r Nr. 230 Erstes Blatt 188. Jahrgang Samstag, l./§onntag,2. Oktober 1058 krlcheim tflgltd), außer Sonntag» und Feiertag» Beilagen: Die Illustriert« Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle monatsiBesngspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte e 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Henifprechanfchlüffe anter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Sieheo Postscheckkonto: „ Kronlfurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen DruA und Verlag: vrühlsche Univerfitätsdruckerei R. Lange In Stehen. Schrlftlettvng und Seschäftrftelle: Schulftratze 7 Annahme oon Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh. Vcrcinbg. 25°/e mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts» u. behördliche AnzeigenbRpf. Mengenabschlüsse Staffel B Die Reichshaupistadi bereitet dem Führer einen triumphalen Empfang. Einem Aufruf des Berliner Gauleiters folgend wird die Bevölkerung der Reichshauplstadl heute mittag dem Befreier des Sudetendeulschtums auf dem Dege vom Anhalter Bahnhof bis zur Reichskanzlei in der Wilhelmstratze einen triumphalen Empfang bereiten, als äußeres Zeichen des Dankes für die Vollbringung des großen Friedenswerkes. Der Führer von Mönchen abgereist. 2N ü n ch e n, 1. Ott (DNB.) Der Führer verließ am Freitag spät abends die Hauptstadt der Bewegung, um sich u a ch B e r l i n zu begeben. Obwohl Tatsache und Zeitpunkt der Abfahrt des Führers nicht bekanntgegeben worden waren, hatte sich auf dem Hauptbahnhof eine vieltausendköpfige Menge versammelt, die dem Führer begeisterte Kundgebungen bereitete. Von allen Bahnsteigen eilten die ReLsenden herbei, um den Führer in freudiger Ueberraschung zu grüßen, veberall hörte man die Rufe: „Führer, wir danken dir!", mit denen die Münchner ihrer stürmischen Begeisterung über die Befreiung der Sudetendeutschen Ausdruck gaben. Mit brausenden Heil-Rufen begleiteten die Tausende die Abfahrt des Führer- Sonderzuges. Adolf Hitlers Heimkehr. beer und frischen Blumen umrahmt. Daneben sieht man oft die Bilder Konrad Henleins. Nicht ohne Bewegung bemerkt man selbst in den abgelegensten Straßen und in den kleinsten Fenstern, daß die Bevölkerung von Asch ihren Dank und ihr freudiges Bekenntnis zum Ausdruck bringt. Girlanden spannen sich von Haus zu Haus. In allen Straßen sieht man, aus vielen Lämpchen zusammengesetzt, dle Freiheitszeichen leuchten, und von den Häuserfronten oder aus den Auslagen geben Spruchbänder den Dank für die befreiende Tat des Führers wieder. Fahnen und Girlanden in den Grenzstädten. Warnsdorf, 30. Sept. (DNB.) Die in letzter Zeit wiederholt im Zusammenhang mit tschechischen Bluttaten genannte sudetendeutsche Grenzstadt Warnsdorf stand am Freitagnachmittag schon ganz im Zeichen der Hakenkreuzfahnen. Man hat nicht erst den Aufruf der politischen Landesleitung der SDP. abgewartet, sondern die darin verkündete Parole schon vorher mit riesiger Begeisterung in die Tat umgesetzt. Jedes Haus ist mit Fahnen und Wimpeln, Kränzen und Blumen geschmückt. Und so wie in Warnsdorf ist es auch in Ober- Hennersdorf und R u m b u r g. Aus allen Fenstern wehen die Symbole der Freiheit, obwohl noch in den letzten Tagen der tschechischen Willkürherrschaft darauf die Todesstrafe stand. Die Geschäfte, in denen Bilder des Führers, Fahnen und Girlanden zu haben find, werden oon den Kauflustigen förmlich gestürmt. In ganz kurzer Zeit hat sich das Gesicht dieser Grenzstädte grundlegend verändert. Tagesbefehl an die Truppe. Berlin, 30. Sepl. (DRV.) Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von B r a u ch i l f ch, Hal folgenden Tagesbefehl an die Truppen erlassen: Mil dem 1.10. beginnend, wird das deutsche Heer in die von unserem Führer befreiten deutschen Gebiete der Tschechei e i n r ü ck e n. Das deutsche Heer betritt die erlösten Gebiete in der stolzen Freude, Künder deutscher Zucht und Ordnung zu sein und als Werkzeug seines Obersten Befehlshabers von nun an feinen deutschen Stamme sbrüdern den starken Schuh der deutschen Waffen gewähren zu dürfen. heil dem Führer! Kein Krieg mehr zwischen uns und England. Oie gemeinsame Münchener Erklärung des Führers und Neville Ehamberlains Berlin, 1. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der Sieger kehrt zurück in die Hauptstadt des abermals vergrößerten Reiches. Die Namen all der Großen, die an Deutschland in Tausenden von Jahren bauten, schweben heute um das Haupt des Mannes, zu dessen Ehren die Fahnen wehen in diesem schöner werdenden Berlin, in dem immer herrlicher aufblühenden Deutschland. Im Genie des Führers, dem Vorbild von Treue, Ehrenhaftigkeit und hartnäckiger Entschlossenheit, feiert ein ganzes erneuertes Volk sich selbst. Die, die sich jetzt die Wil- Helmstraße entlang drängen, um ihn zu erwarten, haben in schweren Wochen gestanden, genau wie er: fest, unnachgiebig, entschlossen. Das ist die Waffe, mit der dieser. unvergleichlich große Volksführer seine Schlachten erkämpft und mit der er diesmal seinen und des Volkes Sieg erstritt. Die hunderttausende in Berlin, die Millwnen und Millionen an Rhein und Weser, Elbe und Donau und Oder und vor allem in den Tälern der de u t- Das Ergebnis der letzten Besprechung. München, 30. Sepl. (DNB.) Der britische Premierminister Neville Ehamberlain stattete FrcUagmiilag dem Führer in feiner Münchener Wohnung am P r i n z r e g e n t e n- Platz einen mehr als einstündigen Besuch ab, der den beiden Staatsmännern Gelegenheit zu einer längeren Aussprache gab. Der Führer und Reichskanzler und der britische Premierminister haben nach ihrer Unterredung folgende gemeinsame Erklärung herausgegeben: Dir haben heule eine weitere Besprechung gehabt und sind uns in der Erkenntnis einig, daß die Frage der deutsch-englischen Beziehungen von allererster Bedeutung für beide Länder und für Europa ist. Wir sehen das gestern abend unterzeichnete Abkommen und das deutsch-englische Flottenabkommen als symbolisch für den Wunsch unserer beiden Völker an, niemals wieder gegeneinander Krieg zu führen. Wir sind entschlossen, auch andere Fragen, die unsere beiden Länder angehen, nach der Methode der Konsultation zu behandeln und uns weiter zu bemühen, etwaige Ursachen von Meinungsverschiedenheiten aus dem Wege zu räumen, um auf diese Weise zur Sicherung des Friedens Europas beizutragen. Adolf Hitler. Neville Ehamberlain. 30. September 1938. f d) e n Sudeten, grüßen jubelnd die erneuerte Macht und Stärke des Reiches — und grüßen damit sich selbst. Weil er sich ein neues Volk zu bilden vermochte, schreitet A d o l f h i t l e r von einem Die Besetzung des sudetendeutschen Gebietes. MlfTSCWES » 10 MM ---"T KEICH Berlin, 30. Sept. (DNB.) Die Internationale Kommission, die mit der Regelung der Anwendung des Münchener Abkommens vom 29. September beauftragt ist, hat heute nachmittag um 17 Uhr Ihre erste Sitzung abgehalten. Sie hat den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Herrn v. Weizsäcker, zum Vorsitzenden ernannt. Dieser dankte seinen Kollegen und gab der Ueber- zeugung Ausdruck, daß ein Geist der Freund- schaft und des Ausgleichs die Verhandlungen beseele. Die Kommission ernannte eine ll n - terkommission für militärische Frage n, die sich sofort mit der Frage der Durchführung der Bedingungen für eine reibungslose Uebergabe der fraglichen Gebiete der I. Zone befaßte. 3n der Vollsitzung hat die Internationale Kommission alsdann die Vorschläge der genannten llnterkommission angenommen, vor der Aufhebung der Sitzung gaben die Mitglieder der Kommission der lleberzeugung Ausdruck, daß in den beteiligten sowie in allen übrigen Ländern nichts unterlassen wird, was geeignet ist, um die für eine erfolgreiche Beendigung ihrer Arbeiten nötige Atmosphäre aufrechtzuerhalten. Das sudetendeutsche Gebiet wird nach dem Münchner Abkommen in fünf Abschnitten durch deutsche Truppen besetzt. Die obige Karte zeigt Abschnitt I: Besetzung am 1. und 2. Oktober, Abschnitt II: Besetzung am 2. und 3. Oktober, Abschnitt III: Besetzung am 3., 4. und 5. Oktober, Abschnitt-IV: Besetzung am 6. und 7. Oktober. Das restliche, vorwiegend deutsche^Gebiet wird, nach endgültiger Abgrenzung durch eine Kommission, bis zum 10. Oktober von deutschen Truppen besetzt. — (Scherl-Bilderdienst, Berlin.) Bayreuth, 30. Sept. (DNB.) Der Führer» der Sudetendeutschen Pckrtei, Konrad Henlein, Hal ckn den Führer folgendes Telegramm gesandt: Mein Führer! 3m Namen des seit 20 3ahren gequälten und unterdrückten Sudetendeutschtums danke ich 3hnen, mein Führer, tiefbewegten Herzens für die uns erkämpfte Freiheit. Linder und Kindeskinder werden noch den Tag loben, an dem durch den Anschluß an das Groh- deutsche Reich Sie, mein Führer, unsagbares Leid von Millionen in tiefe Freude und stolze Zuversicht verwandelten. Worte sind zu schwach, um 3hnen das auszu- drücken, was wir alle in diesem Augenblick für Sie empfinden. 3n tiefer Dankbarkeit wird das gesamte Sudetendeutschtum jederzeit in treuester Gefolgschaft hinter feinem Befreier stehen. 3n Treue grüßt Sie, mein Führer, 3hr ergebener Konrad Henlein. Erntetag zum anderen, kann er das Reich zu höhen führen, nach denen selbst die größten Kaiser mittelalterlicher Reichsherrlichkeit vergebt.cy strebten. In der Stärke und der Kraft des Staatsmannes, der heute in seine Hauptstadt aus München zurückkehrt, darf sein Volk stolz die eigene Kraft und Stärke und Treue feiern. Das Sudelendeutschtum dankt feinem Befreier. Konrad Henlein an den Führer. f Mt ftare Wty ■■> > l: !. «S 2. LiwS« 6 88S65 tSWt > E SktWi aut «SÄ f ,•* - Mm ?*»«=* Asch schmückt sich zum Empfang. Asch, 1. Okt. (DNB.) Seit mehr als acht Tagen wehen die deutschen Freiheitsfahnen über Asch, dem sauberen, fleißigen und rein deutschen Jndu- striestädtchen unweit Selbs. In seinem Schmuck der Fahnen, Girlanden und Embleme ist Asch ein einziges Geständnis zum größeren Deutschland, hat seinen Schmuck in diesen Stunden noch vervielfältigt. Nun gibt es tatsächlich kein Haus und kein Fenster mehr ohne die stolzen Hakenkreuzbanner. Die Auslagen der großen und kleinen Geschäfte sind ausgeräumt, mit rotem Tuch ausgeschlagen und tragen Führerbilder und Führerbusten, oon Goldlor- Das Zriedenswerk. Die Münchener Vereinbarung der vier großen europäischen Nationen hat der ernstesten Krisis im Zusammenleben der Völker seit Beendigung des Weltkrieges-eine Wendung zum Guten gegeben. Die Frage, ob bereits zwanzig Jahre nach dem Ende jenes furchtbaren Ringens, das der lebenden Generation, ob Sieger oder Besiegte ist einerlei, noch mit all seinen Schrecken und in seiner ganzen Sinnlosigkeit in krassesten Farben vor Augen steht, schon wieder alle Mittel eines friedlichen Ausgleiches erschöpft sind und als ultima ratio der Appell an die Waffen bleibt, haben die vier leitenden Staatsmännern Europas Adolf Hitler, Benito Mussolini, Neville Chamberlain und Edouard Daladier in vollem Bewußtsein ihrer Verantwortung für das gemeinsame untrennbare Schicksal der europäischen Völker mit aller Entschiedenheit verneint. Ifnb sie wissen aus der ungeheuren Spannung dieser Tage, aus der erregten Anteilnahme, dem ungeduldigen Warten, dem von schwerem Druck befreiten Aufatmen und schließlich dem erlösenden Begeisterungs» sturm der Massen, die sie auf den Weg nach München und ihre Beratungen dort Stunde für Stunde begleitet haben, wie sehr ihr Entschluß, allen Versuchungen, die Dinge in einen Krieg treiben zu lassen, der nur ein allgemeiner f£in könnte, ein ebenso großzügiges wie stabiles Friedenswerk entgegenzustellen. dem tiefsten Sehnen ihrer Völker entspricht. Der Abstand der Ansichten über die konkreten Möglichkeiten zur Lösung des sudetendeutschen Problems war in den vorausgegangenen Verhandlungen so gering geworden, daß die Völker es nicht begriffen hätten, wie sich an diesem Problem noch ein neuer Weltkrieg mit all feinen Schrecken hätte entzünden sollen. Nun ist das Friedenswerk vollendet, die Welt atmet auf, aus schwerer Krisis ist das Gefühl der europäischen Schicksalsgemeinschaft, der Wille zur Zusammenarbeit gewaltig gestärkt hervorgegangen und wir wissen, daß die Stunde des Näherrückens der Staatsmänner und ihrer Völker, die Stunde der Selbstbesinnung, die Stunde der Prüfung nicht ungenutzt geblieben ist. Die gemeinsame Erklärung Adolf Hitlers und Chamberlains, die aus den deutsch-englischen Beziehungen die Gefahr eines kriegerischen Konflikts für alle Zeiten ausschaltet und die persönliche Aussprache, die in diesen letzten schicksalsschweren Tagen so gute Früchte getragen hat, auch in Zukunft ;um Mittel einer auf Vertrauen und gegenseitiger Hochachtung sich gründenden Verständigung der beiden großen Nationen macht, ist eine Tat, die sich dem Friedenswerk der Lösung des sudetendeutschen Problems ebenbürtig und verheißungsvoll zur Seite stellt. Wir wissen, daß die Verständigung mit England ein Fundamentalsatz der außenpolitischen Linie des nationalsozialistischen Deutschlands ist, weil es keinerlei naturgegebene Gegensätze zwischen den beiden großen Nationen zu sehen vermag, deren große Geschichte durch die Jahrhunderte beide wohl oft verbündet, aber nur einmal als Feinde sich gegen» übersah, in der tragischen Episode des Weltkrieges. Das deutsch-englische Flottenabkommen, in dem sich das Reich freiwillig eine Beschränkung seines Flottenbaus auferlegte,-war bereits ein Dokument für den festen Willen Adolf Hitlers, was an ihm liegt, dazu zu tun, daß der Weltkrieg tatsächlich eine einmalige Episode in der Geschichte der deutsch- englischen Beziehungen bliebe. Es hat lange gedauert, bis seine Argumente in England das volle Verständnis gefunden haben. Es mußte erst wieder der Abgrund einer neuen furchtbaren Katastrophe vor den Augen des britischen Volkes sich auftun, bis sich auch in England der vorurteilsfreie, aufrechte und mutige Staatsmann fand, der entschlossen war, den Geist des deutsch-englischen Flottenabkom- mens auch in der Praxis der allgemeinen politischen Linie des Britischen Reiches wirksam werden zu lassen. Neville Chamberlain wird damit zum Testamentsvollstrecker feines Vaters, der als britischer Kolonialstaatssekretär und überragender Kopf der britischen Politik um die Jahrhundertwende zur Zeit des Burenkrieges sich heiß um eine Verständigung mit dem Deutschen Reich bemühte, ohne freilich damals erfolgreich zu sein. Die Ratgeber Wilhelms II., Bülow und Holstein, trauten dem britischen Anerbieten nicht, aber auch in England fand Chamber- Iains Politik nicht den Widerhall, den eine deutsch- englische Allianz bedurft hätte, um traafähig zu sein. Lag damals in dem Scheitern der Verständigung schon der Keim zu dem verhängnisvollen Konflikt, dessen Ausgang auch für England reich an Enttäuschungen gewesen ist, so ist heute wiederum bei allen ideologischen Verschiedenheiten beider Völker ihre Verständigung die Grundlage des europäischen Friedens. Chamberlain hat sich ebenso wie Adolf Hitler immer wieder dazu bekannt, daß er nicht Nachlassen werde, den Brückenschlag zu versuchen. Die letzten Wochen der europäischen Krisis mit den Besprechungen in Berchtesgaden und Godesberg und schließlich der Uebereinfunft von München haben die Richtigkeit dieser politischen Praxis auf die eklatanteste Weise bewiesen. So ist die Erklärung Chamberlains und Adolf Hitlers ein neuer Eckstein des europäischen Friedenswerkes, das geeignet ist, durch die aus ihm erwachsene Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens notorische Unruhestifter wie den Moskauer Bolschewismus völlig nebenhin zu setzen. Dürfen wir also die allgemeinen Auswirkungen der Münchener Zusammenkunft der leitenden euro» päischen Staatsmänner nicht nur als eine überall dankbar empfundene Entspannung, sondern auch als Auftakt einer wahrhaft konstruktiven Politik der Organisierung eines neuen Europa begrüßen, so geben auch die zur endgültigen Lösung des sudetendeutschen Problems in München gefaßten Beschlüsse uns die frohe Gewißheit, daß hier ganze Arbeit geleistet worden ist, um in dem Wetterwinkel Eu- eine en! Ganz London umjubett Chamberlain ten 1. Oktober geblieben mit der Maßgabe, daß die Besetzung von fünf im einzelnen bezeichneten Ge- Begeisterter Empfang Oaladiers in Paris !durchgemacht haben. Die beiden Völker müsse n ' sich herzlich verständigen, und ich bin tz zu leben wünsche. So schlägt heute dem Sudetendeutschtum die Stunde der Freiheit. Ein Volkstumskampf, der weit zurückreicht in die Geschichte Bödmens, der bereits in der österreichisch-ungarischen Monarchie zu wach- sender Erbitterung, bedrohlichsten Spannungen und schwersten Erschütterungen des ganzen Staatsgefüges geführt hatte, der schließlich in den zwanzig Jahren des Bestehens der tschecho-slowakiichen Republik trotz aller ernsten und aufrichtigen Bemühungen der Sudetendeutschen um einen gerechten, ihre Lebensnotwendigkeiten sichernden Ausgleich dmsch den fanatischen Haß und die verblendete Überheblichkeit der andern Seite in ein Regime beispielloser Unterdrückung und Verelendung mündete, dieser Kampf, in dem viele Hunderte deutscher Volksgenossen Freiheit und Leben, $)ab und Gut ihrer Treue zum angestammten Volkstum geopfert haben, ist beendet durch den Sieg des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Der gleiche Grundsatz. der im Munde der „Großen Vier" von Versailles einst zur heuchlerischen Phrase geworden war, um nach ihren selbstsüchtigen Interessen Europa ein neues Gesicht zu geben, das sich gegen Deutschland wenden sollte, der gleiche Grundsatz ist zwanzig Jahre später von den anderen „Großen Vier" in München von allen Verfälschungen gereinigt Leitgedanke für den Aufbau eines neuen Europa geworden. Daß Versailles auch in diesem Punkt überwunden ist und die Revision auf friedlichem Wege durchgesetzt werden konnte, ist das überragende Verdienst unseres Führers, dessen zähe „Ich will nur zwei Dinge sagen. Während dieser angstvollen Zeilen haben meine Fran und ich unzählige Briefe erhallen, Briefe voll von Unterstützung, Zustimmung und Dankbarkeit, und ich kann Ihnen nicht sagen, welche Ermutigung sie für mich gewesen sind. Ich möchte dem englischen Volk danken für alles, was es getan Hal. Ferner möchte ich sagen, daß die Regelung der tschechoslowakischen Frage, die seht erreicht worden ist, nach meiner Ansicht nur ein Vorspiel ist für eine größere Regelung, durch die ganz Europa den Frieden finden möge." Bei diesen Worten des Ministerpräsidenten steigerte sich Entschlossenheit, dessen unerschütterliches Selbstvertrauen und eindringliche Überzeugungskraft den ferneren Kamvf um die gute Sache T)' siegreich zu^Ende geführt hat und inwiefern Kampf sich zu dem alten bewährten Verbündeten neue Freunde gewinnen konnte, mit denen zusammen er das Friedenswerk schaffen konnte, das so ver- heißungsvoll eine neue Epoche der Gemeinschaft der großen europäischen Nationen heraufführt. Dr. Fr. W. Lange. das allerdings mit einigen — höchst angebrachten — Vorbehalten, über die er sich im einzelnen aber nicht ausließ: Roosevelt tritt zum Wochenende seinen immer wieder hinausgeschobenen Erholungsurlaub an. der Beifall der Menge zu anhallenden stürmischen Zurufen. Chamberlain fuhr bann fort: „Ich Halle heule morgen eine weitere Unterredung mit Adolf Hiller und hier ist das Schriftstück, das seinen Namen neben dem meinigen trägt." Das Scho in USA. Präsident Roosevelt vom Münchener Abkommen sehr befriedigt. heute. Franzosen! Laßt uns einig, arbeitsam und stark bleiben, das liegt im Interesse aller Völker und des Friedens in der Welt!" Dann bestieg Daladier den Kraftwagen, und wieder brausten aus Zehntausenden von Kehlen Hochrufe ihm entgegen. Stehend dankte er der Menge Gefühlen und der Friedensliebe der deutschen Bevölkerung vermittelt habe. r u n g ab: .. _ , . „Ich komme ans München, wo die Verhandlungen gewiß schwierig waren, in der festen Ueberzengmzg zurück, daß die dort abgeschlossenen Abkommen für die Aufrechter- Haltung des Friedens in Europa unerläßlich gewesen sind. Ich habe die Gewißheit, daß dank den Bemühungen für gegenseitige Zugeständnisse und dank dem Geiste der Zusammenarbeit, der nicht aufgehöd bat, die Regierungschefs der vier Großmächte in ihrer Aufgabe zu beseelen, derFriede gerettet ist. Ich hoffe, daß, wenn wir einmal über diese gefährliche Klippe hinweg sind, wir die all- gemeine Regelung der großen europä- ischen Probleme ins Auge fassen können. Ich erinnere daran, daß, wenn dieses Ergebnis erzielt werden konnte, dies dank der Disziplin, der Ruhe und der Entschlossenheit des französischen Volkes möglich war, das nicht aufgehöd hat, größte Kaltblütigkeit zu zeigen. Vas fran- zösische Volk ist niemals so sehr von den Großmächten geachtet und roedgeschätzt Morden rote tums ihre Freiheit erhalten. Besondere Schwierigkeiten hatte schon in den Vorverhandlungen die Frage der Garantie der Unversehrtheit des seiner sudetendeutschen Gebiete entledigten tschecho-slowakischen Staates gemacht. Frankreich hatte bereits in dem englisch-französischen Vorschlag vorn 19. September seine Bündnispflicht auf den Fall eines unprovozierten Angriffs auf die nach Durchführung der Vorschläge neu festgesetzten Grenzen der Tschecho-Slowakei beschränkt. Und England war, um Prag die Annahme der Vorschläge verlockender zu machen, von seinem Grundsatz, keine weiteren Verpflichtungen auf dem Kontinent zu übernehmen, abgewichen durch das Anerbieten, ebenfalls die Garantie der neuen tschecho-slowakischen Grenzen zu übernehmen. Beide Mächte haben in der Münchener Uebereinkunft dies Anerbieten erneuert. Deutschland und Italien, die im Zeichen des Selbstbestimmungsrechts der Völker den Kampf um die Befreiung der Sudetendeutschen von tschechischem Joch geführt haben, waren natürlich nicht in der Lage, die gleiche Garantie zu übernehmen, bevor nicht das Problem der polnischen und ungarischen Minderheiten in der Tschecho-Slowakei gelöst ist. Polen und Ungarn sind -ja bereits mit Prag in Unterhandlungen darüber eingetreten, um die Abtretung der polnischen und madjgrischen Volkstums- gebiste zu erreichen, freilich ohne daß die tschechoslowakische Regierung bisher darauf eingeganaen wäre. Die vier Großmächte, denen an einer radikalen Ausräumung aller Konfliktsmöglichkeiten liegen muß, find deshalb übereingekommen, nach drei Monaten zur Besprechung dieses Problems erneut zusammenzutreten, wenn bis dabin noch keine Vereinbarung zwischen der Tschecho-Slowakei einerseits, Polen und Ungarn andererseits .zustande- gekommen sein sollte. Sobald auch diese Frage geregelt sein wird, werden auch Deutschland und Italien bereit sein, die gleiche Garantie für die neuen Grenzen des tschecho-slowakischen Staates zu übernehmen wie heute schon England und Frankreich. Es entspricht dies dem vom Führer wiederholt ausgesprochenen Grundsatz, daß Deutschland nach der Rückkehr des Sudetendeutschtums zum Reich m Europa keinerlei territoriale Forderungen mehr habe, speziell auch nicht gegenüber dem tschechischen Volke, mit dem es für alle Zukunft in guter Nachbarschaft glücklich, meine Kräfte dieser notwendigen und fruchtbaren Verständigung zu widmen. Zwei Völker feiern den Frieden. Saarbrücken, 30. Sept. (DNB.) Im deutsch- französischen Sr-nzg-b'-t ist das in München geschlossene Abkommen mit ganz besonderer Herzlichkeit begrüßt worden. Da die Bevölkerung beiderseits der Grenze stets in gutem Einvernehmen miteinander gelebt hat, ist von ihr ein großer Druck genommen worden. Zahlreich sind die Kundgebungen herzlicher Freude. Besonders eindrucksvoll war eine solche Kundgebung aus der Brücke zwischen dem auf dem deutschen Gebiet lie- genden Groß-Rösseln und dem französischen Klein-Rossel n. Die deutschen und französischen Grenzbeamten gaben ihrer Freude über das Ergebnis Ausdruck. Eine französische Firma 'stiftete eine Kiste Wein und Sekt, die gemeinsam mit der von beiden Seiten zusammengestromten Bevölkerung unter Hochrufen geleert wurde. Auf deutscher Seite wurde die Hakenkreuzfahne aufgezogen, während die Franzosen die Trikolore hißten. Auf französischer Seite ertönten immer wieder Hochrufe auf den Führer, während gleichzeitig „Nieder mit dem Kommunismus" gerufen wurds. Der Äffend billigt einffimmig den Bericht Daladiers. ter zu vergiften, sondern auch die Anbahnung besserer Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten zu erschweren. Prag nimmt die Münchener Beschlüsse an. Prag, 30. SepL (DNB.) Die Prager Regierung hielt am Freitag um 12 Uhr unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten Benesch auf der Prager Burg eine Sitzung ab. In dem amtlichen Bericht darüber heißt es: Nach allseitiger Erwägung und Prüfung aller dringlichen Empfehlungen, die der Regierung durch die französische und britische Regie- ung übermittelt wurden, und im vollen Bewußtsein der historischen Verantwortung hat sich die tschechoslowakische Regierung unter voller Zustimmung der verantwortlichen Faktoren der politischen Parteien dazu entschlossen, die Münchener Veschlüsse der vier Großmächte anzunehmen. Sie hat dies im Bewußtsein getan, daß die Nation erhalten werden muß und daß eine andere Entscheidung heute nicht möglich ist. Die Prager Regierung richtet, so heißt es in dem amtlichen Bericht am Schluß, gleichzeitig an die Welt ihren Protest gegen diese Entscheidung, die einseitig und o h n e ihre Teilnahme erfolgte. bahnen. , „ ... . . Die Begeisterungsszenen wiederholten sich in der Downingstreet. So groß war der Ansturm der Menge, daß sich der Ministerpräsident schließ- lich gezwungen sah, von einem Fenster des ersten Stockwerks eine kurze Rede zu halten. „Es ist das zweite Mal in Englands Geschichte , sagte der Ministerpräsident, „daß ein Ministerpräsident aus Deutschland mit einem ehre n v o II e n Frieden in die Downingstreet zuruckgekehrt ist. Ich bin davon überzeugt, daß diese r F r i e d e unsere Zeit überdauern wird! Ich danke Ihnen von Herzen für diesen Empfang »r danken Ihnen", rief die Menge. Erst nach einer halben Stunde, während der der Mimsterpra- sident trotz neuer Zurufe sich nicht wieder zeigte, hatte sich die Menge zerstreut. von Rohstofflagern, rollendem Material und Ernte- Vorräten, über die Vernichtung, von Akten, die als Unterlagen für die Volksabstimmung wichtig sind, über die Plünderung der Bankdepots gezeigt. Hier ist also schnelles Handeln geboten, soll das Schlimmste verhindert werden und es nicht dazu kommen, daß die in ihre Heimat zurückkehrenden sudetendeutschen Flüchtlinge eine Wüste oorfinden. Aus gend^ulfchen G-b7et^du^euüch-°T^upp-n b-i stürmische Beaelsierungsfzen en vor dem Buckinqham-Patast und in der Downinallreet. dem schon im Godesberger Memorandum feftgefe^ | VVIUI IIIHW*' Kaum hatte dieser ungefähr hundert Meter zurück- > gelegt, als die Menfchenmassen die polizeiliche A b» sperrung durchbrachen und ihn zum Stehen brachten. Minutenlang drängten sich begeisterte Männer und Frauen um den Wagen, klopften an die Fenster und brachten jubelnde Hochrufe auf Chamberlain aus. Spontan sang die Menge das alte englische Lied mit dem Kehrreim: „... denn er ist ein feiner, netter Kerl!" Schließlich gelang es der Polizei, für den Wagen des Ministerpräsidenten eine Gasse durch das Menschenmeer zu bahnen, und Chamberlain konnte seine Triumphfahd durch die von froh bewegten Men- schenmasien erfüllten Straßen von London beginnen. Auf der ganzen Fahrt war Chamberlain von Hunderttausenden von Londonern, die sich auch durch plötzlich einsetzende schwere Regenschauer nicht hatten verscheuchen lassen, mit stürmischen Hochrufen auf „Unseren guten alten Cham- für die für französische Begriffe einzigartige ®brung. Die Straßen nach Paris, die der Wagen des Mi- nisterpräsidenten durchfuhr, waren von einer ungezählten Menschenmenge umsäumt, die immer wieder in Hochrufe auf den Ministerpräsidenten ausbrach, der im Kraftwagen stehend, dankte. König und die Königin in Begleitung von Chamberlain und seiner Gattin bewegen, auf dem Balkon des Palastes zu erscheinen. Die Menge, die sich mit Zeitungen gegen den Regen dürftig schützte, brach immer wieder in stürmischen Jubel aus. Immer wieder wurden Hochrufe auf den König und auf den Premierminister ausgebracht. Immer und immer wieder erschollen die Rufe „Friedensmacher Chamberlain!" usw. Schließlich sang die Menge spontan die Naüonal- Dem Vertreter des DNB. in München hatte Da- lädier folgende Erklärung abgegeben: „Ich hatte die Freude, selbst sestzustellen. daß in D - u tsch - land keinerlei Gefühle des Hasses ober der Feindseligkeit gegen Frank- reich herrschten. Seien Sie sicher, daß die Franzosen ihrerseits keinerlei Gefühle der Feindseligkeit gegen Deutschland empfinden. Das trifft auch für die Zeit der diplomatischen Spannungen und der militärischen Vorbereitungen zu, die wir Joeben berlain" begrüßt worden. Dor dem Buckingham-Palast warteten Tausende und aber Tausende von Menschen in strömendem Regen auf Chamberlain. Der Minister- Präsident wurde von dem Kammerherrn sofort in die Privatgemächer der königlichen Familie geführt. Schon ‘ eine halbe Stunde vorher war Frau Chamberlain auf eine Einladung des Königs von der Downingstreet nach dem Buckinaham-Palast gefahren, um dort ihren Gatten begrüßen zu können. Durch die anhaltenden