbereitungsarbeiten bildet. Gegenüber den teilweise sehr unzulänglichen Unterkunftsmöglichkeiten in den Schulen bedeutet dasLager eine erhebliche Verbesserung. Worauf ich entscheidenden Wert gelegt habe, ist die Ausstattung der Zelte. Es kam mir darauf an, sie so zu gestalten, daß auch bei schlechtem Wetter und Regen der Aufenthalt in ihnen erträglich ist. Eine Reihe von neuen Anschaffungen war notwendig." Frage: „Wo ist das Lager errichtet und wie sind die Verkehrsverbindungen zur Stadt?" Gauleiter: „Das Lager liegt in der Gemarkung Moorenbrunn, einige Kilometer vom Zeppelinfeld entfernt. Zum nächsten Bahnhof ist ein Omnibus-Pendelverkehr eingerichtet. Der Aufmarschweg zum Zeppelinfeld ist vom Lager aus kürzer, als von den vorjährigen Quartieren aus. Für den Aufmarsch zum Fackelzug habe ich einen Sonderzug bis Nürnberg-Hauptbahnhof einlegen lassen. Es wären sonst an diesem Abend von unseren Politischen Leitern etwa 30 Kilometer Marsch zu leisten gewesen." Frage: „Die Verpflegung wird wohl wie in den vergangenen Jahren gehandhabt werden?" Gauleiter: „Nein, auch hier ist eine Aende- rung eingetreten. Während wir uns in den vergangenen Jahren selbst verpflegten, hat diesmal der HilfszugBayern dieVerpflegung übernommen. Der Hunger unserer Nürnberg-Fahrer wird aber dadurch nicht schlechter gestillt werden, als früher." Frage: „Es ist aber doch schwieriger, trotz der vorhandenen Verkehrsmittel, vom Lager aus in die Stadt Nürnberg hereinzukommen, als in den früheren Jahren. Ist nicht unter diesen Umständen mit dem ständigen Aufenthalt einer großen Anzahl Politischer Leiter im Lager zu rechnen?" Gauleiter: „Doch, aber auch dafür ist Vorsorge getroffen. Bis zum Tage des Aufmarsches auf dem Zeppelinfeld, d. h. bis zum 9. September, wird uns die Vorbereitung des Aufmarsches noch in Anspruch nehmen. Für die Tage nach dem Aufmarsch ist für ständige Unterhaltung im Lager durch Musik, Filmvorführungen usw. Sorge getragen." Frage: „Wir haben schon, Gauleiter, über die Auswahl der Pistolenschützen des Gaues geschrieben. Wie beurteilen Sie die Aussichten unserer Mannschaft?" Gauleiter: „Sie roiffen, daß man bei derartigen Wettkämpfen kaum eine Prognose stellen kann. Ich habe mir die Auswahl der Schüt- zen besonders angelegen sein lassen und glaube, daß wir mit dem Ergebnis unserer Mannschaft zuftieden jein können." Frage: „Sind noch besondere Anforderungen zu erwarten, die an die Nürnberg-Fahrer gestellt werden?" Gauleiter: „Ja, es sind oon uns 600 Mann für Absperrungen amTagderSA. angefordert." Frage: „So ist also alles vorbereitet, daß der Reichsparteitag 1938 für die Politischen Leiter Ihres Gaues auf der einen Seite wohl die gleichen Anstrengungen, aber anderseits auch das gleiche unerhörte Erlebnis bringen wird?" (Bauleiter: „Der äußere Ablauf unserer Nürnberg-Fahrt ist so vorbereitet, daß es sich reibungslos gestalten wird. Ich weiß, daß ich mich auf bit Politischen Leiter des Gaues Hessen-Nassau verlassen kann. Ich habe im Lager für mich einen Arbeitsraum einrichten lassen und werde mich täglich, soweit es meine Zeit zuläßt, dort aufhalten. Wenn wir zurückkommen, wenn wir den Führer gehört und gesehen haben, wenn wir ihm unter die Augen getreten sind, dann werden wir daraus für da» kommende Arbeitsjahr neue Kraft geschöpft haben." Genau beachten? DNB. Zum bworstehenden Reichsparteitag, der Teilnehmer aus allen deutschen Gauen nach Nürn- berg fuhrt, wird erneut zur unbedingten Beachtung bekanntgegeben: 1. Das Werfen von Blumen in die Wagen des Fichrers und feiner Begleitung ist wegen der damit verbundenen Gefahr für die Insassen der Wagen strengstens untersagt. 2. Den getroffenen Adsperrmaßnahmen ifk vollstes Verständnis entgegenzubringen. Das Heran- fpringen an den Wagen des Führers ist unter allen Umständen z u unterlassen, da sonst schwere Unfälle verursacht werden können. Beleidigung der Ehre Italiens. Italienischer Protest in Prag. Prag, 2. Sept. (DNB.) Der jüdisch-marxistische „Prager Mittag" hat sich mit einer schäm- losen Verleumdung der nationalen Ehre Italiens erneut in die Front der tschechischen Hetzer und Provokateure gestellt. So kümmerlich dieses dummdreiste Unterfangen auch sein mag, mit Hilfe von Druckerschwärze einen Keil zwischen Deutschland und Italien zu treiben, so kann doch ein derartig unverschämter Versuch übelster Brunnenvergiftung nicht scharf genug gebrandmarkt werden. Der italienische Gesandte in Prag, Francesco F r a n s o n i, hat unmittelbar nach Bekanntwerden dieser ungeheuerlichen, beleidigenden Verleumdung namens seiner Regierung P r o t e st beim tschecho-slowakischen Außenministerium erhoben. Die gesamte italienische Presse nimmt mit Empörung von den Sudeleien des jüdischen Leitartiklers des „Prager Mittag" Kenntnis, die mit unmißverständlicher Schärfe zurückgewiesen werden. Es wird übereinstimmend darauf hingewiesen, daß die italienische Nation unter keinen Umständen gewillt ist, derartige Machenschaften zu dulden. Die tschechische Hetzkampagne kennt offenbar überhaupt keine Grenzen mehr. Nicht genug damit, daß man durch wüste Schmähungen gegen Konrad Henlein und die Sudctendeutschen der Unruhe im Lande und auch außerhalb der Grenzen täglich neue Nahrung gibt, die Ehre der deutschen Wehrmacht in den Schmutz tritt und die europäische Oeffentlichkeit fortwährend gegen das Deutschtum aufzuhetzen sich bemüht, macht man jetzt auch den Versuch, das deutsch-italienische Freundschaftsverhältnis zu trüben. Em aussichtsloses Bemühen allerdings, das ebenso lächerlich, wie kindisch anmutet! Jüdische Schmierfinken dieser Sorte wären die Letzten, die das zu Wege bräcyten. Dennoch ist es hoch an der Zeit, daß sich die Prager Regierung schon im Interesse ihres eigenen Ansehens endlich zu Taten aufrafft, um derartigen Unruhestiftern, die immer dreistere Lügen in die Welt setzen, das unsaubere Handwerk zu legen. „Unter gutes deutsches Recht." Sudetzndeutsche behalten die Nerven. — Gegen tschechische Irreführung. Prag, 3. Sept. (DNB.)' Die sudetendeutsche „Rundschau" schreibt in ihrer Ausgabe vom 3. September zur gegenwärtigen Lage: „Die sogenannte tschechische öffentliche Meinung stand bis vor wenigen Tagen völlig unter dem Druck einer Pressepropagonda, die mit allen Mitteln bemüht war, den Teufel eines neuen Weltbrandes an die Wand zu malen. Blättert man die tschechische Presse und ihre deutschgeschriebenen Anhängsel durch, so muß man den Eindruck erhalten, als ob eher heute als morgen die Flammen eines Weltkrieges aus dem Gebäude Europas schlagen müsse. Solcher vom Zaun gebrochenen Sensationen gibt es jeden Tag neue. Als eine solche Sensation meldete man den von der Prager Regierung noch gar nicht nörgele gten „neuen Plan" und malte ihn in den rosigsten Zukunftsfarben aus. Wir kennen diese Methoden der üppig verstreuten Vorschußlorbeeren. Wir haben sie zur Genüge vor dem 18. Februar 1937, vor der Veröffentlichung des Nationalitätenstatuts und noch einige Male öfters kennengelernt." Die „Rundschau" weist darauf hin, daß von dem sogenannten „neuen Plan" -inhaltlich nichts bekannt sei und daß jetzt in der Oeffentlichkeit das Wort „Kantonalsystem" umgehe. Die „Rundschau" deutet die Befürchtung an, daß es sich bei der Kolportage dieses Schlagwortes ohne die gleichzeitige inhaltliche Umschreibung um eine irreführende Raffinesse handeln könne, und zwar um folgende Schiebung: Da dieses Kantonalsystem nicht beschrieben worden sei, müsse der Unbefangene dazu neigen, an Kantone nach Schweizer Muster zu denken. Hingegen, so stellt die „Rundschau" fest, besage das Wort an sich noch gar nichts, es sei möglicherweise nur als Lochwort von den betreffenden Stellen gewählt worden, um die Sudetendeutschen vor der Welt fälschlicherweise ins Unrecht zu setzen, falls bei dem sogenannten „neuen Plan" auch wieder nichts Gescheites herauskomme. Die „Rundschau" schreibt hierzu: „Wir Sudetendeutschen haben die Nerven nicht verloren, als es um Sein oder Nichtsein unserer Bewegung ging. Wir gedenken unsere bekannt guten Nerven auch nicht zu verlieren, wenn man uns fälsch-- l i ch und fälschend die Last der Verantwortung für den Frieden Europas aufzubürden versucht. Wo in Wahrheit die Verantwortung dafür liegt, daß das sudetendeutsche Problem zu einem Weltfriedensproblem wurde, ist für uns eindeutig klar: Bei jenen, die die Existenz einer dreieinhalb Millionen st arten Volksgruppe im tschecho-slowakischen Staate einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollten, als das Nationalitäten- vroblem der Tschecho-Slowakei noch kein Weltfrie- oensproblem war. Konrad Henle in,und die von ihm beauftragte Derhandlungsdelegation der Sudetendeutschen Partei wissen, daß das ganze S u d e t e n d e u t s ch t u m in ruhigem Vertrauen abzuwarten bereit ist, welche Entscheidungen fallen werden. Weder Panikmacher, noch Sensationsgerüchte werden uns abhalten können, mit all der notwendigen Entschiedenheit den Weg weiterzugehen, den uns das Gefühl, unfergutes deutsches Recht weist." Unangenehme Wahrheiten werden nicht vertragen. Prag, 2. Sept. (DNB.) Wieder ist die Freitagausgabe der sudetendeutschen Zeitung „Die Z e i t" beschlagnahmt worden. Während am Donnerstag eine harmlose Notiz im Kunstteil den Zorn des Prager Zensors erregte, ist es in der Freitagausgabe ein Zitat der „Lidove Listy", das „Die Zeit" unter der täglichen Rubrik „Mancher läßt sich vielleicht einreden ..." veröffentlicht hat. Damit sind die Sudetendeutschen bereits seit drei Tagen ohne ihre Zeituna und damit der Nachrichtenkampagne der tschechischen Hetzpresse ausgeliefert — ein Zustand, der wahrscheinlich der Befriedung der Lage dienen soll. Ahnen verpflichten das ganze Volk. Veichsführer ff Himmler vor den Ausländsdeutschen. Stuttgart, 2. Sept. (DNB.) Im Rahmen der 6. Reichstagung der Auslandsorganisation der NSDAP, sprach in der Stuttgarter Gewerbehalle am Freitag, wie auch schon im vergangenen Jahre, der Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler zu Tausenden auslandsdeutscher Männer und Frauen. In einer fast zweistündigen, immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochenen Rede entwickelte er die Auffassung des Nationalsozialismus zu den Gru nd p r o b l e m e n unseres völkischen Lebens. Er stellte seinen Ausführungen die Erkenntnis voran, daß es nicht angehe, wie man es früher getan habe, nur in einer Generation zu denken, nämlich der Lebenden. „Ein V o l k, d a s Ahnen hat, hat Kinder", stellte er unter stürmischer Zustimmung fest. „Ebenso wie ein Baum verdorren muß, wenn man ihm die Wurzeln nimmt, geht ein Volk zugrunde, das nicht seine Vorfahren ehrt. Es gilt, den deutschen Menschen wieder hineinstellen in den ewigen Kreislauf von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von Vergehen, Sein und Werden, von Ahnen, Lebenden und Enkeln." An Hand der in der ff bereits mit bestem Erfolg durchgeftihrten und erprobten Maßnahmen und den daraus gemachten Erfahrungen entwickelte der Reichsführer die Wege der Volkserzie- h u n g, die eingeschlagen werden müssen, um auf allen Gebieten des öffentlichen und privaten Lebens Sauberkeit und Derantwortungsbewußtsein dem deutschen Menschen als selbstverständlichen Lebens- arundsatz einzuimpfen. Mit Stolz konnte er in diesem Zusammenhang die Feststellung treffen, daß schon jetzt, Dank der tatkräftigen Arbeit der nationalsozialistischen Staatsführung, die Kriminalität in Deutschland niedriger ist als irgendwo sonst in der Welt. Mit innerer Aufgeschlossenheit und starker Anteilnahme hörten die Tausende auslandsdeutscher Männer und Frauen, die in vielen Teilen der Welt so oft erleben müssen, wie der Oeffentlichkeit des Auslandes von böswilligen Kreisen ein Zerrbild der wirklichen Verhältnisse in ihrer Heimat vermittelt wird, aus dem Munde eines der Männer' die an hervorragender Stelle in der Staatsführung stehen, mit welch hohem Verantwortungsgefühl die ff-- Führung, ebenso wie auch die anderen Gliederungen der Bewegung, mutig und entschlossen daran gehe, alle Probleme zu lösen, die das Leben aufwirft, nur beherrscht von einem Grundgedanken: Unserem Volke zu dienen, seinen Fortbestand über die Jahrhunderte hinweg zu sichern und es einer glücklichen Zukunft entgegenzuführen. Der stürmische Beifall, mit dem die Tausende dem Reicksführer ff für diese von hohem Ernst erfüllten Ausführungen dankten, war ein Beweis dafür, wie" sehr er jedem einzelnen seiner auslanüs- deutschen Zuhörer aus der Seele gesprochen hatte. Auch die Stuttgarter Bevölkerung bereitete dem Reichsführer auf seiner Fahrt durch die Stadt herzliche Ovationen. Japans Unterrichtsminister an die HZ Empfang der japanischen Iugendführer beim Reichsjugendführer. München, 3. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Iugendführer des Deutschen Reiches, Baldur von Schirach, empfing am Freitagabend in der Hauptstadt der Bewegung die von der kaiserlich- japanischen Regierung entsandte I u g e n d f ü h - r e r a b o r d n u n g. Zum Empfang waren mit dem Reichsjugendführer, dem Stabsführer Lauterbacher und einigen Amtschefs der RIF. auch eine Reihe von Ehrengästen erschienen, unter ihnen Reichsleiter B o u h l e r. Der Reichsjugendführer unterstrich die große Herzlichkeit und Freundschaft, mit der die im August in Japan eingetroffene deutsche Abordnung der Hitler-Jugend vom japanischen Volk und der japanischen Jugend empfangen worden sei, und empfand es als ein Bedürfnis, für die vielen Ehrungen, die den Hitler-Jugend-, führern während ihres Aufenthaltes in Japan von den höchsten Stellen des Staates und der Wehrmacht zuteil geworden sind, Dank zu sagen. In seiner Erwiderung gab der Führer der japanischen Gruppe, Ministerialrat Asahi na, dem herzlichen Dank für den Empfang Ausdruck und erklärte, daß die japanischen Iugendführer überall in Deutschland freundlichst, gastlich und kameradschaftlich ausgenommen worden seien. Man habe die Arbeit der HI. von den Stäben bis herab zur untersten Einheit gründlich kennengelernt und ebenso auch Einblick genommen in die Zusammenarbeit aller Stellen von Partei und Staat. Mit Bewunderung hätten die japanischen Iugendführer gesehen, daß auf allen Gebieten des Staates, der Kultur, sowie der geistigen und körperlichen Ertüchtigung die Hitler- Jugend in harmonischer Weise eingeschaltet sei und vielfach auch führend hervortrete. Ministerialrat A s a h i n a verlas sodann eine Botschaft des kaiserlich ° japani.schen Unterrichtsmini st ers Barons Araki an den Iugendführer des Deutschen Reiches. In dieser Botschaft weist der Unterrichtsminister darauf hin, daß die Grundlage der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan die tiefe geistige Verwandtschaft der beiden Völker und die gemeinsame feste Ueberzeu- gung sei, frei von allem individualistisch-materia- listischen Zwang dem erhabenen nationalen Geist zu leben. Das Antikomintern-Abkommen ; Dom Herbst 1936 habe die innige Freundschaft der beiden Völker noch fester gestaltet. Die Botschaft spricht dann von dem glanz8lW^ M ' V >'?. sr Vt;l vollen Aufstieg, den das Deutschland Adolf Hitlers nimmt und stellt fest, daß die zähe Beharrlichkeit des deutschen Volkes um die Erringung erhabener Ziele das japanische Volk immer wieder mit neuer Bewunderung und Verehrung erfülle. Auch das japanische Volk schreite, in sich fest geschlossen, unentwegt auf das vorgesteckte Ziel zu. In der Botschaft gibt schließlich Baron Araki seiner Bewunderung Ausdruck über das unvergleichliche Jugendwerk des n a t*0 n a ’ sozialistischen Reiches, und er fahrt fort. daß auch Japan stets bestrebt sei, seine tausendjährige heilige Ueberlieferung in seiner Jugend lebendig zu erhalten. , Zur Erinnerung an die eindrucksvolle Feierstunde, die einen weiteren Markstein in der Geschichte der freundschaftlichen Beziehungen der Jugend beider Völker und der beiden Nationen bildet, wurden zwischen dem japanischen Iugendführer und dem Iu- gendfübrer des Deutschen Reiches sinnvolle Geschenke uusgetauscht. . Japanische Schriftleiter als Gäste im Presseamt der DAF. Unser Bild zeigt die japanischen Schriftleiter während eines Vortrages im Presseamt der DAF. in Berlin. — (Presseamt der DAF. — Scherl-M.) Keine Juden in italienischen Schulen. Ein weiteres Gesetz zum Schuh der italienischen Vaste. Rom, 2. Sept. (Europapreß.) Der italienische M i n l st e r r a t hat am Freitag den Ausschluß aller jüdischen Professoren vom Unterricht an den Hochschulen, sowie den wissenschaftlichen, literarischen und Kunstinstituten und Vereinigungen beschlossen. In der Erwartung, daß der Große Rat des Faschismus die Stellung der Juden innerhalb der Nation in ihrer Gesamtheit vom faschistischen Gesichtspunkt darlegen werde, hat der Unterrichtsminister Bottai ein Gesetz zum Schutze der Rasse in den faschistischen Schulen vor- gelegt. Zum Unterricht in den staatlichen und halbstaatlichen Schulen, sowie an allen Privatschulen, deren Lehrgänge gesetzliche Wirkung haben, dürfen keine Personen jüdischer Rasse mehr zugelassen werden und ebenso nicht als freie Dozenten und Universitäts-Assistenten. Ferner dürfen zu den Schulen, deren Lehrgänge gesetzlich anerkannt sind, keine Schüler jüdischer Rasse mehr zugelassen werden. Vom 16. Oktober an werden alle Lehrer jüdischer Rasse ihres Amtes enthoben, ebenso die Gymnasialdirektoren und Schulleiter, die Universitätsassistenten und das Aufsichtspersonal der Grundschulen und die freien Dozenten. Jüdische Mitglieder der Akademien der wissenschaftlichen Literatur- und Kunstinstitute und Vereinigungen gehen vom 16. Oktober an ihrer Mitgliedschaft verlustig. Studenten jüdischer Rasse, die in den vergangenen Lehrjahren bei höheren Lehranstalten eingeschrieben waren, können die Universitätsstudien ausnahmsweise noch fortsetzen. Als Jude wird betrachtet, wer von Eltern ab- stammt, die beide der jüdischen Rasse angehören, ganz gleich, ob er sich zur jüdischen oder einer anderen Konfession bekennt. GroberHaschistenrat für 1 Oktober dn&crufen. Rom, 2. Sept. (Europapreß.) Der Große Rat des Faschismus, der sich in seiner Gesamtheit mit der Judenfrage und der Stellung der Juden im Leben der Nation befassen wird, ist auf den 1. Oktober einberufen worden. Italien begrüßt die VegierungSmaßnahmen. Rom, 2. Sept. (Europapreß.) Die Befrei- ung der Schule von jedem jüdischen Einfluß wird von der faschistischen Presse lebhaft begrüßt, und es wird dabei betont, die Schule sei das heikelste und empfindlichste Glied der Nation, weil sie den Bürger und Soldaten, sowie den Berufstreibenden ausbilde. Die demagogische Schule vergangener Zeiten habe in den Gemütern der Jugend nur Verwirrung angerichtet. Die Schule des faschistischen Italien müsse den Geist der Jugend ohne Rhetorik und Demagogie dem Weltreich zu- wenden. Es heiße marschieren und nicht stehen bleiben. Der italienische vaterländische Gedanke müsse jeden anderen beherrschen. Der jüdische Einfluß in der Schule und im Unterricht sei in letzter Zeit zu stark geworden Die neuen Maßnahmen zeigten, daß die faschistische Regierung unbeirrt ihren Weg gehe und bereits eine neue Etappe erreicht habe. Italienische freunde und Kameraden. München, 3. Sept. (DNB.) Mit dem fahrplanmäßigen v°Zug von Rom trafen am Freitagabend hundert faschistische Jugend- führe r in der Hauptstadt der Bewegung ein, die der Sekretär der Faschistischen Partei, Minister S t a r a c e, als Vertretung der faschistischen Jugend zum Reichsparteitag entsandt hat. Reichsjugendführer Baldur von Schirach, Stabsführer Lauterbacher, mehrere Amtschefs der Reichsjugendführung und Reichshauptamtsleiter Dr. D r e s1 e r hatten sich u. a. zum Empfang eingefunden. Im Fürstensalon des Hauptbahnhofs begrüßte der Reichsjuaendführer die italienischen Gäste im Namen der Reichsregierung und der Reichsleitung der NSDAP. Er betonte, daß sie nicht als Fremde, sondern als Freunde und Kameraden zu uns kämen. Kanadische Bomber für England. Neue Flugzeugwerke in Kanada zur Steigerung der englischen Lustrüstung. London, 3. Sept. (DNB. Funkspruch.) Das Luftfahrtministerium hat am Freitagabend eine amtliche Mitteilung der auaenblicklich^in Kanada weilenden britischen Luftfahrtmission, die die dortigen Möglichkeiten über kanadische Flugzeuglieferungen an England überprüfen soll, veröffentlicht- In der Mitteilung wird angekündigt, daß die britische Regierung zusammen mit den hauptsächlichen kanadischen Flugzeugwerken und mit Unterstützung hervorragender finanzieller Organisationen Vorkehrungen für die Lieferung von Bombern auf Grund eines ausgedehnten Ankaufsprogramms getroffen hat. Die kanadischen Flugzeugfabriken werden demnächst ihre augenblickliche H e r st e l l u n g s f ä h i g- keit vergrößern und hauptsächlich Flugzeugteile Herstellen. Für den gleichen Zweck sollen zwei neue Werke in Montreal und Toronto gebaut werden. Zwecks Vereinheitlichung soll eine zentrale Gesellschaft gegründet werden,' die unmittelbar mit der britischen Regierung wegen dieser Lieferungen zu verhandeln hat. Weiter, so heißt es in der amtlichen Mitteilung, hätten die Vertreter der britischen Regierung mit den kanadischen Flugzeugfabrikanten Vorkehrungen besvrochen, um andere Flugzeugtypen an anderen Orten, so zum Beispiel in Vancouver und FortWilliams, herzustellen. Derartige Vorkehrungen würden gleichfalls die Errichtung neuer Flugzeugwerke oorsehen. Luftfahrtminister Kingsley-Wood hat eine Erläuterung zu dieser Mitteilung veröffentlicht, m der er erklärt, daß diese Mitteilung für die britische Verteidigung zur Lust ein großes Ereignis bedeute. In Anbetracht des großen Aktionsradius', den die Flugzeuge heute erreichten, werde diese Entwicklung Englands Schlagkraft wesentlich erhöhen. Die „Times" begrüßt die Bereitschaft der kanadischen Industrie und auch die Unterstützung, die die kanadische Regierung bei den Verhandlungen gewährt hat. Verfassungsmäßig sei die Haltung der kanadischen Regierung völlig korrekt gewesen. Die kanadische Regierung habe gezeigt, daß sie bereit ist, wirksam an der Verteidigung des gan-- zen britischen Handels mitzuarbeiten/ f ?ie "? aJ1 Mai l" begrüßt ebenfalls dis Tatsache, daß Kanada Bombenflugzeuge für die britische Luftwaffe liefern wird. Aber das Blatt knüpft daran die Bemerkung, daß das nicht dazu führen dürfe, daß die britische Regierung nun in ihren Be- muhungen nachlasse, selbst Flugzeuge in ent- sprechend hoher Zahl und möglichst schnell zu bauen. Chamberlains Erklärung vor drei Monaten, daß England im Laufe der nächsten zwei Jahre bis zur Grenze feiner Leistungsfähigkeit bauen müsse, müsse bis auf den letzten Buchstaben erfüllt werden. Wer bedroht Amerika? Flieger-Hauptquartier aus „strategischen Gründen" verlegt. ^Washington, 3 Sept. (DNB. Funkspruch.) Wie das Krlegsminlsterium mitteilt, wird das A°uptquartler der amerikanischen Luftstr eit krafte von Langley Field in der Nahe von Newport News im Staate Virginia aus „strategischen Gründen" nach Scott- field im Staate Illinois verlegt Der Kommandierende General der Luftstreitkräfte Gene- ralmajor A nd r e ro s wird mit seinem 'ganzen Stabe nach Illinois übersiedeln, sobald die nötigen Neubauten fertiggestellt find. Für den Bau des neuen Hauptquartiers wurden 4 857 000 Dollar bewilligt. Knegsminister Woodring erklärte hierzu, daß das neue Hauptquartier nur wenige Flugstunden von allen wichtigen Einheiten der amerikanischen Luftwaffe entfernt sei und im „geographischen Mittel- punkt des Landes" liege. Im Kriegsfälle wäre Scottfield daher gegen feindliche Fliegerangriffe gesichert. pariser Minifieriot Paris, 2. Sept. (DNB.) Der M i n i st e r r a t, der am Freitagoormittag unter Vorsitz des Präsidenten der Republik getagt hat, beschäftigte sich in erster Linie mit der Prüfung der außenpoliti- scheu Lage. Ministerpräsident Dalad ier hat dazu einen allgemeinen Bericht erstattet. Anschließend gab der A u ß e n m i n i st e r einen Ueberblick über den augenblicklichen Stand der diplomatischen Verhandlungen. Der Arbeitsminister machte Mitteilungen über den erfolgreichen Abschluß der Besprechungen mit den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeroertretern der Kohlenindustrie bezüglich einer Steigerung der Kohlenförderung. (Streif in 24 Lutefabriken Rordfrankreichs. P is , 2. Sept. (DNB.) In der Juteindustrie des Somme-Gebietes, insbesondere in den Werken per Gegend von Amiens und Abböoille, ist die ge- chmte Belegschaft von 24 Jutefabriken am greitag in den A u s st a n d getreten und hat die Werke besetzt. Die Zahl der Streikenden beläuft sich auf über 14000. Am Freitagnachmittag wehten bereits auf einer Reihe besetzter Werke rote Fahnen. Am Abeyd bildete sich in Amiens ein mehrere tausend Kundgeber zählender Umzug, der auf großen Plakaten die Aufrechterhaltung der Bl um sch en Gesetze forderte. 6200 Kilometer in 24 Stunden! Europarundflug eines deutschen Siebel-Ilugzeuges. Die zweimotorige „Siebet Fh 104". — (Scherl-Bilderdienst-M.) ' f A : i Vf , - ' >>3 -ff W ■ 4 tfc 116 ■ E ? -z' A' * f y**-*»^:' 'ff. > <’'d ' WZ W _ In den Morgenstunden des Freitag landete auf dem Flugplatz in C r o y d o n ein zweimotoriger Eindecker der Siebel-Flugzeugwerke, der sich auf einem Europa-Schnellrundflug befindet. Die Maschine, die um Mitternacht in Berlin abgeflogen war, wird von Diplom-Ingenieur Ziese gesteuert. Es handelt sich um den gleichen Typ, der bei dem achttägigen Internationalen Flugwettbewerb in Venedig im Juni d. I. siegreich blieb. Gegen 4 Uhr startete die Maschine, die um 3.30 Uhr in Croydon gelandet war, zum Weiterflug nach Paris. Die Siebel-Reisemaschine landete um 5 Uhr, von London kommend, auf dem Pariser 'Flughafen Le Bourget. Bereits eine halbe Stunde später startete die Maschine nach Rom; um 9.10 Uhr traf sie auf dem römischen Flughafen ein. Um 9.42 Uhr setzte sie ihren Weg nach Bukarest fort. Das Siebel-Flugzeug „F. H. 104" landete um 17.30 Uhr auf dem Warschauer Flugplatz und flog nach einem Aufenthalt von 20 Minuten nach Stockholm weiter. Dort ist es kurz vor 21 Uhr gelandet und um 21.10 Uhr zum Weiterflug nach Berlin gestartet. Nach genau 24 Stunden traf das Flugzeug wieder, über dem Flughafen Tempelhof ein. Es hat in dieser Zeitspanne die rund 6200 Kilometer lange Strecke Berlin—London—Paris— Rom—Bukarest—Warschau—Stockholm—Berlin zurückgelegt, wobei es in allen genannten Hauptstädten Zwischenlandungen vornahm. An Bord befanden sich außer dem Flugzeugführer Dipl.