KUH Erster Blatt 187. Jahrgang Donnerstag, ZO.lNai 1937 Grschelm täglich, autz« Sonntags and Feiertag» Beilagen: *Dte Illustriert» Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl» Monalr-Vezugspretr: Mtt 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Jllusttierle e 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer GewaV Zernsprechanschlüsse anter Sammelnummer 225) Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen druck und Verlag: vrühl'sche Untverfttatr Such- und Stemdruckerei R. Lange ln Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7 Annahme von Anzeigen für die Millagsnummer bis 8l/.lll)r des Vormittags Grundpreise für I mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Rpf..Platzvorschrift nach oorh Vereinbg.25°/^ mehr. Grmähtgte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie ein- spaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf.Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B In Erwartung der Klottenparade von Gpithead. Das britische Königspaar an Bord der Jacht „Viktoria und Albert". Oberschlesien völkerrechtlich gesehen. Von unserem Or. ^.-Berichterstatter. London, 19. Mai. (DNB.) Im Rahmen der Veranstaltungen anläßlich der Krönungsfeier begab sich das englische Herrscherpaar am Mittwoch, einer Einladung des Londoner Stadtrats folgend, zu einem Frühstück in die Guildhall. Traditionsgemäß wurde der König an der Stelle der Stadt, an der einstmals die Grenze der eigentlichen City lag, vom Lordmayor und dem Stadtältesten empfangen, der ihm nach altem Brauch das Perlenschwert überreichte als Zeichen dafür, daß der König die Verteidigung der Stadt übernehmen soll. An dem Frühstück nahmen Vertreter des Stadtrats und der alten Londoner Zünfte teil. Im Anschluß an das Frühstück begaben sich der König und die Königin nach Portsmouth, um an der Flottenschau in Spithead teilzunehmen. Der König und die Königin sowie die Kronprinzessin Elisabeth begaben sich an Bord der königlichen Jacht „Viktoria und Alber t". In diesem Augenblick wurde die königliche Standarte an den Schiffsmasten gehißt, und die Küstenbatterien gaben den Königssalut von 21 Schuß ab, während alle auf der Reede versammelten Kriegsschiffe über die Toppen flaggten. Später veranstaltete das Königspaar ein Festessen auf der königlichen Jacht, zu dem die führenden Flottenoffiziere geladen waren. Die englischen Blätter zeigen nach wie vor starkes Interesse besonders für das deutsche Panzerschiff „Admiral Gras S p e •e", das als vorbildlicher Typ des modernen Kreuzerbaues bezeichnet wird. „Daily Telegraph" schreibt, von einer starken englischen Flotte hänge das Weiterbestehen des britischen Imperiums ab. Wenn es England nicht mehr gelänge, seine Seeoerbindungen offen zu halten, dann würde es verhungern und untergehen. Die heute ins Spithead versammelten englischen Kriegsschiffe stellten nur einen Bruchteil der britischen Flotte dar, wie sie in einigen Jahren nach Vollendung des neuen Aufrüstungs- Programmes bestehen werde. Die im Bau befindlichen neuen Kriegsschiffe allein würden an Kampfkraft beinahe der' gesamten zur Zeit ins Spithead versammelten Flottenmacht gleichkommen, Schon in drei Jahren werde die englische Flotte um mindestens 50 v. H. vermehrt sein. Schon heute könne man aber sagen, daß die Bereitschaft der britischen Flotte bei 'weitem größer sei, als noch vor zwei Jahren. Irland und die Reichskonferenz. Dublin, 20. Mai. (DNB. Funkspruch.) D e Dal er a erklärte im Landtag, daß der irische Freistaat nicht an der Reichskonferenz teilnehme, weil noch verschiedene Meinungsverschiedenheiten zwischen England und Irland bestünden, die eine Zusammenarbeit verhinderten. Die wichtigste Streitfrage sei die Aufteilung der irischen Insel in zröei Teile, die durch nichts gerechtfertigt werden könne. Eine weitere ungelöste Streitfrage seien die irischen Landannuitäten. Solange die jetzige irische Regierung am Ruder sei, werde sie nicht einen einzigen Penny dieser Gelder an die britische Regierung bezahlen, da dies einer Uebergabe Irlands gleichkommen würde. Der irische Freistaat könne keinen eigenen Verteidigungsplan aufftellen, solange England die Macht habe, Teile des irischen Gebietes „willkürlich" zu besetzen, und solange die britische Flotte ein Anrecht auf die irischen Häfen besitze. Irland habe nicht den Wunsch, als Angriffsbasis gegen England benutzt zu werden. Es wolle ein völlig freies Volk sein, das sein eigenes Gebiet selbst beherrsche, und es wolle an k e i n e m K r i e g teilnehmen. Wenn die irische Unabhängigkeit völlig anerkannt würde, wäre der Freistaat bereit, ein eigene Verteidigung zu organisieren und da- ür zu sorgen, daß keine ausländische Macht auf einem Boden Fuß fassen könnte. Der Völkerbund sei durch die Prüfungen der letzten Jahre bis in seine Grundfesten erschüttert worden. Wenn die Gefahren nicht beseitigt würden, sei es möglich, daß der irische Freistaat aus dem Völkerbund a u s t r e t e n werde. Er hoffe jedoch, daß dies nicht nötig fein werde. Die beste Hoffnung des Völkerbundes würde darin bestehen, alle Nationen, insbesondere aber alle Staaten Europas zu umfassen. Valdwin vor derEmpire-Iugend. London, 19. Mai. (DNB.) In einer Massenversammlung der Empire-Jugend in London sprach u. a. auch Ministerpräsident Baldwin Er behandelte vor allem Fragen der Regierungsform. Mit einem besonders dringlichen Appell an die junge Generation erklärte er, es könnte sehr wohl sein, daß die Jugend die Demokratie vor sich selb st werde retten müssen. Nachdem Baldwin heroorgehoben hatte, daß ein Krieg die Schwierigkeiten von heute nicht beheben könnte, betonte er, daß die Tage, die das Werden des Völkerbundes bedeutet hätten, gleichzeitig auch die Unterzeichnung des Vertrages von Versailles gesehen hätten. Könne aber beides auf der Kreditseite verbucht werden? so fragte er. 20 Jahre früher hätten alle Engländer das bejaht. Heute aber sei die Antwort zweifelhaft; denn beide hätten die Hoffnung von vielen bedeutet und wären doch einer Enttäuschung gewichen. Das Europa von heute befinde sich weder im Krieg noch im Frieden, sondern stehe in bewaffneter Bereitschaft. Unter besonderem Beifall 'erklärte der Premierminister, daß . 7 das Britische Empire, solange es bestehe, seine Stimme gegen falsche Götter erhebe. „In gewissen Ländern" bezeichne man den Frieden als schlechten Trapm, den Krieg aber stelle man als Ideal hin. Das Empire sei jedoch, behauptete Baldwin weiter, für den Frieden organisiert. Er streifte dann die Bedeutung der Religion für den Staat und erklärte — wobei er, falls seine Ausführungen nicht als irreführend angesehen werden sollen, nur die Sowjetunion und das bolschewistische Spanien gemeint haben kann —, daß dort, wo die Religion ausgerottet werde, Grausamkeit und Despotismus herrschten. Zum Schluß appellierte Baldwin an die menschliche Brüderlichkeit. London, 20. Mai. (DNB. Funkspruch.) Aller Voraussicht nach wird Baldwin nächste Woche dem König in aller Form sein Rücktrittsge- s u ch einreichen. Anschließend wird Neville Chamberlain zur Uebernahme des Ministerpräsidiums zum König berufen. Die Kabinettsänderung soll dann möglichst rasch bekanntgegeben werden. Das Kabinett wiro sich am darausfolgenden Montag dem König in seiner neuen Form vorstellen können. Am 31. Mai werden die konservativen Parlamentsabgeordneten zusammentreten, um nach dem Abgang Baldwins den neuen Parteiführer zu ernennen. Es bestehe kein Zweifel, daß Chamberlain auch die Parteiführung erhalten wird. Blomberg als Gast -er englischen Armee. ÄS», ' % s Generalfeldmarschall von Blomberg stattete im Anschluß an die Krönungsfeierlichkeiten in London dem Königlichen Tankkorps in Bo- vington Camp einen Besuch ab und besichtigte die dort liegenden Truppen. Hinter ihm sieht man Brigadegeneral Sutton. (Scherl-Bilderdienst-M.) Ferner besuchte der Generalfeldmarschall die britische Luftwaffe im Flughafen von Andover in Südengland. Der Generalfeldmarschall, in dessen Begleitung sich auch Generalmajor der Flieger S t u m p f f und der deutsche Luftattache Generalmajor der Flieger Wenninger befanden, wurde bei seiner Ankunft vom Luftmarschall Sir John Steel begrüßt. Nach dem Abschreiten der Ehrenkompanie besichtigte er die in Andover stationierten Bomber staffeln. Nach einem Frühstück, das der Leiter der Luftkriegsakademie, Luftvizemarschall Barratt, ihm zu Ehren gab, nahm Generalfeldmarschall von Blomberg mit seinem Stab die Anlagen der Akademie in Augenschein. Der Reichskriegsminister, der Gelegenheit zu einer längeren Aussprache mit führenden Männern der brittschen Luftwaffe hatte, gab vor der Presse seiner Freude darüber Ausdruck, als Vertreter des Führers in England weilen zu dürfen. Er hob besonders hervor, wie sehr er von dem Erlebnis der Krönung, der freundlichen Aufnahme und vor allem von seinen Unterredungen mit den führenden Männern Englands beeindruckt fei. Oer italienische Königsbesuch in Budapest Oie Trinksprüche der beiden Staatsoberhäupter feiern die Zusammenarbeit mit Oesterreich und Deutschland. Budapest, 19. Mai. (DNB.) Bei strahlendem Sonnenschein fand der feierliche Einzug des italienischen Herrscherpaares in die mit italienischen und ungarischen Flaggen reich geschmückte Hauptstadt statt. Das Königspaar wurde vom Reichsverweser, der Regierung, der Generalität und den Spitzen der Behörden begrüßt. Alle ungarischen Würdenträger waren in der historischen ungarischen Nationaltracht erschienen. Nach dem Abschreiten der Ehrenkompanie fuhr der König mit dem Reichsverweser in einer von fünf Schimmeln gezogenen offenen Kutsche, gefolgt von der Palastwache des Reichsverwesers zu Pferde in ihren historischen rot-goldenen Uniformen, durch die Stadt. Ihnen folgten, gleichfalls in Schimmel-Fünfergespannen, die Königin mit der Gemahlin des Reichsverwesers Das italienische Herrscherpaar wurde überall mit stürmischen Eljen-Rufen begrüßt. Zu Ehren des Herrscherpaares gab der Reichsoerweser ein Familienfrühstück. Am Nachmittag legte der König am Heldendenkmal einen Kranz nieder. Der Herrscher begab sich anschließend zum Heldenfriedhof, wo er die Gräber der dort ruhenden italienischen Soldaten bekränzte. Am Mittwochabend gab der Reichsverweser im Marmorsaal der königlichen Burg ein Festessen, an dem Prinzessin Maria, Graf Ciano, Erzherzog Joseph und Erzherzogin Augusta, Kardinalfürstprimas Seredi, das Diplomatische Korps, die Regierung, die Präsidenten des Reichstages und viele andere teilnahmen. In seinem Trinkspruch wies der Reichsoerweser auf die Freundschaft des ungarischen Volkes für die italienische Nation hin und fuhr dann u. a. fort: In einer der traurigsten Epochen des nationalen Daseins Ungarns war es gerade die italienische Nation, die als erste Ungarn die Freundeshand hinstreckte, und die in der Erkenntnis der Gemein- samheit der geschichtlichen Interessen in großem Maße dazu beigetragen hat, daß Ungarn in kurzer Zeit zu einem beachtenswerten Faktor in der internationalen Politik geworden ist. Diese Haltung der italienischen Nation werden wir niemals vergessen. Die Aufbaupolitik, deren Hauptgrundlagen von uns gemeinsam mit Oe st erreich, unserem gemeinsamen Freund, in den Protokollen von Rom niedergelegt worden sind, hat sich auch bis heute als ergebnisreich erwiesen, und ich bin überzeugt, daß diese Politik durch die Zusammenarbeit mit dem mächtigen Deutschland ein fester Eckpfeiler für die Schaffung des wahren und dauerhaften Friedens und damit auch für die harmonische Zusammenarbeit der Völker geben wird. Der König von Italien und Kaiser von Aethiopien erwiderte u. a.: Die vielgestaltigen Bande, die im Laufe von langen Jahrhunderten die ungarische und die italienische Nation zusammengeführt haben, sind immer stärker geworden, bis sie heute mit den Protokollen von Rom einen festen wirtschaftlichen und politischen Bau bilden, in dem die beiderseitigen Erfordernisse und Interessen harmonisch ineinander gehen. Diese Politik hat bereits in der ganzen Zone, in der sie wirksam zu werden bestimmt ist, günstige Ergebnisse hervorgerufen und läßt mit der herzlichen Zusammenarbeit Deutschlands jeden Tag mehr ihre Wirkung erkennen, eine Politik, die im Interesse der Stabilität und des friedlichen Zusammenlebens in Europa von jeder Exklusivität frei ist und für jede weitere Entwicklung offen steht. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! K a t t o w i tz, Mai 1937. Der kommende 15. Juli rückt die oberschlesische Frage noch einmal in das Blickfeld völkerrechtlicher Betrachtungen. Vielfach geht die irrtümliche Ansicht um, daß an diesem Tage nach Ablauf der vertraglich festgelegten 15jährigen Frist die gesamte Genfer Konvention über Oberschlesien mit all ihren Einzelbestimmungen ihr Ende erreiche, so daß nunmehr gewissermaßen ein Vakuum entsteht, dessen Auffüllung in rechtlicher Hinsicht staatlicher Willkür überlassen bleibt. Ganz so ist es gewiß nicht, und in vielen Punkten ist deshalb die Befürchtung der deutschen Minderheit in Polen für dis Zukunft und ebenso die Hoffnung gewisser polnischer Verbände auf eine Zeit zügelloser Entdeutschungs- möglichkeiten unbegründet. Aber leider werden öffentliche Meinung und die daraus entstehenden Handlungen nicht immer von der richtigen Erkenntnis der völkerrechtlichen Gegebenheiten bestimmt, und so konnte es nicht ausbleiben, daß in die an sich gespannte Stimmung innerhalb der beiden Nationalitäten Oberschlesiens neue Unruhe getragen wurde, die die Ueberführung jener Rechtsbeziehungen, die nun tattfächlich am 15. Juli enden werden, in die neuen staatsrechtlichen Verhältnisse nicht wenig erschwert. Die Unruhe wird durch Maßnahmen der polnischen Regierung vermehrt, denn es konnte den Deutschen in Polen nicht verborgen bleiben, daß sowohl die Handhaben der Agrarreform im Posener Gebiet und im Korridor wie die Ausführungsbesttmmungen zur Grenzzonenoerordnung eine weitere Einengung der Eigentumsrechte in den betroffenen Bezirken erkennen läßt. Diese Erscheinungen müssen um so mehr bedauert werden, als der kommende Wechsel von allen Beteiligten im Interesse der sonst so guten Beziehungen zwischen den beiden benachbarten Staaten ein politisches Feingefühl verlangt, das der Schwierigkeit des völkerrechtlichen Problems entspricht. Es ist also verkehrt, von einem völligen Erlöschen der Genfer Konventton am 15. Juli zu sprechen. Kein Artikel der Konventton spricht von einer allgemein zeitlich begrenzten Geltungsdauer. Ein Teil der Bestimmungen, die in der Hauptsache wirtschaftlicher Natur und dazu besttmmt waren, die Schäden der gewaltsamen Trennung eines an sich einheitlichen Wirtschaftsgebietes zu mildern, sind in der Zwischenzeit bereits durch Zeitablauf gefallen oder durch Aenderung der tatsächlichen Lage gegenstandslos geworden. Hierher gehören die Bestimmungen über das Geldwesen, die mit der Einführung der polnischen Währung ihr Ende fanden, ferner die über die zollfreie Einfuhr industrieller Produkte von Ostoberschlesien in das Reich, die bereits am 15. Juli 1925 ihr Ende erreichte. Gewisse Bestimmungen der Genfer Konvention sind ihrer Natur nach unbeschränkt und lösten Dauerwirkungen aus. Hierher gehört die Regelung der Staatsangehörigkeit und die Aufteilung der Vermögen der im ehemaligen Abstimmungsgebiet liegenden öffentlichen Versiche - rungskassen. Die wirtschaftliche Verbundenheit des oberschlesischen Industriegebiets erheischte ferner eine Dauerreqelung des Grenz- und Durchgangsverkehrs und die Schaffung von Grenz- wirtschastsbezirken in Breite von 5 Kilometer beiderseits der Grenze, einer Zone, die zur Bewirtschaftung eines durch die Grenzziehung zerschnittenen Eigentums mit einer besonderen „Grenz- karte" betreten werden kann. Allerdings darf diese nicht mit der bekannteren „Verkehrs-- karte" verwechselt werden, die für das gesamte Abstimmungsgebiet Geltung hat und am 15. Juli ihre Geltung verliert. Auch der Eisenbahnverkehr mußte mit besonderen Durchgangsrechten ausgestattet werden, die ebenfalls einer zeitlichen Begrenzung nicht unterliegen können. Eine Sonderregelung haben schließlich die „erworbenen Rechte" im Abstimmungsgebiet erfahren. Die für sie geschaffene Rechtsbürgschaft ist nicht auf die Angehörigen einer Minderheit beschränkt — wenn sie praktisch auch diesen hauptsächlich hätte wgufe kommen müssen —, und stellt somit einen für alle Zukuntt gegebenen Schutz dar. Allerdings ist für Entschädigungsklagen aus der Verletzung dieser Rechte nach dem 15. Juli nicht mehr das ^'"-schseüsche Schi»dsaer'cht in Beuthen zuständig, sondern die ordentliche Gerichtsbarkeit des Landes. Die unbeschränkte Dauer der Unverleklichkeit der erworbenen Rechte hat das Schiedsgericht übrigens in einer Entscheidung bereits anerkannt. Die eigentlichen minderheitsrechtlichen Bestimmungen aber endigen am 15.Juli. An ihre Stelle treten die allgemeinen Bestimmunaen des Minderheitenschutzvertrages Allerdings hat sich Polen von den internationalen Verpflichtungen dieses Vertrages in Genf losgesagt, so daß ein völkerrechtlicher Schutz praktisch nicht mehr gegeben ift. Anderseits ist das Vertrauen der deutschen Minderheit in die Wirksamkeit der Schukbesttm- mungen der Genfer Konvention bereits so stark gemindert, daß der formale Wechsel nicht viel neue ausschlaggebende Erschütterungen zu bringen vermag. Dennoch sind die minderheitsrechtlichen Bestimmungen des Genfer Abkommens in ihrer Grund- auffassnng nicht schlecht gewesen Was ihre praktische Wirkupg beeinträchtigte, war das Fehlen eines einheitlichen ordentlichen Rechtsweges. Der Rechtsschutz war in allerlei Einzelbestimmungen verzettelt, und wo ein solcher Rechtsschutz nicht ausdrücklich voraeschrieben war, da fehlte er eben ganz und das Recht blieb eine leere Form. Aber auch dort, wo ein Verfahren möglich war, arbeiteten die Instanzen so langsam, daß, wenn nach Jahren die Entscheidung siel, das Interesse des Klagefuhrenden an dem Streitgegen- stand oft längst erloschen war. Hatte doch der Präsident der Gemischten Kommission nicht einmal das Recht des Einspruches mit aufschiebender Wirkung, so daß es vorkommen konnte, daß ein deutsches Kind, das zwangsweise in die polnische Schule gesteckt würbe, diese Schule bereits beendet hatte, wenn die Entscheidung eintraf, daß es in die deutsche Schule gehöre. Auch auf dem Gebiete des Arbeitsschutzes sind die Bestimmungen in der Praxis wirkungslos geblieben. 80 v. H. aller deutschen Arbeiter Ostoberschlesiens sind heute erwerbslos. Das Genfer Abkommen ist seinerzeit den Partnern von der Botschaftskonferenz aufgezwungen worden. Das ist der tiefe Grund, warum es bei beiden Teilen sich von vornherein keiner großen Beliebtheit erfreute. Beide Regierungen von damals sahen darin in erster Linie ein Instrument zur Einschränkung ihrer Souveränität. Die deutsche Abneigung mußte steigen als sich erwies, daß die schönen Worte nur selten lebendige Gestalt annähmen. Auf polnischer Seite aber bildete sich die lenbenfl heraus, daß die Behörden gewissen Voreingenommenheiten eines Teiles der öffentlichen Meinung nur zu schnell nachgaben und daß auch die Zentralregierung sich gegenüber den Regelwidrigkeiten der unteren Instanzen nicht durchsetzte. Vielfach hatte der gefühlsmäßige Widerstand auch seine Ursache in der Verständnislosigkeit polnischer Organe für die Tatsache, daß es für Angehörige einer Minderheit neben dem staatlichen Pflichtenkreis einen völkischen gibt, deren Verbindung nur möglich ist, wenn den Forderungen beider Gerechtigkeit zuteil wirb. Alle Kritik, so berechtigt sie sein mag, reicht nicht aus, um auch für die Zukunft eine Regelung der deutsch-polnischen Minderheitenfrage unerwünscht erscheinen zu lassen. Im Gegenteil darf man annehmen, daß ein freiwillig geschlossenes zweiseitiges Abkommen einen stärkeren sittlichen Wert in sich bergen müßte. Was hier die Zukunft bringen wird, ist noch nicht abzusehen, jedenfalls beweisen die in diesen Tagen in Köln begonnenen deutsch-polnischen Verhandlungen über Eisenbahnfragen, daß auch Warschau Nicht den Wunsch hat, Lücken, die der Ablauf des Genfer Abkommens entstehen läßt, offenzuhalten. Viele schwere Wunden hat das Ringen um den Besitz Oberschlesiens mit allen seinen Folgerungen bis auf den heutigen Tag offengelassen. Es ist bebauer- lich, daß man die Schäden in erster Linie nur im Wirtschaftlichen erblicken wollte und demgemäß das Abkommen vom 15. Mai 1922 danach gestaltete, während das Schicksal der Menschen selbst erst in zweiter Linie Berücksichtigung fand. Um so mehr drängt sich der Gedanke einer umfassenderen, zweckmäßigeren und der Zeit mehr entsprechenden Gesamtregelung im Sinne jenes Vertrages auf, der im Januar 1934 abgeschlossen wurde und der grundsätzlichen Einstellung der beiden Staaten zueinander einen neuen fruchtbaren Inhalt gab. Weitere Entschuldung der Gemeinden. Berlin, 19. Mai. (DNB.) Der im Interesse des Reiches eingeleitete Abbau der Gemeindeschulden tritt immer mehr in Erscheinung. In der ersten Hälfte des Rechnungsjahres 1936/37 sind, wie die Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" berichtet, die Schulden bei ben Gemeinden mit über 10 0 00 Einwohnern und den Gemeindeverbänden wieder um rb. 160 Millionen Mark ober um fast 3 v. H. zur ü ck ge g an ge n (Stand am 30. 9. 1936 9,5 Milliarden Mark). Die Abnahme war um rund 100 Millionen Mark größer als in der gleichen Vorjahreszeit. Auch die Bereinigung der Zahlungsrückstände ist fortgeführt worden, so daß 1936/37 nur noch 55 Millionen Mark übrig waren. Der verstärkte Rückgang der Schulden ergab sich einmal dadurch, daß die Tilgungen mit rund 250 Millionen Mark um 55 Millionen Mark höher waren als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und sodann durch eine weitere Einschränkung der Neuaufnahmen. Die geringere Kreditneuaufnahme wirkte sich vor allem in einer Schonung des freien Kreditmarktes aus, dem im ersten Halbjahr 1936/37 von Gemeindeseite nur noch 39 Millionen Mark entnommen wurden. Die Kredite aus öffentlichen Mitteln, wie z. B. die Arbeitsbeschaffungskredite, Sonderkredite von Reich und Ländern ufw., sind gleichfalls spärlicher geflossen. Die neuen Kredite erhielten die Gemeinden bei leicht rückgängigen Zinssätzen, und zwar am freien Markt zu durchschnittlich 4'/n v. H., und von öffentlichen Geldgebern zu nicht ganz 3V2 v. H. Der Schuldenrück- gang, zusammen mit diesen Zinsverbefserungen, wirkte im Sinne einer Entlastung der g e - meindlichen Schuldenhaushalte. Für den gesamten Zinsendienst waren in der ersten Hälfte des Rechnungsjahres 1936/37 rund 200 Millionen Mark erforderlich gegen 220 Millionen Mark hn vorausgegangenen Halbjahr. Das neue Gtudentenrecht. München, 18. Mai. (DNB.) Im Braunen Haus fand eine Sitzung des Derfassungsausschusses der Reichsstudentenführung statt. Reichsstudentenführer Dr. Scheel ging besonders auf die Ziele der Studentenkampf Hilfe und der Kam e- radschaftserziehung ein. Die Ausführungen würben ergänzt durch einen Bericht des Amtsleiters für Wissenschaft der Reichsstudentenführung Dr. Kubach, der auf die Erfolge und weiteren Ziele des Reichsberufswettkampfes einging, sowie durch Ausführungen des Amtsleiters Dr. Franz, der über die zukünftige Rechtsstellung des Reichs st udent en werks berichtete. Ferner sprach Reichsamtsleiter Dr. Krüger, der ehemalige Führer der Deutschen Studentenschaft, über die Entwicklung der Deutschen Studentenschaft seit dem Ausgang des Weltkrieges bis zur Gegenwart. Professor Dr. Höhn, Mitglied der Akademie für Deutsches Recht, machte Vorschläge zur zukünftigen Rechtsform der deutschen Studentenschaft. Gebietsbeauftragter Dr. Sandberger ging auf die Erhebung der Reichsstudentenführung zum Hauptamt der NSDAP, und auf die Satzung für die Studentenkampfhilse ein. An der Aussprache beteiligten sich insbesondere Reichshauptamtsleiter Hedrich, der Vertreter der Reichsdozentenbundführung Dr. Willig, der Vertreter des SS.-Gerichts SS.-Hauptsturmführer Dr. Reinicke sowie Professor Krieck, Rektor der Universität Heidelberg. 