Ur. 74 Erstes Blatt Mittwoch. 31. Marz M7 n 187. Jahrgang lud) bei Nichterscheinen Fin einzelnen Nummern folge höherer Gewalt West- dem bas Ver- iD im i hinbe t der t für Wei tone illustriert» ustellgebühr Tokio. 31. März. (D3tB. Funkspruch.) Ostafien- dienfl des DNB. Das japanische Kabinett hat in einer außerordentlichen Sitzung die Auflösung des Reichstags beschlossen, nachdem sich herausgestellt hat, daß die Parteien — trotz zweimaliger Verlängerung der Tagungsdauer — nicht gewillt waren, die noch ausstehenden Regierungsvorlagen ordnungsmäßig zu verabschieden. Die Reuwahlen sind auf den 30. April festgesetzt worden. Berlin, 30.März. (DNB.) Der Führerund Reichskanzler hat mit feiner Vertretung bei den Krönungsfeierlichkeiten in London den Ge- neralfeldmarfchall von Blomberg beauftragt. Der deutschen Delegation gehören außerdem der kommandierende Admiral der Marinesialion der Nordsee, Admiral Otto Schutze, und der Generalmajor der Luftwaffe, S t u m p f f, an. Keldmarschall von Blomberg vertritt den Führer in London ■ 6.30: 8.10: sfrau, Wen. Noch, 5enbe= 14.10: 1 unb Jung- W Sämtliche Londoner Abendblätter geben in großer Aufmachung die amtliche deutsche Meldung wieder, wonach Generalfeldmarschall von Blomberg den Führer bei der englischen Königskrönung vertreten wird. Sie nehmen die Ernennung des Reichskriegsministers freundlich auf. So weift Evening News darauf hin, daß Blomberg eine große Rolle bei dem Neuaufbau der deutschen Wehrmacht gespielt habe und daß er sich des vollsten Vertrauens des Führers erfreue, dessen Sprecher er bei vielen wichtigen Gelegenheiten gewesen sei. Generalfeldmarschall von Blomberg spreche sehr gut Oer nationale Heeresbericht. Salamanca, 31. März. (DNB. Funkspruch.) Nach dem nationalen Heeresbericht haben nationale Flieger den bolschewistischen Flugplatz Andujar bombardiert und dabei 12 Flugzeuge vernichtet. Weiterhin meldet der Heeresbericht, daß die nationalen Truppen auch vor Masada- Honda bei Madrid einen Angriff der Bolschewisten zurückschlugen. 24 Milizmänner und zwölf Zivilpersonen liefen zu den nationalen Truppen über. An der Südfront ist im Frontabschnitt Or- jiva (Provinz Granada) ein bolschewistischer Angriff zusammengebrochen. An der Guadalajara-Front haben die Bolschewisten einen Angriff auf die nationalen Stellungen bei Cifuentes versucht. Die nationalen Truppen ließen die bolschewistischen Milizen auf kurze Entfernung herankommen und zerstreuten sie mit Maschinengewehrfeuer. Die Bolschewisten erlitten dabei große Verluste. der Außenpolitik Dr. Stojadinowitschs widersprechen würde, wenn es an solchen offenkundigen Frontenbildungen teilnähme. Im übrigen haben aber weder Paris noch Prag auf Grund ihrer bestehenden vertraglichen Abmachungen mit Jugoslawien irgendeinen Grund zur Klage anläßlich der jugoslawisch-italienischen Abmachungen. Im italienisch-jugoslawischen Vertrag wird ausdrücklich festgestellt, daß durch ihn die b e st e h e n d e n politischen Verpflichtungen der beiden Staaten, die öffentlich sind, nicht verletzt werden, Dr. Stojadinowitsch betonte dies auch ausdrücklich in seiner Erklärung nach Abschluß des Vertrages. Graf Ciano wies in seiner Erklärung darauf hin, daß Italien und Jugoslawien bei den Vertragsab- chlüssen nicht nur ihren Nutzen vor Augen gehabt hätten, daß sie vielmehr einen tatsächlichen und unmittelbaren Beitrag zur Sicherheit Europas leiten wollten. Unter solchen Gesichtspunkten betrach- Die Auflösung des Reichstages ist insofern überraschend gekommen, als die Zusammenarbeit von Regierung und Parteien noch kürzlich als ein Erfolg des Kabinetts Hayaschi bezeichnet wurde. Allerdings war das Kabinett zu weitgehendem Entgegenkommen gegenüber den Parteien gezwungen, um eine Verabschiedung des Haushalts in Höhe von 3 Milliarden Pen und der wichtigsten Regierungsvorlagen zu ermöglichen. Das Kabinett wollte unbedingt eine vorzeitige Auflösung und damit notwendig werdende kaiserliche Notverordnungen zur Inkraftsetzung des Haushaltes verhindern und verlängerte deshalb auf Druck der Parteien die Tagungsdauer um etwa zwei Wochen, obwohl die gesetzliche Tagungsdauer des Reichstages drei Monate beträgt. Nachdem jedoch am Dienstag die Parteien fast in der Form eines Ultimatums eine neue Verlängerung forderten und hiervon die Verabschiedung wichtiger Vorlagen, darunter der Gesetze über Wirtschaftskontrolle, Agrarreform, des Wahlgesetzes und des Gesetzes zur Sicherung des Militärgeheimnisses, abhängig machten, bestanden Heer und Marine auf der Auflösung. Politische Kreise betonen, daß die Parteien die ernste Lage vollkommen verkannt und anscheinend geglaubt hätten, die Nachgiebigkeit des Kabinetts zur Stärkung ihrer Parteipolitik ausnutzen und die geplante Staatsreform verhindern zu können, die den wachsenden Einfluß der englisch. Sein natürlicher Charme und seine Freundlichkeit würden ihm während seines Londoner Besuches eine allgemeine Volkstümlichkeit sichern. Oer japanische Krönungsgejandte. London, 31. März. (DNB.) In Vancouver in Kanada traf der Br u d e r des japanischen Kaisers, Prinz T s ch i t s ch i b u , ein, der sich nach London zur Teilnahme an den Krönungsfeierlichkeiten begibt. D'er Prinz wird König Georg VI. den Chrysanthemen-Orden überreichen. Der Chrysanthemen-Orden 1. Klasse wurde bisher nur vom japanischen Kaiser selbst sowie von dem Fürsten Manin, dem ältesten Feldmarschall der japanischen Armee getragen. Königin Elisabeth wird die erste Klasse des Ordens der Heiligen Krone erhalten, eine Auszeichnung, die nur von einigen javanischen Prinzessinnen getragen wird. Prinz Tschitschibu erklärte, daß die Beziehungen zwischen England und Japan seit jeher äußerst herzlich seien. Er sei der Ueberzeugung, daß sie in Zukunft noch freundschaftlicher gestaltet würden. Tm= pit | her r)r i= PW nein nicht Parteipolitik auf die Staatspolitik unterbinden soll. Die unter der Oberfläche schlummernde Regierungskrise sei durch den vom Kabinett Hayaschi angebahnten Waffenstillstand mit den Parteien nicht zu beheben. Die gegenwärtige Krisenzeit könne nur durch eine starke, also von parteipolitischen Einflüssen unabhängige Regierung überwunden werden. Freilich sei zweifelhaft, ob das Kabinett in seiner jetzigen Zusammensetzung stark genug sei gegen die Parteien, die schon vom Kabinett Hirota geforderte Staatsform durchzusetzen. Anterrichtete kreise meinen, daß Neuwahlen nach dem geltenden Wahlgesetz bestenfalls eine Stärkung der Gegengruppen ergeben werden. Entscheidende Aenderungen werde das Parlament in seiner bisherigen Zusammensetzung nicht erfahren. Es wird deshalb behauptet, daß die Regierung entschlossen sei, von sich aus in den Wahl- , kampf einzugreifen und noch im letzten Augenblick den Versuch zu machen, mit Hilfe des Militärs und nationalistischer Gruppen eine neue Regierungspartei ins Leben zu rufen. Aller- dinas, heißt es, fei der Erfolg zu bezweifeln, selbst wenn die neue Partei durch Teile der alten Parteien (Minseito, Seiyukai, kokumin) unterstützt würde. Die Regierungskrise sei höchstens aufgeschoben. Die einzige Lösung fei, daß das Kabinett hayaschi z u r ü ck t r e t e und daß die für die Ernennung des neuen Ministerpräsidenten entscheidenden Kreise in der Umgebung der Krone die Bildung eines unabhängigen Kabinetts ermöglichten, das über genügende Entschlossenheit und Rückhalt im Staat verfüge, um die so oft geforderte starke und unabhängige Staatspolitik durchzusehen. B u k a r e st, 30. März. (DNB.) König Carol empfing den Ministerpräsidenten und den Außenminister in gemeinsamer Audienz. Es handelte sich offensichtlich um die Festlegung des Standpunktes, den Rumänien bei der Belgrader Tagung der Kleinen Entente einnehmen soll. Der „Universul" erinnert an die Schwierigkeiten, die einer Einigung zwischen Jugoslawien und Italien im Wege standen und die dennoch "durch den politischen Weitblick und den Tatsachensinn Mussolinis überbrückt werden konnten. Das Blatt bedauert, daß nicht auch Rumänien, das keine Meinungsverschiedenheiten mit Italien hat, den gleichen Weg der Einigung beschreiten konnte. Mussolini selbst werde vielleicht die Möglichkeiten zu einem Abkommen auch et, können auch Paris und Prag gegen die tändigung Belgrad—Rom nichts 'einwenden. Rumänien und der Verlraa von Belgrad. rfopi ■"Unq |®e: I Dqz I ®c= Iw 13731 1'4,30 ■Win |Qren: Feine, ptiict I einer Ivliikk I von pabb I unb 1904 Lieh [W [mine offen eben, Zielt. ’• Die leinen I) auf 'nkops ZwischenRomantiklindWellreich Bon unserem tbg.-Berichterstatter. London, (£ni)e März 1937. Der Tod Sir Au st en Chamberlains hat der deutschen Presse Gelegenheit gegeben, das Wesen dieses Staatsmannes ausführlich zu schildern, er veranlaßt uns auch, ihn noch /inmal als geschichtliches Phänomen in den größeren Zusammenhang der englischen Kontinentalpolitik zu stellen. Sir Austen, dessen Tod von England mit einer gewissen Höflichkeit und kühlen Reserviertheit bedauert wird, war keine so überragende staatsmännische Persönlichkeit, als daß sein Leben und seine Leistung über seinen plötzlichen Tod hinaus wirken könnten. Niemals wird sein Charakterbild in der Geschichte schwanken, weil er auch im Leben selbst — anders als sein Vater Joseph — niemals um ft ritten war. Ein Lloyd George läßt sich aus dem Zeitbild Englands, ja Europas nicht Hinwegdenken, selbst vielleicht ein Winston Churchill nicht. Aber dieser ehemalige Schatzkanzler, als der er wohl sein Bestes geleistet hat, und Außenminister wird still in die Reihe jener durchschnittlich begabten und wohlerzogenen parlamentarischen Beamten zurücktreten, mit der das in die herrschende Schicht einrückende Bürgertum England versorgt hat und noch versorgt. Was uns in diesem Zusammenhang an Sir Austen von Belang ist — denn wir gedenken keinerlei Biographie zu schreiben —, ist nicht sein Leben, das Durchschnittsleben eines für die Politik erzogenen Puritaners aus Birmingham, auch nicht seine mehr in der äußeren Erscheinung als im inneren Wesen ausgeprägte Persönlichkeit, sondern sein Typus als Ausdruck einer Generation, die vor dem Weltkriege halb in die feindliche Koalition gegen Deutschland hineinstrauchelte, halb sich ihr aus Ueberzeugung anschloß und für ihre Bildung mit allen Kräften wirkte, im Weltkrieg mit britischer Zähigkeit den Kampf durchstand und nach Versailles mühselig zu kleben und zu kitten versuchte, was im Siegesrausch zerschlagen wurde. Locarno, an dem Chamberlain eigentlich gegen seinen Willen mitwirkte, war ein solcher Versuch, das gerissene Europa zusammenzuflicken. Es wäre billig, Sir Austen Chamberlain auf seinen bekannten Ausspruch, er liebe Frankreich wie eine schöne Frau, festzunageln. Diese mehr als platonische Liebe teilte er mit manchen anderen, wie denn ja die Frankophilie in bestimmten Kreisen auch heute noch zum guten Ton gehört. Man wird dieses Phänomen der Frankreichliebe in den Zusammenhang der Generationen stellen müssen, um es zu begreifen. Man wird dabei aber auch nicht übersetzen dürfen, daß es sich bei Männern wie Sir Austen um den Ausdruck eines soziologischen und erzieherischen Problems handelt. Wir wissen, daß der Neuschöpfer des britischen Imperialismus, Sir Austens Vater, Joseph Chamberlain, nicht nur aus nüchterner Erkenntnis der politischen Möglichkeiten heraus einen bündnisähnlichen Zusammenschluß zwischen Deutschland und England anstrebte. Joe Chamberlain gehörte einer Generation an, die durch kulturelle und geistige Ueberlieferung eng mit Deutschland verbunden war, für die noch — um nur ein Beispiel zu nennen — die Rheinreise den Vorrang hatte vor einem Aufenhalt an der französischen Riviera. Ein typischer Vertreter jener Generation war zum Beispiel Lord Haldane, der in Göttingen studiert hatte und der Weimar zu seinen geistigen Heimatstätten zählte. Wenn man den Ursachen dieser kulturellen Verbundenheit zwischen Deutschland und England nachgeht, so stößt man auf geschichtliche Überlieferungen, die unseres Wissens auch von der zünftigen Wissenschaft nicht genügend beachtet und gewürdigt wurden. Die hannoverschen Könige, deren Bedeutung gewiß nicht überschätzt werden soll, haben nur langsam, ja, fast möchte man sagen, mühselig, ihr Deutschtum abgestreift und verloren. (Als vor einigen Jahren in einer der typischen Revuen ein "Abriß" britischer Geschichte auf den Brettern, die die Welt bedeuten, gegeben wurde, ließ man Georg IV. auftreten und seufzend erklären: „Ich wueiß nicht, wuas sol es bedoiten".) Die Heirat Viktorias mit dem Prinzen Ulbert von Coburg und umgekehrt die Ehe zwischen Kaiser Friedrich mit der Tochter Viktorias haben bann die Tendenz der kulturellen Verbundenheit noch verstärkt. Wir wissen sehr wohl, daß diese Tendenzen und Einflüsse, die ja wiederum stark auf Deutschland zurückwirkten und gegen die Bismarck heftig ankämpfte, auf gegenseitigen Vorstellungen beruhten, die der politischen und wirtschaftlichen Wirklichkeit kaum standhielten. Noch für Haldane und Joe Chamberlain war Deutschland ein Land der Romantik, das nur langsam in den Industrialismus und Kapitalismus hineinwuchs. Und umgekehrt gab man sich in Deutschland nicht Rechenschaft darüber, daß das England von 1890 nicht mehr das England Cobdens und des übersteigerten Manchestertums war, sondern ein Reich, das unter Disraeli die Hüllen des Liberalismus abzustreifen begann und in einen großräumigen Imperialismus hineinwuchs. Mit diesem gegenseitigen Mißverständnis bekam die gegenseitige kulturelle Verbundenheit, die nun lU't Zwei Jahrhunderte währte, ihren ersten Riß. Politische Fehler und Mißgriffe auf deutscher wie auf englischer Seite haben dann den Schaden immer mehr vergrößert. In die geistige Kluft — von der politischen ganz zu schweigen — schob sich dann die großzügige französische Ä u 11 u r Propaganda. Um gerecht und historisch richtig zu ur= < mnn Vilich nicht übersehen, daß das Deutjchland des ausgehenden 19. Jahrhunderts Eng- lanö nicht allzu viel zu bieten hatte, nicht einmal 1° ^1, daß es etwa den Vergleich mit den fraiv i r|d)ein. , außei (mittags unb Feiertag- etlagen Die 3Ilu|tricrt» ieyenei Familienblätter elmatim Bild Dieücholl» monats=Be$ugspretS; 4 Beilagen NM Ltib Oie Parteienkrisis in Japan. Auflösung des Reichstags. — Um eine unabhängige Staatsgewalt. mit Rumänien und der gesamten Kleinen Entente finden. Oer Annunziatenorden für den jugoslawischen Prinzregenten. Belgrad, 30. März. (DNB.) Die Blätter veröffentlichen den Wortlaut eines vomKönig von Italien, Kaiser von Aethiopien, an den jugoslawischen Prinzregenten Paul gerichteten Telegramms, in welchem dieser dem Prinzregenten mit den herzlichsten Worten den höchsten italienischen Orden, den Annunziaten-Orden, verleiht. Der König und Kaiser bittet den Prinzregenten, diese Auszeichnung als Ausdruck der aufrichtigen Freundschaft anzusehen, die ihn mit dem Prinzregenten, mit dessen Familie sowie mit Jugoslawien verbinde. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8V.UHr des Dormitlags Grundpreise für \ mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschnsl nacy Dort) Bereinbg. 25°/„ mehr. Ermähtgle Grundpreise: General-Anzeiger für Sberheffen Postscheckkonto: . behördliche Anzeigen 6Rpf. Frankfurt am Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfttätsvuch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7 Mengenabschlüsse Staffel 8 Oer Adriapakt. Bon unserem Or. H -Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Belgrad, März 1937. Der jugoslawische Ministerpräsident Dr. S t o - ftdinowitsch und der italienische Außenrnini- flir Graf Ciano stellten auf dem großen Pressempfang, der dem Abschluß der neuen jugoslawisch- iiclienischen Verträge folgte, übereinstimmend fest, big diese eine neue Aera in den Beziehungen bir beiden Staaten einleiten würden. Die Wendung, bi? in diesen Beziehungen besonders seit der Mai- Mer Rede Mussolinis im November vorigen Jahns eintrat, ist unverkennbar und einschneidend. Der abgeschlossene politische Vertrag zwischen Italien unb Jugoslawien geht auf ein italienisches Angebot «rück, das vor einigen Wochen erfolgte. Die Veredlungen über das Zustandekommen des Ver- higes wurden so streng geheim geführt — Ciano si bst sagte, daß über ihre Einzelheiten nur Dr. Lkojadinowitsch, Mussolini und er selbst unterrichte gewesen seien — daß die plötzliche Ankündigung bs Eintreffens Cianos in Belgrad nichtunterrichtete greife überraschte. Graf Ciano hätte auf Grund der rstprünglichen Absichten erst im April auf der durchreise nach Ankara Belgrad besuchen sollen, tus einem Aufenthalt auf der Durchreise wurde tn großer Staatsbesuch, bei dem außerdem auffiel, tiß er — vielleicht nicht ohne Absicht — vor die tnfang April hier stattfindende Konferenz der kleinen Entente und den darauf folgenden kesuch Benesch's gelegt wurde. Das Ergeb- 15 dieses Staatsbesuchs sind zwei wichtige Vertage: ein politischer und ein wirtschaftlicher. Die beiden Verträge sollen, wie Graf Ciano nach tret Unterfertigung ausführte, nur einen Aus- angspunkt darstellen, eine „Grundlage, auf tr die beiden Staaten in Zukunft ihre guten nachbarlichen Beziehungen ausbauen werden . Sie sind Ich als Ausgangspunkt bedeutsam genug, um sie tls eines der wichtigsten europäischen Ereignisse zu taratterifieren. Das politische Abkommen zwischen Jugoslawien und Italien enthält eine gegenseitige Grenggarantie , mit der Bestimmung, daß be beiden Vertragsteile für den Fall eines nicht povozierten Angriffs verpflichtet sind, sich jeder Aktion zu enthalten, die dem Angreifer von Nutzen fin könnte. Weiter enthält dieses Abkommen eine Keratungsklausel, eine Bestimmung über den kriegsverzicht, sowie die gegenseitige Verpflichtung ter beiden Dertragsteile, auf ihren Gebieten keinerlei Tätigkeit zu dulden, die gegen die Interessen iss anderen Teiles gerichtet sein könnte. Diese Be- fimmung trifft die jugoslawischen Emigran - len, die früher in Italien Zuflucht gesucht und ivn dort ihre Tätigkeit gegen den jugoslawischen Staat entfaltet hatten. Für Jugoslawien ist auch icn besonderer Bedeutung die zwar nicht in das politische Abkommen aufgenommene, aber gleichzeitig mit seiner Unterfertigung erfolgte Regelung gewisser Fragen der jugoslawischen Minderheit in der sogenannten Julischen Mark in Italien. Italien hat damit auch den Bestand dieser iber eine halbe Million zählenden Minderheiten imtlich anerkannt. Die Regelung dieser Frage ist cuch deshalb wichtig, weil sie bisher häufig zu Schwierigkeiten in den italienisch-jugoslawischen Bestehungen führte. Das politische Abkommen findet feine natürliche Ergänzung in dem gleichzeitig abgeschlossenen Wirtschaftsvertrag, durch den die jugosla- «isch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen aktiviert Md ausgebaut werden sollen. Dieser Wirtschaftsvertrag, dessen Geltungsdauer von der des Politiken Abkommens abhängig gemacht wird, trägt auch tonft unverkennbar politische Züge. Diese sind in t»en Bestimmungen enthalten, durch die Italien Jugoslawien praktisch dieselben Vergünstigungen einräumt, die es Oesterreich und Ungarn auf Grund der römischen Protokolle gewährt hat, weiter in der Bestimmung, daß dieser Wirtschaftsvertrag nur die Grundlage für eine brei- :ere wirtschaftliche Zusammenarbeit darstellen soll, ,ber die Form eines engeren Regionalabkommens erhalten kann". Für Jugoslawien ist auf Grund dieses Vertrages von sofortiger praktischer Bedeutung die italienischerseits eingeräumte E r - Höhung der jugoslawischen Ausfuhr- kontingente, die verdoppelt werden sollen. Wenn man angesichts dieser italienischen Zugeständnisse auch nach dem Nutzen fragt, Den Italic n von diesen Verträgen hat, so ergibt dieser sich offenbar auf rein politischem Gebiet: Italien braucht angesichts des noch immer vorhandenen, ja sogar noch stärker werdenden Gegensatzes zu England im Mittelmeer Rückenfreiheit in der Adria, die es durch das politische Abkommen mit Jugoslawien erhalten hat. Zwischen Jugoslawien und Italien wurde schon im Jahre 1924 ein Freundschafts- Dertrag abgeschlossen, der allerdings bei Ablauf Nicht erneuert wurde Die Lage, in der Jugoslawien wnd Italien jetzt ihre neuen Abmachungen trafen, weist gewisse Ähnlichkeit mit der von 1924 auf: lie wurde damals, wie heute beherrscht von den Iranzösischer- und tschechoslowakischerseits ausgehenden Bestrebungen, Jugoslawien in engere Verpflichtungen innerhalb des Bündnissystems dieser beiden Staaten einzubeziehen. Der Abschluß der jetzigen politischen Abmachungen mit Italien löst gegenüber Jugoslawien sowohl in Paris als auch in Prag gewisse Verstimmungen aus. Man glaubt dort wohl mit Recht, durch die Verständigung Belgrad—Rom würden die Hoffnungen endgültig zunichte gemacht werden, daß sich Jugoslawien in das von Paris und Prag vorgeschlagene Bündnissystem einspannen lassen werde. Jugoslawien hat dafür heute weniger Grund denn IG> ganz abgesehen davon, daß es den Grundsätzen 1.80 -.25 zösischen Impressionisten aushalten könnte. Hinzu trat als weitere wichtige Erscheinung die Tatsache, daß jedenfalls in der Vorstellung der Engländer Frankreich die „romantische" Rolle Deutschlands einzunehmen begann. In dieser Zeit der Wandlung, die wir nur andeuten konnten, entfaltete sich Austen Chamberlains politische Karriere. Der Gegensatz der Generationen war in England niemals so stark entwickelt wie in Deutschland. Dennoch darf man vermuten, daß sich die Wandlung der Zeit und ihrer Vorstellungen auch im politischen Urteil Chamberlains niederschlug. Er wurde frankophil, weil es Mode wurde, frankophil zu sein. Mode hier in einem umfassenden Sinn verstanden. Die Linie dieser Entwicklung bis zur Gegenwart weiterzuziehen, wird unseren Lesern nicht schwer fallen. Groh-Hamburg. Inkrafttreten des neuen Gesetzes. Berlin, 30. März (DNB.) Am 1.April tritt das Gesetz Groß-Hamburg in Kraft. Reichsminister des Innern Dr. Frick erklärte einem Vertreter der Berliner Morgenpost u. a.: Eine starke Zentralgewalt des Reiches allein hat auch die Neuordnung im Gebiet der Niederelbe ermöglicht. Bisher umfaßte der Hamburger Hafen- komplex vier verschiedene Hafenteile, den Hafen von Hamburg, den Hafen von Altona, den Hafen des preußischen Staates in Harburg-Wilhelmsburg und die hamburgisch-preußische Hafengemeinschaft, so daß vier verschiedene Stellen mit der Hafenver- waltung, der Instandhaltung und den Neubauten der Häfen usw. sich befassen mußten, was natürlich eine einheitliche Planung geradezu unmöglich machte. Aber auch die Verwaltung der im Stromspaltungsgebiet der Elbe gelegenen Gemeinden entbehrte einer einheitlichen Spitze, was sich besonders sichtlich in städtebaulicher Hinsicht auswirkte. Mit dem Gesetz über Groß-Hamburg wird das hoheitliche, verwaltungsmäßige, verkehrspolitische, städtebauliche und wirtschaftliche Durcheinander in diesem staats- und volkspolitisch wichtigen Gebiet endgültig beseitigt. Die Bahn für die weitere wirtschaftliche Entfaltung des Hamburger Hafens und der damit verbundenen Industrie ist endlich frei und die Schaffung ausreichender und gesunder Siedlungen für die Groß-Hamburger Bevölkerung ermöglicht. Zum 1. April 1937 wird der Wirtschaftsraum im Stromspaltungsgebiet der Elbe zu einem einheitlichen Land zusammengefaßt. Spätestens zum 1. April 1938 werden die gesamten in diesem Raum gelegenen bisher hamburgischen und preußischen Gebiete auch ein einheitliches Gemeinwesen, eine einzige Stadtverwaltung bilden. Damit wird auch die kulturelle Arbeit, ferner die parteipolitische und die wirtschaftspolitische Gliederung, die bisher von verschiedenen Gauleitungen und Wirtschaftskammern betreut wurde, eine einheitliche Arbeitsgrundlage im Gaugebiet Groß-Hamburg erhalten. Hamburg, dessen Einwohnerzahl von 1 218 000 auf 1 678 000 und dessen Gebiet von 415 auf 746 Quadratkilometer steigt, wird ein Selbstverwaltungskörper mit starker Eigenart werden, insofern, als es neben den großstädtischen Mittelpunkten weite Landgebiete in sich schließt. So sehr im Interesse von Groß- Hamburg die großen, das Gesamtgebiet berührenden Fragen einheitlich ausgerichtet und zentral entschieden werden müssen, so sehr bedarf die Frage einer bezirklich gegliederten Verwaltung, nach dem Muster von Groß-Berlin, sorgfältiger Prüfung. Dadurch konnte vor allem eine kräftigere ehrenamtliche Mitwirkung der Bürgerschaft in den einzelnen Bezirken der Gemeindeverwaltung erzielt, und von unten ambauenb, das Gemeinschaftsgefühl in der Bürgerschaft gestärkt werden, daß es ihre Stadt ist, an deren Geschick sie mitwirkt. ©er Weg zum Facharbeiter. Es war ein Grund übel der Sozialpolitik im marxistischen Zwischenreich, daß