!lr.M Erstez Blatt 6r)d)etro ttigltd), außei Sonntags and feiertags Setlagen; Die □Uu|triert« Vietzenei Familien blättei Heimat im Bild Die Scholle aionat$=Bc3ugsprets; Dill 4 Beilagen NNT 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen pon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger (Heften Postscheckkonto: ^ranffurt am Main 11686 187. Jahrgang Samstag, 15. Mai 1957 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Oruifi und Verlag: Srühl'sche UniveriilSks-Such- und Sleindruckerel «.Lange In Stehen. Schristlettung und GeschSstsftelle: Schulftrahe 7 Annahme von Anzeige» für die Miltagsnummer bis8'/.UHr des Vormittags Grnndpretfe für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Npf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Npf..Platzvorschrift nach vorh Dereinbg.25°/„ mehr. ErmSfttgte Grundpreise: Stellen;, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie ein- spaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Npf, Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B pfingsiseuer. Von Maria Schneider. Als Johannes seiner Gemeinde Buße und Reinigung bot, rief er prophetisch aus: „Ich taufe euch mit Wasser ... der aber nach mir kommt, ist starker denn ich ... Der wird euch taufen mit dem Heiligen Geist und mit Feuer!" In diesem Wort des Täufers enthüllt sich der tiefste Sinn des Pfingstfestes und ferner ewig ver- jmgenden Kraft... Denn wo immer sich der Mensch fltöpferischen Ergießungen hingibt, da empfängt er die feurige Taufe. Das Pfingstfest beschließt die Kette der hohen christlichen Feiertage. Darüber hinaus kann es keine Steigerung geben. Wenn im Symbol der Weihnacht der Herabstieg des Lichtes in den Leib eines Kindes geschaut wird, vor dem Weise und Wirten andachtsvoll knien — fromme Menschen, denen das Göttliche von außen her erscheint — so entzündet sich im Wunder der Pfing- strn in den Seelen der Reifergewordenen selbst die Flamme, welche der Geist ist. „Diese Feuer hat gebrannt ohne Beginnen und wrd noch immer brennen ohne Ende", sagt die Äonne Mechthild von Magdeburg tm „Fließenden Lcht der Gottheit". Sie spricht hierdurch ein Wissen über die Bedeutung des Feuers aus, das schon Jihrtausende vor dem Erscheinen des Christentums ßrunbelement fast aller höher entwickelten Religionen war. Denn wohin wir auch den Blick lenken im unendlich erweiterten Forschungsgebiet der Mysterienweisheiten und Götterkulte — überall trifft er auf das heilige Feuer, die lebenzeugende Kraft, die bald aus der'Hand eines Gottes als Blitz geschleudert wird, bald als Funke von der Ewigen fylamme hermederfällt, um von Priestern auf- gerangen und in nieerlöschenden Lampen ober auf immer brennenben Altären gehütet zu werben Feuer ist bas Urphänomen fast aller kultischen Handlungen. Erkennen, wie bie Menschen bas Feuer ersehen — aufsteigenb vom furchtsamen Erahnen einer schöpferischen unb zerstörerischen Kraft dis zum Begreifen, baß bas materiell brennenbe Feuer nur ein irdisches Abbilb bes geistigen Feuers ist — icrin besteht bas eigentliche Problem, welches jeher Rlligionssorschung zugrunbe liegt' Die älteste Kunde von dem Sakrament des Lichts tommt aus dem Iran. Der Ur-Zarathustra, der um 6(00 v. Ehr. gelebt hat, ist der geheimnisvolle @rünber der Sonnenreligion der Parsen, die dann Mischen dem zweiten und ersten Jahrtausend in der Heiligen Schrift des sogenannten zweiten Zara- thlstra, im: Zend-Avesta einen Niederschlag fand, den tiefschürfende Gelehrsamkeit unserer Epoche und intuitives Ahnen zu entziffern und zu deuten ver- Wchten! In dieser urarischen Religion des Zarathustra ist der Begriff des Feuers schon zu einer Hhe gesteigert, die das Geheimnis der Pfingst- botfchaft an'die Jünger Jesu vorauszuahnen scheint. Durch des Feuers Wirken nahen wir dir zuerst, Dir, Meister der Weisheit, Herr des Lebens, Dir durch deinen heiligen Geist, der tm Feuer waltet! Es ist überwältigend, hier ganz wie in der Apostelgeschichte den „heiligen Geist" im Symbol der Flamme als Mittler zwischen Gott und Mensch zu finden! Und weiter wandert das Feuermysterium. Wir treffen es bei den Rischis im ältesten Indien und in Aegypten beim Kult des Osiris. Es leuchtet aus dem brennenden Busch, in welchem der Herr zu Moses spricht. Es lodert auf den Altären der Inka, deren sprachebildendes Ursymbol es ist. — Es ist die Kraft die von oben kommt — als materielles Feuer im Blitz und als geistiges Feuer im Wort. Es ist gleicherweise die Opferflamme, die der Gottheit entzündet wird und — seelisch gesteigert! — dts Gebet, das im Herzen des Menschen glüht. Bei den Griechen ist es Heraklit, der am tiefinnigsten das Feuer deutete, indem er lehrte, daß alles, was ist, aus ihm entstand. Die übrigen drei Elemente: das Feste, das Müssige und das Aetherische sind nur Verwandlungen des feurigen Urelements. Als das Christentum 500 Jahre später die antike Kultur ablöst und seine neuen Gedanken ausbreitet, wächst auch hier aus dem Mysterium des Feuers ein hohes Fest: die Ausgießung des Heiligen Geistes, der sich in Flammen auf die Häupter der Gläubigen niederläßt. Aber nun kommt eine neue Bedeutung hinzu! Aus Flammen werden Zungen' Der Geist redet. Man schaut ihn nicht allein, man hört ihn auch! Man vernimmt mit Schrecken — denn alles Nichtgekannte schreckt zunächst — daß diese Feuerzungen eine Sprache reden, die alle Lauschenden verstehen, mögen sie nun Griechen oder Hebräer, Kappadozier ober Römer fein. Denn bie= fes christliche Feuer, bas ber „Heilige Geist" ober ber „Tröster" genannt wirb, hat Gewalt, zu allen Menschen zu reben unb von allen Völkern verstauben zu werben Das Pfingstfest — es heißt auf griechisch: Pente- fofte und bedeutet die fünfzig Tage, die nach dem Osterfest vergangen sind — wurde 305 auf dem» Konzil zu Elvira in Spanien zu einem ersten Feiertag erhoben, ja, es bedeutet eigentlich die Begründung ber christlichen Kirche. — Außerhalb biefer pflegten besonders bie Gllostiker den Gedanken des „Lichtreiches", und ganz verinnerlicht taucht er auf in Meister Eckeharts Schriften im dreizehnten Jahrhundert und bei feinen Nachfolgern bis zu Jakob Böhme im sechzehnten und bei Angelus S i l e s i u s im siebzehnten Jahrhundert. Wie tief, wie ganz nach innen gerichtet ist die Vorstellung des Feuers bei Meister Ecke hart, wenn er sagt: „In dieser Geburt ergießt sich Gott dermaßen mit Licht in die Seele, daß es herausdrängt und überfließt in die Kräfte und sogar in den äußeren Menschen" So hat nur noch ein deutscher Dichter den Lichterguß empfunden — ich denke an Friedrich von Hardenberg, ber sich Novalis nannte. Man könnte meinen, baß ber Dichter, welcher bie „Hymnen an bie Nacht" schrieb unb sich bewußt dem Tagesgestirn abwandte, den Schoß des ewigen Dunkels inbrünstig suchend, nicht als Verehrer des Feuergeistes zu nennen sei. Aber taucht er nicht nur hinab in die Gründe des Lichtlosen, um wieder hinaufzusteigen in die Region der Sonne? Vollzieht sich nicht die Doppelbewegung — Abstieg und Ausstieg des göttlichen Funkens — in Novalis' eigener Seele? ja, ist er nicht selbst diese Bewegung geworden? Getrost, das Leben schreitet Zum ew'gen Leben hin. Von innerer Glut geweitet Verklärt sich unser Sinn. Die Sternwelt wird zerstießen Wie goldner Lebenswein, Wir werden sie genießen Und lichte Sterne sein. Hingebend zart ist die Jünglingsgottesliebe des Novalis. Aber dröhnend mit Posaunenton fordert der große Mystiker unserer Epoche das Bekenntnis zum Feuersakrament, das ist: Das Bekenntnis zum Geist! Stefan George hat oft die Flamme besungen. Er kennt ihren Segen. Er kennt auch ihre Gefahr. Er weiß um ihre erwärmende Güte und um ihre verzehrende Glut. Er fürchtet sie nicht. Er beugt sich ihrer Forderung. Im „Siebenten Ring" heißt es in dem Gedicht „Flammen": Was oft und weither euch als Hauch betroffen, Schwoll von den gleichen unb geheimen Stoffen, Durch bie ihr brennt - ber Herr ber Fackeln fpricht's - Unb so ihr euch verzehrt, seib ihr voll Lichts! Schmücket das Fest mit Maien! „Schmücket bas Fest mit Maien, Laßt uns Blumen streun, zündet Opfer an!" So ruft uns das Fest zu. das uns diesmal erst richtig den Frühling gebracht hat, ber so lange auf sich hat warten lassen. Aber nun ist endlich Pfingsten, das „liebliche Fest" gekommen. Der Lenz hat seine Siegespforten aufgetan und mit der Pfingst- jonne leuchtenden Strahlen wandern seine lachenden Boten über die Erde, überall, wohin sie kommen, ausbreitend ein schimmernd Gewand von Licht und Leben, Leuchten und Sonnenglanz. Helle Freude und Freundlichkeit begleitet sie. Ueberall leuchtets in allen Farben und Blüten, duftets in allen Wohlgerüchen von Veilchen und Maiglöckchen, Flieder und Akazienblüte. Und die kleinen Sänger fingen und jubilieren in allen Stimmen und Tonarten, aus allen Büschen und Hecken schattts und tönte wie eine einzige große Sinfonie der Freude und des Lebens. Ein Meer von Licht und Leben und Liebe hat Gott über feine Erde wieder ausgefchüttet. „Ungebändigt, kreuz und quer über alle Pfade her, schießen blütenschwere Zweige, daß ihm jedes Haupt sich neige. Lenz, wer kann dir widerstehn?" Warum kann ihm niemand widerstehn? Weil er auch in uns f e I b ft seinen Einzug halten will! Weil er auch den Menschenkindern die Seele füllen will mit neuem Lebensmut und neuer Lebensfreude und Lebenskraft, so daß des grauen Alltags Leid versinkt unter der Jneinanderstut von Natur und Seele. Die Freude feiert ihr hohes Fest. Und das ist gewiß schon etwas Herrliches und Wunderbares, was uns diese Festtage bieten: *bie Freude! Denn Freude ist ein Lebensbedürfnis, eine Lebenskraft, ein Lebenswert für uns. Jeder Mensch hat ein Verlangen und auch ein Anrecht auf Freude. Sie ist gleich unentbehrlich für die körperliche wie für die geistige Gesundheit und das innerste, seelische Leben. Ohne Freude kann kein Mensch leben, auch der beste und frömmste nicht. Und Pfingsten ist das freudigste Fest, das Fest der Lebensfreude. Wenn das Menschenherz hundert Tore hätte wie jenes sagenhafte Theben, so müßte man sie jetzt alle auftun und die Freude hereinlassen. Aber über aller Schöheit und Freude der Natur wollen wir doch nicht vergessen, daß gerade dieses Hochfest der Natur sich im Pfingstfest noch einen anderen tieferen Sinn gegeben hat, und daß hinter all jener Freude, wie sie der Frühling bringt, noch eine andere, höhere Freude steht, die Freude an den heiligen Gottesgeist! Mitten hinein in die Freudenhymnen von Natur und Menschenherz strömt diese andere, größere Freude. Dieser „freudige Geist", wie ihn einst jene ersten Jünger empfingen und von ihm erfüllt wurden mit neuer, unerschöpflicher Kraft zum Leben und zum Schaffen. Und wie auch wir ihn brauchen, damit unsere von manchem schweren Schicksal niedergebeugten Seelen wieder frei und freudig werden für das Walten und Wirken des schöpferischen Gottesgeistes. Auch in unserer Seele tiefem Wundergarten will es lenzen und blühen durch den Pfingstgeist neuen Lebens. Und überall, wo Menschen sich hinaussehnen über den bloßen Naturgeist und Naturfrühling zu einem Frühling des Geistes und innerer Neuwerdung, da wird ihnen auch die Lenzespracht da draußen zum Verkünder einer höheren Geistesmacht und Schöpferkraft. Da legt sich ihnen die Bitte auf die Lippen um den heiligen Schöpfergeist Gottes. „Komm, Heiliger Geist, erfüll' mit deiner Gnaden Gut deiner Gläubigen Herz, Mut und Sinn." Das ist erst die wahre und volle Psingstfreude, die auch durch Trauer und Schmerz hindurch die innere Freude weckt. Dieser wahre Pfingstgeist hat schon oft genug arme und niedergeschlagene Menschen zu M B M L W - ' 4 Unser Bild (Aufnahme: Hans Retzlaff, Berlin- ^arlottenburg) zeigt einen Pfingstumzug, wie ihn iie Kinder in den Dörfern der Schwalm am Briten Pfingstnachmittag zu veranstalten pflegen. Hin Knabe ist von Kopf bis zu den Fußen in grünes Laub eingebunden und wird von den anderen als i n g ft m ä n n d) e n" durchs Dorf geführt. Die Mädchen haben aus Seidenbändern einen „P fingst- bügel" gefertigt, zu dem auf einem Weidengestell ein rotes Halstuch gespannt und mit seidenen Bändern gesteckt wird. Die Spitze frönt ein Blumenstrauß. Die Kinder ziehen singend von Haus zu Haus und sammeln in mitgebrachten Körben Eier und Kuchen, die sie nach beendigtem Umzug verzehren. Sie tragen blendend weiße Strümpfe, Schürzen und Miederarmei, rote Seidenkappen und goldblitzende Strumpfbänder. Aus uralten Wurzeln erwachsen, stellt diese Frühlingsfeier mit dem gemeinsamen Mahl der Kinder noch heute ein schönes Stück dörflicher Jugendgemeinschaft dar. neuer Freude erhoben und zerbrochenen Herzen wieder Trost und Mut geschenkt. Was ist selbst all das Blühen und Leuchten und Freuen da draußen gegen eine solche herrliche, unbegreiflich große Gotteskraft, den Heiligen Geist! Das ist der schönste und herrlichste Lebensfrühling, wenn ein Menschenherz wieder erwacht zur Freude des Lebens und des Geistes! Oder gar ein ganzes Volk! So kommt er auch heute noch über die Menschen und Völker, wenn die Zeit erfüllet ist So ist er über unser Volk gekommen mit seiner nep- schaffenden Geistesgewalt und hat neues Leben gebracht. „Ein neuer Geist hat das deutsche Volk erfüllt, hat es erweckt zu neuem Leben und ihm die Kraft geschenkt zu Werken der Arbeit und zu Leistungen auf allen Gebieten einer neuen Volksgestaltung, die bewunderungswürdig sind." So hat unser Führer mit Dank gegen Gott sagen können! Und es ist wahr: Sin neuer Geist ist über unser Volk gekommen im Vergleich zu dem Geist, der es lange Zeit hindurch beherrscht und geknechtet hatte. Und wir können es nicht anders verstehen und erklären als ein Kommen, ein Hereinbrechen des Gottesgeistes über unseren Menschenqeist, wie ihn kaum ein anderes Volk der Welt so stark und mächtig erlebt hat. Und nicht bloß der einzelne, sondern das ganze Volk, indem es den Heiligen Geist der Ordnung und der Zucht und bes Gehorsams, den Geist des Friedens, der Liebe und der Einigkeit aufgenommen hat Ein Volk, von dem es auch'heißt, wie in der Pfingstgeschichte: „Sie waren alle einmütig beieinander". So sollen und wollen wir denn auch dies Fest des Geistes wirklich geistig verstehen und begehen. Nicht bloß als Naturfest ober Feier bes Menschengeistes, sondern als das, was es ist und sein will: Fe st des Heiligen Gei st es, aus dem auch unser Geist lebt und strebt. Und das ist dieses Festes größter und herrlichster Freudensegen, wenn es so auch zu jedem unter uns kommen und sein Herz froh und fröhlich machen kann. Ja, darauf fommt’s an, daß wir unsere Herzen und Seelen füllen lassen mit den Himmelskräften, die uns kein irdischer Geist zu geben vermag. Nehmet hin den Heiligen Geist — so heißt die innere Botschaft dieser Pfingsten. Mitten in allem Ungeist und Jrrgeist, der noch in der Welt ist und sie immer wieder durcheinander bringt unb allen guten Geist stört unb hemmt. Unb bas sollte uns ein Grund zur Freube sein, daß so etwas überhaupt da ist, ein heiliger, guter, ewiger, göttlicher Geist, der unfern Geist stark und freudig machen will. Und unsere ernste Pfingstbitte, daß er uns neu erfüllen unb bei uns bleiben möge, weil wir alle ohne ihn nicht leben- können. Dann wirb unsere Seele auch dastehen im heiligen Maienschmuck des Geistes. M. Hie bruWe AelMonsetm Die großartige Krönungsfeier in London, an der durch Rundfunk, Presse und Bild die ganze Welt tast unmittelbar teilnehmen konnte, hat in einer vielen von uns wohl überraschenden Weise die enge Verbindung und Bündnisfähigkeit althergebrachter Formen einer traditionsstarken Adelsaristokratie des englischen Mittelalters mit den politischen Realitäten einer modernen Parlamentsherrschaft im englischen Mutterland und eines Bundes gleichberechtigt nebeneinander stehender Nationen gezeigt, die im Britischen Weltreich und in seinem einzigen staatsrechtlich greifbaren Faktor, dem König, das sie alle überspannende Dach sehen. Wilhelm D i b e - lius hat in seinem berühmten Englandbuch, dem wir so viel unserer Kenntnis lebendigen englischen Verfassungslebens verdanken, den König „die technische Nochilfe" des Staates genannt, dessen Einfluß auf die Staatsgeschäfte lowohl wie auf alle Fragen des öffentlichen Lebens feit den Tagen der Königin Viktoria weit mehr auf seiner gesellschaftlichen Stellung als erster Gentleman des Landes an der Spitze der Society als auf seinen nirgends klar vmrissenen staatsrechtlichen Funktionen beruhe. Das mag wenigstens für das englische Mutterland vraktisch auch heute noch der Fall sein. Aber seit der durch das Eingreifen Baldwins in so überraschender Weise beigelegten Königskrisis, die zur Abdankung Eduards VIII. führte, wissen wir, daß auch dem Engländer von heute der König mehr ist, als ein Symbol, mehr als eine bloße Dekoration für die Parlamentsherrschaft, die der Premierminister an der Spitze des Kabinetts als des Ausschusses der über die Parlamentsmehrheit verfügenden Partei tatsächlich unumschränkt ausübt. Wie die Königin Viktoria, Englands erste moderne Herrscherin, unter dem Einfluß ihres klugen Gemahls, des Prinzen Albert, ihre wesentlichste Aufgabe darin zu sehen gelernt hatte, den Willen des Volkes zu erfahren, und wie sie in unnachahmlicher Weise es verstanden hatte, mit der ganzen Energie, der ihre charakterstarke und impulsive Persönlichkeit fähig war, während der mehr als sechs Jahrzehnte ihrer Regierung in wachsendem Maße die Volksmeinung, bAi gesunden Menschenverstand des „Mannes auf der Straße" vor wechselnden Premierministern und Regierungen zu vertreten, ohne ihre Befugnisse als konstitutionelle Herrscherin zu überschreiten, so haben es auch ihre Nachfolger Eduard VII. und Georg V. gehalten und damit die Monarchie so fest im Volk verwurzelt, daß heute auch die Regierung, wie die kritischen Dezembertage des vergangenen Jahres es erwiesen haben, die Monarchie als Regulator des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens nicht mehr zu entbehren vermag. Diese Stellung des Königs hat noch eine weitere Stärkung erfahren durch die einzigartige Aufgabe, die ihm die verfassungsrechtliche Entwicklung des Britischen Reiches zur British Commonwealth of nations durch die Beschlüsse der Reichskonferenzen von 1926 und 1930 und schließlich durch das Westminsterstatut vom 11. Dezember 1931 zuerteilt hat. Die politisch wie wirtschaftlich für das Britische Reich zumindest zweifelhaften Ergebnisse des Weltkrieges, für den England alle Kräfte seiner Dominions rücksichtslos eingespannt hatte, ohne immer seine Versprechen einlösen zu können, hatten den Zusammenhalt der britischen Reichsteile unter dem Einfluß von Mißstimmungen und Sonderwünschen bedenklich gelockert. Die Dominions hatten gespürt, wie sehr das Mutterland im Ernstfall auf sie angewiesen war, die eigenen Interessen, politisch wie wirtschaftlich durchaus verschieden gelagert, forderten stärkere Berücksichtigung, das Gefühl eigener Kraft,, angesichts der Schwierigkeiten des Mutterlandes erheblich gestärkt, lehnte eine weitere Bevormundung durch das Londoner Kabinett ab, überall mehrten sich die Stimmen für ein unabhängiges Südafrika, ein freies Kanada, ein freies Australien, die beide ebenso wie Neuseeland, in einer Anlehnung an die bereinigten Staaten von Nordamerika größere wirtschaftliche Vorteile und einen besseren Schutz gegen japanische Begehrlichkeiten Zu sehen begannen als in dem Zusammenhang mit dem durch den Weltkrieg militärisch wie wirtschaftlich gleich stark geschwächten und in Europa wie im Nahen Osten in unabsehbare Sorgen verstrickten Britischen Reich. Angesichts dieser für den Bestand des Empire lebensgefährlichen Stimmung war es das Verdienst Arthur Balfours, den rechten Augenblick erkannt zu haben, wo nur durch eine kluge Lockerung der Zügel der Reichsgedanke gerettet werden konnte und, indem das englische Mutterland seine mündig gewordenen Töchter auf eigene Füße stellte, dem Reich eine neue und festere Grundlage gegeben wurde in dem Entschluß freiwilligen Zusammenhaltens aus der Erkenntnis heraus, daß die Sicherheit der Reichsteile und ihre wirtschaftlichen Interessen dies notwendig mache. Die entscheidende Reichskonferenz des Jahres 1926 stellte diese neue Grundlage fest, und das We t- minsterstatut vom 11. Dezember 1931, die einzige Derfassungsakte des Reiches, bestätigte: „Groh- britanpien und die Dominien sind selbständige Gemeinwesen innerhalb des Britischen Reichs, gleich im Rang, in keiner Beziehung, weder in ihren inneren noch in den auswärtigen Angelegenheiten einander übergeordnet, jedoch vereinigt durch gemeinsame Untertanenpflicht gegenüber der Krone und frei verbunden als Mitglieder des britischen Gemeinwesens." Das ist der einzig entscheidende Satz der Geburtsurkunde des British Commonwealth of Nations, nachdem der Verfassungsausschuß der Reichskonferenz als feine Ansicht fest- gestellt hatte, „daß nichts gewonnen wäre, wenn man für das Britische Reich eine Verfassung schüfe. .?£j^t über die ganze Erde, haben seine Glieder völlig verschiedenartige Beschaffenheiten. Sie be- finden sich in völlig uneinheitlichen Stufen ihrer Entwicklung. Als Ganzes betrachtet, kann man das Empire mit keiner anderen politischen Organisation vergleichen, die heute besteht oder jemals bestanden Diefe Begründung ist einleuchtend, denn tat- WAlch gibt es kaum größere Verschiedenheiten als Z.B. zwischen den östlichen Provinzen Kanadas oder Neuseeland, vom englischen Mutterland ganz zu schwelgen und den westafrikanischen Kolonien oder der polynesischen Inselwelt unter britischer Flagge. 3n der weisen Beschränkung auf das notwendige Thnbeftmafj staatsrechtlicher Bindung hat man den stärksten Faktor des Zusammenhalts gefunden und m dem letzten Jahrzehnt auch schon erprobt. Und wenn nun die Königs krönung Georgs VI so nut Bedacht für einige Monate in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt wurde, so nicht allein als ein» großartige und nach den mancherlei Unfällen der englischen Außenpolitik der letzten Jahre besonders nachdrückliche und eindrucksvolle Bekundung ungebrochener britischer Weltmacht, sondern vor allem als Huldigung für das einzig sichtbare Symbol der Reichseinheit, den Träger der Krone, die sich wie eine Kuppel über alle Teile des britischen Reiches wölbt, das einigende Band souve - Die Eröffnung der britischen Reichskonferenz. Oie Reichsverteidigung im Bordergrund.-Australien wünscht einen Nichtangriffspakt her pazifischen Machte. London, 14. Mai. (DNB.) Die britische Reichskonferenz begann Freitag vormittag im St.-Jarnespalast in London. Außer dem englischen Kabinett waren die Premierminister Kanadas, Australiens, Neu-Seelands, Südafrikas und Süd-Rhodesiens sowie die Vertreter Burmas und Indiens erschienen. Baldwin wurde zum Vorsitzenden der Konferenz gewählt. In seiner Eröffnungsansprache wies Baldwin daraus hin, wie wichtig ein persönlicher Kontakt für die Zusammenarbeit im Britischen Weltreich sei. Seit der letzten Krönung sei das rechtliche Verhältnis zwischen den Dominien und dem Mutterlande, und zwar insbesondere durch das S t a t u t v o n W e st- rn i n st e r im Jahre 1931, geändert worden. In erster Linie werde sich die Aussprache mit der auswärtigen Politik und der Reichsverteilung befassen. Die Reichskonferenz trete in einem Augenblick zusammen, in dem d i e internationale Lage schwierig, ja sogar bedrohlich sei. Der Konferenz liege es daher ob, dafür zu sorgen, daß die Beratungen auch ihr Teil zur Lösung der internationalen Fragen beitragen, die die Welt beschweren. Man müsse nach den Ursachen der gegenwärtigen internationalen Unruhe suchen und die Möglichkeiten prüfen, wie man sie durch Z u - fammenarbeit vermindern ober d e - fettigen könne. Es herrsche in der Welt ein Rüstungswettlauf, der zum Ruin führen könne; aber angesichts der Rüstungen in der Welt habe Großbritannien keine Wahl und habe es daher für feine Pflicht gehalten, feine Verteidigung zu ordnen, und zwar mit Kosten, deren Größe bekannt sei. Es habe diese Lasten auf sich genommen, nicht nur um das Herz des Weltreiches zu sichern, sondern auch um die Sicherheit des Weltreiches zu erhalten, sowie in feiner Eigenschaft als treues Mitglied des Völkerbundes. Auch die Dominien hätten sich verpflichtet gefühlt, ihre Rü- ftungsnorbereitungen einer Revision zu unterziehen. Aufgabe der Konferenz sei es, die einzelnen Bestrebungen aufeinander abzu stimmen, Damit "man sich gegenseitig helfe und damit die Sache des Friedens gefördert werde. Südafrika wünschte auch die Besprechung einer Reihe von Verfassungsfragen und der Fragen der Reichsluftverbindungen. Der Premierminister von Kanada, Mackenzie King, erklärte u. a., es gelte, die Bande zwischen den Demotratien zu stärken. Lyons, der Premierminister von Australien, erklärte, das Reich sei n o ch nie so einig aewesen wie jetzt. Die Erfahrung der letzten Jahre habe es jedoch bedauerlicherweise als unmöglich erwiesen, die in der Völker- bundssatzung verkörperten Ideale zu verwirklichen. Nach Ansicht der australischen Regierung müßten die Grundlagen der Außenpolitik des Britischen Weltreiches und die Lage des Völkerbundes ü b e r p r ü f t werden, um eine Formel auszuarbeiten, die zu einer einheitlichen Reichspoli ° t i k führe. Die Dominien müßten ihre große Verantwortung erkennen, die ihr unabhängiger Status mit sich bringe, und sie müßten ihre ganze Kraft ihrer eigenen nationalen Verteidigung ebenso widmen wie ihrer Aufgabe zur Sicherung des Friedens in der Welt. Australien werde insbesondere einen auf den Grundsätzen des Völkerbundes beruhenden regionalen Nichtangriffspakt im Pazifik begrüßen. Zum Schluß der Sitzung wurden zwei Unterausschüsse für Die Luftfahrt und Die allgemeinen Verkehrsoerbindungen foroie für die wirtschaftlichen Fragen eingesetzt. Die Konferenz setzt ihre Arbeiten am nächsten Dienstag fort. Die vesnevuna des pazifii London, 15. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Ziele der Reichskonferenz werden von den Blättern besprochen. „Daily Telegraph" unterstreicht den Vorschlag des australischen Ministerpräsidenten, einen pazifischen Nichtangriffs- und Friedenspakt abzuschließen. Diese Note sei nicht nur an die betreffenden britischen Staaten Kanada und Neuseeland, sondern a u ch a n Washington, Moskau, Tokio und Nanking sowie an die übrigen Staaten mit Landbesitz im Stillen Ozean gerichtet. Die Einberufung einer Konferenz zur Herbeiführung eines Pazifikpaktes wäre fein hoffnungsloses Unternehmen. — „Daily Mail" meldet, daß Verhandlungen für einen Nichtangriffspakt im Stillen Ozean zwischen England, den Vereinigten Staaten, Japan und Australien geplant seien. Vor. läufige Erörterungen hätten bereits ftattgefunben, aber eine Vereinbarung fei noch nicht in Sicht. Das Blatt berichtet ferner, daß eine engere Zusammenarbeit zwischen den britischen Staaten und den Vereinigten Staaten von Amerika angeftrebt werde, die in einer neuen Wirtschaftsabmachung ihren Anfang neh- men werde. Anschließend würden Besprechungen über eine Abänderung der Wirtschafts - abmachungen von Ottawa ftattfinben, besonders soweit sie sich auf die Vereinigten Staaten und die Dominien auswirken. Für gute fiamerabfttjafl unter den Nationen Der König dankt dem Führer. Berlin, 14. 2HaL (DNB.) Seine Majestät königGeorghat dem Führer und Reichskanzler für die ihm zur Krönungsfeier telegraphisch ausgesprochenen Glückwünsche mit folgendem Telegramm gedankt: „Ich danke Ihnen, Herr Reichskanzler, herzlich für Ihre gütige Glückwunschadresse anläßlich meiner Krönung, ich würdige besonders Ihre guten Dünsche für mich, mein königliches Haus und Volk, und ich teile voll und ganz Ihre Hoffnung, daß meine Regierung gekennzeichnet fein möge durch das Gedeihen des Friedens und die gute Kameradschaft unter den Rationen der Welt, ein Ziel, für das ich mich immer mit allen meinen Kräften einsehen werde. George R. I.“ Weitere Gmpfäige zu Ehren Blombergs. Teilnahme am Krönungsball. London, 14. Mai (DNB.) Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg stattete am Freitagnachmittag dem englischen Schatzkanzler Neville Chamberlain einen Besuch ab. Die Unterredung dauerte etwa eine halbe Stunde. Zu Ehren des Reichskriegsministers gaben der Botschafter und Frau von Ribbentrop ein Frühstück, zu dem u. a. der Erzbischof von Canterbury, der englische Premierminister Baldwin und Frau, Außenminister Eden und Frau, der ständige Staatssekretär im Foreign Office, Sir Robert Dansittart und Frau, Lord Lothian,/ Lord Londonderry und Frau, Lord Derby, der Earl of Dunmore und die Gräfin of Dunmore, Lord Rothermere, Lord Kensley und Frau, Ronald Greville und Sir Sidney Clive und Frau erschienen waren. Deutscherseits nahmen Generalfeldmarschall von Blomberg, der Erbherzog von Hessen und die Großherzogin von Hessen, Reichsleiter B o u h l e r mit Frau, Generalmajor Stumpfs, Gesandter Woermann und Le- gationssekretär Freiherr von Doernberg teil. Zu Ehren des Reichskriegsministers veranstaltete die Anglo-German Fellowship einen Empfang im Mayfair-Hotel, zu dem sich zahlreiche Mitglieder der Anglo-German Fel« lowship sowie die Angehörigen der deutschen Kolonie in London eingefunden hatten. Der Vorsitzende Lord Mount Temple gab der Hoff- nung Ausdruck, daß das deutsch-englische Verhältnis sich immer mehr vertiefen werde. Generalfeld- marschall von Blomberg erklärte, daß Deutschland und England durch Jahrhunderte hindurch militärisch und politisch Seite an Seite gestanden hätten. Bei der Neubefestigung einer Zusammenarbeit habe die Anglo-German Fellowship wertvolle Arbeit geleistet, und er hoffe, daß ihr das auch in Zu- funft weiter möglich sein werde. — Am Abend nahm der Generalfeldmarschall mit den Leitern der anderen ausländischen Abordnungen an einem Empfang teil, den Außenminister Eden für den König und die Königin im englischen A u ß e n a m t gab. Der Reichskriegsminister, Reichsleiter Bouhler und Frau, Botschafter von Ribbentrop und Frau, sowie die gesamte deutsche " hnung nahmen dann am Krönungsball im Buckingham-Palast teil, der die Vertreter sämtlicher 60 Völker vereinigte. F1agqenzwisÄ>en§al1 in Palästina Jerusalem, 14. Mai. (DNB.) Die deutsche Tempelbank in Jaffa hatte anläßlich der Krönungsfeier in London die britische und die Fahne des Deutschen Reiches gehißt. Die deutsche Fahne ist von unbekannt gebliebenen Tätern angezündet worden und verbrannte vollständig. Vermutlich sind die Täter Juden. Polizei mußte die Menge vor dem Gebäude zerstreuen und eine sogleich gehißte zweite Reichsflagge bewachen. Obwohl am Krönungstage von den Reichsdeutschen besonders reich geflaggt wurde, hat sich in ganz Palästina sonst kein weiterer Flaggenzwischenfall ereignet. raner Staaten, die nach ihren jeweiligen Ge- etzen und Ueberlteferungen zu regieren der König in feinem Krönungseid auf das Evangelium feierlich beschworen hat. Der Königskrönung wohnten die Ministerpräsidenten Englands und der Dominien nur als Zu- chauer bei, in Der SBeftminfterabtei hatten Geist lichkeit und Adel wie im mittelalterlichen England allein das Wort. Die gestern im Sc.