nr. 200 Erstes Blatt 187. Jahrgang Samstag, 28. August 1957 Erscheint täg lich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild ■ Die Scholle Monats-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1 80 Zustellgebühr . „ -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Sietzen Postscheckkonto: Lranifurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Vrühlsche Univerfitatsdruckerei N. Lange in Stehen. Schristleltung und GeschSstsftelle: §chulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8^/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25O/„ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördlicheAnzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Britischer Kronrat in Balmoral. Heute wird Uebergabe der britischen Protestnote in Tokio erwartet. London, 27. Aug. (DNB.) Der japanische Botschafter in London, Ioshida, suchte den englischen Außenminister im Zusammenhang mit der Verwundung des britischen Botschafters in China auf. Auch der chinesische Botschafter besuchte heute nachmittag Außenminister Eden. Der deutsche Geschäftsträger, Gesandter Dr. Woer- mann, übermittelte dem englischen Außenminister die Anteilnahme der Reichsregierung. Auch die Vertreter der übrigen europäischen Mächte übermittelten der britischen Regierung ihre Anteilnahme. König Georg hielt auf seinem schottischen Sommersitz, Schloß Balmoral, einen Kronrat ab, an dem insbesondere Ministerpräsident Chamberlain und der britische Botschafter in Rom, Earl of Perth (Sir Eric Drum- m o n d), teilnahmen. Vor der Besprechung erstattete Chamberlain ausführlichen Bericht über die internationale Lage. Die Londoner Frühpresse führt auch heute wieder zeitigen Krise im Fernen Osten offenbar nur einen Zwischenfall, der die auf weite Sicht berechneten Pläne der amerikanischen Außenpolitik nicht beeinflussen dürfe. Eine Zurückziehung Amerikas würde aber, die Rolle der Vereinigten Staaten als eines Förderers des Weltfriedens schwächen. Die USA.Regierung könne durch die Beibehaltung ihrer Stellung im Fernen Osten jene Bemühungen fortsetzen, die von Staatssekretär Hüll am 16. Juli dargelegt wurden. Vor neuen Kämpfen um Schanghai. Japanische Truppen auch auf dem rechten Wangpoo-Ufer. Tokio, 28. Aug. (DNB. Funkspruch. Ostasien- dienst des DNB.) Aus dem Kampfabschnitt um Schanghai wird gemeldet, daß die gegenüber den Wusungforts nordöstlich von Schanghai verlaufende japanische Front auch auf das rechte Wangpoo-Ufer ausgedehnt werden konnte. Am neuen Frontabschnitt vor Schanghai — von den Wusungforts bis Liuhochen — werden wichtige Entwicklungen erwartet. Durch erfolgreiche Landung von japanischen Verstärkungen wurde in diesem Abschnitt eine zusammenhängende Front gebildet. Wie die Agentur Domei meldet, ziehen die Chinesen erhebliche Verstärkungen, zu denen auch die besten Truppen der Nanking- Regierung gehören, heran, um die Eisenbahn Nanking —S changhai, die infolge der japanischen Truppenlandungen bedroht ist, zu verteidigen. Die japanische Luftwaffe belegte neuerdings die militärischen Anlagen von Nanking und die chinesischen Verbindungen zur Front mit Bomben. gegenüber Japan eine scharfe Sprache. Die Blätter betonen besonders, daß England sich nicht mit einem förmlichen Protest in Tokio und einer einfachen Entschuldigung Japans begnügen werde. Der Wortlaut des britischen Protestes wird, so berichtet „Morning Post", noch am heutigen Samstag veröffentlicht, nachdem ihn der britische Geschäftsträger in Tokio der japanischen Regierung übermittelt habe. „Daily Expreß" und „Daily Mail" nehmen sogar an, daß es, wenn Japan nicht volle Genugtuung leiste, zu einer zeitweiligen Abberufung der diplomatischen Vertreter Englands in Tokio kommen könne. „Evening Standard" schreibt: Wenn es sich zeigen sollte, daß japanische Flieger für den Zwischenfall verantwortlich seien, dann werde die öffentliche Meinrmg Englands eine volle Entschuldigung und Wiedergutmachung erwarten. Welchen Weg werde man aber einschlagen, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden und wenn die japanische Regierung ihre Verantwortlichkeit in dieser Frage mißachten würde? Die schärfste Maßnahme würde darin bestehen, die Armee-, Flotten- und Luftstreitmacht und die englische Jugend aufzubieten, um diesen nicht herausgeforderten Angriff auf einen britischen Botschafter zu rachen. Sollte man aber diesen Kurs ablehnen, dann müsse die englische Regierung auf einen erhitzten Wortkrieg und wütende Forderungen verzichten, denn starke Worte brächten keinen Gewinn, wenn nicht auch starke Taten beabsichttgt seien. Bittere Rede und unerfüllte Drohungen könnten Risse in den Beziehungen Englands zu den anderen Ländern verursachen, die erst in Jahren geheilt sein könnten. England dürfe seine Fehler in dieser Beziehung nicht wiederholen. Oer Botschafter außer Lebensgefahr. £ o n b o n, 28. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Zustand des englischen Botschafters in China. Sir Hughes knatchbull, scheint sich nach den letzten Meldungen aus Schanghai so weit gebessert zu haben, daß er trotz seiner schweren Verletzungen nicht mehr in Lebensgefahr schwebt. Der Botschafter hat auch die zweite Nacht gut überstanden. Ein Arzt erklärte, man hoffe, daß der Botschafter in sechs bis sieben Wochen das Krankenhaus werde verlassen können. 3m Krankenhaus. in dem der Botschafter darnieder liegt, liefen den ganzen Tag über Bekundungen der Anteilnahme aus der ganzen Welt ein, u. a. vom König von England und vom Marschall Tschiangkaischek. Schwere Bomber für China. Neuyork, 28. Aug. (DNB. Funkspruch.) Aus Baltimore wird gemeldet, daß der Dampfer „Wichita" von der „United Shipping Board American Pioneer-Linie" am Samstag den Hafen mit 19 schweren Bombenflugzeugen an Bord verließ, in Richtung auf Schanghai. Außerdem sollen sich unter der Ladung nicht näher bezeichnete Stahlerzeugnisse befinden, darunter verschiedene hundert Rollen schweren Stacheldrahts, der zur (Errichtung von Drahtverhauen brauchbar erscheint. ^Zum Schutze gegen etwaige Fliegerangriffe soll das Deck mit schweren, durch Stahlkabel gehaltenen Panzerplatten geschützt sein. Vermutlich handelt es sich bei der Ladung um den schon vor einigen Tagen gemeldeten Transport von schweren Bellanca-Bombern für China, die ursprünglich für die Valencia-Bolschewisten bestimmt waren. Die Haltung Amerikas. Washington, 27. Aug. (DNB.) Außenminister Hüll erklärte, die Regierung der Vereinigten Staaten habe sowohl der japanischen als auch der chinesischen Regierung mitgeteilt, daß sie die Achtung aller ihrer Rechte und Interessen im augenblicklichen Konfliktsgebiet verlange. Beide Regierungen seien ersucht worden, die amerikanischen Rechte zu achten und die Tatsache in Rechnung zu stellen, daß sie für alle Schäden verantwortlich gemacht würden, die der Regierung der USA. oder ihren Staatsbürgern aus den militärischen Operationen entstehen könnten. Associated Preß meldet: Die Mitteilung der amerikanischen Regierung bedeutet, daß die Regierung anscheinend nicht die Absicht habe, sich aus dem Fernen Osten zurückzuziehen. Die Vereinigten Staaten sähen vielmehr in der der- Die chinesische Koni an der Großen Maner durchbrochen. Japanisches Hauptquartier meldet bedeutsamen Waffenerfolg in Nordchina. Tientsin, 27. Aug. (DNB.) Südöstlich der Stadt Huailai, auf halbem Wege an der Bahnstrecke zwischen dem Nankau-Paß und Kalgan, haben die japanischen Truppen laut Mitteilung des japanischen Oberkommandos in Tientsin d i e chinesische Haupt st ellung an der Großen Mauer durchbrochen und die feindliche Front iy einer Breite von 15 Kilometer eingedrückt. Die chinesische Schlüsselstellung befand sich auf der Höhe 1390, etwa 20 Kilometer südlich von Kantschung, wo die Große Mauer auf einem jäh abfallenden Bergkegel ihren höchsten Punkt erreicht, und von wo das ganze umliegende Gelände beherrscht werden kann. Der erste japanische Angriff aus der Richtung von Nankau stieß auf ungeheure Geländeschwierigkeiten, die selbst ohne feindliche Gegenwirkung in fünf Stunden nur ein Vorrücken um 4 Kilometer ermöglichten. Die engen Gebirgsschluchten waren durch tagelange Wolkenbrüche von reißenden Wassermassen durchflutet, wodurch der Nachtransport und der Abtransport von Verwundeten auf unüberwindliche Schwierigkeiten stieß. Die C h i n e f e n, die sich ihrer günstigen Stellung bewußt waren, leisteten zähesten Widerstand. Erst neu herangeführte japanische Verstärkungen ermöglichten nach siebentägigem erbittertem Ringen d i e Erstürmung der die Große Mauer weithin beherrschenden Höhe 1390, wodurch die von fünf chinesischen Divisionen verteidigte Stellung ourchbrochen und die Front des Gegners kurz darauf in einer Breite von 15 Kilometer eingedrückt werden konnte. Die chinesischen Truppen gingen in Richtung auf Huailai zurück. Das japanische Oberkommando mißt dem Durchbruch an der Großen Mauer größte strategische Bedeutung bei, da nunmehr d i e Innere Mongolei dem japanischen Vormarsch völlig offenstehe. Tschechische Schulen ohne tschechische Kinder. Wie Prag das Minderheitenabkommen hält. Tschechischer Wortbruch. Von unserer Berliner Schristieitung. Vor wenigen Tagen hat der tschechische Staatspräsident Dr. B e n e s ch in Olmütz die übliche Beschwichtigungsrede gehalten. Er hat das Abkommen zwischen den tschechischen und deutschen Regierungsparteien vom 18. Februar 1937 über die Behandlung der Minderheiten zum Staatsgrundgesetz der Tschechoslowakei erhoben. In Worten natürlich! Diese Worte verhalten sich zu den Tatsachen wie die berühmten Dörfer des Potemkin zur russischen Wirklichkeit unter Katharina II. Zwei Zeitungen der deutschen Sozialdemokraten in ber Tschechoslowakei sehen sich nun angesichts des jähen Gegensatzes zwischen Worten und Taten zu der Feststellung gezwungen, daß in dem rein deutschen Städtchen Schönfeld in Böhmen mit Beginn des neuen Schuljahres eine tschechische Schule errichtet wird, obwohl es in Schönfeld nicht ein einziges schulpflichtiges Kind tschechischer Nationalität gibt. Wir sagten eben, daß diese Zeitungen der deutschen Sozialdemokraten sich zu dieser Feststellung gezwungen sehen. Denn darum handelt es sich. Sozialdemokraten sind ebenso wie Christlichsoziale und Agrarier in der Tschechoslowakei Regierungspartei und durch ihre Pfründen hörig geworden. Diese „demokratischen" Parteien haben er ft letzthin ihr stilles Vergnügen an der Verschiebung der Wahlen zu den Gemeindevertretungen und Sozialversicherungs-Anstalten gehabt; es fällt ihnen also schwer aufzumucken. Wenn sie es trotzdem tun so müssen sie es ganz einfach: nicht nur weil das nationale Gewissen auch des letzten deutschen Arbeiters bei einem Fall Schönfeld erwacht, sondern weil auch das soziale Empfinden mächtig aufgerührt wird, wenn in den Hungergebieten Deutsch- Böhmens Schulpaläste für tschechische Kinder hinaestellt werden, die gar nicht existieren, die also erst unter wirtschaftlichem und politischem Druck gepreßt werden müssen. Vor einigen Monaten noch hat der deutsche Sozialdemokrat Jaksch eine Werbereise nach England gemacht um die dort aufkommenden Befürchtungen über die Ausflüsse des tschechischen Chauvinismus als Kronzeuge" deutscher Nationalität zu widerlegen" Aber es gibt eine Grenze, die auch die äußerste Hörigkeit nicht überschreiten kann. Und darum mußten jetzt die beiden sozialdemokratischen Blätter derWahrheitdie Ehre geben. Allerdings reichlich spät, denn solche Auswüchse des tschechischen Chauvinismus sind massenhaft. Wir erinnern nur an den geradezu grotesken Fall, wo ein Schuldiener mit zahlreichen Kindern aufgettie- ben wurde, um in einer Ortschaft die Zahl der tschechischen bzw. gepreßten Kinder soweit zu vervollständigen, daß die Tschechen eine Art Rechtfertigung für ihren Schulbau hatten. Damals wurde das hübsche Wort geprägt: Schuldiener nicht für die Schule, sondern Schule für den Schuldiener. Seither ist aber der tschechische Chauvinismus noch angriffsluftiger geworden. Das Schönfelder Beispiel zeigt es. Revision im Prozeß gegen 22 junge Deutsche in Polen. Pofen, 27. Aug. (DNB.) Wie erinnerlich, sind im Juli d. I. 22 Deutsche polnischer Staatsangehörigkeit, die angeklagt waren, ein „geheimes Arbeitslager" organisiert oder an ihm teilgenommen zu haben, vom Konitzer Gericht zu Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren verurteilt und zum Teil bis auf weiteres in Haft gefetzt worden. Die von den Verurteilten eingereichte Berufung führte zu einer neuerlichen Verhandlung, in der außer einer wesentlichen Strafherabsetzung den meisten Angeklagten Strafaufschub auf fünf Jahre und Haftentlassung zugebilligt wurde. Das Urteil gegen die restlichen Angeklagten, die in der ersten Instanz Gefängnisstrafen bis zu 8 Monaten erhalten hatten, wurde beftätigt. Die Verteidigung, die in sachlicher Weise die Anklage entkräfttgte und um Freispruch bat, fand beim Gericht taube Ohren. Aus dem Prozeßverlauf ist hervorzuheben, daß das Gericht, im Gegensatz zum Staatsanwalt, der von der geheimen Absicht der Angeklagten sprach, auf „perfide Weise" die Abtrennung der ehemals deutschen Gebiete vorzubereiten, die Betonung darauf legte, daß es sich nicht um die Klärung der mehr oder weniger gefährlichen Ziele der Angeklagten handele, sondern lediglich darum, ob sie dem Ge - setz über Geheimbündelei, das unterschiedslos für alle Staatsbürger gelte, zuwidergehandelt hätten. In diesem Sinne sei das Urteil gefällt worden. Gtreikunruhen auf der Insel Mauritius Auf Zuckerrohrpflanzungen der britischen Insel Mauritius im Indischen Ozean ist es zu Streikunruhen gekommen. Bei blutigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Streikenden wurden mehrere Personen getötet und verwundet. Die Streikenden bringen in die südlichen Bezirke der Insel vor und setzen die im Besitz von Indern befindlichen Zuckerrohrpflanzungen und H ä u s e r i n B r a n d. Die Pflanzer haben die Regierung aufgefordert, sofort energische Maßnahmen zu ergreifen. Nach dem Fall Sanlanders. Die Einnahme Santanders durch die Truppen der spanischen Nationalregierung ist ein bedeutsamer Schritt auf dem Wege zur Befreiung des Landes vom Bolschewismus. Nach der Besetzung Bilbaos, der größten Industrie- und Hafenstadt der drei baskischen Provinzen im Juni dieses Jahres ist mit Santander ein zweiter Hauptplatz der nordspanischen Wirtschaft General Franco in die Hände gefallen. Santander ist mit seinen annähernd 90 000 Einwohnern Mittelpunkt des kantabrischen Erzbergbaus. Hier befinden sich neben ausgedehnten Kohlenlagern auch Quecksilber-, Kupfer- und vor allem Eisengruben, letztere in der Nähe des in diesen Tagen viel genannten Städtchens Torrelavega und in dem nach Bilbao zu gelegenen Küftenort Castro Urdiales. Da das Ausland, namentlich die britische Industrie infolge der Kapitalarmut der spanischen Wirtschaft an diesen nordspanischen Erzbergwerken sehr erheblich beteiligt war, wurde Santander ebenso wie Bilbao ein bedeutender Hafenplatz für die Erzausfuhr, .die im Jahre 1929 noch 6 Millionen Tonnen von insgesamt 7 Millionen Tonnen geförderte Eisenerze ausmachte. Das war zwar nicht unerheblich weniger als die spanische Erzausfuhr vor dem Weltkriege betragen hatte (1913: 9 Millionen Tonnen von 10 Millionen Tonnen Gesamtförderung), aber die hier vorhandenen Vorräte sind immerhin bedeutend genug, daß bei dem durch die allgemeine Aufrüstung heroor- gerufenen Erzhunger in aller Welt der Besitz dieser kantabrischen Bergwerke ein erhebliches wirtschaftliches und politisches Pluszeichen ist. Das hat ja General Franco auch bereits sehr deutlich zu spüren bekommen. Seine militärischen Fortschritte in Nordspanien, die Einnahme Bilbaos und nun auch noch der Fall Santanders haben die Engländer überaus hellhörig gemacht. Die britische Presse, soweit sie nicht hoffnungslos im marxistischen Fahrwasser schwimmt, ist geneigt, den bislang mit Vorliebe als „Rebellen" gekennzeichneten spanischen Nationaltruppen, denen man noch vor wenigen Monaten die größten Scheußlichkeiten nachgesagt hat, über ihre nicht mehr zu leugnenden Erfolge eiy gedämpftes Lob zu spenden. Und das britische Kabinett ventiliert ernsthaft den Gedanken, der spanischen Nationalregierung das Recht einer kriegführenden Macht zuzuerkennen. Ohne den heftigen Widerstand Moskaus und seines französischen Bundesgenossen wäre dieser von Deutschland und Italien ausgegangene Anttag im Londoner Nichteinmischungsausschuß längst Wirklichkeit geworden. So verstärkt der Besitz Santanders unzweifelhaft auch die außenpolitische Stellung der spanischen Nationalregierung. Die Stadt, deren überaus lebhafte und rührige Bewohner in den letzten Wochen so schweres Leid haben über sich ergehen lassen müssen, streckt sich sehr anmutig an einer rings von Hügeln umkränzten Meeresbucht hin. Die schöne Lage machte Santander auch zu einem bevorzugten Badeort, in dem auch der letzte König von Spanien, Alfons XIII., während der Sommermonate in seiner Villa gern weilte, um den Segelregatten beizuwohnen. Es ist ein erfreuliches Zeichen für den gesunden Instinkt der Bewohner Santanders, gleichzeitig aber auch der untrüglichste Beweis für die Brüchigkeit bolschewistischen Äeengutes in der spanischen Bevölkerung und das unwiederbringliche Dahinschwinden des Einflusses der Moskauer Komintern, daß Santander selbst seinen Befreiern die Tore öffnete, indem der nationalgesinnte Teil der Einwohnerschaft mit Hilfe der Guardia Civil, einer Art Polizei- und Gendarmeriekorps, sich beim Nähern der Truppen General Davilas gegen ihre bolschewistischen Bedrücker erhob und sie in blutigen Straßenkämpfen zur Flucht oder zum Niederlegen der Waffen zwang. Man darf überzeugt sein, daß dieser Vorgang Schule machen wird. Denn es ist ja keineswegs so, daß in dem noch von den Roten besetzt gehaltenen, immer noch recht großen Teil des Landes nun auch das Gros der Bevölkerung mit dem Herzen im bolschewistischen Lager stände. Dreist vor allem dort nicht der Fall, wo den bolsch: M mischen Verführern keine separatistischen Strömungen zu Hilfe kamen, die sie vor ihren Karren spannen konnten, wie in Katalonien und in den baskischen Provinzen, zu denen übrigens das kastilische Santander nicht mehr gehört. So ist der Fall Santanders auch eine schwere moralische Niederlage des Bolschewismus, dessen Anführer sich nicht einmal stark genug fühlten, dem mit dem Vorrücken der Nationaltruppen auf Santander ihnen und ihrer Sache drohenden Unheil durch eine Enlastungs- offenfioe auf einer der andern Fronten zu begegnen. Nach der Einnahme Bilbaos hatten die Bolschewisten westlich von Madrid eine solche Entlastungsoffensive versucht, Brunete in ihren Besitz gebracht und damit den General Franco gezwungen, den bereits begonnenen Vormarsch auf Santander von Südosten bei Balmaseda abzubrechen und alle vorhandenen Kräfte an die bedrohte Front von Madrid zu werfen, wo es ihm denn auch gelang, nach erbitterten Kämpfen Brunete zurückzuerobern und die Lage wieder herzustellen. Am 14. August konnte der Vormarsch auf Santander wieder ausgenommen werden. Fünf Marschkolonnen rückten konzentrisch auf die Stadt vor, unterstützt von der nationalen Flotte, die die Küstenorte östlich von Santander beschoß und es der Brigade der „Schwarzen Pfeile" erleichterte, sich des schon genannten Bergbau-Städtchens C a st r o Urdiales zu bemächtigen, während am linken Flügel schon zwei Tage nach Wiederaufnahme der Offensive die Stadt N e i n o \ a , nicht weit von der Quelle des Ebro und wichtiger Verkehrsknotenpunkt, besetzt werden konnte. Auf dem weiteren Vormarsch kam es dann hier zu besonders schweren Kämpfen, in denen als letzte Etappe vor Santander das Städtchen Torrelavega, als Mittelpunkt des kantabrischen Erzbergbaues oben schon erwähnt, am 24. August genommen wurde. Nach der Einnahme Santanders befindet sich nun die ganze Nordküste Spaniens im Besitze Francos mit einziger Ausnahme eines kleinen Streifens in der alt- fpanifcken Provinz Asturien, einem ungemein malerischen, von tiefen Fjorden eingeschnittenen Küstenstreifen, dessen wildzerrissene, schluchtenreiche Gebirgszüge an der Grenze der Provinzen Asturien und Santander die Hohe von 2600 Meter überschreiten und daher militärischen Operationen namentlich in vorgerückter Jahreszeit erhebliche Schwierigkeiten bereiten dürften. Die Hauptstadt Asturiens, das kleine Oviedo, dessen wuchtige Kathedrale und finstere Adelspaläste von längst vergangener Größe zeigen, verteidigt sich ähnlich wie der Alkazar von Toledo seit langem mit großem Mut erfolgreich gegen rote Belagerer, während die Hafenstadt Gijon im Besitz der Bolschewisten ist. Es wird vermutlich das Bestreben Francos sein, nach der Einnahme Santanders nun auch hier mit den Resten der bolschewistischen Herrschaft aufzuräumen und das tapfere Oviedo zu entsetzen, um dann den Rücken frei zu haben und alle Kräfte, auch die der Flotte, an den andern Fronten einsetzen zu können. Wo das geschehen wird, läßt sich im Augenblick noch nicht erkennen. Ein Druck auf die Aragonfront bei Huesca könnte unter Umständen die Bolschewistenherrschast in Barcelona ins Wanken bringen, andererseits ist dies sicher das schwerste Stück der Arbeit, die Franco noch bevorsteht, da, wie schon gesagt, hier sich die Bolschewisten auf separatistische Strömungen in der katalanischen Bevölkerung stützen können. Eine andere Möglichkeit besteht in der Trennung Barcelonas von den Machthabern in Valencia durch einen Vorstoß bei Teruel, wo die nationalen Linien nicht mehr allzuweit von der Küste entfernt sind (etwa 120 Kilometer). Eine Offensive vor Madrid würde zweifellos erheblicher Anstrengungen und eines be- trächtlichen Aufwands an Kriegsmaterial bedürfen, da hier die Bolschewisten natürlich ihre Verhältnis- mäßig besten Leute versammelt haben und Moskau sicher alles tun würde, um durch Nachschub von Waffen, Munition und Truppen die moralische Schlappe eines Verlustes der Hauptstadt auf alle Fälle zu vermeiden. Im Süden an der andalusischen Front könnte eine Offensive die kriegswirtschaftlich bedeutsamen Häfen von Almeria, Mittelpunkt des südspanischen Erzbergbaus, und Cartagena, wichtigster Flottenstützpunkt an der spanischen Mittelmeerküste in Francos Besitz bringen. Man sieht, es gibt die verschiedensten Möglichkeiten und eine Reihe lohnender Ziele für die weiteren militärischen Operationen der nationalspanischen Armeen. Daß die Eroberung Santanders besonders i n Italien große Beachtung gesunden hat und nach Zeitungsberichten aus Rom dort und in vielen andern Städten des Landes mit Umzügen und Flaggenhissen jubelnd gefeiert worden ist, nimmt nicht wunder, wenn man erfährt, daß italienische Freiwillige an der Eroberung Santanders nicht unwesentlich beteiligt waren und von General Franco der Ehre würdig befunden wurden, als erste in die befreite Stadt einxurürfen. Es ist begreiflich, daß man in Italien diesen Anteil der faschistischen Legionen an der Eroberung Santanders besonders hervorhebt, nachdem britische 3eitungen vor nicht sehr langer Zeit das Wirken der italienischen Freiwilligen auf dem spanischen Kriegsschauplatz in ungebührlichster Weise geschmäht und herabgesetzt hatten, was in Rom mit vollem Recht sehr übel vermerkt worden war. Die so in der römischen Presse zum Ausdruck kommende freimütige Betonung der tätigen Anteilnahme Italiens an dem Schicksal Spaniens in seinem Lebenskampf gegen den Bolschewismus unterstreicht auch noch einmal mit aller Entschiedenheit den bemerkenswerten Satz aus der Rede Mussolinis nach Beendigung der Landungsmanöoer auf Sizilien: „Obwohl nur im Vorbeigehen, so sei es doch aufs kategorischste gesagt, daß wir im Mittelmeer den Bolschewismus aber irgend etwas Aehnliches nicht dulden werden!" Damit weiß nun auch England genau, woran es ist, wenn dieser Punkt in den bevorstehenden Besprechungen mit Rom über das beiderseitige Verhältnis im Mittelmeer zur Sprache kommt. War es früher England, das während der letzten zwei Jahrhunderte stets alles darangesetzt hat, um zu verhindern, daß eine russische Flotte einmal aus dem Schwarzen Meer den Weg frei finden könnte ins Mittelmeer, so ist es heute Italien, das die Festsetzung des Bolschewismus an den Küsten des Mittelmeeres nicht dulden wird. Die dreiste Durchbrechung des Nichteinmischungsabkommens durch Moskau, das die von ihm oder dem Valencia-Ausschuß gecharterten Schiffe zum Transport von Truppen, Waffen und Munition, zum Teil sogar anscheinend unter gröblichem Mißbrauch der britischen Handelsflagge — wozu ihm die seltsam laschen britischen Gesetze bisher bequeme Handhabe gaben —, durch die Dardanellen und das Mittelmeer zu den rotspanischen Häfen ungeniert einsetzt, ist schon eine harte Geduldsprobe für die italienische Regierung und sollte in London doch zu der Ueberlegung Anlaß geben, daß die Freiheit des Waffenhandels, der hier offenbar noch nicht einmal in allen Fällen England selbst zugute kommt, dort ihre Grenze finden muß, wo das Interesse aller Friede und Ordnung liebenden Völker auf eine Beendigung des bolschewistischen Greuelregi- ments in Spanien und eine Rückführung Spaniens in den Kreis der abendländischen Kultur gerichtet sein müßte. Dr. Fr. W. Lange. Belgische Gäste der Lustwaffe. Berlin, 27. Aug. (DNB.) Auf Einladung des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Generaloberst Göring, ist in diesen Tagen der Chef der Königlich-Belgischen Luftverteidigung, Generalleutnant D u v i o i e r, Gast der deutschen Luftwaffe. Generalleutnant Duvivier erwidert damit den Besuch des Staatssekretärs der Luftfahrt, General der Flieger Milch, den dieser der belgischen Luftwaffe in Brüssel abgestattet hat. In Begleitung von Generalleutnant Duvivier befindet sich der Chef der Königlich-Belgischen Militärluftfahrt, General I s e r e n • t e n t. Die Gäste trafen auf dem Flugplatz Staaten ein, wo sie von Generalleutnant von Witzendorff begrüßt wurden. Nach Besuchen bei dem Reichskriegsminister und dem Reichsluftfahrtministerium, wo die belgischen Ossiziere von General Milch empfangen wurden, galt die erste Besichtigung dem Jagdgeschwader Richthofen in Döberitz. Den beiden belgischen Generälen wurden die Traditionsbänder des Geschwaders überreicht. Die belgischen Ossiziere legten am Ehre nmal einen Kranz mit den Farben Belgiens nieder. Besichtigungen der Luftkriegsschule, der Luftkriegsakademie und der Lufttechnischen Akademie in Gatow, der Flakabteilungen in Lankwitz und Brandenburg, einer Fliegerersatzabteilung und einer Fliegerschule vermittelten ein Bild von dem Aufbauwerk in der deutschen Luftwaffe. Ein Besuch des Henschel-Flugzeugwerkes rundete das Bild ab. Eingefügt wurde ferner eine Besichtigung des Arbeitslagers Ruhnsdorf. Der belgische Gesandte gab ein Esten, an dem neben Generalfeldmarschall von Blomberg, General Milch und anderen Offizieren der Luftwaffe Botschaftsrat Fürst Bismarck u. a. teilnahmen. Als Abschluß des Besuches fand ein kameradschaftliches Zusammensein im Hause der Flieger statt. „KvF."-Hote •:• '• \. x t/ k.v' f/ ' I-. V >..