die deutsche Jugend nicht dazu angehalten wurde, eine richtige B e - rufswahl vorzunehmen und etwas ordentliches zu lernen. An dieser Unterlassungssünde haben wir noch heute zu leiden, was sich 'besonders bei der Durchführung des Vierjahresplanes bemerkbar macht. Denn der Mangel anFacharbeitern ist eines der ernstesten Probleme, die die nationalsozialistische Regierung zu lösen hat. Den unae- lernten Arbeiter, der wegen seiner unsicheren Lebensstellung früher ein beliebtes Agitationsobjekt der II. und III. Internationale war, darf es künftig in Deutschland überhaupt nicht mehr geben. Seit '1933 ist demgemäß das Ausbildungssystem in den handarbeitenden Berufen völlig geändert worden. Durch den Ausbau der Berufsberatung hat sich denn auch eine sehr erfreuliche Entwicklung in der Lehrlingshaltung angebahnt, die, wie der Referent der Reichsanstalt für die Berufsberatung Dr. Handrick mitteilt, heute bereits in einigen Bezirken dazu geführt hat, daß die einheimischen Jugendlichen zur Besetzung der Lehrstellen nicht einmal mehr ausreichen. Es hat sich also eine völlige Umkehr vollzogen. Während es früher an Lehrstellen mangelte, fehlt es heute teilweise schon an jungen Menschen, die die (ingebotenen Lehrstellen besetzen sollen. Dafür tauchen jetzt ganz neue Probleme auf, denn es hat sich gezeigt, daß die schulischen Lei st ungen und fertig Leiten der Jugendlichen oft nicht den Ansprüchen genügen, die an einen hochqualifizierten Facharbeiternachwuchs gestellt werden müssen. Das Prinzip der A u s l e s e und der richtigen Berufslenkung beginnt also auch hier, die rein zahlenmäßige Arbeitsplatzfrage abzulösen. Dr. Handrick fordert dementsprechend, daß die beiden letzten Volksschuljahre möglichst uneingeschränkt der Ausbildung der Jugend in Kulturtech- nifen und der Aneignung des elementaren Wissens gewidmet werden. Diese Forderung besagt im wesentlichen nichts anderes, als was Dr. Ley bereits im vorigen Jahr mit der Ankündigung des soge- nannten Robinson-Jahres erzielen wollte. Die Ausrichtung der inneren Schularbeit nach den Bedürfnissen des Staates tritt also auch hier als sozialpolitische Aufgabe in Erscheinung, wie sie in der kürzlichen Reform der höheren Schulen als na- twnalpolitische Forderung im weiteren Sinne ihren Ausdruck gefunden hat. Ev Ernennung zum Reserveoffizier. Der R e i ch s k r i e g s m i n i st e r und Oberbefehlshaber der Wehrmacht weist in einem Erlaß darauf hin, daß keine Bedenken bestehen, Referendare aller Verwaltungszweige, die Reserveoffiziersanwärter find, zum Reserveoffizier vorzuschlagen, obwohl sie als Beamte noch kein festes Einkommen haben und deswegen wirtschaftlich noch nicht selbständig sind. In welchem Alter wird geheiratet? Don Berufen, Frühehen und Kmderfege». Durch ihre zielbewußte Bevölkerungspolitik hat die nationalsozialistische Staatsführung dafür Sorge getragen, daß die Eheschließungen eine wesentliche Förderung erfahren. Dies ist umso notwendiger, als in früheren Jahren die Eheschließungen und damit die Geburten in steigendem Maße zurückgegangen sind. Es gilt jetzt natürlich auch noch, alle Anstrengungen zu machen, um diese für das Volksganze bedrohliche Entwicklung aufzuhalten und dafür Sorge zu tragen, daß der Wille zur Eheschließung und der Wille zum Kind noch viel mehr als bisher Gemeingut aller schaffenden Deutschen wird. Es liegt auf der Hand, daß die bevölkerungspolitische Entwicklung eines Volkes in untrennbarem Zusammenhang mit dem Zeitpunkt der Eheschließung steht. Wird eine Ehe in früheren Jahren, beifpielsweise bei einem Alter der Ehepartner von etwa 25 Jahren eingegangen, so ist es nur natürlich, daß aus dieser Ehe, selbstverständlich unter Voraussetzung der Kinder fr eudigkeit, mehr Kinder hervorgehen, als wenn die Ehepartner acht ober zehn Jahre älter sind. Daß dies keine theoretischen Betrachtungen sind, wirb zur Genüge baburch erhellt, daß die Ehen der handarbeitenden Volksgenossen, in erster Linie also der Arbeiter und der Bauern, bedeutend kinderreicher sind als die anderer Berufe. Vier, fünf und noch mehr Kinder sind dort durchaus keine Seltenheit, während wir im Verhältnis dazu nur wenige Ehen akademisch gebildeter Kreise finden, in denen eine solche Kinderzahl erreicht wird. So können wir also mit gutem Recht erklären, daß diejenigen Völker sich am kraftvollsten entwickeln, in denen das durchschnittliche Heiratsalter nicht zu hoch liegt. Grund genug also für den Staat, möglichst frühzeitige Eheschließungen zu fördern. Ein wie enger Zusammenhang zwischen Heiratsalter und Beruf besteht, das zeigt eine aufschlußreiche Veröffentlichung des Statistischen Reichsamtes, welche soeben erschienen ist. Aus dieser Zahlenzusammenstellung, die wir weiter unten veröffentlichen, lassen sich wichtige Schlüsse auf die Berufsausbildung ziehen, die von wesentlicher Bedeutung für das Heiratsalter ist. In starker Ueber- einftimmung werden die Voraussetzungen für eine Heirat erst dann als gegeben angesehen, wenn der Mann sich in einer wirtschaftlich sicheren Stellung befindet. Diese wirtschaftliche Sicherung tritt nun aber bei fast allen Berufen, die eine akademische Vorbildung erfordern, erst nach einem Zeitabschnitt von fünf bis zehn Jahren ein, so daß gerade Angehörige dieser Berufe erst verhältnismäßig spät sich zur Eingehung einer Ehe entschließen können. Daß diese Umstände unserer Staatsführung schon seit langem ein Grund dafür sind, Erwägungen darüber anzustellen, in einer Reihe von Berufen die Ausbildungszeit nach Möglichkeit herabzufetzen, ist bekannt. Die nachstehende Statistik, welche im Jahre 1934 für Berlin und die Provinz Brandenburg aufgestellt ist, in einer Zeit also, in der die Ehestandsdarlehen die Frühehen ganz besonders förderten (die Frühehe war im Jahre 1934 um zwei Drittel häufiger als 1932 und doppelt so häufig wie in der Vorkriegszeit), gewährt einen aufschlußreichen Ueber- blick über das Verhältnis zwischen Beruf und Heiratsalter. Von 100 aus dem ledigen Stande heiratenden Männern untenstehender Berufsgruppen waren unter Berufsgruppe 23 Jahre alt: 30 32 35 40 25 28 Arbeiter 18,0 41,2 70,4 82,8 90,3 95,7 98,5 Angestellte 7,9 22,5 52,5 68,8 80,1 90,2 963 Selbständige in Handwerk, Industrie, Handel usw. 7,1 21,0 48,3 65,7 76,6 87,2 94,3 Selbständige Landwirte 5,4 15,0 39,9 58,5 74,2 88,9 96,8 Mittlere und untere Beamte 3,6 12,8 46,7 63,1 74,2 85,7 94,0 Lehrer an Volks- und Mittelschulen 1,5 5,2 19,0 35,5 56,0 80,2 91,4 Akademische Berufe 1,6 4,9 26,3 45,7 61,3 78,5 89,3 darunter Geistliche _ 3,5 43,0 64,0 76,8 88,4 94,2 Studienräte — 2,1 27,7 52,5 63,8 76,6 86,5 Aerzte — 1,2 24,8 41,7 55,5 78,0 89,0 Apotheker — 6,0 28,9 42,2 50,6 73,5 80,7 Rechtsanwälte .— 3,2 20,0 39,0 54,7 73,7 85,3 Höhere Beamte * — 2,0 19,9 42,7 61,0 76,1 87,5 Mit eindringlicher Deutlichkeit geht aus der vorstehenden Statistik hervor, daß die Frühehe bei den Arbeitern viel häufiger als bei den Volksschichten ist, bei denen eine langjährige Berufsausbildung vorausgeht. Schon bei den Angestellten ergibt sich ein völlig anderes Bild, hier heiraten nur 7,9 v. H. im Alter von unter 23 Jahren, während bei den Arbeitern der Hundertsatz 2,5mal so groß ist. Etwa die gleiche Lage wie bei den Angestellten zeigt sich bei den Selbständigen im Handwerk, Industrie und Handel, während schon bei den mittleren Landwirten der Hundertsatz der Frühehen erheblich abfinkt. In wie starkem Umfang d i e Ausbildungszeit bei den mittleren und unteren Beamten sowie bei den Lehrern an Volks- und Mittelschulen sich hemmend auf eine frühzeitige Eheschließung auswirkt, zeigen die entsprechenden Zahlen von 3,6 v. H. und 1,5 v. H., welche auch bei der nächst höheren Altersstufe von 25 Jahren noch erheblich hinter dem Stand der anderen Berufe Zurückbleiben. Gerade bei den letztgenannten Berufen, die einen außerordentlich starken Hundertsatz der Bevölkerung stellen, wäre die Frage einer Herabsetzung der Berufsausbildung besonders in Erwägung zu ziehen. Besonders kraß jedoch tritt die Tatsache der Spätehe bei den akademischen Berufen in Erscheinung. Nur 1,6 v. H. gegenüber 18 v. H. bei den Arbeitern ist es möglich gewesen, vor dem 23. Lebensjahr eine Ehe zu schließen. Geistliche, Studienräte, Aerzte, Apotheker, Rechtsanwälte und höhere Beamte, welche vor dem 23. Lebensjahr heirateten, gab es überhaupt nicht. Auch bei der nächsten Altersgruppe ändert sich das Bild nicht wesentlich, wenn man die anderen Berufe daneben hält. Mit am günstigsten schneiden noch die Apotheker ab, bei denen die Ausbildungszeit verhältnismäßig kurz ist, und bereits an zweiter Stelle sind die Geistlichen zu nennen, für die die Berufsaussichten sowie die Möglichkeiten einer festen Anstellung in den letzten Jahren recht gut gewesen sind. Aufschlußreiche Rückschlüsse ergeben sich bei den übrigen akademischen Berufen. Der Rechtsanwal t hat immerhin die Möglichkeit, nach dem zweiten Staatsexamen sich sogleich niederzulassen, während bei den Studienräten sowie bei den höheren Beamten nach Ablegung des zweiten Staatsexamens meist noch eine geraume Zeit bis zur festen Uebernahme in den öffentlichen Dienst vergeht. Am ungünstigsten schließlich ist das Bild bei den Aerzten, welche nach dem zweiten Staatsexamen besonders lange in Kliniken usw. praktizieren müssen, ehe sie an die Gründung einer eigenen Existenz denken können. Mit Ausnahme der Arbeiterschaft ist also, wie die vorstehenden Ausführungen mit aller Deutlichkeit zeigen, die Frühehe eine seltene Erscheinung. Die Verhältnisse, die im Jahre 1934 in Berlin und der Mark Brandenburg bestanden, wird man mit geringen Schwankungen als für das ganze Reichsgebiet gültig ansehen können. Die zahlreichen in den letzten Jahren nachgeholten Eheschließungen der über Dreißigjährigen haben naturgemäß eine Erhöhung des Durchschnittsalters zur Folge gehabt. In den kommenden Jahren wird man infolge der günstigeren wirtschaftlicheren Verhältnisse mit einer Senkung des Heiratsalters rechnen können, allerdings wird, wie das Statistische Reichsamt feststellt, die Arbeitsdienst- und Wehrpflicht sich auch in einer beträchtlichen Abnahme der Frühehen auswirken. Aus diesen Darlegungen geht hervor, daß Mittel und Wege gefunden werden müssen, um bei den Berufen, ‘bei denen das Heiratsalter besonders hoch liegt, durch Abkürzung der Berufsausbildung obcr, wenn das nicht geht, durch wirtfchaftlichcBcsserstellung schon währe nd der Ausbildungszeit die Möglichkeiten zu einer früheren Eheschließung zu schaffen. Wa. „Arriba Espana!" Oie Volksbewegung der spanischen Falange. Don unserem nd.-Korrespondenien. Salamanca, im März 1937. „Unser Platz ist draußen unter freiem Himmel, in den klaren Nächten, Gewehr bei Fuß und über uns die Sterne. Laßt doch die anderen feiern und bei schmutzigen Banketten den Tag zerreden. Wir sind auf der Wacht, in froher Erwartung harren wir der Zukunft Morgenröte." Mit diesen Worten schloß am 29. Oktober 1933 im Teatro Comedia in Madrid der junge Jose Antonio P r i m o d e R i - v e r a eine Versammlung, die zur Geburtsstunde der spanischen Falange wurde. Drei Jahre später hat sich diese prophetische Botschaft erfüllt. Die'Geschichte der spanischen Falange in den ersten drei Jahren ihres Bestehens ist eine einzige Kette von Unterdrückungen. Immer wieder mußten die Führer, allen voran der junge Primo de Rivera, in die Gefängnisse, erduldeten die Anhänger der Bewegung vor allem aus Arbeiterkreisen, die unter schärfstem Terror der anarchistischen und kommunistischen Gewerkschaften standen, schwerste Mißhandlungen. Gegen den „Anarcho-Syndika- l i 5 m u s", das sind die anarchistischen Gewerkschaften, stellt die Falange ihren National-Syn- dikalismus, die nationalen Gewerkschaften. Auch ihre Farben Schwarz-Rot entlehnt die Falange von links, es find die Farben des Anarchismus und des Kommunismus in einer Flagge, zu denen als Jnsignium spanischer geschichtlicher Größe das durch ein Joch zusammengehaltene Bündel der fünf Pfeile der „Reyes cato- licos“, der alten Könige von Aragon, tritt. Der Kampfruf der Falange aber wird: „Una Espana! Grande Espana! Libre Espana!“ „Spanien, groß, einig und frei!" Als der 18. Juli 1936 anbrach, befanden sich in allen Landesteilen Führer und Elite der Gefolgschaft in den Gefqngnissen. Wo die Erhebung der Offizierkorps durchschlug, wurden sie sofort befreit und konnten die politische Arbeit aufnehmen. Wo die Bolschewisten die Oberhand gewannen, hat man sie zu Tausenden erschossen. Es wird befürchtet, daß auch der Gründer und Führer im Kerker von Alicante dieses Ende fand. Die Bewegung erfaßt heute rund zwei Millionen Menschen. Von diesen gehört etwa eine halbe Million den Arbeitersyndikaten an, 200 000 bis 250 000 bilden die „Primera linea“, der waffentragenden Freiwilligen, an den Fronten des Bürgerkrieges, die übrigen gehören der Miliz an, die alle diejenigen umfaßt, die aus irgendeinem Grunde nicht aktiven Waffendienst leisten können, der Bewegung aber an ihren Wohnorten zur Verfügung stehen. Die „Falange femenina“ ist mit 80 000 jungen Mädchen und Frauen in der Mitgliederzahl vertreten und weitere 100 000 heißen „flechas“, das heißt „Pfeile", die Mitglieder der Jugendorganisation. Neben diesen Hauptgruppen bestehen nach einige kleinere Organisationen wie z. B. der „SEU“, der „Sindicato espanol universi- tario“, in dem die Studenten vertreten sind. Die höchste Spitze der Partei ist nach wie vor Don Joss Antonio Primo de Rivera, der heute totgeglaubte Gründer, der immer mehr zu einer legendären Gestalt wird. Um nun in der Abwesenheit des Führers die Führung als solche nicht in Frage zu stellen, wurde am 2. September letzten Jahres in Valladolid eine „Junta provisional de mando" gewählt, zu deren „Jefe" — das ist hier Führer — der einstige Werftarbeiter Don Manuel Hedilla Larrey, einer der ältesten Kämpfer und engsten Vertrauten Primo de Riveras, bestimmt wurde. Er ist heute die allein verantwortliche höchste Instanz der Falange Espanola. Die M i 1 i c i a s, die Aznar unter sich bat, sind militärische Formationen der Bewegung. Sie sind rein mi litärisch aufgebaut, Ihre unterste Ein, heit, die „Escuadra", umfaßt 11 Mann, 3 Escua, dras formen eine „Falange", 3 eine „Centuria", 3 Centurien eine „Bandera", und 3 Bandera; einen „Tercio". der mit etwa 900 bis 1000 Mann der Stärke eines Regiments entspricht. An bet Spitze einer jeden Einheit steht immer ein „Jefe", der den littet „Jefe de bandera" usw. führt. Von der „Falange" aufwärts hat jede Einheit eine Standarte mit den falangistischen Zeichen. Be, waffnet ist die Miliz im allgemeinen nur mit dem Gewehr: wo die Möglichkeit besteht, werden die Leute aber auch am Maschinengewehr und int Handgranatenwerfen ausgebildet. Neuerdings be, steht in Salamanca eine Schule für Milizoffiziere, wo Lehrer aus der Armee über Grundfragen der Taktik usw. unterrichten. Die Uniform der Falange- Miliz besteht im wesentlichen aus dem blauen Hemd und einem blauen Kävpi. Der Fronteinsatz der Miliz erfolgt ausschließlich nach den Anordnungen der Heeresleitung. Die falangistische Presse Spaniens umfaßt heute 46 Blätter, von denen die größten, wie „F. E." in Sevilla, Auflagen bis zu 60 000 Stück erreichen. Entsprechend ihrem Kampfcharakter lau« ten die Titel der Blätter. So gibt es in Pamvlona „Arriba Espana" (Hoch Spanien!), in San Sebastian „Unidad" (Einigkeit), in Toledo „Jmperio* (Imperium), ferner „Lucha" (Kampf), „Aguilas" (Adler), „Azul" (Die Blauen). ©er Führer und General Ludendorff. München, 30. März. (DNB.) Zur Beseitigung von Schwierigkeiten und Mißständen hat im Interesse des Volkes zwischen dem Führer und Reichskanzler Adolf Hiller und dem Feldherrn Ludendorff eine eingehende Aussprache stattgefunden, die auch das gewünschte Ergebnis erzielt hat. Der Feldherr brachte darauf zum Ausdruck, wie er die rettende Tat des Führers und Reichskanzlers, den Versailler Schänd- Pakt Punkt für Punkt zerrissen zu haben, begrüßt hat, vor allem die Tatsache, daß Volk und Staat wieder wehrhaft und Herr am Rhein find. Er sprach von seinem Wirken für die seelische Geschlossenheit des Volkes, um es zu ernsten Aufgaben zu befähigen. Der Führer und Reichskanzler sprach von feinen Erfahrungen und begrüßte es, daß das Dritte Reich und feine Wehrmacht nun wieder in vertrauensvoller persönlicher Fühlungnahme mit dem Feldherrn des Weltkrieges stünden, wie es einst das alte Heer im Weltkriege und die Kämpfer des 9. November 1923 taten. Oer Generalgouverneur von Kanada in Washington. Washington, 31. März. (DNB. Funkspr.) Der Kanadaer Generalgouverneur Lord Tweedsmuir traf Mittwoch zu einem zweitägigen offiziellen Besuch des Präsidenten Roosevelt in Washington ein, wo er mit allen militärischen Ehren empfangen wurde. Der Generalgouverneur erwiderte damit den Besuch Roosevelts in Kanada im vorigen Sommer. Am Donnerstag findet ein Stadtsbankett statt. Es handelt sich um den ersten Besuch eines kanadischen Generalgouver- neurs im Weißen Hause. Die Stellung Lord Tweedsmuirs als Vertreter der Krone scheinen Verhandlungen auszuschließen, doch hält die „New York Times" die bevorstehende britische Reichs« konferenz für das mögliche Gesprächsthema. >1, !lr?‘ ii«l' für llf fei’ ,eh ? wiirben i? K: &st. BW* Serin“! ,11# wd M Bi"““5’ i, niirbe “l)ne, 2* -rh°dl Serbrautfjei ' M besondere Wsvunkt des leis festgehc Mn Fallen i N festgehal Amhme har *te Pmsf Mftaner A polltllche Mjsen wirb, Als Folge hier m Brotpreis Koggen in s -cugerpreisen s nisse zurück übrigen Erzeu Wege vom ß ÜZerbefferungei ohne hierdurcl Haupt in M entsprechende gens zum B Maße. Ebenso ak nichts nutzen, Preisen das Preise für de als er zu du lachn bM. dem Erzm meisten übr 1933 entoii Gefahr eim genanba Ständige Preiserhöhung für Weizenmehl in London. London, 31. März. (DNB. Funkspruch.) Am Dienstag ist in London der Preis für Weizenmehl wiederum erhöht worden. Dies ist die sechste Preiserhöhung i m Laufe von drei Wochen. Darum dürfte auch sehr bald eine Brot- Preiserhöhung folgen. Im Augenblick ist das Brot in England schon verhältnismäßig teuer und kostet ebensoviel wie in den Kriegsjahren. Züdisch-bolschewistischer Waffenschmuggel. A m st e r b a m , 30. März. (DNB.) Wie der Tele- graaf meldet, wird von holländischen Behörden streng darüber gewacht, daß mit holländischen schiffen feine Waffen nach Spanien ge« bracht werden. Aus diesem Grunde sollen mit den Schiffen der Reederei van Driel, Rotterdam, dis bisher im großen Umfange den Waffenschmuggel nach Spanien durchführte, nur noch Lebensmittel befördert werden. Die Waffenschmuggler sollen die Bestimmungen dadurch umgehen, daß die bisher unter niederländischer Flagge fahrenden Schiffe unter d i e Flagge der Republik Panama gestellt werden. Dies fei kürzlich mit dem Dampfer „Anton" geschehen. Auch die Dampfer „Andra", „Tinga" und „Norma", die mit Holländern bemannt sind, befaßten sich nach wie vor mit Waffenschmuggel, ebenso der Dampfer „Norden" zu dessen Bemannung 20 Holländer mit Flugzeugen nach Kopenhagen entsandt wurden, und der unter ber französischen Flagge fährt. Alle diese Schiffe gehören dem jüdischcholschewistischen Waffenschmuggelkonzern an, in dem die Gebrüder Wolff und der Sowjetangestellte unsicherer Herkunft Petersen die führende Rolle spielen. Meine politische Nachrichten. Der Führer und Reichskanzler ernannte den bisherigen stellvertretenden Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Ministerialdirektor Dr. Dieck- hoff, zum Botschafter in Washington. * Der deutsche Kreuzer „Emde n" hat den Hasen von Alexandrien (Aegypten) wieder verlassen. Seit dem 10. Oktober befindet sich der Schulkreuzer unter dem Kommando von Kapitän zur See Lohmann auf einer mehrmonatigen AuSbildungsreise. * Norman H. Davis, der die Vereinigten Staaten auf der Welkz uckerkonferenz in London vertreten wird, ist in England eingetroffen. Amerika, so sagte er, sei bereit, an einer Herabsetzung der Zölle mitzuarbeiten und sich an Versuchen zu einer Rüstungsbeschränkung zu beteiligen. Jedoch scheine in Europa im Augenblick keine Neigung für eine Abrüstung zu bestehen. Wo rung zum £ der marktor standes ist di durch die U tontinge und landmir worben. Es reicht morde, Versorgung f, Falle aufgetr «in Zustand r Aufgabe des Sicherstellung Wissen Zwo Ablieferung oi Enial im V granms der d Gesichtspunkt ”?n Bierjahre ft Nflgg geh' Avggenpr« Jn der neuen »Preis , Maltes mehr S?" bchnl !*nprei|es' NN t ^räucher t ft di- Be ’S Ls I I ^e ä b« I beuH*"er pMe tzejss Run« ?iiV * NN kn N 2 Kanada er Vie der leit» i BeMen )olländrschen an'en ge-- len mit den tterdaw, seMinuW' i Lebens- tfS« ! W'Sl Nepubl" kürzlich M die Damp!» mit W* wie vor "? r >w' : Su®* herun 4 Alle diele Liflfiprt 2M* e GebB^ sicherer r0 ^3Cüq. 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Verantwortlich für den Inhalt' der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. II 37: 10 933 Drurf» unb Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-' und Stemdruckerei R Lange. K.-G., sämtlich in Hetzen Monotsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf mehr Einzelverkaufspreis 10 Pf und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom l.Juni 1935 gültig. Oer neue Roggenpreis. 