3m Dienst der Volksgesundheit. Erfolge und neue Aufgaben der nationalsozialistischen Gefundheitspstege. Bad Wildbad, 20. Mai. (DNB.) Auf der Jahreshauptversammlung der Wissenschaftlichen Ge- ellschaft der Deutschen Aerzte des Oefsentlichen Ge- undheitsdienstes führte Ministerialdirektor Dr. Gütt u. a. aus, daß in den ersten Jahren nach der Machtübernahme die Gesundheitsämter im ganzen Reich aus dem Nichts entstanden, die ZahlderAerzte allmählich verdoppelt und mit einem Schlage in ganz Deutschland die bewährten Maßnahmen des Gesundheitsschutzes, der Gesundheitsfürsorge und -pflege gleichmäßig durchgeführt worden feien. Ihnen komme im Zusammenhang mit dem Vierjahresplan eine besondere Bedeutung zu, denn wir brauchten gesunde, leistungsstarke Menschen. Dr. Gütt wandte sich gegen den Mißbrauch von Alkohol und Tabak, besonders bei der Jugend. Wohnunas-, Kleidungs- und Nahrungsmittelschädlinge richteten-jährlich einen Schaden an, der in die Hunderte von Millionen ginge. Durch Beseitigung der flüssigen Abfallstoffe, die meistens in Flüsse und Seen abgeleitet würden, seien manche Epidemien entstanden. In ihnen seien aber Stoffe enthalten, die von hohem Werte seien. Mit dem Abwasser von 30 Millionen Menschen könnte auf einer Grünlandfläche von 150 000 Hektar eine Eiweißfutterernte von 300 000 Tonnen erzeugt werden. Das sei der friedliche Gewinn einer Provinz von 3000 Quadratkilometer. Zudem sei diese Verwendung der Abwässer bisher die beste und unschädlichste Art ihrer Beseitigung auch in hygienischer Beziehung. Reichsimienmiliisler Dr. Frick gab einen Rückblick über die vergangenen vier Jahre nationalsozialistischer Gesundheitspolitik und führte dann u. a. aus: Durch die Behebung der Arbeitslosigkeit und die Sicherung des deutschen Lebensraumes durch eine starke, achtunggebietende Wehrmacht ist es uns gelungen, dem deutschen Menschen das verlorengegangene Vertrauen in die Staatsführung wiederzugeben und in ihm eine b e - jahende Lebensein st ellung zu wecken, die nun einmal die Voraussetzung für jede verantwortungsbewußte Familiengründung ist. Die weltanschauliche Schulung des Volkes in bevölkerungspolitischen Fragen und die materielle Unterstützung des Staates durch Ehestandsdarlehen, Kinderbeihilfen und Steuerermäßigungen, wenn auch in geringem Umfang, haben bewirkt, daß die Geburtenziffer von 993 126 im Jahre 1932 auf 1 261273 im Jahre 1935 und rund 1290 000 im Jahre 1936 angestiegen ist. Diese Zunahme der Geborenen bedeutet jedoch nur einen ersten Sieg gegenüber der Ehelosigkeit und der kinderlosen Ehe. Zur Sicherung eines ausreichenden Nachwuchses wirb in der zweiten Phase der Kampf gegen das Linkind- und Zweikinde r f y st e m zu führen sein mit dem Ziele der drei oder vier Kinder aufweifenden deutschen V o l l f a m i t i e. Eine gesunde und wirksame Bevölkerungspolitik seht voraus, daß der kinderreichen Familie wieder die Stellung und die Lebenssicherung gewährt werden, auf die sie als Erhallerin des Staates Anspruch hat. In diesem Sinne werden die B e s o l - dungsordnungen für Beamte und die Tarifvorschrifken für Angestellte und Lohnempfänger zu überprüfen, und wird für die hierdurch nicht erfaßten Verufsgruppen ein Familienlastenausgleich gesetzgeberisch noch herbeizuführen fein! Gleichberechtigt daneben treten die Bemühungen, einer Verschlechterung der Gesamterb - mässe unseres Volkes in gesundheitlicher und rassischer Hinsicht entgegenzuwirken. Der Nationalsozialismus sieht in der Unfruchtbarmachung erbkranker Volksgenossen in erster Linie eine wirksame Waffe gegen eine das Leben unseres Volkes stark bedrohende Gefahr. Das Gesetz muß so verantwortungsbewußt wie möglich durchgeführt werden, um nur diejenigen unfruchtbar zu machen, bei denen das Allgemeinwohl dies dringend erfordert. Es hat daher den Beschluß über die Anordnung der Unfruchtbarmachung unabhängigen Gerichten übertragen und jedem Betroffenen ist die Möglichkeit gegeben, die Entscheidung des Erbgesundheitsober- gerichts anzurufen. Außerdem kann eine Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt werden. Durch die in dem E h e g e s u n d h e i t s g e f e tz geschaffenen Eheverbote werden nur Ehehindernisse errichtet für Fälle, in denen jeder vernünftige Mensch von der Eheschließung ohnehin absehen würbe. Darüber hinaus soll durch eine eingehende Eheberatung jeder Volksgenosse auf die Verpflichtung hingewiesen werden, sich den Partner zu suchen, mit dem er gesunde und artgemäße Kinder haben kann. Als Ergänzung ist die Reinerhaltung unseres Volkes in rassischer Hinsicht durch das Blutschutzgesetz in Verbindung mit dem Reichsbürgergesetz geregelt. Auch die Mischlings- fraae ist in einer Weise gelost, daß das deutsche Volk keinen Schaden erleidet. Alle diese Maßnahmen sind nicht danach zu beurteilen, was sie für den einzelnen bedeuten, sondern ob ihre Berechtigung damit begründet ist, daß sie unserem deutschen Volk nützen und ein gesundes Weiter bestehen ermöglichen. Das Gesetz über die Vereinheitlichung des Gesundheitswesens schuf einen für das ganze Reich einheitlichen Verwaltungsapparat in Form der Gesundheitsämter. 745 Gesundheitsämter wurden errichtet. Ein Netz von Fürsorge- und Beratungsstellen wurde ausgebreilet. In der Erb- und Rassenpflege wurden schon im ersten Jahre des Bestehens der Gesundheitsämter rund 330 000 Ehestandsdarlehensbewerber, über 41 000 bäuerliche Siebter unb beren Angehörige untersucht unb begutachtet, sowie runb 150 000 weitere Untersuchungen von Kinberreichen, Einbürgerungsbewerbern unb sonstige Begutachtungen in erbbiologischer Hinsicht vorgenommen. Das ergibt zusammen allein auf biesem Gebiet eine Leistung von mehr als 500 000 Untersuchungen. Im Jahre 1935 haben die Gesundheitsämter runb 7,5 Millionen Schulkinder laufend betreut, von ihnen sind 2,8 Millionen durch Reihenuntersuchungen auf ihren Gesundheitszustand ärztlich geprüft unb übet 500 000 als „Ueberwachungsschüler" einer besonderen ärztlichen Beobachtung und Betreuung unterzogen worden. Die Tuberkulosefürsorge wurde 1935 in 1817 ärztlich geleiteten Fürsorgestellen und ferner von 4471 Gesundheitspflegerinnen und Fürsorgeschwestern ausgeübt. 1 361 000 Personen nahmen die Tuberkulosefürsorge in Anspruch. In 125 000 Fällen erfolgte Einweisung in eine Heilstätte ober Krankenanstalt. Für die erfolgreiche Bekämpfung der Tuberkulose, die im Absinken der Sterblichkeit von 14 je 10 000 der Bevölkerung vor dem Kriege auf rund 7 im Jahre 1935 zum Ausdruck kommt, spielen die Aufklärungen über Das Wesen der Erkrankung eine beachtliche Rolle. Die (Säugling sfürfo'rge hat mehr als zwei Drittel aller Säuglinge erfaßt, das ergibt etwa 800 000 Säuglinge. Dank der vorbildlichen Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsämtern und den Dienststellen der NSD. ist die Säuglingssterblichkeit in erfreulichem Maße zurückgegangen. Weitere 1V< Millionen Volksgenossen wurden in der Kleinkinderfürsorge, der Schwangerenfürsorge, der Geschlechtskrankenfürsorge, der Krüppelfürsorge unb in sonstigen Fürsorgestellen untersucht. Diese Zahlen beweisen, welche Bebeutung ben Gesundheitsämtern für die Erhaltung und Mehrung der Volkskraft zukommt, sie sagen uns aber auch, daß der Staat die Pflicht hat, das Gesundheitswesen in seine besondere Obhut zu nehmen. Das Reich kann auf feine Gesundheitsverwaltung stolz sein, gibt es doch kaum ein anderes Land, das derartige Leistungen aufzuweisen hat. Aufgabe der nächsten Jahre wird es nun fein, sich dem inneren Ausbau der Gesundheitsämter zuzuwenden. Der Minister sprach den Aerzten des öffentlichen Gesundheitsdienstes feine Anerkennung aus für ihre Schaffensfreudigkeit. Unser deutsches Volk gesund, rasserein und stark für alle Zeiten zu erhalten, ist das Ziel unserer gemeinsamen Arbeit. Fünfeinhalb Jahre Zuchthaus für den katholischen Pfarrer bauer Der Bischof von Trier erneut als Zeuge vernommen. Trier, 19. Mai. (DNB.) In Trier wurde in der Verhandlung gegen den wegen widernatürlicher Unzucht angeklagten Pfarrer Bauer die Beweisaufnahme geschlossen. Die nochmalige Vernehmung des Bischofs von Trier war notwendig, da der Angeklagte erklärt hatte, den Bischof zweimal in Trier gesehen unb gesprochen zu haben; dies stand im Widerspruch zur eidlichen Aussage des Bischofs, der sich nicht erinnern wollte, mit dem Angeklagten zusammengetroffen zu fein. Der Bischof wiederholte zunächst die eidliche Aussage, er habe bei der Versetzung des Bauer nach Weidingen nicht gewußt, daß dieser gebeten hatte, ihm keine Pfarrei mehr zuzuweisen. Das habe er erst jetzt erfahren. Es wirb festgestellt, daß der Angeklagte persönlich ben verstorbenen Generalvikar Tillmann gebeten hatte, ihm keine Pfarrei mehr zu geben. Diese Bitte sei aber ab gelehnt worben! Auf ein Gesuch des dem Angeklagten vorgesetzten Dekans vom 14. Februar 1930, die Ernennung zum Pfarrer von Weidingen rückgängig zu machen, eraing folgender Bescheid: „Seine bischöfliche Gnaden haben die dargelegten Gründe ernstlich in Erwägung gezogen, ihnen aber nicht ft a tt g e b e n können, weil durch eine Zurücknahme Anlaß zum Gerede gegeben und Aergernis hervorgerufen würde." Immer wieder betonen Gericht und Staatsanwalt, daß solche wichtigen Dinge dem Bischof doch hätten mit- acteilt werden müssen. Der Bischof bleibt jedoch bei seiner Aussage, er habe nichts davon gewußt. Er will sich auch nicht im geringsten erinnern können, den Angeklagten jemals gesehen oder bei sich empfangen zu haben. Der Staatsanwalt verliest einen Brief des Generalvikars vom 27. August 1927, in dem es heißt: „Seine befchöfliche Gnaden haben von weiteren Schritten gegen Pfarrer Bauer abgesehen, ihn ernstlich ermahnt und gemahnt und ihm 14 Tage Exerzitien auferlegt." Weiter wird dem Zeugen ein Aktenstück vorgelegt, in dem Pfarrer Bauer aufgefordert wurde, sich bei Antritt feiner Pfarrei in Laubach 1927 dem Bischof vor- z u ft e 11 e n. Das Aktenstück trägt am Rande ben Vermerk „Der Aufforderung wurde am 10. Februar" entsprochen. Auch der Angeklagte schildert wiederholt, wie er 1927 vom Bischof empfangen wurde und wie dieser ihn wegen seiner Verfehlungen verwarnte. Alle Bemühungen des Gerichtes bleiben ohne Ergebnis. So klar auch die Tatsache, daß der Angeklagte vom Bischof empfangen wurde, aus den Akten ersichtlich ist, der Bischof erklärt: ,Mag der Angeklagte sagen, was er will, ich habe nicht die geringste Erinnerung an irgendeinen Besuch. Zu den in der ausländischen Presse' verbreiteten Greuelmärchen, der Bischof sei bei seiner ersten Vernehmung derart gequält worden, daß er ohnmächtig zusammengebrochen sei und sich geweigert habe, weitere Fragen zu beantworten, richtete der Staatsanwalt an den Bischof die Frage, ob es richtig fei, daß das Gericht oder die Staatsanwaltschaft ihn so hergenommen hätten, daß er dem Zusammenbrechen nahe gewesen sei. Laut und energisch antwortet der Bischof: Nein! Die Vernehmung des Bischofs war damit beendet. Oberstaatsanwalt Hofmann betonte, der Angeklagte Bauer sei wahrhaft ein Wolf im Schafskleid gewesen. Er habe feine Hirtenpflichten in übelster Weise mißbraucht und trage Schuld daran, daß die Seuche der sittlichen Verfehlungen in ben Gemeinden Laubach unb Weidingen Eingang gefunden habe. Aber er müsse gegenüber Behauptun- gen in der Auslandspresse, daß der Prozeß maßlos aufgebauscht und in eine bestimmte Richtung gedrängt worden sei, feststellen daß der Angeklagte selbst zu Beginn des Prozesses gesagt habe: „Ich habe das Gefühl, daß Sie es gut mit mir meinen." Der Staatsanwalt stellte fest, daß die bischöfliche Behörde in der leichtfertigsten Weife ihre Aufsichtspflicht verletzt habe — zum Schaden der deutschen Jugend. Bauer fei ein Sittlichkeitsverbrecher. Aber noch im Mai 1930 feien seine Verfehlungen von Trier aus als „Unklugheiten" bezeichnet worden, und 1932 habe die unverantwortliche Milde der kirchlichen Behörde es ermöglicht, daß Bauer feine strafbaren Handlungen weiterbegehen konnte. Es fei erwiesen, daß der Bischof von den Dingen Kenntnis erhalten habe. Der Bischof habe unter Eid bekundet, daß er sich geweigert habe, den Pfarrer Bauer zu empfangen. Er könne sich nicht erinnern, obwohl die Akten es klar ergeben, daß Bauer nach Trier zum Bischof geladen wurde. Der Oberstaatsanwalt verwies auch auf den Brief des Angeklagten vom 27. August 1932, in dem Bauer' dem Bischof die Durchführung der anbefohlenen Exerzitien meldete unb s i ch für die liebevolle Aufnahme, die ihm beim Bischof zuteil geworden war, d e - dankte. Durch diesen Urkundenbeweis stehe fest, daß der Angeklagte damals vom Bischof empfangen worben fei. Der Bischof von Trier habe baher objektiv einen Meineib geleistet! Ob bie subjektiven Voraussetzungen gegeben seien, d. h. er sich tatsächlich nicht erinnern könnte, fei eine andere Frage. Objektiv fei etwas bekundet worben, was mit ber Wahrheit nicht in Einklang zu bringen sei. Die bischöfliche Behörde habe selbst, als das gerichtliche Verfahren anhängig war, das Verbrechen zu verheimlichen gesucht, der Generalvikar von Meurers habe sich der Begünstigung schuldig gemacht. Sein Verhalten sei eine bewußte Irreführung der Staatsanwaltschaft gewesen. Wegen des vollständigen Versagens der Kirchenauf- C h i k a g o , 19. Mai. (DNB.) Aus einer Tagung der Diözese C h i k a g o, an der über 500 katholische Geistliche teilnahmen, nahm der Kardinalerzbischof Mundelein eine sehr merkwürdige Haltung gegenüber den widerlichen Sittlichkeitsverbrechen katholischer Geistlicher in Deutschland ein. Trotz der Geständnisse der angeklagten Priester und Ordensangehörigen bemühte sich der Kardinalerzbischof, die allgemein als notwendig anerkannte Reinigungsaktion in ben Klöstern als Mißgriff ber „Opposition gegen die katholische Kirche" hinzustellen. In feinen weiteren Ausführungen belegte der Kardinal die Einstellung der deutschen Presse zu den geistlichen Sittlichkeitsverbrechern mit den stärksten Ausdrücken, wobei er sich nicht scheute, sie „betrügerisch" zu nennen. Ferner wies der Kardinal darauf hin, daß die deutsche Regierung sich darüber beschwere, daß während des Weltkrieges eine (Sreuelpropaganba gegen Deutschland in der ganzen Welt durchgeführt worben sei. Er fügte heuchlerisch hinzu: „Die deutsche Regierung gebraucht nunmehr dieselben Propagandamethoden gegen die katholische Kirche, und durch Vermittlung des Propagartdaministers veröffentlicht sichtsbehörde mußten dem Angeklagten weitgehend mildernde Umstände zugebilligt werden. Er beantragte eine Gesamtzuchthaus st rase von sechs Jahren unter Anrechnung von einem Jahr der Untersuchungshaft und die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre. Das Urteil. Um 0.30 Uhr nachts verkündete die Strafkammer das Urteil. Der Angeklagte wurde wegen Verbrechen nach § 174 Abf. 1 Nr. 1 StGB, in fünf Fällen unb wegen Vergehens nach § 175 alter Fassung in zwei Fällen zu insgesamt fünf Jahren sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Ein Jahr gilt durch die Untersuchungshaft als verbüßt. Dem Angeklagten wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. In ber Urteilsbegrünbung führte der Vorsitzende aus: Nach dem Gutachten der ärztlichen Sachverständigen fei der Angeklagte Bauer für fein Handeln voll verantwortlich. Das Gericht habe mildernde Umstände abgelehnt. Erschwerend sei ins Gewicht gefallen, daß der Angeklagte die Seelen der jungen Leute, die ihm als ihrem Ortspfarrer geradezu unbegrenztes Vertrauen entgegenbrachten, in gewissenlosester und gemeinster Weise vergiftet habe. Wenn auch feststehe, daß die vorgesetzten kirchlichen Behörden mindestens seit dem Jahre 1927 von dem Treiben des Angeklagten Kenntnis hatten unb ihm trotzdem durch Belassung in seinem Amt i m - mer wieder von neuem die Möglichkeit gegeben haben, in gleicher Weise weitere strafbare Handlungen zu begehen, so werbe bies doch durch die Art der strafbaren Handlungen unter Ausnutzung seines geistlichen Amtes mehr als aufgewogen. Die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte sei daher im Hinblick auf die niedrige und gemeine Gesinnung des Angeklagten erforderlich gewesen. sie Geschichten über ben sittlichen Verfall in ben religiösen Gemeinschaften, denen gegenüber die Gräuelpropaganda des Weltkrieges' nur Kindermärchen gewesen sind." Dann schmähte der Kardinal in nicht wiederzugebender Weise den Führer. ♦ Niemand hat bislang für möglich gehalten, daß sich Menschen mit normalem Gefühl für Recht, Sitte und Anstand bereit finden würden, die scheußlichen Verbrechen zu verteidigen, die in den zahlreichen Sittlichkeitsprozessen gegen katholische Geistliche und Laienbrüder zutagegekommen sind. Dem Kardinal-Erzbischof von Chikago, also einem der höchsten Vertreter der römisch-katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten, blieb es vorbehalten, die vom deutschen Volk als notwendig anerkannte Reinigungsaktion in den Klöstern und katholischen Bruderschaften lediglich als einen Akt ber „Opposition gegen die katholische Kirche" hinzustellen und die Sittlichkeitsprozesse auf eine Stufe zu rücken mit der infamen Gräuelhetze, die unsere Feinde im Weltkriege gegen das deutsche Volk betrieben ha* ben. Der Vergleich mit dieser abscheulichen Greuel* Amerikanischer kardinal hehi gegen Deutschland. Ein seltsamer Entlastungsfeldzug.—Wird der Vatikan dazu schweigen? Propaganda wahrend des Krieges ist so grotesk, daß man es kaum für möglich hält, wie der Kardinal Mundelein mit derartigen Schmähungen bei seinen Zuhörern auf Verständnis hoffen konnte. Man braucht nur an die abgehackten Kinderhände, die ausgestochenen Augen und ähnliche längst als niederträchtige Lügen entlarvte Requisiten der Krisysgreuelpropaganda zu erinnern, um die ganze Schäbigkeit und Hohlheit dieses Vergleiches mit den gegenwärtig in Deutschland laufenden Sittlich- keitsprozesfen zu erkennen. Nichts besser ^eigt doch die einwandfreie Stichhaltigkeit des in den Sittlichkeitsprozessen zum Teil in öffentlicher Verhandlung beigebrachten Beweismatenals, als die Aeuße- rung des in Trier als Zeugen vernommenen Bischofs Dr. Bornewaffer, der zugibt, daß er wegen der schlimmen sittlichen Vergehen von Ordensbür- bern in seiner Diözese nach Rom gefahren fei und 30 Ordensbrüder habe ausschließen müssen. Trotz dieser Bekundungen hat sich der Kardinal Mundelein herausgenommen, die deutsche Justiz in infamster Weise zu verdächtigen und mit dem Führer das deutsche Volk in nicht wiederzugebender Weise zu schmähen. Welche Schritte wird der deutsche Episkopat in Rom tun, um für die deutsche Justiz und das deutsche Volk Genugtuung zu erhalten für die ungeheuerlichen Beleidigungen, die sich eine führende Persönlichkeit der römüch-katholischen Kirche hat zuschulden kommen lassen? Katholischer Ordenspriester in Oesterreich als Heiratsschwindler entlarvt. Wien, 20. Mai. (DNB. Funkspruch.) Ein bemerkenswertes Seitenstück zu dem Verfahren gegen römisch-katholische Ordensbrüder in Deutschland bietet ein Prozeß in Wien, in dessen Mittelpunkt die Verfehlungen des Ordenspriesters und Leiters der burgenländischen Landesbibliothek Stephan Tiefenthaler stehen. Er hat zahllose Schwindeleien auf dem Gewissen, vor allem an Frauen, die er durch Heiratsinserate anlockte und denen er verschwieg, daß er Priester fei. Bei einer Haussuchung fand man 250 Zuschriften von Frauen, die feine Heiratsanzeigen beantwortet hatten. Tiefenthaler galt in Eisenstadt allgemein als Wüstling und hat sich mehrfach Frauen in unsittlicher Weise genähert. Will der Herr Kardinal-Erzbischof M u n b e l e i n in Chikago etwa behaupten, daß biefer Wiener Prozeß auch „ein Ausbruck der Opposition gegen die katholische Kirche" ist! Ausnahmen an den preußischen Hochschulen für Lehrerbildung. Berlin, 19. Mai. (DNB.) An den preußischen Hochschulen für Lehrerbildung kann zum Herbst 1937 noch eine Anzahl Plätze vergeben werden. Abiturienten, die zum Wintersemester 1937/38 (Beginn 20. Oktober 1937) das Studium für das Lehramt an Volksschulen und das Studium für das Lehramt an höheren Schulen beginnen wollen, können sich noch bis zum 1. Juli 1937 um Zulassung zum Studium bewerben. Die nur zweijährige Ausbildung für den Volksschuldienst gehört weiterhin zu den aussichtsreichsten Studiengängen unserer Abiturienten. Die Aufnahme des Studiums für das Lehramt an höheren Schulen kann ebenfalls empfohlen werden. Gesuche sind, soweit es sich nicht um Bewerber für bas künstlerische Lehramt handelt, sind bei einer der Hochschulen für Lehrerbildung (hier.- Weilburg) einzureichen. Die Bewerber für das künstlerische Lehramt an höheren Schulen richten ihre Gesuche an die staatlichen Kunsthochschulen. Das Studium an den Hochschulen für Lehrerbildung ist gebührenfrei. Die näheren Bestimmungen sind zu erfahren bei der Reichsstelle für Schulwesen in Berlin-Schöneberg. Das Programm des Frankfurter Reichstreffens des 2ROS. Arn Mittwoch wurde in einer Besprechung sämtlicher Stellen, die an dem Reichstreffen des Reichsbundes der Kinderreichen beteiligt sind, das Programm festgelegt. Es sieht für Freitag, den 4. Juni, einen Empfang der Ehrengäste und Ausländer vor. Am Samstag, 5. Juni, 18 Uhr, sprechen auf dem Amtsträgerappell in der Festhalle Ministerialdirektor Gütt, Reichsbundleiter Stüwe, Reichsamtsleiter Dr. Groß und Staatssekretär Reinhardt. Nach dem Appell Festzug zum Römer, wo um 22 Uhr das von Generalarbeitsführer Dr. Decker gestaltete Festspiel „Ewiges Volk" aufgeführt wird. Am Sonntag findet um 10 Uhr die Kundgebung auf dem Platz an der Bismarckallee statt. In der Mitte des Platzes sind Sitzplätze für 1000 kinderreiche Mütter eingerichtet. Um dieses Viereck nehmen HI., BDM. und die Landesverbände des RDK. Aufstellung. Auf der Kundgebung werden Reichsstatthalter S a u ck e l und Reichsamtsleiter Dr. Groß sprechen. Am Nachmittag findet hier ein großes Volksfest, veranstaltet von „KdF.", statt unter dem Lettwort „Freude und Leben". Am Abend findet für die Kreiswarte RDK. eine Festvorstellung statt. Oer »Tag des deutschen Handwerks". Der ,Tag des deutschen Handwerks" in Frankfurt a. M. sieht vor: Am Donnerstag, 27 Mai, Kranzniederlegungen am Ehrenmal in Berlin und am Grabmal des verstorbenen Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg in Tannenberg. Außerdem wird an diesem Tage d i c Reichsfachschule für Bäcker und Konditoren in Berlin eingewecht. Am Freitag, 28. Mai, beginnt um 9 Uhr in der Festhalte zu Frank urt a. M. die Arbeitstagung, auf Der der Leiter des Deutschen Handwerks Walter, den Rechenschaftsbericht erstatten wird. Um 15 Uhr folgt die Eröffnung der Ausstellung „Meisterwettkampf 19 3 7" durch Reichsorganisations- leiter Dr Ley. Etwa 10 000 Meister aus fast allen Handwerksberufen werden sich an dieser Ausstellung im „Haus der Moden" auf dem Fefthallengelande beteiligen. — Um 17 Uhr beginnt die Arbeitstagung der auslandsdeutschen Handwerks- führer im „Steinernen Haus". Für 20 Uhr ist ein Empfang der Presse im Rathaus vorgesehen. Am Samstag, 29. Mai, um 9 Uhr, wird bie A r- beitstagung in der Festhalle fortgesetzt. Es sprechen Gauleiter Sprenger und Reichsorga- nisationsleiter Dr. Ley. Um 15 Uhr werden auf dem Römerberg etwa 550 W a n d e r g e s e 11 e n empfangen, die auf ihrer Wanderfahrt an diesem Tage nach Frankfurt kommen. Um 16.30 Uhr werden am Opernplatz die Sternsahrer — rad- fahrende Meister, Gesellen und Lehrlinge aus allen Teilen des Reiches — empfangen. Den Abschluß bildet um 20 Uhr ein Festabend in der Festhalle, wobei Reichsführer SS. Himmler das Wort ergreifen wird. Der Sonntag, 30. Mai, beginnt um 9.30 Uhr mit einer Handwerklichen Feierstunde in der Festhalle, in der die Freisprechung von Lehrlingen zu Gesellen und bie Anerkennung von Gesellen zu Meistern bes Handwerks erfolgt. - Der große Festwagenzug nimmt um 13 Uhr feinen Anfang. Um 16 Uhr findet dann eine Kundgebung auf dem Opernplatz statt, auf der Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und Generaloberst Göring sprechen werden. Die ÜniersuchiingskommWon von Lakehnrst. h- I M W W SA....A ... Wa t i * * •* * fr * * * £ •* *1 I *•> « j Unmittelbar nach der Katastrophe von Lakehurst wurde in Amerika eine Kommission zur Untersuchung der Ursache des furchtbaren Unglücks des „Hindenburg" gebildet. An der Spitze steht der amerikanische Luftschiff-Commander Rosendahl, der sich schon früher für bas Zeppelinwesen unb auch besonders nach bem Unglück in heroorragenber Weise einsetzte. Man sieht auf unserem Bilb die Kommission während einer Sitzung; unterhalb der Tafel Commander Rosendahl. — (Scherl-Bilderdienft-M.) In der Mittwochsitzung des Untersuchungsausschusses bezeichnete der Sachverständige Caidwell von der Hamilton Standard Propeller Company die Theorie, daß ein abgebrochenes Propellerstück die Unglücksursache sein könne, als unwahrschein- l i ch. Der Zeuge hat sämtliche Propeller bes Luftschiffes „Hinbenburg" nach der Katastrophe gründ- lich untersucht unb feftgefteUt, baß bie Propeller nicht währenb der Fahrt zerbrochen finb, sondern erst beim Aufprall zertrümmert wurden. Er erklärte, die Propeller seien ordnungsgemäß gebaut und von guter Qualität gewesen. Aus der vorigen Sitzung sind noch Bekundungen bes Oberingenieurs Sauter nachzutragen, der bezeugte, daß die Heckmotoren zur Zeit des Unglücks stillagen, nachdem sie noch eine halbe Minute vorher im Rückwärtsgang 1100 Umdrehungen gemacht hatten. Auch Sauter bezeichnete die Theorie, daß ein abgebrochenes Propellerstück den Schiffskörper durchbohrt und dabei das Gas entzündet haben könnte, als absolut ausgeschlossen. Fragen, ob er jemals Kurzschluß auf der „Hindenburg" wahrgenommen habe, ob bie Leitungen überlastet gewesen seien ober ob es benfbar sei, baß Gas unterhalb ber Führer- gonbel ausgeströmt unb babei in bas Auspuffrohr gelangt fei, verneinte Sauter. Der gerettete Wach- offigier^B a u e r erklärte, daß bie Gaszellen des Luftschiffes nicht undicht waren, Weiter habe er weder einen Blitzschlag noch sonstige Entladungen wahrgenommen. Ingenieur Lenz, Klein-Linden, schildert seine Rettung. Ingenieur Lenz, Klein-Linden, gibt im Berliner Lokalanzeiger bie folgende dramatische Schilderung von seiner Rettung: Während sein Kamerad nach dem Ausbruch der Katastrophe den Schaltungsraum verließ und elendiglich umkam, blieb er zurück. Um ihn herum loderten die Flammen und immer unerträglicher wurde die Hitze. Da riß Lenz die Blechhaube vom Kompaß herab und stülpte sie sich über den Kopf, um wenigstens das Gesicht zu schützen. Dann tastete er sich zur Wand, preßte sich mit Gewalt hindurch — die Nieten waren ja inzwischen geschmolzen — und stürzte hinaus. Seine Verletzungen find glücklicherweise nicht allzu schwer. Ersatz „Hindenburg". Zehnlaufende besichtigen den Neubau des LZ 130. In Friedrichshafen besichtigten in den letzten Tagen Zehntausende von Menschen den Luft- s ch i f f n e u b a u. Wie zu einer Wallfahrt pilgern bie Volksgenossen und Ausländer aus ganz Europa, ja selbst von Amerika, zum Werftgelände und bekunden ihren durch das Unglück des „Hindenburg" nicht besiegten Glauben zu den deutschen Luftschiffen. Von der Besucherbühne aus betrachten sie mit Bewunderung den Neubau des LZ 130, der feiner baldigen Vollendung entgegengeht. Ein großer Teil des Gerippes ist bereits mit der filbergrauen Hülle befpannt. In der Führergondel werden zur W „EI •'<■■ ■ '■ < ■ WS f In Friedrichshafen gehen bie Arbeiten an bem neuen Luftschiff rasch vorwärts. Diese neueste Aufnahme zeigt bereits bie Montage einer Motoren- gonbel am Luftschiff. — (Scherl-Bilberbienft-M.) Zeit bie Fensterrahmen eingebaut, Bug unb Heck der Gondel haben schon ihre Duralluminverkleidung. Im 8-Deck der Passagierräume wird noch tüchtig gearbeitet, im Oberdeck dagegen, wo Speisesaal und Gesellschaftsraum sich befinden, werden schon die Stoffverkleidungen gespannt. Die Montage der Funkkabine und der elektrischen Zentrale ist beendet, ebenso sind die First- und Höhenflächen am Heck zum Bespannen fertig. Unter dem Bug des Schiffes werden die Steuerruder fertig montiert. Aeußerst ruhig arbeiten die bewährten Kräfte an der Vollendung des großen Werkes, das Zeugnis geben wird, daß deutscher Glaube unb deutscher Mut I sich siegreich über ein tragisches Schicksal erheben. Verjüngung des Feuerwehr-Führerkorps. B e r I i n , 19. Mai. (DNB.) Der Reichsführer SS. unb Chef ber beutfchen Polizei stellt fest, baß bie von ihm angestrebte Verjüngung bes Führerkorps ber Feuerwehren, bie für bie Schnelligkeit bes Einsatzes unbedingt notwendig ist, nicht überall durchgeführt wird. Er ordnet deshalb an, daß, von einigen genehmigten Ausnahmen abgesehen, nach dem l.Juli 1937 Feuerwehrführer, bie bas 6 0. Lebensjahr überschritten haben, nicht mehr ihre bisherigen Aufgaben wahrnehmen bürfen. Der Reichsführer erklärt, daß Führerwahlen, die auf Grund von Mehrheitsbeschlüssen der Mitgliederversammlungen zu- standekommen, mit den Grundsätzen der nationalsozialistischen Weltanschuung unvereinbar sind. Um nicht eine organisatorische Aufgabe notwendig zu machen, bie möglicherweise bei einer späteren reichseinheitlichen Organisation bes Feuerlöschwesens roieber abgeänbert werben müßte, wirb bestimmt, baß bie burch bas Ausscheiben überalterter Feuerwehrführer frei roerbenben Stellen von den Landesregierungen oder den zuständigen Polizeibehörden kommissarisch zu besetzen sind. Gigrunen der GG. auf der polizeiuniform. Berlin, 19. Mai. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hatte zum „Tag der deutschen Polizei" am 16. Januar 1937 angeordnet: daß die Angehörigen der Ordnungspolizei, die SS.-Männer finb, bie beiben Sigrunen ber SS. auf ihrer Polizeiuniform unterhalb ber linken Brusttasche aufgefticft tragen. Da die Zugehörigkeit von Angehörigen ber uniformierten Polizei zur Schutzstaffel ber NSDAP, gestattet ist, hat der Reichsführer SS. verfügt, baß Voraussetzung für bie Verleihung der Sigrunen die Angehörigkeit zur SS. ist. Zum Tragen ber Sigrunen kommen in Frage: Angehörige ber uniformierten Polizei (Orbnungspolizei), bie auf Grunb ber für bie Polizei unb Wehrmacht erlassenen Bestimmungen ober infolge liebertritt zur SA. einschl. Felbjägerkorps aus ber SS. in Ehren ausgeschieden sind; Angehörige ber uniformierten Polizei, bie noch Angehörige ber SS. finb unb bie in Zukunft in bie Ordnungspolizei unmittelbar übertretenden Angehörigen ber SS. Englische Kampfflugzeuge für Jugoslawien. London, 20. Mai. (DNB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" meldet, baß ein Geschwaber von zehn englischen Kampfflugzeugen an die jugoslawische Regierung geliefert werde. Es handle sich um Einsitzer, die mit mehreren Maschinengewehren ausgerüstet seien und eine Höchstgeschwindigkeit von 400 Stundenkilometer erreichen. Ferner habe die jugoslawische Regierung das Recht zum Bau dieses Flugzeugtyps in ihren eigenen Fabriken erworben. Sie habe bereits 75 Rolls- Royce-Motoren für den Einbau dieser Flugzeuge in Auftrag gegeben. Oie Niederwerfung der albanischen Rebellen. Tirana, 19. Mai. (DNB.) In Argyrokastro hctt sich ein Sondergericht gebildet, das die Prozesse gegen die Rebellen aufnehmen wirh. Ein Teil der Rebellen versuchte in die Gegend von Kurveleschi zu fliehen. Gendarmerietruppen sind ihnen aber auf der Spur. Bei Bolena wurde ein Rebellenführer, der frühere Gendarmeriehauptmann Ismail Gyl- b e g a j, der mit dem früheren Innenminister Toto den Aufstand angezettelt hatte, verhaftet. Im Walde von Kurveleschi stießen die Gendarmerietruppen auf eine größere Horde der fliehenden Rebellen. Sechs wurden bei einem Feuergefecht erschossen. Bezeichnend ist übrigens, daß die hier angetroffenen Rebellen kriminelle Verbrecher waren, bie Toto unter der Bedingung freigelassen hatte, daß sie sich für seinen Aufstand einsetzen würden. Kleine politische Nachrichten. Am Freitag, 21. Mai, von 17 bis 17.40 Uhr, wird von allen deutschen Sendern aus der Hapag-Halle in Cuxhaven die Trauerfeier für die beim Untergang des Luftschiffes „Hindenburg" ums Leben gekommenen Mitglieder der Besatzung und Fahrgäste übertragen. Am 24. Mai, dem Vortage des argentinischen Nationalfeiertages, werden zwei argentinische Schlachtschiffe zu einem viertägigen Besuch i n deutschen Häfen eintreffen. Die „Moreno" mit bem Konterabmiral Leon Scasso an Borb wirb Wilhelmshaven, bie „Rivabavia" Hamburg anlaufen. Aus aller Welt. Verheerendes Unwetter in der Kasseler Gegend. lieber dem kleinen Städtchen Immenhausen unweit von Kassel ging während eines starken Gewitters ein schwerer Wolkenbruch nieder. Die Wassermassen nahmen mit unheimlicher Gewalt ihren Weg vom Berg in bas tiefergelegene Städtchen und rissen Wagen, Pflüge und Obstbäume mit in bie Tiefe. Verschobene Hauser bes Ortes haben babei großen Schaden erlitten. Teilweise konnten sich die Einwohner nur mit Mühe vor den Flutmassen retten. Menschenleben kamen nicht zu Schaden. Für die Aufräumungsarbeiten wurden Pioniere eingesetzt, die zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr und der SA. arbeiteten. Ein Jungoolklager, bas sich am Waldrand befand, konnte vom Reichsarbeitsdienst in Sicherheit gebracht werden. Gauleiter Staatsrat W e i n r i ch weilte am Unglücksort. Schwere Ueberschwemmungsschaden bei Vad Blankenburg. Von einem schweren Unwetter wurde die Umgebung von Bad Blankenburg heimgesucht. Besonders die Orte im Rinnetal erlitten großen Schaden. Dort ging ein lang anhaltender Wolkenbruch nieder, und die Fluten stürzten von Paulinzella über Rottenbach, Milbitz, Leutnitz und Watzdorf nach Bad Blankenburg. Da auch von den Seitentälern große Wassermassen zugeführt wurden, waren die Dörfer in kurzer Zeit überschwemmt. Sanitäter, SÄ., SS., Technische Nothilfe und Truppenteile gingen sofort nach den bedrohten Orten ab. Ebenso wurden auch die Pontons der SA.-Pioniere in Rudolstadt und Saalfeld auf Lastkraftwagen herangeholt. Die ganze Straße durch die genannten Orte nach Stadtilm bildete einen einzigen reißenden Strom. Zum Glück gelang es, alle bedrohten Menschen zu retten. Das Großvieh konnte in Sicherheit gebracht werden, jedoch ertrank viel Kleinvieh. Der Schaden ist außerordentlich groß. Schrecklicher Tob eines Kindes. In Lubwigshafen verbrannte sich bas achtjährige Töchterchen Helene ber Eheleute Heller so schwer, daß es bald barauf im Krankenhaus starb. Das Mädchen, das Kaffee kochen wollte, stieg auf einen Stuhl, um bie oberhalb des Gasherdes hängende Kaffeemühle herunterzuholen. Dabei fingen bie Kleiber bes Kinbes Feuer. Auf bas Schreien bes Kindes herbeigeeilte Nachbarn konnten die Flammen zwar loschen, die Brandwunden waren jedoch so schwer, daß das Mädchen nicht mehr am Leben Wer sein Leben versichert, -er weiß, was er tut. Er zeigt -och am klügsten zu guter Letzt, wie hoch er selber -as Leben schätzt! erhalten werben konnte. Die Mutter der Kleinen' befand sich zur Zeit des Unglücks in der Waschküche. Von der Achterbahn tödlich abgestürzt. Am Pfingstmontag ereignete sich auf der Heidelberger Messe ein Unglück. Der 21jährige Sanitätsgefreite Johann Sturm aus Darmstadt stürzte aus Unvorsichtigkeit von der Achterbahn ab und st a r b auf dem Wege ins Krankenhaus. Gröher-Familientag. In Wiesbaden fand der erste O e schlechter- tag der Nachkommen des ausweislich der Kirchenbücher in Dotzheim 1672 geborenen und auf der Radmühle in Schlangenbad tätigen Müllermeisters M. Peter Größer statt. Rund 50 Glieder des Geschlechtes grundsässiger Bauern und Wassermüller sowie zünftige Handwerker, vorwiegend im Taunus- aebiet beheimatet, trafen sich mit Zweigen der Familie, die vor etwa 150 Jahren ausgewandert waren und sich in Bremen niederließen. Der Senior der Familie sitzt mit seinen Nachfahren auf der Plätzer Mühle bei Obertiefenbach und widmet sich mit Rechtschaffenheit dem alten Beruf seiner Vorfahren. Die Forschungen innerhalb der Nassauer Lande ergaben vier weitere Stämme gleichen Namens, ohne daß es bisher gelang, eine Der- bindung mit diesen Familien herzustellen. Auch in und um Gießen leben zahlreiche Vettern gleichen Namens. Am Pfingstmontag versammelte sich die Familie zu einer Fahrt nach Bad Schlangenbad. Dort steht noch die alte Radmühle, das Geburts- Hans der Vorfahren. — Als Sippenwart betätigt sich Eduard Größer, Eisenach, Carlstraße 1. Die deutschen Bergsteiger auf dem INarsch zum Jtanga Parbat. Die deutsche H i m a l a j a-.M a n n s ch a f t traf am 4. Mai in Srinagar (Kaschmir) ein. Am 6. wurde die Weiterreise angetreten. Unter der Aufsicht der Darjeeling-Träger, die an der Expedition teilnehmen, wurde das aus 145 Traglasten bestehende Gepäck im Boot den JhelutmFluß abwärts und über den Wular-See nach Bandipur befördert, wo der Marsch über die Gebirgspässe beginnt. Die Bergsteiger folgten im Auto nach. Einige der Darjeelingträger sind den Deutschen wohlbekannt. Vier von ihnen waren bei der Fahrt des vergangenen Jahres im Sikkim-Himalaja dabei, während drei andere an der deutschen Nanga-Parbat-Expedition 1934 teilgenommen hatten. Zwei von diesen gehörten damals zu der Gruppe, die bis zum höchsten Lager kam und dann den Rückzug in dem verhängnisvollen Unwetter mitmachte. Sie besitzen beide das Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes. Gendarmeriehauptwachlmeisier im Dienst erstochen. In Ausübung seines Dienstes wurde der Gendarmeriehauptwachtmeister E s ch e r i ch in Fraureuth (Kreis Greiz) e r st o ch e n. Der Täter war aus Zwickau nach Fraureuth gekommen, wo er in einer Gastwirtschaft reichlich getrunken hatte. In der Nacht begann er grundlos mit einem Gast einen Streit. Als Hauptwachtmeister Escherich den Versuch machte, die Streitenden zu trennen, zog der Zwickauer ein Messer und erstach Escherich. Der Täter versuchte zu fliehen, konnte jedoch bald darauf festgenommen werden. IMllionen-llnlerfchlagungen im „Sowjet - Paradies". Nachdem erst vor kurzem der Zentralrat der Sowjet-Gewerkschaften die Unterschlagung von Millionensummen aus Geldern der Sozialversicherung eingestehen mußte, werden erneut geradezu ungeheuerlich anmutende Fälle von U n t e r s ch l e i - fen bekannt. Auf einer Versammlung der Funktionäre der Konsumgenossenschaften wurde, wie die parteiamtliche Prawda schreibt, festgestellt, daß allein im Moskauer Gebiet im Laufe des Jahres 1936 nicht weniger als 12,6 Millionen Rubel in der Verwaltung der staatlichen Konsumgenossenschaften unterschlagen worden sind. Im ersten Vierteljahr 1937 beliefen sich die gestohlenen Staatsgelder schon wieder auf 4,5 Millionen Rubel. Oas Kaninchen als Weltreisender. Als der englische Dampfer „Oropesa" dieser Tage in Plymouth eintraf, befand sich an Bord auch ein Kaninchen, das eine Seereise von 30 000 Kilometer hinter sich hatte. Es war ein 18 Monate altes Angorakaninchen, das von seiner Besitzerin stets auf ihren Reisen mitgenommen wird. „Es ist vollkommen erzogen", erklärte die Reisende, „und es ist ein bei weitem ruhigerer und besserer Reisegefährte, als ein Hund oder eine Katze es sein kein." Bummel durchs Guaheli-Land. Don unserem E.R.K.-Äerichierstatier. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! VII. Die gestohlene Vertikale. Arusha, Anfang 1937. Die drei Fordwagen stoßen plötzlich jenes krächzende, Helle Geräusch aus, mit dem jeder tüchtige Anlasser seine Tätigkeit nachzuweisen liebt. Der dicke Ring von schwarzer Jugend vorm Hotel, die dem Verladen von viel Gepäck und Lebensmitteln mit Interesse zugesehen und gute Objekte für die Kamera geboten hat, schiebt sich zur Seite, indes die Motoren beruhigend gleichmäßig zu schnurren beginnen. „Daß ihr mir keine Matata macht!" ruft der Expeditionsleiter mit seiner Hellen Stimme aus dem Hinteren Wagen. Wir lachen. Matata bedeutet Schererei und zlerger aller Art, in diesem Falle Panne, die in Afrika oft gleichbedeutend ist mit Federbruch und ähnlichen, langwierigen Dingen. So kurz die Fahrt bisher war, hat sich schon ein Safari-Jargon bei uns breit zu machen gewußt, dessen Kisuaheli-Ausdrücke die nötige exotische Atmosphäre in die nüchterne Tatsache bringen, daß wir in Autos durch Afrika fahren. Dann liegt das Städtchen Arusha hinter uns. Seine größte Sehenswürdigkeit war eine Tafel vor einem Hotel, auf der geschrieben stand, daß hier die genaue Mitte d e r Auto st raße vom Kap nach Kairo sei. Dann kam, als nächst- wichtige, das Lager einer Abteilung der Asrican Risles, baumlanger Sudanneger, die mit Weibern und Kindern in zwei Dutzend sauberer, strohgedeckter Zementhütten Hausen. Sie exerzierten mit einem derartig strammen Ruck-Zuck, daß preußische Unter» Offiziere ihre Helle Freude gehabt hätten, aber es sah doch leicht komisch aus; wenn ein Neger dasselbe macht wie ein Europäer, ist es eben wegen der unendlich langen Glieder doch nicht dasselbe. Im übrigen hatte in Arusha das eigentliche Afrika an- gefangen. In den Hafenstädten der Ostküste gibt es zwar viel schwarzes Volk, aber alles ist europäisch gekleidet, denn fast alle leben unmittelbar oder mittelbar vom Europäer und verdienen durch ihn genug Geld, um sich Khakizeug zu kaufen, auf das besonders die Jugend stolz ist. Hier erst, in Arusha, vielleicht 300 Kilometer von der Küste, hat man die ersten typisch afrikanischen Straßenszenen beobachtet: Waruf Ha-Frauen im braunen Mantel bis auf die Fesseln tragen den breiten Schmuck aus Messingspiralen um den Hals und Lasten auf dem Kopf; man sah Massais aus der Steppe, den dunkelbraunen Mantel nur mit einem Knoten auf der rechten Schulter zusammengebunden, langbeinig die Straße vorm Hotel entlangstelzen, das unvermeidliche Stöckchen wie ein Joch auf den Nacken gelegt oder mit der Ellenbogenbeuge gegen den Rücken gepreßt. Jetzt humpeln die weniger mit Menschen, als mit Gepäck schwer belasteten Fords nach Westen, gegen den ostafrikanischen Grabenrand zu. Die Straße ist ein laufendes Band von Löchern. Unser Wagen prallt infolge falsch eingesetzter Stoßdämpfer oft scharf auf die Achse auf. Juma, unser schwarzer Driver am Steuer, hat allerhand zu tun, hält aber unermüdlich dprch. Und um uns ist die Graß- st e p p e. In der Ferne vor uns, wo die meilenlange Gerade unseres Feldwegs sich leicht hebt, sieht man, unendlich klein, ein Wölkchen, grau und kaum zu unterscheiden von dem gelbbraunen Ton des Ganzen: das ist die riesige Staubfahne, die der vordere Wagen, wie unserer auch, hinter sich zieht. So groß ist die Steppe, und sie bleibt, so viele Meilen man auch gefahren sein mag, das große Erlebnis Afrikas. So geht das, Meile um Meile und kein Ende — Raum, Raum, erregend leerer Raum, in weiten, feierlichen Schwingungen gebreitet. Nur ab und zu schrecken Strauße seitwärts des Weges empor und fegen mit erhobenen Flügeln davon auf starken Beinen; eine Herde kleiner Antilopen weidet und äugt. Manchmal auch steht eine lange, schlanke Gestalt im braunen Mantel wie eine Säule am Wege, Schwert an der Seite, Speer geschultert und starrt bewegungslos auf die Wagen: ein Massai. In der Ferne, ein kleines dunkles Häufchen, weidet die Herde, die er bewacht. Vorüber. Die Ferne saugt das Auge von neuem an, ein Blick beherrscht hier den Flächenraum von Königreichen. Es ist die schiere Unendlichkeit, in der wir fahren — nicht aber jene flache Grasöde, die man von Bildern Rußlands her kennt, als Sinnbild östlicher Hoffnungslosigkeit. Hier zeichnen überall Gebirge schöne, schwingende Konturen in den blauen Sonnendunst der Ferne, den Blick noch mehr erweiternd. Sie ragen nicht, sie begrenzen nicht, sie heben die Steppe sacht an den Himmel heran. Es gibt hier nur Horizontalen, keine Vertikalen. — So quälen wir uns weiter. Der Staub, vorgetrieben vom Wind, hüllt uns ein, färbt alles grau, und es ist ein unbeschreibliches Wunder, daß noch nichts an dem Wagen gebrochen ist. — Nachdem wir dann aber auf einer Kehre einen Geländeabbruch genommen haben, wird die Straße plötzlich besser, wir atmen auf, wir kommen vorwärts. Es ging ununterbrochen durch Dombusch: niederen Buschwald und Gestrüpp darunter mit fingerlangen Dornen. Denn es ist ja so, daß reine Grassteppe durchaus nicht so häufig ist. Man hat schüttere Wäldchen, man hat Parklandschaften, Buschinseln und bisweilen reinen Sand. Aber 70 Kilometer ununterbrochener Dornbusch — das war ein Alptraum. Die Wagen zischen weiter, unermüdlich, ohne Ende, ohne Ziel. Es ist das zielloseste Fahren, das es gibt. Verstreute Akazien Zickzacken ihre Aeste durch die Luft, winterlich kahl steht ein Affenbrotbaum da und sieht wie der närrisch gewordene Hals einer Sektflasche aus, die xu drei Vierteln im Boden steckt. Hoch über ihm schweben Wolken wie weiße zerfetzte Bretter, von denen aus die Vögel in die Steppe herunterschauen, stets anwesend, alles sehend, stets unsichtbar. Da ist der Marabu mit seinen riesigen Schwingen, von dem gesagt wird, kein Vogel der Welt fliege so hoch in den Himmel wie er. Und von dem es heißt, daß er morgens beim Anstiegen ein Dutzend Flügelschläge mache und nachher den ganzen Tag keinen mehr. Er ist die lebendig gewordene Schwerelosigkeit. — Und da sind die zahlreichen, nacktköpfigen Geier minderer Sorte — auch sie allgegenwärtig. Wir erfuhren es noch diesen Nachmittag. Der Weg, für kurze Zeit nach Norden abbiegend, zog sich an einem Hügel entlang, und wir freuten uns der kleinen Giraffenherde, die in einem Parkwäldchen links in der Ferne stand, kaum sichtbar, als plötzlich der vorderste Wagen vor uns hielt. „Matata?" riefen mir besorgt. Nein, eine Jmpalla- Antilope war geschossen worden mit spitzem Blattschuß, schnell und schmerzlos nieüergestreckt. Wir würden sie brauchen. Elf Personen verzehren viel in drei Tagen. Sie lag etwa 50 Meter drüben links zwischen Büschen. Unsere schwarzen Chauffeure brachen den starken Bock auf und schleiften ihn zu den Autos. Aber die Eingeweide lagen noch keine zwei ÜJHnuten verlassen zwischen dem Gebüsch, als bereits der erste Geier aus dem Blauen auf sie herunterstieß. Nach weiteren zwei Minuten war es ein halbes Dutzend. Die Antilope wird hinten auf eins der Autos gebunden, dann geht es weiter. Ein Dorf kommt, weit gestreckt. Hier schlägt uns der von den Vorderrädern aufgewirbelte Staub buchstäblich über dem Kühler zusammen. Bananenbündel werden gekauft, hinter dem Dorf dann Rast gemacht an einem Bach, dessen getrübte Fluten der Führer mißbilligend betrachtet. — „Wahrscheinlich trampeln droben die Elefanten drin herum, denn sonst ist er immer ganz klar", meint er. Trotzdem er der Fieber- bach heißt, ist der 30 Meter breite Urwald an seinen Ufern entzückend, ebenso die Taschenkrebse, die unter den Steinen hervorkommen, um die von unfern Butterbroten abfallenden Krümel zu haschen. Und wie es nicht anders in Afrika zu gehen pflegt, machen zahllose Bierflaschen die Runde. Dann fahren wir den ostafrikanischen Grabenrand empor; spähen von oben in den Wald am Nordzipfel des Manjarasees nach Elefanten, leider vergeblich, und halten bald wieder, um ein paar Negern, die ein Lastauto mit gebrochenem Differential bewachen, eine Jmpalla-Keule zu schenken, denn das Fahrzeug gehört einem Bekannten von uns. In Afrika hilft man sich gegenseitig, so gut man kann. Droben wieder Steppe, lang auslaufendes Ge- hügel: das Oldeani-Hochland. Lichtes Gebüsch hin und wieder, in dem schon der Abend düster nistet und vielleicht Nashörner stehen. Der Motor schnurrt behaglich, als schmecke ihm das Benzin besonders gut. Es bewölkt sich. Gibt es etwa Regen? Dann gnade uns der Himmel. Dann ist nämlich selbst mit so guten Straßen nicht gut Kirschen essen. Besonders auf Steigungen kommt man nur mit — Schneeketten weiter. Aus blauem Gewölk im Westen fällt die Nacht, die noch manches Matata für uns in Bereitschaft hat, aber auch manchen Spaß mit zufällig gefundenen Landsleuten vom Schiff. Die Scheinwerfer blenden voraus in den kühl herstreichenden Wind. In der Ferne, wie eine erleuchtete Häuserfront, frißt ein Steppenbrand sich vorwärts. Wo man auch sei, immer brennt die Steppe irgendwo. Diese Steppe, die man nicht malen kann. Denn es gibt kein Bild, sondern nur Farbflecke. Die man auch nicht photographieren kann: es gibt nur Grasbüschel vorn und Dunst dahinter, und es hat keine Perspektive. Die man nicht einmal beschreiben kann — und das ist das schlimmste in diesem Falle. — Denn man wird uralt in der Steppe, so auf eine gesetzte Weise uralt. Leidenschaften, Gemütsbewegungen, Temperament, Energie verpuffen im Gestaltlosen. Man wird so alt, so unmittelbar und für den Augenblick lebend, wie diese Steppen selber, in denen bie frühesten Menschen, von denen wir wissen, hausten. Dor einem guten Hunderttausend von Jahren. Es kommt einem ganz deplaciert vor, daß der Mensch hier aufrecht steht, wie der Massai vorhin. Die gestohlene Vertikale? Es ist gewiß kein Zufall, daß selbst die Bäume in der Steppe, die Schirmakazien, es nicht lassen können und oben, in der Krone — schon der Name sagt's — in die Horizontale einschwingen. Vielleicht aber war es so: daß bohnert wunderbar, fofix KAK- Rechnungen. Geschäfts karten Ihres Hausse beurteilt. Legen Sie deshalb Wert auf gepflegte Drucksachen l Wir bieten eie Ihnen Brühl’sche Druckerei. Schulstr. 7. Ruf 2251 IllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllJIlt ..... d^^arkeH'seighich so recht, was ein ^rti5t'K«aTs.seitdem siehtvielscho .jede Frau: ______ Nr.N4 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 2tt.Mi I<)57 fall. Ein Wohltätigkeitsfest in dem neuen schönen IA n s e r m e t (Genf) bereits bedeutende Erfolge in 6>r,.k otmnr sRnit-in" __ nft» ift hs-m iphfpn Verliu Au verAeichnen haben. 