Hr.WS Erstes Blaff 187. Jahrgang Samstag. 14. August 1937 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat m Bild Die Scholle Monafr-Bezugspreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr . „ -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschliisse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zronlfurf am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Unlverfitätrdruckerei «.Lange In Sietzen. Schriftleitung und GeschSftrftelle: Schulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text, anzeigen von70 mm Breite 50 Rpf..Platzvorschrist nach vorh.Dereinbg.25°/„ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins., gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzei- gen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts-u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Sicherung des Volkstums in volkssremder Umwelt. Ltmschau. was hat man erst Wahl-Zucker in der Tschechoslowakei Auslanddeutsche Volksforschung auf der Stuttgarter Tagung des Deutschen Auslandöinstituts. nung der internationalen Politik f Nichteinmischungsausschuß noch sein würdiger werdendes Dasein fristet. Nun sage noch einer, daß es nichts Neues unter der Sonne gibt! Die letzte Neuigkeit kommt aus der Tschechoslowakei, dem bewußten „demokratischen Musterländle". Es ist im buchstäblichen Sinn eine zuckersüße Angelegenheit. Offenbar anläßlich der letzten Ministerkrise, in deren Hintergrund unter anderem auch die Erhöhung des Weizenpreises zugunsten der tschechischen Agrarier auf Staatskosten — es besteht Getreidemonopol —stand, haben die Regierungsparteien nun auch zugunsten der „Verbraucher" eine herrliche Idee ausgeknobelt: 7MillionenKilogra mm Zucker sollen a n Arbeitslose und Bedürftige verteilt werden. Zu dem Vorzugspreis von 2 Kronen (etwa 17 Pfennig). Die Parteien beziehen aber den Zucker vom Zuckerkartell zu 1,5 Kronen für das Kilogramm, machen also einen hübschen Zwischengewinn von 33% v. H. und füllen dadurch ihre Wahl- Eaffen auf. Natürlich nur die Regierungsparteien. Andere Parteien sind ausgeschlossen. Nun wird ein Skeptiker entrüstet fragen, ob es denn in der Tschechoslowakei kein objektives Merkmal der Arbeitslosigkeit gibt? Nein, das gibt es nicht! Es besteht vielmehr das sog. Genter System, das die Arbeitslosenunterstützung an die Zugehörigkeit zu einer staatlich anerkannten Gewerkschaft bindet. Hier also steckt der Pferdefuß Anerkannt sind nur die sozialdemokratischen und christlichen Gewerkschaften, deren politische Parteigruppen eben auch in der Regierungskoalition sitzen. Phantastisch mutet es geradezu an, daß von den insgesamt sieben Millionen Kilogramm vier Millionen den „bürgerlichen Parteien und drei Mil- üderzuwechseln. Einen kleinen Vorgeschmack davon, ein künftiges Sowjetspanien bedeuten würde, ..... man erst in dieser Woche wieder durch den Seeräuberkrieg erhalten, den die Soldaten Moskaus im westlichen Mittelmeer gegen friedliche Handelsschiffe der verschiedensten Nationalitäten geführt haben. Auf der anderen Seite läßt sich das erfolgreiche innere Ausbauwerk des spanischen Staatschef General Franco ebensowenig übersehen wie fein militärischer Erfolg, während in der rotspani- schen Hölle die Kette der Meutereien, Straßenkämpfe, Aufstände und politischen Verbrechen überhaupt nicht mehr abreißt. Der Anschlag auf den „Präsidenten" von Katalonien, Companys, erhellte blitzartig die innere Situation Rotspaniens. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den roten Usurpatoren in Valencia, Barcelona und Santander sind wieder einmal auf dem Höhepunkt angelangt. Nur der sowjetrussischen Einmischung und der Tyrannei der Moskowiter ist es zu verdanken, daß Spanien noch als Problem auf der Tagesord- der internationalen Politik steht, daß der ' ' t immer frag- Seitdem der politische Hohlraum im Herzen Europas durch die Wiederaufrichtung eines mächtigen Deutschen Reiches ausgefüllt wurde, hat die Konsolidierung unseres alten Erdteils schon erhebliche Fortschritte gemacht. In einer Zeit, da überall in der Welt die Tendenz zum politischen Zusammenschluß großer geographischer Räume und rassenähnlicher Völker zu beobachten ist, muß schließlich auch die europäische Völkerfamilie ihren häuslichen Zank überwinden. Die unmittelbare Gefahr eines allgemeinen Zusammenbruchs des Abendlandes ist heute behoben, weil verantwortungsbewußte, autoritär geführte Staaten entstanden find, welche das in Form der Dritten Internationale organisierte politische Verbrechertum aus der am meisten bedrohten Spannungszone vertrieben. Wenn dennoch Europa von einer wahrhaft gerechten und friedensichernden Neuordnung weit entfernt ist, so trägt die Schuld daran der sträfliche Leichtsinn westlicher Demokratien, die sich hinter dem starken Schutzwall der antibolschewistischen Achse Berlin—Rom und seiner Vorwerke in Osteuropa sicher genug glauben, um ihre egoistischen Ziele durch einen Flirt mit dem internationalen Kommunismus besser fördern zu können. Wohin solche verantwortungslose Politik führen kann, das zeigt das Beispiel des spanischen Krieges, in dem die Komintern sicherlich nicht eine so große Rolle spielen würde, wenn sie nicht der moralischen und praktischen Unterstützung durch gewisse demokratische Länder gewiß wäre. Auch England ist gegenüber der sowjetrussischen Expansion in Westeuropa lange blind geblieben. Doch scheint es, als ob die Anziehungskraft der mitteleuropäischen Achse sich jetzt stärker erweist als die Sympathie für Volksfront - Experimente: die Wiederannäherung zwischen London und Rom ist eben im Begriffe, aus dem Stadium der psychologischen Vorbereitung in den Bereich der praktischen Verwirklichung hinnehmen suchen für die Berichterstattung deutsche Mitarbeiter. In beiden Fällen haben tue Beobachtungen ergeben, daß immer die gleichen Personen mit den verschiedensten ausländischen Adressen in die Erscheinung treten, sobald sie aus Deutschland eine Antwort erhalten haben, und daß von dieser Seite her versucht wird, deutsche Staatsbürger zum Landesoerratz uv e r l e it e n. Wer also gutgläubig mit diesen Stellen m Berührung gekommen ist, erwirbt sich em Verdienst um das Vaterland, wenn er schleunigst den Zuständigen Polizeistellen aber seine Erfahrungen und Beobachtungen Mitteilung macht. Im übrigen kann in diesem Zusammenhang nur von neuem die Mahnung an jeden einzelnen gerichtet werden, nicht mit verschlossenen Augen durch die Welt zu gehen, aber den Mund vor fremden Ausfragern um so verschlossener zu halten. Denn draußen hat man ein begreifliches Interesse an Einzelheiten unserer Landesverteidigung, die sich ia mcht un rein Mill- tärischen erschöpft. Die Wirtschaft mit ihren zahllosen Produktionsgeheimnissen spielt m der Verteidigung eine ebenso große Rolle wie Armee, Flotte und Luftwaffe. Außerdem hat sie darüber hinausgehende Aufgaben zu erfüllen, die mit dem Daseinskampf unserer Nation auf das engste verknüpft sind. Ein unbedachtsames Wort kann von einem ausländischen Agenten aufgefangen und benutzt werden, für das eine ober andere Erzeugnis Absatzschwierigkeiten im Auslande zu schaffen, weil die Preisgabe eines Erzeugungsgeheimnisses die ausländische Konkurrenz veranlassen kann, die gleichen Waren nun selbst herzustellen. Ganz allgemein gesprochen: was deutsch ist, gehört uns allein und geht keinen dritten etwas an. Darum muß sich jeber bie Elemente, bie sich als besonbers neugierig zeigen, vom Leibe halten unb sie ben lieber; wachungsorganen meßen. Denn je umfaffenber bie Spionageabwehr ist, befto wirkungsvoller kann sie bekämpft werben. Feber Erfolg in biesem Kampfe gereicht auch bem letzten Volksgenossen zum Nutzen. Ev. Zahlreiche Volkskommiftare in den Sowjetrepubliken verhaftet Moskau, 13.2Iug. (DNB.) An den oerschie- benften Orten ber Sowjetunion nimmt bie Verhaftungswelle ihren Fortgang. In Taschkent ist ber Vorsitzende bes Volkskommissarenrates ber Usbekischen Sowjetrepublik, Karimow, seines Amtes enthoben worben. Ferner würbe ber Vorsitzenbe des Exekutivkomitees des Gebietes Wladiwostok, Petrow, unb zwei weitere Mitglieder des Ge- biets-Parteien-Komitees, verhaftet. Auch der Leiter ber Jungkommunisten-Organifation von Wlabiwo- stok wirb als „Dolksfeinb" bezeichnet. Zwei weitere Volkskommissare ber weißrussischen Sowjetrepublik sind verhaftet worden, ber Volkskommissar für Binnenhandel, Gurewitsch, und der Dolkskommis- ar für Gesundheitswesen, Turatschewski. Stuttgart, 13. Aug. (DNB.) Im Verlaufe der 20. Jahrestagung des DAI. wurde die Tagung der „Arbeitsstelle für die auslandsdeutsche Dolksforschung" mit einer öffentlichen Sitzung abgeschlossen. Die Beratungen leiteten Prorektor Prof. Bebermeyer und Prof. Kroh, beide aus Tübingen. Im Rahmen ber vorausgegangenen Beratungen hatte in Anwesenheit bes Reichsstubentenführers Dr. Scheel unb seiner Mitarbeiter ber Leiter bes Außenamtes ber Reichs- stubentenführung, Diplomingenieur Nothburft, über ben Einsatz ber Studentenschaft in ber Aus- lanbsarbeit gesprochen. Im Mittelpunkt ber öffentlichen Sitzung stauben mehrere Vorträge, bie bie Frage volksbeutscher Geschichtsauffassung behanbelten. Prof. Harolb Steinacker- Jnnsbruck sprach über bie Bedeutung der kleindeutschen, großdeutschen und volksdeutschen Geschichtsauffassung für das Auslandsdeutschtum. Der Zusammenhang der deutschen Volksgruppen untereinander und mit dem Reich könne sich nur vollenden in einem gemeinsamen Geschichtsbewußtsein, das sich auf alle Glieder des deutschen Dolkskörpers richte. Der Redner zeigte, daß in der volksdeutschen Auffassung eine neue Reichsidee verborgen liege und mit ihr die Möglichkeit, das Verhältnis der Volksgruppen zu ihren Staaten und vom Binnendeutschtum auf eine gesunde Grundlage zu stellen und so ben Weg zu finben zur Befriedigung Europas. lieber die Psychologie der Umvolkung sprach Prof. Dr. Kroh (Tübingen). Der in einem fremden Volke lebende Mensch stehe, ebenso wie die im fremdvölkischen Raum siedelnden Volksgruppen i n einer Spannung, von deren Stärke sich derjenige kaum Rechenschaft zu geben vermöge, der als Gleicher unter Gleichen im heimischen Raum eines geeinten Volkes leben dürfe. Wie weit Menschen und Volksgruppen in dieser Spannung i h r Volkstum erhalten und sicherten, sei die Lebensfrage des