Nr. 202 Erstes Matt 187. Jahrgang Dienstag, 81. August 1937 iir|d)eint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Biefiener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte e 180 Zustellgebühr „ -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt üernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siesten Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Universttätsdruckerei R. Lange in Sietzen. Schrlstleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Npf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/o mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf.,Familienanzei- gen, Bäder-,Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Der kleine Kinger oder die ganze Hand? Eine sehr auffallende Erscheinung ist für die Bewertung des Abkommens zwischen Nanking und Moskau ein roid)tiger, ja fast ausschlaggebender Richtweiser: die gleichen Staaten, die auch heute noch von einem sowjetrussischen Krieg in Spanien absolut nichts hören und sehen wollen, zeigen bei Bekanntwerden des chinesisch-sowjetrussischen Paktes eine höchst bemerkenswerte Erregung. Soviel scheint also der bisherige Ablauf des Krieges in Spanien Loch schon bewirkt zu haben, daß man für China — und für bie eigenen macht- und wirtschaftspolitischen Interessen in Fernostl — in den „großen westlichen Demokratien" unter Umständen ein ähnliches Schicksal befürchtet, wie es Moskau dem vom Bolschewismus bisher noch beherrschten Teil Spaniens bereitet hat. In der Tat, diese plötzliche Aufregung im europäischen Westen ist so auffallend wie bezeichnend, nachdem es ja schließlich gerade jene westlichen Herrschaften waren, die den Bolschewismus unter ihren Schutz nach Genf gebracht haben, und man bisher die deutschen Warnungen vor der bolschewistischen Weltgefahr allzu gern als übertrieben abgetan hat. So ergibt jene Aufregung zugleich einen Gradmesser für die sehr ernste Gefahr, in der man China angesichts des neuen Abkommens sieht. Es hätte nicht erst des spanischen Krieges bedurft, um die Größe dieser Gefahr zu erkennen. Um so erstaunlicher ist her Schritt der Nanking-Regierung, die die beiden Kriege gegen die Kommunisten-Heere von 1927 und 1930 genau so wenig vergessen haben kann, wie das kommunistische Blutbad in Kanton oder die heute im Innern Chinas noch existierenden kommunistischen Heerhaufen oder das Attentat des mit Moskau in ständiger Verbindung stehenden früheren Marschalls Tschangsueliang auf den Generalissimus Tschiangkaischek im Dezember vergangenen Jahres ober bie Lostrennung ber Aeußeren Mongolei von China burch Sowjetrußlanb ober bas 23orbränaen bes bolschewistischen Einflusses in ber Inneren Mongolei ober bie völlige Bolschewisierung ber westchinesischen Provinzen Es ist aber angesichts ber neuen Lage noch ernster baran zu erinnern bah derselbe sowjetrussische General Galen („Blücher"), ber nach englischen Berichten in Wladiwostok direkte Kriegsvorbereitungen trifft, von 1923 bis April 1927 Organisator und Leiter ber Kommunistischen Partei in China gewesen ist, von bem auch ber Befehl des massenhaften Eintritts chinesischer Kommunisten in bie chinesische National- organiiafion stammt. \ Die Erklärung ber Nanking-Regierung von ber Notwendigkeit einer „Rückendeckung" muß nach alleb 'n einem fatalen Licht erscheinen hinsichtlich einer Macht, bie in ber Geschichte ber nationalpoli tischen rsetzung Chinas eine nicht nur gefährliche sondern leider vielfach auch erfolgreiche Rolle gespielt bat Wenn dabei in ber Weltpresse eine Ver- ftärfuna der sowietrussischen Waffenlieferungen nach China 'm Zusammenhang mit dem neuen Pakt als selbstverständlich angenommen wirb so bedeutet das nicht so sehr eine Verdächtigung ber Nanking-Regie- runa. als vielmehr eine einfache Feststellung ber Tatsache, baß Sowjetrußlanb ben Augenblick zum direkten Eingreifen in China als gegeben ansieht Wir befürchten ernstlich, daß Nanking einen bloßen Papierpakt gegen seine politische Handlungsfreiheit eingetauscht hat, daß ferner für Nankina eine tatsächliche Abwehr des Bolschewismus jetzt noch weniger möglich wird, als bisher und daß drittens die Entfesselung eines Meltbrandes im Fernen Ollen burch bie loaischerweise jetzt einaetre- tene Verschärfung Tokio-Moskau in noch arößere Nähe gerückt ist, als bisher Denn währenb Japan wie wir das hier schon auseinanberfehten, die bolschewistische Umzingeluna seines Verbündeten Man dschukuo im Wellen und Südwellen aus lebensnotwendigen Gründen verhindern muß, wird Moskau jetzt mit aller Wahrscheinlichkeit die günstige Gelegenheit der direkten Einmischung in China baw benutzen um den chinesisch-japanischen Krieo solange hinzuziehen, bis es hoffen kann, daß Ia- pan llch dabei finanziell verblutet Daraus ergibt sich wiederum für Japan die Notwendigkeit sehr schneller und vernichtender Schläge Niemand vermag heute zu faaen wer in diesem Kampf der schnellere sein wird Niemand aber auch wird glauben wollen daß Moskau nicht die ganze chinesische Hand nimmt oder vielleicht schon aenommen hat. wenn ihm nur ein Finger hingestreckt wurde, wie man es in Nankina gern sehen möchte. Die chinesische Zentralregiemng hat einen Schritt getan her für den chinesischen Staat verhängnisvoll werden kann Sie gab dem Bolschewismus die gleichen Chancen, die ihm non ben führenden Mächten des Völkerbundes beispielsweise *n Genf und, in Montreur gegeben wurden Moskau^ wird feine Möglichkeiten in Fernost mit um so größerer Energie zu nutzen wissen, als die erste große Unter- nehmuna des Bolschewismus in Westeuropa (Spg- nien) allen, Anschein nach für Moskau mit einem schweren Rü<-kfck>laa enden dürste. B. R- Der iiwtimM-enMsche Zwischenfall. London 31 Aug. (DNB. Funkspruch.) Der englisch-japanische Zwischenfall wird heute nur von wenigen Blättern ermähnt. „Daily Mail" meldet aus Tokkv, der einzige Punkt, der nach japanischer Ansicht wahrscheinlich Schwierigkeiten bereiten werde, sei eine angemessene Bestrafung für d i e Flieger, die für den Angriff auf den britischen Botschafter verantwortlich sind Man sei ber Ansicht, daß ein s ch a r f e s V o r g e h e n gegen Japanischer Lustangriff aus Kanton. Tokio, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Meldung der Agentur Domei haben japanische Bomber einen Luftangriff auf den Flugplatz und die militärischen Anlagen der großen südchinesischen Hafenstadt Kanton durchgeführt. Die in der Stadt lebenden japanischen Staatsangehörigen einschließlich der Beamten des Generalkonsulats waren vor dem Angriff auf Veranlassung der japanischen Regierung Abtransport i e r, worden. Politische Kreise messen der Bombardierung Kantons erhebliche Bedeutung bei, da auf diese Weise eine Ausdehnung des japanischchinesischen Konfliktes auf das britische Einst u h g e b i e t in Südchina zu befürchten sei. Chinesischer Rückzug im Norden. Bewaffnete Banden plündern europäifche Missionen. P e i p i n g, 30. Aug. (DNB.) Nach ber Besetzung der Kalgan-Peiping-Bahn burch bie Japaner be- finben sich bie chinesischen Truppen fast überall in ungeordnetem Rückzüge in südwestlicher Richtung burch bie Berge unb bie Ebene westlich von Peiping, um bie bei Lianghsianghsien stehende chinesische Armee zu erreichen. Äon den zu- rückflutenden Abteilungen sind viele Orte, darunter auch Paomachana, geplündert worden. Das bekannte katholische Seminar La Cuvette, wenige Kilometer nördlich des Sommerpalastes, in bem 5000 chinesische Flüchtlinge von französischen Priestern betreut werben, fiel ebenfalls einem Angriff zum Opfer. Ein Pater wurde schwer verwundet, mehrere andere sollen verschleppt worden sein. Die Japaner entsandten daraufhin eine Strafexpedition. Die Pariser „Epoque" berichtet ebenfalls aus Peiping, daß eine bewaffnete Bande ein f r a n z ö - sisches Seminar in der Nähe von Peiping geplündert hätte. Der Prior des Seminars sei durch mehrere Brustschüsse schwer verletzt worden. Geld und Wertsachen zahlreicher Flüchtlinge von der Missionsstatton seien geraubt worden. Acht französische, drei ungarische, zwei holländische, ein spanischer und ein italienischer Pater seien a l s Gefangene unter Lösegeldforderungen mitgeführt worden. Wie verlautet, hat daraufhin eine japanische Truppenabteilung die Sorge für Ordnung und Sicherheit der Weißen in dieser Gegend übernommen. Chinesische Note an den Völkerbund. Genf, 30. Aua. (DNB.) Der chinesische Ver- treter beim Völkerbund hat dem Völkerbundssekretariat eine ckmfangreiche Note seiner Regierung übergeben, in der die Aufmerksamkeit der Mitgliedstaaten sowie der Vereinigten Staaten von Amerika (in ihrer Eigenschaft als Mitglied des feit 1933 bestehenden beratenden Ausschusses für den chinesisch-japanischen Konflikt) auf die in Asien entstandene neue Lage gelenkt wird. Heuler meldet: „China macht mobil". London, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wie Reuter aus Schanghai meldet, hat die chinesische Regierung die Mobilmachung aller Waffenfähigen angeordnet. Chinesische Bomben aus einen amerikanischen pasiagierdampser. L o n d o n , 30. Aug. (DNB.) Der 22 000 Tonnen große amerikanische Passaaierdampfer „President Hoover", der am Pangtse vor Schanghai liegt, wurde am Montag von vier Flugzeugen mit Bomben belegt Das Schiff erbat ärztliche Hilfe von den umliegenden Schiffen Der englische Kreuzer „Cumberland" der nur etwa ünf Seemeilen entfernt lag, eilte dem Schiff zu Hilfe. Wie Admiral Yarnell, der Befehlshaber der Asienflotte der Vereinigten Staaten, dem Marineamt in Washington mitteilte, wurden auf dem Dampfer sieben B e s a tz u n g s m i t g l i e d e r i ch w e r unb zwei Fahrgäste leicht verletzt. Im Schiffsrumpf seien über der Wasserlinie größere Löcher entstanden. „President Hoover" lichtete sofort die Anker und fuhr in Richtung Kobe ab. Der Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte in den chinesischen Gewässern hat den amerikanischen Dampfer „President Mae Kinley" angewiesen, nicht Schanghai anzulaufen, sondern sich nach Japan zu begeben Ferner hat er allen amerikanischen Schiffen Weisung gegeben, bis auf weiteres nicht in die Gefahrenzone von Wusung und des Pangtse-Feuerschiffes einzulaufen. „President Hoover" hatte den Auftrag, amerikanische Flüchtlinge aus Schanghai nach Manila zu bringen An Bord befanden sich 257 Fahrgäste und 320 Mann Besatzung Eine amtliche Mitteilung aus Washington besagt, daß alle amerikanischen Frachtdampfer vor dem Anlau- fen Schanghais gewarnt worden sind Die rund 300 amerikanischen Flüchtlinge, die von dem Dampfer „President Hoover" ausgenommen werden sollten, werden nun von einem amerikanischen Kriegsschiff abtransportiert Die beschleunigte Räumung der Stadt von den noch in Schanghai weilenden 2000 amerikanischen Zivilpersonen ist geplant Das Oberkommando der Flotte glaubt, daß sich in den ostasiatischen Gewässern zur Zeit genügend Schiffe aufhalten, um den Abtransport bewerkstelligen zu können. AmenkanischerproteftinRanking China sagt Wiedergutmachung zu. Der Botschafter der Vereinigten Staaten in Nanking sprach im chinesischen Außenamt vor, um die Aufmerksamkeit der Regierung auf den Zwischenfall zu lenken. Die chinesischen Stellen haben amtlich mitgeteilt, daß chinesische Bombenflugzeuge für den Angriff auf den „President Hoover" verantwortlich sind. Nach der chinesischen Darstellung hatte ein chinesisches Aufklärungsflugzeug gemeldet, daß 10 japanische Trans p o r t s ch i f f e 50 Meilen vor Schanghai gesichtet worden seien. Daraufhin wollten chinesische Flugzeuge die Transportschiffe mit Bomben belegen, bodj sei eine von den sieben abgeworfenen Bomben zufällig auf den in der Nähe der japanischen Transportschiffe liegenden amerikanischen Dampfer gefallen Die Nanking-Regierung hat unverzüglich den chinesischen Botschafter in Washington angewiesen, i h r Bedauern über den Zwischenfall auszusprechen und Wiedergutmachung zuzusagen. einen Offizier der Luftstreitkraft auf Wunsch einer anderen Macht bie japanische 0e ff e ntli ch - feit beleidigen würde, die der Auffassung fei, daß Armee und Flotte nur dem Kaiser verantwortlich seien. Dr. von Siohrer Botschafter von Salamanca. Berlin, 30. Aug. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat den Botschafter z. D Dr. von StohrerzumBotschafterinSalamanca ernannt Der neue Botschafter wurde 1883 in Stuttgart als Sohn eines württernbergischen Generals geboren Jrn diplomatischen Dienst des Reiches war er seit 1909 in Sofia, London Brüssel unb im Auswärtigen Amt beschäftigt. Während der Kriegszeit war er zweiter Sekretär bei der Deutschen Botschaft i n Madrid 1919 wurde er Legationsrat im Auswärtigen Amt, 1923 Dirigent der Vereinigten Presseabteilung der Reichsregierung und 1924 als Ministerialdirektor Leiter der Personalabteilung des Auswärtigen Amtes. Seit November 1926 vertrat er das Reich in Kairo Im April 1936 verunglückte er bei einem Ausflug mit dem Auto in der Wüste und wurde erst nach viertägigem Suchen durch ein britisches Fliegerkommando wieder aufgefunden. Im Juli 1936 war er zum Botschafter in Madrid ernannt, hatte aber damals sein Amt infolge des beginnenden Bürgerkrieges nicht antreten können. Das Lufthansa-Flugzeug „Nordwind" in Neuyork. Das ■■ zweite Lufthansa - Nordatlantik - Flugzeug „Nordwind", das in letzter Zeit von Travemünde nach Horta (Azoren) aus dem Luftwege übergeführt wurde, hat in 16stündigem Fluge den Nordatlanttk überquert. Das Flugzeug wurde um 3.30 Uhr früh vom Flugstützpunkt „Friesenland" bei Horta abgeschleudert und ging nach störungsfrei verlaufenem Fluge um 19.35 Uhr im Wasserflughafen von Neuyork nieder. Mit diesem Fluge wurde von der Deutschen Lufthansa der zehnte durchgehende Nordatlantikflug beendet Auch bas Flugzeug „Nordwind" wurde, wie „Nordmeer", von der Hamburger Flugzeugbau-G. m. b. H. (Blohm & Voß) für bie Lufthansa gebaut. Bodenreform. Von Dr. Paul Rohrbach. Die beiden Jahrzehnte feit dem Weltkrieg haben von der politischen, von der wirtschaftlichen und von der Seite des Naturgeschehens mehr Agrarprobleme gezeitigt, als es vorher in Jahrhunderten der Fall war. Eben haben wir die Ansprache Mussolinis über die landwirtschaftliche Erneuerung Siziliens vernommen. Auf die scharfe politische These: Kein Bolschewismus im Mittelmeer! ist die national-wirtschaftliche gefolgt: Sizilien soll für das italienische Volk wieder werden, was es im Altertum für das römische war, eine Kornkammer. Die meisten kennen Sizilien nur von den berühmten Orten an seinen Küsten her: Palermo, Taormina, Syrakus, Agrigent. Wer im Innern der Insel reist, hat das seltsame Bild zahlloser Felder und Feldstücke; die einen mit Weizen bestellt, die andern mit Bohnen, aber kein Dorf, kein Bauernhaus steht dazwischen. Der sizilianische Bauer ist immer noch zum großen Teil Pächter eines kleinen Stückchen Land, das zu einem Latifundium gehört Der Besitzer sitzt irgendwo in Palermo, Rom oder Neapel und zieht die Pacht ein. Der Pächter raubt den Boden aus und wandert zur Saat- und Erntezeit jeden Morgen und jeden Abend stundenlang von irgendeinem eng gebauten, winkligen Bergnest, wo sich zehntausend und mehr Menschen zusammendrängen, mit seinem Maultier auf sein Ackerstückchen. Das schreibt sich noch von der Zeit her, wo bewaffnete Feinde ins Land fielen und Räuberbanden es unsicher machten. Zum Schutz vor ihnen drängte sich das Landvolk in befestigten Plätzen zusammen. Jetzt sollen die Latifundien aufhören, der Bauer soll lernen, auf dem Lande zu wohnen und das Land, sein Land, zu pflegen. Dann, hofft man, wird die „battaglia del grano“, die Kornschlacht, auf Sizilien den doppelten Ertrag gegen heute bringen. „Latifundia perdidere Italiam“, der Großgrund- besitzt hat Italien zugrunde gerichtet, hieß es schon im alten Rom. Dies Wort hat in unseren Tagen eine verhängnisvolle Bekräftigung in Spanien gefunden. Spanien wäre nicht das unglückliche Land, das es heute ist, wenn vor dreißig Jahren "ine spanische Regierung den Willen unb die Kraft gehabt hätte, ein gehöriges Stück von dem unermeßlichen Landbesitz der alten Granden-Familien und der modernen Bodenaufkäufer mit Staatsmitteln zu enteignen und durch eine staatlich geförderte Organisation an die Heimat- und besitzlosen, nomadisierenden Landarbeiter aufzuteilen. die in allen mittel- und westspanischen Provinzen unb darüber hinaus die bauernlose Scholle bearbeiten mußten und vom Verwalter oder Pächter geringen Lohn und Behandlung wie Hunde empfinaen. Franco hat mit seiner Zusage einer Agrarreform gezeigt, daß er die Wunde kennt, an der Spanien im Innern krankt — nur daß inzwischen das halbwilde Hirten- und Landarbeiter-Proletariat sich schon eigenmächtig den Besitz der geflüchteten ober non den Roten ermordeten Grundaristokratie angeeignet hat. Ordnung in diese Verhältnisse zu bringen, wird keine leichte Aufgabe sein. Bodenreform will verstanden werden. Als nach bem Weltkriege die rumänischen Bauernmas- sen, die bis dahin auch nur ein halb höriges D"^in auf den Ländereien abwesender Großgrundbesitzer geführt hatten, von bolschewistischen Agenten aus- gereizt, mit der Agrarrevolution drohten, griff man auch zur Bodenreform unb befretierte, neun Zehntel des landwirtschaftlich bebauten Großorund- hesitzes seien zu enteianen und den bisher b-fitz- fofen, auf sehr niedriger Kulturstufe ftehm^n Kleinbauern als Eiaentum zu übertragen. Die dafür geleistete Entschädigung geschah unordentlich unb willkürlich, den Bauern gab man weder Kredit, noch Anweisung zur verbesserten Bodenh"stel- Jung; das Inventar der aufgeteiUen Güter verkam, jede intensivere Bodenkultur hörte auf, bie früheren Besitzer zogen jeden erhältlichen Groschen aus der Landwirtschaft heraus, um ihn lieber in ae- lchäftliche Unternehmungen zu stecken, unb da« Ergebnis war Verrinoeruna statt Vermeh»-"ng der jährlichen Ernten Das aefchah auf einem Boden, der bei halbwegs intensiver B"arbeituna Ernte- menaen liefern kann, die für rnitteleuroväische Verhältnisse fast unataubrourbia erscheinen. In Rumänien unb in den andern Balkanländern ist es auch nicht damit aetan, daß die Getreideernte vergrößert wird (Betreibe wird auf dem Weltmarkt, auch wenn Hunderte non Millionen Menschen in China, Indien und anderswo hunaern, soviel und fo billig anaeboten, daß es darauf ankommt den Körnerbau durch besser verwertbare Gewächse, O e l f r ü ch t e vor allem, zu ersetzen Das gilt für die Länder, die bisher von ihrem Aarorervort gelebt haben- es gilt nicht für ein Land wie Italien, wo die Bodenreform den Zweck hat. bie Nation von ihrem eignen Grund und Boden zu ernähren. „Bodenreform" kann auch nationalistische Ziele vergolden. In der Tschechoslowakei wurde der Umfang der Graßaüter scharf beschränkt, massenhaft nrioater Waldbefitz wurde enteignet, um vor allen Dingen das Tfrhechentum zu stärken. Tschechische Bauern und Arbeiter wurden reich bedacht, die Sudetendeutschen ginaen feer gus. In Bolen werden fast nur deutsche Güter von ber Enteianung unb Aufteilung betroffen, am volni- schen Güterbesitz wirb wenig gerührt Als bie Let- ten und Esten ihren nationalen Staat bekamen, boten ihnen die baltischen Gutsbesitzer freiwillig bie Hälfte ihres Landeiaentums zur Aufteilung an lettische und estnische Bauern an. Dies Zugeständnis war unter den veränderten Verhältnissen fair und notwendig, aber es wurde nicht aheotiert. sondern man nahm den „baltischen Baronen" das Ganze fort (die belassenen minimalen Restgüter und die Am Rande der Mrnationalen Aiederlaffung. 