ttr.146 Erster Blaff 187. Jahrgang Sam8fag.26.Zimi 1937 (fcr|d)etm tag lld), außei Sonntage and Feiertage Beilagen. Vie Illustriert» Giesienei Familienblattet Heimat im Bild Die Scholl» Ölonats-Beingsprets; Mit 4 ‘Beilagen 91 Ul 1.96 Ohne Illustriert» . L8C Zustellgebühr . -2b Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer GewaV Zernfprechanschlüffe anter Sammelnummer 225) Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Giestev poftscheckkomo: Krantturt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vru» und Verlag: vrühl'sche UMoerftlStrvuch- und Steindruckerei «.Lange in Stehen. Schriftleitung und Eefchästzftelle: Schulstrahe 1 Annahme oon Anzeige» für öie ‘JJhttagsnummer bis8* /.Uhr Oes Vormittag- Srundprelse für \ mm Höhe für Anzeigen oon 22 mm Brette 7 Rpf.. für Text- anzeigen von70mm Breite 50Rps.,Platzvorschrift nach vorh.Deretnbg.250/^ mehr. Ermähtgle Grundpreise: Stellen--, Vereins», gemeinnützige Anzeigen foroie ein- jpaltige Gelegenheitsanzei- gen 5 Rpf, Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B len sich aus begreiflicher Sympathie zu Rom hingezogen fühlen könnte. Auch Frankreich war dieser Gedanke unbequem. Bon einem selbstbewußten nationalen Spanien würde man niemals die Erfüllung seiner alten Hoffnung auf Durchmarscherlaubnis für seine afrikanischen Truppen im Kriegsfälle erwarten können Viel eher aber wäre dies durchzudrücken in einem in autonome Provinzen aufgelösten ßantie, dessen soziale und nationale Spannungen durch kommunistische Propaganda wachgehalten werden und eine schwache Regierung zwingen müßten, im benachbarten Ausland Anlehnung zu suchen. Diese rein imperialistischen Ueberlegungen trafen hervorragend zusammen mit den ideologischen Sympathien, die die Parteien der in Frankreich befindlichen Volksfront: bürgerliche Linke, Sozialdemokraten und Kommunisten für die Herrschaft der gleichen politischen Gruppen in Spanien empfand, die allerdings inzwischen längst von einem rein bolschewistisch-anarchistisch-syndikalistischen Regime abgelöst sind, was aber anscheinend der Zuneigung ihrer französischen und englischen Freunde (Liberale und Labourpartei) keinen Abbruch getan hat. Es ist nützlich, gerade jetzt sich dieser Beweggründe für die grundsätzliche Einstellung der beiden westeuropäischen Demokratien zur spanischen Frage zu erinnern und die Feststellungen dagegenzuhalten, die aus Anlaß des Ausscheidens Deutschlands aus der Reihe der Seekontrollmächte von besonderer Seite zur Begründung des deutschen grundsätzlichen Standpunktes getroffen wurden. Wie Deutschland mit dem spanischen Volk niemals bis auf den heutigen Tag Differenzen territorialer oder politischer Natur hatte, so hat es auch nur das eine Interesse, daß ein wahrhaft unabhängiges und freies Spanien in der Gesellschaft der europäischen Völker fernen Platz einneyrnen kann und die ihm zu- fallenden politischen und kulturellen Aufgaben nach eigenem Ermessen und aus freier Willensbestimmung zu erfüllen vermag. Aber wenn Deutschland in einem System unabhängiger freier Nationalstaaten die gegebene Grundlage für eine Zusammenarbeit der europäischen Völker sieht, so mufi es in dem Versuch des Bolschewismus, dieses System zu zerstören und an seine Stelle ein von Moskau aus tyrannisiertes internationales Chaos zu setzen, die größte Gefahr für den Weltfrieden und die organische Fortentwicklung der europäischen Staatengesellschaft, den Rahmen abendländischer Kultur, sehen. Keinerlei imperialistische Hintergedanken belasten die politische Einstellung Deutschlands zur spanischen Frage. Es konnte sich daher auch unbeschwert von irgendwelchen eigensüchtigen poutimjen Wünschen zum unbefangenen und aufrichtigen Fürsprecher einer wahren Nichteinmischungspolitik der Großmächte machen, während die demokratischen Staaten die von Moskau offen betriebene marxistische Intervention in Spanien durch eine von ideologischer Propaganda bis zu Geldsammlungen, Freiwilligenwerbungen und Waffenlieferungen alle Schattierungen tatkräftiger Kriegshilfe durchlau,ende einseitige Stellungnahme zu Gunsten der spanischen Bolschewisten eifrig förderten. Erst als ihnen durch diese Intervention ausgeloste Gegenwirkungen unbequem zu werden Lohten, sanden sie sich wenigstens zu einer offiziellen Nichtem- mischunqspolitik bereit, die dann endlich nach monatelangem Drängen Deutschlands und Italiens und nicht minder zähem Hinhalten Englands, Frankreichs und Sowjetrußlands den bekannten Ueber- wachunqsplan zeitigte, dessen Funktionieren wenigstens zur See eine enge Zusammenarbeit der vier westeuropäischen Großmächte voraussetzte nachdem Sowjetrußland in richtiger Erkenntnis, daß man den Bock zum Gärtner machen wurde^ wenn es veranlaßt werden sollte, seine eigenen Kriegsliefe- rungen für die roten Genossen m Valencia zu kontrollieren, seine Teilnahme an ^Kontrolle ab» gelehnt hatte. Hier wurde also dl^ Unhaltbarkeltder von den westlichen Demokratien hartnäckig verfochtenen Theorie offenkundig, die den weltrevoluno- nären, aggressiven Charakter der Sowjetunion leug- Die Lehre Dom ersten Tage des spanischen Bürgerkriegs an ging das Bestreben Deutschlands dahin, ein lieber« greifen des Brandes au; Europa zu verhindern. Das war um so dringender geboten, als die Reichsregierung sehr bald erkennen mußte, daß der Bürgerkrieg in Spanien keine Auseinandersetzung rein innerspanischer Parteien war, sondern der Versuch des spanischen Volkes, sich einer durch die Kommunistische Internationale mit Hilfe Moskaus sorgfältig vorbereiteten und mit den brutalsten und raffiniertesten Mitteln vorangetriebenen Bolsche- wisierung des Landes entgegenzustemmen. Wenn es also bei dieser Sachlage nicht länger zweifelhaft bleiben konnte, auf welcher Seite die Sympathien der beiden autoritär regierten Mächte Deutschland und Italien in dieser Auseinandersetzung zwischen den nationalen Kräften des spanischen Volkes mit den Gewalten der Zerstörung und der Weltrevo- lution waren, so waren es doch gerade Deutschland und Italien, die bereits im Sommer vorigen Jahres geeignete Maßnahmen zur Isolierung des spanischen Brandes anregten und nach dem Zusammentreten des Internationalen Nichteinmischungsaus- fchusses in London diesem immer wieder brauchbare Vorschläge unterbreiteten. Leider ohne den durchschlagenden Erfolg, den freilich nur ein entschlossenes und schnelles Handeln der vier an der spanischen Frage in erster Linie interessierten westeuropäischen Großmächte hätte haben können. Daran gebrach es aber von Anfang an. England, nach dem Abessinienfeldzug und dem mißglückten Sanktionskrieg gegen Italien in Sorge um die Aufrechterhaltung der britischen Vorherrschaft im Mittelmeer, lag nichts an einer nationalen Erstarkung Spaniens, das, wie zu Zeiten Primo de Riveras, Die Reichsautobahnen als Wer und Mittler deutscher Einheit Ser Führer übergibt die Reichsautobahn Dresden—Meerane dem Verkehr. Dresden, 25. Juni. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler weihte am Freitagnachmittag an der Anschlußstelle am Kirchberg in Dresden-A. die 101 Kilometer lange Reichsautobahn Dresden—Meerane. Dresden ist in ein Meer von Flaggen gehüllt. Ununterbrochen strömen Tausende von Volksgenossen zur Feierstätte am Kirchberg. Dort grüßen von 70 Meter hohen Masten die Fahnen des Reiches. Gegenüber der mit einem goldenen Hakenkreuz und Girlanden geschmückten Rednertribüne sind 500 Arbeiter aufmarschiert, die als Ehrenabordnungen aus ganz Sachsen an der Feier teilnehmen. In der vordersten Reihe haben zwölf beim Bahnbau verunglückte Volksgenossen Platz genommen. Den Mittelbau nehmen weitere 2000 Autobahnarbeiter ein. Sie sind gekommen, um dem Führer für das gigantische Werk zu danken, das er ersann und dessen Erfüllung hunderttausenden Kameraden im ganzen Reiche nach Jahren der Not wieder Lohn und Brot gibt. Von der riesigen Menge jubelnd begrüßt, trifft der Führer ein. In feiner Begleitung befindet sich u. a. Botschafter von Ribbentrop. Gauleiter M u t s ch m a n n gibt seiner Freude und Dankbarkeit Ausdruck, den Führer zur Eröffnung der ersten 100 Kilometer langen Strecke der Ost-West-Linie der Reichsautobahnen durch Sachsen begrüßen zu können. Der Gauleiter schließt mit den Worten: „Mein Führer! Ich bin stolz darauf, Ihnen in dieser Feierstunde melden zu dürfen: Der Gau Sachsen steht zu Ihnen in fanatischer Liebe und Treue. Deutschland ist für uns Adolf Hitler! Adolf Hitler ist Deutschland!" Jubelnd stimmen die Tausende in das Sieg-Heil des Gauleiters ein. Als Vertreter der Obersten Bauleitung Dresden schildert Reichsbahnoberrat Claußnitzer, wie das große Werk unter Einsatz der besten Kräfte feiner Mitarbeiter errichtet wurde. Mit einer Minute stillen Gedenkens ehren sodann die Anwesenden die sieben Volksgenossen, die beim Bau der Straße verunglückt sind. Nach dem Werkspruch eines Arbeiters der Reichsautobahn meldet' Generalinspektor Dr. Todt dem Führer die Fertigstellung der Reichsautobahn Dresden—Meerane. autobahnen finden würden. Ich weiß, daß die Arbeit auf den Reichsautobahnen bei Wind und Wetter» bei Schneetreiben oder Sonnenglut nicht leicht ist. Aber unsere Volksgenossen haben über- a11 eine schwere Arbeit: Der Bergarbeiter, der viele hundert Meter unter Erde schuftet, ebenso wie der Bauer, der im Sommer sich 12 oder 14 Stunden auf dem Felde abrackert. Wenn wir mit unseren 137 Menschen auf dem Quadratkilometer leben wollen, müssen wir uns eben mehr an strengen als diejenigen, die nur 10 oder 12 auf einen Quadratkilometer besitzen. Der Deutsche muß aus seinem kargen Boden herau^holen, was er herausholen kann. So find unsere Probleme schwerer als die in anderen Ländern. Es gibt aber auch außerdem feinen besseren Arbeiter als den deutschen. And daher bauen wir auch mit dem deutschen Arbeiter Straßen, wie sie anderswo gar nicht zu finden sind. Jedes Jahr werden weitere 1000 Kilometer dem Verkehr übergeben, und in sieben Jahren sind wir mit unserer Portion fertig! (Stürmische Heilrufe und Beifallskundgebungen.) Sie können alle stolz darauf sein, an diesem Werk mitgearbeitet zu haben, ob als Ingenieur oder Handarbeiter. Sie schaffen an einem Werk, das noch nach tausend Jahren stehen wird. Es ist ein Werk, das von Ihnen zeugen wird, auch wenn von Ihnen selbst kein Stäubchen mehr auf der Erde vorhanden sein wird. Diese Straßen werden niemals vergehen! Es ist etwas Großartiges und Wunderbares, in einer solchen Zeit leben und an einem solchen Werk Mitarbeiten zu können! Dieses Werk wird einmal jedem einzelnen Deutschen zugute kommen, ebenso wie dies bei der Eisenbahn der Fall war. Auf diesen Straßen wird sich in wenigen Jahrzehnten ein gewaltiger Verkehr abspielen, an dem das ganzeVolk teilhaben wird. Millionen unserer Volkswagen, die großen Omnibusse unserer KdF.-Fahrten und die gewaltigen Fernlast- und Reisetransporte werden über diese Straßen rollen. (Begeisterter, langanhaltender Beifall.) Sie können ermessen, wie sehr ich mich über jedes Stück freue, das von diesem großen Werk fertig wird. Jedesmal, wenn 100 oder 200 Kilometer dem Verkehr übergeben werden, sehe ich eine der gewaltigsten Arbeiten, die jemals Menschen unternommen haben, bis wir uns wieder mehr der Vollendung nähern. Und wenn einmal die Stunde kommt, in der die ersten 7500 Kilometer fertig sein werden, dann werden wir zusätzlich auch die anderen deutschen Straßen verbessern. Diese Arbeit hört niemals auf. So werden wir weiter arbeiten, immer ein Ziel vor Augen: „Wir wollen unser Deutschland so schön und so reich für alle unsere Volksgenossen machen, daß es wirklich ein Edelstein ist! Mit diesem Wunsche eröffne ich auch heute diese neue Strecke von 100 Kilometer der deutschen Reichsautobahnen in diesem schönen Lande Sachsen!" Mit einem unbeschreiblichen Sturm jubelnder Begeisterung dankten die Männer der Reichsautobahn und die Tausende dem Führer, der nach dem gemeinsamen Gesang des Deutschland- und des Horst- Wessel-Liedes seinen Wagen besteigt, um mit seiner Begleitung sowie den Arbeiterabordnungen, die ihm in 20 Schnellastwagen folgen, und den Ehrengästen über die Bahn zu fahren. Deutsche Arbeiter schaffen an einem Werk, das niemals vergehen wird. Der Führer tritt dann unter minutenlangen Beifallsstürmen ans Mikrophon, um über die politische, wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Reichsautobahnen zu sprechen. „Das Problem des Straßenbaues mußte gerade in Deutschland um so gründlicher angefaßt werden, als wir schon einmal erlebt haben, wie wichtig in nationalpolitischer Hinsicht die große gesamtdeutsche Regulierung des Verkehrs ist. Was wir der deutschen Eisenbahn für die Einigung unseres Volkes, für die Ueberroinbung unserer Stammes- und kleinstaatlichen Zerrissenheit verdanken, können wir gar nicht abschätzen. Glauben Sie mir, noch viel gewaltiger wird der Einfluß dieser Straßen sein! Das neue deutsche Reichsautobahnueh ist nicht nur in der Anlage das Gewaltigste, was es in dieser Art auf der Erde gibt, sondern es ist zugleich das Vorbildlich sie. Es wird mehr als alles übrige mithelfen, die deutschen Gaue und Lande miteinander zu verbinden und in eine Einheit zu zwingen." Unter begeisterter Zustimmung der Reichsautobahnarbeiter rechnete der Führer mit den kleinlichen Einwänden der Zweifler und Kritiker ab, die zu Beginn die Größe und Bedeutung dieser neuen monumentalen Straßenbauten nicht verstanden und erklärten: „Das kann man nicht finanzieren!", „die Straßen schneiden zu sehr in die Landschaft ein!", „Sie werden Tausende von Prozessen mit den Landbesitzern bekommen!", „Sie können das nicht machen, Sie müssen zu viel Brücken bauen, es ist roegen der geologischen Struktur unseres Landes zu schwierig!", „die Straßen werden sehr häßlich sein, und man wird einschlafen, wenn man auf ihnen fährt!", und vor allem, „Sie werden niemals einen Arbeiter dafür gewinnen, denn Der Arbeiter geht lieber stempeln, als daß er Autostraßen baut!" Es sind mir noch viele andere Gründe vorgehalten worden. „Man muß erst studieren, welches Material man nehmen muß! Dazu sind zehn und zwanzig Jahre notwendig, bis man darüber Klarheit bekommt!" usw. „Ich habe es damals zunächst als Wichtigstes angesehen", so fuhr der Führer fort, „einen Mann zu finden, der meiner Ueberzeugung nach geeignet war, eine solche Aufgabe durchzu- führen, und das konnte nur ein ftatinnal« sozialist fein. (Tosender Beifall.) Nur ein Nationalsozialist konnte diesen fanatischen Glauben an die Notwendigkeit und damit auch an die Durchführbarkeit eines solchen Werkes besitzen. Zweitens mußte er ein Mann sein, der nicht am grünen Tisch geworden war, sondern ein Mann, der selbst einmal auf der Straße gearbeitet hat, dex selbst hinter dem Teerkessel stand, ein Mann, der vor allem gerade auch die Fragen begriff, die in bezug auf die Arbeiter gelöst werden mußten. Denn auf die Dauer konnte man ja die Arbeiter nicht unter Zeltbahnen unterbringen, sondern mußte neue Anlagen und Unterkünfte schaffen. Ich habe damals einen guten, alten Parteigenossen gekannt, von dem ich der Ueberzeugung war: Der wird es schaffen! Er ist ebenso technisch vorgebildet, wie auf der anderen Seite auch ein Kenner des Arbeiters; denn er hat selbst auf der Straße als Arbeiter geschafft. Das ist überhaupt unser größter Stolz, daß wir in diesem Reich jedem einzelnen fähigen Kopf — et kann kommen, woher er will — den Weg zu den allerhöchsten Stellen ebnen, wenn er nur fähig, tatkräftig, fleißig und entschlossen ist. Ich zweifelte außerdem keine Sekunde, daß wir auch die Arbeiter für den Bau der Reichsnet und behauptet, Sowjetrußland sei ein Staat wie jeder andere auch, auf dessen Mitarbeit an der Errichtung eines europäischen Friedenssystems man nicht verzichten könne. Moskau hat selbst alles getan, diese Auffassung seiner demokratischen Bundesgenossen und Freunde in Westeuropa gründlich zu widerlegen, indem es sich oe, der Ueberwachung der spanischen Grenzen von vornherein außerhalb der Front der auf Isolierung des spanischen Brandherdes hinstrebenden Mächte hielt und im übrigen nach wie vor alles daranfetzte, durch Unterstützung Valencias die Nichteinmischung illusorisch zu machen. Diese Taktik Moskaus und die Gewißheit, daß die offizielle Nichteinmischungspolitik ihrer Negierungen in den Linksparteien Frankreichs und Englands heftige Gegner hat, ermunterte die spanischen Bolschewisten dazu, in dreistester Weise die Seekontrolle zu erschweren, wo sie nur konnten, wobei ihnen die Tatsache, daß deutschen und italienischen Kriegsschiffen die Ueberwachung der in den Händen der Roten befindlichen Mittelmeerhäfen zugefallen war, Gelegenheit bot, gleichzeitig an den autoritären Mächten ihr Mütchen zu kühlen. Der Ueberfall auf die „Deutschland" war die erste Frucht dieser Spekulation auf die starken Hintermänner, die es schon nicht zum Schlimmsten kommen lassen würden. Und wenn es schien, als ob nun doch die zynische Ruchlosigkeit dieses Angriffs auf die Autorität eines internationalen Ausschusses das Gefühl für die Notwendigkeit gemeinsamer Abwehr durch die vier mit der Seekontrvlle beauftragten Großmächte gestärkt hätte, so sollte der zweite Zwischenfall, der Torpedoangriff roter U-Boote auf die „Leipzig", sehr schnell bas Gegenteil beweisen und den bolschewistischen Machthabern in Valencia Recht geben, die sich durch das Londoner Uebereinfommen der vier Kontrollmächte auf gemeinsame Abwehr jeden Angriffs auf eines der Kontrollschiffe nicht im geringsten hatten einschüch- tern lassen, sondern ihre dreisten Provokationen fortgesetzt hatten in der Gewißheit, daß bei der bekannten