Nr. 243 Erstes Blatt 187. Jahrgang Montag, 18. Oktober 1937 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche UuiverfitäKdruckerei «.Lange in Stehen. Schriftleitung und SeschSftrftelle: Schulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps.. für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg.25°/o mehr. Ermähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts-u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B krlchemi täglich, autzer Sonntags und Feiertags Beilagen. Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-BezugLpreis: Mil 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 58 neue Zugendherbergen ihrer Bestimmung übergeben. St. Annaberg, 17. Oft. (DNB.) Der historische Boden am Annaberg in. Oberschlesien, dieses Symbol deutscher Heimatliebe und Opferbereitschaft aus schwerster Notzeit, als deutsche Menschen aus Oberschlesien und allen Gauen des Reiches mit der Waffe in der Hand für den Bestand der Südostmark einstanden, war am Sonntag die Stätte einer weihevollen Feierstunde. Unweit der fast vollendeten Feier st ä t t e Oberschlesrens und des gleichfalls im Bau befindlichen Ehrenmals für die Toten des Selbstschutzes ist auf beherrschender Höhe in reizvollster landschaftlicher Lage die „Annaberg-Jugendher- berge" erstanden, ein Denkmal deutschen Behauptungswillens im Ostland. Von hier aus nahm am Sonntagvormittag Reichsjugendführer Baldur von Schirach die Einweihung aller neuen Fugendherbergsbauten des Baujahres der Hitler- Jugend im ganzen Reiche vor. 58 Neubauten wurden ihrer Bestimmung übergeben. Ueber 19 weiteren Jugendherbergen wurde der Richtkranz gehißt und zu 19 anderen der Grundstein gelegt. Die Klänge des Liedes der Ostlandjugend „In Den Ostwind hebt die Fahnen" leiteten die Feierstunde ein. Der Wiedergabe eines Führerwortes surch einen Einzelsprecher folgte der Willkommen- oruß des schlesischen Gebietsführers. T)bergebiets° fführer R o d a tz berichtete dann über die Erfolge des Jugendherbergswerkes im Baujahr 1937 und dankte allen, die an diesem Werk teilhatten. Dann richtete der Reichsjugendführer das Wort em die deutsche Jugend. Es fei nun das drittemal, daß eine größere Anzahl von neuen Bauten als Jugendherbergen in den Dienst des Nationalpro- Nrammes der deutschen Erziehung gestellt werden sollen. Der Reichsverband'für deutsche Jugendherbergen gebe damit der deutschen Oeffentlichkeit einen so starken Beweis feiner Leistungsfähigkeit, daß er ihm von dieser Stelle aus seine Anerkennung aussprechen möchte. Sie gelte jedem Volksgenossen und jeder Dolksgenossin, Die im Rahmen dieses Werkes mitgearbeitet haben. Die Aufwärtsentwicklung der Uebernachtungsziffern in den deutschen Jugendherbergen, so fuhr Baldur von Schirach fort, ist seit 1933 von 4 630 683 Ueber- nachtungen auf 7 468 778 Uebernachtungen im vergangenen Jahr gestiegen. Das gesamte Baupro- gramm des Jahres 1937 einschließlich der in Planung befindlichen Jugendherbergen erfordert gegen* «der einer Bausumme von 3,7 Millionen Mark im »ergangenen Jahr für 1937 eine Bausumme von L0,5 Millionen Mark. Diese gewaltige Summe, die »ei weitem alles übertrifft, was jemals für solche »der ähnliche Zwecke auf der Welt ausgegeben wurde, ist weder durch Steuern erhoben worden, iod) ist sie das Ergebnis der Wohltätigkeit einiger Multimillionäre! Dasdeutfchevolkfelbslhatin wenigen Jahren aus Groschen und Pfennigen diese Riesensumme freiwillig zusammenge- fragen und uns zu freuen Händen überantwortet Die Pfennige aus den Sammelbüchsen, die Hiller-Jugend und BD2N. am Reichswerbe- und Opfertag des Jugendherbergsverbandes treppauf und treppab durch Dörfer und Städte trugen, find die Finanzmacht, die hinter dieser im wahrsten Sinne des Ausdrucks gemeinnützigen Einrichtung stand und steht Der Bauherr dieser vielen neuen Häuser, die das deutsche Volksvermögen um IHiUionenroerfe bereichern, ist die deutsche Ration selb st. Wie froh macht es uns, daß wir eben diese Bauten nicht der Wohltätigkeit einzelner, sondern der sozialistischen Gesinnung eines ganzen Volkes verdanken. Es will, daß die Jugend Deutschlands niemand anderem zu Dank verpflichtet fei, als der Ration. Jede Jugendherberge ist ein Elternhaus, denn d i e deutschen Eltern haben sie erbaut. Und gerade die Kinder unserer ärmsten Volks* gknossen können in unseren Gemeinschaftsbauten am stolzesten chr Haupt erheben. Mancher hat von sei- nrm geringen Lohn für diese Bauten 20 Pfennig ^spendet und damit ebensoviel gegeben wie der Mann, der vielleicht 1000 Mark monatliches Linke mmen hat. Selbst wenn von allen diesen Reichen jeder einen hohen Betrag zur Verfügung stellen lliärde, wäre die Summe dieser Spenden nur win- jig klein im Vergleich zu der Spende der deutschen Srbeiterschaft. Ihr gilt heute mein besonderer Dank. Umb ich will dir, deutscher Volksgenosse am Schraub- swck, an der Drehbank oder hinter dem Pflug, feier* lihst mein Wort dafür verpfänden, daß deine Kinder in den Häusern, die du mit Millionen anderer Volksgenossen für sie errichtet hast, als gleichberechtigte und gleichoerpflichtete Kameraden und Kameradinnen ausgenommen sein werden. Sie sollen in der Gemeinschaft der Hitler- Jugend jedes Amt erringen können, das ihre Lei- ftr.ng verdient. Unter den erzieherischen Mächten, die auf die Entwicklung jugendlicher Menschen Einfluß haben, nimmt der Raum eine hervorragende Stellung ein. Es ist keineswegs ein Ausdruck nationalfozia- lisischen Stilgefühls, wenn städtische Wohnungen nut Bauernmöbeln angefüllt werden und in den Grotten der Großstädte hier und da Häuser er* stellt werden, die sich mit geringem Erfolg allerdings, ck: Bauernhäuser zu tarnen versuchen. Der erzieherische Raum ist zugleich der !Ünstlerische, denn er erfüllt die Forderung lad) der unbedingten Ehrlichkeit. Der Jugend soll gelehrt werden, materal- ITWWW Die neue Jugendherberge auf dem Annaberg. — (Scherl-Bilderdienst-M.) echt zu denken. Die vollkommene Ueberein- ftimmung der Ausdrucksform mit den Gedanken, der Gestalt mit der Idee, ist harmonisch und darum schön, Selbst der bescheidenste von Menschen gefügte Raum kann durch den Geist, der ihn schuf, zu einem Sinnbild der ewigen Schönheit werden. Die Bauten der Jugend fingen das Lied ihrer Landschaft. Sie sind Gleichnisse und Kinder des größeren Raumes, dem sie entwuchsen. Ich habe einst verboten, für diese Bauten ein Zentralbüro mit angestellten Architekten in Berlin zu errichten, damit nicht von einem Mittelpunkt aus am grünen Tisch die Häuser konstruiert würden, die in allen Teilen des Reichs unserer Jugend zur Erholung und Freude dienen sollen. Meine Architekten-Mitarbei- ter in Berlin Haven keine andere Ausgabe, als die Erfahrungen aller Bauten zusammenzutragen und jedem neuen Bau vorher dienstbar zu machen. Ihre Tätigkeit ist eine anregende. Sie rufen die Architekten des Landes auf, die jungen sowohl wie die alten. Diese gehen ans Werk und folgen der Stimme ihres Gewissens, ihres Blutes und Stammes. Zugleich aber wachen wir darüber, daß nicht die romantischen Türmchen der Gründerzeit an unseren Bauten wiederkehren, ober die falschen Propheten von gestern aus der Herberge der Jugend eine Maschine zum Uebernachten konstruieren. Im übrigen sind wir der Sachlichkeit gewogen und erheben sie sogar zu einem Maßstab, den wir furchtlos an alles anlegen, was den praktischen Aufgaben unserer Jugend zu dienen hat. Selbst für unsere Jugend, für die Jugend Adolf Hitlers eben, ist die Zeit der Minnesänger und Burgfräuleins vorbei. Die Generation des Berufswettkampfes schafft sich ihre eigenen Symbole, die wie alle aus deutschem Wesen geborene dennoch ein Romantisches enthalten. Baldur von Schirach erinnerte schließlich daran, daß im vergangenen Jahr in den deutschen Jugendherbergen allein 196 591 Ausländer-Ueber- nachtungen zu verzeichnen gewesen seien. Erklärungen des französischen Ministerpräsidenten Chautemps im Führerorgan der nationalsozialistischen Jugend seien ein neues, hoffnungsvolles Anzeichen, daß durch gegenseitigen Besuch der Jugend untereinander ein wertvoller Beitrag für die Annäherung der Völker geleistet wird. Mögen diese 58 neuen Jugendherbergen, so schloß der Reichs- jugendführer, immer Wahrzeichen einer im Inneren ebenso sozialistischen, wie nach außen hin friedliebenden Generation sein. Das deutsche Volk hat sie uns gegeben, i ch weihe sie dem deutschen Volke. Mit dem Gummiknüppel gegen sudetendeutsche Abgeordnete. Skandalöses Vorgehen tschechischer Polizei auf einer sudetendeutschen Amtswaltertagung in Teplih. Prag, 17. Okt. (DNB.) Nach einem störungslosen Verlauf der großen Amtswaltertagung der Sudetendeutschen Partei des Wahlkreises Laun im Stadttheater in Teplitz-Schönau ist es zu unerhörten Vorfällen gekommen. Als Konrad Henlein, der sich mit feinen Mitarbeitern in die Wohnung des Kreisleiters Abg. Dr. Z i p p e I i u s begeben hatte, das Haus wieder verließ, um sich in seinem Wagen nach Leitmeritz zu begeben, fanden sich rasch etwa hundert Personen ein, um ihn zu begrüßen. Drei Polizisten, die beim Wagen standen, forderten die Leute zum Auseinandergehen auf. Plötzlich trat eine in Bereitschaft gehaltene Polizeiabteilung von 20 bis 30 Mann in Tätigkeit, stürzte auf den Wagen und die ihn umstehende Menge los und begann, ohne