Nr. 221 Erstes Blatt 187. Jahrgang Mittwoch, 22. September 1937 Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezugsprets: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Univerfitatsdruckerei R. Lange in Stehen. Schristleilung und Geschäftsstelle: Schulsttahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8' /,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach oorh. Dereinbg.25°/„ mehr. Lrmähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts-u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Oie großen Wehrmachtsmanöver in Norddeutschland Die Ausgangsstellung. Swinemünde, 21. Sept. (DNB.) Die Wehrmachtsmanöver 1937 haben am 20. September um 8 Uhr morgens begonnen. Es handelt sich um die erste zusammengefatzte Hebung der drei Wehrmachtsteile. Seit Schaffung einer selbständigen Luftwaffe sind derartige Manöver notwendig, um die einheitliche Führung der Wehrmacht und das operative Zusammenwirken der drei Wehrmachtsteile in entscheidenden Phasen des Krieges zu erproben. Um die Luftwaffe nicht nur zur Unterstützung des Heeres und der Marine einzusetzen, sondern vor allem als Trägerin des offensiven Luftkrieges im feindlichen Land zu ihrem Recht kommen zu lassen, ist es nötig, große operative Lagen zu spannen. Die Manöoerleitung hat daher einen „Rot"- und einen „Blau"-Stab angenommen, die sich bereits seit einiger Zeit im Kriege befinden. Die Grenze zwischen Blau im Osten und Rot im Westen verläuft von dem westlichen Rügen zwischen Schwerin und Waren in Mecklenburg über Magdeburg nach Süden westlich des Leipziger Industriegebietes. Bis zum 20. September war weder zu Lande noch zur See und in der Luft eine wesentliche Entscheidung gefallen. Rot war bei seinem Angriff gegen das blaue Industriegebiet im Süden auf erbitterten Widerstand gestoßen. In der Mitte der Front und nördlich der Elbe bei Magdeburg hatten nur unbedeutende Kämpfe stattgefunden. Der Aufmarsch der blauen Kräfte war zum Manöverbeginn noch nicht beendet. Die Kräfte zur See haben sich auf Minen- und U-Bootkrieg sowie auf unbedeutende Zusammenstöße leichter Unter-Streitkräfte beschränkt. Eine starke blaue Transportflotte war in Pillau und Königsberg zusammengezogen. Die Einschiffung ostpreußischer Truppen hatte bereits begonnen Dis Vorherrschaft in der Luft war von feiner der beiden Parteien errungen worden. Hohe Verluste und ungünstige Witterung hatten in den letzten Tagen zu einem Abflauen der Kampfhandlungen geführt. Der erste Kampftag. So war die Ausgangstage bei Beginn der Manöver am Montagfrüh. Inzwischen sind die Kampfhandlungen im Nordabschnitt der $ront, also im eigentlichen Manövergelände Pommern und Mecklenburg, bereits im Gange Auf Grund dieser Ausgangslage, die einen neuen Abschnitt in einem bereits im Gange befindlichen Kriege einleitet, ergab sich am Abschluß des ersten Manövertages folgende Lage: In Fortsetzung der bereits eingeleiteten Operationen griffen starke rote Kräfte auf der allgemeinen Linie nördlich Malchow-Teterow nordostwärts Gnoien an, wobei auf dem rechten Flügel südlich des Malchiner Sees starke Panzerkräfte zum Einsatz kamen Diesen gelang es, die südlich des Malchiner Sees stehenden schwächeren blauen Kräfte zu durchbrechen und ostwärts des Malchiner Sees nach Norden eindrehend in allgemeine Richtung Stavenha- gen vorzustoßen. Motorisierte rote Teile gingen bei Penzlin vor. Blau gelang es nach schweren Kämpfen, am Abend etwa die allgemeine Linie Brudersdorf — Neukalem — Teterow südlich Malchin und damit die Brückenköpfe bei Demmin und Malchin offen zu halten. Nördlich davon konnte schwächere in Tribsees über den Trebel—Recknitz-Abschnitt vorgegangene rote Kavallerie zurückgeschlagen werden. Auf See wurde die Gefechtsberührung auf Grund von Meldungen der Luftaufklärung trotz recht schlechter Sicht herbeigeführt. Es kam zu bisher ergebnislosen Gefechtshandlungen zwischen den beiderseitigen schweren Einheiten. Zwischen U-Boo- ten und U-Bootjägern entwickelten sich verschiedentlich Kämpfe, wobei auf beiden Seiten Ausfälle ein- katen. Im übrigen waren Kleinbootsverbände beider Parteien im Wach-, Sicherungs- und Minensuchdienst eingesetzt. Nachdem in den Vortagen die Luftstreitkräfte beider Parteien nur geringe Kampftätigkeit entfaltet hatten, griff Rot am 20. Dezember mit starken Kampfkräften die Verkehrs- und Wirtschaftszentren von Berlin und mit schwächeren Teilen die Hafenanlagen von Königsberg und Pillau an. Der nachhaltig geführte Angriff auf Berlin wurde auch in der Nacht zum 21. September fortgesetzt. Die blaue Luftwaffe brachte ihre starken zum Schutze Berlins zusammengezogenen Abwehrkräfte, durch den Flugmeldedienst rechtzeitig alarmiert, mit Erfolg zum Einsatz, so daß der Angriff auf Berlin nach schweren Luftkämpfen mit blauen Jägern im zusammengefaßten Feuer der Flakartillerie nur noch mit Teilen an den Stadtkern herankam. Die Haltung der Bevölkerung war mustergültig. Mit den eigenen Kampfverbänden stieß Blau mit Wucht nach und griff erfolgreich rote Flugplätze und Verkehrsanlagen im Raume Bremen — Hamburg — Hannover sowie die Hafenanlagen von Hamburg an. Auf beiden Seiten herrschte lebhafte Tätigkeit der Aufklärungsflieger Der Führer im Muövergebiei. Nachdem der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht am Montag den wechselvollen Kämpfen um die Brückenkopf-Stellung von Malchin beigewohnt hatte, nahm er zunächst am Dienstagvormittag im Beisein des Generalobersten Freiherrn von Fritsch einen Vortrag im Hauptquartier der Manöverleitung des Heeres in Neubrandenburg entgegen. Sodann begab sich der Führer auf das Gefechtsfeld der blauen Partei und später zu den Truppen auf roter Seite, deren Bewegungen er aus der Gegend von Rosenow mit dem Generalfeldmalschall von Blomberg gemeinsam verfolgte. Die Bevölkerung, die trotz des regnerischen Wetters die Truppenbewegungen und Kampfhandlungen der großen Manöver wieder mit größtem Interesse verfolgte, grüßte den Führer mit stürmischer Begeisterung und bereitete ihm in allen Orten einen jubelnden Empfang. Die Parteien. Kriegsmäßiger Einsatz aller Truppen. Am Manöver nehmen teil: Vom Heer bei Blau eine Armee mit zwei Armeekorps, b e i R o t ein Armeekorps, dazu starke motorisierte Panzerkräfte; von der Kriegsmarine bei beiden Parteien Panzerschiffe, Kreuzer, Zerstörer, Torpedoboote, Minensuchstreitkräfte, U-Boote und Kleinbootoerbände; von der Luftwaffe bei beiden Parteien Kampfoerbände, Aufklärungsoerbände, Jagdverbände und Flakeinheiten. Kriegsmäßig werden durch Einheiten der brei Wehrmachtsteile dargestellt: Die Kampfhandlungen des Heeres nördlich der Linie Angermünde—Neustrelitz—Waren— Schwerin; die der Luftwaffe im Raume Stolp— Emden—Paderborn—Sagan. Bei der Kriegsmarine kommt der gesamte Seekrieg in der Ostsee durch Flotte, Seeflieger und Küstenschiffe zur Darstellung. Die Gesamtmanöver werden durch den Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Generalfeldmarschall von Blomberg, vom Fliegerhorst Tutow bei Demmin aus geleitet Für die drei Wehrmachtsteile sind unter den Oberbefehlshabern des Heeres, der Kriegsmarine und der Luftwaffe eigene Leitungs stöbe in Neubrandenburg, Swinemünde und Gatow bei Berlin tätig. Die blaue Partei wird von General der Infanterie von R u n d st e d t, dem Oberbefehlshaber der Gruppe I, geführt, die blauen Seestreitkräfte von Admiral Carls, die blauen Luftstreitkräfte von General der Flieger K a u p i s ch , dem Kommandierenden General des Luftkreises II Parteiführer von R o t ist Genera! der Kavallerie Knochenhauer, der Kommandierende General des X. Armeekorps. Die Führung der roten Seestreitkräfte hat Vizeadmiral Boehm, die der roten Luftstreitkräfte General der Flieger Halm, der Kommandierende General des Luftkreises VII. Lllstaimiffe auf Swinemünde stören die Truppentransporte aus Ostpreußen. Wir befinden uns m Swinemünde an einem besonders großen Platz bei der blauen Partei. Wie das Hinterland bis Berlin liegt auch die Küste in tiefstem Dunkel. Doch bei näherem Zusehen überzeugt man sich davon, mit welcher Wachsamkeit die Festungsbesatzung auf der Hut ist. Schwere und mittlere Batterien bestreichen die Küste und die Einfahrt. Die Durchfahrt nach Stettin wird ständig von kleinen Motorfahrzeugen überwacht. Man wartet auf das Eintreffen der aus Königsberg angemeldeten Truppentransporte über See. War es Dienstagnachmittag schon mehrfach roten Flugzeugen geglückt, bis nach Swinemünde vorzustoßen, so wird auch zu Beginn der Nacht die feierliche Stille der Ostsee bald durch das Heulen der Sirenen gestört. Die Finger der Scheinwerfer faßten in das Dunkel. Fast sofort haben sie auch den Störenfried, der bald in einer Spinne von Leuchtarmen gefaßt ist. Doch ein Bombenangriff folgt auf den anderen Eben ist das erste Tran sp ortschiff von dem aus O st - preußen erwarteten blauen Truppentransport durch und läuft in hoher Fahrt nach Stettin. Der übrige Truppentransport, der unterwegs schon heftigen roten Angriffen ausgesetzt war, muß auf hoher See bleiben und bis weit nach Mitternacht warten, ehe die Luftlage die Einfahrt erlaubt. Inzwischen zeigt sich die Wirkung der zähen roten Angriffe. Bei den Kasernen haben Bomben eingeschlagen. Ein Stadtteil brennt. Der zivile Luftschutz ist in voller Aktion, um des Feuers Herr zu werden. Dem unter die Wolken gehenden Angreifer erleichtert heller Mondenschein die Arbeit. Jetzt hat es auch beider Fähre eingeschlagen. Drüben am anderen Swineufer, bei der Versorgungsstelle der Kriegsmarine, hat es gezündet. Munition geht hoch und erleuchtet taghell das schaurige Spiel. Der Luftschutz der Wehrmacht arbeitet angestrengt. In das Surren der Propeller, das Dröhnen der Flaks mischt sich das Geräusch der Motorspritzen. Aber, wenn eben ein Brand nachläßt, dröhnen neue Einschläge. Swinemünde in Flammen bietet em gespenstisches Bild. Mit Fackeln, Rauchbomben und Leuchtkörpern wird durch die Schiedsrichter ein wirklichkeitsnaher Eindruck vorgetäuscht. Zwei Stunden schon wüten die Brände. Der Ort ist in stickigen Dunst gehüllt. Rauchschwaden ziehen über die Swine und hinaus zur See, dazwischen die Strahlen der Wassergarben. Eine Räumbootflottille und Minensuchboote benützen den Schleier, um die Einfahrt zu gewinnen. Immer wieder arbeiten die Scheinwerfer und bellen die Flaks. Doch Rot läßt noch nicht nach. Längst nach Mitternacht, während immer noch Brände lodern, können die blauenTrans- porter d i e Einfahrt gewinnen. Auch dann dauert es noch geraume Zeit, bis die Ausladung beginnen kann. Die Heeresformationen aus Ostpreußen haben einen Eindruck davon bekommen, was in einem modernen Krieg zum Schutze der Küste und der lebenswichtigen Seewege d i e Kriegsmarine zu leisten hat. =/■ Hi Das Spiel der Scheinwerfer bei dem Luftangriff auf Berlin und die Flugzeuge, die von dem grellen Licht bestrahlt wurden. — (Scherl-M.) 3m Londoner Zwielicht. Bei der Dölkerbundstagung ist es bisher nicht immer nach dem Wunsch der Genfer Regisseure gegangen. Zuerst fiel Sowjetspanien bei der geheimen Wiederwahl für den Ratstisch mit Pauken und Trompeten durch, obgleich noch kurz vorher alle anwesenden Staatsmänner den Hetzreden des Valencia-Bolschewisten Negrin ohne Einspruch zugehört hatten. Aber was die sehr ehrenwerten Völkerbundsmitglieder öffentlich und vor den Augen der Welt nicht zu tun wagten, das besorgten sie mit dem diskreteren Stimmzettel um so gründlicher: sie verabreichten den Sowjets und ihren demokratischen Freunden einen gehörigen Denkzettel. Der so freigewordene Ratsplatz muß durch Wahl eines anderen Völkerbundsmitgliedes besetzt werden, und zwar frühestens 48 Stunden nach der Aufstellung einer neuen Kandidatenliste. Es ergab sich nun die merkwürdige Erscheinung, daß gerade die beiden Mächte, die man ursprünglich mit einem Ratssitz „beglücken" wollte, nicht die geringste Neigung zeigten, für einen solchen Posten zu kandidieren. Man dachte nämlich in erster Linie an O e st e r- reich oder Ungarn, aber beide Staaten ließen unter der Hand wissen, daß sie an einer derartigen Verlegenheitskandidatur fein Interesse hätten. Wir haben für diese Zurückhaltung das größte Verständnis, denn bisher hat ja die Genfer Einrichtung nicht das geringste getan, um die berechtigten Ansprüche der einstigen Mittelmächte auf Revision des militärischen und politischen Zwangsstatuts von St. Germain und Trianon zu unterstützen. Als Gefängniswärter Europas und als Büttel der Beute- macher hat der Völkerbund viel von feinem guten Ruf verloren, kein Wunder also, daß jetzt die Ratssitze wie Sauerbier feilgeboten werden. Die zweite unvorhergesehene Tatsache war die Rede des Herrn Eden, die man zwar allgemein mit großer Spannung erwartet hatte, die aber keinerlei neue Gesichtspunkte für die gegenwärtige Situation enthielt. Die Politik des britischen Außen» ministers, die so flott auf eine neue Sanktjonsära hinsteuerte, hat wieder mal einen Knick bekommen, wobei es nicht unwahrscheinlich ist, daß Eden einem Wink aus London gehorchte. Ministerpräsident Chamberlain legt im Hinblick auf die noch im An- fangsftabium befindliche englische Aufrüstung großen Wert darauf, daß Großbritannien sich gegenüber Italien und Deutschland nicht allzu scharf ins Zeug legt. Die hohe Beamtenschaft des Foreign Office dagegen segelt noch immer im Fahrwasser vorkriegszeitlicher Anschauungen, die sich mit dem unorganischen Machtstreben der französischen Staatskunst nur allzu oft decken. So zeigt die englische Politik, wie sie in der Genfer Rede Edens mehr angedeutet als erläutert wurde, auch jetzt wieder ihr verschwommenes Gesicht. Sie vermeidet klare Entscheidungen und verbindliche Aussagen Der Londoner Nebel hüllt auch die dringendsten Probleme in ein ungewisses Zwielicht. Was soll man beispielsweise davon denken, wenn Herr Eden in Genf eine Lanze für eine freiere Weltwirtschaft ohne Devisenkontrolle bricht, obgleich England selber durch seine Pfunbabwer- tung und seine auf der Reichskonferenz von Ottawa festgesetzten Schutzzölle den Anfang mit einer Art Empire-Autarkie gemacht hat? Was soll man zu der Feststellung Edens sagen, daß nur 3 v. H. der Rohstoffe in den Kolonien erzeugt würden, obgleich sich die Briten den Luxus dieser Kolonien leisten, die ja angeblich nichts einbringen, sondern nur Kosten verursachen? Auch die Theorien des eng» lischen Außenministers, daß die Bemühungen um die Wiederherstellung des internationalen Handels nur von Erfolg gekrönt fein könnten, wenn a n - bere Staaten, die sich heute in Schwierigkeiten befinden, bereit wären, durch eine Aenderung ihrer Politik das Wiederaufleben des Welthandels herbei« zuführen und das Vertrauen wieder herzustellen. — auch diese Theorie muß man als ein typisches Erzeugnis der englischen Mentalität betrachten, d"nn sie bezweckt ja nichts anderes, als uns gegen Lieferung von Rohstoffen zur Aufgabe eines berechtigten politischen Anspruches, nämlich zum Verzicht auf die Rückaabe unserer Kolonien zu bewegen. Ein solches Schachergeschäft aber kommt für uns um so weniger in Frage, als es sich dabei für Deutschland nicht allein um die Wohlfahrt, sondern auch um die Freiheit und Ehre der Nation han- delt. Solche Gesichtspunkte mögen dem Geist- E^ens und vieler feiner Landsleute vielleicht fremd fein, für uns aber sind sie ausschlaggebend. Wie sehr es den Engländern bei ihrer Politik nicht in erster Linie um die Verteidigung moralischer Prinzipien, sondern um die Behauptung ihrer Macht zu tun ist, bas zeigt übrigens auch eine andere Gegenüberstellung, die sich aus der Praxis der britischen Gegenwartspolitik ergibt Eng- land war bislang ein scharfer Gegner der deutsch- italienischen Forderung, dem nationalen Snini-n d i e Rechte einer kriegführenden Partei zuzusprechen. Demgemäß lehnte es auch die Durchsuchung englischer Handelsschiffe an der Iva- Nischen Küste ab und schützt noch heute im ganzen Mittelmeer den Union Jack, selbst wenn er zur Tarnung bolschewistischer Waffentransvorte mißbraucht wird, durch seine Kriegsschiffe. Ganz anders ist die britische Haltung im Fernen Osten, wo sich John Bull offenbar nicht stark genug fühlt, um feinen Anspruch geltend zu machen.' Hier haben es die Engländer den Japanern ohne weiteres gestat- ten müssen, britische Handelsschiffe an der chinesi- scheu Küste anzuhalten und tu kontrollieren fSier mußte es England auch dulden, daß sich Javan auf den Registrierschwindel, d. h. auf getarnte Waf- fentransporte unter britischer Flagge nicht einläßt. Die Lehren, die Europg gus der zwiespältigen Haltung der englischen Politik ziehen muß, liegen klar zutage. Heinrich Evers. Der Duce. Mussolini — der Soldat. Das Geburtshaus Mussolinis stand zu Predappio in der Romagna, wo sein Vater Alessandro — ein gefürchteter Revolutionär — Schmied, Gastwirt und Bürgermeister war und seine Mutter Rosa die Kinder des Dorfes als Lehrerin unterrichtete. Am Sonntag, 29. Juli 1883, erblickte ihr Erstgeborener B e n i to , der seinen Namen nach Benito Juarez, dem Freiheitshelden der Mexikaner erhielt, das Licht der Welt. Seine Jugend verlief wie die seiner meisten Gefährten, er trieb sich auf den Feldern und Wiesen herum und lernte bald, sich vor seinen Kameraden mit der Faust Respekt zu verschaffen, ein echter Junge, der sich in jeder Lage zu behaupten verstand. Abenteuerlich verlief sein weiteres Leben, er war Laufbursche bei einem Weinhändler in Lausanne in der Westschweiz und abends Student. Schon als Zwanzigjähriger redigierte er gemeinsam mit dem Advokaten Barboni die Wochenschrift „Die Zukunft des Arbeiters". Als Sekretär der „Sozialistischen Wahlvereiniguna" in Forli wie als Gründer und Leiter der Wochenschrift „Der Klassenkampf" machte er viel vor sich reden, weil er in diesem Blatt schärfste Kritik an den falschen Sozialisten übte. Der spätere Faschist kündete sich bereits an. 1904 wird er zum aktiven Militärdienst im II Bersaglieri-Reaiment zu Verona eingezogen, seine Vorgesetzten sahen ihn wegen seiner sozialistischen Einstellung zunächst scheel an, aber seine hervorragenden Leistungen wandelten den Argwohn rasch in Anerkennung um. 1914 gründete er den „Popolo d'Jtalia", 1915 kam er an die Front und wurde schwer verwundet: mehr als 40 Wunden bedeckten seinen Körper. Zum Korporal befördert, setzte er sich unermüdlich, und zwar vor allem journalistisch, für die Hebung der italienischen Widerstandskraft ein. Nach dem enttäuschenden Friedensschluß kämpfte er gleichermaßen gegen die unfähige Regierung wie gegen die bolschewistische Gefahr. Bereits im Mai 1919 gründete er in Mailand die faschistischen Kampfverbände, welche bald eine ausgesprochen antimarxistische und streng nationale Richtung einschlugen. Im Herbst 1922 trat er den berühmten Marsch auf Rom an, wobei er den bereits Geschichte gewordenen Ausspruch tat: „Wenn ich vorgehe, folget mir, wenn ich zurückweiche, tötet mich, wenn ich falle, rächet mich!" Am 28. Oktober des gleichen Jahres gelangte er in den Besitz der staatlichen Macht, in den folgenden Jahren bildete sich das ganze, auf die Führung durch den Duce einigerichtete System des autoritären Staates aus. Aber niemals könnten wir der Persönlichkeit Mussolinis gerecht werden, wenn wir in ihm lediglich den großen Staatsmann und Politiker erblicken würden. Der Duce ist — und diese Tatsache tritt eigentlich tagtäglich in seinem Leben hervor — vor allem auch Soldat, und zwar im besten und edelsten Sinne des Wortes. Er hat die Schrecken des modernen Krieges am eigenen Leibe kennengelernt, ist wegen Tapferkeit vor dem Feinde zum Korporal befördert und schwer verwundet worden, er weiß genau, wie es den Soldaten au der Front und in der Feuerstellung zumute ist, denn er ist, genau wie der Führer, vor zwei Jahrzehnten einer unter den Millionen gewesen, die ihre schwere Pflicht im Kampf für die Verteidigung des Volkes erfüllten. Frontsoldaten aller Länder pflegen ungern über ihre Kriegserlebnisse zu sprechen, denn ihnen Hegt nichts daran, viel von dem zu reden, was sie in diesen vier Jahren des mörderischen Ringens als selbstverständliche Pflichterfüllung ansahen. Uns ist über den Frontsoldaten Mussolini manches bekannt, und wenn wir zu seinem Kriegstagebuch greifen, dann blickt uns aus jeder Zeile das Gesicht eines Kämpfers entgegen, der seinen Kameraden und Vorgesetzten das höchste Lob zollt, der aber möglichst wenig von sich selber spricht. Kurz und knapp ist die Sprache seines Kriegstagebuches, oft ist es nahezu im Telegramm- til gehalten, enthält über manche Geschehnisse nur tichwortartige Angaben. Wenn wir nicht wüßten, )aß Mussolini ein Meister der Rede ist, aus diesem Kriegstagebuch (schreibt er doch selbst in seinem Vorwort in aller Offenheit u. a.: ,Lch erkenne meiner Prosa keine besonderen literarischen Vorzüge zu.. ") würden wir dies schwerlich entnehmen können. Aber darum ist es gerade um so packender und eindringlicher, weil es alle überflüssigen Worte, alles schmückende Beiwerk vermeidet und nur die Tatsachen, welche aber eine um so deutlichere Sprache sprechen, zu Wort kommen läßt. ♦ Als der Soldat Mussolini an die Front kommt, da hat er als Journalist bereits einen guten Namen. Nach kurzem Frontdienst erhält