Auslandsdeutschtums. Die Stärkung aller Faktoren, bie gegenüber ben wer- benben unb zwingenden Kräften ber fxemben Volks- Umso erstaunlicher ist es, baß bie roten Luftpiraten im Mittelmeer noch immer auf bie Hilfe einer gewissen Sorte von Pressepiraten rechnen können, bie wiederum vor allem in ben westlänbischen Demokratien zu finben finb. Als bie Ueberfälle unerkannter Flugzeuge auf neutrale Schiffe bei Algier bekannt würben, beschulbigte bie liberal-marxistische Presse Englands unb Frankreichs sofort ben Faschismus, er habe bies Bombarbement inszeniert. Unb obgleich alle Anzeichen gegen eine solche These prachen, obgleich nicht ber Schein eines Beweises ür eine wiberrechtliche Betätigung ber national- panischen Luftstreitkräfte vorlag, ließ sich bie englische Regierung — unter bem Druck ber Pressestimmen — bennoch herbei, ihren Protest gegen bas Bombarbement nach Salamanca und nicht nach Valencia zu schicken. Ein ähnliches Spiel konnten wir dann vor ein paar Tagen noch einmal beobachten, als die zuständige Londoner Stelle den deutschen Zeitungsoertreter Dr. von Langen mit einer „Begründung" ausmies, die ihr von den halbbolschewistischen Lügenblättern vom Schlage des Pariser „Oeuvre" unb ber „News Chronicle" geliefert würbe. Nur zu leicht sieht man in London ben Splitter im Auge bes Nächsten, währenb man ben Balken im eigenen Auge nicht erkennen will. Wenn überhaupt eine Beschwerbe über ben Zustand ber deutsch-englischen Pressebeziehungen am Platze war, bann wohl in Berlin. Denn was bie auslänbischen Korrespondenten großenteils in ber Reichshauptstabt trieben, inbem sie einseitig bie Interessen kleiner oppositioneller Grüppchen vertraten unb barüber bie Schilberung bes wahren Deutschland vergaßen, bas grenzte fast schon an Spionage und an Mithilfe zum'Lanbesverrat. Die Zurückziehung bes „Times"- Vertreters (Ebbutt stellte beshalb eine Maßnahme bar, bie eigentlich schon lange fällig war. Nicht nur bie Englänber, sondern auch andere Staaten sollten sich gerade in pressepolitischer Hinsicht ein Beispiel an Deutschland nehmen, bei uns ist feit bem Erlaß des Schriftleitergesetzes bie Verhetzung ber öffentlichen Meinung im In- unb Auslanb burch beutsche Journalisten völlig unterbunben. Eine internatio« nale Bereinigung des Pressewesens würde in der Tat sehr dazu beitragen, den politischen Zank und Streit in Europa zu vermindern, eine Aufgabe, bie um so bringlicher ist, als jenseits ber Weltmeere bie Bildung politisch homogener Großräume in stetigem Fortschritt begriffen ist. Dieser Tage ist auf eine besondere Spielart bes auslänbischen Spionagebien st e s aufmerksam gemacht worben. Fremde Kreditinstitute versuchen unter Deckadressen Darlehenssuchende zu- friebenzustellen, angebliche auslänbifche Presseunterwelt Halt verliehen, sei bas wirksamste Mittel zur Bekämpfung ber Umvolkungsgefahren. Gemein- schatfswille, Selbstbewußtsein, Geltungsglaube, Lebenskraft, überlegene Leistung unb völkischer unb rasiischer Instinkt seien Faktoren, bie biefen Halt steigern konnten. Einen festlichen Höhepunkt bes 20. Jahrestages bes Deutschen Auslanbsinstitutes bilbete am Frei- tagabenb ein von der Stabt Stuttgart veranstalteter Empfang ber austanbsbeutfd)en Gäste in ber Villa Berg. Mit ihren prächtigen Räumen unb herrlichen Anlagen gab sie einen roürbigen Hintergrunb für biefe Feierstunben. Ne-, ben ben auslandsbeutschen Gästen bemerkte man Vertreter bes Auswärtigen Amtes, bes Reichswissenschaftsministers, ber Partei und ihrer Gliederungen, der Wehrmacht, ber Wissenschaft unb Wirtschaft. Oberbürgermeister Dr. S t r ö l i n, ber Präsibent bes Deutschen Auslanbsinstituts, hieß bie Gäste willkommen. Sein besonberer Gruß galt bem Präsi- benten ber deutschen Volksgruppen in Europa, Conrab Henlein, und bem Lanbesobmann ber deutschen Volksgemeinschaft in Rumänien, Fritz Fabritius. Mit großem Beifall wurde die Mitteilung des Oberbürgermeisters ausgenommen, daß auf das an ben Führer unb Reichskanzler gerichtete Begrüßungstelegramm eine in herzlichen Worten gehaltene Antwort eingegangen sei. In ben einzelnen Tagungen ber Jahresversammlung, so ührte Dr. Strolin aus, sei mit Recht barauf hin- gewiesen worben baß ber Wert derartiger Ver- ammlungen, vor allem in bem gegenseitigen Sich- tennenlernen und in der Anknüpfung persönlicher Beziehungen bestehe. Das sei umso wichtiger, als für ben Arbeitsverkehr bes Deutschen Auslandsinstitutes bie Entfernungen außerorbentlich groß feien. Conrab Henlein bankte bem Oberbürgermeister dafür, daß er stets feine Verbundenheit mit den Deutschen jenseits ber Reichsgrenzen gezeigt habe. Honen ben „sozialistischen Parteien" ber Regierungskoalition zufallen. Es ist gerade bie richtige Einmachzeit, unb in der Tschechoslowakei ist ber Powibel (Pflaumenmus) überaus beliebt; diese Spekulation auf Powidel (und auf die Dummheit bes Wählers) kann aber auch schief gehen. Es läßt sich burchaus benten, baß bie Wähler über ihre Zucker-Abgeorbneten höchst mißliebige Gebauten bekommen. Außerbem liegt es nahe, baß aufsässige Elemente unb spitzbübische Agitatoren, benen man vielleicht in bem als barbarisch verschrienen alten Oesterreich bie Rebefreiheit gegönnt hätte, benen aber in ber bemofra- tischen Tschechoslowakei ein kräftiges Schloß vor ben Munb gehängt ist, anbeutungsroeife auf bas Zuckerthema zurückkommen. Ein solches Thema ist besonbers jetzt für bie Tschechoslowakei staatsgefährlich unb ihrem internationalen Ansehen abträglich, da zwei Ena- länder, bie von tschechoslowakischer Seite selbst zu einem Besuch bes Laubes eingelaben worden iud, hochnotpeinlich verhört wurden, warum ie in die sudeteudeutschen Elendsbezirke gegangen iud und ob sie vielleicht gar gewagt hätten, Pho- ographien der Zustände aufzunehmen, die sich ihnen geboten haben. Alljährlich werden ja deutsche Ausflügler, die die Tschechoslowakei besuchen, feierlich und wiederholt verwarnt, nur keine Lichtbild- apparate in das „demokratische Musterländle" mitzunehmen. Die Engländer, die in die Tschechoslowakei einreisten und jetzt verhaftet wurden, haben versäumt, deutsche Zeitungen zu lesen — sonst wären sie gewarnt gewesen! B. R. Friedenspolitik der Neuen Welt. von Dr. Hans von Maiottki. Es ist nicht nur bie (Erinnerung an bie vierzehn Punkte Wilsons, bie burch bie Aktion bes amerikanischen Staatssekretärs Corbell Hüll wachgerufen würbe, 14 Leitsätze b er amerikanischen Außenpolitik in bie Hauptstäbte ber Welt mit ber Bitte um Stellungnahme zu überfenben. Diese Parallele bleibt sowieso im Aeußerlichen stecken. Denn bas hochfliegende, weltfremde Programm Wilsons wurde, gründlich mißverstanden und noch gründlicher mißbraucht, zur Grundlage und Rechtfertigung jener unheilvollen Entwicklung, die in Versailles und im Genfer Völkerbund ihre traurigen Höhepunkte erreichte und die Vereinigten Staaten selbst zur Distanzierung von den mißratenen Weltbeglückungsplänen ihres damaligen Präsidenten zwang. Von den vierzehn Punkten Hulls über die internationale Selbstbeherrschung" wird man zunächst immerhin das eine sagen können daß sie fortschrittlich gedacht sind und in vielen Gedanken enthalten, die von hohem Wert für den Aufbau eines gesunden und friedlichen Dölkerlebens sind. Aktueller und aufschlußreicher ist es aber, an Hand der Hullschen Aktion der Stellung nachzugehen, die die Vereinigten Staaten heute im internationalen Leben, nicht zuletzt in ihrem Verhältnis zu Europa einzunehmen wünschen. Um den hier eingetretenen Wandel zu erkennen, braucht man sich nur die Geschichte der letzten neunzehn Jahre in (Erinnerung zu rufen, also seit ber Zeit, ba das Wilsonsche Fiasko ben Startschuß zur Abkehr ber Neuen von ber Alten Welt gegeben hat. Die Nichtunterzeichnung ber Versailler Diktate — was freilich nicht bie Verantwortung ber Vereinigten Staaten für bie europäischen Nachkriegszustänbe milbern konnte — bas Fernbleiben von Genf unb bie glatte Ablehnung bes von Frankreich zur Sicherung bes Kriegsgewinns gewünschten Garantievertrages waren bie hervorstechendsten Marksteine auf dem Wege Amerikas in bie „Isolierung". Die Der- fchulbung der europäischen Staaten stellte für lange Zeit fast die einzige Verbindung her, bie jeboch jenseits bes Ozeans nur als eine Quelle ftänbigen Aergers und lästiger Sorgen empfunden werden konnte, jedenfalls in der Wirkung bie Jsolierungs- tenbenzen nur bestärkte. Diese Entwicklung schuf zusammen mit der zunehmenden Verwirrung und Friedlosigkeit Nach- friegseuropas ben psychologischen Untergrund, auf bem bie Neutralitätspolitik ber Vereinigten Staaten heranwachsen und der Jsolierungs- tendenz ihren völkerrechtlichen bindenden Ausdruck verleihen konnte. Freilich, die Fassade, bie diese Neutralitätspolitik nach Jahren innerer Kämpfe und Auseinandersetzungen schließlich erhielt, wirkte enttäuschend und inkonseguent, gerade wenn man den politischen Effekt ins Auge faßte, der mit dieser Gesetzgebung doch offenbar erreicht werden jollte. Denn bas Neutralitätsgeseh ist, gemessen an feinen etwaigen praktischen Folgen, nicht etwa ein Riegel, mit bem sich die Vereinigten Staaten auf jeben Fall von ber übrigen Well abschließen. Es handelt sich vielmehr um ein sorgfältig ausgeklügeltes System, auch künftighin die finanziellen Vorteile des „Kriegslieferanten" sicherzustellen, ohne die Risiken zu übernehmen, bie — wie die Weltkriegserfahrungen lehrten — mit einer solchen Rolle verbunden sind. Abgesehen von solchen ethischen Erwägungen war jedenfalls festzuhalten, daß die amerikanische Jsolierungspolitik mit dem am 1. Mai dieses Jahres in Kraft getretenen Neutralitätsgesetz in eine neue Phase getreten war. Nicht bedingungs- und unterschiedslos ist diese Neutralität, fondern eine Funktion der außenpolitischen Interessen und Sympathien ber Vereinigten Staaten. Neben biefer, hiermit vorläufig abgeschlossenen Entwicklung der amerikanischen Politik lief eine andere, die um den Begriff „Panamerika" kreist und auf bie Vereinigung der gesamten amerikanischen Staatenwelt abzielt. Die wachsende Völkerbundsernüchterung der ursprünglich nach Genf neigenden sübamerikanischen Staaten hat diese Be- ftrebungen ebenso gefördert wie die kluge Absage Roosevelts an jene nordamerikanischen Vorherrschaftsgelüste, die im Süden seit langem Mißtrauen erregten und den