1 v W-E-M Hz ;Wv 51 7V\ ?♦#1 NH****“ Ein Abschnitt der Internationalen Niederlassung in Schanghai, der durch Sandsackbarrikaden geschützt ist. Links, wo man die Rauchwolken sieht (ein Pfeil bezeichnet die Stelle), war eben eine Bombe niedergefallen. — (Ässociated-Preß-M.) *• <. ™ ff • MK ■ H V I x. . * G Japanische Marinetruppen beim Eindringen in ein vom Kampf bereits zerstörtes Dorf bei Schanghai. — (Scherl-Bilderdienst-M.) sogenannten Entschädigungen waren bedeutungslos), um das Deutschtum an der Wurzel zu treffen. Ein . Fleck auf der Weste spielte keine Rolle für die neuen Männer Mitunter macht auch die Natur einen Strich durch unüberlegte Methoden. Als während des Weltkrieges und in den ersten Jahren danach die Getreidepreise hoch standen, wurde in den Bereinigten Staaten von Amerika der Ackerbau rücksichtslos über die gefährliche Klimagrenze des 101. Längengrades hinaus nach Westen, ausgedehnt. Die Regenarmut glaubte man mit Tiefbearbeitung zur Aufspeicherung der Frühjahrsniederschläge überwinden zu können. Millionen von Hektaren Prärieboden wurden aufgepflügt, aber das Ergebnis ist, daß Gebiete, größer als Deutschland, sich jetzt in eine vegetationslose Staubwüste verwandeln. Dieselbe Kunde kommt in diesem Sommer aus Kanada. Die Berichte lauten dahin, daß fast in der halben Provinz Sas- katschewan und in einem Teil von Alberta der Getreidebau wird aufgegeben werden müssen. Das Land muß liegenbleiben, bis es sich wieder mit seinem ehemaligen natürlichen Graswuchs bedeckt und als Viehweide verwendet werden kann, denn es empfängt zu wenig und zu kurze Zeit dauernde Niederschläge, um der dörrenden Sonnenwirkung zu widerstehen, sobald der Pflug es aufgerissen hat. Die Natur selbst schränkt die forcierte Getreideproduktion ein. Keine Exportware. Der Stellvertreter des Führers hat in Stuttgart vor Tausenden in der ganzen Welt verstreut wohnenden und jetzt zu kurzem Aufenthalt in ihre Heimat zurückgekehrten Reichsdeutschen zu dem Märchen Stellung Genommen, daß der Nationalsozialismus die Ausländsdeutschen benutze, um in den Gaststaaten zersetzend zu wirken und gleichzeitig Spionage zu treiben Er hat mit treffenden Formulierungen dieses Geschwätz abgetan, er hat bei dieser Gelegenheit erneut unterstrichen, was oft und oft schon zum Ausdruck gebracht worden ist, daß der Nationalsozialismus keine Exportware darstellt, daß er weder an andere Völker abgetreten aber ihnen gar aufgedrängt werden soll, sondern ausschließlich für Deutschland und das deutsche Volk bestimmt ist, also auch ihm ganz allein vorbehalten bleibt. Gerade das Auslandsdeutschtum, das unter dem ewigen Gerede von der „nationalsozialistischen Gefahr" am meisten zu leiden hat, ist ihm für diese Feststellung besonders dankbar, hatte sich doch schon weitgehend die Auffassung verankert, daß jeder Deutsche im Ausland besondere Missionen zu erfüllen habe, die mit einer loyalen Einstellung seinem Gaststaat gegenüber nicht in Einklang zu bringen wären. Wir wissen, aus welchen Quellen diese Verleumdungen und Verdächtigungen kommen, wir wissen, was mit ihnen bezweckt wird Wenn man also von einer Vergiftung des Auslandes sprechen will, dann kommen dafür nicht die nationalsozialistischen Deutschen, sondern die Giftköche in Frage, die methodisch die Aufwiegelung anderer Staaten gegen Deutschland betreiben. Wenn sie aber meinen, mit ihrer Praxis in die Reihen unserer deutschen Volksgenossen, die draußen ihrem Broterwerb nachgehen müssen, Verwirrung hineintragen zu können, dann haben sie sich grimmig getäuscht. Wie alle bisherigen Tagungen der Ausländsdeutschen, so hat auch die jetzige Stuttgarter Kundgebung gezeigt, daß das Auslandsdeutschtum einig und geschlossen dasteht. Gerade das ist aber ein Verdienst des Nationalsozialismus. B. R. Ausländsdeutsche Hilfe. Stuttgart, 30. Aug. (DNB.) Der Stabsamtsleiter der Auslandorganisation, SA.-Standartenführer Ruberg, gab vor den Hoheitsträgern und Politischen Leitern im Auslande einen Üeberblick über die erfolgreiche innere Ausrichtung der auslanddeutschen Arbeit der AO. Im vergangenen Jahre wurden insgesamt 2 696 000 RM. von den Auslanddeutschen für das WH W. geopfert. In Spanien wurde ein großzügiges Hilfswerk eingeleitet, das bis zum Dezember 1936 den 8000 Volksgenossen, die aus Spanien flüchten mußten, aus eigenen Mitteln 1 300 000 RM zur Linderung der größten Not zur Verfügung stellen konnte." Das deutsche Volk leistete dem Aufruf zur Unterstützung der Spaniendeutschen in einem Maße Folge, das alle Erwartungen übertraf. Rund drei Millionen Reichsmark wurden für die Spaniendeutschen gesammelt. Auch in letzter Zeit wurde für die in China bedrohten Volksgenossen ein Hilfswerk eingeleitet. Neben verschiedenen Fragen der inneren Organisation behandelte Stabsamtsleiter Ruberg auch die Arbeit des Rückwanderungsamtes der AO. und gab bekannt, daß im ersten Halbjahr 1937 9975 Rückwanderer durch die Fürsorgearbeit der AO. betreut worden sind, die ihnen den Aufbau einer neuen Existenz in der Heimat ermöglichte. Das Ende des Bauernstreiks in Galizien. W a r s ch a u , 30. Aug (DNB.) Die polnische Regierung hat in einem von Ministerpräsident Skla- dowski unterzeichneten Bericht zu den Unruhen in Klein-Polen Stellung genommen. Der Bericht beschäftigt sich mit den Hintergründen und dem Verlauf des von der Bäuerlichen Volkspartei in Szene gesetzten Bauernstreiks. Terroristische Banden hätten vielerorts Unruhen anzu- zetteln versucht, Wege verbarrikadiert, Gebäude angezündet, Obstbäume gefällt, Telegraphenleitungen durchschnitten und sogar Brücken zerstört. Selbst zu Angriffen auf die Polizei sei aufgehetzt worden. „Das Ende der verlogenen und räuberischen Aktion war", so heißt es in dem Bericht, „daß im Verlaufe der Unruhen 41 Personen getötet und mindestens 34 verwundet wurden. Auf der Opferliste steht kein einziger von den Anführern, die den Bauern Straflosigkeit in Aussicht gestellt hatten, sich dann aber an sicheren Orten verbargen, ohne sich um das Schicksal der Verhetzten zu kümmern. Auf ihr Haupt kommt das vergossene Blut der Bauern? Der Mißbrauch des Erinnerungstages an einen polnischen Waffensieg zur Proklamierung eines Bauernstreiks wird unvermeidlich Konsequenzen vor allem für die Anführer nach sich ziehen. Das weitere Verhalten der Regierung kann durch derartige Vorkommnisse nicht beeinflußt werden. Sie wird weiter eine allmählige Besserung der Lage des Bauern anstreben und Ruhe und Drbnung im Staate sicherstellen." Gegen die deutsche Schule in Ostoberschlesien. Kattowitz, 30. Aug. (DNB.) Der Schlesische Sejm nahm innerhalb weniger Minuten in der Form eines Dringlichkeitsantrages einen Gesetzentwurf an, der das private Schulwesen in der Wojwodschaft Schlesien neuen Bestimmungen unterwirft, die sich vor allem gegen das deut- s ch e Schulwesen auswirken. Das Gesetz schreibt im wesentlichen vor, daß eine private Volksschule nuroon Kindern besucht werden darf, die nicht rpeiter als drei Kilometer entfernt wohnen. Das bedeutet in seiner praktischen Auswirkung, daß von 2800 Kindern, die die privaten deutschen Volksschulen in Ostoberschlesien besuchen, in Zukunft rund 2000 Kinder auf den Besuch dieser Anstalten verzichten und eine staatliche Minderheitenschule besuchen müssen. Der Unterricht an diesen staatlichen Minderheitenschulen kann dem deutschen Unterricht nicht gleichgesetzt werden, weil an ihnen fast ausschließlich Nationalpolen als Lehrkräfte tätig sind. Eine weitere Bestimmung schreibt vor, daß die polnischen Schulbehörden die Errichtung von nicht- polnischen Privatschulen versagen können, wenn „genügend staatliche Schulen vorhanden sind ober aber vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus ein Bebürfnis für eine Privatschule nicht vorliegt". Diese Bestimmung, bie jeder Auslegungsmöglichkeit Raum gibt, läßt bei ben in letzter Zeit besonbers zutage tretenden deutschfeindlichen Tendenzen in Ostoberschlesien bie begreifliche Befürchtung zu, daß es der deutschen Volksschule im Hinblick auf bie Auswirkungen des Artikels über bie Drei-Kilometerzone künftig unmöglich gemacht wirb, neue Privatschulen zu errichten. Oer Held von Boyen. Generalmajor a. D. Busse, der erfolgreiche Verteibiger b e r Feste Boyen, ist im 81. Lebensjahr zur großen Armee abberufen worben. Mit ihm ist ein Führer aus bem Weltkriege bahingegangen, ber unter ben schwierigsten Um- stäuben seine Pflicht erfüllte unb ber burch sein Ausharren auf seinem von ber Russenflut umbran- beten Posten mithalf, bie Entscheidungsschlacht bei Tannenberg zum vollen Erfolge zu führen. Busse, bamals noch Oberst, hatte erst wenige Monate zuvor ben Befehl über bie Feste Boyen erhalten, die an jener Stelle liegt, wo bas weite Gebiet zwischen bem Mauer- und dem Spirding-See, also bie Kette Jg V ber ostpreußischen Seen unb Sümpfe passiert werben kann. Hier, beim Städtchen Lötzen, laufen fünf Eisenbahnlinien, die sich vor Lätzen zu drei Strecken vereinigen, zusammen. Wer also diese Brücke durch das unpassierbare Gelände in ben Händen hatte, der konnte bequem bis an die Weichsel vorstoßen. Busse kannte ben Wert seiner mit Waffen unb Mannschaften nicht allzu üppig aus» gestatteten kleinen Festung, zwischen beren Wällen ganze viertausenb Waffenträger lagerten. Als nun in ben ersten Wochen bas deutsch-russischen Ringens Adele Sandrock In ihrer Wohnung in Charlottenburg ist am Montag gegen Abend bie bekannte Schauspielerin Adele S a n d r o ck einem schweren Leiden e r - legen. Die allseits beliebte Künstlerin, bie besonders auch als Filmschauspielerin außerordentlich erfolgreich gewesen ist, hat ein Alter von 74 Jahren erreicht. Sie wird, ihrem Wunsche entsprechend in bie Familiengruft nach Wien auf bem Friedhof in Matzleinsdorf übergeführt wo auch ihre Eltern beigesetzt sind. ♦ Adele Sandrock wurde am 19 September 1864 in Rotterdam geboren Schon mit 16 Jahren betrat sie —• nicht ohne Erfolg — in Berlin die Bühne; später kam sie nach Meiningen, wo sie jedoch so wenig gefiel, daß Kainz sich geroeigert haben soll, mit ihr zusammen zu spielen. Ihr Weg führte sie dann abermals nach Berlin, später nach Moskau, weiter nach Wien, wo sie 1889 im „Fall Clsmenceau" mit einem Male weltbekannt wurde und sich am Burgtheater zur großen Tragödin entwickelte. (Aus dieser Zeit stammt ihre ausgezeichnete Sprechtechnik, die wir viel später noch im Film an ihr bewundert haben.) Um ihrer eigenartigen Rollenauffassung willen war sie von den Kollegen wie vom Publikum gleichermaßen bewundert, wegen ihrer Temperamentsausbrüche von der Direktion aber nicht minder gefürchtet. Dies führte schließlich zum Bruch mit der Burgtheaterleitung; die Sandrock begann ein Wanderleben als Gastdarstellerin, wobei Wien und Berlin ihre Stützpunkte bildeten. Damals spielte sie u. a. auch den Hamlet. 1908 zog sie sich ins Privatleben zurück, blieb dem Theater anderthalb Jahrzehnte fern, wurde erst 1922 der Bühne zurückgewonnen und ging ins charakterkomische Fach über In Wildes „Bunburry" hatte sie beim ersten Wiederauftreten einen sensationellen Erfolg; seitdem spielte sie in zahlreichen Rollen an ersten Berliner Bühnen. Im stummen Film trat sie nur wenige Male auf; erst Der Tonfilm gab ihr eine weit über Berlin hinausreichende Popularität. Hier ist sie durch zahllose Rollen auch in der Provinz zu einer der volkstümlichsten Darstellerinnen geworden, bis — vor nicht sehr langer Zeit — ein Unfall bei der Arbeit ihrem unverwüstlich scheinenden Spieltemperament ein Ziel setzte. Zu den bekanntesten Filmen der Sandrvck gehörten „Ihre Majestät die Liebe", „Der Kongreß tanzt", „Morgenrot", „Das schöne Abenteuer", „Dse Töchter der Exzellenz" und „Kleines Mädel — großes Glück". Eine stattliche Gemeinde treuer Kinobesucher wird heute mit aufrichtiger Trauer der Schauspielerin gedenken, die dem Film eine lange Reihe unvergeßlicher Gestalten geschenkt hat. Diele werden bei diesem Abschied noch einmal ihre hohe und hoheitsvolle Gestalt vor sich sehen, die strengen Züge der ehemaligen Tragödin, und die tiefe, grollende Stimme der alten Generalinnen und Exzellenzen vernehmen, die sie so oft gespielt hat. Und auch in manchen Anekdoten wird das Andenken an Adele Sandrock lebendig bleiben. Don den Aossiitener Zugvögeln. Rund 1OOOOO von den Millionen von Vögeln, die alljährlich über die Kuriscbe Rehrung nach Süden ziehen, werden von der Rofsittener Vogelwarte mit Kennringen versehen, damit ihr Zug genau beobachtet werden kann, und von diesen werden durchschnittlich 3500 in jedem Jahr zurück, gemeldet. Rund 20000 Briefe bringt der Postbote den Raturforschem jährlich ins Haus. Oft sind es abenteuerliche Schicksale, die sie in den südlichen Ländern erleben; davon wird in ..Reclams Uni- nerfum“ einiges erzählt. Rus Afrika kommen oft genug Berichte, daß Störche in die Hände von Eingeborenen gefallen sind; in fünf Fällen wurden Storche mit Pfeilen in ihrem Gefieder nach Deutschland zurückgesandt, so daß die Vogelfvrscher fich an ethnographischen Kollegen wenden mußten, um nach den Merkmalen der Pfeile festzuftellen, von welchem Regerstamm der Storch gesichtet und getötet war Sv gelang es, den Zug eines solchen Storches einwandfrei festzulegen. 3n Frankfurt an der Oder wurde auf einem Rest ein Storch entdeckt, der in einem Flügel einen Pfeil trug; das Tier wurde gefangen, vom Pfeil befreit und wieder freigelassen, hatte dasselbe Geschick aber von neuem unter afrikanischer Sonne. Als bei Sevilla in Spanien ein Storch mit einem Pfeil abgeschossen wurde landte man diesen nach Rossitten. obwohl der Vogel keinen Kennring von dort trug, ein Zeichen dafür, wie weit schon die Kunde von der Fvrscherarbeit Rvssittens gedrungen ist. Das Staatliche Museum für Völkerkunde in Berlin stellte fest, daß Reger in der Gegend des Kilimandscharo den Pfeil auf den ihnen unbekannten Vogel abgeschvsien hatten. Ein britischer Distriktskommisiar im Sudan teilte der Vogelwarte mit, daß dort ein Storch gefangen wurde, der in Pommern einen Kennring erhalten hatte; der Ring wurde von dem Häuptling ^es Maidob-Stammes zurückbehalten, weil sein Dol ihn als ein sichtbares Zeichen der @rmuiiguiig von seiner Gottheit auffaßte. Gin Storch, der im Kreise Elbing als Restjunges beringt und dann nach Westfalen verfrachtet worden war, wurde dort auf einem künstlichen Rest frei aufgezogen und flog dann ab. Wenige Wochen später wurde von drei Stellen in der Rähe der Seine gemeldet: „Wir haben ihren Storch gefangen!' Absender waren der französische Tierschuhverein von Sens, das zoologische Museum der Stadt und der Bürgermeister, der sich mit seinem Schreiben an den Führer wandte und ihm die Ankunft des seltenen Gastes in den Mauern seiner Stadt mitteilte. Den weitesten Weg von allen Zugvögeln, die von der Rossittener Vogelwarte beringt worden sind legte eine Flußseeschwalbe zurück, die am 1. Juli 1934 den Kennring erhielt und am 19. Dezember desselben Jahres in der Rahe von Kapstadt gefunden wurde. 