•• VW MFE UMMDW M7^ Nürnberg rüstet zum Reichsparteitag ren, daß unsere deutschen Volksgenossen im Ausland in unerschütterlicher Treue zum Führer stehen und ein fester Bestandteil der großen deutschen nationalsozialistischen Volksgemeinschaft sind. B. R. rinnenden Blutes. Hunderttausende flüchten aus diesem Knegsgetnet, zerreißen sich in panischer Angst das Fleisch am Stacheldraht der Sperrzone, hinter denen Rettung wäre. Tragisch ist dieses Erlebnis, wenn man es herzlos mit dem Spürauge der Kamera verfolgen muß, aber manchmal ist es grotesk, wenn man es aus der Perspektive des Westens sieht. Mit der Straßenbahn Nr 1 fährt man zur chinesischen Front, mit dem Autobus 8 z u r japanischen. Für den Weißen werden diese Endpunkte zur Linienbezeichnung. Von 10 bis 12 Uhr fahren die Journalisten ins chinesische Hauptquartier, einige Stunden später, so nach dem Essen, also zwischen 3 und 4 Uhr, geht man ins ,apa- nische und holt sich neue Informationen. Nachher sind die Telegraphenämter sehr besetzt. Was die Nachrichten-Offiziere erzählen, ist trocken, wenig geeignet, Sensation zu geben, also auf zur Jagd nach Stoff! Wer findig ist. aber auch Mut genug hat der kann sich hier die goldenen Sporen verdienen, kann ein ,Aß" werden, vor dem sich die Türen der Redaktionsgewaltigen öffnen werden, dann, wenn alles vorbei ist! Wer China kennt, weiß, daß eventuell bittere Sensationen in der Luft liegen — nicht der Kritzg ist das Gefährliche m Ama. die geschlagenen Armeen stnd die Holle. Wehe, wenn je die zerschlagenen chinesischen Truppen, gemengt mit dem obdachlos gewordenen Pöbel irgendwie 'i n die Konzession kommen, wehe wenn die'e Truppen fiepen sollten, und die Japaner ihr biflipliniertes fieer evakuieren müssen, bevor die mä»te qenügenb Schlacht,chiise den Wanp.pu herauf brachten! Eine Million Chinesen drangen mah= rend der Schlacht durch die Sperrlinien der We,. hen über die Kartenbrücke in die internationale Niederlassung. Andere blieben Sie tonnten Wien, daß hinter dielen Sittern aus Draht und Bai°- netten der „fremde Teufel" in Ruhe lebte, aß und tränt während ganze Stadtteile in Flammen und Sprengwolken vergehen. Leichen den sausen verringernder Kunde als Abfall dienen Das wurden die da draußen nicht vergessen, das wurden sie. wenn auch völlig unberechtigt, als Kahn empfinden und der alte Schlachtruf der . Pekinger Borer aus den Schreckenstagen des Gesandtlchaftsviertels um die Jahrhundertwende .,Scha!! Scha!!" — „Tote! Töte'" würde in Schanghai zu neuem Leben erwachen. Schon in den ersten Kampftagen hatte daß Ein ungemein anschauliches Bild von dem Leben in der 3^-Millionen-Stadt Schanghai, über das jetzt wieder, wie im Jahre 1932, die Kriegsfurie dahin braust, entwirft Dr. Martin Rikli, der als Berichterstatter der Ufa vor fünf Jahren dabei gewesen ist. Noch niemals gab es in der Weltgeschichte einen wochenlangen Krieg in einer Weltstadt. Einen richtigen Krieg mit Panzerzügen, jchwerer Schiffsartillerie, Panzerautos, Tanks, Flugzeugen, Maschinengewehren, Minenwerfern, Handgranaten. Einen langwierigen Stellungskrieg, in dem um jeden Meter blutig gekämpft wird und tägliche Sturmangriffe mal da, mal dort eine Bresche schlagen, ohne die Entscheidung zu bringen, ohne die Gesamtlage wesentlich zu ändern. Ein richtiger Stellungskrieg auf einer Front von 20 Kilometer Länge, hiervon ein paar Kilometer mitten durch die Weltstadt selbst, rücksichtslos mitten durch einstürzende Häuser, verschüttete Straßen, durch Rauch und Trümmer. Dieser seltsame Krieg zerreißt das Gesicht dieser Stadt wie ein gigantischer, roher Hieb, walzt Fabriken in den zerschossenen Boden, legt ganze Stadtteile um wie Kartenhäuser im Sturmwind, schmettert die letzten Trümmer aus der dröhnenden Luft noch endgültig in StaUb. Wochenlang ist annähernd die Schanghai—Wu- sung-Bahnlinie die Front. Tanks kriechen durch totgeschossene Straßen heran, verbeißen sich wütend in den verborgenen Gleisen, donnern ihre Wut in die Trümmer des Nordbahnhofs hinein. Auf ihrem Weg erspähen sie das letzte, klägliche Leben in Trümmerhaufen und bellen es mit schweren MGs tot. Hinter ihnen herrscht die Ruhe des Grabes, nur das verkohlende Gebälk knistert in Lachen ge- weißrussische Regiment der Internationalen Freiwilligenarmee, das im Dienst der Stadt Schanghai steht, an besonders gefährdeten Stellen, vor allem in der Gegend des Nordbahnhofs, dort wo das chinesische Tschapei an die Niederlassung stößt, starke Sandsackbarrikaden errichtet. Lange Unterstände und Gänge aus Sandsäcken, die im Zickzack über die Straßen führen, gegen Granatsplitter und Dachschützen mit dicken Stahlplatten bedeckt. Ganze Straßen sind in kleine kunstvolle Feldbefestigungen verwandelt Spanische Reiter und mehrreihige Drahtverhaue sperren die Eingänge in die neutralen Stadtteile. Besonders die Engländer und die Pankees haben an exponierten Stellen Festungstürme mit Maschinengewehren errichtet. Darüber fegen wie stählerne Hagel die Schüsse der feuerspeienden Häuserfronten. Dicht am Turm, verkrampft mit bleifarbenen Händen einige Tote. Herrenlose Hunde haben sich immer frecher, immer gieriger an diese Opfer herangepirscht, wir haben die Leichen in einer dunklen Nacht mit Tüchern und Stacheldraht bedeckt. Jetzt kommen keine Hunde mehr. Brausend, wie ein Orkan fegte ein schweres Bombenflugzeug über uns weg, deutlich sehen wir ihre Hoheitsabzeichen, die Torpedos unter ihrem Rumpf. Hinter ihr zwei kleine Kampfflugzeuge, sie zogen mit Vollgas keine 100 Meter über den Dächern, aus ihren MG. prasselt Feuer, Brandbomben platzen unter ihnen. Dann schmettert ein Lufttorpedo hinter dem Bahnhof tn eine Gruppe Hochhäuser, es klingt, als stürzen tausend Tonnen Schienen auf Kopfpflolter, aus dem Lärm spritzt gelbroter Staub und giftiger Rauch in den Himmel, dazwischen prasseln, sich langsam vorneigend drei Etagen nieder. Im Umkreis von einem halben Kilometer ist das Häusermeer niedergefegt, zackige Ruinen stehen an den Rändern dieser mörderischen Explosion, in deren Mitte ein Riesentrichter gähnt, der sich sofort mit schwarzem Grundwasser füllt. Rauch, Staub überall. Der Luftdruck haut uns auf die Trommelfelle, daß der Kopf schmerzt. Fliegerangriff! Draußen vor den Stacheldrähten stauen sich Hunderttausende, vor den Luftangriffen mehrmals täglich durch brennende Straßen flächend Sie bauen ihre armselige Sjabe wie Barrikaden um sich auf, wertlosen Kram, den man wahllos zulammenariff, den m-m nun blödsinnig mit sich durch die Höllen dieser Flucht schleppt. In unübersehbaren Scharen, ein Meer von Köpfen, brüllend, jammernd, schnatternd wälzt sich diese Flucht an den Stacheldrähten der internationalen Zone hin und her, die Vordersten werden vom Schwall der Taulende hinter sich in die schmalen Oeffnungen der Sperren gepreßt, jedes Flugzeug, das in donnernder Drohung über diesen Anqstirren erscheint, wirft die Scharen in neue zwecklose Flucht Weiber stürzen, Kinder schreien im Gedränge, unter dessen Wucht Barrikaden einstürzen, Tag und Nacht gellt der hysterische Lärm dieser Flucht an den Grenzen zwischen E^inelenvierteln und Fremdenstadt, die hinter den Gewehren ihrer Wachregimenter wieder das gewohnte Leben aufnimmt. Die großen Warenhäuser sind wieder offen, man fährt in eleganten Limousinen zum Five o'clock tea, abends in Jbie Tanzbars, zum baskischen Ballturnier, ip die Filmpalälte und Restaurants, das nächtliche Treiben dieser schlaflosen Stadt hat etwas Fieberndes, Hektisches. Dumvf dröhnen die Schläge des Krieges in die Tanzmusik und Brandröte geistert über die leuchtenden Fassaden der Hotels, es aibt zwar eine Polizeistunde, nach zehn Uhr ist das Betreten der Straßen ausnahmslos verboten, auch Weißen gilt dieses Verbot. Nun, man tanzt und > trinkt mit Russinnen. Chinesinnen, französischen Ka- . barettdiven im „Eldorado", im „Casanova", in den : hundert Stätten der Freude und des Genusses bis , zum Morgen, wenn die Straßen wieder freige- i geben sind. i Draußen, an den Stacheldrahten vor den Pan- i zertürmen der Amerikaner und Engländer, in den i rauchenden, dröhnenden Straßen der Verwüstung : heult d e r Haufe der Verzweifelten. Sie ! bohren mit ihren blutenden Händen Löcher in die Ueberall in Nürnberg wird eifrig an den letzten Vorbereitungen für den Reichsparteitag gearbeitet. Hier sieht man das Holzgerüst für die Ehrentribünen auf dem Marktplatz. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Eine Millionenstadt als Kriegsschauplatz 3n Schanghai während der chinesisch-japanischen Kämpfe im Jahre 1932. Musiktage in Kassel (8. bis 10 Oktober) werden vom Arbeitskreis für Hausmusik zum fünften Mal seit ihrem Bestehen veranstaltet. Neben Konzerten des für wesensgetreue Darstellung alter Musik bekannten Kammermusikkreises Scheck-Wenzinger werden eine Singkreisübung, eine S p i e l k r e i s ü b u n g , Gesellige Musik und Offenes Singen mit Blasmusik angekündigt Bei letzteren Veranstaltungen haben die Teilnehmer Gelegenheit zu eigener musikalischer Betätigung. In einem Morgenkonzert wird man Werke der Wiener Klassik in ihrem ursprünglichen Klangbild vortragen hören. Höhepunkte versprechen die Kammerorchester-Konzerte mit einem Concerto grosso von Händel, dem ^-ckur-Cembalo- Konzert, dem 3. Brandenburgischen Konzert und der Bauernkantate von I. S. B a ch zu werden. An zeitgenössischer Musik sind Werke von Woi ter Leigh, Ernst Pepping und Karl Marx (Uraufführung eines Flötenkonzerts) vorgesehen Vor den Musiktagen finden gemeinsam mit der Reichsmusikkammer veranstaltete Arbeitstage für Musikerzieher und Musikfreunde (4. bis 7. Oktober) statt. Tagung der Deutschen Orthopädischen Gesellschaft. Die Rostocker Tagung der Deutschen Orthopädischen Gesellschaft eröffnete Dr. Scheel (Rostock) mit Ausführungen über die Stellung der Orthopädie in der Gesundheitsführung des DrittenReiches. Es fei darüber zu wachen, daß das erbgesunde Kind in seinem guten Wachstum gefördert, bei Fehlern entsprechend behandelt werde. Nicht nur der Kranke, sondern auch der Gesunde sollten der Kontrolle des Orthopäden unterworfen sein, von der Geburt an, damit Fehler rechtzeitig entdeckt werden. Nicht nur klinische Behandlung, sondern G e - sunderhaltung des Volkes ist zu fordern, damit Leistungssteigerung und Leistungsfähigkeit über den sogenannten Knick, dH. über d i e vierziger Jahre hinaus gesichert sind. In den weiteren Vorträgen äußerten sich der um die sport- Stacheldrahtwälder und schlüpfen im Schutze der Nacht in die Zone der Sicherheit, sie werfen ihre armselige Habe über die Schutzwälle, drängen sich bebend unter Wolken von Geschrei. Der riesige Schatten der Bombenflugzeuge fliegt über sie hinweg, heulend zieht das Feuerwerk des Krieges seine Kometenbahnen über ihren angstgeduckten Köpfen. Die Hyänen der Not, die Plünderer und Marodeure sind an der Arbeit, in den verlassenen Häusern, im Regen der Geschosse, in den Brandruinen der verödeten Stadtviertel treiben sie ihr scheues Werk, wühlen wie gierige Tiere in den zertrümmerten Läden, in Wohnungen, die hinter niedergebrochenen Wänden die Höhlen ihrer wehrlosen Zimmer dem Raub bieten, flüchten aufgescheucht von sausenden Explosionen um an anderer Stelle wiederzukommen. Wenn man sie fängt, lassen sie sich mit zynischem blöden Lächeln wie Schlachtvieh in Gruppen an die Wand stellen zur Hinrichtung. Niemand bleibt stehen die Neugier ist im Hagel des Geschehens gestorben, was ist ein Menschenleben? Ans aller Welt. Ein deutscher Kolonialpionier gestorben. Im Alter von 74 Jahren verstarb in München Geheimer Regierungsrat Dr. K e r st i n g. Im Auftrage des Auswärtigen Amtes erforschte er mit Lauterbach und Trappenbeck das Hinterland von Deutsch-Guinea. 1897 wurde er nach Togo berufen und sicherte durch sein rasches Handeln im Hinterlande von Togo die Besitznahme dieses Gebietes. Von 1907 bis 1914 war Dr. Kersting Chef des deutschen Jnselgebietes in der Südsee. Bei Kriegsausbruch geriet er in englische Gefangenschaft, wurde aber wieder freigelassen und war dann in der Türkei in militärischer Eigenschaft tätig. Von 1917 bis 1920 wirkte er als Referent für Land- und Forstwirtschaft im Reichskolonialamt und trat dann in den Ruhestand. Zwei Todesopfer eines Autounglücks. Auf der Staatsstraße S ch w e i n f u r t—B a d Kissingen, zwischen Arenshausen und Erlenbach, fuhr dem mit vier Personen besetzten Kraftwagen der Würzburger Arztwitwe Kathinka Dau- send, der von ihrem Sohn gesteuert wurde, an einer Straßenkreuzung ein anderes Auto in öie Flanke. Der Wagen Überschlug sich zweimal. Frau Dausend wurde getötet, während ihre 15 Jahre alte Tochter einen schweren Schädelbruch erlitt, dem sie in einer Kissinger Klinik erlag. Die mitfahrende Großmutter erlitt schwere Verletzungen. suchungen bei den Olympiamannschaften" im vergangenen Sommer, wobei manche interessante Feststellung gemacht wurde, so u. a. die, daß Plattfuß den Langstreckenläufer keineswegs behindert. Sportärztliche Erfahrungen ließ der Vortrag von Dr. Heiß (Berlin) über „Leistungssteigerung durch den Betriebssport" aufklingen. Erfahrungen mit Schwerstbeschädigten- und Rekonvaleszentenabteilungen, in denen Krankgewesene allmählich wieder an die Arbeit gewohnt werden, gab Dr. Di11 - mar (Heidelberg) bekannt, und zur „Behebung der Restzustände der Kinderlähmung äußerten sich Dr. Gebhardt und Dr. Groh aus Hohenlychen. liche Ertüchtigung des Heeres bemühte Oberfeldarzt Dr. Baader (Wünsdorf) über „körperliche Ertüchtigung und Beanspruchungsfähigkeit des Heranwachsenden", Dr. Thomsen (Frankfurt a. M.) über die Wichtigkeit des Zusammenwirkens von „Orthopädie und Leibesübungen", Dr. Schede (Leipzig) über „Körpermessung und ausgleichende Körpererziehung". Professor Dr. P i tz e n (Gießen) regte mit seinen Ausführungen über „Körperliche Erziehung unserer I u - g e nd" eine aufschlußreiche Aussprache an. Dr. Bragard (München) sprach über „Abweichung der Brustform bei Jugendlichen", Dr. Wunder- l i ch (Leipzig) über „Ergebnisse der Fußunter- Havas läßt sich aus London melden, daß der englische Kriegsministeraml6. September in Frankreich eintreffe, um den französischen Manövern beizuwohnen. ♦ Der schwedische Außenminister Sandler begab sich von Warschau aus in Begleitung des polnischen Außenministers Beck nach Spala, dem Sommerfitz des polnischen Staatspräsidenten, wo er in Audienz empfangen wurde. * Marquis Pablo de Curruca Aycinena, h e r Vertreter der Regierung Franco, hat Kardinalstaatssekretär Pacelli sein Beglaubigungsschreiben als Geschäftsträger der nationalspanischen Regierung beim Heiligen Stuhl überreicht. Marquis de Aycinena, der seit Jahren in der diplomatischen Laufbahn tätig ist, war bereits vor rund 20 Jahren Sekretär der spanischen Botschaft beim Heiligen Stuhl. Kunst und Wissenschaft Richard Strauß erkrankt. Dr. Richard Strauß ist an einer Bronchitis er- krankt und daher nicht in der Lage, anläßlich der Deutschen Kulturwoche in Pans seine Opern „Rosenkavalier" und „Ariadne auf Naxos", wie vorgesehen, persönlich zu dirigieren. An feiner Stelle wird Staatsoperndirektor Professor Clemens Krauß (München) die Aufführungen der beiden Opern in Paris dirigieren. Nlusiklage in Kassel Stuttgart grüßt die Ausländsdeutschen. Stuttgart, 27. Aua. (DNB.) Die Stadt der Ausländsdeutschen hatte bereits am Vorabend der 5. Reichstagung der Ausländsdeutschen ein Festgewand angelegt. Die staatlichen Gebäude, die Wohn- und Geschäftshäuser prangen im Schmuck Tausender von Fahnen und sind mit grünen Girlanden und bunt bebänderten Kränzen behangen. Auf dem Hauptbahnhof werden die Gäste von den beiden Symbolen der Stadt, dem roten Segelschiff auf weißem Grunde und dem schwarzen Pferd im gelben Feld, begrüßt. Von dem dem Bahnhof gegenüberliegenden Hindenburg-Bau erstrahlt des Nachts eine Leuchtschrift mit den Worten: „Stuttgart grüßt die Ausländsdeutschen!" Ein künstlerisch hervorragendes Bild bietet der von den klassischen Formen des Königsbaues und dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden neuen Schloß umsäumte Schloßplatz. Als Schmuck für den Königsbau hat man rotorangene Tücher gewählt, deren Wirkung von dem als Sonnenrad gestalteten und in Gold ausgeführten Hakenkreuz bestimmt wird. Auch die Ausschmückung des neuen Schlosses durch das Amt Schönheit der Arbeit der NSG. „Kraft durch Freude" macht dem Stilempfinden der gestaltenden Künstler alle Ehre. Die mit Hunderten von Fahnen sämtlicher Gastländer unserer Ausländsdeutschen übersäte K ö n i g s st r a ß e sowie die zum Ehrenmal der deutschen Leistung im Ausland führende Adolf-Hitler-Straße gleichen einer Via triumphale. Ein überwältigendes Bild bietet das nächtliche Stuttgart im Scheine von etwa 30 000 bunten Glühlämpchen. Die Hotels und Gasthäuser sind bis zur letzten Bodenkammer gefüllt, und auch die Privatquartiergeber haben keine Mühe gescheut, um ihren Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Meine politische Nachrichten. Im Bürgerbräukeller zu München versammelten sich vor ihrer Abreise nach Italien 450 Jung- volkführer aus allen deutschen Gauen, die im Rahmen des deutsch-italienischen Jugendaustausches einen Geaenbesuch bei der Ballila abstatten, zur Verabschiedung durch den Reichsjugendführer. Die Reise führt zunächst bis Carrara, wo die Jungvolkführer mit der Ballila ein gemeinsames Lager beziehen werden. Am 11 September werden sie in Rom zusammen mit den Ballila-Laaern „Campo Dux" und „Campo" Mussolini" an Mussolini vorbeimarschieren. * Der ungarische Reichsverweser, Admiral von H o r t h y , der über Wien seine Urlaubsreife ins Salzkammeraut antritt, wird vermutlich einige Tage in Bad Ischl verweilen. Sodann wird er seine Reise über Bayern, Tirol und Vorarlberg nach der Schweiz fortsetzen. Brandstifter aus Geltungsbedürfnis. Vor einiger Zeit brach in Wassenach ein Feuer aus, bas von einem Mann angelegt worden war, der sich bei den Löscharbeiten hervortun wollte. Vor der Großen Strafkammer Koblenz bestätigte sich die ungeheure Frivolität, mit der der Angeklagte das Volksvermögen schädigte. Er kam auf feinem Heimwege von der Arbeitsstätte an einer Scheune vorbei. Ihr Anblick ließ in ihm den verwerflichen Gedanken entstehen, die Scheune in Brand zu stecken. Er zündete sich eine Zigarette an und warf das brennende Streichholzin die mit Stroh gefüllte Scheune, um in einem gewissen Abstand auf den Ausbruch des Feuers zu warten. Als er die Flammen empor- chlagen sah, rannte er gleich mit Alarm- rufen los. Bei den Löscharbeiten war er einer der eifrigsten, so daß schließlich ein Gendarmerie- meister aus dem aufgeregten und prahlerischen Benehmen Verdacht schöpfte. Der Angeklagte war geständig und wurde zu zwei Jahren Zucht- Haus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Wegen Amtsunterschlagung ins Zuchthaus. Wegen Amtsunterschlagung hatte sich der 37jäh- rige Schrumpf aus Koblenz vor der Großen Strafkammer zu verantworten. Der Angeklagte war bei der Post tätig. Während des Nachtdienstes hatte er längere Zeit hindurch die eingegangenen Einschreibebriefe nach Geld untersucht. Glaubte er Anhaltspunkte hierfür zu haben, o öffnete er die Briefe sorgfältig, nahm das Geld heraus und verschloß sie wieder. So hatte er im Laufe der Zeit 150 RM. und 31 Dollar aus den Briefen entwendet. Ein Teil des Geldes wurde in der Wohnung des Angeklagten beschlagnahmt. Das Urteil lautete auf ein Jahr und drei Monate Zuchthaus sowie drei Jahre Ehrverlust. Meuterei in einer französischen Strafkolonie. In einer Strafkolonie bei Montpellier (Südfrankreich) stürzten sich etwa 20 Sträflinge wie auf Kommando auf den wachthabenden Beamten und überwältigten ihn. Dann st eckten sie das Gebäude in Brand und ergriffen die Flucht. Durch das sofort herbeigerufene Aufgebot von 60 Gendarmen wurden die übrigen Insassen in Schach gehalten, während die Verfolgung der Flüchtlinge ausgenommen wurde. Bisher ist es noch nicht gelungen, ihrer habhaft zu werden. Wetterbericht des Reichsmetterdienstes. Ausqabeort Frankfurt Am Südrande des von England nach Nordrußland sich erstreckenden Hochdruckrückens verblieb Deutschland im Zufuhrbereich warmfeuchter Luftmassen, die am Freitag vielerorts zu Schauertätigkeit Anlaß gaben. Sie war bei uns im allgemeinen geringfügig, aber in Mittel- und Norddeutschland teilweise von Gewittern begleitet. Heute früh herrschte verbreiteter Nebel. Die Großwetterlage befindet sich in Umgestaltung, die uns zunächst weitere Verstärkung des Hochdruckeinflusses bringt. Aussichten f ü r Sonntag: Morgens vielfach Nebel oder Hochnebel, sonst trocken und meist heiter, mittags warm, zunächst östliche, später südliche Winde. Aussichten für Montag: Voraussichtlich wieder unbeständiges, aber im ganzen noch freundliches Wetter. Lufttemperaturen am 27. August: mittags 22 Grad Celsius, abends 16,2 Grad -, am 28. August: morgens 14,2 Grad. Maximum 23 Grad, Minimum heute nacht 12,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. August: abends 19,5 Grad; am 28. August: morgens 16,4 Grad. — Niederschläge 0,4 mm. — Sonnenscheindauer 6,3 Stunden. Hauptschriftleiter- Dr Friedrich Wilhelm Lange Stellvertreter des Hauptschrijtleiters Ernst Blum- schein Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr Fr W Lange, für Feuilleton: Dr Hans Thyriot (beurlaubt), i V: Dr Fr W Lange, für den übrigen Teil: Ernst Blumjchein Anzeigenleiter.-Hans Beck (beurlaubt) Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen Theodor Kümmel D A VII 37: 9076. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R Lange K -G sämtlich in Gießen Monatsbezugs- preis RM 2.05 einschließlich 25 Pf Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Ps mehr Einzelverkaufs- ; preis 10 Pf und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. 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ZOO Zweites Matt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Mberheffen) §amztag, ^8. August (957 Wehr und Waffen. jedem Falle pioniertechnisch geschulte Helfer und erheblich Zeit und Munition, die nicht immer greifbar ist. Minensperren gelten zur Zeit vielfach als Trumps. Sie räumen mit jedem Fahrzeug, das sie überschreiten will, aus. Es ist aber zu bedenken, daß ihr getarntes Verlegen aus Kunststraßen zeitraubend und nicht ohne Schwierigkeiten ist Es gilt nicht nur, die Straßendecke aufzurerßen und die Minen kunstgerecht zu verdammen, sondern sie auch mit Mitteln der Straßendecke so zu tarnen, daß die Führer der feindlichen Kraftwagen keinen Verdacht schöpfen. Furten verseucht man durch fest- gepslockte Eggen, Stolperdrähte, verstreute Nägel und Glasscherben. Vernebeln der Sperren kann den Gegner täuschen. Scheinsperren können ihn zum Abbiegen aus nunmehr tatsächlich und unmerklich verseuchte Straßen verführen. Eine Folge hintereinander errichteter Sperren wird ihn zermürben, wird ihm nicht nur Zeit, sondern auch Nerven kosten Elektrisches Laden der Sperren kommt nur bei reichlich bemessener Vorbereitung in Frage. Bei jeder Anlage von Sperren ist zu überlegen: „Schaden sie nicht auch mir, den Kameraden? Hemmen sie nicht die eigene Bewegungsfreiheit? Stören sie nicht die späteren Pläne des Führers?" Brücken sind rascher gesprengt als aufgebaut, Tankminen nicht ungefährlich aufzunehmen, Baumsperren mühsam zu beseitigen. Unter allen Umständen müssen alle in der Wirkungszone der Sperren befindlichen eigenen Kommandobehörden und Truppen über Art und Lage der Sperren unterrichtet sein. Die Beseitigung von Sperren erfordert Ruhe und Umsicht, Zeit und Menschenkräfte Oft wird es vorteilhafter sein, sie unbeachtet beiseite liegen zu lassen und auf Umwegen das Ziel zu erreichen. Wenn es die Zeit erlaubt, ist mit wenigen Leuten in Abständen zu arbeiten. Sperren! Wir haben im Anfang des Weltkrieges auffällig wenig von ihnen Gebrauch gemacht. Wir haben später, besonders auf dem Rückzug in Polen (Herbst 1914) und bei der Hindenburg-Bewegung (Frühjahr 1917) sie schätzen gelernt Wir werden in einem Zukunftskriege uns erst recht aus ihre Verwendung einstellen müssen. Eins aber dürfen wir dabei nicht vergessen: Jede mechanische Sperre ist nur ein unbeseeltes Abwehrmittel und kann nie den Wettbewerb aufnehmen mit der lebendigen Kraft des Geschosses. Vor 130 Jahren. Aus der Geschichte des alten Infanterie Regiments 116. Die Belagerung her preußischen Festung Gründen; 1807. Von JRuOolf Mohr, Generalmajor a. D. Graudenz, heute Grudziad, die alte deutsche Ordensstadt an der Weichsel, war eine der beiden Festungen (Graudenz und Kolberg), die nach dem Zusammenbruch des preußischen Staates 1807 allein der französischen Ueberflutung Stand hielten und die Ehre der preußischen Armee retteten, als alles verloren schien. Seit 1920 ist sie polnisch geworden und uns entrissen. Nicht durch Waffengewalt, sondern infolge des Versailler Diktats und der Schwäche der damaligen roten sogenannten Regierung, die die starken Freikorps, die sich im Osten gebildet hatten, nicht einzusetzen wagte. So griff das neuentstandene Polen zu und behielt seine Beute. Schon einmal, 1807, also vor 130 Jahren, wurde der Versuch unternommen, Graudenz dem preußischen Staate zu entreißen. Es trat damals die eigenartige Lage ein, daß die Festung durch einen preußischen General mit französischem Namen, L ' Homme de Courbiere, tapfer und umsichtig verteidigt wurde, und daß die Angreifer auf französischen Befehl Deutsche, und zwar in der Hauptsache Hessen waren, die infolge der Bestimmungen des Rhein-Bundes, dem der damalige von Vaterlandsliebe und echtem deutschen Sinn erfüllte Großherzog Ludwig I. von Hessen sehr gegen seinen Willen hatte beitreten müssen, dem Kaiser Napoleon „zur Verfügung zu stellen waren, wenn dieser es verlangte". Es waren die Leib-Garde- Brigade und ihr Garde-Füsilier-Bataillon (das spätere 1/116), die Leib-Brigade mit I. Leib-Füsilier- Bataillon (das spätere 11/116) und die Brigade „Groß- und Erbprinz" mit II. Füsilier-Bataillon, ferner das Garde-Ck>evaulegers-Regiment und das Großherzogliche Artillerie-Korps. Unter ihnen befanden sich also die beiden Stamm-Bataillone unseres alten Regiments, die auch schon 1806 bei Jena auf französischer Seite mitgekämpft hatten Die Festung Graudenz, die das hessische Kontingent mit einer kurzen Unterbrechung bis zum Frieden von Tilsit einschloß und belagerte (außer ihnen nahm zuerst nur noch eine Abteilung französischer Kavallerie teil), war im Jahre 1776 von Friedrich dem Großen erbaut worden. Sie sperrte einen großen Teil der Verbindungslinien der französischen Armee, ihr Besitz war daher für Napoleon von Wichtigkeit. Die Festung lag, von der Stadt Graudenz getrennt, am rechten Ufer der Weichsel, auf einem vereinzelten Hügel, die Stadt selbst etwa 2 Kilometer südlich, letztere unbefestigt. Oestlich der Festung ziehen sich die Ellernitzer Höhen, nordöstlich die von Belchau hin. Das Gelände der nächsten Umgebung war frei und Übersichtlich, die Wiesen der Ossa und Trinke sehr sumpfig (s. Skizze). Die Besatzung der Festung bestand aus etwa 3000 Mann, mit Geschützen und Munition war sie reichlich versehen. Bereits am 20. Januar 1807 war das hessische Truppenkorps von Süden her bis auf einige Stunden Entfernung von Graudenz herangerückt. Es stand unter dem Befehl des hessischen Generals von Schaeffer, die ganze Einschließungslinie war dem französischen Dioisionsgeneral R o u g e r unterstellt. Schon am 22. Jannar, 9 Uhr, unternahm General von Schaeffer einen Angriff auf die Stadt Graudenz mit den Schützen sämtlicher Bataillone, den drei Füsilier-Bataillonen und zwei Geschützen. Es herrschte an dem Tag sehr große Kälte und ein heftiger Schnee- und Eissturm, unter dessen Schutz die hessischen Schützen ungesehen bis auf 50 Schritt an die Thorner Vorstadt herankamen und das dort stehende schwache preußische Pikett (Feldwache) überrumpelten. Ohne weiteren Widerstand zu finden, wurde die Stadt vom Garde- Füsilier-Bataillon und II. Leib-Füsilier-Bataillon besetzt und sofort zur Verteidigung eingerichtet. Das ganze Gefecht hatte nur einen Toten und einen Verwundeten gekostet. Aber bereits 12.30 Uhr mittags griff eine preußische Festungs-Abteilung von 400 Mann mit zwei Geschützen das „Alte Schloß" am Nordausgang an, besetzte es und beschoß von dort lebhaft die Stadt und das Garde-Füsilier-Bataillon, das zwei Tote und neun Verwundete verlor. 2 Uhr nachmittags zog sich die preußische Abteilung freiwillig zurück, und die Festung wurde nunmehr auf dem rechten Weichselufer eingeschlossen. Auf dem linken dagegen blieb sie frei. Die Kälte war so grimmig, daß viele Leute sich Nasen, Ohren und Füße erfroren. Schutzmittel waren kaum vorhanden, die Bekleidungsfrage war jammervoll, da ein Nachschub aus der Heimat nur in sehr unzureichendem Maße stattfand. Am 30. Januar waren erst so viel Mäntel vorhanden, daß gerade die auf Posten stehenden Leute damit versehen werden konnten. Aehnlich stand es mit der Verpflegung. Der Krankenstand war deshalb auch ein sehr hoher, die Truppe zählte zu dieser Zeit kaum noch die Hälfte ihres Ausrückebestandes, so z. B. das Garde-Füsi- lier-Bataillon (1/116): 9 Offiziere, 241 Mann, das I. Leib-Füsilier-Bataillon (11/116): 10 Offiziere, 245 Mann. Die Bewegungen der verbündeten preußisch- russischen Armee, die zu der unentschiedenen, furchtbar blutigen Schlacht bei Preußisch-Eylau am 7. Februar 1807 führten, zwangen die Franzosen, die Belagerung von Graudenz kurze Zeit aufzuheben. Die hessischen Truppen gingen unbemerkt auf Engelsburg und Rheden zurück. Nur die Leib-Kompanie des I. Bataillons Garde, die in Belchau die Bedeckung des französischen Generals Rouger bildete, wurde in der Nacht von preußischen Sperren. Von Oberstleutnant a. O. Benary. (afp.) Der Knegsgott, froh, den Fesseln des Stellungskrieges entronnen zu sein, eilt leicht beschwing! über den Erdball! Flugzeuge Kampfkraftwagen sind die Gespanne seines Ruhms Räume, zu deren Durchfchreitung unsere Väter und Vorväter Wochen und Monate gebrauchten, sind in wenigen Stunden durcheilt. „Tempo! Tempo!" ist auch seine Parole. Und es hilft uns nichts: wir muffen mit, müssen uns einstellen auf den neuen Rhythmus des Krieges, müssen uns gewöhnen, zwei-, dreimal so schnell taktisch zu denken, zu handeln, wie man es uns in unserer Jugend lehrte. Denn blitzschnell wechseln im Zeichen des Motors die Lagen. Ehe wir es gedacht, ist der Gegner, der uns soeben noch auf Dutzende von Meilen entfernt gemeldet war, zur Stelle. Oft wird es uns an Zeit fehlen, Gegenmaßnahmen zu treffen, die eigene Kraft an die entscheidende Stelle zu führen. Den Gegner bis zu ihrem Eintreffen, bis zum Wirksamwerden unserer Gegenmaßnahmen aufzuhalten, wird häufig die Grundlage des Erfolges fein. Auf Zeitgewinn wird alles ankommen Sperren jeglicher Art, die des Feindes Bewegung aufhalten oder wenigstens erschweren, werden davon von unschätzbarem Nutzen sein. Es soll heute nicht gesprochen werden von jenen Sperren, die nach Art der Pser-Ueberflutung ganze Frontabschnitte sichern, von Minenfeldern, die sich als Tankschutz anbieten. Es sollen die Gedanken der Leser vielmehr auf jene Sperren geleitet werden, die den Verkehr auf Wegen und Straßen für motorisierte Verbände, für aufklärende Motorfahrzeuge jeder Art, für Kampfwagen und Kolonnen zu unterbinden suchen. Die Anlage von Sperren will gelernt fein. Eine Sperre auf schnurgerader Straße, die sich schon von weitem den^Herankommenden bemerkbar macht, die von ihm umgangen oder gar in kühnem Anlauf überrannt werden kann, hat ihren Zweck verfehlt. Sperren müssen überraschend hinter Wegbiegungen, an Engen auftauchen, wo der im Hundertkilometertempo Heranbrausende nicht abstoppen, der bedächtig sich Vorpirschende nicht wenden kann Sperren müssen so fest gebaut sein, daß der Wagen aus eigener Kraft sie nicht auseinanderreißen kann, daß es zum mindesten einer längeren Arbeit seiner Besatzung zu ihrer Beseitigung bedarf. Sperren müssen gegen Luft- und Erdsicht getarnt sein Sperren gewinnen an Wert, wenn sie unter eigenem Feuer liegen, zumal wenn dies Feuer in dem Augenblick einsetzt, in dem die Wagenbesatzung die Fahrzeuge verlassen hat, um sich an die Beseitigung des Hindernisses zu machen. Man vergegenwärtige sich, was es für die Besatzung eines Straßenpanzerwagens oder Kleinkampfwagens bedeutet, wenn nur ein einziger Mann von ihr außer Gefecht gesetzt wird. Sperren aber werden erst vollends heimtückisch, wenn sie ihre Wirksamkeit nicht allein auf das tote Material, sondern auf die lebendige Kraft des Sprengstoffes richten, d. h. wenn man in ihnen versteckte Sprengladungen (Handgranaten, Sprengkörper, Zug- und Tretminen) anbringt, die, sobald der Gegner an der Sperre zu reißen und zu ziehen beainnt, wirksam werden. Gleichgültiger ist es demgegenüber, aus welchem Material, in welcher Form man Sperren anlegt Dem Erfindungsgeist des Erbauers, des Pioniers, aber auch des Schützen und Reiters, ist dabei weiter Spielraum gelassen. „Nimm, was du finde st!" wird die beste Regel sein. Oft wird einfacher Draht, über die Straße gespannt, an dem v-er- borgen ein Sprengkörper, eine Mine hängt, schon genügen. Ein andermal werden umgekippte ober ineinandergefahrene fest verankerte Wagen, von denen man die Räder abgezogen hat, Ackergeräte, mit Sand ober Schotter gefüllte Kisten ober Tonnen gute Dienste tun. Ein brittes Mal werben Art unb Säge Baumreihen umlegen (Stämme in Manneshöhe nicht völlig abgeschnitten, Kronen mit Draht durchflochten, mit Sprenglabungen verseucht quer über bie Straße). Ein viertes Mal schreitet man zur Anfertigung von Drahtrollen ober spanischen Reitern. Leicht spricht es sich aus, Straßen zu sperren, inbem man ihre Kunstbauten zerstört. Zum Sprengen von Stein- unb Holzbrücken gehören aber in Wehrhafte Schweiz. Von unserem Or. S -Äerick-terstatter. (Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Zürich, Juni 1937. Der Wehrwille liegt den Eidgenossen im Blute. Siegreiche Entscheidungsschlachten, die Jahrhunderte zurückliegen (Sempach 1386) geben heute noch Anlaß zu großen vaterländischen Kundgebungen. Die Tatsache, daß der ausgebildete Wehrpflichtige (vom 20. bis 48. Lebensjahr) feine militärischen Ausrüstungsgegenstände einschließlich Waffen bei sich zu Hause hat, bringt die Wehrbereitschaft jedes Schwei- zerbürgers symbolisch zum Ausdruck, wenn auch militärische Zweckmäßigkeitsgründe dabei eine wesentliche Rolle spielen. Denn das schweizerische M>- lizsystem mit einer drei- bis viermonatigen Grundausbildung (Rekrutenschule und Offizierskurse) und einige mehrtägige Wiederholungsübungen kennt kein stehendes Heer. Lediglich die in den vergangenen Monaten ausgestellten Grenzschutzkompanien — bis Ende des Jahres sollen neun Kompanien zur Verfügung stehen — bilden eine Ausnahme, da die ledigen, arbeitslosen Freiwilligen sich zu einer Dienstleistungsdauer von sechs Monaten verpflichten und mit der ständigen Bewachung und Verteidigung der neuen Befestiaunqsanlagen (Blockhäuser, Jnfanteriewerke, Maschinengewehrnester, Unterstände, Tankfallen u. a m.) längs der Landesgrenze beauftragt