Nr. 270 Erstes Matt 187. Jahrgang Aeitag, 19. November (957 Lrlchemi täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Bezug§pret§: Mil 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt ^ernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sietzen Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686 Metzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Univerfitätsdruckerei «.Lange in Sietzen. Schriftleitung und Seschäftsftelle: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Test- anzeigen von 70mm Breite 50 Npf..Platzvorschrist nach vorh. Vereinbg. 25°/0 mehr. Lrmatzigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u, behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Die Großherzogliche Familie nach Darmstadt übergesührl. Brüssel, 18. November. Wie schon kurz gemeldet, trafen Prinz und Prinzessin Ludwig von Hessen am Mittwochabend in O st - «ende ein und begaben sich sofort in Begleitung des deutschen Gesandten, Freiherrn von R i ch t h o f e n , des Gouverneurs der Provinz Westflandern und des Markgrafen von Baden, eines Schwagers- der verstorbenen Erbgroß- herzogin, zum Stadtkrankenhaus. Hier war ein Krankensaal mit schwarzen Drapierungen in eine würdige Trauerkapelle umgewandelt worden, deren Hintere Wand mit den deutschen unb belgischen Prinzessin Johanna, die einzige Ueberlebende der erbgroßherzoglichen Familie. (Aufnahme: Brockmeyer, Darmstadt.) ?-ahnen geschmückt war. In der Mitte standen die L«ärge der Großherzoglichen Familie, zur Rechten Hutten die Särge des Freiherrn Riedesel zu Eisen- b>ch, des Fräulein Hahn und des Segelfliegers Martens ihren Platz gefunden, zur Linken die Särge d r Mannschaft des belgischen Flugzeugs. Die bel- zlcbe Regierung, die belgische Luftfahrtgesellschaft (nibena, der das Flugzeug gehörte, und die Stadt listende haben Kränze niederlegen lassen. Ebenso Iiig auf jedem Sarg ein Kranz der deutschen Ge- sieidtschaft, auch die deutsche Kolonie von Ostende hctte einen Kranz niederlegen lassen. Die ganze Aadt hatte halbmast geflaggt. Die Bevölkerung bldete auf den Straßen zum Bahnhof Spalier, als vis Särge am Donnerstagnachmittag übergeführt nurben, um mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug ii*er Brüssel und Köln nach Darmstadt gebracht zu werben. 3n Brüssel hatten sich auf bem Nordbahnhof Perkehrsminister Iaspar, der Hofmarschall der Königin Elisabeth, Graf d e Grunne, der deut- itiie Gesandte Freiherr von Richthofen und bir griechische Geschäftsträger in Brüs- eingefunden, um dem Prinzen Ludwig noch ein- irul ihr Beileid auszudrücken Der Wagen mit den cargen war in eine mit schwarzem Tuch ausge- stlagene Trauerkapelle umgewandelt worden. Un- ler: den vielen Kränzen bemerkte man auch zwei Kiränze der beiden Kinder des Königs 1DD n Belgien mit den Inschriften „Baudouin" Im.b „Josephine Charlotte". Der König der Belgier M.d das englische Königspaar hatten schon am x I , 1 - Prinz und Prinzessin Ludwig von Hessen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Dienstagabend dem Prinzen Ludwig telegraphisch ihre Teilnahme bezeugt. Die Mutter des Königs der Belgier, Königin Elisabeth, hat ihre Anteilnahme in besonders Herzlicher Weise zum Ausdruck gebracht. Nachdem bereits unmittelbar nach der Katastrophe ein Vertreter der Königin in der deutschen Gesandtschaft in Brüssel Vorgesprächen hatte, um das Beileid Ihrer Majestät der Gattin des deutschen Gesandten, der selbst an der Unglücksstelle weilte, auszusprechen, erschien am Donnerstagvormittag in der Trauerkapelle im Krankenhaus von Ostende ein Ordonnanzoffizier der Königin und überbrachte einen Kranz, der in der Kapelle vor den Särgen niedergelegt wurde. Am Nordbahnhof in Brüssel überbrachte