Samstag, 2./Sonntag,Z.)uli 1958 188. Zahrgang Nr. 152 Erstes Blatt Mr eine Atempause? Deutschland W an der stabilen Währung fest! I Kreditbasis, sondern nur in der P r o d u k t i o n s -, Preis- und Warenbasis bestehen. Der Glaube an die Stabilität der Währungen Deutsch-englische Finanz- und Wirt- schastsverhandlungen abgeschlossen. Ich freue mich, feststellen zu können, daß zwischen Deutschland und England gerade jetzt wieder ein handelspolitisches Abkommen Zustandekommen wird, das verspricht. beiden Interessen voll gerecht zu werden, und das die Handelsbeziehungen beider Länder in gute und vernünftige Bahnen leitet. Wir haben das Schwergewicht in den Verhandlungen auf vermehrten Güteraustausch gelegt und sind den Anschauungen der Vertreter der Anleihegläubiger, die vor allem auf eine weitgehende Transferierung von Zinsen und Amortisationen Wert legten, mit Argumenten entgegengetreten, die auch von den ausländischen Verhandlungspartnern chliehlich anerkannt werden mußten. Die Zerstörung der internationalen Wäh- rungsstabilität und der Zusammenbruch des internationalen Kreditaustausches haben die alten Grundlagen der Weltwirtschaft so nachhaltig erschüttert, daß neue Grundlagen für den internationalen Warenaustausch gefunden werden müssen Diese können nicht mehr in der Geld-, Gold- und österreichischen Bundesanleihen gewahrt worden. Die Garantieverpflichtung der englischen Regierung wird aus zusätzlichen Exporterlösen erfüllt werden, hinsichtlich der Zinsen der Dawes- und Bounganleihe und der privaten Schulden treten wesentliche Ermäßigungen ein. Günstige Beurteilung in England. London, 2. Juli. (DNB. Funksspruch.) Der Abschluß des deutsch-englischen Handels- und Wirtschaftsabkommens sowie die Ankündigung, daß weitere Verhandlungen zur Verbesserung der deutsch-englischen Handelsbeziehungen stattfinden, wird von der Morgenpresse insbesondere in politischen Kreisen allgemein b e g r ü ß t. Die Zeitungen widmen dem Abkommen zum Teil Leitartikel ihrer Wirtschaftsschriftleiter. „Times" hebt hervor, daß eine gesetzliche Verantwortung Deutschlands für die österreichischen Anleihen nicht prä- judiziert werde, zollt jedoch der deutschen Haltung Anerkennung. An anderer Stelle des Blattes heißt es dann, daß am Freitagnachmittag in der City große Zufriedenheit zum Ausdruck gebracht worden sei. ist überhaupt verloren gegangen, es ist gerade jetzt wieder eine allgemeine Beunruhigung durch die Furcht vor neuen Währungsmanipulationen der Weltwirtschaft hervorgerufen worden. Deutschland hält an der stabilen Währung fest, die durch eine sichere Produktionsgrundlage und feste Preise untermauert wurde und unerschüttert dasteht. Wir bieten der Welt die große Ehance, auf der Basis dieser festen Grundlage die Weltwirtschaft neu aufzubauen." Auf die innerdeutschen Wirtschaftsverhältnisse übergehend, unterstrich Reichsmimster Funk den Grundsatz, daß sie wirtschaftspolitisch, d H. nationalsozialistisch geführt werden muß, nach den gleichen Grundsätzen, die den Staat leiten: dem des allgemeinen Volkswohles, dem Staat und Wirtschaft diene. Voraussetzung dafür krschetitt täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte . Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Bezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.l.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr. . „ - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschiüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zrankfurl am Main 11686 London, 1. Juli. (DRV.) Wie wir hören, sind die deutsch-englischen Finanz- und Wirtschaftsverhandlungen zum A b - schluß gekommen, hierbei ist der den , u,, „ u yviv..„..v... ........ t s ch'e ein Vertrag, der Störungsursachen zwischen den Standpunkt hinsichtlich der RaMolge in diel Nationen beseitige, sei von ungeheuerem Werte. Stettin, 1. Juli. (DNB.) Reichswirtschaftsminister Funk sprach am Freitagnachmittag auf einer großen Kundgebung der pommerschen Wirtschaft in Anwesenheit des gesamten Führerkorps des Gaues und der führenden Vertreter der Behörden in Stettin. Der Reichswirtschaftsminister kam zunächst auf das Verhältnis zwischen Partei und. Staat in der Wirtschaftsführung zu sprechen. Alle Kraftströme unseres nationalen Lebens kämen heute aus der Politik, wie sie die Partei entwickelt habe, und es gelte auch für die Wirtschaft und ihre Führung der Grundsatz, daß der unterliegen werde und unterliegen müsse, der sich der Partei verschließe oder sich gar gegen sie zu stellen versuche. An Hand beweiskräftiger Zahlen wies Reichs- minifter Funk darauf hin, daß alle bei der Machtübernahme von den Gegnern des Nationalsozialismus gehegten Vermutungen, der Aufbau des Dritten Reiches werde an den W i r t s ch a f t s p rotz l e m e n scheitern, durch die Tatsachen restlos hinfällig wurden. Genau das Gegenteil fei eingetreten. Das nationalsozialistische Deutschland sei diesen Problemen nicht nur nicht erlegen, seine nationale Wirtschaft habe vielmehr eine Kraft entfaltet, die geradezu einzigartig in der Welt dastehe. Vor allem sei unser Land dank straffer Staats- und Wirtschaftsführung in der Lage, allen krisenhaften Zufälligkeiten der Weltwirtschaft zu begegnen. Es müsse der Weltöffentlichkeit immer wieder vor Augen geführt werden, daß die nationalsozialistische Staatsführung nicht nur einen gewaltigen Aufschwung der inneren deutschen Wirtschaftskräfte, sondern auch eine st ä r - kere Stellung Deutschlands im Welthandel herbeigeführt habe. „Deutschland", fo erklärte der Minister, „ist heute nach den Vereinigten Staaten von Ame rika und England das drittgrößte Wellhandelsland. hierbei ist die Tatsache von besonderer Bedeutung, daß es diese Stellung einnimmt, obschon ihm Kolonien nicht zur Verfügung stehen, Hinsichtlich der industriellen Produktion der Welt steht Deutschland hinter den Vereinigten Staaten von Amerika an zweiter Stelle. Wir konnten bei sinkenden Weltproduktionen unsere Erzeugung weiter steigern und unseren Anteil an der Weltproduktion erhöhen. Wenn uns leichtfertige und unverantwortliche Kreise in den letzten Wochen bei den internationalen Wirtschaftsverhandlungen, die Deutschland führen mußte, mit dem Schreckgespenst eines Wirtschaftskrieges unter Druck zu setzen versuchten, so sollten sich diese Leute nur einmal vorstellen, welche unübersehbare Folgen für die Weltwirtschaft und die von ihr abhängigen Volkswirtschaften der Ausfall der Wirtschaftskraft eines 75-Millionen- Dolkes von der überragenden Wirtfchaftsleiftungs- fähigkeit Deutschlands zeitigen müßte! Die schon heute in der Weltwirtschaft herrschende schwere Krise würde durch solche Maßnahmen zu einer allgemeinen Deroute ausarten. Und dabei ist Deutschland heute in der Lage, dem Niedergang in der Weltwirtschaft als einziges Land mit Erfolg zu begegnen! Schon feit Monaten fängt die deutsche Wirtschaft die Krise in der Weltwirtschaft mit seiner ungebrochenen und ständig weiter wachsenden Wirtschaftskraft ab. Die verantwortungsbewußten Staatsmänner und Wirtschaftspolitiker des Auslandes haben sich dieser Erkenntnis auch keineswegs verschlossen in den Verhandlungen, die von deutscher Seite zur Zeit mit 12 Staaten geführt werden. Ueberall ist der Wille zur Verständigung zum Ausdruck gekommen. Dabei wurde dem deut- j scheu Standpunkt weitestgehend Rechnung getragen. Deutschlands Wirischastsaufstieg unter nationalsozialistischer Giaaisführung Eine Rede des Reichswirischafisministers Funk in Stettin. sei einmal die Einheit von Partei und Staat in der Wirtschaftsführung gewesen, durch die die Wirt- schaftspolitik in Partei und Staat nach den glei- chen Grundsätzen ausgerichtet und geleitet wird. Die straffe Führung der staatlichen Organisation dürfe allerdings niemals zu einer Bürokratisierung der Wirtschaft führen. In diesem Zusammenhang erwähnte der Reichswirtschaftsminister, daß er kürzlich mitten im vollen Geschäftsbetrieb und unverhofft eine Exportfirma be- s i ch t i g t habe, um bei einem Einblick in die täg- liche Post feststellen zu müssen, daß diese zum größten Teil aus amtlichen Schreiben bestand, was keineswegs als erfreulich bezeichnet werden könne. Die staatliche Wirtschaftsführung fei allein politisch bedingt, niemals aber rein verwaltungsmäßig, weil sonst der Wirtschaftler zum Bürokraten gestempelt werde, von denen es in Deutschland noch mehr als genug gebe. Reichsminister Funk streifte den von ihm schon seit Monaten in Angriff genommenen Plan einer Dezentralisierung der Aufgaben des Reichswirtschaftsministeriums, die zu einer engen Fühlung mit d e r praktischen Wirt- schäft führen soll. Man müsse sich hierbei selbstverständlich hüten, etwa zusätzliche Verwaltungs- -körper zu schaffen, vielmehr mußten hierdurch Aufgaben der Zentrale in die dezentralisierten Stellen hineingeleitet und so den Selbstverwaltungskörpern der Wirtschaft eine starke Verantwortung und Autorität gegeben werden. Er appelliere an die Männer der Wirtschaft, sich der Uebernahme dieser Verantwortung nicht zu entziehen und richtete schon heute den Ruf an die verantwortlichen Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens, sich zur Verfügung zu stellen, um mitzühelfen bei diesen neuen Aufgaben. Zum Schluß begrüßte Reichsminister Funk, daß die Voraussetzung für die gesunde Entwicklung und das Gedeihen der Wirtschaft in dem bedingungslosen Vertrauen zur politischen Führung liege. Wenn er verlange, daß die Wirtschaft volksnah sein müsse, dann bedeute dies für den Unternehmer nicht nur die kameradschaftliche Haltung zu seiner Gefolgschaft. Der Unternehmer müsse vielmehr darüber hinaus mitten i n s D o l k hin- eingehen und engste Fühlung mit ihm halten. „Jedem muß klar werden, daß die Wirtschaftsführung keine geheimnisvolle Wissenschaft oder die Aufgabe einzelner Sachverständiger ist. Wirtschaftsführung ist nichts anderes als D o l k s f ü h r u n g , an ber das Volk weitesten Anteil nehmen muß. Meine Arbeit als Wirtschaftsminister werde ich stets im Volk und mit dem Volke vollbringen im engsten Einvernehmen mit der Partei und ihren Männern in den Gauen. So hoffe und wünsche ich, daß für die Wirtschaft und ihr Verhältnis zur Partei durch meine Besuche in den deutschen Gauen das enge Vertrauensverhältnis fest verankert wird, das erforderlich ist, um den Erfolg = zu erringen. Jeder muß Mitarbeiten an den immer ! größer werdenden Aufgaben, die uns der Führer . stellt. Zu ihrer Lösung müssen alle zusammenstehen i in nationalsozialistischer Volksgemeinschaft und sich i mit rückhaltlosem Vertrauen gegenübertreten. Die- i ses Vertrauen in der Wirtschaft herzustellen, be- : trachte ich als meine vornehmste Pflicht." übrigen unentwegt von deutschen Hegemonieabsichten in ganz Mittel- und Südosteuropa faseln. Man weiß natürlich sehr genau, daß das alles gelogen ist, aber es muß gelogen werden, um für den eigenen Wirtschafte- und Finanzimperialismus, der sich jetzt Südosteuropa in verstärktem Maße zum Objekt erkoren hat, den Boden zu präparieren und ausgesprochene Herrschafts- und Einkreisungstendenzen am Ende noch als eine „Hilfeleistung gegenüber der deutschen ,Expansion'" und als große Friedenstat hinzustellen. Das sind nur ein paar besonders hervorstechende Beispiele dieser antieuropäischen Offensive. Ihre Drahtzieher und Akteure haben ein festes Programm. Sie gehen davon aus, daß die gegenwärtige Entwicklung nicht etwa den Sinn haben darf, das gesamteuropäische Gefahrenrisiko abzubauen und vorhandene Besserungsmöglichkeiten pfleglich und klug zu behandeln. Für sie hat die augenblickliche Situation nur dell Wert einer Atempause, wie der einflußreiche französische Deputierte Pezet es kürzlich in einem vielbeachteten Artikel zur Lage auseinanderqesetzt hat. Pezet, Verfasser der deutschfeindlichen Einkreisungsschrift „Das Ende Oester- rcichs, das Ende Europas", hat in diesem Artikel mit aller Deutlichkeit die Ziele derer enthüllt die heute mehr denn je daran arbeiten, den Kurzschluß in Europa herbeizuführen. Die „Pflicht Europas in der gegenwärtigen Atempause sieht nach ihm so aus: fester denn je einen Ring zu schmieden, damit dem Reich nur die Wahl bleibe, sich.zu unterwerfen oder abzutreten. Von dieser „glücklichen Eventualität" sei Europa allerdings noch weit entfernt. Die Schuld gibt Pezet, genau wie Eden, Litwinow-Finkelstein und der ganze Volksfrontklüngel, jener Politik, die vor den „Angreifern" seit Jahren zurückweiche und den Frieden durch „Konzessionen" erkaufen zu können glaube. Das zielt auf Herrn Chamberlain. Noch zym- „Daily Telegraph" schreibt, das Unterhaus habe das Abkommen gut aufgenommen, und in politischen Kreisen sei über eine evtl. Erweiterung des gegenseitigen Handels-Volumens und einer Verbesserung der Handelsbeziehungen zwischen England und Deutschland begrüßt worden. „Daily Expreß' sagt u. a., es sei die >beste Nachricht, die unseren Handel erreicht habe angesichts der allgemeinen po- Mischen Spannung. Das Abkommen beweise Deutschlands freundschaftliche Haltung. „Daily Mail" hält in diesem Zusammenhang fest, das Abkommen sei ein weiterer Beweis für den Weg direkter Verhandlungen, Deutscherseits ist bisher gegenüber den Nationalitätenverhandlungen in der Tsche- ch o - S l o w a k e i loyale Zurückhaltung gewahrt worden. Das geschah, um jedem Vorwand die Spitze abzubiegen, daß vom Reich her die fällige Neuordnung erschwert und Herrn Hodza keine Chance und Zeit gelassen werde. Anderseits ist es klar, daß diese deutsche Zurückhaltung weder Interessenlostg- keit noch gar das Einverständnis mit einer Verschleppungstaktik bedeutet. So können wir nicht dar- über hinwegsehen, daß in Prag die Verhandlungen J noch immer nicht vorn Fleck kommen, daß sich je , länger je mehr ein wahres Labyrinth der Prozedur . auftut und daß zu allem Ueberfluh nun auch aus । dem eigenen Regierungslager gegen die „allzu weit . gehenden Konzessionsabsichten" Herrn Hodzas J ' Sturm gelaufen wird. . Ist das die Folge der Sünden der Vergangenheit, , die Folge jenes hemmungslosen Chauvinismus, der den meisten tschechischen Politikern jeden Sinn ; für die Wirklichkeit genommen hat, und den das j Prager System ruhig gewähren ließ? Oder wird , hier bereits der Boden für ein gefährliches Spiel vorbereitet, bei dem man sich achselzuckend auf die „Volksmeinung" berufen zu können hofft? Schon werden in Prag bedenkliche Verlautbarungen veröffentlicht, die in diese Richtung zu weisen scheinen. Hinsichtlich der Nationalitätenprobleme, so heißt es da z.,B., müsse daran erinnert werden, daß in der Tschecho-Slowakei keine Diktatur herrscht und daß die Regierung die von ihr getroffenen Entscheidungen nicht einfach in Kraft setzen kann. Man kann vor fo plumpen Versuchen, sich der eigenen Verantwortung zu entziehen, nur warnen. Vielleicht denken auch die Westmächte, die ja stets bereit sind, die Tschecho-Slowakei als den Hort der demokratischen Freiheit in Mitteleuropa zu feiern, über diese Kehrseite des Prager „demokratischen Systems" einmal nach. Dieses System ist schon innenpolitisch genügend in Mißkredit geraten, weil es entgegen jeder wahren Demokratie lediglich eine brutale M a j v - risierungsmaschinerie darstellt. Nun scheint es auch in anderer Hinsicht ein Stein des Anstoßes werden zu wollen, indem man sich im Namen der „demokratischen Freiheit" und unter Berufung auf die Spielregeln des parlamentarischen Systems vor der einzig natürlichen und notwendigen Entwicklung drücken möchte. Wieder einmal erleben mir es, daß gerade die angeblich so fortschrittlichen demokratischen Staaten im Grunde die größten Reaktionäre in der internationalen Politik sind. Auch beim besten Willen wird man also nicht sagen können, daß Prag die Zeichen der Zeit versteht, und daß dort der Wille sehr ausgeprägt fei, nach den schweren Krisen der letzten Wochen nun die Voraussetzungen für eine radikale Neuordnung der Verhältnisse zu schaffen und damit den längst fälligen europäischen Beitrag zu leisten. Glaubt man, darum herumzukommen, setzt man au) Zeitgewinn? Auf die Verbündeten? In einem gedankenreichen Vortrag hat kürzlich Lord Halifax über den steten Wandel allen Lebens philosophiert. Für sein Land zog er aus dieser Einsicht die Schlußfolgerung, daß es sich legitimen Entwicklungen nicht in den Weg stellen dürfe. Das ist alles sehr richtig und sehr schätzenswert, aber leider die Stimme eines Rufers in der Wüste, wenn nicht überhaupt nur gefällige Rethorik. Der Gang der offiziellen Politik Englands und erst recht der französischen verläuft in weniger forftchrittlichen Bahnen, ganz zu schweigen von jenen Kräften der Volksfront, die hn Verein mit unbelehrbaren Machtpolitikern alten Stils sich eine Lösung der drängenden Probleme nur in der Form eines Kurzschlusses zwischen „Demokratien" und „Diktaturen vorstellen können. Es ist nicht mehr zu verkennen, daß alle diese Kräfte seit einiger Zeit zu einer Offensive anqesetzt Hatzen, deren Ziele ebenso eindeutig wie ihre Erscheinungsformen vielfältig und verschieden sind. Daß dabei die ideologische Besessenheit der Volksfronten mit dem Versailler Gewaltdenken von Leuten wie Winston Churchill oder gewissen Politikern der französischen Rechten einen traulichen Bund eingegangen ist, mag seltsam erscheinen, i|t aber ein um so beredteres Kennzeichen dieser Zeit. Diesen, leider nicht einflußlosen Storungsfaktoren des europäischen Lebens ist die ganze letzte Entwicklung erheblich auf die N?rven gegangen. Warum? Weil sie Ansatzpunkte für eine Beruhigung mancher gespannten, höchst kritischen Verhaltnisie wenn nicht schon deutlich erkennen, so doch nicht unmöglich erscheinen ließ. So hatte Chamberlain mit Einsatz aller Energie den Nlchtelnml- fchungsapparat wieder flott bekommen. Sofort setzte hier der Gegenstoß über Moskau und Barcelona ein, um nicht nur die Schärfe der spanischen Frage unvermindert fortbestehen zu lassen, sondern auch jede Annäherung zwischen den vier europäischen Großmächten zu vereiteln. Da es die Clique um den ehemaligen Außenminister Eden war, die vor allem gegen eine frühere, unabhängig von der spanischen Klausel sich vollziehende Inkraftsetzung des englisch-italienischen Abkommens quer schoß, ist zwar interessant, weil hier nicht einmal vor dem eigenen Regierungschef Halt gemacht wurde, im übrigen aber nicht verwunderlich. Denn in diesen Bezirken ist man dem Dogma von der unversöhnlichen GegnerschaMzwischen den demokratischen und den autoritären Mächten verschworen, und um dieses Dogmas willen wird gegen jeden Ansatz zum Brückenschlag zwischen den beiden Großmachtachsen Sturm gelaufen und auch sonst in jeder Weise und wo es nur geht das Feuer geschürt. . So ist es auch kein Zufall, sondern planmäßig^ „große Politik", daß die Edensche „Yorkshire Post auch in der tschechischen Frage in der vordersten Front derer zu finden ist, die den Tschechen zur Unverträglichkeit und Unvernunft raten und im scher sind die positiven Vorschläge Pezets. Es reiche nämlich nicht aus, die alten Bündnisfronten von Versailles zu beleben. Die neue Einkreisung müsse umfassender gestaltet werden. Unabhängig von Versailles müsse sie z. B. auch Länder wie Ungarn mitumfassen, um einen geschlossenen Ring aller Donau- und Balkanvölker zu schmieden, die „bisher durch allzu viele Fehler voneinander getrennt wurden". v Herr Pezet ist modern. Um der Einkreisung Großdeutschlands willen möchte er sogar die vielgelästerte Revision in Kauf nehmen, um Ungarn an- zulocken. Der Revisionsgedanke, ein unentbehrliches moralisches und politisches Prinzip des Völkerlebens wird für diese vor nichts zurückschreckenden Leuten zu einem niedrigen machtpolitischen Instrument. Wenn schon gar nicht anders, dann muß der Unfrieden eben mit dem Mittel der Revision erkauft werden! . Mau soll all diese Dings nicht überschätzen. Mtt ihrer Unnatur tragen sie den Keim des Todes in sich. Dauernde gestaltende Kraft kann von solchen Hirngespinsten nie und nimmer ausstrahlen. Aber sie gehören in das Bild dieser Zeit und sie machen es auch verständlich, warum der Weg zur Befriedung und neuen Völkerordnung so schwierig und mit'ständigen Rückschlägen belastet ist. Dr. Hans von Malottki. Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/.Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text. anzeigen von 70 m m Breite 50 Rpf..Platzvorschrift nach vorh. Vereint; g. 25°/«, mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenhettsanzei- gen 5 Rpf., Familienanzei- oen, Bäder-, Unterrichts- u. vehörd!icheAnzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen »ruft und Verlag: vrShlsche Univerfilätrdruckerel «.Lange In Stehen. SchristleiMng und SeschSftrftelle: Lchulstrahe r MWche Feierstunde am Grabe Heinrichs I. Reichsführer ff Himmler in Quedlinburg. Quedlinburg, 2. Juli. (DNB. Funkspruch.) In einer F e i e r st u n d e von erhobener Schlichtheit ehrte in mitternächtlicher Stunde der Reichs- ührer Himmler als Vertreter des deutschen Volkes mit vielen Gästen aus Bewegung und Staat, Wehrmacht, Kultur und Wissenschaft den Gründer des ersten Reiches der Deutschen, König Heinrich. In der Krypta des Domes zu Quedlinburg legte er am Grabe des Königs und einer Lebensgefährtin Mathilde unter dem Geläut )er Domglocken und dem Krachen der Ehrensalven des Schwarzen Korps, das diese Feier zusammen mit der Stadt Quedlinburg ausgerichtet hatte, Kränze nieder. Der Reichsführer war am Vorabend in Quedlinburg eingetroffen. Nachdem er die ^-Winter- chule Braunschweig, die den Ehrendienst in Quedlinburg versah, dem neuen Kommandeur ^-Standartenführer Altoater-Mackensen, übergeben hatte, stattete der Reichsführer h*! dem Hause des in Quedlinburg geborenen Dichters Klo pflock, dessen Geburtstag mit dem Todestage des großen Königs Heinrich zusammenfällt, einen Besuch ab. Auf dem mitternächtlichen Marktplatz war der Wachsturm der ^-Winterschule Braunschweig aufgezogen, dem der Reichsführer nach der Vergatterung die Parole „König Heinrich — Deutschland" gab. Im großen Sitzungssaale verkündete der Reichsführer ff dann die König- Heinrich-Gedächtnis-Stiftund. Er hob hervor, daß wir Deutsche nur unsere Pflicht tun, wenn wir die großen Menschen unserer Vergangen- heit gebührend ehren. Der Zweck der Stiftung [ei, König Heinrich I. für unsere Zeit wieder lebendig zu machen, sein Auftreten in der deutschen Geschichte und seine Leistungen als Staatsmann wissenschaftlich zu erforschen, die Stätten, an denen er gewirkt hat, besonders seine Begräbnisstätte und seinen königlichen Hof in Quedlinburg, zu erhalten. Dom Rathaus aus begab sich der Reichsführer ff mit seinen Gästen zur Wygperti-Krypta aus dem alten Königshofe am Fuße des Schloßbergers. In diesem ältesten Bauwerk Quedlinburgs legte dek Reichsführer zum Gedenken König Heinrich I. einen Strauß nieder. Dann schritt er mit seinen Gästen den Schloßberg hinan, den zu beiden Seiten Pylonen mit den Sigrunen der Schutzstaffeln säumten. Um Mitternacht läuteten die Glocken des Domes den 1002. Todestag König Heinrich I. ein. Aus dem Nordportal klang Bachs unsterbliche Orgelmusik. Das von allen zeitfremden Zutaten befreite herrliche deutsche Bauwerk mit dem hohen Mittelschiff gab der Stunde Andacht und Weihe. In diese atemlose Stille klang die Stimme des Reichsführer ff, der in einfachen Worten des großen Königs gedenkend, an seinem und der Königin Grab große Kränze niederlegte. Dann wurden die Namen der Städte aufgerufen, die Heinrich I. gründete, und die nun zu seinen Ehren grüne Kränze von deutschen Eichen niederlegen ließen. Durch ein Spalier von Fackeln verließ der Reichsführer die geweihte Stätte der Deutschen. Das sranzösisch-iiirkische Sandschak-Abkommen. „Gleichgewicht im östlichen Mittelmeer." schluß der Verhandlungen weiter erfährt, werden die Verträge in Ankara paraphiert und e-benfatts dort unterzeichnet werden. Zur Unterzeichnung beabsichtigt der französische Außenminister Bonnet, sich im September nach der Türkei zu begeben. Paris. 1. Juli. (DNB.) Der französische Außenminister Bonnet empfing am Freilagvormittag den türkischen Botschafter in Paris. Die fran- zöfifch-türkischen Verhandlungen führten 1. zum Abschluß eines Ireundschaftsver- trages zwischen den beiden Ländern, 2. zum Ab- chluh eines Nlilltärabkommens, das die gemeinsame Garantie Frankreichs und der Türkei ür die äußere und innere Sicherheit des Sandschaks von Alexandretke auf der Grundlage der Parität zwischen beiden Ländern icherstellt, 3. zum Abschluß eines Protokolls über >le Anwendung dieses Abkommens, das insbesondere die gleiche französische und türkische Stärke der Truppen festseht, die fortan im Sandschak stationiert werden sollen, und 4. zu einer Erklärung über die französisch-türkische militärische Zusammenarbeit, die insbesondere die Grenzfragen und die Fragen der guten Nachbarschaft zwischen der Türkei und dem französischen Mandatsgebiet festseht. Die Erklärung Hal den Zweck, zwischen der Türkei, Syrien und der französischen Mandatsmacht ein Statut zum Abschluß eines Vertrages zu schaffen. Die Bestimmungen dieser Erklärung haben sechs Monate Gültigkeit und können um weitere sechs Monate verlängert werden. Der französische Außenminister Bonnet gab anläßlich des Abschlusses der Verhandlungen eine Erklärung ab, in der er u. a. ausführte, das Sandschak- Problem habe Gelegenheit zu einem umfassenden Gedankenaustausch gegeben. Die Lösung der Frage sei nicht von der Regelung der Begehungen der Türkei einerseits und Syriens andererseits zu Frankreich zu trennen gewesen. Frankreich, so sagte Bonnet, habe zugegeben, daß die Vereinbarungen von 1921 den türkischen Elementen des Sandschaks eine besondere Stellung einräumen, und die Türkei habe ihrerseits bekräftigt, daß sie in territorialer Hinsicht uninteressiert sei. Das Hauptziel des Vertrages sei, das gegenwärtige Gleichgewicht in dem ö st - lichen Teil des Mittelmeeres zu festigen. Der türkische Botschafter, Suad Davaz, erklärte französischen Pressevertretern, daß die französisch-türkischen Verhandlungen zu einer vollständigen Uebereinftimmung in allen Punkten der Verhandlungen geführt hätten. Wie man zu dem Ab- Befriedigung in Paris. Streitigreiten sind bereinigt. Paris, 1. Juli. (Europapreß.) Die Pariser Zeitungen vom Feitagnachmittag verzeichnen übereinstimmend die Erklärungen, die von dem französischen Außenminister Bonnet und dem türkischen Botschafter in Paris, Suad Davaz, gemeinsam der Presse abgegeben wurden, und die amtlich davon Kenntnis geben, daß die französisch-türkischen Streitigkeiten über den Sandschak von Alexandrette nunmehr bereinigt sind. Mit Befriedigung wurde gleichfalls die Erklärung des Außenministers Bonnet ausgenommen, er werde im September nach Ankara reisen, um einen französisch-türkischen Freundschaftsvertrag zu unterzeichnen. Frankreich wird, so erklären die Blätter, auch in Zukunft im ganzen Sandschakgebiet die Polizeigewalt ausüben, aber es wird hierbei auf das engste mit den türkischen Streitkräften Zusammenarbeiten, die in den von den Türken bewohnten Teilen des Sandschaks stationiert werden. Obwohl in Damaskus scharfe Proteste gegen die nunmehr getroffene Regelung der Sandschakfrage eingesetzt haben, behaupten die französischen Zeitungen, das französische Eingehen auf die türkischen Wünsche bedeute nicht, daß Frankreich die nichttürkischen Einwohner des Sandschakgebietes geopfert habe. Im Sandschak könne sich zwar in Zukunft keine Regierung gegen d e n Willen der Türkei bilden, aber der versöhnliche Geist, den Frankreich im Sandschakgebiet gezeigt habe, habe auf die islamitische Bevölkerung im französischen Imperium einen günstigen und nachhaltigen Eindruck gemacht. Man weist von französischer Seite darauf hin, daß im Sandschak ein buntes Gemisch von Völkern und Religionen lebe, Tür- ken, Syrer, Armenier, Kurden und noch eine Reihe kleinerer Volksgruppen. Aus diesem Grunde sei es notwendig gewesen, den Türken, die die stärkste Volksgruppe seien und ungefähr 47 bis 48 v. H. der Bevölkerung ausmachten, einen maßgebenden Einfluß einzuräumen. Bolschewistische Stellungen an der Castellon-Front durchbrochen. Erfolgreicher Einsatz der nationalspanischen Tank- und Lustwaffe. Ein neuer deutsch-polnischer Wirtschaftsvertrag. Umfang des Warenumsatzes erheblich höher festgesetzt. Berlin, 1. Juli. (DNB.) Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Freiherr von Weizsäcker und der polnische Botschafter L i p s k i sowie der Leiter der polnischen Delegation, Ministerialdirektor G e p e r t, und der Leiter der deutschen Delegation, Vortragender Legationsrat Dr. Schnurre, haben am Freitag im Auswärtigen Amt einen neuen deutsch - polnischen Wirtschaftsvertrag und ein deutsch - polnisches Verrechnungsabkommen unterzeichnet, die beide auf Grund des Beitritts der Freien Stadt Danzig auch für diese gelten werden. Hiermit finden die seit längerer Zeit in Berlin geführten Wirtschaftsverhandlungen ihren Abschluß. Bei den Verhandlungen war auch die Freie Stadt Danzig vertreten, die ihren Beitritt zu den getroffenen Vereinbarungen erklärt hat. Die unterzeichneten Vereinbarungen gelten auch für das Gebiet des früheren Bundesstaates Oesterreich. Sie werden vom 1. September 1938 an vorläufig anaewendet. Die Verträge sind auf zweieinhalb Jahre abgeschlossen und gelten bis zum 28. Februar 1941. Der Umfang der deutsch-polnischen Warenumsätze konnte erheblich höher festgesetzt werden, als in dem alten Vertrage vorgesehen war. Die Verhandlungen wurden in freundschaftichem Geiste und weitgehendem Verständnis für die durch die Wiedervereinigung Oesterreichs mit den berührten beiderseitigen Interessen geführt. Es ist zu erwarten, daß mit dem jetzt abgeschlossenen umfangreichen Vertragswerk der Warenaustausch zwischen dem Reich einerseits und Polen und Danzig anderseits, einen verstärkten Aufschwung nehmen wird. Deutsch-schweizerisches Verrechnungsabkommen um ein Jahr verlängert. Sonderregelung für den Warenverkehr Oesterreichs mit der Schweiz. Berlin, 1. Juli. (DNB.) Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Freiherr von Weizsäcker, und der schweizerische Gesandte Fröhlicher sowie der Leiter der schweizerischen Delegation Direktor Hotz und der Leiter der deutschen Delegation Gesandter Hemmen haben heute im Auswärtigen Amt ein Abkommen über die Verlängerung des d e u t s ch-sch w e iz er i s ch e n Derrech- nungsabkommens um ein weiteres Jahr, d. h. bis zum 30. Juni 1939 unterzeichnet. Hierbei sind eine Reihe von Aenderungen des alten Abkommens vereinbart worden. Diese Abänderungen betreffen in der Hauptsache eine gewisse Erweiterung des deutschen Reiseverkehrs nach der Schweiz, eine Herabsetzung des Zinstransfers im Kapitaloerfehr auf 3,2 v. H. für private Forderungen, sowie die Regelung des Warenverkehrs zwischen Deutschland und der Schweiz. Ferner wird ein deutscher und ein schweizerischer Regierungsausschuß für die Behandlung aller Fragen, die mit der Durchführung des Derrechnungs- abkommens Zusammenhängen, insbesondere zur Förderung des beiderseitigen Warenverkehrs, eingesetzt. Für den Warenverkehr Oesterreichs mit der Schweiz wurde eine Sonderregelung für eine Übergangszeit vereinbart. Die Zahlungen im österreichisch-schweizerischen Warenverkehr erfolgen am 4. Juli im Wege der Verrechnung. Für den österreichisch-schweizerischen Kapitaloerkehr und den Reiseverkehr gelten ab 1. Juli 1938 die Bestimmungen des deutsch-schweizerischen Verrechnungsabkommens. Oie Durchführung der allgemeinen Oienftpfticht. In erster Linie werden ledige Personen verpflichtet. Berlin, l.Juli. (DNB.) Zu der vom Beauftragten für den Vierjahresplan Ministerpräsident Generalfeldmarschall Göring erlassenen, am 1. Juli 1938 in Kraft getretenen Verordnung zur S i ch e rste ll u n g des Kräftebedarfs für Aufgaben von besonderer staatspolitischer Bedeutung vorn 22. Juni 1938 hat der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung unter dem 29. Juni 1938 eine Durchführungsanordnung erlassen, die im „Deutschen Reichsanzeiger" Nr. 149 vom 30. Juni 1938 verkündet ist. Die Aufgaben, die besonders bedeutsam und unaufschiebbar sind, werden von dem Beauftragten für den Vierjahresplan bezeichnet. Betriebe, die solche Aufgaben durchzuführen haben, müssen die hierfür benötigten Arbeitskräfte, soweit diese nicht vom Arbeitsamt gestellt werden können, auf einem von den Arbeitsämtern erhältlichen Formblatt beim Landesarbeitsamt anfordern. Soweit auch das Landesarbeitsamt den Bedarf an Arbeitskräften nicht auf dem sonst üblichen Dermitt- lungswege decken kann, veranlaßt es, daß die benötigten Kräfte verpflichtet werden. Die Der- pflicytung erfolgt durch das Arbeitsamt in einem in der Anordnung geregelten Verfahren. Nach der Verordnung des Beauftragten für den Dierjahres- plan fatm jeder deutsche Staatsangehörige verpflichtet werden. Die Dürchführungs- anordnung bestimmt hierzu, daß in erster Linie ledige Personen verpflichtet werden sollen. Ferner trifft die Anordnung Vorsorge, daß der Verpflichtete durch die Verpflichtung wirtschaft- lich nicht schlechter gestellt werden soll als bisher und daß seine Arbeitskraft auf der neuen Arbeitsstelle so zweckvoll wie möglich eingesetzt wird. Wieweit von der Verpflichtung von Arbeitskräften Gebrauch gemacht werden muß, hängt in erster Linie von der Art und dem Umfang der durchzuführenden Aufgaben ab. Die Anordnung trifft weiter nähere Bestimmung über die Sicherung des alten Arbeitsplatzes und der Dienst- ober Werkswohnung, die der Verpflichtete etwa innehat. Ferner bestimmt die Anordnung, daß die Kosten der erstmaligen Anreise zum Dienstort vom Arbeitsamt, die Kosten der Rückreise nach Beendigung der Verpflichtung der Betriebsführer zu tragen hat, bei dem die Dienste zu leisten sind. Dienstpflichtigen mit eigenem Haushalt kann vom Arbeitsamt auf Antrag eine angemessene Trennungsbeihilfe gewährt werden. Bilbao. 2. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die Truppen der Generale A r a n d a und Garcia V a l i n o haben am Freitag an der Eastellon- Front umfassende Operationen auf einer Frontlänge von 25 Kilometer begonnen. Ls gelang ihnen, alle bolschewistischen Stellungen trotz hartnäckigem Widerstand zu durchbrechen. Der Angriff kam für den Feind fehr überraschend, da er durch geschickte Täuschungsmanöver durch die nationalspanischen Kolonnen den Angriff an einer anderen Stelle erwartete. Die große Bedeutung der eroberten Stellungen geht am besten aus einer Rundfunkerklärung des „Stabschefs" der roten Armee hervor, der noch gestern verkündete, daß die fetzt erstürmten Stellungen ausschlaggebend für die Verteidigung von Sagunt wären und unter allen Umständen gehalten werden mühten. Die nationalspanischen Truppen im Espadan- Gebirge sind jetzt nur noch 15 Kilometer von der Grenze der Provinz Valencia entfernt. Die zurück- weichenden Bolschewisten richteten auf ihrem Rückzug große Verwüstungen an und zerstörten, soweit sie diese nicht mitnehmen konnten, die Erntevorräte auf den Feldern. Zu den neuen Operationen meldet der Heeresbericht: An der Castellon-Front im Abschnitt Bechi griff der Feind viermal erfolglos an und wurde unter ft arten Verlusten zurückgeschlagen. Im Gegenstoß konnten die nationalspanischen Truppen die Ausgangsstellung erobern und auch die übrigen Linien durchbrechen. Hierbei wurde der Ort Bechi besetzt. Die feindlichen Verluste sind außerordentlich hoch. Unter den 200 Gefangenen befindet sich auch ein „Major" und ein politischer Kommissar der Bolschewisten. Anschließend an diese Operationen wurde im nordöstlichen Abschnitt Onda der Vor- nlarsch fortgesetzt und das Bergrnassiv Torrenta mit den Höhen nördlich von Sueras sowie die Dörfer Tales und Artesa besetzt. Die Luftwaffe bombardierte in Badalona zwei Munitionsfabriken und verursachte große Brände und starke Explosionen. Ferner wurden die Sprengstoffabrik in Bla ne s und der Eisenbahnknotenpunkt Calders mit Bomben beworfen. Bei einem Angriff auf den Flughafen Liria bei Valencia wurden zahlreiche bolschewistische Flugzeuge sowie eine rote Jagdstaffel, die gerade im Begriff zu starten war, zerstört. Ferner wurde durch die nationalspanische Luftwaffe der Eisenbahnverkehr bei Alicante unterbrochen und der Bahnhof von Blaney bombardiert, wo gerade Munition ver- laden wurde. Zahlreiche Eisenbahnwagen gerieten dabei in Brand und explodierten. * Der rote Heeresbericht gibt z u, daß es an der Castellon-Front überall zu heftigen Kämpfen gekommen fei und daß es den Nationalen durch den umfassenden Einsatz der Flug - und Tankwaffe gelungen sei, einige Stellungen zu durchbrechen sowie den Ort Bechi zu nehmen. Ferner wird die rege Tätigkeit der nationalspanischen Luftwaffe zugegeben, deren Bombardement groß« Ver- lüste brachte. Italien und die Nichteinmischung Italienische Presse sieht einen Fortschritt. Rom, 1. Juli. (DNB.) Das Ergebnis der Don- nerstagsitzung des Londoner Neuner-Ausschusses wird von der römischen Morgenpresse vor allem wegen der Isolierung Moskaus als ein positives Element bewertet, wenngleich bei der Beurteilung der zukünftigen Entwicklung jeder voreilige Optimismus vermieden wird. Zusammen mit den Vorschlägen Francos, die eine vorzügliche Grundlage bildeten, stelle der Beschluß des Neuner-Ausschusses, wie „Popolo di Roma" betont, zweifellos einen Fortschritt dar. Die Roten und ihre Helfershelfer, die keine Neigung hatten, die Vorschläge Francos anzunehmen, würden allerdings auf den Willen Chamberlains stoßen, der in voller Uebereinftimmung mit Italien und Deutschland und, wie man endlich hoffen möchte, auch mit Frankreich entschlossen sei, eine Lösung des Problems zu finden. Ob Sowjetrußland die Verantwortung übernehmen werde, in der Dienstags- fitzung des Nichteinmischungsausschusses als einziger Neinsager aufzutreten, sei abzuwarten-, doch eines se-i sicher: Europa werde sich nicht vom U m • sturz ° und Zerstörungswillen Stalins überrumpeln lassen. „Messaggero" unterstreicht vor allem die einmütige Reaktion gegenüber den bolschewistischen Sabo'tageversuchen im Neuner- Ausschuß, die den Moskauer Widerstand endlich gebrochen habe. Mit den gleichen Methoden, die der sowjetrussische Vertreter im Neuner-Ausschuß angewandt habe, hätten auch die französische und englische Linkspresse die Unterredung Ciano- Perth zu entstellen versucht. Eine Befriedung in Europa könne ebenso wie das Ende des spanischen Konfliktes jedenfalls nur dann erfolgen, wenn man die im Dienste Moskaus stehenden Provokateure ausschalte oder ihnen zum mindesten, wie dies in der Donnerstagssitzung des Neuner-Ausschusses geschehen sei, den Rücken kehre. Unterredung zwischen Hodgson und Halifax. London, 1.Juli. (Europapreß.) Der am Donnerstag vorübergehend nach London zurückgekehrte englische Generalbevollmächtigte in Buraos, Sir Robert H o d g s o n, hatte am Freitag im Auswärtigen Amt eine längere Unterredung mit Außenminister Lord Halifax. Im Zusammenhang hiermit wird von gut unterrichteten Kreisen bestätigt, daß eine Einigung zwischen England und der nationalspanischen Regierung über die Festsetzung von sogenannten Sch u tz h ä f e n für die ausländische Schiffahrt noch immer Schwierigkeiten begegnet. Als Haupthindernis für eine Einigung gilt im Augenblick die Forderung des Generals Franco nach Einbeziehung von Treibstoff in die Liste der Güter, die von den die Schutzhäfen anlaufenden Schiffen nicht befördert werden dürfen. Frankreichs Frontkämpfer zur Nichteinmiichungsfrage. Paris, 2. Juli. (DNB. Funkspruch.) Außen- minifter Bonnet empfing am Freitagnachmittag eine Abordnung der Spitzenverwaltung der französischen Frontkämpfer und Kriegsopferorgam. fationen, die ihn unter der Führung des Generalsekretärs des Verbandes, Rivollet, den ^Wortlaut einer Entschließung überbrachte, in der die neue Nichteinmischungspolitik in der spanischen Angelegenheit gebilligt wird. Weiter wird in dieser Entschließung erklärt, daß diese Politik strikt bc« achtet werden müßte, um keinen Vorwand zur Ausdehnung eines Konfliktes zu geben, was für die Wahrung des Friedens höchst gefährlich sein werde. Barcelona zwingt Krüppel zum Kriegsdienst. P a r l s , 2. Juli. (DNB. Funkspruch.) Am Freitag sind auf französischem Gebiet 70 Angehörige der Internationalen Brigade in Sowjetspanien, darunter 40 Franzosen, auf zwei Lastkraftwagen angekommen. Die Leute, die v e r st ü m m e l t und untauglich für den Kriegsdienst sind, haben erklärt, daß sie von Rot- paniern trotz ihres Zustandes in der Nähe von Barcelona eingekerkert wurden, da sie sich geweigert hätten, an die Front zurückzukehren. Als sie sich weiterhin weigerten, wieder mitzumachen, wurden sie nach Frankreich abgeschoben. Diese Leute werden ihren Herkunftsländern zugeschickt werden. Orgeix wurde durch Sowjet- flugzeuge bombardiert. Aussagen eines französischen Offiziers. Paris, 2. Juli. (DNB. Funkspr.) Ein höherer ranzösischer Offizier bestätigt jetzt ebenfalls daFK., der für die beste Leistung im Zielstrecken-Segelflug ausgeschrieben worden ist. Einen weiteren beachtenswerten Flug führten die NSFK.-Angehörigen Segelfluglehrer Z o • bei und Runge durch. In einem Doppelsitzer „Kranich" machten sie einen Streckenflug von Trebbin (bei Berlin) nach Kolberg (Ostsee). Die Entfernung betrug 300 Kilometer. Portugiesischer Fischkutter im Sturm gesunken. Drei portugiesische Fischkutter aus Peniche gerieten in einen schweren Sturm, ein Boot ging unter. Von der 15kopfigen Besatzung sind fünf Personen ertrunken. Drei Fahre Zuchthaus für jüdischen Rassenschander. Don der Großen Strafkammer des Landgerichts Hamburg wurde der 60jährige Jude Hermann Hammerschlag wegen fortgesetzter Rassenschande, begangen an einer Angestellten seiner Firma, zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. 4-- Kunst und Wissenschaft. Begeisterte Aufnahme des Otympia-^itms in Paris. Paris, 2. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der erste Teil des deutschen Films über die Olympischen Spiele in Berlin wurde am Freitag in einem der schönsten und größten Pariser Lichtspieltheater einer größeren Öffentlichkeit vorgeführt. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des französischen olympischen Komitees und war der Sportjugend Frankreichs gewidmet. In Anwesenheit der Schöpferin des Films rollte der Bildstreifen in französischer Fassung unter dem Titel „Les 1 Dieu du Stade („Die Götter des Stadions") vor Ziehungen steht, mitteilen lassen, daß sie gegenwärtig ein Großkampsschiff, das 40 000 Tonnen überschreite, nicht zu bauen beabsichtige. Die beiden zur Zeit auf Stapel liegenden britischen Schiffe würden 40,6-cm-Geschütze erhalten und nicht großer als 40 000 Tonnen werden. Schließlich teilte Duff Cooper mit, daß auch Verhandlungen mit der S o w - setunion über den Abschluß eines Abkommens über die Begrenzung der Grohkampfschiff-Tonnage auf 40 000 Tonnen schwebten. Die Londoner Presse führt die neuen Abmachun- gen einzig und allein aus die Haltung der Bereinigten Staaten zurück. So schreibt bte „Times", die Tatsache, daß England und Frankreich sich noch nicht entschlossen hätten, bis zur 45 000- Tonnen-Grenze zu gehen, habe große Genugtuung hervorgerufen. Im Leitartikel stellt das Blatt fest, daß von deutscher Seite keine Schwierigkeiten gemacht worden seien und gemacht würden, wenn man sich auf eine niedrigere Höchst- grenze geeinigt hätte. Die Festsetzung der Grenze bei 45 000 Tonnen gehe daher allein auf die Weigerung der Vereinigten Staaten, eine niedrigere Grenze anzunehmen, zurück. Das sei sehr ßu bedauern. Zwar habe ein 2ß et trüften rote vor 1914 noch nicht eingesetzt, jedoch würde durch jede Heraufsetzung der Höchstgrenze die Gefahr in dieser Hinsicht immer größer. scheu Bedarf decken. Auch wären wir sogar in der Lage, erhebliche Mengen auszuführen wie es bis zum Kriege geschah. Durch den Krieg sahen sich die Völker jedoch genötigt, ihre Zuckererzeugung mit allen Mitteln zu steigern. So haben die Zncker- rohr bauenden Länder durch Züchtung, Ausdehnung des Anbaues und verbesserte Gewinnungsmethoden Ertrag und Ausbeute oft lOOprozentig zu steigern vermocht, ja sogar England, das bisher fast nur den Zucker aus seinen Zuckerrohr bauenden Kolonien bezog, hat heute Zuckerrübenbau eingeführt und Zuckerfabriken gebaut, um im Notfälle von der Einfuhr frei zu werden. Alle diese Bestrebungen haben naturgemäß nach Kriegsende zu einer Uebererzeugung und zur Ueberschwem- mung des Weltmarktes mit Zucker geführt, fo daß die Regierungen der verschiedenen Länder sich genötigt sahen, zu internationaler Einigung zu gelangen, um Erzeugung und Absatz zu regeln. Da- durch hat nun Deutschland ein im Verhältnis zu seiner Ausfuhr vor dem Kriege stark vermindertes Ausfuhrkontingent erhalten. Dies hat in der Systemzeit zu einer zunehmenden Einschränkung des Anbaues geführt. Unsere heutige zielbewußte Kinderlähmung vornehmlich im Spätsommer ihre Opfer unter der Jugend Deutschlands. Der weitaus größte Teil der Erkrankten gesundet zwar, doch fordert diese Krankheit jährlich auch eine Anzahl von Todesopfern. Eine weitere, nicht unbedeutende Anzahl von Volksgenossen erleidet gesundheitliche Einbußen durch Lähmung einzelner Körperteile. Wer die Krankheit überstanden hat, trägt Schutzkörper in seinem Blute, von denen er Neuerkrankten Zum Schutz gegen die gefürchteten Lähmungen in Abständen von einigen Wochen wiederholt ohne geringste eigene gesundheitliche Einbuße abgeben kann. Diese gegenseitige Hilfe, zu der jeder Deutsche seinem kranken Volksgenossen gegenüber verpflichtet ist, wird unter‘örtlicher Leitung der Gesundheitsämter im ganzen Reiche durchgeführt, wobei das gesammelte Blut zur Verhütung der Uebertragung anderer Krankheiten vor Abgabe an die Kranken in geeigneten Laboratorien untersucht und aufbereitet wird. Kinder und Erwachsene, die die Kinderlähmung in den letzten sechs Jahren überstanden haben, werden zu Blutspenden gegen eine Anerkennungsgebühr von 10 RM. je 100 ccm Blut wie in den Vorjahren aufgefordert werden. Der Bedarf ist allgemein groß, zumal wenn die für den Hoch- und Spätsommer zu erwartende Häufung der Erkrankungen den vorjährigen Umfang erreichen oder übersteigen sollte. Kranken ist schon in den letzten Jahren durch Genesene geholfen worden. Mögen diese nun auch jetzt wieder bereitwillig dazu beitragen, daß durch ihr Blut Neuerkrankten geholfen wird. Zusammenarbeit von Arzt und Krankenhousverwattung. F r a n k s u r t a. TO., 2. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die Fachvereimgung der Bermaltungsleiter deutscher Kranken-Heil- und Pflegeanstalten sind zur Zeit in Frankfurt a. M., um ihre 29. Hauptversammlung abzuhalten. Neben der Behandlung allgemeiner Anstaltsfragen soll die Tagung die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Verwaltung erschließen. Diesem Zweck dienen mehrere Vorträge führender Mediziner. Die Teilnehmer wurden im Bürgcrsaal des Romers von der Stadt empfangen. Arn Freitag- üormittag begann die Arbeitstagung. Der Dorfitzende Der Fachvereinigung, Direktor O e h l e r vorn Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin, konnte einige hundert Leiter von deutschen Krankenanstalten begrüßen. Staatsrat Dr. Conti, Stadtrnedizinal- rat der Reichshauptstadt Berlin, behandelte dann ausführlich /die Aufgaben und Stellung des Krankenhauses in der deutschen Volksgesundheit Er betonte die^ Notwendigkeit einer harmonischen und verständnisvollen Zusammenarbeit zwischen Arzt und Verwaltungsbeamten.__ Breslau, 2. Juli. (DNB.) Der Deutsche Rund- funk eröffnete am Freitagabend von Breslau aus mit einer festlichen, von allen deutschen Sendern übernommenen Sendung sein Programm zum Deutschen Turn - und Sportfest. Im Rahmen dieser Reichssendung nahm Reichssportführer von Tschammer und Ost en das Wort. Er führte u. a. aus: Breslau ist das Losungswort des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen geworden, ein Losungswort, wie es stärker und werbender noch nie vorher ausgegeben worden ist. Immer war es ja leider nicht so, daß in den Reihen derer, die sich den Leibesübungen verschrieben haben, ein Uebereinftimmen der Kräfte herrschte. Nun aber steht das zu starkem Symbol gewordene Breslau vor uns. In diesem Breslau werden sich zu nie geahnter Kraft und Große alle Strome vereinen, in denen das kostbare GutderLeibesertüch- t i g u n g fließt. Schlesien, das Land an der Grenze, das die Jahrhunderte hindurch den Beweis geliefert hat für die Stärke des deutschen Blutes, ist in der Lage, den Strom der Hund?rttausende aufzunehmen. Hier wird der Deutsche zum Deutschen finden, gleichviel ob er einem der Gaue des Reiches Nürnberg, 1. Juli. (DNB.) Die Organisationsleitung für die Reichsparteitage nahm am Freitag, wie NSK. meldet, ihre Arbeiten für d e n Reichsparteitag 1938 auf. Den feierlichen Auftakt bildete ein Empfang, den der Frankenführer, Gauleiter Streicher, mittags im Sitzungssaal des neuen Gauhauses dem Reichsorganisationsleiter und seinen Mitarbeitern gab. Dr. Ley, von dem Fran-kenführer herzlich begrüßt, hab in einer kurzen Ansprache die in den vergangenen Jahren bewährte gute Zusammenarbeit hervor. Gauleiter Streicher unterstrich die Bedeutung der Arbeiten, die der Organisationsstab bis zu den großen Tagen im September zu leisten habe. Am Nachmittag trat die Organisationsleitung zu ihrer ersten Arbeitssitzung zusammen. Dr. Ley hielt, wie die NSK. meldet, auf dem Platnersberg mit sämtlichen für die vorbereitenden Arbeiten für den Reichsparteitag 1938 unter Leitung des Hauptdienstleiters Pg. Schmeer, eingesetzten Amtsleitern, Abteilungsleitern, Referenten und den Beauftragten der Aufmarschstäbe eine Arbeitstagung ab. In längeren Ausführungen beschäftigte sich der Reichsorganisationsleiter mit den Veranstaltungen und legte deren vom Führer befohlene Durchführung fest. Fünf Millionen Reichsmark für Hochwasserschäden. Berlin,!.Juli. (DNB.) Durch die großen Hoch- w a f-f e r e i n b r ü ä) e in der Steiermark ist schwerer Schaden an öffentlichen Verkehrswegen und Einrichtungen, vielfach auch an privatem Besitz entstanden. Eine Anzahl Volksgenossen wurde in Notlage versetzt. Für die Betroffenen soll rasche Hilfe , einsetzen. Der Reichsminister der Finanzen hat f ü n f Millionen Reichsmark zur Verfügung ge» stellt, um die Wiederherstellung beginnen zu können. Vom Reichsminister des Innern sollen ehestens die Richtlinien erlassen werden, wie die Verwendung dieser Beträge geschehen soll. Diese wirksame Hilfe des Reiches wird die Wiederherstellung wesentlich fordern und neue Teile der Bevölkerung in Arbeit und Verdienst setzen. Im Zusammenwirken aller sollen die Folgen des Naturereignisses bald beseitigt fein. Kampf gegen die Kinderlähmung. Berlin, 30. Juni. (DNB.) Alljährlich sucht die bet große, schlanke, zuckerreiche Wurzeln nur aus, wenn der Boden entsprechend tief gepflügt und gut bearbeitet worden ist. Sie^verlangt also sorgsamste T i e f k u l t u r. Diese Vertiefung der wurzelbewohnten Schicht des Boden kam und kommt nun nicht nur den Rüben unmittelbar zugute, sie wirkt sich auch bei allen anderen Kulturpflanzen, die im Kreislauf der Fruchtfolge auf unseren Aeckern angebaut werden, vorteilhaft aus. Die intensivere Bearbeitung beantworten die übrigen Pflanzen mit höheren Erträgen, denn die Lockerung der bisher nicht bearbeiteten Bodenschichten wirkt längere Zeit nach. Selbstverständlich kommen diese Ertragssteigerungen nicht allein dadurch zu- ... -------- , „ „ ftanbe es mußte der vergrößerte Lebensraum auch Nationalwirtschaft hat diese beforgmserregenoe, rua» stärker mit Nährstoffen angereichert, d. h. gedüngt ®--------~ hn* werden. Denn wenn in Ernteerzeugnissen dem Boden mehr Nährstoffe entzogen werden, dann muß auch dementsprechend erhöhter Nährstoffersatz erfolgen. Nährstoffausgabe und -einnahme müssen sich, wie überall, die Waage halten, will man nicht Raub- Es genüge, wenn die Geschworenen ebenso wie er selbst, von der Schuld der Angeklagten überzeugt seien. Der Generalstaatsanwalt zählt dann alltz Opfer auf, die die Becker ums Leben brachte. Gtorchnester am laufenden Bond. Ungewöhnliches und Ueberrafchendes in der Erzeugung von Gütern aller Art erwartet die Welt mit Vorliebe von Deutschland. Derartige Erwartungen sind auch gerade in den letzten Jahren überaus häufig erfüllt worden. Immerhin hat sich bei uns bisher noch kein Unternehmen gefunden, das mit einer irgendwie bemerkenswerten Produktion von Storchnestern an den Markt herangetreten wäre. Es blieb einem findigen dani- chen Fabrikanten vorbehalten, in Jütland mit der serienweisen Herstellung solcher Nester zu beginnen, die dann nur noch an geeigneter Stelle angebracht werden müssen, um so der wohl offenbar aewordenen Wohnungsnot der Störche in Dänemark abzuhelfen. In Deutschland erfreuen sich die Klapperstörche zwar nicht geringerer Beliebtheit. Aber kein Bauer, kein Landwirt, keine Gemeinde ließe es sich nehmen, selbst um die Wohnung und den Komfort des gefiederten Gastes bemüht zu sein. Die Industrie würde mit einem entsprechenden Angebot wahrscheinlich nur auf Ablehnung stoßen. Sitte und Brauch gerade beim bodenständigen Aus aller Wett. OieWirtschostsbelebung in Oesterreich. Die Wirtschaftsbelebung, die in Wien fett dem Umbruch eingesetzt hat, spiegelt sich besonders in den Fremdenverkehrszahlen wider. Im Mai d. I. waren in Wien 54 640 Fremde gemeldet, das sind 36 v. H. mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Es ist dies der stärkste Maibesuch seit 1929. Die Zahl der Gäste in Wien stieg von 5914 auf 28 572. Im Monat April 1938 sind in Wien 1442 Ehen geschlossen worden gegen 709 im April 1937. Im Mai waren 1530 Trauungen zu verzeichnen. Der Lütticher Giffmordprozeß. Im Lütticher Giftmvrdprvzeß wurde Freitag nachmittag die Vernehmung der 3 21 Zeugen abgeschlossen. Die letzten Aussagen bestätigten den Eindruck des Zeugenverhörs, der vorwiegend ungünstig für die Angeklagte ausgefallen ist. Anschließend wurde mit den P l ä d o y e r s begonnen. Generalstaatsanwalt Delwaide erklärte, er sei überzeugt, daß die Becker eine Giftmischerin sei. Wenn behauptet werde, daß die Beklagte nicht verurteilt werden könne, weil keine materiellen Beweise ihrer Verbrechen vorlägen, so sei dies unrichtig. den immer wieder zu Beifallskundgebungen hingerissenen Publikum ab. Der Abend gestaltete sich zu einem Bekenntnis zur olympischen Idee, fand aus ehrlichen Herzen vollste Anerkennung deutschen Filmschaffens und trug zu einer Bekräftigung gutnachbarlicher Beziehungen zwischen Deutschland und dem französischen Volk bei. Das kam durch die künstlerische Ausgestaltung der Eingangshalle des Lichtspielhauses zum Ausdruck, wo die Hakenkreuzahne, die Trikolore, die olympische Flagge und die Flaggen von allen an den Olympischen Spielen Berlin 1936 beteiligten Völkern wehten, und anderseits durch den Beifall, der beim Erscheinen des Führers und feiner engeren Mitarbeiter auf der Leinwand jedesmal ausbrach. Unter den Anwesenden bemerkte man den deutschen Botschafter Graf W e l c z e ck mit Gattin, den Präsidenten des französischen olympischen Komitees, M a s s a r d , und den Präsidenten des französischen Leichtathletik-Verbandes, Genet. Bayreuther Festspiele 1938. Josef von Manowarda singt bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen in sämtlichen Aufführungen des „Parsival" den Gurne- manz, den König Marke in „Tristan und Isolde" in den Ausführungen am 24. und 26. Juli sowie am 10. und 19. August, ferner den Fasold in den „Rheingold" « Vorstellungen am 28". Juli und 12. August. Steuer Intendant der Brünner deutschvölkischen Bühne. Der Vorstand der deutschen Theatergemeinde B r ü n n hat über die Person des zukünftigen Leiters der Brünner deutschvölkischen Bühne entschieden. Es wurde Intendant Dr. Theo M o d e s , ein gebürtiger Brünner, der bisher in St. Gallen und vorher in Köln und an verschiedenen reichsdeutschen Bühnen gewirkt hatte, nach Brünn berufen. Wetterbericht Dorstoßende wärmere Warmluft hat am Sams» tagvormittag bereits die ostdeutschen Gebiete erreicht. Auf ihrem Wege kam es bei der Verdrängung der vorgelagerten Warmluft allgemein zu Niederschlägen, die teilweise gewittrige Form an- nahmen. Im Bereich einer gleichförmigen Luftdruck- teilung bleibt es auch für das Wochenende unbe- R, doch wird sich das Wetter im ganzen rote- vas freundlicher gestalten. Vorhersage für Sonntag: Zeitweise aufheiternd, doch unbeständig und Neigung .zu einzelnen teilweise gewittrigen Niederschlägen. Mittagstemperaturen zwischen etwa 15 bis 20 Grad. Veränderliche Winde. Lufttemperaturen am 1. Juli: mittags 18,3 Grad Celsius, abends 14 Grad; am 2. Juli: morgens 13 Grad. Maximum 19,4 Grad, Minimum heute nacht 11,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefs am 1. Juli: abends 19,4 Grad: am 2. Juli: morgens 17,2 Grad. — Niederschläge 1 mm. entstammt ober jenseits der Grenzen wohnt, ob sie nun über den Ozean Herkommen oder aus den benachbarten Staaten. Anschließend teilte der Reichssportführer mit, daß das Gesamtprogramm, sowohl rein sportlich wie kulturell, in allen Einzelheiten feststeht. Nachdem er auf die Vorbereitungen des Deutschen Reichsbundes hingewiesen hatte, betonte er, es sei der Wille und Auftrag des Führers, daß dieses Fest so ausgebaut werde, wie es die Größe und Bedeutung des deutschen Volkes und der von ihm ^betriebenen Leibesübungen verlangten, lieber den Sinn der das Fest umrahmenden kulturellen Veranstaltungen führte von Tschammer und Osten aus, Durch sie solle ein Feuer entzündet werden, das in den Herzen weiterbrennen und lodern werde noch Wochen und Jahre nachher. In Breslau solle aus der Idee der Leibesübungen der Grund zu einem Zusammenschluß der geistigen Kräfte gelegt werden, die sich au einer fortwährenden fruchtbringenden Arbeit zusammenfinden. „Wir werden eine große Schlacht des Friedens schlagen und gewinnen für unser Volk, damit es werde das deutsche Volk in Leibesübungen!" 