-Jng. Ziese der Funker S e e l i g , der Werkmechaniker Kobeln und ein Fluggast. BERLIN PARIS tOM. I 1 10NDO1 Karte zu dem deutschen Rekordflug über 12 Länder der jüngsten deutschen Fluazeugkonstruktionen vom Typ „Siedel Fh 104". — (Scherl-Bilderdienst-M.) Die beultot Aanga-parbal-Lkpedilion in Rom. Paul Bauer berichtet über den Kampf um den Bergriesen. Rom, 3. Sept., (DNB.) Fünf Mitglieder der jüngsten deut sch en Himalaja - Ex pdition trafen am Freitag unter Führung von Paul Bauer in der italienischen Hauptstadt ein, um auf dem Heimflug nach Deutschland hier zwei Tage Station zu machen. Vor einigen Wochen haben sie Srinagar in Kaschmir verlassen und erreichten über Lahore und Karatschi mit einer „Ju 52" den römischen Flughafen Littorio. Der Abend vereinte die Forscher für einige Stunden mit deutschen Freunden und gab Gelegenheit, einige bemerkenswerte Einzelheiten über die siebente deutsche Expedition zu erfahren, die gleichfalls die Ersteigung des Nanaa P a r b a t, des westlichen Eckpfeilers des Himalajas, zum ,Ziele hatte. Mit das Wesentlichste ist, so betonte Bauer, daß sich trotz der mehr als ungünstigen Witterung doch wertvolle Forschungsergebnisse erzielen ließen. Vor allem hat sich, im Gegensatz zu den beiden letzten, mit überaus schmerzlichen Verlusten verbundenen Unternehmungen, diesmal keinerlei Unglücksfall ereignet. In vielfachen Versuchen wurde der 8126 Meter hohe Nanga Parbat angegriffen, wobei die ganze Expedition bis zu Lager 7 in 7 250 Meter Höhe Vordringen konnte. Eine Bezwingung des Gipfels verwehrten aber auch diesmal die ungemein widrigen Witterungsverhältnisse, vor allem ständige Stürme, von deren Gewalt man sich in europäischen Zonen schwerlich einen Begriff machen kann und die Tag für Tag außerordentliche Anforderungen an alle Teilnehmer stellten. Besonderes Lob oeroienen unter diesen Verhältnissen die einheimischen Träger, die sich wieder gut bewährten. Als neues äußerst wertvolles Hilfsmittel erwies sich die „J u 5 2", die die schwierige Aufgabe der laufenden Verprooiantierung der Höhenlager in einer die Erwartungen weit übertreffenden Weise löste. Hohe Anerkennung spendete Bauer den englisch-indischen Behörden, die sich bei jeder Gelegenheit in zuvorkommender Weise unter Gewährung jeglicher Unterstützung für das Gelingen des deutschen Versuches einsetzten. Besonderes Interesse bekundete auch der stellvertretende Vizekönig, Lord B r i b b o n , der sich in Simla den Film der vorjährigen deutschen Nanga-Parbat-Ex- vedition vorführen ließ und anschließend zu Ehren oer deutschen Bergsteiger einen Empfang veranstaltete. Aber auch an schmerzlichen Ereignissen fehlte es nicht. Da ist vor allem zu erwähnen die Wiederauffindung der deutschen Kameraden, die 1934 im Kampfe um den Nanga Parbat als Pioniere deutschen Forschertums und Bergsteigertums ihr Leden ließen. Ist, wie Paul Bauer abschließend mit Nachdruck betonte, auch in diesem Jahre der Nanga Parbat trotz des Wagemutes der 7. deutschen Expedition noch nicht gefallen, so sollte doch einer spateren deutschen Unternehmung die Bezwingung dieses am heißesten umkämpften Gipfels gelingen. Für diese Aufgabe würden sich die deutschen Alpinisten nach den bereits gebrachten schweren Opfern im Gedenken an ihre treuen, im gleichen Kampf gebliebenen Kameraden mit Hingabe auch fernerhin einsetzen. ©215. betreut die Waldarbeiter. Berlin, 2. Sept. _(DNB.) Zwischen Reichsorga- nisationsleiter Dr. Ley und Reichsforstmeister Ministerpräsidenten Göring ist nachstehende Vereinbarung über die sozialpolitische Betreuung sowie die Berufserziehung der Waldarbeiter getroffen worden: 1. Die Deutsche Arbeitsfront übernimmt die sozialpolitische Betreuung der Waldarbeiter aller öffentlich-rechtlichen Betriebe der Forstwirtschaft. 2. Die Deutsche Arbeitsfront betreut die Waldarbeiter und die Betriebe der Holzwirtschaft durch das Fachamt „Wald und Holz" 3. Dem Reichsforstmeister obliegt die Berufser- ziehung und die berufliche Fortbildung. Er führt sie in Zusammenarbeit mit der DAF. durch. 4. Die Zusammenarbeit der Dlenststellen des Reichsforstmeisters mit denjenigen der DAF. wird durch besondere Vereinbarung geregelt, zu deren Abschluß der Reichsforstmeister und der Reichsorganisationsleiter Bevollmächtigte ernennen. Hohe Geldstrafe für Koppelungsgeschäfte. Das Schöffengericht in Kassel' verurteilte einen wiederholt vorbestraften Großhändler zu 800 Mark Geldstrafe. Er hatte in drei Fällen die Abgabe verlangter Waren vom Bezug anderer Waren abhängig gemacht, so sollten bei Pfirsichen zugleich Blumenkohl oder Johannisbeeren, bei italienischen Pflaumen Bohnen mit abgenommen werden. Fröhliche Arbeitsmaiden in Nürnberg. Zum Reichsparteitag in Nürnberg sind auch bereits 1700 Arbeitsmaiden zusammengekommen, die im Zerzabelshof im Lager untergebracht sind. Hier hatte sie unser Bildberichterstatter bei dieser fröhlichen Singestunde besucht. — (Scherl-Bilderdienst-M.) h; - vi 'M- Würdige Jugendherberge für die Stadt der Reichsparteitage. Am Vorabend des diesjährigen Reichsparteitages wird die Reichsjugendherberge Luginsland in Nürnberg durch den Reichsjugendführer Baldur v. Sch 5r ach in Dienst gestellt werden. Der Umbau, der im Frühjahr 1937 begonnen wurde, ist soweit fertiggestellt, daß zum Reichsparteitag die elften Gäste — der Reichsjugendführer, der Stabsführer, die Amtschefs und Gebietsführer sowie die Reichsreferenten des BDM. und die Obergauführe« rinnen — in diesem Teil der Nürnberger Burg einziehen können. Sie werden dort während des Reichsparteitages Wohnung nehmen, während der Reichsjugendführer auch dort feine Besprechungen abhalten wird. Aus Anlaß der Indienststellung findet am Sonntagabend vor der Reichsjugendherberge eine kurze Feierstunde statt. Nach einer Begrüßung durch Obergebietsführer Gugel wird der Reichsjugendführer die Reichsjugendherberge ihrer Bestimmung Übergeben. Mit dieser Indienststellung geht der langgehegte Wunsch der Nürnberger Jugend nach einer der Stadt der Reichsparteitage würdigen Jugendherberge in Erfüllung. Aus aller Welt. Die Lage im schlesischen Hachwaffergebiel. Glatz, 3. Sept. (DÄB.) Das seit Freitagmittag verhältnismäßig rasch fallende Neiße - Hochwasser hat in der Stadt Glatz in den Vierteln um die Minoritenkirche und um den Stadtbahnhof ein erschütterndes Bild der Zer st ö - r u n g zurückgelassen. Alle Straßen, über die die Fluten hinweggegangen waren, sind mit einer hohen Geröll- und Schlammschicht bedeckt. Einen Trümmerhaufen bildet das in sich zusammengebrochene Haus am Roßmarkt., Auch das Nachbarhaus ist stark gefährdet. In der engen Roßstraße ist das schwere Pflaster aufgerissen und zu Bergen auf- getürmt. Jrn Innern der Minoritenkirche, die zum Teil über mannshoch überflutet war, sind die Bänke zerbrochen und durcheinandergeworfen. Viele Stein- figuren sind herabgestürzt. Die Mauer um das Kloster ist vollständig eingerissen. Auf dem Roßmarkt sind zahlreiche Schaufensterscheiben eingedrückt worden, wobei das Hochwasser die Waren fortschwemmte. Ein großer Teil der Stadt ist noch immer von der Gas- und Stromzufuhr ab= geschnitten. Seit Freitagfrüh haben die Regenfälle im Riesengebirge glücklicherweise ausgesetzt, und es herrscht wieder trockenes Wetter. Das Hdch- w aff er, das im Hirschberger Täl den Stand des Hochwassers von 1897 an vielen Stellen übertroffen hat, ist seit der Nacht ipi Rückgang. Dagegen ist im unteren Teil des Bobers das Hochwasser noch stark im Steigen.-Am Donnerstag lief die 50 Millionen Kubikmeter fassende Talsperre Mauer über. Lähn wurde völlig überschwemmt; viele Häuser mußten geräumt werden. In Hirsch- b e r g steht die Siedlung bei Hartau noch unter Wasser. Neber die Lage in der Stadt Neiße wissen die „Breslauer Neuesten Nachrichten" aus Grund einer Ueberfliegung des Ueberschwemmungsgebiets zu berichten, daß die Stadt bis auf wenige hochgelegene Gassen überschwemmt ist. In der Stadt ist fein Mensch zu erblicken. Die Einwohner sitzen offenbar in ihren Häusern und warten auf das Zurückaehen der Flut. Neber die Lage am Ottmachauer Staubecken heißt es in dem Bericht von Bord des Flugzeuges: Das Staubecken ist bis zum Rande gefüllt. An der Ueberlaufmauer ist eine gewaltige Sturzwelle zu erkennen. Durch das Becken walzen sich die< Wassermassen weiter in Richtung auf Ottmachau und Neiße zu. Man sieht, wie die Einwohner mit Hilfe von Sandsäcken und großen Pontons Rettungsarbeiten durchführen. Zwei Soldaten beim Rettungswerk ertrunken. Bei den Rettungsarbeiten in der vom Hochwasser bedrängten Stadt Neiße sind zwei Soldaten Opfer ihres heldenmütigen Einsatzes^ geworden. Der Unteroffizier Walter und der Pionier Thurau von der 1. Kompanie des Pionierbataillons 8 ertränke n in den hochgehenden Fluten Hochwasser sperrt die Hauptstrecke Vertin—Breslau— Oberschlesien. Breslau , 3. Sept. (DNB. Funkspruch.) Wie die Reichsbahndirektion Breslau mitteilt,. ist infolge Einsturzes derEisenbahnbrücke über die Neiße bei Löwen die Strecke Brieg—Oppeln und damit die Hauptstrecke Berlin—Breslau—Oberschlesien beibgleifig gesperrt. Der Verkehr mußte über Karlsmark—Oppeln umgeleitet werden. Deutsche Flieger in Cleveland. Flugkapitän Hanna R e i t s ch, der bekannte deutsche Kunstflieaer Graf Hagenburg und Emil Knopf sind in Cleveland (USA.) eingetroffen, wo sie im Rahmen der großen Luft- rennen starten werden. Besonders die in Cleveland ansässigen Deutschen erwiesen ihnen einen begeisterten Empfang. Die Vereinigung aller in Cleve» land ansässigen deutschen Landsleute veranstaltete zu Ehren der deutschen Flieger einen offiziellen Empfana. Bei dem großen Luftrennen wird auch die Messerschmidt - Maschine „Taifun" vorgeführt werden, die mit dem Schnelldampfer „Columbus" des Norddeutschen Lloyd nach Neuyork unterwegs ist. Die Maschine wird unter Führung von Dipl.« Jng. Köster eine Reihe von ausgedehnten Flügen durch die Vereinigten Staaten unternehmen. Drei Arbeiter tödlich verunglückt. In Bochum verunglückten drei Arbeiter beim Reinigen eines Gaskessels tödlich. Zwei mit der Reinigung beschäftigte Arbeiter brachen, von giftigen Gasen betäubt, zusammen. Sofort eilten zwei weitere Leute, ein Werkmeister und ein Betneds- ingenieur, zur Hilfe herbei. Aber auch sie wurden von den Gasen betäubt. Während es gelang, den Ingenieur ins Leben zurückzurufen, blieben alle Wiederbelebungsversuche bei den drei anderen ohne Erfolg. Es handelt sich um den Werkmeister R e i d t aus Bochum und die Schlosser Hildebrandt und Brink aus Wattenscheid. Alle drei waren verheiratet, Reidt und Hildebrandt hinterlassen jeder zwei unmündige Kinder. Jüdische Viehhändler in Polen verkaufen verseuchtes Fleisch. In Ostpolen kam die Polizei einer Bande von jüdischen Viehhändlern auf die Spur, die Tiere aufkauften, die an Seuchen gefallen waren und aus Geheimschlachtungen stammten. In skrupel« losester Weise wurde dieses an allen möglichen Krankheiten verendete Vieh an einen bestimmten Kreis von Fleischern weitergeleitet, die unter Umgehung aller gesundheitspolizeilichen Vorschriften das Fleisch dieser Tiere zu Wurst verarbeiteten. Bei der Festnahme der achtköpfigen Bande, an deren Spitze der Jude Schmul L e w k o o i c z stand, konnte die Polizei eine größere Menge des verseuchten Fleisches, das die Juden in Kellern versteckt hatten, beschlagnahmen. Weiterbericht Der westostwürts über das europäische Festland streichende Hochdruckrücken ist im wesentlichen noch immer auf unser Wetter von maßgebendem Einfluß. Er wird sowohl von Norden als auch von Süden her durch Tiefdruckstörungen angegriffen, so daß wohl überwiegend freundliches, aber nicht allgemein trockenes Wetter sich fortsetzen wird.' Vorhersage für Sonntag: Stellenweise Frühnebel, sonst heiter bis wolkig und nur vereinzelt etwas Regen, nachts kühl, mittags ziemlich warm, veränderliche Winde. Vorhersagefür Montag: Im wesentlichen freundliches, aber fein durchaus beständiges Wetter. Lufttemperaturen am 2. September: mittags 20,8 Grad Celsius, abends 11,5 Grad: am 3. September: morgens 11 Grad. Maximum 20,8 Grad, Minimum heute nacht 9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2 September: abends 16 Grad; am 3. September: morgens 13 Grad. — Sonnenscheindauer 8 Stunden. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum» schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange (in Urlaub), i. 23.: Ernst Blum- schein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 3). 21. VII. 38: 9034. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vorn 1 September 1937 gültig. FRANKFURT AM 3 SEPT-9.OKI. 1938 MÖBEL Lieferbar durch: Gaswerk-Biohumwerk 2 1 1 1 Seltersweg 85 04035 Mühle oder ein [5698D dch-vertrüer Provinx von altangesehenem Tecb- h. Ao 808 «n Aoieigw- Rieger, Brett» 1 Berlin W 15 Knesebeckstr. 59/60 Wir suchen: sowie Fräser, 5655D Außerdem fort z.verm. 04033 Mff- Schuppen LH Ul II iur Lagerung r 4/UWII 50 cbm Wer! ofen. 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Im afrikanischen Busch verschwimmen die Konturen der Weltlage wie die eines entfernten Bildes. Die Interessen der Menschen richten sich auf das Nächstliegende: den Kaffeepreis, die Eingeborenenlöhne, Regen und Trockenheit und dergleichen. Als ich Anfang März den französischen Polizeichef in Sinder am Südrand der Sahara fragte, ob es etwas Neues in Europa gäbe, antwortete er ziemlich gleichgültig: Ja, die Deutschen sollen in Oesterreich eingerückt sein! Von den eingegangenen drahtlosen Nachrichten interessierten ihn nur der Frankenkurs und die ministeriellen Veränderungen in Paris, die öfters auch auf die Personaloerhältnisie in Afrika zurückwirken. Kaum aber betritt man europäischen Boden, so fühlt man sich automatisch wieder für das Gewsge der Weltpolitik interessiert und greift — nach Zeitungen. Einer der ersten Leitartikel, die ich in Deutschland las, stand im Pariser „T e m p s" und beschäftigte sich mit der russischen Armee. Verfasser war ein hoher französischer Offizier, General B a - ratter. Bei aller Anerkennung, die der General der Leistungsfähigkeit der Roten Armee im eigenen Lande zollt, zeigt er sich doch skeptisch in bezug auf ihre Verwendung in einem Krieg außerhalb der russischen Grenzen. Ein Ton der Warnung davor, sich in einem europäischen Kriege auf diesen Bundesgenossen zu verlassen, ist unverkennbar. Liegt es nicht nahe, ihn auf die politische Krise zu beziehen, die sich um die tschechische Unterdrückungspolitik gegen das Sudetendeutschtum entwickelt hat? Das eindrucksvollste und überzeugendste Stichwort für die Lage fand ich in einem Artikel über Tschechen und Deutsche und über die Notwendigkeit einer Sanierung des Verhältnisses zwischen England und Deutschland von G a r v i n in seinem „O b s e r v e r". Drei Formulierungen Garvins zeigen mir sofort, daß der Alte sein gerechtes Urteil und seine Fähigkeit, mit wenigen Worten den Nagel auf den Kopf zu treffen, wiederum bewährt. Der erste Satz lautet: „Ausweichen und eine Sache auf den Kaminsims stellen, heißt nicht, eine notwendige Antwort geben!" Der zweite: „Es gilt den sicheren Frieden für eine Generation — wenn anders, so bleibt d i e Tschecho-Slowakei ein Abszeß am Körper Europas!" Der dritte: „In dieser in Versailles fabrizierten (manufactured) Mischmasch- Republik kommt es auf ein anständiges Gleichgewicht (fair balance) zwischen Tschechen und Deutschen an." Man könnte noch einen vierten hinzufügen: daß 75 Millionen Menschen diesseits einer Grenze „nicht gleichgültig sein können gegen die Lage von 3 Millionen vom selben Fleischend Blut aus der anderen Seite, die sie als unter fremdem Joch befindlich ansehen". Die anmaßende und unwahre These der Tschechen lautet: „Dieser Staat ist unser Staat!" Das bedeutet im tschechischen Sinn, daß die Nichttschechen keine nationalen Rechte zu beanspruchen haben, daß sie der Sache nach nicht Staatsbürger, sondern Untertanen sind. Gleich in den ersten Botschaften der tschecho-slowakischen Regierung vom 22. Dezember 1918 und vom 1. Januar 1919 hieß es: „Das von den Deutschen bewohnte Gebiet i st u n s e r G e - bjet und wird unser bleiben!" Charakteristisch ist, wie sich die Tschechen bei dieser Behauptung mit dem von den Alliierten als Prinzip des zu schließenden Friedens verkündeten Selbst- bestimmungsrechts der Völker obfinden. Einfach, indem es in dem ebenqenannten Regierungskundgebungen weiter beißt, das Selbbestiwmungs- recht brauche' auf die Deutschen in den Grenzen der Tschecho-flowakischen Republik keineAnwen- d u n g zu finden, denn sie seien nur „Emigranten und Kolonisten". Demgegenüber sei kurz an einige Tatsachen aus der Geschichte der Tschechen und Deutschen in Böhmen erinnert. Böhmen war ein germanisches Land bis zur Abwanderung der Markomannen, der spateren Bajuvaren, im 6. Jahrhundert n. Ehr. Wie nn ostelbischen Germanien, so wurde der leer gewordene Boden auch in Böhmen von nachrückenden Slawen besetzt. Die Slawen in Böhmen, die späteren Tschechen, waren kein freies Volk, sondern den (mongolischen) Awaren dienstbar. In der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts berichtet ein fränkischer Chronist, Fredegar, die Slawen müßten für die Awaren kämpfen, und des Winters kämen diese nach Böhmen, lagerten sich bei den Slawen ein, schliefen bei deren grauen und fügten ihnen auch sonstige Unbill zu. Damals hatte also in Böhmen eine slawisch-mongolische Blutmischung stattgefunden. Die Erinnerung an das Joch der Awaren lebt noch heute in dem tschechischen Wort für „Riese" fort: „Obr", was ursprünglich einen Awaren bedeutet. Die Vernichtung des Awarenreichs durch Kar! ??n Großen gab auch den Slawen in Böhmen aie Freiheit wieder. Sie wohnten nur in der frucht- Brasilien bietet die besten Aussichten für die Entwicklung eines der mächtigsten Reiche der Erde, aber keine Möglichkeit, zu einer nach Rasse, Sprache und Kultur einheitlichen Bevölkerung zu gelangen. Fast so groß wie Gesamteuropa, durch das gewaltigste Stromnetz der Erde mit natürlichen Verkehrswegen reichlich ausgestattet, verfügt dieses Riesenland allein von allen südamerikanischen Republiken über sämtliche Energiequellen, deren eine moderne Großmacht bedarf. Es sind mächtige Lager von gerade für die Stahlerzeugung wichtigen Mcm- ganenen vorhanden. In den Staaten Minas Geraes und Bahia schon abgebaut, müssen sie in den Staaten Motto Grosso und Maranha erst verkehrspolitisch erschlossen werden, um dann wahrscheinlich die Ergiebigkeit der Vorkommen jedes andern Landes zu übertreffen. Dazu kommen Eisenerzlager, die auf sieben Milliarden Tonnen geschätzt werden, mit einem durchschnittlichen Eisengehalt von 60 bis 70 v. 5). An Kohle ist Südamerika verhältnismäßig arm, ober auch damit ist Brasilien besser versehen als die andern Länder des Erdteils. Soweit es gleichwohl daran mangelt, ergeben sich aus Oel- vorkommen und Wasserkräften 'unbegrenzte Möglichkeiten. Gold, Silber, Nickel, Chrom, Platin und andere seltene Metalle sowie Edel- und Halbedelsteine kommen reichlich vor. In der fruchtbaren brasilianischen Erde gedeihen so ziemlich alle Pflanzen, die wir kennen, also nicht nur tropische und subtropische Nutzpflanzen, sondern auch alle Gewächse der gemäßigten Zone. Das Klima ist auch in tropischen Breitengraden durch Höhenlagen großenteils gemäßigt; seine Verschiedenheiten, wie die der Bodengestaltung, ergeben Lockungen für Menschen aller Rassen. Fast für die halbe Erdbevölkerung gäbe es in diesem Lande Raum, Nahrung und gewinnreiche Beschäftigung, aber noch zählt man erst 47 Millionen Bewohner. Eine lange Zeit wenig kontrollierte Einwanderung würfelte Menschen der verschiedensten Herkunft bunt zusammen. Von ungefähr 6 Millionen Menschen, die zwischen 1820 und 1930 einwanderten, waren anderthalb Millionen Neger, fast ebensoviele Italiener, 1 288 000 Portugiesen, 574 000 Spanier, 198 000 Deutsche, 110 000 Russen, 89 000 „Oesterbaren und waldfreien Mitte des rings von Gebirgen umgebenen böhmischen Kessels. Die dichten, unbewohnten Wälder, die die Sudeten, das Erzgebirge und den Böhmerwald bedeckten, erstreckten sich damals noch tief in das Innere, dis an die Ränder des Slawengebiets. Die Besiedlung dieses unkultivierten, menschenleeren Waldlands, zu der Deutsche von den Böhmenkönigen selbst eingefaben wurden — sie ist das, was die Tschechen heute als ein Werk von Eindringlingen darstellen wollen. Die angeblichen Emigranten haben schon im Mittelalter ein Drittel von Böhmen und Mähren erst bewohnbar gemacht und zu Kulturland umgeschaffen. Jahrhunderte sollen nicht hinreichen, um die Sudetendeutschen auf ihrem angestammten Volksboden, der nie von Tschechen bewohnt war, heimat- betechtigt zu machen! Jahrhunderte intensiver Arbeit auf selbstgeschaffenem Kulturland, sollen kein Recht auf Selbstbestimmung, ja nicht'einmal auf Verwaltungsautonomie, geben! Das Wort Wahrheit scheint nicht im politischen Lexikon der Tschechen zu stehen. Wo war es, als Herr B e n e s ch (vermutlich wegen englischer Bedenken) beruhigend an die Friedenskonferenz in Versailles schrieb, das Verhältnis von Deutschen und Tschechen werde nach dem Muster der Schweiz geordnet werden? Hätte er das Wort ehrlich gemeint — niemand würde heute von der Tschecho- Slowakei als vom Abszeß am Körper Europas sprechen. reicher", der Rest vorwiegend Asiaten. Die Zahl der in Brasilien lebenden Japaner beläuft sich bereits auf einige Hunderttausend. Die Vollblutindianer bilden nur mehr 15 v. H. der Bevölkerung; den Anteil der Mestizen schätzt man auf 30 »H., den der Neger und Mulatten auf 20 v. H., den der Angehörigen weißer Rassen auf 35 v. H. Aus „weißen Mannes Land" haben nur die südöstlichen Staaten, Rio Grande do Sul, Parana, Sao Paulo und Minas Geraes Aussicht, sich zu behaupten, wo deutsche, italienische und andere Einwohner aus Europa geschlossene Siedlungen bilden. Während sich die Mehrheit der rein erhaltenen Ureinwohner in den Tiefen der Urwälder verliert, drängt sich die übrige Bevölkerung innerhalb eines schmalen Küstensaums und verhältnismäßig kleiner Wohngebiete längs der Ufer der großen Ströme zusammen. Nur im Südosten wurde der Kampf mit dem Urwald, der Brasilien oft schon in der Nähe der Küste schwes zugänglich macht, herzhaft geführt, teilweise sogar übertrieben herzhaft, da in Sao Paulo schon lebhafte Klagen über Versteppung und Holzarmut laut werden. Jedenfalls bedarf Brasilien noch eines regelmäßigen starken 'Einwandererzustroms, um riesige, von natürlichen Reichtümern strotzende, aber fast menschenleere Teile seines Gebietes für den Weltverkehr aufzuschließen. Es könnte sich dabei, selbst wenn es das wollte, nicht auf Zuzüglinge europäischer Herkunft beschränken. Im Tiefland des Amazonasstroms versagen sich die Ureinwohner meist nachhaltiger Arbeit, weil sie es zu bequem haben, dem Walde und seinen Gewässern ihren Unterhalt abzugewinnen, wo ihnen zugleich Schlupfwinkel genug zur Verfügung stehen, äußerem Druck auszu- weichen. Auch die Kautschukerzeugung ließ sich hier nur so lange in großem Stile betreiben, wie auf dem Weltmärkte noch jedes Pfund fast mit Gold ausgewogen wurde. Sowohl Rohrzucker- wie Kakao- pflanzungen am Amazonas und seinen Neben- ftrömen verfielen wieder größtenteils, als keine Negersklaven mehr gehalten werden durften. Sobald im Urwalde die ersten Nüsse reiften, ließen sich freie farbige Arbeiter, ob Neger, Mischlinge oder Indianer, nicht davon zurückhalten, sich für Monate zurückzuziehen, um alltäglich ihre Nahrung einfach vom Boden auflesen zu können. Ein wenig Jagd und Fischfang sorgten für Ergänzung und Abwechslung. Gewiß kam auch nach Zusammenbruch des Gummi-„Booms" um die Jahrhundertwende Handel und Wandel im Amazonasgebiet nicht ganz zum Stillstand. Die Einwohnerzahl des großen Umschlagplatzes Manaos, 1600 Kilometer von der Mündung des Amazonas entfernt, aber noch für große Ozeanschisse erreichbar, brauchte sogar von über 100 000 nicht dauernd unter 80 000 zu sinken. Was ab-r bedeutet Manaos etwa gegen Hankau und Belem im Mündungsgebiet des Amazonas gegen Schanghai, das Ausfalltor des Jangtsebeckens! Und doch gibt es keine natürlichen Gründe, weshalb das Becken des Amazonas nicht ein ebenso volkreicher Siedlungsraum werden könnte, wie es das des Jangtse darstellt. Jedenfalls sprechen viele Anzeichen dafür, daß sich die Bevölkerung Brasiliens, je länger, je mehr, aus Angehörigen vieler Raffen und Dem Auge das Beste! Lassen Sie sich/beraten von Optiker Magnus dem Optiker Ihres Vertrauens / Seltersweg 33 / Kassenlieferant. Völker zusammensetzen wird, die sich in dem weiten. Raume in unterschiedlichen Wohngebieten voneinander abzusondern suchen und nur teilweise miteinander vermischen werden. Ein solches Neben- und Durcheinander der verschiedensten Rassen-, Volks-, Sprach- und Kultur- aemeinschaften läßt sich nur ähnlich wie ein großes Kolonialreich einheitlich regieren, nicht im Sinne eines Staatswesens, das einen einheitlichen Volkskörper ,3um Träger hat. Man kann auch das „Schmelztiegelverfahren" der nordamerikanischen Union nicht ohne weiteres auf brasilianische Verhältnisse übertragen. Die aufsaugende Kraft des angelsächsischen Bevölkerungskerns der Union bewährte sich • nur solange, wie es sich um artverwandte Einwanderer handelte und kleinen Gruppen fremder Einwanderer noch nicht all die Ausdrucksmittel moderner Technik zur Verfügung standen. Heute können sich solche Gruppen meist ihre eigenen Schulen, Zeitungen, Kinos usw. leisten, und es wird immer schwerer, ihnen das gewaltsam abzugewöh-- nen. Ein brasilianischer Patriotismus, der alle Bewohner Brasiliens in dem Bewußtsein zusammen- schließt, einem großen, sich machtvoll entwickelnden, zukunftsreichen Reiche anzugehören, ist möglich, und man wird es um so eher erreichen, je weniger fremdartigen Einwanderern verwehrt wird, ihrer- angestammten Sprache und Kultur treu zu bleiben. Aus allen Bewohnern Brasiliens Lusobrasilianer machen zu wollen, wäre ein unmögliches Beginnen. Man mag kulturlose N^ger oder Indios dazu bringen können, nur noch portugiesisch zu sprechen oder zu radebrechen; sie werden dadurch ebensowenig zu Lusobrasilianern, wie farbige Untertanen John Bulls zu Engländern werden, wenn sie englisch sprechen und schreiben lernen und gar an englischen Hochschulen studieren dürfen. Da vier Fünftel der Bevölkerung Brasiliens noch des Lesens und Schreibens unkundig sind, gibt es immerhin noch große Möglichkeiten, in die breiten Massen der Farbigen- und Mischlingsbevölkerung Brasiliens auf dem Wege einer streng lusobrasilia- nischen Erziehung einen einheitlichen Zug zu bringen. Nichts wäre dagegen einzuwenden, da es sich dabei um Menschen handeln würde, die wenig angestammte kulturelle Eigenart zu verlieren haben. Leider richten sich jedoch die neuerlichen lusobrasi- lianisch-nationallftischen Einheitsbesttebungen nicht gegen die Unkultur des Lsssens und Schreibens nicht- kundiger Farbiger oder Mischlinge, sondern gegen die höchstkultivierten nationalen Minderheiten, im besonderen gegen die deutsche Bevölkerungsgruppe. Es handelt sich dabei um die Wirkung OZX.