zum Auseinandergehen aufzufordern, mitdem Gummiknüppelaufdie Menge einzuschlagen. Als der Abgeordnete Frank den Wagen besteigen wollte, versuchte die Polizei, ihn am Einsteigen zu hindern. Er wurde brutal aus dem Auto zurückgeriffen, während ein anderer Polizist mit dem Gummiknüppel zum Schlag gegen ihn ausholte. Frank konnte den Schlag mit der rechten Hand abfangen. Darauf stürzten sich drei weitere Polizisten auf ihn und schleppten ihn ins polizeigebäude. Während vier Polizisten Frank an den Armen und am Mantel hielten, schlugen andere über deren köpfe hinweg aufihn mitGummiknüp- P e l n ein. Zur gleichen Zeit wurde der Abg. K u n d t, der die Polizei auf ihr ungesetzliches Verhalten aufmerksam machen wollte, trotz seiner Legitimation als Abgeordneter gepackt und rücklings über die zur Polizei führende Treppe hinabge stoßen. Der Abgeordnete Kellner, der auch gegen dieses rücksichtslose Vorgehen protestieren wollte, wurde ebenfalls mit Faust st ößen mißhandelt. Der versammelten Menge bemächtigte sich eine unge- ungeheure Erregung, die sich in empörten Rufen Lust machte 3m polizeigebäude wurde Abg. Frank | erneut mißhandelt. Er wurde durch einen brutalen Faustschlag auf die Halsschlagader verletzt. Mittlerweile hatten sich die Abgeordneten Dr. Zippelius, Sandner und Birke den Einlaß in den Amtsraum erzwungen. Selbst in deren Anwesenheit stieß ein höherer Polizeibeamter, ohne daß feine anwesenden Vorgesetzten dagegen Einspruch erhoben hätten, Frank mit beiden Fäusten gegen die Brust. Einer der Verhafteten wurde hinter einem Vorhang von Polizisten derart mißhandelt, daß er vor Schmerz gellende Schreie aus- stieß. Die mißhandelten Abgeordneten Frank, Kundt und Kellner, sowie die als Augenzeugen anwesenden Abgeordneten Birke, Dr. Zippelius und Sandner setzten die Festlegung schriftlicher Protokolle durch und protestierten auf das schärfste gegen das rücksichtslose Vorgehen der Polizeibeamten. Birke, Dr. Zippelius und Sandner begaben sich zum Leiter der Teplitzer Staatspolizei, Dr. Soukup, und bestanden auch dort auf der schriftlichen Niederlegung ihrer Aussagen. Abgeordnete der Sudetendeutschen Partei haben mitgeteilt, daß diese Vorfälle auch Gegenstand einer scharfen Interpellation und einer Vorsprache im Innenministerium sein werden. Ein weiterer Uebergriff der Staatspolizei in Teplih-Schönau ereignete sich in den Abendstunden. Der Abgeordnete Richter, der den Abgeordneten Dr. Zippelius besuchen wollte, wurde, als er vor dem Wohnhaus Dr. Zippelius' zu den Fenstern hinaufwinkte, plötzlich von einem Wachmann aufgefordert, weiterzugehen. Als Richter sich legitimierte, rief der Polizist einen zweiten Wachmann herbei. Beide packten Richter und schleppten ihn in das polizeigebäude. hier beschwerte sich Richter, daß dieses vorgehen gegenüber Parlamentariern einzig dasiehe, worauf ihm ein höherer Beamter antwortete, das fei ihm vollkommen gleichgültig. Die Verhaftung Richters hatte einen großen Auflauf zur Folge. Gegen diese Ansammlung ging plötzlich ein polizei- frupp von 40 Mann vor, und ohne Aufforderung zum Auseinandergehen schlugen die Schergen mit dem Gummiknüppel auf die Menge ein. Der Abgeordnete Sandner, der mit Senator Liehm vom Fenster der Wohnung Dr. Zippelius' aus Zeuge des Vorfalls gewesen war, wollte den diensthabenden Beamten über den Zwischenfall aufklären, wurde aber, ohne Gehör zu finden, von einigen Polizisten mit aller Wucht aus der Tür der Wache gestoßen. Eine unerhörte Brüskierung. Eben erst war das deutsche Volk gezwungen aus Anlaß der Prager A u s st e l l u n g „Manes" sich mit der eindeutig deutsch-feindlichen Einstellung gewisser tschechischer Kreise zu befassen und nun kommt dieses unerhörte brutale Vorgehen tschechischer Polizisten gegen sudetendeutsche Abgeordnete, die nichts anderes sich haben zuschulden kommen lassen, als die Ausübung ihrer selbstverständlichen Rechte und Pflichte als gewählte Vertreter des sudetendeutschen Volkes im tschechoslowakischen Parlament. Wir kennen die rüpelhaften Methoden der tschechischen Polizei seit langem. Wir wissen, wie unsere sudetendeutschen Brüder in der auf ihre demokratische Verfassung immer besonders stolzen Tschechoslowakei seit der Gründung des Staates die Zielscheibe, unerhörtester Vergewaltigungen der tschechischen Behörden gewesen sind. Wir kennen die Finessen, mit denen man es fertig gebracht Ult, den arbeitsfamften und intelligentesten Volksteil der Tschechoslowakei, die Sudetendeutschen, in. seiner wirtschaftlichen Betätigung so einzuengen, daß heute die von den Sudetendeutschen vorwiegend bewohnten Teile Nordböhmens die furchtbarsten Elendsgebiete Europas sind, in denen die Arbeitslosigkeit zu den erschütterndsten Beispielen von der Massenverelendung eines ganzen Volksstammes geführt haben. Die politische Zersplitterung der Sudetendeutschen hatte seinerzeit dazu beigetragen, daß die Prager Machthaber keinen Finger zu rühren brauchten, um diesem Elend zu steuern. Erst der Zusammenschluß des Sudetendeutschtums in der Sudetendeutschen Partei Konrad Henleins zwingt die tschechoslowakische Regierung, ihre Aufmerksamkeit auch der Not der Sudetendeutschen zuzuwenden, wenn sie auch versucht, sich durch Kompromisse mit den kleinen deutschen Splittergruppen ihrer Verantwortung zu entziehen. Vermutlich um die Propagandatätigkeit der Sudetendeutschen Partei aus Anlaß der bevorstehenden Gemeindewahlen zu hindern, hat die tschechische Polizei plein pouvoir bekommen. Mit den brutalsten Mitteln sucht sie die suden- deutsche Bevölkerung einzuschüchtern, ohne jede Rücksicht darauf, daß dieser Terror nicht nur dem Ruf der Tschechoslowakei als „demokratisches Mu- sterländle" weiter Abbruch tut, sondern auch eine neue unerhörte Provokation öes deutschen 70 - Millionenvolkes darstellt. In Deutschland hat man die dreiste Beleidigung nicht vergessen, die gewisse deutschfeindliche Kreise in Prag sich durch die Ausstellung von elenden Machwerken einer antifaschistischen Klicke glaubten leisten zu können, man wird auch den Schrei der Empörung nicht überhören, der heute angesichts des frechen Verhaltens der tschechischen Polizei in Teplitz durch das gesamte Sudetendeutsch- tum geht. £. Deutschlands Sendung im Osten. Ministerpräsident Klagges auf der Reichstagung für deutsche Vorgeschichte Elbing, 18. Okt. (DNB.) Der R e i ch s b u n d für deutsche Vorgeschichte führt seine 4. Reichstagung in der Grenzprovinz Ostpreußen durch. Ministerpräsident K l a g g e s (Braunschweig) beschäftigte sich mit den Tendenzen der wissenschaftlichen Epochen des Liberalismus, der die nordisch- germanischen Wurzeln unserer Kultur verneinte, um den Glauben an eine kosmopolitsche Menschlichkeits-Republik zu begründen. In Wahrheit aber waren die Germanen Kulturträger, wohin sie kamen, vor allem auch im Osten. Angesichts dieser Tatsache ist es empörend, wenn andere Nationen diesen Vorgang schmälern und gegen die deutsche Kulturarbeit vorgehen wollen, obwohl sie selber davon abhängen. Mit großer Klarheit zog Ministerpräsident Klagges die geschichtlichen Folgerungen, die sich aus dem jahrtausendealten Kamps zwischen germanisch-europäischer Kultur und asiatischer Barbarei, vor allem für unsere östlichen Nachbarn, ergeben. Er stellte fest, daß das Ergebnis des Weltkrieges im Osten den Druck des russischen Kolosses von Deutschland und von Europa etwas entfernt habe. Polen und die Randstaaten könnten nun ihr eigenes Leben führen. Die Westslawen und die übrigen Völker an unserer Ostgrenze stehen heute mit uns in der gleichen weltgeschichtlichen Entscheidungsstunde Es kommt darauf an, ob sie diese verstehen. Polen habe zwar durch sein Abkommen mit dem nationalsozialistischen Deutschland diese Erkenntnis bewiesen, doch sei sie in Polen noch nicht überall vorhan- d e n. Die Hetze gewisser Presseorgane, die Unterdrückung des deutschen Schulwesens und die Enteignung deutschen Grundbesitzes seien Tatsachen, die nicht von Verständnis für die weltpolitische Lage gegenüber der vom Osten drohenden Gefahr zeugten. und dem letzten 35 2 34 9 6 14 4 2 im wesentlichen 2 1 Dieser Wahlausgang b e st ä t i g t die bereits dem 231 65 568 145 1 1 240 59 handelt. Für Deutschland möchte ich erklären, dah solche Kommentare auf sche Volk und seine Führung die teilige Wirkung haben, die jedenfalls das deut- gegen- ihre Ur- Radikalsoziale Unabh. Radikale 1 2 17 526 119 20 207 19 1 5 6 4 42 26 des Be- Der- lust Linksrepublikaner Rechtsbürgerlich. Republik. Vereinigung Konservative Franzos. Sozialpartei (de la Rocque) Franzos. Volkspartei (Doriot) Autonomisten Va- Re- ein- Französ. Volkspartei (Doriot) Autonomisten 2 d i e 1 aus Oer Herzog von Windsor im Industriegebiet. Oie Kantonalwahlen in Frankreich. Auch durch den zweiten Wahlgang keine wesentlichen Verschiebungen. Eine gewisse internationale Presse versucht unsere jetzigen Verhandlungen unter eine ArtDruckzusehen. Man spricht von allen den Dingen, die eintreten könnten, wenn dieser Ausschuh nicht bald zu einem praktischen Ergebnis käme. TNan liest z. V. von einer O e f f - nung der Pyrenäengrenze durch Frankreich und von sonstigen bevorstehenden Verwicklungen. Insbesondere lese ich. dah z. B. Frankreich die Freiheit des Handelns im Hinblick auf seine Spanienpolitik