find. Dieser ständige Grenzschutz durchbricht zum ersten Male den Grundsatz des Milizsystems, auch das geplante Fliegerkorps gehört in die Kategorie der länger dienenden Trup- peneircheiten. Im Ernstsalle begibt sich der Wehrmann bereits in voller Ausrüstung an den Ver- ammlungsplatz, wobei die Raschheit der Mobilisierung schon durch die streng regionale Rekrutierung der Truppen, insbesondere der Grenzschutzformationen und der sogenannten leichten Brigaden" (Dragonerschwadronen, Panzerwagen-Abteilungen, motorisierte Jnfanterie-Kanonen-Kom- panien, Radfahrer-Kompanien u. a. m.) als erste Grenzschutzreserve erleichtert wird. Die Hauptaufgabe dieser Verbände besteht darin, einen auf schweizerisches Gebiet vvrstvßenden Gegner solange aufzuhalten, bis die Hauptstreitkräfte im Landesinnern aufmarschiert und zum Eingreifen bereit sind. Die Hauptstreitkräfte bestehen nach der neuen, auf 1. Januar 1938 in Kraft tretenden Truppenordnung aus drei Armeekorps zu je drei Divisionen und je einer Gebirgsbrigade Die bisher äußerst schwerfälligen, geographisch weit verzweigten sechs Divisionen werden also durch eine größere Anzahl kleinerer, sehr beweglicher und kampfkräftiger Divisionen mit je drei Infanterie-Regimentern, einem Feldartillerie-Regiment mit neun Batterien und einer Abteilung schwerer Motorkanonen mit zwei Batterien 6,5-Zentimeter-Geschüt- zen ersetzt Zwei Gebirgsdivisionen verfügen außerdem noch über eine Abteilung Gebirgsartillerie, so daß hier auf neun Infanterie-Bataillone 13 Batterien entfallen. Mit den 345 leichten und 144 schweren Maschinengewehren, 36 Minenwerfern, 27 Infanterie-Kanonen und 44 bis 52 Geschützen ist die Kampfstärke der Division sehr groß und zur Durchführung selbständiger Aufgaben befähigt. Die Luftwaffe setzt sich auf Grund der neuen Truppenordnung aus drei Regimentern rmt insgesamt 35 Staffeln zusammen Hiervon sollen sechs Jagdstaffeln aus 54 Flugzeugen bestehen und 29 Mehrzweckestaffeln 232 Maschinen umfassen, so daß in Zukunft insgesamt 286 Militärflugzeuge vorhanden sein werden gegenüber bisher 150 einsatzbereiten Kampfflugzeugen. Mit einer weiteren Erhöhung des Flugzeugbestandes muß im Saure der nächsten Jahre gerechnet werden Die erstmalige und versuchsweise Einführung eines freiwilligen fliegerischen V v r u n t e r r i ch t s für geeia- nete Schweizerbürger im Alter von 18 bis 21 Jahren soll nicht nur dazu dienen, den erhöhten Per- jonalanforöerungen gerecht zu werden, sondern auch in qualitativer Hinsicht die Fliegerausbildung fördern. Das Rüstungsprogramm sieht ferner die Aufstellung von vorläufig 10 0 Fliegerabwehrbatterien vor; mit Geschützen der englischen Firma Vickers a. Armstrong und der französischen Schneider-Creuzot-Werke werden noch Versuche gemacht, um dann festzustellen welche Geschütztype zur Verwendung kommen soll. Die Kriegsstärke der Schweizerarmee wird auf 400 000 Mann geschätzt. Ihr überwiegender Derteidigungszweck bestimmt Aufbau, Ausbau und Bewaffnung der Wehrmacht Bei aller Betonung des Defensivcharakters dieser Armee ist „Landesverteidigung" doch letzthin ein politischer. kein militärisch strategischer und noch weniger ein taktischer Begriff. „Er umschreibt den allgemeinen und grundlegenden Auftrag an die Armee. Die Form der Lösung des Auftrages ist damit nicht gegeben." Ein Gegenangriff tritt nicht aus dem Bereiche des Möglichen und darum bleibt „im ganzen entscheidend der Angriffswille, der in einem Heere lebt, und der beinahe ausschließlich dessen Kampfwert bestimmt." Die schweizerische Aufrüstung, die im Jahre 1937 nach Tempo und Umfang in der Geschichte des Landes ihresgleichen sucht, bedeutet die grundsätzliche Abkehr von Gedankengängen, die der weitverbreiteten „Militärmüdigkeit" und pazifistischen Strömungen nach Beendigung des Weltkrieges Rech- nun trugen, die Aussichtslosigkeit des Widerstandes gegen hochgerüstete Nachbarstaaten betonten und allzu sehr auf die Aktionsfähigkeit des Völkerbundes vertrauten. Die Eidgenossenschaft will wieder so wehrhaft werden, daß der Respekt vor der Armee die kompromißlose Aufrechterhaltung der Neutralität bei Kriegen zwischen Nachbarvölkern gewährleistet. Seit Monaten erfaßt eine intensive WehrPropaganda (in Versammlungen und in der Presse) das ganze Land. Irgendwelche zersetzende Einflüsse auf die Armee und auf die Wehrbereitschaft des Volkes werden durch neue gesetzgeberische Maßnahmen unterbunden. Ein Bundesratsbeschluß vom Gardedukorps überfallen und mit ihren Offizieren größtenteils gefangengenommen. Von Rheden wurde der Marsch auf Thorn fortgesetzt, aber bereits am 8. Februar der Rückmarsch erneut zur Einschließung von Graudenz angetreten. Die drei Füsilier-Bataillone, die auf dem linken Weichselufer marschierten, mußten, um den Anschluß an ihr Korps wiederzufinden, hierbei die zugefrorene Weichsel Mann hinter Mann überschreiten. Es war Tauwetter eingetreten, und das Wasser stand schon auf dem Eise, doch ging es ohne Unfall ab. Das Garde-Füsilier- Bataillon kam nach Rondsen, das I Leib-Füsilier- Bataillon nach Wangerau. Bereits am 11. Februar erfolgte der Sturm auf die inzwischen von den Preußen wiederbesetzte Stadt Graudenz. Fast ohne Widerstand zu finden, wurde sie im ersten Anlauf genommen, das schwache preußische Pikett verlor 12 Gefangene. Sein Führer, ein Leutnant v. Türck, V D -<^ßhgelsburß, wurde schwer verwundet und starb am 26. Februar in Gefangenschaft. Er wurde mit allen militärischen Ehren beerdigt, wie überhaupt das Verhältnis zwischen Preußen und Hessen ohne persönliche Schärfe war, was alle Berichte betonen. Die Hessen hatten nur zwei Verwundete. Das I. Leib-Füsilier-Bataillon (11/116) bezog in der Thorner Dorstadt Quartier, das Garde-Füsilier- Bataillon (1/116) in der Stadt Graudenz selbst. Die Schützen aller Bataillone richteten den Nordrand der Stadt zur Verteidigung ein, die übrigen Bataillone besetzten ihre alten Stellungen am rechten Weichselufer. Den Befehl über sämtliche hessischen Truppen übernahm General von S t o s ch . der bald darauf mit sechs Bataillonen, darunter auch das Garde-Füsilier-Bataillon, nach Thorn abrückte, aber bereits am 5. März von dort zurückkehrte. Das gesamte hessische Kontingent zählte am 7. März nur 100 Offiziere, 2861 Mann, war also viel zu schwach, um etwas Ernstliches gegen die Festung zu unternehmen. Aber auch die Belagerten waren durch ihre Schwäche und die Unzuverlässigkeit ihrer größtenteils polnischen Mannschaften an größeren Unternehmungen gehindert Es fanden nur unbedeutende „Plänkereien" statt. Bei einer solchen Gelegenheit erhielt der Sergeant Mohr vom Garde-Füsilier-Bataillon für sein hervorragendes Verhalten den Orden der Ehrenlegion. Am 12. April trafen endlich Ersatz-Mannschaften ein, so daß sich bei unseren beiden Stamm-Bataillonen folgende Stärken ergaben (ohne Abkommandierte und Kranke): Garde-Füsilier-Bataillon: 13 Offiziere, 361 Mann, I. Leib-Füsilier-Bataillon: 12 Offiziere, 327 Mann. Am 24. Mai kapitulierte Danzig, und nun konnte mit Hilfe des dort freiwerdenden Belagerungsparks gegen Graudenz ernstlich Dorgegangen werden. Die ' Infanterie wurde um zwei Bergische und zwei Würzburgische Bataillone vermehrt, so daß nunmehr im ganzen 12 Bataillone vor Graudenz lagen. Dazu kam reichliche Artillerie, die nach und nach auf der Weichsel herangeschafft wurde. Anfang 3. November 1936 verbietet ausdrücklich die Einfuhr „antimilitaristischer" Presseorgane, Schriften und anderen Propagandamaterials. Nach dem dem Parlament vorliegenden Gesetzentwurf zum „Schutz der verfassungsmäßigen Ordnung und der Armee" wird derjenige mit Gefängnis bestraft, der öffentlich zum Ungehorsam gegen militärische Befehle, zu Dienstverletzung, Dienstverweigerung oder zum Ausreißen auffordert, und wer einen Dienstpflichtigen zu einer solchen Tat verleitet. Für die neue Wehrpolitik bringt das Schweizervvlk auch große finanzielle Opfer. Bei Gesamtausgaben von rund 500 Millionen Franken im Bundesbudget für 1937 beansprucht der Haushalt des Militärdepartements rund 106 Millionen, also 10 Millionen mehr als im Jahre 1936. Neben sonstigen Aufwendungen (für Arbeitsbeschaffung usw.) stehen aus der Mitte Oktober 1936 mit rund 100 Millionen Franken überzeichneten Wehranleihe 335 Millionen zur Verfügung; umgerechnet auf die Bevölkerungszahl Deutschlands würde sich dieser Betrag auf das Siebzehnfache erhöhen. Weiter ist das Eidgenössische Militärdepartement zur Einführung des obligatorischen Militärischen Dorunterrichts entschlossen, Danach ist jeder Jungmann vom 15. bis 20. Lebensjahr verpflichtet, am militärischen Vvrunterricht (Turnunterricht, Jungschützenkurs und Waffenübungen in einem einjährigen Kadettenkurs) teilzunehmen Geeignete Jnfkrukttons- und Truppenoffiziere leiten die kantonsweise durch die Divisionskommandanten organisierten Kadettenkurse. Auch die wirtschaftliche Kriegsoorsorge wird von den militärischen Instanzen beschleunigt durchgeführt. Im Laufe der letzten Monate ist der Generalstabsabteilung eine Sektion für Kriegswirtschaft und dem Dolkswirt- schaftsdepartement eine Abteilung für wirtschaftliche Kriegsbereitschaft angegliedert worden. Der vom Militardepartement vorbereitete Entwurf über die Kontrolle der Fabrikation und des Handels mit Waffen, Munition und Kriegsmaterial sieht ein Aufsichtsrecht mit Bewilligungszwang vor. Ium wurde die Belagerungslime näher an die Festung herangeschoben, sie lief nunmehr von Parsten über Neudorf zum alten Schloß, überall durch vorgeschobene Erdwerke geschützt. Mehrfach war der Kommandant General de Courbiere zur Uebergabe aufgefordert worden, hatte aber stets entschieden abgelehnt. Bekannt ist sein stolzes Wort, als ihm in einem Schreiben des französischen Generals Rouger mitgeteilt wurde, „es gäbe keinen König von Preußen mehr": „Nun, wenn es keinen König von Preußen mehr gibt, jo bin ich König von Graudenz". In der Nacht vom 27./2S. Juni 1807 wurde die erste Parallele gegen das Hornwerk eröffnet, das den Schloßberg beherrschte. Unsere beiden Füsilier- Bataillone stellten hierzu unter Kapitän Dunker und Premier-Lieutenant von Stosch die Arbeiter und unter Kapitän Stutzer und Premier-Lieutenant Gödecke die Reserven auf dem Schloßberg. Etwa 600 Schritte von der Festung entfernt wurde eine Parallele und ein rückwärtiger Verbindungsgraben ausgeworfen. Die preußische Besatzung bemerkte anfangs nichts, erst bei Tagesanbimch setzte eine heftige Beschießung ein, die einen Verlust von einem Toten und drei Verwundeten verursachte. 9 Uhr vormittags wurden die Füsiliere durch Mannschaften der Leib-Brigade und diese abends wieder durch 200 Mann unter Kapitän Hundhausen vom Garde- Füsilier- und Premier-Lieutenant du Puis vom I. Leib-Füsilier-Bataillon abgelöst. Major von Gall übernahm den Befehl über alle Truppen der vordersten Linie. Bis zum 30. Juni lagen sich Angreifer und Verteidiger im lebhaften Gewehr- und Geschützfeuer gegenüber, ohne daß eine Aenderung der Lage eintrat. An diesem Tage hatte das Feuer bereits 6 Uhr vormittags begonnen, als plötzlich das Signal „Zurück" gegeben wurde und der laute Ruf „Friede" von allen Seiten erscholl. Ein Adjutant des Kaisers Napoleon war mit der Nachricht von dem am 21. Juni 1807 zwischen Frankreich und Preußen abgeschlossenen Waffenstillstand und dem Befehl, sofort die Feindseligkeiten einzustellen, ein- aetroffen. Nicht ohne Mühe konnte dies der preußischen Festungsbesatzung mitgeteilt und dem Kampfe ein Ende gemacht werden. Der Gesamtverlust der hessischen Truppen während der engeren Einschließung betrug 7 Tote, 29 Verwundete, davon beim Garde-Füsiuer-Bataillon 3 Tote, 12 Verwundete, beim I. Leib-Füsilier-Dataillon 2 Tote, 9 Verwundete. Die beiden Füsilier-Bataillone lagen in der nächsten Zeit abwechselnd in Graudenz oder auf dem linken Weichselufer in Lubin bis zum 17. Juli, wo sie zu anderer Verwendung abberufen wurden. Damit endete für sie ein Abschnitt dieses Feldzuges, der ihnen große Anstrengungen und Entbehrungen, aber wenig kriegerische Lorbeeren gebracht hatte. Aber allgemein, auch beim Gegner, war die Anerkennung ihres tapferen und ausdauernden Verhaltens. Goethe schenkte die Einheit des Reichs. Von Or. Dfar’ner Schlösser, Reichsdramaiurg und Präsident der Reichstheaterkammer. In allen jungen Herzen lebt in unserer Zeit wieder ein Name: Goethe. Er ist ja noch immer das Beispiel der Beispiele, das Reich in seiner Ganzheit. Deshalb fand sich der „Faust" in den Tornistern so vieler deutscher Soldaten. Fragt sie, und sie werden es euch bestätigen, daß es wieder und wieder Goethe war, an dem sie sich innerlich zum Aeußersten steigerten. Ob im Kriege oder im Frieden, das Erlebnis Goethe ist für den Deutschen immer das gleiche gewesen. Am treffendsten hat es vielleicht Tieck umschrieben, der da sagt: „So wie Goethe nur die Augen auftat und sie anderen öffnete, war Deutschland unmittelbar auch da. Denn nicht das Talent und die Vollendung ist es allein, die Goethe charakterisiert, sondern die deutsche Gesinnung, die Verklärung des Volkes und Vaterlandes, das durch ihn gleichsam im Bewußtsein erst entstand und entdeckt wurde." Durch die unvergleichliche Verdichtung der deutschen Innerlichkeit hat Goethe mit seinem Schaffen feinem Volke die Einheit des Reiches geschenkt, als Deutschland noch nicht einmal ein Staat war. Allein diese Feststellung genügt, um jede engstirnige Kritik an dem Großen von Weimar als verabscheu- ungswllrdige Anmaßung zu kennzeichnen. Goethe ist in seiner Notwendigkeit für unser völkisches Leben heute wie ehedem gar nicht zu überschätzen. Sein „Götz" ist in seiner kräftigen Grobheit und Gemüthaftigkeit eine unversiegliche Quelle für die ständige Wiedergeburt des Reiches alles Deutschen. Es ist unausdenkbar, wie sich unser Volk sein Bestes erhalten sollte, wenn es sich in Stunden der Weihe und Selbstbesinnung, aber auch der Ermät- tnng und des Versagens nicht immer wieder an der vorbildlichen Mannheit solcher Dichtungen aufrichten könnte. Als der Staat in Trümmern lag und das Reich nur noch in wenigen lebte, in den Nachkriegstagen, ist uns Götzens Vision von der Zukunft Deutschlands nicht fast ein Gebet geworden? „Vielleicht daß Gott , so haben wir mit Goethe und Götz um das deutsche Schicksal gebangt und gehofft, „vielleicht, daß Gott denen Großen die Augen über ihre Glückseligkeit auftut? Wenn sie das Ausmaß von Wonne fühlen werden, in ihren Untertanen glücklich zu sein, wenn sie menschliche Herzen genug haben werden, um zu schmecken, welche Seligkeit es ist, ein großer Mensch zu sein, wenn die volle Wange, der fröhliche Blick jedes Bauern, seine zahlreiche Familie, die Fettigkeit ihres ruhenden Landes besiegelt, und gegen diesen Anblick alle Schauspiele ihnen kalt werden: dann wird der Nachbar dem Nachbarn Ruhe gönnen, weil er selbst glücklich ist. Dann wird keiner seine Grenzen zu erweitern suchen. Er wird lieber die Sonne in seinem Kreis bleiben, als ein Komet durch viele andere seinen schröcklichen unsteten Zug führen. Der unruhigste Kopf wird zu tun genug finden. Wir wollten die Gebirge von Wölfen säubern, wollten unseren ruhig ackernden Nachbarn einen Braten aus dem Wald holen und dafür die Suppe bei ihm essen. Wäre uns das nicht genug, wir wollten uns mit unseren Brüdern gleich Cherubs mit flammenden Schwertern vor die Grenzen des Reiches lagern, und die Ruhe des Ganzen beschützen. Das wäre ein Leben, wenn man seine Haut vor die allgemeine Glückseligkeit setzte!" Sicher, dieser Hymnuß vom deutschen Leben ist kein Staatsprogramm; aber es ist der Ausdruck einer Gesinnung, die wir das Reich nennen, und auf der ein deutscher Staat allein beruhen kann. Und so ist es immer bei Goethe. Wenn der Schmachfrieden von Versailles uns vor die Wahl gestellt hätte: endlose Fronarbeit oder Auslöschung des „Faust" aus unserem geistigen Besitze, so hätten wir uns für die Fronarbeit entscheiden müßen. Hätten wir uns in unserer Sklaverei dann doch den „Faust" erhalten und damit das geheimnisvolle völkische Lebenselixier, das zu jedem Widerstände kräftigt, das mütterliche Reich, welches die Staaten gebiert. Ich meine mit diesen Umschreibungen dasselbe wie Rosenberg, wenn er behauptet, der „Faust" stelle das Wesen von uns dar, das Ewige, das nach jedem Umguß unserer Seele in der neuen Form wohnt. Strömt von einer Dich- tuna das in ihr einbeschlossene, germanisch-nordische Wesen der Weltüberwindung und des Kampfes auf Leser oder Zuschauer aus, so ist hies Werk aus dem Geiste des Reiches heraus gejchaffen. Darum muß das Weihespiel der Deutschen, in dem wir Brot und Wein, so unsere Seele nährt, heiligen Rausch und letzte Lösung aller Rätsel finden, Gegenstand unserer ewigen Hingabe sein. Allein Goethe ist es zu verdanken, daß wir das Wesen unseres ganzen Volkes mit einem Worte, eben dem Namen Faust auszudrücken vermögen. Es ist unendlich viel, was uns dadurch geschenkt wurde, in einem Worte die Welt, wie sie der Deutsche lebt und fühlt! Im Grunde wird hier etwas Unsagbares ausgesprochen, denn der begrifflichen Fixierung der Lebensoorgänge sind ja Grenzen gesetzt; man kann zwar das Wesen von Epochen in aller Kürze bezeichnen, indem man die Namen ihrer Stile, etwa Gotik oder Barock, nennt, man kann eben noch Weltanschauungen charakterisieren, indem man die begrifflichen Notbehelfe Idealismus und Materialismus anwendet. Es handelt sich dabei aber doch immer noch um Teilerfcheinungen. Darüber hinaus bleibt unsere Sehnsucht bestehen, immer noch um Teilerscheinungen. Darüber hinaus bleibt unsere Sehnsucht bestehen, die Schöpfung erschöpfend zu umreißen, festzuhalten, was sich weder mit einem Worte noch mit einem Begriff einfangen läßt, weil es zu umfassend gedacht werden muß, und was andererseits zu undeutlich ist, als I daß es in einem Begriff formuliert werden könnte. Kurz, wir werden immer bemüht sein, alles das, was Geistiges und Seelisches, Haltung und Verhalten in einem enthält, das, was wir unter dem Reich verstehen, in ein Bild, oder wenn man will, in ein Symbol einzuprägen. Goethe ist das im Faust gelungen. Es bedarf keiner Betonung, daß solche Bilder einmalig sind. Sie haben nicht nur eine rätselvolle Beziehung zu allem, was uns umgibt, sondern auch eine rätselhafte Geltung für das, was uns bewegt. Sie find die Springwurzeln unserer Art. Man kann sie an unserer Seele anlegen und plötzlich enthüllt sich der tiefere Sinn und der tiefere Trieb unseres Handelns. Man kann mit ihnen unsere Fehler und unsere Vorzüge erklären. Sie lernen das: Erkenne dich selbst, damit du fähig bist, du selbst zu sein, oder anders gesagt: sie zeigen uns den Ewigen Deutschen und befähigen uns dadurch erst, selbst ganz Deutscher zu sein. Lob der kleinen Stadt. Don Hans Irie-rich Blunck, Alipräsident der Michsschnfttumskammer. Wir stehen seit einem halben Jahrhundert in einem harten, aber guten Wettbewerb zwischen Dorf und Stadt. Eine Weile schien es zwar, als wollten wir uns als Volk ganz und gar auf die städtische Wirtschaft einstellen. Zwei Geschlechter hindurch hat das deutsche Bauerntum seinen Nachwuchs yergegeben, erst für eine ungeordnete Ueber- seewanderung, dann zur Auffüllung neugeschaffener Städte, in denen der Zuwanderer rechtlos und ziellos blieb, weil er die eigene Ueberlieferung verloren hatte und die jungen Städte gefchichtlos waren. — Erft spät hat eine erhaltende Pflege des Bauerntums eingesetzt. Sie hat jetzt zu einer neuen Festigung und endgültigen Wiederverwurzelung ungefähr eines guten Drittels unseres Volkes auf dem stachen Lande geführt, das uns den Blutstrom und die Verbindung mit dem natürlichen Wachsen und überlieferten Wesen erhalten soll. Vorübergehend gab es sogar eine heftige Mißachtung der Leistung der großen Städte. Man unterschätzte dabei ihren Anteil am Neuaufbau Deutschlands und erklärte ihre Kinöerarmut aus der Stadt selbst statt aus den Lehren der Zeit und aus den unmöglichen Wohn- zuständen der Arbeiterschaft. Endlich übersah man wohl auch, daß wir die Werkstätten unserer Rüstung, die Häfen unseres Handels und die Ansammlungen kulturtragender Menschengruppen brauchen, um jene Höchstleistungen zu erzielen, in denen wir mit den Nachbarvölkern wetteifern. Wir lernten um. Wir lernten, daß es eine Auszeichnung ist, wenn man außerhalb der Großstadt leben, daß es ein Glück ist, das wir möglichst vielen verschaffen wollen, wenn man seinen Beruf erfüllen und dennoch zwischen den Bäumen und Seen wohnen darf. Wir wollen aber nicht zur alten Stadtfremdheit zurückkehren, die schon König Heinrich soviel Sorge kostete. Wir haben insbesondere aus der Geschichte und Vorgeschichte gelernt, daß unser Volk Jahrtausende hindurch als Bauern- und Landadelsvolk große Leistungen, oft Höchstleistungen seiner Zeit, in der Landwirtschaft, in der Seefahrt, in der Schmuck- und Schmiedekunst erzielte. Aber unser Volk ist um den Ruhm jener Zeit gekommen, weil wohl gesungen, aber nicht aufgeschrieben wurde, weil unserer Vorgeschichte Könige und Städte gefehlt haben, die die Kunst der Völker hätten festhalten und aufzeichnen können. Bei diesem schönen Wetteifer der Bedeutung von Stadt und Land, einem Wettkampf, den wir Deutschen unter Einsatz der stärksten Beweise auszufech- ten pflegen, vergaßen wir ein Drittes, das geschichtlich in allen Zeiten der Umbildung und Neubildung der Volkskräfte als Kulturerhalter wertvoller als Residenzen und Hauptstädte gewesen ist. Ich meine die deutsche Kleinstadt. Nicht wahr, mit dem Begriff der Kleinstadt verbindet unsere Literatur schon feit Kotzebue den Begriff einer häßlichen Beschränktheit und engherzigen Lebensführung. Schlimmer noch die Literatur unserer Niedergangszeit. Klatschsucht, Neid, Wichtig- tigtuerei, und was alles an menschlicher Unzulänglichkeit zu entdecken war, wurde in die deutsche Landstadt verlegt. Das Bauerntum stand jenen Literaten als offener Feind gegenüber. Man verachtete und haßte es, aber man wußte, daß das „Platte Land" sich wehrte, Bomben warf und gegen die Städte marschierte Man wagte zuletzt nicht mehr recht, die immer wiederholten Fiauren bäuerlicher Beschränktheit oder Großmannssucht zu zeichnen, man erhielt Antworten darauf, die verdrießlich stimmten. Man suchte deshalb nach Stellen geringeren Widerstandes und fand sie in der Kleinstadt. Nachdem Spitzweg sie noch einmal ins allzu Besinnliche, ins Ueberzarte vertlärt hatte — es war schön, aber ein wenig einseitig — hat sich die Literatur der letzten Jahrzehnte eine Erniedrigung, eine abgeschmackte Verzerrung eines unserer besten Wesensttäger leisten dürfen, die jedes Maß verlor. Dennoch war der Angriff erfolgreich. Weder Bauerntum noch Großstadt halfen den Gescholtenen. Schlimmer noch: die Kleinstädte glaubten am Ende selbst, was man über sie schrieb, und wurden in Bestürzung über ihre Häßlichkeit und Unerheblichkeit zum Aschenbrödel am Herd unseres Volkstums. Ich sage damit, was unsere kleinen Städte inzwischen längst einsahen: Sie waren nicht ohne Schuld an dem Zustand, in den sie gerieten. Die kleinen deutschen Gemeinwesen, die zum Teil eine wundervolle Vergangenheit besaßen, hatten in der geschichtslosen Zeit die Verbindung mit ihrer lieber« lieferung verloren. Sie waren ihrer selbst überdrüssig und ertränkten den Ueberdruß oftmals an Bierbänken und Stammtischen; sie hatten es geduldet, daß einige jüdische Warenhäuser ihre herrlichen Marktbilder verschandelten, sie glaubten sich entschuldigen zu müssen, daß sie kleine Städte waren, die andere Lebensgepflogenheiten als Bauern und Großstädte hatten, sie hielten es für Unrecht, daß ihre Bewohner die Muße fanden, altes Brauchtum und älterliche Meinungen zu erhalten, daß sie die menschliche Güte und die Besinnlichkeit romantischer Zeiten bewahrt hatten, daß man in ihnen noch auf Glauben und Aberglauben, auf Sitte und Sinn der Dinge Wert legte. Sie haben darüber entscheidende Stunden versäumt und verträumt. Aber sie sind doch zur Stelle gewesen, als es galt, das Land zu verteidigen, als die neue Zeit über Deutschland anbrach. Welch unendlicher Reichtum an Forschung und an großer politischer Geschichte liegt in den kleinen Städten der Landschaften, die in ihren Mauern die Kraft des flachen Landes zusammenfaßten und die Männer reifen ließen, die später die Worte für unser Volk sprachen. Wir wollen den. deutschen Kleinstädten die Ehre wiedergeben, wir wollen wieder gutmachen, was man an Verächtlichem über sie aussprach, wir wollen ihnen helfen, daß sie sich auf die Überlieferungen ihrer Geistesgeschichte wieder besinnen. Heute, wo wir die Entwicklung nicht mehr allein nach der Hausmacht politischer Fürstenhöfe oder nach den Schlachten des tausendjährigen deutschen Bürgerkrieges lesen, sondern nach den großen Wandlungen und Steigerungen unserer Ueberlieferung, soll auch die deutsche Kleinstadt in der Schau des Reiches neue Ehre gewinnen und wird sich gleich den bäuerlichen Landschaften die Stellung wieder erzwingen, die eine gefährliche Zeit der Zersetzung ihr zu nehmen versuchte. Die Pflege der Eingebundenheit in das Ganze beginnt beim Dorf, sie setzt sich fort in der (Sauge* meinschaft und bei ihren Häuptern, den Landstädten. Sie führt, richtig geleitet, von der kleinen Stadteinheit zur großen, danach zur Hingabe an den ewigen Bund im Reich, dem wir dienen. Zu solchen Aufgaben gehört Kraft und inn-re Sicherheit. Gut ist es, wenn die Gegensätze, d'e in jedem Volk bestehen, wenn die natürliche Sius» einandersetzung zwischen Seefahrer und Landjätti- gen, zwischen Großstadt und Bauerntum ausgeali- chen werden durch die starke, ihrer selbst bewußte Landstadt, der wir die Ehre wiedergeben wollen, die sie verlor, Ehre um ihres stillen und doch so großen politischen Wirkens und um des stillen Adels ihrer Menschen willen, die in der Zeit des Zerfalls ihre Ueberlieferung zu wahren, allerdings nicht genügend um sie zu kämpfen wußten. Leber ein kleines. Don E G Kolbenheyer Blüht nicht wie eine Sage Dein Leben aus dem Blut? Sind deine nahen Tage Nicht fernster Nächte Glut? Und kaum ein fühlbar Beben, Licht, das im Taue hängt, Ist all dein Tropfen Leben Geschöpft und hingesprengt, lieber ein kleines und über ein kleines Schon zittert der Glanz Klar gekeltert, des reifen Weines (Jrüngolbne Monstranz. Horch, vor den Mauern in schwellender Ferne Jauchzt Tochter und Sohn! Und deine Väter im Chor deiner Sterne, Sie winken dir schon. Aus dem beim Verlag Albert ßangen/(3eorg Müller in München erschienenen „Lyrischen Brevier". Ein Gestalter deutscher Volkwerdung. Zur Verleihung des Goethepreises an E G Kolbenheyer. Die Ehrung, die mit der diesjährigen Verleihung des Goethepreises dem sudetendeutschen Dichter E. G. Kolbenheyer zuteil wird, gilt „dem starken Gestalter deutscher Volkwerdung, der in seinen großen ethischen und dramatischen Schöpfungen stets verantwortungsbewußt und sich selber treu für die Reinheit und Wiedergeburt des deutschen Wesens eingetreten ist." Es liegt nahe, dabei in erster Linie an sein großes Romanwerk „Paracelsus" zu denken, in dem uns der Dichter einen der größten deutschen Menschen des Mittelalters in lebendiger Wirksamkeit schildert, in dem er darüber hinaus die ungeheuer bewegte Aufbruchszeit der Reformation als eine frühe Stufe unserer Volkwerdung geiftig durchdringt und uns gewissermaßen an diesem Beispiel die Wesensart des deutschen Volkes aufzeigt. Denn das ist das letzte Ziel des großen Romanes, wie übrigens auch der anderen geschichtlichen Werke des Dichters, der beiden Romane „Amor De i" und „M ei st er Joachim Pausewang", seiner geschichtlichen Erzählungen und Dramen: daß wir an ihm alle Beziehungen, alle Eigenschaften und Kraftströme unserer völkischen Existenz, die geistigen wie die biologischen, erkennen, damit wir aus dieser Erkenntnis und Bestätigung des arteigenen Wesens neue Kraft für die Aufgaben des Tages gewinnen. Aus Kolben- heyers dichterischem Werk geht diese Zielsetzung nicht unmittelbar hervor, aber wir finden sie bestätigt in seinen philosophischen Arbeiten und vor allen Dingen in seinen zeitkritischen und kulturpolitischen Reden und Aufjätzen, die seit dem Ende des Weltkriegs entstanden sind. Aus ihnen aber erfahren wir weiter, aus welchen Kräften ein Dichter schöpft, der sich die schwere Aufgabe gestellt hat, die deutsche Volkwerdung zu gestalten und so mitzuwirken am Ausbau seines Volkes. In den Jahren nach dem Weltkrieg, den Jahren bitterster wirtschaftlicher und völkischer Not, in denen der Glaube an Deutschland und an seine hohe Aufgabe tief erschüttert war, hat Kolbenheyer eine Reihe von Aufsätzen geschrieben, in denen er immer wieder gerade diesen Glauben als den unverlierbaren Besitz unseres Volkes bezeichnet. Der Glaube an die Kraft der deutschen Jugend, an den „plasmatischen Besitz" des Volkes, gibt ihm gerade in diesen schweren Jahren die Kraft für seine dichterische Arbeit. Es muß einmal gesagt sein, — und es erscheint uns in dieser Stunde wichtiger als eine gedrängte Würdigung seines gesamten Werkes — in welcher Zeit und in welcher Weise Kolbenheyer mit seiner ganzen geistigen und dichterischen Substanz für den Bestand deutschen Wesens eingetreten ist. Und es kann vielleicht nicht deutlicher gesagt werden, als mit Kolbenheyers eigenen Worten, mit denen er im Jahre 1919, als das Versailler Diktat die materielle und geistige Existenz Deutschlands zu bedrohen schien, seine Flugschrift ,,W em bleibt der Sieg?" schloß: „Weltgeschichte ist wohl Weltgericht, aber Weltgeschichte wird nicht in der Frist einer Generation zum Weltgericht. — Im innersten Leben der Völker, in ihrem plasmatischen Gute, darin liegt Sein und Nichtsein geborgen, dort ruht Weltgeschichte und Wettgericht begründet, das unaufhaltsam durch die Generationen hindurch und über die lautesten Zeitereignisse hinweg seinen na- [turnotmenbigen Weg nimmt, vor dem den Siegern dieser Tage bangen möge und uns, den besiegten Deutschen, nicht zu bangen braucht." Wir müssen uns die Zeit vergegenwärtigen, in der solche Worte geschrieben sind, und müssen daran denken, in welcher Einsamkeit sich der Dichter befand und mit welchen geistigen Widerständen er zu kämpfen hatte. Seitdem hat Kolbenheyer nie auf* gehört, am Äufbau eines neuen Deutschlands mitzuarbeiten. Mit dem unbeugsamen Willen zur Neuordnung hat er sein philosophisches Werk mit dem bezeichnenden Titel „Die Bauhütte" geschrieben. Von diesem Willen beseelt hat er sich immer wieder in Reden und Aufjätzen für die Erneuerung des deutschen Wesens aus feinem arteigenen Besitz eingesetzt. Es kann nur die Aufgabe des Dichters fein, in feinem Bereich, dem der Kunst, dem Volksganzen zu dienen. Kolbenheyer schuf die meisten seiner Werke in einer Zeit, da die Kunst am tiefsten verkommen war. Und so stand er als Denker und Dichter in erster Linie vor der Aufgabe, der Kunst wieder den Platz im Volke zu erringen, der ihr auf Grund ihres Wesens zukommt. In all diesen Jahren der Irrungen hat er unermüdlich für die Einordnung der Kunst ins Volksganze gekämpft. Kunst bedeutete für ihn immer „wesentliche Lebenshilfe" für das Volk, eine Hilfe, den