Nr. |28 (Elftes Statt 188. Jahrgang Keitag.Z.Iunl 1938 kr»ch-mi lägltd), autz« Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustriert. ©teRcner Familien blätter Heimat im Bild Die Scholl» Ol»nat$iBe$ngspreis: Mit 4 'Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Sernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten Anzeiger Sieker» Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11688 Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen und Verlag: vrühlsche UniverfitStLdruckerei R. Lange in Ziehen. Schriftleitvng und Seichäftrftelle: Schulstratze r Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen oon 22 mm Breite 7 Rpf.. für Text- anzeigen von 70mm Brette 50Rps..Platzoorschrist nach vorh. Dereinbg'25°/s mehr. 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Mai zusammen mit der tschechischen Staatssahne an ihrem Hause gezeigt worden war. Frau Lxner fragte die Soldaten nach einer schriftlichen Anweisung. Die vier Soldaten drangen jedoch in das Schlafzimmer ein. bedrohten Frau Lxner mit ihren aufgepflanzten Seitengewehren und drohten, die ganze Wohnung zu demolieren und die Familie niederzuschlagen, wenn die hakenkreuzslagge nicht sofort ausgeliefert wurde. Angesichts dieser unmißverständlichen Gewaltdrohungen sah sich Lxner gezwungen, die hakenkreuzslagge vom Boden zu holen. Die Soldaten nahmen außer der Flagge den beiden Reichsdeutschen noch zwei Ab- stimmungsplaketten zum 10. April 1938 mit dem Bild des Führers und Reichskanzlers unter schwersten Beschimpfungen des Führers und der hakenkreuzslagge mit. Eine Beschwerde auf der zuständigen militärischen Kommandostelle in Riederullersdors blieb bis heute erfolglos. Daß man sich dort der Rechtswidrigkeit der „Beschlagnahme" wohl bewußt war, geht aus der dort gewachten Zusage hervor, die Flagge wieder herausgeben zu wollen. — Wie bre „Dresdener Neuesten Nachrichten" von ihrem Prager Vertreter erfahren, hatten die Soldaten die Frechheit, mit ihren blanken Bajonetten die im Bett fitzende Frau Lxner zu bedrohen, so dah der Ehemann das Schlimmste besürchten mutzte. Mithin sind in der Tschechoslowakei fremde Staatsangehörige, sogar Frauen, nachts nicht einmal in ihrem Bett mehr sicher, und die völlig zügellose Soldateska kann schwer bewaffnet ganz nach Belieben gruppenweise schwerste Ungesetzlichkeiten begehen, ohne datz sie jemand daran hindert oder etwa gar versucht, die bei dem tschechischen Militär gezüchtete Hatzpsychose zu dämpfen. Wir haben hier schon in den letzten Tagen darauf hingewiesen, wie stark in den tschechischen Unisormträgern die Ueberzeugung sein muß, datz alle ihre Taten einschließlich schwerster Verbrechen bis zum Mord von den Prager Zentralbehörden unbedingt gedeckt werden. Wir wollen hier Einmal davon absehen, daß zu dem banditenmaßigen Auftreten der tschechischen Soldateska gegenüber schutz- und wehrlosen Zivilisten genau so wemg Mut gehört wie zu dem kriegerischen Rummel an der tschechischen Grenze, auf deren anderer Seite mcht die leiseste Spur eines Gegners vorhanden ift Wir wollen dafür um so klarer feststellen, daßi es nur zwei Möglichkeiten gibt: entweder die tschechische Regierung in Prag ist nicht mehr Herr chrer eig nen Untergebenen ober — sie steckt Mit den^Ehauvi- nisten aller Färbungen unter einer Decke. Der erste Fall würde bedeuten, daß es in der Tschechoslowakei keine verhandlungsfähige Regierung und außer Der Leitung der Sudetendeutschen Partei keine Autorität mehr gibt. Das würde staatsrechtlich eine ähnliche Lage ergeben wie in dem zur Zeit noch bolschewistischen Teil von Spanien. Im zweiten Fall, also bei der — offenen oder umschriebenen — Deckung aller tschechischen Derbrechen durch die Prager Regierung, stellt sich diese selbst außerhalb des Kreises aller völkerrechtlichen Begriffe und Verpflichtungen. Neue Grenzverletzung durch tschechoslowakisches Flugzeug. Anna berg (Erzgebirge), 2. 3uni. (VNB.) Eine neue Grenzverletzung durch ein Ifdjedjofloroa- kiiches Gcndacmerleslugzeug wurde am Donnerslag gegen 18.45 Uhr seslgeslelll. Es handelte (ich um einen Eindecker von dunkelblauer Aarbe der die tschechischen Hoheitszeichen und die Buchstaben OK trug. Um 18.45 erschien das Flugzeug über Königswalde, elwa 8 bis 10 Kilometer von der Gre uze, gegen 18.50 Ahr über LareuMn, Hammec-Unlerwiescutal. Es überflog die Grenze bei 0berw,esen. fal und flog in Richtung über den Keilberg nach St. Joachimslhal. Zirkus Sarrasani flieht aus der Tschechoslowakei. «Bien, 2. Juni. (DNB) In Wien trafen drei oüae des deutschen Zirkus Sarrasani em. Das Unter- Ahwen befand sich auf einer ®a(tfplelretfe durch die Tschechoslowakei. In verschiedenen tschechischen Städten setzte eine von jüdischen Drahtziehern genährte Boykotthetze unter der tschechischen Bevölkerung ein, so daß sich die Zirkusleitung, da d e r polizeiliche Schutz verweigert wurde, genötigt sah, das Land fluchtartig zu verlassen. Gewaltig ist der Schaden, den das deutsche Unternehmen dadurch erleidet, daß Polizei und Militär die Zirkuswagen und den Privatbesitz der 320 Angestellten und Artisten plündertest. Die Zirkuswagen wurden von 50 Mann, die bis an die Zähne bewaffnet waren, durchsucht. Alle Koffer und Kasten wurden aufgebrochen, die Stoffe wurden mit Bajonetten zerfetzt, und zahlreiche Gegenstände wurden g e - st o h l e n. Die Artisten haben teilweise nichts mehr gerettet als das, was sie am Leibe trugen. Die tschechische Mobilmachung bringt die sudetendeutsche Wirtschaft zum Erliegen Schwere Schäden sürdie sudetendeutschen Badeorte.-Detriebseinschränkungen und Gefährdung der Lebensmittelversorgung. Eger, 2. Juni. (DNB.) Der immer noch andauernde Kriegszustand im gesamten sudetendeutschen Gebiet, Die außerordentlich starke Belebung aller Orte mit Militär, die Sperrung zahlreicher Straßen und Brücken, durch die Umwege von vielen Kilometern notwendig sind, haben in den böhmischen Kurorten Karlsbad und Marienbad den größten Teil der ausländischen K u r g ä st e zur Abreise veranlaßt, da auch sie zahlreichen Belästigungen durch die provozierend und anmaßend auftretende tschechische Soldateska ausgesetzt waren. Die entstandenen Schäden und Ausfälle durch die Mobilisierung werden im sudetendeutschen Gebiet allein in den letzten 14 Tagen auf mehr als 50 Millionen Tschechenkronen geschätzt. Von den vielen tausenden Grenzgängern, die infolge des Niederganges der gesamten Wirtschaft im sudetendeutschen Gebiet seit 10 Jahren Arbeit im deutschen Grenzgebiet gefunden haben, ist ein sehr großer Prozentsatz auch weiterhin daran gehindert, der Arbeit in den reichsdeutschen Fabriken und Werken nachzugehen, weil die Behinderung des kleinen Grenzverkehrs und bei burch bie Straßensperren erzwungenen ungeheuren Umwege es ben Arbeitern unmöglich machen, zu ihren Arbeitsstätten zu gelangen. Der baburch entstehende Lohnausfall ist außerordentlich groß und zahlreiche sudetendeutsche Familien find, da von tschechischer Seite Unterstützungen nicht gezahlt werden, zum Hungern verurteilt. Auch eine ganze Reihe von Werken im sudetendeutschen Gebiet müssen Betriebseinschränkungen vornehmen und Arbeiter entlassen, weil durch die Belegung der Eisenbahnen mit Truppentransporten und die Sperrung zahlreicher Wege und Straßen die Zufuhr von Kohlen und Rohstoffen ausgeblieben ist. Da die Arbeitslosigkeit im sudetendeutschen Gebiet an sich schon ein Vielfaches der in dem tschechischen Gebiet beträgt und das Elend in einer ganzen Reihe von sudetendeutschen Städten schon jetzt geradezu unbeschreiblich ist, hat es den Anschein, als ob von tschechischer Seite alles darauf angelegt würde, Hungerunruhen im sudetendeutschen Gebiet zu provozieren, um einen willkommenen Anlaß zum Einschreiten gegen die Sudetendeutschen durch die tschechische Soldateska zu erhalten, die weiterhin anmaßend und provozierend auftritt und sich ohne jede Einschränkung wie im Feindesland benimmt. In einer Reihe von Orten sind bereits Lebensmittelverknappungen eingetreten, weil bie vorhandenen Lebensmittelbestände in erster Linie für das tschechische Militär in Anspruch genommen werden und erst in zweiter Linie die Bevölkerung versorgt wird. „Times" zur tschechischen Frage. Revision der Friedensverträge durch Rückgliederung der fremden Nationalitäten. London, 3. Juni. (Curopapreß.) Die spanische und die tschechoslowakische Frage stehen nach wie vor im Mittelpunkt des Interesses. Obgleich die Sitzung des Nichteinmischunasausschusses am Donnerstag durch das teilweise Zugeständnis der Sowjetunion die ursprünglich gehegten Erwartungen übertroffen hat, so zeigen sich doch bisher keine Anzeichen, die eine baldige Lösung für die spanische Frage versprechen. Die „Times" weist darauf hin, der Vorstoß Englands zur Beilegung des spanischen Krieges sei weder von nationalspanischer noch von sowjetspanischer Seite begrüßt worden; es seien auch keinerlei Anzeichen dafür vorhanden, daß bie kriegführenden Parteien ihre Meinung in nächster Zeit ändern würden. Das Blatt kommt dann auf die t s ch e ch os l o - wakische Frage zu sprechen, wobei es, angeregt durch die Dielen Zuschriften aus dem Leserkreis, darauf hinweist, die Schuld für die in der Tschechoslowakei entstandene Lage sei ausschließlich in den Friedensverträgen zu suchen, die sowohl die deutsche» als auch die polnischen und ungarischen Nationalitäten kurzsichtig einem ausländischen Joch unterworfen hätten, ohne dabei an die Folgen dieser unnatürlichen Eingliederung zu denken. Um der augenblicklichen Lage abzuhelfen, weiß die „Times" aber auch keinen anderen Rat als denjenigen, die ausländischen Nationalitäten an ihr Mutterland zurückzugliedern. Die „Times" wendet dann, nach Kompromissen suchend, ein, die Tschechoslowakei habe einen „so organisierten demokratischen und parlamentarischen Staat" ausgebaut, in dem die Sude- tendeutschen ein beträchtliches Element seien, die gegenwärtige Grenze sei von der Natur gezeichnet und außerdem stark befestigt, so daß sie eine stra- tegische Grenze geworden fei, auf ine bie Tschechen nur höchst ungern verzichten wurden, die Tschechoslowakei sei weiterhin eine gut ausbalancierte wirtschaftliche Einheit, die Deutschen seien die besten industriellen Arbeiter, die tschechoslowakische Regierung wolle sie nicht verlieren. Schließlich sei die gegenwärtige Grenze auch die historische Grenze usw. usw. Dann schließt das Blatt: Es war e i n Unrecht, daß diese Minderheiten m die Republik eingeschlossen worden sind, und dieses Nnrecht könnte auch beseitigt werden. -Die Nachbarstaaten, die aus rassischen Gründen em Interesse an ihren Blutsbrüdern nehmen, wurden sich dann selbst um sie zu kümmern haben und würden ieden An« spruch verlieren, sich in die Angelegenheiten der Tschechoslowakei einzumischen Es wurde eine dra- istische Entscheidung fein, aber etwas drastisches scheine notwendig zu sem, pariser Genugtuung über die englischen Dienstpflichtpläne. Paris, 2. Juni. (Curopapreß.) Die Erklärungen des englischen Ministerpräsidenten Chamberlain über bie Möglichkeit der Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht in England in Kriegszeiten haben auch in Frankreich starkes Interesse erweckt. Man zeigt sich sehr befriedigt darüber, daß der englische Verbündete allen Möglichkeiten „kühn entgegenschaue". Man glaubt mehr denn je die Ueberzeugung haben zu können, England sei der entschlossenste und treueste Verbündete Frankreichs. Das „Petit Journal" schreibt, die englische Regierung scheue vor keiner Verantwortung zurück. Der englische Ministerpräsident treibe eine realistische Politik und vergesse die ideologische Außenpolitik Edens. Frankreich könne sich über die von England eingenommene Haltung nur freuen. Der ,Lour" meint, die englische Regierung, die genauere Verpflichtungen übernommen habe, als bie allzu platonischen Verpflichtungen des Genfer Paktes, versetze sich in bie Lage, im gegebenen Augenblick ihrer Unterschrift auch treu bleibe n 3U können. Gewiß handele es sich nur am Pläne und noch nicht einmal um die Organisation der bewaffneten Nation in Kriegszeiten, wie dies Frankreich bereits in Erwägung gezogen habe, aber wie dem auch fei, durch die Erklärung des britischen Ministerpräsidenten habe das englische Bündnis für Frankreich einen bisher noch nicht erreichten Wert erhalten. Die „Epoque" schreibt, es sei besonders bemerkenswert, daß fast bie gesamte englische Öffentlichkeit, mit Ausnahme ber Arbeiterpartei, sich über bie schweren Gefahren ber Lage Rechenschaft ablege unb es billige, baß bie englische Regierung bereits in Friebenszeiten bie Maßnahmen zu einer raschen Mobilisierung bes Landes oorbereite. Freude im Hause Göring. Berlin, 2. Juni. (DNB.) Die Gattin des 2Ui- nisterpräsidenlen Generalfeldmarschalls Göring ist heule 13.40 Uhr von ihrem ersten Kinde, einem gesunden Mädchen, entbunden worden. Mutter und Kind befinden sich wohlauf. Das Töchterchen hat den Namen „E d ^a" bekommen. Intelligence Service. Obgleich es ein Widerspruch in sich ist, kann man doch sagen: der englische Geheimdienst hat es an den Tag „gebracht, baß Großbritannien ber eigentliche Urheber ber tschechischen Mobilmachung unb bamit jener gefährlichen Krise ist, bie von Prag aus ben europäischen Frieben bebrohen möchte. Dasselbe Englanb, das burch diplomatische Schritte und Presse-Kampagnen eine Kriegsschuldlüge gegen Deutschland konstruieren wollte, steht nun selber als Schuldiger vor dem Richterstuhl der Geschichte. Es hat durch seinen Geheimdienst die Prager Regierung davon unterrichten lassen, daß angeblich eine deutsche Truppenbewegung gegen bie Grenze stattfinde und bamit erst bie tschechische Aktion ausgelöst. Dies ist ber Stand ber Dinge, wie er burch ben französischen Journalisten Sauerwein bargestellt würbe unb an bem wir so lange nicht zweifeln können, bis ihn Lonbon burch einwandfreie Tatsachen widerlegt. Daß ber englische Gehe i m b i e n st bei ber ganzen Angelegenheit eine entscheidende Rolle gespielt hat, ist sehr interessant. Denn bieser Geheimbienst, in England „Intelligence Service" genannt, ist nicht irgendeine „freie" oder private Organisation, sondern eine Behörde, ein Instrument der Regierung. Für ben Geheimdienst werben schätzungsweise 100 Millionen Mark jährlich vom Staat ausgeworfen, woraus schon allein bie außerorbentliche Bebeutung biefes berühmten Amtes hervorgeht, bas schon so oft in entscheibenber Weise bie Weltpolitik beeinflußt hat. t/Der Intelligence Service kann auf eine große geschichtliche Vergangenheit zurückblicken. Aus jahr« hundertelangen Traditionen unb Erfahrungen hat er ein System herausgebilbet, bas ihm für feine Aufgaben bie besten unb fähigsten Kopfe zur Verfügung stellt. Der eigentliche Gründer bes Geheim- dienstes ist ber berühmte Kardinal WoIsey zur Regierungszeit Heinrichs VII. Später hat ihn bann Cromwell weiter ausgebaut, so baß sich bieser rühmen konnte, ber bestinformierte Staatsmann Europas zu fein. Im Kampfe gegen bie napoleonische Bündnispolitik unb bie Kontinentalsperre hat sich dann ber Intelligence Service besonbers be= wahrt, inbem er ber Londoner Regierung bie vorzeitige Kenntnis bes französisch-russischen Geheimvertrages von Tilsit vermittelte. Auch im Weltkriege spielte er selbstverständlich eine bedeutsame Rolle, wie mir aus dem Buche des Sir 'George A st o n wissen, der damals im englischen Nachrichten- und Spionage - Abwehrdienst verwendet wurde und seine Erinnerungen an diese Zeit veröffentlicht hat. Aston weist darauf hin, daß die kleine Abteilung für Nachrichtenwesen im Kriegsministerium, die mit der Entdeckung von Spionen beauftragt war, im Frieden nur 14 Kopfe zählte, daß sie aber bis Ende 1918 auf etwa 800 Mann anwuchs. Der Intelligence Service bedient sich selbstverständlich nicht nur eines Heeres von freiwilligen Helfern, die ihm alle möglichen Nachrichten zutragen, sondern er verfügt über eine eigene Elitetruppe von Agenten, die er nach einem besonderen Erziehungssystem ausbildet, lieber allem steht der moralische Leitspruch: „Ein guter Spion muß ein tapferer und wertvoller Mensch sein. Der Spion, der für sein Vaterland fällt, ist ein ebenso guter Soldat wie derjenige, der auf dem Felde der Ehre sein Leben läßt." Minderwertige Elemente und bloße Abenteurer kann En-glands Geheimdienst nicht gebrauchen. Es ist eine harte und opferreiche Schule, die der künftige Kundschafter durchmachen muß. Die Erziehung geschieht im sogenannten „Schwarzen ^d) I o ß" in Devonshire, einem prächtigen Gebäude, das idyllisch mitten in einem wohlgepflegten Park liegt. Ein Journalist, dem es einmal gelang, Zutritt zu dieser Schule zu erhallen, berichtet folgendes über seinen Besuch: Man muß ein gutes Stück durch stille englische Landschaft fahren, ehe man irgendwo droben in Devonshire plötzlich vor jenem burgartigen Schloß steht, das inmitten der Einsamkeit belebter ist als man diesen dunklen Türmen zumuten sollte. Hinter ben Mauern des Schwarzen Schlosses arbeiten ein paar Dutzend junge Menschen an sich. Sie unterstehen ber Führung erster Spezialisten auf bem Gebiete ber Spra- chenkunbe, des Sports, ber Chemie unb anderer unentbehrlicher Kenntnisse. Dem gewöhnlichen Sterblichen ist der Zutritt zum Schwarzen Schloß strengstens untersagt. Diese Schwelle passiert nur derjenige, den das britische Kriegsamt mit einem Spezialausweis ober einem vielfach gestempelten Empfehlungsschreiben versah. Wer Black Castle verläßt, ist ein, Meister. Im Durchschnitt bauert bie Ausbildung eines solchen Agenten, der entweder aus bem Kreise ber jungen Offiziere ober aber aus ber Mitte hervorragend begabter Stubenten gewählt wirb,, vier Jahre. Ein günstiges Geschick erlaubte uns, einen solchen Lehrplan zu Gesicht zu bekommen. Er nennt für bie ersten 18 Monate als erstes Fach Körperausbildung. Die Unterabteilungen lauten: Leichtahletik, Boxen, Ringen, Schwimmen, Schießen unb Fechten. Der so gestählte Körper wird in der Folgezeit in bauerndem Training erhalten. Aber ber Lehrplan wechselt allmählich zu anberen Dingen über." Es gibt kaum eine Fertigkeit, ■ bie ber britische Geheimagent nicht beherrschen müßte. So lernt er denn in der Folgezeit auch verschiedene Sprachen, er lernt tanzen und Bridge spielen, er lernt zeichnen und photographieren, er eignet sich die Grundlagen der Militärwissenschaft an und wird in bie- Geheimnisse der Chemie eingeweiht, um verborgene Schriften ebenso wie Chiffre-Systeme enträtfeln zu können. Das sind nur einige Eigenschaften und Kenntnisse, die die Männer bes Intelligence Service besitzen müssen. Aber bie Ereignisse bes 20. Mai 1938 zeigen, daß von allen diesen guten Eigenschaften auch ein recht schlechter Gebrauch gemacht werden kann.,, D. t Englands Warenvorräte für den Kriegsfall. London, 2. Juni (Europapreß.) Die Vorbereitungen der englischen Regierung für die Sicherstellung der Nahrungsmittelzufuhr im Kriegsfälle führten am Donnerstag zur Einbringung einer Vorlage im Unterhaus, durch die das Wirtschaftsministerium ermächtigt werden soll, wichtige Nahrungsmittel in unbeschränktem Umfange und in einer ihm richtig erscheinenden Weise aufzustapeln. Die Vorlage sieht ein Berka u s s v e r b o t für den Fall vor. daß die aufgestapelten Nahrungsmittel zu einem späteren Zeitpunkt auf einmal auf den Markt geworfen werden und dadurch ein Ueberangebot mit ungünstigen Preisentwicklungen Hervorrufen könnten Der Mini- ster erklärte, daß vor allem Weizen Zucker und Walfischöl aufgestapelt werden sollen. Es handle sich lediglich um Vorsichtsmaßnahmen für den Fall, daß England während eines Krieges vorübergehend die Herrschaft zur See verliere oder daß seine Nahrungsmittelversorgung vorübergehend durch Luftangriffe unterbrochen werde. 