bann ber Hofmarschall Graf de Grunne dem Prinzen Ludwig eine persönliche Botschaft der Königin. Legationssekretär Freiherr von Neurath .gab im Auftrag des deutschen Gesandten dem Zug bis zur deutschen Grenze das Geleit. Die Ankunft in Darmstadt. Erste Aufbahrung im Fürstensaal des Bahnhofs. Darmstadt, 19. Nov. (DNB.) Die ackst Opfer des Flugzeugunglückes in Ostende wurden in der vergangenen Nacht von Belgien aus nach Darmstadt übergeführt. Auf dem Bahnsteig vor dem Fürstensaal hatten sich zum Empfang der auf so erschütternde Weise ums Leben gekommenen groß- herzoglichen Familie die nächsten Angehörigen und Freunde, sowie die Leidtragenden der Familien von Riedesel, Martens und Hahn ein- gefunden. U. a. waren erschienen die Schwester der verstorbenen Großherzogin Fürstin Dohna, die Mutter der Erbgroßherzogin Prinzessin Alexandra von Griechenland mit ihren drei Töchtern, Erbprinz Hohenlohe mit Gemahlin, Prinz untf Prinzessin Christofs von Hessen, Gräfin Solms-Laubach und Prinzessin Elisabeth von Solms-Li ch. Auf dem Bahnsteig war auch der Darmstädter Flieger st urm 1/7 7, bem ber Erbgroßherzog angehört hatte, als Ehrenformation angetreten. Nach bem Eintreffen bes fahrplanmäßigen Zuges würben bie Särge von ben Mitgliebern bes Fliegersturmes in ben auf bas stimmungsvollste ausgeschmückten Fürstensaal getragen unb bort aufgebahrt. Inzwischen war Prinz Ludwig von Hessen mit seiner jungen Gemahlin in Begleitung des Markgrafen von Baden erschienen und wurde auf dem Bahnsteig von dem Grafen Hardenberg begrüßt Als der erste Sarg aus dem Wagen getragen wurde, senkten sich die Fahnen, der Sturmführer des Fliegersturmes legte einen Kranz am Sarg des Erbgroßherzogs nieder. Pfarrer M o n n a r d (Egelsbach) hielt im engsten Kreis eine kurze Andacht und segnete die Toten ein. Zahlreiche Kränze waren als letztes Zeichen der Ehrung im Fürstensaal niedergelegt worden. Heute um 15 Uhr erfolgt die feierliche Ueberführung der Leichen durch Abordnungen der NSDAP., deren Mitglieder der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin waren, ber Wehrmacht unb verschobener Organisationen nach ber R o - s e n h ö h e, wo bie sterblichen Ueberreste in ber Kapelle bes alten Mausoleums aufgebahrt werben bis zur enbgültigen Beisetzung, bie wahrscheinlich am Dienstagnachmittag unter Teilnahme ber Aborbnungen ber Partei unb ber Wehrmacht unb anberer Organisationen ftattfinbet. Die anderen Opfer der Katastrophe. Mit ben Angehörigen ber großherzoglichen Familie ist, wie schon kurz gemelbet, auch bie feit ber Geburt bes ersten Prinzen bem erbgroßherzoglichen Haushalt angehörenbe Kinberschwester Lina Hahn bem Unglück zum Opfer gefallen. Ferner Joachim Riebesel Freiherr zu Eisenbach aus Sickenborf bei Lauterbach, ein Freunb bes Erbgroßherzogs, ber bie Familie auf bem Flug nach Bonbon begleitete, um bort Trauzeuge bes Prinzen Lubwig zu fein. Ferner kam noch ums Leben ber Diplom-Ingenieur Arthur Martens, Prokurist unb Leiter ber Luftfahrt-Abteilung bei ben Bereinigten beutschen Metallwerken in Frankfurt a. M. Er hat sich in ben Jahren 1921 bis 1925 als einer ber erfolgreichsten Segelflieger hervorgetan unb nicht weniger als acht Weltrekorbe im Segelflug aufgestellt. 1924 grünbete er, ber bereits im Weltkrieg geflogen war, bie Martens- Flugschule auf ber Wasserkuppe, bie später von ber Rhön - Rossitten - Gesellschaft übernommen wurde. 