Einstellung der Regierungen Frankreichs und Englands und dem politischen Druck der Volksfrontkreise in beiden Ländern die erste Probe auf die Solidarität der vier Mächte das ganze Kontroll- system zum Scheitern bringen würde, womit für die Bolschewisten dann der Zweck erreicht war. Deutschland hat nach dem zweiten Angriff auf die „Leipzig" unter peinlicher Beachtung der Londoner Abmachungen den übrigen drei Kontrollmächten von kluger Mäßigung diktierte Vorschläge für eine gemeinsame Sühnung der beleidigten Autorität des internationalen Ausschusses gemacht, die gleichzeitig durch die Anregung der Internierung der roten U-Boote weiteren Uebersällen auf die Kontrollschifse Vorbeugen wollten. Deutschland hat in dem Willen, seine Bereitschaft zu einer europäischen Zusammenarbeit in einem besonders eklatanten Fall unter Beweis zu stellen, seine berechtigte Empörung über die erneute dreiste Herausforderung der Bolschewisten zurückgedrängt und, als es in London mit feinen Vorschlägen auf Widerstand traf, nicht nur an den eigenen Forderungen erhebliche Abstriche vorgenommen, sondern ist auch dem Wunsch auf Untersuchung trotz der bereits vorliegenden einwandfreien Feststellungen deutscher Seeoffiziere entgegengekommen, wenn nur die von ihm angeregte Flottendemonstration der vier Seekontrollmächte vor Valencia die Solidarität der Mächte gegen die ebenso heimtückische wie dreiste Taktik der spanischen Bolschewisten aller Welt eindeutig vor Augen führte. Aber nicht einmal zu dieser Geste der Solidarität wollten sich England und Frankreich verstehen, ja sie standen nicht an, durch Anzweiflung der Feststellungen deutscher Seeoffiziere und Verlangen nach einer neuen Untersuchung vor irgendwelchen gemeinsamen Maßnahmen, Deutschland zu kränken und damit zum Ausdruck zu bringen, wie gering das gegenseitige Vertrauen ist, das die Dor- ausfetzung jeder Zusammenarbeit sein muß. Gerade die lautesten Propagandisten der kollektiven Methode, die in einem kollektiven Sicherheitssystem das Fundament des europäischen Friedens sehen, haben ihrem eigenen politischen Ideal den härtesten Schlag versetzt. Hier war geradezu ein Schulbeispiel, an dem die so laut gepriesene kollektive Methode ihre Brauchbarkeit hätte beweisen können. Aber ihre Lobredner haben nicht den geringsten Versuch gemacht, sie zur Anwendung zu bringen. Ja sie haben ihre Theorie in der politischen Praxis verleugnet und damit bei allen denen die Zweifel an der Brauchbarkeit der kollektiven Methode genährt, die in ihr stets nur einen Vorhang für die Verfolgung sehr handgreiflicher nationalen Interessen gesehen haben. Man kann jedenfalls nicht ungestraft das gemeinsame Vorgehen gegen einen Friedensbrecher zum Grundsatz des politischen Systems der Friedenssicherung erheben, wie es Frankreich und England getan haben und sich dann im entscheidenden Augenblick einer als Verwarnung des Angreifers gedachten Flottendemonstration versagen, zumal wenn man damit grabe die beiden Mächte im Stich läßt, die im gleichen Augenblick für eben diese kollektive Methode der Friedenssicherung gewonnen werden sollen. Man wird es uns nicht verdenken können, wenn wir recht skeptisch werden und an der Aufrichtigkeit zu zweifeln beginnen, die England und Frankreich dem Problem einer Neubegründung europäischer Zusammenarbeit entgegenbringen. Die Lehre, die wir aus dem Geschehen der letzten Wochen empfangen haben, ist wenig ermutigend, und wenn wir auch nicht schon nach diesen ersten mißglückten Ansätzen zu einer europäischen Zusammenarbeit im Sinne einer Solidarität der sich für Frieden und Ordnung einsetzenden Mächte die Flinte ins Korn werfen wollen, so werden die Vorgänge in London unb ihre mißtönende Begleitmusik in der englischen Presse eine neue Stütze für unsere Auffassung sein, daß die bisher befolgte deutsche Methode nachbarlicher Verständigung ein festeres Fundament europäischer Friedenssicherung schafft, als eine Methode, die mit dem Schlagwort vom ,,unteilbaren Frieden" sich zwar viel weitgreifender gebärdet, aber schon bei der ersten Probe aufs Exempel kläglich versagt. Dr. Fr. W. L. Die Lücke tm Kontrollnetz. Neutrale Beobachter an Bord der Ueberwachungsschiffe. London, 25. Juni. (DNB.) Preß Association meldet: Es verlautet, daß die britische und die französische Regierung bereit sind, mit ihren Flotten die Lücke in der Ueber- wachung an den spanischen Küsten auszufüllen, die durch die Zurückziehung der deutschen und italienischen Schiffe entstanden ist. Die britische und die französische Regierung werden dem Nichteinmischungsausschuß Anfang kommender Woche von diesem Entschluß Mitteilung machen. Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß die britische Regierung bereit ist, die Anregung mit Wohlwollen ins Auge zu fassen, wonach neutrale Beobachter an Bord der Ueberwachungsschiffe kommen sollen. Der gemeinsame Beschluß Englands und Frankreichs, an Stelle der deutschen und italienischen Flotten in die Ueberwachungslücke einzuspringen, sei ein Ergebnis mehrtägiger Besprechungen zwischen Paris und London. Äie Frage von neutralen Beobachtern sei aufgeworfen worden, um unparteiische Feststellungen bei etwaigen neuen Zwischenfällen zur Hand zu haben. Frankreich werde voraussichtlich auch der Anregung zustimmen. Oer Mittelpunkt des baskischen Minengebietes in der Hand der Nationalen. Bilbao, 25. Juni. Die westlich von Bilbao vormarschierenden nationalen Truppenabteilungen haben, ohne auf Widerstand zu stoßen, die Ortschaft Somorrostro etwa 18 Kilometer nordwestlich von Bilbao besetzt. Somorrostro, an der Grenze zwischen den Provinzen Biscaya und Santander, ist der Mittelpunkt der E r z m i n e n, die den größten Reichtum des Baskenlandes darstellen und die jetzt zum größten Teil wieder im Besitz des nationalen Spaniens sind. Flüchtlinge aus Santander berichten, daß dort durch die Zusammenballung von etwa 300 000 Menschen die Ernährungsschwierigkeiten ungeheuer groß geworden seien. In Castro Urdiales, Santona und Ampuero habe die Bevölkerung in Straßenkundgebungen die Uebergabe von Santander verlangt. Die Bolschewisten hätten auf die Menge geschossen, um sie auseinanderzutreiben-, eine große Anzahl Personen aus der Zivilbevölkerung sei dabei getötet und verletzt worden. Verletzte der »Deutschland" kehren zurück. Berlin, 25. Juni. (DNB.) Folgende Soldaten des Panzerschiffes „Deutschland", die beim Bombenangriff von Ibiza verletzt wurden, befinden sich nach ihrer Wiederherstellung auf dem Rückwege nach der Heimat: Arno Fischer, Engelberts, Krautscheid, Baltruschat, Eckhardt, Graumann, Herbert Lehmann, Haueiß, Forbig, Bock- sprecker, Rieth, Bunge, Deharde, Beck, Friedrich Wolf, Eugen Wolf, Theo Foerster, Dierdorf. Poststation für die Zurückkehrenden ist nun wieder Panzerschiff „Deutschland", Wilhelmshaven In Gibraltar bleiben vorläufig noch zurück: Bruß, Schönfeld, Roth, Eilert, Fritsch, Böttiger, Castrup, Löffler, Balle. Diesen Soldaten geht es gut, sie sind außer jeder Gefahr, mit ihrer Rückkehr kann ebenfalls bald gerechnet werden. Poststation für diese Soldaten bleibt vorläufig Marinehospital Gibraltar. * Das Kommando Panzerschiff „Deutschland" gibt folgendes bekannt: Nach dem Bombenangriff vor Ibiza, insbesondere nach der Ueberfüh- rung der gebliebenen Kameraden in die Heimat, sind dem Schiff und seiner Besatzung, insbesondere dem Kommandanten, Kapitän z. S. Fänger, aus allen Gauen des Reiches so viele Beweise herzlicher Anteilnahme zugegangen, daß eine Beantwortung im einzelnen noch nicht möglich gewesen ist. Das Kommando bittet daher, schon jetzt auf diesem Wege allen Volksgenossen herzlichst danken zu dürfen. Regelung des Grenzverkehrs in Oberschlesien. Berlin, 25. Juni. (DNB.) Die im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Ablauf der 15jährigen Uebergangsfrist des Genfer Abkommens über Oberschlesien geführten Verhandlungen haben sich hauptsächlich um Fragen des Grenzverkehrs gedreht. In Zukunft werden die innerhalb der oberschlesischen Grenzbezirke wohnenden Personen, die bisher Ver- tehrskarten besaßen, Grenzausweise erhalten. Auf deutscher Seite wird der Grenzbezirk auf 15 Kilometer erweitert werden. Die außerhalb der Grenzbezirke wohnenden Personen erhalten Reisepässe, für die besonders niedrige Gebühren in Aussicht genommen sind. Die Visierung wird gebührenfrei erfolgen. Die Behörden werden angewiesen werden, bei der Ausstellung von Grenzausweisen und Pässen möglichst entgegenkommend zu verfahren. Es ist in Aussicht genommen, soweit notwendig, die Grenzübergänge besonders für den Arbeiterverkehr auch während der Nachtstunden offen zu halten. Die bisher wohnberechtigten Personen werden bei den zuständigen Verwaltungsbehörden Anträge auf Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen zu stellen haben. Diese Anträge werden mit Wohlwollen behandelt werden. Den Personen, für die ein Abzug in Frage kommt, werden ihre wirtschaftlichen Verhältnise berücksichtigende Zugfristen gewährt werden. Es ist zu hoffen, daß diese Regelung auf längere Zeit eine Beruhigung und Sicherung der betroffenen Kreise bringen wird. * Wie die „Deutsche Rundschau in Polen" erfährt, wurde der Geschäftsführer und Redner der Deutschen Vereinigung Dr Gero Freiher von Gersdorff in seiner Bromberger Wohnung verhaftet und in das Gerichtsgefängnis Könitz überführt, wo seit vielen Wochen die in Kensau verhafteten 18 deutschen Jugendlichen und die beiden bejahrten Gutseigentümerinnen Wehr, die den Jungen auf ihrem Gut Arbeit gegeben hatten, der Verhandlung und Freilassung entgegensetzen. Chamberlain erkennt Deutschlands Mäßigung an. Ministerpräsident Chamberlain hat im englischen Unterhaus das Ausscheiden Deutschlands aus der Seekontrolle mit überaus maßvollen Worten begleitet, die in wohltuendem Gegensatz au dem Geschreibsel der britischen Presse stehen, die sogar schon soweit ging, wieder allerlei Märchen über deutsche und italienische Truppenlandungen an der spanischen Küste, diesmal in Malaga, zu verzapfen. Darauf hat Chamberlain mit einer unmißverständlichen Zurechtweisung der Londoner Presse geantwortet. Er hat die lügenhafte Berichterstattung angeprangert und damit, so hoffen wir, einem Treiben ein Ende bereitet, das ganz gewiß nicht dazu gedient hätte, eine Entspannung der Situation zu begünstigen. Immerhin dürfen auch Chamberlains Worte nicht so bewertet werden, als habe man jenseits des Kanals eingesehen, wie sehr man uns mit der Ablehnung eines Solidaritätsaktes beleidigte. Wenn Chamberlain die Zurückziehung der deutschen Schiffe „vernünftig" nennt, so möchte man hinter diesem Lob noch etwas ganz Bestimmtes vermuten. Eigentlich hätte er die Zurückziehung bedauern müssen. Doch das hätte wieder zur Voraussetzung gehabt, sich in eine für England wenig erfreuliche Auseinandersetzung über die Vorgeschichte der Zurückziehung unserer Schiffe einzulassen. Er hat einen Bogen um das Kernstück des Konfliktes geschlagen. So gern man also die Bemühungen des Ministerpräsidenten um eine Beruhigung der Atmosphäre anerkennt, so wenig werden durch seine Ausführung Momente gegenteiliger Art aus der Welt geschafft. B. R. Die Merhausdebatte London, 25. Juni. (DNB.) Dor voll besetztem Unterhaus erklärte Ministerpräsident Neville Chamberlain, die britische Regierung sei zwar genötigt gewesen, ihre Unzufriedenheit mit den Fehl schlügen des Nichteinmischungsplanes auszudrücken. Es fei aber bis zum Augenblick gelungen, das Ziel zu erreichen, das hinter der britischen Politik die ganze Zeit gestanden habe. Wir werden diese Politik fortsetzen, solange man vernünftigerweise die Hoffnung hegen kann, die Ausbreitung des Konfliktes zu vermeiden. Die Lage fei e r n ft, aber nicht hoffnungslos. Und obwohl verschiedene Regierungen es wünschten, daß die eine oder die andere Seite in Spanien gewinne, gebe es doch kein Land, das einen europäischen Krieg zu erleben wünschte. Man müsse einen kühlen Kopf bewahren und nichts tun, was ein Unglück beschleunigt herbeiführen würde, das jeder zu vermeiden wünsche. Chamberlain erklärte weiter, daß die Lage notwendigerweise zur Anklage führe, daß nicht unparteiisch verfahren werde und zu Gegenbeschuldigungen und solch bedauerlichen Zwischenfällen, wie dem „D e u t s ch l a n d" - Z w i s ch e n f a l l. (Zuruf eines Labour-Abgeordneten: „Und die Beschießung von Almeria!" Chamberlain: „Gut, und die Beschießung von Almeria.") Er wolle nicht den „Le i p zi a" -Z w i s ch e n f a l l behandeln. Die deutschen Offiziere des Schiffes feien davon überzeugt, daß es unbestreitbare Beweise dafür gebe, daß sie zum Gegenstand von Torpedoangriffen gemacht worden seien. Er schließe die Möglichkeit eines Fehlers nicht aus. Er wisse, daß im Laufe des Weltkrieges viele britische Marineoffiziere geglaubt hätten, daß sie Torpedobahnen gesehen hätten, wobei man später aber beweisen konnte, daß es sich nicht um Torpedos habe handeln können. Deswegen denke man nichts Schlechtes von den Offizieren. Sie seien vollkommen aufrichtig. Unter diesen Umständen scheint die Maßnahme, daß man die Schiffe nicht mehr tanger den Gefahren solcher Zwischenfälle aussehen will, vernünftig. Sie sollte daher nicht feindschaftlich kritisiert werden. Ich möchte sogar noch ein wenig weitergehen. Denn ich daran denke, welche Erfahrungen die deutsche Flotte hat machen müssen, wenn ich an den Verlust an Menschenleben und die Verstümmelung von Mannschaften auf der „Deutschland" denke, sowie an die natürlichen Gefühle der Empörung und Entrüstung, die durch solch einen Zwischenfall hervorgerufen werden können, muh ich feststellen, daß meiner Ansicht nach die deutsche Regierung, indem sie lediglich ihre Schiffe zurückgezogen und festgestellt hat, dah dieser Zwischenfall damit abgeschlossen sei, ein Maß von Mäßigung gezeigt hat, das wir alle anerkennen. Auf jeden Fall bedeutet das Verschwinden der deutschen und italienischen Schiffe aus der Flottenkontrolle, daß es keine weitere Gefahr von Zwischenfällen dieser Art mehr gibt. Das Beste, was wir nun tun können, ist, wenn wir uns den beiden praktischen Maßnahmen zuwenden, die jetzt ergriffen werden müssen, von denen die erste darin besteht, daß die Lücke in der Kontrolle gefüllt werden muß, und die andere, daß unsere Versuche erneuert werden müssen, eine Außenminister Eden erklärte dann: Es sei bereits oft im Unterhaus gesagt worden, daß England in Mitteleuropa und anderswo Frieden und gutes Einvernehmen wünsche. Wir können nicht daran denken, daß wir uns dort irgendwie mehr desinteressieren könnten, als irgendwo anders auf der Welt. Unser Interesse am Frieden ist universell. Wir erkennen an, daß auf Handels- und wirtschaftlichem Gebiet andere Völker ein größeres Interesse am Donaubecken als wir haben. Wir würden gern eine allmähliche Beseitigung der Handelshindernisse in diesen Gebieten sehen. Unser Interesse am Frieden dort darf aber, wie auch anderswo, nie aufhören. Unsere Waffen werden niemals in einem Angriffskrieg gebraucht werden oder für Zwecke, die nicht mit der Völkerbundsfahung oder dem Kellogg-Pakt übereinftimmen. Sie können vielleicht, wenn sich die Rotwendigkeit ergibt, zur Verteidigung des britischen Reiches benutzt werden. Sie können vielleicht, wenn sich die Notwendigkeit ergibt, zur Verteidigung Frankreichs oder Belgiens gegen einen unprovozierten Angriff in Uebereinffimmung mit unteren bestehenden Verpflichtungen benutzt werden. Hierüber gibt es keinen Zweifel, noch würde D e u f ch l a n d ausgeschlossen fein, wenn Deutschland in einen Vertrag dieser Art eingeschlossen wäre. Unsere Wiederbewaffnung kann vielleicht benutzt werden, um dem Opfer eines Angriffes Hilfe zu bringen, roo nach unserer Ansicht dies nach den Bestimmungen der Völker- bundsfahung angemessen wäre. Ich gebrauche das Wort „vielleicht", weil es keine automatische Verpflichtung gibt, zur militärischen Aktion zu schreiten. Dann wandte sich der Redner der spanischen Frage zu. Wir sind zur Zeit in enger Beratung mit der französischen Regierung über die künftige politische Linie, die verfolgt werden soll. Es ist selbstverständlich von Wichtigkeit zu wissen, wie die Haltung der deutschen und italienischen Regierung fern wird. Wir stellen Nachfragen an, und es scheint, als ob die deutsche und die italienische Regierung an dem System weiter teilnehmen werden, mit Ausnahme der Flottenkontrolle. Es wird eine Sitzung des Nichtein-- mischungsausschusses stattfinden. Auf dieser Sitzung Zurückziehungder ausländischen Freiwilligen aus Spanien zu erzielen. Ich wünsche mit einem äußerst ernsten Appell an diejenigen z-u schließen, die sich in verantwortlicher Stellung in diesem oder in anderen Ländern befinden, und ich schließe hierbei die Presse und die Mitglieder dieses Hauses in meinen Appell ein, ihre Worte sehr sorgfältig abzuwä» gen, bevor sie sich zu diesem Gegenstand äußern, und daß sie sich die Folgen vor Äugen halten mögen, die sich aus irgendeinem voreiligen oder gedankenlosen Satz ergeben können. Ich habe gelesen, daß es auf hohen Bergen mitunter einen Zustand gibt, bei dem eine unvorsichtige Bewegung ober auch nur ein plötzlicher lauter Ausruf eine Lawine Hervorrufen «kann. Das ist genau der Zu stand, in dem wir uns heute befinden. Ich glaube jedoch, daß, obwohl der Schnee sich in einer gefährlichen Lage befindet, er sich noch nicht zu bewegen begonnen hat. Wenn wir alle Vorsicht, Geduld und Zurückhaltung üben, können wir vielleicht noch in der Lage sein, den Frieden der Welt zu retten. (Lebhafter Beifall.) werden wir die Haltung dieser Mächte erfahren. Wenn sie bereit sind, noch