llr.149 Erstes vlatt 187. Jahrgang Mittwoch, 30. Juni 1937 Lrlcherwt rüg »ich. autz« Sonntag» and Feiertag» Beilagen: Vie 3Du|tnerte Gießener Familienblattei Heimat im Bild Die Scholl« monar»iBe$ugsprets: Mtt 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten. Anzeiger Gieße« Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: vrühl'sche Univerfttat§-Vuch- und Steindrnckerei R. Lange in Gietzen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7 Annahme von Anzeige« für die Mittagsnummer bis8'/.UHr des Vormittag» Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,PIatzvorschrist nach vorh Derembg.25"/^ mehr. 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Im Sinne des einmütigen und tiefen Gefühls des französischen Volkes, das kürzlich mit ausdrucksvoller Kraft durch die Stimme unserer lieben Frontkämpfer zum Ausdruck kam, werden wir die Außenpolitik fortsetzen, die leidenschaftlich bestrebt ist, den Frieden mit allen Völkern zu suchen und ihn nur in der Gerechtigkeit, in der Achtung der Unabhängigkeit aller zu sehen. Wir werden gleichzeitig den besonderen Freundschaften Frankreichs treu bleiben und uns bemühen, ständig das Feld der internationalen Zusammenarbeit zu erweitern. Frankreich ist entschlossen, sich jeder Drohung zu enthalten und keinerlei Drohung zu dulden. Der Frieden wird nicht durch Verzichte erkauft werden, die zur Abhängigkeit und zum Kriege führen würden. Der Friede kann nur durch den Willen der Völker Zustandekommen, die entschlossen sind, ihn zu verteidigen und alle ihre Kräfte in den Dienst des Rechtes zu stellen. Wir werden nicht vernachlässigen, um die Kräfte, die die Sicherheit des Vaterlandes schützen, auf ihrem Höchststand zu erhalten. Aber wir haben bestimmte Hoffnung, daß die An - strengung zur Entspannung und zum gegenseitigen Verstehen ihre Früchte tragen wird, und wir richten den herzlichen Aufruf an alle Völker, an alle Regierungen ohne eine Ausnahme, auf daß ihre aufrichtige Zustimmung zu einem Regime der wirtschaftlichen Unterstützung und der Beschränkung der Rüstungen endlich die Hoffnung aufkommen lasse auf eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen den wiederversöhnten Völkern. Nach einem Hinweis auf das innerpolitische und soziale Programm der Regierung, das sich mit dem ihrer Vorgängerin deckt, fährt die Erklärung fort, wichtigste Pflicht der Regierung sei es, unverzüglich energische Maßnahmen zu ergreifen, die den unstatthaften Mißbrauch der Spekulation beseitigen, das Gleichgewicht des Haushalts herbeiführen und die nationale Wirtschaft beleben fallen.' Zu diesem Zweck werde der Finanzminister unverzüglich in der Kammer Gesetzesentwürfe einbringen, die der Regierung die für jede Handlung notwendigen Vo l l m a ch t e n erteilten, damit sie schnell und entschlossen handeln könne, wie es das öffentliche Interesse erfordere. Dos Ermächtigungsgesetz, das der Kammer vorgelegt wurde, tautet: Die Regierung wird ermächtigt, bis zum 31. August 1937 durch im Ministerrat verabschiedete V e r - ordnungen alle Maßnahmen zu treffen, die die Beeinträchtigung des Staatskredites und die Spekulation bekämpfen sowie die wirtschaftliche Gesundung, die Preisüberwachung, den Ausgleich des Haushaltes und des Schatzamtes ohne Währungskontrolle und die Verteidigung des Goldbestandes der Bank von Frankreich bezwecken. Diese Verordnungen werden innerhalb von drei Monaten nach Verkündung vorstehenden Gesetzes, aber auf alle Fälle in der ersten Sitzung der außerordentlichen Parlamentstagung 1937 den Kammern zur Ratifizierung unterbreitet werden. Die B e g r ü n d u n g des Gesetzentwurfes lautet: Die Lage des Haushaltes, des Schatzamtes und der Währung erheischen sofortige Gesundungsmaßnahmen. Das Schatzamt muß bis zum Jahresende Lasten tragen, die es nicht durch Inanspruchnahme des Geldmarktes bewältigen kann. Die Währung ist s p e k u l a t i v e m Druck aus- gesetzt, der die Gefahr mit sich bringt, den Gold- estand der Währungsbank rasch zu gefährden. Eine derartige Lage kann nicht Dauerzustand werden, ohne die finanzielle Unabhängigkeit, die militärische Sicherheit, die sozialen Errungenschaften und die wirtschaftliche Gesundung Frankreichs in Frage zu stellen. Die Regierung beschließt, sofort einen Plan der Gesundung anzuwenden, der die Verteidigung des Goldbestandes der Bank von Frankreich ohne Währungskontrolle, einen unerbittlichen Kampf gegen die Spekulation und ein streng eingehaltenes Haushaltsgleich- gewicht für 1937 vorsieht, und zwar durch geeignete Steuermaßnahmen und eine merkliche Verringerung der Raten des Schatzamtes. Dieses Programm bildet ein zusammenhän g endes Ganzes. Keine der geplanten Maßnahmen könnte allein genügen. Die Notwendigkeit, sie alle gleichzeitig und uiwerzüglich anzuwenden, macht eine außergewöhnlich rasche Durchführung notwendig. Im Hinblick auf letztere verlangt die Regierung vom Parlament die erforderlichen Vollmachten. Die Aachtsitzurig der Kammer entsprach dem Ernst der Lage. Vor allem die Rechte ließ es an scharfer Kritik an dem zurückgetretenen Kabinett Blum nicht fehlen; dessen Finanzpottttk wurde gebranbmarft und für die jetzigen Schwierigkeiten verantwortlich gemacht. Den Bemühungen des neuen Finanzministers Georges Bonnet steht man auch in der Opposition wohlwollend gegenüber. Aber immer wieder kam die Befürchtung zum Ausdruck, daß feine an sich gut zu heißenden Absichten an dem Wider st and gewisser Kreise der Volksfront selb st scheitern würden. Der rechtsgerichtete Abgeordnete Xaoer Vallat stellte fest, daß der Finanzminister sehr gesunde Auffassungen vertrete. Er habe sich in der Vergangenheit häufig gegen das Finanzprogramm der Volksfront ausgesprochen, und seine Anwesenheit im Kabinett stelle daher einen Widerspruch zu den Beschlüssen des sozialdemokratischen Landesparteitages dar, der dem Ministerpräsidenten zur Pflicht gemacht hatte, niemand in fein Kabinett aufzunehmen, der die Volksfront bekämpfe. Es fei anzunehmen, daß die Mehrheit der Volksfront der Regierung Ehautemps nicht folgen werde, wenn sie die Absicht habe, den „Weg der Buße" zu beschreiten. Da er und seine Parteifreunde die Ansicht verträten, daß in der Kammer eine andere Mehrheit als die der Volksfront möglich fei, stimmten sie gegen das Ermächtigungsgesetz. Finanzminister Bonnei bat die Kammer, angesichts der Notwendigkeit einer Wiedergesundung der Finanzlage unnütze Kritik beiseite zu lassen. Das Schatzamt müsse bis Anfang Oktober 5,4 Milliarden innere Anleihen z u - rückzahlen. Am 1. Dezember werde die Rückzahlung von weiteren 4 Milliarden der in England aufgenommenen Anleihen notwendig. Dazu kämen 807 Millionen Franken der Anleihen des ehemaligen Finanzministers Auriol, so daß insgesamt 10,6 Milliarden Franken für die Rückzahlung von Anleihen notwendig seien. Der Gold- abfluß der Bank von Frankreich belief sich zwischen dem 1. und 22. Juni auf 5,2 Milliarden, aber allein in den Tagen vom 23. bis 28. Juni habe er 2,5 Milliarden betragen. Die notwendigen Ge ' . maßnahmen beständen in erster Linie in einem scharfen Kampf gegen die S p e k u l a t i on. > Das einzige wirkliche Mittel, die Spekulation zu unterbinden, sei, Ordnung in die Finanzen und in die Wirtschaft zu bringen. Der Haushalt müsse ins Gleichgewicht kommen. Steuerhinterziehungen müßten streng bestraft werden. Er denke auch daran, die Steuern für große Vermögen zu erhöhen und eine Tariferhöhung der Eisenbahnen vorzunehmen. Für die Haushaltsführung fei es notwendig, keine neuen Ausgaben zu bewilligen, die nicht durch neue Einnahmen gedeckt feien. Um den augenblicklichen finanziellen Lasten gerecht zu werden, fei es nicht möglich, den Franken in den durch das Dährungsgefeh vom Oktober 1936 gesteckten Grenzen zu halten. Werde das Gesetz beibehalten, so nehme der Goldabfluß zu und damit würden die Reserven der Dank von Frankreich immer geringer. Die Regierung beabsichtige, dieser Gefahr im Rahmen des Ermächtigungsgesetzes zu begegnen. Sie werde dabei bemüht fein, sich größte Zurückhaltung aufzuerlegen. Während die Sitzung bis dahin in einer ruhigen und dem Ernst der Lage entsprechenden Atmosphäre verlaufen war, kam es zu außerordentlich heftigen L ä r m s z e n e n, als der kommunistische Fraktionsführer Duclos die Tribüne betrat, um die Erklärung, daß feine Fraktion für die Vorlage stimmen werde, mit heftigen Ausfällen gegen die Opposition zu verbinden. Kammerpräsident Herriot sah sich gezwungen, die Sitzung zu unterbrechen. Die Auseinandersetzung zwischen der Rechten und den Kommunisten wurde jedoch in den Wandelgängen fortgesetzt, und es kam zu einer regelrechten Schlägerei zwischen dem Kommunisten Ramette und dem rechtsgerichteten Abgeordneten Les Jsnard, die sich gegenseitig ohrfeigten. Nach Wiederaufnahme der Sitzung richtete Ministerpräsident C haute m p s einen ernsten Appell an die Abgeordneten, im Interesse des Landes für die Vorlage zu stimmen. Die Kammer sprach sich herauf mit Dem bereits gemeldeten Ergebnis für die Vorlage aus, die nun an den Senat weiter geleitet wird. Das Schicksal des Micken. Wird das Fluchttapifal zurückkehren? Paris, 30. Juni. (DNB. Funkspruch.) Das „Echo de Paris" will wissen, daß Finanzminister Bonnet nicht die Absicht habe, den Franken auf eine feste Parität zu bringen. Anstatt den Aus- gleichssonds zu verschwenden und so den Frankenkurs auf etwa 125 gegenüber dem englischen Pfund zu halten, werde man ihn bis 130 und vielleicht sogar 135 sinken lassen. Dann werde man den Ausgleichsfonds einsetzen, um die Parität wieder auf 125 zu bringen und um dadurch eine Rückkehr der ausgewanderten Kapitalien herbeizuführen. Wenn das Vertrauen wieder her- gestellt und gleichzeitig der Haushalt durch den Verzicht auf neue Ausgaben ins Gleichgewicht gebracht fei, hoffe man mit einer verstärkten Rückkehr dieser Kapitalien und werde dann an eine Konvertierung d er Renten denken können. Der Finanzminister habe aus Washington gewisse Zusicherungen mitgebracht, und der französische Finanzattache in London habe mit dem englischen Schatzamt bereits enge Fühlung genommen. Sowohl die amerikanische wie auch die englische Regierung seien der Ansicht, daß die augenblicklichen Finanzoperationen Frankreichs sehr wohl mit dem Dreier- Abkommen vereinbar seien. Nichtsdestoweniger beurteilt man die Lage in Rechtskreisen sehr pessimistisch. Der „Jour" spricht von dem Bankrott der Volksfront. Das Kabinett Ehautemps könne nur als eine Zwischenlösung angesehen werden, denn es werde dem Ministerpräsidenten unmöglich sein, wirklich einschneidende Maßnahmen zu treffen, weil d i e Sozialdemokraten, getrieben von den Kommunisten, niemals einer zwar peinlichen, aber notwendigen Reform zustimmen würden, die allein geeignet wäre, das Land vor der Katastrophe zu bewahren. Diese Voraussage findet in dem Organ der sozialdemokratischen Partei, dem „Popu- laire", bereits ihre Bestätigung. Das Blatt schreibt, die Volksfront werde auf steuerlichem und finanzpolitischem Gebiet niemals einer Maßnahme zustimmen, die den Plänen zuwiderlaufe, die das erste Volksfront k ab inett ausgearbeitet habe. Was wird aus dem Währungsabkommen? London, 30. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Mitteilungen des französischen Finanzministers Bonnet über die katastrophale Finanzlage werden von den Morgenbljittern in großer Aufmachung wiedergegeben. Infolgedessen wird mit einem weiteren Absinken des Frankenkurses gerechnet. „Daily Telegraph" schreibt, wenn ein Ausgleich des französischen Haushaltes ermöglicht werden solle, müßten die gewaltigen französischen Kapitalien, die ins Ausland geflüchtet feien, wieder zurück- gebracht werden. Dazu fei aber in erster Linie • eine Wiederherstellung des Vertrauens erforderlich. Die „Morning Post" schreibt, daß eine weitere Entwertung des Franken der Zustim - mung Englands und-der Vereinigten Staaten bedürfe, wenn das Dreimächte-Wäh- rungsabfommen aufrechterhalten werden solle. Natürlich stehe es Frankreich frei, das Abkommen zu kündigen. In diesem Falle würde die Zusammenarbeit zwischen Amerika und England genügen, um die Währungsstabilität dieser beiden Länder aufrechtzuerhalten. Die „Financial Times" schreibt, Frankreich habe feit mehr als einem Jahr mehr oder weniger auf Schulden ge l e b t, die Zeit sei jetzt gekommen, das Geld für d i e Rückzahlung zu finden. Eine schwere Besteuerung in der einen oder anderen Form sei unvermeidlich. Das französische Volk müsse einsehen, daß große Opfer erforderlich seien, um einen Ausgleich des Haushalts zu ermöglichen. Das Blatt meint, daß der Franken mit der Unterstützung des englischen und amerikanischen Ausgleichsfonds in der Lage fein sollte, baldigst feinen Kurs zu finden und damit die Währung in ein neues Gleichgewicht zu bringen. Erfolg des japanischen Protestes in Moskau. Tokio, 30. Juni. (Ostasiendienst des DNB.) Der Sprecher des Auswärtigen Amtes machte Mitteilung über den Protest in Moskau wegen der widerrechtlichen Besetzung zweier Amur-Inseln durch die rote Armee und wegen der Sperrung des Schifffahrtsweges auf dem Amur durch zahlreiche Sowjet-Kanonenboote. Außenkommissar Litwinow- Finkelstein gestand die Zurückziehung der Sowjettruppen und die Wiederher- Heilung des Status quo auföen Amur- Inseln zu. Politisch Kreise weisen darauf hin, daß bei den Verhandlungen in Moskau zahlreiche Streitfragen, die hauptsächlich umstrittene Besitzrechte betreffen, gar nicht berührt wurden. Die Zugeständnisse der Sowjetunion beträfen lediglich einen kleinen Ausschnitt der an den Grenzen Mcm- dschukuos bestehenden Fragen. Balmaseda einaenommen. Salamanca, 29. Juni. (DNB.) Der nationale Heeresbericht vom Dienstag teilt mit: Front von Biscaya: Unsere Truppen haben ihren siegreichen Vormarsch fortgesetzt und Stellungen besetzt, die die Bergwerksbahn beherrschen. Der Gegner, der in einigen Abschnitten Gegenangriffe versuchte, wurde zurückgewiesen. Um 14,30 Uhr haben unsere Truppen Balmaseda eingenommen und in weiterem Vormarsch Zagüjo, San Miguel und andere wichtige Stellungen besetzt. Eine gegnerische Kompanie, die Balmaseda verteidigte, ergab sich beim Einmarsch unserer Truppen und leistete die Ehrenbezeugung. Die Zahl der lieber« läufer beträgt über 500. Andere Heeresgruppen besetzten La Nevera, La Garbea und eine Blei« und Zinnschmelzerei. 3n eigenen Händen. In einer Rede auf dem mainfränkifchen Gauparteitag in Würzburg hat der Führer und Reichskanzler selbst aus den Erfahrungen, die wir in den letzten Wochen auf außenpolitischem Gebiet gemacht haben, die Folgerungen gezogen. Er hat dem Kollektivismus in der Außenpolitik, der die Entscheidungen der einzelnen Nationen dem Spruch einer übernationalen Körperschaft unterordnen möchte, eine Absage erteilt, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Wir haben hier schon am Samstag darauf hingewiesen, daß sich die Fürsprecher des Systems einer kollektiven Friedenssicherung soeben in London eine glänzende Gelegenheit haben entgehen lassen, wo sie an einem praktischen Einzelfall die Brauchbarkeit der von ihnen empfohlenen Methode gemeinsamen Handelns zur Abwehr von Friedensbrechern hätten demonstrieren können. Sie haben nicht nur diese Gelegenheit verpaßt, sondern in völliger Verkennung dessen, welche grundsätzliche Bedeutung der Behandlung dieses Falles zukam, waren sie töricht und verblendet genug, selbst alles zu tun, um ihrer eigenen politischen Methode gerade in den Augen der Nationen einen tödlichen Stoß zu versetzen, die sie zu ihrem System zu bekehren versuchten. Wir sagten hier schon, man wird es uns in London und Paris nicht übelneh- men können, wenn nftr die uns in einem Einzelfall gewordene Belehrung nun auch für die grundsätzliche Linie unserer Außenpolitik zu Herzen nehmen und die Möglichkeiten zwischennationaler Zusammenarbeit zur Sicherung des Friedens nur dort für gegeben erachten, wo die gemeinsamen nachbarlichen Lebensinteressen zweier Völker zu zweiseitiger Verständigung geführt haben. Als der heimtückische Bombenangriff roter Flieger auf die in internationalem Kontrolldienst stehende „Deutschland" 31 braven deutschen Seeleuten das Leben gekostet hatte, und das Reich selbst die Form der Genugtuung wählte, die sie als wirkungsvolle Warnung für das bolschewistische Verbrechergesindel von Valencia für angebracht hielt, hob man im Fpreign Office den Finger und die englische Presse belehrte uns in dem salbungsvoll schulmeisterlichen Ton, der ihr immer dann zur Verfügung steht, wenn sich andere Nationen herausnehmen, die in jahrhundertelanger britischer Hebung bewährten Methoden auch einmal für sich zu beanspruchen, daß es in diesem Falle angebracht gewesen wäre, die Verteidigung unserer nationalen Interessen vertrauensvoll in die Hände einer Körperschaft der kollektiven Friedenssicherung zu legen. Wir haben dieser Anregung entsprochen und uns zu dem Londoner Uebereinkommen mit den übrigen drei an der Seekontrolle in den spanischen Gewässern beteiligten Mächten bereitgefunden, unbeschadet des Rechts auf Selbstverteidigung gegen einen in flagranti ertappten Angreifer und des weiteren Rechts, nach ergebnislosem Ausgang der im Abkommen vorgesehenen Beratungen über eine gemeinsame Aktion, wieder die Freiheit der Entschließungen zu haben. Der Führer hat in Würzburg mit begreiflichem Sarkasmus geschildert, wie die erste Probe ausfiel, vor die sich diese immer noch auf ein genau umgrenztes Gebiet und auf den kleinen Kreis der vier beteiligten Seemächte beschränkte Vereinbarung kollektiver Friedenssicherung gestellt sah. Der Torpedoangriff roter U-Boote auf den Kontroll-Kreuzer „Leipzig" gab dem Reich Veranlassung, die in London vereinbarte Methode gemeinsamer Friedenssicherung in Ansvruch zu nehmen. Aber das völlige Versagen wurde überraschend schnell deutlich. Die Darlegungen des deutschen Botschafters und seine Vorschläge zur Erledigung des Zwischenfalls fanden weder die Zustimmung Englands noch die Frankreichs, ja die britische Presse zog in geradezu beleidigender Weise die Beweiskraft der eindeutigen Feststellungen deutscher Seeoffiziere in Zweifel und beschuldigte das Reich in maßlos gehässigen Ausfällen der Friedenssabotage. Neville Ehamberlain, der neue britische Premier, sah sich zwar genötigt, die Presse zur Ordnung zu rufen und auch nach Deutschland hin einige verbindliche Worte zu sprechen, aber was er und Eden zur Sache selbst zu sagen wußten, konnte den Eindruck nur bestätigen, daß England sich auch den bescheidensten deutschen Wünschen nach Genugtuung durch Bekundung der Solidarität der vier Kontrollmächte deshalb versagt hat. weil seine Regierung unter dem Druck der Opposition im eigenen Lande und in dem Bestreben. Sowietrußland unter gar keinen Umständen auf die Füße zu treten, ebensowenig wie das von der Volksfront beherrschte Frankreich mit den beiden autoritären Staaten Deutschland und Italien in einer Front geaen Valencia sich sehen lassen wollte. Deshalb stellte man in London in beleidigender Weile das angegriffene und zum zweiten Male frech herausgeforderte Deutsche Reich auf eine Ebene mit den notorischen Friedensbrechern von Valencia, deren Brandstiftungen nur durch deutsche Mäßiaung und Besonnenheit Versuche geblieben sind. Deshalb forderte man erst Untersuchung eines b^Hts eindeutig festgestellten Falles, um dann die Möglichkeit zu finb-m sich seiner kollektiven Vervllichtungen zu entziehen Man versagte sich aber gleichzeitig auch den bescheidensten Wünschen Deutschlands auf Genuatuuna und ließ daran seelenruhig die Verhandlungen auffliegen. Vielleicht hätte sich Eden doch dazu bemiemt, seine Stellung etwas weniger einseitig zu wählen, wäre es ihm bewußt gewesen, welche a r u n b s ä tz - liche Bedeutung man in Deutschland diesem offensichtlichen Versagen der Methode kaslektiver Friedensficherung beilegen würde. Der Führer hat in Würzburg dem deutschen Volke aus dem Herzen gesprochen, als er feststellte: „Die Erfahrungen, die wir dieses Mal gemacht haben, sind für uns eine Belehrung, die wir niemals mehr vergessen werden." Wie soll man sich iy der Tat auf ein Syster?» der Friedenssicherung verlassen können, das schon in einem eklatanten Einzelfall versagt gegen eine internationale Verbrecherorganisation, die durch notorische Friedensbrüche und Bekundungen eines durchaus unfriedfertigen Willens bereits hinreichend vorbelastet ist? Wie soll man an die Wirksamkeit einer Methode glauben, die schon in dem denkbar engen Rahmen der vier westeuropäischen Großmächte kläglich Schiffbruch leidet, weil man in Paris und London seine eigenen Interessen oder das, was man dafür hält, über das beleidigte Recht stellt und sich scheut, gegen seine Freunde anzutreten, auch wenn dies so fragwürdige sind wie die Bolschewisten von Valencia und Moskau, weil man das Stirnrunzeln einer einseitig orientierten und scharf gemachten Presse fürchtet? Was hier in einem Einzelfall und im engsten Rahmen so schnell ad absurdum geführt wurde, wie soll das gleiche System sich als Sicherung des Friedens bewähren, wenn es um Lebensinteressen großer Nationen geht und von einer Reihe sehr verschiedenartig interessierter Völker eine internationale Disziplin verlangt wird, die hier nicht einmal Frankreich und England, die lauresten Lobredner des kollektiven Systems, bewiesen haben? Der F ü h- rer hat die unausweichliche Folgerung aus Deutschlands Enttäuschung über dieses jämmerliche Ergebnis der Londoner „Beratungen" gezogen, wenn er in Würzburg feierlich erklärte: „Wir werden von jetzt ab in solchen Fällen doch lieber die Freiheit, die Unabhängigkeit, die Ehre und die Sicherheit der Nation in unsere eigenen Hände nehmen und uns selbst beschützen. ... Nachdem sich selbst diese kleinste Abmachung in der Praxis als undurchführbar erwies, soll das für uns eine Warnung fein, eine ähnliche Enttäuschung eines Tages nicht vielleicht in einem schlimmeren Fall noch einmal zu erleben. Jede Katze kann sich einmal die Pfoten verbrennen und jeder Mensch einmal Fehler machen, aber nur Narren tun das gleiche zweimal! Weder ich, noch die deutsche Nation haben nun Lust, sich ein zweites Mal in eine solche Gefahr zu begeben." Die deutsche Außenpolitik war vorurteilsfrei genug, einem System, das bereits in Form des Genfer Völkerbundes von einem Mißerfolg zum anderen geführt hatte, in einem anderen Rahmen eine neue Chance zuzubilligen und die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, im Falle des Gelingens auch einen Schritt weiter zu gehen und die bisher allzu wohl begründete Stellung gegen die kollektive Methode zu überprüfen. Deutschland ist nicht in die Lage gekommen, den Versuch auszudehnen. Das erste Mißlingen war überzeugend genug, um die deutsche Außenpolitik davon abzuschrecken, die Sicherheit des Reiches internationalen Kollektivbeschlüssen anzuoertrauen. Deutschland wird auch in Zukunft an dem für richtig befundenen Grundsatz festhalten, daß starke Nationalstaaten, die in nachbarlicher Zusammenarbeit sich über ihre nationalen Lebensinteressen zu verständigen suchen, die Voraussetzung für eine wirksame Friedenssicherung sind genau so wie nach den in gleicher Richtung gehenden Worten Görings in der Eröffnungssitzung des Berliner Kongresses der Internationalen Handelskammer gesunde nationale Volkswirtschaften das Fundament für eine lebendige Weltwirtschaft bilden müssen. Wie die wiedererstandene Armee der deutschen Politik die Handlungsfreiheit zurückae- geben hat, so hat der Vierjahresplan die Aufgabe, die deutsche Wirtschaft unabhängig zu machen von den Wechselfällen der Weltpolitik und konjunkturellen Einflüssen des Weltmarktes. Aber so wenig wie wir uns vom Welthandel ausschließen wollen, so wenig verkennen wir unsere Verantwortung für den Weltfrieden. Wir haben bereits für das eine wie für das andere sehr wesentliche Beiträge geleistet und sind auch für die Zukunft bereit, unseren Anteil zur Sicherung des Weltfriedens sowohl wie zur Wiederaufrichtung der Weltwirtschaft auf uns zu nehmen. Nach den Erfahrungen, die man uns hat machen lassen, nehmen wir uns aber die Freiheit für beide Aufgaben unsere eigene Methode zu verfolgen. Dr. Fr. W. L. Gtaat und Kirche. Eine Rede des Gauleiters Adolf Wagner. München, 29. Juni. (DNB.) In Fürstenfeldbruck hielt der Gauleiter des Traditionsgaues München-Oberbayern, Staatsminister Adolf Wagner, eine Rede, in der er auch das Verhältnis zwi - schen Staat und Kirche behandelte. Er müsse mit Bedauern feststellen, so erklärte der Gauleiter, daß es heute noch eine Kraft und eine Macht gäbe, die sich störend im völkischen Leben bemerkbar mache. Diese Kraft seien die Kirchen. Er wende sich mahnend an sie, sich einzufügen in das große Ganze und mitzuarbeiten an den gewaltigen Problemen, die noch zu lösen seien. Die Kirchen hätten in der Systemzeit alles andere getan, als Leistungen zur Rettung des deutschen Volkes zu vollbrin- aen. Wenn man schon seitens der Kirchen keine Leistungen des nationalsozialistischen Reiches anzuerkennen geneigt sei, so müßte man doch zum mindesten anerkennen, daß durch diese Leistungen d i e Einnahmen der Kirchen erheblich gesteigert worden sei. Diese seien aber keineswegs durch erhöhte Leistungen der Kirche, sondern einzig und allein durch die Leistungen des nationalsozialistischen Reiches verursacht worden. Die Einstellung der Kirchen zwänge ihn nun, diese freiwilligen Leistungen im Verlauf der nächsten drei Jahre in Bayern nach und nach zu kürzen. Die eingesparten Summen sollten zum Bau neuer Schulen in Bayern Verwendung finden. Es könne ja nicht die Aufgabe des Staates sein, eine