Annäherungsversuchen Washingtons hinderlich im Weae standen. Die Ende ver- aangenen Jahres in Buenos Aires abgehaltene Panamerikanische Konferenz brachte bann aber die Entwickluna um ein gut Stück vorwärts, und es zeichnete sich in deutlichen Umriffen bas ab, was man schlaawortartiq als „pax ameri- cana“ bezeichnet hat. Tatsächlich handelte es sich darum, daß unter Führung Washingtons der Der- such gemacht wurde, die amerikanische Staatenwelt auf ein System ber Friebenssicherung zu verpflichten, bas nur mit frieblichen Mitteln arbeiten will. Das trat vor allem in ber Klausel zutage, auf jede Gewaltanwendung im internationalen Leben zu vernichten und nicht um des Friedens willen Krieg zu führen. Der Beschluß der Konferenz schließlich, jealiche Streittgkeiten, also auch solche politischen Charakters, einem Schiedsaericht zu unterbreiten, die Bestimmuna, im Falle einer Kriegsgefahr über die Möglichkeiten friedlicher Beilegung zu beraten, die Entsagung ieder Einmischung in bie inneren und auswärtigen Angelegenheiten frember Staaten, — das alles waren beachtliche Gedanken- aänge. Um so mehr, als hier der amerikanische Kontin-nt eigene Weae ging und, ohne zwar in offenen G^aenlaß zu Genf zu treten, sich zu Ideen bekannte, bie sich von ber Genfer Sanktions-Ideo- logle und den Vorstellungen vom „unteilbaren Frieden" wesentlich unterscheiden. Nicht mit Unrecht ist diese Entwicklung des amerikanischen Kontinents als eine Verneinung der führenden Stellung Europas im internationalen Leben gedeutet worden. Das Nachkriegseuropa hat es nicht verstanden, die Welt zu organisieren und den Frieden zu sichern. So haben die Völker der neuen Welt nach der Führung gegriffen Zunächst indem sie diese Aufgabe für sich selbst, für ihren eigenen Kontinent zu lösen versuchten. Daneben aber lag in diesem Vorgehen auch der Wunsch, beispielgebend zu wirken und Europa eine Lehre und ein Vorbild zu geben. Gerade m diesem Zusammenhang fällt auch ein interessantes Schlaglicht auf die Aktion Hulls. Wenn er es als erfreulich bezeichnet hat, daß „in diesen unruhigen Zeiten die Außenpolitik Amerikas bei so vielen Regierungen günstige Beachtung finde", so liegt auch darin etwas von dem ideologischen Führungsanspruch der Neuen Welt gegenüber einem unsteten und zu keiner klaren Lösung kommenden Europa. Dies ist ein zeitgeschichtlich interessanter Vorgang. Auch wenn er noch keine praktischen Auswirkungen gezeitigt und wenn auch die fernöstliche Spannung den unmittelbaren Anlaß für die Bekanntgabe der 14 Punkte gebildet hat. Die Ausweitung dieser Aktion und die offenbare Befriedigung über die von 40 Nationen eingegangenen positiven Antworten beleuchten jedenfalls die Stellung, die die Vereinigten Staaten sich heute im internationalen Leben beimessen. Es ist heute nicht mehr das uninteressierte Abseitsstehen, sondern der Versuch, die Führung in der Welt, zumindest auf ideologischem Gebiet, an sich reißen zu wollen, die diese neue Stellung charakterisiert. Dabei soll gar nicht geleugnet werden, daß die Vereinigten Staaten sowohl im Umkreis der panamerikanischen Bestrebungen, als auch mit ihrer Neutralitätspolitik fortschrittliche Gedanken entwickelt haben. Aber hier wie dort kann man trotzdem nicht von reinen und wirklich vorbildlichen Friedensaktionen sprechen. Heber den „Erdenrest", der der Neutralittäspolitik anhaftet, ist schon gesprochen worden. Die stets betonte Zuneigung zu den „großen europäischen Demokratien" und die Vorliebe für recht fragwürdige Belehrungen an die Adresse der „autoritären" Staaten erleichtern die Anerkennung einer Führerrolle der Vereinigten Staaten ebenfalls nicht. Und schließlich hat sich eben jetzt die Vermietung von sechs Zerstörern an Brasilien unter Begleitumständen abgespielt, die schlecht zu den guten Absichten passen, denen jenseits des Ozeans in schulmeisterlicher Art so gern das Wort geredet wird. Das Interesse für den Schutz und die Sicherheit Brasiliens in allen Ehren. Von irgendwelchen Bedrohungen dieses Landes ist aber noch nirgends etwas zu hören gewesen, und so waren jene amerikanischen Stimmen, die die ganze Transaktion unter ein deutsch- seindliches Vorzeichen zu stellen versuchten, wohl mehr als überflüssig. Vielleicht sollte damit in Brasilien Stimmung für ein Mietgeschäft gemacht werden, das zur Ausfüllung eines dje Brasilianer nicht ganz befriedigenden Handelsvertrages erfunden worden ist. Schön sind solche Methoden, die natürlich von der französischen Presse sofort ausgeschlachtet wurden, jedenfalls nicht. Daneben ergibt sich aber auch ein Widerspruch mit den Bindungen der Vereinigten Staaten aus dem Londoner Flottenoertrag. Dieser Vertrag ent- hält, wie übrigens die meisten Flottenabkommen der Nachkriegszeit, die Bestimmung, daß der Verkauf oder die Uebertragung von Kriegsschiffen an fremde Staaten nicht statthaft ist. Es handelt sich hier um die sog. „G o e b e n - K l a u s e l" Bekanntlich hat während des Krieges der Durchbruch der deutschen Kreuzer „Soeben" und „Breslau" durch die Meerenge bei Messina, ihr Erscheinen in Konstantinopel und ihre Uebernahme in türkische Dienste seinerzeit eine grundlegende politische Bedeutung gehabt und den Verlauf des Kriegsgeschehens im Schwarzen Meer und im Meerengengebiet der Dardanellen erheblich beeinflußt. Daher rührte das Interesse der ehemaligen Siegermächte, ähnliche Vorgänge für die Zukunft zu verhindern, und dies ist auch der Grund, weshalb besonders auch von englischer Seite auf den Einbau der „Goeben-Klaujel" in die Flottenoerträge der Nachkriegszeit großer Wert gelegt worden ist. Weil die eigenen Interessen es so wollen, scheint man Die internationale Filmschau in Venedig. Großer Erfolg des deutschen Ufa-Films „Patrioten". Der auf der Internationalen Filmschau in Venedig gezeigte Film „W i n t e r s e t" der RKO. Radio Pictures-Gesellschaft, der ein Elendsviertel von Neuyork zum Schauplatz hat, behandelt Ereignisse, die sich an einen Justizmord anknüpfen. Mit überzeugender Deutlichkeit heben sich die Typen von einem Hintergrund ab, der in düsteren Tönen Bilder aus der Verbrecherwelt zeigt. Die Zahl der Menschen, die im Laufe der Handlung den Kugeln der Gangster zum Opfer fallen, ist recht erheblich, fast zu groß, als daß man den Film ernst nehmen könnte. Nur matter und mit Widerspruch gemischter Beifall begleitete das Ende des Films. Recht gut gelungen ist die Schilderung des Milieus und die Herausarbeitung der einzelnen Charaktertypen. Burgeß Meredith, die Schauspielerin M a r g o und Eduardo C i a n n e l l i/.zeigen sehr gute schauspielerische Leistungen. — Der Film der österreichischen Selenophon-Gefellschaft „W i e n e r Mode" dient in hübscher und origineller Aufmachung der Werbung für österreichische Erzeugnisse. Abzulehnen ist die Unwahrhaftigkeit, mit welcher der Film durchsetzt ist, denn er zeigt eine gewaltsam herbeigezogene exklusive Welt, in der Modepuppen in den Rahmen der Natur gestellt sind. Der Film wird so zum Trugbild eines tatsächlich nicht vorhandenen Märchenlandes, in dem die Wirklichkeit unter einem Wust von Beiwerk verschwindet. Man merkt zu sehr die Absicht, so daß die beabsichtigte Werbe- wirkung verloren geht. Ausgezeichnet ist die musikalische Untermalung des Films mit Werken österreichischer Tondichter. — Die amerikanische War- ner-Brothers-Gesellschaft zeigt mit Kid Galahad (Regie M. Curtiz) einen Film, dem man zwar starke dramatische Momente nicht absprechen kann, der aber wegen seiner alles eher als moralischen Handlung keineswegs als Kunstwerk bezeichnet werden kann. Um eine Reihe von Boxkämpfen rankt sich ein Uebermaß von Brutalitäten, die nur bei einem sensationslüsternen Publikum Gefallen fin- den können. Im Hintergrund dieser Filmhandlung stehen eine Reihe von Gangstertypen. Obwohl in dem Film die Szenen im Ring einen breiten Raum einnehmen, kann dieser Film nicht einmal vom sportlichen Standpunkt gutgeheißen werden. Nicht der Wettkampf, sondern rohe Gewalt ist Las herrschende Motiv. Hauptdarsteller sind Edward G. Robinson und Bette Davis. — Mit dem Film „Parade der Standbilder" schuf die englische Strand-Filmgesellschaft einen photographisch sehr wirkungsvollen Kulturfilm über die Denkmäler Londons. Der unter der Leitung von Karl Ritter gedrehte Ufafilm „P a t r i o t e n", der als erster deutscher Spielfilm gezeigt wurde, errang einen überaus st a r k e n Erfolg. Die Handlung, die während der Kriegszeit hinter den französischen Linien spielt, entwickelt sich über eine ununterbrochene Reihe von spannenden und ergreifenden Geschehnissen zu einem dramatischen Höhepunkt von stärkster Wirkung, lieber dem harten Kriegsgeschehen steht mit einfacher, erhebender Klarheit als höchstes Gesetz die Achtung der Ehre des Gegners. Darin liegt der ethische Wert dieses Films. Matthias Wiemann und Lyda Baarova in den Hauptrollen erreichen in der Kunst der Darstellung eine außerordentliche Höhe. So entstand durch den Zusammenklang von vornehmster Geisteshaltung, schauspielerischen Höchstleistungen und technischer Vollkommenheit ein neues Meisterwerk deutscher Filmkunst. Trotz eines gegen Schluß der Vorführung einsetzenden Gewitterregens harrte das Publikum in größter Spannung bis zum Ende des Films aus und spendete einen so starken Beifall, wie ihn bis jetzt noch kein Film auf der diesjährigen Filmtunstschau erzielen konnte. jetzt in Washington reicklich großzügig mit der Auslegung dieser Klausel zu verfahren. Um so gespannter wird man sein dürfen, ob nun England im Sinne der „Heiligkeit der Verträge" etwas unternehmen wird. HauslicherStreil inRot-Svamen Anarchisten und Kommunisten in blutigen Kämpfen. Paris, 13. Aug. (DNB.) Der „Sour" und andere Blätter berichten von einer erneuten Verschärfung der Gegensätze in Sowjet- j p a n i e n In Barcelona, Barbastro, Gerona und Lerida hätten die Extremisten in den letzten 24 Stunden starken Auftrieb erhalten. In Valencia habe eine Anarchistengruppe versucht, in den von dem bolschewistischen Oberhäuptling Aza na bewohnten Palast einzudringen, um gewaltsam gegen diesen wegen der Verhaftung einer Reihe von Anarchisten vorzugehen. Bei dem Kampf mit Azana-Anhängern seien zahlreiche Anarchisten getötet ober verwundet worden. Anschließend seien neue Verhaftungen in anarchistischen