6od)fd>ulnacbnd)ten Studienrat Dozent Dr. phil. habil. Hans Volk- mann ist unter Berufung in das Beamtenoerhält- nig zum o. Professor im preußischen Landesdienst ernannt worden Der Reichserziehungsminister hat Prof. Volkmann mit Wirkung vom 1 Juni 1937 ab in der Philosophischen Fakultät der Universität Greifswald eine freie Planstelle mit der Verpflichtung verliehen die alte Geschichte in Vorlesungen und Hebungen zu vertreten. Gleichzeitig hat er ihn zum Direktor des Instituts für Altertumskunde, Abteilung Althistorisches Seminar, der Universität Greifswald ernannt Der ao Professor Dr. Philipp Le r sch von der Technischen Hochschule Dresden ist mit der vertretungsweisen Uebernahme der neuerrichteten Professur für Psychologie und Pädagogik an der Universität Breslau ab 1 Oktober 1937 beauftragt worden. Sein Spezialgebiet ist Charakterologie. Meisterleistungen auf der Internationalen Filmkunstschau. Venedig, 30. Aug. (DNB.) Von der Inter- nationalen Filmkun st schau verdient der englische Film „Edge of the World“ (Die Ecke der Welt) Erwähnung, der unter der Spielleitung von Michael P o w e 1 von der Joe-Rock- Production hergestellt worden ist. Es ist ein ernstes Gemälde in düstergrauen Tönen, aber voll reichstem Stimmungsgehalt, von einer der äußeren Inseln im hohen Norden Schottlands, einer verlassenen Oede. Wie die Menschen gegen die Elemente kämpfen und schließlich ihrer Macht weichen müssen, zeigt die Filmhandlung. Die Menschen haben harte Gesichtszüge, klare, wie vom Irdischen abgewandte Augen, sie sind so erfaßt, wie sie leben, ungeschminkt, ganz aus ihrem rauhen Dasein heraus- gegriffen. Der Beifall bewies, daß zum Erfolge keineswegs immer aufs Aeußerliche gerichtete Anstrengungen erforderlich sind. Der Tobis-Film „Versprich mir nichts" wirkte durch seine flotte Handlung und vor allem durch die hinreißende Darstellung der Hauptpersonen (Luise Ullrich, Viktor de K o w a). Und wenn Heinrich George im spannendsten Augen- blick sehr gewichtige Worte von Kunst und Künstlern ausspricht, so gibt er dem Film ganz unauf» fällig einen besonderen Ton, der ihn über den Durchschnitt hinaushebt. Dies hat man insbesondere in Venedig gefühlt. Der französische Sacha - Guitry - Film „L e s Perles de la Couronne“ (Die Perlen der Krone) nimmt durch seinen originellen Aufbau unb feine glänzende regietechnische Aufmachung gefangen. In flüssiger Erzählung, erfüllt von geist- sprühenden Gedanken, reiht sich eine wahre Kette von bezaubernden Bildern aneinander. In dem schrankenlosen Flug durch Zeit und Raum wurde die Kamera mit meisterhaftem Können eingesetzt. Starken Eindruck machte der englische Dokumen- larfilm von der Krönung König Georgs VI Der japanische Kulturfilm „Kyoiku Nippon", der ein anschauliches Bild von dem hohen Stand des ja- panischen Schulwesens vermittelte, war inhaltlich interessant. Die Erziehungsgrundsä'he der A-ols-Hitler-Schulen. Ausführungen des Reichsorganifationsleiters und des Heichsjugendleiters. die Zurücknahme der deutschen Front erfolgte, blieb Busse mit seinen Getreuen der einzige Verteidiger dieser äußerst wertvollen Furt mit ihren Eisenbahnsträngen. Der Russe fühlte alsbald vor, wurde aber von der tapferen Besatzung immer wieder zurückgeschlagen, die, als am 23. August die völlige Einschließung dieses befestigten Platzes erfolgte, nun erst recht den Gegner beschäftigte. Ein vier Tage später gemachtes Angebot des russischen Oberkommandierenden, die Feste zu übergeben, lehnte Busse rundweg mit der Bemerkung ab, er werde nur .men Trümmerhaufen, aber keine intakte Befestigungsanlage dem Feind ausliefern. Und sogleich setzte cr zu einem neuen starken Ausfall an, der zwar 'en russischen Ring nicht sprengte, wohl aber den russischen Oberbefehlshaber bedenklich gestimmt haben muß. Jedenfalls marschierte er nicht an Lötzen vorbei, um General Samsonow vor dem ihm von Hindenburg und Ludendorff diktierten Untergang zu bewahren. Er fürchtete offenbar die Tatkraft des Festungskommandanten, der auch keinen Augenblick gezögert hätte, sich mit seiner gesamten Kraft auf den Gegner zu werfen, um seinen Vormarsch zu stoppen. Denn Busses Taktik bestand darin, die Feste Boyen zu benutzen, um eine möglichst starke Anzahl russischer Soldaten zu binden. Der Ausgang der Schlacht von Tannenberg ließ die russische Dampfwalze beschleunigt rückwärts rollen. Boyen war wieder frei, die einzige deutsche Festung, die während des Krieges gegnerische Truppen vor ihren Schanzen sah. Daß der wichtige Durchlaß durch das ostpreußische Seengebiet für die Russen gesperrt blieb, und daß auf diese Weise der geniale Plan Hindenburgs von Erfolg gekrönt werden konnte, ist dem jetzt verschiedenen Generalmajor a. D. Busse und seinen heldenmütigen Waffengefährten, fast durchweg ostpreuhische Landwehr und Landsturm, zu danken. B. R. Oie Wohnungsiauschaktion. Berlin, 30. Aug. (DNB.) Der Reichsbund der Haus - und Grundbesitzer hat seine Erhebung über den Bestand an Leerwohnungen zu einem vorläufigen Abschluß gebracht. Die Untersuchungen verfolgten den Zweck, der Oeffentlichkeit OrteundBezirke nachzuweisen, in denen im Gegensatz zu überwiegenden Teilen des Reiches nicht nur kein Wohnungsmangel besteht, sondern sogar in größerem Umfange Wohnraum verfügbar ist. Aus Grund dieses verfügbaren Wohnraumes regt die Organisation im Einvernehmen mit den zuständigen Stellen von Staat und Partei eine U m t a u s ch a k t i o n auf breitester Grundlage an, von der vornehmlich Ruhegehaltsempfänger und Rentner Gebrauch machen können, zumal es sich bei den Orten, die noch überschüssigen Wohnraum aufweisen, vielfach noch um Gebiete handelt, in denen die Lebenshaltungskosten günstiger gestaltet sind als in den übermäßig besiedelten Bezirken. Die Wohnungstauschaktion verfolgt einen doppelten Zweck. Sie soll einmal zur Entlastung solcher Bezirke beitragen, in den die Wohnungsnachfrage das vorhandene Angebot trotz angestrengtester Neubautätigkeit bei weitem übersteigt, zum anderen soll sie dazu beitragen, eine Fehllenkung von Wohnbaukapital-zu verhindern. . Wie das zusammengebrachte Material zeigt, handelt es sich nicht nur um vereinzelte „Inseln" mit überschüssigem Wohnraum, sondern um zum Teil recht ausgedehnte Bezirke, wie zum Beispiel die Brandenburgische Grenzmark, in der Wohnungsmangel eine Ausnahme ist. Unter den Gebieten, die mit einem zum Teil recht beachtlichen Wohnungsangebot aufwarten können, find u. a. noch zu nennen: Baden, Württemberg, Teile des Rh ein-Ma in-Gebietes, der Freistaat Sachsen, einige Bezirke Schlesiens, das Rheinland und zuletzt auch Ostpreußen. Auffallend ist das fast allgemein recht starke A n - gebot an Wohnungen mittlerer Gr ö ß e; aber es findet sich vielfach auch ein recht beachtliches Angebot von Kleinwohnungen. — Interessenten an der Wohnungstauschaktion können vom Reichsbund der Haus- und Grundbesitzervereine, Berlin W 8, Mohrenstraße 33, gegen Erstattung der Portokosten und unter Angabe des sie besonders interessierenden Gebietes eine Liste der in Frage kommenden Orte erhalten. Die Preissenkung für Zellwolle. Vor zwei Jahren kostete noch das Kilo Zellwolle zum Verspinnen 2 bis 2,10 Mark, wozu unter Umständen noch Verpackungsspesen traten. Außerdem war die Lieferung belastet mit strengen und auch etwas komplizierten K a r t e l l Vorschriften. Inzwischen ist dieses Kartell aufgelöst und der Preis der Zellwolle zunächst im August 1935 auf 1,8 und 1936 auf 1,6 Mark ermäßigt worden. Gleichzeitig wurde schon damals eine weitere Preissenkung in Aussicht genommen, die jetzt mit 15 Pf. durchgeführt wurde, so daß sich der Preis auf 1,45 Mark stellt. Diese Preiskontrolle wirkt sich nach zwei Richtungen aus: Einmal ist zu fragen, wie sich der Preis der Zellwolle zu den anderen Textil-Rohstoffen verhält und zweitens ist das Problem zu lösen, wie bei fortgesetzten Preisermäßigungen die industriellen Ausbauten und die technischen Forschungen zu finanzieren sind. Zum ersten Punkt ist zu bemerken, daß die Zellwolle im Preise bereits der im Kompensationsverkehr eingeführten Baumwolle recht nahe kommt. Sollten sich die amerikanischen Plane auf eine Erhöhung des gegenwärtig verhältnismäßig niedrigen Baumwollpreises durch staatliche Hilfe verwirklichen, so wird der Preisunterschied noch geringer. Was aber die Finanzierung der technischen Fortschritte und des industriellen Ausbaues anlangt, so ergibt sich, daß bei einem Großunternehmen des neuen Wirtschaftszweiges die bisherigen Anlagen in etwa fünf fahren abgeschrieben werden können, was auch notwendig ist, um die Umstellung auf verbesserte neue Verfahren zu ermöglichen. Gleichzeitig wurden erhebliche Summen für technische Fortschritte ausgeworfen, und außerdem konnte eine normale Dividende von 5 v. H. auf das Aktienkapital gezahlt werden. Dr. Ho. Deutsche Herrenkleidung, Auf der Reichstagung des Schneiderhandwerks fand im Kongreßsaal des Deutschen Museums in München die Vorführung der neuesten Modellschöpfungen der deutschen Herrenklei- oung statt. Man sah Straßen- und Ueberkleidung und neue Sport- und Gesellschaftskleider. Der Reichsmodewart erläuterte an Modellen wie an Lichtbildern die modische deutsche Linie und besonders Fragen der sachlichen Verarbeitung. Er betonte, daß die Mode zwar international sei, daß Berlin, 30. Aug. (DNB.) Im Friesenhaus des Reichssportfeldes wurde ein lOtäaiger Lehrgang ü r öie Erzieher in den Adolf-Hitler- Schulen eröffnet. Der Lehrgang wurde durch eine Ansprache Dr. Leys eröffnet. Die Adolf-Hitler- Schulen bedingten einen vollständigen Bruch mit den alten Erziehungsmethoden. Man fei mit den bürgerlichen Lehrsystemen, die nur ein Anhäufen von Wissen anstrebten, nicht vorwärts gekommen. Erziehung habe mit einem Anhäufen von Stoff nichts zu tun, sie sei eine Charakterbildung auf der Grundlage des Dreiklanges von Körper, Seele und Geist. Die Achtung vor der Arbeit in der Leistung des anderen, nicht aber der sog. Strebergeist müsse der Jugend nähergebracht werden. Es habe auch keinen Wert, eine kurze Höchstleistung zu erzielen, um dann zusammenzuklappen. Man müsse von der Jugend verlangen, daß alle Handlungen, auch wenn sie sich für die Umgebung unsichtbar vollziehen, so sauber und rein seien, als ob sie sich in der Oeffentlichkeit abspielten. Die Adolf-Hitler-Schulen seien in einem Aufbau begriffen, der für die künftige Erziehung der deutschen Jugend völlig neue Aussichten eröffne. Im Anschluß an die Ausführungen von Dr. Ley sprach der Reichsjugendführer Baldur v. S ch i r a ch. Es fei die Zeit gekommen, wo eine Generation frei und unbelastet von Fehlern und Schäden erzogen werden müsse, die unser Volk im Verlaufe feiner Geschichte verfolgt hätten. Wie oft habe kleiner mittelmäßiger Geist das große deutsche Genie verkannt. Newtons Formeln hätten viele.Menschen wohl begriffen. Sie hätten aber nicht erlebt, wie viel genialer Goethes Farbenlehre sei. Goethe, der die Farben als die Taten und Leiden des Lichtes bezeichnet habe. Schirach erinnerte an Chamberlains Wort von dem Philister und dem Helden in der Seele des deutschen Menschen, er verwies auf das Schicksal der „Unvollendeten" von Schubert, an die Lokalanästhesie von Schleich, an den Spott, der sich anfangs über Graf Zeppelin ergossen habe, und wie schwer es Richard NSG. Am 14. August wurde die „Haus- und Landarbeitsschule des BDM. in Cam - berg im Verein für Volkspflege e. 23." ihrer Bestimmung übergeben. Zum erstenmal im Reichsgebiet ist damit der BDM. als staatlich anerkannter Erziehungsfaktor der weiblichen Jugend auch mit fürsorgerischen Aufgaben im Rahmen einer Schule betraut worden. Auf Grund der vorgenommenen Besichtigungen des Landeshauptmannes der Rheinprovinz und des Reichskommissiars für das Saarland werden der Schule auch aus diesen Gebieten Mädel zugeführt. Wenn man die weitläufigen und hellen Gebäude des ehemaligen Taubstummeninstituts des Regierungsbezirks Wiesbaden in Samberg betritt, bann ist man wohl überrascht, daß in so verhältnismäßig kurzer Zeit hier etwas entstanden ist, das in seiner Zweckmäßigkeit und Bestimmung dem Ganzen den Charakter einer Schule und nicht den der bestehenden Fürsorgeheime gibt. Da ist das ganz in Grün eingesponnene, kleine Wohnhaus mit den neu hergerichteten Verwaltungsräumen. Oben sind helle Schlafzimmer für die 10- bis 14jährigen und die Räume des ständigen Personals. Ein kleiner Zwischenbau führt ins Hauptgebäude, das im Erdgeschoß die Gemein- chaftsräume beherbergt: die große, blitzsaubere Küche mit den gutbestellten Geschirrschränken, die hellen, einfachen Eßzimmer und der mit kleinen Einzeltischen versehene Aufenthaltsraum. Der Waschraum mit Bad und Brause entspricht allen Anforderungen. Nebenan die Aula des früheren Instituts mußte leider noch in dem alten Zustande belassen werden: sie wird aber mit der Zeit zweckentsprechend für unsere Heimabende und Feierstunden ausgestaltet werden. Oben in den langen Gängen des ersten Stockwerkes stehen die glänzend- weißen Spinde; zu beiden Seiten gelangt man in die Schlafräume, die jeweils 16 bis 20 Mädel fassen, und in den Lehrsaal. Sonne und grüne Zweige, helle Giebel und die Weite und Stille des Taunustales bringen burch bie Fenster ein. Ganz oben finden wir noch bas ibeale Nähzimmer mit breiter Fensterfront und ungehemmtem Weitblick, Schrankzimmer und ein Bügelzimmer^ Unb bann Hof unb Garten! Eine grüne Bank unter ber mächtigen Kastanie labt zum Ausruhen ein. Vier Morgen Garten- unb Wiesenland gehören außerbem zur Schule. Teils behnt es sich ums Haus als Blumen- unb Gemüsegarten mit langen, gepflegten Svalierreihen und Beeten, teils liegt es jenseits ber Straße und liefert einen Großteil bes Gemüse- unb Obstbebarses. Nicht vergessen wollen wir bie geräumige Turnballe, bie sich im Garten hinter Obstbäumen unb Rosenhecken verlteckt und den Sportbetrieb bei schlechtem Wetter sichert. Wagner im Vergleich zu dem von Jubel begleiteten Dasein Verdis gehabt habe. Mit ber nationalsozialistischen Bewegung unb bieser neuen Jugend werde das häßliche Wort des Tacitus, wonach Neid und Dummheit zu den Wesenszügen der Menschen östlich von Gallien gehört, des letzten Fünkchen Wahrheit beraubt. Die kleine Nörgelsucht könne durch eine grundlegende tiefe Erziehungsarbeit überwunden werden, wenn an Stelle von mittelmäßiger Bürgerlichkeit unverbildete Menschen mit natürlicher Begabung ben Typ bes Führerkorps einer Gemeinschaft für kommende Jahrhunderte stellen. Baldur v. Schirach sprach von dem hohen Anspruch, den ein Führerkorps an das Leben stellen müsse, ohne bie persönliche Anspruchslosigkeit bamit au verlieren. Der Adols-Hitler-Schüler solle sich nicht fein ganzes Leben auf ein ärmliches Dasein einrichten, aber wenn er politische Führung einmal mit kulturellem Anspruch oerbinben wolle, so sei auch seine erste Tugenb, entsagen zu können. Die jungen Erzieher vernahmen Worte über Lebensstil unb Geselligkeit, über die Notwendigkeit, auf der Tanzfläche nicht auszurutschen, aber gleichzeitig auf der Kampfbahn zu siegen. Sie horten Gesetze, die ein Führerkorps prägen soll, das sich nicht in Äußerlichkeiten, sondern in seinem Adel von jeder Aristokratie, die es jemals in Deutschland gegeben habe, unterscheidet. — Gebietsführer Petter, der Inspekteur für die Adolf-Hitler-Schulen, dankte dem Reichsjugendführer für seine Worte. ♦ Das Schulschiff „Skagerrak" ber nationalpolitischen Erziehungsanstalt Plön, eine 120- Quabratmeter-Ketsch, ist von seiner ersten sechswöchigen Auslandssahrt in die nordischen Länder zurückgekehrt. Die Fahrt ging durch den Großen Belt und das Kattegat nach (Botenburg, von dort durch den Götaäls-Kanal unb über bie schwebische Seenplatte nach Stockholm. Der B e - s u ch bei Sven Hebin war für die Jung- mannen ein Höhepunkt der Fahrt. Haus- und Landarbeiten herangezogen werden. Sie werden jeweils alle vier Wochen einer bestimmten Arbeitsgruppe zugeteilt, um ihre Kenntnisse zu vervollständigen. Je nach Können und Leistung werden sie nach ihrer Entlassung aus ber Schule in entsprechende Stellen vermittelt. Der Betrieb der Schule wird von Fachkräften geleitet, so daß die Ausbildung und Erziehung der Mädel gewährleistet ist. Die Art und Auffassung der Schule bringt es als selbstverständlich mit sich, daß sich der Lehrplan kaum von den anderen Haushaltungsschulen unterscheidet. Auf der Grundlage der Hausarbeit sind alle Teilgebiete wie Waschen, Bügeln, Kochen, Weißnähen und Schneidern, Gartenbau und Kleintierzucht planmäßig aufgebaut. Neben dem praktischen Unterricht steht der theoretische, ber ergänzt wirb burch Sport unb weltanschauliche Schulung. Heim- und Singabenbe fassen bie Mädel abends zusammen. Hier finden sie auch Gelegenheit, unter fachkundiger Anleitung für sich selbst zu schneidern und zu basteln. Um 21 Uhr ruht der gesamte Betrieb, ber jeben Morgen um 6 Uhr beginnt. Fahrten ins hessen-nassauische Land und all das, was zu einem richtigen BDM.