-amerikanischer und britisch-imperialistischer Propaganda, die den maßgebenden Kreisen in Rio de Janeiro einzureden sucht, daß in deutscher Kultur auf brasilianischer Erde ein gefährliches Sprengmittel luso- Briefe aus Brasilien. Riesige Bodenjchähe. - falsche politische Marschrichtung. Von $. Witkop. Die beiden Schüler. Von Albrecht Schaeffer. Zwei junge Leute in der Tracht der Wander- scholaren, dem Knabenalter noch nahe, hatten eine Landstraße bis zu einem hochgelegenen Punkte erstiegen und begrüßten den Anblick einer Stadt mit Mauerringen und Türmen, die im Mittagsglanze kaum zwei Wegstunden entfernt an einem Flusse lag; und: „Da liegt sie nun", rief der eine, die Arme breitend, „unsere Mitte der Welt, die Stadt, wo wir unseren ersehnten Meister finden sollen. Eilen wir also hin, in einer Stunde sind wir bei chr und bei ihm." _ Der andere folgte dem Hinabeilenden gemächlicher, bis er, zurückblickend, ihm zurief: „Spürst du denn gar keinen Drang? Oder weißt du Größeres, Höheres, als Kenntnisse zu erwerben?" Der (Berufene antwortete: „Ja!" »Ha? Nun, und das wäre?" „Kenntnisse recht zu gebrauchen." „Nun, der Gebrauch sollte sich wohl schon finden, wenn ich sie nur erst habe", murmelte der Erste, und sie wanderten von nun an schweigsam eine Stunde dahin, bis der Ungeduldige sagte: „Wir brauchen, scheint's, dach zwei Stunden. Aber der Tag ist noch lang, und wir können sogleich unseren Meister aufsuchen." „Tue es, wenn du magst. Ich möchte ihm so bestaubt und müde nicht vor die Augen treten. Vermutlich wird er uns auch einer Prüfung unterziehen, und mein Kopf ist klarer nach einer wohl- durchschlafenen Nacht." Der andere lachte nur spöttisch, und so gelangten sie, wieder schweigsam wandernd, nach einer Stunde ins Tor. In einem bescheidenen Gasthof gab der Eilige nur Stecken und Ränzel ab und trabte, nachdem er das Haus des berühmten Lehrers erfragt hatte, davon, während der andere sich entkleidete, feinen Anzug reinigte, auch einen Riß mit Nadel und Faden ausbefferte. Später las er in einigen seiner mitgebrachten Bücher, speiste zuletzt, da es Nacht wurde, und legte sich zur Ruhe, nachdem er noch eine Stunde, auf den Freund wartend, beim Licht gelesen hatte. Auch am nächsten Morgen, als er erwachte, war fein Freund nicht zu sehen;'eine halbe Stunde später machte der Schüler sich auf den Weg, und nachdem er durch die ihm bezeichneten Gassen zur Stadtmauer gelangt war, erblickte er dort auf einem Prellstein neben einer Mauerpforte sitzend, seinen Mitschüler, der dann mit einer verstörten und gequälten Miene ZU ihm emporsah. Auf die Frage, was ihm fehle, brachte er zuerst nur hervor: „Aepfel ... er habe sich übergessen." Und er hielt seinen schmerzenden Leib und vermochte nur in Pausen unter Stocken einen Bericht seiner Erlebnisse zu geben. Zu dieser Pforte gelangt, habe er die Buchstaben M. d. W. darauf gelesen — auch fein Freund hatte sie inzwischen schon erkannt — und zuerst gemeint, sie möchten doch wohl „Morgen das Weitere" heißen, bis er sich dann besann, ihre Bedeutung könne nur „Meister des Wissens" sein. „Na", sagte der andere nachdenklich lächelnd, „wenn es denn nicht Meuterei der Wüstlinge' heißen soll, so könnte es ja auch Mutter der Weisheit' heißen." Nachdem er die Schelle gezogen, fuhr der andere fort, fei unten im Türspalt ein fußlanges, eisgraues Männlein erschienen, habe ihn in einen Aepfelgarten hmeingelassen, nach seinem Begehr gefragt, und ihm bald darauf einen Zettel gebracht und die Weisung, das Rätsel, das er darauf lese, zu raten. Habe ihm auch erlaubt zur Stärkung feines Magens und Geistes so viel von den Apfelbäumen zu genießen, wie ihm nur beliebe. Nun, und er habe gegessen — mehr als je im Leben. Denn Aepfel von solcher Herrlichkeit — Gravensteiner, Schöner von Boskop und vor allem eine Goldrenette ... er wand sich leicht in einer Mischung von Wonne und Qual und begann nach dem Zettel zu suchen, vermochte indes ihn nirgends in seinen Taschen zu finden; der Wind mußte ihn entführt haben oder das eisgraue Männlein, während er nachts unter einem Baume schlief. Denn es war über feinem Essen Nacht geworden, und er so satt und müde, daß er nur zu schlafen begehrte und sich niederlegte ins weiche Gras. Morgens war dann das Männlein sogleich erschienen und hatte ihn, da er weder den Zettel hatte, noch das Rätsel gelöst, wieder aus dem Garten geführt. „Und so habe ich", schloß er, aufstehend, „von dieser Mastkur des Witzes für heute nichts davon getragen, als einen Stein im Magen." Und er schlich fort, gebeugt und murmelnd: „Morgen das Weitere." Auch dem anderen wurde, als er die Schelle gezogen hatte, von dem eisgrauen Männlein geöffnet; auch,er erhielt einen Zettel und die Mahnung, sich Zeit zu lassen und Dort den Aepfeln im Garten, so viel ihm beliebe, zu speisen. Es war ein großer Garten, dessen wohlgerundete, dicht belaubte Wipfel die Morgensonne vergoldete; eine unendliche Fülle wachsgelber und grün und roter und graugoldener Aepfel schimmerte in dem Grün. Der Jüngling las indessen auf dem Zettel die Zeilen geschrieben: Das Allerklarste auf der Welt Das Alserbitterfte enthält. Sinnend erhob er sein-Auge, und da er nahe über sich einen Apfel hängen sah, wundervoll gerundet, ein wenig oben und unten eingedrückt, als ob er die Kugelgestalt der Erde nachahmen wollte, und makellos in seiner rauhen, braungoldenen Haut mit einer dunkelpurpurnen Wange, so loste er ihn vom Zweig und ging, ihn verspeisend, langsam durch das tauige hohe Gras, indem er abwechselnd auf die Zeilen des Rätsels blickte und die herrliche Frucht von weißgoldenem, saftglitzerndem Innerem. Alsbald sah er ein einfaches, weißens Gebäude durch die Bäume schimmern und bald darauf unter einer kleinen Säulenvorhalle einen Greis in schwarzem Sammet sitzen; der erhob von einem großen Buche, in dem er las, zwei Augen, die unter der reinen Kuppel feiner Stirn ruhigen blauen Seen glichen. Er grüßte mit'leisem Lächeln und fragte: „Weißt du die Lösung schon oder noch nicht?" „Meister, die Lösung ist", versetzte der Schüler, „mein Auge; denn ich kann nicht glauben, daß dem deinen jemals eine Träne entfallen ist." „Dann", versetzte der Meister, sich erhebend, „bist du im Wissen gerade so weit, daß du anfangen kannst zu lernen." Die Eichelsaai. Von Wilhelm Schäfer. Zu Schlehbuch lag vor Zeiten ein langer Ackerstreifen so weit nach Dhünwald hin, daß ihn die Mönche gern zum Klosterland geschlagen hätten. Sie fanden auch ein Pergament, wonach vor vielen Jahren, ein Ritter das Land dem Abt verschrieben habe. Obwohl der Junker von Schlehbuch fick) wunderte, daß schon sein Vorfahr mit der Schreiokunst umgegangen wäre, die er selber noch nicht verstand, und über das Papier laut lachen mußte, kaum größer als eine Hand, womit sie ihm das Land abnehmen wollten, länger als eine Viertelstunde, so waren doch die Mönche erfahrener im geschriebenen Recht. Sie fanden ein geistliches Gericht, das ihm den Landstreifen aberkannte als richtig geschenktes Klostergut. - / 2)a saß der Junker eine Woche lang ingrimmig in seiner Burg; und als ihm seine Freunde nacheinander bestätigten, daß an dem Spruch der Kaiser selber nichts mehr ändern könne, weil das Papier mächtiger fei, ritt er an einem Morgen im Schritt den ganzen Acker entlang zum Kloster hin und ließ den Kopf fast tiefer hängen als fein Pferd, so daß die Mönche ihn mit Schadenfreude kommen sahen. Er schien bescheidener als sonst, stieg erst vom Tier, bevor er an der Glocke zog; und als er vor dem Abt in dessen Kammer stand, wo blank getäfelte Wände und bunte Deckenmalereien nicht der Armut sprachen, die doch das selbstgewählte Los der Diener Gottes auf Erden ist, bat er ihn wie ein Bittsteller auch um ein Pergament, daß er nur einmal noch auf seinem Land eine Saat aufgehn und ernten lassen dürfe. Da bemerkte der Abt mit Schmunzeln, daß nun dem rauhen Junker die Achtung vor dem Papier gekommen wäre; er gab ihm lächelnd das verlangte Pergament und feinen Segen auf den Heimweg, stand auch noch lange pfiffig hinterm Fentter und sah dem Reiter nach, wie der sein Roß nun wieder stürmisch jagen ließ; und spöttelte, was für ein kindisches Gemüt solch ein Junker mit seiner Freude an der kleinen Frist verriete. Der Frühling aber kam ins Land und keiner von den Klosterleuten sah einen Flug im Acker gehn; und weil der Abt zuletzt vermutete, daß die Bitte dem Junker doch wieder leid geworden wäre, kam einer seiner Mönche mit der Frage, wann er die Aussaat beginnen wolle? Der fand den Ritter, wie er von einer Jagd heimkam und mit den Hunden noch ein Wiesel hetzte, das an der Mauer seinen Schlupf nicht fand und ratlos hin und wider lief. Er sagte einen Weidmannsgruß an feinen Abt: die Saat sei ausgesät, er möge sich gut bei Gesundheit halten, die Ernte zu erleben. Da ging der Abt mit seinen Mönchen manchen Tag aufs Land, sie spähten nach der Sagt und merkten nicht, daß hier und da rotgrüne Zackenblätter aus dem Acker kamen; bis eines Morgens im zarten Morgentau die Blättchen einen rötlichgrünen Schein bekamen, der in das Kloster wie ein Brandfeuer leuchtete, weil jeder sah, daß Eicheln ausgesät waren. Da gab es neue Botengänge vom Kloster in die Burg; doch wie vorher der Abt mit seinem Pergament, stand jetzt der Junker da mit seinem. Die Saat war grün 'und wurde größer, und als der kluge Abt begraben wurde, bewegten sich die ersten dünnen Ruten und wuchsen bedächtig aus der Erde. Und allmählich stand ein junger Eichenwald den Winter durch in seinem rostigen Laub und wurde spät im Frühling grün und war nach Jahren endlich so hoch, daß ichon der Junker — dem sein blonder Bart weißgrau geworden war — mit seinen Hunden darin jagte, und immer noch kam keine Ernte. Als dann der Ritter starb, uralt, da mußten sie ihn in dem Walde begraben. Und Siebte gingen ein, bevor die Eichen nur um einen Meter höher waren. Und endlich kamen d'e Franzosen mit ihrem Krieg und auch das Kloster Dhünwald brannte. Die letzten Mönche lagen m den Gräbern, mit riesigen Knorren in den Himmel aber stand die Eichelsaat und wartete auf ihren Mäher. Geschichten aus aller Welt beim Zusammenbruch des alten Habsburger solche, Ein Staa- ange- an die Betriebe, sich mit ih dern an dem „Wettbewerb ,ic» zu Oer Wettbewerb des guten Willens. LPD. Frankfurt a. M., 2. Sept. Der Appell * Teil I im Gießener Anzeiger Nr. 203 vom 31. August 1938 die ankommen, wie solche, die ausbleiben. Die tüchtige Bicky. C. K. Montreal. ihr, die Hunde auseinanderzubringen. Das war die erste Begegnung zwischen Dicki und dem Polizisten, der bald weitere folgten. Sie verliebten sich mein* ander, und da der Polizist keine Erlaubnis zur Heirat bekam, verließ er seine Truppe. Das Paar heiratete, nahm ein Flugzeug und verbrachte die Flitterwochen damit, sehr erfolgreich in den neuen Goldfeldern zu arbeiten. Heute ist Dicki so angesehen, daß die Goldgräber ihr das höchste Amt in ihrer neuen Stadt übertragen haben. Mit Schönheitsköniginnen will niemand tanzen. B. Kopenhagen. Zn Kopenhagen verfolgt man mit Mißbehagen t)ie Entwicklung, die die alljährliche Wahl der „Schönheitskönigin von Europa" genommen hat. Viele wollen in dem Wettbewerb der in den ver* schiedenen Ländern gewählten Schönsten, aus denen dann „Miß Europa" bestimmt wird, nur die Ausnutzung der Schönheit zu geschäftlichen Zwecken sehen. Ein dänisches Blatt, „National Tidningen", protestiert sehr lebhaft gegen diese Wahl, die jetzt in Kopenhagen vorgenommen werden soll, und beschuldigt die Veranstalter des Turniers, die armen „Schönheitsköniginnen" in Lokalen zweiter Ordnung und in schlecht besuchten Nachtrestaurants auszustellen. Eines Abends waren die Schönheitsköniginnen, die man zu einem öffentlichen Ball gc- bracht hatte, Aeußerungen allgemeiner Verachtung ausgesetzt. Niemand wollte mit ihnen tanzen, und sie mußten sich schließlich mit den Bedienten im Saal und den Küchenjungen des Restaurants begnügen. „Was für ein Kontrast!" schreibt das Blatt, „einerseits Kleider von äußerster Eleganz, andererseits Ritter mit Trauerrändern an den Nägeln"! „Miß Rußland" und „Miß Norwegen" war die Sache bald verleidet, und sie fuhren nach Hause. „Miß Schweden" wird ihrem Beispiel folgen: „Miß England" war krank und ist überhaupt nicht nach Kopenhagen gekommen. Im ganzen ist dieser Schön? hcitswcttbcwcrb jedenfalls ein Reinfall. Bienen und „Bobbies". AS. London. Dieser Tage ist der Londoner Polizeibeamte vom Dienst zurückgetreten, der während der letzten 25 Jähre der Fachmann in allen Fällen war, wenn durchgegangene Bienenschwärme irgendwo die Hauptstadt des britischen Reiches unsicher machten. Die Erfahrungen, die er dabei gesammelt hat, — fast in jedem seiner Dienstjahre hat er ein Bienenvolk eingesammelt, und von den 24 Bienenstämmen bestehen fünfzehn noch heute — hat er seinen Kollegen als eine Art von Testament hinterlassen. Danach müssen sich alle Leute vor Bienen hüten, die entweder Brillantine in ihr Haar streik chen, rote Haare haben oder nach Alkohol riechen. Das sind Leute, die von den Bienen gestochen werden. Um in das Londoner Polizeikorps ausgenommen zu werden, genügt es heute nicht mehr, sich einer ärztlichen Prüfung zu unterwerfen, auch lesen und schreiben zu können, sondern man muß sich vor einer Prüfungskommission auf seine geistige Beweglichkeit und seinen Scharfsinn untersuchen lassen. In den Zeitungen macht man sich lustig über einige Fragen, die dem Kandidaten vorgelegt werden und die vielleicht doch manchen Schweißtropfen bei den Prüflingen Hervorrufen. So fragte ein Prüfer: „Was würden Sie einem Knaben antworten, der Sie fragt, warum Ihre elektrische Taschenlampe aufleuchtet, wenn Sie auf einen Knopf drücken?" Ein anderer fragte, was daran falsch sei, wenn man folgendes behauptete: „Wenn eine Katze einen Schwanz hat und acht Katzen acht Schwänze haben, so ergibt sich, daß, wenn man das Ganze addiert, daß neun Katzen neun Schwänze haben." Die Zeitungen erklären, daß sie auf diese Frage auch keine Antwort wüßten. Oder es gibt schwierige Rechen- aufgaben: „Teilen Sie 77 854 Pfund 1-5 Schilling unb 11V- Pence durch 973." Seltsame und sachliche Fragen aller Art laufen da durcheinander,, ehe die Prüflinge angenommen werden und nun versuchen können, je nach ihren Fähigkeiten die Stufenleiter zu den höheren Graden im Polizeikorps zu erklettern. Das fröhliche Weekend und das dicke Ende. AS. Budapest. Die Budapester Polizei verhaftete einen Privatbeamten wegen Kreditbetrugs, dessen Hintergründe hier allgemeinem Interesse begegnen. Eine fabel- hafte, leider erdichtete Erbschaft diente dazu, einem Mädchen ein fröhliches Wochenend, das dazu nötige Auto und Hotelzimmer zu verschaffen. Der Proal- beamte sagte einem Mietautounternehmer, daß er eine Erbschaft von 16 000 Pengö gemacht habe und ihn nun gemeinsam mit einem Mädchen, das er in einer Provinzstadt kennenlernte, nach Budapest einlade. Das Kleeblatt, der „Erbe", der Autounter- nehmer und das Mädchen, stiegen in einem Hotel ’ in Budapest ab. Auch dort wurde fleißig von der ' Erbschaft erzählt, und so konnte man einige Tage flott leben. Plötzlich verschwand der „Lebemann" aus dem Hotel, ein weinendes Mädchen, einen fluchenden Chauffeur und ein Hotelpersonal, dem solche 1 Fälle -doch öfters unternommen, zurücklassend. — 1 Zufällig wurde der Mann aber wenig später auf ■ der Straße erkannt, und die Geschichte von der Erb- I- schäft nahm auf der Polizei ihr Ende. polnische Frontkämpfer ehrten die,Gefallenen des Weltkrieges. Am Freitagmittag begaben sich die polnischen Frontkämpfer in Berlin zum Ehrenmal Unter ben Linden, um einen Kranz zum Gedächtnis der Gefallenen des Weltkrieges niederzulegen.' (Scherl-Bilderdisnst-M.) chen Gebieten der Tschecho-Slowakei vier kleine Länder, die sich als autonome Provinzen der öfter- reichischen Republik erklärten. Sie hingen aber nach Kroftas Meinung untereinander nur ganz ungenügend zusammen und waren von- Oesterreich ast völlig getrennt. „Dieses geographisch unmögliche Staatsgebiete erwies fick wie vorauszusehen war, als nicht lebensfähig. Die tschecho-slowakifche Regierung besetzte es bald mit unbedeutenden Truppen, ohne bei der Bevölkerung auf ernsten Widerstand zu stoßen." So schreibt der tschechische Außenminister wörtlich in seinem Buche. Demnach hat Prag die deutschen Landesteile Böhmens, Mährens und • Schlesiens nur aus Gnade und Barmherzigkeit in seine Grenzen aufgenommen, weil sie sonst lebensunfähige Gebiete gewesen wären! Darf man daraus schließen, daß die Tschechen auf die 3,5 Millionen Deutschen verzichtet hätten, wenn sie sich von vornherein einem Staatsgebilde angeschlossen hätten, das lebensfähig war und das mit den erwähnten beut» chen Bezirken im geographischen Zusammenhang land? Die Frage dürfte wohl erlaubt sein. So aber wurden die deutschen Städte und Dörfer „ohne ernsten Widerstand" von den Tschechen ve- setzt. Die 54 Toten aus dem deutschen Lager zu erwähnen, die unter tschechischen Kugeln starben, weil sie friedlich für das Selbstbestimmungsrecht demonstrierten, das lohnt sich für den Historiker Krofta nicht. Die Sudetendeutschen waren aus», geblutet, sie waren im Kriege nicht desertiert, sondern hatten ihre Mannschaft auf den Schlachtfeldern verloren, die Sudetendeutschen waren arm, denn sie hatten Kriegsanleihen gezeichnet iyib mit ihrem letzten Schmuck Lebensrnittel in den reichen tschechischen Dörfern gekauft, damit ihre Kinder nicht verhungerten. Deshalb konnte Prag mit „unbedeutenden Truppen" in diese Gaue marschieren lassen. Weil Deutschland am Boden lag, deshalb mußte deutsches Volkstum rechtlos sein... Professor Krofta schrieb seine Geschichte der Tschecho-Slowakei im Jahre 1932. Er mochte damals des Glaubens sein, daß das Sudetendeutschtum niemals zur Kraft und Einigkeit zusammengeschweißt werden könne. Heute wird er darüber anders denken, um so interessanter waren uns feine historischen Darlegungen. romantisches Frauenschicksal hat sich in der neuesten Goldgräberstadt Pellowknife in dem eisigen Nordwest-Territorium Kanadas abgespielt. Hier ist heute die Bürgermeisterin des Ortes und zugleich eine der geschäftigsten Personen in den neuen Goldies dem neuen (nur deutschen) Oesterreich chlossen werden. Sie bildeten sofort in den beut felbern ber Umgebung eine junge Frau. Vicki Le- pine, so war ihr Mädchenname, wurde verheiratet, als sie erst 14 Jahre alt war, aber die Ehe wurde für nichtig erklärt. Als sie 25 Jahre alt war, folgte sie dem Strom ber Goldsucher im Narben und eröffnete in verschiedenen Niederlassungen Wasch anftalten und Schönheitssalons. Im vorigen Jahre war sie fast ohne jeden Pfennig nach Pellowknife gekommen. Kurze Zeit darauf hatte sie 1500 Dollar auf der Bank, besaß ein Haus, eine vollständige Möbelausstattung unb Waschmaschinen. Es war am letzten Weihnachtsabend als sie vor ihrer Tür bas roütenbe Gebell zweier sich balgender Hunde hörte unb hinausstürzte, um ihren Hund hereinzuholen. In derselben-Absicht kam ein Mann von ber „Mountie", der berittenen Polizei Kanadas, ber Konstabler McKale, herbeigeeilt unb half brasilianischer Machtgestaltung zu sehen sei. Nun sind zwar nach Berechnungen Dr. Luethges aus Buenos Aires etwa 800 000 Bewohner Brasiliens rein deutscher Abstammung unb weitere 700 000 ent» meber väterlicher- ober mütterlicherseits beutscher Herkunft, ab^r bieses brasilianische Deutschtum hat sich in ber Vergangenheit immer nur durch seinen hervorragenden Anteil an ber wirtschaftlichen Entwicklung Südbrasiliens bemerkbar gemacht, in keiner Weise durch irgendwelche Beteiligung an politischen Umtrieben. Gegenteilige Ausstreuungen haben sich noch immer leicht unb schnell als plumpe Ver- leumbunaen entschleiern lassen. Für bie Dreistigkeit solcher Ausstreuungen ist nichts bezeichnender als dkiß me brasilianische Regierung neulich in einem besonderen amtlichen Bericht klarstellen mußte, daß eine Beteiligung Deutscher an den Ereignissen vom 11. Mai 1938, einem Putschversuch der Jntegralisten, „jedes Beweises ermangele". Um so weniger ist-es zu verstehen, daß man das deutsche Schulwesen in Südbrasilien mehr als je durch sehr harte, kleinliche Maßnahmen zu bedrücken und einzuschränken sucht. Es entbehrt nicht der Ironie, wenn die Washingtoner Diplomatie sich bei ihrem Bemühen, die ibero- amerikanischen Länder bis zu dem im Dezember in Lima abzuhaltenden panamerikanischen Kongreß dafür zu gewinnen, einem gesamtamerikanischen Rüstungspool zum Schutze aller Länder der Neuen Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten? Babys Flug zum Lntel Doktor. Dr. Ho/Lo. Kabul (Afghanistan). Dieser Tage flog ein Mädchen, 17 Tage alt, von Kabul, der Hauptstadt von Afghanistan, in Begleitung einer Schwester über 6500 Kilometer nach Berlin, um hier operiert zu werden. In 36 Stunde^ war die Reise geschafft. Der Fall ift aber nur bes* halb bemerkenswert, weil ber Patient ein Baby von 17 Tagen ist. Denn bas Flugzeug als Mittel zur Bekämpfung von Krankheit unb zur Hilfe in dringenden Fällen hat — wenn dieser Ausdruck bet einem so jungen Verkehrsmittel erlaubt ist — eine alte rühmliche Geschichte. Das Flugzeug wurde schon häufig gebraucht, um rasche Operationen möglich zu machen, und man geht gerade in der letzten Zeit systematisch daran, einen ärztlichen Hilfsdienst mit Flugzeugen in Ländern aufzubauen, in denen Kolonisten auf weite Entfernungen hin verstreut wohnen. Vielfach wird dabei das Flugzeug mit der drahtlosen Telegraphie kombiniert. Ein Netz von Sendern, die von Privatleuten bedient werden, arbeitet auf einer bestimmten Welle und holt bei Erkrankungen zunächst ärztlichen Rat ein, der ebenfalls drahtlos übermittelt wird. Später kommt ber Arzt angeflogen ober ber Patient wirb abgeholt. Besonders Australien hat diesen ärztlichen Hilfs- dienst entwickelt. Sogar der Film hat sich schon dieses dankbaren Gegenstandes bemächtigt, das Gelegenheit zu glänzenden Naturaufnahmen gibt unb durch fein Thema.an das Gemüt der Zuschauer appelliert. Der deutsche Konzern der JG.-Faraen bat vor einiger Zeit ein Flugzeug angeschafft, das zum Ferntransport von Heilmitteln stets zur Verfügung steht. Sechs Tage im Sumpf gefangen. B. Washington. Ein furchtbares Erlebnis hatte der 44jährige Bauer Jones, ber jetzt im Krankenhaus von Belle- ville in Illinois liegt, um sich von seiner völligen Erschöpfung unb einen Nervenschock zu erholen. Er war durch ein Sumpflanb gekommen, in bcm er plötzlich bis zum Halse einsank unb von bem moorigen Boden so festgehalten wurde, daß er nicht reicher herautzkommen konnte. Es gelang ihm, sich an einen Strauch mit einer Hand zu klammern und mit Aufbietung aller Kraft vor völligem Versinken zu bewahren, aber es war ihm unmöglich, infolge des Druckes gegen feine Brust, laut zu schreien und Hilfe herbeiholen. Der Bauer mußte mit Entsetzen zusehen, wie die Leute, die ausgesandt waren, nach ihm zu suchen, sich wieder entfernten, da sie den hilflosen Mann unter dem Strauch nicht bemerkt hatten. Erst nach sechs Tagen wurde er gerettet, als ein Tourist vorüberkam, der später erklärte, er t)abe etwas Merkwürdiges gesehen, was ihm zunächst als ein seltsames Tier erschien, das sich hinter dem Strauch versteckte. Dann erst erkannte er den in höchster Not schwebenden Mann, unb holte Hilfe herbei, da mehrere Männer notwendig waren, Jones aus dem Sumpfe herauszuziehen. Lachen und Weinen in der Statistik. C. K. Neuyork. Professor Paul Thomas P o u n g , der Psychologe der Universität Illinois, hat mit seinen Hörern eine eingehende statistische Untersuchung über bie Rolle bes Lachens im täglichen Leben angestellt. Er hat zunächst gefunben, baß bas Lachen in seinen verschiebenen Steigerungen vom leisen Lächeln bis zum lautesten Gelächter 4OOmal mehr vorkommt als bie Aeußerungen ber Traurigkeit, bie sich vom trübseligen Dreinschauen bis zu heißen Tränen steigern. Dabei ist bas Verhältnis von 400:1 bas gleiche bei Männern unb Frauen. Die Stubentinnen meinen nicht häufiger als einmal alle zwanzig Tage, sie lächeln bagegen 50maI bis lOOmal an jebem Tag und lachen laut etwa 2Omal am Tage. Frauen, die das 30. Lebensjahr erreicht haben, meinen 3Omal mehr als Männer, diese wiederum lachen, lächeln und scherzen lOmal so oft wie Frauen. Die Hauptursache fröhlichen Lachens wie auch der Trauer unter den Studentinnen sind Briefe, sowohl gruppen unter eine Fremdherrschaft gezwungen, deren Zahl mehr als ein Drittel der Bevölkerung des gesamten Staates beträgt. Krofta unternimmt den schwachen Versuch, diesen völligen Bruch im Programm ber tschechischen Politiker zu erklären, -wenn auch nicht zu rechtfertigen. Zunächst wirb ganz offen zugegeben, daß die Tschechen keine Lust hatten, im Weltkriege mitzukämpfen. Es wird bie Grünbung des tschechischen Nationalrats (in Paris) und bie Desertion tschechischer Truppenteile geschildert, die in Rußland als eine eigene Wehrmacht organisiert wurden. Durch die „Friedensverttäge" habe dann der neue Staat feine Grenzen erhalten. Für die Tschecho-Slowakei die Ober- unb die Niederlausitz sowie den größten Teil Schlesiens zu fordern, sei keinem „ernsten Tschechen eingefallen". Krofta bedient sich hier eines kleinen Tricks, denn das preußische Schlesien war niemals ein Bestandteil der historischen Länder, sonoern im 17. unb 18. Jahrhundert bis zur Eroberung burch Friebrich ben Großen lebiglich durch Personalunion mit ber Krone Böhmens verbunden bzw. ben Habsburgern untertan." Krofta schreibt weiter, bas Hultschiner Länbchen sei nur aus geographischen Grünben von Deutschland abgetrennt worden, seine 45 000 Einwohner seien größtenteils slawisch. (Tatsächlich haben aber die Hultschiner trotz des tschechischen Drucks seit 1919 bei allen Wahlen mit großer Mehrheit für deutsche Parteien gestimmt und gehören auch heute überwiegend zur Sudetendeutschen Partei.) Die Deutschen in Böhmen, so wird weiter berichtet, wollten II*. Der tschechische Historiker und jetzige Außenminister Kamil Krofta hat in seiner „Geschichte der Tschecho-Slowakei" breit und ausführlich bargelegt, daß die Bestrebungen ber Tschechen durch Jahrhunderte darauf hinausgingen, die Herrschaft ihres Volkstums in den „historischen Grenzen" der Länder Böhmen, Mähren und Oesterreichisch-Schlesien zu erringen. Er hat dabei nicht verschweigen können, daß große Gebiete mit deutscher Bevölkerung vorhanden waren, die seit Jahrhunderten ihre eigenen politischen und kulturellen Rechte verteidigten. Krofta gibt ferner zu, daß in den letzten Jahrzehnten vor bem Weltkriege das strenge „staatsrechtliche Programm" verlassen wurde, das ein selbständiges Königreich in den erwähnten historischen Grenzen im Rahmen der Habsburger Monarchie gefordert hat. Er schreibt, daß eine Gruppe von jungen Politikern, darunter Masaryk und Kramarsch, später auch Benesch, sich auf die breiten Volksschichten des Tschechentums stützten und eine neue Politik einleiteten. Krofta vermeidet es, diese neue Politik schärfer zu umreißen: in Wahrheit waren Masaryk unb Benesch autonome N a - t i o n a l i st e n, die bas förderalistische Programm der „historischen Grenzen" nicht anerkannten. Benesch schrieb 1908 in seiner Doktorarbeit an der Universität Dijon über das österreichische Problem: „Wir haben bereits gezeigt, wie absurd es märe, einen Staat gegen ben Willen und trotz aller Proteste eines Drittels seiner Bevölkerung führen zu wollen. Die Deutschen in Böhmen würden niemals die untergeordnete Rolle annehmen, so aufrichtig auch die Bürgschaften sein mögen, bie ihnen die Tschechen gegen Unterdrückung unb Ungerechtigkeit von ihrer Seite anbieten würben." Es bebatf keiner Erklärung, daß die Gründung der Tschecho-Slowakei durch Masaryk und Benesch diesen Grundsätzen völlig ins Gesicht geschlagen hat. Sie haben gegen alles Recht die „historischen Grenzen" für ihren Staat in Anspruch genommen, darüber hinaus die Slowakei und die Kakpatho-Ukraine hinzu genommen, sie haben nichttschechische Dolks- beteiligen, hat in unfern Gau ein außerordentlich lebhaftes Echo gefunden. Besonders die großen Werke haben den Gedanken, auch den letzten Volksgenossen zur sportlichen Betätigung und damit zur Körperertüchtigung heranzuholen, beispielgebend in die Tat umgesetzt. In den Opelroerfen z. B. haben an diesem Wettbewerb bis Ende August bereits etwa 1200 Arbeiter und Angestellte teilgenom- men. In allen 27 Kreisen des Gaues herrscht jetzt Hochbetrieb, denn bis Ende September soll der Wettbewerb beendet sein. Bis dahin werden rund 1 0 0 000 Volksgenossen allein in unferm Gau an ihm teilgenommen haben. Die verlangten Leistungen bewegen sich auf einer bescheidenen Linie, so daß für jeden gesunden Menschen wirklich nur guter Wille dazu gehört, um sie zu erfüllen. Es werden Einzel- und Mannschaftswettbewerbe durchgeführt. Die Prozentzahl der Gefolgschaftsmitglieder eines Betriebes, die an diesem Wettbewerb teilnehmen, ist mit ausschlaggebend für die Erlangung des Leistungsabzeichens, das alljährlich Der» teilt wird. Welt vor dem Einfall irgendeiner fremden Macht zuzustimmen, sich vor allem auf ein so autoritäres Regime wie das des Präsidenten Vargas zu stützen sucht, obgleich doch bekannt ist, daß dabei nicht an die Invasion oder Intervention eines „demokratischen" Staates, auch nicht an die Einmischung Sowjetrußlands durch die Komintern gedacht wird, sondern ausschließlich an eingebildete Gefahren, die der Freiheit der Neuen Welt von den autoritären Staaten Europas, angeblich im besonderen von Deutschland, drohen sollen. Es war aber schon immer so, daß sich die Washingtoner Staatsweisheit mit jeder lateinamerikanischen Diktatur ab- zufinden wußte, die sich ihren Zwecken dienstbar machen ließ. Manche Anzeichen sprechen dafür, daß cs Vargas vor seinen nordamerikanischen Freunden graut und daß er auch bei den gegen das Deutschtum in Brasilien oder den gegen den Handel mit Deutschland gerichteten Maßnahmen mehr mit- geschoben wird, als er selber schiebt. Dom deutschen Standpunkt aus kann man jedenfalls nur wünschen, daß sich in Brasilien, wie in anderen iberoamerika- nischen Ländern, eine Machtgestaltung vollzieht, die ausschließlich auf die Interessen des eigenen Landes Rücksicht zu nehmen braucht. Es ist nicht Deutschland oder das Deutschtum, das erfahrungsgemäß eine solche Entwicklung zu fürchten hat. proben für ben „lag ber Gemeinschaft" in Nürnberg. Auf der Zeppelin-Wiese in Nürnberg wurde bereits eifrig für ben „Tag der Gemeinschaft" geprobt, ber in diesem Jahre zum erstenmal begangen wird. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Krofta schrie- Geschichte. Oer tschechische Außenminister über die Entstehung seines Staates. 1 B ers heuen £ jiefem cr!ch-ex Hielte S. Lernt m mertung; W* hmg deren,.o non fein' bramatw dert M das Seh der W DI-WS' iölickpun' den, für lichen Le bedeutend rühmte J so die I logisch 1 Mischen Alexei! d. sal hat n geregt: w das wie Tragödie (frier, de worben i Schiller u neuer 2e „Die Rir Lchvtty beim Pr fcbenfatt magische um den „Srischa die fast zen Pro spiel ein Büchner! sal des । bashessi ber M Guripit spiel" c des j)i und za ein Ein dem 3a von Kl- Oesterre Kleists Szene d vor der fein ... er liebte, (1911) ui rmch nich teil; \\e dichten obwohl Spann mittest staltens schöpfe: lebendi nicht u Anregu ausgest Siloie Totenm - „D An Frei Arlag, £ Dieses Bi den fenftit Wer W Todlenz, i We toi dann übe' ÄNt Mm bi "'s nach Dnas a Ä Mr uJ’mem Men, bie bracht .Ne von1 «p, &• Benen Ä Ärf« tote ’-'t Kür -en Bücheriisch. Emer unter Hunderttausend ots unter Wölfen", ein Äffationsroman Hans Thyriot. rung ihrer Bibliothek sein. <1 — „Einerunter 100000." Von Hans Hinkel (Verlag Knorr & Hirth, München, kart. 3,— RM., geb. 3,70 RM). — (603) — In diesem Buche berichtet ein alter Mitkämpfer des Führers über einen Abschnitt seines Lebens, der durch den kämpferischen und zu jeder Stunde tatfreudigen Einsatz für die nationalsozialistifche Idee in den Jahren der Kampfzeit seine Prägung erhielt. Dieses Buch ist für unsere hessische Heimat aber noch dadurch von besonderem Wert, weil hier ein Mann aus seinem Leben erzählt, der ein Sohn des Hessenlandes ist. Seine Vaterstadt ist Worms. Dort verlebte Hans Hinkel seine Kinder- und Iünglingsjahre. Er berichtet über seine starken Eindrücke beim Ausbruch des Weltkrieges, über die Nöte, und Schwierigkeiten dieser Zeit im allgemeinen und dabei über die Bedrängnisse, die der väterliche Handwerksbetrieb in jenen Jahren erleiden mußte. Der unglückliche Ausgang des Krieges und der Einmarsch der französischen Besatzung machen auf den in stärkster Weise national empfindenden jungen deutschen Menschen tiefen und schmerzlichen Eindruck, der noch verstärkt wird durch die vielfältige große Not, die von der französischen Besatzung über olle deutschen Volksgenossen komrüt. Der junge Hinkel erregt wegen seiner nationalen Gesinnung, aus der er kein Geheimnis macht, sehr bald das Mißfallen der französischen Machthaber in Worms, und es gelingt ihm gerade noch im letzten Augenblick, nach schwerem Abschied vom Elternhaus bei Nacht und Nebel über die Grenze in das freie Deutschland zu entkommen. 'Hier beginnt für ihn nun eine schwere Zeit des Lebenskampfes. Er muß sich bitterernst durchschlagen, aber dadurch stählt sich nur noch seine Kraft und wächst sein Mut. Sein Weg führt ihn nach München, wo er mit der Idee Adolf Hitlers bekannt wird, und schon sehr bald tritt er in den Kreis der ersten Kämpfer für diese neue Weltanschauung, der er sich von nun ob mit ganzem Herzen verschreibt. Als Kämpfer “für Adolf Hitler und seine Freiheitsbewegung geht er hinaus in das deutsche Volk. Ueberall, wohin er im Dienste der Bewegung gestellt wird, steht er mit größtem Eifer und mit der Stärke seiner Ueberzeugungskraft feinen Mann als nationalfozialistischer Kämpfer. Noch während der französischen Besatzung in Worms muß er Zügen behandelt worden wäre. Man findet da zunächst in dem Abschnitt „Der Einzelne" die Bedeutung des Lebensalters in rechtlicher und staatsbürgerlicher Hinsicht klar dargestellt. Anschließend werden in dem Kapitel „Die Familie" vielseitig die Fragen behandelt, die für das Familienleben in allen Wechselfällen des Daseins von Bedeutung sind. Der dritte und Hauptteil des Buches „Das Volk" ist allen Teilen der großen Gemeinschaft des deutschen Volkes in so erschöpfender Weise gewidmet, daß । durch dieses eine Werk eine ganze Anzahl anderer Bücher ersetzt wird. In diesem Hauptteil findet man folgende Kapitel behandelt: Vom Ersten zum Dritten Reich. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter-Partei. Wie das deutsche Volk regiert wird. Der Reichsarbeitsdienst. Die deutsche Wehrmacht. Die deutsche Reichspolizei. Die deutsche Wirtschaft. Das deutsche Handwerk. Der Reichsnährstand. Die deutsche Kulturorganisation. Das deutsche Schul- und Erziehungswesen. Sozialversicherung und Fürsorgewesen. Die deutsche Rechtspflege. .Die Steuern. Das deutsche Verkehrswesen. Der deutsche Sport. Was jeder Deutsche vom Vierjahresplan wissen muß. Anschriften der Behörden und Organisation. Im Rahmen dieser Abschnitte kann man Auskunft über alle grundlegenden Dinge erhaltet, die mit dem Gegenstand Zusammenhängen. Man kann daher mit Recht von dem Buch behaupten, daß es ein Nachschlagewerk von besonderer Bedeutung ist und der Titel „Du bist sofort im Bilde" zutreffend den gesamten Inhalt kennzeichnet. Für den einzelnen sowohl, als auch für die Körperschaften des öffentlichen Rechts, für die Behörden, die Wirtschaft usw., ist dieses Buch zu empfehlen. Ernst Blumschein. Das Mein-Min-Gebiel. — Dr. Walter Wagner: Das Rhein- Main-Gebiet vor 15 0 Jahren. (1787). Mit Unterstützung des Historischen Vereins für Hessen. 220 Seiten. Selbstverlag der Historischen Kommission für den Volksstaat Hessen. Hierzu unter dem gleichen Titel und im gleichen Verlag eine Karte des Gebietes, entworfen und gezeichnet von Kurt Strecker, herausgegeben von Dr. Walter Wag- n e r, mit Unterstützung des Herrn Reichs- und Preußischen Ministers des Innern. Druck und Vertrieb: Geogr. Verlagsanstalt Ludwig Ravenstein, AG., Frankfurt a. M. — (232) — Das heutige Rhein-Main-Gebiet entbehrte bislang jeder Karte, die die entschwundenen Zustände in einheitlicher, wissenschaftlich einwandfreier Darstellung festhielt. Seit 1911 ist die Hessische Historische Kommifsion in Darmstadt am Werk, diesem Mangel abzuhelken. Ihre kürzlich erschienene Veröffentlichung trägt den Titel „Das Rhein-Main-Gebiet vor 150 Jahren (1787)". Die Arbeit wurde von Oberregierungsrat a. D. Kurt Strecker vor über 25 Jahren begon« Reichsbürger-Handlmch. — „D u b i ft sofort im Bilde", lebendiganschauliches Reichsbürger-Handbuch. Von Max Eichler (I. G. Cramers Verlag, Erfurts — (391) — Es ist ein neuartiges Buch, das der Bearbeiter und der Verlag hier der Oeffentlichkeit übergeben. Die vielfältigsten Fragen, die im Alltagsleben für den einzelnen, wie auch für jede Gemeinschaft von Interesse und häufig auch von weittragender Bedeutung sind, finden in diesem Buche eine klare und erschöpfende Beantwortung. Bei der Durchsicht dieses Werkes wird man sehen, daß es wohl kaum ein Gebiet gibt, das auf den annähernd 200 Seiten dieses Reichsbürger-Handbuches nicht in großen — Hans Fallada: Wolf unter Wölfen. Roman. 2 Bände: 1155 Seiten. Erster Teil: Die Stadt und ihre Ruhelosen. Zweiter Teil: Das Land in Brand. Rowohlt, Berlin. — (217) — Fal- lada hatte vor Jahren feinen größten Erfolg mit dem Roman „Kleiner Mann, was nun?", der (mit recht unzulänglichen Mitteln) auch verfilmt wurde und feinen Namen beinahe volkstümlich machte. Don feinen späteren Büchern haben wir vor längerer Zeit die Romane „Bauern, Bonzen und Bomben" und „Wer einmal aus dem Blechnapf frißt" hier besprochen. Sein letztes Buch, „Wolf unter Wölfen", übertrifft alle vorhergehenden beträchtlich an äußerem Umfang, doch findet man Spuren von allen früheren darin, Verwandtschaften, Beziehungen und Anklänge. Die beiden starken Bände umfassen zusammen 1155 Seiten; dennoch haben wir nicht sehr viele Bücher mit einer so intensiven, bis in die letzten Seiten hinein nicht abreißenden Spannung gelesen. Zu Anfang steht der Dollar — Berlin, im Juli 1923 — „vorläufig noch auf 414 Tausend Mark"; am Ende sind die astronomischen Zahlen zusammengeschrumpft, das „Wunder der Rentenmark" ist erschienen, und man rechnet und zahlt statt mit liederlichen Scheinen mit richtigen Geldmünzen, mit Mark, mit Groschen, ja sogar mit Pfennigen. Zwischen diesen beiden, deutlich genug bezeichneten, zeitlichen Polen rollt die Handlung ab wie ein Ungewitter. Die Hölle ist los, das darf man wohl sagen, und mir können es, uns erinnernd und nach- erlebend, beurteilen, denn mir haben dieses Inferno ja alle, oder fast alle, selber noch durchgemacht. Welch eine Fülle der Gesichte und Gesichter, was für ein Welttheater von Gestalten, Szenen und Schauplätzen. Fallada hat einen untrüglichen und unbestechlichen Blick für die Wirklichkeit, er ist einer der ausgeprägtesten Realisten unter den heute schreibenden Romanciers; er hat die Gabe, mit wenigen, sicher sitzenden Umrissen, mit ein paar Worten, einem kurzen Gespräch e;ne Situation oder einen Schauplatz atmosphärisch dicht und unverwechselbar echt einzufangen und wiederzugeben; daß die Atmosphäre oft unheimlich, beklemmend, ja logar abstoßend wirkt, liegt in der Natur der Sache, im eigentümlichen Thema, und Fallada selber hat. auf Grund rüher gemachter Erfahrungen, seinem Buche eine kurze „Warnung als Vorspruch" nutgegeben, worin es heißt: ......Wolf unter Wolfen ist cm Buch von sündigen, sinnlichen, schwachen, irrenden, haltlosen Menschen, von Kindern einer zerfallenen, irren, kranken Zeit. Aber auch von einigen Aufrechten, Mutigen, Gläubigen. Es ist alles in allem ein Buch für in jedem Sinne Erwachsene..." Der Leser weiß hiernach, was er zu erwarten hat und wird sich keinen Illusionen hingeben, die notwendigerweise enttäuscht werden müßten. Es wäre ein aussichtsloses Unternehmen, wenn man versuchen wollte, den Inhalt dieses von Handlung berstenden Romans auch nur in flüchtigen Umrissen wiederzugeben; man würde nicht nur an der Fülle der Figuren, sondern auch an der' Fülle der Schauplätze scheitern, die manchmal an den schnellen, überschneidenden Szenenwechsel im Film erinnert: Hinterhaus, Bürgerstube, Schiebervilla, Zuchthaus, Spielklub, Polizeirevier, Hotel, Gutshof —: das sind etwa die wichtigsten Stationen des Leidensweges durch eine aus allen Fugen geratene Zeit, die heute oottlob schon unwahrscheinlich weit hinter uns liegt. Vielleicht kann man sagen, der Hauptinhalt oder das Leitmotiv dieses wahrhaft groß angelegten Romans sei: zu zeigen, wie im entfesselten Chaos der Inflation, in einer Zeit der bestürzenden und entmutigenden Auflösung und Entwertung aller realen und idellen Werte ein paar Menschen sich nicht unter« kriegen lassen, Kraft, Gesundheit, Glauben und jugendliche Spannkraft genug besitzen, um sich durchzubeißen, Kopf und Herz zu bewahren, sich zu besinnen und am Ende wieder aufzutauchen aus dem Strudel, in dem mehr als einer versackt, versunken und untergegangen ist. Und wenn man in einem non denen, die da durchkommen, in dem jungen Wolfgang Pagel, ehemaligem Fahnenjunker, berufsmäßigem Spieler, Gutseleven und nachmaligem Studenten der Medizin, die Hauptfigur und so etwas wie den Helden des Romans erkennt, wird man nielleicht sogar einen Doppelsinn im Titel der beiden starken Bände aufspüren; das sei dahingestellt^pie erzählerische Konzentration, die Blickschärfe, Menschen und Dingen auf den Grund zu sehen, die Fähigkeit, ein Stück Zeit in weitgespanntem Rahmen lebendig zu machen, große Stadt und plattes Land samt ihren Bewohnern und vielen, verwirrenden, oberflächlichen wie hintergründigen Beziehungen und Schicksalslinien: das sind einige der hervorstechendsten Gaben, die Fallada in diesem Buche noch unbezweifelbarer beweist als in den früheren. Daß ihm überdies der Sinn für Humor nicht mangelt, erscheint uns besonders tröstlich angesichts eines solchen Themas, bei dem es naturgemäß nicht viel zu lachen gibt. - Hans Thyrl0t wegen des herannahenden Ablebens feines Vaters heimlich feine Vaterstadt Worms und fein Elternhaus aufsuchen, ab^r nur kurze Zeit ist ihm dort vergönnt, denn schon find nach wenigen Stunden die Franzosen wieder hinter ihm her. Schwer wird ihm der Abschied von den Eltern. Neuer Kampf und anstrengende Arbeit als treuer Gefolgsmann Adolf Hitlers erwachsen ihm aus neuen Aufgaben. Seine Kraft fetzt er für den Auf- und Ausbau der nationalsozialistischen Kampforganisation in den verschiedensten Gegenden West- und Süddeutschlands ein. Dabei kommt er auch zur Presse. In den starken Domänen der Zentrumsherrschaft, insbesondere in den Hochburgen der zentrümlichen Bayerischen Volkspartet, führt er mit der scharfen Waffe eines von ihm gegründeten und geleiteten nationalsozialistischen Kampfblattes ein hartes, aber erfolgreiches Ringen für die nationalsozialistische Weltanschauung. Unermüdlich geht er in der Presse und in der Organisation der NSDAP, in seinen Aufgaben auf. Schwer find die Opfer, die er dabei im Dienste des Führers und des deutschen Volkes bringt. Aber alle diese Opfer finden ihren höchsten Lohn in dem Siege Adolf Hitlers und seiner Idee durch die Uebernahme der Macht im Januar 1933. In packender Weise erzählt der Autor von diesem Abschnitt seines reich bewegten Lebens, aus der Kindheit über die Jünglingsjahre hinweg zu der Zeit des hingehenden Einsatzes als kämpfender Mann. Voll starker innerer Anteilnahme folgt der Leser der schlichten und darum besonders eindrucksvollen Schilderung. Es ist ein Stück deutscher und völkischer Notzeit, das in diesem Buche Hinkels rückschauend vor dem geistigen Auge des Lesers wieder zutage tritt, und das alle deutschen Menschen aufrütteln und stärken muß zur steten Bereitschaft, jederzeit alle Kraft einzusetzen für die Wiederaufrichtung unseres Volkes. Darum soll das Buch Hinkels nicht nur eine Rückschau auf eine kampferfüllte deutsche Zeit sein, sondern zugleich auch eine Verpflichtung für alle Leser dieser Erinnerungen, es in Zukunft mit ihrem Einsatz für Deutschland ebenso zu halten wie die Männer, die als die Alte Garde des Führers im Kampfe für das neue Deutschland opferbereit vorangingen. Ernst Blumschein. DieDramenHenryvonHeiselers. — Henry von Heiseler: Die Dramen. Herausgegeben von Bernt v. H e i s e l e r. (Gesammelte Werke, Band III.) 340 Seiten. Mit einer Abbildung. Karl Rauch Verlag, Leipzig-Markkleeberg. — (209) — Der Verlag Karl Rauch, der sich mit ernstem Bemühen für das Werk des verstorbenen Dichters Henry v. Heiseler einsetzt, legt mit diesem dritten Bande einer Gesamtausgabe — früher erschienen „Erzählungen und Prosa" und „Gesammelte Gedichte" — acht Dramen vor, die der Sohn, Bernt von Heiseler, herausgegeben und mit An- merkungen versehen hat. Das Vorwort hingegen stammt aus dem Jahre 1928 uhb vom Dramatiker selbst: es gibt einen Eindruck von der geistigen Haltung Heiselers, von den Forderungen im besonderen, die er an den dramatischen Dichter stellte, von seinen Anschauungen über Sinn und Aufgaben dramatischer Dichtung in dieser Zeit; Heiseler fordert Besinnung auf Sprache und Rhythmus als auf das Geheimnis aller großen Dichtkunst, den Weg der Verinnerlichung für die kommende dramatische pamir-Mg. — D - ANOY bezwingt den Pamir." Don Freiherr von G ablenz Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg, gebunden 4,80 RM.) .HW)— Dieses Buch bringt einen fesselnden Bericht über den sensationellen Flug, den das Junkers-Flugzeug unter Führung des Direktors der Lufthansa, von Gablenz, und zweier bewährter Piloten im vorigen Jahre von Berlin über Athen, Damaskus, Kabul/ dann über den Pamir, das „Dach der Welt, him weg weit nach China hinein und wieder zuruck nach Berlin durchgeführt hat. Der Flua sollte eigentlich bis nach Nanking führen, er mußte aber auf dem letzten Flugstützpunkt vor Nanking tief im Innern Chinas abgebrochen werden, weil mittlerweile der japanisch-chinesische Krieg ausgebrochen war und es den Fliegern dadurch unmöglich gemacht wurde, Nanking zu erreichen. Deshalb mußten sie sich zur Umkehr entschließen, wobei sie aber noch einmal im Innern Chinas eine Landung vorzunehmen hatten, die für sie die unangenehme Begleiterscheinung brachte, daß sie von einem chinesischen Muitar- befehlshaber am Weiterflug gehindert und eine Reihe von Wochen in Gefangenschaft gehalten mürben. Während dieser Zeit stand das Flugzeug eine ziemliche Entfernung von ihrem Untertunftsort aus freiem Felde ohne jede fachmännische Betreuung, so daß die Flieger begreiflicherweise große «orge um ihre Maschine hatten. Die wochenlange Ungewißheit über den Verbleib der Flieger hatte m Deutschland große Besorgnis ausgelöst, zumal den Gefangenen jede Nachricht nach außen unmöglich gemacht war und sie ständig unter strenger -öe« wachung standen. Don Deutschland aus war bereits eine zweite Junkers-Maschine zur Suche abgeschicki worden, die bis zur afghanischen Hauptstadt Kadui gekommen war und dort über den unwirtlichen Gebirgszügen schon Suchflüge unternommen hatte. Mittlerweile war es den drei festgehaltenen Ftte- gern durch verständnisvolle Unterstützung gelungen, ihre Freiheit wiederzuerlangen, und zn ihrer Freude sanden sie denn auch ihre Maschine, trotz der wochenlangen Zeitspanne, noch intakt vor, so daß sie den weiteren Rückflug antreten konnten. -Jn Kabul trafen sie dann das von Deutschland geschickte Suchflugzeug an. Und nun stand der Henn- kehr der beiden Maschinen nach Deutschland mchts mehr im Wege. Gablenz schildert die vielseitigen Erlebnisse auf diesem Fluge und die Landschaften, insbesondere aber den zweimaligen Flug über den Pamir, das „Dach der Welt", ferner die Ereignisse Dichtung. Don hier aus wird man am ehesten den Blickpunkt für die Bewertung der acht Dramen finden, für das Gemeinsame, das sie bei aller stofflichen Verschiedenheit untereinander verbindet. Die bedeutendsten dieser Schauspiele behandeln berühmte Motive aus der russischen Zarengeschichte: so die Tragödie „Peter und Alexej" den psychologisch reizvollen, dramatisch ergiebigen Konflikt zwischen Peter dem Großen und dem Zarewitsch Alexej; dieses Thronfolger- und Kronprinzen-Schick- sal hat wiederholt zu künstlerischer Gestaltung angeregt: wir denken etwa an das Gemälde von GuL, das wie eine lebendige Illustration zu Heiselers Tragödie wirkt, und an das Schauspiel von Otto Erler, der durch seinen „Struensee" bekannter geworden ist. — Das Demetrius-Thema, uns durch Schiller und Hebbel geläufig, kehrt bei Heiseler mit neuer Betonung in der 1923 vollendeten Tragödie „Die Kinder Godunofs" wieder: hier liegt das Schwergewicht der dramatischen Verstrickung nicht beim Prinzen, sondern beim Zaren Boris Gudondf. Ebenfalls aus der russischen Sphäre erwuchsen „Die magische Laterne", ein „märchenhaftes Lustspiel" um den Zaren Joann IV., und das Trauerspiel „Grischa", im Gegensatz zu den übrigen Stücken, die fast ausschließlich Vers-Dramen sind, in 26 kurzen Prosaszenen aufgebaut: das gibt dem Trauerspiel einen balladesken Ton, der Erinnerungen an Büchners „Woyzeck" weckt, zumal auch das Schicksal des entlassenen Sträflings Grischa Anklänge an das hessische Soldatenstück erkennen läßt. „Die Rückkehr der Alkestis" ist ein griechisches Märchen nach dem Euripides, „Der junge Parzival" ein „Hochzeitsspiel" aus dem berühmten Sagenkreise, „Die Nacht des Hirten" ein Adventsspiel, das 1923 entstand und zahlreiche Laienaufführungen erlebte. Endlich ein Einakter, „Die jungen Ritter vor Sempach", aus dem Jahre 1910; die -Anregung dazu gab Heinrich von Kleists verschollenes Fragment „Leopold von Oesterreich", von dem uns nur mündlich, durch Kleists Freund Ernst von Pfuel, die berühmte Szene des ersten Aktes überliefert ist, wie die Ritter vor der Schlacht bei Sempach um ihr Leben würfeln ... Heiseler hat sich überhaupt mit Kleist, den er liebte, lebhaft beschäftigt; eine Kleist-Bibliographie (1911) und eine Ausgabe feiner Werke (1914) sind noch nicht veröffentlicht. — Die Dramen bilden m Heiselers Gesamtwerk einen wesentlichen Bestandteil; sie entsprangen, wie uns scheint, einer mehr dichterischen als unmittelbar-theatralischen Vision, obwohl sie des echten Konfliktes und dramatischer Spannungen nicht entbehren. Die Buchausgabe ver- mittelt dem Leser vielfältige Eindrücke von der Gestaltenfülle und dem weitgespannten Kraftfelde schöpferischer Phantasie, die in Henry von Heiseler lebendig war; auch das Theater wird, da es sich nicht um bloße Lese-Dramen handelt, hier manche Anregung finden. — Der geschmackvoll und gediegen ausgestatete Band ist mit einer Wiedergabe der von Silvie Lampe-von Benni gl en ge chafsenen Totenmaske des Dichters geschmückt . Hans Thyriot. während der Gefangenschaft am Sitze des chinesischen Machthabers in so fesselnder Art, daß der Leser dieses Erlebnisberichtes von Anfang bis Ende mit größter Spannung der Schilderung folgt. Das Buch stellt aber nicht nur einen interessanten Bericht über eine Luftreise über mehrere tausend Kilometer Länge dar, sondern es ist zugleich ein Dokument der Tüchtigkeit deutscher Flugzeuge und deut-. scher Pilotenleistung, ein Ruhmesblatt der deutschen Fliegerei überhaupt. Die Lektüre dieses Buches bringt dem Leser einen wertvollen Gewinn, und sie ist geeignet, jedem Deutschen mit berechtigtem Stolz auf unsere kühnen Flieger blicken zu lassen. Man darf dem vortrefflichen Buche wünschen, daß es, seiner großen Bedeutung entsprechend, einen breiten Weg in unser Volk finden möchte. Ernst Blumschein. Namen der betreffenden Länder, ihrer Verwaltungsbezirke und den Bestand an Wohnstätten, selbständigen Wäldern und Rheinauen auf das genaueste an; Veränderungen staatsrechtlicher Natur bis 1803 sind jeweils vermerkt. Es wird an Hand der Karte und des Textes künftig möglich fein, mit Sicherheit die Zugehörigkeit eines Orts kurz vor dem Ende des Ersten Reichs zu finden. Solche Kenntnisse sind allgemein nützlich, für Freunde der vaterländischen Geschichte und der Sippenforschung unschätzbar. Der nationalpolitischen Erziehung gibt die Veröffentlichung ein eindrucksvolles Anschauungs- und Lehrmittel' in die Hand. Karte und Text bilden für das Rhein-Main-Gediet oder wenigstens seine historisch- interessierten Einwohner eine erfreuliche Bereicherung der Geschichtsliteratur. Es wäre erwünscht, daß'die neue Publikation andere nach sich zöge, die einen ebenso klaren Einblick in das Jahr 1648 gestatteten. WamenundTarnenimTiemich. — Dr. habil. Fritz Steiniger: Warnen undTarnen imTierreich. Ein Bildbuch zur Schutzanpassungsfrage. 139 Seiten mit 91 Abbildungen nach Naturaufnahmen des Verfassers. In Leinen geb. 4,80 Mark. Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. — (222) — Das Buch ist aus Untersuchungen im Institut für Vererbungswissen- schäft in Greifswald hervorgegangen und von dessen Direktor, dem bekannten Vererbungsforscher Professor Dr. Günther I u st, angeregt; es gibt zunächst eine vortrefflich ausgewählte Sammlung von Tier- aufnahmen, wie man sie heute in zahlreichen naturkundlichen Bildbüchern antrifft, weicht aber in der Textgestaltung insofern von jenen ab, als es weder Naturschilderungen noch Tiernovellen noch auch Artenbeschreibungen enthält, vielmehr einer allgemeinen naturwissenschaftlichen Frage gewidmet ist, dem Problem der Schutzanpassung, das die biologische Forschung seit Darwin immer wieder beschäftigt hat. Der Verfasser legt Wert auf die Feststellung, daß es sich in der Tat auch heute noch um eine Frage hgndelt, und bemüht sich, das Für und Wider der Meinungen zu berücksichtigen; allerdings sind, wie die Einführung bemerkt, von der Vererbungsforschung her wichtige Ergebnisse zu erwarten, welche als Grundlage für eine endgültige Lösung des Problems dienen können. Obwohl das Buch also, durchaus wissenschaftlich fundiert, auf jede Popularisierung verzichtet, ist es doch so ge- schriebe^ daß auch der nicht fachgelehrte Leser es mit Genuß und Nutzen und vielfältiger Anregung zu eigener Naturbeobachtung lesen wird. Der naturkundlich interessierte Laie wird vermutlich von der Fülle der Fragen und Erscheinungsformen über- rascht sein, die sich aus der Themenstellung ergeben. Es wird z. B. dargelegt, was Schutz und was Anpassung sei, und wie die Schutzanpassungen entstanden sein können; die Untersuchung schildert, ins Einzelne gehend, etwa die Schutzfärbung, den „Drückinstinkt", die „tierische Hypnose", den Färb- wechsel, die Schutz- und Schreckstellungen und die verschiedenen Typen der Mimikry. Eine knapp zusammenfassende Kritik der Schutzanpassungslehre schließt die Untersuchung ab. Das reichhaltige Bildmaterial ist nicht nur sehr sachkundig und geschickt ausgewählt, sondern auch bildtechnisch so sorgsam behandelt, wie man,es bei allen Bermühler- Büchern gewöhnt ist: bie Aufnahmen stellen eine überaus lebendige und lehrreiche Begleitung des Textes dar. Es erscheinen etwa im Bilde ein junger Feldhase, der „sich drückt", ein Laubfrosch, ein Wie- senpieper-Nest, ein junger Kiebitz, eine Rotdrossel in „tierischer Hypnose", die Schutzfarbe der Flunder, Raupen, Stabheuschrecken und das wandelnde Blatt, der Kiefernschwärmer und der große Fuchs, der Schwan in Abwehrstellung, Igel und Seeigel, — um einiges aus der Fülle herauszugreifen. Das tadellos ausgestattete und gedruckte Bildbuch wird allen Naturfreunden eine willkommene Bereiche« nen; abgeschlossen und mit einem erläuternden Textband herausgegeben hat sie Dr. Walter Wagner. Trotz dem bescheidenen Maßstab von 1 :200 000 hat das als Sechsfarbendruck hergestellte Kartenblatt die ansehnliche Größe von 95X77,5 cm. Im ganzen sieht der Beschauer die Territorien von 4 Kurfürsten, 7 geistlichen, 9 weltlichen Fürsten und 41 Mitgliedern der Grafenkollegien, einigen Kreisständen und nichteingekreisten Landen, Reichsstädten, Prälaten, fast 100 Mitgliedern Der Reichsritterschaft, einer erheblichen Anzahl mittelbarer Stifter sowie adeliger Besitzungen nor sich, soweit sie im Raum des Rhein-Main-Gebiets liegen; eine Nebenkarte ergänzt die Darstellung um das 1866 von Hessen an Preußen abgetretene hessische Hinterland. Die heftige Vuncheit,' welche die moderne Drucktcchnik erlaubte, war aus dem gleichen Grunde, dem der Vielgestaltigkeit des Darzustellenden, nötig. Das Bild' umfaßt die Lande zwischen Marburg im Norden, Heidelberg und Wimpfen im Süden, Koblenz im Westen und Fulda im Osten. Es zeigt, eingestellt auf das Jahr 1787, die damalige territoriale Bewegtheit des heutigen Rhein-Main-Gebiets mit allen Einzelheiten, darunter den charakteristischen. Kondominaten, dem gemeinsamen Besitz verschiedener Herrscher; diesen ist eine besondere Merktafel gewidmet. Die reichen Quellenfunde, die Karte und Text füllen, sind in jahrelanger mühevoller Forschung den Beständen der Archive zu Darmstadt, Wiesbaden, Würzburg, Marburg u^b Mainz ab- gewonnen worden. Der Textband nennt jeden Wohnplatz — Stadt, Flecken, Dorf, Hof, Schloß — an der Stelle, wohin er 1787 gehörte; er gibt die Uraufführung des Junkers-Filmes „Metallene Schwingen". Als der Führer Hermann Göring nach der Machtübernahme beauftragte, zum Schutz des deutschen Luftraumes und zur Sicherung des Friedens eine starke deutsche Luftwaffe zu schaffen, stand der letzte Kommandeur des ruhmreichen Richthofen- Geschwaders vor einer der schwersten Aufgaben. Wo ist die Industrie, wo sind die Werke, die den Bedarf befriedigen können? Zur Verfügung standen nur kleine Unternehmen, die sich mit der Herstellung von Sport- und Verkehrsflugzeugen beschäftigten: diese Weöke wurden die Zellen des industriellen Neubaues unserer deutschen Luftfahrt. Metallene Schwingen breiten sich heute wieder über unser Vaterland. Diese Worte gab der Staatssekretär der Luftfahrt, General der Flieger Milch, dem im Ufapalast am Zoo uraufgeführten Junkers- Film „Metallene Schwingen" mit auf den Weg. Dieser Film, mit Genehmigung des Reichsluftfahrtministeriums hergestellt, gibt einen Einblick in eine der gewaltigen Arbeitsstätten der deutschen Luftfahrtindustrie und die hingebende Arbeit aller, die an ihr beteiligt sind. Di« Uraufführung erfolgte in Gegenwart zahlreicher Vertreter von Staat, Partei und Wehrmacht sowie zahlreicher Mitglieder des Diplomatischen Korps. Der Film zeigt die Entwicklung der Werke, die Flugzeuggroßfertigung und die Motorengroßherstellung in allen Einzelheiten. Obwohl der ' mechanische Arbeitsfluß eine große Rolle spielt, kommt doch klar zum Ausdruck, daß der Mensch, also die schöpferische Einzelpersönlichkeit, das Werk vollendet. Als hohes Lied der Arbeit und deutscher Spitzenleistung erfüllt der Film jeden mit Stolz und Begeisterung. Olympiafilm in Budapest begeistert ausgenommen. Die ungarische Uraufführung des Olympia- films fand im Beisein von Mitgliedern des Kabinetts sowie Vertretern der Politik, Wirtschaft und Presse in Budapest statt. Die Meisterschöpfung Lem R i e f e n st a h l s wurde mit großem Beifall ausgenommen. Die gesamte ungarische Presse widmet diesem Filmwerk begeisterte Kritiken. Im Vorprogramm liefen Bilder über die Deutschlandreise des Reichsverweserpaares und der ungarischen Minister. Die Szene, in der der Führer und Reichskanzler den ungarischen Reichsverweser auf dem Bahnhof in Kiel mit einem herzlichen Händedruck begrüßt, löste tosenden Beifall im ganzen Hause aus. Dichter und Komponisten als Ehrengäste beim Reichsparteitag. Erstmalig werden in diesem Jahre deutsche Dichter, Schriftsteller und Komponisten als Ehrengäste am Reichsparteitag teilnehmen. Führenden Männern des deutschen Schrift- tumes und der zeitgenössischen deutschen Musik wird hiermit die Gelegenheit gegeben, die großen Feierstunden der nationalsozialistischen Bewegung bevorzugt mitzuerleben und so neue Anregungen für ihre schöpferische Arbeit zu erhalten. Es wurden u. a. eingeladen: Heinrich Annacker, Rudolf Hans Bartsch, Carl von Bremen, Hans C a r o s s a, Hannes Cremer, Erich Edwin Dwinger, Friedrich Griese, Rudolf Herzog, Professor I o ch u m , Hans Christoph Kärgel, Dr. Klöpfer, Professor Philipp, Professor Rausch, Ullrich Sander, Professor S ch m a l st i ch, Georg Schmückte, Heinz Steguw eit, Professor Richard Strauß, Will Vesper und Heinrich Zerkauten. Anerkennungsurkunden für 100 000 ehemalige Ireikorpskämpfer. Der Reichskrisgerführer, ^-Gruppenführer Generalmajor a. D. Reinhardt, hat in seiner Eigenschaft als Bundesführer des NS.-Reichskrieger- bundes (Kyffhäuserbund) den ihm vom Reichsman- ster des Innern erteilten Auftrag durchgeführt, den Mitgliedern der früheren Freikorps, die an Kampfhandlungen teilgenommen haben, eine Urkunde auszustellen, durch die ihnen der Dank und die Anerkennung des Reiches ausgesprochen wird. Es sind fast 1 00 000 Urkunden an ehemalige Freikorpskämpfer verliehen worden Der Reichsminister des Innern hat dem Reichs,kneger- führer und dem NS.-Reichskriegerbund seinen Dank ausgesprochen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß eine enge Verbindung zwischen dem RS.- Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund) und den alten Freikorpskämpfern geschaffen sei. Marxistischer Betrugsskandat in Ungarn. Riesenunterschlagungen, die sich marxistische Parteibonzen, fast durchweg Juden, auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung haben zuschulden kommen lassen, beschäftigen heute die Budapester Presse. Vor kurzem wurde auf Grund von Unregelmäßigkeiten bei dem sogenannten „Ungarischen Jnvaliden-Unterstützunqs- und Pensionsverein" eine behördliche Untersuchung eingeleitet. Dabei stellte sich heraus, daß trotz eines buchmäßig ausgewiesenen Vermögens von 10 Millionen Pengö Sen etwa 40 000 berechtigten Derelnsmltglledern trotz einer Beitragsleistung von 20 bis 25 Jahren die ihnen zustehenden Renten nicht ausbe« zahlt wurden. In den meisten Fällen wurden die Rentenberechtigten lediglich mit 100 bis 200 Pengö „abgefunden". Der Verein hatte feit mehreren Iah* ren mit Geldschwierigkeiten zu kämpfen. Zunächst versuchte man es mit Rückversicherungen und an« deren finanziellen Transaktionen. Diese haben aber? .Steinhäger Urquell MßM würdig mild - mit dem bekannten Schinkenbild! i lediglich den leitenden Direktoren und den Vermittlern einige Hunderttausend Pengö eingebracht. Die Lage des Vereins hatte sich jedoch nicht gebessert. Generaldirektor Bardos, ein führendes Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, kam nun aus den Gedanken, einige tausend Arbeiter der Schwerindustrie als zahlende Mitglieder dem bankerotten Verein zuzuführen. Dieser betrügerische Schritt rettete den Verein ebensowenig vor der Pleite wie die Transaktionen. Während der Untersuchung wurde festgestellt, daß verschiedene führende Beamte des sauberen Unternehmens, darunter auch Bardos, mehrere zehntausend Pengö pro Kopf als „Abfindung" kassiert hatten, ohne aber aus dem Unternehmen auszuscheiden. Bardos ist übrigens in die Tschecho-Sldwakei geslüchtet. Todesanzeige! Nach kurzem, schwerem Leiden entschlief gestern unsere liebe Mutter Frau Katharine Nicolai geb. Döringer im 79. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Marie Kreuzburg, geb. Nicolai Familie Heinrich Nicolai. Gießen, den 3. September 1938. Die Beerdigung findet Montag, den 5. September, nachmittags um 23/4 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt ________________________________________5692D Meisterprüfung! Wer die Meisterprüfung in seinem Handwerkszweig auf Grund der gesetzlichen Vorschrift bis Ende 1939 ablegen muh oder sie freiwillig ablegen will, wird aufgefordert, sich zur Einteilung in die Vorbereitungslehrgänge umgehend bei der Kreishandwerkerschaft Gießen, Goethestr. 7, 1. Stock zu melden. Beginn der Kurse (bei genügender Beteiligung nach Berufen getrennt) sofort. Näheres auf der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft. 6?o4D Äreishandrverkerfchaft Gießen. Tel. 60139 Dr.Nohl Ruttershausen, den 3. September 1938. 5693D 5643D 04029 Asterweg 47 liche Angebote sofort. 5651° toisFHau JQCHHEIH 'berJlSü! August Becker und Familie August Ott und Familie, «3Hleinverhauf der welt6erü/jm~ ten cTln tim o ft- Sessel iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Einspaltige Kleinanzeigen werden zum er» mäßigten Grund, vreis von s pf. fürdieMllimeter» leite veröffentlicht iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii am 5. September von der Reise zurück 5695D Briefmarken- Sammlung. Größeres Objekt zu kaufen gesucht. Offerten mit Beschreibung und Preis erbeten. Ernst Wenzel, Briefmarkenhandlung, Frankfurt am Main, An der Hauptwache 1. Tel. 26765 .5661 D 3000 Zentner gelbfleischige Gpeisekartoffeln frei Keller zu kaufen gesucht. Angebote auf Lieferung kleinerer Mengen nicht erforderlich. Schrift- iiiickgralverkriiminung Seit Jahrzehnt hervorragende Erfolge ohne Berufsstörung. Leidende verlang, mein hochinteressantes Buch mit Abb. kosten!, auf 8 Tage z. Ansicht 0. Büohy, Frankfurt a. ■. 95 Unter den Akazien 14 Danksagung. 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Die Hausfrau fühlt sich plötzlich wieder als kleines Mädel, im wippenden Faltenröckchen, den Ranzen auf dem Rücken, wie sie, von der Morgenkühle angenehm überschauert, mit etwas bänglichen Gefühlen der Schule zutrottet. Bis dann an einer Ecke die Freundin dazukommt und der Weg unter fröhlichem Schwätzen — geteilte Sorgen sind halbe Sorgen! — gemeinsam fortgesetzt wird Au die Rechenarbeit heute!" „Und ich hab' für Erdkunde nix gelernt!" Äber«plötzlich ist das Schulmädel mit den langen Locken verschwunden, eine geplagte Hausfrau geht durch die Straßen, die nun flugs überlegt, was sie auf dem Markt alles einkaufen will. Nur ein flüchtiger Blick schweift zu den roten Ebereschen in den Anlagen und zu dem in allen Farben leuchtenden Blumenbeet, das sich und andern auch noch gerne den Sommer Vortäuschen möchte! Unter solchen und ähnlichen Gedanken ist die Hausfrau auf dem Markt angekommen. Ein buntes Brld zeigt sich ihr: grün und gelb leuchtet das Gemüse, rot grellen die Tomaten dazwischen, golden lockeü Bananen und Apfelsinen. Wie appetitlich sehen die gelben, duftenden Käse aus! Trübselig hängen Hühnerchen. und Hähnchen, die gestern noch vergnügt auf dem Hofe herumpickten, auf den Tischen. Der scheidende Sommer aber hat noch einmal seine ganze Blumenpracht aufgeboten, mit den herrlichsten Rosen und Nelken ist er zur Stelle, mit Löwenmäulchen, Cinnien, Dahlien und Gladiolen; wer kennt sie alle, die bunte Pracht! Das Auge kann sich nicht sattsehen, aber — denkt die Hausfrau — davon werden die zu Hause nicht satt! Und eilig begibt sie sich daran, ihre Einkaufstasche mit allerlei Nahrhaften zu füllen. Außer der „Landessprache" schwirren noch allerlei andere Mundarten an ihr Ohr: thüringisch und hannoveranisch, während ein Verkäufer den ungeduldigen Frauen im reinsten Berliner auseinandersetzt: „Die muß alleene abwiejen. da kann icke nich ooch noch rumfummeln!" Dicht dabei ist ein Stand mit irdenen Töpfen. Sie tragende Jahreszahl 1938: wenn sie kaputtgehen, weiß man wenigstens, wie „lange" sie gehalten haben! Da — ein Schrei! Ein Auto, das auf den Markt einbiegen wollte, hat beinahe einen Jungen überfahren. Der eine Fuß ist schon unter dem großen Rad. Die erschrockene Mutter zieht ihr Kind mit schnellem Griff zu sich heran — wie die Affenmutter im Zoo, fällt der Hausfrau ein — der Fahrer aber — ein Glück für ihn, daß er sicher hinter seiner Scheibe sitzt — ist minutenlang umbrandet von drohenden und schimpfenden Frauen. Als sich die AlUregung gelegt hat, geht das Einkäufen weiter. Schwer hat nun die Hausfrau zu schleppen, als sie sich eilig auf den Heimweg macht. Nur gut, daß die leere. Geldtasche jetzt leicht ist! E. L. St. Vornoiizen Tageskalender für Samstag: Gloria-Palast (Seltersweg): „Spiegel oes Lebens." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „C '-eimzeichen Wilderer-Prozeß vor -er Großen Strafkammer Gießen. Arn kommenden Dienstag, 6. September, beginnt por der Großen Strafkammer in Gießen ein um-- langreicher Wilderer-Prozeß, der, wie wir auf Anfrage an zuständiger Stelle hören, in Jägerkreisen mit besonderem Interesse erwartet wird. Der Prozeß richtet sich gegen die beiden Brüder Oben- weller -aus Kranzberg und gegen einige weitere Einwohner aus Kranzberg und Friedrichstal im Taunus. Ferner ist ein Kaufmann aus Frankfurt am Main angeklagt. Die Ermittlungen, die der Anklage zugrundeliegen, wurden seinerzeit von der Kriminalpolizei in Frankfurt a. M. aus Anlaß einer umfangreichen Razzia in den Orten Kranzberg und Friedrichstal, wie auch in einigen anderen Gemeinden des Taunus, gewonnen. Dabei wurde auch ein Mordversuch an dem Förster Nothnagel, der vor 20 Jahren unternommen worden war, aufgeklärt. Einer der beiden Brüder Odenweller hat zugestanden, daß er damals aus dem Dickicht auf den Förster geschossen habe. Der Wilderer verfehlte aber; die Kugel ging durch den Strohhut des Försters. Diesem Umstand war es zu verdanken, daß Förster Nothnagel nicht erschossen wurde. Leider kann diese schwere Tat nicht mehr verfolgt werden, weil in dieser Strafverfolgung Verjährung eingetreten ist. Die Wilderer Odenweller standen außerdem im Verdacht, den Philipp Oden weller, der ebenfalls vor etwa 20 Jahren auf dem Wege von Köppern nach Kranzberg verschwunden und nach mehreren Jahren er st in einem Steinbruch tot aufgefunden worden war, erschossen zu haben. Doch führten die eingehenden Ermittlungen in dieser Richtung nicht zum Ziel. Die Verdächtigen bestreiten, etwas damit zu tun zu haben. Neben den Wilderern ist auch ein Gastwirt aus Kranzberg angeklagt, der das van den Wilderern geschossene Wild verwertete. Er ist deshalb wegen gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei angeklagt. Die Jagdvergehen, die von den Brüdern Odenweller begangen worden sind, erstrecken sich über einen Zeitraum von 10 bis 20 Jahren. Der Prozeß wird voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen. Es sind 20 Zeugen geladen. Den Vorsitz fuhrt Landgerichtsrat Dr. Sei b. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Finke. Modell: Erweiterungsbau physikalisches Institut. Gestern nachmittag wurde für die Deutsche Bau- und Siedlungs- Ausstellung ein weiteres Modell auf Veranlassung des Hessischen Hochbauamts fertiggestellt. Das Modell, das wir hier im Bild zeigen, stellt den Erweiterungsbau desPhy- sikalifchen Instituts unserer Landesuniversität dar, der in der Stephanstraße erstehen soll. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) „preiö der . MM L. B. 17." — Artillensten-Kameradschaft: 20.30 Uhr, „Hessischer Hof", Kdmeradschaftsabend. Tageskalender für Sonntag: Gloria-Palast (Seltersweg): „Spiegel des Lebens." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Geheimzeichen L. B. 17." — Gießener Ruderklub „Hassia": 14.30 Uhr Wettkämpfe der Rudervereine Gießen—Wetzlar. — Landschaftsbund „Volkstum und Heimat": 9 bis 12.30 Uhr Pilz gang. Hitler-Iugend Bann 116. Vekr.: Ausgleichsbeförderungen — Führersiellen- befehung für den Monat September 1938. .Ich mache hier nochmals darauf aufmerksam, daß die Ausgleichsbeförderüngen nur dann ausgegeben werden, wenn van den betr. Gefolgschaften die Führerstellenbesetzungsmeldung für den Monat September hier vorliegt. Beae Wohnungsbautätigkeit in Gießen Am stärksten ist gegenwärtig die Bautätigkeit im - < „ „ ... - „ i Schwarzlachgebiet. Ein Teil der etwa 200 Wohnun- Vetr.: Vorappell für die Re.chsparteitagteilnehmer gen, die dort entstehen, ist im Rohbau fertig und am 4. September. , wird im Innern ausgebaut. Die anderen Häuser Für alle Reichsparteitagteilnehmer (Parteianwär-; an der Marburger Straße und entlang dem Asterter), sowie Führerschaft findet am 4. September ein weg sind im Rohbau vollendet. Die neu angelegten Vorappell durch den stellv. Bannführer statt, und, Straßen werden aufgefüllt und Regen- und zwar für die Teilnehmer des Kreises Giesten am Schmutzwasserkanäle angelegt. 4- September um 10 Uhr (vormittags) an der j Die Brauerei Denninghoff hat ein neues Ver- Banndienststelle, für die Teilnehmer des Kreises , waltungs- und Wohnhaus erstellt, der Rohbau ist Friedberg am 4. September um 15 Uhr in Fried- - fertig Auch das Brauereigebäude wird erweitert. Perg (Burghof). Es ist zu diesem Vorappell im I — Im Eichgärtengebiet wird ebenfalls lebhaft ge- Großen Dienstanzug und vollständiger Lageraus-1 baut. Die Baugenossenschaft 1894 hat im Laufe die- ruftung anzutreten. Von allen Teilnehmern am \ ses Sommers zwei Doppelhäuser bauen lassen die Reichsparteitag sind Ueberfallhosen und Winter-, eben ausgebaut und wohl zum Herbst bezugsfertig blusen mitzubringen. Ueberfallhosen und Winter- werden. Eine Baufirma erstellt dort eine Reihe von blusen sind zu den Vorappellen mitzubringen. I Kleinwohnungen, die ebenfalls ihrer Fertigstellung 633D ELLER der Optiker am Bahnho! Lieferant auch Ihrer Krankenkasse! Wie steht es mit Ihren Augen ?--Sehschärfe und hiermit Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden lassen sich durch eine Brille steigern, sprechen Sie doch einmal persönlich mit mir darüber. nen Baulücken mit einigen Einfamilienhäusern geschlossen, die beinahe fertig sind. In nächster Nähe entsteht ferner ein neuzeitliches Gärtnereigebäude und in der Bergstraße läßt eine Großfirma ein Verwaltungsgebäude errichten. Auch im Südviertel und zwar im vorderen Leih- gesterner Weg ist man dabei, ein neues Einfamilienhaus zur Ausführüng zu bringen. Pilzgang durch den Gchiffenberger Wald. Landschaftsbund Volkstum und Heimat. Wer seine Pilzkenntnisse erweitern will, beteilige sich am Sonntagvorrnittag am Pilzgang durch den Schiffenberger Wald unter der sachkundigen Führung von Unioersitäts-Garteninspektor i. R. Reh- n e l t. Alle Volksgenossen sind dazu eingeladen. Mitte, Hochaltars im Münster zu Ueberlingcn — die Än- sondern' Kohlblätter gefressen. Nun hatten wirs. Sein Heb Museen, ten und Wenn geht, so die man an alten städtischen oder patrizischen Bau- in Bürgerhäusern! man ihnen hier an den Ufern einmal nachgewinnt man feine Freunde unter ihnen, gern wieder und wieder besucht; bei denen Aber neben diesem gibt es noch ein stilles Geschlecht von Uferbewohnern, in denen die Gemeinsamkeit des alten ehrwürdigen Kulturkreises um den See sich dauernd und unveränderlich ausspricht. wirklich zu Bewohnern dieses Landes, an die man immer denkt, wenn man die Kirchen und Kapellen ---7 I--- vu «US VH [4.C UHtZ, V0N einem Künstlerauge, einer Künstlerhand erfaßte und festgehallene Leben in ihnen suchen. Dem Kunstforscher enthüllen sie Geschichte. Aber es bedarf, um sie zu genießen und sich an ihnen zu freuen, keines kunsthistorischen Fachwissens — nur des Gefühls für reines, klares, schlichtes Menschentum, das hier selbst aus der Arbeit ungelenker Hände noch spricht, und der Liebe zu diesem schwäbisch-alemannischen Stamm, der seinem Wesen nach von herb-inniger echter Deutschheit und seiner Begabung nach von so sicherer künstlerischer Erfassung des ewig gleichen Menschenlebens und seiner volkhaften Gestalten ist. zwischen den Rebenhügeln liegen, die Türme der Dome aus dem Dächergewirr der alten Reichs- fie ausdrücken, reglos und wortlos und still und unveränderlich ist, so dürfen sie dauern, während wir Lauten und Redenden, Tätigen dahingehen. Es sind die stillen Gestatten der Kunst, die heiligen oder weltlichen Männer und Frauen in den Domen und Münstern, den Dorfkirchen und Kapellen, in den man verweilt und in deren vergangenes, doch non der Dauer spendenden Hand der Kunst festgehaltenes Leben man sich sinnend versenkt. Immer mehr wird man dessen inne, wie das Leben durch die Jahrhunderte hier gleich und erfüllt hinging und diese Gestaltenbildör aus sich herausstellte, damit sie uns Künftigen erzählen, uns sagen, daß das Wesentliche und Wichtige tm Leben vor Hunderten von Jahren nicht anders war als heute: ein klar umschriebener Kreis zu tuender Aufgaben, Glück und Schmerz, Arbeit und Feiern, Dienst und Sorge. Ob man sich in den leeren Bänken vor der berühmten holzgeschnitzten „Verkündigung" — nach der man ihren Meister benannt — in der kleinen Unterstadtkirche in Meersburg niedergelassen hat und sich von dem schlicht-innigen Bildwerk den Vorgang der Versenkung in ein andachtsvoll gelesenes Buch und das greifbare Heraustreten des Wunders daraus in den Raum vor der lesenden Seele fast in eine nur regungslose Wirklichkeit verwandeln läßt; ober in der Heiligenberger Gruft- kavelle von der hoheitsvoll frhroeigenben Madmua mit ben halb herabgesenkten Augenlibern die Stille vor den ewig gleichen Gesetzen des Lebens in sich aufnimmt; oder in all den vielen von der Kunst geheiligten, doch erst von ihr ganz weltlich gemachten Gestalten einfach das umgebende Leben von einst und von heute gespiegelt sieht wie die Familie, die Hirten und die Tiere des Jörg Zürnschen Das Karlinchen. „Tanti, komm! Komm doch schnell! Das Karlin- chen sterbt, das Karlinchen ist ganz tot! Tanti! Tanti!" Da standen sie alle zwölf in der hellen Sonne, im Glanz ihrer blonden und braunen Haare wie kleine bunte Fünkchen; und ihre hellen, hohen Stimmchen zeterten durcheinander, und mit ihren kleinen Patschhändchen winkten sie aufgeregt nach mir hin. Ich lief, was ich laufen konnte. Da stürzten sie mir auch schon entgegen, faßten mein Kleid, meine Schürze und erzählten mir alle zusammen völlig Unverständliches. Nur, daß es ein großer Jammer war, wurde mir klar. Die kleinen Gesichter waren ganz verzweifelt, ihre Köpfchen fchüttelten sie sorgenvoll, und dem Mariechen kugelten die Tränen über die dicken Bäckchen. „Das Karlinchen sterbt." Sie zerrten mich zu dem Stall, in dem das schöne weiße Pelzröckchen untergebracht war. Es hatte seinen niedlichen Namen von den Kindern bekommen, die wohl ein kleines Mädchen, das so hieß, kannten, aber noch nicht so weit im Tierreich vorgedrungen waren, um sich bei dem Wort „Kaninchen" etwas vorzustellen. Wir guckten alle zu der engen Tür hinein, die Kleinen mit andächtigem Grausen; sie traten und schubsten sich und machten große Augen. Und wirklich, das Karlinchen war in einem beängstigendem Zustand. Es lag auf der Seite, hatte die Vorderpfoten an den Leib gezogen und konnte kaum mehr japsen. Seine glasigen Augen waren ganz verdreht. Es schien wirklich diesem Erdendasein Lebewohl zu sagen. Vorsichtig zwängte ich mich in das Ställchen, was außer mir auch noch Fritzchen gelang, weil er noch so ganz klein und zart war. Da hockten wir uns auf den Boden und besahen uns den Schaden aus der Nähe, während die andern an meinem Rücken in die Höhe kletterten, um auch etwas zu sehm ... Das Karlinchen hatte offensichtlich zuviel grüne Die Bewohner der um die gleiche große den See, gesammelten Bodenseelandschaft stehen in einer lebhaft gefühlten Verbindung miteinander. Die stillen Llserbewohner des Bodensees. Von Wilhelm von Scholz auch, können nicht anders -als wir Schmerz und I auch für die Betrachter, die das verfteinte, Lust, innerliche Versenkung und erregte Bewegung, ' r" ~- " ' ' ' ' ' Haß und Liebe ausdrücken. Aber weil alles, was Ihr Leben ist nicht nur, wie das auch anderer charaktervoller Gegenden, in vielem gleich; ihrer aller Auge und ihr Herz, ihr Gedanke und ihr Schritt sind immer auf dies eine unveränderlich gerichtet, den See. Heber ihn hinweg sehen Städte und Dörfer des einen Ufers die der anderen wie grüßend an das Wasser getretenen Ufer, die sich zum Ringe zusammenschließen. So entsteht aus den Anwohnern, ohne daß sie sich 'kennen, eine Art Gemeinde, eine Kul- , turgemeinöe, die durch Jahrhunderte zurückreicht. ' Und es ist eine sehr äußerliche, in früherer Zeit gewaltsam vollzogene Trennung, daß gerade das überall deutschsprachige Randgebiet des wirklich ganz und gar schwäbischen Meeres durch Hoheitsgrenzen zerschnitten ist. Wir alle hier, die wir gewohnt sind, den See zu befahren und seine Uferlandschaft zu durchstreifen — sei es auf dem Dampfer, dem Segelboot ober auch nur mit dem Rudernachen, sei es im Wagen, auf dem Rad ober zu Fuß — wir wissen uns alle gleich in der Liebe zum See, in dem Verfallen- fein an den See (was mit feinen unendlichen Schönheiten und Lieblichkeiten nichts notwendig zu tun zu haben braucht, sondern eine viel elementarere Naturtatsache ist). Rasch vergänglich sind die Geschlechter der Lebenden. Als Junge tummeln sie sich im Strandgewell, schleudern geschickt Flachsteine über die Wasser- Haut und lassen sie schnellen und springen; als Jünglinge und Mädchen treiben sie gemeinsamen Schwimm- und Segelsport ober klettern auf die hohen Alpenberge, von denen sie die ganze silberne Schale des Sees mit dem Blick überfliegen, als Gr-- \ . .. wachsene dann bebauen sie hier bas Land, pflegen die' ziehungskrast dieser Bildwerke wachst mit jeher Weinberge; dienen der Wissenschaft, der Technik Stunde, die man sich ihnen hingibt und großen Industrie — um wie bald! als Steife | Die Gestalten verbinden sich fast wie die Bauten von der Bank am Ufer wieder in das verglitzernde,^jt der Landschaft, in der sie stehen. Sie werden Schaumgewell zu schauen. wirklich zu Bewohnern dieses Landes, an die man ftäbte aufragen sieht. Sie sind den Vergänglichen verwandt und zu' ihrer | Nicht nur den vor diesen Bildwerken Betenden, Freude da. Sie haben kein anderes Leben als wir! zu ihnen Flehenden werden sie wirklich, ( ner Bauch war ganz dick und steinhart. Ganz sachte sing ich an, ihn zu massieren; nützte es nichts, scha- den konnte es auch nichts. Es war rührend, wie fritzchen voll Vertrauen mich ansah und sagte: „Tanti macht Karlinchen wieder ganz heil." Ja, für dieses Mal schien das wirklich zu gelingen. Das gute Tier fing sehr energisch an, sich von allem inneren Unbehagen zu befreien. „Töpfchen", sagte Fritzchen verständnisvoll und lachte mich mit seinem süßen Gesichtchen freundlich an. Hinter meinem Rücken kollerte alles durcheinander. Karlchen hatte sich stürmisch aus der Gruppe gelöst. „Ich auch Töpfchen", sagte er und strebte auf seinen dicken steifen Beinchen eiligst dem Hause zu. „Nell, nett!" ermutigte er sich selbst. ,Lch auch, ich auch", riefen Lenchen und Herta, und im Nu waren meine luftigen Sommervögel weggeflattert. Karlinchen schien zu genesen, denn es schnupperte schon wieder mit Interesse nach den saftigen Kohlblättern. Die nahm ich vorsichtigerweise mit, als ich ben Schauplatz meiner ärztlichen Tätigkeit verließ. K. H. Zeitschriften. — 1219 verlieh Kaiser Friedrich II. der Stadt Nürnberg den Freiheitsbrief — 1933 erklärte Adolf Hitler Nürnberg für immer zur Stabt ber Reichsparteitage. In diesem großen historischen Bogen erblicken wir die politische Bedeutung dieser Stadt, die in ber umfassenden Veröffentlichung des Septemberheftes ber „neuen l i n i e" im Hinblick auf ben Reichsparteitag gewürdigt wird. Im Zusammenhang mit diesem Thema dürften vor allem die Porträts ber bekannten Bilbchronisten ber Bewegung, sowie eine Reise in die zauberhafte „Fränkische Schweiz" interessieren. — Wieder ruft die „neue linie" zur Beteiligung an Ihrem Erzähler- wettbewerb auf und gibt die Bedingungen bekannt. Die künstlerische Förderung, die mit diesem jähr- lichen Wettbewerb dem deutschen Schrifttum zuteil wurde, konnte die Zeitschrift auch erfolgreich auf die Baukunst ausdehnen, wie die Auflösung des Architekten-Wettbewerbs um das gute Eigenhaus zeigt. Eine Reihe vorbildlicher Entwürfe 'wurden mit Preisen ausgezeichnet; sie werden allen, die einen Hausbau planen, wertvolle Anregungen vermitteln. — Das inhaltlich abwechslungsreiche Heft bringt ferner einen interessanten Aufsatz über den flämischen Dichterkreis und zeigt Timmermans, Streuvels, Verschaeve u. a. m. im Bild. — Eine Auswahl reizender Vorschläge für neue Gesellschaftsspiele regt an, diese einzeln durchzuprobieren. Der Modeteil bringt herbstliche Modelle, vorwiegend Erzeugnisse der deutschen Modeinbustrie. (Verlag Otto Beyer, Leipzig. Heftpreis 1 Mark.) K Däch Papp durcr men 5 schad wittei Lpd. Unfälle ereigne Gefahr mit be lehrst fen fi entfpi 1 Nerw sehr für dire Die wird ii Einrr Bühne Sroßst Gemen Grund Leistun Zeit ve ^Weit Thea durch i Friedrich Blunck 50 Jahre a». Brot und Brot ist zweierlei 4. 