Willen zur Bewahrung, Sammlung und Steigerung aller Volkskräfte zu stärken. Das sind Erkenntnisse, die heute wieder zum allgemeinen geistigen Besitz unseres Volkes gehören, und es mag für den Dichter in diesen Tagen, da ihm der Goethepreis verliehen wird, die schönste Bestätigung seines Schaffens, feiner Mühe und feines unermüdlichen Einsatzes fein, daß der Dichtung und Kunst wieder die Stellung im Leben des Volkes eingeräumt wurde, die ihr nach einem höheren Gesetz gebührt. Hermann Mähr len. Der Romantiker auf der Eisenbahn. Auch etwas so Gewöhnliches wie eine Eisenbahnfahrt kann ein eindrucksvolles poetisches Erlebnis bedeuten, wenn es einem zum erstenmal begegnet und wenn — man ein Dichter ist. Das beweist ein Brief von 22. August 1837, in dem Victor Hugo seiner Frau die erste Eisenbahnfahrt feines Lebens schildert. Der Dichter war am 11. August 1837 von Paris abgefahren, hatte den ersten Teil der Reise in der Diligence zurückgelegt, aber unterwegs einmal eine Eisenbahn gesehen, die er feiner Frau genau schilderte, wobei er mit den Worten schloß: „C’est fort laid", es ist sehr häßlich. Als er aber nur wenige Tage später selber eine Eisenbahnfahrt machte, zeigte er sich sofort völlig bekehrt. „Meine Adele", schrieb er, „ich bin mit den Eisenbahnen ausgesöhnt; es ist entschieden sehr schön ... Ich habe gestern die Reise von Antwerpen nach Brüssel und zurück gemacht. Um 4 Uhr 10 Minuten bin ich abgereist, und um 8V4 war ich zurück, wobei ist mich fünf Viertelstunden in Brüssel aufgehalten und 23 jranzösifche Meilen zurückgelegt habe. Die Schnelligkeit ist unglaublich. Die Blumen am Wegrand sind keine Blumen, es sind rote und weiße Flecke oder vielmehr Bänder, die Kornfelder sind unendliches wehendes Gelbhaar, die Luzernen lange grüne Flechten. Städte, Türme und Bäume führen einen Tanz auf und vermischen sich in Raserei am Horizont. Von Zeit zu Zeit taucht vor der Tür eine Gestalt, ein aufgerichteter Schatten auf und verschwindet blitzhaft wieder. Es ist der Wegwächter, der zum Schutz militärisch bewaffnet ist. Im Wagen sagt man sich: Noch drei Meilen, in zehn Minuten werden wir da fein. Als ich abends zurückkehrte, dunkelte es. Ich faß im ersten Wagen. Der Remorqueur (Lokomotive) warf vor mir mit schrecklichem Geräusch große rote Flammen, die Bäume und Hügel streiften und sich mit den Rädern drehten. Der Zug, der nach Brüssel fuhr, ist dem unserigen begegnet. Nichts so Erschreckendes wie diese beiden Geschwindigkeiten, die nebeneinander herfahren und für den Reisenden sich gegenseitig vervielfachen. Man sah von einem Zug zum anderen nicht Wagen, Männer und Frauen oorbeigleiten, man sah nur bleiche ober düstere Formen wie in einem Wirbel vorüberhuschen. Aus diesem Wirbel fliegen Schreie, Lachen, Hohnrufe ... Es gehört Anstrengung dazu, um zu glauben, daß das Stahlroß kein leibhaftiges Tier ist. Man hört es in den Ruhepausen atmen, bei der Abfahrt ächzen, unterwegs keuchen; es schwitzt, zittert, pfeift, wiehert, verlangsamt sich, kommt in Tempo, Funken sprühen unter ieinen Rädern oder unter seinen Füßen — wie du willst. Und sein Atem zieht über unseren Häuptern dahin in schönen Wolken von weißem Rauch, die an den Bäumen des Weges zerreißen. Bei der Ankunft mar es dunkel, unser Remorqueur verschwand vor mir in den Schatten, um sich in feinen Stall zu begeben. Die Illusion war vollständig; man hörte es in feinem Wirbel von Rauch und Flammen ächzen wie ein erschöpftes Roß ..." B. Frankreich und die Angelsachsen. Don Otto (Lorbach In Montfaucont b'Argonne wurde Anfang August ein zu Ehren der im September 1918 gefallenen amerikanischen Soldaten errichtetes Denkmal eingeweiht. Der Präsident der französischen Republik, Albert Lebrun, der amerikanische Botschafter in Paris, William C. B u l l i t, Ministerpräsident Camille Chautemps, der Außenminister Poon D e l b o s , der Minister der Pensionen Ri viere und der amerikanische Oberkommandierende während des Krieges, General Pershing, nahmen an dieser Feier teil. Daß sich daraus eine bewegliche Kundgebung der „traditionellen" amerikanisch-französischen Freundschaft ergab, konnte niemanden überraschen. Man darf auch gewiß nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, das bei einem solchen Anlaß etwa aus patriotischem Ueberschwang geäußert wird. Ernste Beachtung erheischt es jedoch, daß die französische Presse diese Gelegenheit zu einer auffälligen Betonung einer seit einiger Zeit zu beobachtenden Wandlung in den Beziehungen zwischen Paris und> Washington benutzte, die nicht leicht mit den Bestrebungen zur Entspannung der allgemeinen europäischen Lage in Einklang zu bringen ist. Gerade die Ehrung der Toten des Weltkrieges sollte immer und überall im Zeichen der Völkerversöhnung stehen. In dem Telegramm, das Präsident Roosevelt zur Feier des Tages entsandte, steht der Satz: „Wir haben uns geschlagen als Cham- pion der Menschenrecht e", was seltsam seiner bei einer früheren Gelegenheit bekundeten Ueberzeuguna widerspricht, daß Amerikas Eingreifen in den Krieg ein „tragischer Irrtum" gewesen set. Noch unbedenklicher brachte General Pershing in seiner Gedächtnisrede eine gefährliche Seite der französischen Volksseele zum Schwingen. Das Denkmal meinte er, sei ein Sinnbild der Bande, die Frankreich und die Vereinigten Staaten eit zwei Jahrhunderten verbinden: Bande, „welche ich während dieser langen Zeit durch gemein- ame Liebe zu Gerechtigkeit unb Frei- ) eit bewährten, für die sich beide Nationen unter häufigen Umständen zu kämpfen bereit fanden." Es geschah unter dem Impulse dieser tiefen Instinkte', fuhr Pershing fort, „daß Frankreich sich zur Zeit des Unabhängigkeitskrieges auf unsere Seite stellte, und sie waren es, die in unfern Kämpfern Begeisterung und leidenschaftlichen Eifer anfachten, als sie den Ozean überquerten, um d i e Sache der Gerechtigkeit zu verteidigen." Bei aller Vorsicht, die mancherlei Enttäuschungen anempfehlen, die Frankreich mit seinen amerikanischen Freunden erlebte, glaubt der „Temps" doch, solche Worte im Sinne eines gewissen Wechsels auf die Zukunft deuten zu können, und gerade aus einer solchen Hoffnung, mag sie berchttgt sein oder nicht, könnte sich leicht eine bedauerliche Versteifung des Widerstandes politischer Atavismen gegen die europäische Vernunft, die auf dem Marsche ist, ergeben. „Wir wissen wohl", erklärt das maßgebende Organ der öffentlichen Meinung Frankreichs, „daß das amerikanische Volk seine eigenen Wege geht, daß es eine Auffassung von der internationalen Zusammenarbeit hat, die ihm durch die besonderen Bedingungen seiner geographischen Lage diktiert wird, und daß es sich in die Streitigkeiten, die Europa zerteilen, nicht einmischen will. Wir wissen aber auch, daß nichts, was mit der Konsolidierung des Friedens in der Welt zu tun hat, ihm gleichgültig ist, und daß es fest verbunden bleibt mit der demokratischen Ordnung und der menschlichen Freiheit, was ihm gegen sich selbst und andere Verantwortlichkeiten und Pflichten auferlegt. Das macht eine lebendige Realität aus dieser französisch-amerikanischen Solidarität, die in Monfaucont so prächtig gefeiert worden ist." Soll das bedeuten, daß in demselben Augenblick, wo die ältere angelsächsische Weltmacht sich anschickt, doktrinäre Hemmungen zu überwinden, die die Herstellung eines gegen bolschewistische Zersetzung gefeiten europäischen Mächtealeichgewichts erschweren, die jüngere auf dem Umwege über die dafür empfängliche französische Volksseele die prinzipienschwachen Vettern im Sinne a b st r a k- t e r „Demokratie" und „M e n s ch e n r tz^ch t e" zur Ordnung rufen möchte? Das revolutwnäre Frankreich, das die nordamerikanischen „Rebellen" im Unabhängigkeitskriege gegen das Mutterland unterstützte, ist nichts, als eine historische Erinnerung. Es unterlag im Kampfe gegen England, nachdem es sich dem napoleonischen Weltherrschaftsstreben geweiht hatte, das zugleich die Selbsterhaltungsinstinkte aller anderen Koptinentalvölker gegen sich aufbringen mußte. Was das Ancien regime nicht schon in früheren Kriegen an kolonialen Errungenschaften wieder eingebußt hatte, ging in den napoleonischen Kriegen fast alles verloren, so ostindischer Besitz an England und Louisiana an die nordamerikanische Union. Frankreich hatte aber in der Schule Napoleons immerhin sein kontinentaleuropäisches Gewissen geschult: es blieb mit großem Erfolge bemüht, durch konttnentalpolitische Wachsamkeit neuen Ruhm zu ernten. Fast alles, was es auch über See neu erreichte, verdankt es seinem Geschick, eigene Interessen mit denen Kontinentaleuropas in Einklang zu bringen Es verdarb seine Aussichten als kontinentaleuropäische Vormacht jedoch immer wieder dadurch, daß es übertriebene unmittelbare Herrschaftsansprüche daraus ableitete. Napoleon hatte die Losung ausgegeben: „England schlagen oder sich mit ihm in den Welthandel teilen!" Das eine war mißlungen, die zweite Bedingung gewann in dem Maße an Bedeutung, wie sich Frankreichs Kolonialmacht besonders in Nordafrika ausbreitete Man unterlag aber der Versuchung, aus übertriebenem kontinentaleuropäischem Geltungsbedürfnis in den Kolonien mehr militärische, als wirtschaftliche Kraftquellen zu sehen. Das vorrevolutionäre Frankreich hatte in Kanada blühende Siedlungen geschaffen aus denen ein heute gegen 3'/- Millionen zählendes französisches Kanadiertum — etwa eine Million in den Vereinigten Staaten lebend — heroorging, das sich nach wie vor durch strotzende Fruchtbarkeit aus- zeichnet. Das nachrevolutionäre Frankreich erwies sich nicht nur als unfähig, feine überseeischen Siedlungsräume über ein bescheidenes Maß hinaus mit Menschen eigener Rasse zu besetzen, es zehrte auch in immer größerem Umfange an seiner biologischen Substanz im Stammlande und machte sich obendrein mehr und mehr von dem farbigen Menschen- reserooir seiner afrikanischen Besitzungen abhängig. Vergebens hat sich in Frankreich seit dem großen Kriege das konttnentaleuropäische Gewissen wieder und wieder gegen die Ueberlegenheit angelsächsischer weltpolitischer Führung aufzubäumen gesucht. Es fand in Washington taube Ohren, sobald es seine „Blutopfer" gegen amerikanische Kriegskredite aufzurechnen suchte, es verbesserte seine Lage nur vorübergehend durch das Zusammenspiel 'mit Japan auf den Flottenabrüstungskonferenzen, es leistete nur Sisyphusarbeit bei seinen Bestrebungen, hüben wie drüben des Atlantik romanisches Volkstum weltpolitisch einheitlich zu aktivieren. Gerade im Pariser „Temps" begegnet man zur Z?it, wo Coudenhoves Paneuropa-Ideen Mode wurden, dem verwegenen Gedanken, in der Alten wie in der Neuen Welt eine kontinentale Bewegung zu entfachen, um der Gefahr die Stirn zu bieten, daß der „angelsächsische Block" morgen gebieterisch den 26 ©taten des europäischen Kontinents und den zwanzig Republiken Latein-Amerikas gegen- übertreten könne. „Es ist also", schrieb das Pariser Blatt damals wörtlich, „nötig, ohne Zögern im Rahmen des Genfer Völkerbundes gleichlaufend eine konttnentaleuropäische und eine interkontinentale lateinische Union zu organisieren. Gruppierungen, die sich zu jenem Block zusammenschließen müssen, der in einer neuen Organisation des Weltfriedens und der Weltwirtschaft allein der angelsächsischen Macht beider Welten das Gleichgewicht zu erhalten vermöchte." Auch ,Paneuropa" müsse mit dem Zusammenschluß der lateinischen Gruppe den Anfang machen, weil sie, die ihr „schöpferisches und konstrukttoes Genie" unmittelbar von Rom empfing am besten für die Einheit vorbereitet sei. Statt dessen gibt es heute ein militärisches Pakt- Verhältnis Frankreichs mit Sowjetrußland, gegen das sich das abendländische Kulturgewissen des französischen Volkes immer stärker auflehnt, eine Achse Berlin —Rom, um die sich die konttnentaleuropäische Wirklichkeit zu drehen beginnt, und die Aussicht auf eine unmittelbare Verständigung zwischen London und Rom über Mittelmeerfragen. Dazu ein Wiedererwachen nationalen Selbstbewußtsems auf der Iberischen Halbinsel, d. h. in den Stammlanden der Völker Ibero-Amerikas. Deutschland, das im 70er Kriege als Sieger keinen Fußbreit französischen Koloniallandes beanspruchte, aber im Weltkriege all seiner Kolonien beraubt wurde, hat in der neuen Gestalt des Dritten Reiches Frankreich immer wieder die Hand zu jener dauernden Verständigung geboten, die allein kontinental- europäischer Verwirrung ein Ende bereiten könnte. Frankreich würde damit der drohenden Gefahr entrinnen, sich aus einer Vormacht Kontinentaleuropas in eine Vormacht Afrikas zu verwandeln, soweit es sich nicht damit bescheiden will, eine Kolonie des überseeischen Angelsachsentums oder aber eine abgesonderte bolschewistisch-russische Provinz zu werden. Es kann sich jedoch zu dem Opfer an einem „Prestige", das an seinem Mark zehrt, und nur den Schein einer ruhmreichen Tradition zu wahren gestattet, anscheinend nicht aufschwingen Verlockender dünkt ihm eine Verbindung zwischen seinen intellektuellen mit Amerikas weltwirtschaftlichem Rationalismus, aus der sich freilich eine nicht ernst genug zu nehmende Weltgefahr entwickeln könnte, die die Seelen der Völker einer hemmungslosen Mechanisierung des irdischen Menschendaseins zu opfern droht. Unser Bild zeigt nationalspanische Truppen beim Durchzug durch ein Dorf vor Santander während einer Erfrischung am Brunnen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) L -- U. ÄDM-M Der Mim, der Milliarden ins Rollen brachte. Wie unsere Pfandbriefe entstanden und welche Bedeutung sie für unsere Wirtschaft haben. V. A. Es sind jetzt gerade 170 Jahre her, als der ehrbare-Kaufmann Büring zu Berlin dem großen König einen Plan einreichte, „auf was Art und Weise dem Land Ueberstuß von Geld und Crebit zu verschaffen sei", und weil er „mehr als ein gewöhnlicher Krämer ein angesehener Kaufmann und ein denkender Finanzier^ war, wurde er der Erfinder eines neuen Kreditsystems, das durch den denkwürdigen Erlaß Friedrichs II. am 29. August 1769 im Lande Preußen mit der Gründung des ersten landschaftlichen Pfandbriefinstitutes in Schlesien eingeführt wurde. Damals sah es sehr schlimm aus in den preußischen Provinzen. Viele Landgüter waren vernichtet. Die Gebäude niedergebrannt. Die Viehherden ver- trieben. Der Kredit war zerrüttet. Keiner hatte Lust und Mut, einem Gutsbesitzer Kapital auszuleihen. Der König selbst sagte es in einer Ansprache an die pommerschen Grundbesitzer: ,In Berlin allein liegen 12 Tonnen Goldes, so nicht untergebracht werden können." Geld war schon da. Aber der alte Weg, es privat auszuleihen, erschien nicht mehr zuverlässig. Es mußte eine neue Brücke des Vertrauens geschlagen, eine neue Methode gefunden werden, Ersparnisse zu sammeln und sie dem Kreditbedarf zuzuführen. Und dies eben war der Vorschlag des ehrbaren Kaufmanns Büring, besondere landschaftliche Institute $u gründen, die durch die Macht des Staates gestützt, die Ersparnisse breiter Kreise an sich ziehen, damit sie langfristig und unkündbar denen ausgeliehen werden können, die „ihre Geschäfte serieuse traftirten". Noch Friedrich der Große erlebte die Gründung einer Reihe von Pfandbriefanstalten. Später ging es dann sehr schnell aufwärts mit der Entwicklung des Pfandbriefkredites. Heute dienen rund 100 Boden- und Kommunalkredit-Anstalten der Sicherung der Ersparnisse weitester Kreise und der langfristigen Kreditoersorgunq der Landwirtschaft, der Siedlung, des städtischen Hausbaues und der Gemeinden. Es sind im ganzen etwa 14 Milliarden Mark an Pfandbriefen und verwandten Schuldverschreibungen heute im Umlauf. „Ich tue indessen sehr gelehrt und schlage zu Hause heimlich das Konversationslexikon nach, wenn ich ein mir unverständliches Wort höre" das schrieb Georg Siemens an seine Braut, als er Direktor der neugegründeten Deutjchen Bank wurde. Nun — Dies ist vermerkt, damit Die keine Hemmung haben, ruhig im Konversationslexikon nachzuschlagen, wenn Ihnen der Unterschied zwischen einem Pfandschein und einem Pfandbrief nicht geläufig sein sollte. Mit Pfandbrief bezeichnet man ein festverzinsliches Wertpapier, dem als besondere Sicherheit „verbriefte Pfandrechte" an Boden und Gebäuden zugrunde liegt. Seine Vorläufer waren jene sogenannten „ledernen Briefe'", Schuldverschreibungen, die auf Leder (Pergament) geschrieben waren und die infolge ihrer guten Deckung statt barem Gelde in Zahlung genommen wurden. Es ist nicht wichttg, ob sie aus Leder, aus Blech oder aus Papier sind, die Pfandbriefe. Die Hauptsache, daß sie gut gedeckt sind und daß sie ihren Segen stiften als Wertpapier eines langfristigen und unkündbaren Kredits. Haben Sie einige hundert Mark gespart, ober was besser ist, einige tausend geerbt — und möchten Sie einen hohen Zinsertrag und gute Sicherheit haben, so leihen Sie unter Umständen Ihr Geld aus, Sie geben eine Hypothek auf irgendein Grundstück oder auf ein Gebäude. Es sind dann zwei Leute auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Sie und der Mann, dem Sie Ihr Geld gaben. Nun soll es öfter Vorkommen, daß die Zinszahlung ins Stocken kommt, womöglich ganz auf= hört. Oder Sie brauchen selbst Ihr Geld und können nun an die Hypothek nicht heran Mit den Pfandbriefen ist es anders. Ihnen haftet nicht der Müller oder Schulze mit seinem Grund und Boden, sondern eine Vielzahl von guten und sorgfältig ausgewählten Hypotheken, die auf alle Formen des Grundbesitzes, auf die verschiedenartigsten landwirtschaftlichen Betriebe, auf Einzelhäuser, Wohnhäuser, Siedlungen, auf Bauer, Großgrund- besitzer, Handwerker und freie Berufe usw. verteilt sind. Ein amtlich bestellter Treuhänder wacht darüber, daß die ausgegebenen Pfandbriefe immer volle Deckung in einwandfreien Hypotheken finden. Ueberdies haftet Ihnen das Institut zusätzlich mit seinem ganzen Eiaenvermögen. So kommt es, daß seit beinahe 200 Jahren die Pfandbriefe nie notleidend wurden. Und da man sie jederzeit verwerten, beleihen ober verkaufen farm, kommt man mit ihnen nie in Verlegenheit, auch wenn sie bem Bauern unb Siebter, bem Kaufmann und Gewerbetreibenden zu einem unkündbaren Dauerkredit zur Verfügung gestellt wurden. Die 14 Milliarden, die durch die Erfindung des Kaufmanns Büring und die Tat feines Königs ins Rollen gekommen sind und nun Grund und Boden, Arbeit und Wohlfahrt sichern helfen, sind ein schönes Stück Geld. Man sieht das, wenn man vergleicht. Alles Kleingeld z. B. von einem Pfennig bis zu einem Fünfmarkstück zufammengenommen, ergibt „nur" 1,487 Milliarden Mark. Das Reich hat sich zur Durchführung des wirtschaftlichen Aufbauwerkes feit 1935 durch Anleihen und Schatzanweisungen einen langfristigen Kredit in der Höhe von „lediglich" 5,78 Milliarden Mark verschafft. Und im Jahre 1933 zählte man an langfristigen Anstaltskrediten 27,6 Milliarden Mark Davon eben waren beinahe 14 Milliarden durch die Sparkräfte derjenigen zusammengekommen, die Pfandbriefe und verwandte Schuldverschreibungen gekauft haben. In der letzten Zeit konnte der Umlauf von 4'/2prozen- tigen inländischen Pfandbriefen von Mitte 1935 bis Mitte 1937 um beinahe eine halbe Milliarde zu- nehmen, obwohl im Interesse der staatlich gesteuerten Wirtschaft die Neuherausgabe von Pfandbriefen eingeengt war. Diese Mittel sind fast ausschließlich dem vordringlichen Aebeiterwohnungsbau zugeflossen ober sie sinb für bie Finanzierung birek- ter öffentlicher Aufgaben (Wohnungsbau von Hee» resangehörigen) eingesetzt worden. In der letzten Zeit ist ein Hunger nach Wertpapieren verschiedenster Art eingetreten. Flüssiges Geld sucht in wachsendem Umfang nach Anlagen in Pfandbriefen, so daß deren Kurse in die Höhe gehen, ja die Institute in eine gewisse Not kommen, weil sie auf Grund der Emissionspause nicht genügend Pfandbriefe ausgeben können. In Zukunft wird der Pfandbrief noch mehr als bisher dem öffentlich notwendigen Wohnungsbau, der Versorgung der Landwirtschaft mit langfristigen Krediten dienen können, ohne daß die dingliche Sicherung des Pfandbriefes verwischt zu werden braucht. Und das war doch die Hauptsorge des Mannes, der die vielen Milliarden ins Rollen brachte und dessen System, Kredit auf Grund und Boden zu sichern, nicht aus unserer Wirtschaft zu entfernen ist, es sei denn, daß sie selber „in Grund und Boden" bewirtschaftet werden sollte. Beschlüsse des Wettmilchkongreffes. Berlin, 27.Aug. (DNB.) Der XI.Weltmilch- kongreß wurde mit einer Schlußsitzung in der Krolloper beendet. Insbesondere befaßt sich der Kongreß mit den Milchleistungsprüfun- gen. Die Erfahrungen, die hierbei gemacht wurden, sollen international ausgetauscht werden. Bei der Beurteilung des Zuchtwertes der Tiere sollen auch die Lebensleistungen, die Dauer der Produktion, Gesundheit usw. berücksichtigt werden. Eingehend hatte sich der Kongreß mit den Rinder» s e u ch e n und ihren schweren Schädigungen der Zucht, der Fleisch- und Fetterzeugung befaßt. Eine wirksame Bekämpfung dieser Seuchen hält der Kongreß für ein dringendes Gebot der Stunde. Eine neue Kommission zur Standardisierung der bakteriologischen Untersuchungsoerfahren von Milch und Milcherzeugnissen wird gebildet. Unter Hinweis auf bie große Bedeutung, die die tehtjährigen preisregelnden Mah - nahmen in den meisten Ländern gehabt haben, wird das ständige Büro des Weltmilchverbandes gebeten zu untersuchen, wie die nähere Erforschung der Marklprobleme gefördert werden kann. Der Kongreß stellt fest, daß die ständige freie Beweglichkeit des Preises im zwischenstaatlichen Austausch von Milch und Milcherzeugnissen zu sehr unerwünschten Auswirkungen auf die Milchwirtschaft der beteiligten Länder führt. Es ist daher die Preisbildung im zwischenstaatlichen Warenaustausch in einer Weise zu regeln, die den Bedürfnissen der beteiligten Milchwirtschaften entspricht. Dies kann durch eine wirksame Ordnung der nationalen Märkte bei Regelung der Preise wesentlich erleid)erf werden. Schließlich wirb ber Milchwirtschastsverbanb ben einzelnen Staaten empfehlen, an ben Lanbwirt- schaftlichen Hochschulen eigene milchwirtschastliche Lehrstühle zu errichten. Der Senior ber beutschen Milchwirtschaft Prof. Dr. h. c. Weigsmann sprach als Ehrenpräsi- bent bes Kongresses allen an ber erfolgreichen Gestaltung bieses Kongresses Beteiligten ben herzlichsten Dank ber beutschen Wissenschaft aus. Der Vize- präsibent bes Weltmilchverbanbes, Minister a. D. Posthuma (Hollanb), konnte bie Grünbung ber neuen „Kommission f ü r Technik in ber Milchwirtschaft" bekanntgeben. Als Tagungsort bes XII. Weltmilchkongresses 1940 würbe Wien bestimmt. Ehrenpräsibent P o st h u m a sprach ben beutschen Kongreßoeranstaltern Dank unb Anerken- nung bafür aus, baß ber Kongreß einen so guten Verlauf genommen hat unb oerbanb bamit bie besten Wünsche für den Führer unb Reichskanzler, für bie Reichsregierung unb bie Konqreßleitung. •QilU An jedem l. aberweisi die Bank von meinem Bankkonto den Mietbetrag an den Hauswirt. Gleichzeitig sorgt sie auch für die Bezahlung anderer monatlich fälliger Verpflichtungen. Ich brauche mich nicht weiter darum zu kümmern. Deshalb wandern meine Einnahmen auch sofort auf mein Bankkonto. Da liegt das Geld sicher und trägt Zinsen. Mach’ das doch auch so! Oder hast Du noch kein Bankkonto? Du hast dann nämlich noch andere große Vorteile: Dein Geld ist in sicherer Verwahrung. Dein Geld ist stets zu Deiner Verfügung. Dein Geld trägt Zinsen. Du hast ein Scheckbuch. 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Trapp; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Petrusgemeinde; 11: Kinderkirche für die Petrusgemeinde. — Saal der Neuen Krippe. 11: Kinderkirche für die Johannes- und Militärgemeinde; Pfr. Ausfeld. — Steinbach. 10: Gottesdienst; Christenlehre. — Albach. 9: Gottesdienst. — Reiskirchen. 10.30: Gottesdienst; Pfarrasfistent Paetow. — Burkhardsfelden. 13: Gottesdienst; Pfarr- assistent Paetow. — Heuchelheim. 10: Hauptgottes- dienst; Eröffnung des Konfirmandenunterrichts; 11: Kindergottesdienst (1. Abt.); 13: Kindergottesdienst (2. Abt.) — Lollar. 9: Kindergottesdienst; 13.30: Gottesdienst. — Kirchberg. 10: Gottesdienst; 11: Christenlehre für die männliche Jugend; 13.30: Kindergottesdienst. — Mainzlar. 10: Gottesdienst; 11: Kindergottesdienst. — Klein-Linden. 9: Gottesdienst; Christenlehre für die gesamte Jugend; 10.15: Kinder- gottesdienst. — Watzenborn-Steinberg. 10.45: Hauptgottesdienst. — Garbenlelch. 13: Gottesdienst zur Eröffnung des Konfirmandenunterrichts. — hausen. 9.30: Gottesdienst zur Eröffnung des Konfirmandenunterrichts. — Lich. 9.30: Stiftspfarrer Naumann. — Rieder-Bessingen. 13.30: Stiftspfarrer Naumann. — Langsdorf. 10: Christenlehre; 11: Hauptgottesdienst. — Bettenhausen. 13.30: Hauptgottesdienst. — Münzeuberg. 10.30: Gottesdienst mit Beichte und hl. Abendmahl für die Mittleren; 13: Christenlehre. — Trais-Münzenberg. 8.30: Gottesdienst; Christenlehre. — Hungen. 10: Gottesdienst; 11: Kindergottesdienst; 13.30: Christenlehre; Nachhol.; 20.30: Frauenhilfe. — Wirberg. 14: Missionsfest; Missionar Walther (Gießen) und Pfr. Andres (Allendorf). — Wieseck. 9.30: Gottesdienst. — Alten- Vuseck. 10: Gottesdienst; 13: Kindergottesdienst; 15: Fest der Kleinkinderschule. Mittwoch, den 1. September. Gießen. Skadlkirche. 20.30 Uhr: Abendandacht. Donnerstag, den 2. September. Gießen. Iohannessaal. 20 »Uhr: Bibelstunde; Pfr. Ausfeld. Gemeinschaft innerhalb der Kirche (Landeskirchliche Gemeinschaft), Gutenbergstraße 9. Sonntag, den 29. August. 8.30 Uhr: Evangelisationsstunde. — Mittwoch, den 1. September. 8.30: Bibelstunde. — Donnerstag, den 2. September. 8.30: Jugendbundstunde. Christliche Gemeinde, Zu den Mühlen 2. Sonntag, den 29. August. 9.45 Uhr: Erbauungsstunde; 11: Sonntaasschule; 20.30: Evangelisation. — Dienstag, den 31. August. 20.30: Bibel- und Gebetstunde. Reuapostolische Gemeinden, Händelstraße 1, Eder- straße 13. Sonntag, den 29. August. 9.30 Uhr: Gottesdienst; 16: Gottesdienst. — Mittwoch, den 1. September. 20.30: Gottesdienst. Baptistengemeinde, Gartenstraße 13. Sonntag, den 29. August. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 16: Predigt. — Donnerstag, 2. September. 20.15: Bibelstunde. katholische Gemeinden. Samstag, den 28. August. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichtgelegenheit. Sonntag, 29. August. 15. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichtgelegenheit; 7: hl. Messe; 8: Spendung der hl. Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt: 11.15: hl. Messe mit Predigt; 14.30: Andacht. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag und Andacht. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.15: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 30. August. Laubach. 7.30 Uhr: hl. Messe. Mittwoch, den 1. September. Hungen. 6.15 Uhr: hl. Messe. Donnerstag, den 2. September. Gießen. 17.30 bis 18.30 Uhr: Beichtgelegenheit. Freitag, den 3. September. Gießen. 6 Uhr: Herz-Jesu-Segensamt. Veffentlicher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringende» Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 1 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Falls behandelnder Arzt nicht zu erreichen: Arzt: Frl. Dr. Gürtler. Zahnarzt: Dr. Schott. Apotheke: Neue Apotheke. * Autohilfe: Rufnummer 04 beim Postamt Gießen. Natur-Humus-Dünger düngt und verbessert Ruf 2058 Gießen Den schönen Garten durch Eberhard Schwarz Trax Herrn Ludwig Müller II 5djw Bäckermeister »sinn' im 74. Lebensjahre zu sich genommen. Im Namen aller trauernden Hinterbliebenen Margarete Müller, geb. Deibel, Wieseck (Gießener Straße 69), den 28. August 1937. Ca. 1M 5593 D Ml.clrku.ke. Innnen-" MlMlWß unt) Rinder auf der 102. Milchvieh-Versteigerung in Hamm i.W. BORRMANN«: Städt. 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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Carl Ludwig Leib, O ein Ui Un best Wx Kolonne ren. marschie ihnen । kinde man do des Lo mutet, diese A bei eim die her« alte Le Wir d e rhi ihren ' Jungen ihr Elt dem S sanimen in M Daß si danken fahr! in den Derwa Ferien Eeldm Monet dem g werbet Beoba Junge voll 9 Tassen für de »Es gen D etwas, das Hi Zeit if mehr ' nach. ! Blume Vorch Erste 1 Sein Frucht die vö 9'bt di den hg gar jei Manne Eine in der für. E< Swischx des g( Aehnli wächst gen, n dobei fo tÖQ Mensck am D. Zeit d, £ie 3< -tage r alL S< Soll d zuletzt, nicht e Und sc kens j). geword Die bar, di uns w bloßen Bemüh ihnen pfanger komnies Sinn. ttr. 200 Drittes Matt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien) Samstag, 28. August (937 auch Daß sorgen, wirb von den Buben vollständig „blank gemacht". Und wie hier beim Kaffeetrinken, so schmeckts dieser kleinen Gesellschaft — wie Verwalter Kloß uns erzählt — vom Morgen bis zum Abend an jedem Tage bei jeder Mahlzeit. Das Tagewerk der 45 kleinen Feriengäste vollzieht sich folgendermaßen: 7 Uhr Wecken. Frühsport. Feierliche Flaggenhissung. Bettenbauen. Erstes Frühstück. Spiel und Sport vor dem Kinderheim. Zweites Frühstück. Ausmarsch in den nahen Wald oder zum benachbarten Wiesengelände. Spiel und Sport der verschiedensten Art. Rückkehr zum Kinderheim. Mittagessen. Abräumen des Eßraumes. Bettruhe. Bettenbauen. Nachmittagskaffeetrinken. Spiel und Sport auf der Wiese oder im benachbarten Walde, oder Baden und Schwimmen in der Lahn. Gegen 19 Uhr Abendbrot. Nach einiger Zeit gehts „in alle Betten". Man sieht, ein vielseitiger und für die körperliche Entwicklung der Buben vorteilhafter Tagesverlauf. Zu dessen Durchführung gibts reichlich und kräftig zu essen. Schon das erste und das zweite Frühstück sind so bemessen, daß auch die aufnahmefähigsten Bubenmägen voll befriedigt werden. Mittags erhalten die Jungens gute Suppen, ausreichende Fleisch- oder Fischspeisen, Kartoffeln, und vor allem viel Gemüse. Zum Nachmittagskaffee gibts wieder schön bestrichene Brote. Das Abendessen bringt ihnen entweder warme Kost oder belegte Brote. Außerdem erhalten die Jungens in ausreichenden Mengen Obstkost, so daß auch nach dieser Richtung hin allen Erfordernissen genügt wird. Welche Nahrungsmittelmengen für die täglichen Mahlzeiten der Kinder erforderlich sind, zeigt diese Uebersicht für einen Tag: Erstes Frühstück: 90 Brötchen zu je 50 Gramm, 4 Kilogramm Brot, 1/2 Kilogramm Butter, 4 Kilogramm Marmelade so, daß ich Dank verdiene von denen, die nach mir kommen. , Das wären Gedanken, die sich denken ließen, fühlen ließen, in dem leichten Herbst jetzt. Wohl dem, der so lebt, daß er so denken darf. findet. Vom Morgen bis zum Abend sind die kleinen Feriengäste des Kinderheims Gießen ständig unter sorgsamster Betreuung durch die Pflegerinnen unter der Oberaufsicht des Verwalters Kloß. Sowohl bei den Mahlzeiten, als auch bei der Erfüllung der kleinen dienstlichen Pflichten im Interesse der Kameradengemeinschaft, beim Spiel und Sport, bei den Ausmärschen, bei den Heimnachmittagen und erst studierte ich bei Jakobi, dann bei Kammersänger Gura, in Frankfurt bei Rottsieper, in München bei Professor Forchhammer. Meine Reifeprüfung als Sänger legte ich in Berlin ab. So gelang es mir nach siebenjährigem Studium als Tenor an das Stadttheater nach Gießen zu kommen. (Bild: Archiv des Stadttheaters.) Stuben- und der Küchendienst zu versehen sind, also die Stuben saubergehalten werden, der Kaffee in der Küche geholt und das Geschirr dorthin zurückgebracht wird, versteht sich von selbst. Zu dem Pflichtenkreis gehört auch, daß sich jeder Junge an der Gestaltung von Heimnachmittaaen und -abenden beteiligt, den im Rahmen der HJ.