-Betrieb gehört, sind in ber Cam- berger Schule ebenso selbstoerstänblich wie strengste Disziplin unb unbebingte Karner ab schäft. Das Ziel der Schule. Die Haus- und Landarbeitsschule nimmt all die Mädel auf, die durch gerichtlichen Beschluß in vorläufige oder endgültige Fürsorge- erziehung gegeben werden oder auf A n - trag ber Eltern Erziehilngshilfe erhalten sollen. Voraussetzung ist natürlich, baß bie Mädel erblich nicht belastet sind, und so ihre Erziehung Erfolg verspricht. Großzügig, hell und sauber wie bas Haus ist die Atmosphäre, die sein Leben unb Arbeiten bestimmt. Bisher hatte das Wort „Fürsorgezögling" einen unangenehmen Beigeschmack. Es war eine Belastung, bie ben jungen Menschen jahrelang, ja oft burch sein ganzes Leben begleitete unb nieberbrüdte, ihn als zweitklassig stempelte und nicht selten zum Objekt verschiedenster Spekulationen machte. Wir wollen unb müssen heute einen neuen Weg gehen unb diese Menschen, die allein ober schwach und haltlos im Leben stehen, auf den Boden unserer starken Gemeinschaft stellen. Sie sollen sich in ihr beweisen und bewähren können, sollen körperlich unb seelisch gesünder, klarer unb stärker werden und lernen, ihren Platz ganz auszufülen. Nicht Mitleid und jene Haltung, bie nur Bestärkung in Hilfsbebürftigkeit unb Unterwürfigkeit ist, bringen nach unserer Auflassung Hilfe unb (Befunbung, sondern einzig das Bessermachen, das „Wieder-an-sich-glauben-konnen" und bas Wachsen an ben gestellten Aufgaben. Tüchtige, frohe unb lebensbejahenbe Menschen will bie Schule formen unb roieber ber Volksaemeinschaft zurückgeben. Die Ausgabe, bie ber BDM. hier übernommen hat, ist schwer unb erforbert ganze Verantwortung einer Zeit gegenüber, bie auf allen Gebieten Um- unb Neuwertungen vornimmt. Der schönste Lohn wird sein, wenn ber alte Begriff ber Fürsorgeerziehung von einem positiven neuen ab- gelöst wirb. pl- Oer Vormarsch aus Murien. Santanber, 30. Aug. (DNB.) Die Navarra- Brigaben setzten ihren Siegeszug in Richtung Asturien fort, ohne daß sie bisher auf ernsthaften Widerstand stießen. Am Montag besetzten sie die höchste feindliche Stellung im Escudo-Gebirge. Durch ausgedehnten Geländegewinn auch im Süden dieses Gebirges beherrschen die nationalen Streitkräfte das Tal nördlich der Ortschaft Po- tes. Die Küstenkolonnen gehen im Süden des Hafens von San Vicente de la Barquera vor. An der Aragon-Front ging 40 Kilometer südlich von Saragossa der Gegner, unterstützt von vielen Tanks und mehreren internationalen Brigaden, wiederholt gegen die nationalen Stellungen vor, ohne daß es ihm trotz Artillerievorbereitung gelang, Gelände zu gewinnen. Die nationalen Truppen ließen den Gegner bis auf kurze Entfernung an die vordersten Linien herankommen unb richteten bann unter den Angreifern mit Maschinengewehrfeuer und Handgranaten ein Blutbad an. Umfangreiches Kriegsmaterial und ein sowjetrussischer Tank wurden erbeutet. An ber Granabafront würben in ben Abschnitten Sierra Nevaba unb, 2anjarron nach bem mißglückten feinblichen Angriff die Säuberungsarbeiten fortgesetzt, wobei bie Leichen von über 200 Gegnern geborgen mürben. Schulung im Waffengebrauch für britische Handelsmarine. London, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) In London begannen auf einem in ber Themse liegenden Schulschiff für Offiziere der Handelsflotte Schulungskurse über den Gebrauch und Umgang mit Waffen, und allen sonstigen Verteidigungsmitteln. Diese Schulungsarbeit wird auch bald in sieben anderen englischen Häfen ausgenommen werben. „Daily Telegraph" schreibt, baß bie kürzlichen Ereignisse im Mittelmeer bas Vertrauen englischer Kreise in bie Heiligkeit ber Verträge zum Schutze der Handelsschiffahrt gegen U-Boot- und Luftangriffe offensichtlich erschüttert haben. Aus diesem Grunde würden die britischen Seeleute im Gebrauch der Waffe geschult, um sich selbst gegen Angriffe von U-Booten ober Flugzeugen verteidigen zu können. Die britische Handelsflotte in Kriegszeiten werbe mit Schnellfeuerwaffen unb Maschinengewehren ausgerüstet, bie für Abwehr gegen Luft- unb Seeangriffe geeignet feien. Englands Rekrutierungssc» wierigkeiten. Lonbon, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die neue Maßnahme bes englischen Kriegsministeriums, die zur Erleichterung ber Rekrutenwerbung für bie Armee bie Erhöhung ber Altersgrenze für Rekruten von 25 auf 28 Jahre vorsieht, wird in ber Londoner Morgenpresse wenig opttmistisch beurteilt. Es wirb daraus hingewiesen, daß das Kriegsministerium bei seinen Neuerungen in ber Armee an ben wirklich notwendigen Erfordernissen vorbeigehe, nämlich ber Aufbesserung ber Bezüge und der Aufstiegsmöglichkeiten der Soldaten. Der „Daily Telegraph" schreibt, daß die nicht auf gefüllten Reihen ber re - gulären Armee immer noch bas ungelöste Problem ber englischen Verteidigung barstellten. In ber Marine unb ber Luftwaffe seien qenügenb Leute vorhanden, aber bie 50000 Mann, bie in biefem Jahr für bie Armee not- menbiq seien, könnten nicht aufgebracht werden. Dabei hänge das ganze Schema ber Wiederaufrüstung davon ab. Die englische Oeffentlichkeit sehe schon mit einiger Unruhe auf bie verschiedenen Versuche zur Einreihung neuer Rekruten in bie Armee. Aus aller Wett. Hundertjahrfeier der Schichauwerke. In Anwesenheit von Staatssekretär Funk, Gauleiter Koch sowie zahlreicher Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht begingen in El- hing die Schichauwerke, bie große Eisenschmiebe unb Schiffswerk bes beutfchen Ostens, bas Fest ihres hundertjährigen Bestehens. Der Betriebsfüh- rer, Generaldirektor Noe würdigte bie Entwicklung der Werke von ihrer Begründung burch Ferbinand Schichau bis zu ihren gewaltigen Leistungen in ber Vorkriegszeit und während des Weltkrieges. Er schilderte dann den Niedergang in den Nachkriegs- jähren und schließlich ben einzigartigen Wiederaufstieg in ber kurzen Zeit nationalsozialistischer Staatsführung, ber es zu verbauten sei, baß bieses größte Werk bes beutfchen Ostens heute feine Hunberttahr- feier stolz unb freudig begehen kann. Die Reihe der Gratulanten wurde durch ben Danziger Senats- präfibenten Greifer eröffnet. Es folgten Glückwünsche von Vertretern bes Reichswirtschafts-, bes Reichsfinanz- unb bes Reichsoerkehrsministers sowie eines Vertreters des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine. General der Artillerie v o n K cb - l e r sprach ber Waffenschmiede bie Grüße ber Waffenträger aus. Gauleiter Koch bankte ber Belegschaft für bie Treue und Hingabe, mit ber sie bie nationalsozialistische Aufbauarbeit unterstützten. Die Geschichte ber Schichauwerke beweise, baß erst ein gesunder Staat eine gefunbe Wirtschaft ermögliche, in ber ber Gestaltungswille schöpferischer Persönlichkeiten sich auswirken könne. Staatssekretär Funk hob hervor, daß ber Führer biesem Werk bes beutfchen Ostens seine besonbere Zuneigung entgegenbringe. Betriebsobmann S t e i n h a u e r ""r- las ein Telegramm an ben Führer, in bem bie Gefolgschaft ber Schichauwerke ihre unwandelbare Treue unb Dankbarkeit übermittelt. Lohrestagunq des Deutschen fforstvereins. Die Jahrestagung bes Deutschen Forstvereins würbe in Freiburg i. D. eröffnet. Staatssekretär Generalforstmeister Dr. von Keudell erinnerte an bie Worte bes Reichsforstmeisters bei ber Jahresversammlung 1936 über bie Verbundenheit von Walb unb Volk, über ben Grunbsatz, baß nur so viel vom Walbe genutzt werben bad wie zuwächst, über bie organische Einheit ber Walbwirt- schaft. Neben ben Ansprachen bes Reichsstatthalters in Baden, des badischen Ministerpräsidenten, des Oberbürgermeisters der Stabt Freiburg unb bes Prorektors ber Freiburger Universität zeigten bie Erklärungen ber Auslanbsvertreter bie Bedeutung auf, bie sich bie beutfche Forstwirtschaft über unsere Landesgrenzen hinaus erringen konnte. Unter ihnen erscheint bie Ankündigung des Generalinspektors ber französischen Forsten, Colomd, baß ber französische Staatssekretär ber Forsten, Liautey, an der Tagung teilnehmen wird, als besondere Wertschätzung der deutschen Forstarbeit. Dr. von Keudell betonte, daß ber Erweiterung unb Oer Schulungsplan. Die Camberger Schule kann 100 Mäbel erfassen, Ihre Belegschaft gliebert sich wie folgt? 1. Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren, bie für sich im „Kleinen Haus" untergebracht und von einer bewährten Jungmäbelführerm betreut sind 2. Minderjährige, die ihr hauswirtschastliches Jahr hier ableisten und planmäßig geschult werden 3. Minderjährige, die mindestens ein halbes Jahr in ber Schule bleiben, unb zu allen vorkommenden -man aber besten ungeachtet den beutfchen Menschen ein seiner Eigenart angepaßtes Kleid geben muß. Das aus ber Lebensart unseres Volkes entstan- bene Schönheitsideal stellte bie Forderung auf Klarheit und Zweckmäßigkeit ber Linienführung auch für bie Herrenkleidung. Natürliche Langen, leichte Taillierunq, bequeme Weite mit ber notigen Bewegungsmöglichkeit, tiefliegender Kragen der den Hals nicht einenge, bas Jet bie Silhouette der heulen Kleidung. Die Führung ber beutfchen Mode liege beim Mobeamt bes Reichsinnungsoerbanbes. Das Reichsgericht bestätigt das Todesurteil gegen drei kommunistischeMörder. Leipzig, 30. Aug. (DNB.) Das Reichsgericht hat den prozessualen Schlußstrich unter ben Mord-. vrozeß wegen bes am 12. Mai 1932 burchgefuhrten kommunistischen Feuerüberfalls aufl ein SA. - Lokal in Berlin-Lichtenberg gezogen. Bei bem Ueberfall waren ber Werkzeugmacher Karl Beyer getötet und sechs weitere Nationalsozialisten schwer verletzt worben. Am 17. April dieses Jahres verurteilte bas Berliner Schwurgericht bie Angeklagten Erich Krüger, Paul Gr och und Walter Gar bang wegen gemeinschaftlichen Mordes zum Tobe, währenb ber 22jährige Erwin Leiblich, ber zur Zeit ber Tat noch nicht strafvollmünbig war, mit zehn Jahren Gefängnis davonkam. In Uebereinfttm- mung mit bem Antrag bes Reichsanwalts hat bas Reichsgericht die Revifionber vier Beschwerbeführer als unbegründet verworfen, womit bas ange-fochtene Urteil Rechtskraft erlangt hat. Acht weitere Angeklagte, gegen die auf Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren Zuchthaus erkannt worben war, hatten sich bamit abgefunben, so baß bas Urteil nun in vollem Umfange rechtskräftig geworden ist. Oer BDM. übernimmt Fürsorgeerziehung Verbesserung der Nutzholzerzeuauna und damit der gesteigerten Deckung des Rohstoffbedarfs aus dem Inlands durch Holz durch die Erziehung des deutschen Menschen im Sinne des Nationalsozialismus neue Ziele erschlossen wurden. Wir stehen am Anfang einer (Entroirflung auf lange Sicht und danken das dem Reichsforstmeister, der dafür gesorgt hat, daß die Synthese zwischen Weltanschauung und Technik Ziel der Forstwirtschaft des Dritten Reiches ist. Die erste Vollversammlung vereinigte Professoren verschiedener Fakultäten der Universität Freiburg zu gemeinsamem Vortrag über die Eigenarten des Tagungsgebietes. Zunächst sprach der Schwarzwälder Dichter Erich Busse über das alemanmsche Volkstum, das sich in einer bewegten Geschichte zu dem geformt hat, was es heute ist. Die Ausführungen des Rektors der Universität Prof. Metz berührten die wirtschaftlichen Verhältnisse des Tagungsgebietes. Landschaft und Siedlung waren die Ausgangspunkte, die Gelegenheit boten, die Ausformungen des Schwarzwaldes, feine Bewaldung und Bodenzusammensetzung, seine Städte, Industriewerke und Erholungsstätten zu beruck- sichttqen. Der Schwarzwald ist ein natürliches Waldland und nur die lößbedeckten Dorberge und auch Teile der Ebene waren stets waldstei. Prof. Schnarrenberger sprach über die geologischen Verhältnisse, die dann die Grundlage für eine Behandlung der forstlichen Fachfragen boten, zu denen Prof. Aichinger und Prof. Abetz das Wort ergriffen. Aichinger zeigt, daß das ganze fudbadlsche Gebiet vom Buchenklimax beherrscht wird. Das besagt, daß sich alle Wälder früher. oder spater zu Buchenmischwäldern entwickeln würden, wenn die menschliche Kultur diesen Entwicklungsgang nicht stört. Dringend ist auf eine scharfe Abgrenzung zwischen forst- und landwirtschaftlicher Nutzung, die z. B. einen engeren Berührungspunkt in der Be- weidung finden, zu achten. Beide sind gleich wertvoll, höchster Ertrag ist aber von beiden nur zu erzielen, wenn sie eine geregelte Trennung erfahren. Nur dann kann jedes Stück 'Land seiner intensivsten Nutzung zugeführt werden, zu der die pflanzensoziologischen Studien wertvolle Fingerzeige bieten. Prof. Abetz behandelte den Wald und die Waldwirtschaft im alemannischen Raum. Die sonst vielfach uniformierten und gleichaltrigen Reinbestände treten mehr zurück; es findet sich Mischwald in reichem Maße, die Bestände weisen mehr oder weniger große Altersunterschiede auf. Ihre besondere Eigenart wird der Wirtschaft durch die Weißtanne verliehen. So vermag auch der von außen kommende Forstmann im südwestdeutschen Wald zahlreiche Anregungen mitzunehmen, die um so wesentlicher sind, als der allgemein im Reich erstrebten Umstellung der Waldwirtschaft auf mehr naturgemäße Grundlage in Südwestdeutschland seit langer Zeit in großem Umfang Rechnung getragen ist. Nordisch wissenschaftlicher Kongreß „Tracht und Schmuck" in Lübeck. Zahlreiche namhafte Wissenschaftler aus dem Reich und dem nordeuropäischen Ausland sind in diesen Tagen in Lübeck versammelt, um am zweiten nordischen wissenschaftlichen Kongreß „Tracht und Schmuck" teilzunehmen, der von der Nordischen Gesellschaft in Verbindung mit dem Reichsbund für deutsche Vorgeschichte und der Arbeitsgemeinschaft für deutsche Volkskunde durchgeführt wird. Wie groß das Interesse ist, das auch das Ausland dieser wissenschaftlich bedeutungsvollen Tagung entgegenbringt, beweist die außerordentlich starke Teilnahme der ausländischen Wissenschaftler. Bei einem Begrüßungsabend hieß der Reichsgeschäftsführer der Nordischen Gesellschaft, Dr. E. Timm, die Teilnehmer im Namen der Gesellschaft willkommen und sprach den Wunsch aus, daß sich die Zusammenkünfte in Lübeck zu einem ständigen Brauch entwickeln möchten. Die Themen der Vorträge gliedern sich in zwei Gruppen: „Tracht und Schmuck der Germanen in Dor- und frühgeschichtlicher Zeit" und „Tracht und Schmuck der Germanen in geschichtlicher Zeit und in der Gegenwart". Die Reihe der Vorträge begann mit der Verlesung der Ausführungen des Referenten Dr. Bro- Holm (Kopenhagen) über „Die Tracht der Ur- germanen nach den Funden in Dänemark . Sodann sprach Professor Dr. W. S ch u l z (Halle) über das Thema: „Germanische Tracht zur Eisenzeit . Professor Dr. W. Schmid (Graz) behandelte das Thema: „Germanische Tracht nach den Denkmälern griechischer und römischer Kunst". Anschläge aus eine deutsche Artistin in London. Die Londoner Blätter melden, daß zwei unerhörte Anschläge g e g e n di e d e u t s ch e A rt i st in Eamilla Mayer verübt worden sind. Camilla Mayer gehört der Arttstenttuppe Camillo Mayer an, die u. a. im vorigen Jahr mit großem Erfolg auf dem Berliner Messegelände auftrat. Die Arttstin zeigte im Vergnügungspark des Badeortes Blackton-on-Sea neuartige akrobatische Kunststücke auf der Spitze eines 50 Meter hohen Mastes. Während einer Vorführung geriet der Mast ins Schwanken. Man stellte fest, daß eines der Stahltaue, das zur Verankerung diente, von unbekannter Hand d u r ch s ch n i t t e n worden war. Die Artisttn konnte noch rechtzeitig vor der Gefahr gewarnt werden. Wenige Minuten vor einer weiteren Aufführung wurde festgestellt, daß auch ein anderes Stahltau f a st durchschnitten war. Die Polizei hat eine Untersuchung der verbrecherischen Anschläge eingeleitet. Abstürze im karwendel. Beim Abstteg vom Wörner im Karwendel stürzte der 20 Jahre alte Hermann S ch m e d e r e r aus Dorfen (Oberbayern) tödlich ab. Sein Freund, der 21 Jahre alte Anton Albrecht aus Landsberg am Lech, kam bei dem Versuch, zu dem Abgestür.^ ten zu gelangen, ebenfalls zu Fall und zog sich einen Knöchelbruch zu. — Bei der Falkenhütte ver- Leipzig, 30. August 1937. Während man auf den früheren Leipziger Messen nur ein vorsichtiges Tasten b^i der Verwendung mancher heimischer Werkstoffe fesfftellen konnte, überzeugt die diesjährige Herbstmesse den Besucher davon, daß die für den Austausch devisenpflichtiger Metalle, Textilien und Halbwaren bestimmten heimischen Werkstoffe beginnen, sich in der Praxis ihren Platz zu erobern. Ganz allgemein kann man eine lebhafte Bewegung auf dem Rohstoffmarkt feststellen, die durch die systematische deuffche Forschung nach Heimstoffen kräfttg in Gang gebracht wurde und internationale Bedeutung erlangt hat. Die Leipziger Messe ist ein harter Prüfstein dafür, ob sich die Heimstoffe für den ihnen zugewiesenen Zweck bei den vielen Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens eignen. Denn das darf man wohl als unanfechtbar hinstellen, daß der ausländische Einkäufer, der auch auf dieser Messe zahlreich vertreten ist, für die aus deutschen Werfftoffen gefertigten Waren kein Interesse hätte, wenn sie nicht stofflich und preislich den früheren Werfftoffen ebenbürtig wären. Was auf dem Gebiete der Textiltechnik im letzten Jahr geschaffen ist, zeigen die an Farbe, Griff und Glanz bestechenden schönen modischen Stoffe für Kleidung, Wäsche, Gardinen und Polster. Der Rohstoff Zellwolle ist fe nach seinem Verwendungszweck für die Baumwoll- oder Wolloer- arbeitung, für die Beimischung zu Flachs oder zu Kunstseide umfangreich variiert worden. Als weiterer Fortschritt sind die Leistungen der Färbereitechnik hervorzuheben, die entweder die Verschiedenart natürlicher und künstlicher Spinnstoffe hinsichtlich ihrer Farbannahme bewußt ausnutzen oder aber die aus mehreren Grundstoffen bestehenden Mifchtexttlien in fast jeder gewünschten Ein- uni) Mehrfarbigkeit für das Auge gefällig gemacht haben. Die Schaffung heimischer neuer Werkstoffe hat auch eine engere Verwandtschaft zwischen Textilien und dem für die ausgedehnte deutsche K o r b - flechterei benötigten Flechtstoff herbeigeführt. So ist die Lenkung bei der Fertigverarbeitung von Zellulose bereits soweit gediehen, daß man aus denselben Grundstoffen, die zur Herstellung von Kleiderstoffen dienen, auch Flechtrohstoffe erzeugt, die dem Austausch devffenfressender Rohmaterialien, wie China-Seegras, Malakkarohr oder Raffiabast, unglückten die Münchener Hermann Fran ke und Franziska Zimmermann tödlich. Das Unglück ereignete sich 400 Meter über dem Einstieg zum Grubenkar-Nordpfeiler. Hermann Franke und Franziska Zimmermann waren zusammen angeseut. Frl. Zimmermann wurde beim Lösen einer ^0^6 über einen kleinen Grat geworfen und war sofort tct. Den schwerverletzten Franke versuchten die beiden Begleiter zu Tal zu bringen, er erlag aoer bald den Verletzungen. Daraufhin wurde von Hinterriß aus die Münchener Rettungstelle der Deutschen Bergwacht alarmiert, die zwei Expeditionen aus- sandte. Deutscher Luftsportsieg in England. Zu dem 5. Internationalen Fliegertreffen in Lympne in England waren durch den Aeroklub von Deutschland auch vier deutsche Sportflugzeuge des NSFK. zur Teilnahme gemeldet worden. Mit dem Treffen war ein Luftrennen um den Wakefield-Preis verbunden, den Lustsportmeister Clemens, NSFK.