Organisation finanziell zu unterstützen, die nichts anderes als den Kampf gegen den Staat betreibe. Der Staat sei nun einmal dazu da, Störenfriede zur Ordnung zu rufen, und dafür zu sorgen, daß ihnen rechtzeitig das Handwerk gelegt werde. Das deutsche Volk sei im tiefsten Grunde seines Herzens gottesfürchtig und gottgläubig. Es wolle über seinen Herrgott nicht streiten, sondern im Sinne seines allmächtigen Gottes leben. Einheitliches Ausbildungsrecht für die höheren Beamten der allgemeinen und inneren Verwaltung. Berlin, 29. Juni. (DNB.) Der § 164 des neuen Beamtengesetzes gibt der Reichsregierung das Recht, Vorschriften über die Vorbildung und die Laufbahnen der Beamten zu erlassen Demzufolge haben die Reichsminister des Innern und der Finanzen eine Verordnung über die Ausbildung für den höheren Dienst in der allgemeinen und inneren Verwaltung veröffentlicht. Nachdem der Reichsjuftizminister als oberste Justizbehörde für den gesamten richterlichen Nachwuchs des Reiches ein einheitliches Ausbildungsrecht geschaffen hat, soll nun dasselbe für den Nachwuchs der höheren Beamten der allgemeinen Der englische Vorschlag im Mchteinmischnngsansschuß. Grundsätzliche Bedenken Deutschlands und Italiens gegen die Alleindurchführung der GeekontroUe durch England und Frankreich. London, 29. Juni. (DNB.) In der Sitzung des Hauptausschusses des Nichteinmischungsausschusses wurde ein englisch-französischer Vorschlag auf Uebernahme der Seekontrolle in den spanischen Gewässern vorgebracht. Der deutsche und der italienische Vertre- t e r erklärten, daß sie ihren Regierungen von dem Vorschlag Kenntnis geben wollten, daß sie aber stärkste gründ sätzliche Bedenken gegen jede Art von Ueberwachung hätten, die sich nicht auf dem notwendigen Gleichgewicht aufbaue, das zur unparteiischen Durchführung der Kontrolle unerläßlich sei. Bei der Eröffnung der Sitzung gab der italienische Vertreter folgende Erklärung ab: „Die Vertretung des Valencia-Ausschusses in London hat kürzlich eine Pressemitteilung veröffentlicht, die wilde Behauptungen über kürzliche Landungen italienischer Truppen in Spanien enthielt. Nicht zum ersten Mal veröffentlichte die fragliche Vertretung durch die Presse ähnliche phantastische Berichte. Es ist nicht meine Aufgabe, irgendeine Meinung über den Gebrauch zu äußern, den die Vertretung Valencias von dem ihr zugestandenen diplomatischen Statut macht, doch wünsche ich zu erklären, daß nicht ein einziger italienischer Freiwilliger mein Land nach Spanien verlassen hat, seit ein diesbezügliches Verbot verabredet worden ist." Lord Plymouth machte dann Vorschläge zur Wiederher st ellung des Flottenüberwachungsschemas. Nach diesen Vorschlägen wären die englische und die französische Regierung bereit, die Verantwortung für die Durchführung des Flottenüberwachungsschemas für d ie Gesamtheit der Küsten Spaniens zu übernehmen. Sie erklärten sich grundsätzlich mit der Ernennung neutraler Beobachter einverstanden, die auf den Ueberwachungs- schiffen stationiert werden sollen. Die englische Regierung will die Verantwortung tragen für die Flottenüberwachung derjenigen Teile der spanischen Küste, die sich in den Händen des Valencia-Ausschusses befindet, und die französische Regierung und die englische Regierung wollen sich in die Verantwortung für die Ueberwachung derjenigen Abschnitte der spanischen Küsten teilen, die jetzt in den Händen von General Franco sind. Der belgische, tschechoslowakische, schwedische und sowjetrussische Vertreter begrüßten die englisch-französischen Vorschläge. Der deutsche und der italienische Vertreter erklärten sich bereit, die englisch-französischen Vorschläge ihren Regierungen zu übermitteln, brachten jedoch st ä r k st e grundsätzliche Bedenken gegen diesen Vorschlag zum Ausdruck, der nicht auf dem notwendigen Gleichgewicht derart aufgebaut ist, daß die völlige Unabhängigkeit der Ueberwachung sichergestellt werde. Gleichzeitig gaben die beiden Vertreter an, daß ihre Regierungen beschlossen haben, ihre Staatsangehörigen, die augenblicklich als Ueberwachung sbeamte unter dem Ueberwachungsschema beschäftigt sind, anzuweisen, ihre Posten aufzugeben. Beim Abschluß der Aussprache kamen alle Vertreter überein, ihren Regierungen die Vorschläge mit der Bitte um sofortige Anweisungen zu übermitteln. Der nächste Punkt auf der Tagesordnung war der Plan zur Zurückziehung nichtspanischer Staatsangehöriger aus Spanien. Lord Plymyuth erklärte, daß die englische Regierung sehr besorgt darum sei, ob man in dieser Angelegenheit Fortschritte machen könne. Der französische Vertreter erklärte, daß seine Regierung, um mit der allgemeinen Maßnahme der Zurückziehung zu beginnen, anregen möchte, daß Vorkehrungen für die sofortige Zurückziehung aller nichtspanischen Staatsangehörigen in Spanien, die zur Zeit kriegsgefangen oder verwundet wären, getroffen würden, Man kam überein, daß die nächste Sitzung des Hauptunterausschusses am Freitag abgehalten werden solle und daß auf dieser Sitzung sowohl die Seeüberwachung wie die Zurückziehung der nichtspanischen Staatsangehörigen beraten werden solle. Kontrolle ober Vegiinstigimg. Kontrolle ober einseitige Begünstigung? Das ist die Frage, die seit der Rückkehr des Botschafters von Ribbentrop nach London für den Nichteinmischungsausschuß zur Debatte steht. Es versteht sich von selbst, daß über die jetzt einzuschlagende Richtung eine deutsch-italienische Fühlungnahme erfolgte. Ihr Ergebnis ist die gemeinsame Haltung des deutschen und des italienischen Vertreters vor dem Ausschuß. Der Vertreter Deutschlands hat es bei seiner Begründung der Bedenken gegen eine Zweirnächte- Kontrolle offen ausgesprochen, daß auf deutscher Seite ein Vertrauen in die Unparteilichkeit der beiden in der Kontrolle verbliebenen Mächte nicht mehr möglich ist. Wenn Botschafter von Ribbentrop dann weiter darauf verwies, daß ja das den vier Mächten erteilte Mandat nach dem Ausscheiden Deutschlands und Italiens aus der Kontrolle logischerweise als erloschen anzusehen ist, so trifft er damit recht eigentlich den Kern des Gesamtproblems. Denn: Zweck der Kontrolle soll die Verhinderung einer Einmischung dritter Mächte in den spanischen Krieg sein. Nun besteht feit rund zehn Monaten ein besonderer „Nichteinmischungsausschuß" in London, dessen Aufgabe eben die Sicherung der Nichteinmischung und damit auch die Durchführung der Kontrolle zu Lande und zu Wasser gewesen wäre. Aber beide Aufgaben des Ausschusses sind infolge des sowjetrussisch-französisch- englischen Zusammenarbeitens nicht durchgeführt, ja geradezu sabotiert worden. Wenn also eine zehnmonatige, Nichteinmischungspolitik mit ihrem Wust von Verschleppungs-Manövern und Intrigen selbst bei einer Beteiligung Deutschlands und Italiens nur „sehr unzureichend" gewirkt hat, wie der Vorsitzende Lord Plymouth leider sehr richtig, freilich ohne jede Erwähnung der Schuldigen betont hat, dann muß eine „Kontrolle" der beiden Mächte Frankreich und England allein logischerweise noch viel unvollkommener sein. Und wenn das „Giornale d'Jtalia" ein Kontrollregime französisch- englischer Sorte rund heraus eine .Begünstigung der spanisch-sowjetischen Aufrührer" nennt, dann trifft das den Nagel auf den Kopf. Der schon vor vier Tagen angekündigte italienische Widerstand gegen eine offenkundige Begünsti- gungskontrolle fand seine vielfache Begründung wenige Stunden vor Beginn der Dienstag-Sitzung des Ausschusses auch noch dadurch, daß sowohl Londoner wie Pariser Blätter betonten, es müsse sich jetzt eben zeigen, wer denn nun eigentlich Herr im Mi11elmeer sei. Deutlicher konnte sich der Versuch der doppelten politischen Schiebung nicht dokumentieren. Der Plan, nach dem schweren Vertrauensbruch vom 23. Juni nun noch zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, indem man unter dem Anschein einer Kontrolle die sowjetrussische Kriegführung in Spanien noch ungestörter als bisher unterstützen und gleichzeitig eine machtpolitische Verlagerung im Mittelmeer auf Kosten Italiens einleitet, dieser Plan ist denn doch zu grobschlächtig angelegt, als daß er sich so nebenbei durchführen ließe. Die beiden Mächte, die die planmäßige Durchlöcherung des Nichteinmischungs-Gründsatzes und den Zusammenbruch der Kontrolle bisher zu verantworten haben, werden sich über die Folgen klar werden müssen, die notwendig eintrrten, wenn sie sich in der spanischen Frage gänzlich auf die Seite Moskaus schlagen würden. und inneren Verwaltung geschehen und damit ein weiterer Schritt auf dem Wege der Vereinheitlichung der Beamtenausbildung im Reich getan werden. Die Verordnung tritt am 1. Juli 1937 in Kraft. Nie erste Reichsmütterschule des Neutscheu Frauenwerks. Ein Denkmal der Frau in der Landschaft der Rhön. W ü r s b u r g, 29. Juni. (DNB.) Die neue Reichsmütterschule in Oberbach in der Rhön, die erste Heimmütterschule des deutschen Frauenwerks, wurde am 29. Juni ihrer Bestimmung übergeben. Im Festsaal, der im Schmuck uralten Rhönhausrates das Wesen der Landschaft widerspiegelt, fanden sich die Gäste der Feierstunde. Gauleiter Dr. Hellmuth kennzeichnete den Grundgedanken der Gestaltung des Heims Oberbach als die Erfüllung des ersten Punktes des Rhön-Plans: Der Mensch solle wiederfrei werden. Diese Aufgabe sei vor allem an die Frau gerichtet; denn die Ewigkeit habe das Volk, das die Jugend und mit ihr die Mütter besitzt. Worte der Freude und des Dankes sprach Reichsführer SS. Himmle r als er ausführte: Erft unserem Dritten Reich bneb es Vorbehalten, dem Großstadtwahn des deutschen Menschen wieder die gesundende Rückverpflanzung auf das Land, von dem ja alle Kultur ausgeht und in der ja alle Kultur verankert ist, entgegenzustellen. Folgerichtig hat gerade die NS. - Frauenschaft diesen Gedanken erfaßt und ihr Heim in das Land hineingestellt, ihm Sinn und Zweck gebend, ein Heim zu sein, das in seiner gesunden, daseinsfrohen Gestaltung der Frau das Muttertum zum Inbegriff höchster Erfüllung macht. Der Reichsführer SS. kennzeichnete den nationalsozialistischen Gedanken der Kameradschaft und des Aufbaues aller vo- fitiven Kräfte auch als Sinnbild für die deutsche Frau. Nicht Männerbünde allein, die Frauen in ihrer Gesamtheit, die NS.-Frauenschaft und das deutsche Frauenwerk, hätten sich in der Erkenntnis der letzten Fragen über Familie, Rasse und Volk zu einer einzigen Kameradschaft zusammengefunden. Die Bräute i)er SS., die der SA. und der Wehrmacht, sollten hier zu Frauen und Müttern erzogen werden, wie Deutschland sie braucht. So werde das Rhön-Heim in jeder Hinsicht neues Leben in diese Gegend und weit über ihre Grenzen hinaus in unser deutsches Sein tragen. Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz - Klink sprach von dem an sie herangetretenen Wunsch, den Gefallenen der Bewegung ein Denkmal der Frau, der Mutter zu setzen. Das Denkmal der deutschen Frau sei nun gesetzt. Es sei das Leben, wie es das deutsche Volk jetzt führe und habe Form angenommen in Stätten des Lebens, in den vier Reichsschulen der NS.-Frauenschaft. Eine Deutsch-polnische Gesellschaft in Warschau. Warschau, 29. Juni. (DNB.) In Warschau wurde eine „Deutsch-Polnische Gesellschaft" gegründet. Vorsitzender der Gesellschaft, die die kulturellen, wissenschaftlichen, literarischen und künstleriscyen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen fördern will, ist Senator G o 1 u ch o w s k i, sein Stellvertreter der Germanist an der Warschauer Universität, Professor Dr. von Lempicki, Generalsekretär ist der Direktor der Gesellschaft zur Förderung der polnischen Kunst im Auslande, Dr v o n Guttry. Die Gesellschaft will ihre Aufgaben durch die Veranstaltung von Tagungen, Vorträgen, Versammlungen, Austausch von Gelehrten^ Schriftstellern und Künstlern, ferner durch Konzerte, Theateraufführungen, Ausstellungen und Uebersetzungen von Büchern erfüllen. In der Gründungsversammlung kam die Hoffnung zum Ausdruck, daß die Deutsch-Polnische Gesellschaft die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen vertiefen und dadurch das Verständnis der beiden Völker für einander fördern wird. Das Projekt der Autobahn Berlin-Rom. Berlin, 29. Juni. (DNB.) Das dem Führer im Dezember vorigen Jahres und Januar dieses Jahres durch Senator Puricelli vorgetragene Projekt einer Autobahn Rom — Innsbruck — München, welches mit dem Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen besprochen wurde, ist auf italienischer Seite geprüft worden. Es ist mit einem baldigen Baubeginn auf italienischer Seite zu rechnen. Die Unterhandlungen mit Oesterreich sind soweit gediehen, daß von österreichischen Ingenieuren nunmehr untersucht wird, welche Linienführung von Innsbruck zur deutschen Grenze als die zweckmäßigste für die österreichischen Verkehrsverhältnisse erscheint. Der Führer hat in diesen Tagen Senator Puricelli in Begleitung des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen empfangen. Er hat dabei sein großes Interesse an diesem Plan bekundet. Von deutscher Seite wird es möglich sein, den deutschen Anteil dieser großen Straßenachse Berlin—Rom, die Strecke Berlin — München — Reichsgrenze, bis zu der 1941 vorgesehenen Weltausstellung in Rom fertigzustellen. Rumänischer Königsbesuch in Warschau r VI y WM -1 MW II B * (vB ' / M M MW Ü König Carol von Rumänien ist in Begleitung des Kronprinzen Michael zu einem Staatsbesuch in Warschau eingetroffen. Unser Bild zeigt König Carol, rechts von ihm Staatspräsident Prof. Mos - ci cti, gefolgt vom Kronprinzen Michael auf dem Zentralbahnhof in Warschau. (Scherl-Bilderdienst.) König Carol fährt nach Krakau. Warschau, 29. Juni. (DNB.) Mittwoch trifft der rumänische König für einen zweitätigen Aufenthalt in Krakau ein. Im Mittelpunkt des Krakauer Besuches steht eine Kranzniederlegung am Sarge des Marschalls Pilsudski. Wie verlautet, wird das Krakauer Programm keinerlei Einschränkung infolge der durch den Krakauer Erzbischof Fürst S a p i e h a eigenmächtig vorgenommenen Ueberführung des Pilsudski-Sarges aus der St. Leonhards-Kapelle in der Wawel-Kathedrale in die Gruft unter dem Turm der Silbernen Glätten erfahren. König Carol wird den Kranz am Sarge des Marschalls Pilsudski in der Gruft der Silbernen Glocken niederlegen und anschließend die übrigen Grüfte und die Sarkophage der polnischen Könige und der polnischen Nationalhelden besuchen. An den in Krakau vorgesehenen Feiern wird der päpstliche Nuntius teilnehmen, der auch bei dem Festessen im Wawel-Schloß anwesend sein wird. „Gazetta Polska" veröffentlicht ein Bild, das König Carol im Gespräch mit dem päpst - 1 ichen Nuntius während eines Empfanges im Warschauer Königsschloß zeigt. Im übrigen scheint der Konflikt des Krakauer Erzbischofs mit der polnischen Regierung die zuständigen Stellen zu veranlassen, für einen umso glanzvolleren Verlauf des Krakauer Besuches des Königs Sorge zu tragen. Die russischen Kirchen werden dem Boden gleichgemacht. Warschau, 29. Juni. (DNB.) Nach einer Meldung aus Moskau bereiten die Sowjets einen neuen vernichtenden Schlag gegen bie Religion vor. Angeblich auf Wunsch der örtlichen Sowjets hat das Jnnenkornrnissariat sich entschlossen, im Rahmen des dritten Fünftahresplanes alle noch vorhandenen Kirchen zu schließen. Die Mehrzahl der Kirchengebäude soll abgetragen und nur ein kleiner Rest profanen Zwecken zugeführt, b. h. ,in Klubs, Kinos, u f ro., verhandelt werden Die Vernichtung der noch übrig gebliebenen Kirchen soll aus Gründen der „Sicherheit" geschehen. Eine alleinige Ausnahme sollen nur wenige Gotteshäuser bilden, gegen deren Zerstörung sich die Sowjetregierung gewandt hat, da sie einen besonders großen geschichtlichen Wert haben oder als architektonische Denkmäler dienen, die mit Rücksicht auf den Fremdenverkehr erhalten bleiben sollen. Von der neuen Zerstörungswut sind betroffen 2900 Kirchen, 63 Klöster usw. Zu gleicher Zeit wurde die letzte russische Kirche Wladiwostoks (früher Episkopats-Residenz) geschlossen. Das Inventar wurde bem Vollzugsausschuß des Fernen Ostens übergeben. Der bestohlene Rundfunksender. Obwohl es kaum glaubhaft erscheint, daß ein Rundfunksender als — Lichtquelle dienen kann, so besteht diese Tatsache dennoch, wie ein in Hamburg geführter Strafprozeß es beweist. In diesem Strafverfahren stehen drei Bewohner einer Schrebergartenkolonie am Fuße des Großsenders Hamburg vor dem Richterstuhl, weil sie es in äußerst geschickter Weise verstanden haben, die Hochfrequenzenergie des Senders zum Betriebe von Lichtanlagen in ihren Wohnungen zu benutzen. So weit die Tatsachen, an denen, obwohl es schier unglaublich klingt, nicht gerüttelt werden kann. Wie es allerdings die angeklagten Rundfunkbastler fertig gebracht haben, ihrerseits so lange am Hamburger Großsender zu „rütteln", bis in ihren Lauben das Licht erstrahlte, darüber schweigt sich der Bericht über diesen Strafprozeß aus; und man kann getrost hinzufügen: zum Glück und mit Recht! Denn welchen Zeiten würden wir entgegengehen, wenn jedermann seinen Volksempfänger zu einem privaten Kraftwerk ausbauen würde? Manch einer wird vielleicht fragen, wo es denn geschrieben stehe, daß man Rundfunkwellen nicht ^ur Lichterzeugung benutzen dürfe? Und ob hier nicht derselbe Fall vorkiege, der einstmals die Gerichte beschäftigte, als die ersten Diebstähle am elektrischen Strom begangen wurden? In der Tat? Es gab eine Zeit, in der der Diebstahl am elektrischen Strom nicht geahndet werden konnte, weil das Strafgesetzbuch damals Noch keinen entsprechenden Paragraphen aufwies. Erst das Gesetz betreffend die Bestrafung der Entziehung elektrischer Arbeit vom 9. April 1900 vermochte den „elektrischen Dieben" das Handwerk zu legen. Aber selbst, wenn dieser Paragraph heute nicht bestehen würde, so wäre doch niemand sicher, bei Begehung einer wenn auch selbsterfundenen Stromentnahme straffrei auszugeyen, und zwar deswegen nicht, weil wir heute nicht mehr fragen, ob diese oder jene Tat „laut Strafgesetzbuch" verboten ist, sondern: ob der gesunde Menschenverstand in dieser oder jener Tat ein Unrecht erblickt. Ist dieses der Fall, so haben wir heute Handhaben genug, den Täter zur Verantwortung zu ziehen. Run sagt aber der gesunde Menschenverstand wohl jedem rechtlich denkenden Volksgenossen ohne weiteres, daß in der Benutzung der Hochfrequenz- energie eines Senders zum Betriebe von Lichtanlagen eine Entziehung elektrischer Arbeit und damit eine widerrechtliche Aneignung besteht, denn es kann unmöglich Recht sein, daß sich jemand irgend etwas von irgendwoher nehmen darf, wofür ein anderer bezahlen, d. h. seinen Arbeitslohn dransetzen muß. Ist doch auch das Schwarzhören eine widerrechtliche Aneignung? Mag auch die kühn erdachte Bastelkunst diesmal nicht zum Schwarzhören, sondern zum „Hellsehen" benützt werden, der Rundfunksender wird so und so bestohlen. Wer also glaubt, in Nachahmung des Hamburger Beispiels ein Rundfunklicht leuchten lassen zu können, der frage sich, ob seine Handlung nicht nur billig, sondern auch, ob sie recht sei! Die Musterung. Bei der diesjährigen Musterung, die gegenwärtig durchgeführt wird, gelten die neuen Bestimmungen über die militärärztlichen Untersuchungen, die jetzt vom Reichskr^egsmini- ster und Oberbefehlshaber der Wehrmacht in Kraft gesetzt sind. Das militärische Urteil hat zu lauten: „tauglich", „bedingt tauglich", „zeitlich untauglich", „beschränkt tauglich", „untauglich (für Waffendienst)", „völlig untauglich". Tauglich:, Entscheidend ist der Gesamteindruck des Untersuchten, weniger die Zahl der ^-Fehler. Als tauglich sind auch die Untersuchten zu beurteilen, bei denen unbedeutende, vorübergehende Erkrankungen festgestellt werden, die mit größter Wahrscheinlichkeit bis Zum Zeitpunkt der Einberufung behoben sind. Bedingt tauglich: Bedingte Tauglichkeit wird durch Fehler, und Gebrechen nach Spalte B der Fehlerkabelle begründet. Hierunter sind Fehler aufgeführt, die zwar die Gesundheit nicht beeinträchtigen, die Leistungsfähigkeit aber, wenn auch nicht erheblich, herabsetzen, jedoch eine kurzfristige Ausbildung zulassen. Zeitlich untauglich: Zeitlich untauglich sind solche Dienstpflichtigen und Freiwilligen, die in der körperlichen Entwicklung stark zurückgeblieben sind, oder die infolge überstandener Erkrankungen noch nicht wieder im Vollbesitz ihrer Leistungsfähigkeit sind, oder die zur Zeit der Untersuchung an heilbaren Krankheiten leiden, deren Heilung bis zur Einberufung aber noch nicht mit Sicherheit erwartet werden kann. Beschränkt tauglich: Beschränkte Tauglichkeit haben Untersuchte mit erheblichen körperlichen Fehlern und Gebrechen, die die Leistungsfähigkeit zwar herabsetzen, jedoch noch eine b e - schränkte dienstliche Verwendung zulassen. Während beschränkt Taugliche im Frieden zur Ausbildung in der Wehrmacht nicht herangezogen werden, wird ein Teil derselben als „förderungsbedürftig" in den Reichsarbeitsdienst eingestellt. Die hierfür in Betracht kommenden Dienstpflichtigen werden nach den vom Reichs- und preußischen Minister des Innern erlassenen besonderen Bestimmungen durch den bei der Musterung anwesenden Vertreter des Meldeamtes des Reichsarbeitsdienstes als „förderungsbedürftig" (F) vorgeschlagen. Untauglich (für Waffendienst): Bei Beurteilung der Untauqlichkeit muß der Arzt prüfen, ob der festgestellte Fehler den Untersuchten nur für den Waffendienst untauglich macht; denn die Ergebnisse der militärärztlichen Untersuchungen sollen auch für andere Zwecke (z. B. allgemeine berufliche Verwendbarkeit) nutzbar gemacht werden können. Es ist hierbei von der Voraussetzung auszugehen, daß ein Untersuchter auch mit einem erheblichen körperlichen Fehler oder einer nicht heilbaren Erkrankung im bürgerlichen Erwerbsleben sehr gut noch eine voll leistungs- fähige Arbeitskraft darstellen kann, auch wenn er den Sonderanforderungen des Dienstes in 150000Soldaten auf dem Reichskriegertag in Kassel e 5 7 K. '< 1 > Der Reichskriegertag 1937 fand am Sonntag seinen Höhepunkt mit einem Aufmarsch von 150 000 Offizieren und Soldaten der alten Armee auf der Karlswiese in Kassel. Unser Bild links zeigt Generalfeldmarschall v. Mackensen, Reichssührer SS. Himmler und Bundesführer SS.-Gruppen- führer Reinhard auf der Ehrentribüne. Rechts sieht man den Vorbeimarsch der ausländischen Delegationen. (Scherl-Bilderdienst-M.) der Wehrmacht und im Reichsarbeitsdienst nicht gewachsen ist. .Völlig untauglich: Als völlig untauglich sind Untersuchte zu bezeichnen, die infolge hochgradiger geistiger oder körperlicher Fehler und Gebrechen dauernd berufsunfähig sind oder nur unter besonderen Voraussetzungen eine beschränkte Tätigkeit ausüben können. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um hilflose Krüppel, Geisteskranke und Idioten. Kleine politische Nachrichten Der Führer und Reichskanzler hat dem Reichsarbeitsminister Franz S e l d t e zu seinem 55. Geburtstag seine herzlichen Glückwünsche übersandt. * Der Führer und Reichskanzler empfing im „Haus des Reich^räfidenten" den kanadischen Premierminister Dr. William Lyon Mackenzie King, der auf einer Eurovareise Deutschland einen Besuch abstattet. Bei der An- und Abfahrt erwies ihm die Ehrenwache des Heeres im Ehrenhof des „Hauses des Reichspräsidenten" militärische Ehrenbezeugungen. Der Führ-r und Reichskanzler empfing unter dem üblichen Zeremoniell den neuernannten peruanischen Gesandten Manuel Ugarteche zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens und des Abberufungsschreibens seines Vorgängers Henrique Gildemeister. * Der Führer und Reichskanzler hat in Anerkennung ihrer Verdienste um die deutsch-italienischen Beziehungen dem Marschall B a d o g l i o, den Generalen Pariani und Valle, dem Admiral Cavagnari, dem Staatsminister Graf V o l p i und dem Staatssekretär Ricci das Großkreuz des Ordens vom Deutschen Adler, ferner dem Divisionsgeneral Villa Santa, dem Ehrengouverneur Corni, dem Gesandten Dr. Pirelli und dem Vorsitzenden des Fascistischen Industriearbeiterverbandes Eia netti das Verdienstkreuz des Ordens vom Deutschen Adler mit dem Stern verliehen. * Minister Stucki, der Leiter der schweizerischen Wirtschaftsdelegation, hat in Bern über die deutschschweizerischen Wirtschaftsverhandlungen Bericht erstattet. Er wird sich zur Unterzeichnung des neuen Abkommens nach Berlin zurückbegeben. Dieses Abkommen basiere auf dem Verrechnungssystem. Der schweizerische Export nach Deutschland werde etwas erhöht. Auch für den Fremdenverkehr sei eine Lösung erzielt worden, die angesichts der deutschen Devisenlage als einigermaßen befriedigend bezeichnet werden könne. Der Reichskriegsminister in Budapest. ÜM' :: : w MM 'M- Der Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Generalfeldmarschall v. Blomberg, als Gast des ungarischen Honved-Ministers General d. Inf. Roeder (neben Blomberg im Wagen). (Scherl-Bilderdienst.) Budapest, 29.Juni. (DNB.) Der Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg legte am ungarischen Heldendenkmal einen Kranz nieder. Zu der Feier hatten sich der Kommandierende General der Budapester Garnison, von Nagy, der Oberbürgermeister und eine Of- fiziersaboronuyg eingefunden. Unter den Klängen der deutschen Lieder schritt der Generalfeldmarschall die Front der Ehrenkompanie ab und verweilte sodann in ehrfurchtsvollem Schweigen vor dem ungarischen Heldendenkmal. Im Anschluß an die Feier stattete der Reichskriegsminister dem Ministerpräsidenten, dem Außenminister, demOberkommandieren- den der Honoedarmee, dem Chef des Generalstabes und dem Feldmarschall Erzherzog Joseph Besuche ab. Zu Ehren des deutschen Gastes veranstaltete am Mittag Ministerpräsident D a r a n y i ein Frühstück, an dem zahlreiche Persönlichkeiten teilnahmen. Der Reichskriegsminister unternahm nachmittags eine Fahrt nach Gran, wo die noch unter dem verstorbenen Ministerpräsidenten Gömbös eingeleiteten großen Ausgrabungen des Arpadenfchlosfes aus dem 11. Jahrhundert besichtigt wurden. Zu Ehren des Generalfeldmarschalls veranstaltete am Abend der ungarische Honoedminister General Roeder ein Essen, an dem der Ministerpräsident und zahlreiche Persönlichkeiten teilnahmen. An das Essen schloß sich ein Empfang. Eine Kommission zur Bewahrung von Zeitdokumenten. Berlin, 29. Juni. (DNB.) Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels hat' eine Kommission zur Bewahrung von Zeitdokumenten gegründet. Es nahmen an der Gründungssitzung Vertreter der Archive und Bibliotheken von Partei und Staat und führende Vertreter des Rundfunks, des Filmes, des Schrifttums, der Presse und der Industrie sowie des Reichsinstitutes für Geschichte des neuen Deutschlands teil. Zweck dieser Kommission ist es, wie der Minister yeroorhob, eine umfassende Zentral st elle für die Sammlung aller mit der Geschichte des Dritten Reiches zusammenhängenden Dokumente zu schaffen und Mittel und Wege zu finden, wie diese Dokumente für eine möglichst große Zeitspanne vor dem Verfall bewahrt und damit späteren Generationen erhalten werden können. Der Minister betonte, daß auf diese Weise der bisherigen Vergeudung der so wertvollen historischen Schätze unserer Zeit Einhalt geboten werden soll. Dr. Goebbels hat mit der Leitung der Kommission den stellvertretenden Pressechef der Reichsregie- rung Ministerialrat Berndt beauftragt. Zur Durchführung der praktischen Arbeit veranlaßte der Minister die Einsetzung von sechs Sektionen aus Sachverständigen der vorgenannten Stellen. Zu Obmännern der Sektionen hat Reichsminister Dr. Goebbels berufen: Ministerialrat H a e g e r t (graphische .Arbeiten), den stellvertreten-- den Reichssendeleiter B o e s e (Schallplatten- und Rundfunkwesen), Ministerialrat Berndt (Pressewesen), Regierungsrat Kurz dein (Lichtbildwesen), Ministerialrat Dr. Seeger (Filmwesen) und Ministerialrat Dr. W i s m a n n (Schrifttum). Als Mitglieder wurden berufen: Der Leiter des Reichsarchivs Direktor Dr. Z i p h e l, Generaldirektor der Preußischen Staatsbibliothek Geheimer Regierungsrat Dr. K r ü ß, Generaldirektor der Bayrischen Staatsbibliothek Ministerialrat Dr. B u t t m a n n, der Leiter des Hauptarchivs der NSDAP. Dr. Utrecht, der Leiter des Reichs- filmarchivs Melzer, der Leiter des Schallplattenarchivs der Reichsrundfunkgesellschaft von B r auch i t s ch, der Leiter der deutschen Bücherei in Leipzig Direktor Uhlendahl, Präsident des Reichsmstituts für Geschichte des neuen Deutschlands Prof. Dr. Frank, der Leiter der Reichsdruckerei Direktor Hensel, der Leiter des staatlichen Materialprüfungsamtes Dr.-Jng. Seidel, als Vertreter der Zeitungswissenschaft Geheimrat Prof. Heide, Geschäftsführer der Reichsschrifttumsstelle Diehl, Verlagsdirektoi' Baur, Verlagsdirektor Hornauer, Verlagsleiter Dr. Georgi jun., Verlag Parey, der Leiter der Wirtschaftsgruppe Papier, Pappe und Zellstofterzeugung R. von Wussow, Schristgestalter Wiegand (München), Leiter der Bildstelle Atlanttc-Photo Dr. Hermann, Hauptschristleiter Lorenz, Schriftleiter Mai, in Firma Ullstein, Hauptschristleiter M a r s a n i (Photo-Hoffmann), Dr. Walter R a h t s (Agfa), Dr. Walter Geyer (Geyer-Werk AG.), Hans Taub mann (Schleußner-Werke), als Vertreter des Propagandaministeriums: Oberregierungsrat Dr. Ziegler, Regierungsrat Carstensen, Oberregierungsrat Stephan, Referent Quaas, Dr. E r ck m a n n. Kunst und Wissenschaft. Deutscher Hochschultag in Göttinaeu. In der Aula der Göttinger Universität fand unter dem Protektorat des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Rust, der Deutsche Hochschultag statt. Die Tagung erhielt ihre Bedeutung dadurch, daß erstmalig die deutschen Hochschulen in ihrer Gesamtheit zu einigen durch den Pierjahresplan aufgeworfenen Fragen Stellung nahmen. Daher waren neben Vertretern der Partei, des Staates, der Wehrmacht, aller deutschen Hochschulen und Wissenschaftlichen Gesellschaften auch Vertreter anderer an diesem großen Werk interessierten Kreise erschienen, ferner eine stattliche Zahl von Vertretern ausländischer Hochschulen Der Rektor, Professor Dr. Neumann, stellte die Tagung unter das Geleitwort „Wissenschaft und Raum". Dann ergriff Staatsminister Dr. Wacker das Wort zur Eröffnungsrede, aus der folgende Sätze hervorgehoben seien: Der Staat als Erhalter und Pfleger der Wissenschaft tritt an diese heran, um den prometheischen Geist aufzurufen, ihm zu helfen bei der Lösung der dringendsten Lebensfragen des deutschen Volkes in einem Augenblick, in welchem die Volksgemeinschaft bedroht ist infolge ihres ungenügenden oder zu armen Lebensraumes. Der Staat zwingt nicht, er ruft die Wissenschaft, er ruft nach dem Geist, der ihm helfen möge in Dingen, die nur der Geist zu lösen vermag. Der Präsident des Reichsforschüngsrates, General der Artillerie Professor Dr. Becker, sprach über die Wechselwirkung von Wissen und Wehr. „Sorgen wir, jeder für sein Teil", so schloß Dr. Becker, „daß in der Stunde der Not auch künftighin beides sich vereint: Höchste Moral des kämpfenden Menschen und bestes, dem Hochstand deutscher Wissenschaft angepaßtes Material." Weiter sprachen der Professor für Mineralogie an der Universität Göttingen Dr Drescher-Kaden" über „Deutsche Naturforschung" und der Professor für Ackerbau und Landbaupolitik an der Universität Berlin, Dr. Conrad Meyer, über „Raumforschung und Hochschule". Göttingens Kulturbeziehungen zu England und Amerika. Die Gründungsgeschichte der Georg-Auaust-Uni- versität und ihre auf dem Gebiete der Anglistik einzigartige Ausgestaltung sichert Göttingen eine bevorzugte Stellung in dem Bemühen/ die deutsch-englischen und die deutsch-amerikanischen Be- Ziehungen der Vergangenheit zu erforschen und in der Gegenwart zu pflegen. Aus Anlaß der 20 0 - Jahr-Feier hielt das Englische Seminar der Universität eine Festsitzung ab, in der von deutscher Seite der Dekan der philosophischen Fakultät Prof. Wilde und der ehemalige Leiter des Institutes Geheimrat Morsbach, von englischer Seite Prof. Gillies Hüll und von amerikanischer Seite Prof Faust sprachen. Die zu der 200-Johrfeier anwesenden Mitglieder und Altstudenten der Universitäten Großbritanniens und des Britischen Weltreiches überreichten als Ausdruck ihrer Verbundenheit mit der Universität eine Glückwunschadresse, in der sie dem Rektor Prof. Neumann ihre persönliche Hochachtung und die Wertschätzung für die weltberühmte Universität Göttingen zum Ausdruck brachten. Die Adresse wurde von Prof. B e a z l e y (Universität Birmingham) verlesen. Historische Kommission für Hessen und Waldeck. Die Historische Kommission für Hes - s e n und Waldeck hielt in der Universität Marburg ihre Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende, Professor Dr. Stengel, gab einen Rückblick auf die nunmehr vierzigjährige fruchtbringende Tätigkeit der Kommission, welche seit dieser Zeit Hand in Hand mit Staatsarchiv und Universität arbeitet und in fast 30 Bänden der Heimatgeschichtsforschung wertvolle Dienste erwiesen hat. Als neue Mitglieder wurden Prof. D. Dr. Benz (Marburg), Professor Dr. Götze (Gießen), Professor Dr. Hepding (Gießen), Museumsdirektor Dr. Kutsch (Wiesbaden) und Professor Dr. R e i ck e (Marburg) gewählt. Don den wissenschaftlichen Unternehmungen der Kommission während des vergangenen Jahres ist hervorzuheben, daß der erste Teil des Urkundenbuches der Reichsabtei Hersfeld, bearbeitet von H. Meirich, im Druck erschienen ist. Der zweite Band des Urkundenbuches der Stadt Wetzlar (Bearbeiter Staatsarchivrat Dr. Sponheimer, Wiesbaden), die Quellen zur Kurmainzischen Verwaltungsgeschichte in Hessen (Bearbeiter Studiendirektor Dr. Klibansky, Köln), die Quellen zur Rechts- und Verfassun-gs- geschichte der hessischen Städte (Bearbeiter Studienrat R e c c i u s , Calbe a. S., und Dr. D e m a n d), die Fortsetzung des Hessischen Münzwerkes (Bearbeiter Pfarrer Dr. Mertens, Dölau) sind soweit gefördert, daß sie teilweise druckfertig sind. Die von Sturio verfaßten Jahrbücher der Neustadt Hanau werden von Studienrat a. D. Dr. Kolter- m a n n weiterbearbeitet und herausgegeben. Gute Fortschritte machten die Arbeiten am geschichtlichen Atlas für Hessen und Nassau. Monographien über die mittelalterliche Kirchenorganisation im darmstädtischen Oberhessen, die Territorialgeschichten der Reichsabtei Hersfeld, des Amtes Homberg und des Fürstentums Nassau-Siegen sind im Druck, weitere Arbeiten sind im Gange. Dr. W. Görich (Marburg) ist mit einer umfassenden Untersuchung des geschichtlichen Wegenetzes in Hessen beschäftigt und hat im Zusammenhang damit verschiedene Ausgrabungen durchgeführt. Für die geschichtliche Fluraufnahme der Provinz Hessen-Nassau wurden unter Aufsicht von Obersekretär I u n k etwa 40 Gemarkungen aus den Kreisen Wolfhagen, Eschwege, Witzenhausen und Wetzlar neu übertragen. Die Flurnamensammlung wuchs um etwa 10 000 Namen; sie umfaßt zur Zeit über 130 000 Zettel. Die Veröffentlichung eines Dorf- und Hofbuches (aus den hessischen Katastern) ist vorläufig zurückgestellt worden. In Arbeit genommen ist ein Wegweiser durch die Quellen zur Geschichte des Hessischen Bauerntums. In Vorbereitung ist der erste Band der Reihe „Quellen und Darstellungen zur Geschichte des Landgrafen Philipp des Großmütigen". Westdeutscher Archivlag in Friedberg. Unter außerordentlich starker Beteiligung fand in Friedberg der W e st d e u t s ch e A r ch i v t a g statt, der einen in jeder Hinsicht befriedigenden Verlauf nahm. Die Gäste besichtigten unter sachkundiger Führung Museum und Stadtarchiv, die Ausgrabungen in der Burg und die Stadtkirche. Grußworte sprach Stadtarchivar Professor Dreher, während Archivdirektor Dr. (Hemm den Dank der Tagungsteilnehmer zum Ausdruck brachte. Er beglückwünschte zugleich das Stadtarchiv zum 30jährigen Bestehen und sprach Professor Dreher Dank und Anerkennung für die geleistete vorbildliche Arbeit aus. Der Aegyplologe Adolf Ennan f. Der hervorragende Aegyplologe Geh. Regierungsrat Professor Dr. Adolf Ennan ist dieser Tage im Alter von 83 Jahren in Berlin g e st o r b e n. Ennan, der einer Genfer Familie entstammte und am 31. Oktober 1854 in Berlin geboren wurde, studierte in Leipzig (bei Ebers) und Berlin, wo er sich 1880 habilitierte und fünf Jahre später zum Direktor des Aegyptischen Museums" und zum Extraordinarius für Aegyptologie als Nachfolger von Lepsius ernannt wurde; feit 1892 hatte er das Berliner Ordinariat inne. Erst nach Erreichung des 70. Lebensjahres trat er, ohne seine wissenschaftliche Arbeit aufzugeben, in den Ruhestand. Ennans überragendes Verdienst ist die methodische Erforschung der ägyptischen Sprache und Kultur, wovon eine Reihe grundlegender Werke Zeugnis geben, so vor allem seine „Aegyptische Grammatik", „Die ägyptische Religion", „Aegypten und ägyptisches Leben im Altertum", „Die Literatur der Aegypter" und „Die Hieroglyphen". Seit 1897 leitete Ennan die Herausgabe des „Aegyptischen Wörterbuches". Der Gelehrte, der 1918 mit dem Orden Pour le merite für Wissenschaft und Künste ausgezeichnet wurde, war Mitglied der gelehrten Akademien in München, Wien und Göttingen. 24. Deutsches Vachfest in Magdeburg. Mit einer Mitgliederversammlung der neuen Dachgesellschaft in Magdeburg wurde das 24. Deutsche Bachfest eröffnet. Man sah viele der bekanntesten deutschen Musikgelehrten und Kirchenmusiker, so u. a. den Leipziger Thomaskantor Prof. Dr. Karl Straube, den Thomasorganisten Prof. Günther Ramin, Prof. Dr. Arnold Schering, Prof. Dr. Max S e i f f e r t und den Berliner Domorganisten Prof. Heitmann. Reichsgerichtspräsident Dr. Dr. Bumke, der Vorsitzende der Neuen Bachgesellschaft gab bekannt, daß die Neue Bachgesellschaft in nächster Zeit eine Studienpartitur nach dem Urtext der Matthäuspassion herausgeben werde, ferner eine Bearbeitung der „Kunst der Fuge" für Klavier zu vier Händen. Durch diese zweite Ausgabe soll das letzte Werk Johann Sebastian Bachs seinen Weg in die d e u t s ch e H a u s - musik finden. Das deutsche Bachfest des nächsten Jahres wird wieder in Leipzig stattfinden. Nach der Mitgliederversammlung hielt Dr. Fritz Haufe (Leipzig) einen theologisch gerichteten Vortrag zu dem Thema „Bachs christliche Deutschheit". Ausstellung „Das Theater im Freien". Dem Ehrenausschuß der Ausstellung „D a s Theater im Freien", die am 1. Juli in dem Karmeliterkloster in Frankfurt eröffnet wird, gehören an: Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger, Landeskulturwalter und Gaupropagandaleiter Müller-Scheid, Reichskulturwalter Hinkel, Reichskulturwalter Moraller, Präsident der Reichstheaterkammer Dr. Schlösser, Oberpräsident Prinz Philipp von Hessen, Regierungspräsident von Pfeffer, Oberbürgermeister Staatsrat Dr. Krebs, Reichskultursenator B e t h g e, Rektor Professor Dr. P l a tz h o f f, Polizeipräsident Beckerle, Intendant Frrcke, Landesleiter der Reichstheaterkammer Wartenberg, General-Intendant Meißner. pflanzensoziologische Studienfahrt durch die Eifel. Dom 25. bis 31. Juli veranstaltet die Reichsstelle für Naturschutz in Berlin unter der Leitung von Studienrat Dr. Schwickerath (Aachen) eine pflanzensoziologische Studienfahrt durch die Eifel. Die Studienreise berührt u. a. das Hohe Denn, die Urfttalsperre, die Schneifel, Gerolstein, Daun, Gillenfeld und die Mosel. Gegenstände des Studiums sind Moore, Heiden, Buchenwälder, Schluchtwälder, Eichenwälder, Trockengebiete u. a. m. Aur Teilnahme an der Studienfahrt sind einige Pflanzenkenntnisse erforderlich. Jede weitere Auskunft bei Studienrat Dr. Schwickerath, Aachen, Maria - Theresia - Allee 68, Fernsprecher 33 204. Aus aller Welt. Freilegung eines Römergrabes. Oberhalb des rheinischen Dorfes Kretz am Rande der Reichsverkehrsstraße nach Mayen (Eifel), wurde bei Erdarbeiten ein römisches Grab freigelegt, das interessante Funde enthielt. Der geschlossene Steinsarg bestand aus Tuff. Bei der Oeffnung des Grabes stieß man auf wertvolle Gläser und Gegenstände aus gebranntem Ton. So fand man u. a. eine Tonurne, die Gebeinreste enthielt, weiter eine zinnerne Schale, eine Figur aus Ton von etwa 20 Zentimeter Größe, zwei prächtige Glasschalen in Kegelform, zwei Glasflaschen, noch mit Oel gefüllt, und zwei Glaskrüge, die ebenfalls Gebeinreste enthielten. Generalversammlung des Evangelischen Bundes in Frankfurt a. Bl. Für die diesjährige Generalversammlung des Evangelischen Bundes wird das Programm bekannt. Am Freitag,, den 3. September, findet im Dolks- bildungsheim ein Begrüßungsabend statt. Hier wird u. a. auch Prof. Gerber, der Präsident des G u st a v - A d o l f - V e r e i n s, die Grüße und Glückwünsche des Bruderverbandes überbringen. Auch auf jener ersten Generalversammlung, die vor 50 Jahren ebenfalls in Frankfurt a. M. statt- fand, hatte der damalige Präsident des Gustav- Adolf-Dereins dem neugegründeten Evangelischen Bund herzliche Grüße überbrachte. — Am Samstagvormittag findet die Abgeordnetenversammlung statt und für den Abend ist ein K i r- chenkonzert in der Katharinenkirche vorgesehen. Für Sonntag, den 5. Sept., sind für alle Frankfurter Kirchen Festgottesdienste angesetzt, in denen bekannte Männer des kirchlichen Lebens predigen werden. Am Nachmittag werden im Hippodrom, in der Katharinen- und Pauluskirche Volksversammlungen stattfinden. Der Präsident des Evangelischen Bundes, Prof. l). B o r n- kamm, wird am Sonntagabend im Volksbildungsheim die Ziele der Bundesarbeit für das nächste Jahr umreißen. — Am Montag ist als Abschluß ein gemeinsamer Ausflug vorgesehen. Meineidsprozeß gegen einen berüchtigten jüdischen Schieber in Dien. Wien, 29. Juni. (DNB.) In den nächsten Tagen beginnt in Wien ein Prozeß gegen den größten österreichischen Schieber der Nachkriegszeit, den Juden S. Basel. Seine langandauernde Geschäftsverbindung mit der Oesterreichischen Postsparkasse hatte diesem amtlichen Institut den ungeheueren Verlust von 200 Millionen Schilling gebracht. Allerdings ist Basel deshalb nicht angeklagt, da die verbrecherische Schuld auf Seiten des damaligen österreichischen Finanzministers Dr. A h r e r lag, der später nach Amerika geflüchtet war. Vom Standpunkt des formalen Rechts konnte Bosel daher für diese Schiebungen nicht verantwortlich gemacht werden. Er wird aber, wie eine amtliche Erklärung mit* teilt, jetzt wegen eines Meineides über seinen Dermögensstand im Zuge der finanziellen „Ausgleichsoerhandlungen" mit dem Finanzministerium angeklagt. Dabei soll auch seine ungeheuere Verschwendungssucht zur Sprache kommen. Bosel hielt sich zwei Geliebte, denen er je 400 000 Schilling im Jahre bezahlte. Außerdem hatte er für sie zwei Landgüter gekauft, von denen jedes etwa 300 000 Schilling gekostet hatte. Wetterbericht des Reichsaretterdiensies. Ansqabeort Frankfurt. Die auf breiter Front eingedrungene kältere Meeresluft brachte auch unserem Gebiet am Dienstagabend bzw. -Nacht verstärkte Niederschlagstätigkeit und erhebliche Abkühlung. Durch die Entwicklung einer neuen kräftigen Störung über England ist die weitere Zuführ kalter Luft bereits abgestoppt. Da die Störung in der Hauptsache nordostwärts wandert, kann daher mit neuer Witterungsbesserung, wenn auch nicht mit dem Aufkommen durchaus beständigen Schönwetters gerechnet werden. Aussichten für Donnerstag: Vorübergehend stark bewölkt mit Regenneigung, doch im ganzen wieder freundlicher und tagsüber etwas wärmer, Winde um West. Aussichten f ü r Freitag: Im ganzen freundlich, doch nicht störungsfrei. Erdtemperaturen am 29. Juni: mittags 21,1 Grad, am 29. Juni: abends 14,1 Grad, am 30. Juni: morgens 14,1 Grad, Maximum 22,4 Grad, Minimum 11,7 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. Juni: abends 21,6 Grad, am 30. Juni: morgens 18,5 Grad Celsius, Niederschläge 7,8 mm, Sonnenscheindauer 3,6 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Dr. Hans Thyriot. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein (beurlaubt). Vertreter: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 37: 9326. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Emzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. I I Charmeuse-Kleider praktisch und kleidsam, sehr große Auswahl 15.50 14.75 12.75 9.75 Sporl-Kleider in schönen, flotten Verarbeitungen 22.50 19.75 16.75 14.75 Gemnst. 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Freilich nicht alle Gaue, nicht alle Völker kennen es als Kriegskameraden. Es ist ein Kind des Gebirges der warmen Länder. Ihre Bewohner wissen es von altersher als Last- und auch als Reittier in Friedens- und in Kriegszeiten zu schätzen. Schon Homer berichtet, daß Maultiere vor Troja das Holz zum Scheiterhaufen des Patroklos herbeischleppten. Die Perser und Römer spannten Maultiere vor ihre Troßwagen. Die neue Zeit kann sie bei den Gebirgstruppen nicht entbehren. Die M i t t e l m e e r l ä n d e r : Italien, Spanien und Frankreich gingen voran. Dort wird das Maultier in weiten Landstrichen gezüchtet, dort fand es und fein Vetter, der kleinere Maulesel, bei den Gebirgsjägern und bei der Gebirgsartillerie bereits vor dem Weltkrieg ausgiebig Verwendung. Jeder deutsche Vogesenkämpfer kennt die französischen „Eselbatterien", denen kein Gipfel zu hoch, kein Hang zu steil war, die auftauchten, wo kaum eines Menschen Fuß sich hintraute. O e st e r - reich und die Schweiz verwende ebenfalls seit Jahrzehnten Maultiere bei ihren Gebirgstruppen, Süd- und Nordamerika haben die Maultierzucht in großem Umfang ausgenommen. Die amerikanischen Regimenter brachten dementsprechend zahlreiche Maultiere mit über den Ozean, die vor ihrer Rückkehr in die neue Welt zum größten Teil verkauft wurden und damit in Massen in die deutsche Wirtschaft und Landwirtschaft gelangten. Noch heute ist — aller Motorisierung zum Trotz — ein Teil des amerikanischen Heerestrosses mit Maul- ' tieren bespannt. In Deutschland ist in neuerer Zeit das Maultier nur vereinzelt gezüchtet worden. Das deutsche Heer hat zuerst wieder im südwest- afrikanischen Feldzug auf im Ausland angekaufte Maultiere zurückgegrisfen und mit ihnen im gebirgigen Gelände der Kolonie günstige Erfahrungen gemacht. Im Mutterland verfügte es in der Vorkriegszeit über keine Gebirgstruppen und somit auch nicht über Maultiere. Erst im Laufe des Weltkrieges schritt man zur Aufstellung von für den Gebirgskrieg ausgestatteten und ausgebildeten Verbänden, denen neben Kleinpferden Maultiere zum Tragen der in einzelnen Lasten zerlegten Geschütze, von Maschinengewhren, Munition, Nachrichtenmitteln, Kochkisten, Sanitätsmaterial und Gepäck zugeteilt wurden. Der Kriegsveterinärbericht kann die Maultiere nicht laut genug loben. Es heißt in ihm unter anderem: „Das Maultier ist äußerst genügsam. Es kommt mit zwei Dritteln der üblichen Futterrationen für Pferde aus. Es frißt ,alles', leider auch Anbinderiemen, Halfter, Sattelzeug und selbst die Kleidungsstücke der Mannschaft. Es ist zufrieden, wenn es im Sommer zweimal und im Winter einmal getränkt wird. Es ist unempfindlich gegen Witterungseinflüsse und äußerst widerstandsfähig gegen Krankheiten. So gingen beim Karpathenübergang von Siebenbürgen nach Rumänien bei einer Artillerieabteilung 20 Pferde, aber nur ein Maultier, das bereits 30 Jahre zählte, an Erschöpfung ein. Das Maultier ist bei liebevoller Behandlung gutartig und neigt meist nur in Krankheitsfällen und bei Hufbe'schlag zu Widersetzlichkeiten. Es klettert geschickt über Steine und ab^e- schossene Baumstämme, Wurzeln und andere Hindernisse hinweg. Beim Absteigen auf steilen, glatten Wegen setzt es sich aus die Hinterhand und rutscht einem Hunde gleich den Hang hinunter, indem es Wehr und Waffen. die Vorderbeine als Steuer und Bremse benutzt. Gerät es auf schmalen Pfaden in der Dunkelheit mit seiner schweren Last ins Gleiten, so findet es in den meisten Fällen mit den Vorderbeinen doch noch einen festen Halt am Wegrande. Die Ausbildung der Mulis beschränkte sich darauf, sie daran zu gewöhnen, beim Verlosten und Entlasten ruhig zu stehen, die Berge im langen, ruhigen Schritt zu erklimmep. Meist fanden die Mulis den gangbarsten Pfad besser als ihr Führer, besonders wenn das Gelände mit Schnee bedeckt und die Wege schwer zu unterscheiden waren. Auf zerklüfteten und verschneiten Pfaden tastete das Maultier erst vorsichtig mit einem Fuß in den Schnee und suchte sich einen sicheren Halt, ehe es auftrat." In der Nachkriegszeit hat besonders das italienische Heer dem Maultier seine Aufmerksamkeit zugewendet. Die italienische Militärzeitschrift „Rivista di Fantasia" berichtete voller Stolz, daß Italien in der Maultierzucht dank der Unterstützung der Maultierhaltung durch die Regierung nicht nur in den Gebirgsprovinzen der Nordgrenze, sondern auch in den Ebenen am Po und im Süden des Landes jetzt hinter Spanien an zweiter Stelle stehe. Den Lohn hat es im abessinischen Feldzuge davongetragen. Das Maultier hat in Verbindung mit dem Kraftfahrzeug alle Nachschubschwierigkeiten überwunden. 