1. 2. Schuldenbereinigung davon ausgehen, daß die jährlich dem Schuldner aufzuerlegende Last seiner Leistunaefäbiakeit angepa^t wird. men oder Vermögen, soweit es die Bedürfnisse einer angemessenen Lebenshaltung übersteigt, redlich und nach besten Kräften zur Tilgung seiner alten Schulden zu verwenden. Die Zeitdauer der dem Schuldner aufzuerlegen- den Lasten darf nicht zu lange währen. Auch dieser Grundsatz ist in' dem Gesetz verankert worden, durch die vom Richter als Höchstzeitpunkt festzusetzende Frist von 10 Jahren. Hierbei wird weitestgehend das Alter und die Gesundheit des Schuldners in Rechnung gestellt Rach Möglichkeit muß angestrebt werden, daß der Schuldner seine eingegangenen Verpflichtungen in vollem Umfange erfüllt. Wo dies nicht durchführbar ist, muß die Der Dichter Dr. Hans Friedrich Blunck, Alt-Präsident der Reichsschrifttumskammer, vollendet am 3. September sein 50. Lebensjahr. Unsere neueste Aufnahme zeigt Blunck im Kreise jugendlicher Zuhörer, denen er die alten Sagen der Heimat wiedererstehen läßt. Der Dichter ist unseren Lesffrn aus zahlreichen Beiträgen zum Feuilleton und zur Unterhaltungsbeilage seit vielen Jahren gut bekannt. —■ (Scherl-Bilderdienst-M.) tig sind. Wenn wir einmal annehmen, daß wir nur Weizenfeindrot essen würden, dann würden wir also ein Brot essen, welches uns zwar den Magen füllt, das der Körper aber als unbrauchbar wieder abgibt. Umgekehrt würde der Körper — wenn wir nur Vollkornbrot essen — alle die zahlreichen wichtigen Aufbaustoffe erhalten, die im Getreidekorn dicht unter der Schale sitzen. Man stelle sich nur einmal vor, daß schon bei dem „gewöhnlichen" Bäckerbrot 40 v. H. der Eiweißstoffe, 60 v. H. des Fettes, 86 v. H. der Zellulose, ferner 67 v. H. der Mineralstoffe durch die „Kleie" ausgeschieden worden sind, also dem Körper entzogen werden. Zum Ausgleich für diesen — für uns ja nicht bemerkbaren — Verlust an Aufbaustoffen müssen wir mehr Gemüse und andere vitaminhaltige Kost zu uns werden müssen. Ein Erlaß von Schulden oder eine außergewöhnliche Abänderung von eingegangenen Verpflichtungen überhaupt zugunsten des Schuldners durch Anrufen dritter Stellen muß in weitestgehendem Umfange a u f besondere Notstände be- UHL Seilersweg Nr. 67 adiO Telephon Nr. 3170 eparaturen i89w Oie Bereinigung aller Schulden? Von Gaustellenleiier Bergschmidt, Sachbearbeiter beim Gauwirtschastsberaier Keffen-Naffau. Hamilienunterstützung für bedürftige Angehörige der tlebungspflichtigen. 23. 21. Den Angehörigen der zu Uebungen Einberufenen, soweit sie wirklich bedürftig sind, wird auf Antrag Familienunterstützung gewährt. Sie ist bei dem Stadt- oder Landkreis oder auch bei de-m Bürgermeister der Aufenthaltsgemeinde schriftlich oder mündlich zu beantragen, und zwar am besten gleich nach Erhalt des Gestellungsbefehls für den Uebungs- pflichtigen. Bezugsberechtigt find die allernächsten Angehörigen, wie Ehefrau, Kinder und Stiefkinder. Ihnen wird Unterstützung schon dann gewährt, wenn Bedürftigkeit vorliegt. Sodann können auch weitere Verwandten unter Umständen eine Unterstützung erhalten, z. B. Eltern, Großeltern, geschiedene Ehefrauen, Stief-, Pflege-, Adoptiveltern usw. Hier tritt aber die weitere Voraussetzung hinzu, daß der Einberufene den Unterhalt solcher Angehörigen einige Zeit vor der Einberufung Mindestens zur Hälfte bestritten haben must. Kann der Angehörige sich durch Arbeit selbst ernähren, so kommt eine Unterstützung grundsätzlich nicht in Frage. Ausnahmen sind besonders bei Frauen zulässig, wenn eine geordnete Erziehung der Kinder gefährdet erscheint. Soweit Unternehmer freiwillig einen Teil des Lohns oder Gehalts weiterzahlen, wird er auf die Familienunterstützung nicht angerechnet. Diese ist übrigens nicht der Pfändung unterworfen. Gietzener lvocheomarktpreiie * G i e ß e n , 3. Sept. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, deutsche, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse D 10%, ausländische 11 bis 12%, Wirsing, % kg 8 bis 10, Weißkraut 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Ruben und Karotten 10, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 25, geO) 25, Tomaten 20 bis 35, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 45 bis 60, Kürbis 6 bis 8, Pilze 30 bis 50, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3 30 bis 4 Mark, Falläpfel, % kg 12 Hs 16 Pf » Aepfel 25 bis 40, Birnen 25 bis 40/ Pfirsiche 48 bte 50, Brombeeren 40 bis 55, Zwetschen 40 bis 58, Mirabellen 50 Pf., junge Hähne 1,10 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 50, Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken 2 bis 6, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Sellerie 15 bis 25, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis" 12 Pf. * ** Eine Dreiund achtzigjährige. Frau Elise Hofmann, Dammstraße 25, begeht am Montag, 5. September, in geistiger und körperlicher Frische ihren 83. Geburtstag. Sie ist seit 1877 treue Leserin des Gießener Anzeigers. (Wir gratulieren!) ** Aus dem Fenster gestürzt. In einem unbewachten Augenblick stürzte aus einem Dach- stubeigenster des Hauses Neustadt 45 ein fünfjähriger Junge aus etwas 8 Meter Höhe auf die Straße. Glücklicherweise fiel der Junge auf die Füße und auf die Hände. Ein Mann aus einer gegenüberliegenden Werkstatt hob den Jungen sofort auf, und nachdem die Eltern verständigt waren, wurde das Kind im Kraftwagen in ärztliche Behandlung gebracht Aeußere Verletzungen hatte der Knabe bei dem Sturz nicht erlitten. — Der Vorfall sollte allen Eltern ein Warnung sein, Kinder nicht unbeaufsich- tigt aim offenen Fenster zu lassen. '** Unfall. Durch einen Verkehrsunfall erlitt der 22jährige Kraftfahrer Georg Hichert, Sicher Straße, einen Schädelbruch und Verletzungen im Gesicht. Er mußte zur Behandlung m die Chirurgische Klinik gebracht werden. ** Werkausstellung d e s Jungvolk. Der Jungbann-Spielmannszug (Fähnlein 21) veranstaltet heute Samstag von 18 bis 21 Uhr, und morgen Sonntag, 11 bis 13 Uhr, in seinem Heim in der Steinstraße 63, eine Werkausstellung. Unfälle auf dem Lande. Der 26jährige Heinrich Schröder aus G r o - ßen-Linden kam mit dem Motorrad zu Fall und zog sich einen Bruch des linken Oberarmes zu. — Der Schüler Erich Weber aus Dutenhofen stürzte von einem Balken ab und erlitt *inen Bruch des linken Unterarmes. — Der Bagger- meister Hans Herche aus Lumda zog sich schwere Rückenprellungen zu. — Der 16jährige Schlosserlehrling Ferd. Mandler aus Krofdorf geriet mit der linken Hand in eine Drehbank und erlitt erhebliche Fleischverletzungen. — Der bei der Reichsautobahn beschäftigte 26jährige Arbeiter Rudolf Eggenhofer stürzte von einem Bagger ab und mußte mit Fußverletzungen in ärztliche Behandlung gebracht werden. — Durch einen Sturz vom Fcchrrad erlitt der Oberpostschaffner Wilhelm G ü m p e l einen Oberarmbruch. — Der 32jährige Arbeiter Karl Weidele aus Borsdorf geriet mit der linken Hand in eine Gattersäge und mußte mit schweren Fleischoerletzungen in ärztliche Behandlung gebracht werden. Sämtliche Verunglückte wurden in die Chirurgische Klinik gebracht. Ein Schwimmbad für vier Wetterauer Gemeinden. Lpd. Büdingen, 2. Sept. Die hn Wetterau- gebiet des Kreises Büdingen gelegenen Landgemeinden Echzell, Bisses, Bingenheim und Gettenau, die zusammen etwa 3200 Einwohner zählen, planen den Bau eines gemeinschaftlichen Schwimmbades. Mit Rücksicht auf die Entfernung der Gemeinden zueinander soll ein zentral gelegener Platz, der Sportplatz der Gemeinde Echzell, für das Bad in Frage kommen. Die Frage der Wasserversorgung für das Bad ist noch nicht gelöst. Es soll erwogen werden, ob sich nicht der Echzeller Sauerbrunnen als Was sergeber für das Schwimmbad eignen würde. I5-Iahrfeier des IO.-Werks Oriesheim. nehmen, was nuturgemäß den Haushaltsetat der Hausfrau nicht unerheblich belastet. Wenn an sich dies schon eine einfache Rechenaufgabe für alle die Hausfrauen ist, die mit dem Pfennig rechnen müssen — und wer müßte das nicht? —, so haben wir hier doch noch ein schönes Beispiel an unserer Wehrmacht und ihrem Kommißbrot. Eingeführt wurde das Kommißbrot vor nunmehr über 200 Jahren von dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm L, in dessen Armee auch ein „gewisser" Steuben diente, der einige Jahrzehnte später als der General «Steuben im Unabhängigkeitskrieg der Dereirkigten Staaten von Nordamerika gegen England die amerikanischen Truppen kommandierte. Seine Soldaten erhielten damals ein wundervolles Weißbrot aus dem guten amerikanischen Weizen, trotzdem ging ihr Gesundheitszustand und damit ihre Schlagkraft ständig zurück. Dies wurde erst anders, als aus Preußen das von General Steuben angeforderte Rezept für Kommißbrot angekommen war. Es ist aber bezeichnend für die deutsche Einstellung, daß man heute ein Gesundheitsbrot unter dem Namen „Graham-Brot" kaufen kann, welches besonders für Diät-Zwecke verschrieben wird und doch nichts anderes darstellt als ein nach dem alten preußischen Rezept hergestelltes Vollkornbrot aus Weizen. Und erst kürzlich ist von Seiten der Heeresver- roaltung erklärt worden, daß immer noch das gute alte Kommißbrot die Grundlage der soldatischen Ernährung dakstelle. So stehen die Dinge um unser tägliches Brot. Und dadurch, daß wir viel Kuchen, Brötchen und ein möglichst helles Brot essen wollen, entziehen wir uns selber täglich und stündlich wertvolle Nährstoffe. Und wir büßey das mit so unendlich vielen Zahnkrankheiten (wie oft haben wir uns schon über die guten Zähne von alten Leuten gewundert?), ja — mit einer größeren Anfälligkeit für Krankheiten überhaupt. Die Musterungsofstziere der Wehrmacht können hiervon ein besonderes Liedchen fingen, denn sie sehen ja bei den Musterungen, wie der tatsächliche Gesundheitszustand unserer Jugend ist- UNd wie bedenklich diese Entwicklung ist, sehen wir u. a. daran, daß nicht nur der Weizenmehlverbrauch in der letzten Zeit weitaus stärker gestiegen ist als der Roggenmehlverbrauch, sondern auch daran, daß wir von Jahr zu Jahr mehr Fein- und, Mischbrot gegessen haben als das eigentlich gesündere Vollkornbrot bzw. Schwarzbrot. Das soll jedoch nun nicht so verstanden werden, daß wir sofort ab morgen nur üoch Vollkornbrot oder Schwarzbrot essen. Der Magen würde das gar nicht einmal sofort bewältigen können — aber wenn wir öfter einmal auch ein Schwarzbrot kaufen, dann ist nicht nur uns und unserem Wirtschaftsgeld, sondern auch der Gesamtheit damit gedient. Mutter tötet ihre beiden Kinder. Lpd. Darmstadt, 2. Sept. Am Freitagabend ereignete sich in Darmstadt in der Hindenburg- Straße eine F a..m i l i e n t r a g o d i e, die drei Todesopfer forderte. Aus bisher noch ungeklärte Ursache tötete eine Ehefrau ihre beiden mmderiahri- gen Kinder und setzte bann ihrem eigenen Leben ein Ende. Die polizeiliche Untersuchung ist noch im Gange. Eine Brieftasche mit 25000 Mark gefunden. Lpd. Fulda, 2. Sept. Ein Fuldaer Handwerksmeister, der die Leipziger Messe besuchte, fand auf dem Gelände der dortigen Baumesse eine Brieftasche. Bei der Untersuchung des Fundes konnte er zu feiner Überraschung feftfteUen, daß die Tasche gebündelte Banknoten im Werte von 25000 Mark barg. Der Finder begab sich unverzüglich zum Messebüro und meldete den Vorfall. Noch während der Fuldaer seine Angaben machte, kam der Verlierer, ein Reisender, und zeigte den Verlust von 25 000 Mark an, die er für feine Firma in Verwahrung hatte. Nach den notwendigen Feststellungen konnte er fein Eigentum aus den Händen des ehrlichen Finders entgegennehmen. V. A. „Hilde, spring doch schnell zum Bäcker rum und hol noch ein halbes Brot!" Und dann stehen die Hilde ober der Heinz rm Bäckerladen und verlangen ein halbes Brot — eben Bäckerbrot, denn Brot ist ja Brot, nur daß es vielleicht bei dem einen Bäcker etwas anbers schmeckt als bei dem andern. . Dieser Vorgang wiederholt sich fast täglich in jeder der runb 17 Millionen Hauchaltungen Deuts ch- lanbs. Vielleicht holt die Mutter auch selbst das Brot, in sehr vielen Fällen sind es jedoch die Kinder, die auf diesen Gang geschickt werden, weil a hier nichts falsch zu machen ist. Brot ist Brot, o meinen die meisten Frauen — und wollen nicht glauben, daß gerade hier sehr viel gesündigt wird, was sich hintecher in mannigfaltigen Formen bemerkbar macht. Und dabei besteht zwischen den zahlreichen Brotorten, die der Bäcker anbieten kann, oft ein ungeheurer Unterschied, so daß es sich schon lohnen würde, wenn die Hausfrau bei der Auswahl des Brotes die gleiche Sorgfalt walten lassen würde wie bei der Zusammenstellung des wöchentlichen Küchenzettels. Wenn wir diese Behauptung näher beweisen wollen, dann müssen wir schon einmal etwas weiter aushölen. Das Getreidekorn, aus dem ja Mehl und Brot hergestellt werden, enthält vor allem Eiweißstoffe, Fett Mineralien, Zellulose und andere wertvolle Stoffe, die der menschliche Körper für den Aufbau braucht. Und alle bisse Stoffe sitzen — wie bei den meisten Fruchtarten — fast alle dicht unter der Schale, während das Innere des Getreidekorns aus einem' für die menschliche Ernährung mehr ober weniger wertlosen Mehlkern besteht. Bei der Vermahlung des Korns wird nun die Schale entfernt, so baß bei ,besonders feinen", d. h. weißen Mehlen ast nur der weihe Mehlkern übrig bleibt, was z. B. auf die Weizenmchl-Type 502 zutrifft (die allerdings beim Backen einen besonders feinen Kuchen gab). Die „höhere Ausmahlung" besteht nun darin, daß mehr Schalenbestandteile in das Mehl hineingenommen werden, die in ihrer Gesamtbezeichnung als „Kleie" für die Ernährung fo unersetzlich wich- schaftsmitglied eine namhafte Z u - Wendung gemacht werde. Eine SAF.-Vierrauni-Wohnung wandert durch Deutschlands Gaue. Lpd. Frankfurt a. M., 2. Sept. Von der Deutschen Arbeitsfront wird auf der Deutschen Bau- unb Sieblungs-Ausstellung in Frankfurt a. M. eme Dierraurn-Wohnung mit deutschem Hausrat, wie er vom Neichsftättenamt der DAF. Entwickelt worden ist, in naturgetreuer Größe gezeigt. Nachdem sie auch auf der Berliner Schau „Gesundes Peden rohes Schaffen" ausgestellt worden ift, wirb bie e DAF.-Dierraum-Wohnung durch Deutschlands Gaue wandern und besonders auf Betriebsausstellungen gezeigt werden. Tödlicher Derkehrsunfall. Lpd. Darmstadt, 2. Sept. In der Nahe des Marktplatzes kam am Freitag em Lastkraftwagen, dessen Bremse und Motor anscheinend nicht m Ordnung waren, durch bie eigene Last m Bewegung und rollte die Marktaasse hinunter. Dabei wurden verschiedene Schaufenster zertrümmert und Schaukästen abgerissen. Der Fahrer, der den Wagen auf- zuhalten versuchte, geriet zwischen den Last, wagen und eine Hauswand, wobei er so chwere Quetschungen erlitt, daß er alsbald in einem Krankenhaus starb. NSG. Vor wenigen Tagen ist ein Gesetz unter der Bezeichnung „Gesetz über eine Bereinigung alter Schulden" vom 17. August 1938 erschienen, bas bei vielen Volksgenossen einen starken Wiberhall gefunben hat. Zahlreiche Eingaben und Anfragen an die Dienststellen der Partei, vor allem an das Amt des Gauwirtschaftsberaters und die Kreiswirtschaftsberater, zeigen, daß dieses Ge- etz bei den betroffenen Volksgenossen große Zu- timmung gefunden hat. Es soll hier nicht die Aufgabe sein, bas Gesetz, das in ber Presse bereits wie- berholt behanbelt ist, nochmals burchzusprechen. Zur Vermeibung von falschen Hoffnungen scheint es jeboch erforderlich zu fein, ben Anwenbungs- bereich des Gesetzes scharf herauszustellen. Der Volksgenosse, soweit er einen selbständigen Beruf hatte, muß im Konkurs, infolge Anorbnung der Zwangsversteigerung seines Grunbbesitzes, ober wegen sich häufender Zwangsvollstreckung in fein bewegliches Vermögen bie wirtschaftliche Grundlage seiner selbständigen Lebenshaltung zur Befriedigung seiner Gläubiger hingegeben haben. Soweit kein selbständiger Beruf vorlag, kann der Volksgenosse eine Bereinigung seiner alten Schulden erlangen, wenn er sein Eigenheim ober sonstigen Haus- und Grundbesitz durch die Zwangsversteigerung verloren hat. Weitere Voraussetzung ist, daß der wirtschaftliche Zusammenbruch, oder die Versteigerung des Grundbesitzes infolge der Wirtschaftsnot vor der Machtübernahme, ober infolge Einsatzes für die Bewegung vor dem 1. Januar 1934 erfolgt ist, zu einer Zeit also, in der die Schuldner infolge des geringen Erlöses bei der Zwangsveräußerung doppelt, hart, getroffen worden find. Danach scheiden, was vielfach übersehen wird, alle Fälle aus, bei denen der betreffende Volksgenosse noch heute den alten Betrieb führt, dabei aber die drückende Altverschuldung noch ungelöst mitschleppt, und soweit bei Grundstücken die Versteigerung nach dem 1. Januar 1934 oder überhaupt noch nicht durchgeführt ist. Grundsätzlich sind Juden von ber Schul5 benbereinigung ausgeschlossen. Aber schränkt bleiben, da sonst die Z a h l u n g s « moral gefahrdet wird. Nach Durchführung der landwirtschaftlichen Entschuldung und der Be- amtenentschumung sowie nach der Schaffung der vielen Schulbnerschutzbestirnmungen war es jedoch nur gerecht, wenn nunmehr auch die' besonders durch den Verlust ihrer Existenz, von Haus und Habe geschädigten übrigen Volksgenossen eine Bereinigung ihrer Schulden zugebilligt erhielten. Die Feststellungen über die Würdigkeit der Personen, wie auch über die Leistungs- fähigkeit des Schuldners sind peinlich genau zu treffen, ohne daß dabei kleinlich versah-en wird, lieber die Beurteilung der Person sind ne? n ber unteren Verwaltungsbehörde, in ber der Schuld- ner seinen Wohnsitz hat, ber zuständige Kreisleiter, bas Finanzamt, bas Konkursgericht, Zwangsversteigerungsgericht, Kreisbauernführer, Hanbwerkskaln- mer, Industrie- und Hanbelskammer und die beiden Reichsverkehrsgruppen befugt, lieber die Leistungsfähigkeit können mit Ausnahme der unteren Verwaltungsbehörde die übrigen Stellen ihr Gutachten abgeben. In welchem Umfange das Gesetz in Anspruch genommen wird, läßt sich zur Zeit nicht übersehen. In Tausenden von Fällen haben einsichtige Gläubiger und Schuldner sich bereits längst entweder in direkten Verhandlungen, ober aber durch Anrufen des Gauwirtschastsberaters oder Kreiswirtschaftsberaters, ober bei Grunbstücksfachsn burch Anrufen ber Deutschen Arbeitsfront — Fachgruppe Haus- und Grundstückswesen — ober ber Gütestellen geeinigt. Wo eine solche Einsicht nicht vorhanden war, soll jetzt das Gesetz eingreifen. Auch hier ist zunächst bie gütliche Einigung vorgesehen. Ist eine solche Einigung nicht zu erreichen, bann tritt die Vertragshilfe des Richters ein. Gegen die Entfchei- düng des Amtsgerichts entscheidet als Beschwerdeinstanz das Landgericht. Im Verfahren der weiteren Beschwerde das Oberlandesgericht. Aber gerade bet den Fällen, bei denen das Gesetz nicht in Anwen- "bung kommen kann, weil der betreffende Volksgenosse trotz der drückenden Altlasten noch im Besitz seines Unternehmens ist, oder die Versteigerung des Grundstücks nicht zur Durchführung kam, bietet das Schuldbereinigungsgefetz eine unsichtbare Richtlinie für die beteiligten Gläubiger und Schuldner. Für alle Teile ist es jetzt höchste Zeit, daß diese Krisenlasten nach nationalsozialistisches Grundsätzen beseitigt oder tragbar gestaltet werden. In anerkennenswerter Weise haben viele Bankinstitute und sonstige Gläubiger bei den Verhandlungen vor dem Amt des Gauwirtschaftsberaters oder unmittelbar mit den Schuldnern schon lange vor Erscheinen des Gesetzes ihre Bereitwilligkeit zur Beseitung dieser Krisenrück- stände gezeigt und damit vielen Volksgenossen, die durch die Schuldenlast nicht mehr froh werden konnten, wieder die Aussicht auf ein freies Schaffen gegeben. Das neue Gesetz gibt die Möglichkeit, auch die wenigen Widerstrebenden zu der Erkenntnis zu bringen, daß im nationalsozialistischen Staate die eigenen Interessen als Gläubiger oder Schuldner sich dem Wohle der Allgemeinheit unterzuordnen haben. Amtsgericht Gieken Der W. M. aus Fronhausen hatte sich gestern vor dem Einzelrichter wegen Bettelns im Sinne des § 361 Ziff. 4 zu verantworten. Der 65jährige Angeklagte führt bereits seit 50 Jahren ein unstetes Leben, in dessen Verlauf er zwölfmal vorbestraft wurde. Im Kriege drückte er sich und mußte damals bereits wegen Bettelns bestraft werden. Selbst im August d. I., als überall bie Erntehilfe eingesetzt wurde, konnte er angeblich keine Arbeit finden. Er kam am 18. August nach Großen-Vuseck und bettelte dort bei einem Metzgermeister. Gemäß Antrages des Vertreters der Anklage wurde M. zu einer Haftstrafe von einem Monat verurteilt. auch bei denjenigen nichtjüdischen Schuldnern, die wegen unehrenhaften oder leichtfertigen Verhaltens eines Schutzes nicht würdig find, oder bei denen aus einem anderen Grund ein Schutz dem gefunden Volksempfindpn widersprechen würde, soll das Gesetz nicht zur Anwendung kommen. Es kann also jetzt jeder Volksgenosse nachprüfen, ob seine alten Schulden unter dieses Gesetz fallen, oher nicht. Daß diejenigen Volksgenosfen nicht unter das Gesetz fallen, die zwar drückende Altschulden haben, aber sonst noch ihre alte, selbständige Eristenz, ober ein Eigenheim besitzen, ist in der Tatsache begründet, baß sie den Aufschwung in der Wirtschaft feit 30. Januar 1933 miterleben konnten und daneben auch durch die manniafaltigften Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung besser geschützt sind. Für die Schuldenbereinigung nach dem vorliegenden Gesetz sind Grundsätze aufgestellt worden, nach denen schon lange von dem wirtschaftspolitischen Apparat der Bewegung gehandelt worden ist, Allgemein bekannt ist ja, daß täglich aus allen Teilen des Reiches an den Führer, an den Stellvertreter des Führers ober an andere führende Parteigenossen Gesuche von Volksgenossen gerichtet werden, in denen diese um Hilfeleistung bitten. Soweit diese Fälle wirtschaftliche Fragen berühren, werden sie regelmäßig zur Bearbeitung an das Amt des Gauwirtschaftsberaters des zuständigen Gaues abgegeben. Ein großer Teil dieser Gesuche enthält die Bitte um Hilfeleistung wegen unverschuldeter Notlage. Für die Bereinigung derartiger finanzieller Notfälle haben sich folgende Grundsätze als zweckmäßig erwiesen, bie jetzt im Gesetz verankert sind. 13 Tage der Untersuchungshaft wurden ihm ange- -..... ------ - ------- rechnet. Weiterhin wurde die Einweisung in ein 3. Der Schuldner hat dabei jein neues Einkorn-1 Arbeitshaus gemäß § 42 d StGB, ungeordnet. Lpd. Frankfurt a. M.. 2. Sept. Das IG. Werk Griesheim, die frühere „Chemische Fabrik Griesheim-Elektron", konnte am Freitag ihr 75jäh° riges Bestehen feiern. In einem Festakt, zu dem die gesamte Gefolgschaft von rund 1700 Mann geladen war, und an dem auch Vertreter der Partei, des Staates und der Wehrmacht teilnahmen, zeigte der Bettiebsführer Dr. I a c o b i die bedeutsame Geschichte des Unternehmens auf, bas sich aus kleinsten Anfängen zu einem der wichtigsten Werke der deutschen chemischen Großindustrie entwickelt habe und heute eine der wichtigsten Betriebsstätten der IG.-Farbenindustrie darstelle. Er wies vor illem auf die großen sozialen Leistungen seit Bestehen des Werks hin und teilte dabei mit, daß aus Anlaß des Jubiläums jedem Gejolg- Theater und Musik für jedermann. Der Winterarbeitsplan des Volksbildungswerkes. NSG. In wochenlanger Kleinarbeit ist der Winterarbeitsplan des Amtes Feierabend der NS.-Gernein- schaft „Kraft durch Freude" des Gaues Hessen-Nassau fertiggestellt worden. In den nächsten Wochen werden in den Städten, Dörfern und Betrieben die Plakate der NS.