-Jamespalast eröffnete Reichskonferenz rückt die eigentlichen Träger der Macht und politischen Verantwortung wieder ins Blickfeld des öffentlichen Jn- effes. Seit der letzten Reichskonferenz in der kanadischen Bundeshauptstadt Ottawa sind kaum fünf Jahre vergangen. Seitdem ist überall einerseits die Abneigung gewachsen, sich in Konflikte verwickeln zu lassen, die nur die Interessen des Mutterlandes oder eines einzelnen Reichsteils berühren, anderer- eits aber auch Die Ueberzeugung, Daß nur eine tarfe Rüstuna, zu Der alle Reichsteile beitragen, ihnen in kritischen Zeitläuften Schutz zu gewähren vermag. Australien und NeuseelanD fühlen sich von den Dominions am stärksten bedroht durch vielleicht überraschende Entwicklungen im Stillen Ozean und ind daher auch am meisten geneigt, einer starken iritischen Aufrüstung namentlich der See- und Luft- treitträfte das Wort zu reden und für ein enges Zusammengehen mit Den Vereinigten Staaten einzutreten. BalDwins und Chamberlains gewaltiges Rüftungsprogramm, Das vor allem von Der Bevölkerung Des MutterlanDes beträchtliche Opfer verlangt, ist sicher im Hinblick auf Diese in ßonDon bekannten Wünsche Der Dominien geraDe jetzt aul- gezogen worDen. Vermutlich erwartet man als Gegengabe eine größere Bereitwilligkeit Der Dominien, einmal selbst alle Kräfte für eine Verstärk fung Der Rüstungen anzuspannen und zum andern der europäischen Politik Englands auch Dann zu lefunbieren, wenn Dominieninteressen nicht berührt werden. Wie weit die britischen Staatsmänner in diesem Punkt ihre Hoffnungen erfüllt sehen werden, ist heute noch schwer zu übersehen. Es spielen hier sowohl die Verhandlungen über einen neuen Westpakt hinein, wie Englands Dölkerbundsverpstichtun- gen, ein Problem, das durch Abessinienkonflikt und Sanktionskrieg aktuell geworden ist. Einen besonderen Raum werden auf der Londoner Reichskonferenz, wie schon in Ottawa, Die Wirtschaftsfragen einnehmen. Damals hatte das Mutterland Den Dominien weitgehenDe Zoll- reiheit namentlich für Lebensmittel und Rohstoffe gewährt, während die Dominien für britische Fertig- waren gewisse Vorzugszölle weiter herabsetzten und neue emrdumten. Die Wirtschaftsstatistik zeigt, daß die e Abmachungen in den fast fünf Jahren ihres Bestehens den Warenaustausch zwischen den Glie- Dern Des britischen Weltreiches gewaltig belebt und Die übrigen Länder aus dem Verkehr mit dem Britischen Reich entsprechend herausgedrängt haben. Während 1931 die britische Einfuhr aus den Do- nunien und Indien nur 19,4 o. H. ausmachte gegen 71,3 v. H. aus den nicht britischen Ländern Der Erde, war diese Ziffer 1936 auf 29,2 gestiegen, während die Einfuhr aus den nichtbritischen Ländern nur noch 56,2 v. H. betrug. Indessen hat man in England eine Gefahr dann zu sehen begonnen, in der Nahrungsmittelversorgung auf die Zufuhr aus den fernen Dominien angewiesen zu sein, deren Etappenlinie im Kriegsfall selbst von einem an sich schwächeren Gegner empfindlich gestört werden könnte. Man sucht daher engere Verbindung mit näher gelegenen landwirtschaftlichen Produktionsländern, wie Skandinavien, wobei die den Dominien gewährten Zollvergünstigungen im Wege stehen. Andererseits haben die Dominien begonnen, sich eigene Industrien aufzubauen, denen natürlich die Vorzugszölle für Fertigwaren des Mutterlandes unbequem find. Hier wird es also sehr erhebliche Schwierigkeiten zu überbrücken geben, vermutlich wird man Den Ausweg in einer größeren wirt- schafts- und zollpolitischen Entschlußfreiheit Der Reichsteile suchen, womit man ja auch Den neuen allgemeinen Bemühungen um einen Abbau Der internationalen HanDelsschranken entgegenkommen würde. So wird das Ergebnis der britischen Reichskonferenz auch für Die nichtbritische Welt politisch wie wirtschaftlich von erheblicher BeDeutung fein. Die Londoner Verhandlungen verdienen also unsere volle Aufmerksamkeit. Fr. W. L. Das dänische Köniasiubiläuni. Kopenhagen im Festschmnck. Kopenhagen, 14. Mai. (DNB.) Festlich geschmückt erwartet Kopenhagen Das Jubiläum König Christians X., Der vor 25 Jahren Die Negierung antrat. Weißrote Fahnen wehen von taufenD Masten und aus allen Fenstern und Ge- rpinde aus Buchenlaub und Tannengrün verbinden Haus mit Haus. In Roskilde weilte am Frei- tagnachmittag Der König mit seinem Bruder, Dem König Haakon von Norwegen, um vor Beginn Der Jubiläumsfeier an Den Gräbern ihrer Großeltern und Eltern, Der Könige Christian IX. und Friedrich VIII. Kränze niederzulegen. Auch König Gustav von Schweden, Der Groß- Herzog unD die Großherzogin von Mecklenburg, Die Prinzen Georg und Christophorus von Griechen- land und alle übrigen Gäste, die als Verwandte und Freunde zu diesem Fest des dänischen Hofes ge» laden sind, find in Kopenhagen eingetroffen. ♦ Der Führer und Reichskanzler hat Seiner Majestät dem König von Dänemark zum 25jährigen Regierungsjubiläum drahtlich seine Glückwünsche übermittelt. Der britische Zerstörer „Hunter" auf eine Treibmine gelaufen. Die britische Admiralität entlarvt rechtzeitig antideutsche Äreuelhehe. London, 14. Wal. (DRB.) Wie die englische Admirallläl milleill, Hal die vorläufige Untersuchung ergeben, daß Der britische Zerstörer „Hunter- aus eine Treibmine gelaufen ist. Damit sind die lügenhaften Tendenz Meldungen aus Valencia, daß es sich um einen „Torpedoschuh- gehandelt haben könnte, endgültig widerlegt. „Hunter- wird von anderen Zerstörern nach Gibraltar abgeschleppt, nachdem die Schäden an der Schiffshülle vorläufig ausgebessert worden sind. Bei der Untersuchung durch Taucher wurde festgestellt, dah die Explosion zwei Löcher in die Panzerplatten des Zerstörers gerissen hat. Auch Reuter gibt jetzt zu, dah die Explosion durch eine Treibmine verursacht wurde. Drei Todesopfer sind gestern auf dem britischen Friedhof in Almeria beigesehl worden. Die Leichen der fünf anderen konnten bisher aus den Trümmern des zerstörten Maschinen- raumes noch nicht geborgen werden. Savas gibt sich zur Verbreitung von Lüsen her. Berlin, 14. Mai. (DNB.) Die französische Nach» richtenagentur Haoas veröffentlichte eine aus Almeria übermittelte Nachricht über eine angebliche Torpedierung Des Zerstörers Durch e i n Deutsches TorpeDoboot. Das Havas-Büro bemerkte Dazu, Daß es Diese Nachricht „mit allem Vorbehalt" roiebergebe. Aber trotz Dieses Vorbehalts mürbe bie Melbung, um ihr boch eine möglichst große Wirkung zu verschaffen, mit Vorrang vor anderen in Der Welt verbreitet. Die Nachricht lautet: „Nach einer weniger autorisierten Version ist das Schiff auf eine Mine gelaufen, als es beit Küstenüberwachungsdienst Durchführte. In weit mehr Kreisen nimmt man als wahre Ursache Des Unglücks an, Daß Das Kriegsschiff torpeDiert wurde, und zwar von einem deutschen Torpedoboot. Wir können diese Version insofern be- ii>'* Rp* te inrWe L «rtfereiiw ’ iifj/lätr W. kfton S-- pW" J bllüngeln'"^ .inieip1"68; anpas Io IP' lliif mori>en i Ei >uMen feer. M-m «° itonltruieren, i fe Sas m« feen wicknli fe mre? S« Mi Seid) W al tto IN1*™ Ifepitt! »I BNiidN „jsbfer Preffch p ziehen versteht. Seich in £oi He größte Zei yrOeinKoiW ®ar|d)au, 14 iw gewribepolizi ’Driuferei de- Strchgesührt, die di lUije Begründung B'jng unb Der l#5 Verlages und Jrein Press iSen Volksgruppe unlafete. Durch di Hn außer der ■ Mi deutsche Wo uatsschristen bett Die „Lodzer Frc verholt dem eimngeüldjen Sin S'gen bie Seftre. Jrfy, bes @em Stellung genomme, w unlängst eine ' sch zu einem < ; >!Beut|d)tu 'M ihrer Stellu vit,Lodzer Fre ®'No(t von bei ® iitn. Ne Tewerbepoli Mi worden, ur HGllMS, stillzu i!?iu Zerstören, gerade j . 5n angenornm - >7^ übrig lass Deutschen !? MM. Mit Metommen- u M -en Test ? ? deutschklch ■Mert. »ta be ‘‘te? ■nun xf15 ln d SPvs "Vrns 1 Un8at'W'tlta *at qlei?n Tt : JinOerheVle red ^rchgAn Qll| nohse, k'e il»" """be» «PL-»»« ÜÄ y°cht. K. Nicht l Ät und WZ Zeneralnch °ernber5 !-k geHagte biefes Wänbnis ausbrürfiid) aufrecht und Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. «itiaen, als der Vorderteil des Schiffes zwei Löcher aifwies, Einschuß und Ausschuß." halten zu haben. Zu Beginn der Hauptoerhandlung hielt der An- * _.er__l. m «T» Sylt T t A-> zintroi+it 11 n h ildflino ie deutsch-' anläßlich du che und hir 15 gehißt gebliebenen brannte validen. ftreuen unt) bemalen. hsdeutschea ch in tznnz ^wNensall Die ÄS.-Sludentenlamvfhllse. Der Erlaß des Stellvertreters des Führers. München, 14.mal (DNV.) Der Stellvertreter des Führers gibt folgenden Erlaß bekannt: 1. Auf Grund meiner Verordnung vom 14. Mai 1937 ist die RS.-Studentenkampfhilfe als der Altherrenbund der deutschen Studenten der einzige von der VSDAP. anerkannte Zusammenschluß der Altherren der deutschen hoch- und Fachschulen. 2. Die NS.-Studentenkampfhilfe, Allherrenbund der deutschen Studenten, erfüllt die Aufgabe, die lebendige Verbindung zwischen den jungen Studenten und den Alten Herren an den hoch- und Fachschulen herzustellen. Sie nimmt teil an den großen Aufgaben, die dem deutschen Studententum gestellt sind. 3. In Anerkennung der erzieherischen und vaterländischen Arbeit ihrer Formationen und Verbände übernimmt die VS.-Studenlenkampfhilfe, Allherrenbund der deutschen Studenten, die Aufgaben der bisher bestehenden Zusammenschlüsse und Vereinigungen der der Altherren an den deutschen hoch- und Fachschulen. 4. Ich erwarte von allen Mitgliedern der NSDAP. und allen ihren Gliederungen, daß sie sich für die Arbeit der N S. - Stu - dentenkampfhilfe einsehen und ste überall wirksam fördern. , v , 5. Alle Stellen der NSDAP., insbesondere die Gaulellungen, werden ersucht, sich der Werbung für die VS. - Studenten? a m p f - Hilfe zur Verfügung zu stellen und am Ausbau der Organisation und damit an der Einigung des deutschen Akademikertums mitzuhelfen. Wir kämpfen bis zum endgültigen Sieg" General Franco lehnt Waffenstillstand und Auslandsvermittlung ab. bury ees flör \r. I to’» . j d)e t\W' „ ntdR kverden- bild« Mik- .) FeM r 3ubilau® | 25 Jahren n wehen örtern und J- rün verbiß -ilte am F i Bruder, dt ien, »* ■ Gräbern E • WRi | .ton®* Verwandtes hen ettoffen- Zahres- und Hauptversammlung des VDA Berlin, 15. Mai. (DNB.) Der Volksbund für das Deutschtum im Auslande hielt feine diesjährige Tagung ab. Zu Beginn der Hauptversammlung wurden Telegramme an den Führer und Reichskanzler sowie an den Stellvertreter des Führers abgesandt. Die Antwort des Führers wurde mit großer Begeisterung ausgenommen. Bundesleiter Dr. Steinacher gab einen zahlenmäßigen Ueberblick über die Entwicklung des VDA. in den letzten Jahren. Das organisatorische und finanzielle Bild, das Dr. Steinacher mit dem Dank an verschiedene Landesverbände des VDA. für besonders gute Leistungen — hier ist vor allem der Landesverband Grenzmark zu nennen — abschloß, wurde noch von Direktor Schulze durch einen besonderen Bericht ergänzt und erweitert. Ein Bericht des Rechnungsprüfers' leitete zu weiteren Ausführungen des Bundesleiters über den Arbeitseinsatz des VDA. über. Nach kurzen Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Schuloereins Südmark, Ministerialrat Mayer (Wien), gaben die verschiedensten Berichte aus der Volkstumsarbeit von draußen der Hauptversammlung ein Bild von der Weite und Mannigfaltigkeit, von der Not und der Treue des deutschen Volkstums jenseits der Grenzen. Das Gelöbnis der Treue zum deutschen Volk und seinem Führer beschloß die Hauptversammlung, der die Hymnen des Deutschen Reiches einen würdigen Ausklang gaben. Hamburg, 15. Mai. (DNB.) Vor dem Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts hatten sich mehrere Personen, die der früheren KPD. angehörten, wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu verantworten. Die Angeklagten hatten in Gruppen von drei bis fünf Personen in einer sogenannten Abhörgemeinschaft mit ihrem Rundfunkgerät Sendungen des Senders Moskau a b g e h ö r t. Im Anschluß daran ist zwischen den Beteiligten lebhaft über die Sendung diskutiert worden, wobei die lügenhaften Meldungen des Moskauer Senders als wahr hingenommen und dagegen die Meldungen deutscher Sender als unrichtig bezeichnet wurden. Der Strafsenat hat Z u ch t h a u s st r a f e n von zwei bis sechs Jahren ausgesprochen. Wenn auch das Abhören des Moskauer Senders gesetzlich nicht verboten ist, so kann darin leicht eine strafbare Handlung gesehen werden. Wer das Gehörte propagandistisch für die Zwecke des Kommunismus auswerten will, oder wer sich selb st in seiner kommunistischen Gesinnung festigen will, um, wie er vielleicht trügerisch hofft, das Gehörte später einmal verwerten zu können, der begeht eine hochverräterische Handlung. Auch schon ein einzelner, der aus den genannten Gründen als fanatischer Kommunist den Moskauer Sender abhört, kann sich der Vorbereitung des Hochverrats schuldig machen. Vor allem kommt es auf die frühere politische Einstellung bei der Beurteilung an, ob das Abhören des Moskauer Senders zu einer strafbaren Handlung geworden ist. Versammelt jemand, der selbst kommunistisch eingestellt ist, einen Zu- b ö r e r f r e i s um sich, so muß davon ausgegangen werden, daß er für den Kommunismus propagandistische Zwecke verfolgt. Wetterbericht des Neicbswelterbienstes. Ausgabeort Frankfurt Von den Azoren erstreckt sich eine flache Tiefdruckrinne bis nach Finnland hin, in der fortgesetzt Störungen nordostwärts wandern. Da wir an ihrer Südseite verbleiben, ist eine durchgreifende Witterungsverschlechterung nicht zu erwarten. Doch bleibt auch für die Folge leichte Unbeständigkeit erhalten, die zum Auftreten einzelner, teilweise geroittenger Niederschläge Anlaß geben wird. AussichtensürSonntagiJm wesentlichen freundliches Wetter, doch Neigung zu vereinzelten, teilweise gewitterigen Niederschlägen, meist südliche bis westliche Winde. Aussichten für Montag: Meist freundliches, doch nicht durchaus beständiges Wetter. Lufttemperaturen am 15. Mai: mittags 18,8 Grad Celsius abends 13 Grad; am 15. Mai: morgens 11,9 Grad. Maximum 19,6 Grad. Minimum heute nacht 8,6 Grad. Die Gewerbepolizei ist jetzt natürlich nur vor- a-schickt worden, um diesen Verlag, eine Stütze des reutschtums, stillzulegen, wenn nicht gar für immer zu zerstören. Der Kampf gegen das Deutschem hat gerade in den letzten Monaten wieder Formen angenommen, die an Deutlichkeit nichts zu rmnschen übrig lassen. Es überrascht also auch nicht, daß die Deutschenfeinde nach diesem Presseinstru- ment greifen. Mit der „Gewerbepolizei ist man aber gekommen, um dem Generalsuperintendenten Bursche einen Gefallen zu erweisen. Dieser Mann mit dem deutschklingenden Namen ist hoffnungslos po-Ionifiert. Das Kirchenvolk aber, fast burd)- weg deutsch, hat bei den Wahlen, die teilweise noch m Ablauf begriffen sind, dem Superintendenten eine glatte Absage erteilt, es hat für die deutschen Kandidaten gestimmt. Darüber sind nicht tur er, sondern auch seine polnischen Gönner unmutig. Sie Polen sehen in dem Ergebnis der Kirchenwahlen nicht mit Unrecht ein Bekenntnis der Deutschen zu ihrem Deutschtum. Die „Freie Presse" in Lodz aber batte es bis in die letzten Tage hinem gewagt, einen anderen Weg, als ihn Bursche wünschte, etn- zn schlagen. Sie muhte mundtot gemacht werden, tes ©eneralfuperintenben Bursche polnische Freunde mochten die „Gewerbepolizei" mobil, von der man tun endlich weiß, welche Bedeutung sie für bas Deutschtum in Polen hat. Ungarns Minderheiienpolitik. Der Gauleiter empfängt die Reichssieger im RBWK. NSG. Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger empfing im Adolf-Hitler-Hause die Reichssieger im 4. Reichsberufswettkampf aus dem Gau Hessen- Nassau und überreichte jedem das Buch „Mein Kampf". Er sprach von dem ununterbrochenen Kampf ums Dasein, in dem wir täglich stehen, da uns nichts in den Schoß fällt, was wir uns nicht selbst erarbeitet haben. Alles in der Welt ist auf den Kampf um die Erhaltung des eigenen Jchs abgestellt. Ohne diesen fortdauernden Einzelkampf wird keine Gemeinschaft bestehen können. Die Leistungen des einen werden denen des anderen gegenübergestellt und so wird der Gedanke des Leistungskampfes Allgemeingut. Er muß soweit verbreitet werden, daß er alle erfaßt, und bann werden in planmäßiger Lenkung auch auf allen Gebieten die Höchstleistungen erzielt werden. Zu dem RBWK. der Jugend tritt der Wettkampf der Gesellen, und dann kommt der Meisterwettkampf, in dem der Meister jedes Jahr neu zu beweisen hat, ob er den Titel zu Recht führt. Fünf Fahre Zuchthaus für katholischen Geistlichen. Sittlichkeitsverbrechen an minderjährigen Schülerinnen. Deranftalttt,- i p ein« •J- zu br verman $ »eutschen 9» >■ Der Slot, ib der W Iche VerW GenerchÜ / I Deutschs durch milili anben Haiti? ■■ enarbeit Hel volle 2lrbr auch in $ Am Abts n Leitern k an eins »en für to englisch,! iiegsmiick Mastere amte deck lungsbölli ■ die VerM I \ Salamanca, 15. Mai. (DNB. Funkfpruch.) Im Rundfunk wurde eine Erklärung der spanischen Nationalregierung verlesen gegen die bolschewistischen Versuche, mit Hilfe einer Jntenvention des Auslandes einen ÜB affen ft i 11 ft a n b zu erreichen. Das nationale Spanien zweifele nicht einen Augenblick an den siegreichen Ausgang eines Kampfes, dessen Ziele Befreiung vom Freimaurer- tum, soziale Gerechtigkeit und vollständige Unabhängigkeit Spaniens ohne irgendwelche Vermittlung seien. „Es wäre also würdelos", so heißt es, „wenn wir mit Männern, die mit den Logen in Verbindung stehen und Spaniens Vernichtung wünschen, paktieren würden. Wir kämpfen bis zum endgültige Sieg. Wer uns vom Waffenstillstand spricht, wird als Verräter angesehen, und dem Ausland sagen wir: Wenn ein Volk bereit ist zu sterben ober zu siegen, gibt es keine Kompromisse. Wir werden niemals paktieren, denn wir wollen den endgültigen Sieg des neuen Spaniens. Mögen also die Marxisten mit ihren Machenschaften fortfahren und in Genf Schutz suchen — wir werden unsere Meinung nicht ändern." Nationaler Dormarsch an der Dizcaya-Front. Salamanca, 15. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der nationale Heeresbericht meldet u. a.: Die bol- > d n9sioj(;, Meidet l "Nhi 1 "1- engltl » StA Ln»n««,; 5,IQ1'9 ntfr M°iti finden, bi Stach Das Programm des Reichshandwerkertags. NSG. Der „Tag des Deutschen Handwerks" beginnt in Frankfurt am 27. Mai mit einem Kameradschaftsabend auslandsdeutscher Handwerksführer und auslandsdeutscher Wandergesellen im „Steinernen Haus". Am Freitag gibt der Leiter des Deutschen Handwerks den Rechenschaftsbericht in der Festhalle. Um 15 Uhr wird die Ausstellung „Meisterwettkampf 1937" im Haus der Moden eröffnet, hieran schließen sich die Arbeitstaaungen der Fachgruppen an. Abends findet ein Presseempfang im Rathaus statt. Am 29. Mai werden die Arbeitstagungen in der Festhalle fortgesetzt, dort sprechen um 9 Uhr Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und Reichsminister Dr. Goebbels. Um 15 Uhr werden die W a n d e r g e f e 11 e n auf dem Römerberg empfangen und um 16 Uhr die Sternfahrer auf dem Opernplatz. Auf dem Festabend des Deutschen Handwerks spricht der Reichsführer der SS. Himmler. Der Sonntag beginnt mit einer Feierstunde um 9.30 Uhr in der Festhalle, bei der 192 Lehrlinge aus allen deutschen Gauen frei- gesprochen und 192 Gesellen z u Meistern des Handwerks anerkannt werden. Um 13 Uhr beginnt der große F e st z u g , und den Abschluß bildet die Kundgebung um 16 Uhr auf dem Opern- platz, auf der Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und Generaloberst Göring sprechen. auf, daß in einer Zeit, wo die ungarische Regierung fordern müsse, daß die vertraglich gesicherten Rechte der im Auslande lebenden ungarischen Minderheiten geachtet werben, sie ihrerseits sorgfältig über die Einhaltung ihrer Verpflichtung wache. In Ungarn könne es niemandem zum Nachteil gereichen, ob er einen deutsch- oder einen anderen fremdklingenden Namen trage. Die Regierung verurteile auf das entschiedenste jede Aktion, die'im Interesse ober zur Verhinderung der Namensmagyarisierunb Mittel anroenbe, die mit der persönlichen Freiheit und der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung nicht vereinbar seien. Sie könne verlangen, daß bie Namensmagyarisierung nicht zu einer gegen Ungarn gerichteten Agitation ausgenützt werbe. Die Regierung halte bie ehrliche Freundschaft mit bem Deu ts chen Reich aufrecht. Eben deshalb wünsche bie Regierung, daß bie Möglichkeit einer Agitation, bie geeignet wäre, die guten Beziehungen zwischen den beiden Nationen zu stören, ausgeschaltet werde. schewistischen Flieger setzten ihre Taktik, offene Städte im Hinterland anzugreifen, fort und versuchten erneut, Saragossa zu bombardieren. Nationale Jagdflieger schossen einen Apparat ab. An der Front von Dizcaya wurde der siegreiche Vormarsch der nationalen Truppen fortgesetzt. Nach einem glänzenden Angriff wurden einige Stellun-' gen im Westen des Sollube und der Berg Jcttu eingenommen, ferner Toyu, Achagorca, Livano de Arrieta, Dtafugoico und die Höhenstellung 264. Der Gegner hatte große Verluste. Es wurden zahlreiche Gefangene gemacht. Hundert Mann Miliz mit Waffen liefen zu uns über. Verwundeter nationalspanischerOffizier von Bolschewisten ermordet. Paris, 14. Mai. (DNB.) Nach Mitteilungen des bolschewistischen „Generalstabes" ist der Kommandant des Klosters Santa Maria de la Cabeza, Hauptmann Santiago Cortes, der sich nach neun Monaten heldenhafter Gegenwehr der bolschewistischen Uebermacht ergeben hatte, trotz der schweren Verletzungen, die er bei den Kämpfen erlitten hatte, g u m lobe „verurteilt" unb ermordet worben. Das bolschewistische „Kriegsgericht" hübe bas „Urteil" am Krankenlager des Hauptmanns Cortes gefällt, ba er gar nicht transportfähig gewesen fei. erklärte wörtlich: „Ich will vor meinem Herrgott unb vor meinem Gewissen meine Pflicht tun unb bekenne mich offen zu meinen Taten. Ich weiß, ich habe Unkraut gesät!" Die Autorität, bas Vertrauen unb bie große Beliebtheit, bie er zunächst unter den ©emeinbemitgliebern genoß, erleichterten es bem Angeklagten gewöhnlich, sich an ber ihm anvertrauten Jugenb zu vergehen. In ber raffiniertesten Weise hat ber Angeklagte nach seinem eigenen Ge- ftänbnis minderjährige Schülerinnen, bie zu seinen Beichtkindern gehörten und bie er im letzten Schuljahr auf ihren künftigen Frauen- unb Mutterberuf vorbereiten sollte, für seine gemeinen Zwecke eingefangen. Im Zuhörerraum machte sich häufig bie Erregung bei ben einzelnen erschütternden Dingen, die zur Sprache kamen, durch unwillige Zurufe Luft. Der Angeklagte hatte einem schwerkranken jungen Mädchen häufia in seiner- Eigenschaft als „Seelsorger" Besuche abgestattet. Vier Wochen vor seinem Tode hat dieses Mädchen, wie dessen Schwester als Zeugin aussagte, mit Tränen in den Augen darum gebeten, doch nicht mehr den Pfarrer zu ihr ans Krankenbett zu lassen, da er sie dauernd unsittlich belästige. Ein andermal versuchte ber Angeklagte eine 'Zeugin gefügig zu machen, indem er ihr versprach, ihre Zahnarztrechnung zu bezahlen, wenn sie ihm zu Willen sei. (!) — „Wie konnten Sie das alles nur tun?" fragte der Vorsitzende erregt. „Hatten Sie denn gar feine Achtung vor der unschuldigen Jugend?" Der Anklagevertreter wandte sich vor allem dagegen, daß die erzbischöfliche Behörde dem Angeklagten nach den Vorgängen in Badersleben eine weitere Stellung im Gemeinde- dienst anvertraut hatte. In seiner Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende, daß bie Aufrollung bieses Falles nicht zuletzt wieder die Notwendigkeit der nationalsozialistischen 23ereinigungsattion beweise, und zwar gerade im Interesse des Ansehens ber katholischen Kirche. Selbstauslösung der Deutsch nationalen Volkspartei in Danzig. Danzig, 14. Mai. (DNB.) Die schon seit einigen Wochen erwartete Selbstauslösung ber Deutschnationalen Volkspartei in Danzig erfolgte auf einem von 65 Delegierten besuchten außerorbentlichen Parteitag, ber zu biesem Zweck einberufen war. Die freiwillige Auflösung fanb einstimmig ahne Wiberspruch unb ohne Stimmenthaltung statt. Der bisherige Parteiführer betonte, baß ber Zeitpunkt ber Auflösung schon lange herangerückt sei, unb bem Bruberkampf in Danzig, ber im Ergebnis nur bem gesamtbeutschen Interesse schäblich sei, ein Enbe gesetzt werben müsse. (Bauleiter Forster, bem bas Verdienst ber Schaffung bieses Einigungswerkes zuzuschreiben ist, stellte in ben Vordergrunb seiner Betrachtungen bie Notwendigkeit der beut- schen Einheit in Danzig. Abhören des Moskauer Senders kann strafbar sein Budapest, 11.Mai. (DNB.) Ministerpräsident Jarant) erklärte im Abgeordnetenhaus, bie in Ungarn lebenben Minberheiten seien in jebcr Beziehung ben Staatsbürgern ungarischer Naliona- lilät gleichgestellt. Die Regierung wache sorg- Icltig, daß bie rechtliche unb tatsächliche Freiheit der Minberheiten auch auf wirtschaftlichem Gebiete diirchgeführt werde. Die Regierung werde darüber hinaus die notwendigen Vorkehrungen treffen, daß bie kulturellen Ansprüche dieser Minder- hciten vollkommen befriedigt würden. Das bedeute, hie Anwendung ber Sprache ber in Ungarn lebenden Minderheiten zu ermöglichen. In den Dom Staat gewährten Unterstützungen habe die Regierung niemals einen Unterschied zwischen ungarischen unb nicht ungarisch sprachigen Schulen gemacht. Die ungarische Regierung habe stets eine minberheitenfreundliche $ o litt k versagt unb dafür gesorgt, baß die Seitbauer brr Fortbilbungskurse für bie m deutschsprachigen Lchulen bereits beschäftigten Lehrer um einen Mo- iw »rhnht wprhe. Unaarn lege großes Gewicht bar- Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bes Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik unb für bie Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. D. A. IV. 37: 9657. Druck unb Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- unb Steinbruderei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. wehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr Paberdorn, 14. Mai. (DNB.) Die Strafkammer des Landgerichts in Paderborn verurteilte am Freitag ben 53jährigen römisch-katholischen Geistlichen Heinrich Becker aus Haaren, Kreis Büren wegen Unzucht mit Kindern unter 14 Jahren in Tateinheit mit Verbrechen gegen § 174, 1, in vier Fällen zu insgesamt fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Auch dieser Angeklagte hat ein umfassendes G e - st a n d n i s abgelegt, sowohl in ber Voruntersuchung wie jetzt während ber Hauptverhandlung, bie in voller Öffentlichkeit durchgeführt wurde. Ebenso wie in dem Prozeß gegen ben katholischen Pfarrer Eduard Meyer in Freiburg i. B., handelte es sich auch hier wieder um junge Mädchen, und zwar im Alter von 13 bis 14 Jahren. Becker hat, als ihm das Zölibat zu schaffen machte, schon in Badersleben, wo ber Angeklagte nach dem Kriege bis zum Jahre 1928 Pfarrer war, drei junge Mädchen im Alter von etwa 18 Jahren verführt. Die erzbischöfliche Behörde hat sich damit begnügt, den Angeklagten als Pönitant dem Fran- ziskanerkloster in Rietberg zugewiesen. Der sonderbare „Seelenhirt" wurde alsbald wieder als Vikar in Herbram verwendet, wo er fein altes Treiben fortsetzte. Wieder wechselte er bie Stelle unb kam nach Haaren. Auch hier gab es Gerüchte, die sich immer mehr verdichteten. Als schließlich seine Verhaftung erfolgte, legte er sofort ein offenes Geständnis ab und gab zu, mit 16 jungen Mädchen, von denen vier unter 14 Jahren waren, geschlechtliche Beziehungen unter- nemarrL drahtlich । Deutsche Druckerei in Lodz geschloffen. Die größte Zeitung der deutschen Bolts- ruppe in Kongretzpolen mundtot gemacht. Warschau, 14. Mai. (DNB.) In Lodz wurde eine gewerbepvlizeiliche Untersuchung der Druckerei des Verlages „Liberias" durchgeführt, die die Behörde, ohne daß eine fchnft- lihe Begründung vorgelegt wurde, zur Schlie- (jiing und Verfiegelungder Druckerei, bis Verlages und der Redaktion der „Lodzer Ire ien Presse", bes größten Organs der deutschen Volksgruppe im früheren Kongreßpolen, veranlaßte. Durch bie Schließung dieser Druckerei wer- btn außer der genannten deutschen Tageszeitung Mei deutsche Wochenschriften und drei deutsche Monatsschriften betroffen, die dort hergestellt wurden. Sie „Lodzer Freie Presse" hat in letzter Zeit wie- dkrholt zu dem K i r ch e n k a m p f innerhalb ber eiangelifdjcn Kirche im früheren Kongreßpolen unb gegen bie Bestrebungen bes Oberhauptes dieser Kirche, bes Generalsuperintendenten Bursche, Wellung genommen. Generalsuperintendent Bursche ’it unlängst eine neue Verfassung dieser i.td)e zu einem Kampfinstrument gegen □ s Deutschtum in Polen machen wollen, liegen ihrer Stellungnahme zu diesem Kirchenkampf ii bie „Lodzer Freie Presse" in ben letzten Wochen lliederholt von ben Behörden beschlagnahmt Borben. Zeder nachbenkende Laie weiß, baß ein Torpebo feine Einschuß- unb Ausschußlöcher verursacht, son- brn bei Berühren ber Borbwand eine Explosion heroorruft, bie gegen einen Zerstören erheblich ftar- hre Wirkung erzielen würde. Die ganze Nachricht trigt den Stempel ber typischen Lügenmeldung. Sie englische Admiralität hat keinen Augenblick derartige „Erklärungen" für den Unfall ihres Zerstörers in Erwägung gezogen, zumal die deutschen H-wachungsstreitkräfte nicht vor Almeria, sondern in ihrem eigenen Ueberwachungsgebiet eingesetzt firb und ihre Tätigkeit sich in aller Oeffentlichkeit Spielt. Nach dem amtlichen Bericht der englischen Dmiralität über die Ursachen der Explosion, ist das Aiegsschiff ohne jeden Zweifel auf eine Treib- ffline gelaufen. Durch diesen Bericht wird nicht nur die von Hcwas kolportierte Lügenmeldung Mderlegt, sondern es wird auch eine von langer fanb und systematisch vorbereitete neue deutsch- stndliche Hetzwelle abgestoppt. Noch am gleichen läge, an den sie die verleumderischen Nachrichten Warteten, wurde den Lügnern das Maul gestopft. ,e trüben Quellen dieser periodisch auftretenden : igenmelbungen sind hinreichend bekannt. Die ; ad en laufen von den bolschewistischen Propaganda- intralen und anderen deutschfeindlichen ^Jnter- eienten zu ben jübisch-bolschewistisch verseuchten f resseklüngeln in den europäischen Hauptstädten, wo nan bann mit bem ehrlichen Friedensbemühungen lir Völker sein mutwilliges Spiel treibt. Vielleicht yuicraimaj. Wch nie ist ein derartiger Anschlag auf den Frieden n unb & Europas so schnell und so greifbar auf- rbeckt worden wie jetzt bei dem Märchen von 'm „deutschen Torpedofchuß" geaen den englischen ’rftörer. Man wollte einen deutsch-englischen Kon- ift konstruieren, um bann im Trüben fischen zu innen. Was wäre geschehen, wenn der Bericht der e glischen Admiralität nicht so zeitig veröffentlicht worben wäre? Die ganze Pressemeute wäre über los Reich hergefallen und hätte wieder die alte, dion längst abgeleierte Platte der deutschfeindlichen che gespielt! Wir hoffen, baß bie europäische sfentlichkeit aus biesem Schulbeispiel verantwortungsloser Pressehetze die richtige Nutzanwendung ii ziehen versteht. >7 PALMOLIVE -RAS IERCREM E elngtieift- v M„rm„lh,h,n RM.0.50 ist schon halb rasiert *! In großen Tuben RM.1.10_ g. u. 3442 D o. Gieh. Anz. Stellenangebote | Mietgesuche""| Höbe Iransporl- mit Mansarde u. sofort gesucht. ter Lage gesucht. Schr. Ang. unt. a. d.Bieb. 