zurückgewinnen will, wenn der Ausschuh nicht in befristeter Zeit wunschgemäh entscheidet. Ich möchte nur annehmen, dah es sich hier um Phantasiegebilde einiger Uebereisriger bewegen? Auf einfache Versprechungen der lencia-Machthaber kann sich jedenfalls meine gierung nach den gemachten Erfahrungen nicht lassen. DeuWand beansprucht das gleiche Recht aus Handlungsfreiheit. die, wie ich soeben bewiesen habe, immer jenen Geist der Zusammenarbeit gezeigt haben, den TNr. Eden für sein Land und dessen Vertreter, und dies mit Recht, in Anspruch nimmt. Wenn aber eine Kritik an diesem Ausschuh berechtigt ist — und ich will nicht leugnen, dah ich mich selbst mehrfach in diesem Sinn äuherke — kann ich nur bedauern, dah TNr. Eden sich mit seiner Kritik nicht an die richtige Adresse gewandt hat. Das ist in erster Linie Sow - j e 1 r u h l a n d, dessen dilatorische Taktik das Scheitern unserer Arbeiten im Juli ver- a n l a h l e, und ohne dessen Eingreifen in Spanien die Existenz dieses Ausschusses überflüssig wäre. Wenn der britische Außenminister weiter ausführt, daß die Einmischung in Spanien ununterbrochen weiter stattgefunden habe und daß hierdurch eine ernste Lage entstehen konnte, begreife ich nicht ganz, was Mr. Eden zu einer so ernsten und pessimistischen Beurteilung der Nichteinmischungslage veranlaßt. Wie andere Regierungen, so wünscht auch meine Regierung, die baldige Beendigung dieses unseligen spanischen Bürgerkrieges. Aber gerade deshalb sollte doch jetzt unsere ganze Energie und auch Geduld zur Erreichung dieses Zieles eingesetzt werden. Unsere Verantwortung in diesem Komitee ist so groß und bedeutsam, daß wir d e n Dingen' auf den Grund gehen müssen, ehe wir ein Versagen der Nichteinmischung feststellen, wenn dies überhaupt je notwendig sein sollte. Es wäre gegen den Geist unserer Aufgabe, zu der wir hier versammelt sind, daß ein etwaiger Wunsch nach Freiheit des handelns auf irgendeiner Seite die Oberhand über eine vernunftgemäße Behandlung unseres Problems gewinnen könnte. Sollte die Frage der Handlungsfreiheit jedoch jemals akut werden, so müßten wir uns ernstlich gegen eine Anschauung wenden, daß irgendein Land, welches es auch sei, ein größeres Recht auf eine solche Handlungsfreiheit haben könnte, als z. B. Italien oder Deutschland. Ich sehe jedoch die Lage optimistischer an und bin überzeugt, daß der gesunde Menschenverstand aller Mitglieder dieses Komitees, wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft, einen Ausweg finden wird. Ich möchte nun auf die französischen Vorschläge zurückkommen. Es scheint mir, daß in diesen Vorschlägen nichts enthalten ist, was nicht der Prüfung wert wäre. Der Gedanke einer versuchsweisen Zurückziehung einer gewissen Anzahl von Freiwilligen könnte gegebenenfalls als Teil des britischen Gesamtplans annehmbar sein. Ich muß jedoch einen Vorbehalt im Hinblick auf die Zeit und Reihenfolge seiner Abwicklung als auch im Hinblick auf eine etwaige zeitliche Vefristung unserer zukünftigen Arbeiten machen. Ich werde meiner Regierung über die französischen und italienischen Vorschläge berichten und ich bin sicher, daß diese in demselben wahren und loyalen Geiste internationaler Zusammenarbeit geprüft werden, auf den der britische Außenminister in seiner gestrigen Rede hingewiesen hat. Heber vielleicht beabsichtigt haben. Im übrigen würde meine Regierung, um in der Sprache dieser Aebereifrigen zu reden, selbstverständlich auch ihrerseits die Freiheit des handelns in jeder Beziehung und nach jeder Richtung in Anspruch nehmen. Ich möchte nochmals betonen, daß Deutschland nach wie vor für eine N i ch t e i n m i s ch u n $ 5- Politik in Spanien eintritt und eintreten wird, solange die anderen interessierten Nationen dies ebenfalls tun. Gleichzeitig wünscht Deutschland keinen Bolschewismus in Spanien, da ein bolschewistisches Spanien der Anfang vom Ende Europas fein würde. Deshalb werden die Staaten, die den Bolschewismus in ihrem eigenen Lande endgültig niedergerungen haben, also Deutschland und Italien, nicht aufhören, Europa auf diese Gefahr hinzuweisen. Antwort an Eden. In seiner Rede in Llandudno hat der britische Außenmini st er gesagt, die französische und englische Regierung hätten versucht, mit der italienischen Regierung zu einem wirksamen Uebereinkom- men in der Nichteinmischungsfrage zu gelangen. Er bedauere, daß die Frage nun wieder vor den Nichteinmischungsausschuß komme, dem es im Juli nicht gelungen sei, einen Fortschritt zu erzielen und sagte weiter, daß England nicht geneigt sei, einer dilatorischen Behandlung der Frage zuzusehen. Weiter sagte er, die Einmischung in Spanien dauere u n» untcrbrod)en an. Wenn der Ausschuß nicht schnellstens einen Fortschritt erziele, stünden wir alle vor einer sehr ernsten Lage. Angesichts dessen werde er an keinem Staate Kritik üben der sich gezwungen sehe, seine Handlungsfreiheit zurückzunehmen. TNr. Eden übt eine gewisse Kritik an der Arbeit dieses Ausschusses. Zweifellos ist er sich klar darüber, daß diese Kritik nicht gegen die deutsche und die italienische Regierung oder deren Vertreter in diesem Ausschuß gerichtet sein kann. Den größten Gewinn Haden die Sozialdemokraten zu verzeichnen. Der Verlust der Radi k a l s o z i a l e n , der verhältnismäßig am größten ist, fällt aber nicht ins Gewicht, da die Radikalsozialen an diesen Wahlen mit 526 Vertretern weitaus die m e i st e n Vertreter in die Generalräte schicken. Der Gewinn der Kommunisten entspricht längst nicht ihren Hoffnungen. Ihre Gewinne haben sie hauptsächlich in der Umgebung von Paris zu buchen, da die Provinz kaum einen kommunistischen Generalrat gewählt hat. Den Verlust der Opposition haben tm wesentlichen die in der Demokratischen Vereinigung unter F l a n d i n zusammengefaßten Parteien zu tragen, da die äußerste Rechte, besonders die rechtsbürgerliche Republikanische Vereinigung und die Französische Volkspartei de la Rocques zusammen etwa 20 Sitze gewonnen haben. W Erwins der Arr^ndissemente-Wahlen. Ebenfalls nur geringe Verschiebungen. Paris, 18. Oft. (DNB. Funkspruch.) Nach der Uebersicht des Innenministeriums über die Ergebnisse der Arrondissements-Wahlen verteilen sich die in beiden Wahlgängen erzielten Ergebnis^ wie folgt auf die einzelnen Parteien. Paris, 18. Oft (DNB. Funkspruch.) Die ..... rechten Flügel der radikalsozialen Partei nahestehende „Republique" erklärt zum Ausgang der Wahlen, die Provinz, die im Jahre 1936 für die in Aussicht gestellten „sozialen Reformen" gewählt habe, sei zur Einsicht gekommen, daß solche Reformen wie es die Entwicklung ergeben habe, nicht gleichbedeutend sein dürften mit Unordnung in den Finanzen und auf der Straße, mit einem Rück- gang der Erzeugung und einer Steigerung der Lebenshaltungskosten Die Rechtsblätter betonen, daß die Hoffnungen der Linken nicht in Erfüllung gegangen seien, ob- Frankreichs Vorschlag vor dem Aichtemmischungsausschuß. Oie Zurückziehung der Freiwilligen auf beiden Seiten in kürzester Frist, Zubilligung der Rechte Kriegführender und verstärkte Kontrolle. Das Ergebüis bestätigt Entwicklung im ersten Wahlgang. Die Verschiebungen sind — bei über 1500 Sitzen — im ganzen genommen, gering, und dies Beharrungsvermögen kommt auch in der Wiederwahl sämtlicher Kabinettsmitglieder zum Ausdruck. Eine Ausnahme bildet lediglich der Handelsminister C h a p s a l, der im zweiten Wahlgang zugunsten eines günstigeren Volksfrontkandidaten zurückgetreten war. Auch sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die kandidierenden Parlamentarier wieder gewählt worden. Sozialrepublikaner Unabh. Sozialdemokrat. 21 Kathol. Volksdemokraten 18 241 Essen, 16. Okt. (DNB.) Die Studienreise Herzogs von Windsor wurde noch durch einen such der Ausstellung „Schaffendes Volk" in Düsseldorf ergänzt. Bei dem Rundgang unterrichtete sich der Herzog besonders über die neuen deutschen Werkstoffe. Er ließ sich von den Direktoren die Fabrikationsoorgänge erläutern und drückte dabei wiederholt seine Bewunderung über die Vollkommenheit der neuen deutschen Werkstoffe aus. Die Werke des Bochumer Vereins lernte der Herzog durch einen Blick vom Werkturm kennen. In der Lehrlingswerkstatt hielt er sich längere Zeit zwischen der schaffenden Jugend auf. Von der Betriebsführung erbat der englische Gast eine eingehende Darlegung der Voraussetzungen, die zur Erlangung der Auszeichnung „Nationalsozialistischer Musterbetrieb" Geltung haben. Die Fürsorgemaßnahmen des neuen Deutschland für die Arbei'tsopfer konnten dem Herzogpaar bei einem Besuch des Knappschaftskrankenhauses in Gelsenkirchen - Buer vor Augen geführt werden. Am späten Nachmittag suchte der Herzog die B e r g s i e d l u n g e n der Friedrich Krupp AG. auf. Die glückliche Verbindung von Architektur und Bepflanzung, die Einteilung der einzelnen Wohnungen, die moderne Lösung der Heizfrage und die reizvolle Anordnung der Fronten veranlaßten den Herzog zu der Fest- stellung, daß er derartige Werksiedlungen auf seinen wiederholten Reisen durch die Welt noch nicht zu sehen Gelegenheit gehabt habe. Oer nationale Vormarsch in Asturien. S a l a m a n c a , 18. Oktober. (DNB. Funkspruch.) Der nationale Heeresbericht vom Sonntag meldet: An der Ostfront schießen unsere Truppen von den