-Gemeinschaft aushängen und werbend auf die Kulturarbeit Hinweisen. Die Gaudienststelle hat in dem reichhaltigen Programm für jeden Geschmack Rechnung getragen. Ueberall in unserem Gau wird in den Wintermonaten der Bevölkerung Gelegenheit geboten, andem kulturellenLeben unseres Volkes teilzunehmen und durch das Erlebnis in der Gemeinschaft neue Kraft für den Alltag zu sammeln. Im Vordergrund des Winterarbeitsplanes steht wieder das T h enter. Die Gauwanderbühne wird eingesetzt, um den Volksgenossen der theaterlosen Städte und des flachen Landes zu ermöglichen, an den großen Bühnendichtungen der Vergangenheit und Gegenwart teilzuhaben. Künstlerisch einwandfreie Aufführungen werden in ihrer echten Wirkung alle Kreise der Bevölkerung zusammenfühMn und so ein starkes Mittel der einheitlichen Volksgestaltung fein. Die Rhein-Mainische Landesbühne wird in ungefähr 9 0 S t ä d t e n mit rund 6 5 0 0 0 0 Einwohnern spielen. Damit vollbringt die Bühne die gleiche Leistung wie das Theater einer Großstadt. Mit der Gründung des Rhein-Mainischen Gemeindekulturverbandes ist dem Theater die feste Grundlage gegeben worden, auf der sich steigernde Leistungen mit den sozialen. Forderungen unserer Zeit vereinen können. Weiter sollen die. M i t g l i e d s z a h l e n der Theaterringe der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" in den Städten unseres Gaugebietes mit ständigen Theatern, die zum Teil schon sehr beachtlich sind, in diesem Winterhalbjahr noch gesteigert werden. Vor allem aber soll durch die Schaffung kleiner Mietreihen allen noch fernstehenden Teilnehmern Gelegenheit gegeben werden, ins Theater zu gehen. Mit den verschiedensten Bühnen stihrt das Gauamt Feierabend außerdem Abstecher- Vorstellungen in theaterlose Städte durch, um neben den Schauspielvorstellungen der Gauwanderbühne auch musikalische Werke bieten zu können. Auf m u s i k a l i s ch e m G e b i e t wird die NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" im kommenden Winterhalbjahr wieder zahlreiche Orchester - und Chorkonzerte durchführen. An erster Stelle ist ein Einsatz des Rhein-MainischenLandes- o r ch e st e r s geplant, das durch den Gauleiter gegründet wurde und sich seit seinem Bestehen zu einem leistungsfähigen Klangkörper entwickelt hat. Neben Werkpausenkonzerten, die öfters vom Rund- funk'übernommen werden, sieht der Winterarbeitsplan eine Anzahl öffentlicher Konzerte unter Mitwirkung bekannter Gesangs- und Jnstrurnentalsolisten vor. Unter den verpflichteten Solisten befinden sich Erna Sack, die finnische Sopranistin Aulikkii Rauta- v a r r a , Lubka K o l l e s s a und Lore Fischer, Professor Johannes Wolly, Professor Hoehn, das Lenzewski-Quartett. Für Orchesterkonzerte ist auch das Rundfunkorchester gewonnen. Wie die kurze Uebersicht zeigt, hat das Amt Feierabend nichts unversucht gelassen, in den kommenden Wintermonaten der Bevölkerung in Veranstaltungen ein tiefes Erlebnis zu vermitteln und die Kulturgüter des Volkes nahezubringen. Den Bestrebungen des Deutschen Volksbildungswerkes wird auch in diesem Jahre wieder ein großer Erfolg beschieden fein. Vorsicht an unbeschrankten Vahniibergängen. Lpd. In der letzten Zeit haben sich' wieder einige Unfälle an unbeschrankten Eisenbahnübergängen ereignet. Das ist ein Zeichen dafür, daß an diesen Gefahrenpunkten des Verkehrs immer noch nicht mit der nötigen Sorgfalt gehandelt wird. Alle Verkehrsteilnehmer und vor allem die Kraftfahrer müssen sich dieser Gefahrpunkte bewußt sein und dementsprechend vorsichtig fahren. Die Eisenbahn hak infolge ihrer Eigenart unbedingte Vorfahrt. Der Fahrzeugführer hat nach der Reichs-Straßen- verkehrs-Ordnung die Fahrgeschwindigkeit so einzurichten, daß er jederzeit in der Lage ist, seinen Verpflichtungen im Verkehr Genüge zu leisten, und daß er das Fahrzeug nötigenfalls rechtzeitig anhalten kann. Dies gilt besonders an u n ü b e r s i'ch t l i ch e n Eisenbahnübergängen in Schienenhöhe. An alle Eisenbahnübergänge — ob beschrankt oder unbeschrankt — hat er mit besonderer Vorsicht heranzufahren. Daß er feine Geschwindigkeit rechtzeitig vermindern kann, dafür sorgen die in größerer Entfernung angebrachten bei Tag und Nacht gut sichtbaren Warnzeichen. Zur Verhütung von Unfällen hat die Reichsbahn einige wichtige unbeschrankte Uebergänge schon seit vielen Jahren mit W a r n li ch t e r n versehen, deren Ausführung und Wirkungsweise wiederholt bekanntgegeben worden sind. Da sich aber Immer noch Un- fälle an solchen Uebergängen ereignen, die auf die ungenügende Beachtung der Warnlichtanlage zurückzuführen sind, soll hier nochmals auf die Einrichtung hingewiesen werden. Die Warnlichtanlagen warnen sowohl bei Tage als auch bei Nacht. Sie bestehen aus einem weit sichtbaren Warnkreuz, unter dem sich ein Blinklicht befindet/ Ein weißes, langsam blinkendes Warnlicht bedeutet: Der lieber« gang ist für den Straßenverkehr frei. (£irf rotes, schnell blinkendes Warnlicht bedeutet: Halt! Der Uebergang ist für den Straßenverkehr gesperrt! Bei rotem Blinklicht haben Fahrzeuge und Personen vor dem Warnkreuz zu halten. Erscheint kein Blinklicht, so ist der Uebergang wegen Störung der Anlage vorübergehend nicht gesichert. Der Wegbenutzer darf dann die Gleise nur überqueren, nachdem er sich überzeugt hat, daß sich kein Zug nähert. Der rot-weiße Rand ist mit Rückstrahlern besetzt, damit Kraftfahrzeuge in der Dunkelheit auf die Warnanlage auch aufmerksam gemacht werden, wenn sie außer Betrieb ist. " Zahlreiche Unfälle liehen sich vermeiden, wenn nicht von leichtsinnigen Fahrern versucht würde, trotz Orkskunde, guter Sichtbarkeit der TBirn- lafel und des Blinklichtes und trotz der Warnsignale des Zuges an den Uebergängen zu überholen und den Schienenweg kur; vor der Lokomotive zu überqueren. Dies Verhalten vieler Fahrer und viele Fälle von Fahrlässigkeit zwingen dazu, auszufordern: Fahrt vorsichtig an den Uebergängen, insbesondere an den unbeschrankten Uebergängen! Die Erfüllung dieser Forderung ist der beste und sicherste Schutz. Die Herabminderung der Geschwindigkeit bedeutet nur unwesentlichen Zeitverlust, auf der anderen Seite aber die Erfüllung einer Pflicht, durch die Menschenleben und Material vor Schaden bewahrt werden. Buntes Allerlei. Schweres Verkehrsunglück bei Groß-Ostheim: 2 Tote, 6 Verletzte. An der berüchtigten Kreuzung der Straße Ode^n- burg—Stockstadt mit der Straße Aschaffenburg— Groß-Ostheim hat sich wieder ein schweres Verkehrsunglück ereignet, das zwei Tote und sechs Verletzte forderte. Der Großhändler Peter Hubert Schupp, der Kölner Prinz Karneval dieses Jahres, der mit Bekannten seit einigen Tagen in Bad Kissingen zur Kur weilte, stieß mit seinem Wagen, in dem der Opernsänger Felix Knaep - per und die 18jährige Laborantin Bernhardine H e r E e n r a t aus Köln saßen, mit dem von Aschaffenburg kommenden Auto des Sägewerksbesitzers Jakob von Groß-Ostheim zusammen. Schupp muß ein sehr scharfes Tempo gefahren sein, denn die Bremsspur war 30 Meter lang. Sein Auto prallte mit großer Wucht auf den Groß-Ostchelmer Wagen auf, als dieser die Kreuzung passieren wollte. Die linke Seite des Groß-Ostheimer Wagens wurde vollständig eingedrückt. Von den Insassen wurde der 40jährige Karl Becker aus Groß-Ostheim und seine Frau so schwer verletzt, daß sie nach einiger Zeck starben. Drei weitere Fahrgäste dieses Wagens sowie sämtliche Insassen des Kölner Autos wurden, zum Teil erheblich, verletzt. Schupp wollte seinen Freund Knaepper, der am Sonntag in Köln sinaen sollte, nach Frankfurt an die Bahn bringen und dann wieder nach Kissingen zurück- fahren. Unter Mordverdacht geflüchtet. Am 1. September ift der 24 Jahre alte Eberhard Golla, der des Mordes verdächtig ist und in Dresden in Gewahrsam war, entwichen. Er ist etwa 1,75 Meter groß, kräftig gebaut, hat schwarzes I Haar, blasse Gesichtsfarbe und über dem linken Auge eine Narbe. Bei der Flucht war er mit langer, grauer Tuchhose, Normalhemd und schwarzen Schnürschuhen bekleidet. Später ist er mit einem gestohlenen blauen Schlosseranzug beobachtet worden, als er eine Straßenbahn bestieg. Golla wird versuchen, ins Ausland zu entkommen. Er ist wegen Einbruchsdiebstahls wiederholt vorbestraft und wird ! vermutlich neue Straftaten verüben, um andere Kleidung und neue Mittel für die weitere Flucht zu erlangen. Golla ist Autofahrer. Es ist daher möglich, daß er Gelegenheit suchen wird, in den Besitz i eines Kraftfahrzeuges zu kommen, um mit diesem \ schneller flüchten zu können. Die Bevölkerung wird gebeten, die Fahndung nach Golla zu unterstützen und sachdienliche Meldungen an die nächste Polizeidienststelle zu geben. Jm Wartezimmer. Das ist noch gar nichts. „Wie hohl das tönt...", sagt der Patient zum Doktor, der ihn untersucht und den Brustkorb beklopft. „Das ist noch gar nichts", erwidert der Arzt, „warten Sie nur, wenn wir erst zum Kopf kommen!" Unnötig. Mrs. Jenkins, eine regelmäßige Besucherin im Wartezimmer des Arztes erstattet — als sie endlich ins Sprechzimmer gerufen wird — ausführlichen Bericht von all ihren Leiden. Der Arzt hörte geduldig zu und schrieb dann ein kleines Rezept. Endlich brach sie auf, und der Arzt beglückwünschte sich, daß er sie los war, da wandte sie sich in Der Türe noch einmal um rief vorwurfsvoll: „Aber Herr Doktor — Sie haben sich gar nicht mal meine Zunge zeigen lassen; ich glaube, sie ist belegt." Keinesfalls, Mrs. Jenkins", entgegnete der Arzt, „auf einer Rennbahn findet man fein Gras." Wasserdichte Dächer erzielt man unter Garantie durch die seit über zwölf Jahren bewährte, kalt aufstreichb. Bedachungsmasse IPAXIRAYTIECT Dächer, Mauern und Behälter aus Blech, Beton oder Pappe, sowie Fugen, Löcher und alte Dächer werden durch einfaches Aufträgen von ,,Paratect“ vollkommen wasserdicht gemacht und bleiben dadurch gegen schädliche Einwirkung v. Wasser, Feuchtigkeit u. Verwitterung dauerhaft geschützt. 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September 1938 ön der heutigen Vormittagsziehung wurden gezogen 2 Gewinne zu 30000 RM. 242491 2 Gewinne zu 10000 RM. 265685 2 Gewinne zu 5000 RM. 282480 4 Gewinne zu 3000 RM. 306744 377789 22 Gewinne zu 2000 RM. 15351 27315 70286 96684 112592 113305 134485 136846 260765 344818 383478 66 Gewinne zu 1000 NM. 8987 13051 33872 56134 72558 77366 99556 125807 130098 145979 167074 169508 186434 187699 200653 201105 221285 227663 238419 238756 249546 266103 277960 279029 312504 332858 338245 341566 346270 361886 370726 372962 377263 96 Gewinne zu 600 RM. 1283 7192 14565 22284 23295 29769 38129 64418 68698 74558 86794 87024 88525 101284 113029 113116 114752 126156 137368 146656 154601 162193 185001 188942 200460 203550 216238 227126 237801 239502 258162 259717 264840 266953 278747 293264 298168 298366 317798 321658 330396 333519 346341 363401 357119 363400 365771 372800 210 Gewinne zu 300 RM. 2233 2515 9506 9808 12287 24779 24780 26732 35971 38619 44498 51002 64868 65922 65969 58555 59390 62646 67192 76622 77663 83876 86831 87277 88896 89269 95297 95902 99407 105124 108899 111634 113603 123671 125292 125379 126119 131329 133640 134663 138132 140711 150836 169081 166859 169282 169469 188158 208522 208814 209911 215977 216407 219203 221442 223414 225228 228763 229713 232129 232974 233947 238988 244261 249233 251737 259003 260274 260473 261601 269955 273197 276748 287414 288499 288563 ' 289982 302160 315279 317785 325838 326282 327564 329734 334561 335298 338083 340735 348235 351200 358780 359009 359436 359471 359661 360864 366241 366931 368433 369595 376600 378869 387405 390632 391948 (kminfelser|ilsner Vertrieb: Emil Schm all Biergroßhandlung' W 'M Gießen, frankfurter Str.7 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden gezogen 6 Gewinne zu 10000 RM. 114290 123246 139898 2 Gewinne zu 5000 RM. 235071 10 Gewinne zu 3000 RM. 39225 170837 226408 350250 368417 14 Gewinne zu 2000 RM. 11700 148233 193960 261736 268813 367630 391526 56 Gewinne zu 1000 RM. 248 7438 14296 20125 39799 51386 64187 82359 108856 112093 166925 186750 202535 214526 216808 237352 237564 262887 274107 281949 294293 295391 306870 318841 336408 342193 347911 354165 60 Gewinne zu 500 RM. 2826 6131 34806 37531 43541 69988 99273 103463 118976 121973 122538 123200 127156 128990 148065 158198 170412 183364 201894 222401 270584 286023 305670 306354 315070 342307 359458 361022 391599 399017 150 Gewkiwe zu 300 RM. 15863 18410 18637 20250 40851 49890 52866 57362 69473 70514 79946 82381 82970 94139 96534 102941 107637 133067 133282 133487 135492 136018 146085 153977 156018 159665 161375 173640 175147 176152 181093 182683 190966 192089 203989 207187 211098 218131 233062 234766 237007 253457 263173 266183 268012 281173 282224 282686 285715 287924 288470 303922 306062 309442 310009 315135 319153 319195 319673 320238 341965 352727 354205 355001 356314 357714 361938 364711 367069 369650 377860 379603 382875 387629 393827 Außerdem wurden 4202 Gewinne zu 150 RM. gezogen. Qm Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu je 1000000, 10 zu je 20000, 18 zu je 10000, 28 zu je 5000, 96 zu je 8000, 180 zu je 2000, 724 zu je 1000, 1122 2u k 500, 2010ru kW, 13250 zu je 150 NW. Sin jcijöna Kleid wirkt erst an guter Figur. Sorgen Sie deshalb für gesunde Schlankheit und bekämpfen Sie das überschüssige Feh durch den weltberühmten VDr. ERN S TRICHTERS Frühitüdukräuferfee| auch als Drix-Tabletten- Drix-Dragees Wer Familie gründet muß rechnen — — 5670D gut rechnet, wer bei mir kauft Gießen, Bahnhofstraße 65 Ihr Schriftgut stets greifbar und staubdicht verschlossen im »ERNO« Rolladensdirank! ftiedethaUAeH, t Gr. Gießen, Bahnhofstr. 49, Ruf 3941 finden Sie bei uns reiche Auswahl in: Bettstellen Rollbettchen Stubenwagen Matratzen Federbetten Steppdecken Schlaf decken Wagendecken zu niedrigen Preisen! Gebr. Seelbach .GIESSEN, Seltersweg 20 Annahme aller Bedarfsdeckungsscheine Alleinverkauf von 5663 A fti t T " •’S Leibbinden vom Fachmann K. Kling vorm. 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Wenn man einmal, so wie wir für besonderen Zweck, Gelegenheit hat, der Werkzeugmaschinenfabrik am Aulweg einen Besuch abzustatten — wenn man den kleinen Vorgarten durchschritten, sich beim Pförtner gemeldetchat und dann gleich eine der großen Hallen betritt, dann überfällt den Besucher sofort eine Fülle von Eindrücken. Das Ohr ist eingenommen von den mannigfachen Geräuschen, die die Halle erfüllen; das Auge schweift rasch durch den weiten Raum, der durch die großen Fenster in der Decke und in den Seitenwänden der Halle von gleichmäßigem Licht erfüllt ist, und versucht zu unterscheiden. Es fällt schwer! Hier sind Maschinen in der Montage begriffen, dort liegen blitzende Einzelteile, Scheiben, Räder usw., und daneben wieder Maschinenteile, von feinem grauen Lack überzogen, die darauf zu warten scheinen, mit vielen anderen Teilen zur Drehbank, zur Fräs- oder zur Bohrmaschine aufgebaut zu werden. Und überall dabei der Mann, der Arbeiter, der Werkzeugschlosser, der Techniker, Meister oder Gehilfe — der Facharbeiter! Jener Facharbeiter, der in der Lage ist, nach einer gegebenen Zeichnung selbständig arbeiten zu können, der mit äußerster Sorgfalt seine Arbeit mit scharfer Reißnadel auf dem Werkstück anreifet, die Bearbeitungsmaschinen bedient, die Arbeit der Maschinen verfolgt, mit speziellen Geräten nachmißt, prüft — immer wieder prüft! Bis alles auf den Zehntelmillimeter oder gar auf den Hundertftelmillimeter stimmt! Wo es um solche Präzisionsarbeit geht, kann sie nur der Facharbeiter leisten! In der Werkzeugmaschinenfabrik Heyligenstaedt stehen ihrer viele an den Werkbänken und an den Maschinen; mancher ältere Mann ist unter ihnen, dem die Erfahrung, die Sorgfalt und die Liebe zu seiner Arbeit aus dem Gesicht sieht. Mancher trägt das Gesicht jenes deutschen Arbeiters, der durch die Hingabe an seine Arbeit Teil hat an dem guten Ruf, den deutsche Arbeit in der Welt genießt. ______________________ Aber — das Werk braucht auch den Facharbeiter-Nachwuchs! Um nun die Frage nach dem Nachwuchs nicht Problem fein zu lassen, fjat sich das Werk entschlossen, eine Lehrwerkstätte zu schaffen, für deren, Einrichtung und Unterhaltung keine kleinliche Rechnung ausgemacht wurde. Seitdem April d I. ist die Lehrwerkstätte in Betrieb I Sie dient ausschließlich der Erziehung junger Menschen ,3um Facharbeiter. Nicht allein Wirtschaftlichkeit, sondern sorgfältige pädagogische Maßnahmen und systematisch aufgebaute fachliche Ausbildung bestimmen die Arbeit in dieser Lehrwerkstätte. Die Leitung liegt in Händen von Ingenieur W i e s l e i t n e r , der bemüht ist, nicht nur Lehrmeister, sondern auch Kamerad und Helfer zu fein. Hochinteressant vom Leiter des Werks, wie auch vom Ausbildungsleiter zu hören, wie der Erziehungsgang der Lehrlinge in dieser Werkstatt gedacht und verwirklicht wird Vier Jahre muß der Lehrling lernen, wenn er Facharbeiter werden will. Der Ausbildungsleiter nimmt sich zunächst jeden Jungen vor, sieht in seine Schulzeugnisse, prüft selbst, ob der Knabe die vier Grundrechnungsarten, Bruchrechnung usw. tatsächlich beherrscht, er prüft Auffassungsgabe für seinen Beruf, Ordnungssinn, läßt den Arzt mitreden, und dann gibt es erst noch einige Wochen Probezeit! Wer dann zu leicht befunden wird, wird zu seinem eigenen Vorteil aus der Lehrwerkstätte ausgeschieden. (In einem anderen Beruf ist der Junge vielleicht ausgezeichnet tauglich!) Diejengen aber, die geeignet befunden werden, die erhoffen lassen, daß sie ihren Mann im Fach stellen können, erfahren nun eine Ausbildung, die man jedem jungen Menschen zu seinem Berus wünschen möchte. Zwei Jähre bleiben die Knaben — gegenwärtig etwa 25 an der Zahl — ausschließlich innerhalb der großen Lehrwerkstatt, die im Hauptbau unter- werkstätte beschäftigt. Und dann kommt etwas ganz Wesentliches hinzu' Jede Leistung wird exakt bewertet und in Noten festgehalten. Exaktheit, Sauberkeit der Ausführung, Zeitdauer (dabei wird selbstverständlich nicht gedrängelt) festgestellt and das alles in einem Lei- stungsblatt niedergelegt. Jedes bearbeitete Stück wird nach Ebenheit, Äinklichkeit, Maßhaltigkeit und ober dieser Zapfen aussehen müßte. Jeder hat Gelegenheit zu beweisen, ob er mit dem Kopf bei seiner Arbeit ist! Der Ausbildungsleiter ist immer inmitten der Lehrlinge Er erklärt einmal, ein zweitesmal, vielleicht auch ein drittesmal, er hilft, fördert, aber von einem gewissen Zeitpunkt ab hat der Junge Selbständigkeit zu beweisen. Selbstverständlich, daß der ausbildende Ingenieur ein Auge darauf hat, ob prüfen, sind vorhanden. Und eins ist wichtig: möglichst jedes Stück, das aus der Lehrwerkstätte herauskammt, soll, nachdem es kontrolliert ist, im eigenen Betrieb des Werks gebraucht werden können. Meist kann es auch verwandt werden! Das erst gibt der Arbeit des Lehrlings tieferen Sinn! Er soll, wenn er durch die Hallen geht, sich und anderen sagen können:, „Dies Teil an jener Drehbank habe ich als Stift im ersten Lehrjahr gemacht!" Deshalb werden die Aufgaben .unmittelbar aus Erfordernissen des Betriebes ge- Es ist ein Vergnügen, die Lehrlinge bei ihrer Arbeit am Schraubstock, an der Drehbank, an der Fräs- oder Bohrmaschine zu beobachten. Ganz angelegentlich sind sie bei ihrer Arbeit, feilen, messen, drehen, messen wieder —. Bald setzen sie wie die „Alten" den Winkel oder das Mikrometer, die Lehre an! Dabei bleibt die Arbeit nicht einseitig. Durch Führungen, Vorträge und durch praktische Vorführungen lernen die Knaben auch Nachbargebiete ihrer eigenen Arbeit kennen, wie z. B. die Modellfchrei- nerei, die Gießerei usw. Breiten Raum nimmt Materialkunde ein. Zwei Jahre lang erfahren sie so eine Grundausbildung. Dann erst kommen sie in den Betrieb an verschiedene Plätze, werden aber in den Winkel zu' gen, Kanten und chen, später auch schräge Fläche, eine zu feilen und dabei so, daß es auf Bruchteile eines Millimeters stimmt. Alle Hilfsmittel, die Arbeit der Hand zu über« der Junge überhaupt begriffen, hat, um was es geht! Unter gleichen grundsätzlichen Gesichtspunkten steht die praktische Arbeit. Da wird nichts verlangt, was der Junge, der nun als befähigt in die Werkstatt aufgenommen wurde, nicht leisten könnte. Er wird vor keine Arbeit gestellt, die seine Kräfte übersteigen, ihn der Verzweiflung anheimgeben oder des Selbstvertrauens berauben könnte. Da gilt es zunächst von einem langen O-Eifen ein Stück abzufchneiden, es genau sich geschlossen ist. Da ist ein freundlich-heller Raum geschaffen worden, der ausschließlich dem theoretischen Unterricht vorbehalten ist. Da wird geschrieben, gerechnet, g e - zeichnet (Zeichnen wird hier groß geschrieben!), da werden an der Tafel geometrische Figuren, einfache Maschinenteile veranschaulicht, da hat mancher Junge selbst einmal die Kreide, die Reißschiene, den Zirkel in die Hand zu nehmen und an der Tafel zu zeigen, wie er sich denkt, daß dieses ober jenes Teil eines Rades, der Zahn auf einem Zahnkranz, der Bolzen in einer Platte, auf einer Achse, jene Nute seinen Quersummen Monat um Monat erkennen, ob und welche Fortschritte der Lehrling gemacht hat. Gleichbleibende Leistung ober Fortschritt werden aber auch noch in einfacher Form eines Diagramms auf einem weiteren Blatt festgehalten, bas ber Lehrling auf feinem Arbeitsplatz immer vor sich hat. So kann jeber von jebem wissen, wie es um ben einzelnen steht. Das bebeutet immerwährenden Ansporn. Eine große Rolle spielen auch das Betragen und die Ordnungsliebe. In einem besonderen Werkstattheft hat der Lehrling eigene Aufzeichnungen über seine Tätigkeit zu machen. Auch diese Werk- statthefte sind ein Spiegel der werdenden Persönlichkeit. Aber auch dabei läßt man es nicht bewenden! Auch der Gesundheitszustand, Maße, Gewicht, Aussehen, sportliche Leistung im 100-Meter-Lauf, 1000- Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen, Hochsprung usw. (beim täglich einstündigen Frühsport) werden beobachtet und schriftlich festgehalten. Und wenn dem Ausbildungsleiter einmal der eine oder andere Junge gar nicht gefällt, dann wird zu Haufe nachgefragt werden, Vater oder Mutter zu einer Rücksprache gebeten, geholfen und geraten, wo es nottut. Wenn bann vier Jahre um sind, wenn ber Lehr- bie Rechnung richtig angepackt, bie Zeichnung sau-1 Sauberkeit überprüft. Dieses Leistungsblatt läfet in ber ausgeführt wird, ob Kannst du zurück, Dore? Roman von Hedda Lindner. Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35. 5. Fortsetzung (Nachdruck verboten!) Was hatte Gerald ihr zu schreiben, sie legte den Brief vor sich auf die Bettdecke, ihr Herz klopfte in wilden, flatternden Schlägen. Vielleicht kann er erst später zum Kaffee kommen, dachte sie und wußte im gleichen Augenblick, daß es Unsinn war, deswegen schreibt er nicht. „Dore!" Diese großen schwarzen Buchstaben schienen mit einem Male lebendig geworden und liefen durcheinander — wie Ameisen. Sie ergriff den Bries mit einem heftigen Ruck, riß den Umschlag auf und las. Dann liefe sie sich langsam in die Kissen zurück- sinken und machte die Augen zu. Sie träumte noch, natürlich träumte sie noch, aber es war ein schlechter Traum, und darum mußte sie ganz rasch aufwachen. Man konnte sich zwingen aufzuwachen, gewiß, bas konnte man. Und sie würde sich zwingen! Sie sprang aus dem Bett, lief auf nackten Füßen zum Fenster und riß den Vorhang auf. Nun flutete die Sonne ungehemmt in breiter Bahn hinein, gegenüber erglänzte das makellose Weiß der Gipfel, weiter unten schimmerte bläulich der Gletscher, ber Gletscher, zu bem sie mit Geralb ... Mit einer mutlosen Bewegung roanbte sie sich ab unb ging wieder auf ihr Bett zu. Der Brief war bei dem hastigen Aufspringen zu Boden geglitten, sie hob ihn auf und hielt ihn in der Hand. Es wurde nicht anders: dieser Brief war ein Abschied — „Besser, wenn ich ohne Abschied gehe" — „um so leichter zurück in dein Leben" — „Vergiß und habe Dank, Dore!" — — Die Buchstaben tanzten vor ihren Augen, formten ich zu ben seltsamsten Gebilden, aber wenn sie ich zwang, richtig hinzusehen, würben immer bie- ’ eiben unbarmherzigen Worte baraus. Mit langsam automatischen Bewegungen kleibete sie sich an unb verließ bas Hotel burch eine Seiten- tür. Nur erst mal hier fort, nur erst mal mit sich allein sein, aber wohin? — Sie sah sich um mit einem so verstörten, geiftesabroefenben Blick, daß ein paar Vorübergehende sie erstaunt musterten — bort hinten ragte ber kleine Kirchturm auf, unb nUSr.ro m e wohin sie gehen konnte. Y\r Gehen würbe fast ein Laufen, bis sie den Friedhof erreicht hatte; dort mäßigte sie ihre Schritte, ging aber unbeirrt weiter, bis sie in ben vorbersten fr yIan9te- Sie sah sich forschenb um, hier würbe |o leicht niemand kommen, dann kauerte sie sich auf bie (rinfaffung eines Hügels, legte die Arme auf die hochgezogenen Knie unb ben Kops darauf. So saß sie regungslos, genau so starr und unbeweglich wie ber steinerne Engel, ber gegenüber Wacht hielt. Allmählich lichtete sich bas Chaos ihrer Gedanken. Es war genau wie nach einem schweren Sturz ober Schlag, wenn bie Betäubung langsam weicht. 