13 000 Lastkraftwagen und 87 000 Maultiere waren zum Schluß auf den Kriegsschauplätzen im Norden und Süden eingesetzt. Von den 10 000 Tragtieren, die zur Schlacht bei Enderta zusammengezogen waren, wurden 1000 sogleich nach Beendigung der dortigen Kämpfe auf Lastkraftwagen verladen und nach Adua zum Einsatz in der Provinz Schire gefahren. Ein Teil der Maultiere stammte aus Südafrika, da die im schwarzen Erdteil geborenen Tiere gegen die Pferdesterbe besser gefeit sein sollen als ihre europäischen Artgenossen. Die kleine Gebirgstruppe des Retchsheeres hatte aus den Kriegsbeständen einen guten Stamm Maultiere herübergerettet, der ihr noch jahrelang wertvolle Dienste leistete, denn das Maultier ist langlebig. Mit drei Jahren, während das Pferd noch auf der Weide weilt, kann man es in Gebrauch nehmen und noch mit 25 Jahren, wenn das Pferd längst die Höhe seiner Leistungsfähigkeit überschritten hat, tut es seine Pflicht. Ihr Ersatz stieß und stößt auch heute noch im Inland auf Schwierigkeiten und muß größtenteils im Ausland gedeckt werden. Man sucht daher neuerdings die Maultierzucht in Deutschland wieder zu beleben. Man will in einigen Haupt- und Landgestüten Eselhengste aufstellen und ihnen auch staatliche Stuten zuführen. Wer während seiner sommerlichen Ferien Gelegenheit hatte, Manöver unserer Gebirgsartilleristen zu verfolgen, wird an ihren unverdrossenen, langohrigen Kameraden seine Freude gehabt haben. Er wird sich auch überzeugt haben, daß das Maultier zu Unrecht als dumm verschrien wird. Er wird gleich mir auf mancher Almhütte Maultiere kennen- gelernt haben, die alltäglich ohne Begleitung den Weg hin und zurück zum nächsten Dorf oder zur nächsten Poststelle machen und dabei gewissermaßen selber „Besorgungen erledigen". Der Feind hört mit! Von Oberstleutnant a. D. Dr. Oähne. „Laß nie durch einen Fernspruch dich aus der Ruhe bringen, denk immer an den Kernspruch des Götz von Berlichingen." So kündete im Weltkriege gelegentlich ein Schild in den großen Fernsprechzentralen der oberen Kommandostellen. Und, wer einmal den Betrieb in einem solchen Raum miterlebt hat, wird diesem, vielleicht nicht ganz militärischen, Smnspruch eine gewisse psychologische Berechtigung nicht abstreiten können: Ein unübersehbares Gewirr von Drähten, an Decken, Wänden und Boden, das in Klappenschränke einmündete. Vor ihnen saßen Soldaten, zwei Hörer über den Kopf geschnallt und stöpselten. „Ich verbinde" — „wird noch gesprochen" — „Ich trenne" — „Jawohl, die Verbindung kommt gleich", dazwischen Anfragen verschiedenster Art, das Klappern der Stöpsel, — ein Hexensabbath von durcheinander. Und doch mußte jeder der Fernspruchmänner eisern die Nerven behalten und seine Pflicht tun. Eine Verzögerung, eine falsche Verbindung, konnten von unübersehbaren Folgen lein. Das Nervensystem der Truppe. Dennoch, wenn man diesen Betrieb vor zwanzig Jahren mit dem Arbeitsgebiet unsrer heutigen Nachrichtenabteilungen vergleicht, so ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Es ist ein altes, aber sehr einleuchtendes Bild, die von den Kommandostellen zu den Truppen führenden Drähte, und heute auch Wellen, zu vergleichen mit den Nervensträngen, die vom Gehirn des Menschen zu de.n Organen führen und erst deren Betätigung auslösen. Aber wie weit verzweigt und wie fein sind diese modernen Nachrichtenverbindungen geworden. Sie dürfen nie abreißen, sollen nicht die Glieder, die Truppe, vielleicht nie wieder gutzumachenden Schaden erleiden. Man sieht es den Männern von den Nachrichtenabteilungen an, ihren Gesichtern, ihren Augen, daß sie es gewöhnt sind, sich mit Wissenschaft und Feinmechanik zu beschäftigen, daß sie Wissen und Können besitzen, um, was Menschengeist erfunden hat, im Dienst für Volk und Vaterland e'in- zusetzen. Da steht ein Gespann, das aussieht wie ein Munitionswagen der Artillerie. Der Hinterwagen ist abgehängt, an der Dorderwand aufgeklappt, und man schaut auf verschiedenfarbige Hebel, Knöpfe und Drähte. Eine Stange wird zusammengesetzt und am Wagen befestigt. Von der Spitze dieser „Antenne" führen Drähte herunter an das Schaltbrett, vor dem bereits zwei Leute, unter einer Zeltbahn getarnt, sitzen, die Kopfhörer umgehängt. „Spruch von der Division", ruft ein Offizier. Ein Melder kommt angeschossen, liest das empfangene Schriftstück.laut vor, damit sich kein Mißverständnis einschleicht und übergibt es am Wagen. Einige Hebel schnarren, eine Taste klappert, der Wille des Divisionskommandeurs „eilt durch den Aether", und wird von der irgendwo an der Front stehenden Gegenstation aufgefangen. Der erforderliche Strom für den Sender wird durch einen Mann auf einer sinnreich konstruierten, einem Fahrrad ähnlichen Tretmaschine erzeugt. So sieht der Betrieb eines der „kleinen Funktrupps" unserer Nachrichtenabteilungen aus. Sie begleiten die Jnfanterieregirnenter auf dem Vormarsch und sind deshalb mit Pferden (vierspännig) bespannt. Die Nachrichtenabteilung einer Division ist nämlich teilmotorisiert, d. h. die Funkkompanie hat zwei motorisierte und einen bespannten Zug, während die Fernsprechkompanie über zwei motorisierte und zwei (sechsspännig) bespannte Züge verfügt. Funk und Motor. Da fahren auch schon die großen, geländegängigen Kraftwagen, ähnlich den Bauwagen der Reichspost, mit ihren Funktrupps auf. Sie können senden und empfangen, sogar während der Fahrt. Denn sie haben eine eingebaute Antenne, die ihnen das ermöglicht, wenn die Straße nicht gar ZU schlecht ist und das Fahrtempo ermäßigt wird. Um ihre Reichweite vergrößern zu können, besitzen auch sie einen Mast, der an oder neben dem Wagen emporgekurbelt wird, und so die Antenne erhöht. Im Wagen selbst befindet sich eine geheimnisvolle Apparatur, die ruhig und selbstverständlich bedient wird. Da sitzen die Funker, ferner die Leute, die verschlüsseln und entschlüsseln. Denn kein Funkspruch darf im Klartext gegeben werden. Das Morsealphabet ist ja international. Alles muß verschlüsselt werden nach einem Schema, das jederzeit gewechselt werden kann. Es gehört großes Können und strenge Gewissenhaftigkeit dazu, hier tätig zu sein. Eine Unachtsamkeit, eine Nachlässigkeit im Schreiben kann eine Meldung unverständlich, also unbrauchbar machen. Dort drüben wieder steht ein kleiner Kraftwagen, der das Funksprechgerät enthält. Es arbeitet mit Richt st rahlen, wird von nur zwei Mann bedient und ist für Telegraphie und Telephon i e eingerichtet. Wenige Umstellungen genügen, um eine persönliche Unterhaltung des Divisionskommandeurs mit feinen Regimentsführern zu ermöglichen. Für die Telegraphie wird auch hier das Morsealphabet benutzt. An allen diesen komplizierten Geräten, deren Wesen dem Laien Geheimnis bleibt, herrscht eine Sicherheit, die die sorgfältige Ausbildung der Mannschaften ahnen läßt. Auch das ist „Gefechtsdrill". Jeder Handgriff muß ohne Nachdenken ausgeführt werden können und doch fitzen. Jede Betriebspause ist durch die Sorge um die Tarnung ausgefüllt. Wehe, wenn ein Flieger die Station entdeckt. An was alles aber muß sonst gedacht werden. Nicht nur die Betriebssicherheit der Wagen und des Gerätes ist ständig zu beobachten, auch die großen und kleinen ganz verschiedenen Sammler (Akkumulatoren) für die Funkstelle wie für die Chiffriermaschi- nen müssen selbstverständlich stets aufgefüllt fein. Das besorgen die Motoren der Wagen während des Marsches. Aber die Führer der Trupps müssen daran denken, und alles sorgfältig überwachen. Krieg im Zrmmer. Und das alles soll der junge Deutsche in dem einen kurzen Jahr seiner Dienstzeit lernen? Oh, noch viel mehr! Wie es gemacht wird, kann man bei einer Uebungsstunde der Fernsprechkompanie sehen. Hier sind, da der Bau einer Uebungsleitung jedesmal viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde, einfach die Wohnzimmer der Mannschaften untereinander telephonisch verbunden. In einem ist die Sprechstelle des Divisionsstabes angenommen. An den Türen der anderen bezeichnen Schilder die Gefechtsstände der Infanterie-Regimenter oder der Artillerie. Und nun wird lustig von einem zum anderen telephoniert und nebenbei Taktik gelernt. Denn die Fernsprecher müssen ja wissen, wie sich der Einsatz der Einheiten einer Division vollzieht. Das geht alles unter Decknamen, denn „d e r Feind hört mit", so steht es an jedem Apparat und fordert zu gewissenhafter Vorsicht auf. Wie oft schon hat ein unbedachtes Wort, eine offene Truppenbezeichnung dem Gegner wertvolle Aufschlüsse gegeben. Was so erreicht werden kann, beweisen die Ergänzungkompanien, die nur in achtwöchigen Kursen ausbilden. Bis zur allgemeinen Wehrpflicht standen in ihnen ausschließlich Freiwillige im Alter bis zu 35 Jahren. Der Eigenart der Nachrichtentruppe entsprechend, waren es bis zu 80 v. H. Akademiker, Ingenieure, Techniker, aber auch Landgerichtsräte, Diplomaten usw. Heute befinden sich in ihnen junge Leute des Jahrganges 1914, die zum Teil nur als bedingt tauglich zu bezeichnen sind. Aber auch ihr Ehrgeiz ist es, den längerdienenden an Diensteifer und Strammheit nicht nur gleich zu fein, sondern sie zu übertreffen. Sie werden hier neben der allgemeinen militärischen Ausbildung in der Hauptsache als Fernsprecher, zum kleineren Teil als Blinker ausgebildet. Es sieht alles Jo einfach aus, aber wie wird eigentlich der Dienst geregelt, wenn z. B. Stellungskrieg oder Bewegungskrieg? Von Major a. O. von Kaiser. Der Verlauf des Weltkrieges, der zum größten Teil in der Form des Stellungskrieges ausgekämpft wurde, hat teilweise die Ansicht auffommen lassen, es müsse auch in zukünftigen Kriegen zwangsläufig wieder zur Festlegung der beiderseitigen Fronten in durchlaufenden Stellungen kommen, d. h. der freie Bewegungskrieg werde endgültig der Vergangenheit angehören. So heißt es in dem Buch „Der Mensch und die Schlacht der Zukunft" von S o l - d a n : „Der Stellungskrieg ist uneingeschränkt als die neuartige Kampffarm im Zeitalter der Materialwirkung zu werten." Mit solcher kategorischen Sicherheit lassen sich aber kriegsgeschichtliche Entwicklungen niemals voraussagen; denn jeder Krieg ist auf anderen politischen, wirtschaftlichen, strategischen und waffentechnischen Voraussetzungen aufgebaut als der vorige. Da aber das Problem „Stellungskrieg oder Bewegungskrieg?" tatsächlich von größter Bedeutung für die Kriegführung ist, sollen hier einmal die charakteristischen Merkmale dieser beiden Formen des Krieges und ihre Zukunftsaussichten rein sachlich geprüft werden. Der Bewegungskrieg vollzieht sich im freien Raum, nur in ihm kann sich die ewig gültige Kunst der Kriegführung, an entscheidender Stelle mit Uebe.rlegenheit aufzutreten und den Feind an feinem schwächsten Punkt anzupacken und zu vernichten, voll entfalten. Alle großen Dernichtungs- fchlachten der Weltgeschichte, Cannae, Leuthen, Jena, Leipzig, Sedan, Tannenberg, sind durch strategische und taktische Operationen in freier Beherrschung des Geländes gewonnen worden, und zwar durch umfassenden Stoß mit möglichst starken Kräften gegen Flanke und Rücken des Feindes. Im Stellungskriege dagegen ist der Angreifer nicht frei in feinen operativen Entschlüssen: er muß den Feind zunächst in der Front angreifen und kann erst, wenn ihm ein frontaler Durchbruch in großer Tiefe gelungen ist, die feindliche Front nach einer oder beiden Durchbruchsflanken aufrollen und im freien Bewegungskampfe einen entscheidenden Sieg erringen. Aus dieser Verschiedenheit der Angriffsmöglichkeiten ergibt sich, daß im Bewegungskrieg überlegene Feldherrnkunst auch mit erheblichen Minderheiten entscheidende Siege erfechten kann, während ein Durchbruchssieg im Stellungskriege mit anschließendem Flankenstoß gegen eine mit allen technischen Mitteln verstärkte Stellung nur mit starker Überlegenheit an Zahl und Material errungen werden kann. In der Bewegungsschlacht bei Tannenberg konnten Hindenburg und Ludendorff mit ihrer überlegenen Strategie Den zahlenmäßig stärkeren Russen eine vernichtende Niederlage bereiten, in der großen Schlacht in Frankreich im Frühjahr 1918 aber scheiterte ihr Angriff gegen die feindlichen Stellungen an der deutschen Unterlegenheit an Menschen und Material. Das heißt, im Bewegungskriege siegt der Geist über die Materie, tm Stellungskriege aber ist auch die genialste Feldherrnkunst oft machtlos gegen die erdrückende Wucht des Materials. Da also nur durch freie Operationen wirklich entscheidende Siege errungen werden können, ist es klar, daß eine schnelle Kriegsbeendigung lediglich durch den Bewegungskrieg erreicht werden kann, während der Stellungskrieg, in dem die Masse der beiderseitigen Truppen sich untätig gegen- überliegt, den Feldzug zum Schaden der kriegführenden Völker verlängert. Im Bewegungskriege ist die Stimmung der Truppen, solange überhaupt noch Hoffnung auf den Endsieg vorhanden ist, trotz größter Strapazen immer freudig und zuversichtlich, die Aussicht auf baldige Entscheidungs- fämpfe läßt seelische Kräfte in ihnen wach werden, die sie zu den äußersten Leistungen befähigen. Im Stellungskriege dagegen leiden Heer und Volk gleichermaßen unter der qualvollen Erstarrung, -die sich lähmend auf die Gemüter legt und die auf die Dauer viel entnervender wirkt als selbst eine verlorene Schlacht im Bewegungskriege. Wir Deutschen, die wir infolge unserer Einschließung am stärksten unter diesen Wirkungen des Stellungskrieges gelitten haben und schließlich unter ihnen zusammengebrochen sind, müssen bei unserer Lage auch in Zukunft immer mit einem Kriege nach mehreren Fronten rechnen. Wir find darum mehr als irgendein anderes Volk auf schnelle Entscheidungen durch Bewegungsschlachken angewiesen, weil mir nur so den einzigen Vorteil unserer Lage, nämlich die Möglichkeit, die getrennten Feinde nacheinander vernichtend zu schlagen ausnutzen können. Im Weltkrieg ist es zur Erstarrung der Fronten nicht etwa zwangsläufig gekommen, weil die starke Materialwirkung die Fortführung des deutschen Angriffs verhindert hätte, sondern lediglich wegen der bekannten Führungsfehler auf deutscher Seite. Und nur, weil die materielle Überlegenheit des Feindes sich etwa die Waage hielt mit der überlegenen Führung und Kampfmoral des deutschen Heeres, konnte es keiner von beiden Parteien ge? lingen, sich aus den Fesseln des Stellungskrieges wieder zu befreien. Dazu hat gewiß auch die verheerende Wirkung der im Weltkriege erstmalig in Massen auftretenoen Maschinengewehre, die mehr dem Verteidiger als dem Angreifer zugute kamen, mit bei getragen. Aber die seitherige waffentechnische Entwicklung mit ihrer Vervollkommnung und starken Vermehrung der Kampfwagen und der Flugzeuge spricht durchaus zugunsten des Angreifers. Darum wird ein 'genialer Führer bei geschickter Benutzung dieser modernsten Angriffsmittel dem Feinde genau fo gut vernichtende Schläge berbringen können, wie es Hannibol, Napoleon und Moltke mit den Waffen ihrer Zeit getan haben. Dann aber wird sich der Stellungskrieg hoffentlich ganz vermeiden lassen, von dem Generalleutnant von Moser in seiner lehrreichen Broschüre „Die Vorkriegszeit, der Weltkrieg und der Zukunftskrieg" mit Recht sagt: „Er wäre tödlich für unsere militärische Zukunft, für die wir vielmehr im Gegenteil an dem von allen großen Feldherren in Wort und Tat gepredigten ewig gültigen Grundsatz festhalten wolley, daß nur der Bewegungskrieg Ent-, scheidung bringend, der Stellungskrieg aber ein notwendiges und gefährliches liebel und immer ein Zeichen der Schwäche ist". Das Ausland zieht ins Manöver. Das Korn reift auf den Feldern, bald wird es in Hocken stehen, bald wird der Soldat, ohne Flurschaden zu machen, sich im Gelände tummeln können. England hat bereits seine Karten über den Manöververlauf weitgehendste aufgedeckt. Die englischen Manöver werden, abweichend von den Gepflogenheiten früherer Jahre, nicht auf den Truppenübungsplätzen, sondern im Gelände um die Universitätsstadt Cambridge und die Bischofs- stadt Canterbury stattfinden. Motorisierte Verbände, motorisierte Kavallerie und Artillerie werden im großen Umfange zu ihnen herangezogen, in der vielfach durchschnittenen Hügellandschaft vor schwierige Aufgaben im Ausnutzen des Wegenetzes und Ueberfchreiten der Wasserläufe gestellt werden. Der leitende Manövergedanke soll die Schulung im Angriff unter neuzeitlichen Verhältnissen bei Tag und Nacht sein. Das Zusammenwirken von Infanterie, Begleittanks, Artillerie und Nebeltruppen beim Einbruch wird zur Darstellung kommen. Die Panzerwagengeschwader sollen, gefolgt von Infanterie und Pionieren, die auf gelände- gängigen Kraftfahrzeugen verlostet sind, den Ein- druch zum Durchbruch erweitern. Flugzeuggeschwader werden ihnen in niedriger Höhe vorausfliegen und mit Bomben und Maschinengewehren einen Feuervorhang vor sie legen, der beweglicher und weitreichender ist als die artilleristische Feuerwalze des Weltkrieges. In die Manöver wird eine große artilleristische Feuerleitungsübung eingeschaltet werden, an der 46 Batterien teilzunehmen haben. Italien kündet große gemeinschaftliche Manöver des Heeres, der Luftwaffe und der Flotte a u f Sizilien an. Die strategische Bedeutung Siziliens ist in den letzten Jahren außerordentlich gewachsen. Sizilien bildet den Rückhalt der Machtstellung des römischen Imperiums auf,dem Festlande. Es sucht mit seinen See- und Lufthäfen und mit der vorgelagerten, zu einer Seesestung ausgebauten Insel Panteleria der beherrschenden Stellung des englischen Waffenplatzes Malta Gleichwertiges entgegenzusetzen und die freie Durchfahrt durch die Meersträßen, die Italien von Afrika trennen, zu sichern. Es drängen sich somit der italienischen Staats- und Wehrmachtsleitung eine Fülle von Fragen auf, die nicht am grünen Tisch, sondern nur an Ort und Stelle unter Einsatz größter Truppen-, Flugzeug- und Schiffseinheiten gelöst werden können. Frankreich scheint keine Manöver im Armeeverbande zu planen. Wenigstens sind bisher nur Nachrichten über Kvrpsmanöver an seiner Südwestgrenze an die Öffentlichkeit gedrungen. Die Flotten haben ihre Manöver meist schon hinter sich. Die englischen Flottenmanöver im Fernen Osten hatten einen ausgesprochenen politischen Charakter. Sie gipfelten in Gesechtsüb ungen um Singapur und Hongkong, den Angelpunkten der englischen Wehrmachtstellung in Dftafien, und sollten vor allem den Wert des neubefeftigten malaischen Hafens unterstreichen. Auch die italienischen Flottenmanöver unter Den Augen des Duce vor der libyschen Küste dienten weniger der Schulung der bei ihnen versammelten 60 Schiffe als der Werbung für Den ©eDanfcn Des römischen Imperiums, zwischen Dessen europäischen und afrikanischen Provinzen die Flotte das Binde- glied bildet. Militärisch sehr aufschlußreich waren die amerikanischen Landungsmanöver an der kalifornischen Küste, unweit Los Angeles. 5 Schlachtschiffe, 4 schwere Kreuzer, 2 Zerstörer- flottillen, zahlreiche Hilfsschiffe und 2 Infanterie- Brigaden nahmen an ihnen teil. By. eine bespannte Kompanie in der Uebergangszeit zwischen der Entlassung der gedienten Leute und dem Eintreffen der Rekruten für ihre 70 Pferde nur 5 Pfleger hat? Wie ist er dann zu gestalten, wenn die Rekruten eintreffen und die jungen Leute hier Stall- und Pserdepflege, Reiten und Fahren, militärische Ausbildung, selbstverständlich Jnfanterie- dienst und schließlich doch vor allem den Fernsprech- und Funkdienst lernen sollen. Ein Jahr der Ausbildung ist sehr, sehr kurz. Wieviel Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis gehört für die Vorgesetzten dazu, hier den Mann an die Stelle zu setzen, an der er die wertvollsten Dienste zu leisten vermag. Nicht jeder wird ja Funkspezialist oder Leiter einer Fernsprechvermittlung. Vor allem nicht die Fahrer und Reiter, für die man sich naturgemäß möglichst junge Leute aus der Landwirtschaft aussucht. Aber ein Grundwissen auch vom technischen Dienst muß ja doch jeder hier haben. Und es geht alles! Aber es gehört eine Dienst- einteilung dazu, die jede Minute des Tages nutzt und in den Dienst der Sache stellt. Die Männer der Nachrichtenabteilungen müssen viel arbeiten, aber sie sind mit Stolz dabei. Sie müssen von der Technik mehr wissen, als ihre Kameraden von den anderen Waffen, um sie entlasten zu können. Mut und Willenskraft aber brauchen sie, wie jene im Kampf. Stehen sie doch gleichfalls in vorderer Linie wenn es gilt, Fernsprech- und Funkgerät einzusetzen. Jubiläum des deutschen Homg-Cicheitsgla es. Dem Imker wie dem Kaufmann wird sehr häufig die Frage vorgelegt, warum man ein besonderes Glas für den deutschen Honig geschaffen habe, und warum nicht jedes andere Gefäß aus Glas, Holz, Pappe oder anderem Material die gleichen Dienste leisten könne? Die Frage muß hier kurz beantwortet werden. Dieses sogenannte Einheitsglas der Reichsfachgruppe Imker ist nicht mehr ganz jung. Es kann bereits auf eine reichlich zehnjährige Vergangenheit zurückblicken und hat sich im Laufe dieser langen Zeit immer mehr durchgesetzt und bewährt. Gerade in den letzten Jahren hat es eine Verbreitung gefunden, die alle Erwartungen, die einst die Väter dieses Gedankens auf das Einheitsglas gesetzt haben, weit übertroffen hat. Auch heute ist diese Entwickelung noch nicht abgeschlossen, das Einheitsglas ist vielmehr auf dem besten Wege, in aller Kürze das Wahrzeichen des deutschen Honigs überhaupt zu werden. Als man an die Schaffung des Einheitsglases ging, schwebte den führenden Imkern der Gedanke vor, etwas zu schaffen, das den deutschen Honig schon rein äußerlich als solchen kennzeichnen und ihn gewissermaßen zu einer marktfähigen Markenware stempeln sollte und das dem kaufenden Publikum die Gewähr bot, daß es auch wirklich deutsche Edelware erhielt. Mit andern Worten, der Käufer sollte die Gewißheit haben, daß der Inhalt echt und unverfälscht sei und weiter, daß bei der Vorbereitung zum Verkauf mit der größten Sorgfalt verfahren war. Dazu genügte nun das Glas allerdings noch nicht, und so kam noch der sogenannte Gewähr- verschluß st reifen hinzu. Dieser bietet nun dem Käufer tatsächlich die Gewißheit, daß er für sein Geld wirklich auch erstklassige und unverfälschte Ware erhält. Dieser weittragende Entschluß war notwendig, wollte man den wilden Honighändlern, die häufig an den Haustüren unter Vorspiegelung von allerlei falschen Tatsachen minderwertige Ware zum Kauf anbieten, das Handwerk legen. Die Gerichte haben sich ja in den letzten Jahren wiederholt mit Honigfälschern zu beschäftigen gehabt und sie auch wegen Nahrungsmittelverfälschung auch regelmäßig zu Gefängnisstrafen verurteilt. Wie aber kommt nun bei dem Einheitsglas die Gewähr für erstklassige Ware zustande? Nicht jeder Bienenzüchter darf das Einheitsglas führen. Es wird nur an. den ausgegeben, der der Reichsfachgruppe Imker angeschlossen ist und damit zeigt, daß er aus dem Boden des Gemeinschaftsgedankens steht, wie er in unserm heutigen nationalsozialistischen Staat selbstverständlich ist. Außerdem aber muß er den Nachweis erbracht haben, daß er imstande ist, einwandfreie Ware auf den Markt zu bringen. Der Gewährverschlußstrei- fen ist mit einer Kontrollnummer versehen, so daß jederzeit derjenige festgestellt werden kann, der die Abfüllung vorgenommen hat. Damit aber ist der Honigverbraucher vor betrügerischen Machenschaften geschützt, denn der Gewährverschlußstreifen kann ohne Beschädigung nicht entfernt werden. So wurde durch das Einheitsglas mit dem Ge- währoerschlußstreifen eine Einrichtung geschaffen, die sich sehr schnell aufs beste bewährt hat. IvbilÄmssem des Turnvereins Krofdorf. Begünstigt von herrlichem Sommerwetter beging unter reger Anteilnahme der Bevölkerung aus dem Ort und von auswärts der Turnverei n K r 0 f - darf am Samstag und Sonntag das Jubiläum seines 5 0jährigen Bestehens. Ein reichhaltiges und sorgfältig zusammengestelltes Programm erfreute am Samstagabend eine freudig bewegte Festversammlung in der schön geschmückten Turnhalle. In Einmütigkeit und in gut aufeinander abgestimmter Weise rollten bis nach Mitternacht in fesselnder Form die Darbietungen vom Turnverein, Gesangverein .Germania" und der Krofdorfer Musikkapelle ab, damit Zeugnis ablegend, wie dörfliche kulturelle Gemeinschaftsarbeit geleistet werden kann. Zu Beginn waren alle Abteilungen des Turnvereins auf der Bühne aufmarschiert. Ein Altersturner, ein Turner, ein Jugendturner und eine Turnerin, also alt und jung faßten in einem Vorspruch Wesen und Ziel deutscher Turnerei zusammen. Fahnenschwingerinnen eröffneten den Reigen turnerischer Vorführungen, bei denen Ausschnitte aus allen Disziplinen gezeigt wurden. Im Wechsel mit ihnen standen ausgezeichnet vorgetragene Chöre des Gesangvereins und ansprechende Musikweisen der Kapelle. In dem großen Walzertanz der Turnerinnen „An der schönen blauen Donau" klangen zum Schluß harmonisch Gesang, Musik und turnerischer Rhythmus zusammen. Vereinsführer Chr. Jaeger kennzeichnete in seiner Festansprache die 50 Jahre des Turnvereins als einen Kamps um turnerische Ideale. Er pries den Willen der Gründer, die mit Hilfe von Turnkameraden aus Gießen und Heuchelheim Bedenken und Hemmnisse überwanden. Besondere Verdienste gebühren dem kürzlich verstorbenen Gründer und Vereinswirt Karl Hofmann, der über vier Jahrzehnte sein Lokal dem Verein zur Verfügung gestellt habe. Im Auf und Ab des langen Vereinslebens habe es an Erfolgen nicht gefehlt, aber auch viele trübe Tage waren beschieden. Im besonderen erinnerte der Redner an die Mühen und Arbeiten um die Erstellung her Turnhalle, in welchem Zusammenhang er die besonderen Verdienste von den verstorbenen Vater und Sohn Heyer hervorhob. Unentwegt aber habe der Weg zum Ziel geführt, und ein verantwortungsvolles Erbe trete die Juaend an, das zu erhalten und weiterzupflegen für sie höchste Pflicht sei. Besonderen Eindruck hinterließen die Ausführungen des ehemaligen Turnerführers A. Pfeiffer (Wetzlars der aus feinen großen Erfahrungen und Erlebnissen heraus auf die Entwicklung der Vereine hinwies. Auch er richtete die Mahnung an die Jugend, im heutigen Reichsbund all das von der Deutschen Turnerschaft Errungene in die neuen Formen zu gießen und zu verankern. Bürgermeister Schmidt knüpfte an Vater Jahn an, der für seine Zeit als Revolutionär galt und doch im Grunde seines Herzens Vertreter der heutigen Staatsform war. Er dankte den Turnwarten Leib und Amend für ihre Verdienste an der Krofdorfer Jugendertüchtigung. Unter Beifall überreichte er als Jubiläumsgeschenk ein Boxgerät, dem er vielfältige Benutzung wünschte. Türnführer D a u p e r t (Wieseck) überbrachte im Namen von Dr. Schäfer die Glückwünsche des Kreises, würdigte die Geschichte des Vereins in der Deutschen Turnerschaft, deren Geist und Leben wei- tcrbestehe. Besonders ehrte er die acht noch lebenden Gründer des Vereins. Dr. R e i d t (Heuchelheim) sprach in seinen Glückwünschen von den. engen Beziehungen von jeher zwischen Krofdorf und Heuchelheim. Beide Orte, gemeinsam im Gleiberger Land gelegen, feien wohl durch,Grenzen getrennt gewesen, im Geist aber immer verbunden. Der Heuchelheimer Trnverein, ungefähr im gleichen Alter wie der Krofdorfer, zeige viele Parallelen zu dem Bruderverein. Die freundschaftlichen Beziehungen möchten weiter fortdauern! Herzliche Worte der Anerkennung fand der Vertreter des Wetzlarer Turnvereins Schneider. Nach dem Wecken am Sonntagmorgen durch den Spielmannszug des Vereins begann auf dem Turnplatz die Austragung eines volkstümlichen Vierkampfes, an dem sich etwa 80 Turner und Turnerinnen beteiligten und der sich reibungslos abwickelte. Mittags bewegte sich ein stattlicher Festzug mit einigen Gastvereinen durch die fahnengeschmückten Straßen. Ein schönes Bild boten dann auf dem Festplatz die Freiübungen der „Zweihundert", alles Vereinsangehörige, die Turner in Wöiß und die Turnerinnen in Blau. Herzlichen Willkommensaruß brachte dann den zahlreichen Gästen der 2. Vorsitzende Ernst Leib, I her in tiefgründiger