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Jägc^I nsichaneinel.I iasd Ä* j Schrntl- I u. 34240 I I m.lll Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhetzen)Samstag, t5.Mai <937 Lunge deutsche Nation. pfingstflunde. Nun hat die Wiese ihre süßen Zeiten und singt der Wald wie eine leise Braut. Am Bachrand liegen wir bei goldnen Weiden, umschwirrt von Bienenton und Grillenlaut. In deinen Augen lniegeln sich die Sterne der Wucherblume, und dein weiches Haar spürt einen Wind aus eiher Ferne; wir sehn uns an — und wissen, was es war. Es war ein Hauch, geflüstert in die Stunde, von jenem Geiste, der in allem haust. Wir fühlen's, wie wir nah sind seinem Munde und wie er selig uns im Herzen braust. Karl Burkert. Alles singt mit.' Singend biegen wir Mädel aus dem BDM.- Lager auf den Marktplatz der kleinen Stadt ein, der schon voller Leute steht. Vor, hinter und neben uns marschiert es noch in hellen Scharen mit. Aus allen Häusern sind die Leute getreten, und wer auf der Straße war und nur irgend Zeit hatte, hat sich uns angeschlossen. Schon Tage vorher war es an allen Ecken auf bunten selbstgemalten Plakaten zu lesen, daß heute auf dem Marktplatz ein „Offenes Singen mit dem BDM.-Lager" stattfinden soll. So etwas hat man hier noch nicht erlebt. Um so neugieriger ist alles, zu sehen, was da nun eigentlich vor sich gehen wird. Hitler-Jugend, Jungmädel und Jungvolk sind natürlich erst recht da. Wir vom Lager reihen uns so ein, daß wir im offenen Viereck stehen. Schell sind die Ziehharmonikas ausgepackt und die Geigen gestimmt. Damit die Leute, die vorläufig noch verstreut herumstehen und ein bißchen mißtrauisch gucken, herankommen und warm werden, gibt es zunächst ein Lied, das alle kennen: „Es blies ein Jäger wohl in sein Horn." Mancher von den Umstehenden horcht auf: „Na, das können wir doch auch!" Und da singt auch schon einer mit, unbekümmert darum, daß ihn daraufhin viele Augenpaare erstaunt ansehen. Ein Jungmädel ruft uns leise zu: „Unser Lehrer!" Wie er so selbstverständlich weitersingt, merken die andern, daß das wohl seine Richtigkeit haben muß. Schon singt die Gruppe um den „Herrn Lehrer" mit Wie der das merkt, unterstützt er gleich die von unserer Gruppe gesungene Gebenstimme mit seinem kräftigen Baß. Das hört sich fein an mit unseren Mädelstimmen zusammen. Wieder treten die Leute näher heran, um noch besser zu hören — so, das haben wir ja gerade gewollt. Nun wagen wir uns an ein Lied, das wir gemeinsam lernen und fingen wollen. Es ist gar nicht schwer und hat eine lustige Melodie. Man merkt die Bereitschaft zum Mitsingen schon auf allen Gesichtern. Fein, wie schnell das klappt! Es war sogar so schön, daß wir es gleich noch einmal hören wollen. Gar nicht lange dauert es, da können alle das Lied. An der Art, wie die Leute dastehen und uns ansehen und mitmachen, merken wir, daß wir sie gepackt haben. Es macht richtig Freude, mit ihnen zu singen. Das nächste Lied ist ein Wunschlied. Einer hat es sich gewünscht, und die Umstehenden haben es aufgegrisfen: „Singen wir doch mal: Wenn alle Brünnlein fließen." Gut, wir werden es singen! Aber weil es alle können, werden wir es so vielstimmig wie möglich fingen. Jeder singt eine andere Stimme Begeistert wird der Vorschlag ausgenommen. Freilich, warum soll man nicht auch mal vielstimmig fingen? Das ist doch gar nicht schwer! — Und schon haben wir einen wundervollen großen Chor. Als wir Mädel aus dem Lager hinterher darüber sprechen, sind einige von uns der Meinung, daß wir mindestens zwanzigstimmig gesungen hätten. Da schlägt die Turmuhr auf dem Marktplatz, und wir stellen fest, daß wir schon dreiviertel Stunden fingen. Keiner hat gemerkt, rote die Zeit verging. Wir müssen jetzt den Uebergang finden zu dem Lied „Nur der Freiheit gehört unser Leben", das von uns in vielen offenen Singen durch das ganze Land getragen wurde und das jetzt auch hier bekannt werden soll. Als lleberleitung hatten wir uns den Kanon „Wer wird uns bringen ans andere Ufer" vorgenommen. Bald ist er auch allen im Gehör, wir fingen ihn einmal und noch einmal. Unmerklich haben wir uns von Klang und Inhalt des Kanons in die Stimmung tragen lassen, die wir für unser Bekenntnislied brauchen. Nur ein paar Minuten des liebens und schon ist jeder von dem Lied gepackt. Am Klang des Liedes ist zu hören und auf den Gesichtern zu lesen, daß hier jeder hinter das, was er singt, seinen ganzen Menschen stellt. Das Lied ist zu Ende. Da tritt ein Hitler-Junge an uns heran: „Jetzt möchten wir gern fingen: .Heilig Vaterland.' Das können hier alle Leute." Die anderen Kameraden haben ihn geschickt. Wir fingen nun auch dieses Lied. Wir fingen es mit ganzer Hingabe, und wir spüren, daß sie auf alle überspringt, die hier mit uns zusammenstehen. Dann marschieren die Jugendgliederungen ab und der von Menschen schwarze Marktplatz wird langsam leer. Immer wieder treten die Menschen zu uns heran: „Wann kommt ihr wieder?" G. K. Die Salve. Wir waren schon angetreten, wollten grad' abmarschieren, da kam Ossi noch angerannt. Wahrscheinlich wieder mal die Zeit verschlafen. „Mir geht heute alles daneben!" stieß Ossi seinen rechten Nachbar an. „Ossi — raustreten — mach mal ein bißchen Laufschritt — du scheinst noch zuviel Puste zu haben!" befahl der Jungenschaftsführer. „Siehstel" lachte Freddi und durfte gleich hinter Ossi her. „Alle Autos von hinten find Panzerwagen — sofort Meldung nach vorn geben wenn ihr eins hört und seht!^ erklärte Karli. „Panzerwagen von hinten!" schrie Klex, obwohl wir gelernt hatten, daß die Meldung in der linken Reihe von hinten nach vorn geht. „Volle Deckung!" wurde kommandiert. Wir sausten wie die Blitze hinter den Knick und lagen still, bis das Auto kam. Hüben und drüben lagen wir, und weil uns die Zeit zu lang wurde, fingen wir an, uns mit Sand- fiüten zu werfen. Aus dem feuchten Sand machten wir Bomben und auf Kommando fausten sie wie Salven nach drüben. Das war pfundig und machte Spaß. Dabei hatten wir das Auto, den „Panzerwagen", vergessen. „Feuern!" brüllte Hannes, und die Bomben platzten grab über der Straße. Es kam eine gehörige Ladung ins Auto hinein. Das sahen wir noch. Schnell duckten wir uns. Junge — Junge! Wenn der was gemerkt hatte! Hatte er auch! Knirschend bremste er. Der Mann stieg aus und kam auf den Knick zu. Karli stand sofort auf und ging ihm entgegen. . „Entschuldigen Sie bitte — es war ein Versehen!" sagte Karli. .Der Mann war schwer in Fahrt! Wir blieben hinter dem Knick liegen und hörten nur, wie er was von „Beschweren" sagte. Das hatten wir nicht gewollt. Da kam Klex auf eine große Idee. Er sprang auf die Straße und stellte sich vor den Mann. „Wir machen Ihnen den Wagen auch wieder sauber — ganz sauber!" bot Klex an. Da mußte der Mann lachen. Wir fegten das Auto mit Zweigen aus. Es war allerhand reingekommen. Als der Mann abfuhr, war er wieder auf normaler Tour, winkte uns sogar zu. „Siehste — freundlich kommste am weitesten!" brüstete sich Klex. Klas Klasen. Vor den Zellen angetreten. 1 fc- L ** I MF (Aufnahme: Bernd Braumüller. — Reichsbildstelle der HI.) Die Wache. Steht einer einsam in der Nacht, Mit schwerer Pflicht beladen, Er denkt zurück und an die Wacht Der toten Kameraden. Er fühlt's, daß einer zu ihm tritt, Soldat aus anderen Tagen, Der schon das Bitterste erlitt. Und leise hört er sagen: Kamerad! Und nur dies eine Wort. Sie schweigen, und sie schauen. Der zweite geht, ein Schatten, fort Erst früh beim Morgengrauen. Herybert Menzel, Hochbetrieb aus dem Sportplatz. Regelmäßig ist einmal in der Woche der Sportplatz vom Leben der Jungen erfüllt. Eifrig und beinahe ohne Aufhören wird hier für das Leistungs- abzeichen, dort für das Reichsjugendabzeichen geübt, das große Anforderungen an Kraft, Gewandtheit und Ausdauer stellt. Aber wer hätte nicht den festen Willen, mehr als nur das zu tun, was von allen verlangt wird. Und wer wollte nicht gerade, weil mit dem Leistungsabzeichen ein großes Maß vorbereitender und energischer Arbeit an sich selbst verbunden ist, seinen ganzen Stolz daran setzen, es zu erringen! Nicht in ein festes und schematisches Programm ist der Sportbetrieb der Gefolgschaft gepreßt; zwar ist Zucht und Disziplin oberstes Gesetz, doch hat jeder auch ausreichende Möglichkeit, seiner persönlichen sportlichen Neigung und Veranlagung nachzugehen und sie zu entwickeln. Und manchmal ist auch kein Zentimeter des Sportplatzes mehr ungenutzt, überall herrscht das bunteste und lustigste Treiben. Um große „Kanonen" gruppieren sich bewundernde und kritisierende Sachverständige und bringen ihnen das entgegen, was man mit „Beliebtheit" bezeichnet. Aber Ruhm ist vergänglich, und gerade hier! Ist ein neuer Stern aufgegangen, fällt der alte brutal dem Vergessen anheim, und der stolze Mantel der Bestleistung, den jener eben noch selbstbewußt getragen, gibt nun diesem das beglückende Gefühl des Erfolges. Kameraden stehen zusammen: Einer zeigt die beste Haltung der Arme beim Lauf, die anderen üben sie und verbessern sich gegenseitig. Dort trainiert man Kugelstoßen: Alle Muskeln spannen sich, leicht federnd schwingt der Körper zurück, um dann in jähem Ruck oorzustoßen. Lang streckt sich der rechte Arm, die Augen verfolgen noch für Sekunden die in weitem Bogen fliegende Kugel. Dann gleiten entspannt die Glieder zur Grundstellung. „Mensch!" sagt bewundernd der Kamerad mit dem Meßband und legt an, um die Rekordweite genau festzustellen. Während der Werfer sich freudig die Hände reibt, drängen schon die andern, es ihm nach Möglichkeit gleichzutun. Aber nicht nur hier beim Kugelstoßen ist Betrieb. Um die Laufbahn zieht mit weit ausholendem Schritt eine Kameradschaft ihre Kreise: ein wenig Hebung für Langstreckenlauf. Am Start erproben vier Jungen das richtige Loskommen für die 100 Meter. Auf dem Spielfeld wickelt sich gerade ein Handball-Kurzspiel ab. Hin, her, rechts, links, schnell wechselt der Ball. Blitzartig ändern sich die Stellungen der Spieler. Freudiges Zurufen, kameradschaftliches Aufeinandergehen, Kraft in allen Gesichtern. Um 16.30 steigt ein Mannschaftslauf. Aus fünf Scharen, den sportlich besten des Unterbannes, sind je vier Jungen am Start. Sorgfältig sind die Mannschaften ausgewählt, sind sie doch zugleich die Vertreter ihrer Gefolgschaften. Richtige Kampfstimmung liegt jetzt über dem Platz, alles drängt herbei, denn diese Angelegenheit verspricht spannend zu werden. Die Weitzer-Eltern. Ueberall wird im Fähnlein behauptet, daß die Weitzer-Eltern ganz besonders knorke sind. Und die Pimpfe wissen für diese Behauptung eine ganze Anzahl Beweise. Einmal: wenn einer der beiden Weitzer-Pimpfe sich 'ne Hose oder ein Hemd zerreißt, bann gibt das zu Haus keineswegs einen großen Krach. „Wenn du dir deine Sachen kaputt machst, mußte eben m geflickten rumlaufen", sagt Mutter Weitzer nur und flickt die Geschichte. Und Vater Weitzer meint: „Ich hab mir früher meine Hose auck an Lattenzäunen aufgespießt." Oder: als Weitzers Karl tn der Schule beim Fußballspiel neulich die Scheibe eingeschossen hat, da gab es von Vatern nicht einmal Ohrfeigen. „Abstottern vom Taschengeld", lautete das Urteil. Im Grunde wäre eigentlich eine Ohrfeige leichter zu verschmerzen gewesen. Ober so fühlt man sich doch selbständiger, gewissermaßen mehr anerkannt Nur über eins hat Vater Weitzer vor kurzem geschimpft: darüber, daß sein Jochen das Leistungs- Abzeichen nicht gleich beim erstenmal gepackt hat. „Ein Pimpf ohne Leistungs-Abzeichen ist kein Pimpf. Und ich will ganze Pimpfe haben. Nimm dir ein Beispiel an Karl!" Schwer trainieren mußte der Jochen seitdem. Doch eigentlich hat es ihm selbst Spaß gemacht, daß sich „sein Alter" so um jeden Zentimeter Fortschritt gekümmert hat. Bei jedem größeren Erfolg hat der Väter sich mitgefreut, als hätte er in der Lotterie gewonnen. Da wars denn am Ende gar nicht mehr allzu schwer, die Bedingungen zu erfüllen. Nachdem der Papa persönlich das Training geleitet hatte! Wenn mal irgendwo über Pimpfe gemeckert wird, bann zuckt Frau Weitzer nur mit ber Achsel: „Ein wenig schief geht ja überall mal etwas. Unb was sich die Leute schon erzählen, bas ist zumeist nicht alles golbene Wahrheit Braucht ber Jungzugführer einen Rat ober eine Hilfe, bei Vater Weitzer findet er das immer. „Na, wo fehlt's denn roieber? Hat sich roieber so ein schrulliger Onkel beschwert? Ober habt ihr was verbrochen unb wißt euch nicht zu helfen? Was? Bei ber nächsten Fahrt können drei Jungen kaum mitkommen wegen ber Kosten? Ich muß zwar für ben Jochen unb‘ben Karl schon bezahlen, aber bie brei Mark, bie kann ich dir noch extra zugeben. Und dann will ich mal bei uns im Geschäft sehen, da sind so em paar ,Finanzmänner* ..." Wirklich, auf die Weitzer-Eltern ist das ganze Fähnlein stolz. — Und wenn jemand den Vater Weitzer nach feinen Kindern fragt, dann sagt er nur: „Meine Söhne, das sind Pimpfe ...!" Kleines pa aver am Laaerfeuer. Sofern du weiter nichts dagegen hast, dreht es sich hier um ein kleines Palaver am Lagerfeuer! Ich für meine Person finde Gefallen an einer schlaflosen Nacht, zusammen mit dem allgütigen Mond um die Ohren geschlagen, derweil in den Zelten rundherum die Kameraden in den scheußlichsten, rasselnden Dissonanzen ihre Sägewerke eingeschaltet haben. Und im Falle, daß du auch Gefallen an der Sache finden solltest, so geruhe ich mir eine aus aller Menschlichkeit herausgefallene Frechheit zu erlauben: Sallam! Gott grüße dich! Hier ist mein Feuer, das zu erhalten meine Pflicht ist. Hier ist ein Platz für dich. Bitte! Auch mußt du dir darüber klar sein, daß das kein Grund zum Krachmachen ist, wenn ich dich mitternächtlicherweise zu einem kleinen Palaver an mein Feuer labe. Außerbem wäre es bestimmt kein schöner Zug von bir, unb wenn bu jetzt spektakeln willst, so hebe bich hinweg! Sallam! Unb so bu mir vorwirfst, eine Nacht am Lagerfeuer mit ihrem ganzen Drum unb Dran wäre eine sentimentale Orgie, so muß ich bir sagen, baß bu ein siebenmalburchgebrehter Schafskopp bist, ber trotz feines vorgeschrittenen Alters noch nicht weiß, baß man bas mitunter braucht, um jenen inneren Gleichklang roieber herzustellen, ben man in ber Unrast unb Raserei zwischen ben enblofen Fassaben- fronten unb Steinquabern ber großen Stadt so schwer finben kann. Entschuldige! Aber in Zukunft laß mich gefälligst auch in Ruhe. Uebrigens wirb es schon bas beste sein, bu ziehst beine Quanten genau so an, wie ich, beine Füße meine ich, unb, wenn es bir weiter nichts ausmacht, so stecke auch beinen Kopf bazwischen. In Anbetracht bieser ausgefallenen Palavers mürbe ich bir noch sehr gern einen fetttriefenben Bärenschinken angeboten haben — etwas Holz kannst bu auflegen —, aber vielleicht tut es auch eine Kommisbrot- schnitte mit Schmalz, unb, falls bu befonberen- Wert barauf legst, so befinbet sich in ber Dose rechts neben bir noch ein kleines bißchen Salz. Es wird noch für eine Schnitte reichen. Feines Kochsalz. Och, nichts zu banken! Ich habe auch schließlich noch eine halbe Gurke ba, im Affen. Wenn bu willst, hole ich sie rasch aus bem Zelt. Aber sie ist ein wenig platt, weil ber Fietje in ber vorigen Nacht barauf geschlafen hat. Wenn bu sie willst.. Wenn bu fertig gegessen" hast, bann fasse einmal bas Feuer ins Auge. Siehst bu, wie es erst äugt, bann blinzelt?'Aeugt. Blinzelt. Aeugt. Erlischt. Aeugt roieber. Unb nun ist es vollkommen aus. Ach, laß es! Es ist schon besser so. Die Schatten verlieren bann auch ihre grotesken, wesenhaften Formen unb ruhigen Gewissens kannst bu ein Auge riskieren. Denn es ist urkomisch, rote nachts alles wesenhaft wirb: bie Bäume, bie Schatten, auch bie Wolken unb ber Monb. Unb was ben letzteren betrifft, so nimm Kenntnis, baß er wie ein fahles, zerrissenes Totengesicht zwischen ben Zweigen einer kleinen Birke hängt, burch bie bavorhängenben Zweige unb Blätter seltsam menschlich verzerrt. Gestern nistete er wie eine mübe aufgeblühte Mohnblume in berselben Birke, erst zartrosa, später bumpfrot wie ein Lampion. Am Morgen hat er ausgesehen wie ein schlecht- geputzter, rostiger Türknopf. Komm, laß ihn sausen, den Monb! Heute nacht macht er keinen erhebenden Einbruck. Drehen wir uns herum, baß er uns nicht mehr mit seinen bleichen Lichtfingern im Gesicht herumfuchteln kann. Blick auf bas Zifferblatt. Dreiviertel eins. In einer Viertelstunbe ist Rvnbe. Hehe! Du! Mensch, schlaf mir hier nicht ein! Sieh dir zum Beispiel aus lauter Spaß und Dvllerei mal die weiße Dunstkulisse an, die sich da oben am Waldrande entlangschiebt. Oder links daneben die Wolke! Wetten mir, daß du etroas Derartiges noch nie gesehen hast? Eine derartige Wolke? Zwischen den bizarren Gestalten zweier Birken hängt sie, wie ein abgehauener Mohrenkopf mit zwei, drei dicklippigen Mäulern übereinander. Die zwei großen Augen sind fahl wie der Himmel im Westen oder wie geblichenes Gebein. Mensch! Na, hör mal! Du schnarchst ja wahrhaftig! Was, bu hättest nicht geschnarcht? Haha! Da sägt ber mir hier taktfest wie nur möglich ben bicksten Stamm zusammen — unb behauptet, haha, er hätte nicht geschnarcht. Ach, geh mir weg. lieber* Haupt wäre es schon besser, wenn bu nach Hause gehen würbest, bich in beinern Bett zusammenrollen unb mit beinern bicken Zeh spielen würbest. Ich für meine Person bin eben mehr so für eine Nacht braufeen unter ben Sternen, mit ber ganzen vielstimmigen Fülle einer nächtigen Lanbschaft um mich herum. Genau so, wie es auch jetzt meine Sache ist, bich auf bie Ströme herben Geruches aufmerksam zu machen, bie bie Erbe ausatmet. Sie finb ein wenig schwer unb süß unb verwirrenb wie ein Duftrausch aufgeblühter Glyzinen. Unb wenn ein kleiner Winb burch bie Nacht hoppelt, bann riecht es nach allem Möglichen. Nach Hecken roilber Rosen riecht es, nach Hausen frischgeschnittenen Heus, nach säuerlichem Walbboben, Fichten, triftigen Wiesen unb nach bem Wesen jener Nächte, in benen man an= fängt, bie Erbe zu begreifen unb zu lieben. Unb stets, wenn ein gemächlicher Winb hier vorüber gehoppelt ist, ist es, als bliebe jebesmal ein heimliches, leises unb verwirrtes Lachen in ben Zweigen ber kleinen Birke vor uns haften. Aha, siehst bu, bu schläfst schon roieber einmal. Nein, es ist nicht schön von bir. Betrachte meine Person zum Beispiel. Hingegeben bieser Nacht hocke ich ba an einem Feuer, bas aus ist, friere erst vor — vor, ich glaube, vor lauter Nacht unb Einsamkeit. Unb erst, als ich später so ein Malheur von Mensch wie bich zu einem kleinen Palaver an mein Feuer labe, eine Hymne in bie Nacht finge, ba habe ich mich ein bißchen umgesehen, nach Lee unb Luv geschnuppert unb ben aufEommenben Nachtstimmen gelauscht, bie runbherum aufquirlen, wie ,3arte, zerwehte Sonetten, wozu bie Unken ben tieferen Begleitton läuten. Es fügt sich gut ein, bas Läuten, in bas Geflöt, Gezirp, Geschluchze und Gegeig derer, bie ba fleuchen unb kreuchen. Bim, bim, bim, bim! Boom! Ein Uhr! Blick auf bie Uhr. Tatsächlich: ein Uhr! Ich muß jetzt... aber Kerl! Hebe bich hinweg! Liegt ber ba unb bremst! Pfui! Ich muß jetzt auch die Runbe machen. Befehl bleibt Befehl. Pfui, hebe bich hinweg! Frajof. 21ud) die Läufer kriegen plötzlich das unvermclü- liche Startfieber. Vier Runden haben sie zu laufen und müssen auf jeden Fall geschlossen durch das Ziel gehen. Da — das Startkommando. Der eine Kameradfchaftsführer geht sofort mit Tempo an die Spitze, seine Mannschaft zieht er nach sich. Das Feld liegt bald weit auseinander. Immer weniger Läufer können die Schnelligkeit der Spitzengruppe mithalten. Doch auch in der hängen plötzlich zwei nach, kommen nicht mehr so recht Mit. Der Kameradschaftsführer feuert sie an. Nur eine Runde ist noch zu laufen. Doch der Abstand vergrößert sich. Und die andern Kameradschaften holen nun wieder auf. Die zwei vorn an der Spitze drängen vorwärts, spüren hinter sich nur die Verfolger und n u r die Verfolger, merken nicht, daß deren Mannschaften wild zerrissen in der Strecke liegen, sie fthen nur das Ziel. Auch die beiden, die von der Spitze zurücksielen, kämpfen. Sie wollen den Anschluß wiedergewinnen und den Abstand zwischen sich und ihren führenden Kameraden verringern. Werden sie es schaffen? Won ihnen hängt es ab, ob ihr Fähnlein siegt. Jetzt winkt das Ziel. Die beiden Führenden laufen ganz langsam, warten auf die zwei andern, die ihre letzte Kraft zusammenreißen. Nach 15 Sekunden — es ist ihnen wie eine Ewigkeit — sind sie bei ihrer Mannschaft. Alle vier fassen sich, und Hand in Hand laufen sie über die Zielgrade — als Sieger. — Und selbst im Duschraum ist Hochbetrieb. Der Samstagnachnuttag muß ja viele in den Genuß eines richtigen Sportplatzes kommen lassen. Die sich hier mit Witz und Lärm am Wasser erfreuen, haben ihr Pensum für heute bereits hinter sich. — Auf einem kleinen Nebenplatz versucht sich eine Gruppe an einer Bretterwand, die ebenso glatt wie anständig hoch ist. Ein paar haben es mit dem Raufkommen gar nicht leicht, und der eine oder andere nimmt erst noch einen zweiten Anlauf. Aber dann ist's gepackt, und wenn das Herauf auch langsam ging, das Herunter flutscht doch um so schneller. Eine Baustelle mit einem ganz netten tiefen und auch einigermaßen breiten Graben und einigen gefällten Bäumen hat es einer Anzahl besonders Unternehmungslustiger vor allem angetan. Mit List, Tücke und viel Kraftaufwand bekommt man das „runde Holz" quer über den Graben. Erst einen Stamm, dann den zweiten und den dritten, und schließlich auch den vierten. So kann ein Wett- balancieren durchgeführt werden. „Fertig, los!" — Das erfordert schon einige Gewandtheit. Wenn der Baum nur nicht so glatt wäre, und wenn vor allem der Schiedsrichter am anderen Ende ihn nicht gelegentlich zur Erschwerung der Tour etwas hin und her rollte, dann ginge das alles ja viel leichter. Aber so! Die Arme vollführen die komischsten Schwünge, und manchmal zappelt einer lange hin und her, bis er schließlich doch — unten lieht. Aber die Sieger der einzelnen -Rennen werden für die erfolgreiche Bewältigung ihrer Aufgabe mit lautem Hallo gefeiert. l ü d d e. v Oie Nacht vor Pfingsten. Erzählung von K. 3R. Aeubert. Schon lag die Dämmerung über dem See. Im Dorf waren die Geräusche des Werktages verstummt. Es war am Abend vor Pfingsten. Aus dem Fischerhaus, das an der Ostbucht des Sees lag, trat Hedwig, des Fischers Aelteste. Zwei- undzwanziq war sie jetzt, ein hübsches Mädchen. Doch den Burschen im Dorf schien sie seit einiger Zeit verändert. Nachdenklich war sie und abweisend, und am liebsten blieb sie allein. Am meisten spürte es Wilhelm, der bei der Bahn arbeitete. Ein halbes Jahr bemühte er sich schon vergeblich um sie. Aber er gab es nicht auf. Auch an diesem Abend trieb er sich in der Nähe des Fischerhauses herum, er sah sie im Garten, sie pflückte Blumen. „Für mich?" fragte er und lehnte sich über den Zaun. Sein Anruf schien sie erschreckt zu haben. „Ach, du bist es!" sagte sie kühl. „An wen hast du denn gedacht?" „An niemand." Sie beugte sich noch tiefer über das Beet. „Hast du nicht Zeit?" fragte er. Sie schüttelte den Kopf. Er beherrschte sich und dachte, daß er sie morgen nicht so leicht fortlässen würde, wenn er sie traf. „Na, dann — guten Abend!" sagte er. Er ging den Weg zum Wasserwerk hinauf und verschwand zwischen den Büschen. Eine Weile später lief Hedwig zu den Kähnen am Ufer, stieg in ein Boot und ruderte auf den See hinaus. Die Dämmerung war dichter geworden, die Stille des Abends hatte sich nun weit ausgebreitet, und das Geräusch der Ruder klang darin wie ein verstohlenes Flüstern. Hedwig ruderte auf die Insel zu, die westwärts lag, dem jenseitigen Ufer vorgelagert. Drüben stieß der Wald bis an den See. Auf der kleinen Insel angekommen, zog Hedwig das Boot auf das Land, nahm die Blumen und eilte auf die Hütte zu, die in der Mitte der Insel, hinter Hagebuttenbüschen und alten Kopfweiden stand. Es gab nur Tisch uttb Bank in der Hütte. Hedwig steckte eine Kerze an, holte aus der Ecke eine Vase, die sie schon vor einigen Tagen hier versteckt hatte, lies ans Ufer zurück und füllte sie mit Wasser. Ein letzter Schimmer Helligkeit schwebte über der Landschaft. Vorsichtig trug sie die Vase zurück, wie ein kostbares Gefäß, und begann die Blumen einzuordnen. Ihr Gesicht zeigte einen Ausdruck lächelnder Unruhe. Sie dachte zurück, wie alles geschehen war. Richard war auf Wanderschaft und hatte den Winter über im Mühlwerk Kun- nersberg gearbeitet, das ein paar Dörfer entfernt lag. Dann war er weitergezogen und durch das Dorf gekommen, an einem Frühlingstag. Da sah er sie und blieb einige Tage im Dorf, und sie trafen sich heimlich in dieser Hütte. Es war, als hätten sie sich schon lange gekannt. Hier saßen sie Arm in Arm und hörten den Wind in den Hagebuttenbüschen und das Wasser ans Ufer schlagen, und er sagte, daß er wiederkommen würde. Als sie fragte, wann es fern würde, hatte er sie angesehen, als wollte er sich ihr Gesicht für lange einpräaen, und gesagt: „Im Mai übers Jahr!" Und er hatte ihr erzählt, daß er dann eine Meisterstelle im Mühlwerk Kunnersberg bekommen könnte. Vor ein paar Tagen hätte er noch nicht gewußt, ob er sie annehmen würbe, aber jetzt wüßte er es, und er wollte es den Leuten in Kunnersberg gleich schreiben. Das hatte er gesagt, wie andere von Liebe reden, in dieser Hütte hier, und ihr war heiß geworden, und dann hatte er sie geküßt. Nachher hatte er einen kleinen Taschenkalender aus seiner Rocktasche gezogen und darin geblättert und gesagt: „Dann werde ich allo Pfingsten hier sein. Wirst du so lange warten?" Und da sie nickte, fuhr er fort: „In dieser Hütte werde ich auf dich warten. In der Frühe werde ich kommen, und auf dem Tisch wirb ein Strauß aus eurem Garten sichen, dann werde ich wissen, daß du noch auf mich wartest. Und wenn nichts da steht — dann ..." Da hatte sie ihn geküßt. Später dachte sie wohl manchmal, daß er unterwegs schon vielen gesagt haben würde, mit denen er so gesessen, hinter Scheunen und an Gartentüren und vor Hütten auf kleinen, versteckten Inseln. Und wenn in der langen Winterszeit Wilhelm sie bedrängte, war ihr Richaib manchmal nur wie etwas Geträumtes erschienen. Ein Mann, der vorbeizog und sagte, er würbe wiederkommen, und sie möge auf ihn warten. Und sie hatte nichts werter von ihm, keinen Brief, kein Bild, nur das, was er gesagt hatte. Nur ihre Liebe hatte sie. Sie steckte die letzten Blüten in die Vase. „Richard!" dachte sie, aber sie lächelte plötzlich in einer heimlichen Bitterkeit, die hinter allen Gedanken und Gebärden lag: „Ist es nicht töricht? Er hat es längst vergessen." Sie löschte das Licht, drückte auf ihre Taschenlampe und trat hinaus. Die Lampe wäre ihr fast aus der Hand gefallen, so erschrak sie: eine Gestalt trat aus dem Dunkel auf sie herzu. Auch dann noch, als sie sah, daß es nicht Richard, sondern Wilhelm war. „Was machst du hier?" stieß sie hervor. „Ich sah dich über den See rudern und will dich an Land holen", sagte er, und seine Gestalt schien im Zwielicht zu wachsen, „es wird gleich ein ganz hübsches Maigewitter geben. lieber dem Wald flammte ein Blitz auf. Dumpfes Grollen klang aus der Ferne. Sie liefen zu den Booten, aber der Regen brach schon mit großem Rauschen nieder. „In die Hütte!" rief Wilhelm. Hedwig wollte nicht hineingehen. Sie standen unter dem überspringenden Dach, das ihnen aber nicht genügend Schutz bot. „Warum sollen wir hier stehenbleiben und naß werden", schimpfte er, „Verbirgst du einen Liebsten drin? Er stieß die Tür auf. „Gib doch die Taschenlampe her!" Sie gab sie ihm. Da hörte sie Wilhelms Lachen aus der Hütte. „Da sind ja die Blumen!" Sie ging jetzt hinein und steckte die Kerze an, die sie zuückgelassen hatte. Ein Glimmen kam in seine Augen. „Bist du darum so zu mir, weil du einen anderen liebst?" fragte er. „Ja!" antwortete sie und wußte nicht, ob sie vor dem Donnern zitterte, das näher gekommen zu sein schien, oder vor Wilhelms Blick. „Wer ist es denn?" Sie schwieg, und er trat einen Schritt auf sie zu, da wich sie zurück. „Hedwig!" sagte er und atmete schwer, „du weißt, ich habe dich lieb." „Es kann sein, aber es hat doch keinen Zweck, Wilhelm." Sie sprach begütigend. „Ich heirate dich auch — wenn du willst —" sagte er und sah sie an." Ich hab bei der Bahn gute Aussichten. Du wirst es gut bei mir haben." Sie hörte kaum, was er noch sagte. Da griff Wilhelm nach ihrem Arm. „Hedwig!" keuchte er. „Du! Was machst du? Laß mich los!" rief sie. Sie konnte sich freimachen und flüchtete in die Ecke, und wie er auf sie zukommen wollte, warf sie die Taschenlampe nach ihm, er bog den Kopf zur Seite, und die Lampe flog ins Fenster. Klirrend zerbrach die Scheibe. Aber er stand nun wie ernüchtert. „Du bist ja dumm", sagte er und griff