3u ihnen wird als Die berliner Philharmoniker aus neuen Wegen Musik in Zahlen. - Volkskulturelle Arbeit Klub „Amor de Patna" — der alte ist dem letzten Erdbeben zum Opfer gefallen — dem auch die führenden Persönlichkeiten der deutschen Kolonie angehören, knüpft bei Musik und Tanz freundschaftliche Bande fester. Die schönen Klubräume bieten uns Berlin zu verzeichnen haben. Zu ihnen wird als dritter sich der Wiener Dirigent Oswald K a b a st a gesellen. Auf besonderen Wunsch Furtwänglers wird die Reihe der weltberühmten Solisten Der großartige Erfolg der Berliner Philharmoniker auf ihrer nunmehr abgeschlossenen Frühjahrsreise nach Paris und London unter Führung Wilhelm Furtwänglers beendete ein Spieljahr, das dem führenden deutschen Konzertorchester eine fast erdrückende Arbeitsfülle brachte. In einem Rückblick, den der künstlerische Leiter des Berliner Philharmonischen Orchesters, Generalmusikdirektor Hans von Benda, vor den Vertretern der Presse gab, erfuhr man, daß die Philharmoniker in der ab gelauf enen Spielzeit unter nicht weniger als 55 Dirigenten, von denen 44 Deutsche und elf Ausländer waren, 161 Konzerte gaben. Das Orchester erfaßte auf diese Weise einen Hörerkreis von 270000 Menschen, von denen auf drei Auslandsreisen 35 000 fremdländische Hörer waren. In diesen Konzerten wurden im ganzen 609 Werke von 110 Komponisten aufgeführt. Die Spitze hielt Beethoven mit 104 Aufführungen, dem Brahms mit 46 und Richard Strauß mit 30 folgten. Bedenkt man, daß diese Tätigkeit mit einem Konzert an fast jedem zweiten Tag einschließlich der Proben für die Orchestermitglieder 486 Dienste im Jahr umfaßt, so kann man die Belastung ermessen, die für einen Spielkörper von knapp hundert Mann auf die Dauer ohne Einbuße an künstlerischer Qualität der Aufführungen kaum tragbar ist. Die Leitung des Orchesters hat sich daher entschlossen, in Zukunft die Zahl der Konzerte zu vermindern und die Philharmoniker nur dann auf dem Podium erscheinen zu lassen, wenn jeder täglich bei dem schlechten Wetter und der sonst an Abwechslung armen kleinen Stadt willkommene Möglichkeit zu kameradschaftlichem Meinungsaustausch. So treffen wir hier häufig mit den Leitern der portugiesischen metereologischen Mari nestat io n zusammen, deren regelmäßige Wettermeldungen täglich für die Schiffahrt von enormer Bedeutung sind. Ein Fußballspiel findet bei leidlichem Wetter unter reger Anteilnahme der Bevölkerung statt. Eine mißglückte Autotour, die leider schon in wenigen hundert Meter Höhe in Wolken und Rebel endet, gibt uns auf dem Rückweg zu Fuß Gelegenheit, die nähere Umgebung etwas kennenzulernen. Im „Deutschen Haus", in dessen schönen, grvßen Räumen das Begrüßungsfest der Kolonie am Samstag stattgefunden hat, finden wir bei den dort wohnenden Junggesellen stets einen frohen Kreis begeisterter Freunde, so daß die acht Tage trotz des üblen Wetters schnell und in bester Stimmung vergehen. Zum Auslauftage ist Neptun so freundlich gesonnen, daß das Bordfest an Oberdeck ftattfinöen kann, wenn auch unsere Gäste eine recht feuchte Seefahrt bis an Bord überstehen müssen, wo sie von starken Seemannsarmen mit viel Hallo aufs Fallreep geholt werden. Auch heute ist das Einsetzen der Boote keine Kleinigkeit, nachdem uns die letzten Unentwegten nach ungezählten Händedrücken verlassen haben — pünktlich um 22 Uhr wird der Anker gelichtet. Unsere Scheinwerfer gleiten noch einmal über das freundliche Inselstädtchen hin und bleiben am „Deutschen Haus" kurze Zeit haften, wo die Landsleute sich winkend versammelt haben und wohl noch bis Mitternacht beisammensitzen werden, um von dem Ereignis des Kriegsschiffsbesuches und den frischen Eindrücken des Bord festes zu plaudern — und weiter geht die Heimreise durch den stürmisch bewegten Atlantik unter den nächtlich jagenden dunklen Wolken ostwärts, Irland, der „grünen Insel", entgegen. den Seiten hin werden die transozeanischen Kabeltelegramme hier verstärkt. Der Samstag bringt letztes Großreinemachen zum Osterfest und weitere Verschlechterung des Wetters. Da wir wegen der geringen Was-' fertiefen weit draußen auf Reede liegen müssen und der zur Sturmstärke auffrischende Wind von der offenen See her in die sonst gut geschützte Buch steht, sehe ich mich als verantwortlicher Wachoffizier gezwungen, nachdem die letzten Urlauber aus dem heftig arbeitenden Boot unter kräftigem Zupacken an Bord genommen find, auch das schwere Der- kehrsboot noch einzusetzen. Es gilt, einen günstigen Moment abzupassen, um bei Backbordleeseite das Boot zu hieven. Alles klappt — da gleitet der booffteuernbe Oberfähnrich auf dem nassen schwankenden Verdeck aus, wo er, selbst zupackend, den schweren Schlipphaken gesichert hat — im selben Moment ruckst das Boot in einer schweren See ein, und der plötzlich steifkommende Heiß- ftanber schlägt ihm mit solcher Wucht unter das Kinn, daß der zuspringende Bootsgast den Taumelnden nur noch im letzten Augenblick ins Boot ziehen kann. Als ich den Armen am nächsten Morgen im Lazarett besuche, strahlt er schon wieder und weiß, daß er noch Glück im Unglück gehabt hat. — „In W.haven bin ich wieder allright, Herr Kapitänleutnant!" Ein fester Händedruck nach Soldatenart — nach sechs Taaen treffe ich ihn schon wieder auf der Brücke, die Wunde ist gut verheilt, wenn auch noch zahlreiche Zähne wackeln und der Kiefer wohl einen empfindlichen Knacks abgekriegt hat. Ostersonntag: Es flaut soweit ab, daß der Gottesdienst auf der Schanze stattfinden kann. Erwartungsvoll sind die Gedanken schon auf die Heimat und die Lieben gerichtet, die dort im deutschen Frühlingsahnen ihr Dfterfeft begehen und mit ihren Gedanken jetzt wohl auch bei uns sind. Ein Platzkonzert unserer bewährten Bordkapelle findet auch bei der hiesigen Bevölkerung, die uns freundlich aber zurückhaltend empfangen hat, begeisterten Bei- Kircke und Schule. Landkreis Gießen. A Allendorf a. d. Ld a., 19. Mai. Wie seit einigen Jahren, so fand auch am diesjährigen zweiten Pfingstfeiertag die goldene Konfirmation der vor 50 Jahren Konfirmierten in der hiesigen Kirche während des Vormittagsgottesdienstes statt. Im feierlichen Zuge begaben sich die damaligen Konfirmanden unter Vorantritt der beiden Pfarrer und des Kirchenvorstandes vom Pfarrhof in die Kirche und nahmen vor dem mit Blumen geschmückten Altar Platz. 4ßon den ehemaligen 18 Konfirmanden nahmen an der Feier 12, und zwar 7 Frauen und 5 Männer, teil. Seiner Predigt legte Pfarrer Andres den Text ihres Konsir- mationstages, nämlich das Bibelwort Brief Paulus an die Kolosser, Kap. 2, Vers 6 und 7, zugrunde. Gemeinsame Abendmahls feier, an der auch die Angehörigen der goldenen Konfirmanden teilnahmen, beschloß den Dormittagsgottesdienst. Nachmittags fand ein kleiner Gottesdienst am Grabe des früheren Konfirmators, des Pfarrers H e b e r e r , statt, wobei auch der bereits verstorbenen Alterskameraden durch Kranzniederlegung gedacht wurde. Eins Nachfeier im Pfarrhause bei Kaffee und Kuchen vereinigte sodann die goldenen Konfirmanden, wobei alte Erinnerungen ausgetauscht wurden. ch Lauter, 18. Mai. Am zweiten Pfingstfeiertag wurde in unserer Kirche das Fest der goldenen Konfirmation gefeiert. Zu dieser Feier waren auch die Jahrgänge eingeladen worden, die 1882, 1877 und 1872, also die, die vor 55, 60 und 65 Jahren in unserer Kirche konfirmiert worden sind. Im Jahre 1887 sind es hier elf Konfirmanden gewesen. Bon ihnen sind bereits drei verstorben. Von den acht noch Lebenden hatten sich zu der Feier August Schlörb, Heinrich Reitz (Flensungen), Karl Schaaf, Katharine Zimmer (geb. Röder) und XVI*. Stürmische See vor den Azoren. Während die Bermuda-Inseln, die jetzt schon wieder Hunderte von Seemeilen hinter uns liegen, um 1515 von den Spaniern entdeckt und 1543 durch portugiesische Kolonisten zum erstenmal besiedelt wurden, bis der durch Schiffbruch hierher verschlagene Admiral Sir George Somers die Inseln 1609 in englischen Besitz nahm (daher Somerset-Island), waren die Azoren bereits den Phöniziern und dem frühen Mittelalter bekannt. Um 1431 wurden sie von den Portugiesen wiederentdeckt und erhielten nach den dort in großer Zahl vorgefundenen Bussarden, die die Portugiesen für Habichte — Azores — hielten, ihren heutigen Namen. Sie bestehen aus neun größeren Inseln und einigen Klippen mit einem Gesamtflächeninhalt von 2395 Quadratkilometer und werden ihrer Lage nach in drei Gruppen und Verwaltungsbezirke ein- geteilt: Die Westgruppe mit Corvo und Flores, die Mittelgruppe mit Fayal, Pico, Sao Jorge, Graci- ofa und Terceira und die Oftgruppe mit Sao Miguel und Santa Maria. Vulkanischen Ursprungs, wurden die Azoren häufig von Erdbeben heimgesucht. Auf verschiedenen Inseln ist die vulkanische Tätigkeit heute noch nicht erloschen. Alle sind gebirgig, von tiefen Schluchten durchzogen, charakteristisch sind die vielen Thermen und Kraterkessel (Calderos genannt), die häufig kleine Seen bilden. Die Inseln werden von rund 250 000 Einwohnern besiedelt, das sind über 100 auf den Quadratkilometer. Die überwiegende Mehrzahl sind Portugiesen. Die früher eingewanderten Neger, Mauren, Juden und Flamen sind völlig in ihnen aufgegangen. Die Bevölkerung lebt von Ackerbau; Kartoffeln, Mais, Bohnen, Weizen und Gerste werden in mühevoller Arbeit angebaut und in geringen Mengen sogar ausgeführt. Südfrüchte gedeihen nur sehr spärlich. Da die Berghänge gute Weideslächen bieten, wird Viehzucht im großen Umfange betrieben. In mühevoller Heimarbeit werden Sttoh- geflechte und Sttckereien von den Frauen hergestellt, die von den Fremden gerne gekauft werden. Selten sieht man noch die altertümliche schwarze Tracht, einen langen Mantel mit einer großen Kapuze, in der das Gesicht völlig verschwindet, die aber guten Schutz gegen die heftigen Winde und Regenfälle bietet. Das Klima ist unter dem Einfluß des Golfitromes gleichmäßig milde und gesund mit zahlreichen Niederschlägen. Oft verhüllen die Wol- kenmassen die Berge völlig, besonders in den Schlechtwetterperioden, wie wir sie jetzt und zur Zeit der Herbststürme hier erleben. Die Insel Fayal mit dem freundlichen Hafenstädtchen Horta, vor dem wir nun unseren Anker werfen, ist etwa 28 Kilometer lang und 13 breit. Sie hat 24 000 Einwohner. Die höchste Erhebung der gebirgigen Insel, der Pico Gorda, ist 1021 Meter hoch. Unmittelbar gegenüber der Bucht erhebt sich auf der nach ihm benannten Insel der höchste Berg der gesamten Inselgruppe, der noch tätige Vulkan Pico Alto, malerisch aus den bewegten Fluten des Atlantik. Mit dem Wetter haben wir gründlich Pech dieses Mal! Schon am Karfreitag muß der Gottesdienst, zu dem fast die ganze Kolonie erschienen ist, unter Deck stattfinden. Fast alle Deutschen sind Angestellte der Deutschen K a b e l st a t i o n , die hier als wichtige Zwischenstation für die Ueberfeefopel über England, Irland nach den Kap-Verde-Jnseln, Neu-Schottland und Neuyork schon vor dem Kriege bestand. Das zu Beginn des Krieges von den Engländern geschnittene Kabel ist längst roieber ausgelegt. Ein Gong durch die Anlage ist lohnend und interessant. Nach bei* Den letzten Bericht siehe in Nr. 95 vom 24. April. ______ dieser Konzerte, die u. a. Namen wie Ä u I e n - tampff, Mainardi, Backhaus, Edwin Fischer und Eduard Erdmann aufweisen, durch drei junge Künstler ergänzt werden, von denen Erich Rohn als Konzertmeister und Tibor die M a ch u l a als Solo-Cellist dem Philharmonischen Orchester angehören, während Conrad Hansen sich schon häufig als einer der bedeutendsten jungen Pianisten ausgewiesen hat. Außerdem sind wieder Abonnements-Zyklen unter der Leitung des Hamburger Staatskapellmeisters Eugen I o ch u m und des Professors Bruno Kittel mit feinem hervorragenden Chor vorgesehen. Auch, die Austauschbeziehungen mit dem Auslande sollen weiter gepflegt werden. Don den bisher feststehenden Sonderkonzerten sind die Abende von Victor de S a b a t a und Willem Mengelberg von vornherein ihres künstlerischen und Publikumserfolgs sicher. Don besonderem Verantwortungsbewußtsein ist die Leitung des Philharmonischen Orchesters gegenüber der Jugend beseelt. Dem zeitgenössischen Schaffen werden neben den Abonnementskonzerten zwei besondere Abende und eine internationale Musikwoche gewidmet sein. In zwölf Iugendkonzerten mit klassischen Werken werden 12 000 Volksschüler und 12 000 Besucher der Aufbau- und höheren Schulen je zwei bzw. drei Konzerte bei freiem Eintritt hören. Durch Vereinbarung mit der Stadt Berlin können bereits im Juni die Programme mit Werkanalysen kostenlos an die Schulen geliefert werden, so daß in den Musikstunden eine gründliche Vorbereitung durchgeführt werden kann. Diese Einrichtung, die sich bereits bewährt hat, soll einen Stamm musikalischer Kinder regelmäßig erfassen, um dem Musikleben auch in der kommenden Generation eine tragfähige Grundlage von der Besucherseite her zu geben. Johannes Jacobi. einzelne Musiker und der Dirigent die Verantwortung für eine gleichmäßige Höchstleistung aller Veranstaltungen übernehmen können. Aus diesem Grunde werden in der kommenden Spielzeit die fogenannten populären Konzerte, die seit einem halben Jahrhundert Sonntags und Dienstags stcttt- fanden, wegfallen. Um einerseits den billigen Konzerten das Odium minderer Leistungshöhe zu nehmen und andererseits die volkskulturellen Aufgaben des repräsen- tatioen deutschen Orchesters zu verstärken, werden künftig .für die NS.-Gemeinfchaft „Kraft durch Freude" nicht eilig zusammengestellte Konzerte mit ständig wechselnden Dirigenten veranstaltet werden, sondern für die Kulturorganisation des schaffenden Volkes werden jeweils Wiederholungen der großen Abonnementskonzerte unter namhaften Dirigenten geboten. Ferner soll der jährliche Beethoven-Zyklus, der sich außerordentlicher Beliebtheit erfreut, bei gleichbleibend niedrigen Preisen von einem einzigen Dirigenten geleitet werden; es spricht für das künstlerische Verantwortungsbewußtsein in dieser volkskulturellen Arbeit, daß für die acht Abende des Beethoven- Zyklus, der gleichzeitig durch rahmende Hauptwerke Mozarts aufgelockert wird, eine Persönlichkeit vom Range Carl S ch u r i ch t s gewonnen worden ist. Von den zehn repräsentativen Philharmonischen Konzerten wird Wilhelm Furtwängler sieben Abende leiten. Für die übrigen sind hervorragende Dirigenten des Auslandes verpflichtet wbrden, von denen Bernardino Molinari (Rom) und Erneste Mder„Schleswlg-Holsiein"ausSchuIsWsreise Don Karl Friedrich Birnbaum, Kapitanleuinant. „Das gute Birnenjahr." Zur Illumination des Panzerschiffes „Admiral Graf Spee". Als ich jetzt m den Zeitungen das Bild von der Probe-Illumination unseres Panzerschiffes „Admiral Graf Spee" für die Flottenschau in England sah, kam mir die Erinnerung an die erste Illumination unseres Schiffes „Kaiser Karl der Große im Jahre 1905. Wir wurden damals aus Anlaß der Feier der 75jährigen Unabhängigkeitserklärung Belgiens nach Antwerpen entsandt, wo unser Schiff nicht nur von der belgischen Bevölkerung und der starken deutschen Kolonie, sondern auch vom König Leopold II. !her^ lichst begrüßt und durch seinen persönlichen Besuch geehrt wurde. Wir erhielten als erstes Flottenschiff zu diesen Feiern eine große Illuminations-Anlage durch die Kaiserliche Werft eingebaut, die genau wie jetzt auf unserem „Admiral Graf Spee", alle Umrisse des Schiffes in Hellem Lichterglanz erstrahlen ließ. Die allabendliche Illumination fand nicht nur in Antwerpen freudigste Anerkennung, sondern brachte auch für uns selbst noch eine ganz besondere, nachhaltende Annehmlichkeit mit sich. Wie mit jedem Ausrüstungsstück, mußte auch mit den elektrischen Glühbirnen an Bord peinlich gespart werden. Eine jede Birne hatte so ihre gewisse „Tragezeit", nach deren Ablauf es erst auf der Werft im Umtausch neue gab. Die damaligen alten Kohlenfadenlampen brannten nun aber immer bald mit noch sehr verminderter Leuchtkraft. Wenn wir Leutnants dann beim „elektrischen Ingenieur , unserem prächtigen Marine-Oberingenieur Noack, vorstellig wurden zwecks Umtauschs unserer armseligen einzigen „Kammerbirne", dann schüttelte er nur bedenklich den Kopf: „Herr Leutnant, Ihre Birne muß noch ein halbes Jahr aushalten, sonst komme ich mit meinem Etat nicht aus." — Schoner Schaden! Wir wollten unsere jungen Augen bei den vielfachen schriftlichen Arbeiten in unserer Kammer nun aber doch auch nicht unnütz für das Vaterland opfern, da diese doch mindestens bis zum „Admiral" ausreichen mußten. Deshalb wußten wir uns nun trotz allem bald zu helfen. In der Kammer des ersten Offiziers brannten die Birnen immer wie neu in hellstem Glanze. Nichts lag deshalb naher, als daß wir unsere „alten Birnen" abends, natürlich nur wenn der gestrenge erste Offizier von Korb war, gegen eine Helle, neu strahlende Birne aus dessen Kammer vertauschten. Der erste Offizier bekam dank feiner Machtstellung natürlich immer wieder gleich Ersatz, da „seine Birne" ja nicht so lange zu halten brauchte. Natürlich fluchte er, wie auch der „elektrische Ingenieur", jeden Tag sehr über den schnellen Verschleiß und die schlechte Lieferung der Werft. Eine schriftliche Beschwerde bei der Werft war dann natürlich die Folge, worauf diese die Vorwürfe wieder scharf zurückwies usw. ... — Was kümmerte dieser Schriftwechsel uns Leutnants? — Wir hatten so wenigstens immer „frische Birnen". All diese Sorgen hierfür waren aber auf einmal beendet, als wir die Illuminations-Anlage für die belgischen Nationalfeierlichkeiten eingebaut erhalten hatten. Der „elektrische Ingenieur" wußte sich nun nämlich aus der Not zu helfen, indem er von den vielen Tausenden von „Illuminations-Birnen" nur einige Dutzend wieder auf der Werft ab-- gab, da die anderen durch Seegang und beim Abmontieren der Anlage „zerschlagen worden wären". Erleichtert konnte er nun feststellen: „1905 war wirklich ein gutes Birnenjahr!" Wünschen wir der Besatzung unseres stolzen Panzerschiffes „Admiral Graf Spee" nach der Rückkehr aus England also auch: „Em gutes Birnenjahr 1937!" — Korvetten-Kapitän a.D. G. G.Frhr. v.Forstner. Lichtspielhaus: „Man spricht über Jacqueline". Dieser Film wurde nach dem gleichnamigen Roman von Katrin Holland gedreht; die Verfasserin, der Regisseur Werner Hochbaum und F. D. A n d a m schrieben das Drehbuch. Das Thema ist so beschaffen, daß es in einer menschlich und künstlerisch vollauf befriedigenden Form wohl nur im Roman gestaltet werden konnte: die große, die erste wirkliche Liebe einer Frau, die viele Abenteuer hinter sich und eine oft und gern in aller Oeffentlichkeit besprochene Vergangenheit hat; für den Mann ist diese Begegnung das entscheidende Erlebnis nach einer bitteren Enttäuschung; die Frau hat nicht den Mut, sich zu ihrer Vergangenheit zu bekennen und versucht ihre jüngere Schwester ba= mit zu belasten. Ein delikates Motiv, dessen Gestaltung mit fast unausweichlicher Sicherheit einem bösen Ende zutreiben muß. Der Film steuert haarscharf daran vorbei und gelangt im allerletzten Augenblick noch zu dem glücklichen Ausgang, der im Film lieber gesehen und auch meist selbstverständlicher hingenommen wird als in einem Roman. Der Film wirkt anfänglich etwas sprunghaft und unkonzentriert in seiner Bilderfolge; die Stärke und Kunst der Regieführung von Werner H o ch b a u m offenbart sich erst später, wenn das Hauptmotiv angeschlagen und der Stein sozusagen im Rollen ist: da gibt es eine Reihe hübscher, intimer, liebevoll photographierter Bilder aus Paris und einige Szenen, in denen etwas von der zarten und empfindsamen Stimmung der literarischen Vorlage eingefangen zu sein scheint. Dera Engels, übrigens die Tochter des ersten Kommandanten des berühmten Kreuzers „Emden", spielt die Jacqueline, erinnert stellenweise, wohl nicht ohne Absicht, an Marlene Dietrich und findet zwischen der exzentrischen Laune einer Abenteurerin und der bedingungslosen Zärtlichkeit der leidenschaftlich Liebenden die manchmal unwahrscheinlich schmale Mitte. Ihr Partner ist Albrecht S ch o e n h a l s, der sich in einer stellenweise ganz romanhaft wirkenden Rolle so elegant wie männlich, so diskret wie kavaliersmäßig bewährt. Sabine Peters ist auch hier die jüngere Schwester — hoffentlich wird ihre ursprüngliche Begabung nicht auf ein Schema festgelegt — und bestimmt mit einer winzigen, aber rührenden Szene den Ausklang des Films auf eine ganz unkonventionelle Art. Vom Ensemble seien noch Hans Z e s ch - B a l l o t und Fritz G e n s ch o w genannt; die Gießener Besucher wird überdies ein kurzes Wiedersehen mit Arzdorf, der früher am Stadttheater wirkte, interessieren. — (Syndicat-Film Tobis.) * Vorher gibt es die neue Fox-Wochenschau und einen interessanten Lehrfilm über die Technik des Fernsehens. Hans Thyriot. Die Findigkeit der Post. Im Reichspostmuseum. Im geheimnisvollen Dämmerlicht einer Fensternische eine Vitrine. Die Findigkeit der Reichspost. Man sieht und staunt, mit welch kriminalistischem Scharfsinn die Post die Empfänger der so sonderbar beschrifteten Postsendungen aufgespürt hat. Da schrieb ein kleiner Junge aus Amerika: „An meinen lieben Papa, Germany, Niethen b. Pomritz, Sachs." Und ein anderer Kiekindiewelt gab einen Brief „für Onkel Gotthard, franffortemain" auf. Die tüchtige Poft fand sowohl den lieben Papa wie auch den Onkel Gotthard in „Frankfurt am Main". Aber man glaube nicht, das es nur Kinder waren, die der Poft so harte Nüsse zu knacken aufgaben. Die Zahl der Erwachsenen, die ähnlich seltsam beschriftete Postsendungen aufgaben, überwiegt. Manch scherzhafte, rätselhafte Anschrift in Gedichtform findet man. Alles ist an seinen Bestimmungsort gelangt, auch der Vrief, der als Anschrift das Lichtbild einer Dame trug, allerdings mit dem Zusatz, daß sie „Berlin S, Prinzen - straße 99 III." .wohnhaft sei. Dann die Gruppe derjenigen, die aus Unachtsamkeit zum Beispiel den Eigennamen mit dem Wohnort verwechselten, oder nur die Straße angegeben haben. Ein kleines Rätsel für die Postbeamten, das sie leicht gelöst haben. Und auch unter den seltsamen Beschriftungen, die ganz offenbar aus einer Verlegenheit entstanden sind, finden sich solche, die nicht allzuviel Mühe gemacht haben können. Wenn eine Anschrift lautet: „An Fräulein Osmann, Bahnhof Freiberg in Sachsen, Straße gegenüber rin, erste Ecke links um, erste Haustüre 1. Treppe", so wird der mit seinem Bezirk vertraute Postbote sicher bald die Empfängerin entdeckt haben, was aber schon schwieriger gewesen sein dürfte bei der „Frau Steuerassistent Müller, zu Besuch in einer Villa bei zwei Witwen, die Mutter ist Pastorenwitwe, in Friedenau". Und auch der Brief an einen Zigarrenhändler war sicher nicht leicht zu befördern, wenn er auch eine genaue Beschreibung seines Hauses und einen gut gezeichneten Lageplan als Aufschrift trug. Diese Seltsamkeiten stammen aus zurückliegenden Zeiten, und die Zweifler werden mit dem Einwand kommen, so was gebe es heute nicht mehr. „Weit gefehlt", meinte der Beamte, der diese Sammlung betreut, „es ist heute wie in vergangenen Jahren." Wer es nicht glaubt, der frage feinen Postboten; er weiß sicher ein Lied davon zu fingen. In Laubenkolonien ist es nicht selten, daß es außer dem Namen der Kolonie nur noch heißt: „Vierte Laube links." Nur eines hat sich geändert, die Anschriften sind heute häufiger mit der Maschine geschrieben und darum wenigstens leserlich. Aber noch immer sind Briefe an den „lieben Papa" und den „guten Onkel" unterwegs, und manch kleiner Knirps schickt seine Wünsche per Post an den Osterhasen. Das ist selbstverständlich und wird entsprechend aufgenommen. 6od)fd)u1nad)rid)fen. Professor Dr. Max Wentscher, Ordinarius für Philosophie und Pädagogik an der Universität ^B o n n, beging seinen 75. Geburtstag. Deutscher lehrte früher in Königsberg. Von feinen Arbeiten nennen wir seine zweibändige „Ethik" und seine „Pädagogik. Kritische Grundlegung und System." t 1 Elisabeth 21 ff (geb. Traum) eingefunden. Von den fünf Konfirmanden des Jahrgangs 1882 war leider niemand anwesend. Von den 13, die das Fest der diamantenen Konfirmation hätten feiern können, leben heute noch drei, von denen sich Karl Viehl und Katharine Euler (geb. Sprankel) aus Wallen- ro»d eingefunden hatten. Das Fest der eisernen Konfirmation konnten noch Heinrich Pfeffer, Charlotte Wießner (geb. Kornmann) und Elisabeth Me- bus (geb. Happel) feiern. Kahrradpflege und Aekehrssicherheit. LPD. Die schöne Zeit des gesteigerten Radfahr- verkehrs ist wiedergekommen. In der stilleren Zeit wurde das getreue Stahlroß vom Fachmann gründlich durchgesehen. Manchem 2lerger und mancher Enttäuschung beugt man dadurch vor, Leben und Gesundheit, als kostbarste Erdengüter, vertraut man ihnen wieder an. Kritisch überprüft man noch einmal, ob auch alle gesetzlich vorgeschriebenen Einrichtungen in Ordnung sind. Der mit dem Prüfzeichen versehene Rückstrahler darf nicht verschmutzt und muß in einer Höhe bis zu 50 Zentimeter am Hinteren Ende des Fahrrades unverdeckt und gut sichtbar angebracht sein. Die Bremse muß einwandfrei arbeiten, damit unter allen Umständen Unfälle vermieden werden. Wenn das Rad keine Freilauf- Rücktrittbremse besitzt, sind zwei Handbremsen erforderlich, da sich durch Kabelrisse und ähnliche Versager Unfälle ereignet haben. Rostige Felgenräder verursachen häufig Wulstbrüche und schaffen 23er» druß. Auch durch zu starken, oder zu geringen Luft- druck wird ebenso, wie durch zu scharfes Bremsen die wertvolle Gummibereifung vorzeitig verbraucht. Denkt auch an die Pedale, die Stiefkinder des Fahrrades. Einige Tropfen Oel von Zeit zu Zeit verlängern ihre Lebensdauer und Widerstandskraft trotz des gewaltigen und ständigen Hebeldruckes. Auch die Kette dankt die geringste Pflege mit größerer Haltbarkeit. Wer häufig zur Nachtzeit fahren muß, sichert sich am besten durch ein Rücklicht gegen die Verkehrsgefahren, die zur Nachtzeit drohen. Durch eine ausreichende, gepflegte Lichtquelle beugt man vielen Ungelegenheiten vor. Die Fahrradglocke darf nur als Warnzeichen benutzt werden. Jeder Verkehrsteilnehmer ist gesetzlich verpflichtet, die Aenderung seiner Fahrtrichtung rechtzeitig durch mechanische oder andere deutlich wahrnehmbare Zeichen anzudeuten. Vor allem sind Derkehrsunfälle zu vermeiden, denn sie schädigen die Volksgemeinschaft und werden mit sehr empfindlichen Geld- oder Freiheitsstrafen geahndet. Der grundlegende § 25 der Reichsstraßenverkehrsordnung lautet: „Jeder Teilnehmer am öffentlichen Verkehr hat sich so zu verhalten, daß er keinen anderen schädigt, oder mehr als erforderlich belästigt oder behindert." Dieser Paragraph besagt alles. Wer sein Fahrrad in der vorgeschriebenen Weise behandelt und stets mit Ueberlegung fährt, bewahrt sich vor Gesetzwidrigkeiten und Schäden aller Art. Außerdem handelt er im Sinne der Regierung und des Vierjahresplanes. Unser Stahlroß jedoch, der anspruchslose, immer bereite, zuverlässige und zeitsparende stumme Diener und Freund in Beruf und Sport dankt auch die geringste Pflege und lieber- wachung durch jähre- und jahrzehntelange Zuverlässigkeit. Durch die Decke in ein Schuhgeschäft eingebrochen. Drei Jahre Zuchthaus für den Täter. LPD. Frankfurt a. M., 19. Mai. In der Nacht zum 3. März wurde in einem Frankfurter Schuhgeschäft eingebrochten. Don der über dem Laden liegenden Werkstätte hatte der Täter ein Loch durch die Decke gebrochen, durch das er in das Innere des Geschäfts gelangte. Dort erbrach er die Laden- und Registrierkasse und eignete sich dann 20 Paar Schuhe an. Mit einer Wäscheleine zog er die Schuhe durch das Loch in der Decke nach oben. Der Täter sollte sich feiner Beute nicht lange erfreuen, denn schon am nächsten Tage wurde er yon der Polizei verhaftet. Der Täter, der mehrfach vorbestrafte Friedrich Zeimet, erhielt jetzt vom Schöffengericht als Rückfalldieb drei Jahre Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht. Don der Maßnahme der Sicherungsver- nkayrung wurde diesmal noch abgesehen, weil die Braut des Angeklagten erklärt hatte, daß sie den Beschuldigten ohne Rücksicht auf seine Strafen heiraten werde. Rundfunkprogramm Freitag, 21. März: 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk. 11: Mutter turnt und spielt mit dem Kind. 11.15: Hausfrau, hör zu! 11.45: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. Offene Stellen. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Das Stündchen nach Tisch ... 15.10: Zehn Paar Schuhe vor der Tür. 15.30: Volk und Wirtschaft. 16: Unterhaltungskonzert. 16.45: Lieder mit Klavierbegleitung. 17.10: Sport und Gesundheit. 17.20: Der Schatzgräber des deutschen Liedes, Ludwig Erk. 17.50: Bodenständigkeit und Kinderreichtum. 18: Musik aus Dresden. 19.40: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Das Fünfgestirn am Operettenhimmel. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.30: Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtmusik. Oie Gießener Zuchtviehversteigerung. Zu der gestrigen Gießener Zuchtviehversteigerung des Landesverbandes der Rinderzüchter in Hessen- Nassau, Gruppe Fleckvieh und Ratvieh, und des Landesverbandes der Schweinezüchter hatten sich außer den oberhessischen Interessenten auch wieder viele Züchter aus dem Dillkreis, dem Kreise Wetzlar, von der Lahn und dem Taunus und aus Mainz eingefunden. Zuerst wurden die Bullen des Hessischen Fleckviehes ausgeboten, für die einigermaßen Interesse bestand, wenn die Angebote auch nicht so flott erfolgten wie sonst. Dennoch wurde der Bestand fast restlos abgesetzt. Die Tiere erbrachten einen guten Mittelpreis von 550 Mark, bessere Exemplare wurden mit 700 und 800 Mark bezahlt, der errechnete Durchschnittspreis machte 541 Mark aus. Den Höchstpreis von 1020 Mark erhielt das Tierzuchtinstitut Oberer Hardthof Gießen für einen Bullen, der als Stationstier nach Rüddingshaufen kommt. Für die Dullen des Hessischen Rotviehes lag unzureichendes Interesse vor, weil die Gemeinden mit den Ankäufen zurückhielten. Infolgedessen blieben die Preise hinter denen früherer Versteigerungen zurück. Die der Wertklasse I zu geteilten Tiere erbrachten Preise von 700 und mehr Mark, die der Wertklasse II überwiegend einen guten Mittelpreis von 550 Mark. Den Spitzen preis von 1280 Mark erzielte die Züchterin Johs. Schad Wwe., Angersbach, für ein Tier, das als Stationsbulle nach Schwarz im Vogelsberg bestimmt ist. Der errechnete Durchschnittspreis für diese Bullen betrug 450 Mark. Aus der Zucht des Deutschen Edelschweines waren nur einige Eber angeboten, für die geringes Interesse bestand. Es verblieb daher Ueberstand. Die wenigen verkauften Tiere erbrachten aber annehmbare Preise von 160 bis 180 Mark. Regeres Interesse bestand für die Eber des Veredelten Landschweines, die fast restlos abgesetzt wurden. Die Preise für diese Datertiere bewegten sich zwischen 140 bis 200 Mark, der Spitzenpreis machte 390 Mark aus, der errechnete Durchschnittspreis betrug 168 Mark. Insgesamt wurden die Bullen und Eber über Oberhessen hinaus in die Kreise Wetzlar, Dillenburg, Limburg, den Westerwald und Taunus sowie nach Mainz verkauft. Durch die schleppenden Angebote entsprach die Versteigerung nicht ganz den Erwartungen, wenn auch der Gesamtumsatz von rund 25 000 Mark beachtlich war. Neues für den Büchertisch. — Der Gleiberg, das Wahrzeichen unserer Heimat. Im Auftrage des.Gleiberg- vereins bearbeitet von Ernst Praß. — (140) — Die kleine Schrift kommt zum 100jährigen Bestehen des Gleibergvereins gerade recht; sie „entstand aus Heimatliebe, und... soll auch bei andern wieder Heimatliebe erzeugen und festigen, und als kleiner Führer den lieben, alten Gleiberg jedem Heimatfreund zu einem guten Bekannten werden lassen..." Lehrer Emst Praß in Krofdorf-Gleiberg, einer der besten Kenner des Gleibergs, feiner Umgebung und feiner wechselvollen Geschichte, hat auf knappem Raum in ansprechender Form übersichtlich alles Wissenswerte zusammengestellt: er behandelt zunächst die Geschichte der Burg von den ersten Anfängen bis zum Jahre 1816. Anschließend unternehmen wir, von kundiger Hand geführt, einen Gang durch die Burg. Ein weiterer Abschnitt ist der Geschichte des Gleibergvereins gewidmet; in ihr ist auch die Geschichte der Burg in den letzten hundert Jahren im wesentlichen enthalten. Eine Abhandlung „Aus der Vergangenheit des Dorfes Gleiberg" rundet die treffliche Darstellung ab, die, mit‘einem alten Stich (um 1600), einen Grundriß der Anlage und einer Reihe neuerer Aufnahmen bebildert, eine erfreuliche Bereicherung unseres Heimatschrifttums bildet und alten wie neuen Freunden des Gleibergs auf kommenden Fahrten ein willkommener Begleiter fein wird. — Ernst Wiechert. Der Weg eines Dichters. Von Hans Ebeling. Mit einem Bildnis. 258 Seiten. Geb. 2,80 Mk. G. Grote, Verlag, Berlin, 1937. — (131) — Zum 50. Geburtstage Ernst Wiecherts (18. Mai 1937) erschien bei G. Grote in Berlin ein Buch, das allen Freunden des Dichters willkommen sein wird. Mit feinem Einfühlungsvermögen und Gründlichkeit geht Ebeling den Spuren dieses Lebens und Werdens nach^ Nicht nur die Vorfahren, deren Blutftröme in Wiechert weiterwirken, läßt Ebeling lebendig werden, auch das Eigentümliche der heimatlichen Landschaft erschließt sich dem Leser. Alle Abschnitte des Lebens, das Glück des Kindes in feinen Wäldern, das schmerzliche Vorwärtstasten des Studierenden, die Erschütterung des Kriegserlebnisses, die Heimkehr, das Berufsleben werden aufgezeigt. So entsteht ein eindrucksvolles Bild, wie der von Idealen erfüllte Mensch zum Dichter wird, wie unter schweren seelischen Kämpfen Werk auf Werk entsteht. Ernst Wiechert ist der Dichter seines Lebens. Darum wird die Kenntnis dieses Lebens zu einem tieferen Verstehen der Dichtungen Wiecherts führen, manches Rätselhafte klären und verborgene Zusammenhänge beleuchten. — Männer, Kurven und Rekorde. Von A. Büttner und K. Feez. Franckhsche Derlagsbuch- handlung, Stuttgart. 140 Seiten mit vielen Bildern. — (17) — Das Buch wird gerade in der Gegenwart lebhaft interessieren, denn gerade jetzt ist alle Aufmerksamkeit der Freunde des Autorennsportes auf die Versuchsfahrten auf der Avus gerichtet worden und man sieht mit großer Spannung den Starts der sieggewohnten deutschen Wagen auf internationalen Rennen entgegen. Das vorliegende Buch schildert in umfassender und sehr lebendiger Weife die Entwicklung des Autorennsportes von jenem Tage an, da der erste Wagen die Werkstatt verließ. Namen von Rennfahrern werden in der Erinnerung wieder wachgerufen, die nicht weniger mutig am Steuer saßen, wie ein Rosemeyer, ein Stuck, ein Caracciola. An Hand von Tatsachenberichten ist in diesem Buch ein Ueberblick geboten über alle die großen Triumphe und die großen Enttäuschungen, die einander im Autorennsport noch immer ablösten. Die Bilder, die dem Buche beigeheftet sind, dürfen fast als Dokumente angesprochen werden. H. L. Neuner. — Ulrich Sander: Das Gefecht von Kalkehmen. Erzählung. Mit einem autobiographischen Nachwort. (Nr. 7349.) Kart. 35 Pf., Pappband 75 Pf., Ganzleinen 1 Mark. Philipp Reclam jun., Verlag, Leipzig. — (90) — Ein Kindheitserlebnis ist hier mit einer Kampfhandlung aus dem Weltkrieg verknüpft: Der Junge, der mit feiner Schwester köstliche Ferientage auf einem ost- preußischen Gut verlebt hat, kommt als Soldat bei Ausbruch des Krieges mit der Ostarmee in eben diese Gegend und macht das Gefecht im Schloßpark mit, bei dem der ganze schöne Besitz in Trümmer gelegt wird. Die tapfere Behauptung dieses Platzes gegen russische Uebermacht wird zum Ausgangspunkt der großen ostpreußischen Siege Hindenburgs. Der eigentliche Reiz der kleinen Geschichte liegt in dem Kontrast zwischen dem zarten Kindheitsidyll und dem großen Kriegsgeschehen, das über diesen mit Liebe gehegten, stillen Fleck Erde dahinrollt. Im Nachwort erzählt Sander von dem schweren Aufstieg in den Nachkriegsjahren, von seiner Arbeit als Dichter und Erbhofbauer und von seiner Verbundenheit mit der pommerschen Erde. — Johannes Wäller: Don Jütland b i s I a v a. Aus dem Reisetagebuch eines dänischen Arztes. Aus dem Dänischen übersetzt von Tyra Derenburg. 272 Seiten mit 14 Zeichnungen im Text. Ganzleinen 5.40 Mark. Societäts-Derlag Frankfurt a. M. — (99) —Jütland und Java sind nicht nur die beiden geographischen Pole eines Lebens, von dem der dänische Arzt Johannes Wäller rückschauend erzählt, sondern bezeichnen zugleich eine äußerste Spannung: auf der einen Seite Dänemark, die Heimat, auf der anderen Seite Java, die Fremde, die tropische Insel der Vulkane, des Urwaldes und der großartigen Ueberrefte versunkener Kulturen. Mit der heiteren Überlegenheit des welt- erfahrenen Mannes, dem die Ferne den Sinn für die kleinen und zärtlichen Dinge des Alltags geschärft hat, verweilt Dr. Wäller an den Stationen des Weges, der ihn in die Dienste der holländischen Kolonialarmee führte. Die Art des Sehens macht die Eigenart und den Wert dieses Buches aus, das die Betrachtung der sichtbaren Welt mit oft überraschenden, immer klaren und entschiedenen Gedanken über diese Welt verbindet. Bekannte Städte wie Brüssel, Paris, Venedig oder Kairo erscheinen so neu und originell in ihrem Wesen ergriffen und dargestellt. Und die Beschreibung etwa eines Termitenzuges, eines Abends am Indischen Ozean ober einer Nacht in den Ruinen von Borobudur ist ebenso voll dramatischer Spannung wie die Episoden aus den. holländischen Kolonialkämpfen. Mit knappen Strichen hat der dänische Zeichner Magnus Bengtsson charakteristische Bilder beigetragen. — Brettspiele. Gespielt und beschrieben von B. Arbeiter und W. R u h n k e. lieber 90 Zeichnungen, 1 Spielplan als Beilage. Steif kartoniert 1,75 Mark. Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam. — (86) — Dieser 4. Ergänzungsband zum „Deutschen Spielhandbuch" bringt in Wort und Bild die schönsten Brettspiele. Neben den allgemein bekannten Spielen wie Schach, Dame, Mühle und Domino enthält der Band viele bewährte alte und auch einige reizvolle neue Spiele. So finden wir das Bohnenspiel, Belagerungsspiel, Salta und Laka, Raummühle, das Go-Spiel der Japaner und viele andere mehr. Durch aufschlußreiche Hinweise auf Herkunft und Entstehungszeit der Spiele und auf ihren Entwicklungsgang ist das Büchlein auch volkskundlich wertvoll und ein wertvoller Helfer für den Feierabend. Die vielen Spielplanzeichnungen und eingefügte Winke für das Selbstherstellen von Spielen sowie der beigefügte Spielplan erhöhen die Brauchbarkeit. — Gertrud von Karger: Manfred Kyber, Dichter und Tierfreund. Mit 6 Bildern und 2 faksimilierten Gerichten. Brosch. 2,50, Leinen 3,50 Mark. Hesse und Becker Verlag, Leipzig C1. — (109) — Die erste Lebensbeschreibung des Dichters. Die Verfasserin kannte Kyber persönlich und schöpfte daher zum Teil aus dem Schatz ihrer Erinnerungen. Die große Gemeinde des feinen Poeten und Tierfreundes wird diese Gabe mit Freude und Dankbarkeit aufnehmen. Tritt ihr doch hier der Mensch Kyber in seiner Treue und Hilfsbereitschaft, aber auch in feinem Leiden und Entbehren entgegen. Das Leben des Dichters, das scheinbar so still verlief, war reich an inneren und äußeren Erlebnissen. Was er während der Bolschewistenherrschaft in Riga (1919) durchmachte, hat die Erkenntnis in ihm befestigt, daß die europäische Menschheit nur gesunden könne, wenn sie in das Reich der Seele zurückfinde. Der Besuch. Zugenderinnerung von Gunnar Gunnarsson. Der isländische Dichter Gunnarsson, der große nordische Freund Deutschlands, hat von der Hansischen Universität Hamburg für das Jahr 1937 den Hendrik-Steffens-Preis erhalten. ... Sehr deutlich erinnere ich mich Mr. Howells, obwohl — nein, es ist wohl eigentlich nur das Gepäck des Mannes, dessen ich mich erinnere. Eines Tages kam er in einem Regenguß in Ofeigsstadur an, regnete zur Tür herein — ein kleiner Mann mit großem Gepäck, völlig unverständlich für alle andern außer Halldor und meinem Vater. Groß war sein Gepäck. Meiner Meinung nach waren seine roten Koffer, die auf die Gästestube und zwei Wirtschaftshäuser verteilt wurden, unzählig. Diese roten Koffer öffnete und schloß, öffnete und schloß Mr. Howell die ganze Zeit, die er sich auf Ofeigsstadur aufhielt — außer, wenn er sich auf einen von ihnen setzte und etwas in ein Buch kritzelte. Und wo sollte ich sein, wenn Mr. Howell einen Koffer öffnete, außer dicht neben ihm? Und wo sollte ich Hinsehen, wenn er in ihnen suchte, außer direkt hinein? Und was enthielten nun Mr. Howells unzählige Koffer? An verständlichem Inhalt enchielten sie Dosen mit Keks — Kisten mit Keks, Keks, die überaus eßbar, mehr als eßbar aussahen ... Der übrige Inhalt der roten Koffer, der zu einem großen Teil aus Dosen von verschiedener Größe bestand, war mir bis auf einige Kleidungsstücke rätselhaft. Aber die „Zettel" auf seinen Dosen waren sehr hübsch und sehr verständlich mit ihren bunten Abbildungen von Seetieren, Landtieren und merkwürdigen Früchten. Eines Tages erdreistete ich mich, Mr. Howell um einen Zettel, der lose saß, zu bitten. Mr. Howell sah mich mit großen Augen an und schwatzte lange in seinem Englisch, schien zu erwarten, daß ich eine Antwort geben sollte, wies immer wieder in den Koffer, und als ich keine andre Antwort finden konnte, als den Kopf zu schütteln, schüttelte er auch den Kopf und warf den Deckel zu. Gleich darauf öffnete er ihn jedoch wieder, leerte eine blecherne Keksdose und reichte sie mir mit strahlendem Lächeln. Ich flüsterte einen Dank, er nickte und nickte, ich reichte ihm die Hand und bedankte mich wieder. Aber es war für mich sicher eine gewisse Enttäuschung, daß er die Dose bis auf ein paar Kekskrümel auf dem Boden sorgfältig geleert hatte. Von diesen Krümeln kam mir das meiste in die falsche Kehle — der Rest schmeckte ein wenig nach Staub, ein wenig nach Rost, ein wenig nach Blech, aber überaus gut und fremdartig. Unter den geheimnisvollen Dingen in Mr. Howells Koffern befand sich ein großer Kasten auf drei Beinen, mit dem er sehr behutsam, und immer mit einem schwarzen Tuch über dem Kopfe, umging. Als ich von meinem Vater erfuhr, daß es ein Photographierapparat, eine „Bildermaschine" war, verstand ich durchaus Mr. Howells ehrfürchtige Haltung ... Mein Vater zeigte ihm die Wasserfälle, den Birkenwald und die übrigen Sehenswürdigkeiten der Gegend, und ließ sich photographieren, wie er zu Pferde saß ober einen großen, mit vieler Mühe herbeigeschafften Widder flott an einem Horn hielt. Mr. Howell blieb eine Woche auf dem Hofe, dann reiste er weiter ins Land hinein, wobei er meinen Vater, verschiedene Koffer und die meisten Pferde des Hofes mitnahm. Wie lange sie fortblieben, weiß ich nicht mehr, die Zeit erschien mir lang, aber endlich kehrten sie doch zurück, beide sehr aufgeräumt, beide ganz braun von Jökeln und Gebirgsluft. Mein Vater hatte keine Zeit, meiner Mutter und uns Kindern von ihren großen und munteren Taten zu erzählen: wie sie einen Schnee- sturm überstanden, einander bis über die Hüfte im Schnee photographiert, „ausgenommen", abgebildet und — dies Mr. Howell — die .Stelle beschrieben hatten, wo unser Elf aus dem Gletscher brach — wie sie fast das Dreibein und die Bildermaschine in die Elf hätten fallen lassen, fast selber bei der Rettungsarbeit hineingefallen wären, was, wie er durchblicken ließ, jedoch nur ein Unglück zweiten Ranges und mehr von der Art gewesen wäre, wie man es in guter Gesellschaft in den Bergen erleben kann. Mein Vater schloß mit den Worten, daß er überhaupt fände, Mr. Howell sei ein „vortrefflicher Mitmensch", worauf er ging, um diesen seinen Mitmenschen aufzusuchen. Mr. Howell blieb einige Tage auf Ofeigsstadur, photographierte Gräber, photographierte Kirchgänger, photographierte die Sonntagsbegga, photographierte Bjössi mit all seinen Schafen, einen Fluch im Munde und Teufelchen auf den Hinterbeinen neben ihm stehend, photogra- phierte mich auf Raudur, den mein Vater unterdessen am Zaume hielt, photographierte alles Erdenkliche und wollte auch die Alltagsbegga und meine Mutter photographieren, erhielt aber keine Erlaubnis dazu. Zum Schluß schenkte er mir feine leeren Blechdosen und Blechkisten, erlaubte mir, viele wertvolle „Zettel" abzupflücken, stieg mit jedem Tage, jeder Dose, jeder Kiste und jedem Zettel in meiner Achtung und würde mir doch zweifellos als ein noch vortrefflicherer Mitmensch vorgekommen sein, wenn er unter den Krümeln auf dem Boden der Dosen und Kisten auch nur ein Achtel nicht zerkrümelten Keks übriggelassen hätte. Schließlich gab er meinem Vater seine Adresse auf einem Stück Papier, das noch seine englischen Krähenfüße bewahrt, versprach, ihm Bilder und nach Jahr und Tag ein illustriertes Reisebuch über die Fahrt zu schicken, entging mit Mühe und Not dem salzigen Schicksal der seligen Frau Lots, da die Alltagsbegga, der er etwas Strickzeug abgekauft hatte, ihm zum Abschied einen feierlichen Kuß gab, und zog dann verblüfft, aber glücklicherweise unbeschädigt mit all seinen roten Koffern und dem Rest seiner Kekse in sein armes sprachwirres Vaterland zurück. Mein Vater bat ihn, Königin Viktoria zu grüßen ... keiner bat ihn, Mr. Pickwick zu grüßen! Wie der Kuckuck seine Gier in fremde Nester legt. Es ist zwar zu einer sprichwörtlichen Redensart geworden, daß der Kuckuck feine Eier in fremde Nester legt, aber genaue Beobachtungen darüber, wie er dies anstellt, sind doch sehr selten, so daß die Angaben eines englischen Vogelkenners, dem es gelang, das Verhalten des Vogels in allen Einzelheiten zu verfolgen, von Interesse sind. Er hatte drei Sommer lang Gelegenheit, einen weiblichen Kuckuck beim Legegeschäft zu verfolgen. Die Art und Weise, wie dieser dabei vorging, ist so ge- heimnisvoll, und es geschah so blitzschnell, daß man versteht, wieso man bisher keine genauen Beobachtungen darüber mitteilen konnte. „Der Kuckuck", erzählt der Vogelkundige, „wurde zuerst in einem kleinen Gelände festgestellt, und ich fand, daß er neun Eier legte. Im nächsten Jahr kehrte er wieder an Ort und Stelle zurück, und ich stellte 16 Eier fest, die alle in Nester des Wesenpiepers gelegt waren. Damals kam ich zur Erkenntnis, daß der Kuckuck jeden folgenden Tag ein Ei legte und unterbrachte, so lange erreichbare Nester der Pflegeeltern vorhanden waren. Es wurde mir auch klar, daß das Geheimnis des Eierlegens beim Kuckuck darin lag, daß er vorher genau das Nest kennen mußte, dessen er sich für fein neu gelegt es Ei bedienen wollte. Im nächsten Jahr machte ich nun folgendes Experiment, daß ich vorher die Zahl der vorhandenen Mesenpieper auf dem Gelände feststellte und ihre Nester so anordnete, daß sie von dem Kuckuck beobachtet werden konnten, wenn er wiederkehrte; es waren 21 Nester. Der Kuckuck kam wieder, und wirklich legte er 21 verschiedene Eier in sämtliche erreichbaren Nester der Wiesenpieper. Ich war unterdessen mit seinen Gewohnheiten bereits so vertraut geworden, daß ich mehrere Freunde ebenfalls sein Legegeschäft beobachten lassen kannte. Der Kuckuck sucht sich zunächst die Nester aus, indem er die Lieblingspflegeeltern genau beobachtet. Zu diesem Zwecke sitzt er lange Zeit auf einzelnen Bäumen, die einen guten Ueberblick über die Nester gewähren. Wir sahen ihn mit diesem Aussuchen sehr beschäftigt, und manchmal flog er näher, um fest- zustellen, ob das betreffende Nest fertig fei. In ein solch fertiges Nest legte er dann unweigerlich nach zwei oder drei Tagen ein Ei. An den Nachmittagen, an denen Frau Kuckuck ihre Eier legte, trieb sie alle sie begleitenden Männchen fort und flog auf einen Baum, von dem aus sie das Nest sehen konnte. Hier verharrte sie etwa eine Stunde vollkommen bewegungslos, flog dann zu dem Nest hin und wieder zurück, manchmal mehrmals, wie, um sich zu versichern, daß es noch da fei. Dann faß der Kuckuck auf dem Zweige längere Zeit wieder im Zustande vollkommener Ruhe. Plötzlich flog er mit ausgebrei- teten Flügeln zu dem Nest, ließ sich darauf nur wenige Sekunden nieder und legte in dieser kurzen Zeit sein Ei. Zu gleicher Zeit entfernte er eins der Piepereier aus dem Nest. Die Zeit des Eierlegens ist so kurz, daß die Chancen der Beobachtung des Vorganges fast gleich Null sind; man kann das Legen nur beobachten, wenn man einen bestimmten Kuckuck vorher lange studiert hat und imftanbe ist, seine Bewegungen genau vorauszusehen." Zeitschriften. — Die „Berliner Monatshefte", Zeitschrift für neueste Geschichte (Berlin W 15, Quader- vertag August Bach, Einzelheft 1 Mark) beschäftigen sich in ihrem Machest mit den Friedensgesprachen während des Weltkrieges. Im Dezember 1916 fanden in Genf Unterredungen zwischen einem Vertreter Oesterreich-Ungarns, dem Botschafter Graf Mensdorff, und einem Vertreter Großbritanniens, dem General Smuts, über die Möglichkeit einer Herbeiführung von Friedensverhandlungen statt. Lloyd George hat in feinen Memoiren die Aufzeichnungen des Generals Smuts wiedergegeben, aus denen hervorgeht, welch hohe Bedeutung England damals diesem Friedensfühler beigemessen hat. Nun liegen auch die Berichte des Botschafters Graf Mensdorff vor, die erstmalig in der Mainummer der „Berliner Monatshefte" in ihrem vollen Wortlaut veröffentlicht werden. In der gleichen Nummer veröffentlicht Geheimrat Professor Dr. Richard Fester den 1. Teil einer größeren Studie über: Die Friedensvermittlungsversuche von 1917. Seine Arbeit stellt eine Ergänzung seines Werkes über „Die Politik Kaiser Karls und der Wendepunkt des Weltkrieges" bar. Nr.U4 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)Donnerstag, 20. Mai 1957 Das Ende -er wilden Vogelberingung Aus her Stahl Gießen. Ein gefiederter Strauchritter. Wenn die Kohlmeise ihr Frühlingslied singt, die Amsel flötet und der Fink schlägt, sieht man häufig auf einem Gange durch den frühlingsgrünen Wald einen großen, bunten Vogel mit plumpem, schwerfälligem Flug unter gellendem Kreischen von einem Baume, von dein man eben noch den miauenden Ruf des Bussards zu hören glaubte, abstreichen. Es ist der Eichelhäher, der Markwart oder auch Herrenvogel, wie er im Volksmund genannt wird, der größte Gaukler und Vogelstimmemmitator in der Vogelwelt. Unbeständig und widersprechend ist alles an ihm, beginnend bei dem Farbenkontrast seines Gefieders, bis zu seinen Lebensgewohnheiten und seiner Lebensweise. Braunrot sind die Flügeldecken und rötlich-grau der Rumpf, am markantesten aber sind die Schwingen mit den himmelblauen, schwarz und weiß gestreiften Spiegeln, der schwarze Schwanz mit den weißen Deckfedern. Im ganzen genommen ist er em schmucker Bursche. Bunt und schillernd wie sein Gefieder, ist auch sein Charakter. Erfreut er heute noch das Herz des Weidmanns, wenn er ihm mit lautem Geschrei Meister Reinecke, den Fuchs, oder einen sonstigen vierbeinigen Räuber meldet, so wünscht er ihm morgen den Tod an den Hals, wenn er ihm den guten Sechserbock, auf den er schon lange pirschte, mit gellendem Warnruf vergrämt. Seine Unbeständigkeit zeigt sich in allem, was pr tut. Baut er dieses Jahr sein Nest dicht über dem Boden, fest an den Stamm des Baumes gedrückt, so baut er das nächste Mal in luftiger Höhe, in den äußersten Spitzen der Zweige. Einmal ist das Nest ein Kunstwerk, das andere Mal ist es roh und liederlich aus Laub und Reisern zusammengestoppelt. Von gleicher Art ist sein Benehmen. Eben sitzt er noch still und würdig mit hochgestellten Hollenfedern, um gleich darauf unter Verrenkungen und Sprüngen hin und her zu hüpfen. Dann folgt ein Potpourri von Tierstimmen. Bald ahmt er den Bussard, den Specht- Star oder irgend einen Singvogel nach, bald keckert er wie ein Eichhorn, bald schwätzt er still und leise vor sich hin. Er hat keinen verwöhnten Geschmack. Ueberall ist ihm der Tisch gedeckt. Nichts ist vor ihm sicher; er stört sich nicht an das aufgeregte Gezeter und die ängstlichen Warnrufe der um ihre Bruten besorgten kleineren Singvögel und plündert in aller Ruhe deren Nester, indem er sich nicht nur die Gier sondern auch die halbflüggen Jungen zu Ge- müte führt. Aber auch die Nester der größeren Vögel und Drosselarten sind nicht vor ihm sicher. Schadet er so auf der einen Seite, so steht dem immerhin ein Nutzen auf der anderen Seite in gleichem Maße gegenüber. Großes leistet er, wie durch Beobachtungen festgestellt wurde, im Vertilgett von Maikäfern, Kiefernspinnern, Nonnen usw. Er soll sogar in der Lage sein, eine beginnende Plage der beiden letztgenannten gefürchteten Waldverderber im Keime ersticken zu können. Besondere Verdienste erwirbt er sich als Eichenpflanzer, denn was er von den Eicheln nicht alles fressen kann, das versteckt er im Boden. Er macht dazu mit dem Schnabel kleine Löcher in die Eroe, und in jedem Loch versteckt er eine Eichel. Man sieht, Schaden und Nutzen halten sich so die Waage. Aber selbst wenn sein Schaden noch größer und von ihm noch weniger Gutes zu sagen wäre, so möchte man den schmucken, gefiederten Buschritter im deutschen Walde doch nicht missen. M. Dornoiizen. Tageskalender für Donnerstag. Gloria-Palast, Seltersweg: „So weit geht die Liebe nicht". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Man spricht über Jacqueline". AG.-Lehrerbund, Kreis Wetierau. Mädchenerziehung, Hauswirtschaft und Handarbeit. Nächste Arbeitstagung Samstag, 22. Mai, 15 Uhr, in der Mädchenberufsschule in Gießen. Es spricht Frl. Mann (Hungen) über: „Erziehung im Hand- arbeits- und Hauswirtschaftsunterricht^___________ ZdR. Es ist bekannt, daß die gesetzmäßige Pflege des Tierschutzes noch keineswegs abgeschlossen ist. Im Gegenteil, nach und nach ergehen auf allen Sondergebieten neue Verordnungen, die eine umfassende Regelung des jeweiligen Teilgebietes zum Ziel haben. So hat kürzlich der Reichsjägermeister die Vogelberingung einheitlich und nach neuen Gesichtspunkten geordnet. Damit ist ein Gebiet angeschnitten worden, das wie noch so manche andere, zu dem umfangreichen Kapitel „Tierquälerei in aller Stille" gehört. Auf den ersten Blick wirkt es wohl überraschend, wenn man hört, daß auch ein Schutz gegen Vogelberingung notwendig ist. Aber gerade in dieser Hinsicht waren unglaubliche Zustände eingerissen. Die Vogelberingung, ursprünglich ein wichtiger Versuchsbehelf der Forschung, war sehr bald nicht nur den Wissenschaftlern vorbehalten geblieben. Jeder, der wollte, oft auch sehr jugendliche „Vogelforscher", stellten Leimruten oder F a n g k ä st e n auf und legten den gefangenen Opfern x-beliebige Ringe mit dem Datum des Fanges und der Ortsangabe um. Oft geschah das so unsachgemäß und daher für das Tier zur größten Pein, dost man wirklich von einer Tierquälerei in aller Heimlichkeit sprechen konnte. Andere wilde Vogelforscher versandten solche unsachgemäß beringten Vögel nacy fernen Orten zu Zwecken des sog. Heimfindeversuchs. Die amtlichen Vogelwarten kamen hinter solches Treiben gewöhn- Vereidigung beim E-Dataillon Infanterie-Regiment 116. Am gestrigen Mittwochnachmittag fand wiederum, wie beim Beginn eines jeden Ausbildungskursus üblich, die feierliche Vereidigung der zu einem acht- wöchigen Ausbildungskursus neu einberufenen Mannschaften statt. Zu der Feier waren die Kompanien des Ersatz-Bataillons auf dem Exerzierplatz gegenüber der Unterkunft des Bataillons in der Gailschen Fabrik aufmarschiert. Der Feier wohnte auch der Regimentskommandeur, Oberst Herr- lein, bei. Nach der Meldung an den Bataillonskommandeur, Major Junker, und dann an den Kommandeur des Jnf.-Rgts. 116, Oberst H e r r l e i n , schritt dieser in Begleitung des Bataillonskommandeurs die Front der Kompanien ab und begrüßte seine Soldaten. Anschließend sprachen die Geistlichen der' beiden Konfessionen zu den Mannschaften eindringliche Worte über den hohen Gehalt des Fahneneides. Hierauf richtete der Bataillonskommandeur, Major Junker, eine Ansprache an seine Kompanien, der sich die feierliche Vereidigung der Mannschaften auf den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht anschloß. Ein Vorbeimarsch der Kompanien vor dem Regimentskommandeur bildete den Abschluß der für jeden Soldaten unvergeßlichen Feierstunde. Leistungs- und Lehrschau auf dem Reichshandwerkerlag 1937 in Frankfurt. Die während des Reichshandwerkertages gezeigte Leistungs- und Lehrschau zeigt vornehmlich erstklassige Arbeiten aus dem Meisterwettkampf 1937. Diese Ausstellung kann aber auch durch besonders gute Stücke beschickt werden, die außerhalb dieses Rahmens von Handwerksmeistern gefertigt worden sind. Diejenigen Handwerksmeister, die ein gut gearbeitetes Stück auszustellen wünschen, müssen ihren Vorschlag hierzu (möglichst mit Photographie und näherer Beschreibung) sofort an die Gaudienststelle „Das Deutsche Handwerk", Frankfurt a. M., Bürgerstraße 69/77, einreichen. Die Ausstellung der Arbeit geschieht kostenlos. Es sind vom Aussteller lediglich die Fracht- bzw. Portokosten für Hin- und Rücktransport nach Frankfurt a. M. zu tragen. Anmeldungen hierzu werden noch bis spätestens 23. Mai entgegengenommen. lich nur durch zufälliges Auffangen der gezeichneten Vögel, oder durch verirrte Auffindungspost. Die Tiere wurden hierbei oft schon durch die Art, wie sie zum Zwecke der Beringung eingefangen' wurden, verängstigt und gequält. Ebenso erfolgte die Beringung selbst häufig so unsachgemäß, daß Verletzungen die Folge waren. Die Verschickung an entfernte Orte „zwecks Studiums des Heimfindevermö- aens" führten bisweilen dazu, daß die Vögel einfach umkamen. Und alles dies hatte wissenschaftlich natürlich nicht den geringsten Sinn. Die neue Verordnung räumt mit solchem Unwesen gründlich auf. Sie knüpft die Erlaubnis zur Beringung an das Bedürfnis der zuständigen Vogelwarte. Nur durch diese kann eine Berechtigung zur Beringung erworben werden. Zuwiderhandlung wird erheblich bestraft. Damit ist wieder ein gewichtiger Bezirk stiller heimlicher Tierquälerei beseitigt worden. Die wissenschaftliche Erforschung des Vogelfluges wird hierdurch nicht berührt. Aber dilettantischen Tierquälereien ist erfreulicherweise nunmehr das Handwerk gelegt. Die Verordnung des Reichsjägermeisters kann somit von allen Vogel- und Tierfreunden nur begrüßt werden. Deutschland ist stolz darauf, daß seine Tierfreundlichkeit in der ganzen Welt als vorbildlich anerkannt wird. Dieser Ruf darf nicht durch Scheinwissenschaftler gefährdet werden. H. Gr. BDM., Unfergau 116, Gießen. Velr. Arbeitswoche auf dem Lande. Die Gruppenführerinnen melden die Mädel über 15 Jahre, die in den großen Ferien eine Woche freiwillig auf dem Lande helfen wollen. Velr. Theaterbesuch am 21. 2Hai. Die Einheiten sind bis spätestens 19.30 Uhr am Theater angetreten. Vetr. Handballtraining. Die Handballmannschaften der Gießener Gruppen treten am Sonntag, 23. Mai, um 9 Uhr zum Training auf dem BDM.-Sportplatz an. Vetr. Kreisgebietstagung der Deutschen Stenographenschaft und Reichssportwettkämpfe der HI. am 29. und 30. 2Hai. Alle BDM.-Kameradinnen, die an der Kreis- geb'ietstagung der Deutschen Stenographenschaft am 29. und 30. Mai in Alsfeld teilnehmen, melden sich umgehend schriftlich oder telephonisch am Untergau, Stelle KS. Der Kranz im Teich auf hem Skagerrak-Plah. Im Anschluß an unseren gestrigen Bericht über die Gestaltung des Skagerrak-Platzes sei heute nachgetragen, daß der Kranz auf dem Steinsockel in der Teichanlage von der Marinekameradschaft Gießen gestiftet wurde. Durch diese Stiftung wollen die in der Gießener Marinekameradschaft vereinigten Gießener Teilnehmer der Skagerrakschlacht, die zum großen Teile auch der Marine-SA. angehören, ihren gefallenen Kameraden von der Marine ein bleibendes Ehren- und Dankeszeichen in unserer Stadt schaffen. Bei dem Kranz handelt es sich um einen voll plastischen Eichenkranz aus getriebenem Kupfer mit einem Durchmesser von etwa 60 Zentimeter. Veit- und Iahrturnier in Gießen. Vom Fremdenverkehrsverein Gießen wird uns geschrieben: Das von dem Fremdenverkehrsverein Gießen für den kommenden Samstag und Sonntag vorbereitete Reit- und Fahrturnier dürfte ein reitsportliches Ereignis vcm großer Bedeutung werden. Die Zahl der Nennungen zu den einzelnen Wettbewerben ist gegenüber den früheren Veranstaltungen in ungeahntem Maße gestiegen. Als Turnierplatz ist der schön gelegene Waldsportplatz des VfB.-Reichsbahn hergerichtet worden. Die vielseitigen Darbietungen des Programms, insbesondere die Schaunummern der Wehrmacht, werden das größte Interesse der Besucher finden. Den Auftakt der Veranstaltung bildet der Geländeritt Klasse A und L, der am Samstag um 14 Uhr auf dem Turnierplatz startet und dort auch sein Ziel findet. Am Sonntag beginnen die Veranstaltungen um 13 Uhr. Da die einzelnen Darbietungen in sich abgeschlossen sind, kommt der erst im Laufe des Sonntagnachmittag erscheinende Besucher auch auf seine Kosten. Die schwierigen Wettbewerbe und die Schaunummern der Wehrmacht beginnen etwa gegen 16 Uhr. Die Eintrittspreise sind im Interesse der minderbemittelten Volksgenossen niedrig bemessen. Den Schluß des Turniers bildet die Siegerehrung und Preisverteilung, verbunden mit Konzert und Tanz,.die um 20 Uhr im Cafe Leib beginnt. * Am stärksten dürfte die Artillerie bei dieser Veranstaltung in Erscheinung treten, die auch die Sonder-Schaunummern ausfuhrt. Es haben gemeldet die Siegener 5. Batterie und die drei Gießener Batterien, die 12. MG. Wetzlar und der Stab der Wetzlarer Nachrichten-Abtlg. 9; ferner der Stab I/Jnf.-Rgt. 116 und die 4. und die 8. Komp. Jnf.- Regt. 116. Don der Reiter-SA. wird Stastdartenführer Wehner von der Gruppe Hessen der Reiter-SA. Mit seinen Reitern an den Wettbewerben teilneh- men. Die Reiterstürme 1/247 Butzbach, 5/147 Lich und der Gießener 6/147 haben zahlreiche Meldungen abgegeben. Ferner liegen Meldungen der ländlichen Reiter aus dem Hüttenberg, dem Lumdatal uüd aus der Wetterau vor. Gießener Wochenmarktpreife. * Gießen, 20. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9/=, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, % kg 15, neuer, 25, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 18 bis 20, gelbe Rüben, alte 25 bis 30, neue, das Bündel 20 bis 60, rote Rüben 10, Spinat 20 bis 22, Römischkohl 12 bis 15, Bohnen (grün) 35 bis 45, Spargel, 1. Sorte 45, 2. Sorte 40, 3. Sorte 30, Suppenspargel 25 bis 30, Unterkohlrabi 8 bis 12, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 14 bis 15, Meerrettich 60 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln, alte, % kg 5 Pf., 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,80 bis 3,95 Mark, neue, % kg 18 bis 20 Pf., Aepfel 40 bis 70 Pf., Zwetschenhonig 45, Blumenkohl, das Stück 60 bis 70, Salat 20, zwei Kopf 35, Salatgurken 50 bis 70, Oberkohlrabi 20 bis 25, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich 10 bis 15, Radieschen, das Bündel 5 bis 10 Pf. ** Eine Ermäßigung der Strompreise für Kleinkraftzwecke im Gießener Stadtgebiet ist von der Direktion der Städtischen Betriebe angeordnet worden. ** Verkehrs Unfall. Arn gestrigen Mittwochabend ereignete sich auf dem Ludwigsplatz ein Ver- kehrsunfall. Dort wurde ein neun Jahre altes Mädchen von einem Auto aus Großen-Buseck angefahren und am Kopfe und Halse erheblich verletzt. Das bedauernswerte Kind mußte der Chirurgischen Klinik zugeführt werden. Sein Befinden war heute vormittag den Umständen entsprechend befriedigend. ** Der Reisebrieftaubenzüchterver- e i n Gießen eröffnete, wie man uns berichtet, seine diesjährigen Reisen mit den Vorflügen Friedberg, Hanau und Karlstadt. Zweck dieser Flüge ist, die Tiere mit ihrer näheren Umgebung vertraut zu machen, daß sie später imstande sind, bei weiteren Entfernungen ihre Heimat aufzufinden. Nach diesen Vorflügen beginnen am 23. Mai die sogenannten Wett- oder Preisflüge, die mit Fürth (180 Kilometer) beginnen und nach Neumarkt, Regensburg, Straubing, Passau, Linz, St. Pölten, Bruck und Budapest (820 Kilometer) führen. Skandal um Dr.Vandergmen Roman von Hans Hirthammer. Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. S. Schluß. Nachdruck verboten. Diese Nacht ist furchtbar. Stefan ist immer noch tticht zu Bett gegangen. Gisch hat unverwandt nach unten gelauscht, wartet klopfenden Herzens auf das Geräusch seiner Schritte, wenn er sein Schlafzimmer aufsuchen wird. Drei Stunden. Stefan hält sich immer noch in seiner Studier- stube auf. Warum geht er nicht zu Bett? Plötzlich hört sie, (Die eine Tür geöffnet wird. Jetzt geht er durch die Diele. Jetzt betritt er das Schlafzimmer. Endlich! Sie will sich auf die andere Seite drehen, da — Was — soll — das bedeuten? Er kommt wieder aus dem Schlafzimmer. Er überquert die Diele. Er — tappt — langsam — die Treppe herauf. Gisch will schreien. Sie preßt die Faust an den Mund. Ihre Zähne graben sich schmerzhaft in die Haut. Jetzt ist er heroben. Jetzt — betritt er — Marias Zimmer! Marias Zimmer? Was will er dort? — Und jetzt riegelt er die Tür ab. Warum? Warum? Weil er — aus dem Leben--? Gisch schnellt auf, wirft die Decke zurück, wie im Fall stürzt sie aus dem Bett, jagt aus dem Zimmer, kracht im Schwung gegen das Geländer der Galerie, schnellt herum, hängt an der Tür von Marias Zimmer, rüttelt am Schloß, trommelt mit wunden Fäusten gegen die Füllung, schreit, schreit. „Steffi — Steffi Laß mich nicht allein! — Steffi" Ihre Fingernägel krallen sich in das glatte Holz, gleiten ab, suchen tastend, irrsinnig nach einem Spalt, ihr Körper stemmt sich gegen das Hindernis, das sie grausam von ihm trennt. „Steffi — Nimm mich mit dir! Langsam sinkt sie zu Boden. 29. Stefan Vandergruen hat gerade die Waffe entsichert, als Gisch draußen zu schreien beginnt. „Steffi" Der vertraute Anruf reißt ihn mit einem ungeheuren Aufbruch in die Wirklichkeit zurück. „Laß mich Nicht allein, Steffi" Nein, Maria! will er noch denken, aber — ist das denn Maria gewesen, die ihn gerufen hat? Und dann braust es wie in hellen Orgeltönen um ihn her. Fluten von Licht ergießen sich auf ihn. Ist es denn überhaupt jemals Maria gewesen? Nein! Nein! ruft es in ihm. Nein! schreit es von den Wänden des Zimmers. Nein! gellt es von allen Seiten. Die Waffe entfällt feiner Hand. Nicht die Tote, die Lebende war es, die all die Zeit her nach ihm gerufen hat. Er schaut um sich, und alles ist neu, alles ist erstmalig, alles ist Zeugnis des Lebens. Es lebt der Spiegel, die Uhr, es lebt der Schrank, Tisch und Stühle, und auch die Nacht draußen mit ihrem Sterngefunkel ist Leben. Stefan tritt an den Spiegel, schaut sich an, fühlt mit den Händen sein Gesicht. „Ich lebe." Und draußen — vor der Türe--! „Steff! — Nimm mich mit dir!" Tief atmet der Gerettete. Kraft ist in ihm. Aufjubelt fein Herz, da er zur Tür schreitet. Nun steht er vor der Hingesunkenen, beugt sich über sie, zieht sie an sich empor. Sie öffnet die Augen, sieht ihn an. Em Schluchzen durchschüttert ihren Körper. Ihre Finger tasten suchend an ihm empor, gleiten über fein Gesicht, greifen in fein Haar. „Steff!" Da nimmt er sie an sich, fein Mund sinkt auf den ihren, bricht ihre Sippen auf, trinkt ihren warmen, süßen Atem ein, seine Hände sind an ihrem Körper, fühlen dies junge Leben und halten es fest. „Ich nehme dich mit mir, Tisch!" Ihre Augen, am Winkel seines Gesichtes vorbei, sehen die Waffe am Boden liegen. Und noch inniger vermählen sich ihre Lippen mit ihm. Ihr Kuß ist Hingabe und Forderung, ist Dankbarkeit, ist Sieg und Wille. „Zurück ins Leben. Gisch! Sein Kuß ist Besitznahme und heiliges Gelöbnis. Endlich, fast widerstrebend, lösen sie sich voneinander. „Wir sind in Marias Zimmer", flüsterte Gisch. „Sie segnet uns! — Sie segnet mich und dich, denn sie hat uns beide liebgehabt." Eng verschlungen schreiten sie die Treppe hinab, dem Leben, der Sonne entgegen. 30. „Hast du jetzt keine Angst mehr, Steff?" „Keine Angst mehr!" Ein langes Schweigen. „Steff?" „Ja, Gisch!" „Liebst du mich?" „Ich liebe dich, Gisch!" „Du, ich f)ab’ dich vom ersten Augenblick an lieb- gehabt. Weißt du noch? In jener Nacht?" „Ach, Gisch! Ich war so häßlich zu dir!" „Ja, sehr häßlich! — Aber am anderen Morgen! Weißt du noch, was du zu mir sagtest?" „Ja, Liebste!" „Was denn?" „Ich habe gesagt: du bist so schön, Gisch! Deine Augen sind wie dunkle Blumen, dein Mund ist ein süßes Wunder, ist ein kühler Brunnen für den Dürstenden." „Du!" Gisch öffnet die Augen. Es ist Nacht um sie. Irgendwo tickt eine Uhr. Drunten auf der Straße verhallen die einsamen Schritte eines Menschen. Hinter den Vorhängen zeichnen sich die Umrisse des Fensters im matten Widerschein der Straßenlampen. Von einer ferner Kirche schlägt eine Uhr. Dreimal. Es ist drei Uhr, denkt Gisch, bald wird es hell werden. Und dies ist alles wahr! Ich lebe. Und ich war einmal Gisch Amelung. Und jetzt bin ich Gisch Vandergruen! Gisch Vandergruen! Wie sich das anhört! „Warum lachst du, Gisch?" „Ach, nur so, ich bin glücklich, Steff!" „Sehr glücklich?" „Lehr!" Und nach einer Weile: „Du, Steff, ich werde das Haus in Thüringen verkaufen. Ich habe meinem Notar geschrieben, daß er das Nötige veranlassen soll!" Aber du wußtest doch nicht, ob ich--?" „Nein. Aber ich hätte ja nicht weiterleben können — ohne dich!" Wie groß mußte deine Liebe sein. Ich verdanke dir mein Leben, Gisch! Und du hast so furchtbar um mich leiden müssen. Bin ich denn deiner würdig, Mädel?" „Nein, gar nicht!" „Ich will es werden, Gisch! — Du, hör' mal, dein Haus darfst du nicht verkaufen." „Warum nicht?" „Du mußt mich zu dir nehmen!" „Steff, du, ist das dein Ernst? Sag, ist das dein Ernst?" Sie lacht und meint und ist ganz außer Rand und Band geraten. „Ist das wirklich dein voller Ernst?" „Ja, Gisch! Schau, diese Stadt ist mir verhaßt geworden. Und mein Haus ist zu sehr mit der Erinnerung an Maria erfüllt, als daß ich in ihm wieder ganz froh werden könnte. — Ist es schön dort?" „Sehr, sehr schön, Steff! Keine lärmenden Straßen, kein Staub, keine Häuserwände vor den Fenstern. Du bekommst das schönste Zimmer, Steff! Und wenn du länger als acht Tage bleibst, dann bekommst du zehn Prozent Rabatt." „Oh, und wenn ich immer bleibe? Mein ganzes Leben lang?" „Ach, Steff, du! Dein ganzes Leben lang! Wenn ich mir das vorstelle!" Er tastet nach ihrer Hand und legt sie auf feinen Mund, küßt ihre Finger, einen nach dem andern. „Ich habe nicht gewußt, was Liebe ist." „Liebe!" flüstert sie. „Ich freue mich auf dein Haus. Wie werde ich dort arbeiten können. Mein Lebenswerk vollenden!" „Aber auch mir mußt du manchmal helfen!" „Ja, Gisch! Was muß ich da tun?" „Rechnungen schreiben!" „Ja." „Und Koffer tragen!" „Hm — na ja!" „Und Stiefel putzen!" Es kommt keine Antwort. „Hast du nicht gehört, Steff?" „Stiefel putzen mag ich nicht!" „Doch!" „Nein!" Es ist der erste Streit in ihrer jungen Che. Sie brauchen ihn, um sich wieder versöhnen zu können. Und später: „Schau doch, Steff, jetzt wird es schon hell!" „Der erste Tag, Gisch. Unser erster Tag. Unser neues Leben!" „Du, wird es sehr schön werden?" „Ja, Steff! Weil wir so sehr darum gelitten haben." U Aus der engeren Heimat SJ.Jpori Kurze Sportnotizen. An- Mns Mre mit dem Paddelboot auf Wettfahrt Mannstarken Fuß- einem Mitt- (Rot- Der deutsche Ingenieur Oskar Speck befindet sich schon seit fünf Jahren auf einer Reise um die Welt mit seinem Paddelboot. Vor kurzem verlieh er Socrabaja (Nord-Sumatra), wo ihn die Aufnahme zeigt, um sich nach 21 uftr alten zu begeben. — (Associated-Preh-M.) Zahlreiche Meldungen für die Anlagenstaffel. erfolgreich. Der Angriff hatte im linken Flügel mit Striebinger und Hohmann seine gefährliche Waffe. Die erfolgreiche Arbeit verrichtete aber der rechte Flügel, der erst im entscheidenden Augenblick richtig eingesetzt wurde. Matter wirkte Siffling, dem nod das Breslauer Länderspiel anzumerken war. Berndt in der Mitte fiel nicht aus, er war der körperlich kleinste und schwächste Stürmer, der von den englischen Verteidigern hart genommen wurde. Die Engländer hatten in der Abwehr ihre Schwäche. Der Verteidiger Dale war nicht ganz auf der Höhe und Swift im Tor am zweiten Tor nicht schuldlos. Die Deckung arbeitete unauffällig, aber doch raumschaffend, ein reiner Deckungsspieler war Marshall in der Mitte. Im Angriff blieb der Linksaußen Brook der gefährlichste und größte Könner. Solange sein Nebenmann Rogers noch im Vollbesitz seiner Kräfte war, hatte unsere Abwehr mit dem linken Flügel immer zu tun. Als Einzelspieler trat der Schützenkönig Doherty hervor, aber er übertrieb sein Spiel, und darunter hatte Tose- 3) Alsfeld, 19. Mai. Der Historische Verein für Hessen in Darmstadt stattete in einer Stärke von etwa 50 Mitgliedern unter Führung von Professor Dr. Eduard Becker (Darmstadt) der Stadt Alsfeld einen Besuch ab, bei dem die Teilnehmer in Alsfeld für eine Nacht Quartier nahmen. Professor Dr. Becker hielt am ersten Abend in der Walpurgiskirche einen öffentlichen Vortrag über „Das Äuguftinerklofter zu Alsfeld", zu dem auch zahlreiche Einheimische erschienen waren. Der Vorttagende gab auf Grund der alten Urkunden über das Kloster einen interessanten Einblick über die Entstehung des Klosters, über das Leben der Augustinermönche und über das Schicksal des Klosters nach feiner Aufhebung im Jahre 1525. Am anderen Morgen besichtigten die Gäste die Sehenswürdigkeiten, insbesondere die historisch bedeutenden Baudenkmäler der Stadt am Marktplatz, Rat- 'haus, Museum, Walpurgiskirche, Rittergasse u. a. Geh. Rat Professor Dr W a I b e (Darmstadt) erläuterte dabei in einem Vortrag die Wiederherstel- keiten unter Führung von Geheimrat Walde, Darmstadt, besichtigte. Nach dem Mittagessen gmg die Fahrt nach Nidda weiter. Regenguß, der zur Unterbrechung des Spiels zwang, hatten die Spieler unter den Platzverhältnissen zu leiden und an Ballberechnung war nicht mehr zu denken. Die Gäste kamen zu zwei Toren. Das Spiel konnte nicht zu Ende geführt werden, denn kurz nach der Pause setzte erneut ein Landregen ein, der das Weiterspielen unmöglich machte. Am zweiten Feiertag war die A. 1. Jugend von „Eintracht" Frankfurt a. M. zu Gast. Die Gäste waren den Einheimischen körperlich weit überlegen, Trotzdem war es ein schönes Spiel, und die Leih- gesterner haben von den Gästen gelernt. Fußball im Turnverein Srotzen-Linden Großen-Linden 1. 3gb. — „Eintracht" Frankfurt 1. 3gd. 2:6 Großen-Linden I — Butzbach Liga 1:2. behalten ankam. G Staufenberg, 19. Mai. Der hiesige M ä. n • nergesangverein veranstaltete am zweiten Feiertag auf der Burg ein Konzert. Die Darbietungen, Männerchöre und Konzertstücke, fanden den starken Beifall der außerordentlich zahlreichen Besucher. h. I r e i 5 a. d. Lumda, 19 Mai. Die hiesige evangelisch - kirchliche Frauenhilfe, die über 100 Mitglieder hat, machte heute in zwei Kraftomnibussen ihren Jahresausflug nach Heidelberg, wo sie unter geeigneter Führung die Sehenswürdigkeiten besichtigten. Die Teilnehmerinnen, 62 an der Zahl, waren von der schönen Fahrt sehr befriedigt. * T r e i s a. d. L d a., 19. Mai. Der 26 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Bergen von hier verun- glückte bei der Arbeit, so daß er mit Brust- quetschungen und Verletzungen der Wirbelsäule nach Gießen in die Klinik überführt werden mußte. cxd Gb er ft ab t, 19. Mai. Die hiesige Kriegerkameradschaft versammelte sich am zweiten Pfingstfeiertag im Gasthaus „Zum Adler", um den alten Kameradschaftsmitgliedern eine besondere Ehrung zu bereiten. Bürgermeister Görlach gab in seiner Ansprache einen Rückblick über die Vereinsgeschichte vom Tage der Vereinsgründung am 27. Oktober 1875 bis in die heutige Zeit. Dabei hob er mit dankbaren Worten hervor, daß die Kriegervereine erst durch das Werk unseres Führers, des Frontsoldaten Adolf Hitler wieder ein festes und klares Ziel erhalten haben. Anschließend ehrte er für 50jährige und längere Mitgliedschaft die nachgenannten Kameraden durch die Überreichung des Jubiläumsabzeichens des Kyffhäuserbundes: Konrad Löschhorn, Wilhelm Wedemann, Heinrich Konrad Görlach, Konrad Alles und Heinrich Löbrich. Ferner erhielten die Kameraden Wilhelm Müller, August Löbrich, Georg Buß IV., Georg Bender, Wilhelm Löbrich, Heinrich Görlach VIII. und August Gorr I. für 40jährige Mitgliedschaft das Bild des Führers mit einem Begleitschreiben. Die Feier, die in echt kameradschaftlichem Geiste verlief, fand dann in der üblichen Weise ihren Abschluß. Kreis Friedberg. Münzenberg, 18. Mai. Der 27 Jahre alte Landwirt Adolf Walter verunglückte bei der Heimfahrt vom Felde dadurch schwer, daß die Pferde seines Gespannes scheuten und durchgingen, so daß der junge Mann vom Wagen stürzte und überfahren wurde. Mit schweren Brustquetschungen und Rippenbrüchen mußte er nach Gießen in die Klinik eingeliefert werden. — Beim Hantieren mit dem S ch n itzmesser brachte sich der Sohn Willi des Landwirts Gustav Metzger von hier eine tiefe Wunde am Knie bei, die feine Ueberführung nach dem Johanniterkrankenhaus in Nieder-Weifel erforderlich machte. Kreis Alsfeld. Der Gießener Großstaffellauf „Rund um die lagen" am kommenden Sonntagvormittag verspricht ein sportliches Ereignis ersten Ranges zu werden. Fast alle in Gießen Leibesübungen treibenden Vereine und Formationen haben Meldungen abgegeben. Insgesamt nehmen 26 Mannschaften teil. schast Gast der Spielvereinigung. Beide schäften mußten mit Ersatz antreten. Vom Anstoß weg gab es sofort flottes Spiel, das beide Hintermannschaften in Form sah. Nach einem s' weiß); Hinkel (FSV.), Stubb (Eintr.); Möbs (Eintr.), Dietsch (FSV.), Lindemann (Eintr.); Armbruster (FSV.), Adam Schmitt (Eintr.), Lautz (Rotweiß), Schuchardt (FSV.), Lindner (Rotweiß). Die Stadtelf gewann das Probespiel mit 6:1 (2:1). Alfred Birlem, der bekannte Berliner Schiedsrichter, erhielt den Auftrag, das Fußball- Länderspiel Norwegen — Italien am 27. Mai in In der Hauptklasse sind es Universität und Spielvereinigung 1900 mit je zwei, VfB.