in dieser späten Stunde mitzuarbeiten, dann werden wir noch eine A n - strengung mehr machen und sehen, ob diese Angelegenheit nicht zum Erfolg gebracht werden kann. Wir müssen weitere Anstrengungen machen, und ich glaube, daß die französische Regierung ebenso wie die unsrige dies zu tun beabsichtigt. Was die Zurückziehung von Freiwilligen anbetrifft, so wartet die britische Regierung auf das Ergebnis ihres letzten Angebots. Zum „Leipzig"Zwifchenfatt erklärte Eden, die britische Regierung bedauere es, daß es nicht möglich gewesen fei, ein Abkommen in dieser Frage zwischen den vier Dächten zu er- reichen. Es habe nicht an Versuchen gefehlt, aber es habe eine echte Meinungsverschiedenheit bestanden. Die Haltung Englands schließe keinen Zweifel an der Aufrichtigkeit der deutschen Offiziere der „Leipzig" ein. Es sei jedoch eine bedauerliche Tatsache, dah als Ergebnis des „Leipzig"-Zwifchenfalles das am 12. Juni erzielte Werk gemeinsamer Konsultation zerstört worden fei. Unvermeidlicherweife fei die Lage infolgedessen schwieriger geworden. Es könne fein, daß trotz aller Anstrengungen die Nichteinmischungspolitik sich nicht aufrechterhalten taffe. Hieran wolle er aber nicht denken, bevor nicht der Meinungsaustausch mit der französischen Regierung beendet sei und bevor die Möglichkeiten der Lage nicht genügend überprüft seien. Die britische Regierung werde die Nichteinmischungspolitik nicht aufgeben, weil sie die Gefahren erkenne, die sich hinter der Aufgabe einer solchen Politik verbergen. Das heiße aber nicht, daß man Frieden um jeden Preis wolle. Das Haus lehnt dann einen liberalen Abänderungsantrag zum Haushalt des Außenministeriums mit 157 gegen 86Stimmen ab. Vorher hatte Lloyd George unsachliche Angriffe gegen Deutschland und Italien gerichtet. Er hatte dabei auch behauptet, daß auf Seiten der nationalspanischen Partei bedeutend mehr Freiwillige kämpften, als bei den Bolschewisten. Bemerkenswert war die Feststellung Lloyd Georges, er bedauere, daß Sowjetrußland nicht in der Lage gewesen sei, noch mehr Kriegsmaterial an die Valencia-Bolschewisten zu schicken. England hält an der Aichteininischnngspolltik fest. Der Visthof von Speyer des Konkordatsbruchs überführt. Ein deutscher Bischof liefert Gtoff für Greuelmärchen nach Amerika und Rom. Frankenthal, 25. Juni. (DNB.) Vor der II. Großen Strafkammer des Landgerichts Franke n t h a l hatte sich der 67jährige katholische Pfarrer Dekan und Geistliche Rat Joseph Schräder aus Deidesheim wegen übler Nachrede zu verantworten. Das Gericht verurteilte den Angeklagten, dem es fein hohes Alter und feine bisherige Straffreiheit als mildernden Grund anrechnete, zu einer Geldstrafe von 200 RM. Die Verhandlung gewann dadurch an Bedeutung, daß die üble Nachrede sich gegen den Gauleiter der Saarpfalz Joseph Bürckel richtete. Line geradezu sensationelle Wendung erhielt sie durch die Zeugenvernehmung des Bischofs von Speyer Dr. Ludwig Sebastian. Der höchste geistliche Würdenträger der Saarpfalz muhte auf Vorhalten des als Nebenklägers zugelasienen Gauleiters Bürckel und nach Verlesung der Dokumente eingestehen, daß er im April 1935 an den kardinal st aatssekre- tär Pacelli in Rom nachweislich unzutreffende Berichte über innerdeutsche Angelegenheiten berichtet und sich damit des schweren Bruches des Konkordates schuldig gemacht hat. Darüber hinaus mußte der Bischof von Speyer die zunächst von ihm abgestrittene Urheberschaft an einer anonymen Postkarte, auf der die Worte „Lügner, Lump und Verleumder" Vorkommen, zugeben. Der Tatbestand. Der Verhandlung lag folgender Tatbestand zugrunde: Im April dieses Jahres hatte der Angeklagte von der Kanzel seiner Pfarrkirche eine Erklärung verlesen, die — von den 18 katholischen Dekanen der Diözese Bayern verfaßt und unterzeichnet — wahrheitswidrig behauptete, Gauleiter Bürckel habe den Bischof von Speyer in einer im März in Kaiserslautern gehaltenen Rede „in unwürdiger Weise behandelt". Alle die Ausführungen, die Gauleiter Bürckel gegen die Hetzer im geistlichen Gewände und gegen die politischen Geschäftemacher der katholischen Kirche gemacht hatte, bezog der Angeklagte auf den Bischof von Speyer, um dem überzeugenden Bekenntnis der saarpfälzischen Bevölkerung zur Gemeinschaftsschule das „Nein" der kirchlichen Stellen entgegenzusetzen und so einen Keil in die durch die Abstimmung bekundete Volksgemeinschaft zu treiben. Bezeichnend für das Verhalten des Angeklagten war die Feststellung, daß er die Rede des Gauleiters überhaupt nicht gehört hatte. Er hat aber die Erklärung mitverfaßt und mitunterzeichnet, „weil ihn die Leute gefragt hätten, ob denn nichts gegen die kränkenden Aeußerungen des Gauleiters getan würde". (!) Als der Ängeklagte die beleidigenden Stellen anführen soll, verliest er aus der Rede Stellen, die unverkennbar nur gegen den politischen Katholizismus gerichtet sind. Don dem Bischof von Speyer ist nur zweimal die Rede, und beide Male erbietet sich der Gauleiter in höflicher Form, dem Bischof Unterlagen zuzuleiten, die ihn besser unterrichten würden, als er von seinen eigenen Mittelsmännern unterrichtet worden ist. Oer Bischof von Speyer Or. Ludwig Sebastian als Zeuge bekundet, er habe geglaubt, mit seinem Eintreten für die Bekenntnisschule im Rechte zu fein, und er habe es als unwürdig empfunden, wenn er zur Rechenschaft gezogen werde, ohne daß er Gelegenheit zur Verteidigung gehabt habe. Der Bischof verliest die gleichen Stellen, die sich mit politischen Hetzreden katholischer Geistlicher befassen, die sich dabei der schlimmsten und gemeinsten Verleumdungen und Verdrehungen schuldig gemacht haben. Oer Nebenkläger Gauleiter Bürckel faßte den Inhalt der gegen ihn erhobenen Vorwürfe in folgende drei Fragen zusammen: Habe ich die nationale Zuverlässigkeit des Bischofs in Frage gestellt? fyabe ich ihn beschuldigt, sich in innerpolitische Angelegenheiten gemischt zu haben? Und habe ich das Konkordat verletzt? Der Nebenkläger verweist auf seine ständigen Bemühungen zum Frieden zwischen den staatlichen und kirchlichen Behörden seines Gaues zu kommen. Er erinneret an seinen Vorschlag an die beiden Bischöfe von Speyer und Trier, daß in den Kirchen kein Wort gegen Partei und Staat gesprochen, durch ihn dagegen verboten werde, einen Eingriff gegen die Kirche zu richten, und daß er sich bereit erklärt habe, jeden ohne Ansehen der Person aus seinem Amte zu entfernen, der gegen diesen Erlaß verstoße. Dieser Vorschlag sei durch die Bischöfe zum Scheitern gebracht worden. Die Verhandlung nimmt nun eine sensationelle Wendung, als der Gauleiter an den Bischof die Frage richtet, warum er sich nicht durch die Bekanntgabe der Tatsache beleidigt gefühlt habe, daß in einem Auto des Ordinariats, das einen Unfall in der Nähe von Kandel hatte, das Konzept einer Instruktion an d i e katholische Jugend über das Verhalten bei gerichtlichen Vernehmungen gefunden wurde, in dem die absolut unmoralische Aufforderung enthalten war, „Du f o l l st nicht lügen, du darfst aber auch nicht alles sagen." Der Bischof erklärte, daß er von dem Autounfall erst durch die Zeitung erfahren habe. Der Entwurf sei ihm nicht bekannt gewesen. Er muß jedoch zugeben, daß das Auto dem Amt gehörte, das die Pflicht hatte, die katholische Jugend zu betreuen, und daß dieses Amt zum bischöflichen Ordinariat gehört. Auf die Frage, warum der Bischof, nachdem ihm Kenntnis von der unmoralischen Auffoderung des Entwurfs geworden sei, nichts gegen die Verfasser unternommen habe, erklärte der Bischof: lieber meine Amtsführung bin ich nur meinem Gott und meinem Gewissen Rechenschaft schuldig! Auf Befragen durch den Vorsitzenden erklärt der Zeuge schließlich, nicht zu wissen, ob eine Untersuchung eingeleitet wurde. Anonyme Schreiben ans Speyer. Der Nebenkläger erwähnt dann die Tatsache, daß schon seit Jahren, wenn irgendwelche Maßnahmen gegen die politische Betätigung der Kirche unternommen wurden, eine Hochflut von anonymen Schreiben, die alle aus der gleichen Feder und alle aus Speyer herrührten, bei den Staatsstellen und auch bei völlig unbeteiligten und völlig unpolitischen Personen einliefen. Der Bischof erklärte dazu erregt: „Ich weiß von diesen Briefen nichts und lehne sie ab!" Nebenkläger: „Schreiben Sie auf Karten ohne Unterschrift?" — Zeuge: „Nein, wenn ich Karten schreibe, bann setze ich auch meinen Namen darunter." — Nebenkläger: „$)aben Sie noch im Januar 1937 eine anonyme Karte, in der die Ausdrücke „Lügner, Schuft und Verleumder" Vorkommen, an einen gewissen Schmitz-Epper geschrieben?" Der Nebenklärger weist dann eine Karte vor. „Ich wollte nur feststellen, daß der Bischof Unwiderlegbare Beweise Wer bat das Konkordat gebrochen? 6)ie Treuepflicht der Bischöfe (peiimanns (yera^ilfe untecsiüht und regelt die ktrdeitskcasl Ihres Herzens. Heumanns Herz-Hilfe ist unschädlich und aus rein pflanzlichen heilstofsen zu- fammengefeht.'sZu Haden in denklpotheken für RIH. 2.50 die Packung. Sie reicht ca. 1 Monat. Keine Bermerkung über Parteibetätigung von Schülern in Zeugnissen Berlin, 25. Juni, (DNB.) Ein Teil der Presse hat Vie Meldung gebracht, daß nach einer Anordnung des Reichserziehungsministers auf den Abgangs- und Reifezeugnissen jeder Vermerk über die Betätigung eines Schülers in der Partei oder einer ihrer Gliederung zu unterbleiben hat. Diese Anordnung erging aus Wunsch des Stellvertreters des Führers, weil es vortam, daß einem Schüler infolge seiner Betätigung in einer Gliederung der Partei auf dem Zeugnis vermerkt worden war, daß diese außerschulische Betätigung auf seine schulische Entwicklung störend ein» gewirkt habe. Solche Vermerke auf Schulzeugnissen sind aber geeignet, das Fortkommen der Schüler zu erschweren. Hirtenbrief zum Versand nach Amerika nicht freigegeben werde, würden Sie an Ihre Freunde in Nordamerika und Rom berichten?" — Zeuge: „Nein". Nach Benennung des betreffenden Beamten als Zeugen gab der Bischof das telephonische Gespräch und die Tatsache zu, daß er des öfteren Schreiben an seine Freunde in Ame- r i k a schickte. Im besonderen gab er zu, daß er gezwungen gewesen wäre, ihnen mitzuteilen, warum er ihnen diesmal die Hirtenbriefe nicht schicken könne. Nebenkläger: „haben Sie an Mundelein ge- schrieben?" Zeuge: „Nein". Sefennfniüpforrer wegenAufforderung zum Ungehorsam gegen staatliche Anordnungen verhaftet. Berlin, 25. Juni. (DNB.) Um den umlaufenden Gerüchten entgegenzutreten, wird a m t l i ch f o l- gendes bekanntgegeben: Der sogenannte Rat der altpreußischen Union hatte in einer Sitzung des Bruderrates beschlossen, entgegen der Verordnung des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern vom 18. Februar 1937 die Pfarrer z u r öffentlichen Bekanntgabe von Kirchenaustritten aufzufordern. Auf Grund dieser Widersetzung gegen staatliche An- ordnungen wurde gegen vier an der Beschlußfassung Beteiligte, nämlich gegen die Pfarrer I a - cobi und Riesel, Assessor Dr. Ehlert und von Arnim-Lützlow, sämtlich aus Berlin, vom zuständigen Richter Haftbefehl erlassen. Megen zwei weitere Berliner Geistliche, die am Sonntag, dem 20. Juni, auf Grund dieses Beschlusses und entgegen dem Verbot Kirchenaustritte bekannt gaben, wurde ebenfalls Haftbefehl erlassen. Ein weiterer Geistlicher entzog sich der Verhaftung durch die Flucht. Nebenkläger: „fjaben Sie einen Brief nach Rom geschrieben, der Stahlhelm sei im Saargebiet verboten, und im Wald von Saarbrücken sei SA. zusammengezogen worden, weil der Stahlhelm putschen wolle?" Zeuge: „Das kann ich nicht sagen. Ich glaube auch nicht, daß ich das geschrieben habe." — Der Rebenkläger legt dem Zeugen eine Photokopie eines an den Kardinalstaatssekretär P a c e l l i gerichteten Briefes vom 15. April 1935 vor, den der Bischof mit den Worten anerkennt: „Ich habe nicht gemeint, daß ich so etwas geschrieben hätte." Nebenkläger: „Sind Sie wegen dieses Berichtes von Pacelli irgendwie zur Rechenschaft gezogen worden, weil er einen Konkordats- b r u ch darstellt?" Zeuge: „Ich erinnere mich nicht!" Der Nebenkläger stellt darauf fest, daß es sich nicht nur um innenpolitische Dinge handelt, sondern daß hier offensichtlich Greuelmär- chen an das Ausland gerichtet wurden, die Greuelmärchen, die man dann im „Offtrvakore Romano" wiederlesen konnte. Er H3.-Dienst und konfessionelle Betätigung Zwei Verfügungen der Reichsjugendführunq Erhöhung des englischen Währungsausgleichsfonds. London, 25.Juni. (DNB.) Schatzkanzler Simon erklärte im Unterhaus, er beabsichtige, den englischen Währungsausgleichsfonds um 2 0 0 Millionen Pfund zu erhöhen. Die bisherige höhe des Ausgleichsfonds stellt sich aur 350 Millionen Pfund. Die Vergrößerung des Fonds fei infolge der kürzlichen Goldverkäufe erforderlich. Diese hätten eine beträchtliche finanzielle Beunruhi- gung hervorgerufen, so daß eine allgemeine Tendenz der Verlegung von Kapitalien nach London entstanden sei. Die Regierung müsse vorsichtshalber weitere Vorkehrungen treffen für den Fall, daß weitere Sterlingskäufe erfolgten. Der Währungsausgleichsfonds dient dazu, den Kurs des Pfundes im Verhältnis zu anderen Währungen aufrechtzuerhalten. stellt weiter fest, daß man uns Konkordaisbruch vorwirft, während das Konkordat tatsächlich fortgesetzt von der anderen Seite, nämlich von der Kirche gebrochen wurde. Er habe in seiner Rede den Bischof sehr maßvoll behandelt, da er geflissentlich geschwiegen habe, daß der Bischof innerpolitische Angelegenheiten entstellt nach Rom berichtete, und daß jeder sonntägliche Hirtenbrief ein Einariff in die innerpolitischen Angelegenheiten Deutschlands sei, der schon Montag in der Auslandspresse wiedergegeben werde. Er habe ausdrücklich anerkannt, daß der Name des Bischofs in der Separatistenzeit einen anständigen Klang gehabt habe. Der Bruch des Konkordats durch den Bischof sei gerade zu einem Zeitpunkt erfolgt, als die Saar alle Kräfte auf den wirtschaftlichen Wiederaufstieg verwenden mußte. Der Staatsanwalt unterstreicht, daß der Gauleiter, da er diese den Tatbestand des Landesverrates erfüllenden Vorfälle nicht erwähnt hat, den Bischof außerordentlich rücksichtsvoll behandelt habe. Darauf wird der Gauleiter und auch der Bischof von Speyer vereidigt, der dabei den Vorbehalt macht, daß er nur diejenigen seiner Aussagen beschwören könne, an die er sich erinnere. ist, als er von der Einleitung eines Verfahrens gegen sich erfuhr, geflüchtet und hält sich zur Zeit in Brasilien auf. Er war seit April 1929 Seelsorger in Opfenbach und erteilte in der Volksschule den Religionsunterricht, hier verging sich der Priester in gemeinster Weise an seinen Schutz- lingen. In einem Brief an das Gericht besaß der Angeklagte die Frechheit, die ihm zur Last gelegten Verbrechen zu bestreiten und die Zeugen als verlogen hinzustellen. Das Urteil gegen den gewissenlosen Jugendverderber lautete auf zwei Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Der Haftbefehl bleibt aufrechterhalten. Ordensbruder erregt öffentliches Aergernis. Osnabrück, 23. Juni. (DNB.) Wegen widernatürlicher Unzucht mit einem Tier und Erregung öffentlichen Aergernisses hatte sich der 35jährige Ordensbruder Isidor (Theodor Gerdes) zu verantworten, der in der Nähe von zwei stark benutzten Wegen in nicht zu schildernder Weise den Versuch widernatürlicher Unzucht unternommen hatte. Der Angeklagte, der sich seiner Feststellung zunächst entziehen konnte, wurde im Kloster Handrup ermittelt. Der Ordensobere, den der Angeklagte über sein Treiben unterrichtet hatte, versuchte den Vorfall abzuschwächen und erklärte, daß Bruder Isidor sich „bei einer Prozession wund gelaufen" und wegen der „starken Schmerzen seiner Kleidung entledigt" habe, „um sich Linderung zu verschaffen". Eine Erklärung, die mit dem Geständnis des Angeklagten in vollem Widerspruch stand. Vielmehr ergab die Verhandlung, daß der nach dem Gutachten des medizinischen Sachverständigen voll zurechnungsfähige und für seine Tat verantwortliche Angeklagte moralisch auf eine Stufe herabgesunken ist, deren Tiefpunkt nicht mehr zu überbieten ist. Das Gericht konnte trotzdem den Angeklagten nur zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr wegen Erregung öffentlichen Aergernisses verurteilen, weil es nur zu einem Versuch der widernatürlichen Unzucht gekommen war. also einerseits in so weitgehend entgegenkommender und loyaler Weise von der Hitler-Juaend den Jugendlichen die genügende Zeit und Gelegenheit nicht nur zur Erfüllung ihrer normalen religiösen und konfessionellen Pflichten, sondern auch zur Beteiligung an besonderen und außergewöhnlichen Veranstaltungen gegeben wird, so muß anderseits die Hitler-Jugend allerdings auch für sich das Recht in Anspruch nehmen, daß auch ihr nor m a I e r Dienst sowie auch ihre besonderen Beran st altungen nicht vernachlässigt werden. Eine solche Vernachlässigung zugunsten einer konfessionellen Betätigung müßte als ein disziplinäres Vergehen gegen die Autorität "er Hitler- Jugend ausgefaßt werden. Daraus ergibt sich, daß Angehörige der Hitler-Jugend und ihrer Gliede- rungen, die an derartigen außergewöhnlichen kirchlichen Veranstaltungen teilnehmen, ohne um solchen Urlaub nachgesucht zu haben, im Rahmen der Disziplinarordnung der Hitler-Jugend bestraft werden; ebenso, daß für die Dauer eines h I. - L a g e r s für kirchliche Dinge kein U r - laub gewährt werden kann, sowie daß Ur- laubsansuchen, falls sie in einem Uebermaß gestellt werden, das den Dipnstbetrieb der Hitler- Jugend beeinträchtigt, ebenfalls ab gelehnt werden können. Die Ansuchen müssen zwei Wochen vor der kirchlichen ober religiösen Veranstaltung auf eigens hierfür zur Verwendung gelangenden Formblättern bei den zuständigen HJ.