nr.US Erste? Blatt 187. Jahrgang Dienstag, 29. Juni 1957 Lrjcherm rügltch. autza Sonntage and Feiertags Verlagen: Vie Illustriert» Dtetzener Familienblätte» Heimat im Bild Die Scholl, NonalS'vezugsprets: Mt> - ‘Beilagen NM. 1.96 01)>1« Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr . e .25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt §ernspr?chanschlijffe unter Sammelnummer 225) Anschrtfl für Drahtnach» richten Anzeiger Gießen poftschecttonto: gtantfurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: vrühl'sche Unwerfttatz-Vuch- und Steindruckerei R. Lauge io Gießen. Zchristlettung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7 Annahme von Anzeige» für die Mittagsnummer bis 8'/.UHr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Npf..Platzvorschrift nach vorh. tBeretnbg.25°/0 mehr. 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T a g u n g d er Internationalen Handelskammer teilzunehmen, so geschieht das aus dem übereinstimmenden Empfinden, daß es mit der internationalen Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet hapert und daß ein in der Hauptsache gleichgestimmtes Sachverständigengremium sich bis zu einem gewissen Grade bei den Regierungen Gehör verschaffen kann. Es wird wie auf den früheren Mitgliederversammlungen der Kammer am letzten Tage eine Reihe von Entschließungen geben, die von den nationalen Gruppen der rund 40 vertretenen Länder ihren Regierungen zugeleitet werden. Eine Woche lang wird die Presse aller weltwirtschaftlich interessierten Staaten die Fragen erörtern, deren Lösung in den Friedensverträgen nicht 'ehrlich versucht worden ist, und mit denen sich jetzt die neunte internationale Kammertagung auseinandersetzt. Die Kammer ist von einem Franzosen ins Leben gerufen worden und hat ihren Sitz in Paris. Sie macht mit ihren alle zwei Jahre abgehaltenen Tagungen in den Hauptstädten der Erde die Runde. Deutschland nimmt an den Zweijahresoersammlungen seit nunmehr zehn Jahren teil. Die Tagung zu Stockholm im Jahre 1927 hatte wegen des Neuauftretens von Deutschland, aber auch deswegen besondere Bedeutung, weil unmittelbar vorher, — im Mai 1927 — im Rahmen des Völkerbundes zu Genf eine Weltwirtschaftskonferenz abgehalten worden war. Von dieser Konferenz waren „Empfehlungen" an die vertretenen Regierungen gerichtet worden. Die Aussicht, daß aus diesen Empfehlungen Taten werden würden, nahm in der Stockholmer Aussprache einen breiten Raum ein. Die beiden folgenden Zweijahreszusammenkünfte der Internationalen Handelskammer, die zu Amsterdam im Jahre 1929 und die zu Washington im Jahre 1931 waren im wesentlichen Begleitmusik zum Konjunkturumschwung, der sich zwischen diesen beiden Jahren vollzog. Die Wiener Kammer-Konferenz vom Jahre 1933 fiel in die Zeit der sich verschärfenden deutsch- österreichischenSpannung. Ungleich bedeutsamer war damals jedoch die Tatsache, daß die Wiener Tagung allgemein als Vorkonferenz zum Londoner Weltwirtschaftskongreß von Juni/Juli 1933 angesehen wurde. Die Leitung der Kammer verlies sogar ihre Tradition und verlegte die Togung, die herkömmlich um die Wende Juni/Juli abgehalten wird, auf die Wende Mai/Juni. Die bereits in Wien gehegte Besorgnis, die Abwertung des Dollars durch die Washingtoner Regierung werde die Londoner Verhandlungen zur Ergebnislosigkeit verurteilen, erfüllte sich. Die letzte Tagung vor Berlm, die Pariser Kammer-Tagung vom Jahre 1935, behandelte besonders ausführlich die Frage der Reife der Welt für einen neuen internationalen Wirtschaftskongrest und der für eine aussichtsreife Initiative in Betracht kommenden Personen. Es war wie eine Demonstration gegen politische Quertreibereien, daß auf der Pariser Tagung wenige Monate nach der gegen Deutschland wegen der Wiederherstellung der Wehrhoheit eingeleiteten Hetze die Reichshauptstadt Berlin zum nächsten Tagungsort der Kammer-Konferenz gewählt wurde. Es ist unvermeidlich, daß die Tagesordnung für eine so große internationale Konferenz bereits innrere Monate vor der Eröffnung festgesetzt wird. So erklärt es sich, daß das Thema der ersten Vollversammlung, nämlich die Rohstoff frage, als „Rohstoffmangel und Rohstoffuberfluß erscheint. Die Verknappung wichtiger Rohstoffe trat erst in den letzten Monaten des vergangenen Jahres in voller Schärfe zutage. Heute wird niemand mehr den billigen Trost spenden wollen daß die- rohsto.s- armen Länder „ebenso gut auf dem freien Markt kaufen, wie aus eigenen Quellen schöpfen können. In der Verteuerung der Rohstoffe, die bis- mi den März hinein dauerte, ist in letzter Zeit.em Stillstand eingetreten. Es ist aber nicht zuviel gesagt, wenn erklärt wird, eine ausreichende und gesicherte Rohstoffversorgung wesentlich aus eigenen Quellen sei unter den bestehenden Verhaltnisten eine un- erläßliche Vorbedingung für das . glatte Funktio. Nieren der Außenwirtschaft. Der f^ lD^foPrpfbr ter der Reichswirtschaftskammer, Staatssekretär i K. Dr. Trendelenburg, der einige Jahre lang Untergeneralsekretär im Völkerbund gewesen / wird zu diesem wichtigen Punkt der Tagesordnung Deutschlands Auffassungen vertreten. Weitere Punkte der Plenarversammlungen auf der Berliner Kammer-Tagung werden die ,,^organisierte Wirtschaft", „Internationaler Wahrungs- .ausgleich" und „Wirtschaftlicher Natwnal.smus lein' Beim ersten dieser drei Themata wird /man sich auf Kartell- und Absatzförderungsfragen beschranken. Zur W ä h r u n g s f r a g e, die bereits auf den beiden letzten Kammer-Tagungen, der zu TOiL imh ber -m Waris, besonderes Interesse ge- fund^en"hatte, wird für Deutschland der Leiter der Reichsgruppe Banken, Dr. Otto Christian Fischer, Um die Vollmachten für Chautemps. Sie französischen Börsen geschlossen und Zahlungsmoratorium angeordnet. Oie Verteidigung des Franken. Paris, 29. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Regierung Chantemps hat noch in der Nacht vor Abgabe einer Regierungserklärung Beschlüsse gefaßt, die von größter Tragweite sind. Nachdem im Kabinettsrat beschlossen worden war, das von der Regierung Blum eingebrachte und vom Senat abgelehnte Ermächtigungsgesetz in erweiterter und wesentlich verschärfter Form wieder aufzunehmen, hat die Regierung, um einer Frankenspekulation während der Aussprache über dieses Gesetz vorzubeugen, beschlossen, die Wertpapier- und Effektenbörsen vom heutigen Dienstag ab bis auf weiteres z u schließen. Die Zahlung der vom Dienstag ab in Gold ober Devisen fälligen Handelsschulden kann auf Forderung des Schuldners hin eingestellt werden. Der Zeitpunkt, an dem die Zahlung gefordert werden kann, wird vom Finanzminister bekanntgegeben. Wechsel und Tratten können während des Zahlungsmoratoriums nicht zu Protest gehen. Der Zinsfuß wird für die Dauer der Zahlungseinstellung der gleiche fein, wie der Diskontsatz der Bank von Frankreich. Obgleich über die Pläne der Regierung im einzelnen Erklärungen noch nicht vorliegen, betont man in gut unterrichteten Kreisen, daß eine E r - Höhung sowohl der direkten als auch der indirekten Steuern beabsichtigt ist. Diese Erhöhung soll wesentlich über die vom Kabinett Blum vorgesehene Grenze hinausgehen. Auf der anderen Seite soll jede neue Belastuna des Haushaltes vermieden werden. Auch die Rentenversorgung für alte Arbeiter, eine Hauptforderung der Kommunisten, die das Kabinett Blum für die allernächste Zukunst versprochen hatte, sei jetzt zurückgestellt worden. Die Regierung stehe grundsätzlich einer neuen Frankenabwertung ablehnend gegenüber, aber man würde auch zu dieser äußersten Maßnahme greifen, wenn die Frankenspekulation nicht aufhöre und wenn die zunächst ins Auge gefaßten Methoden keine wesentliche Erleichterung brächten. Das „Echo de Paris" will wissen, es bestehe die Absicht, die im Währungsabkommen vom 1. Oktober festgelegten Grenzen herabzusetzen. Man wolle zum Währungsgesetz Poincares zurückkehren, d. h. den Franken im Vergleich zum Pfund auf 125 Franken und im Vergleich zum Dollar auf 25 Franken stabilisieren. Die sehr eingreifenden Maßnahmen der neuen Regierung stoßen schon jetzt auf nicht zu unterschätzende Schwierigkeiten. Bezeichnenderweise machen sich die ersten Widerstände indenReihenderVolks- frontparteien selbst geltend. Die sozialdemokratischen Minister haben sich nur vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Fraktion mit diesen Vorschlägen einverstanden erklärt. Chantemps soll jedoch entschlossen sein, bis zum äußersten zu gehen und den Bestand seines Kabinetts von der Annahme der Gesetzesvorlage abhängig zu machen. Um sich ausschließlich der Wiedergesundung der Finanzlage widmen zu können, und nicht ständig vom Parlament in Anspruch genommen zu werden, hat der Ministerpräsident die Absicht, Kammer und Senat unmittelbar nach der Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes in die Ferien zu schicken. DerReichsknegsminister in Budapest. Budapest, 28. Juni. (DNB.) Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg ist in Budapest eingetroffen auf Einladung des ungarischen Honvedministers General der Infanterie Röder, der im April d. I. dem Generalfeldmarschall in Berlin einen Besuch abgestattet hatte. In Begleitung des Generalfeldmarschalls befinden sich feine Tochter Dorothea von Blomberg, Major von der Decken, Oberleutnant Böhm-Tet- t e n b e r ch sowie der Berliner ungarische Militärattache Oberstleutnant Hardy. Zur Begrüßung des Reichskriegsministers hatten sich auf dem Flugplatz u. a. General Röder und Gemahlin, General der Kavallerie von Nagy, der italienische Gesandte Graf Vinci, der deutsche Gesandte von Erdman n s d o r f, der deutsche Militärattache, General F r i b e r i c i, der deutsche Luftattache Oberst Schultheiß und der Landeskreisleiter der NSDAP. Graeb eingefunden. In den Abendstunden veranstaltete der Außenminister von Kanya zu Ehren des deutschen Gastes ein Staatsessen, an dem die Regierung, die Generalität und die Spitzen der Behörden teilnahmen. Die Presse hebt die innere Verbundenheit der deutschen und der ungarischen Wehrmacht hervor. Das Regierungsblatt „Esti Ujsag" nennt den Generalfeldmarschall den „Kriegsminister des Friedens". Im Namen der Frontkameradschaft, der Freundschaft und des Friedens begrüße die ungarische Nation den deutschen Gast. Der dem Außenminister nahestehende Pester Lloyd schreibt, Blomberg sei der Vertreter des deutschen Heeres, das die Fesseln von Versailles ab st reifte, die Freiheit und die Unabhängigkeit des deutschen Volkes wiederherstellte. Dieser 'Aufstieg der deutschen Macht sei einer der wichtigsten Faktoren der neuesten europäischen Geschichte, und Ungarn hoffe, daß der erstarkende politische Einfluß Deutschlands in den europäischen Angelegenheiten auch dem befreundeten Ungarn zugute kommen werde. Der Besuch Blombergs beim ungarischen Hon- Debminifter gibt Anlaß, einige Worte der ungarischen Lanbwehr (Honved) zu wibmen. Natürlich hanbelt es sich nicht um eine Lanbwehr im Sinne bes altpreußischen Fachausbruckes, sonbern um eine nach ben mobernsten Grunbsätzen aufgezogene Armee, deren Name nur unserer früheren „Reichsweh r" entspricht. Hervorgegangen ist die Honveds aus der Landwehr der östetreichisch-un- garischen Doppel-Monarchie, die sich ebenfalls nicht schlechthin mit dem preußischen reichsdeutschen Sinn desselben Wortes gedeckt hat. Admiral von H o r t y und der spätere Ministerpräsident und Kriegsminister Julius von Gömbos bauten unter schwierigsten Verhältnissen eine schlagfertige Truppe auf, die im November 1919 Budapest von den Kommunisten Böla Khuns säubern und auch die rumänische Besatzungszeit beenden konnte. Aber was ließen die Friedensverträge zurück? Ein kläglich verstümmeltes Ungarn, dessen Eingänge von übermächtigen Gegnern besetzt waren; eine Armee, die nicht mehr als 35 000 langdienende Soldaten zählen durfte, der Flugzeuge, Tanks, schwere Artillerie und Donau-Panzerboote verboten waren. Zunächst wurde für einen hochqualifizierten Offiziers- nachwuchs gesorgt. Die militärische Hochschule des Landes, die frühere Ludovica-Akademie in Budapest, fand ihre Ergänzung in der Unteroffiziers- Schule Veszprem-Jutas; bei den letzten Militärparaden zu Ehren des österreichischen Bundespräsidenten und des italienischen Herrscherpaares sah man zum ersten Male wieder — von jubelndem Beifall begrüßt — motorisierte Truppen und Geschütze schwereren Kalibers. Die ungarische Nachrüstung ist ein spruchreifes Problem der mitteleuropäischen und der europäischen Politik. sprechen. Nach den interessanten Mitteilungen, die der französische Währungssachoerständige Rist soeben bei seinem Ausscheiden aus dem Beirat des Währungsausgleichfonds feines Landes gemacht hat, wird man auf die Aussprache über dieses Thema gespannt sein dürfen. Soweit sich heute übersehen läßt, hat sich in der praktischen Wirtschaft die Ueber- zeugung von der Dringlichkeit internationaler Währungsabmachungen gegenüber der Wiener und Pariser Tagung der Kammer noch verstärkt. Nachdem jetzt feststeht, daß das Abwertungsfieber eine ansteckende Krankheit gefährlichster Art ist, werden sich gegen eine schnelle und wirksame Prophylaxe kaum noch ernste Bedenken erheben. Der letzte Punkt der Plenarberatungen auf der Berliner Tagung wird alle jene Maßnahmen zur Erörterung stellen, die von einer großen Zahl von Ländern zur Linderung der binnenwirtschaftlichen Nöte ergriffen worden sind. Wir wissen, daß einige Tagungsteilnehmer darauf brennen, Deutschland die „Entbehrlichkeit" und „Weltwirtschaftsfeindlichkeit" der verschiedenen auf den Gebieten der Aus- und Einfuhr sowie der Devisenverwertung ergriffenen Maßnahmen „nachzuweisen". Zu diesem Punkt der Tagesordnung wird der Leiter der Reichswirtschaftskammer, der Münchener Industrielle P i e tz f ch, sprechen. Wir dürfen — wie bei früheren internationalen Kongressen etwa über Bevölkerungswissenschaft und über Strafrechtspflege — darauf vertrauen, daß es manchen Tagungsteilnehmern wie Schuppen von den Augen fallen wird, wenn sie zwischen den wirklichen Taten und Absichten des nationalsozialistischen Deutschlands und den darüber von übelwollenden Elementen verbreiteten Behauptungen unterscheiden lernen, lieber das Verhältnis der Volkswirtschaft zur Weltwirtschaft hat der vom Führer zur Leitung des zweiten Vier- jahresplans berufene Ministerpräsident Generaloberst Göring bereits einige deutliche Worte gesprochen. Er erklärt, daß die Weltwirtschaft nur von gesunden Volkswirtschaften lebe, und daß sich derjenige, der sich um den Wiederaufbau einer zerfallenen Volkswirtschaft bemühe, Dienst an der Weltwirtschaft leiste. Die Berliner Tagung der Internationalen Handelskammer fällt in eine Zeit, in der über die Möglichkeit, eine neue Weltwirtschaftskonferenz mit Erfolg abzuhalten, erst Erwägungen angestellt werden. Der belgische Ministerpräsident van Zeeland, der von den Regierungen zu London und Paris zur Fühlungnahme 'mit den Regierungen der wichtigsten Länder aufgefordert worden ist, hat in Amerika verschiedene Möglichkeiten einer internationalen Wirt- jchaftsverständigung besprochen. Aus gewissen Vorkommnissen läßt sich schließen, daß u. a. die Möglichkeit einer Rumpfverständigung (zwischen Amerika, England und Frankreich — vielleicht auch noch unter Einschluß einiger kleinerer Länder) mindestens in Erwägung gezogen worden ist. Die Internationale Handelskammer ist stets gegen Gruppen- und Cliquenbildung, wenn sie sich gegen einzelne Wirtschaftsländer richten, ablehnend eingestellt gewesen. Es wäre bereits ein Gewinn, wenn die Berliner Tagung den etwaigen Versuchen, die internationale Wirtschaftsverständigung in kleinerem Kreise zu verwirklichen, eine deutliche Absage erteilen würde. Lhaickmps'pMische Ausgabe Bon unserem —pp.-Äerichierstaiier. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Paris, im Juni 1937. Die — uns fremden — Spielregeln des französischen Parlamentarismus sind mit der Beauftragung von Chantemps wieder in Kraft getreten. Die Regierung Blum, die ein Jahr und 16 Tage das politische Schicksal des Landes bestimmt hatte, hat immer wieder gegen diese verstoßen, indem sie aus Rückschlägen und Enttäuschungen nur den Schluß zog, daß sie ihre Politik änderte, nicht aber den, daß sie zurücktrat. Während der letzten Tage der Regierung Blum schien es so, als ob sie trotz des Widerstandes des Senates auch weiterhin die Spielregeln unbeachtet und es zu einem schweren Verfassungskonflikt kommen lassen wollte. Aber im letzten Augenblick besann sich Blum auf diese Grundregeln und er handelte wie ein französischer Parlamentarier und Republikaner. Zur Diskussion steht mit dem Rücktritt Blum vor allem die Frage nach dem Sein oder Nichtsein der Volksfront. Es muß sich in den nächsten Monaten zeigen, ob die Volksfront noch positive Aufgaben zu erfüllen hat ober ob sie das Schicksal des nationalen Blockes teilen wird. Dieser war ein typisches Gebilde der ersten Nachkriegszeit und bestimmte zunächst nachhaltig das Schicksal Frankreichs. Sehr bald wurde er aber als ein Fremdkörper empfunden und heute erinnert sich kaum noch einer an den nationalen Block von 1919. Wird das Schicksal der Volksfront ein ähnliches fein? Die Volksfront entstand aus einer Abwehrstellung der Linken gegen d i e Feuer, k r e u zler und andere'Rechtsverbände, die am 6. Februar 1934 in Paris demonstriert, kurz nacheinander Chantemps und Daladier zu Fall gebracht und den Weg für die nationale Einheitsregierung Doumergue geebnet hatten. Es ist ein eigenartiger Zufall, daß während der ersten Krise der Volksfront Doumergue in feinem Heimatorte beigefetzt wird und fast alle Blätter feftfteUen, daß Doumergue nach einer glanzvollen politischen Laufbahn die letzte ihm gestellte Aufgabe nicht g e I ö ft habe, die der nationalen Regierung. Andererseits sind aber heute wieder Chautemps und Daladier, deren Namen am 6. Februar 1934 für immer aus der politischen Geschichte Frankreichs gestrichen zu sein schienen, die Herren der Lage. Deutlicher kann wohl nicht zum Ausdruck gebracht werden, daß die „Gefahren von rechts" heute nicht mehr das besagen wie am 6. Februar 1934 und wohl kaum noch gegeben sind. Bestätigt wurde dies ferner durch die Wahlniederlage von D o r i o t, dem tatkräftigsten und geschicktesten dieser Gegner der Linken. Die Gründe, die nach dem 6. Februar 1934 zur Bildung der Volksfront führten, sind also kaum noch gegeben, und somit kann mit etwas mehr Ruhe als bisher die Frage geprüft werden, inwieweit neben dem negativen Programm, dem der Abwehrstellung gegen die Rechte, ein positives gegeben ist. Dabei wird sich wohl mancher erst richtig dessen bewußt, daß dieses Bündnis der Volksfront wohl das widersinnigste ist, das je politische Parteien eingegangen sind. Den einen Flügel dieser Volksfront, den rechten, bilden die Radikal- sozialen, die als Vertreter des Bauern, des städtischen Kleinbürgers und des gutverdienenden Arbeiters in wirtschaftlichen Fragen konservativ eingestellt sind und sich nur zur Linken rechnen, weil sie die politischen Ziele der französischen Linken, die republikanischen und antiklerikalen mit am nachhaltigsten vertreten. Aus dem anderen Flügel der Volksfront steht als die revolutionäre Partei die kommunistische. Diese beiden Parteien konnten mit den S o - z i a l i st e n nur in der Volksfront zusammengeschloffen werden, weil sie glaubten, einen gemein« tarnen Gegner zu haben, und im Interesse der Bekämpfung dieses Gegners auf gewiße Wünsche verzichteten. So ließen die Kommunisten die Fernziele in den Hintergrund treten. Sie richteten sich nach dem Dimitroff-Programm des Jahres 1935 und betrachteten die Volksfrontregierung Blum als die erste Phase im Kampfe um die Errichtuna eines Sowjetregimes. Die Innen- und Wirtschaftspolitik der Regierung Blum war ihnen, relativ gleichgültig, sie dachten mehr an die außenpolitischen Forderungen Moskaus und an den Aufbau einer eigenen Organisation, um später innerlich gestärkt das kommunistische Programm mit mehr Nachdruck vertreten zu können. Somit traten unter der Regierung Blum die Gegensätze zwischen Kommunisten und Radikalsozialen zunächst kaum in Erscheinung Sie machten sich zum ersten Male stark bemerkbar, als vor einigen Wochen wieder eine Finanz- und Wirtschaftskrise ausbrach und die Lage bei einem jährlichen Anleihebedarf der öffentlichen Hand von 50 Milliarden Franken und bei Eingängen an Staatssteuern von nur 40 Millarden hofsnunaslos zu fein feinen. Jetzt stellte die Regierung Blum unter dem Einfluß der Kommunisten typisch mar- ri ft i s ch e Forderungen, so die eines energischen Einschreitens gegen die Fluchtkavitalien. Hiergegen mußten sich die fonfernatnen Kräfte be£ Radikalsozialen wehren. Dieser Widerstand braumte nicht in der Kammer in Erscheinuna zu treten. Hier konnten die Radikalsozialen noch an der Volksfront festbal- ten. denn es war klar, daß sich der Senat mit aff'»* Entschiedenheit widersetzen wirnde. lind die Radikalsoziaien vor die Frage ae- st'llt *h sie an der Volksfront festhalten wollen. Von sich aus werden sie die Volksfront kaum spren- gen, denn das wäre eine Stärkung der kommunistischen Propaganda. Es handelt sich darum, ob C h a u t e m p s, der als einer der geschicktesten Taktiker des französischen Parlaments gilt, die Kommunisten in eine solche Lage bringen kann, daß dem Volke die von dieser Seite drohenden Gefahren klar werden und somit die kommunistische Propaganda an Wirkungsmöglichkeiten verliert. Das ist die Frage, die Frankreichs Politik in den nächsten Monaten bestimmen wird. Gelingt Chau- temps eine Ausbootung der Kommunisten, dann wird die ihm folgende Regierung, die eventuell wieder von ihm geleitet wird einen Anschluß nach rechts suchen, was für die Radikalsozialen leicht sein würde, da sie ja nicht nur eine Partei der Linken, sondern auch der Mitte sind. Wurden die Sozialisten das mitmachen? Wenn ja, würde in Frankreich eine Regierung ähnlich denen gebildet werden, die wir in Deutschland früher die der großen Koalition nannten. Aber es ist auch möglich, daß die Kommunisten, um weiter an der Macht teilhaben und somit außenpolitische Wünsche Moskaus erfüllen zu können, ein Zugeständnis nach dem anderen machen, sich nicht ausbooten lassen und sogar bereit wären, eine etwas mehr nach der Mitte verlagerte Regierung zu unterstützen. Dann würde an die Stelle der Volksfront die französische Front treten. Für eine Regierung dieser französischen Front würde charakteristisch sein, daß sie sich in außenpolitischer Hinsicht noch stärker als Delbos getan hat nach den Wünschen Moskaus richtet, dagegen in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht den konservativen Kurs der Radikalsozialen führen würde. Diese französische Front würde dauern können, bis die Kommunisten die Stunde für ein energischeres Einschreiten als gekommen betrachten. Die entscheidende Frage der nächsten Zeit ist also die des Verhältnisses der Regierung Chautemps zu den Kommunisten. Bekenntnis zum deutschen Gesamtvolk. Neue Zielsetzung des Oesterreichisch -Deutschen Bolksbundes. Wien, 28. Juni. (DRV.) Der Oesterreichisch - Deutsche Volksbund hat unter dem Vorsitz des kürzlich zur Förderung der nationalen Befriedungsaktion in den Staatsrat berufenen Dr. Seyß-Jnquart seine Generalversammlung abgehallen, in der eine Umbildung des Vorstandes vorgenommen und das Programm des Bundes auf den Vertrag vom 11. Juli abgestimmt wurde. Staatsrat Seyß-Jnquart erklärte, das deutsche Volk in Oesterreich werde aus eigener Verantwortung und aus eigenem Entschluß den Weg gehen, der dem Bekenntnis Oesterreichs als deutscher Staat entspreche. Es, gebe kein besonderes Deutschtum, sondern nur ein deutsches Volk in seiner lebendigen Gesamtheit. Der Oesterreichisch-Deutsche Volksbund macht es sich daher zu seiner besonderen Aufgabe, dem im Abkommen vom 11. Juli festgesetzten Grundsatz der kulturellen und wirtschaftlichen Förderung zu dienen, gegen alle Widerjacher dieses Abkommens aufzutreten und so zu dessen letztem Sinn zu kommen: für ein unteilbares Schicksal und Glück des deutschen Volkes. Dem Vorstand gehören an: Die Universitätsprofessoren Srbik, Nadler, Menghin und Eibl, der Präsident des Deutschen Klubs, Feldmarschall-Leutnant B a r d o l f f, der ehemalige Landeshauptmann von Kärnten, Kernmaier, Slaatsrat Dr. Seyß-Jnquart und andere Persönlichkeiten, die im nationalen Leben Oesterreichs eine Rolle spielen. Weitere Ausgestaltung der Technischen Nothjife. Berlin, 28. Juni. (DNB.) Durch Erlaß des Reichsführers SS. und Chef der deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern vom 18. Juni 1937 ist die Technische N o t h i l f e, die im Zuge der Neuorganisation der Polizei dem Reichsführer SS. unter st ellt wurde, zu einem ständigen Hilfsorgan der Polizei für wichtige öffentliche Hilfeleistungen technischer Art und damit zu einem Machtmittel des Staates erklärt worden. Sie hat zur Zeit technische Hilfe zu leisten: a) für die Sicherstellung staats- und lebenswichtiger Einrichtungen, b) im Luftschutz, c) bei Katastrophen. * Die Technische Nothilfe war ursprünglich als Ab- wehrmittel^ gegen Streiks in lebenswichtigen Betrieben gedacht. Sie wurde im Januar 1919 bei der Garde - Kavallerie - Schützendivision in Berlin als Technische Abteilung aufgestellt. Ihr erster Einsatz erfolgte am 19. Februar 1919 in Gotha. Dann ging es Schlag auf Schlag. Sehr oft hat die Drohung mit dem Einsatz der Teno Streiks in Elektrizitätswerken, Krankenhäusern usw. verhindert. Sie ist im Laufe der Jahre immer mehr durchorganisiert worden, war allerdings während des großen Eisenbahnerstreiks 1921 noch nicht soweit, um von sich aus auf den wichtigsten Linien den Verkehr durchführen zu können. Sie hat aber später viele wertvolle Dienste geleistet. Nach der Machtübernahme schien es so, als könnte man auf die Teno nunmehr verzichten. Denn in Deutschland wird nicht mehr gestreikt, man braucht also auch kein Werkzeug, das wie früher bei Streiks in lebenswichtigen Betrieben einzusetzen wäre. Aber die Teno hatte in der Vergangenheit gezeigt, daß sie als K a t a- strophenhilfsdienst sehr wertvolle Dienste zu leisten vermochte. Infolgedessen ist nicht nur von einer Auflösung abgesehen worden, vielmehr wurde dafür gesorgt, daß die Technische Nothilfe weiter verbessert wurde. Sie verfügt heute bereits über eine Reichsschule. Daraus geht hervor, daß zu alten Aufgaben neue hinzugetreten find und daß die Teno auch in der Zukunft wichtige Aufgaben zu erfüllen hat. Der kanadische Ministerpräsident in Berlin. Berlin, 28.Juni. (DNB.) Der kanadische Ministerpräsident Mackenzie King traf auf Einladung des Botschafters von Ribbentrop zu einem mehrtägigen Besuch in Berlin ein. Nach einer Besichtigung der Akademie für Leibesübungen war der Premierminister Gast des Reichssportführers von Tfchammer/^und Osten. Am Montag besuchte der Gast im Anschluß an eine Fahrt über die Reichsautobahnstrecke Berlin—Stettin das Arbeitsdienstlager am Werbellinsee und hatte sodann Gelegenheit, sich über Organisation und Aufbauarbeit der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" und des Amtes. „Schönheit der Arbeit" zu unterrichten. Der kanadische Gast folgte am Abend einer Einladung der Deutsch-Englischen Gesellschaft. Deutschland zurMitarbeit in derWeltwirtschast bereit Oie Eröffnung -es Berliner Kongreffes -er Internationalen Handelskammer in Gegenwart -es Führers un- Reichskanzlers. Berlin, 28. Juni. (DNB.) In Anwesenheit des Führers und Reichskanzlers, der Mitglieder der Reichsregierung und des Diplomatischen Korps wurde am Montagvormittag im Deutschen Opernhaus der IX. Kongreß der Internationalen Handelskammer feierlich eröffnet. Der Bedeutung dieses größten internationalen Wirtschaftskongresses entsprach der würdige Rahmen der festlichen Eröffnungssitzung. Das Portal des Deutschen Opernhauses war mit den Fahnen der 40 am Kongreß teilnehmenden Staaten geschmückt. Schon frühzeitig versammelten sich im Parkett und auf den Rängen die mehr als 1000 Teilnehmer. Im Ersten Rang sah man die Mitglieder des Diplomatischen Korps, Reichsminister, Reichsleiter der NSDAP, und führende Köpfe des deutschen Wirtschaftslebens, der Wissenschaft und Technik. Der Führer und Reichskanzler begab sich durch das Ehrenspalier der Leibstandarte „Adolf Hitler" in die mit der Standarte des Führers geschmückte Ehrenloge. Neben dem Führer nahmen in der Ehrenloge Platz der Präsident der Internationalen Handelskammer, Dr. F. H. F e n t e n e r van V l i s s i n g e n, Ministerpräsident Generaloberst Göring, Reichsminister Dr. Goebbels und Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Dr. Schacht. Das Orchester des Deutschen Opernhauses eröffnete unter Leitung von Generalmusikdirektor Dammer mit der dritten „Leonoren"- Ouvertüre von Ludwig van Beethoven die Eröffnungssitzung. Darauf erklärte der Präsident des Kongresses „Abraham Frowein, zugleich als Präsident der deutschen Gruppe der Internationalen Handelskammer den IX. Kongreß der Internationalen Handelskammer für eröffnet. Ministerpi-ästdentGeneraloberstGönng hieß den Kongreß sodann namens der Reichsregierung ausrichtig willkommen. Darauf, daß recht viele Ausländer unser neues Deutschland wirklich kennenlernen, legen wir besonderen Wert. Denn nur bei einer den Dingen ayf den Grund gehenden Erkenntnis der Besonderheiten im Leben der einzelnen Völker lassen sich die Mißverständnisse beseitigen, die das friedliche Zusammenleben der Völker in der Welt erschweren. Sie werden erkennen, daß es dem Nationalsozialismus gelungen ist, in einem Lande, in dem 137 Menschen auf den Quadratkilometer leben, das schwerste Einbuße an seinem Rohstoffvorrat erlitten und seinen gesamten Kolonialbesitz verloren hat, das 15 Jahre lang bis aufs Blut ausgepreßt wurde und fast sein gesamtes Auslandskapital hingeben mußte, das viele Milliarden Tributzahlungen leistete und dadurch in den vollkommenen Ruin seiner Wirtschaft hineingeriet, daß der Nationalsozialismus in diesem Deutschland es sertiggebracht hat, innerhalb von vier Jahren die Arbeitslosigkeit so gut wie vollständig zu beseitigen und für das deutsche Volk eine neue Existenzgrundlage und neue Entwicklungsmöglichkeiten zurückzugewinnen. An die Stelle des Klassenkampfes ist die Volksgemeinschaft getreten. Damit hat der Nationalsozialismus das soziale Problem dieser Zeit an den Wurzeln gepackt und einer neuen — wie wir glauben — der allein möglichen Lösung zugeführt. $o wie der Nationalsozialismus den Frieden im eigenen Volke hergestellt hat, will das nationalsozialistische Deutschland nunmehr auch nichts anderes als den Frieden mit der Welk. Ganz Deutschland weiß, daß die große Aufbauarbeit, zu der uns der Führer aufgerufen hat, nur in einer Zeit des Friedens durchgeführt und vollendet werden kann. Wozu dann aber die gewaltige Aufrüstung, die Deutschland in Angriff genommen hat und immer weiter durchführt? Die Antwort ist schon oft gegeben worden. Nachdem die übrige Welt nicht dazu zu bewegen war, dem deutschen Vorbild entsprechend ebenfalls abzurüsten, war Deutschland, um zur vollen Gleichberechtigung zu gelangen, keine andere Wahl gelassen, als seinerseits nunmehr auch aufzurüsten. Ein Land mit offenen Grenzen und ohne die Fähigkeit, einem feindlichen Ueberfall mit der Waffe in der Hand wirksam entgeqenzutreten, ist eine viel stärkere Bedrohung des Weltfriedens, als ein Land, von dem man weiß, daß es auf Leben und Tod kämpfen wird, wenn es die Unversehrtheit seines Gebietes und seine Ehre zu wahren hat. Zur restlosen Wiederherstellung der deutschen Gleichberechtigung gehört aber auch die Wiederherstellung einer ausreichenden Grundlage für das wirtschaftliche Leben und Gedeihen des deutschen Volkes. Sie kennen alle die Forderung, die Deutschland in dieser Hinsicht erbebt, und Sie dürfen überzeugt davon sein, daß Deutschland nicht aufhören wird, auf das Kolonialproblem hinzuweisen, ehe nicht seine dringenden und wohlberechtigten kolonialen Wünsche erfüllt find. Daneben arbeitet Deutschland mit allen Kräften an dem „Vier- iahrespla n". Er bedeutet nichts weiter als die Aufdeckung und die Entfaltung aller eigenen Wirtschaftskräfte. Lediglich darin mag sich der deutsche Vierfahresplan vielleicht von den gleichen Bestrebungen in anderen Ländern unterscheiden, daß bei uns die Entwicklung nicht dem „freien Sviel der Kräfte" allein überlassen, sondern mit Vorbedacht und mit Nachdruck derart gelenkt wird, daß sie in m ö g l i ch st kurzer Zeit diejenigen Ergebnisse hervorbringen soll, die sonst vielleicht erst in Jahrzehnten erreicht werden könnten. Der deutsche Vierfahresplan ist nicht dazu bestimmt, Deutschland von der übrigen Welk wirtschaftlich abzuschließen. Kein Volk wird aber daran denken, die Grundlagen seiner Wirtschaft von den Wechselfällen der Weltpolitik abhängig machen zu wollen. Vielmehr ist es der innere Markt, der für jedes Volk die wirtschaftliche Hausmacht bteibk. Auf der anderen Seite wird niemand bezweifeln, daß die restlose Durchführung des Gedankens der wirtschaftlichen Autarkie aller Staaten im End- ergebnis für alle Völker nur schädlich sein könnte, und wir Deutschen im besonderen wissen genau genug, daß wir die Verbindung mit der Welt nötig haben und daß der Absatz deutscher waren in der Welt viele Millionen deutscher Volksgenossen ernährt. Unsere Einstellung zur Weltwirtschaft zielt also auf eine vernünftige und erfolgversprechende Verbindung der e, M v M H Unser Bild links zeigt Generaloberst Göring bei seiner Rede. Rechts: Die Ehrenloge, von links: Reichsminister Dr. Goebbels, den Präsidenten Dr. Fentener van Vlissingen, den Führer und Reichskanzler, Generaloberst Göring, Dr, Schacht, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und Reichsminister Graf Schwerin-Krosigk. (Scherl-Bilderdienst-M.) Interessen des deutschen inneren Marktes mit denjenigen der Weltmärkte ab. Der Vierjahresplan, der die deutsche Volkswirtschaft tragfähiger machen soll, ist dem Aufbau einer gesunden Weltwirtschaft keineswegs entgegengerichtet, sondern er trägt unmittelbar dazu bei, eine wichtige Voraussetzung hierfür zu schaffen. Kein Kaufmann kann Investitionen im Auslande tätigen, wenn er nicht unerschütterliches Vertrauen auf den Grundsatz von Moral und Recht setzen darf. Wenn es nicht gelingt, wieder das Vertrauen herzustellen, daß der Kaufmann unabhängig von den Ereignissen der Politik sein privates Vermögen als unantastbar ansehen kann, wird es schwer sein, die für die Weltwirtschaft so notwendigen gegenseitigen Investierungen zu wagen. Es wird eine Hauptaufgabe der Internationalen Handelskammer fein müssen, den Regierungen klarzumachen, daß auch ganz bestimmte politische Garantien für den Welthandel gegeben, werden müssen, Garantien, deren Wirkungen auch bei politischen Verwicklungen aufrechterhalten bleiben müssen. Die ausländischen Delegierten nahmen die Rede des Ministerpräsidenten mit langanhaltendem Beifall auf. Seine Ausführungen über die wirtschaftliche und soziale Wandlung in Deutschland, den unbedingten Willen Deutschlands zum Frieden, den unabwägbaren deutschen Kolonialanspruch und die Aufgabe des deutschen Vierjahresplanes machten auf die ausländischen Teilnehmer sichtlich einen starken Eindruck, ebenso wie auch die Feststellungen des Ministerpräsidenten, daß Deutschland auch weiterhin am Welthandel teilnehmen und den zu seiner Ausbreitung notwendigen Beitrag leisten wolle, und seine Darlegungen über die nach deutscher Ansicht notwendigen politischen Voraussetzungen für eine weltwirtschaftliche Verständigung. Die politischen Voraussetzungen einer wirtfchastlichen Verständigung. Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Dr. Schacht nahm darauf das Wort. Ich begrüße, so sagte er, die Arbeit der Internationalen Handelskammer, in der verständige und im Wirtschaftsleben erfahrene Männer trotz aller Rückschläge und Enttäuschungen sich immer wieder um die Verwirklichung einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit der Nationen bemühen. Die Internationale Handelskammer wurde zum Wortführer jener großen Armee des schaffenden Volkes in aller Welt, die in den Fabriken, Werkstätten, Bergwerken und Kontoren des Erdballs täglich sich müht, um die Befriedigung des Güterbedarfs der Menschen. Alle Wohlfahrt, aller Friede in der Welt hängt davon ab, daß dieses Schaffen und Werken im Gange gehalten wird ohne innerwirtschaftliche Störungen, ohne außenwirtschaftliche Krisen, ohne politische Konflikte, ohne kriegerische Wirren. Die soziale Frage nach Arbeit und Brot, deren Lösung der Nationalsozialismus auf seine Fahne geschrieben hat, ist nicht nur ein innerpolitisches Problem für jedes Volk. Wenn nicht eine internationale Politik endlich jedem Volk Lebensraum und Arbeitsmöglichkeit sichert, so wird alle Bemühung um eine Besserung der weltwirtschaftlichen Beziehungen umsonst sein. Sie werden erwägen müssen, ob es dem Frieden der Völker dient, daß große Rohstoffquellen nach politischen Gesichtspunkten für oder gegen einzelne Völker geöffnet oder geschlossen werden dürfen. Sie werden die Ungleichheiten und ihre Folgen aufzeigen müssen, die darin liegen, daß dank politischer Absonderung gottgeschenkte Rohstoffe dem einen Volk in den Schoß fallen, während das andere sie sich durch komplizierte mechanische und chemische Umwandlungsprozesse teuer erarbeiten muß. Der internationale Zahlungsverkehr ist aus den Fugen geraten, weil man einer Reihe von Ländern einseitige Leistungen zugemutet hat, die sowohl deren Erzeugungsvermögen wie die Verbrauchswillig, kcit der anderen Völker übertrafen. Solange dieser Zustand nicht durch internationale Abmachungen beseitigt wird, wird kein Herumkurieren an den Währungsformalitäten die Lage bessern. Der Welthandel braucht ein stabiles, allgemein gültiges Maß, an dem der Wert aller Handelsgüter einheitlich be- stimmt werden kann. Eine langjährige Wirtschaftsgeschichte zeigt, daß das Gold sich als internationales Wertmaß am besten eignet. So wenig man Länge und Gewicht der Güter dadurch ändert, daß man das Metermaß nach Belieben auf 80 oder auf 120 Zentimeter festsetzt, oder das Kilogramm auf 800 oder 1200 Gramm, so wenig ändert man den Nutzwert der Güter dadurch, daß man den Preis des Goldes in Papiergeld willkürlich herauf- oder herunterfetzt. Die Politik willkürlich verfälschter Währungen muß aufhören, wenn der internationale Güteraustausch wieder funktionieren soll. Die Gelegenheit für eine Verständigung will ergriffen werden. Der Präsident der I.H.K. Dr. Rentner van DUffinaen sagte dann in seinem Schlußwort: Der Krieg hatte — auf psychologischem wie auf materiellem Gebiet — den feinen Mechanismus, auf dem die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Völkern beruhen, zu sehr in Unordnung gebracht, um eine schnelle Reparatur zu ermöglichen. Erst heute vielleicht vermag man die unermeßlichen Schäden dieser Weltkatastrophe des letzten Krieges in ihrem ganzen Umfange zu erkennen, und ich glaube, in ihrer aller Namen zu sprechen, wenn ich der Hoffnung Ausdruck gebe, daß wir niemals wieder ein so furchtbares Ereignis erleben möchten. Das Scheitern der Londoner Konferenz war für das internationale Wirtschaftsleben ein Ereignis von großer Tragweite. Die Völker sahen sich — nachdem die Hoffnung auf ein günstiges Ergebnis zerschlagen war — durch eine Art Fatalität auf einen Weg gedrängt, der unseren Empfehlungen zuwiderlief, der sie zur Vermehrung der Hemmnisse im internationalen Güteraustausch und zu immer stärkerer gegenfeitiq?- Isolierung in finanzieller und wirtschaftlicher, wie in psychologischer und politischer Hinsicht führt. Eine Zeitlang schien es, als hätte jedes Land nur noch eine Sorge: die Handelsbilanz mit jedem anderen Lande auszugleichen und wenn möglich, aktiv zu gestalten. Mit dem Schlagwort: „Ich kaufe nur von £>em, der von mir kauft", war man wieder bei den Methoden des Merkantilismus angelangt, der Zeit in der die Länder nur eine einzige Quelle des Reichtums kannten: nämlich den Erwerb von Gold mittels Ausfuhrüberschüssen. Hand in Hand damit mußte der Zusammenbruch des Systems des mehrseitigen Handels gehen, das im Laufe der Jahrhunderte allmählich durch die unaufhörliche Vervollkommnung des Währungs- und Kreditmechanismus ausgebaut worden war Die inlernafionale Arbeitsteilung ist keine utopische Politik mit in weiter Ferne liegenden Möglichkeiten. Sie ist mehr als ein bloßes Ideal: sie ist eine unleugbare Notwendigkeit. Warum soll man sie nicht freiwillig anerkennen und sich bemühen, sie durchzuführen, wie dies im Innern einer jeden Nation geschieht? Ist es widerspruchsvoller, die Arbeit zwischen Industrie- und Agrarländern, zwischen Gekreideproduzenken und Maschinen- fabrikanten zu teilen, als zwischen TNaurer und Apotheker in derselben Stadt, so klein sie auch sein mag? Gewiß, so lange die Rationen es noch nicht verstanden haben, harmonisch und friedlich zusammenzuarbeiten, können autar- kische Maßnahmen eine unliebsame wirtschaftliche Abhängigkeit von andern verringern. Wir wollen uns aber klar darüber sein, daß diese Unabhängigkeit erstens immer eine beschränkte bleiben wird, und zweitens, daß sie teuer bezahlt werden mutz. Man muß sich darüber klar sein, daß wir es in der Welk mit einem Wirtschaftssystem zu tun haben, in dem die natürlichen Hilfsquellen, die klimatischen Verhältnisse und die menschlichen Fähigkeiten zwischen den Ländern ungleich verteilt sind. Diese Strukturunterschiede zwingen die Nationen, ihre Erzeugnisse auszutauschen, wenn sie ihren Ertrag und ihren Wohlstand — die wesentlichen Ziele jeder Wirtschaftspolitik — steigern wollen. Wenn die Welt, wie wir hoffen wollen, wieder zu der Vernunft zurückkehrt, die die unentbehrliche Voraussetzung ihrer Prosperität ist, so werden d t e der 3t ü ft u n g dienenden Wirtschaftszweige in dem Maße, in dem sich die Rüstungsaufträge verringern, eine neue Orientierung empfangen müssen. Ein Teil der freiwerdenden Arbeitskräfte kann zweifellos durch gemeinnützige öffentliche Arbeiten in nationalen und vielleicht sogar im internationalen Rahmen beschäftigt werden. Es wäre aber gefährlich, diese öffentlichen Arbeiten während einer Periode des Wiederaufschwungs wie der gegenwärtigen in zu großem Umfang zu betreiben-, denn man muß um jeden Preis vermeiden, daß die gegenwärtige Wiederbelebung in einen wirtschaftlichen „Boom" ähnlich dem von 1929, ausartet. Es ist daher kaum vorstellbar, daß solche öffentlichen Arbeiten für sich allein alle durch die Verlangsamung der Rüstungen freiwerdenden Arbeitskräfte aufnehmen .können. Viel eher wäre ihre Absorbierung bei einer fortschreitenden Ausdehnung des Welthandels möglich. Früher oder später werden sich deswegen die Nationen dem Welthandel wieder zuwenden müssen; je früher dies geschieht, um so besser. Mit der Wiederherstellung der Kaufkraft der Agrarländer infolge der Preissteigerung für Agrarprodukte ist erneut die Möglichkeit des Güteraustausches zwischen diesen und den Industrieländern gegeben, der eine der wesentlichen Achsen des Welthandels bildet. Der Weltmarkt steht nicht länger im Zeichen der Schrumpfung, sondern in dem der Ausweitung. Darüber hinaus hat sich die Mentalität der Völker vielfach gewandelt. Mehr als in der Vergangenheit wird heute die wechselseitige Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft erkannt. Ohne politische Verständigung kein Wirtschaftsfriede; ohne Wirtschaftsfrieden und wirtschaftliche Befriedigung keine politische Entspannung. Die Verhältnisse sind heute für eine internationale Verständigung auf wirtschaftlichem Gebiet wesentlich g ü n st i g e r, als es in den letzten Jahren der Fall war. Diese Gelegenheit nicht mit beiden Händen zu ergreifen, hiehe einen Fehler begehen, der für die Zukunft der Menschheit verhängnisvoll werden könnte. Viel zu lange schon wiederholen wir alle im Chor, daß etwas geschehen mühte, um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Rationen zu verbessern. Es wird höchste Zeit, dah wir Taten statt bloßer Worte fehen. Verkennen wir nicht, daß der Weg, der mit verpatzten Gelegenheiten und guten Vorsätzen gepflastert ist, zum Abgrund führt, und daß wir diesem Abgrund vielleicht näher sind als mancher ahnt. Es ist dringend erforderlich, dah die jetzige günstige wirtschaftliche Konstellation ausgenuht wird im Interesse des Weltfriedens, des Wohlstandes der Völker und der menschlichen Kultur. Nach der Rede des Präsidenten der IHK. spielte das Orchester des Deutschen Opernhauses die Jubel- ouoertüre von Carl Maria von Weber, an die sich die Lieder der Nation anschlossen. Der Präsident der IHK. F. H. Fentener v a n V l i f s i n g e n brachte einen Hochruf auf den Führer und Reichskanzler aus. Der Führer verabschiedete sich von den Teilnehmern der Eröffnungssitzung mit dem deutschen Gruß. Damit war die Eröffnungssitzung beendet. Auf der Verwaltungsratssitzung am Vorabend der Eröffnung wurde Thomas I. Pz a t s o n , der bekannte amerikanische Industrielle und Präsident der Internationalen Busineß Machines Corporation, einstimmig zum P r a s i d e n t e n der Internationalen Handelskaknmer für die Zeit von 1937 bis 1939 gewählt. Auf Einladung der japanischen Gruppe der IHK. wurde beschlossen, den nächsten Kongreß im Jahre 1939 in Tokio abzuhalten. Rohstoffmangel und Rohstoffüberfluß Die erste Vollsitzung des Kongresses der Internationalen Handelskammer befaßte sich mit Der Frage „Rohstosfmangel und Rohstofs- übersluß". Der australische Delegierte A. E. Heath erklärte, die Hauptoersorgerlander mit Rohstoffen seien auch die Hauptschuldnerränder. Als Schuldnerlander sahen sie sich einer Produktionsausdehnung gegenüber, die zum Absatz zu ungünstigen Preisen zwinge was schließlich zur Autarkie führe. Erholung der Weltpreise sei zum Teil auf innerstaatliche Maßnahmen und Rüstungsprogramme, nicht so sehr dagegen auf eine allgemeine Erholung zuruckzufuhren. 2)e'r beste Beitrag zu einer Aufrechterhaltung des Welthandels liege nicht in einer Aufrechterhaltung inflationistischer innerstaatlicher Preise, sondern. m der Wiederaufnahme des allgemeinen wechselseitigen Welthandels. Staatssekretär i. K. Dr. Trendelenburg sprach über „Deutschland und das Rohstoffproblem". Das Deutschland der Vorkriegszeit habe sich in der glücklichen Lage befunden, in ollerWeltdieWrn kaufen zu können, deren es zur Aufrechterhaltung feiner Wirtschaft bedurfte. Außerdem sei es auf Grund seiner großen Auslandslnoestltionen^em^ Gläubigerland gewesen, das von der übrigen Welt mehr beziehen konnte, als es nach dort lieferte. Der Krieg und die Konfiskation des Privateigentums habe diese Position zerstört. Darüber hinaus sei Deutschland unter dem Druck der Reparationen Schuldnerland in riesigem Ausmaß geworden. Die Erfahrungen der Krise hätten Deutschland notgedrungen dazu geführt, alle lebenswichtigen Wirtschaftsvorgänge fest in der eigenen Währung zu verwurzeln. Es müsse deshalb bei seinen Rohstoffbezügen den Warenverkehr mit Ländern ausbauen und pflegen, die bereit feien, deutsche Waren in entsprechendem Ausmaße in Zahlung zu nehmen. Das Gleiche sei auch der tiefere Sinn des festen Willens, die einheimische Rohstoffbasis durch eigene Erzeugung und Entwicklung neuer Werkstoffe zu erweitern, und das sei zuletzt der große wirtschaftliche Vorteil, den sich Deutschland von der U e b e r - Göttingen, 28. Juni. (DNB.) Im Rahmen der 200-Jahrfeier der Universität Göttingen fand eine große Festkundye- bung der Studentenschaft statt, die ihre Bedeutung durch eine richtungweisende Rede des Reichsministers Rust erhielt, der das Problem „Freiheit und Ordnung" zu Grunde lag. Unter den Ehrengästen sah man zahlreiche Abgesandte ausländischer Hochschulen. Der Reichsstudentenführer Scheel sprach über das Werden der jungen studentischen Generation, über die Erneuerung der deutschen Hochschulen und über den Sinn der studentischen Kameradschaften, die das Ideal des alten Akademikers verwirklichen wollten. Dann ergriff Reichsminister Rust das Wort und führte u. a. aus: Ein Wort, das ausgesprochen und unausgesprochen das Problem einer Stellung zu Deutschland bildet, ist das Wort: Freiheit. Die Welt bestreitet nicht, daß Deutschland sich zu seinem Vorteil geändert hat, aber sie behauptet, diese Veränderung sei zu teuer bezahlt. In Deutschland herrsche angeblich nicht das Edelste, wofür die Menschen leben müssen, die Freiheit. Gerade an dieser Stelle steht das Wort wieder mit einem Fragezeichen vor uns: die akademische Freiheit im Sinne einer Selbstbestimmung der jungen akademischen Bürger und der Studenten und auf der anderen Seite die der freien Hochschule im Sinne der freien Wissenschaften. Meine jungen Kameraden, in wessen Hand ist die Fackel der Freiheit von 1789 gelangt? Auf ihrem Weg durch Europa kam sie schließlich in die Hände von Lenin und Stalin. Die Völker, die diese individuelle Freiheit als das höchste Gut preisen, müssen heute erkennen, daß das Ende die g r a u s a m st e Diktatur ist und stets sein wird. Das bedeutet in Wirklichkeit die Auflösung der Rationalstaaten. Sie werden für diese Freiheit das Leben ihrer Völker zahlen müssen. Sie erhalten dafür die Diktatur des jüdischen Weltwanderers, der infolge feiner inneren blutmäßigen Zerrissenheit nirgends beheimatet werden kann. Darum steht schon am Anfang der marxistischen Lehre der Jude, und er steht heute inmitten der Führerschaft Moskaus. Als euere Vorgänger, die Soldaten von Langemark, hinauszogen, war in Deutschland angesichts der ungeheuren völkischen Gefahr der Geist der Un- terordnuna und des Opfers zu finden, sowie die Bereitschaft, die persönliche Freiheit und das Leben unterzuordnen unter das höhere Gebot der Stunde. Am Ende sind die Fahnen dieser Gesinnung heruntergeholt worden, und die rote Fahne wurde gehißt. Der Geist von 1789 war in unser Volk eingedrungen. In dieser Stunde unbegreiflichen Schicksals lag ein halb erblindeter Frontsoldat auf dem Krankenlager. Er sah die tiefen Zusammenhänge von Freiheit und Leben eines Volkes und die Rotwendigkeit einer völkischen Ordnung, die notwendigerweise die Wünsche des Individuums in feine Schranken zurückweifen muß. Adolf Hitler hat uns eine neue Ordnung gegeben, d i e völkische Ordnung. Diese natürliche Lebensordnung ist gottgegeben. Sie heißt: Unser Volk! Der Minister ging dann aus das P r o b l e m d e r Generationen ein und erinnert an die frühzeitige Eroberung der Hochschulen durch den Nationalsozialismus. Er fuhr fort: Aus dem politischen Erwachen der deutschen Jugend, aus bestimmten gesellschaftlichen Erziehungsformen und ausgelassener Jugendfreude hatte sich das Korporations- studententum entwickelt. Wir müssen es würdigen, daß die großen Scharen der heute noch unter schweren Bedingungen im völkischen Einsatz stehenden Volksgenossen dieses bunte Bild nicht mehr verstehen konnten. Wir haben Rücksicht zu nehmen auf die deutschen Arbeiter der Faust, denen das Leben immer Opfer bedeutet und selten Geschenke gegeben hat. Reichsminister Rust erinnerte weiter daran, daß an der Göttinger Hochschule Bismarck und der Reichsführer vom Stein studiert hätten. Wenn die e beiden Namen fallen, so offenbare sich darin ein ewiges Gesetz: Alle Zucht und Ordnung vermag eines nicht zu ersetzen, nämlich die große schöpferische Persönlichkeit. Darum müsse erkannt werden, was durch Organisation erreicht werden kann und was nicht. So nehmen wir in dieser Stunde die Parole der Freiheit wieder auf. Aber diese Freiheit war falsch gelaufen. Als sich einst in wenigen Jahren die Entwicklung vollzog vom Sturm auf die Bastille bis zum Fallbeil von Robespierre, schrieb ein deutscher Dichter das wunderbare Wort: Heilige Ordnung, segensreiche Himmelstochter, die das Gleiche leicht und frei und freudig bindet. Adolf Hitler mußte kommen, damit lassung kolonialer Roh st offge biete zur eigenen Bewirtschaftung verspreche. Der Führer und Reichskanzler empfing im Reichskanzlerhause das Präsidium der Internationalen Handelskammer sowie die Führer der einzelnen Länder-Delegationen. Präsident Fro- roein dankte dem Führer für die freundliche Aufnahme, die der Kongreß in Deutschland gefunden habe. Der Führer und Reichskanzler hieß die Delegierten in Deutschland herzlich willkommen, gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie während ihres Aufenthaltes interessante Eindrücke insbesondere davon mitnehmen möchten, wie Deutschland die ihm gestellten Wirtschaftsaufgaben löse, und betonte den Willen Deutschlands zur Mitarbeit in der Wirtschaft der Welt. An dem Empfang nahmen u. a. auch Reichsbankpräsident Dr. Schacht und Präsident der Reichswirtschaftskammer P i e tz s ch teil. der Sinn dieser Worte endlich Tat wurde. Ihr tragt die Fahne der Freiheit, seid auch Soldaten dieser Ordnung, dieser segensreichen Himmelstochter. Wenn ihr euch bindet, wenn ihr euch selber bindet, so tut es leicht und frei und freudig! Einweihung des Axel-Schaffeld-Hauses. Im Rahmen der Zweihundertjahrfeier fand die Einweihung des Axel-Schaffeld-Hauses statt. Schon vor der Machtübernahme hatten sich Göttinger Studenten zu einem Arbeitslager in einem leer stehenden Fabrikgebäude in Rittmers- hausen zusammengesunden. Als nach der Machtübernahme die NSDAP, die bis dahin für sich bestehenden Lager übernahm, ergab sich die Möglichkeit, das Lager Rittmershaufen als Erziehungsform sinngemäß für die Hochschule zu übernehmen. So entstand das Kameradschastshaus, in dem sich Dozenten und Studenten aller Fakultäten zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenfinden. Der Um- und Ausbau des Schulungslagers Rittmershaufen, der durch die hier geleistete Arbeit in allen Gauen Deutschlands bekannt wurde, ist nunmehr vollendet, auch der Sportplatz ist ferttg- gestellt. Ein würdiger Gedenkraum wurde für den 1932 ermordeten niedersächsischen Studentenfuhrer Axel Schaffeld ausgestaltet. Zur Einweihung war eine junge studenttsche Stamm-Mannschaft, die durch chre disziplinierte Haltung und ihr frisches Wesen einen vorzüglichen Eindruck auf die in- und ausländischen Ehrengäste hinterließ, angetreten. Der Rektor Professor Neumann erinnerte an die Errichtung des Kameradschastshauses, zu dessen Ausbau auch Göttinger Altakademiker Mittel zur Verfügung gestellt hätten. Gaudozentenführer Professor Schürmann erklärte, es sei gelungen, eine echte Kameradschaft zu entwickeln. Reichsminister Gauletter Rust rief das vorbildliche Wirken Schaffelds in Erinnerung, der im Kampf für die Idee oes Führers den Tod zu einer Zeit gefunden habe, als es leichter gewesen sei, Korpsstudent als SA.- Mann zu fein. Fast zwei Millionen Reichsmark für den Ausbau der Universität. Aus Anlaß des 200jährigen Bestehens hat die Universität Göttingen eine Reihe von namhaften Spenden erhalten, die die Summe von f a ft zwei Mill. M k. ereichen, die dazu dienen werden, bestehende Universitätseinrichtungen auszubauen und neue Anstalten für Forschungszwecke ins Leben zu rufen. So stellt die Reichsregierung 350 000 Mark für das erste Deutsche Reichs-Studenken- h a u s zur Ausbildung von Studentenführern in Göttingen zur Verfügung. 