und syndikalistischen Kreisen erfolgt. In Barbastro und Caspe seien „Polizei"-Abteilun- gen aus Barcelona eingetroffen mit dem Befehl, den Kommunisten und Sozialoemokraten gegen die Anarchisten Hilfe zu keiften Der sog. „Präsident" des Rates van Aragon, der zu den Anarcho- Syndikalisten übergegangen war, fei vom Valencia-Ausschuß seines Amtes enthoben worden, was wiederum in Barcelona scharfen Protest ausgelöst habe. Trotz strenger Absperrung sei es den Demonstranten gelungen, in die Innenstadt einzudringen. Erst nach blutigen Kämpfen seien sie von der „Polizei" in die Vororte zurückgedrängt worden. Der Hauptsitz der Anarchisten und Syndikalisten sei die Vorstadt von Barcelona, Mont- j u i ch , wo sie Waffen- und Munitionslager angelegt hätten. Die Sommermanöver auf Sizilien. Rom, 13. Aug. (DNB.) Die großen italienischen Sommermanöver auf Sizilien haben mit der Landung des angreifenden Armeekorps begonnen Bei der Ueberlegenheit der Luftwaffe und der Flottenftreitkräste wurde sie ohne größere Kampfhandlungen, wenn auch unter lebhaftem Widerstand ber* Küstenverteibigung, erfolgreich burchgeführt. Unter dem Schutz einer Flottendivision und von zwei aus Libyen kommenden Flug- zeuggefchwadern wurde zwischen Marsala und Maz- zara die Landung von größeren Truppenverbänden durchgeführt Die Operation war, wie es in der amtlichen Darstellung heißt, in jeder Beziehung für die Zusammenarbeit aller Wehrmachtsteile interessant und hat wichtige praktische Ergebnisse zum weiteren Studium des Problems der Landung einer größeren Vorhut an offener, vom Feind besetzter Küste geliefert. Der König und Kaiser sowie der Kronprinz haben den Operationen beigewohnt. Japans Ingendsührer als Gast Baldur von Schirachs. Berlin, 13. Aug. (DNB.) Am Freitag trifft Graf Posinori F u t a a r a, Mitglied des japanischen Herrenhauses und Oberdirektor des „A l l j a p a n i- jchenJugendverbandes" in Begleitung von zehn japanischen Jugendführern in Deutschland ein als Gäste des Reichsjugenbführers. Eine Möglichkeit, sich mit den Jugendeinrichtungen Deutschlands vertraut zu machen, bietet sich den Gästen bei dem in Bremen ftattfinbenben Gebietssport- f e st. lieber 100 000 Hitlerjungen werben vor dem Reichsjugenbführer unb ben japanischen Gästen vor- beimarschieren. Der 16. unb 17. August ist für Besichtigungen in Hamburg vorgesehen; am 18. August begeben sich die japanischen Jugendführer nach Düsseldorf. Der persönliche Kontakt zwischen dem Grasen Hutara und dem Jugendführer des Deutschen Reiches wird für die Zusammenarbeit der HI. mit dem Alljapanischen Jugendverband von richtunggebender Bedeutung fein. Bei dem ehrlichen Wunsch der japanischen Jugend zum gegenseitigen Verständnis zwischen allen Ländern der Welt und bei dem freundschaftlichen Verhältnis zwischen Deutschland und der fernöstlichen Großmacht, ist eine fruchtbare Zusammenarbeit ihrer Jugendverbände leicht vorauszusehen. Vom Goldrausch zum Goldschrecken. Von Otto Corbach Vor sechs, sieben Jahren führte eine allgemeine Absatzkrise für Nahrungsmittel und industrielle Rohstoffe in den Erzeugerländern zu merkwürdigen Formen der Selbsthilfe. In Argentinien wurden Baumwvllballen an den Stapelplätzen verbrannt, reife Weizenfelder einfach umgepflügt, Vorräte, die. in den Seehäfen lagerten, ins Meer versenkt. In Brasilien wurden Kaffeesträucher vernichtet unb große Vorräte an Kaffee verbrannt. Die Hollätisch- Ostitische Kompagnie ließ Tausenbe Zentner Gewürz vernichten. USA. unb Aegypten verbrannten Baumwolle. In Oklahoma, USA., brachte bie Erdölgewinnung nicht mehr genügend Gewinn. Der Gouverneur ließ daraufhin einige taufend Bohrtürme versiegeln, damit das Del wieder teurer werde. Sie wurden von 800 Soldaten besetzt, die die Durchführung der Betriebseinstellung über» wachten. Von alledem ist seit einigen Jahren nicht mehr die Rede. Die Nachfrage nach den wichtigsten Lebensmitteln, Rohstoffen und Jndustrieerzeugniss. n nahm sprunghaft zu und an vielem herrscht in den meisten Ländern wieder empfindlicher Mangel. Hat deswegen der vernünftige Massenverbrauch im allgemeinen entsprechend zugenommen? Keineswegs. Die neue Weltkonjunktur wurde in großem Umfange hervorgerufen durch ein neues Welt-Wettrüsten, d. h. mit dem Vorbehalt, daß über kurz ober lang ein neuer Krieg bafür sorgen werbe, daß xum mindesten die Mehrerzeugung durch eine maf- senhafte Zerstörung von Gütern wettgemacht werbe. Es gibt nun aber gewiß seltene Güter, beren Dauerhaftigkeit aller zerstörenben Natur- unb Menschenkräfte spottet. Dazu gehört vor allem bas Gold. Gold rostet nicht wie Eisen, fault nicht wie Kartoffel, veraltet nicht wie Zeitungen, explodiert nicht wie Dynamit, widersteht dem Feuer und ätzenden Säuren, wird nicht von Motten zerfressen, noch vom Zahn der Zeit zernagt. Gold, das vor Jahrtausenden zutage geschasst wurde, kann noch m dem gegenwärtigen Goldvorrat der Welt enthalten sein. Auch die zerstörenden Gewalten des Krieges können der unverwüstlichen Natur des Goldes nichts anhaben. Die Jahresausbeute neu zutage geförderten Goldes stieg im Gewicht von 19 673 000 Unzen im Jahre 1929 auf 35 254 000 im Jahre 1936, während aber die Ausbeute von 1929 mit 80 Millionen Pfund Sterling bewertet wurde, stellte die Ausbeute von 1936 einen Wert von 250 Millionen Pfund Sterling dar. Die starke Preissteigerung des Goldes ist zurückzuführen auf eine Abwertung von etwa 40 v. H. im Ausdruck von Dollar, Pfund Sterling und anderen Währungen. Eine Unze Gold hat heute 166,66 v. H. des Wertes von 1929 in Pfund Sterling, d. h. sie kostet 140 Schilling statt 84 f. IIV2 d.; in Dollar ausgedrückt hat sie gegenwärtig 169 v. H. des Wertes von 1929. Der Gesamtwert für Geldzwecke verfügbaren (monetären) Goldes betrug 1932 11 512 000 000 Dollar, 1937 hin- gegen 22 697 000 000 Dollar. Die angehäuften Vorräte monetären Goldes find teils durch Währungsabwertungen, teils infolge wachsender jährlicher Ausbeute an neuem Golde, heute doppelt soviel wert wie vor 5 Jahren. Die nordamerikanische Union allein verfügt über 12 Milliarden Dollar monetären Goldes, eine Summe, die dem Werte des gesamten Goldvorrates der Welt im Jahre 1932 entspricht. Die gewaltige Wertsteigerung des Goldes bei starker Zunahme der Goloförderung beweist schlagend, daß die moderne Kulturmenschheit trotz aller Fortschritte bargeldlosen Verkehrs in immer größere Abhängigkeit vom Golde geriet, statt daß sie dessen uraltes Joch abschütteln lernte. Wenn goldarme Länder aus der Not der Tugend machen und in ihrem Geldwesen schlecht unb recht ohne ausreichenbe Golbdeckung auskommen lernen, so änbert das im ganzen an den Weltwährungs- verhältnisien nichts, solange die Wertschätzung des Goldes im Weltmaßstäbe zunimmt. Erft ein metallfreies Währungsfystem, dem eine welterobernde Das Gesicht einer Stadt. Von Walter Schwerdtteger. Von ber Höhe bes Funkturms sehen wir hinaus über Berlin. Im silbrigen Dunst verschwimmen weit braußen Dächer und Kuppeln, Brücken unb Essen. Unablässig entstehen neue Linien im Gesicht biefer Stabt, löschen die Vergangenheit aus, unb man kann sie nur noch erkennen, wenn man das Neue sorgsam entfernt wie die Uebermalungen auf einem alten Bilde. Aus dem Gesicht ber Stabt verschwinben zunächst die Bauten des neuen Reiches: der Erweiterungsbau ber Reichsbank, für ben das Haus Benjamin Raules, Generalbirektors ber branben- burgischen Marine zur Zeit bes Großen Kurfürsten, unter ber Spitzhacke fiel; die Bauten für bie neue Reichskanzlei; ber monumentale Block bes Luftfahrtministeriums; bie gläserne Galerie auf bem Ausstellungsgelände. Das Amphitheater des Olympia-Stadions versandet im Grünewald. Die breiten Asphaltbänder der Avus zerschmelzen zwischen Gras unb Baumwurzeln. Pferbehufe klappern in ben Straßen, aus benen bie Bürohochhäuser unb bie großen, lichtüberfluteten Kinos verschwunben finb. Zuweilen sieht man eins jener hohen Kutschautomobile, bie Daimler unb Benz bauten, zwischen ben schwanketen Pferbeomnibussen, auf deren Bock bie „Konbukteure" mit fpiegelnbem Zyliter sitzen. Gras überwuchert bie Temp e l h 0 f e r Gemarkung, die riesige Inschrift BERLIN vor dem Rollfeld des Flughafens. Wenn nicht ber Kaiser hier Parabe abhält, kann man strickende Schä- jer mit ihren Herden antreffen. Eben erst macht Lilienthal in einem Gestell mit seltsamen Fleder- mausflügeln die ersten Gleitflüge vom Lichterfelder Berg, au dem man mit ber neuen, vielbestaunten elektrischen Straßenbahn hinausfahren kann. Weggewischt von magischer Hanb sind die Rand» siedlungen der Stadt. Verlassen träumen die Havel- feen, ohne Faltboote unb Zeltstäbte an ben Ufern bes Wannsees, dessen Strandbad heute zuweilen 80 000 Besucher hat, liegen ein paar Männer unb Frauen in gebauschten, sackartigen Streifenkostümen unb geben Acht, ob irgenbroo ber Pickelhelm eines Schutzmanns auftaucht: denn Baben ist streng verboten. Das ist Berlin unter Wilhelm II. Unaufhaltsam schrumpft ber steinerne Polyp zusammen. Roggen- unb Kartoffelfelber wachsen über bie eleganten Viertel des Westen s. Der Kur- fürftenbamm ist eine Allee, die zwischen Wiesen nach Halensee hinausführt. Der Zoologische Garten ist ein Ausflugsziel, zu dem man Sonntags mit Kremsern fährt. Die Bauten ber wilhelminischen Aera, in ber sich alle Architekturstile ber Vergangenheit trafen, finb weggeräumt: bie romanische Gebächtniskirche, Ihnes Barock, W a 11 0 t s Reichstagsgebäube. Fortgerisfen finb die Spekula- tionsbauten ber Grünberjahre, bumpfe, lichtlose Mietskasernen ohne Gesicht. Die Schächte ber Untergrundbahnen schließen sich. Die eisernen Hallen ber Bahnhöfe löjen sich nacheinander in Luft auf. Die glitzerten Gespinste ber Bahngeleise, bie bie Spree umschlingen, zerflattern wie Altweibersommer. Nur vom Potsbamer Bahnhof schnaubt noch eine kleine Lokomotive mit einem Schornstein, ungeheuer wie bie Biebermeierhütte ber Reisenden, durch bie Felder nach dem „Vergnügungsaufenthalt Steglitz". Borsig baute sie in seinen Werkstätten norm Oranienburger Tor, wo bie junge Maschinenindustrie sich angesiedelt hat. Langsam verliert die Stadt ben gewerblichen Charakter. Die Fabriken finb von Gärten aufge- faugt. Die Spree wird breiter und idyllischer. Last- kühne, Hafenanlagen, Kühlhäuser unb Getreidespeicher machen flachen, Kiefer bestandenen