er den Befehl, sich beim Regimentskommando zu melden. Der Oberst macht ihm einen Vorschlag, über den- Mussolini in seinem Kriegstagebuch u. a. schreibt: .....Sie sollen hier bei mir bleiben. Sie sind immer in der ersten Linie und dort auch dem Artilleriefeuer ausgesetzt Sie sollen Leutnant Palazzeschi einen Teil 'seiner administrativen Arbeit abnehmen und in der Frei- zeit die Geschichte des Regimentes während des Krieges schreiben." Der Soldat Mussolini antwortet seinem Regimentskommandeur: „Ich ziehe es vor, bei meinen Kameraden im Schützengraben zu bleiben." Und als einige seiner Käme- raden ihm ihre Verwunderung über diese Ablehnung zum Ausdruck bringen, erwidert er: „Ich bin im Krieg, um zu kämpfen und nicht um zu schreiben!" Zwei Stellen aus feinem Tagebuch seien hier angeführt, weil sie zeigen, wie der Soldat Mussolini unter seinen Kameraden lebt, wie er sie liebt und mit ihnen fühlt. Lassen wir Mussolini selbst zu Worte kommen: „Was mich in diesem ersten Schützengrabenmonat am meisten verblüfft und gerührt hat, ist der unglaubliche Stoizismus, den die verwundeten italienischen Soldaten an den Tag legen. Mein Unterstand ist am Saumpfad gelegen. Mein Fenster geht auf die Straße. Alles geht an mir vorbei. Ich habe Hunderte von Verwundeten gesehen. Die Leichtverletzten, die zum Beispiel am Arm verwundet sind, gehen allein ins Spital. Mancher, dessen Fleisch von Sprengstücken zerfetzt ist, raucht ruhig eine Zigarette. Dieser Stoizismus ist durch die Atmosphäre bedingt, in der man lebt Kein verwundeter Soldat will sich vor den Kameraden beim Anblick des eigenen Blutes schwach und furchtsam zeigen. Das ist aber nicht der einzige Grund, es gibt einen tieferen. Man klagt nicht wegen einer Wunde, wenn man ständig in Lebensgefahr ist. Die Wunde ist weniger arg.' Wie immer es auch sei, das wundervolle Schweigen dieser demütigen Söhne Italiens angesichts des Schmerzes, den das durch den glühenden Stahl zerrissene Fleisch bereitet, ist ein Beweis der herrlichen Widerstandskraft unseres Stammes." UMM *>V Unser Bild zeigt Mussolini als Korporal der Bersaglieri in einer Gefechtspause an der Front. — (Scherl-Bildarchiv-M.) Und an anderer Stelle: „Unser Krieg ist, wie alle anderen, ein Stellungskrieg, ein Krieg der gegenseitigen Zermürbung. Ein trübseliger Krieg. Einer, Der Verzicht, Geduld und Zähigkeit erforoert. Bei Tag hält man sich unter der Erde auf, bei Nacht kann man ein wenig freier und ruhiger leben. Jeder Reiz früherer Kriege ist verschwunden. Sogar das Gewehr wird überflüssig. Den Angriff auf einen Schützengraben macht man mit Bomben, mit den mörderiscyen Handgranaten. Dieser Krieg widerspricht völlig dem italienischen .Temperaments Doch haben wir uns durch unsere wundervolle Anpassungsfähigkeit an den Schützengrabenkrieg gewöhnt, an den Krieg im Schlamm, tänüig der feindlichen Hinterlist ausgesetzt, ein Krieg, der das Nervensystem auf eine sehr harte Probe stellt. Der Widerstand, den Männer, die aus Gegenden kommen, in denen es niemals schneit, der Kälte und den Beschwerden des Hochgebirges entgegensetzen, ist erstaunlich. Oft habe ich' in den Gesprächen meiner Kameraden die Behauptung ge- hört: .Wenn wir in der Ebene auf offenem Felde wären, wären wir mit den Oesterreichern schnell ertig geworden!<" Und als er am 23 Februar 1917 beim Einschießen eines Bombenwerfers (ein Projektil explodierte im Geschützrohr) schwer verwundet und ins Lazarett geschafft wird, da gelten, kaum daß er wieder die Besinnung erlangt hat. seine ganzen Gedanken dem Vaterlande, dem kämpfenden Heer. Wie Clemenceau in Frankreich das Volk und die Armee unermüdlich zum Siege aufrief, so zog auch Mussolini nach der Niederlage von Caporetto von Stadt zu Stadt, um Italien aüfzurütteln: „Kein Rückzug! Kein Kompromiß! Standhaft und fest! Vorwärts zum Siege!" rief er, und die Jugend des Landes jubelte ihm zu. Wäre Mussolini nur Staatsmann und Politiker gewesen, niemals hätte er den Marsch nach Rom antreten und siegreich durchführen können. So aber war er Soldat, und weil er Soldat war und Soldaten führen konnte, gelang ihm das Werk: die Schaffung eines neuen Italiens. Viel zu sehr ist Mussolini Realpolittker, um nicht zu wissen, daß ein Land, welches seine nationale Ehre und Würde hochhält, über eine starke Wehrmacht verfügen muß, um jederzeit einem Angriff entgegentreten zu können. Was der italienische Staatschef auf dem Gebiet der Wehrhaftmachung des Volkes in den wenigen Jahren geleistet hat, das hat sich in den letzten Jahren gezeigt, und seine Feuerprobe im Krieg gegen Abessinien bestanden. Mussolini nimmt an jeder Verbesserung der Ausrüstung stärksten Anteil, es gibt kein neues Geschütz und feinen neuen Tank, der ihm nicht bekannt ist. Bei den großen Manöoern weilte er unter seinen Soldaten, die ihn begeistert begrüßen, weil sie wissen, daß er einer der ihren ist. Mit seinen alten Frontkameraden kommt er oft zusammen, immer freut er sich, wenn eine Abordnung des Regiments, in dem er den Krieg mitmachte, ihn aufsucht. Und seine ganz besondere Sorge gilt den Kriegsverletzten, den Kriegsmüttern und Waisen. So hat der Soldat Mussolini sein ganzes Leben gekämpft, seine Arbeit ist nicht vergeblich gewesen, denn das Volk, welches er führt, ist erfüllt von einer heldischen Gesinnung und von einer Hingabe an das Vaterland, die allen Söhnen dieses Landes zur Ehre gereicht. D. S. Münchens Festkleid zu Ehren Mussolinis. München, 21. Sept. (DNB.) Zu Ehren des italienischen Regierungschefs legt die Hauptstadt der Bewegung ein außerordentliches Festkleid an. Die künstlerische Oberleitung der Ausschmückung Münchens liegt in den Händen von Prof. Georg B u ch - n e r. Die Bahnsteighalle im Münchener Hauptbahnhof wird in einen Fahnenwald verwandelt. Lange, breite Fahnen in den Farben der beiden Nationen hängen von der oberen Glasdecke herab. Das Weiß der italienischen Fahnen trägt das goldene Fascio-Zeichen. Die Schalterhalle ist in imposantem Rot gehalten. Breite Stoffbahnen wölben sich über die mächtige Halle. Goldene Lorbeergirlanden winden sich von Tuch zu Tuch. Die Stirnseite der Halle ist mtt den italienischen Farben ausgeschlagen. In der Mitte trägt ein riesiger Lorbeerkranz ein großes „M", das auf beiden Seiten flankiert wird von dem goldenen Fascio-Zeichen. Beim Verlassen des Bahnhofes fällt der Blick auf die mächtigen Säulen, die, in grelles Gold gekleidet, riesige Fascio-Symbole tragen. Die Giebel- eite des Bahnhofmittelbaues ist in ihrer ganzen Länge rot verkleidet. In der Mitte des Feldes er- hebt sich ein 12 Meter hoher Adler. Dann wird das Auge gebannt von einem mächtigen Triumphbogen, der dem Bahnhofsgebäude gegenüber errichtet und in gedämpftem Rot gehalten ist. Baldachinartig wallen die italienischen und die deutschen Fahnen auf dem Bahnhofsplatz. Hohe, schlanke Fahnenmaste säumen das weite Rund. Vor dem Rondell am Karls platz ist ein Erntekranz mit einem Durchmesser von sechs Meter auf vier hohen, adlergekrönten Pylonen in einer Höhe von elf Meter über dem Boden angebracht. Die um das Rondell liegenden Häuser tragen Fahnen in den italienischen Farben. Die Neu - Hauser und die Kauffunger Straße leh- neu sich in ihrem Schmuck an den des Tages der Deutschen Kunst an. Die Häuser sind mit sattem Rot verkleidet. Don den Dächern wehen die italienischen Fahnen mit dem goldenen Fascio-Zeichen. Besonders künstlerisch ausgestaltet ist der Mari e n p l a tz. Hier ragen an schlanken Masten d i e Wappen und Farben aller 31 deutschen Gaustädte und von über 30 italienischen Städten empor. Die Diener-Straße ist in pompejani- s ch e s Rot getaucht. Am Max-Joseph-Platz vor dem Nationaltheater sind an Masten und Pylonen Sinnbilder der Bühnenkunst angebracht Ernst und feierlich ist der Schmuck der R e s i d e n z- st raße. An der Stätte des 9. November ist ein breite schwarze Fahne mit den Sigrunen über die otrafee gespannt. Die Häuserfronten sind mattbraun ausgehängt. Don hohen Pylonen werden Feuer aus Opferschalen lodern. Aeußerst harmonisch ist der Uebergang von der truft gehaltenen Residenzstraße zur helfen Lud- wigstraße, die das Rot der Bewegung zeigt. Grün umkränzte fünf Meter hohe Pylonen mit plastischen Figuren gekrönt, umgeben den Odeonsplatz. In der oon-der-Tann-Straße herrscht helles Rot. Die P r i n z r e g e n t e n - st r a ß e ist in pompejanisches Rot gekleidet. Dal- dachinförmig hängen die deutschen und italienischen Fahnen mit den Hoheitszeichen in Gold herab. Der Friedensplatz ist mit einem Kranz von ita» lienischen und deutschen Fahnen geschmückt Der Königliche Platz soll nur durch die Wucht seiner Monumentalität wirken. Die beiden settlichen Kunstausstellungsgebäude sind mit Tüchern in gedämpftem Rot verkleidet. Don den Propyläen hängen die Fahnen der beiden Länder. Die mittlere Fahne trägt ein großes goldenes M So wird München sich in einem Festkleid zeigen, das der hohen künstlerischen Stellung der Hauptstadt der Bewegung und der Stadt der deutschen Kunst ebenso würdig ist wie der Bedeutung des Besuches. Gernot über seine Deutschlandreise. Paris, 21 Sept. (DNB.) Der ehemalige Ministerpräsident und jetzige Kammerpräsident Her - r i o t gab über seine Reise durch Mitteleuropa, die ihn auch nach Deutschland und Oesterreich führte, der Zeitung „Progrös de Lyon" einige Erklärungen ab. Nachdem er über Oesterreich einige freundliche Worte gesagt hatte, faßte er feine Ansicht über Deutschland in folgenden Worten zusammen: „Ich habe auch ganz Bayern durchquert. Ich kann die vollkommene Höflichkeit der deutschen Behörden nur loben. Sie war untadelig, und ich danke ihnen. Aber rede man uns doch nicht von der Not dieses Volkes, von dem Hunger und seiner Schwäche! Ich habe bei der Durchfahrt in vielen Städten und zahlreichen Dörfern nicht nur eine gesunde und starke Jugend gesehen, sondern ein Volk mitten in der Arbeit. Ich habe auch, das muß ich sagen, oiel Uniformen und viele Soldaten gesehen. Ich bin zurückgekommen und davon beeindruckt. Warum sollte ich es verbergen? Der Eindruck, den ich In erster Linie habe, ist der, daß Frankreich mit viel Aufmerksamkeit beobachtet wird. Man fragt sich und man fragt uns, ob die demokratischen Regierungen den Mut haben werden, b i eJ e Disziplin anzu- rv e n d e n und sich aufzuerlegen, die Ländern wie Deutschland eine so offenkundige Starke geben, eine Stärke, die nur noch wachsen wird" Weiter erklärte Herriot, daß nach seiner tiefften Ueberzegung als alter Pazifist das Schicksal des Friedens zu einem großen Teil an das des Franken geknüpft ist Der Wert der französischen Währung erscheine gleichsam als ein Maß- stab des französischen Wollens und Mutes Er habe in der deutschen und österreichischen Presse über die Schwankungen des Franken und über die Außen- Handelsbilanz Frankreichs Betrachtungen gelesen, die ihm sehr viel zu denk en geben. Bolschewistische Agitation in Tangonyika. L o n d o n , 21. Sept. (DNB.) Reuter meldet: Ein- geborenen-Unruhen im Moshi-Gebiet in der Nähe des Kilimandscharo in Tanganyika (ehem. Deutsch- Ostafrika), die mit der Unzufriedenheit der Eingeborenen über die Kaffeepreise Zusammenhängen. Allerdings wird seit kurzem von Südafrika aus eine spürbare bolschewistische Agitation getrieben. Die Behörden bemühen sich mit allen Mit- teln, des Aufstandes Herr zu werden. Neben Po- Ilzelpatrouillen ist jetzt auch die britische Luft- wo°fse zu dem Patrouillendienst mit herangezogen Ich diene Hindenburg! Von Ministerialrat Or. Karstedt, Berlin. Wer einmal genötigt war, in der Oeffentlichkett um Geldspenden zu werben, wird mir bestätigen, daß es erfreulichere Beschäftigungen gibt. Und doch! Nun mich anläßlich des bevor st ehenden 9 0. Geb urtsta ges Hindenburgs das Kuratorium der Hindenburg-Spende als feinen ehrenamtlichen Geschäftsführer beauftragt hat, die Oeffentlichkett erneut anzugehen, überwiegt letzten Endes das Gefühl der Freude, einen kleinen Teil des Dankes abtragen zu dürfen, den jeder von uns dem großen alten Manne schuldet Sieben Jahre lang, von seinem 80. Geburtstage bis zu seinem Tode, habe ich Hindenburg dienen dürfen, indem ich unter feiner Aufsicht und nach seiner Weisung die Geschäfte der von ihm 1927 errichteten Stiftung führte, Jahre, die mich vor allem dem Menschen Hindenburg in seiner abgeklärten Güte, aber auch mit seinem gesunden Menschenverstand und seinem treffenden Urteil nahe- brachten. Ein so warmes Herz er für die Nöte aller hatte, die in ihrer Bedrängnis Hilfe von ihm erwarteten, so skeptisch aber war er auch, wenn solche Bitten in einen ihn verhimmelnden Schwulst gekleidet waren. Es gab keinen natürlicher empfindenden Menschen als Hindenburg, und wenn er auch weit von weichlicher Gefühlsseligkeit entfernt war, so konnte er doch gelegentlich unter vier Augen Töne anschlagen, die dem Hörer ans Herz griffen. So, wenn er auf den von ihm so hoch verehrten alten Kaiser Wilhelm I. zu sprechen kam und aus seinem glänzenden Gedächtnis Einzelheiten plastisch entstanden, oder wenn er nach einem Dorttag, in dem ich ihm 1932 gerade in der wirrsten Zeit Deutschlands Mitteilung von so viel klingenden Sympathiekundgebungen zur Hindenburg - Spende gemacht hatte, mir sagte: „Ich freue mich, daß es doch noch Leute gibt, die gut von mir denken. Manchmal möchte ich glauben, ich hätte überhaupt keine Freunde mehr." Solche Worte, hinter denen man das Gefühl der Bitterkeit und der Verein- famung spürt, wurden zum Antrieb für um so intensivere Arbeit, wenn man dann wieder merkte, mit welch inniger Dankbarkeit er die Hingabe derjenigen würdigte, die in dem Wirken für und um ihn ihrer Verehrung Ausdruck gaben. Ich diene Hindenburg! Der große alte Mann ruht feit drei Jahren an der Stätte, die das Entstehen seines Ruhmes sah. Aber es wird allen, die mit und unter ihm arbeiten durften, so gehen wie mir: Seine schlicht-gütige Art taucht vor dem geistigen Auge immer wieder auf, aneifernd und mahnend zu dem Grundsatz: Der Einzelne ist nur ein dienendes Glied des Ganzen! So mag und soll er in uns weiterleben als der Heros und zugleich der menschlich so Große! Und in diesem Sinne bitte ich meine deutschen Volksgenossen: Wenn jetzt nun zum 90. Geburtstag Hin- denburgs der Ruf der Hindenburg-Spende an Euch geht, so denkt daran, daß Ihr ihn ehrt, indem Ihr feine Schöpfung, die Hindenburg-Spende, unterstützt, sein Denkmal sozialen Denkens und Fuh- lens erhalten helft und damit die Möglichkeit gebt, in Hindenburgs Sinn weiter zu wirken. Dann umschließt jede Gabe das stolze Bekenntnis: 3d) diene Hindenburg' Beitrage zur Hindenburg-Spende nehmen bis zum 30. September d. I. die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers, alle Banken, Postanstalten, Sparkassen und das Postscheckkonto der Hindenburg-Spende Berlin 73800 entgegen. personalverönderungen in der Kriegsmarine. Berlin, 21. Sept. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat ernannt: den Vizeadmiral Boehm zum Kommandierenden Admiral der Marinestation der Nordsee: die Konteradmirale Stobwasser zum Chef des Erprobungskommandos für Kriegsschiffneubauten, Densch zum Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte, Marschall zur Der- fügung des Flottenchefs gestellt, minder zum Der Führer und Reichskanzler ernannte den Vizeadmiral Böhm zum Kommandierenden Admiral der Marinestatton der Nordsee. — (Scherl-M.) Jnsvekteur der Wehrwirtschaftsinspektton X, v o n Schrader zum II. Admiral der Nordsee: die Kapitäne zur See Graßmann zum Inspekteur der Marineartillerie, Schniewind zum Chef des Marinewehramtes im Reichskriegsministerium Patzeg zum Chef des Marinepersonalamtes im Reichskriegsministerium, Hormel zum Kommandanten des Marinearsenals Kiel. Der Abschied ist bewilligt: dem Admiral Schultze Kommandierender Admiral der Marinestatton der Nord- ee: dem Vizeadmiral Feige, Inspekteur der Marineartillerie: den Konteradmiralen v. Schrö- der, Festungskommandant in Swinemünde, von Snfpefteur der Wehrwirtschaftsinspek- hon X Es sind ferner ernannt: Die Kapitäne zur See Fänger zum Festungskommandanten in Wilhelmshaven, von Stosch zum Festungskom- Mandanten m Cuxhaven, von Seebach zum Festungskommandanten in Swinemünde, Riedel jjim Abteilungschef im Reichskriegsministerium, .viert a jt zum Kommandanten von Wesermünde, Schenk Zum Chef der Zentralabteilung der Marinewerft Wilhelmshaven, S l e v o g t zum Chef des Stabes beim II Admiral der Ostsee, der Fre- gattenkapitän L e i ß n e r zum Leiter der Kriegs« mannedienststelle in Königsberg. Neuer japanischer £ustangriffaufNanking Tokio. 22. Sept. (DJIB. Funkspruch.) Die Nach- rlchten-Agentur Domei meldet, daß japanische Flieger entsprechend der Ankündigung der japanischen Flotte vor Schanghai die Stadt Nanking bombardiert haben. Nach den bisherigen Feststellungen wurden wichtige militärische Gebäude und Anlagen und das Hauptgebäude der K u o m i n t a n g - P a r t e i schwer beschädigt. Ferner sollen die telegraphischen und telephonischen Verbindungen zwischen Schanghai und Nanking unterbrochen worden sein. Amerika und England protestieren in Tokio. Washington, 21. Sept. (DNB.) Außenminister hüll gab bekannt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten durch ihren Botschafter in Tokio gegen die japanischen Absichten, einen Luftangriff auf Nanking zu unternehmen, protestiert habe mit der Begründung, daß die Bombardierung einer Zivilbevölkerung internationale und humanitäre Gesetze in gleichem Maße verletze. Andererseits könne der angedrohte Luftangriff auch die normalen Beziehungen zwischen Amerika und China stören, wenn die diplomatischen Vertreter gefährdet würden. Die britische Regierung hat ebenfalls durch ihren Botschafter in Tokio Vorstellungen wegen der Bombardierung nichtmilitärischer Ziele in Nanking erhoben, weil dadurch das Leben von Nichtkämpfern einschließlich der britischen Untertanen gefährdet würde. Die britische Regierung Hot erklären lassen, daß sie sich das Recht vorbehalte, die japanische Regierung für jeden 23 e r I u ft an britischem Leben und britischem Eigentum verantwortlich zu machen Japan sagt größte Vorsicht zu. DunkleAbsichtenchinesischerGeheimagenten Tokio, 22. Sept. (DNB. Funkspruch.) Nach Mitteilung des Sprechers des Auswärtigen Amtes wird Japan bei der Durchführung der angekündigten Bombardieruna Nankings größte Vorsicht walten lassen, um das Leben der Nichtkämpfer und der in Nanking verbliebenen Ausländer zu schonen. Außenminister hirota hat dem britischen und dem amerikanischen Botschafter in diesem Sinne gehaltene Erklärungen abgegeben. Das Verbleiben des britischen, des französischen und des sowjet- russischen Botschafters verstärke die Absicht der japanischen Kommandostellen, gegen Nanking m i t außer st er Behutsamkeit vorzuaehen. Dazu zwinge auch eine in Tokio eingetroffene höchst eigenartige Information, der zufolge Agenten einer G e h e i m a b t e i l u n g des Nankinger Verteidigungsausschusses dos japanische Bombardement auf Nanking ausnutzen, um o«e Zerstörung der fremden Botschaften am Sitz der chinesischen Zentralregierung vorzubereiten, und diese Tat dann den japanischen Fliegern in die Schuhe zu schie- den. In politischen Kreisen glaubt man, die Mitteilung hiroias dahin auslegen zu sollen, daß eine gewisse Milderung der Aktion gegen Nanking Zu erwarten sei. Auch Kanton erneut mit bomben belegt. Schanghai. 22. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die südchinesische Großstadt Kanton erlebte am Mittwoch früh zwei weitere schwere Cu f t- angrisse, die von zahlreichen japanischen Flugzeugen durchgeführt wurden. Der Oberbefehlshaber der 3. japanischen Flotte in Schanghai gibt bekannt, daß 19 chinesische Flugzeuge im Lust- kamps abgeschossenund 12 weitere Maschinen auf den bombardierten chinesischen Flug- Plätzen vernichtet worden feien. Auch sei eine starke Beschädigung der Flugzeughallen von Konton bemerkt worden. Aus japanischer Seite seien keine Verluste zu melden, während die chinesische Luftwaffe nach Meinung der Japaner einen empfind- lichen Schlag erlitten habe. Oer Deutsche Zakoby in Schanghai gestorben. Schanghai, 21. Sevt. (DNB.) Der Deutsche Jakoby, der am 14. August bei der Bomben- explosion auf dem Nanking-Road schwer oer- w u n b et worden war, ist am Dienstag an einer Embolie plötzlich verstorben. Noch in den letzten Tagen hatte man die Hoffnung gehabt, nachdem eine Beinamputation zufriedenstellend verlaufen war. sein Leben retten zu können Italien nimmt an Flottenbesprechungen in Paris teil. Abänderung des Kontrollplans von Nyon. Rom, 21. Sept (DNB.) Amtlich wird mit- geteill: „Auf Grund der vorhergehenden Unterredung mit dem Grafen Liano haben die Geschäftsträger Englands und Frankreichs — unter vorheriger Feststellung, daß die englische und die französische Regierung niemals verfehlt haben, die Stellung Italien als Mittelmeer-Grohmacht anzuerkennen — im Namen ihrer Regierungen den Vorschlag gemacht, daß die Flottensachver ständigen der drei Mächte in Bälde in Paris zusammenkommen, um die Abänderungen praktischer Art festzulegen, die an den in Nyon festgesetzten Bestimmungen vorzunehmen wären, um die Teilnahme Italiens zu ermöglichen. Graf Liano hat von den ihm gegebenen Erklärungen Kenntnis genommen und den beiden Geschäftsträgern die Zustimmung der faschistischen Regierung zu der von der Pariser und Londoner Regierung vorgeschlagenen Zusammenkunft mitgeteilt. Auch von der gegenwärtigen Phase der Angelegenheit hat die faschistische Regierung die Reich sregierung auf dem Laufenden gehalten." London stellt Entspannung fest. Die englische Presse begrüßt Italiens Teilnahme. London, 22. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Morgenblätter berichten eingehend über den Beschluß Italiens, an einer Konferenz der Flottenfachverständigen in Paris. „Daily Telegraph" berichtet, London vertraue fest darauf, daß man durch die Pariser Beratungen zu einem Abkommen über die Teilnahme Italiens an der Patrouille im Mittelmeer gelangen werde. Es sei höchst wahrscheinlich, daß die italienische Beteiligung nicht für eine bestimmte Zone vorgesehen sei, sondern daß man auf gle »- cher Grundlage ein gemeinsames Arbeiten der drei Flotten im Mittelmeer zustandebringen werde „Morning Post" sagt, der Beschluß Italiens werde in England Überall wärmstens begrüßt werden. Eden und Delbos seien über» eingekommen, daß es keinen Zweck habe, noch einmal die Unterzeichnermächte des Nyoner Abkommens zusammenzuberufen. So habe man sich für die Tagung der Flottensachoerständigen der drei Mächte in Paris entschloßen. Das Nyon- . Abkommen selbst werde aber nicht vor der Rückkehr Mussolinis aus Deutschland abgeänbert werden. ,,Daily Mail" schreibt, Italiens Beteiligung an der Mittelmeer-Patrouille sei ein diplomatischer Nackenschlag für die bolschewistischen Unruhestifter in Moskau. Ihre Bemühungen, die Konferenz von Nyon zum Scheitern zu bringen, seien fehlgeschlagen. Nun seien sie auch um ihre Bemühungen gebracht, im Mittelmeer einen Zustand der Spannung zu schaffen. An Stelle der sowjetrussischen Hoffnungen sei jetzt in der internationalen Atmosphäre eine wirkliche Entspannung eingetreten. Finkelstein Heist in Genf. Genf, 21. Sept. (DNB.) In der Völkerbundsversammlung sagte der rumänische Außenminister Antonescu im Namen der Kleinen Entente, daß trotz aller beunruhigenden Symptome in einem großen Teil der Welt Anzeichen einer Besserung ersichtlich seien Die Kleine Entente sei der Ansicht daß jedes Volk das Recht habe, seine eigene Lebensform zu wählen. Wenn die ideologische Spaltung manchmal auch unvermeidlich sei und zum Bürgerkrieg führe, so müsse diese Spaltung zuruckgewiesen werden, wenn man sie au nationalen Boden verpflanzen wolle. Der Vertreter Australiens, Bruce, sagte, die Er- fahrung, habe gezeigt, daß es unmöglich sei, die Grundsätze des Dölkerbundspaktes durchzuführen, so lange die größten Staaten der Welt dem Bunde nicht angehören. Dann hielt es der Sowjetoertreter Litwinow- Finkelstein wieder einmal für notwendig, der Volkerbundsversammlung eine feiner sattsam bekannten üblen Hetzreden aufzutischen, in deren Mittelpunkt wie üblich die wüstesten Beschimpfungen und Verdächtigungen der „drei Angreiferstaaten", womit Deutschland, Italien und Japan gemeint sein sollen, standen Unter Anwendung aller jüdisch-bolschewistischen Verdrehungskünste versuchte Lit- now-Finkelstein der Völkerbundsversammlung daher klar zu machen, daß die Sowjetunion keinerlei wirtschaftliche ober strategische Interessen in Spanten habe. Sie sei lediglich daran interessiert, das Recht jedes Volkes zur selbständigen Bestimmung feines inneren Regimes ohne Dazwischentreten fremder Staaten und erst recht fremder Armeen zu betonen unb zu verhinbern, daß in Spanien ein neuer Ausgangspunkt zum Angriff gegen ganz Europa entstehe (?) In dreister Weise wurden Deutschland und Italien verdächtigt, unter dem Deckmantel des Anti» kommunismus selbstsüchtige Ziele in Spanien zu verfolgen Litwinow-Finkelstem warf dem Völkerbund seine Passivität während des mandschurischen Konfliktes beim „Angriff" auf Abessinien, beim „spanischen Experiment" und bei dem neuen Angriff auf China vor und meinte, eine entschlossene Bölkerbundspolitik in einem Angriffsfall würde alle anderen Fälle erledigen. Dann würden alle Staaten auch die Ueberzeugung gewinnen, daß sich ein Angriff nicht lohne. Dann würden auch die früheren Mitglieder wieder den Weg nach Genf finben unb, so schloß Litwinow-Finkelstein salbungsvoll unb scheinheilig, „im friedlichen Nebeneinanderbe- stehen aller gegenwärtigen Regime könnte das gemeinsame Ideal eines universalen Völkerbundes erreicht werden." Moskaus Giörungsfeuer. Wie lange wird man in Paris die Hetze dulden? Berlin, 22. Sept. (DNB.) Unter der Ueber- schrift „Moskaus Pressehetze zum Mussolini-Besuch beginnt" schreibt der „Völkische Beobachter": Die A u ß e n p o l i t i k e r i n des „Oeuvre" entwickelt mit der ihr eigenen Vorstellungskraft wieder einmal einen angeblichen deutschen Putschplan gegen Oesterreich. Sie denkt sich die Sache so, daß deutsche Grenztruppen ober Schutzpolizei (!) Befehl erhielten, in Oesterreich ein» zurücken und dort eine Volksabstimmung über den Eintritt ober die Beteiligung ber Nationalsozialisten an ber Wiener Regierung ins Rollen zu bringen. Da bie Aufregung in Paris unb London in einem solchen Falle sehr groß wäre, würde Deutschland dann seine Polizeitruppen aus Oesterreich wieder zurückziehen. Als Beweis für diesen Putschplan gegen Oesterreich will die Außenpolitt- kerin des „Oeuvre" anführen können, daß ber Führer sich eine große Reliefkarte von Wien habe anfertigen lassen, auf der er bereits die städtebaulichen Veränderungen entwerfe, die er in Wien plane. Hierzu bemerkt der „Völkische Beobachter": Es gibt nichts, an das man sich nicht gewöhnen könnte, und so ist es auch zu einer schon feststehenden Tatsache geworden, deren Ausbleiben auffallen würde, daß die bekannte Hetzpolitikenn des „Oeuvre" keinen H P.APH.F.REEMTSMA ♦CIGARETTENFABRIKEN ♦ALTONA-BAHRENFELD 44 Oie Cigaretten sto cnethoden. die zu' tagen unseres technischen Muster- völlig neuen Methoden hergestellt. hl ö* st Fabrikations- ^Ueliyg auf ERNTEN 33 BIS 35 ♦ MUSTERCIGARETTEN ♦ MISCHUNGSNUMMER R 6 o/M Diese Cigaretten werden in den Faj betrieben in Altona-Bahrenfeld nac Oer ungewöhnlich zarte und reine ChaTgtfer dieser Mischung beruht darauf, daö sämtliche Tabake zweimamrjjjpta^a fut>'Aie wird ausschließlich ohne Mundstück hergestellt folgenden Distrikten: S; „ Tn* \ ”• \ X Schritt deutscher oder italienischer Staatsmänner vorbeigehen läßt, ohne ihn mit ihren Lügen- meldungen zu begleiten. Es wirkt deshalb wie eine Selbstverständlichkeit, daß aus dieser Quelle vor dem Mussolini-Besuch wiederum der Auf - taktzu einer neuen Hetze gegen die deutsche Außenpolitik kommen mußte, die sich ohne Zweifel in den nächsten Tagen noch verstärken wird. So regelmäßig diese Akttonen inszeniert werden, so wenig kann allerdings übersehen werden, daß sie immer aufs neue eine zer st örerische Wirkung ausüben, die im umgekehrten Verhältnis zum Wahrheitsgehalt dieser gewissenlosen Erfindungen stehen und allein jener Zentrale nützt, von der aus diese Hetzagentin in Paris bezahlt wird. Wenn auch in den letzten Tagen wieder von verschiedenen Seiten in ernsthafter Weise die Frage nach einer Verbesserung der deutsch-französischen Verhältnisse aufgeworfen worden ist, dann ist es an der Zeit, unsererseits- zu fragen, wie lange man sich in Paris noch diese mit Moskauer Geld ausgehaltene Störungszentrale gefallen lassen will. Zwischenfall in Tunis. Kommunistische Provokationen gegen italienische Matrosen. Rom, 21. Sept. (DRV.) Agenzia Stefani meldet: „Während des Aufenthaltes der auf einer Jn- struktionsreise befindlichen Schulschiffe „Colombo" und „Despucci" in Tunis ereignete sich infolge einer Proookatton umstürzlerischer Elemente, die unter den italienischen Kadetten und Matrosen g e - gen den Faschismus gerichtete Pamphlete zu verbreiten versuchten, ein Zwischenfall, wobei der bekannte kommunistische Emigrant Guiseppe B r e s c i a n i auf eine Gruppe unbewaffneter italienischer Matrosen das Feuer eröffnete und drei von ihnen verletzte: Im Verlaufe des Handgemenges wurde Bresciani mit seinem eigenen Revolver getötet. Das Befinden der drei verletzten italienischen Matrosen ist befriedigend. Die beiden Schulschiffe haben Tunis programmgemäß wieder verlassen." „Tribuna" erklärt, die Anstifter seien jüdisch- kommunistische Intellektuelle, die seit einem Jahr mit Unterstützung der fran- Der BOM. und die Mode. RSG. Der Montag als fünfter Schulungstag im Rahmen der Schulungswoche des BDM. an der Kunstgewerbeschule Offenbach stand unter dem Thema „Mode". Die Verantwortung, Träger einer ganzen Mädel- und späteren Frauen- aeneration zu sein, fordert eine klare Auseinandersetzung gerade auf dem ureigensten Gebiet der Frau. Es war deshalb selbstverständlich, daß sich der BDM. auch hier auf den Boden unserer Zeit stellte, da er weit davon entfernt ist, Mode- oder besser: den Kleidungsstil dieser Zeit als wirtschaftlichen und kulturellen Faktor von großer Bedeutung zu verneinen. Er wird sich im Gegenteil im Bewußtsein seiner Verantwortung und seines gestaltenden Einflusses immer enger mit modernem Modeschaffen befassen. Dazu genügt es nun freilich nicht, sich zu den Erzeugnissen und Angeboten der Konfektion, des Handwerks und der Modesalons zu äußern. Es gilt, sich mit den jungen Kräften schöpferischer Modegestaltung auseinanderzusetzen, eine gegenseitig befruchtende Zusammenarbeit einzuleiten und in lebendiger und wechselseitiger Einflußnahme den klaren Weg einer deutschen Mode zu finden. Es war erfreulich, mit welcher Bereitschaft die Offenbacher Schule Einblick in ihr Schaffen gab und wieviel sie zu vermitteln hatte. Das von der Mode- kl ässe bewiesene Können verdient ehrliche und zösischen Volksfront und des allgemeinen französischen Gewerkschaftsbundes systematische Wühlarbeit gegen die italienische Kolonie in Tunis richteten. Die Matrosen und Kadetten der Schulschiffe feien nicht nur von der Bevölkerung festlich empfangen, sondern auch von der französischen Kriegsmarine kameradschaftlich aufgenommen worden. Die Provokation habe also nur den Zweck gehabt, diese freundschaftliche Atmospäre zu zerstören. Die Verantwortung dafür treffe einzig und allein die französische Volksfront und ihre Agenten, die sich aus dem übelsten Abschaum politischer Emigranten rekrutierten. volle Anerkennung. Was sie pflegt, ist nicht Schneiderhandwerk im allgemeinen Sinne, sondern darüber hinaus eigenwilliges, organisches N e u g e - ft alten unter Zugrundelegung einer ebenso peinlich genauen handwerklichen Technik wie genialen Erfindungsgabe. Die Schulungsteilnehmerinnen konnten die Entstehung verschiedenster Grundschnitte verfolgen, lernten die Exaktheit und Vielfalt in der Anfertigung modischen Beiwerks kennen, das viel Anregungen gab. Ein Lichtbilderoortrag ließ die Geschichte und Entwicklung der Kleidung vom klassischen Altertum über die germanische Vorzeit bis in die Dorkriegsjahre und den Kleidungsstil einer Zeit im Lichte ihrer kulturellen und weltanschaulichen Strömung verstehen. Lebhafte Diskussionen entfachte dann eine Vorführung von Schöpfungen der Modeklasse, die unter dem Vorbehalt beurteilt werden müssen, daß es sich hier immer um ein Vorwärtstasten und Erfinden handelt, das größere Freiheit braucht, als dies das Berufshandwerk zugestehen kann. Wie der BDM. zu diesen Versuchen steht, wird schon aus seiner Grundhaltung klar: nicht Sensationen und Extravaganzen zu suchen, sondern eine Einheit von Körper, Kleidung und geistiger Haltung: den Zusammenklang von Persönlichkeit und Kleidung unter Ausnützung besten handwerklichen und kunstgewerblichen Könnens. E. P. Aus aller Welt. Zwei schwere Aulounfälle an Bahnübergängen. Im Osten Münchens ereignete sich an der unbeschrankten Ueberfahrt München-Giesing-Perlach ein schwerer Unfall, der zwei Tote und zwei Sch w er- oerletzte forderte. Ein Münchener Personenkraftwagen rannte in einen Personenzug. Von den vier Insassen des Kraftwagens war einer, ein schwedischer Staatsangehöriger, dessen Namen noch nicht festgestellt werden konnte, sofort tot; ein zweiter, der Sattlermeister Jonathan W i n t e r k v i st aus Dästeroik (Schweden) st a r b im Krankenhaus Per- lach. Die beiden anderen, der Münchener Kaufmann Erhärt und der in München ansässige schwedische Kaufmann Henning Nils so n, erlitten schwere Kopfverletzungen, jedoch besteht bei ihnen keine Lebensgefahr. An einem Bahnübergang der Sttecke Prag— Schlan ereignete sich bei Dusnik ein Zusammen- sto ß zwischen einer Lokomotive und einem Autobus. Die Folgen des Unglücks waren katastrophal. Der Autobus wurde völlig zertrümmert, drei Personen wurden getötet und zwölf verletzt. Bei sieben Personen sind die Verletzungen schwerer Natur. 13 Tote bei einem Aulounglück in Iran. In den Bergen Irans stürzte auf der Fahrt nach Rescht am Kaspischen Meer beim Passieren eines Gebirgspasses ein Schnellastwagen mit Fracht und Reisenden in eine tiefe Schlucht. Sämt- , liche elf Fahrgäste sowie der Lenker und der Beifahrer fanden den Tod. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Bei Irland hat sich ein starker Teilwirbel entwickelt, der sich südostwärts auf das Festland verlagert. Gleichzeitig hat sich über Südeuropa lebhafte Wirbeltätigkeit eingestellt, die Süddeutschland schon neue Verschlechterung gebracht hat. Im übrigen Deutschland herrscht jedoch zur Zeit noch Hochdruck- einfluß vor, der aber bald wieder schwinden wird. Aussichten für Donnerstag: Voraussichtlich unbeständigeres Wetter mit Neigung zu Regenfällen, im ganzen mild, veränderliche Winde. Hauptschrittleiter: Dr Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftlelters: Ernst Blumschein Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigen» leiter: Hans Beck Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D A. VIII. 37: 9090. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckeret R. Lange. K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezuas- preis RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf mehr. Einzelverkaufs- preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf.» mit der Illustrierten 5 Pf mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr 3 vom 1 Juni 1935 gültig. Versorge SemKind Gertrud Weyl, geb. Eichenauer für immer von uns gegangen. Im Namen aller Angehörigen Dr. med. Adolf Weyl. Jn Deutschland eingeführt seit 1666 Gießen, den 21. September 1937. Von Beileidsbesuchen bittet man Abstand zu nehmen. 233 V 6129 D Mietgesuche I straße euiD Frau Katharine Arnold Wwe gesucht. 04678 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Geschwister Arnold Gießen (Licherstraße 17), den 22. September 1937 Die Beerdigung findet auf Wunsch der Verstorbenen in aller Stille statt 04680 im 80. Lebensjahr. Die trauernden Hinterblieben 04673 Nach langem, mit großer Geduld ertragenen Leiden hat Gott der Herr unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter Geburtsanzeigen bei Brühl, Gießen größten Gegenseitigkeits- Anstalt des Kontinents Die Trauerfeier findet am Freitag, dem 24. September, um 15 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofs statt Nach einem arbeitsreichen und gesegneten Leben verschied plötzlich und unerwartet am 17. September 1937 unsere herzensgute, treusorßende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Tante Nach schwerem Leiden ist heute meine liebe Frau, die Mutter meiner fünf Kinder und Deine Familie durch Abschluß einerIamilienversicherung bei der Suche für einige Wochen behagliches/ warmes Zimmer evtl.mit Pension in gutem Hause Nähe Wilhelm- Frau Major von der Wense Kassel SchöneAussichtZ geb. Müller im 71. 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Ist) ruderet Jtsbejuos. liellgebühr, eloerkoufs. mit bet Ur.22' Zweites Blatt Mittwoch 22. September |937 Gießener Anzeiger tGeneral-Anzetger für Oberhessen) auf also ent» Ausbildung bekommen, wie er es sich gewünscht der der der wickeln. Vielfach litt der Blüteoerlauf im Frühling unter der Nässe oder unter dem kalten Wetter, das Ende April und anfangs Mai herrschte. Deshalb war auch der Ertrag an Kirschen, Mirabel - l e n und Frühpflaumen mäßig. Besser hielten sich dagegen Pfirsiche, vor allem an der Bergstraße, im Rheingau und im Taunus. Als gut wird die Ernte in Zwetfchen bezeichnet, allerdings mit Ausnahme, denn es gab Orte, die fast keinen Behang an den Zwetschenbäumen zeigten, während in den Nachbardörfern durchaus zufriedenstellende Ernteerträge vorhanden waren. Ganz allgemein LPD. Das Rhein-Main-Gebiet hat nicht nur für die heimische Obstversorgung besondere Bedeutung, sondern es ist darüber hinaus auch Lieferant für weite, weniger obstreiche Landstriche unserer Heimat. schon Ende August und anfangs September den Märkten. . Viel Aepfel, Birnen knapper. Sehr zufrieden kann man mit dem Ertrag Aepfelbäume sein, die im Taunus, in W e t t e r a u , im Rheingau, im Ried und an des Rhein-Main-Gebietes mindestens normal, gut gewesen ist. Steinobff litt unter der Nässe. Weniger günstig konnte sich das Steinobst Ausgezeichnete Beerenernte. Ueberall im Rhein-Main-Gebiet war die Beerenernte, soweit es sich um Johannis- und Stachelbeeren handelte, recht gut, so daß nicht nur der häusliche Bedarf voll gedeckt werden konnte, sondern auch genügende Mengen für die Marmeladefabrikation übrigblieben. Ungleichmäßiger ist die Erdbeerernte ausgefallen, die unter der Trockenheit litt. Mengenmäßig dürfte der Ertrag des Vorjahres in den meisten Erdbeergemeinden nicht erreicht worden sein, obwohl der Fruchtansatz ungewöhnlich reich war. Aber die Erdbeere braucht nicht nur warmes Wetter, sondern auch Nässe. Heidelbeeren gab es reichlich in den ersten Erntewochen. Die «Sammler in den Wäldern des Taunus, des Odenwaldes und der Pfalz fanden die Sträucher übersät mit den leckeren blauen Beeren, aber die späteren Sorten fielen vorzeitig ab, da ihnen Feuchtigkeit fehlte. Das gleiche' gilt von den Himbeeren, die frühzeitig zu Ende gingen. Dafür gab es aber große Mengen Brombeeren. Man kann wohl sagen, daß in einzelnen Gegenden, etwa an der Bergstraße und im Rheingau, die Beerenernte überdurchschnittliche Erträge gebracht hat, und daß sie in allen andern Orten fache wird ihm immer wieder entgegentreten: Es besteht ein allgemeines Mißverhältnis zwischen den Abmessungen der verfügbaren Wohnräume und den allgemeinen angebotenen Möbelstücken. Fast noch schlimmer aber ist es zu bewerten, daß Möbel in der für ihn als Inhaber einer Kleinwohnung gegebenen Preisgrenze meist nur minderwertige Nachahmungen teurer Möbelformen darstellen. Es erwächst für Hanhwerk, Industrie und Handel die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß geeigneter Kleinwohnungshausrat -auf den Markt kommt, der frei ist von kurzlebigen modischen Einflüssen und sich zugleich in der Preisgestaltung der Kaufkraft der Mehrheit unserer Volksgenossen anpaßt. Durch das Reichsheim st ättenamt der Deutschen Arbeitsfront ist mit der Herausgabe grundlegender Bestimmungen über Siedlerhausrat und mit den in Gemeinschaftsarbeit festgelegten Lieferbedingungen für Siedlerhausrat bereits vorbildliche Arbeit hierfür geleistet worden ebenso durch das Hausratzeichen der Deutschen Arbeitsfront. Durch die Werbeschau des Deutschen Möbels soll nun erreicht werden, daß innerhalb der Gesamtherstellung guter deutscher Möbel auch der Hausrat für Kleinwohnungen und Siedlungsbauten stärker als bisher gepflegt wird. Hausrat für Kleinwohnungen N S G. Wer heute als Kleinwohnungsinhaber mit bescheidenen Einkünften vor der Aufgabe steht, den Hausrat zu beschaffen, kennt die Schwierigkeiten, die ihm auf der Suche nach geeigneten Einrichtungsstücken begegnen. Vor allem die eine Tat- Gute Obsternte im Rhein-Main-Gebiet Aber keineswegs gleichmäßiger Behang. ren studier! er die Bücher: „W ie baue i cb ein Einfamilienhau s?" Skizzen hat er schon mehrere gemacht; in zehn Jahren wäre er vielleicht so weit gewesen. Um so schöner, daß dieser Wunsch schon jetzt in Erfüllung gehen kann. Für ihn ist das Problem jetzt gelöst/.,Wie baue ich ein Einfamilienhaus?" Mit Hilfe der Preußisch-Süddeutschen! Uebrigens spielt er auch schon länger als zehn Jahre in der Lotterie, früher nur in einer anderen Stadt Er wird weiter spielen. Nachdem wir auch der Frau weiterhin viel Glück und vor allem gute Erholung gewünscht haben, scheiden wir. Acht Leute — und jeder 50 000 Mark. Wieviel Menschen mögen an diesem Glück teilhaben? Aber das muß man sagen: Haltung haben die Hallenser! Sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe, aus dem durch Arbeit und Pflicht oorge- schriebenen Gleise bringen, selbst nicht durchs Große Los. Das muß man sagen: Die Verwaltung der Preußisch - Süddeutschen Klassenlotter i tz arbeitet präzise und schnell, musterhaft: Punkt neun Uhr wurden, unter Höchstspannung eines mit Zuschauern vollbesetzten Saales, die Glücksräder in Bewegung gesetzt. Zweimal ein tonvolles „Hm", was Einsatzgewinn oder 150 Mark bedeutet — bann: „300 Mark!" Das Große Los auf Nummer 1 96 7 1 0. Fünf Minuten später wissen wir bereits, daß bas Los in Vierteln gespielt wirb, in ber einen Abteilung in Schlesien, in ber anberen Abteilung in