höhen des Sueoe-Gebirges nach dem Meer hinab. Sie ließen die Linie Colunga —Car- ranöt hinter sich und besetzten diese beiden Ortschaften. Andere Kolonnen gingen über den Sella- Fluß und säuberten das gesamte von unseren Gruppen eingeschlossene Gebiet zwischen dem Sella-Tal und dem Sueve-Gebirge. An der Süd front gingen unsere Truppen über den Nalon- Fluß, nahmen die Stellungen im Norden von Campo de Caso und besetzten mehrere Dörfer. Eine große Anzahl von im dienstpflichtigen Alter Stehender kam in unser Lager, um auf unserer Seite zu kämpfen. Im Abschnitt Oseja de Sajambre kamen unsere Truppen auf der nach Cangas de Onis führenden Straße bis zur Camiello-Brücke, die vvm Feinde gesprengt war. Der Gegner leistete in ditz» fern Abschnitt keinerlei Widerstand. Unter der großen Anzahl Milizen die zu uns überliefen, befand sich auch ein Trupp Telegraphenarbeiter mit ihrem Chef. An der Leon-Front lief ein Leutnant mit 14 Mann zu uns über. Im Aragon- Kampfabschnitt Ebro griff der Gegner sehr heftig unsere Stellungen Funtes und Dertice Sillero an, wurde aber blutig zurückgewiesen. schulden an der Verzögerung der Freiwilligenfrage treffe. Die italienische Regierung stehe nach wie vor zum britischen Plan über die Zurückziehung der Freiwilligen. Nach Annahme des französischen Vorschlages erklärte sich Graf Grandi bereit, sofort einem Vorschlag zuzustimmen, der eine versuchsweise Zurückziehung von Freiwilligen, die gleiche Anzahl auf beiden Seiten, in Spanien ins Auge faßt. Er schlug vor, sich mit diesem Vorschlag sobald als möglich an beide Fronten in Spanien zu wenden und nach Eintreffen die Einzelheiten dieses Vorschlages zu regeln. Volschasler von Mbenttop stellte zunächst die Verantwortung Sowjetrußlands für das Scheitern des brittschen Planes vom Juli fest und legte dar, daß Deutschland und Italien von allem Anfang an in der Frage der Freiwilligenzurückziehung eine positive Haltung eingenommen haben. Wenn heute eine gewisse internationale Presse gewissermaßen England und Frankreich als den Vater dieses Gedankens der Zurückziehung der Freiwilligen hinstellt, so muß Deutschland dies als eine Entstellung und ein Täuschungsmanöver ab lehnen. Deutschland und Italien als Urheber dieses Gedankens sind nach wie vor bereit, die Frage der Zurückziehung der Freiwilligen innerhalb des Gesamtrahmens des britischen Planes zu besprechen. Wenn die Diskussion hierüber aber fruchtbar sein soll, wenn wir wirklich zu einer Lösung kommen wollen, so muß die Frage mtt dem gesunden Menschenverstand angepackt werden. Entscheidend sind hierbei: 1. die Garantien, damit wirklich sämtliche Freiwilligen von beiden Seiten ausgekämmt werden: 2. die Garantien, damit die ausgekämmten Freiwilligen nicht wieder zurückkehren. Der erste Punkt hängt von den beiden spanischen Parteien selbst ab, der zweite Punkt von der Fähigkeit dieses Ausschusses, ein wirksames Kontrollsystem um Spanien wiederherzustellen. Gelingt dies nicht, so ist die Auskäm- mung der Freiwilligen aus Spanien von vornherein sinnlos. Es bleibt dies bei den roten Spaniern die schwierigste Frage des ganzen Freiwilligenproblems. Denn bei diesen freiwilligen Bolschewiken handelt es sich meist um asoziale Elemente, die von allen Teilen der Welt dort hingeströmt sind und die ihre Heimatländer meist nur sehr ungern oder wohl gar nicht wiedersehen wollen. Sind die Valenciamachthaber überhaupt in der Lage, diese Elemente ohne Anwendung von Gewalt zum Verlassen spanischen Bodens zu gleich sie einen großzügigen Werbefeldzug entfaltet hatten. Das „Journal" entnimmt der Wahlstatistik, daß der extreme Linksruck zum Stillstand gekommen sei. Es bedürfe dialektischer Spitzfindigkeiten, um diese Wahlen als einen „Ruck zum Marxismus" auszulegen. Den Verlust der Mittelparteien erklärt das Blatt damit, daß sie in verschiedenen Kantonen ungeachtet ihrer eigenen Einstellung für denjenigen Kandidaten gestimmt hatten, der ihnen am meisten national gesinnt erschienen sei. Der „Figaro" sieht die Bedeutung der Wahlen in einem Rückgang der linksradikalen Welle vorn Frühjahr 1936. Die Befreiung der Regierung und der französischen Politik vorn kommunistischen Klub sei unentbehrlicher in der gegenwärtigen Stunde als die französischen Wähler es gestern empfunden zu haben schienen. Der „Matin" stellt fest, als die große sozialdemokratisch-kommunistische Welle, die „alles Hinwegfegen und die Stimmung vom Juni 1936 wieder aufleben lassen" wollte, nur im Departement Nord Wirkung gehabt habe. Eines der wenigen Departements, in dem die Mehrheit des Generalrates eine Aenderung erfahren habe. Die politische Lage scheine zum mindestens g e f e ft i g t. Die Ordnungsparteien seien vielleicht unerfreulich stark gespalten. Sie seien aber dessen ungeachtet die Beherrscher der Lage, da sie mehr als zwei Drittel der Sitze innehätten. Paris, 18. Okt. (DNB. Funkspruch.) Nach den endgültigen Ergebnissen der Kantonalwahlen ergibt sich folgende Uebersicht über die Wahlverschiebungen in den beiden Wahlgängen vom 10. Oktober ..... Sonntag: Oer Groß-Musti von Jerusalem in Syrien. Jerusalem, 16. Okt. (DNB.) Wie aus Damaskus verlautet, befindet sich der Groß-MufÜ zwar auf dem Boden des französischen Mandatsgebietes, aber in einem noch unbekannten Ort i n Polizeigewahrsam. Es war bisher lediglich in Erfahrung zu bringen, daß der Mufti bei guter Gesundheit sei. Ob er wegen eines mangelnden Visums oder vielleicht zwecks Auslieferung an die britische Mandatsregierung in Palästtna polizeilich festgehalten wird, ist noch unbekannt. den Generalratswahlen ersichtliche Entwicklung. Das Mo her WaUen. Der extreme Linksruck zum Stillstand gekommen. London, 16. Okt. (DNB.) In der Samstagsitzung des Nichteinmischunasausschusses wurde beschlossen, einen französischen Vorschlag den Regierungen zu unterbreiten, der aus folgenden fünf Punkten besteht: 1. Sämtliche Ausländer in Spanien, die Kriegsdienste leisten, sollen so schnell wie möglich zurückgezogen werden. 2. Sobald ein Ausschuß in Spanien an Ort und Stelle f e st st e l l t, dah die Zurückziehung der Freiwilligen in ausreichendem Mähe im Gange ist, sollen beide Parteien in Spanien beschränkte Kriegführende-Rechte erhalten. 3. Sämtliche Mitglieder des Richleinmi- schungsausschusses sollen ihren gesamten Einfluh bei den Regierungen in Salamanca und Valencia aufbieten, um diese zur sofortigen Entlassung einer proportio- nellen Anzahl von Freiwilligen zu veranlassen. 4. Sämtliche Mitglieder des Richteinmi- schungsausschusses sollen sich noch einmal feierlich verpflichten, keine Freiwilligen und kein Material für Luftkriegszwecke nach Spanien zu schicken. 5. Der Bericht van Dulm-Hemming, der eine Wiederher st ellung und Vervoll- ständigung der Kontrolle Vorsicht, soll, sobald es möglich, der jetzigen Lage angepaht und in Kraft gesetzt werden. Ferner wurde beschlossen, einen italienischen Ergänzungsantrag zu diesem französischen Vorschlag den Regierungen zu unterbreiten. Zur Besprechung der Stellungnahme der Regierungen soll der Ausschuh a m Dienstag um 16 Ahr wieder zujamme n t r e t e n. In der Sitzung begründete zunächst der französische Vertreter den Vorschlag seiner Regierung und knüpfte hieran die Feststellung, daß die französische Regierung, falls sich nicht in kurzer Zeit eine Lösung des Freiwilligenproblems ergebe, sich die volle Freiheit des Handelns zurücknehmen werde. Lord Plymouth unterstützte den Vorschlag der französischen Regierung und erklärte, daß auch die britische Regierung sich ihre Handlungsfreiheit vorbehalte, falls die gegenwärtigen Bemühungen scheitern sollten. Botschafter Graf Grandi betonte hierauf in längeren Ausführungen, daß Deutschland und Italien kein 93 er- Auf dem größten Flughafen Palästinas, in Lydda in der Nähe von Jaffa, brannten die Gebäude der drahtlosen Station, der Paßkonttolle und des Zolles völlig nieder. Zweifellos liegt ein Brandstiftungsakt vor. Die Stadt Jerusalem war in der Nacht der Schauplatz unzähliger Schießereien. Auch in zahlreichen anderen Orten wurde aeschossen. Als Vergeltungsmaßnahme für den Anschlag im Flughafen Lydda sprengten die Engländer zwei Wohnhäuser arabischer Notabeln in Lydda in die Luft und verhafteten 48 Araber. Sie wurden in das Konzentrationslager Akko gebracht. Ein neues Riesenbombenflugzeug in Amerika. W a s h i n g t o n, 17. Okt. (DNB.) Nach einer Mitteilung des Kriegsministeriums sind die ersten Probeflüge des neuen riesigen Armeebombenflugzeuges erfolgreich verlaufen. Bei dem neuen Flugzeug, das sogar die als „fliegende Festungen" bekannten Armeeflugzeuge an Größe übertrifft, handelt es sich um einen in Stromlinienform gebauten Ganzmetalleindecker, der u. a. mit sechs Maschinengewehren b e - ft ürft ist. Seine vier Motoren entwickeln 4000 PS. Die Stundengeschwindigkeit wird nicht angegeben. ----------------- j Der Sowjetbotschafter Maisky versuchte darzulegen, daß die Nichteinmischung völlig g e s ch e i - tert fei, und daß es nunmehr an der Zeit wäre, die rote Valencia - Regierung mit Waffen zu versorgen. Trotzdem erklärte er sich persönlich bereit, den französischen Vorschlag seiner Regierung zu unterbreiten. Lord Plymouth stellte hierauf fest, daß durch die Bereitschaft aller anroefenben Vertreter, den französischen Vorschlag ihren Regierungen zu unterbreiten, ein ausreichender Fortschritt erzielt worden fei, so daß die nächste Sitzung noch Dienstagabend unberufen werden könne. Anstelle von Lord Plymouth wird Außenminister Eden den Vorsitz führen. Lord Plymouth ist am Dienstag nicht in London. Vor d. Nach d. GeParteien Wahlen Wahlen winn Kommunisten 10 41 31 Sozialdemokraten 163 234 71 Gemäß. Sozialdemo trat. 22 17 — Vord. Parteien Wahlen Nach d. Wahlen Gewinn Verlust Kommunisten 23 66 43 — Sozialdemokraten 225 309 84 — Gemäß. Sozialdemokrat. 