2,5 Millionen Pfund Zusahprogramm für die englischen Tlottenrüstungen. London, 2. Juni. (DNB.) Die zusätzlichen Vorschläge für den Marinehaushaltsplan belaufen sich auf 2 410 500 Pfund. Don dieser Summe entfallen 177350 Pfund auf Neubauten im Jahre 1 938. Letztere umfassen zwei Schlachtschiffe, sieben Kreuzer, ein Flugzeugmutterschiff, drei U-Boote, ein Zerstörerdepotschiff ein U-Bootdepotschifs, ein Flugzeugreparaturschiff, drei Minenleger, zwei Kanonenboote, sieben Motorschnellboote, vier Leichter (für allgemeine Dienstzwecke) sowie eine Anzahl kleinerer Hilfsfahrzeuge. Außerdem sieht das Programm den Ankauf des Wasserflugzeug- Mutterschiffes „Albatros" von der auftra- lifchen Regierung vor Mit diesen zusätzlichen Ausgaben beläuft sich jetzt der Voranschlag für das Flottenbauprogramm 1938 auf 56 479 440 Pfund, was eine Erhöhung um 1 484700 Pfund im Vergleich zum Vorjahr bedeutet Oie Bolschewisten setzen im Ttichteinmischungsausschuß ihre Berzögerungetakist fort. London, 2. Juni. (DRV.) Im Nichtein- Mischungsausschuß erklärte der sowjetrussische Geschäftsträger Kahan (Kohn), die Sowjetregierung sei bereit, ihre bisherigen Vorbehalte gegenüber der Auszählungsmethode der Freiwilligen aufzugeben und die vorgeschlagene Einteilung in vier Haupt- kategorien entsprechend dem britischen Plan anzunehmen. Die Sowjetregierung habe auch nichts gegen den vorgeschlagenen Zeitpunkt der Kontrolle einzuwenden, vorausgesetzt, daß wenn nach Ablauf von 30 lagen und 10 Tagen weiterer Karenzzeit die Zurückziehung der Freiwilligen nicht begonnen habe, die Kontrolle automatisch wieder aufhören und keine weiteren Verlängerungen der Kontrolle unter keinem Vorwand stattfinden sollen. Die Sowjetregierung müsse jedoch Eategorifd) darauf bestehen, daß die Kontrolle zu Lande und zur See verstärkt und wirksam gemacht werde. Gleichzeitig wiederhole die Sowjetregierung den Vorschlag, daß internationale Beobachter ständig in den spanischen Häfen sein müssen. Nur unter diesen Bedingungen seien die letzten britischen Vorschläge annehmbar. Die sowjetrussischen Vorschläge bedeuten, daß die Sowjetregierung neue Schwierigkeiten macht, die ein weiteres Hinauszögern der Ärbeiten des Nicht« einmischungsausschusies mit sich bringen. "Nach längeren Auseinandersetzungen, in denen die Haltung Kahans (Kohns) einer scharfen Kritik unterzogen wurde, vertagte sich der Ausschuß bis nach den Pfingstfeiertagen. Bis dahin sollen die Mächte zu der sowjetrussischen Forderung Stellung nehmen. Zuspitzung der Sandschak-Frage. Neuer türkischer Schritt in Paris. Paris, 3. Juni. (Europapreß.) Die Sandschak- Frage gibt in Paris zu starken Besorgnissen Anlaß. Ein neuer Schritt des türkischen Botschafters in Paris, Suad Davas, bei Außenminister Bonnet hat Bestürzung hervorgerufen. Der Botschafter hat eine Note seiner Regierung über die jünßften Zwischenfälle im Sandschak-Gebiet überreicht. Die türkische Regierung beklagt sich heftig über zahlreiche Ueberariffe, Deren Opfer türkische Staatsangehörige im Sandschak-Gebiet aewesen seien. Die französische Regierung möge sofort die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um ähnliche Zwischenfälle künftig zu vermeiden. Der französische Außenminister hat den französischen Botschafter in Ankara und den französischen Oberkommissar in Syrien telegraphisch angewiesen, ihm Bericht 31^ erstatten. In Paris spricht man die Befürchtung aus, daß die Türkei zum Schutze ihrer Staatsangehörigen im Sandschak- ©ebiet einschreiten könnte. Der französische Außenminister hat deshalb die Behörden in Syrien und im Sandschak-Gebiet angewiesen, alle Maßnahmen zu treffen, damit die Wiederholung von Zwischenfällen vermieden und der Türkei fein Vorwand zum Einschreiten gegeben werde. Oie zweite Schiacht an der Lnnghai-Vahn. Kihsien von den Japanern erobert. Schanghai, 3. Juni. (Europapreß.) Die Japaner haben am Donnerstag in der seit Tagen in der Provinz Honan, dem Gebiet der Lunghai- Bahn, entbrannten Schlacht nach schweren Kämpfen, die die ganze Nacht andauerten und bei denen auch die Luftwaffe eingesetzt wurde, die befestigte Stadt Kihsien erobert. Gleichzeitig gingen sie auch weiter südlich vor und überschritten die Grenze zwischen den Provinzen Anhwei und Honan und besetzten die Stadt Luyi. Die Eroberung von Kihsien bedeutet den Durchbruch durch die äußere Verteidigungslinie von Kaifeng, in dessen Umgebung, wie die Japaner behaupten, die Chinesen die Hauptschlacht vorbereiten. Am Donnerstagabend meldete man auf japanischer Seite bereits' einen allgemeinen Rückzug der chinesischen Truppen nach Westen mit Ausnahme der nördlich der Lunghai- bahn, insbesondere bei Sanyichai, neun Kilometer nordwestlich von Lanfeng stehenden, erst kürzlich verstärkten chinesischen Truppen. "Ein neuer Versuch der Japaner, die Verbindung mit der abgeschnittenen Division unter Führung Generals Doiharas aufzunehmen, wurde am Freitagmorgen unternommen. Es soll den Japanern gelungen fein, den Gelben Fluß in der Höhe von Tschenlinkau zu überschreiten. Dagegen ist den japanischen Truppen in der Anhwei-Provinz heftiger Wider st and geleistet worden, als sie sich anschickten, die Stadt H 0 f e i einzunehmen. Bis zu den Mittagsstunden des Freitags soll es ihnen nicht gelungen sein, in Schußweite an die Stadt heranzukommen, da die Chinesen die Stadt mit letzter Kraft verteidigen. Aus chinesischer Quelle verlautet, daß es den in der Schansi-Provinz stehenden chinesischen Truppen gelungen sei, in den letzten zwei Wochen zehn Orte im südlichen Teil der Provinz zurückzuerobern. Namen wurden allerdings nicht bekanntgegeben Gras Gano über den Osterakkord mit England. »Anerkennung Der gegenseitigen historischen Position." Rom. 2. Juni. (DNB.) Der zweite von dem Institut für auslandsaußenpolitische Studien veranstaltete Kongreß unter dem Vorsitz von Staatsminister Pirelli ist in Mailand in Anwesenheit Keiner Kgl Hoheit des Grafen von Turin vom italienischen Außenminister Graf C i a n 0 eröffnet worden „Das faschistische Italien", so erklärte Graf Ciano, „das dem Grundsatz der Achse Rom- Berlin treu ist, wird fortfahren, eine Politik enger Zusammenarbeit und tiefgehenden Einvernehmens mit dem nationalsozialistischen Deutschland durchzuführen Diese Freundschaft ist in schweren Stunden erprobt und verstärkt worden. Heute bildet zusammen mit der Gemeinsamkeit der Ideale und Interessen die gemeinsame Grenze für die beiden jungen Nationen und die beiden alten Völker einen neuen Grund des Verstehens, der Solidarität und der gegenseitigen Achtung. Die italienisch-deutsche Soli- Parität trat zum ersten Male in Erscheinung, als die beiden Länder zusammen entschlossen gegen den Angriff Stellung nahmen, den der Bolschewismus an einem Ende Europas unternommen hatte, indem er in Spanien das Sprungbrett für eine noch weitgehendere Aktion der moralischen und sozialen Zersetzung des Abendlandes zu scharfen versuchte. Der Aktion gegen den Bolschewismus habe sich das starke und edle japanische Volk angeschlossen. englische Ministerpräsident in feiner mutigen und offenen Unterhausrede bei der Vorlage des mit dem Italien Mussolinis geschlossenen Abkommen bewiesen. Die Worte des, hervorragenden Staatsmannes hätten im italienischen Volk tiefen Widerhall gefunden Sie seien ein Beweis für die Absichten, die Neville Chamberlain und sein Mitarbeiter Lord Halifax bei ihrem Werk der Klärung und Versöhnung gehegt hätten. Die italienisch-englischen Abkommen hätten den Vorteil, den Boden von den Resten der Vergangenheit gesäubert und die Beziehungen zwischen den beiden Imperien auf eine Grundlage der Klarheit und Der Aufrichtigkeit ge - st e l l t zu haben, die die einzige sei, auf der Heber- einkommen zwischen Nationen dauerhaft und fest sein könnten Nichts sei gefährlicher als Abkommen zu schließen, die sich unter vergänglichen Kompromissen, Mißtrauen und geheimen Absichten verbergen Es sei nicht im Stile des faschistischen Jtalens, in politische Kombinationen dieser Art einzutreten. Es liege auch in niemandes Interesse, vor allem nicht im Interesse des Friedens, der, um dauerhaft zu sein, nicht auf dem brüchigen Gewebe diplomatischer Abkommen aufgebaut werden könne, sondern die Anerkennung der gegenseitigen historischen Position verlange. Dies seien die Elemente, die den italienisch-englischen Abkommen Kraft und Leben verleihen. Eine Bahnung an Frankreich. Die italienische Presse zur Rede Cianos Die Arbeiten des Kongresses würden in Italien die Kenntnis außenpolitischer Fragen vertiefen, jenseits der Grenzen aber das Wesen der italienischen Probleme, die nur allzuoft mißverstanden und verfälscht würden, klarstellen Man könne kein Werk, das dauerhaft und fruchtbar sein solle, zu Ende führen, ohne es aus der Erkenntnis der neuen Realitäten, die die Geschichte dauernd schaffe, aufzubauen. Eine solche Erkenntnis habe der Rom, 2. Juni. (Europapreß.) In politischen Kreisen will man aus den Erklärungen Cianos heraus, zusammen mit der von ihm erhobenen Forderung nach gegenseitiger Anerkennung und Achtung der geschichtlichen Stellungen eine MahiU nung an Frankreich herauslesen, die Der-1 Handlungen mit Italien in dem gleichen aufrichti- 1 gen und in einem den gegebenen Totsachen Rech- 1 nung.tragenden Geiste mit dem gleichen europäischen 1 Willen zur Zusammenarbeit weiterzuführen, wie : seinerzeit die Engländer. So schreibt „Giornale | d'Jtalia", dos imperiale Italien verfolge heute eine imperale Politik, die ihm das Recht z gebe und es ihm zur Pflicht mache, in allen großen Fragen Europas und der Welt m i t z u r e d e n. Die Richtung der italienischen Außenpolitik werde unabänderlich festgelegt durch" die deutsch-italienische Solidarität, die durch die europäischen Ereignisse bis hin zur direkten Grenznochbarschaft zwischen den beiden Nationen nur noch wertvoller und vielseitiger gestaltet worden sei. Wie oft müsse man noch wiederholen und durch Tatsachen belegen, daß Italien keine politischen Abmachungen mit anderen Volkern annehmen könne, die außerhalb ober im Gegensatz und zur Wirklichkeit der Achse Berlin—Rom stehen mürben. Das pariser Wo. Paris, 3. Juni. (DNB. Funkspruch.) Jour sieht zwei Tendenzen in der Rede Cianos: Der feste Wunsch Italiens weiterhin eng mit Deutschland zusammenzuarbeiten und die Entschlossenheit Roms, überall und mit allen Mitteln gegen den Bolschewismus zu kämpfen. Man könne feststellen, daß das vollkommene Schweigen des italienischen Außenministers über die französisch-italienischen Beziehungen Darauf schließen müsse, Daß Die Ver- hanDlungen zwischen Rom und Paris fürs erfte nicht wieder auf genommen werden mürben, zum mindesten nicht, solange Frankreich nicht klar und deutlich gezeigt habe, daß es das Spiel Moskaus nicht mehr mitmache, Rom scheine der Ansicht zu sein, daß ein Abkommen mit einer Regierung, die Gefangene der Volksfront sei, keinen Sinn habe. Der Frieden könne nur ehrlich und dauerhaft mit einem n a t i 0 n a • I e n Frankreich geschlossen merben. Der bem Quai d'Orsay nahestehende „Petit Parisien" ist ebenfalls der Ansicht, daß man für den Augenblick nicht an eine Wiederaufnahme der französisch-italienischen Besprechungen denken könne. — Das „Journal" sagt: Man müsse Die höflichen Worte an Die Adresse Englands ermähnen, die vom italienischen Außenminister sicherlich mit dem Ziel gesagt morden seien, um einen Unterschied zwischen der Politik Großbritanniens und derjenigen Frankreichs zu machen. Der Plan der französisch-italienischen Verhandlungen müsse Der „Realität Der Achse Rom— Berlin" Rechnung tragen. - Die Wetterführung des Vuuprogramms in der Reichshanptstadt Oer Große Stern im Tiergarten wird „Forum des Zweiten Reiches". Das Modell für bas neue Verwaltungsgebäude des Deutschen Gemeinbetages. — (Scherl-M.) I Berlin, 3.Juni. (DNB.) Die Durchführungsarbeiten zur baulichen Neugestaltung Berlins» Die mit bem Bau b e r O st - W e st - A ch s e, mit dem Beginn des Neubaues der Wehrtecknischen Fakultät irn Bereich Der neuen Hochschulstabt, mit der Verbreiterung der Doßstraße, Dem Neubau der Reichskanzlei und dem Abbau der Siegessäule bereits in vollem Gange sind, werden nun durch die gleichzeitige Inangriffnahme einer Anzahl größter Ein- jelarbeiten um ein Vielfaches erweitert. Mit der Inangriffnahme folgender Arbeiten wird am 14. Juni die Durchführung der Planung fortgesetzt: Arn Schnittpunkt der Nord-Süd-Achse mit Der Potsdamer Straße, Dort roo Der neue Rundplatz mit einem Durchmesser von 210 Meter entsteht, wird auf Dem niedergelegten Baublock Potsdamer, Margarethen- und Viktoriastraße der Grundstein zum Haus des Deutschen Fremdenverkehrs und damit zum ersten großen Neubau an der neuen Nord-Süd-Straße gelegt. Die völlige Neuordnung des gesamten Berliner Reichsbahnnetzes beginnt mit der Aufnahme der Arbeiten an Drei Baustellen: am Königs- Platz mit Dem Bau Der norD-süDlichen U-Bahnlinie Der Reichsbahn, in Großbeeren mit Dem Neubau eines Verschiebebahnhofes als Ersatz für Den jetzigen alten Verschiebebahnhof Tempelhof und mit Dem Neubau Des Abstellbahnhofes T e m p e l h 0 f als Ersatz für Den jetzigen Abstell, bahnhof Papestraße. Mit diesen Arbeiten wird zugleich die praktische Voraussetzung für die spätere Einlegung des Südbahnhofes und des Nordbahnhofes geschaffen. An drei Baustellen wird mit den Tiefbauarbeiten für die nord-südliche Untergrundbahn in der neuen Achse begonnen: am Königsplatz, am Kreuzungspunkt der Nord-Süd- Achse mit der Charlottenburger Chaussee und in Tempelhof. Ein Spreedurchstich am Königsplatz ermöglicht nach Fortfall des bisherigen Spreebogens den 1000-Tonnen-Kähnen des Mittellandkanals hier freie Durchfahrt. An Der Kreuzung Charlottenburger Chaussee-bisherige Siegesallee wirD mit Der umfangreichen Tunnelanlage, Die Den Kreuzungsverkehr Der beiDen Achsen bewältigen soll, begonnen. Es wirD mit Dem Versetzen Der Denkmäler Der Siegesallee nad) Der jetzigen Großen-Stern-Allee im Tiergarten begonnen. Zum Haus des Deutschen Ge- meinöetages, dem ersten größeren neuen Bauwerk der Ost-West-Achse zwischen Bahnhof Tier- garten und Charlottenburger Brücke, wird Der Grundstein gelegt Der Große Stern im Tiergarten her durch Die Vergrößerung feines Durchmessers auf 200 Dieter und die Jleuaufffeüung der erhöhten Siegessäule zu einem der repräsentativen Plätze der Reichshauptstadt wird, soll durch Die Ausgestaltung seiner engeren und weiteren Umgebung Darüber hinaus zum Forum des Zweiten Reiches werden. Während die bisher dort aufgestellten Jagdgruppen an verschiedenen Stellen des Tiergartens eine neue Stätte finden, sollen an der Rordseite des verbreiterten Rundplahes die Denkmäler Roons, Moltkes und vismarcks zur Aufstellung kommen, die jetzt auf dem Königs- Platz stehen. Auch die Denkmäler der Siegesallee werden ihren Standplatz wechseln; denn die jetzige Siegesallee wird als Teil der Nord-Süd-Straße erheblich verbreitert. Ein Zurücksetzen in Die neue Straßenflucht würDe Die Denkmäler, Die schon heute Durch Den Fährverkehr stark getrennt sinD, noch weniger räumlich zusammenwirken lassen unD Damit Den früheren parkartigen Charakter Der Allee endgültig zerstören. Es ist daher für die Denkmäler e i n Parkweg des Tiergartens gewählt wor- Den, Der sowohl von jedem Fährverkehr frei bleibt, als auch auf den Großen Stern zuführt und diesem Damit eine noch größere Bedeutung als Ehrenplatz des Zweiten Reiches verleiht. Die Große- Stern-Allee, der von Südosten auf den Rund- platz Der Siegessäule führende Weg, soll Die neue Siegesallee werDen. Hier werden die Denkmäler Der Siegesallee weiter in sinngemäßer räumlicher Verbindung mit Der Siegessäule bleiben. Da sowohl Die Siegesallee als auch die Sieges« fäule zusammen mit den anderen Denkmälern des Konigsplatzes historische Baudokumente des Zweiten Reiches darstellen, besteht für uns die Verpflichtung, diese Denkmäler für die Zukunft zu erhalten. Dabei ist es gleichgültig, daß Der Wert der Denkmäler im einzelnen heute stark umstritten ist. Aus dem gleichen Grunde werden auch die Torbauten der Charlottenburger Brücke, die beim Bau der Ost-West-Achse vorübergehend abgetragen werden mußten, als Bauzeugen einer historischen Vergangenheit w i e d e r e r r i ch t eck. Die ersten Aeubaisten. Oa- neue Verwaltungsgebäude des Deutschen Gemeindetages. erste Land, das der Gastlichkeit einen Palast errichtet. Der Bau erhält seine Vorderfront auf der West- feite bes grofjen Rundplatzes, dem Stadtinnern zu- gekehrt. Diese halbrundförmige Vorderfront har eine Länge von 106 Metern, während die frontale Ausdehnung der Rückseite etwa 200 Meter beträgt -Jt?Up.tmerfmaIe bes Baues sind Die das Erdge- Motz einfassenden Bogengänge und die Riesenfen- Obergeschosses, hinter denen sich in hundert JJleter Lange Die großen Säle erstrecken. Der größte Raum Des GebäuDes wirD Der Tagunqs-und u e ft f a a I sein, in Dem 1600 Personen Platz fin- Den können. Das ErDgeschoß hat für Ausstellungs- Zwecke Auskunfterteilung unD Reisebüroschaltee ^00 Quadratmeter Raum. Auch eine weiträumige JSaftftatte ist hier vorgesehen, ferner ein Mull er p 0 st a m t und ein Raum für wechselnde Ausstellungen der Reichspost. Eine zweite Gaststätte volkstümlichen Stils wird im Keller zu gemütlichem Verweilen einladen. Für die Gefolgschaft ist im Dachgeschoß eine Kantine mit Wirtschaftsräumen für etwa 1000 Personen vorgesehen. Die Pläne und Entwürfe haben unter JBetreuuna durch Den Gene- Das neue VerwaltungsgebäuDe Des Deutschen Gemeinbetages an Der Ost. West-Achse in Charlottenburg, zu Dem Der Grundstein gelegt werden soll, wird bei einer Frontlänge non 260 Metern neben 3000 Büroräumen einen großen Saal für 600 Personen und mehrere kleine Sitzungssäle umfassen Der mit Granitplatten bedeckte Ehrenhof des Hauses öffnet das Gebäude zur Oft-West-Achse hin. Vom Ehrenhof gelangt man in eine große Vorhalle. Hier schließt sich eine Trep- penanlage aus Kunststein mit massivem Geländer an. Die Architektur weist eine klare ulld ruhige Linienführung mit reicher Profilierung auf. Vor der tanggestreckten Front an Der Berliner Straße wirD ^^tUcher See entstehen, Der von gärtnerischen L-chmuckanlagen umgeben sein wird. Den Bauplatz bestimmte der Generallnspektor für die Reichshauptstadt, Prof. Speer, während der Entwurf unter dessen ständiger Betreuung von den Architekten Stadtbaurat Prof. Dr. E 1 k a r t (Hannover) und ;öiplomingenieur Sch 1 empp (Berlin) stammten. D>e Bauzeit ist auf anderthalb Jahre berechnet. as Haus des Deutschen Fremdenverkehrs roirb , y nrrourTe oaoen unter Betreuung hurrh him (Rene- ”. bbe5 P,atz-- auf dem geatzen j ralbauinfp'ttor fßrof Speei M "lÄen Ä- hi»ntah™r'bem. l bahndirektor Hugo Rö t tch e r unb Reichsbahnbau- die Potsdamer Straße treibt DeutlchlanL H Das * Tjcü DterLswLiLH MaUet, Ls E wird Der ® । 15 W baulnspett ffleupfland sernwa Anlegung höhen u Spiel- weitaus । «ubrin öffentliche Walds wie do Eine 9 umfassen! etwa 20k Mischwal Laufe bei beanfprud Zeilen bei ®alb ift et nen Teile Zuführung steht die i Spiel« um zu Der sucher dies genben Wl die Forder gestellt hat den Trünc stadt, dem machen, D lungsstö soll. den :A vorauf schuß W werbe D* deutschen di-,d-u' bilclub v statten' L JU15. des 2 Weimi schluß der dem Appe Am Aden! illuminiert statt. Gau HI.-Führe daß dieses meinschast Arbeitserc kündigte ' wiederum stattsindei Bei Berit wird eine reichischen Verordnu! Beamtens, in gleichet 1933 im : eng an d Ausscheide politisch u: Arbeitern sonderen 2 tragen wi das Bern Charakter, statthalter nahmen fir durchzufich. Klein Fü Mskanzl Weltkrieg, Der Präs Aecht, A Bnlaß der < demie an j t“n9 der Y Wen in L^chsstatti Dekan der Mt 3 General p nannt. W entfÄ die dusicheidend neUrs gehn, K gekom ^nrniür*!rA des Deutschen Fremdenverkehrs voraussichtlich untergebracht werden der Reichsaus- l?ub für Fremdenverkehr, der Reichsfremdenver- kehrsverband' die Reichsoerkehrsgruvve, Hilfsge- uH*?65 m5-ftcl)r,5,?ie Rrichsbahnzentrale für den Üte*?e®,eOerte?r' bas Reichsbahnwerbeamt, h rrb.h ^m^9re65enJ.rale' ^r Deutsche Automo. gx»!U& und die Wirtschaftsgruppe Gaststatten- und Beherbergungsgewerbe. 