Hochrufe ließen sich der gung der Wirtscyaslsprovieme peyi. Obschon nicht nur die amerikanischen Regierungs- kreise, sondern praktisch das gesamte amerikanische Volk angesichts der glücklichen Der- Hinderung eines drohenden Krieges in Europa befreit aufatmet, muß leider festgestellt werden, daß gewisse Cliquen auf dem Wege über Presse und Rundfunk auch jetzt noch mit ihrer Hetze fort- fahren. Man brauchte sich mit diesen Berufshetzern hauptsächlich jüdischeer, kommunistischer und pazi- fistischer Prägung kaum zu beschäftigen, wenn sie hier in den Vereinigten Staaten nicht über einen wesentlichen Teil der Presie verfügten und so Mog- >lichkeiten hätten, nicht nur die Volksmeinung wer- Bei diesen Worten erhob sich erneut ohrenbetäuben- der Beifall. Chamberlain erklärte, er werde, obgleich viele der Anwesenden den Inhalt schon kannten, das -------- t------ _.. . Dokument Wort für Wort do riefen. Unter im- Hymne. Fast fünf Minuten lang mußten der König, mer erneutem Jubel der Massen bestieg der Mini- die Königin, Chamberlain und seine Frau im sterpräsident bann kurz vor 18 Uhr seinen Wagen. Scheinwerferlicht auf bem Balkon stehen, um Der Kaum hatte biefer ungefähr hundert Meter zurück- i Masse für bie Kunbgebungen der Freude und Ver- gelegt, als die Menfchenmassen die polizeiliche Ad- ehrung zu danken. Nach einem Aufenthalt von sperrung durch brachen und ihn zum Stehen 20 Minuten verließ Ministerpräsident Chamberlain in Begleitung seiner Gattin wieder den Bücking- Harn-Palast, vor dessen Toren die begeisterte Menge trotz strömenden Regens geduldig gewartet hatte. Obwohl in der Zwischenzeit berittene Pdizer ein- gesetzt worden war, gelang es doch nicht sofort, den Weg für den Wagen des Ministerpräsidenten frei zu machen. Immer wieder durchbrach die Menge die- Absperrkette, ehe es schließlich dem star- ken Polizeiaufgebot gelang, dem Wagen einen Weg durch bie~ jubelnde und Choräle singende Menge zu Paris, 30. Sept. (Europapreß.) Unmittelbar.l nach der Ankunft des Ministerpräsidenten trat tm i Elys6e-Palast ein TO i n i ft errat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik, Albert Le- j b r u n, zusammen. Daladier erstattete einen aus- . führlichen Bericht über die Beschlüsse von München, , der eineinhalb Stunden in Anspruch nahm und ( einstimmige Billigung fand. Am Dienstag wird nunmehr auch das Parlament zu dem Münchener Abkommen Stellung nehmen. Am Schluß des Ministerrats wurde folgendes (Kommunique ausgegeben: „Präsident Lebrun hat die Gefühle des Landes ausgedrückt, indem er dem Ministerpräsidenten Daladier für seinen hervorragenden und wachsamen । Patriotismus bei der Wahrnehmung der schwierigen und delikaten Aufgabe Dank sagte, die er übernommen und zum guten Ende geführt hat. Ministerpräsident Daladier hat über die Münchener Besprechung Bericht erstattet sowie über die Bedingungen, unter denen die Einigung zustande gekommen ist, die Europa die Aufrechterhaltung des Friedens gewährleistet. Der Ministerrat hat sich einstimmig dem Staatspräsidenten angeschlossen, um Daladier seine Glückwünsche und den herzlichen Dank für seine entscheidenden Bemühungen auszusprechen, die er im Interesse des Landes und des Friedens unternommen hat. Staatsminister Chautemps hat diese Gefühle des Ministerrats im Namen seiner Kollegen ausgedruckt. Ministerpräsident Daladier hat dafür gedankt und gleichzeitig gefordert, daß dieser Dank auch auf Außenminister Bonnet ausgedehnt werde. Die Regierung hat beschlossen, das Parlament für nächsten Dienstag einzuberufen." Aus den Kreisen des Quai d'Orsay verlautet, daß auf den Ministerpräsidenten besonders die herzliche Begrüßung der Münchener Bevölkerung einen tiefen und nachhalUnen Eindruck gemacht und ihm ein wesentlich anderes Bild als das bisher vorherrschende vov den wahren Die gemeinsame Verlautbarung des Führers und Chamberlains hat an zu» tänbifler amerikanischer Stelle einen ganz b e s o n- ) c r s ft arten Eindruck hervorgerufen. Man ieht in ihr den Beginn einer neuen A er a in den Beziehungen Berlin und London. Naturgemäß wird auch schon die Frage erörtert, inwieweit diese Neugestaltung des deutsch-englischen Verhältnisses die Politik Washingtons berührt, vorerst geht aus einer Erklärung des Staatssekretärs H u l l lediglich hervor, daß die Regierung der Vereinigten Staaten einstweilen den einzigen Angelpunkt für idgültiae Befriedigung in einer Vereint- der Wirtschaftsprobleme sieht. Washington, 1. Okt. (DNB. Funtspruch.) Präsident Roosevelt nahm am Freitag auf einer Pressebesprechung zu dem Abkommen von München, das auch in der amerikanischen Bundeshauptstadt mit dem Gefühl größter Erleichterung ausgenommen worden ist, Stellung. Er betonte, daß es sich im Gegensatz zu mancher anderen „Krise diesmal um eine wirkliche Krise gehandelt M * Wfen^Äng^ über -bereitete ober 1 gar bereits vollzogene Sprengungen von Verkehrs trefern Vereinigten Staaten seinen Dank für anlagen und Kraftwerken, ubtt die Forsichaffung ^t d.^V ^nungsreichen Wochen geleistete Arbeit aus. Mit sehr anerkennenden Worten äußerte sich Roosevelt über das Verhalten der Presse und des Rundfunks in den Vereinigten Staaten. Er tat Paris, 30. Sept. (Europapreß.) Ministerprasi- bent Dalabier landete, von München kommend, am Freitag um 15.57 Uhr auf dem Flugplatz Le Bourget bei Paris. Zehntausende von Zuschauern hatten sich rings um den Flugplatz und auf den Terrassen aufgestellt. Als Daladier dem Flugzeug entstieg, wurde ihm eine begeisterte Begrüßung, wie sie bisher kaum einem französischen Staatsmann zuteil geworden ist, bargebracht. Auf bem Flugplatz hatten sich fast sämtliche Mitglieder der französischen Regierung eingefunden, darunter der stellvertretende Ministerpräsident Chautemps und Außenminister Bonnet, der besonders lebhaft gefeiert wurde, als er auf dem Flug- platz erschien. Auch der deutsche Geschäftsträger Dr. Breuer sowie der deutsche Militärattache General Kühlenthal, und die meisten fremdländischen Diplomaten waren anwesend, ebenso der französische Generalissimus General G a m e l i n. Daladier konnte sich nur schwer einen Weg bis zu seinem Kraftwagen bahnen. Immer wieder brach die Menschenmenge in Hochrufe aus. Ein Mädchen überreichte ihm einen Blumenstrauß. Daladier nahm ihn lächelnd in Empfang und hatte Tränen der Rührung in den Augen. Auf dem Flugplatz hatten sich auch Abordnungen ehemaliger Frontkämpfer mit ihren Fahnen eingefunden. Es war Daladier kaum möglich, die Front der Ehrenkompanie abzuschrei- ten, da er von der Menae dauernd umdrängt wurde. Kurz bevor Daladier den Flugplatz verließ, gab er im französischen Rundfunk eine Erklären 1. unooer geoneoen mu uer uuD u.c ,x _ Besetzung von fünf im einzelnen bezeichneten Ge- London, 30. Sept. (Europapreß.) Das Flug- bietsabschnitten nacheinander in fünf Etappen er- zeug, das den englischen Ministerpräsidenten folgen wird und am 10. Oktober beendet fein soll. Chamberlain von München nach England Das Gebiet, in dem nach dem Muster der Saar- zurückbrachte, traf um 17.40 Uhr auf bem Fl u g - abstimmung spätestens bis Ende November eine platz in Hefton ein, wo sich eine begeisterte Volksabstimmung stattfinden wird, soll durch inter- Menschenmenge versammelt hatte, um bem heun- nationale Formationen besetzt werden, die Britische kehrenden Staatsmann einen herzlichen Empfang zu Legion, die Organisation der englischen Frontkämp- bereiten. Als Chamberlain dem Flugzeug entstieg, fer, hat dem Führer bereits in dankenswerter Weise begrüßte ihn als erster der Oberhofmarschall Lord ihre Dienste angeboten. Einem Ausschuß, bestehend Clarendon, der ihm ein Handschreiben aus dem deutschen Staatssekretär des Auswärtigen des Känias überreichte. Als nächster trat Außen- Amtes, den Berliner Botschaftern der drei anderen Minister Lord Halifax vor, schüttelte Chamber- Mächte und einem Vertreter der tschecho-slowakischen lain herzlich die Hand und führte ihn dann zu den Regierung wird die verantwortungsvolle Aufgabe Ehrengästen, unter denen sich eine Reihe Mitglie- zufallen, die Modalitäten der Räumung sowohl wie der des englischen Kabinetts, ferner der deut- der Volksabstimmung und schließlich auch die end- sche Geschäftsträger Dr. Kordt und Gesandt- gültige Grenzziehung festzulegen. Die Entlassung der schaftsrat von Selz am, der italienische Bot- , Sudetendeutschen aus dem Militär- und Polizei- schafter Gras Gr an di in Begleitung seiner Ge- dienst der Tschecho-Slowakei beendet einen Zustand, mahlin, der französische Botschafter Cor b in sowie dessen ganze Unnatur der Führer in seiner großen die O b e r k o mm i ss a r e der britischen Dominions Reoe treffend gekennzeichnet hat, als er sagte, daß befanden. Unter der nach vielen Tausenden zahlen- Herr Benesch diese Sudetendeutschen in tschechischer den Menge befanden sich auch 200 Schüler von Eng- Uniform vor die Wahl gestellt habe, entweder Volks- lands angesehenster Schule Eton. Immer wieder Verräter oder Landesverräter zu werden. Ebenso ist brauste stürmischer Beifall auf. Chamberlain winkte es ein Akt selbstverständlicher Gerechtigkeit, wenn der Menge freundlich zu und richtete dann einige die pvNtischen Gefangenen sudetendeutschen Volks- Worte an sie. Er sagte: rupas mit aller gebotenen Beschleunigung eine ra» Da al Reuo bnunq zu schaffen, die keine Seite bes i nuucu ™ —..... |. m.engen Problems unberücksichtigt läßt. Ein Dor- schweren Kampf um die gute Sache Deutschlanbs fcjag Mussolinis, der sich in München erneut als fipareuh m_Enbe aefubrt hat und inwiefern Kamps verständnisvoller Freund Deutschlands und weit-1 blickender Staatsmann von wahrhaft europäischem V.-iamworlungsbewußtsein erwiesen hat, hat die von Prag bereits angenommene englisch-franzö- suche Uebereinkunft über die grundsätzliche Abtrennung des sudetendeutschen Gebiets vorn tschechoslowakischen Staat mit bem beutschen Memorandum, das die Durchführung dieser Uebereinkunft verwirk-1 liehen sollte, zu einem neuen Vertragswert ver- knüpft, bas der Ausgangspunkt der Münchener Beratungen gebildet hat. Die "gefundene Lösung, die in dem Viermächte-Abkommen vom 29. September festgelegt worden ist, setzt den Beginn der Räumuntz des an Deutschland abzutretenden Gebiets für den 1. Oktober fest. Frankreich, England und Italien werden für die Durchführung der Räumung bis zum 10. Oktober sorgen, die tschechische Regieruna wird dafür verantwortlich gemacht, daß keine bestehenden Einrichtungen zerstört und beschädigt werden. Wie notwendig diese Auflage ist, die man Prag macht, haben die in den letzten Tagen in erschreckender Zahl Rom feiert den Duce. Dir haben für den Frieden der Gerechtigkeit gearbeitet.^ R o m, 30. Sept. (DNB.) Anläßlich der Rückkehr des italienischen Regierungschefs nach Rom hatte sich schon am frühen Nachmittag das Stadtbild rasch auf Feststimmung umgestellt. Die Straßen Roms prangten im bunten Fahnenschmuck der italienischen Trikolore, der römischen Farben und der Partei» fcchnen, zwischen denen vielfach auch die Hakenkreuz- flagae wehte. Die Läden und Betriebe wurden ge- schlossen, Truppen, Miliz und die Jugendverbande zogen auf, während Hunderttausende sich auf der Piazza Venezia und in den Straßenzügen bis zum Hauptbahnhof sammelten und in freudiger Stimmung bereits um 17 Uhr spalierbildend der Rückkehr des Duce harrten. Zur gleichen Zeit hatten sich Zehntausende vor dem festlich geschmückten Bahnhof und dem Vorplatz mit Fahnen und Kapellen aufgestellt. Die bunt beflaggte Bahnhofshalle war langst überfüllt. Hier waren die Minister und die anderen hohen Beamten von Partei und Staat, zahlreiche hohe Offiziere und Mitglieder des Großen Faschistischen Rates versammelt. Auch die Angehörigen der deutschen Botschaft hatten sich unter Führung Mackensens zum Empfang eingefunden. Ferner sah man die Botschafter Englands und Polens, den ungarischen Gesandten, den französischen Geschäftsträger und andere Vertreter des diplomatischen Korps. Eine Abordnung der AO. der NSDAP, war ebenfalls mit ihren Fahnen und Landesgruppenleiter Ettel an der Spitze angetreten. Als der Sonderzug um 18 Uhr anrollt, braust Mussolini in der Bahnhofshalle unter den Klängen der italienischen Nationallieder großer Jubel entgegen. Nach Begrüßung der Vertreter von Partei und Staat sowie des deutschen Botschafters und der Herren des diplomatischen Korps schreitet der Duce in Begleitung von Außenminister Graf Ciano die Front der Ehrenkompanie ab und begibt sich sofort auf den Bahnhofsplatz, wo der Duce mit Freuden- fturmen gefeiert wird. Im offenen Wagen begibt sich dann Mussolini sofort zum Palazzo Ve- JJe3jQ- Auf dem Wege dorthin nimmt der tosende Jubel kein Ende, während von den dicht besetzten Fenstern der Straßenfront Fahnen geschwenkt und Blumen gestreut werden. Unter unaufhörlichen „Duce-Duce"-Rufen trifft Mussolini im Wagen stehend und nach allen Seiten grüßend — neben Hm Außenminister Graf Ciano — auf der Piazza Venezia ein. Die Klänge der Giovinezza erklingen und Mussolini erscheint auf dem Balkon des Palazzo Venezia, umtost von den Ovationen der Menge. Bald muß Mussolini sich ein zweites und ein drittes Mal zeigen. Dabei erklärt er: „Kameraden! Ihr habt denkwürdige stunden erlebt. In München haben wir für den Frieden der Gerechtigkeit gearbeitet. Ist das nicht das Ideal des italienischen Volkes?" (Stürmische Ja-Rufe.) Dann zieht sich Mussolini wiederum vom Balkon zurück. Doch das Aufbrausen immer neuer Duce- Duce-Rufe, die oft durchsetzt sind mit Heil-Hitler- Rufen bewegt ihn, noch wiederholt auf den Balkon zu treten. Unter dem Balkon, vor dem ein wahres Fahnenmeer wogte, hatten auch eine deutsche und eine englische Touristengruppe mit ihren Nationalfahnen Aufstellung genommen. ♦ Der König und Kaiser hatte sich von seinem Landsitz San Rossore nach Florenz begeben, um Mussolini auf der Rückkehr von München persönlich zu begrüßen und zu beglückwünschen. Die Londoner presse begrüßt das Münchener Ergebnis. London, 1. Okt. Ohne Rücksichtnahme auf parteimäßige Einstellung begrüßt die englische Presse die deutsch-englische Erklärung. Die „Times" sagt, daß kein Eroberer bei dem Sieg von dem Schlachtfelde mit schönerem Lorbeer hätte zurückkehren können als Chamberlain von München. König und Volk hätten ihm durch die Art des Empfanges gezeigt, wie sie seinen Erfolg werteten. Die Einigung über die sudetendeutsche Frage und der große Dienst, der damit der Menschheit erwiesen worden sei, erschienen schon jetzt als weniger wesentlich als die Grundhaltung des in München vollbrachten Werks. „Die gemeinsame Erklärung des Reichskanzlers und des Ministerpräsidenten ist kein frommer Wunsch, der schnell wieder in Vergessenheit gerät, ehe die Zeit kommt, ihn auf die Probe zu stellen. Die beiden Staatsmänner begreifen, daß zwischen England und Deutschland noch Zwistigkeiten bestehen und diese um des europäischen Friedens willen so schnell wie möglich beigelegt werden müssen. Gerade in bezug auf diese Meinungsverschiedenheiten verpflichten sie sich zu Methoden friedlicher Erörterung und zeigen damit den Wunsch, beim Wort genommen zu werden. Unsere Nation kann am besten dadurch ihre Dankbarkeit beweisen, daß sie zeigt, daß sie aus den großen Gefahren, durch die sie Chamberlain mit sicherer Hand hindurchgeführt hat, etwas gelernt hat: daß nur ein Volk, das zu allem bereit ist, in einer Krise durch seinen Führer für den Frieden wirken kann, und weiter, daß die Bedrohung der zivilisierten Welt wiederkehren muß, solange alle Ungerechtigkeit nicht in ruhigen Zeiten erkannt und beseitigt wird, anstatt solange Giftstoffe zu bilden, bis es für eine Heilung zu spät ist. Sofern diese oft erkannten, aber selten angewandten Wahrheiten die symptomatischen Bemühungen der nächsten Monate entscheidend beeinflussen, können wir die tödliche Theorie eines Präventivkrieges ausmerzen und für einen Präventivfrieden arbeiten." Der konservative Daily Telegraph zollt dem Premierminister zunächst Dank und Anerkennung für seine Arbeit für den Frieden. Was allerdings Kritik zulasse, sei nicht so sehr der Inhalt als die Art, in der man ihn über den Kopf der Tschechen hinweg ausgehandelt habe. Aber die Tschechen müßten auf lange Sicht selbst zu der Einsicht kommen, daß dieser Operationsschnitt, der'sie selbst zu sehr schnörkte, doch kein reiner Nachteil für sie sei. Zu der deutsch-englischen Erklärung sagt der Daily Telegraph, daß Chamberlain immer als sein außenpolitisches Hauptziel eine auf breiter Grundlage zu führende Befriedung im Auge gehabt habe. Das noch nicht ratifizierte englisch-italienische Abkommen fei ein Schritt in dieser Richtung gewesen und die gemeinsame englisch-deutsche Erklärung sei zweifellos als der zweite beabsichtigt. Aber Vorsicht zwinge, dieser Erklärung keinen übertriebenen Wert beizumessen. Der marxistische Daily H e r a l d glaubt, eine Reihe wichtiger Punkte des Münchener Abkommens kritisieren zu müssen und meint in seiner kommunistischen Ideologie, daß eine wirkliche europäische Befriedung auf einem zweiseitigen Wege nicht er- reicht werden könnte, sondern nur auf einer Konferenz aller Mächte. Das liberale News Chro- nicle stellt fest, daß die Münchener Bedingungen deutlich zeigten, daß Chamberlain und Daladier gewisse wichtige Aenderungen des ursprünglichen englisch-französischen Planes zugelassen hätten. Die konservative Daily Mail sagt, die deutsch- englische Erklärung gebe die Grundlage für eine dauernde deutsch-englische Verständigung und den Schlüssel zur europäischen Versöhnung, für die Chamberlain immer gearbeitet habe. Ein anderer wichtiger Grundsatz seiner Politik sei ein englischitalienisches Abkommen. Auch in dieser Richtung bestehe neue Hoffnung aufErfolg. Der Weg zum Frieden sei jetzt leicht. Das große Hemmnis der Tschecho-Slowakei sei beseitigt. Allerdings blieben noch schwierige Fragen auszuhandeln, ehe Grenzen und Bevölkerung in der Tschecho-Slowakei endgültig festgelegt seien. — Der konservative Daily Expreß mißt der deutsch-englischen Erklärung eine große Bedeutung bei Sie erkläre ausdrücklich, daß irgendwelche Fragen, die England und Deutschland beträfen, auf dem Verhandlungswege g e l ö st werden sollten. Damit gäbe es Berechtigung zu großen Hoffnungen. Ein für allemal werde damit auch der alte und schlechte Plan erledigt, Deutschland mit feindlichen Staaten einkreifen zu wollen. Dieser Plan fei immer gefährlich und verrückt geroe- s e n. Jetzt könne man hoffen, daß er erledigt sei. Jetzt werde sicherlich England sich nicht mehr an einem Projekt beteiligen, das moralischer Instinkt und gesunder Menschenverstand des Volkes immer abgelehnt hätten. Polens letzte Warnung. Warschau fordert unverzügliche Rückgabe des Olsa-Gebietes. Warschau, 1. Okt. (DNB. Funkspruch.) Ganz Polen steht in der Erwartung einer unmittelbar bevorstehenden Entscheidung in der Frage der Rückkehr des Olsagebietes an Polen. Die Freitag abend in Prag überreichte polnische Note wird von der polnischen Presse als „letzte W a r n u n g" bezeichnet. Die Dringlichkeit und Un- aufschiebdarkeit der Entscheidung, vor die Prag gestellt ist, wird mit den ständigen blutigen Zwischenfällen im polnischen Volkstums- gebiet begründet. Gazetta Polska schreibt, die Kämpfe, die dort seit längerer Zeit ununterbrochen andauern, hätten sich jetzt in einen offenen Aufstand verwandelt. Die unterdrückte polnische Bevölkerung an der Olsa habe zur Waffe gegriffen, um die Rückkehr in das Vaterland zu erkämpfen. Das Schicksal dieses Gebietes sei entschieden. Entschieden habe es die polnische Nation, die einmütig bekundet habe, daß sie nicht länger tatenlos dem Kampf der polnischen Volksgenossen an der Olsa zuschauen will. Die Prager Regierung wäre keine tschechische Regierung, wenn sie klare aufrichtige und rasche Schlüsse aus der grundsätzlich bereits anerkannten Grenzrevision ziehen würde. Man könne, wie sich jetzt erneut be* weise, Prager Zusicherungen nicht glauben. Man sehe nicht den aenngften Grund dafür, mit der Erledigung einer Frage noch länger zu warten, die im Grunde bereits entschieden sei. Polen fordere daher die sofortige Rückgabe dessen, was es beanspruche. In strittigen Fragen sei es bereits zu Verhandlungen gekommen. Solange aber im Olsagebiet der Kamps tobe, so lange die polnischen Volksgenossen dort von kommunistischen Horden und tschechischen Gendarmen niedergemordet werden, so lange gebe es keine Verhandlungen. Die polnischen Forderungen seien kurz, klar und entschieden. Das pok- nische Olsagebiet müsse entsprechend dem Willen der dortigen Bevölkerung und dem Willen der gesamten polnischen Nation an Polen zurückkehren. Der Kurjer Poranny hebt hervor, daß die Bedeutung Polens im vollen Umfange von den Regierungen Italiens und Deutschlands anerkannt worden sei, die eine Garantie für den neuen tschechischen Staat von der Befriedigung der polnischen und ungarischen Ansprüche abhängig machten. Die polnische öffentliche Meinung schätze diese Beweise der Loyalität und des Verständnisses für die wirklichen Krästeoer- hältnisse in Mitteleuropa hoch ein. Paris, 1. Okt. (Europapreß.) Die Begeisterung der Pariser Morgenblätter kennt keine Grenzen. Der triumphale Einzug Daladiers wird eingehend geschildert. Dem Ministerpräsidenten sind nach seiner Rückkehr aus München von allen Seiten Glückwünsche und Blumen zugegangen. Daladier hat bestimmt, daß mit diesen Blumen das Grabmal des unbekannten Soldaten geschmückt werden soll. Der Ministerpräsident selbst wird sich auf den Etoile-Platz begeben, um auf dem Grabe des unbekannten Soldaten die ewige Flamme neu zu entzünden. Die Pariser Morgenblätter versuchen eine allgemeine Bilanz der Münchener Zusammenkunft zu ziehen. Allenchalben wird die Frage gestellt, was nun kommen solle. Es tritt dabei die Ansicht zutage, daß es nicht nur mit einer Besserung der europäischen Atmosphäre fein Bewenden haben dürfe. Diese Besserung der Atmosphäre müßte bald auch praktisch und sachlich unterbaut wer- den. Zwei Sätze werden besonders hervorgeh'oben, einmal die Stelle in der gemeinsamen englisch-deutschen Erklärung: Kein Krieg zwischen Deutschland und England, und zum andern die Stelle aus der Unterhaltung zwischen Gö- ring und Daladier, in der her deutsche Generalfeldmarschall dem französischen Ministerpräsidenten versicherte, daß zwischen Deutschland und Frankreich keine Gefühle des Hasses bestünden. Der „Jour" ist der Ansicht, daß eine Dreierkonferenz zwischen England, Frankreich und Italien bald zusammentreten werde, um das Mittelmeerproblem und die spanische Frage zu verhandeln, und damit auch die endgültige Inkraftsetzung des englisch-italienischen Osterabkommens herbeizuführen. Das Blatt erklärt jedoch, daß die Vorbereitung einer solchen wichtigen Konferenz von französischer Seite nicht durch einen „simplen Geschäftsträger" vorgenommen werden könne, und daß es für die französische Regierung daher eine unbedingte Notwendigkeit sei, endlich einen Botschafter nach Rom zu entsenden. Als eine der am nächsten liegenden praktischen Fragen wird die nach der Demobilisierung der französischen Truppen gestellt. Der englif*e Ministerpräsident sei von Pressevertretern in München nach dem dafür festgesetzten Datum gefragt worden. Daraufhin habe Chamberlain erwidert, wir haben kein Datum erörtert, aber wir hoffen, daß diese Demobilisierungsmaßnahmen beinahe sofort durchgeführt werden. Don französischer Seite, so melden die Blätter, sei in dieser Frage noch keine Entscheidung getroffen worden. Daladier habe, als er am Freitag hiernach gefragt worden sei entgegnet, für den Augenblick habe sich nichts geändert. Im „xjournal" heißt es, die von Adolf Hitler und Chamberlain unterzeichnete Erklärung organisiere ein „Konsultationssystem der Regierungsoberhäupter", das dazu ausersehen sei, sich weiter zu entwickeln. Es fei dies ein wahrer Wendepunkt im internationalen Leben. Es handele sich ganz einfach darum, die Genfer Liga, die nicht einmal fähig gewesen sei, die Beschwichtigungsprozeduren des Artikels 19 zur Anwendung zu bringen, durch einen neuen Organismus z u ersetzen, der seine Feuerprobe in einem Fall bestanden habe, wo sich jede andere Methode als machtlos gezeigt habe. Freuen müsse man sich nicht allein über die Modalitäten des Münchener Abkommens, sondern auch über d i e Atmosphäre, in der sich diese Zusammenkunft abgespielt habe. Daladier und Chamberlain hätten die von ihnen vertretene Sache gut verteidigt. Aber man würde ungerecht sein, wenn man den von Adolf Hitler und Mussolini bezeugten D e r st ä n d i g u n g s g e i st mit Stillschweigen übergehen wollte. Der Führer und der Duce hätten mit der gleichen Begeisterung an der Errichtung eines Bauwerkes gearbeitet, wie der Premierminister und der Ministerpräsident. Der Führer habe kraftvoll für die Interessen seines Cannes aekämpst. offen und loyal und mit dem Willen, ein für alle annehmbares Abkommen möglich zu machen. „E x c e l s i o r" erklärt, zwangsläufig müßten jetzt die Wertbegriffe der französischen und englischen Außenpoliti'k einer Revision unterzogen werden. Es sei offensichtlich, daß die beiden westlichen Demokratien sich nicht mehr länger an der Genfer Illusion einer kollektiven Sicherheit fest klammern könnten. Wenn das französisch-britische Bündnis heute notwendiger denn je für das europäische Gewicht erscheine, so genüge dieses Bündnis allein doch nicht mehr zur Erhaltung dieses Grundsatzes des sicheren Gleichgewichtes. Es fei unbedingt notwendig, daß d i e Achse Pari s—L onbon eine kluge und fortschreitende Zu sammenarbeitmitderAchse B e r l i n—R o m anbahne. Auf diesen Wunsch sei zweifellos auch die gemeinsame Erklärung Chamberlains und Adolf Hitlers in München zurückzuführen. Alles berechtige zu der Hoffnung, daß e i n ähnliches Abkommen zwischen Paris und Berlin Zustandekommen werde. Denn der Reichskanzler habe feinen Wunsch auf Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland versichert. Die vier Großmächte müßten zur Vorbereitung der von allen Völkern gewünschten allgemeinen Entspannung von vornherein an die Stelle der bisherigen Politik der Schlagworte, der idealen Gegensätze und der Pressepolemiken eine Politik der gegenseitigen Verständigung setzen. „Petit Journal" schreibt, ob man es wolle oder nicht, mit dem Münchner Abkommen sei man wieder zu einem „wahren Führerpakt" zurückgekehrt. Diese Tatsache sei gewiß nicht dazu angetan, den Bolschewisten und den Sowjetagenten der ganzen Welt zu gefallen, aber es fei bewiesen worden, daß die zivilisierte Welt ihre Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten selbst und ganz allein regeln könne. — Der sozialdemokratische „Populaire" spricht von einer internationalen Entspannung. L6on Blums Hauptsorge ist allerdings, daß Frankreich und England jetzt für die Sicherheit der Tschecho-Slowakei Sorge tragen müßten, und daß die Schädigungen des französisch-sowjetrussischen Paktes wieder gutgemacht werden sollten. (!) Freudiges Echo in Holland. Amsterdam, 30. Sept. (Europapreß.) Der erfolgreiche Abschluß der Münchener Vierer-Besprechung hat in ganz Holland ein tiefes Gefühl der Befriedigung ausgelöst. Nach den Tagen der fast unerträglichen Spannung hat allein schon das Bekanntwerden, der Tatsache, daß die vier Großen sich an einen Tisch setzen werden, eine gewisse Entspannung eingeleitet. Am Freitag sind in ehrlicher Freude über den „geretteten Frieden" überall im Lande die Flaggen gehißt worden. Der „Telegraaf" schreibt: „Der gesunde Verstand hat für die Menschheit eine Schlacht gewonnen. Sicher bezahlt die Tschechei die Zeche. Aber dieses Land hat sie auch zu bezah- I e n. Deutsche haben das Recht, mit Deutschen zusammen zu wohnen und die Ungarn und Polen haben das gleiche Recht. Es bestand fein einziger Grund, die Tschechen zu Vögten anderer Nationalitäten zu machen. In München ist Moskau ausgeschaltet worden, dasselbe Moskau, das mittels seiner über die verschiedensten Länder verstreuten Hilfstruppen am heftigsten zum Kriege gehetzt hatte. Die Masken sind gefallen und jeder erkennt jetzt, wer bereit war, unsere Jugend auf die Schlachtfelder zu schicken." Das Vertrauen, das durch die erfolgreiche Zusammenkunft der vier großen europäischen Staatsmänner e i n weites Feld fruchtbarer Zusammenarbeit geöffnet hat, klingt auch aus den Kommentaren der andern holländischen Blätter heraus. Wetterbericht Ueber Deutschland hat sich eine Tiefdruckstörur.g entwickelt, die von Südosten her warme, von Westen her aber kühlere Luftmassen einströmen läßt, so daß ihr Zusammentreffen vor allem in unserem Gebiet zu verbreiteten und meist auch ergiebigen Regenfällen Anlaß gibt. In Ost- und Mitteldeutschland hält dagegen verhältnismäßig freundliches Wetter an. Mit der Ostwärtsverlagerung der Storung wird sich auch für unser Gebiet wieder Besserung, vorerst aber noch kein beständiges Wetter einstellen. Vorhersage fürSonntag: Morgens vielfach dunstig, meist bewölkt und nur gelegentlich aufheiternd. Neigung zu einzelnen Regenfällen. Wieder etwas milder. Winde um Süd. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot (verreist), i. V.: Dr. Fr. W. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theoder Kümmel. D.A.VIIl. 38: 8916. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM.> 2,05 einschließlich 25 Pf Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf mehr Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr 4 vom 1 September 1937 gültig eine Reihe von Paragraphen (so §§ 823, 833, 836), die jedem eine Haftpflicht für von ihm verursachte Schäden auferlegen. Ob Geschäftsmann oder Privatmann, Hausbesitzer oder Wohnungsinhaber, Tierhalter oder Autofahrer — jeder übernimmt im täglichen Leben immer wieder neue Verantwortungen. Für unzählige Schäden kann er haftbar gemacht werden, an denen er mittel- oder unmittelbar die Schuld trägt! Wie beruhigend ist es, wenn man sich durch eine Versicherung vor Haftpflichtanspf üchen geschützt weiß — wenn man sicher sein darf, daß im Ernstfall sofort Hilfe da ist. 'W Ab 1. Oktober befindet sich unser Laden Essteht ein grober Transport 6345V Junges Tüchtiger WWW | Mietgesuche | Verkäufe [ Wir stellen Wickellacher u. Boller viertemal kalb., 04422 ein. 04422 mertemal, kam., zu verkaufen bei ZiOarreoiabrik Klinösnor. teeÄr' Konionstin Kaufm. Büro einer Baustoff- und Kohlengrotz- handlung sucht zum baldmöglichsten Eintritt Angebot. — Unsere Vertretung ist absolut ausbaufähig und verbürgt bei reger Tätigkeit O.Mckel, Makler, Franlfurta.M. Ulmenstrabe 35. Telefon 73733. Nähe Bahn mobL Zimmer zu verm. [04430 Crednerftr. 18 I. 6-zim.-Whng. mit Balkon, Bad und Zentralheiz. 1. Stock, zum 1. November zu vermieten. 6is7D Zu erfragen Hofmannstr. 9 v. 5Zim. Wohng. auch Gartenhaus, von 2 Personen zu miet, gesucht. Schr. Ang. unt. 04439 rnd.G.A. Schöner, grober heller Raum mit Licht und Wasser, heizbar, für Büro u. Lager, auch z. Un- terstell.v.Möbeln geeignet, z. vermieten. [04437 Sicher Strahe 13 Garage zu vermieten. Leihgesterner Weg 21. [04428 Jnv.-Rentner sucht ein leeres Zimmer. Schr. Ang. mit Preis unt. 04448 a. d. Gieh. Anz. SonntagSdienstfürAerzte Arzt: Dr. med. Ploch, Aster- wea 34. Zahnarzt (nur in dringenden Fällen): Dr. Schott, Friedrich- strabe 36. Mädchen für ganze oder halbe Tage ab 15.10. ob. 1.11. in klein. Haush. gesucht. [04456 Seugn. Beding. oethestr. 40 L Vogtsche Piivat-Handelsschule Gießen, Goeihestr.32 für den Platz Gießen und nähere Umgebung beabsichtigen wir neu zu besetzen. Herren, in Werbung von Versicherungen aller Aft besonders erfahren, bitten wir um ausführliches Unsere Vertretung ist absolut Aufnahme für das Winterhalbjahr in die l-ii.'/MiMii Klassen Beginn 19. Oktober 1938. Anmeldungen u. Auskunft n Gießen, Goethestr. 32, jederzeit. Ruf 2486 5337* Aachener Tuchversandhaus mit reichhaltig. Auswahl in Damen- und Herrenstoffen sucht tüchtigen Vertreter zumVerkauf an Private gegen hohe Provision. Nur Nachnahmeversand. Angebote unter K.V. 8272 an Westdeutsche Anzeigen - Gesellschaft, Köln a. Bh„ Hohestraße 52. 8231V zum Preise von: RM. 130000.- zu verkaufen. HWW gesucht,kannnoch z. Fortbildungsschule geben. Stadt Sich, Gienen. [6269D Haupt-Vertretung Carl Schunck t256D vertraut mit Durchschreibebuchführung (Ruf),Kurschrist, flottes Maschinenschreiben für sofort oder später gesucht. Ausführliche handschriftliche Bewerbungen mit Zeugnisabschriften, Lichtbild u. unter Angabe der Gehaltsansprüche unter 04451 an den Giebener Anzeiger erbeten. schweren und leichten Schlags wieder zum Verkauf und Tausch in den Stallungen desGmthauses Lehr in Herborn. 62?9D Karl Neumann Vietz a. d. Ostbahn. Tel. 294. gutes Einkommen. Zuschriften unter F. M. 381 befördert Ala, Frankfurt a. M., Kaiserstraße 15. 6165 V Eine [6244t> Jährlich im Oktober das tt-iiMällsI» in erster Geschäftslage Giebens, grober Laden usw., herrliche Wohnungen mit Bädern, Balkons und Heizung, erstklassiges Rentenhaus, MM gesucht. [6240D Hotel Köhler Gehißten oder Gehilfin mit nur besten Empfehlungen. Es wollen sich nur vollständig gesunde Bewerber melden, die an flottes, sicheres Arbeiten gewöhnt und im Geschäftsverkehr gewandt sind. Angebote mit Gehaltsansprüchen, Alter, Konfession und lückenlosen Zeugnisabschriften unter 6229 D an den Giebener Anzeiger. Zuverlässiges Wn möglichst sofort gesucht. [6252D Sckiffenberger Weg 12 p. Einfach MIMiner im Nordviertel zu vermieten. Schr. Ang. unt. : 04431 a.d.G.A. perfekt in Maschinenschreiben u. Stenographie, bewandert in allen Büroarbeiten, von optischem Dersand-Geschäst sofort gesucht! Angebote mit Lichtbild, Lebenslauf, Zeugnis- abschristen usw. unt. 6273D an den Gieß. Anz. Bahnhof str. 66 (neben Cafe Amend) 1 Simmet und Küche ab 15. 10. zu verm. Schr. Ang. unt. 04444 a.d.G.A. Schönes möbl. Zimmer zu verm. oaess Schlageter- Anlage 10 v. Gewandte,tücht. Haiisgehjliin die kochen kann, in kleinen Haushalt sofort oder spät. ges. [6241D Frau Metz, Seltersweg 71. Kinderliebes MW» i. Beamtenhaushalt ges. [6248D Blockstraße 1311. | Vermietungen"] Schöne mit Küche, Bad, Mans. u. Gar., zum 15. Nov. oder später zu verm. Schriftl. Ang. u. 6260D an d. Gieh. Anz. Friswgtt z. 15. Oktob. bei gutem Lohn und Dauerstell. ges. Kost u. Wohn, im Hause. [62881) Alfred Richter, Friseur, Grünberg i.Hess. Sanb., ehrliche Frau 2-3mal wöchentlich (vormittags) für klein. Haushalt gesucht. Wo? sagt d. Ge- schäftsst. d. Gieh. Anzeig. [6255 V Hierher versetzter Beamter sucht für sofort oder später eine 4-Zimmer- Wohnung mit Bad. Schriftl. Angeb. unter 04423 an den Gieh. Anz. 4-Zimmer-Alt- Wohnung mit Mansarde, mögl. m. Veranda, v. Beamtenwitwe ges. Schr. Ang. unt. 04438 a.d.G.A. Weg.Erkrankung d. jetzigen suchen wir für sofort ein zuverlässig. WM 6271 v Rcstaur. Germania. Solides WW gesucht. [6288V Faulstich, Bahnhofstr. 59. Kirchliche Anzeigen. (G. Gottesdienst,KG. --Kinder- gottesdienst, HG. = Hauvtgottes- dienst, HG.-Abendm. = Hauvt- gottesdienst mit Beichte und ' Abendmahl.) Gießen. Sonntag, 2. Oktober. Erntedankfest. Stadtkirche. HG. 9.30, Schmidt, KG. 11, G. 18, Becker. Fohanneskirche. HG. 9.30, Ausfeld, KG. 11, G. 18, Bechtols- heimer, AG. 20, Gontrum. Kapelle Alter Friedhof. HG.9.30, Traum, KG. 11. Petruskavelle.HG.-Abendm.9.30, Trapp, G. 11.30. Mittwoch, 5. Oktober. Stadtkirche. AG. 20, Becker. Donnerstag, 6. Oktober. Johannessaal. Bibelbesprech. 20, Ausfeld. Sonntag, 2. Oktober. Albach. HG. 9, Kollekte. Garbenteich. G. 10.45. Hausen. G. 9.30. Heuchelheim. HG. 10 (Kirchenchor), Christen!, männl. Jug. 11, Christen!, weibl. Jug. 13. Kirchberg. KG. 9, HG. 10, Christen!. weibl. Jug. 11. Klein-Linden. G. 9, int Anschluh KG. Lollar. KG. 9. Steinbach. HG. 10, Kollekte. Watzenborn-Steinberg. G. 10, Heiliges Abendmahl für die alten Leute 15.30. Wieseck. HG. 9.30 (Chorschule), KG. 10.45. Christliche Gemeinde Gießen, Zu den Mühlen 2. 2. 10. Erbauungsstunde 9.45, Evangelisation 20.30. Bavtistengemeinde, Gartenstr.13. 2. 10. Predigt 16. - Mittwoch, 5. 10. Bibelstde. 20.15. Neuavostol. Gemeinde« Gießen, Händelstr. 1, Ederstr. 13. S. 2.10. G.nurvorm.9.-M.5.10.G.20.30. Junges Ehepaar sucht 2-3-Zim.Wohn sofort od. später. Schr. Ang. unt. 04429 a.d.G.A. Lagerraum ca.5 x 6m,Nähe Löber-, Bleich-, Alicen- od. Lie- bigstrabe gesucht. Schr. Ang. mit Preisangabe u. 04447 a.d.G.A. | Wohnungstausch | Tausch- Wohnung Geboten: 5 Zimmer mit Küche il Mans., gegen 3 Zimmer und Küche. Schr. Ang. unt. 6259 v a. d. G. A. [Stellenangebote! Keine Zeugnisse in Urschrift ivllveru nur ZeugatS- abichriften vem Be- werbung-jchreiben beilegen 1 — Lichtbilder uvoBewerbuagsunte» tgen müssen zur Vermeidung oon Verlusten aus der Rückseite Jia» men und Ütnschrist des Bewerber« troaenl Zwei tiubtiae Schreinergesellen gesucht. [6261D Gehr. Bernhardt Schreinerei, Gießen, Rodh. Str. 300. Telephon 3661. Ordentliches, fleißiges 2 bis 3 Zimmer mit Küche, evtl. Mans., von jung, berufst. Ehepaar zum 1. oder 15. November ges. Schr. Ang. unt. 04416 a.d.G.A. 2-3-3imniei- od. Mansarden- Wohnung (Miete bis 30^) sucht Ehepaar z. 1. Nov. od. spät. Schr. Ang. unt. 04440 a.d.G.A. Müll oder MMtn gesucht z. Hausarbeit, täglich bis nach Mittag. Posener [04421 Straße 17. IH&ih mit .Küche baldmöglichst für al- leinsteh. berufstätiges Mädel gesucht. Schriftl. Ang. unt. 04415 a. d. Gieh. Anz. Fräulein sucht für sofort möbliertes, sonniges WM mögl. mit Zentralheizung, in Kliniknähe.Schr. Ang. mit Preisangabe u. 6277 O a. d. Gieh. Anz. Saalwirt mit ebenso tüchtiger Frau in bestem Alter für Brauerei-Ausschank mit neuzeitlich eingerichteten Sälen für möglichst bald gesucht. Befähigungsnachw. mit Referenz, über frühere Tätigkelt erforderlich. Schriftliche Angebote unter 6217V an den Giehener Anzeiger erbet. Aelteres mm für Küche und Haushalt bei gutem Lohn gesucht. [6267 v Walltorstr. 27. Sehr gut möbliertes Vohll- IllW SWWM an alleinstehend. Herrn zu verm. Hindenburg- wall 7V.P 04434 3 schöne Nrnn Parterre, m. separat. (Sing. u. Toilette, seither. Anwaltsbüro, a. für Arzt, Zahnarzt geeignet, zu vermiet. [6121D Horst-Wessel- Wall 31, l.St. Suche zum baldigen Antritt kinderliebes Allein- mädchen das etwas kochen kann, f. 4 V2-Z.- Komfort-Wohn. (2 Erwachsene, 3 Kleinkinder). Frau v. Rauch geb. von Eicken, Berlin W 30, Rosenheimer Str. 8 aIII.622iP Zuverlässige flansoehilfin mit guten Kochkenntnissen, für frauenlos. Haushalt sofort ges. Bew. mit Bild und Zeugnisab- schr. an [6249V Albert Sternberger, Buchhandlung, Bad-Nauheim. Junges Halbiags- mädchen in rub. 2-Pers.- Haushalt gesucht Lina Jullmann, Horst-Wessel- Wall 19. [04436 Alleinverkauf A Ö für Giefeen Heinndi Gran ^dsi-Spar^Üajtol Polster- und sescV Tapeziergeschäft Neustadt 13. Garten an der Lahy, 400 qm, zu verkaufen. [04443 Fritz Euler, Hammstraßel6, Telephon 2095. 4/16-0pel- Limousine (steuerfrei) zu verkauf. 04425 Heuchelheim, Marktstrane 29. 1,3-Liter- Opel- Limousine 4türig, in bestem Zustand, zu verkaufen. Schriftl. Ang. unt. 6272V a. d. Gieh. Anz. Zwei 3-Rad- Eiefetroagen bin. z. verk. 04457 Medebach, Marb. Str. 22. 350 Bücker- SDorlmaschine in sehr gut. Zustand, preiswert zu verk. [6218D Bürgermeister Schneider, Frankenbach, Kreis Wetzlar. 300er Acker Karlollel-Me am Stott ju oerlaufen cs.l700qm,auch geteilt,beste gelbfleischige Sveise- kartoffel. [04449 Asterweg 7 P. 2 Morgen Klee zu verkaufen. Noll, [6257V Neustadt 47. UM 8* und zu verkauf. 6270v Wernerwall33. Ertteer- Dflanzen in d. best. Sort., Oberschlesien, Späte von Leovoldöhall, Mad. Moutot, Sieger empfiehlt [04453 in la Qualität DKW. billig zu verkauf. Wo? sagt die Geschäftsstelle d. Gieh. Anz. 04405 3 PS-Motor zu verkauf. 04442 Fritz Euler, Hammstraße 16, Telephon 2095. Fast neuer Buderus-Warm- wasserkessel 34000 stdl. WE., weg. Anschaffg. ein. gröh. preiswert z. verk. 04441 Zu erfr. i. d. Ge- schästsst. d. G.A. Wer und bpeifefajrant bill. z. verk. 04435 Ludwigstr. 40H Wertvolles Speisezimmer Wiener Arbeit, Büfett, Kredenz, 2 Sell., 6 Stühle, gr. Ausziehtisch, preiswert z. verkaufen. [04445 Seltersweg 22. Küchensciirauk (weih) gut erhalten, billig abzugeben. [04446 Seltersweg 22. Bettsofa Gärtnerei A. Dönges Gießen. Telephon 2321. Alleinvertretung: G.Ebert Klaviermacher Bleichstraße 17 Fernruf 2403 Verkauf u. Vermietung von neuen und gebrauchten Klavieren, Stimmung, u. Reparaturen fachgemäß. ■ HeeresdiBDSt- Tascheniampen und la Batterien. Carl Schunck Bahnhofstraße 6 vom Fachmann K. Kling vorm. Heger m Leibbinden billig zu vexkauf. Hindenburg- wall 20 1. [04450 Verkaufe Sofa Büfett, Waschtisch, Spiegel in. Schränkchen, Gasherd, ebenso Frack, Smoking und Cut f. schl. Figur, 1,72 m. Hindenburg- wall 11 II. 04427 Theke m. Marmorvl. zu verkauf. 04426 Dammstr. 34 P. 1 gebrauchte Mundlos Nähmaschine versenkbar, fern. 2 gebr. Singer und 1 Wertheim mit Kasten von RM. 25.- an zu verkaufen. 04452 Mundlos Sonnenstraße 31 Gas-Heizolen f.d.Uebergangs- zeit, zu verkauf. Schulstraße 2, Laden. [04432 Ein schwarzer Sakko 1 Mantel und 1 Paar Schuhe zu verkauf. 04454 Gr. Steiuweg 19 Sutter« kartoffeln gibt ab [6226V Hofgut Heunecken, Gießen, Marb. Str. 65. Bandagist Marktstrahel6 Knssenlieferant Damenbedieng. Wer an RheunialisiDös, Gicht oder Ischias leid., wolle sich an mich wenden, da ich ihm ein Mittel anbiet, kann, bei dess. Anwendung er m.größt.Wahrscheinlichkeit v. seinen Schmerzen befreit wird. Meine Auskunft kostet und verpflicht. zu nichts. Max Reißner Pharmazeutische Erzeugnisse Berlin-ChariOt en- bnrg 9 [ 6222V Reichsstr. 16» d /.denn Erleichterung bei .. henleiöenö? Schwindelgefühl, Herz-Angst, Herzasthma. Nicderge- drücktsein, Schwäche? Das Herz durch .Herzkraft" schonend stärken! Flasche RM. 2.70. nur in Apotheken. Himheer- ~ und Brorabeersiräucher rankende und nichtrankende (Wilsons frühe) gibt ab [04458 Wilh. Mebus, Göbelnrod. Wäsche Striimnfe Handsclinhe Kränze ScUleier in firnW Auswahl Modehaus ScMeiW Giehen ScbolslraCe 4 __________ 6234 A MH Bmunfelsefflilsner lWäI Vertrieb: Emil Schmall Biergroßhandlung 1* Gießen, Frankfurter Str.7 Bekanntmachung. Belr.: Fellschein-Ansgabe für die Monate Oktober bis Dezember 1938. Ausgabezeit für alle Abteilungen: nur vormittags von IVt bis 12/4 Ahr. Fettscheine, die an den nachstehend genannten Tagen nicht abgeholt werden, können in den folgenden Wochen nur Mittwochs, vormittags, in Empfang genommen werden. An Kinder werden Fettscheine nicht ausgehändigt. I. Verbilligungsscheine a) für Kleinrentner und Kriegsbeschädigte und -Hinterbliebene: Gartenstraße 2, Zimmer 11: Buchstaben A—K: Mittwoch, 5. Oktober, Buchstaben L—Z: Donnerstag, 6. Oktober; b) für Unterstützungsempfänger des Armenamts und für Sozialrentner: Lonysiraße 2, am Schalter: Buchstaben A—K: Montag, Z. Oktober, Buchstaben L—Z: Dienstag, 4. Oktober; c) für Volksgenossen, die nicht in laufender Unter- skühung des Wohlfahrtsamtes stehen: Garken- strahe 2, Zimmer 16 (Sitzungssaal): Buchstaben A—F: Montag, 3. Oktober, Buchstaben G—K: Dienstag, 4. Oktober, Buchstaben L—R: Mittwoch, 5. Oktober, Buchstaben 8—Z: Donnerstag, 6. Oktober. II. Margarine-Bezugsscheine Gartenstraße 2, Zimmer 16 (Sitzungssaal): Buchstaben A—G: Freitag, 7. Oktober, Buchstaben H—P: Samstag, 8. Oktober, Buchstaben R—Z: Montag, 10. Oktober. Gießen, 1. Oktober 1938. 62250 Der Oberbürgermeister (Wohlfahrtsamt). I. V. gez.: Dr. Hamm. Haribrennholz, ä Wagen 5 Mk., Anmachholz, ä Wagen 6 Mk.«, 1 Sack Anmachholz l Mk. frei Keller mD J. Wellhöfer, Telephon 2313, Marb. Str. 24. Jn der Straße M finden Sie die berühmten Verschiedenes Ich helle wo Betriebsin- hab. fehlt. Langjähr. Erfahrung in all. Branchen. Näheres durch Kirchner Bleichstraße 18 Telefon 4167 Garten m.Wasserleitung u. Obst am Nahrungsberg oder Allen Feld zu pachten gesucht. Schriftl. Angeb. unter 6250 D an den G'nß. Anz. SoElraitt entlaufen Abzugeben geg. Belohn. [6258D Wolfstraße 8 I. Verdingung. Die Leistungen und Lieferungen für den Neubau einer Bogendrücke über die Nidder von 5,00 m l. W. im Zuge der Landstr. II. Ord. Nr. 215 in Merkenfritz sind — vorbehaltlich der Genehmigung durch das Kreisamt in Büdingen — an leistungsfähige Unternehmer sofort zu vergeben. Es ist wahlweise eine Ausführung in Mauerwerk und in Stampfbeton mit Natursteinoerblendung vorgesehen. 6246V Angebotsoordrucke sind — solange Vorrat reicht — in dem unterzeichneten Amte, Gießen, Hitlerwall 37, erhältlich, wo auch die der Ausführung zugrunde liegenden Zeichnungen und Bedingungen zur Einsicht offenliegen. Angebote sind in einem verschlossenen Umschlag mit der Aufschrift: „Angebot für Neubau der Nidderbrücke" bis Samstag, den 8. Oktober, vormittags 10 Uhr, hier einzureichen, wo anschließend deren Oeffnung erfolgt. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 30. September 1938. Hessisches Straßenbauamt Gießen. Beftrafnofl wegen SkMWkuMung. Der Mehgermelfter und Wirt Franz Rathenow zu Klein-Linden, Frankfurter Straße 79, ist gemäß §§ 396, 397, 399 der Reichsabgabenordnung wegen 1. fortgesetzter Hinterziehung der Umsatzsteuer für die Jahre 1935 und 1936 mit einer Geldstrafe von.......... 1400,— RM. 2. fortgesetzter Hinterziehung der Einkommensteuer für die Jahre 1935 und 1936, begangen in Tateinheit mit Hinterziehung der Gewerbesteuer, Bürgersteuer und Kirchensteuer mit einer Geld- strafe von 800,— „ Zusammen - 2200,— RM. bestraft worden. 6237V Diese Bekanntmachung erfolgt auf Kosten des Verurteilten. .Gießen, 30. September 1938. e Das Finanzamt. Stadttheater Dienstag, 4. Oktober, 20- 22 Uhr : Erstaufführung Aim6e oder 6227V Der gesunde Menschenverstand. Mittw.,5. Okt., 19.30-21.45 Uhr: Flachsmann alsErzieher. Freitag, 7. Oktober, 20-22 Uhr: Alm6e oder Der gesunde Menschenverstand. Sonntag,9.0kt.,19.30-22.30Uhr: Erstaufführung Der sttfieste Schwindel der Welt. 5eifen-Ker>zen Sp ez/algeschäft Mäusburg 8 Vereine V. f.B. Reichsbahn Nachlässe von 3 bis 20 v. H. er» > halten Sie bei wiederholten Ver» öffentlichungjn einer Anzeige / Leichtathletik. Beginn des Hallentrainings Dienstag: 20 bis 22 Uhr, Frauen und Mädchen. Donnerstag: 20 b. 22 Uhr, Aktive und Jugendliche. JnunsererTurn- halle Am Aulweg. Leitung: Sportlehrer R. Fischer. [6228 D Nr. 23V Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)1./2. Oktober M8 • Großdeutschlands Erntedank 1938. Erntedank in der Musik. Wie das Leben unserer Ahnen allenthalben von Sang und Klang durchzogen war, so auch an einem wichtigsten Zeitpunkt des Jahresumlaufs: bei der Ernte. Der Beweggrund dafür war nicht einfach „Erhöhung der Dankesftimmung durch freudige Musik" — das wäre zu neuzeitlich gedacht. Die Triebkräfte sind vielmehr einerseits sozialer, andererseits dämonischer Art gewesen. Sozialer Art: aus zahlreichen uralten Dorfweistümcrn geht hervor, daß die Gestellung von Spielleuten am Erntetag oder an dem Termin, wo die Leute der Herrschaft den Zinsertrag von ihrer Ernte zu bringen haben, vor allem zur „Erbietung" bei der gegenseitigen freiwilligen Schnitterhilfe gemeint gewesen ist: man gab den „Bittschnittern" nicht Geldlohn, sondern Essen und Freudenmusik Da heißt es etwa: wenn auf den Zehenthof der Speirer Domherren zu Eßlingen die Bauern kommen, den Zins zu bringen, folle man ihnen zwei Flötenspieler stellen. Zu Manchingen in Schwaben fordert 1441 das „Vogtsrecht", den Frönern, die für den Herrenhof rechten, einen Pfeifer zu halten, der ihnen zur Mahd voranschritte und abends wieder heimpfiffe — in Amberg allerdings wurde anno 1554 der alte lustige Einzug der Schnitter mit Musik als zu üppig wieder verboten. Nach einem Lüdenscheider Weistum des 17. Jahrhunderts sollen die Junker den Schnittern einen Pfeifer stellen, und wenn die Sonne nur noch baumeshoch steht, sollen die Leute bis zur Dunkelheit tanzen. Besonders hübsch bestimmt das Sigolzheimer Hoverecht von 1320: wenn der Köhler und der Zimmermann den Zins bringen, so solle man ihnen „wohl erbieten, und so es zur Nacht wird, ein Stroh um das Feuer breiten und einen Geiger gewinnen, der ihnen geige, daß sie entschlafen, und einen Knecht, der ihnen hüte ihres Gewandes, daß es ihnen nicht verbrenne." Aehnlich geht es noch heute in Niederösterreich mit den Hütern der Weinberge, den „Starl- schreckern", zu: wenn die Weinlese glücklich vollendet ist, wird ihnen ein Umzug mit Musikanten nebst anschließender Gasterei gespendet: erst in der nächsten Morgenfrühe wird ihnen bis ans Haus „heirn- qegeigt". Ebenso vielsagend ist das bekannte Wort Schnadahüpfl" — das hat nichts mit springenden Schneidern zu tun, sondern bedeutet Tanzlieder der Schnitter. Daß aber die Musik und der fröhliche Lärm auf dem Felde selbst auch im Hintergrund den Gedanken der Abwehr böser Geister und der Heranholung guter Dämonen birgt, ist gar manchmal zu spüren. So wurde in Mecklenburgischen Ernteliedern des 16. Jahrhunderts noch gelegentlich Wodan angerufen. In der Grafschaft Mark begann die Ernte mit einem Wechselgesang zwischen den Mähdern und den Mädchen, im Zürichgau arbeitete das Geschnitt unter der Musik eines Geigers, im hannöverschen Kreis Isenhagen spielten die Musikanten schon vormittags auf dem Felde, während unter Jauchzen die letzten Schwaden gemäht wurden. Damit ist jedoch nur eine Art musikalischer Schlußstrich gezogen, denn schon im Winter zuvor ist die Welt der Obstbäume durch Lärm gegen die Frostgeister, _ die „bösen Klause" geschützt worden, und in der Oster- zeit hat man Dieierorten von den Kirchtürmen herab in vier Richtungen über die Saaten hin auf Trompeten geblasen, oder fnan hat auf Umzügen (Flurumgängen) die Saaten mit Glöckchen „ausgeläutet", hoch zu Pferde mit Peitschenknallen die saatfeindlichen Geister verjagt und durch das Eintauchen des „Pfingstlümrnels" ins Wasser Regen auf die durstigen Felder herabgezaubert. Wie nun die Saaten hochstehn, erklingen allerlei Lieder: „Ich und mein Lisbeth wolln Sommerfeld gähn, wolln hocken und binden als andre getan..." oder das schöne alte: „Ich hört ein Sichlein rauschen, wohl rauschen durch das Korn, ich hört ein feine Magd klagen, sie hätt' ihr Lieb verlorn." Und wenn tn Westfalen die Kinder hinter den erwachsenen Schnittern her Aehren gelesen haben, so wandern sie unter dem Gesang nach Hause: „Drall heimgehn, drall heimgehn, der Korb ist voll, es ist getan, nun deckt den Tisch schleppt uns den Brei,, die fleißigen Kinder kommen frei!" Die schönen Bräuche des Bindens und Lösens geschehen zwar mit allerlei Berschen, doch diese werden nur geraunt, nicht mit selbständiger Melo- . die gesungen. Hingegen werden die Gutsherrschaften noch vielfach durch Überreichen der Erntekrone geehrt und erfreut; die Dorfmusik spielt hierzu Marsch und Tusch. Die dabei gesungenen Lieder allerdings, wie sie schon im Mildheimischen Liederbuch von 1799 auftreten, scheinen neuere Kunsterzeugnisse zu sein. Wenn es dann aber an die Ernte- und Kirmes- tänze geht, so findet sich manch uraltes Dolks- brauchtum, etwa der „Siebensprung", der Platztanz, das Hahnenfchlagen im Schwange, und die Zahl lustiger Kirmesgesänge ist groß. Auch das kirchliche Erntedankfest hat seine altgebräuchliche Musik. Heinrich von Herzogenberg hat einmal ein würdiges Oratorium „Erntedankfeier geschrieben. Aber das Gesangbuch vor allem spendet seine schönsten Stücke aus der reichen Abteilung „Lob und Dank", etwa des barocken Schlesiers Apelles von Löwen st ern „Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit" mit der schönen Strophe: Er gibet Speise reichlich und überall, nach Vaters Weise sättigt er allzumal, er schaffet früh und spaten Regen, füllet uns alle mit feinem Segen." Oder der brave Fromme der Aufklärungszeit, Fürchtegott Gellert, singt uns vor: Du tränkst das Land, führst uns auf grüne Weiden, und Nacht und Tag und Korn und Freuden empfangen wir aus deiner Hand Wieviel stärker jedoch berührt uns der prachtvolle Schwung in Joachim Neanders Loblied von etwa 1680; Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet; denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet. Wenn man solche in Kelchesform gedichtete Strophe von der jubelnden Gemeinde zu strahlendem Orgelklang hört, während Aehrengewinde, Blumen und Früchte den Altar schmücken, so geht wohl jedem Menschen das Herz auf vor Freude, daß wir wieder einmal gnädig vor Mißwachs und Dürre verschont geblieben sind und statt Hungersnot der goldene Segen Scheuern und Fässer füllt. Erntedankfest ist wohl diejenige von allen Feiern, in der Diesseits und Jenseits zum beglückendsten Ausgleich gelangen, bei der es vom Menschen mit Goethes Wort heißen darf, daß er mit festen, markigen Knochen auf der wohlgegründeten, dauernden Erde steht, und doch mit dem Scheitel die Sterne berührt — zugleich im vertrauenden Dan- kesbewußtsein, daß „mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren", wenn nicht Gnade aus Bezirken' auf uns niedertaut, über die wir keine Verfügung haben, gegen die wir selbst nur wie durstende Saat empfangsbereit und sehnsüchtig geöffnet stehn. D. Dr. Hans Joachim Moser. - . ''./L . U U |, ” ■* W; -> . E •? 1 So schwere Mühe die Ernte birgt, so fröhlich ist sie. Ein Fest für die Erwachsenen, ein noch größeres für die Kinder. Der Junge, der zum erstenmal die Sense führt, ist ausgenommen in die Reihen der Großen, er ist ein Mann, er sorgt für Nahrung, ein uraltes Gesetz hebt ihn damit aus dem Land der Kinder heraus. Das kleine Mädchen, das zum erstenmal die kindlich-dünnen Arme um das Halmbündel spannt, beweist damit seine Mütterlichkeit, zu halten und zu mehren, zu sorgen und zu verwalten. Beide warten mit Ungeduld auf den Augenblick der Ernte, der ihr Ritterschlag sein soll, und sie sehen von jetzt ab mit lächelnder Herablassung auf die Jüngeren herunter, die es noch nicht wagen durften, ihre schwachen Kräfte mit der gewaltigen Last der Ernte zu messen. Sie setzen stillschweigend mit ernsthaften Gesichtern die Tradition ihrer Eltern fort, sie werden fortan ackern, säen und ernten, bis ihre Kinder heranreifen, denen sie wiederum dieselbe Unterweisung geben werden. , ♦ Milchiger Nebel liegt noch auf dem endlosen Feld, das mit goldenen Wellen hin- und herwogt triie ein Meer. Der Trupp der Schnitter rückt Hexan, ihre Füße lassen dunkle Flecken in dem silbernen Tau der Wiesen zurück. Der Geruch des reifen Korns liegt wie Duft frischen Brotes über dem unabsehbaren Feld, an dessen Rand klein das Menschenvolk steht. In schräger Phalanx treten sie an. Der geschickteste, schnellste, tüchtigste Mäher gibt das Tempo an. Er rückt gewaltig vor, bis der Zweite oft auch noch der Dritte, Vierte, Fünfte antritt und das (Betreibe, getroffen, Reihe an Reihe zu Boden sinkt. Der Schnitter geht über das Feld. Die Senfe sirrt und summt, das Korn seufzt und sinkt um, ordentlich nach einer Seite, ist es schön. Die Binderin folgt den Schnittern auf den Fersen. Kaum ist das Korn gefallen, rafft sie es zusammen, .schlingt das Seil aus Halmen geschickt um das Bündel, knüpft eilig einen Knoten und wirft die fertige Garbe hinter sich. Schon stehen die ersten Reihen in Hocken, wie unzählige Hütten sieht es aus. Das blanke Stoppelfeld sieht hervor, über das sehr bald der Herbstwind gehen wird. * Tag für Tag geht es so, bis alle Felder geschnitten sind, bis alles Korn gebunden ist, bis es trocken genug ist, um in ganzen Wagenkolonnen in die Scheunen eingebracht zu werden. Der Klang der Dreschflegel, das Donnern der Lokomobilen, das Quieken der Göpelwerke tönt noch wochenlang über die viel stiller gewordenen Felder. Sack um Sack des goldenen Getreides wandert auf die Speicher, in die Mühlen, in endlos dahinrollende Waggons, in große Magazine. Die Ernte ist geborgen. Die schwerste Arbeit für das Jahr ist getan. Das Leben für ein weiteres Jahr ist gesichert. Das Erntefest rückt heran. Die Tennen werden leergefegt, Tische aufgestellt, Bretter über Fässer gelegt, um lange Bankreihen daraus herzu- stellen. Essen und Trinken soll es im Uebersluß geben, denn die Arbeit ist ebenfalls schwer zum Ueberfluß gewesen. — Der Erntekranz, mit Bändern und Blumen geschmückt, wird feierlich hereingetragen und auf der Diele aufgehängt. Später, wenn der Winterwind durch die offene Tür bläst und die dürren Halme knisternd und raschelnd in Bewegung setzt, wirft man einen Blick auf die verblichene Erntekrone, die von den vergangenen goldenen Ernte spricht und von der zukünftigen erzählt, ein stetes Symbol dafür, daß, solange die Erde steht, Frucht und Ernte nicht aufhören sollen. Marö Stahl. Aahrungssreiheit! Die Souveränität eines Großstaates ist in unserer Zeit nicht nur begründet auf die Größe des Gebietes, die Stärke der Volkszahl und die Macht der Bewaffnung — sondern der Begriff der Souveränität schließt heute unbedingt die Sicherung der Ernährung eines Volkes ein, das Anspruch auf Weltgeltung erhebt. Das gilt von Imperien ebenso wie von KontinentalftaateN. Sicherung der Ernährung in Friedenszeiten ist eine Selbstverständlichkeit für eine wahrhafte „Demokratie", für einen Volks- float, also, der es mit seiner Sorge für das Volk durch das Volk ernst meint. Sicherung der Ernährung eines Volkes in dem Zustande der äußeren Gefährdung, der Verteidigung des Gebietes, ist die höhere Stufe dieser Souveränität. Das Volk, das dies zuerst erfuhr, war das deutsche Volk im Weltkriege. Wir haben gelitten um diese Erkenntnis, gelitten und gebüßt 'für die Sünden vergangener Staatsführungen auf diesem Gebiete. Vielleicht konnte man vor dem ersten Weltkriege die Umstände noch nicht voraussehen, in die ein kämpfendes Volk geraten mußte, wenn es einmal ringsum angegriffen Jein würde. Wir haben gelernt und wir haben aus diesem schweren Erlebnis des Krieges die Lehren unserer Wiederaufrichtung gezogen: der Führer hat dem deutschen Volke die Gesetze gegeben, die es in jedem Falle sichern sollen, die seine Nahrungsfreiheit künftig verbürgen — soweit das im Rahmen des Möglichen liegt. Man hat uns wohl Vorwürfe auch dessentwegen gemacht und uns den Willen zur „Abschließung" von der übrigen Welt angedichtet. Davon kann nicht die Rede sein: denn wir haben immer und immer wieder versichert, daß wir gern bereit sind, die Erzeugnisse der Welt zu kaufen, wenn man uns dazu geldlich in den Stand setzen wollte. Aber man hat bas immer und immer wieder abgelehnt — in blindem Hasse oder in Verständnislosigkeit. Daher haben wir schon aus wirtschaftlichen Gründen darauf bedacht fein müssen, uns in den Dingen der Ernährung als Volk auf uns selber zu stellen, so weit das möglich ist. Wir haben in letzter Zeit durch glückliche wirtschaftliche Abmachungen immer wieder