Ufern Platz. Auf ber Terrasse ber Konbitorei von Kranz- ler Unter den Linden sitzen die Stutzer mit langen Zigaretten unb löffeln gefrorenes Tutti Frutti. Am (Benbarmenmartt, wo Schinkel grabe nach bem Brand das neue Schauspielhaus errichtet, stellt ber Küfer im Keller der Weinstuben von Lutter unb Wegener immer neue Flaschen Rotwein vor den Herrn Kammergerichtsrat E. Th. A. Hoffmann, der hier mit seinen Freunden zecht. Nun versinkt auch bas Berlin ber Romantik. Das Wahrzeichen Berlins, bas Branbenburger Tor mit bem Viergespann ber Siegesgöttin, ist fort; nur die Häuschen der Torschreiber stehen neben bem Holzgitter in ber Stabtmauer, unb wenn der Kupferstecher Chobowiecki von einer Promenade vor bem Leipziger Platz zurückkehrt, muß er am Tor Akzese zahlen. Auf bem Forum Friebe- ricianum, an besten Eingang heute bas berühmte Reiterbenkmal Friebrichs bes Großen von Rauch steht, hat Knobelsdorfs, der Erbauer oon Sanssouci, bie Oper errichtet. Gegenüber ist bas Palais bes Prinzen Heinrich, bas heute die Universität beherbergt. Die Türme, die G 0 n t a r d an die beiden Kirchen auf dem Gendarmenmarkt geklebt hat, löjen sich ab. Aus der Wilhelmstraße verschwinden die Regierungsgebäube, die unter bem Einfluß holländischer unb französischer Baukunst ber für ben Anfang bes 18. Iahrhunberts bezeichnet ist, bort errichtet waren. Schloß Monbijou versinkt wie ein Rokokotraum. Wo bie Häuser aus ber Zeit bes Soldatenkönigs standen, für bie ber bau- wütige König Gelänbe unb Nutzholz oft verschenkt hatte, niebrig, schnurgerabe ausgerichtet wie bie Grenabiere, mit Hohen, spitzen Giebelbach-Mützen, ist nur noch abgestecktes Baugelänbe. Das reael- mäßige Straßennetz ber Friedrichstadt, in Der viele ber von dem Großen Kurfürsten aufgenommenen Rsfugiss wohnten, lockert sich auf unb verwirrt sich. Die astronomischen Einwohnerzahlen Berlins sinken rasch ab, wir nähern uns der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Der barocke Schloßhof Andreas Schlüters versinkt, das Zeughaus mit ben erschütterten Masken ber fterbenben Krieger. Wo sich ber Lustgarten mit Laubengängen unb Wasserkünsten ausbehnte, ist nur eine Pferdeschwemme geblieben. Ein unregelmäßiger Ring von Mauern und Bastionen zieht sich um die Stadt zusammen. Vor ben Toren drängt sich der Tiergarten, der wilbreiche sumpfige Forst der Kurfürsten, an die Stadt. Die schönste Straße, die Lindenallee zum Schloß, ist zur „Plantage" eingeschrumpft, unb bie Schweine ber Bürger wühlen im Morast, obwohl es ber Rat „burchaus nicht leiden mag". Am alten Schloß lösen sich bie Erweiterungsbauten Lynars unb Kaspar T h e y ß' in Dunst auf; bann verschwinbet auch ber letzte Rest des Ziegelbaus mit bem „Grünen Hui". Die Duabern ber Zwingfeste, bie ber Kurfürst Friedrich Eise^zahn errichtete, als er sich in bie unbotmäßige Stadt verbissen hatte, versinkt in Schlamm. Mittelalterliche Gassen scharen sich vor bem großen Brand von 1380 um ben frühgotifchen Backsteinbau ber Nicolaikirche. Die Ziehbrücke und die hölzernen Pfahlbrücken, die die Schwester» städte Berlin und Cölln verbinden, vermorschen. Ihr gemeinsames Rathaus auf der „Langen Brücke" versinkt im Zpriawa-Fluß. Eine kleine ostdeutsche Siedlung bleibt in der Talmulde, wo die alte Bernsteinstraße den Fluß überquert. Was war vorher? Eine slawische Niederlassung? Nur wenige Funde und die Namen der Städte scheinen darauf hinzu- weisen. Sicher ist, daß um die Zeitwende dichte Dorfgemeinschaften der germanischen Semnonen hier waren. Viertausend Jahre alte urgermanische Bronzewaffen hat man hier gefunden. Wo ist ein Anfang? Der Anfang einer Stadt verliert sich im Dunkel wie der Ursprung alles lebendigen Seins. Arbeiten auf lange Sicht. Dor nahezu hundert Jahren haben die Brüder Grimm das ,Deutsche Wörterbuch" begonnen, und es ist zur Zeit bis zum 18. Bande gediehen. Während der letzten Jahrzehnte ist, wie im Augustheft der »Deutschen Rundschau" ausgeführt wird, vom Deutschen Wörterbuch meistens nur gesprochen worden, wenn über die ewige „Unvollendete", daS Schmerzenskind der deutschen Philologie, gespottet wurde. So lange aber die deutsche Sprache noch existieren wird, wird dieses Buch seinen unvergleichlichen Wert behalten, in dem unsere neuhochdeutsche Schriftsprache gewisiermahen gehortet ist. Es ist auch viel zu wenig bekannt, daß das Wörterbuch für rund 20 Buchstaben des Alphabets fertig ist und daß es für unzählige Fragen, mit denen heute nvchdieBehörden.dasDeutscheSprachpflegeamtusw. überflüssig belastet werden, längst die gegebene Auskunstsquelle sein kann. Zur Zeit wird von einem Mitarbeiterstabe von etwa 20 Mann in der Stille intensiv am Werke gearbeitet, und nach dem Organisationsplan des im März gestorbenen Berliner Germanisten Arthur Hübner ist zu hosten, daß es in ein paar Jahren fertiggestellt sein wird. Wenige wiffen auch von dem ebenfalls seit Jahrzehnten bearbeiteten „Thesaurus linguae latinae“, dem ersten vollständigen Wörterbuch der lateinischen Sprache, einer deutschen Planung, die das höchste Jntereffe der ganzen gelehrten Welt gefunden hat und in letzter Zeit auch durch die Rockeseller-Stiftung gefördert wurde. Es ist für die Buchstaben A bis H, außer E, fertiggestellt; teils nur um der Ehre willen, teils für ein bescheidenes Honorar arbeitet ein Stab hervorragender Philologen mit, und in beiden Werken werden literarische Ewigkeitswerte geschaffen, ohne daß viel von ihren Schöpfern gesprochen würde. Es gibt noch mehrere zur Zeit laufende philologische Großarbeiten, in denen der gleiche Geist waltet; die Gesamtausgabe Jean Pauls, von deren 30 Bänden achtzehn seit .925 erschienen sind und die in zehn Zähren fertig sein dürste; die historisch- kritische Ausgabe der Briefe Riehsches, die bis zum vierten Bande gediehen ist und die sehr langsam fortschreitenden Gesamtausgaben Wielands, Grillparzers und E.T A. Hoffmanns. Sin außerordentlich wichtiges Werk, das eine bibliographische Leistung darstellt, ist der von der Preußischen Staatsbibliothek herausgegebene „G.K.", der Gesamtkatalog der Bücherbestände der großen deutschen und österreichischen Bibliotheken, der ungefähr 40 Millionen Bände erfaßt, er ist erst im Buchstaben A fertig und wird wohl noch gut ein halbes Jahrhundert Arbeit erfordern. ß. Hauptschristleiter: Dr Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum» schein Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr Fr. W. Lange- für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot (beurlaubt), i. V.: Dr. Fr. W. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Blumfchem. Anzeigenleiter: Hans Beck (beurlaubt) Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VII. 37: 9076. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugs» preis RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufs» preis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig, Schwere Straßenkämpse in Schanghai Ein Venchi der Lage zu um as deuten würde. Eines Tages wird gewiß trotz aller Stutzungs- maßnahmen der Goldpreis herabgesetzt werden müssen, aber es mag dann noch größere Anstregungen erheischen, ihn auf dem neuen Stand zu halten, als ausreichen würde, ihn überhaupt nicht sinken zu lassen. Man könnte daran denken, die Goldproduktion durch ein internationales Abkommen einzuschränken, aber die gewiegtesten Sachkenner sind der Meinung, daß sich ein solcher Plan praktisch als undurchführbar erweisen würde. Es gibt nur ein wirksames Mittel, den Goldwert von dem Druck sterilisierter Goldmengen zu befreien: man mußte die goldarmen Länder in die Lage versetzen, durch gewinnreichen Handel sich wieder einen angemessenen Anteil an den Goldvorrat der Welt zu erwerben. Gerade dagegen sträubt sich die Mi- oias-Natur der größten Goldbesitzer. Was sie anfassen, wird ihnen zu Gold, mit dem sie für geldschöpferische Zwecke nichts anzufangen wissen. Wie andere drängende Ausgaben internationaler Zusammenarbeit, so wartet die Lösung des Gold-Problems auf einen Erfolg ehrlichen Ringens um einen Ausgleich machtpolitischer Gegensätze, ohne deren Ueber- windung die Welt nicht wieder in Ordnung gebracht werden kann. (peumanns (per3=Q)ilfc unterstützt und regelt die ficbeitsfraft 3hres Herzens. Heumanns Herz-Hilfe ist unschädlich und aus rein pflanzlichen Heilstossen zusammengesetzt. • Zu haben in den kipotheken für RM. 2.50 die Packung. Sie reicht ca. 1 Monat. Diese Luftaufnahme zeigt im oberen Teil des Bildes, gegenüber dem rechten Dan japanische Konsulat in Schanghai. — (Scherl-Bilderdienst-M.) zurück. Die Japaner holten Verstärkungen herbei, konnten die Brücke aber nicht wieder gewinnen. Kurz nach 16 Uhr eröffneten die Japaner den Kampf von neuem mit Artilleriefeuer, worauf die Truppen der 88. chinesischen Division ebenfalls mit Unterstützung der Artillerie oorgingen und die inzwischen geräumte Brücke um 17.30 Uhr wieder besetzen konnten. Der Verlauf des Kampfes, in dem die Chinesen die Brücke in ihrem Besitze behalten konnten, führte zu einem heftigen Artillerieduell, durch das ein großer Gebäudekomplex an der Paofchan-Straße in der Gegend des 1932 zerschossenen Gebäudes der Commercial Preß z e r st ö r t wurde. Im Raume der Paoschan- und Tientungan-Straße entbrannte ein heftiger Kampf, in dem auch zahlreiche Maschinengewehre eingesetzt wurden. Gegen 20.40 Uhr ebbte das Artilleriefeuer ab und später waren nur noch vereinzelte japanische Salven zu hören. Nachdem die Kampfhandlungen um 21.30 Uhr ganz aufgehört hatten, wurde das Artilleriefeuer am Samstagmorgen um 2.30 Uhr aus annähernd den gleichen Stellungen wie Freitagabend wieder ausgenommen. Gewehr- und Maschinengewehrfeuer ist deutlich hörbar und die Häuserkomplexe in der Nähe der Patsu-Brücke stehen wieder in Hellen Flammen. Während der Nacht haben die Japaner anscheinend schwere Geschütze in Stellung gebracht, auch Minenwerfer wurden eingesetzt. Auch auf die anderen Brücken über den Sutschau-Creek haben die Japaner ihre Aufmerksamkeit gelenkt. An der Nordseite der Brücken, die non der eigentlichen internationalen Niederlassung über den Sutschau-Creck zur erweiterten internationalen Niederlassung führen, errichteten die Japaner Sandsackbarrikaden und besetzten sie mit starken Posten. Sie erließen einen strengen Befehl, alle sich nähernden Personen