3n 15 Zähren ein neuer Grünewald. Sterbender Kiefernforst wird zu lebenskräftigem Mischwald. neu u1? im Laufe der nächsten 15 Jahre umgestaltet. Die Planung des General- baulnspektors, Professor Speer, weist umfassende Neupflanzungen durch Durchsetzung des Kiefernwaldes mit Laubbäumen vor, die Anlegung neuer Wanderwege über die ^oyen und am Hafenufer, die Schaffung von Spiel- un d Erholungsplätzen und eine weitaus bessere Verkehrserschließung durch neue Erstraß en, Parkplätze, Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und ähnliches. Das Wald gebiet selbst bleibt dem Auto nach wie vor verschlossen. Eine Reihe schwerwiegender Gründe war für die umfassende Neugestaltung maßgebend: Der vor etwa 200 Jahren als Ersatz für den abgeholzten Mischwald neu angelegte Kiefern forst hat im Laufe der Jahrzehnte den Boden derartig einseitia beansprucht daß das Wachstum in den größten Teilen des Waldes heute still steht. Der Grünewald ist em sterbender Wald. Die landschaftlich schönen Teile sind kaum erschlossen, es fehlen Zufuhrungsstraßen und Parkplätze, und schließlich steht die Zahl der zweckmäßig angelegten Sport-, Spiel- und Erholungsplätze in keinem Verhältnis zu der heute immer größer werden Zahl der Be- fucher dieses größten im Stadtgebiet Berlins liegenden Waldgeländes. Von diesen Tatsachen gehen ri Forderungen aus, die der Generalbauinspektor gestellt hat, um aus dem größten zusammenhängenden Grunareal in nächster Nähe der Reichshauptstadt, dem sterbenden Kiefernforst, einen Wald zu machen, der in Zukunft eine ideale Erholungsstätte für die Berliner Bevölkerung sein Ausklang des Reichsführerlagers der HI. Weimar, 2. Juni. (DNB.) Nach dem Abschluß der Vorträge in der Weimarhalle wurde auf dem Appellplatz die Lagerfahne feierlich eingeholt. Am Abend fand auf dem festlich geschmückten und illuminierten Marktplatz eine Abschiedskundgebung statt. Gauleiter Sauckel verabschiedete sich von den HJ.-Führern. Stabsführer Lauterbacher betonte, daß dieses dritte Reichsführerlager die Idee der Gemeinschaft und Kameradschaft bestärkt und gute Arbeitsergebnisse gebracht habe. Der Stabsführer kündigte an, daß wahrscheinlich in zwei Jahren wiederum ein Reichsführerlager der HI. in Weimar stattfinden werde. Neuordnung des österreichischen Berufsbeamtentums. Berlin, 2. Juni. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt wird eine Verordnung zur Neuordnung des österreichischen Berufsbeamtentumes veröffentlicht. Die Verordnung dient der Umstellung der österreichischen Beamtenschaft auf den nationalsozialistischen Staat in gleicher Weise wie das Berufsbeamtengesetz von 1933 im Altreich. Sie lehnt sich in ihrem Aufbau eng an dieses an und ermöglicht vor allem die Ausscheidung von jüdischen, jüdisch versippten und politisch unzuverlässigen Beamten, Angestellten und Arbeitern des öffentlichen Dienstes, wobei den besonderen Verhältnissen in Oesterreich Rechnung getragen wird. Die Verordnung hat, wie seinerzeit das Berufsbeamtengesetz, vorübergehenden Charakter. Ihre Durchführung obliegt dem Reichsstatthalter in Oesterreich. Die vorgesehenen Maßnahmen sind längstens bis zum 31. Dezember 1939 durchzuführen. Kleine politische Nachrichten. Der Führer empfing am Donnerstag in der Reichskanzlei den österreichischen Heerführer aus dem Weltkrieg, General Krauß. * Der Präsident derAkademiefürDeutfches Recht, Reichsminister Dr. Frank, berief aus Anlaß der Eröffnung der Gaftvortragsreche der Akademie an der Universität Wien und der Elngliede- rung der Gesellschaft für Rechts- und Staatswissen- schaften in die Akademie für Deutsches Recht den Reichsstatthalter Dr. Seyß-Jnquart und den Dekan der Juristischen Fakultät Prof. Dr. Schoen - b a u e r zu Mitgliedern der Akademie für Deutsches Recht. Der japanische Generalleutnant I t a g a k i wurde nach einer Audienz beim Kaiser und nach Unterredungen mit Fürst Conoe, dem Chef des Generalstabes Kanin sowie dem bisherigen Kriegsmimster General Sugijama zum Kriegsminister ernannt. Nach einer zweiten Operation starb in Kingston der Gouverneur von Jamaika, Sir Ed- ward Denham. Er hat den Posten seit 1934 be- kleidet, nachdem er vorher im Kolomaldlenst höhere Pasten innegehabt hatte. Die Zeitungen weisen darauf hin, die unruhig- Lage in Jamaika habe einen entscheidenden Einfluß aus di-,Krankheit des Gouoer- neurs gehabt. # Nach noch unbestätigten Meldungen soll es bei Santa Rosa in der Provinz El Oro wegen Grenz- streitigkeiten zu Z u f ° m m - n st aß e n zwischen eruadorischen und peruanischen T r u p p e n gekommen sein. Die Verluste der ecuadonschen Truppen werden mit 500 Mann angegeben^^^^^^ Der Blutorden großer Kampforden der nationalsozialistischen Erhebung. Unser Bild zeigt die beiden Reliefs des Blutordens der Bewegung, den der Führer im x November 1933 anläßlich der Zehnjahresfeier der ersten Erhebung den daran aktiv beteiligten Kämpfern der SA., der Reichskriegsflagge und des Bundes Oberland verliehen hat. Die Auszeichnung wird an einem roten, schwarz-weiß geränderten Bande am Knopfloch der rechten Brusttasche getragen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Berlin, 2. Juni. (DNB.) Der Führer hat folgende Anordnung erlassen: „3m Kampf um das Großdeulsche Reich wurden Hunderte ermordet, viele Tausende verletzt und in die Kerker geworfen. Diese mutigsten, opferbereitesten und tapfersten Männer der Bewegung sollen für immer unseren Nachkommen leuchtendes Vorbild fein. Am dem auch sichtbaren Ausdruck zu geben, verfüge ich: 1. Der bisher für die aktive Teilnahme am 9. November 1923 verliehene Blutorden zvird nunmehr auch an solche Parteigenossen verliehen, die im alten Reich und in bett österreichischen Gauen im Kampf für die Bewegung a) zum Tode verurteilt, dann zu lebenslänglichem Kerker begnadigt wurden; b) Freiheits- bezw. Kerker strafen (auch in österreichischen Anhaltelagern) von mindestens einem 3ahr verbüßt haben; z c) besonders schwer verletzt wurden. 2. Der Blutorden bleibt nach dem Tode des Trägers in Familienbefih. 3. Der Reichsschahmeister der NSDAP, ist für die Bearbeitung aller Blutordensangelegenheiken zuständig. Die Verleihung des Blutordens erfolgt durch mich auf Antrag des Reichsschahmeisters. 4. Die notwendigen Ausführungsbesiimmungen erläßt der Reichsschahmeister der NSDAP. München, den 30. 5. 1938. (gez.) Adolf hitler.- * Der Blutorden der nationalsozialistischen Bewegung wurde seinerzeit durch den Führer gestiftet. um jene Männer zu ehren, die am 9. November 1923 an seiner Seite standen. Infolgedessen sind auch nur 1500 Orden an die Teilnehmer der nationalsozialistischen Erhebung zur Ausgabe gelangt. Zwischen damals und heute liegt jedoch eine Zeitspanne, die reich an Opfern der Bewegung Adolf Hitlers ist. Unzählige haben im Kampfe gegen den Marxismus ihr Leben eingesetzt. Unzählige haben ihr Bekenntnis zum Nationalsozialismus mit langer Freiheitsberaubung oder dem Verlust chrer körperlichen Gesundheit büßen müssen. Diesen Kämpfern für den Sieg des Nationalsozialismus wird nun ebenfalls der Blutorden verliehen werden, der damit weit über seine ursprüngliche Bedeutung hinausgeht. Er wird jetzt zu einer Auszeichnung, die nicht nur die Erinnerung an schwere Zeiten in sich schließt, sondern vor allem eine Höch st e Anerkennung für die gebrachten Opfer bedeutet. Tausende und aber Tausende, die eine schwere Leidenszeit durchmacken mußten, dafür aber auch einen um so Herrlicheren Sieg erranaen, werden künftig den Kampforden der nationalsozialistischen Bewegung tragen. Und auch die Männer, die in Oesterreich zu dem Tode am Galgen verurteilt wurden, die Tausende, die für ihre Ueberzeugung in die Anhaltelager des schwarz-gelben Systems gingen, waren durch ihren Mut, ihre Haltung und'Gesinnungstreue die besten Propagandisten der deutschen Sache. Durch ihre Opfer, durch das Leid, das man ihnen und ihren Familien angetan, trugen sie dazu bei, daß Oesterreich in entscheidender Stunde seinen Weg ins Großdeutsche Reich gefunden hat, ohne daß auch nur ein Schuß abgegeben zu werden brauchte. Das Verdienst jener Männer, die selbstlos alles einsetzten, wird nunmehr in besonders sinnfälliger Weise ausgezeichnet. Kunst und Wissenschaft. Hans von Wolzogen f. In seinem Bayreuther Heim st a r b einer der letzten Getreuen des Hauses Wagner aus der Zbit des Meisters, Hans Freiherr v. Wolzogen, im Alter von 89'/r Jahren. Wolzogen wurde am 13. November 1848 als Sohn des späteren Schweriner Hoftheaterintendanten Alfred v. Wolzogen in Potsdam geboren; seine Mutter war eine Tochter Schinkels, sein Großonkel der Schwager Schillers. 1872 kam Wolzogen auf der Hochzeitsreise zum ersten Male nach Bayreuth, das später seine zweite Heimat werden sollte. Die „Bayreuther Blätter", eine „Zeitschrift im Geiste Richard Wagners", gab er bis zu seinem Tode heraus; von feinen zahlreichen Schriften find die Erinnerungen an Wägner, ein Führer durch Wagners Musik und Ab- handlunaen über die Sprache in Wagners Dichtungen hervorzuheben. Wolzogen hat sich auch mit E. .T. A. Hoffmann und Wilhelm Raabe beschäfttgt und mehrere Operntexte geschrieben. Praktische Gemeinschaftsarbeit der Wissenschaft. Dieser Tage kamen in Frankfurt Wissenschaftler der medizinischen und naturwissenschaftlichen Fakultäten zu gemeinsamer Arbeit zusammen. Die Konferenz beschäftigte sich mit dem Thema „Chemie und Physiologie des Eiweißes". An den Verhandlungen ist nicht allein die Wissenschaft beteiligt, sondern auch viele Zweige der Nahrungsmittelwirtschaft und der chemischen Industrie. Mit den Erkenntnissen über die Wirksamkeit des Eiweißes im menschlichen Körper liefert die Wissenschaft einen wertvollen Beitrag zur Sicherstellung der Ernährung des deutschen Volkes. Der erste Teil der Konferenz beschäftigte sich mit der Chemie. Das grundlegende Referat hielt Professor Dr. Felix, der Leiter des Frankfurter Instituts für vegetative Physiologie. In weiteren Referaten wurde die Bedeutung und Wirksamkeit des Eiweißes im menschlichen Körper behandelt. Der zweite Teil der Konferenz behandelte das Eiweiß bei den Jmmunitäts- reaktionen. Das grundlegende Referat hielt Professor Dr. Abderhalden (Halle). Deutscher Geschichtsforschertag 1938. Die diesjährige Tagung für Landesgeschichtsforschung und Archivwesen. die der Gesamtoerband der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine feit dem Jahre 1852 jährlich abhält, findet vom 25. bis 29. September in Innsbruck statt. Mit chr werden der deutsche Archiotag und die Jahresversammlung der deutschen landesgeschichtlichen Publikationsinstitute verbunden sein. Gegenstand der Vorträge und Verhandlungen wird in diesem Jahre unter dem Gesamttitel „Oesterreich und das Reich" die Landesgeschichte, Siedlungskunde und Volkfsforschung des österreichischen Raumes fein. Bogoljubow Sieger im internationalen Schachturnier. In der letzten Runde des internationalen Schachturniers in Bad Elster verlor Wei- nitfchke gegen Ahues, während Bogoljubow und G i l g sich unentfchieden trennten. Der Schlußstand lautet: 1. Bogoljubow, 6,5 Punkte, 2. und 3. Engels und Eliskases, je 6 Punkte, 4. und 5. Gild und Kieninger, je 5,5 Punkte, 6. und 7. R e l l st a b und Ahues, je 4,5 Punkte, 8. Michel, 3,5 Punkte, 9. Dr. Weil, 2,5 .Punkte, 10. Weinitschke, 1 Punkt. Aus aller Wett. Der Mörder des Weimarer ^-Wachtpostens an einem neuen Verbrechen beteiligt. Im Regensburger Vorort Lappersdorf wurde eine schwere Bluttat verübt, an der auch einer der beiden Mörder des Weimarer ^-Wachtpostens, der steckbrieflich gesuchte Peter F o r st e r, beteiligt ist. Die Kriminalpolizei hat in der Gegend von Schwandorf eine große Suchaktion eingeleitet, da sie annimmt, daß sich Forster dorthin geflüchtet hat. Der flüchtige Forster hatte in einer Regensburger Wirtschaft mit dem 45 Jahre alten Max S ö l l n e r aus Regensburg einen Einbruch im Pfarrhause von Lappersdorf verabredet. Während Forster den Aufpasser spielte, brach Söllner in das Pfarrhaus ein, wo sich ihm unvermutet die Haushälterin entgegenstellte. Söllner verletzte die Frau mit einem Messer so schwer, daß sie bald darauf starb. Der Mörder konnte von den Dorfbewohnern nach aufregender Jagd festgehalten und der Polizei übergeben werden, während sein Komplice entkommen konnte. Söllner gab dann bei seiner ersten Vernehmung an, daß er bei der Tat von dem Mörder des Wachtpostens begleitet war. Erdstoß in Osioberfchlefien. Am Donnerstagfrüh gegen 3.45 Uhr wurde die Bevölkerung des südöstlichen Ostoberschlesien durch eine starke Erder sch ütterung aus dem Schlaf geweckt. Der Erdstoß war so hefttg, daß die Bevölkerung panikartig ins Freie flüchtete. In der Umgegend von Kattowitz wurde der Erdstoß besonders stark verspürt. Möbelstücke wurden aus ihren Stellungen gerückt, Bilder fielen von den Wänden. In Eichenau wurden schwere Schäden an Gebäuden angerichtet. Zwei Wohnhäuser wankten in ihren Grundmauern, und in den Wänden bildeten sich große Risse. Die 150 Bewohner verließen fluchtartig die beiden Häuser, deren Unbewohnbarkeit später von der behördlichen Baukommission festgestellt wurde. Auch in Hohenlohehütte wurden erhebliche Schäden festgestellt. Die Ursache der Erderschütterung ist noch nicht ermittelt Es wird vermutet, daß sie auf den Einsturz abgebauter Grubenstrecken aus älterer Zeit zurückzuführen sind. Fieberhafte Suche nach einem entführten Kinde. Bundespolizisten und Tausende von Farmern, Notstandsarbeitern und Pfadfindern, die teils mit Schrotflinten, teils mit Knüppeln bewaffnet sind, suchen in der Gegend von Princetown (Florida, USA.) fieberhaft nach dem in der Nacht aus dem Bett geraubten fünfjährigen James Cash und seinen Entführern. Die Eltern haben die Hoffnung aufgegeben, ihr Kind lebend wiederzusehen, obwohl sie die verlangten 10 000 Dollar Lösegeld an dem verabredeten Punkt der einsamen Landstraße in einer Schuhschachtel aus dem Auto warfen. Sucher fanden dann die leere Schuhschachtel. Besonders eingehend wird die von Moskitos und Klapperschlangen heimgesuchte Sumpfstätte von'Everglades abgesucht, da man befürchtet, daß das Kind dort versteckt gehalten wird. Tausendjährige Linde vom Sturm entwurzelt. Bei dem orkanartigen Sturm, der in den letzten Tagen auf dem Westerwald herrschte, wurde auf dem Marktplatz in Steimel eine' mächtige, tausend Jahre alte Linde umgerissen. Der Baumriese stürzte auf die Hauptstraße, so daß dßr Verkehr für längere Zeit umgeleitet werden mußte. Flugzeugunfall in Brasilien. In Santos (Brasilien) verunglückte ein Wasserflugzeug der Syndicato Condor Ltda. beim Start. Von den an Bord befindlichen 15 Personen konnten 13 gerettet werden. Die Maschine führte ferner die für Argentinien und Chile bestimmten Luftpostsendungen, die Deutschland am 19. d. M. verlassen haben, mit sich. Die Post konnte größtenteils geborgen werden und wurde durch ein Ersatzflugzeug weitergeleitet. 4 Tote, 12 Schwerverletzte beim Absturz eines Sowjetflugzeuges. Das Sowjetflugzeug N 212, das von den im Nördlichen Eismeer gelegenen Kaiser-Franz-Josefs- Jnseln zum Festband^zurückfliegen wollte, ist in der Nähe von Archangelsk infolge Motorstörung a b • gestürzt. An Bord befanden sich 16 Personen, unter ihnen der Rekordflieger B a b u s ck k i n. Bei dem Unglück kamen vier Personen, auch Babuschkin, ums Leben. Die übrigen Insassen konnten mit schweren Verletzungen geborgen werden. Vier Jahre Zuchthaus für. einen jüdischen Rassenschänder. Die. Düsseldorfer Große Strafkammer verurteilte den 37jährigen Juden Alfred Salomon wegen Rassenschande zu einer Zuchthausstrafe von vier Jahren und zehn Jahren Ehrverlust. Salomon hatte mit einem 21jährigen arischen Mädchen ein Vssrhältnis gehabt, wobei er verschwieg, daß er Jude sei. Außerdem hatte er dem Mädchen einen falschen Namen angegeben und auch verschwiegen, daß er mit einer Jüdin verlobt war. Eine Urheberrechksklage Lehärs. Der Höchste Gerichtshof im Haag als Revisions- instanz hat entgegen den Dorinstanzen entschieden, daß für Rundfunkmusik in Kaffeehäusern U r • heberrechte zu zahlen sind. Der Entscheid wurde in einer Klage getroffen, die der Komponist Franz Lehar gegen einen Kaffeehausbesitzer in Rotterdam angestrengt hat. Der Beklagte hatte seinen Gästen Gelegenheit geboten, die vom Sender Hilversum übertragene Operette „Der Zarewitsch" von Lehär im Lautsprecher mitzuhören. Unglück an einem italienischen Bahnübergang. An einem Bahnübergang in Terzigno (Provinz Neapel) hat ein Schnelltriebwagen ein Fuhrwerk überfahren, auf dem sich zehn Personen befanden. Drei Knaben wurden auf der Stelle getötet und weitere drei Personen schwer verletzt. Die Bahnwärterin, die die Schranke zu schließen vergessen hatte, wurde verhaftet. Großfeuer in zwei holländischen Fabriken. In einer Lampenfabrik in Herzogenbusch in Hol. land brach ein großer Brand aus. Das Gebäude stand innerhalb kürzester Frist in hellen Flammen. Die Feuerwehr konnte nicht verhindern, daß das Feuer auf eine benachbarte große Zigarrenfabrik übersprang. In der dicht besiedelten Umgegend brach eine Panik aus. Die angrenzenden Grundstücke mußten geräumt werden. Beide Fabriken sind so gut wie vollkommen verloren. Es heißt, der Brand sei auf eine Explosion zurückzusühren. Der Sachschaden ist.noch nicht zu übersehen. Verluste an Menschenleben sind nach den bisherigen Feststellun» gen nicht zu beklagen. 3nlernalionale Taschendiebe in Paris verhaftet. Beim Verlassen des Autobusses Neuilly-Daumesnil wurden in Paris drei international bekannte Taschendiebe von der Polizei festgenommen, nachdem sie einige Augenblicke vorher einem Fahrgast die Taschen geleert hatten. Unter den drei Langfingern, die sämtlich bereits vorbestrafte xunb des Landes verwiesene Ausländer sind, befindet sich auch ein antifaschistischer italienischer Emigrant, der wegen seines hohen Alters unter seinesgleichen die Bezeichnung des „Alterspräsidenten der Langfinger" trägt. Ein Deutscher als Schöpfer der neuen 5-Eent-Münze in USA. Einem Deutschen in Chikago ist eine besondere Ehre zuteil geworden. Es handelt sich um einen Kupferstecher namens Felix Schlag, der aus 390 Bewerbern für die Zeichnung der demnächst in Umlauf kommenden neuen 5-Cent-Münze als Sieger hervorging. Die Münze stellt das Bildnis des frühe- ren Präsidenten der Vereinigten Staaten Thomas Jefferson (1801 bis 1809) dar. Die 5-Cent-Münze, die in den Vereinigten Staaten kurz als „nicket“ bekannt ist, ist die am meisten im Umlauf befindliche Münzeinheit Schlag hat an der Kunstakademie in München studiert. >M/¥~PALMOL1VE-SE1 FE en FE 85-3 CK PALMOUVE-SE Bücheriisch. — Hans Grohmann: Das zeitgemäße Holzhaus. (4ein Bau und feine Raumgestaltung. 116 Seiten mit 221 Photos, Grundrissen und Zeichnungen. Kartoniert 5,50 RM. Verlag Knorr & Hirth, München, 1938. — (142) — Vor allem für Baulustige schildert Grohmann die vielseitigen Gestaltungs- und Ausdrucksmöglich- keiten des Holzhauses. Er legt die vielen Vorzüge des Holzhauses dar. Daß dabei mit manch altem Vorurteil gebrochen wird, ist selbstverständlich. Die bedeutendsten Holzbauarchitekten Deutschlands mit Oesterreich, der Schweiz, Skandinaviens, Englands und Nordamerikas sind mit ihren besten Arbeiten vertreten, die sich dem Leser in ausgezeichneten Photos darbieten. Neben der Außenarchitektur ist die Innengestaltung eingehend behandelt. Jeden Bauherrn interessiert vor allem die Frage der Wirtschaftlichkeit: Ist das Steinhaus oder das Holzhaus billiger? Antwort findet er in dem aufschlußreichen Beitrag von Dr.-Inq. Erich Hengerer, Stuttgart. Das Buch bringt Holzhäuser aller Größen und Bauarten: gediegene Wohnbauten, Landhäuser, Sommersitze, aber auch kleine Wochenendhäuser, Schihütten, Bootshäuser usw. So wird es dem Baulustigen nicht schwer fallen, für sein Vorhaben in Umrissen die Lösung zu finden, die sich feinen persönlichen Wünschen, den örtlichen Verhältnissen und seinen Mitteln am besten anpaßt. — R e i ch s - H e r b e r g s v e r z e i ch n i s 1938. Herausgegeben vom Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen. Berlin NW. 87. 450 Seiten. 