Weise nach Einern geschichtlichen s Rückblick auf die deutsche Turnerei diese als wichtiges Volkserziehungsmittel bezeichnete. Immer hätten Turnfeste als Höhepunkte turnerischen Lebens diesem Sinn gedient, so möge auch das heutige seine werbende Kraft nicht verfehlen. Wiederum verschönten die einheimischen Gesangvereine „Germania" und „Hermanus" und der Radfahrverein „Teutonia" mit ihren Darbietungen den Tag in Abwechselung mit turnerischen Vorführungen und Tanz. Es war ein wohlgelungenes, in allen Teilen zufriedenstellendes Fest. Die Ergebnisse des Vierkampfes: Turnerriege: 1. Sieg Alfred Kraft, 66,5 Punkte: 2. Ernst Rinn, 66; 3. Karl Würtz, 58,5; 4. Wilhelm Röhrsheim, 54,5 Punkte. Erste Jugendriege: 1. Werner Amend, 75 Punkte; 2. Walter Forbach, 74; 3. Paul Weil, 69; 4. Arno Keller, 68 Punkte. Zweite Jugendriege: 1. Walter Würtz, 72 Punkte; 2 Karl Will, 68; 3. Walter Bechthold, 67; 4. W. Stroh, 64 Punkte. Dritte Jugendriege: 1. Willi Schmidt, 84,5 Punkte; 2. Willi fiaucht, 80,5; 3. Karl Wagner, 72,5; 4. H. Leicht, 70,5 Punkte. Turnerinnenriege: 1. Klara Amend, 73 Punkte; 2. Hilde Valentin, 68; 3. Anni Wagner, 65; 4. Hilde Würtz, 64 Punkte. Zweite Turnerinnenriege: 1. Hilde Ekarius, 62 Punkte; 2. Marie Schneider, 59; 3. Martha Leib, 57; 4. Lina Bender und Hedwig Schmidt, je 54 Punkte. Dritte Turnerinnenriege: 1. Liefe! Zufall, 63 Punkte; 2. Emmi Gerlach, 55; 3. Elly Schubecker, 52; 4. Anni Will, 49 Punkte. Aus der engeren Heimat. Grohfeuer in Herbstein. Häuserblock mit vier Anwesen niedergebrannt. LPD. Lauterbach (Oberhessen), 29. Juni. Einem Großfeuer, das kurz nach TNitternachl in h e r b st e i n ausbrach, sind vier Anwesen zum Opfer gefallen. Es handelt sich um die Besitzungen von Karl Traudt, Johann Schneider, Akulin Ruhl und Lgidius Schneider. Das Feuer wurde durch einen Zufall von einem Einwohner, der fein Auto in einer Garage unterstellte, gegen 1 Uhr nachts entdeckt. Infolge der Trockenheit griffen die Flammen mit großer Schnelligkeit um sich, zumal die alten Dächer der Anwesen noch mit Stroh gedeckt waren. Auch mit Hilfe der Lauterbacher Motorspritze waren die Häuser nicht mehr zu retten, so daß sich die Wehren auf den Schutz der Nachbarhäuser beschränken mußten. Einer der Bewohner geriet in höchste Gefahr und mußte von der Rettungsmannschaft der Feuerwehr aus seinem brennenden Haus geholt werden. Verbrannt sind mit den vier Wohnhäusern die Scheunen und Stallungen, vier Schweine und Heuvorräte. Das übrige Vieh konnte nur mit Mühe aus den Flammen gerettet werden. Durch das tatkräftige Eingreifen der Wehren gelang es schließlich, den Brand auf den betroffenen Häuserblock zu beschränken und Verluste an Menschenleben und weiterem Gut zu vermeiden. Die Ursache des Feuers ist noch Gegenstand der Untersuchung. Tagung der Landesfachschaff der hessischen Hebammen in Aisfeld. + Alsfeld, 29. Juni. Arn 26. und 27. Juni hielt die vorgenannte Organisation ihre Tagung hier ab, zu der etwa 300 Hebammen aus Hessen erschienen waren. Am Samstagvormittag fand eine geschäftliche Sitzung der Landesfachschaft statt, in welcher der Kassenbericht sowie der Tätigkeitsbericht der Leiterin der Landesfachschaft vorgetragen wurden. Am Nachmittag nahm die allgemeine Tagung unter der Leitung von Frau Willig (Darmstadt) ihren Anfang. Nach einleitenden Begrüßungsworten der verschiedenen Gäste, worunter Bürgermeister Dr. V ö l - sing die Teilnehmer im Namen der Stadtverwaltung und Medizinalrat Dr. V e tz b e r g e r als Vorstand des staatlichen Gesundheitsamtes herzlich begrüßte, hielt als erster Redner Prof. Dr. Walther (Gießen) einen Vortrag über die bevölkerungspolitische Bedeutung der Fehlgeburt, deren verschiedene Arten. Ursachen und Wirkungen der Redner behandelte. Alsdann berichtete in einem sehr interessant gestalteten Vortrag die Leiterin der Reichsfachschaft der Hebammen, Frau Conti (Berlin), über d i e Auslandsarbeit tfe r deutschen Hebammen. Die Rednerin gab einen auch nach der politischen Seite hin recht lehrreichen Ueberblick über ihre Tätigkeit als deutsche Vertreterin auf den internationalen Heb- ammen-Kongressen. In einem weiteren Vortrag sprach der Schulungsleiter des NS.-Aerztebundes für den Gau Hessen-Nassau. Sanitäts-Obersturmführer Dr. Meißner (Frankfurt), über die Arbeit des Amtes für Volksgesundheit. Der Referent behandelte die Grundlagen her nationalsozialistischen Gesundheitspolitik. Richtiges Arzttum ist Dienst am Volke. Zwischen dem schaffenden Menschen und seinem Arzt muß ein Vertrauensverhältnis bestehen. Die Landesfachschaftsleiterin, Frau Willig (Darmstadt), dankte den Rednern und der Rednerin für ihre klaren und lehrreichen Vorträge. Anschließend begaben sich die Teilnehmer in die Turnhalle, wo der rasfehygienische Film „Opfer der Vergangenheit" vorgeführt wurde. Abends fand im großen Saale des „Deutschen Hauses" unter Mitwirkung der SA.-Kapelle ein k a - meradschaftliches Beisammensein der Teilnehmer statt. Am Sonntagmorgen vereinigten sich die Teilnehmer zu einer M o r g e n f e i e r , die von Medizinalrat Dr. V e tz b e r g e r in einer sehr würdigen und eindrucksvollen Weise durchgeführt wurde. Sie bildete denAusklang der Tagung. Die Landesfachschaftsleiterin dankte nochmals allen für den schönen und würdigen Verlauf her Alsfelder Tagung. Sie wurde in der üblichen Weife geschloffen. Am Sonntagnachmittag fand eine Autobusfahrt durch das schöne Oberhessen nach dem Hoherodskops statt, an welcher etwa 70 Gäste teilnahmen. Generalversammlung oer Epar- und Darlehenskasse Reiskirchen. ch Reiskirchen, 30. Juni. Die hiesige Spar« und Darlehenskasse hielt am Sonntag im Saale „Zur Krone" i^re Generalversammlung ab. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Sebastian Schmidt, leitete die Versammlung mit einem Gedenken an die verstorbenen Mitglieder ein. Dann erstattete der Kontrolleur Philipp Stumpf den Geschäftsbericht über das abgelaufene Jahr 1936. Seine Ausführungen begann er mit einem Gesamtüberblick über die allgemeine politische und wirtschaftliche Lage des deutschen Volkes. Gute Fortschritte in der Wirtschaftslage könne die Kasse auch in ihrem Bezirk feststellen. Die Mitgliederzahl stieg von 345 im Vorjahre auf 352 im Geschäftsjahre 1936. Die Spareinlagen vermehrten sich um rund 47 000 Mark, so daß diese jetzt nahezu 387 000 Mark betragen. Am nationalen Spartag ergab sich her Betrag von annähernd 5000 Mark. Der Gesamtumsatz stieg von 3 001 110 Mark im Jahre 1935 auf 3 089 735 Mark im Jahre 1936. Das Warengeschäft hatte im Jahre 1936 recht gute Erfolge zu verzeichnen. Der Umsatz betrug über 48 000 Mark. Das bedeutet eine Steigerung um rund 11 000 Mark gegenüber dem Vorjahre. Einen beachtlichen Posten stellte auch im vergangenen Jahre wieder die Versendung von Obst (Zwetschen) dar. Auch der Absatz von Getreide, wie Weizen, Roggen und Gerste war zufriedenstellend. Zwetschen wurden für rund 16 000 Mark umgesetzt, davon entfielen auf Reiskirchen etwa 9000 Mark. Der Hauptanteil des Umsatzes im Warengeschäft wurde durch die Vermittlung von Düngemitteln erreicht. Die hiesige Sparkasse hatte im vergangenen Geschäftsjahre einen Reingewinn von 1980,17 Mark zu verzeichnen. Reservefonds und Betriebsrücklage betragen rund 21 000 Mark, die gesamten Reserven etwa 29 000 Mark. Dem Vorstand und dem Auf? sichtsrat wurde Entlastung erteilt. Die Bilanz für das Jahr 1936 wurde für richtig befunden und genehmigt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder wurden wiedergewählt. Landkreis Gießen. * Klein -Linden, 29. Juni. Unter den schattigen Linden des Hofes der Kleinkinderschule hielt am verflossenen Sonntag die landeskirchliche Gemeinschaft ihr Jahresfest ab. Stadtmissionar Nebeling (Gießen), Prediger Meng (Gießen) und Bruder Reh (Leihgestern) hielten Ansprachen. Die gemeinsam gesungenen Choräle begleitete der Posaunenchor Klein-Linden. Es wirkten ferner noch der Frauenchor, der gemischte Chor und der Gitarrenchor der Gemeinschaft von Gießen mit. Die Kollekte kommt der Mission zugute. * Heuchelheim, 30. Juni. In unserem Orte ereignete sich ein Unfall, der schlimme Folgen nach sich ziehen konnte. Ein zwölfjähriger Junge, der mit feinem Fahrrad aus einem Seitenweg in hie Hauptstraße einbiegen wollte, stieß mit einem anderen Radfahrer zusammen, der zwei Sensen mit sich führte. Der Junge erlitt bei dem Sturz eine schwere Verletzung am Bein und mußte zur ärztlichen Behandlung nach Gießen gebracht werden. I) Lich, 28. Juni. Bürgermeister i. R. Johann Hermann Walz kann in diesen Tagen mit seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Becker, das Fest der silbernen Hochzeit begehen. Triumph italienischer Opernkunfi. Rückblick auf das Gaffspiel der Mailänder Scala in Berlin. Waren das dreitägige Gesamtgastspiel der Mailänder Scala im Deutschen Opernhaus in Berlin und die begeisterte Aufnahme der Vorstellungen durch das Publikum eine großartige Kundgebung der Kulturverbundenheit zwischen Deutschland und Italien, so vermittelten die beiden letzten Abende mit den Aufführungen von P u c c i n i s „Boheme" und Verdis „Aida", die durch die Anwesenheit des Führers und Reichskanzlers ausgezeichnet wurden, einen überwältigenden Eindruck vom Wesen der italienischen Oper und ihrer Pflege im klassischen Lande dieser Kunst. Sind hervorragende Aufführungen der italienischen Opern auch in Deutschland keine Seltenheit, so fesselte die Darbietung repräsentativer Werke her italienischen Musikbühne durch das Ensemble her Mailänder Scala vor allem durch die Unterschiede, die zwischen dem deutschen und dem italienischen Darstestellungsstil sichtbar wurden. Sv deutlich wie selten wurde dem deutschen Zuschauer an diesen beiden Abenden bewußt, daß Italien das Ursprungs- und Heimatland der Oper ist. Ihre Grundelemente sind der blühende Belcanto und die Auffassung der Szene als eines spectaculum. Wo eine an den Errungenschaften der Wagnerschen Musikdramatik orientierte deutsche Inszenierung auch in italienischen Werken die selbstverständliche und innerlich wahrscheinliche Entwicklung der szenischen Vorgänge sowie ihr logisches Jneinanderfließen erstrebt, da feiert der ursprüngliche komödiantische Spieltrieb des italienischen Darstellers seine Triumphe im breiten Ausspielen bühnenwirksamer Einzelheiten und in der Entfaltung großen Schaugepränges. Mag diese Darstellung oft an Gebräuche erinnern, die vor längerer Zeit auch noch auf deutschen Bühnen üblich waren, so unterscheidet sie sich von den bei uns mit Recht abgelegten seelenlosen Posen doch grundsätzlich durch die komödiantische Erfülltheit, mit der das Temperament italienischer Sänger sich in jedem Augenblick kundgibt. Es ist ein Unterschied, ob ein Tenor sich an' die Rampe begibt, um dem Publikum seine Arie möglichst effektvoll vorzutragen, oder ob, wie in dieser Mailänder „Boheme"- Aufführung, die vier Künstler aus einem äußerst temperamentvollen Zusammenspiel heraus sich scheinbar zwanglos nacheinander an das Parkett wenden und auf diese Weise das Ensemble auch solistisch überraschend auflockern. Selbst wenn im Finale des zweiten „A'ida"°Aktes sich die Menfchen- maffen unter Verzicht auf die innere Logik der Szene frontal vor dem Zuschauerraum aufbauen, sieht man den künstlerischen Zweck sofort ein: die durchschlagende Finalwirkung von Massenchor, Orchester und sieghaft überstrahlenden Solostimmen läßt sich in vollständiger klanglicher Ausgeglichenheit eben nur auf diese Weise erreichen. Wenn das Publikum bann von den Sitzen aufspringt und ein für Berliner Verhältnisse beispielloser Orkan des Beifalls lo^bricht, dann ist der Sieg der „Großen Oper" eindeutig errungen. I Wie der Regisseur Mario Frigerio, ist auch der Bühnenbildner Nicola B e n o i s ein hervor- i ragender Könner. Er arbeitet ausgiebiger mit ge- . mnPen Kulissen, Soffitten und Versatzstücken als 1 mit plastischen Ausbauten und erreicht in „Boheme" durch Bevorzugung des malerischen Prinzips, in „Aida" durch stärkere Ausrichtung der Szenerie auf monumentale architektonische Wirkungen und kühne Buntheit überzeugende Wirkungen. Wie auch in Italien ein beweglicher Geist die Bühnenbildgestaltung erfüllt, lehrte der Unterschied zwischen dem Realismus in „Boheme" und der weitgehenden Stilisierung in „Aida". Die stärkste Anziehungskraft übten natürlich die Sänger aus. Dennoch gebietet die Gerechtigkeit, den musikalischen Leiter der beiden Opernaufführungen vor ihnen zu nennen. Denn Victor d e Sa b ata hielt den Apparat nicht nur zusammen, er drückte ihm den Stempel seiner genialen Führerpersönlichkeit auf und spielte auf dem Ensemble von Chor, Orchester und Solisten wie auf einem einzigen Jn- . ftrument mit der Ueberlegenheit und Virtuosität des universalen Musikers. Was an Sabatas Leillung immer wieder faszinierte, war vor allem der hervorragende Anteil, den er in den sogenannten Gesangsopern das Orchester nehmen ließ. Er durchleuchtete die schillernde Partitur der „Boheme" mit einer solchen Feinsinnigkeit, daß alle gefürchteten Sentimentalitäten weggeblasen zu sein schienen, er gab der Lyrik der „Aida" eine Tiefe des Gefühls, die zuweilen an den „Tristan" erinnerte, er fetzte instrumentale Glanzlichter auf, die man noch nie gehört hatte. Ohne sich an taktische Strenge zu binden, trieb d e S ab ata die Dramatik derartig ins Extreme, daß ein weniger gutes Sänger-Ensemble wahrscheinlich in den rasenden Tempi gestrauchelt wäre. Aber mit den Solisten der Scala konnte es der Dirigent wagen, Beschleunigungen, Dehnungen und dynamische Steigerungen von wahrhaft umwerfender Wucht durchzuführen. Es ist kaum möglich, unter diesen Meistersängern einem einzigen die Palme des Sieges zu reichen. Da war Benjamino G i g l i, der als Rhadames bereits mit der ungewöhnlich kultiviert gesungenen Auftrittsrvmanze (Holde Aida") einen Sturm der Begeisterung entfachte und im Nil-Akt mit den durchschlagenden Forte-Wirkungen seiner metallischen Hochlage den Gipfel der gesangsdramatifchen Leistung erreichte. Ebenbürtig stand neben ihm die Aida her Gina Cigna, deren hohes B im zweien Finale mühelos und ohne Schärfe das Tutti überstrahlte, während ihr ungemein modulationsfähiger Sopran in der Arie am Nil die weichsten lyrisch m Schwebungen hergab. Unvergeßlich wird der Alt von Ebe Stignani bleiben, die eine gesanglich wohl kaum überbietbare Amneris war. Neben dem prächtigen Heldenbariton Ettore Navas (Amvnasrv) gehörte her Bassist Tancredi Pasero zu den reichsten und kultiviertesten Summen des Mailänder Ensembles. Wie als Oh"r- vriester in „Aida", so trug er als Cvttine in „Boheme" einen verdienten Sondererfolg davon. Das stimmliche Ereignis der „Boheme"-Auffüh- rung war Giusevpe Lugo, her als Rudolf durch den stählernen Glanz feines biegsamen Tenors, die Leuchtkraft der Spitzentöne und die weitgesponnene Phrasierung begeisterte. War das Oraan der Mafalda Favero für die Schwindsüchtigkeit her Mimi fast zu substanzhaltig, so bezwang doch hie Art, wie es die Künstlerin einsetzte, und zum Beispiel der Sterbeszene mit dem allmählichen Zerfällen des Tones unmittelbare musikalische Anschaulichkeit verlieh. Der sammelweiche Bariton Piero B i a s i n i s (Marcel), der Schaunarh von Afro Poli und die gesanglich lvitze, darstellerisch sehr kapriziöse Musette von Marisa Merlo rundeten das Ensemble zu schönster Ausgeglichenheit ab. So ließ die Mailänder Scala in Berlin nur einen Wunsch offen: Wiederzukommen und ständiger Gast unserer sommerlichen Musikfeste zu werden. Johannes Jacobi. llr.HO Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen) Mittwoch.30.Juni (937 Nicht Fürsorge, sondern Vorsorge! HZ -Sozialreferenten tagten auf dem Gleiberg. Eine der wichtigsten Aufgabenkreise, die die Hitler- Jugend übernommen hat, ist die soziale Betreuung der Jugendlichen. Auf dem Gebiete der Sozialarbeit läßt sich ganz besonders der Gesinnungswandel erkennen, der durch die nationalsozialistische Revolution eingetreten ist. Während es vor 1933 den beteiligten Stellen nur darauf ankam, soziale Nöte und Härten zu mildern, d. h. die aufgetretenen unerwünschten Krankheitsherde im Volkskörper nach Möglichkeit zu beseitigen, legt der heutige Staat und ganz besonders die Hitler-Jugend Wert darauf, jene unerwünschten Krankheits'erscheinungen im Keime zu ersticken, sie erst gar nicht zur Auswirkung kommen zu lassen. Dieser Grundgedanke kam bei allen Referaten zum Ausdruck, die bei der Arbeitstagung der Sozialreferenten der Gefolgschaften und der Referentinnen der BDM.-Gruppen am vergangenen Sonntag auf dem Gleiberg gehalten wurden. Rund 50 Referenten und Referentinnen des Bannes und Untergaues 116 hatten sich auf dem mit der HJ.- Fahne geschmückten Gleiberg eingefunden zu dieser Arbeitstagung, die unter der Leitung des Sozialstellenleiters des Bannes 116 stand. Im Gedenken an den Führer wurde die Tagung eröffnet. Dann berichtete Oberscharführer K. L. Müller über die soziale Arbeit im Bann 116. Im Anschluß daran gab der Sozialabteilungsleiter des Gebietes Hessen- Nassau, Unterbannführer Becker, die Ausrichtung der bevorstehenden Sozialarbeit bekannt. Aus beiden Referaten ging deutlich der große Aufgabenkreis und die ungeheure Verantwortung hervor, die die HI. und der BDM. unter dem Motto „Haltet die Jugend gesund" auf sich genommen haben. Vor allen Dingen darf die Sozialarbeit nicht von dem Gedanken des „Mitleides" getragen sein. Denn dann müßte sie als F ü r s o r g e arbeit angesehen werden. Wenn aber die Sozialarbeit als Vorsorge im nationalsozialistischen Sinne angesehen sein will, muß sie als Erziehungsarbeit erkannt werden. Damit werden die Sozialreferenten selbst aktive Führer, die in ständiger Verbindung zu Jugend, Schule und Elternhaus zu stehen haben. Unter dem Gesichtspunkt des Vierjahresplanes ist der L a n d d i e n st e i n s a tz an erster Stelle zu erwähnen. Geht es doch darum, jugendliche Arbeitskräfte bei der Landarbeit einzusetzen, Nm die Ernährungslage des deutschen Volkes zu sichern. Mit diesem Einsatz will man besonders auch der bedrohlichen Landflucht zu Leibe rücken, die besonders in den Gebieten des Vogelsberges und des Westerwaldes eine starke Dezimierung der Bevölkerung verursachte. Als weiterer wichtiger Punkt der sozialen Arbeit ist die K i n d e r l a n d v e r s ch i ck u n g zu nennen, für die in Zukunft die HI. und der BDM. verantwortlich zeichnen werden. Die sachliche Durchführung der Aktion bleibt jedoch weiterhin bei der NSV. Diese Kinderlandverschickung ist jedoch nicht die einzige Form, die Schlagkräftigkeit der jungen Generation zu erhalten. Da auch die F e r i e n g e st a l - t u n g der Jugendlichen der HI. untersteht, ist die Sozialstelle des Bannes besonders an den Zeltlagern, den Fahrten wie Hessen-Nassau - Fahrt und den Wilhelm-Gustloff - Fahrten interessiert. Diese Ferienaktion soll so ausgebaut werden, daß der Pimpf zunächst die Gemeinschaft im Zeltlager kennen lernt, dann in der Hessen-Nassau-Fahrt seine nähere Heimat erwandert und schließlich auch an Grenz- und Auslandfahrten teilnimmt. Unterbannführer Becker betonte in diesem Zusammenhang, daß nicht nur eine körperliche, sondern auch eine charakterliche Gesundung der Jugend zu berücksichtigen sei, wobei er die Erziehungsaufgaben der Eltern klar herausstellte. Unser Ziel wird es sein, die soziale Arbeit so aufzubauen, daß Jugendgericht, Fürsorgeanstalten und andere Verfallserscheinungen verschwinden. Denn unsere Sozialreferenten und Referentinnen sollen schon vorher erkannt haben, w o die soziale Betreuung einzusetzen hat. Ein Problem der Jugendhilfe steht in diesem Jahre im Vordergrund der sozialen Arbeit, die Heimbeschaffungsaktion. Das HI. - Heim soll wirklich ein Heim für die schaffende Jugend sein, um die Gefahren des Wirtshauses und des Herumlungerns auf der Straße aufzufangen. Letzten Endes ist nicht nur die Jugend zu betreuen, die in Aus -er Stadt Gießen. Juli — Monat der Neife! Die Tage des Blütenwunders sind vorbei. Wohl duften in den Gärten noch üppige Rosen und am Feldweg nicken die blauen Blüten der Glockenblumen, aber der bunte Farbenrausch verströmender Lebenslust ist dahin, und wo noch vor kurzem die Hingabe an das Dasein glänzende Feste feierte, ist j^tzt die Stille der hoffnungsfrohen Erwartung eingekehrt. Dieser Erwartung jedoch bringt der Juli mit seinem heißem Atem jene Erfüllung, aus der die herrlichste Fruchtbarkeit quillt. Für die Stadt sind die Tage des Juli nicht immer verlockend. Aber draußen, im Bezirk der wogenden Felder, auf Aeckern und Wiesen, vollbringt die Wärme wahre Wunder, die nicht weniger geheimnisvoll sind, wie alle anderen Wunder atmenden Lebens. Die Sonne führt überall zwischen Blättern, Sträuchern und Halmen neues Werden der Reife entgegen, von dessen glücklicher Vollendung wir alle den' Segen verspüren werden. Der Landbevölkerung bringt der Juli die hohe Zeit des Sichregens und Mühens. Der Arbeitsertrag des ganzen Jahres reift auf den Felbeln heran, er will umsorgt und gehütet sein. Da aber die Sicherheit der Ernte von mancherlei Einflüssen der Witterung und anderen Erscheinungen des Naturgeschehens abhängig ist, nimmt es nicht wunder, daß auch heute noch im Volksglauben vielfach die unsichtbaren Naturdämonen ihren Platz behaupten. Sie treten uns in den Erzählungen von der Roggenmuhme, in den Mythen vom Kornmännlein und Feuermännchen entgegen, und finden sich nicht zuletzt wieder in den Fruchtbarkeitsriten, mit denen fast in allen deutschen Landschaften die letzte Garbe von den Feldern als Kornmutter oder Kornalter heimgebracht wird. Die Spruchweisheit der Bauernregeln kennzeichnet die Bedeutung des Juli für die Erntö: „Im Juli muß vor Hitze braten, was im September soll geraten." Was den Zeitpunkt der Ernte betrifft, so heißt es darüber: „Die erste Birn' bringt Margaret (20.), drauf überall die Ernt' angeht." Für die Witterung aber wird gesagt: „Werfen die Ameisen am Annätag (26.) höher auf, so folgt ein strenger Winter drauf." Im übrigen fällt noch in den Juli der Beginn der Hundstage (24.), die im allgemeinen die heißeste Zeit für den europäischen Kontinent bringen. Der Monat der Reife aber ist für die Stadtbewohner auch der Monat der Reisezeit und des plätschernden Vergnügens am Badestrand. Und wenn wir uns der lästigen Kleidung entledigen, um im Badeanzug die kühle Flut aufzusuchen, oder um die wohltätige Einwirkung der Sonnenstrahlen auf den Körper zu verspüren, so ist in uns ein Gefühl der Sympathie für diesen Monat, der Sommerfreuden in reichlichem Maße für uns bereithält. H. W. Sch. Dornotizen. Tageskalender für Mittwoch. Gloria-Palast, Seltersweg: „Verräter". Amt für Dolkswohlfahrt, Ortsgruppe Gießen-Süd. Am Donnerstag, 1., Freitag, 2., und Samstag, 3. Juli 1937 findet im Bereich der Ortsgruppe Gie- ßen-Süd die Lebensmittel-Opferringsammlung durch die NS.-Frauenschaft statt. Die Einwohnerschaft wird gebeten, die Spenden für die Monate Juli und August bereitzuhalten, da infolge der Ferien die August-Sammlung ausfällt. Das Glück aus dem Kasten. Der Erfolg der Arbeitsbeschaffung und damit auch der Reichslotterie für Arbeitsbeschaffung äußert sich bereits in den eigenen Reihen der Glücksmänner. Waren unter den 5000, die mit ihren Kästen das Glück ins Land tragen, noch im Winter jüngere Gestalten zu finden, fo sind heute fast nur mehr ältere Semester, manche mit ergrauten Bärten unterwegs. Doch die Alten wissen, was Pflichterfüllung heißt und ihr Arbeitstag geht erst zu Ende, wenn ihr Glückskasten leer geworden ist. Es sind stattliche Summen, die unsere Glücksmänner bei Arbeits- und Winterhilfe-Lotterien schon ausbezahlt haben. Zehnmal 10 000 Mark, achtzig- mal 5000 Mark, dreißigmal 2000 Mark und fünfhundertfünfundzwanzigmal 1000 Mk. wurden schon aus ihren Kästen gezogen und die schöne runde Summe von 500 Mark wurde von 3430 Glücklichen gewonnen, zählt man nur diese 4075 Haupttreffer zusammen, so ergeben sich über 2% Millionen Mk., die verteilt worden sind. An mittleren und kleinen Gewinnen wurde fast das siebenfache, das find über 18 Millionen Mark, ausgefpielt. Wenn wir daher unseren Glücksmann aus der Versammlung seiner Käufer heraus rufen hören: „Ein Freilos, Eine Mark, Fünf Mark..fo muffen wir nur die nötige Ausdauer haben. Der große Treffer wird auch bei ihm einmal kommen, denn unsere Alten wollen doch auch die Freude haben, Glücksmänner im wahren Sinne des Wortes zu sein. 3ur Hundertjahrfeier der Gießener Vealanstalten. Wie uns berichtet wird, sind die Vorbereitungen zu dem großen Wiedersehensfest nunmehr abgeschlossen. Don auswärts liegen viele Anmeldungen ehemaliger Schüler vor. Es kann nach Mitteilung der Direktionen vorgekommen sein, daß ein ehemaliger Schüler in Gießen eine Einladung bekommen hat und sein Nachbar und Klassenkamerad nicht. Im letzteren Falle ist eben leider der Direktion die Anschrift des Betreffenden nicht bekannt geworden. Niemand möge sich zurückgesetzt fühlen. Die herzliche Einladung zur Teilnahme ergeht hiermit nochmals an alle ehemaligen Schüler der beiden Anstalten, einerlei wie lange sie der Schule und welchen Klassen sie angehört haben. Bürgermeisterversammlung in Gießen. Am kommenden Dienstag veranstaltet die Kreisabteilung Gießen der Landesdienststelle Hessen- Hessen-Nassau im Deutschen Gemeindetag eine Bürgermeisteroersammlung im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes am Brandplatz. Dr. Finger vom Rassepolitischen Amt der NSDAP, für den Gau Hessen-Nassau wird über Erbgesundheit und Rassenpflege, insbesondere über die Mitwirkung der Bürgermeister bei den staatlichen Maßnahmen sprechen. Ferner wird Verwaltungsinspektor Scheid über die finanzielle Lage der Gemeinden berichten. Hessische Trachtengruppe im Spiegel des Auslandes. NSG. Vor kurzer Zeit weilte (wir berichteten mehrfach darüber) im Auftrage der NS.