'Sie versuchte jetzt ganz vernünftig, sich über bie Lage klar zu werben. Was war eigentlich geschehen?! — Ein Mann, mit bem sie vierzehn Tage zusammenbleiben wollte, war nach — ber wievielte Tag war benn überhaupt — ber zwölfte schon — nicht möglich! Sie rechnete nochmals — es stimmte. Drei Tage später wäre ohnehin alles vorbei gewesen. Cs hanbelte sich also nur um brei Tage — brei Tage waren boch kein Grunb, bie ganze Welt Zusammenstürzen zu lassey. Ober war sie tatsächlich so töricht gewesen, sich einzubilden, es würbe auch nach biesen vierzehn Tagen auf irgendeine Weise weitergehen? — Hatte ihr der Mann den leisesten Grund zu dieser albernen Hoffnung gegeben? — Nein, bas hatte er nicht, ehrlich mußte sie sein, so bitter biefes Eingeständnis auch war. Er war ritterlich und aufmerksam gewesen unb manchmal leibenschaftlich, wenn er bie Frau in ihr suchte, aber Herz, Herz hatte sie nie gespürt. Bis auf gestern! Nun wußte sie, was sie an biesem Kuß so seltsam berührt unb verwirrt hatte: es war ein Abschieb gewesen, unb >n biesem Ab- schieb hatte etwas anberes gelegen als in feinen sonstigen Liebkosungen. Und nun war er fort, und sie hatte sich bannt adzufinden. Eigentlich war es sogar rücksichtsvoll von ihm, baß er ihr den Abschied erspart hatte, sie hätte sich vielleicht verraten, unb bas wäre peinlich gewesen für beide Teile. Sv erfuhr er nie, daß sie unter der Trennung litt, wie sie es nie für möglich gehalten hätte. Einmal schon hatte sie dieses Gefühl gehabt, diesen zerrenden, bohrenden Schmerz — damals, als der Sarg mit ihrem Manne langsam in die Tiefe ging, und sie wußte: nun ist er fort, unwiederbringlich, unwiderruflich, fort aus meinem Leben. Aber das war ihr Mann gewesen, den sie länger als ein Jahr gekannt hatte, während Gerald ... Heute vor vierzehn Tagen um diese Zeit hatte sie noch nicht gewußt, daß es überhaupt einen Gerald Hilger auf der Welt gab. Sie hob den Kopf und seufzte tief auf. Ihre Augen brannten, aber sie konnte nicht weinen. Warum auch — es war ja nichts geschehen. Sie hatte vierzehn Tage ihres Lebens einem fremden Monn geschenkt, dieser Mann hatte ihr' großmütig drei Tage davon wieder zurückgegeben, und nun kehrte sie nach Hause zurück, womit die Sache erledigt war. Schluß! Aus! Sie stand auf, schwerfällig, mit steifgeworbenen Gliebern, warf noch einen langen Blick auf bie Berge ringsum unb wandte sich zum Gehen. Hier bleiben, hier am selben Ort, das konnte sie nicht, nicht einen Tag hielt sie das aus. Unb ba sie andererseits auch nicht eher nach Hause kommen wollte, als einmal besprochen war — schon um allen unnützen Fragen zu entgehen —, mußte sie die paar Tage wohl ober übel noch irgenbmo verbringen. Sie überlegte, währenb sie langsam bem Hotel zu schritt — am besten wäre eine Stadt, in ber keine Alpenwiese, kein blauleuchtenber Gletscher an biete Tage erinnerte, bie sie vergessen mußte. Bern schieb aus —, sie spürte sofort bas schmerzhafte Stechen in ber Brust, wenn sie baran dachte, daß sie sich dort mit Gerald getroffen hatte, blieb Basel ober Zürich. Beibes lag an ihrem Wege. Im Hotel suchte sie sofort bas Büro auf. „Ich möchte auch abreisen." „Ihre Pension ist bis Samstag bezahlt", sagte bie Besitzerin, bie selbst anwesenb war, höflich. Wie aufmerksam von ihm, baran zu benken. — Dore wußte nicht, wie bitter ihr Lächeln war. „Trotzbem — ich möchte fort", sagte sie leise. Dir Wirtin sah sie an. Sie war selbst eine Frau unb fanb halb bie Verbindung zwischen der plötzlichen Abreise des Herrn und' dem blassen Gesicht vor ihr. „Dann zahle ich Ihnen einen Anteil für bie Verpflegung zurück", sagte sie entgegenfommenb. „Gleich nach zwei geht ein Zug nach Interlaken mit Anschluß nach Bern, wollen Sie mit dem fahren?" „Ja, danke, den mochte ich nehmen", sagte Dore und ging, um ihre Sachen zu packen. — — Man geht durch eine fremde Stadt, durch Straßen, die man nicht kennt, ebensowenig wie die Namen an Läden und Türschildern. Man schaut von außen in Cafes und Lokale, sieht fremde Menschen, die lachen, essen, plaudern, unb hat ein wunderliches Empfinben ber Unwirklichkeit dabei. So als wenn man im Kino sitzt und einen Film ansieht, der nyr den Verstand fesselt, bem man folgt ohne irrere Anteilnahme. So erging es Dore in Zürich. Die Stadt gefiel ihr, sie lief von morgens bis abends herum, um sich abzulenken unb sich mübe zu machen. Es gab unendlich vieles, was ihre Aufmerksamkeit fesselte, aber nicht einen Augenblick verlor sie bas seltsame Gefühl völliger Vereinsamung. Es- war, als sei sie hinter einer gläsernen Wanb, bie ihr zwar erlaubte, die Menschen unb Dinge um sich herum zu sehen, aber gleichzeitig jede-Fühlungnahme mit der Umwelt verbot. Aber sie schlief nicht fest, bleischwer und traumlos. Unb bas war gut so. Vor ben Nächten hatte sie sich am meisten gefürchtet. Dann waren auch biefe Tage vorbei, und sie konnte abreisen — zurückkehren in das gewohnte Dasein. * Grünhagen war eine ruhige Mittelstabt. Sie hatte nur wenig Jnbustrie, unb ihre lanbschaftlich schöne Lage machte sie zum bevorzugten Aufenthaltsort'- älterer Leute, bie bort beschaulich ihren Lebensabend verbringen wollten. Ihr Ruf als Penfionopolis war weit verbreitet. Es lebte sich wirklich nett hier, besonders wenn man sich im Laufe der Jahrzehnte eine so an- gesehene Stellung geschaffen hatte wie der Oberstudienrat Dr. Bertram, Ordinarius ber Obersekunba bes Realgymnasiums. Bertram war ein mittelgroßer, sehr beweglicher Mann, trotz seiner sechzig Jahre unb trotz recht ansehnlicher Runbung, die er von Zeit zu Zeit mit heftigen, Gymnastikübungen bekämpfte. Er würbe von seinen Sekunbanern Cato genannt. Warum wußte keiner. Jrgenbwie zu irgenbeiner Zeit war dieser Name aufgetaucht unb würbe nun von allen folgenben Generationen gewissenhaft übernommen. Seine Hauptunterrichtsfächer waren Deutsch, Geschichte jmb Englisch; er verstand es ausgezeichnet^ seinen Schülern den Lehrstoff nahezubringen, und war allgemein beliebt. (Fortsetzung folgt.) , ng in der Lehrwerkstatt sein Gesellenstuck Wachen kann, dann zeigt sich die Summe der Bemühung. *6s kann kein Zweifel sein, daß unter solchen Umständen der Facharbeiter heranwächst, so wie ihn das Werk, wie ihn die deutsche Industrie überall braucht. Erfreulich, daß ein Gießener Betrieb mit solcher Großzügigkeit und unter aller Verantwortung eine solche Lehrwerkstätte eingerichtet hat? Erfreulich und beispielhaft! N. (Aufnahmen [5j: Neuner, Gießener Anzeiger.) Der Gauletter besichtigt die Frankfurter Lehrwettfialt. NSG. Am Freitagnachmittag besuchte der Gauleiter in Begleitung des Gauabmannes der DAF., Willi Becker, und des Präsidenten der Jndustrie- und Handelskammer, Professor Dr. Lu e r, die „Lehrwerkstatt Frankfurt a. M.", die auf seine Initiative in Zusammenarbeit mit der DAF. und der Industrie» und Handelskammer im Frühjahr dieses Jähres gegründet worden ist. Seit 1933 gilt das besondere Interesse des Gauleiters in der nationalsozialistischen Aufbauarbeit dem Problem der Nachwuchserziehung. Erinnert sei hierbei nur an die frühzeitige Gründung eines Hauptausschusses für Berufserziehung, der für zusätzliche Möglichkeiten der Unterbringung von Jugendlichen in der Wirtschaft zu sorgen chatte und die sogenannten Vorlehrewerkstätten, die die Ausgabe hatten, den Jungen für ihren später einzuschlagen. den Beruf eine Ausbildung zu vermitteln. Diese ersten Hilfsmaßnähmen konnten jetzt verlassen werden, da das soziale Moment der Beschaffung eines Arbeitsplatzes durch den großen Bedarf der Wirtschaft an tüchtigen Nachwuchskräften immer mehr in den Hintergrund trat, und die Hauptaufgabe nun- mehr darin besteht, durch die Intensimeruna der Be- rufserziehung zu einer immer größeren Leistungssteigerung des einzelnen zu kommen. Für diese-Aufgabe soll die „Lehrwerkstatt Frankfurt a. M." besonders dienen. Sie soll die Mängel verschiedenster Art, die in kleinen und Mittelbetrieben oft durch Mangel an Raum, durch Fehlen geeigneter Ausbildungskräfte oder durch einseitige Fabrikationsweise bedingt sind, ausschalten und die Grundlage für eine systematische und vielseitige Ausbildung geben. Mit herzlichen Worten begrüßte der Gauleiter die zu seinem Empfang angetretenen Lehrlinge und wies darauf hin, daß diese Lehrwerkstatt nicht nur die Aufgabe habe, in fachlicher Hinsicht hervor- ragende Ausbildung zu gewährleisten, sondern, daß sie es sich besonders angelegen lassen sem wird, nationalsozialistisches Denken und nationalsozialistische Haltung zu vermitteln. „ Die folgende Besichtigung zeigte dann die Mustergültigkeit dieser Anlage. Helle Unterrichtsraume, übersichtliche Maschinensäle mit den neuesten Maschinen und bestem Werkzeug stehen den Lehrlingen ebenso zur Verfügung wie vorbildliche hygienische Anlagen. Leitsätze des Führers und führender Per- fönlichkeiten der Bewegung leuchten von den Wänden und verweisen die in diesen Räumen Schaffenden auf den Sinn ihrer Arbeit und ihres Rin- gens um die beste Leistung. Hervorragende 2Iusbtb dungsleiter leiten die Arbeit und sorgen für die Entwicklung der Lehrlinge zu einsatzfähigen Facharbeitern. Der Gauleiter sprach dem Leiter dieser Lehrwerkstatt zusammenfassend seine vollste Zufriedenheit aus und bemerkte, daß sie das Beispiel für weitere Einrichtungen dieser Art sein wird. Zur Zeit befinden sich 75 Lehrlinge in dieser hervorragenden Ausbildung, ihre Zahl wird im Laufe des nächsten Jahres auf 150 erhöht. §Jl.SpOTt SA.-Kampfspielgemeinschast in Kassel. Am kommenden Sonntag fahren die jungen Leichtathleten der SA.-Kampfspielgemeinschaft der Standarte 116 zu den Großstaffelläufen nach Kassel. Sie werden bei der überaus scharfen Konkurrenz einen schweren Kampf bestehen müssen, wenn sie einen guten Platz belegen wollen. BOM.-Reichstreffen in Bamberg. Obergau Berlin siegt im Reichssportwettkampf. Auf dem Reichssportfest des Bundes Deutscher Mädel in Bamberg sind bereits einige Entscheidungen gefallen. Der Obergau Berlin, vertreten durch die Gruppe 11 Dahlem des Untergaues Wilmersdorf-Zehlendorf 37, ging als Sieger aus dem großen Mannschafts-Dreikampf (Lauf, Wurf und Sprung) hervor. Bereits im Mai haben die Reichssportkämpfe, zu denen über sieben Millionen Jungen und Mädel angetreten sind, begonnen. Der BDM. hat nunmehr seinen erstmals in der Mannschaftsform durchgeführten Reichssportwettkampf beendet, und er wurde, wie schon gesagt, vom Ober- gau Berlin gewonnen. — Weitere Entscheidungen fielen im Führerinnen-Fünfkampf. In Stufe A (17 bis 21 Jahre) war Ingrid Baath (Berlin) mit 4268,5 Punkten vor Helga Heinrich (Hochland) 4231, Friedel Adam (Pommern) 4060, Grete Trätow (Mecklenburg) 3915,5 und Ilse Wal- ter'(Baden) mit 3909,5 Punkten siegreich, und den Kampf der Stufe B (über 21 Jahre) gewann' Annemarie W e st p h a l (Hamburg) mit 4398,5 Punkten vor Jngeborg Könecke (Berlin) mit 4020, Betty Däubler (Hochland) mit 3955, Hilde Fischer (Nordsee) mit 3940 und Elfriede Roller (Württemberg) mit 3767,5 Punkten. — Im Handball siegte Hamburg mit 8:0 über Westmark, und Nordmark schlug Schlesien mit 3:2 Toren. Fußball der HZ. Gefolgschaft 4/116 — Gefolgschaft 3/116. Das für vorigen Sonntag angefetzte Spiel mußte infolge der Deutschen Jugendmeisterschaften aus- fallen. Beide Mannschaften sind wohl die besten innerhalb ihres Stammes. Dies bewies die Mannschaft der Gef. 3/116 indem sie die Mannschaft der Gef. 2/116 schlug, und die Mannschaft der Gef. 4/116 indem sie ein Unentschieden gegen die 1. Jugendmannschaft des VsB.-R. erzwang. Beide Mannschaften sollten sich bis zum Schlußpfiff einen offenen Kampf' liefern, es müßte aber der Mannschaft der Gef. 4/116 mit einiger Anstrengung gelingen, den Sieg an sich zu reißen. Dieses Spiel ist ein Freundschaftsspiel innerhalb beider Gefolgschaften und hat mit der Bannmeister» schäft des Bannes 116 nichts zu tun. Das Zachamt Handball am Opfertag. Es war leider nicht möglich, das Dpferspielpro- gramm in seiner ursprünFichen Fassung durchzuführen. Verschiedene Mannschaften mußten infolge Spielermangel Absagen erteilen, andere Treffen wurden wegen unausbleiblicher Kollisionen abgesetzt. So mußte auch das mit Spannung erwartete Spiel der Gießener Stadtmannschaft, die mit Heuchelheim gepaart werden sollte, gegen die l./IR. 116 Gießen abgesagt werden. Es ist dies um so bedauerlicher, als dadurch zweifellos eines der wichtigsten Treffen, das gleichzeitig auch interessante Ausschlüsse gegeben hätte, hinfällig geworden ist. Fest stehen nunmehr: Tv. Holzheim — Tv. Hausen-Tv. Lich, Tv. Lützellinden — Tv. Hörnsheim, Tv. Dutenhofen — Tv. Wetzlar, kombiniert, Tv. Atzbach — Tv. Garbenheim, Tv. Nauborn — Tv. Münchholzhausen, Tv Hochelheim — Dornholzhausen, Tv. Katzenfurt — Tv. Wetzlar-Niedergirmes, Tv. Dillenburg — SA.-Standarte 88 Dillenburg. Das Programm ist an und für sich reichhaltig unb auch so zusammengestellt, daß es seine Anziehungskraft nicht verfehlen wird. Abzuwarten bleibt nur, welche Einheiten die einzelnen Vereid aufstellen werden, weil, wie man allgemein hört, eine ganze Reihe Neueinstellungen vorgenommen werden sollen. Die endgültigen Aufstellungen, mit denen man die neuen Rundenspiele zu bestreiten aebe'ntt, werden wahrscheinlich erst kurz vor Beginn bekannt werben. Zu den oben erwähnten Paarungen ist zu sagen, daß es Holzheim sicher nicht leicht fallen wird, sich gegen die kombinierten Gälte zu behaupten. Immerhin liegt ein Sieg durchaus im Bereich der Möglichkeit, weil sicherlich nicht zuletzt der Platz eine ausschlaggebende Rolle spielen wird. — Das „Hüttenberger" Lokaltreffen, wie das Spiel von Hörnsheim und Lützellinden schon von jeher heißt, dürfte in seiner Auswertung nichts zu wünschen übrig lassen. Wenn auch beide Mannschaften mit Ersatz antreten müssen, so erwartet man doch den Einsatz aller Kräfte. — Dutenhofen hat Gelegenheit zu beweisen, daß es die Zeit genutzt und eine spielstark^ Mannsckaft zusammengebracht hat. Wetzlar, das ja auch diesmal wieder mit Ersatz antreten wird, hat kaum Aussicht, das Treffen zu gewinnen. — Atzbach sollte auf eigenem Platz den Bezirksklassen-Neuling ziemlich sicher schlagen. — Auch Nauborn hat die Möglichkeit für eine lieber- raschung zu sorgen. — In Hochelheim wird es einen ausgeglichenen Kampf geben, während Katzenfurt Niedergirmes sicherlich das Nachsehen gibt. ft eltreforblerinncn in Vad-Aanheim. Das Nationale Frauensportfest am 7. September. Seit Jahren sind unsere deutschen Leichtathletinnen die Besten der Welt, und zahlreiche in diesem Jahr gewonnene Länderkämpfe und neu ausgestellte Weltrekorde beweisen die Richtigkeit dieser Behauptung. Während bei uns in jeder Disziplin zahl- rerche ebenbürtige Frauen um die Spitze kämpfen, sind es in den andern Ländern einzelne überragende Könnerinnen, wie die Polin Walasiewisz, die ungarische Hochspringerin Esak, die englische Hürdenläuferin Burke, gegen die unsere Frauen bei den Europa-Meisterschaften in Wien am 17. und 18. September anzutreten haben. Um dafür bereit zu sein, hat die Reichssportfüh- rung die deutsche Frauenmannschaft nochmals nach Bad-Nauheim beordert. Hier werden am nächsten Mittwoch die 32 besten deutschen Leichtathletinnen zum letzten Male vor Wien an den -für die Auswahl entscheidenden Start gehen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der eine oder andere Weltrekord am 7. September auf der von-Tschammer-und-Osten- Kampfbahn in Bad-Nauheim fein Leben lassen muß. In nicht weniger als sechs Disziplinen ist die Möglichkeit dazu gegeben. Im 80-Meter-Hürdenla uf lief die gute Mehrkämpferin Lisa ©clius (München) bei den Deutschen Meisterschaften in Breslau die Weltrekordzeit 11,6 Sekunden. Gleich zwei Anwärterinnen sind für die Weltrekorde in den technischen Disziplinen des K u g e l st o ß e n s und Speerwerfens in Bad-Nauheim vertreten Gisela Mau er mayer (München), feit Jahren die beste Leichtathletin der Welt, hat ihren Rekord im Kugelstoßen (14,38 Meter) gegen Frau Schröder (Mundenheim) zu verteidigen. Frau Schröder stieß vor einigen Wochen 14,90 Meter neuen Weltrekord, der jedoch wegen technischer Fehler der Anlage nicht anerkannt werden konnte. Im Speerwurf wird die Weltrekordinhaberin Grete Volkhausen (Dortmund) (47,17 Meter) gegen die Berlinerin Erika Mathes starten, die in diesem Jahre mit 47,70 Meter den Weltrekord überbot, aber das Pech hatte, daß diese Leistung wegen Rückenwind nicht anerkannt wurde. Der H o ch s p r u n g wird bei den Bad-Nauheimer Kämpfen mit am interessantesten sein. Beste Hochspringerin seit Jahren ist Dora Ratjen aus Bremen, die im Kampf mit der Gräfin Solms (Berlin) Sonntag für Sonntag Weltrekordhöhen springt. Dora Ratjen muß nächsten Mittwoch schon in der Nähe ihres Weltrekords (1,66 Meter) bleiben, wenn sie Gräfin Solms und unsere hessische Vertreterin Maria Staudt (Limburg) schlagen will. Gräfin Solms überraschte in diesem Jahre mehrmals mit Sprüngen über 1,60 Meter: sie war in Breslau Zweite hinter Dora Ratjen. Schließlich ist es nicht ausgeschlossen, daß Gisela Mauermayer im Diskuswurf eine Verbesserung ihres eigenen Weltrekords (48,31 Meter) gelingen kann, und bei guten Bahnverhältnissen kann bte Frauen-Nationalstaffel über 4 X 100 Meter Rekord laufen. Die Zuschauer werden mithin auf jeden Fall mit Leistungen überrascht werden, wie mir sie in unserem Gau noch nicht fayen. Wer am 7. September nach Bad-Nauheim kommt, wird dort das beste Frauen-Leichtathletik-Fest des Jahres erleben. Auch Gießenerinnen am Start. Außer den 32 Frauen der deutschen Kernmannschaft nehmen am Nationalen Frauensporttest m Bad-Nauheim auch einige Hessenmadel der Gau- svitzenklasse teil, darunter außer der bereits genannten Limburgerin Staudt auch die Gießenerinnen Erika Röhmig (Mtv.) und Diehl (DfB.-Reichs- babn) Beide werden im Weitsprung und Kugelstoßen starten. Die Mannschaft des VfB-Reichsbahn Gießen läuft außerdem die 4X100-Meter-^taftel mit zu der außer den beiden Nationalmannschaften die 'Gaumeister von Hessen (VfB.-Reichsbahn) und Südwest (Eintracht Frankfurt a. M.) starten werden. Kurze Sportnotizen. Die M e i st e r s ch a f t e n der HI. im Radfahren finden am 8. und 9. Oktober in Frankfurt a. M. statt. Ausgeschrieben sind Wettbewerbe auf der Straße, auf der Bahn und im Saalsport. Mercedes ° Benz wird sich im Donington- Parkrennen am 1. Oktober durch die vier Fahrer Rudolf Caracciola, Manfred von Brauch i t s ch , Hermann Lang und den Engländer Rich. Seaman vertreten lassen. Die drei Deutschen bestreiten gleichzeitig auch den Mannschaftspreis. Ersatzmann ist Walter Bä u m c r. Dr. Peco Baumens (Köln) hat die ehrenvolle Einladung erhalten, den Fußball-Länderkampf zwischen Jugoslawien und Rumänien am 6. September in Belgrad zu leiten. Der Kongreß der Ruderer in Mailand vergab die Europameisterschaften 1939 an den tschecho-slowakischen Verband, der die Titelkämpfe vom 1. bis 3. September 1939 auf dem 3 Kilo- meter langen See in Wittingau durchführen wird. Dorrennen zu den diesjährigen Europameisterschaften werden am Freitag nur in Einer, Zweier „mit" und im Doppelzweier ausgetragen. FünfneueWeltrekorde im Radfahren ohne Schrittmacher schuf der Franzose Jean Mala- oal auf der neuen Pariser Radrennbahn über die Strecke von 70 bis 100 Kilometer. Seine neuen Bestzeiten sind:„70 km in 1:41:54,4; 80 km in 1:56:46,4; 90 km in 2:11:52,8; 60 englische Meilen in 2:21:55 und 100 km in 2:27:15,9. Opserspiele in nächster Aachbarschafi. Teutonia I — LeihgeslernGroßenLinden kornb. Hu einem interessanten Treffen sollte es morgen auf dem Steinberger Sportplätze kommen. Einerseits sieht man wieder feit geraumer Zeit die komplette Mannschaft der Teutonen, anderseits stellt sich dieser erprobten Elf eine Kombination zweier Vereine. Meist sind es noch junge Spieler, die gewiß mit großem Eifer bei der Sache sind. Der Sturm besteht aus drei Spielern von Großeb-Linden, die voriges Jahr die Bannmeisterschaft mit erkämpft haben, und Arnold, sowie Heß-von Leihgestern sind ja auch bekannt. Der erstere ist der Stützpunkt seiner Mannschaft und ein gefährlicher Torschütze. Im Gegensatz zum Sturm ist die Läuferreihe mit drei erfahrenen Sportlern besetzt, während die Hintermannschaft wieder aus jungen Leuten besteht. — Für die Teutonen ist also größte Vorsicht am Platze, wenn sie ihren Anhängern nicht eine lieber» raschung bieten wollen. Steinberg spielt in stärkster Aufstellung mit Happel, Jung, Fett, Schmandt, Hederich, Naumann, Lang, Däublin, Schmidt, Haas unb" Buß. SB. 1920 Heuchelheim I — SB. Lollar I. In Heuchelheim findet am Tag der Opferspiele einer der spannendsten Kämpfe im Bezirk Gießen stall. Don jeher fanden die Spiele zwischen Heuchelheim und Lollar größte Aufmerksamkeit in der heimischen Fußballwelt. So ist auch am 4. September ein schöner Kampf zu erwarten, der um so reizvoller ist, als beide Mannschaften in der kommenden Der- bandsrunde in einer Gruppe spielen werden. Man darf Lollar, das in der Bezirksklasse wertvolle Spielerfahrung sammeln konnte, ein kleines Plus geben. Heuchelheim spielt mit: Müller; Volkmann, Kreiling; Mandler, Waldschmidt, Bach; Schmidt, Franz Arnold, Christ, Garth, Waldemar Steinel. FL. 1926 Großen-Buseck I — Tv. wieseck I. Am kommenden Sonntag empfängt die erste Mannschaft des FL. 1926 die gleiche des To. Wie» seck zum Opferspiel. Die Gäste sind in Buseck nicht unbekannt und verstanden noch immer zu kämpfen. Leider müssen die Einheimischen auf ihren guten. Mittelläufer H. Harbach verzichten. Die Busecker werden in folgender Aufstellung antreten: Koch; Brück, Dambmann; Eisenacher, Harbach, Wilh. Me- lior; Hofmann, Hochstein, Subborruski, Henß, Bal» ser. Die Jüngsten fahren nach Gießen, um ihre Kräfte mit der 2. Jugend des VfB.-Reichsbahn zu messen. Wirtschaft. Aufhebung des Ausformzwanges für inländische Markenbutter. DNB. Die Butterverordnung vom 20. Februar 1934 sah vor, daß Markenbutter im Kleinhandel nur in bestimmten Kleinpackungen zum Verkauf vorrätig gehalten werden durfte. Das Ausformen der Butter war Molkereien und zugelassenen Großhandelsbetrieben vorbehalten. Da dieses Ausformen vielfach Qualitätsverschlechterungen zur Folge halle, ist der Ausformzwang durch eine im Reichsgesetzblatt veröffentlichte Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft bis auf weiteres auf gehoben worden. Dabei ist gleichzeitig vorgesehen, daß inländische Markenbutter auch in anderen als den bisher zugelassenen Gewichten ausgeformt werden darf, um so dem Erfordernis einer gleichmäßigen Butterverteilung Rechnung zu tragen. Mein-Mainische Börse. Mttagsbörse: Weitere Erhöhungen. Frankfurt a. M., 2. Sept. Die Börse war am Aktienmarkt zumeist weiter befestigt, das Geschäft hatte aber immer noch keinen größeren Umfang. Seitens der Kundschaft erfolgten weiterhin mäßige Käufe, doch lagen anderseits jüdische Abgaben vor, so daß die Kursentwicklung nicht ganz einheitlich war. Immerhin überwogen bei Fortdauer der zuversichtlichen Stimmung neue Erhöhungen von durchschnittlich 0,50 bis 1 v. H. In Montanwerten wurden v'-lsach kleine Realisationen vorgenommen, doch waren Mannesmann mit 104,90 (105) und Verein. Stahl mit 99,50 (99,65) fast behauptet, Buderus aber 1,50 v. H. und Hoesch 0,75 vom Hundert niedriger. Anderseits Rheinstahl 130,13 (129,50), Klöckner 114,40 (113,50) und Ilse Genuß 131)50 (129,75). Maschinenaktien zogen fast durchweg um 1,50 bis 2 v. H. an, Rheinmetall 125, Adlerwerke 103,25, Daimler 127,90, Eßlinger 98,50 bis 99. Zellstoffwerte waren nach dem gestrigen Rückschlag voll erholt, Aschaffenburger 113,50 (111), Waldhof jedoch 0,50 v. H. gedrückt auf 130,50. Am Elektromarkt traten zumeist Besserungen von 0,50 bis 1 v. H. ein, Gessürel 0,75 v. H. niedriger mit 127,75; Bekula bei kleiner Nachfrage stark gesteigert auf 149 (144), Akkumulatoren erschienen mit Plus- Zeichen, Taxe 203 (195). Chemiewerke lagen bei ruhigem Geschäft voll behauptet, IG.-Farben 147,50 (147,25), Goldschmidt 126,50 (126,25). Im einzelnen sind Holzmann mit 148,50 (149,50), Bemberg mit 126,75 (126), Conti Gummi mit 195,75 (193,50) und AG. für Verkehr mit 118,26 (117,25) zu erwähnen. Am Rentenmarkt bestand überwiegend Nachfrage, insbesondere die in letzter Zeit rückläufigen 5proz. Industrie-Obligationen wurden beachtet bei durchschnittlichen Besserungen von 0,25 bis 0,50 v. H. Reichsanleihe-Altbesitz lagen mit 129,50 unverändert, im Freiverkehr Kommunal-Umfchul- dung 5 Pf. ermäßigt auf 94,30, 4 v., H. Rentenbank-Ablösung unv. 92. Pfandbriefe lagen bei kleinem Geschäft unverändert, von Liquidationswerten Frankfurter Hyp. 100,90 (100,70), dagegen Pfälzische 101 (101,25). Stadtanleihen blieben meist behauptet; Dekosama I 137,25 (137,50). Reichsbahn-Schatzanweisungen lagen 10 Pf. höher, Reichsbahn-DA. plus 0,40 o. H. auf 123. In der zweiten Börsenstunde lagen die Aktienmärkte eher etwas schwächer, und zwar ergaben sich bei den gängigen Papieren Rückgänge von 0,50 bis 1 v. H. Conti Gummi verloren 1,75 v. H. auf 194. An den übrigen Märkten fehlten mangels Umsatzes zumeist zweite Notierungen. Die erst später notierten Werte kamen nicht ganz einheitlich, jedoch meist höher zur Notiz. Akkumulatoren schließlich 202 (195), Rhein. Braunkohlen 202 (200), Südd. Zucker 208 (207), Scheideanstalt 204,50 (203), Berger Tiefbau 144 (142,50). Der Einheitsmarkt lag weiterhin sehr ruhig und nicht einheitlich. Der F r e i v e r k e h r lag still, aber eher fester. Elsass. Badische Wolle 82,50 bis 83,50 (81 bis 83), Verein. Fränkische Schuh 66,50 bis 68,50 (65,50 bis 67,50), Rastatter Waggon 43 bis 45 (42 Geld) Tägesgeld weiter ermäßigt auf 2,50 (2,75 v. H ). Abendbörse fest. Mit Rücksicht auf das bevorstehende Wochenende bestand an der Abendbörse keine nennenswerte Unternehmungslust, zumal kaum Aufträge der Bankenkundschaft eingegangen waren. Andererseits waren auch kaum Abgaben vorhanden. Bei fejter Grundstimmung entwickelten sich die Aktienkurse erneut etwas unregelmäßig, wobei aber im allgemeinen nur unbedeutende Abweichungen eintraten. Ueberwiegend waren es nominelle Anpassungen an den Berliner Stand. Während Metallgesellschaft roeiter fest lagen und 1 v. H. anzogen auf 125,50, ferner MAN. 0,75 v. H. gewannen auf 121,75 und Bemberg mit 126 (125,75) gesucht wurden, waren Daimler mehr ermäßigt, und zwar um 1,13 v. H. auf 126,75. Elektropapiere lagen meist nur knapp gehalten. Felten 128 (128,50), Gesfürel 127,50 (127,75), RWE. 117 (117,65), jedoch Licht und Kraft unverändert 130. IG. Farben bewegten sich mit 147,75 um 0,25 v. H. unter dem hiesigen, aber 0,13 v. H. über dem Berliner Schluß. Von Bergwerkswerten blieben Vereinigte Stahl mit 99,50 (99,40) gut gehalten, ebenso Ilse Genuß mit 131, andererseits Rheinstahl 129,50 (129,75) und Deutsche Erd» öl 121,75 (122). Am Rentenmarkt zogen Karben- Bonds um 0,40 v. H. auf 122,50 an, Reichsbahn- Vorzugsakti en unverändert 123, 5 v. H. Moenus Mafch. Hyp. unverändert 97,50, Rheinische Gold» Pfandbriefe Reihe 1—3 unverändert 100. Im Frei- verkehr bewegten sich Kommunal-Umischuldung zwischen 94,30 bis 94,35. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Derbindlichkett der Schriftleitung.) Br. 65. Eine allgemeine Beleuchtungspflicht des Vermieters gegenüber dem Mieter besteht auch heute nicht; doch wird sich, was im Einzelfall zu prüfen bleibt, in größeren Städten eine derartige Verkehrssitte herausgebildet haben, die dann als für den Vermieter verbindlich angesprochen werden muß. Regel ist, daß im Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter die Beleuchtung der Mure und Treppen Sache vertragsmäßiger Abmachung ift Die Frage, ob eine allgemeine Beleuchtungspfticht des Vermieters Dritten gegenüber besteht, ift nach herrschender Rechtsprechung dahin zu. entscheiden, daß der Eigentümer, der durch Aufnahme von Mitbewohnern in seinem Hause einen off ent« lieben Verkehr cherstellt, dafür Sorge zu tragen hat, daß die Anlage des Hauses Britten keinen Schaden stiftet. Tritt ein Unfall infolge Nichtbeleuchtung der im Verkehr benutzten Räume während verkehrsüblicher Zeit ein, so ist der Hausbesitzer auch strafrechtlich für diesen Unfall verantwortlich. Gießen. 1. Sie können den Antrag auf Berichtigung des Eigentümers im Grundbuch selbst einreichen, müssen Ihre Unterschrift allerdings öffentlich beglaubigen lassen. — 2. Bei (Eintragung des Ehegatten ermäßigt sich die Gebühr auf die Hälfte. Die Gebühr wird nicht nach einem Prozentsatz des Ein-- heitswertes berechnet. Da die Höhe des Einheitswertes nicht bekannt ist, kann Ihnen die Höhe der zu entrichtenden Gebühr nicht angegeben werden. Veim Grundbuchamt können Sie bte Hohe der ®e» dühr erfahren. — 3. Laut gesetzlicher Bestimmung kann der Nachweis der Erbfolge nur durch einen Erbschein geführt werden. Beruht jedoch die Erb- folge auf einer Verfügung von Todes wegen, die in einer öffentlichen Urkunde enthalten ist, so. genügt es, wenn an Stelle des Erbscheins die Verfügung und das Protokoll über die Eröffnung der Verfügung vorgelegt werden; erachtet jedoch das Grundbuchamt die Erbfolge durch diese Urkunde nicht für nach- gewiesen, so kann es die Vorlegung eines Erbscheins verlangen. — 4. Die Unbedenklichkeitserklärung stellt das Finanzamt aus; sie zeigt an, daß steuerrecht« ftcfje Bedenken gegen die Eintragung nicht bestehen.