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Neuyork, im Juni 1938. »emnächst zur Abstimmung gelangen; ligungen sollen Zeträge von 4V2 Milliarden Dollar angeforderten wird voraussic lich ebenfalls den Kriegs- und Ma- ianuar dieses Jahres hat der ameri- eß zwei Vorlagen, den regulären und die Aufrüstungsbill, in Höhe 1,72 Milliarden Dollars angenom- von insgesamt . men; zwei meiere Vorlagen über zusätzliche Bewll- dazu"kommt ntch das Rooseveltsche Programm zur Bekämpfung dt Wirtschaftskrise. Ein Teil der darin Angesichts der Ausdehnung des amerikanischen Aufrüstungsprogramms und der gewaltigen damit verbundenen Ausgaben muß es als auffallend bezeichnet werdin, daß die amerikanische Presse seit Wochen vermeidet, dieses Programm ihren Lesern einmal in feint Gesamtheit anschaulich auseinander- zusetzen. Seit kanische Kong Marinehansha n en Teile n dieses Aufrüstungsprogramms. Ob sich dahinter ehe gewisse Absicht verbirgt, entzieht sich unserer Kgntnis. Vielleicht gehieht dies mit Rücksicht aus die immer noch vörandenen, aber bereits stark in den Hintergrund c drängten isolationistischen Hemmungen, oder mai will vermeiden, daß sich der amerikanische Stein Zahler, der ohnehin schon 13 Millionen Arbeitsl^ durchzufüttern hat, unnötige Gedanken über te Richtigkeit des im Kongreß so häufig vorgebraaen Arguments von der Bedrohung der peinigten Staaten durch „eine fremde Macht" oder i,eine Kombination fremder Mächte" macht. Denn )er einen kleinen Blick in die Zukunft tut und sich le Auswirkungen des plötzlichen Rüstungsfiebers vergegenwärtigt, muß klar erkennen, daß es bei ?n vorgeschlagenen Ausgaben nicht bleiben ntd. Das hat ja bereits die 1,56 Milliarden Flotnbill bewiesen, die von dem Tage ihrer Einrei^ng an bis zu ihrer Annahme, einer Zeitspanne )n etwa drei Monaten, infolge Erhöhung des hnnengehalts der Flugzeugmutterschiffe, der Schlachtsiffe, zusätzlicher Bewilligung für Flugzeuge, zunebender Teuerung der Baukosten usw., um einige 3« Millionen gewachsen ist. In Washing- rineministeriennur Errichtung von Armeeflugstationen, zum Aus au der Küstenverteidigung usw. zufließen. Aber iir hören nur immer von e i n z e l - toner Mariikreisen gibt man auch ganz offen zu, jedoch voraussichtlich noch erhöht mehr zwisch zehn Jahre Zwei Fr Flugzeugen planten Sch tenbestand Kreuzer (in Kongreß bereits bewilligte Flotten- von 1,56 Milliarden Dollar sieht den rieasschilfen, ?8 Hilfsschiffen und 950 662/s v. H., 3. Eine 1 r. Ein Vergleich der in 1. und 2. gebauten mit dem gegenwärtigen Flot- esetzt hat. en drängen sich uns auf: Wie stark : Unterseeboote^ um 30 v. H. den Marineausschüssen des Senats angesetzt, n» werden. 2. Die vl aufvüstungs Bau von 4Qi ;ibt eine Erhöhung der schweren ■ Flottenbill wird zum erstenmal nicht leichten und schweren Kreuzern un- 90 v. H., der Schlachtschiffe (35 000 1. Zur Ä liegen auf amerikanischen Werften 60 im Bauiefindliche Kriegsschiffe; der Bau von 22 weiteren^riegsschisfen soll demnächst in Anariff genommen tben. Ihre Baukosten sind in den Marineetats de-ahre 1938 und 1939 einbegriffen. Der Marinehauslt 1939 ist auf 549 Millionen Dollar Aus der Batwortung der ersten Frage ergibt sich ziemlich klasder Sinn des ganzen Aufrüstungs- Programms^ verschieden) , . ..... bis 45 000 !men) um 33 v. H., der Zerstörer um daß die birr genannten Zahlen nur einen Bruchte i!des Programms bilden, das die amerikanische 2 rine sich als Ziel für die nächsten und Unterhds bereits gutgeheißenen Zusatzbill von 28 Millionepollar zum Ausbau von Kriegshäfen, Flugplätzen d Munitionsdepots schließt unter cm- derem 12 6S00 Dollar für den Bau eines wird die ncf Flotte und ihre strategische Stellung tatsächlich sr, und welchem Zweck fall sie dienen? großen Trockendocks in Pearl Harbour-Honolulu auf Hawai und die Erweiterung des dortigen Flughafens ein. Das Trockendock wird groß genug fein, um die neuen 45 000-Ton- nen-Schlachtschiffe aufzunehmen; weiterhin 75 000 Dollar für eine Marine st ation auf der I n - s e l Guam, sowie 720 000 Dollar zum Bau neuer Flughäfen im „Vierzehnten Seedistrikt" im Stillen Ozean, in dem sich u. a. die Hawai- Jnselgruppe, die Midway-Jnfel und die Wake-Insel befindet. Daß Midway- und Wake-Inseln strategisch ausgebaut werden sollen, ist . bekannt. Eine Kommission von Armeeingenieuren befindet sich bereits nach der Midway-Jnsel unterwegs und hat den Auftrag, dort Vorbereitungen zur Aushebung eines zwei bis drei Millionen Dollar kostenden Kanals und eines Flughafens zu treffen. Ein ebenso großer Flughafen ist für die Wake-Insel geplant. Im Juni soll das erste Geschwader der modernsten Langstrecken-Bombenflugzeuge nach Guam abfliegen, um dort für eine Zeitdauer von vorläuflg zwei Jahren stationiert zu bleiben. 4. Eine von Präsident Roosevelt am 28. April unterzeichnete Sonderbokschaft an den Kongreß fordert die Bewilligung zusätzlicher 25 597 000 Dollar für den Marinehaushalt des laufenden Rechnungsjahres 1938. Davon sind 5 000 000 Dollar für sofortige Kiellegung der ersten beiden 45 000-Tonnen- Schlachtschiffe und die Erweiterung mehrerer Werften vorgesehen. Damit ist das Aufrüstungsprogramm jedoch keineswegs erschöpft. Eine sonderbarerweise wenig beachtete Klausel in der Flottenbill bestimmt, daß das Dien st alter der Kriegsschiffe erhöht werden kann, daß sie also nicht mehr, wie bisher, nach -2 5 Jahren abgewrackt werden. Dahinter verbirgt sich, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, folgendes Programm: Während der nächsten zehn Jahre wird eine ganz neue Flotte moderner Kriegsschiffe geschaffen. Gegen Ende dieser zehnjährigen Bauperiode wird der größte Teil der gegenwärtigen Flotte die Altersgrenze erreicht haben. Das Marineministerium beabsichtigt nun, in dieser Zeit alle veralteten Schiffe durch neue zu er» setzen, so daß die Flottenstärke nach zehn Jahren genau so groß ist wie die jetzige l Flottenstärke zuzüglich aller in der Flottenbill geplanten Schiffsbauten. Die veralteten Schiffe werden unter der neuen Bestimmung jedoch nicht abgewrackt, säubern zu einer zweiten Flotte zusammengestellt. Rach zehn Jahren wird Amerika also eine neue Flotte für die „erste Verteidigungslinie" besitzen, die sich ans 18 Schlachtschiffen, 7 Flugzeugmutterschiffen, 18 schweren Kreuzern, 28 leichten Kreuzern, 56» Unterseebooten und 114 Zerstörern zusammensetzt. Die voraussichtliche Stärke der zweiten Flotte für die „zweite Verteidigungslinie" aus allen veralteten, aber noch in einigermaßen gutem Zustande befindlichen Schiffe schätzt man auf etwa 15 Schlachtschiffe, 2 Flugzeugmutterschiffe, 9 schwere Kreuzer, 10 leichte Kreuzer, 50 Unterseeboote und zwischen 50 und 75 Zerstörer. Da's bedeutet, daß die amerikanische Flotte in zehn Jahren über bas Doppelte der jetzigen Stärke betragen wird. Dabei ist natürlich zu bemerken, daß ihre relative Stärke in Anbetracht der überholten Schiffe bis zu,einem gewissen Grade von den Neubauten anderer Nationen abhängen wird. Tatsächlich umfaßt das Aufrüstungsprogramm aber nicht 46 neue Kriegsschiffe, wie in der Flottenbill zum Ausdruck gebracht wird, sondern 170 bis 185 neue Einheiten, was einer Erhöhung der Kampfstärke um 50 bis 75 v. H. entspricht. Ganz offen wird zugegeben, daß Amerika unter allen Umständen das 5:3-Verhältnis zu Japan aufrechterhalten will, auch wenn Japan seine Baupläne so geheimhält, daß man zur Zeit hier völlig im Dunkeln tappt. Jrn Vergleich zur englischen Flotte dürfte das amerikanische Bauprogramm allerdings nach einigen Jahren zurückbleiben, da Amerika über eine geringere Zahl von Wersten verfügt. Ist die Aufrüstung der amerikanischen Flotte an sich schon recht beachtlich, so bildet der gleichzeitig geplante Ausbau ihrer strategischen Stellung im Stillen Ozean den eigentlichen Rahmen des Aufrüstungs-Programms. Das neue Trockendock in Hawai und die ungeheure Befestigung dieser Insel schiebt die ganze amerikanische Flottenbasis um über $000 Kilometer in den Stillen Ozean hinaus. Außer den bereits genannten Inseln sind im äußersten Norden Befestigungen, Schiffsund Flugzeughäfen in Dutch Harbour auf der Unalaska-Jnsel sowie auf den. Kodiak- und Amaknak-Jnfeln, alle zur A l e u t e n f e 11 e gehörig, und in Sitka (Alaska) geplant. Die Anlagen auf der Kodiak-Insel allein läßt sich das Marineministerium 5 Millionen Dollar kosten. Can ton und Enderbury, die beide zwischen Hawai und dem ebenfalls befestigten Samoa gelegen sind, werden zur Zeit vom Innenministerium für Handels- und militärische Zwecke ausgebaut. Verhandlungen zwischen England und Amerika über das endgültige Besitzrecht dieser Inseln haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. Außerdem soll ein neuer Hafen auf der Insel Papopago gebaut werden. Beinahe jede Woche überrascht das Marine- minifterium mit neuen Inseln, von deren Existenz man vor wenigen Jahren kaum etwas wußte. Verbinden wir diese Stützpunkte auf dem Atlas durch eine Linie, dann ergibt sich die neue etwa 8000 .Kilometer lange sogenannte „Verteidigungslinie" der- amerikanischen Flotte im Stillen Ozean. Aus neuen Wegen nach dem neuen Peking. Von unterem H. Tr.-Berichtersiatier. UM der neuen Eisenbahn nach dem alten Mol. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Ieh 0 l, im Juni 1938. Vor fünf, sechs Jahren hat Sven Hedin einmal ein Buch geschrieben, in welchem er eine Expedition nach Jehol,dem Sommersitz der chinesischen Kaiser in der gleichnamigen Provinz Jehol, nördlich der „Großen Mauer" schilderte. Diese Jehol- Provinz gehört heute zur Mandschurei und das erste, was die Japaner nach der Besitzergreifung getan haben, war der Bau einer eingleisigen Eisenbahn nach dieser Tempelstadt Jehol, die kürz vor Ausbruch des chinesisch-japanischen Krieges fertig geworden ist. Eine „Expedition" nach diesem Jehol, mit Kamelen und anderen zum Aussterben verurteilten fernöstlichen Transportmitteln kommt also heute „nicht mehr in Frage". Man braucht sich lediglich in höchst unromantischer Art irgendwo in der Welt in irgend einem Reisebüro eine Karte zu kaufen, nach Mukden zu fahren und dort i n b e n „richtigen Z u g" setzen zu lassen. Dieser Jehol-Zug besteht wie alle Züge aus einer Lokomotive, einem Speisewagen und einem Dutzend Waggons 2. und 3. Klasse der ehemaligen Ostchinesischen Eisenbahn, und kurz nach Mitternacht geht die Reise los. Weder fährt dem Zuge ein Panzerwagen voraus, noch ist in den einzelnen Waggons eine militärische Schutzwache wie sonst auf so manchen Strecken der banditenreichen Mandschurei zugeteilt. Also liegt der Schluß nahe, daß Ueberfäüe nicht, zu befürchten sind, so daß man beruhigt ins enge Bettchen kriechen, den Vorhang herab- und sich selbst in die Arme des wohlbekannten Herrn Morpheus fallen lassen kann. Erstes Bild am andern Morgen: Irgend eine kleine Station in der Wüste. Auf dem Bahnsteig fünf japanische Stabsof-fiziere. Zur Linie aufmarschiert. Sie" „rühren" unter ,-Füße stehen lassen" und machen schrecklich gelangweilte Gesichter. Vor dieser „Front" geht mit ebenso gelangweilter Miene ein grimmiger, zigarettenrau- chender japanischer Oberst mit kurzen Schritten auf und ab, ohne seine Untergebenen auch nur eines Blickes zu würdigen. Also das übliche: ein Vorgesetzter fährt ab, und seine Untergebenen bringen ihn oder vielmehr müssen ihn zur Bahn bringen. Oberst und Majore warten verzweifelt auf die Abfahrt des Zuges, denn beiden ist dieser umständliche und höchst zeremonielle Höflichkeitsakt — der namentlich die „viel kürzer angebundenen" Europäer oft zur Verzweiflung bringen kann — sichtlich unangenehm. Aber es ist nun eben mal Sitte und Brauch und dagegen kann auch ein Stabsoffizier nichts machen. Plötzlich pfeift die Maschine. Wie vom Blitz'getroffen fahren die sechs Offiziere zusammen. Stillgestanden! Die Hände fliegen an die Mützen, der Oberst flüchtet in den Zug, die Maschine zieht an und unter: Augen rechts? salutieren die „Stabshengste", bis der Zug aus der Station ist. Aber auf allen Gesichtern steht deutlich geschrieben — komisch, daß der Kommiß international gleichbleibende Ausdrucksformen hat — Du bzw., Ihr mir auch ... Frühstück im Speisewagen. Diesmal nur japanisch, weil auf dieser abgelegenen Strecke Europäer zu den Raritäten gehören. Jeder Reisende bekommt ein Lackbrett hingesetzt, darauf fünf Porzellanschüsselchen: die erste gefüllt mit Re^s, in der zweiten sieben saure Bohnen-Schoten, m der dritten fünf Scheibchen eingelegten gelben Rettichs, in der vierten — so dünn wie Blattgold — zwei ausgepreßte getrocknete Meeralgen und in der letzten heißes Wasser, in dem ein bißchen Seetang in Form dreier grüner Gräser herumschwunmen. Dazu gibt es ganz dünnen Tee — Kostenpunkt dieses opulenten Frühstücks 3 5 Pfennige. Und alle wurden satt und soweit ich mich aus der Memoiren-Literatur erinnere, frühstückten auch dis Preußen der guten, aber ganz alten Zeit morgens auch nicht reichlicher. Haferbrei und' so. Aber dieser Lauert nicht an jeder Straßenkreuzung für alle Menschen eine große Gefahr? Jeder kennt sie — jeder fürchtet sie! Klares Sehen schützt Dich vof Unfall. Sprechen Sie wegen einer „guten Brille* mit Geller dem Optiker am Bahnhof Lieferant auch Ihrer Krankenkasse Haferbrei hat unsere Ur-Ur-Urgroßväter dick und stark gemacht, genau wie die Japaner durch die sauren Rettiche und die Wassersuppe zäh geworden sind. Immerhin — auch dieses bescheidene japanische Frühstück liefert den Beweis, daß die „Leute" den Krieg Noch lange aushalten können. Denn sehr viel mehr bekommt ja auch der Soldat nicht zu essen... Und ansonsten die Fahrt, selbst? Die „Gegend"? Eintönig und öde wie im ödesten Anatolien! Die eingleisige Bahn läuft durch.eine äugen* scheinlich unendlich fruchtbare, aber kaum besiedelte, rechts und links von kahlen, zackigen, blau* schimmernden Gebilden eingefaßte Ebene. Nur dort, wo die ersten chinesischen Siedler ihre Lehmhütten erbaut haben, üppigste Vegetation, aber sonst soweit der Blick reicht, kein Haus, kein Dorf, keine Siedlung — rätselhaft, wie in dieser grandiosen Einsamkeit eine Armee, noch dazu im Winter, marschieren oder aus dem Lande leben soll! Einzigster Lebensnerv einer solchen, einmal gegen die Mongolei vorrückenden Armee ist diese eingleisige und offenbar in der Eile recht flüchtig erbaute Eisenbahn, deren Weiterführung bis K a l g an geplant ober vielleicht schon in Angriff genommen ist. Denn Tausende und Abertausende von chinesischen Kulis arbeiten unter Aufsicht japanischer Ingenieure fortgesetzt an der Ausbesserung der Strecke, Hunderte und Aberhunderte schleppen Erde und Schotter in winzigen, kleinen Körbchen heran — es sieht aus, als „markierten" sie nur die Arbeit, aber dies jeweils »Wenige* geschleppt von unendlich »Vielen* ergibt — und das ist das Geheimnis der chinesischen Riesenbauten, die ^infolge einer genial ausgeflügel* 5ommerat>enb. von Hermann Hesse. Nach Glund Dürre ist ein Regen gefallen, Donner hat dekpnzen Nachmittag gekracht, ein paar Hagelkörnewben geknallt, nach dem ersten erstickend schwn Kampf hat sanfte Kühle sich verbreitet, weil riecht es nach Erde, Steinen und bitterem La es ist Abend geworden. Im Walchn der Schattenseite des Berges, liegen die Gro die Weinkeller des Dorfes, ein kleines zwerghahantastisches Märchendorf im Walde, lauter Stirnfn kleiner steinerner Giebelhäuser, die keine Rücksechaben, denn Dach und Haus verlieren sich inoden, und tief in den Berg hinein sind Felsenkc gebohrt. Da liegt der Wein in grauen Fässl Wein vom vorigen Herbst, auch noch etwas B vom vorigen, älteren gibt es nicht. Es ist ein ter, sehr leichter, traubiger Wein, voy roter Fl, er schmeckt kühl und sauer nach Fruchtsaft ur^ach dicken Traubenschalen. einem Grotto, am steilen Wald- Tische hat. Ungeheuer steigen die einen ober 31 Tassen, weiß unb blau gestreift. Wir sitzen ________ hang auf klei schwebenber Terrasse, bie man auf ungefügen Sn erklimmt, unb welche Raum für Stämme ber kirne empor, alte, riesige Bäume: Kastanie, Plc , Akazie, Esche. Sie ftrebert hoch hinan, burch Gezweige blickt wenig Himmel; oft bin ich bei falem Regen hier gesessen, im Freien im Walbe, simlang, unb bin kaum von ben Tropfen berü worben. Wir sitzen im Dunkel, schweigend, ei aar Künstler, bie hier wohnen. In kleinen ira Tassen, weiß unb blau gestreift. klug, wohl wi Rührung, unb vollkommen fii selben Art wie steht ber Weil Unter unfrei nen Terrasseninsel, senkrecht unter liches Licht in ber Vorhalle bes halle sitzen unb tes Spiel ist lä bie Baßtrompete, unb wie sie i, klingt auch schon eine dritte UNS, schimmer liches Licht in ber Vorhalle bes Kellers, durch-sie Laubgitter alter Buchsbäume blicken wir hi Messing blinkt bort freubig am Lampenlicht: ()orn liegt auf ben Knien eines Mannes, ber kleine Weintasse vor sich stehen hat. Er setzt b)orn an. Einer neben ihm, nur halb sichtbar, 1 ,t bie Baßtrompete, unb wie sie zu spielen anfn, ....... —,■ Stimme mit, e ries Holzinstrument, lin^bas^ Fagott erinnernb . spielen sachte, zurückhaltenb, baß sie in kleiner, enger Vorig Zuhörer haben. Ihr gedampf- ), frohmütig, herzlich, nicht ohne ) ) nicht ohne Humor, im Takt ................idjQ beschwingt, die Stimmung aber nicht völlig. Diese Musik ist von eben ber- ‘ ~ ' Wein, den wir trinken: flid, unschuldig, ländlich, zuverlässig, ohne heftige Reize und ohne Tücken. Kaum haben die Klänge uns erreicht, kaum haben wirb auf unserem schmalen Bankbrett uns umge- roenbet, um alle hinabzuschauen, so sind schon Tänzer da. In dem Rest von Tageslicht, der auf dem Plätzchen vor dem Kellereiwgang noch zögert, in dem Rest von Lampenlicht, der aus der Vorhalle sickert, tanzen drei Paare. Wir sehen sie durch das dichte Gitter der Buchsbäume, das sie oft ganz verdeckt. Das erste Paar find zwei kleine Mädchen, eine Zwölfjährige, eine Siebenjährige. Die Größere ist ganz schwarz^ schwarze Strümpfe, schwarze Schürze, schwarze Schuhe. Die Kleine ist ganz hell, weiße Schürze, bloße Beine, bloße Füße. Die Zwölfjährige tanzt sehr richtig, taktstreng und gewissenhaft, sie kann es gut, unfehlbar schreitet sie im Takt, eilt und zögert am rechten Ort, ernst ist ihr Gesicht, ganz ernst, wie ein bleiches Blumenblatt schwimmt es, kaum kenntlich, in der feuchten, lauen Dunkelheit von Abend und Wald. Die Siebenjährige kann noch nicht richtig tanzen, sie will es erst lernen, ihre Schritte sind feierlich lang, sie blickt unverwandt auf die Füße ihrer Partnerin, die sie leise unterweist, die volle Unterlippe hält sie leicht mit ben Zähnen emporgezogen. Beide Mädchen sind von Ernst unb Glück erfüllt, kindliche Würbe atmet ihr Tanz. Das zweite Paar besteht aus zwei Jünglingen, Zwanzigjährigen. Einer, ber Größere, ist barhaupt unb hat kurze, krause Locken, der anbere trägt ben Filzhut schiefgerückt auf bem Kopse. Beibe lächeln ein wenig, beibe geben sich bem Tanz mit etwas angestrengtem Willen hin unb finb sehr bemüht, jebe Bewegung nicht nur richtig zu machen, fonbern sie auch mit bem irqenb Möglichen an Ausbruck unb Verziehrung zu schmücken. Sie strecken bie vereinten Hänbe weit von sich ab, sie legen bie Köpfe weit in ben Nacken, sie gehen zuwejlen tief in bie Knie, unb beibe machen ben Rücken hohl und versuchen bas Aeußerste im Schweben unb in ber Feinheit. Ihr eifriger Tanz befeuert ben Bläser bes Holz- inftruments, er spielt zarter, bläst fchroellenber, fchmachtenber. Beibe Tänzer lächeln: ber Große hin- gegeben, selig, in sich selbst und seinen Tanz verliebt, hoch über ber Welt; b£r anbere halb schelmisch, auch leicht verlegen, ebenso bereit, sich belächeln zu lassen wie Lob zu ernten. Der Große wirb glatter burchs Leben gehen. Die zwei Mäbchen. bie bas dritte Paar bilden, sind ßuigina und Maria, ich habe sie beide vor zwei Jahren noch in bie Schule gehen sehen. Lui- gina ist von südlichem Typ, leicht, sehr schlank, sehr mager, ihre hohen, zarten Beine und der lange, dünne Hals find voll herber Lieblichkett. Anders, weicher und viel schöner ist Maria, die ich vor kurzem noch geduzt habe unb jetzt nicht mehr recht zu düzen wage. Sie hat ein kräftiges Gesicht von frischer Farbe, mit vollem Wangenrot, hellblaue, stählerne Augen, braunes, Odiles Haar, unb ist schon voll unb 'jungfrauenhaft in Formen unb Bewegungen, scheint etwas träge, hat aber ben Blick voll Kraft unb Rasse. Wenn ich ein junger Bursch aus bem Dorf wäre, ich würbe keine anbre nehmen als sie. Sie trägt ein rotes Kleib, immer trägt sie Rar ober Rosa. Maria tanzt mit ßuigina, ihr rotes Kleid erscheint ba unb bort unb verschwinbet roieber im Buchsbaumlaub. Diese beiben tanzen sehr schön, sie sind voll von Glück, nicht mehr oom.tiefen Ernst ber Kinblichkeit gebannt wie bie Kleinen, noch nicht los- gebunben und eitel wie bie beiben Burschen. Zu bie- fen beiben, zu Maria unb ßuigina, paßt am besten ber halbe, zärtliche Ton bes Bläsers, bie frohe, an Vorschlägen unb Kapriolen reiche Musik. Heber ihre Scheitel fpielt bie grüne Walbdämmerung, an ihren Stirnen glänzt ein kleiner Wiberschein vom ßam= penlicht ber Halle, ihre Beine schreiten taktfest, eng unb elastisch. Dort unten, hintermffchwarzen Gewölk ber Buchsbäume, fließt noch ßicht, bort fließt Musik, bort tanzen bie jungen Menschen, unb anbre lehnen am Pfeiler ber Halle ober am Baumstamm, sehen zu, loben, nicken, lachen. Hier oben im Dunkel aber sitzen wir, wir Frembe und Künstler, in einem am beren ßicht, in einer anderen ßuft, von einer anbe- ren Musik umflossen. Uns entzückt unb begeistert, was jene bort nicht achten: ein Blattschatten auf einem Stein, ein verschossenes Blau an einer Bluse, ber kleine, ernste Knick im Knie ber Siebenjährigen. Wir ersehen unb beneiben, was benen bort brüben wertlos unb selbstverstänblich ist. Sie aber sehen bei uns kuriose Dinge und Sitten, bie sie ebenso beneiben, unb beren wir längst überbrüssig sinb. Wir können, mann wir ßuft haben, zu jenen hinübergehen, burch ben Buchsbaumschatten bie fünf Schritte; es steht unA frei, es ist uns nicht verboten, uns unter sie zu mischen, uns zu Ihrer Musik zu setzen, mit ihnen zu tanzen. Wir bleiben jeboch in unserem Dunkel unter ben alten Platanen sitzen, hören bie Melobien der brei Bläser, beobachten bas süße/ ster- benbe ßicht auf ben hellen Gesichtern, lauschen bem Rot Marias, wie es noch im einfinfenben Dunkel klingt unb kämpft, atmen bankbar ben Zauberhauch ber Dämmerung unb ben halben Frieden einer kleinen länblichen Welt, beren Spiel nur unser Auge berührt, beren Not nicht unsere ist, beren Glück nicht unsres.ist. Wir schenken rosigen Wein in bie blauen Ton- jchalen, während unten die tanzenden Figuren mehr und mehr zu Schatten werben. Auch dein rotes Kleid, Maria, geht nun unter, ertrinkt in ber Finsternis. Auch bie hellen, blumenblassen Gesichter ber Kinber löschen aus unb sinken bahin. Nur das warme rote ßicht in ber Vorhalle atmet stärker, unb wir gehen bavon, ehe auch biefes zerrinyt. Heiterer Abend mit Gustav Jacoby. Der Humorist Gustav Jacoby, ber schon einmal bei uns zu Gast war, unb ben viele auch aus bem Runbfunk kennen werben, gab einen heiteren Abenb im Stabttheater. Jacoby verfügt über ein beneibenswertes Rebnertalent unb ein nahezu unerschöpfliches Programm; wenn wir gelegentlich alten Bekannten barin begegnet finb, wollen wir ihm nicht gram sein, benn es waren allermeist gute Bekannte, bie man mit Vergnügen aufs neue begrüßt. Er blätterte im bunten Bllberbuche bes abgelaufenen Jahres unb versetzte uns viele schöne Geschichten: von ber Weinstraße unb von ber großen Mobe, von ber ßiebe unb von ber Ehe (manchmal „hart art ber Grenze ber Bevölkerungspolitik"), von ber Politik im allgemeinen unb vom Tempo unserer Zeit. Hochaktuell: ber Verkehrsunfall in München; ba kommt feine mimische Begabung zum Vorschein. Unb sein Gefühl für bialektische Differenzierung: biefer Mann beherrscht bie beutschen Munbarten mit einer liebensroürbigen Sicherheit^ unb er gibt bie ergötzlichsten Proben bavon, etwa eine ßiebeserflärung „in brei Sprachen" auf brei Bänken ober bie hübsche, charakteristisch pointierte Geschichte von ber (Babelsberger Straße. Er singt auch bazwischen, unb „Unsen Hermann" fanb w.e- ber mal rauschenben Beifall. Auch üerfteljt. er sich auf alte unb neue Tänze, unb eines ber nettesten Stücke war bie Geschichte von Großpapa unb Großmama, >m Stile bes Vorkriegs-Brettls, von Wol- zogen. München ist ihm Wahlheimat, unb im Hof* bräuhaus weiß er so gut Bescheib wie in ber Rü- besheimer Drosselgaß' ober im ßeivziger Wartesaal. — Den ßeuten gefiel es ausnehmenb: sie be« bankten sich herzlich unb gingen vergnügt nach Hause. Hans Thyriot. Hochscimlnachrickten Das Preußische Staatsministerium hat bie von ber Preußischen Akabemie ber Wissenschaften in Berlin vollzogene Wahl bes Direktors am Kai- ser-Wilhelm-Jnstitut für Biologie in Berlin- Dahlem, Professor Dr. Alfreb Kühn zum or- bentlichen Mitglied der physikalisch-mathematischen Klasse bestätigt, \.....