sich an den Hals, als wäre ihm zu heiß geworden, „ich will ja nichts." Er lachte plötzlich heiser auf. „Ich will ja nichts!" Dann lief er hinaus. Sie atmete auf, und plötzlich mußte sie meinen. Bald verließ sie die Hütte. Dunkel und windbewegt war die Nacht, aber das Unwetter hatte sich aufgelöst. Sie ruderte mit schweren Armen zurück. Müde und zerschlagen stieg sie in ihre Kammer hinauf. Als sie morgens erwachte und an das Fenster trat, sah sie die letzten feinen Dunstschleier über der ruhigen Fläche des Sees in Auflösung. Ein klarer Himmel wölbte sich über den jungen Tag. Es war, als hätte sie die Vorgänge der Nacht nur geträumt. Eine festliche Heiterkeit erfüllte sie mit einemmale. Sie kleidete sich schnell an und lief zu den Kähnen hinunter, und da sah sie, daß ein Boot fehlte. Ihr Vater war hinten im Garten, der konnte das Boot nicht genommen haben. „Richard! Richard!" flüsterte sie. Er war gekommen. Es war „Mai übers Jahr." Pfingsten! Mittag stand die Mutter am Fenster und sah Hedwig mit einem Mann im Boot über den See kommen. Und der Fischer kam herzu und wunderte sich über den Fremden, cklnd Hedwig kam mit dem Fremden ins Haus. Er war jung und hatte einen kräftigen Händedruck, und man mußte gleich Vertrauen zu feiner Art haben, obwohl der Fischer mehrmals den Kopf schüttelte, als Hedwig erzählte. Richard hieße er, sagte sie, und er wäre der neue Meister im Kunnersberger Mühlwerk, und er würde jetzt öfter zu ihnen kommen. „Wenn es so ist", sagte die Mutter, als sie alles gehört hatte, „wenn ihr euch nicht gesehen habt in dem Jahr und nichts voneinander gehört, und ihr habt doch einander vertraut, dann habt ihr die Probe wohl bestanden. Dann muß es wirklich die Liebe sein. Das neue Paradies. Besuch in der französischen Provinz. Von unserem Sonderberichterstatter Kurt Ziesel. Paris, Ende April 1937. Von Paris nach Le Havre und an die Steilküste der Normandie fährt man mit dem Autorail bequem in zwei Stunden. Es ist eine bezaubernde Fahrt durch den Frühling. Am Hafenbahnhof von Le Havre ist Hochbetrieb. In dem modernen und großzügig angelegten Gebäude fahren im ersten ötorf die Autos und Lastwagen. Sie donnern durch endlose Gänge über Rampen direkt von der Straße hochgeführt bis zu den Brücken, die über die Anlegekais auf die Schiffe führen. Der Blick auf das Wasser nimmt uns die gewaltige Steuerbordseite der „Normandie". Sie soll am Abend auslaufen. Am späten Vormittag geht schon der Strom der Passagiere hin und zurück. Kleine Rollwagen, hoch beladen mit Gepäck und Kisten flitzen an uns vorbei. Sprachen aus aller Herren Länder klingen an unser Ohr. Das Prunkstück französischer Schiffsbaukunst macht einen imposanten Eindruck. Die drei großen Schornsteine geben dem plumpen Riesenbau eine fast elegante und graziöse Silhouette. Auf dem rückwärtigen Mast knattert das heiß umkämpfte blaue Band, das den Namen dieses Schiffes als des größten und schnellsten der Welt auf der ganzen Erde bekanntgemacht hat. Wir schlendern durch den Bahnhof, müssen uns einige Male von arawöhni- scken Geheimpolizisten ausfragen lassen. Als ich photographieren will, wird mir dies höflich, aber entschieden untersagt. Mein Begleiter, ein Deutscher, der in Le Havre seit Jahren ansässig ist, bedeutet mir, daß dieser Bahnhof gewisse strategische Bedeutung habe, da er in seiner ganzen Anlage für rasche Aus- und Einladung von Truppen vorgesehen fei. Der normale Verkehr würde eine solche überdimensionale Anlage nicht rechtfertigen. Wir steigen über Gleisanlagen, gehen an Schuppen und Lagerhäusern vorbei. Hier ist es still. Wir schreiben Montag. Blauer Montag, also auch hier. Zwei Tage ist hier also das normale Hafenleben unterbrochen. Zwei Tage liegt dieser geroaltipe Umschlageplatz, einer der Tore Frankreichs in die Welt, fast verödet. Nur dringlich auslaufende Schiffe werden abgefertigt. Wo führt das hin? Eine Kleinigkeit davon erleben wir. Der größte Schuppen ist das Baumwoll-Lager. Er Hut eine Länge von einem Kilometer. Die Tore sind geschloffen. Zwei Zollbeamte stehen davor. Wir wollen gerade mit ihnen verhandeln, um einen Blick in das Innere tun zu können. Wir werden durch eine herankommende Menschengruppe unterbrochen. Die Zollbeamten bekommen ernste Gesichter. Hinter der Menschengruppe kommen drei große Lastwagen mit Anhängern. Was ist los? Was wollen die Leute? Vorerst beginnt eine erregte Unterhaltung. Mit der Zeit wird mir klar, was sie wollen. Zwei Vertreter eines großen Pariser Jmporkhauses sind im Auftrag ihrer Firma wegen etlicher Tonnen Baumwolle gekommen, die im Schuppen lagern. Die Baumwolle ist Freitag angekommen. Zoll- und andere Manipulationen haben den Abtransport am Samstag verhindert. Nun find Lieferfristen festgesetzt. Die Baumwolle muß Dienstag in Lyon sein. Aber Montag wird nicht gearbeitet. Es droht eine große Verzugsgebühr. Es geht dabei, wie ich höre, um etwa 50 000 Frank. Nun haben die beiden Kaufleute zehn Arbeiter gefunden und für ihre Wagen Chauf- fcure. Die Leute wollen ausnahmsweise, für doppelten Lohn natürlich, den Transport und die Verladung machen. Die Zollbeamten grinsen. Sie bedauern. Es wäre geschlossen. Sie dürften niemand hinein lassen. Heute würde nicht gearbeitet. Ihr Grinsen wird dabei richtig boshaft. „Die Zollbeamten sind fast alle Kommunisten, eine komische Erscheinung", erklärt mein Begleiter. Nun mischen sich die freiroUIigen Arbeiter in die Sache. Sie reden den Zollbeamten zu. Sie wollten das zugesagte Geld verdienen. Die Zollbeamten machen feindselige Gesichter. „Mit euch reden wir überhaupt nicht. Ihr verratet ja die Arbeiterschaft. /xe* uiiuj wyr Urquell Fahrt mit dem Glück. Von Anke Ehlers. Was könnte es Schöneres geben, als an der Seite eines geliebten Menschen, den Wind wie eine Maske am Gesicht, durch eine blühende Landschaft zu fahren! Mögen andere seufzen, den Blick sehnsuchtsvoll in der Ferne: Hinter den Bergen wohnt das Glück, — uns steht es lachend am Weg, uns singt es im Surren des Motors, wir haben es hier zwischen uns in unserer von Lust umbrandeten, von tausend Bildern umrandeten Zweisamkeit. Fahrt mit dem Glück! Glückhafte Fahrt! Wie es uns hinreißt, das weiße Band der Landstraße im Schwung über Berg und Tal, durch Waldesschatten und blendende Helle, durch ländliche Einsamkeit und Stadtgewühl, sind wir nicht die gleichen, die wir gestern waren und morgen fein werden. Losgelöst aus der Kette der An-der- Stelle-Tretenden, dem Netz des Alltags uhb der Pflicht entschlüpft, tummeln wir uns wie Fische in einem blauen Ozean, der schäumend über uns zusammenschlägt. Sprengt es dir nicht die Brust, tut es nicht fast weh, daß du die Fülle der Welt nicht fassen kannst, die sich in deine Augen drängt? — Noch ist es nicht lange her, daß du voll Schwermut und Trauer hinter einem winterlichen Fenster standest, den Blick in eine von Nebel grau verhangene Welt, in der — abgesehen von einer auffliegenden Krähe, die mit lahmer Schwinge ein wenig Schnee verstäubte — alles Leben in das Schweigen des Grabes ein- gemündet zu fein schien und die Vergänglichkeit ihr Medusenhaupt hob. Sieh, aus dem Ende ist überwältigend ein neuer Anfang geworden. 2lus der Dunkelheit und Oede des Winters, aus den Stürmen und Hagelschauern des zögernden Vorfrühlings ist die alte, junge Erde zu neuer Frische und Herrlichkeit erstanden. Im unbändigen Auftrieb zum Licht zuckt nun wieder das Leben in den tausendfältigen Formen der Schöpfung und feiert, über alle Ufer quellend, seinen Sieg über Sterben und Vergehen. Es gibt nur Leben, erkennst du, Tod ist nur Verwandlung, Leben ist alles. Ausgeoossen über Berg und Tal ist der Geist des ewigen Werde! Leben! dröhnt das Firmament, wenn auf dem Himmelsacker in der stillen Mainacht die Saat der Sterne aufgeht, — Leben! haucht die Üppig wachsende, blühende Flur, — und der Wald, angerührt vom Frühlngswind, lispelt Leben! mit feinen Millionen Blättern wie mit ebensoviel Zungen. Jeder Lerchentriller in der blauen Luft ist ein Hoheslied des Lebens, jeder Blütettbaum eine Braut im Hochzeitsschleier, und jedes Menschenherz, wenn es nicht leer und ausgebrannt ist, eine Fackel im Festzug der Freude. Pfingsten, das liebliche Fest, ist gekommen! Sahst du schon je, wie grün und samten sich die jungen Felder breiten, wie blinkend sich ein Kirchturm dem Dachgewirr entschwingt in den seidenblauen Himmel hinein? Erlebtest du den Flug eines Taubenschwarms über bemooste Dächer hin, das Springen eines weißen Böckleins im lichtgefleckten Grasgarten, das wiegende Schreiten der Bauernmagd, wenn sie mit gefüllten Milcheimern von der Kuhweide heimwärts geht? Sahst du die Kinder in ihren bunten Kleidchen Blumen pflücken im durchsonnten Gehölz? Die jungen Schwälbchen auf dem wippenden Leitungsdraht, kleine Federbälle, vom ersten Ausflug in die Welt ermüdet, aufflattemd mit zwitscherndem Schrei, wenn die Vogelmutter, im Fluge heranschießend, fette Bissen in aufgesperrte Schnäbel fallen läßt? Und siehst du das Liebespaar aneinandergeschmiegt auf dem kleinen Waldpfad, der sich in grüngoldene Dämmerung verliert? — Blank und friedlich stehen alle Häuser, vom Herdrauch überfräufelt, und alle Fenster sind der Sonne aufgetan, mit frischgewaschenen Gardinen, die sich wie Fahren im Luftzug bauschen. Wie verschwendet sich die Welt! Nicht nur in Bildern und Farben, sondern auch im Duft! Duft von Flieder und Goldregen, von harzigen Kiefern und jungem Laub, Duft der Aecker, auf deren schwanken Halmen sich schüchtern kommender Erntesegen ankündigt, — unbestimmbarer Duft her blauen Weite, in die wir hineinfahren, unbekümmert um Ziel und Ankunft und ein Dach über Nacht. Diele sind gleich uns unterweas auf der Landstraße. Mit vielen Gruß und Lächeln tauschend, freuen wir uns der Gemeinschaft, zu der uns die Freude des pfingstlichen Tages eint. Ja, wir fühlen uns alle als Kinder dieser Erde mit ihren Bergen, Tälern, ihren Ebenen, Strömen und Bächen. Wie sie uns hervorbrachte aus ihrem Schoß, uns nährte mit ihren Früchten, Geist und Seele uns formte mit dem Gut, das die Jahrhunderte auf ihr aufgehäuft haben, ist sie uns allen die eine große Mutter, der wir Hymnen fingen, auch wenn die Lippe schweigt. Was sollen auch Worte, wenn die Empfindung, aus innerstem Quell aufbrechend, selber spricht, und unser Tun und Denken, Lieben und Hassen, unser ganzes Sein sich darin erschöpft, das eine Anttitz widerzuspiegeln, dein Antlitz, heiliges Mutterland! Als wir halten, um zu tanken, umstehen uns fremd und traulich die alten Häuser eines kleinen, Städtchens und sehen uns Landfahrer neugierig aus ihren Fensteraugen an. Zauber des Unbekannten wirft seine Netze über uns, um uns zu halten, und weckt uns zugleich nur Lust zu neuen Märkten, neuen Städtchen, neuen Abenteuern, und wir fahren weiter, immer weiter dem blühenden Frühling nach, der uns hinter sich herlockt, wie ein flötespielender Rattenfänger. Aber irgendwo an einem See wird ein Dörfchen liegen, begraben unter Blütenschaum. Dort wollen wir bleiben und unfereZelte aufschlagen. Dort wollen wir in der Sonne liegen und dem Üfergespräch der Wellen lauschen, wollen durch das Wiesental streifen, durch die Wälder wandern und — ob wir auch nicht gerade große Sänger vor dem Herrn sind — alle Lieder fingen, die wir kennen und das Wunder des Lebens preisen — Der Schmetterling. Von Til Brugman. Erste Frühlingssonne erhellt die breite Berliner Verkehrsstraße. Auf der einen Seite bemerke ich einen Menschenauflauf. Es muß schon ein winzig kleines Etwas fein, mit dem sie sich da beschäftigen, denn alles bückt sich tief über den Bürgersteig. Ich überquere schnell den Damm und schlängele mich durch das Dickicht in die vorderste Reihe. Ich sehe nichts. „Was ist los? Was ist passiert?" Ich bekomme gar keine Antwort. Die Leute sind zu erregt. Eine ältere Frau jammert ununterbrochen: „Och Jottü Och Jottü Der kommt mir hier noch unter die Räder!!" „Ausgerechnet eine Verkehrsstraße muß der sich aussuchen!" meint ein dicker und roter Wirt. „Man müßte den Zoo anrufen!" rät eine Bürgersfrau. „Da wird er im Aquarium aufgehoben!" ergänzt ein anderer einsttmmend. „Ach wat!" platzt ein Bäckerjunge heraus, „so einen muh man aufspießen auf einen Karton! Da hat man wat Scheenes fürs Sehen!" „Auffpießen!" fuchtelt die ältere Frau, ,chich sollen se ja aufspießen!" Energisch nimmt sie ihre Röcke zusammen und, immer mehr in die Knie sinkend, weht sie Staubwolken über den Bürgersteig. Inzwischen habe auch ich den Mittelpunkt alles Interesses entdeckt. Es ist ein wunderschön gezeichneter Schmetterling, große Flügel, gold-rot-schwarze Tupfen auf glänzend braunem Grund. „Wir müssen ihn in die Seitenstraße treiben, da» mit er in einem Vorgärtchen unter kommt!" Die ältere Frau hat die Jnittative ergriffen. Und wo soeben die Menschen noch hinter irgend etwas herhetzten, in ihrer Eile einander rücksichtslos anrempelten, jeder nur auf sich selbst bedacht war und keiner sich um den anderen kümmerte, da gehen sie jetzt unter freiwillig akzeptiertem Kommando geschlossen vor. Alles bückt sich, die Zurück- stehenden wehen mit Taschentüchern und Schürzen, pusten und blasen. Die Hände machen wie ein schwaches Echo alle Bewegungen des Schmetterlings mit, die Köpfe markieren fein welkes Flattern. Noch immer ist er unten auf dem Pflaster. Die ältere Frau hockt schon ganz am Boden, um den Schmetterling durch den Taifun ihrer Röcke zum Hochfliegen zu bestimmen. Plötzlich steht alles mit erfrorener Geste da... Der Schmetterling ist weg!! Niemand hat gesehen, daß er fortflog, aber da sein graziler Körper nicht zertreten auf dem Asphalt liegt, muß er davongeflogen sein, muß er das Freie aus diesem Menschenknäuel gefunden haben. Man sieht sich etwas verdutzt an. „Na, Gott sei Dank!" seufzt die ältere Frau erleichtert, „der hat wohl allein zum Vorgärtchen gefunden." Noch im Bann, stimmen alle bei. Dann, mit einem Male, stieben die Menschen auseinander. Der Bäckerjunge besteigt sein Fahrrad, der Bote rennt zur Straßenbahn, alle hasten, um die verlorenen Minuten nachzuholen. Ich konnte der öfteren Frau so schnell nicht mehr nachrufen, daß das Tier vom Wirbel ihrer Kleider in das Blumengebüsch ihres Hutes geraten war und da nun wie ein jubelnder Farbenschrei sich mitwiegte, mitten auf der belebten, lärmenden Straße. Hochschulnachrichten Geh. Justizrat Professor Dr. Paul Schön, Ordinarius für Staats-, Derwaltungs-, Völker- und Kirchenrecht an der Universität Göttingen, vollendete fein 7 0. Lebensjahr. Geh. Rat Schön wirkte früher in Königsberg und Jena. Professor Dr. Friedrich v. Krüger, em. Ordinarius für physiologische Chemie an der Universität Rostock, vollendete fein 75. Lebensjahr. Professor v. Krüger stammt aus Petersburg und lehrte früher in Dorpat und Tomsk. 1914 schied er aus dem russischen Staatsdienst aus. ^betreibende ^lernehrner lrn Sie, L den De jun haben. ■ Men eben kn beginnen, iirtschaft au Über nrer va betroffen 'st. Denn die kor ihr Die (OH Säg gl*; <7 über; Vir Men. Wir lassen i Keinen Cafe zorbstiihlen n ffiir kommen M kleines unb einen k „mer kennt s leuten, Gewer Üonen in Frc mortung, »i leben können, in der Woche jwölf und no men jede Wo id) selbst oerbi ntm sich den ®i Sonntag beiten." 85 ist uberc h Paris hob, leck ihre Lc die Fenster ei feen Schlägeri lagen gespr, ihn fragte, n habe nicht e: meine Rechn meine Korre ich den Lad Kunden toet im Laden : zieren geht feinen Bell Gedanke de finit man e. 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Wir schließen uns den Leuten an und kommen mit den beiden Kaufleuten in ein Gespräch. „So geht es überall", sagen sie. „Man kann nicht mehr ordentlich arbeiten, kalkulieren. Das führt unweigerlich zu einer Bankrottwirtschaft großen Stils." „Das wird sich aber doch alles mit der Zeit einspielen. Das sind eben Uebergangserscheinungen", versuche ich einzuwenden. Sie sehen mich mitleidig an. „Es wird sich einspielen, ja, aber auf Kosten der französischen Wirtschaft, auf Kosten des Ansehens Frankreichs in der Welt, auf Kosten unserer Währung, unserer Erzeugung, unseres Wohlstandes, auf Kosten der Millionen kleiner Gewerbetreibender, Handwerker, Kaufleute. Wir Großunternehmer sind gar nicht so sehr betroffen. Wissen Sie, wir ärgern uns heute über die Scherereien, den Verlust, den wir mit dieser Baumwolle nun haben. Wir bringen es wieder herein. Wir müssen eben höhere Preise machen, wir müssen beginnen, diese ganze Unsicherheit und Mißwirtschaft auf den Posten „Risiko" abzuwälzen. Aber wer von dieser verrückten M-Stunden-Woche betroffen ist, das sind die kleinen Leute! Denn die können nicht so leicht ihre Verluste abwälzen. Wir lassen uns in der Mitte der Stadt vor einem kleinen Cafä in der Mittagssonne in den weißen Korbstühlen nieder. Der Besitzer bringt uns Kaffee. Wir kommen mit ihm ins Gespräch. Es ist ein ganz kleines Unternehmen. Er hat nur eine Köchin und einen Kellner. Alles andere macht er selbst. ,Hch kenne keine Vierzigstundenwoche", sagt er, „wer kennt sie überhaupt von uns kleinen Kaufleuten, Gewerbetreibenden, von denen es viele Millionen in Frankreich gibt? Wir haben die Verantwortung, wir verdienen gerade soviel, daß wir leben können, und arbeiten müssen wir sieben Tage in der Woche, von morgens sechs bis abends um zwölf und noch länger. Unsere Angestellten bekommen jede Woche ihr Geld. Es ist meist mehr als ich selbst verdiene. Dann gehen sie nach Hause, kümmern sich den Teufel um meine Sorgen. Sie machen zwei Sonntage. Also muß ich noch mehr arbeiten." Es ist überall das gleiche Lied. Am Quartier Latin in Paris haben am Montag ein paar kleine Kaufleute ihre Läden offen gehalten. Man hat ihnen die Fenster eingeworfen. Und es kam zu einer großen Schlägerei. Ich habe mit einem nach ein paar Tagen gesprochen. Er zuckte die Achseln, als ich ihn fragte, wo das hinführen solle. „Am Sonntag habe nicht einmal ich frei", sagt er, „da muß ich meine Rechnungen schreiben, meine Bücher führen, meine Korrespondenzen erledigen. Am Montag muß ich den Laden aufmachen, sonst laufen mir meine Kunden weg. Run kann ich den ganzen Tag allein im Laden stehen, während mein Angestellter spazieren geht oder meine Fenster einwirft." Gibt es keinen Betriebsgeist mehr in Frankreich? Ist der Gedanke der Betriebsgemeinschaft verschwunden? Hält man es für Sozialismus, wenn der kleine Kaufmann, der nicht mehr als fein Angestellter verdient und doppelt so viel arbeiten und die Hälfte verdienen soll? Der kleine Handwerker, der einen Gesellen oder noch einen Lehrling hat. Was macht er? Er arbeitete nun auch noch Sonntags, damit er mit seinen Arbeiten nicht im Rückstand bleibt. Sein Lehrling, sein Geselle gehen inzwischen spazieren. Glaubt man die Moral, die Arbeitsgemeinschaft damit zu heben? „Meine Lehrlinge machen sich schon lustig über mich", sagt mir ein solcher Handwerker, ein Schuster in einem kleinen Städtchen an der Küste der Normandie. „Warum soll es plötzlich unmöglich sein, sechs Tage zu arbeiten", sagt er erbittert. „In meiner Jugend haben wir noch mehr gearbeitet und waren glücklicher. Ist denn Arbeit eine so harte Pflicht? Hat man vergessen, daß sie ein Glück ist?" Der kleine Schuster scheint mir ein großer Philosoph zu sein. Aber er versteht von Politik nichts. Denn für die Akteure der Volksfront ist die Arbeit ein Objekt ihrer politischen Intrige geworden. Wir fuhren von Le Havre die Küstenstraße entlang gegen Norden. Vor den berühmten Kurorten der normannischen Küste Dieppe und Feaucamp ist die Natur noch unberührter von der Zivilisation und Fremdenindustrie. Hier reihen sich noch über dem Meer an der Steilküste kleine Dörfer und Städte, dazwischen auf fruchtbarem Land Aecker und Wiesen, viel Weideland und Obstbäume. Wir kommen in eine kleine Farm. Es ist alles verblüffend sauber hier. Der Menschenschlag ist groß und gesund. Viel Kinder trifft man hier. Sie haben oft blaue Augen und blondes Haar. Wir werden vom Dauern zu einem Glas Cidre eingeladen, dem berühmten Apfelwein der Normandie. „Wir kommen alle in Not", sagt er. „Die Bauern haben es heute nicht gut in Frankreich. Um uns kümmert sich fast niemand. Sehen Sie, diese Abwertung im vergangenen Jahr, die P reisst ei gerungen und jetzt wieder die 40-Stunden-Woche in der Stadt, die neue Preiserhöhungen zur Folge hat. Wir haben im Herbst und Winter unser Getreide, unser Obst, unseren Käse verkauft. Inzwischen ist olles um fast die Hälfte teurer geworden. Ich brauche dringend neue Eggen und neue Pferdegeschirre. Ich kann sie mir nicht mehr kaufen, weil das eingenommene Geld so entwertet wurde." Ob die extremen „Sozialisten" der Volksfront allmählich merken, welch klassisches Beispiel ihrer Klassendemagogie sie der Welt geben? Wie sehr hier Moskaus Weltbeglückertum ad absurdum geführt wird? Es ist in Frankreich, wohin man kommt, das Gleiche. Eine Klaffe wird der politischen Situation wegen in ein angebliches Paradies sozialer Neuordnung geführt, um mit unfehlbarer Sicherheit zusammen mit dem Ruin der Gesamtwirtschaft zum Spielball revolutionärer Hetzapostel zu werden. Ein junger Rechtsanwalt hat mir in Paris eine sehr klare und richtige Auskunft über die Situation Frankreichs gegeben. Er sagte: „Wir haben eine Krise seit Jahren, wir haben viel Not, viel Hunger, viel soziales Elend. Wir baden vor uns eine Fülle von Arbeit. Straßen müssen gebaut werden, Siedlungen müßten errichtet werden. Das Derkchrsproblem'in Paris wird immer dringlicher. Es muß ein unterirdisches Straßennetz errichtet werden. In der Provinz harren überall Aufgaben über Aufgaben. Die Rüstung der ganzen Welt zwingt uns, unsere eigene Rüstung auf dem Höchststand zu halten. Was aber tun wir? In einer Zeit wirtschaftlicher Verarmung, Rückganges der Erzeugung, gesteigerter Aufgaben der nationalen Wirtschaft, verschleudern w i r das kostbarste Dolks- vermögen: die Arbeitskraft." „Und die Arbeitslosen?" frage ich. „Hier liegt ja der große Betrug", erhitzt er sich. „Man behauptet von links, die Arbeitslosenzahl würde durch die Vierzigstundenwoche verringert werden. Unsere Arbeitslosen umfassen eine ganz bestimmte Schicht: ältere Arbeiter und ungelernte Hilfsarbeiter. Wir haben einen dauernden Mangel an Facharbeitern, und zwar jeder Art. Was machen die französischen Kohlengruben als Antwort auf die 40-Stunden- woche? Sie haben sich im letzten Monat 3 0 0 0 polnische Bergarbeiter kommen lassen. Weil in Frankreich keine Bergarbeiter übrig sind, wenn die Vorhandenen zwei Tage der Woche nicht arbeiten. In anderen Zweigen der Wirtschaft ist es dasselbe. Die Folge ist in allem und jedem Rückgang der Erzeugung, Steigerung der Preise, Verarmung des Volkes." Darf' eine in Krisen oder im Aufbau befindliche Nation ihre Erzeugungskraft und ihre nationale Geschlossenheit willkürlich zerstören? Nein! Aber die Agenten Moskaus haben die Zerstörung der geschlossenen nationalen Kraft überall als ersten Programmpunkt revolutionärer Vorbereitungen aufgestellt. In Frankreich haben sie ihn inzwischen auf eine schauerliche Weise verwirklicht. Ist niemand, der in Frankreich dieses Gaukelspiel erkennt? Die R ad i k a l s o zi a li st e n, die größte Partei Frankreichs, der dritte große Partner der Volksfront, stimmen dem Ausverkauf Frankreichs um politischer Machtwünsche willen zu. Die übrigen Mittelparteien stellen Vertretungen von Interessengruppen dar, von Unternehmern, Angestellten, Beamten oder Bauern. Die Rechtsparteien in Frankreich haben in mancherlei Beziehungen ihre Gelegenheiten versäumt. Aber ich hörte überall im Lande und in Paris einen Namen, der heute schon wie ein Lauffeuer durch Frankreich geht. Der Mann heißt Jacques Dori ot. Es ist ein kleiner Mann aus dem Volke, ehemaliger Kommunist, als solcher zum Bürgermeister von Saint-Denis, einem Vorort von Paris, gewählt. Das war vor etlichen Jahren. Inzwischen war er in Rußland. Als er zurückkam, ist er aus der kommunistischen Partei ausgetreten. Er kennt sie nun in allen Teilen. Und er hat ihr die Vernichtung in seiner Heimat geschworen. Vor einem Jahr hat er d i e französische Volks Partei gegründet. Hunderttausende von Menschen sind ihm zugeströmt. In Saint-Denis haben sie ihn wieder zum Bürgermeister gewählt. Diesmal nicht mehr als Kommunisten. Aber es waren die gleichen Wähler, die er mit seiner Bekehrung ebenfalls bekehrt hatte. Vor zwei Monaten hat er ein Buch veröffentlicht: „La France avec nous“. „Frankreich mit uns!" Das ist seine Parole. Dieses Buch, das rasch zu hohen Auflagen kam, ist sein Programm zur Zeit und zur Zukunst. Ich habe es gelesen. Alles Temperament und alle propagandistische Wirkung abgezogen, bleibt es ein Dokument der nationalen Selbstbehauptung, des sozialen Verständnisses und der Vernunft. „Wir wollen vor allem in Frankreich weder italienisch, noch russisch, noch englisch, sondern in erster Linie französisch sprechen! Wir brauchen keinen geistigen Import!" Das ist die eine Seite des Buches. „An wen wir uns wenden?" fragt Doriot, und antwortet: „An die Franzosen, an Frankreich, nicht an Bauern oder Arbeiter oder Intellektuelle oder Unternehmer, sondern ausschließlich an das französische Volk. Wofür wir kämpfen: um die Macht, aber nicht für eine Klasse, sondern f ü r die Nation, für die Gemeinschaft. Was wir wollen: in Frieden arbeiten, frei vom Kapitalismus, frei aber auch vom Terror einer Klassenherrschaft, die Tradition und Schicksal Frankreichs zugrunde richtet." Er hat klare Gedanken wirtschaftlicher und sozialer Reformen. Er kennt die Not und Sorgen der Arbeiter, er durchschaut auch mit der intuitiven Sicherheit des einfachen Dolksführers die Notwendigkeiten und Bedingnisse der Wirtschaft. Er hat klare außenpolitische Forderungen. Er geißelt die französische Außenpolitik der letzten Jahre. Er weist in diesem Buche den Regierungen nach, daß sie den Verständigungswillen Deutschlands nicht beachtet hätten, daß sie die Befriedigung Europas verzettelt hätten. Dieser Jacques Doriot ist ein Trost in der Oede der französischen Politik. Er zieht seine Partei mit Schwung und Elan auf. Er spricht die Sprache des Volkes und das Volk beginnt ihm zu folgen. In ihm und feinen Anhängern, die aus der Arbeiterschaft und aus der Jugend kommen, spüren wir ein anderes und besseres Frankreich. Die Intellektuellen, die politisch Erfahreneren in Frankreich, lächeln heute noch über Doriot. Wenn man in ihren Kreisen nach ihm fragt, wird man verwundert betrachtet. In einer Zeitung lese ich einen Ausspruch von ihm zur politischen Situation. Er gilt für Frankreich, er gilt für den „Sozialismus" der Volksfront und der Sendlinge Moskaus, er könnte als Leitwort und Ergebnis auch über diesen Berichten stehen. Denn er lautet: „Die Welt ift kein Paradies. Wer es dazu machen will, geht am Leben vorbei. Wir wollen arbeiten, wir wollen unsere Pflicht tun, wir wollen Freundschaft und Frieden halten und einem Größeren dienen als uns selbst: unserem großen Frankreich!" Die Seemacht in den spanischen Bürgerkriegen. Von Professor Or. Gustav Koloss. Kein Land Europas ist im letzten Jahrhundert so von Bürgerkriegen heimgesycht worden wie Spanien. Außer häufigen Putschen und Unruhen zählt man außer dem, was sich jetzt auf der Pyrenäischen Halbinsel abspielt, drei große Epochen innerer Wirren, die sämtlich mehrere Jahre gedauert und unermeßlichen Schaden an Gut und Blut angerichtet haben. Die tiefsten Ursachen dieser Erscheinung liegen in der spanischen Geschichte seit Jahrhunderten und können hier nicht erörtert werden, für die lange Dauer der Bürgerkriege ist aber ein Moment deutlich als Ursache zu erkennen: die Verteilung der bewaffneten Macht aufdie Parteien, insbesondere der Marine. Der erste Bürgerkrieg fällt zusammen mit der nationalen Erhebung gegen die Dy- nastie Bonaparte, die Napoleon im Jahre 1808 nach Entthronung der Bourbonen den Spaniern in der Person seines Bruders Josef aufzwingen wollte. Der größte Teil der Spanier lehnte den landfremden Monarchen, dessen Herrschaft zwar manche zeitgemäße und wohltätige Reformen verhieß, aber doch eine französische Dienstbarkeit bedeutete, ab; der nationale Widerstand wurde unterstützt von englischen Truppen, die in Portugal gelandet waren; hinter Josef stand die gewaltige Macht des französischen Kaisers, der selbst mehrere Monate in Spanien zu Felde zog und dauernd über 100 000 Mann dort unterhielt. Zu Lande war Josef daher seinen spanisch-englischen Gegnern weit überlegen, aber die französische Flotte durfte sich angesichts der absoluten britischen See- herrsckaft gar nicht aus den Häfen herauswagen, und das wurde von großer Bedeutung für den Verlauf des Krieges. Die Anhänger der Nationalpartei in den verschiedenen, oft weit auseinander liegenden Landschaften konnten zur See miteinander in Verbindung treten, für die „Josefinos" blieb nur der beschwerliche Landweg in dem großen straßenarmen Lande übrig, und die Versorgung der französischen Armee ausschließlich zu Lande gestaltete sich überaus schwierig. Por allem mußte Josef, um die wichtigsten Seestüdte wie Cadiz, Cartagena, Malaga und andere in feine Gewalt zu bringen, seine Macht auf mehrere Schauplätze verteilen und verlor damit auf dem Hauptkriegsschauplatze, in Portugal, die Überlegenheit. So trug die englische Seeherrschaft viel dazu bei, daß Wellington, der Kommandeur der englisch-spanischen Armee, die Franzosen unter Masse n a , einem der besten Marschälle Napoleons, entscheidend schlagen unb selbst Madrid erobern konnte. Der Zusammenbruch der Napoleonischen Herrschaft besiegelte dann vollends die Niederlage der Josefinischen Partei. Noch wichtiger war das maritime Moment i n dem (Earliftenf riege 1833—40. Der Thron- forderer Don Carlos, der auf Grund des bis dahin in der Bourbonendynastie geltenden salischen Gesetzes die Herrschaft seiner minderjährigen Nichte Isabella nicht anerkannte, hatte seinen Anhang in den baskischen Provinzen im Norddsten, also in einem kleinen Teile Spaniens, daneben Gesinnungsgenossen in Katalonien, Andalusien und anderen Landschaften. Eine rationelle Kriegführung mit allen diesen Kräften, sei es durch gleichzeitige Offensive auf Madrid, sei es durch Vereinigung der Streitkräfte zu einer großen Masse, hätten der Madrider Regierung die schwersten Verlegenheiten bringen können, aber dazu war Don Carlos nicht imstande. Er war ganz ohne