Halle. Wir steigen in ben kleinen Wagen: Auf nach Halle; wir sollen dabei sein wenn ben Glückspilzen bie Freudenbotschaft überbracht wird. In Vierteln wird das Los gespielt? Das sind je 200 000 Mark für jeden, märchenhaft. Wir fahren über die Avus, Potsdam liegt bald hinter uns. Das Laub der Bäume zeigt den Frühherbst an; goldbraun, wein- rot, dunkelgrün — das gibt einen kräftigen Farbakkord. lieber dem Fläming pfeift ein unfreundlicher Wind; wir ziehen die Mäntel fester und schlagen den Kragen hoch. Aber den Windmühlen, die hier noch nicht durch die moderne Technik umgelegt wurden, ist dieser Wind gerade recht. Wittenberg, bie Lutherstadt, ist freundlich geschmückt, Stadtkirche, Schloß und Schloßkirche bilden eine imposante Silhouette. Jenseits der Elbe ändert sich das Landschaftsbild. Reichs-Elektrowerke, Braunkohlenbergbau, Fabrikanlagen — das ist die moderne Industrielandschaft, reizvoll unterbrochen durch hochgelegene Ortschaften, weitragende Kirchtürme und einige wenige Wälder. Halle finden wir in einiger Aufregung. Die Zeitungsfilialen sind umlagert. Freudestrahlend empfängt uns der Lotterieeinnehmer, dem unser Kommen telephonisch angekündigt ist. „Endlich ist das Große Los nach Halle gefallen, fast sah es schon so aus, als wollten die Berliner es stets für sich haben!" Wir erklären ihm, daß doch Berlin 20maI so viel Einwohner hat, wie Halle, daß die Berliner außerdem sehr fleißige Lotteriespieler seien, daß die Berliner verhältnismäßig nicht mehr gewännen als bie Provinz. Ader keine langen Reben wir wollen boch bie Freubenbotschaft überbringen. Zu Dritl fahren wir los, in bie östliche Vorstabt. Es ist niemanb zu Haus. Also kehrt — an bas entgegengesetzte Ende ber Stadt. Hier wohnt ein Spieler, der sogar zwei Viertel hat. „Bei mir spielt er Zum ersten Male; ich kenne ihn gar nicht", erzählt unser Einnehmer. Wir kommen in eine kleine Straße, die alle Bausünden der Vorkriegszeit aufweist — unfreundliche, schmucklose Miethäuser, dazwischen Lagerplätze und kleine Industrieanlagen. Hier soll jemand wohnen, der demnächst 400 000 Mark sein eigen nennt? Dafür kann er ja die ganze Straße kaufen! Wir haben kein Glück mit den Glücklichen. Auch dieser ist nicht zu Hause; er kommt erst gegen Abend von der Arbeit. Den dritten Spieler fassen wir endlich. Aber leider — eine Unterhaltung mit ihm ist unmöglich. Mit Geld hat er täglich zu tun, mit viel Geld sogar. Er ist Kassierer eines großen Unternehmens. In aller Kürze teilt ihm der Lotterieeinnehmer mit, warum hier plötzlich drei Mann bei ihm erscheinen. Skeptisch hört der Spieler, was ihm gesagt wird. Das Große Los? Er begreift nichts, er denkt viel zu sehr an seine Arbeit, an seine Kasse. Erst als er die Botschaft zum zweitenmal vernimmt, da zuckt es plötzlich über sein Gesicht, er lacht, wir beglückwünschen ihn unauffällig — aber er kann hier ja nicht fort, er kommt morgen. Etwas verdutzt steigen wir wieder in den Wagen „Wenn einer 30 Jahre oder länger seine Arbeit tut und nichts als seine Pflicht kennt und darüber, wie dieser hier, alt und grau geworden ist, dann gidt's nichts, was ihn von seiner Pflichterfüllung abhalten könnte. Und wenn's das Große Los wäre!" Ob er bas Los allein spielt? Wir wissen es nicht. Stippvisite bei Glückspilzen Wenn man das Große Los gewinnt... Gegen Abenb sind wir wieder vor dem kleinen Haus in der östlichen Vorstadt. Das hier ist ein alter Bekannter, ein treuer Kunde unseres Einnehmers. „Heil Hitler! Herr M., wir haben wieder einmal einen Heinen Gewinn gemacht!" „So, wieviel ist es denn?" Erst jetzt bemerkt der Spieler, ein rüstiger älterer Mann, daß der Einnehmer nicht allein gekommen ist. „Nicht aufregen, es ist dieses- mal eine ganze Menge, es hat sich gelohnt, es ist das Große Los!" „Wie ist denn das möglich?" Etwas blaß ist er doch geworden; aber er faßt sich schnell. Wir müssen es ihm schwarz auf weiß zeigen, daß es seine Nummer ist, die das große Rennen gemacht hat Etwas spät kommt es ja, das große Glück. Er ist, was man ihm nicht ansieht, an die 70 Jahre, und seine Frau ist schon einige Jahre tot. Sein Leben lang hat er tüchtig arbeiten müssen; vom Lehrling zum Handwerksmeister ist ein schwerer Weg Den Betrieb hat er zwar seinem Sohn übergeben, aber er hilft immer noch ordentlich mit. Jetzt wird er’s sich etwas bequemer einrichten; um Dummheiten zu machen, dazu ist er ja zu alt. Immerhin, wenn er so alt wird, wie seine Eltern, dann hat er noch gute 30 Jahre vor sich. Die weitere Unterhaltung ergibt, daß »rein alter Kunde der Preußisch-Süddeutschen ist. Wohl an die 40 Jahre spielt er schon. Glück hat er öfter in seinem Leben gehabt. Schon einmal hat er einen Hauptgewinn gemacht; in einer Tombola gewann er einen Flügel. „Die jungen Leute? Die bekommen vorläufig keinen Pfennig! Die sollen arbeiten. Ich habe auch mehr als 50 Jahre vom Morgen bis in die Nacht arbeiten müssen." Er wird alles in Ruhe abwarten. Wenn das Geld ba ist, bann wirb er sich entschließen, wie es angelegt wirb. Einige Verwanbte, ja, bie wirb er unterstützen. Da ist einer, ber vor Schulden nicht aus ben Augen gucken kann; ein anberer kommt auf keinen grünen Zweig, weil sein Betriebskapital zu klein ist. Und diese Nacht, versichert er, wird er genau so gut schlafen wie sonst; eine Flasche Bier wird er trinken, weiter nichts. Was hat der Mann für Nerven! Sie sind vielleicht das Geheimnis seines erfolgreichen Arbeitslebens, seines großen Glücks. Aber es ist dunkel geworden, höchste Zeit, noch einmal zu unserem dritten Mann zu fahren. Jetzt ist er zu Hause; er wußte es schon. 400 000 Mark — feiert er jetzt ein rauschendes Fest? Fließt der Sekt in Strömen? Nichts von alledem; als wir kommen, sitzt er an seinem Schreibtisch, schon wieder über seine Arbeit gebeugt. Strahlend nimmt er unsere Glückwünsche entgegen. Er hatte, auf dem Wege nach Hause, im Vorübergehen eine Zeitungsüberschrift gelesen, so obenhin auch die Nummer gesehen. Einige Schritte weiter kommt ihm der Gedanke: „Ist das nicht deine Nummer?" Zurück und noch einmal gelesen — 106 7 10! Ob's nicht ein Druckfehler ist? An einer anderen Zeitung die Nummer noch einmal geprüft und nun im Eilschritt nach Haus, bis er die beiden Viertellose in Händen hat — die Nummern stimmen! Ob er allein spiele? „Wo denken Sie hin? Acht Mann teilen sich in den Gewinn, alles technische und kaufmännische Angestellte." Acht Mann, da bekommt jeder 50 000 Mann. Gebrauchen können sie's alle. Einer hat sich ein kleines Haus gebaut und wußte schon nicht, wie er es durchhalten sollte. Mehrere haben eine große Familie. Bei ihm selbst fommt’s gerade zur rechten Zeit. Seine Frau, seit Jahren schwerkrank, kann nun endlich eine Kur machen. Seinem Vater, dessen Grundstück demnächst zur Zwangsversteigerung kommen sollte, wird er vor einem argen Schicksal bewahren. Vier Jahre Krieg und drei Jahre Arbeitslosigkeit sind schließlich auch an ihm nicht spurlos vorübergegangen Sein Arbeitseinkommen kann er jetzt verbrauchen; die Kinder werden eine Bergstraße gut trugen, wobei es allerdings erheblich mehr Wirtschaftsobst gibt Die besseren, aber auch empfindlicheren Sorten, tragen auch in guten Aepfeljahren nicht so reich. In manchen Dörfern hätte der Ertrag der Aepfelernte noch wesentlich besser sein können, wenn man auf die pflegliche Behandlung der Obstbäume sorgfältiger achten wollte. Den Birnen hat das Wetter während der Blüte nicht zugesagt, es war zu kalt. Die Befruchtung ließ deshalb zu wünschen übrig, in einigen Gegenden haben auch späte Nachtfröste den ohnehin geringen Behang schwer geschädigt. Wohl werden augenblicklich genügend Birnen angeboten, aber die Vorräte sind mefft nicht sehr groß, vor allem in den besseren Sorten. Wirtschaftsbirnen gibt es am meisten, da sie auch keineswegs so empfindlich sind, wie die besseren Birnen und das Spalierobst. Nußernle sehr gut. Schließlich darf man die ungewöhnlich gute Nußernte nicht übersehen, die dieser Herbst gebracht hat. Sie wird an der Bergstraße als Rekordernte bezeichnet, im Rheingau ist sie gut, im Taunus ist man mit der Nußernte zufrieden. Da nach den Nüssen erhebliche Nachfrage besteht, dürsten in den nächsten Jahren zu den zahlreich angepflanzten neuen Nußbäumen noch weitere hinzukommen. ^unbfunfprogramm Donnerstag, 23. September. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Dem Opernfreund. 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Für unsere Kinder. 16: Operettenmusik im Wandel der Zeit. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Kunterbunt??? Ein buntes Mosaik von Sendungen. 20: Nachrichten. 20.10: Kunterbunt??? 21.15: Konzert. 22: Nach- richten (auch aus dem Sendebezirk), Sportbericht. ziuöDiiuung oeiumrnen, wie er es ycy gewun>cyt reifte das Steinobst wesentlich früher als in anhat. Und bann wird er ein Haus bauen. Seit Iah-1 deren Jahren; so waren Spätzwetschen teilweise I Deutsche Tragödie. Zu Jürgen Lsiullenwevers 40V. Todestage. In einer Zeit gewaltiger Umschichtungen, als Martin Luther seine Thesen an die Pforte der Wittenberger Schloßkirche heftete, als die unfreien Bauern aufbrachen, die Bürger sich gegen die Bevormundung ihrer Patriziergeschlechter erhoben, als das Reich von Karl V., dem spanischen Habsburger, regiert wurde, stand in Lübeck Jürgen Wullen- w e v e r auf, ein Hamburger Bürger, gewann die Liebe der Lübecker, stürzte die Patrizier und brachte das Gemeinwesen ans Regiment. Er war ein Revolutionär in des Wortes bester Bedeutung. Aber er war mehr als einer der vielen Revolutionäre feiner Zeit, er begnügte sich nicht mit dem, was seine Zeit charakterisiert: mit einem Kleinkrieg um eine Standesmacht, deren Interesse nicht über eng- begrenzte Bezirke hinauszuwachsen vermochte. Jürgen Wullenwever war einer jener vereinzelten Männer zu Beginn des 16. Jahrhunderts, die eine deutsche Idee vertraten; er selbst war erfüllt von ihr wie kaum jemand vor ihm. Darum hat die Geschichte ihn in die Reihe der großen Deutschen gestellt. Seine Tragödie steht nicht allein, aber ihr Ausgang ist einer der beklagenswertesten. Unverstanden in seinem heroischen Bestreben, gehetzt von .übermächtigen Gegnern, verraten von der Unzulänglichkeit derer, für die er feinen Kampf führte, von Mißgunst verfolgt und von Eigensucht seiner Nächsten gefangen, ein Handelsobjekt seiner Bezwinger, starb er nach dem Spruch eines ungesetzlichen Bauerngerichts, das feine Feinde bestachen, am 24. September 1537 am Tollenstein bei Wol- senbüttel unter dem Richtschwert des Henkers. Bis in das vergangene Jahrhundert hielt sich das Urteil, das weltliche und gesetzliche Machthaber über Jürgen Wullenwever gefällt hatten, und noch heute begegnet man Ansichten, die das Urteil der Geschichte nicht wahr haben möchten, das den Pro- I zeß Wullenweoers als den „scheußlichsten Justizmord der deutschen Vergangenheit" anprangert. Entartete Patriziergeschlechter hatten die Hanse an den Rand des Verderbens gesteuert; der große Verband war auseinandergefallen in die Wester- finge, die niederländischen und die Osterlinge, die deutschen Städte; Schweden, Dänemark und Norwegen hatten sich dem deutschen Einfluß entzogen. In der letzten Stunde der Hanse begann Jürgen Wullenwever sein Erneuerungswerk. Er hätte der Unterstützung aller deutschen Mächte sicher sein müssen, wäre das Reich nicht in ungezählte Splitter zerfallen gewesen, die die Eigensucht über des Reiches Belange stellten. Jürgen Wullenwever galt diesen Mächten als Neuerer, der gefürchtet und darum zu bekämpfen war; er galt ihnen auch als Empörer gegen alle Obrigkeit, weil er die aus ange- maßten Rechten die Städte beherrschenden Patrizier ihrer Aemter entsetzt hatte; er war also abzustrafen wie ein Verbrecher. Schließlich war er für die Altgläubigen ein Ketzer, der verfemt werden mußte. Und als nun dieser Neuerer, Empörer und Ketzer sein gewaltiges Werk wirklich zu schaffen schien, als er das Vertragsbrüchige Dänemark aus eigener Kraft besetzte, das Banner der Hanse wieder im Winde der nördlichen Meere knattern ließ und eine erstarkende Hanse die Vormachtstellung im Norden bezog, da liefen sie Sturm gegen den Urheber des Werkes, das sie ein Werk des Teufels nannten. Deutsche Mächte unterstützten gegen den Erneuerer der Hanse fremde Feinde, sie wiegelten die Städte gegen ihn auf, stifteten Empörungen und Attentate gegen ihn an, scheuten nicht List noch Gewalttat, Bestechung oder Verleumdung, ihn zu Fall zu bringen. Während das lübilche Heer siegreich in Dänemark stand, müße die Stadt eine Belagerung erleben. Da forderte Wullenwever Opfer von seinen Bürgern, die feit Generationen daran gewöhnt waren, Soldknechte für sich Krieg führen zu lassen. Sie wollten nicht opfern und sagten ihrem einstmals geliebten Bürgermeister das Vertrauen auf. Sie zwangen ihn zu einem unvorteilhaften Frieden, der den Grund zu seinem Sturz legte. Ein Mißgeschick seines Generals in Dänemark, eine Niederlage des lübischen Heeres, bei dem Wullenwever weilte, benutzten seine Gegner, ihn vollends zu Fall zu bringen. Als man ihn später in bischöflich bremischem Gebiet verräterisch fing und vor Gericht stellte, hatte er ungezählte Ankläger, keinen Verteidiger. Ein deutscher Mann stand ohne das Verständnis Deutschlands vor feinen Richtern, die ihm auf der Folter die widersinnigsten Geständnisse erpreßten. Nach diesen fällten gedungene Bauern auf Weisung ber den Spruch selbst nicht wagenden Mächte sein Todesurteil. Er war seiner Zeit um Jahrhunderte voraus; in feiner Zeit konnte er fein Werk nicht verwirklichen. Die Hanse war zudem ein Schiff, das ein zu großes Leck hatte. Nur ein einziger Wille im Reiche hätte es stopfen können. Statt dessen riß man es gewaltsam weiter auf, überließ England und Spanien die Beherrschung der Meere und sah tatenlos dem Absinken des stolzen Hanseschiffes mit feinem letzten Steuermann zu. So vollzog sich mit Wullenweoers Schicksal eine deutsche Tragödie. H. P. Uhlenbusch. arbeiten durfte. Durch seinen Tod im Januar d. I. brach für mich die Münchener Tätigkeit ab. In Gießen arbeite ich teils assistierend, teils selbständig an der Ausstattung mit. — (Ausnahme: «Stabt» thectter-Archiv.) Oie neuen Bücher des Insel-Berlages. Der Insel-Verlag zu Leipzig legt sein Herb st programm vor. Aus dem Bereich der Weltliteratur verzeichnet es „Dantes Göttliche Komödie" in der Uebertragung von Freiherrn von Falkenhausen, die „Tragödien des So - p h o k 1 e s", übersetzt von Roman W o e r n e r und die erste vollständige deutsche Ausgabe des japanischen Romans „Genji", ber vor nahezu tausend Jahren von ber Hofdame Murasaki geschrieben wurde. An erzählenden Dichtungen erscheinen: der große Frauenroman „Kartrina" von S. Salmi- nen, der bei einem schwedisch-finnischen Preisausschreiben den ersten Preis davontrug und inzwischen einen Welterfolg errungen hat; „Sibylle und die Feldblumen" von Friedrich Schnack, „Erzählungen und Märchen" von Max Mell, „Die Maabe» burgische Hochzeit" von Gertrud Le Fort, „Fränkischer Sommer" von Andreas Zeitler, „Die drei Brüder" von Antoon Coolen, „Der Flachsacker" von Stijn S t r e u v e l s. Von Reinh. Buch» wald erscheint eine umfassende „Schiller-Biographie" in zwei Bänden. Reinhold Schneider behandelt ein bedeutungsvolles Stück deutscher Geschichte der Frühzeit: „Kaiser Lothars Krone" Di? Reihe ber Briefveröffentlichungen Rainer Mana Rilkes findet ihren vorläufigen Abschluß in den ..Briefen aus den Jahren 1914 bis 1921". „Jakob Böhmes Schriften" werden, neu ausgewählt von Friedrich Schulze-Mai zier, in die „Hausbücher ber Insel" ausgenommen. Eine vollständige Ausgabe von Leo T o l st o i s Roman „Anna Karenina" erscheint in zwei Bänden in der Bibliothek der Romane. Ein besonders reizvolles Weihnachtsgeschenk sind die „Deutschen Weihnachtslieber", von Vaul Koch, dem Sohne Rudolf Kochs, in feiner Frankfurter Werkstatt zweifarbig gedruckt. Zu den bisher vorliegenden acht Bildtafeln aus der Manessischen Liederhandschrift kommen imei weitere: Kaiser Heinrich und Wolfram von Eschenbach. Der „Insel-Almanach auf das Jahr 1938" enthält als Hauptstück einen großen Beitrag von Hans C a r o s s a , „Ankunft in München", in dem ber Dichter ben Lebensbericht seiner „Verwandlungen einer Jugend" fortsetzt. Liselotte Erter, technische Assistentin. Liselotte E r l e r, die für die Winterspielzeit als technische Assistentin an das Gießener Stadttheater verpflichtet wurde, schreibt über ihren Werdegang: In München wurden uns wißbegierigen Anfängern alle Schleusen der Theatermöglichkeit'en durch unseren verehrten Lehrer Professor Preetonus geöffnet. Wir entwarfen in seiner Klasse für Szenenkunst Bühnenbilder, Kostüme und Illustrationen und durften zwischendurch in den Staatstheatern unsere Studien erweitern. Sogar bis zu Bayreuths geweihten Gründen drangen wir vor, horten Proben und vergewisserten uns über die materielle Zusammensetzung aller Dekorattonsteile. Mir widerfuhr nach dem zweiten Semester das Glück, in die Bayerischen Staatstheater verpflanzt zu werden, wo ich als Schülerin von Professor Linnebach Entwürfe für Szenen und Kostüme arbeitete und bald selbständige Ausführungen für einige Opern in Kostümen übertragen bekam. Wertvolle Belehrungen erhielt ich durch Prof. Pasetti, für ben ich später auch Volkswirtschaftliche Zeitfragen. Steuererlaß nach heutigen Grundsätzen. 23 on Or. jur. et rer. pol. K. Wuth, Steuersachverständigem, Berlin. Der Gedanke der Volksaemeinschaft, die soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit, insbesondere der Grundsatz der Gleichmäßigkeit der V e - steuerung erfordert es, daß die besteuerten Einkommen, Vermögen, Umsätze usw. möglichst restlos erfaßt werden. Bei der Durchführung der Besteuerung soll jedoch nach Möglichkeit auch die Lage des einzelnen Steuerpflichtigen mit den allgemeinen Interessen des Volksganzen in Einklang gebracht werden. Diese Grundsätze sind wiederholt vom Reichsfinanzministerium zum Ausdruck gebracht worden. Da die gesetzliche Regelung im allgemeinen gleichartige Verhältnisse bei den Steuerpflichtigen voraussetzt, besteht, soweit nicht bereits in dem besonderen Steuergesetz (z. B. der Ermäßigungsvorschrift des Einkommensteuergesetzes) die Möglichkeit eines Ausgleichs unter besonderen Umständen vorgesehen ist, in Ausnahmefällen die Not- wendiakeit, dem Steuerpflichtigen im Billigkeitswege durch Ermäßigung oder Erlaß der Steuern zu helfen, sofern eine Stundung nicht ausreicht. Nachdem neuerdings vor allem über die Durchführung des Bil l i gkeitsverfahrens in der Praxis weitere Einzelheiten aus dem Reichsfinanzministerium bekanntgeworden find, kann auf die Frage näher eingegangen werden, wann auf einen Steuererlaß aus Billigkeitsgründen möglicherweise zu rechnen ist. Die Möglichkeit eines Steuererlasses ist grundsätzlich auf Ausnahmefälle beschränkt. Da das Billigkeitsversahren jedenfalls nicht dazu dient, versäumte Rechtsmittel nachzuholen oder überhaupt Rechtsstreitigkeiten auszutragen, muß der Steuerpflichtige, soweit irgend möglich, zunächst die strittige Rechtsfrage im Rechtsmittelverfahren klären. Im allgemeinen werden nur rechtskräftig veranlagte Steuern erlassen, so daß entweder die Rechtsmittelfristen abgelaufen sein müssen oder das eingelegte Rechtsmittel zurückaenommen fein muß. Ganz besonders wichtige Grünoe können Ausnahmen rechtfertigen. Im übrigen ist xu beachten, daß zurückgenommene Rechtsmittel auch innerhalb der Rechtsmittelfrist grundsätzlich nicht von neuem eingelegt werden dürfen, so daß bei einer Zurücknahme Vorsicht geboten ist, zumal die Finanzbehörden an Vereinbarungen steuerrechtlich nicht gebunden sind. Bemerkenswert ist auch, daß Fehler bei der Veranlagung sowohl in tatsächlicher, als in rechtlicher Beziehung auch zugunsten des Steuerpflichtigen, nach der grundlegenden Entscheidung des Reichsfinanzhofs vom 7. Äug. 1936, jedenfalls dann auch nach Rechtskraft berichtigt werden können, wenn ein „durchschnittlich brauchbarer Beamter" an der Rechtslage keinen Zweifel hätte haben können. In. anderen Fällen setzen Berichtigungsveranlagungen zugunsten des Steuerpflichtigen im allgemeinen das Vorliegen von für die Finanzbehörde neuen Tatsachen oder Be- weitsmitteln voraus, die auch durch eine Betriebsprüfung festgestellt fein müssen, auf deren Vornahme der Steuerpflichtige anderseits keinen Anspruch bat. Der Billigkeitserlaß muß jedenfalls nach nationalsozialistischer Weltanschauung gerechtfertigt fein, insbesondere den anfangs angegebenen Grundsätzen entsprechen. Es soll eine ungerechte Verteilung der steuerlichen Lasten in Fällen verhindert werden, in denen ein anderer Weg nicht besteht. Steuerpflichtige mit großem Einkommen oder Vermögen werden im allgemeinen nur bei besonderer Anordnung berücksichtigt. Nach der Verfügung des Reichsfinanzministers vom 10. Februar 1934 soll regelmäßig eine Unbilligkeit bei der Einziehung einer Steuer im Sinne der Härtevorschrift (21. £). § 131) als Voraussetzung des Steuererlasses nur dann angenommen werden, wenn durch die Ablehnung des Erlaßantrages entweder die Bestreitung des notwendigen Lebensunterhalts vorübergehend oder dauernd oder auch die Fortführung des Betriebs erheblich gefährdet