-Arbeit gehaltenen Schulungen und Belehrungen beiwohnt, zur Förderung des gemeinsamen Besten nach Kräften beiträgt, kurzum allen kleinen und doch für die Gemeinschaft so wichtigen Pflichten pünktlich und mit Oben links: Beim beliebten Bockspringen. — Oben rechts: Hin und wieder wird ein regelrechter Boxkampf eingelegt. Die Zuschauer sind mit größter Aufmerksamkeit dabei.— Unten links: Manche Stunde wird mit fröhlichen Gemeinschaftsspielen verbracht — Unten rechts: Nach vielen Leibesübungen schmecken der Nachmittagskaffee und dick- beftrichene Marmeladebrote besonders gut. — (Aufnahmen [4]: Neuner, Gießener Anzeiger.) Oer neue Spieltenor des Stadttheaters Jupp Müller, der neue Spieltenor des Stadttheaters, schreibt: Am 1. Oktober 1910 bin ich in Düsseldorf als Sohn des Oberinspektors M, geboren. Ich besuchte das Gymnasium in Münstereifel. Schon als Junge hatte ich starke Neigung zum Singen, und es war mein sehnlichster Wunsch, einmal Sänger zu werden, allerdings gegen den Willen meiner Eltern, die für meinen Gesang kein Verständnis hatten, da ihr Sohn die „solidere Laufbahn eines Juristen, Arztes oder Beamten hätte einschlagen sollen. Nach Beendigung meines Gymnasialstudiums fuhr ich, auf jegliche Hilfe meiner Eltern verzichtend, kurzerhand nach Berlin und hatte das Glück, gute Meister zu finden. Zu- Leichter HerbO. > von Felix Memkasten „Es ist Sommer", sagen die Leute. In dem ewi- - gen Wandel und Wechsel des Lebens ist aber nie \ eiwas, es sei denn, daß just dieses Vorüberwandeln, das Hinübergehen, etwas sei. Des Sommers höchste Zeit ist uns bereits entglitten, das Grün hat nicht mehr die Frische des Heraufkommenden, es dunkelt nach. Dafür reifen die Früchte heran. Früchte und Blumen. „Leichter Herbst", ließe sich sagen. Erste Vorahnung vom Vorübersein einer schönen Zeit. Erste Mahnung, daß aus junges Werden und hohes Sein nun die Rechenschaft zu folgen habe. Die Frucht soll kommen, das Ergebnis, und nach ihr ist die völlige Ruhe erdient, erdient. Aber einstweilen gibt die Sonne noch volle Wärme her, die Pflanzen halten ihr Grün noch an sich, die Blumen sogar zeigen jetzt erst ihre schönste Pracht. Es ist das Mannesalter des Jahres, die beste Zeit der Kraft. Eine leise Müdigkeit liegt über allem. Wir sind in der Natur, die uns umgibt, selbst ein Stück Natur. Es war schon bei den ältesten Völkern so, daß zwischen dem Leben des Menschen und dem Leben des Jahres ein Gleichklang erhört worden ist, eine Sehnlichkeit erkannt. Aehnlich dem jungen Jahre wächst der junge Mensch heran. Umhüllt und geborgen, noch nichts schaffend, nur alles erwartend und dob'ei insgeheim sich rüstend an Zeit und Kraft, so wachsen sie beide heran, das Jahr und der Mensch. Dann kommt das erste Erwachen zur Lust am Dasein, eine grüne, tolle, frohe Zeit, die eine «eit des Spiels zu sein scheint Und langsam wird die Zeit reifer und schwerer, es sind der frohen Tage^ nun soviel geworden, das Grün glänzt überall' Soll immer nur diese Fröhlichkeit herrschen? Soll darin alles gesagt fein? Aber das langweilt zuletzt, es hat keine Würde, des Lebens Sinn kann nicht erschöpft werden im bloßen Dasein der Tage. Und schon fallen die Schatten eines anderen Denkens herein Und dann sehnt sich der Mensch, reifer geworden, einen Sinn zu haben, eine Aufgabe. Die Verbundenheit der vielen Jahre wird spürbar, die Verbundenheit mit Geschlechtern, die vor uns waren und ebenfalls gelebt haben von der bloßen Freude bis zum großen Vollbringen und Bemühen, und wir spüren, daß wir zu vieles von ibnen empfangen haben und daß mir das Em- tifonaene weiterzugeben haben an die, die nach uns kommen Die Welt soll gebaut werden, das ist der Sinn Die Jahre hatten ihr Werk an die Jahre Zeitschriften. — Unter das Motto Sachsen im Aufbau stellt Reichsstatthalter Mutschmann die Sachsen-Nummer der „Jllustr irten Zeitung Leipzig". Sachsen als dichtest besiedeltes Land Europas und industriereichster Gau des Reiches ist ein Musterbeispiel des Neuaufbaues im Dritten Reich geworden. In mehr als 20 reichbebilderten Artikeln werden die Wesensart des sächsischen Menschen, die Schönheit der sächsischen Landschaft, die Bedeutung der sächsischen Wirtschaft und der Reichtum der sächsischen Kultur geschildert. Besonders wirkungsvoll find vier fortlaufende Seiten mit farbigen Reproduktionen berühmter Gemälde aus sächsischen Museen. Besondere Beachtung verdient auch der wirtschaftliche Teil der Nummer, gibt er doch in seiner Vielgealt ein lebendiges Bild von der Bedeutung und dem Unternehmungsgeist der sächsischen Industrie. — Was man von der großen Entrümpelung wissen muß, erläutert in einem knappen Ueberblick das neueste Heft der „S i r e n e", der illustrierten Zeitschrift des Reichsluftschutzbundes: Wie wird die Entrümpelungs-Aktion durchgeführt? — Soll man vorsortieren? — Was kostet das Entrümpeln!...; dies und andere Fragen werden hier beantwortet. Das Heft bringt außerdem viele aufschlußreiche Bilder-Aufsätze, z. B.: Beginn eines Fortsetzungs- Bildberichts um ein Dorf, das luftschutzbereit gemacht wird; Das neue Japan — zur Luft und zur See: Flugzeuge: Der Tank, der große Unbekannte des nächsten Krieges; Kampfstofferkrankungen unserer Hausttere u. v. a. — Das große Herbstmodenhest der „Neuen M o d e n w e l t" (Verlag Ullstein, Berlin), verschafft jeder Frau den notwendigen Ueberblick über die neuen Linien und Farben. Es bringt rund 90 zum großen Teil bunte Modelle: Einfaches und Elegantes, Straßenanzüge und Abendkleider, viele schicke Mäntel, modische Kleinigkeiten und Handarbeiten. — Im literarischen Teil beginnt zugleich ein neuer Roman „Nina" von Elena Oriol. Zu dem Heft gehören außerdem eine Reihe praktischer Beilagen. Ein Paradies der Ferienkinder Besuch im Kinderheim Gießen. Neben dem frohen Genuß ihrer Freizeit müssen die Jungens aber auch bestimmte kleine Pflichten erfüllen. So müssen sie beispielsweise morgens und nach der Mittagsbettruhe ihre Betten bauen. Ihre Spinde, deren jeder eines zur Verfügung hat, müssen stets in tadelloser Ordnung sein. Der Anzug muß sich ebenfalls in guter Ordnung befinden. Damit jeder Junge bis zu einem gewissen Grade sich auch einmal selbst zu helfen weiß, werden von Zeit zu Zeit abendliche Näh- und Flickstunden veranstaltet, bei denen die Jungens von chren Pflege-,,,.. --------- -- . - rinnen lernen können, wie ein Knopf angenäht oder Heimabenden sind stets mehrere junge Pflegerinnen ein kleiner Riß im Zeug ausgebessert wird, in sorgsamster und anerkennenswerter Weise um täglich abwechselnd von einigen Jungen der l die kleine Gesellschaft bemüht. Dabei werden aber oder Gelee, 20 Liter Milchkaffee halb und halb. — Zweites Frühstück: 4 Kilogramm Brot, v» Kilogramm Butter, IV2 Kilogramm Wurst oder 6 Kilogramm Tomaten oder Übst. — Mittagessen: 3f/- Kilogramm Fleisch, reichlich Suppe, viel Gemüse und Obst. — Nachmittagskaffee: 4 Kilogramm Brot, */2 Kilogramm Butter, 4 Kilogramm Marmelade oder Honig, 20 Liter Milchkaffee halb und halb. — Abendessen: 10 Kilogramm Brot, 2'/- Kilogramm Butter, 22V2 Liter Milch oder Kakao, 3 Kilogramm Wurst oder 6 Kilogramm Tomaten oder Radieschen. Eine schöne Sitte herrscht bei den gemeinsamen Mahlzeiten insofern, als vor jedem Essen ein Tisch- pruch als Losung gegeben und ein kurzes gemein- ames Lied gesungen wird. Wer Gelegenheit hat, die blühenden Gesichter und die strahlenden 2hiaen der Buben zu sehen, wer Zeuge davon ist, welchen gesegneten Appetit sie bei der Mahlzeit entwickeln, in welch schönem kameradschaftlichen Geiste sich der „Vernichtungskrieg" gegen alles Eß- und Trinkbare vollzieht, wie musterhaft die Haus- und Tifch- ortmung gewahrt wird, der wird, ebenso wie wir, den Eindruck gewinnen, daß die Buben sich in diesem Ferienheim restlos glücklich und zufrieden fühlen. bester Kraft entspricht. An der körperlichen Ertüchtigung der Jungens wird durch Sport und Spiel täglich eifrig gearbeitet. Es werden natürlich keine Wettkämpfe veranstaltet, aber durch allerlei fröhliche Spiele, etwas Bodengnmnastik, Medizinball, Fußball, Keulenwurf ufw., auch durch Schwimmen und nicht zuletzt durch kleine Ausmärsche wird vieles getan, um einerseits bei den Jungens keine Langeweile aufkommen zu lassen, anderseits bei ihnen durch rege körperliche Betätigung im Freien die Kräfte des Körpers und der Seele zu entwickeln und zu stärken, gleichzeitig auch anregend für stets guten Appetit zu wirken. So ist es denn auch kein Wunder, daß diese Bubengemeinschaft zu den Mahlzeiten immer mit bestem Appetit antritt, der selbstverständlich in weitgehender Weise Befriedigung Sinnvoller Schmuck für den Schiffenberg Gegenwärtig ist der Kölner Kunstmaler Gräf damit beschäftigt, in fleißiger Arbeit die Wände des Speisezimmers im Komturgebäude des Schiffenbergs zu schmücken. Der Künstler hat — wie wir gestern bereits berichteten — im Zeitraum von etwa acht Tagen die Wände des Zimmers unmittelbar über dem Holzgetäfel mit prächtigen Wappen bemalt, die in fein abgestimmten, doch lebhaft bunten Pastell- Farben gehalten sind. Bei den Wappen handelt es sich um die Geschlechterzeichen ehemaliger Komture des Deutschherrenordens, dem der Schiffenberg in der Zeit von 1323 bis 1809 gehörte. Das Wappen links ist das derer von Brandt, das Wappen in der Mitte das des Grafen Diemar, rechts das derer von Dönhoff. Das nebenstehende Bild zeigt den ausführenden Künstler (links) im Gespräch mit dem Pächter der Domäne Schiffenberg. — (Aufnahmen: Neuner, Gießener Anzeiger.) weitergegeben und Flüsse, Seen, Meere und Gebirge geschaffen und sind ans Ende des Werkes noch nicht gelangt und sind fleißig wie je zuvor. Der Mensch aber ist ebenfalls geformt aus dem Leben seiner Vorfahren und bildet und wände t und formt und schafft wie sie. Er nennt fein Bauwerk Geschichte. In der kurzen Frist des Lebens kann ein Einzelner wenig tun vollenden rann er nichts aber er kann mittun und fortsetzen und bessern und beitragen. Der Mensch ist etwas Gewordenes, der Mensch lernt eines Tages sehen, daß er aeworden ist, und von da an entrinnt er nicht mehr. Teil tun. Den Rest Überläßt er enen, die nach ihm Baumeister — oder tZaullem sein werden. Aus Jahren werden die Jahrhunderte und ^arnit Zeit", aus den Geschlechtern der Lebenden wird" das Volk und seine Geschichte Ohnedem hätte die Zeit keinen Sinn, ohnedem hatte der Mensch keinen Sinn. Das sind Gedanken, die man M Ä xnasÄ* zelne Mensch sagt es n>ck>t. Aber die Zeit f gt dir, die G-schicht- LnfallNutzen begriffen hat, daß er Frucht rrag^.^ hergebracht haben soll, der f 0 f Abgang des ftänbnisDolI m Öen leije beflinnenDen « Sommers Er hat diese und jene 9Jfß5 unb gelebt und dem Leben cy -c reif geworden, jenes erfahren dabei und ist zur bringen Und nun kommt die Z ", Angenommen hat, soll, nachdem er bisher nur emg h h |id) Saft und Kraft, Freu e Achten und Gaben sich jetzt zeigen, zu we chen ^rucyc ^ut, dies alles m ihm gew Sfleift und Be- Kraft und “unb eine feste, ge- harrlichkeit stolze E e g\ eines Men- fÄÄ’-a- «"* »■ n°drhaft fein- vergolten. Für das Ent- Damit wäre nad) 9nögli4|feit vermehrt ; nommene das Gegeben?, aber ich habe nicht ’ und verbessert, ^.^be mit Zins zurückgegeben, 1 nur verbraucht, uh reid)er und besser zu leben ► auf daß andere hervorgegangen, ich bin dann I vermachtem Ä empfangen habe, habe - eingegangen, aver ^m Schuldner geblieben. Ich > ich oergolten. berer, die vor mir waren ; mar ^eKreUeten, aber mein Leden war lieber den Ludwigsplatz in Gießen pilgert eine Kolonne von Buben. Atter etwa von 9 bis 14 Jahren. Jeder trägt sein kleines Gepäck mit sich. Sie marschieren die Licher Straße hinauf. Man sieht es ihnen an, daß sie eine Gruppe von Ferien- lindern darstellen. Und man irrt sich nicht, wenn man das Ziel ihres Weges in dem Kinderheim des Landes-Alters- und Pflegeheims Gießen vermutet. Am gestrigen Freitagnachmittag finden wir diese Annahme bestätigt. Wir begegnen den Buben bei einem Besuche, den wir dieser Heimstätte für die Heranwachsende Jugend und für hilfsbedürftige alte Leute abstatten. Wir kommen um die Kaffeezeit in das Kinderheim. 45 Buben haben dort gegenwärtig ihren Ferienaufenthalt. Die größte Anzahl der Jungens stammt aus Berlin, die übrigen haben ihr Elternhaus in Frankfurt a. M. oder auf dem Westerwald. Es ist also eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft von Buden, die dort in schönster Harmonie ihre Ferienzeit verbringt. Daß sie diese köstliche Zeit genießen können, verdanken sie zunächst der N S. - D v l k s w v h l- fahrt, dann, aber auch der ausgezeichneten Pflege in dem Kinderheim unter der Oberaufsicht von Verwalter Kloß. Die NSV. liefert für den Ferienaufenhalt die „Munition" in Gestalt der Geldmittel, die Leitung des Kinderheims fetzt die Moneten um in allerlei nahrhafte Sachen, die bei dem gesegneten Appetit der Buben radikal vertilgt merben. Wir sehen bei unserem Besuche als Beobachter des gemeinsamen Kaffeetrinkens der Jungens, daß keiner sich vor einem tüchtigen Teller voll Brote und vor der dazu gehörigen Anzahl Taffen Milchkaffee fürchtet. Der gut bestellte Tisch, für den die aufsichtführenden Pflegerinnen umsichtig » , die Buben, bei aller Wahrung von Zucht und Ordnung, nicht etwa gegängelt, sondern ihrem natürlichen kindlichen Freiheits- und Tatendrang wird im Rahmen der Gemeinschaft und des Ferienzweckes volle Betätigungsmöglichkeit gewährt. Die Pflegerinnen als gute „Ferienmütter" der Jungen verdienen denn auch für ihr vortreffliches Wirken den Dank der Eltern ihrer Schützlinge und die Anerkennung unserer Volksgemeinschaft. Jede Gruppe von Feriengästen verbleibt rund fünf Wochen in dem Kinderheim. Das ganze Jahr über, auch im Winter, ist dieser Besuch in den schönen, anheimelnden Räumen des Heims anzutreffen. Für die meisten der Jungen, insbesondere soweit sie aus der Millionenstadt Berlin kommen, werden diese Ferienwochen geradezu eine Oase ihres jungen Lebens sein. Denn was sie in dem herrlichen Kinderheim Gießen an schönen Wohnräumen genießen können und was ihnen dort auf den Spielwiesen, wie auch in dem benachbarten Walde geboten wird, das alles ist so himmelweit besser und verschieden gegenüber ihren sonstigen Lebensbedinaungen inmitten der Steinwüste der Weltstadt, daß sie diesen Ferienaufenthalt gewissermaßen als ein Paradies auf Erden empfinden dürften. Sie werden diese Wochen in dem Kinderheim Gießen sicherlich für alle Zeiten in bester Erinnerung behalten und damit dem Kinderheim, seiner Leitung und den Pflegerinnen, nicht zuletzt aber auch der NSV. den gebührenden Dank abstatten. B. Aus der Stadt Gießen. Herbstliche Sartenfeier. Die Augustsonne ist eine ganz besondere Sonne. Sie ist oft schon herbstlich golden und ihre Wärme genießt man sozusagen eilig und mit Angst. Jedes Jahr um diese Zeit kriegt man Reue! Nicht etwa wegen begangener, schwerer Sünden, oh nein, nur deshalb, weil man meint, man hätte den Sommer und seine Sonne wieder mal nicht genügend ausgenutzt. Wie oft wollte man doch im Garten sitzen! Wie oft im Liegestuhl auf dem Rasen liegen, den Blick auf dem Schiffenberg! Nun fallen schon die Aepfel, und man kämpft noch einmal einen heldenhaften Kampf mit dem Unkraut, das immer noch am besten wächst. Gestern aber war ein ganz großer Tag, den ich rot anstreichen würde — wenn ich einen Kalender hätte. Ich habe 3um erstenmal gesät! Bis jetzt hatten meine gärtnerischen Betätigungen nur in untergeordneten Arbeiten bestanden, also z. B. Unkraut rupfen und Wasser schleppen oder in schönen: mit einem Korb bewaffnet erntete ich die Früchte nicht meines Fleißes. Oder ich wandelte durch den Garten und schnitt Blumen für Sträuße: Veilchen und Narzissen, Rosen und Margeriten, Dahlien und Goldrute. Was für eine bunte, blühende Pracht habe ich schon heimgetragen! Nun aber ist mein Gartengefährte aus der Stille des Gartens in die laute Welt gefahren und eine Karte flatterte mir ins Haus: „Winterspinat muß jetzt gesät werden!" Da ich gewöhnt bin, zu gehorchen, beschloß ich, diesen Befehl ausnahmsweise sofort auszuführen. Im Garten war es wundervoll. Die bunten Wicken dufteten in der Sonne, die Tomaten leuchteten und der Riefenkürbis quoll gelb unter den großen Blättern hervor. Nachdem ich alle Farben und Wohlgerüche ge- nüaend in mich ausgenommen hatte, gings an die Arbeit. Ich hatte große Lust, meine Aermel raufzukrempeln, aber leider waren sie schon kurz, und beinahe hätte ich vor Eifer in die Hände gespuckt. Im Schweiße meines Angesichtes — diesen Ruhm muß man der gestrigen Augustsonne lassen — grub ich also ein Beet um, hackte und rechte, daß es eine Lust war, und kam mir vor wie ein Erbhofbauer, vielmehr -bäuerin. Dann kam der große Augenblick: ich übergab den Samen der Erde! Auf der Tüte stand: „In Reihen oder breitwürfig". Ich entschied mich für Letzteres, ich fand es großartiger. Nun wollte ich so händeweis, mit großem Schwung, aussähen, wie ich das schon oft auf Bildern „Der Sämann" aefehen hatte. Aber — meine Tüte war erstaunlich schnell leer! Und das Beet noch gar nicht ganz voll! Ich sammelte also einige Körner wieder auf, um sie richtiger zu verteilen. Dann wurde lose darüber gerecht — oh ihr Spatzen, ich schlage euch tot (wenn ich euch habe), wenn ihr euch untersteht, diesen Samen herauszupicken! Zum Schluß habe ich dann das Beet, tausend gute Wünsche murmelnd, tüchtig begossen. Ogottegott, ich werde nicht schlafen können, bis die ersten grünen Spitzen hervorlugen! Was wird das^für einen herrlichen Spinat geben! E. L. Stoltenberg. Dorrwiizen. Tageskalender für Samstag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Mann, der Sherlock Holmes war". Tageskalender für Sonntag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Mann, der Sherlock Holmes war". — DHC.: Wanderung. — Skiklub Gießen: 6 Uhr Ludwigsplatz, Autobusfahrt zum Hoherodskopf. NSDAP., Sießen-Nord. Männer der SA., SS., NSKK.,. Reiter-SA. und Marine-SA., ganz besonders Reichsparteitags-Teilnehmer, die im Ortsgruppenbereich Gießen-Nord wohnen, werden aufgefordert, die Hilfskassenbeiträge zu zahlen. Am Dienstag, 31. August, und Donnerstag, 2. September, 20 bis 22 Uhr, werden Hilfskassenbeiträge für Oktober, November, Dezember 1937 im Caf6 Leib entgeyen- genommen. SA.-Männer, zahlt pünktlich die Hllfs- kassenbeiträge, damit euch keine Unannehmlichkeiten erwachsen! Mille LkiiWMMstWl NSG. „Kraft durch Freude". Die Fachgruppe: Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe unternimmt am 20. und 21. September 1937 eine Fahrt an die Mosel. 5578V Diese Fahrt wird in Verbindung mit KdF. ab Gießen Montag mittag begonnen und endet Dienstag abend ebenfalls in Gießen. Betriebsführer und Gefolgschaftsmitglieder, die an dieser Fahrt teilnehmen wollen, können sich bis zum 10. September bei den Dienststellen der Deutschen Arbeitsfront, Fachgruppe Gaststättengewerbe, oder KdF. anmelden und daselbst nähere Auskunft erhalten. Gastspiel Willy Reichert. Mittwoch, den 1. September, 20.15 Uhr, veranstalten wir im Stadttheater ein einmaliges Gastspiel von Willy Reichert mit seiner Künstlertruppe. Eintrittspreise: 1,80, 1,50, 1,00, 0,80, 0,50 RM. Der Kartenvorverkauf hat begonnen. Die Betriebswarte reichen umgehend ihre Kartenbestellungen bei der Kreisdienststelle ein. Vorverkaufsstellen sind: Musikhaus Challier, Schokoladenhaus Huntemann, Oberhessische Tageszeitung, Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18. 5577V llebungsstätte Gießen. Die neuen Lehrgemeinschaften in Kurzschrift, Maschinenschreiben, Englisch, Buchführung und Plakatschrift beginnen Mitte September. BOM.-Llntergau 116. Dienstbefehl! Am Samstag 28. August, 16.30 Uhr, treten alle O st preußenfahrer auf der Dienststelle an zur feierlichen Entgegennahme des Ehrenpreises des Senats der Freien Stadt Danzig. Am gleichen Tag um 18 Uhr haben alle Oester- reichfahrer auf der Dienststelle des Untergaues zu fein. Schon ein Drittel zurückgelegt. NSG. Am Donnerstagmorgen marschierte die Marscheinheit Hessen - Nassau des Adolf - Hitler- Marsches 1937, nachdem sie in Groß-Ostheim einen Ruhetag eingelegt hatte, nach ihrem nächsten Tagesziel Hessenthal in Franken weiter. Gegen 10.30 Uhr traf die Marscheinheit an der Main- Heimatschuh und Volkstumspflege auf einheitlicher Grundlage. NSG. Der unter Leitung von Landeshauptmann Pg. H a a f e stehende Deutsche Bund Heimatschutz hat nach langjähriger Vorarbeit erreicht, mit den zuständigen Reichs- und Partei- dienststellen die Voraussetzungen und Sicherungen für einen wirksamen Heimatschutz zu schaffen und die regionale Zusammenarbeit der kommunalen Selbstverwaltungsbehörden mit den Landesvereinen durch Uebereinfunft mit der Leitung des Deutschen Gemeindetags zu regeln. Damit ist es der zielbewußten Arbeit der Leitung des Deutschen Bundes Heimatschutz gelungert, eine für alle deutschen Gaue einheitliche Grundlage des Heimatschutzes und der Dolkstumspflege zu schaffen. Im Gau Hessen-Nassau wurden bisher die vom Deutschen Bund Heimatschutz betreuten Aufgaben von mehreren Stellen, in erster Linie vom Landschaftsbund Volkstum und Heimat, Gau Hessen-Nassau, bearbeitet. Nachdem auch hier, durch engere Zusammenfassung aller in Frage kommenden Kräfte, eine klare Linie geschaffen wurde, ist der Landschaftsbund Volkstum und Heimat, Gau Hessen-Nassau, dem Deutschen Bund Heimatschutz als Landesverein e i n g e - gliedert und ihm die wirksame Durchführung des reichseinheitlich geregelten Heimatschutzes übertragen worden. Damit ist das gewaltige kulturpflegerische Aufgabengebiet des Heimatschutzes und der Dolkstumspflege sowohl für das Reich, als auch für den Gau Hessen-Nassau zu einem Ziel geführt worden, nach dessen Verwirklichung der Leiter des LVH., Ministerialrat Pg. Ringshausen, seit Gründung des Hessischen Heimatbundes, aus dem der RVH. hervorging, strebte. Er begrüßte daher lebhaft, daß die bisher ganz auf sich gestellte Arbeit des LVH. nunmehr im gleichen Schritt und Tritt mit der Arbeit in den anderen Gauen des Reiches marschieren wird und sich die Reihen geschlossen haben. In arbeitssachlicher und organisatorischer Beziehung treten durch diese Eingliederung keine Aen- derungen ein. Landschaftsleiter Pg. Ringshau - f e n erwartet, daß sich alle bisherigen und neugewonnenen Mitarbeiter noch mehr als bisher für die Erfüllung aller sich ergebenden Aufgaben des Heimatschutzes und der Dolkstumspflege einsetzen. Die bereits gepflegte Zusammenarbeit mit dem NSLB. erfährt keine Aenderung, wird sich vielmehr in Zukunft durch verstärkten Einsatz der gesamten Erzieherschaft noch vertiefen. Landschastsleiter Pg. Ringshausen erließ aus Anlaß der Eingliederung des LVH. in den „Deutschen Bund Heimatschutz e. V." nachfolgenden Aufruf an die Mitglieder und Mitarbeiter des LVH.: „Der Landschaftsbund Volkstum und Heimat, Gau Hessen-Nassau, e. V.", ist als Landesverein in den „Deutschen Bund Heimatschutz e. V." eingegliedert worden. Der Leiter des Deutschen Bundes Heimatschutz, Landeshauptmann der Rheinlande, Parteigenosse H a a f e, begrüßte diese Eingliederung, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, „daß es dem LVH. vergönnt fein möge, im Zusammenwirken mit den übrigen Landesvereinen die großen Aufgaben zu erfüllen, die Volkstum und Heimat an ihn stellen." Volkstum und Heimat sind die Grundlagen nationalsozialistischen Kulturwollens; keine geringere Aufgabe haben wir pns gestellt, als diefe: das gesamte kulturelle Leben der deutschen Dolksgemein- schäft mit ihren Kräften und Werten zu erfüllen. Den Kampf zur Verwirklichung dieses Zieles wollen wir bis in das letzte Haus unserer Landschaft tragen. Zur Erfüllung dieser totalen Aufgabe wünsche ich mir treue, pflichtbewußte Mitarbeiter, denen unser deutsches Volk und die angestammte Heimat alles ist. Für Führer und Volk mit ihnen um die Seele jedes einzelnen Volksgenossen zu ringen, ist Gegenwartsaufgabe. Der deutschen Zukunft aber soll aus diesem Ringen eine neue, volkswüch- sige Gemeinschaftskultur erstehen. Zu fernerer, nimmermüder Arbeit nunmehr in der breiten Front des Deutschen Bundes Heimatschutz und zu verstärktem Einsatz rufe ich Sie, meine Kameraden, auf, indem ich Sie an das Wort des Führers erinnere: „Niemals ist es nötiger, ein Volk zu der unendlichen Kraft seines ewigen inneren Wesens hinzuführen, als dann, wenn politische oder wirtschaftliche Sorgen es nur zu leicht im Glauben an seine höheren Werte und damit an feine Mission schädigen können." brücke in Aschaffenburg ein, wo sie von Bannführer Sommer erwartet wurde. Ueberall an den Straßen stand — wie wir es nun schon gewohnt sind — die Bevölkerung, um den Fahnen der deutschen Jugend ihren Gruß zu entbieten. Nach einer Besichtigung der Wehrmachtskaserne war die Marscheinheit zum Mittagessen Gast der Wehrmacht. Am frühen Nachmittag wurde der Marsch nach Hessenthal fortgesetzt, das um 18 Uhr erreicht wurde. Der Marschweg des Freitag führte über die Höhen des Spessart nach dem schönen Städtchen Marktheidenfeld, wo der Main zum zweitenmal überschritten wurde. In Marktheidenfeld hat die Marscheinheit des Gebiets Hessen-Nassau nun ein Drittel ihres Weges nach der Stadt der Reichsparteitage zurückgelegt. Am Samstag treffen unsere Hitlerjungen in Höchberg ein, wo sie wieder einen Ruhetag einlegen werden. Abschied vom Sturm. Arn Donnerstag waren die Männer des Sturms 1/M. 147 im Hotel Hindenburg zu einem Kameradschaftsabend zusammengekommen, um in echter Kameradschaft noch einige Stunden mit ihrem langjährigen Sturmführer Giersleben, der in wenigen Tagen Gießen für immer verläßt, zusammen zu sein. Seit dem 1. Januar 1934 führte Pg. Siers- l e b en seinen Sturm, um jetzt die schwarzbraune Uniform mit dem feldgrauen Ehrenkleid zu tauschen. So stark, wie an diesem Abend, war der Sturm wohl selten zur Stelle, und er bewies so seine enge Verbundenheit mit dem scheidenden Kameraden. Sturmführer Siersleben richtete herzliche Abschiedsworte an die Männer seines Sturms und sagte dabei u. a., daß es ihm nicht leicht falle, so plötzlich und unerwartet von seinen Kameraden Abschied zu nehmen, mit denen er Freud und Leid schon seit Jahren geteilt habe. Zusammen mit ihnen habe er sich ganz für die Aufbauarbeit des NSKK. und des Vaterlandes eingesetzt, und mancher Beweis tatkräftiger Mitarbeit sei erbracht worden. In seinen weiteren Ausführungen erinnerte er an die schönen Dienststunden bei Regen und Sonnenschein, die für alle Zeiten zu den schönsten Erinnerungen seines Lebens zählen würden. Sein neuer Beruf führe ihn nun fort von Gießen, und so danke er jetzt allen seinen Kameraden für ihre Treue und Disziplin, die der Sturm 1/M. 147 immer in vorbildlicher Weise gezeigt habe. Mit dem Wunsche, daß der Sturm auch in Zukunft echte Kameradschaft und beste Dienstauffassung pflegen möge, schloß Pg. Siersleben seine Ausführungen. Anschließend dankten die Sprecher der Kameraden, vor allem die Truppführer des Sturms, ihrem scheidenden Sturmführer in bewegten Worten für sein stets kameradschaftliches Auftreten, und wünschten ihm für seinen weiteren Lebensweg alles Gute. Obertruppführer Freund übergab dann dem Sturmführer ein prachtvolles Bild des Korps- Das \ \ Sdiönfieifsi^^pf WWWWMlk! Roman von Bernhard Lonzer. Urheberrechtsschutz: Arthur Moewig, Romanvertrieb, Berlin SW 68. 