90 Pf. — (47.) — Die 26. Ausgabe des Reichs- Herbergsverzeichnisses bringt einen Ueberblick über die 2000 deutschen Jugendherbergen und ein Verzeichnis der Jugendherbergen des Auslandes. Zudem sind die vielfältigen Einzelangaben über alle Jugendherbergen, die Uebersichtskarten der deutschen Gaue, die Benutzungsbestimmungen für Jugendherbergen und die Angaben über Fahrpreisermäßigungen ein ausgezeichnetes Material für die Vorbereitung und Durchführung von Fahrten. Die Tatsache, daß das Deutsche Jugendherbergswerk in der Welt bei weitem an der Spitze steht, berechtigt zu der Feststellung, daß dieses neue Verzeichnis ein wesentlicher Beitrag zu dem Gesamtüberblick über den Aufschwung unseres nationalsozialistischen Reiches und über bie Entwicklung der deutschen Jugendbewegung darstellt. Wetterbericht Schon seit geraumer Zeit zeigt die Großwetterlage kein gänzlich normales Verhalten und äußerst sprunghafte Entwicklungen. Da auch der Durchzug der Störungsgrenzen in den einzelnen Gebietsteilen sehr unterschiedliches Wetterverhalten auslöst, find der Wettervorhersage große Schwierigkeiten bereitet. So kam es in den letzten Tagen bei England zur Entwicklung eines Sturmwirbels winterlichen Ausmaßes, der in abgeschwächtem Maße auch bei uns aufkam. Die Gesamtlage läßt auch für die Folge noch keine durchgreifende Besserung erwarten. Es werden Zeiten der Aufheiterung immer wieder Rückschläge folgen, die um so heftiger sein werden, je kräftiger die oorausgegangene Erwärmung ausgefallen ist. Vorhersage für Samstag: Zunächst vielfach aufgeheitert und etwas wärmer, dann wieder Aufkommen von Unbeständigkeit mit Neigung zu Regenfällen. Winde aus Ost, später West. Vorhersage ftr Sonntag: Wechselhaft mit Aufheiterungen, aber auch Niederschläge. Lufttemperaturen am 2. Juni: mittags 13,1 Grad Celsius, abends 12,6 Grad; am 3. Juni: morgens 10 Grad. Maximum 17,8 Grad, Minimum heute nacht 7,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Juni: abends 15,6 Grad; am 3. Juni: morgens 12,8 Grad. — Niederschläge 1,8 mm. — (Sonnen- scheindauer 1,6 Stunden. _________________________ Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumfchein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 38: 9614. Druck und Verlag: Brühlfche Unioersitätsdruckerei R. Lange, K -G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs- preis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. ATA extrafein Doppdflofdie: 30 Df.• ATA fein normolflofdie: 17Pf.« ATA grob Pohct: 12 Pf. 55^ Verlobte und Vermahlte begrüßen von jeher ihre Freunde und Äekannten durch eine Anzeige in der Pfingstnummer ihrer Heimatzeitung, im Gießener Anzeiger 380KI) tndlich dos Alleinverkauf: Korbflechterei Willi Becker Asterweg 20. 3432 V ZwiscUen 10 und 18 Uhr erhalten Sie Ihre Negative enlwickello.liDpierl Da Hochbetrieb, erbitte rechtzeitig Abgabe, bzw. Einwurf in den Filmautomat. 383oA Hans-IXITTT Ludwigsplatz-Dro erie, Photohaus Mitesser u. 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Seit 1924 an der Spitze unserer Kasse stehend, hat der Verstorbene unser Institut in 14jähriger rastloser Tätigkeit vorbildlich geleitet Durch seine Persönlichkeit, seinen Charakter, verbunden mit Weitblick und Schaffensfreude, hat er sich in weiten Kreisen Achtung und Ansehen erworben. Um den Aufbau und die Entwicklung unserer Kasse hat ersieh große Verdienste erworben, sein Name wird unzertrennbar mit unserem Unternehmen für immer verbunden bleiben. Wir betrauern tief den Verlust dieses vortrefflichen Menschen, den wir nie vergessen werden. Elisabeth Volp Karl Volpf Pfarrer in Hofheim Martha Volp Anna Volp. geb Storck und 5 Enkelkinder. Die Trauerfeier findet statt Samstag, den 4. Juni um 3 Uhr in der Stadtkirche, anschließend die Beerdigung. Der gnädige Gott hat heute nacht um 11 Uhr unseren lieben Vater, Schwiegervater und Großvater Dekan i. R. Wilhelm Volp im 79 Lebensjahre heim gerufen. 02620 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen sage ich hierdurch allen herzlichen Dank’ Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Luise Will, geb. Wagenbach. Heuchelheim, den 2 Juni 1938. Bekanntmachung. Betr.: Verlechung des Treudienst-Ehrenzeichens für Angestellte und Arbeiter in der freien Wirtschaft. Anträge auf Verleihung des Treuüienst-Ehren- zeichens für Angestellte und Arbeiter in der freien Wirtschaft, die einem und demselben Dienstherrn, Arbeitgeber oder Betrieb 50 Jahre lang in Treue gedient haben und In Gießen wohnen, sind durch den Betriebsführer oder den Dienstherrn in Gemeinschaft mit dem Ärtriebsobmann der DAF. bei dem Unterzeichneten au stellen. 3817C Für die Antragstellung müssen besondere Vordrucke verwendet werden, die im Stadchaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 19, I. Obergeschoß, kostenlos abgegeben werden. Etwa gewünschte Auskünfte werden dort jederzeit erteilt. Anträge für die Anwärter des Treudienst-Ehrenzeichens, die vor dem 30. Januar 1938 und bis zum 1. Oktober 1938 eine 50jährige Dienstzeit bereits voll- endst haben oder vollenden, müssen sofort gestellt werden. Voraussetzung für die Verleihung ist, daß sich der Anwärter am 30. Januar 1938 noch im Dienst befunden hat. Zukünftig sind die Anträge auf Verleihung des Treudienst-Ehrenzeichens spätestens fünf Monate vor dem Jubiläumstag bei mir einzureichen. Gießen, den 31. Mai 1938. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen. ________________I. V.: gez. Vogt.___ Druckschriften In Heftform ’n gebundenen Auegeben klar In der Schrift, Überelchtiloh angeordnet, eorgfMltlg gedruckt, dienen den Belangen von Handel und Verkehr. Induetrle und Gewerbe. Landwlrteohaft und Behörden Jede Lieferung eohnell. gut und prelewert durch die Brühl'sche Druckerei, Schulstraöe 7, Anruf 2251 Dr.Nohl verreist bis 15. Juni Vertreter die Herren: D r. K l e i n, Dr. Maiech, Dr Mehl, Dr. Wolf. 38130 Wichtig für Jagdscheininhaber! 56u6öonöflQnieno.IiereD nach der Naturschutzverordnung vom 18. März 1936 (RG SU I Seite 181) und den ergänzenden Bestimmungen, aus- führlich erläutert von Professor Dr. W. Weber, 0.8. Prof, der Rechte und Referent im Reichs- und Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, und Prof. Dr. Walther Schoenichen, Letter der Reichsstelle für Naturschutz, Gebunden RM. 3,60. Bestellungen durch alle Buchhandlungen f)u^oBermüüerijeriog.Beriin-£l(hter? Verkäufe Airedale- Terrier (Hündin) 9 Monate, gute Abstammung, zu verkaufen. 02031 Bahnhofstr. 651 Damen-Fahrrad 1 Paar Skier, Tennisschläger (engl. Fabrikat), 1 Trumean (für Schneidersinlge- eignet),lVioline zu verkauf. 02630 Liebigstr. 76 U. Triumph- Motorrad 200 ccm, zu verkaufen. 02619 L. Keßler Gr.-Linden Steinweg 36. toreiHiiöio (Gleichstrom) gehr. Herr.-Fahrrsd zu verkauf. 026ie We6fteingaffe32L Anzusehen ab 17.30 Uhr. 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Mit dem Kraftwagen in das „tote Herz" Australiens. 33on Heinrich Hauser. »Fahre solange du kannst, halle nur, wenn hu unbedingt mußt — und auf gar keinen tfau laß oid) von Sorgen unterkriegen." m . Australisches Sprichwort. Em Vorstoß in das „tote Herz Australiens" ist für den Neuling ein beängstigendes Erlebnis. Es liegt em furchtbares Schweigen über einer Landschaft, die irgendwo auf einem erloschenen Stern liegen könnte, aber kaum auf der bewohnten Erde. In der Stille klingt das Motorenaeräusch so unnatürlich laut, es dröhnt in den Ohren. Aber dies Pochen des Maschinenherzens ist Trost und Gesellschaft in dieser Einsamkeit, die wie ein eiserner Reifen das Herz umschnürt, wenn man ihr zum erstenmal begegnet. lieber dem blinkenden Kühler zittert die heiße Lust, im Winkel zwischen Kotflügel und Motorhaube wölben sich die dicken Rollen der Kokosmatten, die man als Fahrbahn in tiefem Sand benutzt: hinten im Wagen tanzen klappernd die Blechkanister mit hundert Liter Reservebenzin und sechzig Liter Reservewasser. Das ist die unbedingt notwendige Ausrüstung. Man nimmt soviel Benzin mit, wie man kann, denn im Innern steigen die Betriebsstoffpreise/ unheimlich an bis zu fünf Schilling für den Liter. Man muß an Wasser immer eine Reserve für eine Woche haben und muß an Trinkwasser-Verbrauch für den Mann täglich vier Liter rechnen — so groß ist der Wasserbedarf des Körpers durch die ftändiae starke Ausschwitzung. Außer den Wasserblechkästen, die verlötet sind, führt der Wagen noch mehrere Leinwandwassersäcke «n Bord für den Kühler, den man ein halbes dutzendmal am Taa nachfüllen muß. Die Säcke hängen unterm Verdeck, im Schatten; würde man sie in der Sonne hängen lassen, sie wären in ein bis zwei Tagen leer. Startpunkt war Port Augusta, ein kümmerlicher kleiner Mllblechhafen im innersten Zipfel des Spencer-Golfs, das Ziel ist Alice- Springs, die „Hauptstadt" von Zentral-Australien. Wir haben die Bahnlinie überquert, die Port Augusta mit Adelaide verbindet, wir sind noch auf gebahnten Wegen an den Flinders-Bergen entlang gefahren und haben den Eyre-See gesehen. Die beste Beschreibung dieses Sees, der mit fünfzehntausend Quadratkilometer Fläche so groß ist wie ganz Baden, hat der Forscher Warburton gegeben: „Es war kein einziger Tropfen Wasser büchse stimmt nicht — er hat beides nicht immer zur Hand; er wird stattdessen ein Stück rohe Kuhhaut nehmen. Mit rot)er Kuhhaut umwickelt man zerbrochene Federn. Rohe Kuhhaut ersetzt zerrissene Hardy-Scheiben. Rohe Kuhhaut ersetzt den Ventt- lator-Riemen und eventuell Kupplungsscheiben und Bremsbelag. Mit roher Kuhhaut ist dem Australier kein Ding unmöglich. Begegnen sich im Busch zwei Autos, so wird unbedingt Halt gemacht, und die Fahrer tauschen ihre Streckenerfahrung aus. Rohe Karten werden dabei mit den Fingern in den roten Sand gemalt: „Wie weit ist's bis zum nächsten Weidegut?" „150 Meilen." „Wasser?" ,Kein Wasser. Du fährst erst zwanzig Meilen Spur bis zum ausgetrockneten Wasserloch. Dann vierzig Meilen Kompaß nordwest, bis du zwei weiße Bäume siehst. Von da ab sechzig Meilen genau Nord bis zum ausgetrockneten Flußbett, dem folgst du dann." Nach den Reifenspuren kann man sich nicht immer richten, selbst nicht in Gegenden, wo es welche gibt; die Sandstürme verwehen oft alle Spuren. Wenn man die Spur verloren hat, läßt man erst mal den Wagen stehen und sucht zu Fuß, ob man sie wiederfind et. Die Kokosmatten sind hauptsächlich für die Durchquerung der sandgefüllten trockenen Flußbetten da. Meist genüat es, wenn man sie vom festen Ufer auslegt, hat der Wagen etwas Schwung, so kommt er schon durch. Nur wo regelmäßig Karawanen ziehen, sind die Flußbetten mit abgehauenem Gestrüpp etwas befestigt. Die Spuren spielen Versteck mit dem Buschwerk, in dem flimmernden Sand schleudern die Räder; oft sitzt man fest und muß ausgraben. Manchmal sind hundert Kilometer schon eine gute Tagesleistung. Selbst in den trostlosen Einöden wird man manchmal einem „Sundowner“ begegnen, einem wandernden Gelegenhellsarbeiter, die auf phantastische Art von Weidegut zu Weidegut sich durchschlagen. Sundowner nennt man sie, weil sie meist zur Abendbrotzell, bei Sonnenuntergang, auf der Station auftauchen, und weil der erste Whisky des Tages gewöhnlich zu Sonnenuntergang getrunken wird. Diese Menschen sind erstaunlich abgehärtet gegen Strapazen, Hunger und Durst. Bietet der Autofahrer einem Sundowner einen Trunk Wasser an, so kann es geschehen, daß der antwortet: „Nein, danke schön, ich habe ja erst gestern was zu trinken gehabt." Seine blaue Decke und ein verbeulter Teekessel sind fein einziges Hab und Gut, nicht selten wird er in dem Teekessel einen jungen Hund bei sich tragen, der koch zu schwach ist, mitzulaufen. Die Liebe so zu einem kleinen Tier ist oft die einzige, die im Herzen solcher Menschen geblieben ist. Hat man am Abend das Glück, ein Weidegut zu erreichen, bann bekommt man fast immer Erlaubnis, (einen Schlafsack auf der Veranda aufzuschla- gen. Oft wird man auch zum Essen eingeladen, aber Gastbetten gibt es selten. Immer willkommen wird man sein, wenn man Briefe ober Pakete mitbringt ober mitnehmen kann. Manchmal taucht aus ber Leere ber Wüste ein (Eingeborener auf, überreicht stumm einen abressierten Brief unb ver- schwinbet fifr zauberhaft, wie er gekommen ist. Die Mahlzeiten nimmt man unterwegs vor Tagesanbruch ein ober abenbs nach Dunkelwerben. Tagsüber zu essen ist fast unmöglich: Mit jebem Bisien bekommt man bann auch ein Dutzenb Fliegen in ben Mund. Eine Hanb muß überhaupt ftänbig als Fliegenwebel bienen, sonst verwandelt sich eine Tasse Tee im Augenblick in Fleischextrakt. Nichts geht mehr auf die Nerven als diese Plage. „Tea - Oh!“ Das- ist ber Morgenweckruf auf bem Weide- gut. Der Australier trinkt seinen Tee schwarz, so stark, baß beinahe ber Löffel barin steht unb er trinkt ihn zu allen Tages- und Nachtzeiten. Keine Mahlzeit ohne Tee; auf ben Kopf ber Bevölkerung hat Australien ben breisachen Teeverbrauch wie England ober China. Im übrigen ist bie Buschküche einfach genug. Ihr klassisches Gericht ist ber „Dampfer"; Mehlklumpen in kochendes Wasser geworfen, unter glücklichen Umständen mit Speck gespickt. Das Festmahl ist ber wilde Truthahn, den man in einen nassen Lappen wickelt unb in einem Erbloch in heißer Asche braten läßt. Obenauf kommt bann bas Brot aus Mehlflaben mit Backpulver. Vor jeber Tagesstrecke muß man bie Namen der Orte memorieren — wenn solche überhaupt vorhanden sind. Das ist nicht immer ganz leicht, wenn man sich solche Beispiele vor Augen hält: Oodna- datta, Cadibarrwirracanna und GiddAiddina und Carringgallanna. Im Mittelpunkt Australiens liegt ein Tafelberg, er heißt Mount Stuart. Als der Mann, der ihn entdeckte, in die Zivilisation zurückkehrte, wurde er auf einer Bahre getragen — erblindet. Die Wildnis des „Nie wieder" hat Hunderte, Taufende von Opfern gefordert, einsame Habenichtse von Vagabunden ebensogut wie mit allen Hilfsmitteln ausgerüstete Expeditionen. Wie sieht es in der Wirtschaft ans? darin, vor uns lag nur eine tote, ebene Fläche von reinem, weißem Salz, scharf abgehoben gegen bas Abendrot im Westen, den dämmernden, stahlblauen Himmel im Osten und die purpurnen Ufer. Völliges Schweigen herrschte, keine Vogelstimme war zu hören, es gab kein Zeichen von tierischem Leben. Wenn ber ermattete Wanderer auf ber Suche nach Wasser unerwartet auf biefe Ufer stieße, er würbe sich mit Schaubern abwenden vor einem Anblick, ber jede Hoffnung sinken läßt. Er könnte sein Haupt in einen Sand Hügel stecken unb mit Ergebenheit ben Tod erwarten — aber ben Fuß aus biesen See zu setzen, würde heißen: sich von allem menschlichen Schicksal lösen. Ich hatte einen lustigen Begleiter, ein gutes Pferd, auch etwas Tee unb Mehl, inbes, ich fühlte mich erschauern und wußte kaum, was ich vor mir sah, ob Erbe, Wasser ober Himmel —" Was wirb geschehen, wenn man hier, hunbert Meilen vorn nächsten Wasser, eine Panne hat? Vielleicht kommt in vierzehn Tagen bas Postauto an biefer Stelle vorbei — vielleicht. Sie zehren an ben Nerven unb an ber seelischen Widerstanbs- fraft: bas reglose graue Gestrüpp, die glitzernben Flächen bes Bodens, der zitternd heiße Dunst, der die Augen quält, das tödliche Schweigen. Man sagt, daß der wahre australische Hinterwäldler jedes kaputte Auto mit einem Stück Draht und einer Konservenbüchse wieder fahrbar machen kann, aber bas mit dem Draht unb ber Konserven- V. A. Seit die Vitaminforschung insbesondere D b ft unb Gemüse als Träger ber hochwertigen Aufbaustoffe erkannt hat, ist bei den Erzeugnissen des Gartenbaues eine zum Teil überraschende Konsumausweitung erfolgt. Heute gehören Gemüse unb Obst zu ben wichtigsten Welthanbels- artikeln. Im Jahre 1935 z. B. nahmen sie im Welthandel mit einem Umsatz von 976 Millionen Mark hinter ber Steinkohle bie zweite Stelle ein. Tatsächlich erreichte ber Welthandelsumsatz an Obst und Gemüsen eine höhere Wertziffer als Weizen oder Fleisch. Deutschland ist dabei eines der Hauptverbrauchsge biete gartenbaulicher Erzeugnisse, wobei allerdings auch wieder erst in den letzten Jahrzehnten ber Verbrauch sich entschieden ausweitete. Die Einfuhrmenge an Gemüse stieg vom Jahre 1891 mit 52 000 Tonnen bis zum Jahre 1929 auf 520 000 Tonnen. Während ber gleichen Zeit vergrößerte sich bie Einfuhr von Obst von 158 000 Tonnen auf 456 000 Tonnen, bie Einfuhr an Südfrüchten von 57 000 Tonnen auf rund 500 000 Tonnen. Die Bedeutung bes beutschen Gartenbaues für bie fteigenbe Bereitstellung von Obst und Gemüse aus eigenen Mitteln wird aus diesen Zahlen- eindeutig ersichtlich. Am 21. Dezember 1844 eröffneten 28 arme englische Weber in der Krötengasse in Rochedale mit 560 ersparten Mark einen kleinen Laden, um gemeinschaftlich Waren des täglichen Bedarfs zu beziehen. Die. „redlichen Pioniere von Rochedale" wollten mit dieser Konsumgenossenschaft eine „neue moralische Welt" aufbauen. .Die Konsumgenossenschaftsbewegung gewann im Zeitalter bes Liberalismus gewaltigen Umfang, auch in Deutschland entstanden diese Genossenschaften. Sogar bie Beamtenschaft schloß sich in Beamtengenossenschaften zusammen, Reichswirtschaftsminister Funk kündigte auf der Tagung des deutschen Handels an, daß die Deutsche Großeinkaufsgefell- schast und damit die einzelnen Verbrauchergenossenschaften liquidiert würden, weil sie als kollektive Großbetriebe von Verbrauchern nicht der natio- nalsozialisttschen Wirtschaftsführung entsprechen. Der Handel bietet ber persönlichen Initiative bes Kaufmanns bie Möglichkeit, zwischen Erzeugung unb Verbrauch unter eigenem Risiko bie Brücke zu schlagen. Der beistsche Handel erfüllt reibungslos bie Funktionen, die seinen Trägern, einem selbständigen, fachmännischen unb sehr lebendigen Teil ber Nation, zukommen, gerade im Zeitalter bes Die Geschichte vomWiderhall. s •; “Ää »:l".S &#■ X'SÄä’ÄttÄ™-« „erwehrt. Er meckerte wie em Ziegenbock, uno zu die B-Ichaffenheit jenes W-s-n- genug ZU wjj n. (Fr nahte sich bem Herrn unb sprach. ,,^>ag mir, ifMas -ig-ntttch in deinem Schöpfung-p an. M es ein Wesen gibt, m-lche- genau fo spricht nne ich „§as ist nicht in meinem Schöpfungsplan , er- “tVNöfeÄiö verzerrte sich in Vergnügen. -?> ift hir boch vielleicht etwas mißlungen , L° -r. „Denn Ä chbt eL doch ein Wesen, dass spricht wie ich spreche. „Bringe es mir her", antwortete, ber Herr. Der Böse meinte etwas verdrossen, bas könnte er freilich nicht, er müßte ben Herrn schon bitten, mit ihm in ben Garten zu kommen, in bem alle Geschöpfe ihren Aufenthalt hatten. Da ging ber Herr beim mit ihm. „Da brin steckt es", sagte ber Böse, als sie an gelangt waren, „unb spricht wie ich will. Höre nur!" unb er ließ bie Stimme bes Ziegenbockes ertönen und bann bie bes Tigers unb' bie bes Geiers, unb bas Wesen gehorchte seinem Ruf unb sprach, wie er wollte. Der Herr nickte unb sagte lächelnb: „Du riefst es aber nicht mit beiner eigenen Stimme an." „Darf ich? Darf ich?" rief ber Bose, sah ben Herrn unterwürfig an unb stotterte beinahe vor Eifer. Der Herr gewährte es. Der Böse sah sich geschmeichelt unb voll Erregung um, als wollte er ben ganzen Garten ein- laben, nur ja aufzumerken, ba seine Stimme ertönte. „Was soll ich also rufen? Was soll ich rufen?" erwog er in Ungeduld. „Es braucht keine lange Ueberlegung", entgegnete der Herr. „Es reicht aus, was dir grat) durch ben Kopf geht." Da rief ber Bose: „Neid!" Vom Fels zurück erklang es: „Leid! Der Böse runzelte bie Stirne und sah ben Herrn unsicher an. Dann rief er: „Haß!" Leise klang es zurück: .Laß!" Der Böse ballte bie Faust unb drohte bem unsichtbaren widerspenstigen Ding. Er rief: „Not!" „Brot!" klang es zurück Der Böse kämpfte auf. Es mußte boch an ihm liegen! Er wechselte bie Stimmlage unb rief schnell: „Elend!" . „Heiland!" tönte es zurück. Heber dieses Wort erbebte ber Bose tm Innersten und ber Schweiß brach ihm aus. Er wischte mit ber Hanb über die Stirn. „Es geht heute nicht", gestand er keuchenb ein. „Es kommt nicht bas heraus, was ich will. Es ist auf einmal voller Tucke. Aber ich wähle vielleicht bie, Worte schlecht. Sag bu eines, das ich rufen soll." „Ich fürchte, ich weiß keines, das dir zusagt", antwortete der Herr. . , . Da bist bu wieder zu bescheiden , meinte der Böse Ober soll ich glauben, daß bir nichts Ordent- liches 'einfällt? Sprich boch bu jetzt, was bir grab durch ben Kopf geht!" Der Herr sagte: „Leben! Da ging ein Unbeschreibliches durch ben ganzen Raum. Das Himmelszelt über ihm leuchtete wie mit tausend Regenbogen beladen; ein seliger Donnerton machte bas ganze Felsgefüge sanft erbeben, unb bie fernen Staubbäche stürzten, als wären sie plötzlich reicher geworben, mit Überschwang zu Tal; bie Bäume rauschten auf, ihre Blätter küßten einander, eine bunte Vogelschar stürmte jubelnd von schatttgen Räumen in helle Räume; wonnevoll fühlten Dinge unb Wefen in sich bas volle Regen ihrer Kräfte, inbem sie sich zu ihrer eigenen Gestalt feurig zu vollenden „ vermochten; und so strebten sie mit ber Aufwallung höchsten Glückes, die geahnte Nähe des Schöpfers zu erwidern. Der Böse hatte, als er jenes Wort hörte, ben Herrn erst noch ergrimmt angesehen; denn er wußte, baß er es über seine Lippen nicht brächte. Dann aber brückte ihm bas, was um ihn vorging, so sehr gegen bie Brust, daß er zu ersticken meinte unb nach Atem rang unb hinausgedrängt war von ber gewaltig lobsingenden Einheit ber Wesen, ehe er noch wußte, wie ihm geschah. Aufschriften, die's in sich haben. In einer Stabt in Pommern bin ich gewesen unb habe bort zwei Aufschriften