Nr. 142 Erstes Statt 187. Jahrgang Dienstag, 22. Juni 1937 Lrlcheinx rüg llrh. außa Sonntags and feiertags Beilagen: Die 311 nitrierte (Biefienei 5-amiIienbIättei Heimat im Bild Die Scholl, Monatsvezugsprels: Mit 4 ‘Beilagen RM. 1.9b Ohne Illustrierte . 1.80 Iustellgebühi . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüste unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Rieften Postscheckkonto: granlfurt am Main 11686 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen örucb und Verlag: vrühl'sche Umverfttäts Such- und Steindruckeret R. Lange tn Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 Annahme oon Anzeigen für Oie Mittagsnummer bis8‘ /.Uhr des Vormittags Grundpreise für l mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50Nps.,PIahvorschrift nach vorh Vereinbg.25",. mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rps .Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rps. Mengenabschlüsse Staffel B Deutschland will als Weltmacht behandelt werden! Friedensbrecher müffen zur Ordnung gerufen werden.—Neichsminister Dr. Goebbels auf der Berliner Gonnenwendfeier. Berlin, 21. Juni. (DNB.) Die große Sonnwendfeier des Gaues Berlin fand in Anwesenheit zahlreicher führender Persönlichkeiten von Partei und Staat im überfüllten Olympischen Stadion statt. Fanfarenklänge kündeten die Ankunft der deutschen und der 18 ausländischen Volksgruppen, die aus Anlaß des Kongresses für Freude und Arbeit in Deutschland weilen. Den reizvollen heimatlichen Spielen, Liedern und Reigen der Trachtengruppen, den Tanzvorführungen der BDM.-Mädchen folgte der Einmarsch der mehr als tausend Angehörigen der italienischen Jugendführerakademien. Blendendes Scheinwerferlicht flammte auf, und nun zeigten die Frauen gymnastische Reigentänze, während die männliche Jugend ein hervorragendes Schauerer- zieren vorführte. Mit dem feierlichen Einmarsch der 500 Standarten und Fahnen wurde die eigentliche Weihestunde eingeleitet. Das Lied „Der Fahne, der wir folgen" leitete über zu der Ansprache des Obergruppenführers von Jagow, der anschließend den Befehl zum Entzünden der Holzstöße gab. Fanfarenklänge hallten vom Turm in das andächtige Schweigen der Massen, als nun die Feuer aufflammten und in blutrotem Schein zum nächtlichen Himmel emporloderten. Die feierliche Stille wurde abgelöst von dem begeisterten Jubel, mit dem die Hunderttausend Reichsminister Dr. Goebbels empfingen. Die Feier, so sagte er, die hier begangen werde, sei nicht eine Angelegenheit der oberen Zehntausend, nicht eine Sache der Stände von Besitz und Bildung, sondern eine wahre Volksfeier des erwachten neuen Deutschlands. Ein alter Brauch lebe in dieser Feier wieder auf. Es ist kein heidnischer Brauch, so erklärte der Minister unter dem stürmischen Beifall der Massen, denn der Nationalsozialismus hat nicht den Ehrgeiz, durch solche Feiern eine neue Religion zu begründen. Kirchen gebe es in Deutschland schon genug, vielleicht zuviel. „Wohl aber wollen wir das Volk lehren, Achtung vor seiner Vergangenheit zu haben!" Das habe nichts mit Bilderstürmerei gegen die Kirche zu tun. Wenn aber 130 000 Menschen zu einer ehrwürdigen völkischen Feier zusammenströmten, dann sei das ein Zeichen dafür, daß unter diesen Menschen eine neue Zeit ausgebrochen sei, die nicht mehr ausgeschaltet werden könne, weil sie sich bereits ihre neuen Menschen selbst geformt habe. „Diese neuen INenschen zeigen der Well ein anderes Gesicht, das Gesicht des heutigen Deutschlands. Dieses Deutschland denkt real, fühlt heroisch und handelt mutig. Die Feinde in der Welk und die wenigen noch Übriggebliebenen Gegner im eigenen Lande sollen wissen, daß dieses Volk nicht mehr das des Zusammenbruches vom November 1918 ist." Immer wieder von stürmischen Zustimmungskundgebungen unterbrochen, wandte sich Dr. Goebbels gegen den Vorwurf gewisser ausländischer Kreise, das neue Deutschland dulde keine Kri- i k, Kritik tue aber Not. Ihnen könne man nur antworten, daß in Deutschland ganz etwas anderes Not tue als Kritik. „Es tut Not, daß wir uns unserer Haut wehren, daß die Regierung Zeit und Gelegenheit hat, für des Volkes tägliches Brot zu sorgen, daß wir die Nation wehrhaft machen, daß wir Zusammenhalten und uns nicht von ein paar Hetzern auseinanderreden lassen." Die nationalsozialistische Bewe- glung werde schon dafür sorgen, daß das getan, was notwendig, und das unterlassen werde, was überflüssig und schädlich sei. Wie zu allen Zeiten macht auch heute noch das Volk Geschichte durch seine großen Männer. Wenn das Demokratie ist, daß ein paar Dutzend Parteipäpste das Recht haben, mit den vitalsten Interessen einer Nation Schind- luder zu treiben, dann danken wir für diese Demokratie!" In seinen weiteren Ausführungen stellte Dr. Goebbels noch einmal mit aller Deutlichkeit^ die Stellung des Nationalsozialismus den Kirchen gegenüber dar. „Wir wollen keinen Streit mit den' Kirchen. Wir wollen sie nur auf ihr eigenes Gebiet beschränken." Christus habe den Kirchen nicht befohlen, so erklärte der Minister unter stürmischen Zustimmungskundgebungen, etwa die Staaten zu beherrschen, sondern er habe ihnen den Befehl gegeben, die Menschen auf das Himmelreich vorzu- bereiten. Die politische Macht auszuüben, sei Sache des Führers, der dazu einen sehr realen Auftrag, nämlich den des Volkes, besitze. Die politisierenden Kleriker aber wollten die Autorität des Staates nicht anerkennen und versuchten, über der Autorität des Staates die der Kirchen aufzurichten. Das werde der nationalsozialistische Staat jedoch niemals dulden. „Im irdischen Deutschland regieren wir, und jeder Deutsche ist hier unserem Gesetz unterworfen. Der Minister wies darauf hin, daß uns feindliche Kreise im Ausland sich ja nicht etwa auf die Seite der Kirchen stellten, weil diese die Sache Gottes verteidigen wollten. Sie hofften vielmehr, daß auf solche Weise bie innere ®m= beit d e s deutschen Volkes zerrissen werden könne. Niemand hindere die Pfarrer, Gottes Wort zu predigen; aber das nationalsozialistische Reich werde es nicht zulasten, daß der politische Klerus in Deutschland das Ausland als Helfershelfer aufrufe, um unser Volk zu zerspalten. Der Minister kam auch auf die verbrecherischen Anschläge rotspanischer Flugzeuge auf die deutschen Seestreitkräfte in den spanischen Gewässern zu sprechen und hob mit allem Nachdruck hervor, daß sich Deutschland derartige Provokationen unter gar keinen Um* ständen gefallen lassen könne und werde. Es scheine, als hätte die rote Unterwelt die vor einiger Zeit anläßlich des Vombenüber- falles auf die „Deutschland" erteilte eindeutige Warnung immer noch nicht verstanden. „Wir haben uns selbst angesichts der Schießübungen roter U-Boote auf den Kreuzer „Leipzig" in der Abwehr dieser Provokationen streng an den legalen Weg gehalten. Wir haben an den Nichteinmifchungsausfchuh appelliert. Wir erwarten nun auch — mit stürmischer Zustimmung nahmen die Massen diese Worte auf — daß der Nichteinmischungs- ausschuh sich nicht etwa darauf beschränkt, einen Unter-Nichteinmischungsausschuh einzusehen, der dann nach den Methoden des Völkerbundes eine v Kommission einberuft, die untersuchen soll, ob überhaupt etwas geschehen ist. Man muß die roten Provokationen abwehren! Das pazifistische Deutschland der Systemzeit, mit dem die Welt so leicht fertig wurde, lebt nicht mehr! Das Deutschland von heute ist eine Weltmacht und will auch als solche behandelt werden. Es wünscht nichts sehnlicher als den Frieden, und den Frieden erhält man am besten dadurch, daß man die Friedensbrecher zur Ordnung ruft. Den Massen im Stadion sich zuwendend erinnerte der Minister an die schweren Jahre des Kampfes um die Macht und gab seiner stolzen Freude über den Wandel Ausdruck, der sich inzwischen vollzogen habe. Mit tiefer Genugtuung könnten wir feststellen, daß der Führer gehandelt und die Macht genutzt habe. Allzeit das große Symbol unserer Einigkeit und Freiheit, habe er auch in den schwersten Krisen ganz allein die Verantwortung auf seine Schultern genommen. „Unter seiner historischen Führung ist in den letzten viereinhalb Jahren in Deutschland wieder Geschichte gemacht worden! Siegreich hat sich die Nation neu aufgerichtet!" Neuraths Londoner Besuch verschoben. Oer Neichsaußenminister in der neuen durch die bolschewistischen Anschläge geschaffenen Lage von Berlin nicht abkömmlich. Berlin, 21. Juni. (DNB.) Da die Lage, die durch die wiederholten rotspanischen Attentate auf deutsche Kriegsschiffe entstanden ist, die Abwesenheit des Relchsmlnl- sters des Auswärtigen von Berlin nicht gestattet, ist gestern dem hiesigen britischen Botschafter mitgeteilt worden, daß der geplante Besuch des Freiherrn von Neurath in London verschoben werden muß. Die Llbootsangriffe einwandfrei sestgestellt. Der Bericht der „Leipzig". Berlin, 21. Juni. (DNB.) Von zuständiger Stelle werden über den spanisch-bolschewistischen U-Bootangri f f auf den Kreuzer „Leipzig noch folgende Einzelheiten mitgeteilt: Nach der ersten Meldung des Kommandanten wurde am 18. Juni um 15.37 Uhr auf den Kreuzer Leipzig auf dem Standort 36 Grad 6 Minuten Nordbreite und 0 Grad 23 Minuten Westlänge ein Torpedoschuß gefeuert. Der Schuß ist einwandfrei durch Unterwasserharchapparate und durch Beobachtung der Luftblasen, die sich beim Torpedoschuß eines U-Bootes an der Wasseroberfläche häufig zeigen, erkannt worden. Das Schiff drehte als Äbwehrmanöver sofort auf die gesichteten Blasen zu. Beim Ueberlaufen der Abschußstelle hörten mehrere Heizer in einem Maschinenraum einen harten metallischen Anschlag an der Außenwand, der wie ein schwerer Hammerschlag klang, und anschließend ein kratzendes Geräusch. Der Schlag war so hart, daß unter den Leuten sofort die Vermutung geäußert wurde, es handele sich um ein U-Boot. Die gleiche Beobachtung machten zwei Obermaschinisten, die sich zu dieser Zeit im Niedergang zum Maschinenleitstand befanden. Auch an einer dritten Stelle des Schiffes, dem Motorenraum, wurde trotz laufender Motoren ein starkes Geräuch gehört, das so klang, als ob ein metallischer Gegenstand an der Bordwand von vorn nach hinten entlang schleifte. Diese Beobachtungen wurden am 20. Juni durch eine Taucheruntersuchung bestätigt. An der Bordwand unter Wasser in der Nähe der oben erwähnten Räume wurde eine Druckstelle mit einem Durchmesser von etwa 15 Zentimeter festgestellt. Es ist damit erwiesen, daß der Kreuzer „Leipzig" entweder einen Teil der Aufbauten eines U-Bootes berührt hat ober daß ein nicht detonierter Torpedo im spitzen Winkel auf die Bordwand aufgetroffen und abgeglitten ist. Heule noch einmal Volschafterbesprechung. London, 21. Juni. (DNB.) Nach Abschluß der heutigen Sitzung der vier Flottenmächte wurde folgende amtliche Witteilung ausgegeben.- „Am 19. und 21. Juni sanden Zusammenkünfte zwischen dem englischen Außenmini st er und dem deutschen, französischen und italienischen Botschafter statt, um die Frage der Zwischenfälle zu erörtern, in die der deutsche k r e u z e r „L e i p z i g" am 15. und 18. Juni verwickelt wurde. Auf diesen Sitzungen wurde eine Anzahl von Vorschlägen erwogen, um die angemessensten Methoden zur Behandlung der Frage festzulegen. Da bis jetzt kein endgültiges Ueberein- kommen über die zu treffenden Maßnahmen erzielt worden ist, wurde beschlossen, daß sich die vier Vertreter vor ihrer nächsten Zusammenkunft, die morgen, am Dienstag, stattsinden wird, erneut mit ihren Regierungen in Verbindung sehen sollen. Gauleiter Sprenger eröffnet das Sommer-Zeltlager der HZ. LPD. Dieburg, 21.Juni. Gauleiter Sprenger eröffnete Montagabend das Sommerlager des Jungbannes 2 8 7 in Urberach im Kreise Dieburg. Zur gleichen Zeit hat im ganzen Gau Hessen-Nassau das Lagerleben der HI. für diesen Sommer seinen Anfang genommen. Mit der Feierstunde war gleichzeitig eine Sonnenwendfeier verbunden. Zahlreiche Eltern der im Laaer vereinten Jugend und viele Volksgenossen aus der Umgebung hatten den weiten Weg nicht gescheut, um der Eröffnungsfeier beizuwohnen. Unter den Klängen des Musik- und Spielmannszuges des Jungvolks schritt der Gauleiter die Front ab und begab sich dann durch den Wachtturm in das weite Rund des Zeltlagers. Auf dem von Fahnen flankierten Sitzring hatte das Jungvolk Aufstellung genommen; in der Mitte des Platzes ragte ein gewaltiger Holzstoß empor. Der Gauleiter gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß in seinem Gau zum ersten Male die Jugend in einem Sommerlager zusammengeführt wurde. Hier solle vor allem Kameradschaft gepflegt werden. Erfreulich sei die Tatsache, daß gerade dieses Zeltlager nun mit allen notwendigen Einrichtungen ausgerüstet fei. Immer wieder wurden neue Verbesserungen ausgeführt werden, aber nicht für ein luxuriöses Leben. Die Tage im Zeltlager sollen für die Jugend ein Höhepunkt in ihrem Leben sein. Des Gebietsführers Brandt besonderes Verdienst fei es, daß in diesem Jahre zum ersten Male in unserem Gau Großfahrten durchgeführt werden können; der Jugend werde damit Gelegenheit geboten, die schöne Heimat zu sehen. Darüber hinaus könnten durch Kampf spie le die körperlichen Kräfte der Jungen weiterentwickelt werden, um für die kommenden Taten den höchsten Anforderungen gewachsen zu fein. Der Führer habe das deutsche Volk aus tiefer Nacht zur Sonnenwende zurückgeführt. Die Sonnenwende möge Symbol und ein Wunsch für alle Zeiten fein, über Deutschland dieses Licht hell leuchten zu lassen. Die Sing- und Spielschar des Jungbannes 287 brachte die Kantate „Feuer steh auf dieser Erde" von Hans Baumann zur Aufführung Mit dem Führergelöbnis und dem G.'sang des Fahnenliedes der HI. fand die Feier ihr Ende. Frankreichs Msionskrise. In normalen Zeitläuften Frankreichs, d. h. bei dem ständigen Kommen und Gehen der koalitionshörigen französischen Regierungen in diesem Lande des stärksten Regierungsv-erschleißes Europas ist es üblich, ein Kabinett grundsätzlich des Nachts und ebenso grundsätzlich wegen innerpolitischer Streitigkeiten zu stürzen. Die Regierung Blum starb den Scheintod auch zu nächtlicher Stunde und auch über die innerpolitische Angelegenheit des von der Kammer genehmigten, vom Senat zerpflückten Ermächtigungsgesetzes. Aber wie gesagt, sie starb lediglich einen Scheintod. Denn zwei entscheidende Unterschiede kennzeichnen das Ende dieser ersten Volksfrontregierung Blum. Erstens hat Blum entgegen der ausdrücklichen Forderung des Präsidenten Lebrun die Stellung der Vertrauensfrage verweigert. Er hat sich also nicht stürzen lassen/ hat nicht gekämpft, obwohl er mit Hilfe der Kommunisten in diesem einen Jahr eine Rekordzahl innerer Krisen abgewettert hatte. Er hat es vielmehr aus wohlüberlegten Gründen vorgezogen, „zurückzutreten". Natürlich kommen Umstände und Wirkungen dieses „Rücktritts" in der Praxis einem Sturz gleich; aber in ultraparlamentarischen Ländern haben solche Manöver schon wiederholt den Wert von Injektionsspritzen mit dem Erfolg der Wiederbelebung gehabt. Kurz uni) gut, Herr Blum, der Mann, unter dessen Regierung Frankreich den traurigen Ruhm erwarb, daß es keinen einzigen Tag ohne Streiks, Werkbesetzungen, Ausschreitungen usw. erlebte, der Mann, der ein Jahr Jllusionspalitik mit einer über SOprozentigen Teuerung abschloß, der Mann, der ungeachtet aller Warnungen und aller erschreckenden Folgen seinem Lande mit der 40-Stunden-Woche weitere Milliarden Verluste aufbürdete, derselbe auch, der hinter dem arg durchlöcherten Schild der „grundsätzlichen Nichteinmischung" lieber die direkte und indirekte Unterstützung 'des Sowjetkrieges in Spanien zum Prinzip erhob, als daß er eine der praktischen Verständigungsmöglichkeiten mit Deutschland nutzte, — eben dieser selbe Leon Blum vermied in den Augen des parlamentarischen Frankreich das Odium des Gestürztwerdens und hält sich zur Wiederkehr bereit. Wann? das gilt gleichviel; aber es ist bezeichnend, daß die Auguren in den Wandelgängen der Kammer eine .Wiederbetrauung Blums als durchaus möglich erörterten zu einem Zeitpunkt, als Chauternps noch nicht einmal feine Zusage zur Kabinettsbildung gegeben hatte! Der zweite entscheidende Unterschied liegt darin, daß Blums Taktik den Nebenzweck hat, die „2Itien", d e n Senat mit der Verantwortung für die jetzige Krise zu belasten. Der französische Senat hat oft Opposition gegen Beschlüsse der Kammer getrieben, aber die Fälle, in denen er ein Kabinett stürzte gegen eine fast hundertstimmige Mehrheit der Kammer, kann man sich in der ganzen französischen Geschichte an den Fingern einer einzigen Hand her- zählen. Blum wollte die Rückkehr des französischen Fluchtkapitals erzwingen. Es sollte in das lecke Faß jener erstaunlichen Volksfront-Mißwirtschaft strömen, von der noch vor kurzem Caillaux dem Ministerpräsidenten in der Kammer zugerufen hatte: „Geben Sie doch endlich zu, daß Frankreich feit über zwanzig Jahren weit über seine Verhältnisse leb t." Und Caillaux illustrierte diese Volksfront-Mißwirtschaft, indem er zugleich darauf verwies, daß in anderen Ländern Ausstellungen Geld einbringen, daß aber die Weltausstellung bereits eine Milliarde Verluste für Frankreich gebracht f)at, ober, inbem er ben Finger auf die von Blum erneut geforderten fünf Milliarden zeigte, denen keinerlei Einsparungen gegenüberständen, „und zwar einzig und allein, um die Wirklichkeit zu verschleiern und Illusionen zu verteilen." Im Augenblick ist die Lage in Paris noch völlig ungeklärt. Was tun die Kommunisten und Marxisten? Wie werden sich die Radikalsozialisten verhalten? Wird der Senat einem vom Nachfolger Blums abgeänderten Ermächtigungsgesetz feine Zustimmung geben? Der zunächst bezeichnete Nachfolger Blums, Chauternps, hat bis jetzt in feiner parlamentarischen Karriere das Pech gehabt, daß ihm zwischen Lipp- und Kelchesrand stets das Glas zerbrach, wenn er den Becher parlamentarischer Machtfülle endlich errungen zu haben schien. Im Februar 1930 war er in der gleichen Lage wie jetzt, aber die Deputiertenkammer'lehnte seine Regierung sofort ab. Im November 1933 war er abermals am Ziel. Da brach der Stavisky-Skandal aus, Chauternps wurde beschuldigt, in feinen Kreisen Korruptionisten geduldet zu haben, und abermals mußte er den Sessel des Ministerpräsidenten verlassen. Trotzdem ist Chauternps das ewige Wieder - Stehauf - Männchen des französischen Parlamentarismus; er versucht jetzt, als Radikalsozialist die Marxisten zu bereden und die Kommunisten einzuwickeln in den Parlamentarismus, den ihre Stachelhaut immer wieder zerreißt. Ob nicht die Straße, die von den Kommunisten und Marxisten aufgehetzten Massen, einen Strich durch die Rechnung Chauternps' machen, wird sich sehr bald entscheiden. I o u h a u x, der Gewerkschaftsführer, hatte gedroht, im Falle die Volksfront-Regierung stürze, würde es zu außerparlamentarischen Aktionen kommen. Er hatte die Straße gegen das Parlament gestellt, das Faustrecht gegen das gesetzmäßige Recht. Und Blum selbst hatte vor dem Senat Aeußerungen getan, die allgemein als Pression aufgefaßt wurden, während er nach seinem Rücktritt emphatisch versicherte, die llebcrtragung der Macht müsse sich unbedingt