-Führern eingereicht werden. Die zweite Verfügung, die eine Zusammenfassung aller bisher zur Frage der Doppelmitgliedschaft bei HI. und konfessionellen Jugendverbänden erlassenen Anordnungen darstellt, gibt den zuständigen HJ.-Führern (Gebietsführung, Obergauführung) eine klare Anweisung, die die Ausnahmen von bisher geltenden grundsätzlichen Verboten bzw. Erlaubnissen solcher Doppelmitgliedschaft festlegt. Da die Hitler-Jugend grundsätzlich auf dem Standpunkt steht, daß die Kirchen und Glaubensgemeinschaften für sich allein schon genügten, um jeden Jugendlichen in ausreichendem Maße religiös zu erziehen und zu betreuen, stellt auch diese Verfügung ein weiteres weitgehendes Entgegenkommen der Reichsjugendführung dar. Der Nebenkläger setzte sich daraus mit der Frage auseinander, ob man in rein politischen Fragen den Vatikan als ausländische Macht ansehen kann. Er stellte die Frage, ob es einen Sinn hätte, daß sich der Vatikan von seinen Bischöfen über inner- politische Fragen unterrichten und offenkundige Greuelmärchen liefern lassen kann, wenn er sich nicht selbst als eine politische Macht ansehen würde." Das Konkordat ist unter der selbstverständlichen Voraussetzung vom Staat geschlossen worden, daß die Kirche lediglich m d e r Erfüllung ihrer seelsorgerischen Ausgaben geschützt und der Korrespondenz zwischen Vatikan und Bischöfen lediglich zum Schutz des b i f ch ö f l i ch e n Kir che n am t e s Freiheit zugesichert ist. Wenn es sich nun aber heute herausstellt, wie dieser Schutz des Kirchenamtes von den Bischöfen und dem Vatikan — denn der Bischof hat selbst zugegeben, daß sein Brief vom Vatikan in keiner Weise gerügt worden ist — miß- braucht worden ist, so muß ich feststellen, daß hohe Vertreter der Kirche von Anfang an das Konkordat gebrochen haben. Zum Beweis dafür, daß der Vatikan sich tatsächlich gegenüber Deutschland als auswärtige Macht, und zwar in einem in diesem Falle ausgesprochenen feindlichen Sinne betätigt hat, gab der Gauleiter eine Darstellung eines Besuches bei Kardinalstaatssekretär Pacelli: Drei katholische Vertrauensmänner machten während der Saarabstimmung bei Kardinalstaatssekretar Pacelli einen Besuch. Dabei ist diesem ein kleines Mißgeschick unterlaufen, indem er einen der Anwesenden mit dem berüchtigten Separatisten und Landes- Verräter Johannes Hofmann verwechselte. Gleich beim Eintreffen hielt er dem Der» meintlichen Hofmann entrüstet vor, daß das was hier geredet werde, vertraulich sei. Hofmann dürfe nicht wie das letzte Mal die Dinge in seine Zeitung bringen. Sonst sehe er sich gezwungen. Berlin, 26. Juni. (DNB. Funkspruch.) Zwei neue Verfügungen des Jugendführers des Deutschen Reiches bilden zusammen mit dem kürzlich erlassenen D i e n st p l a n die Grundbestimmungen, durch die das Verhältnis der Hitler-Jugend zu den Konfessionen klar geregelt und abgegrenzt wird. In seiner Rundfunkrede vom 9. Dezember 1936 hat der Reichsjugendführer der Elternschaft das Versprechen erteilt, daß durch die Gestaltung des Dienstplans jedem Jugendlichen die Gelegenheit gegeben wird, die Kirchen seiner Konfession zu besuchen und dort religiös erzogen zu werden, wo er selbst oder seine Eltern es wollen. In Erfüllung dieses Versprechens hat der Reichsjugendführer für die gesamte Hitler-Jugend die Zeiteinteilung so festgelegt, daß den Angehörigen aller HJ.-Gliederungen die Möglichkeit gegeben ist, den allgemeinen und regelmäßigen Pflichten ihrer Konfession nachzukommen. Eine der beiden neuen Verfügungen sieht nun „in Anerkennung der seelsorgerischen Aufgaben der Kirchen oder anderen religiösen Vereinigungen" über diese Zeiteinteilung hinaus die Möglichkeit vor, in außergewöhn- lichen Fällen für besondere Veranstaltungen von Kirchen oder Glaubensgemeinschaften Urlaub zu gewähren. Als solche gelten alle jene religiösen Veranstaltungen, die läng e r als einen Tag dauern und deren Besuch die Jugendlichen an der Erfüllung ihres pflichtmäßigen Dienstes in der Hitler-Jugend hindert. In Betracht kommen vor allem mehrtägige rein religiöse Hebungen, mehrtägige althergebrachte kirchliche Veranstal- tungen wie Wallfahrten, Rüstzeiten, volksmissiona- rische Kurse, Vorbereitungen für kirchliche Prüfungen, Konfirmandenunterricht usw. Es ist sämtlichen Dienststellen der HI. untersagt, solche Ansuchen aus konfessionellen oder religiösen Gründen abzulehnen, oder sie nach Konfessionen und Glaubensgemeinschaften unterschiedlich zu behandeln, oder auch den Antragstellern aus der Tatsache der Antragstellung irgeiÄwelchen Nachteil im Dienst erwachsen zu lassen. Für eine etwaige Ablehnung eines solchen Gesuches können, falls kein Gegensatz zu staatlichen Gesetzen oder Verordnungen vorliegt, nur rein dienstliche oder innerdisziplinäre Gründe maßgebend sein. hierzu sagt der Reichs-Jugend-Pressedienst: Wenn Jeder Deutsche, der über irgendwelche Beziehungen zum Ausland verfügt, erblickt eine vaterländische Pflicht darin, diese Verbindungen zu benutzen UM die Hochflut an Lügen über dl° mnerdeutfch n Verhältnisse abzuwehren Anders I-doch ° - r L i - f ch o f von Speyer, Dr. Ludwig Sebastian Er hat seine Aufgabe, das ist vor Gericht einwandfrei festgestellt worden, darin gesehen Darstellungen an die Adresse des Kardinalstaatssekretars Pacelli zu richten, deren Inhalt glatt erfunden ist. SInftatt tue infame ausländische Lügenhetze abzuwehren bat er sich hingesetzt und durch die Verbreitung von Lugen im Ausland nicht nur den Existenzkampf unseres Volkes ungemein erschwert, sondern auch der ausländischen Hetzergilde neue Stichworte gegeben. Das deutsche Volk ist gesund genug, um ft* über ein solches Verhalten ein eigenes Urteil bilden zu möchten aber bei dieser Gelegenheit an einem anderen Tatbestand nicht vorübergehen Aus Grund des Konkordats steht der deutschen katholischen Kirche das Recht zu, sich auch schrlstlich mit dem Vatikan über alle, die Kirche angehenden und im Konkordat fest umrittenen Dmge »“ unterstem Heber den Bruch dieses Konkordats durch das Reich ist von der hohen katholischeni Geistlichkeit und selbstverständlich auch des Vatikans wiederhol Be- fchmerbe aeführt worden. Nur mit dem -beweis material war es stets schlecht bestellt, ^etz is 'e Laae umgekehrt: der Bischof von Speyer hat das Konkordat gebrochen, das Reich ist "" Bchtze d« Beweise, dazu einer Aussage des Bischofs selbst, die den Bruch fachlich bef^tigt Leitartikel Was sagt man nun in Rom? Wie öer x.eiianuei des „Dfferoatore Romano" zu diesem Fall au-sehen wird läßt sich vorausahnen, jedoch d^e -datsach läßt sich damit nicht mehr aus der Welt schaffen. Das sensationelle Ergebnis des Frankenthaler Prozesses erhält vielmehr noch dadurch eine beson- d-re Bedeutung, daß laut Verhandlung der Vatikan in diesem Fall Kardinalstaatssekretar Pacelli, der frühere Berliner Nuntius, nichts getan hat um den offenkundigen Konkordatsbruch des Bischofs Dr. Sebastian pflichtmaßig zu bestrafen^ Artikel an etnfz 1933 durch den damaligen -lllze fanzl°7 van Pa"°n und de? Kardmalstaatsf-kr-tär mnrpff; unter-ieichneten Reichskonkordates besagt Lrllcklich daß ?!- Freiheit der Korrespondenz der selbst einmal eine anonyme Karte mit Ausdrücken geschrieben hat, die nicht der kanonischen Sprache angehören." Gauleiter Bürckel erklärte hierzu, daß die Karte an einen gewissen Schmih-Epper gerichtet gewesen sei, der seit Jahren den Bischof des Verrats an den Sepa- ratisienhäuptling Heinz Orbis bezichtige. Unter atemloser Spannung richtete Gauleiter Bürckel die nächste Frage an den Bischof: „haben Sie einer auswärtigen Macht Briefe über deutsche i n n e r p o l i t i s ch e Dinge geschrieben?" Der Bischof verweigerte die Aussage. — haben Sie telephonisch einem Regierungsbeamten gegenüber erklärt, wenn Ihr die Ausführungen der „Saarpost" im „Osservatore Romano" zu dementieren. Der Nebenkläger setzte sich weiter mit der Frage auseinander, ob bei der Einführung der Gemeinschaftsschule im Gau Saarpfalz das Konkordat verletzt worden sei. „Artikel 23 des Konkordats sichert die konfessionelle katholische Schule. Diese Rechtsschutzbestimmung entfällt aber, wenn die katholischen Eltern, wie dies im Ga". Saarpfalz geschehen ist, einmütig die christlich - deutsche Gemeinschafts, schule wünschen. Schließlich gibt es ja im Konkordat keine Bestimmung, die die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen verbietet." Das Kontor» bat sei davon ausgegangen, daß sich der Staat nicht in die kirchlichen, die Kirche nicht in staatliche Dinge mischen dürfe. Was aber sei es anders als eine Konkordatsverletzung, wenn der Bischof von Speyer wahrheitswidria an Staatssekretär Pacelli schreibe, die Gauleiter seien in München gegen die Kirche scharf gemacht worden, wenn er diese Greuelmärchen von der Zusammenziehung der SA. im Walde von Saarbrücken an der gleichen Stelle bringe. Durch solche unwahre Gerüchte sei auch der Fall M u n d e l e i n entstanden. Wenn heute der Bischof seine Hirtenbriefe regelmäßig nach Amerika, angeblich an die Wohltäter in Deutschlands größter Notzeit, schicke, sei das unerträglich. Gauleiter Bürckel betont zum Schluß, daß ihm an einer Bestrafung des Dekans nichts liege und daß es für ihn nur darauf ankam, einmal an Gerichtsstelle nachzuweisen, welch falsches Spiel von den Feinden des nationalsozialistischen Staates getrieben wird. Es sei nun an der Zeit, daß man Ruhe gebe. Das deutsche Volk wolle Arbeit, Brot und Frieden, und wenn es dazu bete, dann fei das recht. In der Geschichte der Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche wird die Verhandlung in Frankenthal ein lehrreiches Beweisstück bleiben. Wetterbericht des Reichswetterdlensies. Ausgabeort Frankfurt. Während über Norüdeutschland sich die für die Jahreszeit außerordentlich lebhafte Wirbeltätigkeit fortsetzt, hat die hinter der Gewitterfront eingedrungene Kaltluft über dem westlichen Teile des Festlandes zum Ausbau eines Hochdruckgebietes geführt. Die heute morgen im Westen und Nordwesten Deutschlands beobachtete Aufheiterung wird ostwärts weitergreifen. Auch für die Folge kann mit überwiegend freundlichem und wieder wärmerem Wetter gerechnet werden. Doch läßt die Gesamtlage noch kein Schönwetter über längere Zeit hinweg erwarten. Aussichten für Sonntag: Vielfach heiter, meist trocken, warm, veränderliche Winde. Aussichten für Montag: Im wesentlichen freundlich, tagsüber ziemlich warm. Lufttemperaturen am 25. Juni: mittags 14,8 Grad, am 25. Juni: abends 12,1 Grad, am 26. Juni: morgens 8,8 Grad, Maximum 17,5 Grad, Minimum 7,3 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. Juni: abends 17,7 Grad, am 26. Juni: morgens 17,2 Grad, Niederschläge 0,6 mm, Sonnenscheindauer 0,8 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Dr. Hans Thyriot. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr Fr W Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein (beurlaubt) Vertreter: H L. Neuner. Anzeigen» leiter: Hans Beck Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel D A V 37: 9326. Druck und Verlag Brühl'sche Universitäts-Buch» und Steindruckerei R Lange, K -G., sämtlich in Gießen Monate^ezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. wehr Einzelverkaufspreis 10 Pf und Samstags 15 Pf, mit der Illustrierten 5 Pf. mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Bischöfe sich bezieht auf „ihren Verkehr mit den Gläubigen in allen Angelegenheiten ihres Hirten- amtes". Weder der Bischof noch der Vatikan werden ernstlich behaupten wollen, daß unwahre Darstellungen über innerpolitische Dinge Deutschlands etwas mit ihrem Hirtenamt zu tun haben. Außer- dem aber enthält Art. 16 des Konkordates d e n Wortlaut d e s Treueides, den die Bischöfe in die Hand des Reichsstatthalters ablegen. Sie schwören dabei dem Deutschen Reick die Treue „so, wie es einem Bischof geziemt". Dor allem aber enthält diese Eidesformel folgenden entscheidenden Satz: In der pflichtgemäßen Sorge um das Wohl und das Interesse des deutschen Staatswesens werde ich in Ausübung des mir übertragenen geistlichen Amtes jeden Schaden zuverhütentrach- t e n der es bedrohen könnte". Da überdies die Kirche durch das Konkordat ihre Priester anweist, für den neuen Staat einzutreten, ist der Tatbestand völlig klar. Um so mehr wäre es die Pflicht der Kurie gewesen, die Vollendung des Konkordatsbruches durch den Bischof zu verhindern und ihn unter Zugrundelegung des klaren Wortlautes des Reichskonkordates mit aller Strenge des kanonischen Rechtes zur Verantwortung zu ziehen — es sei denn, daß sie diesen Bruch stillschweigend billigte und entgegen dem Wortlaut der Präambel des Konkordates in rechtswidriger Weise einen unzulässigen Nutzen aus dem Vorgehen des Bischofs zu ziehen wünschte! Dieser Prozeß mit 'einen unerwarteten Enthüllungen bestätigt, wie schwerwiegend begründet es war, wenn Reichsinnenminister Dr. Frick am 29. Mai auf dem Gautag des Gaues Wefer- Ems erklärte: „Wir haben von den Hirtenbriefen genug und wollen keine Hirtenbriefe oder Enzykliken mehr sehen." Man darf wohl annehmen, daß das Ergebnis des Frankenthaler Prozesses, noch bestimmte Folgerungen nach sich ziehen wird. ö. K. Katholischer Pfarrer als Zugendverderber. Kempten (SHIgiht), 25. Juni. (DNB.) Vor dem Schöffengericht Kempten wurde die Verhandlung gegen den 48jährigen katholischen Pfarrer Josef Wohlfinder durchgeführt, dem die Anklage fortgesetzte unsittliche Handlungen an seinen minderjährigen Schülern zur Last legte. Der Pfarrer hersLV bei Ser3* loflgW'1 Neueres Tüchtiger Einige Arbeiter erhalten [4349D Schreiner- MMWm 5-L-wotinung Schlafstelle Villa halber zu verk. (durch Vermttl.) fi'Z.-WOhnilDg | |WohnUngstau«ch| Tücht., zuverläss. a. d. Gieh. Anz. 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Ulanen-Regiments über ein Wiesengelände ein kleiner Wald, rechts lebte ich im Jahre 1916 in liche kleine Episode. Mit zwei Schwadronen ging ich damals zu Fuß vor. Links vor uns war des Wäld- der Bäume kappen auf. Aus der Ferne konnte man ganz gut für russische oder rumänische । halten. mit fünf Mann zwei Sch- Ein unerhörter Angriffsgeist Wären wir Feinde gewesen, sichtslos angegriffen und sich Aus dem langen großen ein Bach. Zwei Schwadronen, etwas über zweihundertfünfzig Mann, sind schon eine ansehnliche Kampftruppe-, außerdem führten mir vier Maschinengewehre und einen Zug Artillerie mit. Es hatte lange geregnet, und wir sahen sehr mitgenommen aus. Das Lieaen in lehmigen Schützengräben war unseren Uniformen nicht gut bekommen. Zudem hatten wir völlig durchweichte und formlose Lagerns B e u t h e n , im Juni. Ist dieser mächtige Lebenswille in Beuthen und, wie wir noch sehen werden, in ganz Oberschlejien denkbar ohne den Menschen, den arbeitsamen O b e r s ch l e s i e r, der lange Jahre die allgemeine Krise und die durch unsinnige Grenzziehung heraufbeschworene Katastrophe erfragen hat? Gewiß, diese Jahre zehrten an seiner Arbeitskraft, machten vielleicht hier und da mutlos, aber sie konnten den Glauben an eine schönere Zukunft des deutschen Vaterlandes nicht nehmen. Heute fördert der Oberschlesier wieder Kohle und Erz wie je, der Beuthe- ner Zipfel ist mit dem Gebiet um Hindenburg ein wichtiger Faktor in der Erfüllung des Vierjahresplanes. Vor der Teilung lagen im Beuthener Bezirk 23 Gruben — es sind heute deren zehn. Daß diese zehn Gruben — Kohle und Erz — vor der Errichtung des nationalsozialistischen Deutschland nicht ausgenutzt wurden, ist eine der vielen Sünden der früheren Machthaber. Nicht dringende soziale und nicht volkspolitische Gründe konnten damals die Zechen in Betrieb halten. Die Tatsache, daß oberschlesische Kohle und Erz frachtungllnstig gelegen sind, war ausschlaggebend. Dieser Zustand wird aber nicht mehr bestehen, wenn der im Bau befindliche Hindenburg-Kanal das ober- schlesische R'vier an das große deutsche Wasserstra- ßennetz angcschlossen hat. Bis dahin mag noch einige Zeit vergehen, aber auf allen Gruben sind volle Belegschaften, oft in drei Schichten, an der Arbeit. TUchts kennzeichnet den Lebenswillen des einzelnen und das Verantworfunqsbewußtsein der Grnv'inschaft für den einzelnen besser als das große Aufräumen, das nach der nationalsozialistischen Revolution in Beuthen begann. Diese Stadt hat heute kaum noch 1000 Arbeitslose. An der Kattowitzer Landstraße. Zollhaus und Zollschranken hemmen den Schritt. Straßenbahnen fahren auf ostoberschlesisches Gebiet, und von Ost- oberschlesicn kommen sie, dazu Autos, Autobusse und Fuhrwerke. Hunderte und aber Hunderte passieren täglich die Grenze. Man kann beobachten, daß der Verkehr aus Ostoberschlesien nach dem Beuthener Gebiet stärker ist als umgekehrt, und er umfaßt Deutsche und Polen. Wie an diesem Grenzüber- * Vgl. den ersten Artikel dieser Reihe in Nr. 140. I Als unser linker Flügel in die Höhe °— f"rten sich aus d.m Schatten E'endsvieriel sind verschwunden. - Der oberschiesische Arbeitskamerad. Ungebrochene Arbeitskraft. Don unfeiem W.