entbecft, bie mich zuerst belustigten unb bann recht nachbenklich machten. Da war also ber Friebhof. An ihm vorüber lief eine kleine Straße mit etwas kläglichen Häusern. Es wat, als seien bie Häuser burch bie unmittelbare Nachbarschaft bes Friebhofes in gelindem Schrecken erstarrt und etwas tiefsinnig geworden. Nur ein Haus hatte sich scheinbar bewußt und auftrumpfenb einen anberen Charakter angeeignet. Eine kleine Schenkstube. Unb groß, gerabezu auf» bringlich, steht auf ber Stirn biefes Hauses: „Bei mir ist es besser als gegenüber!" ' Unb dieses Haus sagt bas mit solcher Zuversicht, baß viele, bie gegenüber hinter einem Sarge gingen unb nun auf bem Heimweg finb, kurzerhanb in bie Schenkstube gehen. „Fünf Schneiber machen einen Mann!" So steht's an einem anberen Hause. — Steigt ba nicht so etwas wie ein Abenteuer auf unb nimmt ben Beschauer in bie Mitte! Gewiß, hinter biefer Aufschrift sitzt ein heißgeglühtes Leben. Einer malte bas an sein Haus, ber sein Auge auch vor dem Teufel nicht zugekniffen hat. Das war um bie Mitte bes vorigen Jahrhunderts. Da trat ein vierzehnjähriger Junge in bie Werkstatt bes ersten Schnei- bers biefer Stabt. Der Bengel sah hungrig und ab- geriffen aus. Er bat um ein Almosen. Fünf Gesellen saßen da hen m. Das Aussehen bes Jungen unb fein demütiges Bitten brannte sich in ihre Vierjahresplanes, ber alle fortschreitenben Kräfte zusammenfaßt. Die Steigerung der Handelsumsätze von 1932 bis 1937 um fast das Doppelte beweist, baß ber Handel seinen Weg geht. Die Ankündigung bes Ministers über bie Lockerung ber Devisenbestimmungen im Außenhanbel zur Erleichterung ber Geschäfte zeigt, welches Vertrauen ber national« sozialistische Staat seiner Kaufmannschaft entgegenbringt. Die Belebung ber inbuftriellen A r - beit, bie früher unb stärker als im Frühjahr 1937 Lttrgesetzt hatte, hielt im April mit unverminderter Kraft an. Nach ber Jnbustrieberichterstattung des Statistischen Reichsamtes ist bie Zahl ber beschäftigten Arbeiter von 112,0 (1936 = 100) im März auf 113,7 im April gestiegen. Noch kräftiger, nämlich von 114,7 auf 118,4, hat sich bas industrielle A r b e i t s v o l u m e n, d. h. die Summe ber geleisteten Arbeitsstunben gehoben. Die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit hat sich von 7,73 auf 7,85 erhöht. Die Zahl der in ber Industrie beschäftigten Arbeiter betrug im April 7,234 Millionen (März 7,124). Sie liegt um 354 000 über April 1937 unb hat ben Höchststand bes vergangenen Jahres um 70 000 überschritten. Das industrielle Arbeitsvolumen beträgt im April 1,363 Milliarben Arbeiterstunden gegen 1,323 im März 1938 unb 1,291 Milliarden im April 1937 und liegt bereits um 9 Millionen Arbeiterstunden über bem Höchst- stanb bes Vorjahres. * Die Umsätze ber 472 Einzelgenossenschaften, die bem Ebeka-Verbanb beutfdjer kaufmännischer Genossenschaften angehören, haben sich 1936 von 330 Mill. RM. auf 350 Mill. RM. in 1937 erhöht. Währenb am Enbe bes Jahres 1929 noch etwa 130 Genossenschaften Verluste in ihren Bilanzen aufwiesen, ist bie Zahl biefer Genossenschaften Enbe 1937 auf 30 gefallen. Der zentral erfaßte Umsatz erhöhte sich auf 196 (177,5) RM. Die Ebeka-Bank, bas eigene Gelbinstitut ber Edeka- Organisation, hat ihren Umsatz von 1,43 auf 1,55 Milliarben Reichsmark gesteigert. Die Liquidität ist weiter günstig, unb die Dividende wirb roieber in Höhe von 5 v. H. ausgeschüttet. * Deutschlands größter Versicherungskonzern, die Gruppe Alliance Stuttgarter hat mieber ein erfolgreiches Jahr hinter sich. .,Sie Prömien- cmnahmen (netto) im ganzen Konzern stiegen auf 109 Millionen gegen 101,3 im letzten Geschäftsjahr. Die Schüben, ebenfalls netto, beliefen sich auf 55,2 gegen 51,1 Millionen, aber ber sogenannte technische Gewinn, d. h. die Ueberschüsse ohne Berücksichtigung ber Erträge aus Kapitalanlagen sank dabei von 5,6 auf 3,0 Millionen. Durch ben ganzen Geschäftsbericht ziehen sich Mitteilungen über steigende Schäden, zum Teil aber auch über Prämiensätze, die als nicht ausreichend bezeichnet werden können. Aber im ganzen ist der Eindruck sehr günstig: Wenn man berücksichtigt, daß in ber Lebensversicherung ber Dersicherungsbestand von 3,9 auf über 4,2 Milliarben Mark gestiegen ist, daß bie gesamten Vermögensanlagen ber Lebensversicherung eine Erhöhung von 920 Millionen auf 1,03 Milliarben Mark erfahren haben, wenn man schließlich hinzunimmt, baß bie Aktionäre bei ben beiden wichtigsten Gesellschaften je 8 v. H. Dividende erhalten, so zeigt das die Gesundheit unb bie weiteren Fortschritte bes größten beutschen Versicherungskonzernes. Die Reichsverkehrsgruppe Hilfsgewerbe bes Verkehrs (Spitzenorganisation der deutschen Reisebüros) veröffentlichte in diesen Tagen erstmalig eine umfassende Statistik der hauptberuflichen Reisemittler über die Veranstaltung und Vermittlung'von Reisen und Fahrausweisen, über die Auskunftserteilung unb die Ausgaben für Werbung in ben Jahren 1936/37. Die nach dieser Statistik erfaßten Reisebüros haben im Jahre 1937 fast 70 000 Reisen, und zwar Gesellschafts- und Pauschalreisen, Ausflugs- und Sonderfahrten im Inland durchgeführt und rund 8000 derartige Reifep ins Herzen. Sie wurden so gerührt, daß sie augenblicklich eine kleine Sammlung unter sich veranstalteten. (Ein harter Taler unb einige Groschen kamen ba zusammen. Mit biefem winzigen Kapital fuhr der Junge nach Hamburg, schmuggelte sich auf ein Schiff, wurde auf offener See ertappt. Der Kapitän hatte Mitleid mit ihm, gab ihm Arbeit und fand zuletzt Gefallen an dem Jungen. In Indien ging er an Land. Mit einer Empfehlung des Kapitäns kam er zu einer Farmerfamilie, arbeitete' bort einige Jahre, bis er fo viel hatte, baß er sich selbst an sieb An konnte. Ein Traum von Macht hatte ihn ergriffen. Durch eisernen Fleiß unb durch Geschicklichkeit wurde cr hochgeachtet unb ein reicher Mann. Als er bie Sechzig überschritten hatte, verkaufte er seine Farm, setzte sich auf ein Schiff, unb eines Tages war er ' roieber ba, wieder bort, wo er einst, arm unb hungrig, ausgezogen war. Unb nun fuhr er in einer Kutsche, ließ sich ein herrliches Haus bauen. Niemals verleugnete er feine Abkunft, immer wieder erzählte er, baß er feiner Mutter, ber armen Wäscherin, davongelaufen fei unb von fünf Schneibergefellen auf feine große, erfolgreiche Laufbahn gebracht worden war. Unb bamit es ja jeber wissen sollte, ließ er's an sein Haus schreiben. Da steht's, auf hellem Marmor, in Goldbuchstaben: „Fünf Schneider machen einen Mann!" Uebrigens hat er dieses Haus, nach seinem Tode, ber Schneiberinnung vermacht. Max Jungnickel. Zeitschriften. — „Sie W i r t sch a f t s ku r v e", Heft 1, Jahrgang 1938. Preis pro Heft 2,70 Mark. Jahrgang (4 Hefte) 8,80 Mark. Societäts-Verlag Frankfurt am Main. Der einleitenbe Aufsatz von Erich Welter zeigt, baß es für bie deutsche Wirtschaft keineswegs gleichgültig ist, ob ber Rückschlag in ber Welt, ber sich im Frühjahr unb Herbst vorigen Jahres in heftigen Kurszusammenbrüchen angefünbigt hatte, nur vorübergehender Natur ist oder nicht. Ein ausführlicher Aufsatz von Dr. Hans Jlau besaßt sich mit ber Vorgeschichte unb ben SIrbeitsbebingungen ber „Reichswerke AG. Hermann Göring", bes neuen großen Eisenwerkes, am Ort des wichtigsten deutschen Erzvorkommens, im Salzgittergebiet. Ebenfalls ein Dierjahresplanthema ist ber Walfang, über bessen Entwicklung und Aussichten ein Fachmann, Dr. Ebmund Winterhoff, ein geschlossenes Bild vermittelt. Aus bem vielseitigen Inhalt bes Heftes konnten hier nur wenige Aufsätze herausgehoben werben. Ausland, nicht gerechnet die zahlreichen Ver- gnüaungsreifen, die von den deutschen Schiffahrtsgesellschaften veranstaltet wurden. An diesen Reisen der Reiseunternehmer haben mehr als 2,2 Millionen Personen teilgenommen. Im Rahmen aller anderen Arten von Reisebürogeschästen für Einzelreisende (Verkauf von Eisenbahn-, Schiff- und Flugkarten aller Art, Hotelgutscheinen, Stadt- und Hafenrundfahrten) wurden fast 9 Millionen Personen -betreut. Die Reisebüros haben durch den Kundenkreis von 11 Millionen Personen einen Gesamtumsatz von fast einer Diertelmilliarde Mark erzielt. Für Werbung haben sie über 2,5 Millionen Mark ausgegeben. Die wirklichen Zahlen des gesamten Reisebürogewerbes liegen naturgemäß weit über den statistisch erfaßten. Insbesondere dürste die kostenlose Auskunftserteilung, die nicht au einem Kaufabschluß (Fahrkartengefchäst) führte, die Zahl- von 50 bis 60 Millionen Auskünfte erreichen. Wichtig ist bei diesem ersten Versuch, die Tätigkeit der Reisebüros zahlenmäßig zu erfassen, die Feststellung, daß das deutsche Reisebürogewerbe heute einen beachtlichen und nicht mehr wegzudenkenden Faktor der deutschen Wirtschaft darstellt. * Die in der deutschen Hochseefischerei vertretenen Arbeitszweige unterscheiden sich nach der Fangweise. Die tragende Stütze ist die Fischerei mit Fischdampfern oder die Dampfhochseefischerei. Hierauf entfielen im Jahre 1937 allein 72 v. H. vom deutschen Gesamtfang an Seefischen. Die Fischdampfer fischen zumeist auf den entfernter gelegenen Fanggründen mit Schleppnetzen. Das Schleppnetz, im wesentlichen aus dem Fischsack und den Netzflügeln bestehend, wird mit starker Maschinenkraft über den Meeresboden gezogen. Gefangen ‘ werden hauptsächlich Massenfische, wie Kabeljau, Rotbarsch, Seelachs, Schellfisch usw. Daneben gehen die Fischdampfer etwa von Ende Juli bis Anfang Oktober dem Heringsfang nach, da sich die Heringsschwärme zu dieser Jahreszeit in den den deutschen Fahrzeugen zugänglichen Fanggründen aufhalten. Die Fischdampfer bringen einen „grünen", gut vereisten Frischhering in die Häfen, der dann in die Räuchereien, in die Marinieranstalten, die Konservenfabriken und den Grünhandel wandert, z. T. auch an Land zu Salzheringen (landgesalzenen Heringen) verarbeitet wird. Im Gegensatz zur Dampferfischerei beschäftigt sich die Logge r f i s ch e r e i ausschließlich mit dem Heringsfang. Hierauf entfallen nicht ganz 11 v. H. der gesamten Fischfangmenge. Uedt der Dampfer mit dem Schleppnetz eine „aktive" Fischerei aus, so ist die Fischerei des Loggers „passiv". Der Logger setzt eine feststehende Netzwand (die Fleet) aus und wartet hinter dieser Wand, daß sich die Heringsschwärme in den Maschen des Netzes fangen. — Die dritte Säule der Seefischerei ist die Kutterund Küstenfischerei, die Spezialitäten und Edelfische fängt. Ihr Anteil am Gesamtfang betrug 1937 rund 17 v. H. Rhein-Mainische Börse. Miklagsbörse uneinheitlich. F r a n k f u rt a. M., 2. Juni. Die Börse eröffnete am Aktienmarkt mit uneinheitlichen Kursen, doch hielten sich die Abweichungen in engen Grenzen und zumeist unter 1 v. H. Der Auftragseingang war weiterhin klein. Anderseits zeigten die Berufskreise im Hinblick auf die mehrtägige Verkehrsruhe durch die Feiertage keine nennens« werte Unternehmungslust, so daß sich die Umsätze allgemein in kleinen Bahnen bewegten. Trotz der uneinheillichen Entwicklung blieb ein freundlicher Grundton unverkennbar, obgleich besondere Anregungen fehlten. Verhältnismäßig fest setzten am Montanmarkt Rheinstahl ein mit 145 (143,50), ferner von Elektrowerten Schuckert abzüglich Dividende und Anleihestockausschüttung mit 176 (181,90), was einer Befestigung von etwa 1,25 v. H. entspricht, ebenso lagen von Maschinenwerten Jung- Hans 1,50 v. H. höher mit 118,50. Für IG.* Farben hat das Interesse erheblich nachgelassen, bei kleinen Umsätzen bröckelte der Kurs auf 161 bis 160,75 (161,25) ab. Leichte Rückgänge bis 0,50 v. H. erfuhren u. a. noch Metallgesellschaft auf 134,25 bis 134, Daimler auf 147,50, Reichsbank auf 192,50, Deutsche Erdöl gingen auf 137 (137,75) zurück. Für Verein. Stahl machte sich etwas Nachfrage geltend zu 108,90 bis 109 (108,75). Der variable Rentenmarkt war still. Reichsaltbesitz 0,13 v. H. höher mit 132, hingegen Reichs- bahn-VA. weiter abbröckelnd auf 125,13 (125,25). Kommunal-Umfchuldung stellten sich auf unverändert 96,30. Don Goldpfandbriefen wurden die beiden Frankfurter mit unverändert 100 repartiert. Liquidationswerte schwankten bis 0,25 o. H. Stadtanleihen lagen meist unverändert, Heidelberg — 0,25 o. H. auf 98,75. Auch Industrie-Obligationen notierten nicht ganz einheitlich, höher 4,50 v. H. Krupp mit 100,25 (100). Im Verlaufe blieb das Geschäft zwar weiter sehr klein, die freundliche Grundtendenz hiell jedoch an, was sich kursmäßig allerdings nur ganz vereinzelt auswirkte. Für Montanwerte erhielt fick etwas Nachfrage, Hoefch 113,25 nach 112,50, Deutsche Erdöl auf den Vortagsstand von 137,75 nach 137 erholt, Rheinstahl unverändert 145. IG. Farben schwankten zwischen 160,75 bis 161. Die später notierten Werte wichen im allgemeinen kaum ab, fest lagen aber MAN. mit 136,50 (134,50), während Kaliaktien bis 1 v. H. nachgaben. Der Frei verkehr hatte ruhige? Geschäft. Dingler 95,13 (95,50), Rastatter Waggon 52,50 (52), Ufa 74 (73,50). Elsäss. Wolle 87 (87,50). — Tagesgeld weiter erleichtert auf 2,50 (2,75) v. H. Abendbörfe behauptet. Wenn auch die Umsätze nirgends besonderen Umfang erreichten, so zeigte auch die Abendbörse einen freundlichen Grundton, so daß die meisten Papiere am Aktienmarkt voll behauptet und vielfach auch etwas höher zur Notiz gelangten. Fest lagen bei nicht sehr großem Umsatz Akkumulatoren mit 239 gegen einen Schlußkurs von 235,25 in Berlin. Sonst zogen u. a. an Buderus auf 113,75 (113,25), Laurahütte auf 18,50 (17,90), Demag auf 147,75 (147,25), Deutsche Erdöl auf 138 (137,50), Bemberg auf 140,25 (140). Etwas niedriger lagen Holzmann mit 162 (162,75), Deutsche Linoleum in Anpassung an Berlin mit 160 (161), Hanfwerke Füssen nach Pause mit 133 (133,50) und Junghans mit 117,75 (118,50), aber bereits 117 am Berliner Schluß. IG. Farben notierten bei kleinem Umsatz unverändert 161, ebenso Adlerwerke mit 116, Aschaffenburger Zellstoff mit 128,50, Scheideanstalt mit 246, Moenus mit 131,50, Berger mit 149,50, BMW. mit 147 und Rheinstahl mit 145. Von Renten befestigten sich Altbesitzanleihe des Reiches auf 132,25 (132). Im übrigen notierten 4,50 v. H. Nass. Landesbank Gold R 12 bis 13 mit 100,40, 6 v. H. Hartmann & Braun mit 104 und 6 v. H. IG. Farben mit 129,75 (129,90). Kommunal-Umschul- dung nannte man wie mittags mit 96,30. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 2. Juni. Auftrieb: Rinder 774 (gegen 887 am 24. Mai), darunter 213 (214) Ochsen, 147 (168) Bullen, 260 (378) Kühe, 154 (127) Färseu. Kälber 531, Härnrnel und Schafe 44, Schweine 353. Notiert wurden je 50 kg Lebend- gewicht in RM.: Ochsen a) 43 bis 45 (43 bis 45), b) 39 bis 41 (39 bis 41), c) 35 bis 36 (33 bis 36); Bullen a) 42 bis 43 (40 bis 43), b) 39 (35 bis 39), c) 34 (33 bis 34); Kühe a) 40 bis 43 (40 bis 43), b) 36 bis 39 (34 bis 39), c) 28 bis 33 (26 bis 33), d) 17 bis 25 (17 bis 25); Färsen a) 43 bis 44 (43 bis 44), b) 37 bis 40) (39 bis 40), c) 33 bis 35 (33 bis 35). Kälber a) 62 bis 65 (63 bis 65), b) 54 bis 59 (53 bis 59), c) 43 bis 50 (43 bis 50), d) 32 bis 40 (40). Härnrnel b2) 48 bis 50 (46 bis 47), c) 42 bis 45 (36 bis 40); Schafe a) 39 bis 42 (36 bis 38), b) 34 bis 38 (33 bis 35). Schweine a) 57 (56,50), bl) 56 (55,50), b2) 55 (54,50), c) 53 (52,50), d) 50 (49,50); Sauen gl) 54 (53,50). Marktverlauf: Rinder, Kälber und Schweine zugeteilt; Härnrnel und Schafe mittel. Aus der engeren Heimat. Wertungssingen in Krofdorf. «ad< Gießen. Glyzinien und Kletterrosen. $cr kühl« Anstrich des Hauks in der Settensttaße ift etwas angebräunt wie das Aittliß seiner Besitzerin. Ein großmaschiges Netz, wie aus fefCh Wt“611 deslochten, überzieht die Stirnseite des Gebäudes und die Ballustrade des Altans wie zu ihrem Schutz. Das unschöne holzige Geflecht f'rnrfn^r r1*6 blcJ^anfen toten Laubs und ver- in^..sSd>otE" baumelten, hat sich in ein lebendiges Geäder voll strotzender Kraft verwandelt, dem uppT Blütenhügel entsprudeln. Blaue -trauben von der vornehmen Tönung des Amethyst umprunken Fenster und Altan. Verschwenderisch wehen Dufte wie aus vorüberrauschender Seide und Hummeln und Bienen trinken sich an den Blüten sott. Die verschlossenen Doppelfenster lassen nichts von dieser Blütenherrlichkeit hinein in die Wohnung. Aber die amethystnen Glyzinien warten auf diese Gunst, wie Kammerzofen und betreßte Lakaien. Wieviel herzlicher und froher sind dagegen die mit roten Lippen lachenden Kletterrosen, die ein bescheidenes Giebelhäuschen umwinden! Und durch weit offene Fenster atmet das Glück aus und ein Flink- beschwingte Schwalben, die unter der Dachtraufe nisten, zwitschern auf und nieder. Einmal sah ich das junge Paar, schwarz und blond, im Vorgarten beschäftigt. Sie goß die Rosen, und er trug das Wasser herbei. Zärtlichkeit und Liebe schwangen in den wenigen Worten, die ich beim Vorübergehen erlauschte. Ein andermal winkte die junge Frau, im offenen*Fenster stehend, ihrem Manne nach. Sie trat zurück, als sie mich erblickte. Aber ein goldener Schein spielte da, wo sie gestanden, und glitt ihr langsam ins Zimmer nach. Schon sind die Ruten und Ranken dabei, auch den Eingang zum Vorgärtchen mit blühenden Bogen zu Überspannen. Sie können ihre kleinen Willkommen- sträuße dem Nahenden nicht weit genug aus dem buschigen Laubgrün entgegenstrecken, die herzlichen Kletterrosen, und dem lieben Besuch nicht lange genug nachwinken. Dornotizen. Tageskalender für Freitag. Gloria-Palast, Seltersweg: fugend". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der nackte Spatz". Otto Gebühr im Stadtkheater Gießen. Das Stadttheater Gießen hat für das erste Gastspiel der Sommerspielzeit 1938 in Gießen Otto Gebühr mit seinem Berliner Ensemble verpflichtet. Am Dienstag, 7. Juni, wird der bekannte Feie- dericus-Darsteller einmal in einer völlig andersgearteten Rolle als Theaterdirektor Strrese in „Der Raub der Sabinerinnen", Schwank von Franz und Paul von Schönthan, gastieren. Beginn 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr. Hitler-Jugend Bann 116 Vetr.: Sonderzug am 26. Juni zur Sleckelburg. Unter der Schirmherrschaft des Gauleiters finden aus Anlaß der 450. Wiederkehr des Geburtstages von Ulrich von Hutten die „Hutten-Freilicht- spiele" auf der Steckelburg bei Schlüchtern statt. Das Gedächtnis Huttens zu ehren und sein geistiges Erbe zu wahren ist für den Gau Hessen-Nassau eine Ehrenpflicht. Es ist der Wunsch des Gauleiters, weitesten Kreisen die Teilnahme an den Freilichtspielen an der Geburtsstätte dieses großen Deutschen zu ermöglichen. Zur Aufführung gelangt das Festspiel „Laßt Hutten nicht verderben". Zu diesem Festspiel wird eine Sonderfahrt des Kreises Wetterau durchgeführt, und zwar Sonntag, 26. Juni — Sonderzug ab Gießen zur Steckelburg. Der Teilnehmerpreis einschließlich Eintritt zum Festspiel beträgt „Achtung! Ich stehe unter Naturschutz!" Fast möchte man wünschen, daß unsere geschützten Pflanzen diese Warnung manchem „Naturfreund" entgegenrufen könnten, bevor er sie achtlos zertritt, ausreißt oder pflückt. Die Blumen in Wald und Flur, auf Wiese und Trift gehören als kostbares Heimatgut der Gesamtheit unseres Volkes. Sie hat berechtigten Anspruch, die heimische Pflanzenwelt erhalten zu wissen. Deshalb hat auch der Reichsforstmeister den Naturschutz einheitlich zusammen- §efaßt und 1936 die Naturschutzverordnung erlassen, n ihr sind zum ersten Male Bestimmungen über den Schutz wildwachsender Pflanzen — wie auch der nichtjagdbaren wildlebenden Tiere — vereinigt. Der Schutz erstreckt sich auf Maßnahmen gegen mißbräuchliche Nutzung, Verwüstung und Beschädigung der Pflanzsnbestände und Entnahme von Pflanzen und Pflanzenteilen, auch wenn dabei im Einzelfalle ein wirtschaftlicher Schaden nicht entsteht. Der Naturschutz ist also völlig unabhängig von wirtschaftlichen Erwägungen. Allein der Gedanke der Schönheit ist in ihm zum Ausdruck gekommen. Was aber nützen die besten Verordnungen, wenn mein oft nicht weiß, ob eine Pflanze geschützt ist oder nicht. Deshalb seien hier die Pflanzen genannt, die zur Zeit in der Natur unsere besondere Beachtung verdienen. An erster Stelle steht der große Teil unserer Frühlingsblumen. Das Blühen eröffneten die Nieswurz, das große Schneeglöckchen oder Märzenbecher und der Seidel- b a st oder Kellerhals. Sie sind Pflanzen der schattigen Wälder. Der Seidelbast mit seinen rot- violetten Blüten ist außerdem äußerst giftig, so daß schon aus diesem Grunde keiner ihm zu nahe treten sollte. Fälschlich wird er oft als Gewürzpflanze bezeichnet, jedoch ist er bestenfalls früher in der Heilkunde verwendet worden. Auf diese ersten Blüher im Jahreslauf folgen die vielen Zwiebel-, Knollen- und sonstigen Gewächse, die im Frühjahr blühen: das leuchtend hellgelbe Adonisröschen, die gemeine Küchenschelle mit ihren violetten Sternenblüten, das Leberblümchen, die Meerzwiebel — beide hellblau blühend — und das kleine Schneeglöckchen, das uns oft als der erste blühende Bote des Frühlings erscheint. Ebenso geschützt sind die gelben wildwachsenden Narzissen, die lilafarbenen Traubenhyazinthen, die dottergelben Schlüsselblumen und die gelben Aurikeln. Fast alle diese Frühjahrsblumen sind Gewächse des lichten Waldes, sie kommen aber auch auf Matten, Bergwiesen und Hängen vor. Die dunkelblaue Akelei und das Maiglöckchen blühen am Waldesrand, während blauer Enzian und weiße Anemonen, wie Windröschen, Teufelsbart und B e r g - hähnlein, Wiesen und Matten mit ihren Blüten überstreuen. Dagegen bevorzugen die lilarosa P f i n g st n e l k e n , die kleinblütigen Steinbrecharten und die beiden S t e i n r ö s e l mit ihren rotoioletten Blüten mehr steinige Hänge. Bald beginnt auch das Blühen unserer schönsten Wildpflanzen, der Orchideen, die alle unter Naturschutz stehen. Da wächst im Buchenwald auf steinigem Untergrund der Frauenschuh. Seine Blüte ist merkwürdig geformt. Braunrote Zungen umgeben eine gelbe Lippe, die stark einem Pantoffel ähnelt. Die Händelwurz trägt an einem aufrechten Stengel kleine lilarosa Blüten; sie liebt feuchte Wiesen und Heiden. Auf sonnigen Hängen, im lichten Gebüsch, finden wir die verschiedenen rötlichbraunen Ragwurzen, die Fließen-, Bienen- und Spinnenblume, ebenso wie die mit ihren langen, grünlich-braunen Zungen sonderbar aussehende Riemenzunge. Die Knabenkräuter mit ihren helloioletten Blüten und die weißblühende Kukusblume sind Orchideen der Wiesen, Waldlichtungen und feuchten Heiden. Im Walde haben die Farnkräuter ihre Wedel aufgerollt. Auch Königsfarn, Straußfarn, Hirschzunge und Rippenfarn stehen unter Schutz. Von den Gehölzen sind Eibe, Wacholder, Hülse (Stechpalme) und der stark aromatisch duftende Gagel st rauch und S u m p f p o r st geschützt. Ja selbst bis in die Gewässer reicht der Naturschutz. Hier werden blaue und gelbe Schwertlilien und weiße Seerosen vor dem Aussterben bewahrt. Schon diese kurze Zusammenstellung läßt die Reichweite der Naturschutzoerordnung erkennen. In ihr sind sogar Pflanzen aufgezählt, die stellenweise so häufig auftreten, daß wir einen besonderen Schutz für unnötig erachten. Trotzdem müssen auch sie geschützt werden. Wenn wir außerdem noch bedenken, daß die hier genannten Pflanzen nur den dritten Teil der gesamten geschützten Wildpflanzen ausmachen, dann wird jedem klar, daß minder neuen Naturfchutzgesetzgebung die Grundlage geschaffen ist, um dem werktätigen Menschen wirkliche Erholung in der Natur zu ermöglichen und zu gewährleisten. 4.— RM. Jgg., die mit dem Sonderzug am 26. 6. zur Steckelburg fahren wollen, haben sich umgehend in den auf der Dienststelle des Bannes 116 aus- liegenden Einzeichnungslisten einzutragen. Weitere Auskunft erteilt die Bannführung. Ortsgruppenabend der Frauenschast Gießen-Süd. Nach langer Pause hielt die Ortsfrauenschaft Gießen-Süd ihren Pflichtabend im Studentenhaus. Der Abend war dem Anschluß Oesterreichs gewidmet. Frau Herzog begrüßte die Mitglieder und sprach herzliche Worte der Freude und des Dankes über die großen Ereignisse der vergangenen Monate. Dann begann Frau Professor v. Reichenau ihren Vortrag über „ben wirtschaftlichen Anschluß Oesterreichs". Sie schilderte zunächst in klaren, leicht verständlichen Worten die hoffnungslose Lage Oesterreichs nach dem „Friedensvertrag" von St. Germain, der Deutsch-Oesterreich aller Absatzmöglichkeiten beraubte und es dem Untergang preisgab. Dann gab die Rednerin ein Bild von der jetzigen wirtschaftlichen Lage im Verbände Großdeutschlands, das sich mit einem Schlage ganz anders darstellt. Sie erklärte die österreichische Fabrikation, die mehr kunstgewerblicher Art ist, schilderte die herrliche Landschaft als Erholungsland, und hob den Reichtum an Wasserkräften, der für gewerbliche Anlagep genutzt werden kann, hervor. Durch Oesterreich erweitert sich der deutsche Wirtschaftsraum bis zum Schwarzen Meer. Die Hauptsache aber, das, was alle begeistert und erfreut, ist die Blutsverwandtschaft, das Mitfühlen und Verstehen dieser deutschen Menschen, und so ist der Anschluß Oesterreichs niemals aus wirtschaftlichen Erwägungen erfolgt, sondern als eine Tat der Liebe, als selbstverständliche Heimkehr ins große, deutsche Vaterland anzusehen. Der zweite Teil des Abends war der deutschen Musik österreichischer Meister vorbehalten. Frau Kasten sang Lieder von Mozart und Schubert, die Frau Fischer am Klavier begleitete. Alle Teilnehmerinnen lauschten begeistert den schönen Liedern, die längst zum deutschen Volksgut gehören. Der Gruß an den Führer, aus dankbarem Herzen, schloß den eindrucksvollen Abend. F. K. Verleihung des Treudienst-Ehrenzeichens. Der Oberbürgermeister bringt heute eine Bekanntmachung zur öffentlichen Kenntnis, in der Aufschluß über die Wege zur Anmeldung von Angestellten und Arbeitern in der freien Wirtschaft zur Verleihung des Treudienst-Ehrenzeichens gegeben wird. Die Bekanntmachung fei der besonderen Beachtung der beteiligten Personen empfohlen. HU28 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Sreitag,3.3uni 1938 Nichtiges Zeitunglesen. Wir leben in einer Zeit, die so reich an Gescheh« nissen ist, daß jeder einzelne sich bemühen muß, diese Zeit bewußt mitzuerleben. Die Zeitung ist das Organ, das die entlegensten Gegenden mit der Welt verbindet. Wohl haben wir jetzt auch den Rundfunk, aber wie oft wird der ruhige Empfang der politischen Nachrichten unterbrochen, wir hören nur mit halbem Ohr hin und haben das Gehörte bald wieder vergessen. Oft heißt es auch bei der Verkündigung neuer Gesetze und Maßnahmen: der Wortlaut ist aus der Tagespresse zu ersehen. Ein andermal sind wir zerstreut, verstehen nicht deutlich und schalten mißmutig aus. So ist die Zeitung unentbehrlich, und sie sollte es auch für die Frau immer mehr werden. Aber man muß die Zeitung richtig lesen. Dazu kann jede Hausfrau sich selbst erziehen. Heute ist die Zeitung die erste Bildreporterin. Sie übermittelt die Ereignisse ganz lebendig. Diese Bilder werden auch die Frau interessieren, sie wird dann weiter die Geschehnisse im In- und Ausland verfolgen und regelmäßig lesen. Auch der wirtschaftliche Teil der Zeitung darf nicht übersehen werden. Gerade auf volkswirtschaftlichem Gebiete erleben wir eine so ungeheure Umwälzung, es wird so viel Neues ausprobiert und geschaffen, daß es auch Pflicht der Frau ift, hier auf dem Laufenden zu bleiben. Der geschäftliche Teil ist ebenfalls wichtig und interessant. Die Presse ist die große Vermittlerin FUSSBODENBELAG PROSPEKT 61 DURCH BALATUM-WERKE • NEUSS jeder Werbuyg, sie ist die Schrittmacherin für den Geschäftsverkehr und für den Betrieb des einheimischen Handwerks. Schon in der Schule lernen unsere Kinder das Zeitunglesen. Sie fragen zu Hause und wollen Auskunft haben. Da muß die Mutter Bescheid wissen, muß unterrichtet sein über das Geschehen in der Welt. So nur kann sie ihrer Zeit gerecht werden und sich verbunden fühlen mit ihrem Volk und ihrem Land. Bald wird auch die Frau soweit kommen, daß sie wichtige Nachrichten ausschneidet, interessante Bilder sammelt, aufhebt und für späteres Nachlesen einordnet. Denn die Menschen vergessen sehr schnell, wenn sie ihrem Gedächtnis nicht nachhelfen. Die Zeitung aber ist ein Mittel, nicht nur tätig und bewußt unsere ereignisreiche Zeit mitzuerleben, sondern sie hilft uns auch, die Erinnerung zu bewahren an großes einmaliges Geschehen. F. K. Vom Kirchen- und Lindenplah. Die Arbeiten für die Umgestaltung des Kirchen- und des Lindenplatzes find bisher mit großer Schnelligkeit vorangetrieben worden. Schon jetzt kann man die Umrisse des neuen Profiles dieser beiden Plätze erkennen. Die Bordsteine sind gesetzt, und für die Durchführung der Straßenzüge wird von frühmorgens bis zum späten Abend, zum Teil auch nachts, gearbeitet. Die neue Straßenbahnführung wird noch zu den Pfingftfeiertagen fertiggestellt fein. Die Gleise sind vom Marktplatz bis zum Kirchenplatz ein Stück vom Bürgersteig entfernt worden, so daß dort die fürchterliche Enge verschwilidet. Zwischen Kaplaneigasfe und Schloßgasse ist die Kurve begradigt worden, so daß die Gleise hier in gerader Richtung zum Lindenplatz führen. An der Ecke Lindenplatz-Walltorstraße machen sie eine kleine, durch das vorstehende Eckhaus bedingte Biegung. Der größte Teil dieser Straßenbahnführung liegt schon fest, die einzelnen Verbindungen am Marktplatz und am Lindenplatz sind gerade in Arbeit, so daß für den morgigen Gchwarze Störche. Von Karl Scherer. Der Wiesenbach, der aus dem Rohrgürtel des schilfigen Quellweihers auf der schmalen Matte zwischen den Waldbergen kommt, steigt plätschernd von Stufe zu Stufe zur Talsohle hinab. Dort strömt sein Wasser unter dem dichtschattenden Blätterdach der Werden und Erlenbüsche weiter bis zu dem algengrünen Wehr der Säaemühle, über das die Flut breit hinwegschäumt und dessen tiefer Kolk von Schmerlen und Forellen wunmelt Don beiden Seiten senken sich laubgrüne Buckel herab, und am Waldrand blüht es bunt und farbenfroh unter dem frischgrünen Buchenaufschlag, Storchschnabel und Tausendgüldenkraut, goldgelber Hahnenfuß und violette Sandwicken. Ueber dem schluchtengen Tal wölbt sich der blaue Frühlingshimmel, Admirale und Feuerfalter gaukeln von Blüte zu Blüte, Hummeln und Bienen surren vorüber, und in der schicktmernden Höhe ziehen Gabelweihen ihre schönen Kreise. Ein großer Schatten schwebt über die Baumkronen zur Wiese herab, schwenkt über dem Buschwerk des Wasserlaufs zur Erde und steht minutenlang unbeweglich zwischen den Kümmelstcruden und Rohrschwingeln — der schwarze Waldstorch der von den Ufern des Nils ober aus dem KaMnd lurückaekebrt ist und feinen alten Horst im Geäst Sommereid)« in her liefe der un- übersehbaren Wälder bezogen hat, ist herzugestrrchen, schreitet gemessen durch das hohe Gras und beginnt o^Ei^^oßer,^ kräftiger Vogel und kin schmucker Geselle: lackrot der degenspitze, starcke Schnabel Brüst und Unterseite leuchten sllberwrtß.Jetzt reckt er sich im seichten Bachbett hoch auf, lüftet die tief- schwatzen Schwingen, legt sie Alatt und blank nneber zusammen und glättet mit dem Schnabel die Brus , unb Flüaeliedern; bei jeder Bewegung gleißen die dunklen Teile des Gefieders über dem weißen Leid stählblaugrün wie funkelndes Erz, baw wie m Goldbronze, überhaucht von Purpurschllleruns ^ünaoldenem Glanz kein anderer Vogel unseres ErÄteUs zeigt im Sonnenlicht «inen so strahlenden Metallschimmer wie der Waldstorch. , , Nun schwebt auch das Weibchen herzu, bäumt üuf einem Ast der Silberpappel auf und sichert lange in die Runde; denn wenn der weiße Storch auÄen Behausungen der Menschen nistet und wah- renb der Brutzeit jede Scheu vor ihnen verlier der Waldstorch bleibt immer ein scheuer Einsiedler, der die Menschen flieht und die ttefste Einsamkeit sucht. Doch die Lust ist rein; der Sägemüller ist mit dem Gespann im Walde, nur das ferne Rauschen und Stoßen des schweren Schaufelrads kommt eintönig durch das Tal herauf. Ohne Sorae gesellt sich die Störchin zu dem im flachen Wasser auf- und abspazierenden Gatten und sucht, wie er, einen blanken Silberfisch zu erschnappen. Jetzt fährt sie blitzschnell zu, der Kopf zuckt zurück, in der roten Klammer windet sich eine fette Schmerle und verschwindet im Schlund. Geruhsam stelzen beide den Bach hinauf, und ein grasgrüner Wasserfrosch, der sich am Ufer sonnte und trotz meterweiten Sprunges die deckenden Stauden nicht mehr erreichte, muß daran glauben. Doch keinen Augenblick verläßt die scheuen Fischer die Vorsicht. Behutsam und lautlos treten sie zwischen den schwarzen Wurzelstöcken und glattgewaschenen Steinen umher; die flinken Forellen und Aeschen, die wie Schatten durch die Wasser huschen, sollen nicht im sicheren Versteck der überhängenden Ufer vorzeitig untertauchen. Da rauscht es in der Luft von schnellen Schwingenschlägen — ein Stockentenpärchen prasselt durch die dichten Ellernzweige und jagt die Fischer auf, die steil und hastig hochsteigen. Einen Augenblick glänzt das Gefieder in der Sonne wie rotes Gold, dann sind sie über den Wipfeln verschwunden. Wer hat den Waldstorch schon in der Freiheit gesehen? Seit mehr als einem halben Jahrhundert steht er in Deutschland unter Schutz, doch das hat sein Aussterben nur wenig aufgehalten. In ben mächtigen Wäldern Ostpreußens finb noch etwa 65, in der Einsamkeit der Lüneburger Heide, im Forstort „Raubkammer" unweit von Göhrde, noch sieben Horste zu finden; das ist alles. Hat die Trockenlegung und Urbarmachung der Moore und Sümpfe die herrlichen Fischreiher und Kraniche stark vermindert — gegen das Vorkommen des Schwarzen Storchs sind sie noch häufig; auch Schweden, das Dorado der Wat- und Wasservögel, beherbergt nur noch wenige Paare. Tief im Waldinnern, wo moosbewachsene Rottannen zwischen verwitterten Findlingsblöcken und kupferbraunen Schwarzkiefern aufragen und der hundertjährige, ausgehöhlte Eichenüberhälter feine Arme über den verschlammten Fischweiher streckt, steht auf einer breiten Astgabel unter der abgestorbenen Krone der Horst des Waldstorchs. Kein kunstvoller Bau; ttockne Fichten- und Birkenreiser, Wurzeln, an denen noch die Erde haftet, Moos- unb dürre Grasbüschel, Schilf- und Riedstengel bilden die NestmulÜe, in der bald drei ober vier grünlich-weiße Eier liegen. Die Störchin brütet allein, doch trägt ihr der Storch in der Morgenfrühe allerlei Gutes zu: Blindschleichen, eine junge Schleie oder Barbe, einen Maulwurf oder eine Lurche — die saftigen Grashüpfer nicht zu vergessen! Sommerlich still ist es unter ben alten Bäumen; Libellen schießen wie Funken über bas sumpfige Wasser bes Weihers, Eichhörnchen turnen in den Wipfeln, und auf dem nahen Wechsel trollt morgen^ und abends ein Rudel Rotwild vorüber — das stört die Storchfrau nicht weiter; taucht aber ein Mensch auf, so streichen die Alten lautlos vom Horste ab. Nur der graubärtige Förster, der allein den Standort des Horstbaumes kennt, pirscht sich Tag um Tag behutsam heran, um seine Pflegebefohlenen aus gemessener Entfernung zu beobachten und sich dann still wieder zu drücken. Nur auf Umwegen, um nicht zum Verräter des Ortes zu werden, nähert sich der alte Stprch dem Horstbaum; über einem anderen Waldteil schraubt er sich in prächtigen Spiralen zu schwindelnder Höhe auf, läßt sich im Sturzflug wieder fallen, und dann erst geht es durch die deckenden Baumwipfel in sausender Fahrt dem Neste zu. Vier Wochen sitzt die Störchin auf dem Gelege. Die Jungstörche sind grauweißgescheckte Dunenkinder, dik von ihrer künftigen Schönheit nichts ahnen lassen. Schon gegen Ende des Erntemonats ist der Nachwuchs flugbar. Täglich werden Kraft und Ausdauer der jungen Schwingen geprüft, kühner werden die Flugbilder, bis am Morgen des letzten Augusttages der Grünrock, der jetzt auf dem Pirschsteig heranschleicht, den Horst leer und verlassen findet — die großen Südlandflieger haben wohl schon die Donau hinter sich und streben weiter den Küsten Afrikas zu — dem neuen Frühling entgegen ... Von der schwarzen Kunst. Man spricht mit Recht von einer Buchdruckerkunst. Handwerkliche Ferttgkeit, künstlerische Geschicklichkeit und wissenschaftliche Sorgfältigkeit sind Voraussetzungen, für die Entstehung eines Buches; und wenn Verfasser und Zeichner bereits Feder ober Stift aus ber Hand gelegt haben, dann beginnt die vielfältige Arbeit bes Buchdruckers, die vor Jahrhunderten noch vielseitiger dadurch gewesen ist, daß in den alten „Offizinen" — noch 150 Jahre nach Gutenbergs Erfindung — die Buchdrucker sich ihre Schriftzeichen selbst herstellten. Erst um 1570 wurden in Deutschland die ersten selbständigen Schriftgießereien begründet. Es ist in diesem Zusammenhänge »bemerkenswert genug, das 1568 in Nürnberg erschienene „Ständebuch", „Eygentliche Beschreibung aller Staende", zu befragen, wie dort die Dinge lagen. Wird nämlich sonst Frankfurt a. M. als erste Stadt zünftiger, für sich selbständig arbeitender Schristgießer genannt, so t)at das alte, treue Nürnberg auch hier die Vorhand. Denn schon in diesem Buche, das Jost Amman bebilderte und Hans Sachs textlich betreute, ist unser Gewerke mit Versen vermerkt, die anschaulich die Vielseitigkeit des „Buchstabengießers" schildern. Mit Stolz vermerkt ein alter Chronist von der Buchdruckerei: „Diese herrliche Kunst ist gegen bas Mittel bes 15. Seculi in Deutschland erfunden worden" und die „Jünger der schwarzen Kunst", wie sich ber Buchbrucker nicht ungern nennen läßt, können sich rühmen, ihren „Mannschastsersatz" bereits .frühzeitig aus den gebildetsten Schichten be- zogen zu haben. Als nämlich Gutenbergs große Erfindung begann, eine neue Kulturepoche zu erschließen, da brauchte das junge Handwerk ober die neue Kunst kluge Köpfe und geschickte Hände. Ein kleiner Teil des Volkes erst konnte lesen und schreiben; die meisten Volksgenossen gingen zum öffentlichen Schreiber, um ihre seltene Korrespondenz durch ihn erledigen zu lassen. Schreiber waren zumeist studierte Leute; also ergab es sich von selbst, daß Studenten, ja Magister und Doktoren sich zu der neuartigen Schriftlegung drängten. Auch 'heute noch stellt die Setzerarbeit hohe Ansprüche an den „Schnellhasen", wie man in der Buchdruckersprache einen flinken Setzer nennt. Die eigentlichen Buchdrucker wiederum, die nach dem Schriftgießer und Schriftsetzer in Aktion treten, haben ihren künstlerischen Vorgänger im Holzschneider zu suchen, der ja auch schon vor Erfindung der beweglichen Schrift- zeichen stereotype Abdrucke von Zeichnungen anfertigte. Die Verguickung handwerklichen, künstlerischen und wissenschaftlichen Zusammenarbeits, die beim Buchdrücke zutage tritt, ist gewiß Grund zu der interessanten Tatsache gewesen, die der „Verband der deutschen Buchdrucker" feststellen konnte, daß besonders viele deutsche Buchdruckereien jahrhundertelang unter einer Firma, oft sogar im gleichen Familienbesitze bestanden und geblüht haben. Noch 1917 im Weltkriege, der gewiß der wirtschaftlichen Stabilität nicht günstig war, gab es über 330 Druckereien, die 100 bis 400 Jahre bestanden; davon stammen die sechs ältesten aus der Zeit von 1470 bis 1506; 22 andere wurden im 16. Jahrhundert, weitere 53 im Jahrhundert des mörderischen 30jährigen Krieges gegründet bamstag mtt der JndkkrleHnahme der Straßenbahn zu rechnen ist. Bis zum Pfingstsonntag wird auch die Durchführung der Fahrbahn vom Marktplatz zum Linden- platz und die Fertigstellung der längs der Stadtkirche sich hinziehenden Verkehrsinsel beendet sein. An der Verkehrsinsel sind die Arbeiter bereits mit dem Auflegen der Betondecke beschäftigt. Bei der Fahrbahn sind noch umfangreichere Vorbereitungen erforderlich, ober auch hier wird die Betondecke bis zu den Feiertagen so aufgelegt werden, daß der provisorische Durchgangsverkehr für die Straßen- passanten wieder ausgenommen werden kann. Die Asphaltdecke wird erst nach den Feiertagen hergestellt werden, so daß bis zum 116er-Tag mit der Benutzung dieser Durchgangsstraße gerechnet werden kann. Die völlige Fertigstellung der beiden Plätze pirt) dann allerdings noch geraume Zeit in Anspruch nehmen. Auch am Lindenplatz sind von den Marktlauben her die Arbeiten rasch vorwärtsgetrieben worden, so daß der Wochenmarkt bald wieder einen weiteren Zugang erhalten wird. * ♦* Verschönerung unserer Anlagen. Die Stadtverwaltung hat jetzt mit einer erneuten Verschönerung der Anlagen begonnen. Am Stadttheater / Ecke Johonnesstraße und Neuen Bäue sind diese Ansätze bereits durchgeführt. Es handelt sich um die Einfassung der Anlagen mit Betonsteinen. Dadurch verschwinden die unschön wirkenden Eisenbänder, die oftmals sinnlos beschädigt wurden. Die neue Einfassung gibt den Anlagen ein gefälligeres und freundlicheres Aussehen. ♦* Rheinfahrten an Pfingsten lassen sich durch den stark erweiterten Fahrplan der Köln- Düffeldorfer Rhelndampfschiffahri auf längeren und kürzeren Strecken leicht ausführen. Für den Pfingst- Ausflugsverkehr werden zu den Frühschiffen noch besonders verbilligte Ausslugsrückfahrkarten ausgegeben. Kleine Strafkammer Gießen. Gestern wurde die Berufung der I. R. aüs Lauterbach gegen ein Urteil des Amtsgerichts Lauterbach, durch das sie wegen leichtfertiger falscher Anschuldigung zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt worden war, vor der Kleinen Strafkammer verhandelt. Die Angeklagte hatte im vorigen Jahre einen anonymen Brief an die Gendarmeriestation in Lauterbach geschrieben, in dem sie zwei ihr bekannte Frauen des Vergehens der Abtreibung bezichtigte. In der gestrigen Berufungs- verharrdlung gab die Angeklagte zu, die Briefschreiberin gewesen zu sein, sie behauptete jedoch, Pch be- rechtiat gehalten zu haben, die Verdächtigungen auf Grund gewisser Vorkommnisse zur Anzeige zu bringen, so daß der Vorwurf der Leichtfertigkeit gegen sie nicht erhoben werden könne, wenn auch fach- lich, wie sich einwandfrei herausstellte, ihre Verdächtigungen nicht zuträfen. Nach eingehender Prüfung des Sachverhalts kam das Gericht zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagten die Grundlosigkeit ihrer Beschuldigungen sofort hätte klar sein müssen. Mit Rücksicht auf die Schwere der hierdurch zum Ausdruck gebrachten Ehrverletzung der beiden Zeuginnen sah das Gericht keine Veranlassung, bie Strafe zu ermäßigen, und es verwarf die Berufung im vollen Umfang. Hessen-Nassau-Fahrt des BOM. Oer zweite Abschnitt hat begonnen. pfingstfahrt von Gießen durch den Odenwald. NSG. Wenn man sieben verheißungsvolle Ferientage vor sich hat, dann kann auch ein trüber Him- mel und ein bissel Regen der Freude feinen Abbruch tun. Und so herrschte am Frankfurter Südbahnhof am Donnerstagvormittag ungeteilt übermütige Wanderstimmung, als die Sonderzüge des BDM. mit 1000 Jungmädel aus dem Obergau und 900 BDM.