friedlich und gemäß dem Prinzip der republikanischen Legitimität vollziehen. Wird Frankreich durch ein Jahr der Regierung der Volksfront wirtschaftlich förmlich umgestülpt, die Kraft haben, diesmal wieder das Gesetz, die Verfassung, walten zu lassen ober einen Rückfall in bic anarchischen Krisen erleben, die feine Geschichte kennzeichnen? Man kann jetzt, da Blum, der Halbwegs volle Kassen vorfand, keinen Centimes zurückläßt, um die staatlichen Bedürfnisse zu regeln, die Schwere der Aufgabe, die seinem Nachfolger winkt, nicht scharf genug zeichnen. Aber wenn man auch die Behauptung des verflossenen Finanzministers Vincent Auriol, es handle sich um eine Verschwörung der Kapitalisten gegen das Linkssystem für demagogisch überspitzt hält, so steht doch fest, daß die Wirkungen der Volksfront-Regierung eine weitere Zerteilung der Bevölkerung, leere Staatskassen und anarchischsyndikalistische Regungen der französischen Massen, die besonnenen und nationalen Franzosen bis aufs Blut gereizt haben. Nur, daß sie keine Führernatur aufweisen. Der Parlamentarismus hat seit mehr als einem halben Jahrhundert sich in Kompromissen erschöpft, er hat eine Krise nach der andern hervorgerufen, ohne je ernstlich daran zu gehen, eine wirkliche Gefahr zu bannen. So ist das jetzt als Ursache der Staatskrise sichtbar gewordene Defizit des Staates im reichsten Lande Europas schon leit altersher Krisengegenstand gewesen. Nur, daß es nicht mehr durch innere Anleihen vertuscht werden konnte. Das ist der Kern des Zusammenbruchs Leon Blums, und jede andere Regierung wird seinen Weg gehen, wenn sie bei der parlamentarischen Gepflogenheit bleibt, halbe Maßregeln zu ergreifen, die das Uebel nur noch verschlimmern. rt. Gauprovaaandaleiter Mller- Scheld verläßt Hessen-Raffau. Der Gaupropagandaleiker und Leiter der £an- dessielle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, Wilhelm Müller- Scheid, ist mit Wirkung vom 1. Juli 1937 zur Verfügung des Herrn Reichsministers Dr. Goebbels in dessen persön- Nchen Mitarbeiterkreis berufen worden. Die Ent- lassung aus dem Amt durch den Gauleiter und die Einführung des neuen Gaupropagandaleiters finden am Sonntag, den 27. Juni, in Worms um 13 Uhr im Spiel- und Festhaus statt, hierzu sind geladen alle Gauamtsleiter und Kreisleiter. Ferner nehmen teil alle Mitarbeiter der Gau- propaggndaleitung und der Landesstelle, der Gauring für nationalsozialistische Propaganda und Volksaufklärung, alle Gau- und Kreisredner, die Kreispropagandaleiter und Ortsgruppenpropagandaleiter. Anschließend wird den Propagandisten eine um 15 Uhr beginnende Aufführung „Die Nibelungen" von Hebbel im Spiel- und Festhaus Worms geboten. Ein Denkmal des Reichsarbeiisdienstes. Sonnenwendfeier in Hammerstein. Hammer st ein (Grenzmark Posen - Westpreu- ßen), 21. Juni. (DNB.) Das grenzmärkische Städtchen Hammerstein stand im Zeichen des Reichsarbeitsdienstes, der in Anwesenheit des Reichsarbeitsführers hier! feine Sonnenwendfeier als Erinnerungsfeier beging. Vor fünf Jahren wurde hier ein Arbeitsdienstlager errichtet, dessen Erfahrungen Form und Gestalt des Reichs- avbeitsdienstes maßgeblich beeinflußten. 145 Arbeits- dienstführer und Parteigenossen des alten hammer- steiner Lagers waren zu der Feier gekommen, mit der die Grundsteinlegung zu einem Gedenk st ein verbunden war. Mit ihnen trafen sechs Abteilungen der Arbeitsgruppe 45 und zahlreiche Vertreter aus allen Gauen des Reichsarbeitsdienstes ein. Generalarbeitsführer Dr. Decker führte aus: Am Anfang unseres Weges steht ein Wort des Reichsarbeitsführers „Denkmäler des Arbeitsdienstes sollen seine Leistungen sein". Wenn wir trotzdem an dieser Stätte nach fünf Jahren ein Denkmal von besonderer Bedeutung errichten, so weichen wir damit nicht vom Wege, durch Leistungen zu wirken, ab, sondern es soll uns eine Mahnung sein, niemals zu vergessen, wie und wo wir groß geworden sind. Ein Denkmal des ganzen Reichsarbeitsdienstes soll es sein. Steine aus allen Arbeitsgauen werden am heutigen Sonnenwendfeuer niedergelegt und sollen später das Mal umgeben, Steine von der Zugspitze, vom Annaberg, vom Zobten, von der See und aus den alten Ordensburgen. Die Reichsumlegungsordnung. Zersplitterter Grundbesitz für die Landeskultur gewonnen. Berlin, 19. Juni. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt wird die Reichsumlegungsordnung vom 16. Juni 1937 verkündet. Sie ermöglicht die Zusammenlegung zersplitterten ländlichen Grundbesitzes, um dessen Bewirtschaftung oder sonst eine Förderung der allgemeinen Landeskultur herbeizuführen. Auch unwirtschaftlich geformter, zu schmal ober zu lang gestreckter, spitzwinkliger Grundbesitz gilt in diesem Sinne als zersplitetrt. Noch fast 6 000 000 Hektar zersplitterte ländliche Grundstücke, hauptsächlich i m Westen und Süden Deutschlands, bedürfen der Umlegung, um voll leistungsfähig im Sinne des Vierjahresplanes zu fein. Eine energische Zusammenlegung gleicht fast der Neugewinnung von Kulturland, so stark ist die Steigerung der Erträge, die sie zur Folge hat. Außerdem dient die Umlegung dazu, die bei der Anlegung von Reichsautobahnen, Staubecken und anderem mehr entstehenden Schäden für die Landeskultur zu besitigen oder zu vermeiden. Zum Teil wird die Umlegung durch die vorhandenen Sonderbehörden, wie die preußischen Kulturämter, die hessischen Feldbereinigungsämter durchgeführt, zum Teil durch Behörden der allgemeinen Verwaltung. Die Interessen der Bauern werden vom Landesbauernführer gegenüber den Umlegungsbehörden vertreten. Stimmt er der Umlegung zu, so wird sie eingeleitet. Die Durchführung ist ein reines Verwaltungsverfahren, in dem die Beteiligten ihre Wünsche äußern können. Das Umlegungsgebiet ist neu zu gestalten, wie es die Grundsätze des nationalsozialistischen Staates und das gemeine Wohl, insbesondere die nationalsozialistische Boden- und Raumordnung verlangen. Die Neugestaltung hat dem Ziele zu dienen, die Ernährungs - und Selb st Versorgung s- grundlage des deutschen Volkes zu verbessern. Die Feldmark ist neu einzuteilen und zersplitterter Grundbesitz wirtschaftlich zusammenzulegen. Wege, Gräben, Vorflut-, Entwässerungs- und Bewässerungsanlagen sind zu schaffen, Bodenverbesserun- gen vorzunehmen und alle Maßnahmen wie Auflockerung der Ortslage, zu treffen, durch welche die Grundlagen des Wirt>chaftsbetrie- ' b e 5 verbessert werden, der Arbeitsaufwand vermindert und die Bewirtschaftung erleichert wird. Die Umlegungsbehörde hat dabei die rechtlichen Verhältnisse neu zu ordnen, die öffentlichen Interessen, vor allem die Interessen der allgemeinen Landeskultur, zu wahren und den Erfordernissen der Reichs- und Landesplanung des Naturschutzes sowie der Neubildung deutschen Bauerntums und der Kleinsiedlung Rechnung zu tragen. Jeder Teilnehmer erhält für sein Grundstück Land von gleichem Wert noch Vornahme für Gemeinschaftszwecke und andere öffentliche Anlagen, gegebenenfalls auch zur Kostendeckung erforderliche Abzüge zurück. Die Ergebnisse des ganzen Verfahrens werden in einem Umlegungsplan zusammengefaßt, der vom Grundbuchamt in die Grundbücher übernommen wird. Das erste Schulungsheim der Reichspost. Zeesen, 21. Juni. (DNB.) In Zeesen bei Königswusterhausen wurde das erste Schulungsheim der Reichspost eingeweiht. Das Schulungsheim dient der fachlichen Ausbildung aller Beamtengattungen der Reichspost, wobei in den einzelnen Lehrgängen führende Persönlichkeiten aus Partei und Staat über weltanschauliche Fragen sprechen werden. Der Reichspostmimster Dr. Ohnejorge wies darauf hin, daß das Heim in Zukunft Gemeinschaften aus dem Personalbeamtenstab der Reichspost beherbergen werde. Eine besonders wichtige Aufgabe falle ihm dadurch zu, daß es eine Pforte f ü r den Zugang zum Personalkörper der Deutschen Reichspost werden soll. Er habe den Wunsch,- in ständiger Verbindung mit dem Schulungsheim zu bleiben und werde deshalb des öfteren die Gesamtsitzungen des Reichspostministeriums in Zeesen abhalten. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley erklärte, daß ein ausländischer Wissenschaftler auf dem Freizeitkongreß in Hamburg seine Ansicht über den Führer und Deutschland in die Worte zusammengefaßt habe: „Deutschland ist der pädagogischste Staat, den ich kennenlernte und der Führer der größte Erzieher, den es jemals gab". Der neue Staat stehe mit seinen Leistungen aber erst am Anfang. Der Nationalsozialismus sei die Idee oer Lebensbejahung. Mit seinen vielen Organisationen, mit „KdF.", mit „Schönheit der Arbeit" und auch mit den Schulungsheimen der Reichspost werde der deutsche Mensch zur Gemeinschaftsidee erzogen. Dr. Ley begrüßte es, daß der Minister durch die enge Verbindung mit dem Schulungsheim und feinen Insassen eine lebendige, gegenwartsnahe Personalpolitik für sein Ministerium treiben werde. Ein Blick in die Augen der Menschen sei weit mehr wört als alle Examina. Das wahre Gesicht des spanischen „Bürgerkriegs" Ein Volk wehrt sich gegen den Bolschewismus Moskaus. Ein Rotbuch über Spanien. Dokumentensammlung der Antikomintern der Oeffentlichkeit übergeben. Berlin, 21.6. (DNB.) Aus Anlaß des Erscheinens des Rotbuches über Spanien empfing die Antikomintern die Presse. Botschaftsrat de E n c i o in Vertretung des spanischen Botschafters in Berlin dankte der Antikomintern für die Veröffentlichung des Rotbuches, das ungeheuer wichttg fei, weil es das wahre Gesicht der Volksfront in Spanien zeige. Das Rotbuch bringt die Enthüllungen über die Hintergründe unbjien wahren Charakter des blutigen Kampfes in Spanien. Seit fast 20 Jahren wird Spanien, das „für die Revolution reif sei", von den Agenten Moskaus bearbeitet. Streiks, blutige Aufstände, Beseitigung der Monarchie, ewige Regierungswechsel erschüttern das Land. 1934 erlebt es einen großen Aufstand, der als „Generalprobe" für 1936 gedacht ist und über 1000 Menschenleben kostet. Im Juli 1936, nach zwei M o - naten „V o l k s f r o n t" - R e g i e r u n g, ist Spanien bereits weitgehend bolschewisiert und steht unmittelbar vor dem Absturz in das Chaos des roten Umsturzes. Das „Rotbuch" veröffentlicht den Au f- st and s plan der Komintern im Original! Aus einer umfangreichen Uederficht von Photographien, Zeugenaussagen, Berichten ausländischer Augenzeugen und beglaubigter Urkunden entsteht im „Rotbuch" das wahre Gesicht der bolschewistischen Herrschaft in Rot-Spanien. 233 Bilder und Dokumente zeugen für die Wahrheit der Berichte. Man ist versucht, an der Milde des Menschen überhaupt zu verzweifeln, wenn man die erschütternden Berichte spanischer Bürger, Bauern und Arbeiter von dem unmenschlichen Schreckensregime der bolschewistischen Horden lieft. Es ist kein „Bürgerkrieg" im ursprünglichen Sinne des Wortes, der Spanien zerreißt. Es sind nicht nur Spanier, die dort gegen Spanier kämpfen; sondern tin Volk wehrt sich gegen denZu- griff einer auswärtigen weltrevo - lutionären Macht. Anhand sorgfältig ausgewählten Materials weist das „Rotbuch" die sowjet- russische Einmischung in Spanien einwandfrei nach. Die Hauptagenten Moskaus werden mit Namen genannt, ihre frühere und gegenwärtige Verschwörertätigkeit ebenso aufgedeckt, wie die Listen der Munitionsschiffe und die Orte, in denen die Sowjeteinmischung ununterbrochen erfolgt ist und weiter anhält, aufgezählt werden. Eine Uebersicht über die Rolle, die die rote Diplomatie im Londoner Nichteinmischungsausfchuß spielt, rundet das Buch zu einer umfassenden Darstellung des Geschehens in und um Spanien ab. Wie eine Bombe durchschlägt das „Rotbuch" das ganze Lügengebäude, das von dunklen Elementen erichtet wurde, um die Sowjeteinmischung in Spanien zu verschleiern, den bolschewistischen Horden einen „demokratischen" Anstrich zu geben und schließlich — wie im „Fall ©uernica" — der Reihe nach Deutschland, Italien, Portugal und selbst England in unsinnigster Weise zu verdächtigen. Die Dokumente, die dieses „Rotbuch" enthält, können nicht hinwegdiskutiert werden! Oie sranzösische presse erwartet ein neues Vottsfrontkabinett. Paris, 22.Juni. (DNB. Funkspruch.) In der Presse kommt zum Ausdruck, daß hinsichtlich der Mehrheitsverhältnisse der Kammer wiederum nur d i e Bildung einer Volksfront- Regierung möglich sei. Diese würde aber statt unter sozialdemokratischer unter radikal- sozialer Leitung stehen. Man erwartet, daß Chautemps heute abend sein Kabinett gebildet haben dürfte. In parlamentarischen Kreisen betont man, daß Präsident Lebrun unter den augenblicklichen Umständen keine bessere Wahl hatte treffen können. Camille Chautemps. (Scherl-Bilderdienst-M.) Die Zusammensetzung einer Regierung Chautemps dürfte im großen und ganzen dieselben Namen aufweisen wie die Regierung Blum. Blum werde wahrseinlich Staatsminister ohne Amtsbereich. „Petit Parisien" hebt hervor, daß entgegen den Befürchtungen mancher Kreise der Sturz der Negierung Blum zu keinerlei Zwischenfällen geführt habe. Blums Appell sei gehört worden. Chautemps führe seine Besprechungen zur Regierungsbildung mit Methode und Klugheit. Die Formel für seine Regierungsbildung sei folgende: Kabinett der erweiterten Volksfront-Bewegung unter radikalsozialer Führung, gestützt auf die Mehrheit, wie sie aus den Wahlen im Mai 1936 hervorgegangen sei, wenn möglich sogar noch etwas verbreitert; finanzieller Liberalismus, Schaffung einer beruhigenden Atmosphäre, Arbeit und soziale Disziplin. „Matin" spricht davon, daß im neuen Volksfront-Kabinett Selbes und Daladier den Außenminister- bzw. den Kriegsministerposten beibehalten werden. Das Angebot der K o m m u n i st e n , an der Regierung teilzunehmen, sei nur platonisch. Das neue Kabinett müsse mutig an das Finanzprogramm Herangehen, dessen Einzelheiten man zu lange der Oeffentlichkeit durch eine Politik der Illusionen verschleiert habe. Das radikalsoziale „O e u v r e" meint, Blum werde seinen Parteifreunden empfehlen, den Radikalsozialen die gleiche loyale Mitarbeit zuzubilligen, die er seit Jurri 1936 von ihnen gefunden habe. Man werde eine Regierungsformel finden, die sehr an die Leon Blums erinnere, mit gleichem Programm mit gleicher Verteilung, nur mit g e - änderter Leitung. Das Blatt Leon Blums, „Populaire", schreibt, die Krise sei mehr als nur eine Minister- krise. Der Senat habe mit den Frankendeserteuren, mit den Spekulanten und mit den Gegnern der Volksfront gemeinsame Sache gewacht. Sie Sozialdemokratische Partei werde an keiner Regierung teilnehmen, die das Volksfrontprogramm verleugne. Sie Volksfront werde nicht zulassen, daß an den bisherigen Ergebnissen der Regierungsarbeit Blums gerüttelt werde. In der kommunistischen „Humanite" wird festgestellt, daß die Sprecher der Kommunisten bereits Chautemps erklärt haben, daß nur eine neue Volksfront-Regierung mit dem vollen Programm der Volksfront möglich fei. SozialdemottallfcheKundoebiW Schlägerei zwischen marxistischen Demonstranten und Mobilgarde. Paris, 22. Juni. (SNB. Funkspruch.) Ser sozialdemokratische Landesverband des Separtements Seine fordert die vollständige Surchführung des Volksfront-Programms und die Bildung einer Regierung, die das getreue Abbild aller Parteien der Volksfront darstelle. Weiter wird dazu aufgefordert, sich mit allen Mitteln der Rückkehr der Finanzoligarchie und der politischen Reaktion zu widersetzen. Sie Kundgebung schloß mit dem Gesang der Internationale und mit Rufen wie „Blum an die Macht". Nach den Kundgebungen bildete sich vor dem Lunapark ein Demonstrationszug von mehr als 3000 Teilnehmern. Sie Polizei versuchte mehrmals die Semonftranten zu zerstreuen, sie sammelten sich aber trotzdem in der Nähe des Triumphbogens erneut und konnten die Champs Elysees hinuntermarschieren. Erst am Rond Point der Champs Elysse stießen die Semonftranten auf eine dichte Sperre von Mobilgarde. Es entwickelte sich eine Schlägerei, die damit endete, daß die Kundgeber in Gruppen zersprengt und zum Concorde-Platz abgedrängt wurden. Gegen 1.30 Uhr war die Ruhe wieder hergestellt. Es soll niemand verletzt oder verhaftet worden sein. Das Echo in London. London,' 22. Juni. (SNB. Funspruch.) Sie „Times" schreibt, der konservative Flügel der radikalen Partei habe die soziale, wirtschaftliche und Grenzpolitik der Blum-Regierung mit wachsender Besorgnis verfolgt Sie neue Regierung werde wahrscheinlich keine Aenderung der Politik vornehmen, sondern es werde nur ZU einer Umbildung un^ einer neuen Volksfront-Regierung ' nmmen. „Saily Expreß" schreibt, daß Moskau sicherlich über den Weggang Blums betrüb' M „Saily Mail" sagt, die französische Staatskasje sei beinahe leer. Sie schwebende Schuld sei in alarmierender Weise gestiegen. Die industrielle Produktion sei in den letzten Jahren um ein Drittel gesunken. Die Sozialpolitik Blums habe zusammen mit den vielen Streiks das Vertrauen in Frankreich unterhöhlt. Die marxistische und liberale Presse ist natürlich sehr betrübt über den Abgang Blums. Sie rechnet damit, daß Blum bald wieder zurückkehren werde. Gemeinsame Rasse, gleiche Symbole. Sonnenwendfeier deutscher und nordländischer Studenten am Lübecker Holstentor Lübeck, 22. Juni. (DNB. Funkspruch.) Vor dem Lübecker Holstentor fand eine Sonnenwendfeier deutscher und nordländischer Studenten statt. Nach Einbruch der Dunkelheit marschierten Abordnungen des Nationalsozialistischen deutschen Studentenbundes der dänischen, schwedischen und norwegischen Studentenabordnungen mit ihren Fahnen vor dem Holstentor auf, vor dem ein mächtiger Holzstoß aufgeschichtet war. In seiner Feuerrede führte der Reichsstudentenführer Dr. Scheel aus: Wir alle, die wir heute um diesen Feuerstoß versammelt sind, sind Angehörige von Völkern, die von jeher Bauernvölker waren. Die gemeinsame Herkunft unserer Völker, die gemeinsame Rasse geben uns ähnliche Symbole für gleiche Wesensinhalte. Hierauf sollten wir uns alle besinnen, die wir um das Sonnenwendfeuer geschart haben. Dann dürften auch Unterschiede äußerlicher Natur nicht mehr entscheidend sein für die Art, wie wir einander verstehen, ausschlagebend würde nur mehr fein, d i e P^erwandtschaft des Blutes. Die Studenten-Gesangsvereinigung Kopenhagen und die Gesangsvereinigung der Studenten der schwedischen Universität Lund brachten Sonnwendlieder ihrer Heimat zum Vortrag. Deutschlands Jugend übergab zum Gedächtnis an die Toten der großen Kriege unseres Volkes einen Kranz den lodernden Flammen. Den Abschluß bildete der Große Zapfenstreich. In das Sieg-Heil auf das deutsche Volk und die Völker des Nordens stimmten die deutschen und nordländischen Teilnehmer wie ein Mann ein. Sonnenwendfeier im Waldenburger Bergland. Waldenburg (Schlesien), 22. Juni. (DNB.) Die Sonnenwendfeier, die der SS.