200 000 Mark stiftete die Preußische Staatsregierung für ergänzende Sportanlagen. Das Jubiläumsgeschenk der preußischen Regierung ist der Neubau des Physiologischen Instituts. Für weitere Klinikbauten sind Grundstücke erworben worden. Zur Einrichtung eines Bauernhofes für Forschungszwecke dient ein Betrag von 90 000 Mark von der Regierung. Für den Ankauf dreier Häuser, die das neue Mechanische Institut, das Petrographische Institut und das Theologische Seminar aufnehmen sollen, wurden 115 000 Mark gespendet. Von der Preußischen Staatsregierung stammen 30 000 Mark für em neues Haus des Englischen Seminars. Ein Beitrag von 120 000 Mark dient zum Ausbau der Sammlungen der Universitätsbibliothek. Kirchliche Weltkonferenzen in England. Berlin, 28. Juni. (DNB.) Nachdem die kirchlichen Stellen sich darin einig geworden sind, daß von einer Teilnahme an den Konferenzen in Oxford (Juli) und in Edinburgh (August) Ab- stand zu nehmen ist, hat die Deutsche Evangelische Kirche die leitenden Stellen beider Weltkirchenkonferenzen davon unterrichtet, daß eine amtliche Delegation der Deutschen Evangelischen Kirche mit Rücksicht auf die innerkirchlichen Verhältnisse nach Oxford und Edinburgh nicht entsandt werden wird. Da die Weltkirchenkonferenzen ihrer Struktur nach darauf beruhen, daß nicht einzelne Persönlichkeiten, sondern amtliche Vertretungen der Kirchen zusammentreten, ergibt sich aus diesem Grundprinzip, daß auch die Teilnahme einzelner Persönlichkeiten aus dem Bereich der Deutschen Evangelischen Kirche an einer der Weltkirchenkonferenzen unangebracht ist, da die Kirche als solche nicht vertreten sein wird. Dagegen nehmen die deutschen evangelischen Freikirchen, vertreten durch die Bischöfliche Metho- distenkirche in Deutschland (Bischof Dr. Melle, Berlin-Lichterfelde-West) und die Deutsche Altkatholische Kirche (Prof. Dr. Rudolf Keussen, Bonn) an der Konferenz in Oxford bzw. durch andere Vertreter an der Konferenz in Edinburgh teil. Die Rusfi sch -Orthodoxe Kirche in Deutschland wird voraussichtlich durch einen übergeordneten Patriarchen vertreten sein. Die Wahrheit über Moskau. London, 29. Juni. (DNB. Funkspruch.) „Daily Herald", das Blatt der englischen Labour-Opposi- tion, weist darauf hin, daß die englischen Kommu- nistenhäuptlinge alles versucht hätten, um die erschreckende Welle der Hinrichtungen und Verhaft tungen in der Sowjetunion i h r e n Anhängern zu verheimlichen. Die Hingerichteten seien nicht etwa „Gegenrevolutionäre" oder „Weiße" gewesen, sondern alte Bolschewiken. Unter ihnen hätten sich Ministerpräsidenten und Minister der Sowjetrepubliken, Vorsitzende und Sekretäre der Obersten kommunistischen Parteiausschüsse, Chefs von staatlichen Trusts, Jndustriedirektoren und Fabrikleiter sowie führende Leute der Presse und Propaganda befunden. Alle diese Tatsachen habe das Blatt der englischen Kommunisten einfach unterdrückt, weil sie für die Sowjetunion ungünstig seien. Ein großer Teil der kommunistischen Anhänger wäre entrüstet, wenn er die Wahrheit erführe. Ihre Parteizugehörigkeit könne nur durch die Behauptung aufrechterhalten werden, daß die Sowjetunion das „demokratischste Land d e r W e l t!" sei. Die schreckliche Illustration zu dem, was der Kommunismus in seinem 20. Jahr in der Praxis bedeute, lasse den Beschluß der englischen Sozialdemokraten die sogen. „Einheitsfront" mit den Kommunisten abzulehnen erneut als berechtigt erscheinen. Grauenvoller Mord an einer Engländerin in Gowietspanien Bilbao, 28. Juni. (DNB.) Die 57 Jahre alte Engländerin namens Bredy Boland war früher Erzieherin im Hause der baskischen Grafenfamilie Zubiria und lebte seit einiger Zeit zurückgezogen in einer eigenen Wohnung, in der sie, wie das bei den in Spanien gebliebenen Engländern allgemein üblich ist, während der Kriegswirren d i e englische Fahne gehißt hatte. Nach der Sprengung des über den Nervion führenden Viadukts durch die Bolschewisten sahen sich die Engländerin sowie zwei Mitglieder der Familie Zubiria, die sich vor den Verfolgungen der bolschewistischen Mordbrenner in die Wohnung der Erzieherin geflüchtet hatten, gezwungen, bei Freunden Unterschlupf zu suchen. Mit den Worten „Ein guter Fang" stürmten die Horden das Versteck kurz vor dem Einzug der nationalen Truppen in Bilbao. Die Gräfin Zubiria, die sich in anderen Umständen befand, und drei Mitglieder ihrer Familie wurden ermordet. Die Engländerin wurde ihrer sämtlichen Papiere beraubt und bann auf einem Treppenabsatz durch einen Schuß ins Genick getötet. Wiederholte Hinweise auf ihre englische Staatsangehörigkeit wurden von den Mördern nur mit zynischen Bemerkungen abgetan. Englands wirtschaftliche Kriegsbereitschaft. London, 28. Juni. (DNB.) Verteidigungsminister I n s k i p gab vor Londoner Geschäftsleuten Hinweise, welche vorbeugenden Maßnahmen man für den Kriegsfall getroffen habe. Für die Flotte habe man jetzt schon große Oelvorräte aufgestapelt. Die Industrie werde die für den Ernstfall wichtigen R o h st o f f e ansammeln, es seien heute schon beträchtliche Vorräte von diesen vorhanden. Auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung habe man Maßnahmen ergriffen, um die Eigenerzeugung Englands zu stärken. Bis Ende Juli würden von 123 Flugzeuggeschwadern, die man feit der Ausrüstung zu bilden begonnen habe, alle bis auf eins in voller Stärke fertig fein. Die neuen Schlachtschiffe würden die bestgeschützten sein, die man je gebaut hätte. Kreuzer und Zerstörer würden die höchste Schlagkraft in artilleristischer Beziehung aufweisen. Die Londoner Luftabwehrdivision werde so schnell wie möglich ausgerüstet werden, aber mit der Rekrutierung hapere es noch. Ungefähr 50 v. H. des notwendigen Mannschaftsbeftandes fehlten. Kleine politische Nachrichten. Botschafter von Ribbentrop hat sich am Montagnachmittag nach London zurückbegeben. In der Führerschule der deutschen Aerzteschaft Alt- Rehse in Mecklenburg fand unter der Leitung des Reichsärzteführers Dr. Wagner eine Arbeitstagung der für die Gesundheitsführung verantwortlichen Dienststellen statt, in deren Mittelpunkt die Gesundheitsführung der Jugend stand. Da die Verhandlungen über die Neugestaltung des am 1. Juli ablaufenden Reichs-Kraft- wagen-Tarifs noch nicht abgeschlossen werden konnten, hat der Reichsverkehrsminister die Geltungsdauer des Taris bis auf weiteres verlängert. * Die Erhöhung des englischen Währungsau s- gleichfonds um 200 Millionen Pfund wurde im Unterhaus ohne Abstimmung angenommen. Ein Antrag der Labour-Opposition, die Erhöhung auf 150 Millionen Pfund zu beschränken, wurde mit 197 gegen 96 Stimmen abgelehnt. Der japanische Botschafter in Moskau wurde beauftragt, wegen der Besetzung der Amur- Inseln Semoui und Sennufa durch Sowjettruppen scharfen Protest einzulegen und die umgehende Räumung der beiden Inseln zu verlangen. Die japanische Presse veröffentlicht auch Berichte über neue Behinderungen japanischer F i - scher bei Ausübung ihrer Fischerei-Rechte in den nördlichen Gewässern. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Dr. Hans Thyrivt. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein (beurlaubt). Vertreter: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel D. A. V. 37: 9326. Druck und Verlag: Brühl'fche Univerfitäts-Buch- unb Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Emzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Das Problem „Freiheit und Ordnung". Richtungweisende Rede des Reichsministers Rust bei der 200-Zahrfeier der Universität Göttingen. PALMOLIVE - SEIFE — ItyixjMtellt mit 'Palmen und ülinenM-erhälf die Haut rein und zart f * > / Stück 324 3Stück 904 * Zanzibar, die paradiefischeZnsel. Ein 2Reifebrief von Hauptmann a. O. Cordt von Bran-is. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Zanzibar, Juni 1937. Für uns Deutsche hat die Insel Zanzibar mit ihrer gleichnamigen Hauptstadt geschichtliche Bedeutung. Die Insel mit ihren 13 800 Einwohnern und dem großen Handelsverkehr gehörte zu dem von Dr. Karl Peters ursprünglich begründeten Schutzgebiet und wurde später mit England gegen die Insel Helgoland ausgetauscht. Vom alten Afrika- Hotel in Zanzibar aus trat Dr. Peters mit nur drei Begleitern den kühnen Eroberungszug an, der uns in den Besitz der Kolonie Deutsch-Ost- Afrika brachte. Eine arabische Dhau (Segelschiff) brachte ihn an das Festland nach Bagamojo hinüber und bereits vier Monate später hatte er durch Verträge mit vier großen Stammeshäuptlingen ein Stück Land von der Größe Süddeutschlands unter den Schutz des Reiches gebracht. Das Afrika-Hotel besteht heute noch. Es ist, wie fast alle Häuser der alten Araberstadt, ein mächtiges Bauwerk mit dicken Wänden aus Stein und Lehm, die schneeweiß getüncht sind, mit kleinen Fensteröffnungen und Zimmern am Rande der flachen Dächer. Inmitten des Bauwerkes liegt ein kleiner Hof, dessen Mitte ein Wasserbecken bildet, das mit.üppigen Blattpflanzen umgeben ist. Die Haustür ist festungsähnlich stark mit herrlichen Schnitzereien versehen und mit schweren Buckeln aus Messing besetzt. Alle Häuser ähneln diesem Hotel-Gebäude, überall das festungsartige Gepräge, die mächtigen Flügeltüren, die dicken Wände und kleinen Fenster sowie die Zinnen auf der oberen Mauerkante. Auch die Paläste der Sultane bilden kaum eine Ausnahme, nur sind sie noch größer und haben das finster wirkende Harems-Gebäude neben sich, in dem die unglücklichen Frauen hinter Gittern eingesperrt saßen, von wo sie sehnsüchtig auf das überaus bunte Treiben der Bazar-Straßen hinabsahen. Aber nicht alle Sultane waren gleich herzlos zu ihren Frauen. Einer von ihnen ließ für seine hundert Frauen ein Schloß inmitten eines riesigen Parkes bauen, den er mit einer mächtigen Mauer umgab, die damals schon 15 000 englische Pfunde gekostet haben soll. Von diesem Schlosse sind noch die persischen Bäder erhalten und die kreisrunden Wasserbecken inmitten der Höfe, die mit blauen Lotosblumen so weit bestanden sind, wie die Besucher mit ihren Händen nicht greifen können. Das Wasser für dieses Becken und für die Brunnen, wie überhaupt das Süßwasser für die Stadt, leiteten die Araber auf gemauerten Aquädukten von den nördlich der Stadt gelegenen Hügeln heran, es ist ganz vorzüglich, und der Volksmund berichtete, es stamme von den Gletschern des Kili- mandschora. Erstaunlich ist es, daß sowohl die Forschungen der Geologen als die Untersuchungen der Chemiker ergeben haben, daß es sich tatsächlich mit ziemlicher Sicherheit um Sickerwasser dieses größten ostafrikanischen Berges handeln muß. Schon am Hafen fällt dem Ankömmling ein eindringlicher Geruch nach Glühwein auf. Er stammt aus den Lagerschuppen für Gewürznelken. Zanzibar ist die Insel der Nelken. Ein weitschauender Sultan hat den Anbau der sehr langsam wachsenden Nelkenbäume schon vor fast hundert Jahren mit Gewalt durchgedrückt, ähnlich wie die Könige von Preußen den Anbau der Kartoffel befehlen mußten. Der Nelkenbaum wird bis zu zehn Meter hoch, behält aber trotzdem buschähnliches Aussehen mit Zweigen bis zur Erde. Die Nelken selbst wachsen an den Enden der Zweige und werden vor dem Aufblühen gepflückt und getrocknet. Nach amtlichen Angaben stehen über drei Millionen Nelke n b ä u m e auf der Insel und zur Zeit der Ernte bieten sie vielen Leuten, die zum Teil sogar vom Festlande herüberkommen, Arbeit. Fährt man auf der guten Asphaltstraße am Meere unter ragenden Kokospalmen und mächtigen Mangobäumen dahin, die neben den Pflanzungen der Nelkenbäume das wellige Land b edecken, so kommt einem die paradiesische Schönheit dieses Eilandes inmitten des blauen Indischen Ozeans so recht zum Bewußtsein. Herden gut genährter Rinder grasen unter den Palmen und tränken sich aus den klaren Bächen, die von den Hügeln im Innern herabkommen. Die feuchte Seebrise läßt auch in der heißen Zeit kein Dürr- und Grauwerden der Gräser und Büsche zu. Sie vertreibt aber auch die Malaria-Mücke und so schlafen die Europäer auf Zanzibar ohne die stickigen Moskitonetze und ste brauchten nicht allabendlich die Chinin-Tablette als Vorbeugungsmittel zu nehmen. Auch giftige Schlangen und gefährliche Raubtiere fehlen auf dieser gesegneten Insel, ebenso wie die Tsetse-Fliege, die gegenüber, auf dem Festland, dem Rindvieh und den Pferden so verhängnisvoll wird. Die sportbegeisterten Engländer können daher sogar Polo-Pferdchen halten. Aber eine Landplage gibt es doch, und zwar unsere gewöhnliche graue Krähe. Zu meinem größten Erstaunen sah ich einen ganzen Flug dieser edlen Tiere, der gemeinen Nebelkrähen, sich um ein eben überfahrenes Huhn balgen. Ein Vogelfreund hat vor Jahren zwei Pärchen grauer Krähen aus Europa mitgebracht, und während es nur schwer gelingt, Nutztiere zu akklimatisieren, haben sich diese Biester hier auf der herrlichen Insel gegen alle Regeln der Inzucht rapide vermehrt, so daß sie heute zur Landplage geworden sind. Merkwürdig mutet es an, wenn man in ein uraltes arabisches Haus hineinkommt und darin für Europäer hergerichtete und ausgestattete Wohnungen findet. Elektrisches Licht und Wasserleitung, Ventilatoren und neuzeitliche Möbel passen sich diesen alten Bauwerken besser an, als man denken sollte. Das flache Dach, auf dem die Araber zu schlafen pflegten, ist zum Dachgarten geworden, und von hier schweift der Blick über die Zinnen und Dächer der Stadt über die Hafenanlagen auf das Meer hinaus und längs der Küste bis in weite Ferne, wo eben hinter dem niedrigen Bergstrich vom Festlande Afrikas die Sonne versinkt. Auf der Reede sieht man die modernsten, schon jetzt hell erleuchteten Riesendampfer der großen deutschen, englischen, holländischen und japanischen Schiffahrtslinien in der Dünung liegen, während näher dem ßonbe, hinter dem Wellenbrecher aus Betonklötzen, die arabischen Dhaus, wie schon vor Jahrhunderten, darauf warten, daß der Südostmonsum aufkommt, der sie mit ihren Waren zum Persischen Golf zurücktreibt, so wie sie vor Weihnachten der Nordost- monsum hierher getrieben hat. Bunt ist das Leben der abendlichen Straßen. Die Inder besuchen zu Hunderten einen berühmten Priester. Sie kommen familienweise in Festtracht. Die Männer schneeweiß in Hosen und langen Gehröcken mit bunten Turbanen, die Weiber und Kinder grell bunt mit schillernden und blitzenden Flitterstreifen an dem Saum ihrer Kleider. Die bärtigen Araber gehen nie ohne den silbernen Krummdolch, und ihre stolze Haltung läßt deutlich die Angehörigen einer alten Herrenschicht erkennen. Ihre eigenartigen Steingräber liegen verfallend und doch un- äntastbar auf kleinen Plätzen inmitten der engen Bazarstraßen. Zanzibar, die nelkenduftende, palmenumrauschte Insel ist ohne Zweifel nicht nur der Schlüssel zur ostafrikanischen Küste, sondern auch das Juwel dieser Gewässer. Man hört, aber man glaubt es kaum, daß die Staatsausgabe^ aus dem Nelkenhandel gedeckt werden und die Zanzibar-Bürger st e u e r f r e i sind. Damit würde dieses herrliche gesunde Fleckchen Erde an paradiesische Zustände herankommen. (Alle Rechte beim Traditions-Verlag Kolk & Co., Berlin SW.) Aus aller Welt. Großer Erfolg der deutschen Fremdenverkehrswerbung. Das Schiedsgericht des Zentralrates für internationalen Fremdenverkehr hat in Paris unter dem Vorsitz des Präsidenten des französischen Touring- Clubs, Chaix, den ersten und zweiten P r e'i s des internationalen P l a k a t Wettbewerbs für Fremdenverkehrswerbung Deutschland zuerkannt. Der große von König Fuad von Aegypten gestiftete goldene Pokal kommt damit zum zweitenmal nach Deutschland. Der erste Preis siel an das Plakat „Bad E l st e r7', der zweite an das Plakat „Harz, Wunder des deutschen Waldes", beide von Jupp Wiertz aus Berlin, der dritte Preis siel an Aegypten für das Plakat „Aegypten, Land der ewigen Sonne . Da sich an dem Wettbewerb 19 Länder mit insgesamt 37 hervorragenden Plakaten beteiligt hatten, dürfen der deutsche Fremdenverkehr und der zum zweiten Male ausgezeichnete Künstler auf ihren Erfolg stolz sein. Auch die übrigen vom Reichsausschuß für Fremdenverkehr vorgelegten Plafate erfuhren eine gute Bewertung. Die Verluste der Heilberufe im Weltkriege. Im Zuge der eingehenden Untersuchungen über den Einsatz von Menschen und Material im Weltkrieg werden jetzt auch die Ziffern über die Heilberufe bekannt. Danach zählte das deutsche Sanitätskorps im Weltkrieg im Heer 24 798, in der Marine 1359 und in der Schutztruppe 135 Aerzte. Von den insgesamt 26 292 Aerzten waren 18 709 im Operations- und Etappengebiet, 7583 innerhalb der deutschen Grenzen tätig. Auf dem Felde der Ehre blieben 1819 Aerzte; 869 von ihnen fielen oder starben durch Verwundung, die übrigen durch Krankheiten. Im Kampf gegen das Fleckfieber ließen 98 Aerzte ihr Leben. 990 Aerzte gerieten in Gefangenschaft. — Die Zahl der Zahnärzte betrug im Feld- und Heimatheer bis Mitte 1918 insgesamt 1300. — Schließlich gab es im deutschen Feldheer 1992 Militärapotheker, im Besatzungsheer 1647. Von den insgesamt 3639 Apothekern sind 71 gefallen bzw. gestorben. Tagung der Landwirlschaflschemiker in Frankfurt. Anfang Juli treffen sich die auf dem Gebiete der landwirtschaftlich-chemischen Forschung tätigen deutschen Wissenschaftler zu einer großen Gemeinschaftstagung in Frankfurt a. M. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bodenkund- lichen Gesellschaft, dem Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungsanstalten und der Fachgruppe „Landwirtschaftschemie" im Verein Deutscher Chemiker wird diese Tagung von der Reichsarbeitsgemeinschaft „Landw. Chemie" im Forschungsdienst durchgeführt. Bei der Vielseitigkeit der Vorträge (Bodenkunde, Pflanzenernährung und Pflanzenschutz, Tierernährung) wird das Treffen die straffe Zusammenfassung aller deutschen Landbauwissenschasiler im Forschungsdienst widerspiegeln. Dieser Tagung kommt insofern eine besondere Bedeutung zu, als es in der deutschen Landwirtschaft gegenwärtig vor allem darauf ankommt, die Erzeugung mit allen Mitteln zu steigern. Eine Erhöhung der Leistung fordert in erster Linie eine sorgfältige Erforschung aller ackerbaulichen Fragen, und so werden die Voraussetzungen einer deutschen Düngerwirtschaft wesentlicher Gegenstand der Vorträge sein, in denen berufene deutsche Wissenschaftler über den Stand ihrer Forschungsarbeiten berichten werden. Wegen Gatlenmordes zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Königsberg verurteilte die 51jährige Ehefrau Maria Parakennings wegen Giftmordes an ihrem Ehemann, dem 57jährigen Landwirt August Parakennings aus Schenkendorf im Kreise Labiau, zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. Die Angeklagte, die einen sehr schlechten Ruf genoß, hatte den Witwer Parakennings geheiratet und ihn dazu gebracht, ihr sein Grundstück zu verschreiben. Sie knüpfte dann mit einem anderen Mann ein Liebesverhältnis an und legte es nun darauf an, sich ihres Mannes zu entledigen. Sie schüttete ihrem Mann eine solche Menge Arsenik in einen Pfefferminztee, daß das Gift ausgereicht hätte, eine ganze Familie zu vernichten. Der Mann starb nach dem Genuß des Tees sofort. Die Frau hatte ausgestreut, daß er an einer Grippe verstorben sei. Sofort auftauchende Gerüchte, daß hier kein natürlicher Tod vorliegen könnte, veranlaßte die Staatsanwaltschaft, die Leiche zu beschlagnahmen. Bald nach der Verhaftung legte die Ehefrau ein Geständnis ab. Korea von zwei schweren Unglücksfällen heimgesuchk. Korea wurde von zwei Unglücksfällen heimgesucht, bei denen zahlreiche Todesopfer zu beklagen sind. In der Provinz Sansho in Ostkorea stürzte ein im Bau befindlicher Eisenbahntunnel ein. Ueber vierzig Arbeiter wurden unter den Erdmassen begraben; es besteht wenig Hoffnung, sie lebend zu bergen. — An der Nordostküste Koreas wurden rund 200 Fischerboote von einem Sturm überrascht, die bisher nicht in ihre Heimathäfen zurückgekehrt sind. Man befürchtet den Verlust eines Teiles dieser Fischerflotte, die zum Heringsfang ausgelaufen war. Schweres Eisenbahnunglück in Chile. In Valparaiso (Chile) sind zwei Vorortzüge zusammengestoßen. Sechs Personen wurden getötet und 20 schwer verletzt. Wetterbericht des Reichsweiterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die von Südwest eingedrungenen Tiefdruckstörun- aen brachten auch unserem Gebiet gewittrige Niederschläge, die örtlich sehr ausgiebig waren. Gleichzeitig wurde damit das Eingreifen der nordeuropäischen Wirbeltätigkeit auf unser Wetter beschleunigt, so daß unter ihrem Einfluß bei lebhaften westlichen Winden mit weiterer Abkühlung sowie mit weiteren meist schauerartigen Niederschlägen gerechnet werden kann. Der Witterungscharakter bleibt auch für die Folge bei Luftzufuhr aus West bis Südwest unbeständig. Aussichten für Mittwoch: Wechselnd bewölkt mit wiederholten meist schauerartigen Niederschlägen, bei lebhaften westlichen Winden Mittagstemperaturen zwischen etwa 15 bis 20 Grad. Aussichten für Donnerstag: Bei Luftzufuhr aus West Fortdauer der unbeständigen und ziemlich kühlen Witterung. Lufttemperaturen am 28. Juni: mittags 26,3 Grad, am 28. Juni: abends 19,4 Grad, am 29. Juni: morgens 17,7 Grad, Maximum 27,5 Grad, Minimum 16,7 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Juni: abends 24,4 Grad, am 29. Juni: morgens 20,7 Grad Celsius, Sonnenscheindauer 10,9 Stunden. Statt Karten Mein lieber Mann, unser guter Bruder und Schwager Herr Fritz Magnus ist am 25. Juni sanft entschlafen. Gießen, den 29. Juni 1937. Die Beisetzung erfolgte in der Stille. 4380 D Große 4397° 4395 D für alle Arbeiten. uoqD I •4 . >4. [Vermietungen"] Zum 1. Oktober komfortable 4 Zimm.-Wohn. m. Zubehör zum 1. Okt. an ruhig. Dauermieter zu vermieten. Am 9Zöbritngdberg4 Zu erfrag. Part. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frida Magnus. Optiker- und Feinmechaniker-Landesinnung Hessen M. Reif (Obermeister) 1. Et., mit Heiz., Warmw., Gart., kompl. Bad, zu vermiet. 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Briefumschläge bei Brühl, Gießen Denken Sie an die Strapazen, denen die Sportkleidung gewachsen sein muß. — Gute Stoffe, festeVerarbeitung sind nötig, wenn Sie Freude daran haben wollen. — Was Sie für sportliche Kleidung auch anschaffen, einen kompletten Anzug oder nur einen Sakko oder eine Hose: wählen Sie unter unseren guten, preiswerten Qualitäten, die Sie zufriedenstellen werden Herren-Bekleidungshaus Adolf Möhl K.-G. Gießen - Marktplatz 4394a Kaufgesuche Nerven-Schlaf- Beeren Nr.M Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 29. Zuni 1937 Siegerehrung beim SA -Sportfest. Brigadeführer Schmidt beglückwünscht die Mannschaft der Standarte 116, Sturm 15/116, zu ihrem Sieg im Kampfballspiel. Die Mannschaft des Sturmes 15/116 (Großen- Buseck) konnte sich im Spiel des Vormittags gegen Alsfeld wie auch im Entscheidungskampf des Nachmittags gegen Büdingen siegreich behaupten. Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger. Die Sieger der Brigade 141 beim Gruppen-Sportfest. Dreikampf (Klasse AI, bis 34 Jahre): 60- Meter-Lauf, Steinstotzen rechts und links und Keulenzielwurf: 4. Sieg Scharführer Wenzel, 2/145, 69 Punkte; 8. Sturmmann Dietz, 2/116, Oberscharführer Küthe, P. 2/116, je 61; 9. Sturms. Wacker, 2/254, 60; 10. Scharführer Wolf, 11/145, 59; 13. Scharführer Franz Müller, 4/222, 55; 14. Sturmmann Freimann, 23/145, 54; 18. Rottenführer Belz, 13/145, 50; 19. SA.-Mann Feist, 4/145, 48; 21. SA.-Mann Bohnacker 9/254, 46 Punkte. Dreikamps (Klasse A 2, 35 bis 44 Jahre): 60-Meter-Lauf, Steinstoßen rechts und links und Keulenzielwurf: 4. Sieg Scharführer Södler, 1/254, 55 Punkte; 5. Rottenführer Bingel, 22/222, 53; 6. Sturmmann Schmidt, Pi. 2/116, 52; 10. Oberscharführer Fink, 254, 47 Punkte. Dreikampf (Klasse Reserve, über 45 Jahre): 60-Meter-Lauf, Steinstoßen rechts und links und Keulenzielwurf: 2. Sieg Scharführer Berg, 14/145, 57 Punkte. 60 - Meter - Lauf (Klasse A 2, 35 bis 44 Jahre): 4. Sieg Sturmmann Schmidt, Pi. 2/116, 7,8 Sekunden; 5. Sturmmann Spanner, 24/145. Stein st oßen (Klasse Al): 3. Sieg Rottenführer Matthies, 3/116, 13,85 Meter; 6. Scharführer Wenzel, 2/145, 12,78; 6. Sturmmann Freimann, 23/145, 12,78; 9. Sturmmann Busch, 2/254, 12,54; 9. Sturmmann Lotz, 2/222, 12,54; 10. Obersturmführer Stock, 1/254, 12,51 Meter. — Klasse A 2: 2. Sieg Oberscharführer Fink, 254, 11,57 Meter; 5. Rottenführer Bingel, 22/222, 10,59; 7. Sturmbannführer Faulstich, 1/116, 10,35 Meter. — Klasse Reserve: 3. Sieg Scharführer Berg, 14/145, 10,18 Meter. Keulenzielwurf: Klasse AI: 4. Sieg Obertruppführer Sinner, R. 41/116. — Klasse A 2: 2. Sieg SA.-Mann Hetterich, 7/254. 15 - km - Gepäckmarsch mit wehrsportlichen Einlagen: 8. Sieg Standarte 145, 254 Punkte; 14. Standarte 254, 175; 15. Standarte 222, 174; 16. Standarte 116, 158 Punkte. 16 0 - Meter - Alarmlauf: 5. Brigade 147 (Standarte 222), 7.47,5 Minuten. 29 X 60 - Meter - Staffel: 4. Sieg Brigade 147, 2.50,4 Minuten. 10 X 60 - Meter - Hindernis - Dienstgrad staffel: 3. Sieg Brigade 147 (Standarte 145), 2.57,9 Minuten. 6 X 60 - Meter - Pendel - Staffel: a) Sondereinheiten. — Nachrichten: 4 Sieg Brigade 147 — Nachrichtenfturm 116 — 55,7 Sek.; b) Sondereinheiten — Pioniere: 3. Sieg Brigade 147 — Sturm Pi. 1/116 — 56,1 Sek.; c) Sondereinheiten — Reiter: 3 Sieg Reiterstandarte 147, 56,6 Sek.; 4. Sieg Reiterstandarte 247, 56,6 Sekunden. Turnen - Geräte - Dreikampf (Mannschaft): 3. Sieg Brigade 147 (Standarte 116), 181,3 Punkte. — Einzelwertung: 8. Sieg SA.-Mann Jung, Sturm 12/116, 47,5 Punkte; 9. Sturmmann Deibel, Sturm 2/116, 46,2 Punkte. Fünf - Minuten - Paarlaufen: 3. Sieg Sturmmann Franz Neidet - Sturmmann Hans Neide!, 10 Runden und 85 Meter. Das Ergebnis der Gchäferhundeschau in Gießen. Nachstehend veröfsentlichen wir einen Auszug aus der Ergebnisliste der Schäferhunde-Schau, die am vergangenen Sonntag unter starker Beteiligung vieler Hundefreunde abgehalten wurde Nicht weniger denn etwa 55 Tiere waren zur Bewertung vorgeführt. Wir nennen nachstehend die Preisträger unserer engeren Heimat: Rüden. Vorzüglich: „Otwin v. Busecker Schloß", Besitzer A. Hahn, Züchter: L. Schmidt, beide Großen- Buseck; „Primus vom Busecker Schloß", Bes.: W. Kimm-ll, Z.: Alfred Hahn, beide Großen-Buseck. Sehr gut: „Rando v. Busecker Schloß", Bes.: W. Wehrum, Z.: Alfred Hahn, beide Großen- Buseck; „Elko Herzogtreu", Bes. Lotte Engler, Schotten, Z.: Gustel Herzog, Oppenheim a. Rh.; „Arno v. d. Biebermündung", Bes.- W. Hahn, Ruppertsburg, Z.: Otto Pfeiffer, Heuchelheim. Hündinnen. Vorzüglich: „Gerda v. Busecker Schloß", Bes. und Z.: A. Hahn, Großen-Buseck. Sehr gut: „Branda v. Busecker Schloß", Bes.: I. Becker, Z.: A. Hahn, beide Großen-Buseck; „Klette v. Hammerstein", Bes.: Lotte Engler, Schotten; Z.: Ehr. Puderbach, Neuwied; „Resi v. Busecker Schloß", Bes.: K. Althaus jr., Z.: A. Hahn, Großen-Buseck; „Flora v. Georgstollen", Bes.: H. Müller, Z.: K. Lenz, Schäferlehrmeister, beide Ehringshausen b. Wetzlar. Altersklasse Rüden. Sehr gut: „Stern v. Mäuseturm", Bes.: Dir- ginie Hüttenberger, Gießen, Z.: I. A. Floch, Schwabenstein; „Zupan v. Holzheimer Eichwald", Bes.: A. Balser, Holzhausen, Z.: Adam Diehl, Butzbach. Altersklasse Hündinnen. Vorzüglich: „Biene v. Koppelstein". Bes.: L. Beuler, Höhr, Z.: K. Frank II., Ober-Lahnstein. Sehr gut: „Dora v. Solmser Hof", Bes. und Z.: A. Freundt, Wetzlar; „Asta v. Gießener Gart- feld", Bes.: G. Klös, Gießen; Z.: A. Freundt, Wetzlar; „Asta v. Ostheimer Wald", Bes.: Hans Rienhardt, Gießen, Z.: Fr. Becker, Ostheim; „Cilla v. Haus Fritz", Bes. und Z.: Ernst Jung, Holzheim. Junghundklasse Rüden. Sehr gut: „Saturn v. Lahnstrand", Bes.: Gg. Löwer, Z.: Gg. Hüttenberger, beide Gießen; „Frido v. d. Herminenau", Bes.: A. Czense, Wetzlar, Z.: H. Nicolay, Butzbach. Gut: „Faktor v. Heck", Bes. F. Scheerer, Weidenau, Z.: O. Hoffmann, Brombach; „Barry v. Röderhof", Bes.: A. Westbrock, Gießen, Z.: Ludw. Roth, Rüddingshausen. Junghundklasfe Hündinnen. Sehr gut: „Senta v. Busecker Schloß", Bes.: Gg. Schoch, Oppenrod, Z.: Alfred Hahn, Großen- Buseck. Jugendklasse Hündinnen. Sehr gut: „Elfe Lahnwacht", Bes.: L. Petry, Wetzlar, Z.: derselbe; „Cilla v. Speichberg", Bes.: G. Hofmann, Hausen, Z.: A. Lather, Ansbach. Jugendklasse Rüden. Sehr gut: „Alex v. Wingertstollen", Bes. und Z.: H. Müller, Ehringshausen. Gut: „Falko v. Haus Fritz", Bes.: Karl Stützet, Wetzlar, Z.: Ernst Jung II., Holzheim; „Arno b. Rechtenbach", Bes.: H. Kuhl, Groß-Rechtenbach, Z.^ L. Ufer, Garbenheim; „Greif v. d. Herminenau"^ Bes.: Langsdorf, Pohl-Göns, Z.: H. Nicolay, Butzq bad). Einer der prächtigen Schäferhunde, der bei der Hundeschau auf dem Waldsportplatz mit einem ersten Preis ausgezeichnet werden konnte. (Aufnahme^ Neuner, Gießener Anzeiger.) lvZchreZL.„Teulonia"Watzenbom-Sleinberg. ' L _ ■: a Vereinsführer Harnisch überreicht dem Spielführer der Gastmannschaft von „Wor- matia" Worms, vor dem Spiel am Sonntag („Wormatia" Worms — FC. „Teutonia" Watzenborn-Steinberg) als Erinnerungs-Geschenk des gastgebenden Vereins eine Adolf-Hitler-Büste. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) Am Samstag konnte der FC. „Teutonia" Watzenborn-Steinberg sein zehnjähriges Stiftungsfest beginnen. Fast die gesamte Einwohnerschaft beteiligte sich am Kommersabend. Die fünf hiesigen Gesangvereine und der Turnverein „Gut Heil" Watzenborn-Steinberg halfen den Festabend verschönern. Der festgebende Verein holte die Gesangvereine, mit Musik begleitet, an ihren Vereinslokalen ab und nach einem kurzen Umzug durch die Straßen der Gemeinde begann dann der feierliche Akt in der neuerbauten Volkshalle, die sehr bald besetzt war. Nachdem die Turner, Turnerinnen und Fußballspieler einmarschiert waren, begrüßte der Geschäftsführer, A. Pitz, die Anwesenden im Namen des Vereins. Nach ihm sprach der Vereinsführer, Harnisch, der die zehnjährige Dereinsgeschichte kurz schilderte, in der er u. a. erzählte, daß die jungen Gründer und Helfer trotz mancher Schwierigkeiten den Mut nicht sinken ließen und immer wieder versuchten, durch Anträge an Gemeinde und Staat eine Sportstätte zu erhalten. Es wurde auch erreicht, daß die Gemeindeverwaltung ein Stück Oedland zur Verfügung stellte, das von den Arbeitslosen und hauptsächlich von den Mitgliedern des Vereins zu einem Sportplatz umgebaut wurde. Dann wandte sich Harnisch an die Gründer des Vereins, dankte ihnen und verlieh zur Anerkennung einem jeden als äußerliches Zeichen ein Diplom. Gründer waren: Gg. Buß, Ldw. Happel, Alb. Knorr, Otto Fett, Hch. Schmandt, Ernst Happel, Otto Burger und Robert Ruckelshausen. Anschließend erhielten die Gründungsmitglieder O. Fett, Hch. Schmandt, Ernst Happel, Otto Burger und Robert Ruckelshausen die goldene Vereinsnadel als Dank für ihr außergewöhnlich diszipliniertes Verhalten auf dem Sportfeld in diesen zehn Jahren. Weiter sprach der Vereinsführerder Gemeindeverwaltung Dank aus für Hebbels „Nibelungen". Iestaufführung in Worms. Als dem Dramatiker Friedrich Hebbel wenige Wochen vor seinem Tode der 1859 gestiftete Schillerpreis zuerkannt wurde, galt diese Ehrung ausdrücklich dem „Verfasser der .Nibelungen'"; und wenn wir heute auch geneigt sind, diese späte, vom Dichter selbst bitter als verspätet empfundene Auszeichnung und Anerkennung auf sein Gesamtwert zu beziehen, wird einem — gerade nach der außerordentlichen Leistung der Festaufführung im Städtischen Spiel- und Festhaus zu Worms — klar, mit welchem Rechte schon damals dieses eine Werk aus der langen Reihe aller übrigen herausgehoben zu werden verdiente. Das alte Nibelungenlied, die große Schöpfung eines noch immer und wohl für alle Zeiten unbekannten deutschen Dichters der Stauferzeit, ein Werk, das mir als Nationalepos unseres Volkes verehren, ist — eben um seiner mittelalterlichen Sprache willen — nur einem verhältnismäßig kleinen Kreise im Original zugänglich. Die Wagner-Oper gab dem mächtigen Stoff grundsätzlich neue Akzente und wird ihrer innersten Natur nach mit Recht in erster Linie als Musi kdrama ausgenommen und gewertet. Erst Hebbel hat den nationalen Stoff in eine jedermann auf das Eindrucksvollste faßbare Form gegossen. * Er hat mit der riesigen, spröden Masse einen wahrhaft heroischen Kampf begonnen und bestanden. Er überwand die Unzulänglichkeiten in Raupachs „Nibelungenhort", er besiegte auch die Bedenken des Aesthetikers Friedrich Theodor Vischer, welcher einer Gestaltung „dieser Eisenmänner, dieser Riesen- weiber" der alten Sage nur die einzig mögliche und angemessene Form der großen heroischen Oper zuzubilligen vermochte. Hebbels Unternehmen war es, „die Basreliefs des alten Liedes von der Wand abzulösen"; dabei wuchs ihm der Stoff unter den Händen, bis er die Fülle überschaut, gegliedert, geformt und gebändigt hatte in den elf mächtigen Akten eines „deutschen Trauerspiels in drei Abteilungen": „Der gehörnte Siegfried" als Vorspiel, „Siegfrieds Todwund „Kriemhilds Rache". In dieser Trilogie fließen Sage und frühe Geschichte unseres Volkes auf eine bezwinqend-großartige Weise ineinander. Die „Basreliefs" sind in der Tat „von der Wand abgeläst" und wachsen wie die Gestalten einer enormen Fresko-Malerei ins Uebermenfchliche und Mythisch-Ueberlebensgroße. * Gleichwohl ist ihre Sprache die unsere und uns verständliche; in ihren Reden und Taten, in chrem Schicksal und ihrem Tode erleben wir die mächtige Szenenfolge einer heroischen Volksballade; hier finden wir alles das mit höchster Klarheit und Einfachheit zu lebendigstem Leben erweckt, was unsere Phantasie und Erinnerung sich aus frühen Eindrücken von Sage und Volksbuch, von Lied und Epos vom Nibelungenstoff dunkel und dämmernd bewahrt hat: den Wettkampf der Mannen, die Fabel vom Drachentöter mit dem Lindenblatt zwischen den Schultern, mit dem Schwert Balmung und der Nebelkappe, seine Werbung um Kriemhild, seinen Kampf für Gunther mit Brunhild, die Entdeckung des Betrugs, den Streit der Königinnen vor dem Dom, den Meuchelmord Hagens auf der Jagd im Odenwald, die Aufbahrung der Leiche Siegfrieds und den Racheschwur Kriemhilds, die Gestalten Rüdigers und Dietrichs von Bern, den Burgundenzug nach Heunenland, Kriemhild an der Seite Etzels, den im Rhein versenkten Nibelungenhort ... und den fürchterlichen Untergang der Helden im brennenden Festsaal. — * Das Unternehmen, dieses dramatische Riesengebäude mit verhältnismäßig geringen Kürzungen als Ganzes in einem einzigen, ungebrochenen, gegen Ende immer gewaltiger sich steigernden Szenenablauf auf die Bühne zu bringen, ist außerordentlich und dürfte in der Geschichte des deutschen Dramas und Theaters seinesgleichen suchen. Der Spielleiter Richard Weichert, dessen hervorragende Leistungen am Frankfurter Schauspielhaus noch unvergessen sein werden, hat es gewagt und gewonnen: der weite und große, stilvoll angelegte Raum des Wormser Sviel- und Festhauses gab der Aufführung einen Rabmen, wie man ihn sich kaum schöner, sinn- und beziehungsvoller hätte denken können für ein Trauerspiel, dessen meiste Szenen ja ihren Schauplatz in Worms haben. Monumentalität: das ist wohl das Stichwort, mit dem man die Eindrücke der Festaufführung am eindeutigsten und knappsten zusammenfassen kann: es galt zunächst für die Raumgestaltung durch Max Fritzsche, der die entscheidenden Stationen — Gunthers Burg, Brunhilds Burg in Jsenland, den Dom, den Odenwald, Bechlarn und den Etzel-Hof — im Stile riesiger Tafelmalereien entworfen hatte. Die strenge, in den Farben sparsame, in den Formen wuchtige 'Romanik der weiten und tiefen Räumlichkeiten fügte sich zu einem vollkommenen Zusammen- klana nicht nur mit dem amphitheatralisch ansteigenden Rund des Bühnenraumes, sondern darüber hinaus erst recht mit dem durch den nahen Dom prachtvoll und kennzeichnend beherrschten Bilde der alten Stadt. ♦ Monumentalität war auch das Merkmal der dramaturgisch-darstellerischen Gestaltung, die von allen an der Aufführung Beteiligten ein durchaus ungewöhnliches Maß an schauspielerischem Einsatz und innerer Konzentration verlangte. Weichert hat die Orgelpunkte der Trilogie mit ungemeiner Sicherheit, überschauender und gliedernder Kraft herausgearbeitet in einer Szenenfolge, die kein Wort und keinen Vers zu viel enthielt und die Elemente der Handlung in einer grandiosen Steigerung auf das düstere, flammenüberflackerte Finale des Schlußaktes hin aufbaute und durchkomponierte. Die Szenen vor dem Dom, im Odenwald und in der Heunenburg waren Höhepunkte einer wirklichen Festaufführung von unvergeßlicher Eindringlichkeit. Es gab nicht einen toten Punkt während der mit verhältnismäßig geringen Pausen über sechs Stunden dauernden Vorstellung; das ist ein Ausmaß, das wohl selbst das der größten Wagner-Opern noch überbietet; dabei wird mehr als einer unter den Zuschauern und Zuhörern überrascht, betroffen und gebannt gewesen sein von der von Szene zu Szene sich steigernden (rein theatralischen) Spannung und der gewaltigen Ausdruckskraft einer heroisch-nationalen Dramatik. * Wie im Szenischen, so wurde auch darstellerisch die