7 5 — 2 Republik. Soziale 31 22 — 9 Unabh. Soziale 36 20 — 16 Radikal-Soziale 581 544 — 37 Unabh. Radikale 147 114 — 33 Kathol. Volksdemokraten 45 54 9 — Linksrepublikaner 315 237 — 78 RechtsbürgeAich- Republik.Vereinigung 381 391 10 — Konservative 66 68 2 — Französ. Sozial-Partei (de la Rocque) 6 29 23 — 'tu. X Ä ^Qr. ‘Ort. Seih. JQfnen 15 fiih, E votn ‘n bit. * oro. befand ’brem utnant ‘gon. E'sehr Slllero en. ► t. ^faltet statistik, Still, bischer 1 „Ruck er Mit. in Der. «.Ein- hatten, Dienen Wahlen kalen ng der r kam- gegen- [er es tbemo« linweg» viriler emut weniger Benerol politisch, Jt. Di! nerfreu- ungeach- als zwei lern ms Jk> rß-M Matt Ort in üitfiij guter Mden an die ckzeilich rind- a i rolle Ä liegt serusaim : Schi!' en Orten ihme für engten er ara- ie Luft l in das izeug >r iner Mit' ie ersten mbenflug- uen Flug' ngen" be> rifft ha"' enforin er, del ren be' , 4000 PS- gegeben- «reise U einen »«- Dolk"'" nterrichtet^ i deutsche" ktoren die jdte dabe' , Dollkoch' a15' M lernte » ’ m,enS iS'» > 5 Ä LÄ »HS WÄ CF IP' Aas freie Mer Hilst unsere Ernährung zu sichem. Reichsrninister Darre über die Bedeutung des Fischfanges für unsere Fett- und Fleischversorgung. Hamburg, 17. Okt. (DNB.) Bei einer Feier aus Anlaß des 50jährigen Bestehens der Fischmärkte Hamburg und Altona wies Reichsminister Darrs aus die Lage der deutschen Fischwirtschaft hin. Vorläufig stehe uns zur Vergrößerung unseres engen Lebensraumes nur eine „Kolonie" zur Verfügung: d a s freie Meer. Wir machen die größten Anstrengungen, diese Kolonie für die Verbreiterung unserer Ernährungslage heranzuziehen. Deutschland schicke zum ersten Male in größerem Umfange Wal- fanaflotten in das südliche Eismeer. Wir hofften, durch ihren Einsatz 85 OOO Tonnen Walöl für die deutsche Fettversorgung zu gewinnen. Qmar sei es gelungen, den Anteil der Jnlands- erzeugung feit 1933 von 40 auf 50 bis 55 v. H. zu erhöhen, 45 v. H. unseres Fettbedarfes müßten wir aber immer noch aus dem Auslande einführen. Das freie Meer stelle uns weiter zur Sicherung der Ernährung in reicher Fülle auch die Fisch- nah rung zur Verfügung, die unsere Versorgung mit Eiweiß von der Einfuhr unabhängiger machen könne. Fisch sei auch Fleisch. Daher sei es gut möglich, den Fleischbedarf des deutschen Volkes zu einem erheblich größeren Teil als bisher durch den Verzehr von Fischen zu decken. 1913 seien im Durchschnitt von jedem Deutschen nur fünf Kilogramm Fisch verzehrt worden, bis 1936 fei der Verbrauch auf 12 Kilogramm gestiegen. In England liege der Fischverzehr mit 25 Kilogramm und in Japan mit sogar 50 Kilogramm noch ganz erheblich höher als bei uns. Das zeige, daß wir beim Fischoerbrauch in Deutschland noch läng st nicht die Grenze des Möglichen erreicht haben. Um zu einer weiteren Steigerung zu kommen, mußten zwei Dinge von der Fischwirtschaft besonders beachtet werden: Weitgehende Stetigkeit der Preise und Werbung für einen stärkeren Fischverzehr ausschließlich nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Festpreise für Fische könnten dann eingeführt werden, wenn einmal das Problem ter Vorratswirtschaft gelöst sei. Erreicht sei aber schon, daß die Preisschwankungen auf das geringste Maß herabgedrückt sind. Die Einführung eines Preissystems sei die Voraussetzung dafür, daß der volkswirtschaftlich notwendige Ausbau unserer Fangflotten überhaupt erst feine Verwirklichung gefunden habe. Mit der P r o d u k t i o n s st e i g e - rung sei es notwendig, vor allen Dingen in den Zeiten der großen Anlandungen den Fischver- brauch zu heben. Der Erfolg sei abhängig von der Transportfrage und von der Einrichtung einwandfreier Fischläden. Die H e - ringsfänge seien in diesem Jahre glücklicherweise besonders reichlich. Der Minister richtete an alle deutschen Hausfrauen die Bitte, sich in den nächsten Tagen und Wochen besonders dem Verbrauch von Heringen zuzuwenden. Der Hering sei einer unserer wertvoll st en Fische und gleichzeitig d e r b i l l i g st e. Rach den Feststellungen des Stattstischen Reichs- amtes betrage die diesjährige Kartoffelernte 52,5 Millionen Tonnen. Das sei eine Rekordernte, wie sie Deutschland bisher niemals gehabt habe. Sie übersteige die vorjährige Ernte um nicht weniger als 6 Millionen Tonnen. Die Ernte könne jedoch nur dann erfolgreich verwertet werden, wenn gleichzeitig zur Verwendung in der Schweinemast das notwendige Eiweiß futter zur Verfügung stehe. Diese Aufgabe habe in steigendem Maße die deutsche Fischmehlerzeugung zu erfüllen. Der Minister richtete an alle die Aufforderung, mitzuarbeiten an dem großen Werk der Ernährungsfreiheit; denn nur dann, wenn alle | zusammenständen, könne Deutschland leben. Krankheiten -er „Llebergangszeit". Was tut man gegen eine Erkältung? Von Or. 3R Münchmann. Eines der häufigsten und alltäglichsten Leiden, das besonders in den „Uebergangs- zeiten", vor allem im Herbst und beginnenden Winter eine außerordentlich große Rolle spielt, ist die Erkältung. Wohl jeder hat sie schon durchgemacht und weiß daher über ihren Verlauf ziemlich genau Bescheid. Dennoch herrschen gerade über die Erkältungskrankheiten vielfach falsche Vorstellungen; recht oft handelt es sich bei ihnen um heimtückische und gefährliche Leiden, die keineswegs so harmlos sind, wie man allgemein annimmt Merkwürdigerweise stellt die Erkältung ein bis heute ungelöstes wissenschaftliches Problem dar; trotz aller mühevollen Forschungsarbeiten ist es noch »licht gelungen, die Ursachen und das Wesen der lErkältungskrankheiten restlos zu klären. Immerhin haben die Untersuchungen der letzten Zeit einiges Licht auf dieses strittige Problem geworfen. Man nimmt an, daß die Kältewirkung allein nicht dazu ausreicht, eine sogenannte Erkältungskrankheit, wie etwa Schnupfen oder Kehlkopfkatarrh, zu erzeugen, vielmehr gehört immer noch die Einwirkung von Krankheitskeimen dazu. Wie ja allgemein bekannt ist, gibt es Menschen, die sich so gut wie nie erkälten, während andere bei jeder Kleinigkeit Schnupfen und Halsschmerzen bekommen; aus wissenschaftlichen Versuchen weiß man, daß bei manchen Menschen eine wahrscheinlich angeborene Empfindlichkeit gegen Wärmeentzug und Kälte, eine besondere „Erkältungsneigung", besteht. Bei solchen Menschen werden durch das Nützliche Einströmen oon kalter Luft in die Rase die Gefäßnerven gereizt, wodurch es zu einer raschen Zusammenziehung der Blutgefäße und Blutleere der Schleimhaut kommt. Dadurch wird die Abwehrkraft der Nasenschleimhaut gegen eindringend Krankheitskeime herabgesetzt. Nach dieser anfänglichen Blutleere erweitern sich plötzlich die zusammengekrampf- len Gefäße, es strömt viel Blut in die Schleimhaut ein, die sich rötet und anschwillt, und dieser Vorgang scheint die Infektion der Nasenschleimhaut noch mehr zu fördern. Menschen, die derart „überempfindlich" sind, müssen sich also ganz besonders □or Zug und plötzlicher Kälte hüten. Katarrhe der Lustwege. Man rechnet zu den Erkältungskrankheiten in erster Linie die verschiedenen Katarrhe und Entzündungen der oberen Luftwege. Wenn sich ciuch die krankhaften Prozesse im wesentlichen auf Nase, Mandeln, Rachen und Kehlkopf beschränken, !v darf man doch nie vergessen, daß bei solchen entzündlichen und katarrhalischen Vorgängen in mehr ober weniger schwerem Ausmaße fast immer der ssanze Organismus mit betroffen ist. Dies zeigt sich schon an der allgemeinen Benommenheit, dem Temperaturanstieg und dem körperlichen Schwächegefühl, mit dem auch anscheinend geringfügige Hals- lotarrhe oft einhergehen. Von großer Bedeutung ist ferner die Tatsache, daß Halsentzündungen mitunter nicht auf bloßer „Erkältung" beruhen, fon- lern auch die ersten Anzeichen gefährlicher Jnfek- iionskrankheiten darstellen können; das ist z. B. : bei Grippe, Scharlach und Diphtherie der Fall. Die rechtzeitige Erkennung solcher Krankheiten und die Unterscheidung von gewöhnlichen Hals- und Mandelentzündungen ist dem Laien unmöglich, daher oott man bei fieberhaften Halskrankheiten umgehend den Arzt zu Rate ziehen. Das häufige Vorkommen von Entzündungen in Vase, Rachen und Kehlkopf ist leicht zu verstehen, Denn man bedenkt, daß diese Organe den Anfang les Luft- und Speiseweges bilden; sie haben sozusagen den Eingang ins Körperinnere zu bewachen. 