-Sonderdenchterstcktter. gang, ist es an anderen, nur tritt hier die Verbundenheit der einst deutschen Gebiete mit dem deutschgebliebenen Rest augenfällig in Erscheinung. Es kann nicht ausbleiben, daß der Besucher von drüben Vergleiche anstellt. Er weiß daß in Königshütte und Tarnowitz, Friedenshütte und Kaftowitz, daß im gesamten ostoberschlesischen Revier die Arbeitslosigkeit trotz günstiger Konjunktur nicht abnehmen will, wahrend im Beuthener Gebiet ein Arbeitsloser nach dem anderen wieder in die Produktion eingeschaltet worden ist. Er kennt den ganzen Jammer der Lohnkämpfe, der das ostoberschlesische Revier nicht erst seit jüngster Zeit belastet, und sieht, daß der Kumpel in Westoberschlesien höher entlohnt wird als der Arbeitskamerad jenseits der Grenze, und daß vor allem die Sorge des Staates der Erleichterung der Lebensbedingungen gilt. Das fängt mit den Wohnungen an. An die Elendsviertel, trostlose Reste aus der Zeit des wirtschaftlichen und politischen Niederganges, wurde die Spitzhacke angelegt und dort, wo die vielen Baracken das Stadtbild verschandelten und aus wertvollen Volksgenossen asoziale Elemente machten, stehen heute schmucke Einzelsiedlungen und Wohnblocks. Tausende Volksgenossen wurden damit dem Elend entzogen und Tausenden wurde der Glaube an die Volksgemeinschaft und — hier besonders wichtig — an das Vaterland wiedergegeben. Bergleute verbringen einen großen Teil ihres Lebens unter Tage. Sie sind von Natur aus ernst und besinnlich. Der oberschlesische Kumpel ist dazu tiefreligiös. So sieht man an den Zechentoren große Kreuze ragen. Bei dem Ausbau der Zeche Karsten- Zentrum im vergangenen Jahre wurde ein archit.k- tonisch besonders schönes, etwa drei Meter hohes Kreuz in die Umfassungsmauer an der Straße eingebaut. „Wir haben wieder Arbeit", sagte der Kumpel am Tor der Beuthengrube. Ist es das allein? Oder stärkt nicht auch die gepflegte Umgebung Lebensfreude und Arbeitskraft? Er geht auf dem Wege zur Schicht durch freundliche Anlagen, sein wissermaßen Arbeit aus- und Boden, d. h. Rohstoffe und Lebensrnittel, einzuführen. Als Malthus die obigen Sätze schrieb, hatte noch niemand eine Vorahnung von Dampfschiff und Eisenbahn-, um so erstaunlicher ist seine Voraussicht, daß industrielle Produktivkräfte einen Handelsstaat wie England in die Lage versetzen könnten, sich bei schrumpfender Anbaufläche und wachsender Bevölkerungszahl viele Generationen hindurch vor Mangel zu bewahren; um so bewundernswerter die Jnstinkt- sicherheit, die ihn davor schützte, von dem Taumel ersaßt zu werden, der fast alle bedeutenden Zeitgenossen wähnen ließ, die wachsende Abhängigkeit von Lebensmitteleinfuhren werde sich niemals rächen. Damp,schiffahrt und Eisenbahnbau erschlossen nach den napoleonischen Kriegen England und den ihm nacheifernden jüngeren Industriestaaten die südrussische, nordamerikanische, australische, argentinische und indische Kornkainmer. Während auf dem europäischen Festlande Schutzzollsysteme die nationalen Bauernschaften vor den verheerenden Folgen steigender Weltgetreidefluten in immerhin erheblichem Umfange bewahrten, nahm in England die rein kapitalistische Bodenbewirtschaftung derartig überhand, daß der selbständige Bauernstand so gut wie völlig verschwand und bei Ausbruch des Weltkrieges vier F ü n f Le I des Lebensmittelbedarfs durch Einfuhr gedeckt werden mußten. Weit über eine Million Menschen waren seit Mitte des 18. Jahrhunderts vom Lande in die Städte, weitere Himderttausende nach überseeischen Ländern ab- oder ausgewandert - Die Anbaufläche Englands umfaßte 1914 noch 14,29 Millionen Acres (1 Acre — 0,4 Hektar). Die Kriegswirt schäft gab einen künstlichen Impuls zu ihrer Ausdehnung; sie umfaßte 1918 wieder 15,8 Millionen Acres, um dann aber in wenigen Jahren auf 14,2 Millionen Acres zusammenzuschrumpfen. Seit 1878, also in anderthalb Generationen, waren 3,6 Millionen Acres verlorengegan- gen. Zwischen 1878 und 1916 war die Schrumpfung der Ackerfläche immerhin zum Teil der Weide- fläche zugutegekommen. Die Nachkriegszeit brachte einen gleichzeitigen Verfall des Ackerbaus wie der Viehzucht. 1916 umfaßte das Weideland Englands 17,5 Millionen Acres, zehn Jahre später nur noch 16,3 Millionen. Das dem Pfluge anvertraute Land hatte gleichzeitig um rund 100 000 Acres abgenommen. Die Zahl'der Schafe ging zurück von 36 Millionen im Jahre 1868 auf 25 Millionen im Jahre 1934. Vergebens legt sich der Staat heute ins Mittel, den Verfall'der inländischen Landwirtschaft und Viehzucht aufzuhalten. 40 Millionen Pfund Sterling wandte die englische Regierung zwischen 1924 und 1934 allein auf, die heimische Zuckerrübenerzeugung zu fördern. Auch die Viehzüchter werden in immer größerem Umfange aus öffentlichen Mitteln unterstützt. Daneben verschlingt das Siedlungswe - s e 'n große Summen. Es fehlt nicht an glänzenden Einzelerfolgen. In Cheshire wohnen auf einer Fläche von 2570 Acres feit ihrer Aufteilung 410 Menschen, statt wie früher 187, in Essex auf einer Fläche von 690 Acres statt des früheren Großgrundbesitzers mit seinen 13 Angestellten, 41 Siedler mit ihren Familien, bei Pertbshire auf ehemaligem Weideland, wo drei bis fünf Leute beschäftigt waren. 550 Acres umfassend, 11 kleine Besitzer mit ihren Familien. Aber die Entvölkerung des platten Landes nimmt im ganzen n o ch i m m er zu. England führte vor-dem großen Kriege Weizen aus einem Dutzend Ländern ein-, aber Australien, I Kanada und Argentinien find heule die einzigen regelmäßigen und wesentlichen Versorgungsquellen. Inzwischen hat sich innerhalb des Aktionsradius des japanisch-chinesisch n Industrialismus ein rasch steigender Bedarf für die Weizen- und Weizcnmehl- erzeugung Kanadas entwickelt, während Argentinien bemüht ist, für seine L. bensmittelerzeugung durch Jndustriealisierung und dichtere Besiedlung der Pampas einen genügenden inneren Markt zu schaffen. Alle überseeischen Agrarländer sind nach I b-’n Erfahrungen her letzten Dürrejahre einer Wirt- | schastspolitik übedrüssig geworden, die den Boden An der Spitze ritt ein blutjunger Offizier. Im Alter von noch nicht 47 Jahren ftarb in Kassel der Schriftsteller Will Scheller, dessen vielseitiger und fruchtbarer Tätigkeit auch das Feuil-। , letvn des Gießener Anzeigers und vor allem unsere I „Sr J0?!* « „Heimat im Bild" manchen schönen Beitrag ver- ' *J10^nn) ,ra)5 J dankte. Scheller, am 28 Oktober 1890 in Kassel ge trieb diese sie hätten geopfert. Kriege ist Sechs Mann reiten Attacke. Von Alexander v. Keller. Als Offizier der alten österreichischen Armee er« Leute an. uns rück- Öie Brücke Von VUlhelm von Ecvolz. Augen vorbeizog, unvergeßlich geblieben wie am ersten Tage. wie einen industriellen Rohstoff behandelte, aus dem man glaubte, billige Weltmarktware, in unbegrenztem Umfange „fabrizieren" zu können. Die Natur machte einen dicken Strich durch diese technologische Rechnung. Die der schützenden Grasdecke beraubte Humusschicht ehemaliger, unter den Pflug gebrachter Weidegebiete wurde, unter der Einwirkung langandauernder Trockenheit pulverisiert, von Stürmen emporgehoben, die unterwegs Sand und Kies auf fruchtbarem Lande niedergehen ließen, das dadurch ebenfalls in Einöde verwandelt wurde. Wie in den Vereinigten Staaten, so geht man auch in Argentinien, Australien und anderen überseeischen Ländern dazu über, die Bewirtschaftung des Bodens den Bedingungen der Erhaltung feiner Fruchtbarkeit unterzuordnen, ein Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Kaufkraft auf dem Jnncnmarkt anzustreben und sich um die Nöte eines so einseitig industriell entwickelten Landes wie England nicht zu kümmern. . In den britischen Dominions scheint die Neigung zu wachsen, dem Mutterlande lieber seinen Uebersluß an Menschen abzunehmen, als diesen im Mutterlande billig über Wasser halten zu helfen. Im Mutterlande ist man aber geradeI jetzt zum vollen Bewußtsein der Tragweite einer1 Hals seines Pferdes, den Arm mit dem Säbel var- gestreckt, während er seine Leute.durch Zurufe antrieb. Meine Leute, welche die deutschen Reiter erkannt hatten, gaben ihnen Zeichen. Es half aber nick's. Bis ein Unteroffizier vorsprang "nd „Halt, a it Freund, österreichische Kavallerie!" hinausbrüll’e. Das half. Der Of'izier war unterdessen bis aus zehn Schritt herangekomm"n und zügelte s'iuVfc'd. Dann grüßte er stramm, schrie , Pardon!" und ritt ins Wäldchen zurück. Zwanzig Jahre sind seither vergangen, aber immer noch sehe ich voll Bewunderung den jungen Offizier und seine fünf Reiter vor mir. Welch heldenmütig Selbstaufopferung war dach in diesen Seelen' Dmn es gehört mehr als Mut dazu, um Englische Broisorgen. Von Otto Eorbach Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert warnte Thomas Robert Mlllthus seine Landsleute vor den verhängnisvollen Folgen, die die Vernachlässigung der heimischen Ernähr u n g s grundlage schließlich nach sich ziehen müsse, auch wenn ein solches Verhängnis für „viele Generationen" durch Eintausch von fremden Lebensmitteln gegen Fabrikate aufgehalten werden könne. „Ein Land", so heißt es an der betreffenden Stelle feines Hauptwerkes, „das sich durch Handel und Manufactur hervortut, mag von einer großen Zahl verschiedenartiger Lander Getreide kaufen; es kann der Fall sein, daß es unter diesem System gedeiht, und es mag nun fvrtsahren, eine zunehmende Menge von Getreide zu kaufen und eine rasch wachsende Bevölkerung zu unterhalte^ bis die Länder aller Nationen, mit denen es Handel treibt, vollständig angebaut sind. Da dies ein Ereignis ist, das notwendigerweise in weiter Ferne liegt, so mag es so scheinen, als ob die Bevölkerung eines solchen Landes nicht durch die Schwierigkeit der Beschaffung von Unterhaltsmitteln gehemmt werde ..." „Es sind indessen fortwährend Ursachen wirksam, den Druck dieser Schwierigkeit fühlbar zu machen, lange bevor jenes Ereignis eintritt, zu einer Zeit, wo die umgebenden Länder noch verhältnismäßig Nahrungsmittel im Ueberfluß erzeugen. In erster Linie können die Vorteile, die ausschließlich auf Kapital und Geschicklichkeit und der gegenwärtigen Verfügung über besondere Handelskanäle beruhen, ihrer Natur nach nicht dauernd sein. Wir wissen, wie schwierig es ist, die Vervollkommnung in der Maschinerie auf einen einzigen Ort zu beschränken; wir wissen, daß sich Individuen wie Völker fortgesetzt bemühen, ihr Kapital zu vermehren, und mir wissen aus der Geschichte früherer Handelsstaaten, daß die Handelskanäle nicht selten ihren Lauf ändern. Es ist daher unvernünftig, zu erwarten, daß irgendein Land ausschließlich vermöge seiner Geschicklichkeit und seines Kapitals im Besitze von durch fremden Wettbewerb ungestörten Märkten bleiben werde. Wenn aber ein starker fremder Wettbewerb Platz greift, dann müssen die ausfuhrfähigen Waren des betreffenden Landes i m Preise fallen und die Profite sich wesentlich vermindern. Das Sinken der Profite aber wird sowohl die Zähigkeit wie den Willen zu sparen verringern; und unter diesen Umständen wird die Akkumulation von Kapital sich verlangsamen und die Nachfrage nach Arbeit sich abschwächen, bis sie schließlich nahezu zum S t i 11 st a n d kommt, während vielleicht die neuen Wettbewerber, sei es, indem sie ihre eigenen Rohstoffe erzeugen, oder irgendwelche anderen Vorzüge genießen, ihr Kavital und ihre Bevölkerung noch einigermaßen rasch anwachsen lassen können. Dieselbe Wirkung hat der innere Wettbewerb. Während in einer früheren Periode das Jndustrieprodukt aus der Arbeit eines Mannes an einem Tage ausgetauscht worden sein mag, gegen soviel Lebensmittel, wie für den Unterhalt von 40 bis 50 Personen aus- reichen, so mag in einer fcllaend-rn Periode dasselbe Jndustrieprodukt nur den Unterhalt von zehn Personen kaufen ..." Schon Ende des 15. Jahrhunderts war in England damit begonnen worden, dm Bauern- st a n ö einem rationalistifch-freihändlerischm Wirtschaftssystem zu opfern. Bis Mll'e des 16. Jahrbund-'rts ve'üchwanden rund 500 Dörfer von der Bildfläche. Die Ausdehnung der Schastriften hatte das Land der Bewohner verschlungen. Im Laute des 18. Jahrhunderts wurden über zwei, im Laufe des 19. Jahrhunderts mehr als drei Millionen Acres Gemeindeland eingezäunt, d. h. von den Lords zugunsten ihrer Schafzucht den Gemeinden genommen, wodurch sich die Reihen der Peomanry, des alten freien Bauernstandes, immer mehr lichteten. Das von der Scholle vertriebene Landvolk strömte in die Städte, wo die „industrielle Revolution" immer neue Möglichkeiten schuf, geboren, Hal eine Fülle literarisch-kritischer Tagesarbeit geleistet; diese kleineren Veröffentlichungen finden sich in sehr großer Zahl in Zeitungen und Zeitschriften verstreut und haben seinen Namen über die hessischen Grenzen hinaus bekannt gemacht. Vor allem soll aber heute, da wir Abschied nehmen, gesagt werden, daß wir in Scheller auch einen Prosaisten und Erzähler von nobler und tuilinierter Form und einen feinen und echten Lyriker verloren haben; seine Gedichte hat er in mehreren Bänden — „Ave Maria", „Die Ausfahrt", „Das kleine Jahr", „Stille Freuden" — gefummelt. Das Land Hessen wird ihm, der dem George-Kreise nahe- stand und auch zwei Monographien über S e an George veröffentlichte, für die beiden Bändchen der „Hessischen Köpfe" und für die sammelnde und überschauende Darstellung und Würdigung „Heutige deutsche Dichtung in Hessen" dankbar verpflicht"! bleiben. Eines der fesselndsten Bücher von Scheller ist, geschichtlich und kulturhistorisch gleichermaßen anziehend, das anekdotische Lebensbild „Der letzte Kurfürst"; auch der Novellenband „Hessisches Tagebuch" und die „Meditationen" seien unvergessen. Dem Andenken Wilhelm Hauffs, diente er durch eine Biographie und durch eine Ausgabe seiner Werke. — Eine der letzten Arbeiten Schellers für die „Heimat im Bild" wird demnächst dort erscheinen.. hth. die Ställe und Remisen gehören, stehen als bedeutsame Andenken das Feldbett Napoleon III. aus dem siebziger Kriege und der Wagen, mit dem er nach der Schlacht bei Sedan in die Gefangenschaft fuhr. Gelassen blicken wir in ein vergangenes Jahrhundert zurück, des festen Zutrauens, daß Deutschland die Zukunft gehört. Die Brücke, über die einst der elegante Landauer der Hortense rollte, über die jetzt Eisenbahn- und Fernlastzüge, große Reiseautos und die beladenen Bauernwagen des Landmanns, Langholz und Handkarren neben den Fußgängerscharen hinüberziehen, wird gerade zu einem der stolzesten Stromüder- gänge ausgebaut. Sie trägt jetzt den Namen „Horst- Wessel-Brücke". seit Jahren rückgängigen Bevolkerun g s- beroegung gekommen. Man rechnet aus, daß England, wenn keine Wendung im Sinne einer Belebung der Geburtenhäufigkeit erfolgt, in oier Jahrzehnten zwölf Millionen weniger Bevölkerung haben werde. Um aber in den Dominions,' wo die Geburtenrate ebenfalls sinkt, 'nur das geringe Wachstumstempo von 1930 wiederherzustellen, müßten Jahr für Jahr mehr als 2 00000 Menschen aus d e m Mutterlande dorthin umziehen. Kann das Mutterland einen solchen fortgesetzten Aderlaß noch ertragen? Wie aber will man anders die Dominions davon abhalten, die Menschen, die sie brauchen, ihre leeren Räume auszufüllen, zu nehmen, woher sie n^ir kommen mögen? In der Bevölkerung Kanadas bedeutet heute schon der Bestandteil angelsachsifcher Herkunft eine Minderheit. England leidet immer mehr unter dem Widerspruch, daß die wachsenden Schwierigkeiten seiner Lebensmittelversorgung durch Einfuhr es die Selbstgenügsamkeit des kleinen Dänemark beneiden läßt, während es doch die Lasten der Veranlwortung, über den vierten Teil der bewohnbaren Erdoberfläche zu herrschen, nicht einfach von den Schultern werfen kann. Die Rheinbrücke in Konstanz hängt wie eine ' Svange das Land nördlich und südlich des Bodensees zusammen. Als ziehe sie beide Ufer nahe aneinander, verengt sich hier der See für eine kurze Strecke zum Rhein. Das schöne alte Bi|chv|s|chlvß Gottlieben liegt daran und ihm gegenüber das Naturschutzgebiet des Wolmatinger Rieds mit Pflanzen aus der Gletscherzeit unserer Gegend. Dann verbreitert sich das Wasser wieder zum See und umschließt wie eine Muschel die Perle Reichenau, die alte Klosterinsel. In deren oberer Kirche zeigt man den Kopf des Heiligen Georg, des Drachentöters, in ihrem mittleren Gotteshaus einen Krug von der Hochzeit zu Kana und an einem besonderen Fest einen Blutstropfen Ehristi; m allen dreien frühchristliche Wandmalereien Die nächste Brücke schwingt sich über den Flutz erst wieder bei dem romantischen Städtchen Stein, das der Burg Hohenklingen zu Fußen liegt, mehrere Häuser mit schönen handwerklichen Fresken und ein sehr wohlerhaltenes, kiinstgeschichtlich bedeutsames, von seinem Eigentümer den Besuchern geöffnetes Kloster besitzt, hart am Strom, in den die Grundmauern hinabreichen Die Brücke, in Stein entspricht der letzten Brücke des oberen Rheins wo er zwischen dem österreichischen Vorarlberg und der Schweiz, gegenüber Lindau, sich in den See ergießt. Dazwischen gibt es dann noch §wei fliegende Brücken, die Kraftwagenfähren Friedrichshafen Romanshorn und Staad-Meersburg. > Die Konstanzer Brücke ist die wichtigste all dieser über das Wasser fortgeführten Straßen, sicher schon zur Römerzeit ein unentbehrlicher llebergong. Denn hier im Brückenkopskastell Constantia liefen die Heerwege von Brigantium (Bregenz) und von Basilea (fBnfel) ein, auf denen manche Kohorte, manche Legion marschierte. h»r Im Mittelalter war die Brücke holzgedeckt, der Stutzpunkt für fleißige Wassermühlen und b-ruhmt durch Kamps und Handgemenge Daraus b-i d m rechts und links die Gepanzerten in den » 4 absturzten. Sie bat auch mehrmals das «chaufp-el gewaltiger Brande, die sich schauerlich 'M Was, r fpiearllen Noch fleht ihr mächtiger Pfeiler, der Rhemtorturm - seitlich der i-dM Bruck- -. aus dessen mit niederer Mauer geschlossenen gotischen Durchgangsbogen man über den Strom sieht Um die Zeit vor etwas über einem Jahrhundert fuhr oft ein eleganter Zweispänner über diese Briicke. in dem eine anmutige, nach der damaligen vergnügten. _ , . „ Dieser Landsitz, der später den Namen „Seeheim erhielt, ist, wenn ich bildlich so sagen darf, mein väterlicher Erbhof und ist vor mehr als einem halben Jahrhundert meine Heimal geworden. Die Dame war die Kusine der Großherzogin Stephanie von Baden und hieß Herzogin von St. Leu. Aber daran werden meine Leser sie noch nicht erkennen; denn diesen Namm trug fie erst seit dem Sturz ihres Hauses. Hortense, Königen von Holland, hatte sie vorher geheißen, und von den beiden Söhnen — Napoleon Louis und Louis Napoleon — starb der ältere früh, während der zweite als Napoleon III. Kaiser der Franzosen wurde. Hier in Konstanz hatte der Jüngling durch Jahre Freunde und Verkehr, war ein beliebter Tänzer und sprach wohl mindestens ebenso gut Deutsch wie Französisch. ...... Im Schloß Arenaberg drüben jenseits der Brücke, das man mit dem Kraftwagen in weniger als einer Viertelstunde erreicht, sind viele Erinnerungen an ihn und feine Mutter zu einem stillen, gedächtnisreichen Museum der Zeit zusammengestellt. Das Schloß ist ein lohnender Ausflug für alle, die mit landschaftlich und geschichtlich offenen Sinnen reifen. In ö-m reichhaltigen, die ganze Napoleonflche ! Epoche bewahrenden Museum, zu dem auch noch Mode des Empire gekleidete Dame saß, manchmal mit zwei Jungen, ihren Söhnen — die seltsamerweise beide dieselben Vornamen, nur in umgekehrter Reihenfolge, hatten. i Sie kam von ihrem, auf einer weit ausblickenden Uferhöhe am Untersee im schweizerischen Kanton Thurgau gelegenen Schlößchen und ließ ihr Gefährt, wenn sie das damals weinbergige deutsche Ufer, das nahe am See in widenbestandenes Nied überging, erreicht, hatte, scharf nach Osten zu wenden, "bis der Kutscher nahe am Eichhorn — wo lleberlinger See und die Konstanzer Bucht, der sogenannte „Trichter", sich berühren — in ein Reb- und Wiesengut einlenkte, dessen ländlich behagliches Haus zwischen Bäumen am See stand. Dies Gütle war ihr heimliches Eigentum, im Jahre 1816 von ihr erworben und ihr dann vom Fürsten Metternich als Wohnsitz verboten, so daß sie sich drüben in der Schweiz ansiedeln mußte. Ihr Wunsch, im Hoheitsgebiet ihrer Kusine, deren Gatte der Herrscher des Landes war, zu wohnen, blieb unerfüllt. Aber sie hatte diesen Fleck Erde liebgewonnen, machte oft die kaum viel me.hr als eine Stunde beanspruehende Fahrt dorthin, saß am See, zeichnete, las oder erging sich in dem teilweise von ihr selbst angelegt en Garten, indessen die Söhne sich iungei.hast' am Wasser tummelten und Amerikanische Matrosen in Berlin. Wandern und weisen ♦ Bäder und Sommerfrischen i, wo wir uns Telephon Nr. 190. 