23on Or von Haffelbach. ZdR Die Arbeit des Reichsnährstandes steht unter zwei entscheidenden Grundforderungen: Der Erzeugerschutz muß die unerläßlichen Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung und möglichst starke Steigerung der Erzeugung schaffen, der Verbraucherschutz muß dagegen auf der anderen Seite sicherstellen, daß die Erzeugnisse des deutschen Bodens auch in sozial-gerechter Weise dem Verbraucher zugeführt werden, d. h. daß sie zu Preisen auf den Markt kommen die in angemessenem Verhältnis zum Volkseinkommen stehen. Im Augenblick der Machtergreifung 1933 befand sich die deutsche Landwirtschaft vor dem vollständigen Zusammenbruch. Die Auswirkungen des liberalistischen Systems hatten die Preise für ihre Erzeugnisse dermaßen absinken lassen, daß sie in gar keinem Verhältnis mehr zu dem erforderlichen Betriebsaufwand standen. Trotzdem merkte der deutsche Verbraucher von diesem niedrigen Stand der Erzeugerpreise nur sehr wenig. Preisschwankungen nach oben wurden ihm grundsätzlich angekreidet, Rückschläge nach unten blieben jedoch in der Regel auf dem Wege vom Erzeuger zum Verbraucher vollkommen stecken. Die nationalsozialistische Ernährungswirtschaft hat zwar nach der Machtergreifung eine zum Teil wesentliche Aufbesserung der Erzeugnispreise des deutschen Bauern herbeigeführt, um damit die Grundlagen der Erzeugung zu sichern; sie hat aber auf der anderen Seite von vornherein dafür gesorgt, daß hierdurch die Verbraucherpreise möglichst wenig beeinträchtigt wurden. Sie hat darüber hinaus in der folgenden, mit zunehmender Erschwerung der Devisenlage ständig wachsenden Verknappung einzelner Lebensmittel grundsätzlich verhindert, daß die Preise für die wichtigsten Nahrungsmittel über die einmal als gerecht und für den Verbraucher tragbar erkannte Höhe hinaus st iegen. Wäre dies nicht geschehen, so würde ohne Zweifel der Preisstand für Nahrungsmittel in Deutschland heute wohl nahezu ausnahmslos erheblich über dem liegen, was der deutsche Verbraucher zur Zeit bezahlt. Mit besonderer Entschiedenheit ist unter dem Gesichtspunkt des Verbraucherschutzes der Brotpreis festgehalten worden. Dieser Preis ist in allen Fällen vollkommen unverändert auf dem Stand festgehalten worden, den er bei der Machtübernahme hatte, d. h. also zu einer Zeit, als der gesamte Preisstand für die Erzeugnisse der Landwirtschaft anerkannt unhaltbar niedrig war. Die große politische Bedeutung, die dem Brotpreis beigemessen wird, war für diese Haltung- entscheidend. Als Folge hiervon hat sich wieder ergeben, daß der vom Brotpreis abhängige Erzeugerpreis für Roggen in wachsendem Maße gegenüber den Erzeugerpreisen für andere landwirtschaftliche Erzeugnisse zurückblieb. Während bei den meisten übrigen Erzeugnissen durch Einsparungen auf dem Wege vom Erzeuger zum Verbraucher erhebliche Verbesserungen des Erzeugerpreises möglich waren, ohne hierdurch zunächst den Verbraucherpreis überhaupt in Mitleidenschaft zu ziehen, ergaben sich entsprechende Möglichkeiten auf dem Weg des Roggens zum Brotoerbraucher nur in sehr geringem Maße. Ebenso aber, wie hohe Preise dem Erzeuger nichts nutzen, wenn niemand da ist, der zu so hohen Preisen das Erzeugte kaufen kann, so sind niedrige Preise für den Verbraucher nur solange von Wert, als er zu diesen niedrigen Preisen auch tatsächlich in genügender Menge die gewünschten Erzeugnisse kaufen kann. Das Mißverhältnis,^ das sich zwischen dem Erzeugerpreis für Roggen und dem für die meisten übrigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse seit 1933 entwickelt hat, führte mehr und mehr zu der Gefahr einer Vernachlässigung des Roa - genanbaues oder zumindest der Roggenabliese- rung zum Zwecke der Brotversorgung. Im Rahmen der marktordnenden Maßnahmen des Reichsnährstandes ist dieser Gefahr in den vergangenen Jähren durch die Umlage eines Ablieferungskontingentes auf jeden deutschen Bauernhof und landwirtschaftlichen Betrieb entgegengearbeitet worden. Es ist auf diese Weise auch tatsächlich erreicht worden, daß Schwierigkeiten in der Brotversorgung für den Verbraucher bisher in keinem Falle aufgetreten sind. Auf die Dauer kann aber ein Zustand nicht richtig sein, bei dem die wichtigste Aufgabe des deutschen Bauerhofes, nämlich die Sicherstellung der Brotversorgung, nur unter einem gewissen Zwang zu lösen ist. Der Anbau und die Ablieferung von Brotroggen muß vielmehr ein für allemal im Vorderarund des Erzeugungsprogramms der deutschen Landwirtschaft stehen. Diesem Gesichtspunkt hat der Beauftragte des Führers für den Vierjahresplan, Ministerpräsident Göring, auf Vorschlag des Reichsbauernführers dadurch Rechnung getragen, daß er eine Erhöhung des Roggenpreises um 1 Mark je 50 Kilogramm von der neuen Ernte 1937 ab angeordnet hat. Der Rdggenpreis wird hierdurch wieder ins richtige Verhältnis zu den Erzeugerpreisen für die übrigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse gerückt. Im Hinblick auf den mehr denn je dringenden Verbraucherschutz und die besondere politische Bedeutung gerade des Brotpreises wird aber auch diese Aufbesserung des Roggenpreises im Brotpreis nicht zum Ausdruck kommen. Der Brotpreis für den Verbraucher bleibt also weiterhin unverändert. Der Nährstand selbst hat die Aufgabe übernommen, die zur Aufbesserung des Roggenpreises erforderlichen Mittel aus anderen Gebieten seiner Tätigkeit aufzubringen. Auch hierbei werden die Verbraucherpreise nicht berührt werden. Die Aufbringung der Mittel wird also in erster Linie dadurch ermöglicht, daß durch die marktordnenden Maßnahmen des Nährstandes entsprechende Einsparungen auf dem Wege vom Erzeuger zum Verbraucher in den verschiedensten Zweigen der Ernährungswirtschaft erreicht werden, soweit nicht bei einzelnen Spezialerzeugnissen auch eine Belastung des bisherigen Erzeugerpreises zugunsten der Roggenpreisaufbesserung vorgesehen ist. 3n jedem Falle ist damit zu rechnen, daß durch den neuen Roggenpreis die künftige Brotoersorgung des deutschen Volkes aus der eigenen Scholle endgültig und auch auf die Dauer gesichert ist. Eine entscheidende Forderung des Vierjahresplanes wird auf diese Weise erfüllt. - Kunst und Wissenschaft Die älteste Vurgfchaufpielerm gestorben. Das älteste Mitglied des Buratheaters, Auguste Wilbrandt-Baudius ist im Alter von 94 Jahren in Wien g e st o r b e n Die Künstlerin stammte aus Zwickau Schon mit 15 Jahren betrat sie in Leipzig die Bühne. Heinrich Laube gewann sie für das Wiener Burgtheater 1873 verheiratete sie sich mit Adolf Wilbrandt, dem Dichter und nach- Der Krieg mit dem Fakir. Nur hin und wieder findet man in den englischen Blättern Meldungen über Unruhen im Niemandsland zwischen Indien und Afghani st an. Die Unruhen sind so alt wie Englands Besetzung der indischen Halbinsel. Aber bisher ist es den Briten noch nicht gelungen, das Niemandsland zu befrieden, und von Afghanistan aus waren die Kräfte bislang zu gering, um an dieser Grenze wirklich Ruhe zu schassen. Die dort wohnenden Stämme wie Waziri, Afridi, Mahsuds, Mohmands, überfallen von ihren Verstecken in dem romantischen Bergland aus die Niederlassungen, und da diese Stämme sich zum Mohammedanismus bekennen und von stolzer Unbeugsamkeit sind, wird der Kleinkrieg mit jener Wildheit geführt, die in den USA. in den Kämpfen zwischen weißen Siedlern und Indianern ihr Gegenstück fand. Die Engländer haben gegen diese Stämme zahlreiche Forts angelegt, sie haben die wichtige Straße durch den Khyber-Paß nach Afghanistan gebaut und neuerdings eine Autostraße, die fast fertiggestellt ist, durch Waziristan im Khaisora- Tal, aber trotzdem haben die Stämme immer wieder versucht, unter Bruch der Verträge einzelne englische Abteilungen in den Hinterhalt zu locken. Sie Straßenbauten selbst sind kein Hindernis für die unabhängigen Stämme gewesen, ihrem Britenhaß auf ihre Weise Ausdruck zu geben. Gerade in der letzten Zeit wurden die Engländer mit solchen Niederlagen bedacht. Im Wazirigebiet hatte sich ein sogenannter Heiliger eingefunden, der Fakir von Jpi, der eine heftige Propaganda entfaltete, weil die Engländer ein angeblich zwangsweises zum Mohamedanismus bekehrtes Hindumädchen befreit und das Mädchen feiner Mutter wieder übergeben hatten. Die Tori-Khel und die Waziri weigerten sich, den Propheten auszuliefern, 39 anglo-indische Offiziere und Mannschaften wurden aus einem Hinterhalt heraus niedergeschossen. Darauf gab es eine Strafexpedition, die den Aufständischen 119 Tote und 279 Verwundete kostete, sie mußten Geiseln stellen, und ein Teil ihrer Bewaffnung verfiel der Beschlagnahme. Aber obgleich die Briten selbst mit Flugzeugen die Dörfer der Aufständischen mit Bomben belegen ließen, gelang es ihnen doch nicht, die ewig flackernde Unruhe zu beseitigen. Am 8. Februar wurden der englische Marineleutnant B e a t t y und der Hauptmann K e o g h mit Begleitung niedergemetzelt. Am 18. Februar wurden erneut britische Truppen m Waziristan bei dem Orte Wana überfallen. Dabei gab es auch auf englischer Seite Tote und Verwundete. Infolgedessen sah sich England genötigt, allein in diese Gegend annähernd 6000 Mann, also zwei Brigaden, zur Verstärkung zu entsenden. Eine Jnfanteriebrigade, ein Hochländerbataillon und mehrere Artillerie-Batterien wurden nun in Marsch gesetzt, weil der „Heilige" von Jpi den Britenhaß der Stämme weiter in Weißglut hält und trotz aller kleinen Niederlagen die Stämme immer wieder mit ihren Ueber- fällen auf britische Truppen Erfolg haben. Wieder ein Ueberfall an der indischen Nordwestgrenze. London, 30. März. (DNV.) An der indischen Nordwestgrenze südwestlich von Damdil wurden bei einem neuen Zusammenstoß zwischen britischen Truppen und aufständischen Stämmen zwei britische und zwei indische Offiziere sowie 19 indische Soldaten getötet. Einheiten der ersten Brigade aus Abbottabad, die einen Transport schützten, wurden auf der Straße von Mirali nach Raz- mak von Eingeborenen überfallen. Es sollen 300 bis 500 Eingeborene an dem Angriff, der schließlich zurückgeschlagen werden konnte, beteiligt gewesen sein. Fünf Ozeanriesen in einem Hafen. ÄÖF xx' ' // ... '• ■<•• ' V'> V ' i * xMA Es kommt selten vor, daß fünf der größten Ozeandampfer auf einem Bilde zu sehen sind. Am 18. März lagen an ihren Piers in Neuyork der deutsche Dampfer „E u r o p a", der italienische' „Rex", das französische Riesenschiff „Normandie", die „Georgic" und die „B e r e n g a r i a". — (Associated-Preß-M.) maligen Burgtheaterdirektor. Später verließ Auguste Wilbrandt-Baudius das Burgtheater und spielte an zahlreichen deutschen Bühnen. Erst nach 20 Jahren kehrte sie an die Wiener Hofbühne zurück. Noch als 90jährige ist sie hier zusammen mit Werntzr Krauß aufgetreten, Aus alter Wett. Reichsinnungsmeister Nlax Möckel f. Drei Tage vor Vollendung seines 64. Lebensjahres starb am Karfreitag Reichsinnungsmeister Max Möckel in Berlin am Herzschlag. Möckel wurde in Berlin als Sohn des Geigenbaumeisters Oswald Möckel geboren, übernahm 1905 in Berlin ein Zweiggeschäft seines Vaters und rückte 1914 als Kriegsfreiwilliger ins Feld. Nach dem Kriege wurde er erster Reichsinnungsmeister des neugeschaffenen Reichsinnungsverbandes des Musikinstru- mentenmacherljandwerks. Möckel war einer der bedeutendsten Geigenbauer unserer Zeit. Seinen Namen hatte-er sich durch die Wiederentdeckung der klassischen italienischen Geigenbaukunst gemacht. Seinem erfinderischen Geiste' war es Vorbehalten, nach mehr als 200 Jahren, von dem Fragment einer Zeichnung ausgehend, die man im Nachlaß des Antonius Stradivarius fand, den Konstruktionsaufbau der klassischen Geigenepoche lückenlos nachzugestalten. Das palentlnb der Panzerschützen. Als am 18. März v. I. die Panzerschützen in ihre neue Garnison Halle einzogen, befand sich unter den vielen Tausenden, die die Truppe auf der Straße begrüßten, auch eine Frau, die beim Einmarsch der Abteilung von Geburtswehen überrascht wurde und einem munterem Jungen das Leben gab. Die Panzerschützen übernahmen 6ei dem Kinde d i e Patenschaft. Ein Offizier überbrachte jetzt namens der Panzerwagenabteilung dem Patenkind ein auf einen ansehnlichen Betrag lautendes Sparkassenbuch. Schrecklicher Tod eines Kindes. In Leimen (Baden) fiel das dreijährige Söhnchen des Steinbrucharbeiters I. Schäfer beim Spielen rückwärts in ein mit heißem Wasser gefülltes Waschbecken Trotz aller ärztlichen Bemühungen ist das Kind an den schweren Verbrühungen im Krankenhaus gestorben. Zwei Todesopfer eines Autounglücks. Auf der Straße von Beckum nach Keitlinghausen (Wests.) ereignete sich ein schweres Autounglück. Ein mit sechs Personen besetzter Kraftwagen kam von einer Konfirmationsfeier aus Lübecke. Wahrscheinlich infolge Versagens der Steuerung prallte der Wagen gegen einen Straßenbaum. Der Lenker des Wagens und der Besitzer wurden auf der Stelle getötet, die vier Übrigen Insassen trugen schwere Verletzungen davon und mußten ins Krankenhaus geschafft werden. Neun Tote bei einem Lawinenunglück. Bei einem Schiwettlaus, den der Slowenische Alpenverein Neumarkt in den Karawanken (Ostalpen) veranstaltete, wurden 28 Schiläufer von einer riesigen Lawine erfaßt. 19 von ihnen konnten mit mehr oder weniger schwerem Verletzungen gerettet werden, die übrigen scheinen tot zu sein. Zwei Leichen wurden bereits geborgen. Es handelte sich fast durchweg um Arbeiter der Neumarkter Jndustriewerke. 35 Tote beim Absturz eines Förderkorbes. Auf der Roodepert-Deep-Grube in Südafrika ist ein Förderkorb abgestürzt. Ein Europäer und 34 Eingeborene wurden getötet. Es gelang nur mit Mühe, die 35 Opfer zu bergen. Bergwerksunglück in Siebenbürgen. Im Kohlenbergwerk Viktoria-Vulkan bei Kronstadt in Siebenbürgen erfolgte wohl infolge Entzündung angesammelter Gase eine schwere Explosion. Fünf Mann, die sich in der Nähe der Explosionsstelle befanden, wurden getötet. Eine größere Anzahl ist teils schwer, teils leicht verletzt. D-Zug-Unglück in Südwestfrankreich. Der D-Zug Paris—Bordeaux—Hendaye ist bei Dax (Departement Landes) e n t g I e i ft. Die letzten drei Wagen stürzten die Böschung hinunter auf die durch Regengüsse überschwemmten Wiesen. Der aus elf Wagen bestehende, von einer elektrischen Lokomotive gezogene Zug hatte im Augenblick des Unglücks eine Geschwindigkeit von 120 Kilometer. Den Ganzmetallwagen, die auf dieser Strecke verwendet werden, ist es zu verdanken, daß die Zahl der Opfer verhältnismäßig gering blieb; ein junger Mann fand den Tod. während 45 Personen mit mehr oder weniger schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. 2Uorb in einem belgischen Fürsorgeheim. In dem von katholischen Ordensleuten geleiteten Fürsorgeheim „Zur heiligen Familie" in Manage bei Charleroi wurde ein dreizehnjähriger Zögling auf dem Speicher erhängt aufgefunden. Die Feststellungen der Gendarmerie ergaben, daß an dem Junaen ein Sexualmord begangen worden ist. Als Mörder ist einer der Ordensbrüder, deren Obhut die Zöglinge anvertraut sind, ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Der Verhaftete hat ein Geständnis abgelegt. Ein berüchtigter jüdischer Finanzschwindler. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den berüchtigten jüdischen Finanzschwindler des Nachkriegsösterreich Sigmund Basel Anklage wegen Betrugs erhoben. Bosel hat mit dem später geflüchteten ehemaligen Finanzminister Dr^A h r e r die österreichische Postsparkasse um 200 Millionen Schilling geschädigt. Um wenigstens noch einen Teil des Geldes zu retten, versuchte der Fiskus, sich mit ihm zu „vergleichen" Als man aber darauf kam, daß iöojci diesen Vergleich nicht nur nicht einhielt, sondern sogar beträchtliche Vermögenswerte in die Schweiz verschob, wurde er vor einem Jahre in Haft genommen. Bosel ist außerdem noch an einer dunklen Angelegenheit beteiligt, die um das Halsband der Gattin Napoleon Bonapartes, der Kaiserin Mane Luise, spielt Lehnworte. Die Franzosen haben aus dem Deutschen eine ganze Reihe von L e h n w o r t e n übernommen, häufig, um in Deutschland gedanklich geprägte ober auch für deutsche Verhältnisse eigentümliche Begriffe zu bezeichnen. Man findet „Le kronprinz noch einigermaßen verständlich, aber etwas ferner- liegend ist doch nach deutschem Vorbild von „Le h i n t e r l a n d" ju reden, um' damit einen politisch kleine Räucher-ups sonst! eben - Giühzonel eine zu ^oLe^. wird :entwickel ’ inträch- t das rtie Bekomm- E tigt und die z.garette |lichkei MOKRJ. .ja eZzue f/lNDE yenißßk Hixin oder wirtschaftlich wichtigen Raum zu bezeichnen, der einer politischen Tendenz ober einem wirtschaftlichen Ausfuhrplatz erst Rückgrab unb Stütze gibt. Die ins Französische übernommenen Lehnworte „L ’ A 1 p e n s t o k k" unb „L ’ a 1 p e n g 1 ü h n" (gesprochen: lalpenglöhn) find wenigstens in der Schrift ohne weiteres verständlich. In der letzten Zeit ist der von Mussolini geprägte Ausdruck einer politischen Achse Rom—Berlin im Anschluß an das entsprechende französische Wort Faxe jenseits der Vogesen sehr schnell heimisch geworden und neuerdings kann man sogar das entzückende Zeitwort „a x e r" finden, was soviel bedeutet als eine bestimmte Politik festlegen. Jetzt ist in der französischen Schweiz, und zwar ausgerechnet in dem höchst individualistischen Bezirk der Uhrenfabrikation das Wort aufgekommen „L e Gemeinschaf tsarbei t", wobei in der Eile unser „weibliches" Hauptwort Arbeit ins männliche Geschlecht hinüber versetzt wurde. Man beginnt in der Schweiz das Bedürfnis nach gemeinschaftlichen Forschungen über Herstellungs- unb Verwendungs- möglichkeiten neuer Werkstoffe zu empfinden, weil ja das Land bei feiner sehr hoch entwickelten Fertigindustrie bis auf Holz außerordentlich rohstoffarm ist und darum für den Fall schwerer politischer Verwicklungen harte Einbußen zu befürchten hat. Eine auf Gemeinschaftsarbeit beruhende Prüfungs- unü Beratungsstelle wird als nützlich und notwendig empfohlen. Man denkt auch unter Ausnutzung der sehr reichlich vorhandenen elektrischen Wärmeenergien an neue landwirtschaftliche Ziele, insbesondere auf dem Gebiete der Gärtnerei (Frühbeetkulturen unb Warmhäuser) urtS- der Vervollkommnung der Milchverarbeitung. Wilhelm Filchner. Der bekannte deutsche Forscher Wilhelm.F i l ch n e r, der sich seit längerer Zeit im Fernen Osten befindet, ist — wie bereits gemeldet — beim Grenzübertritt von Zentral-China nach Chinesisch-Turkestan festgenommen worden und nach Ost-Turkestan, das ganz unter dem Einfluß des Bolschewismus steht, gebracht worden. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Wetterbericht des Reichswetterd'enstes. Ausacibeort Frankfurt Das neue europäische Hochdruckgebiet hat sich unter Verstärkung südostwärts verlagert unb bedingt in Nord- unb Mittelbeutschlanb heiteres Metier. Im Süben des Reiches hat sich dagegen durch aufgleitende. Warmluft aus Süd und Oft Bewölkung eingestellt, die jedoch keine nachhaltige Verschlechterung im Gefolge haben wird, vielmehr wirb sich auch hier der Hochdruckeinfluß wieder stärker durchsetzen. Aussichten für Donnerstag: Wolkig bis heiter, trocken, tagsüber bis etwa zehn Grad ansteigend, nachts vereinzelt Frost, Winde um Oft. c '^usfi eilten für Freitag : Im ganzen freundliches unb tagsüber milbes Wetter. „Die Tochter des Samurai." Nr. Arnold Fanck über seinen Iapan-Zilm. In Berlin ist, wie berichtet, in diesen Tagen der erste deutsch-japanische Gemeinschaftsfilm uraufgeführt worden. Unser Mitarbeiter hatte vor einigen Wochen in Tokio mit dem Spielleiter Dr. Arnold Fanck eine Unterredung, über die er hier berichtet. Seit Jahren galt der Name Fanck beim japanischen Filmpublikum als die Gewähr für hochwertige deutsche Filme. Japan kennt Dr. Fanck als den Lehrmeister von Leni R i e f e n st a h l, von T r e n - ter und vielen Kameraleuten. Japan hat Fancks Naturfilme mit Begeisterung ausgenommen; Japan verfolgte mit Interesse, wie der deutsche Meister in der Abgeschlossenheit des Ateliers in Kyoto, in den Hochgebirgen, den Vulkangebieten, an den kiefern- bestandenen Ufern der felsigen Jnlandsee und in den überschwemmten Reisfeldern der japanischen Inseln seine Naturaufnahmen sammelte, wie Fanck sich in die japanische Landschaft einlebte, wie er überall das Schönste zu finden wußte, wie genau er den japanischen Menschen von heute erfaßte und die Probleme verstand, mit denen sich die Jugend Japans im 20. Jahrhundert auseinanderzusetzen hat. So schuf Fanck einen Film, in dem Deutsche und Japaner zusammen spielen, der die Eigenheiten Japans, wie es wirklich ist, mit den Augen eines deutschen Künstlers sieht. Unter Leitung Fancks entstand der erste echte, in Japan gedrehte und von Japanern gespielte Exportfilm. Japanische Menschen spielen, die typisch für das heutige Japan sind, fest in uralter Tradition wurzelnd wie der alte Bauernvater oder der weltgewandtere Adoptivvater. Oder wie der durch westliche Ideen verwirrte, in die Heimat zurückkehrende Student Teruo, eine für das heutige Japan typische Figur. In ihr ist der Zwiespalt der japanischen Seele meisterhaft dargestellt. Die unüberbrückbar scheinenden Gegensätze zwischen dem Menschen des Ostens und des Westens, an deren Verschmelzung zu einer Lebenseinheit das japanische Volk arbeitet, dieses Problem ist hier erkannt worden. Fanck hat Filmgeschichte gemacht: nach den Bildern dieses Films, der im Land und unter dem Volk gedreht wurde, wird all der gestellte Filmkitsch, alle übliche hohle und unwahre Darstellung des Landes aushören müssen. „Der Film ist wenigstens ,anständig^ geworden", sagt Dr. Fanck. „Japanische Filme hatten bis heute nur einen beschränkten Auslandsmarkt, der nicht die nötigen Umsätze bringen konnte, um neuzeitliche Filmateliers zu bauen unb vollwertige Weltproduktion herzustellen. Von der Filmproduktion des Auslandes bekam Japan alles zu sehen, aber das Ausland kennt japanische Filme nicht. Es war daher meine Aufgabe, der Welt das wahre Japan in einer für das nichtjapanische Ausland verständlichen Form nahezubringen. In diesem deutschjapanischen Film haben wir sogar die unüberwindlich scheinenden Sprachschwierigkeiten gemeistert. Es gibt keinen japanischen Filmschauspieler, der englisch, geschweige denn deutsch sprechen könnte. In unserem Film hat der aus dem Ausland zurückkehrende Student natürlich etwas Deutsch gelernt, wie seine kleine japanische Braut, die, um dem zurückkehrenden Bräutigam Freude zu machen, sich über deutsche Bücher gesetzt hat. Die deutsche Studienfreundin, die mit dem Studenten nach Japan kommt, hat von ihm etwas Japanisch gelernt. So wurden wir mit diesem verzwickten Problem fertig. Es war auch nicht einfach, die sehr verschiedene Ausdrucksweise der Gefühle der Japaner für das Ausland verständlich zu machen. Aber die Großaufnahmen unseres Films zeigen, daß allgemein menschliche Gefühle auch bei kulturell verschiedenen Völkern ähnlich zum Ausdruck kommen. Und die japanischen Schauspieler unseres Films sind große Klasse. Die größten Schwierigkeiten technischer A r t sanden wir in japanischen Verhältnissen begründet. Die Polizeibehörden brachten uns übertriebenes Mißtrauen entgegen. Ungeahnte und für uns Deutsche rätelhafte Hindernisse werden von den Behörden auch an harmlosesten Orten für Außenaufnahmen in den Weg gelegt, und wenn einmal an einem Tag die Sonne für Naturaufnahmen besonders günstig schien, dauerte es zwei Tage, bis die behördliche Aufnahmegenehmigung da war. Aber das japanische Volk ist prächtig, ich habe es lieben gelernt. Von vornherein war mir klar, daß ich in Japan keinen Film größten Formats drehen könne. Dieser Film ist eine deutsch-japdnische Gemeinschaftsarbeit, bei der auch der japanische Partner und die Auffassung des japanischen Publikums gelten mußten. Das Ideal, dem deutschen Volk und der Welt das Japan, wie es wirklich ist, nahezubringen, blieb in diesen aufreibenden Monaten — bei den Atelieraufnahmen im August, wenn es schon im Freien unerträglich schwül war und wir noch unter der Hitze der Bogenlampen drehen mußten — der Leitstern für meine Arbeit. Bis heute weiß nur eine dünne Oberschicht über Japan Bescheid. Das deutsche Volk weiß herzlich wenig über dieses uralte Kulturvolk. Geisha, Poshi- wara, Fujisan, im besten Fall noch Samurai — das ist alles. Durch unseren Film wird Deutschland, so hoffe ich, das währe Japan von heute kennen lernen, und der verfälschte Eindruck, den sich die Welt durch .gestellte' Japanfilme gebildet hat, wird verschwinden. Es galt, das Volkstum, die Landschaft und die Kultur Japans wiederzugeben. Ein reiner Kulturfilm wird aber immer auf die kulturellen Leistungen beschränkt bleiben, die ein Volk in seinem Land vollbringt. Viel wichtiger war es, den Träger der Kultur, den japanischen Menschen, zu erfassen, und das kann wohl nur über den Spielfilm gelingen. Hier war eine schwierige Aufgabe zu lösen. Wenn vielleicht die Geschichte unseres Films nicht ganz .filmisch' ist und notgezwungen mit den Elementen eines K rfilms gemischt werden mußte, so habe ich das ^anz bewußt so angeordnet. Es war für mich wichtiger, Japan zu zeigen und japanisches Denken wenigstens an kleinen Beispielen klarzumachen, als mich an alle dramaturgischen Regeln des normalen Spielfilms zu halten. Die Japaner find sehr empfindlich dagegen, irgendwelche Schattenseiten ihres Volkes im Film zu zeigen. Dem Manuskript, das schließlich von den Behörden genehmigt wurde, fehlt es daher wohl etwas an Tiefe der gegensätzlichen Wirkungen. Dieser Japanfilm war übrigens während meiner siebzehnjährigen Filmschaffenszeit der erste, bei dem wir einmal nicht unsere Knochen riskieren mußten. Doch war die Arbeit mit den kleinen, unberechenbaren organisatorischen Schwierigkeiten eine Nervenmühle. Hier konnte ich meinen Arbeitsgrundsatz „mit dem Kopf durch die Wand" nicht anwenden. In Japan kann man nur etwas erreichen mit einer stillen Energie. — Wie der Film heißt? In Japan „Die neue Erde". In Deutschland, wo die Vorführung schon in 2000 Lichtspieltheatern gesichert ist, „Die Tochter des Samurai." Der Film zeigt dem deutschen Volk die tief eingewurzelten Traditionen, die festgefügte Familienordnung, die völkische Bodenständigkeit der Japaner, die, wie wir Deutsche, ein .Volk ohne Raum' sind. Er zeigt auch den Abwehrwillen Japans gegen die zersetzenden Kräfte, die am Werk sind, alle Völker der Welt zu unterhöhlen. In diesem Abwehrkampf denkt Japan ebenso wie Deutschland. Es wird für das deutsche Volk von Wert sein, zum erstenmal das wahre Japan kennenzulernen." Büchertisch. — Rekruten — Soldaten. Ein Büchlein vom Dienst in der neuen Wehrmacht. Von Ernst Bahr. 96 Seiten. Kart. 2,20 RM. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. — (85) — Geschichten aus Stube und Kasernenhof, Exerzierplatz und Manöver, frisch von der Leber weg erzählt, sind in diesem Buch gesammelt. Die ganze Soldatenzeit von der Einkleidung des Rekruten bis zum Abschied des fertigen Soldaten von Kasernenhof und Spieß und von der Soldatenbravt. Nicht bärtige Kasernenhofwitze — aufgewärmt und frisch gebügelt — enthält dieses Buch, sondern Geschichten, wie sie so oder ähnlich immer wieder im Soldatenleben passieren, erzählt von Soldaten, die sie selber an sich oder Kameraden erlebt haben. Geschichten, die ihren Humor gewinnen aus dem Gegensatz zwischen der ernsten und hohen Pflichtauffassung unserer Soldaten zu den kleinen Schwächen, die nun einmal jeder oqp uns hat. Und diesen Humor hat Militärmaler Erich Döbrich durch feine lustigen Zeichnungen noch unterstrichen. — Sanitäts-Lexikon. Ein Nachschlagewerk für alle Sanitäts-Dienstgrade und Krankenträger der Wehrmacht, für Sanitätsmänner aller Organisationen, für Laienhelfer und Schwestern, sowie für alle hilfsbereiten Volksgenossen von Oberfeldarzt Dr. Joh. Gebier, Luftkreisarzt beim Luftkreiskommando III. Mit 8 Tafeln und 37 Abbildungen im Text. Kart. 1,80 Mk. Ganzleinen 2,50 Mk. Franckhfche Verlagshandlung, Stuttgart. — (63) — Das kleine „Sanitäts-Lexikon" ist in Inhalt und Umfang so zusammengestellt, daß es allgemeinverständlich bleibt. Die gebräuchlichsten Arznei- und Verbandsmittel sind aufgeführt, die üblichen, meist 'unbekannten medizinischen Fachausdrücke erklärt, die meisten Krankheiten sowie Unglücks- und Zufälle im menschlichen Leben beschrieben, denen der ausgebildete Sanitätsmann einer Organisation, der Laienhelfer und auch die Schwester begegnen. Wer dem Arzt in der Sprechstunde, in der Klinik oder zu Hause zur Hand gehen muß und selbst verantwortungsbewußt seinem Nächsten zu helfen bereit ist, findet hier schnell Rat und Auskunft. — D r. Daniel Sanders Handwörterbuch der deutschen Sprache. Achte neubearbeitete und vermehrte Auflage von Dr. I. Ernst Wülfing (1924). Preis in Leinen gebunden 12,60 Mark. Bibliographisches Institut, Leipzig. — (52) — Das Handwörterbuch von Sanders ist seit bem Jahre 1869, dem ersten Jahre seines Erscheinens, zu einem oft erprobten Ratgeber im Haus- und Schulgebrauch geworden. 