würden. Ob dies zutrifft» wird nach nationalsozialistischer Weltanschauung beurteilt; weder die Interessen der Volksganzheit,' noch der Gedanke der Volksaemeinschaft, deren Glied der einzelne Steuerpflichiige ist, dürfen verletzt werden. In erster Linie soll jedoch durch Stundung geholfen und nur in besonderen Ausnahmefällen Erlaß gewährt werden. Besonders häufig werden Steuern auf Grund von Betriebsprüfungen nach gefordert, oft für eine große Reihe von Jahren, z. B. weil nach Steuerrecht höhere Einkünfte oder Umsätze festgestellt oder auch Buchführungsvorschriften, insbesondere bei der Umsatzsteuer, nicht berücksichtigt worden sind. Der Steuererlaß erfordert hier grundsätzlich auch eine erhebliche Gefährdung des Betriebs oder des Lebenshalts des Steuerpflichtigen. Steuerforderungen, die auf offenbar unrichtiger Gesetzesanwendung durch das Finanzamt beruhen, werden im allgemeinen erlassen, sofern nicht die Veranlagung berichtigt wird (vgl. oben). Auch eine falsche Auskunftserte'i- lung wird einen Steuererlaß rechtfertigen können, zumal bei Verschulden eines Beamten auch eine Haftung des Staates in Betracht kommt, anderseits die Steuerforderung des Reichs trotz der unrichtigen Auskunft bestehen bleibt. Eine nachträgliche Aenderung der Rechtsprechung oder Gesetzgebung wird grundsätzlich nicht berücksichtigt. In persönlicher Hinsicht werden die gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse des Antragstellers zugrundegelegt. Kinderreiche Familien, für den Staat verdiente Volksgenossen usw. werden besonders berücksichtigt. Jedenfalls darf Der Steuerpflichtige nicht aus politischen Gründen des Steuererlasses unwürdig sein. Bei Nichtariern wird ein besonders strenger Maßstab angelegt. Bei außergerichtlichen Vergleichsverfahren wird seitens des Steuergläublgers im allgemeinen in gleicher Weife wie seitens der anderen Gläubiger entgegengekammen werden, wenn die Fortführung des Betriebs sichergestellt ist. Im Konkurs kommt es ebenfalls daraus an, daß dem Steuerpflichtigen im Einvernehmen mit den sonstigen Gläubigern, jedoch nicht lediglich den letzteren, geholfen wird. Die Ankündigung von Betriebseinschränkungen (Arbeiterentlassungen) kann den Erlaß- antrag unterstützen. Ein derartiges Vorbringen wird jedoch durch den Treuhänder der Arbeit oder den Gau-Wirtschaftsberater überprüft und führt angesichts der starken Belebung der Wirtschaft nicht unbedingt zu einem Erlaß. Unheilbar kranke Betriebe werden grundsätzlich nicht geschützt. Auch bedingter Erlaß (mit genauen Auflagen) kann gewährt werden. Im übrigen wird auch die Mithaftung anderer berücksichtigt. Von den einzelnen Steuerarten kommt ein Erlaß von U m s a tz st e u e r mit Rücksicht auf die Abwälzung der Steuer regelmäßig nicht in Betracht. Immerhin kann ein Erlaß von rückständiger Umsatzsteuer bei niedrigem Umsatz (zwischen 1000 und 5000 RM. jährlich) mangels anderer Einkünfte als aus diesen Umsätzen in Betracht kommen, wenn die oben angegebenen Gründe dies rechtfertigen. L o h n- st e u e r kann nur in ganz besonderen Ausnahmefällen erlassen werden, einbehaltene Lohnsteuer überhaupt nicht. Anträge auf Steuererlaß sind grundsätzlich an die Finanzämter zu richten, die bis 10 000 RM. für die einzelne Steuerart auch für die Entscheidung selbst zuständig sind, während bei Beträgen über 10 000 RM. der Oberfinanzpräsident entscheidet und die Bewilligung von Erlaß über 20 000 RM. der Zustimmung des Reichsfinanzministers bedarf, dem außergewöhnliche Fälle auch im Falle der Ablehnung zur Entscheidung vorgelegt werden. Gegen ablehnende Bescheide der Nachgeordneten Finanzbehörden ist die Dienst-aufsichts- beschwerde an die nächsthöhere Behörde, gegenüber Bescheiden des Finanzamts also die Beschwerde an den Oferfinanzpräsidenten, gegen dessen Bescheid an den Reichsfinanzminister gegeben. Begründet werden die Entscheidungen im allgemeinen nicht. Das Begnadigungsrecht, insbesondere der Erlaß von Strafen im Verwaltungsstrafoerfahren, wie auch im gerichtlichen Steuerstrafoerfahren wird grundsätzlich durch den Reichsfinanzminister ausgeübt. Die Ausübung des Begnadigungsrechts ist für Beträge bis 1000 RM. auf den Finanzamtsoorsteher, bet höheren Beträgen bis 10 000 RM. auf den Oberfinanzpräsidenten übertragen. Neben Erlaß und Ermäßigung der Strafe kommen vorläufige Einstellung der Zwangsvollstreckung, bedingte Strafaussetzung usw. in Betracht. Auch hier wird ein strenger Maßstab angelegt und nach nationalsozialistischer Weltanschauung entschieden. Ganz von der Einleitung oder Durchführung einer Untersuchung dürfen die Finanzämter nur absehen, wenn keine Steuerhinterziehung in Frage kommt und das Verschulden des Täters geringfügig ist: im übrigen ist nur der Reichsfinanzminister selbst hierzu befugt. Zinsherabsehlmg bei HauszinssteuerhMiheken. Neue Richtlinien des Reichs- und preußischen Arbeitsministers. Die Belastung der mit Hauszinssteuerhypotheken finanzierten Wohnungsneubauten kann durch eine Herabsetzung der Zinsen für die Haus- zinssteuerhypothek vermindert werden. Auf Antrag des Bauherrn werden die Zinsen von 3 v. H. auf 1 v. H. herabgesetzt, wenn die unter Berücksichtigung der Gesamtbelastung des Grundstücks sich ergebende Miete höher ist, als die Miete für entsprechende Altwohnungen einschließlich eines Zuschlages für Erhöhung des Wohnwerts (Vergleichsmiete). Eine weitere Lastensenkung ergibt sich für den sog. älteren Neuhausbesitz (aus der Zeit vom 1. April 1918 bis zum 31. März 1931), der seit dem 1. April 1936 im vollen Umfange zur gemeindlichen Grundvermögensteuer herangezogen wird. Für den älteren Neuhausbesitz kann unter Berücksichtigung dieser höheren Belastung der auf 1 v. H. ermäßigte Zinssatz durch Stundung und Niederschlagung der restlichen Zinsen weiter gesenkt werden, soweit die tatsächliche Miete hinter der nach Senkung der Zinsen auf 1 v. H. verbleibenden Belastung zurückbleibt. Voraussetzung für die Zinsherabsetzung bei Haus- z'mssteuerhypotheken ist, daß die G e s a m t b e l a - stung des Grundstücks eine höhere Miete (Mindestmiete) erfordert, als die Miete für entsprechende Altwohnungen als Vergleichsmiete beträgt. Dabei ist der Altwohnungsmiete ein Zuschlag für Verbesserungen und entsprechende Erhöhung des Wohnwerts bei Neubauwohnungen hinzuzusetzen. Falls die tatsächliche (Ist-) Miete höher als die Vergleichsmiete ist, wird sie an Stelle der letzteren zu Grunde gelegt. Als Grundstücksbelastung sind grundsätzlich sämtliche Aufwendungen anzusehen, die laufend für das Wohnhaus notwendig find, einschließlich eines Abschreibungsbetrages und der Zinsbelastung, wobei auch für das aufgewendete Eigenkapital eine Verzinsung angesetzt werden kann. Ebenso werden die mit dem Grundbesitz verbundenen Steuern und Abgaben berücksichtigt. Um die Ertragsberechnung bei dem Grundstück zu vereinfachen und zu vereinheitlichen, sind in einem Erlaß des Reichs- und Preußischen Arbeitsministers vom 15. 6. 1937 (IV b 6 Nr. 7030'46) neue Richtlinien über die Berechnung der Belastung und der infolgedessen erforderlichen Mindestmiete gegeben. Nach dem neuen Erlaß sind die Betriebskosten grundsätzlich in nachgewiesener Höhe zu berücksichtigen. Sind für das Gebiet einer Gemeinde oder eines Gemeindeverbandes zur Vereinfachung der Verwaltungsarbeit Durchschnittssätze festgesetzt, so gelten diese; jedoch sind auf Antrag des Grundstückseigentümers die Betriebskosten in tatsächlicher Höhe zu berücksichtigen, soweit sie nicht als unangemessen hoch angesehen werden müssen. Als Instandsetzungskosten werden im allgemeinen 4 bis 6 v. T. der Herstellungskosten als ausreichend angesehen. Als Herstellungskosten sind die Gesamtkosten abzüglich der Kosten für den Erwerb und die Erschließung des Grundstücks anzusehen. Zu dem genannten Satz ist ein Zuschlag (höchstens 2,5 v. T.) dann zulässig, wenn der Vermieter die Schönheitsinstandsetzungen zu tragen hat. In diesem Falle erhöht sich der normale Jnstand- setzungskostenbetrag auf 6,5 v. T. dzw. 8,5 v. T. im Höchstfälle. Verwaltungskosten sollen grundsätzlich nur in Höhe von 25 RM. je Wohnung zugebilligt werden, und nur in Ausnahmefällen sind angemessene höhere Kosten in nachweisbarer Höhe zu berücksichtigen. Bei Eigenheimen werden Berwaltungs- kosten auch dann nicht zugebilligt, wenn Einliegerwohnungen vorhanden sind. Zu den Derwastungs- kosten rechnen die Kosten der allgemeinen Verwaltung des Wohnungsunternehmens, einschließlich der Vergütungen für die Verwaltung der Häuser. Dagegen sind die Kosten für den Hauswart als Betriebskosten anzufetzen. Ohne Rücksicht auf höhere Tilgungssätze sind Abschreibungen nur in Höhe von 1 v. H. der Herstellungskosten zugelassen. Dieser Satz wird ebenfalls als Höchstsatz angenommen, wenn Hypotheken auf Grund von Bausparverträgen zinslos ausgegeben sind, dafür aber verstärkt — mit etwa 7 bis 8 v. H. jährlich — zu tilgen sind. Ein angemessener Prozentsatz der Tilgungsleistung (höchstens jedoch 5 v. H.) kann in diesen Fällen als Verzinsung angesehen werden. Bei der Ansetzung eines Zinssatzes für das aufgewendete Eigenkapital soll kein höherer Satz als 4 v. H. gelten. Als tatsächliche (Ist -) Miete ist grundsätzlich die gegenwärtige Miete maßgebend. Ist sie jedoch nach dem 31. März 1936 ermäßigt worden, so ist die Miete von dem letzteren Zeitpunkt entscheidend. Diese Richtlinien sind für die Behörden bei der Bewilligung von Zinsherabsetzungsanträgen maßgehend. Im allgemeinen können hiernach'die wirklichen Belastungsbeträge berücksichtigt werden. Handwerksbetriebe und Kreditbeschaffung. Die relative Krisenfestigkeit des deutschen Handwerks beruht neben seiner betriebswirtschaftlichen Struktur nicht zuletzt auf seiner weitgehenden Ver- ankerung im Grundbesitz. Etwa ein Drittel der selbständigen Handwerker sind Grundstückseigentümer, und auf sie entfallen rund 10 v. H. des deutschen Grundvermögens. Diese Tatsache ist es auch, die das Handwerk volkspolitisck zu einem so wertvollen Teil unserer Gemeinschaft macht, wie es überzeugend auf der diesjährigen Arbeitstagung des Reichsftandes des deutschen Handwerks zum Ausdruck gebracht wurde. Ministerpräsident Köhler hob dabei hervor, daß das Handwerk leider in seiner Wirtschaftskraft oft noch wesentlich unterschätzt werde. Durch die Kleinheit der Betriebe dürste man sich aber nicht darüber hinwegtäuschen lassen, daß das Handwerk ein gleichberechtigter Faktor der Wirtschaft sei. Dem Handwerk falle im Rahmen des Vierjahresplanes die Aufgabe zu, dem deutschen Werkstoff den Weg ins Volk zu ebnen. Der Handwerksmeister sei der anerkannte fachmännische Betreuer des einzelnen Volksgenossen; auf ihm ruhe daher eine außerordentlich große Verantwortung. Die Bedeutung des Handwerks geht u. a. auch aus feiner rein zahlenmäßigen Stärke hervor. Am 1. Äpril 1937 gab es insgesamt 16 5 2751 Handwerksbetriebe, in denen 588 000 Lehrlinge, rund Mei Millionen Gesellen und Arbeiter, etwa 100 000 kaufmännische Angestellte und schätzungsweise zwei Millionen mithelfende Familienangehörige Beschäftigung fanden. Danach würde das Handwerk also, ohne Mitrechnung der Familienangehörigen, rund 4,5 Millionen Volksgenossen Arbeit sind Brot geben. Die allgemeine wirtschaftliche Belebung hat auch die Umsätze des Handwerks erheblich ansteigen lassen. Währenb diese in den Krisenjahren bis auf etwa 9 Milliarden Reichsmark zurückqegan- gen waren, erhöhten sie sich bis Ende 1936 wieder aut 15 Milliarden Reichsmark. Seit jeher, besonders aber in der Nachkriegszeit nach dem Vermögensschwund durch die Inflation, waren unsere Handwerksbetriebe auf finanzielle Hilfe, auf die Kreditgewährung angewiesen. Diese Kredite nahmen die Betriebsinhaber in der verschiedensten Form auf, ohne sich im allgemeinen über die Unterschiede und besonders über die Höhe der Kreditkosten im klaren zu sein. Im allgemeinen denkt man bei der Erwähnung der Kreditgewährung an den Bankkredit. Daneben aber gibt es eine andere, sehr beachtliche Kreditform, den Lieferantenkredit, der gerade für den Handwerker eine außerordentlich wichtige Rolle spielt. Zeigen wir an einem, dem praktischen Leben entnommenen Beispiel den Unterschied der beiden Kreditarten. Ein Schreinermeister benötigt zur Ausführung eines ihm erteilten Möbelauftrages oder zur Beteiligung an einem Hausbau, wo er die Schreinerarbeiten aus- führt, als Rohstoff eine Holzmenge im wertmäßigen Betrage von 1000 Reichsmark. In den seltensten Fällen wird der Schreinermeister in der Lage sein, seinen Holzkauf gleich bar zu bezahlen. Er wird ein Zahlungsziel von rund drei Monaten in Anspruch nehmen und dadurch des Kassenskontos verlustig gehen. Dieser beträgt je nach den Bedingungen 2 bis 4 v. H. Das sind im Grunde genommen die Kreditkosten, die der Holzlieferant dem Schreinermeister in Anrechnung bringt Dafür, daß er die Summe für den Holzeinkauf drei Monate anstehen läßt. Auf das Jahr gerechnet macht das durchschnittlich 18 bis 24 v. H. aus. In laufender Lieferung würde unser Schreinermeister also jährlich fast 200 RM. für den Holzeinkauf mehr zu bezahlen haben, als wenn er die Rechnung sofort bezahlen würde. Würde dagegen der Handwerksmeister einen Bankkredit von 1000 Reichsmark zwecks sofortiger Bezahlung seiner Rechnung in Anspruch nehmen, so brauchte er bei etwa VA v. H. Kreditkosten (einschließlich aller Provisionen) nur 75 RM. aufzubringen. Das ist ein ganz wesentlich ins Gewicht fallender Unterschied! Was für den Schreiner- meister gilt, trifft gleichermaßen auch für jeden anderen Handwerker zu, ob er nun Leder, Stoffe, Papier, Metalle oder andere Rohstoffe verarbeitet. Selbstverständlich ist Der Lieferantenkredit nicht in jedem Falle zu entbehren, und nicht jeder Hand- roerfsmeifter ist, bankmäßig beurteilt, kreditfähig und kredit würdig. Gerade in Handwerkerkreifen sind nicht immer die Voraussetzungen für die Einräumung von Bankkrediten gegeben. Das liegt aber nicht an der Einstellung ober ablehnenden Haltung Der Kreditinstitute, die im Interesse ihrer Einleger und Geldgeber in Der Kreditausleihung an bestimmte Vorschriften gebunden sind, sondern an den Inhabern der Handwerksbetriebe selber. Viele lassen es noch an der unbedingt notwendigen kaufmännischen Buchführung und Bilanz- a u f ft e 11 u n g fehlen, obwohl die in Frage kommenden Stellen sich seit langem bemühen, die Handwerker von der Notwendigkeit einer solchen zu überzeugen. Wer Kredit von einer Bank ober von einem anderen Kreditinstitut in Anspruch nehmen will, muh darauf bedacht sein, daß diese durch einen regelmäßigen Geschäftsverkehr sich ein Urteil über die charakterlichen Eigenschaften des Kreditnehmers, über seine Zahlungsmoral usw. bilden können, und daß sie auch einen möglichst lückenlosen Einblick in die Bonität und Eigenart des Betriebes erhalten. Das Handwerk im Iahre 1936. Bis zum Jahre 1933 gab es den Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag als die Zusammenfassung Der Berufsvertretungen des deutschen Handwerks. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung trat an feine Stelle Der „Reichsstand des Deutschen Handwerk s". Das ist mehr als eine Titelanderung, denn es stellt Den „StanD" als solchen an Die Stelle irgendwelcher Einzelpersonen oder Einzelbetriebe. Das beweist u. a. auch das neue Jahrbuch des deutschen Handwerks, das zugleich Den Tätigkeitsbericht für Das Jahr 1936 liefert. Wenn sonst eine Organisation alten Stils ihren Bericht schrieb, war sie zumeist stolz auf Das Wach- fen Der Mitgliederzahl und Der Gefolgschaft ihrer Gruppen. Anders hier: der Reichsstand des Handwerks weist nach, daß Die Zahl der Handwerksbetriebe von 1936 auf 1937 von 1 653 000 auf 1 604 000 zurückgegangen ist. Er ist Darüber nicht traurig, sondern erblickt Darin eine notwendige Entwicklung, Denn es seien zweifellos während Der Arbeitslosigkeit viele Handwerker in Die Selbständigkeit geflüchtet, um irgendwie eine bescheidene Existenz zu finden. Die rückläufige Bewegung wird daher als ein Zeichen der (Befundung empfunden. Zahlreich sind die Fälle, in denen ein Handwerksgeschäft vom Meister allein geführt wird. Es sind Bestrebungen im Gange, den Facharbeitermangel dadurch zu bekämpfen, daß die Meister solcher Kleinbetriebe in die industrielle Wirtschaft übertreten. Der Reichsstand bezeichnet diese Bestrebungen als erfolgreich, fügt Helft im Sinne Hindenburgs helfen! Beiträge nehmen alle Danken, Sparkassen und Postanstatten entgegen! aber hinzu, daß Die große Zahl Der Allein- meifterbetriebe ganz überwiegend lebensfähig und notwendig sei. Aus dieser Sachlage ergab sich auch eine straffere Zusammenfassung der Innungen. Seit 1934 ist der Aufbau der Pflichtinnungen und der Kreis- Handwerkerschaften gesetzlich vorgeschrieben. Viele Innungen waren Zwerggebilde und konnten daher keine volle Leistungsfähigkeit entfalten. Der Bericht verzeichnet daher einen Rückgang der Innungen von 16 000 auf 15 000. Auch Die Kreishandwerkerschaften ginaen zurück von 750 auf 725. Edelsteinschleifer und Buchdrucker sind durch höhere Entscheidung aus dem Handwerk ausgeschieden; hinzugekommen sind aber Wäscher und Plätter, Glas- unD ©ebäubereiniger, sowie Roßschlächter. Neben der regionalen Zusammenfassung Der Kreishandwerkerschaften und der Landesverbände sind 51 Reichs- innungsverbände auf fachlicher Grundlage gebildet worden. Für das Prüfungswesen bestehen fachliche Vorschriften für 73 verschiedene Handwerke. Daraus ist zu ersehen, daß manche dieser Berufe zahlenmäßig nicht allzu groß sind, fo daß sie keinen eigenen Reichsinnungsverband bilden, sondern sich her Gliederung eines verwandten Gewerbes angefchlosien haben. Zur wirtschaftlichen Sage des Handwerks wird ausgeführt, daß die Umsätze, die 1932 nur noch 9 bis 10 Milliarden betrugen, auf 15 bis 16 Milliarden Reichsmark fliegen. Der Menge der Waren und Leistung nach befindet sich das Handwerk nicht mehr weit vom Jahre 1929 entfernt, das 20 Milliarden Reichsmark Umsatz zeigte; allerdings sind auch die Preise heute nicht mehr auf her damaligen Höhe. Ausgesprochen günstig ist die Lage in Der Bauinbuftrie und in den Damit zusammenhängenden Gewerbe,zweiaen; andere Betriebe rücken nach. Als weniger günstig wird die Wirtschaftslage in solchen Berufen bezeichnet, die an einer lieber« fetzung Der Betriebe leihen, so vor allem bei Friseuren und Schuhmachern. Wichtig ist die Frage Des Nachwuchses, weil er Dazu bestimmt ist, die künftigen Meister, ober in Der Industrie den besten Facharbeiter zu stellen, Die Zahl her Lehrlinge, die 1933 nur 419 000 betrug, ist denn auch bis 1936 auf 588 000 gestiegen. Dabei spielen die Ueberlegungen eine Rolle, die Lehrlinäe von solchen Berufen fernzuhalten, hie keine günstigen Aussichten bieten, obwohl dafür noch keine Lösung vorhanden ist. Wichtig für die Zukunft des Handwerks ist die Aufgabe, die Ueberalterung der Meister zu überwinden. Jetzt sind 22,5 v. H. aller Meister im Alter von 40 bis 50 Jahren, 21.4 v. H zwischen 50 und 60 Jahren, 14 v. H. noch älter. Dieser Zustand erschwert die Durchführung des Planes einer ausreichenden Altersversorgung. Das Jahr 1935 hat den großen Befähigungsnachweis für das Handwerk gebracht, wodurch nur derjenige als Meister in die Hanl^ werksrolle eingetragen wird, der die vorschriftsmäßigen Prüfungen abgelegt hat. 1932 wurden nur 25 000 bestandene Prüfungen gezählt, 1935 ober 60 000. Auch hier tritt her Erfolg her neuen Ord- nung hes Berufsstandes zutage. 1936 sind alle Meisterprüsvngsausschusse neu besetzt worden, wobei hauptsächlich junge und tüchtige Meister herangezogen wurden. Die Jnnungsobermeister müßen nach dem Gesetz von 1936 alljährlich die Vertrauens» frage stellen. Der gleichen Verpflichtung unters stehen die Kreishandwerksmelster. Es spricht auch hier für die Bewährung des neuen Aufbaues, daß fast 99 v. H. aller Obermeister ein- stimmig ober mit großer Mehrheit wieder das Vertrauen ihrer Berufskameraden fanden. Im übrigen beweist her Bericht, daß sich das Handwerk in allen Fragen des wirtfcha^lichen Lebens zielbewußt betätigt. Hierzu gehören die Anforderungen des Vierjahresplanes, hie befonbers im Lebensmittelgewerbe unb in her Bauwirtschaft eine wichtige Rolle spielen. nr.221 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen) Mittwoch, 22. September (937 Aus der Stadt Gießen. Bei uns zu Haus. „Für die Jahreszeit zu kühl!" teilt die Wettervoraussage mit, und sie hat recht. Den heißen, sonnigen Tagen folgte allzu rasch der Wetterumschlag. Schon treibt der Herbstwind sein Spiel mit dem gelben Laub, düstere Wolken jagen am Himmel dahin, und nur selten blickt die Sonne herab. Manchmal treibt uns der Wind einen kalten Regenschauer ins Gesicht. Ja, sie sind dahin, die Sommertage . . . Und plötzlich erinnern wir uns an unfern Freund, den guten — Ofen. Still und bescheiden hat er bisher in der Ecke gestanden. Nun kommt er wieder zu Ehren. Er hilft uns, daß wir die naßkalten, unfreundlichen Tage leichter ertragen. Er lädt uns ein, in seiner Nähe Platz zu nehmen. Er will uns in freundlicher Bescheidenheit das ersetzen, was der rauhe Herbst uns nahm: die Wärme. Wenn wir halb durchnäßt und frierend nach Haufe kommen, umfängt uns ein wohliges Gefühl. Der Ofen, in neuzeitlichen Häusern die Heizung, ist in Tätigkeit. Gewiß gibt es nichts Schöneres als in Wald und Heide, auf Wiesen oder im Schatten der Bäume au liegen und nach den wandernden Wolken zu schauen. Dann kann man wohl die Augen schließen und wunschlos träumen. Man fühlt sich eins mit der Mutter Erde. Aber diese Tage sind nun vorbei. Wir müssen das Schöne nehmen, wo es sich uns darbietet. Und der Ofen hilft uns dabei. Wir sind wieder „bei uns zu Haus". Beim warmen Ofen erzählt es sich so schön. Freunde und Bekannte, die wir nur flüchtig in den Sommertagen sehen konnten, stellen sich wieder ein. Auch die Kinder müssen nun einige Stunden im Zimmer bleiben. Sie holen die Schachteln und Spiele vom vergangenen Winter herbei. Sie wis- en, wie man sich die Abende verkürzt. Sie fügen ich unverdrossen und lassen die Phantasie das er» etzen, was sie nicht haben. Der richtige Zauber eines schönen, warmen Zimmers umfängt uns aber erst, wenn die Kinder zu Bett gegangen sind und wir zu unfern guten Freunden, den Büchern, greifen. Wie oft wurden sie im Sommer vergessen! Aber wir werden sie öffnen, wir werden sie aufs neue grüßen wie alte, liebe Bekannte, und wir werden Zwiesprache mit ihnen halten. Wenn dann ein gutes Lied gesungen wird, wenn die Hausmusik wieder zu Ehren kommt, oder auch der Rundfunk, oder ein Spielapparat den Walzer von Strauß „Bei uns zu Haus" spielt. dann können wir in ruhiger Einkehr und fli' Beschaulich, feit den Herbstabend zufrieden beschueßen. H. Dornotizen. Tageskalender für Mittwoch. Gloria-Palast (Seltersweg): „Unternehmen Michael". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die englische Heirat". MwWlWMMslMl NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". Omnibusfahrt zur Reichsausstellung „Schaffendes Volk" in Düsseldorf. Arn 9. und 10. Oktober führen wir die letzte Omnibusfahrt zu der vorstehenden Ausstellung durch. Teilnehmerpreis einschließlich Uebernachtung mit Frühstück und Eintrittskarte zur Ausstellung 13,50 Reichsmark. Abfahrt: Samstag, 9.10.37, um 12 Uhr in Gießen am Haus der Deutschen Arbeitsfront. Anmeldungen nimmt die Kreisdienststelle entgegen. Theaterring Gießen 1937/38. Die Anmeldungen zu den „Kraft-durch-Freude- Mieten" bitten wir sofort auf der Kreisdienststelle einzureichen. 61361) 7!S -Lehrerbund Kreis Gießen. Fachschaft: körperliche Erziehung. 1. Endspiele der 1- bis 3klassigen Schulen. Wegen des Modellsegelflugwettbewerbes am Donnerstag werden die Endspiele um die Kreismeisterschaft in Grenzball auf Freitag verlegt. Ort und Zeit bleiben gleich. 2. Hans-Schemm-Schwimmen. Die Ergebnisse des Schemm-Schwimmens sind umgehend an Studienassessor F o n t i u s , Gießen, Oberrealschule, zu melden. Letzter Termin: 28. September. 3. Sieger-Plaketten für Sommerkampfspiele. Die gußeisernen Wanderplaketten sind entweder zu den Endspielen mitzubringen, oder an W. Mohr, Gießen, Wilsonstraße 8, abzuliefern. Sicherstellung der Hackfruchiernle. Einsatz der im WHW. betreuten Volksgenossen. Gießener Reichsarbeitsdienst Hilst bei der Hackfruchternte. Die Sicherstellung der Hackfruchternte verlangt es, daß alle freien Kräfte mit eingesetzt werden und mit dazu beitragen, die Ernte zu ermöglichen. Es ist eine setbstverständliche Pflicht aller im WHW. Betreuten, bei dieser Aktion einen Teil ihrer Dankesschuld abzutragen und sich unverzüglich bei dem zuständigen Arbeitsamt und seinen Nebenstellen zu melden. Gedacht ist hier in erster Linie an bedürftige Volksgenossen, die Dohlfahrtsunterslühle sind, aber auch an Frauen und Kinder, soweit sie diese Arbeiten leisten können. Diese Arbeit erfolgt natürlich gegen entsprechendes Entgelt. Die nachgewiesene Mitarbeit ist mitbestimmend für die Unterstützungen des Win- terhilfswerkes. Die Ortsgruppenamtsleiter der NSV. find von der Kreisamtsleitung angewiesen, bei der Entgegennahme des WHW.-Antrages schärfste Nachprüfung zu halten über den erfolgten Einsatz. Ich werde mir hierüber von den Ortsbeauftragten für das WHD. Bericht erstatten lassen. Der Kreisbeauftragte des DHW. im Kreis Metterau. Seit mehr als einem Jahr dürfen nur Arbeiter und Angestellte eingestellt werden, die im Besitze eines vom Arbeitsamt ausgestellten gültigen Arbeitsbuches sind. Gleichzeitig sind Betriebsführer, Behördenleiter und Haushaltungsvorstände verpflichtet, dem zuständigen Arbeitsamt jede Einstellung und Entlassung sowie jede wesentliche Aende- rung in der Beschäftigungsart des Arbeiters oder Angestellten auf vorgeschriebenem Vordruck anzuzeigen. Immer wieder muß festgestellt werden, daß Betriebsführer, Behördenleiter und Haushaltungsvorstände sowie auch Arbeitsbuchinhaber selbst die ihnen obliegenden Arbeitsbuchpflichten entweder vorsätzlich oder fahrlässig außer Acht lassen. Es geht nicht an, daß infolge der Nachlässigkeit oder Bequemlichkeit einiger Volksgenossen in der Erstattung der Veränderungsanzeigen oder der sonstigen Beachtung der Arbeitsbuchbestimmungen die mit großer Mühe von den Arbeitsämtern erstellten Arbeitsbuchkarteien und Arbeitsbücher in ihrem Wert für die planmäßige Lenkung des Arbeitseinsatzes gemindert werden. Aus diesem Grunde hat der Präsident der Reichsanstalt vor kurzem die Arbeitsämter angewiesen, gegen Volksgenossen bei Zuwiderhandlungen oder Lpd. In den letzten Monaten und erst wieder vor einigen Tagen berichteten die Zeitungen wiederholt über schwere und tödliche Unfälle in Sandgruben und Steinbrüchen. Fast immer waren einstürzende Sand- oder Gesteinsmassen die Ursache dieser Unglücksfälle. Es liegt daher die Vermutung nahe, daß die Brüche und Gruben, in denen gesunde und schaffensfrohe Volksgenossen mitten aus ihrer Arbeit dahingerafft wurden, unsachgemäß und unvorschristsmäßig abgebaut worden sind. Das Frankfurter Gewerbeaufsichtsamt hat jedenfalls bei einer Überprüfung einiger Gruben feststellen können, daß den einfachsten Sicherheitsoorschriften häufig nicht ausreichend genügt wurde und daß sowohl von den Grubenbesitzern, als auch von den Gefolgschaftsmitgliedern die Gefahren eines verbotswidrigen Abbaubetriebes vielfach gering eingeschätzt werden. Außerdem mußte bemängelt werden, daß der Abraum nicht vorschriftsmäßig beseitigt, ober die Wände zu steil abgebaut oder gar unterhöhlt waren, so daß sie in jedem Augenblick auf die Arbeiter herunterbrechen und sie verschütten konnten. Um solche gefährliche Zustände zu beseitigen, hat der das Frankfurter Gewerbeaufsichtsamt leitende Regierungs- und Gewerberat angeordnet, daß ne- Die Hackfruchternte hat begonnen. Insbesondere die Kartoffelernte wird jetzt mit aller Macht einsetzen, und unsere Bauern werden mit ihren Angehörigen nicht Hände genug haben, um alle Arbeit allein bewältigen zu können. Um aber die Kartoffelernte in vollem Umfange und möglichst schnell gut bergen zu können, sind alle Kräfte nötig. Der Reichsarbeitsdienst, der sich den Bauern schon oft zur Verfügung stellte, steht auch diesmal nicht beiseite. Das Arbeitsdienstlager „Justus von Liebig" in Gießen entsendet fast die Hälfte der Lagerkameradschaft zu den Bauern zur Hilfe bei der Kartoffelernte. Gießener Arbeitsdienstkameraden zogen am Montag, 61 Mann stark, zur Hilfeleistung bei der Kartoffelernte der Landbevölkerung aus. Sie wurden in sieben Orten eingesetzt, und zwar in Alten-Buseck, Großen-Buseck, Beuern, Birklar, Bellersheim, Langd und in Wißmar. Die Arbeitsdienstmänner wurden allenthalben herzlich willkommen geheißen, gingen sie doch, da sie auch einer schweren Arbeit nicht ungewohnt sind, den Bauern sofort kräftig zur Hand. Die Arbeitsmänner werden voraussichtlich bis zum 9. Oktober bei den Bauern zur Erntehilfe bleiben. In Großen-Buseck befinden sich mehrere Arbeitsdienstkameraden schon seit längerer Zeit und helfen dort tatkräftig bei der Drescharbeit mit. Unterlassungen auf Grund der geltenden Arbeitsbuchbestimmungen Strafverfahren einzuleiten. Den Volksgenossen kann daher nur immer wieder geraten werden, ihren Pflichten, die im Merkblatt für das Arbeitsbuch näher angegeben sind, gewissenhaft nachzukommen. Wer seine Pflichten vorsätzlich oder fahrlässig versäumt, den wird künftig die volle Strenge des Gesetzes in Gestalt von Geld-, Haft- oder Gefängnisstrafen treffen. Weiter ist es in letzter Zeit wiederholt vorgekommen, daß Arbeitsbuchinhaber Eintragungen oder Aenderungen im Arbeitsbuch eigenmächtig vornehmen, zu denen sie nicht befugt sind und sich dadurch schwerer strafbarer Handlungen schuldig machen. So wurden in den letzten Wochen drei Arbeitsbuchinhaber wegen Urkundenfälschungen zu 6 bzw. 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Alle drei Bestraften sind verhältnismäßig glimpflich davongekommen, denn nach § 268 Ziffer 2 des Strafgesetzbuches kann für Fälschung öffentlicher Urkunden — und eine solche stellt das Arbeitsbuch einwandfrei dar — Zuchthausstrafe bis zu 10 Jahren verhängt werden. Es kann daher nicht eindringlich genug vor Arbeitsbuchfälschungen gewarnt werden. ben umfassender Aufklärung und Ermahnung zur Vorsicht und Umsicht bei den Abbauarbeiten durch schärfere Ueberwachung der Gruben und Brüche die unfallverhütenden Maßnahmen mit allem Nachdruck gefordert und gewährleistet werden. In Zukunft wird jeder gefahrdrohende Abbaubetrieb gesperrt werden. Der Grubenbesitzer setzt sich außerdem der Gefahr der gerichtlichen Bestrafung aus, Er kann darüber hinaus wegen Unterlassung der notwendigen Sicherungsmaßnahmen, die als ein Raubbau an der Arbeitskraft anzusehen ist, noch in einem ehrengerichtlichen Verfahren aus § 36 des Arbeitsordnungsgesetzes bestraft werden. So hat das Soziale Ehrengericht Sachsen in einem solchen Fall einem Betriebsführer die Befähigung aberkannt, verantwortlicher Betriebsführer zu fein. LPD. Staatsprüfung für den höheren Forst dien st in Hessen. Am 2. November beginnt in Darmstadt die schriftliche Staatsprüfung für den höheren Forstdienst. Gesuche um Zulassung zu dieser Prüfung sind unter Verwendung der gesetzlichen Eingabegebühr bis spätestens 16. Oktober bei der Prüfungskommission, Darmstadt, Adolf-Hitler-Platz 2, einzureichen, die auch alle Auskünfte erteilt. Hitler-Jugend. Bann und Jungbann 116. Die Beitrittserklärungen für den „Theaterring der Hitler-Jugend" find bis zum 27. September auf der Dienststelle des Bannes, Wartweg, abzugeben. Von der Universität. Von der Pressestelle der Ludwigs-Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der Reichs- und Preußische Minister für Wissen« schäft, Erziehung und Volksbildung hat dem Leiter der Hessischen Hauptstelle für Pflanzenschutz in Gießen, Dr. Heinrich Hülsenberg, vom Sommersemester 1937 ab einen Lehrauftrag für Pflanzenschutz in der Philosophischen Fakultät, II. Abteilung der Ludwigs-Universität, erteilt. Ausstellung der oberhessischen Künstler im Gtadtlhealer. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Wie alljährlich, werden auch in dieser Spielzeit graphische Arbeiten und Gemälde im Foyer des Stadttheaters zur Ausstellung gelangen. Die erste Ausstellung wird am Freitag, 24. September, zu Beainn der Winterspielzeit 1937/38 eröffnet. An dieser Ausstellung beteiligen sich alle in Gießen und Umgebung ansässigen Maler und Graphiker. Es ist vorgesehen, während der Spielzeit Kollektivausstellungen einzelner Künstler zu veranstalten. Diese Verkaufsausstellungen werden jeweils eine Dauer von vier Wochen haben. Segelflugzeug-Modellfliegen bei Odenhausen. Schon seit geraumer Zeit beschäftigt man sich in verschiedenen Schulen des Kreises Gießen mit dem Bau von Segelflugzeugmodellen. In vieler Kleinarbeit und mit großer Sorgfalt widmeten sich die Schüler der Bastelarbeit. Manches schöne Flugzeugmodell entstand und bewies bei Modellflugwettbewerben seine Leistungsfähigkeit. Auch in diesem Jahre soll nun wieder ein Segelflugzeug-Modellfliegen stattfinden. Am morgigen Donnerstagvormittag werden sich die Schüler, die Modelle gebaut haben, am Altenberg bei Odenhausen an der Lahn treffen, um ihre Flugzeuge vorzuführen. Das Modellfliegen wird von der Kreiswaltung Wetterau des Nationalsozialistischen Lehrerbundes veranstaltet. Militärmusik in der Montagehalle. Derkskonzerk bei Schafsslaedt G. m. b. H. Die Kreiswaltung Gießen der NSG. „Kraft durch Freude" hatte es am gestrigen Dienstag wieder einmal unternommen, in einem Gießener Industriebetrieb ein Werkskonzert zu veranstalten. Schauplatz der schönen Veranstaltung war die neue Halle der Firma Schaffstaedt G. m. b. H. in der Schanzenstraße, in der sich die gesamte Belegschaft zu einer unterhaltsamen Werkpause einfand. Die Halle war mit Fahnen des Dritten Reiches und mit Fahnen, die die Zeichen der Deutschen Arbeitsfront und der NSG. „Kraft durch Freude" trugen, geschmückt. Auf Werkbänken, mitgebrachten Stühlen, Werkstücken usw. nahmen die Arbeitskameraden des Betriebes zwanglos Platz und folgten mit großer Aufmerksamkeit den Darbietungen des Konzerts. Der Reichssender Frankfurt a. M. war mit seinen Geräten erschienen und übertrug das Konzert. Betriebsobmann Groß hielt zunächst eine kurze Ansprache, in der er alle Arbeitskameraden herzlich willkommen hieß und den Zuhörern am Lautsprecher einen guten Empfang wünschte. Er schilderte dann in knappsten Umrissen den Aufgabenbereich des Werkes. Für die Ausführung des Konzerts hatte sich wieder das Musikkorps des Infanterie-Re- g i m e n t s 116 in ungeigennütziger Weife zur Verfügung gestellt. Die Folge der Darbietungen brachte Märsche, eine Ouvertüre, Charakterbilder, Potpourris, Walzer u. v. a. m. Die Zuhörer dankten für die ausgezeichnete Wiedergabe der Kompositionen immer wider mit anhaltendem Beifall. Kreiswalter Müller von der NSG. „Kraft durch Freude" überbrachte zum Schluß die Grüße der Kreiswaltung der Deutschen Arbeitsfront, dankte dem Musikkorps und seinem Leiter, Musikmeister Wohlfahrt, für die prächtigen Darbietungen und schloß die Werkpause mit dem Gruß an den Führer. Obermeistertag des Großhessischen Schuhmacherhandwerks. Am 18. und 19. September veranstaltete — wie man uns berichtet — die Bezirksstelle Hessen des Reichsinnungsverbandes des Schuhmacherhandwerks :m Hotel Schütz zu Gießen einen Obermeistertag. Während am Samstag die Landeslieferungsgenossenschaft des Schuhmacherhandwerks ihre Generalversammlung abhielt, fanden am Sonntag Strafanzeige bei Verstoß gegen die Arbeilsbuchbestimmnngen. Schwere Strafen für Arbeitsbuchfälschungen. Einstürze, Anglülksfälle in Brüchen und Gruben. Mahnung des Frankfurter Gewerbeaufsichtsamtes zur Unfallverhütung. Heute gibt s hunderttausend Mark für nur 3 Markr In der 5. Klasse der 49. Preußisch-Süddeutschen (275. Preußischen) Klaffenlotterie fiel das,Große Los" mit je 1 Million Mark, in beiden Abteilungen auf die Nr. 196 710. Das nächste „Große Los" kann Ihnen gehören! Das.GroßeLos' der 49. Preußisch-Süddeutschen (275. Preußischen) Klaffenlotterie ist soeben gezogen worden. Je IMillionfiel in beiden Abteilungen auf dieses Glückslos; jeder, der einAchtellos für 3-RM je Klaffe spielte, erhielt nun bare 100.000.— RM — wer einen größeren Losanteil fein eigen nannte, das entsprechend Vielfache dieser Summen Die Preußisch-Süddeutsche (276. Preußische) Klassenlotterie beginnt Schon am 20. Oktober findet die Ziehung der ersten Klaffe statt — insgesamt werden in 5 Klassen 343 000 Gewinne auf 800 000 Lose ausgespielt. Fast jedes zweite Los gewinnt also — der Gewinnplan sieht insgesamt 67.660.180.— Reichsmark vor. Alle Gewinne sind rinlommensteuerfrei, und ein Achtellos kostet nur 3.— RM je Klaffe. Sichern Sie sich noch heute ein Los. Sie erhaüe» es nebst dem amtlichen Gewinnplan bei den staatlichen Lotterie, cinnehmern. Anschriften werden Ihnen auf Wunsch gern mitgeteilt, wenn Sie an die Preußisch-Süddeutsche Staats« lotterie, Berlin W 35, Diktoriastraße 29. schreiben Aue dem Gewinnplan der neuen Lottertee 2 « 1.000.000 2 x 500.000 2 - 300.000 IO - 100.000 2 x 300.000 12 - 50.000 Außerdem 2 Gewinne en |e 75.000.— RM und 842 068 weitere Gewinne im Gesamtbeträge von ai.9Io.18O.« RM D e r Präsident der Preußisch /-/Süddeutschen StaatsloNerle iJEJ.QjNUMMER.ZAHL OHNE GEWAHR FÜR DRUCKFEHIEB neben der eigentlichen Obermeistertagung eine Son- dertaguna der Landesfachgruppe der Maß- und Orthopädieschuhmachermeister und eine Generalversammlung der Wohlfahrtseinrichtungen des ehemaligen hessischen Verbandes statt. Die Schuhmacherinnung Gießen veranstaltete zu Ehren ihrer Gäste am Samstagabend im „Burghof" einen sehr gut besuchten und dank der Mitwirkung von Kräften des Stadttheaters und einer kleinen Musikkapelle wohlgelungenen Kameradschaftsabend. Eine in der Schuhmacherfachschule Gießen veranstaltete kleine Fachausstellung gab Einblick in die geleistete Berufserziehungsarbeit und bot den zahlreichen Gästen wertvolle Anregungen. Der Tagung kommt insofern eine besondere Bedeutung für das hessische Schuhmacherhandwerk zu, als der unter dem 9. 9. 37 von der Reichsregierung genehmigte Paragraph 30b der GO. bekanntgegeben wurde, der eine staatliche Konzessionierung der Orthopädieschuhmachermeister bedeutet. Rach Ende der Tagung traf die Nachricht ein, daß Gießen als nächstjähriger Tagungsort für die Reichsfachgruppe der Orthopädieschuhmachermeister vorgesehen ist. ♦* Zusammenst o ß. Gestern gegen 18 Uhr ereignete sich wieder einmal an der berüchtigten Ecke Liebigstraße/Ludwigstraße ein Zusammenstoß. Ein Omnibus, mit Arbeitern vollbesetzt, der die Ludwigstraße hinauffuhr, geriet mit einem Lastkraftwagen zusammen, der in der Liebigstraße nach der Frankfurter Straße zu fahren wollte. Glücklicherweise ging der Unfall glimpflich ab. Es gab nur Materialschaden. Kotflügel wurden verbeult. Personen wurden nicht verletzt. Große Girafkammer Gießen. Von der Großen Strafkammer in Gießen waren die Eheleute D. aus Alsfeld wegen Kuppelei zu 4 bzw. 1 Monat Gefängnis bestraft worden. Auf die Revision der Angeklagten hob das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache zur erneuten Verhandlung an die Große Strafkammer in Gießen zurück. Ein gewisser $)., der in den Jahren 1935'36 in Alsfeld war, fand Gefallen an der damals 15jähri- gen Tochter der angeklagten Ehefrau, und verstand es, durch allerlei Vorspiegelungen in das Haus der Angeklagten ausgenommen zu werden. Er gab sich u.a. als unehelichen Sohn eines Grafen aus und legte sich den Namen Baron von und zum Habermehl bei. Diese Angaben entsprachen nicht den Tatsachen. Vielmehr handelt es sich bei H. um einen ausgesprochenen, bereits erblich belasteten Psychopathen, der selbst schon einige Vorstrafen auf dem Kerbholz hat. Da die Eltern hier eine gute Partie für die Tochter vermuteten und im übrigen infolge ihrer schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse froh waren, daß die Tochter unter die Haube kam, begünstigten sie das Verhältnis mit allen Mitteln. Die Folge war, daß die nunmehr siebzehnjährige Tochter ein uneheliches Kind von dem H. hat. In der ersten Verhandlung suchten die Angeklagten sich damit herauszureden, daß ihnen die Rechtswidrigkeit ihres Tuns nicht zum Bewußtsein gekommen sei, da die beiden miteinander verlobt gewesen wären. Aus der gestrigen Beweisaufnahme ging jedoch einwandfrei hervor, daß die Tochter von dem H. überhaupt nichts wissen wollte, sondern von den Eltern, insbesondere von der Mutter, geradezu gezwungen wurde, sich mit diesem einzulassen. Die Kammer kam daher zu einer Erhöhung der Strafe und verurteilte die Mutter als Haupttriebfeder zu einer Gefängnisstrafe .von 6 Monaten und den angeklagten Ehemann zu einer solchen von 3 Monaten. Der angeklagten Ehefrau wurden 6 Wochen der Untersuchungshaft angerechnet. * Der H. L. aus Bad-Nauheim war von dem Schöffengericht in Gießen wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 25 Mark verurteilt worden. Auf die Berufung sowohl des Angeklagten, als auch des Nebenklägers wurde die Sache gestern vor der Großen Strafkammer erneut verhandelt. Der Angeklagte besuchte in Bad-Nauheim um die Faschingszeit einen Kappenabend, bei dem man sich bis morgens 4 Uhr aufhielt. An dieser Veranstaltung nahm der Verletzte, mit dem der Angeklagte etwa 8 bis 14 Tage vorher einen Disput mit politischem Hintergrund gehabt hatte, teil. Gegen Morgen gingen die beiden kurz nacheinander austreten. Nach kurzer Zeit kam der Verletzte mit blutüberströmten Gesicht und übel zugerichtet wieder in das Lokal. Die Darstellungen der beiden Beteiligten über den Vorgang gehen naturgemäß stark auseinander. Der Angeklagte behauptete, er sei von dem Nebenkläger mit „Lump" bezeichnet worden, worauf er ihm allerdings eine Ohrfeige versetzt habe. Demgegenüber stellte der Nebenkläger den Vorgang so dar, daß er ganz unmotiviert von dem Angeklagten überfallen, geschlagen und getreten worden sei. Die Beweisaufnahme gestaltete sich, da kein Tatzeuge vorhanden war, recht umfangreich. Die Mehrzahl der Zeugen bezeichnete den Verletzten, der im übrigen auch körperlich behindert ist, als einen friedfertigen Menschen, und hielt es für ausgeschlossen, daß er den Angeklagten zuerst beleidigt habe. Allerdings bekundete ein Zeuge, der Verletzte sei ein Meckerer. Jedenfalls stand außer Zweifel, daß der Angeklagte, selbst unter Zugrundelegung seiner Behauptung, daß ihn der