Schiffe und konnte daber keine regelmäßige Verbindung mit seinen Freunden unterhalten, und damit mar eine einheitliche Leitung, eine gleichzeitige Bedrohung Madrids und vollends die Vereinigung aller Carlistischer Kräfte auf einen Punkt ausgeschlossen. An demselben Mangel litt aber auch d i e Regierung Isabellas, da das schlaffe Regiment Ferdinands VII., ihres Vaters, die Marine hatte verfallen lassen. Sie war zwar den Aufständischen an Mitteln überlegen, aber sie konnte, auf die schlechten Landwege allein angewiesen, nur selten eine überlegene Streitkraft zusammenbringen und namentlich nicht durch strenge Absperrung der Häfen jede Unterstützung der Carlisten von außen abschneiden und einen umfassenden Angriff auf ihre Hauptbasis richten. Einem solchen Angriff hätte das kleine Baskenland gewiß erliegen müssen, zumal mehrere Hafenplätze zur Regierung hielten. So konnten sich die Gegner nur durch einzelne Stöße und Gegenstöße bekämpfen, und der Krieg zog sich unter entsetzlichen Greueln lange hin. Die Wendung brachte endlich das Bündnis der Regierung mit England. Die britische Flotte erschwerte den Carlisten die Versorgung aus dem Auslande, erleichterte den Regierungstruppen den Vormarsch an der kantabrischen Küste und gewährte in mehreren wichtigen Gefechten entscheidende Hilfe durch gelandete Mannschaften. Dank dieser maritimen Unterstützung gewann die Regierung allmählich Terrain, so daß schließlich die Car- liften, von allen Seiten umstellt und eingeengt, den Kampf aufgaben. Ein Menschenalter später fand eine neue E r - Hebung gegen b i e Königin Isabella, die sich als unwürdige Regentin gezeigt hatte, Armee und Flotte einig, so daß der Sieg der Revolution binnen weniger Wochen entschieden war (1868). Schwieriger war die Herstellung einer neuen Ordnung. Die unsicheren Verhältnisse gaben einem neuen Cariistischen Prätendenten den Mut zu einer abermaligen Insurrektion, mit der sich auch andere Strömungen, namentlich im Süden anarchistische und kommunistische Gruppen, verbanden. Ein großer Teil der Marine hielt zu ihnen, der größte Kriegshafen Cartagena war ihr Hauptquartier, Cadiz und die anderen Seestädte wurden von ihnen bedroht, ihre Einnahme hätte den Rebellen großen moralischen und materiellen Gewinn bringen müssen. Denn in allen Landesteilen hatten sie Gesinnungsgenossen, die dann in geregelten Verkehr treten konnten. So stand Spanien vor einer schweren Krisis — bedroht von zwei Revolutionen entgegengesetzten Charakters. Zum Glück für das spanische Volk verstanden die radikalen Machthaber im Süden die Gunst der Lage nicht mit voller Energie zu benutzen, so daß die Regierung Zeit zu Rüstungen gewann, und vor allem gerieten sie in Konflikt mit dem Auslande, der ihnen die Seeherrschaft kostete: durch die Verletzung deutscher und englischer Interessen riefen sie das Einschreiten deutscher und englischer Kriegsschiffe unter dem deutschen Admiral Werner hervor. Der größte Teil der aufständischen Marine wurde dadurch lahmgelegt oder zur Unterwerfung unter die Regierung bestimmt. Mit dem Zusammenbruch der revolutionären Marine war dem Aufstande im Süden das Urteil gesprochen und derselbe internationale Konflikt kam der Regierung im Kampf gegen den eigentlichen Carlismus im Norden zu statten. Wiederum wurden die Carlisten durch eine Blockade — zum Teil durch deutsche Schiffe, da die Carlisten durch Ermordung eines deutschen Kriegskorrespondenten das Deutsche Reich herausgefordert hatten — von der ausländischen Zufuhr zur See abgeschnitten und durch einen Angriff von allen Seiten niedergeworfen. Aber auch dieser Krieg hatte wegen der ungenügenden Rüstung der Regierung mehrere Jahre gedauert (1872—76), und der augenblicklich Spanien erschütternde Kampf zeigt in seinem Verlauf ähnliche Züge wie die früheren Wirren, obgleich er aus anderen Anlässen entstanden ist. Zu Anfang konnten die Bolschewisten, denen mehrere Kriegsschiffe zufielen, die Verbindung der Nationalen in den verschiedenen Landesteilen und mit Marokko empfindlich stören, seit dem Herbst vorigen Jahres gewann Franco durch Neuausrüstung von Schiffen das Uebergewicht zur See, und diese maritime Energie übte sogleich einen nachhaltigen Einfluß auf die Kriegführung zu Lande aus. So stark ist die nationale Flotte freilich noch nicht, um die bolschewistischen Häfen vom Auslande völlig absperren zu können: ein solcher Erfolg hätte den WideHtand der Roten binnen kurzem zum Erliegen bringen müssen. Nach den eigenen Erfahrungen wie nach den Lehren der früheren Bürgerkriege wird die nationale Regierung nach ihrem Siege eine vordringliche Aufgabe haben: die Schaffung einer starken zuverlässigen Seemacht. Sie muß dem Ansehen Spaniens nach außen wie der Erhaltung der Rühe im Innern in gleicher Weise zugutekommen. Kleine voiiiisckre Nachrichten. In Stuttgart trat der Beirat der Reichswirt- schaftskammer unter dem Vorsitz des Präsidenten Pietzsch zusammen. An der Sitzung nahmen teil Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht und Staatssekretär Dr. Posse sowie Ministerpräsident Köhler (Karlsruhe) und der württember- gische Wirtschaftsminister Schmid. Reichsbankdirektor Brinkmann sprach über deutsche Exportpolitik und Ministerpräsident Köhler über Fragen der Rohstoffversorgung. Der deutsche und der italienische Ausschuß für die Regelung der Wirtschaftsbeziehun- gen zwischen den beiden Ländern haben in München einige Abkommen unterzeichnet, die vor allem auf dem Gebiete des Waren- und Zahlungsverkehrs weitere Erleichterungen zwischen den beiden Ländern bringen. Im Rahmen einer Arbeitstagung des Reichs- kolonialbundes im Gauoerband Düsseldorf wurde in Anwesenheit des Bundesführers des ! Reichskolonialbundes, Reichsstatthalter General Ritter von Epp, die im Düsseldorfer Zoo geschaffene große Kolonialausstellung durch den Hauptgeschäftsführer des Reichskolonialbundes, Admiral Rümann, eröffnet. ♦ In Berlin ist ein Vertrag zwischen Deutschland und Finnland über Auslieferung und sonstige Rechtshilfe in Strafsachen unterzeichnet worden. Der Vertrag stellt einen wichtigen Beitrag zur Ausgestaltung der Rechtsbeziehungen zwischen den beiden Ländern dar. Die für. den 27. Mai in Aussicht genommene (Eröffnung des „Goethe-Hauses" in der französischen Hauptstadt ist auf den 28. August verschoben worden. Es handelt sich um die Stiftung des Deutschamerikaners Gustav F. Dutschke an das Deutsche Reich. Das Goethe-Haus soll der Pflege und Forderung der deutsch-französischen Kulturbeziehungen und der Anbahnung persönlicher Beziehungen zwischen Vertretern des deutschen und des französischen Geisteslebens dienen. Das Goethe-Haus ist ein geräumiges Privathaus mit Garten im Mittelpunkt von Paris. ♦ Prinzessin Feodora, die älteste Tochter des Prinzen Harald, des Bruders des Königs von Dänemark, hat sich mit Prinz Christian von Schaumburg-Lippe verlobt. Prinz Christian ist der Sohn der verstorbenen ältesten Schwester des Königs. Amerikanische Anwälte verkauften Schwachsinnige als billige „Hausangestellte". Ne uy o r k, 14. SDlai. (DNB.) Die „New York Times" berichtet über Vorkommnisse, die so widerlich sind, daß man sie nio/t für glaubhaft halten würde, wenn ihr Enthüller nicht der Medizinischen Fakultät der John-Hopkins-Universität in Baltimore angehörte. Vor der Psychiatrischen Vereinigung in Pittsburgh erklärt Dr. Kanner: Im Laufe der letzten Jahre hätten gewissenlose Rechtsanwälte unter Zuhilfenahme der Gerichte die Entlassung von 15 Jungen und 15 3 Mädchen aus der Anstaltschule für Schwachsinnige (Training1 School for the Feebleminded) in Baltimore ermöglicht, um reiche Hausfrauen in Baltimore mit billigen Hausange st ell- ten zu versorgen. In allen Fällen sei den Anwälten der Schwachsinn bekannt gewesen. Die Entlassung aus der Anstalt sei ohne Wissen der Eltern bewerkstelligt worden. Die Mädchen seien buchstäblich in die Sklaverei verkauft und oft noch schlimmer behandelt worden. 29 seien der Prohibition verfallen, 6 endeten in Gefängnissen, 17 wurden Träger ansteckender Krankheiten, 51 heirateten und zeugten 165 Kinder, von denen 10 8 schwachsinnig waren, 18 bei der Geburt starben und 30 wegen Vernachlässigung der öffentlichen Fürsorge zur Last gefallen sind. 11 starben wenige Jahre nach der Entlassung an Tuberkulose, Syphilis und anderen Krankheiten. (Einige versuchten Selbstmord, andere wurden zu Mördern an ihren neugeborenen Kindern, wieder andere verfielen dem Rauschgenuß und der Trunksucht. Zeitschriften. — In der neuesten Nummer der „Jllustrir- t e n Zeitung Leipzig" gibt Dr. K. Krause eine fesselnd geschriebene, reich illustrierte Darstellung der augenblicklichen Lage in Waziristan (Nordwestindien). Ein Bericht über „Rio de Janeiro, die schönste Stadt der Welt" schließt sich an; dann folgen Bilder von den Hebungen einer italienischen Kavallerieschule. Unter dem Titel „Wie wird man Imkerin?" wird ein Rund gang durch die Hannoversche Landesanstalt für Bienenforschung in Celle unternommen, während eine Doppelseite mit besonders schönen Aufnahmen in das Grenzland Bayrische Ostmark führt. Chad, ‘blildungin. fütHim u&faae Wilhelmine Angelberger Studienaffessorin Or.Otto Scheid Studienassessor und Chemiker Verlobte Wir haben uns verlobt Elfriede Meußer Andreas Friedlein, Friseur Gießen Lindeibach bei Wertheim Friseurgeschäft: Ludwigsplatz 4 Wohnung: Roonstraße 2 Pfingsten 1937 02472 Gießen, Goethestraße 69 Mannheim-Waldhof 02501 Wir haben uns verlobt Erna Gondner Willy Schneider Medizinalpraktikant Gießen, Pfingsten 1937 Steknstraße 84 Mühlstraße 6 3436 D Meine Verlobung mit Fräulein Marie Heyne beehre ich mich anzuzeigen Bernhard Dahl, Kaufmann Gießen, Aquarium Hückeswagen (Rheinland) Pfingsten 1937 02479 Zhre Verlobung beehren sich anzuzeigen Hilde Heck Heinrich Stein Gießen, Kaiserallee 40 Gießen, Hitlerwall 19 Pfingsten 1937 02491 Als Verlobte grüßen Hella Sondermann Fosef Heinrichs Gießen, Oammstraße 48 Rheine i. Westfalen Pfingsten 1937 02444 man. tankt es mit Vorliebe BRAUEREI JHRING-MELCHIOR.LICH Statt Karten! 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Wir bitten höflich alle ehemaligen Schüler, die nicht unser erstes Rundschreiben erhalten haben, uns ihre Anschrift einzujenden und uns auch die Anschriften ihnen befreundeter Mitschüler anzugeben. Da die Hundertjahr» feier zugleich ein großes Wiedersehensfest aller früheren Schüler werden soll, zu dem schon viele freudige Zusagen vorliegen, darf kein erreichbarer ehemaliger Schüler vergessen werden. Dazu erbitten wir die Mithilfe aller unserer Freunde. Direktion des Realgymnasiums: Direktion der Oberrealschule: Angelberg er, Oberstudiendirektor Leonhardt, Oberstudiendirektor 3417 A 3431 D Oie Verlobung meiner Tochter (Alen mit Herrn Or. med. Werner Flimm, Assistenzarzt am Städtischen Krankenhaus Köln-Mülheim, gebe ich hiermit bekannt Frau Elsbeth Darges geb. Leschbrand Gießen, Am Rahrungsberg 12 Meine Verlobung mit Fräulein Or.med. SllenVarges, Tochter des verstorbenen Dozenten an der Univ. Gießen, Herrn Or. W. Varges, und seiner Frau Gemahlin Slsdeth, geb. Leschbrand, zeige ich hiermit an Or. med. Werner Flimm Assistenzarzt Köln-Mülheim, Städtisches Krankenhaus Gießen, Marburger Straße 10 Pfingsten 1937 ---denn ich wurde bei Dbnnadiernielster AuG. Trebbe (lieben Markislra&e 22 wie schon so viele meiner Kollegen wieder ganz gesund.273^ Oie Verlobung unserer Tochter Meine Verlobung mit $rdukin Friedel mitHerrnOr. Phil. Verthold Friedel Münch Kirsten geben wir bekannt gebe ich bekannt Arthur Münch Or. phil. Äerthold Kirsten und Frau Käthe, geb. Thiel Chemiker Claustbal-Zellerfeld Gießen, Riegelpfad 26 Magdeburg, Königsweg 2 Pfingsten 1937 02477 Verlobungs-Anzeigen bei Brühl, Schulstr.7 Statt Karten! Wir geben unsere Vermählung bekannt Or. jur. Georg Wilhelm Kalbfleisch Affeffor Elisabeth Kalbfleisch, geb. Will med. prakt. Gießen, Hitlerwall 43 Pfingsten 1937 ____________________________________________________________________3437D Zhre Vermählung geben bekannt Walter Wadenpfuhl und Frau Hanni, geb. Paul Marburg/Lahn Gießen Giffelberger Straße 8 Lahnhosstraße 64 Pfingsten 1937 Ein Quell v. Freude für den Naturfreund belMkes Eenen Kleine Kreatur in Wasser, Dusch und Halm Don Karl Otto Bartels. 164 Naturaufnahmen aus dem Leben der niederen Tierwelt mit erläuternden Dildunter- schriften, Namensan. gab. u. ausführlichem Text (62 Seiten). Mit einem Geleitwort von Profels. Dr. Deegener, Universität Berlin. Dieses Werk bringt erstaunlich vielseitige und trefflich gelungene Einzelbilder und Bild- folgen aus dem reichen Leben der zahllosen kleineren Lebewesen. Aus der Freude am De- obachten ist ein wert, volles naturgeschicht- liches Urkundenbuch geworden, das hervor- ragend geeignet ist, die Liebe auch zum kleinsten Naturgesche- hen zu erwecken. Gebunden RM. 4,80. Bitte verlangen Sie kostenlos unsere bebild. Werbeblätter! Das Buch ist durch jede Buchhandlung zu beziehen! 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Es konnte nicht das Ziel sein, die beiden jetzt vorhandenen Plätze, denKir- chenplatz und den Lindendenplatz. zu einem einzigen zu vereinigen, weil es zu keiner einheitlichen Gestaltung dieses Großplatzes gekommen wäre. Es mußte vielmehr an» gestrebt werden, den Lindenplatz als den Platz vor dem alten Walltor der ersten Stadtbefestigung und als Gegenstück zum Kreuzplatz zu erhalten.Andererseits mußte aus verkehrstechnischen Gründen der Engpaß am Einhorn unbedingt fallen. Die Schloßgasse war in der bereits durch frühere Bebauungspläne feft- ?elegten Breite durchzu- ühren. Im Interesse des einwandfreien Durchgangsverkehrs mußte gleichzeitig eine möglichst gerade Durchführung der Walltorftraße vom Marktplatz ab angestrebt werden, damit auf größere Entfernung der Verkehr übersehen werden kann, was jetzt durch die Win- keligkeit der Straßenführung vollkommen ausgeschlossen ist. Aus diesem Grunde wurde der jetzt 5,50 Meter breite Engpaß am Einhorn aus 15 Meter erweitert, und damit war die Grenze für die neue Bauflucht gegenüber der Stadtkirche gegeben. Die bisherige Dreiecksform des Lindenplatzes, die zwar durch die Führung der alten Stadtmauer eine gewisse Berechtigung hatte, die aber aus städtebaulichen und verkehrstechnischen Gründen ungünstig ist, soll künftig fortfällen. Die Gesamtform des Platzes soll viereckig werden. Dadurch ergibt sich eine bessere Verkehrsabwicklung auf dem Lindenplatz selbst, b. h. es besteht die Möglichkeit, in dem neu entstehenden Winkel durch den Fortfall des früheren Heichelheimschen Hauses, das sich im Besitz der Stadt befindet, einen Parkplatz anzulegen. Die Zurücksetzung der neuen Bauflucht am Kirchenplatz soll weiter ermöglichen, vor der Stadtkirche die Der- kehrsverhältnisse wesentlich zu verbessern und eine einwandfreie Uebergangsmöglichkeit der Fußgänger über diesen Platz gewährleisten. Vielleicht wird es auch möglich sein, bei dieser Gelegenheit den Kirchenplatz selbst um etwa 40 bis 50 Zentimeter zu senken, um den jetzt dort vorhandenen Rücken zu beseitigen. Es wird also mit der Durchführung dieses Projekts nicht nur eine Sanierung der Wohnungs- verhältnisse, sondern auch eine solche der Derkehrsverhältnisse in diesem Stadtgebiet erreicht, und zwar an einer Stelle, die bisher mit eine der gefährlichsten im ganzen inneren Stadtgebiet ist. Durch diese Doppelaufgabe und ihre Lösung hebt sich dieses Projekt von den bisher bekanntgewordenen Plänen ganz wesentlich ab Aus diesem Grunde ist die Durchführung dieses Projektes besonders zu begrüßen, denn die Lösung dieser beiden Aufgaben ist im Laufe der letzten Jahre für unsere Stadt immer dringender geworden. Das auf dem hier abgedruckten Lageplan schraffierte Gebiet stellt die künftige Form des Kirchenplatzes und des Lindenplatzes dar. Sie schließt an die bereits bestehende Front des Marktlaubengebäudes an, geht über den Kircheckplatz und die Schloßgasse entlang bis an das Hochstättersche Haus. Das mit einer schwarzen Linie eingefaßte, mit A (Abbruch) bezeichnete Gebiet ist das Abbruchsgelände, dessen schwarz umrissene Linie den jetzigen Zustand der Bebauung darstellt. Für die ausfallenden Wohnungen in den niederzulegenden Häusern wird an der Schloßgasse und anderweitig Wohnungsersatz geschaffen werden. Das große Gebäude gegenüber der Stadtkirche wird in seiner äußerlichen Gestaltung so durchgeführt, daß es sich in das bestehende Stadtbild in einwandfreier Weise einfügt. Die Klebmarke Mensch, Emil! Rur noch drei Stück, und ich Habs geschafft, dann ist das Ding voll! Was denn, Kurt? Die Altmaterialkiste? Ach Quatsch! Um die dreht es sich jetzt nicht, ich meine die KdF.-Sparkarte für unser Sommerlager. Sparkarte? Sommerlager? Das weiß ich ja gar nicht. Na, du tust ja gerade, als wenn du Neupimpf wärst, der vom Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Durch die Sparkarte kann ich doch dieses Jahr wieder mit ins Zeltlager, oder glaubst du vielleicht, mein alter Herr könnte mir so glatterdings die sechs Mark auf den Tisch legen? Nee, meiner auch nicht. Aber wie machst du denn das? Ganz einfach! Ich spare mir immer 50 Pfennig zusammen, wie, das ist jedermanns eigene Sache — Ginstersammlung, Altmaterial, altes Papier — ab und zu machen sich auch kleine Besorgungen bezahlt. Na ja, als Pfimpf weiß man ja auch genug Mittel und Wege, und für die 50 Pfennig hole ich mir bei der Sparkasse immer eine Marke und die klebe ich dann in die Reisesparkarte hinein. Ja, siehst du, und jetzt brauche ich nur noch drei Stück, und das Zeltlager ist wieder gesichert. Mensch, ich könnte mich ohrfeigen? Daß ich da nicht früher dran gedacht habe! Kurt? Geht in Ordnung! Morgen fange auch ich an zu sparen. Klar, Emil! Und im Zeltlager sehen wir uns wieder! Hitler-Zugend Bann 116 Gießen Pressestelle. Dien st befehl: Die Gefolgschaftsführer und Führer der Sondereinheiten veranlassen, daß bis spätestens Samstag, 22. Mai, ein Bericht über die Pfingstfahrt in doppelter Ausfertigung, möglichst mit Bildern, an die Pressestelle des Bannes gelangt. Aus der Stadt Gießen, „pfingstlümmel' und „Maibraui". Gar mannigfaltig sind die Bräuche, mit denen die lieblichen Pfingsten sich schmücken. Greisen wir heute einen von ihnen heraus, der zweifellos schon sehr alt ist und wohl seinen Ursprung herleitet aus dem Bestreben, den Mai und seinen Segen dem Dorfe zuzuführen, ja vielleicht die Verkörperung des Frühlings selbst fein will. Heute ist bei diesen Pfingstumzügen die Hauptsache das Einsammeln von Gaben, jedoch unter Beibehaltung der alten Bräuche. Oft durch ein Wettrennen wird die Hauptperson des Zuges bestimmt, ebenso wie die Reihenfolge der Begleiter. Der siegreiche Bursche führt je nach den Gegenden verschiedene Namen wie: Pfingstlümmel, Pfingstbutz, Pfingstkääm, Pfingstpflitteri, Pfingstquak, Pfingst- dreck, Maikönig, Laubmännchen, Wasservogel, Fischermeier, Schnak, Fustenmeier und andere mehr. Er wird fast immer ganz in Blumen, Laub und anderes Grün gehüllt und dann als „Maikönig" umhergeführt, zu Fuß oder zu Pferd. Im Budweiser Kreis wird er in einem Schlitten zum Dorfplatz gefahren, in Fischbeck setzt man den „Pfingstbötel" gar auf einen Schubkarren: im Wagen thronen der schlesische „Rauchfieß", der „Pfingstdreck" in Wasenweiler, der „Pfingstlümmel" in der Gegend von Ansbach, in Pfaffenheim werden dem Wagen des „Pfingstpflitteri" zwei Esel vorgespannt, in der Gegend von Wittstock kommt er auf einem Esel angeritten, bei Merseburg fahren alle „Pfingstbuckschen^ auf bekränzten Lastwagen durch die Gassen. Die Begleiter des „Maikönigs" tragen Peitschen, Kuhglocken und Klingeln, mit denen sie einen Höllenlärm vollsühren, im Braunschweigischen klopfen sie mit großen Eisenstücken auf die mitgeführten Sensen. Im Schwarzwald wird der „Pfingstlümmel" selbst vorn und hinten mit Kuhglocken behängt, der „Schnak" in Laufenselden trägt eine Schelle am rechten Bein, in Thüringen läutet ein Glöckchen an der Krone des „Maikönigs"; im Kreis Gebweiler ist das Gewand des „Pfingstpflitteri" über und über mit Schneckenhäusern bedeckt und der „wilde Mann^ in Marling bei Meran trägt Ketten aus rasselnden Schneckenschalen. Möglicherweise deutet auf die geheimnisvoll zauberhafte Herkunft des „Pfingstlümmels" die oft geübte Sitte des Verbergens und Suchens hin. So wird z. B. in thüringischen Dörfern der „Maikönig" mit einem Laubgestell umgeben und dann im Busch versteckt. Hier wird er gesucht und im Triumph durchs Dors geführt, zum Amtmann, zum Pfarrer usw., die nun raten müssen, wer unter der Hülle steckt. Raten sie falsch, so müssen sie zur Strafe Bier und dergleichen spenden. Im Hannöverschen darf der in sieben Laubröcke gekleidete „Fischermeier" beim Umzug kein Wort sprechen und muß völlig unerkannt bleiben, ebenso im Boldecker und Knesebecker Land. In anderen Gegenden wird der „Pfingstlümmel" von seinen Begleitern überall oorgestellt, häufig mit einem Spruch, der sich nicht selten zu einer Art von dramatischem Wechselgespräch entwickelt, wobei dann die verschiedenen Sprüche auf die einzelnen Teilnehmer, die verschiedene Rollen verkörpern, verteilt werden. Noch eine andere Sitte wird bei diesen Umzügen vielfach geübt, die vielleicht als alter Regenoder Fruchtbarkeitszauber aufzufassen ist: der bedauernswerte „Pfingstlümmel" wird zum Schluß in einen Teich, Fluß oder Brunnen getaucht — im unreine Uaiift'x yfingstlied in der He de. Vr»n Bruno Tleliffen-Haken. Sieben Birken, Sieben Föhren, Machandel sieben an der Zahl: Siebenmal — Ach, siebenmal Hat er mit mir, Hat er mit mir So sehr getanzt ...! Westenwinde Täten wehen. Und die Fluren standen kahl: Siebenmal — Ach, siebenmal Hat er mich doch, Hat er mich doch So sehr geküßt ...! Sieben Jahre Die vergehen, Gehen hin als wie der Wind: Ach, die Winde, Wie sie wehen: Sieben Jahr, Ach, siebenmal Ach, wie geschwind ...! Deronügliches Fest. Kon Otto Gnielin Ein vergnügliches Pfingstfest konnte im Jahre 19?2 wider alles Erwarten ein armer Student feiern, der einige Tage zuvor mit dem Personenzug von Köln nach Hagen fuhr. Damals war, wie man weiß, das linksrheinische Deutschland samt einigen rechtsrheinischen Brückenköpfen von feindlichem Militär besetzt, und es war die Zeit, wo die deutsche Mark schon keinen Hosenknopf mehr wert war und keiner von heute auf morgen Voraussagen konnte, ob er sich für einen Millionenschein noch einen Apfel und ein Ei werde erstehen können. Daß unter solchen Umständen ein armer Schlucker wie genannter Student es war — denn sein Vater mar nichts weiter als ein mittlerer Beamter und es waren nod/ eine Schwester und ein Bruder da —, nicht auf Rosen gebettet war, und von der alten Burschenherrlichkeit'vergangener Zeiten wenig zu fühlen bekam, kann man sich denken. Da er nun wußte, daß das Studium aus des Vaters Taschen nicht mehr lange werde weitergehen können, tat er, was auch andere taten, er suchte für die Herbstferien nach einer Arbeitsstelle in einer Fabrik. Es gab sich, daß ein Hagener Werk ihn einstellen wollte, vorausgesetzt, daß er kräftig genug fei, und dies war ihm gerade recht, denn nur wenige Minuten Bahnfahrt weiter war er zu Hause. Er meldete also, daß er sich kurz vor Pfingsten wunschgemäß dort oorfteUen werde, um endgültig alles abzumachen und schrieb nach Hause, daß er über Pfingsten kommen werde. Freitag vor Pfingsten setzte er sich auf die Bahn wohlgemut und zuversichtlich, wie eben nur ein frischer junger Bursche sein kann, und einer der noch keine goldenen Tage gesehen hat, und ylso noch unentwegt darauf hoffen kann. Schließlich hatte er Grund, guter Stimmung zu fein, denn erstens würde er sich in der Fabrik gut einführen, zweitens würde er für ein paar Tage kein französisches Militär sehen, drittens würde er die Eltern und Geschwister wiedersehen, viertens würde er bei Muttern gut zu essen kriegen, fünftens war er gesund, und sechstens war obendrein schönes Wetter, und die grüne und blühende Landschaft in der Sonne, die vor den Fenstern des Zuges vorbeiflog, hätte allein schon genügt, das Leben gut und heiter zu machen Nun gab es aber zu jener Zeit in Deutschland außer den armen Schluckern wie unter Studiosus und seine Angehörigen auch noch solche, denen das ganze tolle Blendwerk der Markentwertung und die hohen Zahlen in den Kopf gestiegen waren und die der Meinung waren, es fei jetzt endlich der Augenblick gekommen, wo sie den Schlaraffentraum ihres Lebens verwirklichen und ohne Arbeit reich werden könnten. Man brauchte nämlich nur ein wenig Schlauheit und Gewissenlosigkeit, so war es nicht' schwer, im besetzten Gebiet durch allerlei Schleichwege an Franken und Dollar zu kommen. Hatte man sich davon ein Päckchen errafft, so setzte man sich in einen Zug und fuhr ins unbesetzte Gebiet, wo man einige Tage fnäter schon das Dov- pelte ober Dreifache an beutscher Mark bekam, von bem, was man barür bezahlt batte. Fuhr man mit biefem Betrag wieder ins Besatzungsgebiet, so konnte man, weil hier bie Entwertung nicht Schritt hielt, bas Spiel wieberholen und es schien, als könne man so durch unaufhörliches Hin- und Her- fahren ein reicher Mann werden Es war nur eine Schwierigkeit dabei: Dann und wann kam ein französischer Beamter an der Grenze der besetzten Zone in den Zug, und gelegentlich wurde ein verdächtiger Reisender herausgeholt, sein Betrag, wenn er einen hatte, ihm abgenommen und er selber eingelocht oder ausgewiesen, denn so wollte die Besatzungsbehörde den Schein erwecken, als sorge sie für Ordnung. Der Zufall wollte es aber, daß im Gedränge des Zuges neben dem genannten armen Studiosus ein solcher Ehrenmann stand, der in seiner inneren Rocktasche ein Mäppchen gespickt voll mit Dollarscheinen, Pfunden und Franken hatte. Als sie nun an der Grenzstation anhielten und wirklich französische Beamte den Zug betraten, voraus ein kleiner, untersetzter Herr in praller Uniform mit einem scharfen Blick, den er, wie wenn er schon wisse, wen er suche, über bie Reisenben hinspazieren ließ, ba bekam es der Ehemann mit der Angst. Er schob unauffällig seine Hand in die Tasche, holte sein Mäppchen heraus und ließ es auf die Erde fallen, ehe noch der Franzose ihnen nahegekommen war. Unglücklicherweise hatte aber ein anderer Reisender dies gesehen, hob es auf und gab es dem Eigentümer zurück mit der Bemerkung, er habe es verloren. Der behielt es in der Hand und da ihm der Schrecken schon an der Kehle würgte, steckte er es, als der Franzose sich näherte, seinem Nebenmann, dem Studiosus, in die seitliche äußere Rocktasche, ohne daß dieser es merkte; denn sie standen wie die Zündhölzer nebeneinander. Der Student ahnte nicht, in welcher Gefahr er sich befand, als er dem Franzmann seinen Personalausweis vorzeigte. Seine Aufmerksamkeit wurde gleich auf den Mann nebenan gelenkt, dessen Papiere der Beamte mit grimmiger Genauigkeit prüfte, um schließlich, nachdem er mit seinem Begleiter einige französische Worte gewechselt hatte, ihn aufzufordern, mit herauszukommen zur Untersuchung. Er war auch noch nicht zurück, als der Zug sich wieder in Bewegung setzte: der Studiosus hatte bald die ganze Sache vergessen und war guter Dinge, daß er nun wieder im freien deutschen Land war. Er ahnte auch nicht, welchen Reichtum er bei sich trug, begab sich in Hagen zum Büro des Werks, wurde, wiewohl man meinte, besonders kräftig sehe er ja nun nicht gerade aus, mit einem wohlwollenden Kopfschütteln für 1. August angenommen und spazierte vor sich hinmeifenb durch die Stadt, um für seine fDhit^r möglich noch irgend etwas zu erstehen. Er hatte sich nämlich feine Barschaft bis auf den Pfennig eingeteilt und hielt es für feine Pflicht, zu den Unkosten feines Pfingftbefuches etwas beizutragen. Wie er nun in die Hosentasche griff, um sich seiner ärmlichen Reichtümer zu versichern, bemerkte er, daß etwas in seiner Rocktasche steckte, und er zog das Mäppchen heraus. Staunend öffnete er es und hatte kaum einen Blick und einen Griff hineingetan und sich der Wirklichkeit dieser Schätze versichert, als er es auch schon wieder zuschlug und eiligst wegsteckte. Das Blut stieg ihm zu Kopf, und er grübelte darüber, wie es in seine Tasche käme und wer der Eigentümer fei. Während er den Weg aus der Stadt hinaus und den Berg hinauf einschlug, kam er auch auf den richtigen Gedanken. Durchs junge Grün und die strahlende Sommerwelt wandernd, erwog er, ob und wie er dem Eigentümer, von dem er weder Name noch Wohnort wußte, fein Geld wieder zustellen könne, aber er konnte sich seine Freude darüber -nicht verhehlen, daß diese Rückgabe unmöglich war. Schließlich auf einer Bank in der Sonne sitzend, merkte er, daß er schon in Gedanken überschlagen hatte, was sich mit diesen Scheinen alles würde anfangen lassen. Er holte das Mäppchen hervor und, während die Vögel um ihn zwitscherten, zählte er die fremdländischen Papiere und staunte über den Schatz, der bei seinen eignen bescheidenen Ansprüchen gut und gern ein Semester Studium bestreiten konnte. Da er nun den Eigentümer doch nicht mehr finden konnte und da auch am Fundbüro mit den Scheinen niemand geholfen sein würde, so sagte er sich, daß es nun einmal ein Geschenk des Schicksals sei und daß alles in Ordnung sei, wenn er nur selber jetzt nutzbringend und sinngemäß mit den Reichtümern verfahre. Nachdem er sich so im reinen war, machte er sich auf den Weg zur Stadt zurück, wechselte auf einer Bank einen Dollarschein und kaufte ein: Schwarze Kirschen und rote Erdbeeren, Wurst und Butter, ein Paar Strümpfe für die Schwester, einen Schlips für den Bruder, Zigarren für den Vater und Blumen für die Mutter und hatte immer noch Geld übrig, nur keinen Platz mehr im Koffer. Vor dem Bahnbof stand ein Kriegsblinder mit einem Hund; dem steckte er noch einen Dollarschein in die Büchse und dann fuhr er nach Hause. — Man kann sich leicht denken, daß es da ein fröhliches Pfingstfest gab, denn es kommt nicht oft vor, daß das Schicksal das bekanntlich blind ist, bei feinen Streichen der ausgleichenden Gerechtigkeit unter den Arm greift. 