1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Der Großvater schwieg einen Augenblick. Dann entgegnete er, ohne Stefan anzusehen: „Schönburg hat großes Interesse an der Büchse. Er hat es mir erst letzthin wieder mit einem ziemlich deutlichen Wink zu verstehen gegeben. Ob ich sie ihm schenke? Wie denkst du darüber?" Heber Stefans offenes Gesicht glitt es wie ein leiser Schatten. „Gern wirst du dich sicher nicht dazu entschließen. Oder hast du besondere Veranlassung, Schönburg gefällig zu sein?" Wieder zögerte der Großvater mit der Antwort. „Das wohl nicht... Ich dachte nur ..." „Dann würde ich dir raten, nicht zu großzügig zu sein und deine Sammlung lieber unangetastet zu lassen. Es würde dir sonst vielleicht doch einmal leib tun." Jetzt war es der Großvater, über dessen Gesicht ein leiser Schatten zog. Bevor er aber dazu kam, etwas zu erwidern, fuhr Stefan fort: „Ich habe Schönburgs übrigens vor dem Museum getroffen. Sie kamen von der Gemäldeausstellung und lassen dich grüßen. Sie werden zu deinem Geburtstag erscheinen, wie man mir versicherte." Wolfgang v. Achenbach wurde mit einem Male merkwürdig lebhaft. „Darauf' rechne ich selbstverständlich. War Senta auch dabei? Ich habe sie schon eine ganze Weile nicht zu Gesicht bekommen. Aber sie ist natürlich schön und temperamentvoll wie immer, wie?" „Wie immer", bestätigte Stefan mit undurchdringlicher Miene. Der Großvater ließ einen kurzen, forschenden Blick von der Seite über ihn hingleiten. Dann stellte er die Windbüchse langsam wieder an ihren Platz. „Ja, die Abfütterung zum Geburtstag... Ich wollte heute sowieso mit dir über die Tischordnung sprechen. Wenigstens soweit es die Gäste betrifft, mit deren Erscheinen wir bestimmt zu rechnen haben. Fräulein von Birkhammer will endlich Bescheid haben und hat mir schon erheblich zugesetzt. Also wollen wir uns gleich mal darüber schlüssig werben." - - Sie verließen bie „Rüstkammer", um sich in bas Arbeitszimmer bes Schloßherrn zu begeben. „Du bist heute recht spät heraufgekommen", bemerkte ber Großvater, währenb sie den langen Gang zurückgingen. „Hattest du viel zu tun?" „Ich habe den Kollegen aus Frankfurt operiert. Mit Erfolg, Gott sei Dank! Meine verehrte Erzieherin hat mich übrigens in bekannt liebenswürdiger Weise bereits daraus aufmerksam gemacht, daß ich mich um eine volle Stunde verspätet habe." Wolfgang v. Achenbach ließ ein leises, gutmütiges Lachen hören. „Na ja, das ist so ihre Art. Ich begreife natürlich durchaus, daß du sie nicht sonderlich liebst. Aber wir müssen immer sehen, daß wir einigermaßen mit ihr auskommen. Sie ist tüchtig und zuverlässig. Irgendein weibliches Wesen muß doch den Haushalt führen, und ohne wirklich zwingenden Grund möchte ich da nicht gern einen Wechsel vornehmen." Sie betraten das Arbeitszimmer, in dessen Mitte, den Fenstern zu, ein wuchtiger dunkler Schreibtisch stand, der beinahe wie ein antiker Opferaltar wirkte. Sie ließen sich nieder und brannten sich eine Hi gar re an. Stefan mußte zunächst von der glücklich gelungenen Operation berichten. Der Großvater, ber an ber Tätigkeit des Enkels immer regen Anteil nahm, horte ihm interessiert und verständnisvoll zu. Dann erhob er sich und holte vom Schreibtisch einen Notizblock herüber, auf dem bie Namen ber zu erwartenden Geburtstagsgäste verzeichnet waren. „Ich habe mir schon ein paar Notizen gemacht, bin mir aber über einiges noch nicht ganz klar." Höflich, wenn auch ohne sonderliches Interesse, beugte Stefan sich vor und hörte bie Erläuterungen bes Großvaters an. Er fand, daß alles in bester Ordnung war. Wenn ber Großvater, ganz gegen seine Gewohnheit, ber Angelegenheit nicht überhaupt zuviel Wichtigkeit beimaß! Es war offenbar nur Formsache, wenn nicht gar so etwas wie ein Vorwanb, wenn er bie Tischorbnung zur Sprache brachte. Stefan glaubte ben Grund dafür zu kennen, und er sah sich in seiner Annahme nicht getäuscht. „Ich habe gedacht, daß du Senta Schönburg wieder zu Tisch führst", sagte Wolfgang v. Achenbach nach einer kaum merklichen Pause anscheinend gleichgülttg. „Es ist dir doch recht?" Stefan wußte, daß diese Gleichgültigkeit nicht ganz echt war. Aha...! dachte er und nahm einen tiefen Zug aus seiner Zigarre. Dann hob er gelassen die Schultern. „Wie du denkst. Es ist ja schließlich gleich, wer sich mit mir langweilt." Der Großvater vermied es, ihn anzusehen. Ein ganz schwaches Rot färbte seine Stirn, während er stumm an seiner Zigarre zog. „Langweilen...?" lächelte er schließlich ein bißchen unbeholfen. „Na, höre mal! Mit bir langweilt man sich doch nicht. Und ein Mädchen wie Senta Schönburg schon gar nicht. Sie wird schon für Stimmung sorgen, sie besitzt ja Geist und Temperament genug." „Allerdings. Aber um so weniger Herz und Gemüt." Das hatte so bestimmt und so ablehnend geklungen, daß der Großvater betroffen aufsah. Er begegnete Stefans Augen, die soeben etwas ungewohnt Hartes und beinahe Warnendes hatten, und ließ sich in seinen Stuhl zurücksinken. „Ich weiß nicht, woraus sich dein Urteil gründet", erwiderte er langsam und vorsichtig, „aber ich möchte mich ihm doch nicht so ohne weiteres anschließen. Es gibt Menschen, die sich nicht so leicht ins Herz sehen lassen und dadurch in Gefahr kommen, als herzlos beurteilt zu werden. Vielleicht gehört Senta Schönburg zu ihnen .." Stefan wollte offenbar etwas erwidern, besann sich jedoch und zuckte nur stumm bie Achseln. Aber seine Augen verloren nichts von ihrer Härte, sein Gesicht behielt ben eigenartig strengen und ab- lehnenben Ausbruck. Der Großvater maß ihn von ber Seite mit einem langen, forschenben Blick, der nicht nur Enttäuschung, sondern auch ernste Sorge verriet. Eine stumme, aber doch sehr beredte Frage lag in diesem Blick: „Hast du immer noch nicht vergessen? Bist du noch immer nicht geheilt von den Wunden, die verratene Liebe dir schlug?" Stefan mochte diesen Blick fühlen. Er erhob sich plötzlich mit seltsam gespannten Bewegungen. „Es ist nun wohl alles klar. Und wenn du erlaubst — ich möchte meine Abhandlung für die Fachzeitschrift heute gern noch zu Ende bringen." Der Großvater machte keinen Versuch, ihn zurückzuhalten. Nach einem etwas hastigen „gute Nacht" ging Stefan. Er hatte seine Wohnung in dem massigen, geräumigen Turm, der im Scheitelpunkt der beiden Schloßflügel lag und den wuchtigen, etwas finsteren Charakter des alten Schlosses noch besonders betonte. Im ersten Stockwerk, unmittelbar über dem breiten Eingangsportal, befand sich die alte Kapelle, die schon seit Jahrzehnten nicht mehr benutzt wurde. Darüber lag Stefans Wohnung. An klaren Tagen sah man von hier aus weit in das blühende Land hinaus. Mit raschen Schritten stietz Stefan die Wendeltreppe hinauf. Er 'schaltete in seinem Arbeitszimmer die Beleuchtung ein und öffnete das Fenster. Der Sturm sprang brausend und heulend um den Turm. Die Wetterfahne kreischte über ihm. Müde flackerten ein paar Sterne unter jagenden Wolkenfetzen. Lange stand Stefan mit harten Sippen am Fenster und starrte in die dunkle Tiefe hinab. Er hatte den fragenden Blick des Großvaters sehr wohl verlanden. Vergebliche, ganz aussichtslose Hoffnungen, denen der Großvater sich hingab! Der Platz in seinem Herzen war leer. Hohl und leer wie ein ausgebranntes Gemäuer. Niemand würde diesen Platz jemals wieder ausfüllen können. Nicht Senta Schönburg — und auch nicht irgendeine andere...! Mit einem harten Ruck schloß Stefan plötzlich das Fenster und setzte sich zur Arbeit nieder. 2. In dem weiten, hoch getäfelten Speisesaal, der reiches, künstlerisch wertvolles Schnitzwerk aufwies, war die Geburtstagstafel für die Familienfeier her- gerichtet. Kostbares, festliches Kristall, altes, schweres Silber und wundervolle Blumen aus den Gewächshäusern schmückten die Tafel. Die dichten Vorhänge an den hohen Bogenfenstern waren trotz der hellen Mittagsstunde zugezogen. Der mächtige Kron- leuchter an ber Decke schlief. Man hatte ihn nicht bemüht. Er schien nur zuweilen verwundert und mißbilligend herabzublinzeln in den feierlich-starren Glanz der bunten Wachskerzen, die m schweren Silberleuchtern auf dem Tische brannten. Im schwarzen Anzug, sehr korrekt und feierlich, saßen Wolfgang v. Achenbach und Stefan sich in den dunklen, hochlehnigen Stühlen gegenüber. Sie sprachen der ausgesucht festlichen Speisenfolge und den gehaltvollen Weinen erster Kreszenzen nur sehr mäßig zu. Etwas Gemessenes und wie unter einem geheimen Zwang Abgewogenes haftete den wenigen Worten an, mit denen sie das einsame festliche Mahl begleiteten. Eine unsäglich kühle Atmosphäre lag über dieser Geburtstagsfeier zu zweien, die in der Familie Achenbach zur Tradition geworden war. Stolz und unbewegt brannten die Kerzen auf der Tafel, still und feierlich wie Opferflammen. Nur ab und zu erwachte ein leises Zittern in ihrem kühlen Brand, das wie ein stilles, stummes Aufbegehren war. Dann wehte ihr flackernder Schein wie eine anklagende Geste über das schimmernde Tafeltuch aus schwerem Brokat und malte gespenstische Schatten lauf die Wandtäfelung. (Fortsetzung folgt.) n, v i a .1 ch >t 5, :r« >e« le' )t‘ >ec IN' cht nb en :en führers Hühnlein, zur steten Erinnerung an bk Gießener Männer vom 1/M 147. Bei frohen Liedern und zwanglosem Austausch von Erinnerungen an ernste und heitere Begebenheiten aus dem Sturmleben saßen die Kameraden noch einige Stunden beisammen. Dann verabschiedete sich Sturmführer Siersleben von jedem einzelnen seiner Männer mit Handschlaa. Noch einmal klang das Lieblingslied des langjährigen Führers des 1/M. 147 durch den Saal, und mit dem Gruß an den Führer wurde der Abschiedsabend geschlossen. Vorsicht beim Unterschreiben von Zeitschristenbestellungen. NSG. Immer wieder kommt es vor, daß Zeitschriftenwerber versuchen, ihre Zeitschriften unter Vorspiegelung falscher Tatsachen den Hausfrauen au empfehlen. Es ist weder möglich, durch den Bezug einer Zeitschrift die Mitgliedschaft zur NS.- Frauenschaft, noch zum Deutschen Frauenwerk zu erwerben. Die NS.-Frauenschaft ist bereits seit eineinhalb Jahren geschlossen, und die Mitgliedschaft -um Deutschen Frauenwerk wird ohne Abnahmeverpflichtung einer Zeitung oder Zeitschrift erworben. Die Angaben der Werber, sie seien von RUHL Seliersweg Nr. 67 Hfl adlO Telephon Nr. 3170 eparaturen Ev ü der NS.-Frauenschaft oder vom Deutschen Frauenwerk beauftragt, sind falsch. Alle Werbungen gehen vom jeweiligen Verlag aus. Wir können den Hausfrauen, die oft glauben, zugleich mit dem Bezug der Zeitschrift die Mitgliedschaft im Deutschen Frauenwerk erworben zu haben, nur raten, vorsichtig mit dem Unterschreiben von Bestellscheinen au sein. Es ist nicht leicht, einmal gegebene Unterschriften wieder zurückzuziehen. Werbungen für das Deutsche Frauenwerk werden nur durch die Leiterinnen der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Kontrolle der Bodenräume. Nachdem in Gießen eine umfassende Entrümpelungsaktion im Laufe des Monats April ftattge- funben hat, werden nunmehr in nächster Zeit durch die Amtsträger des Reichsluftschußbundes planmäßige Kontrollen der Bodenräume vorgenommen werden. Jeder Hausbesitzer bzw. jeder Mieter eines Bodenraumes wird gebeten, Vorsorge zu treffen, daß die Dachböden am 1. September 1937 ge- rümpelfrei sind. Etwa noch freiwerdendes rohstoffhaltiges Altmaterial, wie Metall, Papier, Textilien, Flaschen usw., das das Rohproduktenqewerbe ankauft, kann der Orts- (Kreis-) Gruppe Gießen des Reichsluft- sckutzvundes. Lindenplatz 1, schriftlich oder telephonisch unter Nr. 2607 mit Angabe der Straße und der Hausnummer gemeldet werden. Die Orts- (Kreis-) Gruppe wird in diesem Falle Händler des Rohproduktengewerbes mit dem Abtransport beauftragen. Lob für eine wackere Tat. Der Reichsftatthalter in Hessen — Landesregierung — hat dem Schüler Fritz Schonebohm in Gießen für die mit Mut und Entschlossenheit durchgeführte Rettung des Otto Weber vom Tode des Ertrinkens in der Lahn feine Anerkennung ausgesprochen. Gießener Wochenmarktprette. * Gießen, 28. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 13, Klasse A 12%, Klasse B 12, Klasse C 11 %, Klasse D 19%, ausländische, Klasse A 12%, Wirsing, % kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 6 bis 9 Mark, Weißkraut, % kg 8 Pf., 50 kg 5 bis 6,50 Mark, Rotkraut, kg 9 bis 12 Pf., 50 kg 8 bis 9 Mark, gelbe Rüben, % kg 9 Pf., Karotten 8 bis 12, rote Rüben 8 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 12 bis 23, gelb 12 bis 23, Erbsen 20 bis 35, Tomaten 10 bis 15, Zwiebeln 8 bis 10, Kürbis 5 bis 7, Kartoffeln, neue, % kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,80 bis 4 Mark, Frühäpfel, kg 15 bis 30, Falläpfel 5 bis 6, Pfirsiche 25 bis 40, Brombeeren 30 bis 33, Preiselbeeren 35 bis 38, Birnen 15 bis 25, Zwetschen 12 bis 17, Mirabellen 35 bis 38 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Enten 1,20 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 45, Salat 8 bis 9, Salatgurken 5 bis 20, Einmachgurken 1% bis 3, Endivien 9 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf. ♦ ** Arbeitsjubiläum. Heute konnte Herr Heinrich Hgnitfch aus Gießen als Magazinverwalter bei der Firma Bänninger G. m. b. H. auf eine 25jährige Tätigkeit zurückblicken. Wie üblich, versammelten sich um 8 Uhr vormittags die Leiter der Firma und die Arbeitskameraden an dem festlich geschmückten Arbeitsplatz des Jubilars zu einer schlichten Feier. Hierbei wurden Herrn Hanitsch durch den Betriebsführer Herrn Karl Bänninger Dank und Anerkennung für die in 25 Jahren der Firma geleisteten Dienste ausgesprochen. Ferner wurden noch von acht Vertretern der Gefolgschaft in schönen Worten Glückwünsche dargebracht. Dem Jubilar wurden sowohl von der Firma als auch von der Gefolgschaft wertvolle Geschenke überreicht. ** Straßensperrung. Wegen Vornahme von Straßenbauarbeiten wird der Hindenburg- wall zwischen Goethe- und Frankfurter Straße, einschließlich der Kreuzung Frankfurter Straße- Horst-Wessel-Wall-Seltersweg-Hindenburgwall, vom 28. August auf die Dauer von 14 Tagen für jeglichen Fährverkehr polizeilich gesperrt. Die aufgestellten Sperr- bzw. Umleitungsschilder sind zu beachten. ** Viehmärkte in Gießen. Am nächsten Dienstag findet in Gießen Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt. Für den 22. September ist Schweinemarkt vorgesehen. ** Eine Schweinezwischenzählung findet am 3. September statt. Die Zählung dient lediglich statistischen und volkswirtschaftlichen Zwecken. ** Tödlicher Verkehrsunfall. In der Nähe der Wellersburg wurde der 73 Jahre alte Invalide Martin Lemmer, Wolkengasse 18 wohnhaft, von einem Auto angefahren. Der bedauernswerte Mann erlitt einen Schädelbruch und innere Verletzungen, an denen er in der Chirurgischen Klinik verstorben ist. Aus der engeren Heimat Unfälle auf drm Lande. Der Am laufenden Band gestohlen. it nur um Waren Wirtschaft Jrn Freioerkehr nannte man u. a.: Adler- nahe- Berlin — Frankfurt a ZTl Deoifenmarfl 0,723 5,694 62,30 48,95 11,26 63,91 57,13 16,98 8,656 2,489 0,725 5,706 62,42 49,05 11,28 64,03 57,25 17,02 8,674 2,493 0,723 5,694 62,27 48,95 11,25 63,89 57,13 16,98 8,661 2,490 fester Thon 0,725 5,706 62,39 49,05 11.27 64,01 57,25 17,02 8,679 2,494 ten, löste sich ein Schuß. Das 12jährige Töchterchen des Arbeiters Diehl wurde dabei von mehreren Schrotkugeln getroffen. Da die Schußverlet- zungen zunächst keine schweren Folgen nach sich zogen, wurde über den Vorfall nicht weiter gesprochen. Nunmehr jedoch sah sich der Vater des Kindes veranlaßt, das Kind in der Gießener Klinik eingehend untersuchen zu lassen. Glücklicherweise besteht keine Lebensgefahr. Die Gendarmerie unternahm die notwendigen Ermittlungen. Saasen, 27. Aug. Die Schüler der Oberklasse stellten sich unter Leitung von Lehrer Glaser in den Dienst einer gemeinnützigen Sache. Sie lockerten gemeinsam die Erde unter den am Wingertsberg gepflanzten Maulbeerbäumen und rodeten das Unkraut. Die Bäumchen zeigen einen befriedigenden Wuchs. — Am Sonntag findet auf dem neuen Schießstand der Kriegerkameradschaft das erste Preisschießen statt. — Am Sonntag wird auf dem Wirberg das Missions - f e ft des Kirchspiels Wirberg gefeiert. Missionar Walther wird sprechen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 v H.. Lombardzinsfuß 5 o. H Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstagnachmittag geschlossen. werke uno. 118,25, Neue Wayß & Freytag mit 148,25 bis 150,25 (148), Großalmeroder 111,50, Elsass. Baden Wolle 83,-50 bis 84,50. Tagesgeld 2,75 (2,50) v. H. Abendbörse ruhig. Mangels Anregungen war die Abendbörse Japan...... Jugoslawien Lslo ..... Wien....... Lissabon.... Stockholm .. Sckuvciz .... Spanien.... Prag....... Budapest... Neuyork.... Kreis Alsfeld. *!* Ober-Ohmen, 27. Aug. Die hiesige Kriegerkameradschaft hat in den letzten Wochen einen neuen Schieß st and errichtet, der sich am Fuße des grauen Berges an der Straße nach Alsfeld befindet. Die Kameraden stellten sich beim Bau des Standes tatkräftig zur Verfügung. Die Errichtung des Schießstandes beseitigt einen Mangel, da seit Jahren sich hier fein brauchbarer Schiebstand befand. Kreis Wetzlar. # Wißmar, 27. Aug. In dem neu angelegten Schulgarten, der von der obersten Klasse bearbeitet wurde, konnten die Kinder in diesen Tagen 21 Zentner Frühkartoffeln ernten. — Die Arbeitsdienstkameraden, die für die Ernte verschiedenen hiesigen Landwirten zugeteilt waren, sind nunmehr in das Lager Dillenburg zurückgekehrt. — Am Donnerstag abend konnte man auf den Wiesen in der Lichtenau achtzehn Störche versammelt sehen. Landkreis Gießen. U. Klein-Linden, 27. Aug. W. Schaum jun., Sohn des hiesigen Dorfschmiedemeisters Wilhelm Schaum, bestand dieser Tage die Meisterprüfung im Schmiedehandwerk. Unsere Dorf- schmiede in der Wetzlarer Straße zählt sicher zu den ältesten Dorfschmieden des Kreises Gießen. Sie ist bereits seit sieben Generationen im Besitz der Familie Schaum. Durch die Herstellung von Forst-, Geologen-, Stein- und Fließen- werkzeug hat sich die Dorfschmiede einen bekannten Namen erworben. Weit über unser Vaterland hinaus, nach Holland und seinen Kolonien, nach China und anderen Ländern, werden die Erzeugnisse der heimischen Dorfschmiede versandt. Bemerkt sei noch, daß die Himalajaexpedition im Jahre 1934 mit Erzeugnissen aus unserer Dorfschmiede ausgeftattet war. * Klein-Linden, 27. Aug. Am kommenden Sonntag wird in unserem Dorfe die Kirmes gefeiert. 6 5 Steinbach, 26. Aug. Vorigen Sonntag fand hier der Gottesdienst zur Eröffnung der Konfir- mandenstunde statt. In Steinbach sind es 10 Mädchen und 11 Jungen, in Albach 1 Junge und 2 Mädchen. Nach dem Gottesdienst hatte Pfarrer Döll noch eine Besprechung mit den Eltern der Konfirmanden, in welcher er besonders um die Unterstützung des Elternhauses in der Konfirmandenzeit bat. = Steinbach, 27. Aug. Die Arbeiten an der Reichsautobahn schreiten gut voran. Bald wird die Straße bis Steinbach fertiggestellt fein. Gegenwärtig werden die Zufahrtsstraßen von Steinbach und Lich zum Autobahnhof fertiggestellt, auch wird der Feldweg zur Unterführung in das Feld auf der anderen Seite der Autobahn nun hergerichtet. Die Straße Gießen—Steinbach wird gegenwärtig verbreitert; feit einigen Wochen find zwei Kolonnen Pflasterer eingesetzt, die die Verbreiterung vornehmen. Bei dem starken Verkehr auf der Straße Steinbach—Gießen müssen die Arbeiten schnellstens durchgeführt werden. — Der Obst- und Gartenbauverein hielt in der „Krone" eine Mitgliederversammlung ab, die trotz der arbeitsreichen Zeit gut besucht war. Der Vorsitzende Balthasar Jakob Haas berichtete über die für den 12. September geplante Besichtigungsfahrt nach Ortenberg und Büdingen. Die Fahrt wird mit Autobus aus- geführt und verspricht, sehr lehrreich zu werden. Bürgermeister Rink berichtete über die Regelung des Obstmarktes bei der Ernte 1937. Nachdem der Vorsitzende noch zur fleißigen Benutzung der Süß- mostapparatur des Vereins aufgefordert hatte, wurde die Versammlung geschlossen S Alten-Buseck, 27. Aug. Im Rahmen der Erzeugungsschlacht hatte unsere Gemeinde etwa zwei Morgen Land mit Flachs angebaut, der dieser Tage von der Oberklasse unserer Volksschule geerntet wurde und zur Verarbeitung weitergeleitet wird. — In den letzten Tagen hatte die Oberklasse der hiesigen Volksschule in der Gemarkung Fallobst gesammelt, das von unserer Frauenschaft verarbeitet und zur Geleebereitung verwandt wurde. Das Gelee stellte sie in anerkennenswerter Weise dem Winterhilfswerk zur Verfügung. # Mainzlar, 27. Aug. Bei Gastwirt Mül- l e r fand dieser Tage eine sehr gut besuchte Parteioersammlung statt. Ortsgruppenleiter Pflüger hieß die Kameraden willkommen. Anschließend sprach Pg. Henkel (Saubringen) über die Gefahren des Bolschewismus. Dann wurden in feierlicher Form neue Mitglieder verpflichtet. Zehn Mitgliedsbücher und zehn Mitgliedskarten wurden ausgegeben. Im weiteren Verlaufe des Abends sprach noch Pa. Kirdorf über die Richtlinien zur Erfassung des Brotgetreides. Y Watzenborn - Steinberg, 27, Aug. Heute gegen 20 Uhr geriet hier in der Nähe der Wirtschaft „Zur Wilhelmshöhe" das Auto des Kaufmanns Karl Waldfchmidt von Großen- Linden in Brand. Als der Besitzer des Kraftwagens in der Wirtschaft Waren ablieferte, bemerkten Vorübergehende das Feuer, das im Hinteren Teil des Wagens ausgebrochen war. Da der Wagen verschlossen war, mußten die Scheiben eingeschlagen werden, um die Flammen bekämpfen zu können. Das Feuer, das durch einen Schaden an der Lichtleitung entstanden ist, vernichtete die Polsterung und das Dach des Wagens. g Allendorf (Lahn), 27. Aug. Dieser Tage fanden hier durch die Ortsgruppe des Reichs- luftfchutzbundes Aufklärungsabende statt zu denen die Hauswarte eingeladen waren, gür' den 11. September ist eine Verdunkelung unseres Ortes geplant. * Ober-Bessingen, 28. Aug. Wie erst jetzt bekannt wird, ereignete sich kürzlich in unserem Orte ein Unfall durch eine Schußwaffe. Em Einwohner hatte seine Flinte geladen in eine E ck e g e st e l l t und unbeaufsichtigt gelassen Als Kinder der Nachbarschaft in das Zimmer kamen und sich an dem Gewehr zu schaffen mach- zu geschäftslos und ohne ausgesprochene Tendenz. Die Kurse zeigten im großen und ganzen nur geringe Abweichungen. Leichte Rückgänge hatten AEG. mit 131 (131,65), Gesfürel mit 158,25 (159), Demag mit 154,75 (155,25), Deutsche Erdöl mit 154 (154,50), Holzmann mit 153 (153,50), Junghans mit 137,40 (137,75). JG.-Farben mit 167,25 (167,40) und Bemberg mit 155,75 (156) lagen knapp gehalten. Durchweg voll behauptet notierten Bergwerkspapiere, Buderus 131,50, Mannesmann 124.25, Rheinftahl 159,50, etwas fester lagen Moenus Maschinen mit 126 (125,50) und am Einheitsmarkt stiegen Faber & Schleicher Maschinen auf 106 rep. (104); Kahlgrund Eisenbahn waren um 1 v. H. auf 18 erholt, während Otavi Minen auf Gewinnmitnahmen leicht nachgaben auf 35,70 (35,90). Das Rentengeschäft war ohne Belang, Rheinische Goldpfandbriefe uno. 99,75, ebenso 6proz. JG.-Farben mit 132,25, Reichsbahn-DA. mit 127,50, Kommu- nal-Umschuldung mit 94,55, während 4,5proz. Krupp auf 99,50 (99,13) anzogen. Im Freiverkehr lagen Adlerwerke Kleyer mit 118 etwas niedriger. Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt. Frankfurt a. M., 27. Aug. Aehnlich wie an anderen Lebensmittelmärkten machte sich auch für Obst und Gemüse infolge des Ultimos allgemein schwächere Nachfrage bemerkbar. In Aepfeln, Birnen und Zwetschen blieb das Angebot reichlich. Mirabellen wurden kaum mehr angeliefert, ebenso hat sich die Zufuhr von Pfirsichen verringert. Aus dem Ausland blieben Trauben gut angeboten. Mit Ausnahme von Zwetschen nahm das Geschäft bei unveränderten Preisen einen schleppenden Verlauf. Der Gemüsemarkt hatte lebhaftes Geschäft in allen Kohlarten bei knappem Angebot, auch Tomaten verzeichneten flotten Absatz. Sonst war der Handel langsam. Für Kopfsalat, Gurken, Rotkraut, Tomaten und Wirsing zogen die Preise etwas an, für Zwiebeln gingen sie zurück, sonst ergaben sich keine Veränderungen. Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 698: Eröffnung des Telephonverkehrs zwischen Lissabon und Berlin. — 699: Außerkrafttreten des Ausnahmetarifs 3 S 2 für feuerfeste Steine. aus den Lager- und Perkaufsbestän- d e n zu bestehlen, sondern auch Bargeld aus der Ladenkasse in die eiaene Tasche zu manövrieren. Lange Zeit ging dieses hahnebüchene Treiben der ungetreuen Angestellten seinen Gang, aber schließlich platzte doch die Bombe. Eine Haussuchung in der Wohnung des Mädels förderte viele Wäsche- und Kleidungsstücke zutage, die in dem Geschäft gestohlen waren und nun für den rechtmäßigen Eigentümer noch sichergestellt werden konnten. Die behördlichen Ermittlungen sind gegenwärtig noch im Gange. Die ungetreue Person hat natürlich mit einem gerichtlichen Nachspiel zu rechnen. * Lich, 27. Aug. In einem hiesigen Geschäft hat sich eine junge Singe ft eilte, die seit etwa 6 Jahren bei der Firma tätig war und das volle Vertrauen des Geschäftsinhabers hatte, seit längerer Zeit Diebstähle am laufenden Band und Unterschlagungen zuschulden kommen lassen. Das Mädel verstand es, in raffinierter Weise die Firma nicht aus den Lager- und V 18jährige Verkäufer Otto Hirtel aus D r t e n b e r g erlitt einen Oberschenkelbruch. — Der 23jährige Arbeiter Willi Eifer aus Staufen- b e r g zog sich einen Unterschenkelbruch zu. — Das 6jährige Söhnchen des Lehrers Eschenbrenner aus Ober-Bessingen erlitt einen Kniegelenkbruch des rechten Beines. Die Verunglückten mußten zur ärztlichen Behandlung in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. Mein-Mainische Börse. INillagsbörse wenig verändert. Frankfurt«. M., 27. Aug. Die Börse bot an allen Märkten ein weiterhin sehr stilles Bild und war im allgemeinen nur wenig verändert. Auch Sonderbewegungen waren nicht zu verzeichnen. Am Aktienmarkt blieb die Grundtendenz freundlich und bei den anfangs zur Notiz gekommenen Papieren überwogen mäßige Befestigungen. Etwas belebter waren Deutsche Erdöl mit 153,75 bis 154,50 (153,25), ebenso Klöckner mit 137,25 bis 137,50 (137) und Rheinstahl mit 159,50 (158,75); Verein. Stahl zogen auf wieder 121 nach 120,50 an, dagegen büßten Mannesmann 0,90 o. H. ein auf 124,25. Für Maschinen- und Motorenwerte erhielt sich bei leicht erhöhten Kursen etwas Nachfrage. Reichsbank setzten 1 v. H. höher ein mit 213,50, JG.-Farben lagen mit 167,65 (167,75) gehalten. Leichte Rückgänge zeigten Bemberg mit 155 (155,50) und Aschaffenburger Zellstoff mit 151 (151,50). Elektroaktien waren stark vernachlässigt, auch auf den anderen Marktgebieten lagen keine Erstkurse vor. Im Freiverkehr fanden Verein. Fränk. Schuh (Berneis) zu 71,25 bis 71,75 (70,50) und Schuh Herz zu 128,50 bis 130 (129) Interesse. Am Rentenmarkt zeigte sich teilweise wieder Angebot, das Geschäft war klein. Altbesitzanleihe 127,65 (127,75), Reichsbahn-VA. 127,50 (127,75), Kommunal-Umschuldung 94,55 (94,60). Auch im weiteren Verlause hielt sich das Geschäft in sehr engen Grenzen, und besondere Bewegungen waren nicht zu verzeichnen; es fehlte an Aufträgen aus dem Publikum. Die Kurse am Aktienmarkt unterlagen leichten Schwankungen, blieben aber größtenteils gegen den Anfang unverändert. Zweitnotierungen hatten Demag mit 155,25 nach 155, Bemberg mit 156 nach 155, Rheinstahl mit 159,50 nach 159,25 und Westdeutsche Kaufhof mit 60 nach 59,75 (59,25). Von später notierten Werten lagen Hoesch fest mit 126,75 (125,75), auch Metallgesellschaft 0,75 v. H. köher mit 156,75, niedriger lagen Schuckert mit 178,25 (179) und Moenus Maschinen mit 125,50 (126). Am Einheitsmarkt gingen Kahlgrund weiter zurück auf 17 (19), das Angebot wurde aber voll abgenommen. Für Otavi Minen bestand weiteres Interesse. Am Rentenmarkt waren Schatzanweisungen des Reiches, der Reichsbahn und Reichspost, vermutlich zu Umtauschzwecken, weiter etwas angebo- ten. Goldpfandbriefe, Kommunal-Obligationen und Stadtanleihen lagen unverändert, Liquidations- Pfandbriefe bröckelten meist etwas ab, besonders Rheinische auf 101,50 (101,75). Frankfurt a. M. Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurs Schluß?. Abend- börse Schluß- kurs Schluß! Mittagbörse Schlußkurs Schluß!. Abend börse Schlußkurs Schluß!. Mittag. börie D uuw 26 8 27 8- 26 8 27.8 Datum 26-8 27 8 26 8 27 8 5% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 iy2% Deutsche Retchsschatzanwei- 101,65 99 99,3 99 105,25 100,25 100,6 99,65 127,75 136,75 99,5 101,25 98,5 134,25 99,75 98,5 101,5 101,75 111,1 127.75 91,75 127,75 212,5 l 118,25 124,5 105 101,65 99 99,25 99 105,13 100,25 100,5 99,65 127,65 136,75 99,5 99,5 98,5 134,4 99,75 98,5 101,4 101,5 111,1 127,5 91 127,5 213,5 118,4 124,5 105 101,65 99 99,3 99 105 100 25 100,4 99,65 127,8 99 65 98,75 134,6 99,75 101,7 111,2 127,65 45,75 88 91,75 127,5 213 135,5 118,25 124,5 105 101,65 99 99,25 99 105 100,4 99,65 127,75 134,5 99,75 101J 127,4 47 86,25 90,5 127,5 213,5 135,25 118,4 124,5 105 Accumulatoren-Fabrik....... 14 Aschaffenburg Zellstoff........6 Bemberg................ 0 Bekula............ 8 151,5 155,5 131,5 169 190,75 145 153,25 267 172 134 156,5 167,75 141,25 158,75 147,5 174,5 125,75 153,5 137 130,5 95,5 125,13 157 156 234 158,75 132.25 150,25 179 206 121 59,25 163 35,35 228 151 155,75 167,75 131,5 170 190,5 145,5 154 267 171,75 134 157 167,25 141 158,25 147,5 52 174.5 126,75 153 141,5 117 137,5 95,5 124,25 157,5 156,75 159,5 131,75 150,5 163 178 120,75 60,5 118 163 35,7 228,13 151,5 155,4 169 131,25 190,5 144,65 121 152,75 172,4 134,5 156,25 167,75 141 158,75 147,25 52,25 174,5 125,65 153.5 173 142 118,25 136,9 167,25 130,75 125 157,25 156,5 117,13 233,75 131,5 158,75 132 ISO,5 162,75 179 96 221 206,5 120,5 59,13 162,75 35.25 229 151,5 155,5 168,75 131,75 190,5 145,75 120,65 153,75 171,5 134 156,75 167,5 141 159 147,5 52,4 174,5 126,75 153,25 172 141,5 117 137,25 167,13 131,5 124.25 157,75 157 116.65 233 132 159,25 131,25 150,5 163 178,25 96,25 221 206,5 120,4 60,4 117,75 162,25 36 4’/2% Deutsche Reichsschatzanweisungen von 1935, II. Folge ... 4%°o Deutsche Reichsichatzanwei- sungen von 1936, III. Folge .. 5*/2% Young Anleihe von 1930 .. 4y2% Hessische Volksstaat von 1929 4y2% Deutsche Reichspostschatz von 1934 I...................... Buderus Eisen............... 5 Gement Heidelberg........... 7 Gement Karlstadt ............ 6 Gonti Gummi.............. 12 Daimler Motoren.......... 6y2 Desiauer Gas ............... 4 Deutsche Erdöl..............5 Deutsche Gold- und Silber .... 9 Deutsche Linoleum.......... 10 Elektrische Lieferungen........6 Elektrische Licht und Kraft.....7 I. G. Färben-Industrie.......7 Felten & Guilleaume.........6 Gesfürel.................... 7 Th. Goldschmidt............. 6 Gritzner Maschinen........... o Harpener................. 8’/. Hoesch Eisen............... 8yz Philipp Holzmann........... 8 Ilse Bergbau................6 4yt% Deutsche Reichsbahnschatz von 1936 I.................. Lberhesscn Provinz-Anlethe mit Auslos.-Rechten.... ......... 4y2% Hess. Landesbk. Darmstadt Goldpse. R. 12.............. sy2% Hess. Landes-Hyp.-Banl ßiqu. Goldpfe............... 4*/2% Preu«. Landespfdbr.-Anst. Goldpse R. 19 ....'.......... 4y2% Preuß. Gold-Komm. R. 20 4%% Darmstädter Komm.-Lan- desbankR. 6................ Kali Aschersleben............ 4 Klöcknerwerke .......... 4y2 Kokswerke und Chemische Fabrik 7 Lahmeyer .................. 6 Mainkraft................... 4 Mannesmann............. 4’/2 Mansselder Bergbau......... 7 Metallgelelljchaft............. 6 Crcmtein & Koppel..........0 Rheinische Braunkohle....... 12 Rheinische Elektro............ 6 Rheinstahlwerke.............. 6 Rheinisch-Westfälische Elektro .. 6 Rütgerswerke ............... 7 Salzdetfurth Kalt............ 6 Schuckert & Go.............. 7 Schultheis Patzenhofer........4 Siemens & Halske .......... 0 Süddeutsche Zucker.......... 10 Vereinigte Stahlwerke......4’/2 Westdeutsche Kaufhof.........0 Westeregeln Alkali............ 4 Zellstoff Waldhos............ 6 Ltavi Minen ............0,6 Deutsche Komm.-Sammel-Anleihe Auslos.-Rechte I.............. 4y2% Franks. Hyp. Goldvfe. R. 15 ty2% Franks. Hyp. Gold-Komm. Lbl. 2 3................... 5l/2% Franks. Hyp. Liquidation Goldpse..................... 6y2% Rheinische Hyp. Liquidation Goldpse..................... Steuergutschein-Verrechnungskurs Ä.G. für Verkehrswesen .... 6% Hamburg-Südam. Dampsschifs. 0 Hamburg-Amerika Paket......0 Norddeutscher Lloyd..........0 Deutsche Reichsbahn Borz.-Akt. 7 Reichsbank................. 12 Berliner Handelsgesellschaft 6y, Commerz- und Prival-Bank.. 5 Deutsche Diskonto............ 5 Dresdner Bank.............. 4 26 August 27-August Amtlich- Geic lviierune Br-e, Anill ch'-Nvliecuno Gelt Bnei Buenos Aires............. 0,749 0,753 0,749 0,753 Brüssel................... 41,90 41,98 41,92 42,00 Rio de Janeiro............ 0,163 0,165 0,163 0,165 Loten.................... 47,00 47,10 47,00 47,10 Kopenhagen............... 55,34 55,46 55,32 55,44 Danzig.................. 47,00 47,10 17,00 47,10 10.Z95 12,425 12,39 12,42 HelsingforS................ 5,485 5,495 5,48 5,49 Paris.................... 9,331 9,349 9,321 9,339 137.25 137,53 137,29 137,57 Italien................... 13,09 13,11 13,09 13,11 26 August '27 August Amtliche Nvlieruno Geir | Bn. f Ammche Notierung Geir | Bries Gießener Geschäfte von Ruf und Klang werben um Ihr Vertrauen SW A ■■ In 2 großen Etagen finden Sie in unserem Hause eine reichhaltige Auswahl in Büromöbeln und Büromaschinen. 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Schwierigster TeU der Rennstrecke in der „Poppenstruth". Kifapohainer Abfahrt . Q Bei Götzen. Von dem Beobachtungsturm aus ist ein großer Teil der Rennstrecke zu überschauen. radfahrer, die die Rennstrecke mit über 100 Kilometer Geschwindigkeit bewältigen wollen, ganze Kerle und Draufgänger sein müssen. Mansfeld fuhr beim letzten Rennen mit 125 Stundenkilometer die höchste Geschwindigkeit, die bisher bei „Rund um Schotten" gefahren wurde! Und nun ist die Bahn durch erhebliche Ueberhöhungen der Kurven und durch Verbreiterungen gar noch „schneller" geworden! So darf man beim Rennen „Rund um Schotten" (sofern das Wetter der großen Sache günstig ist) wieder außerordentliche sportliche Leistungen erwarten. Das Rennen gilt wieder als Meisterschaftslauf für Krafträder mit Seitenwagen. Und Kahrstehen, denn das Rennen ist auch „ihr" Rennen geworden. Hinter Rudingshain wird es dann „zünftiger". Steiler führt die Straße bergauf und geht jetzt in lebhaftere Kurven über. In der „Poppenftruth" (eine alte Flurbezeich- nung) wird das Können der Fahrer zum Aeu- ßersten herausgefordert, scharfe Kehren lösen sich mit einer fast zum Kreis vollendeten engen Kurve ab. Gegenüber den geraden Strecken muß hier die Geschwindigkeit steil abfallen. Da gilt es, alle Routine einzusetzen, wenn die Durchschnittsgeschwindigkeit nicht allzusehr gedrückt werden soll, lieber der Poppenftruth liegt der Wendepunkt, eine Haarnadelkurve,da,wo dieOber- 157 Meldungen für Hockenheim. Letzter Melsterschaflslauf der Solomaschinen. Am 5. September findet auf Deutschlands zweitschnellster Motorrad-Rennstrecke, dem Hockenheimer Ring unweit Mannheim, der letzte Laus der Deutschen Meisterschaft für Krafträder ohne Seitenwagen statt. 