1928 unternahm er vom Berliner Flughafen aus einen erfolgreichen Propagandaflug mit einem Leichtflugzeug von nur 35 PS. i • - W - 8 Unsere Bilder zeigen die Stätten des schweren Flugzeugunglücks bei Ostende. Das Bild links zeigt den beschädigten Fabrikschornstein, ben bas Flugzeug bei der Landung streifte, wodurch die Katastrophe herbeigeführt wurde. Man erkennt auf dem Dach noch die Spitze eines Flügels. Daneben die Trümmer der zerstörten Maschine. — (Scherl-BUderdienst-M.) Wie stehtes in der Wirtschaft aus? Die Statistik über die Bauleistung in den Groß- und Mittelstädten eilt derjenigen über das Ergebnis in sämtlichen Gemeinden Deutschlands immer um einige Monate voraus. Der in „Wirtschaft und Statistik" veröffentlichte Ueberblick über die ersten neun Monate des Jahres 1937 zeigt, daß in den Groß- und Mittelstädten 103 545 Wohnungen durch Neu- und Umbau fertiggestellt sind, also ein Zehntel mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Dagegen lagen — hier hat sich der teilweise noch zu überwindende Engpaß in der Materialversorgung und dem Arbeitseinsatz ausgewirkt — die Bauanträge um 17,7 v H., die Bau- erlaubnisse um 12,9 v. H. und die Baubeginns um 7,6 v. H. unter ben Dorjahresergebnissen. Im Unterschied dazu zeigt die Vergleichskurve beim Bau von Nichtwohnungsgebäuden in allen Stadien der Bautätigkeit weiter aufwärts. In dieser Bausparte erhöhten sich die Bauvollendungen um 13,5 v. H., bie Bauerlaubnisse um 18,7 unb bie Baubeginne um 53,3 o. H. Erfreulicherweise bestätigt bas Wohnungsbauergebnis in ben Groß- unb Mittel- ftäbten bie Hinwenbung zum Kleinwohnungsbau. Fast bie Hälfte aller errichteten Wohnungen waren Kleinwohnungen mit ein bis brei Wohnräumen (einschließlich Küche). Gegenüber bem Vorjahre ist bas eine Verbesserung um fünf Punkte. * Die feit einigen Monaten zu melbenbe günstige Einlagenbewegung bei ben Sparkassen hat sich auch im Oktober fortgesetzt. Nach ben soeben veröffentlichten Monatsausweisen ber Sparkassen erhöhten sich bie Spareinlagen um 128,4 Mill RM. Der Einzahlungsüberschuß allem betrug 117,1 Mill. RM. Es würben 70,7 Mill. RM. ober fast 16 v. H. mehr eingezahlt als im Oktober bes Vorjahres. Aber auch bie Entwicklung ber Auszahlungen hat zu bem erhöhten Sparergebnis beigetragen Sie blieben hinter denen des Vorjahres um 33,9 Mill. RM zurück. Die Ursache für diese günstige Spareinlagenentwicklung wird man in erster Linie in der anhaltend günstigen Beschäftigungslage und dem damit steigenden Einkommen zu suchen haben. * In Verfolg des Vierjahresplanes, der (wie man immer bedenken muß) erst ein gutes Jahr am Laufen ist. werden immer neue Maßnahmen ergriffen, die, so unscheinbar sie aussehen, ein wichtiger Stein zum Aufbau der deutschen Rvhstoffreiheit sind. Hierzu gehört die soeben von der Ueberwachungsstelle für Mineralöl mit Zustimmung des Reichswirtschaftsministers veröffentlichte Anordnung über bie Ver- roenbung gebrauchter Schmieröle aus Verbrennungskraftmaschinen. Schon seit langem stellt man Versuche an, bie hochwertigen Autoöle zum Beispiel, bie hauptsächlich aus ausländischen Rohölen hergestellt werben und bie sich im Kraftwagen ja nicht aufbrauchen, zu regenerieren. Mit Wirkung vom 1 Dezember ab müssen nun bie{e als Ablauföle gekennzeichneten Schmieröle von sämtlichen (Eigentümern, bie mehr als 50 Kilogramm Schmieröl monatlich verbrauchen ober bei benen monatlich mehr als 50 Kilogramm Ablauföle anfallen, gesammelt werben. Die gesammelten Ablauföle müssen später an bestimmte Schmierölhänbler unb Aufarbeitunasanftalten abgeliefert werben. Hier werben bie Ablauföle ihrem ursprünglichen Verwendungszweck, b. h. ber Schmierung von Verbrennungskraftmaschinen, roieber zu- geführt werben. ♦ Heber ben „deutfch en Holzbebarf und seine Befriedigung", der zur Zeit zu den wichtig- ften Problemen der deutschen Wirtschaft gehört, machte Professor Dr. Heske vor der Volkswirtschaftlichen Vereinigung im rheinisch-westfälifchen Industriegebiet in diesen Tagen aufschlußreiche Mitteilung. Es verdient vor allem festgehalten zu werden, daß