1314D Tüt alle Salate ! Hochwaldhausen im Voglsb.Höhenluftk r ort 500 Met üb.d.M., gesundes Kima. Für Erholungssuchende ideal Aufenth. Privat- pens. „Waideslust“. Ruh. u. staubfr. Lage dir. a. Walde. Liegewiese a. Haise in gr. Gart SchöneZimmer. Gt. bürg).Küche.Volle Pens. 3.50. Schwimmbad Stat.lLeshausen Eine Einladung av kneser Stelle mm Besuch Ihres Hauses führt zu Gästen aus (Sieben und Oberhessen I Familien- Drucksachen Verlobungsanzeigen Vermählungsanzeigen bei Brühl, Schulstraße 7 Geburtsanzeigen Übernahme bei den Geburten unter die Millionengrenze heruntergerutscht (um 1900 wurden jährlich zwei Millionen Menschen geboren!) so ist es jetzt gelungen, die Millionengrenze ganz erheblich zu überschreiten. Die Aufwärtsentwicklung wird sich fortsetzen, es wird aber auch vom nationalsozialistischen Staat dafür gesorgt werden, daß die finanziell Leistungsschwachen, die gerne an der Stärkung des Nachwuchses unseres Volkes mitarbeiten, dazu befähigt werden. Mit den Ehestandsdarlehen, Familien-'und Kinderbeihilfen ist schon manches Gute erreicht worden. Aber das alles genügt noch nicht. Die Familienausgleichskasse, ein vom Reichsminister Dr. Frick verkündetes Ziel wird schließlich die Mittel mobilisieren, die den Neuaufbau unseres Volkes fördern sollen. Dieser Neuaufbau vollzieht sich unter der Führung Adolf Hitlers wohlüberlegt und nach klaren es in den Dolomiten, am Karerfee, im Vmtschgaü und Ortlergebiet zur Sommerszeit ist? Und dürfen wir das -vielgestaltige Oesterreich vergessen? In Kärnten, dem einst heißumstrittenen Land in Salzburg, in Tirol und in der Steiermark freut man die Verbundenheit mit den Deutschen zu beweisen, im Gegenteil, wir erhalten Freude, Erholung, Anregung, wenn wir unsere Volksgenossen besuchen. Die Deutschen haben sich in wunderbaren Landschaften angesiedelt, haben oft auch aus wüstem Boden ihre schmucken Dörfer, ihre sauberen Städte geschaffen. Man kann bet den Deutschen zu billigen Preisen ausgezeichnete Erholung finden und dazu noch Eindrücke sammeln, die unvergeßlich sind. So lernt der Reisende zu gleicher Zeit ein fremdes Land kennen, er sieh-t seine Volksgenossen in diesem Land, sieht 'hre Lebensbedingungen, und so spürt und erkennt er das gleiche, was ihn mit den Deutschen in fremden Staaten verbindet. Kehrt er in die Heimat zurück, so wird er manches anders sehen und empfinden, er wird merken, daß sich sein Blick geweitet hat, daß er jetzt fähig ist, die Volkstumsfragen im ganzen zu schauen. Wohin man fahren soll? Schier unendlich viele Möglichkeiten gibt es: Polen Tschechoslowakei, Rumänien, Italien: alle schließen sie d e u t s ch e S i e d- lungsgebiete ein. An den schönsten Punkten der Hohen Tatra liegen deutschbesiedelte Orte und Kurorte. Das Altvatergebirge hat neben vielen anderen das Schwefelbad Ullersdorf, unweit der Tatra liegt die große Fatra, ein Höhenzug ähnlich dem Schwarzwald. In Siebenbürgen gibt es das Jodbad Salzburg und Herkulesbad, das schon zur Römerzeit als eines der schönsten Kurorte galt. Am Schwarzen Meer liegt das von Deutschen angelegte Bad Burnas, es hat sich in den letzten Jahren sehr entwickelt und verfügt über schöne Villen, Reitschulen und die mannigfachsten Ausflugsmöglichkeiten. Wer die Vollmondnächte am Schwarzen Meer einmal erleben durfte, wird sie nie aus seiner Erinnerung auslöschen können. Braucht man Südtirol noch zu preisen? Muß man noch sagen, wie schön sich hin, weil sie keine Arbeit fanden. Ihr Lebensmut verrann zusehends. Wo Familien neu gegründet wurden, da beschränkte man sich höchstens auf ein Kind. Familien mit mehreren Kindern waren in dieses Zeit des schwindenden Lebensmutes und des zu Bruch gehenden Lebenswillens eine staunenswerte Seltenheit. In dieser Atmosphäre suchten dann noch jene, denen es verhältnismäßig aut oing, dem Standpunkt „Nach uns die Sintflut!" Rechnung zu tragen. Sie meinten, es habe doch keinen Zweck, sich am Lachen und Jubeln der eigenen Kinder zu erfreuen. Wir alle wissen, daß der 30. Januar 1933 auch in dieser Beziehung zum Umbruch wurde. An die Stelle der Verzweiflung trat die Hoffnung, trat der Mut und die Zuversicht. Der Glauben an eine bessere Zukunft wurde zum Triebwerk unserer Wirtschaft. Aus den Arbeitslosen wurden Arbeitende. Und von diesen Arbeitenden konnten jetzt viele, viele an die Gründung eines eigenen Heims denken, während andere Familien zu ihrer Erweiterung schritten. Dieser grundsätzliche Wandel ist auf der Reichsausstellung „Gebt mir vier Jahre Z e i t", die noch bis zum 27. Juni geöffnet ist, eingehend dargestellt worden. Wäre die bevölkerungspolitische Seite des Neuaufbaues seit 1933 in der Ausstellung vergessen worden, so würde sie ein jeder Besucher sofort vermissen. Denn was soll der Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft, wenn die Menschen fehlen, denen die mächtigen Maschinen zu dienen haben. Was nutzt die militärische Rüstung, wenn die Waffenträger nicht vorhanden sind. Doch ein Blick in die bevölkerungspolitische Schau verrät uns, daß die Verjüngung unseres Volkes wieder eingesetzt hat und daß die Quelle wieder fließt, aus der eine jede Nation die Kräfte schöpft, deren es bedarf, um groß und stark und angesehen zu bleiben Einige Zahlen mögen veranschaulichen, was für den Wiederaufbau unseres Volkes geschehen ist. Zunächst die Eheschließungen die nach der Machtübernahme sprunghaft in die Höhe gingen. Wurden in den vier Jahren vor 1933 2,2 Millionen Ehen geschlossen, von denen die meisten tauben Nüssen'glichen, so stieg die Zahl der Eheschließungen in den folgenden vier Jahren aus mehr als 2,6 Millionen. Entsprechend ging auch die Zahl der Geburten hinauf Von 1933 bis 1936 wurden 360 000 Kinder mehr geboren als m den voraufgegangenen vier Jahren Waren wir vor der Macht- zur reizvoll im Salzbödetal gelegenen Schmelz bringen. Schwarze Kreuze führen uns von hier die lustig plätschernde Salzböde auswärts an der Rauchmühle vorbei bis zur Steinfurtsmühle, wo wir das Tal überschreiten und nun ohne Zeichen die Landstraße hinaufgehend nach dem hoch über dem Tale gelegenen Reimershausen gelangen. Wir sind nun in das breite Verstal gekommen und gehen dieses aufwärts durch Kirchvers nach Crumbach. Hier treffen wir das H des Hessischen Rennwegs, das jetzt unser Wegzeichen bildet. Auf guter Landstraße mit schönen Ausblicken wandern wir durch Frankenbach, folgen bis zum Wald der Straße nach Erda, links wenden. Auf stillen Walowegen kommen wir über den Hungerberg bis zur Philippstanne im Helfholz. Hier verlassen wir das H und folgen nach rechts schwarzen Punkten, die uns über den „Hals" nach Hohensolms bringen. Nach angemessener Rast der Stiebte- u.£ln^nadt-£Mg füz iuuL Kccwkg . Kinder bringen Segen, dies Wort, es gilt in ganz besonderem Maße für unser Volk. Denn die Nationen, die vom Kinde nichts wissen wollen und deren Glieder ein entsprechendes Leben führen, werden allmählich untergehen, und eines Tages vergessen sein. Sie haben den nationalen Segen, den das Kind bildet, nicht zu schätzen gewußt, sie haben sich mit der Abkehr von der Pflege des Nachwuchses ihr eigenes Grab geschaufelt. Auch das deutsche Volk war nahe daran, eine „Hypothek des Todes" nach der andern auf sich zu nehmen, Hypotheken, die eingelöst werden müssen, wenn nicht im letzten Augenblick wieder ein gewaltiger Lebenswille in die Erscheinung tritt. Von diesem Lebenswillen war bei uns herzlich wenig mehr zu verspüren. Ein großes namenloses Elend ging durch das Land, Millionen deutscher Volksgenossen stierten vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang verzweifelt vor wandern wir über Königsberg nach unserem Endziel Bieber. Wanderzeit etwa 6 Stunden. Gießen — Wettenberg — krofdorfer Forst — Attenberg — Friedelhansen. Wir gehen die Krofdorfer Straße entlang bis zum Wegweiser nach Launsbach, biegen rechts ein und folgen schwarzen Punkten, die uns in mäßigem Anstieg auf den Wettenberg bringen, der es ob der schönen Fernsicht, die er bietet, verdient, öfter besucht zu werden. Wir überschreiten den Berg, im Volksmund Siebenhügel genannt und dessen höchsten Punkt, die sog. Napoleonsnase, und gelangen, nachdem wir später noch die Wißmar-Krofdorfer Straße gekreuzt haben, in den ausgedehnten Krofdorfer Forst. Nach geraumer Zeit überqueren wir das Wißmarbachtal und stoßen dann auf das H des Hessischen Rennwegs, dem wir jetzt nach rechts folgen. Das Zeichen geht am Fuße des Altenbergs her, wir steigen indes hinauf und bewundern von feinem Kamm die herrliche Aussicht, die wir von oben genießen können. Bald darauf erreichen wir über das zu unseren Füßen liegende Odenhausen die Station Friedelhausen, von wo wir heimfahren. Wanderzeit knapp vier Stunden. Für diese Wanderung ist, da es unterwegs keine Unterkunftsmöglichkeit gibt, Rucksackverpflegung nötig. Die in Berlin weilenden amerikanischen Seekadetteyi und Matrosen wohnten der Ablösung der Wache am Ehrenmal Unter den Linden bei. Jeder hatte natürlich seinen Photoapparat mitgAracht um dieses interessante Schauspiel für das Reisealbum einzufangen. (Scherl-Bilderdienst-M.) Haus liegi zw^chin jiu|Ui um) biumeii, uiiu nW/ und c 10-Pfe Shatte Wensct Abente (So n Cop 31; S und stim gele Cha rote Plö Cie erbt Cch Wo Cch Und Zs verpflichten zur Ihr ■ Fachgeschäft für Eisenwaren Herde u. 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Wahrhaftig, die Jugend unserer Tage brauchte nicht unbedingt mehr nach Karl May zu greisen und schon gar nicht nach der unrühmlich bekannten 10-Pfennig-Literatur von Old-Wawerly und Old- Shatterhand, nicht nach den „Erlebnissen einsamer Menschen" und wie diese Serien der immer gleichen Abenteuer sonst noch in ihren Titeln lauten mochten. (So mancher weiß wohl noch aus seiner eigenen 1 i Ein Schlagbaum sperrt das originelle Eingan^stor zum Lager. tragt, sich mit einfacher Kost begnügen kann und so manches andere mehr. Er kann seine Geschicklichkeit beweisen bei den Geländespielen in unbekannter Landschaft und kann ferner beweisen, ob er zu heißer Stunde eines sommerlichen Tages eine Stunde oder mehr zu gehen gewillt ist, um im nächsten Dorfe, über Berg und Tal, das Brot zu holen für die Kameraden und bepackt zurückzukehren. Das kann den Ritt ersetzen, den in der vorerwähnten Literatur die Phantasie-Helden über die glühend heiße Steppe machten, um dann todmatt und halbverdurstet im letzten Moment gerettet zu werden. ♦ Die Zeltlager der Hitler-Jugend, die in diesen Tagen allenthalben in deutschen Gauen eröffnet wurden, vereinigen nun in einer glücklichen Synthese von Zucht und Freiheit Tausende von deutschen Jungen in Landschaften, die mancherlei Eigenart und Reiz in sich bergen. Sicherlich zählt das Lager am Gederner See im Vogelsberg mit zu den reizvollsten in weitem Umkreis! Es lohnt, sich dort einmal umzusehen! Rahe dem Ausgang des Städtchens Gedern führt linksab ein steiler steiniger Weg empor zur Höhe, von der aus der Blick weit in die Runde, über die Höhen des Vogelsberges schweifen kann. Und von dort oben aus fällt dann auch gleich der Blick in das Tal, in dem der Gederner See aufblinkt, wie ein leuchtendes Auge Gottes in weiter Landschaft. Dichte Wälder säumen die Ufer. Und in einer langgestreckten Lichtung, unweit dem See, liegt das Lager der Hitler-Jugend, umrauscht von hohen Fichten, in deren Schatten etwa 20 Zelte stehen. Ein wundervoller großer Wiesenplan ist der Tummelplatz der Jungen, deren 170 gegenwärtig dort acht glückselige Tage verbringen. Eine stattliche Anzahl Jungen von Gießen, aus dem Bann 116, ist auch dabei. Alle sind sie munter, bester Laune, stets aufgelegt zu Spiel und Sport, zu Gesang und außerdem begabt mit einem gesegneten Appetit. ♦ Man merkt es sofort: es herrschen Zucht und Ordnung im Lager. Aber es ist auch zu bemerken, daß die Zucht kein Drill und die Ordnung keine Engherzigkeit sind! Vor dem aus vielen Fichtenstämm- Decken sauber zusammenlegt, daß jeder sein Eßgeschirr, seine Uniform, seinen Tornister in Ordnung hält, sich anständig benimmt und kameradschaftlich handelt. Undenkbar, daß sich hier ein Egoist behaupten könnte! So herrscht peinliche Ordnung im Zelt und auf dem ganzen Platz. Da liegt kein Papierfetzen herum. Die erzieherische Wirkung des Lageraufenthaltes ist offensichtlich. * Der Tagesablauf hat sinnvolle Gliederung. Um 6 Uhr wird geweckt. Das Trompetensignal klingt in den hellen Morgen und findet in den grünen Mauern des Waldes fein Echo. Da wird es bald lebendig in den Zelten und auf dem Wiesenplan. Morgengymnastik, Lauf zum nahen See, Baden, Waschen und im Laufschritt zurück in das Lager — das alles vollzieht sich rasch und in aller Disziplin. Zur Flag- genhissung stehen sie dann zu ernsten besinnlichen Minuten um den hohen Mast. Der Lagerleiter hält jedesmal eine kurze Ansprache unter einem anderen Gedankengang. Morgenkaffee dann, kräftiges Kommisbrot, gute Marmelade! Alsdann eine Stunde weltanschauliche Schulung, anschließend Singen. Bei weniger günstigem Wetter folgt Geländekunde, Kar- Das tägliche Bad im landschaftlich herrlich gelegenen See. Blick auf eine der Zeltreihen des Lagers der HI. am Gederner See. Aufnahmen (5): Neuner, Gießener Anzeiger.) erklingt: in die Zelte! Um 21.30 Uhr ist Schluß und Ruhe im Lager. Schulzeit, wie die abgegriffenen Hefte unter der Schulbank von Hand zu Hand wanderten!) Sicherlich wird diese „Literatur" heute bei weitem nicht mehr so viel gelesen, wie noch vor Jahren. Die Jugend unserer Tage bedarf dessen nicht! Sie hat sich — zum Teil selbst — Wirklichkeiten geschaffen, die allem romantischen Erlebenwollen entgegenkommen und vieles von dem geben, was ein echter Kerl wünschen wird. Das Zeltlager z. B. wird jedem rechten Jungen all d a s geben, was er an außerordentlichem Erleben haben will. Jetzt kann er mitten unter Kameraden dabei sein, wenn am Abend das Lagerfeuer brennt und alles rings im Kreise sitzt, er kann beweisen, ob er ein Kamerad zu sein vermag, ob er auch einmal Unbill der Witterung er- chen gezimmerten Tor, das fast im Stil eines Blockhauses errichtet ist, geht wichtig der Wachtposten auf und ab. An einem kleinen Tischchen sitzt der Wachthabende und fragt die Besucher nach dem Namen und den Zweck ihres Kommens. Der Schlagbaum wird gehoben, der Gast kann passieren. Der Lagerleiter ist ein strammer Kerl und sein Sportoffizier auch. Sie wissen, wie sie die Schar der 170 zu packen haben. Sie sind sich auch ihrer Verantwortung bewußt, den Jungen und — deren Eltern gegenüber. Für jedes der Zelte sind dem Lagerleiter die Zeltobmänner verantwortlich. Stämmige Kerle mit entschlossenen Gesichtern, Jungen, die sich nicht gehen lassen und wie aus Stein gehauen stehen, wenn sie dem Lagerleiter Meldung zu erstatten haben. Sie sorgen dafür, daß im Zelt jeder am Morgen seine tenlesen usw. unter Dach. Und bei gutem Wetter geht es hinaus in Wald und Feld, lieber das Mittagessen fallen sie dann nach der Rückkehr alle her wie die Wölfe und keiner steht hungrig auf. Doppelt gut schmeckt der Eintopf mit viel Fleisch im Kreis der Kameraden. Anschließend gibt es eine Zwangspause von einer guten Stunde. Jeder muß im Zelt liegen, möglichst schlafen. Stunden des Nachmittags find dem Sport und dem fröhlichen Spiel gewidmet, dem Bad im See (dessen Wasser erstaunlich warm ist) und der Abend sieht die Jungen am Feuer, unter freiem Himmel, unter den Sternen. Mit Gesang, Vortrag, Erzählung, Gedichtvortrag und mancherlei Scherz wird die Zeit ausgefüllt bis das Kommando Wer von den Jungen mit offenen Augen und Sinnen dabei ist, dem werden die acht Tage des Aufenthaltes am Gederner See viel zu geben haben. Die Jungen lernen die schöne und eigenartig herbe Landschaft des Vogelsberges kennen, haben den herrlich gelegenen See immer vor Augen, der sich zu jeder Stunde des Tages anders darbietet, atmen in der reinen Luft des Waldes, haben immer das feine Rauschen der Tannen und Fichten in den Ohren; sie sehen den Bauern bei seiner schweren Arbeit, während sie selbst fröhlich sein dürfen, singen, lachen und spielen können, während so mancher Stunde des Tages. Ein Nichtswürdiger, der da seine Heimat und sein Vaterland nicht lieben lernt und sich nicht bereit finden wollte, auch einmal ein Opfer zu bringen, wenn es verlangt werden sollte ... Mag sein, daß sich ein Muttersöhnchen in der Lagergemeinschaft nicht wohlfühlt, wenn er das Eßgeschirr selber reinigen, das Nachtlager selber in Ordnung bringen, oder gar einmal eine Stunde Nachtwache schieben soll! Das Muttersöhnchen und seine Bedürfnisse können hier aber nun einmal nicht der Maßstab sein. Und das ist gut so! Wenn auch das Lager einige Anforderungen an den Jungen stellt, die er im behüteten „zu Hause" nicht kennt, so brauchen die Eltern doch keine unruhige Stunde zu haben. 