-Gruppe Hannover, auf einem Flugzeug Typ Klemm 35, gewann. Großfeuer in einer oberbayrischen Brauerei. In der Brauerei Kaiser in Rott am Inn vernichtete ein Großfeuer eine große Menge von Erntevorräten, einen Teil des angebauten Klosters und Stallungen sowie Brauereiteile. Der Schaden wird auf rund eine Million Reichsmark geschätzt. Die stark bedrohte Kirche in Rott konnte nur mit Aufbietung aller Kräfte der Wehren gerettet werden. Man vermutet Brandstiftung, da das Feuer a n mehreren Stellen zugleich zum Ausbruch kam. dienen. Viscabast, Cordopham Glasta und andere künstliche Werkstoffe für die Flechtereien sind nicht nur an die Stelle jener tropischen Fasern getreten, sondern ermöglichen vermöge ihrer Eigenschaften Effekte durch Formgebung und Farbe, die sich mit den ausländischen Rohstoffen niemals erreichen lassen. Große Fortschritte sind auch beim Austausch von Kupfer, Zink und Zinn gemacht worden. Soweit diese Werkstoffe im Hausbau und für die Inneneinrichtung der Wohnung in Frage kommen, bestehen heute keine Schwierigkeiten mehr, heimische Werkstoffe an ihre Stelle zu setzen. Selbst die früher erforderliche Einschränkung, daß man Metalle, die mit heißem Wasser in Berührung kommen, nicht ohne weiteres gegen heimische Werkstoffe austauschen kann, kommt mehr und mehr in Fortfall. So ist beispielsweise in dem auf dem Meffegelände naturgetreu ausgeführten Einfamilienhaus aus deutschen Werkstoffen die Heißwasserleitung aus Porzellan gefertigt. An die Stelle der eisernen Abzugsleitungen für Herde, Badeöfen und Warmwasserbereiter treten Asbestzement und andere Hartmaterialien, die nicht nur hitzebeständig für mehrere hundert Grad sind, sondern auch durch die Abgase in chemischer Hinsicht nicht angegriffen werden. Die Vermeidung bleierner oder verzinkter Rohre für Kaltwasser ist durch die Herstellung handelsüblicher Rohre aus Kunststoffen mannigfaltiger Art gelungen. Die auf dem Gebiete der Installations- technik sich vollziehenden werkstofflichen Wandlungen rücken aber gleichzeitig ein neues Problem in den Vordergrund. Mit der Schaffung der heimischen Werkstoffe allein ist es noch nicht getan. Jetzt tritt vielmehr an das Jnstallationsgewerbe die wichtige Aufgabe heran, seine Kräfte in Kürze so zu schulen, daß sie die heimischen Werkstoffe fachgemäß verarbeiten kann. Eine allzu enge Anlehnung an bisherige Arbeitsweisen ist in vielen Fällen nicht möglich, sondern der Installateur muß durch Schulung und Aufklärung mit neuen handwerklichen Erfordernissen vertraut gemacht werden. Ihm muß aber auch der Architekt und der Konstrukteur helfen, indem er ihm schon bei der Planung von Neuanlagen die richtige Ausnutzung der heimischen Werkstoffe ermöglicht und ihm Geräte in die Hand gibt, mit denen er arbeit- | sparend und damit zu billigen Löhnen arbeiten kann. Auf der Herbstmesse tritt weiter die in Fachkreisen längst bekannte Tatsache in den Vordergrund, daß auch d a s E i s e n zu den Sparstoffen gehört. Schon bei der Herstellung des Rohbaues von Wohnungen lassen sich erhebliche Eiseneinsparungen dadurch erzielen, daß man sich auf die Eignung von Natur» und Kunststeinen besinnt. Die Herstellung feuersicherer Kellerdecken, die Ueberbrütfung von Fenster- und Türöffnungen und die Anlage senkrechter Stützen lassen sich in die Architektur ohne Inanspruchnahme der Eisenvorräte einfügen. Auch die Beheizung von Wohnräumen kann fast völlig ohne Eisen, das für Defen und Herde erforderlich wäre, durchgeführt werden. Der Kachel kommt hierbei eine besondere Stellung in der Bauwirtschaft zu, neben ihr dem hochfeuerfesten Chamotte- ft e i n. Daß die Messe bereits Kachelöfen mit Feuerungsrosten aus Schamotte zeigt und Ansätze dafür erkennen läßt, daß sich auch Ofen- und Herdtüren aus keramischen Stoffen fertigen lassen, ist ein Beweis dafür, daß man aus den Versuchen bereits in die Praxis übergegangen ist. Aber auch da, wo man ohne Eisen nicht bauen und konstruieren kann wie beispielsweise i m Werkzeugmaschinenbau, sind Bestrebun- gen zur Verminderung» der benötigten Eisenmengen erkennbar. Durch Verbesserung der Güte von Guß- eisen und Stahlblechen sowie durch Anwendung neuzeitlicher Konstruktionen lassen sich große Vorteile erreichen. Die deutsche Mafchinenindustrte und besonders auch die Reichsbahn können für sich m Anspruch nehmen, in der Maschinenkonstruktion wertvolle Pionierarbeit geleistet zu haben. Selbstverständlich geht mit diesem Gebiet die Forderung des Leichtbaues durch Anwendung hochbeanspruchbarer Leichtmetalle Hand in Hand. Faßt man die Ergebnisse der Werkstoff-Forschung und die erkennbaren Erfolge, die heimischen Werkstoffe in die Praxis einzuführen, zusammen, so macht man sich keiner Uebertreibung schuldig, wenn man die diesjährige Leipziger Herbstmesse als Wendepunkt in der Rohstofferzeugung und Verarbeitung bezeichnet. Vieles von dem, was die Messe zeigt, wird uns in werkstofflicher Beziehung in wenigen Jahren so zur Selbstverständlichkeit geworden sein, daß wir manche der heute noch angewendeten Bauweisen dann als veraltet bezeichnen. Joachim Boehmer. Wetterbericht des Reichswelterdiensles. Ausgabeort Frankfurt. Die vom Atlantik ausgehende Wirbeltätigkeit befindet sich in neuer Umgestaltung und scheint eine Wetterumgestaltung herbeizuführen. Ihr Einsatz ist bei uns im wesentlichen erst für die zweite Wochenhälfte zu erwarten. Doch befindet sich schon jetzt der Hochdruckeinfluß im Abnehmen, wobei es begünstigt durch in der Hohe eingedrungene Kaltluft zum Auftreten einzelner zeitweise gewittriger Schauer kommen wird. Aussichten für Mittwoch: Morgens vielfach dunstig oder nebelig, sonst meist wolkig und auch Auftreten vereinzelter teilweise gewittriger Niederschläge. Tagsüber ziemlich warm, veränderliche Winde. Lufttemperaturen am 30. August: mittags 25 Grad Celsius, abends 15,9 Grad; am 31. August: morgens 13,4 Grad. Maximum 25,5 Grad, Minimum heute nacht 12 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. August: abends 20,8 Grad; am 31. August: morgens 17,1 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 7,3 Stunden. Hauptschrfftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange Stellvertreter des Hauptschriitleiters: Ernst Blum» schein Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel D A V11 37: 9076. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R Lange. K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugs- preis RM 2,05 einschließlich 25 Pf Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Ps mehr Einzelverkaufs- preis 10 Pf und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf mehr. Hur Seit fff Preisliste Nr 3 vom 1 Juni 1935 gültig. n.'BTAimri '!■!. i iiwiim.*»1* utrumai -.■■/nr— Deutsche Werkstoffe aus der leipziger Reffe. 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Aehutsa staub K hall Dienstag, ZI. August IM Ur.202 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Unsere Garnison im Manöver. Artilleristen üben in Richtung Londorf.-Infanterie-Regiment-1-16 führt eine Regimentsübung in Linie Oorfgill-Grüningen-Großen-Buseck-Saasen durch. Zriedensbiwak der Infanteristen. Aus -er Stadt Gießen. geht es Zhnen?" Fast täglich muß man sich ärgern! Denn fast täglich tönt einem die Frage entgegen: „Wie geht es Ihnen?" Die Frage ist aus zwei Gründen ärgerlich. Zum ersten, weil sie meist nur aus überkommener Gewohnheit gestellt wird. Der Frager spricht sie gewissermaßen in den Wind; er will sie gar nicht beantwortet haben. Das Klügste m diesem Falle wäre also, die Frage einfach zu überhören. Aber wer ist so geschickt, dies zu tun, ohne den andern zu verletzen? Und warum sollte man den andern verletzen? Bleibt also nichts anderes übrig, als zu antworten: „So lila mit Punkten!" Aber ist das eine rechte Antwort? Nein! Was also soll man tun und was antworten? Es hilft nichts, wir müssen Farbe bekennen und entweder sagen „Mir geht es gut!" oder „Mir geht es fchlecht!" Jetzt aber kann es sich ereignen, daß der Frager sich aus Höflichkeit verpflichtet fühlt, weiter zu fragen und nachzuforschen, warum es einem schlecht, oder warum es einem gut geht. Sehr unangenehm! Wer läßt sich gern in die Karten sehen? Niemand! Im allgemeinen gelingt es sehr bald, das Gespräch, bevor es für uns unliebsam wird, von dieser heiklen Frage abzulenken; schon deswegen, weil der andere, wie erwähnt, die Frage nur aus übler Gewohnheit stellte und im Grunde genommen gar nichts Näheres wissen will. Schlimm ist es aber, und das macht zweitens die Frage „Wie geht es Ihnen?" so ärgerlich, wenn sie nicht als Redensart, sondern als echte Frage gestellt ist. Denn nun kommt man vom Regen in die Traufe! Sagt man der Wahrheit entsprechend „Mir geht es schlecht!", so erreicht man bei manchen nur, daß sie sich darüber herzlich freuen. Wie kommt man aber dazu^ einem anderen eine unverhoffte Schadenfreude zu bereiten9 Möglich ist es allerdings auch, daß es dem andern leid tut, daß es einem schlecht geht. Wer aber möchte dem andern leid tun? Geht es uns aber gut, und antworten wir dem- sntfprechend „Mir geht es gut!", dann haben wir uns unter Umständen abermals in die Brennesieln gefetzt, weil der andere uns für protzig hält oder gar neidisch ist. Ist es aber klug, des andern Neid gu erwecken? Nehmen wir unsere Zuflucht zur Lüge und antworten wir, wenn es uns gut geht, es ginge uns schlecht, oder wenn es uns schlecht geht, es ginge uns gut — so ist das gehupft wie gesprungen! Denn 25 treten just die gleichen Folgen ein. als wenn wir bei der Wahrheit geblieben wären: wir erregen wiederum einerseits Freude oder Mitleid, ander- feits Aerger und blassen Neid Gibt es nun aus dieser Zwickmühle gar keinen Ausweg? Es gibt einen! Wir müssen uns der Fecht- : Punft erinnern, die uns lehrt, daß der Hieb die beste Parade ist. Wir müssen also, sobald wir nur mit emanden Zusammentreffen, ihm zuerst die Frage stellen „Wie gebt es Ihnen?" Dann sitzt der andre n der Falle. Gelingt uns der erste Hieb nicht, dann müssen wir gleichwohl zum Hieb ausholen (weil eben der Hieb immer die beste Parade ist) und müssen auf die »Frage „Wie geht es Ihnen?" sofort und ohne Zucken erwidern: „Und Ihnen?" Dann sitzt der andere aberrnal« in der Falle... Tsa! das Leben ist ein Kampf, wenn auch mitunter nur mit ärgerlichen Fragen. H. D. Vornoiizen Tageskalender für Dienstag. Trompeterkorps des Artillerie-Regiments 45: 12 i bis 13 Uhr vor dem Stadttheater Standkonzert. — Moria-Palast (Seltersweg): „Truxa". 7lSD., Ortsgruppe Mitte. Am Mittwoch, 1. September, werden die Spenden l'Pfundsammlung) durch die NS.-Frauenschaft einge- ammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu Als Auftakt zu den Manövern werden die Truppen der Garnison Gießen, ebenso wie die übrigen Einheiten der Wehrmacht, zunächst zu Herbst- Übungen im Regiments- bzw. Abteilungsver- bande antreten. Nach deren Abschluß folgt der Ein- atz der Truppen bei den Manövern. Oie Artillerie-Abteilung rückt als erster Teil unserer Garnison am morgigen Mittwoch zu den Herbstübungen aus. Der Abmarsch der Abteilung von der Artillerie-Kaserne aus erfolgt um 5.30 U h r. Die Artilleristen werden bei ihrem Abrücken in das Herbstübungs-Gelände nicht durch die Stadt kommen, sondern von der Artillerie- Kaserne aus direkt ostwärts über Rödgen, Großen- Buseck marschieren. In der Gegend von Großen- B u s e ck werden die Gefechtshandlungen der Abteilung beginnen und sich dann weiter über Lon - dorf in nordwärtiger Richtung bis in die Gegend von Amöneburg hinziehen. Dort wird /etma gegen 13 Uhr das Gefecht des ersten Uebungstages seinen Abschluß finden und die Truppen dann in jener Gegend Quartier beziehen. Die folgenden Tage führen unsere Artilleristen weiter in nordost- märtiger Richtung. Für die Manöverzeit hat unsere Gießener Artillerie-Abteilung das Trompeter korps des Artillerie - Regiments 45 zugeteilt erhalten. Das Trompeterkorps kam am gestrigen Montagmittag in Gießen an und ritt vom Güterbahnhof aus durch die Stadt zur Artillerie-Kaserne. Unsere Infanteristen im Gelände. machen und die Mitgliedskarten zur Quittungseinzeichnung bereitzuhalten. RSOAP., Gießen-Nord. Männer der SA., ,SS„ NSKK., Reiter-SA. und Marine-SA., ganz besonders Reichsparteitags-Teilnehmer, die im Ortsgruppenbereich Gießen-Nord wohnen, werden aufgefordert, die Hilfskassenbeiträge zu zahlen. Am Dienstag, 31. August, und Donnerstag. 2. September, 20 bis 22 Uhr, werden Hilfskassenbeiträge für Oktober, November, Dezember 1937 im Cafe Leib entgegengenommen. SA.-Männer, zahlt pünktlich die Hilfskassenbeiträge, damit euch keine Unannehmlichkeiten erwachsen! NSV. Ortsgruppe Gießen-Nord. Am Mittwoch, 1., Donnerstag, 2., und Freitag, 3. d. M., wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen- Nord die Pfundsammlung durchgeführt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpäckchen bereitzulegen. DOM undZM.-Llnieraau 116,Gießen. Dienstbefehl! Am Dienstag, 31. August, abends 8 Uhr, treten alle Orchestermädel, Flötenschar, M.- und IM.-Spielschar zur ersten Probe am Stadttheater an. Erscheinen jeder Jgn. ist Pflicht. Die betr. Mädel sind von sonstigem Dienst an diesem Abend befreit. Der 2. September ist den Bataillonsübungen gewidmet. Nach den Bataillonsübungen wird das g e • jamte Inf. - Rgt. 116 im Verlaufe der Herbst- Übungen am Freitag, 3. September, in Gegend Großen-Bufeck — Grüningen— Dorf-Gill — Saasen eine Regiments-Uebung durchführen, an der Zuschauer von folgenden Punkten teilnehmen können: ab 9 Uhr auf der Höhe hart südlich von A l b a ch , später Dautenberg südostwärts von Oppenrod und Nonnenköpfel südwestlich von Reiskirchen. Anschließend an die Hebung bezieht das Regiment Friedensbiwak, und zwar nördlich von Reiskirchen der Regiments- ftab, der Regiments-Nachrichtenzug, der Reiterzug, die 13. und die 14. Kompanie, südlich von Reiskirchen das I. Bataillon, bei Saasen das H. Bataillon, bei Linden st ruth das III. Bataillon. Um 21 Uhr findet im Biwak des I. Bataillons und im Biwak des III. Bataillons Großer Zapfenstreich statt. Auf diese Herbstübung unseres Regimentes sei besonders hingewiesen. Die Bevölkerung von Gießen und aus den Orten im Uebungsbereiche, selbstverständlich auch die Volksgenossen aus allen übrigen Orten, sind dem Regiment als Zuschauer willkommen, und sie werden von den angegebenen Punkten aus in guter Weise das Regiment bei seiner Arbeit sehen können. Militärkonzert vor dem Gtadttheater. Hitler-Jugend. Bann und 3ungbann 116. Sing- und Spielschar. Die Sing- und Spielschar tritt am heutigen Dienstag um 20.15 Uhr vor dem Stadttheater in Uniform an. Rundfunkgebührenbefreiung erneuern. Lpd. Rundfunkteilnehmer, die wegen Bedürftigkeit von der Zahlung der Rundfunkgebühr befreit sind, müssen die Weitergewährung ihrer Gebührenbefreiung in der Zeit vom 1 bis 10. September bei der Kreisstelle des Fürsorgeamts beantragen. Die auf diesen Antrag hin von der Kreisstelle ausgestellte Vorschlagsbescheinigung berechtigt aber noch nicht zum gebührenfreien Rundfunkempfang. Die Gebührenfreiheit muß vielmehr alsbald, spätestens bis zum 25 September, beim zuständigen Zustell- Postamt besonders nachgesucht werden. Welches dieses Amt ist, erfährt man von feinem Briefträger. Dorzulegen sind dem Zustell-Postamt die Bescheinigung der Kreisstelle und außerdem der vom Postamt bei der erstmaligen Gebührenbefreiung erteilte Ausweis. Wer die Frist verstreichen läßt, läuft Gefahr, daß er bei der Befreiung von Rundfunkgebühren nicht mehr berücksichtigt wird. Es wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß von Gebühren befreite Rundfunkteilnehmer, bei denen die Voraussetzungen zum Gebührenerlaß durch Wiedereingliederung in den Arbeitsprozeß usw weggefallen sind, dies sofort der Kreisstelle und dem Zustell- Postamt melden müssen Gießener ZBodjenmarHpreife. * Gießen, 31. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, V» kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse B 12, Wirsing, kg 9 bis 12, 50 kg 6 bis 9 Mark, Weißkraut, % kg 8 Pf., 50 kg 5 bis 6,50 Mark, Rotkraut, kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 8 bis 9 Mark, gelbe Rüben, kg 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 12 bis 23, gelb 12 bis 23, Erbsen 20 bis 35, Tomaten 10 bis 15, Zwiebeln 8 bis 10, Kürbis 5 bis 7, Kartoffeln, neue, 5 kg 42 Pf., 50 kg 3,50 bis 3,80 Mark, Frühäpfel, kg 15 bis 30 Psi, Falläpfel 5 bis 6, Pfirsiche 25 bis 40, Brombeeren 30 bis 35, Preiselbeeren 35, Dörrobst 15 bis 25, Zwetschen 12 bis 17, Mirabellen 38 Psi, Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Psi, Blumenkohl, das Stück 10 bis 45, Salat 8 bis 9, Salatgurken 5 bis 20, Einmachgurken 1% bis 3, Endivien 9 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 8, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen 8 bis 10 Pf. ♦♦ Mitarbeiter-Jubiläum bet der Speditionsfirma Adolph Lyncker. Am morgigen 1. September kann Prokurist Heinrich Mack, Roonstraße 31 wohnhaft, auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Speditionsfirma Adolph Lyncker ((Erlengaffe) zurückblicken. Der Jubilar, der als Lehrlina bei der Firma eintrat, hat im Laufe der zweieinhalb Jahrzehnte Freud und Leid mit der Familie Lyncker geteilt und sich nicht zuletzt durch fein lauteres Wesen alles Vertrauen erworben. Er erwies sich stets als fleißiaer und gewissenhafter Mitarbeiter und genießt deshalb alle Wertschätzung. Der Gefolgschaft des Betriebes gegenüber zeigte er sich immer als Kamerad und verständnisvoller Förderer. Auf eine 40jährigg Tätigkeit bei der gleichen Firma kann demnächst der Fuhrmann Karl L e s ch h o r n zurückblicken. Während der langen Jahrzehnte hat er sich durch seine Ehrlichkeit, durch sein ruhiges Verhalten und durch seins Zuverlässigkeit die Hochachtung der Betriebsführung und der Gefolgschaft erworben. Als unübertrefflichen Pferdepfleger weih man ihn besonders zu schätzen. ** Sommerfest des Gesangvereins „Heiterkeit". Man berichtet uns: Begünstigt vom herrlichsten Sommerwetter feierte der Gesangverein „Heiterkeit" am Sonntag sein diesjähriges Sommerfest auf der „Karlsruhe". Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung stand ein Besuch der Sängervereinigung „Cäcilia" aus Lich, eines der ältesten und angesehensten Männerchöre unserer Gegend, dessen lOOjähriges Bestehen im nächsten Jahre festlich begangen werden soll. Ganz der in beiden Vereinen herrschenden einheitlichen Auffassung von der ernsthaften Pflege des deutschen Liedes entsprechend, besteht schon seit fast 40 Jahren ein Band treuer Freundschaft. In gegenseitigen Ansprachen wurde diese Tatsache gebührend gewürdigt und dem Willen zur Weitertragung dieser alten und bewährten Tradition durch die jüngere Generation beider Vereine Ausdruck verliehen. Daß natürlich bei dieser Gelegenheit Gesangsoorträge der einzelnen Chöre mit Gesamtchören abwechselten, war eine Selbstverständlichkeit; sie fanden restlos den ungeteilten Beifall einer dankbaren Zuhörerschaft. Bei guter musikalischer Unterhaltung, einem Brezelreigen der Kinder, Sologesängen, Dialektvorträgen und Tanz verliefen nur allzu schnell die schönen Stunden. ** Hammelbratfest beim ReichskoIonia l b u n d. Der Ortsverband Gießen des Reichskolonialbundes vereinigte am Sonntag feine Mitglieder mit Familien und Bekannten zum diesjährigen Hammelbratfest im „Burghof". Das prächtige Wetter gestattete den Aufenthalt für jung und alt im Garten der Gaststätte. Der geschmorte Hammel gelangte mit dickem Reis zur Ausgabe und schmeckte vorzüglich. Die Kinder wurden u. a. mit Brezeln bedacht. Das Fest galt als Auftakt für die Winterwerbearbeit des Ortsverbandes. Als zweiter Teil unserer Garnison wird das Jnf.-Rgt. 116 am Donnerstag, 2. September, in das Gelände abrücken. Das III. Batt, trifft um 4.30 Uhr mit der Bahn auf dem Gießener Bahnhof ein und rückt von dort aus sofort in seinen Uebungsraum ab. Um 5.30 Uhr marschiert das II. Batt, von seiner Kaserne aus ins Gelände, um Das Trompeterkorps des Artillerie-Regiments 45, das — wie an anderer Stelle unseres heuttgen Blattes bemerkt — am gestrigen Montagmittag in Gießen ankam und für die Dauer des Manövers unserer Gießener Artillerie-Abteilung zugeteilt ist, wird am heutigen Dienstag von 12 bis 13 Uhr vor dem Stadttheater ein Standkonzert geben. Das Trompeterkorps will mit dieser musikalischen Dar- ________ ____ ,...... , bietung der Garnisonstadt unserer Gießener Artil- 7 Uhr folgt das I. Batt, von feiner Kaserne aus. I leriften eine Aufmerksamkeit erweisen. Das Löserlein. Don Mario Heil de Brentani. Seit vierzig Jahren tut das Löserlein seine Ar- veit im Werk. Als das Löserlein noch ein junges, .' rüstiges Weib war, starb ihm der Mann unterm zroßen Dampfhammer. Da ging das Löserlein in iDie Fabrik und stellte sich an die Stanze und zog ywei Buben groß. Die hat der Krieg geholt. Niemand im Werk weiß recht, wie das Löserlein mit Xiamen heißt. Nur die Kartei weiß es. Es gibt eine uralte, vergilbte Kartei, und wer wissen will, wie Xas Löserlein als junges Weib ausgeschaut hat, der muß sich das alte Photo auf der Karteikarte an= «eh en. Als der Stanzhebel in des Löserleins Hand schwerer zu wiegen begann, stellte man einen jungen Burschen an die Stelle, dem Löserlein aber gab man einen breiten hölzernen Kasten, darin Schrauben und Gewindeteile durcheinanderlagen; die soll Xas Löserlein sortieren; und auch ein übriges gibt : 5 zu tun: mit dem Magnet Eisenspäne und Stahl- urocken aus dem Rotgußabfall lesen und ähnliche □Hfsarbeit. Die tut keiner so gewissenhaft wie das Löferlein. In der Mittagspause aber geht das Weiblein um Tor hinaus und über den kleinen Hügel. Das flt em Sonderrecht vom Löserlein. Die Fabriklei- ?vng hat es so bestimmt. Hinter dem Hügel dehnt üch das stille Land, das nichts von den pochenden Kolben und von den pfeifenden Riemenscheiben weiß. Da liegt das Löserlein im Gras und guckt M den Himmel, daß die Augen im Runzelgesicht ioch kleiner werden, bis der Himmel endlich bemerkt, daß des Weibleins Augen so blau sind wie er an seinen guten Tagen. Wenn die Fabriksirene dann ihren jammernden Bchrei über das Feld und über den Hügel hinab um Löserlein schickt, steht das Weiblein eilends :iuf und humpelt artig ins Werk zurück und nimmt ::n jedem Taae ein neues Stückchen Himmel in den nufjigen Winkel mit, den früh und spät eine magere Zampe erhellen muß, dieweil die Sonne die rußigen Winkel nicht besuchen mag auf ihrem Spaziergang. Zehutfam fahren die alten Hände durch den Metall- j::aub und lösen die blitzenden, roten und gelben Stücke daraus, als seien sie Goldsucher im Sande Ler fremden, fernen Welt. Großer Tag ist heute im Werk! Das Backsteintor ttägt grüne Gewinde mit bunten Fähnchen darin. Gin halbes Jahrhundert ist über das Werk hingegangen, in guten und bösen Tagen; oft schien es, als sollte der Enkel verlieren, was der Großvater geschaffen. Doch das Werk blieb stehen, und Ehrentag hat der Enkel heute! Auch das Löserlein hat Ehrentag. In der ersten Reihe, unter den würdigen Männern, sitzt es im altmodischen Taftkleid, das ihm viel zu weit geworden ist. Reden und Gesang rauschen ineinander, nur ein Satz bleibt im Hirne haften und läßt das Herz stillstehen und die Hände eiskalt werden. „Wir danken Ihnen, liebe Frau Ba..., liebes Löferlein, so darf ich doch wohl sagen! Wir danken Ihnen für vier Jahrzehnte teures Opfertum für die Gemeinschaft dieses Werkes und für Ihr ganzes Volk! Wir ernennen Sie zum Ehrenmitglied unserer Gefolgschaft und setzen Ihnen hiermit ein Ruhegehalt aus ..." Als das Löserlein am nächsten Morgen ins Werk kommt, faßt es der Pförtner lachend an den Schultern und schaut ihm ins Gesicht: „Feierabend, Müder! Du bist doch pensioniert." Aber als er das Löserlein hilflos lächeln sieht, spürt er, daß er das nicht am geschicktesten gesagt haben mag. „Ach, ich weiß schon", sagte er leise, „du willst uns besuchen ... bitte!" Das Löserlein geht wie auf Wolken, die Knie zittern, und der kalte Hauch steht wieder auf Händen und Stirn Die Kameraden nicken ihr freundlich zu. Wie man einem lieben Gaste mit den Augen zuwinkt. Ich gehöre nicht mehr dazu ..., denkt das Löserlein, ich gehöre nicht mehr dazu ... Im Maschinenraum schwingt seit Tagen eine neue Schwungscheibe ihre langen Arme im Kreise. Das Löserlein steckt den Kopf zur Tür hinein und fragt den junaen Kerl, der gerade aus einem Kanister Del in die Kanne gießt: „He, du, seit wann sind denn die Riemen weg? Geht's denn jetzt mit Zahnrädern ... bei euch?" Bei euch ..., denkt das Löserlein und hört gar nicht auf die Antwort, die der Junge in den Maschinenlärm schreit. Als sie in die Fräserei kommt, ist viel Glückwünschen und freundliches Necken um sie. Da muß das Löserlein mit den andern lächeln, und auch der falte Hauch auf der Stirn fliegt wieder weg. Dann aeht sie mit hastigen kleinen Schritten zum alten Winkel Doch der ist schon ausgeräumt. Eine neue Fräsmaschine steht davor, und der Maurer kittet gerade lange Bolzen ins Fundament. Die blanken Teile sind von rotem Oelpapier umkleidet, das knistert feindselig, als das Weiblein daranfaßt. „Das ist meine Maschine!" lacht sie ein junger Geselle an, „jetzt komme ich endlich von dem alten Klapperkasten fort. Jede Nute drei Minuten! Das soll mal einer nachmachen! Und ohne Bohr- wasser ..." Er reckt die jungen Arme, daß das blaue Tuch sich zum Platzen strafft. Das Löserlein schaut ihn an, ordentlich hoch muß sie sich recken, um ihm in die Augen blicken zu können, so groß und stark ist er, kaum reicht des Weibleins Scheitel ihm an die Brust. Da fällt die Angst vom Löserlein ab. Ganz ruhig sind ihre Hände, und ganz langsam gehen die Schritte über den steinernen Damm zum Pförtner- Haus hinüber und an dem breiten, schnauzbärtigen Mann vorbei. Das Löserlein geht in die Pause. Obschon keine Sirene erschallt. Als das Löserlein auf dem Anger liegt, wie seither zur Mittagszeit, und in den blauen Himmel starrt, ist ihr Herz ganz wundersam versöhnt. Sie muß an den Jungen denken, der nun in ihrem Winkel stehen wird und die reißenden Fräsmesser über das blanke Metall hinführen wird, wie sie einmal das Stanzeisen niederfahren ließ, als sie ein junges Weib war. Die Jungen holen die Alten ein, denkt das Löserlein, es ist überall das gleiche im Leben. Und es muß wohl so sein. Von Zeit zu Zeit Ist Schichtwechsel auf Erden. Und dann auch einmal Feierabend. — Nur der Herrgott bleibt bei den Maschinen ... Uschi als Erzieher. Seit Uschi aus dem Hoppelhäschen zur winzigen Puppenmutter erwächst, ist sie uns das Svieglein an der Wand. Sie beobachtet scharf und kritisch und weiß die Folgerungen zu ziehen. Heute morgen hatte die Mutter einen schlimmen Aerger außerhalb der Familie Bei Tisch erzählte Tante Ingrid dem Vater davon. Dabei erregte sich die Mutter wieder so, daß sie den gefüllten Teller unbeherrscht zurückschob —: „Ich kann nicht essen!" Uschi schaute erwartungsvoll zum Vater hinüber, bdnn wieder mit großen Augen auf die Mutter. Als sie später in Gesellschaft ihrer vielgeliebten Puppe die Abendsuppe löffelte, höre ich sie die Go-Gi belehren: „Wenn du jetzt nicht schnell ißt, werde ich böse; Kinder müssen ihren Teller leer essen!" — und sie klopfte mit Nachdruck auf den Tisch: „Reste lassen darf nur eine Mutti!" Erna Hahn. Else Monnard, Sa'ondame und Liebhaberin. Else Monnard, die für die kommende Spielzeit als erste Salondame und Liebhaberin an das Gießener Stadttheater verpflichtet wurde, schreibt über ihren Werdegang: Ich bin Darmstädterin, und zwei Mitglieder meiner Familie waren Schauspieler. Nach einer inten« . - siven Studienzeit in Berlin kam ich über Lübeck und Magdeburg nach Frankfurt a. M Dort blieb ich einige Jahre am damaligen Neuen Theater. Die Lust nach Veränderung brachte mich in den beiden letzten Jahren ins Ausland, in die Schweiz, nach Brünn und Wien. Die Sehnsucht, wieder in die Heimat zu kommen, ließ mich aber bald nicht mehr los, und als mein fast perfektes Engagement am Burgtheater in Wien durch eine Jntriae gänzlich zunichte wurde, hätte mich nichts mehr oavon zurückhalten können, nach Deutschland zu kommen. (Aufnahme: Stadtcheater-Archio.) MWWWMW Roman von Bernhard Lonzer. Urheberrechtsschutz: Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68. 3 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Ein leises Rot der Verlegenheit stieg dem Großvater ins Gesicht. Er zog umständlich an seiner Zigarre. „3ft sie nicht dein Typ?" fragte er zurück. „Nein. Erstens. Zum zweiten aber hat sie — wir sprachen ja neulich schon darüber — weder Herz noch Gemüt. Kurz gesagt: sie scheidet für mich vollständig aus." „So ... so ...!" „Za. Das muß einmal klar gesagt werden. Groß- vater. Aber du hast meine Frage noch nicht beantwortet ... Es sollte mir leid tun, wenn ich dir damit eine besondere Enttäuschung bereiten würde." Wolfgang v. Achenbach rückte ein paarmal auf seinem Stuhl hin und her. „Nun ja — in gewissem Sinne schon... Aber das ist ja schließlich nicht ausschlaggebend. Wir hatten es uns nur so schön gedacht. Vor allem Schönburg. Du weißt ja, er war ein Freund deines Vaters. Und Senta ist mir ja im großen und ganzen auch recht sympathisch. Eine sehr reprä- sentable Erscheinung, wie du zugeben mußt. Aber wenn es nun einmal nicht sein soll... Die Hauptsache ist ja, daß du zu deinem Recht kommst. Als Mensch. Aber — da ist es dir wohl gar nicht recht, daß du Senta heute abend zu Tisch führen sollst? Man könnte es ja noch ändern. Es ist vielleicht auch besser, sie in ihren Hoffnungen nicht noch zu be- stärken." „Wir wollen es ruhig dabei lassen, Großvater. Ich halte es sogar für zweckmäßig. Vielleicht ge- winnt Senta bei dieser Gelegenheit von selbst die Ueberzeugung, daß etwaige Hoffnungen aussichtslos sind. „Hm... Ich möchte allerdings nicht..." „Keine Sorge!" beruhigte Stefan. „Den erforder- liehen Takt werde ich dabei selbstverständlich nicht außer acht lassen. Und im übrigen — ein sogenanntes gebrochenes Herz dürfte kaum Sentas schwache Seite sein. Dazu ist sie viel zu kalt, viel zu sehr berechnend." „Das ist ein hartes Urteil. Aber vielleicht hast du wirklich recht, du kennst sie vielleicht besser als ich. Und eins steht ja fest: ein Mensch wie du braucht viel Wärme, viel Herz. Du hast in deinem Leben bisher nicht viel davon zu spüren bekommen. Auch das wollen wir mal aussprechen Aber vielleicht hat das Schicksal dir noch etwas Besonderes aufgehoben. Und so soll mir jede andere willkommen sein, die du für die Richtige hältst und mir bringst. Wenn es nur überhaupt geschieht..." Stefan gab keine Antwort. „Wenn es nur überhaupt geschieht, Stefan...!" wiederholte der Großvater mit Betonung und mit drängender Frage im Blick. Stefan verharrte noch einen Augenblick stumm in seiner Haltung. Dann erhob er sich plötzlich und zog mit einem Ruck den Vorhang am nächsten Fenster zurück. Ja0 einen Augenblick in den Herbsttag hinaus. „Wir wollen diese Frage heute nicht entscheiden, Großvater , sagte er mit seltsam dunkler Stimme. „Niemand weiß, was geschehen wird. Es kommt alles, wie es kommen soll."--— Am Abend kamen dann die Gäste zur offiziellen Geburtstagsfeier. Der Empfang fand in der großen, behaglich durchwärmten Halle statt. Und hier kam nun auch Fraulein o. Birkhammer zu ihrem Recht, sie durfte die Stelle der fehlenden Hausfrau ver- treten. Das war ein gewisser Ausgleich dafür, daß sie an der intimen Familienfeier nicht teilnehmen durfte, obwohl man sie sonst zur Familie rechnete. Anfangs war sie innerlich aufs höchste darüber empört gewesen, daß sie nicht mit dabei fein durfte Mit den Jahren hatte sie sich daran gewöhnt, aber ganz fand sie sich immer noch nicht damit ab Sie konnte auch jetzt beim Empfang der Gäste ihr stei- fes, spitzes, seelenloses Wesen nicht ganz verleugnen. Wie ein aufgezogener Automat! dachte Stefan, der heute sehr kritisch veranlagt war. Solche Empfänge waren Wolfgang v. Achenbach ein Greuel. Er liebte es nicht, im Mittelpunkt all- gemeiner Beachtung zu stehen. Was wollte man aber machen! Mit liebenswürdiger Gelassenheit ließ er die in mehr oder weniger gedrechselter Form oorgebrachten Glückwünsche über sich ergehen. Kreisappell der Werkscharen des Kreises Gießen Am Sonntagvormittag trafen sich die Werkscha» ren des Kreises Gießen zu einem Kreisappell. Dieser Appell stand unter dem Zeichen des Reichsparteitages 1937. Es sind von der Gauwerkschar- sührung Hessen-Nassau 30 Wertscharführer und -Männer aus dem Kreis Gießen befohlen. Wenn man dabei in Betracht zieht, daß der gesamte Gau Hessen-Nassau 361 Werkfcharführer und -Manner zu stellen hat, so ist die hohe Zahl der von Gießen zu stellenden Männer ein Zeichen dafür, daß die Gauwerkscharführung mit den bisher von den Werkscharen des Kreises Gießen gezeigten Arbeiten zufrieden ist. Von den Männern und Führern, die Gießen nach Nürnberg entsendet, gehören acht Mann zu dem Sonderkontingent, dem die Bewachung und der Ordnungsdienst in der Nürnberger KdF.-Stadt obliegt. Die übrigen 22 Mann gehören zu dem Haupt- kontingent, das die Marschteilnehmer stellt. Die hohe Zahl der von Gießen nach Nürnberg befohlenen Führer und Männer ist für die Werkscharen des Kreises Gießen eine Auszeichnung. Eine weitere Auszeichnung für unsere Gießener Werkscharmänner ist die Verleihung der Bezeichnung „Nürnberg-Werkschar Gießen". Diese wird gebildet aus Führern und Männern aus den Kreisen Alsfeld, Wetzlar, Dillenburg, Limburg und Gießen. In dankenswerter Weife haben die Betriebsführungen der Betriebe, aus denen die Werk- scharmänner entnommen werden, den Werkscharmännern einen Sonderurlaub unter Fortzahlung ihrer Bezüge gewährt. Nachdem Hauptwerkscharführer Pg. Be inert dem Werkscharbannführer Pa. Schmidt die angetretenen Werkscharen gemeldet hatte, erhielten die Nürnbergsahrer ihre letzten Anweisungen für den Nürnberg-Dienst. Eine Ansprache des Kreisobmanns der DAF., Pg. Wagner, der Kreiswerkfchar- stammführer ist, beendete den Appell. Anschließend hieran zogen die Werkscharen unter zackigen Märschen des Spielmannszugs der Werkschar 49 23änninger, Gießen, und frohen Marsch- liebem durch die Straßen unserer Stadt, und man sah es den Gesichtern der Gießener Bevölkerung an, daß sie zum ersten Male die Werkscharmänner in größerem Verband sahen. Sondergericht in Gießen. Die Gertrud Müller aus Rohrbach wurde wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz anstelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von zwei Wochen zu einer Geldstrafe von 10 0.