2üe Nase stellt einen großartigen Filter- und Rei- rigungsapparat dar, kleine Staub- und Schmutz- trilchen werden von der Schleimhaut aufgefangen, ti.it Schleim umhüllt und durch feinste Flimmer- liirchen nach außen befördert. Außerdem wird die ! Ttmungsluft in der Nase vorgewärmt und damit ein wichtiger Schutz der tieferen Luftwege erzielt. Cine wichtige Besonderheit der Nase stellen ferner faire geräumigen „Nebenhöhlen" dar, die im Anschluß an einen heftigen Schnupfen mitunter zum Kitze langandauernder Eiterherde werden können; schließlich steht die Nasenhöhle durch einen Kanal mit dem Mittelohr in Verbindung, das also von d-r Nase aus „angesteckt" werden kann. Abgesehen vom Schnupfen, der ja die häufigste und harmloseste Erkältungskrankheit darstellt, findet man die Rachen-, Kehlkopf- und Luftröhrenkatarrhe am weitesten verbreitet. Nach Erkältungen treten oft alle diese Erkrankungen gemeinsam auf; überall kommt es zur Rötung und Schwellung der Schleimhaut, der Patient hat infolge seiner erhöhten Schleimabsonderung ein „klotziges" Gefühl im Halse. Manchmal besteht heftiger Hustenreiz, wobei die Sprache einen matten und heiseren Klang bekommt. Eine sehr wichtige Ursache für Rachen- und Kehlkopfleiden stellen langwierige Erkrankungen der Nase dar, bei denen der Luftweg durch die Nasenhöhle verlegt ist und infolge der Mundatmung Rachen und Kehlkopf dauernder Austrocknung und vermehrten schädlichen Reizen ausgesetzt sind. Halskatarrhe treten aber gelegentlich auch ohne vorherige Erkältung auf, und zwar gewöhnlich nach dauernden Reizungen durch Dämpfe, Einatmung von Staub ober stänbige Überanstrengung ber Stimme. Bei der Behandlung solcher Leiten kommt es in erster Linie darauf an, die schädlichen Ursachen wie Staub, Rauch und Kälte zu vermeiden und die Stimme möglichst zu schonen. Die Mandelentzündung. Eine besonders wichtige Rolle unter den Erkältungskrankheiten des Halses spielt die Mandelentzündung (Angina), die in verschiedenen Formen auftritt und an Häufigkeit hinter den Halskatarrhen kaum zurücksteht. Die Mandeln haben die wichtige Aufgabe, Krankheitskeime, die von außen kommen, abzufangen und wirken gewissermaßen als Filter. Sie müssen also mehr als andere Organe des Körpers dauernd mit schädlichen Keimen kämpfen — und auf diese Weise können sie leicht selbst zu gefährlichen Krankheitsherden im menschlichen Körper werden. Mandelentzündungen und -schwel- lungen sind ein überaus häufiges Leiden, das — besonders bei wiederholtem Auftreten — sehr ernst zu nehmen ist! Wir wissen heute, daß jede Mandelentzündung eine Allgemeinerkrankung des Körpers und nicht etwa bloß einen lokalen Prozeß an einer Stelle des Halses darstellt. Bei manchen Menschen besteht eine deutliche Neigung zu häufigen Mandelentzündungen; wenn hier nicht rechtzeitig Abhilfe geschafft wird, kann es zu schlimmen Folgen, wie Entzündung des Herzens, der Nieren und zu Gelenkrheumatismus kommen. Bei den einfachen Entzündungen dieser Art sind die beiden Gaumenmandeln gerötet und etwas geschwollen; sie springen daher deutlich sichtbar zu beiden Seiten des Rachens vor. Dieses Leiden geht gewöhnlich mit geringer Temperaturerhöhung einher und verschwindet nach einigen Tagen von selbst. Wesentlich ernster ist Die sogenannte eitrige Mandelentzündung, die mit hohem Fieber beginnt. Hier sieht man gelbliche Belege und Pfropfe an den Mandeln, ein Bild, das dem Anfangssta- dium anderer Infektionskrankheiten ähneln kann und daher unbedingt dem Arzt zu zeigen ist. Die Pfropfe fitzen in den zahlreichen Buchten und Vertiefungen der Mandeln; häufig bildet sich bei diesen Fällen ein eitriger Abszeß unter der Schleimhaut, der außerordentlich heftige Schmerzen und Beschwerden beim Schlucken verursacht. Hier ist für rechtzeitige operative Eröffnung des Eiterherdes zu sorgen. Auch die eitrige Mandelentzündung kann nach mehreren Tagen von selbst verschwinden, in anderen Fällen aber kommt es zu Wiederholungen und zu chronischen Entzündungen. Die Behandlung der Angina richtet sich natürlich nach der Art des einzelnen Falles. Ganz allgemein empfiehlt es sich, mit desinfizierenden Mitteln (z. B. Wasserstoffsuperoxyd) zu gurgeln, Halsumschläge anzuwenden und vor allem — auch bei der einfachen Entzündung — im Bett zu bleiben. Wenn die Mandelentzündungen nicht zurückgehen und sich wiederholen, so führt dies zu dauernder Pfropfbildung in den Nischen der Gaumenmandeln. Allmählich können sich diese unscheinbaren Organe zu höchst gefährlichen Krankheitsherden entwickeln, von denen aus dem ganzen Körper schwerer Schaden droht. In den Buchten und Falten der dauernd entzündeten Gaumenmandeln bilden sich Schlupfwinkel für Bakterien, die eines Tages ins Blut geraten und Entzündung ter Nieren, der Gelenke, des Herzens, ja allgemeine Blutvergiftung verursachen können. Diese chronischen Mandelentzündungen und -pfropfe dürfen keinesfalls leicht genommen werden und sind rechtzeitig einer wirksamen Behandlung zugänglich zu machen. Oft genügt es schon, wenn man die Buchten und Nischen aus- drückt und die gelben Pfropfe entfernt; am wirk- amften und besten aber ist es, die Gaumenmandeln herauszunehmen und damit diesen gefährlichen Krankheitsherd ein für allemal zu beseitigen. Jtunbfunfentflörung. In Breslau wurde die schlesische Runbfunkaus- tellung eröffnet, wobei der Präsident der Reichs- runbfunffammer, Kriegler, erklärte, der Erfolg der Rundfunkpropaganda hänge von drei Faktoren ab: Gestaltung eines guten Programms, Schaffung leistungsfähiger und preiswürdiger Empfangsgeräte und ein von technischen und atmosphärischen Störungen freien Rundfunkempfang. Die techni- chen Empfangsverhältnisfe feien hier und da noch mit Sorge zu betrachten. Soweit diese ein Verschulden des Hörers selbst seien, werde man ie durch Aufklärung leicht beseitigen können. Aber las Problem der Entstörung habe bei den großen Störungszentren in den Städten noch nicht b e - riedigend gelöst werden können. Die politische Rundfunkführung sei nicht gewillt, die Erfolge ihrer Arbeit einseitig von anderen Institutionen finanziell ausnutzen zu lassen, ohne daß diese ihrerseits den guten Willen zeigten, bei der Umsatzsteigerung, die sie dem Rundfunk verdankten, nun auch dem Rundfunk durch geeignete Entftö - rungsmaßnahmen zu helfen und die Rundfunkentwicklung, die ihnen zugute komme, nach Kräften zu fördern. Die Elektrizitätswerke feien ausschließlich Nutznießer des geroaltigen Aufschwunges der Rundfunkentwicklung. Präsident Kriegler erklärte, daß im nächsten Jahr drei Fernseh- Senderin Betrieb sein würden, einer in Berlin, einer auf dem Feldberg und einer aus dem Brocken. 16 Millionen deutsche Volksgenossen können damit vom nächsten Jahre ab am Fernsehrundfunk teilnehmen. Dieser Entwicklung werde auch die Industrie Rechnung tragen. Die Nolle der Brüder Kagauowitsch im Kreml. Moskau, 16. Okt. (DNB.) Eine amtliche Verlautbarung besagt, daß der bisherige Volkskommissar für Kriegsindustrie, Ruchimowitsch, ab gesetzt und Michael Kagauowitsch an seine Stelle getreten fei. Michael Kagauowitsch ist ein Bruder des Kommissars der Schwerindustrie, Lazar Kaga- nowitsch. Seit einigen Jahren unterstand ihm im besonderen die russische Aviatik-Industrie. Seine Ernennung ist ein Zeichen dafür, daß der Stern der Brüder Kaganowitsch (der dritte Bruder Jurij Ka- ganowitsch ist Parteisekretär des Gebietes Nischui- Nowgorod) im Steigen ist. Lazar Kaganowitsch hat seine maßgebliche Parteistellung als Zweiter Sekretär der Bolschewistischen Partei und als Mit« glied des Polit-Büros behalten. Auch sein Bruder, der jetzige Kriegsindustrie-Kommissar, bekleidet ein hohes Parteiamt als Mitglied des Organisationsbüros. Damit find also zwei der wichtigsten Volkskommissariate in den Händen der Brüder Kagauowitsch. Auch die Frau Stalins ist eine Kaganowitsch. Llm die Mongolei. In Nordchina haben die Japaner im Verfolg ihrer weitausgreifenden Offensive auch die I n - nere Mongolei zu besetzen begonnen, deren wichtigste Provinz mit ihrer Hauptstadt Kweisui den Namen S u i y u a u führt. In Japan mehren sich nun die Stimmen, die einen Vorstoß von Truppen der Aeußereu Mongolei befürchten. Zunächst hat es mit den $roei mongolischen Gebieten folgende Bewandtnis: Sie sind genannt aus dem Blickvunkt oon Peking, von wo aus Suiyuan das nähere mongolische Gebiet darstellt und darum „Innere Mongolei" heißt, während die „Aeußere Mongolei" weiter von Peking entfernt liegt und allmählich in die sibirische Ebene westlich des Baikal-Sees übergeht. Beide mongolischen Gebiete gelten staatsrechtlich als zu China gehörig; tatsächlich haben sich aber die Sowjetrussen feit 1921 in der Aeußereu Mongolei festgesetzt, die auch, wie jedes andere Volksgebiet in der sog. „Vereinigung der Sowjet-Staaten" den Namen einer (mongolischen) Volksrepublik führt. Im März 1936 hat Moskau mit dieser Volksrepublik einen Beistandspakt abgeschlossen, ohne sich um die Souveränitätsrechte Chinas auch nur einen Deut zu kümmern, die durch diesen Beistandspakt natürlich aufs Stärkste betroffen wurde. Die Sowjetrussen haben seit Jahren die Truppen der Aeußereu Mongolei militärisch ausgerüstet, auch mit Panzerwagen und Flugzeugen und selbst zivile Luftlinien eingerichtet. Praktisch gesehen handelt es sich in der Mongolei um sowjetrussische Streitkräfte, die in weitem Umfange motorisiert sind. Es würde natürlich in das Spiel Sowjetrußlands vortrefflich paffen, jetzt, nach Ausbruch des chinesisch-japanischen Konfliktes, eigene Streitkräfte unter chinesischer Flagae ins Treffen zu führen. Die Japaner haben ihrerseits ihre Truppen in der Mandschurei verstärkt — eine Tatsache, die gegenüber den Kämpfen in Schanghai und in Nvrdchina — allzu stark in den Hintergrund getreten