3eiffd)riffen — Das Maiheft der Zeitschrift „Mutter und Kind" (Verlag Elwin Staude, Berlin W 30) bietet der jungen Mutter, der Säuglingspflegerin, der Kindergärtnerin usw. wieder viel Interessantes und Lehrreiches. Unter anderem gibt Dr Irma Hist - Schnierer eine ausgezeichnete Darstellung über die wichtigsten Regungen des Menschen vom 1 bis zum 12 Monat. Reizende Bilder veranschaulichen diesen Text. Auch die übrigen Beiträge wie „Mutters Gedukdprobe", „Das Pferdchen", „Mutter spielt mit uns", „Erstes Lächeln", enthalten manche Anregung. Fricktal darf er dafür jedermann bespritzen, in Rangendingen steht der „Pfingstdreck" sogar im Brunnen und begießt die Umstehenden ausgiebig mit Wasser, im Schleital besprengen die Begleiter des , „Pfingstbutz" die Begegnenden mit nassen Reisigbündeln, was Gesundheit und Gedeihen bringen soll, während sie andernorts selbst aus den Häusern mit Wasser begossen werden. In einigen südbayrischen Orten wird am Pfingstmontag Der „Wasservogel" ausgelost, in Reisig oder Binsen gehüllt, in einem Bauernhof versteckt oder von zwei Wächtern streng bewacht. Die anderen Burschen sprengen dünn hoch zu Roß heran und schleppen den armen Wasserooael nach einem Scheinkampf zum Dorfteich oder =bad) und werfen ihn hinein. In Hollertau wird er zum Bach geführt, wo ihm zwei Mädchen die Larve abnehmen und ihn waschen. Dann legt er die Arme um ihre Nacken und gemeinsam tauchen die Drei dreimal unter. Neben der Wasserbesprengung sind bei den Umzügen auch die segenspendenden Schläge mit der „Lebensrute" üblich, die von den Zugteilnehmern sowohl ausgeteilt, wie empfangen merken. An manchen Orten wird der Träger des Frühlingssegens feierlich hingerichtet — in Wurmlingen haut der Henker dem „Pfingstbutz" den (falschen) Kopf ab, in Niederbayern wird der im Wasser stehende „Pfingstle" geköpft, ebenso der „König" in Böhmen — wobei möglicherweise die Absicht vorliegt, die ihm innewohnende Kraft frei und allen zugänglich zu machen. Wie die Burschen, veranstalten auch die Mädchen Umzüge — allein oder mit den Knaben gemeinsam —, ihre Führerin ist die „Maibraut". Im Münsterland ziehen die Mädchen dem Zuge voran, in ihrer Mitte die „Pingstebruut", mit Kranz und Schleier geschmückt, hinterher die Knaben mit Fahnen und Knallerbsen. (Auch im Zug der Burschen schreitet manchmal eine „Maibraut", die aber dann von einem Knaben dargestellt wird.) Im Elsaß wird ein weiß gekleidetes Mädchen von zwei anderen durch's Dorf geführt, im Emsland geht das „Pingft- blöümken", ein fünf» bis siebenjähriges Mädelchen, von Haus zu Haus, das Gesicht völlig verhüllt. In Friesland wählen die Mädchen die Schönste aus ihrer Mitte zur „Pfingstbraut", schmücken sie reich mit Blumen, Kränzen und einer Krone und tragen sie durchs Dorf. Vor jedem Haus wird angehalten, die Mädchen schließen einen Kreis um die Königin und singen Volkslieder, wofür sie allerlei Gaben erhalten. In manchen Gegenden wird statt den Einzelpersonen des „Maikönigs" und der „Maikönigin" ein „Braut-" oder „Königs-Paar" gewählt, das dem Zug voranschreitet und besonderer Ehren teilhaftig wird. In Prosigk (Anhalt) wird die Braut von einem Burschen, der Bräutigam von einem Mädchen dargestellt, die beide eine Larve tragen Bei der „Pfingstlhochzeit" im bayrischen Vorland gehen drei Burschen an der Spitze des Zuges; der mittelste, in Laubzweigen Vermummte, ist der „Pfingstl" oder „Hochzeiter"; es folgen drei Mädchen, von denen die in der Mitte schreitende mit Blumen und Bändern geschmückt, die „Pfingstlbraut" oder „Hochzeiterin" darstellt. Früher wurden an Stelle der lebenden Menschen vielfach Puppen mitgeführt, so waren „Hansl und Gredl" beim Umzug in Neuhaus bei München solche Puppen, ebenso, wie der „Wasservogel" in Holzhausen in Schwaben. Aber nicht nur Puppen nehmen den Platz der in Blumen und Laub gehüllten Menschen ein, an ihre Stelle tritt nicht selten die Pflanze selbst: so ist in der Saargegend der „Pfingstquak" entweder ein mit Ginster geschmückter Mann, oder aber eine junge Birke, in der Altmark der „Pfingstkääm" bald ein in Laub und Blumen gehüllter Knabe, bald eine lange, mit Blumen und Zweigen verhüllte Stange, auch gibt mon dem Laub geb ilde wohl einmal menschliche Gestatt. Stets spielen junges Grün und bunte, lachende Blumen eine beherrschende Rolle, weisen hin auf die Fruchtbarkeit der neu erwachten Erde, auf den Reichtum und die Pracht des Frühlings, der das Pfingstfest mit seinen holdesten Gaben so herrlich überschüttet. E. B. Dornoilzen. Tageskalender für Samstag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Manja Valewska, das Schicksal einer Jugendliebe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Mann, von dem man spricht". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 16 bis 18 Uhr Ausstellung der Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von Lotte Droese. Tageskalender für Pfingstsonntag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Manja Valewska, das Schicksal einer Jugendliebe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Mann, von dem man spricht". Tageskalender für Pfingstmontag. Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr: „Der Etappenhase". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Krach und Glück um Künnernann". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Mann, von dem man spricht". Spielplan des Stadttheaters Gießen vom 17. bis 23. Mai. Am Pfingst-Montag, 17 Mai, findet eine Wiederholung des großen Erfolges „Der Etappenhase", Lustspiel aus der Kriegszeit, von Karl Bunje, statt. Spielleitung: Heinrich Hub. Die Vorstellung findet außer Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr. Dienstag, 18. Mai, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr, zum letzten Male „Stille Gäste", Komödie von Richard Dillinger. Spielleitung: Wolfgang Kühne. Dienstag-Miete. 31. Vorstellung. Mittwoch, 19. Mai. Anfang 19.30 Uhr, Ende 21.45 Uhr, „Der Etappenhase", Lustspiel von Bunje. Spielleitung: Heinrich Hub. Mittwoch-Miete. 32. Vorstellung. Samstag, 22. Mai. Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr, Theaterring der NSV.-Kulturqemeinde. Zum letzten Male. Abschiedsvorstellung für Paul Nieren und Heinz Rosenthal in „Der Etappen- Hase", Lustspiel von Bunje. Spielleitung: Heinrich Hub. Freier Kartenverkauf. Sonntag, 23. Mai, Anfang 11.30 Uhr, Ende 12.30 Uhr. Letzte Morgenfeier. „Der Bürgergeneral", Lustspiel von Goethe. Spielleitung: Der Intendant. Für Platzmieter ist der Eintritt frei. — Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr, „Die Kleider meiner Frau", Lustspiel von Frank. Spielleitung: Der Intendant. Außer Miete. AGKOB., Kameradschaft Rieften. Arn 31. Juli und 1. August findet in Berlin das Frontsoldaten- und Kriegsopfer-Reichstreffen statt Die Reichsdienststelle beabsichtigt, nach der Großkundgebung einen Teilausschnitt der Olympischen Spiele zu zeigen. Fahrpreis für Sonderzug Frankfurt a. M. — Berlin und zurück beträgt 10,80 Mk Mitglieder, die sich an der Fahrt beteiligen wollen, bitten wir, sich bis spätestens 28. Mai auf unserer Geschäftsstelle, Bahnhofstraße 38, zu melden. Hundertjahrfeier der Gießener Realanstalten. Von der vierklassigen Provinzialrealschule zur sechsklassigen Großherzoglichen Realschule mit Vorschule. Von Studienrat Dr.Wilhelm Heymann solms, nachdem wir noch unseren aufrichtigen Dank für die freundliche Aufnahme und ausgezeichnete Verpflegung an die gastlichen Burginsassen ab» aestattet hatten. Erlebnisreiche Stunden auf Hohensolms haben das Band der Kameradschaft fester um Studenten und Dozenten geschmiedet. Singend und neu gestärkt ging es zurück zur Hochschule. 85 Jahre alt. Mit drei Klassen und etwa 100 Schülern war die neue Schule ins Leben getreten. Der Unterrichtsplan nahm vor allem Rücksicht auf die Erfordernisse von Gewerbe und Handel. Sie ist bis in die 60er Jahre eine Anstalt geblieben, die mehr auf gute berufliche Ausbildung als auf allgemeine Bildung hinzielte. Schon im zweiten Schuljahr wurde die vierte Klasse aufgesetzt, und das ist die Form der Schule geblieben bis 1867. Bald hatte sie das Gymnasium an Schülerzahl überflügelt, wenn sie auch von den damaligen Drei Provinzial-Realschulen in Hessen die kleinste war. Die Schüler unserer Schule stammten aus allen Ständen der Bevölkerung, vor allem aber waren es die Söhne von in Handel, Industrie und Gewerbe tätigen Vätern. Doch bald setzte ein dauernder Rückgang in der Schülerzahl ein, so daß sogar das Weiterbestehen der Schule ernstlich gefährdet war. Eine noch stärker die Erfordernisse der gewerblichen und kaufmännischen Berufe betonende kleine Reform brachte nur vorübergehend Abhilfe. Die Gründe zu dieser unerwünschten Entwicklung waren einmal die ungünstige wirtschaftliche Lage Deutschlands von 1847 an, dann aber das unzureichende Schulgebäude, das Fehlen von Berechtigungen und zuletzt Anfeindungen gegen die neue Schulreform. Die Besserung der wirtschaftlichen Lage zeitigte von 1852 an auch wieder steigende Schülerzahlen. So entschloß sich denn die Stadtbehörde, in der allmählich die Feindschaft gegen die neue Schulart aufgehört hatte, zur Errichtung eines neuen Schulgebäudes in der Südanlage, die heutige Stadt- kassenoerwaltung. Der Einzug in die neue, von Stadtbaumeister Holzapfel errichtete und für damals vorzüglich aus- gestattete Schule fand in feierlichster Weise am 23. Oktober 1856 unter Teilnahme der staatlichen, kirchlichen und städtischen Behörden statt. Für besonders mustergültig galt das an die Schule nach Angabe Dr. Ettlings, eines Schülers und Assistenten des Professors Liebig, angebaute Chemische Laboratorium. Von den ersten Lehrern war 1844 Dr. Müller als Professor der Physik an die Universität Freiburg berufen worden. Für ihn war Kandidat Theodor Tasche von Darmstadt der Schule zugewiesen worden, den Unterricht in Botanik erteilte nun Professor Dr. H. Hoffmann, der spätere Geheime Hofrat an der Universität. Am 20. Juni 1855 war der Direktor Prof. Dr. Braubach, der gleichzeitig a. o. Professor der Pädagogik an der Landesuniversität war, in den Ruhestand getreten. Zu seinem Nachfolger wurde der als Germanist bekannte seitherige zweite Lehrer Dr. Weigand ernannt. Als Nachfolger des 1856 verstorbenen Dr. Ettting wurde Dr. Otto Buchner, bedeutend in der Erforschung der Geschichte Gießens, berufen. Der Lehrplan und der Aufbau der Schule blieb trotz all dieser personellen Aenderungen derselbe. Unverkennbar war aber mit den neuen Männern, zu denen 1857 noch Dr. Otto Bindewald kam, ein neuer frischer Geist in die Schule eingekehrt. In ganz besonderem Maße hob sich der chemische Unterricht, so daß den Schülern, die die Schule mit gutem Erfolg durchlaufen hatten, sogar ein beschränkter Zutritt zum chemischen Studium gestattet wurde. Im Jahre 1862 starb der seit Gründung an der Anstatt tätige, verdiente Dr. Hanstem und wurde durch Dr. Lips ersetzt. Von der großen Mehrzahl aller dieser an der Realschule tätigen Lehrer läßt sich sagen, daß sie ausgeprägte Persönlichkeiten waren, von denen kaum einer etwa ein Schablonenmensch oder bloßer Stundenhalter gewesen ist. So verlief das Leben der Schule von dan an in ruhigen, durch erfolgreiches Arbeiten gekennzeichneten Bahnen bis zum Jahre 1866, das infolge der politischen Ereignisse auch große schulische Neuerungen bringen sollte, vor allem den Ausbau unserer Schule zu einer sechs- klassigen Großherzoglichen Realschule. Den äußeren Anlaß zu diesem Ausbau gab die nach dem Kriege abgeschlossene Militärkonoentton zwischen Preußen und Hessen, durch die die preußische Militärorganisation, vor allem die allgemeine Wehrpflicht, in Hessen eingeführt wurde. Jetzt setzte natürlich in den bisher von der Wehrpflicht verschonten Kreisen das Bestreben ein, die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst zu erwerben. Diese Berechtigung durften nach den preußischen Bestimmungen außer den Vollanstalten nur sechs- klassige Realschulen erteilen. Durch beträchtliche finanzielle Opfer der Stadt infolge des Aufbaues von zwei neuen Klassen war es möglich, daß am 27. 10. 1868 der Realschule die Berechtigung zuerkannt wurde, den Schülern, die erfolgreich die oberste (1.) Klasse durchlaufen hatten, die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst zuzuerkennen. Gleichzeitig war diesen Sckülern der Eintritt in eine ganze Anzahl von Leoensberufen, die sogenannten mittleren Laufbahnen, ermöglicht. Von jetzt ab kann eigentlich erst die Existenzgrundlage unserer Realschule als gesichert betrachtet werden. Nun gab sie ihren Schülern auch ein gewisses Maß allgemeiner Bildung ohne Rücksicht auf den späteren Berus. Jetzt war auch zu erwarten, daß die Schüler bis zum Schluß in der Schule aushietten, statt nach der Konfirmation auszutreten. Ein jahrelang von der Leitung der Schule und der Lehrerschaft erstrebtes Ziel war erreicht. Allerdings mußte die Zahl der Lehrkräfte vermehrt werden: Es kamen an die Schule Dr. Landmann, Christian Albach, Jann und L. Seipp. Als Lehrer für das Turnen wurde Christian Rübsamen der Anstatt zugewiesen. Im Winter 1870/71 endlich wurde auch die Vorschule mit drei Klassen voll aus- gebaut. Von den Ereignissen des ruhmreichen Krieges 1870/71 wurde die Schule, verglichen mit den tief» greifenden Einwirkungen des Weltkriegs, nur wenig erührt. Die 16jährigen Schüler der ersten Klasse kamen als Kriegsfreiwillige nicht in Betracht, von den Lehrern befand sich nur einer als Mitglied des Sanitätskorps auf dem Kriegsschauplatz. Die Turnhalle diente als Reservelazarett, so daß der Turnunterricht eingeschränkt bzw. eingestellt werden mußte. Schon am 1. Juli 1868 war nach Berufung Weigands an die Universität Dr. Stein zum Direktor ernannt und Kantor Schwabe durch Kantor Steiner ersetzt worden. Seit der Einrichtung der sechsklassigen Realschule mit ihren zahlreichen Berechtigungen war eine feste Grundlage geschaffen. Von 1868 bis 1874 stieg die Schülerzahl von 119 auf 456. Das Gebäude am Neuwegertor genügte bald nicht mehr, es mußte wieder ein Neubau ins Auge gefaßt werden. Bereitwillig ging die Stadtbehörde auf den Plan ein, die Regierung gab ihre Genehmigung, und im Oktober 1876 konnte die neue Schule in der Ludwig- straße, ein Werk der Stadtbaumeisters Stief, das heutige Realgymnasium, bezogen werden. Nun war Raum geschaffen für eine günstige Weiterentwicklung. Als Lehrer kamen neu hinzu Dr. Theisen, Spahmer, Dietz und Kahl. Am 1. April 1877 trat der Direktor Dr. Stein, gewissermaßen der zweite Gründer der Schule, in den Ruhestand. Er durste, wie der spätere Direktor Nodnagel sagt, „mit dem Bewußtsein von ihr scheiden, daß sein Name mit ihrer Geschichte unauflöslich verknüpft sei, wenn ihn auch die Erfüllung seines Lieblingswunsches, der Ausbau seiner Schule zur Realschule erster Ordnung (Realgymnasium), nicht mehr im Amte finden sollte" Das war erst seinem Nachfolger Wilhelm Soldan beschieden. Erneute Beschädigung eines Münzfernsprechers. Täler auf frischer Tal gefaßt. Die Kriminalpolizei bei der Polizeidirektion Gießen teilt uns mit: Durch zerstörungssüchtige Elemente wurden immer und immer wieder die auf den Straßen und Plätzen der Stadt ausgestellten, der Allgemeinheit dienenden Münzfernsprecher in der schwersten Weise beschädigt und unbrauchbar gemacht. Der Deutschen Reichspost ist hierdurch schon erheblicher Schaden entstanden (Sachschaden und Ausfälle an Fernsprechgebühren). In früheren Polizeiberichten wurde bereits darauf hingewiesen und die Volksgenossen zur Mitfahndung ersucht. Alle lieber» wachungen waren seither erfolglos, da die Beschädigungen immer an einem anderen Apparat und zu den verschiedensten Zeiten vorkamen. Endlich ist es drei jungen Leuten in der Nacht zum 1. Mai gelungen, einen jungen Mann dabei zu überraschen, als er an dem Münzfernsprecher auf dem Lindenplatz den Hörer mit aller Gewalt von dem Apparat losriß. Um fein Vorhaben ausführen zu können, mußte er, da die Panzerschnur erheblichen Widerstand bot, seinen Fuß gegen die Zellenwand stemmen. Nachdem er von den Leuten gestellt worden war, versuchte er auszurücken. Er konnte aber alsbald eingeholt und der Polizei übergeben werden. Es handelt sich um den ledigen Dietrich Krauß, geboren am 9. November 1910 zu Stuttgart, wohnhaft in Gießen, Glaubrechtstraße 5. Don seiner Verhaftung wurde Abstand genommen, da er für die früheren Fälle nicht in Frage kommt. Er ist erst seit kurzer Zeit hier wohnhaft. Krauß wird eine empfindliche Strafe zu erwarten haben. Lebrausftug in den Aerowefsswarü Am Sonntagvormittag unternahm der Ortsring Gießen des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat einen pflanzenkundlichen und Vogelstimmen- Lehrausflug in den Bergwerkswald, zu dem sich 60 Naturfreunde eingefunden hatten. Universitäts- Garteninspektor i. R. fR ebn eit führte in die verschwiegensten Winkel des Bergwerkswaldes, wo die Frühlingsplatterbse jetzt ihre rotblauen Blüten ent» faltet hat und der Türkenbund noch zahlreich sprießt. Die einsamen Tümpel voller Rohrkolben, umstanden von maifrischen Birken, boten prächtige landschaftliche Bilder. Dabei wurden die Zusam- menhänge zwischen geologischer Beschaffenheit des Badens und der Flora erläutert. Dankbare Hörer fand auch Lehrer Häuser für bie Bestimmung der Voqelstimmen. Da tönte das Gezwitscher der Grasmücke in das Lied des Baumpiepers, der den Teilnehmern wiederholt seinen Balzflug vormachte. Der Buchfink schmetterte fein Lied „vom Siebengebirg", und der Kuckuck ließ sich nicht nur hören, sondern zeigte sich auch in allernächster Nähe. Theologie-Studenten sammeln neue Kraft zum Dienft. Maiensonne und Maienpracht in Gottes freier Natur haben die Gießener Theologische Fachschaft vereint mit der Fakultät, unter Leitung des Fachschaftsleiters Lind, dieser Tage aus der Enge von Universität, Seminar und Stadt hinausgelockt. Das „Bieberlieschen" brachte die wanderlustigen Theologen nach Bieber. Mit frohem Sang zogen Studenten und Dozenten durch das maienfrische Grün in Wald und Flur hinauf zur Jugendburg Hohensolms, von deren Geschichte und manch wertvollem kulturellen Besitz Professor Cordier ausführliche Kunde gab. Droben beim Flaggenappell gedachten sie in stiller Trauer des Luftschiffunglückes und seiner Opfer. Das Problem der Willensfreiheit stand im Mittelpunkt der allgemeinen geistigen Beschäftigung im Rahmen, der Lagergemeinschaft. Als Gast der medizinischen Fakultät ergriff zuerst Professor Boe - n i n g das Wort zur besonderen Fragestellung: „Psychiatrisches und Psychotheraveutisches zum Freiheitsproblem". Mit Spanung folgten alle den Ausführungen, die durch viele Beispiele aus langjähriger Praxis belebt wurden. Am nächsten Vormittag ergriff nach der Morgenandacht Professor Pfähler das Wort zum Thema: „Das Freiheitsproblem in der Erbcharakterkunde" Anschließend setzte eine lebhafte Aussprache wie beim ersten Referat ein und klärte manche sich im Laufe des Vortrags ergebende Frage. Nach der Mittagsfreizeit, die das Band der Kameradschaft festtgte, brachte^ das Schlußreferat des Dekans der theol. Fakultät, Professor Haenchen: ..Willensfreiheit und Verantwortung vor Gott" die Abrunduna der bisherigen Ausführungen. Die Vielfalt des Freiheitsproblemes würde lebendig entfaltet und an der Heiligen Schrift und der reformatorischen Auslegung und Beurteilung dieses Problems überprüft An das Thema' schloß wieder eine Aussprache. Nach der Arbeit folgte das Spiel „Der Nachtwächter" von Theodor Körner in aktueller Neubearbeitung eines Kameraden, das alle zum Lachen reifte. Eine Fülle köstlichen Humors sprudelte während des Kameradschaftsabends bei frohem Sang aus Studenten und Professoren. Am Sonntagmorgen vereinten sie sich mit der evgl. Kirchengemeinde Hohensolms zu gemeinsamem Gottesdienst, den ein Mitglied der Fakultät hielt. Nur allzu schnell schlug die Abschiedsstunde von HohenMM £ 5 : ■; . Am heutigen Samstag, 15. Mai, begeht der stühere Schneidermeister Wilhelm S t u m p f, Am Nahrungsberg 37 wohnhaft, in körperlicher und geistiger Frische seinen 8 5. Geburtstag. Der alte Herr nimmt noch regen Anteil an allen Geschehnissen unserer Zeit. Das Bild zeigt den Jubilar im Garten. Gießener Wochenmarktpreise. * G i e ß e n , 15. Mai. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Yi kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche. RUHL Seltersweg Nr. 67 adlO Telephon Nr. 3170 eparaturen |897d Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 10 bis 11, Wirsing, Yi kg 15, neuer 25, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 18 bis 20, gelbe Rüben, alte, 25 bis 30, neue, das Bündel 20 bis 60, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 12 bis 15, Spargel, 1 Sorte 55, 2. Sorte 50, Suppenspargel 25 bis 30, Unterkohlrabi 10 bis 12, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 14 bis 15, Meerrettich 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln, alte, Y kg 5 Pf., 5 kg 46 Pf., 50 kg 3,80 bis 3,95 Mark, neue, % kg 18 bis 20 Pf., Aepfel 45, Zwetfchenhonig 45 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 60 bis 70, Salat 15 bis 25, Salatgurken 50 Pf. bis 1 Mark, Oberkohlrabi 18 bis 20, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich, neue, 10 bis 25, Radieschen, das Bündel 10 bis 15 Pf. ♦ * * Fritz Walter an das Westfälische Landestheater verpflichtet. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns mitgeteilt: Fritz Walter, Mitglied des Stadttheaters Gießen in der Spielzeit 1936/37, wurde für die Spielzeit 1937/38 an das Westfälische Landestheater in Bochum als Oberspielleiter des Schauspiels verpflichtet. * * Maienblasen am heutigen Samstagabend ab 19 Uhr auf dem Turme derIohannes- kirche mit folgenden Darbietungen: 1 Choral „Wie groß ist des Allmächtgen Güte", I. A. Frey- linghaufen, Halle, 1704; 2 „Die Nacht", von Franz Abt; 3. „Das Mailüfterl", Volksweise, von Kreipl. Das Maienblasen am kommenden Mittwoch findet auf dem Turme der Stadtkirche statt. ** Hundertjahrfeier der Gießener Realan st alten. Die ehemaligen Schüler des Realgymnasiums und der Oberrealschule werden aufgefordert, ihre Anschriften den Schulleitungen einzusenden und dabei auch die Anschriften befreundeter Mitschüler anzugeben. Große (Strafkammer Gießen. Der schon vorbestrafte Adolf Eller aus Bergheim hatte sich geftern wegen Notzuchtversuchs vor der Großen Strafkammer zu verantworten. Der Angeklagte konnte der Tat einwandfrei überführt werden. Die Große Strafkammer verurteilte ihn wegen Notzuchtversuchs zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 1 Monat und zu den Kosten des Verfahrens. Außerdem wurde der Angeklagte sofort in Haft genommen. Amtsgericht Gießen. Der A. Sch. aus Heuchelheim hatte einen Strafbefehl über 50 Mark, evtl 10 Tage Gefängnis, erhalten. weil er am 2. 6. 1936 feinen Kraftfahrer mit der Führung eines von ihm neu angeschafften Lastkraftwagens beauftragte, ohne daß dieser im Besitze des erforderlichen Führerscheins gewesen war. Gegen diesen Strafbefehl hatte der Angeklagte Ein- pruch eingelegt Die Einspruchsverhandlung ergab, daß der Angeklagte doch nicht so fahrlässig gehandelt hatte, wie man erst annehmen kannte Er hatte ich eingehend telephonisch bei dem Kreisamt Gießen erkundigt, daß infolge Mißverständnisses sich auf einen verkehrten Standpunkt gestellt und geglaubt, daß der Führerschein der Klasse IIL auch noch zur Führung eines Lastkraftwagens ausreichen würde. Das Gericht ermäßigte demzufolge die Strafe auf 20 Mark evtl. 4 Tage Gefängnis. Außerdem legte es dem Angeklagten die Kosten des Verfahrens auf. Zwei junge Leute aus Bettenhausen hatten einen Strafbefehl über je 40 Mark, evtl. 8 Tage Haft, erhalten. weil sie am 9. 2. 1937 anläßlich einer Svinn- ftube beim Scherbenwerfen groben Unfug verübten, indem sie dem Landwirt, bei dem die Spinnftube abgehalten wurde, die Gartentüre und die Holz- schupventtire aushängten bzw. eindrückten. Wenn das Gericht auch die Sitte für angebracht hält, so sind die Angeklagten im vorliegenden Falle doch zu weit gegangen und mußten deshalb wegen groben Unfugs bestraft werden. Das Gericht ernannte auf Geldstrafen von 6 bzw. 3 Mark. Aus aller Welt. Schulmedizin und Naturheilkunde. Die erste Sitzung der Zweiten Frankfurter Konferenz für Medizinisch-Naturwissenschaftliche Zusammenarbeit war der Besprechung der physikalischen und physiologischen Grundlagen der Wärmebehandlung gewidmet. Professor Dr. Lampert (Bad Homburg) äußerte sich dann über die Frage „Schulmedizin oder Naturheilkunde" und führte u. a. aus: Unsere Aufgabe ist die Pflege der naturwissenschaftlichen und bioloaisch-medizmischen Forschung. Die Kluft zwischen sogenannter Schulmedizin und Naturheilkunde muß verschwinden, denn diese Spaltung ist ein Schaden für bas Volk. Die Gegensätze zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde sind gar nicht so groß, wie allgemein angenommen wird. Die medizinische Wissenschaft hat immer fchon gewisse von der Naturheilkunde stammende Methoden angewandt. Wir haben uns zur Ausgabe gestellt, diese Methoden wissenschaftlich zu untermauern. Wir sagen den Naturheilkundigen: „Wir wollen euch helfen, eure Methoden nachprüfen und, wenn sie stimmen, die wissenschaftlichen Grundlagen dazu geben". Wenn die Schulmedizin sich bisher behauptet hat, so bedeutet das, daß sie richtig war. Wenn dabei gleichzeitig die Naturheilkunde — obwohl sie die schwächere ist — sich im Volk erhalten hat, so beweist das, daß auch darin — wenn auch nur im Kern — Wahres enthalten ist. Wir gehen mit den Naturheilkundigen Zusammen, um zu erforschen, was wahr und was falsch ist. Die Entscheidung liegt dann bei der Wissenschaft. Ehrentag der Rettungsmedaille. Der Reichsbund der Inhaber der Rettungsmedaille, dessen Schirmherr Ministerpräsident Generaloberst Hermann Göring ist, erläßt folgenden Aufruf: Am Sonntag, dem 6. Juni, feiert der Reichsbund der Inhaber der Rettungsmedaille in Berlin mit einem großen Aufmarsch im Lustgarten und anderen festlichen Veranstaltungen den Ehrentag der Rettungsmedaille. Alle deutschen in treuer Kameradschaft verbundenen Lebensretter kommen hier zusammen, um durch an Tradition geheiligter Stätte ihre unerschütterliche Treue zu unserem Führer zu bekunden und ihm und unserem Schirmherrn, Ministerpräsident Generaloberst Hermann Göring, zu huldigen. Deutsche Männer und Frauen, denen für eine mutige Rettungstat die „Rettungsmedaille am Bande" bzw. „Erinnerungsmedaille für Rettung aus Gefahr" verliehen oder aber eine amtliche Belobigung zuteil wurde und die dem Reichsbund der Inhaber der Rettungsmedaille noch nicht angehören, melden sich zum Beitritt und zur Teilnahme am „Ehrentage der Rettungsmedaille" bei der Bundesführung des Reichsbundes, Berlin W. 9, Potsdamer Straße 138 II. Schwerer Erdrutsch fordert acht Todesopfer in einem italienischen Dorf. In dem unweit von Vittorio Veneto liegenden norditalienischen Dorf Costa ereignete sich ein Erdrutsch. Bis jetzt sind acht Todesopfer zu beklagen. Vier Häuser wurden unter den Gesteinsmassen völlig begraben, andere stürzten teilweise ein oder wurden derart beschädigt, daß mit ihrem nachträglichen Einsturz gerechnet werden muß. Als Ursache des Erdrutsches darf ein leichtes Beben angenommen werden, in dessen Folge sich der nach anhaltenden Regengüssen aufgeweichte Boden auf dem Bergabhana von seiner Unterlage löste. — Die Aufräumungsarbeiten gestalteten sich wegen der Gröhe der Felstrümmer und wegen der gewaltigen Gesteinsmassen, die den Ort verschüttet haben, äußert schwierig. Die acht Toten, meist Frauen und Kinder, wurden in der Kirche von Costa aufgebahrt. Zahlreiche Verwundete, darunter sechs Schwerverletzte, wurden in das Krankenhaus von Vittorio Veneto gebracht. Es wird befürchtet, daß die Leichen noch weiterer Dorfbewohner unter den Trümmern liegen. Jüdischer INarktschleber ermordet polnischen Polizisten. Aus Brest am Bug wird eine feige jüdische Mordtat gemeldet, die in der polnischen Bevölkerung Helle Empörung auslöste. Polizisten stellten bei einer Kontrolle der Marktstände fest, daß jüdische „Händler" aus Heimschlachtungen stammende und allen gesundheitlichen Anforderungen widersprechende Fleischwaren zum Verkauf anboten. Als die Beamten zur Beschlagnahme der Ware schreiten wollten, rotteten sich die jüdischen Schieber zusammen und griffen die Polizisten an. Einer der Juden zog in seiner Wut darüber, daß ihm durch das polizeiliche Einschreiten sein „Geschäft" verdorben wurde, einen Revolver und schoß einen Polizisten nieder. Der Beamte wurde so schwer verletzt, daß er kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus ft a r b. Die polnische Bevölkerung ging gegen den jüdischen Mörder und seine Spießgesellen vor, verprügelte sie und riß die Verkaufsstände nieder. Aus der engeren Heimat. Erinnerung an eme große Zeit. + Grünberg, 13. Mai. Ein geschichtliches Denkmal, das an die Zeiten des Siebenjährigen Krieges erinnert, ist dieser Tage von seinem seitherigen Standort hinter der Stadtkirche in die Spitalskircke verbracht worden. Das Denkmal hat im Wandel der Zeiten schon mehrmals seinen Platz gewechselt. Errichtet wurde es von der Gattin des im Gefecht bei Atzenhain am 21. März 1761 gefallenen hannöverschen Generals Friedrich von Reden, der im Chor der alten Marienkirche seine letzte Ruhestätte gefunden hatte. Das aus weißem Sandstein gearbeitete Denkmal war ein Werk des Bildhauers Stahl aus Kassel und stellte eine trauernde Frau in gebeugter Stellung dar, die ihre Tränen in einer Schale sammelt. Im Volksmund trug daher das Denkmal den Namen „Tränenweibchen". Die Inschrift lautete: M. Ernesti Friederici de Reden Copiarum Hanoveran legati in proelio apud Grimbergam cum adversus Gallos fortiter pugnaret caesi hocce pietatis monumentum vidua et liberi moerentes posuerunt. Beim Einsturz der Marienkirche im Jahre 1816 wurde das Denkmal arg beschädigt, und es laa dann jahrzehntelang im Garten des ersten Pfarrhauses. Ein Urenkel des Generals mit Namen Gottfried von Reden ließ es dann durch den hiesigen Steinhauermeister Leonhard wieder erneuern, und in seinem Beisein wurde es im Jahre 1906 hinter der Stadtkirche wieder aufgestellt. Eine in die Kirchenwand eingelassene Gedenktafel berichtet darüber. Allein der Zahn der Zeit hat dem Denkmal so stark zugesetzt, daß nur noch die Ueberführuna in einen geschützten Raum es vor dem völligen Zerfall bewahren konnte. Aus diesem Grunde hat man ihm nun in der- Spitalskirche in einer Nische hinter dem Altar einen Platz angewiesen. Landkreis Gießen. * Klein-Linden, 15. Mai. Ein Schwindler, der vor einigen Tagen einem hiesigen Geschäftsmann eine Kanne mit 25 Liter