-' * v * - • . unwahr-', Gegend der Jehol-Provinz ist.die gleiche Entwick- __ eben lung bereits zu beobachten: Feldfruchte jeder Art und Geduld, o Mensch, ist ja unerschöpflich. Wie lange wirst du es aushalten, mich zu plündern?" „Ich habe geschworen," versetzte der Mann, „dir dein letztes Geheimnis zu entreißen; und so lange werde ich es aushalten." Der Magier fragte: „Hast du das geschworen? Dann will ich dir etwas zeigen." Er führte den Mann aus dem Palast zu einer Wir fuhren von Dodoma an der Zentralbahn bis Mbeya an der Grenze von Rhodesien auf der englischen Kap-Kairo-Straße, der man nur nicht glauben soll, daß sie eine „Allwetterstraße", d.h. auch in der Regenzeit durchweg befahrbar ist. In Mbeya besuchten wir meinen alten Freund Konrad Schauer, den bekannten Organisator afrikanischer Jagdsafaris, bei denen es ausnahmsweise wirklich nach alter Safariart. mit Zelt und Trägern in die entlegenen, reichen Wildgebiete Ostafrikas geht. Konrad Schauer ist ein Veteran und ein Meister der großen Jagd, und wer in der Lage ist, an eine solche Expedition zu denken, dem sei er bestens empfohlen. Schauer erzählte uns, wie er einmal in der Regenzeit zwischen Jringa und Dodoma im Postautobus an ein derart überschwemmtes Stück der Allwetter- Straße kam, daß kein Wagen passieren konnte. Die Passagiere mußten aussteigen und sich durch das brusttiefe Wasser ein langes Stück zu Fuß hindurch- arüeiten. Frauen und Gepäck wurden hinübergetragen. Drüben wartete das von Dodoma entgegengeschickte Auto. Wir saßen gerade bei Schauer auf der Veranda und hielten mit ihm Rat, wie wir die mehr als 1000 Kilometer von Mbeya bis Brokenhill, der nächsten Station an der rhodesischen Bahn, jenseits einer endlosen öden Buschregion, am besten zurücklegen sollten. Die Strecke gehört gleichfalls zur Kap-Kairo-Straße, wird aber wenig, befahren und sollte in sehr schlechtem Zustand sein, mit ein paar primitiven Rasthäusern. Die Autofahrt wurde auf vier Tage veranschlagt, und es war zweifelhaft, ob wir überhaupt einen Wagen bekommen würden. Da plötzlich geht vor unfern Augen auf dem nahen Flugplatz von Mbeya eine kleine Maschine nieder. Im nächsten Augenblick sitzen wir im Auto und jagen hinunter, um das Flugzeug vor dem Wiederaufstieg zu fassen. Es gehörte zu den Wilson Airways, einer Hilfslinie des großen englischen transafrikanischen Luftverkehrs, flog von Nairobi nach Brokenhill und startete erst wieder am nächsten Morgen. Unser Gepäck wurde gewogen, verladen, und pünktlich um-6.30 Uhr früh stieg unser fünfsitziger Vogel auf. Mitpassagier war nur ein schweigsamer Inder. Man hat soviel Freigepäck, wie am eignen Gewicht bis zu 100 Kilogramm fehlen, schlanke Leute sind also im Vorteil. eines guten Tages, als der alte Herr sich eben über die „ständig rückgängige Tendenz" des Neuyorker Warenkurszettels ärgerte, durch den Fernsprecher die Nachricht, daß auf den Namen meines Großvaters bei der Auslosung ein beträchtlicher, persönlich abzuholender Gewinn gefallen sell Mein Großvater, nun doch in leiser Spannung, wenn er sie sich auch äußerlich nicht anmerken ließ, entsann sich, daß er in jener benachbarten Stadt sowieso ein Geschäft zu erledigen habe, und fand so willkommenen Vorwand, der etlpas wirren Mitteilung näher auf den Grund zu gehen. Denn er war gewohnt, etwas zu verdienen oder zu verlieren, aber mit dem „Gewinnen" hatte er sich nie abgegeben. An Ort und Stelle nahm ihn der schon bekannte dicke Mann mit vielen Bücklingen, die eine unbehagliche Verlegenheit nur schlecht verbargen, in Empfang und führte ihn durch ein Gewirr von Menschen und Maschinen landwirtschaftlichen Gepräges bis zu der Stelle, wo jener geheimnisvolle Gewinn sich befand. Mein Großvater, gemessen, im schwarzen Rock, den spiegelblanken Seidenhut auf den gepflegten weißen Locken, hob den Blick und sah sich einem gewaltigen Zuchtbullen gegenüber, der furchtbar mit einer armdicken Kette rasselte. Der alte Herr, stumm, nahm das Ereignis mit würdiger Fassung hin; es gab eine längere Betrachtung, die von dem Bullen ebenso eingehend erwidert wurde, ohne daß bei dem gegenseitigen Mangel an Sachkenntnis die Angelegenheit dadurch wesentlich gefördert worden wäre. Der dicke Mann, durch den glatten Verlauf der -Begegnung ermutigt, machte meinen Großvater darauf aufmerksam, daß er diesen für ihn wohl nicht unmittelbar verwendbaren (der alte Herr nickte ernst) Gewinn nachher auf einer Versteigerung werde veräußern können, wobei er, um den Erlös angemessen zu gestalten, zum fleißigen Mitbieten ergebenst zu raten sich erlauben wolle. So kam es, daß mein Großvater zwei Stunden später in einem Kreise mißtrauischer Bauern stand und gelangweilt wartete, bis nach einer endlosen und zäh umkämpften Folge von Pflügen, Schweinen, Dreschmaschinen und Sonstigem das gehörnte Untier an die Reihe kam. Als dann endlich die Schlacht einsetzte, schloß mein Großvater aus den unerhört niedrigen Anfangsgeboten, daß man feine Unerfahrenheit ausnutzen wollte; in feinem Bestreben, den Bauern als wohlerfahrener Kaufmann gründlich heimzuleuchten, geriet er tatsächlich ins Mitbieten und darüber schließlich in Eifer. Die Bauern aber, längst schon argwöhnisch, schnappten plötzlich ab, und mein Großvater, der sich zu weit vorgewagt hatte, erhielt inmitten beifälligen Gemurmels den Zuschlag. Nach dieser Wendung der Dinge begab er sich, Mbeya liegt etwa 1500 Meter hoch. Wir mußten sofort über ein Gebirge und gingen schnell auf mehr als 2500 Meter. In dieser Höhe, oft über den Wolken, die wie ein Meer von weißer Watte unter uns lagen, war der Flug absolut ruhig. Unser Pilot sgß mit verschränkten Armen, dirigierte das Höhensteuer mit dem Fuß und las einen Roman, von dem er nur ah und zu aufblickte, um nach den Richtpunkten zu sehen. Wir hätten uns einen Piloten am Steuer etwas tätiger vorgestellt. Einige hundert Meter tiefer war die Luit unruhig, und das wiederholt- Absacken und Wiederabfangen ber Maschine, bis diese Schicht überwunden war, störte etwas dos Behagen. Nach zwei Stunden gab es eine Zwischenlandung an einer Station namens Mpika, mitten im Busch, mit Frühstück. Abgesehen von diesem halbstündigen Aufenthalt dauerte der Flug vier Stunden. Die Landschaft unten war Busch, Busch und wieder Busch, mit wenigen Eingelorenen-Dprfern. Die Kap-Kairo-Straße zog sich uner uns als ein dünner, gelber Strich durch die gnugrüne Einöde hin; es wäre trostlos gewesen, vier läge auf ihr zu fahren! Vier Stunden Flugzeit — >ier Tage Autofahrt — vierzig Tage Fußmarsch —das ist Afrika g e ft c r n und heute, und das Oeftern liegt noch kein Menschenalter zurück! Schwurgericht Eießen. Auch in der Freitagssitzung hattn sich wiederum drei Angeklagte vor dem Schvurgericht wegen Meineids zu verantworten. Der Anklage liegt folgender Sachverhalt zugkunbe: Im Jahre 1935 besuchte der Kreisarzt Dr. O. in amt chet Eigenschaft gemeinsam mit dem Hausarzt Dr. tf. die A. B. in Lißberg, die angeblich krank zu Bete lag. Bei seiner Untersuchung, die Dr. O. wegen de Frage der Gewährung von Fürsorgemitteln vonahm, stellte der Zeuge fest, daß die Krankheit simulirt war. Daraufhin machte er der Angeklagten schvere Vorwürfe. Nach seinem Fortgänge soll die A. wie auch ihre Mutter E. B. und ihr Schwager 5 F. m Lißberg das Gerücht verbreitet haben, daß sh bei der oben geschilderten Untersuchung Dr. O. dr A. B. unsittlich genähert habe, als er kurze Zei mit ihr allem im Zimmer war. Als Dr. O. die s Gerücht zu Ohren kam, zeigte er den M. und dei R., von denen er wußte, daß auch sie an den Scsvätzereien beteiligt waren, wegen Beleidigung a In dem daraufhin vor'dem Amtsgericht Drteni-rg stattgefundenen Prozeß behaupteten die damalgen Angeklagten von den jetzt auf der Anflageank Sitzenden selbst über den fraglichen Vorfall uterrichtet worden zu sein. Diese sagten jedoch unt Eide, sowohl vor dem Amtsgericht, wie auch in '.r Berufungsverhandlung vor der Kleinen Strckammer, aus, daß sie in keiner Weise zu der Entschung des Gerüchtes beigetragen hätten. Auf Grnd dieser Aus- fage wurde der M. zu vier Monten Gefängnis und der R. zu 40 Mark Geldstrafe verteilt. Wegen dieser Bestrafung wurden die heuttcn Angeklagten wegen Meineids angezeigt. In der Verhandlung sagte eine roße Zahl der geladenen Zeugen aus, daß auch zu hnen die A. B, und der K. F. gesagt hätten, Dr. O. hbe sich der Angeklagten unsittlich genähert. Zur Fuge, o'b die Angeklagten E. und Ä. B. für ihre Tccn verantwortlich gemacht werden können, äußrten sich zwei Aerzte gutachtlich. Bezüglich der Muer E. B. sprach sich der Sachverständige für die >ubilligung des § 51II StGB. aus. Die A.B. wurd als eine starke Hysterikerin bezeichnet; der Arzt glabte jedoch, daß sie für ihre Taten noch voll vcantwortlich Zu machen sei. Die Beweisaufnahme mnte noch nicht geschlossen werden, da sich in der Zerhandlung die Notwendigkeit ergab, daß ndch Zugen kommissarisch vernommen werden. Die Vchandlung wird am Montagmorgen fortgesetzt■. betete an. So wie dieser Mann dürfen wir auch fein. steil aufgerichtet, mit erloschener Ziarre, von allen Wissenden sorgsam gemieden, in di auf dem Ausstellungsgelände gelegene Wirtfchas um bei einer Flasche Wein still mit sich zu Rat Zu gehen, wie er diesen heimtückisch geführten Schlag finsterer Mächte zweckmäßig abwehren töne. So saß er, mit unheilverkündenden Brauen, zutilen bei einem fernen Brüllen feines Eigentums nitzös zusammenzuckend, und es entging ihm ganz, dß der mehrfach erwähnte kurzatmige Mann geraum Zeit den Tisch umstrich, ohne daß er das dräuend Schweigen des alten Herrn zu stören wagte. Bis nein Großvater, endlich aufblickend, in achtungsviler Entfernung eine andächtige Versammlung vor Bauern stehen sah und schließlich des scheuen Getirs hinter seinem ehrfurchtgebietenden Rücken inne narb. Auf feine gereizte Frage erhielt er endlich nn dem Unglücklichen die von vielem Stottern und angstvollen Atempausen unterbrochene Erklärug: Es sei leider Gottes ein böser Irrtum vorgekmmen, und man habe ihm unverantwortlicherweh vorhin einen falschen Bullen gezeigt. Es blie: meinem Großvater nichts übrig, als aus dem Gstä.mmel des nach vollbrachter Mitteilung geflohenenUnheilverkünders den Schluß zu ziehen, daß er ich nunmehr als glücklicher Besitzer,von zwei Zucbbullen ansprechen dürfe. Dies war die Stelle, wo mm. Großvater die Erzählung der geschilderten Bozänge regelmäßig abbrach, um sich einer stummen Betrachtung über die Hinterlist des Glückes hinzigeben, und selbst das leise Lächeln um seinen ernftit Mund vermochte keinem der Lauscher den Mut z geben, nach dem endlichen Ausgang dieser Geschiste zu fragen. inb im Freien — in Ermangelung von Schuppen — bereits an der Bahn aufgestapelt, aber auch das Baumaterial für die Vergrößerung der Bahnhofe liegt schon bereit und überall basteln bereits die aus dem Norden Chinas täglich einströmenden Siedler an ihren neuen Häusern: angefangen Dom uralten Großmütterchen, die auf fpitzoerschnurten rsußchen bedächtig daherstakend in einem winzigen Körbchen Steine "für die Haushofmauer yerbeischlevpt bis zu den kleinen Kindern, die „Vatern" beim Wegschaffen der Erde aus dem neugebohrten Ziehbrunnen helfen. Erstaunlich, welches Leben so ein» toter Elsen- ftrang in einem toten Lande zu wecken vermag, wie mit magnetischer Gewalt zieht er die Schaffenden und Schaffenslustigen an — ach nein! Die Japaner sind nun mal in der Mandschurei doch d i e wirklichen Kulturträger und Kulturbrin- ger, und wenn diese Bahn auch ausschließlich militärischen Notwendigkeiten ihre Entstehung verdankt — ewig wird auch dieses Krieg nicht dauern, der als „Vater aller Dinge" trotz aller Zerstörungen im Fernen Osten Werte schafft, deren ganze Bedeutung und Tragweite wohl erst spätere Generationen erkennen können... Aber von diesem Kriege merkt man in dieser gottverlassenen Gegend noch immer nichts, und die einzigsten Vertreter der Wehrmacht sind außer den zahlreichen mitreisenden Offizieren die vielen \ a - panischen „Feldgendarmen", denen man in einem furchtbaren Zeichenfprachen-Kauderwelsch genau erklären muß, woher man kommt und wohin man will. Jeder dieser Gendarmen hat ein Notizbuch in der Hand und den Daumen irgendwo hineingeklemmt und wenn er es aufklappt, dann kann man dort in sauber gemalten lateinischen Blocklettern seinen eigenen Namen mit japanisch untermaltem Text ausgezeichnet finden! So gut funktioniert auf dieser Jehol-Strecke die Betreuung der fremden Reisenden, und man weiß manchmal nicht, ob man sich darüber ärgern oder freuen soll! Aber all diese Gendarmen sind höflich und korrekt, und wer in der Mandschurei reist, tut gut daran, sich mit diesen Männern gut zu stellen. Sie sind manchmal noch mächtiger als das allmächtige Militär. Denn fast 20 Stunden dauert diese Fahrt von Mukden bis Jehol und auf ebenso vielen Stationen ebensovielen Gendarmen immer wieder die gleichen Auskünfte geben zu müssen, macht keine reine Freude. Aber schließlich — es ist Krieg, und der Krieg hat seine eigenen Gesetze! Unb mit einer gewissen Sorge denkt man an das Ende dieser Fahrt: Bei Nacht und Nebel einpassieren in Jehol. Wird man Unterkommen? Und vor allem — wie? Wird man nach Peking weiter ko mm en? Muß man ein Flugzeug nehmen, oder ist es wirklich möglich, auf neuen Wegen nach dem neuen Peking zu gelangen? Zeitschristei — „Hessenlan d", HeimaMschrift für Kurhessen, herausgegeben von Dr. L. Hitzeroth, Marburg, bringt in Heft 5/6 eine Üeihe heimatkundlich bemerkenswerter Beiträge, ©üiter Wrede berichtet über die historische Entwicklwg des bäuerlichen Grundbesitzes in Hessen (an Hond des Katasters im 18.Jahrhundert); Walter ßrairm beschreibt, unter Beifügung hübscher Abbildungen, Malereien im Ziegenhainer Schloß; aus der Geschichte des hessischen Flachsbaues erzählt Elisveth Kersten; Bernhard Martin würdigt die Ar^it am Hessen-Nassauischen Dolkswörterbuch; iber beachtenswerte Dogelarten in der Umgebung ran Marburg schreibt Dr. L. von Boxberger. Einen Gruß zum 80. Geburtstage des bekannten Göttinger Germanisten Edward Schröder, Beiträge zur Hessischen Volkskunde, die Bücherschau und die Personalien möchten wir vom reichen Inhalt des gut aufgemachten und sorgfältig redigierten Heftes noch hervorheben. Die Geheimnisse. Von Albrecht Schaeffer. Das Haus des größten Magiers, das aus Lapislazuli erbaut war und in seinem Inneren unzahlbare, ganz kristallene Säle hatte, war auf viele Meilen rundum von einem Garten umgeben, angefüllt mit Wunderwerken der magischen Künste, in deren Netzen sich jedermann verfing oder umkam, der zum Hause vorzudringen sich erkühnte. Dennoch stand eines Tages ein Mann vor dem Magier, der eben aus einer Kristallkammer hervortrat, das Haupt bis zum Knie mit einem undurchdringlichen Schleier verhüllt, der in den sieben Farben des Regenbogens spielte. v _ „Ist es dir gelungen?" fragte er den Mann. „Ja, du siehst tapfer aus. Und was begehrst du nun? .Den Schlüssel in deiner Hand", versetzte der Mann. „Wofern es der Schlüssel zu deiner Geheim- fammer ist." _ . . „Nimm ihn," fragte der Magier, „er ist es. Und er entfernte sich, während der Mann tn die Kammer einbrang. In der Tat fand er ein solches Wunderwerk geheimnisvoller Zubereitung darin, daß er es in größter Freude davontrug. Allein am nächsten Tage stand der Mann wieder vor dem Magier und sagte: „Ich bin überzeugt, daß dieses Kleinod, so göttlich es war, dem tiefstes Geheimnis noch nicht enthüllt. Lasse mich nun zu dem." Der Magier, der inmitten seines größten und golbenften Sales auf einem diamantenen Stuhle faß, holte einen goldenen Schlüssel unter seinem Schleier hervor, indem er sagte: „Du wirst in der gestrigen Kammer eine Tür finden und hinter dieser Tür, was du suchest." Dieses Mal dauerte es mehrere Tage, bis der Mann wieder vor dem Magier stand; denn er hatte so lange gebraucht, .um das Geheimnis des neuen Wunderwerkes zu enträtseln. Und wiederum empfing er mit einem neuen Schlüssel den Zutritt zu einer neuen Kammer; und wiederum nach geraumer Zeit war er wieder da, um einen neuen Schlüssel, ein neues, höheres Juwel in Empfang zu nehmen. Nach Jahr und Tag sagte der Magier: „Deine UHL Selterswg Nr. 67 adiO Telephor Nr. 3170 eparaturen • H9? I? ^Äber'auch die chinesische Zivilbevölkerung ist gut i gedrillt und in der Furcht des Herrn er- , logen: jeder Bauer, der durch die Sperre geht, ; nimmt erst sein Käppchen ab, macht dem spanischen Knipser eine tiefe Verbeugung, und wenn er es nicht tut, muß es - „Zurück! Marsch-Marsch!" - wiederholt werden. Nun, vielleicht ist das notig, ich weiß es nicht, aber als einzelner Japaner rouröe ich mich in diesem chinesischen Meer etwas unbehaglich fühlen. Vielleicht sind auch deswegen die lapa- nischen Beamtenwohnungen an der Strecke alle festungsartig angelegt: Steinbaracken auf Vordermann und Seitenrichtung, eine große Mauer darum herum — Bastionen, Schießscharten, Hindernisse, selbst die technischen Anlagen, die Kraftstationen und Wassertürme sind, ähnlich gesichert. Aber nirgends find japanische Soldaten zu erblicken. 20 Freischärler unter einem gewandten Führer könnten mühelos eine solche Station ausheben und ungehindert in den nahen schluchtenreichen Bergen wieder verschwinden. Das ist es, was eben immer wieder überrascht: dieses in jeder Hinsicht ungeschützte Hinterland, das von einer den Japanern feindlich gesinnten Bevölkerung bewohnt wird. Entweder sind die Japaner ihrer Sache hundertprozentig sicher, oder aber sie brauchen jeden Mann an der Front! Eine andere Erklärung ist nicht möglich! Oder aber: vielleicht ist auch auf dieser Strecke das System der „Eisenbahnliebenden Dörfer" — wie die wörtliche Uebersetzung lautet — eingeführt, das einst von den Russen erfunden und mit durchschlagendem Erfolg bei ihren Bahnbauten in der Mandschurei angewendet worden ist: die Kollektiv Haftung ganzer Dörfer bei Banditenangriffen auf die Eisenbahn! Aber hier gibt es noch keine Dörfer, denn die neue Eisenbahn ist erst dabei, dieses Land zu „erschließen". In keinem anderen Lande der Welt ist mir das Wesen biejer abgebrochenen Rebensart plastischer zum Bewußtsein" gekommen wie gerabe in bieser Manbschurei: Kaum ist irgendwo ein kleines S4a- tionsgebäube fertig geworben unb bie ersten Beamten ba, schon finbet sich ber betriebsame erste chinesische Hänbler ein, baut sich aus alten Kisten eine Bube auf unb beginnt mit allem unb jebem zu handeln. Der nächste macht für bie Reisenben eine Speisebubike auf, ber britte eine kleine Herberge, kaum haben sie Fuß gefaßt, läßt sich bie halbe Verwanbtschaft in eben solchen Budiken drum herum nieber unb bie Urteile ber künftigen Stabt, bie in spätestens zehn Jahren „bastelst", ist entstauben. Unb bann kommt ber japanische Ingenieur ober Baumeister, zieht rücksichtslos bur'ch bas Bubengewirr bie neuen Straßen, steckt neue für ben Zuwachs ab unb in weiteren 20 Jahren ist eine moberne Großstabt von 300 000 chinesischen Einwohnern fertig, bie von ganz wenigen Japanern verwaltet und geleitet wird. Auch hier in dieser menschenleeren Kreuz und quer durch den Schwarzen Erdteil Briefe von einer Afrika-Reise. Don Dr. Paul Rohrbach. IVIL Niig nach Rhodesien. Brokenhill, 29.Mai 1938. Jedes Mal, wenn ein paar alte Afrikaner bei- ammen sind, kommt bie Rebe barauf, daß es früher zwar mit dem Reisen sehr viel langsamer ging, aber baß es eigentlich boch viel schöner war, als man noch mit feinem Zelt, seinem Bett unb seinen Tra- gerlaften burchs Laub zog. Alle bie großen, klassischen Afrikaforscher, bie ben .Tropengürtel zwischen ben beiden Ozeanen entschleiert haben, Livingstone, Stanley, Wißmann, Peters unb bie anbern alle, finb zu Fuß marschiert. Die Tsetsefliege, bie ben Pferben löblich ist, verbot bas Reiten, und mechanissche Transportmittel gab es nicht. Auf ben schmalen, über Berg unb Tal laufenben Negerpfa- ben hätten sie auch nichts genützt. Don Kigoma am Tanganyikasee bis Daressalam finb es 1245 Kilometer. Die Strecke legt man mit ben Zügen ber ostafrikanischen Zentralbahn in 45 Stunb en zurück. In allen Zeilen waren es 5 0 reguläre Marschtage gewesen, also mit ben notroenbigen Ruhetagen unb sonstigen Aufenthalten eine Reise von zwei Monaten. Fünfzigmal wäre beim Aufbruch ber Trägerkolonne ber Ruf ertönt: Heia Safari, auf, auf zym Marsch! Fünfzigmal hätte bie tragbare Zeltwohnung aufgeschlagen unb roieber zusammengepackt werben müssen, fünfzigmal hätte ber Askari gemelbet: Tajari, Bwana, alles marschbereit! Fünfzigmal wäre bas Schauri mit bem Koch gekommen, ob bas Huhn ober bie Konservenbose „gekillt" werben solle. Unb boch, es war schöner, viel s-ch ö n e r , auch wenn ber Regensturm einmal bie Zeltpflöcke ausriß, baß alles zusammenklatschte, ober eine Ameisenarmee bas Bett stürmte. Wo bie Bahn nicht fährt,^fährt heute in Afrika bas Auto, unb wenn bie Gastfreunbe uns beim Einsteigen immer noch freunbschaftlich zuriefen: Gute Safari! so war es nur ein abgeblaßter Nachklang früherer Tage, als es wirklich ein Safari war, auf Wochen unb Monate in den Busch, ins Pon zu gehen. Unb boch, es kommt bahin, baß nicht einmal Eisenbahn unb Auto' mehr dem Afrikafährer von heute genügen, sondern er bedient sich auch des schnellsten aller Verkehrsmittel, des Flugzeuges. __ len „Lastenverteilung" alle in \ scheinlich schneller Zeit ferliggestellt werden -- boch ein ,Viel'. Vorsichtig schleicht die Bahn ,m Tempo einer normalen Straßenbahn über tri|d) aufgeschüttete Böschungen, durch Tunnel, die ers im Rohbau fertig sind, an schwindelnde^ Abhangen vorbei durch das weite öde Land, wo Leben nur auf den wenigen Wüstenftationen herrscht. Alle aus Stein erbaut," im Barackenstil unb alle — wie in Südwest — zur Verteidigung e'nger i ch- t e t Teilweise eingedrahlet, mit Schießscharten unb Basttonen an ben" Ecken. E i s e n d a h n w a ch e n: Drei, höchstens sechs chinesische Soldaten der Eisenbahn-Schutzpolizei in japanischen Diensten unb ebensolchen Uniformen. Wenn die mitreifenben lupani- scheu Offiziere sich auf diesen kleinen Haltebahn- böfen, wo Wasser unb Kohle genommen wirb, bie Beine vertreten, rücken sie biefen chinesischen^Krie- qern bie Mützen zurecht, reißen ihnen bas Koppel zurecht unb tun auch sonst noch so allerlei, was ein eifriger Vorgesetzter tut, wenn er einen Soldaten im labbrigen Anzug trifft. Ich hab mir bisse Chinesen genau angesehen, urfb ich kann mir ma)t helfen: sie erinnerten an gezähmte Tiger, b'e noch ihre „Männchen" ober „Kunststückchen machen, weil ber „Dompteur" eine bitte Peitsche tn Der Hinterlist des Glückes. Anekdote von Karl Lerbs. Mein Großvater, hochgewachsen, schlank, weiß- bärtig, von bem gemessenen Gehaben unb ber besonnenen unerschütterlichen Kühle bes alleingesessenen hanseatischen Großkaufmanns, erlebte es, daß ihm bas Glück einen Streich wie von seltsam burch- bachter unb erklügelter Bosheit spielte. Er besaß in einer ber ältesten Straßen ber allen Stabt ein nicht großes, aber auf gesicherter Grunblage ruhig und stetig arbeitendes Geschäft unb hielt sich von allem, was mit neumvbisch gewagter Börsenkunst in fiebrig erregten Stunden um Vermögen spielt, sorgsam und grundsätzlich fern. Als er eines Abends ziemlich spät noch beim gelblichen Schein der surrenden Gaslampe nach einem hartnäckigen Buchungsfehler suchte, erschien ein stiernackiger Und kurzatmiger Mann und wollte in aller Geschwindigkeit noch ein paar Lose für eine landwirtschaftliche Ausstellung in eftier benachbarten Stadt verkaufen. Seine atem- und hemmungslose Geschwätzigkeit begann sich bald unter dem unbarmherzigen Blick ber blauen Augen seines schweigsamen Gegenübers zu verhaspeln unb zu verhebdern. Mein Großvater aber, ungebulbig, wollte bem Gesprubel anpreifenber Worte ein rasches Ende machen unb tat, was er zu anberen Zeiten wohl nicht getan haben würbe. So kam es, baß sich be^ Dicke, erleichtert schnaufenb unb erlöst schwitzend, mit banfenben Bücklingen empfehlen konnte; inbessen mein Großvater zwei Lose für je einen Taler in seinen Gelbschrank verschloß — um alsbald über ber Suche nach besagtem Fehler unb anberen Dingen diese unsicheren Unterpfänder des Glückes restlos zu vergessen. Dennoch waren sie bas Mittel, mit bem bas Schicksal meinem Großvater klarzumachen bachte, daß auch ein hanseatischer Großkaufmann vor boshaftem Schabernack nicht sicher ist. Es kam nämlich Hinteren Tür hinaus und wies ihm bort em Feld golbener Blumen, nicht sehr breit, aber so unuber-1 sehbar lang, baß es in bie Ferne sich zuspitzend gleich einem golbenen Strahl sich in ben Himmel zu bohren schien. Wie aber der Mann bie vorbersten der dicht an dicht stehenden Blumen ins Auge faßte, entdeckte er, daß jede Blüte ein goldener Schlüssel war; unb er sagte erbleichenb: „Herr, mein Gott, was sinb bas für Schlüssel?" \ Der Magier versetzte: „So viele Schlussel hier wachsen, so viele Geheimkammern wachsen in meinem Hause." Da stürzte ber Mann auf seine Knie nieber ZahreEschau des Verkehrsverems Gießen. Aus der Stadl Stehen. ZoyU am Schien, nftrana Einsam liegt es am Schienevstrang. Es ist nicht sehr gvoß und verbirgt sich noW dazu hinter hohen StauLengewächsen und prächtig gedeihenden Büschen. Gerade wie eine Kostbarkeit, muß man unwillkürlich denken. Aber es ist keine Kostbarkeit, wie sich beim Näherkommen unzweideutig ergibt. Es ist nur ein Bahnwärterhäuschen und bietet dem Schrankenwärter und seinen Gerätschaften gerade genügend Raum- Nicht mehr und nicht weniger Und doch fügt es sich so malerisch in das ganze Landschaftsbild, daß der für Schönheiten empfängliche Sinn gleich unbeschreiblich gefesselt wird. Am Eingang zu dem Raum, in dem Fernsprecher und Signalvorrichtungen sichtbar sind, macht sich der Wärter zu schaffen. Er bessert die Stufe em wenig aus die ins Innere führt, ist aber gleich geneigt, einen Augenblick zu plaudern. Ja, der Dienst ist 'nicht schwer, beantwortet er unsere Frage, doch verlangt er auch allerlei: Pünktlichkeit, Ordnungsliebe, Verantwortlichkeit. Nur unbedingt zuverlässige Leute können in diesem Dienst Verwendung finden, so viel ist sicher. Doch dann kommt der Mann im blauen Rock der Eisenbahner gleich auf seine Lieblinge zu sprechen: auf die Blumen, die er hier pflegt und auf die Bienen, die in einem Korbe hinter dem Häuschen ihre Heimstatt haben Ein Staketenzaun umgrenzt das kleine Gärtchen, in dem alle Farben des Sommers jubilieren. Da gedeihen pastellfarbene Malven und zarte weiße Rosen, da wächst der stolze Rittersporn da wiegt die Akelei ihre zierlichen Blüten. Unzählige Blumen entfalten auch ihre Pracht, deren Namen man gar nicht kennt, die aber wie ein Gruß sind aus längst vergangenen Tagen, wo man Großmutters Garten besuchte. Und um die Blumen herum ist ein einziges sonnenseliges Summen und Brummen der Bienen. Das farbenfrohe, lebensdurchpulste Bild des Sommers zeigt sich hier in seiner ganzen Schönheit und Beschaulichkeit. Aber plötzlich läutet die Signalglocke. Ein Zug meldet sich an, der Schrankenwärter geht auf seinen Posten. Donnernd rast die Lokomotive heran, dröhnend singen die Räder der Wagen ihren gleichmäßigen Chor. Nur wenige Sekunden, dann ist alles vorbei. Wie ein Spuk, "der weggewischt wurde, und nur aus der Ferne tönt noch -ein ersterbendes Rollen. Die Stille des Sommertages kehrt wieder ein . und mit ihr der romantische Zauber, der dieses Idyll am Schienenstrang so reizvoll macht. .Es gibt viele solcher Bahnwärterhäuschen an dem umfassenden Schienennetz der Deutschen Reichsbahn, aber die meisten von ihnen bieten in gleicher Weise einen erfreulichen Anblick für den Wanderer, der vorübergeht, und für den Reisenden, der einen fsüchtigen Augenblick aus 'dem Fenster schaut. Daß es aber so ist, zeugt von dem Schönheitssinn und der Liebe zur Natur, mit der die Männer der Reichsbahn ihren verantwortungsvollen Dienst versehen. Dornotizen Tageskalender für Samstag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Eifersucht". — NS.