ist. B. R. Aus aller Well. Der Fall Dr. Gründel. Vor dem Landgericht in München ging dieser Tage ein Prozeß zu Ende, der sowohl wegen der Ungewöhnlichkeit des Falles als auch wegen der beteiligten Personen von Interesse ist. Der Schriftsteller Dr. Günther Gründel hat in einem Anfall oon geistiger Storung seinen Vater, Oberstleutnant a. D., der als Offizier im Weltkriege u. a. mit dem „Pour le msrite" ausgezeichnet worden war, in der Nacht vom 6. auf 7. Dezember vorigen Jahres erdrosselt. Dr. Gründel, der in München Staatswissenschaften studiert und 1922 den Dr. rer. pol. mit Auszeichnung erworben hatte, berichtete im Verlaufe der Vernehmung ausführlich über feine literarischen Werke, die dem Ziele dienen sollten, Mittel für die Ausarbeitung einer Erfindung, des schwerelosen Luftschiffes, zu bekommen. Sein Bestreben sei darauf gerichtet gewesen, sich ein Laboratorium anzuschaffen. Ein politisches Buch, „Die Sendung der jungen Generation", ist sehr verbreitet und in mehreren Sprachen übersetzt worden. Auf das Verhältnis zu feinem Vater eingehend, erklärte er, daß er die vergangenen Jahre mit ihm in gutem Einvernehmen gelebt habe und daß es ihm unbegreiflich fei, wie der Haß feines Vaters gegen ihn entstand. Die Spannung habe sich schließlich bei einer heftigen Auseinandersetzung entladen. Obwohl er sich mit feinem Vater nach der Auseinandersetzung wieder versöhnt habe, erklärte Dr. Gründel, hätte der Vater während seines Erholungsaufenthalts im Ausland von ihm nochmals eine ausdrückliche Entschuldigung verlangt, die er ihm jedoch versagt habe. Dieser Umstand sei nach seiner Rückkehr der Grund zu weiteren Unzuträglichkeiten gewesen, die schließlich in ihm den Gedanken reifen ließen, den Vater in so große Erregung zu versetzen, daß ihn ein Schlaganfall treffe. Der Angeklagte hatte in der verhängnisvollen Nacht den Vater geweckt und dem alten Herrn ein Schriftstück vorgelesen, daß er (Angeklagter) verfaßt hatte, und das schwere ehrenrührige Beschuldigungen gegen den ehemaligen Offizier enthielt. Als der Vater darauf in großer Erregung aus dem Bette sprang, kam es zu einem Handgemenge, wobei der Sohn den Vater würgte und schließlich mit einem Kopfkissen erstickte. Der Hauptsachoerständige von ber Psychiatrischen Klinik erklärte, baß es sich seiner Ansicht nach bei Dr. Orünbel um einen an geistiger Erkrankung leidenden Menschen handle, die Krankheit bestehe noch fort. Das Gericht erkannte, gestützt auf die Sachverständigen-Gutachten, schließlich auf Einweisung in eine Heil- und Pflege-Anstalt. Gleichstand im Schachwellmeisterkampf. In der 6. Partie des Schachweltmeister- schaftskampfes wählte Aljechin, der die weißen Steine führte, eine Gambitfortsetzung der Kanalvariante, auf die Euwe die richtigen Gegenzüge nicht finden konnte. Schon nach dem 12. Zuge wurde seine Lage aussichtslos. Nach dem 23. Zuge gab er auf. Der Stand ist demnach bei je zwei Gewinn- und zwei Remispartien mit 3:3 Punkten wieder ausgeglichen. Preußisch-Süddeulsche Klassenlotterie. Der Präsident der Preußisch-Süddeutschen Klaffenlotterie teilt mit: Das Einschütten und Vermischen der 400 000 Losnummernröllchen für die 50. P r e u- ßisch-Süddeutsche Klaffenlotterie und her 10 000 Gewinnröllchen für die Erste Klasse dieser Lotterie erfolgt am Dienstag, 19. Oktober 1937, 9 Uhr, öffentlich im Ziehungssaal des Lotteriegebäudes, Berlin, W 3/5, Margaretenstraße 6. Am Einschüttungstage um 9 Uhr kann sich jeder Spieler persönlich oder durch einen Beauftragten die von ihm gespielte Losnummer vorzeigen lassen und davon überzeugen, daß seine Losnummer in das Nummernrad gelangt. Beauftragte, die diese Nachprüfung für die Spieler gewerbsmäßig besorgen, werden nicht zugelassen. Die Ziehung der Ersten Klasse der 50. Lotterie beginnt am gleichen Ort, am Mittwoch. 20. Oktober, morgens 8 Uhr. hervorragende Flugleistung des Lufthansa-Flug- zeuges „Nordwind". Das Flugzeug „Nordwind" der Deutschen Lufthansa landete am Sonntag um 21.50 Uhr in Neu- york. Die Maschine wurde am Sonntagfrüh um 6 Uhr von dem schwimmenden Flugstützpunkt „Schwabenland" bei Horta (Azoren) abgeschossen. Die Besatzung, bestehend aus den Flugkapitänen v. Engel und Henke, sowie dem Flugzeugfunker Stein und dem Flugmaschinisten R ö s e l, überflog um 15.45 Uhr den Dampfer „Europa" des Norddeutschen Lloyd, dessen Fahrgäste dem Atlantikflugzeug begeistert zuwinkte. „Nordwind" hat demnach die 3850 Kilometer lange Strecke Horta— Neuyork in 15 Stunden 50 Minuten zurückgelegt. Internationales Tanzturnier in Berlin. Zu einem gesellschaftlichen Ereignis der Reichshauptstadt gestaltete sich das Internationale Tanzturnier um den Großen Preis von Europa, das unter dem Protektorat ber Reichstheaterkammer vom Reichsoerband zur Pflege des Gesellschaftstanzes im Zoo.durchgeführt wurde. 15 Paare aus zwölf Ländern zeigten ihr hohes Können, darunter das langjährige englische Meisterpaar John Wells und Renee Sissons, das auch diesmal wieder den Titel der Europameisterschaft erhielt. Es ist ein erfreuliches Zeichen für den hohen Stand der Tanzkultur in Deutschland, baß die beiden teilnehmenden deutschen Paare — Otto Teypel und Frau (Wiesbaden) und Wolfram Saure -S. Rauchhaltz (Berlin) — gegen die schärfste internationale Konkurrenz den zweiten und dritten Siegespreis erringen konnten. Weiter folgten die Meisterpaare aus Oesterreich, der Tschechoslowakei, Dänemark, der Schweiz und Jugoslawien. Mit dem Auto in den Rhein gestürzt und ertrunken. Zu einem folgenschweren Verkehrsunglück kam es auf der Rheinuferstraße oberhalb von Lorch. Ein mit großer Geschwindigkeit aus Richtung Aß- r^annshausen kommender Personenkraftwagen fuhr beim Ueberholen eines Winzerwagens gegen das Geländer der Uferstraße, überschlug sich und stürzte die etwa acht Meter hohe Böschungsmauer hinunter in den Rhein. Der Fahrer, der einzige Insasse, wurde zwischen Sitz und Steuerrad eingeklemmt und ertrank. Winzer, die in den Weinbergen in Nähe arbeiteten eilten sofort zur Hilfe herbei, aber der Fahrer war bei feiner Bergung bereits tot. Wetterbericht des Reichswetterdienstes, Ausgabeort Frankfurt a. 21L Durch den Aufbau eines zenttalen europäischen Hochdruckgebietes bleibt die über Skandinavien hinwegführende äußerst heftige Wirbeltätigkeit ohne stärkeren Einfluß auf unser Wetter. Diese wird im wesentlichen durch hohen Luftdruck bestimmt, wobei entsprechend der vorgeschrittenen Jahreszeit Neigung zu Nebelbildung besteht. Aussichten für Dienstag: Abgesehen von Nebel- ober Hochnebelbildung vielfach heiter, trocken, Temperaturen der Jahreszeit entsprechend, im Norden meist westliche und im Süden östliche Winde. Lufttemperaturen am 17. Oktober: mittags 10,3 Grad Celsius, abends 9,2 Grad; am 18. Oktober: morgens 6,8 Grad. Maximum 10,6 Grad, Minimum heute nacht 6,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. Oktober: abends 9,9 Grad; am 18. Oktober: morgens 8,8 Grad Celsius. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr W. Lange; für Feuilleton: Dr.Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 37: 9248. Druck und Verlag: Brühlfche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. ryehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. & irtschast. Oer deutsche Außenhandel im September. Fwd. Im September waren die Außenhandelsumsätze sowohl in der Einfuhr, als auch in der Ausfuhr rückgängig. Die Einfuhr war mit 462 Millionen Mark um rund 4 v. S). geringer als im August. Die Verminderung beruht fast ausschließlich auf einem Rückgang des Einfuhroolumens, jedoch^ ist auch der Einfuhrdurchschnittswert etwas gesun- ken. Nach der Saisontendenz konnte im September mit einem Einfuhrrückgang gerechnet werden, jedoch war er etwas stärker als im Durchschnitt der Vorjahre. -Im Vergleich zum September 1936 ergibt sich eine Erhöhung um 126 Millionen Mark. Die Ausfuhr betrug im September 494 Millionen Mark. Gegenüber dem Vormonat ergibt sich eine Verminderung um 47 Millionen Mark, d. h. fast 9 v. 5). Sie beruht ausschließlich auf einem Rückgang des Ausfuhrvolumens; der Ausfuhrdurchschnitt hat sich weiter leicht erhöht. Bei der Beurteilung des Ausfuhrrückganges, der jahreszeitlich nicht zu erwarten war, ist zu berücksichtigen, daß die Ausfuhrentwicklung in den vergangenen Monaten vergleichsweise günstig war. Zu einem erheblichen Teil erklärt sich die Verminderung daraus, daß die Ausfuhr von Wasserfahrzeugen, die im Vormonat einen verhältnismäßig großen Umfang hatte, im September fast ganz ausgefallen ist. Gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres ergibt sich eine Steigerung der Ausfuhr um 20 v. H. Die Handelsbilanz schließt im September mit einem Ausfuhrüberschuß von 32 Mill. Mark gegenüber annähernd 60 Mill. Mark im Vormonat ab. Für die ersten 9 Monate d. I. ergibt sich damit eine Aktivität von 311 Mill. Mark. Rhein-Mainische Börse. Lustlos. Frankfurt a. M., 16. DEL An der Wochenschlußbörse war die Unternehmungslust mangels Anregungen sehr klein, ebenso hielt sich die Umsatz- tätigkett durchweg in engsten Grenzen^, Am Aktie n m a r k t erfolgten noch kleine Abgaben, so daß die Kurse überwiegend weiter abbröckelten, Kaufaufträge lagen anderseits kaum vor. Publikumsinteresse verblieb lediglich am Rentenmarkt. Verkäufe lagen besonders wieder in Montanwerten vor, von denen Hoesch 1 o. 5)., Mannesmann 0,75 v. H., Verein. Stahl 0,65 v. H., die übrigen Werte 0,25 bis 0,50 v. 5). nachgaben. Von Elektrowerten gingen hauptsächlich Gesfürel weiter etwas zurück auf 146,50 (147). Maschinenaktien lagen unregelmäßig, Demag 146,50 (147), Rheinmetall 146,50 (146), Aßlinger unv. 120,50. Im einzelnen kamen Reichsbank und Holzmann je 0,50 v. H., Deutsche Erdöl 0,25 v. H. niedriger, IG.