-Gernein- fchaft „Kraft durch Freude" eine Trachtengruppe aus unserem Gau unter der Leitung von Georg Heß-Leihgestern als Vertretung Deutschlands in den Reihen der HI. steht, sondern auch noch die Ab« seitsstehenden. In einer anschließenden Aussprache wurde auf weitere Fragen der sozialen Arbeit eingegangen, so auf die Urlaubsregelung, die soziale Lage der Jungbauern und Jungbäuerinnen, Reichsberufswettkampf, die Arbeit in der Kreisjugendwaltung usw. Schließlich wurde am Vormittag noch auf die neu eingeführte Sozi al karte hingewiesen, auf Grund deren Angaben der Sozialstellenleiter jederzeit weiß, welche Jungen und Mädel zu betreuen sind und welche Ansatzpunkte für die Betreuung vorhanden sind. Nach dem gemeinsam eingenommenen Mittagessen fanden zwei weitere Referate statt. Sa sprach Uni» versitätsprofessor Bley in einer groß angelegten und mit Beifall aufgenommenen Rede über den deutschen Sozialismus, wobei er den liberalistischen Jdeengängen der „großen" französischen Revolution und den jüdischen Phraseologien eines Karl Marx die nationalsozialistischen Gedanken einer auf Blut und Boden begründeten Volksgemeinschaft gegen» überstellte. Schließlich ist noch das ausgezeichnete Referat von Dr. Wagenbach zu nennen, das die Zusammenarbeit von Sozialstelle und Arbeitsamt besonders unterstrich. In erster Linie ist hier die Berufsberatung zu nennen, die nicht nur Auskunftserteilung, sondern auch Vermittlungsstelle sein soll. Dabei ist besondere Rücksicht auf den Ausgleich zwischen nachwuchsarmen und übersetzten Berufen zu achten, so daß eine gewisse Führung der jugendlichen Arbeitskräfte notwendig ist. Um Neigung, Fähigkeit, Charakter festzustellen, werden Eignungsprüfungen vorgenommen. Dabei wird auch das Zusammensein mit anderen Jugendlichen in der Gemeinschaft der HI. und des BDM. berücksichtigt, so daß sich ohne weiteres ein enges Zusammenarbeiten des Arbeitsamtes mit der HI. ergibt. So werden die beim Arbeitsamt vorgetragenen Elternwünsche und Berufsneigungen der Jugendlichen in Einklang gebracht mit den Sacherfordernissen der Wirtschaft und den Belangen der HI.- und BDM.- Führung. Der Leiter der Arbeitstagung dankte den Referenten für ihre aufschlußreichen Worte und schloß in der üblichen Weise die vom hohen Einsatzwillen getragene Sommertagung der Sozialreferenten und Referentinnen des Bannes und Untergaues 116. Hk. Aix-Les-Bains (Frankreich). Zu diesem Besuch brachte die französische Tageszeitung „Le Petit Dauphinois" einen interessanten Abschiedsartikel mit der großen Überschrift „Das entzückende „Au Revoir" der deutschen Gruppe". Es heißt darin u. a : „Die deutsche Gruppe aus Hessen-Nassau, die im Verlauf dieser schönen Tage den Vogel abgeschossen hat, veranstaltete, bevor sie uns verließ, unter den alten Mauern des Grafenschlosses von Aix- Les-Bains ein Morgenständchen. Es war eine improvisierte, sehr herzliche Kundgebung. Diese freiwillige Tat der deutschen Jugend, die Bande wieder zu festigen, die einst gelockert waren, fand rasch die Herzen der Bewohner von Aix, die sich schon früh;auf dem Rathausplatz versammelt hatten. Als letztes Andenken an die verlebten Festtage fang die deutsche Gruppe mehrere Lieder. Dann gab Herr VIM PUTZT ALLES ^tundticU und schonend vn?-286 ojjü^cLLe. JLäundz Kamps um das „Dach der Wett". Aus derGeschichte der Himalaja-Besteigungen Seit etwa hundert Jahren ist der Himalaja, das „Dach der Welt", in den Blick der europäischen Welt getreten, seit über 50 Jahren wird um seine bergsteigerische Erschließung gerungen. 1841 vollendete der englische Ingenieur und Leutnant Sir George Everest, der mit der trigonometrischen Vermessung Indiens beauftragt war, die indische Meridianmessung. Ihm zu Ehren nannte sein Nachfolger den höchsten Gipfel des Himalajamassivs, den 8880 Meter hohen Gaurisankar, Mount E v e - re st. Die tibetanischen Priester nennen diesen Berg die „Gottesmutter der Erde" und glauben, daß diese Gottesmutter kein menschliches Wesen jemals in das Gebiet ihres ewigen Schweigens lassen wird. Bisher haben sie recht behalten, doch kühner Forschergeist macht vor der abergläubischen Furcht der Eingeborenen so wenig Halt wie vor den wirklichen Gefahren und Schrecken des Berges. Die Kette der Opfer mag noch so lang werden, immer wieder ziehen die Besten und Tüchtigsten zu neuem Angriff aus. Im Jahre 1883 unternahm der Engländer M. B. Graham als Erster einen Versuch, den zweithöchsten Gipfel des Himalaja, den Kant schenb- s ch ö n g a , mit feinen 8578 Meter zu ersteigen. Doch mußte er unverrichteter Dinge umkehren. Nicht besser ging es 1890 dem Deutschen Karl Böck, der von Sikkim und Nepal aus den Aufstieg versuchte. Lawinen forderten am Kantschendschönga das erste Menschenopfer im Jahre 1905, als der Schweizer Bergsteiger P a ch e dort sein Leben lassen mußte. Auf neuen Wegen versuchten die beiden Norweger Rubenssohn und Aas den Aufstieg. Sie waren auf ihrer Expedition mehr von Glück begünstigt, mußten aber' auch umkehren, ohne den Gipfel erreicht zu haben. In bie Höhe von 7500 Meter gelangte im Jahre 1909 zum ersten Male Prinz Ludwig Amadeus von Savoyen, der Herzog der Abruzzen, der sich vorher besonders als Polar- und Afrikaforscher einen Namen gemacht hatte. Er erreichte die Höhe auf dem Bride Peak, den vor ihm noch niemand bezwungen hatte. Seine Leistung blieb eine lange Reihe von Jahren unübertroffen — aber auch unnachgeahmt. Erst nach einer langen Pause setzte in den zwanziger Jahren wieder eine neue Serie kühner Angriffe von verschiedenen Seiten und auf verschiedene Gipfel ein. Im Jahre 1924 überschritten Menschen zum ersten Male die Höhe von 8000 Meter. Es waren die beiden Engländer Norton und Somerell, die bis 8534 Meter kamen, ihre Kühnheit aber mit dem Leben bezahlen mußten. Das gleiche Schicksal teilten die Engländer Mallory und Irvine, die auf einer größeren Expedition zuletzt ungefähr zwischen 8500 und 8600 Meter gesehen wurden, dann aber spurlos den Blicken der Lebenden entschwanden. Die Expedition des Deutschen Paul Bauer aus München auf den Kantschendschönga im Jahre 1929 hatte sehr schöne bergsteigerische und wissenschaftliche Erfolge zu verzeichnen, und eine zweite Expedition Bauers 1931 gelangte bis auf 7925 Meter, mußte hier aber vor einer etwa 150 Meter hohen Steilwand umkehren. Bei dieser Expedition stürzte der Münchener Bergsteiger Hermann Schalter in eine Gletscherspalte tödlich ab. Wiederum ein Deutscher, Günther Dyren- furth, war es, der im Jahre 1930 den Pongong Peak mit einer Höhe von 7500 Meter bezwang. Ein Jahr danach erreichte ein Mitglied der Dyren- surth-Expedition, der Engländer Frank I. Smithe, den Kämet mit 7800 Meter Höhe. Ein ganz neuer Versuch war die Flugexpedition der Lady Houston, die mit Flugzeugen unter der Leitung von Lord Clydesdale und F. P. M. Fellowes mehrmals einen Gipfel des Himalaja überflog. Der Gipfel war zwar nicht, wie die kühnen Flieger geglaubt hatten, der Mount Everest, sondern, wie sich später herausstellte, der etwa zwölf Kilometer davon entfernte und 400 Meter niedrigere Mukalu. Unter den dreizehn Gipfeln des Himalaja, die 8000 Meter überragen, gilt als einer der schwierigsten, ja vielleicht als der schwierigste Berg der Erde, der 91 an g a Parbat mit seinen ungeheuren steilen Eiswandabfällen, den sich deutscher Bergsteigerwille als besonderes Ziel erkoren hat und dem im Lause der letzten sechs Jahre drei große Expeditionen gewidmet worden sind, die beiden letzten mit fo tragischem Ausgang. Wie erinnerlich, mußte die Expedition von 1934, die das Leben von Willy Merkl, Wieland und Welzenbach kostete, nur 200 Meter unter dem Hauptgipfel in einer Höhe von 7895 Meter umkehren. Doch von dieser Expedition sind so hervorragende Messungen, Karten und Aufnahmen hergestellt worden wie nie zuvor, so daß der wissenschaftliche Ertrag für alle Zeiten unver- loren ist. Heber die näheren Umstände beim Untergang der letzten Expedition wird erst die nächste Zeit uns 'Kunde geben. Aber das wissen wir heute schon, daß auch diese deutsche Tat ein unvergängliches Ruhmesblatt in der Geschichte des Kampfes um den Himalaja bleiben wird. C. K. Der Tramp. Man läßt sich treiben, wohin es geht. Morgens weiß man nicht, wo man am Abend landet. Man ist Landstreicher, Vagabund, Tramp — und man erlebt. Ein richtiger Landstreicher bin ich nicht. Tramp, das ist alles. Ich bin vornehm. Ich fahre nur Auto und Eisenbahn. Umsonst — versteht sich. * Morgens stehe ich auf. Nicht früh, und doch immer früh genug, denn mein Tag ist lang, und der Sommer ist noch länger. Dann gehe ich fort aus der großen Stadt. Bis dorthin, wo die große graue Landstraße beginnt. Oder bis an eine Bahnschranke. Oder bis dahin, wo irgendwo irgend etwas den schnellen Gang der vorübergleitenden Wagen hemmt. Dann lege ich mich in die Sonne und freue mich am Gesang der Vögel, am Grün der Bäume, am schönen Wetter — am Leben. Manchmal esse ich aus Langeweile Aepfel. Sie wachsen auf den Bäumen, die in endloser Reihe die glatte Asphaltstraße auf beiden Seiten einfaffen und weit hinten immer kleiner werden, fo daß man meint, Bäume und Straße würden weit am Horizont in einem Punkte Zusammentreffen. ♦ Ich warte. Warte, bis ich keine Lust mehr habe zu warten; dann stehe ich auf und winke, und ein eleganter Adler hält. Oder ein Ford, ober ein Mercedes, ober irgenbein anberer. Einmal war es ein Packarb. Sehr elegant. Unb ber Herr ist freunb- lich. Wir fahren weit. Ungefähr 200 Kilometer. Wie ich ausfteige, bin ich in Zürich. Zürich ist schön. Sehr schön ber See. Aber balb ist es bunkel, ba gehe ich weiter. Ich gehe über eine lange Lanb- straße. Links unb rechts finb Felber. Auf einem stehen noch Garben. Einige werben quer gelegt, an- bere barüber gestellt, unb mein Bett ist fertig. Die Jacke knöpfe ich zu, ber Leibriemen wirb gelockert, unb ich lege mich hin. In einer Hosentasche finbe ich noch ein Stück trockenes Brot. Es ist hart wie Stein, aber bas ist gut so; benn ich kann lange baran lutschen. Dann schlafe ich ein. Unb ich schlafe fest. — So ging's ben ganzen Sommer. Ich habe gehungert unb schöne Stäbte, Kirchen unb Häuser gesehen. Ich war satt unb habe mich gefreut. Ich habe im Straßengraben geschlafen unb auf ber Bank im Park, in ber Herberge unb im Hotel. Ich habe um ein Stück Brot gebettelt unb im Hotel gegessen. Ich habe bem Heute gelebt unb an Morgen nie gebucht. Mein Leben war roilb unb ungeregelt, aber interessant unb spannenb, oft wie ein Roman. Nun ist Winter. Ich bin zu Haufe. Aber wenn bie Schwalben roiebertommen, wenn bis Sonne lacht, bann kommt es roieber. Dann packt mich bas große Fieber, unb ich muß roieber hinaus in bie Welt, in bas große Erleben ... isk. Ein Kopf für 125 Mark. Auf feinen Reisen im Herzen Borneos hatte H. F. Tillema Gelegenheit, einen sehr vornehmen Dajak-Häuptling zu photographieren und von ihm, der ein großer Kopfjäger war, einen ber 59 Köpfe zu erwerben, bie er in feinem Hause hatte. Er erzählt davon Näheres in der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau". Man sieht ben Häuptling im Silbe, wie er einen seltsamen Kriegshut aus geflochtenem Rohr auf bem Kopfe trägt. Aus dem Hut ragen zahlreiche lange Schwanzfedern des mythischen Nashornvogels hervor. Er trägt einen Kriegsmantel, der mit Nashornvogelfebern geschmückt ist, und auf das neben ihm stehende große Schild sind Augen gemalt, bie gegen bas „böse Auge" schützen sollen. Auch Menschenhaar ist baran befestigt, bas „eine reinigende Wirkung" hat. In ben Griff des Schwertes find magische Figuren mit bem Messer eingeschnitten, ber Kriegshut ist mit farbiger Korallenarbeit geschmückt. An Armen unb Waden trägt er Ringe aus sehr starken Pflanzenfasern, bie auch mit Aluminiumblech von abge» bankten Kochgeräten ber Solbatenkefsel geschmückt finb. Der Dajak kennt keine Edelmetalle, und er nennt das Aluminium „Silber". Dagegen kennt er den „Reichstaler" (ungefähr 4 Mark) als Münze, unb er weiß für feine Kostbarkeiten sehr gute Preise zu berechnen. Ein gutes Schwert kostet 80 bis 125 Mark und mehr, ein Kriegshut 85 Mark unb ein Kopf ungefähr 125 Mark. Dabei ist es aber sehr schwer, einen solchen Kopf von einem Dajak zu erwerben. Nur baburch, baß Tillema bem Häuptling einen wichtigen Dienst erweisen konnte, gelang es ihm, von ihm einen solchen Menschenschäbel für ein Museum zu erwerben. Als er mit seinem Vorschlag herauskam, sah ihn ber Häuptling zwar an wie ein Mann, ber Zahnschmerzen hat, aber bie Höflichkeit gestattete ihm nicht, bie Bitte abzuschlagen. So burfte Tillema sich einen Kopf aussuchen, unb ber gewählte mürbe losgemacht unb braußen an bem Hausgiebel aufgehängt, fo baß er bas ganze Dorf übersehen konnte. Auf bie Frage, was biefe Hanb- lung bebeiUen sollte, erklärte er: „Der Kopf geht weg, weit weg, übers Meer, ganz weit weg, unb kommt nie zu seinen Freunden zurück. Nun verabschiedet er sich auf immer von Freunden unb Umgebung." Der Festplatz wird würdig hergerichtet. Am Fest* sonntag wird der große Festzug mit etwa 20 Festwagen, die das deutsche Volkslied versinnbildlichen, im Mittelpunkt der Feier stehen. Eine Abordnung des Bruderoereins Neuyork wird in den nächsten Tagen erwartet. Kreis Alsfeld. <£ Alsseld, 29. Juni. Am gestrigen Liedertag des Deutschen Sängerbundes veranstaltete die Alsfelder Sängervereinigung Lieder- krcmz-Harmonie in den Abendstunden in den Erlen- anlagen ein Konzert, das sich eines sehr guten Besuches erfreute. Der Vereinsführer, Steuerinspektor Bender, gedachte in einer Ansprache m schwungvollen Worten des deutschen Liedes. Anschließend fand ein kameradschaftliches Beisammensein im „Deutschen Hause" statt. — Der hiesige Dolkskindergartenverein hielt am Sonntag sein diesjähriges Kinderfest auf dem Festplatz ab, das sich eines sehr guten Besuches aus allen Kreisen der Bevölkerung erfreute. Bei Spiel, Tanz und Konzert verlebte die kleinste Jugend, der diese Veranstaltung galt, einige recht fröhliche Stunden. Der Reinerlös der Veranstaltung war recht erfreulich. # Ober-Ohmen, 27. Juni Gestern wurde hier der älteste Mitbürger unseres Dorfes, der 93jährige Altveteran Johann Stritter zu Grabe getragen. Als junger Mann von 22 Jahren nahm Gg. Heß, der Leiter der Gruppe Hessen-Nassau eine Erklärung ab in deutscher Sprache, die Herr Mu- zard, der Delegierte des internationalen Zentralbüros „Freude und Arbeit" Berlin in französischer Sprache wiederholte. Unter tosendem Beifall wurde der Wagen bestiegen, der die deutsche Jugend wegführte, die nur den einen Gedanken kannte: dem Frieden dienen! Während sich der Wagen m Bewegung setzte, stimmte die ganze Gruppe aus voller Kehle ein Abschiedslied an, das uns nachdenklich und gerührt stehen ließ, angesichts dieses Zeichens des Einklangs mit unserer Stadt Aix. — Auf Wiedersehen, reizende Gruppe Hessen-Nassau. Wir hoffen sehr, Euch im nächsten Jahr in größerer Zahl wiederzusehen." Eine Sitzung desBezirksverwaltungsgerichtsGießen Am kommenden Samstag findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, Landgraf-Philipp-Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Bezirksverwaltungsgerichts Gießen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des Berthold Bauer in Leihgestern gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 8. März 1937 wegen Versagung der Legitimations- karte für das Kj. 1937. 2. Klage des Max Rosengarten in Mendorf a. d. Lda. gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 18. Januar 1937 wegen Versagung des Wandergewerbescheins für das Kj. 1937. 3. Klage des Julius Levi in Gießen gegen den Bescheid des Kreisamtes Gießen vom 5. Januar 1937 wegen Versagung der Legitimationskarte für das Kj. 1937. 4. Klage des Meier Lindheimer in Holzheim gegen den Bescheid des Kreisamtes Gießen vom 8. März 1937 wegen Versagung der Legitimationskarte für Kj. 1937. 5. Klage des Heinrich Baumann in Gießen gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 3. März 1937 wegen Versagung des Wandergewerbescheins für das Kj. 1937. 6. Klage der Emma Funke in Gießen gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 8. März 1937 wegen Versagung des Wandergewerbescheins für das Kj. 1937. ** Geheimrat Krüger — Inhaber der Ehrenplakette der Stadt Gießen. Unserem Ueberblick über den Lebensgang von Geheimrat Krüger, den wir gestern aus Anlaß seines 75. Geburtstages veröffentlichten, ist nachzutragen, daß Geheimrat Krüger mit zu den wenigenMän- nern zählt, die von der Stadt Gießen für mannigfache große Verdienste mit der Ehrenplakette unserer Stadt ausgezeichnet wurden. Außer Geheimrat Krüger wurde diese Ehrung noch Geheimrat Fromme, Geheimerat Behaghel, Kapitän S ch m e h»l, dem verstorbenen Professor Sommer und dem Geheimen Kommerzienrat Em melius zuteil. ** Silberhochzeit. Am heutigen Mittwoch können Ludwig Kreiling und Frau Luise, Lethgesterner Weg 100, das Fest der silbernen Hochzeit feiern. ** Sterbefälle in der Stadt Gießen. In der Zeit vom 17. bis 27. Juni verstorben in unserer Stadt: 17. Juni: Georg Schupp, Geschäftsführer i.R., 60 Jahre alt, Kaiserallee 3; 21.: Ottilie Lindenborn, o. B., 86 Jahre alt, Sicher Straße 74; 23.: Karl Emil Christian Malkomesius, Sattler und Tapeziermeister, 61 Jahre alt, Asterweg 2; 24.: Karl Heinz Faust, 1 Jahr alt, Rodheimer Straße 51; 25.: Fritz Magnus, Diplom-Optiker, 54 Jahre alt, Seltersweg 33, Marie Scharch, geb. Schmidt, o. B., 82 Jahre alt, Frankfurter Straße 75, Helene Keil, geb. Lotz, o. B., 69 Jahre alt, Schillerstraße 7; 27.: Emma Katharine Rinderknecht, geb. Pfeffer, o. B., 26 Jahre alt, Walltorstraße 67. ** Wohnhausbauten im Eichgärtenge b i e t. Am Abzweig des Tannenwegs von der Curtmannstraße, der nach dem Philosophenwald führt, ist ein Wohnhaus im Rohbau vollendet, während zwei weitere Bauten bis zum Aufbringen des Dochwerks gediehen sind. Entlang der Curtmannstraße ist man mit dem Bau eines größeren Gebäudekomplexes beschäftigt. Hier kommt ein zweigeschossiges Gebäude mit sechs Dreizimmerwohnungen zur Ausführung. Auch in der verlängerten Fröbel- straße sind zwei Wohnhäuser in Ausführung begriffen. Alle Neubauten sollen bis zum Herbst fertiggestellt sein. ** Eine Wanderung nach Annerod. Die Frauenschaft Gießen-Nord unternahm am Sonntag eine Wanderung nach Annerod, um dort gemeinsam mit der Frauenschaft ihre monatliche Pflichtoersammlung abzuhalten. Bei herrlichstem Sonnenschein, und' in fröhlicher Stimmung ging es durch den frischen Wald. Nach einstündigem Marsch war das Ziel erreicht. Die Frauen Annerods empfingen die Ankommenden und führten sie in ihre Häuser und Familien, um sie freundlich zu. bewirten. Dann fand man sich zu einem Vortrag im Saal zusammen. Gedichte von Ausländsdeutschen und Gesang von Frau Kasten aus Gießen leiteten über zu den Ausführungen der Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Grenzland-Ausland, Fräulein Engelhardt, die von unseren Deutschen in Brasilien sprach. Die Frauen folgten mit großer Aufmerksamkeit und spendeten reichen Beifall. Mit großer Freude wurde die Aufforderung an die Anne- roder Frauen, in diesem Winter an einem Abend in Gießen teilzunehmen, begrüßt. F. K. ** Die Kameradschaft Gießen der ehem. Freikorpskämpfer im Reichskriegerbund „Kyffhäufer" nahm am Dienstag Abschied von ihrem Kameradschaftsführer Heinz Weißenft e i n, der nach Hamburg versetzt wurde. Der scheidende Kameradschaftsführer gab noch einmal eine Uebersicht über die geleistete Arbeit. Er sagte besonderen Dank dem Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger für die tatkräftige Unterstützung und der Kreisleitung der NSDAP, und den Behörden für das bewiesene Wohlwollen. Er hob hervor, daß die Sorge um die Kameraden eine der vornehmsten Aufgaben der ehem. Freikorpskämpfer bleiben müsse. Der Redner ließ noch einmal die Erinnerung an jene Zeiten aufleben, in denen die letzten Soldaten des Weltkrieges sich gegen die rote Flut zur Wehr setzten und die ersten Soldaten des Dritten Reiches, wie sie der Führer genannt hat, wurden. Kameradschaftsführer Weißenstein dankte allen den Helfern und Kameraden, die am Aufbau der Kameradschaft beteiligt waren. Er verabschiedete sich und übergab die Führung Kam. Beulke, Gießen. Für die Kameradschaft dankte Schriftwart Kam. Weber dem scheidenden Kameradschaftsführer und erinnerte an gemeinsam durchkämpfte Zeiten. Er überreichte ihm als Dank und Anerkennung eine Büste des Führers mit einer Widmung. Der neue Kameradschaftsführer Beulke versprach dem scheidenden Kameraden, die Kameradschaft in seinem Geiste weiterzuführen. ** Der Werbewagen der Reichsrundfunkkammer in Gießen. Der Werbewagen der Reichsrundfunkkammer besucht zu Beginn des Monats zur Werbung für die Große Deutsche Rundfunkausstellung 1937 in Berlin (vom 30. Juli bis 8. August) den Gau Hessen-Nassau, und zwar wird der Wagen am morgigen Donnerstag, 1. Juli, auch in Gießen Musik- und Wortsendungen zu Gehör bringen. Große Strafkammer Gießen. Gestern stand der 43jährige G. O. aus Gießen vor der großen Strafkammer des hiesigen Landgerichtes. Die Anklage lautete auf Sittlichkeitsverbrechen, Untreue und Diebstahl. Die umfangreiche Beweisaufnahme ergab im wesentlichen folgendes: Der bisher unvorbestrafte Angeklagte war von Juni 1934 bis August 1935 als Betriebsleiter der Provinzial-Siechenanstalt in Gießen beschäftigt. Als der Angeklagte einmal spät nachts heimkam, belästigte er die diensttuende Nachtschwester mit unsittlichen Anträgen und versuchte, diese sich mit Gewalt gefügig zu machen. Er konnte sein Vorhaben jedoch nicht in die Tat umsetzen, da die Schwester sich heftig wehrte und schrie. Außerdem hat der Angeklagte laufend aus den Beständen der Anstalt Eßwaren in größeren Mengen zum eigenen Gebrauch entnommen. Dem Angeklagten war anscheinend die Kost der Anstalt nicht gut genug. Er wies sehr oft das für das gesamte Personal bestimmte Essen zurück und verlangte anderes. Er hat z. B. schon morgens zum Frühstück sich öfters mehrere Koteletts backen lassen. Darüber hinaus hat er, außer den Mahlzeiten, umfangreiche Fleischportionen verlangt und auch erhalten. Die als Zeugin vernommene Köchin sagte u. a. aus, daß der Angeklagte innerhalb von 14 Tagen elf Kilogramm Solberfleisch außer der Reihe verzehrt habe. Durch sein herrisches Auftreten verstand es der Angeklagte, sich das Personal gefügig zu machen, so daß dieses aus Angst vor Entlassung alle seine Anordnungen befolgte. Dem Angeklagten stand auch in seiner Eigenschaft als Betriebsleiter der Provinzial-Siechenanstalt ein Wagen zur Verfügung. Da an diesem keine Nebellampe vorhanden war, ließ er von einem anderen Wagen der Provinzialverwaltung eine Nebellampe abmontieren, um sie an seinem Wagen anzubringen. Auf Veranlassung des Proomzialdirektors mußte die Lampe jedoch wieder zurückgegeben werden. Der Angeklagte gab im wesentlichen diesen Tatbestand zu, behauptete aber, zu einer derartigen Maßnahme im Rahmen seiner Dienstgewalt berechtigt gewesen zu sein. Die Verhandlung dauert fort. Aus der engeren Heimat. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 29. Juni. Die Oberklassen der hiesigen Volksschule kehrten von einem Aufenthalt im Schullandheim in der Jugendherberge Wiesbaden zurück. Auf lange Zeit hinaus wird das Gemeinschaftserlebnis in der Weltbade- stadt und ihrer reizvollen Umgebung allen Teilnehmern, Schülern und Lehrern, im Gedächtnis haften. * Hungen, 29. Juni. Der von der NS.-Frauen- fchaft, Ortsgruppe Hungen, im Saale des Darmstädter Hofes für die Hausfrauen veranstaltete Vortrag über die Bereitung von Süßmost (den die Lehrerin der bäuerlichen Werkschule in Gießen, Frl. Horther hielt) wurde mit großem Interesse ausgenommen. Die herumgereichten Kostproben fanden Anklang. Die neu erworbenen Kenntnisse werden, gerade in der Jetztzeit im Haushalt praktische Verwendung finden. Kreis Büdingen. K Nidda, 28. Juni. Heute nachmittag zogen unmittelbar hintereinander zwei schwere Gewitter über unser Städtchen. Gewaltige, teilweise mit großen Hagelkörnern vermischte Wassermassen füllten bald die Straßen, große Fluten aus den höher gelegenen Seitenstraßen und Feldwegen machten die Straßen ungangbar, Erdmassen und Steingeröll wurde mitgerissen, die Kanaleinläufe waren verstopft, viele Hosreiten standen voller Wasser, sogar das Vieh war in tief gelegenen Ställen gefährdet. Durch einen Blitzschlag wurde ein Baum in der Nähe des Waldes zersplittert. — In den letzten Tagen ereigneten sich dahier in der Adolf-Hitler- Straße und an ihrer Abzweigung zur Bahnhofstraße wiederholt erhebliche A u t o z u s a m m e n - stö ß e. Glücklicherweise kamen Personen nicht zu Schaden. Kreis Schotten. d Schotten, 28. Juni. In der hiesigen DAF.