-Marinebund, Marine-Kameradschaft Gießen 1892 e. 23.: 20.30 Uhr Monatsmusterung. — Ar- tilleristen-Kameradschaft: 20.30 Uhr „Hessischer Hof" Kameradschaftsabend. Tageskalender für Sonntag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Eifersucht". — VHC.: Wanderung. NSDAv. - Amt für Bolkswohlfahrt. , Ortsgruppe Giehen-Ofk. Unsere*Geschäftsräume befinden sich ab 1. Juli im Erdgeschoß des Hauses Kaiserallee 34. Ortsgruppe Gießen-Mitte. Betr.: pfundspende des Lebensmittelopferringes. In der Zeit vom 4. bis 11. Juli sammelt die NS.- Frauenschaft die Pfundspende für Juli. Die Hausfrauen werden gebeten, die Spende bereit zu halten und den Inhalt auf der Umhüllung der Päckchen kenntlich zu machen. Deutsches Krauenwerk Gietzen-Nori) Alle Kinder der Kindergruppe Gießen-Norü^tref- sen sich am Montag, 4. Juli, 15 Uhr, am Gericht unter dem Bogen. Keine Turnschuhe mitbringen! Die Helferinnen treten eine Viertelstunde früher an! /gfs. Der Verkehrsverem Gießen, der sich in den vergangenen Jahren in vielerlei Form um die Werbung für unsere Stadt verdient gemacht hat, gab in diesen Tagen den Jahresbericht für das Geschäftsjahr 1937/38 heraus, in dem den Mitgliedern über die geleistete Arbeit Rechenschaft abgelegt wird. Dem Geschäftsbericht, der über den Kreis der Mitglieder hinaus wohl manchen Gießener Einwohner inter- efffieren dürfte, fei in Auszügen folgendes entnommen: <• Der Verein zählte zu Beginn des Geschäftsjahres 286 Mitglieder, 9 Mitglieder schieden aus, 14 Mitglieder wurden neu gewonnen, so daß die Zahl der Mitglieder am Schlüsse des Geschäftsjahres 291 betrug. Im Kalenderjahr 1937 waren innerhalb unserer Stadt insgesamt 28 740 Fremde gemeldet. Die Zahl der Uebernachtungen der einzelnen Gäste war verschieden hoch. Ein Blick auf die Besuchszifsern der vergangenen Jahre läßt erkennen, daß die Zahl der Fremden seit dem Jahre 1933 ständig im Wachsen ist. 1933 waren 21 761, 1934 = 25 452, 1935 --- 28 452, 1936 = 28 325 und 1937 = 28 740 Fremde in Gießen zu Gast. Nach einer Statistik, die der Deutsche Fremdenverkehrsverband zusammengestellt hat, hatten Gießen und Marburg die annähernd gleichen Besuchszahlen, während Städte wie Offenbach a. M., Wetzlar und Worms erheblich darunter blieben. Der Verein hat im vergangenen Jahre wieder eine eifrige Werbung für den Besuch unserer Stadt betrieben. Die deutschen Frem- denoerkehrsstellen der verschiedensten Art wurden mit Werbeschriften zur Verteilung bedacht. Sehr zahlreich waren übrigens die Anforderungen von Werbeschriften durch Privatpersonen, 23ereine und Reisegesellschaften usw. Auch die Vermittlung von Unterkünften und Verpflegung wurde zum Teil vom Verein übernommen. Der Verkehrsverein Gießen hat auch im vergangenen Jahre wieder eine Reihe von Veranstaltungen durchgeführt, die durchweg schöne Erfolge zu verzeichnen hatten. Ein Höhepunkt nicht nur für den Verein, sondern für die ganze Stadt war das Reit - und Fahrturnier, das im Mai des vorigen Jahres abgehalten worden war und einen außerordentlichen sportlichen Erfolg darstellte. Der Verein veranstaltete ferner ein Preisangeln im Teich an der Schlageteranlage, bei dem 3 Zentner stattliche Karpfen gefangen werden konnten. Eine Fischlehrküche kommt nach Gießen Die Reichsfischwerbungs-G. m. b. H. betreibt auch im Sommer eine Propaganda für den Verbrauch von Seefischen, denn gerade im Sommer muß bas Gewerbe der Seefischerei unterstützt werden. Wenn auch im Sommer hauptsächlich die Fischkkonservenfabriken mit Hochdruck arbeiten, so darf doch der tägliche Verbrauch in den Haushaltungen nicht nachlassen. Im Juli sendet nun diese Werbungsgesellschaft eine fahrbare Fischlehrküche für einen Tag nach Gießen. Es werden drei Kurse an dem Tage durchgeführt. Da die Fischlehrküche bei schönem Wetter im Freien aufgestellt wird, so können viele Frauen teilnehmen. Trachtengruppen tanzen und singen beim Gausängerfest. Allenthalben finden die letzten Vorbereitungen, Proben, Sitzungen, Beratungen und Besprechungen statt, um das umfangreiche Programm der Sänger- Festtage zu einem wertvollen Erlebnis zu. gestalten. Eine der eindrucksvollsten Darbietungen soll auch die Feierstunde am Sonntag fein mit der Aufführung des von Georg Heß (Leihgestern) entworfenen Heimatspiels „Tanzend und singend Volk". Die szenische Ausarbeitung und Spielleitung dieser chorischen Aufführung hat der Spiel-, leiter des Stadttheaters Gießen Anton Neuhaus übernommen. Die Idee des Spiels ist, in dichterischer Form mit Gesang, Musik, Tanz und gesprochenem Wort die Freizeitgestqltung des Bauerntums im Jahreslauf zu zeigen. Außer einem Chor von über 300 Sängern und außer der Kreiskapelle werden eine Reihe Sprecher und Sprecherinnen, ferner die Trachtengruppen „Hüttenberger", „Schlitzerländer", „Odenwälder" und „Marburger" mitwirken. Der Volkstanzkreis des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat, Gießen, sowie Tur- Ferner fand das 1. Gießener Karpfenfest statt, das ein Abfischen des Teiches in den Eichgärten und dabei 20 Zentner dreijährige Karpfen als Ergebnis des Fischzuges brachte. — Der Verein stellte sich ferner für die Durchsüßung des Winterfestes der Studentenschaft zur Verfügung. Für die Weihnachtswerbung der Gießener Geschäfte waren umfassende und ebenfalls von schönem Erfolg begleitete Maßnahmen getroffen worden. — Selbstverständlich wurde auch der Blumenschmuckwettbewerb wieder veranlaßt. Dabei war sestZustellen, daß die auf diesem Gebiete vom Verein geleistete Arbeit bei der Einwohnerschaft immer größeres Verständnis findet, denn es wurde beobachtet, daß gegenüber früheren Jahren immer mehr Blumenschmuck an den Häusern Verwendung findet. Allerdings: in den Hauptverkehrsstraßen läßt der Blumenschmuck immer noch zu wünschen übrig. Man hofft, daß auch da, wo noch nichts unternommen worben ist, sich doch auch allmählich die Erkenntnis Bahn bricht, daß durch Blumenschmuck der Eindruck, den unsere Stadt auf den Femden macht, in günstigem Sinne verstärkt werden kann. Im Berichtsjahr haben zahlreiche Vereine und Organisationen für ihre Veranstaltungen die Unterstützung des Derkehrsvereins in Form von Barmitteln oder Preisen gefunden. Die Aufstellung von weiteren Ruhebänken wurde aus Vereinsmitteln bestritten. Für die Instandsetzung des Georgs-Tempels wurden 304 Mark aufgewandt. Darüber hinaus wurde noch viel Kleinarbeit geleistet, die zu umreißen in diesem Rahmen nicht möglich ist. Daß der Arbeitsbereich des Pereins insgesamt erheblich gewachsen ist, ergibt sich schon aus der Jahresabschlußsumme, die sich gegenüber dem Vorjahre fast verdoppelt hat. Im Jahre 1936 wurden 10 725,44 Mark eingenommen und 10 590,95 Mark ausgegeben. Im Geschäftsjahr 1937/38 beliefen sich die Einnahmen auf 22 338,03 Mark,' die Ausgaben auf 22 244,65 Mark. Das Vermögen des Verkehrsvereins beläuft sich auf insgesamt 9565,41 Mark. Die Kassenlage des Vereins kann als gut bezeichnet werden. 'Man ist um sparsamste Wirtschaft bemüht. Der Jahresbericht des Verkehrsvereins Gießen schließt mit Worten des Dankes an den Oberbürgermeister der Stadt Gießen, an die Vorstandsmitglieder, die Rechnungsprüfer, die Herren Röder unb Schulze, sowie mit Dankesworten an die Presse für die jederzeit geleistete Unterstützung der Arbeit des Vereins. ner und Turnerinnen des Turnvereins .Meseck haben ebenfalls ihre Mitarbeit zugesagt. Gießener Dochenmarktpreife. * Gießen, 2. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: feine Molkereibutter, Vi kg 1,52 Mk., Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12^, Klasse B 12, Klasse C 11V4, Klasse D .IOV2, Enteneier. IIV4 bis 12V4, Wirsing, % kg 15 bis 18, Weißkraut 20, Rotkraut 30, gelbe Rüben, das Bündel -10 bis 15, rote Rüben, V) kg 12 bis 15, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün, 32 bis 40, Erbsen 16 bis 20, Tomaten 35 bis 40, Zwiebeln 15 bis 18, das Bündel 10 bis 15, Rhabarber, H kg 10 bis 15, Kartoffeln, alte, kg 5 Pf., 5 kg 44 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, neue, kg 13 bis 15 Pf., Pfirsiche 50 bis 60, Himbeeren 50, Aepfel, ausländische, 60 bis 65, Kirschen. 60 bis 65, Stachelbeeren 25 bis 30, Johannisbeeren 40 bis 45, Erdbeeren 45 bis 50 Pf., Hähne 1,10 bis 1,15 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1,05 Mark, Tauben, das Stück 55 bis 65 Pf., Blumenkohl 10 bis 70, Salat 5 bis 10, Salatgurken 30 bis 50, Einmachgurken 8 bis 20, Oberkohlrabi 5 bis 8, Suppengrün, das Bündel 5, Rettich 5 bis 15, das Bündel 20, Radieschen, das Bündel. 5 bis 10 Pf. ♦ ** Mitarbeiter-Jubiläen bei W. & G. Sch uchard. In Anwesenheit des Vertreters der Deutschen Arbeitsfront, Büttner, fand heute morgen bei der Firma W. & G. -Schuchard, Gießen, Seltersweg, ein Betriebsappell statt. Der Appell war der Würdigung dreier treuer Mitarbeiter gewidmet. Fritz Schuchard feierte fein,^jähriges Mitinhaber-Jubiläum. Weiter wurden die beiden Gefolgschaftsmitglieder Hermann Jahres und Wilhelm Schmidt geehrt, die an diesem Tage ebenfalls feit 25 Jahren bei der Firma tätig Nur eine Nacht Verdunkelungsübung? Das krelsamk Gießen und die Poll« zeidirektion Gießen teilen mit: Auf Anordnung des Luftgaukommandos XII Gießen fällt die Verdunketungsübung am Montag, dem 4. Juli auf 5. Juli 1938 aus. — Die Verdunkelungsübung am Dienstag, dem 5. Juli 1938, auf Mittwoch, den 6. Juli 1938, findet statt. — Die ergangenen Anordnungen bleiben für Dienstag, den 5. Juli 1938 bestehen. Hausfrauen und Verdunkelungsübung Wenn die die Stadt und den Kreis Gießen umfassende Verdunkelungsübung gelingen soll, ist die verständnisvolle Mitarbeit der deutschen Hausfrau nötig. Auf ihr wird — wie im Ernstfall — die Verantwortung liegen. Sie muß rechtzeitig bedenken, welche Vorbereitungen in ihrer Wohnung erforderlich sind, um zweckmäßig und einwandfrei alle Fenster abzublenden. Das notwendige Material, wie dunkler Stoff, Filz, Holzrahmen mit Pappe usw. muß beizeiten beschafft werden. Es darf nicht bis zum letzten Augenblick gewartet werden. Hausfrauen! Mütter! Stellt euch wie bisher in den Dienst des Selbstschutzes der Zivilbevölkerung! Aber macht nicht alles allein! Laßt eure Kinder mitarbeiten! Sie müssen frühzeitig lernen, wie sich der Volksgenosse gegen Flieger schützen kann. Vergeßt nicht, zögernde und gleichgültige Volksgenossen zu überzeugen! Gebt ihnen ein Beispiel! Ihr dient bann dem Schutz der Heimat und eurer Familien! lind. Der Vertreter der Arbeitsfront überreichte Den Jubilaren Ehrenurkunden. Nach Dankesworten an die Jubilare durch den Betriebsführer und nach der Ueberreichung der Geschenke durch Firma und Gefolgschaft, fand der Appell seinen Abschluß. ** 2 5 Jahre treuer Mitarbeiter. Der Amtsgehilfe Friedrich S 0 m m e r l a d , der bei der Medizinischen und forensischen Veterinärklinik der Ludwigs-Universität Gießen tätig ist, konnte am 1. Juli 1938 auf eine 25jährige Dienstzeit bei dieser Klinik zurückblicken. Der Jubilar wurde vom Rektor der Universität Gießen, vom Klinik-direktor und der Betriebsgemeinschaft in entsprechender Weise geehrt. **25 Jahre Hotel Schütz. Am gestrigen Freitag, 1. Juli, konnte der Besitzer des Hotels Schütz, Ludwig Klingler, auf ein 25jähriges Bestehen feines Hotelbetriebs zurückblicken. Aus diesem Anlaß fanden sich während des ganzen Tages eine stattliche Anzahl von Gratulanten ein. Reiche Blumenspenden ließen die Wertschätzung, die das Haus in unserer Stadt und weit darüber hinaus genießt, erkennen. ** Städtische Leihbücherei. Im Juni sind 1930 Bände ausgeliehen worden. Davon kamen auf: Zeitschriften 12, Gedichte und Dramen 11, Er- zählende Literatur 1178, Jugendschriften 264, Länder- und Völkerkunde 135, Kulturgeschichte 1, Ge- schichte und Biographien 191, Kunstgeschichte 4, Naturwissenschaft und Technologie 60, Heer- und Seewesen 35, Haus- und Landwirtschaft 2, Gesundheitslehre 4, Religion und Philosophie 6, Staatswissenschaft 23, Sprachwissenschaft 2, Außerdeutsche Literatur in den Originalsprachen 2 Bände. Nach auswärts kamen 32 Bände. ** Sie „Bauernschänke" im Rohbau fertig. Neben der Diehversteigerungshalle Rhein- Main, unweit der Margarethenhütte, ist in den vergangenen Wochen die „Bauernschänke" herangewach- |en und im Rohbau bereits fast fertiggestellt war- den. Die Dachbalkenkonstruktion ist ebenfalls auf3 gerichtet und,die Dachdecker haben schon mit ihrer Arbeit begonnen. Das neue Gebäude, das sich in schönen Verhältnissen von Länge zu Breite und Höhe darbietet, steht int rechten Winkel zur Vieh- markthalle, so daß sich nunmehr die gesamte Anlage (Austriebsgelände, Dersteigerungshalle, Ställe usw.) in schöner Geschlossenheit darbietet. ** Unfall. Der 33jährige Metallarbeiter Konrad Schmidt, Frankfurter Straße 66, erlitt einen schweren Unfall. Bei feiner Arbeit floß ihm flüssiges Eisen in den rechten Schuh, so daß der bedauernswerte Mann erhebliche Verbrennungen erlitt. ** Vorbereitungen für das ©au- Sängerfest auf dem Trieb. Für das große Volksfest, das im Zusammenhang mit dem Dritten hessischen Gausängerfest viele Tausende von Volksgenossen vereinigen soll, sind bereits umfangreiche Vorbereitungsarbeiten getroffen. Der ganze vordere Trieb ist mit einer hohen Bretterwand eingezäunt worden, so daß man den Platz kaum wiedererkennt. unw.—« mmiwi —11 ■ ■■■■■■ ■ hut~t^~— Herzbeschwerden im Sommer ----q Gerade im Sommer treten, unter dem Einfluß der Hitze, Herz- und audji Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen Wieseck, den 3. Full 1938 4449 D Unser viertes Kind ßÜÖC ist heute angekommen. Gießen, den 1. Juli 1938. Mitglied der Elektro-Gemeinschaft 4472V 03044 Packg. RM 1.15, Kurpack. RM 4.- m Apotheken u. Droge' e-. Lotte Frick, geb. Brill Prof. Dr. Paul Frick. Mündlich können Sieesnurveatgoo sagen, schriftlich mehreren, durch eine Kleinanzeige sagen Sie es allen .iuc Staufenberg eine Dorstandssitzung der Heimatoereinigung Staufenberg statt. Es wurde beschlossen, daß das Sommerfest Anfang September stattfinden soll. Es mußte aus verschiedenen Gründen auf diesen späten Termin verlegt werden. Im Herbste sollen die Anlagen, die bereits seither auf Vereinskosten verschönert wurden, mit Zustimmung der oberen Forstbehörde in Gießen weiter ausgebaut werden. * Allendorf (Lahn), 1. Juli. Die Gendar- ni e r i e st a t i 0 n Großen-Linden hielt für die hiesige Volksschule Verkehrsunterricht ab. Auf dem Schulhof fanden die theoretischen Ausführungen statt, während die praktischen Hinweise auf dem Adolf-Hitler-Platz gegeben wurden. Einige der ältesten Schüler zeigten den anderen falsches und rich- * Nidda, 2. Juli. Am kommenden Montag, 4. Juli, wird unser Mitbürger Jean Vöhl 81; Jahre alt. Der wohlbetagte Mann ist körperlich > und geistig noch sehr rüstig. Wir gratulieren! Kreis Wetzlar. der Klubhäuser auf dem Hoherodskopf auf lange Jahre hinaus vollkommen gedeckt werden können. Die Kosten für den Bau dieser Wasserleitung wurden von der jüngsten Jahrestagung des VHC. in Vilbel zur Verfügung gestellt. Kraftwagen stürzt einen Abhang hinunter. Lpd. Marburg, 1. Juli. Auf dem durch einen Wald führenden kurvenreichen und abschüssigen Teil der Hauptstraße Marburg—Gießen bei Sichertshausen verlor der mit Frau und Tochter aus einer Urlaubsfahrt befindliche 61jährige Oberzollinspektor S ch u st e r aus Beerfelden (Odenwald) anscheinend die Herrschaft über die Steuerung seines neuen Wagens. Dieser stürzte sieben Meter tief einen Hang hinunter, wo er schwer beschädigt an einem Baumstamm hängen blieb. Der Zollinspektor und seine Ehefrau wurden schwerverletzt in die Marburger Klinik eingeliefert, während der Tochter, die im hinteren Teil des Wagens geschlafen hatte, nichts passierte. BORRMANhK Gießen/Neustadt 5 /Ruf4165 Gestern verschied nach schwerer, heimtückischer Krankheit unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Elisabethe Michel, geb. Kehr Kühle, frische Getränke. Da freut sich auch Ihr Mann, daß ein Kühlschrank im Hause ist. Der Hausfrau aber können nun keine Speisen mehr schlecht werden. Schaffen Sie sich dieses Jahr auch einen Kühlschrank an von | finden Sie die [/berühmten MM Am Dienstag, dem Z.Juli 1938, abends 20.15 Uhr, findet int Schipkapaß, Gießen, Bahnhofstraße, eine außerordentliche 44?öd Hauptversammlung statt. Ers eßeinert s amtlich.Kameraden unbedingt erforderlich. Der Kameradschaftsführer. Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllfllllllll Seltene Natururkunden von den Halligen und vom Wattenmeer enthält die Neuerscheinung, die alle Natur» freunde und Dogeliiebhaber.mit Begeisterung lesen und schauen werden: Unter Säbelschnäblern und Seeschwalben Beobachtungen und Natururhunden aus der Dogelwelt der deutschen Nordseehüste Don Tugen Schuhmacher Insgesamt 104 Seiten mit 92 Bildern nach wundervollen Naturaufnahmen. 3n Leinen gebunden Reichsmark 3.90 ' Der Verfasser, der als Ornithologe und Tierphotograph bekannt ist, hat mehrere Wochen auf zwei einsamen deutschen Nordseeinseln an der Eidermündung zusammen mit den eigenartigsten Vögeln unserer Heimat gelebt und die herrlichsten Naturaufnahmen von den Säbelschnäblern, Seeschwalben, Rotschenkeln, Austernfischern u. a. mitgebracht. Er erzählt im Textteil unterhaltsam und spannend aus der Kraft eigenen Erlebens die sonderbarsten Begebenheiten, die er, im Zelt versteckt, aus nächster Nähe beobachten und im Bild festhalten konnte. Bestellungen nimmt jede Buchhandlung entgegen. Verlangen Sie bitte das ausführliche bebilderte Werbeblatt Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde II!I!III!IIIII!!!IIIIIIIIIIII!IIIII!II!!I!II!II!III!II!IIIIII! Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange meiner lieben Mutter Frau Else Mahnkopp Wwe. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach. mittag gefchloffen BeleuGUtunOs- Kömer J aller Art billigst CarlStHuntK Bahnhofstr. 64 1. 2. 3. Klein-Linden Sonntag, den 3. Juli 1938 TANZ Waagen aller Art werdenrepariert u.eichfäh.hergest. Karl Schmidt Löb erstraße .19, Tel. 3076. 4376d Uomehm wirkt immer die duftende Frische und schöne Gepflegtheit der Haut, daher gebraucht eine Dame, die etwas auf sich hält Hartbrennholz ä, Wagen 5 Mk., Anmachholz, ä Wagen 6 9Jtt., 1 Sack Anmachholz 1 Mk. frei Keller. , «920 J. Wellhöfer, Telephon 2313, Marb Str. 24. Herzlidie Einladung! Am nächsten Mittwoch, dem 6. Juli 1938, nachmittags 2 Uhr, feiert die Gemeinde Holzheim ihr diesjähriges Missionsfest Es sprechen: Oberkirchenrat Zentgraf, Bingenheim 4469D Professor Dr. Schlosser, Herborn Missionsinspektor Lic. Delius (Rhein. Mission) Missionar Gräf (Rheinische Mission) Am Utpijrijjf b Sp«6 Ä L-S' ® «A “ii "'Uni*1 WS® timen. « rr» AsZ in Dichsina" Vie wir es m °°" "Ed lchM .m M mir ü”5; fahret klar ge Kerbholz W Wenn wir uni) wer unter N ’KJfc mir beim -6en liL )ehr e st i k jagen ko" an dem erfolg Unfall mit1»” »m-Mi tat Machen wir -T •tl* * Leih-5 binden Erleichterung bei" 1920Tb. 1 fie um heilig vife ii fiel f: '®rid)iPen 1 ebnis ? ^ri x-b-rSA, Diegos. Dn ... + Wißmar, 1. Juli. Einem langgehegten Wunsch unserer Bevölkerung wurde dieser Tage Rechnung getragen. Das Standesamt für unsere Gemeinde, das sich seither in Krofdorf befand wurde hierher verlegt. Standesbeamter wird Büri germeister Krauß. — Die Heuernte ist ir vollem Gange. Die Qualität ift sehr gut, der Er trag mengenmäßig allerdings erheblich geringe gegenüber früheren Jahren. . Burg Staufenberg Sonntag, den 3. Juli g nachm. ab 3.30 Uhr: 3 TAX WZ Ra/st Bergschenke Herrliche Lage a. Bergwerkswäld Groß.schattig. Garten.Terrassen A XI Neuzeitliche Zfe [XI Z Kristallglas- Ä FX 1 C-t Leuchtdiele Mittwoch, Samstag, Sonntag 20 Uhr Eintritt fveU Gratis-Kostvroben am 3.Juli zu der praktischen Äovfühvung um 15 Uhr im „Burghof" Hausfrauen,Gartenbesitzer und Kleingärtner! Vortrag über das beliebte und allseitig bekannte SM« und über Gewinnung von Edel - Statut - Fruchtsäften (Sützmost), Frischmarmeladen, Kompott und Gelee,Gemüsekonservieren Früher: 1 Pfund Früchte und 1 Pfund Zucker. Jetzt: 10 Pfd. Früchte und höchstens 1 Pfund Zucker Kein Einkochen,Ausvressen Rühren und Anbrennen. Sie setzen für Die ZrlWe- vertverlung etwas ganz Neues Auch Fallobst wird restlos ausgewertet. 03019 17- ^ortsehung Jum ersten ®utter und j, und ihr, ®>e anders, t Ähnlichkeit 1 Kalter. ’ Fä unitalier '-ommer einm 'S » 9r»6 unb S »en, r* wie ir u® @e| Ferner wurden schon einige mächtige Bierzelte aufgestellt. Der Festplatz der hier geschaffen wird, laßt allein schon die Ausmaße der Beteiligung erkennen, die von der Leitung des Gausängerfestes erwartet wird. Die Vorbereitungen lassen an Großzügigkeit nichts zu wünschen übrig. Aus der engeren Heimat. Zusätzliche Wasserversorgung der Hoherodskopf-Klubbäuser. LPD. Schotten, 1. Juli. Der Mittelpunkt des Vogelsberger, der Hoherodskopf mit seinen von Wanderern und Autofahrern viel besuchten Klubhäusern, wird nunmehr eine weitere zeitgemäße Ausgestaltung erfahren. Da die seitherige Wasser- q u e l l e zur Versorgung der Klubhäuser nicht mehr ausreichte, soll jetzt eine neue Wasserleitung geschaffen werden, für welche die Gemeinde Breungeshain nach Verhandlungen mit dem Landeskulturamt den Wasserüberschuß ihres Wasserwerks zur Verfügung gestellt hat. Dadurch wird der erheblich gestiegene Wasserbedarf weniger c Mehr! „An aehört meiter ÜeberiMchle ’ losigkeit W , immer, und 1 spielsweise b( ■ dem Stand : auf hohe To i den dritten 1 Donbrauft E Gehabe den gibt es in Gießen nur im Fachgeschäft J.STEINBACH Wolkengasse 21 Fernsprecher 3791 Seit 35 Jahren in der Branche Pflidlt fr wtonhoüfrtm Maßei^6 von Der Cf fixier: Das Höchste im Dienst ist Disziplin, das Beste aber £uüen;föiunnen Tilbeler Urquelle trott' sollen prok 03flfit & m. 152 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberWen) 2./Z.ZulU9Z8 5^ es 17. Fortsetzung (Nachdruck verboten!) und küßte sie. rfitlT m.b.H »\\\ PersbnllcM iichaften der guten ucksache n neuzeltlichenAue- ft zu mÄfflgen Preisen ihulstr. 