bewiesen, daß wir in hohem Maße bereit sind, mit anderen Nationen zusammenzuarbeiten und grade das neue Abkommen mit Frankreich unterstreicht diesen Willen und diese Möglichkeit. Aber es liegt doch noch ein anderer, tieferer Sinn in der Idee der Nahrungsfreiheit unseres Volkes. Und dieser tiefere Sinn ist es, der uns am Tage des Erntedankes der Nation beschäftigen muß. Wir haben in dieser Zeit gewaltiger Wandlungen erlebt, was es heißt, eigenen Acker zu bestellen, heilige Scholle zu betreuen. Wir haben dem Bauern feinen ursprünglichen Rang wieder- aegeben in der Volksgemeinschaft und Volksordnung. Wir haben das tägliche Brot neu geheiligt. Wir sind durch Not und Kampf dazu geführt worden — durch die beiden Parzen, die der Wiege des Dritten Reiches allzu nahe standen. Wir haben durch den Führer immer und immer wieder vernommen, wie hart dieser Kampf um unser täglich Brot ist und wie ernst und verantwortungsvoll für uns alle der Umgang mit jeglicher Nahrung zu fein hat. Und so ist in unser Leben etwas Neues gekommen, eine tiefe Verantwortung und — das darf man im Hinblick auf viele Zeichen, auch in der Jugend, wohl behaupten— eine hohe Verantwortungsfreudigkeit. Der Begriff der Nahrungsfreiheit hat etwas geweihtes bekommen durch das Blut, das um die deutsche Freiheit schlechthin vergossen wurde. In diesem Jahre nun, dem Jahre der Heimkehr Oesterreichs ins Reich und des Kampfes um deutsches Sudetenland, haben wir doppelten Anlaß, der Große der Verpflichtung zu gedenken, die nunmehr im Großdeutschen Reiche im Begriffe der Nahrungsfreiheit liegt. Der Zuwachs an Raum und Volks- Zahl, die Vermehrung der Möglichkeiten wirtschaftlicher Art, die erhöhte Geltung des deutschen Namens, — all das gibt auch der Verpflichtung iur Erringung höchst möglicher Nahrungssouveränität im neuen vergrößerten Reiche erhöhte Bedeutung. Das deutsche Leben im vergrößerten Reichs- raume wird jetzt ausgerichtet auf ein gewaltiges, nie gezeigtes Ziel: die deutsche Freiheit. Und damit tritt ein neuer Reichs- und Staatsgedanke ins Leben unseres Volkes: wir erleben die Geburt eines totalen Staates, geboren aus der Liebe und der Bereitschaft eines großen Volkes, das sich selber strenge Gesetze durch den Mund seines Führers gibt. Dieser Staatsgedanke aber, der sich hier ausdrückt, hat eine weitere Geltung geschichtlicher Art: hier schafft sich ein Volk eine neue Lebensform unter dem Zwang der Umstände — aber zugleich unter dem Zeichen einer neuen Zeit, die anbricht. Das Zeitalter der souveränen Volkspersönlichkeit ist gemeint, das sich jetzt als sogenannte „totalitäre" Staatsidee und -gestalt offenbart. Zu dieser Idee gehört der fruchtbare Acker als Treugabe des Volkes an den Nährstand. Dieses hohe Amt des Nährstandes am heiligen Boden der Heimat ist doppelter Art: einmal als sittliche Bewahrung des Edelsten nächst dem Blute der Nation her Scholle; zweitens als Wehrsicherung durch gewissenhafte Wartung der nährenden Scholle. Bauernblut und Heimatscholle haben jenseits aller gefühlsseligen Romantik eine entscheidende Stellung in der neuen Staatsidee, die nüchtern und klassisch in ihrem einfachen sinngemäßen Denken und Schaffen ist, h'e eine Ordnung der Natur eines Volkes ist, das sich seiner selbst bewußt wurde. Man verdächtigt uns aller möglicher Absichten auf den Volksraum und Nährboden anderer Volker. So unsinnig diese Behauptungen sind, sie erweisen doch die leider noch allzu oft zu beobachtende Uneinsichtigkeit weiter Kreise des Auslandes. Man begreift ein Volk nicht, das in schwerem Leiden und hartem Kampfe sich selber seine Würde — und nicht etwa auf Kosten anderer — erringt. Es erringt damit auch seine Freiheit — und mit dieser Freiheit seine Nahrungsnotwendigkeit. Man hat so viel vom „Selbstbestimmungsrecht der Volker" geredet: man hat aber vergessen, daß diese Volker auch leben müssen... Man hat im formalen Gesetzesdenken der westlichen Friedensmacher übersehen — weil man es selber nicht mehr fühlte und erlebte —, daß zu der „Selbstbestimmung" auch die Selbst- ernährung gehört. Daß man einem Volke nicht sagen kann: du darfst Zwar weiter leben — aber i>u mutzk hungern, denn es sind „zwanzig Millionen juniel" in deinen Grenzen... Heute ist ein solches Wort kaum mehr möglich. Denn das deutsche Volk hat den neuen Gedanken von der Würde eines lebendigen Volksganzen, als eines fruchtbaren Organismus tief in die Herzen und Gedanken der aufhorchenden Welt geprägt. Die neue Lebenswürde des deutschen Volkes ist bereits zu fest und zu klar zutage getreten, als das; man sie noch zerreden oder zerjchreiben könnte. Und zu dieser neuen Würde gehört die Würde und Ehre des deutschen Bauern, der in Deutschlands Grenzen wohl eine Würde gewonnen hat, die viele andere Völker noch nicht kennen. Aber sie ahnen sie, und zwar dank des deutschen Schrittes voraus — auch auf diesem Felde... Das zu wissen, mutz für jeden Deutschen an diesem Tage ein stolzes Gefühl und ein dankbares Gelöbnis zum Führer bedeuten! C. Hotzel. nicht minder verantwortungsvolle Aufgabe in diesen ersten, unruhigen Nachkriegsjahren. Kürzere Zeit Befehlshaber der leichten Seestreitkräfte der Nordsee, wurde er 1925 als Vizeadmiral zum Chef der Marinestation der Ostsee in Kiel ernannt. Aus dieser Stellung heraus wurde Raeder im Herbst 1928, damals noch unter der Dienstbezeichnung „Chef der Marineleitung" an die Spitze der Kriegsmarine berufen. Jedem, der sich mit wehrpolitischen Fragen beschäftigte, ist sein unermüdliches Eintreten für den neuen Schiffsbauersatzplan und sein mannhafter Kampf gegen die wehrfeindlichen Parteien des Reichstages noch in Erinnerung. Gegen alle Widerstände den Wiederaufbau der Marine durchgesetzt und so dem Führer eine kleine, aber kampfkräftige und dienstfreudige Flotte zur Verfügung gestellt zu haben, ist ein Verdienst, das seinen Namen mit der Geschichte der deutschen Kriegsmarine für immer verknüpfen wird. Nach Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit ist Generaladmiral Raeder vom Führer mit dem Ausbau einer starken Wehrmacht zur See im Rahmen der inzwischen abgeschlossenen Flottenverträge betraut worden. Mit zäher Energie ist der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine an diese Aufgabe herangegangen. Die große Flottenparade im August dieses Jahres zeigte der Welt, datz Deutschland auch zur See wieder stark und frei geworden ist. Bauerntum und Technik. Generaladmiral Dr. h. c. Raeder Zehn Jahre Oberbefehlshaber der Kriegsmarine. Am 1. Oktober 1938 steht Generaladmiral Dr.h.c. Raeder zehn Jahre als Oberbefehlshaber an der Spitze der deutschen Kriegsmarine, der er in den entscheidenden Jahren nach dem Kriege aus reicher Fronterfahrung heraus feinen Stempel aufprägen W ■ konnte. 1894 trat Erich Raeder, aus Wandsbeck gebürtig, als Seekadett in die Kaiserliche Marine ein, wgr als Unterleutnant z. S. 1897 bis 1899 zum Kreuzergeschwader in den ostasiatischen Gewässern kommandiert und später nach Absolvierung der Marineakademie mehrere Jahre Referent im Reichsmarineamt, wo er unter dem damaligen Staatssekretär des Reichsmarineamtes Großadmiral v. Tir- pitz Dienst tat. Diese Lehrjahre unter dem Großadmiral waren richtunggebend für seine spätere Laufbahn. Zum Korvettenkapitän befördert wurde Raeder 1912 1. Admiralstabsoffizier und anschließend Chef des Stabes des Befehlshabers der Aufklärungsstreitkräfte, des Konteradmirals Hipper. Bis Ende 1917 verblieb er in dieser verantwortungsvollen Dienststellung und war so der maßgebende Berater des untergebenen Admirals bei allen Kreu- zeroorstötzen und -Unternehmungen des Weltkrieges. Die Krönung war der Erfolg unserer Aufklärungsstreitkräfte in der Skagerrakschlacht, die den Ruf von der Unbesiegbarkeit der britischen Flotte zerstörte. Bis Kriegsende war Raeder dann Kommandant des neuen Kreuzers „Cöln", um nach dem Zusammenbruch die Zentralabteilung des Reichsmarineamtes zu übernehmen. 1920 bis 1922 zum Marine- Archiv kommandiert, verfaßte er hier die beiden Bände „Kreuzerkrieg in den ausländischen Gewässern" des amtlichen Seekriegswerkes, die in ihrer Lebendigkeit und zwingenden Beherrschung der Sprache Meisterwerke der wissenschaftlichen Kriegsliteratur sind. Die philosophische Fakultät der Kieler Universität verlieh ihm hierfür die Würde eines Ehrendoktors. Inzwischen zum Konteradmiral befördert, war er in den darauffolgenden Jahren bis 1924 Inspekteur des Bildungswesens der Marine. Hier hatte er entscheidenden Einfluß auf Auswahl, Ausbildung und Erziehung des Offiziersnachwuchses der damaligen Reichsmarine, eine schwierige und Am Vorabend des Erntedankfestes kann das deutsche Bauerntum mit Stolz feststellen: eine reiche Ernte ist eingebracht und die deutsche Ernährungsfreiheit gesiä)ert. Gleichwohl lastet eine schwere Sorge auf dem deutschen Bauerntum. Es ist der wachsende Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitskräften und am bäuerlichen Nachwuchs. Diese bedrohliche Lage des deutschen Bauerntums macht es verständlich, daß die Augen aller mehr denn je auf die Technik als Retterin in der Not gerichtet sind. Wie steht es nun zur Zeit mit der Technik auf dem Lande? Ist der deutsche Bauer bereit und imstand^, die Technik weitgehend zu Hilfe zu nehmen? Kann die Technik dem deutschen Bauern in dem erforderlichen Maße helfen? Und ist, wenn beides zutvisft, das deutsche Bauerntum in der Zukunft gerettet? Die erste Frage, ob der deutsche Baller bereit und imstande ist, seinen Betrieb zu mechanisieren, kann an Hand von zwei Zahlen, die der Reichsminister Darr 6 auf dem Nürnberger Parteitag gab, schnell bejahend beantwortet werden. Die beiden Zahlen, die über den Maschinenkauf auf dem Lande Auskunft geben, besagen, daß dieser Kauf seit dem Jahre 1933 von 138 Millionen Mark im Jahre 1937/38 auf 450 Millionen Mark gestiegen ist. Der deutsche Bauer ist also gewillt und auch wirtschaftlich in der Lage, sich die Technik zunutze zu «machen. Vielleicht hatte der deutsche Bauer die Technik noch mehr genutzt, wenn sie ihm in größerem Umfange hätten entgegenkommen können. Dies ist aber erst der Fall, seitdem es der Technik im Rahmen des Vierjahresplanes neue landwirtschaftliche Maschinen herzustellen, um deren Konstruktion sich andere Länder bisher vergeblich bemühten. So gelang es der deutschen Technik, einen Ba ue r n tre cker mit etwa 20 PS Leistung zu bauen, der auch auf schwierigem Boden haftfähig, wendig und verschleißfest ist. Ferner ist es der deutschen Technik gelungen, diesen «motorischen Kleinschlepper in Reihen 'herzustellen, so daß jetzt täglich mehrere hundert Bauemtrecker geliefert werden können. Und da endlich auch ein Vielfachgerät konstruiert wurde, dessen leicht auswechselbares Zubehör dem Pflanzlochen, Zustreichen, Häufeln und Hacken dient, so sind die Wege zur Bauerntreckerwirtschaft geebnet, womit auch die zweite Frage bejahend beantwortet ist, ob die Technik heute dem deutschen Bauerntum in dem erforderlichen Matze helfen kann. Leicht mag es daher den Anschein haben, als ob auch die dritte Frage zu bejahen sei, daß mit der fortschreitenden Maschinisierung des landwirtschaftlichen Betriebes des deutsche Bauerntum gerettet ist. Allein hier kann ein Trugschluß zur großen Gefahr werden! So erfreulich es nämlich ist, zu wissen, daß die deutsche Technik der „Leutenot" auf dem Lande abzuhelfen imstande ist, so sehr müssen wir nach wie vor besorgt fein, daß das deutsche Land nicht durch den Zustrom nach den Städten menschenleer wird, weil niemals den Städten die biologische Kraft innewohnt, deren ein Volk bedarf, um sich zu erhalten. Nicht die Städterschaft, sondern das Bauerntum ist der Lebensquell eines starken, mkunfts- frohen, ewigen Volkes! Das Ziel nationalsozialistischer Agrarpolitik wird daher niemals der motorisierte „Farmbetrieb" sein, wie ihn sich das verflossene liberalistische Zeitalter erträumte. Die Sorge des deutschen Bauerntums beruht ja auch nicht allein auf dem Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitskräften, sondern, wie anfangs aufgezeigt, auch auf dem Mangel an bäuerlichem Nachwuchs! So darf also selbst die vollkommenste Technik auf dem Lande nicht als Ersatz des lebendigen, bodenständigen Menschen in die Erscheinung treten, vielmehr muß die Technik die Voraussetzung dafür werden, daß die Landflucht endlich gehemmt, ja ins Gegenteil gewendet wird, will sagen: daß ein von mühseligster körperlicher Arbeit befreites, nunmehr schöpferisches deutsches Bauerntum erwächst, das auch seiner Zahl nach wahrhaftiger Lebensquell eines starken und großen Deutschlands sein kann. So nur und nicht anders haben Bauerntum und Technik zueinander zu stehen! Unbekanntes Hinterindien. Don unserem W-st.-Sonderberichierstatter iv. Von Angkor nach Sangkog und Singapur. Singapur, Sommer 1938. Die Könige von Angkor haben vom 9. bis 14. Jahrhundert ganz Hinterindien beherrscht, von der chinesischen Südprovinz $ünnan bis hinunter zur Malakkastraße. Nachdem ihre Hauptstadt, die goldene, geplündert und entvölkert wurde, reißt der Faden der großen Geschichte der Khmer ab. Wir wissen, das halbe Jahrtausend, das dazwischen liegt, nicht zu deuten. Dutzende gewaltiger, vcm Steinquadern getürmter Gebäude, Tausende von Quadratmetern beredter Reliefdarstellungen, Statuen von klassischer Schönheit, groteske und naturalistische Skulpturen von Göttern, Dämonen, Höllenhunden, Drachen, der vielköpfigen Schlange Naga, Elefanten und Pferden zeugen heute, da sie mit ungeheuren Mühen von den gelehrten Forschern der Ecole fran^aise de 1‘extreme Orient dem Dornröschenzauber des Urwalds entrissen sind, ebenso eindringlich von der Größe wie der Vergänglichkeit menschlichen Schaffens. Als kunstgeschichtliche Sehenswürdigkeit steht diese im hinterindischen Urwald versunkene Stadt auf der Stufe der Pyramiden, der gotischen Dome, der Akropolis. Die geistesgeschichtliche Wertung jener Epoche harrt noch der Deutung. In Angkor scheint die Lehre Buddahs mit dem indischen Brahmaismus vermählt, die Anbetung des Erlauchten auf dem Lotos mit der Verehrung der Dreiheit Shiwas, Brahmus und Vischnus in eigenartiger Ausprägung eines phallischen Kults zu einer Einheit gestaltet worden zu fein. Erst vor einem Menschenalter sind die cambodgeanischen Provinzen Siams in den Besitz der französischen Kolonialmacht (1907) übergegangen. Die Wunder sind heute auf vorzüglichen Autostraßen zu erreichen. In den hohen Bäumen um die Ruinen spielen lustige Affen, und keine Tiger und Leoparden gefährden mehr den Reisenden. Die Schlangen, die sich auf den Pfad des Wanderers mit Eintrittskarte verirren mögen, werden von vorsorglichen Wächtern allmorgendlich beseitigt, und wenn es nicht die dunklen Vampaugen der schicken Wirtin in dem originellen kleinen Hotel hinter dem Lamakloster von Siemreap, dem nahen Kreisverwaltungsort, sind, so drohen dem Reisenden keinerlei besondere Gefahren. Wer will, kann auch dieser letzten sich entziehen, indem er im „Grand-Hotel" internationalen nüchternen Typs Wohnung nimmt. Bei genügender Beteiligung von zahlenden Zuschauern werden auf der Terrasse vor dem Haupt- portal des Tempels der Hauptstadt — Angkor — Tänze des ehemaligen königlichen Balletts unter Leitung einer richtigen Prinzessinsvufgeführt. Hunderte von Fackeln strahlen über den Gesimsen und Balustraden der alten Gemäuer, in den Lotosteichen sich spiegelnd. Die Stufen herab steigen auf den Vorplatz zarte Mädchen in goldschimmernder Tracht, goldgetürmte Helme über den feingezeichneten jungen Gesichtern, Spangen an Händen und Füßen. Die Bewegungen, die sie mit Händen und Beinen zu einer nicht unmelodischen Musik vollführen, sind dynamische Rekonsttuktionen der vielen tausend Tanzszenen auf den Reliefs in den Säulenhallen um die alten Tempel. Die Einzelbilder eines steinernen Films gewinnen Fleisch und Blut, neues Leben. Mag fein, daß das Ganze Kitsch ist, Unterhaltung für gelangweilte Reisende. Der Rahmen dieser Bühne und der Liebreiz der Bewegungen der fremdartigen Geschöpfe, mehr noch aber das Wechselspiel, das sich aus der Dreiheit der Akteure ergibt: Tänzerinnen, Ausländer im Reisedreß und das bunte Gewimmel von nackten Kindern, halbnackten Eingeborenen, die als Zaungäste einen köft- Wie steht es mit Ihren Augen?--Sehschärfe und hiermit Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden lassen sich durch eine Brille steigern. Sprechen Sie doch einmal persönlich mit mir darüber: GELLER Xjf der Optiker am Bahnhof 633ü Lieferant auch Ihrer Krankenkasse! lichen Rahmen bilden, wobei immer zwei Gruppen neugierig interessiert die dritte betrachten, — dies alles unter dem tiefdunklen tropischen Sternenhimmel, an dem der Mond wie eine silberne Schale waagrecht schwebt, erfüllt von dem Weihrauchduft der Fackeln und der Nachtblüten des Urwalds ist phantastisch genug, um unvergeßlich zu werden. Siam hat feit ein paar Jahren ein Parlament, mehr eine parlamentarische Vorschule, welches in der Thronhalle tagt, einem marmornen Renaissance- dorn aus der Zeit der Jahrhundertwende. In seinem Bestreben, eine solide moderne Entwicklung zu fördern, hat Siam viel von erotischer Romantik verloren. Gute Eisenbahnen, stramme Soldaten, Radioübertragung aus dem Sitzungssaal der Volks- oertretung, neue Zucker- und Textilfabriken, Kooperation der Bauern, um sie aus der Verschuldung gegenüber den chinesischen Händlern zu retten, sind dort leichter zu finden, als etwa eine Stunde der angstvollen Verzückung im Hof der von einer glühenden Sonne durchflutete Porzellanpagode, deren Farbenpracht Tamerlans Wunderwerke in Samarkand übertrifft, indische und chinesische Bizarrheit vermählt sich hier mit Zeichen des Verfalls, im Detail reichlich plump, zu einem traumhaft überladenen orientalischen Barock, der originell ist, aber mehr erdrückend als erhebend wirkt. Im krossen Gegensatz zu B a n g k o k, das mit seinen „Klongs“ (Kanälen), feinem Lärm und feiner geringen Sauberkeit trotz aller westlichen Einflüsse eine durchaus orientalische Hauptstadt ist, stehen die eng- lifdjen Mustersiedlungen in den förbe- rierten und nichtförderierten Malayenstaaten. Die Insel Penang vor allem ist ein einziger gepflegter Kurpark, wo — so scheint es — auf jedes Insekt systematisch Jagd gemacht wurde. Die wirt- schaftliche Nutzbarmachung des Kolonialbodens mit Gummiplantagen, Ausbeutung der Zinnvorkommen, Bereitstellung aller moderner Einrichtungen für den gewaltigen Warenumschlag zwischen Asien und Europa in Singapur, wozu schließlich auch der Ausbau militärischer Positionen, Flotten- und Flugzeugbasis, gehört, ist zu einem raffinierten Mechanismus gediehen, dessen Gang allerdings von der Atmosphäre der Weltmärkte für Zinn und Gummi völlig abhängig ist. Brttisch-Malcma ist ein Großbetrieb und die Romantik beschränkt sich darauf, daß ab und zu selbst in der Stadt eine Kobra gefunden, auf den Plantagen ein Mann von einem Tiger zerrissen oder ein Haremsskandal eines der Sultans publik wird. fünf Johtt NSV. - fünf Joljw ftilfe öurdi Me vows-emelaws- für Vas tDohlereehen oon .Metier *eÖ t«nv". Der Busch brennt Don Heinrich Hauser. Ich schrak hoch vor Tau und Tag: Im Hof schien plötzlich die Hölle losgelassen, Schatten jagten hin und her, Männer brüllten, Motoren wurden angeworfen, grelle Lichtbündel der Scheinwerfer tanzten über die Mauern. Ich fuhr in die Kleider und sprang durchs Fenster. Die Tore des großen Wellblechmagazins glitten rasselnd in ihren Schienen, Stallaternen schwankten, Pferde schnoben, Viehtreiber fluchten, große Blechkannen wurden in jagender Hast oon Hand zu Hand geworfen. Herr Lewis schleppte Bündel oon langen Stöcken herbei, die breite Lederstücke an den Enden trugen. „Was ist los?" „Feuer, Feuer! Unten im trockenen Flußbett ist eine Herde eingekreist. Das große Lastauto rasselte heran, mit andern sprang ich hinauf, wir fingen die Blechkanister auf, die uns zugeworfen wurden, schwere Brocken, 20 kg jeder. Sie waren mit Wasser gefüllt, dem Notwasservorrat der Station für eine Feuersbrunst. Mit einem Ruck, daß wir bald vom Wagenkasten flogen, brauste das Lastauto los. Im Osten stand der erste Glutstreifen der Dämmerung, es wurde sehr schnell Tag. Der große Personenwagen des Herrn Lewis überholte uns, schwankend wie ein Schiff im tiefen Sand, der hatte kein Wasser an Bord, nur Feuerklatschen. Unser Fahrer hing über dem Steuerrad, als ob es ums Leben ginge, er preßte den Fuß mit aller Kraft aufs Gaspedal, der Motor dröhnte, die Blechkannen schepperten, wir klammerten uns an den Wagenrungen fest. Als zweiter Wagen überholte uns der alte Ford; fünf Mgnner auf dem nackten Fahrgestell umklammerten ein Wasserfaß und fluchten, datz es nicht schneller ging in dem furchtbaren Gelände. In unserm Kielwasser folgten Pferdegespanne im Galopp. Die Lust war dick von Staub, und wir spürten schon die braunen Rauchschleier beizend in den Augen. Ein alter Viehtreiber meinte: „Wenn der Wind die Richtung beibehält, bann ist die Station verloren!" Nach halbstündiger, wilder Fahrt erreichten mir den Weidezaun, in den die Mannschaft der Personenwagen schon ein großes Loch geschnitten hatte. Jede Spur von Weg hörte auf, der Grund lag voller Geröll, die von den Rädern hochgeworfenen Steine schlugen krachend gegen den Wagenkasten, es war ein Wunder, daß die Federn hielten. Am Rand des ttockenen Flußbettes sahen mir das Feuer, es war wie ein kirschrot glühender Eisen- balten, der zwischen den Walzen eines Stahlwerkes hervorschießt, der Balken kroch über den Horizont, so weit man sehen konnte. Das trodene Gras prasselte wie Maschinengewehrfeuer. Drunten im Flußbett hatte sich eine Herde von etwa fünftausend Schafen zusammengedrängt. Wir rannten, mehr stürzend als laufend, den Steilhang hinab, erkletterten die andere Seite und kamen vor die Feuerfront. Wabernde Hitze nahm uns fast den Atem, mit einem Arm schützten wir die Augen, während die Feuerklatschen niedersausten. Kaum waren die Flammen niedergeschlagen, da sprangen hinter uns schon wieder neue Funken auf. Die Front des Feuers wanderte mit einer Geschwindigkeit von fast zehn Kilometer die Stunde. Hinter uns drängten Vieh- treiber mit Gebrüll und Peitschenknall die eingeschlossene Herde im Flußbett zurück. Aexte klirrten, die Böden der Blechkanister wurden eingeschlagen, wir tränkten unsere Kleider mit Wasser, immer mehr Wagen fuhren auf, auch die Feuerspritze. Ich sah Männer an den Pumpenschwengeln tanzen, und wie der erste Wasserstrahl in der wabernden Luft versprühte, ehe noch ein Tropfen auf die Erde fiel. Die Männer standen jetzt auf die Länge der Feuerfront verteilt, sie hackten die Grasnarbe los, sprangen mit den Blechkanistern in die Flammen, und sausend schlugen die Klatschen nieder. Trotzdem wichen wir langsam zurück. Plötzlich drang aus der Tiefe der Schlucht ein Triumphgeschrei: die Treiber hatten den Zaun niedergelegt, der den Schafen den Rückzug versperrte. Unsichtbar im Staub galoppierte die Herde von bannen, man hörte nur das Getrappel der zehntausend kleinen Hufe. Plötzlich rief jemand neben mir: „Der Wind! Der Wind dreht!" . Durcfi die Tränen hindurch, die unaufhörlich aus den brennenden Augen liefen, sah ich, wie die Flammen vor mir zusammensanken: der Morgenwind hatte fick; aufgemacht, blies in entgegengesetzter Richtung, und die Flammen fanden keine Nahrung mehr. Zwei Stunden hatte der Kampf gedauert, unsere Hemden waren zerrissen, voll voy großen eingebrannten Löchern, wir waren schwarz von Rauch, wie ausgedörrt von Glut und halbohnmächtig vor Dürft. Bis Mittag hielten mir noch Feuerwache, bann fuhren einer nach bem andern die Wagen ab, und wir fangen wie Soldaten nach einer siegreichen Schlacht. Hätte der Wind nicht nach Osten gedreht, so wäre das Gut verloren gewesen. Die letzten deutschenSpinnstuben. Bon Hans Bethge. In vielen Gegenden Deutschlands und Oesterreich« gehört die Poesie der Spinnstuben bereits der Vergangenheit an. Es geht mit den Spinnstuben wie mit den Volkstrachten: der nivellierende Geist des Rationalismus war den alten Sitten und Bräuchen der ländlichen Bezirke nicht günstig. Poesie und Idylle erliegen der Nüchternheit des von sentimentalen Regungen nicht beseelten industriellen Fortschritts. Aber ganz erloschen ist der Zauber der Spinn- stuben noch nicht. Es gibt Gegenden in Deutschland, wo man im Frühling Felder sich dehnen sieht, die in einem wunderbaren, duftigen Blau erblühen. Es sind Flachsfelder. Man sieht sie noch besonders häufig im Hannoverschen, wo der beste Flachs Deutschlands wächst, aber auch in Schlesien, in Hessen, in der Oberpfalz, und in all diesen Flachsgegenden gibt es auf den Dörfern auch heute noch Spinn- ftuben, in denen an Winterabenden die Mädchen den Flachs an den Wocken herab zu jenen dünnen Fäden spinnen, aus denen später das Leinen gewebt wird. Das Mädchen, das mit geschickten Händen die feinsten Fäden zu spinnen versteht, ist stolz darauf, denn es weiß (und die anderen wissen es auch), baß es später das feinste Leinen für ihre Ausstat- .tung im Kasten haben wird. Die jungen Mädchen, welche die Schule hinter sich und die Ehe noch vor sich haben, treffen sich ein paarmal in der Woche am Abend. Meist ist es so, daß die Spinnstuben wechseln, einmal findet die Zu- fammentunft in diesem, einmal in jenem Dauern- hause statt, die jungen Mädchen bringen nicht nur ihre Spinnräder mit, sondern sie müssen auch für gute Laune sorgen, denn es wird ja nicht nur gesponnen an diesen Abenden, es wird auch geplaudert und gescherzt, vor allen Dingen: die jungen Burschen des Dorfes stellen sich ein, und das ist nicht die geringste Anziehungskraft, die diese Spinn- abenbe für die Dorfschönen haben. Die abendliche Spinnstube ist für die jungen Leute der eigentliche Gemeinschaftsabend des Dorfes. Hier können sich Witz und wahre Heiterkeit entfalten, es gibt scherzhafte Rede und Gegenrede, Rätsel werden aufgegeben und gelöst, die alten Lieder des Landes werden gepflegt und klingen durch die kleinen Fenster hell hinaus über die abendlichen Felder. Hier in der Spinnstube lernen sich die jungen Leute näher kennen, und manche Herzen finden sich fürs Dasein. Ist am Abend genug gesponnen, so werden die Räder in die Ecke gestellt und man vertreibt sich die Zeit mit Spielen und Kurzweil. Die Pfänderspiele stehen natürlich im Vorder- qrunö. In den niedersächsischen Geoenden ist besonders beliebt das kleine Spiel „Lutje Funke lebet noch!" Ein Streichholz, dessen Flamme erloschen ist, das aber noch glimmt, wird im Kreise von Hand zu Hand weiter gereicht, und derjenige, m besten Hand der Funke endlich erlischt, muß etn Pfand geben. Eine beliebte Unterhaltung ist auch ein dörfliches Orakelspiel: jeder der Anwesenden pflückt ein Blättchen oon dem in Topfen gezogenen „Wintergrün" und wirft es in eine mit Wasser gefüllte Schüssel, und die beiden Menschen, deren Blättchen sich auf dem Wasser vereinigen und zusammen weiterschwimmen, werden natürlich ein Paar... Mitunter beendet ein Tanz den Spinnabend, irgendein Bursche spielt die Harmonika dazu. Es gibt noch Gegenden, m denen man an den Spinna'benden die alten Volkstänze pflegt. Die unvermählte Jugend ist in den Spinnstuben unter sich, das ist die Hauptsache, sonst hatten sich diese Abende kaum fo lange erhalten können. Nur zuweilen schaut einmal jemand von den Alten herein, um nachzusehen, ob alles ordentlich zugeh: bann heißt es stillsitzen, die Zunge rm Zaum hal- ten und brave Gesichter aufsetzen. In manchen Geaenden, wo das Spinnrad bereits verschwunden ist hat die Jugend die abendliche Unterhaltung nicht aufgeben wollen und nun stricken die Mädchen, statt zu spinnen. Auch beim Stricken kann man plaudern, scherzen und sein Herz verlieren. Frankreich kennt Deutschland nicht! Don A de Chateaubriand. Der französische Dichter, Offizier und Frontsoldat hat Deutschland bereist, hat das neue Reich und den Nationalsozialismus studiert und schrieb darüber ein Buch, das in beut» Icher Übersetzung im Verlag Braun-Karlsruhe unter dem Titel „Gebullte Kraft" erschien. Wir entnehmen seinem Schlußkapitel folgenden Abschnitt: Es wirb viel geredet; ich aber habe gesehen! Deshalb hat man auch ein Recht, von mir zu erfahren, was ich denke, welche Auffassung ich gewonnen habe und mitnehme. Denn schließlich kann nur der die Säure von Gras oder Tannennadeln beschreiben, der sie mal gekaut hat. Ich bin zu folgender Erkenntnis gekommen, und das ist meine Meinung darüber: Frankreich kennt Deutschland nicht, es kennt das gegenwärtige Deutschland am allerwenigsten; und das ist der Grund dafür, daß es befangen ist und keine Urteile fällen kann, die einen entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der Welt ausüben mürben. Frankreichs Verhältnis Deutschland gegenüber bleibt unbestreitbar unter dem Zwang der Erinnerungen. Diese Erinnerungen, deren Bitterkeit wohl begreiflich ist, haben in ihm eine derart überempfindliche Seelenoerfassung erzeugt, daß es den arglistigen Einflüsterungen aller geübten Kenner nur allzu leicht erliegt. Es ist infolgedessen vor allem notwendig, daß die in Deutschland und im deutschen Geist eingetretenen ungeheuren Veränderungen ihm zur Kenntnis gebracht werden, und vor allem auch denen, die im wesentlichen seine landläufigen Ansichten