— R M. verurteilt. Sie hatte am 28. Februar 1937 gelegentlich eines Propagandazuges der Politischen Leiter und der SA. in Rohrbach ihre Abneigung gegen den heutigen Staat und seine Einrichtungen dadurch zu dokumentieren versucht, daß sie beim Vorbeimarsch des Zuges demonstrativ die Rückseite zeigte. Ihre Einlassung, sie habe das Herannahen des Zuges nicht bemerkt und sie habe sich nur gebückt, um auf den Boden gefallene Wolle aufzuheben, konnte ihr nicht geglaubt werden, da der Zug mit Musik und Gesang marschierte und verschiedene Zugteilnehmer unmittelbar nach dem Oeff- nen des Fensters der Angeklagten deren Kehrseite gesehen hatten. Bei ben Strafzumessung berücksick- tigte bas Gericht, daß die Angeklagte noch nicht vorbestraft ist und daß sie schon lange vor der Machtübernahme der Partei nahegestanden hat. Das Gericht ist der Ueberzeugung, daß sie auch heute noch der Bewegung nahesteht und ihre Handlungsweise nur auf eine gewisse örtliche Verärgerung zurückzuführen ist. Sodann hatte sich der 62jährige Hugo A. Zeid - l e r aus Dresden, zur Zeit ohne festen Wohnsitz, wegen des gleichen Vergehens zu verantworten. Der Angeklagte, der aus achtbarer Familie stammt, wegen feines Lebenswandels abejr keine Verbindung mit feiner Familie mehr hat und schon seit zehn Jahren durch Deutschland wandert und sich von Bettelei ernährt, ist verdorben und zu einem gehässigen Staatsfeind geworden. Am 20. Mai 1937 kam er von Nidda nach Lindheim und hat dort in einer Wirtschaft ausfällige Bemerkungen über den deutschen Gruß und die Person des Führers gemacht. Jetzt will er sich auf nichts mehr entsinnen können, und er behauptet, betrunken gewesen zu sein. Die Beweisaufnahme hat aber das Gegenteil ergeben. Er wurde, gemäß dem Antrag des Staatsanwaltes, zu einer Gefängnisstrafe von 10 Monaten und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt. Drei Monate der Untersuchungshaft wurden ihm auf die Strafe angerechnet. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelte das Sondergericht sodann gegen den Albert Jäger aus Güllen, der zuletzt in Ober-Ohmen wohnhaft war. Der Angeklagte hatte am 3. Mai' 1937 in einer Wirtschaft zu Nieder-Erlenbach gehässige und von niedriger Gesinnung zeugende Gespräche über den Führer und die Männer seiner nächsten Umgebung geführt. Auf seine Bekanntschaft mit dem SPD.-Bonzen und Volksverräter Ritzel scheint er heute noch besonders stolz zu sein. Als versteckter SPD.-Mann berief er sich auf diese Bekanntschaft und auf seine Zugehörigkeit zur SPD. Der Angeklagte, der schon verschiedene Male, wenn auch nicht einschlägig, vorbestraft ist, wurde zu einer Gefängnis st rase von zehn Monaten verurteilt. Drei Monate der Untersuchungshaft wurden auf die Strafe angerechnet. Aus der engeren Heimat Milchauto durchbricht Bahnschranke. Frankfurt a. M., 30. Aug. (Lpd.) Am Sonntag um 17.40 Uhr durchfuhr bei der Station Okarben auf der Strecke Frankfurt—Friedberg der Lastkraftwagen einer Molkerei aus Ober-Erlenbach die für einen O-Zug geschlossene Schranke. Der Kraftwagen wurde von der Lokomotive etwa 2 0 0 Meter mitgeschleift und zertrümmert. Der Fahrer und der Beifahrer waren noch rechtzeitig abgesprungen. Außer vier Mädchen aus Okarben, die am Wege standen und von Splittern getroffen wurden, kamen Personen nicht zu Schaden. Die Lokomotive e n t g I e i ft e mit der vorderen Achse, so daß beide Hauptgleise längere Zeit gesperrt waren. Pferdefuhrwerk vom Zug überfahren. Zwei Personen verletzt. Frankfurt a.M., 30.2Iug. (Lpd.) Am Mon- tag gegen 13.40 Uhr überfuhr ein Personenzug bei dem unbeschrankten Bahnübergang am Kilometer 5,8 der Sttecke Vilbel—Lauterbach ein Pferdefuhrwerk. Der Fuhrmann Franz Wähler wurde hierbei erheblich, aber nicht lebensgefährlich und der Begleiter W. Kröll leicht verletzt. Beide wurden dem Krankenhaus in Hanau zugeführt. Wehrsportfahrt des Motorsturms S/M. 147. * Lieh, 30. Aug Während seither Wehrsport- sahrten im allgemeinen nur in größeren Verbänden üblich waren, ist man in letzter Zeit dazu übergegangen, Breitenarbeit auch in kleineren Einheiten zu leisten. Einmal soll damit gezeigt werden, daß Uebungsfahrten solcher Art auch hier möglich sind, zum andern sollen sie aber auch kämpferischer Ansporn und Uebung sein für Fahrten in größeren Verbänden, die von Zeit zu Zeit veranstaltet werden. Deshalb Halle der Motorsturm 5/M. 147 eine solche Wehrsportfahrt angesetzt. Die Motorstan- barte 147 hatte dafür als Anreiz und um den Wett- dewerbsgedanken gebührend in den Vordergrund zu rücken einen wertvollen Wanderpreis gestiftet, der nach dreimaligem Siege in den Besitz des Gewinners übergeht. Schon zeitig knatterten am Sonntagmorgen die Motore. Die Fahrt, deren Ziel unbekannt war, führte über Hungen, Stornfels, Langd, Einardtshausen, Laubach bis in die Nähe von Schotten und stellte an die NSKK.-Männer an wehr- und kraftfahrsportlichem Können, sowie an ihre Fahrzeuge große Anforderungen. Denn es mußten im ganzen sechs Kontrollstellen nach der Karte angefahren werden, wo die Fahrer Uebungen im Handgra- natenroerfen, Entfernungsschätzen und Kleinkaliberschießen abzulegen hatten. Außerdem mußte die ganze Hebung nach drei Stunden beendet sein. Mit welchem Schwung und welcher Begeisterung die einzelnen Fahrten ausgeführt wurden, zeigten jedesmal die erhitzten und staubverkrusteten Gesichter der Fahrer — zu denen übrigens auch einige aus der Hitler-Jugend zählten —, wenn sie auf den Kontrollstationen ankamen. Auch ohne leichtere Stürze ging es manchmal nicht ab; jedoch verliefen diese glimpflich, so daß die Sanitätsschar nicht einzugreifen brauchte. Gegen Mittag war die Fahrt beendet. In dem Saale der Gastwirtschaft Rinker in Nonnenroth wartete schon ein reichliches Eintopfessen, das die dortige Frauenschaft überaus schmackhaft zubereitet hatte, auf die hungrigen NSKK.-Männer. Anschließend nahm Sturmführer Rinker die Preisverteilung vor. Den Wanderpreis der Standarte 147 gewann Oberscharführer Ulrich mit 143 Punkten. den zweiten Rottenführer Heßler mit 136 Punkten, beide auf Krafträdern. Den 3. Preis, ebenso wie den 2., eine Plakette, erhielt Oberscharführer Paul Bender für Bestleistung mit einem Personenwagen (144 Punkte). Mit einem kameradschaftlichen Beisammensein, das sich noch lange ausdehnte, schloß der ereignisreiche Tag. Heimatvereinigung Staufenberg. ch Staufenberg, 31. Aug. Die Heimat- oereinigung Staufenberg hielt am Samstag unter Leitung von Dekan i. R. Gußmann eine Vorstandssitzung ab. Es wurde beschlossen, im Dezember eine Nikolaus-Feier und im Februar nächsten Jahres einen Lichtbildervortrug zu ver- anstalten.Der Vorsitzende wurde beauftragt, mit der Heimatvereinigung Schiffenberg, mit dem Gleiberg- Verein und mit dem Derkehrsverein Gießen in Verbindung zu treten und im Laufe des Winters eine große gemeinsame Veranstaltung anzuregen. 60-Zahrfeier der Kleinkinderschule Grünberg. + Grünberg, 30. Aug. Unsere Kleinkin- d e r s ch u l e beging am Sonntag ihr 6 0 jähri - g e s Bestehen. Im Festgottesdienst des Morgens predigte Pfarrer Hager vom Diakonissenmutterhaus Nonnenweier in Baden, aus dem sämtliche Schwestern der hiesigen Schule hervorgegan- gen sind. Dekan Schmidt, der den Altardienst versah, schilderte in einer Ansprache die Entwicklung der Schule. Am Nachmittag zogen die Kleinen von ihrer Schule aus, geführt von der hiesigen Schwester, der eine Anzahl auswärtiger Schwestern helfend zur Seite standen, zum Sportplatz. Nach einer Begrüßungsliturgie der Kinder, bestehend aus Sprüchen und Gesängen, und einer Ansprache von Dekan Schmidt fanden allerlei Kinderspiele, zum Teil auch humoristischer Art, statt. Die Kinder wurden am Schluß mit Brezeln beschenkt, welche die Stadt gestiftet hatte. Die Kollekte des Festgottesdienstes und weitere freiwillige Spenden ergaben den Betrag von rund 80 Mark, der zum Besten der Schule Verwendung finden soll. Die Schülerzahl beträgt gegenwärtig 69. Landkreis Gießen. * Wieseck, 31. Aug. Die hiesige Sängeroereinigung brachte am vergangenen Sonntag unter Leitung ihres Chormeisters Philipp Gros einem erkrankten Kameraden, der gegenwärtig in der Klinik zu Gießen liegt, ein Ständchen. Das kameradschaftliche Unternehmen machte dem Sänger große Freude. Auch die übrigen Patienten hörten das Ständchen mit viel Vergnügen und waren den Wiesecker Sängern herzlich dankbar. gfs. Heuchelheim, 29. August. Nach längerer Pause, veranlaßt durch die vermehrte Feldarbeit, fanden sich die Mitglieder der Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerkes wieder zu froher, anregender Gemeinsamkeit auf dem Heuchelheimer Mühlchen. Frau W o b f e r sprach über praktische Aufgaben, die in der Folgezeit zu erledigen sind, wie Gelee- und Museinkochen für das WHW., und die Arbeiten für die Weihnachtsgeschenke für den Patengau Oberschlesien. Frl. Lüddecke, die Sachbearbeiterin für die Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft, gab praktische Anregungen über Mehlspeisen und Fleischgerichte. Gedicht, Erzählung und Lied gestalteten den Abend festlich aus. 00 Klein-Linden, 27. Aug. In unserer Volksschule wurde im Sommer 1935 der planmäßige Schwimmunterricht in den Lehrplan ausgenommen. Es nehmen an diesem Unterricht alle Knaben vom 4. Schuljahr ab teil. Der Schwimmunterricht wird in dem schön gelegenen Schwimmbad der Gemeinde Lützellinden durchgeführt. Der Unterricht liegt in den Händen eines hiesigen Lehrers. In diesem Sommer konnten an 12 Kinder der 1. und 2. Klasse Freischwimmerzeugnisse ausgegeben werden. Als Bedii^ung für die Erreichung dieses Zeugnisses waren die Aufgaben gestellt, einen Sprung ins Wasser zu unternehmen und 15 Minuten oder länger schwimemnd im tiefen Wasser zu verweilen. Von den im laufenden Sommer am Schwimmunterricht teilnehmenden 68 Knaben vom 9. bis 13. Lebensjahre haben bis jetzt 19 das Zeugnis erhalten. 13 weitere Knaben sind in der Lage, sich kürzere Zeit schwimmend im Wasser aufzuhalten. An Ostern 1938 kommen 10 Knaben zur Entlassung. Don ihnen sind 7 Freischwimmer, 2 können kürzere Zeit schwimmen, nur einer ist Nichtschwimmer. Seit Beginn des Schwimmunterrichts wurden im ganzen 37 Freischwimmerzeugnisse ausgestellt, und zwar 1935: 16, 1936: 9 und 1937: 12. In diesem Jahr wurden erstmalig auch an vier Mädchen des letzten Schuljahres Freischwimmerzeugnisse ausgehändigt. * Klein-Linden, 31. Aug. In der Nacht zum Montag wurde hier^ während die Kirchweih in vollem Gange war, aus dem Hofe der Gastwirtschaft „Zur Eiche" ein Motorrad gestohlen. Die Gendarmerie nahm die Ermittlungen auf. ! Großen-Linden, 30. Aug. Der Zweigne r e i n „$üttenberg" vom DHC. unternahm am letzten Sonntag eine Wanderung „ins Blaue", die vom schönsten Sommerwetter begünstigt, durch den Leihaesterner und Großen-Lindener Wald führte. Nach Dem Ueberschreiten der Bahngleise wurde das Bergwerk bei Klein-Linden besichtigt, und dann gings durch das Tal des Lückenbaches zurück nach Großen-Linden; denn diese Wanderung sollte ihren Abschluß finden mit einer Ab» schiedsfeier für eine allseitig beliebte DHC.- Schwester, Frau Käthe K ö st e r, geb. Klug, die sich vor fünf Jahren nach Amerika verheiratet hat und nun einige Monate in ihrer alten Heimat weilte. In einigen Tagen wird sie wieder nach Amerika zurück- reifen. Die Feier wurde verschönt durch den Gesang von zahlreichen alten, bekannten Volks- und Wanderliedern, die von den DHC.Mitgliedern, die fast alle erschienen waren, gesungen wurden. Oberreallehrer Blaß (Gießen) begleitete kunstgerecht. So hoffen alle, daß Frau Köster drüben in Amerika oft zurückdenkt an ihre schöne Heimat, an ihr deutsches Vaterland. Das kam auch beim Abschiednehmen 3um Ausdruck. Die herzlichsten Grüße und Wünsche sollen Frau Köster in das ferne Land begleiten. □ Allendors (Lahn), 30. Aug. Das Amt des Fleisch beschauers, das Heinrich Binz infolge seines vorgeschrittenen Alters vor einiger Zeit niederlegte, wurde nun an Hermann Binz, den Polizeidiener unseres Ortes, vergeben, der gegenwärtig einen Ausbildungskursus besucht und nach bestandener Prüfung sofort seines Amtes walten wird. — Für die Obsternte in unserer Gemeinde wurde auf genossenschaftlicher Grundlage eine O b st s a m m e l st e l l e errichtet, die dem örtlichen Raiffeisenverein übertragen wurde. Der Obstertrag in unserer Gemeinde ist gut. V Watzenborn-Steinberg, 30. August. Dieser Tage fing ein hiesiger Einwohner zwei frei herumlaufende Rinder ein, die aus dem Viehbestand des Hofgutes Peter Fritsch von Ober- Steinberg stammten und von der Weide entwichen waren. — Dank der günstigen Witterung wurde in unserer Gemarkung das ganze Grummet innerhalb weniger Tage eingebracht. Der Ertrag ist gering. T Hausen bei Gießen, 30. Aug. Als Nachfolger des vor längerer Zeit nach Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand versetzten Lehrers Zöller, der nach Gießen verzog, wurde Lehrer Heinrich Koch, gebürtig aus Friedberg, zum Lehrer an unserer zweiklassigen Volksschule ernannt. * Steinbach, 28. August. Auf der Landstraße Gießen—Steinbach wurde heute der Landwirt Hch. Keßler II., als er für fein haltendes Fuhrwerk einen Stein aus dem Straßengraben geholt hatte und damit quer über die Landstraße zu feinem Wagen zurückkehren wollte, von einem im gleichen Augenblick herankommenden Autoüberfahren. Glücklicherweise kam er mit einigen leichten Verletzungen noch glimpflich davon. # Mainzlar, Die hiesige Schule unternahm in zwei Postautobussen einen Ausflug an den Rhein. Die Fahrt ging über Bad-Nauheim auf der Reichsautobahn nach Frankfurt und von dort zunächst nach Wiesbaden. Nach einigen Besichtigungen wurde weitergefahren nach Rüdesheim und zum Nationaldenkmal auf dem Niederwald. An»- Schönburgs kamen erst, als schon eine ziemlich zahlreiche Gesellschaft versammelt war. Es machte ganz den Eindruck, als ob Sentas Erscheinen von den bereits Anwesenden als ein Ereignis betrachtet würde. Stefan stellte fest, daß diskrete, aber doch sehr deutliche Blicke ihn streiften, die Neugierde und Erwartung verrieten. Ein kleines, verlorenes, von (eifern Sarkasmus durchwehtes Lächeln zog für einen Augenblick um feine Lippen. Wenn man etwa erwartete, daß die Geburtstagsfeier sich zu einer Verlobungsfeier entwickeln würde, dann hatte man sich gründlich geirrt! Senta schien es ganz in der Ordnung zu finden, daß sie allgemeine Aufmerksamkeit fand. Sie war in der Tat eine auffallende, blendende Erscheinung. Die prachtvolle Figur und das schöne, regelmäßige Gesicht mit dem reichen hellblonden Haar ließen sie schon begehrenswert erscheinen. Stefan beobachtete sie, wie man etwa ein Kunstwerk betrachtet. Er mußte auch jetzt wieder festellen, daß ihre Schönheit kalt ließ. Ihn wenigstens! Senta trat jetzt auf Wolfgang v. Achenbach zu. Sie schlug einen etwas überschwenglichen Ton an, als sie ihm ihren Glückwunsch aussprach. Auf den kritischen Beobachter wirkte es beinahe etwas komödiantisch, denn der Ton paßte nicht zu ihr. Sie bediente sich seiner aber manchmal, wenn sie es für gut befand. Um ihre Herzenskälte damit zu verdecken! dachte Stefan. Er stand neben feiner Kusine Suse Vollroth, die in einem der bequemen Sessel saß und mit ihrem vor ihr stehenden Gatten eben leise eine Bemerkung austauschte. Suse hob jetzt den Kopf zu ihm auf. „Sieh nur die schöne Senta, Stefan...! Ist es nicht, als ob mit einem Male die Sonne aufgegangen wäre...?" Gin rätselhaftes Lächeln spielte um ihre Lippen. Aber Stefan verstand dies Lächeln. „Weißt du, was die schöne Senta in diesem Augenblick denkt?" beugte er sich ein wenig zu ihr hinab. „Nun?" „Sie denkt ungefähr folgendes: Der alte Herr mer ist ja heute nun schon mal die Hauptperson — tun wir also auch mal so! Aber ich, Senta Schönburg — ich bin auch noch da! Und ich komme gleich nach ihm, bitte! Oder wenn ihr so freundlich fein wollt, Herrschaften — im Grunde genommen bin ich hier die Hauptperson, verstanden?" Suses Lächeln lockerte sich ein wenig auf. „Du bist boshaft, Stefan", gab sie zurück. Aber seine Worte schienen irgendeinen geheimen Druck von ihr genommen zu haben. „Du scheinst nicht geneigt, sie als Hauptperson zu betrachten...", fuhr sie fort. „Sehr richtig. Ich denke nicht daran." „Also keine Aussicht auf Verlobung...?" „Nicht die geringste!" Suses Augen wurden merkwürdig dunkel. „Ah...! Du entpuppst dich auf einmal als ein ungeheuer sympathischer Mensch, Stefan! Ich könnte dir dafür auf der Stelle vor allen Leuten einen Kuß geben." „Wenn dein teurer Gatte nichts dagegen einzuwenden hat — bitte, ick stehe zur Verfügung." Vollrath zeigte gleichfalls ein Lächeln der Befriedigung. „In diesem besonderen Falle würde ich nichts einzuwenden haben." „Du bist wundervoll vernünftig, Stefan, ganz unglaublich vernünftig", begann Suse wieder. „Aber was wird denn dein Großvater dazu sagen?" „Nichts mehr, Suse. Wir haben uns heute mittag — bei unserer gespensterhaften Familienfeier zu zweien — schon darüber ausgesprochen. Er weiß, daß Senta Schönburg niemals für mich in Betracht kommt, und hat sich damit abgefunden. Leich- ter sogar, als ich erwartet hatte." Suse preßte vergnügt die Handflächen gegeneinander. „Wundervoll!" strahlte sie ihren Gatten an „Wir werden bei dieser Geburtstagsfeier eine blendende Saune entwickeln dürfen, Günther, nicht wahr?" Dollrach lächelte auf sie herab. "Achtung!" warnte er plötzlich. „Die Sonne kommt näher...!" Senta hatte die übrigen Gäste begrüßt. Jetzt trat sie zu den dreien heran. „Das ist ja ein recht molliger Winkel hier, fo eine richtige kleine Verschwörerecke", sagte sie, Suse und Vollrath mit kühlem Lächeln die Hand reichend. Sie wußte, daß die beiden ihre Pläne nicht gerade begünstigten. Fortsetzung folgt chließenL folgte eine Dampferfahrt von Aßmanns- laufen nach St. Goar und zurück. Die Heimfahrt erfolgte durch das Wispertal über Idstein und Usingen. Die Fahrt bereitete allen Teilnehmern große Freude. # Mainzlar, 31. Aug. Dieser Tage sammel- en die Kinder der hiesigen Volksschule viele Brombeeren, die der NSV. zur Verwendung ibergeben wurden. — Am Samstag legten alle 12= bis 14jährigen Pimpfe vom Fähnlein 22/116 auf der hiesigen Turnwiese die sportlichen Prüfun- ten für das Deutsche Jungoolk-Leistungsabzeichen