-Mädel aus Frankfurt, Wiesbaden und Mainz nach dem L a h n t a l und in den Vogelsberg abfuhren. Mittags brachte ein dritter Sonderzug 700 Mädel aus Gießen, Dill-Eder, dem Vogelsberg und Obellahngebiet nach Hetzbach im Odenwald, wo fre am späten Nachmittag ankamen. Rund 125 Fahrtengruppen erwandern in den nächsten sechs Tagen die Heimat. Es sind überwiegend Mädel aus den Großstädten, die Leben und Sitten unserer Landgebiete kennenlernen sollen, um ihnen dafür das Geschenk fröhlicher Dorfabende, offener Liedersingen und lustiger Kindernachmittage zu bringen. Dies ist besonders die Aufgabe verschiedener Spielscharen aus Darmstadt, Frankfurt und Mainz, die ein ausgewähltes Programm durchführen werden. , Der große Anklang und die gastfreundliche Aufnahme, die die ersten Fahrtengruppen bei allen Volksgenossen unseres Gaues fanden, läßt hoffen, daß auch der zweite Fahrtabschnitt ein reiches und frohes Erlebnis für die Teilnehmerinnen und ein voller Erfolg für einen wesentlichen Teil der Sommerarbeit des BDM. sein wird. Es sah nicht gerade verheißungsvoll aus, als am gestrigen Donnerstag in der Mittagsstunde die Mädel und Jungmädel des Untergaues 116 mit gepacktem Tornister zur Pfingstfahrt am Bahnhof in Gießen antraten. Der Regen konnte aber die Stimmung nicht trüben; denn mit dem ersten Ferientage, ob von der Schule oder aus dem sonstigen Pflichtenkreis, tat sich die Erwartung auf eine schöne Fahrt durch die hessische Heimat für die Mädel auf, die eine frohe Stimmung vorherrschen ließ. Endlich gingen die Hoffnungen in Erfüllung, die Vorbereitungen waren sorgfältig getroffen, und auch der letzte Tornisterappell war gut überstanden. Nun ging es durch die Sperre zum Zug, der die 200 Jungmädel und Mädel des Untergaues 116, die die Führerin des Untergaues des BDM., Käthe P»f e f f e r, begleitete, zu den Kameradinnen aus anderen Orten des Gaues bringen fosite. Durch die schöne Wetterau nach Höchst (Odenwald) führte der erste Teil der Hessen-Nassau-Fahrt. Dort wird die Aufteilung in die vorgesehenen Fahrtengruppen vorgenommen, und dann setzt die Sternwanderung durch ein schönes Stück hessischer Erde, durch den Odenwald, ein. 3n Hetzbach ist schließlich der Treffpunkt für alle Wandergruppen, und von dort aus werden die Gießener Mädels, um ein Erlebnis reicher, ihre Heimfahrt antreten. Aus der engeren Heimat. Rechner Müller, Lich t- -/- Lich, 2.Juni. Gestern abend verstarb an einem Herzschlag der langjährige Rechner der Licher Bank, Friedrich Heinrich Müller. Er war am 2. Oktvber 1875 in Frankfurt a. M. geboren, wurde in Lich erzogen und erlernte nach seiner Schulzeit den Kaufmannsberuf. In Straßburg genügte er seiner militärischen Dienstpflicht, war dann längere Zeit als Reisender für eine große Frankfurter Eisenfirma tätig und trat nach seiner Heirat mit Luise Katharine Reger dahier in die Regersche Eisschrankfabrik als Teilhaber ein. Nach einer glücklichen Rückkehr aus dem Weltkrieg wurde Müller im Jahr 1924 als Rechner der Licher Bank berufen. In 14jähriger rastloser Tätigkeit verstand es der nunmehr Entschlafene, durch seinen großen Fleiß, sein reiches kaufmännisches Wissen, seine banktechnischen Kenntnisse und sein gediegenes Organisationstalent die Bank zu ihrer jetzigen Größe zu entwickeln. Neben seinem hauptamtlichen Beruf war Rendant Mül ler noch in manchem Ehrenamt zum Wohl der Allgemeinheit tätig. Seine besondere Liebe gehörte als alter Soldat und Krieger der Kriegerkameradschaft Lich. Im Ortsmännerverein vom Roten Kreuz verwaltete er das Amt eines Rechners. Seit 15 Jahren führte er die Kasse des evgl. Erziehungsheims in Arnsburg. Seit einigen Jahren war er Aufsichtsratmitglied der Dolksbank in Gießen. Sein plötzliches Ableben bedeutet deshalb nicht nur für die Licher Bank, sondern auch für unsere Stadt und die verschiedenen von ihm rechnerisch betreuten Vereine und Institute einen schweren Verlust. Das Andenken dieses treuen deutscken Mannes wird von allen, die ihn kannten, in hohen Ehren gehalten werden. \ Verschönerungsarbeiten in Lich. 3) Lich, 1. Juni. In den verflossenen Wochen wurden in unserer Stadt zahlreiche größere Arbeiten durchgeführt. In erster Linie gehören dazu die S t r a ß e n a r b e i t e n. Da in der Ober- und der Unterstadt die Einfahrten zu den Hvfreiten noch mit Pflaster eingedeckt waren, wurden sie jetzt alle mit Platten belegt. Die großen Pflastersteine fanden anderweitig Verwendung. In der Braugasse wurde der Fußgängersteig auf der Westseite der Straße aufgebrochen und mit neuen Platten belegt. Die Gießener Straße, die viele Schlaglöcher aufwies, erhielt bis zum Kreuzweg eine neue Decke aus Splitt und Teer. Ein nicht gerade schönes Bild bot bis vor kurzem die Kirchgasse mit ihrem holprigen Pflaster vom Marktplatz ab bis zum Liebfrauenberg. Dieses wurde jetzt durch ein neues mit großen Pflastersteinen ersetzt. Das schönste Bild bietet sich jetzt am Bahnhof bar. Die umfangreichen Arbeiten sind dort bis auf einige Kleinigkeiten beendet. Die breite Straße, jetzt die schönste Straße unserer Stadt, mißt an ihrer schmälsten Stelle auf der Fahrbahn sieben Meter. beiden Seiten ist ein sauberer Fußgängersteig mit Plattenbelag von je 2,50 Meter Breite. Die Sinkkästen für die Kanalanlage sind seitlich eingebaut worden. Um das Bild an Festtagen noch schöner zu gestalten, sind Vorrichtungen getroffen worden, um etwa 60 Fahnen aufzustellen. Arn kommenden Sonntag, dem 100 jährigen Jubelfest der „Sän- geroereinigung» Cacilia", werden die Fahnen zum ersten Male die Festgäste grüßen. Die älteren Fußgängersteige an der alten Post wurden/ausgebessert, zum Teil erneuert. Die Anlieger an der neuen Bahnhofstraße haben unter Aufbringung erheblicher Kosten alles zur Verschönerung des Bildes aufgeboten. Die an die Straße anstoßenden Gärten erhielten neues Spalier, neue Blumenbeete wurden angelegt. Die Fleisch- und Wurstwarenfabrik in der Bahnhofstraße hat sich gut in das Stadtbild eingefügt. Wenige Meter weiter in die Stadt hinein, vor der neuen Post, wurde der Gedenkstein für den großen Sohn unserer Stadt, den Komponisten Heinrich N e e b , errichtet. Aber auch sonst wurden in der Stadt noch viele Erneuerungsarbeiten vorgenommen, so daß unsere Handwerker kaum in der Lage sind, die vielen Arbeiten alle erledigen zu können. Große Erneuerungs- und Verbesserungsarbeiten ließ die Stadtverwaltung auch am neuen Waldschwimmbad vornehmen. Um das Bad in jeder Beziehung einwandfrei zu erhalten, wurde es während des Winters gehörig entschlammt und ein Kanal zum besseren Durchfluß des Wassers angelegt. Ein weiteres größeres Nichtschwimmerbecken von 1,40 Meter Tiefe wurde eingebaut, so daß nun drei Nichtschwimmerbecken mit verschiedenen Tiefen vorhanden sind. Der neue Sprungturm in der Mitte des Bades ist noch im Bau, er wird aber in den ersten Tasten fertiggestellt werden. Ferner sind gegenwärtig noch 42 neue Kabinen im Bau, so oaß mit den schon vorhandenen älteren nun 52 Einzelzellen und zwei Gemeinschaftsauskleideräume vorhanden sind. Der neue Erfrischungsraum am See- bamm geht ebenfalls feiner Vollendung entgegen. Das Bad wurde inzwischen eröffnet und auch fleißig benutzt. Der Verkehrsverein hilft den Wettbewerb zur Stadtverschönerung noch weiter steigern, indem er die Inhaber der mit Blumen- und Grünschmuck am besten ausgestatteten Häuser mit Preisen belohnen will. Gesangvereins-Jubiläum in Großen-Auseck wg. Großen-Buseck, 1. Juni. Am vorigen Samstag und Sonntag beging der hiesige, älteste Gesangverein, „Germania", die Feier seines 75jährigen Bestehens. Als Auftakt gab der Verein am Samstagabend in der festlich geschmückten Turnhalle ein Jubiläums- Chor- und Orchesterkonzert unter Leitung seines Chormeisters Rudolf Nicolai. Vor einer großen Zuhörerschaft, die den Raum der Turnhalle füllte, brachte der Chor mit seinem vortrefflichen <5timmaterial Werke deut- scher und auch einiger ausländischer Komponisten zu Gehör, die bei der Zuhörerschaft mit Recht starken Beifall auslösten. Der „Radetzky"-Marsch von Strauß mit Orchesterbegleitung fand so starken Anklang, daß er wiederholt werken mußte. Die Kreiskapelle Wetterau unter Leitung von Kapellmeister Schleuse bereicherte den Abend durch ausgezeichnete instrumentale Darbietungen und hal erfolgreich mit, das Jubiläumskonzert der „Ger- manta* zu einem schonen und denkwürdigen Erlebnis zu gestalten. Sonntagmorgen marschierte die HI. mit Fanfarenbegleitung zum Weckruf durch die Ortsstraßen. Um die Mittagszeit bewegte sich ein stattlicher Fest- zug durch das Dorf, wobei am Kriegerdenkmal vor der Kirche auf dem Anger zunächst eine Heldenehrung stattfand und der Dereinsführer Karl B o - narius einen Kranz niederlegte^ Dann sprach als Vertreter des Sängergaues 12 Berufsschullehrer @engnagel ((Brünberg), der dem Verein bereits am Vorabend die Glückwünsche des Gauführers, Ministerialrat Ringshausen, überbracht hatte, über die große Bedeutung des deutschen Liedes, insbesondere im Dritten Reich. Dabei nahm er auch die Ehrung des Sängers Heinrich Pfeiffer XII. vor, dem er für 50jährige aktive Sängertätigkeit die Goldene Sänger-Ehrennadel überreichte. Der Jubilar war von Seiten des Vereins mit einem Geschenk bedacht worden. Ein Vertreter des Gesana- vereins „Liederkranz" Gundershaim (Rheinhessen), mit dem der Jubiläumsverein durch freundschaftliche Beziehungen verbunden ist, überreichte dem Verein eine Fahnenschleife. Sodann überreichten Frl. Henß und Frl. Bell off dem Vertreter des Sängergaues 12, Berufsschullehrer Geng- nagel, das im Festzug mitgeführte neue Vereinsbanner, das nach Der Weihe von Ortsgruppenleiter Hof dem Verein übergeben wurde mit einem Hinweis auf die hohe Bedeutung der Fahne. Bürgermeister Schwalb hielt dann eine Ansprache über die kulturelle Bedeutung des deutschen Liedes. Am Schluß dieser Feier wurden die Mitglieder Heinrich Harbach II., Wilh. Dietrich, Friedrich Hahn und Heinrich Stein III. zu Ehrenmitgliedern ernannt. Anschließend wurde der Marsch zu den Festhallen auf Dem Sportplatz fortgesetzt, wo sich viele Volksgenossen einfanden und dadurch ihre Verbundenheit mit dem Verein bekundeten. Der Nachmittag brachte noch schöne Gesangsvorträge der Gastvereine und ließ alle Be- sucyer einige genußreiche Stunden verleben. Das Volksfest am Montag nahm den gewohnten Verlauf, jedoch mußte das vorgesehene Jugendfest der beiden obersten Schulklassen, das turnerische und sportliche Darbietungen bringen sollte, wegen des Regenwetters ausfallen. Landkreis Gießen. $ Alten - Buseck, 1. Juni. Die Ortsgruppe Alten-Buseck der N S D A P. hielt im Rabenauschen Saale einen Schulungsabend ab. Ortsgruppenleiter Kahl eröffnete die Versammlung und forderte die Block- und Zellenwalter auf, an einem achttägigen Schulungs-Lehrgang in Großen-Linden teilzunehmen. Dann hielt Pg. Schulrat N e b e l i n g einen Vortrag über das Thema „Gleiches Blut gehört in ein gemeinsames Reich". Ortsgruppenleiter Kahl dankte dem Redner für den lehrreichen Vortrag und schloß die Versammlung in der üblichen Weise. △ Reiskirchen, 1. Juni. Die hiesige Spar- und Darlehenskasse hielt dieser Tage ihre ordentliche Generalversammlung ob. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit kurzem Gedenken an die im abgelaufenen Geschäftsjahre verstorbenen vier Mitglieder. Dann erstattete Kontrolleur Stumpf den Jahres- und Geschäftsbericht. Er konnte feststellen, daß die Spar- und Darlehenskasse einen weiteren Aufstieg zu verzeichnen hat. Dank der völligen Beseitigung der Arbeitslosigkeit in Reiskirchen und Umgegend und dem Nebenverdienst der Klein- Icnidwirte, herbeigeführt durch Mangel an Arbeitskräften, konnten sich die Spareinlagen von rund 387000.— RM. des Vorjahres auf nahezu 420000.— RM. erhöhen. 1161 Sparer haben ihr Geld bei der Kasse angelegt. Die Abhebungen beliefen sich auf über 95 000.— RM., die Einzahlungen auf über 128 000.— RM. Die Schulsparkasse erbrachte den Betrag von 2027,20 RM.; davon entfallen auf Reis- kirchen 1382,70 RM., auf Hattenrod 644,50 RM. Der nationale Spartag erbrachte 5045.— RM. Je- dem neugeborenen Kinde wird von der Kasse ein Kassenbuch mit 3.— zum Geschenk gemacht, um damit gleichzeitig an den Sparwillen zu appellieren. Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte die Kasse ihre sämtlichen laufenden Schulden tilgen. Der Umsatz im Jahre 1937 betrug 3 089 242.— RM. Auch das Warengeschäft hat im Berichtsjahr gute Erfolge gezeigt. Der Umsatz und Vertrieb von Dünge- und Futtermitteln, Saatgut usw. betrug 41000 RM. Durch die Vermittlung der Kasse wurden 425 dz Getreide abgesetzt, die einen Wert von 8601.— RM. darstellen. Um den Landwirten zur besseren Nutzbarmachung der Futtermittel, hauptsächlich Kartoffeln und (Brünfutter, zu verhelfen, sahen sich Vorstand und Aufsichtsrat veranlaßt, eine fahrbare Dämpfkolonne anzuschaffen. Der Redner legte den Versammelten nahe, regen Gebrauch von der Einrichtung zu machen. Dies setzt natürlich voraus, daß ein Futtersilo vorhanden ist. Gleichzeitig forderte er auf, Futtersilos zu bauen, wozu vom Staat Dau- zuschuh gewährt wird. Weiter wies der Redner auf die Benutzung der Saatgutreinigungsanlage hin. Es dürfte keinen Landwirt mehr geben, der nicht sein Saatgut reinigen und beizen lasse. Der Reingewinn der Kasse betrug im Jahre 1937 = 2285.— RM.; er wird verteilt: 5 v. H. Dividende, 300.— RM. Reservefonds, 300.— RM. Betriebsrücklage und der Rest auf neue Rechnung vorgetragen. Am Schluß seiner Ausführungen forderte'der Vortragende die Mitglieder auf, weiter im guten Genossenschaftsgeiste zur Kasse zu stehen. Die Bilanz wurde genehmigt und dem Vorstand und Auffichtsrat Entlastung erteilt. Die aus dem Vorstand und Aufsichtsrat satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder wurden wiedergewählt. In den Aufsichtsrat wurde für den in den Vorstand (durch den Tod des Vorstandsmitgliedes Wilhelm Becker II. frSigeroorbe- nen Posten) aufrückenden Ludwig Döring, Karl Stumpf II. neugewählt. Die Versammlung wurde dann in der üblichen Weise geschlossen. Bauernspiele in Eschbach. Ein schönes Erlebnis. Der Buchstein festen und mit ihm über 2000 Besucher sahen. am Himmelfahrtstag die Erstaufführung des nassauischen Heimatspiels um den „Räuwerschelm" „Schinnerhannes" von Wilhelm Reuter. Bauern und Arbeiter verwirklichten auf dieser einzigartigen Naturbühne des Usinger Landes ein Laienspiel, in dem sich echt, wahr und treu das Volk in seinem Denken, Tun und Fühlen, wie es das gute Laienspiel erfordert, selber gestaltet. Was sich da vor den prächtigen Zacken der Eschbacher Klippen begab, das alles lebt noch in den Erzählungen der alten Nassauer Bauern weiter. Der „Schinnerhannes" hat zum Spiel ein ganzes Dorf mobilisiert, und so stt das Spiel ein köstlicher Bilderbogen, in dessen Szenen die kernige Gestalt des Räube'rhauptmanns Schinderhannes, sein starker Gegner Millerfranz, die Lumpelies, das Julchen, Leidecker, Buttla, die Massenszenen der (Stiemet« schlacht mit dem Kreuznacher Markt und dem Mori- tatenfäpger mit der Drehorgel, von lusttgen und komischen Auftritten unterbrochen, an den Augen der Besucher in spannender Weise vorüberzieht. Der nächste Aufführungstag ist der 6. Juni (2. Pfingsttag), und er verspricht jedem aus nah und fern bei einem Pfingstausflua in den Hinteren Taunus zum Besuch der Eschbacher Bauernspiele emen schönen erlebnisreichen Tag. Rittmeister K. Haffe siegt in Warschau. Als zweites Hauptereignis neben dem Preis der Nationen gab es am Donnerstag beim Warschauer Reitturnier den Preis der Polnischen Armee, ein Jagdspringen der Klasse S, bei dem jeder der 44 Bewerber zwei Pferde über den Kurs zu schicken hatte. Als einziger Teilnehmer bewältigte Rittmeister K. Hasse auf Tora und Goldammer den Kurs ohne jeden Fehler und konnte für feine feine Leistung den Ehrenpreis aus den Händen des polnischen Marschalls Rydz-Smigly entgegennehmen. Bahnradrennen in Giehen. Wie bereits berichtet, findet am 12. Juni in Gießen das erste diesjährige Bahnradrennen statt. Es ist schon eine große Anzahl von Meldungen eingegangen. Der Veranstalter, die Gießener Radfahrer-Vereinigung, hat schon verschiedene Verpflichtungen Dorgenommen. Leider kann der bekannte Kölner Fahrer Jean Schorn wieder nicht an den Ablauf gehen. Obwohl er seine Meldung abgegeben hatte, wurde dem Veranstalter auf Anfrage von der obersten Radsportbehörde in Berlin mitgeteilt, daß Schorn am 11. Juni, also am Vorabend des Gießener Rennens, die deutschen Farben in Kopenhagen vertreten muß. Die deutsch-holländische Mannschaft Klein-Hofman, die bereits zu dem ausgefallenen Rennen gemeldet hatte, konnte verpflichtet werden. Die beiden Dortmunder Harre- Schneider sind zwei starke Fahrer, wovon ersterer ein ausgezeichneter Spurter ist. Prinz-Frey aus Köln sind zwei Fahrer, die schon mehrmals mit 'guten Leistungen,bei den Gießener Rennen auf» warteten. Aus Frankfurt geht die bewährte Mannschaft Gassenmeyer-Bär an den Start. Gassenmeyer ist dem Gießener Publikum kein Unbekannter, Bär konnte im vergangenen Jahre zusammen mit Linnemann das erste Rennen siegreich beenden. Sodann wurde noch eine Hanauer Mannschaft Richter- Bassermann verpflichtet, die zu guten Leistungen befähigt ist. Wert Äs für Paris „im Entwurf". Mit 15 Spielern nach Frankreich. / Oie Halbstürmerfrage immer noch offen. Die Reichssportführung hat von den 22 der FIFA gemeldeten Spielern 15 Mann bestimmt, die am heutigen Freitagmorgen ab Duisburg mit Reichstrainer Herberger die Reise nach Paris zum Vorrundenkampf gegen die Schweiz antreten. Die 15 „Erwählten" sind: Rastl (Wien), Buchloh (Berlin), Janes (Düsseldorf), Schmaus (Wien), Streitle (München), Kupfer (Schweinfurt), Mock (Wien), Kitzinger (Schweinfurt), Lehner (Augsburg), Hahnemann (Wien), Gellefch (Schalke), Gauchei (Neuendorf), Szepan (Schalke), Neumer und Peffer (Wien). Wer von ihnen einen Platz in der Ländermannschaft erhalten wird, entscheidet sich erst kurz vor dem Kampf, der am Samstag um 19 Uhr im Pariser Prinzenpark-Stadion seinen Anfang nimmt. Die Nennung der 15 Spieler läßt bereits einige Schlüsse zu, wer nun eigentlich gegen die Schweiz aufgestellt wird. Das Tor hütet b6r Wiener Raftl. Hans Jakob (Regensburg) konnte wegen privater Verhinderung nicht mitgenommen werden. Für die Verteidigung stehen Janes, Schmaus und Stteitle zur Verfügung. Der junge Münchener ist die große Entdeckung der Weltmeisterschafts - Vorbereitungsspiele. Forsch, schlagsicher, schnell und hart arbeitete er gegen Aston Villa einmal mit Schmaus, einmal mit Janes. Ob man ihn in diesem wichtigen Spiel schon einsetzen wird, bezweifeln wir, da Janes und Schmaus nicht schlechter, Dafür aber erfahrener sind. Fest steht auch die Läuferreihe, wo man den ausgezeichneten, vor allem im Ausbau so nützlichen Wiener Mock zwischen die Schweinfurter Kampfhähne Kupfer und Kitzinger geft f" hat. Die Besetzung Der Angriffsreihe ist noch i vlig offen. Nur Pesser unD Gauchei haben hier bisher einen festen Platz. Ob man Die rechte Flanke mit Hahnemann- Szepan, Lehner-Hahnemann, Lehner-Gellesch oDer Hahnemann-Gellesch bilDet und am linken Flügel Pesser-Neumer oder Pesser-Szepan spielen läßt, entscheidet sich erst in Paris. Der Den Schweizern gefährlichste Sturm wäre sicherlich Hahnemann, Szepan, Gauchel, Neumer, Pesser, Der einmal Den Vorteil eines eingespielten linken Flügels und Der Mitwirkung unseres altbewährten Mannschaftsfüh. rers Szepan hätte, Der in letzter Zeit zwar nicht in Hochform war, aber bisher noch in keinem Läüberspiel ausfiel. Wahrscheinlicher jedoch ist, daß man sich für Lehner, Hahnemcm, Gauchel, Szepan, Pesser entscheidet. Die beutsche Elf wirb also mit großer Wahrscheinlichkeit antreten mit: Raftl (Wien); Janes (Dussel- borf), Schmaus (Wien) ober Streitle (München); Kupfer (Schweinfurt), Mock (Wien), Kitzinger (Schweinfurt); Lehner (Augsburg), Hahnemann (Wien) ober Gellefch (Schalke), Gauchel (Neuendorf), Szepan (Schalke), Pesser (Wien) ober Neumer (Wien). Der Schiedsrichter. Am Donnerstagabend wurden auf einer Sitzung der Regel- und Schiedsrichter-Kommission des Fuß' ball-Weltverbandes in Paris die Schiedsrichter bestimmt, Die Die Spiele am 4. und 5. Juni um die Fußball-Weltmeisterschaft leiten. Der Begegnung zwischen Deutschland und Der Schweiz am Samstag im Pariser Prinzenpark wirD Der Belgier John ß a n g e n u 5 als Schiedsrichter vorstehen. Langenus hat auch im Mai Die EnglänDerspiele in Deutsch' lanD gepfiffen. eldung Ln* dem d-s Le. tauf, den Helm i auf mdes • treu , wie ialtet. Eich' । den : »eiter, anzes sicher leftalt ♦ tarier Ichen, ieroel. Ulori« i und tiugen ht- m (2. i iinb iertn piete Berlin t Dor« färben hollän- e ner« harre- ersterer M aus ils nnt n aus- Mann- nmeyer :r, Bär Sinne* Johann Aichter* ftungen iweizern „emann. mal W u ti>W ■aflsfW' Länder* afe Messer lemanu' |d) *. ft ©Ihring-Melchior-Bier ist anerkannt vorzüglich / Spezialität: „Hessenquell“ (Pilsner) feinstes hellt helles Tafelbier Hundert Jahre „Cacilia" in Lich stand auch hier feinen Mann. Philipp Anthes. LICH Waldschwimmbad 3784 D 3785D Werbe-Drucksachen bei Brühl. Schulstr. 