-Reichsbahn, Turnverein 1846 und Turnverein Heuchelheim mit je einer Mannschaft. Die 8-Klasse sieht folgende nicht Rasensport treibende Vereine am Start: Ski-Club, Paddlergilde, Ruderklub „Hassia" und 1. Kraft- und Sportklub. In der Sonderklasse für Formationen treten in Wettbewerb drei Mannschaften der Wehrmacht (1. Bataillon, 2. Bataillon und Luftgaukommando), vier Mannschaften der SA. (Standarte 116, Sturmbann 1/116, Sturmbann 11/116, A- und 8-Mann- schast), sowie eine Mannschaft des Reichsarbeitsdienstes 5/222. Die Jugend ist mit den Mannschaften der Spielvereinigung 1900, des VfB.-Reichsbahn. des To 1846 und des Tv Heuchelheim vertreten. Die Frauenklasse ist besetzt mit den Mannschaften der Universität, der Spielvereinigung 1900 und des VfB.-Reichsbahn. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten find ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 3. TL Für Ihre monatlichen Aufwendungen zum Unterhalt eines außerehelichen Kindes, das nicht zu Ihrem Haushalt gehört, können Sie einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung stellen. Der Antrag fit bei dem Finanzamt der Wohnsitzgemeinde einzig reichen. Unter Umständen kann der ganze monatlich aufgewandte Betrag als „steuerfreier Lohnbetrag auf der Steuerkarte zum Ausdruck gebracht werden, wenn dadurch nicht die steuerliche Ermäßigung überschritten wird, die ohne weiteres.eintritt, wenn das Kind zum Haushalt des Antragstellers gehört und auf der Steuerkarte vermerkt ist. Auch für Öen Unterhalt der mittellosen Schwester können auf An- trag besondere wirtschaftliche Verhältnisse anerkannt werden. In Fällen, in denen sich die unterstützte Person im Haushalt des Antragstellers befindet, bis zu einem monatlichen Freibetrag von 80 RM., wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Allerdings müssen bei der Bemessung des steuerfreien Betrages die eigenen Einkünfte der unterstützten Person in Anrechnung gebracht werden. In vorliegendem Falle würde sich bet Anerkennung des Höchstsatzes von monatlich 80 RM. dieser Betrag um die Rente der unterstützten Person, also um 30 RM. verringern, so daß auch in diesem Falle ein steuerfreier Betrag von monatlich 50 RM. auf der Steuerkarte vermerkt werden könnte. Der Besitz eines schwer veräußerlichen Grundstückes, wenn es nicht einen bedeutenden Wert darstellt, ist bei der Prüfung des Antrages bzw. für die Anerkennung besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse ohne Einfluß. Frankfurts Mannschaft für das ball-Städtespiel gegen Mailand wurde nach Probespiel auf dem Bornheimer Hang am wochabend wie folgt aufgestellt: Remmert Hinkel (FSV.), Stubb (Eintr.); Deutsche Auswahl siegle in Berlin 3:2 (1:2) Manchester Citys erste Niederlage seit fünf Monaten. Landkreis Gießen. O Großen-Buseck, 19. Mai. Am Pfingst- inenstag unternahm der hiesige Alice-Frauen- verein vom Roten Kreuz seinen üblichen Jahresausflug. Mit drei großen Autobussen ging es diesmal an den Rhein. Von Obermörlen bis Homburg fuhr man ein Stück auf der Reichsautobahn und konnte sich dort einen unvergeßlichen Eindruck von diesem gewaltigen Werk des Führers verschaffen, das noch nach Jahrhunderten kommenden Generationen feinen Namen übermitteln wird. In Hornburg wurden der Kurpark und die herrliche Erlöserkirche besichtigt. Dann kam man nach Wiesbaden, wo die Frauen gerne noch länger verweilt hätten, wenn es die Zeit erlaubt hätte. Die nächste Station war Rüdesheim, wo das Mittagessen eingenommen wurde. Mit der Zahnradbahn fuhren die Frauen sodann auf den Niederwald, wo das Nationaldenkmal besichtigt wurde. Wunderschön war die Fahrt am deutschen Rhein entlang über Aß- mannshausen bis Lorch und anschließend durch das Wispertal, das durch seine Naturschönheit weichin bekannt ist und für die Frauen zu einem unvergeßlichen Erlebnis wurde. Nach herrlicher Fahrt wurde Bad Schmalbach erreicht, wo Kaffee getrunken wurde. Ueber Idstein und Ufingen ging es wieder der Heimat zu, wo man gegen 22 Uhr wohl- Bei herrlichem Sommerwetter gab das mit 70 000 Zuschauern gefüllte Berliner Olympia-Stadion am Mittwoch einen prachtvollen Rahmen zum vierten Spiel des englischen Meisters Manchester City gegen eine deutsche Auswahl ab. Der große, mitreißende Kampf endete mit dem ersten Sieg der Deutschen mit 3:2 (1:2), die damit dem englischen Titelhalter nach fünf Monaten die erste Niederlage beibrachten. In der ersten Hälfte war das Spiel nicht gerade reich an Höhepunkten. Nach der Pause, als die Engländer 15 Minuten wirklich großen Fußball vorführten und die Deutschen in die Verteidigung drängten, gewann der Kampf an Spannung. Die deutsche Els, in der jeder sein Bestes gab, wuchs nach dieser Viertelstunde über sich selbst hinaus, und die Engländer hatten alle Hände voll zu tun, um sich der deutschen Angriffe zu erwehren. Bei den Deutschen zeichnete sich besonders das Schlußdreieck mit Buchloh und Münzenberg aus, während Welsch etwas nachstand.' Der nützlichste und Überragende Läufer war Solf, Appel und Zie- linffi zeigten großen Eifer, waren aber nicht immer Am ersten Feiertag empfing die erste Jugend die gleiche von „Eintracht" Frankfurt a. M. Schon bald entwickelte sich ein schönes, flottes Spiel, bei dem nach wenigen Minuten die Frankfurter mit 2:0 führten. Dann bedrängte die Platz-Elf einige Male das Tor der Gäste, jedoch ohne Erfolg. In schönen Kombinationszügen warf der Frankfurter Sturm immer wieder den Ball nach vorne und bedrängte das Tor des Gastgebers. Es reichte aber auf beiden Seiten nur noch zu einem Erfolg. Mit dem Stande 3:1 wurden die Seiten gewechselt. Nach der Halbzeit hatten die „Eintracht"-Stürmer mehr vom Spiel und schufen gefährliche Situationen vor bent mng des Rathauses und der Walpurgiskirche, die unter feiner Leitung als hessischer Denkmalpfleger in den Jahren 1910 bis 1914 erfolgte. Das nächste Ziel des Ausfluges war die Stadt Schotten. A Alsfeld, 19. Mai. Im Vergleich zu den letzten Jahren weist die hiesige B a u t ä t i g k e i t im laufenden Jahre eine ganz erhebliche Steigerung auf. Gegenwärtig werden 14 neue Wohnhäuser errichtet. In Fortsetzung der Siedlungstätigkeit der Stadtverwaltung werden im Stadtteil „In der Rambach" echs weitere Siedlungshäuser durch die Gewobag erstellt. Durch Umbau eines gewerblichen Betriebes wird eine weitere Wohnung geschaffen. Die Firma Rockel & Co. führt einen Fabrikerweiterungsbau aus. Da gleichzeitig im Raume der Gemarkung Alsfeld durch die im Bau befindliche Reichsautobahn mehrere größere Bauwerke errichtet werden, t das Baugewerbe vollauf beschäftigt. An Facharbeitern besteht bereits Mangel. Die durch diese gesteigerte Bautätigkeit eintretende Wirtschaftsbelebung macht sich auf den verschiedenen Gebieten vorteilhaft bemerkbar. _ = .= Homberg, 19. Mai. Etwa 50 Mitglieder des Historischen Vereins für Hessen trafen am Dienstagmittag in Omnibussen hier ein. Nach dem Mittagsmahl besuchten sie die im Jahre 1932 umgebaute Kirche und hielten anschließend Umschau in unserem Städtchen. Dann fuhren sie nach Alsfeld weiter. Kreis Schotten. lD Schotten, 19. Mai. Heute stattete der Hi- st arische Verein für Hessen bei seiner Durchfahrt, von Alsfeld—Meiches kommend, unserer Stadt einen kurzen Besuch ab, bei der er die altehrwürdige Stadtkirche und andere Sehenswürdig- prämiierungsmarkt in Schotten. rr Schotten, 19. Mai. Der seit etwa 50 Jahren in unserer Stadt bestehende Prä rn i i e r u n gs- m ar Et hat auch am diesjährigen dritten Pfingst- feiertag seine alte Anziehungskraft wieder bewiesen. Bereits am ersten und zweiten Feiertag fand auf dem landschaftlich schön gelegenen Marktplatze ein Volksfest statt. Zum Markt am dritten Feiertag waren rund 150 Stück Großvieh, 10 Stuck Jungvieh, 17 Ziegen und über 500 Schweine aus- getrieben. Bei lebhaftem Handel auf dem Schweinemarkt war bald ausoerkauft. Es kosteten bis zu 6 Wochen alte Ferkel bis 15 Mark, 6 bis 8 Wochen alte Tiere 16 bis 22 Mark, 8 bis 13 Wochen alte 23 bis 27 Mark, Läuferschweine bis 34 Mark pro Stück. Der Handel mit Zucht- und Nutzvieh war schleppend. Das meiste Vieh war nur zur Prämiierung aufgetrieben. In drei Ringen wurde das Simmentaler- und Vogelsberger - Vieh von den Preisrichtern beurteilt und mit Preisen bewertet. Besonders fiel das schöne einheimische Rotvieh auf. Unverkennbar trat hier der große Aufschwung dieser Zucht in den letzten Jahren in unserem Kreise zutage. Ferner war schönes Ziegenmaterial aufgetrieben, das dieser Zucht ebenfalls ein vortreffliches Zeugnis ausstellte. Auf dem Marktplatz entwickelte sich rasch frohes Markttreiben, bei dem die Kapelle des hiesigen Musikvereins aufspielte. Bei einer Verlosung wurden mehrere lebende Gewinne (Rinder, Schweine, ein Schaf) ausgespielt. Der Markt war aus der näheren und weiteren Umgebung stark besucht. Oslo zu leiten. Jahn Regensburg, die Elf unseres Fuß- ball-Nationaltorwarts Jakob, spielte vor 4000 Zuschauern in Dresden gegen Guts-Muts und verlor, mit Zahlreichen Ersatzleuten spielend, knapp 0:1. Wasserfreunde Hannover, Deutschlands Wasserballmeister, schlug auf seiner Reise durch die Tschechoslowakei eine Auswahl Brünns hoch mit 12:2 (7:1) Toren. Gottfried von Gramm beteiligt sich doch an den französischen Tennismeisterschaften, allerdings nur im Doppel. Am Mittwoch schlugen Cramm-Henkel die Franzosen Berthet-Rodel 6:2, 6:1, 6:2. Einen Sensations-Sieg errang am Mittwoch in Gelsenkirchen die Fußballelf von Schalke 04 über FC. Brentford London. Die Knappen schlugen vor 40 000 Zuschauern die englischen Berufsspieler mit 6:2 (4:1). land zu leiden. opiei UHU |uju|t:ri gejugniaje ouuuuuiien uui «*»»• Rach einem Vorspiel zweier Berliner Auswahl- Tor des Platzbesitzers. Die Erfolge blieben nicht Mannschaften stellten sich die beiden Einheiten den? Berliner Schiedsrichter Birlem in folgender Auf- '^"u'tfchland: Buchloh; Welsch, Münzenberg; Zielinski, Sold, Appel; Elbern, Siffling, Berndt, Hohmann, Striebinger. Manchester City: Swift; Clerk, Dale; Per- cival, Marshall, Bray; Toseland, Doherty, Tilson, Rogers, Brook. „FC. Teutonia" Watzenborn-Steinberg W.-Niedergirmes I — W.-Stelnberg I 4:2 (2:1). W.-lttedergirmes II — W.-Stelnberg II 3:4 (2:1). Nieder-Weifel 1. 3gb. — w.-Steinberg 1. 3gd. 3:3. Am ersten Feiertag traten die Teutonen mit vollzähliger Mannschaft zum vierten Aufstiegsspiel in Wetzlar-Niedergirmes an und mußten sich mit 4:2 Toren geschlagen bekennen. Schon in der 6. Minute traf es die Teutonen, daß sie ihren rechten Läufer durch eine Verletzung verloren, und Lang, der altbewährte Halbrechte Stürmer, mußte für ihn zuruck zur Läuferreihe. Da das Spiel von den Teutonen nur mit 10 Mann bestritten wurde und Happel im Tor auch einmal das Pech traf, indem er sich einen Ball direkt in das Tor warf, ist zu verstehen, wie die Teutonen verlieren mußten. Daß auch die Gastgeber sehr auf der Höhe waren, darf hier nicht vergessen werden. Das harte Spiel, das immer im Rahmen des Erlaubten blieb, wurde von Mohr, Gießen, einwandfrei geleitet. Die 2. Mannschaft konnte sich vorher bester durch- setzen und gegen die körperlich stärkere 2. Mann- chaft von Niedergirmes mit 3:4 Toren gewinnen, obwohl auch hier die Gastgeber die meisten Torchancen hatten. Die 1. Jugendmannschaft der Teutonen konnte sich mit einem Unentschieden (3:3) von der 1. Jugendmannschaft von Nieder-Weifel trennen. 1. Mannschaft — Liga 1900 Gießen 5:2 (2:2). 1.3ugenb — Muschenheim 1.3ugenb 6:0. Am zweiten Feiertag standen sich Kreisklasse und Bezirksklasse gegenüber, und zwar waren es die Gießener (Spielvgg. 1900), die ihre Ligamannschaft schickten. Beide Mannschaften traten mit Ersatz an und konnten trotzdem mit schönen Mannschaftsleistungen befriedigen. Bei den Teutonen klappte es vor allem im Sturm bester, als bei den Gästen. Auch die Verteidigung, die von Fett auf linken Läufer unterstützt wurde, leistete aktiven Widerstand und ließ den Sturm der Gießener nur zweimal erfolgreich sein, der in Heilmann und Sack seine besten Stürmer sah. Bis zur Halbzeit war das Spiel ausgeglichen, allerdings hatten die Gastgeber schon etliche Male sichere Torchancen, die aber, schlecht ausgenutzt wurden. In der zweiten Halbzeit fanden sich die Einheimischen besser, gestalteten das Spiel überlegen und konnten kurz hintereinander noch zu drei weiteren Toren kommen, von denen Haas, Karl, durch große Energieleistungen zwei Tore auf sein Konto buchte. Man rechnete schon mit einem Torreigen, aber bei 5:2 Toren blieb es stehen, denn Lippert und fein Nebenmann, unterstützt von der Läuferreihe, brachten es fertig, noch bis zum Schluß ' des Spieles sämtliche Angriffe der Teutonen zu . vernichten. Das Spiel, das fair durchgeführt wurde, hatte in feinem Schiri einen gerechten Leiter. । Spielvereinigung 1900 Gießen. $(£,. 1931 Riiddlngshaufen gegen Spielverelnigung 1900 II 1:2 (1:1). Am ersten Feiertag weilte die Reservemannschaft - in Rüddingshausen und konnte dort einen knappen, aber verdienten Sieg erringen. Die Platzbesitzer stellten eine sehr spielstarke Mannschaft ins Feld. i Das Spiel begann mit heftigen Angriffen der Gieße- ner, aber die Hintermannschaft des Gegners war immer auf dem Posten. Bald wurde auch Rüddingshausen gefährlich vor dem Gießener Tor. Die Verteidiger und der Tormann mußten häufig ihr Können unter Beweis stellen. Doch bald beherrschten die Gäste wieder das Feld. Eine schöne Vorlage verwandelte Jäger zum ersten Tor. Durch ein Mißverständnis zwischen der Verteidigung konnten die Platzbesitzer ausgleichen. Mit diesem Ergebnis wurden die Seiten gewechselt. Nach Wiederanpfiff zeigte sich dasselbe Bild. Die Gäste kombinierten sehr schön, aber kein Stürmer wollte schießen. Die Platzbesitzer verteidigten fast mit allen Spielern. Doch Mitte der zweiten Halbzeit gelang den Gießenern das siegbringende Tor. Tv. Londorf — Spielverelnigung 1900 II 1:2 (1:0). Auch am zweiten Feiertag waren die Blauweißen in Londorf erfolgreich. Die Platzherren verfügten über eine äußerst schnell und wuchtige Mannschaft. Aber sie trafen die Gäste in einer Form an, die trotz des Spiels am Vortage glänzend war. Bei den Platzbesitzern war der Mittelstürmer der beste Spieler, er wurde aber von Kirchner immer gut bewacht. Bei 1900 war das Schlußdreieck und die Läuferreihe der beste Mannschaftsteil. Der Sturm vergaß immer den Torschuß. Gpielvereinigung 1926 Leihgestern. Leihgestern I — Klein-Linden I 0:2 (abgebr.). Leihgestern 1. 3ugenb — Eintracht Frankfurt a. 21L A. 1. Jugenb 1:4. Am ersten Feiertag war Klein-Lindens 1. Mann- Lucie Joe 8s '"S Ll-n tjS geiiffd)*0 3m Wien- Sonntag M SÄ Kationen,ltr ,urniers m M blieb ui 1934 waren deutschen ® Oesterreich b stattfanden., aiifammentr 3m Sammel um Lanernc einer N°rd> den, und im Ungarn ein spiele mit erste Kampf Jahre stieg Luxemburg < 3ahre wurde Olympischen so daß Leu Rationen L man van bei Oesterreich, G gegen Ungi Augsburg g denen Gau- Ausländer n bisher 24 l gewannen. Mit Oe st von denen Spiel, 1925 die zweite 7 ljingenommei sche Auswah wurden di Rückspiel 19' 1928 gab es Ergebnis, 1! 1931 10:9 i Dhjmpiaturr bürg erreich eine mittel! von 9:9. 3 schon imme daß die El Kein Ergeb reich ober 1 bisserenz 1 beweist die vesterreichi Kreis ihre fitffftellung M)en Sjam vffon 19251 ta* Oesterre M im Ki üil übertro! W Zu tye Karten Einer bisher sucht werden sehr schweren aus, und mit einem 6:2-Siege für die Gäste endete das schnelle, wechselvolle Spiel. Anschließend spielte die erste Mannschaft gegen die Liga aus Butzbach. Das mit Spannung erwartete Treffen endete mit einem 2:1 Siege der Gäste. Die Platzbesitzer konnten nicht restlos gefallen. Fußball im Tv. Launsbach. Am 1. Pfingstfeiertag spielte in Launsbach die 1. Mannschaft des Fußballclubs „Herta-Weiß-Blau", Frankfurt a. M., gegen die 1. Mannschaft des Tv. Launsbach. Beide Mannschaften lieferten sich ein flottes, gleichwertiges Spiel, bei dem die Gäste aus Frankfurt in der ersten Halbzeit den Führungstreffer erzielten. Bald nach Beginn der zweiten Halbzeit stellte die Launsbacher Mannschaft den Ausgleich her, dem sich nach kurzer Zeit ein weiterer Torerfolg anschloß. Mit dem Ergebnis von 2:1 für die Mannschaft des Tv. Launsbach fand das Spiel seinen Abschluß. „Silbernes" Handball-Länderspiel. Deutschlands Handballer im 25. Länderspiel zum neuntenmal gegen Oesterreich. Im Wiener Stadion stehen sich am kommenden Sonntag zum neunten Male die Handball-Ländermannschaften von Deutschland und Oesterreich int Handballkampf gegenüber. Zuletzt trafen sich beide Nationen im Endspiel des Olympischen Handballturniers in Berlin, wo Deutschland mit 10:6 siegreich blieb und Olympiasieger wurde. Bon 1925 bis 1934 waren die internationalen Beziehungen des deutschen Handballsportes auf die Spiele mit Oesterreich beschränkt, die aber seit 1932 nicht mehr stattfanden. Das olympische Endspiel war das erste Zusammentreffen beider Länder nach vier Jahren. Im Sommer 1934 wurde der Kreis der Nationen um Dänemark und Schweden bereichert, die auf einer Nordlandreise besucht und geschlagen wurden, und im Dezember des gleichen Jahres trat mit Ungarn ein vierter Partner für Handball-Länderspiele mit Deutschland auf den Plan. 1935 kam der erste Kampf gegen die Schweiz, und im gleichen Jahre stieg auch die Begegnung gegen Holland, Luxemburg trat 1936 zu den Gegnern, im gleichen Jahre wurde noch Rumänien besucht und bei den Olympischen Spielen trat noch USA. auf den Plan, so daß Deutschlands Handballer bisher mit acht Nationen Länderspiele ausgetragen haben. Sieht man von den am 16. August 1936 in Leipzig gegen Oesterreich, Stuttgart gegen die Schweiz, Magdeburg gegen Ungarn, München gegen Rumänien und Augsburg gegen USA. ausgetragenen Treffen, bei denen Gau- und Bezirksmannschaften Gegner der Ausländer waren, ab, so hat der deutsche Handball bisher 24 Länderspiele bestritten und davon 22 gewonnen. Mit Oe st erreich gab es bisher acht Spiele, von denen sechs gewonnen wurden. Das erste Spiel, 1925 in Halle, ging 3:6 verloren, und auch die zweite Niederlage wurde auf deutschem Boden hingenommen; in Darmstadt wurde 1930 die deutsche Auswahl 6:5 geschlagen. Alle anderen Spiele wurden von Deutschland gewonnen. Das erste Rückspiel 1927 in Wien gewann Deutschland 8:4, 1928 gab es in Halle einen Sieg mit dem gleichen Ergebnis, 1929 gewannen wir in Wien knapp 8:7, 1931 10:9 und 1932 in Weißenfels 15:11. Das Olympiaturnier wurde 10:6 gewonnen, in Magdeburg erreichten anschließend die Oesterreicher gegen eine mitteldeutsche Mannschaft ein Unentschieden von 9:9. Alle Ergebnisse zeigen, daß Oesterreich schon immer einen guten Handball gespielt hat und daß die Elf auch diesmal nicht zu unterschätzen ist. Kein Ergebnis der acht Spiele, sei es für uns siegreich oder verloren, ist überzeugend, denn die Höchstdifferenz von vier Toren, im Handball „knapp", beweist die Gleichwertigkeit beider Länder. Für die Oesterreicher, die aus einem wesentlich kleineren Kreis ihre Auswahl treffen müssen, bedeutet diese Feststellung eine Anerkennung, aber für den wirklichen Handballfachmann ist das nichts Neues. Schon 1925 erkannten wir in Halle, daß der „Schüler" Oesterreich den „Lehrer" Deutschland nicht nur schnell im Können erreicht, sondern auch schon zum Teil übertroffen hatte. 20 000 Zuschauer haben bisher schon in Wien ihre Karten bestellt. Das Treffen wird also von einer bisher nie gesehenen Zuschauermenge besucht werden. Die deutsche Mannschaft wird einen sehr schweren Stand haben. Sie wurde auf Grund der Erfahrungen des Karlsruher Lehrganges sorgfältig aufgestellt und ist sich ihrer Aufgabe, Deutschlands Vormachtstellung im Handball und die Berechtigung des olympischen Sieges beweisen zu müssen, bewußt. Die Mannschaften stehen sich wie folgt gegenüber: Deutschland: Lüdecke; Müller, Bandholz I; Keiter, Brinkmann, Stahl; Steininger, Theilig, Ortmanns, Klingler, Baumann. O e st e r r e i ch : Schnabel; Tauscher, Bartel; Wohlrab, Juracek, Kraus; Bitrizky, Schmalzer, Kreci, Vojta, Volak. In der deutschen Elf haben die meisten Spieler schon international Verwendung gefunden. Unter den wenigen Neulingen befindet sich der Tormann Lüdecke, der sich im Endspiel um den Adlerpreis als Hüter des siegreichen Gaues Mitte bestens empfahl und der damals schon als der künftige deutsche Nationaltorwart bezeichnet wurde. Im Angriff wird Spengler vermißt, der in den Karlsruher Uebungs- spielen in bester Form war und nur auf der Liste der Ersatzspieler steht, die bei dem im Rahmen der Reise am 27. Mai in Graz stattfindenden Spiel gegen Steiermark eingesetzt werden. Die Mischung zwischen erfahrenen Nationalspielern und vielversprechenden Neulingen ist sehr geschickt, und man kann der Mannschaft mit bestem Vertrauen begegnen. Auch Oesterreich hat sorgsame Auswahl getroffen und wird sich in Bestform vorstellen. Mit Schnabel und Tauscher stehen zwei alte Nationalspieler in der Mannschaft, die schon seit rund zehn Jahren zum eisernen Bestand der österreichischen Handballmannschaften gehören. Schnabel hat in fast allen Länderspielen in der österreichischen Elf gestanden und immer durch seine große Schnelligkeit und seine Paraden imponiert. Tauscher hat über Sturm und Läuferreihe den Weg in die Verteidigung gefunden. Don den übrigen Spielern sind Wohlrab, Kraus und Schmalzer mehrfach hervor- getreten, die anderen Spieler haben aber auch fast alle schon repräsentative Ehren genossen. Wir trauen den Oesterreichern in ihrer Heimat zu, daß sie der deutschen Elf das Siegen recht schwer machen werden. Ein Unentschieden, oder eine knappe deutsche Niederlage wäre für den Fachmann keine Sensation. AunSfunkprogramm. Samstag, 22. 2Hai: 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik 8.30: Bäderkonzert. 10: Schulfunk. 11.15: Hausfrau hör au. 11.40: Gaunachrichten. 11.50: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert, 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. Offene Stellen. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Musikalische Rückantworten — Wunschkonzert. 15.15: Volk und Wirtschaft. Allerlei Neuigkeiten. 15.30: Ich hab gefischt, ich hab gefischt, ich hab die ganze Nacht gefischt! 16: Froher Funk für alt und jung. 18.15: Sportschau. 18.30: „Hurra, die Musik kommt!" Ein Militärkonzert mit Infanterie- und Kavalleriemusik. 19.30: Wochenschau. 20: Nachrichten. 20.10: Ein froher Abend in der Weltkurstadt. Anläßlich der Wiesbadener Mai-Wochen. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.30: Musik zum späten Abend. Wirtschaft. Rhein-Mainische Börse. ZHillagsbörfe überwiegend fest. Frankfurt a. M., 19. Mai. Die Börse war am Aktienmarkt bei etwas lebhafteren Umsätzen nicht ganz einheitlich, jedoch überwiegend fest. Der Ordereingang war zwar nicht sehr groß, betraf aber doch meist die Kaufseite, während der berufsmäßige Handel vereinzelt noch glattstellte. Die durchschnittlichen Veränderungen bewegten sich innerhalb eines Prozentes. Lebhafte Umsätze verzeichneten am Montanmarkt offenbar im Tausch gegen Mannesmann Verein. Stahlwerke mit 120 bis 120,75 (119,25), Mannesmann mit 130,40 (130,50) Nicht ganz gehalten, Hoesch und Klöckner Kurszettel der Berliner zogen fe 0,50 v. H. ätt. Don chemischen WerW IG. Farben weiter etwas angeboten und auf 164,65 (165,25) ermäßigt, voll behauptet lagen Scheide-« anstalt und Metallgesellschast. Am Elektromartt waren die Veränderungen zumeist unbedeutend, bis 1 d. H. höher notierten Lahmeyer, Siemens und Licht 8z Kraft. Maschinen- und Motorenwerte lagen uneinheitlich, schwächer BMW. mit 155,50 (156,50), Feinmechanik Setter mit 110 (110,75). Von Einzel- werten sehr fest lagen Hanfwerke Füssen mit 115,25 (112,25) und Westdeutsche Kaufhof mit 63,13 bis 63,50 (62). Etwas niedriger kamen AG. für Verkehr mit 133,75 (134,40) zur Notiz. Auf den übrigen Gebieten wichen die Kurse nur wenig ab. Das Renten geschäft liegt infolge der lebhaften Zeichnung auf die neue Reichsanleihe recht ruhig. Weiler gesucht blieben aber Reichsbahn-VA. mit 124,50 (124,25), dagegen bröckelten Altbesitz aus 126 und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a. M. I Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schluß! Mittag- börse Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schluß, kurs Schluß!. Mittag. börse Datum 18 5 19.5 18 5 19 5 Datum 18.5 19.5 18.5. 