1907 erschien die erste Neubearbeitung von Wülfing, die die neue Recht» schreibung einführte und durch eine andere An» ordnung des Druckbildes, durch Auflösung zahl, reicher Abkürzungen usw. eine Übersichtlichkeit schuf, die das Finden des gewünschten Ausdruckes wesentlich erleichtert. Der Inhalt ist ferner durch zahlreiche Lehnwörter, besonders bei Tier- und Pflanzennamen und manche mundartliche Ausdrücke ergänzt worden, auch zahlreiche neuere und ältere Zusammensetzungen wurden eingeschoben und viele technische Ausdrücke, die sich in den letzten Jahrzehnten herausgebildet haben, aufgenommen. Veraltete Wörter, soweit sie bei unseren klassischen Schriftstellern Vorkommen, wurden beibehalten und durch Einfügung kurzer schlagender Beispiele und Belege aus dem Schrifttum namentlich aus der lutherischen Bibel sowie aus Goethe und Schiller erläutert. — Else Ernst: Die Neumondnacht. Mit Buchschmuck der Verfasserin. 230 Seiten. Geh. 4, geb. 5 Mk. Verlag Friedrich Stollberg, Merseburg. — (28) — Dieses Märchenbuch der Frau des verstorbenen Dichtes Paul Ernst verknüpft in einer Rahmenerzählung fünfzehn Märchengeschichten zu einer abwechslungsreichen Handlung. Beim Ritter Geruls, der seine Schwester gegen ihren Willen verheiraten will, sucht eine schöne, unbekannte edle Dame Obdach und Schutz. Eine Nacht hindurch erzählt sie ihm Märchen auf Märchen so fesselnd, daß der Ritter es unterläßt, der Besorgnis um seine Schwester nachzugeben, die in der gleichen Nacht mit ihrem wahren Geliebten heimlich entflieht. Sie entflieht mit dem Erbfeind Gerulfs, und die Märchenerzählerin entdeckt sich am Morgen dem Gastgeber als die Schwester des Erbfeindes. Ihre Kunst des Erzählens führt zur Versöhnung der Gegner. Den Märchen liegen uralte Stoffe zugrunde, wie man sie ungestaltet bei allen Völkern vorfindet. Der Text wird von 32 Titelvignetten und Schlußleisten der Verfasserin begleitet, die die Erzählungen verbinden. — Schöne Hohlnahtmuster verzieren Kleider und Blusen, Leib- und Bettwäsche, Decken und Kissen, Tee- und Kaffeewärmer. Sie sind anwendbar an Kragen und Manschetten, für Monogramme, Leinentaschen. Beyer-Band 357 „Schöne Hohl- naht m u st e r" (Verlag Otto Beyer, Leipzig — Preis 1,20 Mark) zeigt in genauen Anleitungen „wie man's machen muß". Ein Teil der Vorlagen ist bunt dargestellt, so daß man gleich eine Vorstellung hat, wie die fertige Arbeit aussehen wird. Ein doppelseitiger Arbeitsbogen liegt bem Heft bei. — Volkskunst — echte, im Volk entstandene uns feit Jahrhunderten erhaltene Kunst ist ein Vermächtnis, das wir hegen und pflegen wollen. Die handarbeitende Frau, die etwas schaffen will, das ihrer Familie erhalten bleiben soll, findet im Beyer- Band 360 „Volkskunst mu st er in Kreuzstich. Steirische M u ft e r" (Verlag Otto Beyer, Leipzig — Preis 1,20 Mark) über 100 Stickmuster von Decken, Kissen, Tee- und Kaffeemützen, Tablettdeckchen u. v. a. Die teilweise farbigen Vorlagen zeigen die in der Vorstellungswelt des Volkes verwurzelten Lieblingsformen und Gestalten. Leicht faßliche Anleitungen, unterstützt durch zwei Arbeitsbogen mit den Mustern sämtlicher Modelle, machen die Ausführung der einfachen Kreuzstichtechnik zur Freude. Unsere hebe, gute Mutter, Großmutter und Schwester Frau Charlotte Handrich ist von uns gegangen. Gießen, den 26. März 1937. Die Trauerfeier fand in der Stille statt. 01621 Annerod, den 30. März 1937. Die Beerdigung findet Donnerstag. 1. April, nachmittags 3 Uhr statt. 01615 | Vermietungen ]|ö-Zim. Wohng.lä-Ziiniii.Woljn. Bessere I2217D Küche u. Bad rn. part.,m. Zub.v. rechts. 01600 Küche u. Bad m. Heiz, per sof. zu vermiet.Näheres Hindenbnrgw.171 reicht. Zubehör, p. 1.4.37 ev. fr. zu vermieten.8«v Chr. Inderthal, Neue Bäue 27. (Auskunft Büro SelterSweg 55.) Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Else Wehrheim, geb. Handrich 6-Zim-Wohng. mit flietz.Wasser, einger.Bad,Et.- BI. Zirner mit sev.Eingang, mit ober ohne Pension zu vermieten. 01598 Vorst-Wessel- Wall 42 I. 1. 4.1937 zu vermiet Zu erfrag. Kaiserallee 241. Kleine Anzeigen im Gießener Anzeiger werden von Tausenden beachtet und gelelea. 2 möblierte Zimmer mit Bad und Küchenbenutzung v. jungem Ehepaar (gute leitende Position) sofort gesucht. Schriftl. Ang. unt. 2225D an 0. Gieß. Anz. Alteisvereinigong 1879—-1929 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Kameraden von dem Hinscheiden unseres lieben Alterskameraden Karl Kirchner geziemend in Kenntnis zu setzen Dem Vei storbenen werden wir ein ehrendes Andenken bewahren 2218d Die Beerdigung findet Mittwoch, 31.März, nachm.3.30 Uhr statt und bittet um zahlreiche Beteiligung der Vorstand Es sind baldigst zus. ober einzeln zu vermieten: je 6 Räume im 1. u. 2. Stock gelegen. Geeignet für Büros u. Wohnungen. Näheres zu erfragen bei (2206D Frau Körner Gießen, Horst- Wessel-Wall 39. Gut möbliertes Sinnet zu vermieten. Seltersweg 6911 Platz für Motorrad frei. oioos Kaiserallee 20. | Mietgesucüe~| 4'5-3immet Woünnng ev. mit Garage ver 1. Juli gesucht. Schr. Angebote u. 01591 an den Gß. Anz. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Weller Familie Karl Harnisch Heute mittag entschlief sanft unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater Wilhelm Euler im Alter von 78 Jahren. öies.GMlnsMlil stellt sofort einige Lehrlinge ein.Bewerb.- Gesuche mit kurz. Lebenslauf U.2215D a.d.Gietz.Anz. Suche MmÄ mit Badezimm. für 1. Juli. Schr. Ang. unter 01600 and.Gieß. Anzeiger erbet. Witwe mit erwachsen. Tochter sucht 3-Zimmerwohnung Schr.Angeb.unf. 01601 an d.Gietz. Anzeiger erbet. 2-3-3innner- MllW v. leitend, kaufm. Angestellten für sof. gef. Bad er- wünscht.Schriftl. Angeb. U.2224D an 0. Gieß. Anz. Sonnige M-WU mit Bad, elektr. Licht, v. Dauermieter gesucht. Schriftl. Angeb. unt.01605 a.den Gieß.Anz. erbet. 2-Zimmer- Wohnung von ölt. Ehepaar gesucht. Schriftl. Ang. unt. 2228D an d. Gieß. Anz. 1 leeresZimmer mit sev. Eingang (Südviertel ob. Stadtmitte) sof. gesucht. Schriftl. Angeb. u. 01626 an b. Gieß. Anz. 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Er erklärte die Arbeitsdienstpflicht für die Mädchen für ebenso notwendig wie für die Knaben und wies auf den Fortschritt hin, der in der Bereitstellung von 25 000 Dienstplätzen in diesem Jahr gegenüber 10 000 im vergangenen liege. Mit großer Befriedigung wurde vor allem die Mitteilung ausgenommen, daß aus der „Führerin im Arbeitsdienst" ein eigentlicher Beruf gemacht werden solle auf Grund staatlicher Ausbildung und Besoldung und vor allem auch der Möglichkeit eines Uebergangs in einen anderen Beruf bei entsprechendem Alter. Inzwischen haben auch die vom Reichsarbeitsführer ausgestellten Richtlinien über die Laufbahn der Arbeitsdienstführerin Gestalt angenommen und sollen demnächst verwirklicht werden. Die staatlichen Bestimmungen über Anstellung und Versorgung werden noch vorbereitet. Die Führerinnentätlgkeit im Arbeitsdienst kann künftig nur ausgeübt werden, wenn zu einer vorbildlichen, nationalsozialistischen charakterlichen Haltung auch Führersähigkeiten, gute Allgemeinbildung, ausreichende landwirtschaftliche, hauswirtschaftliche und sozialpäd'agogische Fachkenntnisse kommen. Der Ausbildungsgang nimmt seinen Anfang mit dem Diensthalbjahr als Arbeitsmaid. Dann folgt eine halbjährige Dienstleistung als Kameradschaftsälteste. Bei Eignung zur Führerinnenlauf- bohn schließt sich eine zweijährige Beurlaubung zur Erlangung einer Berufsausbildung in einer haus- wirtschaftlichen, landwirschaftlichen oder sozialen Bildungsanstalt an, deren Kosten > aus eigenem zu bestreiten ist. (Als Praktikum gilt auch die Ausbildung als Volkspflegerin, Krankenschwester ober Fachlehrerin.) Hierauf erfolgt der Besuch eines sechsmonatigen Führerinnenlehrgangs, nach dessen erfolrgeichem Abschluß die Führeranwärterin zur Gehilfin ernannt werden und weiter aufsteigen kann. Mit der Wertung der Tätigkeit als Führerin im Arbeitsdienst als eines auf fachliche Kenntnisse sich gründenden Frauenberufes ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung zur Frauenarbeitsdienstpflicht getan. Ebenso wie die Wohlfahrtspflegerin sieht sich auch die Arbeitsdienstführerin in ihrer Tätigkeit unabgrenzbaren Anforderungen an ihre Persönlichkeit und ihren Einsatz an fachlichen Kenntnissen, Organisationsfähigkeit, psychologische und pädagogische Leistungen gegenüber, die die Spannkraft bis aufs äußerste beanspruchen. Erfreulich ist die volle Einsicht in das Wesen des schönen aber auch anstrengenden, die Kräfte sehr beanspruchenden Berufes durch die maßaebliche Stelle, wie sie in den zu erwartenden Bestimmungen über Besoldung, Berufsausbildung und Anstieg zum Ausdruck kommen soll. Wenn die Arbeits- dienstpflicht für die Mädchen durchgeführt wird, werden innerhalb der großen Organisation, die dadurch bedingt sein wird, gerade für diejenigen Führerinnen, die über jahrelange praktische Erfahrungen verfügen, deren Alter und Spannkraft aber den Anforderungen des Dienstes nicht mehr voll gewachsen ist, sehr wertvolle Wirkungsmöglichkeiten gegeben sein. Gewiffensttagen an die Hausfrau Ein Wettbewerb der „Reicksarbeitsgemein- schast Schadenverhütung" In dem großzügigen Kampf gegen Unfälle und Schäden kann natürlich auch die Hausfrau nicht übergangen werden, deren „Betrieb" ja nicht minder kleinen und großen Unfällen ausgesetzt ist, wie nur irgendein großes Werk. So ruft die „Reichsarbeitsgemeinschaft Schadenverhütung" die Hausfrauen auf, ihre Erfahrungen und — ihr Wissen in bezug auf Unfall- und Schadenverhütung in ihrem Bereich der Allgemeinheit zu vermitteln. Zu diesem Zweck führt die RAS. einen Wettbewerb durch, in dem sieben Gewissensfragen gestellt werden, nach deren Beantwortung die Bewertung und Preisausteilung erfolgt. Die beste Antwort kann auf den ersten Preis von 300 Mark hoffen; insgesamt stehen 3000 Mark zur Verfügung der Preisrichter, die in 250 Geldpreisen zur Verteilung kommen. Die sieben Fragen sind folgende: 1. Wie mußt du deine Gasanlage behandeln, um vor einem möglichen Unfall sicher zu sein? 2. Was mußt du bei Verwendung von Elektrizität immer beachten? 3. Wie schützest du deine Wohnung vor Feuers- gefahr? 4. Wie sicherst du am zweckmäßigsten deine Haushaltsgeräte, damit durch sie kein Unglück entsteht? 5. Wie verhinderst du sonstige Unfälle in deinem Haushalt, die nicht mit einem Werkzeug oder Elektrizität Zusammenhängen (Ausgleiten, Stürze, Quetschungen, Verbrühen)? 6. Was tust du, wenn durch unglückliche Umstände doch einmal ein Unfall in deinem Hause geschieht? 7. Wie beugst du am besten Krankheiten vor und was tust du, wenn du selbst oder deine Kinder erkranken? Man sieht, diese Fragestellung umfaßt ein weites Gebiet und bezieht alle Möglichkeiten ein, auch die des trotz aller Vorsicht eingetretenen Unfalles. Aber gerade in einem solchen Augenblick hängt oft die Begrenzung des eingetretenen Schadens auf fein Mindestmaß von dem umsichtigen und zweckmäßigen Verhalten der Hausfrau ab. Gewünscht wird von der RAS., daß bei der Beantwortung aller sieben Fragen die Verhütung von Kinderunfällen, die in der Statistik der häuslichen Unfälle noch immer ein beträchtliches Maß aufweisen, gewissenhaft berücksichtigt wird. Die Antworten sollen, wie Hansgeorg Trurnit von der RAS. besonders betont, keine langen Abhandlungen und keine dichterischen Ergüsse, keine technischen Betrachtungen, sondern klare, kurze Aeußerungen sein. Wert gelegt wird ferner auf die Mitteilung schlechter Erfahrungen und der Mittel und Mechoden, mit denen man sich geholfen und die Sache gebessert hat. Dieser Wettbewerb, dessen genaue Bedingungen durch das April-Heft der RAS.-Monatsblätter „Kampf der Gefahr!" veröffentlicht werden, kann einen sehr fruchtbaren Gedanken- und Erfahrungsaustausch unter den deutschen Hausfrauen einlerten. Daß solche der gegenseitigen Aufklärung und Belehrung dienenden Wettbewerbe eine Fülle sonst verborgen bleibender Kenntnisse und kluge Ratschläge auslösen können, war z. B. auf der Ausstellung zu sehen, in denen die Reichsbetriebsgemeinschaft 6, Eisen und Metalle, die wertvollsten Einsendungen der Oeffentlichkeit zugänglich machte, die ihr auf chren Reichswettbewerb über Unfall- und Schabenverhütung im Betrieb aus allen Teilen des Reichs zugeaangen find. Wenn dabei der Leiter der Reichsbecriebsgemeinschaft Mitteilen konnte, daß es in Sachsen gelungen ist, durch eindringliche Aufklärung die 'Unfallziffer der einschlägigen Betriebe von 116 im Jahre 1935 auf 2 im Jahre 1936 herabzumindern, beweist dies, daß die Selbsterziehung, die eingesetzt werden muß, sehr bald sichtbare Erfolge zeitigen kann. PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS IM MWL. Hüte im Frühjahr 1937 zeigt unsere heutige Modeskizze. Modell 1 ist ein strenger kleiner Hut a u s m a i s» gelbem Perkalstroh mit dunkelblauem Rips- band. Der Rand ist an der Kante scharf nach unten gebogen und mit blauem Ripsband eingefaßt. Der zweite Hut in Boleroform ist aus weißem Panama st roh mit einer Garnitur aus schwarzem Ripsband und rot-weißen Feder- pompons. Der mittelgroße schwarze Exoten st roh- h u t (Modell 3) hat unter dem ringsum aufgeschlagenen Rand eine große Schleife aus weißem Waffelpique. Sein Rand ist mit schmalem, schwarzen Ripsband eingefaßt. Modell 4 ist ein sportlicher, cremefarbener Filzhut mit kupferroter Bandgarnitur. Aus enggeftepptem, schwarzem Taft ist der große Hut mit dem schmalen, schwarzen Ripsband und derveilchenfarbenenRanke. H. Unsere alten Model. V. A. Einfachheit und Sparen am richtigen Fleck hat nicht nur schon Familien zum Wohlstand erhoben, nein, auch schon ein ganzes Volk. Auch heute müssen wir wieder sparen, und zwar nicht nur Devisen. Unser Sparen heißt „nichts umkvmmen lassen", „alles verwerten", „zweckmäßig verwerten". Da sind z. B. unsere alten Möbel! Meist stehen sie irgendwo in einer Rumpelkammer oder werden an einen Aufkäufer verschleudert. Unsere Kinder, die demnächst heiraten, wollen sie ja doch nicht haben, und verkleinern müssen wir uns, denn die Wohnung ist dann zu groß, und die Aussteuer der Tochter kostet Geld. Gemacht! — Es ist natürlich sehr schön, wenn wir unserer Tochter eine neue Einrichtung an- schaffen können. Da, wo es in den Kräften der Eltern steht, soll es auch sein, denn mir tragen dadurch auch zur Arbeitsbeschaffung bei. Wo aber die Aussteuer den Eltern viel Sorge und Kopfzerbrechen macht oder eine Heirat deswegen immer wieder aufgeschoben werden muß, da sollte man doch nicht so töricht sein und unbedingt nur neue Möbel anschaffen wollen. Da ist vielleicht das Bett der Tochter, welches wir noch sehr gut verwenden können. Natürlich ist der Muschelaufsatz, überhaupt die Umrahmung nicht geschmackvoll für eine Neubauwohnung. Aber hier können wir schon die Couch sparen. Wir nehmen die große Einsatzmatratze, lassen einen Tischler vier schwere kurze Holzfüße daruntersetzen, kaufen eine breite Decke und viel schöne Kissen und fertig ist bas moberne Möbel. Dvn einem alten Tisch lassen wir bie Beine etwas absägen, bamit er niebriger wirb, kaufen eine hübsche Tischlampe, eine Decke und ein paar Bücher, und schon haben wir eine gemütliche Ecke. Ebenso lassen sich alte angestrichene Truhen sehr schön verwenden. Wir lassen sie kornblumenblau anstreichen und mit Bauernblumen bemalen. Solch ein Möbel wirkt in einer kleinen Diele sehr anheimelnd, und es läßt sich vieles darin aufheben. Mit alten Kommoden soll man recht gut umgehen und sie ja nicht stiefmütterlich behandeln. Ein Möbeltischler kann daraus den schönsten Schreibschrank mit Klappe arbeiten, er zimmert nur den Aufsatz darauf. Aus alten Sesseln, falls sie gutes Polster haben, werden noch sehr schöne, moderne Möbel, wenn wir das Schnitzwerk entfernen lassen. Bei allen neuen Polsterstoffen sollen wir daran denken, möglichst mottenechte Stoffe zu nehmen oder aber vorher alles eulanifieren zu lassen. Wir ersparen uns damit viel Zeit und Aerger. Auch Stühle können modernisiert werden, es kommt nur darauf an, daß sie noch gut erhalten sind, damit es sich auch lohnt. Wir sehen also, daß wir mit Geschmack und Phantasie mancherlei sparen und verwerten können. Solche nach eigenen Ideen angefertigten Möbel machen oft ganz besondere Freude. Es kommt ja nicht darauf an, wieviel wir unserem Mädel mitgeben, sondern daß sie auch wirklich ein gemütliches Heim erhält. Darum denkt an die alten Möbel! Kijchengewijrzkräuter nicht vergessen! NSG. Es gibt bekanntlich noch andere Gewürze außer Pfeffer, Nelken, Zimt, Muskatnuß, Piment und Lorbeerblättern. Ja, wir haben im Inland über 30 verschiedene einheimische Gewürze, die zwar unseren Vorfahren durch ihr „Gewürzgärtlein" nach bekannt, im Laufe der Zeit aber großenteils der Vergessenheit anheimgefallen waren. Im Gegensatz zu den ausländischen Gewürzen, mit ihren — besonders bei übertriebenem Gebrauch — manchmal schädlichen Reizwirkungen auf die empfindlichen Verdauungsorgane, sind unsere heimischen Gewürzkräuter außerdem Heilkräuter, deren günstige Wirkungen für unseren Körper unbedingt förderlich sind. Jede Landfrau sollte in ihrer Gartenecke eine Küchengewürzkräuterecke für den eigenen Hausbedarf anlegen. Je nach der Kopfzahl der Familie richtet man sich, möglichst in der Nähe des Hauses, eine größere ober kleinere Ecke mit ben pikanten unb feinen Kräutern ein, um tagtäglich, sek es zu Tunken, Suppen, Kartoffel-, Fleisch-, Fisch-, Eieroder Gemüsegerichten, von dem einen oder anderen der Kräuter, je nach persönlichem Geschmack, eine Prise zu verwenden. Viele Rezepte gibt es auf diesem Gebiete noch nicht, da die vorhandenen Kochbücher wenig ober nichts von ben einheimischen Kräutern behanbeln. Jebe rührige Hausfrau wirb aber allein burch bas vielseitige Aroma unserer Küchengewürzkräuter eine willkommene Anregung ihrer Kochkunst und eine Bereicherung ihres Küchenzettels erhalten. Das große Geheimnis der Kräuterwürzen ist, daß sie aus den Speisen nicht vorschmecken dürfen. Sie dürfen vom Feinschmecker erraten werden, sollen dem anderen aber eine rätselhafte Verfeinerung bedeuten. Meder ins Landjahr. Von Erika Schulemann Bald ist es wieder so weit, daß die Jungen und Mädel vom L a n d j a h r Einzug halten in den Lagern. Die Jugendlichen, die aus den Städten kommen, kennen nicht das Wachsen in der Natur, nicht die Sorgfalt und Pflege, die dazu gehört, irgendeine Pflanze zum Reifen zu bringen. Sie kennen auch nicht den Bauer, der mit dieser Arbeit verwachsen ist, der nur ihr lebt und durch feine Arbeit mit für den Städter sorgt, der es ihm in früheren Jahren meist so gar nicht zu danken wußte. Die Jungen und Mädel, die vierzehn- und fünfzehnjährig, gerade au? der Schule entlassen sind, sind oftmals ein wenig ängstlich vor dem kommenden Landjahr. Sie wissen nicht, wie sie die Landarbeit anpacken sollen, nicht, wie sie dem Bauern begegnen werden. Aber schon nach kurzen Wochen hat sie ihre neue Arbeit so eingefangen, daß sie kaum mehr an die Stadt zurückdenken. Was gibt es aber auch alles in einem Dorf zu tun. Da ist erst einmal das Lager selbst. Morgens heißt es, zeitig aufstehen, Waldlauf und Gymnastik machen, Betten bauen und frühstücken. Danach geht es hinaus zu den Bauern. Immer nur ein Teil der Belegschaft des Lagers zieht zum Bauern zur Arbeit, der andere bleibt zurück zum Lagerdienst. Frische Mädchenstimmen klingen durch den kühlen Morgen, und schon von weitem wissen die Bauern, daß jetzt „ihr" Mädel kommt. Eins nach dem anderen löst sich aus dem Zug der Marschierenden, bis sie alle ihre Arbeitstätte erreicht haben und dort von Frau und Kindern fröhlich begrüßt werden. Jedes der Kinder möchte dem Mädel zuerst die Hand geben, jede Frau will ihm irgend etwas Liebes, erweisen, sogar der Hofhund kommt herbei und reibt seine Schnauze am Knie des Mädels. Aber viel Zeit zur Begrüßung bleibt nicht, denn die Arbeit ruft. Die Kinder müssen angezogen, gewaschen und gefüttert werden, das Kleintier wartet auf seine Versorgung, und auch das ganze Haus verlangt feine Pflege. Bäuerin unb Mäbel aus bem Lanbjahr schaffen um bie Wette, unb wenn bie Frau hinausgeht auf bas Felb, um bort ihrem Mann zu helfen, bleibt bem Mäbel allein bie Betreuung von Haushalt unb Kin- bern überlassen. Wie stolz ist es, wenn das Mittagbrot den Bauern schmeckt, wenn ein freundlicher Blick, ein Lob feiner wartet. Mittags aber geht es heim ins Lager, um mit den Kameradinnen zu essen, unb am Nachmittag mit ihnen geschult zu werben. Alle Fragen, bie ihnen bei ihrer Arbeit kommen, alle Fragen bes Lebens überhaupt, werben an ben Nachmittagen besprochen und die Kenntnisse der Mädel erheblich erweitert. Durch Disziplin, Sauberkeit, Ordnung und Pünktlichkeit im Lager werden die Mädel erzogen, sie lernen sich einzuordnen in die Gemeinschaft. Die die Lagerdienst haben, lernen alle Arbeiten der hauswirtschaftlichen Tätigkeit, sie lernen kochen und backen, Heimgestal- tung und auch Kinderpflege, denn oft richtet das Landjahrlager Erntekindergärten ein unb betreut sie. Die Mäbel im Lanbjahr werben zu Frauen und Müttern herangebildet. Wie manches Mädel, das ungern ins Lanbjahr kam, kann sich nach den acht Monaten kaum trennen und möchte später wieder auf das Land zurückkehren, denn es lernte bie Arbeit am Boden kennen und lieben. Das Landjahr hilft die Brücke zu festigen zwischen Stadt und Land, hilft gegen die Verstädterung und schafft frohe, gesunde Menschen. Marmelade-einfach kösisich. V. A. „Was ich noch sagen wollte ..bie beiben Frauen stanben nun schon etliche Minuten auf ber Straße unb klagten sich gegenseitig ihre Haushaltssorgen. Die eine als erfahrene Hausfrau wollte von ber jungen mancherlei Rat wissen. Denn bie junge Frau war burch bie Kurse bes Reichsmütterbienstes gegangen unb Ijatte viel gelernt. „Ja, also ich sage Ihnen, was ich jetzt entbeckt habe", plauberte bis junge Frau, „eine phantastische Marmelabe." „Eins phantastische Marmelabe? Ach, wissen Sie, bei uns gibt es immer Butter unb Schmalz, Wurst und Käse. Ich wüßte, offen gesagt, gar nichts mit Marmelade anzufangen." „Aber Marmelade ist doch einfach köstlich. Denken Sie einmal, wenn Sie morgens auf den Frühstückstisch eine Schale mit Marmelade brächten. Sie ist bestimmt gesünder und leichter verdaulich als Wurst." „Ach nein. Mein Mann will immer nur Fett unb nochmals Fett." ,.Na wissen Sie, Frau Meier, ich würbe an Ihrer Stelle aber zusehen, baß ich ihm bas abgewöhnen könnte. Denn wie bas Fett anschlägt, bas sehen Sie ja auch. Ihr Mann wirb immer bicker. Wo soll denn bas hin, Überhaupt, wenn er älter wirb. Unb er ist sowieso nicht mehr einer ber Jüngsten. Verfettung ist bei Arterienverkalkung äußerst gefährlich/ „Das stimmt schon. Aber wenn er nun mal nichts anbe- res will?" „Sie als Hausfrau unb beste Kameradin Ihres Mannes müßten doch wissen, wie Sie ihm raten können. Machen Sie es ihm einmal mal eindringlich klar, wie er sich gegen seine Gesundheit versündigt, wenn er soviel Fett ißt." „Sie haben schon recht. Ich habe auch immer Angst um ihn wegen seiner Verfettung. Aber sagen Sie mal, liebe Frau Kunze, was ist denn bas für Marmelabe, bie Sie meinen, unb wieviel kostet sie?" „Ich meine bie Reichsmarmelabe. Sie bekommen sie als „Gemischte Marmelabe" unb als Vierfruchtmarmelabe zu kaufen. Wie ber Name schon sagt, ist bie Vierfruchtmarmelabe aus vier verschiebe- nen Obstsorten hergestellt, bie gemischte bagegen nur aus zweien. Beiben Marmelaben liegen Aepfel zu- grunbe; denen Erdbeeren, Kirschen, Stachelbeeren oder anderes Beerenobst zugesetzt ft. Der Preis beträgt 32 Pfennig für ein Pfund." „Was, 32 Pfennig für solch eine gute Marmelade?" „Ja gewiß, bas ist billig! Ueberhaupt, wenn Sie bie Qualität beben- ken." „Wissen Sie, Frau Kunze, ich esse ja fogern etwas Schleckriges. Also, ich kaufe sie bestimmt heute noch." „Tun Sie bas. Uebrigens, Sie entziehen Ihrem Mann gar nichts, wenn Sie ihm an Stelle des Fettes Marmelabe vorsetzen. Denn Fett läßt sich leicht burch kohlehybrathaltige Lebens- mittel ersetzen. Unb ber kohlehybratbaltige Zucker ist reichlich in ber Marmelabe enthalten/ „Um so besser, Frau Kunze. Denn schließlich finb doch nun mal Aufbaustoffe für den Körper notwendig. Wenn Zucker Fett ersetzt, dann ist es ja gut. Marmelade ist noch gesünder und leichter verdaulich als Fett? Fortan bekommt er nur noch Marmelade. Da kann er sich auf ben Kopf stellen. Ich werbe einmal cnec* gisch sein? Wirtschaft Südd. Braddock Hochbetrieb im Handball Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a.M. 0,751 41,98 0,153 47,14 54,40 47,14 12,19 5,38 11 ,46 136,49 13,11 0,746 41,89 0,151 47,04 54,29 47,04 12,155 5,37 11,43 13611 13,09 erleben mußte, an seinen Kampf gegen am 3. Juni. Zum erstenmal in Offenbach kommenden Sonntag eine Stadtstafette fahrer, die für alle Vereine des Gaues Japan...... Jugoslawien Oslo...... Wien Lissabon.... Stockholm .. Schweiz Spanien.... Prag . Budapest... Neuyorl über insgesamt 125 Kilometer ausgetragen. Fagioli, Varzi und Chiron, die kannten ausländischen Automobil-Rennfahrer, ben für 1937 noch immer keine Rennverträge. Buenos Aires . Brüssel....... Rio de Janeiro Polen........ Kopenhagen... Danzig....... London Helsingfors.... Paris........ Holland Italien Versuch, bei Suderia Ferrari unterzukommen, scheiterte an der Hartnäckigkeit Nuvolaris. Die Universität Heidelberg gewann am Dienstagnachmittag den Hockeykampf gegen die Universität Kopenhagen sicher mit 5:2 Toren. be- ha- Jhr wird am für Radoffen ist. Auf Reisen. Auswärts weilte To. Dutenhofen, der die lieber- legenheit des Tv. Gonzenheim (Taunus) mit 9:3 anerkennen mußte. Allerdings war Dutenhofen nicht komplett. — Die zweite Garnitur konnte ihr Spiel gewinnen. Die Jugendmannschaft des Tv. Wetzlar konnte in einem sehr schönen Spiel die gleiche Mannschaft des Tv. Rüüesheim knapp mit 3:2 schlagen. wogen kleine Erhöhungen. Vermehrtes Interesse erhielt sich für Bauwerte, Holzmann 146,50 (146), Berger 144 (143), dement Heidelberg 165 (164,75), auch Rütgerswerke als bauverwandter Wert fest mit 144,75 (143), Th. Goldschmidt unv. 133. Von chemischen Werten blieben IG. Farben mit 165,65 behauptet, Deutsche Erdöl 0,50 v. H. leichter mit 143,50. Am Elektromarkt gingen Siemens auf 193,25 (194,50) und Lahmeyer auf 123,25 (124,75) zurück, Schuckert gewannen 0,90 v. H. auf 165,90, AEG. voll behauptet mit 41,25 (41,40). Montanaktien lagen sehr still, fester Verein. Stahl mit 116 (115), Rheinstahl mit 157,50 (157), Hoesch unv. 117,50, Mannesmann 0,25 v. H. schwächer mit 118,50. Kalipapiere waren kaum verändert, gegen die letzten Berliner Kurse jedoch 1 bis 1,50 v.H. erholt. Maschinenaktien zogen auf Grund des günstigen Lageberichtes dieser Wirtschaftsgruppe um 0,25 bis 0,75 v. H. an. Fest waren Kunstseide Bem- berg mit 114.25 (112,50). Schwächer lagen noch Reichsbank mit 196 (197,25) und Westdeutsche Kaufhof auf Abgaben der Kulisse im Zusammenhang mit der letzten Verwaltungsäußerung mit 60,25 (61). Am Rentenmarkt erfolgten in einigen Gold- pfandbriefen bei erhöhten Kursen weitere Vorkäufe auf den Kupontermin. Im Freiverkehr waren Städte-Altbesitzanleihe 0,25 bis 0,50 v. H. höher gefragt, auch Kommunal-Umschuldung mit 91,55 etwas höher. Reichsaltbesitzanleihe blieben mit 120,20 behauptet, Reichsbahn-Dorzugsaktien lagen etwa 0,25 v. H. fester mit 125,40. In der zweiten Börsenstunde bewegte sich das Geschäft am Aktienmarkt in unvermindert ruhigen Bahnen, auch die Kursabweichungen waren denkbar klein. Vorübergehend eingetretene etwa 0,25 v. H. ausmachende Rückgänge wurden meist wieder ausgeglichen. Auch die erst später notierten Papiere wiesen nur geringe Veränderungen auf, höher waren Rhein. Braunkohlen mit 233 (231,50), Buderus mit 125,25 (124,65), etwas niedriger Har- pener mit 154,75 (155) und Scheideanstalt mit 257 (257,50). Arn Einheitsmarkt kamen Dürrwerke Ratingen der letzten Schätzung entsprechend mit 99,75 (l. K. 90) wieder zur Notiz. Abendbörse behauptet. Die Abendbörse lag still und hatte nur kleines Geschäft. Die Kurse erwiesen sich trotzdem gegen den Berliner Schluß als gut behauptet, gegen Frankfurt überwogen allerdings mäßige Rückgänge von 0,25 bis 0,50 v. H., insbesondere am Molltanmarkt. Für Kaliwerte zeigte sich einige Nachfrage, mangels Angebots tarnen Abschlüsse aber nicht zustande. Von Renten hatte Kommunal-Umschuldung mit 91,65 einigen Umsatz. U. a. notierten: 4,50 v. H. Krupp 97,75, 5 v. H. Verein. Stahl 100,50, 6 v. H. IG. Farben 133,90, Reichsbahn-Vorzugsaktien 125,40, Commerzbank 116,65, Buderus 125, Mannesmann 118,50, Rheinstahl 157,25, Verein. Stahl 115,40, Bernderg 114,25, Conti Gummi 193,75, Deutsche Erdöl 143,75, Scheideanstalt 257, IG. Fanden Frankfurt a.M., 30. März. Auftrieb: Rinder 697 (gegen 1218 am letzten Montagsmarkt), darunter 124 (242) Ochsen, 118 (183) Bullen, 365 (611) Kühe, 90 (182) Färsen. Kälber 174 (744), Schafe 5 (79). Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in Mark: Ochsen a) 43 bis 45 (am 22. März 42 bis 45), b) 37 bis 41 (39 bis 41), c) 35 bis 36 (36). Bullen a) 41 bis 43 (41 bis 43), b) 37 bis 39 (36 bis 39), c) 34 (34). Kühe a) 40 123,75, Muag 142, Moenus 109, Stempel Schuckert 165, Westdeutsche Kaufhof 60,25, Zucker 200, Dürrwerke 100. Frankfurter Schlachtviehmarkt. schäften, bei dem die Gäste durch ihr Können überraschten. Wenn es Niedergirmes schließlich gelang, einen knappen Sieg zu landen, so ist das nicht zuletzt dem vollen Einsatz aller Spieler zu danken. 2. Osterfeiertag. Tv. Lang-Göns — BSC. Offenbach 7:10. Ihr Auftreten am 2. Feiertag konnten die Offenbacher in einem jederzeit interessanten und spannenden Kampf siegreich beenden. Lang-Göns gab sich zwar alle Mühe, gleichauf zu bleiben, konnte ab^r an dem Endsieg nichts ändern. — Auch bei dem Spiel der zweiten Mannschaften gab es einen Sieg der Gäste 10:5. Tv. Kirch-Göns — To. Lützellinden 11:6. Man ist überrascht über das gute Abschneiden von Lützellinden. Obwohl die Mannschaft mit zahlreichem Ersatz antreten mußte, konnte sie dem starken Gegner noch bis kurz vor Schluß ein Unentschieden abtrotzen, mußte sich dann aber doch noch knapp geschlagen bekennen. Tv. Londorf — Tv. Holzheim 3:9. Das zweite Spiel der Holzheimer war wesentlich anders. Die Mannschaft hatte sich gefunden und war ihrem Gegner jederzeit klar überlegen. Unter diesen Umständen konnte Londorf trotz des an den Tag gelegten Eifers nichts erreichen. Tv. Beuern — Tv. Garbenteich 3:3. Die Gäste konnten in Beuern recht gut gefallen und ein schönes Ergebnis herausholen, obwohl Beuern verstärkt antrat Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. 0,750 41 ,97 0,153 47,14 54,39 47,14 12,185 5,38 11,45 136,39 13,11 Schweiz in Zürich) nach, an dem die übrigen Bewerber eine Ruhepause einlegen. „ FC.Teutonia" Watzenborn-Steinberg Watzenborn-Steinberg I — Donsbach I 10:0. Zu einem noch aus früherer Zeit ausstehenden Rückspiel trat die 1. Mannschaft vom Sportverein Donsbach gegen die 1. Mannschaft der Teutonen in Watzenborn-Steinberg an. Endete das Vorspiel in Donsbach s. Zt. unentschieden, so konnte man bei dem Spiel am 1. Osterfeiertag eine sichtliche lieber- legenheit der Platzmannschaft bemerken. Zwar versuchten die Gäste unter Einsatz und Eifer die technische Ueberlegenheit der Grünweißen auszugleichen, konnten jedoch nicht verhindern, daß die Teutonen bei Halbzeit bereits mit 6:0 Toren im Vorteil lagen. Nach Seitenwechsel mußte der Gästetorwart, übrigens, der beste Spieler der Elf, den Ball noch viermal aus dem Netz holen. Bei den Teutonen wirkte wieder der rechte Läufer Schäfer mit. Alle übrigen Spieler konnten wieder restlos gefallen und hatten gleichmäßigen Anteil an dem zahlenmäßig hohen Siege. Schiedsrichter Post (Wieseck) leitete zur beiderseitigen Zufriedenheit. $u^6o1l in Oaubringen u. Staufenberg Am 1. Osterfeiertag trug die erste Mannschaft von Saubringen auf dem Sportplatz in Treis ein Spiel gegen die dortige Mannschaft als Freundschafts- kampf aus. Treis mußte die Begegnung teilweise mit jugendlichen Ersatzleuten bestreiten und konnte nur ein Tor erzielen. Die Saubringer siegten sicher mit 3:1 Toren. Am 2. Osterfeiertag weilte dann die erste Elf von Saubringen in Staufenberg zu Gast. Auch dieses Spiel wurde als Freundschaftskampf ausgetragen. Ser Kampf nahyi einen unerwarteten Ausgang. Sie Gäste wurden mit 7:2 Toren geschlagen. Sie Jugendmannschaft von Saubringen weilte bei VfB. Gießen und mußte eine 3:0-Niederläge einstecken. Werbeabend des Turnvereins Mainzlar. Am 1. Feiertag veranstaltete der hiesige Turnverein im Saale Müller ein Werbeturnen. Nach der Eröffnung durch den Sietmart Ernst Müller folgten verschiedene Vorführungen am Reck, am Pferd und am Barren. Sie Turner warteten mit erfreulich guten Leistungen auf. Reicher Beifall wurde den Turnern zuteil. Musikalische Darbietungen füllten die Pausen aus. Kurze Sportnotizen. Sic englische Fußball-Schulmannschaft der Roman Senior Boys School unterlag am Dienstag im Darmstädter Hochschulstadion einer Elf der Darmstädter Schulen mit 1:3 (1:0). Wormatia Worms, der Sudwest-Fußball- me'ifter, unterlag beim Oster-Fußballturnier in Antwerpen im Endspiel der bekannten ungarischen Elf von Ujpest Budapest nur knapp mit 0:1 (0:0). Max Schmeling ist in Begleitung feines Trainers Max Mahon sozusagen in aller Stille wieder in Deutschland eingetroffen. Schmeling glaubt trotz aller Enttäuschungen, die er drüben 0,747 i 41 ,90 0,151 1 47,04 54,30 47,04 12,16 5,37 1 11,44 ! 136,21 13,09 ! 165,50 Gesfürel 145, Holzmann 146, Lahmeyer ----- - - - - — - - 91,25, Versuche mit einheimischen. Fasern bei Weidenrinde und Ginster zu einem befriedigenden Erfolg geführt hätten. Aus der Weidenrinde würde ein guter Ersatz für Kokosfaser gewonnen und aus Ginster eine Faser, die der Wolle und dem Haarfilz beiaemischt werden, aber auch Jute ersetzen kann. Die Landesforstämter und Forstämter werden angewiesen, die Werbung von Ginster und Weidenrinde zu unterstützen. Weiter wird eine Erhebung darüber eingeleitet, wieviel Ginster im ganzen Reich ungefähr vorhanden ist und jährlich geerntet werden kann. Es wird ferner erwogen, den Anbau von Ginster insbesondere auf lichten Beständen, Schneisen, Bahndämmen usw. zu fördern. Auch im Rhein—Main- Gebiet dienen größere Flächen für den Ginsteranbau. . Das teilweise recht schöne Wetter an den Feiertagen kam den abgeschlossenen Spielen sehr zustatten, so daß überall interessante Kämpfe zustande- kamen. Nicht nur die Gäste aus anderen Gauen, auch die Paarungen zwischen einheimischen Mannschaften trugen wesentlich dazu bei. 1. Osterfeiertag. Tv. Heuchelhei m—Tv. Hörnsheim 9:10 (3:6). Die Mannschaft des Kreismeisters der 1. Kreisklasse hat die in sie gesetzten Hoffnungen gerechtfertigt. Sie traf zwar auf eine mit Ersatz antretende Elf der Platzbesitzer, konnte aber vor allem in der ersten Halbzeit ihre ausgezeichnete Spielstärke unter Beweis stellen. Wenn Heuchelheim dann zum Schluß etwas aufkam, so ist das einer augenblicklichen Schwäche der gegnerischen Hintermannschaft zuzuschreiben, die sich bis dahin sehr gut fand. — Das Spiel der beiderseitigen zweiten Mannschaften endete überraschenderweise mit einem klaren Sieg der Gäste 6:9 (3:4). Tv. A l l e n d o r f (Lumda) — Tv. Holzheim 6:4. In dem ersten Spiel seiner Osterfahrt mußte Holzheim eine unerwartete Niederlage einstecken. Während die Platzbesitzer außerordentlich eifrig spielten, kam Holzheim während des ganzen Treffens nicht in Schwung und mußte eine verdiente Niederlage einstecken. Tv. Münchholzhausen — BSC. Offenbach 10:10. Die Platzbesitzer hatten Glück, wenn es ihnen allerdings unter Einsatz ihres ganzen Könnens schließlich gelang, ein Unentschieden herauszuholen. Die Gäste rechtfertigten ihren guten Ruf und legten ein Spiel vor, das leider etwas durch den allzuforschen körperlichen Einsatz von Münchholzhausen getrübt war. — Die beiden zweiten Mannschaften spielten Unentschieden 5:5. Tuspo. Niedergirmes — Tv. Duisburg- Ruhrort 13:11 (5:6). Ein wirkliches Freundschaftsspiel lieferten sich die beiden obigen Mann- 5. Gießener Hallenhandball-Turnier. Die ersten Paarungen. Groß ist das Interesse, das man überall dem 5. Gießener Hallen-Handballturnier entgegenbringt. Schon die weit über 40 Mannschaften zählende Beteiligung ist der beste Beweis dafür. Daß man unter diesen Umständen auch mit den entsprechenden Zuschauerzahlen rechnen kann, ist klar. Mit Rück- icht auf die starke Beteiligung am Turniex wurde ün Programm aufgestellt, das auf die Minute Rück- icht nimmt und das von allen Beteiligten strikte Einhaltung fordert. Daran ändert auch der Ent- chluß der Turnierleitung nichts, mit den Spielen der Klaffe II schon am Samstagabend anzufangen. Es ist ein langer Weg für die Mannsihaften, von der Vor- über die Zwischen- und Dorschluß- in die Endrunde zu kommen, und es wird heiße Kämpfe geben, bevor die beiden Turniersieger feststehen. Die Auslosung hat nun ergeben, daß am Samstagabend beginnen: Luftgaukommando — Heuchelheim 2. 1846 Gießen — Spvg. 1900 Gießen 2. Wißmar — Mtv. Gießen 2. Krofdorf — VfB.-R. Gießen 2. Diese Mannschaften, die um 19.45 Uhr spielfertig anzutreten haben, werden bereits Vor- und Zwi- chenrunde erledigen. Die Sieger greifen dann am Sonntag in die Vorschlußrunde ein. Die restlichen Spiele der Gruppe II beginnen am Sonntagvormittag. Die Mannschaften der drei ersten Paarungen: Lich — Holzheim 2. Holzheim 1. — Hausen 1. Hörnsheim 2. — Dutenhofen müssen schon um 7.15 Uhr spielfertig zur Stelle sein, während der Rest um 8 Uhr anzutreten hat. Das Hauptinteresse wird man natürlich den Spielen der Klasse I entgegenbringen. Die Paarungen der Vorrunde lassen an Spannung nichts zu wünschen übrig und bei der Gleichwertigkeit der Mannschaften wird es außerordentlich schwer sein, sich zu behaupten. Mit Spannung erwartet man auch das erstmalige Auftreten zweier Damenmannschaften. Start zur Deutschen Fußball-Meisterschast. Sieben Gruppen-Endfpiete am 4. April. Gruppe 1: in Allenstein: Hindenburg Allenstein — BC. Hartha; in Hamburg: Hamburger SP. — Beuchen 09. Gruppe 2: in Gelsenkirchen: FC. Schalke 04 — Werder Bremen; in Stolp: Vikt. Stolp — Hertha- BSC. Berlin. Gruppe 3: in Stuttgart: VfB. Stuttgart — SpV. Kassel; in Worms: Wormatia Worms — Dessau 05. Gruppe 4: in Mannheim: SV. Waldhof — 1. FC. Nürnberg. Wer wird deutscher Fußballmeister 1936/37? Es ist jedes Jahr das gleiche Rätselraten, der Reiz der Ungewißheit drückt den Endkämpfen den Stempel auf. Nach Ermittlung der 16 Gaumeister wartet man mit großer Ungeduld auf die Zusammensetzung der vier Gruppen, von der natürlich sehr viel abhängt. Die Gruppenbilder haben in jedem Jahr ein anderes Aussehen, doch lassen sich bei der Einteilung gewisse Härten für den einen ober anderen Verein nicht vermeiden. Das (Eröffnungsprogramm der Gruppenspiele bringt am 4. April sieben Kämpfe. Mit Ausnahme der Meister vom Nieder- und Mittelrhein, Fortuna Düsseldorf und VfR. Köln, greifen also sämtliche Mannschaften in die Ereignisse ein. Die beiden am kommenden Sonntag spielfreien Mannschaften holen ihr Spiel am 2. Mai (am Tag des Länderspiels gegen die Erste Auslosung von Kommunal - ilmschuldungsanleihe. Fwd. Arn 22. April 1937 findet die erste Auslosung der 4proz. Schuldverschreibungen des Umschuldungsverbandes deutscher Gemeinden statt. Die Auslosung wird nach dem Endnummernoerfahren erfolgen, und zwar werden für jeden Wertabschnitt, Buchstabe A bis I, gesondert dreistellige Endnummern gezogen. Es gelten demnach alle Schuldverschreibungen, deren Nummern in den letzten drei Stellen gezogen werden, in sämtlichen Gruppen des betreffenden Buchstabens als ausgelost. Der Umlauf an Kommunal-Umschuldungsanleihe beläuft sich auf rund 2,9 Milliarden Mark, wovon erstmalig 3 v. H., d. h. 87 Millionen Mark, zur Auslosung gelangen werden. Die Rückzahlung wird am 1. Oktober 1937 zum Nennwert erfolgen. Neue Marktregelung im Zigarettengewerbe. Fwd. Zwischen der wirtschaftlichen Vereinigung der 3igaretteninb'Uftriet der vom Reichs- und Preußischen Wirtschaftsminister beauftragten Reichsgruppe Handel und den marktregelnden Verbänden des Groß- und Einzelhandels sind nach eingehenden Verhandlungen Vereinbarungen mit Wirkung vom 1. April 1937 getroffen worden, die der Gesundung des Groß- und Facheinzelhandels dienen sollen. Die neuen Vereinbarungen sehen außer der Stärkung des Fachgedankens die Zuweisung bestimmter Abnehmergruppen an den Großhandel und zweckdienliche Maßnahmen gegen die weitere Uebersetzung des Zigarettenhandels vor. Außerdem sollen sie den Warenweg in geordnete Bahnen lenken und die vereinbarten Wiederoerkaufspreise schützen. Bei diesen Abmachungen sind die Beteiligten übereingekommen, die bisherigen Fachhandelsspannen zu erhöhen. Um die dadurch bedingte Belastung der Zi- garettenindustrie zum Teil auszugleichen, will die Zigarettenindustrie die Höchstgewichte der 2%= und der 3-Pf.-Zigarette auf 950 bzw. 1150 Gramm begrenzen. Die dadurch eintretende Gewichtsverminderung beträgt für 1000 Stück in der Praxis etwa 30 bzw. 50 Gramm. Der Reichskommissar für die Preisbildung hat, um die erstrebte Gesundung des Fachhandels zu ermöglichen, seine Zustimmung zu diesen Preisvereinbarungen gegeben. * * Anlagenwerte 1937. Die von der Dresdner Bank herausgegebene Schriftenreihe Anlagewerte ist mit ihrer zweiten Folge 1937 erschienen. Die Broschüre wird mit einer ausführlichen Darstellung der Entwicklung'des Rentenmarktes eingeleitet. Um den Ueberblick über dieses immer stärker in den Vordergrund tretende Anlagegebiet zu erleichtern, wurde das Tabellenwerk in diesem Teil weiter ausgestaltet. Die Broschüre bringt ferner eine Abhandlung über den deutschen Maschinenbau. Die allgemeine Darstellung dieses Industriezweiges wird durch Einzelabhandlungen über 45 Gesellschaften und eine tabellarische Uebersicht über die Bilanzen, Erfolgsrechnungen und Kurse von 68 Gesellschaften ergänzt. Nhein-Mainische Börse. ZUittagsbörfe ruhig. Frankfurt a. M., 30. März. Die Börse zeigte nach den Feiertagen einen zögernden Geschäftsbeginn, weil sich der Auftragseingang weiterhin in sehr engen Grenzen hielt Auch der berufsmäßige Handel verblieb in seiner Zurückhaltung. Am Aktienmarkt war die Kursentwicklung uneinheitlich, bei freundlicher Grundtendenz über- bis 43 (40 bis 43), b) 35 bis 39 (36 bis 39), c) 28 bis 33 (27 bis 33), d) 20 bis 25 (20 bis 25). Färsen a) 42 bis 44 (41 bis 44), b) 39 bis 40 (39 bis 40), c) 33 bis 35 (35). Kälber a) 65 (60 bis 65), b) 50 bis 55 (45 bis 55), c) 40 (40), d) 38 bis 40 (35 bis 40). Hämmel und Schafe wurden nicht notiert. Marktoerlauf: Rinder und Kälber wurden zugeteilt. Der Schweinemarkt findet am Donnerstag, 1. April, statt. Förderung des Äinsteranbaus. Fwd. Der Reichsforstmeister gibt ein Schreiben des Beauftragten für den Dierjahresplan, Amt für deutsche Roh- und Werkstoffe, bekannt, wonach die im Rahmen des Vierjahresplanes durchgeführten Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schluß- fürs Schluß! Mittagbörse Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schluß!. Mittag- Börje Datum 25-3. 30-3 25-3. | 30.3. Datum 25-3. 30.3. 25 3. 30.3. 5% Deutsche Reichscmleihe v. 1927 101,13 101,13 101,131 101,13 210 210 210 210 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 99 99 99 99 Accumulatoren-Fabrik....... 12 5y2% Doung-Anleihe von 1930 .. 103,25 103,5 103,5 103,5 KV-Kunstseide............ . O — —— —— —— 4Vt% Hessische Volksstaat von 1929 99,65 99,65 99,65 99,65 Aschaffenburg Zellstoff....... Bemberg.................. . 3 135 136 136,25 135 4%% Deutsche Reichspostschatz von 100,2 100,4 100,4 100,5 . 0 113 114,25 112,5 113,9 1934 I...................... Bekula.................... . 8 165 164,65 165,5 165,25 4ya% Deutsche Reichsbahnschatz 98,5 98,5 98,5 98,5 Buderus Eisen............. . 4 124,25 125 124,75 124,9 von 1936 I.................. Gement Heidelberg......... . 7 165 165,4 —- —— Reichsanleihe-Altbesitz.......... 120,25 120,2 120,25 120,25 Gement Karlstadt.......... . 6 —— —— —— — Oberhessen Provinz-Anleihe mit Ghade A.-G................ . 9 — — — — Auslos.-Rechten.............. —— —— — — Gontt Gummi............. 11 190,4 193,75 190,25 194 4y2% Hess. Landesbk. Darmstadt 98,25 98,5 98,25 98,5 Daimler Motoren.......... . 5 125,5 126,75 126 127,5 Goldpse. R. 12.............. Dessauer Gas............. . 4 — — 112,75 112,75 By.% Hess. Landes-Hyp.-Bank 100,75 100,75 Deutsche Erdöl............ Deutsche Gold- und Silber .. . 5 143,5 143,75 143,25 143,65 Liqu. Goldpse............... — — . 9 259,5 257 — — 4y2% Preuß. Lcmdespsdbr.-Anst. 98,25 98,25 Deutsche Linoleum......... 10 170,75 170,75 171 170,65 Goldpse. R. 19.............. — —— Elektrische Lieferungen...... . 6 U5 130,25 135,5 130,65 4y2% Preuß. Gold-Komm. R. 20 96,5 96,5 96,5 96,5 Elektrische Licht und Kraft... . 7 148,13 147,5 148 147,25 4%% Darmstädter Komm.-Lan- I. G. Farben-Jndustrie..... . 7 165 165,5 165,25 165,9 desbankR. 6................ 95,75 95,75 —— — Felten & Guilleaume....... . 6 137 137,75 137 138 Deutsche Komm.-Eammel-Anleihe 128,4 Gesfürel.................. . 6 144,75 145 144,4 145,75 Auslos.-Rechte I.............. — 128,13 128,4 Th. Goldschmidt........... . 5 131,5 133 131,65 133,5 4%% Franks. Hyp. Goldpse. R. 15 98,75 99 98,5 98,75 Gritzner Maschinen......... . O 42,9 42 42 42,75 4y2% Franks. Hyp. Gold-Komm. Harpener................. 2% 153 154,75 153 155 Obl. 2 3.................... 96,5 96,5 — —— Hoesch Eisen............... 3-/2 116,75 117,5 116,65 117,5 5y2% Franks. Hyp. Liquidation Philipp Holzmann......... .. 6 144,75 146 144,25 146,5 Goldpse..................... 100,95 101 — — Ilse Bergbau.............. ..6 — -— 175 — 5y2% Rheinische Hyp. Liquidation Ilse Genüsse.............. .. 6 144,75 144 144,75 144 Goldpse..................... 100-9 100,9 100,75 100,9 Kali Aschersleben.......... .. 5 127,5 125,4 126,5 124,25 Steuergutschein-Verrechnungskurs 110,4 110,4 110,65 110,65 Klöcknerwerke............. 4*/2 122,25 123,25 122,5 123,5 5%. Goldmexikaner von 1899 .... — — — _ Kokswerke und Chemische Fabnk 6 — — 143,5 145,25 4% Oesterreichijche Goldrente.... — — — — ^aymeyer................ .. 6 1.24,5 123,75 124,13 123,75 4,2% Oesterreichische Silberrente. —— — — Mainkraft................. .. 4 93,25 94,25 — — 4>/2 Ungarn Staats von 1913 .... — — — — Mannesmann............. 117,5 118,5 118 118,4 4% Ungarische Goldrente....... — _ — Mansfelder Bergbau....... bl/2 155 — 154,5 155,13 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 — — — — Metallgesellschaft........... .. 5 154,75 153 155 153,5 5% Rumänen von 1903......... 4yz% Rumänen Gold von 1913.. — — — Orenstein & Koppel........ Rheinische Braunkohle...... .. O . 12 233 91,5 227 91,25 232,75 4% Einheits-Rumänen......... —... _ _ Rheinische Elektro.......... .. 6 — 133 133,5 4% Türken Bagdad 1........... —— _ - Rheinstahlwerke............ .. 6 155,5 157,25 155,5 157 4% Türken Bagdad 11.......... _ — _ Rüeinisch-Westfälische Elektro .. 6 128,75 128,4 128,65 128 5 2y4% 1. Anatolier.............. — — Rütgerswerke ............. .. 6 ?yz .. 6 .. 4 .. 6 . 10 3% 144,75 142,5 144,25 A.G. für Verkehrswesen......1 6 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Hamburg-Amerika Paket......0 Norddeutscher Lloyd..........0 Deutsche Reichsbahn Vorz.-Akt. 130,25 16,13 17,4 125,4 130,5 16,5 16,65 125,4 130,4 43,5 16,4 17,25 125,4 130,9 43,5 16,25 16,75 125,5 Salzdetfurth Kali.......... Schuckert & Go............. Schultheis Patzenhofer...... Siemens & Halske......... Süddeutsche Zucker......... Vereinigte Stahlwerke...... 164,5 191,5 200 118,25 169,5 165 193,25 200 115,4 171,75 164,75 95 192 200 118,65 169 164,75 95,25 193,5 200 115,4 Reichsbanl................. 12 196 196 197 195,65 Westdeutsche Kaufhof....... .. 0 60,25 60,25 60,25 60 Berliner Handelsgesellschaft ... — 125 125 Westeregeln Alkali.......... .. 127 122,5 124 122,9 Commerz- und Privat-Bank ... 116,25 116,65 120 116,25 116,65 Zellstoff Waldhof.......... .. 1 156,5 158 156 158,25 Deutsche Diskonto............ 120 120 120 Otavi Minen.............. . 