-Sturmbann HI/43 mit dem Bann 375 der HI. auf dem Hochwald, hoch über den Gruben und Lichtern der StadtWaldenburg hielt, erhielt ihre Bedeutung durch die Anwesenheit des Reichsführers SS. Himmler. Nach einem Sonnwendspiel der SS. wurde der Holzstoß durch den Bannführer der HI. entzündet. Der Reichsführer SS. wies auf den tausendjährigen Brauch des Sonnenwendfeuers hin. Alle feien nur Glieder einer Kette in dem ewigen Rhythmus, den der Herrgott der Natur gegeben habe. So wie die Sonne komme und gehe, so kommen auch Menschen und gehen wieder, aber keine Generation darf ihre Pflicht versäumen, wenn die kommende leben soll. So soll auch diese Feier e i n neues Bekenntnis z u Volk und Führer sein. Nach dem Treuelied der Schutzstaffeln übergab der Bannführer der HI. das Feuer dem Sturmbannführer der SS., der es bis zur Wintersonnenwende in die Obhut der Schutzstaffeln übernahm. Mit dem alten Brauch des Feuersprunges schloß die nächtliche Feierstunde. Als Gäste Görings im Theater. Berlin, 21. Juni. (DNB.) Anläßlich der Sonnenwendfeier hatte Ministerpräsident Generaloberst Göring für Montag abend Arbeiter aus zahlreichen berliner betrieben mit ihren Frauen in die drei Staatstheater eingeladen. Die Staatsoper, das Staatliche Schauspielhaus und das Kleine Haus in der Nürnberger Straße waren auf Anordnung des Ministerpräsidenten ohne Einschränkung für die Gefolgschaftsmitglieder der Berliner Betriebe, die von der NSG. „Kraft durch Freude" erfaßt werden, bereit- gestellt. Eine erwartungsfrohe, fröhlich gestimmte Zuhörerschaft füllte die schönen Räume bis auf den letzten Platz und folgte den wie immer von hohem künstlerischen Schwung erfüllten Darbietungen, sichtlich tief beeindruckt. In der Staatsoper wurde „Die verkaufte Braut", im Staatlichen Schauspielhaus „War ihr wollt" und im Kleinen Haus „Der Raub der Sabinerinnen" aufgeführt. Münchens Bevölkerung nimmt Abschied von Abt Schachleiter. Mü n ch e n , 21. Juni. (DNB.) Die Allerheiligsten- Hofkirche ist zum Wallfahrtsort der Münchener Bevölkerung geworden. In Scharen pilgern die Menschen zur Bahre des Abts Albanus S ch a ch l e i t e r, der aus seinem Wirken in München noch vielen Volksgenossen in lebendiger Erinnerung steht, und der als treuer Anhänger und Gefolgschaftsmann Adolf Hitlers von der nationalsozialistischen Bewegung und vom deutschen Volk nie vergessen werden wird. Der offene Sarg ruht auf dem schwarzausgeschlagenen Katafalk, zu dessen beiden Seiten Ehrenwachen Aufstellung genommen haben. Das Licht zahlreicher Kerzen wirft feinen Schein auf das edle stillverklärte Antlitz des Kirchenfürsten, aus dem noch im Tode der hohe Adel seines Geistes spricht. In langen Reihen gehen Männer und Frauen an der Bahre vorüber und grüßen mit erhobenem Arm zum letztenmal den Mann, der die hohe Pflicht seines geistlichen Berufes in so vorbildlicher Weise zu vereinen wußte mit einem unerschütterlichen Bekenntnis zum deutschen Volk und mit der begeisterten Treue zum Führer Adolf Hitler. Oer Dank her italienischen Jugend an bett Führer. 23 er! in, 21. Juni. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler empfing in Gegenwart des Jugendführers des Deutschen Reiches den italienischen Staatssekretär und Führer der Balilla, Exzellenz R i c c i, der ihm s r i s ch e n Lorbeer vorn Fo- rum Mussolini überbrachte. Der Lorbeer ist in eine Silberklammer gefaßt und befindet sich auf einer silbernen Platte, auf der links das Forum Roma- num und rechts das Forum Mussolini einziseliert sind, die durch eine Figur, Julius Cäsar darstellend, zusammengehalten werden. Unter dem Forum Ro- manum liegt eine männliche Figur, die den Tiber darstellt. Die Plakette wurde von einem jungen römischen Künstler ausgeführt. Im antiken Rom wurde dieser Lorbeer den großen Staatsführern als Symbol des Ruhmes überreicht. Als Zeichen des Dankes der italienischen Jugend für die ihm durch den Führer in Deutschland erwiesene Gastfreundschaft überreichte Exzellenz Ricci ferner eine in ihrer Vollständigkeit heute wohl einzigartige Sammlung von 10 00 Pira- nes;-Stichen in 25 Mappen. Sie stellen das Gesamtwert des berühmtesten italienischen Kupferstechers des 16. Jahrhunderts dar. Sie enthalten die architektonischen Entwürfe. Pläne und Konstru.ktio- nen Piranesis. Der Führer und Reichskanzler gab seiner lebhaften Freude darüber Ausdruck, daß die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der deutschen und der italienischen Jugend zu einer so herzlichen Zusammenarbeit geführt hätten. Sechs Jahre Zuchthaus für einen Ordenspriester in Oesterreich. Wien. 19. Juni. (DNB.) Der Benediktiner- Ordenspriester und ehemalige Leiter der burgenländischen Landesbibliothek Dr. Stephan Tiefenthaler wurde wegen Verbrechens der mehrfachen Verleumdung^ des Betruges, der Veruntreuung, der Einschränkung der persönlichen Freiheit, der Erpressung und der gefährlichen Drohung zur Höchststrafe von sechs Jahren schweren Kerkers verurteilt. Der mitangeklagte Neffe Tiefenthalers Grosinger erhielt 18 Monate schweren Kerkers. Tiefenthaler war bald nach der Eingliederung des Burgenlandes aus Ungarn nach Oesterreich gekommen und hatte nacheinander in verschiedenen Gemeinden das Pfarramt erhalten. Später war er in einer Wohnbausiedlungsgenossenschaft tätig und schließlich brachte er es zum burgenländischen Landesbibliothekar. Tiefenthaler war als Wüstling bekannt und unterhielt so zahlreiche Verhältnisse mit Frauen, daß ihm der Wiener Erzbischof 1933 die Ausübung der Seelsorge untersagen mußte. Allerdings blieb er weiter Mitglied des Benediktiner- Ordens. Jahrelang war es ihm dann durch Erpressungen und Verleumdungen gelungen, seine Schwindeleien und Betrügereien zu verheimlichen, bis schließlich der von ihm verdächtigte Landeshauptmann selbst nicht umhin konnte, einzugreifen und das Strafverfahren ins Rollen brachte. — Der Fall des Ordenspriesters Tiefenthaler ist ein Musterbeispiel der von dem Chikagoer Kardinal Munde l e i n benutzten Anlässe, um gegen die Reichsregierung die niederträchtigsten Angriffe zu richten. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie der Kardinal den Fall des Ordenspriesters Tiefenthaler, der von einem österreichischen Gericht der eingangs genannten schweren Verbrechen schuldig befunden wurde, zu behandeln gedenkt. Oer Mord in Mariatann. Bevölkerung und Erzieherschast fordern Abschaffung der Klosterschule. V i l l i n g e n , 21. Juni. (Vom Sonderberichterstatter des DNB.) In der Nähe von Villingen liegt das Klo st er Mariatann, geleitet von Laienbrüdern des Ordens Johannis von Lasalle. In einem auf klösterlicher Grundlage aufgebauten Realgymnasium werden etwa 80 Jungen für den Erzieherberuf vorbereitet. Einige hundert Meter von diesem- Kloster entfernt wurde am 16. Juni die Leiche des 13 Jahre alten Zöglings Otto Mittermeyer aufgefunden, und als fein Mörder wurde kurz darauf der 17V2 Jahre alte Untersekundaner aus der gleichen Anstalt Peter Vogelgesang festgenommen. Die staatsanwaltschaftliche Untersuchung ist noch im Gange. Unbeschadet des Ausganges dieser Untersuchungen wird den Hintergründen des Verbrechens und der Umwelt des Täters besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden sein. Wir haben an Ort und Stelle feststellen müssen, daß die mönchisch-asketische Atmosphäre, in der der Mörder und sein Opfer lebten, bei diesem Verbrechen eine große Rolle spielte. Der Mörder lebte seit 2lh Jahren in dieser Anstalt, er hat nach seinem eigenen Geständnis seit zwei Jahren perverse Handlungen mit den jüngeren Schülern vorgenommen.. Festgestellt ist, daß er in den Tagen vor der Tat viele Gespräche über religiöse Fragen geführt hat. Wenige Tage zuvor hat der Freiburger Erzbischof Groeber im Münster in Villingen eine stark polemische Rede gehalten, in der er von dem Märtyrertum der katholischen Kirche sprach. Vogelgesang hat sein Opfer im Walde dann an einen Baum gebunden und mit Hosenträgern und Tannenzweigen gegeißelt. Don diesem Ort aus schleppte er dann den Jungen, dem er einen Knebel in den Mund gesteckt hatte, zu der Täfelestanne. Diese Tanne, nach der das Kloster seinen Namen hat, trägt einen Bildstock der Mutter Maria und darüber eine Darstellung der Kreuzigung Christi. Unmittelbar vor dieser Tanne lagen drei große weißgeschälte Baumstämme. Der Mörder fesselte sein Opfer an zwei Baumstämmen fest, genau in der Stellung des Gekreuzigten und im Angesicht dieses Bildes. Dann stach er mit einem Taschenmesser auf den Jungen ein und brachte ihm 27 Wunden bei in auffallender Uebereinsttmmung mit den Wundmalen Christt. Zum Verständnis der Zusammenhänge ist es nötig, diese grauenvollen Einzelheiten ausführlich wiederzugeben. Die Fraae, wie weit die Leitung des Klosters und die Erzieher ihre Aufsichtspflicht versäumt haben, bedarf dringend der Klärung. In der Bevölkerung, obgleich sie zu 85 v. H. katholisch ist, gibt es nur noch den einen Wunsch: Fort mit der Klosterschule! In einer Konferenz der Lehrerschaft des Städtischen Realgymnasiums kam die gleiche Auffassung zum. Ausdruck. Dabei wurde besonders der Umstand betont, daß die Erziehung der jungen Menschen in einer gewissen Askese — in Mariatann dursten die Jungen beispielsweise eine halbe Stunde lang überhaupt nicht miteinander sprechen, sie mußten ihr Essen stehend einnehmen und andere Beschränkungen beachten — innere seelische Konflikte mit sich bringt, wie dies besonders die Entwickluna zeigt. Auch die Beschäftt- gung mit den Fragen des Zölibats und der Keuschheit, wie sie in solchen Anstalten üblich ist, muß in diesen jungen Menschen naturgemäß Unruhe auslösen. Als weiterer schwerwiegender Zustand wird die Tatsache angesehen, daß die Jungen in den gleichen Klassen Altersunterschiede bis zu neun Jahren aufwiesen. Von allen maßgebenden Stellen wird dem Milieu der Anstalt, der askettschen klösterlichen Erziehung ein großer Teil Verantwortung an dieser furchtbaren Tat zu- aeschoben. Auch die gesamte Lehrerschaft der Volksschule in Villingen ist in einer Besprechung ebenfalls zu der Auffassung gelangt, daß die Klosterschule geschlossen werden muß. Die katholischen Eltern, die man wegen dieser Dinge befragt, erklären einmütig: Nie mehr werden wir unsere Kinder in eine solche Anstalt geben; denn die ungesunde Atmosphäre der Klosterschule ist der beste Nährboden für anormale verbrecherische Triebe. Oie Ostsee als Verkehrsproblem. Oie Reichstagung der Nordischen Gesellschaft. Lübeck, 21. Juni. (DNB.) Auf der Sitzung der Nordischen Gesellschaft am Montagvormittag sprach zunächst Dr. Alf B j e r k e - Norwegen über das Thema „Der nordische Mensch als Entdecker". lieber „Gemeinsame Verkehrsfra- g e n der O st s e e" sprach darauf der Reichsverkehrsminister Dr. D o r p m ü l l e r. 70 o. H. des Schiffsverkehrs der Ostsee gehören dem Verkehr mit Uebersee. Dieser Verkehr ist heute um 20 bis 25 o. H. größer als 1913. Der Anteil der Ostseeländer an der Weltschiffahrt ist größer als ihr Anteil am Welthandel. Unsere Ostsee ist also wirffchaftlich eines der lebendigsten Gebiete der Weltwirtschaft. Der Durchgangsverkehr durch den Norüostseekanal hat sich 1936 gegenüber 1913 verdoppelt. Die Ausfuhr der Ostseegemeinschaft durch den Nordostseekanal und um Skagen ist gegen die Vorkriegszeit von 25 auf über 30 Millionen Tonnen gewachsen. Die Einfuhr ist dagegen im gleichen Maße zurückgegangen In diesem Rückgang spiegelt sich vor allem die Verdrängung der englischen Kohle durch die polnische wider. Der völkerverbindende Personenverkehr entwickelte sich lebhaft aufwärts, aber der Güterverkehr auf oen Fähren ist gewachsen. Bei Saßnitz hat er sich sogar verdoppelt Die Fährlinien verbinden die Eisenbahnnetze der Ostseeländer miteinander. Besonders in den letzten Jahren haben die Eisenbahnver- waltungen versucht, diese Verbindungen zu verbessern. Dänemark und Deutschland haben gewaltige Brücken gebaut, die die Fährverbindungen ersetzen, die Autotouristik darf von diesen neuen Wegen noch große Entwicklungsmöglichkeiten erwarten. Heute schon fahren Tausende von Autos ohne Bahnverladung auf allen Eisenbahnen über See. Die großen Straßenbauten Deutschlands sowie Schwedens und Dänemarks sind große Leistungen für den Fortschritt der Menschen des Nordens. Deutsche Flugzeuge haben im letzten Jahr im Verkehr mit den Ostseestaaten eine Million Kilometer zurückgelegt. Die Beförderungsleistungen deutscher Flugzeuge konnten in diesem Verkehr seit 1925 auf das Siebenfache gesteigert werden. lieber den 'deutsch-nordländischen Verkehr und das Speditionsgewerbe in den Ländern des Nordens machte der Präsident der Nordist Speditoer For- bund, Generalkonsul I n g w e r s e n - Kopenhagen, bemerkenswerte Angaben. Im Warenaustausch der Länder Dänemarks, Finnlands Norwegens und Schwedens stehe Deutschland mit an führender Stelle. Der Generaldirektor der Wege- und Wasserbauverwaltung Finnlands, Prof Loennroth- Helsinki sprach über die finnischen Verkehrsverbin- dunaen sowie ihren Ausbau bis zum Eismeer Finnland, das Land der 60 000 Seen und mit nur neun Menschen auf den Quadratkilometer besiedelt, verfüge heute über 65 000 Kilometer öffentliche Wege. Die Hauptwege werden für den großen und schnellen Frachtwagenverkehr erstklassig ausgebaut. Das Eisenbahnnetz sei beachtlich weiter entwickelt worden und der Flugverkehr habe gute Fortschritte gemacht. Generalinspektor Dr. Todt behandelte die Frage der Auswirkung des Kraftverkehrs auf die anderen Verkehrsmittel. Wenn für die Eisenbahn auch eine gewisse Abnahme im Nahverkehr sich ergeben könne, werde diese doch durch stärkeren Güterverkehr im Zuge des vermehrten Absatzes von Kraftfahrzeugen und durch Transport von Baustoffen für Neubauten von acht Verkehrsstraßen wieder ausgegliechen werden. Dr. Todl teilte mit, daß noch im Laufe des Jahres 2000 Kilometer Reichsautobahnen fertige st eilt fein werden. Jedes Jahr wurden weitere rund 1000 Kilometer dem Verkehr zur Verfügung gestellt. Die Zeitersparnis auf der Strecke zwischen Vad-Rauhelm und Bruchsal, die 147 Kilometer auf der Reichsautobahn und 161 Kilometer auf bet alten Reichsstraße messe, betrage 4 7 v. h. bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 119 Kilometer auf der Reichs- autobahn und von 71 Kilometer auf der alten Straße. Fahre man auf beiden Strecken mit der gleichen Durchschnittsgefchwindigkeit, so belaufe sich der Benzinverbrauch auf der Reichsstrahe auf 27 Liter, auf der Reichsautobahn dagegen nur auf 15 Liter. Bei mäßiger Geschwindigkeit auf der Reichsautobahn spare der Kraftwagen also allein 40 bis 50 v. h. an Betriebskosten! Versuche mit Lastkraftwagen hätten das überraschende Ergebnis gezeitigt, daß ein 6-Zylinder- Dieselwagen mit Anhänger und mit einer Tragfähigkeit von 8 Tonnen auf der alten Reichsstraße 10 v. H. Treib st off mehr 'N unbelade- nem Zustande braucht, als der gleiche Wagen vollbeladen auf der Reichsautobahn. Nach Fertigstellung der 7000 Kilometer Reichsautobahnen werde sich bei einer angenommenen gleichbleibenden Ver- keyrshäufigkeit wie heute eine Ersparnis an Betriebskosten von rund 280 Millionen Mark jährlich ergeben. Das Hans-Mallon-Mal auf Rügen. WWM M -‘fr *• O »;« ; ■■ y S?- ''' y M - O - . * y / $ KW V« / w -.1 M ■ . I \ 11' ■■ » 3 ■%.:. * 4Y - fXi' i WÄ w>' < Am Fuße des Rugard-Aussichtspunktes auf Rügen wurde das Hans-Mallon-Mal, eine große Halle nach germanischer Bauart, durch den Reichsjugendführer geweiht. Die Gebeine Hans Mallons, des in Den Sommersonnwendtagen 1931 von Kommunisten ermordeten Fahnenträgers der HI., wurden vom Friedhof in die Halle gebracht. (Scherl-Bilderdienst-M.) Das Unglück am Aanga-Parbat. Ein Nachruf des Reichssportführers von Tschammer und Osten. Berlin, 21.Juni. (DNB.) Zum Unglück der Nanga-Parbat-Expedition veröffentlicht der Reichssportführer folgenden Nachruf: Wieder müssen deutsche Namen auf eine der heroischsten Verlustlisten der Erde gesetzt werden, auf die Liste der Opfer des Himalaja. Die deutsche Nanga-Parbat-Expedition wurde von einer Lawine überrascht. Mit den Männern aus dem Herzen Europas starben ihre guten Kameraden aus dem fernen Indien. Erschüttert und gleichzeitig erhoben stehen wir an ihren Bahren, denn auch ihr Opfer beweist nur von neuem, daß der Sport- g e i ft der Welt nicht vor den Gewalten der Natur kapitulieren wird. Als Präsident der deutschen Himalajastiftung und als Führer des deutschen Sportes weiß ich, welches Gelübde in diesem Augenblick deutsche Sportsleute ablegen. Hinter ihnen steht Deutschland, stehen die Sportsleute der Welt. Der toten Helden würdig zu leben, ist der Lebenden Berufung. von Tschammer, Reichssporfführer. ♦ Wieder haben vom Nanga - Parbat niedergehende Lawinen deuffche Forscher und deren eingeborene Begleiter unter sich begraben und getötet — wie 1934. Nachdem zwei Jahre zuvor ein Versuch, den westlichsten Pfeiler des mächtigen Himalaja zu erklimmen, gescheitert war, machten sich die gleichen Männer erneut auf, um diesen Berg zu erobern. Wohl reizte sie die bergsteigerische Leistung, aber alle Mitglieder der Expedition standen im Dienste der Wissenschaft, die ihnen bestimmte Aufgaben gegeben hatte. Die wissenschaftliche Erforschung des Nanga-Parbat stand im Vordergrund. Schon waren die Expeditionsteilnehmer bis auf 8000 Meter Höhe hinaufgekommen, nur 114 Meter fehlten bis zum Gipfel, da gin^ eine der berüchtigten Schneestaublawinen nieder. Vier deutsche Bergsteiger — Drexel, Wieland, Welzenbach, Merk — und sechs eingeborene Begleiter verloren damals ihr Leben. Mit Hilfe der Deutschen Himalaja-Stiftung zog zu Beginn dieses Jahres eine neue Mannschaft unter Führung von Dr. Wien hinaus, schlug am Fuße dieses Bergriesen ihr Lager auf, tastete sich langsam durch Eis und Schnee nach oben und mußte nun ebenfalls bis auf wenige Teilnehmer den Bergsteigertod erleiden. Wir stehen voller Trauer an der Bahre dieser tapferen Männer und ihrer nie verzagenden eingeborenen Begleiter. Sie alle gaben ihr Leben für eine hohe Sache. Unvergessen wird ihr Andenken fein. Warme Teilnahme in England. London, 21. Juni. (DNB.) Die Nachricht von dem tragischen Schicksal der deutschen Nanga-Parbat-Expedition hat in England großes Bedauern ausgelöst. Der Bericht über die Katastrophe wird von allen Blättern an erster Stelle wiedergegeben. Ein englischer Beauftragter aus Gilgit (Kaschmir) sei, so wird dazu gemeldet, nach dem Ort der Katastrophe aufgebrochen, um jede mögliche Hilfe 3U leisten. In einem Leitaufsatz schreibt „Daily Telegraph", daß der deutschen Nation tiefes Mitgefühl für den Verlust der tapferen Männer entgegengebracht werde. Sowohl die indische Regierung wie auch britische Bergsteiger hätten die deutschen Bemühungen, den höchsten Gipfel im britischen Reich zu ersteigen, in jeder Weise ermutigt. Nun bleibe der Nanga Varbctt ebenso wie der Mount Everest und der Kanochenzönga noch unbezwungen. Die „Times" schreiben in einer Leitaussatz, die englische Oeffentlichkeit kenne die schrecklichen Gefahren, denen die englischen Kletterer auf dem Everest ausgesetzt gewesen seien. Sie wisse, was es zu bedeuten habe, wenn Männer ums Leben kämen, die die Herausforderung unbestiegener Berge angenommen haben. Aus diesem Wissen und diesem Verständnis heraus spreche England sein Mitgefühl mit den Angehörigen der ums Leben gekommenen Bergsteiger und mit der deutschen Nation aus. Eine Gruppe von tapferen Männern sei in den Tod gegangen. * Wie aus Simla gemeldet wird, hat der Vize- könig von Indien aus Anlaß des Unglücks der Nanaa-Parbat-Expedition an den deutschen Generalkonsul für Indien folgendes Beileidstelegramm gesandt: ,Zch bin tief betrübt über die Nachricht des tragischen Unfalles der Nanga-Parbat-Expedition. Bitte nehmen Sie meine tiefste Anteilnahme entgegen" .. > -w Die im April d. I. von München aus aufgebrochene deutsche Nanga - Parbat - Expedition ist nach einer Meldung aus Simla in eine große Lawine geraten. Sieben Mitglieder dmd neun eingeborene Träger wurden dabei getötet. Dr. Wien, der Leiter der Expedition, auf unserem Bilde links, soll mit dem Leben davongekommen sein. Rechts Professor Dr. Troll, der wissenschaftliche Mitarbeiter der Expedition, über dessen Schicksal noch nichts Näheres bekannt ist. (Scherl-Bilderdienst-M.) Aus aller Well. Volksdeutsche Kundgebung in Siebenbürgen. 