1 altehrwürdiges Städtchen mit ausgedehnten Wäldern. Idyllisch gelegenes einen sehr Diri- Elektrische Licht- und Kraftanlagen Sanitäre Anlagen 3783» Briefkasten der Nedaktton. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Anfrage K. S. Gemäß § 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Auflockerung der Kündigungstermine bei Mietverhältnissen über Wohnräume vpm 24. März 1938 bleiben die vertraglichen oder gesetzlichen Bestimmungen über die Dauer der Kündigungsfrist unberührt. Müßte nach diesen Bestimmungen für den Schluß eines längeren als einmonatigen kalendermäßigen Zeitabschnitts spätestens am 3. Werktag eines Kalendervierteljahres oder in einem vertraglich anders bestimmten Zeitpunkt gekündigt werden, so ist bei der Kündigung eine gleichlange Frist einzuhalten. Das bedeutet für Ihr Mietverhältnis folgendes: Sie können jetzt nicht nur am 3. Werktag eines Vierteljahres zum Ende eines Ka- lenderoierteljahres, sondern auch am 3. Werktag eines beliebigen Monats kündigen. Kündigen Sie z B. am 3. Juni, so läuft das Mißverhältnis am 31. August ab. Dadizi'egel Drainagerohre Ringofensteine Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstagnach. mittag geschloßen Im Sommer 1853 beschloß die „Cäcilia" Ausflug nach Münzenberg. Wegen eines schmerzhaften Leidens wollte der langjährige____ gent anfangs nicht teilnehmen, ließ sich hiernach aber doch bereden und ging mit. Ein Vorstandsvereine geltend: am 1 0. I u n i 18 6 0 fand auf dem prächtig gelegenen, bis heute benutzten Festplatz auf der Hardt ein Waldfest statt, an dem die Vereine „Orpheus" und „Harmonie" zu Butzbach und Abordnungen derer von Langsdorf und Grünberg teilnahmen, wobei auf Anregung Zimmers die Gründung eines Sängerbundes besprochen und ins Auge gefaßt wurde. Er fühlte, daß der einzelne nur im ganzen wirken und zur Geltung kommen kann. Tatsächlich kam auf sein Betreiben schon im September desselben' Jahres der „Deutsche Sängerbund" zustande, aus dem sich 3 Jahre später der „Lahntal-Sängerbund" entwickelte, der zuletzt die besten Stadt- und Land- vereine Oberhessens und der' angrenzenden preußischen Gebiete umfaßte und nach 70jährigem Bestehen im Jahre 1933 sein Wirken beendete. Seit dieser Zeit war die „Cäcilia" dem „Chattiabund" zugeteilt, von dem sie sich aber 1937 wieder gelöst und dem „Sängerbund Kreis Gießen" angeschlossen hat. Sechs Jahre leitete Zimmer mit größter Gewissenhaftigkeit erfolgreich den Verein, „da wurden eine Anzahl Sänger wegen einer Geringfügigkeit, die dem Dirigenten als Eigenmächtigkeit ausgelegt HeinrichWalz LICH Bahnhofstr. 1j • rernruf 247 Lieber Ton werke G. m. b. H. Lidl (Oberhessen) Fernruf 305 Zimmer fand einen würdigen und ebenbürtigen Nachfolger in dem zur Zeit noch amtierenden Stiftsorganisten K. Stein, der den alten Lorbeeren neue hinzufügte. Das beweisen die Wettstreite zu Büdingen, Nidda und Lang-Göns und das Jubiläumsfest 1928. Ein Vierteljahr leitete Lehr^L K. D ö r m e r vertretungsweise die Gesangsstunden'. Der jetzige Dirigent Ernst Jlge bemüht sich mit jugendlichem Eifer und anerkannten Chormeisterqualitäten, die Leistungen der „Cäcilia" auf der errungenen Höhe zu erhalten oder wenn möglich noch zu steigern. Aber nicht vom Dirigenten allein hängt der Stand eines Vereins ab. Dazu gehören auch ein zielbewußter Vorsitzer und eine freudig mitarbeitende Sängerschar. Darum jei hier zweier Männer gedacht, die für den Verein von besonderer Bedeutung geworden sind. Als landfremder Wandergeselle kam der eine vor nahezu 50 Jahren in Lich an. Land und Leute gefielen ihm, er fand „Anschluß", blieb und ward ein eifriger Sänger. Stimm- und vertretungsweise stabführend bewährte er sich bei allen Dirigenten, so daß ihm der zweite-Vorsitz und die Ehrenmitgliedschaft des Vereins zuerkannt wurden: dem Schreinermeister Heinrich B a r z, der 1891 aus der Pfalz nach Lich kam und hier seine zweite Heimat gefunden hat. Mit ihm zusammen arbeitete, in inniger Freundschaft verbunden, 31 Jahre lang als erster Vorsitzer Heinrich Schmidt VIII. zum Wohle und Segen des Vereins. Seiner nimmermüden, aufopferungsvollen Tätigkeit hat die „Cäcilia" ein gut Teil ihres Aufstiegs und Ansehens in Stadt und Sängerbund vor allem mitzuoerdanken. Ein Unglücksfall setzte dem Leben des um Vaterstadt und Verein hochverdienten Mannes ein jähes Ende (9. 9.1937). Seine Sangesbrüder in Verein und Pund bewahren ihm, den sie schon 1925 zum Ehrenvürsitzer ernannt hatten, ein treues Gedenken. — All der andern allen Mitglieder zu gedenken, die sich um den Verein verdient gemacht haben, verbietet die Rücksicht auf den Raum. Erwähnt seien außer den erfolgreichen Wettstreiten und den freundschaftlichen Beziehungen zu oen Brudervereinen noch drei Höhepunkte im Der- einsleben, die befruchtend auf die innere Tätigkeit eingewirkt haben: die Teilnahme Mvn Abordnungen an dem großen Deutschen Sängerbundesfest 1928 in Wien, dem 11. Deutschen Sängerfest 1932 zu Frankfurt a. M. und dem 12. zu Bresalu. Wer das Glück hatte, diese Feste mitzuerleben, wird noch lange davon erzählen können. Vergessen seien auch nicht die schon zur Tradition gewordenen alljährlichen Pfingstgänge mit ihren Gesängen in den verschiedenen Teilen der Stadt, die der „Cäcilia" zu den allen immer neue Zuneigungen und Freunde bringen. Heuer feiert nun ganz Lich das hundertjährige Bestehen des Jubelvereins, an dem die ganze Stadt freudigen Anteil nimmt, und sie verbindet damit die Weihe eines Denksteins für den Mann, der feiner Vaterstadt größter bürgerlicher Sohn ist und dem das deutsche Lied so viel zu danken hat: Heinrich Neeb. Möge das Fest zu aller Freude so verlaufen, wie alle es wünschen, damit L i ch s Ruf als Feststadt erhalten bleibe und sich mehre, die „Cäcilia" aber, mit neuer Kraft und Sanges- lust eintrete in ihres Bestehens zweites Jahrhundert. Dazu herzlich Glückauf! 100*feletöer5.B.„Gö(lllß“,£iili 5*, 6. und 7.3uni 1938 (Pfingsten) 1. Feiertag: Totenehrung — 11 Uhr: Weihe des Neebgedenkstemes — lo Uhr. Jubt- TmtmSfnniiert ui der großen Festhalte (7 Vereine)— 20.30 Ähr: Kommers. 2 Keiertaa' 13 Uhr: großer bist, Festzug (9 Festwagen, .5 Musittapellen)— Kundgebung — Singen der Gastvereine Volksfest. 3»Feiertag: Morgens FrübsÄopvenkonzert. Mittags: Kinderfest, Volksbelustigung. Musik: Musikkorps II/J R- 86. Einmaliger Eintritt NM. 0.30 Dauerkarte NM. 1.— Tageskarte RM.0.60 381QP Chöre^ „m allen Stimmen" tatkräftig unterstützt. Die Singstunden wurden im Schplsaal der Stifts- schule gehalten, die Kosten für Heizung und Beleuchtung des Rau/nes trug die schon erwähnte Fürstin Henriette, die sich jederzeit als Förderin des Vereins und somit der Sangessache erwies. Wie es Handwerksbrauch war, zog im Jahre 1844 der 17jährige Spenglergeselle Zimmer in die Fremde, um sich in seinem Beruf weiter auszub:l- den, Land und Leute kennenzulernen, seinen Horizont zu erweitern. Wer ihn genauer kennen lernen durfte, wird bestätigen, daß ihm das vollkommen gelungen ist. Er zählte später zu den geistreichsten und besten Bürgern der Stadt. Erst 1851, nach den Sturm- und Brausejahren des Vaterlandes, kehrte Zimmer als gereifter Mann mit klarem Blick in die Heimat zurück, um in der väterlichen Werkstatt die Kräfte mit andern zu messen. Selbstverständlich trat er dem Verein sofort wieder bei und Elche zwischen Meer und Memel von Marlin Sahies Insgesamt 120 Seiten mit 82 hervorragenden Naturaufnahmen des Verfassers aus 56 Kunstdruckltafeln. 3n Leinen gebunden RM. 3,60. Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen und der Verlag entgegen. Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde Mitglied, das mit Anthes auf gespanntem Fuße lebte, erhob jedoch Widerspruch und weigerte sich, unter dessen Leitung zu fingen, verlangte sogar des Dirigenten Rücktritt. Eine Abstimmung über dieses Verlangen siel mit überwältigender Mehrheit zugunsten Anthes aus; das Vorstandsmitglied schied infolgedessen aus dem Verein, Anthes aber legte im Herbst des Jahres nach 15jähriger uneigennützigster Tätigkeit freiwillig den Stab nieder. Ein anderer Leiter war nicht ■ sogleich zu finden, und so ruhte die Vereinstätigkeit, die „Cäcilia" löste sich sogar auf; das Inventar aber wurde bis zur Gründung eines neuen Vereins von der Stadt in Verwahrung genommen. Fünf Jahre gingen dahin. Man schrieb das Jahr 1858. „Es war ein Sonntag hell und klar, ein wunderschöner Tag im Jahr. Ich hatte...", so erzählte Zimmer, dem wir alle diese Mitteilungen verdanken, „einen Spaziergang gemacht und kehrte auf dem Heimweg im ,Einhorn* ein, um mein Schöppchen zu trinken. 16 junge Leute trafen sich nach und nach, wir fangen manch muntres Lied und einer, Hch. Lotz, regte die Gründung eines neuen Gesangvereins an. Allgemeine Zustimmung! Wer soll aber die Leitung übernehmen? Du, Zimmer! Jawohl, aber ich muß meinem Beruf nachgehen; wenn Ihr mir die aufgewandte Zeit vergüten wollt, bin ichs zufrieden. Einverstanden!" Achtzig junge Leute melden sich zum Beitritt, der neue Verein übernimmt Namen und Eigentum des alten und singt. Heinrich Lotz wird Vorsitzer und Zimmer leitet die Singstunden, zeitweise durch den ihm befreundeten Lehrer Karl Walz (1816 bis 1886) vertreten. Die Einübung der Lieder geschah mit Hilfe einer Violine, die Vergütung für den Dirigenten („Direktor", wie Zimmer bis zu seinem Tode genannt wurde) betrug 36 Gulden; die Kosten wurden durch wöchentliche Beiträge von drei Kreuzern (9 Pf.) pro Mitglied aufgebracht. Damit die Sänger ihre Verpflichtungen genau kannten uiid ihnen gewissenhaft nachkommen konnten, wurden die Statuten lange Jahre hindurch alljährlich verlesen und durch Unterschrift der Mitglieder als bindend anerkannt. Unter dem neuen Dirigenten, der selber begeisterter Sänger war,,wuchs die Sangesfreude und die Zahl der Mitglieder, und schon nach etwa einem halben Jahr, am 15. Februar 1859, konnte die Sängerschar bei einer „Gesangsunterhaltung mit Ball" im „Einhorn" in reichhaltiger Vortragsfolge mit guten Chören aufwarten und starken Erfolg ernten — ein Zeichen, wie gut es Zimmer verstand, feine Sänger zu leiten. Schon in dieser Zeit machte sich das Bedürfnis nach engerem Zusammenschluß- der einzelnen Sing- „Wo man singt, da laß dich ruhig nieder ohne furcht, was man im Lande glaubt mo man pngt, fca wird kein Mensch beraubt Bösewichter haben keine Lieder." , 3um geflügelten Wort gewordene Ausspruch Jvh. ©ottjrieb Seumes (1763 bis 1810) möae den Auftakt dieser Zeilen bilden. ’ 9 Gesungen wurde zu allen Zeiten und an allen Orten, wo Menschen wohnen und ihrer Gemüts- EI™"9 Ausdruck verleihen wollen. Der Sanges- reude verdankt die „Cäcilia" in Lich ihre 6nt- jn?Un9’ Geburt als ursprünglich gemischter (p°r wahrscheinlich schon in die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fällt und keinen andern 5^ rnler? .$ c 1 ,n r 1 d) Neeb zum Vater hat. Lei- hnnhinb fe,"rerJßl schriftliche Urkunden darüber vor- handen, weil lange Zeit keine Protokollbücher ge- ben^ah^iv Aufzeichnungen gemacht wur- "der die von Neeb aufgestellten und eigenhändig geschriebenen Statuten — „Gesetze für den ?en9DS 6na.nn\cr .ste —' die mit seinem übn- gen Nachlaß im Frässn Deutschen Hochstift zu Frankfurt a. M. auföewahrt sind, stammen aus dieser Zeit, in der er sich, nach seiner Entlassung aus dem Lehrerseminar zu Friedberg (1824) um öie Hebung des Gesangs im Gottesdienst seiner Heimatgememde Lich bemühte. In dieser Annahme werden wir bestärkt durch ein Bewerbungsschreiben Needs um Übertragung einer Schulstelle zu Lich, ^em er sagt: „Da ich ... schon oft von meinen tocyulfreunDeti sowohl* al; auch von andern Musik- liebhabern aufgefordert wurde, eine Zeitlang in M 3U leben um die seit dem Tode des Herrn Pfarrer Bruhl gänzlich darniederliegende Musik, welche insbesondere durch kirchliche Gesänge immer |o wohltuend auf die Gemüther wirkte, wieder in Ausnahme zu bringen ..." Neeb bekam zwar die begehrte Stelle nicht, er mußte hinter einem älteren Bewerber zurucktreten (der 22jähfige hatte sich um nichts weniger als um die Rektorstelle beworben — er griff, wie immer, nach dem Höchsten), aber er ichuf trotzdem einen kirchlichen gemischten Chor, und die für diesen entworfenen Statuten sind ein wichtiges Dokument für die Art, wie Neeb feine Dirigententätigfeit auffaßte und welche Anforderungen er schon in jungen Jahren an die Haltung feiner Sänger stellte. Sie lassen auch erkennen, wer als fördernde Kraft hinter Neeb stand: niemand Geringeres als die kunstsinnige, musikliebeiide und -ausübende Fürstin-Mutter Henriette, die ihn zu gemeinsamem Spiel heranzog und deren Empfehlung er es auch wohl zu danken hatte, daß er den Musikunterricht der gräflichen Kinder im Schloß zu Büdingen übernahm. Vermutlich hat sie ihm auch die Mittel zur Verfügung gestellt, die ihm seine Reisen nach Italien und Frankreich ermöglichten. Nach Neebs Weggang von Lich und feiner endgültigen Ueberftemung nach Frankfurt war der Chor in Lich wieder führerlos, bis die Fürstin Henriette im Jahr 1835 den Schwiegersohn ihres Kammerrates ,S e i d e l, den Musiklehrer H il li- g e r aus Mecklenburg zur Leitung des Vereins berief. Da dieser aber in Lich keine auskömmliche Beschäftigung fand, sah er sich schon im folgenden Jahr nach einer einträglicheren Tätigkeit in Frankfurt um, und so wurde der Chor abermals „in den Ruhestand" versetzt. Doch die Freude am Gesang und der Wille zu feiner Ausübung ließen sich nicht unterdrücken. Angeregt durch den Großvater dcs Sattlers R e u ß, den sog. „vornehmen Reuß", der im Laubacher Schloß gearbeitet hatte und durch die Gefangsvorträge des dortigen Vereins begeistert nach Lich zurückkehrte, scharten sich im Jahr 1838 ,82 sangesfreudige Männer und Jünglinge zusammen und riefen den heutigen Jubelverein ins Leben. Da er auch anfänglich hauptsächlich kirchlichen Zwecken diente, so erhielt er der hl. C ä - c i l i a , der Schutzpatronin der Musik, insbesondere der Kirchenmusik, zu Ehren seinen Namen, zumal die Gründungsversammlung am 22. November, dem Gedächtnistag der Heiligen, stattsand. Der damalige hochangesehene 1. Stiftslehrer und erste Lehrerorganist an der Marienstiftskirche, Joh. Phil. Anthes (1792 bis 1865) erklärte sich bereit, die musikalische Leitung des Vereins zu übernehmen. Völlig kostenlos stellte er 15 Jahre lang feine freie Zeit dem Verein zur Verfügung und brachte den Gesang auf eine beachtenswerte Höhe, so daß der Verein schon an dem 1840 zu Butzbach abgehaltenen Wetterauer Sängerfest mit Erfolg teilnehmen konnte. Das folgende Jahr sah die „Cacilia' m Friedberg, wo sie bereits ihre Fahne, „die schönste im Festzug", entfaltete, wie der alte „Direktor Zimme r", der als Vierzehnjähriger an dem Feste teilnahm und im Neukommschen Tedeum („Herr Gott, dich loben wir") mitfang, im Jahre 1914 noch mit Genugtuung und Stolz erfühlte. Dem außer' gewöhnlich guten Gedächtnis dieses im Jahre 18-7 geborenen und 1918 im älter non 91 Jahren »er- ftorbenen Mannes haben wir die Kenntnis von der Geschichte der „Cäcilia" zum größten Teil zu danken. Schon als lljähriger Junge hat er das Ad- fchreiben« der Statuten, der einzelnen Singstimmen wie auch die Dienergeschäfte des Vereins besorgt und fejnen verehrten Lehrer bei der Einübung der Versand prima OberhessisGbe Wurst- n. Raucberwaren Hermann Schmidt IV., lich Fernsprecher 276: 382.3D ward, unartig", und Zimmer legte die Leitung nieder. Um das Weiterbestehen des Vereins zu sichern, übernahm Lehrer Jäger (1834—1919) die Führung des Vereins für acht Jahre ohne Vergütung. Der Verein zeigte sich erkenntlich und schenkte ihm zu seiner Hochzeit am 26. November 1867 eine schöne Standuhr. Nachdem die Aussöhnung und Einigung mit dem Gründer, Sänger und Leiter wieder hergestellt war, ließ er sich 1872 zur erneuten Führung des Vereins bis 1880 bewegen. Sechs Jahre lang hatte dann Präpa- randenvorsteher Hch Weitert (1829—1897) die Leitung, danach ging sie in die Hände des jungen tatkräftigen Schulverwalters Georg Stork über, der aber schon nach vierjähriger Tätigkeit im Jahre 1890 nach Altenstadt, Kreis Büdingen, versetzt wurde, wo er als Ehrenmitglied des Vereins heute noch im Ruhestand lebt. Nach einer kurzen Zwischenzeit, in der Lehrer K. Mulch, damals in Hungen, die Singübungen leitete, wurde die musikalische Führung dem Lehrer Wilhelm Zimmer (1863—1916) anvertraut, der sie 25 Jahre lang bis zu seinem frühen Tode behielt und die schon unter Stork beträchtlich gestiegenen Leistungen des Vereins auf eine vorher nicht gekannte Höhe brachte. Als Festdirigent leitete er mit großer Sicherheit die Gesamtchöre der 21. und 30. Lahntal-Sängerbund-Feste, die 1896 und 1914 in Lich gehalten wurden. Mit Beginn des neuen Jahrhunderts trat in Sänger kreisen eine Strömung in Erscheinung, die sich nicht überall segensreich auswirkte: das auf Anregung des früheren Kaisers durchgeführte Wettstreitsingen, das seinen großen Nutzen haben kann, aber häufig auf Ab- und Irrwege führte. Selbstverständlich nahm auch „Cäcilia" an diesen Bestrebungen teil, brachte viele schöne Preise heim, überschritt aber dank dem gesunden Empfinden der Dirigenten nicht die Grenzen und hielt an dem wahren Ziel des Männergesangs, der Pflege des deutschen Volksliedes, fest. Philipp Zimmer. Ernst Jlge. (Aufnahmen [3J: Vereinsarchiv der „Cäcilia".) Xu Sfin&sten alles in neuer Kleidung! Sie feiern das schöne Pfingstfest in guter Laune, wenn Sie richtig angezogen sind, fetzt haben Sie noch Gelegenheit, aus der reichhaltigen Auswahl das richtige herauszufinden. Für die Damen empfehlen Wir: Damen-Mäntel. 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