173 Meldungen liefen ein. 57 von Aus- weissahrern, 92 für den Titelkampf und 24 mit Gespannen. Nach dem großen Erfolg von Schleiz startet NSU. abermals in der 500-ccm-Klasse gegen BMW. und DKW. und bestreitet auch die 350=ccm= einen gewaltigen Fortschritt. Die Rekorde wurden wieder gesteigert, größer wurde die Zahl der Zuschauer. 1934 wurde die Talstrecke Schotten—Rudingshain wesentlich erweitert und in den Kurven berichtigt. 1935 wurde die Strecke Poppenstruth— Götzen—Schotten in Beton bzw Teerasphalt gelegt. In den Geraden wurde die Straße auf 5 bis 6 Meter erweitert, in den Kurven bis zu 8 Meter. Die Rennstrecke wurde vom Ortsemgang Rudingshain direkt durch am Schulhaus vorbei geführt. Die Stundengeschwindigkeit wurde bis 120 Kilometer erhöht (von anfänglich 70 Kilometer). mann (Fulda), der Treuesten einer, der bisher noch bei jedem Rennen dabei war, startet auch diesmal wieder. Deutschlands Elite des Motorradsports wird sich wieder in Schotten einfinden. Die Organisation und ganze Verantwortung für das Rennen liegt bei der Motorgruppe Hessen des NSKK. 1000 Kameraden der Motorstandarte 147 Gießen werden den Strecken- und Ordnungsdienst versehen. Zehntausende Volksgenossen werden begeistert, ja fasziniert, die Rennen verfolgen und die Fahrer mit besten Wünschen begleiten. N. Geschichtliches von,Rund um Schotten' Am 13. September 1925 wurde zum ersten Male das Rennen „Rund um Schotten" dank der großen Sportbegeisterung und der Unternehmungslust einiger Motörsportkameraden, wie Willi Engler (der Begründer des Rennens), Eduard Staffel, Dr. Karl Schott u. a. durchgeführt. Der bekannte Motormeister in den schweren Seitenwagenrennen Hans Kahrmann (Fulda) fuhr damals schon zum ersten Mal und seitdem sämtliche Rennen mit. Sieger war Dr. Schott, den besten Rundendurchschnitt fuhr Krämer (Friedberg) mit 14,4 Minuten (zirka 70 Kilometer Stundengeschwindigkeit). Auf der einfachen, holperigen Landstraße wurden diese Rennen, die von Jahr zu Jahr an Teilnehmern und Besuchern zunahmen, gefahren. Die Rekorde besserten sich, 1927 fuhr Kratz (Ober-Ohmen) Klasse. Die Auto-Union ist mit ihren DKW. in der 250-ccw-Klasse und in der großen Seitenwagenklasse vertreten, in der kleinen starten nur Prioat- fahrer. „KdF/'-Sonderzüge zum Rennen: „Rund um Schotten". NSG. Zu dem Rennen „Rund um Schotten" läßt die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" am 19. September aus allen Kreisen unseres Gaues Sonderzüge nach Schotten verkehren. Auskunft erteilen alle Kreisdienststellen. Gegen den Anfangszustand ist die Rennstrecke nicht wiederzuerkennen, und auch in diesem Jahr ist die Strecke durch erhebliche Geldmittel wieder ganz bedeutend verbessert worden Die Talstrecke Schotten—Rudingshain bis zur Höhe der Poppenstruth ist in den Kurven Überhöht, betoniert und in einen glänzenden Zustand versetzt worden, so daß bei dem diesjährigen Rennen aus den Maschinen die allergrößten Geschwindigkeiten herausgeholt und die früheren Rekorde sämtlich Überboten werden können. Schotten, „der kleine Nürburgring" — diesen Namen verdient die landschaftlich schöne und sportlich so interessante Strecke mit vollem Recht. M. Es dauert nun nicht mehr lange, dann wird der Name des kleinen und freundlichen Vogelsbergstädtchens Schotten wiederum für einige Zeit in aller Munde fein. Die Motorsport-Begeisterten in ganz Deutschland, und wohl auch darüber hinaus, werden im Geiste in Schatten sein, sofern sie nicht in Wirklichkeit dabei sein können. Das Rennen „Rund u m S ch o 11 e n" hat guten Klang in der Welt des Kraftfahrsportes und nun auch eine zehnjährige Tradition. Noch wenige Wochen, dann knattern die Motoren in den engen Straßen und Gaffen des Städtchens, stauen sich die Kraftwagen auf den Plätzen und fluten Menschenmassen auf und ab — bis die Startschüsse donnern und die Zuschauer — in Bann gehalten von einer Schlacht der Motoren — die Rennstrecke umsäumen. * Gegenwärtig aber herrscht noch kleinstädtische Stille in Schotten. Das Leben geht in der Stadt feinen üblichen Gang. Kinder spielen mit Reifen und Roller auf dem herrlichen Betonplan am Startplatz und niemand verjagt sie. Gemächlich fahren die Bauern mit ihren kleinen und tüchtigen, rotbraunen Vogelsberger Kühen ihre Grummetwaldstraße zum Hoherodskopf führt. Von dort aus fällt dann die Straße mit Ausnahme einiger kurzer Strecken, die flach in der Landschaft liegen, entlang der Feldkrücker Höhe bis fast nach Schotten hinein. 330 Meter beträgt der Höhenunterschied von der Haarnadelkurve der Kehre bis zum Startplatz. Eine erkleckliche Differenz, die kaum eine andere deutsche Rundstrecke aufweist! In weiten Kurven führt nun die Straße zu Tal. Immer wieder gibt der Wald den Ausblick frei über Täler und Höhen, auf die Büsche und Bäume, die — das ist für den Vogelsberg ja besonders charakteristisch — wie auf Terrassen in losen und unregelmäßigen Gruppen im Weideland stehen. Bald wird man Götzen erreicht haben, das Dörfchen, das von der Rennstrecke eigentlich nur gestreift wird, und dann fällt die Straße steiler in das Schottener Tal. Am Kreuz, dicht oberhalb von Schotten (am Wasserbehälter), werden die Fahrer noch einmal zu äußerster Konzentration herausgefordert und dann noch einmal (und immer wieder während vieler Runden) in der Haarnadelkurve des Startplatzes selbst. Wer die Strecke auch nur einmal (und vielleicht recht gemütlich) abgefahren hat, wird ohne weiteres erkennen, daß die Motorden besten Rundendurch- schnitt mit 12,13 Minuten = 84 Kilometer, 1929 Gall (München) mit 11,52 Min. = zirka 90 Kilometer. Die Geschwindigkeiten fliegen von Jahr zu Jahr. Noch keine wesentliche Verbesserung war an der Rennstrecke erfolgt. Veranlaßt durch die vielen Unglücks- fälle verbot im Jahre 1929 Preußen die Straßenrennen. Die hessische Regierung genehmigte trotzdem das Rennen .Rund um Schotten". Man sah in der hessischen Staats-, in der Provin- zialverwaltung und im Kreis die überragende Bedeutung ein, die dieses große Rennen nicht nur für die Stadt Schotten, sondern für die ganze Provinz besaß. Daher entschloß man sich auch zur Verbesserung und Verbreiterung der Rennstrecke. Provinz, Kreis, Stadt, Staat leisteten bereitwillig Zuschüsse. Auch der frühere Motorradclub Schotten brachte erhebliche Opfer für Verbesserung der Strecke. So wurde das Rennen in der großen internationalen Sportwelt immer bekannter. Alle Rennfahrer mit Namen fuhren über die Strecke. 1930 wurde Schotten zum Meisterschaftslauf für alle Klassen ausgeschrieben. Der EngländerBul- l u s steigerte den Streb kenrekord auf 102,44 km/st, der dann noch von R ü 11 ch e n unterboten wurde. Nun kam der großzügige Umbau der Strecke. Das Rennen zu Pfingsten Weiden und Wälder — das landschaftliche des Vogelsbergs. labungen ein. Es freuen sich die Langholzfahrer über die glatte Fahrt, die ihnen von den Wäldern, vom Hoherodskopf und der Feldkrücker Höhe her über die Oberwaldstraße und die Rennstrecke möglich ist. Ihre Pferde gehen federnden Schrittes, denn hinauf geht es immer leicht mit leichtem Wagen und herab rollt die Fuhre ja fast von selbst. Viel Holz geht aus den Wäldern des Hohen Vogelsberges über die großartige Straße nach dem Sägewerk in Nidda. Vom Holztransport her gesehen ist also die Rennstrecke fast das ganze Jahr über von hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Selbstverständlich freuen sich auch die Bauern für ihre Tiere über die glatte Fahrt. Sv ist der 16,5 Kilometer lange Betonring der Rennstrecke nicht nur hineingewachsen in eine Landschaft, sondern auch — man darf es wohl ohne Uebertreibung und in übertragenem Sinne sagen — in die Herzen der Menschen. Vogelsberg und Rennstrecke sind ein Begriff geworden. Es ist schon ein Vergnügen, die Rennstrecke, über die nun bald die besten Motorradfahrer Deutschlands hinwegbrausen werden, einmal bewußt und genau kennen zu lernen. Im Auto die Rennstrecke abzufahren ist Kinderspiel, mit dem Motorrad in die Kurven zu gehen (mit so und so viel „Sachen") ist ein Vergnügen, das nur der Motorradfahrer aus Passion ganz zu schätzen wissen wird; für den Radfahrer wäre die Hälfte der Strecke eine Anstrengung, die andere Hälfte aber auch ein Vergnügen, denn in einem Falle geht es ja bestimmt zügig bergab. Lediglich der Fußgänger käme nicht ganz auf seine Rechnung, er müßte sich denn besonders an die Genüsse des Ausblicks auf die herrliche Landschaft halten. Zweckmäßig würde man zu einer solchen Rundfahrt dort starten, wo sich sonst an Werk- und Sonntagen immer um die gleichen Stunden die Milchwagen aus der ganzen Umgebung ein Stelldichein geben: an der Molkerei Schotten! Denn dort ist der Startplatz. Von dort aus jagen am 19. September die Motorradfahrer wie ein wildes Heer los, und das Geheul der Kompressoren wird bann wie ein Sturm die Luft erzittern lassen. Sanft ansteigend und zunächst ziemlich gerade führt die Rennstrecke nach Rudingshain zu. Rudingshain! Kleines bescheidenes Dörfchen, dem auch feine Lage an der Rennstrecke kaum je ein anderes Gepräge geben wird! Vielleicht gibt es dort nicht einmal eine Tankstelle! Aber für die Rennfahrer ist der Name des Dorfes doch eine Realität, denn dort gilt es zuerst alle Geschicklichkeit zu beweisen. In mehreren Kurven zieht sich die Betonstraße an Bauerngärten und -Häusern vorbei. Von einer leichten Anhöhe aus grüßt das schlichte Türmchen der Kirche. (Sonnenblumen nicken über die Gartenzäune. Die Bauern werden mit Frau und Kind an der Straße unter den Zuschauern ***** Rsnjistrecfai Straße U |2 Parkplatz T1" Swutäter Wandern und Reisen • Bäder und Sommerfrischen Wanderfahrten. Gießen — Heuchelheimer Mühle — Kinzenbacher Mühle, Rodheim — Fellingshausen — Düns- berg — Bieber. Ein schöner, aber wenig bekannter Anmarsch zum Dünsberg, der jedoch nur für die kühlere Jahreszeit geeignet ist, ist der folgende: Wir gehen auf bekannten Wegen zur Heuchelheimer Mühle. Kurz hinter dem Anwesen, auf der Straße nach Kinzenbach zu, zweigt nach rechts ein Feldweg ab, der an der Bieber entlang, später durch eine Bahnunterführung bis zur idyllisch gelegenen Kinzenbacher Mühle geht. Wir halten uns von da zunächst links, um uns beim nächsten Feldweg wieder rechts zu wenden. Späterhin eine Straße überschreitend, führt unser Weg über hügeliges Gelände, immer hübsche Ausblicke gewährend, kurz vor dem malerisch gelegenen 5)0fgut Schmitte auf die Landstraße und alsbald zur Rast nach Rodbeim. Wir verfolgen jetzt die Straße, die nach Vetzberg geht, biegen jedoch beim ersten Weg links ab und kommen nach kurzer Zeit durch das Vetzberger Wäldchen nach Fellingshausen. hier treffen wir rote Striche, die uns in mäßigem Anstieg hinauf zum Dünsberg führen. Nach einer Erholungspause, bei der wir auch die prachtvolle Aussicht vom Turm bewundern, steigen wir abwärts über drei Ringwälle, schwarzen Punkten nach, nach unserem Endziel Bieber. Wanderzeit: 5 Stunden. Nassau — Adolfshöhe — Homberg — Dausenau — Bad Ems. Mit dem Frühzuge fahren wir in dem schönen Lahntal abwärts bis Nassau (Sonntagskarte Ems), dem lieblichen Lahnstädtchen mit mehrere mittelalterlichen Bauten. Nach Besichtigung des Denkmals des Freiherrn vom Stein und der Burgruine Stein wandern wir gelben Strichen nach Über die Adolfs- Höhe mit hübscher Aussicht zu dem Dörfchen Hörn- berg. Von hier leiten uns rote Punkte immer durch Wald nach Dausenau, einem altertümlichen Dorf mit wohlerhaltenem, schiefem Befestigungsturm. Teils durch Feld, teils durch Wald führt uns jetzt der Lahnhöhenweg „L" nach dem 263 Meter hoch gelegenen Konkordiaturm, wo sich uns ein prachtvoller Blick in das Lahntal und auf Ems bietet. Bald erreichen wir über die Heinzelmännchenhöhlen und das Kriegerdenkmal, sowie an einigen Schutzhütten vorüber unser Endziel, das reizend gelegene Bad Ems, wo wir noch vor der Heimfahrt die vielen Sehenswürdigkeiten in Augenschein nehmen. Wanderzeit vier Stunden. Ehrenrettung der Nachsaison. Bei allem sinnvollen Walten, das im Naturgeschehen vorhanden ist, wird immer jene Rechnung fehlgehen, die sich bei der Behandlung physikalischer Fragen an starre Formeln hält und die Gesetze der Erfahrungslehre anwenden will. Die Natur kennt keinen enggefaßten kalendarischen Verlauf ihrer einzelnen Stadien, wie ihn die Menschen in den Wochen, Monaten und Zeiten des Jahres eingeführt haben, sondern sie hält sich nur an die große Linie. Und daher ist es falsch, die Jahreszeit des Sömmers nach astronomischen Ueberlegungen aufzuteilen, indem man sie am 21. Juni beginnen und om 23. September enden läßt. Auch ist es nicht angebracht, die aus wissenschaftlich-statistischen Gründen gewählte meteorologische Jahreszeitenrechnung zur Richtlinie zu nehmen, nach der unser Sommer am 1. Juni einsetzt und bis zum 31. August währt. In keinem Jahre wird die sommerliche Natur, worunter besonders das atmosphärische und wetter- mäßige Geschehen um uns zu verstehen ist, sich in derartige zeitliche Fesseln legen lassen. Wenn wir jetzt den Höhepunkt des Sommers verzeichnen und die ersten Blätter fallen sehen, wenn wir die früher dunkelnden Abende bemerken und mitunter kühle Winde registrieren, so ist das noch kein Abschied des Sommers und kein Ende der „Saison". Die warme Jahreszeit währt bei uns mindestens bis zum Oktoberanfang. Auch in dem Fall, daß das eine oder andere Jahr einen sogenannten frühen Herbst bringt, indem nach Septembermitte schon Regen, Abkühlung und Stürme vorwiegen, können wir nur eine Bestäti- aung der Regel vom langen Sommer erblicken. Außerdem gibt es auch in derartigen frühen Herbstperioden in Mitteleuropa noch zahlreiche klimatisch begünstigte Landstriche, die auf die herbstlichen Ungezogenheiten gar nicht reagieren. So heißt es beispielsweise von der Saison an der See, daß sie spätestens am 10. September beendet sei. Diese Terminisierung könnte insofern zu Recht bestehen, als frühe Dunkelheit und regen- schwere Winde sich im Septemberanfang an der Nord- und Ostsee viel unfreundlicher auswirken als im Landinnern. Im übrigen bringt aber gerade die Nachsaison, die Zeit von Ende August bis über Septembermitte hinaus die schönsten Badegelegenheiten, da um diese Zeit namentlich das Nordseewasser seine höchst^ Wärme erreicht hat. Das Meerwasser verzeichnet in unseren Breiten Ende August — Anfang September erst die Auswirkungen der starken Sonnenstrahlen von Juni und Juli. Es kann im September vorkommen, daß die Lufttemperatur morgens an der Nordsee erheblich niedriger ist als die Wassertemperatur. Da nun der September der Nord- und Ostsee noch eine Tagesmitteltemperatur von rund 15 Grad aufweist, ergibt sich für die Hauptbadezeiten von 11 bis 16 Uhr eine normale Lufttemperatur im Schatten von 18 bis 22 Grad. Kann man sich eine idealere Temperatur denken, als dieses Verhältnis zur Wasserwärme, die sich um 14 bis 17 Grad je nach der Entfernung von der Küste bewegt? Da außerdem der September im wesentlichen em ausgesprochener Schönwettermonat in unserer mitteleuropäischen Klimazone darstellt, ergeben sich für die Nord- und Ostsee im September noch zahlreiche ideale Tage, die leider oft genug einen menschenleeren Strand und verödete Sommerfrischen vorfinden, da der Erholungsreisende im allgemeinen annimmt, daß mit dem Septemberbeginn die Saison an der See abgeschlossen sei. Aehnlich falsche Anschauungen bestehen auch in sommerklimatischer Hinsicht vom Landinnern. Dorweggenommen sei, daß im mitteleuropäischen Landklima die sommerliche Temperatur und Wetterform in jedem Jahre bis zum 20. September währt. Bis zu diesem Datum ist, abgesehen von gelegentlichen Schlechtwettereinbrüchen mit Abkühlung, wie sie auch im Juni und Juli eintreten, im Landinnern mit absolut sommerlicher Durchschnittswärme zu rechnen. Diese steigert sich zu mittäglichen Hitze- werten von 25 bis 33 Grad, und es hat beispielsweise in diesem Jahrhundert schon vier Sommer gegeben, die erst im September die höchsten Temperaturen brachten. Abgesehen von ausgesprochenen Gebirgslagen wie dem Oberharz, den Kammlinien des Thüringer Waldes, des Fichtelgebirges, des Riesengebirges, Schwarzwaldes und der oberbayerischen Alpen sind bis Mitte September auch die bekannten deutschen Höhenluftkurorte bedenkenlos als Nachsaisonaufenthalt zu empfehlen. Man wird bei einem Versuch die Feststellung machen, daß der Verlauf des äußeren Wetters m Verbindung mit der gemäßigten Wärme und den angenehm lauen, dämmerigen Abenden weit angenehmer ist, als die Guthitze des Mittsommers. Wer als Wanderfreund einen Späturlaub genießen will, kann sich gar keine günstigere Zeit aussuchen, als den September. Nicht zuletzt gilt es, zu berücksichtigen, daß der Spätsommer in seinem allmählichen Uebergang zur herbstlichen Vegetation und Flora ein Farbenspiel in der deutschen Wald natur erzeugt, das man viel zu wenig beachtet und das den meisten Menschen versagt bleibt, weil sie um diese Spätsommerperiode schon wieder an ihrer Arbeitsstelle weilen. Sie glaubten, der deutsche Sommer sei im August beendet und die Natur wüßte nichts mehr zu vergeben. Diele würden ihren Urlaub aus der Gluthitze des Juli in den September verlegen, wenn sie wüßten, welch herrliche Wahrheit unter dem Wort „Der Sommer stirbt in Schönheit" verborgen ist. Aber auch Anfang Oktober verläßt der Sommer noch feinesroegs die deutschen Gaue. Sicherlich: auf den Bergen lösen ihn kalte Stürme ab, über die Ebene Norddeutschlands brausen immer häufiger kalte Regenschauer, aber in Mittel- und Südwestdeutschland behauptet der sterbende Sommer seine Hoheitsgebiete für sich. Der gesamte Rhein-Maingau und die schönen Täler des Rheinflußsystems, die langgestreckte Berg st raße wie überhaupt der größere Teil Südwestdeutschlands bis zum Bodensee hinauf bilden gewissermaßen den nordwärts vorgestreckten Ausläufer der italienischen und südfranzösischen Rivierazone, sofern man die klimatischen Verhältnisse in Anwendung bringen will. Der Ruhebedürftige, dem es auf linde Lüfte und milde Sonne ankommt, findet in diesen Gegenden Deutschlands wahre Paradiese spätsommerlich-frühherbstlicher Pracht. Nicht umsonst können die Weltbäder Südwestdeutschlands ihre Saison den ganzen September fortsetzen und beinahe auf Julihöhe halten. Drum, lieber Leser, laß dich nicht von den ersten fallenden Blättern, von den früher dunkelnden Abenden und manchmal kühl wehenden Winden täuschen. Noch längst nicht ist der Sommer vorbei, und wochenlang lockt die Nachsaison mit buntfarbigen Überraschungen. Festlicher Herbst in Deutschland. Jetzt kommt die Zeit der frohen Feste! Von Or. Georg Böse. RDV. Wenn die letzten Garben von den Feldern eingefahren werden, neigt sich der Hochsommer allmählich hinüber in den Herbst. Wo entfaltet er sich so schön wie an den Hängen der bayerischen Berge, in den Buchenwäldern Mecklenburgs, in Ostpreußen ober in den Tälern des Rheins und des Neckars, wenn die Trauben zur letzten Ernte reifen. Wir erleben den Segen der Erde, die Freude der Menschen über den Erfolg mühseliger Arbeit während langer Monate draußen auf den Feldern. Wenn die Winzer sich noch zur Lese rüsten, hat der Landmann seine Ernte meist schon unter Dach und Fach gebracht. Er darf ein wenig Atem holen. Saure Wochen — frohe Feste! Jetzt kommt die Zeit der Jahrmärkte, der Kirchweih und Kirmes, der Schützenfeste und Volksbelustigungen. Wer Deutschland wirklich kennenlernen will, sollte sich auch einmal einen Tag, einen Abend Zeit nehmen für eins der alten Volksfeste, die es nicht nur auf dem Lande, sondern auch noch in manchen Städten gibt. Fangen wir einmal in Worms an. Die schöne Nibelungenstadt feiert vom 28. August bis aum 5. September ihr Backfischfest. Nun hat dieses große Volksfest nichts mit den jungen Mädchen zwischen 14 und 17 zu tun, (obwohl die tüchtig mitmachen!) sondern es gilt den wirklichen Fischen, die man in Worms besonders schmackhaft zuzubereiten versteht. Ursprünglich fand um diese Jahreszeit ein „Fischertag" statt, meistens am Bar- tholomäustag. Die Gewässer wurden bann zum Reinigen und zum Ausbessern der Ufer abgelassen. An dem damit verbundenen „Ausfischen" durfte sich jeder, auch ohne Fischereiberechtigung, beteiligen. Schon früh war dieses „Ausfischen" oder „Auflassen" mit Ulk und Spaß verbunden. Es ist im Laufe der Jahrhunderte zu einem der schön ten Volksfeste geworden, an dem man sich gegen eitig Fische schenkt, zum Teil echte, zum Teil in Zuckerwerk ober Gebäck nachgebildete. Wollen wir einmal erfahren, was ein Schäferlauf ist, so müssen wir uns rechtzeitig zum 12. September nach Heidenheim im Württem- bergischen begeben. Im Mittelpunkt des Festes, das an alte Zunftbräuche der Schäfer anknüpft, steht der Hammelsprung; denn die Sieger erhalten einen Hammel zum Geschenk. Schon einen Tag vorher, am 11. September, hat Bad Dürkheim in der Rheinpfalz seinen Wurst markt eröffnet, der bis zum 19. September dauert. Dieses größte Weinfest Deutschlands hat nahezu Weltberühmtheit erlangt, und es gibt viele Pfälzer, die allen Ernstes behaupten, das Leben ohne Dürkheimer Wurstmarkt fei ein Irrtum. Tag und Nacht herrscht hier Hochbetrieb an den charakteristischen Weinständen der kleinen Winzer, den sogenannten Schubkärchlern, in den Riesenweinzelten ober in bem großen Vergnügungspark. Eine befonbere Sehenswürbigkeit ist bas „größte Faß ber Welt", eine Naturweinschenke, bie fünfhunbert Personen faßt unb achtmal so groß ist wie bas bekannte Heibelberger Faß. — Jetzt roanbern wir weiter norbroärts zum schönen Münster, ber alten westfälischen Stabt. Am 17. September feiern bie Kinder bort bas Lambertus- f e ft, ursprünglich rooljl ein altgermanisches Sonnenkultfest. Abenbs entzünben bie Kinber ihre buntgeschmückten Lichterpyramiben auf ben Straßen unb umtanzen sie, währenb die alten Lambertus- lieber gesungen werben. Für viele Orte Deutsch- lanbs gehören Herbst unb „Laternengehen" zusammen, besonders im Norbwesten. Um bie Abend- bämmerung tauchen in ben Septembertagen auf ben Straßen Kinberzüge mit Laternen auf. „Laterne, Laterne! Sonne, Monb unb Sterne..." singen sie mit luftigen plattbeutschen Reimen von „be Olsch mit be Lücht" unb anberem. Im Württem- bergischen feiern bie Schwaben vom 18. bis 27. September bas Cannstatter Volksfest, bas so volkstümlich ist, baß es von schwäbischen Ausrvan- berern sogar in die neue Heimat jenseits ber Weltmeere verpflanzt worben ist. In ben Weinbau- gegenben ist ber September schon erfüllt von ber lärmenben Freube der Weinlesefeste unb bem bunten Farbenspiel ber Winzerfestzüge. Fast jeber Ort am Rhein, an ber Mosel, am Main unb an ber Nabe hat fein Winzerfest. Wer Bayern kennenlernen will, bars natürlich nicht am O k t o b e r fest in München (25. September bis 10. Oktober) vorübergehen. Auf ber Oktoberwiese feiert bas Münchner Herz seine großen Triumphe. Die Wies'n hat für alle Temperamente etwas, für alle Geschmäcker vor allem. Wie schön buften bie Steckerifisch bei der Fischer-Vroni, und auch die Weißwürschk haben's in sich. Die Ochsenbraterei unb die Hühnerbraterei wetteifern um bie Gunst ber Lebenskünstler, bie sich hier wie im Schlaraffenlanb Vorkommen müssen. Es ist kein Wunber, daß die riesigen Bierzelte bis auf ben letzten Platz gefüllt finb. Vom 11. bis 17. Oktober wollen wir an bem historischen ß u H u s f e ft in Bab Hersfeld teilnehmen. Lullus, ein Schüler bes Bonifatius, gilt als ber eigentliche Grünber Hersfelbs. Das Lullus- feuer, bas auch heute noch alljährlich am Montag ber Festwoche entzünbet wirb, geht wohl auf die Wachtfeuer der mittelalterlichen Wallfahrer zurück, bie hier im Kloster zusammenströmten; unb in bem Ruf „Bruber Lolls" lebt ber alte Gruß ber Pilger fort. Drei Tage unb brei Nächte brennt bas Feuer; am Donnerstagabenb macht ber Feuermeister am glimmenben Holzstoß von feiner Lollsfreiheit ausgiebig Gebrauch, hechelt bie Ereignisse bes Jahres burch unb verschont auch bie roürbigen Stabtväter nicht mit seinem harmlosen Spott. Am zünftigsten beschließen wir unsere Herbst- roanberung in ber fröhlichen Pfalz. In Billigheim ist am 19. Oktober ber weitbekannte Purzelmarkt. Die Bezeichnung stammt von den Purzel- baumvorführungen der Kinder auf ber Festwiese. Neben Sacklaufen, Wurstschnappen, Ringstechen, Stangenklettern unb Wettlauf mit vollen Wasser- fübeln spielt bie Vorführung alter Volkstänze eine Hauptrolle. Die Burschen tragen lange schwarze Hosen, Spenzer unb Kamisol sowie als Kopf- bebecfung ben Dreispitz („Nebelspalter"), bie Mäd- chen Röcke mit bunten Schürzen unb Busentuch, auf bem Kopf das „Nebelkäppchen". Wer jetzt burch Deutschland wandert, burch feinen festlichen Herbst, zu bem Natur unb Menschen sich fröhlich schmücken, ber wirb angesteckt von bieser Heiterkeit, wenn er nicht ein unverbesserlicher Griesgram ist! Spätsommerfahrten in Südwestdeutschland. Als Neuerung bringt ber Lanbesfrernbenverkehrs- oerbanb Baben Vorschläge für freizügige Einzelpauschalreisen, die ben Vorteil ber ermäßigten Runbreisekarten mit ben vielseitigen Vergünstigungen ber neu eingeführten MER.-Hotel- scheine verbinden. Das neue Reisesystem ermöglicht zum voraus einen Ueb erb lick über die Gesamt- kosten. Dabei bleibt die Freizügigkeit bes Reisenben voll erhalten. Innerhalb ber gewählten Runbreise- strecke ist bie Auswahl ber Orte und die Dauer des Aufenthaltes dem Reisenden überlassen; bas während ber Reise mitzuführenbe Bargeld wirb auf ein Minimum beschränkt. Auch bie Hotelauswahl wirb burch bie wahlfreie Benützung der verschiebe- nen Hotelpreisgruppen wesentlich erleichtert. Die Preise ber Hotelscheine beginnen mit 4,50 Mark täglich. Jeber Hotelschein umfaßt Uebernachtung mit Frühstück, ferner eine Hauptmahlzeit unb Bebie- nungsgelbablöfung. Das Motto „Sorglos reifen zu billigen Preisen" finbet baher feine Berechtigung. Die vorgeschlagenen Reisen führen burch die schönsten Teile Sübweftbeutschlanbs, bie bank ber klimatisch günstigen Verhältnisse gerabe im Spätsommer unb Herbst genußreiche Fahrten versprechen. Ausbau der Straßen im Belchengebiet. Der Ausbau der Belchenhochstraße als Verbin- bung zwischen Multen (Belchen) unb ber Paßstraße ^Siebener Eck ist nun sichergestellt. Zunächst wirb mit ber Teilstrecke Wiebener Eck—Lückle beaonnen, man hofft, baß auch bie zweite Hälfte Lückle— Multen bis zum Hochsommer nächsten Jahres voll- enbet werben kann. Die neue Autostraße liegt beim Lückle 1155 Meter hoch, also in Höhe ber Hornis- grinbe; burchschnittlich verläuft bie Linie in etwa 1100 Meter Höhe. Mit ber Dollenbung bieser Straße wird ber Autoverkehr im Belchengebiet, bas zu ben schönsten Teilen bes Schwarzwalbes gehört, eine große Erleichterung erfahren. Bisher konnte ber Belchen, mit 1416 Meter Höhe ber zweithöchste Berg bes Schwarzwalbes, im Kraftwagen nur von Schönau aus erreicht werben. Als weitere Verbesserung bes Frembenoerkehrs wirb bie Führung birefter Postkraftwagenlinien: Freiburg—Staufen —Münstertal—Wiebener Eck—Belchen unb Schönau, sowie von Runbfahrlinien: Schönau—Belchen- Multen—Wiebener Eck—Schönau unb umgekehrt angestrebt, ebenso eine Ausgestaltung ber Postkraft- wagenanschlüsse an bie nach bem Belchengebiet führende Nebenbahn Krozingen—Staufen—Unter» münstertal. Das Museum im Bahnhof. Bei Neu- unb Umbauten von Bahnhofs-Ernp- fangsgebäuben ist bie Reichsbahn neuerbings bestrebt, burch bilbnerischen Schmuck in ber Vorhalle ober ben Warteräumen ber Bahnhöfe bieten ,/Stabt» toren ber Neuzeit" eine geistig-künstlerische Verbindung mit ber lanbschaftlichen, geschichtlichen ober baulichen Eigenart bes Ortes ober ber Gegenb zu schaffen unb bamit zugleich für bie Heimat zu werben. Wie auch in einem alten Bahnhof ohne Umbau unb Aufwanb großer Mittel biesen Bestrebungen gebient werben kann, zeigt ein Beispiel von Alzey. Diese alte Stabt, bie Heimat bes ritterlichen Fieblers Volker aus bem Nibelungenlieb, besitzt ein Heimatmuseum mit reichen Schätzen aus ber frühgeschichtlichen unb römischen Zeit sowie gewerblichen Erzeugnissen ber Gegenwart. Um auf bie Sammlungen aufmerksam zu machen unb Interesse für bie alte Stadt überhaupt zu wecken, wurden im Wartesaal 2. Klasse in einem Ausstellungsschrank, der selbst ein Stück schöner heimischer .fianbroerFsarbeit ist, einige Sammelstücke aus bem Museum ausgestellt. Geld richtig verwahren? Die sommerliche Reiserei, die sich jetzt ihrem Ende zuneigt, hat mieber einmal gezeigt, baß zahlreiche Erholungssuchenbe bei ber Aufbewahrung von Gelb unb Gelbeswert unvorsichtig zu Werke gehen. Immer noch gibt es Volksgenossen, bie glauben, baß ihr Gelb währenb ber Reise ober sonstiger Abwesenheit im Schrank, im Bett, in alten Kleibungsstücken, ja sogar im Keller ober Stall am besten ausgehoben ist. Nur zu oft wirb berartiger Leichtsinn hart genug bestraft, wenn bie mühsam gesparten, aber falsch verwahrten Beträge nach ber Rückkehr von einer Reise spurlos verschwunben finb. Erfreulicherweise verbreitet sich bie Erkenntnis zunehmenb mehr, baß Ersparnisse in ein berufenes Gelbinstitut gehören. Auch auf bie Reise selbst braucht man bekanntlich Bargelb in größeren Beträgen nicht mehr mitzunehmen. Zweckmäßiger ist es, sich einen Reise- frebitbrief ausfteUen zu lassen. Wer sich berartiger Einrichtungen bebient, erspart sich unb ben Seinen manchen Kummer unb manche herbe Enttäuschung. 2. Rhem-Mainischer Winzertag. Lpb. Mainz, 27. Aug. Der vom 4. bis 7. September in Mainz ftattfinbenbe 2. Rhein-Mar- nische Winzertag, cerbunben mit ber G a u- ausftellung „Rhein unb Wein" (4. bis 12. September), wirb am 4. September, 14 Uhr, durch ben Gauleiter ober besten Stellvertreter im Akabemiesaal bes Kurfürstlichen Schlosses eröffnet. Anschließend finbet ein Runbgang burch bie Ausstellung „Rhein unb Wein" statt. Zuvor tagt ber ßanbesbauernrat, wobei Stabshauptabteilungsleiter SS. - Stanbartenführer Dr. Kinkelin über „Der Freiheitskampf des beutschen Bauerntums" sprechen wird. Um 16 Uhr beginnt ber Weinwarkt in ber Stabthalle unb auf bem Adolf-Hitler-Platz, während der Beginn des „W e i n f e ft e s auf bem Liebfrauenplatz" auf 19 Uhr festgesetzt ist. Um 20.15 Uhr beschließt die Aufführung bes FestspieIs „Sprung aus bem Alltag" von H. Zerkauten die Veranstaltungsfolge. Für den 5. September ist für 11 Uhr eine große Qualitätsweinprobe im Rheingoldsaal ber Stabthalle vorgesehen. Um 18 Uhr finbet eine Wieberholung bes Weinfestes mit Darbietungen von Winzern und Winzerinnengruppen statt. Rundsunkprogramm. Sonntag, 29. August. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Deutsche Scholle. 8.45: Morgenmusik. 9: Christliche Morgenfeier. 9.45: Ehre ist raffegebunben. 10: Wer zuchtlos ist, wirb niemals auf bie Dauer Führer fein. 10.30: Chorgesang. 11.15: „Du, meine rote Heibe." Funkfolge aus Dichtungen von Hermann Löns, Felicitas Rose, Theobor Storm, Hermann Claubius, Lubwig Hebolb unb Liebern von Hermann Löns. 12: Musik am Mittag. 14: Für unsere Kinber. 14.30: Vom tiefen bis zum 5’=C. 15: Deutsche Scholle. 16: Nachmittagskonzert. 17 bis 17.15: Sportereignisse bes Sonntags. 18: Fünf vom Kabarett. 19.45: Sportspiegel bes Sonntags. 20: Orchesterkonzert. 22: Nachrichten. 22.15: Sportbericht. 22.30: Wir bitten zum Tanz. 24 bis 1: Nachtkonzert. Montag, 30. August. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 9.30: Nachrichten. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Deutsche Scholle. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten, auch offene Stellen. 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei von zwei bis brei. 15: Volk unb Wirtschaft. 15.15: Für unsere Kinber. 16: Fröhlicher Melobiereigen zum Nachmittag. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Stuttgart spielt auf. 20: Nachrichten. 20.10: Stuttgart spielt auf. 21.15: Brahms-Konzert. 22: Nachrichten. 22.30: Nachtmusik unb Tanz. 24 bis 1: Nachtmusik. Dienstag, 31. August. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 10.45: Sportfunk für bie Jugenb. 11.40: Deutsche Scholle. 12: Aus ber Firma Schunk & Ebe, Gießen- Heuchelheim: Werkskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Zeitangabe, Nachrichten. 14.10: Herbst-Entrümpelung in ber Wunschkiste. 15: Volk unb Wirtschaft. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Aufforderung zum Tanz. 20: Nachrichten. 20.10: Opernabend. Deutsche Romantiker. 22: Nachrichten (auch aus bem Sendebezirk). 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 1: Nachtmusik. Musik ber Völker. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten finb ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung ) G. 100. Ist mit einem Zeitschriftenverlag ein Vertrag auf Lieferung einer Zeitschrift für eine bestimmte Dauer abgeschlossen worden, so kann der Zeitschriftenverlag auf Erfüllung der dem Besteller auf Grund der vertraglichen Abmachungen obliegenden Verpflichtungen klagen. H. 0. Die Kündigung eines Mietverhältnisses auf den 1. Januar ist, falls entgegenstehende Vereinbarungen nicht getroffen sind, oder die Verkehrssitte ein anderes bestimmt, auch zum 1. Januar zulässig. Für Gießen wird im Regelfall eine Verkehrssitte dahin anzunehmen sein, daß auch ohne Vorliegen einer gegenteiligen vertraglichen Abmachuna die Kündigung zum 1. Januar ausgeschlossen sein soll. Lollar. Ausländische Kraftfahrzeuge mit Internationalen Zulassungen müssen an der Rückseite außer ihrem heimischen Kennzeichen ein dem internationalen Abkommen entsprechendes Nationalitätszeichen führen. Kraftfahrzeuge mit ausländischen Zu- lassungsscheinen müssen ein deutsches Kennzeichen führen, das nach den Bestimmungen des § 6 ber Verordnung über internationalen Kraftfahrzeugverkehr von deutschen Zollstellen ausgegeben wird. Ihre heimischen Kennzeichen sind zu entfernen ober zu Überbecken. Auf Grunb einer Verfügung bes Reichs- verkehrsminifters vom 8.6.36 brauchen auch Kraftfahrzeuge mit auslänbischem Zulassungsschein ein beutsches Kennzeichen bann nicht zu führen, wenn bie Bestäube ber Zolleingangsstellen an ben vorgeschriebenen länglich-runben Kennzeichen aufgebraucht finb, ber Führer bes ausländischen Kraftwagens das für seinen Heimatstaat vorgesehene Nationalitätenzeichen führt und er im Besitze einer von ber Zolleingangsstelle ausgefertigten Bescheinigung ist. — Die zweite Frage kann von hier nicht beantwortet werben. h. V. Unser juristischer Mitarbeiter erklärt zu Ihrem Schreiben, baß an seiner Auskunft nichts zu änbern fei, denn er habe ausdrücklich festgestellt, daß die in Frage stehenden Gebühren bei Fälligkeit zahlbar sind. SJ.-fport Georg Hax - 50 Lahre Schwimmer. Der Führer des Reichsfachamtes Schwimmen, Georg 5) ar (Berlin), kann auf eine 50jährige erfolgreiche Laufbahn als Schwimmsportler zurückblicken. Von 1893 bis 1897 war Hax deutscher Meister im Kunst- und Turmspringen. Viele Jahre hindurch bekleidete er das Amt eines Vorsitzenden des Deutschen Schwimm-Verbandes. Deutschlands Leichtathleten siegten in Paris. Große Erfolge errangen die deutschen Studenten in den leichtathletischen Kämpfen im Stadion Colombos. Mit einem neuen Studenten-Weltrekord wurden die Kämpfe eingeleitet. Lutz Song, der Deutsche Meister, erreichte im Weitsprung mit dem letzten Versuch 7,68 Meter, nachdem er schon vorher mit 7,53 Meter den Sieg sicher hatte. Der Berliner G r a m p p kam mit 7,28 Meter auf den dritten Platz, hatte doch Toomsalu (Estland) beim letzten Versuch Grampps Leistung um 0,5 Zentimeter überboten. Unsere Studentinnen holten anschließend gleich zwei Titel. S. D e m p e (Weimar) gewann die 80 Meter Hürden ganz überlegen in 11,7 Sekunden vor der Marburgerin West - phal, und Gisela Mauer m.eyer errang im Diskuswerfen ihren zweiten Weltmeistertitel. Mit 44,17 Meter schlug sie die Bremerin Hüchttng und Nobiling (Berlin) ganz überlegen. In den übrigen Wettbewerben mußten die Deutschen die Ueberlegenheit der Engländer anerkennen. Der Kölner Vogelsang blieb über 100 Meter nur um einen Meter hinter den beiden Engländern Holmes und Pennington zurück. Auch Rößler (Berlin) hielt sich über 400 Meter ausgezeichnet, kam aber über den 4. Platz nicht hinaus. Hier siegte der Engländer Brown in der hervorragenden Zeit von 47,8 Sekunden. Pech hatte der Berliner Grampp im 110-Meter-Hürdenlauf, wo er hinter dem Franzosen Mathiotte mit Eggenberg zugleich einlief, aber vom Zielgericht aus den 3. Platz gesetzt wurde. ONS. gewann Lüttich - Rom-Lüttich. Die wertvollste Prüfung der Langstreckenfahrt Lüttich—Rom—Lüttich wurde von der Obersten Nationalen Sportbehörde für Kraftfahrt (NSO.) gewonnen. Durch die ersten drei Plätze von H a - berle-Klockler auf Hanomag, P. v. Guillaume- Frau Bahr auf Adler-Jmperia und von Hanstein-Bund auf Hanomag wurde der wertvolle Wanderpokal für Deutschland errungen. Mit 460, 480 und 680 Strafpunkten wiesen diese deutschen Fahrer über 500 Strafpunkte weniger auf als die Nächstplacierten. Heimische Mannschaßen in ZrenndschMämpsen Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 — Viktoria Eckenheim. Die Blauweißen empfangen am Sonntag den Sportverein „Viktoria" Eckenheim zum Gesellschaftsspiel. Der Abschluß dieses Spieles dient hauptsächlich dazu, die Ligamannschaft vor den Verbandsspielen einer Prüfung zu unterziehen. Gleichzeitig aber auch, um einen Vergleich ziehen zu können zwischen der Spielstärke der beiden Kreise. Nach der Papierform zu urteilen muß man den Gästen ein Plus einräumen, denn durch den Spielverkehr mit den Frankfurter Großoereinen haben sie weit bessere Möglichkeiten zur Hebung ihrer Spielstärke als die Platzbesitzer. Die jüngste Kraftprobe mit der Eintracht Frankfurt endete unentschieden 3:3. Die genaue Aufstellung, in der die Gäste antreten, liegt nicht vor. In Anbetracht der Verbandsspiele, die im Bezirk Frankfurt schon am 5. September beginnen, ist jedoch bestimmt anzunehmen, daß die Viktorianer ebenso eine Generalprobe abhalten und mit der besten Besetzung antreten. Die Platzbesitzer, die mit Rahn, Zeiler, Lippert, Erhard, Sack, Lehrmund, Bergmann, Schellhaas, Löbsack, Pankok, Möller antreten, haben ebenfalls ihre für die Ver- bandssviele vorgesehene Mannschaft zur Stelle. Eine Voraussage über den Spielausgang ist schwer. Wenn es die Blauweißen verstehen, an ihre seitherigen Leistungen anzuknüpfen, sollte ein achtbares Resultat möglich sein. Die Reserve der Blauweißen gastiert beim Turnverein Alten-Buseck. Mit Rücksicht auf den Platzvorteil gtauben wir nicht, daß ein Erfolg der Gießener Vertretung möglich ist. Die 1. Jugend der Spielvereinigung 1900 empfängt in ihrem ersten Serienspiel die gleiche des Sportvereins 1920 Heuchelheim. Trotz Abgabe der meisten Spieler an die aktiven Mannschaften ist ein allzu großer Rückgang in der Spielstärke nicht ein- aetreten. — Die 2. Jugend fährt nach Großen- Linden. Ihr Gegner ist die 2. Jugend des Turnvereins. VfB.-Reichsbahn Gießen. 5po. 05 Wehlar — VfB.-R. Gießen (Samstag). Die Grünweißen haben sich sehr viel oorgenom- men. Bereits am Samstag tritt die Mannschaft in Wetzlar gegen den Meister der Gruppe Gießen, den Sportverein Wetzlar, an. Es erübrigt sich, viel über die Mannschaft der Wetzlarer zu schreiben; die Gastgeber haben erst vor 14 Tagen die Marburger Kürhessen einwandfrei geschlagen. Die Grünweißen, die erstmals wieder komplett antreten werden, haben eine schwere Aufgabe zu lösen, soll doch die hohe Niederlage beim letzten Meisterschaftsspiel wettgemacht werden. Man ist zwar nicht so vermessen, auf einen Sieg zu hoffen, eine knappe Niederlage wäre aber schon ein Erfolg. Die Mannschaft wird beweisen, daß sie sich mit den Mannschaften der Bezirksklasse messen kann. VfB.-R. — Fechenheim Liga (Sonntag). Seit lanM» Zeit wieder einmal ein Spiel auf dem WaldHsrtplatz! Diesesmal heißt der Gegner Fechenheim. Die Gäste, die in der Gruppe Groß- Frankfurt spielen, konnten sich im Vorjahre in der Spitzengruppe behaupten und haben eine Mannschaft zur Stelle, die sich sehen lassen kann. Das Vorspiel sah die Grünweißen, die in großer Form waren, als knappen Sieger. Die Gäste werden versuchen, die Scharte auszuwetzen und mit stärkster Besetzung antreten. Die Grünweißen müssen mit sehr guten Leistungen aufwarten, wenn ein Sieg errungen werden soll Die Reserve will nicht müßig sein und fährt nach Steinbach, wo ein Blitzturnier abgehalten wird. „Germania" Marburg I. in Watzenborn-Steinberg. Nachdem nun die 1. Mannschaft des FC. „Teutonia" Watzenborn-Steinberg am vergangenen Sonntag die Gruppenmeisterschaft der Aufitieg- fpiele (Der Aufstieg zur Bezirksklasse war bereits schon früher gesichert) errungen hat, werden nunmehr noch die bis zu Beginn der Verbandsspiele spielfteien Sonntage zu Gesellschaftsspielen benutzt. Auf eigenem Platze an der Neumühle ist am kommenden Sonntag die 1. Mannschaft des Rasensportoereins „Germania" Marburg 08 e. D. zu Gast. Beide Mannschaften standen sich zum letzten Male in den Verbandsspielen der Bezirksklasse im Jahre 1933/34 gegenüber, als damals noch die Spielgruppe Gießen-Marburg bestand. Die Marburger „Germanen" belegten während der letzten Serie in der Gruppe Marburg den 2. Platz in der Bezirksklasse, was für die Stärke der Mannschaft sprechen dürfte. Auf welche Mannschaft sich die Einheimischen stützen, ist z. Zt. noch nicht bekannt, auf alle Fälle wird aber Hedrich, der gegen „Wor- matia" Worms zum ersten Male spielte und sein gutes Können unter Beweis stellte, in der Mannschaft zu finden sein. Vorher tritt die Jugendmannschaft zum ersten Derbandsspiel der Jugend des Nachbarvereins, der Spielvereinigung 1926 Leihgestern, gegenüber. Beide Mannschaften lieferten sich bisher schon immer spannende Spiele mit abwechselndem Erfolg. Sportverein 1920 Heuchelheim. Die 1. Mannschaft fährt nach Offenbach (Dillkreis), um das letzte Aufstiegsspiel auszutragen. Für den Aufstieg selbst hat das Treffen keine Bedeutung mehr. Jedoch bietet es den Heuchelheimern eine letzte Chance, ihre Stellung in der Tabelle durch einen Sieg zu verbessern. Im Vorspiel wurde Offenbach mit 6:3 geschlagen. Noch immer tritt die Mannschaft nicht komplett an. Man muß damit rechnen, daß ein Sieg nur nach größtem Einsatz eines jeden Spielers errungen werden kann. Die Mannschaft steht: Müller, Römer, Kreiling, Henkelmann, Waldschmidt, Bach, Steinel, Arnold, Christ, Schmidt, Hofmann. Die Jugend kämpft in Gießen gegen 1900 1. Jugend. T.-Sp.-B. 1926 Steinbach. Zehn Mannschaften beteiligen sich am Blitzturnier. Zu dem am morgigen Sonntag in Steinbach stattfindenden Blitzturnier haben folgende Mannschaften ihre Meldung abgegeben: VfB.-R Gießen II, Wieseck I, Grüningen I, Lich I, Garbenteich I, Wetterfeld I, Großen-Linden I, Flensungen, Leihgestern I, Steinbach. Es wird unter diesen Mannschaften spannende Kämpfe um den Sieg bzw. um den Pokal geben. Wenn das Meter der Veranstaltung günstig ist, darf man mit einem schönen sportlichen Ereignis und einem vollen Erfolg des Turmers rechnen. Sicherlich werden sich aus dem Umkreis zahlreiche Freunde des schönen Sportes einfinden. Fußballabteilung des Turnvereins Alten-Buseck. Alten-Buseck I — Spielvereinigung 1900 II. Nach langer Zeit trägt die Mannschaft von Alten- Buseck auf eigenem Platze wieder einmal ein Spiel aus. Die zweite Mannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen weilt zu Gast. Die Gäste stellen eine kampfkräftige Mannschaft ins Feld und werden die Einheimischen auf eine harte Probe stellen. Man erwartet einen fairen Kampf. Kußball-Zugend in ersten Verbandöspielen. Lugendfußball im DfD.-Reichsbahn. Kommenden Sonntag greifen schon die Jugendmannschaften in die angesetzten Pflichtspiele ein. Wie im vergangenen Jahre stellt auch in diesem Jahre die Jugendabteilung vier Mannschaften ins Feld. Durch neuen Zuwachs find die Mannschaften als spielstark anzusprechen. Die 1. Jugend empfängt auf eigenem Platze die spielstarke Jugend von Krofdorf. Da einige Spieler der 1. Jugend zur akttoen aufgerückt sind, mußte eine neue Mannschaft gebildet werden. Sie hat jedoch an den beiden verflossenen Sonntagen, gezeigt, daß sie zu spielen versteht. Die Gäste aus Krofdorf konnten im vergangenen Jahre die Meisterschaft ihrer Gruppe erringen, und standen in den Ausscheidungsspielen um die Kreismeisterschaft. Die Elf hat auch in diesem Jahre nichts von ihrer Spielstärke eingebüßt. Die 2. Jugend spielt am Vormittag auf dem Waldfportplatz gegen die Jugend aus Klein-Linden. Die Jugend aus Klein-Linden wird sich nicht ohne weiteres schlagen lassen. Die 3. Jugend muß nach Lollar, um gegen die dortige Zweite anzutreten. Die 4. Jugend tritt nach Lern Liga-Spiel auf dem Waldfportplatz gegen Staufenberg an. Hier werden sich wohl die Gäste aus Staufenberg den Sieg nicht nehmen lassen. Lugendabteilung der Spvg. 1900. Beide Jugendmannschaften der Blau-Weißen müssen am Sonntag ihr erstes Verbandsspiel bestreiten. Die 1. Jugend der Spielvereinigung 1900 trifft auf eigenem Platze auf die gleiche von Heuchelheim. Die Gäste werden wohl eine Mannschaft in das Feld stellen, die den Blau-Weißen nicht nachstehen wird. Die Platzbesitzer haben eine ganz neue Jugend aufgestellt. Die 2. Jugend der Blau-Weißen mußte ebenfalls eine Umstellung erfahren, da der größte Teil auf- gerückt ist. Die alte 2. Jugend konnte in Großen- Linden einen sicheren Sieg erringen, ob es im be- Dorftefjenben Spiel allerdings die jetzige 2. Jugend der Blau-Weißen zu einem Siege bringen wird, bleibt dahingestellt. • Saasen 1. Jugend — Großen-Bufeck Jugend. Die 1. Jugend weilte am Sonntag in Frankfurt und spielte gegen die ^Jugend der „Eintracht" Frankfurt. Saasen erlitt eine 18:2-Niederlage. Durch Ersatzspieler war die Mannschaft derart geschwächt, daß man nichts anderes erwarten durfte. Am Sonntag tritt Saasen zum Pflichtspiel in Großen- Buseck an. Kreis Westerwald gegen Kreis Gießen im Handball! Eine Veranstaltung, die über den Rahmen des üblichen Spielbetriebes weit hinausgeht, ist das Zusammentreffen der beiden Kreismannschaften der Kreise 9 und 8 in Montabaur. Mit dem Spiel treffen nicht nur beide Gegner zum erstenmal zusammen; vor allem wird damit der Freundschaftsspielbetrieb in den Kreisen untereinander erneut auf» gegriffen. Die Mannschaft, die nun den heimischen Kreis vertreten soll, hat gegenüber ihrer letzten Veröffentlichung keine wesentliche Aenderung mehr erfahren. Es dürfte nun heute an der Zeit sein, sich die einzelnen Teilnehmer etwas näher anzusehen und auf Grund der bekannten Leistungen zu überprüfen, welche Aussichten bestehen. Die Hintermannschaft ist, das dürfen wir sagen, ausgezeichnet. Angefangen bei dem jungen Torwart, der heute besser denn je ist und der allen noch von seinen Glanzleistungen aus der Gießener Halle bekannt sein dürfte (Wenzel, Hörnsheim). Von den beiden Verteidigern ist Seipp (Mtv. Gießen) der ruhigere. Ihm paßt sich sehr gut der junge Köth vom Tv. Wetzlar an. Die Läuferreihe, mit Brenner (Mtv. Gießen) als Mittelläufer und S ch m i 11 d i e l (1900 Gießen) und Müller (Tv. Hörnsheim) haben bei den Uebungsfpielen sehr gut gefallen. Ausgezeichnet dürfte auch die Zusammenstellung des Sturmes gelungen sein. Als Sturmführer betätigt sich A l l e n d ö r f e r, der nicht nur über die nötige Uebersicht verfügt, sondern auch seine Nebenleute immer im richtigen Augenblick einsetzen kann. Die beiden Halbstürmer Lyssi vom Tv. Lützellinden und K r a i l i n g vom Tv. Heuchelheim sind außerordentlich schnell und können, wie es sich gezeigt hat, auch Tore schießen. Von den beiden Außenstürmern hat Iakooi (Tv. Hörnsheim) besser gefallen als Weber (Groß-Rechten- bach). Es ist aber anzunehmen, daß, wenn letzterer feinen Platz einhält, auch von ihm gute Leistungen zu erwarten sind. Alles in allem kann jedenfalls gesagt werden, daß die Vertretung des Kreises in guten Händen liegt und daß die Mannschaft, wenn sie auch nur aus Nachwuchsspielern besteht, sicher alles hergeben wird, um ihre Spielstärke unter Beweis zu stellen. Kurze Gportnotizen. Die Deutschen Merkens und Richter überstanden bei den Berufsfliegerweltmeisterschaften in Kopenhagen die Vorläufe glatt und brachten sich neben Weltmeister Scherens (Belgien), Michard, Chaillot, Gerardin (alle Frankreich), Falck-Hansen (Dänemark) van Vliet (Holland) unter die „letzten Acht". Den Großen Preis von Baden, den Höhepunkt der Internationalen Baden-Badener Rennwoche, machten am Freitag die ausländischen Pferde unter sich aus. Dadji unter C. Elliot gewann vor Gaio und Ricardo. Deutschlands bester Dreijähriger, Blasius, kam auf den vierten Platz. Aus -en Gießener Gerichtssälen. Schöffengericht Gießen. In Fortsetzung der Verhandlung des Gießener Schöffengerichts hatte sich der O. Pf. aus Erkrath wegen fortgesetzter Untreue zu verantworten. Der Angeklagte war als Verwalter eines Gutes in Wisselsheim bei Friedberg bei einer alleinstehenden Witwe beschäftigt, deren unbegrenztes Vertrauen er genoß. Der Angeklagte mißbrauchte dieses Vertrauen jedoch in gröblichster Weise. So kassierte er, ohne von der Gutsbesitzerin beauftragt zu sein, bei der Milchgenossenschaft in Wisselsheim Außenstände in Höhe von 463 Mark, die er in seine Tasche wandern ließ. Die Anklage legte ihm weiterhin zur Last, Naturalien verkauft und das Geld ebenfalls in die eigene Tasche gesteckt zu haben, weiterhin auch ihm zur Auszahlung übergebene Lohngelder unterschlagen zu haben. Während der Angeklagte in dem ersten Punkt hinsichtlich der Milchgenossenschaft ein umfassendes Geständnis ablegte, bestritt er die beiden anderen Verfehlungen auf das entschiedenste. Hinsichtlich der Lohngelder behauptete er, daß er sie zur Deckung sonstiger Betriebsschul- den verwandt habe. Die Beweisaufnahme konnte keine restlose Klärung dieser Frage bringen. Das Urteil lautete auf 5 Monate Gefängnis und 50 Mark Geldstrafe wegen fortgesetzter Untreue; bezüglich der nicht erwiesenen Punkte konnte ttotzdem kein Freispruch erfolgen, weil es bei einem fortgesetzten Delikt auf die Anzahl der einzelnen Handlungen nicht ankommt. Kleine Strafkammer Gießen. Der K. V. aus Bad-Nauheim war vom Amtsgericht Bad-Nauheim wegen fortgesetzter Unterschlagung und Untreue zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten und 50 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Seine Berufung, die gestern vor der Kleinen Strafkammer verhandelt wurde, beschränkte sich lediglich auf bas Strafmaß. Der Angeklagte hatte Gelder, die er für eine Frankfurter Firma einzukassieren hatte, nickt abgeführt, sondern für sich behalten. Die geschädigte Firma sah zunächst von einer Strafanzeige ab, da der Angeklagte versprach, das Geld nach und nach zu ersetzen. Als sich jedoch neue Verfehlungen herausstellten, wurde Anzeige erstattet. Der Gesamtbetrag, um den die Firma geschädigt worden ist, beläuft sich auf rund 500 Mark; die genaue Höhe ließ sich allerdings nicht feststellen. Da der Angeklagte in allen Punkten geständig war und in wirtschaftlicher Not gehandelt hatte, außerdem den guten Willen zeigte, das Geld zu ersetzen, ermäßigte die Kammer die Strafe auf 2 Monate Gefängnis und 25 Mark Geldstrafe. Weiterhin stand der G. L. aus Katzenfurth wegen Heiratsbetrugs vor der Kleinen Strafkammer. Der Angeklagte, der verheiratet und Vater von vier Kindern ist, hatte in Gießen ein Mädel kennen- gelernt, mit dem er ein Verhältnis anknüpfte. Dabei gab er einen falschen Namen an, gab sich als Sohn eines reichen Kaufmanns aus Lübeck aus und versprach dem Mädel schließlich noch die Heirat. Eines Tages erklärte er ihr, er wolle nach Hause fahren, sei aber in momentaner Geldverlegenheit. Die Zeugin ließ sich dadurch verleiten, ihm ihr gesamtes Monatseinkommen in Höhe von 23 Mark, sowie noch eine Armbanduhr auszuhän- digen. Dafür versprach der Angeklagte, sie demnächst nach Lübeck nachkommen zu lassen. Er verschwand jedoch auf Nimmerwiedersehen. Der Angeklagte begründete seine Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts, das auf 4 Monate und 2 Wochen Gefängnis lautete, damit, er l)abe sich die Summe bei dem Mädchen nur leihen wollen, und dies fei der Zeugin auch bekannt gewesen. Er wurde jedoch durch das erdrückende Beweismaterial überführt. Das Urteil lautete auf eine Gefäng - nisftrafe von 4 Monaten. Hermine 201 <ä> tismus, Sepsis und schweren Infektionskrankheiten. Die beiden fektionskrankhl Blätter des Herzbeutels können Hier abfchneiden! Gießen, Kirchenplatz 13, Ruf2797 Hermine, weibl. Vorname germ. Herkunft, von dem Gott Jrmino abgeleitet. Abkürzungen Mine, Minchen. Herrenkleidung darf niemals auffallend fein, sie soll sich durch gediegenen Stoff, gute Verarbeitung und tadellosen Sitz auszeichnen. Vor dem Weghängen muß jeder Anzug gelüftet, geklopft und gebürstet werden. Das Aufbügeln wird zweckmäßig vom Schneider besorgt, da normale Haushaltsbügeleisen nicht schwer genug sind, um Bügelfalten haltbar zu machen. Wenn man das Bügeln aber selbst vornimmt, dann legt man auf die Bügelfalten ein nasses Tuch und bügelt es trocken. Man darf nie ohne Tuch bügeln, da der Stoff sonst glänzend wird. Herta, Hertha, weibl. Vorname nach der germanischen Göttin der Erde Herta oder Nertus. Herz ist ein Hohlmuskel der sich regelmäßig zusammenzieht. Lage: Im Brustraum zwischen bd. Lun- §en etwas nach links. Das Herz, as ähnlich wie eine Pumpe arbeitet, enthält ein System von Klappen, die den Zufluß und Abfluß regeln. Die Schwingungen dieser Klappen hört man als Herztöne. Bei Erkrankungen der Herzklappen sind diese nicht ganz rein, man hört dann Herzgeräusche. Das H. ist eines der wichtigsten Organe, das Jahr für Jahr, ohne Unterlaß arbeiten muß, um den ganzen Körper mit Blut zu versorgen. Stillstand des Herzens, Aufhören der Pumparbeit des Herzens ist der Tod. infolge der Entzündung miteinander verwachsen, so daß das Herz nicht mehr frei beweglich und daher in seiner Pumparbeit gestört ist. Schwere Erkrankung, oedarf unbedingt ärztlicher Behandlung. Herzerweiterung ist die Folge übermäßig gesteigerter Arbeit des Herzmuskels entweder bei einem bestimmten Herzfehler (s. d.) oder bei forcierter körperlicher Leistung, wie bei Sportsleuten, besonders bei Schwimmern, die sich ohne genügendes Training übernehmen. Geht einher mit Kurzatmigkeit, Angst- unb Beklemmungsgefühl. Ärztliche Behandlung kann Hilfe schaffen, daher unbedingt ärztlichen Rat einholen. i Herzerweiterung Herz von Eroßtieren und Geflügel ist ein gutes und billiges Nahrungsmittel. Herz am Rost gilt als besonderer Leckerbissen. m das Vlutgerinsel zu entfernen, muß das Herz vor der Zubereitung ausgeschnitten werden. Herzbeutel, ein häutiger Sack, in den das Herz von oben her ein® gestülpt ist. Er besteht aus zwei Blättern, wovon das innere mit der Herzoberfläche verwachsen ist. Zwischen beiden Blättern ist em Hohlraum, die Herzbeutelyöhle, in welcher wenige ccm einer klaren, gelblichen Flüssigkeit enthalten sind. Herzbeutelentzündung. Kommt häufig vor nach Eelenkrheuma- Besuchen Sie das Schottener Motorradrennen Sonntag, 19. September. Vorverkauf: NSKK.-Motorstand.147 Gießen,Frankf.Str.33, Motorsturm I M14/ Gießen, Motorsturm II M147 Lang Göns, Motorsturm III M147 Gießen, • otorsturm IV M14? Gießen, Motorsturm V M147 Lieh Lotterie-Einnahmen Gießener Staatlich Flimm Buchacker Neuen Baue 11 s io N CARLTsinwArK ,Handel" Mitte September 1937: GIESSEN SELTERSWEG S . Gebühr RM.8,— Anfänger 5594 A ■■ ene Abschlußtechnik. f.Handel u.Gewei ewerbe Anfänger . . . . \ Fortgeschrittene. f be\ ir JNHA9ER • CARL:-, MEINZSCHLÜ TER biete ich Ihnen viel Brauchbares u. Schönes. Bitte sehen Sie die neuen Fenster - sie geben Aufschluß über große Auswahl u. niedrige Preise. 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Z. ihrer 2 »übrigen Dienstpflicht genügen, bezahlen die Gebühren der Lehrlinge oder sie erhalten, sofern solche nicht vorgesehen sind, einen 25°/oiöen Nachlaß. Anmeldeschluß 11. September 1937! (Anmeldung mutz vor Beginn einer Berufserziebungsmatznahme vorliegen!) ♦ 8,— 8,— 8,— 6,— f. Lehrlinge 10,— 10,— f. Betriebst 8,— f. Gehilfe 8,— 6,— f. Lehrlinge MeDeiiffcheAlbeitsstont „Übungsstätte Gießen" Fernruf 3275 iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim Es beginnen folgende Lehrgemeinschaften der Neichsbetriebs- Für 19 Rpf. 1 Flasche MW erhalten Sie aus ihrem eigenen Obst. 1 Zentner gibt 42 Flaschen. Empfehle gleichzeitig meinen Trauben- und Avfelsaft und Kirschsüßmost. Einhart Mickel, Fruchtsaftkelterei, Marburg.Str.79 Ruf 4389. 5554A „ I, Plakatschrift I, „ II, p°'tratzen \ e\s\e» Annahme v.Ehestandsdarlehen u.Kinderbeihilfen 5544 A Nervös - Erschöpfte Spezialkuranstalt Hofheim 3 (Taunus) bei Frankfurt am Main. Teleton 214 Mäßige Preise. S.-R. Dr. M. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt AnmelduMen und Beratung bei der Deutschen Arbeitsfront, Kreis- waltung Wetterau, Abt. für Berufserziehung und Betriebsführung, Gietzen, Schanzenstraße 18, täglich von 8 bis 13 und 15 bis 19 Uhr (außer Mittwoch- und Samstagnachmittag). 656?d C» § z, . M len: M Herzfehler 202 Herzfehler find auf Erkrankungen der Herzklappen zurückzuführen. Durch entzündliche Prozesse besonders nach Gelenkrheumatismus, aber auch nach anderen Infektionskrankheiten werden die Herzklappen infolge Schrumpfung zu klein, schließen daher nicht mehr richtig ab und lassen das Blut wieder zurückströmen. Es kann aber auch vorkommen, daß die Klappen miteinander verwachsen, die Öffnung für den Vlutstrom dauernd verkleinert wird. Herzfehler äußern sich be- Janders in herabgeminderter Leistungsfähigkeit des Herzens, Kurzatmigkeit, auffallende Bläue der Lippen,^der Nasenspitze usw. oder auch auffallende Blässe des Gesichtes. Herzfehler sind eine Erkrankung, deren Behandlung unbedingt in die Hand eines erfahrenen Arztes gehört. Herzklopfen, gehäuftes und starreres Schlagen des Herzens, meist verbunden mit Angstgefühl und Unruhe^ ist in der Mehrzahl der Fälle ein rein nervöses Leiden gewöhnlich hervorgerufen durch irgend eine Aufregung. Kalter Umschlag auf das Herz, Baldriantee wird in den meisten Fällen gute Wirkung tun. Vorübergehendes H. tritt auch auf bei schwerer körperlicher Anstrengung. Sehr starke Pulsbeschleunigung (160 bis 170 in der Minute) ist ein Grund für die Herbeizrehung eines Arztes, ebenso ist ärztliche Hilfe notig, wenn das H. mit starken Schmerzen einhergeht, besonders dann, wenn diese in den linken Arm ausstrahlen. Solche Schmerzen I Herzschwäche lasten immer an eine schwere Erkrankung, Angina pectoris (s.d.). denken. Bei sehr vollem Lew kann nächtliches Herzklopfen ent- steben daher nie kurz vor dem Schlafengehen noch viel essen. Häufig ist auch übermäßiges Rauchen die Ursache von H. Herzkrampf (s. Angina pectoris). Herzmuskelschwäche, Unfähigkeit des Herzmuskels, herantretenden Anforderungen zu genügen. Meist eine Folge von Infektionskrankheiten, aber auch schon starke körperliche Anstrengungen und übermäßiger Genuß von Flüssigkeiten vermag ebenfalls eine H.- Schwäche zu erzeugen. Anzeichen: Verminderte Leistungsfähigkeit, Kurzatmigkeit, Herzklopfen,' Beklemmung und Schwindelgefühl. Veh.: s. Herzschwäche! Herzneurose, nervöse Herzbeschwerden und Herzstörungen ohne Vorhandensein eines organischen Herzfehlers. Im Vordergrund steht hier die Erkrankung der „Nerven". Angst, Puls- bescheunigung und Schweißausbruch sind wohl die Hauptsymptome. Herzmittel haben hier wenig Zweck, da vor allem Mittel angezeigt sind, welche das überreizte „Nervensystem" beruhigen. Die Auswahl dieser Mittel üoerlasse man dem Arzt. S. a. Herzklopfen! Herzschlag, plötzlicher Herzstill- Herzschwäche, ein Zustand, bei dem das Herz seinen Anforderungen nicht mehr gerecht wird und die Vlutversoraung der einzelnen Organe leidet. Folgezustände sind venöse Stauung, Die Herdplatte ist schmutzig! Wie bekommt man sie am leichtesten sauber? Mit dem Herdplatten- Reiniger „Artifex"! Das ist ein Schmirgelblock, der von der Herdplatte allen Schmutz herunterbringt. Holen Sie sich bei Häuser diesen Herdplatten-Reiniger. Er ist billig. J. B. Häuser, Gietzen, am Oswaldsgarten, Fernsprecher 2145/2146. Oute Arbeit bedingt gutes Handwerkszeug! Und gute Bilder bedingen den richtigen Film und entsprechende Zusatzgeräte. Sagen Sie mir, wo, wann und was ie knipsen wollen, ich gebe Ihnen das Heutige . Handwerkszeug ! Nach Ladenschluß und sonntags steht Ihnen mein Filmautomat und der Photo-Eiiiwurfkasten in der Bahnhofsvorhalle u. am Geschäftseingang zu Ihrer Verfügung! Photo-Kino Kreuzplatz 9 Klein-Linden ßastas zur deutschen Eiche Kirmes Sonntag, den 29. August u. Montag, den 30. August Es laden ein: ssstD Der Wirt und die Burschen Montag ab 10 Uhr Frühschoppen Musik wird ausgeführt vom Inf.-Regiment Klein-Linden Sonntag, den 29. August u. Montag, den 30. August „ Kirmes im „Strümpfchln“ Es laden freundlichst ein. Die Burschen und der Wirt* Statt Karten! Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen Hans ÄoppechFustizinspektor und Frau Else, geb. Schnaubet Darmstadt Mexanderstraße 14), den 28. August 1937 04221 Ihre Vermählung geben bekannt Laldur Franzmeyer Margot Franzmeyer, geb. Funk Gießen, Äergwerl 127a Äerlin-Charlottenburg, Fasanenstr. 51 Berlin-Charlottenburg, den 28. August 1937 04228 Genau,schnell,zuverlässig arbeitet JEDE BRILLE MAGNUS ihres Vertrauens Gießen,Se tersweg33-Lieferantall.Krankenkassen Tanz- Unterricht! Unsere Winterkurse beginnen am 1. 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