3 u f a r e ft, 21. Juni. (DNB.) In Kronstadt fand eine Kundgebung der Deutschen Volksgemeinschaft in Rumänien unter Beteiligung von Abordnungen aus allen Siedlungsgebieten Rumäniens statt. Zugegen waren außer Landesobmann F a b r i z i u s der Vorsitzende der deutschen Parlamentsfraktion, Dr. Hans Otto Roth, die deutschen Abgeordneten des rumänischen Parlaments sowie die Gau- und Kreisleiter der verschiedenen Siedlungsgebiete. Gemeinsam wurde ein Bekenntnis zum Gesamtdeuffchtum und zur Volksgemeinschaft in Rumänien abgelegt. In besonderer Betonung des Lebens- und Arbeitsrech- t e s der Deuffchen in Rumänien erhoben alle Redner Einspruch gegen die Möglichkeit eines dieses Recht bedrohenden A r b e i ts g e s e tz e s. Im Rah- men der Kundgebung fand die Enthüllung einer Heldengedenktafel für die Weltkriegsgefal- lenen statt. An der Kundgebung nahmen etwa 40 000 Menschen teil, in deren Namen auch ein Begrüßungstelegramm an den König gerichtet wurde. Außerordentlich eindrucksvoll war der Umzug der Tausende in ihren alten Trachten, voran die Jugend mit Fahnen und Musik, durch die schöne alte Stadt. Hungersnot im Chaco. — Deutsche Auswanderer in Rot. In weiten Gebieten des Ehaco, an der Grenze von Argentinien, Bolivien und Paraguay, herrscht besonders in den deutschen Siedlungsge- bieten eine starke H u n g e r s n o t. Die Lage ist In großen Tuben RM.1.10 > WMOnVE^RASIERCREME eüiffesedrinnen in der verglasten Funkerkabine hebt die Hand: „Fertig!" In das Gebrüll des Motors mischt sich ein ohrenbetäubendes Zischen — im nächsten Augenblik sausen die zehntausend Kilo des „Taifun" in solcher Schnelligkeit über die Gleitbahn von Bord, daß das Auge und der Photo-Apparat kaum zu folgen vermögen. Leicht hebt sich der Dornier-Wal über der See empor, schwingt sich in einigen großen Kreisen um die „Friesenlano" und nimmt dann Kurs auf die Küste. Solche Schleuder st arts haben die Luft- hansa-Männer nun schon fast unzählbare hinter sich. Wie einfach sieht das aus: ein Schiff wirft einfach ein großes Wasserflugzeug in die Lust und fertig. Aber wenn einer von uns dergleichen vor 30 Jahren seinem Großvater erzählt hätte, dann hätte es wohl eine Wucht mit dem kurzen Tauende für soviel Frechheit und Aufschneiderei gegeben. Die ,Friesenland" hat gewendet und hält jetzt mit hoher Fahrt wieder Kurs auf Swinemünde. Wenig später wird das leise Singen der Schiffsmotoren übertönt von dem anschwellenden Bahton schwerer Flugmotore. Und da brüllt es plötzlich aus der Luft mit 300 Kilometer Geschwindigkeit heran, viermotorig, mit mächtig ausgreifenden Schwingen. Jetzt ist es über uns. Das ist die „N o r d w i n d", die Neukonstruktion der Hamburger Flugzeugwerke, das größte Ozeanflugboot der Welt für Postzwecke Und dieser Riesenvogel, wie im Vollgefühl feiner enormen Kräfte immer wieder vor Freude aufheulend im Gedröhn seiner Motoren, schwingt sich in den leichtesten, elegantesten Kurven und Kreisen um die „Friesenland , die die 16 000 Kilo des „Nordwind" nun bald von den Azoren in die Luft werfen wird. Und weil wir gerade von den Azoren reden, wollen wir gleich mit einem anscheinend überall verbreiteten Irrtum über die Verwendung der vier Flugsicherungsschiffe der Lufthansa aufräumen. Es ist nämlich nicht so, daß diese Schiffe die weite Strecke über den Ozean unterteilen sollen, sie schwabbern also nicht monate- ober gar jahrelang in der langen Dünung Der Weltmeere herum, son- dem sie liegen grundsätzlich unter Land, entweder in der Nähe der Küste ober wie im Fall der Azoren bei einer Insel Sie stellen kleine, aber mit allen Schikanen ausgerüstete Flughäfen für die Ozeanflugzeuge dar, die sie beim Start „abschießen", ständig funktelegraphisch betreuen, mit dem nötigen Brennstoff aus den großen Schifsstanks im Doppelboden versehen und schließlich mit Mann uab Maschine für die kurze Zeit der Ruhe gastlich auf. nehmen. Mit aus diesen Gründen sind auch diese schwimmenden deutschen Flughäfen draußen im Ausland nicht nur so praktisch, sondern auch so anheimelnd und gemütlich eingerichtet. Die „Friesenland" beispielsweise wird jetzt ein Jahr lang bei den Azoren Dienst tun, und wenn die Besatzung natürlich auch nach den Möglichkeiten des Dienstes Landurlaub erhält, so muß sie natürlich gleichwohl so untergebracht fein, daß sie sich an Bord heimisch fühlt, ihre körperliche und geistige Ausspannung haben kann und für ihren Dienst frisch bleibt, der ja nicht gerade eine Badereise darstellt, zumal wenn man 1 7 0 0 Kilomete r v o m Festland entfernt bleibt. Auch die ständige Dienstbereitschaft für die ankommenden und die startenden Flugzeuge stellt ihre Anforderungen, je dichter die Flugzeugfolge wird und je größer und komplizierter die Maschinen werden. Es ist klar, daß man für die viel schwierigeren Wetter- und Wasserverhältnisse der Nordatlantikroute größere Flugstützpunkte und auch größere Maschinen einsetzt als auf dem Südatlantik. Wetterbericht des Reichswetterdiensles. Ausqabeorf Frankfurt. Noch immer setzt sich über Nord- und Ostsee lebhafte Wirbeltätigkeit fort. Ausgiebige Schauertätig, feit beschränkt sich jedoch zur Zeit auf die nördlichen Teile des Reiches, während im Süd und Südweften sich mit dem Zusammensinken der eingedrungenen Kaltluft stärkere Aufheiterung durchgefetzt hat. Die Großwetterlage hat jedoch noch immer keine Umgestaltung erfahren, so daß beständiges Schönwetter noch nicht in Aussicht steht. Immerhin wird sich der Witterungscharakter im ganzen freundlicher gestalten als seither. Aussichten für Mittwoch: Freundlich, aufheiternd, und zwar besonders im Norden Auftreten einzelner Schauer, Mittagstemperaturen um etwa 20 Grad, westliche Winde. Aussichten für Donnerstag: Vielfach aufheiternd, doch immer noch nicht störungsfrei. Neuschnee in den Allgäuer Bergen. Der starke Temperaturrückgang nach den gewittrigen Störungen am Sonntag hat bewirkt, daß die Niederschläge am Montag in den Allgäuer Bergen als Schnee erfolgten. Bis zur Waldgrenze herunter zeigen sich die Allgäuer Berge verschneit. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Dr. Hans Thyriot. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein (beurlaubt). Vertreter: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 37:. 9326. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- unb Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Ps. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. NS.-Gemeinschaft Kraft durch Freude und seiner Truppe Leistung entscheidet! Sommersprossen Giessen-Schulstr. 6 Fabelhaft schöne Küchen teilweise vollständig ausgelegt mit Kühlkästen von RM. 145 .— an Schöne 4-Zimm.-Wohnung l.St., mit Etag.- Heizung,Nähe d. 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Aber muß das sein, daß es dir genau so geht? Reicht es nicht, daß ich Lehrgeld gezahlt habe und hundert und tausend und hunderttausend meiner Altersgenossen in allen Zeiten und Zonen? Nun sei schon vernünftig und paß auf! Tu dies nicht, tu das nicht! Es schmeckt gar nicht so gut, wie du glaubst! Der Nachgeschmack, das hast du ja nun auch schon ein paarmal gemerkt, ist sehr bitter! Ist es nicht' auch eine dumme Sache, kein Geld zu haben, weil man es hinausgeworfen hat, um dann so dumm dasitzen zu müssen? Könntest du nicht, glaub es mir, sehr munter sein und doch nicht ab und zu so ganz daneben?" So eine Rede könnte man halten. Sehr lange, sehr würdig, sehr wahr. Man hat sie ja auch schon Gehalten, und man hat den Erfolg gesehen. Es gibt einen Erfolg in solchen Reden. Man hat sie ja auch gehalten bekommen. Was etwas werden will, gärt. Der Prozeß läßt sich nicht beschleunigen. Manchmal bleibt so etwas ein Leben lang Most und wird schließlich faulig und schlecht — aber wenn es gut werden soll, dann kann man es nicht durch Zureden gutmachen. Ist es nicht wunderbar, daß sich alle jungen Kerle selber die Hörner ablaufen müssen und daß sie das Leben selber vor die Hürden wirft, über die sie springen müssen — oder verlieren? Man kann ihnen alles sagen! Die ganze Erfahrung kann man ihnen erzählen! Sie hören gar nicht recht hin. Sie lächeln höflich, wenn es hochkommt und denken: „Ja, dir ist es vielleicht so ergangen, mir wird es nicht so gehen!" Es geht ihnen doch so! Aber ist es nicht herrlich, daß sie meinen, immer und immer wieder, bei ihnen, ausgerechnet bei ihnen mache das Leben eine Ausnahme und höfliche Verbeugung? Wenn man ein klein wenig Einfluß auf so ein junges Pferd hat, soll man es ein wenig zügeln, aber nicht zusammenreißen. Sonst wird es nur schlimmer mit ihm. Etwas gibt es auf der Welt, das kann uns niemand schenken. Das kann man nur erfahren, nämlich eben: Erfahrung! r. k. Dornoiizen. Tageskalender für Dienstag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Eiste Nacht mit Hindernissen". — Oberhessischer Kunstoerein: Skagerrak-Ausstellung, 17 bis 19 Uhr, Gesellschaftshaus, Sonnenstraße. Sladtlheater Gießen. Im Rahmen der Sommerspielzeit gastiert am Samstag, 26. Juni, auf seiner Deutschlandtournee das Berliner Ensemble Ada Tschechowa, C. Heinz Klubertanz und Ernst P i t^ s ch a u mit „Laß uns träumen ...!", ein Spiel in drei Akten von Heinz Klimmer. Die Namen der Mitwirkenden bürgen für einen genußreichen Abend. Vorstellungsbeginn 20, Ende 22 Uhr. Spielleitung: Carl-Heinz Klubertanz; Bühnenbild: Karl Löffler. Deutsche Arbeitsfront. Kreiswallung Dellerau. Die Gauarbeitsschule eröffnet in Hohenstein im Taunus eine „English Boarding Adult School", eine neuartige Pflegestätte für Berufsund Umgangs-Englisch. In zwei Jnternatslehrgän- gen, einem dreiwöchigen, der Anfang Juni und einem vierwöchigen, der Mitte Juli beginnt, wird zwar keine Gelegenheit zur Erlernung der englischen Sprache, aber eine ausgezeichnete Fortbildungsund Vervollkommnungsmöglichkeit geboten. Mit Vorbedacht sind beide.Lehrgänge mitten in die sommerliche Urlaubszeit gelegt, denn der Aufenthalt im Internat „Hohenstein Castle" soll nicht nur der fremdsprachlichen Schulung, sondern gleichzeitig der Erholung dienen. Aber auch die Freizeit tritt mit Wanderungen, Spiel, Sport und geselliger Unterhaltung aller Art wiederum in den Dienst der Sprachenpflege, denn Englisch bleibt die für alle Teilnehmer vorgeschriebene Umgangssprache. Der planmäßige, nach ganz neuen Gesichtspunkten vorgehende Unterricht, der nach Möglichkeit im Freien stattfindet, ist aus die Vormittagsstunden beschränkt. Die Abteilung für Berufserziehung und Betriebsführung der DAF. in Gießen erteilt gerne Auskunft. MOr Die deutsche Arbeitsfront D N.S.-0emeintchaft „Kraft durch freude". Omnibusfahrl an den Rhein. Am Sonntag, dem 27. Juni 1937, führen wir eine Omnibusfahrt an den Rhein durch, die folgenden Verlauf nimmt: Gießen — Großen-Linden — Bad-Nauheim — Friedberg — Bad Homburg — Königstein — Wiesbaden — Schierstein — Rüdesheim — Lorch — Bad Schmalbach — Esch — Usingen — Bad-Nauheim — Gießen. Der Fahrpreis beträgt pro Teilnehmer 6,30 Mark. Anmeldungen nimmt die Kreisdienststelle entgegen. 4244D Neuer Sportkursus. Am Dienstag, 22. Juni 1937, beginnen wir in der Turnhalle des Lyzeums einen neuen Sportkursus nur für Frauen „Fröhliche Gymnastik". Anfang 20.30 Uhr. Sonderzug nach Düsseldorf. Zur großen Reichsausstellung „Schaffendes Volk" fahren wir am 26., 27. Juni 1937 einen Sonderzug nach Düsseldorf. Abfahrt Samstag 14 Uhr. Rückkunft Sonntag, 24 Uhr. Teilnehmerpreis: enthaltend Fahrt, Ueber- nachtung, Frühstück, eine Abend- und eine Tageskarte 9,20 Mark. Anmeldungen müssen sofort erfolgen. Danziger Studenten besuchen Gießen. Auf einer Besichtigungsfahrt durch Deutschland werden am 3. Juli 18 Danziger Studenten auch Gießen, seine Universität und die hiesigen und umliegenden Industrien besichtigen. Die Gäste aus der freien Stadt Danzig werden mehrere Tage in Gießen weilen. Gießener Wochenmarktpreife. * Gießen, 22. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, V2 kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, deutsche Eier, Klasse S 11, Klasse A IOV2, Klasse B 10, Klasse C 9V2, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, gelb, V2 kg 12 bis 15, Weißkraut 10 bis 12, gelbe Rüben, neue, das Bündel 12 bis 15, rote Rüben 12 bis 15, Spinat, V2 kg 18 bis 20, Römischkohl 12 bis 15, Bohnen, grün, 25 bis 30, Erbsen 20 bis 25, Tomaten 35 bis 55, Zwiebeln 15, Rhabarber 8 bis 12, Kartoffeln, alte, 5, 5 kg 46 Pf., der Zentner 3,85 bis 3,95 Mark, neue, V2 kg 12 bis 16 Pf., Pfirsiche 50 bis 60, Himbeeren 45 bis 50, Birnen, ausländische, 80, Kirschen 35 bis 50, Stachelbeeren 20 bis 35, Johannisbeeren 25 bis 50, Erdbeeren 20 bis 25, Blumenkohl, das Stück 20 bis 50, Salat 8 bis 10, Salatgurken 15 bis 35, Oberkohlrabi 7 bis 12, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf. * ** Versorgungsamts - Pers 0 nalie. Der Verwaltungssekretär August Kimmel vom Versorgungsamt Gießen wurde mit Wirkung vom 1. Mai 1937 zum Verwaltungsinspektor ernannt. ** Der Gießener Tanzklub „Rot- Weiß" in Bad Wildungen erfolreich. Der Tgnzklub „Rot-Weiß" Gießen, der im vergangenen Jahre von vier auswärtigen Tanzturnieren mit 1. und 2. Preisen in der B- und E-Klasse heim- 1 kehrte, ist auch in der diesjährigen Turnierzeit wieder auf der Höhe. Bei dem am letzten Samstag in Bad Wildungen von dem Reichsverband zur Pflege des Gesellschaftstanzes in der Reichstheaterkammer veranstalteten Reichsoerband-Tanzturnier um die Meisterschaft von Kurhessen konnte das Tanzpaar B u e s und Frau von Tanzklub „Rot-Weiß"-Gie- ßen bei starker Konkurrenz in der B-Klasse den 1. Preis erringen. Daß der Tanzklub „Rot-Weiß zur Zeit über gute Paare verfügt, geht schon daraus hervor, daß zu dem Turnier am 10. Juli in Bad Ems von Gießen drei Paare gemeldet werden konnten« Wie wir erfahren, plant der Tanzklub „Rot-Weiß" für den Herbst die Abhaltung eines größeren Tanzturniers in Gießen. Unsere Trachtengruppe in Frankreich. Georg Heß berichtet... Gegenwärtig weilt eine Trachtengruppe aus unserer Heimat in Frankreich. Diese Gruppe setzt sich, wie wir bereits berichteten, aus Hüttenberger, Schlitzerländer, Odenwälder und Hinterländer Paaren zusammen. Am Mittwoch der vergangenen Woche versammelten sich die 22 Teilnehmer unter der Leitung von Georg Heß (Leihgestern) im Frankfurter Hauptbahnhof und wurden dort von der Gauleitung mit allem Notwendigen für dieAus- landsfahrt versehen. Mit dem O-Zug ging es zunächst nach Freiburg i. Br., wo die 'Hessen herzlich willkommen geheißen wurden. Die Nacht vom Donnerstag zum Freitag wurde in Freiburg verbracht, und am anderen Morgen wurde die Fahrt im Omnibus nach Frankreich angetreten. Der Leiter der Fahrt wurde nun mit Devisen bedacht, und die Gruppe konnte einen Tagesproviant an Essen und Trinken mitnehmen. Unseren Hessen wurde ein tüchtiger Dolmetscher, ein Elsaß-Lothringer, beigegeben, von dem sie bald erfuhren, daß die Hessen die einzige Gruppe seien, die an dem Internationalen Treffen der Volkstumsgruppen in Frankreich teilnehmen sollten. Die Burschen und Mädchen wußten diese besondere Ehre zu würdigen und waren sich dessen bewußt, was es heißt, Deutschland in Frankreich zu vertreten. Alle waren sie sich darüber einig, daß sie für Deutschlands Ehre zu wirken hatten. Die Kontrolle an der Schweizer und an der französischen Grenze ging reibungslos vonstatten. Kaum, daß das Gepäck nachgesehen wurde. Die Fahrt führte dann über Basel, Neufchatel, Lausanne und Genf. Unbeschreiblich war der Eindruck, den unsere Hessen während der Fahrt, 100 Kilometer entlang dem Genfer See gewannen! Ein großes Erlebnis war allen auch der überwältigendeAnblick der Bergwelt. Kaum gewahrten sie dessen, daß sie 400 Kilometer zurücklegten und dabei zehn Stunden im Autobus saßen. Am Freitagabend gegen 20 Uhr trafen unsere Hessen dann in Aix-Les-Bains ein und wurden im Sitzungssaal des Rathauses (der mit Hakenkreuzfahnen und der Trikolore geschmückt war) vom Bürgermeister der -Stadt empfangen. Dort wurde ihnen ein mächtiger Rosenstrauß überreicht, und der Bürgermeister hielt eine Ansprache, die unseren Landsleuten übersetzt wurde. DerBürgermeister gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die deutsche Volkstumsgruppe der Einladung Folge geleistet habe und sprach die Hoffnung aus, daß der Besuch dazu beitragen möge, das Verständnis zwischen deutschen und französischen Menschen zu fördern. Nachdem unsere Burschen und Mädchen zu einem Ehrentrunk Champagner aufgefordert waren, dankte der Dolmetscher für die Trachtengruppe und deren freundlichen Empfang. Auf der Fahrt in das Hotel, das die deutschen Gäste für die Nacht beherbergen sollte, wurde der Trachtengruppe von vielen Franzosen herzlich zugewinkt. Im Hotel selbst wurden sie auf das Beste bewirtet. Mit großen Erwartungen auf den nächsten Tag schlief man ein. Am andern Morgen, also am Samstag, gab es einen Stadtrundgang; dann hatte die Stadt zu einem Frühtrunk eingeladen, und nach der Mittagspause wurden die Badeanlagen besichtigt. Auch lernten unsere Hessen eine romantische Grotte kennen, in der sich die Schwefelquelle des Heilbades befindet. Am Abend fanden dann im Saal des Casinos die ersten Darbietungen der ausländischen Gruppen statt, wobei unsere Hessen die Ehre hatten, als erste Gruppe aufzutreten. Unsere Burschen und Mädchen sangen frisch und unbekümmert ihre Volkslieder und zeigten Tänze, die mit großem Beifall ausgenommen wurden. Der Beifall wurde stürmisch, als die Hessen gar noch Nelkensträußchen in die Menge der französischen Zuschauer warfen. Der Sonntag brachte eine Gedenkfeier am Ehrenmal gefallener Franzosen, bei der auch unsere Hessengruppe einen Kranz niederlegte. Am Nachmittag fand dann eine Veranstaltung int Freien statt, bei der wieder alle Volkstumsgruppen austraten. Heber den weiteren Verlauf der Fahrt unserer Trachtengruppe in Südfankreich werden wir noch berichten. Formationen der Bewegung feiern Sonnenwende Gonnenwendfeuer über dem Bergwerkswald. Zu abendlicher Stunde zogen am vergangenen Samstag unter dem Gesang manchen Marschliedes die Kameraden des SA.