9% Stunden Schlaf am Tage müssen jedem 12- bis 16jährigen genügen. Warme Decken sind in genügender Menge vorhanden. Auf Stroh (von einer Zeltplane bedeckt) zu schlafen, ist keine Strapaze. Der Dienst stellt keine unbillige Forderung. Ein Blick in die Speisevorratskammer läßt erkennen, das gut vorgesorgt ist. Da hängen viele Stücke Rauch- Rij» fe M '-*v MM Abkommandiert zum Wasserholen. Auch diese Arbeit macht Spaß. Eine Zeltbelegschaft beim gemeinsamen Abendbrot auf der Waldwiese. fleisch, da stehen Berge von ausgezeichnetem Büch- SogflOtiDflleiDWfliiDil Vornan von Walther Kloepffer Copyright 1936 dy August Scherl G. m. b. H.. Berlin. 31 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Sie warf die Gedanken an untersagte Narkosen und schmollende Ehemänner flugs hinter sich und stimmte ein Liedchen an, das sie in der Volksschule gelernt hatte. Mittendrin blieb sie an einem Chausseebaum stehen und nestelte an ihrem rosaroten Straps herum, der sich ausgehängt hatte. Plötzlich fiel ein Tropfen auf ihre Hand. Nanu? Sie blinzelte zum Himmel, und der sah gar nicht erbaulich aus. Es war zuviel Schwefelgelb und Schwärze in seinem schieferfarbenen Blau. Auch Wolken türmten sich zusammen. Und sie war ohne Schirm ohne Regenmantel und hatte ihr dünnstes und duftigstes Kleid an! Ich sag's ja, man braucht bloß einmal den Schirm vergessen, und schon ist der Salat fertig! dachte sie empört und trat einen überstürzten Rückzug an. Und dann brach es plötzlich mit aller Macht los. Die Wolke über ihr schien tobsüchtig geworden zu fein. Es regnete nicht mehr, es goß. Viktoria achte unter einem Baum Zuflucht, aber das war soviel wie nichts. Während sie nach einem besseren Standort Ausschau hielt, krakeelte Foggs Wagen heran. Der Doktor war in Büchlkam bei einer Geburt gewesen, war abgehetzt, müde und schlecht rastert und ärgerte sich mit dem verwünschten Scheibenwischer herum, der natürlich wieder mäl nicht in Schwung kam. Dieser Wolkenbruch hatte! Fogg gerade noch gefehlt. Birnbaum und Hollerstauden! Das ist doch Frau Engasser da vorn! dachte er und lenkte vorsichtig auf die Straßenseite, damit es nicht so spritzte. Aber liebe Frau Professor, Sie hat es ja schon eingeregnet! Wie ein getauftes Mäuschen sehen Sie aus Ja, was tut man denn da? Vor allem myl 'rein in den Wagen! Wissen Sie, ,Schorschi hat ja allerhand Mängel, aber sein Wetterdach ist zufällig gut", sagte er überstürzt „Wie ich von Hause fort bin, hat es gar nicht so ausgesehen", entschuldigte sie sich und zupfte den klatschnassen Stoff ein wenig von der Brust und von den Knien. Unter ihren Füßen bildete sich ein Bächlein. Fogg gab Gas, und „Schorschi" donnerte mit Fehlzündungen davon. Nach ein paar hundert Meter verringerte der Wagen seine Geschwindigkeit, und schließlich blieb er ganz stehen. Fogg konnte ihn gerade noch an den Straßenrand steuern, dahin, wo ein schmaler Fußpfad an das Mühlhölzel abzweigte. Und da stand er nun, bocfftarrig und steif, und kein Drücken auf den Starterknopf und kein Gasgeben half. „So, da haben wir jetzt den Zimt! Oh, du Mistvieh von einem Wagen! Verzeihung, wollte sagen, die Batterie ist wahrscheinlich leer Will mal rasch nachsehen." Er kletterte aus dem Auto und klappte die Motorhaube hoch. „Wie ich gesagt habe! Was fangen wir denn nun an? Batterie ist nämlich das Schlimmste Wir können jetzt gar nichts tun, als das gröbste Unwetter hier abwarten; später werde ich in den Ort gehen und Vorspann besorgen. „Schorschi" muß abgeschleppt werden. Ich bekomme noch graue Haare mii ihm." Fogg stieg wieder ein und machte sich o dünn wie möglich. Denn Viktorias allzu große Nähe machte ihn kribbelig. So eine grau war doch schließlich kein Besenstiel', sondern eine sehr warme, weiche und wohlriechende Angelegenheit, die in einem mit Zündstoffen ungefüllten Mannesgemüt ziemliche Verheerungen 'anrichten konnte Ein Radfahrer fuhr vorüber und hatte einen mit schwarzem Wachstuch bedeckten Korb vor sich, ein auswärtiger Hausierer. Da er Fogg zufällig kannte, grüßte er. Seine regentriefende Gestalt verlor sich bald in der Ferne. „Und wie das schüttet, was?" bemerkte Fogg unzufrieden. „Glauben Sie, daß es bald aufhört?" „Macht mir nicht den Eindruck", knurrte er. „Man könnte eine Zigarette rauchen, so man eine hätte." „Leider habe ich keine bei mir. Sie wissen, ich rauche nicht." „Alsdann muß es halt so gehen", sagte er und wischte an der Windschutzscheibe herum. Was hat er denn heute? dachte Viktoria. Bißchen merkwürdig, wie? Sie spielte mit ihren Stulphandschuhen, und der eine fiel zu Boden. Sie bückte sich, er bückte sich, und ihre Köpfe stießen zusammen. Einen Herzschlag lang streiften seine Lippen zufällig ihr Haar. „Danke", sagte Viktoria und meinte den Handschuh. „Muß noch einmal nach der Batterie schauen", murmelte Fogg unsicher und verließ abermals den Wagen. Dann bosselte er im strömenden Regen an allerlei roten und schwarzen Kabeln herum, holte sich die Werkzeugtasche, schraubte, kniff und war ungeheuer betriebsam, obschon das Ganze durchaus zwecklos war. Aber der Regen tat gut, und die Beschäftigung tat gut, und man kam über manches hinweg, mit dem man drinnen nicht fertig wurde. Viktoria sah Fogg zuerst ein bißchen zu, dann schaute sie weg und hing ihren Gedanken nach. Nach drei Minuten war sie bereits auf der richtigen Fährte und hatte eine Ahnung, was mit Fogg los war. Sie hauchte „Ach!", und dies Wörtchen klang halb erschreckt und halb verwundert. Die neue Erkenntnis schuf ihr zweierlei Empfindungen, eine verbotene schmerzlich-süße und eine erlaubte ängstliche. Dann spürte sie in sich selber hinein und nahm mit Bangen wahr, daß auch in ihr nicht alles aussah, wie es sollte. Sie fächelte sich mit ihrem Handschuh Luit zu, weil es ihr plötzlich von innen her yeiß wurde. Dann dachte sie, wie es einer ordentlichen Ehefrau zukommt: Aber das geht doch nicht, Vicki ... nein, bestimmt, das geht nicht .. das wäre ja noch schöner! Und sie machte sich ganz schmal und kroch m ihre Ecke, als ob neben ihr wunder wer säße. „Das ist ein schöner Gelump. Mit dieser Kiste werde ich nicht alt!" schimpfte Fogg draußen. „Ja?" piepste sie erschreckt und aus einer ganz unmöglichen Sache herausgehott „Ich sage, der Wagen ist ein Gelump", wiederholte er laut, unwillig und mit scharfer hochdeutscher Aussprache. Nur er durfte .Schorschi" so tief beleidigen; andern fuhr er über den Mund, wenn sie eine derartige Aeußerung taten. Er studierte den Himmel. „Dort hinten wird's schon hell; auch der Regen läßt nach." Sie streckte prüfend die Hand aus und sagte: „Ich glaube auch ...ich glaube, daß man es riskieren kann." ..Ich gehe jetzt ins Dorf. Sie warten am besten im Auto." „Nein. Ich möchte auch fort. Es ist ungemütlich in dem nassen Zeug. Auch wird man sich vielleicht um mich ängstigen." „Gut. Dann gehen wir zusammen durch das Mühlhölzel. Das ist der kürzeste Weg." „Seien Sie mir nicht böse, aber ich möchte doch lieber allein am Waldrand entlanggehen —" Fogg war ein wenig verwundert und gekränkt. „Möglicherweise kommt mir jemand mit einem Schirm entgegen. Es ist auch der Leute halber", sagte sie schüchtern. „Wieso der Leute halber?" „Nun ja, Sie kennen ja die bösen Zungen hier. Mein Mann —" „Ach so, wie Sie wollen." „Vielen Dank und guten Tag, Herr Doktor." Sie übersprang leichtfüßig den Straßengraben und eilte unter den Waldbäumen heimwärts. Fogg aber schritt quer durch das Mühlhölzel und hing seinen Gedanken nach. ♦ Um jene Zeit pilgerte auch der Professor Engasser mit aufgespanntem Regenschirm und verdüstertem Antlitz in der Gegend herum. Seine Frau hatte nach dem Essen kurz erklärt, sie wolle ein paar Familien im Dorf besuchen und dann einen Spaziergang unternehmen. Um drei Uhr verließ sie die Villa, und bald darauf machte sich auch der Professor auf den Weg, um ihr heimlich nachzugehen; denn fein Argwohn war geweckt. Es war keine leichte Aufgabe, einer flinken Frau auf der Spur zu bleiben, in der Nähe von fremden Häusern zu warten und bei solch schimpflichen Unternehmungen kein Aufsehen bei der Bevölkerung zu erregen Beim Ortsausgang gegen Büchlkam zu verlor er Vicki aus den Augen, weil er von einem Einheimischen zu einem längeren Gespräch gezwungen wurde. Was nun? Er entschloß sich gefühlsmäßig, die Richtung nach dem Doktorhaus einzuschlagen. Ein Fenzlmäd- chen. die Regine, strickte im Garten und vertrieb von Zeit zu Zeit die Spatzen mit Huscbhusch, die den Hühnern die Körner roeapuften „Pst, du. Komm mal her. Ist der Doktor Fogg ,m Hause?" Dem Professor war dieses Ausjragen sehr peinlich. „Na. Der Doktor is mit dem Wagen nach Büch!» kämm. Soll i was ausrichten?" „Nicht nötig, mein Kind. Ich frage nur so. Ich danke dir schön." Engasser schlug die Straße nach Büchlkam ein. Fortsetzung folgt Wirtschaft Zusammenhalt Kirchliche Nachrichten Sonntag, den 101,75 | 101,65 98,9 989 105,4 105,25 99.75 ,9 97 101,13 I 101,13 110.75 1 110.75 5' Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a. 2JI. Evangelische Stadtmission, Loberstrahe 14. Sonntag, 27. Juni. 8.30: Morgenandacht; 9.45: Sonn-1 134,25 99.5 99 98 99,3 99 99 98 101,7 98.9 99.3 99 105 99.75 100,6 100,4 125,75 125,5 19,5 21,25 125.25 134 99,5 98,25 100,7 101,13 110.9 101 99,25 125,8 101 110,9 134 99,5 125,5 19,65 20,9 125,25 125,25 46 19,65 21,13 125 4 212,5 130 113,13 118 105 212 113,13 118 105 125,5 45.5 19,65 20,9 125.25 211,25 130 113,13 118,25 105 99,5 100 75 99 98 97.9 134,4 99,5 98.25 100.75 99.3 125,9 134,5 99.5 100,75 99 98 99,3 99 Commerz- und Privat-Banl .. Deutsche Diskonto........... Dresdner Bant............. Evangelische Gemeinden. 27. Juni. 5. Sonntag nach Trinitatis. Retchrdmit Berliner Handelsgesellschaft Don Erbmassen verschütte«. Lpd. Vilbel, 25. Juni. In der Gemarkung Dor. telweil geriet an einer Baustelle ein Arbeiter unter Erdmassen, die infolge der starken Regengüsse ms Rutschen gekommen waren. Die Sanitätskolonne brachte den Verunglückten in das Dilbeler Krankenhaus, wo er seinen schweren Verletzun» gen erlag. senfleisch, viele Dosen Fischkonserven, Säcke voll von Hülsenfrüchten, Mehl, Kaffee, Tee und Zucker. Und dazu ist ein tüchtiger Koch da, der „Peter", gutmütigen Angesichts, dem es die schönste Freude ist, wenn es allen schmeckt. Und wenn zum Mittagessen der erste Schlag nicht reicht, dann wird der zweite nicht vorenthalten. Heute Mittag verlassen die Jungen des ersten dies- 101,65 । 98,9 | Polizei: Telefon 2751, nur in dringende» Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244'45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 1 bis 13 Uhr. Sanitätskoionne: Telefon 2500. Falls behandelnder Arzt nicht zu erreichen: ‘ Arzt: Dr. W. Klein. Zahnarzt: Dr. Geyer. Apotheke: Pelikan-Apotheke. * Autohilfe: Rufnummer 04 beim Postamt Gießen^ Die sich aus dieser Verbundenheit notwendig ergebende Gemeinschaftsarbeit wird um so solider und reibungsloser sein, je wirtschaftlich fundierter in sich die einzelnen Nationalwirtschaften ind. Gesunde Einzelvolkswirtschaften und ein auf illen Seiten gleichmäßig belebter Wille zur Zu- ammenarbeit unter den Völkern sind so die Voraussetzungen für die Prosperität der Weltwirtschaft. Schwache, unfreie und unselbständige Volkswirtschaften haben noch niemals einen geregelten Weithandelt gefördert. tagsschule; 20.30: Missionsvortrag. — Mittwoch, 30. Juni. 20.30: Bibelstunde. Baptistengemeinde, Gartenstraße 13. Sonntag, den 27. Juni. 11: Kindergottesdienst; 16: Predigt. — Mittwoch, 30. Juni. 20.15: Bibelstunde. Christliche Gemeinde, Zu den Mühlen 2. Sonntag, 27. Juni. 9.45: Erbauungsstunde; 11: Sonntagsschule; 20.30: Evangelisation. — Dienstag, 29. Juni. 20.30: Bibel- und Gebetsstunde. katholische Gemeinden. Samstag, den 26. Juni. Gießen. 16.30 und 19 Nhr: Beichtgelegenheit. Sonntag, den 27. Juni. 6. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. Tag der Glöckenweihe. 6.30: Beichtgelegenheit; 7: Hl. Messe; 8: Spendung der hl. Kommunion; 9: Levitiertes Hochamt mit Festpredigt des Hochwürdigsten Herrn Generalvikars Moser; 11.15: Hl. Messe (ohne Predigt); 15: Glockenweihe im Freien, anschließend Andacht in der Kirche, Festakt im Dereinshaus. — Lollar. Kein Gottesdienst, siehe Gießen. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und' Christenlehre. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt. — Echzell. 10.45: Hochamt mit Predigt. Montag, den 28. Juni. Laubach. 7.30 Uhr: Hl. Messe. Dienstag, den 29. Juni. Gießen. 20.30 Uhr: Bibelstunde. Mittwoch, den 30. Juni. Hungen. 6.15 Uhr: Hl. Messe. Donnerstag, den 1. Juli. Gießen. 17.30 bis 18.30 Uhr: Beichtgelegenheit. Freitag, den 2. Juli. Gießen. 6 Uhr: Herz-Jesu-Segensamt. Vestentlicher Sonntagsdienst. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papteren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt vefchlosienen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. 99,3 99 105 I 99,75 । 100,8 1 I 99,25 126 ; 133,75 ... ul 211,5 : • 6H .. 5 113,13 .. 5 118,25 .. *1 105 Buenos '21itee . Brüssel....... Rio de Janeiro Polen........ Kopenhagen... Danzig.. ..... London ...... HelsingforS.... Paris........ Holland Italien verschaffen, kommt für Deutschland nicht in Frage. Aus einer solchen Zwangslage führt uns der Vierjahresplan heraus. So gesehen ist dieser Plan der Sicherheitskoeffizient, der uns freies Handeln garantiert. Wir werden in Zukunft unsere Einfuhr nach eigenem Ermessen gestalten, und wir werden nur das kaufen, was wir für richtig halten und was unseren,Bedürfnissen entspricht. Und ebenso können wir naturgemäß nicht das exportieren, an dem wir selbst Mangel haben, sondern wir werden das ausführen, woran das Ausland Bedarf hat. Das sind in erster Linie die gualitativ hochstehenden Leistungen unserer Fertigwarenindustrie und die Erzeugnisse unserer ständig fortschreitenden chemischen und technischen Forschungsergebnisse. Diese Maxime schließen Zugeständnisse, wenn sie nattonalwirtschaftlich verttetbar sind, in keiner Weise aus. Im Handel wird gehandelt. Und ebenso wie bei bei den zahlreichen Faktoren, die den Welthandel bedingen, der Lebensstandard des eigenen Volkes nie vergessen werden darf, werden sich auch zeitweise Notwendigkeiten ergeben, die eigene Produktion nach der Lage des Weltmarktes auszurlchten. Wenn aber unter gesunder Weltwirtschaft verstanden wird, daß jedes Land grundsätzlich in vorderster Linie das einführt, woran es e ch t e n B e d a r f hat und was es aus seinen'eigenen natürlichen Schätzen und seinen Arbeitskräften nicht erzeugen kann, und das exportiert, was es aus feiner besonderen, ihm eigenen natürlichen und geistigen Leistungsfähigkeit hervorbringt, womit es also die Weltwirtschaft bereichert, so ist die natiomalwirtschaftliche Lebenssicherung, jenes leider so häufig mißverstandene „Autarkiestreben" nichts anderes als eine unerläßliche Voraussetzung für den Aufbau einer neuen und gesunden Weltwirtschaft. Die Weltwirtschaft lebt von den richtigen Einsichten der Staatsmänner in die realen wirtschaftlichen und in die kulturellen Zusammenhänge, in denen die einzelnen Nationen miteinander stehen. Sie besteht und vergeht mit der Lebenskraft der Völker, die im gegenseitigen Geben und Nehmen über die einzelnen Landesgrenzen hinausgreift. „Weltwirtschaft" ist in Wahrheit nicht anderes als die Gesamtheit der vielfältigen wirtschaftlichen Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Volkswirtschaften. Dieser Weltwirtschaft kann sich heute kein Land mehr entziehen. Die Wirkung des Ausfalls einzelner Volkswirtschaften auf den Welthandel ist zur Genüge bekannt. Welcher Katastrophe ryürde nicht nur Europa, sondern die ganze Welt entgegenttei- ben, wenn Haß und Unverstand immer noch mehr zerstören. Deshalb ist es an der Zeit, daß man sich auf internationalen Wirtschaftszusammenkünften mit der Neuordnung der Weltwirtschaft beschäftigt. Deutschland ist jederzeit bereit, an solchen Aussprachen teilzunehmen. Deutschland begrüßt es, wenn auf diese Weise die Einsichten in das, was zu geschehen hat, vertieft und damit die ersten Voraussetzungen für den praktischen Wiederaufbau geschaffen werden. Deutschland ist überzeugt, daß dieses Ziel im gegenseitigen Vertrauen erreicht, und daß auf dem Boden einer so neu geordneten Weltwirtschaft der politische und soziale Frieden in der ganzen Welt gesichert werden kann. und unverändert. Am Einheitsmarkt notierten Kalter Brauerei 53,50 (54), Konserven Braun 103,50 (104,50), Aschaffend. Akt.