gutem Salatöl verkauft hatte, die aber in Wirklichkeit nur z w e i Liter minderwertiges Knoche n ö l auf der Oberfläche von 2 3 Liter W a f - s e r enthielt, der auch am nächsten Tage das gleiche Betrugsmanöver in Aßlar (Kreis Wetzlar) ausführte, wurde dort nach dem alsbalV erkannten Betrug verhaftet und dem Amtsgericht in Wetzlar zugeführt. — Hier stieß an der Straßengabelung der Frankfurter und Wetzlarer Straße, in der sog. Todesfälle, ein aus Richtung Gießen kommendes Personenauto mit einem von Wetzlar kommenden Lastauto zusammen. Dabei wurde die aus Eiern und Butter bestehende Ladung des Personenautos zum Teil zertrümmert und floß als Rührei mit Butter auf die Landstraße. Personen wurden zum Glück nicht verletzt. gfs. Allendorf (Lahn), 13. Mai. Unsere Frauen schäft veranstaltete mit dem Deutschen Frauenwerk einen fröhlichen Kameradschaftsabend. Ein vierstimmiger Kanon leitete über zu der Ansprache der Leiterin Frau Faber, die auf die weitere Werbung zum Frauenwerk und auf die Notwendigkeit der Mitarbeit aller Frauen hinwies. Dann sprach Schulungsleiter Müller über die Aufgaben und Pflichten der Frau im neuen Reich. Gemeinsame Lieder, kleine Zwiegespräche und Gedichte schufen eine fröhliche Stimmung und hielten die Teilnehmerinnen noch lange beisammen. gfs. Grüningen, 12. Mai. Die Abt. Volkswirtschaft = Hauswirtschaft führte einen Kurzlehrgang in der Zubereitung des Seefisches durch. Die Vertrauensfrau, Frau Fay, zeigte die Herstellung der verschiedenen Gerichte, die zahlreichen Teilnehmerinnen waren mit Eifer und Freude dabei. Die Kostproben fanden großen Beifall und werden manche Hausfrau zur Nachahmung anregen. — Im festlich geschmückten Saale bei Bender wurde der Muttertag mit den ältesten Dorfbewohnern gefeiert. cxd Eberstadt, 13. Mai. Die Freiwillige Feuerwehr hielt im Gasthaus „Zum Schwanen" unter der Leituna von Brandmeister F e l s i n g ihre Generalversammlung ab. Brandmeister F e l s i n g erstattete den Geschäftsbericht, Kassenwart Eugen Gör lach berichtete über den Kassenstand. Dem Kassenwart und dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Im übrigen beschäftigte sich die Versammlung mit der Beratung einiger wichtiger Angelegenheiten der Wehr. gfs. Eberstadt, 12. Mai. Unsere Alten über 70 Jahre wurden von der Frauenschaft geehrt und an festlich gedeckten Tischen freundlich bewirtet. Ein Singquartett trug schöne Lieder vor, und auf der stimmungsvoll geschmückten Bühne brachte der BDM. Volkstänze und Reigen zur Vorführung. Alle fühlten sich wohl in echter Volksverbundenheit und gedachten voller Dank des Führers. — Steinbach, 12. Mai. Zu einem Volks- gemeinschaftsabend hatten Jungvolk und Jungmädel am Sonntag in den Saal des „Einhorn" eingeladen. Eine stattliche Schar Eltern und sonstiger Volksgenossen füllte den Saal. Mit dem gemeinsamen Lied des JV. und der IM. „Ein junges Volk steht auf" begann der Abend. Ortsgruppenleiter Bürgermeister Rink hielt hierauf eine Begrüßungsansprache. Es folgte ein Spiel „Die Aufnahme , das freudigen Beifall fand. Hierauf fangen die Jungmädel unter Leitung ihrer Führerin Elfriede D ö l l verschiedene Kanons, die teilweise stürmische Heiterkeit erregten und lebhaften Beifall sanden. Die Jungmädels spielten daraus ein Stück „Susi nascht gern", das ebenfalls wohl- verdienten Beifall fand. Die folgenden Volkstänze der IM. gefielen allgemein. Die nächste Nummer der Spielfolge brachte das Märchenspiel „Der Däumling", das von Jungens des JV. und Mädels der IM. flott gespielt wurde. Die dankbare und beifallsfreudige Zuhörerschaft spendete reichen- Beifall. Das Jungvolk unter Leitung seines Führers Karl Haas gab darauf wohlgelungene Proben feines Turnens. Das Schluhlied wurde ebenfalls von den Pimpfen gesungen. Eine Ansprache des Propagandaleiters der Ortsgruppe Steinbach, Größer, beendete in üblicher Weise den Abend. Die Eltern und anderen Gäste waren sicherlich alle sehr befriedigt von diesem ersten Volksgemeinschasts- adend der IM. und des ID. und würdigten den tadellosen Verlauf des Abends, der nicht nur zeigte, daß alles gut vorbereitet und eingeübt war, sondern der vor allem eine Probe der Begeisterung war, mit der Steinbachs Jugend bei ihrer Sache ist. gfs. Beuern, 12. Mai. Im festlich geschmückten Saale des „Holländischen Hofes" fand die Feier für die Eltern der Gefallenen statt. Die weiß gedeckten Tische waren mit leuchtendem Buchengrün und blühenden Schlehenzweigen verziert. Zwischen ernsten und fröhlichen Gedichten wurden die Gäste mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Die Leiterin, Frau Sommerlad, begrüßte die Gäste, nachdem Pg. Arnold der Kriegsopfer gedacht hatte. Ein Abend echter Volksgemeinschaft, der allen unvergessen bleiben wird. + Grünberg, 15. Mai. Am 16. Mai kann Lehrer Valentin Roth aus eine 45jährige Tätigkeit an der hiesiaen Volksschule zurückblicken. Seine aanze Amtszeit hat er in Grünberg verbracht. Durch seine treue, von hohem Pflichteifer getragene Arbeit genießt er sowohl bei seinen Kollegen, als auch bei seinen ehemaligen Schülern, deren Kinder er zum Teil schon wieder zu seinen Schülern zählt, hohe Achtuna und Wertschätzung. Ausgestattet mit feinem musikalischen Können leitet er schon lange Jahre den Kirchenchor. Weiten Kreisen ist er auch bekannt durch seine rege Mitarbeit im Kriegervereinswesen und als Bezirksvertreter des Hassiabezirks Grünberg. CO Allendorf a. d. Lda., 14. Mai. Ein 66 Jahre alter Landwirt verunglückte ^gestern dadurch, daß ein störriges Rind mit dem Wagen, auf dem der alte Mann saß, plötzlich in rasendem Tempo davonjagte. Bei dem Bemühen, das Tier zu halten, kam der alte Mann zu Fall und wurde überfahren. Neben einigen Rippenbrüchen hat er wahrscheinlich noch andere Verletzungen davongetragen — Unsere Stadt hat ein größere Geländestück mit 2 0 0 0 Maulbeerbäumen bepflanzt, um damit zur Förderung der deutschen Seidenzucht beizMagen. T Odenhausen a,A. Lda., 12. Mai. Die Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft hielt ihre diesjährige Generalversammlung unter Leitung des Vorsitzenden, Altbürgermeisters Nachtigall, ab. Rechner Werner erstattete den Geschäftsbericht und gab die Bilanz bekannt. Im verflossenen Jahre wurden über 300 Zentner Düngemittel mehr bezogen. Die ausscheidenden Vorstands- und Aufsichtsratsmttglie- der wurden wiedergewählt. — In der steilen Kirchgasse ereignete sich ein Verkehrsunfall. Ein Radfahrer stürzte so unglücklich mit seinem Fahrrad, daß er bewußtlos mit schweren Kopfverletzungen liegenblieb. Nach erster ärztlicher Hilfeleistung wurde er im Auto nach seinem Heimatorte verbracht. gfs. Rüddingshausen, 13. Mai. Unsere Frauenschaft vereinte sich zum ersten Male mit den neuen Mitgliedern des Deutschen Frauenwerks. Der Schulsaal war festlich mit Blumen geschmückt. Die Leiterin, Frau Engel, begrüßte die Besucher und richtete einen Appell zur freudigen Mitarbeit in Einigkeit und echter Volksverbundenheit an die Frauen. Gemeinsame Lieder und Gedichte umrahmten die schlichte Feier. Zum Schluß sprach noch der Zellenleiter über die Stellung der Frau im Dritten Reich und hob hervor, wie durch unfern Führer die Frau und Mutter wieder den Ehrenplatz im deutschen Volke hat. oo Langsdorf, 12. Mai. Heute fand hier die vom Tierzuchtamt Gießen veranstaltete erste Hauptköruntz 1937 statt. Sie wurde als Sammelkörung für die Gemeinden Langsdorf, Bettenhausen, Bellersheim, Obbornhofen, Nonnenroth durchgeführt. An Faselvieh waren auf getrieben 12 Bullen, 6 Eber, 6 Ziegenböcke. .Für die Eber waren massive Buchten vorgerichtet worden. Alle vorgeführten Tiere konnten gekört werden. Etliche Manntiere wurden wegen Alters oder wegen nicht genügender Körperformen abgekört. Oberlandwirtschaftsrat Dr. Wagner gab wertvolle Erläuterungen über Haltung und Gestalt der einzelnen Tiere. Bei der Bewertung des Viehes stellte Bettenhausen den besten Bullen, es folgte Langsdorf mit seinen vier Gemeindebullen. Das wertvollste Ebervieh war von Bellersheim und Obbornhofen. Zur Freude der Gemeinden, die dem Ueberland-Trans- port der Tiere etwas sorgenvoll entgegengesehen hatten, verlief die ganze Veranstaltung ohne jeden Unfall. Kreis Wetzlar. * Dutenhofen, 12. Mai. Am Samstag veranstaltete das Deutsche Jungvolk, Jungzug 1/17/88 Dutenhofen unter Mitwirkung des BDM. im „Jagdschlößchen" zu Dutenhofen einen Volksgemeinschaftsabend, der einen vollen Erfolg aufzu- weifen hatte. Nach einer kurzen Begrüßung durch Fähnleinführer Otto Trippler sprach der Jung- dannführer Walter Schreiber. Er streifte kurz TOraUtSdldlll 4 CüUovXn dßx S|i für luvd Kwuikß / die Aufgabengebiete des Jungvolks, insbesondere die in diesem Sommer zu leistende Arbeit. Darauf folgten zwei Bühnenstücke „Der Bauer steht auf!" (Zeit der Handlung 1932) und „Der Kuhhandel", die vortrefflich gespielt wurden und bei den Volksgenossen wachsende Begeisterung heroorriefen. Zwischendurch und in den jeweils stattfindenden Pausen gelangten noch einige Gedichte, Lieder, Musikeinlagen und Volkstänze zur Aufführung. Der Volksgemeinschaftsabend, der allen Besuchern ein paar fröhliche Stunden bereitete, fand feinen Abschluß durch eine Verlosung, die manchem Volksgenossen noch eine kleine Ueberraschung brachte. Kreis Schotten. # Groß-Eichen, 15. Mai. Am 1. Psingst- feiertag feiern die Eheleute Ernst Schombert und Frau Anna, geb. Schmidt, das Fest der f i I * bernen Hochzeit. Artilleristentag in Darmstadt. LPD. Darmstadt, 14. Mai. Vom 10. bis 12. Juli findet in Darmstadt der große Appell der hessischen Feldartilleristen statt. Mit Freude werden es alle früheren Angehörigen der Feldartillerie-Regimenter 25 und 61 und ihrer Kriegsformationen hören, daß der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Freiherr v. Fritsch, die Schirmherrschaft dieser Veranstaltung übernommen hat. Die neue Wehrmacht wird sich an diesem Ehrentage mit Vorführungen tatkräftig einschalten. Das Interesse an dieser großen Artilleristenoeranstaltung, die eine der bedeutendsten Darmstadts zu werden verspricht, ist groß. Der Leiter der Veranstaltung, Oberinspektor Schweitzer (Darmstadt), Moosbergstraße 99, bittet alle Kameraden aus nah und fern um rechtzeitige Anmeldung. Schwere Zuchthaus- und Gefangnis- strasen für Fleischschieber. LPD. Frankfurt a. M., 14. Mas, In dem seit über zwei Wochen im Gange befindllchen Prozeß gegen sieben Metzger und einen kaufmännischen Angestellten wegen der 1935 und 1936 begangenen Fleischverschiebungen i m Frankfurter Schlacht- und Diehhof wurde am Freitag von der Zweiten Strafkammer das Urteil gefällt. Der Leiter der Verteilerkolonne wurde wegen fortgesetzter schwerer Untreue, passiver Bestechung, gemeinschaftlicher schwerer fortgesetzter Urkundenfälschung und Betrugs zuzweiJahrenZucht- h a u s und zweihundert Mark Geldstrafe verurteilt. Der frühere stellvertretende Jnnungsobermeister erhielt wegen schwerer Untreue 1 % Jahre Zuchthaus und zweihundert Mark Geldstrafe, der gewerbsmäßige Hehler 1 Vi Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Der Angestellte erhielt wegen Beihilfe zur Untreue und passiver Bestechung, Urkundenfälschung und Betrug 10 Monate Gefängnis. Ein Metzgermeister wurde wegen Beihilfe zur Untreue, Höchstpreisüber- schreituna, Urkundenfälschung und Betrug zu 1% Jahren Gefängnis und 50 Mark Geldstrafe verurteilt, ein weiterer Metzger bekam a ch t Monate Gefängnis und 30 Mark Geldstrafe, zwei Burschen, die aus Not handelten und sich der Hehlerei und der Preisüberschreitung, der eine auch der Begünstigung schuldig machten, kamen mit vier Monaten drei Wochen bzw. vier Monaten Gefängnis davon. Der Haftbefehl gegen die beiden letzteren Angeklagten und den Angestellten wurde aufgehoben, gegen den gewerbsmäßigen Hehler wurde Haftbefehl erlassen. Die Untersuchungshaft wurde den Angeklagten angerechnet. An der Aufklärung des Falles wirkte der Verein gegen Bestechung in Berlin mit. Der durch- 5i. bildet die Grundlage für die Schönheit und Zweckmäßigkeit unserer Möbel. Sie werden von facherfahrenen Architekten entworfen, denen die geschmackvolle Gestaltung des Äußeren ebenso am Herzen liegt wie eine praktische innere Aufteilung. 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Fiebermessen am Krankenbett. mit den mannigfachen Erfordernissen, wie Verbände- dörflichen Lebens sind. Das „Wehwehchen" an der Hand wird auch von der Schwester verbunden. Die Schwester bei drei Generationen. Aufsicht und Spielgefährtin der Kleinen. (Aufnahmen |5|: Neuner, Gießener Anzeiger.) X Es ist ein entsagungsvoller und doch schöner Beruf, dem sich die Schwester gewidmet hat. Aber es ist auch ein sehr schweres Wirken, dem sie ihre geistigen und körperlichen Kräfte dienstbar macht. Schon früh am Morgen beginnt ihr Werk. Tagsüber gibt es nur wenige Augenblicke der Ruhe und der Sammlung neuer Kräfte. Oft ist auch derAbend, an dem andere Volksgenossen von des Tages Mühen Erholung finden, für sie noch reichlich mit Arbeit ausgefüllt. Ja, selbst manche Nachtstunde steht sie unter dem Gesetz ihres Dienstes für den hilfsbedürftigen Nächsten, für die Gemeinschaft. Die Schwester kennt oft auch nicht das, was wir anderen unseren Sonntag nennen. Zwar ist an diesem Tage ihr Pflichtenkreis ebenfalls etwas enger gezogen, vor allem genießt sie in den Vormittagsstunden die seelische Ausspannung und Stärkung im Gottesdienst Aber wie oft heißt es für sie schon bald darauf wieder, selbst an den Sonntagnachmittagen auf dem Wege der Dienstpflicht zu fein. Da wird ihre Hilfeleistung für ein Kind in Anspruch genommen; dort mag ein alter Mann oder eine alte Frau nicht ohne ihre Hilfe bleiben; in einem anderen Falle bedarf eine junge Mutter ihres Beistandes; nicht selten wird sie gerufen, um die letzte Stunde eines Menschen durch ihre tröstende Hilfe zu erleichtern und das Abschiednehmen von dieser Welt friedlicher zu gestalten Bei alledem ist für sie auch kein Unterschied in den Jahreszeiten; ob die Sonne scheint oder ob schwerer Regen über das Land herniedergeht, ob der Herbstwind über die Aecker braust oder ob Schnee und Eis, grimmige Kälte und Glätte der Straßen den Aufenthalt im Freien wenig angenehm machen, stets ist die Schwe- sorderungen ihrer späteren Jahre. Gewissermaßen spielend werden sie dort in den Ernst der Lebens- pflzchten eingeführt. Sie werden aber auch schon früh zur Gemeinschaft und zur Kameradschaft erzogen und dadurch vor mancherlei späteren Unliebsamkeiten eines „Einspänners" bewahrt. Sie lernen auch er- für einzig und allein die Notwendigkeit der Hilfeleistung maßgebend ist, so fühlt sich doch jede Familie des Ortes gewissermaßen moralisch verpflichtet, durch ihren Vereinsbeitrag mitzuhelfen für die Schwefternstatlon Diese Hilfeleistung mmmt im Laufe eines jeden Jahres beträchtliche'Ausmaße an. Die Zahl der in den Kleinkinderschulen betreuten Kleinkinder beläuft sich meist aus etliche Dutzend, die Tag für Tag morgens zu „ihrer" Schwester gehen und meist erst am Nachmittag oder am frühen Abend nach Hause zurückkehren. Die Mütter wissen ihre Kleinen bei der Schwester gut aufgehoben und können sich unbeschwert von ihrer mütterlichen Pflicht ganz ihrer Arbeit auf den Aeckern, im Wirtschaftshofe oder in der Haushaltung widmen. Die Kleinen lernen bei „ihrer" Schwester allerlei Spiele und nützliche Dinge für ihr junges Leben und erhalten zugleich einen guten Uebergang zu den größeren An- So dient die Schwester auf dem Gebiete der Kinderbetreuung und der -erziehung stets opferfreudig und einsatzbereit dem Wohle der Gesamtgemeinde, so hilft sie in gleicher Weise auf dem Gebiete der Krankenpflege und der Förderung der Volksgesundheit durch ihr fachliches Können und Wissen und durch den vollen Einsatz ihrer Kräfte. Der Schwester gebühren mit Recht der von den Gemeinden gern bekundete Dank und die herzliche Anerkennung, die in der starken inneren Verbundenheit der Gemeinden mit „ihrer" Schwester zum Ausdruck kommen. So ist es heute in den Gemeinden, und so wird es immer bleiben, solange die Gemeinden und ihre Schwester eine aufs innigste verbundene Einheit des " ' " B. ster für ihr Dorf oder auch für mehrere ihrer Obhut anvertraute Gemeinden unterwegs. Sie nimmt dabei auf sich die geringste Rücksicht, für sie kommt immer der hilfsbedürftige Mitmensch in erster Linie. Und sie ist die persönliche Bescheidenheit selbst. Sie kennt nämlich die Schwere des dörflichen Schaffens und Lebens. Sie sieht täglich aufs neue, unter welch' großen Mühen und mit welch' schweren Sorgen die bäuerliche Familie dem Boden das tägliche Brot für sich und die Volksgemeinschaft abringen muß. Vor ihrenAugen spielt sich täglich das harte Schicksal der Familien mit geringen materiellen Mitteln ab. Sie kann beobachten, wie oft in den Häusern Schmalhans Küchenmeister ist, wie sehr und Erfordernisse mitunter Im Mittelpunkt des dörflichen Lebens stehen ständig nur wenige Personen. Eine von ihnen ist immer die Schwester Sie ist für jung und alt die Verkörperung steter Hilfsbereitschaft, unerschöpflicher Nächstenliebe, menschlicher Güte und aufopferungsvoller Dienstwilligkeit bei Tag und Nacht. In den Familien des Dorfes nimmt sie einen bevorzugten Platz ein.' Ja, im Laufe der Jahre verwächst sie seelisch mit der Dorfgemeinschaft so innig, daß sie mit ihrer Person kaum von den Einwohnern des Dorfes zu trennen ist. Alle Freuden und Leiden bewegen sie bis zum letzten, weil sie sich selbst als ein Teil dieser dörflichen Gemeinschaft fühlt. Vielfach kommt sie in jungen Jahren in das Dorf, das sie oft erst als Frau mit grauem Haar verläßt. Erst wenn die Kräfte des Körpers gar nicht mehr wollen, zieht sie sich, befriedigt von ihrem Lebenswerk, zu stiller Ruhe ihres Lebensabends in ihr Mutterhaus zurück. Für „ihr" Dorf aber bleibt sie noch viele Jahre lang „unsere" Schwester, denn sie hat sich ihren Platz in den Herzen der jungen und alten Volksgenossen des Dorfes unauslöschlich gesichert. punkt als dem der Bescheidenheit gestalten würde. * In kleineren Dörfern ist die Schwester sowohl für die Betreuung der kleinen Kinder, als auch für den Krankendienst zur Stelle. Größere Gemeinden werden meist von zwei Schwestern betreut, von denen eine die Kleinkinderschule versieht, während die andere als Krankenschwester tätig ist. In allen Dörfern ist es aber so, daß die Schwester jeden Tag alle Hände voll zu tun hat. Wir haben *m Gießener Anzeiger schon wiederholt über das Wirken der Schwestern in unseren nächsten Nachbarorten Klein- Linden, Lollar,' Daubringen und Mainzlar berichtet. In diesen Gemeinden haben sich aus den Reihen der Ortsbewohner Vereine gebildet, die ihre wirtschaftliche Kraft ausschließlich für die Zwecke der Kinoerschul- bzw. Krankenschwesterstationen bereithalten. Diesen Vereinen gehören in den Dörfern fast alle Familien der Volksgemeinschaft an. Das ist nur natürlich, denn jede Familie kann ja jeden Tag in die Lage kommen, die Hilfe der Schwestern in Anspruch nehmen zu müssen. Wenn diese Hilfeleistung auch nicht etwa von irgendeiner Vereins- mitgliedfchaft abhängig gemacht wird, sondern damachen, Packungen, Temperaturmessen, Massagen, Elektrisieren, Waschen, Umbetten, Diätkochen usw., häufig auch in Nachtwachen, kurzum in all den Dingen der Krankenpflege, die von den auf diesem Gebiete meist ungeschulten Angehörigen nicht sachgemäß geleistet werden können. Wie sehr diese Verpflichtungen die Arbeitskraft einer Krankenschwester in Anspruch nehmen, wird dadurch erkennbar, daß beispielsweise die Krankenschwester in Klein-Linden in den Jahren 1935 und '1936 je über 3400 Hausbesuche zu leisten hatte. In den Gemeinden Lollar, Daubringen und Mainzlar, in denen die Krankenschwester insbesondere in dem Verein „Kinderfreund" ihren Rückhalt hat, sind die Jahreszahlen der Hilfeleistung u. W. etwa auf der gleichen Höhe. Es find also von der Schwester durchschnittlich pro Tag annähernd zehn Krankenbesuche zu leisten, wobei häufig die Hilfeleistung auch noch während der Nachtstunden erfolgt, trotzdem aber die Anforderungen des Tages in keiner Weife zurückstehen dürfen. selbst dringende Wünsche zurückstehen müssen hinter den harten drei Worten: es geht nicht? In dieser strengen Schule des Lebens würde sich die Schwester nicht wohlfühlen, wenn sie ihr Leben unter einem anderen Gesichts- forderlichenfalls auf etwas verzichten, was dem anderen besser zukommt. Kurzum, sie erhalten die erste Grundlage für die großen Aufgaben, die ihrer später im Gemeinschaftsleben des Volkes nach der nationalsozialistischen Lebensverpflichtung harren. Die Krankenschwester widmet sich dagegen mit dem Einsatz aller Kräfte der Betreuung der Kranken. Ihre Arbeit besteht in der Hauptsache im Pflegen Skandal um Or. Vandergruen Roman von Hans Hirthammer. Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. S. 41. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Gisch klopft an die Tür des Studierzimmers. Als keine Antwort kommt, tritt sie em. Stefan Vandergruen sitzt am Schreibtisch, Über Bücher und Manuskripte gebeugt. Er hebt nicht einmal den Kopf, als Gisch vor ihm steht. „Herr Doktor, der Kaffeetisch ist angerichtet. Wollen Sie nicht herüberkommen?" Stefan mahlt mit den Kiefern „Ich muß Sie ein für allemal bitten", sagt er, ohne den Blick zu heben, „ich muß Sie dringend bitten, mich m Ruhe zu lassen." Gisch sieht auf ihn nieder, sein wirres, ungekämmtes Haar erfüllt sie mit brennendem Mitleid. „Aber — Sie müssen doch schließlich etwas essen, nicht!" „Lassen Sie das meine Sorge fein!" „Wie Sie wollen, Herr Doktor!" sagte sie, geht hinaus und bemüht sich, die Tür möglichst geräuschlos zu schließen Wenige Minuten später kommt sie mit einem Tragbrett wieder herein. Sie stellt ihm die gefüllte Tasse auf den Schreibtisch, kurzweg auf em dickleibiges Buch, daneben kommt der Teller mit den belegten Brötchen. „Ich hoffe, daß Ihnen der Zucker genügt Anderenfalls müßten Sie von draußen holen." Dann öffnet sie beide Fensterflügel und sieht mit Behagen, wie der Tabaksqualm in dicken Schwaden entweicht. „Das ist ja nicht zum Aushalten hier!" entschuldigt sie ihr Tun Dann nimmt sie das leere Brett unter den Arm. „Es ist mir selbst lieber so Ihr unrasiertes Gesicht hätte mir doch nur den Appctit verdorben." Dabei erlebt sie die Genugtuung, daß er sich bestürzt ans Kinn greift. Es ist ihr erster Sieg. Draußen trinkt sie drei Tassen Kaffee und ißt vier Brötchen dazu. Ihre Augen ruhen ohne Unterlaß auf den Blumen, die sie durch die geöffnete Tür sehen kann. Nachdem sie den Eßtisch abgeräumt hat, begibt sie sich auf ihr Zimmer und kleidet sich zum Ausgehen um. Man muß an das Abendbrot denken. Während Gisch Amelung ihre Besorgungen macht, ist sie erfüllt von einem unbeschreiblichen Gefühl stillen Glückes. Alles ist so einfach geworden, es gibt keine Schwierigkeiten, keine Sorgen, keine Probleme mehr. Selbst der Gedanke, daß> sie den „Berghof" verkaufen wird, birgt kaum mehr etwas Schmerzliches in sich. Sie hat ja das kleine Gärtchen hinter dem Hause, das wird ihr die grüne Freiheit von Hohenheim ersetzen. Nein, sie wird nicht mehr nach Thüringen zurückkehren, ihr Platz ist hier, bei dem einsamen, verlorenen Mann, den sie liebt und dem sie gehören will. Nicht um ihrer selbst willen, nicht um für sich selber die Kerzen des Glücks zu entzünden, sondern weil sie ihm helfen muß, seines Lebens wieder froh zu werden. Gisch Amelung kehrt heim, mit einer stattlichen Zahl von Paketen beladen. Ja, mit einem starken, sicheren Gefühl empfindet sie dies Zurückkommen ins Haus, dies Türauffchließen, dies Eintreten in die dämmerige Kühle des Hauses als Heimkehr „Jetzt bin ich wieder daheim!" sagt sie laut, fegt wie ein Husch durch die Diele und kommt vollbe- laden, wie sie ist, ins Studierzimmer, mit dem Ellbogen drückt sie die Tür auf und dann lehnt sie sich dagegen und macht eine drollige kleine Bewegung, und die Klinke schnappt ins Schloß Da steht sie jetzt, an die Tür gelehnt, ein wenig außer Atem, in ihrem duftigen Sommerkleide, die weiße Baskenmütze keck übers linke Ohr gedrückt, und auf den ersten Blick sieht sie, daß Stefan Vandergruen alles aufgegessen hat. Und das Fenster steht noch offen. „Oh, hat es Ihnen ausgereicht? — Wenn ich Ihnen noch —" Sie hält inne, denn der Mann hat mit einem jähen Ruck den Kopf gehoben ustd schaut sie an. Er schaut sie an, er sieht dies junge prangende Leben, ihren hilflos zur Seite geneigten Kopf, wie sie an der Tür lehnt und seinen Blck aus verbun- kelten Augen erwidert. Oh, Gisch merkt sehr gut, wie es in seinem Innern würgt und arbeitet. Wird es jetzt — geschehen? Wird er sie jetzt — an sich nehmen? Der Herzschlag stockt ihr „Was — was soll das eigentlich alles bedeuten? Was wollen Sie eigentlich? Warum belästigen Sie mich? Warum gehen Sie nicht?" „Ich gehe ja schon!" sagte sie mit einem kleinen, verspielten Lächeln. „Ich wollte Sie bloß fragen, ob es Ihnen recht ist, wenn ich das Abendbrot für acht Uhr fertig mache." „Scheren Sie sich zum Teufel mit Ihrem Abendbrot! — Ueberhaupt sind Ihre Bemühungen zwecklos. Man merkt die Absicht, mein Fräulein!" Das war häßlich, denkt Gisch aber es gibt nichts mehr, was ihre Sicherheit und chren Glauben erschüttern könnte. Sie will gehen bringt aber mit ihren beladenen Händen die Tür nicht auf „Wallen Sie — wollen Sie mir nicht öffnen, Herr Doktor?" Mit einer unterdrückten Verwünschung arbeitet er sich aus dem Sessel empor. „Danke!" gluckst sie, als er die Tür geöffnet hat. „Uebrigens — reizend sehen Sie aus!Ä Stefan knallt die Tür hinter ihr zu. 27. Am anderen Morgen. Gisch reinigt das Geschirr von den Resten des Frühstücks. Nein, es hat sich nicht das geringste seit gestern geändert. Das Abendessen hatte sich in ähnlicher Form abgespielt wie der Nachmittagskaffee Sie brachte ihm das feine ins Studierzimmer und aß das ihre allein. Nach dem Abendbrot hatte sie endlich ihre Befangenheit überwunden und war in sein Schlafzimmer eingetreten. Ein wüstes Durcheinander! Das Bett war noch nicht gemacht Auf einem Stuhl lag ungeordnet, achtlos hingeworfen, ein Anzug, während die Platte des Nachttisches mit zwei benützten Kragen, einigen Zigarettenstummeln und einem zerknüllten Taschentuch sich lieblich darbot. Vor dem Bett lagen ein Paar Schuhe und unter dem Kleiderschrank lugte eine seidene Krawatte hervor. Gisch hatte sich dieses Idyll eines Junggesellenschlafzimmers nicht lange angesehen, sondern war auch hier mutig ans Werk gegangen. Wie er nur überall diese dumpfe, abgestandene Luft aushalten konnte! Zunächst also die Fenster auf! — Als sie mit allem fertig war, hatte sie aus dem Garten ein paar Blumen geholt und sie in einer flachen Vase auf den Nachttisch gestellt. Daneben kam ein Teller mit frischem Obst. Das Fenster ließ sie offen. Bevor sie sich auf ihr Zimmer zurückzog, war sie noch einmal zu ihm gegangen, um ihm eine gute Nacht zu wünschen. Wieder hatte er alles brav und sauber aufgegessen, und da hatte sie die Bosheit gejuckt „Sehen Sie, Herr Doktor, wenn Ihnen schon meine Anwesenheit unerwünscht ist, dann hätten Sie alles, was ich Ihnen zu essen brachte, stehen lassen müssen. Das wäre der wirksamste Protest gegen meine Einmischung gewesen." Da war zum erstenmal ein menschliches Bekenntnis von seinen Lippen gekommen. Es war wie ein kurzes Erwachen aus seiner starren Versunkenheit. „Fräulein Amelung, ich weiß sehr gut, was Sie für mich tun. Aber begreifen Sie doch, daß dies alles zwecklos ist, daß ich Ihnen dafür nicht danken kann. Ich muß allein fein, ich will verlottern, ich will nichts mehr mit alledem zu tun haben, was mit der verfluchten Welt da draußen zusammen- hängt. Die Tote ruft mich" „Jawohl, Herr Doktor, Maria ruft Sie, aber zum Leben! Sie ehren Marias Andenken schlecht, wenn Sie das, was sie erkämpft und aufgebaut hat, verlumpen lassen. Sie beschimpfen die Tote, wenn Sie Dinge tun, die Sie, solange sie lebte, niemals getan hätten. Auch ich habe Maria sehr gern gehabt und ich glaube, sie wird jetzt mit größerer Freude auf mich, als auf Sie schauen Denken Sie einmal darüber nach, Herr Doktor Vandergruen!" (Fortsetzung folgt!) SJl.-$P0Tt Wirtschaft unbe- Kirchliche Nachrichten Die Erzeugerfestpreise für Hühnereier in Hessen -Nassau. Fwd. Für das Gebiet des Eierwirtschaftsver- bandes Hessen-Nassau ist der Erzeugerfestpreis für Hühnereier aus 1,29 RM. je Kilogramm festgesetzt worden. Der Preis versteht sich ab Hof des Erzeugers. Der Festpreis darf weder unter-, noch Überboten werden; stückweiser Ankauf ist nicht gestattet. Wie aus einer Mitteilung des Eierwirtschastsver- bandes Hessen-Nassau heroorgeht, darf ferner die Abnahme von Hühnereiern nicht von der gleichzeitigen Lieferung bestimmter anderer Sorten oder anderer landwirtschaftlicher Erzeugnisse oder Bedarfsartikel abhängig gemacht werden. Zuwiderhandlungen werden mit Ordnungsstrafen bis zu 10 000 RM. im Einzel fall durch die Hauptvereinigung bestraft. Die Eierwirtschaftsverbände sind ermächtigt, Ordnungsstrafen bis zu 1000 RM. im Einzelfall zu verhängen. Die Ordnungsstrafbefugnis det Preisüberwachungsstellen bei Nichteinhal- Handball im Sau Hessen. Am ersten Feiertag werden im Spiel um die Kreismeisterschaft aufeinandertreffen: Tv. Londorf Jgd. — To. Münchholzhausen Jgd. To. Lützellinden Jgd. — Tv. Lang-Göns Jgd. Nach der schwachen Leistung, die Münchholzhausen am letzten Sonntag zeigte, ist dieses Treffen noch nicht entschieden. Londorf ist zuhause ein Gegner, der seinen Mann stellt. Das Spiel in Lützellinden ist bei der Gleichwertigkeit der Mannschaften vollkommen offen. Freundschaftsspiele am 1. Feiertag. To. Lützellinden I — Tv. Praunheim I Tv. Lützellinden II — Tv. Praunheim II. Die Gäste gelten als beste Bezirksklassemannschaften Frankfurts. Wie sich unter diesen Umständen Lützellinden halten wird, bleibt abzuwarten. Tv. Holzheim — Tgs. Offenbach. Die Holzheimer werden einen sehr schweren Stand haben. To Dornholzhausen I — Tv. Grüningen I Tv. Dornholzhausen Jgd. — To. Grüningen Jgd. Tv. Krofdorf — To. Ruttershausen. Wenn auch Krofdorf erst angefangen hat, so wird es doch die Kraft besitzen, gegen den „Neuling" die Oberhand zu behalten. Tv. Londorf — To. Burg-Gemünden. Ob die Mannschaft stark genug ist, gegen Londorf aufzukommen, ist kaum anzunehmen. Zweiter Feiertag. To. Holzheim — SpB. 98 Darmstadt. Man darf gespannt sein, wie Holzheim die beiden Feiertage Überstehen wird. Es werden hohe Anforderungen an die Spieler gestellt, die über das normale Maß weit hinausgehen. To. Grüningen — Tv. Dornholzhausen. Tv. Grüningen Jgd. — Tv. Dornholzhausen Jgd. Bei dem Rückspiel hat Grüningen natürlich Gewinnchancen. Tv. Londorf — Tv. Münchholzhausen. Eine Möglichkeit, zu einem Erfolg zu kommen, besteht kaum. Tv. Heuchelheim — Tuspo Butzbach. Butzbach ist in seinen Leistungen zurückgegangen, so daß es den Platzbesitzern möglich sein müßte, einen einwandfreien Sieg zu erringen. Tv. Lich — To. Wohnbach. Die Spielstärke der Einheimischen wird nicht ausreichen, um zu einem Erfolg zu kommen. tung der festgesetzten Preise bleibt dadurch rührt. Kirche; Pfr. Probst (Frankfurt). — Trais-Münzen- berg. 8.30: Gottesdienst; Beichte, hl. Abendmahl für die Jüngeren; 15: Gottesdienst der Bekennenden Kirche; Pfr. Probst (Frankfurt). — Hungen. 