Aufführung, die ein riesiges Personal erfordert, zum überwiegenden Teile von den Kräften des Hessischen Landestheaters in Darmstadt — Gesamtleitung: Generalintendant Franz Everth — bestritten; nur für die beiden tragenden Frauenrollen in diesem männerreichen und männlichen Drama hatte man zwei bedeutende Berliner Darstellerinnen verpflichtet. Der wunderbar sammelnde und aus- strahlende Mittelpunkt der Aufführung war durch alle elf Akte hin die Kriemhild der Agnes Straub. Es gibt wohl unter den berühmten Darstellerinnnen, über die wir heute in Deutschland verfügen, keine, die schon in der körperlichen Erscheinung und dem äußeren Bilde unserer Vorstellung von der deutschen Königstochter Kriemhild idealer entspräche: hoch und schlank, von einem sehr Hellen Blond, das herrlich mit dem lichten Blau wie mit dem strengen Schwarz der schlichten, weich fließenden Gewänder harmoniert, verkörvert sie etwas von der zugleich herben und süßen Weiblichkeit der edlen Figuren des Naumburger Domes oder des Straßburger Münsters. Solchem Bilde entspricht vollkommen die geistige Beherrschung, die seelische Durchdringung und Vertiefung der Gestalt; man muß sich die unerhörte Konzentration vergegenwärtigen, welche allein die aedächtnismäßige und sprachliche Bewältigung dieser Rolle verlangt. (In der sich, genau genommen, drei Rollen vereinigen.) Bewundernswert darf aber die innere Spannung dieser Frauengestalt in den Händen der Straub genannt werden, die seelische Entwicklung, die in der Tat zwischen den äußersten Polen menschlicher Empfindung sich zu bewegen bestimmt ist: „... von der zaghaften, schüchternen Jungfrau, die sich schamhaft vor dem heimlich Geliebten verbirgt, bis zu dem furchtbaren Rachedämon, der das Haupt des eigenen Bruders wie einen Distelkopf absck)lägt." Von der zarten, manchmal fast ein wenig schalkhaften Innigkeit des Gefühls, mit der diese Kriemhild ihren Helden umfängt ... bis in die unheimliche und schon übermenschliche Starrheit eines rächenden Würgengels: welch eine Steigerung, auch in der aller Modulationen fähigen Stimme, die wie ein empfindliches Instrument den Raum im Halblauten wie im entfesselten Schrei durchdringt und füllt. * Die Brundhild war am letzten Festspieltage — an Stelle von Maria Koppenhöfer, Berlin — Ruth Trumpp vom Landestheater, die sich neben der Straub mit einer interessanten und beherrschten Leistung sehr persönlich behauptete; sie gibt eine jugendlichere Brunhild als die Koppenhöfer, schwarzhaarig, bleich und wild, mit schmalem Körper, dem man so männliche Kampfleistungen kaum zutrauen möchte, aber gespannt und angetrieben von einem glühenden, unter Zuckungen gebändigten Willen, von jungfräulicher Scham, walkürenhaitem Stolz und vergehendem Haß. Neben ihr muß zunächst Karl Z i st i g (der früher in Frankfurt spielte) als Hagen genannt werden: auch dies eine Gestalt, die dem überwirklich-mythischen Stil der Aufführung auf eine imponierende Weise entsprach — in äußerer Erscheinung, in Haltung, Gebärde und Sprachstil; ein finsterer, unerbittlicher, dem Schicksal und dem schweren Tode trotzenden Kämpfer . — Sehr licht und hell, jugendlich-strahlend, edel und arglos, die Jdealgestalt der deutschen Heldensage, stand ihm in Jochen P o e l - zig ein Siegfried von naturhafter Einfachheit und Gesundheit des Empfindens und Handelns gegenüber. * Von dem Riefenaufgebot der übriaen Mitspieler können hier nur noch einige der wichtigsten und im Gesamtbilde markantesten Figuren festgehalten werden: Carl R a d d a tz, der die wenig dankbare Rolle des Gunther mit maßvoller Gehaltenheit formte, Max Nemetz, der als Etzel im lebten Teil des Trauerspieles den Gang der Ereignisse wesentlich mit bestimmte, Hellmut Bergmann als Rüde- ger und Walter Jung, zwei charaktervolle, lebendige Sprecher. — Auch einige frühere Mitglieder des Gießener Stadtheaters standen im großen Ensemble: Ludwig M o s b a ch e r, ein rührend jugendlicher Giselher, L i n k m a n n, der hunnische Sviel- mann Werbel, beweglich und geduckt, schleichend und witternd, die halbwilden Rudel der Heunenkrieger anführend und aufwiegelnd; ferner die Herren von S p a II a r t und Gehre. Hans Thyriot. Vor Beginn der mit anhaltendem Beifall auf- genommenen Festvorstellung stattete Oberbürger, meister Bartholomäus dem scheidenden Gaupropagandaleiter M ü l l e r - S ch e l d , der sich für die Ausführung der „Nibelungen" gerade in Worms verdienstvoll und tatkräftig eingesetzt hat, den Dank der Stadt ab und überreichte ihm als Andenken eine Radierung. das den Sportlern entgegengebrachte volle Verständnis. Weiter wurde erwähnt, daß auch die Neuerschaffung der Lolkshalle zweckdienlich für die Werbung des Fußballfportes ist,- in der die Sportler im Winter ihren Körper durch Hallentraining erziehen können. Nachdem nun zwei Gesangvereine und Turner mit Darbietungen erfreuten, folgte der begeisterte Empfang der Gäste aus Worms. Unter dem Jubel der Festteilnehmer zogen sie in die Volkshalle ein. Anschließend bot ihnen der Vereinsführer Harnisch den Willkommensgruß und Bürgermeister S ch ä - f e r begrüßte die Gäste im Namen der Gemeinde. Durch diesen ungeahnten Empfang fühlte sich der Geschäftsführer Stein aus Worms veranlaßt, im Namen seines Vereins, insbesondere der erschienenen Spieler, aufs herzlichste füp den gastfreundlichen Empfang zu danken und brachte zum Ausdruck, daß sie von dem kleinen Verein und der Landgemeinde Watzenborn-Steinberg diese Aufnahme nicht erwartet hätten. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß in einer so sußballbegeister- ten Gemeinde die Wormser Mannschaft für den Fußballsport werben könne. Er übergab dem 23er« einsführer Harnisch und dem Geschäftsführer A. Pitz die silberne Nadel der Wormatia. Dem FC. Teutonia übergab er ein Jubiläumsgeschenk und zwar ein Bild der Vaterstadt seines Vereins Worms. Bei Musikvorträgen und Tanz blieben dann die Gäste und Gastgeber noch lange zusammen. Am Sonntagvormittag wurde ein Ausflug mit den Gästen auf den naheliegenden Schiffenberg gemacht, um ihnen die Schönheiten unserer Heimat zu zeigen. Nach dem Jubiläumsspiel, über das wir gestern ausführlich berichteten, begann die Jubiläumsfeier in der Volkshalle, die eben einen gleichguten Eindruck auf die Gäste aus Worms machte, wie der Abend vorher. Gegen 21 Uhr verließ die Fußballmannschaft aus Worms die gastreiche Gemeinde. Aus der Giadi Gießen. Geheimrat Krüger 75 Jahre alt. Von der Pressestelle der Universität wird mitgeteilt: Am 29. Juni wird Geheimrat D. Dr. Dr. Gustav Krüger, der frühere Vertreter der Kirchengeschichte an unserer Ludwigs-Universität, 75 Jahre alt, nachdem er im letzten Jahr sein fünfzigjähriges Dozentenjubiläum und vor 3 Jahren sein goldenes Doktcvjubiläum hat feiern dürfen. Die Universität gedenkt mit Dankbarkeit seiner Verdienste, die er sich als ein auch im Ausland anerkannter Forscher, als langjähriger Stipendiatenephorus und als zweimaliger Rektor um sie erworben hat, und wünscht ihm Gesundheit und Wohlergehen. * Geheimrat Professor D. Dr. Dr. Krüger wurde am 29. Juni 1862 zu Bremen geboren, besuchte dort das Humanistische Gymnasium, studierte in Heidelberg, Jena, Gießen und Göttingen, promovierte 1884 in Jena zum Doktor der Philosophie, wurde 1886 Lizentiat der Theologie in Gießen, leistete dann als Einj.-Freiwilliger im II. bad. Grenadier-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 110 seine Dienstzeit ab und war anschließend zunächst als Prioatdozent der Theologie, dann als außerordentlicher Professor und schließlich als ordentlicher Professor der Theologie an unserer Landesuniversität tätig. Fast vier Jahrzehnte diente er unserer Universität als ausgezeichneter Hochschullehrer bis zu feiner Emeritierung im Jahre 1927. Unter den Trägern des Geistes, die von der Universität Gießen aus eine Fülle von Energie ins Hessenland und darüber hinaus ausgesandt haben, ist Geheimrat Krüger einer der markantesten und wirksamsten. Der Jubilar gehört der Hessischen Landesuniversität seit einem Menschenalter an. Ehrenvolle Rufe hat er ausgeschlagen, und die Geschichte der Universität in den letzten Jahrzehnten ist ein Stück seiner eigenen Lebensgeschichte geworden. Unter seiner Mitwirkung wurde manche wichtige Entscheidung getroffen. Er war zweimal Rektor und achtmal Dekan der Theologischen Fakultät. Das Amt des Stipendiaten-Ephorus verwaltete er mit allem angeborenen Takte, feiner Menschenkenntnis und seinem Gerechtigkeitssinn. Eine geniale Art der Menschenbehandlung zeichnet ihn aus. Als Universitätslehrer hat Geheimrat Krüger stets eine starke eigene Note bewiesen. Seine Vorlesungen wurden für manchen Studierenden ein starkes Erlebnis. Er verstand es, mit der Ueberlegenheit des Sachkenners, in fesselnder Leichtigkeit darzustellen. Geistreiche Laune verband er mit einem warmen Herzen und oft bewährter menschlicher Güte. Auf die Geschicke der Hessischen Landeskirche nahm er insofern Einfluß, als ein ganzes Geschlecht von Theologen durch feine Hände ging. Lange führte er den Vorsitz der „Gießener Theologischen Konferenz". Mit der theologischen Bewegung, die ihn schon als jungen Menschen ergriff, ist er eng verbunden. Karl von Hase, der Altmeister der Kirchengeschichte, und Adolf Harnack waren feine Lehrer. Er folgte ihren Spuren und wandte sich intensiv der Kirchengeschichte zu. Unter vielen feiner veröffentlichten Schriften und Werke befindet sich ein weitverbreitetes Buch, in dem er in einem großzügigen Ueberblick die Geschichte des Papsttums erzählt. Manches wertvolle Persönlichkeitsbild (Luther, Melanchthon, Landgraf Philipp usw.) wußte er zu zeichnen. Ein zusammenfassendes Handbuch der alten Kirchengeschichte und eine hervorragende Darstellung der lateinischen altchristlichen Literatur sind die bedeutendsten Früchte seines Schaffens. Er war stets ein aufrechter Hasser des Fremdwortes-, er bewies sich immer als ein Künstler der Sprache. Starke künstlerische Impulse verriet er auch dann, wenn er die Geige in der Hand hatte, die er meisterhaft beherrschte, lieber seiner Häuslichkeit liegt ein Hauch aus der Welt der klassischen deutschen Musik und Dichtung. Dem vielverdienten Manne, der sich innerhalb unserer Stadt, über feine Tätigkeit an unserer Universität hinaus, verdient gemacht hat (so z. B. im Evangelischen Kirchenvorstand der Lukasge- meinde, im Konzertverein und im Akademischen Gesangverein), wird zu seinem 75. Geburtstag im großen Kreise seiner vielen Freunde mancher ehrende Gedanke gewidmet fein. Domotizen. Tageskalender für Dienstag: NSLB.: Fachschaft Neuere Sprache: 16 Uhr Oberrealschule, Sitzung. — Ortsgruppe Gießen- Mitte: 20.30 Uhr Hotel Hindenburg, Seltersweg, Schulungsabend. — Appell der Dienststellen: 21 Uhr, Bahnhofshotel, Antreten aller Politischen Leiter. — Gloria-Palast (Selterswegj: „Verräter". BDM.-undIM.-Untergau 116,Gießen BDM. -Schwimmen: Da die Meldungen nicht ordnungsgemäß eingingen, wird die Austragung der BDM.-Schwimmstaffeln auf Dienstag, 6. Juli, verschoben. Die Gruppen 2, 3 und 4/116 melden umgehend namentlich die Staffeln (zehn Mädel) und die drei Führerinnen zur Führerinnenstaffel. — Am heutigen Dienstag, 29. Juni, ist von 19 bis 20 Uhr Training für BDM. IM.-Schwimmen: Am morgigen Mittwoch, 30. Juni, ist von 18 bis 19 Uhr JM.-Schwirnrn- training in der Lahn. Es wird daraus aufmerksam gemacht, daß die Beteiligung am Training für alle IM. Pflicht ist, die sich zur freiwilligen Sportdienstgruppe „Schwimmen" gemeldet haben. HM Die deutfthc Arbeitsfront ■ xW/? M,=Gemeinfihaft „firaft durch Freude" Zur großen Deutschen Rundsunkausstellung nach Berlin fährt ein „KdF."-Sonderzug vom 5. August, abends, bis 9. August, vormittags. Teilnehmerpreis für Fahrt, zwei Uebernachtungen sowie Eintritt zur Ausstellung 19,50 RM. 4383V Nähere Einzelheiten werden später bekanntgegeben. Anmeldungen können bereits jetzt erfolgen. Die Ausbildung der Hausfeuerwehren und Lustfchuhgemeinfchasten. Der erste Lehrgang beendet. Die Orts-(Kreis-)gruppe Gießen des RLB. hat in der Zeit vom 24. Mai bis 23. Juni den 1. Lehrgang in der Ausbildung der Hausfeuerwehren und Luftschutzgemeinschaften in Gießen durchgeführt. Etwa 60 Teilnehmer, fast ausschließlich Frauen und Mädels, wurden theoretisch und praktisch in den Aufgaben der Selbstschutzkräfte unterwiesen, die im Ernstfall den Schutz des Hauses gegen Feuer übernehmen sollen. An sechs Abenden wurden die Teilnehmer über den Sinn und Zweck des Luftschutzes unterrichtet. Sie lernten die einzelnen Bombenarten und ihre Bekämpfung kennen; vor allem wurden sie mit der Natur des Feuers, mit der Löschtaktik, mit den einfachen Löschgeräten der Hausfeuerwehren und Luftschutzgemeinschaften und mit den Brandschutzmaßnahmen vertraut gemacht. Dieser theoretischen Ausbildung schloß sich eine praktische Hebung an, bei der die Teilnehmer die Handhabung der Löschgeräte, insbesondere der Kübel- spritze und des Löschkarrens kennenlernten. Elektro- Thermit-Brandsätze wurden bekämpft, kleinere Brände wurden mit Hilfe der Kübelspritze und der Feuerpatsche gelöscht. Die Teilnehmer bildeten ferner Löscheimerketten, um auf diese Weise das Wasser an den Brandherd heranzuschaffen. Zum Abschluß der Uebung wurde der Löschkarren — das Löschgerät der Luftschutzgemeinschaften — vorge- führt, das bei größeren Bränden eingefetzt wird. Aus dem Kreis der Teilnehmer wurden einzelne Mannschaften für den Löschkarren zusammengestellt, die nun selbständig das Standrohr an einem Unter« flur-Hydranten der städtischen Wasserleitung anschließen und mehrere Schläuche zusammenkuppeln mußten. Durch diese Hebungen werden di-e Hausfeuerwehren und Luftschutzgemeinschaften im Frieden für die Aufgaben im Ernstfall vorbereitet. Aus dem Ergebnis des 1. Lehrganges kann man schließen, daß sich die Teilnehmer ihrer großen Verantwortung bewußt sind und willig diese Hebungen im Arbeitsanzug und unter dem Stahlhelm, teilweise mit der Maske, durchgeführt haben. Der Hangelstein als Naturschutzgebiet. Nach einer Bekanntmachung des Herrn Reichsstatthalters in Hessen gilt der Hangelstein bei Gießen als Naturschutzaebiet für vorläufig sichergestellt. Das hier in Aussicht genommene Schutzgebiet umfaßt ein Gebiet im „Gießener Stadtwald^ von 43,2 Hektar Größe; außerdem die außerhalb davon befindliche „Gnautheiche" und die „Teufelskanzel" im Wiefecker Gemeindewald. Die Grenzen dieses Naturschutzgebietes sind in einer beim Kreisamt Gießen als der unteren Naturschutzbehörde niedergelegten Karte rot eingetragen. Zur einstweiligen Sicherstellung des erwähnten Gebietes ist eine Anordnung ergangen, die besagt, daß es verboten ist, Pflanzen zu beschädigen, auszureißen, auszugraben usw.; ferner ist es verboten, freilebenden Tieren nachzustellen, sie zu fangen, zu beunruhigen oder gar zu töten. Verboten ist es auch, die Wege zu verlassen, zu lärmen, Feuer anzumachen, Abfälle wegzuwerfen ober bas Gelände auf andere Weise zu beeinträchtigen. Wer den Anordnungen zuwider- handelt, muß mit einer Geldstrafe bis zu 150 Mark rechnen. Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 29. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, Vi kg 1,57 Mk., feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, ßandbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier S 11, A 10^, B10, C 9>2, D 9, ungez. inländische 8, Wirsing grün, Vi kg, 18 bis 20, Weißkraut 15, Rotkraut 20 bis 25, Gelberüben (Bündel) 10 bis 12, Roterüben 10 bis 12, Römischkohl 12 bis 15, Bohnen grün 20 bis 40, gelb 45, Erbsen 20 bis 25, Tomaten 35 bis 55, Zwiebeln 15, Rhabarber 8 bis 12, Kartoffeln alte 5, 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,85 bis 3,95 Mark, neue, kg, 11 bis 14 Pf., Pfirsiche 40 bis 50, Himbeeren 35 bis 40, Kirschen 30 bis 50, Heidelbeeren 35 bis 40, Stachelbeeren 20 bis 30, Johannisbeeren 18 bis 20, Erdbeeen 35 bis 50, Blumenkohl, das Stück, 10 bis 60, Salat 8 bis 15, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken 5, Oberkohlrabi 7 bis 12, Rettich 5 bis 15, Radieschen (Bd.) 8 bis 10. * ** In den Ruhestand getreten. Der Justizoberassistent Hertel scheidet am 1. Juli 1937 infolge Erreichung der Altersgrenze aus seinem Amte nach fast vierzigjähriger Dienstzeit aus. Zuletzt war er bei der Staatsanwaltschaft tätig. Im Auftrage der Justizverwaltung überreichte ihm der Oberstaatsanwalt am vergangenen Samstag im Rahmen einer Zusammenkunft sämtlicher Angehörigen der Staatsanwaltschaft eine Anerkennungsurkunde für dem Staate geleistete treue Dienste und hob besonders das Pflichtgefühl des Scheidenden hervor. Abends fanden sich alle Beamte der Staatsanwaltschaft, der Amtsanwaltschaft und des Gerichtsgefängnisses im „Auerhahn^ zu einer Abschiedsfeier zusammen. Der Oberstaatsanwalt konnte dem Veteranen ein Ehrengeschenk der Beamten überreichen. Musikalische und gesangliche Darbietungen gestalteten die Scheidestunde zu einem wahren Kameradschaftsabend. ** Gastwirte zum Glückwunsch auf dem Schiffenberg. Gestern Mittag besuchte der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe von Gießen und Umgegend mit einer Anzahl Berufskameraden den Schisfenberg, um Herrn Lyncker zu dem Familienjubi- läum zu beglückwünschen. Mit Worten der Freude und Anerkennung überbrachte der Borsitzende die Glückwünsche des Verbandes und überreichte der Familie Lyncker eine Bowle mit Widmung. Herr Lyncker dankte für diese Hederraschung und Ehrung und gab anschließend einen kurzen Heberblick über die 100 Jahre, die seine Familie, auf dem Schiffenberg wohnt. Ein Rundgang durch die ganze Domäne Schiffenberg schloß sich an. * * Unfälle. Der 26jährige Otto Kirchner von hier, Rittergasse 23, erlitt auf einer Fahrt mit dem Motorrad durch Marburg einen schweren Sturz und zog sich einen komplizierten Hnterschenkelbruch zu, der seine Aufnahme in die Marburger Klinik notwendig machte. — Ein hiesiger, im Asterweg wohnhafter Schüler mußte nach einem verhängnisvollen Sturz vom Fahrrad mit einem schweren Roman von Walther Kloepffer Copyright 1936 by August Scherl G. m. b. H., Berlin. 