beeinflussen. Frankreich erlebt gegenwärtig einen der tragischsten Augenblicke seiner Geschichte; denn es fällt ihm angesichts des unübersehbaren Kampffeldes ungeheuer schwer, sich aus der hypnotischen Befangenheit in seiner Kultur und all seinen liebgewordenen alten Gewohnheiten zu lösen. Es bleibt untätig dem Argwohn des bolschewistischen Rußland gegenüber; zwischen der Angst vor der drohenden Revolution und dem künstlich geschürten alten Grimm verhält es sich regungslos und wie gelähmt. Regungslos und wie gelähmt ... Fühlt ihr, was das bedeutet, was das verspricht? ... Ach, du geliebtes, schönes Frankreich, es genügt heute nicht mehr, daß du eine Schwanenseele hast, du mußt heute deine ganze Klugheit beweisen; dein gesunder Menschenverstand genügt nicht mehr, er ist dir inzwischen auch abhanden gekommen; man hat dich über die wahren Gegebenheiten hinweggetäuscht und hat dir fremde Begriffe in dein Gehirn gegraben, die du noch kaum stammeln kannst. Du bist gehemmt in deiner lebendigen Regsamkeit und bist vom Weg deiner großen Sendung ab- gekommen; deine Freiheit wirst du erst gewinnen, wenn du Deutschland gegenüber deine innere Unabhängigkeit wiederfindest. die dir erlaubt, dich von Moskau zu befreien. Der Zusammenschluß der europäischen nationalen Mächte, unter Einbeziehung gewisser, weiter im Osten der Welt stehender Wachtposten (es hat mir genügt, in diesen Tagen zu beobachten, mit welch höflichem, willfährigem Lächeln die japanischen Ehrengäste des Führers sich vor den deutschen Regierungshäuptern verneigten), wird mit Notwendigkeit die bolschewistische lieber» schwemmung dazu zwingen, ihre Ziele zurückzustecken und ihre Feuer zu löschen. Das müssen die Franzosen in Frankreich wissen; aber dann noch eines, das ich als Heiligtum bei meinem inbrünstigen Suchen entdeckte, der Silberdegen, den ich hier auf diesen Altar niederlege; das heutige Deutschland ist nicht das Deutschland des Kaiserreiches. Der Unterschied ist so groß, daß er ans Unglaubliche grenzt, so groß, daß sich die Franzosen gar keinen Begriff davon machen können. Das Hitler-Deutschland ist vor allem — wenn es auch im Notfall jederzeit bereit ist, mit der dynamischen Kraft, die fein Glaube in ihm entfachte, zu einem schrecklichen militärischen Organismus sich um,zubilden —, wenn auch weniger auf Friedensoersicherungen, so doch auf eine gewisse Idee und Vorstellung von sich selbst gegründet, die alles daransetzt, um ein hohes menschliches Ideal zur Geltung zu bringen, ein Ideal, das heute sein innigstes, teuerstes Sehnen darstellt, und das es nur im Frieden und durch den Frieden voll und ganz verwirklichen kann. Man muß endlich genügend Menschenkennttiis besitzen, um den Mann, der Deutschland regiert, zu begreifen, und genügend Mut haben, um ihn anzuhören; er ist ein Ausnahmemensch, dessen Geist seine Gedanken nicht aus den eisigen Regionen ehrgeiziger politischer Geschicklichkeit zieht, sondern aus einer tiefen Liebe und einer Selbstzucht, von der die berufsmäßigen Gauner und Kombinationsmakler keinerlei Vorstellung haben. Hitter ist k e i n Eroberer; er ist ein Baumeister des Geistes, ein Bildner des Willens. Im Inneren der Seelen 3m Arbeitszimmer Adolf Hitlers. H W r W 'ML M ■ V; , Wßäiffl . • ■ ' > . • ' - < - z'"2' Von links: der italienische Außenminister Graf Ciano, der Führer, der Dolmetscher Gefandtschaftsrat Dr. Schmidt, Ministerpräsident Chamberlain, Sir Horace Wilson und (von der Seite) Ministerpräsident D a l a d i e r. — (Preffe-Jllustrationen-Hoffmann-M.) scheint sein Nationalsozialismus an seinem germanischen Dom zu bauen, Und darum hat Hitler sich vor allem auch an die inneren Mächte der Liebe und des Glaubens gewandt, ohne jedoch — jo scheint es — den Rechten der Vernunft einen Schaden zuzufügen oder ihre Wichtigkeit praktisch einzuschränken. Aber alles dies hat keine Beziehung mehr zu einer intellektuellen Politik wie der unsrigen, der es einige Mühe kostet, in diese „verwirrenden Tiefen" — wie sie es nennt — hinabzusteigen. Frankreich kann nun tun, was es will. Es möge Kairo, Ende September. Kommt man in Palästina mit einem Engländer — einerlei, ob Militär ober Zivil — ins Gespräch und befragt ihn über die Ursachen des Palästina- Aufstandes, so gibt er deren zwei: Einmal die faschistischen Agenten seiner Träume, die englischer Auffassung entsprechend zu Dutzenden im gelobten Land herumreisen, mit den Goldpfunden nur so in den Taschen klimpern und die Araber für die Rebellion bezahlen — und dann die Franzo- s e n. Wenn man erstaunt fragt: Wieso die Franzosen? — dann wird ein Kolleg darüber gehalten, daß die Franzosen in Syrien nichts tun, den von dort immer breiter fließenden Hilfestrom für die Freischärler abzu st oppen. Und mit diesem Argument haben die Engländer recht, wenngleich es auch keineswegs die Ursache für den Palästina-Aufstand abgibt. Aber die Tatsache bleibt, daß die Franzosen nichts tun, um die syrischen Araber von ihrer Hilfsbereitschaft und Hilfeleistung für die Freischärler abzuhalten. Sie haben ihre Gründe dafür: Fürchtet doch Frankreich, daß der Funke der Revolte auch nach Syrien überspringt, so man die arabische Aktivität zu dämpfen sucht. Darum läßt man sie lieber über die Grenze hinüberstrahlen und erhält so die Ruhe im eigenen Mandatsgebiet. Kennzeichnend für die französische Haltung war jener Wink, den man dem Mufti gab, ehe man unter englischem Druck sein Haus im Libanon durchsuchte, um seine politische Aktivität zu brandmarken. Diesem französischen Wink war es wohl in erster Linie zu danken, daß jene Haussuchung ergebnislos verlief. Solche Haltung französischer Stellen ist charakteristisch für die Ressentiments, die Frankreich England im nahöstlichen Spannfeld entgegenbringt und die ihre Quelle haben in der Nachkriegszeit, da sich London und Paris während der Friedensverhandlungen über den Länderschacher in der arabischen Welt nicht einigen konnten. Die damals aufgetretenen Schwierigkeiten und Gegensätze, da England den französischen Partner aus dem Nahen Osten hinauszumanövrieren suchte, gelten heute noch, auch wenn man nicht darüber spricht. wählen! Seine Sache ist es, frei zu handeln, wenn es frei ist; seine Ketten zu zerbrechen, wenn es sich gefesselt fühlt. Möge es mit der Geschmeidigkeit des Geistes, die während so langer und großer Jahrhunderte seine göttliche Stärke war, fähig bleiben, die neue gegenwärtige Lage gerecht und ruhig zu burteilen, möge es sich mit der feinen, blassen Hand über die ermüdete Stirne streichen und die schreckliche umdunkelnde Besessenheit verscheuchen, die seine ungeduldigen Erben und seine falschen Aerzte in ihm wachrufen. In der jüngsten Sitzung der Mandatskommission in Genf gerieten der englische und ftanzösische Vertreter scharf aneinander, als die Frage des Waffenschmuggels nach Palästina zur Aussprache stand. Wieder zielte der englische Vorwurf auf die Passivität der ftanzösischen Mandatsverwaltung, die diesen Schmuggel erst ermögliche. Die „Times" stieß in einem Leitartikel ins gleiche Horn und äußerte ihr Verwundern darüber, daß das englische Mandatsgebiet durch einen Stacheldrahtzaun gegen Einfälle aus dem französischen Mandatsgebiet geschützt werden müsse. All diese kleinen Gefechte und Vorwürfe sind Symptome für eine englisch-französische Gegensätzlichkeit, die so alt ist, wie die Friedensverträge, die im Naben Osten die Ordnung oder besser Unordnung stabilisierten, und die nun im Zuge der Polittk, die England hier betreibt, wieder auflebt. Englands Polittk zielt im Bereich der Levante auf ein enges Zusammenspiel mit dem türkischen Partner. Den Preis aber, den Ankara für dieses Zusammenspiel mit London verlangt, soll Frankreich zahlen, lieber die englische Zustimmung zur Befestigung der Dardanellen und die Meerengen-Konferenz von Montreux führte die englische Annäherungspolitik an die Türkei zu jener Lösung der Sandschakfrage, bei der Ankara den Sandschak zugeschanzt bekam als Preis für das Einschwenken in die englische Mittelmeerfront. Diesen Preis aber zahlte — Frankreich. Denn der französische Einfluß wurde im Gebiet der Levante gemindert. Heute zielt die Expansionskraft Ankaras schon über den Sandschak hinaus. Die Türkei schätzt ihren Bündniswert für England so hoch ein, daß sie glaubt, auch noch Aleppo und das Djezireh- Gebiet fordern zu können. Noch sind diese türkischen Pläne nicht über das Stadium stiller Verhandlungen mit London und intensiver Propaganda in den geforderten heute zu Syrien gehörenden Bezirken hinaus gediehen Aber in Kreisen der franzöfi dien Mandatsverwaltung in Syrien spürt man doch heute schon, daß in jedem Fall der Preis für eine noch engere Bindung der Türkei an England — wiederum von Frankreich bezahlt werden soll, und daß London mit seiner Türkenpolitit in geschickter Weise wiederum jene politischen Absichten der Nachkriegsjahre verfolgt, die darauf zielten, Frankreichs Einfluß in der Levante so klein und beschränkt wie möglich zu halten und auf die Küstenlinie des Libanon zu beschränken, wo seit Jahrzehnten dem französischen Einfluß der Vorrang zukommt. So spricht män bereits in politischen Kreisen des Nahen Ostens von englischen Tei» l u n g s p l ä n e n für das syrische Mandatsgebiet, die zwar keineswegs schon reif zur Verwirklichung scheinen. Aber daß man sie diskutiert, ist für die französisch-englische Gegensätzlichkeit im Nahen Osten charakteristisch, wo England aktiv daran arbeitet, engste Verbindung mit der kemalistischen Türkei zu bekommen und Frankreich den Preis dafür zahlen zu lassen. Klänge des Egerlandes. Im Rundfunk hört man jetzt öfter die schneidigen Klänge des Egerländer Marsches. Dieser Marsch des alten österreichischen Regiments, das in Eger beheimatet war, hat einen Text in der Mundart des Egerlandes, dem sich dann folgende hochdeutschen Verse anschließen: „Wenn Tod, Verderben uns umringt. Kein Leben unsere Brust durchdringt. Wir drängen vor und weichen nicht, Wir fallen nach erfüllter Pflicht. Wenn Lorbeer bann die Fahne ziert. Dir, Herr, der beste Dank gebührt. Dich preisen wir und schwör'n aufs neu, Daß wir dem alten Wahlspruch treu Und wenn die Welt voll Teufel wär'. Wir folgen dir zu Ruhm und Ehr'!" Die Egerländer gehörten zu den besten Soldaten der alten k. u. k. Armee. Der berühmte Heerführer Alfred Krauß, der vom Führer zum General Steinhäger- i /Urquell würzig mild - mit dem bekannten S chi n k'en bi Id ! der Infanterie ernannt wurde und in Wien einer der verehrtesten Männer des großdeutschen Kampfes war, ist im Egerlande geboren. Zu den schönsten Waffentaten der Egerländer gehörte im Weltkriege die Eroberung des Lovcen, der gemeinsam mit Wiener Truppenteilen im Jahre 1916 durch Landwehr durchgeführt wurde. Dabei war der Lovcen, die beherrschende Stellung Montenegros über der Bucht von Cattaro, 1800 Meter hoch und stark befestigt. Im Rathause zu Eger stehen die Worte Felix Dahns, die ebenfalls vom Geist des dortigen Deutschtums zeugen: „Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk, Das höchste Gut des Volkes ist sein Recht." Englisch-französische Gegensätze im Achen Osten. -Bon unserem S. K.-Korrespondenten Mussolini während der Verhandlungen. s Unser Bild zeigt einen Augenblick während der Beratungen "N Mchr°ro°u MN nnis urr Führer, der Duce. G-nerals-ldmarschall Garing, Reichssuhrer -- Summier, Reichsminister Rubels Heß. - (Us-.Scherl.Bilderdtenst.Mh Oie Abfahrt Mussolinis von München. Unmittelbar nach Beendigung der Vier-Mächte-Besprechung im Führerbau in München bestieg Mussolini seinen Sonderzug, um in die Heimat zurückzukehren. Der Führer begleitete seinen Gast zum Bahnhof, wo ihm ein BDM.-Mädchen einen Blumenstrauß als Abschiedsgruß überreichte. Rechts tm Bild sieht man Generalfeldmarschall Göring. — (Scherl-W.) 7Z///^////Z50P/Z' 1 STATT KARTEN. geben ihre Verlobung bekannt Gießen Äutzbach 2. Dftober 6223D richtig fFFFT VvrW FFFFw • Gießen (Schanzenstraße 16), den 1. Oktober 1938. 6266D sie freuen sich, wenn | persilgepflegt sind! | 6214D Habe ab 1. Oktober 1938 die 6247D Zahnarzt A. Kalb. Zugelassen zu den Ersatzkassen und Wehrmacht. 6215D DANKSAGUNG von Dr. med. Ernst Stamm Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Marie Dern, geb. Pauli 6239D Leihgestern, den 1. Oktober 1938 04455 tu Georg Reuß Altersvereinigung 1880—1930 Gießen, Schulstraße 6 6263A Mitglied der Elektro-Gemeinschaft auch als Drix-Tabletten-Drix-Drageet SELTERSWEG 47 MÖBEL 7z Dr. ERNST RICHTERS Frühitückskräuterteel Verbrauchergenossenschaft Gießen e. G. m. b. H. Vorstand und Aufsichtsrat sowie Gefolgschaft. Als Nachfolger des Herrn Dr. C laufe habe ich mich in LI CH als prakt. Arzt mit Geburtshilfe niedergelassen Vermählungs-Anzeigen liefert Brühl'sche Druckerei Helmi Wettläufer Richard Zdohl Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen danken wir herzlichst Besonderen Dank Herrn Pfarrer Reusch für die wohltuenden Worte sowie der Kriegerkameradschaft für die letzte Ehre. Eine zuverlässige Küchen-Uhr IVOm 04433 I DhrenspezialliausLeuninO | Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Barbara Günderoth. zahnärztliche Praxis von Frl. Dr. P. Kommens in Wieseck übernommen. I Kleine politische Nachrichten. Unter dem Eindruck der vom Führer erreichten, Heimkehr Sudetendeutschlands ins Reich hat die IG. -Farbenindustrie AG. zur Verwendung für das s u d e t e n d e u t s ch e F l ü ch t l i n g s. werk dem Führer einen Betrag von einer halben Million Reichsmark zur Verfügung gestellt. hatten, kehren nun alle wieder zurück. Während vor einigen Tagen noch die aus London abfahrenden Züge überfüllt waren, sind es nun die nach London kommenden. Baue gut.... mit Abermann Die Trauerfeier findet Montag, den 3. Oktober, nachmittags 2 Uhr, in der Kapelle des neuen Friedhofs statt. Zu allen Krankenkassen zugelassen. Sprechzeit: 12—13 und 18—19 Uhr (außer Mittwoch abend und Samstag abend). Fernsprecher Gießen 2383. Wir sind so donkbar, wenn man uns gut behandelt—besonders beim Waschenl Vor allem nicht reiben, wringen oder zerren! Einfach in einer schonenden kalten Persil- Lösung leicht durchwaschen und gleich nach dem Spülen durch Ein- und Ausrollen in Tüchern trocknen. Das ist der beste Weg zur pflegsamen Erhaltung empfindlicher Wäsche! • Auch Ihre zarten Sachen aus Wolle, Seide, Kunstseide oder modernen Mischgeweben Wir betrauern tief den Heimgang unseres lieben Alters käme rad en Jakob Günderoth Trauerfeier am Montag, 3. Oktober, nachmittags 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof. Um allseitige Beteiligung bittet Der Vorstand. _____________________________________6275D Habe mich in WIESECK, Eichenröderweg 28, als prakt Arzt (mit Geburtshilfe) niedergelassen. Dr. med. Fritz Althoff Oie Feier des Erntedanktages auf dem Dückeberg fällt aus. Berlin, 30. Sept. (DJIB.) Der Reichsmtnister für Volksaufklärung und Propaganda gibt bekannt: Durch die verständliche Inanspruchnahme aller Tranportmittel ist es notwendig geworden, die Feier des Erntedanktages auf dem Vückeberg und die damit verbundenen Empfänge in Hannover und Goslar ausfallen zu lassen. Sanz Deutschland dankt dem Führer. München, 30. Sept. (DNV.) Hach dem glücklichen Abschluß der Viermächtebesprechung läuft beim Führer aus allen Schichten des deutschen Volkes eine Fülle von Telegrammen ein, die ihn tu dem Erfolg des Abkommens und der Heimkehr der Sudetendeutschen ins Reich beglückwünschen. Aus allen diesen Dankeskundgebungen spricht die tiefe Freude darüber, daß der Führer nach der Ostmark nun auch die Sudeten- deutscheninsReichzurückführt. Oer Führer an Generaladmiral Raeder Berlin,!. Okt. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat an Generaladmiral Dr. h. c. Raeder anläßlich seines 10jährigen Dienstjubilä- u m s als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine folgendes Schreiben gerichtet: „Mein lieber Generaladmiral Raeder! Am 1. Oktober stehen Sie zehn Jahre an der Spitze der Kriegsmarine. Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen zu diesem Tage meine besondere Anerkennung für Ihre rastlose und erfolgreiche Arbeit an Georg Reuß Modelle? sehr schön! Qualität? sehr gut! Preise ? sehr zeitgemäß! Also ... JKjI 44«nu M6' LICH, Bahnhofstrafoe 9 Fernruf Nr. 220 Sprechzeit: 2-3 und 6—7 Uhr außer Samstag nachmittag Zu allen Kassen zugelassen tiges Verstehen zwischen und D e u t s ch l a nd. Unsere Regierungssysteme sind sehr verschieden. Jeder von uns ist überzeugt, daß die {einige den eigenen Bedürfnissen am besten angepaßt ist, und wir müssen uns damit abfinden, daß jedes Volk seine eigene Art von Regierung haben wollte. Ich kann keinen Grund dafür ersehen, warum wir nicht in der Lage sein sollten, Angelegenheiten, die uns beide beschäftigten, in einem freundschaftlichen Geist durchzusprechen. Daß diese Krise einen persönlichen Kontakt zwischen den Staatsmänner»!, ’JrfßcMaMjeit Veranlagung? Nein — aber mif 30 — 40 — 50 neigen viele zu Korpulenz. Kluge beugen vor, erhalten sich schlank und jugendfrisch durch die tägliche Tasse achter" - erklärte Ministerpräsident Chamberlain: Mein eigentliches Ziel ist, durchzusetzen, daß Europa fähig wird, seiner friedlichen Arbeit ohne die ständige Gefahr internationaler Konflikte nachzugehen. Eine wesentliche Vorbedingung dazu ist ein besseres gegensei - ~ "r ' England Sn urfifmtowuaoww iwifou, DOPPELHERZ! dem Wiederaufbau der Kriegsmarine zum Ausdruck zu bringen. Ihrer zielbewußten Führung ist es zu danken, daß heute eine neue, ftürfc deutsche Seemacht ersteht, fest verankert im nationalsozialistischen Staat, aufs engste verbunden mit dem ganzen deutschen Volk. Mit dieser meiner Anerkennung verbinde ich meinen persönlichen aufrichtigen Dank für Ihre treue und selb st lose Mitarbeit, die Sie mir als Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht haben zu teil werden lassen. In der Hoffnung, daß Sie mir auch weiterhin Ihr reiches Können zur Verfügung stellen werden, bin ich mit deutschem Gruß Ihr gez. Adolf Hitler. Ein Faktor des Friedens. Eine Unterredung mit Chamberlain. Berlin, 1. Okt. (DNB.) Dem „Völkischen Beob- *AUifter? Sollen die Kinder sich gut entwickeln, gesund, kräftiger, widerstandsfähiger werden, dann reicht ihnen die wohlschmeckende Blut, Muskeln, Knochen, bildende, die Nerven stärkende verbesserte Dr. Schieffer's Lecithin- Emulsion, die auch den Erwachsenen so gute Dienste für den Wiederaufbau geistiger und körperlicher Kräfte leistet Das hängt zusammen mit dem Gehalt an : Lecithin u. Vitaminen Flasche RM. 2.50 zu haben Universitäts-Apotheke Zum goldenen Engel, A. Habrich, Marktplatz. 5243V Gestern verschied nach längerer Krankheit Herr Jakob Günderoth Der Verstorbene war von 1919 bis 1936 geschäftsführendes Vorstandsmitglied und anschließend Mitglied des Aufsichtsrates unserer Genossenschaft. Sein Schaffen und Denken war bis zuletzt unserer Genossenschaft gewidmet Wir verlieren in dem Verstorbenen einen treuen, gewissenhaften Mitarbeiter, ein Vorbild Höchster Pflichterfüllung, dem wir stets ein ehrendes Gedenken bewahren werden. EI e kt Leuchten Radio, Wir erwarten Sie! Unser Spezialist zeigt Ihnen kostenlos am Montag, dem 3. Oktober, in Gießen, bei unserer Vertretung der Firma Egner, Frankfurter Straße 9, von 10 bis 1 Uhr die neuesten Akustik-Hörapparate mit Klein-Hörer, Tonfilter-Mikrophone. Neu! Knochenhörer. Ein Versuch lohnt! Ratenzahlung! — Prospekt gratis. Deutsche Akustik - Gesellschaft Berlin-Reinickendorf. __6216 V Wernerwall 15 Gründliche Vorbereitung für die Reifeprüfung und die Aufnahme in die höheren Schulen. Reichs verband sprüfung durch die Lehrer der Schule. Tägliche, gewissenhaftbeaufsichtigte Arbeitsstunden. Aufnahme von Schülern und Schülerinnen jederzeit. Nichtversetzte können Zeit gewinnen. . Sprechstunde des Schulleiters: Stud.-Ass. Walther, täglich von ll1/»—13 Uhr. Fernruf 2129. fiio8p die die größte Verantwortung tragen, ermöglicht und zu den ruhigen Aussprachen mit dem deutschen Staatsoberhaupt geführt hat, habe ich als eine willkommene Gelegenheit warm begrüßt. Ich glaube, daß wir hiermit eine Verbindung hergeltellt haben, die für die zukünftigen Beziehungen unserer beiden Länder sich als sehr nützlich erweisen wird. „Ich bin tief gerührt von dem Empfang, den mir das deutsche Volk überall bereitet hat. Wo immer ich war — bei Tag und bis in die späte Nacht hinein — standen in den Straßen große Volksmengen, um mich zu begrüßen. Ich, der ich als Freund gekommen bin, gehe mit dem Bewußtsein, daß ich als Freund empfangen wurde." Die Freude der Londoner. London, 1. Okt. (Europapreß.) Die Freudenkundgebungen über die Münchener Beschlüsse setzten sich in London bis lange nach Mitternacht fort. In der Innenstadt waren die Ansammlungen so stark, daß der Wagenoerkehr vorübergehend völlig stockte und die Polizei Verstärkungen heranziehen mußte. Im Piccadilly Circus, dem Zentrum des Londoner Der- gnügungsviertels, erinnerte das Treiben an den Trubel einer Silvesternacht. Die ersten Ausgaben der Morgenblätter mit den Berichten über den Triumphzug Chamberlains und den ersten Bildern aus Downing Street und München fanden reißenden Absatz. Inzwischen haben die einberufenen Reservisten der Luftabwehr und der Marine wieder Urlaub erhalten und die als Luftschutzkeller ausgebauten Tunnels der Londoner Untergrundbahn werden am Montag wieder dem Verkehr übergeben ^werden. Die Zehntausende von Londonern, vornehmlich Frauen und Kinder, die während der Krise die englische Hauptstadt verlassen I ■ I Der Kaiserlich Japanische Premier- und Außen« minister Für st Konoye hat an den Führer und Reichskanzler folgendes Telegramm" gerichtet: „Zu dem glänzenden Erfolg Ihrer Politik spreche ich Eurer Exzellenz meinen herzli chsten Glückwunsch aus, verbunden mit der Hochachtung für Ihre Person und das gesamte deutsche Volk." * Auf Grund eines mit der b e l g i s ch e n R e g i e. rung erzielten Einvernehmens über die Umwandlung der beiderseitigen Gesandtschaften in Botschaften hat die Reichsregierung ein Gesetz beschlossen, durch das die deutsche Gesandtschaft in Brüssel in eine Botschaft umgewandelt worden ist. Der Führer und Reichskanzler hat demgemäß den Gesandten von Bülsw-Schwante zum deutschen Botschafter in Brüssel ernannt. Gleichzeitig ist der hiesige Kgl. Belgische Gesandte Vicomte Da- vignon zum Kgl. Belgischen Botschafter in Berlin ernannt worden. Gestern abend verschied nach kurzer, schwerer Krankheit mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Jakob Günderoth Geschäftsführer i. R. im Alter von 58 Jahren. Gard inen-Stoffe in großer Auswahl i • 6264 A DlHlg bei Ludwig Haas Gießen P/ockstr.7 Gießen —-S——=—X—_■! Teppiche Läufer, Bettumrandungen, Polstermöbel, Möbelbezugsstoffe Dekoratlons- und Gardinenstoffe, Stepp- u. Daunendecken bis 10 Monatsraten. FordernSie unverbindlich Angebot. Teppich - Schlüter, Bonn 86 Größtes und ietotunge- fähigstes Teppich- Spezial-Versandhaus Westdeutschland. Wissenschaft!. Werke Sondergebiet der ßrühl’schenDruckerei Doppelherz-VerkaufsstelLDrog.H. Elges, Seltersw.66. C.Seibel, Frankf. Str. 0. WinterhoH, Kreuzplatz 9/10. Grünberg: Karl Schott u. sämtliche Filialen. Laubach: Solms- Laubacher Drog. Karl Klein. 434v UfEDRE DRUCKSACHEN WCrCDC Brühl, Gießen M.230 Dritter Blatt Außer in Karlsbad Hal Goethe auch in den anderen Kurorten dieser quellenreichen Gegend „getrunken und gebadet", in dem 1790 non Franz I. gegründeten Franzensbad allerdings nur einmal, von dem überfüllten Karlsbad aus, im Juli und September 1808 und mit gutem Erfolg. Häufiger, 1810, 1812 und sogar 1813, mitten in den Unruhen des Krieges, begegnen wir ihm in T e v l i tz. Hier trifft er im „Goldenen Schiff" mit Louis Bonaparte, dem frauenhaft weichen Bruder Napoleons zusammen-, der soeben, erst de§ dornenreichen Krone von Holland entsagt hatte. „Sein Charakter ist eine höchst respektable Herzensgüte ... Er ist sehr freundlich und zutraulich ... Wie man ihn genauer kennenlernt, so 'sieht man wohl, daß/die Gründe seiner Abdikation mit ihm geboren sind". Wieder, wie schon in Karlsbad, verschönt ihm die schwärmerisch verehrte Kaiserin Maria Ludooica auch einen der Teplitzer Sommer. „Ich darf nicht anfangen von ihr zu reden" — schreibt er 1812 —, „weil man sonst nicht aufhört ... Eine solche Erscheinung gegen das Ende seiner Tage zu erleben, gibt die angenehme Empfindung, als wenn man bei Sonnenaufgang stürbe und sich noch recht mit inneren und äußeren Sinnen überzeugte, daß die Natur ewig produktiv, bis ins Innerste göttlich, lebendig, ihren Typen getreu und keinem Alter unterworfen ist." Der hohen Frau zu Ehren inszeniert Goethe eine Aufführung des „Tafso" durch die Hvfgesell- schaft, wobei die schöne und geistvolle Gräfin O' Donell die Prinzessin spielt. Aus Anlaß einer von der Kaiserin zur Debatte gestellten Scherzfrage, ob Herr oder Dame zuerst die Liebe gestehen dürfe, schreibt er das kleine Lustspiel „Die Wette", das die Frage dahin entscheidet, daß wahre Liebe in diesem" Falle kein Entweder Oder kennt. In Teplitz findet auch die oft beschriebene Begegnung mit Beethoven statt, ohne daß es zu einer inneren Annäherung der beiden grundverschiedenen Naturen — Goethe nennt Beethoven, dessen titanisches Benehmen ihm zuwider ist, „eine ganz ungebändigte Persönlichkeit" — gekommen wäre. Auf das Marienbaber Liebeserlebnis, das letzte dieses liebereichen Daseins, können wir hier^ nur kurz eingehen. Es war im Jahre 1820, als' ßoetfje das kurz zuvor entstandene Bad zum ersten Male äufsucht. Im Klebelsbergschen Hause wohnt er zusammen mit der ihm -schon von Karlsbad her bekannten Frau von L e v e tz o w, die diesmal auch ihre Töchter mitbringt, darunter die siebzehnjährige Ulrike. Welchen Sturm der Gefühle das reizende Mädchen in dem ewig jungen Herzen des Greises entfachte, wie schwer es dem noch einmal vom Gotte der Jugend Getroffenen wurde, auf das erträumte Glück einer Lebensgemeinschaft als unerreichbar zu verzichten — wir wissen es aus der „Marienbader Elegie", dieser leidenschaftlichen Liebesklage, die Goethe beim Verlassen Karlsbads noch im Reisewagen zu dichten begann. So schließt denn, wie fast alle Lebensepochen Goethes, auch dieser endgültige „Austritt» aus dem böhmischen Zauberkreise" mit einem schmerzvollen Entschluß zur Entsagung. Goethe hat die geliebten Bäder, „als trieb* ein Cherub flammend ihn van hinnen", nicht mieber« gesehen. < Ein römisches Herrenhaus am Neckar. Die umfassenden Bauarbeiten an den Reichsautobahnen haben eine Fülle von Zeugnissen alter Besiedlung zutage gebracht, die eindringlich zeigen, welch uraltes Kulturland der deutsche Boden ist. Beim Bau der Reichsautobahnstrecke Stuttgart —- Heilbronn traf man in der Nähe von Mundelsheim am Neckar auf die Grundmauern eines großen Gebäudes, das nach der Bauweise etwa aus dem 2. oder 3. Jahrhundert nach Christi stammt. Die Ausgrabung, über die Dr. Oscar Par et in der Leipziger ,^Illustrirten Zeitung" berichtet, zeigte, daß es sich um das Herrenhaus eines mauerum* fchlosfenen großen Gutshofs, aus der Zeit, in der. das keltische Neckarland römische Provinz war, handelt. Der Versuch einer Rekonstruktivnszeichnung läßt eine stattliche, nach Süden gelegene Hausfront erkennen, die die. Breite von 35 Metern hat. Zwischen zwei vorspringenden Flügelbauten mit quadratischer Grundfläche liegt eine Säulenhalle oder Loggia und dahinter eine durch zwei Stockwerke gehende Haupthalle. An der Ostseite der Halle liegt eine Reihe von Schlafzimmern, an der Westseite sind drei Laderäume mit Boden- und Wandheizung nach römischer Art und dem Unterteil der wie in Pompeji bemalten Wände erhalten. Unter der Loggia lag der Keller, der von der Mittelhqlle aus zugänglich war; seine Flachdecke war eingestürzt, die Mauern aber zum Teil sehr gut erhalten. Wie die meisten derartigen Ruinen war auch diese später als Steinbruch benutzt und nach Schätzen, besonders nach Metall durchsucht worden. Es 'war ein Glücksfall, daß bei der Ausgrabung noch zwei bronzene Kunstgegenstände angetroffen wurden. Im Keller fand sich ein Beschlag einer Paraderüstung mit der Darstellung der helmtragenden Minerva; vermutlich stammte es aus einer kaiserlichen Waffenfabrik an der unteren Donau. Das Hauptfundstück aber, das im Heiz- raum unter dem Boden des Warmwasserbades versteckt war, war ein 40 Zentimeter großer und 1,4 Kilogramm schwerer Decket einer Schüssel, der durch reiches Hochrelief in Treibarbeit verziert ist. Man sieht in der Mitte einen Hasen zwischen Weintrauben, und Ringsum liegen sechs Schweine abwechselnd auf dem Bauch und auf der Seite, bis ins kleinste durchmodelliert. Am Rande zieht sich eine Kette von zwölf schon für die Pfanne zubereiteten Hühnern oder Gänsen entlang. Der Deckel, der technisch eine Meisterleistung ist und als Kunstwerk in dieser Zeit erstaunlich wirkt, gehörte Der- mutlich zu einer Speiseschüssel. Goethe und die böhmischen Näder Bon Ernst von Niebelschüh. Unter den Stätten, die Goethe zeitweilig zu liebgewordenem Aufenthalt dienten, stehen die böhmischen Äurorte obenan; keiner ist von ihm so oft besucht wovden wie Karlsbad, Die Berge mit ihren geologischen und mineralogischen Merkwürdigketten, die Gewißheit, in den Sommermonaten eine erlesene