ab. — Dieser Tage fand hier die Gemernde- Srummetgras-Versteigerung statt. Die Arasstücke kosteten je nach Qualität 1,80 bis 6,— Mark. # Daubrin gen, 29. Aug. Die zweite Klasse der hiesigen Volksschule unternahm einen 21 u t o a u sjl u a nach Butzbach, Bad-Nauheim, Friedberg, Glauoerg, Bad Selters, das Strandbad m Hillersbachtal und nach Bad Salzhausen. An ier Fahrt beteiligten sich auch eine Anzahl Erwachsener. — Die hiesigen Schulkinder fam- inelten Brombeeren und Fallobst, die von der S. - F r a u e n s ch a f t zu Gelee und Marmelade iir die NSV. eingekocht wurden. öp Lich, 30. Aug. Die Stadt Lich hat auf dem Würmchen des früheren Rathauses in der Stadtmitte ine Feuersirene anbringen lassen. Die Sirene ann von der Bürgermeisterei, ferner vom Städti- chen Krankenhaus in der Gießener Straße und vom Ilten Rathaus aus in Tätigkeit gesetzt werden. csd Langsdorf, 30. Aug. Der hier im Ruhe- :anb lebende Lehrer Bausch erlitt durch die Un- chtsamkeit oder Ungeschicklichkeit eines Radfahrers ine erhebliche Körperverletzung. Der rüstige alte Herr ging vor dem Dorfe auf der Licher Straße auf der rechten Seite, als er von hinten io n einem Radfahrer angerannt und imgeroorfen wurde. Da gerade keine Leute der Nähe waren, konnte der Radler unerkannt ntkommen. Herr Bausch erlitt, wie ärzttich feft« sstellt wurde, einen Oberarmbruch. —w. Hungen, 29. August, ^um Nachfolger des irzlich verstorbenen hiesigen Kirchenrechners >ch. Otto E b e r s o h n wurde der Elektromonteur ■ubroig Bing von hier bestimmt. Nach seines Ver- bigung hat er bereits bie Kassengeschäfte übenwnv icn. — Die Ob st bäume an ben Kreisstraßen nseres Bezirks weisen in diesem Jahr größtenteils nen recht guten Behang auf. Die Früchte sind uch sehr gut entwickelt, so daß eine gute Ernte zu -warten ist und der .Hohenastheimer" dieses Jahr n vorzüglicher zu werden verspricht. Kreis Marburg. Lpd. Marburg, 28. Aug. Ein Blitzschlag tzte die mit Erntevorräten gefüllte Scheune des Bauers Johannes Preiß in Oberwalgern in iranb. Die Feuerwehren, unterstützt von einer Ab- iUung ber Marburger Garnison unb von Arbeits- senftmännern, konnten ein Uebergreifen ber Flam- r en auf bie Nachbargebäube verhindern. Die Scheune :urbe mit bem größten Teil ber Erntevorräte ein ' aub ber Flammen. * Winnen, 28. Aug. Der Steinbrucharbeiter lubroig Rau von hier verunglückte bei der £ r b e i t im Steinbruch. Mit einer schweren Verletzung am linken Bein mußte er nach Gießen h die Klinik gebracht werden. Kreis Wetzlar. A Lützellinben, 29. Aug. Der 43 Jahre alte Beißbinder Friebrich Luh von hier stürzte am kamstagvormittag auf feiner Arbeitsstätte in Gießen fi unglücklich vom Gerüst, baß er mit Verletzungen cm Kopfe unb an ben Hänben in das Krankenhaus eingeliefert werben muhte. T Walbgirmes, 30. August. Bei der fremeinbegrummetgrasoerfteigerung' hm die Parzelle von 12 Ar 2 bis 4 Mark. Im Anschluß baran fanb ber Verkauf ber Frühäpfel inb ber Zwetschen statt; bie Sorte ,Hakob Lebe!" tturbe mit 5 bis 7 Mark per Zentner bezahlt, da- gegen tarnen bie Zwetschen auf 6 bis 8 Mark. Der Auftakt zum Mainzer Weinmarkt. Das ..goldige Mainzer Mädchen" wird gesucht. Mainz, 30. Aug. (Lpd.) Der vom 4. bis 7. September stattfindende „M ainzer Weinmarkt" nahm am Samstagabend in der Stadthalle seinen Auftakt. Erstmals seit 1932 galt es wieder, ein „goldiges Mainzer Mädch e n" — sonnig im Gemüt, quicklebendig im Geblüt — als echte Vertreterin der Mainzer Frauenwelt zu wählen. Das geschah im Rahmen eines „Mainzer Tanzabends". Die Stadthalle prangte bereits im Festschmuck des Weinmarktes. Eine lustige Eröffnungsszene auf der Bühne und vortreffliche künstlerische Darbietungen sorgten für bie richtige Stimmung. Dann zogen in einer Polonäse bie Schönen durch bie „(Bub Stubb'", während bie Mitglieder ber „Wahlkommission" ihre Kennerblicke über bie Schar fliegen ließen unb ben für roürbig Befundenen ein Zettelchen zusteckten. Etwa 40 Mädchen durften alsdann vor das unbestechliche Auge der Photolinse treten, der das erste Urteil zufällt. Denn von diesen 40 Aufnahmen werden im Laufe ber Woche die zwölf besten ausgewählt, und unter diesen zwölf wird bann am Montag, bem zweiten Tag des „Weinmarktes", das Publikum seine Wahl treffen unb burch Stimmzettel bie Schöne wählen, bie für bie nächsten Jahre den Ruf des „goldigen Mainzer Mädchens" durch alle Welt tragen soll. Sechs Jahre Zuchthaus für einen gewerbsmäßigen Abtreiber. Lpd. Hanau, 26. Aug. Das Schwurgericht Hanau verhandelte am Mittwoch gegen den in Neuenhaßlau wohnhaft gewesenen D e s ch wegen gewerbsmäßiger Abtreibung. Im Jahre 1933 war er wegen des gleichen Deliktes zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Kurze Zeit nach Verbüßung dieser Strafe wurde er erneut in gleicher Weise rückfällig. Diesmal erkannte das Gericht auf sechs Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust. Eine Frau aus Frankfurt, die die notwendigen Instrumente geliefert hatte, erhielt wegen Beihilfe" e i n Jahr Gefängnis. Wirtschaft. Kartoffel-Erzeugerpreise für September bis Dezember. Fwd. Der Erzeugerfestpreis für Speisekar« t o f f e I n wird, gemäß Anordnung der Hauptversammlung der deutschen Kartoffelwirtschaft o0m 24. August 1936 bzw. 23. März 1937, in RM. je 50 Kilogramm frachtfrei Empfangsstation in den Gebieten der Kartoffelwirt chastsverbände Hessen- Nassau, Kurhessen, Thüringen, Baden, Württemberg und Bayern, wie folgt festgesetzt, und zwar für die Monate September, Oktober, November und Dezember 1937: für weiße, rote und blaue Sorten 2,35 RM., für gelbe Sorten 2,65 RM. In der gleichen Zeit gelten die Preise in den Kartoffelwirtschaftsoerbänden Saarpfalz, Rheinland und Westfalen 2,40 RM. bzw. 2,70 Reichsmark. Für Futterkartoffeln werden als Erzeugerfestpreise ab 1. September 1937 festgesetzt in den Gebieten der Kartoffelwirtschaftsverbände Hessen- Nassau, Kurhessen, Thüringen, Baden, Württemberg unb Bayern minbeftens 1,85 RM., jedoch nicht mehr als 2,00 RM., in ben Gebieten Saarpfalz, Rhein- lanb und Westfalen mindestens 1,90 RM., jedoch nicht mehr als 2,05 RM. Der Erzeuger erhält für die von ihm gelieferten Kartoffeln den frachtfrei Empfangsstation festgesetzten Preis abzüglich der tatsächlich entstandenen Fracht, bei Selbstabholung durch den Käufer abzüglich höchstens 0,15 RM. je 50 Kilogramm. Der Erzeugerfestpreis für Fabrikkartoffeln beträgt für Lieferungen zwischen 1. September und 31. Dezember 1937 20 Rpf., je Kilogramm Stärke. Kauft der Verarbeiter Fabrikkartoffeln aus Gebieten, die bei der Lieferung eine höhere Fracht als 14 Rpf. je 50 Kilogramm Kartoffel- Bruttogewicht entstehen lassen, so hat der Verarbeiter die über 14 Rpf. je 50 Kilogramm hinaus- gehende Mehrfracht zu tragen. Die Preise für Rinder und Schweine in der Zeil vom 6. September bis 3. Oktober 1937. Fwd. Die Marktpreise an ben Vieh-Großmärkten Frankfurt a. M., Darmstadt, Mainz unb Wiesbaden für Rinder werden jetzt vom 6. September bis 3. Oktober 1937 wieder festgesetzt. Sie bleiben gegenüber dem bisherigen Stand unverändert. Ebenfalls unverändert bleiben sie für die Marktgebiete I bis III. — Dagegen tritt in der angegebenen Zeit bei den Preisen für Schweine sowohl an den Hauptmärkten, wie an den Nebenmärkten im Gebiete ber Landesbauernschaft Hessen-Nassau die durch bie Anorbnung 74 reichsseitig vorgesehene zeitbedingte Ermäßigung um 1 Mark je 50 Kilogramm Lebendgewicht ein, und zwar dadurch, daß der Zuschlag von 3 Mark auf den Grundpreis, der vom 2. August bis 5. September 1937 gilt, ab 6. September auf 2 Mark herabgesetzt wird. Rhein-Mainische Börse. TNitlagsbörse unregelmäßig. Frankfurt a. M., 30. Aug. Die Börse hatte auch zu Beginn der neuen Woche äußerst ruhiges Geschäft, da die Unternehmungslust gering und auch der Ultimo noch von Einfluß blieb. Am Aktienmarkt war die Kursgestaltung uneinheitlich, die Veränderungen hatten im allgemeinen aber nur kleines Ausmaß und hielten sich nach beiden Richtungen etwa die Waage. Montanaktien bröckelten meist etwas ab, Buderus auf 130,25 bis 130,50 (131,25), Klöckner auf 138,50 (139), Mannesmann auf 124,25 (124,65), während Verein. Stahl gefragt wurden unb 0,25 v. H. auf 120,75 gewannen. Lebhafteres Interesse verblieb in Maschinenwerten, besonbers gesucht würben Moenus mit etwa 128 bis 130 (127), bie übrigen Werte lagen 0,13 bis 0,50 v. H. höher. Don chemischen Werten gaben IG. Farben 0,25 v. H., Metallgesellschaft 0,50 v. H. nach, Rütgerswerke zogen 0,65 v. H. an, Scheibeanstalt unoeränbert 268. Zellstoffaktien lagen schwächer, besonders Waldhof mit 160,50 (163). Im einzelnen eröffneten u. a. Reichsbank mit 214 (213,25), Südd. Zucker mit 206 (205,50), AEG. mit 130,50 (131,40), Deutsche Linoleum mit 170,75 (171,50) unb Hapag mit 85,50 (85,75). Lebhafteres Geschäft hat- ten wieber einzelne Werte im Freiverkehr, Dingler Maschinen 94, Schuh Berneis 77,50, Großalmerode Thon 114,50 bis 115, Beck & Henkel 82 bis 83, Wayß 8t Freytag 150. Die Kursentwicklung am Aktienmarkt war auch im Verlaufe uneinheitlich. Das Geschäft blieb unverändert klein. Leichte Erhöhungen hatten Vereinigte Stahl mit 121 nach 120,75, Klöckner mit 139 nach 138,50 und Rheinmetall mit 160,50 nach 160, während Farbenindustrie auf 166,75 nach 167 und AEG. auf 130,25 nach 130,50 abbröckelten, auch Mannesmann waren zu 124 nach 124,25 eher angeboten. Auch die später notierten Werte kamen unregelmäßig zum Kurs, wobei Rheinstahl mit 158,50 (159,90) und Bekula mit 169 (168) starker verändert waren. Moenus Maschinen notierten nur zum Einheitskurs 129 (127), Faber & Schleicher 110,75 (108). Abendbörse ruhig. Die Abendbörse war ohne Anregung und nahm auf allen Märkten einen sehr ruhigen Verlauf. Infolge des Ultimos blieb die Zurückhaltung weiter wirksam. Gegen den Mittagsschluß zeigten die Kurse nur geringe Abweichungen und waren größtenteils nominell, sie lagen aber meist etwa 0,25 v. H. niedriger. Don Maschinenaktien stiegen Moenus weiter auf 130 (129), dagegen Rheinmetall 159,75 (160,75). Mit je 0,25 v. H. leichter kamen zur Notiz: Mannesmann 124, AEG. 130, Bemberg 154,25, Daimler 145,25, Demag 154,25, Deutsche Erdöl 153,25, IG. Farben 166,75, Holzmann 153,50, Schlickert 177,75, Westdeutsche Kaufhof 60. Etwas gebessert bis 0,25 v. H. waren u. a. Rheinstahl mit 158,75, Eßlinger Maschinen mit 120,13, Goldschmidt mit 146,65 und Gritzner Maschinen mit 52,75. Auch der Rentenmarkt war sehr still, Umsätze sanden nicht statt. 4'/2 v. H. Krupp waren 0,25 v. H. nied- riger mit 99,25 gefragt, ebenso 6 v. H. IG. Farben mit unverändert 131,75. Kommunal-Umschuldung nannte man mit unverändert 94,55. Freiverkehrs- Aktien lagen ruhig. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 30. Aua. Die Weizenan- lieferungen erfolgen weiter befriedigend, so daß die Dersorgung der Mühlen, mit geringen Ausnahmen, ausreichend ist. Die Mühlen sind aber noch aufnahmefähig, da erst wenige Betriebe größere Vorräte anlegen konnten. Die Zufuhren von Roggen sind noch unbedeutend, so daß in den preisniedrigen Gebieten noch Bedarf besteht, wenn sich auch die Versorgung gebessert hat. Braugerste erzielte große Umsätze, die Brauereien sind weiter kaufwillig. Die Landwirtschaft wartet noch auf die Bekanntgabe der Zuschläge für feinste Sorten. Weizenmehl wird normal abgesetzt, während in Roggenmehl der Verkauf schleppend ist. An Futtermitteln werden Oel- kuchen, Kleie und Mais zugeteilt. Die Heuzufuhren aus dem Eigengebiet sind noch klein, in Stroh besteht laufend 'Aufnahmebereitschaft durch die Industrie. Es notierten ((Betreibe je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 13 204, W 16 207, W 19 211, W 20 213; Roggen R 12 187, R 15 490, R18 194, R19 196, Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futteraerste —, Futterhafer —. Weizenmehl Type 812 w 13 28,90, W 16 29,00, W 19 29,00, W 20 29,35; Roggen- mehl Type 1150 R 12 22,45, R 15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizen- suttermehl 13,60. Weizenkleie W13 10,75, W16 10,90, W19 11,10, W 20 11,20; Roggenkleie R12 9,95, R 15 10,15, R18 10,40, R 19 10,50, Mühlen- feftpreife ab Mühlenstation. Sojaschrot —, Palm- kuchen —, Erdnußkuchen —, Treber 14,00, Höchstpreis ab Erzeugerftation, Trockenfchnitzel —, Heu, alte Ernte 5,50, neue Ernte 4,60 bis 4,80, Heu (drahtgepreßt), alte Ernte 5,90, Weizen- und Roggenstroh —. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. TI., 31. Aug. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Dorauftrieb: 664 Kälber, 87 Hämmel, 70 Schafe, 4073 Schweine. Es kosteten: Kälber 35 bis 65 Mark, Hämmel 44 bis 52, Schafe 36 bis 37, Schweine 53 bis 57 Mark. — Marktverkauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafe lebhaft. Rundfunkprogramm. Mittwoch, 1. September. 6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7:* Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.45: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Das Opernglas gezückt! 15: Volk und Wirtschaft. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Unser singendes, klingendes Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.20: Unser singendes klingendes Frankfurt. 21.15: „Nach getaner Arbeit ist gut ruhn!" 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.20: Kamerad, wo bist du? 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 1: Nachtmusik. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt oeschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 v H. Lombardzinsfuß 5 o. H ___________ Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurs Schluß?. Abendbörse Schluß- kure Schluß! Mittag börse Schluß- kurs Schluß?. Abend börse Schlußkurs Schlußk. Mittag. börse Datum 28 8 30 8 28 8 30 8- Daium 28-8 30 8 28 8 30 8 6?> Deutsche Reichsanleihe v. 1927 l'o Deutsche Reichsanl. von 1934 |£% Deutsche ReichSschatzanwei- 101,65 99 99,25 99 105 100,25 100,5 99,65 127,75 136,75 99,5 99,5 98,75 98,5 134,25 99,75 98,5 101,4 101,5 111.1 127,75 85,75 90,5 127,5 213,25 118.5 123,5 105 101,5 99 99,3 99 105 100,25 100,5 99,65 127.9 136,75 99,5 101,55 98,75 98,5 134,25 99,75 98,5 101,4 101,5 111,1 127,25 85,5 90,5 127,75 214 118,25 124 105 101,5 98,9 99,25 99 105,13 100,25 100,5 99,65 127,9 99,5 98,75 134,4 99,75 101,7 127,65 47,5 86 90,13 127.65 213,25 135,5 118,5 123,5 105 101,5 99 99,3 99 105 100,5 99.65 127,9 99,5 98,75 134,4 99,75 101,75 127,25 47.25 85,5 90 127,75 214 135.75 118,25 124 105 Accumulatoren-Yabrik.......14 Aschaffenburg Zellstoff........6 Bemberg.............. O Bekula..................... 8 Buderus Eisen............... 5 150,5 155 168 131,25 170 190,25 146 154 268 171,5 133,5 157 167,25 140,75 159 147.5 51,75 174,5 128,25 153,65 140,75 139 131,25 95,5 124.65 157 156,75 159,9 131,5 150,13 162.5 178,25 *219,75 205,5 120.5 60,25 163 35.7 150,5 154,25 169 130 170 190,4 145.5 153.25 268 170,75 133.5 157 166,75 140,5 160 146,65 52,75 174 127,5 153,5 140,5 118,5 139 131,5 95 124 156,25 158,75 131,25 150,75 177,75 206 121 60 118 160,5 1 35,65 150,25 155 169 131,25 190 146 121,25 153,75 171 133,75 156,65 167,5 140,75 159,25 147 52,13 174 127,65 153,5 172 141,25 117,25 138,75 166,75 131,75 124.25 157 156 118 233,5 159,25 131.4 150,65 162,65 96,4 220,5 207 120,65 60,13 118 160,75 35,9 150,25 154 169,25 129,5 190,5 145,75 121 153,25 170,5 133,75 156,75 167 140,25 160,25 147 52,13 174 127,25 153,75 172 140.25 118.5 138,25 166,9 132 123,75 155,5 156 118,75 232,9 159 131,4 150,75 177,75 96,13 220 207 120,65 60,13 118,25 161 35,7% llg% Deutsche Reichsschatzanwei- Fungen von 1935, II. ftolge ... 4la% Deutsche Reichsichatzanwei- Jungen von 1936, III. ftolge .. Doung Anleihe von 1930 .. ’ve% Hessische Bolksstaat von 1929 4!b% Deutsche ReichSpostschatz von Gement Karlstadt ............6 Conti Gummi.............. 12 Daimler Motoren.......... 6 Yt Dessauer GaS ............... 4 Deutsche Erdöl ..............5 Deutsche Gold» und Silber .... 9 Deutsche Linoleum.......... 10 Elektrische Lieferungen........6 Elektrische Licht und Kraft.....7 I. ffl. Farben-Industrie.......7 g-elfrn & Guilleaume.........6 Gesfürel.................... 7 Th. Goldschmidt............. 6 Gritzner Maschinen........... 0 Harpener.................8'/, Hoesch Eisen......... 3/t Philipp Holzmann........... 8 Ilse Bergbau................6 Ilse Genüsse................6 Kalt Aschersleben............4 Klöcknerwerke ............. 4yz KokSwerke und Chemische Fabrik 7 Lahmeyer .................. 6 Mainkrafl................... 4 4k% Deutsche Reichsbahnschatz £J erhessen Provinz-Anleihe mit 4V/o Hess. Landes«. Darmstadt Sjolbpfe. R. 12.............. &!«% Hess. Landes-Hyp-Banl Giqu. Goldpfe............... rddcu»scher Lloyd..........o Dt-iriche Reichsbahn Borz.-Akt. 7 stf.chsbant................ u yi-liuer Handelsgesellschaft 6% koinnierz- und Privat-Baak ... 5 Dmljchc Diskonto... ......6 Sntdbnet Bank.....#R......4 Devisenmarkt Berlin - Arankfurt a fll 28. August 30 August 28 August 30 August Amtlich." (»elf ioiierunc Bne, Amt! ch.' Gelt Jlotierune i8nei Amtliche •Helt J/orierunn Brief Amiliche •Weit Jtonerunr Bnei Bl-nos Aires............. 0,751 0,755 0,751 0,755 Japan.................... 0,723 0,725 0,722 5,694 62,12 48,95 0,724 5,706 62,24 Br fiel................... 41,94 42,02 42,00 42,08 Jugoslawien .............. 5,694 62,29 Üii De Janeiro............ 0,162 0,164 0,162 0,164 Oslo ................... 62,17 tzosn.................... 47,00 47,10 47,00 47,10 Wien.................... 48,95 49,05 11,245 63,85 57,27 17,02 8,684 tos en Hagen............... 55,23 55,35 55,19 55,31 Lissabon.................. 11,24 11,26 11,225 63,73 57,15 16,98 8,666 t