33 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Anna, schnell, meine Jnstrurnententasche! Man hat den Tutschek angeschossen. Ziemlich schwer. Ins Bein. Ich habe ihn vorhin im Mühlhölzel gefunden." In seiner Aufregung nahm er gar nicht wahr, wie verstört und verweint das Mädchen war. „Gleich, Josi", stammelte sie und rannte davon. Wie ist denn das möglich? überlegte sie mühsam. Ich habe ihm doch gar nichts getan... Es muß passiert sein, kurz nachdem ich weggelaufen bin... Siehst du, das ist die Strafe, Basil! Ich wünsche dir nicht, daß du stirbst; aber zwiebeln soll es dich ordentlich. Fogg nahm die Tasche hastig in Empfang. „Noch was, Anna. Schorschi steht auf der Büchl- famer Straße. Der Gsodmair ober ein anderer soll ihn abschleppen." „Ja, sofort." Es mochte eine Woche später sein, da saß Anna auf der Bank unter dem Nußbaum, und der Fenzl war gerade heimgegangen. Knie und Kreuz taten ihr weh von der vielen Arbeit. Ein blasser Mond kroch über den Himmel. Die verflossenen Tage waren das reine Fegefeuer an Verzweiflung gewesen, aber jetzt ist der Mann Tutschek so ziemlich aus ihrem Leben gestrichen. Sie hatte sich aus Rausch und Enttäuschung in den Alltag zurückgerettet. „Anna, scht, Fräulein Anna, darf ich hinein?" „Jetzt, Sie haben mich aber erschreckt, Herr Gsodmair! Ja, kommen Sie nur", nickte die Anna. Der Marti stand verlegen am Gartenzaun und kratzte sich hinterrn Ohr. „Bitte!" Sie bot ihm einen Platz auf der Bank an. Der Marti, rasiert und in seinem Feiertagsgewand, ließ sich nieder und fand nicht gleich die richtige Einleitung. „Ein schönes Wetter hätten wir —" Die Anna hob ihre schmalen Brauen ein bißchen, die Möwenschwingen glichen, und das war soviel wie ein Fragezeichen. Der Martl sagte nicht: „haben wir", sondern dialektisch gefärbt: „hätten wir", und Anna wartete vergeblich auf den Konditionalsatz mit wenn. Der Martl geriet in eine neue Verlegenheit, weil seine Nachbarin keine Antwort gab und bloß immerzu in den Mond guckte. Es ging mit ihm überhaupt seltsam zu in der letzten Zeit. Er lag nachts oft stundenlang wach im Bett — und das will bei einem Bauern schon etwas heißen —, die Arbeit freute ihn nicht recht und das Wirtshaus am Sonntag schon gar nicht. Nach der Abendsuppe ging er häufig noch mal über den Hof, angeblich, um in den Stall oder nach dem Wetter zu schauen, in Wahrheit aber, um auf das ferne Bandonion zu hören, das neuerdings lauter klagende Weisen von sich gab, bei denen einem stürmisch und schwach ums Herz wurde. Zu seinem Liebeskummer gesellte sich noch das väterliche Verbot. Es ging dem Martl schon sehr schlecht. Aber heute hatte er sich ein Herz gefaßt, hatte auf die väterlichen Drohungen gepfiffen und war heimlich ausgerückt, um mal wieder ein Zipfelchen von der Anna zu sehen. Und nun saß er da, hatte das wunderbare Mädchen aus dem Norden dicht neben sich und zermarterte sich das Hirn nach ein paar gescheiten Worten und einem leidlichen Anfang. „Ein ganz schöner Abend, Fräulein Anna —" „Was wollen Sie eigentlich von mir, Herr Gsodmair?" fragte die Anna und ließ den Mond im Stich. „Bloß ein bissel nachschauen, wie es Ihnen geht." Wenn man so geradeswegs gefragt wird, geht es gleich viel leichter, siehst du. „Ich konnte nicht klagen, Herr Gsodmair", sagte sie forsch. „So? Hm. Ich hab nur gemeint wegen dem Schmerz, den Sie da erlitten haben", stotterte der Marti. Endlich mal ein guter Satz, fand er. „Schmerz? Wieso? Welchen Schmerz?" fragte sie schnippisch. „Den mit dem Herrn Tutschek. Man hat ihn doch angeschossen, und Sie grämen sich darüber." „Wer sagt Ihnen, daß ich mich gräme? Sehen Sie, das ist nun wieder so ein kleiner Irrtum von Ihnen, Herr Gsodmair." „Ich hab' halt gedacht —" „Zwischen mir und Herrn Tutschek ist das Tischtuch zerschnitten." „Ja?" „Radikal." Der Martl schwieg, teils aus ZartgefkÜHl, teils, weil er mit dieser Neuigkeit erst fertig werden mußte. War Tröstung am Platz oder Jubel? Es ist schon ein Kreuz, wenn man mit den Mädchen noch nicht viel gehabt hat und sich so blitzdumm anstellt. Die Anna schluckte erst mal ein bißchen, dann gab sie mit der Unbedingtheit ihrer achtzehn Jahre von sich: „Ach, lassen Sie mich mit den Männern aus! Die habe ich heraus! Keiner taugt soviel!" „Sie gehen ja höllisch scharf mit uns ins Gericht", lächelte der Marti. „Ich töt’ schon einen kennen, der es aufrichtig mit Ihnen meint", setzte er verschmitzt hinzu. Hnd er kratzte seine ganze Courage zusammen und strich mit feinen rauhen Fingern über ihre Hand, was eine ziemlich bedeutende Unternehmung war. „So? Was Sie nicht sagen! Beichten Sie mal, Herr Gsodmair! Sind Sie schon mit einem Mädchen gegangen?" „Schon. Sogar mit zwei. Nacheinander natürlich", erwiderte er kleinlaut auf ihre strenge Frage. „Da haben roir’s! Und Sie Mannsbild machen sich feine Gedanken, daß diese armen Dinger nun herumlaufen und sich die Augen ausheulen? Weil Sie sie sitzengelassen haben...? Oh, ihr wißt ja nicht, wie schlecht ihr seid!" „So schlimm wird's schon nicht fein", verteidigte er sich. „Und dann — zwischen Gernhaben und Gernhaben ist doch ein Unterschied. Es braucht nicht gleich tiefzugehen und etwas Ernstliches zu sein. Das mit Ihnen, das mit mir und Ihnen ist doch etwas ganz anderes." „Das sagen Sie so." „Nein, Fräulein Anna, das ist so." „Ja, und wenn nun zwischen mir und dem Tutschek allerhand vorgefallen wäre?" „Das wäre schon zuwider. Aber wenn man eine richtig mag, müßt' man halt darüber hinwegkommen. Ich habe Sie doch lieb, Anna!" murmelte er und tätschelte ihre Hand. Kein Schellenberger Mädchen hatte so kleine und doch feste Hände. Es gab überhaupt kein weibliches Wesen im Ort, das so schön und vorttesflich war wie Anna. „Ich muß jetzt ins Haus. Danke für Ihren Besuch, Herr Gsodmair! Gute Nacht!" sagte Anna leise und schritt rasch davon. * Fogg beugte sich über das Bett des Verwalters und beschnupperte mißtrauisch die Wunde, diese Einschußöffnung, aus der mißfarbenes Sekret floß. Eine abundante Eiterung hieß man das in Fachkreisen. Er sah nachdenklich drein und war unzufrieden. Irgend etwas stimmte da nicht. Er hatte vorhin dem noch immer bewußtlosen Tutschek nach langer Heberlegung den Verband abgenommen, eine Maßnahme, au der er sich nur ungern entschloß. Wie war das eigentlich? Gleich am Tage nach dem Hnglücksfall hatte er das Geschoß entfernt, eine kleine Revolverkugel, etwas abgeplattet, die in der Gegend des Oberschenkelknochens stak und eine große Ader angerissen hatte. Die Entfernung mit der Pinzette war leicht Donftatten gegangen; aber jetzt, ein paar Tage später, butterte es in besorgniserregender Weise. Vermutlich waren Stofffetzen in den Schußkanal gelangt. Schöne Schweinerei! Auch diese anhaltende Bewußtlosigkeit machte Fogg Sorge. Anfangs ließ sich das mit Gehirnerschütterung und Blutverlust erklären, aber jetzt mußte man schon annehmen, daß auch die Eitergifte eine wesentliche Rolle dabei spielten. Wenn man den Kranken energisch anrief, kehrte er wohl für wenige Sekunden in eine Art halbes Bestich sein zurück, aber dann schluckte ihn gleich wieder die Dämmerung weg. Hoffentlich reißt er’s durch! dachte Fogg. Unfraut verdirbt nicht. Dann machte er einen neuen Verband, verbrauchte ziemlich viel Zellstoff, packte seine Instrumente zusammen und ging. Gegen das Dorf zu traf er den Gendarmen, der wissen wollte, ob Tutschek schon vernehmungsfähig sei. „Keine Spur, Herr Wachtmeister! Sie können sich selbst überzeugen. Wir sind schon froh, daß er uns ein wenig Milch und Wasser schluckt. Aus dem kriegen Sie noch nichts heraus." „Das ist dumm! Hnd das Geschoß? Der Hnter- suchungsrichter will es haben." Fortsetzung folgt. denn mit Opekia wird die Marmelade billiger. Ohne Opekta nämlich kocht die Marmelade durch die lange Kochzeit häufig bis zur Hälfte ein. Mit Opekta jedoch bekommen Sie ungefähr das ganze Gewicht an Marmelade in die Gläser, das Sie an Obst und Zucker in den Kochtopf geben. www iw 10 /2% Preuß. Landespsdbr.-Anst. Goldpse. R. 19.............. 4%% Preuß. Gold-Komm. R. 20 dy2% Darmstädter Komm.-Lan- desbank R. 6..............• • Deutsche Komm.-Sammel-Anleihe Auslos.-Rechte I.............. 4y2% Franks. Hyp. Goldpse. R. 15 4'A% Franks. HYP. Gold-Komm. Obl. 2 3.................-•- 5y2% Franks. HYP. Liquidation Goldpse...........---------- 5y2% Rheinische HYP. Liquidation Goldpse.................- - Steuergutschein-Verrechnungskur« A.G. für Verkehrswesen .... 6y, Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Hamburg-Amerika Paket......0 Norddeutscher Lloyd........- 0 Deutsche Reichsbahn Vorz.°Akt. 7 Reichsbank................. •- Berliner Handelsgesellschaft . 6% Commerz- und Privat-Bank ... 5 Deutsche Diskonto............ 6 Dresdner Bank.............. 4 Devisenmarkt Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurs Schlußk. Abend- börse Schluß- kurs Schlußk. Mittag, börse Dalum 26.6. 28.6. 26.6. 28.6. Accumulatoren-Fabrik...... . 14 229 229 229 230 Aschaffenburg Zellstoff...... .. 6 .. 0 141,25 137 140,75 137 141,75 137,4 141 137 .. 8 164,5 163,5 164,75 164,5 Buderus Eisen............. .. 5 126,25 125,5 126,5 125,5 Cement Heidelberg......... .. 7 156 154,75 — — Cement Karlstadt.......... .. 6 172 — — — Conti Gumint............. . 12 192 190,5 192 189.25 Daimler Motoren.......... ßi/i 137,25 136,9 137 136,9 Dessauer Gas ............. .. 4 — — 119,25 118,5 Deutsche Erdöl ............ .. 5 154,5 155 155 155 Deutsche Gold- und Silber .. .. 9 262 261 — —— Deutsche Linoleum......... . 10 165 164,5 165 164,5 Elektrische Lieferungen...... .. 6 135,5 136 135,25 136 Elektrische Licht und Kraft... .. 7 152 151 152.13 151 I. G. Farben-Jndustrie..... .. 7 166,25 165,5 166,5 165,9 Felten & Guilleaume....... .. 6 136,4 135,5 136,4 135 Gesfürel.................. .. 7 150,5 148,75 149,75 149 Th. Goldschmidt........... .. 6 148,5 149,75 148,5 149,5 Gritzner Maschinen......... .. U 53,65 — 54,13 53,9 Harpener................. 8V?. 173,5 — 173,25 174 Hoesch Eisen............... 8/2 124,25 124 124,25 124 Philipp Holzmann......... .. 8 148 146,25 148 146,65 Ilse Bergbau.............. .. 6 —— — 172 175,25 Ilse Genüsse.............. .. 6 141,5 142,5 — 142,75 Kali Aschersleben.....>•••• .. 4 123,13 —— 123,13 122 Klöcknerwerke ............. 4/z 137,5 137 137,25 136,5 Kokswerke und Chemische Fabttk 7 — — 154,13 153,5 Lahmeyer ................ .. 6 124,25 123,65 124 124 Mainkraft................. .. 4 99,5 99,25 — — Mannesmann............. 4/2 123 122,5 122,9 122,5 Mansselder Bergbau....... .. 7 150 —— 150 148 Metallgesellschaft........... .. 6 152,25 152,25 151,75 151,75 Orenstein & Koppel........ .. O — — 108,75 108,13 Rheinische Braunkohle...... . 12 234 234 234 234 Rheinische Elektro.......... .. 6 —— 136,5 136 136.75 Rheinstahlwerke............ .. 6 158 157,75 158.5 — Rheinisch-Westfälische Elektro .. 6 131 131,5 130,75 131,25 Rütgerswerke ............. .. 7 148 148 147,5 147 Salzdetfurth Kalt.......... 160 158 160 158.25 Schuckert L Co............. .. 7 170 —— 170 169,5 Schultheis Patzenhofer...... .. 4 — — 101 100,25 Siemens & Halske......... .. 9 215,75 214.5 217 215,5 Süddeutsche Zucker......... . 10 207 206,5 — 208 Vereinigte Stahlwerke...... V/l 119,9 119 119.65 118,65 Westdeutsche Kaufhof....... .. O 59,65 59,4 59,65 59,25 Westeregeln Alkali.......... .. 4 122,5 121 122,5 121,65 Zellstoff Walvhof.......... 159 159 159,5 158,5 Olavi Minen.............. — Stanfjurl a. M . 0,6 31,5 31,4 26. Jun 28. Jun 26. Zun> 28. Jun« Amtliche Gelt lorierung Brie, Amtliche Gelt lionerung Brie__ Amtliche Geld llvtierung Brie Armuche Gelt lrorierung Brie Buenos Aires............. 0,758 0,762 0,756 42,14 0,165 47,10 54,96 0,760 42.22 0,167 47,20 Japan.................... 0,716 5,694 61,89 48,95 0,718 5,706 62,01 49,05 0,716 5,694 61,87 48,95 0,718 5,706 61,99 49,05 Brüssel................... Rio de Janeiro............ 42,14 0,165 47.10 54,98 42,22 0,167 47,20 55,10 Jugoslawien .............. Oslo.................... Wien..................... Polen.................... CinhriihnflPIt. 55,08 Lissabon.................. 11,185 63,49 57,15 16,98 8,671 11,205 63,61 57,27 11,18 63,47 57,16 16,98 8,671 11,20 63,59 57,28 17,02 8,689 47,10 47,20 47,10 47,20 Stockholm ................ Schweiz.................. Spanten.................. 12,315 12,345 12,31 12,34 5,445 5,455 5,445 5,455 17,02 8,689 11,11 11,13 11,135 137,22 11,155 Ptag..................... Budapest................. 137,16 137,44 137,50 13,11 2,496 2,500 2,496 2,500 .......................... 13,09 13,11 13,09 delsbank 60, Ufa 70, Rastatter Waggon 40. — Tagesgeld unverändert 2,75 v. H. Abendbörse ruhig. Die Abendbörfe lag ruhig, da die Unternehmunas- lust anhielt. Bei kleinen Umsätzen bröckelten die Kurse im Vergleich zum Frankfurter Mittagsschluß teilweise noch etwas ab, während der Berliner Schlußstand behauptet wurde. Etwas stärker ermäßigt waren in Anpassung an Berlin Conti Gummi mit 190,50 (192), ferner verloren Bekula 1 v. H. auf 163,50, IG. Farben bei einigen Umsätzen mit 165,50 behauptet, ebenso Verein. Stahlwerke mit 119, Rheinstahl mit 157,75 und Buderus mit 125,50. Rückgänge von 0,25 bis 0,50 v. H. hatten u. a. Aschaffenburger Zellstoff mit 140,75, Gesfürel mit 148,75, Deutsche Erdöl mit 155. Holzmann und Muag je 1 v. H. auf 146,25 bzw. 146,50, Licht & Kraft 1,25 v. H. auf 151. Mäßige Erhöhungen zeigten Junghans mit 136,50 (136), Elektr. Lieferungen mit 136 (135,50), Rheinmetall mit 150,50 (150,25). Der Rentenmarkt hatte ebenfalls nur kleines Geschäft, Kommunal-Umschuldung mürben mit. unverändert 93,95 gefragt, ebenso 6 v. H. IG. Färben mit unverändert 134,65 und Reichs- bahn-DA. mit unverändert 125,50, Frankfu ter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 29. Juni. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Auftrieb: 435 Kälber 95 Schafe und Hämmel und 4230 Schweine. Es'kosteten Kälber 30 bis 65, Schafe und Hammel 45 bis 50,’ Schweine 50 bis 54 Mark. — Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafe mittelmäßig. Aus der engeren Heimat. Kerckhoff-Tagung in Bad-Nauhe m. LPD. Bad-Nauheim, 28. Juni. Am Mittwoch, 30. Juni, findet im Kerckhoff-Jnftitut eine Tagung der William-G.-Kerckhoff-Stiftung als zweite öffentliche Kerckhoff-Dorlefung statt. Der stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums Professor Dr. Eger (Gießen) wird die Tagung mit einer Begrüßungsansprache einleiten, sodann folgt ein Bericht über die Arbeiten der Stipendiaten. Im Mittelpunkt der Tagung wird ein Festvortrag von Professor Dr. G e r t h s e n (Gießen) über „Die Bedeutung des Neutrons für die moderne Naturforschung" stehen. Das Schlußwort wird der stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums Professor Dr. Eger sprechen. 0irigenfen=3ubiläum in Klein-Linden. OO Klein-Linden, 29. Juni. Ein seltenes Jubiläum konnte am Samstagabend im hiesigen Männergesangverein „21 r i o n" gefeiert werden. Der Dirigent des genannten Vereins, Chor- meifter Konrad Nicolai (Großen-Buseck), konnte auf eine 25jährige Tätigkeit als Chorleiter des Vereins zurückblicken. Aus diesem Grunde versammelten sich im festlich geschmückten Saale des Gasthauses „Zur deutschen Eiche" die Mitglieder und geladenen Gäste, um das Jubiläum festlich zu begehen. Chorleiter Nicolai dirigierte, wie immer, diesmal aber von dem mit Blumen umkränzten Pult aus, die beifällig aufgenommenen Lieder. Nach einer Begrüßungsansprache des derzeitigen Vereinsführers, Lokomotivführer M ü l l n , erzählte zunächst der Ehrenvorsitzende Johannes Germer, wie er vor 25 Jahren mit noch einigen Vorstandsmitgliedern Herrn Nicolai als Dirigent gewann. Vereinsführer Mülln hob die Verdienste des Jubilars um das deutsche Lied im Allgemeinen und um den Gesangverein „Arion" im Besonderen hervor und überreichte dem Jubilar, der in frohen und ernsten Stunden dem Chor ein Führer war, als äußeres Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung eine silberne Uhr mit eingeprägter Widmung. Chorleiter Nicolai sprach herzliche Worte des Dankes und berichtete einiges aus der Geschichte des Vereins, mit dem er feit 25 Jahren in Treue verbunden ist. Am 21. Juni 1912 war es ihm vergönnt, die ältesten Mitglieder können sich dessen noch erinnern, die erste Singstunde im „Arion" abzuhalten, und am 9. Oktober 1927 wurde er zum Ebrenchormeister des Vereins ernannt. Die Glückwünsche des Gaues 12 im. Deutschen Sängerbund überbrachte Kreiswalter Müller (Gießen). Auch er schilderte die Verdienste des Jubilars um das deutsche Lied und wünschte beiden, dem Verein und dem Jubilar, noch eine lange gesegnete Zusammenarbeit. Dem Jubilar waren neben diesen Ehrungen noch von vielen Seiten Glückwünsche und Blumengrüße übermittelt worden. Landkreis Gießen. y Watzenborn-Steinberg, 27. Juni. Ein seltenes Ereignis ist aus unserer Gemeinde zu berichten. In der Familie Karl Schmalz wurden in letzter Nacht Drillinge geboren, zwei Knaben und ein Mädchen. Leider kam ein Knabe tot zur Welt. Unser Mitbürger, der bereits zu den Kinderreichen zählt, hat jetzt vier Knaben und drei Mädchen. * Lollar, 27. Juni. Der hiesige Metzgergeselle Konrad Moos zog sich bei einer Notschlach - t u n g eine schwere Infektion zu, die seine Ueberführung in die Klinik nach Gießen notwendig machte. — Eine hiesige 65jährige Frau, die an sich schon durch schwere körperliche Leiden geprüft ist, erlitt durch einen schweren Sturz einen Unterschenkelbruch und mußte in die Chirurgische Klinik gebracht werden. < Daubringen, 29. Juni. Die N S V. brachte auf das nahe gelegene Hofgut Heiberts- hausen, das Stallungen zur Verfügung -gestellt hatte, 99 Schweine zur Aufzucht. = Mainzlar, 28. Juni. Am Sonntagvormit- tag fand hier eine Hebung der Pflichtfeuerwehr statt. Außer dem Exerzierdienst wurden noch die Feuerlöschgeräte ausprobiert. — Dieser Tage trugen die Schulen (Buben ynb Mädchen) der Orte Ruttershausen, Staufenberg, Daubringen, Allertshausen und Mainzlar auf dem Mainzlarer Sportplatz Grenzballwettspiele aus. Die Bezirksmeisterschaft der Buben errang Ruttershausen und die bei den Mädchen gewann Allertshausen. — Vor einigen Tagen fand in unserer Schule für die Schüler eine Luftschutzübung statt. + Grünberg, 28. Juni. Das Zeltlager der Hitler-Jugend am „Spitzen Stein", das ursprünglich dieses Jahr frei bleiben sollte, ist nun doch von der Gebietsführung zur Belegung in Aussicht genommen. Zwar konnte die für Sonntag, den 27. Juni, vorgesehene Eröffnung wegen der noch nicht beendeten nötigen Herstellungsarbeiten nicht stattfinden. Die Eröffnung soll nun Sonntag, 4. Juli, vor sich gehen. Das Lager wird abwechselnd von je 300 Pimpfen oder Hitlerjungen belegt, die stets eine einwöchige Lagerzeit durchmachen. Mit her Leitung des Lagers, das bis zum 28. August dauern soll, wurde Scharführer Rudolf Metzger aus Rockenberg betraut. Er ist Junglehrer und wurde für die Dauer der Lagerzeit beurlaubt. Kreis Wetzlar. = Wißmar, 28. Juni. Der Werkmeister Ludwig Bechtold von hier, der in einer Zigarrenfabrik in Marburg beschäftigt ist, verunglückte an seiner Arbeitsstelle. Es fiel ihm ein Gewicht von 35 Pfund aus ziemlicher Hohe auf den Kopf. Der bedauernswerte etwa 70 Jahre alte Mann wurde in das Marburger Krankenhaus verbracht. Er hatte einen Schädelbruch erlitten und liegt schwer darnieder. Hier abschneiden! Mietvertrag 305 licher Abschluß ist aber gesetzlich nur vorgeschrieben bei Mietverträgen über Grundstücke (Wohnungen, Haus, Geschäftsräume. Garten), wenn der Vertrag für länger, als ein Sabr abgeschlossen wird. Diese Schriftform ist auch vorgeschrieben für einen Untermietvertrag, wenn er länaer als ein Jahr gelten soll. Wird die Schriftsorm nicht eingehalten, so gilt der Mietvertrag als auf unbestimmte Zeit geschlossen, wenn nichts anderes vereinbart ist. Haben Mann und Frau den Mietvertrag gemeinsam abgeschlossen (beide unterschrieben), dann haften beide als Gesamtschuldner für die Erfüllung des Vertrages. Bei Aufhebung des Mietverhältnisses (Kündigung) müssen beide kündigen bzw. muß beiden gekündigt werden. (Dabei kann allerdings derMann alsVertreter der Frau handeln.) Durch den Mietvertrag wird der Vermieter verpflichtet. dem Mieter den ord- nunasgemäßen Gebrauch der Mietsache zu gewähren: er muß also dafür sorgen, daß die Wohnung in richtiaem Zustand (ungezieferfrei, heizbar uiw.) ist u. daß der Mieter nicht durch andere Personen aeftört wird. (Hausordnung!) Der Mieter darf andererseits von den gemieteten Räumen keinen vertragswidrigen Gebrauch machen, z. B. nicht eine Wohnuna gegen den Willen des Vermieters als Geschäftsräume benützen Er darf gegen den Millen des Vermieters die Wohnung oder einen Teil davon nicht weitervermieten Mietzins (siehe Untermiete). 