-Sturmes 11/116 unter der Führung von Sturmführer Bauer hinaus zum Bergwerkswald, um dort in schöner Gemeinschaft eine feierliche Stunde zu erleben. Auch Obersturmführer Walter nahm daran teil. Nach der Ankunft auf dem für die Feier vorgesehenen Platz lagerte man sich zunächst bis zum Einbruch der völligen Dunkelheit im hohen Gras unter Büschen und Bäumen. Schließlich erklang das Kommando zum Antreten. Im offenen Viereck formierten sich die Mannschaften Um den aufgerichteten Holzstoß, der seine Umgebung mächtig überragte. Fackeln wurden entzündet, und nach einem kurzen Vorspruch hielt Sturmführer Bauer eine Ansprache, in der er an den Kampf der SA. um die Erneuerung des Reiches erinnerte und dann davon sprach, wie unerschütterlich der Glaube an das deutsche Volk und seinen Führer in jenen Kämpfern gelebt habe, die ihr Leben für die Bewegung gaben. Er sprach ferner vom tieferen Sinn der Feier der Sonnenwende, in der schon die Altvorderen Erneuerung und Läuterung sahen. Mit einem Aufruf zu steter Opferbereitschaft, zu unerschütterlicher Treue zu Führer und Volk schloß der Redner. In ernstem Schweigen folgten die Kameraden den überzeugenden Worten und klaren Gedanken ihres Sturmführers. Im weiteren Verlauf der Feier sprachen einige Kameraden, aus Reih und Glied heraus, dichterische Worte und Verse, die in nachhaltiger Weise die tiefe Bedeutung des Tages der Sonnenwende und die symbolische Kraft des Feuers in dieser Nacht zum Ausdruck brachten. puhen Sie ein Klavier mit Sand? Das würde seinem Glanz wohl nicht bekommen. Genau so isfs mit Ihren Zähnen. Für sie ist das Feinste gerade gut genug. Probieren Sie mal Nivea-Zahnpasta. Die erhält Ihre Zähne u. schont den Zahnschmelz. Haben wir da gelacht! Von Gert Lynch. Am Rande des Dorfes, wo die Kiesgruben liegen und vereinzelte Birken wachsen, steht eine braune rissige Lehmhütte mit kleinen viereckigen Fenstern. Die Rückseite des Häuschens ist mit Brettern verschalt, die das Wetter schwarzgrau gebeizt hat. An der Giebelseite, wo die ausgefahrene Straße vorbet- schlängelt, wurzelt ein alter, knorriger Holunder. Der bemooste Stamm stützt die Lehne der Knuppel- bank. Hier fitzt am Feierabend der Piwacker Tim und schwingt aus den Knien die Ziehharmonika, daß es durchs ganze Dorf klingt. Auf feiner Achsel schnurrt Ratz, der taube Kater, reibt das Ohr an Tims Bartstoppeln und tappt jedesmal nach der Bierflasche, wenn Tim einen Schluck nimmt. Tim kennt viele Lieder und spielt gut, und manches Fenster im Ort öffnet sich. Die eifrigsten Zuhörer aber find die Kinder. Sie liegen bäuchlings im spärlichen Gras vor der Knüppelbank. Die Jüngsten, die nicht nach Hause wollen, müssen von den Aelteren fortgeschleift werden. Gegen zehn Uhr klopft Frau Piwacker an die Scheibe. „Schlafenszeit", sagt Tim und dehnt die Arme. Doch einige Burschen betteln hartnäckig: „Tim, erzähl' noch was, wo ihr gelacht habt. Und Tim, der weit umhergekommen ist und das Donaugebiet von Passau bis zum Schwarten Meer kennt, läßt sich erweichen. In jeder Geschichte, die er erzählt, fällt die Redensart „Haben wir da gelacht!" Meist gibt es bei den Geschichten gar nichts zu lachen, aber sie sind dermaßen spannend, daß es allen den Atem versetzt. Die Geschichte, wie er von einer Giftschlange gebissen wurde und die Wunde mit dem glühenden Messer ausbrannte, soll er erzählen, obgleich er sie schon an die zwanzigmal erzählte. „Haben wir da gelacht , schllderte er, „als die glühende Klinge das Fleisch verschmorte und mein Kollege, der Peter Haberstroh dieses lange Laster meinte, es riecht wie aus dem Münchner' Oktoberfest, wie Ochs am Spieß. „ , r Die Zuhörer versuchen zu lachen und kräuseln die Lippen. „Und das mit „öer Zigarre, Tim, erzähl das auch noch, maast?" Und er erzählt das auch noch. Im Felde war es, im Balkan unten, als ihm die Serben mit einer Flintenkugel die Zigarre aus dem Maul herausschossen, und wie er sich dann, ha, ha, einfach eine andre angesteckt hatte. „Haben wir da gelacht! Alle lachen. Am- meisten die kleine Forsterresl, die breitbeinig am Boden sitzt und sich nicht mehr beruhigen kann. „Nun hör schon auf mit Kichern", sagt Tim, in-! dem er aufsteht, seine Harmonika unter den 2lrm| klemmt und ins Haus geht. Am andern Morgen, kaum daß der Hahn aus- gekräht hat, klopft es hart an die Tür. Die Gendarmen find es, die eine Haussuchung vornehmen. Sie öffnen das Pökelfaß, stochern im Heuschober, scheren den Kartoffelhaufen und das Brennholz auseinander, gabeln im Misthaufen herum, aber sie finden nichts. „Piwacker", sagt der Kommandant, „Sie sind der beste Schütze im Umkreis. Das Wildern nimmt kein Ende mehr, und die Spuren führen zur Kiesgrube. Man munkelt so allerlei, nehmen Sie sich in ad)V." „Könnt ihr mir etwas nachweisen?" entgegnet Tim. „Habt ja den Bau schon im letzten Jahre durchsucht und auch nichts gefunden. Haben wir da gelachk!" „Unterlassen Sie diese dumme Redensart" sagt der Kommandant und verläßt ohne Gruß mit den beiden Wachtmeistern die Hütte. Frau Piwacker zittert an allen Gliedern und umfaßt mit beiden Händen den Arm des Sohnes: „Tim", sagt sie, „um meiner Seligkeit willen, ich flehe dich an, du wirst doch nicht...? Denk an deinen Vater, der beim Wildern ums Leben kam! Ich würde die Schande ein zweites Mal nicht überleben." „Aber Mutter, bist wohl nicht recht gescheit, ich und wildem? Daß ich nicht lach'!" Er löffelt vergnügt seinen Schmarrn. Dann klopft er der Mutter beruhigend auf die Schulter, hängt die Joppe um seine Achseln und geht zur Arbeit. Der Holzschlag ist diesmal nahe beim Dorf. Vormittags schabt das Schopsereisen, das die Rinde der umgelegten Stämme in langen Fladen herunterschält. Dann wird wieder gefällt. Axtschläge dröhnen, Späne wirbeln, Splitter spritzen. Die Säge razt, und das Holzmehl stiebt in dünnen Strahlen davon und zieht lichte Blessen über die dunkle Matte. Die Rotfichte, wo Tim und fein Partner arbeiten, beginnt zu schwanken, so daß die Säge klemmt. Tim eilt zur Werkzeughütte, um die Hartholzkeile zu holen. Hier, auf der Schneise, erblickt er die kleine Försterrest. „Grüß Gott, Tim", ruft sie und lacht über das ganze Gesicht. „Was treibst denn du hier im Walde?" fragt er. „Wir haben doch Ferien", antwortet sie, und ich suche Erdbeeren. Magst welche?" Und sie reicht ihm ein Rankensträußchen, aus dem blutrote Walderdbeeren heraushängen. „(Belts Gott", sagt Tim, nimmt das Sträußchen und läuft weiter. „Tim?" „Was noch?" Er hält inne und wendet sich um. „Erzähl doch nochmal von der Zigarre, wo ihr so gelacht habt!" „Ja, bist denn närrisch geworden? Jetzt unter der Arbeit? Geh schon nach Hause, wir können dich hier nicht brauchen." Er läßt sie stehen und geht zum Schlag zurück. Niemand bemerkt, daß das Kind nachfolgt. Tim treibt zwei Keile in den Schlitz, und dann wird fortgefägt Ein Zittern läuft durch die Aeste, der Stamm schaukelt, die Keile fallen heraus, es knäckert und ächzt, die Säge verstummt, zischend neigt sich der Wipfel, die Holzhauer treten zurück. Tim wirft einen Blick in die Richtung, wo der Baum aufschlagen wird, und zuckt zusammen. Er springt bei und stemmt sich mit allen Kräften gegen den finkenden Stamm. Die Stiefel werden tief in die Walderde gepreßt, der Körper krümmt sich, die Schulter knackt und gibt nach, und die Notfichte verändert noch im Fallen die Linie, rutscht Tim am Arm herunter und poltert mit dumpfem Krach zu Boden, daß die Gründe erbeben. Einen Schritt von der Stelle entfernt, wo der gewaltige Wipfel das Moos zerpeitfchte, sitzt Rest. Der Schreck hat ihre Arme gestreckt, und ihre Hände halten krampfhaft ein frisches Sträußchen, an dem die Erdbeeren leuchten. Tim steht da wie ein alter Mann, krumm und mit eingezogenen Schultern. Er keucht; fein Atem ist kurz und abgehackt. Als er sich überzeugt hat, daß Refl gerettet ist, spielt ein schiefes Lächeln um feinen Mund. „Haben — wir — da gelacht", stammelt er und fällt erschöpft vornüber, während das Kind schrill aufheult. Tim wird auf der Bahre ins Dorf gebracht und ins Bezirkskrankenhaus übergeführt, wo man einen Schlüffelbeinbruch feststellt. Die Aerzte sind der Meinung, daß bei der Bärennatur des Verunglückten alles ausheilen wird. Die ersten, die Tim besuchen, sind der Oberförster und seine Tochter. Resl legt einen Lärchenstrauß auf das Bett und stellt einen Krug mit Walderdbeeren auf das Tischchen. Dann forscht sie mit großen Augen in Tims Zügen. Der aber lacht sie an, zieht den gesunden Arm aus der Decke und läßt zwei Finger an ihrem Bauch entlangspazieren. „Es kriecht ein Käfer fribbelfrabb!" Da muß auch Resl lachen. „Ich danke dir schon, Tim, daß du mir das Leben gerettet hast!" sagt sie und hascht seine Hand. „Piwacker", sagt ernsthaft der Oberförster, „auch ich danke Ihnen! Zwischen uns war Mißtrauen. Das soll jetzt anders werden. Wenn Sie wiederhergestellt sind, können Sie Jagdaufseher in meinem Revier werden. Ich denke, daß dann nicht mehr gewildert wird — einverstanden?" Die beiden Männer sehen sich in die Augen und schütteln sich stumm die Hände. Glona-palast: „Eine Nacht mit Hindernissen". Fedor von Zobelti tzens verliebte und witzige Geschichte von dem jungen Seeoffizier, der ver- botenerweife und heimlich eine Nacht auf Urlaub fährt, um nach monatelanger Abwesenheit ! ne kleine Frau in einem norddeutschen Hafenstäd.chcn zu besuchen, ehe er im Morgengrauen, als ob nichts gewesen wäre, wieder nad) Schanghai in See sticht — diese schöne Geschichte hat im Laufe der Jahre verschiedene Verwandlungen durchgemacht: ursprünglich war's ein Roman unter dem Namen „Der Klapperstorchverband", dann wurde ein Lustspiel daraus, das hieß „Weh dem, der liebt" und erschien vor einiger Zeit auch bei uns auf dem Theater. Jetzt hat zuguterletzt die Maxim-Film G. m. b. H. in Berlin einen Film daraus gemacht, der — mit geringen Abwandlungen und einem etwas verlängerten Epilog — im wesentlichen getreu den Spuren des Lustspiels folgt und dem Beschauer anderthalb Stunden ungetrübter Heiterkeit bereitet. Man kommt aus dem Lachen und dem Schmunzeln nicht heraus; es geht ja stellenweise recht unverblümt und anzüglich zu, aber die Situationen, die nächtlichen besonders, reizen unwiderstehlich zum Lachen. Es ist natürlich die alte Schwanktechnik, die hier mit unbestreitbarem Kombinationstalent angewandt wird; das Hübsche ist dabei, daß noch in den verrücktesten Szenen eine Spur von Wahrscheinlichkeit und Lebensnähe zu finden ist. F. B. Cor t an schrieb das Drehbuch; Carl Boese hat es mit geistesgegenwärtigem Sinn für Komik und hanebüchenen Pointen in .Szene gesetzt; es wird auch luftig gespielt, ßucie Englisch macht die kleine Kapitänsfrau mit dem legitimen, dennoch geheimen Abenteuer: sehr niedlich en ihrer Freude, ihrer Angst und ihrer stürmischen Verliebtheit; Georg Alexander scharmant und witzig als Dr. Pirovius; unter den mancherlei ergötzlichen Typen, die an dem kleinstädtischen Sturm im Wasserglase außerdem in erster Linie beteiligt sind, verdienen Brausewetter, Hans Richter, Eva T i n s ch m a n n und Josefine Dora an erster Stelle genannt zu werden: Fritz G e n s ck) 0 w (Rolf) und Erika B i e b r a ch (Gerten Kruse) seien nidjt vergessen. * Im Beiprogramm sieht man die neue Wochenschau, einen unterhaltsamen Tierfilm und einen Vorspann zu den „Drei Kaiserjägern". \ Hans Thyriot Klar und feierlich klangen die Worte in die Stille und das Dunkel der Nacht. Dann warfen die Fackel- träger unter kurzen Sinnsprüchen die Fackeln in das dürre Holz des hohen Stoßes, aus dem im Nu die Flammen emporzüngelten und in lebendigem Schwung zum Himmel schlugen. Die Kameraden des Sturmes fangen dann einen Vers des Liedes „Flamme empor r Nachdem ein dreifaches Sieg- Heil auf. den Führer ausgebracht und das Deutschlandlied und das Horft-Wesfel-Lied gesungen waren, lagerten die Kameraden am leuchtenden und wärmenden Feuer, um erst gegen Mitternacht in die Stadt zurückzumarschieren. Die Feier war allen Kameraden des Sturmes ein schönes Erlebnis. EG.,HZ.undLDM.amBismarckturm Gestern abend versammelten sich die Gefolgschaften der Hitler-Jugend, Scharen des BDM. und eine Abteilung von Kameraden der SS. auf Oswalds- garten, um gemeinsam hinauszumarschieren zu einer Sonnwendfeier am Bismarckturm. Noch als die Formationen im Anmarsch waren, leuchteten ihnen vom Turme auf der Höhe schon Flammen entgegen, die aus der Feuerschale auf dem Turm mächtig emporloderten. Bei der Ankunft auf dem großen freien Platze stellten sich Fackelträger an den Treppen vor dem Turm auf, und zwei SS.- Kameraden schwangen mächtige Kienfackeln im Kreise. Rasch formierten sich die Kameradschaften um den großen Holzstoß. Die Fahnen der Hitler- Jugend und des Jungvolks flatterten im Winde. Gemeinsam wurde zum Auftakt der Feier das Lied der Jugend gesungen. Ein kurzer Dorspruch stellte den Sinn der Feier vor das geistige Auge. Dann wurde der Holzstoß entzündet, aus dem prasselnd die Flammen auffuhren und einen mächtigen Funkenregen um sich breiteten. Ein Kamerad aus dem Kreise der HI. Überreichte dann einem Kameraden der SS. die im vorigen Jahre von der Hitler-Jugend übernommene Sonnwendfackel. In einer kurzen Ansprache rückte der SS.-Oberscharführer Goubeaud den tiefen Gehalt der Feier in den Bewußtseinskreis aller seiner Zuhörer. Es seien Ewigkeitswerte, die uns hier ergriffen, fo führte er u. a. aus, wenn wir an diesem Feuer ständen. Tag und Nacht berührten sich. Das Feuer schweiße uns zusammen in eine Unsterblichkeit. Es sei sym- l/olisch für unser geeintes Schicksal, für Leben und Tod, für Sieg ober Untergang. Hier sei eine Glut und e i n Geist, der uns Menschen emporreiße und in solcher Stunde vernähmen mir das Walten unserer Stammesseele in uns und die Gemeinsamkeit unseres Blutes mit dem unserer Ahnen. Hier an solchem Feuer könnten wir immer die Kraft finden für den Glaubenskampf unseres völkischen Seins. Eine Gruppe der HI. beschloß die Worte des SS.- Kameraden mit zwei Versen des Liedes „Wenn alle untreu werden". Während das Feuer, das hellen flackernden Schein auf die ernsten Gesichte^ der jungen Menschen warf, langsam in sich zusammen- sank, beschlossen das dreifache „Siegheil" auf den Führer und das gemeinsam gesungene Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied die erhebende Feier. Geschlossen rückten die Formationen wieder ab und noch mancher Teilnehmer warf auf dem Heimweg noch einen Blick zurück, empor zum Turme, auf dem jetzt auch das Feuer in der Schale allmählich verlosch. So fährt ein ritterlicher Kraftfahrer! Korpsführer Hühnlein gibt 12 Thesen bekannt. Die NSKK.-Motorbrigade Leipzig veranstaltete am Sonntag den ersten geschlossenen Aufmarsch. Dem Appell kam besondere Bedeutung durch die Anwesenheit des Korpsführers Hühnlein zu. Den Höhepunkt erreichte die Veranstaltung mit der Verlesung der vom Korpsführer ausgestellten zwölf Thesen, die, da sie erstmalig hier in Leipzig bekanntgegeben wurden, als ,,D i e zwölf Leipziger Thesen Ms NSKK. - Mannes für anständiges und ritterliches Fahren" für das ganze Reich gelten. Diese zwölf Thesen, die nicht nur für jeden NSKK. - Mann verbindlich sind, sondern jedem deutschen Kraftfahrer in das Stammbuch gehören, und für jeden Führer eines Kraftfahrzeuges Richtschnur sein müssen, haben folgenden Wortlaut: 1. Die Beherrschung der Fahrkunst wie der Verkehrsregeln allein genügt nicht. Erst durch die Ritterlichkeit seiner Fahrweise und die Disziplin seiner Haltung erweist sich der NSKK.-Mann als vorbildlicher und erzieherisch wirkender Fahrer. 2. Der Zustand eines Kraftfahrzeuges ist die Visitenkarte seines Fahrers. Wer nicht alles daran setzt, um sich den Wert seines Kraftfahrzeuges durch beste und liebevollste Pflege zu erhalten, vergeudet Volksvermögen. 3. Das freihändige Fahren mit Motorrädern, die Mißachtung der Autobrille und das Lümmeln am Steuerrad mit heraushängenden Ellenbogen sind nicht etwa ein Beweis für die besondere Forschheit des Fahrers, sondern nur ein Zeichen für mangelndes Derantwortungs- und Anstandsgefühl. 4. Ein verantwortungsbewußter Fahrer weiß, wann er sich während der Fahrt allch einmal einige Züge aus einer Zigarre oder Zigarette unbedenklich' gestatten kann. 5. Du kennst die scharfen Maßnahmen des deutschen Polizeichefs gegen betrunkene Kraftfahrer. Prüfe aber auch vor 6er Fahrt, ob Verärgerung, dienstliche oder geschäftliche Belastung ober Gemütsbewegung bein inneres Gleichgewicht stören. 6. Mit unoerminberfer Geschwindigkeit beim Begegnen mit anberen Verkehrsteilnehmern rücksichtslos burch Pfützen zu fahren und leichtfertig Staubwolken aufzuwirbeln, verstößt gegen alle Regeln nationalsozialistischer Verkehrsgemeinschaft. 7. Motorengeknatter und Auspuffknallen find kein Ausdruck heldischer Gesinnung. Ruhiges, üverlegtes Anfahren und Schalten schonen die Nerven anderer und finden die Anerkennung des Fachmannes. 8. Flottes zügiges Fahren entspricht dem Sinn des Kraftfahrzeugs und macht uns Freude. Nur die gewissenhafte Beachtung unseres Grundsatzes, daß die Geschwindigkeit nach den Verkehrsverhältnissen einzurichten ist, hält uns Geschwindigkeitsbeschränkungen vom Leibe. 9. Ein einziges ruhiges Wort der Belehrung und sachlicher Feststellung stärkt deinen Standpunkt; sinnloses Schimpfen schwächt ihn ab. 10. Wer aus dem fahrenden Kraftfahrzeug Zeitungen, Obstschalen und Stullenpapiere hinausfeuert, verunreinigt die Straßen und gefährdet den Verkehr. 11. Schwere Gewichte, höhere Pferdestärke und größere Ausmaße des Kraftfahrzeuges erhöhen nicht die Rechte, sondern die Pflichten der Rücksichtnahme. 12. Die freudige und bereitwillige Ausübung einer steten Hilfsbereitschaft der Landstraße ist vornehmste Pflicht. Der Sanitätskasten gehört zum Kraftfahrzeug wie die Kerze zum Motor. Wer diese Regeln beachtet, ist ein ritterlicher und anständiger Kraftfahrer! Rundfunkprogramm Mittwoch, 23. 3uni: 6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.50: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. Offene Stellen. 13.15 Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Klingende Farben. 15: Richtig lüft- und sonnenbaden. Referat von Dr. med. Alfred Brauchle. 15.15: Von der Größe und Gewalt der Bergnatur. 15.30: Volk und Wirtschaft. 16: Konzert. 17: Aus der Welt des Sports. 17.30: Billette Nr. 3 sind ab. gelaufen! Kintopp anno bunnemal. 18: Unser sin- genbes klingendes Frankfurt. ,19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Unterhaltungskonzert. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.20: Kamerad, wo bift du? 22.30: Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtmusik. Aus der engeren Heimat. Abschluß der hermatbotanischen Woche in Bad-Nauheim. LPD. Bad-Nauheim, 21. Juni. Mit einem Kameradschafts- und Hessischen Heimatabend fand die arbeitsreiche „Heimatbotanische Woche" ihren Abschluß. Professor S p i l g e r (Darmstadt), der Leiter der Tagung, dankte allen denen, die für die vorbereitenden Arbeiten der Tagung verantwortlich zeichnen, sowie den Dozenten, die sich zur Verfügung gestellt hatten. Der siebente und letzte Tag der Heimatbotanischen Woche des NS.