Gesellschaft von Fremden aus aller Herren Lander dort vorzusinden, und die heilspenden Quellen, deren Gebrauch ihm zur Gewohnheit geworden war, haben ihn immer wieder in das Weltbad gelockte Meist brach er von Weimar Anfang Juli auf, um das Bad erst Anfang September wieder zu verlassen. „Manche Rostflecken" — bekennt er in seinem Briefe an Karl August —, „die eine zu hartnäckige Einsamkeit über uns bringt, schleifen sich da am besten ab." Zwar will er „still und fleißig" sein, allein in der Hauptkurzeit gelingt es nicht immer, und er bedauert es nicht. „Vom Granit, durch die ganze Schöpfung durch, bis zu den Weibern, alles hat beigetragen, mir den Aufenthalt angenehm und interessant zu machen." Im übrigen hält er Ü4) °n die hergebrachte Ordnung: „Morgens um 5 Uhr stehe ich auf und gehe an den Brunnen. Zwischen 8 und 9 wird gefrühstückt, dann etwas geruht, an- gezogen, dikttert, wieder ein wenig spaziert und Dann gegessen. Nach Tische wird im Zimmer gezeichnet- gegen Abend auf der Promenade und sanft die Zeit auf eine oder die andere Weise hingebracht ‘ (an Christiane, 1807). An Gelegenheit zu geognostischen oder botanischen Studien fehlt es in Karlsbad nicht. Da kommt etwa der Steinschneider Johann Müller, der die bei Karlsbad vortommenden Gesteinsarten zusammenstellt, und Goethe ist. glücklich, ihm bei der Ordnung und Erläuterung helfen zu können. Nicht minder interessiert ihn die Geschichte des böhmischen Landes, besonders des Egerer Winkels, wo der i^nermüd- liche Karl Huß, der Wappen, Chroniken, Münzen sammelt und die Burgen des Egerlandes erforscht, sein Gewährsmann und Berater ist. Daß Goethe auf ärztliche Verordnung in Karlsbad weilt, merkt man seinem Tageslauf nicht an, höchstens, daß er sich des Weines enthält. Wo er nicht arbeitet oder einfach seiner Gesundhett lebt, wird „gezeichnet und illuminiert", und wenn er sich dann und wann in das gesellige Treiben der Kurgesellschaft mischt, tut er es immer mit dem Auge des Beobachters, den nichts uninteressiert läßt, auch nicht, daß „auf dem ersten Ball die Frauenzimmer miteinander tanzten". . Es wäre ein Leichtes, sich aus den Briefen Goethes aus Karlsbad ein anschauliches Kulturbild des Weltbades um die Jahrhundertwende zusammenzustellen, so, wenn er. über die „Inflation" des Jahres 1810 an Christiane schreibt: „Das Stejgen und Fallen des Papiergeldes und das Steigen aller Preise macht einen so konfus, daß man nicht weiß, ob etwas wohlfeil oder teuer ist." Ueberall knüpft Goethe neue Bekanntschaften an oder erneuert die alten. Fürsten und hohe Standes- herren. Dichter, Politiker und Wissenschaftler — alles zieht er an sich oder läßt sich von ihnen an- ziehen. „Alle Zustände der Gesellschaft von der größten Einsamkeit bis zum größten Lärm und Drängen und jetzt wieder bis zur Einsamkeit habe ich erlebt. So ein Dadesommer ist wirklich ein Gleichnis eines Menschenlebens", schreibt er 1808 an Frau von Ste i n. In den Sommern 1810 und 1811 erregt die junge und schöne Kaiserin Maria Ludo- vica von Oesterreich jein leichtentzündliches Herz, und er widmet der „Herrlichen" vier Huldigungsgedichte; ein Jahr später kommen auch Kaiser Franz uno seine Tochter Marie Luise, die Gattin Nasio- leons, nach Karlsbad, und wieder empfängt der Dichter die ho,hen Gäste mit Begrüßungshymnen, von denen die an die französische Kaiserin mit einer unmißverständlichen Mahnung zum Frieden ausklingt. Daß Goethe in diesem gesellschaftlichen Trubel und neben der streng innegehaltenen Kur noch Zeit für dichterische und wissenschaftliche Arbeit fand, mutet fast wie ein Wunder an, und gewiß war die Leistung nur mit Hilfe jener bewunderungswürdigen Tageseinteilung möglich, die allein es dem Vielbeschäftigten erlaubte, keine Stunde ungenützt vor- überaehen zu lassen. Große Teile der Selbstbio- graphie, der Farbenlehre, der Wahlverwandtschaften, des westöstlichen Divans und der Wanderjahre sind in Karlsbad entstanden, dazu die Pandora und einige der bekanntesten Gedichte, wie der getreue Eckart, der Totentanz und die wandelnde Glocke, von der Redaktion der ersten vier Bände der Gö- schen-Ausgahss gar nicht zu reden. Aus der Stadl Gießen. Oktober in deutscher Lauernregel. Prächtig kann der Oktober fein, wenn die Sonne allmählich den Frühnebel niederkämpft, um schließ-, ) lich auf rostrotgoldenen Baumwipfeln, die vor dem blauen Himmel kupfern schimmern, zu ruhen oder den herabtanzenden Blättern nachzublmkern. Der Laubfall ist bekanntlich eine weise Ökonomische Em- richtung der SÜatur, die.Die Ernährungsfrag- Der Bäume schon vor Eingang Des Winter- lost. UnD es ist also begreiflich unD berechtigt, wenn Der Deutsch- Bauer Schlußfolgerungen aus der Frühzeitigkeit ober Späte dieses herbstlichen Vorganges der Entlaubung zieht. So heißt es: „Wenn der Oktober -das Laub nicht von den Bäumen laßt, so mache dich auf einen strengen Winter gefaßt!" Warmer Oktober soll wie man vielerorts sagt __ einen kalten Februar künden. Hingegen meint man in Schwaben mit gutem Grund: „Frost und Schnee im -Oktober zeigt einen milden Jänner an." Die scharfe Ausgeprägtheit der Jahreszeiten "ist ja nicht nur Charakteristikum für eine meteorologische Stetigkeit, sondern auch meist —. infolgedessen! — • ein Vorzeichen normalen Verlaufes des landwirt-! fchaftlichen Jahres. Da nun der Oktober in unseren Breiten noch zu den Sonnenmonaten gehört, soll auch dieses segenbringende Gestirn nach menschlichem Wunsch noch herrschend bleiben. Dies ist besonders die Hoffnung des Winzers, der sich nach alter Erfahrung sagt: „Oktober fein — legt ins Faß einen guten Wein!", aber „Oktober naß — sitzt dem Bauern auf dem Faß!" Das letztere bedeutet, der Wein wird nicht gut, so daß er nicht leicht Käufer findet. Im besonderen orakelt man: „Viel Regen im Oktober, viel Winde um Weihnacht." Und bemerkenswert ist auch diese Wetterregel: „Oktobergewitter sagen beständig: der kommende Winter wird wetterwendig." An „Lostagen" reich ist besonders die zweite Hälfte «unseres Monats, des ,>Gilbhards" oder „Weinmonds". Da ist am 16. Oktober der Kalendertag des heiligen G a l l u s. Er ist nach alter deutscher Auffassung — die nicht vier, sondern nur zwei Jahreszeiten, Sommer und Winter, kannte — der eigentliche Schlußtag der schönen Jahreszeit; und damit beendet er auch die hauptsächliche Autzen- arbeit des Land mannes. ..St. Gall treibt die 'Kuh in den Stall!" Die Wiesen werden wieder leer. Dazu paßt es,-daß im alten deutschen Recht „zwischen Maitag und St. Gallustag das Ueberfahren und Uebertreiben der Wiesen verboten" war. Jetzt aber treibt der Hirte des Flachlandes, wie der Senne im Gebirge heim: „St. Gallus — läßt fei Kuh mehr druß!" reimt man in Schwaden. Auch die Späternte schreitet zum letzten Einheimsen des Segens der Fluren: „Gallustag — schiebt Kraut und Rüben in den Sack." Auch das- ist ein Bauernreim, wenn man ihn recht liest. Ausführlicher „dichtet" man in Baden: „An St. Gall — Krut (Kraut) un Rübe in’n Stall! Erbbirne (Kartoffeln) darzu; nachher hat man sin Ruh." Der 20. Oktober ist St. Wendelin geweiht. Da er. der Schutzparton der Rinder, Ziegen und Schafe ist, sa^gt man: „St. Wendelin 7^- besucht die Horntiere im Stall drin." Denn auf den Wiesen sind sie kaum noch irgendwo - zu finden, entsprechend dem Vers: „An Wendelein -r- soll das Vieh von der Weide sein!" Der 21. Oktober ist der Tag St. U r f u I a e. Nun ist es hohe Zeit, jm Kohlgarten reinen, Tisch zu machen. „An Urschel tu's Ärut Hein (hinein), sonst schneit dir der Simmele drein!" Der „Simmele", wie ihn jener schwäbische Bauernreim nennt, ist der 28; Oktober, Simon und Judas (Thaddäus, nicht Jscharioth). So kurz vor Novemberbeginn ist ja nicht viel Schönes mehr zu erwarten, darum seufzt man. berechtigterweise: „Simon und Jude — sind keine ©uter Und von Tag zu Tag wird's unwirtlicher draußett, denn „Sind Simon und Juda vorbei, so rückt der Winter herbei!" W. L. eparaturen HA/c MW fiewei at n ü UHL adio Sehersweg Nr. 67 Telephon Nr. 3170 ^ige •Pnta, behaupten die Solinger. Da mögen sie recht haben, denn es gibt heute noch industrielle Werke hier, an die die Eisenbahn nicht herankommt. Erst der Motor hat sie an die neueste Zeit unmittelbar angeschlossen. Das kann auch die älteste Papiermühle Sagen berg bei Solingen -von sich behaupten. Sie liegt am Zusammenfluß der Wupver mit dem Elauberger Bach, in einem Tale. Früher besorgten Esel den Transport der fertigen Papiere und Kartons zur nächsten Bahnstation und brachten auch von dort die notwendigen Grundstaffe für die Papierbearbeitung: Altpapier und Lumpen, aber auch alte Manilataue, aus denen dann die sogenannten Manilapapiere entstanden. Heute ist der Transport auch noch ein wenig abenteuerlich; man staunt immer wieder'über, die mächtig wirkenden Züge, die auf Lastwagen-Chassis Eisenbahnschienen tragen, auf denen wieder die Waggons der Reichsbahn von den Laderampen der Güterbahnhöfe aus unmittelbar an die Laderampe des Fabrikhofs gefahren werden. Legende und Sage haben sich dieser alten Mühle bemächtigt, in der die Gefolgschaft zum Arbeitsbeginn, Aus einer alten Papiermühle. .Wenn der liebe Gott bei der Erschaffung jii.de! £ St|| zum Mittag und zum Feierabend mit einer alten Glocke gerufen wird, die die Inschrift trägt: .^Johannes Soter Papiermacher 1585." Aber die Mühle ist Ater, denn hier ließ genannter Johannes Soter schon 1537 bis 1542 wissenschaftliche Werke drucken. Er war auch der Drucker seiner eigenen wissenschaftlichen Arbeiten. Entstanden sein soll die Mühle in der Zeit Luthers, als Mönche, die seiner Lehre anhingen, hier Zuflucht suchten und heimlich Bibeln druckten. Man hat auch eines Tages im Altpapier einen-Homer gefunden, der 1540 in dieser Mühle gedruckt worden war. Wer mag diesen kostbaren Besitz „entrümpelt" haben? Heute ist die Papiermühle des nachmaligen „Herzoglich-Jülich-Bergischen Erbpapiermeisters und Kaufhändlers" eine mit allen Errungenschaften der Neuzeit ausgestattete Fabrik und trägt doch den Namen „Mühle" mit Recht, denn der „Stoff" wird, wie in alten Zeiten, „gemahlen", wepn auch nicht mchr allein aus Altpapier und Lumpen, sondern aus Holzschliff. Aber der Werdegang des Papiers ist im Prinzip noch der gleiche, nur mit dem Unterschied, daß die Tätigkeit der Hand von der Maschine übernommen wurde. Das Handwerk der Papiermacher — die „weiße Kunst" — die erst mit dem Aufschwung der „schwarzen Kunst", der Buchdruckerei, in Schwung kam, .verlangt neben ausgezeichnetem Können auch echte Liebe zum Beruf, und so zog sich die alte Mühle einen Stamm von Handwerkern heran, die schon seit vielen Generationen mit dem-Werk verbunden sind. Wenn auch viele Gefolgschaftsmitglieder heute auf Motorrädern kommen, weil das enge Tal nicht Raum hat für älle, so ist doch immer noch ein großer Teil der Belegschaft beim Werke ansäffig, und dieselbe alte Glocke ruft heute wie vor dreihundert Jahren zum Schaffen und zum Feierabend. ten, waren die ersten schon vor unseren Gräben und gröhlten uns zu. Damals — im Morgengrauen — da war Martin Butz neben mir. Als mein Trompeter. „Martin", sagte ich. „Du mußt jetzt höllisch acht- geben, denn es geht um mehr als unser Leben. Und wenn ich dir sage: Blase — dann bläst du und dann werden wir schön über den Rufiji gehen, und diese Braunen können sich von mir aus in Delhi beschweren. Verstanden?" Martin grinste. Er grinste immer, und er wird in seiner letzten Stunde auch grinsen. „Verstanden", meinte er und putzte gerade sein Gewehr. „Aber die andern sind noch nicht drüben, und wenn wir zurückgehen, werden sie in einen Topf fallen, in dem es verdammt heiß sein wird, während wir hier bleiben —" „Martin", sag ich> streng, „das war ein Befehl! — und was das andere anbelangt, so ist das Ge- sckwätz. Und wenn du-meinen Befehl nicht befolgst, schieß ich dir eine Kugel vor den Kopf, denn wir sind, wie du ja wissen wirst, im Krieg —" und in dem Augenblick begann ein indisches Maschinengewehr zu bellen, und wir hatten alle Hände voll 3U tun, um die braunen Teufel zu Schiwa zu schicken. Ich sage Ihnen, Wiesner, es war eine schwere Sache, denn vor uns tauchten immer neue Feinde auf und ich mußte doch zurück, und gerade als wieder eine Afrikander-Gesellschaft einhertrabt und sich entwickelt, schrie ich: „Martin, jetzt ist's Zeit. Jetzt blase Feuer einstellen und zurück." Eine Minute vergeht und eine Zweite — ich springe hinüber, wo mein guter Martin gerade sorgfältig zielt; die Pistole war in meiner Hand; da wendet sich der Kerl seelenruhig um, grinst und sagt: ,/Jch kann nicht blasen —" und schiebt mir seine Trompete unter die Nase; da saßen drei Schuß darin, schön tief, die hatten das Zeugs zerfetzt. „Verdammt! Und was jetzt?" „Na ja", meinte Martin und streichelte liebevoll fein Gewehr, „jetzt sollen wir eben kämpfen — denn ohne Signal kriegen wir die Leute nicht zurück und das Ganze ablaufen geht doch auch nicht — aber blasen kann ich nicht." Diesner hob interessiert den Kopf. „Mit einem Wort — Sie mußten kämpfen?" Und Hasse nickte. „Es.blieb nichts anderes übrig, und es war ein scheußlicher Kampf. Einer gegen vierzig, aber wir haben ihn bestanden, fern bestanden, denn als wir um neun Uhr abends zurück- gingen, fiel nicht ein Schuß mehr. Am andern Morgen waren wir bereits tief im Süden, nenn kleine Armeen marschieren schnell und wir waren eine winzig kleine Armee. 40 Jahre in der Firma 3. D. Noll. Heute kann der Prokurist Karl Heinrich Kuhl bei der Firma Joh. Balth. Noll, Zigarrenfabriken in Gießen, sein 40jähriges Arbeitsjubiläum begehen. Im Rahmen eines Betriebsappells sand die Ehrung des Jubilars statt, wobei ihm neben Geschenken der Betriebsführung, der Angestellten- und Arbeiterschaft, die Ehrenurkunde der Deutschen Arbeitsfront überreicht wurde. Besonders hervorgehoben wurden sein Fleiß, seine hervorragenden Leistungen und die stete, tatkräftige Einsatzbereitschaft für Firma und Gefolgschaft. Herr Kuhl, der im Jahre 1898 zu der Firma Noll kam, wurde im Jahre 1911 zum Prokuristen bestellt. Nicht nur in Fachkreisen, sondern auch sonst ist Herr Kuhl eine bekannte Persönlichkeit, da er sich auf vielen ©ebieten betätigt. So ist er seit 42 Jahren Mitglied und seit 29 Jahren Schriftführer der Welt schon die Eisenbahn gekannt hätte, dann wäre unser Land nicht so bucklig ausgefallen", Von Alexander von Keller. Wir saßen unter dem breiten Sonnensegel und sahen auf die langsam vorbeiziehende afrikanische Küste; undeutlich tauchten die Umrisse der Insel Pemba auf — hinter der Tanga lag, die kleine Stadt mit dem großen Namen. Wiesner seufzte. Er war damals dabei gewesen — an jenem denkwürdigen Tag des Jahres 1914, als hundert Deutsche zehntausend braune Inder vor sich hertrieben, und wilde Erinnerungen an eine große Zeit waren in seiner Seele. Der Stewakd — ein kleiner, untersetzter Mann mit einem verschmitzten Lächeln auf dem breiten Gesicht trabte über Deck, und Wiesner beobachtete ihn ärgerlich. Olaf Hasse lachte. „Sie mögen den Mann anscheinend mcht", sagte er, „aber Sie sind ungerecht, Wiesner. Er war auch dabei." Wiesner schüttelte sich ärgerlich. „Dabei — dabei", sagte er, „Etappe oder sonst wo an der sicheren Küste. Sehen Sie sich ihn nur an, wie er geht, der Kerl hat kein Mark in den Knochen — und immer dieses Lachen!" „3a." Olaf Hasse nickte ernst. „Er lacht immer, das ist so seine Eigenheit, aber vergessen Sie nicht, er hat apch bei Tanga gelacht, als er mit zwei Bierflaschen gegen die verdammten Inder losging, als das Maschinengewehr gehemmt war — und am Rufiji; waren Sie am Rufiji? Ah, ja, Sie haben sich damals mit den Australiern im Norden herumgerauft, aber wir hatten am Rufiji auch nichts zu lachen und wenn dieser kleine, ewig grinsende Martin Butz, damals nicht bei uns gewesen wäre — Mann, ich weiß nicht, ob ich nicht heute irgendwo hinter den Wolken säße und aus dem Nebelheim auf diese Erde herabsähe." Der Steward huschte wieder vorbei, und Wiesner schloß die Augen — aber Hasse nickte ihm zu. .Miesner", sagte er nach einer Weile, „Sie wissen ja, wie alles war — und ich brauche Ihnen nicht viel zu erzählen. Wir sind damals über den Rufiji gegangen — in sieben Kolonnen, und der gute Lettow, der der Ansicht war, daß alles bereits drüben war, ließ uns sagen, wir sollten uns nicht mehr herumraufen und ihm folgen." „Genau dasselbe wie später am Rowurna", warf Wiesner ein und nickte. Halle betrachtete angelegentlich die fernere Küste. . „Na ja", sagte er endlich bedächtig, „es war dasselbe und doch wieder nicht dasselbe, aber wer . konnte sich in dem verdammten Busch auskennen? Und als uns der.alte Lettow den Befehl gab, waren noch sechs Kolonnen nördlich des Flusses und die mußte kämpfen, denn es gab keinen anderen "Aus- roeg, und daß die Trompete zerschossen wurde, Herr, dafür kann ich nichts." Der andere lachte, daß er fast vom Pferde fiel. „Von einer Trompete weiß ich nichts, aber sie haben sechs unserer Kolonnen gerettet, denn wenn Sie nicht den Feind auf sich gezogen und hingeh alten hätten, wäre es mit der Armee aus gewesen. Das wollte ich sagen." So was. Ich nahm meinen schmutzigen Tropenhut und wollte ihn eben vor lauter Freude auf den Boden hauen, da kommt mein kleiner Mützke einher, mein Unteroffizier, den ich seit Rufiji nicht mehr gesehen hatte,, und stellt sich vor mich hin und schnarrt: „Herr Oberleutnant! Ich hab es nicht früher bereinigen können, aber es muß bereinigt werden, und der Martin Butz muß auf dreißig Tage ins Loch fliegen, wenn wir mal Ruhe haben." „Warum denn?" frage ich neugierig. „Weil er", meint Mützke wütend, „am Rufiji seine schöne neue Trompete zerschossen hat; jawohl — selbst zerschossen. Vor drei Zeugen, und dann hat er sie auf den Boden gehauen und gesagt: „Und jetzt soll mal einer Rückzug blasen, wenn er kann!" I ich iEz Le Ks Ser EL»- "‘Saft?« $6 s jj, ö 'HS Gewerbeschule Gießen Llebigstraße 16 3semestrige unter Staatsaufsicht stehende Fachschule für: Baugewerbe, Maschinenbau, Maler u.Schreiner Vorbereitungskurse für Elektromeister. Staatliche Abgangsprüfung. Sem es ter beginn am r. November. Auskunft und Prospekte kostenlos. _ ___________________________________622QP 8 N SC Ä.l' sZr und 3U bet =t' 'm bern Quälten 'l'chkeit^nst ist «/1 ,Q er i ,LCrJeit 4> >r n ?r" d-. 2rtsoerc|n l|en «Sn? b-st-u I” ‘"‘l W) ■Uiitarbettern nb Kamerad n °uch unsere izeidienst. ber Kriminal. °en auf eine unserer Stadt !te. von 1908 .^Ngts. 168 “f« 1913 in Ausbruch des m Bon uletzt als Dffi- um Bolt und 9 des Eisernen , ^apserkeitz. chens in Eisen Pfer wohlver- , vls äußeres -'aierland das Kneze kehrte Müll, wo er versetzt und aptwachtmeisler 'erfolgte seine 3m Jahre 1930 ommissar. Seit Abteilung bei usgaben tätig, eutigen Ehr^r- lsache erinnetn, en große Wert- neraben bekun- ilchastssinn ujib 'iner Abteilung geregter, \o-- b her : ti\t Mnlrv \ebtxy\t Bereit seine Amts- n. Er verstand i andere Mittel hten nicht mög- h, wenn er mit i mit physiolo- e Lage des an» jum Ziel seiner es allezeit Der« eamter in dem i Gesichtswinkel nit einer affen ist trägt: ,> Iber die Muhle Mannes Soler Werke drucken. ien Wissenschaft' I die Mühle in einer Lehre an- heimlich Bibeln s im Mpap'er ] dieser Muyle lesen kostbaren ; nachnrakitzen iermeisters und wwte:" trägt doch w’ lumpen, lontl.et” /mit bem U"‘ M »er W- it»er! d-r t :ntl Wenn auch ‘•‘•St »er 5*8^* Jahren der Volksverbundenheit der Polizei fein soll, nämlich als Polizeiveamter und zugleich als Freund und Reifer der Volksgenossen. Nach diesen Gesichtspunkten hat er sein Wirken u-.reits vor der nationalsozialistischen Erhebung eingerichtet, als er in jenen Jahren in der Hauptsache die politischen Aufgaben des Polizeidienstes bearbeitete, insbesondere auch den polizeilichen Dersammlungsdienst, wobei alle seine Sympathie auf der Seite derer war, die den; opseroollen Kampf für Deutschlands Erneuerung j und Deutschlands Wiedererhebung zu Größe und Ansehen führten. Die gleichen Grundsätze beherrschen das Leben und Wirken dieses alten Soldaten und vortrefflichen Beamten auch heute nod), und fie sind es nicht zuletzt, die ihm das hohe Maß von achtungsvoller Wertschätzung eingetragen haben, das ihm in seinem Berufskreise von Vorgesetzten und allen Mitarbeitern, sowie in der Gießener Bevölkerung von vielen Volksgenossen dargebracht wird. , c i n r Dem Jubilar, der stets auch auf gutes Zusammenarbeiten mit der Presse bedacht war, gelten am heutigen Tage auch unsere herzlichen Glückwünsche. rSjähnges Dienstjubiläum an der Universität Gießen. Am 1. Oktober kann Kassenoberinspektor Karl Müller auf eine. 25jährige Tätigkeit an der Universität Gießen zurückschauen. In den ersten Jahren war er im Unioevfitätssekretariat beschäftigt, 1920 wurde ihm die Verwaltung der Veterinärkliniken und -institute übertragen. Verantwortungsbewußt widmete er sich mit großer Pflichttreue den verwaltungstechnischen und organisatorischen Aufgaben seines ständig gewachsenen Arbeitsgebietes in der Veterinärmedizinischen Fakultät, mit deren Förderung er sich persönlich verbunden fühlt. Die Fakultät erkennt dankbar Kassenoberinspektor Müllers verdienstvolles Wirken an und hofft, sich nod). lange der erfolgreichen Zusammenarbeit mit ihm erfreuen zu können. Orthopäden-Tagung in Gießen. Dom 3. dis 5. Oktober findet in Gießen unter der Leitung von Professor Dr. Pitzen, dem Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik, die diesjährige Tagung der Deutschen Orthopädischen Gesellschaft statt. Zahlreiche Teilnehmer aus dem Jn- und Ausland haben sich angemeldet. Die Tagung wird eingsleitet mit einer Ehrung von W. K. Röntgen, dessen Grab sich auf dem Alten Friedhof befindet. In den wissenschaftlichen Sitzungen wird gesprochen über: „Orthopädie und schaffendes Volk"; „Orthopädische Technik"; „Orthopädie mnd Frauenheilkunde"; „Primäre Knochengeschwülste"; „Vererbungsfragen"; „Vitamine und Hormone". Außerdem ist noch eine Reihe von Vorträgen angekündigt, in denen zu verschiedenen anderen Fragen Stellung genommen wird. Ausführlicher werden sprechen: Der Stellvertreter des Reichsärzteführers, Reichsamtsleiter Dr. Bartels (München), ferner Prof. Wachholder (Rostock), Prof. Mauz (Marburg), Prof. Anthony (Gießen), Prof. Zur Verth (Hamburg), Dr. Schrader (Kassel), Prof, von Jaschke (Gießen), Prof. Spitzy (Wien), Prof. Herzog (Gießen), Prof. Schinz (Zürich), Prof. Luxemburger (München), Prof. Kreuz (Berlin), Prof. Ostertag (Berlin), Dr. Rohlederer (Berlin), Prof. Storck (Berlin), Prok. Dirscherl (Frankfurt am Main), Dr. Sell (Gießen). Der Leitgedanke der Tagung ist die Stellungnahme zu brennenden ärztlichen Fragen der Gegenwart, insbesondere zu den Aufgaben der Orthopädie in der Gesundheitsführung des deutschen Volkes. Gleichzeitig soll die große Zahl der Hauptthemen die breiten und innigen Beziehungen der Orthopädie zu den anderen Spezialfächern der Medizin zeigen. Neben den Sitzungen werden noch ein Reihe von geselligen Veranstaltungen stattfinden. Für die Damen sind außerdem noch Besichtigungen und Ausflüge in die Umgebung Gießens vorgesehen. Wieder normaler Straßenbahnverkehr in der Kaiserallee. Der Straßenbahnverkehr in der Kaiserallee, der infolge der Verbreiterungsarbeiten und der damit notwendig gewordenen Verlegung der Gleis? eine empfindliche Störung erfahren hatte, kann, wie wir vom Elektrizitätswerk erfahren, heute mittag wieder in vollem Umfang und in normaler Weise aufgenommen werden. Obwohl sich kaum jemand aus dem Kreise des Publikums über den erschwerten Straßenbahnverkehr ernsthaft aufregte, so mußten die Fahrer der Straßenbahnwagen doch immer wieder mit dem Fahrgeld and) einige spitze Bemerkungen quittieren. Jedermann aber wußte auch, daß es sich um eine vorübergehende Maßnahme handeln mußte. Ursprünglich hatte man es ja auch anders vor. Man wollte die Omnibusse einsetzen, die aber plötzlich doch nicht zur Verfügung standen. So mußten sich die Fahrgäste eben dazu entschließen, das Stück vom Ludwigsplatz bis zur Persiluhr zu Fuß zurückzu- leyen. Es ging, weil es eben gehen mußte. Heute mittag also wird die Straßenbahn wieder durchfahren. Auch die Wagenführer werden sehr froh sein, daß das umständliche Fahren im Pendelverkehr aushört. (Siebener Dochenmarktpreise. * Gießen, 1. Oft. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche ferne Molkereibutter, % kg 1,52 Mark, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stuck 4 bis 9, (Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12% Klasse B 12, Klasse C ■ Winterkur fUr ,■ — Nervös - Erschöpfte Spezialkuranstalt Hofheim 15 (Taunus) bei Frankfurt am Main. Telefon 214 Mäßige Preise. S.-R. Dr. M. Schulze-Kahleyse, Nervenarxt Saturn im Gegenschein. Oer gestirnte Himmel im Oktober. Von Dr. Erwin Kossinna. Der Monat Oktober ist reich an glanzvollen Pla- netenerschsinungen, denn die vier hellsten Planeten lassen sich gut beobachten. Venus erreicht am 10. Oktober ihre größte Helligkeit als Abendftern, ist jedoch nur noch kurze Zeit nach Sonnenuntergang tief im Westen sichtbar. Den Südhimmel beherrscht nad) wie vor Jupiter, der zu Beginn des Monats gegen 2 Uhr, Ende Oktober um Mitternacht untergeht. Da sich sein Abstand im Laufe des Monats von 630 auf fast 800 Millionen Kilometer vergrößert, nimmt sein Glanz merklich ab. Jedoch übertrifft er noch bei weitem den Saturn, der am 8. Oktober in den Gegenschein zur Sonne tritt und damit zugleich seine geringste Entfernung von dr Erde erreicht. Mit rund 1260 Millionen Kilometer Abstand ist Saturn annähernd doppelt soweit von uns entfernt wie Jupiter. In dieser günstigsten Stellung leuchtet Saturn während der ganzen Nacht und übertrifft den Fixstern 1. Größe Ätair merklich an Helligkeit. Da der Ringplanet sich gegenwärtig im Sternbild der Fische bewegt, das nur schwache Sterne aufweist, erscheint er" in dieser Himmelsgegend als ein auffallend helles Gestirn, das sich durch fein ruhiges gelbes Licht deutlich von den funkelnden Fixsternen unterscheidet. Dem unbewaffneten Auge bietet Saturn nichts Besonderes; erst das Fernrohr offenbart uns die wahre Gestalt des ringgeschmückten Planeten. Wem es irgend möglich ist, auf einer Sternwarte den Ringplaneten "durch ein größeres Fernrohr zu betrachten, sollte diese Gelegenheit nicht versäumen. Die Ringe des Saturn bilden nicht nur eine der merkwürdigsten und lange Zeit hindurch völlig rätselhaften Himmelserscheinungen, ihr Anblick ist auch von großer Schönheit und gibt uns eine Vorstellung von den gewaltigen Kräften, die das Weltall durchfluten. In kleineren Fernrohren sehen wir nur eine ringförmige Scheide, die sich jedoch bei stärkerer Vergrößerung in drei Ringe auflöst, von denen der mittlere der hellste ist. Seit Maxwells Untersuchungen wissen wir, daß die Ringe aus zahllosen kleinen Meteoriten bestehen, die den Saturn umkreisen und durch die gewaltige Anziehungskraft straff in der Aequatorebene des Planeten zusammengehalten werden. Die einzelnen Teilchen rotieren um so schneller, je kleiner ihre Bahn ist. Während die äußersten, an der Außenkante des Ringsystems befindlichen Körperchen 14 Stunden für einen Umlauf benötigen, vollendet der innere Rand bereits in fünf Stunden eine Umdrehung. Der Saturn selbst dreht sich in 1014 Stunden um seine Achse und zeigt von allen Planeten die stärkste Abplattung, die im Fernrohr sofort auffällt. Nach neueren spektrographischen Untersuchungen bilden Ammoniakgas und Grubengas wichtige Bestandteile der Saturnatmosphäre, die demnach auch abgesehen von der sehr tiefen Temperatur von minus 150 Grad durchaus lebensfeindlich ist. Die Sonnenstrahlung beträgt auf Saturn nur ein Prozent derjenigen auf der Erde. Von den übrigen Planeten ist mit freiem Auge noch Mars zu sehen, der sich in den Sternbildern Löwe und Jungfrau bewegt und gegen 4 Uhr morgens am Osthimmel erscheint. Der abendliche Fixsternhimmel zeigt bei Beginn der Dunkelheit nur eine geringe Verschiebung der Sternbilder des Sommerhimmels, da zwar die Fix- fterne täglich um 4 Minuten früher aufgehen, die Abenddämmerung aber ebenfalls immer früher einsetzt. Gegen 22 Uhr finden wir jedoch die lypiscyen Herbststernbilder hoch am Südhimmel. Es sind dies Pegasus, Andromeda, Perseus und Widder. An das gerade im Süden stehende große Pegasusquadrat, auch Großer Tisch genannt, schließt sich rechts das Sechseck des Pegasus, links die Sternreihe der Andromeda an. Darunter bemerken wir das Dreieck und die beiden Hellen Sterne des Widders, während über dem zweiten Stern der Andromeda (von links gezählt) ein milchiger Lichtfleck den berühmten Spiralnebel andeutet, der ein fernes Milchstraßensystem darstellt und nach den neuesten Forschungen über eine Million Lichtjahre entfernt ist. Der Durchmesser dieses etwa drei Milliarden Sonnen umfassenden Sternsystems ergibt sich danach zu rund 100 000 Lichtjahren und entspricht somit der Größe unserer Milchstraße. Durch ein gutes Fernglas erkennt man bereits die starke Verdichtung der Materie des Andromedanebels nach der Mitte hin. Die Milchstraße entfaltet an klaren Oktoberabenden ihre volle Schönheit. Don der hell strahlenden Kapella im Nordoften zieht das reich gegliederte Lichtband über die Sternbilder Perseus, Kassiopeia, Kepheus und Schwan zum Adler im Südwesten. Zwischen Perseus und