- Schule findet wieder ein Ausbildungskursus im Luftschutz für den Kreis Schotten statt, an dem etwa 40 Personen, meist Lehrer aus dem Kreis, teilnehmen. Diese als Unterführer ausgebildeten Personen sollen ihrerseits die Schulung und Ausbildung ihrer Heimatgemeinden übernehmen, so daß eine Gewähr dafür gegeben ist, daß die gesamte Kreisbevölkerung eingehend mit dem ganzen Gebiet des Luftschutzes vertraut wird. Zu Beginn des Kursus fand die feierliche Flaggenhiffung statt. Der Leiter der Ortsgruppe begrüßte die Erschienenen und wies auf die Bedeutung des Luftschutzes hin. Alsdann begannen die einzelnen Vorträge. — Die Vorbereitungen für die große Feier hes 100jährigen Bestehens des Gesangvereins schreiten eifrig fort. RUHL Sehersweg Nr. 67 I adiO Telephon Nr. 3170 | eparaturen i897d Em der Verstorbene am Kriege von 1866 teil und wurde bei Laufach schwer verwundet. Zu dieser Verletzung kam noch ein Sturz vom Wagen vor Jahren, so daß sich Stritter seitdem dauernd zweier Krücken bedienen mußte. Stritter zeigte für das öffentliche Leben immer regstes Interesse trotz seines hohen Alters. Der Kriegerverein, dessen Begründer er war, verabschiedete sich von seinem ältesten Kameraden mit einer Ehrensalve über dem offenen Grabe. Der Gesangverein „Germania" entbot ihm den letzten Sangesgruß. Die Ortsgruppe der NSKOV. ließ einen Kranz niederlegen. Der nunmehrige älteste Einwohner ist der Mitbürger Georg Orth, der im 85. Lebensjahr steht, abgesehen von einer Dolksgenossin, die bereits die 90 überschritten. Kreis Wetzlar. * Kinzenbach, 2$. Juni. Auf den Schießständen unserer Landgemeinden herrscht zur Zeit an den Sonntagen ein eifriger Schießbetrieb. Neben den Pflichtübungen, die an das Auge, des alten Frontsoldaten, namentlich in den höheren Schießklassen noch manche schwere Anforderung stellen, wird auch mit großem Eifer das Schießen auf die bronzene, silberne und goldene Ehrennadel gepflegt. Auf dem hiesigen Schießstand errang am letzten Sonntag Kreisschießwart Lehrer Arrnbrecht, bei den Anschlagsarten stehend, sitzend und liegend- freihändig mit je fünf Schuß und insgesamt 153 Ringen die goldene Ehrennadel. Wirtschaft. Tagung der rhein-mainischen Getreidewirtschaft. Fwd. Frankfurt a. M., 29. Juni. Am 29. Juni fand in Frankfurt a. M. eine bedeutsame Kundgebung sämtlicher Berufsgruppen statt, die an der Getreidewirtschaft bzw. der Brotversorgung des deutschen Volkes beteiligt sind. Im Mittelpunkt der Tagung, die von dem Vorsitzenden des Getreidewirtschaftsverbandes Hessen-Nassau, ^R a a b e, eröffnet wurde, stand ein Vortrag des Vorsitzenden der Hauptvereinigung der deutschen Getreidewirtschaft, Pg. Zschirnt, Berlin, über die Gegenwartsfragen der Getreide- und Mehlversorgung, sowie über die künftig zu lösenden Aufgaben der deutschen Getreidewirtschaft. Nachdem der Vortragende auf die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen der Landesbauernschaft, dem Getreidewirtschaftsverband und den Betrieben der Getreidewirtschaft hingewiesen hatte, berichtete er zunächst über die Maßnahmen, die im Wirtschaftsjahr 1936/37 getroffen wurden, um die Brotversorgung sicherzustellen. Pg. Zschirnt erörterte dann weiter die Frage, warum man zu dem Begriff der neuen Gesamtgetreidekontingentierung bei den Erzeugern gekommen ist. An Stelle des seitherigen festen Weizen- und Roggengrundkontinents ist das gesamte Brotgetreidekontingent eingeführt worden, das dem Erzeuger eine größere Beweglichkeit im Anbau läßt. Das für jeden Betrieb festgesetzte Grundkontingent diene als Richtlinie für den künftigen Getreideanbau. In seinen weiteren Ausführungen erläuterte der Vortragende, warum die Einbeziehung des Hafers und der Gerste in das Gesamtgetreidekontingent vom neuen Wirtschaftsjahr ab notwendig war. Abschließend wies der Redner auf die Notwendigkeit einer Erzeugungssteigerung hin und betonte die Wichtigkeit einer gerechten und gleichmäßigen Versorgung der Mühlen. Nhein-Mainische Börse. IHiftagsbörfe uneinheitlich. Frankfurt a. M., 29. Juni. Die Börse hatte etwas lebhafteres Geschäft als an den Vortagen. Der Ausfall der Berliner Börse führte dem hiesigen Platz etwas größere Aufträge zu, auch der berufsmäßige Handel zeigte etwas Unternehmungslust. Da jedoch andererseits auch noch einige Glattstellungen zum bevorstehenden Halbjahresultimo erfolgten, war Die Kursentwicklung bei freundlicher Grundtendenz nicht ganz einheitlich. Die durchschnittlichen Schwankungen betrugen nach beiden Richtungen 0,50 bis MWWMMWM Roman von Walther Kloepffer Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin. 34 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Ja, also das Geschoß. Sehen Sie, mit dem ist mir ein Malheur passiert. Es ist mir auf den Fußboden gefallen, und ich finde es einfach nicht mehr. Die Pinzette war hart, die Kugel war hart, so was rutscht wie der Teufel aus", entschuldigte sich Fogg. „Das ist mir aber lehr unangenehm", brummte der Gendarm. „Jetzt soll ich das Ding einschicken, und es ist nicht da." „So was kommt mal vor, nicht? Schreiben Sie halt, wie es war. Haben Sie schon einen Anhaltspunkt, wer der Täter ist?" „Nein. Der Kerl war ein gerissener Hund. Keine Fußspuren, keine Gegenstände am Tatort, gar nichts. Da such! Es gibt eine Menge Leute, die dem Tutschek nicht grün sind." Der Gendarm zuckte die Achseln und empfahl sich. Als Fogg nach Hause kam, fragte er gewohnheitsmäßig: „Was los, Anna?" „Nein, Josi." Sie sagt wieder ,Jostt und ist wieder zutraulich! dachte er. Gottlob, daß sie sich damals diesen Tutschek aus dem Kopf geschlagen hat! Das gäbe ja ein heilloses Lamento, wo der Mensch so übel da droben liegt. „Gibt es was Neues im Ort?" „Bei den Professorsleuten soll es letzthin Krach gegeben haben, Josi. Die Frau ist jetzt verreist; wohin, weiß niemand", berichtete die Anna. Fogg war betroffen und grübelte. Es fiel ihm ein, daß Engasser ihn vorgestern nicht gegrüßt hatte. Schneiden nannte man das. Sollte Viktoria etwa seinetwegen Ungelegenheiten gehabt haben? Dieses Schellenberg wuchs sich zu einem unruhigen Ort aus. Plötzlich war ein Gepolter im Hausgang, die Tür wurde aufgerissen, und der Fenzl stürmte ins Zimmer: „Mensch, Josef, wir haben ihn!" „Wen denn? Ich kann das nicht riechen, du erlaubst schon." „Wen, fragt er? Den Graphit natürlich, das gleich zu Hilfe. Das war der Revolver, den Fogg damals in der Villa hergezeigt hatte; gar kein Zweifel. Wie kam der in den Tümpel unterhalb des Mühlhölzels? Mühlhölzel — Tutschek — Revolver — Fogg, guck mal an, wie sich da eines zum anderen fügte! Fogg! Sogar hier in Gottes freier Natur stieß man auf den verhaßten Namen. Sogar in einsamen Waldtümpeln gab dieser Bursche seine Visitenkarte ab. „Ja, lieber Herr, da werde ich Ihnen nicht helfen können! Das werde ich schon abgeben müssen!" murmelte Engasser vor sich hin, und wieder war etwas wie Freude in seinem Gesicht, aber diesmal von anderer Art. Der Professor, alles in allem ein Mann von Anstand und Charakter, aber seit Tagen ruhelos gemacht und herum- aetrieben von seiner Verbitterung, von seinen Privatsorgen, ließ das Pflänzchen Isoetes im Stich und schlug den Weg nach der Gendarmeriestation ein. „Schauen Sie mal, was ich da gefunden habe!" führte er sich bei dem Wachtmeister Häberlein ein, der gerade hinter seiner Schreibmaschine schwitzte. Und Dann erzählte Engasser, was es mit der Waffe für eine Bewandtnis hatte. Er sagte nicht, daß er Doktor Fogg für den Täter halte, bewahre; aber es genügte vollauf, daß er versicherte, den Besitzer dieses Revolvers zu kennen. Es war ja nicht einmal ausgemacht, ob der Schuß auf den Verwalter aus diesem Colt stammte. Engasser enthielt sich also jeder Art von Anklage und Verdächtigung; er betonte nur, er fände es recht eigentümlich, daß eine so schöne und gut erhaltene Waffe ins Wasser geworfen würde. Dann verließ er das Dien\ummer und ging heim. Der Gendarm Häberlein nahm den kleinen Colt noch mal zur Hand und öffnete das Magazin. Cs fehlte eine Patrone von fünfen. Hm. Eine Hülse war am Tatort nicht gefunden worden. Entweder hatte der Täter sie aufgelesen, oder Tutschek war an einem entfernteren Ort niedergeschossen worden und hatte sich an den sogenannten Tatort erst hingeschleppt. Tatort war eine Bezeichnung, die nicht unbedingt stimmen mußte. Man konnte nicht den ganzen Wald nach einer winzigen Hülse absuchen. Und dieser verdammte Regen hatte damals alle Spuren verwischt. Wachtmeister Häberlin dachte scharf nach. Er war ein noch junger Mann, nicht lange im Ort und sehr große Nest, von dem der Ingenieur immer soviel Aufhebens gemacht hat! Komm nur gleich mit!" „Ich will nur andere Schuhe anziehen. Bei euch ist neuerdings ein schandbarer Dreck." „Na, denen im Dorf werde ich's jetzt aber besorgen, diesen Leimsiedern und Angstmicheln! Denen tränke ich die Versammluna von damals ein! Denen werde ich die Nasen in den Graphit stoßen und fragen: Wer hat jetzt recht gehabt? Ihr oder der Fogg? Mensch, das ist ein hervorragender Tag, den sollte man im Kalender rot anstreichen!" triumphierte der Fenzl. „Mache es nur nicht zu arg; denn ich brauche sie noch! Das heißt, ihr Geld. Was wir bis jetzt erreicht haben, ist ja bloß ein Anfang. Aber ein schöner, das gebe ich zu." Unterhalb des Mühlhölzels gegen das Dorf Schellenberg zu lag ein Tümpel, schilfbestanden, linsenbedeckt, ein Dorado für Frösche. Auch für Naturforscher und Dichter. Professor Engasser kniete in unbequemer Stellung am Rand und schob mit einem Plantonnetz das auf dem Wasser treibende Linsengesindel und Unkraut zur Seite. Sein hager gewordenes Gesicht war voll gespannter Erwartung. Auch ein bißchen Freude spiegelte sich darauf. Er hatte da, wollte man es glauben, rein zufällig jene Pflanze tm Wasser entdeckt, jenes Brachsenkraut, von dem schon der alte Gssner schrieb, daß es in den südöstlichen Landstrichen Deutschlands vorkomme. Engasser hatte sich seit etlichen Tagen auf bas Botanisieren verlegt; da verging wenigstens die Zeit, man wurde abgelenkt und brauchte nicht diese Leere und Stummheit in der Villa über sich eroehen lassen. Der Professor legte sich jetzt der Länge nach auf den Boden und fischte mit dem entblößten rechten Arm im Wasser herum. Plötzlich gerieten seine tastenden Finger an etwas Hartes, halb aus dem Schlamm Ragendes, das er an die Oberfläche beförderte. Ein Revolver? Nanu!? Da er kein Freund solch gefährlicher Dinger war, hielt er die kleine Waffe mit spitzen Fingern von sich ab und betrachtete sie beunruhigt. Der Stahl war noch ziemlich blank, und an dem Griff war ein Messingschildchen eingelassen, in das ein F geritzt war. Sein Gedächtnis kam dem Professor so- ehrgeizig. Er jonglierte mit dem bißchen, was er von diesem Fall Tutschek wußte, wie mit Bällen, bis alles seinen Schick hatte. Dann machte er sich auf zum Verwalterhaus. Er rechnete so: Wenn man die Kugel hätte und die Kugel in den Revolver paßte, hätte man den Täter. Einleuchtend, wie? Also auf nach der Kugel! Aber der Täter war schlau und hatte die Kugel angeblich verloren. Wo kann eine „verlorene" Kugel herumlungern? In der Westentasche zum Beispiel, in einem Misthaufen, in einer Wiese, hinter einer Hecke, es gab unzählige Orte. Ebensogut konnte man eine Stecknadel in einem Heuhaufen suchen. Aber man muß es eben probieren, Karl, und man muß Dusel haben! sagte er sich. „Tag, Fräulein, kann ich mal nach dem Herrn Verwalter sehen?" begrüßte er die dralle, blonde Magd, die Tutschek pflegte. „Sie lassen mich vielleicht ein wenig allein mit dem Kranken? Sie können ganz unbesorgt sein; ich passe schon auf ihn auf. Wenn ich gehe, rufe ich Sie." Dann besah er sich den Pattenten, der flach atmend im Bett lag, die Augen geschlossen hatte und, dünnen Schweiß auf der Stirn, vor sich hin- bämmerte. Mit dem ist die nächsten Tage gar nichts zu wollen; da fließt noch viel Wasser die Jlz- hinunter, bis wir aus dem was herausbringen, dachte Häberlein. Er wendete sich ab und untersuchte den Fußboden, den Bettvorleger, die Decke über der Chaiselongue, die Ofertasche, alles, jeden Spalt und jede Falte. Hier ist nichts, lieber Karl, oder ich lasse mich hängen. Hast du etwas anderes erwartet? Er ging mißmutig ans offene Fenster und beugte sich hinaus. Drunten zog sich ein gelber Fliesenbelag rings um das kleine Haus, wahrscheinlich, um das Regenwasser abzuhalten. Vielleicht hatte man die Kugel aus dem Fenster geworfen? Unbedacht und im ersten Impuls? Ge- legenheitsverbrecher begingen zuweilen solche Torheiten. Auf jeden Fall muß ich nachsehen! dachte der gewissenhafte Mann und begab sich ins Freie. Er sing mit der Suche weit draußen an, wo nur Gras und Kies war, pirschte sich dann immer näher an die Hauswand heran, schließlich waren nur noch die Fliesen übrig — Nichts. Er streichelte an seinen Kinnstoppeln herum, überflog noch mal die ganze Gegend mit den Blicken, und dabei kam ihm ein neuer Einfall. (Fortsetzung folgt.) "“WeJ Es Der. } L'eder, ? guten Wnfpei, !°ch° i» ?«•»«. eilQuimeni ?m Sonn. 1 ?3e[l- «US öei vpiel ugenb, der Sllln. war recht rn wurde °rfes, der ZU Trabe ren nahm 1897 D r. 67 3170 mb wurde Verletzung Wen, so er Krücken , öfseMche ines hohen grünber er sten Same, m offenen entbot ihm iruppe ber Der nun« rger Teorg gesehen von berschritten. icn Schieß. >t zur Zeit rieb. Neben - des alten ren Schieß, ung stellen, Ben auf die bei gepflegt, am letzten > recht, bei nb liegenbigesamt 153 ents ist bas hrt worben, eglichkeit im i festgesetzte r ben fünf1 in WM° am die Tin- in das Ge- irtfchastsfahr ber Redner igssteigerung ^rechten und i. e. de^ 5 Ae- Tot' 1 °* । bfl^ ifee vä an- 7 notyt ir war sch^ 'n. M ka" .n9 In oer ,s* "haben! sagt« 'N ""7 .Xfl, ■ 9 A e ko" M fl°* sLr ri"9.en', hen it-d* d» 5«nl n 5Pal laße oder'A/6r erwan^ fid) t v. H. Am Montanmarkt bestand bei 0,25 bis 0,50 0. j). höheren Kursen vorwiegend Kaufneiguna, Nheinstahl notierten ex 5. 4 v. H. Dividende mit 153 (157,75), Mansfelder lagen nach Pause 1,50 o.5). niedriger mit 148,50. Elektroaktien lagen meist gut behauptet, etwas höher waren Akkumulatoren mit 230 (229) und Siemens mit 215 (214,50). Motorenaktien setzten bis 0,50 v. 5). höher ein, während Maschinenwerte im gleichen Ausmaß abbröckelten, Rheinmetall unverändert 150,50. Von chemischen Werten eröffneten IG. Farben mit 165,25 (165,50), Goldschmidt mit 148,75 (149,75), Scheide- anstatt mit 261,50 (261). Von Einzelwerten erhöhten sich Reichsbank auf 212 (211,50), AG. für Verkehr auf 125 (124), dagegen gingen Westdeutsche Kaufhof auf 59,13 (59,40) und Holzmann auf 146 (146,25) zurück, Bemberg lagen mit 137 unverändert. Am variablen Rentenmarkt hatten Altbesitzanleihe mit 125,90 bis 126 (125,75) lebhaftes Geschäft, auch Kommunale Umschuldungsanleihe wurden in größeren Beträgen mit 94 umgesetzt, ebenso Reichsbahn-Vorzugsaktien 0,25 v. H. fester mit 125,75. 4Vrproz. steuerfreie Reichsbahn-(Amnestie-)Anleihe wurden mit 102 gesucht. Außerdem zeigte sich in Auswirkung des Kupontermins weitere Nachfrage nach Goldpfandbriefen bei unveränderten Kursen. Dekosama Neubesitz wurden mit unverändert 53,75 notiert. In der zweiten Börsenstunde blieb die Tendenz weiter behauptet. Größere Kursoeränderungen traten bei ruhigerem Geschäft nicht ein. Etwas höher waren IG. Farben mit 165,50 nach 165,25, Reichsbank mit 212,50 nach 212 und Rheinmetall mit 150,75 nach 150,50. Die erst später notierten Werte zeigten ebenfalls keine einheitliche Haltung, etwas stärker als 0,50 bis 1 v. H. wichen Conti Gummi mit 188,50 (190,50), andererseits Südd. Zucker mit 208 (206,50) ab. Der Einheitsmarkt war nicht einheitlich. Nach längerer Pause wieder notiert wurden Knorr Heilbronn mit 236,50 (232). Das Rentengeschäft war im Verlaufe ebenfalls ruhiger bei voll behaupteten Kursen. Von Kassarenten zogen die meisten Liquidationspfandbriefe 0,13 bis 0,25 v. H. an, auch Stadtanleihen notierten teilweise 0,25 v. H. freundlicher. Von Industrie- Obligationen erhöhten sich 6 v. H. IG. Farben auf 134,90 (134,65), 4V2 v. H Krupp mit 99, 5 v. H. Hoesch mit 102,50, 5 v. H. Verein. Stahl mit 101,13 lagen unverändert, während 1951er Verein. Stahl auf 99 (99,25) nachgaben. Staats- und Länderanleihen zeigten kaum Veränderungen, 5 v. H. Reichsanleihe von 1927 101,70 (101,65). Im Freiverkehr wurden genannt: Adlerwerke Kleyer 114,25 bis 114,50, Wayß 6- Freytag 150, DDM. 169,50, Pokorny 145, Ufa Film 70, Rastatter Waggon schwächer mit 38 (40). — Tagesgeld war gefragt und wurde auf 3 (2,75) v. H. erhöht. Abendbörse: Ruhig und behauptet. Auch im Abendbörsenverkehr blieben die Vorgänge in Paris ahne Einfluß auf die Stimmung, mit großem Interesse verfolgt man jedoch die weitere Entwicklung. Bei nicht sehr bedeutenden Umsätzen blieb die Haltung im Grunde freundlich und die Kurse erwiesen sich größtenteils gegen den Mittagsschluß als gut behauptet. Lebhafter waren auf die Dividendenerhöhung Otavi Minen-Anteile mit 32 (31,70). Von Montanwerten etwas höher lagen Verein. Stahl mit 119,40, Mannesmann mit 122,50, Laurahütte mit 20,13, je 0,25 v. H. niedriger Rheinstahl mit 152,75 und Harpener mit 173,50. Kleine Abweichungen zeigten außerdem u. a. IG.-Farben mit 165,40 (165,50), MAN mit 133 (133,50), Reichsbank mit 212 (212,50), Gesfürel mit 149,50 (150), anderseits Deutscher Eisenhandel mit 155,90 (155,50), Moenus mit 118,25 (118,13), Eßlinger mit 117,25 (117). Der Rentenmarkt lag still, 6proz. IG.-Farben 134,90, 4,5proz. Krupp 99, 5proz. Eisenbahn- Rentenbank 100,50, 4,5proz. Wiesbaden 97,25 (97,50). Jranffu^fer Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 29. Juni. Auftrieb: Kälber 435 (gegen 1132 am letzten Dienstagsmarkt), Hämmel upb Schafe 97 (62), Schweine 4430 (5260). Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in Mark: Kälber a) 63 bis 65 (61 bis 65), b) 55 bis 59 (53 bis 59), c) 45 bis 50 (41 bis 50), d) 35 bis 40 (30 bis 40). Hämmel b2) 48 bis 51 (48 bis 51), c) 44 bis 47 (—). Schafe nicht notiert. Schweine a) 54 (54), bl) 54 (54), b2) 54 (54), c) 53 (53), d) 51 (50), e) 49 bis 50 (—). Sauen gl) 54 ,(54), g2) 52 (52). Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafe mittelmäßig. Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt. Frankfurt a. M., 29. Juni. Mit Ausnahme von Erbsen, in denen nur schwaches Angebot vorlag, blieben die Zufuhren von Gemüse ausreichend. Bei leicht schwankenden Preisen nahm das Geschäft einen befriedigenden Verlauf. Blumenkohl, 100 Stück 20 bis 60; Bohnen, 50 kg 25 bis 32, do. gelbe 30; Erbsen 16 bis 28; Gurken, 100 Stück 10 bis 45; Karotten, 50 kg 14 bis 15; Frühkartoffeln, 50 kg 7,50 bis 8,00; Kohlrabi, 100 Stück 4 bis 7; Kopfsalat, 100 Stück 6 bis 12; Pfifferlinge, 50 kg 50 bis 60; Rettich, 100 Stück 5 bis 12; Römischkohl, 50 kg 10 bis 12; frühes Rotkraut, 50 kg 16 bis 17; Spinat, 50 kg 18 bis 20; Tomaten, 50 kg 35 bis 40; Weißkraut, 50 kg 7 bis 8; Frühwirsing, 50 kg 14 bis 15; Zwiebeln mit Schlotten, 100 Bündel 5 bis 7, italienische Zwiebeln, 50 kg 8,75 bis 9,50. Am Ob st markt blieben die Zufuhren von Johannisbeeren, Himbeeren und Kirschen lebhaft, Erdbeeren und Heidelbeeren hatten schwächere Anlieferungen. Bei allgemein etwas höheren Preisen war das Geschäft aut. Erdbeeren I, 50 kg 40 bis 45, II 32 bis 38, III 28 bis 30; Heidelbeeren, 50 kg 28 bis 32; Gartenhimbeeren, 50 kg 30 bis 40; Johannisbeeren, 50 kg 16 bis 18; Kirschen, 50 kg 25 bis 38, Sauerkirschen 25 bis 30; Pfirsiche 21 bis 27 (ital.); Stachelbeeren, unreife 10 bis 14, reife 18 bis 25; Zitronen, 100 Stück 6 bis 8 Mark. Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 459: Berichtigung der Tarifordnung für das Baugewerbe im Wirtschaftsgebiet Hessen vorn 5. April 1937. — 460: Urlaubsordnung für gewerbliche Gefolgschaftsmitglieder im graphischen und im Papier verarbeitenden Gewerbe im Deutschen Reich. — 461: Ergänzung der Tarifordnung für Herstellung von Uniformen im Deutschen Reich. — 462: Der deutsche Handelsverkehr mit Britiscy- und Niederländisch - I ndi e n. — 463: Anordnung Nr. 10 der Ueberwachungsstelle „Chemie" (Regelung der Verarbeitung von Preßmassen auf Phenol- ober Kresolgrunblage). — 464: Bekanntmachung Nr. 1 zur Anordnung Nr. 10 der Ueberwachungsstelle „Chemie". — 465: Anordnung Nr. 11 ber Ueberwachungsstelle für Ebelmetalle (Ergänzung der An- orbnung Nr. 9 vom 9. April 1937). — 466: Bezahlung von Geschäftsreisen und Provisionen nach Lettland. — 467: Die niederländische Industrie im 1. Vierteljahr 1937. — 468: Frachtermäßigung für die Seeausfuhr von Holzwaren. — 469: Fernsprechverkehr mit Estland. — 470: Fernsprechverkehr mit Litauen. — 471: Der französische Gesetzentwurf: a) betr. die Gewährung von Vollmachten auf dem Gebiete des Zollwesens, b) betr. die Verschärfung der Maßnahmen zur Bekämpfung des ausländischen Dumpings, c) zum Schutze ber landwirtschaftlichen Produktion. — 472: 5. Mustermesse Sibiu (Her- mannstabt) Rumänien. — 473: Sechste Anorbnung über bie Beschränkung ber Herstellung von Starkstromkabeln und isolierten Leitungen. — 474: Anordnung Nr. 15 der Ueberwachungsstelle für Tabak, Bremen, (Verarbeitungsregelung für Kautabak). — 475: Bekannmachung der Ueberwachungsstelle für Lederwirtschaft zu § 6 der Anordnung 34 vom 7. Juli 1937. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt veschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskoni 4 v H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß» kurs Schlußk. Abend» börse Schluß» kurs Schluß! Mittag börse Schluß» kurs Schlußk. Abend- börse Schluß- kurs Schlußk. Mittagbörse Dalum 28-6- 29.6 26-6. 28.6. Datum 28.6 29.6. 26.6. 28-6. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 41/2% Deutsa;e Reichsschatzanwei- sungen von 1935 *Yt% Deutsche Reichsschatzanweisungen von 1935, H. Folge ... *7i% Deutsche Reichsschatzanwei- sungen von 1936, III. Folge .. o’/2% Doung Anleihe von 1930 .. 47i% Hessische Volksstaat von 1929 4/2% Deutsche Reichspostschatz von 1934 I...................... 101,65 98,9 99,4 99 105,25 99,75 100,75 99,4 125,75 99,5 100,75 99 97,9 133,75 99,5 98,25 100,7 101 101,7 98,9 99,4 99 105,13 99,75 100,75 99,4 126 99,5 101 99 98 97,9 133,4 99,5 98,25 100,75 101,25 110,75 125 19,25 21 125.75 212 130 113,13 118 105 Devise 101,9 98,9 99.4 99 105 99,75 100,75 99,25 126 99,5 99 98 133,65 99,5 101 124 46 19,25 20,5 125.75 211 130 113,13 118 105 nmarft 101,65 98,9 99.3 99 105,25 99,75 100.8 99,5 125,8 99 98 134 99,5 101 110.9 125 45.75 19.5 21 125.5 213 130 113 118 105 Berlin Accumulatoren-Fabrik....... 14 Aschaffenburg Zellstoff........ 6 Bemberg...................0 Bekula.....................8 Buderus Eisen............... 5 Gement Heidelberg........... 7 Cement Karlstadt............ 6 Conti Gummi.............. 12 Daimler Motoren.......... 6’/2 Dessauer Gas ............... 4 Deutsche Eroöl ..............5 Deutsche Gold- und Silber .... 9 Deutsche Linoleum.......... 10 Elektrische Lieferungen........6 Elektrische Licht und Kraft.....7 I. G. Farben-Jndustrie.......7 Felten & Guilleaume......... 6 Gesfürel.................... 7 Th. Goldschmidt............. 6 Grihner Maschinen........... u Harpener................. 3/> Hoesch Eisen............... 8/2 Philipp Holzmann........... 8 Ilse Bergbau................ 6 Ilse Genüsse................6 Kali Aschersleben............ 4 Klöckuerwerke ............. 47t Kokswerke und Chemische Fabrik 7 Lahmeyer.................. 6 Mainkraft......... 4 Mannesmann.............4 ’/t Mansfelder Bergbau......... 7 Metallgesellschaft............. 6 Orenstein & Koppel..........0 Rheinische Braunkohle....... 12 Rheinische Elektro............ 6 Rheinstahlwerke.............. 6 Rbeinisch-Westfälische Elektro .. 6 Rütgerswerke ............... 7 Salzdetfurth Kali............ 6 Schuckert L Co............... 7 Schultheis Pahenhofer........ 4 Siemens & Halske........... 9 Süddeutsche Zucker.......... 10 Bereinigte Stahlwerke......*7i Westdeutsche Kaufhof......... 0 Westeregeln Alkali............ 4 Zellstoff Waldhos............ 6 Otavi Minen............. 0,6 — Frankfurt a. M 229 140,75 137 163,5 125,5 154,75 190,5 136,9 • 155 261 164,5 136 151 165,5 135,5 148,75 149 75 124 146,25 142,5 137 123,65 99,25 122,5 152,25 234 136,5 157,75 131,5 148 158 214,5 206,5 119 o9,4 121 159 230 141,5 137 164 125,75 154,25 172 188,5 137.25 154,75 261,5 164 136 151,5 165,4 135,5 149,5 148,75 173,5 124,25 146 142,5 121 136,25 123,75 99 122,5 148,5 153 233 136,75 152,75 131,25 147,25 168,25 215 208 119,4 59,13 159,25 32 230 141 137 164,5 125,5 189.25 136,9 118,5 155 164,5 136 151 165,9 135 149 149,5 53,9 174 124 146,65 175,25 142,75 122 136,5 153,5 124 122,5 148 151,75 108.13 234 136 75 131,25 147 158.25 169,5 100,25 215,5 208 118,65 59,25 121,65 158,5 229 141,75 137,4 164,75 126,5 192 137 119,25 155 165 135,25 152,13 166,5 136,4 149,75 148,5 54,13 173,25 124,25 148 172 123,13 137,25 154,13 124 122,9 150 151,75 108,75 234 136 158,5 130,75 147,5 160 170 101 217 119.65 59,65 122,5 159,5 31,4 *7»% Deutsche Reichsbahnschatz von 1936 I.................. Reichsanlcihe-Altbesitz.......... Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten.............. *7i% Hess. Landesbk. Darmstadt Goldpse. R. 12.............. 57i% Hess. Landes-Hyp.'Banl Liqu. Goldpse. .............. 4/i% Preuß. Landespfdbr.-Anst Goldpse. R. 19............. 4i/2% Preuß. Gold-Kornm. R. 20 *7i% Darmstädter Komm.»Lan desbank R. 6 ................ Deutsche Komm.-Sammel-Anleihe Auslos.-Rechte I.............. *7i% Franks. Hyp. Goldpse. R. 15 4%% Franks. Hyp. Gold-Komin Obl. 2 3.................... 5/i% Franks. Hyp. Liquidation Goldpse..................... 61/2% Rheinische Hyp. Liquidation Steuergiitichein-Verrechnungskurs 81®. für Verkehrsweien..... 6/x Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Hamburg-Amerika Paket......0 Norddeutscher Lloyd..........0 Deutsche Reichsbahn Vorz.-Akt. 7 Reichsbanl................. 12 Berliner Handelsgesellschaft . 6)4 Commerz- und Privat-Bank ... 5 Deutsche Diskonto............ 5 Dresdner Bank..............4 110 75 124 19,25 20.75 125.5 211,5 113,13 118 105 26- flun 28. Ium 26. Ium 28 . Ium Amtliche Notierung (Meli | Brie, Amtliche Notierung Geir | Brie Amtliche Notierung (Seit | Brie Amiliche Notierung Geld | Brie > Buenos Aires............. Brüssel................... fHio de Janeiro............ Polen.................... Kopenhagen............... Danzig................... London .................. Helsingfors................ 