-Lehrerbundes brachte nochmals eine zusammenfassende Besprechung der Ergebnisse der Arbeitswoche, außerdem wurden Plan und Gestaltung der zukünftigen heimatbotanischen Arbeit in den einzelnen Kreisen des Gaues in den wesentlichen Zügen festgelegt. Anschließend fanden Führungen durch bas Museum, bas Kerckhoff-Jnstitut unb die technischen Betriebe des Staatsbades statt. Landkreis Gießen. < Garbenteich, 21. Juni. Die evangelische Frauenhilfe Garbenteich kann mit Befriedigung auf den Ausflug zurückblicken, den sie am vergangenen Sonntag machte. Zwei Autobusse der Post brachten die 80 Teilnehmerinnen zunächst nach Frankfurt, wo nach einer Rundfahrt durch die Stadt der Palmengarten besichtigt wurde, dessen Blumenpracht gerade bei den Landfrauen ganz besonderes Interesse erregte. Es blieb noch Zeit, um einen Teil des Vormittagskonzertes mitanzuhören und nach einer Mittagspause, über Darmstadt fahrend, das nächste Reiseziel, die Epileptische Anstalt und das Krüppel- Heim zu Nieder-Ramstadt zu besichtigen. Das frohe bunte Bild des Palmengartens wandelte sich nun zu einem erschütternden Eindruck. Die Frauen waren tief ergriffen von so viel menschlicher Not, die sich hier offenbarte, zugleich konnten sie aber auch etwas erleben von der selbstverleugnenden Tat der Liebe, mit der die Innere Mission sich armer Menschen- Einber annimmt. Im Erholungsheim der evange- lischen Frauenhilfe unter der freundlichen Leitung von Frl. Luthardt wurde der Neubau besichtigt. Die Rückfahrt erfolgte auf der Reichsautobahn Darmstadt — Bad-Nauheim. Mit Bewunderung konnten die Frauen dieses Wunderwerk deutscher Technik und Aufbauarbeit sehen. So war es ein Tag, reich an mannigfaltigsten Eindrücken, der den Teilnehmerinnen lange in der Erinnerung bleiben wird. (XD Cberstadt, 21. Juni. Die Heuernte kann hier als beendet angesehen werden. Fast bas ganze Heu ist sehr gut heimgekommen. Jetzt sind bie Bauern beim Dickwurzsetzen, wobei bie Regenfälle der letzten Tage sehr zustatten kamen. Die Kartoffelfelder sind zum größten Teil gehackt unb auch schon gehäufelt. Von den ©etreibearten verspricht der Winterweizen bie beste Ernte. Roggen mußte zum größten Teil im Frühjahr umgesät werben. * Allendorf a. b. Lba., 21. Juni. Der hiesige Einwohner Heinrich K r i e b konnte am heutigen Montag, 21. Juni, seinen 9 5. Gehurtstag feiern. Kreis Iriedberg. LPD. Bad-Nauheim, 21. Juni. Auf dem Gipfel des Wintersteins wird in nächster Zeit ein neuer Aussichtsturm von etwa acht Meter Höhe errichtet werden. Der Turm soll aus Holz gebaut und noch im Laufe dieses Jahres fertiggestellt werden. Geplanter Neubau für die Realschule Hungen. Gleichzeitig Heimbeschaffung für die HZ. * Hungen, 21. Juni. Dieser Tage fand unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Hofmann eine Ratsherrensitzung statt, auf deren Tagesordnung als wichtigste Punkte „H e i mb e s ch a f f u n g für die HI." und „Bau einer Realschule standen. Als Vertreter der NSDAP, nahm Orts» qruppenleiter Kirchhöfer, als Vertreter der Realschule der Leiter derselben, Studienassessor Kratz, an der Sitzung teil. Der Ortsgruppenleiter betonte, daß es unbedingt erforderlich sei, für beide Probleme eine befriedigende Lösung zu finden. Bürgermeister Dr. Hofmann und Studienassessor Kratz gaben einen ausführlichen Ueberblicf über die Entwicklung der Schule, die nunmehr auf 60 Jahre ihres Bestehens zurückblicken kann. Die Anstalt, die aus sechs Realschulklassen besteht und an der vier Studienassessoren als hauptamtliche Lehrkräfte tätig sind, hat in diesem Jahre trotz schwacher Besetzung der oberen Klassen einen Stand erreicht, wie sie ihn in den 60 Jahren ihres Bestehens noch nicht auf- zuweissn hatte; so konnten im vergangenen Jahre allein 23 Kinder in die Sexta ausgenommen werden, während in diesem Jahre sogar 26 Sextaner die Anstalt besuchen. Es erübrigt sich, an dieser Stelle auf bie Bebeutung ber Realschule für bie vielen Nachbarorte unseres Heimatstäbtchens hinzuweisen. Mehr als die Hälfte ber Realschüler, kommt aus elf umliegenden Orten. Die Realschule befindet sich augenblicklich noch im Gebäude ber hiesigen Volksschule; bie vorhandenen Räume reichen jedoch wegen ber steigenben Schüler- zahl nur noch im Schuljahr 1938 aus unb werden außerdem von, der Volksschule selbst dringend benötigt. Die Ratsherren gaben daher einmütig ihre Zustimmung zu dem Beschluß des Bürgermeisters, im Jahre 1938 einen Neubau f ü r die Realschule auf dem neben der Volksschule gelegenen städtischen Grundstück zu errichten. Mit diesem Bau wird auch das Problem der Heimbeschaffung für die HI. seine vorläufige Lösung finden: Da die oberen Klassen ber Realschule erst in einigen Jahren voll besetzt sind, können zwei bis drei Räume, bie von ben übrigen Schulzimmern getrennt sind und einen besonderen Zugang erhalten, ber HI. für die nächsten Jahre zur Verfügung gestellt werden. Der Ortsgruppenleiter gab seiner Befriedigung über diese glückliche Lösung Ausdruck und erhielt vom Bürgermeister die Zusicherung, daß in etwa fünf Jahren, wenn sämtliche Räume von der Realschule beansprucht werden, für bie HI. ein eigenes schönes Heim errichtet werben solle. ZWlWillWWM Noman von Walther Moepffer Copyright 1936 by August Scherl G. m. b H Berlin 27 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Beide ahnten nicht, daß zwei gehässige Augen ihnen folgten. Basil Tutschek stand, nur durch eine Glasscheibe von ihnen getrennt, draußen auf der Straße und beobachtete alles. Als das Paar nicht mehr sichtbar war, betrat auch er den Vorraum des Hotels und verhandelte mit dem Portier. „Ich möchte ein Zimmer." „Welche Preislage, mein Herr?" „Oh, geben Sie mir eins in der Nähe der beiden Herrschaften, die soeben hinaufgegangen sind." „Dasselbe Stockwerk geht. Aber das Zimmer ist ziemlich weit von denen des Herrn und ber Dame entfernt? Ein anderes ist leider nicht frei." „Tut nichts." Ein Page trug Tutscheks kleines Gepäck in den dritten Stock. Das Haus war alt und so gebaut, daß die Frontzimmer auf zwei Straßenzüge, die Rückzimmer hingegen von vier Seiten in einen rechteckigen, sehr hellen unb sauberen Hof sahen, der von grünem Gras und Bäumchen bestanden war. Nachdem der Page seine Last auf dem Kofferständer verstaut hatte, trat er ans Fenster und sagte mit ausgestrecktem Finger: „Sehen Sie, mein Herr, das da drüben überm Hof sind die Fenster des Herrn unb ber Dame. In Nummer 56 wohnt ber Herr, in 58 bie Dame. Soll ich etwas bestellen?" „Nein, mein Junge! Du sollst den Herrschaften auch nicht sagen, daß ich mich nach ihnen erkundigt habe." Er drückte dem Pagen eine Mark in die Hand. Nachdem der junge Mensch gegangen war, wusch sich Tutschek die Hände und überlegte dabei nochmals die Reihenfolge der Geschehnisse. Als er gestern in der Schellenberger Postablage telephonieren wollte, war die Kabine von Frau Engasser bereits besetzt gewesen, aber die Tür war nicht ganz geschlossen. Er vernahm deshalb, wie sie gerade in ben Trichter sprach: .. also schön, heben Sie mir die beiden Zimmer auf! Ich treffe mit dem Zwölfuhrzug ein. Wann der Herr kommt, kann ich heute noch nicht sagen. Besten Dank, Herr Portier!" Dann verlangte Viktoria Engasser eine andere Nummer, den Miet- cmtobesitzer von Büchlkam. „Was? Sie haben den Wagen morgen früh nicht mehr frei? Das ist aber peinlich! So, eine Hochzeit? Tja, dann muß ich eben zu Fuß an bie Bahn, obschon bas um sechs Uhr nicht gerabe angenehm ist. Danke!" Dann verließ Frau Engasser nachdenklich die Kabine, ohne den Verwalter zu bemerken. Es erschien ihm gleich auffallend, daß die Professorsgattin auf der Post und nicht zu Hause telephonierte. Jetzt wußte er ben Grund. Sie wollte das Gespräch vor ihrem Mann geheimhalten, das war es. Tutschek hatte sich überlegt, daß er in den nächsten Tagen sowieso in die Stadt müsse, um eine neue Mähmaschine zu kaufen. Wie, wenn er bas gleich morgen erledigte, sich mit dem Coupe an die Bahn fahren ließ und Frau Engasser unterwegs wie zufällig traf? Er konnte sie dann zum Mitfahren einlaben, unb bei dieser Gelegenheit würde die ärgerliche Geschichte- mit der Ohrfeige wieder in Ordnung kommen. Tatsächlich gelang es ihm auch, Viktoria kurz außerhalb Schellenbergs zu stellen. Aber sie lehnte sein Anerbieten mit solcher Eiseskälte ab, daß selbst ber Kutscher es als Blamage empfand. Am Bahnsteig, immer noch wutkochend über diese neuerliche Abfuhr, trachtete er, im Hintergrund zu bleiben, sah zu seiner Verwunderung diese hochmütige Kratzbürste mit Fogg ankommen, stieg in einen anderen Wagen und folgte in München den beiden nach ihrem Hotel. Sollte er gar einem Liebespärchen auf die Schliche gekommen sein? Sapristi, bas wäre was! Wenn man es recht besah, steckten die zwei auch in Schellendera viel zu oft beieinander. Weiß Gott, was bei diesen „beruflichen" Zusammenkünften alles getrieben wurde? Er besaß eine blühende Einbildungskraft, wenn es sich um derlei Dinae drehte. Nun, man würde ja sehen! Die Mähmaschine war jetzt unwichtig. Viel notwendiger war es, dieses Turteltäubchenpaar zu beobachten. Zum Mittagessen erschienen weder Fogg noch Frau Engasser. Zum Abendessen nur Fogg allein. Tutschek verschwendete seine Zeit mit einem prickelnden und lauernden Vergnügen an die Bespitzelung der beiden; denn er versprach sich etwas Aufsehenerregendes. Stunde um Stunde saß er bald am Fenster, bald schlich er in den Gängen umher, immer darauf bedacht, nicht gesehen zu werden. Punkt neun verließ Fogg das Restaurant und begab sich auf sein Zimmer. Licht flammte auf, etwa eine Viertelstunde lang, bann wurde es dunkel. In Frau Engassers Zimmer brannte bas Licht schon seit halb neun und blieb bis zehn Uhr hell. Plötzlich erschien eine Silhouette auf dem erleuchteten Vorhang von Viktorias Zimmer, zwei einander genäherte Köpfe... Mensch, was willst du mehr! dachte Tutschek und trat von seinem Fenster zurück. Dann schlich er auf den Gang, ging hinunter, bog um eine Ecke, um noch eine unb machte vor ber Tür von Nummer 56 halt. Hier war alles ruhig, auch keine Schuhe lagen vor ber Zimmertür. Dann begab er sich ein paar Schritte weiter nach 58. Er legte sein Ohr an bas Holz und hörte gedämpftes Sprechen, aber die Worte konnte er nicht verstehen. Sicher war nur, daß es eine Frauenstimme gab, die Viktorias, und eine Männerstimme, die von Fogg... nachts zwischen neun und zehn in einem Münchner Hotelzimmer. Jetzt habe ich euch! dachte Tutschek höhnisch und schlich nach seinem Zimmer zurück. Hier machte er sich zum Ausgehen fertig; denn er hatte vor, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen und sich nach Kräften zu vergnügen. Irgendwo würde schon Betrieb sein. Bald darauf verließ er pfeifend bas Hotel. * Als Basil Tutschek die hohe Flügeltür zur Schloßbibliothek öffnete, traf er ben Professor, wie stets, zwischen seinen Büchern, versponnen, festgelesen unb unwillig aufsehenb ob der Störung. Vor ben mächtigen Fenstern grünten bie Bäume, sang eine Amsel; Engasser war für beide, für Bäume und Amseln, ein verlorener Mann. Tutschek suchte seine Stimme freizubekommen, räusperte sich, wie immer vor peinlichen Auseinandersetzungen, und sagte: „Es tut mir leib, daß ich Sie unterbrechen muß, Herr Professor, aber eine vertrauliche Angelegenheit führt mich her —" „Ja, bitte?" erwiderte der Professor ein wenig zerstreut. „Es betrifft Sie ober, besser gesagt, Ihre Frau Gemahlin. Ich habe lange geschwankt, ob ich überhaupt reden soll. Aber bann hielt ich mich boch für verpflichtet. Meine Wertschätzung für Sie, sehr verehrter Herr Professor...!" Sicher was Unangenehmes! dachte Engasser mißtrauisch. Der drückt ja furchtbar herum, nicht zum Anhören ist das ... „Ja, und?" „Sehen Sie, ich bin ein Ehrenmann und halte es ganz einfach für meine Pflicht, Sie über das traurige Geschehnis nicht im unklaren zu lassen." Tutschek sagt allen Ernstes Ehrenmann und Pflicht und sagt trauriges Geschehnis, seht an! „Sie müßten mir aber zuvor Ihr Wort geben, meinen Namen zu verschweigen, gegen jedermann, auch gegenüber Ihrer Frau Gemahlin. Es ist mir außerordentlich peinlich, so gleichsam den Angeber spielen zu müssen, aber, wie betont — —" Er windet sich wie eine Ringelnatter, ber ein Unvorsichtiger auf den Schwanz tritt. „Meinetwegen. Gut, ich verspreche ba$. Aber nun reden Sie endlich, Herrgott noch mal! Sie spannen einen ja auf die Folter!" „Ist Ihnen noch nicht ausgefallen, daß Ihre Gattin unb dieser Doktor Fogg ein bißchen oft zusammen sind?" „Nun ja, bei Operationen —" ermiberte Engasser, stutzig gemacht und mit einem unbehaglichen Gefühl in ber Magengrube. „Er hat seinerzeit meine Frau ersucht, ihm behilflich zu sein. Es war kein Anlaß, ihm das abzuschlagen, nachdem es Vicki Spaß machte." „Operationen? Hm. Ihre Gattin ist über ben Durchschnitt hübsch, unb auch der Doktor ist ein gut aussehenber Mann, wie ich vielleicht am Rande bemerken darf." „Herr Tutschuk! Ich muß doch sehr bitten!" rief ber Professor scharf und schnitt ein verkniffenes Gesicht. „Bitte, erregen Sie sich nicht, lieber Professor! Ich will mich also kurz fassen und Ihnen alles berichten, was ich mit eigenen Augen gesehen habe, und was mir aufrichtig Sorge macht", erwiderte der Verwalter und erzählte dem erschreckt aufhorchenden Engasser seine Beobachtungen, unbefangen von dem Schellenberger Telephongespräch bis'München. Auch bie Einzelheiten im Hotel schilderte er sehr anschaulich und einleuchtend. Zum Schluß sagte er: „Ich für meine Person kann aus alldem nur die Folgerung ziehen, daß zwischen Fogg und Ihrer Gattin Beziehungen bestehen, die —" Fortsetzung folgt. denn ohne Opekia kocht die Marmelade durch die lange Kochzeit häufig bis zur Hälfte ein. Mit Opekta jedoch bekommen Sie ungefähr das ganze Gewicht an Marmelade in die Gläser, das Sie an Obst und Zucker in den Kochtopf geben. Gängerfest in Klein-Linden. 00 Klein-Linden, 21. Juni. Am Samstag und Sonntag feierte der Männer gefangne r- x i n „Harmonie" in dem Garten der Wirtschaft „Zur Büro" fein 5 0. Stiftungsfest. Umfangreiche Vorbereitungen waren nötig gewesen, damit das Fest einen schönen Verlauf nehmen konnte. Die Verbundenheit des Vereins mit der Einwohnerschaft fand darin ihren Ausdruck, daß sich fast die gesamte Einwohnerschaft am Fest beteiligte. Das Dorf trug reichen Flaggenschmuck. Mit einem Fackelzug am Samstagabend wurde das Fest eröffnet. Anschließend versammelten sich im Garten der Burg die Festteilnehmer zum Kommers. Der Festvorsitzende, Sangesbruder Heinrich Diehl („Harmonie") hieß die vielen Festbesucher herzlich willkommen und dankte für den guten Besuch. Sodann wechselten Gesangsdarbietungen der festgebenden „Harmonie", geleitet von Chormeister Lehrer Spory (Groß-Rechtendach), und der beiden Brudervereine, des Gesangvereins „Arion", geleitet von Ehrenchormeister Konrad Nicolai (Großen-Buseck) und des Gesangvereins „Eintracht" unter Stabführung von Chormeister Harnisch (Watzenborn-Steinberg) miteinander ab. Für den Gesangverein „Arion" gratulierte dessen Vereinsführer, Fritz M ü l l n , unter Ueberreichung eines Fahnennagels, während der Gesangverein ,Eintracht" durch seinen Vereinsführer Wilhelm Rinn eine Plakette des Führers überreichen ließ. Die Glückwünsche der Kriegerkameradschaft Klein- Linden brachte Kameradschaftsführer Fritz S ch i m- m e l dar. Auch der Männergesangverein „Lieder- kranz" Gießen, der durch eine Abordnung vertreten war, sprach seine Glückwünsche aus. Zur schönen Ausgestaltung des Abends trugen auch die dargebotenen Reigen und Kunstfahrten der Radfahrervereinigung Klein-Linden bei. Die Turnerinnen des Turnvereins Klein- Linden 1889 warteten mit Ballgymnastik auf, und die Turner stellten Pyramiden. Der Kommers nahm einen sehr schönen Verlauf. Am Festsonntag bewegte sich ein stattlicher Festzug durch unser Dorf zum Festplatz. Hier hieß Festpräsident Diehl die vielen Besucher herzlich willkommen. Sein besonderer Gruß galt der Ortsgruppenleitung der NSDAP., ferner dem Kreiswal- ter des Kreises Gießen im Hessischen, bzw. Deutschen Sängerbund, Sangesbruder Müller (Gießen), und dem ebenfalls anwesenden Kreischormeister Oberreallehrer Blaß (Gießen). Sangesbruder Diehl feierte den einzigen noch lebenden (Gründer Wilhelm Jung, und überreichte diesem die Ehrennadel mit goldenem Lorbeerkranz. Jung dankte für die Ehrung. Der Festpräsident sprach noch über die hohen Aufgaben der Gesangvereine im Dritten Reich und über die Bereitwilligkeit der Sänger mitzuarbeiten am Aufbau des neuen Reiches. Kreiswalter Müller (Gießen) überbrachte die Grüße des Gaues 12 des DSB. und Scingerkrefies Gießen. Leider konnte er die Ehrengabe des DSB. besonderer Umstände halber dem festgebenden Verein noch nicht aushändigen. Der Kreiswalter forderte die Sänger auf, das deutsche Lied, das aus dem Volke geboren fei, wieder hineinzutragen in unser Volk zum Segen für unser Vaterland. Er führte u. a. noch aus, daß wir es nur unserem Führer zu verdanken hätten, daß wir heute wieder geordnete Verhältnisse hätten, und schloß mit dem begeistert aufgenommenen „Sieg-Heil" auf den Führer seine Ansprache. Nun traten die Gastvereine zum Einzelsingen an. Sämtliche Lieder fanden dankbare Aufnahme bei allen Zuhörern. Eine besondere Erwähnung verdienen noch die Massenchöre der vereinigten örtlichen Männergesangvereine, die unter Leitung des Dirigenten des festgebenden Vereins vorgetragen wurden. Ein Volksfest mit Gesang und Tanz und den Klängen einer fleißig musizierenden Kapelle vereinigte die Festteilnehmer für viele Stunden. Der Männergesangoerein „Harmonie" kann mit Befriedigung auf das in allen Teilen schön verlaufene 50. Stiftungsfest zurückblicken. irtschast. r <* Rhein-Mainische Börse. Mitlagsbörse zurückhaltend. Frankfurt a. M., 21. Juni. Die Börse reagierte auf die über den Wochenschluß eingetretenen außenpolitischen Vorgänge zwar mit starker Zurückhaltung, blieb aber in ihrer Grundtendenz recht widerstandsfähig. Während vom Publikum einige Kaufaufträge vorlagen, nahm der berufsmäßige Handel einige Glattstellungen vor, so daß am Aktienmarkt die Haltung uneinheitlich war.. Auf der überwiegend etwas niedrigeren Basis zeigte sich jedoch eher Kaufinteresse. Weitere Nachfrage fanden Schiffahrtswerte, Hapag 19,50 (19,25), Nordd. Lloyd 20,90 bis 21 (20,50). Ferner blieben Kaliaktien beachtet, Westeregeln 124,75 (124). Gefragt waren außerdem Westdeutsche Kaufhof mit 59,75 bis 60 (59,25), Moenus Maschinen mit 119 (118,40). Montanaktien wichen nur um Prozentbruchteile ab, schwächer lagen aber Harpener mit 173,25 (175,25) und Klöckner mit 136 (136,75). IG. Farben ermäßigten sich auf 166,40 (167,40). Don Elektroaktien gingen Licht & Kraft und RWE. je 0,75 v. H. zurück, Schuckert zogen 0,50 v. H. an. Stärker verändert waren Muag mit 150 bis 149,25 (151,50), Bemberg mit 138,25 bis 137,75 (139,50), Hanfwerke Füssen mit 121,50 (123), Zement Heidelberg mit 155,50 (156,50) und Reichsbank mit 215 (215,75). Am Rentenmarkt machte sich Nachfrage für Kommunal-Umschuldung zu 94,10 (94,05) bemerkbar, Altbesitz etwas leichter mit 126,13 (126,45). Das Geschäft war auch hier still. Im Verlaufe bewegte sich das Geschäft bei überwiegend kaum veränderten Kursen weiter in engen Grenzen. Vereinzelt ergaben sich weitere leichte Rückgänge, so bei IG. Farben auf 166 nach 166,40, Kali Aschersleben auf 124 nach 124,50 (122), Rhein- metall-Borsig 155 nach 155,50 (156,25) und Zement Heidelberg auf 155 nach 155,50. Auch die später notierten Werte lagen gegen die Vorwoche meist etwas schwächer. Von Einheitswerten stiegen Faber & Schleicher auf 98 (95,75) bei 40 v. H. Zuteilung. Renten blieben auf der ganzen Front überaus ruhig Dekosama Neubesitz waren zu 61,25 (61) gefragt, do. Altbesitz 134,50 (134). Der Pfandbriefmarkt zeigte bei ruhigem Geschäft keine Veränderungen, Nass. Liquid. 