Kassiopeia suchen wir uns mit dem Feldglas den Doppelsternhaufen auf, dessen Abstand auf Grund des Lichtwechsels der in ihm vorhandenen gelben Riesensterne zu 3000 Lichtjahren bestimmt werden konnte. Im Osten ist das schöne Sternbild des Stiers heraufgekommen. Hier glänzt der rötlich gelbe Aldebaran, umgeben von den weißglitzernden Hya- d e n, einem lockeren Sternhaufen in 130 Lichtjahren Abstand. Darüber schimmert das Siebengestirn ober die Plejaden, vom Dolksmund Henne mit Küchlein genannt, ebenfalls ein Sternhaufen, aber wenigstens viermal so weit entfernt wie die Hyaden. Tief am Südhorizont funkelt Fomalhaut im südlichen Fisch, der südlichste in Mitteleuropa sichtbare Fixstern 1. Größe. Im übrigen erfüllen die vorwiegend aus schwachen Sternen bestehenden Bilder Walfisch, Fische, Wassermann und Steinbock den Südhimmel. Wenden wir uns nach Norden, so steht groß der Himmelswagen im Gr. Bären in seiner tiefsten Stellung vor uns. Die gewundene Sternlinie des Drachen führt nach Westen zur hellftmhlenden Wega in der Leier. Der Kleine Bär steht Kopf, denn fein Schwanz ist nach oben zum Polarstern gerichtet. Der optisch veränderliche Stern Algol im Perseus hat günstig zu beobachtende Lichtminima am 5. Oktober um 21 Uhr, am 8. um 18, am 25. um 23 und am 28. um 20 Uhr. Die Sonne wandert auf ihrer scheinbaren Bahn im Oktober kräftig nach Süden; ihre Mittagshöhe verringert sich dabei um 10 Grad ober 19 scheinbare Sonnendurchmesser. Der Mond zeigt folgende Lichtgestalten: erste Viertel am 1., Vollmond am 9., letztes Viertel am 16., Neumond am 23., erstes Viertel am 31. Oktober. In der Frühe des 21. Oktober siebt die schmale Sichel des abnehmenden Mondes dicht unter dem Mars. 11%, Klasse D 10%, ausländische 11 bis 12%, Wirsing, % kg 8 bis 10, Weißkraut 8, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben und Karotten 10 bis 11, rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 25 bis 30, gelb 25 bis 30, Rosenkohl 30 bis 35, Feldsalat, 1/io 10, Tomaten, % kg 10 bis 25, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 45 bis 70, Rhabarber 12 bis 15, Kürbis 8 bis 9, Pilze 45 bis 50, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,15 bis 3,45 Mark, Aepfel, % kg 25 bis 40 Pf., Falläpfel 15, Birnen 20 bis 40, Brombeeren 40 bis 50, Preiselbeeren 40 bis 45, Hauszwetschen 20 bis 25, bulgarische Zwetschen 45 bis 50 Pf., junge Hähne 1 bis "1,20 Mark, Suppenhühner 80 Pf. bis 1,05 Mark, Enten 1,20 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 60, Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 20, Einmachgurken 1 bis 6, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 12 Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf. Angleichung des Postdienstes im Lande Oesterreich. Vom 1. Oktober 1938 an wird der Paketdienst mit dem Lande Oesterreich dem im alten Reichsgebiet angeglichen. Für Pakete und Postgüter gelten fortan die innerdeutschen Vorschriften, Formblätter und Gebühren. Der Nachnahmedienst zwischen dem Altreich und dem Lande Oesterreich wird erst am 1. November 1938 aufgenommen; die Verwendung von Nachnahmepaket- und -postgutkarten ist daher erst von diesem Zeitpunkt an möglich. Eine Zollinhaltserklärung muß in der Regel vorläufig noch jeder Paketsendung nach Oesterreich beigefügt werden, da die Postämter in Oesterreich wie bisher verpflichtet sind, alle Paketsendungen aus dem Altreich — abgesehen van bestimmten Ausnahmen — einem Zollamt zur Abfertigung zu ge- stellen. Auskünfte erteilen dje Postämter. Vom 1. Oktober d. I. an wird der Postzeitungs- dienst im Lande Oesterreich nach den im Altreich geltenden Vorschriften ausgeführt. Es können dann sowohl die in diesem Lande als auch die im Altreich erscheinenden Zeitungen durch Vermittlung der Post bezogen werden. Ferner können die an Zeitungshändler und Zeitungsoertriebsstellen gerichteten Zeitungen als Bahnhofszeitungen ober als Postzeitungsgut versandt werden. Nach Beendigung der umfangreichen Vorcrrbei- ten werden am 1. Oktober 1938 im Lande Oesterreich die deutschen Ferngesprächsgebühren eingeführt. Dadurch tritt eine erhebliche Senkung der Gebühren für Ferngespräche zwischen dem alten Reichsgebiet und der Ostmark ein; z. B. ermäßigen sich die Gebühren für ein gewöhnliches Dreiminutengespräch am Tage (8 bis 19 Uhr) zwischen Berlin und Wien von 4 Mark aus 2,70 Mark, zwischen München und Wien von 3 Mark auf 2,10 Mark, zwischen Hamburg und Wien sowie zwischen Köln und Wien von 5 Mark auf 3 Mark. Auch für Ferngespräche zwischen Orten im Lande Oesterreich werden die Ge- bühren wesentlich verbilligt. Die im Lande Oesterreich für die Anmeldung eines Ferngesprächs früher vorgesehene Gebühr ist bereits am 1. August 1938 weggefallen. Zum gleichen Zeitpunkt sind die Zuschlagsgebühren für besondere Gesprächsarten (z. B. Gespräche mit Voranmeldung) den deutschen Gebührensätzen angeglichen worden. Im Ortsdienst gelten wegen der abweichenden technischen Einrich- tungen bis auf weiteres noch die bisherigen österreichischen Gebühren. * ** Mieterjubiläum. Am heutigen 1. Okta- ber wohnt der Feldschütz i. R. Karl Schön seit 25 Jahren im Hause des Kaufmanns Hermann Elges, Seltersweg 66. Dieses Jubiläum einer Vierteljahrhundert langen Mietergemeinschaft ist sowohl für den Mieter, als auch für den Vermieter ein schönes Zeichen der harmonischen Hausgemein- schäft. ** Schulbeginn an der Oeffentlichen Handelslehranstalt Gießen. Die Leitung der Oeffentlichen Handelslehranstalt Gießen gibt bekannt, daß der Unterricht wieder planmäßig am Montag, 3. Oktober, beginnt. Von meinen Herzbeschwerden befreit Machen auch Sie einen zwei- bis dreimal tä| " " tarn in'eÄ%n^Swri‘en‘ ün’b •Ämi.äufein "in'3tofd)en.3u BOT 2.80, 1.65 -nd °M 3-HEnt.n verlangen ausführliche Druckschrift Nr. 281 kostenlos von Det alleinigen Herstellerin, FullM W. E. M. Klosterfrau«, Köln a» Rh.. GereonsNüblengalle &-4L und zwar durch Klosterfrau-Melissengeist, das berichtet am 22. 4. 1938 Frau Rosalie Sterr (Bild nebenstehend), Hausfrau, Geiselhöring/Bay., Hahnengasse 9-10. Sie schreibt wie folgt: „Es ist mir eine Freude, Ihnen meinen Dank und meine Anerkennung für Klosterfrau-Melissengeist auszusprechen. Ich hatte unter Herzbeschwerden gelitten und versuchte Klosterfrau-Melissengeist. Ich nahm immer einen Teelössel aus einen Eßlöffel Wasser. Der Schmerz war wie wcggeblasen. Mein Wunsch ist, daß alle Menschen, die von ähnlick)en Herzzuständen geplagt sind, Klosterfrau-Melissengeist versuchen. Zum Dank werde ich ihn weiterempsehlen." Diese vorzügliche Wirkung des Klosterfrau-Melissengeistes bei Herzkrankheiten, die nicht auf organischen Fehlern beruhet, ist aus seiner Zusammensetzung erklärlich. Als Heilkräuter-Destillat enthält er neben der Melisse, die bereits seit Jahrhunderten als Herzstärkung bekannt ist, noch eine Anzahl anderer heilkräftiger Pflanzen, Kräuter und Wurzeln. Durch die Bielfältigkeit der in ihm enthaltenen Bestandteile übt Klosterfrau-Melissengeist eine beruhigende Wirkung auf die gesamte Herz- und Nerventätigkeit aus. Er hilft so Beschwerden beseitigen, die auf Störungen der Herz- oder Nerventätigkeit zurückzuführen sind, wie Schlaf- oerben oder Kopfschmerzen. Diese Erkrankungen überwindet Klosterfrau-Melissen- kosigkeit, nervöse Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen. Diese Erkrankungen überwindel Klosterfrau-Mel^srn- aeift aus natürliche Weise, weil er deren Ursachen behebt. K , „a ----«•- ---n Versuch mit Klosterfrau-Melissengeist! Er ist hoch konzentriert; darum genüat es, iglich einen Teelöffel voll auf einen Eßlöffel Wasser zu nehmen, um den gewünschten IVrMten fiIoft£tftau!OTeHfknqeifVin ^teUnte" ** D i e Gewerbeschule Gießen, die Fachschule für Baugewerbe, Maschinenbau, für Ma» (er und Schreiner, eröffnet am 2. November das neue Semester. Amtsgericht Gießen. Am 12. Juni 1938 gingen ber W. H., K. M., K. S. und der H. M., sämtlich aus Watzenborn-Steinberg, gegen 20 Uhr auf der Straße Steinbach—Garbenteich. In gleicher Richtung fuhr der H. D. aus Lindenstruth mit seinem Motorrad. Dieser wollte die vier Angeklagten zunächst ordnungsgemäß links überholen. Er gab mehrmals Signal. Da der Motorradfahrer glaubte, daß er die Fußgänger nicht links überholen könnte, versuchte er im letzten Augenblick auf der rechten Straßenseite an ihnen vorbeizukommen. Das gelang ihm aber nicht. Er streifte zwei der Fußgänger und kam selbst mit feinem Motorrad zu Fall. Sämtliche Beteiligten erhielten wegen Uebertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung Strafbefehle. Während der Motorradfahrer H. D. seinen Strafbefehl rechtskräftig werden ließ, legten die vier Angeklagten Einspruch ein. Da ihnen in der Verhandlung vor dem Einzelrichter ein Verschulden an dem Zustandekommen des Verkehrsunfalles nicht nachgewiesen werden konnte, wurden sie f r e i gesprochen. Aus ber engeren Heimat. Landkreis Gießen. = Daubringen, 30. Sept. Die hiesige K r 11 < gerkameradschaft führt zur Zeit ein Scheibenschießen über mehrere Sonntage durch. Es wurden bereits sehr gute Ergebnisse erzielt. Die besten Schützen sind bis jetzt Schießleiter Hch. B i e r a u , der mit 12 Schuß 140 Ringe und L. M o h r, der mit 12 Schuß 135 Ringe erreichte. Geschossen wird mit Wehrmannbüchse auf 100 Meter Entfernung auf die 12erRin>gscheibe. Demnächst findet auch das dritte Wanderpreisschießen statt, das ausschließlich für die Ortsansässigen bestimmt ist. # Daubringen, 30. Sept. Da sich der Post- verkehr in unserem Orte ganz erheblich gesteigert hat, wurde die hiesige P o st st e l l e mit Wirkung vom 1. Oktober ab in eine Postagentur um- geroanbelt. — Die Sammlung unserer Schule für den VDA. brachte hier das schöne Ergebnis von 45 Reichsmark. Kreis Bübingen. * Unter-Widdersheim, 30. Sept. Der 67 Jahre alte Landwirt Wilhelm Eckel von hier erlitt bei einem Unfall so starke Verletzungen an den Beinen, daß ihm in der Klinik zu Gießen ein Bein amputiert werden mußte. An den Folgen dieser Verletzungen ist der bedauernswerte Mann in ber Gießener Klinik verstorben. Rundfunkprogramm Sonntag, 2. Oktober. s 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Evangelische Morgenfeier. 8.45: Kampf und Arbeit. 9:Tanz unterm Erntekranz. 9.45: Dichter unserer Zeit. Hans Leif- helm: „Steirische Bauern". 10: Wie schön ist so ein Feiertag! Frohsinn auf Schallplatten. 10.30: Chorgesang. 12: Musik am Mittag. 14: Für unsere Kinder. 14.30: Uns gehört der Sonntag! Ein Reigen sorgloser Melodien. 15.15: „Sechs Schütz-linge" halten uns bei guter Laune. 16: Unterhaltung und Sport. 18: Wir bringen mit Gesang tmb Tanz dir diesen schönen Erntekranz. Eine Sendung der Jugend zum Erntedankfest. 18.30: Kleines Mosaik vorn bunten Leben. Mit Beiträgen. 19.30: Sportspiegel des Sonntags. 20: Nachrichten. 20.15: lieber- nähme. 22: Nachrichten. 22.15: Sportbericht. 22.30: Tanz und Unterhaltung. 24 bis 2: Nachtkonzert. Festliches Konzert. ZHonfag, 3. Oktober. 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrich- ten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zux Wevk- paufe. 9.30: Nur Kassel: Nachrichten. 9.40: Kleine Ratschläge für den Garten. 9.50: Wer ist Tierfreund? 10: Schulfunk: Denn wäre nicht der Bauer, so hättest du kein Brot. 11.45: Rus ins Land. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Komponisten der Gegenwart unterhalten uns. Heute: Eric Plessow. 15: Für unsere Kinder. 16: Nachmittagskonzert. 18: Wir blättern zurück. 18.10: Künstler des Alltags. 18.30: Von der braven Infanterie laß ich all mein Lebtag nie. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautspre- cher. 20: Nachrichten. 20.15: Stuttgart spielt auf. 22: Nachrichten. 22.15: Kamerad wo bist du? 22.35: Nacht- und Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtmusik. Schöne Melodien. Dienstag, 4. Oktober. 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7; Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur-Werkpause. 9.40: Was können wir Frauen besser machen? 10: Das Erbe im Blut. Eine Bauernchronik. 11.45: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert II. 14: O holde Frau Musica! d'Ambrosio — Atterberg. 15: Kleines Konzert. 16: Nachmittagskonzert. 18: Volk und Wirtschaft. Wer erhält eine Invalidenrente? 18.30: Klang der Landschaft. Was die Sage erzählt. Hörfolge. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 20.15: Meisterkonzerte für die Jugend. 1. Beethoven-Abend. In der Pause: Anekdoten um Beethoven. 22: Nachrichten. 22.20: Politische Zeitungsschau. 22.35: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 2: Nachtmusik. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach. mittag geschlossen Wasserdichte Dächer erzielt man unter Garantie durch die seit über zwölf Jahren bewährte, kalt aufstreichb. Bedachungsmasse 1PA\IRA\TIECT Dächer, Mauern und Behälter aus Blech, Beton oder Pappe, sowie Fugen, Löcher und alte Dächer werden durch einfaches Aufträgen von ,,Paratect“ vollkommen wasserdicht gemacht und bleiben dadurch gegen schädliche Einwirkung v. Wasser, Feuchtigkeit u. Verwitterung dauerhaft geschützt. Wir allein schon leisten jahrelange Garantie Verwenden Sie deshalb „Paratect“. "Sie werden in jeder Weise zufrieden sein. Kostenlose Aufklärungsschrift T 24 von Ansaat Degenhardt, Frankfurt a. M., Schieidenstraße 17, Ruf 53209, oder direkt von „Paratect“, Borsdorf/Leipzig. 8MiV Wanhläoco von3b,s20v,H-erha,tens,ebelw,0dWto IiuullldSSu holten Veröffentlichungen einer Anzeige! 6197 A Am 1. Oktober 1938 besteht die -OPEL- kurzfristig lieferbar Aetreideholk^ Das Spiel in derfflassenloBerie wird billiger 6236A Wamder neaw 6274D 6262 A Gardinen iiWirfaiiih) Teppiche Polstermöbel Mittwoch, den 5. Oktober, im Gesell- ' schafts verein e. V. (Klub), Sonnenstraße * Gebr. Seelbach 6232C Verkaufsstelle 6177 A 6235a Gießen, Aeujiadt 1, sae Nahnyosstraße DEUTSCHE MÖBEL HANDELSMARKE Gießen tin Ott Cohn als Künstler die eigenen Kinder: „Da bleibt man gern zu Hause!“ Bekannt durch billige Preisgestaltung werden die Artikel der Firma (Herrenartikel, wie Wäsche, Krawatten, Handschuhe,Unterzeuge,Hosenträger,Gamaschen usw., sowie Damenartikel, wie Handschuhe, Strümpfe, Unterzeuge) in empfehlende Erinnerung gebracht Sakko-Anzüge mod. Formen u. Färb. 36.- 54.- 68.- 84.- Spo rt-An zü ge strapaziert. Qualität. 34.- 48.- 59.- 74.- Uebergangs-Mäntel Gabardine u. Cheviot 36.- 48.- 62.- 79.- Loden-Mäntel und Gummi - Mäntel 16.50 24.-32.-39.- Richtige und fachmännische Bedienung durch das gute Fach-Geschäft 1,5 Ltr. 4 Zyi. »Olympia« v. RH. 2675.- an a.W. 2,5 Ltr. 6 Zyl. »Super 6« v. RM. 3350.- an a.W, Staatliche Lotterieeinnahme Buchacker Gneisen, Neuen Bäue 11 6212 A Barzahlung meistbietend versteigert: 1 Büfett mit Kredenz, 1 Ausziehtisch mit 6 Stühlen, 1 Standuhr. 1 Zweispänner-Kastenwagen. Stadtkasse Gießen. Vollstreckungsstelle. Deshalb machen Sie einen Besuch in unserem Hause, da wir Ihnen bei der Fülle von Neuheiten in Stoffen, sowie unter den aparten Herbstmodellen in Kleidern und Mänteln jeden persönlichen Wunsch erfüllen können. FRANKFURT AMMAIN gegründet 1829 Das Einrichtungshaus für alle und ledert I wenn Sie Ihr Los am Ort kaufen, denn Sie sparen alle Nebenkosten Die neuen Lose sind da! Für nur 3 — RM. pro Klasse können Sie 100000 — RM. gewinnen! Sichern Sie sich sofort ein Los bei Ein Abend zu Hause Hausmusik auf einem Klavier von SCHÖNAU JAN MÜLLER mit seinen Solisten aus Wildbad/Kurjiote), spielt ab heute im CAFE AMEND Nachmittagszirkel 16 Uhr ’ Abendzirkel 20 Uhr < Gefällige Anmeldungen, auch für Einzelunterricht, am < 5. Oktober, ab 14 Uhr, im Unterrichtslokal 04330 Es ladet ergebenst ein L. KIEFERDORF, Tanzlehrer • Wetzlar Verste gerungsanzeige. Dienstag, den 4. Oktober 1938, nachmittags 15 Uhr. werden auf dem städtischen Lagerplatz in der Stein- straße nachstehende Gegenstände zwangsweise gegen Motorwagen* Verkaufsges. m. b. H. Gießen Frankfurter Str. 52 / Ruf 2847 Tonedle Pianos und Flügel in reicher Auslese. Pianohaus R. Schönau Kein Schaufenster nerr nooelmonn hot lange schon in defiifenem SchöpferDconge aus der sogenannten „Konfektion", aus Der „Kleidung oon Der Stange" mit beschick unDDorbeDadit etwas besseres gemacht. Sein proDuht Der neuen Zeit helfet: „Geprüfte Sodiorbeifl Ankauf von Rohprodukten aller Art Lumpen, Knochen, Papier, Gummi, Flaschen Alteisen Verkauf von Nutzeisen Abbrüche von Maschinenanlagen usw. Born & Co., Giefeen (früher Firma Hermann Heß) Schützenstraße 62 Telephon Nr. 42&3/ Bestellungen werden durch Sammler abgeholt. 5741 D Unsere große Son der-Abtei lang für Deutsche WK-Möbel ist eine Sehenswürdigkeit für alle Freunde zeitgemäßer W o h rtg e s t a 11 u n g. WK-Möbel sind mustergültig in Form und Arbeit, seit über 20 Jahren bewährt. Firma Wilhelm Wirsig Gießen, Seltersweg 10 Das be* wieder ^ntcl sich an diesem ur das gnoöi diesem Zähre, werden ■ schastlichen Ge öinnl der Du sondere Bedeu< genossen in er mit dem 1 verwurzelt ist. in der größte jjinausfommen -es Landmam scheu Stadt ui und Land ger Mter und Grundstück ir ihren Toren ren Heimat sich, daß St Hand in hm an den Schi Gnade einer Bis zu die war es auch mat ein Wei Sorge um Anläßlich der Tagung der veuWen LttuopSSWen SeseWoll stndet Montag, den 3.Oktober, Dienstag, den 4.Cb tober, und Mittwoch, den 5. Oktober 1938 Keine Sprechstunde in der SlWWWen Klinik Gietzen statt. tiom ^Pyright by Fortsetzung. Ne-ser tei- 1,rN* Ä {■? 5i ben." uberöQ HÄ Am )ch alta, “ n,i »Wb«’"®1 Sie über S'ne J.et Förster i^Ders -öienei ' m *•^1 Ramsveck 6- Schnell Großhandlung Frankfurt/Main 17, Elbestr. 32 Gegründet 1894 Ruf 31682 Ständig großes Lager in Büro- und Schulartikeln Beine Leder waren: Börsen, Tresors, Schüleretuis, Brieftaschen, Schulranzen und dergl. Bohner-Fabrikate: Mund- und Handharmonikas Gummibälle, Gummi- und Zelluloidpuppen, Kinderfahnen, Girlanden usw Toilette-Artikel: Frisier- und Taschenkämme, Rasierspiegel, Rasierseifen,Rasierklingen,Mou- son-Fabrikate Bilderrahmen aus Holz und Glas Wandspiegel Kordel und Bindfaden auch an Großverbraucher Alles nur in ersten Marken und Qualitäten Verkauf nur an Handlungen. Bei guter Empfehlung 90 Tage Ziel Cate-Reftaarant Rheiiüold Gemütliche Gaststätte 6254a Heute verlängerte Polizeistunde! •Fleischbiilleo Fleischständer • Waschbütten KiilereiSommerkorn @Bleich$Mel2. oon 3M« 20 o. 6. erhalten Sie bei wiederholten Ans. nahmen einer Ameia» Staatlldie Lotterieeinnahme x ä Flimm (M, Giefeen, Walltor strafte Tanzschule Kieferdorf ' Meine diesjährigen Herbstkurse für Anfänger . und Fortgeschrittene beginnen ’ Seltersweg 20 6224 a CARLNOWA.CK WMWilWW^ GIESSEN. SELTERSWEÜ 81' .öffentliche Handelslehranstalt Giehen, Wernerwall 11 Der Unterricht beginnt wieder planmäßig am 62S3D Montag, dem 3. Oktober. Verlobungs-Anzeigen liefert Brühl’sche Druckerei Bett federn 6265 A TH&'gut und billig bei Ludwig Haas Gießen Plockstr. 7 Gießen AkWMMM) Von Samstag, den 1. Oktober, bis einschließlich Sonntag, 9. Oktober 1938, auf Oswaldsgarten Neuartige Stijflu- ii. VerknnssseWiiste, großer vergniignngsnnrk Ter Oberbürgermeister. wünschen Sie, mil Kechf in allen Gingen Ihrer Kleidung grosse AllsucM u. niedrige 'Preise werden Sie gleich ermass en angenehm überraschen !! 3 18; u* 18) W Nr.ZZtt viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) 1./2. Moder 19Z8 die en, w är- Der Höhepunkt zur Erntezeit: die Arbeit an der Dreschmaschine. die Ernährung unseres Erntedank» Heimkehr nach getaner Arbeit. die Landfrau dadurch eine Hilfe, insbesondere wäh- Ueberall ist jetzt die Kartoffelernte im Gange: Einfüllen des Segens in Säcke. Der Traktor, ein wertvoller Helfer. (Nachdruck verboten!) 29. Fortsetzung. Ziühlen, Abteil"1^ > Welt st auf noch das Nah- der Stadt mit werden mutz. Annehmlichkei- aus dem rungsgut erbracht Von den allmählich Stadt und und Frau und für die älteren Kinder schon früh am Morgen das harte Werk des bäuerlichen Schaffens beginnt, bis es erst spät am Abend sein Ende findet. Erfreulicherweise hat in manchen Orten, insbesondere in unserem Kreise Wetterau, wenigstens .Möbel jigkeü zeitge* Itunfr na< Arbeit flirt' rieeinnahme cker nBäuell --E. Lebenskreise angeknüpft, um daraus weitere Bindungen für die Zukunft von Land erstehen zu lassen. Wer Gelegenheit hatte, einen Tag des Nahrung aus der heimischen Scholle zu passieren hatten. Mancherlei Enttäuschungen mußten wir da- . 'n diesem Jahre in Kauf nehmen. Es handelt sich la nicht allein um die ausreichende Gewinnung einer einzigen Art von Erntegut, sondern um die Sicherung alles dessen, was wir als unser täglich Brot gebrauchen. Zwar ist in diesem Jahre in Oberhessen die Obsternte nicht in dem erhofften mengenmäßigen Ausmatz zum Bestandteil unserer Ernährung geworden. Dafür sind uns aber auf anderen Gebieten der Ernahrungswirtschaft so reiche Gaben aus dem fruchtbaren Schoße unserer Heimaterde erwachsen, datz wir uns des Gesamtergebnisses unserer dies- jobrigen Ernte mit gutem Grund erfreuen können. In schwerer Arbeit haben unsere Volksgenossen auf dem Lande diesen Segen aus dem Heirnat- boden gewonnen. Frauen und Kinder haben den Männern bei der mühsamen Arheit unermüdliche Hilfe geleistet. Die landwirtschaftliche Betriebsweise in unserer engeren Heimat ist ja immer noch zum grötz- ten Teile auf den vorwiegenden Einsatz der menschlichen und tierischen Arbeitskraft eingestellt. Betriebe mit weit vorgeschrittener Motorisierung gehören in Oberhessen zu den Seltenheiten. Und so ist es denn hier eine Erscheinung des Alltags, datz für Mann unter dem Zeichen der festlich-frohen Erntedonkfeststimmung einige Stunden der Freude zu erleben. Diese Besuche nahestehender Familien sind an einem solchen Tage im oberhessischen Bauernhaus immer gern gesehen. Es sind keine sog. rauschenden Feste, die man da während einiger Stunden gemeinsam verbringt, aber der V Getreidehocken auf dem Stoppelfeld — das Sinnbild der Erntezeit. Das deutsche Volk begeht am morgigen Sonntag wieder Erntedankfest. Land und Stadt werden sich an diesem Tage vereinen in froher Dankbarkeit für das gnädige Geschick, das unserem Volke in diesem Jahre eine besonders reiche Ernte zuteil werden ließ. In einem so überwiegend landwirtschaftlichen Gebiet, wie unser Oberhessen es ist, gewinnt der Dank für eine gesegnete Ernte noch besondere Bedeutung. Denn hier wird auch dem Volksgenossen in der Stadt besonders offenbar, wie eng er mit dem Lande verbunden, ja vielfach mit ihm verwurzelt ist. Nur weniger Schritte bedarf es selbst in der größten Stadt Oberhessens, in Gießen, um hinauskommen in den Lebens- und Arbeitsbereich des Landmannes. Noch enger sind die Fäden zwischen Stadt und Land dort geknüpft, wo Kleinstadt und Land gewissermaßen ineinander aufgehen, der Hüter und Bearbeiter unserer Scholle selbst sein Grundstück in der Stadt und die Aecker dicht vor ihren Toren besitzt. Da ist es denn in unserer engeren Heimat ganz natürlich und besonders verständlich, daß Stadt und Land auch am Erntedanktag Hand in Hand stehen und ihren gemeinsamen Dank an den Schöpfer und Lenker aller Dinge für die Gnade einer guten Ernte bekunden. Bis zu diesem Tage des Dankes und der Freude war es auch in unserer engeren oberhessischen Heimat ein Weg, auf dem wir zahlreiche Stationen der Sorge um das Wachstum und Gedeihen unserer ten des Lebens gönnen sich der Mann und die Frau auf dem Lande, ebenso auch die junge Welt nicht viel. Das Gesetz ihres Lebens ist jahr- aus und jahrein vor allem der Dienst an der |MA|N l8!’ |edeifl „Na klar, wo er doch immer auf Weiga mit ihm zusammen war. Er ist doch erst nach Baronin Veras Tod wieder nach Rehwaldau zurückgekommen." „Gibt es hier jemanden, der die Verhältnisse von früher noch aus eigener Anschauung kennt, abgesehen von den Leuten im Schloß?" fragte Fiedler nach längerem Grübeln. Plötzlich war ihm ein Gedanke gekommen. Der Förster überlegte. „Die alte Hanne", sagte er schließlich, „sie war die Amme der Baronesse und ist erst auch, nach Weiga mitgegangen. Dann kriegte sie es auf ihre alten Tage nochmal mit dem Heiraten, und die Herrschaften schenkten ihr ein Häuschen in Tschirnbach. Ich weiß, daß sie noch lebt, ich habe sie erst neulich gesehen." „Wie ist ihre Adresse?" „Johanne Krüger heißt sie jetzt. Wenn Sie ins Dorf kommen, gleich das erste Haus auf der rechten Seite." Fiedler übernachtete in Küppmgen und fuhr am folgenden Morgen früh nach Tschirnbach hinaus. Es war nicht leicht, das Vertrauen der alten Hanne zu gewinnen, aber sein Einfühlungsvermögen und seine Fähigkeit, die Menschen zu nehmen, bewährten sich auch hier. Als er nach zwei vollen Stunden die alte Frau verließ, sah man an seinem Gesicht, daß er den Zusammenhang der Dinge begriffen hatte. — Am gleichen Morgen ging Dore in den großen Anrichteraum, in dessen Ecke neben der Heizung Aslan und Scheitan ihr Lager hatten, um die beiden zu dem üblichen Spaziergang abzuholen. Die eine Türe führte in die Küche, die andere in den Flur und eine dritte ins Dienerzimmer. Und dort hörte sie die zornige Stimme von Evers, der anscheinend einen der Diener wegen eines Versehens ausschimpfte. Dore blieb unwillkürlich stehen, da kam er auch schon aus der Türe gestürmt und rannte an ihr vorbei, ohne sie zu beachten. Sie schaute ins Dienerzimmer und sah Willi mit einem wütenden Gesicht dasitzen. „Pst, Willi — was ist denn los?" Er sah auf. Sein Gesicht erhellte sich etwas, als er die nette Sekretärin erkannte. „Ach, Frollein, dieser alte Idiot macht einen hier madig, bloß weil ich seine dämliche Kette gestern bei Webern vergessen habe." — Weber war der Juwelier von Küp- pingen. —' Unkosten da! ewinnen! in der Stadt dem Landvolk am morgigen Erntedanktag ihren herzlichen Dank dar. Dabei werden vielfach, die persönlichen Beziehungen zwischen den Menschen in der Stadt und denen in den Dörfern erneut lebendig und vertieft. Gerade auf so schmalem Raum, wie er in unserer engeren Heimat zwischen Stadt und Land besteht und die gute Bekanntschaft von Mensch zu Mensch ermöglicht, ist die Verbundenheit zwischen Stadt und Land besonders stark. Diese Gemeinsamkeit hat zur Folge, daß gerade am Erntedanktag Menschen des städtischen Lebenskreises viel hinauspilgern zum Dorf, um dort mit ihren Freunden im bäuerlichen Berufe „Was für eine Kette?" fragte Dore. „So ’ne feine goldne, an der er sich ’nen Medaillon um den Hals bammelt wie ’n Mä'chen", grinste Willi, dem es augenscheinlich wohl tat, seinen Aerger auf diese Weise herauspoltern zu können. „Ach nein, der alte Evcrs trägt ein Medaillon um den Hals? Das hätte ich ihm wirklich nicht zuqetraut." . „Soll ja auch keiner wissen, da paßt er mächtig auf. Aber rote er mal die Grippe hatte, da mußte ich ihm mal was bringen, weil er fest zu Bett tag. und da ging die Jacke von fein Pidjamma vorne uff, und da habe ich es ganz deutlich gesehen, wenn er se auch rasch zuzog. Es war dieselbe Kette.« die jetzt heil gemacht werden soll. Und dadrum hat er sich nu wie ein Irrer." „Mergern Sie sich man nicht, Willi! Kommen Sie, hier haben Sie eine Zigarette, eine extrafeine!" „Schönen Dank, Fräulein!" Willi war sichtbar getröstet. Sie sind ein feines Mädchen, das sagen die andern auch." „Das ist nett von den andern", lachte Dore. „Aslan, Scheitan, kommt!" In der Mittagspause war Dore zu müde zum Spazierengehen, sie nahm darum einen der Liegestühle von der Terrasse und trug ihn hinunter in den Park Es war ein windiger Tag, aber dicht unter der Brüstung fand sie em geschütztes Plätzchen, wo außerdem noch Sonne hinkam. Sie legte sich behaglich zurecht und schloß die Augen. Das Aufstoßen eines Stockes auf dem Steinboden der Terrasse riß sie aus ihrem Hindämmern. — Der alte Herr hielt sonst immer Mittagsruhe in seinen Zimmern, sonst hätte sie sich hier nicht hingelegt. Eigentlich müßte sie nun das Feld hier räumen. Aber es lag sich so behaglich in dieser Ecke, und vielleicht ging er auch gleich wieder hinein. Er ging leider nicht hinein, sondern setzte sich an einen der Tische, und sie wollte sich gerade mit einem Seufzer erheben und möglichst ungesehen verschwinden, als sie die Stimme von Ewers hörte, der auf die Terrasse trat. Er hatte anscheinend telephoniert. „Der Herr Notar läßt sagen, daß es ihm morgen leider unmöglich ist, er wird aber übermorgen nachmittag hier sein", meldete er. (Fortsetzung folgt!) Besuch aus der Stadt erfährt doch die herzliche Gastfreundschaft, die bei uns auf dem Lande schon immer eine gute Pflegstatt hatte. Und im Austausch der Gedanken und Meinungen, wie auch gemeinsamer Erinnerungen werden alte Bande von Mensch zu Mensch noch mehr vertieft und verstärkt, oder neue Fäden zwischen der Jugend beider ,enb der Erntezeit erfahren, daß Kindergärten, die neuerdings in steigendem Maße auch von der NSV. eingerichtet werden, ihr die Sorge um die Kleinen zu einem großen Teile abnehmen. Dafür setzt die Frau des oberhessischen Bauern oder Landwirts unermüdlich ihre ganze Kraft mit für den Wirtschaftsbetrieb ein, auf dessen Grundlage die ganze Familie lebt und „zeige. chwittags 15 Uhr, latz in bet SW Scholle, die Sorge um Volkes. Für all das, was mit diesem Dienen und Sorgen des Landmannes unbDer Landfrau verbunden ist, bringen die Volksgenossen wstag. den 4.Cf< jber 1938 tunde Gute Ernte — froher Dank Oberhessen am Erntedanktag 1938. Kannst du zurück, Dore? JRoman von Hedda Lindner. Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35. bekannt. Er stammt doch hier vom Gut, und ich kann mir nicht denken, daß er ihn so einfach abschießt. Aber ich sah damals einen Augenblick sein Gesicht, als er den jungen Herrn ansah, es war so — so merkwürdig, so voller Hohn — so könnte man sagen. Und als er merkte, daß ich mich aufgerichtet hatte und ihn ansah — ich hatte mich vorher über den alten Herrn gebückt —, da schaute er rasch zur Seite und zeigte auch gleich wieder sein gewöhnliches Gesicht. Ich habe in diesen Jahren immer wieder darüber nachgedacht und mir gesagt, das ist ja alles Unsinn, der Evers tut so was nicht — aber dieses Gesicht kann ich nicht vergessen." „Kann denn Evers überhaupt schießen?" „Und wie! Er ist doch früher immer mit dem jungen Herrn zusammen auf der Jagd, gewesen; soll besser geschossen haben, als alle zusammen. Und darum glaube ich auch wieder nicht, daß er es war, denn der Schuß ist auf höchstens vier Meter abgegeben worden und war eigentlich ganz ungefährlich. Wenn das Geschoß nicht dummerweise im Arm stecken geblieben wäre, hätte man ihn fast einen Streifschuß nennen können, und Evers hätte ihn bestimmt ins Herz geschossen, wenn er gewollt hätte." „Wenn er gewollt hätte!" wiederholte Fiedler langsam. Dann fragte er: „Baron Gerald schießi doch auch sicher?" „Das tut er. Aber da sagte die Polizei, daß er vielleicht durch die Aufregung unsicher geworden ist, weil er vorher Streit hatte." „Die Ansicht ist nicht unberechtigt", gab Fiedler zu. „Wie stand Evers mit dem jungen Baron?" fragte er weiter. Der Förster zuckte die Achseln. „Er kam kaum mit ihm zusammen; Baron Gerald behandelte alle Leute gut. Ein Grund zu Feindseligkeiten war da sicher nicht vorhanden." „Und warum mag Evers Sie nicht leiden?" forschte der Kriminalrat weiter. Schröder kratzte sich etwas verlegen den Schädel. Man mag nicht gern mit Gefühlen kommen wie ein altes Weib, aber ich bin sicher, daß Evers mich seit dieser Sache auf dem Strich hat und auch den Herrn von Petry gegen mich aufhetzt. Früher grüßte der immer freundlich zurück. Wenn ich ihn jetzt treffe, tut er immer, als ob er mich nicht sieht." „Hat denn Evers Einfluß auf Herrn von Petry? Als Fiedler sah, welchen Eindruck sein Bericht heroorrief, segnete er seinen Entschluß, Schröder ein- zuweihen: er würde eine zuverlässige und brauchbare Hilfe an ihm finden, teils aus Zuneigung zu Gerald, teils weil feine eigenen Interessen damit verknüpft waren. „Und das Fäulein Sekretärin — nee sowas , sagte er überwältigt, „darauf wäre ich nie gekom- de'n." „Das war ja auch nicht der Zweck", sagte der Kriminalrat lächelnd, „und ich muß Sie dringend bitten, niemand gegenüber auch nur die leiseste Andeutung von Fräulein Bertrams Aufgabe' fallen zu lassen, auch nicht zu Ihrer Frau." Schröder grinste. „Da können Sie ganz sicher sein! Daß Weiber nie den Mund halten können, weiß jch allein." „Dann haben wir uns auch darin verstanden. Und nun zur Sache: Sie machten Fräulein Bertram gegenüber eine Bemerkung, die vermuten läßt, daß Sie über die Vorgänge damals zumindest so Ihre eigenen Gedanken haben. Sie werden keinerlei Un- gelegenheiten haben, wenn Sie diese Gedanken mir gegenüber zum Ausdruck bringen." Der Förster schwieg eine Weile, mehr um die richtigen Worte zu suchen. „Ja, sehen Sie", sagte er schließlich, „wie wir, der junge Herr und 'H'damals bei dem Herrn Baron standen, da kam natürlich aucy gleich die Dienerschaft angelaufen, und zuerst der !. Evers. Er ist meist oben im Ankleidezimmer, unö v von da zum Arbeitszimmer ist es ganz nah. Es hat ihn niemand so richtig gefragt, wo er gewesen ist, al5 geschossen wurde, aber daß er nicht im Dienerzimmer war, das habe ich allein festgestellt." „Trauen Sie ihm die Tat zu?" In dem ehrlichen Gesicht des Försters spiegelten sich die wiederstreitendsten Empfindungen. „Eigentlich nicht. Er ist mit dem alten Baron von klein auf festes im Kreise ländlicher Volksgenossen zu verleben, der wird immer gerne an jene Stunden zurückdenken. Er wird sich dabei erinnern, daß dieser Tag von unserem oberhessijchen Landvolk nicht etwa nur mit mehr oder minder lautem Lebensgenuß begangen wird, sondern daß er diesen schwerschaffen- den Männern und Frauen auch eine Gelegenheit zu ernster Besinnlichkeit und zu sorgsam abroägenöem Ausblick auf die Zukunft ist. Dabei steht der ganze Verlauf des Tages unter dem Kennzeichen der Freude an der erfolgreichen Arbeit und des tiefen Dankes für den Segen, der als der Mühe Preis in Scheuern und auf Böden wohlgeborgen liegt und der Verwendung im Dienste unserer Volksgemeinschaft harrt. Man erinnert sich dabei in froher ober ernster Zwiesprache auch mancher Begebenheiten und mancher Sorgen oder Freuden, die um Laufe des Jahres auf dem Weae zur Ernte beim Schaffen des Landmannes in Erscheinung traten. Noch einmal werden dabei in der Erinnerung die Tage der langen, trockenen Hitze oder die Tage des ununterbrochenen Regenwetters lebendig, Freud und Leid im Viehbestand ziehen wieder am rückschauenden Blick des Landmannes vorüber, aber auch die Sorgen unserer Gegenwart treten dabei in den Vordergrund der Gedanken und Erwägungen. Der oberhessische Bauer gehört zu dem Menschenschlag, der nicht an der Oberfläche des Lebens haftet, sondern allen Dingen tief auf den Grund zu gehen sich bemüht. So steht er auch am Erntedank- tag besonders unter dem Gedanken der großen Verantwortung seines Wirkens für Volk und Vaterland, für Gegenwart und Zukunft. Er freut sich mit uns allen über den reichen Segen seines Schaffens und über die Fruchtbarkeit unseres oberhessischen Heimatbodens. Er spürt aber auch die Verpflichtung, die ihm und seinem Lebenskreis daraus für das Heute und das Morgen erwächst. Und er ist auch der Gewißheit, daß an jedem Tage, ganz besonders aber am Tage des Erntedankfestes, das Bewußtsein der blutsmäßigen Verbundenheit der Menschen in der Stadt mit denen auf dem Lande lebendig ist, die sich allesamt morgen vereinigen in dankbarer Verpflichtung an die Staatsführung für die gute Lenkung unserer Geschicke auch in diesem Jahre des Schaffens und des Erntens, und in Freude und Dankbarkeit für die Gnade, die der Allmächtige mit dieser guten Ernte des Jahres 1938 auch unserem engeren Heimatgebiet, wiederum hat angedeihen lassen. B (Aufnahmen (5): Neuner, Gießener Anzeiger.) ,6213D | ÖJ.-fpori Sportzentrum in Tokio verzichtet wird. Der Grund und Boden für die Olympia-Sporthalle und die Verwaltungsgebäude ist bereits erworben. Zum geeigneten Zeitpunkt beginnen dann auch die Arbeiten. Gesunde Jugend — starke Jugend. ' :: | > ■ u 11 I M Auf dem Reichssportfeld sind Jungen der Landjahrjugend zu einer sportlichen Leistungsprüfung zusammengezogen, der gestern auch der Reichssportführer beiwohnte. Hier sehen wir Teilnehmer beim eifrigen „Studium" ihrer Leistungsbücher. (Schirner-M.) Titelkämpfe der deutschen Schützen. Der Deutsche Schützenverband hat die Meisterschaft von Deutschland 1938 zum 8. und 9. Oktober ausgeschrieben. Am Samstag, 8. Oktober, werden in Wannsee geschossen: Kleinkalibergewehr mit militärischem Anschlag, KK.-Gewehr mit beliebigem Anschlag, KK.-Gewehr mit internationalen Bedingungen stehend, kniend und liegend, Scheibenpistole (gebrauchsmäßige Pistole), Automatische Pistole auf verschwindende Schattenrisse (sog. Olympisches Schnellfeuerschießen). Tags darauf werden in Kaulsdorf die Wettkämpfe mit Wehrmanngewehr und Scbeibengewehr, sowie der Vierwaffenkampf mit 'Scheibengewehr, Wehrmanngewehr, Kleinkalibergewehr und Scheibenpistole ausgetragen. Die Sieger erhalten in der betr. Waffenart den Titel „Meisterschütze bzw. Meistermannschaft von Deutschland 1938". Anita Bärwirth verläßt Deutschland. Die bekannte Spitzenturnerin des Kieler MTV., Anita Bärwirth, Mitglied der siegreichen deutschen Olympia-Mannschaft, wird demnächst Deutschland verlassen. Frl. Bärwirth hat sich mit dem Mann- sckaftsführer der deutschen Turner und Sportler in Argentinien, Hans Hardekopf, der mit seiner Mannschaft beim Deutschen Turn- und Sportfest in Breslau weilte, verlobt und wird nach ihrer Verheiratung nach Argentinien übersiedeln. pora Ratjen ohne Titel. Nicht mehr siarkberechtigl für Frauenkampfe. Auf Grund einer ärztlichen Untersuchung ist festgestellt worden, daß Dora R a t j e n für Frauenkämpfe nicht mehr eingesetzt werden kann. Deutschland hat durch das Fachamt Leichtathletik im DRL. die Aberkennung des Weltrekordes und der Europameisterschaft im Hochsprung, die auf den Namen Dora Ratjens lauten, beantragt. Der Reichssportführer hat Anordnungen getroffen, die eine Wiederholung eines solchen Falles in Deutschland ein für allemal unmöglich machen. Der Weltrekord im Hochsprung gehört also nach wie vor den beiden Amerikanerinnen D i d r i ck s o n und S h i l e y , die im Jahre 1936 je 1,65 Meter sprangen. Den Europarekord halten gemeinsam Gräfin zu Solms (Berlin), die ungarische Olympiasiegerin Ibolya C s a k und die holländische Meisterin Nelly van Balen-Blanken,die bei den Europameisterschaften in Wien je 1,64 Meter erreichten. Der deutsche Rekord lautet auf den Namen der Gräfin zu Solms mit der gleichen Höhe. Schweden bezwingt Deutschland 6:4. Ringeriurnier in Stockholm. Deutschlands Ringerstaffel bestritt nach dem Siege der Amerikaner über Ungarn den zweiten Kampf des Vierländerturniers in Stockholm gegen die starke Ringernation Schweden. Mit 6:1 Punkten blieben die Schweden siegreich. Nur im Federgewicht holte der Kölner Schmitz durch einen Schultersieg über Persson, in 5:45 Minuten den Ehrenpunkt. Der ringerfahrene Cadier kam im Halbschwergewicht gegen Engelhardt in 3:10 Min. noch zu einem entscheidenden Sieg, sonst gingen die Begegnungen über die volle Zeit und endeten teils mit recht knappen Punktsiegen. 5. Etappe der Rad-Fernfahrt Lamo Rom. Während des Ruhetages in Florenz hatte sich das Wetter gebessert, so daß die fünfte Etappe der Rad-Fernfahrt Como—Rom bei strahlendem Sonnenschein am Freitag durchgeführt wurde. Ueber 175 Kilometer ging die Fahrt bis Perugia: das schwerste Stück bildete die Ueberquerung des Apennin-Gebirges. Auf einer 17 Kilometer langen Steigung hatte sich eine fünfköpfige Spitzengruppe gebildet, in der sich auch der Spitzenreiter Ricci (Italien) befand. Der Italiener war von großem Pech verfolgt; nicht weniger als sechsmal hatte er Reifenschäden an seinem Rade zu beheben. Dadurch fiel er in der Tageswertung erheblich zurück und büßte auch die Führung in der Gesamtwertung ein, die sein Landsmann Lunardon vor Agathi an sich riß. Bis kurz vor dem Ziel war die Kopfgruppe auf 15 Mann angewachsen. Im Spurt löste sich der Italiener Doccini knapp von seinen Verfolgern und gewann in 5:07:24 Stunden. Auf den zehnten Platz wurde mit der gleichen Zeit der Deutsche Irr- gang gesetzt. Die Placierung der weiteren Deutschen lautete: 27. Meurer 5:18:40; 29. Heller 5:26:15; 39. Balling 6.03:00; 40. Kropp; 41. Richter (beide gleiche Zeit). Tokio hofft und baut weiter. Es war ein schwerer Entschluß für die Japaner, die XII. Olympischen Spiele 1940, die in Tokio stattfinden sollten, aufzugeben. Die Stadt Tokio hat aber den festen Willen, sobald die augenblicklichen Schwie- riokeiten überwunden sind, neuerlich zu den Olympischen Spielen einzuladen. Aus diesem Grunde wurden die Baupläne möglichst unverändert beibehalten und weiter verwirklicht. Die Ruderstrecke ist zum großen Teil schon fertiggestellt. Ja, bald werden hier schon die ersten Wettkämpfe stattfinden. Der Japanische Ruderver- band wird zusammemn mit Universitäten und Schulen Bootshäuser entlang der 2,4 Kilometer langen Strecke aufbauen und ein Zentrum des japanischen Rudersports gründen. Die Arbeiten am Radstadion werden vom Freiwilligen Studen- ten-Arbeitsdienst fortgesetzt; über 10 000 Zuschauer sollen hier Platz finden. Zusammen mit anderen Bauplänen wird vorerst das große Olympia- stadion aufgegeben, das heißt aber nicht, daß auf die Bauplanungsarbeiten für ein ideales Das Organisations-Komitee der „XII. Olyüipiade Tokio 1940" schließt seine Olympia-Nachrichten mit den Worten: „Wir schließen hiermit unsere Dorbe- reitungsarbeit zur Feier der Spiele der XII. Olympiade in Tokio 1940 ob mit den besten Wünschen für eine erfolgreiche Durchführung der Spiele der XII. Olympiade in Helsinki 1940r Kurze Sportnotizen Beim Leichtathletikfest in Wien am kommenden Sonntag werden auch die Europameisterinnen Lisa Gelius und Gisela Mauermeyer (beide München) sowie Käthe Krauß (Dresden) am Start sein. Deutsche Motorradfahrer werden am 9. Oktober beim Solvalla-Rennen bei Stockholm in Schweden am Start sein. BMW. entsendet Martin Schneeweiß (Wien) mit einer Halbliter-Maschine. Weiterhin bemüht sich der Veranstalter, einen Auto-Union-Rennwagen zu einer Vorführung zu gewinnen. Wirtschaft. Rhein-Mainische Börse. Alillagsbörse fest. Frankfurt a. M., 30. Sept. Die Börse stand naturgemäß völlig unter dem Eindruck der Einigung in München. Die Haltung war fest und zuversichtlich. Aus dem Publikum setzten sich Käufe fort, und bei etwas ruhigerem Geschäft als gestern stellten sich an den Aktienmärkten durchschnittliche Erhöhungen von 1,50 bis 3 v. H. ein. Stärker erhöht waren Reichsbank mit 189 (182,75). Ferner stiegen Daimler Motoren um 4 v. H. auf 138, Adlerwerke Kleyer um 3 v. H. auf 110, Aschaffenburger Zellstoff um 3 v. H. auf 122,50 und Kunstseide Bemberg um 4 v. H. auf 139,25. Von Montanwerken hatten Verein. Stahl mit 105,25 (102,90) die Führung, Mannesmann plus 2 v. H. mit 110,50, Hoefch plus 1,25 v. H. mit 113,25, Rheinstahl plus 0,75 v. H. mit 143,25. IG. Farben erhöhten sich bei lebhaftem Geschäft auf 153,25 (151,50). Am Elektromarkt betrugen die Besserungen 1 bis 2,v. H., nur Schuckert etwas leichter mit 179,25 (180). Etwas niedriger waren außerdem Ilse Bergbau Genuß mit 138 (139,90). Von Maschinenakkien befestigten sich Demag auf 146 (143,50), Rheinmetall auf 132 (129,50) und Eßlinger auf 103,50 (102). Don Einzelwerten gewonnen DDM. 2 v. H. auf 168,50 und Cement Heidelberg 1,50 v. H. auf 150. Scheideanstalt erschienen mit Plus-Zeichen. z Am Rentenmarkt war die Haltung ebenfalls fest. Reichsaltbesitz 129,65 (128,75). Lebhaft waren im Freiverkehr Kommunal-Umschuldung mit 93,50 bis 93,65 (93,10), 4 v. H. Rentenbank-Ablösung 91,50 (90,75). Industrie-Obligationen setzten chre Erholung um 0,50 bis 1 v. H. fort. Am Pfandbrief- morkt traten kaum Veränderungen ein und auch Stadt- und Staatsanleihen wiesen kaum Abweichungen auf. Reichsanleihe-Altbesitz bei lebhaften Umsätzen im Verlaufe bis 130 nach 129,65 und Kom- munal-Umschuldung 93,75 nach 93,50, ferner Reichsbahn-Vorzugsaktien 125 (124,65). In der zweiten Börsenstunde unterlagen die Kurse am Aktienmarkt leicksten Schwankungen. Bei klein gewordenem Geschäft überwogen auf Gewinnmitnahmen leichte Rückgänge. Reichsbank 187,75 nach 189, Hoesch 112,50 nach 113,25, Mannesmann HO nach 110,50, Rheinmetall 131 nach 132, Bemberg 138,50 nach 139,25, andererseits IG. Farben 153 bis 154 nach 153,25, AEG. 116,75 nach 116,13, Eßlinger 104 nach 103,50. Der Einheitsmarkt lag ebenfalls fest. Großbankaktien zogen bis 1,50 v. H. an, bei Industrie-Werken betrugen die Erhöhungen mehrere Punkte. Von später notierten Werten des Großoerkehrs lagen Scheideanstalt 112,50 v: H. höher mit 220, Conti Gummi mit 211 um 6 v. H. fester. Auch im Frei verkehr zogen die Kurse bis 2 v. H. an. Dingler 88 bis 90, Katz & Klumpp 92 bis 94, Elsäss. Bad. Wolle 81 bis 83, Verein. Fränk. Schuh 73 bis 75, Rastatter Waggon 46 bis 48. Tagesgeld 2,75 (2,50) v. H. Abendbörse sehr fest. Das deutsch-englische Freundschaftsabkommen hinterließ an der Abendbörse einen ungemein starken Widerhall und verstärkte die ohnehin schon zuversichtliche und feste Haltung. Neben weiteren Publikumskäufen erfolgten umfangreiche Anschaffungen der Berufskreife, die vielfach auf recht leere Märkte stießen. Trotzdem war die Umsatztätigkeit äußerst lebhaft. Im Durchschnitt stellten sich Steigerungen von 1,50 bis 3 v. H. ein, die vielfach auch bis 5 v' H. gingen. Es wurden alle Marktgebiete gleichmäßig erfaßt, so daß wir uns nur auf die wichtigsten Papiere beschränken. IG. Farben 156 bis 156,25 bis 156 (154), Verein. Stahl 106 bis 106,75 (104,50), Rheinstahl 144 bis 145 (142), Hoesch 114,50 (112,50). Mannesmann 111,50 (109,75), AEG. 118 (116,13), Gesfürel 140 (137,75), Metallgesellschaft 131,50 (129,50), Rheinmetall 133 (131), DDM. 171 (168,50), Westdeutsche Kaufhof 100 (98), Zellstoff Waldhof 141,50 bis 142 (140), AG. für Verkehr 128,50 (125,50), Eßlinger Maschinen 106 (104). Sehr fest lagen Scheideanstalt mit 225 (220) und Harpener Bergbau mit 159,50 (155). Auch der Emheitsmarkt hatte bei lebhaften Umsätzen eine Reihe von beachtlichen Erhöhungen. Ebenso war die Haltung am Rentenmarkt weiter fest. Insbesondere Industrie- Obligationen fanden erhöhtes Interesse. 5 v. H. Gelsen Benzin 100,50 (100,25), 5 v. H. Gelsen Berg 100,75 (100,50), 6 v. H. IG. Farben 123,75 (123,13), ferner notierten gegenüber gestern 5 v. H. AEG. 101,50 (99,90), 5 v. H. Mühlheimer Berg 101 (99,90), 5 v. H. Klöckner 101,40 (99,50). Geschichten aus aller Welt. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Krokodil in Büchsen. C.K. Brüssel. Wie berichtet wird, wird auf dem Markt der Konserven in kurzer Zeit eine afrikanische Neuheit erscheinen, die manchem zunächst einen Schauder ein» flößen wird, die sich aber bei vorurteilsloser Prüfung als äußerst schmackhaft erweist. Ein findiger Pflanzer im belgischen Kongogebiet ist aus den Gedanken gekommen, aus frischem Krokodilfleisch eine Art Gulasch zu machen; es wird erst gekocht und dann gebraten und schließlich in gut verschlossene Büchsen gebracht. Der Hersteller hat sich durch seine Beobachtungen. in seiner Umgebung leiten lassen; die Eingeborenen von Belgisch-Kongo verzehren das Krokodilfleisch mit größtem Appetit. Er selbst hat zunächst Proben gemacht und schließlich die geeignetste Methode der Zubereitung herausgefunden, durch die Krokodilfleisch für den verwohnten Geschmack der Weißen sehr schmackhaft wird. Als er so weit war, schaffte er sich eine höchst moderne Maschine für die Herstellung von Konserven an und begann die Arbeit im großen Stil. Als erste Kunden gewann er die Amerikaner, und er hat drüben einen guten Absatz, aber jetzt scheint es, als ob diese Neuheit für die Küche auch die Feinschmecker in Europa interessiert. Wünschen wir ihnen also: Guten Appetit! Die Kunst, Kaffee zu kochen. (sk) Amsterdam. Für die Zubereitung des Kaffees gibt es eine ganze Anzahl komplizierter Anweisungen. Man unterscheidet holländische Methoden, französische Rezepte und dänische Vorschläge. Seit einiger Zeit gibt es sogar Liebhaber aus Skandinavien, die ihren Kaffee grmidsätzlich mit einer Prise Salz und einer kleinen Zugabe' Butter herstellen, weil auf diese Art und Weise der Kaffeegeschmack besser herauskomme. In holländischen Spezialrestaurants freundet man sich mit der französischen Methode der Kaffee- zUbereitunq an, die darin besteht, daß man über einem Kohlenfeuer in einer Pfanne die Kaffeebohnen röstet, bis sie leicht zu schwitzen beginnen. Die schnell abgekühlten Bohnen werden gemahlen und in einem irdenen Topf erst einmal mit zwei Teelöffeln kochenden Wassers langsam aufgerührt. Diese Mischung wird dann in ein Filter getan und hier zwei Minuten gelassen; dann muß man langsam den Kaffee mit Hilfe des durchlaufenden Wassers aufbrühen. Jedenfalls behaupten die Kaffeespezialisten, daß Kaffee genau so wenig wie Tee mit Metall in Berührung kommen dürfe. Bei gewissen Feinschmeckern geht diese Ueberzeugung so weit, daß sie hölzerne Kaffeelöffel nehmen. In Westindien versteht man sich sogar darauf, Kaffee mit kaltem Wasser anzurichten. Jedenfalls hütet man sich, Wasser zu verwenden, das schon einmal ausgekocht ist. Aber auch hier in dieser Gegend, wo man sich auf den klassischen Kaffeegenuß versteht, verwendet man keinerlei Metallgefäße, sondern nach Möglichkeit irdene Kaffeetöpfe. Dauerwellen mit Hindernissen. AS. Riga. Ein erstaunlicher Zwischenfall trug sich in der lettländischen Provinzstadt Dünaburg zu. In einem Friseurgeschäft dieses Städtchens saß unter dem komplizierten Apparat, der dem Frauenhaar das Gelock der Dauerwellen verleiht, eine junge Polin. Diese Prozedur nimmt bekanntlich längere Zeit in Anspruch, die Uhr schlug sechs und Figaro machte sich daran, die Außentüre seines Salons zum Zeichen des Geschäftsschlusses abzusperren. Das Rasseln der Schlüssel wurde von seiner Klientin völlig mißverstanden. Sie glaubte, daß der Haarkünstler ihr etwas antun wolle und zu diesem Zweck die Tür abgeschlossen habe. Sie überlegte nicht lange und stürzte sich mit einem Satz, begleitet vom Prasseln zersplitternder Scheiben und dem Krachen des um» stürzenden und zerbrechenden Dauerwellenapparates, durch das Fenster auf die Straße. Hier erregte die Frau, die laute Angstschreie ausstieß und deren Kopf von den Spulen der Lockenwickeln und den Drähten des Apparates bedeckt war, größtes Aufsehen. Der Flüchtenden stellte sich die Polizei in den Weg, die sehr schnell das tragikomische Mißverständnis aufklärte. Der Friseur hat einen erheblichen Sachschaden zu beklagen, den er wahrscheinlich tragen muß, denn die Polin begab sich mit dem nächsten Zuge in ihr Heimatland. Zehn Affenhaare B. Neuyork. Zehn Affenhaare haben zur Entlarvung eines Mörders geführt und ihm eine Verurteilung zu 30 Jahren Zuchthaus eingetragen. Es handelt sich um einen Studenten der Tierarzneikunde, Fair- banks, dem die Pflege der Affen in der Menagerie eines gewissen Good anoertraut war. Eines Nachts erschien Fairbanks bei der Polizei und gab an, daß er vor wenigen Minuten Good vor einem Käfig ermordet aufgefunden habe. Er wisse nicht, wer der Mörder sei, er kenne auch die Ursachen des Verbrechens nicht, aber er erinnere sich, daß zwischen Good und einigen Negern, die bei ihm Dienst taten, ein Zank stattgefunden habe. Die Polizei begann sofort umfassende Nachforschungen aber es gelang ihr nicht, den Schuldigen zu ent decken. Die von Fairbanks genannten Neger konnten ein lückenloses Alibi nachweisen, und einer unter ihnen, der eine Armwunde hatte und deshalb besonders verdächtig war, konnte dies auch aufklären; er war während einer Schlägerei im Wirtshaus verwundet worden. Im Laufe der Untersuchungen sand man ei' paar blutbefleckte Hosen, die geschickt in bet nv allen möglichen Dingen angehäuften Voratskammer der Menagerie versteckt waren. Als dieses Stück von den Sachverständigen der Polizei mikroskopisch untersucht wurde, konnte man feststellen, daß zehn Affenhaare daran hafteten. Erst jetzt fing die Polizei an, Verdacht gegen Fairbanks zu hegen, dessen Benehmen so natürlich erschienen war' und der scheinbar so schmerzlich bewegt an der Suche nach dem Mörder teilgenommen hatte, daß die Beamten ihn nicht näher beobachteten. Nachdem festgestellt war, wem die Hosen gehörten, da Fairbanks der alleinige Wächter und Pfleger der Affen war und die Haare der Tiere nur aufc ihn übertragen sein konnten, konnte man den Schuldigen zum Geständnis bringen, indem man ihm eine Falle stellte. In einer ganz fteundschaftlichen Unterhaltung erklärten ihm die Beamten, daß sie den Mörder nicht entdecken könnten, so daß die Akten über den Fall geschlossen werden müßten. In diesem Augenblick der nervösen Entspannung, die sich naturgemäß bei Fairbanks zeigte, wurden ihm plötzlich die Hosen gezeigt, und dazu sagte ein Beamter: „Hier sind Ihre Hosen, die mit Goods Blut befleckt sind." Auf diese Weise überrumpelt, brach der Mörder zusammen und gestand sein Verbrechen ein. Bestrafte Neugier AS. Paris. „Fensterln" ist manchmal mit Gefahr verbunden, wie unlängst wieder ein junger Mann zu seinem Leidwesen erfahren mußte. Der neugierige junge Mann bemerkte spät nachts beim Nachhausegehen im Badezimmer eines Landhauses Licht und zog daraus den Schluß, daß es darin etwas zu sehen gäbe. Er hatte sich auch offenbar nicht getäuscht, denn der Anblick, der sich von der hohen Warte eines Gartenzaunes seinem Auge bot, ließ ihn Zeit und Raum vergessen. Erst ein tüchtiger Schlag auf den Kopf versetzte den Jüngling in die rauhe Wirklichkeit zurück, die ihm in der Person des Hausherrn Zwei drohende Fäuste entgegenballte. Zwischen dem Besitzer des Landhauses, der einen Verbrecher Überrascht zu haben glaubte, und dem ernüchterten „Schönheitssucher" entspann sich ein regelrechter Zweikampf, der erst durch Eingreifen der Polizei feinen Abschluß fand. Ein Ungar mutz es sein. AS. Budapest. Eine vielbesprochene Heirat wurde dieser Tage in Szegedin geschlossen. Eine junge Amerikanerin war vor einem Monat in Szegedin eingetroffen. Sie kam auf Besuch zu ihren Verwandten, und außerdem hatte sie die Absicht, sich einen ungarischen Bräutigam zu suchen, da sie keinen Amerikaner heiraten wollte. Als siebenjähriges Mädchen war die ehelustige Amerikanerin mit ihren Eltern nach Amerika ausgewandert. Jetzt ist sie Direktrice in einem großen amerikanischen Warenhaus. Sst ließ in den ungarischen Blättern ein Heiratsinserat erscheinen, woraus sich 32 junge Aerzte meldeten, da sie ausschließlich einen Arzt heiraten wollte, dem sie bann in Amerika ein modernes Ordinationszimmer einzurichten beabsichtigt. Das temperamentvolle Mädchen hatte unter den vielen Bewerbern bald den ihr zusagenden gefunden, und das junge Paar ist sofort nach Erledigung der Formalitäten nach Amerika abgereist. Liebesdrama im Zirkuszelt. C. K. 211 g i e r. In einem Zirkus in Algier ereignete sich dieser Tage ein aufsehenerregendes Geschehnis. Die junge; unter dem Namen Miß Harrisson bekannte Trapezkünstlerin sollte auftreten, erschien jedoch nicht zur gegebenen Zeit, so daß der Direktor eilte, um sie zu holen. In dem Augenblick hörte er einen Schuß, und gleich darauf fand er die Artistin in ihrem Blut liegen. Sie hatte die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Die Kugel war jedoch am Herzen vorbeigegangen und in der Schulter stecken, geblieben, von wo sie bald daraus von den Aerzten entfernt mer« den konnte. Der Zustand der Verletzten ist ernst, doch war sie bei voller Besinnung und hat dem behandelnden Arzt die Gründe erzählt, die sie zu ihrer Tat getrieben haben. „Miß Harrisson", in der die Zuschauer gewöhnt waren, nichts als ein hübsches junges Mädchen zu sehen, hat in Wirklichkeit schon ein stürmisches Leben hinter sich. Sie ist gebürtige Mexikanerin, 28 Jahre alt, verheiratet und Mutter einer zehnjährigen Tochter. Schon in früher Kindheit hatte sie in ihrer mexikanischen Heimat den Gebrauch der Waffen gelernt und war eine Meisterschützin mit dem Karabiner geworden, eine Fähigkeit, von der sie bei verschiedenen Zirkusszenen Gebrauch machte. Vor einiger Zeit hatte sie sich dem Zirkus Darius verpflichtet, der eine Gastspielreise durch Nordafrika machte. Ihr Gatte, Rene Arin, hatte kürzlich einen schweren Unfall erlitten, indem ein Löwenkäfig auf ihn gestürzt war und ihm beide Beine gequetscht hatte, so daß er ins Krankenhaus übergeführt werden mußte. Bei Gelegenheit dieses Unfalles hatte sie die Bekanntschaft des 25jährigen spanischen Tierbändigers Jackson, genannt „der Andalusier", gemacht. Sofort war eine leidenschaftliche Liebe zwischen den beiden entbrannt. Es dauerte nicht lange, da erhielt der Mann im Krankenhaus davon Kenntnis. Auf zwei Krücken schleppte er sich in den Zirkus, um den Liebhaber zur Rede zu stellen. Dieser zog sich jedoch in seinen Wagen zurück. Als der Mann seiner Frau Vorwürfe wegen ihrer Treulosigkeit machte, ergriff sie ihren Revolver, lud ihn und eilte damit zu ihrem Liebhaber. „Um keine Vorwürfe mehr deinetwegen anhören zu müssen, erschieße ich mich", rief sie, und bevor der Mann noch eine Bewegung machen konnte, um sie zu hindern, war der Schuß schon losgegangen. Die Eile und die Erregung waren vielleicht die Ursache dafür, daß die Frau, die die Zirkusprogramme als „die sicherste Schützin der Welt" ankündigen, ihr Ziel verfehlt hatte. Das Spangericht tagt. (tt) Appenzell. In Appenzell ist eine der ältesten Rechtsformen noch heute in Gebrauch. Wenn sich dort Streitigkeiten ergeben, die sich auf Wegen, auf Wiesen oder Weiden erstrecken, dann werden diese Fälle nicht im Gerichtssaal entschieden, sondern das Gericht setzt einen sogenannten Span an und geht an Ort und Stelle. Unter freiem Himmel prüft man die Angaben der Kläger. Dort vernimmt man auch die Zeugen und die Feldhüter. Und in aller Oeffentlich- ?eit, also unter freiem Himmel, wird das Urteil bzw. die Entscheidung gefällt. Dieses Spangericht läßt sich üele Jahrhunderte hindurch zurückverfolgen. In inem alten Schweizer Landbuch aus dem Jahr 1585 wird mitgeteilt, daß ein Hauptmann und zwei Männer vom Hohen Rat über die Wiesen und die Straßen zu gehen hätten, wenn irgendein Handel mhängig sei. Später wurde allerdings verfügt, daß regen eine solche Entscheidung bei einer höheren Instanz, bei einem Kantonsgericht, Einspruch erhoben werden könne. Dennoch sind meist die Ent- heidungen des Spangerichts ausschlaggebend. Man nterwirst sich, nachdem die Richter unter freiem Himmel entschieden haben.