ohne Unterschied der Nationalität auf Waffen zu durchsuchen. Um die chinesischen Schützen im Rücken aufzufinden, untersuchte Gendarmerie alle Häuser. Im Osten des Hongkiu-Distrikt entbrannte der Kampf vor allem im Gebiet der japanischen Textilfabriken um den Yangtsepu, Huangpu abwärts, wo die Chinesen an griffen. Die japanischen Truppen, die die Fabriken verteidigten, erhielten am Freitagabend Unterstützung durch die japanischen Zerstörer „K u r i" und „S e t a", die mit ihren Geschützen in den Kampf eingriffen, als sich die chinesischen und japanischen Truppen auf 100 Meter gegenüberlagen. Ein neutraler Beobachter konnte feststellen, wie ein chinesisches Maschinengewehrnest nördlich des Pukong-Kai Feuer auf einen japanischen Zerstörer eröffnete Daraufhin richteten die japanischen Kriegsschiffe querab von SSufung um 18 Uhr ihre G-lchLtz- auf den ; Nukong - Kai und gaben einige Schüsse ab Auch javanischen Nachrichtenagentur Domei lassen er- enn^n daß die Chinesen den Versuch machten den Hongkiu-Distrikt östlich und westlich .....MI a m m e r n, roas ihnen auch teilw eise jungen au sein scheint. Oestlich und westlich 6onakiu°Distrikts geht der Kampf um den B - s?tz der P at | u - Briicke, ,di° 800 Meier mott ich des Hongkiu-Parks und nördlich des iapa- Ni ch-n Wf® über den Euiichau-Cr-ek führt. Am Freitagvormittag Zogen die Japaner ihre Linien vor, um die Patsu-Brucke m ihren Besitz zu dringen. Da die Chinesen die Besetzung der Brücke durch die Japaner für unrechtmäßig hielten, gingen sie gegen die Japaner vor und drängten sie Unsere Karte gibt einen Ueberblick über Schanghai mit der Lage der Chinesenstadt T s ch a p e i, wo sich auch der umtämpfte Nordbahnhof befindet. — (Scherl-Bilderdienst-M.) hier wurden um 21.30 Uhr die Kampfhandlungen eingestellt, um gegen Morgen wieder aufzuleben. Freitag transportierten zwei japanische und em französisches Handelsschiff 3 0 0 0 japanifaje Flüchtlinge, meistens Frauen und Kinder, aus Schanghai und den Vangtse-Häfen nach Japan. In der japanischen Kolonie Schanghai wurden alle Reservisten aufgeboten. Die Flammen der riesigen Brände schlagen hoch zum Himmel empor und erlauben einen Einblick, daß ganze Stadtteile in Flammen stehen. Die Straßen sind mit Flüchtlingen gefüllt, die von Liohu am Yangtse- fluh 40 Kilometer von Schanghai fluchten muhten, weil dort Soldaten der japanischen Armee landeten, die die nördliche Flankenstellung bilden sollen. Die japanischen Stellungen am Hongkiu-Creek liegen unter chinesischem Feuer. Das japanische G e - n e r a l k o n s u l a t und die flußabwärtsliegenden Kais japanischer Schiffahrtsgesellschaften sind schwer verbarrikadiert. Mit dem Einsetzen eines Regens als Vorbote eines Taifuns trat am Samstag früh um 3.45 Uhr (Schanghaier Zeit) eine Gefechts» pause ein, nachdem noch längere Zeit Maschinengewehrgeknatter und Geschützseuer zu hören waren. Große Brände, deren Zahl sich um drei weitere vermehrt hat, beleuchten gespensterhast rötlich den Himmel über Schanghai. Das Artillerie- euer lebte dann um 4.30 Uhr erneut wieder auf. Auch mit Maschinengewehren wurde geschossen. Die Feuertätigkeit war sehr lebhaft, und man nimmt auf Grund der kurzen Salvenfolgen an, daß die Zahl der im Gefecht eingesetzten Geschütze verstärkt worden ist. Wie die Agentur Domei berichtet, mürben chinesische Flugzeuge eingesetzt, die das Hauptquartier der japanischen Landungstruppen in Schanghai mit Bomben belegten. Als Gegenmaßnahme haben die japanischen Truppen ihre Luftwaffe und Flugabwehrgeschütze eingesetzt. nicht Schritt halten. Die Anhäufung des Goldvorrates der Welt in immer wenigeren Ländern hat ein Tempo angenommen daß Goldreichtum aus einem Segen sich in einen Fluch zu verwandeln droht. England hat seinen Goldschatz seit 1931 versechsfacht, die nordamerikanische Union den ihrigen vervierfacht. Dagegen ist selbst das Gold Frankreichs seit 1934 mehrmals zur Hälfte ins Ausland geflohen. Gerade die letzten Tage haben ja eine phantastische Goldflucht aus Frankreich gebracht. Würden nun England und die Vereinigten Staaten aufhören, Gold zu kaufen, das bei ihnen Zuflucht sucht, so würde das die Demonetisierung des Goldes zur Folge haben. Es würde nicht mehr den Generalnenner für die verschiedenen Wäh- rungssysteme abgeben können. Der ganze internationale Verkehr würde in Unruhe und Verwirrung gestürzt werden. Wielange aber können England und USA. fortfahren, immer größere Mengen Gold zu kaufen und zu sterilisieren, nur um den Goldpreis auf seiner gegenwärtigen Höhe zu halten? Seine Herabsetzung würde katastrophale Wirkungen auf das Wirtschaftsleben der britischen Dominien, besonders Südafrikas, ausüben. Eine Gruppe von Sachverständigen, die von der Minenkammer in Johannesburg mit entsprechenden Nachforschungen betraut wurde, wies auf Grund eines reichhaltigen Materials nach, daß die Hälfte der B e - Dotierung der südafrikanischen Union ihr Einkommen unmittelbar oder mittelbar aus den Goldminen am Rand zieht, und daß die Hälfte des S t a a t s e i n t o m m e n s aus derselben Quelle stammt. Es gibt kaum einen Menschen in Südafrika, der nicht irgendeinen, wenn auch noch so geringen Anteil an den Gewinnen aus der Goldindustrie hätte. Die Gesamtausfuhr der südafrikanischen Union wurde 1935 mit rund 100 Millionen Pfund Sterling bewertet; mehr als 71 Millionen Pfund kamen davon auf Goldbarren. Bei den wachsenden Spannungen zwischen den Rassen und Kla - jen, in die die Bevölkerung Südafrikas gespalten ist, kann man sich ungefähr vorstellen, was für ein Unheil ein Zusammenbruch des „Gold-Booms be- Krast innewohnte, könnte die Herschaft des Goldes erschüttern. Die Völker des Abendlandes sind jedoch eher auf dem Wege, in ihrem Geldwesen in überwunden geraubte Zustände zurückzusinken, als vorwärts zu schreiten. Wenn viel mehr Gold, als Jahr für Jahr in Südafrika und anderwärts mühsam aus der Erde gegraben wird, in wenigen ganz großen und zahllosen kleinen Horten versickert, ohne Handel und Wandel beleben zu helfen, so unterscheidet sich dieser Vorgang nur in seinen Ausmaßen von dem allgemeinen Drange der Bevölkerung verkehrsunsicherer asiatischer Gegenden, Silber in kleinen und kleinsten Mengen zu horten und dadurch feiner Funktion als Tauschmittel zu entziehen. Wenn in ben Vereinigten Staaten 900 Millionen Dollar Gold sterilisiert" werden mußten um einer Erschütterung des Preisniveaus des Goldes vorzubeugen, so ist das im Grunde ebenso unwirtschaftlich und um finnig, als wenn in China oder Indien Silbermen- aen in entsprechendem Gesamtwerte vom Markte m Zehntausenden und aber Zehntausenden von kleinen Horten verschwinden. In einem Fall legt Verkehrsunsicherheit vorhandene Möglichkeiten lahm, Gold als Geld „arbeiten" zu lassen, im anderen läßt sie die Entwicklung moderner Geld- und Kreditwirtschaft mit der Ansammlung von Geldstoff In der größten Hafenstadt Asiens, Schanghai, dem Häuptern- und Ausfuhrhafen Chinas, ist am Freitagmorgen, nachdem am Tage vorher bereits Vorgefechte eingesetzt hatten, der offene Kampf zwischen den Japanern und den Chinesen ausgeorochen. Die Japaner hatten von dem Bürgermeister von Schanghai Genugtuung gefordert wegen des Verschwindens zweier japanischer Militärs. Sie haben in Schanghai die größten Textil- pinnereien, es leben mindestens 30 000 Japaner in der Internationalen Niederlassung. Der Schutz dieser Japaner wird von der japanischen Regierung jetzt durchgeführt. Der Bürgermeister von Schanghai hatte es abgelehnt, die chinesische Gendarmerie zurückzuziehen, Die gegen die japanischen Truppen Verteidigungslinien gezogen, Barrikaden gebaut und Drahtverhaue angelegt hatte. Er erklärte sich nur bereit, die Drahtverhaue wegzuräumen, wollte aber von einer Zurücknahme der Truppen auf die eigentliche Chinesenstadt nichts wissen. Daraufhin ließen die Japaner ihre Truppen in Alarmbereit- chaft setzen, und rund 30 japanische Schlachtschiffe, Kreuzer und Zerstörer erschienen vor den Wusung- Forts unmittelbar vor Schanghai, um neue Truppen zu landen. Die Lage erinnert an die Januartage des Jahres 1932. Auch damals waren im Gewirr der Schanghaier Gassen japanische Soldaten verschwunden, und die Chinesen weigerten sich, den Japanern da- für Genugtuung zu geben. Ein Ultimatum des japanischen Generals wurde zwar am 21. Januar 1932 dank den Bemühungen der Engländer und Amerikaner von den Chinesen angenommen, aber am 28. Januar entbrannten in dem dichtbevölkerten Häusermeer plötzlich schwere Kämpfe, die mehrere Wochen andauerten. Schanghai ist so angelegt, daß auf eine rein chinesische Südstadt eine französische Niederlassung folgt, in der auf zehn Quadratkilometer rund eine halbe Dttllion Chinesen und etwa 20 000 Ausländer leben. Dann kommt erst die Internationale Niederlassung, die von 48 Nationen besiedelt ist, einschließlich der japanischen, und die das Hauptzentrum des Geschäftslebens der Riesenstadt bildet. Auch hier leben fast eine Mil- Kämpfe um den Aankan-paß. Tokio, 14. Aug. (DNB. Funkspruch.) Trotzdem Schanghai im Mittelpunkt des Interesses steht, wird man erneut auf den übrigen Kampf i n Nordchina aufmerksam. Nach einem Bericht der Agentur „Domei" Dringen die Japaner i n Richtung auf den Nankau-Paß vor, wobei sie beim Ueberwinden schwieriger Geländeverhältnisse m zähe Einzelkämpfe verwickelt werden. An Der gesamten Front macht sich st a r f e r W i - Der st and der chinesischen Zentraltrup- p e n bemerkbar, Die ein tiefes Netz von Verteidigungsstellungen längs den Eisenbahnlinien und den Bergen ausgehoben haben. An der Südfront herrscht an der Peiping-Hankau-Linie erhöhte Gefechtstätigkeit. Bei Lianghsiangkam es zu wiederholten heftigen Gegenangriffen der chinesischen Zentralarmee. Sie konnte jedoch von den japanischen Truppen erfolgreich zurückgeschlagen werden. Wie von chinesischer Seite gemeldet wird, planen die Japaner die Heranziehung weiterer Streitkräfte nach Nordchina. Die japanischen Militärbehörden sollen Die Verwaltung Der Kailan- Kohlenbergwerksgesellschaft Davon verstänDigt haben. Daß ihr Hafen in Tschinwangtao in Der Zeit vom 15. bis 17.August zur Landung japa- nischer Truppen benutzt werden würde. Schuh der amerikanischen Bürger in China. Neuyork, 14. Aug. (DNB. Funkspruch.) infolge Der Verschärfung Der Lage in China erhielt der Kreuzer „Augusta", Das Schlachtschiff Des USA.» GeschwaDers ist Den ostasiatischen Gewässern, Den Befehl, Schanghai zum Schutz Des Lebens und Des Eigentums Der amerikanischen Bürger anzulaufen. Die übrigen Schiffe Des GeschwaDers haben Den Befehl erhalten, in anDeren Häfen, wo sich amerikanische Staatsbürger befinden, vor Anker zu gehen. In Den Marinekreisen wirb erklärt, baß nicht beabsichtigt werben Truppenoerstärkungen aus Manila nach Schanghai zu entsenden. Die in ber internationalen Nieberlassung biefer Stabt befinb» lichen 1300 amerikanischen Offiziere unb Solbaten genügten, bis auf weiteres für ben Schutz ber USA.