10: Gottesdienst; Vorbereitung und Feier des hl. Abendmahls; 15: Gottesdienst im Wall. — Mrberg. 10: Gottesdienst. — Veilsberg. 12.30: Gottesdienst. — Harbach. 14: Gottesdienst. — Alten-Buseck. 10: Gottesdienst. Montag, den 17. Mai. 2. Pfingstfeiertag. Gießen. Stadtkirche. 8 Uhr: Pfarrassistent Bangert; 9.30: Pfarroerwalter Damerau; Beichte und hl. Abendmahl für die Matthäus- und Markusgemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde; Pfarroerwalter Damerau. — Fohanneskirche. 8: Pfr. Ausfeld; 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; Beichte und hl. Abendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfr. Bechtolsheimer. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrassistent Dauth. — Petruskapelle (Wetzlarer Weg 59). 9.30: Studienrat Dr. Unverzagt. — Wieseck. 9.30: Gottesdenst; Kollekte. — Steinbach. 10: Gottesdienst. — Albach. 9: Gottesdienst. — Rödgen. 10: Gottesdienst. — Annerod. 12.30: Gottesdienst. — Heuchelheim. 10: Goldene Konfirmation; Kurrendenchor; 11: Beichte und hl. Abendmahl. — Kirchberg. 10: Festgottesdienst; Goldene Konfirmation. — Klein- Linden. 9: Gottesdienst; 10.15: Kindergottesdienst.— Dahenborn-Steinberg. 13: Hauptgottesdienst; Christenlehre. — Garbenleich. 10: Gottesdienst. — Hausen. 13: Gottesdienst. — Lich. 9.15: Beichte; 9.30: Stiftspfarrer Naumann; Chorschule; hl. Abendmahl. — Rieder-Bessingen. 13.30: Stiftspfarrer Naumann. — Langsdorf. 11: Goldene Konfirmation; Kirchenchor; Posaunenchor. — Bellenhausen. 13.30: Hauptgottesdienst; 15: Hausabendmahl. — Münzenberg. 10.30: Gottesdienst. — Trais-Münzlmberg. 8.30: Gottesdienst. — Hungen. 10: Gottesdienst. — Reinhards- Rhein-Mainische Börse Mittagsbörse freundlich. Frankfurt a. M., 14. Mai. Bei kleinem Geschäft war die Börse am Aktien- und Rentenmarkt weiter . freundlich. Die Unternehmungslust war jedoch vor der Feiertagspause nur gering. Das vorliegende Kaufinteresse genützte aber, um die Kurse am Aktienmarkt vorwiegend weiter leicht an« steigen zu lassen. Die mit höheren Dividenden her- ausgekommenen Abschlüsse von Rütgers und Mansfeld befriedigten ebenso wie die Bilanzziffern der reichseigenen Viag. Erhöhte Nachfrage fanden wieder Werte mit Anleihestockansprüchen, von denen Reichsbank auf 212 (210,50) und Siemens auf 210,50 (209) anzogen, lieber den durchschnittlichen Satz von 0,25 bis 0,75 v. H. hinaus befestigt waren auf den Abschluß Rütgerswerke mit 152,50 (150,50), ferner waren Kali Aschersleben und Westeregeln bis 1,25 v. H. höher. Am Montanmarkt traten Buderus mit 127 (126) mehr hervor, belebter waren Mannesmann mit 129 (128,90), Hoesch notierten 123,40 (123) und Verein. Stahl 119,50 (119,40). Im einzelnen gewannen BMW., Daimler, Rheinmetall, Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 16. Mai. 1. Pfingstfeiertag. Gießen. Stadlkirche. 8 Uhr: Pfarroerwalter Damerau; 9.30: Pfr. Becker; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Pfr. Becker. — Fohanneskirche. 8: Pfr. Bechtolsheimer; 9.30: Pfr. Ausfeld; 11: Kinderkirche für die Johannes- und Militärgemeinde; Pfr. Ausfeld. — üapette des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrvikar Weckerling; Beichte und hl. Abendmahl für die Luthergemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfarrvikar Weckerling. — Petrus- kapelle (Wetzlarer Weg 59). 9.30: Pfr. Trapp; Beichte und hl. Abendmahl für die Petrusgemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfr. Trapp.— Wieseck. 9.30: Gottesdienst; Chorschule; 10.45: Kinderkirche; 15: Bibelstunde. — Steinbach. 10: Fest- gottesdienst; Mitwirkung des Kirchenchors. — Al- bach. 12.30: Festgottesdienst. — Rödgen. 10: Gottesdienst. — Annerod. 12.30: Gottesdienst. — Kirchberg. 9: Kindergottesdienst; 10: Festgottesdienst; 11: hl. Abendmahl; 15: Kirchenmusik. Pfingstfeier. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst; Mitwirkung des Kirchenchors; 11: Christenlehre. — Klein-Linden. 9: Gottesdienst; Posaunenchor; 13: Gottesdienst. — Watzenborn-Steinberg. 9.30: Hauptgottesdienst; Mitwirkung des Kirchenchors; 11: Kindergottesdienst. — Garbenleich. 13: Gottesdienst; Mitwirkung des Gesangvereins Viktoria.— hausen. 10.30: Gottesdienst; Mitwirkung des Frauenchors. — Lich. 8: Stiftspfarrer Naumann; 9.30: Propst Knodt; Chorschule; Kirchenchor; 10.45: Kindergottesdienst; Propst Knodt. — Rieder-Bessingen. 9.30: Stiftspfarrer Naumann; Beichte und hl. Abendmahl. — Bettenhausen. 9: Hauptgottesdienst; 10: Abendmahlsfeier. — Langsdorf. 11: Hauptgottesdienst; 12.10: Abendmahlsfeier; Posaunenchor; 18: Kindergottesdienst. — Münzen- berg. 10,30: Gottesdienst; Beichte; hl. Abendmahl für die Jugend; 15: Gottesdienst der Bekennenden RWE., AG. für Verkehrswesen bis 0,40 v. H., Feinmechanik Setter 0,75 v. H. und Farbenindustrie 0,13 v. H. Leicht ermäßigt waren von Maschinenwerten Muag mit 148 (148,50), Moenus mit 118,50 (118,75), ferner Metallgesellschaft 153,50 (154,50) und Bank für Brauindustrie 134,75 (135) sowie Westdeutsche Kaufhof 61,90 (62,40). Schiffahrts- und Zellstoffaktien blieben behauptet. Am Rentenmarkt waren Altbesitz mit 126 (126,13) gefragt, ebenso Kommunal-Umschuldung mit 94,15 (94,20) und Städte-Altbesitz mit unverändert 129,75 bis 130. Reichsbahn-DA. 0,13 v. H. fester mit 123,75. Im Verlaufe war das Geschäft nur noch unbedeutend, teilweise bröckelten die Aktienkurse auf kleine Glattstellungen ab. Reichsbank waren mit 210 angeboten nach 212. Leichte Rückgänge hatten ferner u. a. IG. Farben 165,65 nach 166, AG. für Verkehr 133,75 nach 133,90. Höher waren bei lebhafter Nachfrage Moenus Maschinen mit 120 nach 118,50, außerdem stiegen Harpener auf 163,90 nach 162,50 und BMW. auf 157 nach 156,75. Im übrigen lagen die Märkte gegen den Anfang unverändert. Von erst später notierten Papieren stiegen Schuckert auf 174 (171,50), Rhein. Braunkohlen auf 232,50 (229), Rheinstahl ohne besonderen Umsatz auf 158,25 (156), etwas niedriger Berger Tiefbau mit 140 (141), auch sonst ergaben sich kleine Rück- aänae, so bei Bemberg^ Deutsche Erdöl, Licht & Kraft, Main kraft und Feldmühle Papier. Renten blieben auf dem Anfangsstand unverändert. Dekosama Neubesitz weiter stark gefragt und mit 43,50 rat. (42,50). Pfandbriefe, Stadt- und Staatsanleihen sowie Industrie-Obligationen hatten bei behaupteten Kursen ruhiges Geschäft. Im Freiverkehr wurden genannt: Brenna- bor weiter fest mit 118 bis 121, etwas höher auch Wayß & Freytag mit 149 bis 151, Ufa mit 72,50 und Rastatter Waggon mit 34 (zuletzt 30,50). Adlerwerke Kleyer unverändert 115, ebenso Growag mit 97 und Frankfurter Handelsbank mit 45. — Taqesgeld war gefragt und wurde auf 2,75 (2,25) v. H. erhöht. * Die nächste Börse findet am Dienstag, 18. Mai, statt. Die Abendbörsen vom 14. und 18. Mai fallen aus. Gießener Reit- und Fahrturnier. Zahlreiche Meldungen. Für das Gießener Reit- und Fahrturnier am 22. und 23. Mai find bisher zahlreiche Meldungen der Wehrmacht aus Fulda, Siegen, Wetzlar und Gießen, der SA. und der Reiter-SA. aus Oberhessen, sowie der Reiter- und Fahroereine aus Oberhessen und darüber hinaus eingegangen. Die größte Zahl der Meldungen, und zwar 60, entfällt auf das Jagdspringen, das dadurch zu einem der interessantesten Wettbewerbe werden wird. Großes Interesse fanden bisher auch der Geländeritt der Klasse A, für den 27 Reiter gemeldet haben, während für den Geländeritt der Klasse L nur 15 Anwärter vorgemerkt sind. Die Eignungsprüfung wird 12 Reiter und Pferde in spannenden Wettkampf bringen. Zu den Dressurprüfungen sind für die Klasse A 25, für die Klasse L, das sind solche, die schon siegreich waren, 15 und für die Klasse M 3 Nennungen eingelaufen. Außer den 60 Reitern, die im Jagdspringen der Klasse A gemeldet fjaben, werden weitere 30 in der Klasse L und 5 in der vor größere Anforderungen gestellten Klasse M mitreiten. Für das große Hindernisreiten, das Glückspringen, der Klasse A liegt die beachtliche Anzahl von 29 Meldungen vor. Schließlich beteiligen sich auch 22 Gespanne mit Kutschwagen an dem Turnier. Sportamt „Krass durch Freude". Der Kursus „Reichssportabzeichen" auf dem Universitäts-Sportplatz fällt heute aus. VfB.-ReichSbahn Gießen. Die Ligamannschaft spielt am ersten Feiertag gegen die Ligamannschaft der Spielvereinigung 03 in Fechenheim. Die Gastgeber haben in der Gruppe Groh-Frankfurt einen guten Mittelplatz inne. Die Gießener Mannschaft wird voraussichtlich in stärkster Besetzung in Fechenheim antreten. — Die 1. Jugendmannschaft von Grohen-Linden hat sich bereit erklärt, für die Jungens aus Bad Ems, die absagten, einzuspringen. Die Gäste werden in stärkster Besetzung antreten. — Die 2. Jugend fährt nach Lich und sollte dort zu einem Siege kommen können. — Die 3. Jugend erwartet wm Rückspiel die Jugend aus Göbelnrod und sollte ihr das Nachsehen geben. Am zweiten Feiertag tritt die 1. Jugend des Sportvereins Nassau zum Rückspiel hier an. Die Gießener werden voraussichtlich den Sieger stellen. — Die 2. Jugend empfängt eine Frankfurter Elf der Hotel- und Gastwirtebetriebe. — Die 3. Jugend fährt nach Rodheim und Dürfte kaum um eine Niederlage herumkommen. Die 4. Jugend spielt hier gegen die neu- ausgestellte 2. Jugendmannschaft aus Saasen. ZuHendabteilung der Gpvg. 1900. Die 1. Jugend trägt am 1. Feiertag ein rückständiges Gesellschaftsspiel gegen die 1. Jugend von Saasen aus. Saasen stellt eine ausgeglichene, schlagkräftige Mannschaft ins Feld. Die 1. Jugend der Spielvereinigung muß alles dransetzen, um die 3:1-Niederlage von Ostern wieder zu begleichen. — Anschließend trägt die 2. Jugendmannschaft ebenfalls ein Gesellschaftsspiel gegen die gleiche von Rodheim aus. Wer hier den Sieger stellt, wird uns erst der Schlußpfiff zeigen, da über die Spielstärke der 2. Jugend von Rodheim wenig bekannt ist. Am zweiten Feiertag wird die 1. Jugend der Blauweißen ihre Kräfte mit der 1. Jugend des Gau-Ligavertreters VfB. Friedberg messen. Die Friedberger stellen eine technisch hochstehende Mannschaft ins Feld. Ein Unentschieden wäre für die 1. Jugend von 1900 ein großer Erfolg. — Die zweite Jugend trägt ein rückständiges Gesellschaftsspiel gegen die 1. Jugend von Hungen auf eigenem Platze aus. Das Vorspiel in Hungen verloren sie mit einem Tor Unterschied. „FC.Teutoma"Watzenborn-Gteinberg Zum 4. Aufstiegspiel fährt am ersten Feiertag die 1. Mannschaft der Teutonen nach Wetzlar-Niedergirmes. Die Verbandsspiele der beiden Mannschaften gewannen in der letzten Verbandsspielserie immer die Platzbesitzer mit 3:2. Vor allem bekommen die Niedergirmeser eine stärkere Mannschaft gestellt, als am Vorsonntag die Steindorfer. — Die 1. Jugendmannschaft fährt nach Nieder-Weisel zur dortigen 1. Jugend. Nach den letzten Spielen der Jugend zu urteilen, dürften diese einen Sieg nach Hause bringen. Für den zweiten Feiertag ist die Liga der Gie- jener Spielvereinigung 1900 hierher zum Gesell- chaftsspiel verpflichtet. Die Gießener werden wahr- cheinlich mit ihrer stärksten Mannschaft aufwarten, um nicht gegen die Teutonen, die doch in letzter Verbanosspielserie eine Klasse niedriger spielten, schlecht abzuschneiden. Das Vorspiel in Gießen ging 2:2 aus. Beide Mannschaften werden mit starken Aufstellungen erscheinen. — Die 2. Mannschaft weilt in Göbelnrod zu Pokalspielen und wird bestrebt sein, den Sieg zu erringen. Fußbattabteilung des Turnvereins Wieseck. Am ersten Pfingstfeiertag empfängt die 1. Mannschaft die gleiche Mannschaft vom Sportverein „Eintracht" Altenstadt zum fälligen Rückspiel. Das Vorspiel brachte ein 5:5-Unentschieden. Nach den letzten Leistungen zu urteilen, mühten die Einheimischen den Sieg erringen. Spielvereinigung 1926 Leihgestern. Am ersten Feiertag empfängt die 1. Jugendmannschaft die gleiche des Tv. Klein-Linden zum Gesellschaftsspiel. In diesem Spiel haben die Gäste keinerlei Gewinnaussichten. — Anders sieht es bei dem Spiel der 1. Mannschaften aus. Man erwartet einen spannenden Kampf und ein faires Spiel, das erst mit dem Schlußpfiff entschieden sein dürfte. Am zweiten Feiertag hat die Jugendmannschaft in der 1. Jugend von „Eintracht" Frankfurt einen ausgezeichneten Gegner. Die bessere Technik und Taktik der Frankfurter wird ausschlaggebend sein, ein Sieg der Gäste ist zu erwarten. — Die erste Mannschaft hat ein rückständiges Gesellschaftsspiel in Bad-Nauheim zu erledigen. Das Vorspiel konnten die Leihgesterner mit 5:3 für sich entscheiden. Fußball im Turnverein Großen-Linden Arn ersten Feiertag tritt die 1. Jugend gegen die gleiche von „Eintracht" Frankfurt an. Anschließend spielt die 1. Mannschaft gegen die Ligisten aus Butzbach. Die Gäste verfügen über eine schlagkräftige Mannschaft, die der Platzelf das Spiel sehr schwer machen wird. Sportverein 1928 Garbenteich. Am 1. Feiertag steht die Jugend des Sportvereins in einem Gesellschaftsspiel der 1. Jugend des FsB. in Friedberg gegenüber. Arn 2. Feiertag empfängt die Jugend aus Garbenteich die Jugend des VfR. Lich zum Rückspiel. Die 1. Elf hat sich für diesen Tag die 1. Elf von Altenstadt verpflichtet. V. f. K. Lich. Am ersten Feiertag spielen die alten aktiven Spieler gegen Muschenheim, da Sportfreunde Wetzlar die aktive Mannschaft abgesagt hat. Muschenheim hat in seiner Gruppe gezeigt, daß es auch Fußball spielen kann. Die alten Spieler vom VfR. werden wohl alle Kräfte aufbieten müssen. — Vorher spielt die Jugend gegen VfB.-R. Gießen 2. Jugend. Lich muß sich sehr anstrengen. Für den zweiten Feiertag ist eine Mannschaft von Hangen-Weisheim bei Worms in Lich zu Gast. Die Gäste spielen in der Bezirksklasse sind verfügen über eine ausgeglichene Mannschaft. Die Rasenspieler haben eine Mannschaft ausgestellt, die zur Zeit die stärkste ist. Turn- und Sportgemeinde Nodheim a. d. Bieber. Abteilung Fußball. Rodheim I empfängt am ersten Pfingstfeiertag Dorheim I zum Gesellschaftsrückspiel. Die Gäste verfügen über eine kampfkräftige Mannschaft. Die Einheimischen werden den Gästen einen so leichten Sieg wie im Vorspiel nicht überlassen. Im Spiel Rodheim — Wetzlar 05 II (kombiniert) am zweiten Feiertag wird Rodheim nicht um eine Niederlage herumkommen, da voraussichtlich einige Spieler der ersten Mannschaft von Wetzlar mitwirken werden. Verlegt. Das Pflichtspiel am 16. Mai: Burg—Bissenberg ist verlegt worden. Hain. 10: Gottesdienst. — Beltershain. 12.30: Gottesdienst. — Alten-Buseck. 10: Gottesdienst. Dienstag, den 18. Mas. Münzenberg und Trais-Münzenberg. Teilnahme am Arnsburger Pfingstfest. Mittwoch, den 19. Mai. Gießen. Stadtkirche. 20 Uhr: Abendandacht. Donnerstag, den 20. Mai. Gießen. Fohannesfaal. 20 Uhr: Bibelstunde; Pfr. Ausfeld. Gemeinschaft innerhalb der Kirche (Landeskirchliche Gemeinschaft), Gutenbergstraße 9. Sonntag, den 16. Mai. 8.30 Uhr: Evangelisationsstunde. — Mittwoch, den 19. Mai. 8.30: Bibelstunde. — Donnerstag, den 20. Mai. 20.30: Jugendbundstunde. Christliche Gemeinde, Zu den Mühlen 2. Sonntag, den 16. Mai. 9.30 Uhr: Erbauungsstunde; 11: Sonntagsschule; 20.30: Evangelisation durch Prediger Heck. — Dienstag, den 18. Mai. 20.30: Bibel- und Gebetstunde. Baptistengemeinde, Gartenstraße 13. Sonntag, den 16. Mai. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 16: Predigt. — Mittwoch, den 19. Mai. 20.15: Bibelstunde. Reuapostolische Gemeinden, Händelstraße 1, Eder- strahe 13. Sonntag, den 16. Mai. 9.30 Uhr: Gottesdienst; 16: Gottesdienst. — Mittwoch, den 19. Mai. 20.30: Gottesdienst. katholische Gemeinden. Samstag, den 15. Mai. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichtgelegenheit. Sonntag, den 16. Mai. Pfingstsonntag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichtgelegenheit; 7: hl. Messe mit gemeinschaftlicher Kommunion der Kinder; 8: Austeilung der hl. Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11.15: hl. Messe mit Predigt; 14.30: Vesper; danach Beichtgelegenheit. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.15: Hochamt mit Predigt. — Schallen. 10.30: Hochamt mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt. Montag, den 17. Mai. Pfingstmontag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichtgelegenheit; 7: hl. Messe; 9: Hochamt; 11.15: hl. Messe; 14.30: Andacht. — Grünberg. 9.45: Hochamt. — Echzell. 10.45: Hochamt. — Hungen. 9.30: Hochamt. — Laubach. 10: Hochamt. — Lich. 7.30: Hochamt. — Lollar. 9.30: hl. Messe mit Predigt. — Ridda. 8.15: Hochamt. Dienstag, den 18. Mai. Gießen. 8 Uhr: Amt mit Segen; 20: Maiandacht. Freitag, den 21. Mai. Gießen. 20 Uhr: Maiandacht. Veffenlllcher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringende» Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244,45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 1 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Falls behandelnder Arzt nicht zu erreichen: 1. Feiertag. Arzt: Frau Dr. Marx. Zahnarzt: Dr. Adam. Apotheke: Neue Apotheke. 2. Feiertag. Arzt: Frl. Dr. Gürtler. Zahnarzt: Dr. Schmidt. Apotheke: Hirsch-Apotheke. ♦ Autohilfe: Rufnummer 04 beim Postamt Gießen. Ründfunkprogramm Sonntag, 16. Mai. Pfingstsonntag. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.30: Katholische Morgenfeier. 9: „Sonntagmorgen ohne Sorgen". 10: Beethoven-Septett Werk 20. 11: Musikalische Vorspeise. 12: Musik, am Mittag. 14: Für unsere Kinder. 14.30: Virtuose Stücke. 15: Buntes Schallplattenkonzert. 16: „Stuttgart spielt auf." 18: „Lieblich ergrünen so Auen als Felder". Lieder von Lenz und Liebe. 18.40: „... ei bloß, roeg’n dem Tschingderassa, Burnde- rassassa ...". 19.30: Fußball-Länderkampf Deutschland — Dänemark. Uebertragung der letzten 30 Minuten des Spiels. 20: „Wie es euch gefällt." 22: Nachrichten. 22.30: „Wir bitten zum Tanz." 24 bis 2: Nachtmusik. Montag, 17. Mai. Pfingstmontag. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.45: Orgelchoräle. 9: Christliche Morgenfeier. 10: Morgenmusik: Ludwig van Beethoven. 10.30: Chorgesang. 11.15: „Feuertrunken", eine feiertägliche Funkfolge. 12: Schloßkonzert. 14: Für unsre Kinder. Kasperle macht einen Pfingst- ausflug. 14.45: Heiter und bunt zur Nachmittags- ftunb! 15.30: Alte Pfingstspiele im badischen Oberland. 16: Nachmittagskonzert. 17: Von der Wasserkuppe (Rhön): Berichte vom Reichs-Modellwettbewerb in der Rhön. 18: Nun eilt herbei Witz, heitre Laune! 18.45: Junger Mann in ungesicherter Position. 19.30: Von der Wasserkuppe (Rhön): Berichte vom Rhön-Wettbewerb der Segelflug-Modelle. 19.40: Sportspiegel. 20: Großes Konzert. 22: Nachrichten. 22.30: Nachtmusik und Tanz. 24 bis 2: Nachtkonzert. Dienstag, 18. Mai. 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Werkskonzert. 9.30: Kinderlieber von Julius Weismann. 11.30: Sportfunk für die Jugend. 11.45: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). Offene Stellen. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei von zwei bis drei. 15: Das Mikrophon unterwegs. 15.30: Volk und Wirtschaft. 16: Das deutsche Lied. 16.30: Unterhaltungskonzert. 18: Sozialdienst. 18.30: „... und die Morgenfrühe, das ist unsere Zeit!" 19: „Fröhliches Bayern." 19.40: Der Zeitiunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Sang und Klang beim Maientrank. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). Grenzecho. 22.20: Die Welt des Sports. 22.35: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 2: Nachtkonzert. Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 317: Einzahlungskurse für Postanweisungen nach dem Ausland. — 318: Verordnuna über die Bildung von Preisen und Entgelten auf dem Gebiete der Lederwirtschaft (Lederpreisoerord- nung) vom 29. April 1937. — 319: Verordnung über höchstzulässige Preise für Hasen- und Kaninchenfelle der Nr. 154 des Deutschen Zolltarifs Dom 29. 4. 1937. — 320: Erste Ausführungsverordnung (AVO. I) zur Verordnung über die Bildung von Preisen und Entgelten auf dem Gebiete der Leder- wirtschaft (Lederpreisvervordnung) vom 29.4.1937- mwfFiEw Uhr Uhr fln den 2 Pllngst- Feiertagen Je 2 Vorstellungen Ole Groß - Schau ___ der 20 schönsten Ä Tänzerinnen Tamara- ßeck-Ballett und 8 Attraktionen ben Raianbadjt dringende» Jtruf leit» hatterdiensl abholer k at Stehen. e 1, (Eber« r: Tolles« 19. ÜJlai. nheit. °g- hl. Messe inder: 8: mit Pre« : Vesper: - Hochamt predigt. - dda. 8.15: Hochamt edigt. ag- der nbe; "deskirch. nnlQ9.ben r W Bonners, v.L 'Sonn: O'gerheck. >nd (Beheb lndacht. ~ y- Hochamt. >: Hochamt. ■ Messe mit m igle Morgen» 10: Beel» t Vorspeise. nder. 14.30: ikonzerl. 16: »rqrünen so Ziehe. 18.40: a, Winde- ms Deutsch' 8*"«: 219* ^ochrich^' Lchtionzerl ii9 ‘‘„ro» -x- inb / jjoin Or'l< yfld Aied^ für Äi Do geschlachtet wird ... braucht man allerhand Geräte: Schlagbolzenhammer, Messer und Metzgerbeile, eine praktische Wurstfüllmaschine und zum Aufbewahren einen schönen Räucherschrank, in dem nichts verdirbt 3- B. Häuser, Gießen, am Oswaldsgarten, Fernsprecher 2145/2146. e.G.m.b.H., Münster I.W., Windthorststr. 20, Ruf 26644-45 Ständige Vermittlung von Vieh aller Art: Fett- und Weidevieh / Ferkel / Läufer / Pferde usw Vor der Milchviehversteigerung, 10 Uhr, Versteigerung von 100 gekörten Ebern und 10 tragenden Zuchtsauen des Landesverbandes westfälischer Schweinezüchter, Münster (Westi.), Engelstraße 28, Tel. 24101. Beiprogramm und Ufa-Ton-Woche LICHTSPIELHAUS Der grobe Lacherfolg. Bis 2. Feiertag einschließlich Der Mann von dem man spricht Heinz Rühmann, Theo Lingen, Hans Moser, Gustl Huber Spielzeit Gloria-Palast und Lichtspielhaus: Täglich 4, 6, 8.30 Uhr, Sonn- und Feiertag, 3, 5.30, 8.30 Uhr Pomeranzen Pomeranzen, Orangenart, deren Kruchtsaft und Extrakt oei Ee- rränken und auch zu Cumberlandtunke verwendet wird. Die Schalen werden kandiert und als Tortenbelag benützt. Pommes frites, franz. Bedeutung — gedörrte Kartoffeln. Die Kartoffeln werden nach dem Schälen in streichholzlange und -dicke Streifen geschnitten, gut abgetrocknet, dann in ein sogenanntes Pommes-frites-Retz getan und dieses hängt man in einen Topf mit heißem Schmalz oder Öl. Sind die Kartoffelstreifen hellgelb, nimmt man ste heraus und schüttet sie auf Fließpapier um das ihnen anhaftende Fett zu entfernen. Man richtet ste in einer Schüstel an und streut schichtweise etwas Salz dazwischen. Pompon, frz., Verzierung eines Kleides, die aus einem Büschel gleichmäßig zusammengefaßter Fäden besteht. Pomuchel, andere Bezeichnung für Dorsch, eine kleinere Abart des Schellfisches. Pongöseide, Bezeichnung für ganz leichte Rohseide. Pony, engl., Pferd einer kleinen Raste, zur kleinsten Raste gehören die Shetlandponies. Popeline, franz., glänzendes Gewebe, meist aus Halb|eide, aber auch aus Baumwolle oder Wolle (Kammgarn), dann als Popeline de laine bezeichnet. Popelinestoffe werden in lauwarmem Seifenwaster gewaschen. Poren: Öffnungen der Haut, Ausführungsgänge der Haupttalgdrüsen. Bei Verstopfung der Poren zeigen sich an der Hautoberfläche kleine schwarze Pünktchen, die sog. Mitesser, die hin und wieder vereitern können. Bei sehr vielen Mitessern und fetter Haut werden die Poren sehr groß. Meist ist die Anlage dazu erblich. Am besten ist es, die Haut mehrmals am Tage, besonders abends mit Fett gründlich zu reinigen, einmal täglich Behandlung mit Eestchtswaster. Porös, mit kleinen Poren, Löchern, versehen. Ein poröser Stein ist beispielsweise der Bim- stein. Poröse Wäsche eignet lick ihrer Luftdurchlässigkeit wegen besonders als Unterwäsche. Porphyr, Gestein, das bei Denkmälern, Kunstbauten, Säulen usw. verwendet wird. Porree, s. Lauch. Porridge, engl., Bedeutung = Suppe. Schottisches Nationalgericht, das in der Hauptsache aus Hafermehlbrei besteht. Portefeuille, franz., Bedeutung: „trag das Blatt", entbehrliches Fremdwort für Brieftasche. Portemonnaie, frz., Bedeutung: „trag das Geld", Überfl. Fremdwort für Geldtasche, Börse. Porter, schweres, dunkles, englisches Bier, mit hohem Alkoholgehalt, das vielfach mit Ale gemischt getrunken wird. Man reicht es in besonderen Portergläsern. Stark malzhaltige Eesundheits- 3434 A Tennis-Cafe Bad-Nauheim Tanz 3414 D Unser Pfingst-Festprogramm bis 1. Feiertag einschl. Ab 2. Feiertag: Krach und Gluck Zumgoldenen Stern" Wonnemonat Mai den herrlich fh um Künnemann gelegenen 34890 Watzenborn 02438 Zum kühlen Grund Inhaber Adolf Schepers 3415D Heuchelheim 3453 A filein-Einöen Festredner: 3470 D zu kork. Der Vorstand. die gemütliche Gaststätte. Samstag 3476° verlängerte Polizeistunde. Zum Feiertag- Frühschoppen IMMMMMUHIMW 3474 D IN S Rheingold! Tüchtig gießen Thüvlngev Kof am Biebertal-Bahnhof 34060 Herr Pfarrer Hööridit zu Wer-Ham- ftaöt: fiert fiinüenrot 1. H. o. Ziegler Am 1. Pfingstfeiertag ab 4 Uhr nachmittags Werbe-Drucksachen liefert BrUhl'sche Druckerei die Pflanzen brauchen Wasser. 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Manja Valewska Das Schicksal einer Jugendliebe mit MariaAndergast und Peter Peters en .. 15.27 Uhr .. 15.30 Uhr "iiTi 11111111111111111111111111 Kleine Anzeigen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Damm: Kleinanzeigen in die Heimatzeitung, den Bießener Anzeiger iiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiii Innneipo MWWlZ abzugeb.Bestell, erb. wir p.Postt ob.cm d.Vierver- lagMichel.Wall- toritr 71,2.247!) Damplsägewerk Lollar B.NuhnA. 6.,Lollar J.B. Häuser Gießen, a. Oswaldsgarten Fernruf Nr. 2145-2146 3401 A Einladung wm Jaöresfen Oec eoangelif (Den mungsonftait für MAN ZU Arnsburg bei Lich amPfingstdienstag, dem18.Mai nachmittags 2 Uhr AUF DER BÜHNE Kunkel & Co. DER BALANCE-AKT DREIER ERDTEILE Bekanntmachung. Das Abfahren von Rutz- und Brennholz für die Betriebe des Städtischen Hoch- und Tiesbauamtes soll öffentlich vergeben werden. 3432D Angebote auf Vordruck, der bei uns bezogen werden kann, sind bis zum Eröffnungstermin am Montag, dem 24. 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Allzufrüh ist meine liebe, gute Frau, Tochter, Schwester und Schwägerin Lini Schmidt, geb. Gartenschläger im Alter von 29 Jahren von uns gegangen. Die Beerdigung findet am 1. Pfingstfeiertage, nachmittags 3 Uhr statt. 3484 D Die Beerdigung findet am 18. Mai 1937, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt In tiefem Schmerz.- Heini Schmidt. Brandenburg Havel Familie Gartenschläger. Gießen Willi Gartenschläger, Neuyork Mlele-Motor-Fahrräder werden gern gekauft, da sie In Konstruktion, Material und Form unübertroffen sind und sich vieltausendfach glänzend bewährt haben. Autorisierier Sachsdienst: VV. Rau, Wieseck-Lollar, Tel. 397 . Ach, des Hauses zarte Bande sind gelöst auf immerdai ; denn sie wohnt im Schattenlande, die des Hauses Mutter war. Gestern mittag 13 Uhr verschied nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere treusorgende Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Luise Damm, geb. kecker im 61. Lebensjahre. Slragula- Teppichen. Läufer Tapetenhaus Kreiling Bahnhofstr. 29 Am 14. Mai verschied nach längerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Elise Schwalb, geb. Inderthal im 61. Lebensjahr. In tiefer Trauer: Ludwig Schwalb Karl Brück und Frau Elise, geb Schwalb Heinrich Schwalb und Familie Wilhelm Schwalb und Familie Karl Jost und Familie und alle Angehörigen Wanzen u.jed.Ungeziefer vertilgtgewissen- haft u.diskr. unt. schriftl. Garantie SCHOMBER Kammerjäger Gicsien 02411 jetzt Kircbstr. 20 Bel) .Danks chreib. Sachverständiger in Gerichtsangelegenbeiten. Kohlen Koks 1541 D Briketts Holz, Tori Dungkalk Gartenkies H. Glattes Sohn Frankfurt. Str 19 Mühlstraße 18 Tel. 3144 3145. 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Die Fabriken führen meistens die Bezeichnung Manufaktur und versehen ihre Erzeugnisse mit ihren besonderen Zeichen. Der Wert des Porzellans wird vielfach nach der Herkunft bemessen. Porzellan mit kleineren, kaum merklichen Fehlern wird von den Manufakturen als zweite oder dritte Wahl billiger verkauft. Bei der Anschaffung von Ee- brauchsgeschirr achte man darauf, daß man Emzelstücke des gleichen Musters nachkaufen kann. Altes Porzellan zu sammeln ist sehr reizvoll, man muß aber Kenner sein, da nicht jedes alte Stück von Wert ist. Porzel- Poftanweisung Ian läßt sich mit heißem Wasser und Soda oder einem Abwaschmittel leicht reinigen. Wertvolle Stücke, die nicht zum Gebrauch bestimmt sind, reinigt man mit lauwarmem Wasser und Salzzusatz. Bei Porzellan mit Goldrand darf kein Soda verwendet werden. Porzellan kittet man mit Porzellankitt. Porzellanblümchen, Steinbrech. Porzellankannen für Tee reinigt man von dem braunen Niederschlag mit warmem Salz- oder Essigwasser. Posamenten, meist geknüpfte Borten mit Fransen, die als Stoffsäume verwendet werden. Posaune, Blasinstrument aus Metall, bei dem ein gebogener Teil zur Tonbildung ausgezogen wird. Pose, franz., eine gemachte Haltung oder Stellung, die meist lächerlich wirkt. Poseur ist ein Mann, der sich wichtig tun will. Position, lat., entbehr!. Fremdwort für berufliche Stellung. Positur, lat., die Haltung, die ein Redner vor Beginn seiner Rede oder ein Sportler vor einem Kampf einnimmt Postanweisung, Anweisung einer Geldsumme durch die Post. Auf Postanweisungen kann man bis 1000.— Mk., innerhalb Deutschlands, Geld senden, dieEebühren sind: bis 10.— Mk. 20 Pf., bis 25.— Mk. 30 Pf., bis 100.— Mk. 40 Pf., bis 250.— Mk. 60 Pf. bis 500.— Mk. 80 Pf., bis 750.— 3RO Ha A r _A rhoi + nn Anfertigung von Zöpfen c< c< I rA I U C I l I I und Perücken nach Maß Kostenlose Beratung ::'™=°h.6r34=2B Richard Koch • Gießen Spezlai-ParfUmerle Herren- und Damen-Frlseurmelster CtusufM uns&rernew&cfien Wä$ch-un