2m übrigen s. Mietzins, Pfandrecht. Hausschlüssel, Hausordnung, Fehler. Kündigung, Räumung. Mietzins. Wenn nicht Vorauszahlung vereinbart ist, dann muß der Mietzins am Schluß des entsprechenden Zeitraumes bezahlt werden, z. V am letzten des Monats. Der Mietzins für ein Grundstück ist. wenn er nicht nach kürzeren Zeitabschnitten bemessen ist, nach Ablauf je eines Kalendervierteljahres am ersten Werktag des folgenden Monats zu entrichten. Abweichende Vereinbarung ist auch hier möglich. Abzüge dürfen nur gemacht werden, wenn die Gebrauchsfähigkeit der Wobnung durch Umstände, die der Vermieter au vertreten hat, erheblich herabgemindert war, zum Beispiel wegen Ungeziefer, schlechtem baulichen Zulland usw Ist allerdings der Mieter selbst an der Herabminderung schuld, so darf er vom Mietzins nichts zurückbehalten. Hat der Mieter Reparaturen. zu denen der Hausherr verpflichtet gewesen wäre, auf seine Kosten vornehmen lassen, so kann er die Köllen vom Mietzins abziehen Andere Gegenforderungen können vom Mietzins ebenfalls abgezogen werden. Der Mietzins ill auch zu zahlen, wenn der Mieter die Wohnung einige Zeit nicht benützt, außer die Nichtbenützung ist durch die Schuld des Vermieters veranlaßt. Der Vermieter muß sich allerdings den Betrag anrechnen lasten, den er Kaust deutsche Waren im deutschen -Geschäft S.jl-ifport Letztes Zußbatt-Gesellschastssp el. 1900 — I. Bataillon ZR. 116. Die Blau-Weißen haben für den morgigen Mittwoch, dem letzten Tag der Spielserie 1936/37, noch ein Gesellschaftsspiel abgeschlossen. Der Gegner ist die Fußballmannschaft des L Bataillons IN. 116. lieber die Spielstarke der Soldaten werden wohl allzulange Ausführungen nicht erforderlich sein. Das Spiel zwischen der Mannschaft des Standortes und der Stadtmannschaft Gießen zugunsten der Winterhilfe, das die Vertreter der Wehrmacht mit jenem haushohen Sieg für sich entscheiden konnten, beweist wohl zur Genüge, über welches spielerische Können die Wehrmachtsangehörigen oerfügen. Da die Mannschaft des I. Bataillons mit der Elf des Standortes fast identisch ist, wird ein Spiel zu erwarten sein, das bestimmt mit den Leistungen der Begegnungen gegen die Gauligaoereine in letzter Zeit zu vergleichen ist. Bei näherer Betrachtung der Bataillons-Mannschaft, die mit Kornmann, 2. Komp.; Leutheuser, 2. Komp. (VfB.), Pankok, 2. Komp. (1900); Rüger, 2. Komp. (Rüla), Horn, 2. Komp. (03 Kassel), Eberhard, Batl.-NZ.; Wilhelm, 3. Komp. (VfB.), Sllßenberger, 1. Komp. (VfB. Friedberg), Bach, 1. Komp. (VfB.), Schultheiß, 2. Komp. (Wachenbuchen), Möller, 2. Komp. (1900) antritt, kann man sogar behaupten, daß die Elf mit den Gauligamannschaften unseres Gaues jeden Vergleich aushält. Die Spieler Horn, Süßen- berger und Schultheiß sind jedenfalls wertvolle Stützen ihrer Mannschaft. Von dem Können von Bach, Pankok, Wilhelm, Leutheuser und Möller, die Mitglieder der hiesigen Vereine sind, konnten wir uns schon des öfteren überzeugen. Die Mannschaft der Blau-Weißen wird sich mächtig anstrengen müssen, um ein achtbares Resultat zu erzielen. Mit der Vertretung von Rahn; Zeiler, Lippert; Erhard, Sack, Lehrmund; Bergmann, Schellhaas, Löbsack, Heilmann, Schombert oder Garth ist die stärkste Mannschaft zur Stelle. Lokalkamps der ckußballjugend. 1900 1. 3gb. — VfB.-R. 1. 3ugb. Am Dienstagabend steigt das schon lange ersehnte Gesellschaftsspiel der ersten Jugend-Mannschaften der Lokalrivalen. Zwei Jahre sind es jetzt schon her seitdem die erste Jugend der Blau-Weißen keinen Sieg mehr erringen konnte und immer als knapp Besiegte mußte sie das Feld verlassen. Daß VsB.-R. eine erste Jugend in das Feld stellt, die hervorragend in Form ist, ist zur Genüge bekannt. Doch man darf auch heute die erste Jugend der Blauweißen nicht unterschätzen. Wenn auch von ihnen noch keiner sein Können in einer aktiven Mannschaft unter Beweis stellen konnte, so ist nicht gesagt, daß in ihren Reihen keine Könner ständen. Die Läuferreihe der Blauweißen ist wuchtig im Zerstörungsspiel und hilft dem Sturm beim Aufbauen. Der Sturm kombiniert gut und ist entschlossen vor dem Tore, wenn er auch in den letzten Spielen etwas vom Pech verfolgt war. In der Verteidigung hat die erste Jugend der Blauweißen Siegerehrung der Deutschlandflieger. - ▼ - V MM z. ■ t L - W ’ pV- -z / i /,z'yz'' Oj i il '/.<■ £y,y z-t ;-x. - 31C- W-' Am Sonntagabend nahmen Generalmajor C h r i st i a n f e n , der Führer des NSFK., und Staatssekretär General der Flieger Milch im Haus der Flieger die Ehrung der beim Deutschlandflug siegreich hervorgegangenen Flieger vor. Den Wanderpreis des Reichsluftfahrtministers erhielt die Gruppe 15 des NSFK. Stuttgart. Man sieht von links Stabschef Lutze, Generalmajor Christiansen, General der Flieger Milch und den Führer des siegreichen Verbandes Keitel mit dem Wanderpreis. (Scherl-Bilderdienst-M.) ihren jüngsten Mannschaftsteil. Der Tormann ist auf seinem Posten. Schöner Erfolg für Nordhesien. Gau Niedersachsen in Hannover 5:3 (2:1) geschlagen. Die Fußball - Auswahlmannschaften der Gaue Niedersachsen und Nordhessen lieferten sich am Sonntag vor 3000 Zuschauern in Hannover einen Freundschaftskampf. Die Gäste zeigten sich in bester Verfassung und konnten über die starke Vertretung der Niedersachsen einen verdienten 5:3-(2:l-)Sieg herausholen. Die fünf Tore für Nordhessen erzielten der Halblinke Jordan (3), der Mittelstürmer Niedermeier und der Rechtsaußen Bonard. Für Niedersachsen waren der Halbrechte Maier und Mittelstürmer Lachner erfolgreich. In der Nordhessenmannschaft wirkte wieder der Gießenex Lippert als Verteidiger mit. Hessens hanbballverlrelung weniger glücklich. Zu Werbezwecken führte der Gau Nordmark in Schleswig-Holstein zwei Spiele seiner Handball- Gaumannschaft gegen den Gau Hessen durch. Im ersten Spiel, das am Samstag in Neumünster durchgeführt wurde, siegte die Elf der Nordmark mit 13:11 (7:4), wobei die elf Gegentore nicht zuletzt auf die schwachen Leistungen des Nordmarkhüters zurückzuführen waren. Im zweiten Spiel in Kiel trat Nordmark dann mit einem anderen Hüter an und hier kam ein Sieg von 18:8 (8:3) heraus. Die Hessen bevorzugten durchweg ein Spiel aus den engen Raum, während Nordmark mit weitem Flügelspiel deutlich im Vorteil war. Die Hessen hinterließen aber trotz der beiden Niederlagen einen sehr guten Gesamteindruck. DfB-Krauenstaffeln erfolgreich. Bei den Gaumeislerschaflen in Marburg. Am Sonntag nahm die Mädchen- und Frauenabteilung des VsB.-Reichsbahn Gießen mit einem größeren Aufgebot an den Gaumeisterschaften für Frauen in Marburg teil. Bei herrlichem Leichtathletikwetter und guter Besetzung aus Kassel, Hanau, Limburg, Fulda usw. begannen die Kämpfe in dem sehr gepflegten Universitätsstadion. Der VfB.-Reichsbahn hatte in den Einzelkonkurrenzen nur die Besten eingesetzt, die denn auch mit ganz vorzüglichen Resultaten aufwarteten und gute Plätze belegten, wenn auch der starken Kasseler Konkurrenz der Sieg überlassen werden mußte. Aber in den Staffeln waren die Frauen sowohl als die Mädchen in ganz hervorragender Form. Die Frauenstaffel wurde 3., die Mädchenstaffel 2. und die lOXlOO-Meter-Staffel ebenfalls 2. Sieger. In allen drei Staffeln wurde Vereinsbestleistung gelaufen. Ergebnisse. 4X100-Meter-Mädchen staffel: 1. Hessen-Preußen Kassel, 56,5 Sekunden; 2. VfB.-Reichs- bahn Gießen, 58,7 Sekunden; 3. Tv. 1860 Marburg, 60,1 Sekunden. VfB.-R. in der Besetzung, E. Repp, Gutrun Weber, E. Arnold, Else Holler; alle vier liefen hervorragend und wechselten gut 4X100-Meter-Frauen staffel: 1. Hessen-Preußen Kassel, 55 Sek.; 2. CT. Kassel, 56,1 Sek.; 3. VfB.-Reichsbahn Gießen, 56,2 Sekunden. VfB.-R. in der Aufstellung Luise Weber, Else Ludwig, Elfriede Fischer und Elfriede Schmidt. Diese vier liefen eine ganz hervorragende Zeit und nur mit Brustbreite mußten sie sich der CT. Kassel beugen. Il) X 100 - Meter - Staffel: 1. Hessen- Preußen Kassel, 2,21,2 Min.; 2. VfB.-Reichshahn Gießen, 2,23 Min.; 3. Tv. 1860 Marburg, 2,33 Min. VfB.-Reichsbahn mit: E. Repp, H. Dapper, Elfr. Fischer, E. Holler, E. Arnold, Elfr. Schmidt, Molly Muhl, Gutrun Weber, Luise Weber, Else Ludwig. MZ b X ■ X ■ KW ZWb Auf der Hamburg-Horner Rennbahn konnte am Sonntag Grabsch auf „A b e n d f r i e d e n" vor Trollius und Jniga Jsolani das deutsche Derby gewinnen. Hier sieht man, wie Generaloberst Göring den Sieger beglückwünscht. (Scherl-Bilderdienst-M.) Besondere Anerkennung verdienten die Teilnehmerinnen durch ihr kämpferisches Laufen. Zäh wurde Meter für Meter erkämpft, bis man auf dem zweiten Platz war. Hier zeigte sich, was Kameradschaftsgeist zu leisten imstande ist. In den Einzelkonkurrenzen setzte sich Else Ludwig bis in den Endlauf durch. Im Endlauf wurde sie in einem sehr schnellen und mit äußerstem Einsatz gelaufenen 100 Meter Fünfte. Erna Repp warf in der Mädchenklasse den Speer 24 Meter weit und wurde mit dieser Leistung ebenfalls Fünfte. Im Weitsprung sprang sie 4,17 Meter. Das Schauturnen in Kinzenbach. Das am Sonntag vom Turnverein „Gut- Heil" Kinzenbach" durchgeführte Schauturnen nahm einen glänzenden Verlauf. Alle Vorführungen wurden restlos im Freien durchgeführt. Den Auftakt der Veranstaltung bildete am frühen Morgen ein Umzug der Turner durch den Ort. Am Nachmittag begann dann, nach dem Einmarsch der Turner und einer Ansprache des Vereinsführers L. B e p l e r der offizielle Teil des Schauturnens. Ein überaus bewegtes buntes Bild zeigte sich den Gästen bei den vielen Vorführungen von Turnerinnen und Turnern. Zunächst zeigten alle Turnerinnen und Turner einige Freiübungen, alsdann folgten in abwechslungsreicher Folge Hebungen der sämtlichen Teilnehmer an Pferd, Barren und Reck. Ebenso interessant und abwechslungsreich waren die folgenden Ballspiele der Jugendturner und die ball- gymnastischen Üebungen der Turnerinnen lieber Naturschutz und Naturkunde des Hugo Bermühler Verlages, Berlin-Lichterfelde. Bitte verlangen Sie noch heute von Ihrem Gießener Buchhändler das ausführliche bebilderte Werbeblatt „Freunde der Natur sind Freunde guter Bücher". Migräne 306 Milben während der Nichtbenützung durch anderweitige Vermietung verdient. Vorauszahlung des Mietzinses über ein Vierteljahr hinaus ist nicht ratsam, da bei einem Verkauf des Hauses der neue Eigentümer vom Mieter den über das Vierteljahr hinaus bezahlten Betrag unter Umständen nochmals verlangen kann. Bleibt der Mieter mit der Zahlung des' Mietzinses im Rückstand, so kann der Vermieter auf Aufhebung des Mietverhält- nisses klagen, wenn >der Rückstand hoher als eine Monatsrate ist. Wegen des rückständigen Mietzinses hat der Vermieter an den in der Wohnung befindlichen pfändbaren Gegenständen des Mieters (nicht aber an den Sachen, die der Mieter von einem anderen nur zu leihen genommen hat) ein Pfandrecht, kraft dessen er berechtigt ist, die Fortschaffung der Sachen zu verhindern, gegebenenfalls auch mit Gewalt. Die Ehefrau haftet für den Mietzins nur dann, wenn sie den Mietvertrag mit unterzeichnet hat. (Siehe Mietvertrag, Pfandrecht, Kündigungen, Fehler, Reparatur.) Migräne. Halbseitige Kopfschmerzen, die anfallsweise auf- treten, lehr heftig sein können und mit großer Empfindlichkeit der Sinnesorgane sowie mit Appetitlosigkeit verbunden sind. Auch Ucbelfeit und Erbrechen sind häufig dabei beobachtet. Der Anfall dauert 12 bis 24 Stunden, kann aber auch kürzer ober zwei bis drei Tage anhalten. Die Migräne ist ein hauptsächlich auf Vererbung beruhendes Nervenleiden. Die Magenstörungen sind nicht Ursache, sondern Folge des Anfalles. Auch Augenstörungen (Flimmern vor den Augen, leuchtende Zickzackfiguren usw.) können im Gefolge des Anfalles auftreten, auch die mannigfaltigsten andersartigen Nervenstörungen. Im Anfall ist zur Linderung unbedingte Ruhe in einem stillen, verdunkelten Zimmer erforderlich. Dazu unter Umständen noch eines der vielen Migränemittel oder ein vom Arzt verordnetes Mittel. Vorbeugend helfen viel Aufenthalt in frischer Luft, Vermeidung von Alkohol, Nikotin usw., geregelte Lebensweise. Die Migräne beruht auf einem Krampf der Gehirngefäße, der durch die verschiedensten Ursachen hervorge- rusen werden kann (Aufregung, Witterungseinflüsse, plötzliches Erschrecken usw.). Frauen leiden im allgemeinen häufiger darunter als Männer. Migräneftift, mentholhaltiges Linderungsmittel bei Kopfschmerzen, mit dem die Schläfen bestrichen werden. Milben, spinnenartige Tiere, die in verschiedenen Abarten als Ungeziefer auftreten. Die Hausmilbe, die sich gern in Polstern aufhält, vertreibt man durch Klopfen, Auslüften und Sonnen Der Kaffee schmeckt besser wenn er gefiltert ist. Das köstliche Aroma bleibt dabei voll erhalten. Außerdem wird der Kaffee auch viel besser ausgenutzt. Das Durchlaufen geht sehr rasch mit dem Schnellfilter Melitta. So ein neuzeitlicher Filter kostet nicht viel bei 3- B. Häuser, Gießen, am Oswaldsgarten, Fernsprecher 2145/2146. Betr.: Bachschau an der Lahn. Bekanntmachung. Am Montag, dem 12. Juli 1937, findet eine Bachschau an der Lahn statt. 4382C Zusammenkunft ist vormittags 9% Uhr an der oberen Gemarkungsgrenze, Schluß an der Einmündungsstelle der Wieseck. Gießen, den 28. Juni 1937. Der Oberbürgermeister. I. V.: gez. Dr. H a m tn , Bürgermeister. Gestoch scharfe Schrift, unver wüstliche Konstruktion, spielend leichter Anschlag, formschönes Aussehen — das ist die Mrpeilo mit Segmentumschaltung. Nur RM. 186- Sehon f. 8.30 mt). Niederhausen Bahnhofstraße49 Gießen. „ooA Mittwoch, den Ztt.Fnm 1937, nachmittags 2 Uhr versteigere ich dahier, Neuenweg (Versteigernngs- lokal), bzw. an Ort und Stelle zwangsweise gegen dar: Haus-, Laden- und Vüromöbel aller Art, Bürsten, Pinsel, Besen, Kassenschränke, Füllfederhalter, Fotoalben, Schreibtischgarnitur., Stroh- und Filzhüte, Müben, .Kordel, Körbe, Stoffe, 1 goldene Uhr und verschiedenes andere. Uns freier Hand werd, verkauft: Möbelstücke aller Art, 1 Truhe, Ladeneinrichtungen usw. «eoD Bittorf Gerichtsvollzieher in Gießen Schillerstraße 5, Teles. 3660 <552 Nachstehende Bekanntmachung des Herrn Reichsstatthalters in Hessen — Landesregierung — bringe ich hierdurch zur Kenntnis. Gießen, den 25. Juni 1937. Der Oberbürgermeister: Ritter. Bekanntmachung über die vorläufige Sicherstellung des „Hangelsteins" bei Gießen als Naturschutzgebiet. Vom 29. Mai 1937. Es ist beantragt, den „Hangelstein" bei Gießen zum Naturschutzgebiet zu erklären. Das hierfür in Aussicht genommene Schutzgebiet hat eine Größe von 43,2 Hektar und umfaßt im „Gießener Stadtwald", Distrikt Hangelstein, die Abteilungen la, 2, 2b, 3 (z. T.), 5, 5c, 6, 7, 8, 9, 9b, 10, 10c, 11, 11a sowie die außerhalb davon befindliche „Gnautheiche" (Abt. 15) und die „Teufelskanzel" im Wiesecker Gemeindewald. Die Grenzen sind in einer bei dem Kreisamt Gießen als unteren Naturschutzbehörde niedergelegten Karte rot eingetragen. Zur einstweiligen Sicherstellung des vorgenannten Gebietes als künftigen Naturschutzgebietes ordne ich auf Grund des § 17 Absatz 3 des Neichsnaturschutz- gesetzes vom 26. Juni 1935 (RGBl. I S. 821) folgendes an: §1- Im Bereiche des vorgenannten Gebietes ist bis auf weiteres verboten: a) Pflanzen zu beschädigen, auszureißen, auszugraben oder Teile davon abzupflücken, abzuschneiden oder abzureißen; b) freilebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, zu ihrem Fang geeignete Vorrichtungen anzubringen, sie zu fangen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester und Brut- und Wohnstätten solcher Tiere fortzunehmen oder zu beschädigen, unbeschadet der berechtigten Abwehrmaßnahmen gegen Kulturschädlinge und sonst lästige oder blutsaugende Insekten; c) Pflanzen oder Tiere einzubringen; d) die Wege zu verlassen, zu lärmen, Feuer anzumachen, Abfälle wegzuwerfen ober das Gelände auf andere Weise zu beeinträchtigen. §2. Unberührt bleibt bis auf weiteres die forstliche Nutzung. §3. In besonderen Fällen können Ausnahmen von der Vorschrift in § 1 von mir genehmigt werden. §4. Wer den Anordnungen des § 1 zuwiderhandelt, wird nach § 21 Absatz 3b des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26. Juni 1935 (RGBl. I S. 821) in der Fassung des Zweiten Aenderungs- und Ergänzungsgesetzes vom 1. Dezember 1936 (RGBl. I S. 1001) mit Geldstrafe bis zu 150,— RM. oder mit Haft hestrüft. §5. Vorstehende Anordnung tritt mit dem Tage ihrer Bekanntgabe im Anzeiger der Hessischen Landesregierung in Kraft. Darmstadt, den 29. Mai 1937. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — Sprenger. 4387C