0,6 33,13 33,75 33 33,5 Dresdner Bank.............. 103 103 103 103 25 -März 30 .März Amtliche Notierung Amltche Notierung Geld Bries Geld Brie, 0,709 0,711 0,709 0,711 5,694 5,706 5,694 5,706 61,10 61,22 61,12 61,24 48,95 49,05 48,95 49,05 11,04 11,06 11,04 11,06 62,68 62,80 62,70 62,82 56,67 56,79 56,68 56,80 16,98 17,02 16,98 17,02 8,656 8.674 8,656 8,674 2,488 2,492 2,488 2,492 25 -März 30.März Amtliche Notierung Geld | Brief Amtliche Notierung Geld | Bries m.74 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen) Mittwoch, 3l. März 1937 Landwirtschaftliche Genossenschaften tagen in Gießen. Alljährlich am dritten Ostertag versammeln sich bäuerliche Genossenschafter unseres Bezirks in Gießen zu ihrer Jahrestagung. Aus der näheren Umgebung, aus dem Vogelsberg, aus der Wetterau, und aus dem benachbarten Kreis Wetzlar hatten sich auch am gestrigen Osterdienstag die Besucher zahlreich eingefunden. Vormittags hielt die Bezirks-Biehverwertung unter der Leitung des Landwirts Kehr (Treis a. d. Lda.) im Lokal von Faulstich ihre dritte ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende begrüßte insbesondere Oberrevisor Hartmann von der Kreisstelle Oberhessen-West im Verband ländlicher Genossenschaften, ferner Direktor Dr. van Bentheim von der Oberhessischen Viehoersicherung in Gießen. Direktor Otto Heß (Leihgestern) erstattete den Geschäftsbericht. Die Mitgliederzahl ist um 99 auf 571 gestiegen. Nach einer im abgelaufenen Geschäftsjahr notwendig gewordenen gründlichen Umorganisation konnten über 3000 Schlacht- und Nutztiere im Gesamtwerte von mehr als einer halben Million Mark umgesetzt und etwa 150 Tiere direkt vermittelt werden. Die Viehverwertung als bäuerliches Selbsthilfeunternehmen hat (unter schwierigen Verhältnissen bewiesen, daß ein Bedürfnis für eüie solche Einrichtung vorhanden ist. Direktor Heß gab dann noch die in Aussicht genommenen Aufbauarbeiten bekannt, die notwendig werden, um den Genossenschaftsgedanken weiterzutragen und zu vertiefen. Oberrevisor Hartmann sprach in längeren Ausführungen über die Aufgaben der Viehverwertung, besonders über die Finanzierung des Nutzviehgeschäftes, und gab wertvolle Winke für die weitere Arbeit. Bei den Wahlen wurden das ausscheidende Vorstandsmitglied L. Schäfer (Annerod) sowie die ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Kehr (Treis a. d. Lda.), Rodenhausen (Wi^seck), Bücher (Bersrod), Meier (Staufenberg) wieder- und Sommer (Gießen) neugewählt. Der Antrag Pelikan (Winnerod), zur Stärkung des Eigenkapitals eine baldige Erhöhung bzw- Staffelung der Geschäftsanteile vorzunehmen, wurde dem Vorstand zur Weiterbearbeitung überlassen. Ab 1. Mai dieses Jahres soll von neueintretenden Mitgliedern ein Eintrittsgeld von 5 Mark erhoben werden. Der Ausbau des Nutzviehgeschäftes war Gegenstand einer fruchtbringenden Aussprache. Gleichfalls soll die Vermittlung von Pferden in Angriff genommen werden. Nach allseitigem Dank der Versammlung an Otto Heß für seine unermüdliche Tätigkeit für die heimische Bauernschaft wurde die Tagung geschlossen. Die Dezirks-Eierverwertung hatte um die Mittagszeit in das gleiche Lokal ein- aeladen. Aus dem von Geschäftsführer Dittmar (Gießen) vorgetragenen Jahresbericht war zu entnehmen, daß im abgelaufenen Geschäftsjahr 4129118 Stück Eier im Werte von 403 562,10 Mark umgesetzt worden sind. Der Umsatz auf einer Hauptbuchseite betrug 1585 050,28 Mark. Das Ergebnis sei, so führte "er u. a. aus, zufriedenstellend. Der Rechnungsabschluß weist einen Reingewinn aus, der vor allem zur Stärkung der Reserven verwandt werden soll. Außerdem soll auf die eingezahlten Geschäftsanteile eine 5prozentige Dividende vergütet werden. Das ausscheidende Vorstandsmitglied Menge! (Hattenrüd), sowie die ausscheidenden Aufsichtsrats- mitglieder M a r st e l l e r (Grüningen) und Weil (Lang-Göns) wurden wiedergewählt. Das Aufgehen der Genossenschaft in einer benachbarten Organisation wurde einmütig abgelehnt. Nach herzlichen Dankesworten des Vorsitzenden an Geschäftsführer Dittmar wurde die Versammlung geschlossen. Sie Po ksbank (Hießen hielt nachmittags im Saale des Cafe Leib ihre Generalversammlung ab Der Besuch war, wie immer, sehr gut. 301 Mitglieder waren erschienen. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Zimmer (Gießen), wies eingangs auf die hohen genossenschaftlichen Aufgaben hin, die der Volksbank gestellt sind. Die Genossenschaften seien keine auf Gewinn eingestellte Unternehmungen, sondern stünden im Dienste der Gemeinschaft. Diese Aufgaben seien gerade heute von besonderer Bedeutung. Das erfordere aber auch von feiten der Gnossen, ihren Verpflichtungen pünk- lich nachzukommen und damit die Bank in die Lage zu versetzen, ihre Aufgabe in der Wirtschaft zu erfüllen. In dem von Direktor Hartmann erstatteten Geschäftsbericht wird u. a. gesagt: Die Volksbank als jüngstes auf genossenschaftlicher Grundlage aufgebautes Geldinstitut in Gießen hat auch im Berichtsjahr 1936 seine günstige Entwicklung weiter fortgesetzt. Seit dem Aufbaujahr 1933 hat sich der Umsatz mehr als verdreifacht, während die Zahl der Genossen um 30 v. H., die Bilanzsumme um 50 v. H. gestiegen sind. An diesen Zahlen ersieht man die Erfolge der nationalsozialistischen Regierung, die auch die Bedeutung des Genossenschaftswesens voll würdigt. Die Volksbank war seinerzeit eine rein bäuerliche Gründung. Nach und nach kamen auch städtische Kunden, die vom Lande stammten, oder die sich mit dem Lande verwachsen fühlten, hinzu, weil hier von jeher der Gedanke der Volksgemeinschaft nach dem Grundsatz „Stadt und Land, Hand in Hand" gepflegt wurde. Heute zählt die Bank 612 Mitglieder. 72 v. H. der Mitglieder wohnen auf dem Lande, 28 v. H. in der Stadt. Der Umsatz betrug auf beiden Seiten des Hauptbuches 57 Millionen Reichsmark. Die Steigerung gegenüber dem Vorjahr betrug 20 v. H. Die Einlagen haben sich trotz starker Rückzahlungen um 46 500 RM. erhöht und betrugen jetzt 1 042 200 RM. Die Ausstände haben sich um rund 80 000 RM. auf 796 300 RM. erhöht. Im Berichtsjahr wurden 112 neue Kredite im Gesamtbetrags von 218 000 RM. bewilligt. Die Persönlichkeit des Kreditsuchenden steht im Vordergrund; er muß kreditwürdig und kreditfähig sein. Die Kreditverteilung zeigt, daß Kleinkredite vorherrschend sind. Die Ausstände verteilen sich auf 481 Genossen. 227 haben Kredite unter 1000 RM., 233 haben Kredite von 1000 bis 5000 RM. und nur 21 stehen mit 5000 bis 10 000 NM. zu Buch. Für sämtliche Kredite liegen Sicherheiten vor. Blankokredit wird grundsätzlich nicht gewährt. Am Kassenschalter betrug der Umsatz 15,4 Millionen RM., bei der Reichsbank 9,2 Millionen NM., auf dem Postscheckkonto 1,7 Millionen RM. umgesetzt. Bei der Landesbauernkasse wurden rd. 8 Mill. RM. umgesetzt. Die Bilanz weist 133709 RM. Guthaben bei der Bauernkasse aus. Der Wechselbestand hat sich auf 105 475 NM. erhöht. Die eigenen Wertpapiere sind mit 139 173 RM. bilanziert. Es sind Reichsanleihen und Pfandbriefe, die im Notfall von der Reichsbank belieben werden können. Die täglich fälligen Verbindlichkeiten find durch flüssige Mittel, einschließlich Bankguthaben und Effekten, auch ohne den Wechselbestand voll gedeckt. Die Liquidität ist somit günstig. Die eingezahlten Geschäftsguthaben der Genossen betragen 121 534 RM. An offenen gesetzlichen Reserven sind 29 200 RM. vorhanden. Für etwaige Ausfälle besteht eine weitere Reserve von 16 000 RM. Der Reingewinn beträgt 7389 RM. Es ist vorgesehen, 1400 RM. den Reserven zu überweisen und 5 v. H. Dividende auszuschütten. Die Zinsspanne wird möglichst niedrig gehalten. Der Hauptzweck ist, den Genossen zu dienen. Daß auf diesem Gebiet vieles geleistet werden kann, wird gerade im Genossenschaftswesen bewiesen. Dem diesjährigen Geschäftsbericht ist eine Statistik über die bisherige Entwicklung der Bank angefügt. Im Jahre 1924 wurde mit dem Geldgeschäft begonnen. Im ersten Jahre waren es 113 Genossen mit 522 000 Mark Umsatz und 53 096 Mark Bilanzsumme. Die Dividende war dem damaligen Zinssatz angepaßt und betrug 30 v. H. An diesen Zahlen ersieht man einerseits die günstige Entwicklung dieser Genossenschaft, aber auch die inzwischen eingetretene wirtschaftliche und finanzielle Gesundung. Das Volk hat wieder Derdienstmöglichkeit und wieder Vertrauen, und dies wirkt sich deutlich in der ständigen Steigerung des Sparkapitals aus. Die Schuldzinsen sind auf eine normale Höhe zuruck- geführt, so daß sie auch bezahlt werden können. Die Generalversammlung genehmigte einmütig den Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat über die Verteilung des Reingewinnes. Das ausscheidende Vorstandsmitglied Molkereibesitzer Hans Grieb (Gießen) sowie die' ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Becker (Kesselbach), Dem (Leihgestern) und Müller (Lich) wurden einstimmig wiedergewählt. Der Vorsitzende Rechtsanwalt Zimmer dankte zum Schluß der Versammlung den Mitgliedern für die bewiesene genossenschaftliche Treue und der Gefolgschaft der Volksbank für die stete einsatzbereite Mitarbeit. Gießener Künstler schaff ein Ehrenmal der Arbeit Aus der provinzialhaupifiadi vor dem Regen geschah und uns hätte warnen fön' nen, ist uns entgangen. Wir vertrauten bedenkenlos dem strahlenden Sonnenschein am tiefblauen Himmel. Wir bemerkten nicht, daß die Luft dicht über dem Erdboden seltsam zu zittern begann, und wir wußten nicht, daß es sich bei diesem Flimmern um warme Luft handelt, die sehr leicht ist und als „Aufwind" in die Höhe steigt. Dabei konnten wir auch nicht erkennen, daß sich einzelne Luftkanäle bildeten, in denen diese warme Luft in großen Mengen aufwärts schoß, und ganz harmlos schienen auch die kleinen weißen Wölkchen zu sein, die bald darauf im Blau entstanden und sich heiter und wohlgelaunt in der Sonne kugelten. Nichts verriet die Heimtücke dieser Wolken, aus denen — der Aprilschauer entstand! Kobolde am Frühlingshimmel. Jrn April spielt sich der Endkampf zwischen den weichenden Gewalten des Winters und dem siegreich durchbrechenden Frühling ab. Je nachdem, wer in diesem Endkampf führt, strahlt die Sonne oder jagen mit Blitz, Donner und Hagel die berüchtigten Aprilschauer über das Land. Der Aprilschauer ist das Aushängeschild dieses launischsten aller Monate im Jahr, und so sei hier ein Steckbrief gegen den „Kobold am Frühlingshimmel" erlassen. Wir kennen alle den Aprilschauer, aber wir kennen ihn nur, wenn er als fertiges Erzeugnis am Himmel hängt, sich temperamentvoll entlädt und unsere Aufmerksamkeit erzwingt. Wir werden uns auch das nächste Mal von ihm überrumpeln lassen, weil wir noch nicht darauf geachtet haben, I auf welche Weise er eigentlich entstand. Alles, was Vor einiger Zeit entstanden im Atelier des Gießener Bildhauers Bourcarde Entwurf und Modell zu einem Ehrenmal der Arbeit. Der Künstler hatte von der Leitung der Buderusfchen Werke in Wetzlar den Auftrag erhalten, für den Eingang des Werkes Sophienhütte in Wetzlar eine Figur zu schaffen, die als Sinnbild für den Charakter des Werkes angesehen werden kann. Entwurf und Modell haben nun ihre Verwirklichung und endgültige Gestaltung erfahren. Der Künstler hat die charakteristische Gestalt eines Eisengießers als Bildvorwurf gewählt. Das Kunstwerk wurde von einer Spezialfirma monumental (in einer Größe von etwa drei Meter Höhe) in Bronze gegossen und gelangte nun am Eingang der Sophienhütte in Wetzlar zur Ausstellung. Das vorstehende Bild zeigt das Kunstwerk nach einer eigenen Aufnahme des Künstlers. Eine kleine Wiedergabe (ebenfalls im Bronzeguß) ist auch in der Gauausstellung der bildenden Künstler des Gaues Hessen-Nassau in der Volkshalle zu sehen. Gute Möbel bei Koos Giessen Schulstr 6 John Constable. Zur Entstehung der modernen Landschastsmalerei. Daß ein Landschaftsbild nicht vor der Natur entstanden oder doch mindestens angelegt sein sollte, erscheint uns heute kaum vorstellbar. Dennoch ist es kaum mehr als hundert Jahre her, daß einzelne Künstler damit begannen, sich mit ihrem Malgerät mitten ins Freie zu begeben, anstatt im geschlossenen Atelier nach flüchtigen Skizzen ^Erinnerungen an die Natur zu Bildern zu verarbeiten. Zu den Vätern dieser „Paysage intime“, die sich unter Verwerfung aller bewährten Rezepte auf die Frische und Unmittelbarkeit des Natureindrucks verläßt, gehört der Engländer John Constable. 1776 als Sohn eines Müllers in der Grafschaft Suffolk geboren, wurde Constable Mitglied der Londoner Akademie und hat fast ausschließlich Landschaften mit Motiven seiner englischen Heimat gemalt, die in London so gut wie unbeachtet blieben, dagegen auf einer Ausstellung in Paris 1824 größtes Aufsehen erregten und von da aus der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts ganz neue Wege wiesen. In Frankreich hatte Eugene Delacroix die revolutionierende Tat Constables bald erkannt, und in Deutschland war es Menzel, dem es bei der ersten Bekanntschaft mit Bildern dieses Engländers wie Schuppen von den Augen fiel. Die frühen, ganz locker und frei gemalten Landschaften Menzels find unter dem Eindruck Constables entstanden. Um Constables Leistung richtig einzuschätzen, wird man gut tun, seine Landschaften, die man heute in der Londoner National-Gallery, im Viktoria- und Albert-Museum und in der Tate-Gallery studieren muß, mit den alten Meistern zu vergleichen. Denn an den Bildern späterer Maler, zumal der Impressionisten, gemessen, wirken sie noch immer schwer und bunt, zuweilen auch überladen und gestellt. Erst von rückwärts her gesehen, erkennt man das Umwälzende dieser Malkunst, die nicht Einzel- motive zu effektvollen Kompositionen verbindet, sondern immer das Ganze der Natur vor Augen hat. Als Constable von einem Kollegen gefragt wurde, ob es ihm auch so schwer fiele, die Stelle im Bilde zu bestimmen, an die der große braune Baum soll, schüttelte er den Kopf und gab zu verstehen, daß dergleichen Sorgen ihm völlig fremd seien. Zwar hat' auch er von den großen alten Meistern, namentlich von den Holländern und von Claude L o r- rain, redlich zu lernen versucht, wie man einem 1 Gemälde den beliebten Goldton verleiht, wie man Staffage und Kulissen verwendet, kurz, wie man die Natur arrangiert. „Zwei Jahre lang" — so gesteht er — „bin ich jetzt hinter Bildern hergelaufen und habe die Natur aus zweiter Hand genommen. Ich kehrte nach Bergholt zurück und will versuchen, auf £eine und unaffektierte Weise die Dinge wiederzugeben, die' mich beschäftigen. Hier ist Platz für einen natürlichen Maler." Also ein „natürlicher Maler" zu werden, das war sein Ehrgeiz. Und um zu sehen, daß die Bäume nicht, wie bei den Ateliermalern, braun sind, sondern grün, und daß dieses Grün unter dem stets wechselnden Einfluß der Atmosphäre und des Lichtes die verschiedensten Abstufungen hat, um zu beobachten, wie am weiten Himmel die Wolken ziehen, wie der Wind ihre Gestalt verändert und das Wasser sie wiederspiegelt— dazu mußte er in die Natur hinaus gehen, mußte alle noch so berühmten Vorbilder beiseite lassen und nichts weiter tun, als die Natur in allen Erscheinungen kennenzulernen. Von dem Ergebnis dieses unablässigen Umgangs reden seine Bilder in der Helligkeit ihrer Farben und der gelösten, sanft und doch kraftvoll hinströ- menben Strichführung. Nicht alle ausgeführten Arbeiten haben diese Vorzüge; gerade den berühmten Meisterwerken wie dem „Heuwagen" und dem „KornfeU)" der National-Gallery, merkt man hin und wieder doch noch das nachträglich Gestellte an, aber die herrlichen Skizzen sind ganz frei davon, und diese ersten kühn hingeworfenen Impressionen sind es vor allem, die Constables Ruhm als Wegebahner der späteren Freiluftmalerei begründet haben. Das ist so lebeüdig, so improvisiert, so ganz von dem Glück des erlebten Augenblicks her bestimmt, daß man die romantischen Ruinenlandschaften eines Wilson gar nicht mehr sehen mag, daß sogar die kultivierte Malerei eines Gainsbo- rough als ein künstliches Gewächs, eben als „Natur aus zweiter Hand" erscheint. Wie jedem Maler, der nichts weiter als Maler sein wollte, hat man auch Constable vorgeworfen, er habe nicht zeichnen können, und dieser hat den Tadel ruhig hingenommen, ja vielleicht als ein Lob aufgefaßt, wohl wissend, daß dieser angebliche zeichnerische Mangel seine koloristische Tugend war. Constable hat in England keine eigentliche Schule begründet, er war einer jener Propheten, die in ihrem Vaterlande nichts gelten. Um so rascher hat er sich das Festland erobert. Unter den großen Landschaftern der Folgezeit ist keiner, der ihn nicht zu feinen Ahnen zählte. Ernst von Niebelschütz. Besuch in Danzig. Bild einer alten deutschen Hansestadt. Von der See her muß man kommen und durch den weitläufigen Hafen hindurch nach Danzig hineinfahren, wenn man beim ersten Eindruck schon den Kern und den Geist dieser alten Seestadt erfassen will. Kaum hat der kleine Dampfer die Stadt selbst erreicht, da ist der Besucher auch schon mitten im baulichen Mittelalter drin und steht dem einen der berühmten drei Wahrzeichen Danzigs Äug' in Auge gegenüber, dem weitausladenden Backsteinbau des Krantors. Die Jahrhunderte haben die Holzbekleidung schwarz gefärbt, und im Innern sieht man noch die alten, in ihrer Einfachheit großartigen Vorrichtungen zum Heben von Schiffslasten. Mit einem Gewirr alter Häuser schließt sich der „F i s ch m a r k t" an, und drüben auf dem anderen Mottlau-Ufer reihen sich die hochgiebeligen, altersgrauen Fachwerkbauten der Warenspeicher auf. Man spürt in allem förmlich den lebendigen Atem des Mittelalters, und dieser Eindruck setzt sich fort, ja vertieft sich noch, wenn man durch eines der vielen, gegen die Mottlau hin abschließenden Stadttore tritt. Hinter ihnen tun sich die Frauengasse, die Jopengasse, die Brodbänkengasse — und wie diese trauten Gassen alle heißen — in einer von der neugeschichtlichen Zeit geradezu unberührten Schönheit auf und lassen erkennen, daß diese größte und reichste Stadt des Ordenslandes zugleich auch heute noch eine der besterhaltenen deutschen Städte überhaupt ist. Diese ursprüngliche Gestaltung der Straßenzüge und Platzräume rückt Danzig in die erste Reihe der deutschen Städte, die sich noch in nennenswertem Umfange ein Bild alten deutschen Städtewesens bewahrt haben. Das wird besonders noch durch die „Beischläge" unterstrichen, jene altanartigen Vorbauten vor den Häusern, wie sie, außer vereinzelt noch in Elbing, in keiner anderen Stadt zu finden sind. Sie schließen sich in kunstvoll geschmiedeten Gittern und in Steinbrüstungen mit plastischem Schmuck, mit Steinkugeln als Geländerträgern und Delphinen als Wasserspeiern gegen die Straße ab und waren in früheren Zeiten ein von Bäumen überschatteter Sammelpunkt des Familienlebens und der gewerblichen Tätigkeit. Und in diesem altertümlichen Stadtbild, das die Jahrhunderte fügten, ohne „das Gesetz, wonach es angetreten", zu verletzen, ragt der Wiesenbau der Marienkirche auf, eines der größten Gotteshäuser der Christenheit mit feinem gewaltigen, in den Himmel auf- ragenöen Backsteinturm, der dem ganzen Stadt» bild sein Gepräge gibt. Nicht weit davon steht das dritte Wahrzeichen Danzigs, der Ratsturm am Langen Markt. Steil wie eine Lanze schießt er empor, mittelalterlich ernst in seinem Backsteinunterbau, organisch gekrönt von der eleganten Renaissancespitze, einer der schönsten Turmspitzen deutscher Baukunst. Vielleicht hat Arthur Schopenhauer, der Philosoph aus Danzig, sein Wort von der „Architektur als einer erstarrten Musik" gefunden, als ihm das harmonische Raumgebilde des Langen Marktes vor Augen stand. Hier ist in die schwingende Reihe prachtbeladener Patrizierhäuser die gotische Front des Artushofes eingebaut, der jedem Besucher eine bezwingende Anschauung davon gibt, in welcher großartigen, geradezu fürstlichen Weise die alten Kaufmannsgeschlechter ihren geselligen und gesellschaftlichen Bedürfnisten gerecht zu werden verstanden. Wer aber einen Einblick in die Wohnkultur jener alten Geschlechter tun will, der besuche in der Langgasse, ganz in der Nähe, das Uphagenhaus, das wie ein Museum die ganze Inneneinrichtung aus alter Zeit getreulich bewahrt hat. Ueberhaupt die Langgasse, diese Straße der königlichen Kaufleute! Auch aus ihr spricht, unbeschadet des über sie dahingehenden modernen Verkehrs, lebendig^und vernehmlich das Mittelalter noch seine kernige Sprache. Ihre sanft geschwungene Biegung ich gebunden durch den Rhythmus der mittelalterlichen, schmalen und quer zur Straße stehenden Häuser. Dadurch reiht sich Giebel an Giebel, die sich als krönende Glieder der Straßenwände scharf gegen den Himmel abheben. Mit zweifellos besserem, dankerfülltem Verständnis als die Bewohner dieser schönen Straßen in den städtebaulich so verhängnisvollen Zeiten des 19. Jahrhunderts gedenken wir der Tatsache, daß Danzig damals wirtschaftlich dahinkümmerte und deshalb nicht mithalten konnte, als die Mehrzahl der reicheren Städte in der kläglichen Baugesinnung jener Tage das alte Kulturgut ihrer Häuser und Straßen blind zerstörte. Tagelang läßt es sich beschaulich wandern durch Danzigs Gassen, und nie ermüdet der Blick. Stets belebt sich das Verständnis für das schöne Antlitz dieser Stadt und für die unbestechliche Sprache ihrer durch und durch deutschen Geschichte. Der empfängliche Besucher wird selbst die eigenartigen, sämtlich aus dem gleichen deutschen Geiste 'geschaffenen Schönheiten in den Rathäusern und Kirchen, der herrlichen Stadttore, und wo es sonst auch sei, in einer kaum faßbaren Fülle für sich entdecken Dr. Richard Wagner. Wie kam es nun dazu? Im Frühling, insbesondere im April, herrscht tagsüber zwischen der Temperatur der Erdbodenluft, die von der Sonne stark erwärmt wird, und der höheren Atmosphäre, die nur unwesentlich der Sonnenwärme unterliegt und gerade um diese Jahreszeit besonders kalt ist, ein auffallender Gegensatz. Es kommt oft vor, daß dann in 1000 Meter Höhe fünf Grad Kälte herrschen, während am Erdboden 15 Grad Wärme gemessen werden. Dabei steigt die warme Bodenluft, weil sie sehr leicht ist, wie ein Ballon in die Höhe und gelangt mit zunehmendem Feuchtigkeitsgehalt bald in die Kaltluftschicht. Dort erst wird die bis dahin unsichtbare Warmluft dem menschlichen Auge erkennbar, es entstehen Wolken. Diese Wolken werden dicker und umfangreicher, je mehr der aufsteigende Warmluftstrom Nachschub erhält und sich in die Kaltluft einbohrt. Wir erkennen diese Vorgänge an den schneeweißen, explosionsartigen Ballungen der Wolkengipfel, die sich fächerartig ausbreiten, sowie an dem drohenden schwarzen Untergrund. Nun kann aber eine solche Wolke nur bis zu einem bestimmten Ausmaß die feinen Nebeltröpfchen, aus denen sie entstand, in der Luft schwebend erhalten. Wird das Gewicht der Wolke zu schwer, was bei den Aprilwetterlagen fast immer eintritt, so scheidet sie Naß aus, und wir sehen, wie die Konturen der Wolke zerfließen und sich Streifen bilden. Es dauert dann nur noch wenige Minuten, und es beginnt zu regnen oder zu schneien, je nach den Temperaturverhältnissen. Steigt die Warmluft besonders energisch auf und stößt sie auf ungewöhnlich kalte Luftmassen in der Höhe, so werden auch die Schauerbildungen stärker und sind zudem von Windböen durchsetzt, oder von elektrischen Entladungen begleitet, Entsprechend dem Umstand, daß die Wolkenballen aus einzelnen, vom Erdboden emporsteigenden Warmluftkegeln entstehen, hängen auch die Aprilschauer immer einzeln in der Lust, wobei sie von der jeweils herrschenden Windströmung mit mehr oder weniger großer Schnelligkeit einhergetrieben werden. So entsteht vom Erdboden aus der Eindruck des bezeichnenden Aprilwetters: ein Schauer nach dem andern zieht heran, und Regen und Sonnenschein wechseln mehrmals in einer einzigen Stunde ... Man nennt den Aprilschauer den Kobold am Frühlingshimmel, weil er so unberechenbar, sprunghaft, im Grunde genommen jedoch harmlos ist. Aber dieser Kobold spielt uns manchen unangenehmen Streich, dem man aus dem Wege gehen kann, wenn man nur etwas aufmerkt. Und so mögen diese Zeilen ein kleiner Steckbrief für Aprilschauer sein, wenn wir demnächst auf einem Früh- lingsspaziergang unterwegs sind. W. L. Dornotizen. Tageskalender für Mittwoch. Gau-Ausstellung: 14 bis 19 Uhr in der Volkshalle. — Stadttheater, 19.30 bis 22.30 Uhr: „Zar und Zimmermann". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Etappenhase". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die graue Dame". — Bund für Deutsches Christentum: 20 Uhr, Vortrag von Propst D. Dr. Forsthoff (Düsseldorf) in der Johanneskirche. — Bekenntnis-Gemeinschaft Gießen: 20.15 Uhr,. Bibel- und Bekenntnisabend, Vortrag von Pfarrer Eitel (Wölfersheim) in der Kapelle des Alten Friedhofs. Bund für Deutsches Christentum: Heute abend Vortrag in der Johanneskirche. Bibel- und Vekenntnisabend: Heute abend in der Kapelle des Alten Friedhofs, nicht im Iohannessaal. Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die erste Wiederholung der Oster-Premiere „Zar und Zimmermann", komische Oper von G. A. Lortzing, statt. Musikalische Leitung: Kapellmeister Paul Walter. Spielleitung: Paul W r e d e. Die Partie des Zaren singt Gustav Bley. Einstudierung der Tänze und choreographische Leitung: Tanzmeisterin Irmgard Zenner. Leitung der Chöre: Kapellmeister Ernst Bräuer. 25. Vorstellung der Mittwoch-Miete. Anfang 19.30 Uhr, Ende 22.30 Uhr. Der NBWK.-Sauentscheid in Darmstadt. NSG. Von 1. bis 4. April werden in Darmstadt die Sieger aus dem Reichsberufswettkampf im Gau Hessen-Nassau festgestellt. Die Gauausscheidungswettkämpfe werden mit einem Begrüßungsappell in der Festhalle eingeleitet. Der Freitag ist den praktischen, der Sonntag den theoretischen Arbeiten gewidmet. Nach den sportlichen Wettkämpfen am Sonntagvormittag werden in der Abschlußkundgebung im Schloßhof die Sieger bekanntgegeben. Der neue Bürodirektor beim Kreisamt Gießen. Als Nachfolger des — wie von uns bereits gemeldet — auf Grund des Ältersgrenzegesetzes am 1. April in den Ruhestand tretenden Bürodirektors beim Kreisamt Gießen Nikolaus Fabian ist der Verwaltungsinspektor Heinrich K i r s ch b a u m vom Kreisamt Lauterbach durch Urkunde des Reichsstatthalters in Hessen mit Wirkung vorn 1. April 1937 ab zum Bürodirektor beim Kreisamt Gießen ernannt worden. lieber den bisherigen Lebensweg des Bürodirektors Kirsch bäum berichtet der „Lauterbacher Anzeiger" folgendes: Herr Heinrich Kirschbaum beschließt mit dem morgigen Tage in Lauterbach eine außerordentlich lange und erfolgreiche Laufbahn. Der fast Neunundfünfzigjährige — er mürbe am 10. Mai 1878 in Hergersdorf im Kreis Alsfeld geboren — ist im Jahre 1892 in Alsfeld beim dortigen Kreisamt in den Dienst getreten, war nach Ableistung seiner Militärpflicht einige Jahre in Heppenheim und Erbach tätig und kam am 1. Juli 1905 nach Lauterbach, wo er seine Laufbahn als Kreis- amtsgehilfe fortsetzte, die ihn hier als geschätzten, gewissenhaften, tüchtigen Beamten bis zum Amte eines Verwaltungsinspektors führte. Herr Kirschbaum hat in den 32 Jahren seiner Wirksamkeit in Lauterbach unter sechs Kreisdirektoren (Dr. Wallau, d. Bechtold, v. Werner, Dr. Michel, Dr. ßang, Zürtz) fein Amt versehen und sich der Achtung und Wertschätzung nicht nur feiner Vorgesetzten und Mitarbeiter, sondern auch in den Kreisen der Bürgermeister und Rechner erfreut, denen er mit Rat und Tat zur Seite stand. Neben seiner Amtstätigkeit hat Herr Kirschbaum seine Kraft auch gemeinnützigen Bestrebungen gewidmet. So hat er die hiesige Sanitätskolonne über die schwierigen Kriegs- Ein Jahr h Für das schulentlassene Mädchen ist es Pflicht geworden, ein Jahr im Haushalt zu lernen. Junge Kraft beginnt sich zu regen, nicht nur Muskeln und Sehnen wachsen bei der gesunden Hausarbeit, sonder auch die geistigen Fähigkeiten entwickeln sich, und bald werden die im Tageslauf sich wiederholenden Aufgaben selbständig und umsichtig ausgeführt. Wieviel Abwechselung bringt dieses Jahr im Haushalt, wie vielseitig ist die Arbeit; sie bietet immer neue Anregung, so daß kein Müdigkeitsgefühl aufkommen kann. Da gilt es, die Kinder zu betreuen, ihre Kleidung und Wäsche zu reinigen und auszubessern; in der Küche bringt jede Jahreszeit neue Aufgaben mit sich, vom Groß-Reine- machen, dem Hausputz, angefangen, über das Einwecken im Sommer bis zu den ruhigeren Beschäftigungen im Winter mit Schneidern und mancher schönen Nadelarbeit. Viele Kräfte sind am Werk, dem jungen Menschenkind den Weg ins Leben zu zeigen. Die Anleitung der Lehrfrau wird unterstützt durch den Unterricht,.den das Mädchen in der Berufsschule erhält. Hier werden in theoretischen Stunden den und Nachkriegsfahre hinweggeführt: ferner ist er bekannt als rühriger Rechner und Geschäftsführer des Obstbauoereins, um den er sich große Verdienste erworben hat. Die Gießener Frühjahrsmesse. Von der Gießener Stadtverwaltung wird uns geschrieben: Im heutigen Anzeigenteil wird auf die vom 4. bis 11. April in Gießen auf Oswaldsgarten stattfindende Frühjahrsmesse (Schau- und Verkaufsmesse) hingewiesen. Vorausschauend ist zu sagen, daß die seit Jahren sehr gut eingeführte Schau- und Derkaufsmesse bei der gesamten Bevölkerung Gießens und der näheren Umgebung wieder starken Anklang finden wird. Zahlreiche neuartige Fahrgeschäfte und anderes, außerdem Verkaufsstände aller Art, sind zu erwarten. Für auswärtige Besucher besteht verbilligte Fahrgelegenheit (Sonntags-Rückfahrkarten) im Umkreis von 75 Kilometer um Gießen, und zwar a) an den beiden Meffe- fonntagen mit tarifmäßiger Geltungsdauer, b) am Mittwoch, 7. April, mit Geltungsdauer von Mittwoch 0 Uhr bis Donnerstag 3 Uhr (Ende der Rückfahrt). * ** Verkehrsunfall. Am frühen Nachmittag des gestrigen Tages ereignete sich in der Licher Straße wiederum ein aufregender Vorfall. Ein Fuhrwerk, das stadteinwärts fuhr, war, da anscheinend die Bremsen versagt hatten, in rasche Fahrt geraten, während zu gleicher Zeit die Pferde scheuten und den Wagen in der Richtung nach der Stadt vorwärtsrissen. Fahrer und Beifahrer bemühten sich zwar sehr, das Fuhrwerk zum Stehen zu bringen, es gelang ihnen jedoch nicht. Schließlich stieß der Wagen heftig gegen einen Handkarren, auf dem u. a. ein großer Herd stand. Durch den heftigen Anprall wurde der Herd vom Wagen geschlendert, von dem Fuhrwerk wurde ein Rad abgerissen. Der Fahrer stürzte auf die Straße und erlitt leichte Verletzungen. n Haushalt. Mädchen manche Allgemeinkenntnisse für das praktische Leben übermittelt, die Schülerinnen werden in einfachen Berechnungen, wie sie im Haushalt Vorkommen, geübt, sie lernen gute Umgangsformen auch im schriftlichen Verkehr des Wirtschaftslebens, und sie erweitern ihre hauswirtschaftlichen Kenntnisse. In der Freizeit werden die Anlernmädchen in die Gemeinschaft des BDM. ausgenommen und fühlen sich hier inmitten der fröhlichen Jugend bei Spiel, Tanz und Gefang, bei Basteln und Werken in den Heimabenden unter Gleichaltrigen am wohl- ften. Die Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft im Deutschen Frauenwerk bringt bei festlichen Nachmittagen die Lehrfrauen und ihre Anlernmädchen mit deren Müttern in echter Volksgemeinschaft zusammen, denn ein paar fröhliche, gemeinsam verlebte Stunden schlingen ein festes Band um die Lehrfrau und ihren Schützling. So geht ein Jahr schnell dahin im Geben und Nehmen, und am Ende der Anlernzeit werden Lehrende und Lernende sich freuen über den guten Erfolg von Mühe und Geduld, von Willigkeit und i Fleiß. F. K. Der Osterbetrieb auf dem Gießener Vaftuhos. Wie den Lesern des Gießener Anzeigers aus unseren Ausgaben vom 20. und 22. März — Ueber- sicht über die Sonderzug-Fahrpläne — bekannt ist, hatte die Reichsbahnverwaltung für den Osteroer- kehr umfangreich gerüstet und durch die Ausgabe von verbilligten Festtagsrückfahrkarten, deren Gültigkeit am 1. April um 24 Uhr abläuft, vielen Volksgenossen die Möglichkeit einer Osterreise verschafft. Der Gießener Bahnhof bot in der Osterwoche ein außerordentlich lebhaftes Bild des Reiseverkehrs, an dem auch die Urlauber der Wehrmacht, die in die Heimat entlassenen Männer des Reichsarbeitsdienstes usw. stark beteiligt waren, lieber den Umfang des hiesigen Osterverkehrs wird uns vom Bahnhof Gießen folgendes mitgeteilt: Personenverkehr. Das Wetter spielte für den, der feine Oster- urlaubsfahrt ausführen wollte, keine fo große Rolle, wie für den Ausflügler und Wanderer. Die unfreundliche Witterung hat doch manchen davon abgehalten, einen Osterausflug zu unternehmen. Deshalb war auch der Ausflugsverkehr schwach. Nur vereinzelt konnte man Unentwegte der Paddlergilde sehen, denen auch ein Schneetreiben oder ein scharfer Nordwind bei ihrer Wasserfahrt nichts ausmachte. Daß es stellenweise „weiße Ostern" waren, konnte man vereinzelt an den Trägern von Schneeschuhen erkennen. Trotzdem war der Reiseverkehr gegen das vorjährige Osterfest um rund 6 v. H. stärker. Von Palmsonntag bis zum zweiten Osterfeiertag reiften rund 3 2000 Personen in Gießen ab. Die Fahrkartenausgabe Gießen hatte zeitweise acht Schalter geöffnet, um eine glatte und reibungslose Bedienung der Reisenden sicher zu stellen. Zwei Militärschalter sorgten für die Abfertigung der Militärurlauber, deren größter Teil schon einige Tage vorher auf Grund besonderer, von den Kompanien aufgestellter Listen vorabgefertigt wurde. In der Auskunftsstelle herrschte reger Betrieb; auch am zweiten Osterfeiertag war die Zayl der Auskunft- fuchenden groß, da mit Ende der Feiertage bfö Rückreisen wieder einfetzten. Gepäckverkehr. Der Gepäckverkehr ist gegen Ostern 1936 stark gestiegen. Die Zunahme beträgt 35 v. H. Das ist eine erfreuliche Feststellung, nicht nur für die Reichsbahn, sondern auch für die Beurteilung der allgemein wirtschaftlichen Lage. Der verhältnismä« ßig billige Gepäcktarif spielt dabei auch eine Rolle. Expreßgutverkehr. Der Expreßgutverkehr ist erfahrungsgemäß an Ostern niemals so stark, wie an Weihnachten. Trotzdem hatte die Reichsbahn auch zur Bewältigung dieses Verkehrs besondere Maßnahmen getroffen, um die Expreßgüter so schnell als möglich zu befördern. An drei Tagen verkehrte das Schnellgüterzugpaar Frankfurt (Main) — Altona und Altona — Karlsruhe, das auch in Gießen hielt und Expreßgüter hier anbrachte und mitnahm. Diese Züge fuhren mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometer in der Stunde und hielten nur auf den großen Knotenbahnhöfen. Zur schnellen Beförderung und zur Vermeidung unnötiger Umladungen wurden auch zahlreiche Expreßgutwagen kursmäßig abgerichtet, die von eigens dafür geschulten Fahrlade- schaffnern begleitet wurden. Leider hat der Expreßgutverkehr in diesem Jahre nicht ganz den Umfang des vorjährigen Osteroer- kehrs erreicht, roenn' er auch in diesem Jahre sehr lebhaft war. Daß die Verkehrsspitze vom vorigen Jahr nicht erreicht wurde, liegt zweifelsohne daran, daß das Osterfest kalendermäßig sehr früh lag und daß die Witterung noch nicht frühjahrsmäßig ist. Das neue Frühjahrskleid, der neue Mantel, Hut und die neuen Schuhe konnten noch nicht gezeigt werden, und das hat die Reichsbahn auch beim Expreßgutverkehr gespürt. Man sieht daraus, wie sich Nachfrage und Verbrauch an Dingen des täglichen ßeffens in den Leistungey der Reichsbahn wiederspiegeln. Kleingläubig sind wir nicht, und deshalb hoffen wir auf einen um fo besseren Pfingst-Ex- preßgutverkehr. Eilgutverkehr. Wie alljährlich, so war auch der Eilgutverkehr iit der Karwoche infolge des starken Fischverbrauchs recht lebhaft. Am Dienstag und Mittwoch in der Osterwoche trafen in großen Mengen Seefische in direkten Wagen und Zügen von den Nordseehäfen hier ein, sie wurden, soweit sie für Gießen bestimmt waren, den Empfängern beschleunigt aus- geliefert und, soweit sie für Seitenstrecken bestimmt waren, beschleunigt umgeladen ynd weitergesandt. Auch lebende Fische in Fässern waren vielfach zu behandeln. Daneben setzte der saisonmäßig bedingte Versand von Obstbäumen und Beerensträuchern ein. Gegenüber dem Vorjahr ist eine Verkehrszunahme von 6 v. H. im Eilgutverkehr zu verzeichnen. Güterverkehr. Der starke Güterumschlag bei der Güterumlade- stelle Gießen hält infolge weiterer Besserung der wirtschaftlichen Lage an. Die Leistungen im Jahre 1936 haben bereits die des Jahres 1913 überschritten. 1937 werden die Leistungen noch höher als 1913 werden. Bei einem zeitweisen Ein- und Ausgang von täglich 435 Wagen, die ent- und beladen werden müssen, waren 750 Tonnen Stückgut täglich zu bewegen. Dies ergibt ein Mehr von 15 v. H. gegenüber Ostern 1936. Die höheren Leistungen haben auch eine Vermehrung des Personalbestandes zur Folge gehabt, der von 140 Bediensteten int Jahre 1932 auf 190 Bedienstete emporgeschnellt ist. Eine ganze Anzahl von Volksgenossen hat somit auch bei der Reichsbahn Arbeit und Brot für sich und ihre Familien gefunden. Die Kraftwagenbeförderung mit eigenen Lastkraftwagen ist weiter ausgebaut worden. 10 Lastkraftwagen mit 11 Anhängern stehen jetzt der Güterabfertigung in Gießen zur Verfügung, um die Güterbeförderung auch über die Straßen auszudehnen und damit den Güteraustausch zu fördern. Weiler vorwärts. Die kleine Statistik über den Ofterverkehr bei der Reichsbahn in Gießen zeigt uns, daß es gegenüber dem Vorjahr weiter vorwärts gegangen ist und daß es im Zeichen des Vierjahresplans im Jahre 1937 weiter vorwärts gehen wird. Ein getreues Spiegelbild dafür und für die Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse bieten die statistischen Feststellungen über den Verkehr bei der Reichsbahn, und die toten Zahlen der Statistik werden lebendig und können uns vielerlei sagen. RUHL Sehersweg Nr. 67 ■ adiO Telephon Nr. 3170 H eparaturen 1897d W Skandal um Dr.Vandergmen Roman von Hans Hirthammer. Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. S. 4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Man kann es einen Zufall nennen, aber für mich war es die Entscheidung. Ich war elf Jahre alt, da fand ich auf einer Teepackung allerlei seltsame, geheimnisvolle Zeichen vor, die mich alsbald auf eine erregende Weife in ihren Bann zogen. Ich ließ mir von unserem Lehrer die Auskunft geben, daß dies chinesische Schriftzeichen seien, aber was sie bedeuten sollten, wußte er freilich selber nicht. Don diesem Tage an war es um mich geschehen. Vielleicht wissen Sie selbst, Herr Direktor, was das ist: besessen fein von einem Ziel!" „Ja, das weiß ich. — Und Sie widmeten sich also dem Studium dieser Sprache?" „Ja, ich wurde Student!" sagt Dr. Vandergruen, und seine Stimme wird plötzlich schleppend und dumpf. „Ich wurde Werkstudent — und geriet in die Zeit der ungeheueren Geldentwertung. Ach, niemand kann sich das vorstellen, diesen ohnmächtigen Kampf, wenn einem wie durch Hexerei alles zwischen den Fingern zerrann, was man sich mühselig erarbeitet hatte, in den Bergwerken, in der Werkstatt, als Nachtkellner, als Laufjunge, als Gepäckträger. Dieses ewige mit dem Kopf durch die Wand, dieses ewige Hungern, dies schuldlos zur Galeere verurteilt sein. Es sind viele daran zugrunde gegangen, tapfere junge Menschen, die heute, um ihr Leben betrogen, mit Staubsaugern hausieren gehen, ober, wenn sie noch Glück hatten, auf einem Büroschemel sitzen." „So ist es wohl!" Der Mann ist ergriffen von der unvermittelten Heftigkeit des Sprechenden. „Und Sie haben es also — trotz allem — geschafft?" Dr. Vandergruen lacht bitter auf. „Ja, ich habe es geschafft — und habe meine Jugend dafür hin- gegeben. Es ist der Fluch meiner Generation!" „Es ist der Segen aller Auserwählten!" entgegnet Kerstens mit großem Ernst. „Sie urteilen ungerecht. Sind Sie nicht dafür von all dem bewahrt geblieben, was ein junges Leben verpfuschen kann? War Ihr Leben, waren Ihre Kräfte, Ihr ganzes Dasein nicht glückhaft eingespannt in eine ungeheure Aufgabe, zugewandt einem hohen Ziel? War das nicht schön? Warum verneinen, wenn es soviel zu bejahen gibt?" Der Doktor schweigt. „Die Hauptsache ist das Bewußtsein, sich bewährt, seinen Mann gestanden zu haben — und sich sagen zu können, daß man, was immer man tat, vor sich verantworten kann." Erst kurz vor dem Aufbruch rückt Direktor Kerstens mit seinen Geheimnissen heraus. „Uebrigens — ganz unter uns, Doktor — hätten Sie gegebenenfalls Lust, unsere Niederlassung in Tokio zu übernehmen? Vandergruen macht ein paar tiefe Atemzüge, „Sie — Sie belieben zu scherzen, Herr Direktor!" Kerstens drückt mit einem kleinen silbernen Stempel die Zigarette aus. „Durchaus nicht, immerhin darf und will ich Ihnen noch keinerlei Hoftnungen machen. Fürs erste wollen wir jedenfalls wünschen, daß der Vertrag mit dem japani- fchen Konzern unter Dach kommt." 4. Diese Heimfahrt ist voll von klingender Schönheit. Stefan Vandergruen, den Kopf zurückgelehnt, den Mund halb geöffnet, trägt ein Gefühl in sich, das zwar ein wenig vom Wein beeinflußt, dafür aber nicht minder köstlich ist. Die rechte Hand führt das Steuer, die linke liegt ausgestreckt auf dem Polster des Sitzes. Die Ernte seines Lebens ist nahe. Während er den Wagen durch die menschenleeren Straßen lenkt, tauchen die Bilder der Vergangenheit auf, ziehen vorbei gleich einem Spuk. Da ist der Hof, worin die Mutter ihr Brot verdiente, diese Frau, der er alles verdankt, Leben, Willen und Ansporn. Wie liebte er ihre schwieligen Hände, die nach schlechter Seife rochen, und die so zart fein konnten, wenn sie ihm Gutes taten. Sie allein kannte sein Herz, seinen Durst nach den unbegreiflichen Dingen. Und da ist Maria, seine Schwester, sein verschworener Kamerad, gleich ihm mit einem unerklärlichen Fluch beladen. Wie oft hat die Mutter ihrer beider Hände genommen! „Ihr zwei müßt Zusammenhalten, denn ihr habt niemand auf. dieser Welt als euch selber!" Und sie haben zusammengehalten gegen Spott und Verachtung, gegen Tod und Teufel. Dann steigen andere Szenen empor, voll Grauen und Düsterkeit, trostlose Mansardenstuben, dampfende Kesselhäuser, Bergwerksschächte und stinkende Baracken — und Hunger, endloser, ewiger Hunger. Und die dunkelsten Tage seines Lebens, als alles ihm vernichtet schien und die letzte Not ihn ins Nichts hinabzustoßen drohte! Aber alles das, so heftig es an feinem Innersten rührt, ist nun gleichsam aufgehellt, wird zu lebenden Fackeln feines Weges, zur flammenden Lohe des Sieges. Der Wagen biegt in die Breite Straße ein. Dort steht fein Haus. Stefan Vandergruen liebt dieses weiträumige alte Gebäude, das er zu günstigen Bedingungen vor zwei Jahren erstanden hat. Das altertümliche, barocke Haustor, die hohen Zimmer mit ihren alten Kachelöfen, die breite Treppe, die sich in halber Höhe teilt. Er liebt vor allem das kleine Gärtlein, in das man aus einem der unteren Zimmer hinaustreten kann. In Marias Zimmer brennt noch Licht, und als der Wagen hält, erscheint der Schatten einer Frauengestalt hinter dem Vorhang. Vandergruen steigt aus und winkt nach oben. Sie hat wieder auf mich gewartet! denkt er gerührt, aber dennoch entschlossen, es an einer ernsthaften Rüge nicht fehlen zu lassen. Während er noch überlegt, ob er gleich nach oben gehen oder zuerst den Wagen in die nahe Garage bringen soll, sieht er die zusammengekauerte, dunkle Gestalt an der Haustür. Er macht ein paar erschreckte, halb zögernde Schritte und stellt zu seiner Verblüffung fest, daß es sich um ein junges Mädchen handelt. Der Anblick ist vollkommen ungewöhnlich, so sehr außerhalb des Rahmens alles Alltäglichen, daß der Doktor im Augenblick nicht weiß, was da zu tun fei. Er bleibt stehen, in einem peinlichen Gefühl der Verlegenheit, und starrt die Erscheinung an. Schließlich ringt er sich aber doch zu dem heldenhaften Entschluß durch, etwas zu unternehmen. Er tritt auf die Kauernde zu und gibt ihr einen vorsichtigen Stups mit dem Finger. „Hallo, Sie? Was machen Sie denn hier? Wie kommen Sie hierher?" Gisch erwacht und rappelt sich taumelnd hoch. Ihre Lippen bewegen sich, doch ist sie immer noch so von Angst durchschüttert, daß sie keine Worte zu formen vermag. Sie lallt etwas, ihre Arme bewegen sich mübe„ Das Weib ist ja betrunken! denkt Dr. Vandergruen und ärgert sich, daß er für einen Augenblick dem Gefühl des Mitleids nachgegeben hat. „Sie haben wohl die Sprache verloren, was? Also los nun, machen Sie, daß Sie weiterkommen und schlafen Sie Ihren Spitz gefälligst zu Hause aus!" Na, das ist unserer Gisch doch ein bißchen zu stark. „Ich bin gar nicht betrunken! Wie können Sie so etwas behaupten? Ich wollte doch nur, ich — ich habe —" Und dann ist sie am Ende und beginnt draufloszuheulen. Gegen solche Waffen ist Stefan Vandergruen machtlos. Hat die Welt schon so etwas erlebt? Er zieht wütend den Hausschlüssel und sperrt die Türe auf. „Meinetwegen bleiben Sie bis zum jüngsten Tag hier stehen, wenn es Ihnen so unbändigen Spaß macht." „Es macht mir aber gar keinen Spaß!" heult Gisch. „Himmelbomben, warum scheren <5ie sich dann nicht endlich zunr Teufel?" Da kommt Maria. Sie mag seine letzten Worte gehört haben und hebt die Hände, in einer Geste der Bestürzung. „Um Gottes willen, was ist denn?" fragt sie halblaut. „Ach, nichts, Maria! Beunruhige dich nicht; da hat sich jemand vor unserer Türe häuslich eingerichtet, irgendein betrunkenes Weibsbild! Komm, ich schließe ab, wir wollen hinaufgehen. Ich rufe in der Garage an, Herr Beckers fall den Wagen hinüberholen kaffen." Maria ist indessen bis an die Haustür gekommen und wirst einen neugierigen Blick auf das Mädchen. Gisch wird beim Klang der weiblichen Stimme von großer Scham ergriffen. Sie steht noch eine Weile wie erstarrt, dann tappt sie hastig die Stufen hinab, fortgejagt von der Angst, einer Frau in ihrer Demütigung ausgeliefert zu fein. (Fortsetzung folgt!) Oberheffen. Kreisleiter Kromm-Schotten zum Bürgermeister in Bieber ernannt. * Schotten, 31. März. Durch Verfügung des Gauleiters ist der seitherige Kreisleiter des Kreises Schotten, Wilhelm K r o m m, nach Bieber (Kreis Offenbach) als hauptamtlicher Bürgermeister versetzt worden. Die Geschäfte der Kreisleitung Schotten werden von dem Kreisleiter Görner (Büdingen) mitoerfehen. Gestern versammelten sich die Amtswalter der Kreisleitung, alle Ortsgruppenleiter, Stützpunkt- leiter und Vertreter der Behörden und viele Gäste im Kurhaus „Vogelsberg" zu Schotten, um Abschied von ihrem seitherigen Kreisleiter zu nehmen. In bewegten Worten sprach der Kreisleiter allen Mitarbeitern seinen herzlichsten Dank für ihre Unterstützung aus. Seitens des Kreisamts sprach Regierungsrat Schwan, dann sprach namens der Bürgermeister des Kreises Bürgermeister Mengel (Schotten) Worte des Dankes für das harmonische Zusammenarbeiten zwischen Partei und Verwaltung. Dem scheidenden Kreisleiter wurde durch Kreisschulungsleiter Hofmann ein schönes Abschiedsgeschenk (Büste des Führers) namens aller Politischen Leiter des Kreises überreicht. Kreisleiter Görner (Büdingen) lSar ebenfalls zu der Abschiedsfeier erschienen und sprach namens des Gauleiters Worte des Dankes und der Anerkennung für die Tätigkeit des seitherigen Schottener Kreisleiters. Es erfolgte dann die Vorstellung aller politischen Leiter vor dem neuen Kreisleiter, der in feierlicher Form die politische Leitung aus den Händen des seitherigen Kreisleiters übernahm. Landkreis Gießen. - Albach, 30. März. Am zweiten Osterfesttag fand in unsrem Gotteshause die Konfirmation unserer diesjährigen Konfirmanden statt. Es waren 5 Kinder, 2 Knaben und 3 Mädchen, gegen 6 Kinder im Vorjahre. In die Schule ausgenommen werden nach Ostern 10 Kinder. — Unser Friedhof, der wohl einer der schönsten der Gegend ist, muß vergrößert werden. Am Samstag haben die Gemeindekörperschaften unter Leitung des Bürgermeisters Lenz eine Besichtigung vorgenommen, um die Möglichkeiten der Vergrößerung festzustellen. — Die Arbeiten an der Reichsautobahn in unserer Gemarkung sind nun in vollem Gange. An der Stelle, wo die Reichsautobahn die Straße Albach—Steinbach kreuzt, ist eine provisorische Umgehungsstraße gebaut worden, da die seitherige Straße tiefergelegt und stückweise auch verlegt werden muß. Der große Löffelbagger und die Arbeiten in der Talsenke bei der Straßen- und Autostraßenkreuzung waren während der Feiertage das Ziel zahlreicher hiesiger und auswärtiger Besucher. * Harbach, 31. März. Der letzte Altveteran in unserem Orte, der Landwirt Heinrich Münch III., kann am heutigen 31. März in guter Gesundheit feinen 8 7. Geburtstag begehen. Der alte Herr feierte im September 1935 mit seiner wenige Wochen später, im November 1935 verstorbenen Gattin das Fest der diamantenen Hochzeit. Er lebt mit seinen Kindern zusammen und hilft noch gerne bei leichteren Arbeiten im Hause und in der Hofwirtschaft mit. Für alle öffentlichen Vorgänge in seinem Heimatdorf, in der engeren Heimat und im Reiche interessiert er sich noch in hohem Maße. Ferner erzählt er noch gerne aus seiner Jugendzeit in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. + Grünberg, 30. März. An den beiden Feiertagen gastierte in der hiesigen Turnhalle das Saar-Volkstheater Rausch.. Da die schon früher gegebenen Vorstellungen allgemein gefallen hatten, war die Halle an den beiden Feiertagen jedesmal bis auf den letzten Platz besetzt. Zur Aufführung gelangte am ersten Feiertag „Frischer Wind aus Kanada", eine heitere Begebenheit von Hans Müller, am zweiten Feiertag „Der Vetter", ein Lustspiel von Roderich Benedix aus der Biedermeierzeit. Am Nachmittag des zweiten Feiertags erfreuten sich die Kinder am Märchenspiel „Rum- pelsttlzchen". Kreis Alsfeld. = Höingen, 