19.5. 6% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 101,65 99 101,65 99 101,65 99,13 101,65 99,13 Accumulatoren-Fabrik....... 12 240 239 240 6y2% Doung-Anleihe von 1930 .. 4%% Hessische Volksstaat von 1929 4y2% Deutsche Reichspostschatz von 1934 I...................... 104,5 99,75 100,5 104,5 99,75 100,75 105 101 105 100,75 AKU-finnftfeibe............. Mchassenburg Zellstoff........ Bemberg................... Bekula..................... O 3 0 8 146 120 165,25 146,25 120 167 145,5 120 166 126 145,65 119,75 167,25 126,25 4y2% Deutsche Reichsbahnschatz von 1936 I.................. 99,13 99,13 99,13 99,13 Buderus Eisen............... Cement Heidelberg........... 4 7 126 160 126,5 159,5 126,2 126 126,25 126 Cement Karlstadt............ 6 175 178 — Oberhessen Provinz-Anleihe mit 12R 138 _ Chade A.-C.................. 9 11 186,25 187,5 186 186,5 4,/»% Le!i. Landesbk. Darmstadt Daimler Motoren............ 6 141,7 142 141,5 141,4 ffinlhhfp. M. 12............ 99,25 99,25 — — Dessauer Gas............... 4 — 119,5 119,25 5 V»0/« Seff. Landes-Hvp.-Bank 101,3 Deutsche Erdöl.............. 5 153,9 154 153,25 153,75 101,35 — Deutsche Gold- und Silber .... 9 264 264,5 4V,°Z Breuk. Landesvidbr.-Ansi. Deutsche Linoleum.......... 10 178,5 179 178 178,75 fflnfhhfp m 19............ 99 99 99 99 Elektrische Lieferungen........ 6 136,25 136,25 136,13 136,13 4%% Preuß. Gold-Komm. R. 20 98 98 98 98,25 Elektrische Licht und Kraft..... 7 150,2 151,5 150,5 151,5 4V»°7a Darmstädter Komm.-Lan- I. G. Farben-Jndustrie....... 7 165,25 164,5 165,4 164,5 97,9 97,9 —— — Felten & Guilleaume......... 6 141 , 142 141,65 142 Deutsche Komm.-Sammel-Anleihe Gesfürel.................... 6 152,75 153 152,75 153,25 OhiSTnf I____________ 131,9 132,13 132,13 Th. Goldschmidt............. 5 138,75 137,5 138,25 137,5 4^2% Franks. Hhp. Goldpse. R. 15 99,5 99,5 99,5 99,5 Grihner Maschinen........... O 46,9 46,9 46,9 47,13 4*Ä% Tranks. Hhp. Gold-Komm. Harpener......... 2 y2 162,5 163 162 162,75 DM. 2 3.................. 98.25 98,25 — —— Hoesch Eisen...............c */? 123 124 123 124 5V2% Franks. Hhp. Liquidation Philipp Holzmann........... 6 156,5 156,25 156,5 156,5 101,75 101,5 —— Ilse Bergbau................ 6 — 185 180 by>% Rheinische Hhp. Liquidation 101,65 Ilse Genüsse................ 6 143 143 143,13 143,25 fflnfhhfo _______________ 101,65 101,75 101,75 Kal! Aschersleben............ 5 —— 120,5 120,13 Steuergutschein-Verrechnungskurs 5% Goldmexikaner von 1899 .... 110,75 110,75 110,9 110,9 Klöcknerwerke.............4 y2 Kokswerke und Chemische Fabrik 6 Pnhmphpr ............. 6 132,25 124 133 125 132 154,65 124,25 132,75 155,75 125 4% Oesterreichrsche Goldrente.. Mainkraft................... 4 98 99 4,2% Oesterreichlsche SUberrente. — — 3 130.8 129,25 157,5 130,5 129,25 157,13 4y2 Ungarn Staats von 1913 .. • • — — Mansfelder Bergbau.......6 Metallgesellschafi............. y2 158,65 4% l]ngnri{fhp Giolbrente..... 5 153,5 153,5 153,65 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 Orenstein & Koppel.......... Rheinische Braunkohle....... O 106,65 106,75 5% Rumänen von iso»....... 233,75 231,25 233,5 4y2% Rumänen Gold von 1913 • . Rheinische Elektro............ 6 136,75 133 136,75 4% Einheits-Rumänen....... Rheinstahlwerke.............. RbeinisckEestfältsche Elektro .. Rütgerswerke ............... Salzdetfurth Kalt.......... 6 158.5 157 129,65 151,5 157 157,5 156,25 AO/_ Tftrfon SRnnhnh I _______ 6 6 y? 129,25 151,65 156,75 129,5 151,5 157 4% ^fftrfpn Rngdad II .......... _ — — IZ3,Z0 SV.«/. I 91nrttnlfer.............. — — — 131 , 3 133,25 134,9 134 13/ A.G. für Verkehrswesen...... Hamburg-Südam. Dampfschiff 6 134.4 6 171, 5 172 171,5 98 172 97,5 0 46 46,5 Schultheis Patzenhofer........ 4 Hamburg-Amerika Paket...... 0 17,5 17,5 17,75 17,5 Siemens & Halske........... 8 209 210 209,5 210,5 Norddeutscher Lloyd.......... 0 17,9 17,9 17,9 17,9 Süddeutsche Zucker.......... 10 200 200 199 200 Deutsche Reichsbahn Vorz.-Akt 7 124,25 124,5 124,25 124,25 bereinigte Stahlwerke...... y2 119,25 120,75 119 120,65 Reichsbanl................. Berliner Handelsgesellschaft ... Commerz- und Privat-Bank ... Deutsche Diskonto............ 12 210.5 210,25 211,5 1 210 Westdeutsche Kaufhof........ 0 62 63,13 62,25 63,13 131,13 112,65 117,25 31,13 1 2,75 1 117,5 Weiteregeln Alkali............ 120 161 30,75 120 120 4 4 112,65 117,25 113 118 Zellstoff Waldhof........... Otavi Minen............... 6 0.6 160,5 31,2 160,75 30,9 160 31 Dresdner Bank.............. 4 105 105 105 1 105 Devi »nrnarfl Berlin — Frankfurt a.HL 18-Mai 19.Mai 18 Mai 19-Mat Amtliche Notierung Amtliche Notierung Amtliche Notterung Amtliche Notierung Gelb Briet Geld Briet Geld törtei Gew roriei Buenos Aires............. 0,755 41,98 0,161 0,759 42,06 0,163 0,755 41,99 0,161 0,759 42,07 0,163 Japan.................... Jugoslawien .............. 0,71/ 5,694 0,719 5,706 0,717 5,694 0,719 5,706 iöru)|ei...... Rio de Janeiro ............ 61,89 62,01 61,91 62,03 48,95 47,04 54,98 47.04 47,14 55,10 47,14 47,04 55,00 47,04 47,14 55,12 47,14 Wien..................... 18,95 49,05 49,05 Kopenhagen............... Danzig................... London................... 11,18 11,20 11,185 11,205 Stockholm................ 63,49 63,61 63,52 63,64 17.315 12,345 12,32 12,35 Schweiz.................. 56,99 57,11 56,92 . 57,04 fieliinoforÄ................ 5,445 5,445 5,455 Spanien.................. 16,98 17,02 16,98 17,02 11,175 137,18 13,11 11,145 137,02 13,09 11,165 137,30 13,11 Prag..................... 3,661 8,679 8,661 8,679 136,90 13,09 Budapest................. — — Italien................... Neuyork.................. 2,491 2,495 2,493 2,497 GLORIA 3527 A Beiprogramm Schönheit des Eislaufs / Ufa-Ton Woche Prächtige Einfälle Lustige Situationen Bewährte Darsteller Zwei Stunden befreiendes Lachen! Auf der Bühne: < Schumakoff und Adolphi Balalaika und Harfe in höchster Vollendung Heute Donnerstag ein Lustspiel - lebendig und voll Laune Lucie Englisch — Maria Paudler Joe Stöckel - Theodor Auzinger Regie: Franz Seitz PPLQST P Einspaltige \ Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Millimeterzeile veröffentlicht! Deutsche Glaubensbewegung Bezirksring Gießen 358tiD Vortrags - Abend mit geladenen Gästen am Samstag, dem 22. Mai 1937, 20.15 Uhr, im Studentenheim, Leihgesterner Weg 16 Ls spricht: Professor Otto Speer, Baden-Baden Unkostenbeitrag 30 Pf., Militär u. Schüler 10 Pf. Borrmann 5: Gießen, Neustadt 5, Ruf 4165 Nur die beste Drucksache neben der Zeitungsanzeige kann Ihre Werbung wirksam unterstützen. Geringwertige Drucksachen schaden mehr als sie nützen. 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Solmser Hof, 9-1 Uhr JP .Fleischer, Spezlal*Baadagen,Freisbacli(Pfalz) Hier abschneiden! V Physisch 373 P»lze Physisch, körperlich, im Gegensatz zu psychisch = geistig. Pianino, Klavier, Tasteninstrument, bei dem im Gegensatz zum Flügel die Saiten lotrecht gespannt sind und der Resonanzboden aufrecht steht. Piassavabesen, aus den Fasern der brasilianischen Fiederpalme gefertigte, elastische und dauerhafte Besen und Bürsten. Pichen, das Abdichten des Faß- innern mit Pech. Picknick, engl., ein Esten bei einem Ausflug ins Grüne, bei dem jeder Teilnehmer für die Gemeinschaft Etzwaren mitbringt. Lebt in anderer Form bei Kraftwagenausflügen und Eemeinschaftswanderungen wieder auf. Am besten wird vorher festgelegt, was der einzelne mitbringen soll. Pietät, lat., Bedeutung = Frömmigkeit, Ehrfurcht vor Verstorbenen, Achtung vor Dingen und Einrichtungen, die uns überkommen sind, kindliche Liebe. Pigment: Bezeichnung für jeden in den Körperzellen und -Geweben auftretenden Farbstoff. So z. V. aus dem Blutfarbstoff gebildet, aus der Galle stammend, und anderes mehr. Pig- mentmäler, vergl. Muttermal, pigmenthaltige, bindegewebige Hautwucherungen. Bei Pigmentmangel ist z. B. das Haar weiß, die Haut ebenfalls auffallend weiß. Pikant, franz., stark gewürzt, appetitanregend. Pikee, feines Baumwollgewebe mit doppelter Kette, die den Stoff wie gesteppt aussehen läßt, wird meist zu weißen Herrenwesten verwendet. Der Stoff läßt sich waschen. Pikieren (Verstopfen) ist das erstmalige Auseinandersetzen von Pflanzen aus dem Aussaatbeet, nicht aber das Pflanzen an Ort und Stelle. Das P. veranlaßt kräftige Wurzelbildung. Man fetzt die Sämlinge beim P. bis zu den Keimblättchen in die Erde, also tiefer als an ihrem bisherigen Stand. Pikierte Pflanzen wie Sellerie und Kohl, sind beim Kauf teuerer als un- pikierte. Pikots sind kleine Zäckchen, die gehäkelt werden und als Abschluß dienen bei selbstgefertigten Taschentüchern, Deckchen, Schürzen usw. Man arbeitet zuerst eine feste Masche in den Rand, macht dann 5 Luftmaschen, wieder eine feste Masche in die erste Luftmasche und wiederholt laufend. Pillen, Arzneimittel, in der Form meist runder Kügelchen, die verzuckert und versilbert oder mit einer anderen Masse überzogen sind, die den Geschmack des Arzneimittels nicht mehr merken läßt. Pilze dienen als Nahrungsmittel; doch sind besonders für den Selbftfammler genaue Kennt- nisie der Pilzarten erforderlich! Nur frische P. kochen und genießen! Vor der Zubereitung madige Stellen herausschneiden, Stiel, Hut abschaben und Lamellen entfernen. Alte Pilze nicht verwenden, da sie durch den nicht immer sofort erkennbaren Ver- Ww DASJ^4ÜR’GNDE Fachgeschäft in glas.-und_por^ellanv/aren _ W Gl E» E rsi /k'r e\> ZPL A~r _________4 Neuordnung der Cierwirtschast. NSG. Durch eine Anordnung der Hauptvereinigung der deutschen Eierwirtschast ist die Marktordnung auf dem Gebiete der Eierwirtschaft neu geregelt worden, und zwar so, daß künftig eine bessere und gleichmäßigere Versorgung der Verbraucher mit Eiern gewährleistet wird. Die Eierwirtschaftsoerbände können Einzugs- gebiete zur Regelung der Erfassung der Hühnereier festlegen und Betriebe, die Hühnereier erzeugen, verpflichten, alle Eier, die sie nicht in eigener Wirtschaft verwenden oder unmittelbar an Verbraucher zum Selbstoerbrauch verkaufen, an diejenigen Stellen oder Personen abzuliefern, die hierzu von den Eierwirtschaftsoerbänden bestimmt werden. Betriebe, die auf Grund eines Uebernahmescheines beim Erzeuger Hühnereier aufkaufen, können hierzu Sammler beauftragen, die zu diesem Zwecke einen oor- geschriebenen Sammler-Ausweis erhalten. Die Erfassung des Hühnereies geht also künftig folgendermaßen vor sich: Soweit nicht die Bauern oder Landwirte ihre Eier unmittelbar an Verbraucher verkaufen, können sie diese entweder einem zum Ankauf berechtigten Käufer bzw. Sammler verkaufen, oder sie können bzw. müssen — soweit von den Eierwirtschaftsoerbänden Einzugsgebiete festgelegt werden — die Eier an bestimmte Stellen oder an bestimmte Personen abliefern. Mit der Festlegung von Einzugsgebieten auf Grund der Anordnung der Hauptvereinigung der Deutschen Eierwirtschaft durch die Eierwirtschaftsoerbände ist demnächst zu rechnen. Alle Hühnereier, die durch Wiederverkäufer in den Verkehr gebracht werden, also nicht vom Erzeuger unmittelbar an den Verbraucher abgegeben werden, müssen auf Anordnung der Eierwirtschaftsoerbände Kennzeichnungsstellen zugeführt werden. Dort erfolgt die Abstempelung nach den gegebenen Vorschriften. Die Berechtigung zur Kennzeichnung erteilen die Eierwirtschaftsverbände, die auch die Einhaltung der Kennzeichnungsoorschriften überwachen. Um eine geordnete Warenbewegung zu erzielen, kann die Hauptoereinigung der deutschen Eierwirtschaft jederzeit sämtlichen Betrieben, die Eier kaufen, verkaufen, vermitteln oder lagern, Weisungen über die Verteilung der übernommenen Mengen erteilen. Für den Handel mit Eiern innerhalb des Gebietes 'eines Eierwirtschaftsoerbandes benötigen Käufer und Verkäufer einen Verteilungsbescheid des zuständigen Eierwirtschaftsverbandes und, wenn die Eier in das Gebiet eines anderen Eierwirtschaftsverbandes verbracht werden sollen, einen Verteilungsbescheid der Hauptvereinigung der Deutschen Eierwirtschaft. Die Neuordnung gilt entsprechend auch für die Erfassung und Warenbewegung des Schlachtgeflügels. (126,20), Kommunal-Umschuldung auf 94,10 (94,15) und Städte-Altbesitz auf 129,75 bis 130 (—0,25 v. H.) ab. Im Verlaufe ergaben sich am Aktienmarkt noch einige Erhöhungen von etwa 0,25 bis 0,50 v. H., doch war das Geschäft sehr ruhig. Im Vordergrund blieben Montanwerte, Hoesch 124 nach 123,50, Verein. Stahl 121 nach 120,50, Mannesmann 130,50 nach 130,40, Buderus 126,75 bis 127 (126), ferner Farben erholt auf 165,25. Die erst später notierten Werte lagen überwiegend höher, Harpener 163,75 (162,50), Conti Gummi 188,75 (186,25), Rheag Stamm nach Pause 136,75 (132,50), Rhein. Braunkohlen 233,75 (232,50), dagegen ermäßigten sich Rheinstahl auf 157 (158,50) und Th. Goldschmidt auf 137,50 (138,75). Am Kassamarkt erhöhte sich die Taxe für Hartmann & Braun auf 125 nach 122 (l. K. 120). Die variablen Rentenwerte blieben bei behaupteten Kursen sehr still. Auch am Kassarentenmarkt waren die Umsätze in Goldpfandbriefen, Staats- und Stadtanleihen bei wenig veränderten Kursen nur klein. Liquidationspfandbriefe bröckelten meist etwas ab. Im Freiverkehr nannte man Adlerwerke Kleyer 113,50 bis 115,50 Wayß & Freytag 148,50 bis 150,50, ferner Rastatter Waggon 36 (35) und Ufa 74 bis 74,50 (73,50). .Im Telephonverkehr hatten Rhein. Textil und Chem. Brockhues bei höheren Kursen lebhaftes Geschäft. — Tagesgeld war gesucht und wurde auf 3 (2,50) v. H. erhöht. Abendbörse still. Bei kleinem Geschäft erfuhren die Aktienkurse zum Teil leichte Abschwächungen in Anpassung an den Berliner Schluß. So ermäßigten sich Mannesmann auf 129,25 (130), Harpener auf 163 (163,75), Buderus auf 126,50 (127,25), Muag auf 147 (148) und AG. für Verkehrswesen auf 133,25 (133,75) sowie Conti Gummi auf 187,50 (188,75), aber 186,50 in Berlin. Andererseits lag eine Reihe von Werten 0,25 bis 0,50 v. H. über Berlin, so u. a. BMW., Bemberg, Verein. Stahl, Rheinstahl, Deutsche Erdöl, Deutsche Linoleum, Junghans. Am Kassamarkt stiegen Konserven Braun auf pari (99), Schrift Stempel auf 110 (109,50), ferner DD.-Bank auf 118 (117,50) und Commerzbank auf 113 (112,75). Am Rentenmarkt erhöhten sich 6 v. H. IG. Farben auf 137 (136,65), Kommunal-Umschuldung blieben unverändert 94,13 und auch sonst nannte man die letzten Mittagskurse. $ranffu-*ter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 19. Mai. Auftrieb : Rinder 678 (in der Vorwoche 1132), darunter 106 (205) Ochsen, 118 (171) Bullen, 331 (615) Kühe, 123 (141) Färsen. Kälber 831 (1701), Hämmel und Schafe 36 (67), Schweine 4248 (7873). Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in Mark: Ochsen a) 43 bis 45 (42 bis 45), b) 40 bis 41 (39 bis 41), c) 36 (35 bis 36). Bullen a) 43 (42 bis 43), b) 39 (36 bis 39), c) 34 (34). Kühe a) 41 bis 43 (41 bis 43), b) 35 bis 39 (35 bis 39), c) 28 bis 33 (28 bis 33), d) 20 bis 25 (17 bis 25). Färsen a) 44 (43 bis 44), b) 40 (40). Kälber a) 65 (63 bis 65), b) 56 bis 59 (59), c) 46 bis 50 (50), d) 33 bis 40 (40). Hämmel und Schafe nicht notiert. Schweine a) 52,50 (52,50), bl) 52,50 (52£0), b2) 52,50 (52,50), c) 51,50 (51,50), d) 48,50 (48,50). Sauen gl) 52,50 (52,50), g2) 46 bis 50 (—). Marktverlauf: Rinder und Schweine zugeteilt. Kälber sehr lebhaft. Hämmel und Schafe mittel. Fleischgroßmarkt. Angebot: 844 (in der Vorwoche 989) Viertel Rindfleisch, 152 (345) ganze Kälber, 8 (10) Hämmel, 337 (1308) halbe Schweine, 8 (20) Kleinvieh. Notiert wurden je 50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch a) 80. Bullenfleisch a) 77. Kuhfleisch a) 77, b) 65, c) 54. Färsenfleisch a) 80, b) 69. Kalbfleisch I 81 bis 95, II 78 bis 80. Hammelfleisch b) 90 bis 95. Schweinefleisch b) 73. Fettwaren. Roher Speck unter 7 Zentimeter 78, Flomen 80 Mark. Marktoerlauf: lebhaft. Nächster Markt: Dienstag, 25. Mai. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 19. Mai. Es notierten in Mark (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm): Weizen W 13 211, W 16 214, W 19 218, W 20 220, Roggen R12 174, R15 177, R18 181, R19 183 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste gestrichen, Futterhafer —. Weizenmehl Type 812 W 13 29,80, W16 29,90, W 19 29,90, W 20 30,25, Roggenmehl Type 1150 R 12 22,45, R 15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 50 Pf. Frachtausgleich. Weizenfuttermehl 13,60. Weizenkleie W13 10,75, W16 10,90, W 19 11,10, W 20 11,20, Roggenkleie R 12 9,95, R15 10,15, R18 10,40, R19 10,50 Mühlenfestpreife ab Mühlenstation. Soyaschrot —, Palmkuchen —, Erdnußkuchen —, Treber 14,00 Höchstpreise ab Erzeugerstation, Trockenschnitzel —, Heu lose 5,80, do. drahtgepreßt 6,20, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt 3,00, do. gebündelt 2,70. Tendenz: ruhig. Schweinemarkt in Homberg. Homberg, 19. Mai. Der heutige Schweinemarkt war mit 498 Ferkeln beschickt. Nach flottem Geschäftsgang verblieb etwas Ueberftand. Es kosteten sechs bis acht Wochen alte Ferkel 20 bis 25 Mark, acht bis zehn Wochen alte 23 bis 28 Mark, zehn bis zwölf Wochen alte 25 bis 32 Mark. Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 333: Zahlung von Vermögenserträgnissen nach Schweden. — 334: Anordnung V 11 der Ueberwachungsstelle für Waren verschiedener Art (Veräußerungs- und Verarbeitungsbeschränkung für Feldspat ausländischer Herkunft). — 335: Kreditgewährung inländischer Kreditanstalten aus ausländischen Guthaben eingeschränkt. — 336: Päckchen ober Briespackchen? — 337: Umsatzsteuerüm- rechnungssätze auf Reichsmark für die nicht in Berlin notierten ausländischen Zahlungsmittel für April 1937. — 338: Anordnung Nr. 10 der lieber« wachungsstelle für Edelmetalle (Meldung über Platinoerbrauch und Platinbestand). — 339: Gebührenordnung der Ueberwachungsstelle für Baumwolle (Neue Fassung vom 8. Mai 1937). — 340: Wirtschaftsbericht 1936 der Deutschen Handelskammer in Buenos Aires. — 341: Vierte Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über Abwertungsgewinne. — 342: Gebührenordnung der Ueberwachungsstelle für Papier (Neue Fassung). — 343: Verordnung über die Preisbildung für Fichten- (Tannen-) und Rotbuchen-Stammholz für das Forstwirtschaftsjahr 1937. — 344: Reichstarifordnung für das private deutsche Bankgewerbe. — 345: Urlaubsregelung als Tarifordnung für die in der deutschen Papier-, Pappen-, Zellstoff- und Holz- stoffindustrie beschäftigten gewerblichen Gefolaschafts- mitglieder. — 346: Reiseverkehr nach Jugoslawien. — 347: Neue irische Zölle und Zolländerungen. — 348: Verordnung über die Preisbildung für Kiefern- Stammholz für das Forstwirtschaftsjahr 1937. — 349: Verwendung von Spinnstoffbeuteln und Spinn- stoffsäckchen zu Verpackungszwecken. — 350: Anordnung 33 der Ueberwachungsstelle für Lederwirtschaft (Verwendung von Leder als Werkstoff). Vom 14. Mai 1937. — 351: Inkrafttreten des deutsch-norwegischen Verrechnungsabkommens. Der neue Beirat der Deutschen Reichspost. Berlin, 19. Mai. (DNB.) Nach Ablauf der dreijährigen Amtsdauer der bisherigen Mitglieder des Beirates der Deutschen Reichspost, dessen Vorsitz Reichspostminister Dr.-Jng. e. h. Ohnesorge führt, hat die Reichsregierung für die nächsten drei Jahre zu Mitgliedern des Beirates w i e d e r ernannt: 1. Bankier Kurt Freiherr von Schröder, Präsident der Industrie- und Handelskammer Köln: 2. Direktor Philipp Keßler, Vorsitzender des Vorstandes der Bergmann Elektrizitätswerke AG., Berlin; 3. Stadtrat Christian Weber, Präsident des Kreistages von Oberbayern, MdR., München; 4. Ministerialrat Professor Dr. Heinrich Hunke, Vizepräsident des Werberates der deutschen Wirtschaft, Gauwirtschaftsberater des Gaues Groß-Berlin der NSDAP., MdR., Berlin: 5. Preußischer Staatsrat Erich Koch, Oberpräsident der Provinz Ostpreußen, Gauleiter der NSDAP., MdR., Königsberg i. Pr.; 6. für den ausgeschiedenen Staatsrat Meinberg Dr. Hermann R e i f ch l e vom Stabsamt des Reichsbauernführers, MdR. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnachmittag geschlossen Bekanntmachung. Vetr.: Ermäßigung der Strompreise für Kleinkraft, zwecke im Stadtgebiet. Der bisher bei den gestaffelten Kleinkraftstrompreisen im Stadtgebiet erhobene Finanzzuschlag in Höhe von 2 Pf. pro Kilowattstunde kommt nach erfolgter Feststellung des Märzstromverbrauches in Fortfall. 3528A Die Kleinkraftstrompreise erfahren danach fortan eine Ermäßigung um 2 Pf. für die kWh. Nicht betroffen werden die Abnehmer, bei welchen die Verrechnung nach dem gewerblichen Doppeltarif mit Garantieleistung erfolgt. Gießen, den 18. Mai 1937. Städtische Betriebe Gießen. Direktion. Manhläooo von3bis20v>H-erhaltensiebeiwieder’ naCnläSSB bollen Veröffentlichungen einer Anzeigei Mahnung. Die Beiträge für den Monat April 1937 können noch bis zum 25. Mai 1937 ohne Kosten bezahlt werden. 35250 Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung evtl. Zwangsbeitreibung. Die Einzahlung kann täglich an der Kasse oder auf das Postscheckkonto Nr. 10833 in Frankfurt a. M. erfolgen. Allgemeine Ortskrankenkasse für Stadt- ubd Landkreis Gießen. Geig er, Ka-ssenleiter. Vie Gcfunöerhaltung unserer JugcnO ist unsere wichtigste flusgobe. Gebt sreiplütze für Vie klnverlanv- oerschickung I F,5 Pilzvergiftung 374 wesungszustand schwere Magen- und Darmschädigungen, oft auch den Tod Hervorrufen. — Bereitung ohne Wasserzugabe, da die- ! ses reichlich im Pilz enthalten ist, die geputzten Pilze in Butter schmoren. Auch vor dem Sterilisieren ist der besseren Haltbarmachung wegen vorheriges Dämpfen nötig. P. sind schwer verdaulich, besonders Trüffeln. Gekochte Pilze nicht aufbeben und nochmals aufwärmen, da auch gekochte P. sehr leicht verderben. S. Champignon und Pfifferling! Pilzvergiftung: eine Erkrankung, die durch den Genuß giftiger Pilze entsteht. Kann unter dem Bild einer Magen-Darm- erkrankung auftreten (Brechdurchfall, Magen-Darmkatarrh, Kollaps, Delirien, unter Umständen Tod) ober ähnlich wie eine Atropinvergiftung mit Trockenheit im Halse, Schlucklähmung, Krämpfen, Tod. Im allgemeinen kommen tödliche Vergiftungen selten vor. Am gefährlichsten ist der Knollenblätterpilz, nicht allein wegen seiner starken Giftigkeit, sondern besonders deswegen, weil er dem als Tafelpilz sehr geschätzten Champignon außerordentlich ähnelt. Vergiftungen entstehen ferner häufig durch folgende Pilze: Fliegenpilz, Satanspilz. Spei- teufel, falscher Eierschwamm, Eiftreizker und andere. Das beste Vorbeugungsmittel ist, nur solche Pilze zu essen, die man wirklich genau kennt. Auch mit „echten" Pilzen kann man sich vergiften Piroggen wenn die Pilze, auch in gekochtem Zustand, zu alt und deshalb verdorben sind. Piment, Nelkenpfeffer, unreife Frucht einer tropislhen Myrtenart, die als Kuchengewürz verwendet wird. Pimpinelle, ausdauernde Gewürzpflanze, Blätter ergeben Salatwürze, vermitteln gurkenähnlichen Geschmack. Kann durch Teilung gezogen werden. Pinsel, an einem Stiel als Büschel befestigte Haare ober Borsten zum Aufträgen von Farbe Pinsel müssen nach Gebrauch sofort gereinigt werben, nach bem Streichen von Ölfarbe mit Terpentin, von Lackfarbe unb Beize in Spiritus, von Leim in heißem Wasser. Bereits hartgeworbene Pinsel läßt man vor ber Reinigung in Seifenlauge aufweichen. Pinxit, pinx, pxt., lat., Bebeu- tung = hat es gemalt. Zusatz vieler Maler beim Namenszug auf ihren Silbern. Pinzette, franz., Zangenart aus zwei Schenkeln, bie an einem Ende oerbunben stnb. Sie bient zum Fassen kleiner Eegenstänbe Pips, Eeflügelkrankheit, bei ber bie Tiere unter einem Nasenkatarrh leiben, ber ihnen Atemnot verursacht. Man muß ihnen ben Schnabel aufsperren unb bie Nasenlöcher reinigen. Atemnot tritt auch bei Geflügelcholera auf, bie nicht zu heilen ist. Piroggen, Bezeichnung für gefüllte Mehlpfannkuchen. Die Füllung kann aus Fleisch, Fisch, Eiern unb Quark usw. bestehen Pellkartoffeln schälen! Und wenn sie noch so heiß sind, mit der Pellkartoffelgabel geht es immer. Dio drei Zinken dieser neuen Gabel sind so angebracht, daß die gekochte Kartoffel nicht auseinandergestochen wird Eine kleine praktische Neuheit, die Sie sich bei Häuser mal ansehen müßten. J, V. Häuser, Gießen, am Oswaldsgarten, Fernsprecher 2145/2146. GROSSE REICHSAUSSTELLUNG SdmlTaiütsUolli , i DulTdOorf i ■ Vierjahresplan-Werk Stoff schau betreut vom Amt für deulidte Roh- und Werirtlofle Leistungsschau von Industrie und Wirtschaft ffi M Raumwirtschaft und Städtebau ■ MflÄ (Bauen, Siedeln. Wohnen) M Gartenkultur und Kunst Ä | Großer Vergnügungspark / Wasserspiefe. billigst bei 363?A A. Koch Nachfolger Mäusburg 15, Ruf 3612 Aus täglich eintreffenden Sendungen empfehlen wir heute und morgen als besonders preiswert: Zum Kochen, I. Qualität, im Ausschnitt. . .500 g 35 Pf. 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