0,25 v. H. leichter mit 100,65. Auch Stadt- und Staatsanleihen wiesen kaum Abweichungen auf. Im Freiverkehr nannte man: Adlerwerke Kleyer 114 bis 116, Neue Wayß & Freytag 148 bis 150 ex Div. — Tagesgeld unverändert 2,50 v. H. Abendbörse behaupkel. Auch im Abendbörsenverkehr hielt die Zurück-, Haltung an, so daß die Umsätze kleinen Umfang hatten. Die Stimmung war aber gut behauptet und die Kurse konnten teilweise leicht anziehen. Etwas lebhafter lagen AEG. mit 43. IG. Farben konnten sich nicht ganz behaupten mit 166 (166,40), auch Rheinstahl mit 160,25 (160,75) und Moenus Maschinen mit 118,50 (119). Etwas mehr rückläufig waren Bemberg mit 136,50 (137,75). Die sonst notierten Papiere lagen im Vergleich zum Berliner Schluß unverändert: Buderus 127,50, Harpener 173,50, Mannesmann 123,75, MAN. 136, Deutsche Erdöl 156,50, Elektr. Lieferungen 135,75, Gesfürel 153,50, Holzmann 147,75, Muag 149,50, Metallgesellschaft 152,50, Rheinmetall 155, Schuckert 171, Hapag 19,50. Am Einheitsmarkt zogen Faber & Schleicher weiter an auf 98,50 (98) und Zement Karlstadt kamen nach Geldstreichung zum lieber« nahmekurs von 172 (168) zur Notiz. Renten lagen ruhig und behauptet, 4,50 v. H. Reichsbahn-Schatz von 1936 99,25, 4,50 v. H. Krupp 98,50, 6 v. H. IG. Farben 135,90, Reichsbahn-DA. 125,25. Kom- munal-Hmschuldunq wurden zu 94,05 gefragt, eben« o Rhein. Städte-Ältbesitz mit 130,50 und do. Süddeutsche mit 131,50. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 21. Juni. Die Weizenmühlen sind von der RfG. erst mit einem Teil des Monatskontingents beliefert worden, so daß die Mahltätigkeit "eine Einschränkung erfährt. Die Der- orgung mit Roggen ist befriedigend. Futter- und Jndustriegetreide mar ohne Geschäft. Weizenmehl aller Sorten wurde lebhaft begehrt, da die Mehllieferungen von den Mühlen gekürzt werden. Roggenmehl ist genügend angeboten, aber die Kauflust ist wegen der vorhandenen Vorräte mäßig. Das Futtermittelangebot bleibt sehr beschränkt. Besonders dringend ist die Nachfrage der Pferdehalter nach haferhaltigen Mischfuttern. Das Geschäft in Heu beläuft sich auf der Basis der neuen Preise bei mäßigem Angebot ein. Stroh wird für die Jndu- trie wie auch für Streuzwecke gehandelt. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W13 211, W16 214, W 19 218, W 20 220, Roggen R 12 174. R15 177, R 18 181, R 19 183 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete, Futtergerste —, Futterhafer —, Weizenmehl Type 812 W 13 29,00, W 16 30,00, W 19 30,00, W 20 30,35, Roggenmehl Type 1150 R 12 22,45, R 15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizenfuttermehl 13 60. Weizenkleie W 13 10,75, W 16 10,90, W19 11,10, W 20 11.20, Rogqenkleie R12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfeft- preife ab Mühlenstation. Soyaschrot —, Valm- kuchen —, Erdnußkuchen —, Treber 14,00 Höchstpreis ab Erzeugerstätion, Trockenschnitzel —, Heu alte Ernte 5,50, do. neue Ernte 3,80 bis 4,20, Heu drahtgepreßt alte Ernte 5,90, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt 3,00, do. gebündelt 2,70. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 22. Juni. Um 10 Uhr war folgende Marktlage. Auftrieb: Kälber 1132, Schafe und Hämmel 62, Schweine 5260. Es kosteten: Kälber 30 bis 65, Lämmer und Hämmel 40 bis 52, Schweine 50 bis 54 Mark. — Marktverkauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafe mäßig. Ole Gedenkfeier für Or. Otto Döckel Marburg, 21. Juni. (LPD.) Auf historischem Boden im Marbachtal, wo bereits vor einem halben Jahrhundert der erste antisemitische Reichstagsabgeordnete Dr. Otto Böcke! das hessische Volk zum Kampf gegen die Weltgefahr des Judentums aufrief, fand am Sonntag aus Anlaß der vor 50 Jahren erfolgten Wahl Dr. Böckels zum Reichs- tagsabgeordneten eine Gedenkfeier statt. Mehrere tausend Volksgenossen, darunter viele alte Anhänger Dr. Böckels, hatten sich auf dem großen Platz am Kurhaus Marbach zusammen- gefunben. Nach dem Einrücken der nationalsozialistischen Formationen und dem feierlichen Fahnen- einmarsch erklangen zwei Kampflieder Anackers. Kreisleiter und Landrat K r a w i e l i z k i begrüßte insbesondere die alten Mitstreiter Dr. Böckels, darunter Professor Dr. Werner und die einzige noch lebende Tochter Böckels, Frau Elisabeth B ö ck e l aus Berlin. Anschließend an die Schilderung eines kleinen Kampferlebnisses aus dem Jahre 1887, in dem Dr. Böckel von den Kreisen Marburg, Fran- k.mberg und Kirchhain als erster Antisemit in den Reichstag gewählt wurde, erinnerte der Kreisleiter an die Ehrenpflicht, in Dankbarkeit dieses Mannes zu gedenken, welcher damals den antisemitischen Gedanken in das Volk zu tragen wagte. In eindringlicher Weise sprach sodann Reichsamtsleiter Dr. Groß (Berlin) über „Volk und Rasse". Der Redner wies auf den Kampf gegen die jüdischen Herrschaftsbestrebungen hin, der die Völker in Atem halte. Es war eine große Lüge der Zeit, daß Mensch gleich Mensch sei, ohne Unterschied der Rasse. Diese Lehre und der Glaube von gestern seien jetzt in Deutschland überwunden. Die Juden- fraae sei ein Rassenproblem und nicht eine Angelegenheit irgendwelcher religiöser Bekenntnisse. Anschließend sprach Professor Dr. Werner, der als junger Student an der Seite Dr. Böckels stritt, von dem deutschen Kämpfertum vergangener Zeiten. Die Gedanken gingen, so führte er u. a. aus, zu denen zurück, die zerbrochen am Wege zu einer neuen deutschen Weltanschauung liegen blieben. Wir freuten uns darüber, daß wir jetzt den neuen deutschen Menschen schaffen dürften. Wie bie Geschichte lehre, errang der Jude seine Herrschaft immer nur in Verbindung mit Revolutionen und Kriegen. Der alte Mitkämpfer Böckels bezeichnete in seinen oft von großem Beifall unterbrochenen Aussührungen die Böckel-Gedenkfeier als einen Tag für Adolf Hitler und fein We/k. Der Kreisleiter schloß die Feier mit einem Gedenken an den Führer, dem der Gesang der beiden Nationallieder folgte. Ein kame- I radschaftliches Zusammensein im Kurhaus bildete I den Ausklang. ©.jf.-lfpori Oer Deutschlandflug 1937. Von 62 Verbänden nur einer ausgefallen. Wenn die Meteorologen Recht behalten, wird den Deutfchlandfliegern auch in den nächsten Tagen kein anderes Wetter beschert sein als am Eröffnungstag, dem Sonntag, an dem jedoch hervorragende Flugleistungen gezeigt wurden. Von 62 gestarteten Verbänden sind 61 weiterhin startberechtigt. Als die Beurkundungen abgeschlossen waren, meldeten 60 Verbände ihr Eintreffen auf den von ihnen aus- gewählten Flughäfen. Der vom Korpsführer des NSFK., Generalmajor Christiansen, geführte Verband übernachtete mit 21 weiteren Verbänden auf dem Flugplatz Halle-Leipzig. Ein gleichfalls für dort bestimmter Verband, 107 (Weimar), hatte das Pech, nicht durchzukommen, er mußte in Stettin übernachten. Vom Rangsdorfer Verband erreichte ein Flugzeug bis zur festgesetzten Zeit den vorgeschriebenen Flughafen nicht mehr, wodurch dieser Verband jetzt nur noch mit zwei Maschinen start- berechtigt ist. In Rangsdorf übernachteten drei Verbände, darunter die NSFK.-Gruppe Danzig, die Sieger des letzten Deutschlandfluges, im Jahre 1935. Weckerling, Gesamtsieger der Deutschland-Rundfahrt. Otto Weckerling (Magdeburg) konnte die Deutschland-Radrundfahrt, die am Sonntag mit der 280 Kilometer langen 12. Etappe Hamburg—Berlin abgeschlossen wurde, als Sieger beenden. Mit 96:50:37 Stunden belegte er vor Geyer (Schweinfurt), Diede- richs (Dortmund), Bautz (Dortmund) und Bruno Roth (Frankfurt) den ersten Platz. Die letzte Etappe gewann Kutschbach (Berlin) in 7:45:38 Stunden vor Sieronski und dem Belgier de Caluwe, das gleichzeitig durchgeführte Amateurrennen Hamburg— Berlin gewann Neubauer (Hannover) in 7:53:40 Stunden vor Krückl (München). Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe Der zuletzt veschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 o. H.. Lombardzinsfuß 5 v. H. 1 1 Frankfurt a. M. | Berlin Schluß- kurs Schlußk. Abendbörse Schluß- kurs Schluß! Mittag» börse Datum 19 6 21 6 19 6 216. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 101,65 101,75 101,75 101,8 99 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 99 4y,% Deutsche Reichsschatzanwei- jungen von 1935 — — — — 471% Deutsche Reichsschatzanwei- 99,3 99,3 99,25 99,3 sungen von 1935, II. #volge ... 47i% Deutsche Reichsschatzanwei- 99 105,75 99 105,65 99 105,4 99 99175 jungen von 1936, III. Folge .. 57i% Doung Anleihe von 1930 .. 47i% Hessische Volksstaat von 1929 99,75 99,75 — 47t% Deutsche ReichSpostschatz von 1934 I...................... 100,55 100,55 100,75 100,75 47i% Deutsche Reichsbahnichatz 99,25 126,45 99,25 126,13 99,25 126,6 99,25 126,25 von 1936 I.................. Reichsanleihe-Altbesitz.......... Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten.............. — — — 47i% Hess. Landesbk. Darmstadi 99,5 99,5 Goldpfe. R. 12.............. — t>7i% Hess. LandeS-Hyp.-Banl Liqu. Goldpfe............... 101 100,75 — — 47i% Preust. Landespsdbr.-Anst 99 99 99 Goldpfe. R. 19.............. 99 47i% Preust. Gold-Komm. R. 20 98 98 98 98 47i% Darmstädter Ko mm.-Lan 97,9 97,9 desbankR. 6 ................ — — Deutsche Komm.-Saminel-Anleihe 134 134,5 134,75 134,75 Auslos.-Rechte I.............. 47i% Franks. Hyp. Goldpse. R. 15 99,5 99,5 99 5 99,5 47i% Franks. Hyp. Gold-Komm. 98,25 Obl. 2 3.................... 98,25 — 6%% Franks. Hyp. Liquidation 100,75 100,8 — 67i% Rheinische Hyp. Liquidation Goldpse..................... 101 101 101 100,9 Steuergutichein-Verrechnungskurs 10.75 110,75 110,9 A-G. für Verkehrsweien .... 6 7t 127 126,25 127,25 125,9 47,75 19.4 21,25 125,25 Homburg-Liidam. Dampfschiff. 0 — — Hamburg-Amerika Paket......0 Norddeutscher Lloyd..........0 Deutsche Reichsbahn Vorz.-Akt. 7 19,25 20,5 125.4 19,5 21,13 125,25 20,5 125 1 Reichsbant................. i- Berliner Handelsgesellschaft . 6 ys Commerz- und Privat-Bank . 5 13,7b 113,25 215 113,25 Z1 130,5 113,25 214,5 130,25 113,25 Deutsche Diskonto............ 5 118,75 10^ 118,5 105 118,75 IN' 118,5 105 Devisenmarkt Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß- lurs Schluß!. Wend börse Schlußkurs Schlußk Mittag- börse Do!UM 19 6 21.6 19 6 21.6 Äccumulatoren-Fabrik...... 14 — — 237,6 — Aschaffenburg Zellstoff...... . 6 . 0 144 139,5 144 136,5 144,4 139,4 144,4 137 . 8 165,25 165,25 165,5 165,5 Buderus Eisen............. . 5 128 127,5 128,25 127,75 Gement Heidelberg......... .. 7 156,5 155 — — Gement Karlstadt.......... .. 6 — — Conti Gummi............. 12 194,25 193 195 193 Daimler Motoren.......... 671 138,9 138,5 138,5 137,65 Dessauer Gas............. . 4 —— — 119,25 118,65 Deutsche Erdöl............ .. 5 157,25 156,5 157 156,75 Deutsche Gold- und Silber .. .. 9 262,75 262 — —— Deutsche Linoleum......... 10 166,25 163,65 165,5 163,65 Elektrische Lieferungen...... 135,5 135,75 136,5 135,75 Elektrische Licht und Kraft... .. 7 155,5 154,25 155,65 154,75 I. G. Färben-Industrie..... .. 7 167,4 166 167,65 166 4 Felten & Guilleaume....... .. 6 139 139 138-, 9 138.75 Gesfürel.................. .. 7 154 153,5 154,25 153,5 Th. Goldschmidt........... .. 6 148,25 147,25 148,5 147 Gritzner Maschinen......... .. 0 55,4 54,25 — 54,25 Harpener................. 3'/i 175,25 173,5 175 173,65 Hoesch Eisen............... 3y, 126,25 126 126,13 126 .. 8 147,5 147,75 147,25 147,75 Ilse Bergbau.............. .. 6 Ilse Genüsse.............. .. 6 143,25 142,75 143.5 142,5 Kali Aschersleben.......... .. 4 122 124 125,65 124 Klöcknerwerke ............. 47i 136,75 136 137,25 136,5 Kokswerke und Chemische Fabrik 7 — — 161,5 155 Lahmeyer ................ .. 6 124,25 124,25 125 124,65 Mainkrasl................. .. 4 101 100 — — Mannesmann............. 47i 124 123,75 '24,25 123,5 Mansfelder Bergbau....... .. 7 — — 152 153,5 Metallgesellschaft........... .. 6 153,5 152,5 153 152,5 Orcnstein & Koppel........ .. 0 — — 109,9 109,65 Rheinische Braunkohle...... . 12 — 232 232,75 232 Rheinische Elektro.......... .. 6 — 134,4 134.4 136,75 .. 6 160,25 160,5 160,75 Rheinisch-Westfälische Elektro .. 6 133,25 132,5 133,75 132,13 .. 7 '48.25 149 149,2^ 148,75 Salzdetfurth Kali.......... .. 6 165 165 165 75 164,4 .. 7 170,5 171 17' 171 Schultheis Patzenhofer...... .. 4 102,4 101,25 Siemens & .f>ol-Sfe......... .. 9 221 218,25 221,5 218,5 Süddeutsche Zucker......... . 10 04,25 206 206 Vereinigte Stahlwerke...... 471 121,5 121 121,25 120,75 .. c 5q 9Fi 60 k <1 U 194 194 75 195 9- Zellstoff Waldhos.......... .. 6 60,75 159,5 160 7 159 Otavt Minen.............. . 0,6 'M .5 31,13 31.5 31 — Frankfurt a M i9 Jun 21 Jun 19 Zum 21 Ium 'Umiiirhr Rolteruno Amluche Rvlieruno ÄMlliche Gelt Notierung Brie Ärmliche Dotierung Geic Bne! Gelt- Brie •«elf Brie • Buenos Aires............. Mrfiffpf 0,759 42,13 0,165 47,10 55,01 J, 763 42,21 0,760 42,13 0,764 42,31 Japan.................... Jugoslawien .............. 0,717 3,694 0,719 »,706 0,717 5,694 0,719 5,706 Rio de Janeiro............ 0,167 47,20 55.13 0,165 47,10 55,01 0,167 47,20 ist,9? 62,04 61 ,92 62,04 49,05 Wien..................... 48,95 49,05 48,95 fioppnfjqgpn ............ 55,13 Lissabon.................. 11,19 11,21 11,19 11,21 Dan»ia ............. 47,10 47 20 47,10 47,20 Stockholm ............... 63,53 •3,65 63,53 63,65 London .......... ..... 12 32 12,35 12,32 12,35 Schweiz.................. 57,20 57,32 57,17 57,29 HelsingforS................ 5,45 11,115 137,18 5,46 >1,135 5,45 11,115 5 46 11,135 Spanten.................. Prag..................... 16,98 8.671 17,02 8,689 16,98 8,671 17,02 8,689 Holland.................. 137.46 137,14 137,42 Budapest................. — — Italien................... 13,09 13,11 13,09 13,11 Neuyork.................. 2,496 2,500 2,496 2,500 Hier abschneiden! Monogamie 317 Moritz Frucht bewirkt. Pilzsporen überwintern in alten, vertrockneten Früchten am Baurn, deshalb diese Fruchtnlumien im Herbst entfernen und verbrennen. Monogamie, tzriech., Bedeutung Einehe, die bei uns übliche Eheform, die unserer sittlichen Weltanschauung entspricht, im Gegensatz zur Bigamie, Ehe mit zwei Frauen oder zwei Männern und Polygamie, Vielehe. Monogramm, qriech., die verschlungenen Anfangsbuchstaben des Vor- und Zunamens. Heute stellt man die Buchstaben in der Regel nebeneinander. Monogramme sind gebräuchlich in Bettwäsche, Leibwäsche, aller Art Hauswäsche und Taschentüchern. Man zeichnet sich die Monogramme mit Schablonen und käuflicher Tusche, die sich leicht herauswäscht, vor, unterlegt nut Spannstichen und stickt quer mit sehr dichten iiberwendlichen Stichen den Buchstaben nach. Monopol, alleinige Erzeugung oder alleiniger Verkauf einer Ware. Montag, der zweite Tag der Woche, nach dem Monde benannt. Montbretie, Knollenstaude mit schmalen Blättern und im August mit goldfarbenen Blütenrispen. Wird durch Teilung der Knollen vermehrt, steht gut an warmer Hauswand Leichte Vodenbedeckung im Winter ist angebracht. Moorbad, ein Heilbad mit Schlamm aus Moorerde, das nt eine Erde, in der pflanzliche Bestandteile längere Zeit unt^r Luftabschluß vermodert sind Die Hauptwirkung besteht in einer gleichmäßigen und lang anhaltenden Wärmeabgabe, die den Körper sehr wenig reizt. Haupt- anzeigen für Moorbäder sind Neuralgien, Ischias, chronischer Rheumatismus, auch Frauenkrankheiten. Moos wächst in saurem Erdreich. Bei Topfpflanzen Anzeichen für notwendig gewordenen Erdwechsel (s. Blumentöpfe. Rasen). Moosachat, . heller Ehalzedon, Halbedelstein, auch Mokkastein genannt. Mop, Besenart, mit einem dichten Polster von Baumwollfäden, die man mit Mopöl, einem staubbindenden Del tränkt, um Dann die Fußböden aufzuwischen. Der Mop wird in heißer Schmierseifenlauge eingeweicht, mit heißem Sodawasser ausgewaschen, dann hängend getrocknet. Nach dem Trocknen kämmt man ihn mit einem Mookamm. Moral, lat., Bedeutung: Sittenlehre. Von jedem Menschen muß ein moralischer, d. h. sittlicher Lebenswandel erwartet werden. Moralisches Irresein, angeborenes Fehlen des moralischen Gefühls bei Psvchopathen und Geisteskranken. Mangel der höheren -sittlichen Vorstellungen verbunden mit starkem Egoismus, Gefühlskälte Grausamkeit sowie starken verbrecherischen und unsittlichen Trieben. Ist eine Form des Schwachsinnes obwohl Der VerstanD oft wenig gestört ist. Moritz, männl Vorname lateinischer Herkunft mit Der Be- Dcutung „der Maure, der M"br" Oie kluge Hausfrau ergänzt ihren Vorrat mit -Kolonialwaren und -Lebensmitteln Hchöner Auftakt der „Kieler Woche". 200 Jachten beteiligt. Deutschlands größte segelsportliche Veranstaltung, die Kieler Woche, nahm am Sonntag bet günstigem Segelwetter auf vier Wettkampfbahnen der Kieler Förde ihren Anfang. Acht Nationen mit 200 Jachten sind diesmal beteiligt. An der Hindenburg-Ufer- promenade und auf denZuschauerdampfern herrschte am ersten Wettkampftag lebhaftes Treiben. Von den Masten am Olympiahafen flatterten die glag= gen der beteiligten Nationen: Ein Bild, das an die großen Olympiatage des vergangenen Jahres erinnert. Die 3. Internationalen Marine-Pokal-Segelwett- fahrten auf der Kieler Außenförde haben gleichzeitig mit spannenden Kämpfen am Sonntag ihren Abschluß gefunden. Am letzten Wettkampftag fiel noch die Entscheidung über die drei Ehrenpreise. Den Ehrenpreis des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine errang Holland. Der Preis der deutschen Flotte fiel an den vorjährigen Gewinner des Wanderpreises des Führers, Italien. Den Ehrenpreis des Marineregattavereins schließlich gewann Deutschland. Am Sonntagabend fand im Festsaal des Rathauses ein Empfang für die Teilnehmer an der Kieler Woche statt. Ausgezeichneter Sport am Montag. Am Montag gab es bei eiter frischen Südwestbrise auf allen vier Bahnen der Kieler Förde und Bucht ausgezeichneten und einwandfreien Sport. Auf der Außenförde ging der Italiener Straulino mit „Gemma" bei der zweiten Wettfahrt der vtarklasse vor seinen 20 Mitbewerbern als überlegener Sieger durchs Ziel Scharf war der Kampf um die Platze. Das zweite Rennen der Sechs-Meter-l^-Boote um den Preis des Reichskanzlers brachte dem diesjährigen Neubau „Zoppot" den ersten Sieg. Allerdings ging der Verbandsmeister Kapitän z. S. Schütz mit „Sleipnir" nur eine Sekunde später durch die Peilung. Auf der B i n n e n f ö r d e segelte der Hamburger Krogmann in der Olympia-Jolle nach schönem Rennen einen ersten Platz heraus. Auf der zweiten Kreuzerstrecke ging „Mien Jung VI" an die Spitze des starken Feldes und siegte vor „Pitt". Mit großer Ueberlegenheit gewann der Holländer Stap die zweite Wettfahrt der 12-Quadratmeter-Elnhetts- Scharpie-Klasse mit „All-weather". — 3n der gleichen Reihenfolge wie am Sonntag rundeten die 30-Quadratmeter-Schärenkreuzer, mit der Berliner „Nirwana" als Siegerin, die Zielboje. In der Drachenklasse wiederholte das Hamburger Boot „Swing" seinen Vortagserfolg. Wieder einmal alles, ewig-junges Feldbergfest. Glänzender Verlauf.-Die Mlv.