-Bräu 134,90 (134). Am Rentenmarkt waren Dekosama Neubesitz an- geboten unb auf 55,25 (60) ermäßigt, aber bereits 57 in Berlin. Kommunal-Umschuldung unverändert 93 90. Frankfurter Obft- und Gemüsemarkt. Frankfurt a. M^ 25. Juni. Am Gemüse- mar k t war das Gesamtangebot weiter gut, besonders reichlich von Karotten und Kohlrabi. Geschäft im allgemeinen befriedigend. Preise für Salat etwas höher, für Bohnen rückläufig, sonst unverändert. Blumenkohl 100 St. 20 bis 50, Bohnen Freiland 50 kg 30 bis 32, Erbsen 50 kg 15 bis 28, Gurken 100 St. 10 bis 35, Karotten 100 Bdl. 7 bis 8, 50 kg 14 bis 15, Kohlrabi 100 St. 4 bis 7, Pfifferlinge 50 kg 50, Radies 100 Bdl. 5 bis 8, frühes Rotkraut 50 kg 16 bis 18, Kopfsalat 100 St. 6 bis 14, Spinat 50 kg 20 bis 25, Tomaten 50 kg 38 bis 45, Weißkraut (Spitzkohl) 50 kg 8 bis 10, Früh-Wirsing 50 kg 12 bis 15, Zwiebeln mit Schlotten 100 Bdl. 5 bis 7, andere Zwiebeln 50 kg 8,60 bis 9,30 ägypt. Am D b ft m a r f t war das Angebot in Kirschen, Johannisbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren stark, in Erdbeeren geringer. Nachfrage nicht voll befriedigend, Ueberstände in Kirschen, Johannisbeeren und Himbeeren. Preise durchweg rückläufig. Erdbeeren 50 kg I 32 bis 35, II 25 bis 30, III 20 bis 24, Heidelbeeren 50 kg 28 bis 30, Himbeeren 50 kg 32 bis 40, Johannisbeeren 50 kg 14 bis 16, Kirschen 50 kg 20 bis 36, Sauerkirschen 50 kg 20 bis 28, Pfirsiche 50 kg brutto 24 bis 28 ital., Stachelbeeren, reife, 20 bis 25, unreife 12 bis 14. Frankfurter Gier- und Butter-Großmarkt. Frankfurt a. M., 25. Juni. Die Versorgung mit E i e r n ist weiterhin nicht voll befriedigend, da die deutschen Zuschußlieferungen zurückgehen und Auslandsware aus Nordwest-, Nord- und Nordosteuropa zum Teil noch unterwegs ist. Nach deren Eintreffen wird eine etwas bessere Versorgung erwartet. Deutsche Markeneier S 10, A 9% B 9, C 8Ve, D8, ausländische Eier S 9Vz, A 9, B 8V2, C 8 Pf. je Stück. — Die Zuteilungen von Butter erfolgten in der abgelaufenen Woche wieder in dem üblichen Umfang von 80 0. H. des Oktoberbezuges, so daß die etwas knappere Versorgung der Vorwoche bereits überwunden ist. Deutsche Markenbutter 148, Feine Deutsche Molkereibutter 145, Deutsche Molkereibutter 140 bis 142, Holländische Butter 148. — Der Käse markt ist weiterhin ruhig. Ein stärkerer Verbrauch von Weich- und Sauermilchkäse, deren Geschäft sich etwas gebessert hat, bleibt erwünscht. Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft. 4 5 5: Deutsch-Polnische Ueberein- funft bett. Abwertung von Aufwertungsrechtsver- hältnisfen. — 45 6: Anbietungspflicht inländischer Gesellschaften und Körperschaften mit formellem Sitz im Auslande. — 4 57: Anordnung zur Aen- derung der Anordnung 8 der Reichsstelle für Milcherzeugnisse, Oele und Fette als Ueberwachungsstelle (Derarbeitungsgenehmigung für die Mayonnaise-, Fleisch- und Fleischsalat-Hersteller. — 4 5 8: Anordnung Nr. 40 der Ueberwachungsstelle für Kaut- schuk und Asbest (Regelung der Verarbeitung von Kautschuk und Asbest). Gießen. Stadtkirche. 8 Uhr: Pf. Schmidt, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Mat- thäusgemeinde; 9.30: Pf. Becker; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde, Pf. Becker. — Johannes- kirche. 8: Pf. Bechtolsheimer, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgemeinde; 9.30: Pfarrer i. R. Kalbhenn; 14: Kinderkirche für die Johannes- und Militärgemeinde: 20: Bibelbesprechung im Johannessaal. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfarrvikar Weckerling, Beichte und Feier des heiligen Abendmahls; 11.15: Kinderkirche für die Luthergemeinde, Pfarrvikar Weckerling. — 3Jetrus- kapelle (Wetzlarer Weg 59). 9.30: Missionar Walther; 10.45: Kinderkirche für die Petrusgemeinde, Missionar Walther. — Wieseck. 9.30: Gottesdienst; 10.45: Kinderkirche; 15: Bibelstunde. — Grohen-Bnfeck. 10.30: Gottesdienst; 11.30: Christenlehre. — Oppen- rod. 8.45: Gottesdienst. — Annerod. 13.30: Gottesdienst. — Albach. 9: Gottesdienst. — Steinbach. 10: Gottesdienst, Christenlehre. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst, Kandidat Hahn, Klein-Linden. — Klein-Linden. 9.45: Gottesdienst; 10.15: Kindergottesdienst. — Garbenteich. 13: Gottesdienst. — hausen. 10: Gottesdienst, anschließend Christenlehre.— Lich. 9.30: Stiftspfarrer Naumann; 13: Kindergottesdienst. — Nieder-Befsingen. 11: Stiftspfarrer Naumann. — Bettenhausen. 8.45: Jugendgottesdienst; 9.30: Hauptgottesdienst. — Langsdorf. 11: Hauptgottesdienst; 18: Kindergottesdienst. — Blün- zenberg. 10.30: Gottesdienst. — Trais-TNünzenberg. 9.30: Gottesdienst. — Hungen. 10: Gottesdienst; 11: Christenlehre; 20.30: Frauenhilfe. — Alten- Buseck 8.30: Christenlehre; 9.30: Gottesdienst, Missionar Ruff, Frankfurt; 10.30: Kindergottesdienst. — Kirchberg. 10: Gottesdienst; 11: Christenlehre für die weibliche Jugend; 13.30: Kindergottesdienst. — Lollar. 9: Kindergottesdienst. — Daubringen. 10: Gottesdienst; 11: Kindergottesdienst. Mittwoch, den 30. Juni. Gießen. Stadtkirche. 20 Uhr: Abendandacht. Donnerstag, den 1. Juli. Gießen. Iohanneskirche. 20 Uhr: Bibelstunde. Gemeinschaft innerhalb der Kirche. Landeskirchliche Gemeinschaft, Gutendergstr. 9. Sonntag, 20.30: Evangelisationsstunde. — Mittwoch, 20.30: Bibelstunde. — Donnerstag, 20.30: Jugendbundstunde. Neuapostolische Gemeinden Gießen, Händelst. 1, Ederstraße 13. Gottesdienst am Sonntag, dem 27. Juni. 9.30 und 16 Uhr. — Mittwoch, 20.30 Uhr. Mr von gesunden Volkswirtschaften lebt die Weltwirtschaft. Generaloberst Göring zur Berliner Tagung der Internationalen Handelskammer Berlin, 26. Juni. (DNB.) Ministerpräsident Generaloberst Göring veröffentlicht in der Zeitschrift „Der V i e r j a h r e s p l a n" unter der Überschrift: „Nur von gesunden Volkswirtschaften lebt die Weltwirtschaft" einen Artikel, in dem es heißt: chnde Juni tritt die Internationale Handelskammer in der Hauptstadt des Deutschen Reiches zu ihrem IX. Kongreß zusammen. Die Erörterung der national wie international wichtigen wirtschaftlichen Organisationsprobleme, die Behandlung internationaler Produktions- wie Handelsfragen wird den Herren des Auslandes, die als gern gesehene Gäste bei uns weilen, auch den Inhalt der deutschen Wirtschaftspolitik aufzeigen. Unser Streben zur Weltwirtschaft hat den tieferen Sinn, durch Ausfuhr von Erzeugnissen, die Produkte deutschen Schaffens sind, Güter und Gaben einführen zu können, die die Natur Deutschland und damit auch den deutschen Menschen im eigenen Lande versagt hat. Gibt es irgendein Land, dem alle Gaben der Natur in gleichmäßiger Fülle geschenkt sind? Die Antwort liegt auf der Hand und deshalb bin ich der Ansicht, daß es auch fein Land geben kann, das grundsätzlich auf die Teilnahme am internationalen Güteraustausch verzichten kann. jährigen Lagers am ote die Zelte unter den Tannen. Mancher wird unvergeßliche Erinnerungen mit nach Hause nehmen und noch nach Jahren wünschen, wieder einmal dabei sein zu dürfen, wenn längst andere in das Lager ziehen, durch die Wälder streifen, im See baden, an den Abenden am Feuer sitzen und Lieder fingen, die vorn Geiste neuer deutscher Jugend künden! iur «ertet)räiue|eii .. 6% Hamburg-Südam. Dampsschtss. 0 Hamburg-Amerika Paket......0 Norddeutscher Lloyd..........0 Deutsche Reichsbahn Borz.-Akt. 7 Khein-Mainische Börse. rMttagsbörse freundlich. Frankfurt a. M., 25. Juni. Die Börse war am Aktienmarkt auf kleine Kundschaftskause weiter etwas erholt, das wenige Interesse war aber meist auf Spezialwerte beschränkt. Die Kulisse beteiligte sich nur wenig am Geschäft, so daß die Umsätze weiterhin klein waren. Obwohl der bevorstehende Halbjahresultimo kaum größere Anforderungen stellen wird, hält man sich von größerem Geschäft zurück, um möglichst liquide zu sein. Nach Erledigung der Kaufaufträge schrumpfte das Geschäft wieder ftart zusammen und ein Teil der etwa 0,50 bis 1 o. H. betragenden Anfangsgewinne ging wieder verloren. Don Montanwerten waren Klöckner gesucht und 1,50 v. H. höher, Rhein. Braun- kohlen stiegen auf die Mitteilungen aus der Bilanzsitzung um 2,25 v. H. auf 235,25, im übrigen traten Besserungen bis 0,50 v. H. ein. IG. Farben erhöhten sich um 0,40 o. H. auf 165,90, Scheideanstalt 263 (262). Elektropapiere lagen ruhig und z. T. bis 0,50 v. H. niedriger. Etwas beachtet blieben Schifffahrtswerte bei Erhöhungen bis 0,25 v. H. Auch für Zellstoffwerte erhielt sich Nachfrage, Aschaffenburger 143,13 (142), Feldmühle 144,50 bis 145 (144). Im einzelnen eröffneten Reichsbank, Bemberg und Rhe-inmetall je 0,50 v. H., Zement Heidelberg 1 v. H. freundlicher, während BMW. 1,25 v. H. verloren. Renten lagen bei gut behaupteten Kursen sehr still. Altbesitzanleihe 125,90 (125,75), Kommunal- Umschuldung unverändert 93,95. Im Verlaufe unterlagen die Kurse leichten Schwankungen, das Gesamtbild war nicht ganz einheitlich. Erhöhungen von 0,25 bis 0,50 v. H. standen ebensolche Rückgänge gegenüber, wobei die Umsätze weiter nur kleinen Umfang hatten. Von den erst später notierten Werten stiegen Th. Goldschmidt auf 148,25 (146,75), Uhren Junghans auf 136 (134,40), Mansfelder auf 150 (148,50), auch sonst kam eine Reihe von Papieren 0,50 bis 1 v. H. höher zum Kurs, niedriger waren u. a. Kali Salzdetfurth mit 160 (162), Aschersleben, MAN., Betula und Brau- bank bis 0,50 v. H. Am Rentenmarkt ermäßigten sich Kommunal- Umschuldung bis auf 93,85 nach 93,95. Ferner gingen Dekosama Neubesitz auf 60 (60,75) zurück. Stadtanleihen und Liquidationspfandbriefe hatten wieder schwankende Haltung, währerü) sonst der Kassarentenmarkt kaum Abweichungen aufwies. Im Freiverkehr wurden u. a. genannt: Adlerwerke Kleyer 113,50 bis 115,50, Neue Wayß & Freytag 149 bis 151, VDM. 167,50 bis 169,50. Tagesgeld unverändert 2,75 v. H. Abendbörse fteundlich. An der Abendbörse erhielt sich etwas Nachfrage, so daß die fteundliche Tendenz fortbestand. Größere Umsätze kamen jedoch nicht zustande, da die Unter- nehmungslust im ganzen gering blieb. Etwas lebhafter waren IG. Farben mit 166,25 bis 166. Rheinmetall-Borsig stiegen auf 151,50 (150), BMW. erholte sich um 0,50 v. H. auf 147,25, auch sonst erreichte eine Reihe von Papieren mit plus 0,25 bis 0,50 v. H. den etwas festeren Berliner Schluß. 1 o. H. darunter lagen aber Conti Gummi mit 191 und von Schiffahrtswerten bröckelten Hapag auf 19,50 (19,75) ab, auch Schuckert mit 169,50 (170) nicht voll behauptet. Montanpapiere lagen ruhig So steht fest, daß die Volkswirtschaften der einzelnen Länder auf den weltwirtschaftlichen nhangnicht verzichten Können, dieser Verbundenheit notwendig erge- 5% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 4*4% Deutsche Retchsschatzanwei. sungen von 1935 4*/2% Deutsche Reichsschatzanweisungen von 1935, II. Holge ... 4*4% Deutsche Reichsschotzanwei- jungen von 1936, III. Holge .. 5yz% D°ung Anleihe von 1930 .. 4*4% Hessische Bolksstaal von 1929 4*4% Deutsche Reichspostschatz von 1934 I...................... 4%% Deutsche Reichsbahnschatz von 1936 I................. Retchsanleihe-Althesitz Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten.............. 4%% Hess. Landesbk. Darmstad! Goldpse. R. 12.............. 5y,% Hess. Landes-Hyp.-Bank SiqiL Goldpse............... 4*/2% Preuß. LandeSpfdbr.-Anst Goldpse. R. 19 4*/2% Preuß. Gold-Komm. R. 20 4*/2% Darmstädter Komm.-Law desbankR. 6................ Deutsche Koinm.-SaMmeI-Anleihe Auölos.-Rechte I.............. 4*/2% Franks. Hyp. Goldpse. R. 15 4yt% Franks. Hyp. Gold-Komm Obl. 2 3.................... 6y?% Franks. Hyp. Liquidation Goldpse..................... 5yz% Rheinische Hyp. Liquidation Goldpse..................... Steuergutichein-Verrechnungskur Der deutsche Vierjahresplan, der die Ge- unbung der innerdeutschen Wirtschaft stabilisieren und damit die Sicherung des Lebens der deutschen Nation garantieren soll, ist deshalb kein Hemmnis für den Aufbau einer neuen Weltwirtschaft; vielmehr bringt Deutschland mit diesem gefestigten und gestählten Wirtfchaftskörper ein wertvolles Aktivum in die Weltwirtschaft ein. Denn die Erfindungen und technischen Neuerungen in den Laboratorien und Konstruktionsbüros eines Jndu- trielandes und die daraus neu entwickelten Produktionen und Industrien sind nicht nur national- wirtschaftlich für das eigene Land, sondern zugleich auch international bedeutungsvoll. Die aus dieser Produktion wachsenden neuen Erzeugnisse stellen ebenso eine Stärkung der nationalen Wirtschaft wie eine Bereicherung der Weltwirtschaft dar. Und ebenso wie Deutschland vorangeschritten ist, besinnen sich ja auch die anderen ßänber heute auf die letzten Quellen ihrer eigenen wirtschaftlichen Kraft. So bilden sich gleichberechtigte Partner, die als freie und unabhängige Wirtschaftsnationen in friedvoller Zusammenarbeit das Problem der Weltwirtschaft sicherlich besser lösen werden als schwache Kontrahenten, von denen immer Unruhe und Unsicherheit in den Welthandel einströmt. Ich persönlich bin der Ansicht, daß ein exportfreudiges und exportfähiges Land auch gleichzeitig ein importfreudiges Land fein muß. Aber ebenso steht für mich auch fest, daß sich eine ihrer nationalen Aufgaben bewußte Wirtschaft nicht von außen her diktieren lassen kann, was exportiert ober importiert werden soll. Um jeden Preis importieren oder gar sich Exportmöglichkeiten durch politische Bindungen, die national nicht erträglich sind, Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurS Schlußk. Abend börse Schluß, kur« Schlußk Mittag- börse Daium 24 6 25.6 24 6. 25.6 Accumulatoren-Fabrik....... 14 231,5 231,5 232 232 Aschaffenburg Zellstoff....... Bemberg.................. . 6 . 0 142 137 143,13 136,75 142,5 137.25 143 137 . 8 165 164,5 165 164 75 Buderus Eisen.............. . 5 125,25 126,5 125,25 126 Gement Heidelberg.......... . 7 155,5 , 157 — Gement Karlstadt.......... . 6 172 172 — Gonti Gummi............. 12 19 191 191,5 192 Daimler Motoren.......... sy> 137,75 137 137,5 137,13 Dessauer Gas............. . 4 — — 119,4 118,75 Deutsche Erdöl............ . 5 154,75 155 154,75 154,5 Deutsche Gold- und Silber .. . 9 262 262 — — Deutsche Linoleum......... 10 164 164 164 13 — Elektrische Lieferungen...... . 6 135,4 135,25 135,5 135,25 Elektrische Licht und Kraft... . 7 153,25 153,25 153,25 153,25 I. G. Farben-Jndustrie..... . 7 165,5 166 165,4 166,25 Felten & Guillerrume....... . 6 137 136,5 137 136,75 Gessurel.................. . 7 150,75 150,25 150,5 150 Th. Goldschmidt........... . 6 146,75 148,13 146,5 148 Gritzner Maschinen......... . 0 53,13 52,65 53,5 53 Harpener................. »'/, 173 173,75 — 174 Hoesch Eisen............... 3'4 125,25 125,5 124,75 124,75 Philipp Holz mann......... .. 8 146,5 147,5 147,13 147.13 Ilse Bergbau.............. .. 6 — — 174 —— Ilse Genüsse.............. .. 6 141 141 140.9 141,75 Kali Aschersleben.......... .. 4 123,5 123 123,5 123 Klöckuerwerke............ 4V2 136 137.5 136,4 137 Kokswerke und Gbemtsche Fabrik 7 — —— 154 154 25 Lahme yer................ .. 6 — 124 123,75 124 Mainkrast................. . . 4 99 99,25 — — Mannesmann............. 4*/, 123 123 122,9 123 Mansfelder Bergbau....... .. 7 148,5 150 148,25 150 Metallgesellschast........... .. 6 151,5 152 —— 152 Orenstein & Koppel........ .. 0 — 107,5 107,75 Rheinische Braunkohle...... . 12 233 235,25 233,25 235 Rheinische Elektro.......... .. —— 136 136 Rheinstahlwerke............ .. '59,13 159 159 159.25 Rheinisch-Westfälische Elektro .. 132 132 132 131,5 Rütgerswerke ............. 147 147,5 147 148 Salzdetfurth Kali ......... .. 162 160 162 160 Schuckert & Go............. .. 170 169,5 170 169,75 Schultheis Payenhofer...... .. — — 100,13 100,75 Siemens & Halske......... .. 215,4 215,5 216,25 216.5 Süddeutsche Zucker........ . U. 206,5 207 206.5 — Bereinigte Stahlwerke..... */ 120 119,65 119,75 119,5 Westdeutsche Kaufhof...... .. 60,25 59,65 60,13 59,9 Westeregeln Alkali......... .. 123 — 122,5 123 Zellstoss Waldhof......... .. . o, 158,25 158,75 158,4 159 Ltavi Minen............. 30.75 31,5 30,75 31,65 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk Mittag- börse Datum -«6 25 6 24 6 25 6. 24 Jun 25 Fun 24 Juni 25 Jun Amtliche Roiteruna Amtliche Rvlierun. Amtliche Roneruna Am i,cheNotierung Weir Br'e- Ge! Brie Gelt Brie Geld Brie 0,760 0.764 0,758 0,762 Japan.................... 0,716 0,718 0,716 0,718 42,13 42,21 42,13 42,21 Jugoslawien .............. 5,694 5,706 5,694 5,706 0,165 0,167 0,165 0,167 Oslo ................... 61,96 62,08 61,92 62,04 47,10 47,20 47,10 47,20 Wien..................... 48,95 19,05 48,95 49,05 55.05 55,17 55,00 55,12 Lissabon................. H-205 U,225 11.195 11,215 47.10 47,20 47,10 47,20 Stockholm .. ............. 63 58 63.70 63,52 63,64 12,33 12,36 12,32 12,35 Schweiz.................. 57,18 57,30 57,15 57,27 5,455 5,465 5,45 5,46 Spanien.................. 16,98 17,02 16,98 17,02 11.12 11,14 11,11 11,13 Prag..................... 8,671 8.689 8,671 8,689 137,18 137,46 137,22 137,50 Budapest................. - - 13,09 13,11 13,09 13,11 Neuyork.................. 2,496 2,500 2,496 2,500