-Farben bei sehr kleinem Umsatz mit unv. 160 zur Notiz. Auch späterhin war die Geschäftstätigkeit sehr klein und die Kurse wichen kaum noch vom Anfangsstand ab. Der Rentenmarkt blieb dagegen lebhafter und fest. Reichsaltbesitz erhöhten sich um 0,25 v. H. auf 128,50, Kommunal-Umschuldung hatten zwischen 94,80 bis 94,90 größeres Geschäft, auch unnotierte Industrie-Obligationen blieben beachtet. Etwas niedriger lagen Reichsbahn-VA. mit 128,75 (129). Am Pfandbriefmarkt zeigte sich bei unveränderten Kursen mäßige Nachfrage. Liquidationswerte erfuhren kleine Schwankungen. Stadtanleihen sowie Staatspapiere lagen behauptet. Für 1937er Reichsschatzanweisungen 3. Folge erhielt sich lebhafte Nachfrage. 1934er Reichsanleihe notierten 99,40 (99,25). Im weiteren Verlaufe hielt sich die Umsatztätigkeit ebenfalls in engen Grenzen. Die Haltung war behauptet. Etwas erholt waren Hoesch auf 125,50 nach 124,50, im übrigen kamen kaum zweite Notierungen zustande. Die erst später zur Notiz gekommenen Werte hatten keine einheitliche Tendenz, wobei die Abweichungen kaum mehr als 0,25 bis 0,75 v. H. betrugen. Schwächer waren jedoch Zellstoff Waldhof mit 151,50 (153,25). Großbankaktien lagen bei kleinen Umsätzen behauptet. Das Freiverkehrs geschäft war unbedeutend. An Kursen wurden u. a. genannt: Dirigier etwas schwächer mit 86 bis 87 (87 bis 88), Neue Wayß & Freytag 148 bis 150, Rastatter Waggon 55,50 bis 56,50, Elsaß. Wolle 78,50 bis 79,50, Schuh Berneis 73 bis 74, Bürbach Kali 69,25, Ufa 72,75 (73,25). Tagesgeld unv. 3 o. H. Amtsgericht Gießen. Eine Familie aus Lich, bestehend aus Pater, Sohn und Tochter, hatte sich wegen Siegelbruchs und Pfandoeräußerung vor dem Amtsgericht in Gießen zu verantworten. Der angeklagte Vater, der neben seinem Gewerbe eine kleine Landwirtschaft betreibt, war in Schulden geraten, so daß der Gerichtsvollzieher bei ihm eine Kuh und drei Schweine pfänden mußte. Dies hinderte die Angeklagten nicht, die Kuh und zwei Schweine zu verkaufen und das dritte Schwein für ihren eigenen Haushalt zu schlachten. Allerdings wurden die Gläubiger aus dem Erlös wenigstens teilweise befriedigt. Die Angeklagten bestritten, die Pfandsiegel entfernt zu haben, und behaupteten, diese hätten sich infolge des Stalldunstes gelöst. Der als Zeuge vernommene Gerichtsvollzieher hiell dies an sich für möglich, bezeichnete es jedoch im | vorliegenden Falle als ausgeschlossen, da er das Siegel mit Reißbrettstiften befestigt habe. Das Gericht sah daraufhin die Angeklagten als überführt an und verurteilte den Sohn zu 100 RM., und den Vater und die Tochter zu je 30 RM. Geldstrafe. Landkreis Gießen. - Steinbach, 15. Oft Der Obst - und Gartenbauverein hielt eine Mitgliederversammlung bei August Haas ab, die trotz der arbeitsreichen Zeit gut besucht war. Der Vorsitzende Balthasar Jokob Haas leitete die Versammlung. Die Tagesordnung brachte eine Besprechung der Klebegürtelaktion, die vom Verein in der ganzen Gemarkung zwangsmäßig durchgeführt wird. Da bei Neuanlagen von Baumstücken auch in diesem Jahre wieder Zuschüsse zu erwarten sind, erläuterte der Vorsitzende die Voraussetzungen zur Gewährung eines Zuschusses und forderte zur Anmeldung an den Verein auf. Es fand darauf eine Aussprache über den vor einigen Wochen gemachten Ausflug des Vereins zur Besichtigung von Musterobstanlagen in Ortenberg und anderen Orten statt. Verschiedene Mitglieder gaben ihre Eindrücke bekannt, alle waren der Ueberzeugung, daß es offensichtlich fei, daß die Maßnahmen, die in den Baumstücken durchgeführt werden, sich lohnen. Es gelte nun, die Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Der Vereinsvorsitzende forderte besonders dazu auf, nun auch mit der Ausführung zu beginnen. Die Gemeinde Steinbach wird eines ihrer Baumstücke als Muster der Totalbehandlung zur Verfügung stellen. Der Vorsitzende schloß in üblicher Weise die Versammlung. kreis Alsfeld. * Romrod, 18. Oft. Ein hiesiger junger Mann, Karl B a m b a ch , der sich mit seinem Motorrad unterwegs nach Gießen befand, fuhr am Sams- tagadend unweit von Grünberg gegen ein angeblich unbeleuchtetes Fuhrwerk und stürzte dabei schwer. Er erlitt einen Unterschenkelbruch des rechten Seines und mußte in die Klinik nach Gießen gebracht werden. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 4 o H.. Lombardzinsfuß 5 o. H Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börse Schluß- kurs Schluß! Mittagbörse Darum 15.10. 16.10. 15-10. 16-10 5% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 101,6 101,6 101,6 101,65 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 4Y2% Deutsche Reichsschatzanwei- 99,25 99,4 99,4 99,5 Jungen von 1935 .... .. *y2% Deutsche Reichsschatzanwei- jungen von 1935, II. Folge ... 4Vi°o Deutsche Reichsschatzanwei- 99,5 99,4 99,4 99,4 Jungen von 1936, III. Folge .. 99 99 99 99 6y2% Young Anleihe von 1930 .. 105,25 105,25 104,9 105 > (fieir Briei Geir Bries Geir Brie, Buenos Aires............. 0,747 0,751 0,745 0,749 Japan.................... 0,718 0,720 0,718 0,720 Brüssel................... 41,96 42,04 41,96 42,04 Jugoslawien.............. 5,694 5,706 5,694 5,706 Rio de Janeiro............ 0,145 0,147 0,142 0,144 Oslo..................... 62,07 62,19 62,07 62,19 Polen.................... 47,00 47,10 47,00 47,10 Wien..................... 48,95 49,05 48,95 49,05 Kopenhagen............... 55,14 55,26 47,10 55,14 55,26 Lissabon.................. 11,22 11,24 11,22 11,24 Danzig................... 47,00 47,00 47,10 Stockholm................ 63,68 63,80 63,68 63,80 London................... 12,35 12,38 12,35 12,38 Schweiz.................. 57,26 57,38 57,30 57,42 HelsingforS................ 5,46 5,47 5,46 5,46 Spanien.................. 16,98 17,02 16,98 17,02 Paris.................... 8,377 8,393 8,387 8,403 Prag..................... 8,706 8,724 8,706 8,724 Holland.................. 137,57 137,87 137,67 137,95 Budapest................. — —— — —— Italien................... 13,09 13,11 13,09 13,11 Neuyork.................. 2,490 2,491 2,491 2,495 IAVE am 16. d. M im Alter von 25 Jahren von uns gegangen. Rodhelm an der Bieber (Ludwlgstrafie 6), den 18. Oktober 1937. Die Beerdigung findet Dienstag, 19. Oktober, nachm. 3 Uhr statt. 0515! Otto Kreiling' Franz Milch sack. Emilie Reeh Rudolf Reeh In tiefer Trauer: Frau Luise Reeh Wwe. Johannes Schlierbach Nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden ist nach Gottes unerforschlichem Rat meine liebe Tochter, herzensgute Schwester, Enkelin und Schwägerin AnnaReeh Fische wieder billiger! Schellfisch, kopflos, Vs kg 38 Pf. Filets .... Vs kg von 50 Pf. an 6833 A Marktstraße 23 Telefon 2417 Heute morgen verschied nach kurzen, schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Großmutter Die trauernden Hinterbliebenen: Die Beerdigung findet Mittwoch, den 20. Oktober, nachmittags 2.30 Uhr, vom Trauerhause aus statt 6832 D | Vermietungen"] [Stellenangebote] die Junger, verheirateter [ Mietgesuchej Jungs Hust HUgS Schleim- MM fi MMM MM j l i MWUlUIWWW £e8L Mim IIUOIVUIVV Leiter einer Warenemgangs- und zum 1. oder 15. vegerichsnft, Husten-Kandis, Versandabteilung, Organisations- Rovemb.gesucht. Versandabtellung, Örganisations- Kräuterhaus Jung / Giefeen. UfEDDE DRUCKSACHEN wCKDC Brühl, OieBen befählst. Lebensmittelkenntnisse, sucht der 1 Dezbr 1937 Stellung. Ungekündigt. Schriftliche Angebote unter 05092 an den Gieß. Anzeig. Katarrhe Asthma- Svitzwegerichsnft, Husten-Kandis, Tannenhonig. 6824D Frau Berta Gengnagel geb. Dittmar Bekanntmachung. Düngemittellieferung. Die Lieferung des künstlichen Düngers für städtischen Wiesen, und zwar: 300 Zentner Thomasmehl, 15—18prozentig, 150 Zentner Kali, 40—42prozentig, Dr. Gengnagel und Kinder. Großen-Buseck, den 17. Oktober 1937. 70 Zentner Düngekalk in Säcken (Papier) ist zu vergeben. 6820C Die Lieferung hat bis zum 15. November 1937 zu erfolgen. Angebote mit entsprechender Aufschrift sind bis zum 1. November 1937 im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer 3, einzureichen. Die Preise sind für kg/°/0 anzugeben, bei Lieferung frei Bahnhof Gießen. Angebote ohne diese Angaben können nicht berücksichtigt werden. Gießen, den 15. Oktober 1937. Der Oberbürgermeister. I. V.: Nicolaus. Zuverlässige, in allenHausarbeit. erfahrene sebst. Stütze für sofort h. hoh. LohN ges. 6825V Waschfrau vorh. Schriftl. Angeb. mit Bild, Zeug- nisabschr. u. Ge- haltsanspr. an Frau Fuldat Grünberg Hess. Franks. Str. 29. Verlobungs-Anzeigen bei Brühl. Schulstr. 7 Schr.Angeb.unt. 05159 a. d.G.A. Werbe-Drucksachen bei Brühl, Schulstr.7 Neuzeitliche 4-5-l-Wohng. (Stadtmitte )mit Bad, Zentralheizung u. Zubehör zu vermiet. Schr. Angeb. u. 6736 D an den Gieß. Anzeiger. Wohnung 1^/2 Zimmer und Küche per 1. November zu vermieten. 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