Nebenkläger beleidigt habe, weit über das erforderliche Maß hinausgegangen ist. In Anbetracht der Gefährlichkeit seines Handelns und der Schwere der Verletzungen nahm die Kammer sogar gefährliche Körperverletzung an. Da der Angeklagte jedoch nicht aus unehrenhaften Motiven gehandelt habe, erkannte sie auf eine Geldstrafe von 75 Mark. Amtsgericht Gießen. Der F. C. aus Gießen hatte wegen Uebertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung einen Strafbefehl über 60 RM. erhalten. Gegen diesen legte er Einspruch ein, der gestern vor dem Amtsgericht verhandelt wurde. Folgender Tatbestand lag zugrunde: Der Angeklagte, der am 20. Mai mit seinem Personenkraftwagen die Wetzlarer Straße in Klein-Linden in Richtung Gießen befuhr, begegnete an der Einmündung auf die Fernverkehrsstraße Gießen—Frankfurt einem aus Gießen kommenden Personenkraftwagen. Obwohl dieser vorfahrtsberechtigt war, wurde dies von dem Angeklagten nicht beachtet. Die Folge war ein Zusammenstoß der beiden Wagen, bei dem zum Glück nur Materialschaden entstand. In der Hauptverhandlung erklärte der Angeklagte, daß er die Kreuzung schon passiert hätte, als der andere Wagen auftauchte. Er wurde jedoch durch die Beweisaufnahme einwandfrei überführt. Das Urteil lautete auf dieselbe Strafe. Aus der engeren Heimat. Lustschuh - auch auf dem Lande. ZdR. Luftschutz auf dem Lande? Das ist doch nicht nötig! Feindliche Fliegerstaffeln greifen im Kriegsfälle ja doch nur die großen Städte, die Verkehrs- und Industriezentren an. Wie oft muß man diese grundverkehrte Ansicht hören? Es stimmt allerdings, daß die Wirkung der Sprengbomben in dünnbesiedelten und wenig bebauten Gebieten nur eine geringe sein wird. Es gibt jedoch eine Waffe, mit der man auch in den Dörfern großen Schaden Anrichten kann: die Brandbombe. Wenn ein feindliches Flugzeuggeschwader die Dörfer systematisch bestreut, können gleichzeitig mehrere Brandherde entfesselt und damit schwerste Schäden angerichtet werden. Luftschutz ist deshalb auch eine wichtige Aufgabe für die Landbe- v ö l k e r un g. Das Landvolk hat die Pflicht, die Ernteoorräte zu schützen. Ebenso wie in der Stadt werden auch in den Dörfern im Kriegsfall die feld- dienstfähigen Männer abwesend sein. Für den Selbstschutz kommen deshalb in erster Linie Frauen, Kinder und Greise in Frage. Diese müssen schon jetzt entsprechend ausgebildet werden. Die Gemeinden müssen für Anlage von guten Feuerlöschteichen, Saugschächten und für Bereitstellung von Stau- schützen und Wasserbehältern sorgen. Auch die Verdunkelung spielt auf dem Lande eine große Rolle; deshalb ist auch die Verdunkelungsübung für das Land von besonderer Bedeutung. Schwerer Unfall durch Explosion einer Kohlensäureleitung. * Ranstadt bei Nidda, 22. Sept. In der hiesigen Molkerei ereignete sich gestern ein U n - fall, der verhängnisvolle Folgen nach sich zog. Anscheinend infolge eines Materialfehlers explodierte eine Kohlensäureleitung. Die herumfliegenden Stücke der Leitung trafen unglücklicherweise mit großer Gewalt den 35 Jahre alten Landwirt Heinrich H e r r ch e aus Bobenhau- s e n II, der gerade mit der Milchablieferung beschäftigt war. Landwirt Herrche wurde schwer verletzt; er erlitt insbesondere erhebliche Darmoerletzungen, die seine sofortige lieber» führung in die Chirurgische Klinik zu Gießen notwendig machten. Der bedauernswerte Mann, der schwer darniederliegt, mußte sofort nach seiner Einlieferung in die Klinik einer Operation unterzogen werden. Wie wir auf Anfrage bei der Chirurgischen Klinik erfahren, ist das Bestnden des Verunglückten, den schwierigen Umständen entsprechend, gut. Landkreis Gießen. * Großen-Buseck, 22. Sept. Das achtjährige Söhnchen Kurt des Formers Rohrbach von hier mußte mit einem Bruch des linken Armes in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. wg. Großen-Buseck, 22. Sept. Am gestrigen Dienstag wurde gier das Gemeindeobst versteigert. Die Bäume trugen eine gute Mittelernte. Die Beteiligung an der Versteigerung war sehr stark. Die Preise lagen verhältnismäßig hoch. Für einzelne gut behangene Bäume wurden bis zu 50 RM. geboten. Im Durchschnitt wurden für den Korb Aepfel 3 bis 5 RM. erzielt. Birnen waren ebenfalls viel gefragt, und Bäume, die sonst nur 1 oder 2 Reichsmark brachten, ergaben bis zu 10 RM. Zwetfchen brachten nur eine geringe Ernte, so daß die Einnahme sehr gering war. Nüsse waren sehr billig zu haben. t Saasen, 22. Sept. Die Gemeinde hielt gestern bei stattlicher Beteiligung ihre Obstver - Steigerung ab. Das Obst wurde nur gegen sofortige Barzahlung abgegeben. Es kosteten Aepfel je nach Sorte 8 bis 12 RM., Birnen 4 bis 8 RM. je Zentner. Der Behang der Bäume war nicht sehr reichlich. Immerhin brachte die Obst-Versteigerung der Gemeinde in diesem Jahr einen guten Erlös. — Der hiesige Einwohner Heinrich Dirlamm konnte in seinem Garten einen Rekord-Kür- b i s ernten. Die Frucht hatte das stattliche Gewicht von 1,27 Zentner. + Birklar, 22. Sept. Für die dieser Tage hier eingetroffene Schafherde fand im Rat- haussaal die erste Pferch - Versteigerung statt. Die ersten Nächte wurden mit 50 bis 70 Rpf. bezahlt. Kreis Dehlar. H) Wißmar, 22. Sept. Das Fest der silbernen Hochzeit feiern heute, am 22. September, der Bäckermeister Hermann Ullrich und Frau, geb. Rock. Wegen Totschlags fünf Jahre Gefängnis. Eine Mutter tötete ihre beiden Kinder. Mainz, 21. Sept. (LPD.) Vor dem Schwurgericht Mainz hatte sich die 37jährige Ehefrau Katharina H e u ch e r aus Ober-Hilbersheim bei Oppenheim wegen Tötung ihres sieben Jahre alten Sohnes Reinhold und ihrer sechs Jahre alten Tochter Margarete zu verantworten. Die Angeklagte hatte 1928 nach dreijährigem Verhältnis eine Ehe geschlossen, der die beiden Kinder entsprossen waren. Wie die zweitägige Verhandlung ergab, hatte die Angeklagte vor der Eheschließung das Verlöbnis lösen wollen, dann aber auf Zureden ihrer Mutter doch davon Abstand genommen. Die Ehe wurde nicht glücklich. Die Frau fühlte sich von dem jähzornigen Mann schlecht behandelt und mit Arbeit überlastet. Auch glaubte sie Anlaß zu haben, seiner ehelichen Treue zu mißtrauen. Die Angeklagte rieb sich bei ihren Eifersuchtsvorstellungen körperlich und seelisch auf und faßte 1936 den Entschluß, sich von ihrem Mann zu trennen, gab aber dieses Vorhaben auf Einwirkung ihrer Verwandten wieder auf. Ihre seelische Verfassung ließ dann in ihr den Entschluß reifen, mit den beiden Kindern in den Tod zu gehen. Am Ostermontag dieses Jahres fuhr sie mit den beiden Kleinen nach Gaulsheim und stieß hier von der Brücke eines zum Rhein führenden Flutgrabens erst den Sohn und dann die Tochter trotz deren Schreie ins Wasser, wobei die Kinder ertranken. Die Frau fand nicht mehr den Mut, nun selber Schluß zu machen. Auf ihre Schreie hin wurde sie von einem in der Nähe des Flutgrabens wohnenden Landwirt aufgefunden und ihre Ueberführung ins Krankenhaus in Bingen veranlaßt. Von dort kam sie einen Tag später in Haft. Die Anklage lautete auf vorsätzliche Tötung zweier Menschen durch zwei selbständige Handlungen mit Vorsatz, aber ohne Ueberlegung. Die Verhandlung konnte in der Beweisaufnahme die Anschuldigungen der Angeklagten gegen ihren Ehemann, soweit Handlungen gegen die eheliche Treue in Betracht tarnen, nur in geringem Umfang als berechtigt feftfteüen, dagegen ergab sich, daß es sich bei der Angeklagten um eine höchst sensible, psychopathische Person handelt, bei der, da in ihrer enge- Ruhl Sehersweg Nr. 67 ■ adlO Telephon Nr. 3170 | eparaturen i897ü S ren Familie zwei Fälle von Schwachsinn vorhanden sind, eine gewisse erbliche Veranlagung vielleicht vorhanden ist, die aber im übrigen einen Mangel an äußerer Haltung und an Fähigkeit zum Eigenleben aufweist. Die Zerrüttung der Ehe sei wohl in erster Linie auf die Verschiedenheit der Temperamente und der physisch-psychischen lieber» beanspruchung der Angeklagten zurückzuführen. Das Gericht^erkannte die Angeklagte des Totschlags in zwei Fällen für schuldig und verurkeilte sie unter Zubilligung mildernder Umstände nach § 51 Abs. 2 und § 213 zu je drei Jahren Gefängnis, zusammengezogen zu fünf Jahren ©efäng» n i 5 und den Kosten unter Anrechnung von fünf Monaten Haft. Der Staatsanwalt hatte sieben Jahre Gefängnis beantragt. Die Angeklagte nahm das Urteil an. Zwei Jahre Gefängnis für einen leichtfertigen Kraftfahrer. LPD. Worms, 21. Sept. Die Große Strafkammer verhandelte gegen den Georg Friedrich aus Karlsruhe, der im Sommer diefes Jahres mit seinem Kraftwagen den Arbeiter Schäfer aus Rheindürkheim so stark anfuhr, daß dieser schwer verletzt wurde und bald darauf im Stadtkrankenhaus Worms starb. Der Verunglückte war mit feinem Fahrrad vorschriftsmäßig auf der rechten Straßenseite gefahren, der Angeklagte dagegen geriet, wie fein Beifahrer bestätigte, mehrmals von der rechten auf die linke Straßenseite. Dort faßte er auch den Schäfer, will ihn aber nicht bemerkt, sondern angenommen haben, daß man ihm einen Stein ober einen Lumpen an den Winker geworfen habe, der sich bei näherem Zusehen als eine Männerjacke erwies. Friedrich blieb einige Zeit an der Unfallstelle, an der man — etwa hundert Meter von dem Platz, an dem der Kraftwagen zum Halten gebracht wurde — den schwerverletzten Schäfer aufgefunden hatte. Der Angeklagte gibt an, er hätte gemeint, es handle sich um einen Toten, und er fuhr davon, ehe die Polizei eintraf. Aus diesem Grunde wurde ihm auch der Vorwurf der Fahrerflucht gemacht. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Gefängnis und wegen Fahrerflucht zu drei Monaten Gefängnis und zog beide Strafen zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und einem Monat Gefängnis zusammen. Kirche und schule. Dienstnachrichten der Ev. Landeskirche Nassau-Hessen. EPNH. Ernannt wurden: Der Pfarrvikar Karl Philipp zu Bad Wimpfen, Dekanat Zwingenberg, zum Pfarrvikar in Alsfeld (2. Pfarrei), Dek. Alsfeld, mit Wirkung vom 16. August ab; der Pfarrverwalter Otto Desch zu Ortenberg, Dekanat Büdingen, zum Pfarrer dieser Gemeinde mit Wirkung vom 1. September 1937 ab, unter Bestätigung feiner Präsentation durch den Kirchenpatron, Christoph-Martin Fürst zu Stollberg-Roßla; der Pfarrverwalter Fritz Mohn zu Alsheim, Dek. Oppenheim, zum Pfarrverwalter der Pfarrei Kelsterbach, Dek. Groß-Gerau, mit Wirkung vom 1. September 1937 ab; der Pfarrvikar Friedrich Faubel zu Worms, Dek. Worms, zum Pfarrverwalter der 2. Pfarrei Neu-Isenburg, Dek. Offenbach a. M., mit Wirkung vom 1. September 1937 ab. In den Ruhestand versetzt wurden auf eigenen Antrag: der Pfarrer Robert Landmann zu Gettenau, Dek. Hungen, mit Wirkung vom 1. Oktober 1937 ab; der Pfarrer Karl Kl ö s zu Bauschheim, Dekanat Groß-Gerau. momMit! Roman von Bernhard Lonzer. Urheberrechtsschutz: Arthur Moewig, Romanoertrieb, Berlin SW 68. 22 Fortsetzung (Nachdruck verboten.) „Ich werde mich schnell fertigmachen. Bin gleich wieder zurück." Damit verschwand er eilig. Jetzt hatte er keine Ursache mehr, sich Zwang aufzuerlegen. Ein verkniffener Zug lag um seine Mundwinkel. Die ganze Gesellschaft hier hielt ja wie Pech und Schwefel zusammen! Als er kurze Zeit darauf zurückkam, saß Anne- lore bereits im Wagen, der eben anziehen wollte. Gr winkte mit der Hand und kam in langen Sätzen heran. Friedrich zögerte unentschlossen und sah sich fragend nach Annelore um. Da war Wolfersdorfs schon heran. „Sie nehmen mich doch mit, Fräulein Hildach, nicht wahr?" Bevor Annelore antworten konnte, hatte er schon den Wagenschlag geöffnet. Er flieg ein und ließ sich ihr gegenüber auf dem Rücksitz nieder. „Das ist ja nett. Dielen Dank. Ich muß nämlich auch in die Stadt. Der Braune hustet ein bißchen, und da möchte ich ihn heute gern mal schonen." Annelore hatte sich notdürftig wieder gefaßt. Aber ihr Gesicht drückte nicht gerade Entzücken aus. Wolfersdorfs schien es nicht zu bemerken. „Kleine Dienstreise?" forschte er Sie muSte notgedrungen antworten. „Ich hcwe ein paar Einkäufe für die Klinik zu machen." „Ein interessanter Berus, denk« ich mir. Aber wohl ein bißchen anstrengend?" „Durchaus nicht. Und ohne Mühe ist ja schließlich keine Arbeit, soll sie ja auch nicht sein." „Allerdings. Aber ein bißchen einsam ist es hier draußen. Sie haben freilich — erfreulicherweise — gewissermaßen Familienanschluß gefunden. Sehr anerkennenswert von den Herrschaften, daß sie sich Ihrer ein bißchen annehmm. Unsereiner hat es in dieser Beziehung bedeutend schlechter. Wenn man sich auch daran gewöhnt hat, auf sich selber angewiesen zu fein, bös ist es doch, wenn man so gar keinen Menschen hat, an den man sich anschließen kann. Noch böser ist es, wenn man sehen muß, daß die Menschen, die einem wirklich sympathisch sind, einem geradezu ausweichen. Absichtlich oder unbewußt — wer weiß das!" Eine kleine Pause entstand. Annelore verstand nur zu gut, was er meinte. Und sie fand, daß der elegische Ton, dessen er sich auf einmal bediente, gar nicht recht zu ihm vassen wollte. Wolfersdorff sah ihr forschend in das abgewandte Gesicht. „Ich man hier so mißtrauisch gegen Fremde?" „Das habe ich bis jetzt nicht finden können." Wieder schlich sich eine Pause ein. Der Wagen glitt an den verschneiten Gärten einer kleinen Gartenkolonie vorbei. Die Stadt war nabe. „Wie machen wir es mit der Rückfahrt?" begann Wolfersdorfs wieder. „Haben Sie lange zu tun, Fräulein Hildach?" „Nein. Mit dem Wagen geht es ja schnell. Eine halbe Stunde vielleicht." „Hm... Wie wäre es — wäre es Ihnen recht, wenn ich vorschlagen würde, daß wir uns vor dem Caf6 am Markt treffen? Oder vielleicht im Coss? Es wäre doch nett, roenn wir bei der Gelegenheit noch ein halbes Stündchen für uns herausschlagen könnten —" Annelores Gesicht drückte entschiedene Ablehnung aus. „Bitte, verstehen Sie mich nicht falsch, Fräulein Hildach", beugte Wolfersdorfs sich vor. „Ich möchte natürlich nicht etwa aufdringlich erscheinen, aber ich würde mich wirklich aufrichtig freuen, wenn Sie mir mal ein halbes Stündchen schenken würden. Man möchte doch gern mal unbeengt mit einem sympathischen Menschen plaudern." „Da muß ich Sie leider enttäuschen, Herr Wolfersdorfs. Meine Zeit ist sehr knapp bemessen." „Gehl es wirklich nicht?" „Wirklich nicht. Ich habe es sogar sehr eilig. Wir haben gleich nach Tisck, eine schwierige Operation, und da muß alles andere vorher erledigt werden. Ich muß unbedingt sofort zurück. „Ach, das ist wirklich schade", gab er enttäuscht turi-ct „Ja, wie machen wir es da nur gleich? Kommen Sie doch wenigstens auf der Rückfahrt dort vorbei, ja? Meine Angelegenheit ist schnell erledigt. Ich warte dann im Caf6, bis Sie Vorfahren." Sie schien zu überlegen. „Ich will sehen, ob es sich einrichten läßt." „Bitte!" Vor einer Maschinen- und Werkzeughandlung stieg er aus. Annelore fuhr weiter. Ihre 'Einkäufe gingen rasch vonstatten, nach etwa zwanzig Minuten war sie damit fertig. Als sie aus der Kreuz-Apotheke trat und auf den Wagen zuging, stoppte gerade ein hellgrauer Wagen ab, da die Durchfahrt nicht frei war. Sie wollte eben einsteigen, als sie angerufen wurde. Ueberrascht wandte sie sich zur Seite. „Ach, Suse — du? Das trifft sich ja herrlich. Hast du Zeit für mich?" „Aber natürlich. Stunden, wenn du willst." „Nein, so lange nicht. Nur zehn Minuten hin und zehn zurück. Falls du dich nicht weiter aufhalten willst —" ,^Ja, wie denn...?" „Du sollst mich nach Hause fahren." „Gern, natürlich. Kommt doch gar nicht darauf an. Aber du bist doch mit dem Wagen hier —" „Allerdings. Aber für den hätte ich augenblicklich andere Verwendung. Augenblick mal, ja?" Sie trat zu ihrem Wagen zurück. „Frau Vollrath nimmt mich mit, Friedrich. Wenn Sie den Inspektor abholen wollen — er wartet im Gaf£ am Markt." Mit einem diskreten, aber verständnisvollen Schmunzeln nahm Friedrich den Aufttag entgegen. Die Freundinnen sprachen wenig miteinander, solange sie sich im Stadtbereich befanden. Als dann aber die letzten Häuser hinter ihnen lagen, bemerkte Suse: „Aufhalten kann ich mich wirklich nicht, Annelore. Ich kann nicht mal guten Tag sagen. Man wird mir's ja nicht Übelnehmen. Was macht denn Onkel Wolfgang? Und was macht der hohe Chef?" Annelore sah in die schneeflimmernde Weite. „Wintergewitter sind selten, aber um so schwerer, Suse, nicht wahr?" fragte sie nach einer Weile zurück. Suse wußte offenbar nicht, was sie denken sollte. „Das ist ja eine komische Antwort auf meine Frage." „Es ist schon eine Antwort. Ich fürchte, es hängt ein schweres Gewitter über Schloß Achenbach. Wehe denen, die es trifft...!" „Ja, aber, Mädel — was ist denn...? So sprich doch nur!" „Ich weiß nicht, ob das setzt der richtige Augenblick ist. Du bist sehr impulsiv veranlagt — es könnte fein, du fährst uns gegen den ersten besten Baum." „Ach, Unsinn! Red' doch nur! Du machst einen ja erst nervös." Unentwegt sah Annelore in die Weite „Gloria Rettner ist nämlich da...", kam es von ihren Lippen. Für einen Augenblick schien diese Eröffnung Suse die Sicherheit zu nehmen. Dann hatte sie sich wieder in der Gewalt. Nur die Stimme verriet ihre Erregung. „Gloria Rettner...? Da, sagst du? Wo denn um Gottes willen?" „Im Schloß. In unserer Klinik. Heute nach Tisch wird sie operiert." „Ja, aber ... das ist ja ... wie kann Stefan denn nur ...!" „Er ist selber von der Tatsache überrumpelt roor» den. Er konnte ja nicht wissen, daß sie jetzt die Frau des Konsuls Bruckner ist." „Ah — so ...I Aber trotzdem. Das ist ja ent» setzlich. Da kann es einem ja himmelangst werden." Annelore gab keine Antwort. Auch Suse schwieg jetzt. Stumm verlief der Rest der Fahrt. Als der Wagen auf dem Schloßhof hielt und Annelore ausgestiegen war, sprang auch Süss heraus. „Ich muß nun doch schnell mal zum Onkel hinauf« springen. Sehen wir uns nachher noch? Sonst ein andermal, mein Mädel." „Ich habe zu tun, Suse. Ein andermal also. Auf Wiedersehen!" Das Mittagessen verlief ziemlich schweigsam. Stefan schien mit seinen Gedanken schon ganz bei der bevorstehenden Operation. Er aß hastig und sicht- lich ohne Appettt. „Es ist Zeit, Fräulein Hildach", sagte er bann und schob feinen Teller zurück. Schweigend erhoben sich beide. - _ Fortsetzung foint. Kußball-Gaukampf Württemberg - Hessen. In der Stuttgarter Adolf-Hitler-Kampfbahn wird am kommenden Sonntag im Anschluß an die großen internationalen Leichtathletikkämpfe ein Fußball-Gaukampf zwischen Württemberg und Hessen ausgetragen. Beide Gaue waren bemüht, ihre besten Spieler für diese Begegnung, die beiderseits als eine Art Generalprobe für die kommenden Spiele um den Reichsbundpokal angesehen wird, aufzu- bieten. Die Schwaben, bei denen man eigentlich nur den bejahrten Rutz und den verletzten Bökle vermißt, rechnen natürlich in heimischer Umgebung mit etriem Sieg, aber ebenso hoffen die Hessen, die mit Sonnrein, Pape und Lippert ein famoses Schlußdreieck zur Stelle haben werden, mit einem erfolgreichen Abschneiden. So ist ein spannender Kampf gewährleistet, den folgende 22 Spieler aufnehmen werden: Württemberg: Schnaitmann (VfB. Stuttgart); Seibold (VfB. Stuttgart), Jansen (Stuttgarter SC); Kraft (VfB. Stuttgart), Ribke (Stuttgarter Kickers), Schädler (Ulmer FV. 94); Baier (Stuttgarter Kickers), Koch (VfB. Stuttgart), Seitz (Kornwestheim), Eystele (Stuttgarter SC.), Schrode (Sportfreunde Eßlingen). Hessen: Sonnrein (FC. Hanau 93); Pape (Spv. Kassel), Lippert (Spog. Gießen 1 900); Reinhardt (FC. Hanau 93), Eisenreich (VfB. Friedberg), Stiel (Hessen Hersfeld); Bonard (Hessen Hersfeld), Brüssel (Spv. Kassel), Markert, Jordan, Kleim (alle SC. 03 Kassel). * Die Fußball-Jugend im Kampf um die Punkte. Die Spiele der Fußballjugend des Kreises Gießen sind wie folgt eingeteilt: 26. September: Klein-Linden — Spielvereiniaung 1900 II; Muschenheim — Großen-Linden; VfB.- Reichsbahn III — Staufenberg; Spieloereinigung 1900 — Rodheim; Krofdorf — Watzenborn-Steinberg; Steinbach — Ettingshausen; VsB.-R. — Leihgestern; Wieseck — Grünberg; Saasen — Lollar; Großen-Linden II DsB.-R. II; Wieseck — VfB.- Reichsbahn IV. 10. Oktober: VfB.-Reichsbahn II — Spielvereiniaung II; Muschenheim — Lich; Staufenberg — Wieseck II ;DfB.-R. — Spielvereiniaung 1900; Heuchelheim — Krofdorf; Rodheim — Watzenborn- Steinberg; Großen-Linden — Hungen; Garbenteich gegen Ettingshausen; Großen-Buseck — Wieseck; Lollar — Alten-Buseck; Klein-Linden — DfB.- Reichsbahn III. VII. Großer Masaryk-Preis. Deutsche Rennwagen ohne Gegner. Der Große Masaryk-Preis bei Brünn am kommenden Sonntag ist — wie so viele andere Große Preise — seit dem Geburtsjahr der neuen deutschen Rennwagen immer eine Angelegenheit der deutschen Auto-Industrie gewesen. Hans Stuck auf Auto-Union schlug 1934 den Italiener Fagioli auf Mercedes-Benz und im folgenden Jahr legte dann der junge Bernd Rosemeyer auf Auto-Union den Grundstein zu seiner phantastischen Siegesserie Rach einer einjährigen Pause erlebt nun dieser Große Preis der Tschechoslowakei, der von dem kürzlich verstorbenen tschechischen Altpräsidenten Masaryk gestiftet wurde, am kommenden Sonntag seine siebente Austragung. Schauplatz ist wieder die 29,142 Kilometer lange Masaryk-Strecke bei Brünn. Die Distanz geht über 15 Runden (437,130 Kilometer). Man kann getrost wieder einen klaren Sieg der deutschen Silberpfeile voraussagen. Das wird noch Gpielvereinigung 1900 (Hieben. Obwohl sich die 1900er Leichtathleten unter den obwaltenden schlechten Witterungsverhältnissen nicht in vollem Maße zur Geltung bringen konnten, wie unter regulären Verhältnissen, war ihr Start recht erfolgreich. Am besten machten die Mittelstreckler ihre Sache. Hans Peters gewann die 800 Meter in 2:06 Minuten klar vor E. Reidel (Tv. Heuchelheim). Ebenso sicher siegte Heinz K l e e m a n n über 1500 Meter Klasse I. Kleemann belegte auch noch über 400 Meter einen zweiten Platz vor Fischer (VfB.