Deutschland an bem Walbbesitz ber Welt nur in einem völlig unzureichenden Ausmaße beteiligt ist. Die Waldflächen ber Erbe machen drei Milliarden Hektar aus. Das sind 22 v. H. bes aan- zen außerpolaren Festlanbes ober, um es deutlicher zu sagen, 64mal soviel wie die gesamte deutsche Bo- denfläche. England, Frankreich' Belaien unb Hol- lanb haben in ihrer Heimat einen Walbbesitz, der kaum V2 v. H. ber gesamten Walbfläche ausmacht. Sie kontrollieren aber durch ihren kolonialen Walbbesitz etwa 31 v. H. ber Walbfläche ber (Erbe. Trotz aller Bemühungen, bie Lücke in der deutschen Holzdecke auszufüllen, wird für Deutschland bie Notwenbigkeit bestehen bleiben mehrere Millionen fteftmeter aus außerbeutfchen Wölbern zu beziehen. Daher ist ein aeficherter Bezug bes Fehlbetrages ber beutschen Holzbecke aus bem Auslanbe notwendig, wenn nicht ber deutsche Wald immer wieder her« halten muß, um durch Uebernutzung den erforderlichen Ausgleich zu schaffen. Ganz von selbst leitet sich aus dieser Feststelluna die Notwendigkeit zum Wiedererwerb waldreicher Kolonien her. Allein Kamerun hat eine Walbfläche, bie grö- jer als bie beutsche ist. ♦ Die deutsche K o h l e n w i r t s ch a f t war in ber ^lsenzeit auch einer ber Wirtschaftszweige, bie Hon ihrer Natur nach am meisten unter bem allgemeinen Niebergang zu leiben hatte. Die verfahrenen Feierschichten belasteten bie Zechen außer- orbentlich. Im taufenben Jahre scheint nun dieser Zustand nach dem Bericht bes Instituts für Kon- iunkturforfchung.weitgehenb überronnben zu sein. Die Saisonabschwächnng ber Förbertätiakeit, bie früher während des Sommers zu beobachten war, ist diesmal fast ausgeblieben. Während in den früheren Jahren die arbeitstäaliche Steinkohlen- förberung während dieser Zeit um 6 v H. durchschnittlich sank, hat sie in diesem Jahre mir um 0,8 v. H. abgenommen. Im übrigen hat die Kohlenförderuna fast wieder den Höchststand vom Spätherbst 1929 erreicht. Im Jahresergebnis 1937 wird sie voraussichtlich sogar größer sein als damals. Auf Grund der Förderung in den ersten acht Monaten kann man für das ganze laufende Jahr mit einer Steinkohlenförderung von 180 Millionen Tonnen und mit einer Braunkohlenförderung von 178 Millionen Tonnen rechnen. 1929 wurden im Reich einschließlich Saarland 176 Millionen Tonnen Steinkohle und 174 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Dagegen dürfte die K o k s - erzeugung wie auch die Steinkohlen- und Braunkohlenbrtketterzeugung den Umfang des Jahres 1929 noch nicht erreicht haben. Die Erlöse im Kohlenschäft haben sich ebenfalls weiter erhöht. Die S y n d i k a t s u m l a g e in den drei westdeutschen Steinkohlenbezirken konnte von 4,08 Mark Derkaufsbeteiligung je Tonne im Jahre 1935 auf 3,80 Mark im Jahre 1936 und 3,22 Mark im September 1937 ermäßigt werden. Aber auch die Ausfuhrerlöse für Kohle und insbesondere für Koks haben eine kräftige Erhöhung erfahren. Der deutsche Ausfuhrhandel hat im Monat Oktober einen neuen Auftrieb erfahren und gegenüber dem Vormonat um rund 50 Millionen Mark auf 544 Millionen Mark zugenommen. Diese Ziffer liegt um volle 25 v. S). über der Oktoberziffer des Jahres 1936, und zwar ist die Ausfuhr nach Amerika um 13, nach Europa um 28 Millionen Mark gestiegen. Die Einfuhr hat sich im Oktober Kennen Sie das kulturelle Gesicht des Vhein-Maingebietes? Besuchen Sie die Gaukulturausstellung in der Frankfurter Festhalle.' nur um 23 Millionen Mark auf 485 Millionen Mark vermehrt. Gestiegen ist die Nahrungsmitteleinfuhr und eine saisonmäßig bedinate Mehreinfuhr an Fertigwaren, die aber durch den ungefähr gleichgroßen Rückgang der Rohstoff- und Halbwareneinsuhr ausgeglichen werden konnte. Wir bezogen aus Europa um 15 