7, Rui Wl iiiuimiuuiniiiiiiHii tors und einen unentschuldbaren Verschleiß von höchstwertigem Material. Und weil wir bei diesem Schlußstrich gerade von der Kraftfahrt sprechen, die sich ja in so dankenswerter Weise einer weitschauenden und ganz planmäßigen Förderung durch unseren Führer Adolf Hitler erfreut, so ist hier vielleicht aus den Erfahrungen einer langjährigen Praxis heraus noch ein Wort zu zwei besonderen Momenten im Kraftverkehr gestattet. Uns will scheinen, daß die „Vorfahrt" überhaupt kein Problem ist, für den, der unter gewissen Voraussetzungen schlicht und höflich darauf verzichtet. Man braucht dabei gewiß nicht etwa von zwei auf eine Kreuzung gleichartig zufahrenden Kraftwagen aus eine jener komischen Szenen zu wiederholen, bei der man sich früher an einer Tür beispielsweise gegenseitig zum Vortritt hineinkomplimentierte. Einer der wichtigsten Hauptbedingungen des modernen Verkehrs in einem volk- Nur ein Schritt ist es, wenigstens nach astronomischen Begriffen, bis zum Monde, dem treuen Begleiter der Erde. Während das Licht der Fixsterne Jahre unterwegs ist, bis es uns erreicht, braucht es vom Monde nur PA Sekunde. Selbst die nächsten Planeten, Venus und Mars, bleiben stets mehr als hundertmal so weit von uns entfernt als der Mond. Die Folge dieses vergleichsweise geringen Abstandes des Erdmondes, der durchschnittlich 384 000 Kilometer beträgt, ist, daß auch das unbewaffnete Auge die Großformen der Mondoberfläche als dunkle und helle Flecke erkennen kann. Für eine genauere Betrachtung ist freilichxein kleines Fernrohr oder wenigstens ein gutes Fernglas mit etwa zehnfacher Vergrößerung unerläßlich. Im Sommer zieht der Mond nur in geringer Höhe am Südhimmel dahin, sein Licht wird auf dem langen Wege durch die Lufthülle der Erde stark gedämpft. Nicht blendend weiß und grell wie der winterliche Mond über Schneefeldern, sondern gelb und mild erscheint uns der Sommermond, wenn er Busch und Tal mit wunderbarem Nebelglanz erfüllt. tettstag,dem 1938,abenh§ Uhr, findet Tchivkavah, n, Bahnhof- 1 eine itliche 447fo mmlung mtlich.Kame- mordeM. schastsführer. Erscheinungen treten an vielen der großen Ring- gebirge auf, wenn die Lichtgrenze über sie hinwegschreitet. An Hand einer Mondkarte ist es nicht schwierig, die größeren Gebilde der Mondoberfläche, wie die dunklen Mare, die man vor der Erfindung des Fernrohres für wirkliche Meere hielt, die größten Ringwälle und die wenigen Kettengebirge im Fernglas wiederzuerkennen. Bei Vollmond, der am 12. Juli eintritt, fehlen großenteils die kräftigen Schatten. Nur die Landschaften am Rande, auf die wir allerdings sehr schräg hinaufblicken, erscheinen plastisch, besonders die vielen Ringwälle in der Umgebung des Südpols. Von dem großen Ringgebirge Tycho sehen wir lange, Helle Streifen strahlenförmig ausgehen, deren Natur noch recht rätselhaft ist. Wie die Messungen amerikanischer Sternwarten ergeben haben, folgen die Bodentemperaturen,auf Dem Auge das Beste! I I Lassen Sie sich beraten von \ ( —* Optiker JKa&nus dem Optiker Ihres Vertrauens / Seltersweg 33 / Kassenlieferant. Renata saß bei Ottenrieth. Er erläuterte ihr gerade die Verwendung eines bestimmten Motivs im dritten Satz seiner Fuge, als die alte Haushälterin hereinkam und ihm eine Karte übergab: „Fritz Armbruster, Prokurist der Konzertdirektion Armbruster, Wien I, Wollzeile 37". „Nanu?" sagte Ottenrieth, und als er sie Renata hinhielt, sagte sie ebenso: „Nanu?" Was hatte dieser Besuch zu bedeuten? Ottenrieth sah Renata zweifelnd an. „Wenn es Ihnen unangenehm ist, kann ich ihn wegschicken." Aber sie schüttelte nur den Kopf, warum sollte es ihr unangenehm sein?" „Nein, nein." „Nanu?" sagte auch Fritz Armbruster, als er in das Studierzimmer trat und Renata im Sessel n^ben dem Flügel erblickte, aber er sagte es nur inwendig und zwang sich sofort zu einer höflichen und geschäftlich-verbindlichen Miene. „Frau Armbruster" würde ihm schön Heimleuchten, wenn er sich jetzt durch irgend etwas auf dem von ihr kategorisch befohlenen Wege verwirren und beirren ließe! Er begrüßte Ottenrieth, gab auch Renata die Hand, aber sie sah zugleich, wie er den Blick unruhig im Zimmer umherwandern ließ. „Ich störe?" fragte er, und konnte nicht hindern, daß in seinem Ton etwas Lauerndes oder Hämisches lag. „Durchaüs nicht", Ottenrieth klappte den Deckel zu. „Fräulein Tudesco und ich haben ein wenig musiziert. Bitte, wollen wir uns nicht setzen? Hier sind Zigaretten." Man fühlt sich sicherer, wenn man raucht, dachte der Besucher, und fischte sich eine aus der Dose. „Und was verschafft mir das Vergnügen?" „In diesem Fall weiß ich mehr als Sie", sagte Renata schnell. „Ich ahne es wenigstens. Und ich glaube, ich stehe in einem gewissen Zusammenhang mit diesem Besuch." Sie sagte das alles, weil sie kein reineO Gewissen hatte. Ottenrieth sah sie überrascht an. „Fräulein Tudesco hat vollkommen recht", fing Fritz Armbruster an, „sie steht in der Tat in einem gewissen Zusammenhang, denn ihr verdankt Frau Armbruster die Kenntnis, daß Sie an einem neuen Werk arbeiten." „Womit ich doch hoffentlich keine Indiskretion begangen habe?" warf Renata ein. Ottenrieth lachte. „Aber um Gottes willen, ich habe doch keine Ge- heimniffe. Sie können es ruhig erzählen, wenn Sie wollen, ja also. Sie sind richtig unterrichtet, ich arbeite an einem neuen Werk." Ob er sich wohl verstellt, wenn er sie mit „Sie" anredet? schoß es Armbruster durch den Kopf, oder ob sie tatsächlich noch nicht so weit sind? Er sagte: „Ich danke sehr. Und an keinem Bühnenwerk diesmal?" „Nein, diesmal nicht. Diesmal habe ich mir etwas anderes Dorgenompien." „Und darf man fragen, Herr Ottenrieth, um was es sich handelt?" „Aber natürlich. Es ist ein Orchesterwerk. Eins sinfonische Dichtung in Form einer Fuge; für Orgel „Schneidigkeit" imponieren zu wollen, sondern kennzeichnet auch eine bedauerliche Unwissenheit von den Arbeits- und Lebensbedingungen des Modem Monde der Sonnenstrahlung augenblicklich; sie steigen bei hohem Sonnenstand auf über 120 Grad Celsius, sinken aber rasch auf 150 Grad unter Null, sobald das betreffende Gebiet beschattet wird. Ein- und Ausstrahlung wird eben durch keine Lufthülle behindert. Der Mond strahlt nur etwa 7 v. H. des auffallenden Sonnenlichtes zurück, feine Oberfläche muß daher aus ziemlich dunklen Stoffen bestehen. Die Beobachtung des abendlichen Fixsternhimmels wird in der ersten Hälfte des Monats durch die hellen Nächte und durch Mondschein beeinträchtigt. Erst nach dem 15. Juli entfaltet sich an klaren Abenden die volle Pracht des Sternenhimmels. Gegen 22 Uhr steht die Wega in der Leier nahe dem Zenit. Mit Deneb im Schwan und Atair im Adler bildet sie das bekannte Sommerdreieck, durch das von Norden nach Süden die Milchstraße hindurchzieht. Wir verfolgen das zarte Lichtband vom Perseus über Kassiopeia, Kepheus, Schwan und Adler bis zum Schützen, der tief im Süden steht. Rechts vom Schützen und ebenfalls nur in geringer Höhe über dem Horizont bemerken wir das schöne Sternbild des Skorpions. Da es nur kurze Zeit sichtbar ist und immer nur in der Nähe des südlichen Horizonts, wird ihm meist nicht die Beachtung geschenkt, die es wegen seiner prächtigen Gestalt verdient. Es lohnt sich, den Skorpion durch ein Fernglas zu betrachten. Umgeben von blauweiß funkelnden Sternen steht links der rote Antares, ein Riesenstern von ungeheuren Ausmaßen. Es ist in neuerer Zeit gelungen, den Durchmesser dieses Sterns mit dem Interferometer der Mount-Wilson-Sternwarte zu bestimmen. Bei einem Abstand von 330 Lichtjahren oder 3100 Billionen Kilometer besitzt Antares den 300fachen Sonnendurchmesser. Rechts über dem Skorpion bemerken wir die beiden hellen Sterne der Waage und die Spika in der Jungfrau. Hoch ijn Südwesten strahlt der helle Ark- turus im Bootes, ein gelber Riesenstern im Abstand von 38 Lichtjahren. Im Raume zwischen Arktur und Wega sehen wir die halbkreisförmige Nördliche Krone, in der Gemma als hellster Lichtpunkt erscheint, und das ausgedehnte Sternbild des Herkules. Darunter breiten sich die Sternbilder Schlange und Schlangenträger (Ophiuchus) aus. Während der Größe Löwe sich dem wesllichen Horizont nähert, sind im Osten Pegasus und Andromeda heraufgekommen. Den Himmelswagen im Großen Bären finden wir jetzt links vom Polarstern in absteigender Bewegung. Von den Planeten leuchtet Venus als Abendstern am Westhimmel. Jupiter geht Anfang Juli um 23 Uhr, Ende des Monats um 21 Uhr auf; Saturn erscheint eine Stunde später ebenfalls im Osten. Jupiter ist jedoch 13mal heller als Saturn. Die Erde erreicht am 3. Juli den sonnenfernsten Punkt (Aphel) ihrer elliptischen Bahn und ist fünf Millionen Kilometer weiter von der Sonne entfernt als im Winter, was aber bei einem Abstand von 150 Millionen Kilometer nicht viel bedeutet. Cntourf: Rei4>earB*lt»gtnttiiifdjoft Schadenverhükmg. Zeichmu»«: ©neter. 3-hM. pfli-d» ->" $=S4äe6«r; 11 — irdnmmel HtocrenO per sayn weder «f- tWb oHPriogeil Entwurf: fRrufrtatbeiHfltm«lnfdM(f Sdnbrnurrbütung. Zeichnung: Haha. Uferte pflicht der «raMahrrr: £liH6 überboten und nur bann, ---------------------------------- wenn babnrd) der übrige, ln«be- lonbere der entgeacnfommenbe verkehr, nicht gefährdet Wirbt Sonderregelung bei der Stratzendadn beachten! ft P1 8 die drei am gleichen Tisch gedeckt wurde, und so blieb es während der ganzen Zeit. Vormittags hielt sich, die Oberstin in ihrem Zimmer, während Renata hinunterging und mit Ottenrieth eine Stunde in der warmen Sonne den Lungolago entlang wanderte. Dann sprachen sie über Dinge, die ihnen gemeinsam waren, er entwickelte ihr den Plan, den er in Sant Ambrogio gefaßt, seine Fuge für großes Orchester zu setzen, und sie stimmte ihm mit guten und klaren Begründungen zu. Einmal gipgen sie nach Niva hinüber, wo er sich Notenpapier kaufte, und — fortan gehörte jede einsame Stunde des Tages der Arbeit. Die Oberstin hatte durch Renata von seinem Werk erfahren; sie bat ihn einmal, etwas davon mitzuteilen, und so spielte er den beiden am Flügel in der Halle ein paar Sätze vor. Grazia Tudesco saß am Fenster und schaute hinaus in den Garten und auf den See, und von Zeit zu Zeit drängte sie einen Seufzer zurück und schloß die Augen. Sie ahnte, wovon er spielte, sie schaute auf das Kind, das neben ihm faß und die Noten umwandte, und in ihrem Herzen war Erinnerung, Verwirrung und Angst. Am Abend, vor dem Schlafengehen, nahm sie Renata in die Arme. „Kind, du weißt mein Schicksal, ich habe Angst, Angst um dich. Am liebsten ließe ich dich nicht mehr von mir. Er soll allein nach Wien reisen!" rief sie plötzlich in einem emporzüngelnden Gefühl. Aber Renata schüttelte nur den Kopf. „Keine Angst, Mutter! Man schwimmt nicht zweimal durch die gleiche Welle. Und daß ich die Wahrheit weiß, das ist mein stärkster Schild. Du hast ihn mir gegeben, ich danke dir." Und sie fiel der schönen Mutter um den Hals ■tion. Unser Nachbar im Wettenraum Oer gestirnte Himmel im Juli. Don Or. Erwin Koffinna. Spaß beiseite: nach dem letzten eindringlichen Schulungskursus sollten wir es nun wirklich gelernt haben, uns in allen Verkehrs-Lebenslagen mit Sicherheit und Anstand zu bewegen. War es nicht eigentlich reichlich beschämend für sämtliche Kategorien der Verkehrsteilnehmer, daß Vater Staat uns nach so vielen geduldigen Unterweisungen und praktischen Belehrungen noch einmal eine ganze Woche lang auf die Schulbank setzen mußte? Und hätten wir es nicht alle miteinander bei allgemeinem guten Willen vermeiden können, daß ein Mann wfe Dr. Goebbels, der bei feinem vielseitigen und außerordentlich umfangreichen Arbeitsbereich an vordringlichen Aufgaben ganz gewiß keinen Mangel hat, seine Autorität in die Waagschale werfen mußte, nur um unbelehrbaren und leichtfertigen Verkehrsteilnehmern ein letztes Mal mit allem Ernst ins Gewissen zu reden? Man möchte, um es einmal kraß auszudrücken, für jeden Verkehrsteilnehmer, der sich in dieser Woche der Aktion für Unfallverhütung im öffentlichen Verkehr selbst auf größeren oder kleineren Verstößen ertappte, nur einen Groschen haben — da käme schätzungsweise wohl eine sechsstellige Zahl in Reichsmark heraus! Und wenn wir ehrlich sind, wie wir es in einer so bitter ernsten Angelegenheit von sage und schreibe 8000 Toten und 160000 Verletzten im Jahr sicher alle sein wollen, dann haben wir uns, Fußgänger, Kutscher, Radfahrer, Kraftfahrer klar gemacht, daß wir nun genug auf dem Kerbholz haben. Wenn wir von dieser Erkenntnis ausgehen — und wer unter uns ist ohne Fehl! — dann ergibt sich ganz von selbst die kategorische Folgerung, daß wir beim Bekanntwerden der nächsten, hoffentlich sehr erfreulichen Verkehrs st ati- 'st i k sagen können, daß wir, jeder zu seinem Teil, an dem erfolgreichen Kampf gegen den Derkehrs- unfall mit ■ äußerster Umsicht, Rücksichtnahme und ^-Korrekthlbit tätig teilgenommen haben. Machen wir miteinander einen dicken Schluß- sirich unter d i e Jahre der mehr oder weniger großen Leichtfertigkeit im Verkehr! „Angeben" kann schließlich jeder. Dazu gehört weiter nichts als eine beträchtliche Dosis Ueberheblichkeit, Gewissenlosigkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber den Mitmenschen. Es ist noch immer, und heute mehr als je, ein Kennzeichen beispielsweise des schlechten Kraftfahrers, wenn er aus dem Stand zum Anfahren den Motor mit Getöse auf hohe Tourenzahl jagt, den ersten, den zweiten, den dritten und vierten Gang hineinhaut und davonbraust. Es ist nicht nur kindisch, mit solchem Gehabe den Passanten in falsch verstandener »'s rf Manb lut x W N 1 Minge DieVerkehrserziehungswochemußemErsolgsein Schlußstrich unter den Äerkehrsleichtsinn. Entwurf: fRei&arbetttgrateinfdjafl Schudknvrrhütuug. Zeichnung: Hurtet Achte pflicht der JRaöfafrrer; Sich olldt cnfrfoßtn, fein Sieb führen ------------------------------- und andere Zabrzeogk nnr dann ziehen, wenn Re mit dem «ade fefl verbanden ftnbi Zum ersten Male hatte Ottenrieth Gelegenheit, Mutter und Tochter längere Zeit nebeneinander zu lehen und ihre Gesichter zu vergleichen. Seltsam, ivie anders, bei aller anderen sonstigen äußeren Ähnlichkeit, Renatas Auge blickte als das der Mutter. Es war eine dunkle Grübelei darin, die §anz unitalienisch wirkte; er hatte das schon im Sommer einmal bemerkt, doch so deutlich wie heute war es ihm nie geworden. Das Auge der Oberstin war groß und schön und von schwermütigem Glanz; tber in Renatas Blick stand ein Fragen und Suchen wie in dem Blick eines äugenden Tieres. Um das Gespräch in dauernder Fahrt zu halten, benutzte Ottenrieth ein Wort aus Renatas Brief ds Ruder. Die Signora sei, sagte er, eine besondere Freundin dieses kleinen, reizenden Ortes? Er ent- jinne sich, daß Baron ßeutftetten ihm im Sommer i einmal eine entsprechende Bemerkung gemacht habe. Grazia Tudesco nickte gedankenvoll mit dem Kopf: 4a, das dürfe sie wohl sagen, daß sie Torbole liebe. Mit Ausnahme der Kriegsjahre sei sie alljährlich hier gewesen. 1914 zum ersten Male — und von |h 920 ab jedes Jahr. Und sie gehe sogar — fügte Ih ein wenig zögernd hinzu, mit dem Gedanken um, ganz hierher zu übersiedeln und das unwirt- !cche Haus hoch oben im Apennin zu verkaufen, jstzt, da sie frei geworden sei. Ottenrieth schrak zusammen, der Ton, in dem sie i as Wort „frei!" gesprochen, erschreckte ihn, so leidenschaftlich klang es. Er b'lickte rasch auf Renata, ir hoffte in ihrem Gesicht eine Erklärung zu lesen, [ber sie saß unbewegt da und fchaute in die Glut I tos Kamins. Plötzlich fiel ihm auf, daß etwas Fremdes in hren Zügen war, eine Spur von üherstandener Erschütterung, eine Leidensspur, etwas, das er früher nie darin bemerkt. War es das schwere Er- I tebnis, das hinter ihr lag, der Verlust des Vaters? Heber sein Herz ging eine Ahnung hin, daß es mehr var als dies. Die Scheite sanken zusammen. Es war dunkel in ^r Halle geworden. Die Oberstin verabschiedete sich. Da zur Zeit keine anderen Gäste in der „Casa °ossa" waren, ergab es sich von selbst, daß für *4# Die Abschwächung des gelben Mondlichts und die tiefe Stellung am Abendhimmel im Hochsommer sind der Beobachtung sehr günstig. Man beginne aber mit der Betrachtung nicht erst bei Vollmond, sondern bereits einige Tage nach Neumond, also Anfang Juli, wenn sich im Westen die schmale Mondsichel zeigt. Es ist dann von besonderem Reiz, von Abend zu Abend das Wandern der Licht- und Schattengrenze auf dem Monde mit Hilfe eines Fernrohres oder Fernglases zu verfolgen. Die Mondlandschaften in der Nähe der Lichtgrenze, wo die Sonne gerade aufgeht, erscheinen durch den starken Schattenwurf der Gebirge und Ringwälle besonders plastisch. Am 4. Juli tritt der Mond in das erste Viertel, die Lichtgrenze halbiert die Mondscheibe und durchschneidet den Gebirgszug der Apenninen* auf der nördlichen Mondhalbkugel. Schon im Fernglas sieht man, wie einzelne Bergspitzen links von der Lichtgrenze aus dem Schwarzdunkel aufleuchten. Die Gipfel werden bereits von den Strahlen der aufgehenden Sonne getroffen, während^hre tiefere Um- gebung noch im Dunkel der Nächtigt. Aehnliche MMeoimMee Roman von Hans von Hmsen. Copyright by Promecheus-Verlag, Dr. Eichacker, München-Gröbenzell. reichen, hochmotorisierten Lande, nämlich jener Flüssigkeit des Verkehrs, die das sogenannte zügige Fahren verlangt, geschieht schon bis zu einem gewissen Grade Genüge, wenn man seine Vorfahrt nicht erzwingt. Vorfahrt heißt nicht Vorfahrtpflicht, und es ist immer der Klügere, der nachgibt. Und ein zweites: Die Verkehrsvorschriften besagen, daß derjenige, der im Kraftverkehr überholt wird, während des Ueberholttverdens, nun nicht seinerseits noch feste „auf die Tube drücken" soll. Das heißt mit anderen Worten, er soll das lieber« holtwerden nicht durch Mehrgas erschweren. Aber wer vernünftig ist, der tut ein Uebriges und nimmt das Gas teilweise oder gar ganz für einen Augenblick weg! Die Praxis zeigt immer wieder, daß damit beiden Teilen aufs Beste gedient ist und daß nun beide freie und nsikolofe Fahrt haben. Und endlich: wem die mit fo fürchterlichen Zahlen belegte Tatsache noch nicht genügt, daß der Verkehrsteilnehmer mit Rücksichtslosigkeit oder Leichtfertigkeit viel schneller auf den Operationstisch oder gar ins Grab kommt als ans Ziel, der sollte sich sagen, daß wir alle seit v Jahren an den großen Erfolgen und Segnungen des nationalsozialistischen Staates teilnehmen und daß wir infolgedessen zum mindesten erhebliche Dankverpflichtungen haben. Nicht zuletzt dort, wo die Volksgemeinschaft als Derkehrsgemeinschaft auftritt! f frei! Üj toben r praktischen rung ,Snrgl)of" irienbeiitrer lärtuer! ,s beliebte bekannte Ml Innung von Zrucksiaften .Frisch' k ^omvott und konservieren unt> Früchte rtb Zucker- Zrüchtemid MdÄV Anbrennen» t wirb reW“8 iprfet. 03019 und großes Orchester." Ottenrieth sagte es langsam, jedes Wort wägend und betonend, ihm war, als trennte er sich mit jedem Wort von einem ihm seit langem lieben Geheimnis, das bisher nur zwei Menschen geteilt hatten: er und Renata. „Aha! Sehr interessant! Schr interessant! Das wird natürlich überraschen, ich stelle mir schon das Aufsehen vor, das eine Notiz darüber machen wird!" „Warum eigentlich, Herr Armbruster?" fragte Ottenrieth. „Sie wissen — oder vielleicht wissen Sie es nicht —, daß ich ja ursprünglich von der Konzert» musik ausgegangen bin, es gibt eine Anzahl von Klavier- und Violinkonzerten von Mir, um die sich leider niemand gekümmert hat, auch in den Korrespondenzmappen der Firma Armbruster haben sie, wenn ich mich recht erinnere, ihre Spuren in Gestalt von Ablehnungen hinterlassen. Aber das war wohl vor Ihrer Zeit."' „Das muß ganz bestimmt vor meiner Zeit gerne jen sein! Andernfalls —" „Andernfalls hätten sich die Ablehnungen natürlich in lauter Annahmen verwandelt", lachte Ottenrieth: „Sie find sehr freundlich, Herr Armbruster, und ich glaube Ihnen aufs Wort." „Das können Sie getrost tun", mischte sich Renata ins Gespräch. Sie spürte das Bedürfnis, Fritz ein wenig zu Hilfe zu kommen, da er ihr immerfort leid tat. „Mein alter Freund Armbruster hat eine außerordentlich gute Nase, man kann seinem Urteil ruhig vertrauen. Ich glaube, Frau Armhruster unternimmt nichts, was er nicht unter dem Gesichtspunkt der Qualität gebilligt hat." Ahnungsloser Engel, dachte Armbruster, aber er begriff natürlich, daß sie ihm helfen wollte, und das war ja nett von ihr. „Und da sind Sie nun, sozusagen, zu Ihrer alten Liebe zurückgekehrt?" fragte er. „So ist es. Nachdem ich mich durch gewinn- bringende Beschäftigung — drückt sich der Steuerzettel nicht so aus? — auf Anderem Gebiet dazu in den Stand gesetzt habe. Wir wollen nun sehen, ob es sich diesmal erzwingen läßt." „Woran ich nicht zweifle. Es ist ein großes Werk?" „Ein abendfüllendes Werk", erwiderte Ottenrieth, „dessen Ausführung, wie ich glaube, erhebliche Anforderungen stellt, sowohl an die Ausführenden als auch an die Hörer. Ich habe es den Leuten", fügte er lächelnd hinzu, „nun zweimal leicht gemacht, so daß ich es ihnen beim dritten Male vielleicht etwas schwerer machen darf!" (Fortsetzung folgt!) $oll=n ProKr 0«ch* y/.rhobe” Bäder. Sommerfrischen, Wochenende und Ausflugsorte K * ein Es I 9 ge- ■ >. I i i । ä V 1 7 f Herbstein (Vogelsberg) Bad Selters am Vogelsberg Alsfeld (Oberhessen) K Gasthaus Deutsches Haus Butzbach (Wetterau) Gasthaus Zur Erholung Vollständig umaebaut und neu- i Hoherodshopf Zeitlich eingerichtet. - Bes. Job. Bekannt gute reichliche Verpfle- Merz, Fernsprecher 357. Garage, gung.Mietend Wasser. Garagen. Bad-Nauheim Flensungen (Station Mücke) Homberg (Oberhessen) Grünberg (Oberhessen) Lauter bei Grünberg 1 Waldlust Bad-Nauheim. Fernspr. 2451. Die Apfelwern-Oase mit einem der schönsten Gärten der Wetterau. — Verschiedene Geiellschaftsräume. — Eigene Metzgerei - gut bürgerliche Kirche. Mittwoch, Samstag und Sonntag Unterhaltungskonzert mit Tanzeinlagen. 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Am Abend sitzen wir dann an der Sieg oder am Fuß des Siebengebirges und haben vielleicht schon wieder Hunger. Wir wählen unter den Spezialitäten falls gerade frisch geschlachtet worden ist, das Gericht „P a nnh a s mit Aerpelschlot" aus. Pannhas ist eine Speise aus Buchweizenmehl mit Wurstbrühe, Speck- und Fleischstücken. Diese Kuchenmasse wird in Scheiben geschnitten und dann in der Pfanne gebraten. Dazu gibt es dann einen herzerfrischenden Kartoffelsalat mit jungen Kräutern und Heringsstückchen, den sogenannten Aerpelschrot. Ein anderes Kartoffelgericht, das in dieser Gegend auch sehr beliebt ist, nennt sich „Pillkofen", ein Pfannkuchen aus feingeschnitzelten rohen Kartoffeln und Speckstreifen. Im Spätherbst bevorzugt man m den landwirtschaftlichen Gebieten des Mittelrheins das Eintopfgericht „D ö p p z o p p e", eine dicke Suppe mit Bohnen aus dem Garten, verschiedenen Suppenkräutern, Kartoffelwürfeln und Hammelfleischstücken. Das Ahrtal, in das wir von Sinzig oder Remagen aus einbiegen, überrascht uns mit Delikatessen, die auch dem verwöhntesten Geschmack standhalten. In Neuenahr serviert man das hauchzarte, feingeräucherte Neuenahrer Rauchfleisch mit westfälischem Pumpernickel. Als Vorspeise zum Mittagsmahl wählt man in den Kurorten an der Ahr mit raffinierter Tunke zubereitete ober überkrustete frische Champignons aus den dortigen unterirdischen Pilzzuchtanstalten. Bei- der Weiterfahrt durch die Eifel zum Mosel- tat hin bemerken wir an den Gaststätten einladende Tafeln mit der Aufschrift: Bachforellen oder Laa- ch e r Seefeld) en. An der Mosel gönnen wir uns einen Moselhecht in Sahne und vergessen nicht, den dazu gebotenen spritzigen Wein zu trinken. Im Hochwald, im Hunsrück und an der Nahe werden wir saftige Wildbraten vorgesetzt bekommen, denn hier ist der Hirsch, das Reh und das Wildschwein zu Hause. Mit einer ganz besonderen Spezialität krönen wir unsere Reise nach der rheinischen Speisekarte, und zwar in Jdar-Oberstein im Nahetal. Dort pflegt man am offenen Holzfeuer die würzigen Spieß braten zu rösten, zu denen der beste Wein von der Nahe gerade recht ift_______________ reg. Köln, im Juni 1938. In diesem Jahre soll zur Fremdensaison zum erstenmal im deutschen Westen ein Verzeichnis rheinischer Spezialitäten aus Küche und Keller in Form eines lustigen „Magenfahrplans" herausgebracht werden., Aehnliche Reiseführer, die sich nur mit den lukullischen und nicht mit den landschaftlichen Besonderheiten eines bestimmten Gebietes befassen, gibt es bisher nur in Frankreich, wo man vielfach gewöhnt ist, nach der Speisekarte statt nach der Autokarte zu reifen. Aber auch in den Gaststätten des Rheinlandes wird mit Liebe gekocht, und mit ganz besonderer Liebe werden dort jene Speisen zubereitet, die man Hausmannskost nennt, und die aus Großmutters Kochtopf abgeguckt roor- den find. Bevor wir im Geiste unsere Reise mit dem rheinischen Magenfahrplan in der Hand antreten, wollen wir es nicht versäumen, unsere appetitanregende Lektüre mit einem kräftigen Schluck „F uhr- mannskloren" einzuleiten. Das ist ein klarer Kornschnaps mit einem Stück Zucker. Wir beginnen unsere Fahrt im Ruhrorter Hafenviertel, wo man uns in einer alten Schifferkneipe die kleinen, geräucherten Rhein-Alven vorsetzt, die wie ganz zarte Kieler Sprotten schmecken. Wir können uns auch einen Maifisch oder einen Rheinaal servieren lassen oder, wenn wir mal großzügig sein wollen, eine Scheibe Rheinsalm. In Düsseldorf werden wir es nicht versäumen, rheinischen Sauerbraten in pikanter, mit Nüssen und Rosinen gespickter Tunke und den obligaten Kartoffelklößen zu bestellen.. Am anderen Tag wird man sich in Köln reichlich Zeit lassen müssen, die einheimischen Gerichte zu studieren. Der Kölner liebt es, seinen Küchen'speziali- täten auch gemütvolle Namen zu geben. Da ist das Nationalgericht „Himmel unAehd metBlot- w o s ch" (Himmel und Erde mit Blutwurst), das aus einem Brei durcheinandergekochter Aepfel (Himmel) und Kartoffel (Erde) besteht und mit einer gebratenen Blutwurst verlockend garniert ist. Abends wählt man in Köln gern „Rievkooch e", kleine, in Del gebackene Pfannkuchen aus geriebenen Kartoffeln mit einigen Gewürzzutaten. Wer aber am Abend die kalte Küche vorzieht, der wird sich ’nen „ha 1 ven Hah n" kommen lassen, nämlich ein halbes Röggelchen oder Roggenbrötchen mit einer dicken Scheibe alten Holländer Käse. Kräftiger ist der „Kölsche Kaviar mit Musik", ein Roggenbrötchen mit Hausmacherblutwurst und Zwiebelscheiben. - Dazu nimmt man Düsseldorfer Mostert (Senf) und ein Zylinderglas „Kölsch Wie ß", helles, obergäriges Bier aus den verschiedenen Kölner Hausbrauereien. Bei einem Abstecher ins liebliche Bergische Land kehrt man in einer der zahlreichen Kaffeewirtschaften ein und setzt sich behaglich in die Laube vor die schwarzweiße Fachwerkfrvnt des schmucken Gasthauses, um den sehr ausführlichen Bergischen Reisewinke. Römerbergfestspiele in Frankfurt. Die diesjährigen Römerbergfestspiele in Frankfurt a. M. beginnen mit Shakespeares „Hamlet". Ferner stehen im Spielplan: Gerhart Hauptmanns „Florian Geyer", Schillers „Fiesko", Goethes „Faust" 1. Teil und Shakespeares „Heinrich IV.". Fahrpreisermäßigungen für Oesterreich. Im Lande Desterreich gelten jetzt die Fahrpreise der Deutschen Reichsbahn. Neben einigen für eine Übergangszeit noch behaltenen österreichischen Ermäßigungen sind damit auch folgende von der Deutschen Reichsbahn gewährte Fahrpreisermäßigungen in Oesterreich eingeführt worden: Die Fahrpreisermäßigungen für Gesellschaftsreisen, für Gesellschaftssonderzüge und Feriensonderzüge, für Ur» laubersonderzüge „Kraft durch Freude", Schul- und Jugendpflegefahrten, kinderreiche Familien, öffentliche Krankenpflege, hilfsbedürftige Kranke, Kriegsteilnehmer, deutsche Kriegs- und Schwerbesd)ädigte der nationalen Erhebung, für Helfer in der Landhilfe, für Unterbringung hilfsbedürftiger Kinder auf dem Lande und in Heimen und für Besucher anerkannter Mustermessen. Im Gepäck- und Expreßgutverkehr sind ebenfalls die deutschen Sätze über« nommen worden. Aufenthalt aus der Reise. i Don Christian Bock. Vierzig Minuten hält der Zug. Und diesen Bahnhof hier, den kenne ich. Dor wieviel Jahren war das — da kam ich hi^ jeden Morgen um sieben Uhr acht an, eine Schulnwppe unterm Arm und eine rote Mütze auf dem Stopf, etwas schräg rechtsüber saß die Mütze, etwas frech, und ich glaube, ich fühlte es heute noch ob sie richtig auf dem Kopf sitzt oder einen Grad zu musterhaft — Gymnasiast: wie das heute klingt, wenn mans nächschmeckt! Jede Ecke dieses Bahnhofs kenne ich und den Geruch der Räume, ich weiß, daß da hinten eine Trinkwasserfontäne ist, an der ein Becher traurig und verbeult herunterhängt, ich kann hier noch über alles und jedes Auskunft geben, wenn es sein soll. Verzeihen Sie, wo kann man hier —? Bitte, gleich vorne links, mein Herr! Ich will mir die Stadt ansehen. Ich gehe durch die Sperre und bin schon am Ausgang, da drehe ich mich noch einmal um, ich sah da ein Gesicht, und jetzt erst, eine Sekunde nachher, weiß ich dieses Gesicht wieder. Derselbe Mann, der damals hier die Karten knipste, jeden Tag, der knipst sie noch. Mit einer großen Gleichgültigkeit, lässig und ohne aufzusehen. Pflicht — er knipst. Damals und heute noch. Als wären so viel Jahre gar nichts. Ich war so lange Zeit nicht hier — ging das Leben hier nicht weiter, standen hier die Uhren still? So lange Zeit. Ich war inzwischen anderswo auf der Landkarte, nicht eben weit, aber doch wo- anoers, ich lebte in anderen Städten, arbeitete lernte, las und sah mich um und tat und werkte und überredete manchmal fremde Damen, du zu mir zu sagen, und hatte überhaupt zu tun. Und während ich so zu tun hatte, eine ungeheuer lange Zeit, stand hier der Mann und knipste. Knipste jeden ewigen Tag. Und heute hin ich aufgewacht und reibe mit die Augen: Ach so, hier bin ich —! Als hätte ich alles nur geträumt. Oder träumten die Leute hier? Dann gehe ich in die Stadt. Ich stehe vor einem graugelben Schulgebäude. Am Gitter, das den Schulhof vom Leben trennt, stehe ich und gebe mir große Mühe: ich möchte irgend etwas fühlen, wenn ich mich hier umsehe, meinetwegen einen stumpfen Widerwillen, wenn es nichts anderes gibt — ich kenne alles wieder, die Treppe, die wir immer in drei Sähen nahmen, den Eingang, die Inschrift darüber: Non scholae sed vitae discimus — ach ja!, hier vorn die Bäume auf einer steinern eingefaßten Erhöhung — ober nichts klingt an, alles ist leer. War denn da nichts? Da klingelt es zur Pause. Der Schulhof füllt sich. Ich stehe fremd am Gitter und kenne keinen, wann war ich hier? Dor sechs, acht, zehn — ach was, dreihundert Jahre sind es her, so weit ist das. Der Lärm einer Schulpause ist immer noch so, ich habe noch diesen Lärm im Ohr. Aber auch Geräusche fassen mich nicht an, ich höre alles, ich kenne es, aber ich spüre nichts. Gar nichts. Man müßte vielleicht den Geruch eines Klassenzimmers uny sich haben, mit etwas Kreidestaub — so. Vielleicht spürte man dann etwas. In einer Ecke des Schulhofs stehen Schüler und mühen sich um eine Übersetzung. Horazische Oden — so etwas könnte es Jein. Und etwas abseits von ihnen steht einer, ich will mit jedem eine Wette eingehen, das ist der Klassenprimus. Sie wollen ihn heranhaben, er soll vorübersetzen, soll helfen. Aber er macht eine ungeschickte abwehrende Bewegung und sagt etwas. Und ich weiß genau, was er sagt. Er sagt: „Ich habe nichts getan für heute, ich kann nicht." Er kann schon, der Gute, er hat gewaltig ge- Wanderfahrten. Jlibba — Lichelsachsen — Schoner Stein — Schotten. Diese lohnende Vogelsbergwanderung beginnen mir in Nidda (Sonntagskarte Schotten). Nachdem wir das freundliche Städtchen durchschritten haben, folgen wir roten Strichen, die uns nach Michelnau, bann durch prächtigen Wald über den Breitenstein (340 m) bis zur Straße Glashütten—Eichelsachsen bringen. Hier verlassen wir das Zeichen und verfolgen die Straße nach Eichelsachsen, wo wir nach zweistündiger Wanderung Rast machen können. Von Eichelsachsen führen uns weiße Zeichen einen Fuß- pfad bergan zum Haselberg ober Schönen Stein (347 m), wo sich uns eine herrliche freie Aussicht, eine ber schönsten im ganzen Berggebiet, erschließt. Weit schweift ber Blick nach ben Höhen bes Taunus, ben Kuppen bes Westerwalbes unb nach bem Hohen Vogelsberg. Unser Zeichen leitet uns burd) ben Wald abwärts; wir überschreiten bas liebliche Läunsbachtal und kommen in ber Nähe des Försterbenkmals beim Altenburgskopf gegenüber bem früheren Lehrerheim auf die Staatsstraße, auf ber wir alsbalb unser Endziel Schotten erreichen. Dauer der Wanderung vier Stunden. Braunfels — Leun — Heisterberger Hof — Diana- bürg — Elgershausen — Greifenstein — Edingen. Mit Sonntagskarte Braunfels-Katzenfurt zurück fahren wir nach ber Station Braunfels, wandern von hier den Bahnkörper entlang, kommen über die Lahnbrücke nach Leun, das wir, an einigen schönen Fachwerkhäusern vorüber, durchschreiten und nun- mehr ein großes Stück dem Lahnufer entlangaehen; ein Pfeil weist uns später nach rechts, in breiter Weg, auf ber Karte mit rotem Strich bezeichnet, führt uns aufwärts (man lasse sich durch das unterwegs erscheinende L nicht irre machen) über ben Heister« berger Hof zur Dianaburg mit gastlicher Försterei. Hier versäumen wir nicht, den herrlichen Rundblick vom Turm bes ehemaligen Jagbschlosses zu genießen. Blaue Striche leiten uns weiter durch prächtige Wal« bung, unterwegs schöne Blicke iwdas Dill- und Ulm« bachtal bietend, über Waldhof-Elgershausen nach Greifenstein, dessen gewaltige Ruine wir schon lange vorher erblicken. In Greifenstein ist gute Einkehr. Nach Besichtigung des alten Gemäuers und der im Innern interessanten Burgkirche steigen wir auf aussichtsreichem Wege hinab nach unserem Endziel Edingen; bis Katzenfurt nachlösen. Wanderzeit vier Stunden. Butzbach« die altertümliche Stabt am Nordosthang bes Taunus. Histor. Marktplatz mit Brunnen u. schön. Fachwerkbauten. Heimat- u. Trachtenmuseum. GeschichtSdenkmäler aus Mittelalter u.Römer- zeit. Ausflüge in die waldreiche Umgebung. Schöner Ausblick vom „Söbren^er" in die Gefilde d. Wetterau. GuteHotels u. Gaststätten. paukt zu Hause, aber helfen will er nicht. Aus bloßer mieser Streberei nicht. Es klingelt wieder, die Pause ist zu Ende. Und plötzlich hat das Gewimmel auf dem Schulhof eine Richtung: die Tür. Langsam schluckt das Gebäude den Lärm — Unb jetzt, jetzt kommt es. Ich wollte etwas spuren, ein Gefühl haben, wie es mar: jetzt kommt es: Die Stunde fängt gleich an. Geschichtsunterricht. Ich bin ganz unb gar unvorbereitet. Angst, lauter Angst: Komme ich heute dran? Da höre ich eine Stimme, eine ganz ruhige Stimme: „Wollen Sie uns also mal vortragen!" Und jemand sieht mich an. Ich stehe auf, ich sage nichts, kein Wort. Eine frostige Ruhe. Endlos. Die Stimme sagt':'„Also — ?" Ich sage noch immer nichts. Die Stimme war weit weg, jetzt kommt sie wieder: „Sie wollten uns Bes. Hch. Fortnagel. Fernspr. 