-Turnerinnen gewinnen den Brunhildisschild. Das älteste der deutschen Bergfeste, das Feldbergfest, wurde am Samstag und Sonntag zum 84. Male durchgeführt Der sagenumwobene Kulm des Taunus hatte wieder seine alte Anziehungskraft ausgeübt; er zeigte bei schönstem Bergwetter das immer wieder schöne Bild frohen Wettstreites, für das das bunt bewegte Zelt- und Lagerleben der vielen Festbesucher den passenden Rahmen gab. Zu den reichsoffenen Wettkämpfen kam, wie in den Vorjahren, wieder der Mannschaftswehrkampf der Wehrverbände. Das Fest nahm am Samstagnachmittag mit dem traditionellen Kampf um das historische Völsun- g e n h o r n seinen Anfang. Vier Vereine hatten diesmal nur gemeldet. Aus dem Kampfe ging diesmal der To. Bieber mit 1432 Punkten als Sieger hervor, gefolgt vom Tv. 1817 Mainz, Turn- und Fechtklub Frankfurt a. M., Allianz-Spv. Frankfurt am Main. Deutscher Bergabend und Gonnenwendfeier. Ein feierlicher Auftakt wurde dem 84. Feldbergfest gegeben mit dem Deutschen Bergabend und der Son- nenwendfeier am Samstagabend. Der Obmann des Feldbergfest-Ausschusses, Hugo Pfaff (Frankfurt am Main), eröffnete den Bergabend im „Feldberghof" mit herzlicher Begrüßung. Kamerad Pfaff gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Wunsch des Feldberg-Ausschusses, das Feldbergfest über die Verbandsgrenzen hinaus auf breiteste volksgemein- schaftliche Grundlage zu stellen, so freudigen Widerhall gefunden habe, so daß es möglich geworden sei, die Sonnenwendfeier in engster Kameradschaft von Partei und DRL zu begehen. Oberstudiendirektor W. K. Philipps (Friedberg) gab dem Abend zur Vorbereitung und Einstimmung auf die Sonnenwendfeier die feierliche Note. Er zeichnete den Feldberg als Sinnbild des Kampfes. Er knüpfte an an das vor einer Woche auf dem Schrenzer bei Butzbach stattgefundene 1. Weidig- Bergfeft und stellte dieses jüngste deutsche Bergfest in Beziehnung zum ältesten Bergfest auf dem Feldberg. In Wort und Lied stellte er Gedanken Jahns, Arndts und des hessischen Freiheitskämpfers Fr. L. Weidig heraus. In vormitternächtiger Stunde begab man sich zur Sonnenwendfeier auf den Philipp-Röbig-Platz Die politischen Leiter des Main-Taunuskreises der NSDAP, waren aufmarschiert, dazu HI., Jungvolk und Werkscharen, Turner und Sportler. Turnerinnen des Sportkreises Friedberg eröffneten mit einem Fackelreigen die Feier. Feuersprüche und Kampflieder der Jugend folgten; der Holzstoß wurde entzündet, und mächtig schlugen die Flammen zum Himmel. Reichsdietwart Kurt Münch (Berlin) hielt die gedankentiefe Feuerrede Kreispropagandaleiter Knobel (Bad Soden) deutete an großen Männern deutscher Geschichte die deutsche Sendung und ließ im Bekenntnis zum Führer und mit den Liedern der Nation die eindrucksvolle erhebende Feierstunde ausklingen. Im „Feldberghof" fand man sich nachher noch zusammen zu frohen Stunden der Kameradschaft. Kamerad Philipps (Friedberg) bot mit seiner Ober- Rosbacher Singschar (geleitet von Lehrer Keller) einen Ausschnitt aus hessischem Volkstum und fand damit den dankbaren Beifall der großen Feldberggemeinde. * Der Sonntag. Nach altem Brauch begann der eigentliche Kampftag mit einer Morgenfeier. Aus dem Philipp- Röbig-Platz waren die nahezu 1500 Wettkämpfer aufmarschiert, begrüßt von der Gesangsriege des To. Niederrad mit dem stimmungsvollen Chor „Feldeinsamkeit". Zur Flaggenhissung sprach W. Wollenberg wirkungsvoll den von ihm verfaßten Dorspruch. Dann entbot Hugo Pfaff allen Gästen und Besuchern des „ewig jungen Feldbergfestes" herzliche Grüße. Ehrend gedachte der Redner der Toten des großen Krieges, der Toten der Bewegung und der Toten unserer neuen starken Wehrmacht. Zum Lied vom guten Kameraden senkten sich die Fahnen, dann übernahm der Oberturnwart im Feldbergfest-Ausschub, Gausportwart Eugen Kramb-Köln, die Leitung des Festes. Mit dem Liede „Turner, auf zum Streite" zogen die Riegen auf die Kampfplätze, die den ganzen Vormittag über von frohem Leben beherrscht waren. Gut fügte sich die völkische Aussprache, an der alle Mitkämpfer regen Anteil nahmen, in die flotte und reibungslose Abwicklung der Wettkämpfe ein. Lebhaftem Interesse begegnete der Mann- schaftskampf der Wehrformationen, der unter Leitung von Gauamtmann Topp- Frank- Morphium 318 Mottenkönig ist zunächst süß und klar, wird bei einsetzender Gärung stark alkoholisch und trüb, sogenannter Federweig. Morphium, aus Opium gewonnenes Arzneimittel, das schmerzstillend und anregend wirkt, aber nur vom Arzt verschrieben werden darf. Morphiummißbrauch, Morphiumsucht. Gewöhnung an Morphium, besonders an Einspritzungen unter die Haut. Der Körper 'des Morphiumsüchtigen lernt bald das Morphium zu verdauen, er braucht deshalb, um die gleiche Wirkung zu erzielen, immer größere Mengen. Geht einher mit körperlichem geistigem und sittlichem Verfall. Plötzliches Aufhören der Morphiumgaben rufen sehr guälende Entziehungserscheinungen hervor, wie Angst Unruhe, Schwäche, Schmerz, Schweiß usw. Entzie- bungskur in einer Anstalt nötig. Mortadella, eine Abart der italienischen Salamiwurst, mit größeren Speckstücken, auch fein gemahlen, und in dicke Därme gefüllt Mosaik. Fußboden oder Flächenverzierung. bei der kleine bunte Steine, Glasstifte oder glasierte Tonstückchen zu einem Muster oder Bild zusammengefügt sind. Moschus, bräunliche Absonderung aus dem Beutel des Moschustieres mit aufdringlichem, haftenbleibendem Geruch. Moschus wird als Parfüm verwendet, ist aber für viele Menschen ein unerträglicher Geruch, worauf man Rücksicht nehmen sollte. Moselweine, leichte, etwas säuerliche aber sehr bekömmliche, blumige Weißweine. Most, der ausgekelterte Saft der Trauben oder des Obstes. Most Mostrich, Bezeichnung für Senf, der statt mit Wein oder Essig mit Most zubereitet ist. Motiv, lat., Bedeutung Beweggrund, bei Handarbeiten Bezeichnung für eine Vorlage oder einen kennzeichnenden Teil davon. Motten, Kleinschmetterlinge, fressen im Raupenzustande Wolle und Pelzwerk. Die fliegenden Motten sind ungefährlich, ihre Vernichtung gibt keine Sicherheit für ' das Weiteroorhan- densein der schädlichen Rauven. Wichtiger ist, bedrohte Sachen oft gründlich zu lüften und zu klapsen. 'Hat die Mottenplage überhand genommen, laste man durch den Kammerjäger eine Vergasung vornehmen. In nicht zu schlimmen Fällen verbrennt man mit der nötigen Vorsicht gegen Brand Insekten-Pulver unter den Polstermöbeln, bügelt Wollsachen unter einem nassen Leinentuch und Teppiche von der Rückseite her unter einem mit heißem Salmiakwaster getränkten Lappen. Zur Aufbewahrung wickelt man Wollsachen mit einem Mottenpulver in frisches Zeitungspapier und verschließt sie möglichst in Blechbüchsen. Pelze hängt man in einen Mottensack, noch bester tut man daran, sie in eine Pelzbewahrungsanstalt zu geben. Mottenkönig, Hahnensporn. eine Zimmerpflanze, soll angeblich Vertrocknet der Mostrich bei Ihnen? Das braucht nicht zu fein Es gibt bei Häuser ein Mostrichgefäß, in dem der Mostrich immer frisch bleibt. Lassen Sie sich dieses Gefäß mal zeigen. Das ist eine praktische Neuheit, die auch in Ihrem Haushalt nicht fehlen sollte. 3. V. Häuser, Gießen, am Oswaldsgarten, Fernsprecher 2145/2146. von Wie schichte mischen Geheimst Die heimischen Erfolge beim 84. Feldbergfest. schon immer in der langen Zeit der des Feldbergfestes waren auch unsere Vereine wieder in stattlicher Zahl und vertreten. Trotz starker Beteiligung und Konkurrenz konnten die Vertreter des MTV. einige schone Erfolge an ihre Fahne heften. Den größten und schön- furt a. M., Sportreferent der SA.-Gruppe Hessen, tand und eine Beteiligung von 30 Mannschaften gefunden hatte. Es war eine Freude, die Mann- chaften trotz harter Anforderungen, die der Kampf teilte, in so herrlicher Geschlossenheit durchs Ziel gehen zu sehen. Am Nachmittag boten die Staffeln nochmals pannende Kampfmomente. Dann marschierten Tarier und Sportler mit den Kameraden der Wehr- ormationen zu einer eindrucksvollen Schluß- kundgebung auf. Gausportwart Topp- Frank- urt a. M., sprach zu den Siegern und Siegerinnen. Er überbrachte die Grüße des Gauführers, SA.- Gruppenführers Beckerle-Frankfurt a. M., und des Reichssportführers und deutete dann in packenden, hinreißenden Worten den tieferen Sinn der deutschen Bergfeste, insbesondere des so herrlichen Feldbergfestes. Dann schritt Oberturnwart Kramb zur feierlichen Siegerehrung und Hugo Pfaff ließ anschließend das schöne Fest des Wettkampfes und der Kameradschaft, das Fest völkischen und heimatlichen Erlebens ausklingen in einem Gelöbnis der Treue zu Führer und Volk. schönen Erfolgen am Feldbergfest beteiligt. Der MTV. Gießen war mit einer Abordnung 15 Turnerinnen und Turner bei den Wettkämpfen GießenerLeichtalhIelenbeidenGaumeisterschasten Kilo verteidigt seine Meisterschaft erfolgreich. ften Sieg errangen die Turnerinnen in der 4 X 75- Meter-Staffel um den Brunhildisschild, der zum fünften Male vom Männerturnoerein gewonnen wurde. Die MTDerinnen in der Aufstellung Else Seim, H. Buß, Erika Schäfer und Enka R ö h m i g gingen nach erfolgreichem Dorlauf im Endlauf mit vier bis fünf Meter Vorsprung durchs Ziel und ließen die Großstädterinnen aus Frankfurt, Mainz und Wiesbaden weit hinter sich. Hierbei 'fei noch bemerkt, daß in dieser Staffel drei Jugendturnerinnen standen, die im Verlaufe des Rennens der Schlußläuferin Erika R ö h m i g einen Vorsprung von zwei bis drei Meter mitgaben. Ein Erfolg, der großen Eindruck hinterließ! Die Turner hatten in der 5 X 100-Meter-Pendel- Staffel um den Schmuck-Schild weniger Glück, denn einer ihrer Besten, Dbertrf. Barth, verletzte sich morgens beim Dreikampf und konnte nicht mitwirken. Um so anerkennungswerter ist der zweite Platz, den die MTDer sich hinter dem siegreichen Tv. Oberursel nach erfolgreichem Vorlauf sicherten. Jeder der Turner Obscharf. L i n d e n st r u t h, Sturmmann Strack, Rottenf. Pfeifer, SA.-Mann P l o ch und Feldw. Fehrenbach setzte sich restlos ein und bei etwas mehr Glück wäre auch der Schmuck-Schild wieder eine Beute des MTV. geworden. . . . In den Mehrkämpfen kam E. Röhmig im Drei- fampf mit 70 Punkten auf den ersten Platz mit ausgezeichneten Leistungen (Kugelstoßen 11,80 Meter, Hochsprung 1,40 Meter). Auch Marg. Seim konnte sich hier gut placieren. Ebenfalls errangen die äugenbhtrnerinnen Seim, Buß und Schäfer gute Plätze. Bei den Turnern war Feldwebel Fehrenbach mit 57 Punkten am erfolgreichsten. fampf ausscheiden. Dagegen ließ sich Herrmann nicht entmutigen, er sprang sehr leicht und technisch einwandfrei 6,55 Meter und wurde Zweiter. Sieger blieb Lange (Kassel) mit 6,62 Meter. Im 800-Meter-Lauf trug Peters (1900) unsere Hoffnungen. Er lief ein schönes Rennen, ließ sich auf keine Experimente ein und wurde in der sehr guten Zeit von 2:02,4 Minuten Zweiter hinter Zehnter, der nur 1:59,3 Minuten benötigte. Das spannendste Rennen wurde bei den 15 0 0 Meter gelauefn. Nachdem zunächst das ganze Feld schön zusammenblieb, trennte sich Roth (CT.) bald vom Felde und lief sich einen schönen Vorsprung heraus, der eigentlich zum Siege längst reichen mußte. Da kam plötzlich in den letzten 200 Meter Kleemann (1900) in einem fabelhaften Spurt näher und näher, beim Einbiegen in die Zielgerade lagen beide Brust an Brust. Zäh und verbissen wurde um jeden Zentimeter gekämpft, dann war das Zielband erreicht. 1. Sieger Roth (CT.), 4:10,6 Brustbreite vor Kleemann (1900), der auch 4:10,6 lies. Die Meisterschaft der Junioren über die gleiche Strecke wurde von Erwin N e i d e l (Tv. Heuchelheim) in der ebenfalls sehr guten Zeit von 4:18,5 Minuten errungen. Ein sehr schönes Rennen gab es über 5000 Meter. Lange führten die Geschwister Hans und Franz N e i d e l, aber der junge Knobloch verfolgte sie wie ihr Schatten. Runde um Runde ging das so. Längst trennte die drei ein großer Vorsprung vom Mittelfeld, dann kündet der Schuß die letzte Runde an. Jetzt stieß Knobloch vor, Hans Neidel (Vorjahrssieger) kam da nicht mehr ganz mit, bagegen hielt sich sein Bruder Franz ganz prachtvoll, er blieb dicht hinter Knobloch, doch konnte er dessen Sieg nicht mehr verhindern. Er wurde Zweiter. Die Zeit des Siegers betrug 15:47,6, Neidel Fr. 15:49,1 und Neidel Hans 16:10,4 Minuten. lieber die kurzen Strecken versuchte sich unser neuer Kreismeister Mieritz (1900). Bei den 100- Meter-Vorläufen hatte er das Pech, sofort mit den Besten in einen Lauf zu kommen und schied gleich aus. Dagegen konnte er bei dem 200-Meter-Lauf sich bis zum Endlauf durchsetzen und den 5. Platz belegen. Sieger über 100 Meter wurde Leineweber (Fulda) in 11,4 Sekunden. Auch die beiden nächsten liefen in der Reihenfolge Henkel (Wallau) und Knappe (Hessen Preußen) in der gleichen Zeit von 11/1 durchs Ziel. Im 200-Me(er-Lauf siegte Henkel in 23,2 Sekunden vor Jung (Diez) und Leineweber (Fulda). Ein Sonderlob verdient die 4X100-Meter- S t a f f e 1 d e s V f B. - R. in der Ausstellung: Siegmund, Luh, Klenk und Herrmann. Alle Wechsel klappten vorbildlich und jeder gab das Letzte her. Nur so war es möglich, daß die Viererstaffel sich den 3. Platz erringen konnte, was in Anbetracht der starken Konkurrenz eine sehr schöne Leistung darstellt. Bei den am Sonntag in Kassel zur Durchführung Öenden Gaumeisterschaften, galt es für die llhleten des Kreises Gießen drei Meistertitel zu verteidigen. Kilo (1900) im Diskuswerfen, Luh (VfB.-R.) im Kugelstoßen und Hans Nei- d e l (Tv. Heuchelheim) im 5000-Meter-Laufen. — Schon am Samstag waren alle Athleten in Kassel eingetroffen. Am anderen Morgen: der erste Blick aus dem Fenster war dann für uns alle eine große Enttäuschung — es regnete sich langsam ein um dann kurz vor dem Wettkampf in Strömen zu gießen. Doch ein richtiger Leichtathlet läßt sich nicht unterkriegen. Schließlich hatte Petrus auch ein Einsehen. Der erste Startschuß fiel — die Gaumeisterschaften 1937 nahmen ihren Anfang. Kilo wieder Meister. Im Diskuswerfen war man gespannt auf das Zusammentreffen des langjährigen Gaumeisters Kilo, der schon 6 Jahre in ununterbochener Reihenfolge den Gaumeistertitel trägt und auf Stefan Skodler, den ersten Helden am Staatstheater, der früher in der österreichischen Olympiamannschaft stand und heute noch Wiener Stadtrekord hält mit 46,80 Meter. Dann zeigte es sich bald, daß Skodler nicht die ihm zugedachte Rolle spielte, denn die Reihenfolge nach dem Vorkampf lautete: Kilo, Luh, Skodler, Lüdke. Im Endkampf verdrängte Lüdke sogar Skodler noch auf den 4. Platz. Während sich Kilo weiter vorarbeitete und mit 41,01 Gaumeister 1937 wurde. Seine Leistung ist um so höher zu bewerten, als er durch eine schmerzhafte Bauchmuskelverletzung noch sehr vorsichtig werfen mußte. Auch der 2.Platz von Luh ist hervorragend zu nennen, denn auch er ging nicht mit voller Frische in den Kampf, da er längere Zeit an einer Knieverletzung zu leiden hatte. Der Diskussieg war die erste Meisterschaft, die nach Gießen kam — und leider auch die letzte. Denn im Kugelstoßen konnte Luh mit einer Leistung von 13,54 Meter nur den 2. Platz belegen. Sieger wurde der für die Universität Marburg startende Bartels mit der sehr achtbaren Leistung von 13,99 Meter. Dritter wurde Hartung mit 13,14 Meter. Herrmann (VfB.-R), der sich ebenfalls am Kugelstoßen beteiligte, wurde Vierter. Im Speerwerfen hatte Gießen gleich zwei gute Eisen im Feuer: Dr. Jacob (VfB.-R.) und Herrmann. Leider konnte Dr. Jacob die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen. Er schied schon im Vorkampf mit einer Leistung von 46 Meter aus, während sich Herrmann auf den 4. Platz vorarbeitete. Sieger wurde Menkel mit 55,59, 2. Sieger Bartels 54,70 und dritter Klama 9,95 Meter. Im Söeitfprung beteiligten sich für Gießen wieder Herrmann und Klenk (VfB.-R.): Klenk, der noch bei den Kreismeisterschaften so sicher sprang, verletzte sich beim ersten Sprung und mußte im Dvr- Die Eaarlandreise der Gießener Studenten Handballmannschast. Gießen — St Ingbert 8:11 (3:6). Universität Gießen — Tv. Kassel 6:4 (2:3). Die Handballmannschaft der Universität Gießen "ehrte am Sonntagabend mit einer Niederlage und mit einem Sieg aus dem Saarland zurück. Die Niederlage gegen den Gauligaverein St. Ingbert wäre zur verhindern gewesen. Jedoch war der Gießener Torwart nicht auf der Höhe. Im übrigen ist die Niederlage gar nicht so tragisch zu nehmen, da die besten deutschen Handballmannschaften, wie MSV. Darmstadt, 98 Darmstadt, Waldhof Mannheim in St. Ingbert auch verloren haben. In Kassel gewonnen zu haben, darf als große Leistung angesprochen werden, da Kassel vor vier- 10 Tagen „Jngobertia" 5:2 schlug und ohne Punktverlust Saarbezirksmeister wurde. Auf jeden Fall haben die Gießener Studenten einen guten Eindruck hinterlassen und die Stadt und die Universität auf das Beste vertreten. Handball im Kreis G ehen. Der letzte Sonntag sah wieder eine ganze Reihe von Mannschaften auf dem Plan. So wurden verschiedene Opferspiele — diesmal mit etwas besserem Erfolg — durchgeführt, während andere Mannschaften die Zeit vor der Spielsperre benutzen wollten, nochmals ihre Kräfte zu messen. An wichtigen Treffen tarnen zum Austrag: Tv. Hörnsheim — Tv. Lützellinden 6:5 (4:1). Tv. Allendorf (Lahn) — Tv. 1846-Mtv. Gießen kombiniert 16:8 (7:2). Tv. Holzheim — Tv. Lang-Göns 10:6 (6:2). Tv. Hausen — Tv. Garbenteich 18:6 (7:2). Hörnsheim ist zwar die Revanche für die im Vorspiel erlittene Niederlage geglückt, sie ist aber bei weitem nicht so überzeu^.nd ausgefallen, wie man es erwartet hatte. Die Platzbesitzer konnten auch diesmal absolut nicht gefallen, während auf der anderen Seite die Gäste trotz zahlreichem Ersatz eine recht gute Figur machten. Einen auch in dieser Höhe verdienten Sieg konnte die junge Allendörfer Mannschaft gegen eine Kombination der beiden Gießener Vereine 1846 und Mtv. erringen. Die Gäste waren zwar eifrig, ließen aber vollkommen den gesunden Torschuß vermissen. Sv ist es erklärlich, daß das sehr sportlich durchgeführte Spiel hoch verloren gehen mußte. Ein recht gutes Ergebnis konnte Lang-Göns feinem „Lokalrivalen" abtrotzen. Es war ein hartes, aber anständiges Spiel, bei dem beiderseits recht gute Leistungen zu sehen waren. Mit etwas mehr Glück hätten die Gäste das Ergebnis vielleicht noch günstiger gestalten können. Auch diesmal hat Hausen Gelegenheit genommen, seine derzeitige Form mehr als deutlich unter Beweis zu stellen. So sehr sich Garbenteich abmühte, das Ergebnis zu verbessern, der Gegner war immer schneller am Ball und ließ darüber hinaus keine der zahlreichen Chancen aus. Kurze Sportnotizen. Eine Leistungsabnahme im Radfahren für das Deutsche Turn- und Sportabzeichen, sowie für das Deutsche Radsport-Jugendabzeichen findet am morgigen Mittwoch, 23. Juni, 19 Uhr, von der „Karlsruh" aus* statt. Mi t deutschen Siegen begannen am Montag die allenglischen Tennismeisterschaften in Wimbledon. Gottfried von Cramm besiegte den Engländer Lysaght 3:6, 6:1, 6:2, 6:0, und Henner Henkel schlug den Engländer Newman 6:1, 6:0, 6:3. Aus den übrigen Begegnungen des ersten Tages ist der Sieg des Australiers Crawford über den Deutschböhmen Roderich Menzel mit 6:4, 7:9, 4:6, 6:3, 6:4 zu erwähnen. Ein Reitturnier wird am Wochenende im Rahmen des Reichskriegertages in Kassel ftattfinben.