Millionen Mark mehr, aus Afrika und Südamerika um 8 Millionen Mark. Die Handelsbilanz im Oktober schließt also mit einem Ausfuhrüberschuß von 59 Millionen Mark gegen 32 Millionen Mark im September 1937. Für die ersten zehn Monate, also Januar bis einschließlich Oktober des Jahres 1937, ergibt sich eine aktive Handelsbilanz von 370 Millionen Mark. Die deutsche Gütererzeugung betrug im dritten Vierteljahr 1937 nach den Rechnungen des Konjunkturinstituts wertmäßig 18,5 Milliarden Mark gegen 16,75 Milliarden Mark in der gleichen Zeit des Jahres 1936. Mengenmäßig lag die Erzeugung ohne Nahrungs- und Genuß- mittel im September 1937 um rund ein Zehntel höher als im September 1936. Gegenüber dem Jahresdurchschnitt von 1928 beträgt die Zunahme nicht weniger als 25 v. H. * In den beiden letzten Jahren hat die Eisenindustrie der Welt einen gewaltigen Aufschwung genommen. Der jetzt vorliegende Jahresbericht der Stahlwerks-Verband-AG., Düsseldorf, für 1936 läßt diese Entwicklung noch einmal plastisch vor Augen treten. Danach ließ das Jahr 1936 die Welt- rohstahlerzeugung wieder auf 124 Millionen Tonnen emporschnellen, nachdem im Jahre 1929 seit der Kriegszeit die Höchstzahl mit 122 Millionen Tonnen erreicht war, und im Jahre 1932 ein Tiefstand von 51 Millionen Tonnen verzeichnet wurde. Der Stab- eisengrundpreis hat mit 6 Goldpfund ungefähr das Dreifache des niedrigsten Standes im Jahre 1932 erreicht. Der Hauptanteil an der Absatzsteigerung entfällt aber auf die vermehrte Belieferung des eigenen Marktes. Die Versandzahlen sind hier in stärkerem Maße gestiegen als im Ausfuhrgeschäft. Insgesamt wurden vom Stahlwerksverband und seinen Unterverbänden im Jahre 1936 10,91 Millionen Tonnen versandt gegen 8,86 Millionen Tonnen im Vorjahre. ♦ Ruhigere Weltbörsen, aber zunehm endeMe- tallbaisse: so lauten die Berichte aus allen Hauptplätzen der Welt. Anstatt einer Erholung an den Metallmärkten hat sich in der letzten Woche eine Preisschwäche durchgesetzt, vor allem auf dem Markt für Kupfer, Blei, Zink und Zinn. Die Vorräte an raffiniertem Kupfer sind auf 344,738* * Tonnen angeschwollen. Auch seitens der Zinnproduzenten ist wegen der Schwäche am Zinnmarkt eine neue Zinnrestriktion vorgeschlagen worden. Doch hat sich der Zinnausschuß in der letzten Sitzung auf eine Senkung der Quoten noch nicht einigen können. Erst am 7. Dezember soll eine neue Konferenz prüfen, ob zum 1. Januar 1938 eine Senkung der Quoten von HO auf 85 v. H. vorgenommen werden kann. Daß der Ausgang der letzten Besprechungen für den Preisstand des Zinnmarktes nicht förderlich gewesen ist, liegt auf der Hand. Auch beim Zink hat sich erwiesen, daß sich insbesondere die amerikanische Industrie mehr Zinkvorräte zugelegt hat, als sie in absehbarer Zeit verdauen kann. * Präsident Roosevelt hat eine außerordentliche Tagung des amerikanischen Parlaments am 15. November durch Verlesung einer Botschaft eröffnen lassen, die sich vor allem mit der Ausweitung der Produktion beschäftigt und die amerikanischen Wirtschaftskräfte zusammenfassen mochte. Es ist bemerkenswert, daß der Präsident jetzt plötzlich entdeckt, Deflations- und Inflationserfolge schädigten die nationale Wohlfahrt, während Roosevelt gerade in feiner ersten Amtstätigkeit vom Golddollar auf den Papierdollar sprang, ohne dazu gezwungen worden zu sein. Und daß seine Politik, allein von der monetären Seite aus, durch Preis- vnd Lohnerhöhungen die Konjunktur zu beeinflussen schließlich erfolglos blieb und zu dem Rückschlag in den letzten Monaten führte, ist eine Erkenntnis, die Roosevelt nun benutzt, um neue Pläne zu schmieden. Die Börsenkrachs im Oktober, der abermalige Rückgang der Eisen- und Stahlindustrie um nicht weniger als 10 Punkte, so