0,756 42,14 0,165 47,10 54,96 47,10 12,31 5.445 11,135 137,22 13,09 0,760 42 22 0,167 47,20 55,08 47,20 12,34 5.455 0,756 42,12 0,165 47,10 54,94 47,10 12,305 5,44 137,18 13,03 0,760 42,20 0,167 47,20 55,04 47.20 12,335 5,45 137,46 13,11 Japan.................... Jugoslawien .............. 0,716 5,694 61,87 48,95 11,18 63,47 57,16 16,98 8,671 2,496 0,718 5,706 AI .99 0,716 5,694 Al.Rd 0,718 5,706 61,96 49,05 11,195 63,56 57,27 17,02 8,689 2,501 OSlo.................... Wien..................... Lissabon.................. Stockholm ................ Schweiz.................. Spanien.................. Prag..................... Budapest................. 19,05 1,20 53,59 57,28 7,02 48,95 11,175 63,44 57,15 16,98 Paris".................... 1 1 1,155 37,50 13,11 8,689 2,500 8,671 2,497 Italien................... Neuyork.................. O.Ji.^fpOTt Universität Gießen bei den Deutschen Hochschulmeisterschasten in Göttingen Auch in diesem Jahr beteiligte sich die Universität Gießen wieder an den Deutschen Hochschulmeisterschaften in Leichtathletik. Als Austragungsort war Göttingen gewählt worden, dessen Universität ihr 200jähriges Bestehen feiert. Schon am Mittwoch verließ eine stattliche Anzahl Gießener ihre Universitätsstadt, um sich an den Wettkämpfen der Grundausbildung (1. bis 3. Semester) zu beteiligen. Leider war die Mannschaft von großem Pech verfolgt und belegte nur den 25. Platz unter 32 Hochschulen. In diesem Semester mußte davon abgesehen werden, eine zahlenmäßig starke Mannschaft nach Göttingen zu senden. Ho fuhren denn nur zwei Mann' der Wettkampfmannschaft zu den eigentlichen Meisterschaften, die wieder ganz hervorragende Ergebnisse brachten. Im Weitsprung kam Lang auf 7,36 Meter, im Hochsprung gelang We-in- kötz eine Leistung von 1,97 Meter. Unsere Gießener Vertreter sind dieses Mal ziemlich abgefallen. Luh, immer noch gehandikapt durch seine schwere Knie- oerletzung, stieß nur 13,50 Meter und wurde damit 4. Sieger im Kugelstoßen. Pitzen war vollständig außer Form und fiel schon in den Vorkämpfen aus. Diese Meisterschaften waren zugleich als Auslese für die Akademischen Weltmeisterschaften in Paris gedacht. Jedoch werden die nun folgenden Kurse in Berlin an der Reichsakademie in Neu-Strelitz endgültige Klärung bringen. Vielleicht hat Luh dabei mehr Glück und erkämpft sich die Teilnahme an den Studenten-Weltmeisterschaften in Paris, die im übrigen das Ziel vieler Gießener Studenten fein werden. Außer Luh hat noch mancher Gießener Handballer und Fußballer Gelegenheit, sich die Anwartschaft für Paris zu erwerben. Leichtathletische Gaukämpfe in Gießen. Nach Eintritt der Spielpause im Fußball finden in Gießen zwei große leichtathletische Veranstaltungen statt. Am 18. Juli wird hier das gauoffene Sportfest verbunden mit Leistungsprüfungen der Gaumannschaft für Männer und Frauen durchge- führt und am 29. August wird der Gaukampf des Gaues Hessen gegen den Gau Mitte ausgetragen. Gerätewetttampf der Turner in Grünberg. In einer Besprechung zwischen den Vertretern des Fachamtes Turnen im Kreis Lahn-Dill, D a list e r t (Wieseck) und Reuter (Gießen) mit dem V 0 rstand des hiesigen Turnvereins wurde vereinbart, für die UnterEreife Gießen und Alsfeld am 12. September eine turnerische Veranstaltung in Grünberg abzuhalten. Während in früheren Jahren die Turner sich im Herbst auf den Bezirksfesten zu rein volkstümlichen Wettkämpfen trafen, ist diesmal ein Geräte- k a m'p f in Verbindung mit volkstümlichen Hebungen vorgesehen. In erster Linie sollen die Wettkämpfe bie jugenblichen Turner unb Turnerinnen erfassen, ba beren Beteiligung am Kreislest des Reichsbunbes für Leibesübungen in Dillenburg am 11. Juli zum Teil wegen der weiten Entfernung wohl nicht fo zahlreich ist. Erfolgreiche Gießener Gtraßenfahre» bei „Ttunb um Hanau". Das Rennen „Runb um Hanau" das über drei Runden zu 53 Kilometer führte, war äußerst schnell und wies eine sehr starke Besetzung auf. Die 8-Klasse (drei Minuten Vorgabe) wurde schon in der ersten Runde von den X-Klassen-Fahrern eingeholt. Bei dem scharfen Tempo mußten sogar Fahrer wie Müllerklein, Lindemann, Speckhardt, Roth das Feld ziehen lassen. In den Bergen stieß Dämling plötzlich vor und konnte 200 Meter Vorsprung erringen. Preiß, Gießen, der verschiedene Mal das Feld heranzuführen versuchte, wurde nicht genügend unterstützt, da die Schweinfurter stark abbremsten, um den Vorsprung ihres Vereinskameraden zu halten und so konnte Dämling seinen Vorsprung auf drei Minuten ausdehnen. In ber sieben Mann starken Verfolgergruppe entspannen sich harte Kämpfe um bie Plätze Den Spurt gewann Balling mit Rablänge vor Feurbach, Neumann, Preiß beibe Gießen (Hanbbreite zurück) unb Rehmer. Wenn man bebenft, daß die drei ersten zur deutschen Nationalmannschaft gehören, so können die beiden Gießener Fahrer mit ihrem Abschneiden vollauf zufrieden sein. In der C-Klasse konnten sich die Fahrer G e i tz und Walldorf (Germania Gießen) unb Muhl (1885 Gießen), leider nicht zur Geltung bringen. Bei den Jugendfahrern starteten Stange, E. Preiß und Eberhard (Germania). Die Strecke führte über 53 Kilometer. 46 Jugendliche waren am Start erschienen. Stange (Germania) konnte seine Form unter Beweis stellen und kam mit einer neunköpfigen Spitzengruppe ins Ziel. Er mußte sich im Endspurt hinter den erfahreneren Frankfurtern mit dem 7. Platz begnügen. E. Preiß wurde 17. (Sturz) und Eberhard 18. Bezirksjugendfest der Badsportler. Am Sonntag richtete der Bezirk Gießen des Deutschen Radfahrer-Verbandes in Wetzlar-Niedergirmes sein Jugendfest aus. Die Jugendlichen zeigten in sämtlichen Saalsportarten ein beachtliches Können. Es gab besonders in den Radball-Wettbewerben harte Kämpfe. Besonders erfolgreich waren die Jugendmannschaften der Radfahrer-Vereinigung Wetzlar, welche in vier von fünf Wettbewerben den 1. Sieg errangen. Die Ergebnisse: Sechser-Jugendreigen: 1. Sieger Radfahrer-Vereinigung Wetzlar, 192,5 P.; 2. Radklub „Teutonia" Krofdorf, 186,5 P. Einer-Jugend-Kun st fahren: 1. Sieger Willi Engel, 194,7 P.; 2. Walter Hagner (beide Wetzlar), 179,9 P. Zweier-Jugend-Kun st fahren : 1. Sieger Mutz-Kleemann, Schwalbe Aßlar, 173,4 P.; 2. Engel-Hagner, Radfahrer-Vereinigung Wetzlar, 169,5 P. Zweier-Jugend-Radball: 1. Sieger Roll-Schäfer, Radfahrer-Vereinigung Wetzlar, 6P.; 2. Schnabel-Oßwald, „RV. 1900" Wieseck, 4 P.; 3. Bork-Bender, „Teutonia" Krofdorf, 2 P.; 4. Mutz-Kleemann, Schwalbe Aßlar, 0 P. Vier weitere Mannschaften sind in den Vorwettbewerben ausgeschieden. Zweier-Jugend-Radball (Anfänger): 1. Sieger W. Hagner-H. Hofmann, RVg. Wetzlar, 6 P.; 2. Müller-Köhl, RV. 1900 Wieseck, 4 P.; 3. Schatz-Hutte, Schwalbe Aßlar, 2 P.; 4. Schmidt- W. Nolte, RVg. Wetzlar, 0 P. Neuyorker Boxkommission bekennt Farbe. Nichts ist in der Lage, trefflicher zu beweisen, daß der amerikanische Boxsport durch den Kampfabschluß um die Schwergewichtsweltmeisterschaft zwischen Max Schmeling und Tommy Farr einen schweren Schlag erhalten hat, als die Erklärung, zu der sich jetzt die Athletikkommission des Staates Neuyork bemüßigt fühlt. Der Vorsitzende der Kommission, Phelan, gab bekannt, daß Joe Louis als Weltmeister anerkannt werden müsse, jedoch eine Kampferlaubnis für den neuen „Weltmeister" in Neuyork Merzerisieren 803 Metallseife Hier abschneiden! Merzerisieren, Behandlung von Baumwolle mit kalter Natronlauge, wodurch sie einläuft, aber einen seidigen Glanz erhält. Verliert sich ber Glanz mit der Zeit beim Waschen, so kann er burch käufliches Merzerisin wieder aufgefrischt werden. Messen, s. Maße, Fiebermesien. Messer sind je nach oem Verwendungszweck zu wählen. In der Küche leistet bas kleine Küchenmesser die besten Dienste, während man zum Brok-ober Schinkenschneiden eines langen Messers bedarf. Als zweckmäßig haben sich dabei sägeförmtge Messer erwiesen, mit denen sich auch Tomaten leicht schneiden lassen, Messer aus rostfreiem. Stahl sino sehr praktisch, verchromte Messer müßen nach dem Schleifen neu verchromt werden Man reinigt alle Messer, auch Tischmesier in warmem, nicht heißem Wasier. entfernt Flecke mit Putzpulver unb einem Korken und poliert sie auf einem gespannten Stück Leber Rost läßt sich mit Asche unb Petroleum abreiben. Zwie belaeruch durch Abreiben mit Salz entfernen. Messerklingen befestigt man wieder im Griff mit einer Mischung non 2 :1 Kolophonium und Schlemmkreide oder Siegellack- pulver. In die Füllmasse treibt man den erhitzten Messerstil hinein. Messerschärfer findet die Hausfrau am unglasierten unteren Rand jeden Tellers oder Steintopfes. Zweckmäßiger sind Wetzsteine. Im Handel gibt es außerdem verschiedene Arten von Messerschärfern. Mesierspitze voll, ein Maß für Pulver, ist ungefähr drei bis vier Gramm. Messing, Legierung aus Kupfer und Zink, je nach der verwendeten Kupfermenge als Rotguß oder Gelbguß bezeichnet, wird zu Geschirr, Beschlägen usw. verarbeitet. Messing putzt man zweckmäßig mit einem flüssigen Metallputzmittel. Grünspan läßt sich mit starkem Essig entfernen Messivgkäfer, kleines, goldgelbes Ungeziefer, bas auch Meichmetalle angreift, besonders aber Stoffe und Federn Die Larve lebt in Getreide, Grieß und Haferflocken. Bei stärkerem Vorhandensein des Käfers läßt man die Räume durch einen Kammerjäger vergasen. Met, alkoholischer Honigwein, der durch Vergärung von gewürztem Honig gewonnen wird Metalle, griech., chemische Elemente. Edle Metalle Gold. Pla, tin, Silber und Quecksilber behalten im Feuer ihren Glanz, unedle Metalle oxydieren Mischungen von Metallen, wie Messing aus Kupfer und Zink, nennt man Legierungen Metalle langen nicht an. wenn man sie mit in Spiritus gelöstem Kolodium überzieht oder mit einem fertigen Lacküberzug. Metallseife, mit Schlemmkreide und anderen Putzmitteln versetzte Seife, die zum Reinigen von Metallen dient. Wie schärft man Messer? Am besten natürlich mit einem Messerschärfer. Dann bleibt die Messerschneide glatt und wird nicht schartig. Bei Häuser sehen Sie viele schöne Messerschärfer Sie sind sehr praktisch in der Handhabung. Das Scharfen der Messer geht sehr schnell. 3- D. Häuser, Gießen, am Oswaldsgarten, Fernsprecher 2145/2146. nur in Frage komme, wenn er bereit sei, seinen „Titel" gegen Max Schmeling zu verteidigen. Ihr wahres Gesicht enthüllt aber die geschäftstüchtige Boxkommission mit der Folgerung, daß sich die Lage natürlich ändere, falls Schmeling nicht gegen Louis anzutreten beabsichtige. Für Europa und die sportlich denkende Welt dürfte der amerikanische Weltmeisterschaftsrummel wohl endgültig überwunden sein. Die Begegnung Schmeling—Farr wird den richtigen Weltmeister ergeben und Amerika beweisen, daß Sport und Geschäft streng auseinanderzuhalten sind. Beachtliche Erfolge der ASKK.-Motorgruppe Hessen. NSG. Von der neunten Dreitage-Mittelgebirgs- fahrt kehrte auch die NSKK.-Motorgruppe Hessen siegreich zurück. Gruppenführer Prinz Richard von Hessen mit dem Beifahrer Truppfuhrer Kißling errang die Silberne Medaille. Allerdings ging es dabei nicht ohne Zwischenfälle ab. So'hatte der Gruppenführer Reifen- und Getriebeschaden, der jedoch wieder behoben werden konnte. Von den drei als Motorgruppe gestarteten Fahrern Scheel, Bingemer und Weber mußte letz- ■AW, M- terer wegen einem Unfall ausscheiden. Die beiden anderen fuhren als Einzelfahrer weiter und konnten sich ebenfalls' die „Silberne" holen, so daß die Motorgruppe Hessen insgesamt drei Silberne Medaillen als Erfolg buchen kann. Die diesjährige Dreitage-Mittelgebirgsfahrt wird allgemein als die schwerste bisher durchgeführte Geländeprüfung bezeichnet. Sie ist mit den Gauveranstaltungen der Motorgruppe Hessen dieser Art nicht zu vergleichen. 30-Stunden-Segelflug über Sylt. Aus der Reichs-Segelflugschule Sylt des Korpsführers des NSFK. werden zwei neue bemerkenswerte Dauerflug-Leistungen gemeldet. Hauptmann Guttsche und der frühere bekannte Motor- und Sportflieger Major D i n o r t versuchten die kürzlich über Sylt aufgestellte Weltbestleistung von vierzig Stunden 55 Minuten des Segelfliegers Jachmann zu überbieten, landeten aber beide schon nach Flügen von 30^ Stunden. Dinort hatte wenige Tage zuvor bereits einen Dauerflug von 31 Stunden durchgeführt, der nur wegen Nachlassens des Windes zu diesem Zeitpunkt abgebrochen werden mußte. ‘ •j :> Mw- Links: Deutschlands Spitzenspieler von Gramm konnte bei den Internationalen Tenniswettkämpfen um die englische Meisterschaft in Wimbledon durch den Sieg über den Australier C r a w f o r d unter die letzten Vier ausrücken. Unser Spielmoment zeigt einen meisterhaften Schlag von Gramms im Kampf gegen Grawford. — Rechts: Henkel wurde durch Amerikas jungen Davis-Pokal-Spieler Parker, den unser Bild zeigt, in fünf Sätzen geschlagen. Fußball: Deutschland- Finnland 2:0. Im ersten Ausscheidungskampf zur Fußball-Weltmeisterschaft hatte Deutschland am Dienstag in Helsinki Finnland zum Gegner Die starke deutsche Vertretung fand unerwartet großen Widerstand vor und siegte dank ihrer technischen Ueberlegenheit und der überragenden Leistung von Janes und der gesamten Läuferreihe schließlich doch mit 2:0 (1:0). Die siebte Begegnung mit den Finnen brachte uns also einen weiteren Erfolg, fünf Spiele wurden von Deutschland gewonnen, ein Kampf endete unentschieden, während das erste Spiel, 1921 in Helsinki, für uns verloren ging. Lehner (6. Minute vor der Pause) und Urban (14. Minute nach dem Wechsel) waren unsere Torschützen am Dienstag im ersten Ausscheidungsspiel unserer Mannschaft zur Weltmeisterschaft. Helsinki stand schon seit Tagen im Zeichen des Länderkampfes, und nahezu 10 000 Zuschauer erlebten einen großen Kampf, in dem vor allem die Finnen über sich selbst hinauswuchsen Im Hintergrund sah man das neue Stadion, das 1944 der Schauplatz der Olympischen Spiele fein soll. Zahlreiche Ehrengäste hatten sich zu diesem Spiel eingefunden. Deutschland' Jakob: Janes, Münzenberg; Kupfer, Goldbrunner, Kitzinger; Lehner, Gellesch, Sisfling, Szepan, Urban. Finnland: Halme, Lindbaeck, Korjagin; Kilpi, Oksanen, Lathi; Lintamo, Grönland, Larva, Weck- ström, Taipalo. Die Finnen körperlich überlegen.» Deutschland hatte die gleiche Mannschaft aufgestellt, die im Mai in Breslau die Dänen mit 8:0 geschlagen hatte. Bei der großen und unerwarteten Kampfkraft der Finnen war auch die beste deutsche Elf erforderlich, um das erste *Ausscheidungsspiel zur Weltmeisterschaft zu einem für uns erfolgreichen Ende zu führen. Technisch war unsere Ueberlegenheit unverkennbar, abci* die gesamte Deckung der Finnen war hervorragend. Entscheidend für den deutschen Sieg war die erstklassige Arbeit von Janes in der Verteidigung sowie das gute Spiel der gesamten Läuferreihe. Trotz Ueberlegenheit nur zwei Tore. Deutschland eröffnete den Kampf gegen die Sonne und war sofort überlegen. Das Spiel verriet Linie, und in der 6. Minute fiel bereits der deutsche Führungstreffer. Eine Vorlage von Siffling nahm der Augsburger Lehner auf und sandte unhaltbar ins Netz. Dieser schnelle deutsche Erfolg entmutigte die Finnen aber keineswegs. Der Rechtsaußen Taipalo schaffte immer wieder gefährliche Situationen vor dem deutschen Tor, doch brauchte Jakob nicht allzu oft einzugreifen, da die deutschen Abwehrspieler den langen Regensburger stark entlasteten. Beinahe wären die Finnen kurz vor der Pause noch zum Ausgleich gekommen, aber Janes konnte noch soeben den Ball auf der Torlinie stoppen. Die gute Abwehrarbetzt auf beiden Seiten ließ weitere Erfolge nicht zu. Auch in der zweiten Halbzeit beherrschten die deutschen Spieler das Feld, zumal unser Spiel die Finnen sichtlich ermüdet hatte. In der 14. Minute erhöhte Deutschland auf 2:0. Wieder gab Siffling eine schöne Vorlage, diesmal nach links heraus zu Urda n, der aus 15 Meter Entfernung mit Bombenschuß einsandte. Wenig später fiel durch Siffling ein dritter Treffer, dem jedoch die Anerkennung wegen eines voraufgegangenen Regelverstoßes versagt blieb. Alle weiteren Bemühungen der deutschen Stürmer, die Trefferspanne zu erhöhen, scheiterten an der guten Abwehrarbeit der Finnen, die anderseits aber auch die deutsche Hintermannschaft nicht überwinden konnten. Heimische Leichlachlelik-Zugend erfolgreich. Beim Dier-Gauekampf der Jugend in Düsseldorf. Der Gau Niederrhein hatte am vergangenen Sonntag die besten Jugendlichen aus den Gauen Hessen, Württemberg und Westfalen zu einem Gaujugendkampf in der Leichtathletik eingeladen. Leider konnte der Gau Westfalen zu diesem Kampf nicht antreten, so daß am Sonntagmittag nur die Mannschaften der Gaue Hessen, Württemberg und Niederrhein im Düsseldorfer Rheinstadion einmarschierten. In der hessischen Mannschaft durften aus dem Kreis Gießen die Jugendlichen: Schleenbecker vom To. Ruttershausen, Rinn vom Tv. Heuchelheim, G e m m e r vom VfB.-R. Gießen, Goß, Deibel und Bender von der SpVgg. 1900 kämpfen. Schleenbecker startete im Hochsprung der Jugendklasse A und konnte hier den zweiten Platz mit 1,70 Meter erringen. — Rinn war für den Weitsprung in Jugendklasse B ausgestellt und wurde mit der guten Leistung von 6,20 Meter ebenfalls zweiter Sieger. — Gemmer lief zusammen mit Deibel die 800 Meter in der Klasse B. Leider konnten sie einen Platz infolge der schweren Konkurrenz nicht belegen. Man darf aber trotzdem mit den gelaufenen Zeiten zufrieden sein; den 2:11,6 Min. (Gemmer) und 2:12 Min. (Deibel) bedeutet für Jugendliche in Klasse B eine sehr gute Leistung. Wenn berücksichtigt wird, daß beide diese Zeiten vorher noch nicht gelaufen sind, so gewinnt ihre Leistung um so höhere Bedeutung. — Bender, der in der Klasse A .die 400 Meter lief, zeigte das, was wir nach feinen seitherigen Leistungen von ihm erwarten durften. Er lief 56,1 Sek., konnte aber mit dieser Leistung einen Platz nicht belegen. — Goß war für 100 Meter und Kugelstoßen in Klasse A aufgestellt, lieber 100 Meter erzielte er die seither beste von ihm gelaufene Zeit von 11,4 Sek und wurde mit dieser guten Leistung dritter Sieger. Im Kugelstoßen konnte er sich leider nicht erfolgreich durchsetzen. Er wurde mit 14,08 Meter Vierter. Bei der Beurteilung dieser Leistungen muß insbesondere berücksichtigt werden, daß diese Jugendlichen mit einer solch schweren Ausgabe zum ersten Male betraut wurden. Es ist em gewaltiger Unterschied, ob ein Kampf im Heimatgebiet oder in einem ganz fremden Gau zum Austrag kommt Die Eindrücke der Großstadt, von der einzelne vorher kaum etwas gesehen hatten, die herrliche große Kampfbahn im Rheinstadion, die vielen Zuschauer und die großen Gegner wirkten nervenaufreibend und nahmen ihnen z. T. die Flüssigkeit im Lauf, im Sprung ober im Wurf. Alle werden sie aber aus diesem großen Kampf viel mit nach Hause gebracht haben und für zukünftige Kämpfe an Erfahrungen reicher geworden sein. Die Ereignisse von Wimbledon. Von Eramm/Henkel trafen im weiteren Verlauf der all-englischen Tennis-Meisterschaften in Wimbledon auf die Südafrikaner Farquharson/ Kirby, die nach spannendem und heißem Kampf mit 6:3, 0:6, 2:6, 7:5, 6:4 geschlagen wurden. In Frauendoppel bestreiten Alice Marble — Jadwiga Jedrze- jowska und Simone Mathieu — Dorothy Round die Vorschlußrunde, nachdem Hilde Sperling, Peggy Scriven, Anita Lizana und die Dorjahrssiegerin Helen Jacobs ausgeschaltet wurden. Jtattbfunfproqramni. Donnerstag, 1. Juli. 6 Uhr: Ehoral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert; in der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 9.30: Nachrichten. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.45: Deutsche Schotte. 12: Mittaasmusik vom Deutschen Eck. 13: Nachrichten, anschließend auch aus dem Sendebezirk; Offene Stellen. 13.15: Mittagskonzert vom Deutschen Eck. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei von Zwei bis Drei. 15: Für unsere Kinder. 15.30: Volk und Wirtschaft. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Ehorkonzert. Werbesingen zum Deutschen Sängerfest in Breslau. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Stimmen, die uns begeistern. 20: „Von klugen Schaffnern und ungeduldigen Fahrgästen", Heiteres zur Reisezeit. 21: Nachrichten. 21.15 Fröhlicher Mozart. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.30: Volks- und Unterhaltungsmusik. 24 bis 1: Nachtmusik Ueder Naturschutz und Naturkunde den allgemeinverständlichen Büchern des Hugo Bermühler Verlages, Berlin-Lichterfelde. Bitte verlangen Sie noch heute von Ihrem Gießener Buchhändler bas ausführliche bebilberte Werbeblatt „Freunbe ber Natur sinb Freunde guter Bücher". Das Haus für modische Damen- und Backfischkleidung Modewaren und Kleiderstoffe Metallstickerek 304 .. Mietvertrag Metallstickerei, bas Aufnähen von Gold- und Silberplättchen, auch Schnüren auf Stoffe, ebenso von Flitter. Man beachte aber, baß man nur gutes Material benutzt, da es sonst schwarz unb glanzlos wird. Meteore, Sternschnuppen, Trümmer von Himmelskörpern, die sich burch Reibung ber irdischen Lust erhitzen, verbrennen und zei iplittern. Meteorschwärme treten regelmäßig etwa am 10.8. unb 14. 11. auf. Sog. „Sauren* liustränen". Meter, einheitliches Längenmaß, emgeteilt in 100 Zentimeter und 1000 Millimeter. Metrisches System — Zahlensystem mit ber Grundzahl 10 bei Längen-, Fläch n- und Gewichtsmaßen. Methode, griech., planmäßiges Vorgehen und Vorsühren im Unterricht und bei wissenschaftlichen Forschungen. Methylalkohol, Holzalkohol, Fusel, ist sehr giftig, dient zum Vergällen des Alkohols. Ruit Sehstörungen hervor, sogar Erblindungen, dann Lähmungen, Erbrechen, Leibschmerzen. Bei Vergiftungen: Erbrechen erzeugen, Magenfpülen, Abführmittel, Kaffee. Arzt rufen. Metronom, griech., Vorrichtung, die mit einem verstellbaren Pendel das Tempo eines Musik- stückes angibt. Mettwurst, Wurst aus Mett, d. h. schierem Fleisch ohne Fett. Im Gegensatz zur Bedeutung des Wortes sind Mettwürste meist be'onders rett. Meute, Rudel gleichraffiger, zur Jagd angefetzter Hunde. MEZ., Abkürzung für Mitteleuropäische Zeit, die Einheitszeit, die in Deutschland gilt, so daß unabhängig vom örtlichen Sonnenstand überall gleichzeitig 12 Uhr (Mittag) ist. Michel, männl. Vorname germ. Herkunft, bedeutet „der Große". Mieder, ärmelloses Frauenleib- chen, das bei Trachtenkleidern über dem Rock getragen wird, heute auch vielfach Bezeichnung für Korsett. Miedergurtband, wird im Rock oben eingenäht, um ihm einen festeren Halt zu geben. Miesmuschel, nahrhafte und wohlschmeckende Psahlmmchel mit schwarzer Schale. Miesmuscheln, deren Schalen geöffnet sind, dürfen nicht verwendet werden. Vor dem Kochen werden die Miesmuscheln gut abgewaschen und gebürstet, dann in kochendes Salzwasser gelegt, in dem eine ganze Zwiebel mit* kocht. Die Muscheln sind gar, o- bald sie sich öffnen. Wird -'m silberner Löffel, den man gleichfalls mittocht, schwarz, io sind die Miesmuscheln verdorben. Miesmuschelvergiftung entsteht durch den Genuß von Miesmuscheln, die durch Bakterien zersetzt find. Vergleiche Haff- krankheit. Mietvertrag, wird meist nach dem Dom Hausbesitzerverband herausgegebenen Formblatt geschlossen. (Formular in Schreibwarenhandlung ertiältl.) Schrift- Xdtenheima* __ DAS FÜHRENDE FACHGESCHÄFT IN GLAS-und^OR^ELLANWAREN M W G I E//E rxi * R E 2. P LX V ;"* JOSIE IF UNVERZAGT Gießen, Kreuzplatz Nr. 13 zeigt Ihnen unverbindlich die letzten Mode-Neuheiten hochsommerlicher Artikel in Leinen, Seide und Organdy ms a y Bekanntmachung. Betr.: Polizeiverordnung über das öffentliche Krast- drofchkenwesen in der Stadt Gießen vom 24. April 1931; hier: Aenderung bzw. Ergänzung des Tarifs. Der Tarif für die Kraftdroschken in der Stadt Gießen vom 24. April 1931 wird wie folgt geändert bzw. ergänzt: Taxe III bis 300 m 0,70 RM., je weitere 150 m 0,10 RM. Diese Tarife sind nach folgender Tabelle zu benutzen: Personen- TageS- Bezirk: zahl: zeit: a) Jnnenbezirk....... 1—2 I 3 II d) Außenbezirk....... 1—2 3 c) Außerhalb hin und zurück............ 1—2 3 di Außerhalb nur hin.. 1—2 3 III lu.lZ II u. 1 Z III u. 1Z I lu. 1Z lu. 2Z III III u. 1 Z III u.2Z Nachtzeit: lu. 1Z II u. 1 Z III u. 1 Z 1 u. 2 Z 11 u. 2 Z III u.2Z lu. 1Z lu. 2Z lu. 3Z III u. 1 Z III u. 2 Z III u. 3 Z Ziffer 4 erhält folgende Fassung: Maßgebend dafür, ob der Taris für den Jnnenbezirk, für den Außenbezirk oder für außerhalb angewendet wird, ist die Oertlichkeit, wo die Fahrt endet. Ziffer 10: Der letzte Satz wird gestrichen. An dessen Stelle wird folgender Satz eingefügt: Die Anfahrt darf auch zu einem billigeren Preise berechnet werden. Gießen, den 23. Juni 1937. Der Polizeidirektor I. V.: Koch. 4407 D 37/36 Zwangsversteigerung. Am Montag, dem 19. Juli 1937, vorm. 9.30 Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude in Gießen, Zimmer 204, das durch rechtskräftigen Zuschlagsbeschluß vom 11.5. 1936 dem Josef Käst in Frankfurt a. M., Auf der Platte 4, zugeschlagene Grundstück versteigert: Grundbuch für Gießen, Band 3, Blatt 149: Flur I, Nr. 1291, Hofreite in der Zozelsgasse (Dammstraße Nr. 29), 216 qm Betrag der Schätzung........... 15300,- RM. Einheitswert (1. 1. 1935)........ 16700,- RM. In dem Anwesen wird eine Gastwirtschaft betrieben. Gießen, den 14. Juni 1937. 4404V Im Auftrag des Amtsgerichts Gießen: Karle, Ortsgerichtsvorsteher. Kohlen KokS 1541D Briketts Holz, Torf Dungkalk Gartenkies H. Glatthaar $ Sohn Frankfurt. Str 19 Mühlstraße 18 Tel. 8144 3145 K l eine Anzeigen 'M (Siebener Anzeige! werden von Tauienden beachte» und geleieo Stadtbekannt sind die Leistungen, die ich Ihnen biete in Qualität und Preise ________________________________________141.1 A Möbel Giessen-Schulstr. 6