65. Eigene Metzgerei. Vorzügl. reichl. . Verpfleg. Bad im Hause. Sonn, i Zimmer mit herrlicher Fernsicht. £ Hoberod* köpf, herrl. Ausflugs- u. Erholungsort im Vogelsberg. Klubbaus Hoherodskopf,Inh. W. Bender. Tel.l 88 Schotten. Eig.Konditorei. Vorzügl. Verpfleg. Fremdenzimm. Volle Pension. Hotel zum Hirsch Marktplatz Fernruf 75. Das Haus der guten Speisen u. Getränte. Fremdenzimmer. Schöner Saal. Garage. Zivile Preise. Bei. H.Eiertänzer Gastwirtschaft Schmitz Fernruf. — Eigene Metzgerei. Volle Pension. Neu eingerichtete Fremdenzimmer. Fließ. Wasser. Garage. Preiswerte Unterkunft. Hotel-Restaurant u. Cafö Hessischer Hof, J.Moukang. Fernr. 2. Fließ. 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Und der Zug läuft ein, ich fahre weg. BadSelters (Oberh.). amSüdhang d.Vogelsbg./t.schon.Ntddertltt: Neichsstr. 275 (2 km v. Ortenberg); Bahnlinie Stockheim-Lauterbach. Heilbad f.Stadtmüde ».Naturfreunde; absolut ländl.Ruhe, zwanm Kurleben.Liegewiese.SorieStktus-Sprudel,hervorragend bewahrttzei Rheuma, Gicht, Ischias, Herz-, Gatten-u.Leberleid., Kreislaufstörung Kurhaus Bad Selters. Fernsprecher 250 Ortenberg. Zentralheizung, fließendes Wasser, Garage. Große glasgedeckte Terrasse mit Aussicht über den Park und auf Ortenberg. Volle Pension ab RM. 4.-. 3-Wochen-Pauschalkur ab RM. 127.20. Prospekte. Gasthaus Hessischer Hof* Ilbeshausen.Jnb.Hch.O echter Fernsp. 18 Herbstein. Eig. Metz' gerei. Fremden;. Volle Pension Reichl.gitteVervflegung.Garage. Priv.-Pens. Meier, „Waldeslust“ Hochwald hausen Ruh. ftaubf. Lage dir. am Walde. Liegewieie a.Hause in gr.Garten. Schone Zimmer. Volle Pension Ilbeshausen — Hochwaldhausen Ilbeshausen - Hochwaldhausen, 500 m ü. M., der beliebte Luftkurort i. 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Aber Herr Mertens macht sich nichts mehr draus. In einer halben Stunde kommt der Briefträger und bringt ihm den Gießener Anzeiger. Damit kann er sich zunächst bis Mittag beschäftigen. Und dann scheint sicher die Sonne wieder. Machen Sie’s ebenso: lassen Sie sich den GießenerAnzeigerin den Urlaub nachschicken. Das kostet nicht die Welt. Geben Sie bitte Ihre Ferienanschrift drei Tage vor der Abreise in der Geschäftsstelle an. Sie können sich die Zeitung auch postlagernd schicken lassen wenn Sie noch nicht wissen, wo Sie wohnen itlllllBIHIIIHIIHIIIIIIII« Erholung und gute Verpflegung finden Sie nicht nur in der Ferne, sondern auch in den Sommerfrischen und Gaststätten d. Heimat iiiiiiiiimiiiiiiimiiiiim Verlangen Sie das Monats- vrogrammbest „Die aufbaufreudige Stadt" die gleiche Stunde und, um das Maß machen, waren alle drei Wagen auch noch gleichen Versicherungsgesellschaft versichert. Ehrenrettung des Schweins Bahnhof-Hotel Deutsches Haus. Bel. Hermann Schmidt Fernruf- 4 42 Bekannt bei Geschäftsreisenden und Touristen Gasthaus Fritz Schwing, m ruhiger Lage am Südbahnhof. Fernruf 381 Eigene Metzgere'. Volle Pension.Garage.Schattiger Garten. 10 Minuten zum Wald nichts Besonderes darbot und der doch durch einen Dichter in der ganzen Welt bekannt geworden ist, war er doch der „kleine Ribet", von dem Alphonse Daudet in den liebenswürdigen Erzählungen seiner weltbekannten „Briefe aus meiner Mühle" sprach. Als Daudets „Müller" hat er sein Leben lang gegolten, und seine Mühle auf dem Hügel von Fontvieille hat immer ihren literarischen Ruf behalten. Heute drehen sich ihre Flügel nicht mehr im Wind, sie sind durch neue ersetzt worden, die aber unbeweglich sind Der alte Müller erzählte gern von seiner Arbeit in der Mühle, die er von seinem Vater gelernt hatte, er sprach daoorn wie man den Wind überwachen und die Flügel der Mühle nach ihm drehen mußte, und er erzählte dabei von dem Dichter. „Als Monsieur Daudet das erste Mal zur Mühle kam, herrschte ein starker Wind, bei dem er nur mit Mühe seinen Filzhut aufbehalten konnte Seitdem ist er immer wieder zur Mühle gekommen und hat dort lange Stunden zugebracht, während er sich in Montauban aufhielt. Da ich damals beweglicher war als im Alter, nannte er mich den „großen Teufel" und schrieb darüber in seinen .Briefen" — diesen Briefen, über die ich so aufgebracht war, daß ich ihn eines Tages fragte, warum er denn so viel schriebe und sie niemals bei der Post aufgäbe? Das alles geschah vor dem Kriege, dem von 1870 natürlich. Meine Mühle war damals schon über 50 Jahre alt. Auf einem Stein bei der Tür ist das Datum eingemeißelt: „1814". In diesem Jahre brachte sie mein Vater zum ersten Male in Gang. Ich habe sie dann lange Jahre sich drehen sehen, bis ich im Jahre 1915 aufhören mußte. Die Mühle hat also ohne Unterbrechung während eines ganzen Jahrhunderts gearbeitet." Schöner Aussingsort, direkt an der Lahn. Großer schattiger Garten. Gute Speisen und Getränke. Beauemer Spazierweg längs der Lahn. Fernsvr. Nr. 12 (Lollar). Gasthaus zurTraube, 93et A.BetMnann. Tel.26. Eig.Mevg., Fremdenz., volle Pensi,gute Küche: 6 Min.z.Sckloßruine,Herr! Aush Privat-Pension Friede. Schilfer II. DerrG staubfr. Wald- inne Vorzügliche Vervflenung. Eigene Landnnrtfch lVcei Milch!) ichönerAusflugSortcherrlich.Sva- uergana durch d.Bergwerkswaid über die Tbeodorörube.Idyllische Vage, großer Garten, felüftnelel* tert. Apfelwein. Hausichiachlung. Hotel Schüz .Inhaber W Proftmeyer. Altbekanntes Hotel Lauterbachs. Fernsprecher Nummer 319. Bad. Garagen für 10 Wagen hat die Eigenart, wahr zu sein. Zwei arme Teufel, Griechen, die vor Jahren nach Aegypten eingewan- dert waren und ihr tägliches Brot mit Loseoerkauf oder besserer Bettelei verdienten, sind über Nacht reich geworden. Bis jetzt waren sie froh, des abends ein paar Pfennig in der Tasche zu haben, und kein Mensch kümmerte sich um sie, bis das Glück über sie kam. Ein griechischer Freund, der sich ihrer erinnerte, hatte ihnen aus Griechenland amerikanische Zeitungen zugeschickt, in denen die Geschichte vom Tod ihres Onkels und von der großen Erbschaft, die sie gemacht haben, berichtet war. Mit diesen Zeitungen bewaffnet, marschierten die beiden zur ägyptischen Behörde mit der Bitte um Hilfe. Die Polizei nahm ein Protokoll auf, gab Bericht und nach Rückfrage bei der amerikanischen Gesandtschaft stellte es sich heraus, daß es sich um keine Mystifikation handelt, sondern um Tatsachen. Seitdem das bekannt ist, können sich die armen Teufel von gestern vor den Gunstbezeugungen der Umwelt nicht mehr retten. Bettelbriefe kommen in wahren Fluten. Freunde erbieten sich zur Hilfeleistung bei Uebernahme der Erbschaft. Ein Kairoer Advokat will 4000 Pfund als Kredit zur Verfügung stellen, damit die beiden nach Amerika fahren tonnen, die Formalitäten zu erledigen, unter der Voraussetzung, daß die neugebackenen Millionäre ihm die Vermögensverwaltung übertragen. Die beiden Hauptbeteiligten aber entziehen sich allen Gunstbezeugungen und halten sich an die ägyptische Re- gierung, die sich bereit erklärte, die notwendigen Schritte zu unternehmen, damit die beiden zu ihrer Erbschaft kommen. So werden auf Regierungskosten die beiden bald über den großen Teich fahren, um die große Kapitalflut nach Aegypten zurückzubringen. Zwei Millionäre, die für den Augenblick aus eigener Tasche nicht dritter Klasse nach Alexandrien fahren könnten.. Die Triplizität der Ereignisse. (—) London. Die so oft beobachtete Duplizität oder in diesem Falle richtiger Triplizität der Ereignisse war selten so auffallend wie bei einer Serie von Auto-Unfällen, die sich auf einer belebten Landstraße in der Nähe non London- zugetragen haben. An genau der gleichen Stelle sind an drei aufeinander folgenden Wochen drei Kraftwagen verunglückt. In allen drei Fällen war das Unglück auf das Platzen eines Reifens zurückzuführen. Um die Uebereinstimmung noch vollständiger zu machen, handelte es sich in allen drei Fällen jeweils um das gleiche Rad. Die drei nicht zurück. Baler Ribet" ist gestorben. K. Paris. In Avignon ist im Alter von 87 Jahren der „Vater Ribet" gestorben, dessen Leben als Müller Gasthaus zur Klostermühle, Fnt) W Hwmt.$ei.-W6’ Vich Bel Ausüugsori Scbeiivw.xUoiterinnn^ Lckiän Spaziergang iabBalmb L»ch lORkw > beb d ottr.n-nrta Londorf im)ebenen Vumöatai umgeben' ®on ^löern Die bekannt gute und reifliche ^mlegung bet e"vremDem Gasthaus u. Metzgerei H. Lieh. Fernr. 11. (Kbl. ^remoen* Die Eschenburg bei Dillenburg das Ehrenmal des deutschen Bergmanns im neuen Gewände. Die „Burgschenke“, Sitzplätze für zirka 200 Personen, ist neu eröffnet. Großzügige, allen Bedürfnissen entsprechende Gaststätte. Besonders geeignet für Betriebsausflüge und Tagungen. Sport-Möglichkeiten, 10000 Quadratmeter großer Freiplatz unmittelbar beim Turm. Autostraße bis zum Turm Große Parkplatz-Anlagen Herrlichster Aussichtspunkt im Sieg-Lahn Dillgebiet 632 Meter hoch SMSvlWll v.WMd Pension Wirth Volle Pension 3.00 bis 3.30 RM. Rbeinterrasse — Ltegewiefe WC im Haufe msD Privat-Sommerfrische in fchön.Lage d.Vogels- bergs, Höhenlage 460 Mtr., eig. Landwirtschaft, gut einger.Fremdenz.rn.fi Wass.,el Licht u.Bad,8Mm. vorn Hause eig Badestelle rn. Liegeplatz u Svrungst. am großen See. gute Vervfl. bei 4 Mablz., 3FO Mk. Friedrich Jäckel. Nieder-Moos. Söilburofo. auf Sßunfcö. In der ganzen Welt gibt es Cafös, überall, wo es aber Caf6s gibt, findet man auch Kaffeehaus- gäste, wie sie nicht sein sollen. Ein belgischer Kaffee- Hausbesitzer hat den „öffentlichen Feind auf der Kaffeehausterrasse" in wenigen Zeilen skizziert. Hier das Ergebnis: Der Kaffeehausgast, wie er nicht fein soll, ist nie mit dem Platz zufrieden, den man ihm empfiehlt. Er braucht wenigstens drei Stühle für sich — den einen für seinen Hut, den anderen für den Ueberzieher und den dritten, um die Beine darauf zu legen. Im ganzen benötigt er also vier Stühle. Mit Ungeduld ruft er den Ober heran. Er spielt den eiligen Mann. Und wenn der Ober da ist, dann überlegt er, was er bestellen will. Bier ist ihm nicht frisch genug. Zitronensaft ist ihm zu kalt. Für einen Likör ist es noch zu früh. Plötzlich hat er die Erleuchtung: Er bestellt eine Tasse Kaffee und möchte „Pommes Chips" dazu essen. Der unerwünschte Gast macht über die anderen Leute Bemerkungen. Wenn er etwas trinkt, ist dies unter^Umständen für seine Umgebung gefährlich. Wenn er ein Getränk bestellt hat, zu dem ein Strohhalm mitgeliefert wurde, dann bläst er durch den Strohhalm und macht gluckgluck. Und zum Schluß — wtznn er alle seine exzentrischen Künste vorgeführt hat, dann geht er einmal schnell zum Telephonieren und — kommt Domäne Menberg rsicheStckttemis 1129,ni.vräcbt.Aussicht , Ltd Waldweg o.Gießen,'/«Std.ab Stat.Schisienb.lStrecke Gießen- Gelnhauf.).Cmnib.abGießen: Bah nb. 15.10,Ludw i g s v l.15.lullhr. Vorzug,. 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SSnsA Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! 1 Die verzögerte Hochzeit. i (ka) Colombo. 1 Alles war für die Trauung des Don Themanis mit feiner Braut Rana Padihamy vorbereitet, als bei dem Standesamt von Colombo ein Telegramm eintraf, wonacy der Absender, der sich augenblicklich aus einem Schiff auf dem Wege nach Colombo befand, gegen die Trauung Einspruch erhob und dringend um Verschiebung der Zeremonie ersuchte. Er habe wichtige Gründe, die einen Aufschub der Trauung rechtfertigten. Also wurde die Trauung wirklich von dem Beamten, der Böses witterte, abgesagt und verschoben. Nach drei Tagen traf mit dem Dampfer ein gewisser Kelani Valley in Colombo ein. Er meldete sich bei seinem alten Freund Don Themanis und teilte ihm mit, er habe das Telegramm geschickt — allerdings nur „als Witz", weil er unbedingt an dem Festessen teilnehmen wollte. Er war indessen sehr erstaunt, als Don ihm keine Einladung zu dem Fest überreichte, sondern eine Klage gegen ihn beim Polizeigericht erhob, weil durch jenen merkwürdigen Witz ein Schaden in beträchtlicher Höhe entstanden war. Es waren gar nicht die Bremsen. (th) Neuyork. Als John Adam Davis sein neues, schönes Auto zum erstenmal anfahren ließ, hörte er ein furchtbares Kreischen. Er vermutete, daß vielleicht die Bremsen zu wenig Del hätten ober sonst irgendwo das Oel fehle. Aber jedesmal, wenn der Wagen sich wieder in Bewegung setzte, vernahm man jenes Geräusch. Endlich wurde es jenem Mr. Davis zu dumm. Er fuhr zur Auto-Fabrik zurück und verlangte, daß vor seinen Augen das Auto auseinandergenommen werde. Des Rätsels Lösung war einfacher, als man dachte: Neben dem Benzintank war nämlich eine junge Katze eingeklemmt worden und sie schrie jedesmal, wenn der Wagen sich in Bewegung setzte. Davis hat die Katze adoptiert. Und fein Wagen fährt nun ohne Nebengeräusche. Wie im Film ... AS. Kairo. Und der „Onkel aus Amerika" lebt doch. Das heißt, nun ist er gestorben und hat tatsächlich die vorgeschriebene Millionenerbschaft hinterlassen. Und alles rollt sich ab, wie im Film oder im Märchen. Me Geschichte ist dieser Tage in Kairo passiert und Hotel zum Löwen, Besiver: Fulius .Ibrina. Tel.305. Altbekanntes Haus in Lich Gute Unterkunft bei reichlicher Ver- öflenuna zu mäßigen Prctten. Restaurant Steins Garten Arn Babnbof Fnb.i H. Stern. Fernruf 340. Eigene Äjetzgere, Gin. Apfelweintelterei. Saal nrr Gefellichaft Anaenebm Garten Hotel Holländischer Hof. Bef . Ludwig Glöckner. Fern- ivrech. 370. Bekannt gute Kiime. .Safe. Pension. Garage. Saal Tchöner 'ckatt'ger Garten. Park-Hotel, Be'. H. Hurnrne.. Fernruf 356. Neuzeitlich eingerichtet. — Haus für Geschäftsreisende und Sommertriichler. Bad Fließ Waffer. Garagen Restauration „Zur WellersM* Fernsprecher 9ht. 2696 «Msmsees s« ichuften. Bekannt gute Verpflegung. 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Der Gast, wie er nicht dein sott (cn) Brüssel Gießen an Der Cahn s 2.88 p.m fc,u able. 4478 A eleoen,Plo=K^ un „.nrock, WS-^ Zenwon ««**®“”’wei- . 1 Vistra-^l” nen zWqi- u. 1 breitr’f2b. Mustern - - P-m kX>-ss ILZKÄS»-» S tottsp ne berV sommerfaro. - - *• yt) \ mod. do u 95 cm Vavable-D’^hfließ. 4i \ breit,h.erry Mustern,P-w 11 Ware in ap. re isW^JL - r^rCrinrC-^'-- 140 cm nr.« für Vistra-Kostun^weitie 140 cm 'sommerliche Ware ... P-m Kostüme...... qa Pm brt., yrlt’’ ttonaii'^p Imitation - , Ware, heme 1 s0Tnmer in Naturfaro. u p.n neben Tönen..... w dschön Seltersweg 26 Gegründet 1798 Große Auswahl in Kinderwagen MODEHAUS Elegante Bffi Ober-Ohmen llletzr Steuöe on öeiHotöt öut© Betmüölet-Bü®et! Gebr. Seelbach, Gießen HacktleF tUw ßfl&A fitaunfelsetflilsner Wi Marktplatz 2 Marktplatz 2 4444 A steuerfrei. 4481D Ludwlgstraße 16 gegründet 1906 Matratzen- Drellen, Inletts Abholen und Zustellen durch unseren Lieferwagen Hnhoerfätler,Legemehl,Muschelschrott u. 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W H 4 c>>>»>x'S^' btin-au«»o« Orunttcre OutXÄiX--- v. bu-,lwr^»Kkii (t3ttefi,,ö Ru'perixbjra ($ar»xetax 0 WÄl'ft«' < WflUll&C-l» S'» NL»,q löfOtten-U»**»« 0 0 V\_1ZT Rxdsi'frviMw» -»M* ° «iw*»** UL o °c \„IW» Ej?»rsladi **’ c ° vutzto'heiCT u / / f B*t»rA»w* Modernisierte Kreisfeuerwehr Gießen Die Vezirkseinteilung für die motorisierte Feuerwehr. -MM' Aussahrt non vier Sorfpannmagen und Motorspritzen zur Hebung bei Watzenborn-Steinberg. anlagen galt es Mer Motorspritzen gestatten einen Brandangriss mit 12 Strahlrohren. Wannschasten bei ihren Fahrzeugen angetreten. Großen-Linden und G r o ß e n - B u s e ck zur Verfügung gestellt. Sie sind den Gemeinden zu treuen Händen und zu pfleglicher Behandlung übergeben worden. Den Feuerwehren der genannten Orte find damit naturgemäß erhöhte Pflichten zugewiesen worden, denn für jede der Motorspritzen, für die nun ein Vorspannwagen beschafft wurde, ist gleichzeitig ein Wirkungsbereich zugewiesen worden, der sich über eine Anzahl von Orten in bestimmtem Umkreis erstreckt. Das bedeutet, daß sich im Brandfalle ^m Zusammenhang mit dieser Ausrüstung der Motorspritzen mit Vorspannwagen geht aber auch ein A l a r m i e-r u n g s s y st e m einher das in allen denjenigen Gemeinden eingerichtet wird, die solche bespannte Motorspritzen im Besitz haben. In den Orten Lich, Lollar, Grünberg, Hungen, Londorf, leisten. Die Unkosten für die Alarmanlagen werden dabei nicht nur den Gemeinden aufgebürdet, in denen sie errichtet werden, vielmehr werden tue Kosten auf sämtliche Gemeinden des Kreises anteilmäßig ausgeschlagen, so daß sie für jede Gemeinde tragbar werden. Die Beschaffungsund Ausrüstungskosten für die Dorspannwagen wurden aus Mitteln des Kreises bestritten. Erfreu- licherweise hat die Brandversicherungskammer Darmstadt der Sache alle Aufmerksamkeit geschenkt und aus der Landesfeuerlöschkasse einen entsprechenden Betrag bewilligt, der für die Schaffung der rungsrat Dr. F u h r, ging nun dazu über, das Feuerlöschwesen im Kreise Gießen so zu gestalten, daß für den Ernstfall alle Gewähr dafür gegeben ist, mit Hilfe von (mehreren) Motorspritzen einem Feuer in kürzester Zeit energisch zu Leibe gehen zu können. Er stützte sich dabei auf urnsassende Erfahrungen, die er im Kreise Gerau gemacht hatte, wo ebenfalls das Feuerlöschwesen unter seiner Initiative so ausgebaut worden war, wie es nun auch im Kreise Gießen geschehen wird und zum größten Teil schon geschehen ist. Grundlage für die Neuorganisation war die Tatsache, daß in insgesamt 13 Orten des Kreises bereits. Motorspritzen vorhanden waren, während allerdings 66 Gemeinden im Ernstfälle immer erst entweder die Kreismotorspritze oder eine benachbarte Kleinmotorspritze zur Hilfeleistung berbeirufen mußten. Dies war aber, nicht ohne weiteres möglich, da für diese Kleinmotorspritzen nicht immer und vor allem nicht sofort Fahrzeuge zur 23errü= gung standen, mit denen die Kleinmotorspritzen rasch genug hätten fortbewegt werden können. Unsere Karte veranschaulich die Bezirksemteilung für die neuorganisierte Feuerwehr. Die Orte, deren Namen fett gedruckt sind, sind jeweils die Standorte für die mit Vorspannwagen ausgerüsteten Motorspritzen. Die unterstrichenen Ortsnamen kennzeichnen die nur für den Ortsgebrauch stationierte Motorspritze. Der zum Kreis Gießen kommende Teil des aufgelösten Kreises Schotten ist bereits einbezogen. ' r , , r± f , Die Bezirkseinteilung ist wie folgt festgelegt: Bezirk I Lollar: Heuchelheim, Wieseck, Daubringen, Mainzlar, Treis a. d. Lda., Staufenberg, Ruttershausen; Bezirk II G r o ß e n - B u s e ck : Alten-Buseck, Beuern, Trohe, Bersrod, Rödgen, Winnerod, Reiskirchen, Oppenrod, Lindenstruth, Annerod, Burk- harosfelden; _ t . „. Bezirk III Londorf: Allendorf a. d. Lda., Climbach, Allertshausen, Kesselbach, RüddingShausen, Odenhausen, Geilshausen', WeiterShain; Großen-Linden und Großen-Buseck werden sog. „stille Alarmanlagen" geschaffen, die aus einer Telephon-Rinqleitung bestehen, an Die diejenigen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr angeschlossen werden, die zur Bedienung der Motorspritze ausgebildet sind. Außerdem ist die Gendarmeriestation und der Führer der in den einzelnen Gemeinden vorhandenen Sanitätseinheiten angeschlossen. Diese Alarmanlage gestattet es dem Bürgermeister, sofort nach dem Eintreffen einer Brand- meldunq die angeschlossenen Personen herbeizurusen, ohne daß b h Öffentlichkeit davon etwas erfährt und >* durch den Alarm beunruhigt wird. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Motorspritze zu einem Brand in das Nachbardorf gerufen wird. Sofern natürlich Feuer im Ort ausgebrochen ist, wird die gesamte Feuerwehr auf die bisher übliche Weise zum Einsatz aufgerufen. Mit kurzen oder langen Klingelzeichen wird nach einer genauen Dienstanweisung die Motorspritzenmannschaft darüber informiert, ob es sich um „Feuer im Ort" ober um „Feuer auswärts" hanbelt. In diese Mit einer modernen Motorspritze am Brandweiher. Mit dem Kreisfeuerwehrtag des Kreises Gießen, der am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag in Watzenborn-Steinberg stattfindet, fällt für das Feuerlöschwesen in unserm Kreise ein Ereignis zusammen, das einen bedeutsamen Fortschritt darstellt. Das Löschwesen in unserm Kreise hat unter der Initiative des Kreisamtes Gießen, insbesondere -es Dezernenten für das Feuerlöschwesen im Kreise, Regierungslat Dr. Fuhr, eine Neuorganisation erfahren, die nicht nur das Löschwefen im Kreise zum modernsten macht, sondern auch die Schlagkraft bedeutend erhöht. Für diese Neuorganisation waren Eindrücke und Erfahrungen maßgebend, die in den vergangenen Jahren gemacht worden waren und erkennen ließen, daß das Feuerlöschwesen im Kreise auf eine andere Basis gebracht werden müßte, um für die Zukunft die Brandschäden auf ein denkbar geringes Maß Alarmanlagen verwendet wird. Die Gemeinden Lollar und Grünberg, die Motorspritzen im Besitz hatten, die für einen Ueberlandtransport nicht besonders geeignet waren, haben besondere Opfer aus sich genommen und im Dienste der großen Sache modern st e Motorspritzen neu beschafft. Die Wehrmänner selbst, die die Motorspritzen zu bedienen haben, stehen vor besonderen Aufgaben insofern, als sie sich mit den Fahrzeugen und den neuen Geräten vertraut machen müssen. Sie müssen sich ferner unterrichten über Löschwasser- und Wegeverhältnisse, über die Lage und Bauweise sämtlicher Gutshöfe, Mühlen und Forsthäuser usw., sofern sie innerhalb ihres Dienstbezirkes liegen. Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Mannschaften und die Feuerwehren die neuen Pflichten gern übernehmen werden, gilt es doch, der Volksgemeinschaft eine sichtbar wertvolle Arbeit zu leisten, bei der nicht kleinlich verfahren werden wird. Die Neuordnung der Kreisfeuerwehrey Hat bereits eindeutig erkennen lassen, daß sie Früchte trägt. War es doch am gestrigen Freitagmorgen möglich, mit Hilfe der rasch herbeigerufenen Motorspritze von Großen-Buseck das Schadenfeuer in Beuern löschen au Helsen. Die Großen-Busecker Motorspritze, deren Vorspannwagen der Wehr bereits zu llebungs» rrvecken zur Verfügung gestellt worden war, konnte in kurzer Zeit anrücken und helfen. Der morgige Sonntag wird bei den großangelegten Hebungen in in Watzenborn-Steinberg allen Feuerwehrkameraden des Kreises Geißen die Zweckmäßigkeit der gettof- fenen Maßnahmen beweisen. Diese Neuörganisation des Feuerlöschwesens im Kreise Gießen stellt wohl nach Maßgabe der Verhältnisse und der Möglichkeiten das Beste dar, was aeschaffen werden konnte und man darf sagen, baß damit das Feuerlöschwesen im Kreis auf einen Stand gebracht wurde, wie er moderner nicht gedacht werden kann. ?" (Aufnahmen [6] Neuner. Gießener Anzeiger.) herabdrücken zu können. Zwar befindet sich im Besitz des Kreises die sogenannte Kre-smotorspritze, die im Depot der städtischen Feuerwehr steht, die aber meist nicht so wirkungsvoll eingesetzt werden kann, wie es wünschenswert wäre. Zwar wurde diese Kreismotorspritze immer wieder eingesetzt, jedoch war es manchmal so, daß sie nicht rasch genug an die oft räumlich weit entfernte Brandstelle gebracht werden konnte. Das Fahrzeug konnte mit Rücksicht auf die große Belastung der Hinterachse durch die Motorspritze kaum schneller gefahren werden als im 45-Kilometer-Tempo^ ^nzu kommt daß die Leistung kaum hoher ist, als 800 bis 10OO Liter je Minute. Zu berücksichtigen war ferner der praktisch mögliche Fall, daß bei einem Großfeuer in Gießen die Kreismotorspritze mit eingesetz werden mußte und dann in einem solchen Fall vielleicht nicht sofort für eine Verwendung außerhalb der Stadt abgerufen werden konnte. Hinzu kommt außerdem noch, daß, wenn die mit ihren Geräten ausruckt, für den Ernstfall niemand sofort zur Verfügung stand, um die Kreis- motorspritze überhaupt an einen Brandherd im Kreise zu bringen, geschweige zu bienen Es war also keine unbedingte Gewahr dafür geboten, daß mit Hilfe der Kreismotorspritze ra ch und wirksam genug etngegriffen werden konnte Immerhin verdient festgehalten zu werden, daß natürlich in vielen Fällen die Kreismotorspritze wertvolle Hilfe leistete und nicht zu vermissen^war. Der Dezernent für das Feuerlöschwesen, Regie- IS" t Bezirk, IV Grünberg: Lumda, Reinhards!) ain, Beltershain, Stangenrod, Bollnbach, Saasen, Göbelnrod, Queckborn, Harbach, Ettings- hausen, Lauter, Weickartshain; Bezirk V G ro ß e n - Li n d e n : Klein-Linden, Allendorf a. d. Lahn, Watzenborn-Steinberg, Leihgestern, Grüningen, Lang-Göns, Holzheim; Bezirk VI Lich: Albach, Hausen, Steinbach, Garbenteich, Ober-Bessingen, Nieder-Bessingen, Dorf- Gill, Hof Güll, Eberstadt, Ober-Höraern, Arnsburg, Birklar, Muschenheim, Bettenhausen, Hattenrod, Langsdorf; Bezirk VII Hungen: Nonnenroth, Villingen, Inheiden, Langd, Rabertshausen, Bellersheim, Trais- Horloff, Rodheim, Steinheim, Obbornhofen, Utphe; Bezirk VIII Laubach: Stockhausen, Klein» Eichen, Lardenbach, Freienseen, Münster, Wetterseld, Röthges, Ruppertsburg, Gonterskirchen. einen "oder anderen Motorspritze gehören, im Ernstfälle sofort an den Bürgermeister derjenigen Gemeinde zu wenden haben, die im Besitz einer mit dem Vorspannwagen ausgerüsteten Motorspritze ist. In einem schweren Brändfall können selbstverständlich auch mehrere Motorspritzen benachbarter Bezirke herbeigerufen werden. Durch di e s e N e u o r g a - nisation i st es möglich , mit Motor - pritz en rascher am Brandherd zu sein, als bisher. Die Bezirkseinteilungen liegen genau fest und sind für Feuerwehrkommandanten, Bürgermeister, wie für die Gemeinden überhaupt, oerbind- Regierungsrat Dr. F u h r (in Zivil) organisierte die Modernisierung der Kreisfeuerwehr. Hier im Gespräch mit Kreisseuerwehrfuhrer Bouffier. Um nun die Schlagkraft der Wehren erhphsn zu können, entschloß man sich beim Kreisamt, eine Reihe von Maßnahmen durchzuführen. Für die bereits vorhandenen Motorspritzen c-niger geographisch besonders günstig gelegener Gemeinden wurden Vorspann- wagen beschafft, die ausschließlich für diesen Zweck Verwendung finden. So hat der Kreis Gießen in jüngster Zeit sieben gebrauchte, aber sehr gut erhaltene Personenkraftwagen mit starken Motoren beschafft, die für ihren Zweck besonders ausgerüstet worden sind. Diese Personenkraftwagen sind mit einer Vorrichtung ausgestattet, die das An- bzw. Abhängen der Motorspritzenwagen in Bruchteilen von Sekunden gestattet. Diese Wagen sind außerdem mit je einer K ü - belspritze versehen worden, mit deren Hilfe kleinere Brände, Zimmer-, Boden- oder Kellerbrände mit gutem Erfolg angegriffen roerben können. Außerdem wurden diese Zugwagen mit starken Blaulichtscheinwerfern ausgerüstet und ferner mit einer Haspel für 100 Meter Schlauch versehen. Das „Martinshorn" zum Signalgeben fehlt ebenfalls nicht. Die Fahrzeuge tragen zur Nummer die Bezeichnung „Pol." und genießen im Verkehr die Rechte der Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge. Auf beiden Seiten, an den Türen der Wagen, sieht man das Hoheitszeichen. Diese sieben zum Vorspannwagen ausgerüsteten Personenwagen werden mit dem heutigen Tage den Freiwilligen Feuerwehren der Gemeinden Lollar,Grünberg,Lich,Hungen,Londorf, . ,.X.. kreis erstreckt. Das bedeutet, daß sich im Brandfalle Neuorganisation diejenigen Gemeinden, die zum Wirkungsbereich Der Feuerlöschwesens tm '"' Kreise Gießen werden auch jene sieben Gemeinden des Kreises Schotten einbezogen, die mit Wirkung vom 1 Oktober 1938 zum Kreise Gießen kommen wsrden. Für diese Neugestaltung des Feuerlöschwesens m unserer engeren Heimat war eine Fülle intensivster Vorarbeit zu leisten. Dor allem galt es zunächst, die angebotenen Kraftwagen gründlich auf ihre Gebrauchsfähigkeit für diesen speziellen Zweck zu prüfen und dann so auszustatten, wie sie sich jetzt dar- bieten — und morgen in Watzenborn-Steinberg allen den Feuerwehrleuten oorgeführt werden, die an diesem Kreistag teilnehmen. Äei dieser Ausstattung der Wagen galt es an vielerlei zu denken, denn sie mußten für h ö ch st e A n s p r üch e einsatzfähig gemacht werden. Auch für die Alarmmancherlei vorbereitete Arbeit zu Morgen: Wiederholungsspiel um die deutsche Iußballmeisterschast. Der große Fußballkampf, der Höhepunkt des deutschen Fußballsports, das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft wird am morgigen Sonntag seine zweite Auflage erfahren, nachdem am vergangenen Sonntag das Spiel zwischen Schalke 04 und Hannover 96 nach 120 Minuten harten Kampfes mit 3:3 Toren unentschieden geendet hatte. Wer wird nun den Sieger stellen? Das ist die Frage, die jeden bewegt, der für das Fußballspiel auch nur einiges Interesse hat. Eine Voraussage für diesen Kampf zu wagen, wäre unvorsichtig. Zwar gesteht man den .Knappen" die reicheren Chancen zu — entscheiden wird aber doch die Tagesform. Gchlußturnier des Saugruppenlehrganges für Basketball. Der unter Leitung der Reichsbundlehrer Mure ro und Clausen stehende Basketball-Lehrgang wird heute mit einem Turnier abgeschlossen. Es spielen gegeneinander die Gaue Südwest, Mittelrhein, Niederrhein und Hessen; weiterhin finden ein Frauen- und ein Jugendspiel statt. Großer Autopreis von Frankreich. Auto-Union wieder am Start Die Auto-Union hat sich durch das Mißgeschick, von dem sie am Donnerstag beim Training zum Großen Autopreis von Frankreich betroffen wurde, nicht entmutigen lassen: sie wird am Sonntag mit zwei Wagen zur Stelle sein! In anstrengender Nachtarbeit haben die Monteure zwei Wagen startfertig gemacht und dabei den beim Sturz Hasses beschädigten Stromlinier mit einer normalen Renn- faroHarte versehen. Rudolf Hasse kam im offenen Wagen, ohne das Tempo zu sehr zu beschleunigen, auf 2:47 Minuten und war damit schon schneller als am Vortage Müller mit dem Stromlinienmodell. Hasse wird am Samstag beim Abschlußtraining vermutlich noich schneller sein können. Der geheimnisvolle französische Sefac drehte unter Chaboud vier Runden, wobei die schnellste mit 3:36 gestoppt wurde. Der Wagen ist ein 3-Liter-Achtzylinoer mit Kompressor. Etancelin kam mit dem Talbot, der zweiten französischen Waffe am Sonntag, am dritten Trainingstage schon auf 2:58 Minuten. Mercedes-Benz begnügte sich mit dem Einsatz des Trai- ningswagens, der von Seaman (England) gesteuert, eine schnellste Runde von 2:41,6 erreichte. Die bisher von den Deutschen vorgenommenen Reifenproben haben ergeben, daß das ganze Rennen am Sonntag voraussichtlich ohne jeden Reifenwechsel durchgefahren werden kann. Flugkapitän Hanna Neitschan derGpitze Einer Meldung der Wettbewerbsleitung des Ziel- streckenfluges des NSFK. zufolge ist von den Teilnehmern als einzige Hanna Reitfch nach kurzer Landung in Flensburg innerhalb des 10-Kilometer- Kreifes in Kiel gelandet. Don den anderen Wettbewerbsteilnehmern haben fünf Flensburg erreicht. Der Rest ist mit zwei Ausnahmen ostwärts der neu festgelegten Wertungsgrenze gelandet. Radländerkampf München-Mailand. Ricci (Italien) erster Etappensieger. — Deutschland führt in der Länderwertung. Der Radländerkampf Deutschland —Italien im Amateur-Straßenfahren wurde am Freitag bei drückender Hitze mit der ersten-Etappe der Fernfahrt München—Mailand in Angriff genommen. Auf dem Weg von der Hauptstadt der Bewegung bis nach Innsbruck waren 183,5 Kilometer zurückzulegen. Die deutsche Mannschaft mußte zwar dem Italiener Mario Ricci im Endspurt den Etappensieg überlassen, konnte sich dafür aber in der Länderwertung einen Vorsprung von 19 Minuten erkämpfen. Die Entscheidung fiel schon nach etwa 60 Kilometer in der Nähe von Aibling, wo Heller, Jrrgang, Richter und Zöbisch zusammen mit den Italienern Ricci und Benedetti dem Felde enteilten. Der Vorsprung betrug zeitweise sechs Minuten, bis zum Ziel holten die Verfolger jedoch stark auf. Ricci versuchte an einer Baustelle bei Kufstein fortzukommen, wurde aber nach kurzem Kampf wieder eingefangen. Zöbisch war bereits dem scharfen Tempo zum Opfer gefallen. So rüsteten in Innsbruck noch fünf Fahrer zum Endspurt, den vor einer großen Zuschauermenge der Italiener Ricci nach einer Fahrzeit von 4:54,43 Stunden gewann. Rückschau im heimischen Haudballsporl. Nachdem auch die letzten Spiele der Bezirksklasse abgeschlossen werden konnten, ist es an der Zeit, einmal Rückschau zu halten und zu überprüfen, inwieweit es möglich war, den Handballsport rm Kreis VIII zu fördern und vor allen Dingen auch die Spielkultur zu heben. Die Bezirksklasse, die chre Rundenspiele mit elf Mannschaften begann, sank durch Ausscheiden des VfB.-Reichsbahn Gießen und der Marburger Kur- Hessen-Mannschaft auf neun Teilnehmer. Kurz vor Schluß mußte schließlich auch noch der Turnverein Roth die Segel streichen, so daß — vorausgesetzt, daß alle Meldungen abgegeben werden — einschließlich der beiden neu aufgestiegenen Mannschaften das neue Spieljahr insgesamt zehn Bezirksklassemannschaften sieht, die ihre Spiele nach den Anordnungen des Gaues in einer Staffel austragen müssen. Die Spiele der Runde 1937/38 konnten nicht restlos gefallen. Nicht alle Mannschaften nahmen es mit den Urnen obliegenden Verpflichtungen wirklich ernst. So kam es zu einer ganzen Reihe von Punktverzichten, die allerdings restlos auf unvollständige Mannschaften zurückzufuhren waren (Spvgg. 19 0 0 Gießen und 1860 Marburg). Alle übrigen Spiele konnten durchgeführt werden. Auffallend war, daß gerade Marburg nach einem ausgezeichneten Start nach und nach vollkommen abfiel und heute am Ende der Tabelle steht. Nicht minder überrascht der schlechte Stand von 1900 Gießen. Die Mannschaft hat kaum ein Spiel gewinnen fön- den. Gut gehalten haben sich ohne Ausnahme die Landvereine, allen voran der Staffelsieger, Turnverein Lützellinden. Nicht unerwähnt sollen aber neben dem Tabellenzweiten (MTV. Gießen) vor allem auch bleiben: Hörnsheim, Münchholzhausen, Heuchelheim usw., bei denen eine Leistungsverbesserung zu verzeichnen war, die sich nicht unwesentlich auf das Spielniveau überhaupt ausgewirkt hat. Es steht fest und kann auch jederzeit nachgewiesen werden, daß die abgelaufene Runde, obwohl die Abwicklung durch das herrschende schlechte Wetter außerordentlich gelitten hat, eine Reihe ausgezeichneter Kämpfe brachte. Ob alle diese Voraussetzungen auch für das neue Spieljahr zutreffen werden, ist mit Bestimmtheit noch nicht zu sagen. Wesentlich ungünstiger sicht es in der 1. Kreis- klasse aus. Nicht nur, daß die Spielstärke der einzelnen Mannschaften außerordentlich zu wünschen übrig läßt, es hat auch den Anschein, als ob man sich in den Vereinen nicht die Mühe geben würde, die man in einem einwandfreien Spielbetrieb unbedingt aufwenden muß. Ob das an der Aufteilung liegt oder an dem überall herrschenden Spielermangel, ist nicht ersichtlich. Auf jeden Fall ist immer wieder festgestellt worden, daß die 2. Kreisklasse teilweise spielstärker ist als die 1. Kreisklasse. Die Sache liegt hier also noch im Argen. Es steht allerdings zu hoffen, daß man auch in der 1. Kreisklasse weiterkommen wird, wenn in der neuen Runde ebenfalls nur eine Staffel geschaffen wird. Es wird interessant sein, wie sich die beiden Staffelsieger (MSV. „Barbara" Gießen und Turnverein Garbenheim) in der Bezirksklasse halten. Es wird ohne Zweifel schwere Spiele und auch Niederlagen geben. Die 2. Kreisklasse ist in jeder Beziehung in Ordnung. Nicht nur, daß hier die meisten Mannschaften (mit Ausnahme der Jugendklasse) vertreten sind. Die Spielstarke läßt, wie schon erwähnt wurde, bei dem weitaus größten Teil nichts zu wünschen übrig. Wenn es auch nur Eifer ist, den die einzelnen Spieler an den Tag legen, so braucht es ihnen um die Technik nicht bange zu sein. Diese kommt ohne weiteres. Die besten Beweise dafür liegen vor. Die Austragungsform wird auch in der neuen Runde beibehalten werden müssen, weil die Mannschaften mit Rücksicht auf die räumliche Ausdehnung unseres Kreises sonst zu weite Fahrten aufbringen müßten. Hefter die I u g e n d klasse, die heute von der HI. betreut wird, braucht wohl nichts gesagt zu werden. Mehr als 40 Mannschaften haben in den einzelnen Staffeln gespielt und ihre ßerftungen sich teilweise ausgezeichnet. Nachwuchs ist also vorhanden. Alles in allem gesehen, * die Handballbewegung des Kreises VIII marschiert; sie geht auch in das neue Spieljahr 1938/39 mit den besten Aussichten hinein. sv Jahre Turnverein Heuchelheim. * Heuchelheim, 1. Juli. Der Turnverein Heuchelheim, der weit über die Grenzen des engeren Heimatgebietes hinaus bekannt ist, feiert am heutigen Tage fein 50. Gründungsfest. Im Jahre 1888 wurde der Verein von 47 Männern gegründet, um dem Wunsche nach turnerischer Betätigung im Orte gerecht zu werden. Wenn auch die Anfäyge des Vereins klein waren, so begann doch bald eine gute Entwicklung innerhalb des Vereins. Als ersten Vorsitzenden wählte sich der junge Verein am Grün- dungstage Fr. Wilhelm Kreiling, der die Geschicke des Vereins in hervorragender Weise 31 Jahre lang leitete. Im Jahre 1919 wurde Ludwig Schmidt als sein Nachfolger gewählt, der dem Verein bis 4932 vorstand. Seit dieser Zeit wird er von dem jetzigen DereinsführerOtto Rinn geleitet. Von den Gründern leben heute noch neun. Es sind dies: Jakob Hahn, Georg Nesseldreher, Ludwig Hahn, Ludwig Rinn, Heinrich Schmidt, Heinrich D o l k m a n n, Jakob Rinn, Jakob Schmidt und Ludwig Dolkmann. Trotzdem die Raumoerhältnisse zur Abhaltung der Uebungsftunben in den ersten Jahrzehnten sehr unzureichend waren, entwickelte sich der Verein zu einer ansehnlichen Stärke und konnte sich auch auf turnerischem Gebiete durchaus sehen lassen. Eine große Anzahl beachtlicher Siege auf größeren Turnfesten konnten dis Turner des Vereins erringen. Der Ausbruch des Krieges war für die Weiterentwicklung eine Hemmung, wurden doch die besten Kräfte zu den Fahnen gerufen. Aber die Jugend des Vereins hielt den Turnbetrieb aufrecht. Als der Krieg zu Ende war, hatte der Turnverein 40 Mitglieder auf den verschiedenen Schlachtfeldern verloren. Eine neue Entwicklung begann nach Beendigung des Weltkrieges, als alle Mitglieder wieder in die Heimat zurückgekehrt waren. Es war schon vor Beginn des Krieges der Bau einer eigenen Turnhalle in Erwägung gezogen worden, und bei einem großen Teil der Mitglieder wurde der Wunsch nach einem eigenen Heim immer lebhafter. Nach dem Kriege ging man an diese Frage mit besonderem Nachdruck heran. Nach einigen Jahren der Vorbereitung und Werbung für den Bau wurde die Turnhalle im Jahre 1923 begonnen und 19 2 5 feriigge [teilt. Der Turnhallenbau wird immer in der Geschichte des Vereins ein Ruhmesblatt für die damaligen Mitglieder sein. Ohne irgendeine Beihilfe von Staat und Gemeinde haben die Mitglieder die Halle aus eigenen Mitteln unter Einsatz aller Kräfte geschaffen. Der Idealismus, von dem damals die.Mitglieder beseelt waren, sucht seinesgleichen und ist ein Grund, das schöne Vereinsheim dem Turnverein unter allen Umständen zu erhalten. Die Turnhalle in Heuchelheim bedeutet für die ganze Gemeinde einen großen Wert, öa sich hier alle größeren Veranstaltungen des kulturellen und geselligen Lebens im Dorfe abspielen. Nachdem der Verein ein eigenes Heim hatte, geschah die Weiterentwicklung immer rascher. Im Jahre 1927 übernahm der Verein als erster Landverein das Gauturnfest des damaligen Gaues Hessen. Es bewies sich bei dieser großen Veranstaltung, daß der Turnverein Heuchelheim durchaus nicht hinter otabfoereinen zurückzustehen brauchte. Die Ausrich- tung bes Gaufestes mürbe als mustergültig bezeichnet. 1933 würbe bann hier bas ©aufrauen» turnen abgehalten, bas ebenfalls zu aller Zuftie- benheit verlief. An turnerischen Erfolgen brachte ber Verein hervorragende Siege von großen Veranstaltungen mit. Ganz besonders in 'ber Leichtathletik hatte er beachtliche Größen aufzuweisen. Bei dem Kreisfest des Lahn-Dill-Kreises in Dillenburg 1937 würbe der Verein durch den Wanderpreis des Kreis- ührers für besten Einsatz ausgezeichnet. Auf dem Hoherodskopf-Bergfest 1937 ging der Turner Karl Stahlhut als Hoherodskopf-Sieger hervor, wahrend die Gebrüder Neidel von überall als beste Langstreckenläufer Siege heimbrachten. Bei dem diesjährigen Weidigbergfest in Butzbach wurde Stahlhut ebenfalls erster Sieger. Der Größe und Bedeutung des Vereins entsprechend, wird am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag eine würdige Feier der inhaltsreichen Geschichte des Vereins Rechnung tragen. Vudge wieder Wimbledon-Sieger. Lor weiteren Endkämpfen. Der erste Titel der inoffiziellen Tennis-Welt- meifterfchaften wurde am Freitag in Wimbledon vergeben. Im Männereinzel fiel die Entscheidung zwischen dem Vorjahres-Sieger, dem Kalifornier Donald B u d g e , und Englands beliebtestem Spieler, „Bunny" A u ft i n. Der Amerikaner bewies erneut, daß er absolute Weltklasse darstellt und gegenwärtig zumindest von keinem europäischen Spieler gefährdet ist. Nur vier Spiele ließ er dem Engländer in drei Sätzen und, siegte 6:1, 6:0, 6:3. Nachdem sich der Kalifornier im Vorjahre „nur" die Titel von Wimbledon und Forest Hills holte und daneben feinem Lande den Davispokal gewinnen half, will er 1938 den größten Triumph erringen: die Meisterschaften von Australien, Frankreich, England und USA. Drei davon besitzt er jetzt; den vierten Titel wird er sich zu Hause schwerlich entgehen lassen. henkel in bester Form. Daß unser Spitzenspieler Henner Henkel mehr kann, als er in seinem unglücklichen Vorschluß- runden-Kampf gegen Austin zeigte, beweist er in seinen Doppelspielen. Am Freitag erkämpfte er sich zusammen mit der Amerikanerin Fabyan im Gemischten Doppel den Eintritt in die Schlußrunde. Als Gegner trat auf Platz I das englisch-argentinische Paar James-Russell an. „Henner" war in glän-- zender Form, schmetterte ein Aß nach dem anderen und war auch am Netz nicht zu überwinden. Hervorragend unterstützt von seiner Partnerin, führte Henkel das Paar mit 6:3, 1:6, 6:3 zum Siege und damit ins Endspiel, in dem sie auf den Sieger Marble-Budge — Saunders-Shayes treffen. Die Endspiel-Paarung im Männerdoppel. Nach dem Ausscheiden Henkels in der Vorschlußrunde gegen Austin richtete sich das Interesse der Deutschen in Wimbledon auf das Männerdoppel. Und, hier ist es unseren Vertretern auch geglückt, ins Endspiel zu kommen. Henkel-Metaxa hatten es mit den Jugoslawen Kukuljevic- P a l a d a in ber Vorschlußrunde zu tun. Der Kampf, ber vor zahlreichen Zuschauern auf dem „Centrecourt" vor sich ging, brachte übrigens den ersten Aufschluß über das Kräfteverhältnis der besten Doppelpaare Deutschlands und Jugoslawiens, was bei der erwarteten Europazonen-Schlußrunde im Davispokal zwischen diesen beiden Ländern von einiger Bedeutung ist. Nun, die Deutschen siegten leichter als angenommen werden konnte 7:5, 6:2, 6:4. Sie treffen jetzt im Endspiel auf die amerikanischen Titelverteidiger B u d g e - M a k o. Die Zuschauer waren begeistert von dem prachtvollen Zusammenspiel der Deutschen, die ihren Gegnern nie eine Siegeschance ließen. Henkel ließ ganze Serien von Aufschlagaßen los, und Metaxa machte sich am Netz wieder überaus Steintjäger- Urquell j* . würzig mild - mit dem bekannt eg S ch in k en bild 1 nützlich. Nur im ersten Satz kamen die Jugoslawen einmal auf 4:4 heran, dann aber holten sich die Deutschen den Satz 7:5 und waren in den beibeit folgenden Sätze nie mehr gefährdet. Vudge dreimal im Endspiel. Der überragende Mann in Wimbledon ist, wie im Vorjahre, der Amerikaner Donald Budge; nur ist feine Stellung inzwischen noch bedeutend siche- rer geworden. Genau wie 1937, steht er auch dies» mal in drei Endspielen. Das eine davon, das Män» nereinzel, hat er ja bereits gewonnen. Im Männerdoppel kam er am Donnerstag ins Finale, und int „Mixed" bahnte er sich am Freitag zusammen mit Alice Marble den Weg ins Endspiel. Die Titelverteidiger siegten 6:4, 6:2 gegen Saunders-Shayes und treffen am Samstag auf Fabyan-Henkel. Im Frauendoppel setzten sich die Amerikanerinnen Fabyan-Mgrble in ber Vorschlußrunbe gegen Miller-Heine-Morphew (Sübafrika) 7:5, 6:4 durch und haben sich im Endkampf mit den Titelverteidigern Mathieu - Porte (Frankreich - England) auseinanderzusetzen, die dem französischen Paar Andrus-Henrotin 3:6, 6:3, 6:4 das Nachsehen gaben. Wirtschaft. Nhein-Mainische Börse. Miltagsbörse Spezialwerke Weiler feff. Frankfurt a. M., 1. Juli. Die Börse war etwas lebhafter, wobei aber wieder im wesentlichen einige Spezialwerte bevorzugt waren. Immerhin zeigte sich zum Monatsanfäng auch stärkere Nach- frage nach Einheitswerten, was auf ein bisher zurückgehaltenes Anlageftedürsnis schließen läßt. Die herauskommende Ware farjb sehr gut Aufnahme, so daß die Gesamtverfassung der Börse sich wesentlich besser und ausgespochen freundlich entwickelte. Im Vordergrund standen roieoerum Montanwerke, wo Mannesmann um 1,50 v. H., Verein. Stahlwerke 0,40 v. H., Rheinstahl 0,75 v. H. aufholten. Daneben rückten auch einige Maschinenwerte in den Vordergrund, Demag etwa 1 v. H. höher gesucht, von Automobilaktien zogen Adlerwerke 0,50 v. H., Daimler 0,25 v. H. an. Versorgungswerte auch etwas lebhafter, hier konnten AEG. 0,50 v. H., Schuckert 0,75 v. H. Felten ünb Mainkraft je 0,25 v. H. gewinnen. Am Markte für Chemiewerte waren zunächst IG. Farbenindustrie vernachlässigt und 0,40 v. H. niedriger, sie glichen aber rasch im Zuge der allgemeinen Festigkeit diesen Anfangsoerlust aus und gewannen dazu noch 0,25 v. H. Metallgesellschaft bei etwas größeren Umsätzen stärker um 2 v. H. erholt, Rütgers gehalten, Deutsche Erdöl 0,75 v. H. befestigt. Ohne wesentliche Veränderung lag zunächst der Zellstoffmarkt. Auch Bau- und Zementaktien ruhiger. Im einzelnen lagen Reichsbank 0,50 v. H., VDM. 1 v. H. freundlicher. Der Rentenmarkt war zwar nicht mehr ganz so still wie an. den Vortagen, aber immer noch ruhig, bei ebenfalls wieder unoeränbcrten Kursen. Reichsaltbesitz konnten ihre gestrige Erhöhung voll behaupten, Kommunal-Umschuldung 96. Im weiteren Verlaufe hielt die Festigkeit an, wobei nach wie vor einige Spezialwerte besonders verlangt waren. So lagert VDM. nochmals 1 v. H., IG. Farbenindustrie bei lebhafteren Umsätzen weitere 0,25 v. H., AEG. 0,25 v. H. über dem ersten Kurs. Von den später notierten Werten waren Scheideanstalt um 3 v. H., Aschaffenburger Zellstoff 1,50 v. H., Lahmeyer 1 v. H., Rheinftraun 0,50 v. H. über Portagskurs. Von Freiverkehrswerten Bürbach-mit 80 (79,75), Frankfurter Handelsbank ausschl. Dividende 60 (64) v. H. gehandelt. Renten blieben im Verlaufe ohne Anregung und weiterhin sehr still. Kommunal-Umschuldung bis 95,925 abqeschwächt. Tagesgelb nach dem Ultimo etwas leichter, der Satz wurde auf 3 (3,50) v. H. herabgesetzt. Abendbörse behauptet. Die Abendbörse war außerordentlich still. Gegenüber dem Mittagsschluß, ber uneinheitlich lag, war kaum eine Veränberung in ber Grundhaltung sest- zustellen. Es lagen Schwankungen nach oben und unten im Ausmaße von 0,25 bis 0,50 v. H. vor. Renten sehr still, Kommunal-Umschuldung 95,95. Die Abendbörse schloß ruhig. Es notierten Altbesitzanleihe 132, Farbenbonds 125,90- ex. Dividende, Adca 102,75, Commerzbank 113,75, Deutsche Bank 120,25, Dresdner Bank 111,75, Buderus 117,50, Klöckner E 120,75, Mannesmann 114,50, Hoesch 114'75, Rheinstahl 142, Laurahütte 17,75, Adler- werke 114,25, MAN. 134, BMW. 148, Bemberg E 139,25, Bekula 161,5Q, Berger 150,50, Daimler 137,50, Demag 148,50, Scheideanstalt 240, Deutsche Linoleum 160,50, Deutscher Eisenhandel 146.25. Licht & Kraft 140,75, IG.-Farben 156,13, Gesfürel 139, Goldschmidt 136, Iunghans 117,50, Main- krait 92,25, Metallgesellschaft 134,25, Moenus 130,25, Stempel 103,50, VDM. 170. Frankfurter Obff- und Geniüseniarkt. Frankfurt a. M., 1. Juli. In. Perücksichti. gung der Jahreszeit ist das Gesamtangebot an Obst gering; auch Erdbeeren, r nn n= und güte- mäßig merklich nachlassend. Dagegen ist jetzt gebessertes Anliefern von Stachelbeeren und Johannisbeeren sowie Himbeeren festzustellen. Bei gutem Geschäftsgang lagen die Preise kaum verändert. Ausländisches Obst und Südfrüchte waren nur gering angeboten. Hier war das Geschäft lebhaft bei festen Preisen. Der Gemüsemarkt zeigte starkes Angebot von Blumenkohl, Erbsen, Kohlrabi und Rhabarber; Karotten, Kopfsalat, Gurken, Rettich, Tomaten, Weißkraut und Wirsing hatten ausreichende Zufuhren, Bohnen, Spinat und Rotkraut jedoch nur knapp. Der Absatz war befriedigend, die Preise, mit Ausnahme von Erbsen, die merklich gefallen sind, lagen ziemlich unverändert. Aus dem Ausland lagen nur geringe Zufuhren für einige Gemüfe- arten vor, die jedoch flotten Absatz und feste Preise hatten. Es notierten im einzelnen in RM.: Blumenkohl 100 St. 15 bis 50, Bohnen 50 kg 60 bis 65, Erbsen 50 kg 10 bis 13, Karotten 100 Bdl. 9 bis. 12, Gurken 100 St. 10 bis 40, Rettich 100 St. 5 bis 12, Kartoffeln (Erstlinge) 8, Rhabarber 50 kg 6 bis 8, Rotkraut 50 kg 18 bis 22, Kopfsalat 100 Stück 6 bis 12, Spinat 50 kg 25 bis 30, Tomaten 50 kg 35 dis 75, Weißkraut 50 kg 11 bis 13, Wirsing (Früh) 50 kg 9 bis 12, Zwiebeln mit Schlotten 100 Bdl. 10 bis 12, Zwiebeln (italienische) 50 kg 10 bis 11,50, Erdbeeren, je nach Sorte, 50 kg 33 bis 45, Johannisbeeren 50 kg 30 bis 35, Himbeeren 50 kg 42 bis 55, Kirschen (süß) 50 kg 45 bis 52, dieselben (sauer) 12 bis 45, Pfirsich etwa 4 bis 5 kg (italienische) 2 bis 2,40, unreife Stachelbeeren 50 kg 25 bis 28, dieselben (reif) 30 bis 48, Zitronen, Kiste 300 und 360 St., 14,65 bis 16,60 (italienische). Rundfunkprogramm Sonntag, 3.3ulL 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Römisch-katholischS Morgenfeier. 8.50: Zum Tag der deutschen Kunst? Orgelkonzert. 9.20: Das Ja zum Leben. 9.35: Chor* gesang. 10: Nur in ganzer Kraft ist ganze Liebe. 10.30: Ewiges Deutschland. Werke von Ludwig van Beethoven. 11.15: Wir Sudetendeutsche. Aus dem Lebensraum unserer Brüder jenseits der Grenze. 12: Nationale Frauenregatta, Frankfurt a. M. 12.10: Platzkonzert. |3: Mittagskonzert. 14: Für unsere Kinder: Kasperle geht auf die Fischjagd. 14.30: Uns gehört der Sonntag! Ein Reigen sorgloser Melodien. 15.15: Aus Leutesdorf am Rhein: Frohes Winzervolk. 16: Nachmittagskonzert. Dazwischen: Berichte vom „Großen Autopreis von Frankreich" in Reims. 18: Unterhaltungsmusik. 1. Aus Deutschland. 19: Nachrichten. 19.10: Frisch aus der „Presse". (Neue Schallplatten.) 19.30: Sportspiegel des Sonntags. 20: Alles für den Herrn, alles für die Dame, alles für das Kind. Tönende Frühjahrsauslagen. 22: Nachrichten. 22.15: Sportbericht. 22.30: Zu Unterhaltung und Tanz. 24 bis 3: Nachtmusik. Montag, 4. )uU. 5 Uhr: Frühmusik. 5.45: Ruf ins Land. 6: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 9.50: Von Liebe und Freude. 10: Schulfunk: Märchen. 11.45: Volk und Wirtschaft: Das Gewerbeaufsichtsamt. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Musikalische Kurzweil. 15: Für unsere Kinder: Jetzt basteln wir ... 16: Nachmittagskonzert. Da- zwischen: Das Mikrophon unterwegs. 18: Zeitgeschehen. 18.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19: Nachrichten. 19.15: In der Sommernacht. Eine Hörfolge zum Gedächtnis des Dichters Theoder Storm. (50. Todestag.) 20: Stuttgart spielt auf. 22: Nachrichten. 22.15: Kamerad, wo bist du? 22.35: Nachtmusik und Tanz. 24 bis 3: Nachtmusik.