daß die amerikanische Eisen- und Stahlindustrie tatsächlich nur mit 36,4 v. H. ihrer Kapazität in der letzten Woche beschäftigt war, sind ernste Zeichen gewesen, die sich Zudem beliebig durch Anführung des Preiszu- fammenbruchs auf den Rohstoffmarkten und durch Rekordernten der Baumwollplantagen vermehren ließen. In seiner Kongreßbotschaft erklärt der Präsident, der Staat müsse einspringen, wenn das Privateigentum versage. Damit hat er Recht, aber er tut nichts, um außer einer Polemik gegen den Hochkapitalismus positive Vorschläge zu machen. Er weist allgemein auf die Notwendigkeit einer landwirtschaftlichen Erzeugung^- und Absatzgesetzgebung hin, schlägt entsprechend der Derlei- Englisch-amerikanische Verhandlungen über neuen Handelsverlrag. Washington, 18. Nov. (DNB.) Außenminister Hüll gab die „Absicht, mit England Verhandlungen über ein en Handels- p alt zu beginnen", bekannt. Obwohl das Außenamt nach dem Ermächtigungsgesetz nur verpflichtet ist, den tatsächlichen Beginn solcher Verhandlungen anzukündigen, hat es seit einiger Zeit eine Dor - frist eingefügt, um der amerikanischen Industrie genügend Gelegenheit zu geben, ihre Wünsche zu äußern und zu begründen. Diese Bekanntgabe ist nun erfolgt. Außenminister Hüll erklärte, das Problem, ob das Ottawaer Abkommen den Eintritt Amerikas in das System der Vorzugszölle innerhalb des britischen Empires gestatte, sei befriedigend gelöst. Wenn die amerikanischen Interessenten innerhalb der nächsten vier Wochen ihre Wünsche angemeldet hätten, könne man daran gehen, mit England über Herabsetzung ober Bindung einzelner Zollpositionen zu verhandeln. Außer mit Kanada bestehe mit keinem anderen Dominion zur Zeit ein Handelspakt, es sei auch keiner in Aussicht genommen. Englische Erwartungen. London, 19. Nov. (DNB. Funkspruch.) In allen Londoner Morgenblättern ist die Mitteilung, daß englisch-amerikanische Handelsvertragsverhandlungen bevorstehen, die große Meldung des Tages. Die Blätter erwarten, daß mit dem Abschluß der Verhandlungen in der ersten Hälfte des Jahres 1938 zu rechnen ist. Die Blätter betonen die Auswirkung, die ein solcher Handelsvertrag nicht nur für die Weltwirtschaft, sondern auch im weiteren Sinne für die politische Lage haben könnte. „Daily Telegraph" schreibt, in politischen Kreisen messe man dem Wert einer festen politischen amerikanischen Zusammenarbeit mehr Bedeutung bei, als den erwarteten Handelsvorteilen. Der marxistische „Daily Herald" rührt eifrig die Trommel und spricht davon, daß das Handelsabkommen eine Demonstration dafür sein könne, daß „bie Demokratien ber Welt noch einer erfolgreichen Zusammenarbeit fähig seien unb sich ber Banbe bewußt seien, bie sie verknüpfen." Die liberale „News Chronicle" haut in bie gleiche Kerbe. Die „Daily Mail" schreibt inbessen, in gewissen Kreisen gebe man ber Aussicht auf eine neue unb wertvolle Verstänbigung zwischen den beiden großen angelsächsischen Nationen eine politische Bedeutung, nämlich die, daß die beiden Hauptdemo- kratien'der Welt sich zusammentäten gegen den nicht- demokratischen Teil. Keine Ansicht über das beabsichtigte Abkommen könne abwegiger sein, als diese. Dieses Abkommen sei nicht bestimmt, neue Grenzlinien in der Welt zu ziehen, sondern — um die Worte des belgischen Königs zu gebrauchen, — dazu berufen, eine bessereÖrd- nung im Wirtschaftsleben herbeizuführen, die für bie ganze Menschheit von Interesse sei. umZtal,ensw»rUhr ladet ein DieFührerschaft Zur Denkmalweihe a. Totensonntag Abmarsch pünktlich 13.10 Uhr vom Hessisch. Hof z. Sammelplatz „Liebigdenkmau Teilnahme ist Ehrenpflicht! Artilleristen- kameradschaft 1895, Gießen. 50 Pf. 60 Pf. 70 Pf. 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