-Reichsbahn Gießen). Bei den Sprintern kam Franz Koch auf den zweiten Platz über 200 Meter Klasse I hinter dem vorzüglichen Jung (VfB. Diez) und vor Ulm (Tv. Heuchelheim). Die 100 Meter Klasse II sahen August Niemann knapp an dritter Stelle. Sieger dieses Laufs war der bekannte Frankfurter J.-G.-Mann Maerten. In der Olympischen Staffel erkämpften sich die 1900er in der Aufstellung Peters, Willi Koch, Franz Koch, Kleemann einen schönen Sieg über den Fußballsportverein Frankfurt. In der 4 X 100-Meter-Staffel hingegen mußten sie mit ersatzgeschwächter Mannschaft den Frankfur- dadurch erleichtert, daß die bekannten italienischen Fabrikfahrer Nuvolari, Brioio und Siena diesmal dem Start fernbleiben. So besteht die Gegnerschaft der Deutschen nur aus den Privatfahrern Sof- fi etti - Italien (Maserati), Rue sch - Schweiz (Alfa Romeo) und Hartmann- Ungarn (Maserati). Klar, daß die Deutschen hier nichts zu fürchten haben. Mercedes-Benz hat seine Streitmacht außerordentlich gut in Schuß, das haben aerobe die letzten hervorragenden Erfolge schlagend bewiesen. Caracciola, M. von Brauchitsch, Hermann Lang und Richard Seaman stellen ein Quartett dar, das in wunderbarer Ausgeglichenheit die besten Kräfte vereint. Nicht so schlagkräftig, aber natürlich gefährlich genug, erscheint die Mannschaft der Auto-Union, die nach dem Ausscheiden Stucks aus Bernd Rosemeyer, Achille Barzi und H. P. Müller besteht. Dreiländerkampf im Kleinkaliberschießen. Seit 1933 findet alljährlich der Fernkampf der Kleinkaliberschützen Deutschlands, Englands und der Vereinigten Staaten statt. Nachdem der erste Wan- derpreis 1935 von USA. endgültig gewonnen wurde, stiftete eine deutsche Firma im Vorjahr einen zweiten Wanderpreis, den die Amerikaner diesmal zu verteidigen haben. Verlangt werden 40 Schuß liegend freihändig über 50 Meter und Zehner-Ringscheiben. tern den Vortritt lassen. Die Jugend hatte ihre erfolgreichsten Leute in Berthold Goß und Karl Röhm. Ersterer wurde jeweils Zweiter im Kugelstoßen (14,10 Meter) und Speerwerfen (43 Meter), Röhm kam in 2:11,3 Minuten über 800 Meter hinter dem vorzüglichen Frankfurter Nachwuchs auf den dritten Rang vor Gemmer (VfB.-Reichsbahn Gießen). Bei den Frauen hielten sich in Anbetracht der starken Konkurrenz Margret Lösch im 100- Meter-Lauf (Dritte in 14,4 Sekunden) und Elly Richtberg im Hochsprung (Dritte mit 1,30 Meter) recht ansprechend. VfB.-Reichsbahn-Leichiathletik Am vergangenen Sonntag startete der DfB.-R. mit einer Mannschaft in Weilburg. Bei regnerischem Wetter konnten die Kämpfe nur unter ungünstigsten Umständen durchheführt werden, was sich in den Leistungen ausdrückt. Der VfB. trat in der Hauptsache mit Jugendlichen und Frauen an, die sich auch gut schlugen. Bei den Aktiven waren es besonders Herrmann, Pfaff und Stürmer, die mit guten Leistungen aufwarteten. Insgesamt errang der VfB.-R. 3 erste, 5 zweite u. 9 dritte Siege. Heimische Leichtathleten in Weilburg erfolgreich. Ergebnisse: Kugelstoßen, Klasse I: 1. Herrmann, VfB.-R., 13,38 Meter; 2. Borrmann, Wiesbaden, 13,12 Meter- 3. Werner, Weilmünster. — Weitsprung, Klasse I: 1. Herrmann, VfB.-R., 6,29 Meter. — 1500 Meter, Klasse I: 2. Pfaff, VfB.-R., 4:36 Min. — 3000 Meter, Klasse I: 3. Stürmer, DfB.°R. Bei den Frauen ist besonders Gertrud Muhl zu nennen, die im Kugelstoßen 9,40 Meter erreichte und damit Dritte wurde. Diese Leistung bedeutet Vereinsbestleistung. Luise Weber wurde Dritte im Wcitsprung mit 4,42 Meter. Die Frauenstaffel setzte sich diesmal nicht durch. Aber zur UeberraschunH wurde die ebenfalls gemeldete Mädchenstaffel bet den Frauen im Endlauf Dritte. Die Juaendlichen wurden in der 4X100- Meter-Staffel Dritter und in der Schwedenstaffel Zweiter. In den Einzelkonkurrenzen belegte E. Oehler im Hochsprung den 3. Platz mit 1,50 Meter. Gemmer, Schwarz, Gilbert, die als B-Jugendliche in der A-Klasse starten mußten, konnten sich hier reicht richtig zur Geltung bringen. Kurze «Sportnotizen Die letzten deutschen Meisterschaften im F r e i st i l r i n g e n , die im Mittel-, Halb- schwer- und Schwergewicht am kommenden Wochenende in Flensburg ausgetragen werden, vereinen die 17 besten deutschen Freistilringer im Kampf, so die Dorjahrssieger Laudien (Ilsenburg), Siebert (Mainz) und Hornfischer (Nürnberg). Deutsche Berufsboxer werden in der nächsten Zeit in England durch die Seile klettern. Europameister Arno Kölblin tritt am 29. Oktober in London gegen den Engländer Philipps an und unser Federgewichtsmeister Karl Beck (Düsseldorf) kämpft am 30. September in Liverpool gegen Ginger Foran (England). Schreiber/Blersch, die mehrfachen deutschen Meister im Zweier-Radball, beteiligen sich am kommenden Samstag und Sonntag an einem internationalen Turnier in Wiesbaden. Die Frankfurter starten dann noch in Bonn (16. Oktober), Wickrath (17. Oktober) und Frankfurt a. M. (23. Oktober). Walter von Hütschler belegte bei den »m um die StarbootMeltmeisterschaft im sland-Sund den zweiten Platz hinter dem amerikanischen Boot „Lecky". Der Deutsche siegte auch in der fünften Wettfahrt, so daß er also vier von fünf Fahrten gewann. Metze und Krewer starten am 26. September auf der Pariser Buffalobahn, wo sie zusammen mit dem Italiener Severgnini einen Steherkampf „Ausland gegen Frankreich" bestreiten. Ihre Gegner sind Lacquehay, Paillard und A. Wambst. <3IESSEN*MÄU5BUR Gl ö 6147 A Das Vielerlei hübscher Wollwaren das wir zu dem Beginn der neuen Saison zeigen, verdient auch Ihr Interesse. Da sind zum Beispiel: Damen-Bolero r nr sehr preiswert.. M. 0-/0 Damen-Pullover w nr moderne Form . M. / •/ d Damen-Weste «a aa solide Qualität M. HLyU Dam.-Strickkleid aa sportliche Form M. ZLUU Dam.-Strickkleid Ar aa modisch gearb. M. ZO»UU Zuckerkranke finden einegroßeAuswahl ärztlich anerkannter Nährmittel i. Reformhaus Gießen Kreuzplatz 5 eioeD iptebsl täglich frisch l^°v Kellerei Schäler Bleichstrnße 8 Geschäftskarten bei Brühl,Gießen Wir zeigen in einer Sonderschau gebrauchter Fahrzeuge vom 18. bis 25.Sept, einige besonders gute und hochwertige Wagen. U. a. HORCH, AUDI u. WANDERER Frankfurt a. M. 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Die G. muß meist die Partei tragen, die einen Prozeß verliert, ebenso die Kosten, die der anderen Partei entstanden sind (Anwaltskosten, Zeitversäumnis, Zeugengebühren). Wird der Prozeß teils gewonnen, teils verloren, so werden die Kosten meist entsprechend verteilt. Der Kläger muß einen Kostenvor- schug zahlen, wenn ihm nicht das Armenrecht bewilligt ist (siehe dort). Will sich die Frau scheiden lasten, so kann sie vom Mann verlangen daß er ihr Prozeßkosten vorschießt. Gerichtsstand ist maßgebend für die Erhebung der Klage. Fast alle Klagen kann man im so- genannten allgemeinen Gerichtsstand, d. i. das Gericht, in dessen Bezirk der Beklagte wohnt, erheben. Scheidungsklagen mästen bei dem Landgericht erhoben werden, in besten Bezirk der Mann seinen Wohnsitz hat. Ist der Mann im Ausland, so kann die Scheidungsklage bei dem Landgericht erhoben werden, in besten Bezirk der Mann in Deutschland seinen letzten Wohnsitz gehabt hat. (S. Ausländerehe.) Gerichtsvollzieher. Dem E. muß man den Eintritt in die Wohnung gestatten. Er hat das Recht, sämtliche Räume und Behältniste in der Wohnung zu durchsuchen. Es hat keinen Zweck, mit dem E. zu streiten, er tut nur seine Pflicht. Glaubt man. der G. handle unrecht, so wende man sich an das Amtsgericht (Vollstreckungsge- richt). Siegel und andere Pfandzeichen, die der G. angebracht hat, darf man unter reinen Umständen ohne ausdrückliche Erlaubnis entfernen, auch wenn man die Schuldsumme schon bezahlt hat, sonst macht man sich strafbar. Gerinnen nennt man das Fest- werden bestimmter (kolloidaler) Flüssigkeiten, wie bei Blut durch die Bildung von Vlutfaserstofs und bei Milch durch Zusatz von Lab zu Kasein. Eiweiß gerinnt, wenn es zu schnell heißen Speisen zugesetzt wird. Geronnene Milch kann immer noch verwertet werden. War die Milch ungekocht, so ist sie als Dick- milch (Stockmilch) sehr erfrischend. Aus ihr kann auch Quark bereitet werden. Gerson-Diät, kochsalzarme, Mineralien- und vitaminreiche Kost, die vornehmlich bei Tuberkulose- Kranken angewandt wird. Gerste, Eetreidegras, deren Korn zu Brot verarbeitet und als Graupen, Grütze sowie gebrannt als Kaffeeersatz verwendet wird. Gerstenkorn, entzündliche Anschwellung des Lidrands durch Vereiterung des Haarbalgs einer Wimper oder kleinen Drüse des Augenlides. Behandlung: Heiße Umschläge fördern die Reifuna, evtl, durch den Arzt öffnen lallen. Richt daran reiben! Gertrud, weiblicher Vorname germanischer Herkunft mit der Bedeutung „die mit dem Speer umzugehen weiß". Suchen Sie em Geschenk? Für die Hausfrau, die Mutter, den Vater oder einen Herrn? Kommen Sie dann zu Häuser! Sie werden immer etwas Geeignetes finden, mit dem Sie viel Freude machen werden. Ob zum Geburtstag, Verlobung oder Hochzeit — das Geschenk immer von 3- B. Hauser, Gießen, am Oswaldsgarlen, Fernsprecher 2145/2146. Rhein-Mainische Börse. rNittagsbörse uneinheitlich. Frankfurt a. M., 21. Sept. Die Börse lag tim Aktienmarkt zwar uneinheitlich, die Grundtendenz war indessen etwas fester und die Geschäftstätigkeit war lebhafter, wenn auch das absolute Ausmaß der Umsätze noch einen kleinen Umfang hatte. Es zeigte sich jedoch etwas mehr Unternehmungslust, wobei stark beachtet wurde, daß das herauskommende Angebot verhältnismäßig gute Aufnahme fand. Vorbörslich war man auf Grund der starken Kurseinbrüche an den gestrigen Auslandsbörsen eher schwächer gestimmt. Die Schwankungen betrugen im Durchschnitt 0,50 bis 1 v. H. und glichen sich nach beiden Seiten aus. Etwas lebhafter waren IG. Farben mit 161,25 bis 160,75 dis 161 (160,50), Rütgerswerke waren um 2 v. H. erholt auf 150 und Metallgesellschaft blieben gesucht mit 153,50 (152,50). Don Elektrowerten lagen AEG. 0,65 v. H., Lahmeyer 1 o. 8). schwächer, die übrigen Papiere etwa 0,25 bis 0,50 v. H. freundlicher. Am Montanmarkt ergaben sich meist Besserungen um 0,25 bis 0,50 o. 8)., Mannesmann 121 (120,25), Hoesch aber 122,75 bis 122,50 (123). Mafchinen- und Motorenwerte gaben vorwiegend bis 1 o. 8). nach, Rheinmetall jedoch 0,40 v. 8). höher. Bon Einzelwerten erhöhten sich AG. für Verkehr, Deutsche Linoleum, Zement Heidelberg, Bemberg und Feinmechanik Zetter etwa bis 0,50 v. H., dagegen Hanfwerke Füssen 1 v. H. niedriger mit 125. Größere Umsätze vollzogen sich schon vor der Kursfeststellung in Dresdner Bank-Aktien. Auch im Freiverkehr war das Geschäft etwas lebhafter. Der Rentenmarkt lag still. Etwas lebhafter Kommunal-Umschuldung mit 94,65 und 94,70. Rhein. Städte-Altbesitz wurden zu 132,25 gesucht, späte Schuldbuchforderungen unverändert 99. Reichsaltbesitz kamen mit 127,90 (128) zur Notiz. 4,50 v. H. Reichsbahn-Schatz von 1935 100,13 (100,30). Liquidationspfandbriefe waren gefragt und überwiegend 20 Pfennig höher. Rheinische plus 0,40 v. 8). auf 101,65, Nassauische weiter abbröckelnd im Zusammenhang mit der bevorstehenden Verlosung auf 100,90 (101). Stadtanleihen zogen teilweise 0,25 bis 0,40 v. H. an, 4,50 v. H. Mainz von 1928 98,25 (97,90), 4,50 v. H. Darmstadt von 1926 97,75 (97,50), von 1928 98 (97,75). Industrie-Obligationen lagen uneinheitlich. Im Verlause wurde das Geschäft am Aktienmarkt wieder sehr klein. Die Tendenz blieb uneinheitlich, es überwogen aber Rückgänge von 0,50 bis 1 v. H. Von später notierten Werten gaben Aschaffenburger Zellstoff 2 v. H. nach auf 145, Schiffahrtsaktien gingen bis 0,65 v. H. zurück, um aber später bis über 1 v. H. anzusteigen, Kali Salzdetfurth um 1 v. H. auf 161, wogegen Licht 6r Kraft 1,50 v. H. höher lagen mit 153,50. Von Großbanken Dresdner Bank bei größeren Umsätzen 113 (112,75), die andern unverändert. Im Freiverkehr wurden genannt: Wayß & Freytag 147,50 bis 149,50, Verein. Pinsel Nürnberg 72,50 Geld, Katz & Klumpp 110,50, Din gier 89. — Tagesgeld leicht mit 2,50 (2,75) o. H. Abendbörse beruhigter. Gegenüber den tiefsten Kursen am Berliner Mittagsschluß zeigte die Abendbörse eine leichte Erholung, da einige Rückkäufe, sowie kleine Deckungen erfolgten. Die Erholung an den Auslandsbörsen fand Beachtung. Indessen war die Kursgestaltung noch ziemlich unregelmäßig und gegen den Frankfurter Mittagsschluß waren in Anpassung an Berlin noch überwiegend Rückgänge von 0,25 bis 0,50 v. H. festzustellen. Am Montanmarkt gingen Hoesch um 1 v. H. auf 120,75, Rheinstahl 0,25 v. H. auf 152,50, Mannesmann auf 119,50 bis 119,90 (120) zurück, Verein. Stahl lagen mit 116 unv., jedoch 0,25 v. H. über Berlin. IG.-Farben erholten sich auf 161,25 (160,75), Bemberg auf 148,75 (148). Holzmann notierten mit 151 (151,50, aber 149,75 in Berlin), ferner gingen Schuckert auf 170,50 (171,40), Rheinmetall auf 150,75 (151,50), Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 21. Sept. Auftrieb: 574 Kälber (gegen 835 am letzten Dienstagsmarkt), 230 (181) Hämmel und Schafe, 2750 (2280) Schweine. Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in Mark: Kälber a) 62 bis 65 (am 14. 9. 62 bis 65), b) 54 bis 59 (54 bis 59), c) 47 bis 50 (44 bis 50), d) 37 bis 40 (27 bis 40); Hämmel b) 47 bis 51 (46 bis 52), c) 42 bis 46 (43 bis 46), d) 35 bis 40 (37 bis 42); Schafe a) 37 bis 45, (36 bis 44), b) 31 bis 36 (25 bis 35), c) 20 bis 30 (20); Schweine a) 56 (56), bl) 56 (56), b2) 56 (56), c) 55 (55), d) 52 (52); Sauen gl) 56 (56), g2) 54 (54). — Marktverkauf. Kälber und Schweine zugeteilt. Hämmel und Schafe mittel. Frankfurter Obst- und Gemüfemarkt. Frankfurt a. M., 21. Sept. Auf dem Obst- mar k t ist das Angebot von Aepfeln und Birnen weiter reichlich, auch sonst blieben die Anlieferungen ausreichend. Geringes Angebot lag noch in Zwet- schen und Pfirsichen vor. Quitten kamen erstmals in kleinen Mengen an den Markt. Walnüsse haben steigendes Angebot. Vom Auslande wurden besonders Trauben reichlich angeliefert sowohl aus Bulgarien als auch aus Italien. Das Geschäft nahm nur teilweise einen befriedigenden Verlauf, während die Preise gegen die Vorwoche nur unwesentliche Aenderungen erfuhren. Der Gemüsemarkt hatte gutes Gesamtangebot.. Nur Blumenkohl war der Jahreszeit entsprechend verhältnismäßig knapp. Besonders reichlich werden weiterhin Tomaten angeliefert. Der Absatz gestaltete sich überwiegend nur schleppend. Mit Ausnahme von Bohnen und Spinat, für die die Preise leich zurückgingen, traten keine Veränderungen ein. Bohnen (Busch) 18 bis 22 (20 bis 25), Stangenbohnen 25 bis 28 (25 bis 30), Gelbe (Wachs) Bohnen 25 bis 28 (25 bis 28), Spinat (Blätter) 15 bis 17 (14 bis 18), do. Wurzel 14 bis 16 (14 bis 18) Mark je 50 Kilogramm. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Retchsbankdiskont 4 o H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Darum 5% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 1/2% Deutsche Reichsschatzanwei- sungen von 1935 ......... 4Yi% Deutsche Reichsschatzanweisungen von 1935, II. Folge ... 4%% Deutsche Reichsichatzanwei- sungen von 1936, III. Folge .. 6*zz% Dlu>ng Anleihe von 1930 .. 4yz% Hessische Bolksstaal von 1929 4*4% Deutsche Reichspostichay von 1934 I...................... 4Vt% Deutsche Reichsbahnschatz von 1936 I...............V. Reichsanleihe-AItbesih.......... Lberhessen Provinz-Anlethe mit Auslos.-Rechten.............. *y2% Hess. Landesbk. Darmstadt Goldvfe. R. 12.............. 5y2% Hess. Landes-Hyp.-Banl Liqu. Goldpfe. .............. ei Buenos Aires ... ......... 0,749 0,753 0,749 0,753 Brüssel......... 41,94 42,02 41,94 42,02 dito de Janeiro .. 0,160 0.162 0,160 0,162 Polen.......... 47,00 47,10 47,00 47,10 Kopenhagen..... 55,19 55,31 55,16 55,28 Danzig......... 47,00 47,10 47,00 47,10 London ........ 1 f) 19,355 19.385 HelsingforS...... 5 47 5,48 5,465 5,475 Paris.......... 8,442 8,458 8,437 8.453 Holland........ 137,44 137,72 137,64 137,92 Italien......... 13,09 13.11 13,09 13,11 20-September 21 .September ÄinllicheRvlieriin» ÄmmcheRvilerung ifiplt Bries Geld I Brie» Japan.................... 0,720 0,722 0,720 0,722 Jugoslawien .............. 5,694 5,706 5,694 5,706 Ööio ..................... 62,12 62,24 62.09 62,21 Wien..................... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.................. 11,225 11,245 11,22 11,24 Stockholm .. ............. 63,73 63,85 63,70 63,82 Schweiz.................. 57,23 57,35 57,25 57,37 Spanien.................. 16,98 17,02 16,98 17,02 Prag..................... 8.686 8,704 8,691 8,709 Budapest................. — —— — — Neuyork................. 2.493 2,497 2,493 2,497 Richtiges Aufbewahren damit nichts verdirbt. in einer Horde oder ObsL schrank. Kartoffeln in einer Karloffelkiste aus Holl oder kn Aufbewahrungskorb aus Draht. am besten Sie befraget sich bä BORRMANN 5: Gieben / Neustadt 5 / Ruf 4165 Für die Erntezeit Kartoffel- und Fruchtsäcke Wagentücher und -Decken Arbeitskleidung Richtige und preiswerte Qualitäten in großen Sortimenten Gießen • Kreuzplatz Nr. 15 Geruch 160 Geschenke Geruch, der unangenehm ist, kann aus Wohnräumen entfernt werden, wenn man mit Seifenwasser aufwischt, dem etwas Terpentinöl zugesetzt ist, aus feuchten Räumen, wenn man Konservenbüchsen mit Chlorkalzium aufstellt, aus Aborten, indem man Chlorkalk benutzt. Gervais, französischer ungesalzener Rahmkäse milden Geschmacks. Gesamtgut kommt vor bei allgemeiner Gütergemeinschaft, Errungenschafts. und Fahrnisgemeinschaft, der fortgesetzten Gütergemeinschaft (s. die einzelnen Stichworte). Das E. gehört den beiden Ehegatten bzw. bei der fortgesetzten Gütergemeinschaft dem noch lebenden Elternteil und den Kindern gemeinsam. Keines der Beteiligten kann über seinen Anteil am Eesamtgut verfügen, auch nicht Teilung verlangen. Erst nach der Aufhebung der Gemeinschaft bzw. der Auseinandersetzung bekommt jeder Beteiligte seinen Anteil. Das E. haftet für alle Schulden des Mannes, für Schulden der Frau nur unter gewisien Voraussetzungen, vor allem für Schulden, die vor Begründung der Gemeinschaft, aus unerlaubterHandlung oder durch vom Manne gebilligte Rechtsgeschäfte der Frau oder aus einer in das Gesamtgut fallenden Erbschaft entstanden sind. Die Verwaltung des Eesamtgutes steht dem Manne zu, der nur in gewissen Fällen die Zustimmung der Frau zu Rechtsgeschäften braucht. Die Frau kann über E. nur mit Zustimmung des Mannes verfugen. Wird bei dem Tode eines Ehegatten die Gütergemeinschaft mit Kindern fortgesetzt, so hat der überlebende Ehegatte die rechtliche Stellung des Mannes, die Kinder die rechtliche Stellung der Frau. Gesangstunden soll man nur bei wirklich außergewöhnlicher Veranlagung geben lasten. Die wichtigste Grundlage des Gesanges ist richtige Atemtechnik. Geschäftsfähigkeit. GültigeRechts- geschäfte kann nur vornehmen, wer geschäftsfähig ist. Entmündigte Geisteskranke und Kinder unter sieben Jahren sind überhaupt nicht geschäftsfähig. Kinder bis zum vollendeten 21. Lebensjahr und wegen Geistesschwäche, Trunksucht ooer Verschwendung Entmündigte sind beschränkt geschäftsfähig; sie bedürfen zur Vornahme eines Rechtsgeschäftes der Zustimmung ihres gesetzlichen Vertreters (Vater, Vormund). Personen über 21 Jahre find voll geschäftsfähig, wenn sie nicht entmündigt sind. (S. Volljährigkeit.) Eine Frau büßt mit der Verheiratung ihre E. nicht ein. Geschäftsgeheimnisse. Ein An- gestellter, der G. seines Arbeitgebers einem anderen zum Zwecke des Wettbewerbs mitteilt, wird bestraft. Ausplaudern von E. durch Angestellte ist sofortiger Kündigungsgrund, auch kann der Eeschäftsherr Schadensersatz verlangen. E. sollen auch unter Ehegatten gewahrt werden. Geschenke zu geben, ist niemand rechtlich verpflichtet (siehe aber Weihnachtsgeschenke). Der Mann darf aus dem Vermögen derFrau. Kohlen Fischer Gießen, Alicenstraße 42—44, Telefon 3172 und 3178 Besonders Tanofpn Versand n. Auswärts, billige lOpGluU l/»»k Frankfurt Main, Muster frei Haus “Upi Allerheil.Str.87, Hansa und Hansa-Lloyd Generalvertretung Von RM. 2950,-®io.if. Hanu - Lloyd - Goliath - Werke A G. ... ist schneller Immer bereit, reine Überlegenheit iu teigen, wenn ei darauf ankommt — dabei eo rpielend leicht tu handhaben, wie Sie da» Fahren lieben. Krahn & Co* Gießen, Frankfurter Str. 82 Verlangen Sie Probefahrti Verkäufe Tomoi mit Beiwaten werküberholt. Umstände halber z.Ueberholungs- vreis abzugeben. Wetzsteingasse 2I Tel. 3940. 6i43d Rieseninhber. ift. Kippanhänger,7to Tragfähigkeit, RM. 1800.— Riesenlnftb ereift. Normalanhänger, 5-6 to Tragfähigk. RM. 1200.- Elastikbereifter Kippanhänger, RM. 1000.— Sämtliche Fahrzeuge hab. moderne autom. 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