31. März. Am kommenden Freitag, 2. April, kann der älteste Einwohner unseres Dorfes, Dietrich Scholl II., feinen 8 5. Geburtstag feiern. ? Deckenbach, 31. März. Am kommenden Samstag kann die Witwe Elifabethe Gröb ihren 7 8. Geburtstag und am 6. April der hiesige Einwohner Ludwig Reuter seinen 79. Geburtstag feiern. ch Deckenbach, 31. März. Gegenwärtig wird in unserer Gemarkung ein großes Wal d st ü ck abgeholzt. Das dadurch 'freiwerdende Land soll den Bauern für den Ackerbau zur Verfügung stehen. # Ober-Ohmen, 31. März. An der Straße nach Alsfeld stand früher eine stattliche Anzahl italienischer Pappeln, von denen nur noch geringe Reste vorhanden sind. Nunmehr hat die Provinzial- 'straßenbauverwaltung eine größere Menge Akazien pflanzen lassen. Für die Imker bedeutet diese Maßnahme eine große Freude, da Akazien eine reiche Tracht sür die Bienen versprechen. Eifersuchtstragödie. Junger TNann schießt auf ein Mädchen und begeht dann Selbstmord. LPD. Bad H o m b ü r g , 30. März. Am Ostermontag nachts 1.30 Uhr kam es in Gonzenheim zu einer Eifersuchtstragödie. Ein aus Nieder-Eschbach gebürtiges und in Ober-Eschbach bedienstetes junges Mädchen hatte in Bad Homburg ein Tanzvergnügen besucht. Von dort wurde es von einem jungen Mann aus Ober- Eschbach nach Hause begleitet. In Gonzenheim, nahe der Ober-Eschbacher Gemarkungsgrenze, stellte sich den beiden der in Ober-Eschbach in Stellung befindliche Angeli Dall-Canton entgegen, mit dem sich das Mädchen für den Abend verabredet, aber nicht getroffen hatte. Dall-Canton verjagte zunächst den Begleiter und gab dann auf das Mädchen drei Schüsse ab, von denen einer die linke Kopfseite traf, während ein zweiter in den Rücken ging. Hierauf flüchtete der Täter und begab sich in die Scheune seines Dienstherrn nach Ober-Eschbach, wo er Selbstmord beging. Das schwerverletzte Mädchen, das aber mit dem Leben daoonkommen dürfte, wurde in das Kreiskrankenhaus nach Bad Homburg gebracht. Gefährlicher Einbrecher festgenommen. LPD. Hanau, 29. März. Der Hanauer Kriminalpolizei gelang es in Zusammenarbeit mit der Gendarmerie, einen gefährlichen Einbrecher fest zunehmen, der in den beiden letzten Wochen starke Beunruhigung in die Bevölkerung getragen hatte. Es handelt sich um den erst 22jähri- gen Gustav Diehl aus Rüdigheim, der kaum aus dem Zuchthaus heraus ist und schon wieder mit seiner verbrecherischen Tätigkeit begann. Im Jahre 1935 war er von dem Schöffengericht in Offenbach wegen einer ganzen Reihe von schweren Einbrüchen zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden, welche Strafe er Ende Februar verbüßt hatte. Nach seiner Entlassung aus der Strafanstalt fand er bald Arbeit als Steinklopfer, die ihm aber scheinbar ganz und gar nicht zusagte, denn bereits nach vier Tagen war die Herrlichkeit zu Ende. In einer Eingabe an die zuständige Stelle suchte die Mutter, die nur allzu gut Bescheid um das Treiben ihres Sohnes wußte, dessen jähe Arbeitsniederlegung mit „blutenden Händen" zu entschuldigen. Schon bald bekam die Kriminalpolizei zu verspüren, daß Diehl wieder im Lande war und sein altes Absteige- und Hehlerquartier in Hanau aufs neue bezogen hatre. In einer einzigen Nacht führte er in der Bruchköbeler Landstraße vier Einbrüche aus. Auch m Dörnigheim brach er in einer Nacht an verschiedenen Stellen ein. Die Einbrüche in der Dunlop« straße kommen ebenfalls auf das Konto Diehls. Nachdem der Verbrecher noch in der Nacht zum Gründonnerstag die Bruchköbeler Landstraße heimgesucht hatte, ereilte ihn das Schicksal. Bei einer im elterlichen Anwesen Diehls in Rüdigheim und in dessen Hanauer Hehlerquartier üorgenommenen Haussuchung wurde eine ganze Menge gestohlener Sachen vorgefunden, wie auch sein Komplize, ein Hanauer Bursche, festgenommen werden konnte. Vom groben Unfug zum Verbrechen. Mainz, 30. März. "(Lpd.) Gin älterer Mann verübte in den frühen Morgenstunden groben Unfug, indem er am Fischtor einen Feuermelders Tätigkeit setzte. Als er von einem Passanten zur Rede gestellt und festgehalten wurde, fetzte er sich zur Wehr und verletzte den Passanten durch einen M e s s e r st i ch i m Rücken. Während der gegen den Rhein hin 'geflüchtete Täter der Polizei zugeführt werden konnte, mußte der Verletzte ins Städtische Krankenhaus überführt werden. Oer April-Umzug. Neben dem 1. Oktober ist der 1. April von jeher der wichtigste Umzugstermin. Aus dieser Tatsache ergeben sich für Hausbesitzer und Mieter zahlreiche Veränderungen, die oft von einschneidender wirtschaftlicher Bedeutung sind. Dabei handelt es sich nicht nur um die Kosten, die ein Umzug für beide Teile mit sich bringt, sondern auch um die Erledigung zahlreicher Formalitäten, die mit dem Wohnungswechsel verbunden sind. In diesem Jahre liegen die Verhältnisse, so weit die Mietpreise in Frage kommen, so, daß durch die Preisstopoerordnung vom Herbst des Vorjahres Veränderungen kaum, oder doch nur in wenigen Fällen eintreten dürften. Die Mietpreise sind durch die angezogene Verordnung stabilisiert, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß für solche Wohnungen, die noch dem Reichsmietengesetz unterliegen, die volle Miete von dem neuen Mieter verlangt werden kann, und zwar auch bann, wenn der Vormieter zu einem niedrigeren Mietzins gewohnt hat. Von wenigen Ausnahmefällen abgesehen, sind in allen anderen Fällen, d. h. also, in denen die Räume nicht mehr dem Reichsmietengesetz unterliegen, Mietzinserhöhungen ausgeschlossen. Von dem neuen Mieter darf also keine höhere Miete gefordert werden, als von dem alten. Die wenigen Ausnahmen, die Vorkommen können, wenn der Hausbesitzer eine erhebliche Zinsen- oder Steuersteigerung nachweisen kann, fallen nicht ins Gewicht und brauchen deshalb auch hier nicht in Betracht gezogen zu werden. Wenn bereits früher mit zukünftigen Mietern Verträge abgeschloffen sind, die höhere Mieten vorsahen als am Stichtag, dem 17. Oktober 1936, so sind die Verträge entsprechend abzuändern und wieder auf diesen Stand zurückzuschrauben. Wirtschaftlich hat der Umzugstermin nicht nur für Hausbesitzer und Mieter, sondern auch für zahlreiche andere Berufe eine beträchtliche Bedeutung. Im ganzen Reichsgebiet werden aus diesem Anlaß Millionenumsätze getätigt, an denen neben dem Umzugsgewerbe auch zahlreiche Handwerksberufe und das Maklergewerbe beteiligt sind. Auch für das Hauspersonal und für die Hausverwalter ergeben sich zu diesem Termin in vielen Fällen Aenderungen in ihrer Betätigung und wirtschaftlichen Stellung. Am 1. April 1937 tritt eine Neuregelung der Hauszins st euer in Kraft, die sowohl für den Hausbesitzer, als für den Mieter finanzielle Veränderungen mit sich bringt.' Am 5. März ist bereits auf Grund des bekannten Gesetzes ein entsprechender Runderlaß des Preußischen Finanzministers ergangen. Der Erlaß befaßt sich mit der Durchführung der Hauszinssteuersenkung, mit der Aenderung von Steuererleichterungen, mit der Abwicklung des Anleiheverfahrens. Die Steuerleichte- rungen blieben zum großen Teil trotz der Barsen- kung der Hauszinssteuer in ihrer absoluten Höhe bestehen. Nach einem Beispiel, das dem „Grundeigentum" entnommen ist, wirkt sich das praktisch wie folgt aus: Die Hanszinssteuer hat bisher bei einem Grundstück 1200 Mark abzüglich 250 Mark für Aufwertungsmehrzinsen und abzüglich 200 Mk. für Wohnungsteilung, also 750 Mark betragen. Infolge der Senkung des Steuersatzes mindert sich die Hauszinssteuer zunächst auf 900 Mark; davon gehen 250 Mark ab für Aufwertungszinfen. An I.-neuem, yieivi Besichtigung i Buchnerstraße und Näheres m rjßD C DRUCKSACHEN VVCKDC Brühl. Gießen hier abschneiden! 453 Schuppen Lichtspielhaus *Die gvaue 2221 A - ...und zum Bauen Gießen an berechn XMMÄWp ,—.P£S_FUHRENDE FACHGESCHÄFT IN GLAS-UND POR^ELLANWAREN Einspaltige Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Milllmeterzeile veröffentlicht Wenn Frauen reden! und sich heute darüber einig sind, daß Dr. Burchards Blut- und Darmreinigungsperlen so mild abführend wirken, dann sollte jeder eine Gratisvrobe fordern in den Drogerien: E. 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Außerdem ist er nicht teurer und der Weg zu ihm wird sich bestimmt lohnen 2 I. 2207V Norddeutschland heißen die einzelnen Klassen der höheren Schule vom ersten Schuljahr an gerechnet, .Sexta, Quinta, Quarta, Untertertia Obertertia, Untersekunda, Obersekunda Unterprima, Oberprima. In Süddeutschland vom ersten Schuljahr gerechnet 1. Klasse, 2. Klasse usw. Das Schulgeld an höheren Schulen ist verschieden hoch. Geschwister auf der gleichen Schule erhalten Ermäßigungen, begabte Schüler minderbegüterter Eltern Schulgeldnachlaß. Eltern können jeden Lehrer aufsuchen, um sich über die Leistungen ihrer Kinder zu unterrichten. Nach einer Ankündigung des Reichserziehungsministers soll die Schulzeit verkürzt werden. Schulkrankheiten sind Krankheiten, die durch den Schulbesuch gefördert und begünstigt werden. Neben den Infektionskrankheiten Bleichsucht, Nervosität, Rückgratverkrümmung. Damit derartige Erscheinungen möglichst rechtzeitig erkannt werden und geheilt werden können, findet in regelmäßigen Abständen eine Untersuchung der Schulkinder durch einen eigens aufgestellten Schularzt statt. Schuppen sind Horngebilde der Oberhaut, die sich in feinsten Blättchen ablösen. Häufig sind Schuppen der Kopfhaut. Am besten ist es, man wäscht das Haar nicht zu oft, fettet die Haut aber immer gut ein. Sehr starke Schuppenbildung ist eine Hautkrankheit, die ärztlicher Behandlung bedarf. Im Gesicht tritt oft Schuppenbildung auf bei Verwendung Schule nützung des eingebrachten Gutes notwendig sind. Für Schulden der Frau haftet das Vorbehaltsgut der Frau und meist auch das eingebrachte Gut. Letzteres haftet nicht für Schulden aus Rechtsgeschäften. die die Frau nach der Eheschließung ohne Zustimmung des Mannes vorgenommen hat. für Schulden aus dem Erwerb einer Erbschaft oder eines Vermächtnisses, wenn dieser zugunsten des Vorbehaltsgutes erfolgt, und für Schulden, die nach Eingehen der Ehe aus dem Vorbehaltsgut entstehen. — Bei der Gütergemeinschaft haftet das Ee- samtgut für alle Schulden des Mannes, ferner für die Schulden der Frau mit Ausnahme oer- jenigen, für die beim gesetzlichen Eüterstand das eingebrachte Gut nicht haften würde. Für Schulden des Mannes haftet neben dem Eefamtgut auch dessen Vorbehaltsgut; wegen Schulden der Frau, für die das Gesamtgut nicht haftet, können sich die Gläubiger nur an deren Vorbehaltsgut halten. — Für Schulden der minderjährigen Kinder haften die Eltern grundsätzlich nicht; ebensowenig haftet die Herrschaft für Schulden der Angestellten (S. a. Kreditbrief, Jugendliche.) Schule, Lehr- und Erziehungsanstalt für die Jugend unseres Volkes. Heute muß jedes Kind ohne Ausnahme die Grundschule besuchen. Nach vierjährigem Unterricht können die Begabteren in eine sechsstufige Mittelschule oder neunstufige höhere Schule ausgenommen werden, die die Hochschulreife vermittelt. In dade-Eimichtzmgen Gasherde, Wasch- u. Sviiliifchc KKvlh Z.Thörner Aachs. Ludwiastraßc 40 ,lieA Rui .4355 T - «\ra ,-M V Stelle des bisherigen Steuerbetrags van 950 Mk. entfällt vom 1. April 1937 ab der Betrag von 650 Mark auf die Mieträume, so daß sich für die Wohnungsteilung ein geringerer Nachlaßbetrag als 200 Mark, und zwar der Betrag von etwa 137 Mark ergibt. Ab 1. April 1937 würde sich hier ein Steuer- bctrag von etwa 513 Mark ergeben (gegen bisher 750 Mark). Für diejenigen Hausbesitzer, die mehr als 200 Mark Hauszinssteuer im Etatjahr 1934 zu zahlen hatten, wirkt sich die Senkung um 25 v. H. in der Weise aus, daß sie am 1. April 1937 effektiv wird. Bisher handelte es sich nicht um eine Barsenkung, weil für den Senkungsbetrag Gemeinde- Umschuldungsanleihe gewährt wurde. Dieses System kommt künftig in Fortfall, so daß nunmehr eine tatsächliche Senkung um 25 v. H. eingetreten ist. Dies hat für den Hausbesitzer den Vorteil, daß Kursverluste in Zukunft ausgeschlossen sind und er von vornherein 25 v. H. des Hauszinssteuersolls einspart. Bei den Mietern treten in einer Reihe von Fällen anders geartete Rückwirkungen ein. Es handelt sich hier um den großen Kreis von bedürftigen Mietern, denen die Hauszinssteuer von der Gemeinde gestundet worden ist. Durch die 25prozen- tige Senkung ermäßigt sich natürlich auch der Betrag der g e' st u n d e t e n H a u s z i n s st e u e r in gleichem Maße. Praktisch bedeutet das für die betreffenden Mieter, daß sich der Betrag der monatlich an den Hausbesitzer zu zahlenden Miete entsprechend erhöht. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß hierdurch in gewissen Fällen Härten für hilfsbedürftige Mieter entstehen. Daher haben die Mieter, denen bisher die Hauszinssteuer gestundet war, das Recht, bei den Wohlfahrtsämtern Einträge auf Erhöhung der Wohlfahrtsunterstützung einzubringen. Die Mehrausgaben, die dem hilfsbedürftigen Mieter durch dw Hauszinssteuersenkung entstehen, sollen dadurch in allen Fällen, in denen der Mieter die erhöhte Belastung und die Hilfsbedürftigkeit nachweisen kann, gedeckt werden. Bei der Abwicklung des Anleiheverfahrens handelt es sich um Vorschriften, die die künftige Behandlung der Gemeindeumschuldungsanleihe regeln. Der nächstjährige 1. April wird vielleicht auch auf dem Gebiete der Hauszinssteuer noch weitere Neuerungen bringen, zumal am 1. April 1938 das neue Grundsteuergesetz in Kraft tritt. H. D. Sie städtischen Kred igenoffenschaften im Geschäftsjahr ^936. Vom Deutschen Genossenschaftsoerband, Berlin, wird uns geschrieben: Die Ergebnisse der städtischen Kreditgenossenschaften für das Geschäftsjahr 1936 bestätigen in der Gesamtübersicht die ständige Aufwärtsbewegung dieser Institute. Dabei haben die Genossenschaftsbanken ihre besondere Aufgabe in einer intensiven Förderung des mittelständischen Kreditgeschäfts gesehen. Ziffernmäßig geht dies daraus hervor, daß der an sia; gegenüber dem Vorjahr gestiegene Einlagenzuwachs von dem Anwachsen der ausgeliehenen Kredite noch übertroffen wird. Während der Einlagenzuwachs im Jahre 1936 = 131 Millionen Marc (117 Millionen Mark im Vorjahr) beträgt, hat sich der Gesamtbestand der Kredite um 156 Millionen Mark auf 1 604 Millionen Mark erhöht. Damit liegt erstmalig der Bestand der ausgeliehenen Kredite über dem Einlagenbestand, der sich auf 1 584 Millionen Mark beläuft. Neben der starken Beteiligung der Genossenschaften am mittelständischen Kreditgeschäft weisen die vorläufigen Jahresergebnisse eine beachtliche Zunahme des eigenen Wertpapierbestandes um 41 auf 153 Millionen Mark auf. Die Geschäftsguthaben der Kreditgenossenschaften konnten um 8 auf 206 Millionen Mark, die Reserven um 5 auf 72 Millwnen Mark steigen. Einschließlich der weiterbegebenen Wechsel belaufen sich Anfang 1937 die Betriebsmittel der städtischen Kreditgenossenschaften auf 2,2 Milliarden Mark. Oie öffentlichen Lebensversicherungs- anftatten in Deutschland. Die im Verband öffentlicher Lebensversicherungsanstalten in Deutschland zusammengeschlosscyen Anstalten haben im Jahre 1936 in ihrer Aufwärtsentwicklung, die durch die Machtübernahme im Jahre 1933 ausgelöst worden ist, neue Fortschritte gemacht. Seit 1932, dem Jahre des Tiefstandes, in dem nur 198 Millionen Mark Neuanträge eingelaufen waren, bis Ende 1936 ist der Antragszugang auf über 324 Millionen Mark angestiegen. Wie in den Jahren vorher, dürften auch im Jahre 1936 die vermehrte Arbeitsbeschaffung und die daraus entstandene erhöhte Derdienstmoglichkeit in zahlreichen Berufen die Ursache für die günstige Entwicklung sein. Den Hauptanteil an der Aufwärtsbewegung hatte im vergangenen Jahre die Großlebensversicherung zu verzeichnen. Diese Tatsache kann als Beweis dafür angesehen werden, daß nicht nur das Gesamteinkommen des deutschen Volkes, sondern auch die Kaufkraft des einzelnen Volksgenossen vielfach gestiegen ist. Zugleich drückt dies aber auch sein Vertrauen zu der fortschreitenden Gesundung der deutschen Wirtschaft aus. — Die Sterblichkeitskurve ist wiederum günstig verlaufen. Nach den vorläufigen Zusammenstellungen geht der Reinzugang zum Gesamtbestand über den Zuwachs des Vorjahres erheblich hinaus. Dementsprechend sind auch die Beitragseinnahmen gestiegen. Sie haben die Anstalten in die Lage versetzt, den Umfang ihrer Geldausleihen gemäß ihren Richtlinien, die eine vornehmliche Berücksichtigung der Bauernschaft, des Handwerker- und Kleingewerbestandes sowie der Beamten, Angestellten und Arbeiter vorsehen, zu vergrößern und ihnen ferner ermöglicht, Mittel im Sinne der neuen Reichsaufgaben anzulegen. Die langfristigen Kapitalanlagen sind daher von vorjährigen 405 Millionen Mark auf 466 Millionen Mark weiter gestiegen. Die öffentlichen Anstalten haben wiederum einen großen Teil der verfügbaren Geldmittel in kleineren Hypothekendarlehen ausgeliehen, so daß die breitesten Schichten und nicht zum wenigsten auch die Landbevölkerung im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten Kredithilfe erhalten haben. Es wird damit bewußt bodenverbundene Wirtschaftspolitik betrieben. Der Grundsatz der dezentralisierten Kreditverteilung wird den Forderungen nach weitgehender sozialer Betätigung zugunsten der mit geringerem Eiaenkapital ausgerüsteten schaffenden VoUs- kreise, die für die Staatserhaltung größte Bedeutung besitzen, gerecht, und er trägt in hohem Maße dazu bei, das Vertrauen zur öffentlichen Versicherung überhaupt zu vertiefen, sowie dem Versicherungsgedanken immer mehr Freunde zu gewinnen. Die Verbreitung der Erkenntnis, daß der Versicherungsschutz zu den Grundforderungen für das Wohl der Familie im Rahmen der Bevölkerungspolitik gehört, ist eine Aufgabe von nationalem und sozialem Charakter. In einem solchen Dienen an der Volksgemeinschaft verbinden sich Leistung und Gemeinnützigkeit der Arbeit, ohne die der notwendige Wiederaufbau unserer Wirtschaft nicht denkbar ist. Deutsche Kolomal-Aassiellung in Frankfurt. NSG. Die Vorbereitungen für die Kolonialaus- ftellung, die vom Reichskolonialbund vom 4. bis 25. April durchgeführt wird, find jetzt soweit zum Abschluß gekommen, daß mit dem Aufbau der Ausstellung im Haus der Moden in Frankfurt a. M. begonnen werden konnte. Die Ausstellung dient dem Gedanken, die Idee von der Notwendigkeit kolonialen Besitzes in die breiten Kreise der Bevölkerung zu tragen. In Frankfurt kann diese Idee an älteste Tradition anknüpfen, denn in Frankfurt wurde im .Jahre 1882 der Deuts ch e Kolonialverein gegründet, vo.n dem Bismarck später sagen konnte, daß gerade diese Bestrebungen ihm wertvolle Grundlagen für den Kolonialerwerb und die kolonisatorische Arbeit gegeben haben. Diese Beziehungen Frankfurts zu dem kolonialen Gedanken und der Kolonialgefchichte kommen denn auch in einer großen Abteilung der Ausstellung zum Ausdruck. Die Frankfurter Stadtbibliothek bringt hier deutschsprachliche Literatur über die koloniale Entwicklung bis zum Jahre 1918. Sorgfältig ausgewähltes und wissenschaftlich fundiertes Material beantwortet schlüssig die Frage, warum Kolonien? Diese Abteilung zeigt die deutschen Kolonien in ihren wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Mutterlande vor dem Krieg und den Kolonialbesitz anderer Länder. Die Hauptabteilung umfaßt die Kolonialwirt schäft in ihrer ganzen Vielfältigkeit und in ihren Beziehungen zur Heimat. Im Zusammenhang mit der Wirtschaft wird das Verkehrswesen, Völker u. Tierwelt anschaulich dargeftellt. Einen ansehnlichen Raum nimmt auch die A r'b e i t in der Heimat ein, die nach der Förderung der behördlichen Stellen heute bereits in den Schulen beginnt und in den Kolonialschulen ihre Fortsetzung findet. Bei der Ausstellung wird die Tätigkeit des Kolonialbundes, feine karitative, wie auch feine kulturelle und Werbearbeit nicht übergangen. Verwendung von Gpeichergas genehmigungspflichtig. Berlin, 30. März. (DNB.) Der Einführung von Speichergas als Treibstoff kommt im Rahmen des Vierjahresplanes eine besondere Bedeutung zu. Daher wird, um den Verbrauch von Speichergas der Erzeugung anzupafsen, bestimmt, daß die Verwendung einer besonderen Genehmigung bedarf. Der Antrag ist an die zuständige Zulassungsstelle zu richten. Dem Antrag sind bei bereits zugelassenen Kraftfahrzeugen der Kraftfahrzeugbrief oder eine Beschreibung des Fahrzeuges durch die Herstellerfirma mit den entsprechenden Angaben beizufügen. Bei Flüssiggas sind dem Antrag außerdem eine Bescheinigung des Kraftstofflieferers, daß am Standort ausreichende Bezugsmöglichkeiten vorhanden sind und Angaben über den Verwendungszweck des Kraftfahrzeuges, den Zeitpunkt der voraussichtlichen Inbetriebnahme und •ben ungefähren Jahresbedarf an Speichergas beizufügen. Die Genehmigung wird im Kraftfahrzeugbrief vermerkt. Für Kraftfahrzeuge, die am 31. März 1937 bereits für den Betrieb mit Speichergas eingerichtet r 'ren, gilt die Genehmigung als erteilt. Die Vc rift der Reichsstraßenverkehrsordnung über die erforderliche erneute Betriebserlaubnis wird hierdurch nicht berührt. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnachmittag geschloffen. Telephon 2486 1448 A Zweijährige Handeisklasse für Schulentlassene mit 8jähr. Schulbildung. Ziel: Mittlere Reife (früher Einjährig - Examen genannt). Eür Mädchen auch Kochen u. Nähen, Schulgeld RM. 17.-, keine Nebengebühren. Em-u.halbjährige Handelsfachklasse Schulgeld RM. 19.- keine Nebengebühren. Abendkurse für Berufstätige in Maschinen - Schreiben, Stenographie und allen Handelsfächern. Anmeldungen für das neue Schuljahr und Auskünfte jederz. i. Schulgebäude, Gießen Goethestr. 32. Geschäftsverlegung LudwigstraßeNr.5 2214 D Werbe-Drucksachen liefert Brühl’sche Druckerei Mein Büro sowie meine Werkstatt befinden sich ab 1. April Theo Nauheimer Malermeister Gießen Teleph. 3224 einer zu scharfen Seife. Seife weglasien, milde Salbe verwenden. Schulter wird gebildet von dem Schlüsselbein, dem Schulterblatt und dem oberen Ende des Oberarmes. Dazu gehören noch die entivrechenden Muskeln. Ausrenkungen der Schulter sind nicht allzu selten. In der Schultermuskulatur entstehen oft Muskel- knötchen. die Ursachen des schmerzhaften Muskelrheumatismus ^Behandlung durch Massage und Einreibung. Hohe Schulter ist eine Teilerscheinung bei Wirbelsäulenverkrümmung Schulzeugnis, Bescheinigung über die Leistungen der Schüler und Schülerinnen, die vor Ferien- beginn und am Schluß des Ccbul- iahres ausgestellt wird. Von der Bewertung der Leistungen in den einzelnen Fächern hängt die Versetzung ab. Die Eltern oder Erziehungsberechtigten müssen durch Unterschrift bestätigen, daß sie das Zeugnis gesehen haben. Schürze, Schutzbekleidung für Frauen bei Hausarbeiten. Mantelschürzen sind sehr praktisch, da man immer ein gutes Kleid darunter tragen kann, man wählt sie zweckmäßig in bunten Farben Eummischürzen sind für sehr schmutzige Arbeiten sehr zu empfehlen. da man sie leicht abwaschen kann. Kinderschiirzen sind am praktischsten aus bunten Stoffen, sie sollen Taschen haben, damit das Kind sein Taschentuch bei sich hat. Schürzstich, Schlingstich, ein Stich bei Handarbeiten, z. B zum Ubersticken bei Langetten und zur Befestigung von Knopflöchern. Man befestigt zunächst den Arbeitsfaden, sticht mit der Nadel von oben in den Stoff und zieht den Faden fest durch die sich bildende Schlinge. Schürz- oder Schlingstiche werden dicht beieinander gearbeitet. Schusterpalme, s. Aspidistra. Schusterkugel, mit Wasser gefüllte Glaskugel, die das dahinter stehende Licht auf die Arbeitsstelle wirft. Schußfäden, die Querfäden oder der Einschlag beim Weben von Stoffen. Die Längsfäden nennt man Kette. Schußwunden sind Höhlenwunden, die durch Verletzung mit Geschossen entstanden sind. Die Einschußöffnung ist kleiner als die Ausschußöffnung, dadurch, und aus dem Verlauf des Schußkanals kann man genau die Richtung des Schusses feststellen. Schußverletzungen müssen. ärztlich behandelt werden. Gefährlich sind alle Schußwunden, die innere Organe mitverletzen. Schüttelfrost, starkes Frostgefühl, verbunden mit einem Schütteln des ganzen Körpers. Entsteht bei plötzlich ansteigendem Fieber und zeigt meist den Beginn einer schweren Erkrankung an; in leichterem Grade ist es eine nervöse Erscheinung. Schutzaufsicht. Ein Minderjähriger muß unter Sch. gestellt werden. wenn sie zur Verhütung seiner geistigen, körperlichen oder sittlichen Verwahrlosung geboten „Die drille Hand" beim Teigrühren ist der Schüsselhalter. Jede Schüssel wird von ihm unverrückbar festgehalten. Das ist besonders praktisch, wenn unter ständigem Rühren etwas zugegossen werden soll. 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