-Staatsbürger zu sorgen. Wetterbericht des RelchsMelterdienlles. Ausqcibeor» Frankfurt. Unsere Witterung wirb seit Freitag burch Die Zufuhr feuchter Meeresluft begünstigt, wobei Durch- ziehenbe Störungsfronten zeitweilig verstärkte, teilweise gewittrige Nieberkläge auslösen. Durch ben Aufbau eines Hochbruckgebietes über ben Ost- Atlantik wirb Die Zufuhr kühler Meeresluft gefor» bert. Vorhersage für Sonntag: Wechselnbe Bewölkung mit einzelnen, meist schauerartigen Niederschlägen bei lebhaften, über West nach Norbwest brehenben Winben, weitere Abkühlung. Schanghai, 14. Aug. (DNB.) Obwohl bie chinesischen unb japanischen Erklärungen von einanber abweichen, ba jebe Der beiben Parteien sich bemüht der anderen bie Schulb an ber Eröffnung ber Kämpfe zuzuschieben, ergibt sich am Samstag- früh boch ein ziemlich klares Bild ber Lage. An zwei Stellen ber Stabt entbrannten bie Kämpfe mit befonberer Heftigkeit. Reibungen ber lion Chinesen neben etwa 40 000 Auslänbern. Den Norbranb biefer Internationalen Nieberlassung haben bie Japaner inne. Nördlich biefer fremben Nieberlassung kommt abermals eine von Chinesen bewohnte Vorstabt, bas 1932 unb jetzt roieber umkämpfte Tschapei. Im Januar unb Februar 1932 setzten japanische Marinesolbctten, ßanbungstruppen unb Freiwillige in verhältnismäßig geringer Zahl zur Eroberung von Tschapei an, bas von etwa 3000 chinesischen Solbaten unter bem Oberbefhel bes Generals Tschen Ningschü oerteibigt wurde. Die Truppen waren modern geschult und bewaffnet und fetzten den japanischen Angriffen einen hartnäckigen Widerstand entgegen, so daß die Japaner, bie zunächst bis zur Eisenbahnstatton oorgebrungen waren, Tschapei nicht erobern konnten. Dafür würben bie Wusung-Forts von japanischen Schlachtschiffen niebergetämpft. Enbe Februar 1932 kam es zu neuen Kämpfen, bie Japaner nahmen Kiangwan ein, boch abermals scheiterte ein Angriff auf ben Norbbahnhof, ber mit Tanks unternommen würbe. Durch bie Vermittlung ber Amerikaner unb Englänber kam es bann zu einem Waffenstillstanb, ber allerdings im April durch bas Attentat eines Koreaners gegen japanische Wur- benträger gelegentlich einer Parabe in Schanghai unterbrachen würbe. Schließlich einigte man sich, aber ber Geaensatz ber Chinesen unb Japaner schwelte unter ber Asche fort; die Ereignisse in Nordchina haben auch in ber Chi- nesenstabt Schanghai zu Uebergrtffen geführt, gegen bie sich bie Japaner jetzt wehren. Diesmal aUerbmgs sinb auf beiben Seiten größere Truppenmassen bereitgestellt worben, um eine Wieberholung bes um entschiebenen Ausgangs von 1932 zu verhinbern. Nanking hat erklärt, es werbe kämpfen, es werbe bie Uebergriffe ber Japaner auch in Schanghai nicht mehr bulben, während bie Japaner bereit sinb, mit ben Chinesen zusammenzuwirken unter der Bedingung, daß sich China vom kommunistischen Einfluß befreit und daß die erworbenen Rechte der Japaner von ber Nanking-Regierung geschützt werben. Da beibe Auffassungen auseinanbertlaffen, mußten bie Waffen sprechen. Die belgischen Katholiken gegen ben Oottloienkonoreh in Brüssel. Brüssel, 13. Aug (DNB.) Der Plan Moskaus, in Brüssel bemnächst einen Gottlosen- kongreß zu veranstalten, ist in ber belgischen Presse auf starken Widerstanb gestoßen. Die belgische Katholische Partei will bei ber Regierung bahin wirken, daß bie Abhaltung biefes Kongresses, ber unter Aufsicht Moskaus stehe, verhindert werde Der Kommunismus verfolge auch mit diesem Kongreß sein Ziel zur Vernichtung ber Zivilisation. Heber bie für biesen Zweck verrichtete agitatorische Hetztätigkeit Sowjetruß- lanbs werben bemerkenswerte Angaben gemacht. Daraus ergibt sich, daß im Jahre 1936 bie sowjet- russischen Drahtzieher zum größten Teil m Spanien, Frankreich, Belgien, Hollanb, ber Tschechoslowakei unb Norb- und Südamerika gewirkt haben. Allein für Portokosten wurden von der sowjetrussischen Gottlosenbewegung 600 000 Rubel ausgegeben. Künftig würden diese Portokosten von ber sowjetrusfifchen Regierung übernommen werben. Die baburd) erzielten Ersparnisse würden für ben Werbefonbs Der G o 111 o s e n b e w e g u n g anDerroeitig verwenDet werben. Kasernierte Girirmkorps in Oesterreich. Wien, 13.Aug. (DNB.) Der Ausbau der erst kürzlich geschaffenen Sturmkorps der Vaterländischen Front, kurz „SK." genannt, wird mit großem Eifer betrieben. Es wird jetzt auch ersichtlich, daß es sich bei diesen Sturmkorps nicht um Formationen handelt, die nur von Fall zu Fall in Erscheinung treten, sondern die i n ständiger Dienstbereitschaft gewissermaßen ein Exekutivorgan der Vaterländischen Front darstellen sollen. In Wien und in allen Bundesländern wird daran gearbeitet, Kasernen für die Sturmkorps bereitzustellen. Zum Teil handelt es sich um Neubauten, zum Teil werden bestehende Gebäude für ihren neuen Zweck hergerich- tet. Die erste ber neuen SK.-Kasernen wird am Sonntag in Der Kärntner StaDt Villach ihrer Bestimmung übergeben werden. In W i e n werden SK.-Kasernen in allen Bezirken errichtet, Deren erste Mitte September ferttggestellt sein soll. ct3en 6«t3cn^ot HngV- HtenvR01 ßdüaV ^''Paoschanl Grenze der int. Niederlassungen q 1 2 A SESSEL nur im Fachgeschäft A. Wehrheim Löberstraße Nr. 17 V 5296 A J/ Seriöser Kaufmann sucht zwecks Uebernahrne ein Geschäftes we. 2cooo.- gegen gute Verzinsung. Schriftliche Angebote unter 04003 an den Gießener Anzeiger erbeten. Strümpfe besonders feinmaschig und dehnb., eine Spitzen- -4 AA leistung.......Mk. JL»W Strümpfe 3fachBemberg, beson- -g ders haltbar.....Mk. Strümpfe Seide auf Seide, un- -g verwüstlich .... Mk. FcttrOllI nnnGrOdß Frankfurter 8trabe 17 5314 A Die Zeit rückt immer näher, wo wir heiraten wollen. Jetzt heißt es sich nach dem 5315D «wbelkarrk umzuseh Vergess.Sie nicht, auch bei Kletzgev^ Schlecht Münzenberg anzufragen. Sie bekommen dort nach jedem Wunsch sowie Holzart ihre Möbel handwerksmäßig und trotzdem preiswert angefertigt. 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Verträumte Städtchen — an denen die Zeit vorübergegangen scheint — spiegeln ihre kleinen Giebel in Masurens Wassern, auf denen die Fischer ihre Netze nach wohlschmeckenden Maränen, nach den für die Kunstperlenindustrie wichtigen Ukleis und den in riesigen Schwärmen auftretenden Stinten auslegen. Um ihre Boote schaukeln sich Taucher und Wildenten in Scharen, die ihren Anteil haben an dem Reichtum der Tiefe, und aus dem Schilf heraus dringen fremde Laute einer seltenen Vogelwelt. Reiher streichen über einsame Buchten, in denen noch heute der Wildschwan in voller Freiheit lebt. Hier liegt das masurische Venedig: die Stadt N i k o l a i k e n. In ihrer Nähe dehnt sich Preußens größter See, der 119 Quadratkilometer große S p i r d i n g und einer der größten Wälder Deutschlands. Wahrzeichen und Wappenbild ist der sagenhafte Stinthengst, den in alter Zeit die Fischer glaubten, gefangen zu haben. Man fürchtete damals das Eingehen der Stinte, wenn man ihn töten würde, und da beschloß der weise Rat der Stadt, den Stinthengst an die Kette zu legen. Er ist heute noch an der Brücke zu sehen, geschmückt mit einem blumenbekränzten Krönchen. Meist liegt er unter Wasser. Sein Auftauchen wird von den Fischern mit großer Freude begrüßt, — soll es doch reichen Stintsegen versprechen. — „Treuburg, Treuburg, schönes Städtchen Treuburg, Treuburg, schöne Stadt Das die allerschönsten Mädchen Und den allergrößten Marktplatz hat!" singt man in Masuren. Man wird den Vers besser verstehen, wenn man erfährt, daß dieses kleine Städtchen — früher Marggrabowa genannt — den größten Marktplatz Deutschlands besitzt. Er ist über 25 Morgen groß ... Im Herzen Südostpreußens liegt L ö tz e n und In nächster Nähe die Festung B o y e n , die im Kriege zweimal vergeblich durch die Russen belagert wurde. Im Ordensschloß ist ein einzigartiges Museum untergebracht, in dem alle Dinge aufbe- »vahrt werden, die mit dem großen Weltgeschehen eon 1914 Verbindung hatten. Waffen und andere Beutestücke aus der Masurenschlacht, Photos aus der Russenzeit, Urkunden, Fahnen und andere Andenken lassen dem Beschauer noch einmal die Zeit lebendig werden, als dieses Land in schwerer Bedrängnis war. — Im südlichen Masuren — in der Nähe von Rudzanny — liegt das seltsame Eckertsdorf. Klobige Blockhäuser, ein Kirchlein mit 'Zwiebelkuppel und — wahrhaftig, es sind Russen, die uns ;Öort begegnen. Typen russischer Kleinbauern sieht man, die noch abends um ihren dampfenden Sa- movar sitzen, oder den kleinen Friedhof betreuen, auf dem die dreiarmigen Kreuze fremdartiges Volkstum verkünden. Und doch find diese vor etwa hundert Jahren eingewanderten russischen Sektierer — Philipponen genannt — Deutsche geworden im besten Sinne des Wortes. Das beweist schon die Tatsache, daß bei der großen Volksabstimmung am 16. Juni 1920 in Eckertsdorf alle Stimmen für Ostpreußen abgegeben wurden. Ganz anders als Südostpreußen, aber nicht minder schön und eigenartig ist der Norden und Osten der Provinz. Da ist vor allem das Oberland mit seinen idyllischen Kanälen und Seen, die sich zwischen Osterode und Elbing hinziehen. Hier werden die Schiffe Über die Berge gefahren, auf Schienenwagen. So werden Höhenunterschiede bezwungen, für die keine Schleusen ausgereicht hätten. Die sogenannten Rollberge sind eine einzigartige Sehenswürdigkeit Ostpreußens — Unweit Tlbing grüßen die Türme der Marienburg im Abendsonnenschein. Die große gotische Burganlage mit ihren zahlreichen Höfen, Remtern und Kreuzhängen haben die Zeit von 1270 überdauert. Stolz wie ehedem stehen die alten Mauern, hinter 'denen sich kostbare Schätze deutscher Geschichte häu- fen. Marienburg ist auch die einzigste Stadt, in der sich die Laubengänge rund um den Markt unverändert erhalten haben. Haff und Frische Nehrung entlang ziehen wir mit den schweren Ziegellommen ostwärts. Das 5 a m I a n b richtet sich vor uns auf, in dessen Erde das gelbe deutsche Gold — der Bernstein — seit -rauer Vorzeit gewonnen wird Hinter der Steilküste breitet sich das Kurische Hass, auf dem die Keitelkähne der Fischer vor dem Wind segeln. Eigenartig sind die großen, mit reichem Schnitzwerk »ersehenen Rahmenwimvel. Rossitten, die Vogelwarte und bekannte Segelfliegerstation, liegt hier auf dem schmalen Nehrungsband, wo die Wanderdünen in geheimnisvoller Bewegung und wo der Triebsand heimtückisch auf seine Opfer wartet, um fie zu verschlingen. Auf der anderen Seite lebt im Erlenbruch der Elch. Still, wie ein Bote der Urzeit steht er im Mohr und spiegelt seinen massigen Körper im dunk- l?n Sumpswasser. Weiter hinten horstet der seltene Ichwarze Storch und der Uhu. Allerlei Getier beherbergt die Zehlau: so selten, daß man es nur ebnen kann, wenn es nächtlich aus der Finsternis tu ft oder der Nachtmahr mit lautlosem Flügelschlag durch die Zweige gleitet Wer kennt den Schacktarp, der im Frühjahr die Menschen von oller Welt abschließ, auf Wochen und Monate, nenn Weg und Steg weder zu Fuß noch mit dem Kahn benutzt werden können? Wer kennt die Tücken des großen Moosbruches, wo die Pferde Holzschuhe tragen müssen, damit sie nicht einsinken in dem weichen Grund? Wer weiß, daß im hohen Ostpreußen noch die Meiler der Köhler rauchen? Wer ober kennt die Menschen hier, die im steten Kampf der Erde abringen, was sie brauchen für ihres Lebens Notdurst? Hart und verschlossen ist der Schlag befer Menschen, genau wie ber Boben, auf den bas Schicksal sie verpflanzte. Vergessen wir nicht Ostpreußens Stolz: Träte h n e n, die Stätte der weltberühmten Warmblut-Pferdezucht, die Ostpreußens Ruf als klassisches Land ber Pferdezucht gefestigt hat. Denken wir an die Wunder der Romintener und I o - hannisburger Heide Verweilen wir am Reichsehrenmal, das sich auf Ostpreußens blutgetränkter Erde erhebt Und dann Königsberg, die schöne Krönungsstadt. Als Messezentrum des Ostens ist diese Stadt heute wichtiger Faktor des Wirtschaftslebens geworden. Unschätzbare Werte deutscher Staatsentwicklung und des Geisteslebens haben hier ihren Hort, wo ein Immanuel Kant einst gelebt und gewirkt hat. Erwähnen wir Tilsit, den deutschen Pfeiler an der Memel, Allen- st e i n, die aufblühende Stadt in der Landesmitte, die stolzen Burgen Marienwerder, Rastenburg, Heilsberg u. v. a., bann ist noch lange, lange nicht alles erschöpft, was dieses einzigartige Land an Schönheit, Merkwürdigem und Eigenartigem — aber auch an ernst stimmenden Bildern zu vermitteln vermag. Das ist Ostpreußen, die Insel fern des großen Mutterlandes, deren Zauber jeden gefangen nimmt, der ihre Erde einmal betritt. Das schöne Oberbayern. "■ 'v ■>;< Ober-Grainau bei Garmisch. — (Ausnahme: E. Hase, Frankfurt a.M.) Sandersahrien. Lich — Laubach — Schollen. Von Lich, dem freundlichen Städtchen mit vielerlei Sehenswürdigkeiten, wie Fürstliches Schloß, die interessante Marien-Stiftskirche, den alten Festungswall mit Bastion usw., wandern wir auf guter Landstraße über Nieder-Bessingen, hierauf an Ober-Bes- fingen vorbei nach Münster. Vorher stoßen wir auf die von Gießen nach dem Vogelsberg führende gelbe Strichmarkierung, die uns über Wetterfelb nach Laubach bringt. Beim Treffpunkt ber gelben Striche bietet sich ein hübscher Blick auf ben Hohen Vogelsberg und das hochliegende Grünberg. Nach einer Erholungspause und Besichtigung des alten Städtchens mit Gräflichem Schloß und Park benutzen wir blaue Ringe, die uns zunächst auf der Staatsstraße, später durch prächtigen Hochwald nach dem anmutig im Horlofftal gelegenen Jägerhaus (gute Einkehr) bringen. Gleich hinter dem Forsthaus liegt der „Kirchenstumpf", die Trümmer eines kleinen Gotteshauses. Weiße Ringe führen uns jetzt auf landschaftlich reizvollen Wegen über das Falltorhaus, auch Kiliansherberge genannt, nach unserem Endziel Schotten. Wanderzeit 5 Stunden. Gießen — hangelslein — hoher Berg — Großen-Buseck. Wir beginnen unsere Wanderung am Justiz- gebäube und folgen ber blauen Dreiecksmarkierung über die Wiesen, am Rande des Philosophenwaldes her durch einen Teil von Wieseck bis zur Ludwigsburg. Hier biegt das Zeichen in den bewaldeten Hangelstein ein. Wir überschreiten den Berg, kommen an ben schon früher erwähnten Punkten vorüber zum Daubringer Paß mit hübscher Aussicht. Da, wo bie Zeichen an einem Jagbhaus vorbeikommen, verlassen wir die Dreiecke, gehen an bem Anwesen vorüber abwärts, gelangen an einen ibyllisch gelegenen Walbweiher unb jenseits besselben auf einen Fußpfad, der uns allmählich wieder in die Höhe, unb zwar auf bie rote Punktmarkierung führt. Diese bringt uns über ben Hohe Berg mit schönen Ausblicken nach unserem Enbziel Großen-Buseck. Wegdauer 4 Stunden. Geruhsame Rordseeinseln. Von Ernst-Wilhelm Salhwedel. Der Binnenländer kennt die friesischen Inseln von Borkum bis Sylt. Tausende besuchen sie in jedem Jahr. Ein wahrer Fremdenstrom ergießt sich auch vom Frühjahr bis zum Herbst nach Helgoland. Die beiden kleinen Inseln Sch ar hörn und N e u w e r k aber, bie sich zwischen ben Elbe- unb Weserfeuerschiffen ins Meer hinausschieben, kennen nur wenige, obwohl viele sie liegen sahen; denn die Schiffahrtsstraße nach Helgolanb führt ganz nahe vorüber. Scharhörn ist ein Sanbriff, das nur überflutet wird, wenn ber Norbwest in den schweren Herbst- unb Frühjahrsstürmen bie 2nsel be- rennt. Eine hölzerne Rettungsbake, weithin sichtbar, kann Schiffbrüchigen auf Tage Unterschlupf gewähren. Die kleine Stube, zu ber man aus Sprossen emporklimmt, birgt wollene Decken, Schiffszwieback unb Trinkwasser sowie eine plagge, mit deren Hilfe man sich dem in der Fahrrinne ankernden Elbefeuerschiff 2 bemerkbar machen kann. Das flache Wasser vor der Insel ist besät mit Wracks aus allen Jahrhunderten. Der Lotsendampfer, der hier vor einigen fahren gerammt wurde unb versank, schaut immer noch mit ber Mastsvitze aus ben Fluten Den Stranb entlang ist alles zu finben, was bte See zu spenden bat: Kisten, Bretter, Bambusstangen, Bananenstauben, Konservenbüchsen, Seebunbsleichen, Quallen, Tang und anderes mehr. Ein Arbeitsbtenstkom- manbo bat in jüngster Zeit einen schmalen Jnsel- ftreifen künstllch erhöht unb durch Anpflanzen von Strandhafer oefeftigt. Im Gegensatz zu dem Sanbriff Scharhörn ist Neuwerk ein freunbliches grünes Eilanb Seit bem frühen Mittelalter zu Hamburg gehörig, biente es als Stützpunkt im Kampf gegen bte Seeräuber. Von ben Befestigungen steht heute nur noch der mächtige viereckige Turm.von dessen ^inne nachts bas Leuchtteuer erstrahlt. Außer ber Wohnung des Wärters bergen die bicken Mauern nach prächtig eingerichtete Zimmer bie hambur- aifchen Staatsbeamten zu vorübergehendem Aufent- halt bienten. Ein Deich umschließt als starker Ring die innere Insel. In seinem Schutze hegen bie tauberen Häuser ber sechzig Bewohner. Auf dem Vorland gegen das Meer bin weidet vom April bis in den November bas Vieh — Pferde, Kühe und Schafe. Unzählige Möwen ruhen zwischen den grasenden Tieren, wenn die Flut gegen das Vorland spült. Kreischend schwärmen sie ins Watt hinaus, sobald die Flut sich verläuft. Gäste finden sich auf Neuwerk wohlausgenvm- men. Freilich müssen sie sich begnügen mit der Gesellschaft von Wasser, Himmel, Weideland und den stillen Menschen und Tieren. „Betrieb" gibt es auch in dem einzigen Gasthaus nicht. Bei Hochwasser, das täglich zu einer anderen Stunde eintritt, nimmt man sein Bad, bei Niedrigwasser läuft man ins Watt hinaus, dessen hartwelliger ober schlickiger Grunb ben nackten Fußsohlen so wohltut. Wenn man Glück hat, so überrascht man vielleicht See- hunbe beim Svnnenbab, zwanzig unb mehr an einem Platz. Kopfüber tauchen sie ins aufrauschenbe Wasser zurück, wenn ber Mensch sich allzunahe heranwagt. Nur wenige Seemeilen entfernt, dampft unablässig Schiff um Schiff elbe- ober meermärts. Mit bem Glase erkennt ber Kunbige Heimat unb Ziel. Abenbs umgeht man noch einmal auf bem Deich die Insel. Einer Stunde bedarf es hierzu bei gemächlichem Schritt. Und dann kommt bie Nacht mit Leuchtfeuern in allen Richtungen und mit einer märchenhaften Stille. Keinen Wald hat die Insel, nur niedere Bäume unb Buschwerk. Der rauhe Herbst- unb Frühjahrsatem bes Meeres läßt nichts hochkommen. In ber Nähe bes Leuchtturms fällt ein umbuschter Platz auf. Wer auf weißem Steg ben Priel überschreitet unb burch bie kleine Pforte tritt, steht vor Gräbern, bie keine Namen tragen. Unbekannte ruhen hier, bie bas Meer in Sturmnächten an ben Strand warf. Schlichte Holzkreuze, kein Grab ohne Blumen. Der Stein in ber Mitte trägt schöne Verse, die Gustav Falke diesen Namenlosen zum Gedächtnis schrieb. Manche Leute kommen auf hohen Watt- roagen vom Festlande herüber, um von der Plattform des Leuchtturms einen Rundblick zu tun. Im Hochsommer steuert auch ein Cuxhavener Motorkutter „Nige Oge" einmal täglich die Insel an. Sein Kapitän, ein in ber ganzen Gegenb bekanntes Original, ist bereits in mehrere Romane eingegangen. Schwimmen kann er nicht, aber auf Seefahrt versteht er sich, unb „Dvntjes" erzählen, das ist feine besondere Kunst Eine Segelfahrt mit ihm nach Helgoland gehört zu den genußreichsten Abenteuern. Wasserpfade im Rheinland. Von Or. Konrad Pfennig. Kleiner Wegweiser für Paddler, Kanuten und solche, die es werden wollen. Wenn an schönen Tagen auch Hunderte von Faltbooten auf dem Rhein zu sehen sind, dann darf man daraus doch nicht schließen, daß alle Wasserpfade im Rheinland schon entdeckt seien. Neben der Strecke des „romantischen Rhein" unb ber sich breit behnenden Wasserstraße bes Nieberrheins kommen zu einem Fluß bie Pabbler von weither gefahren, zur lieblichen Mosel. Sie ist für ben Wasserwanberer vielleicht ber leichteste Fluß, an dem er sich nach Herzenslust „aalen" kann, auf dem keine schweren Radkastendampfer in aus feiner beschaulichen Ruhe wecken. Eile gibt es auf diesem Fluß nicht. Er ist wie die Landschaft: gemütlich, um nicht zu sagen behäbig, genießerisch. Andere Wasserwanderer lieben mehr ben schnell- fließenben Rhein. Es macht ihnen Vergnügen, in bie hohen Wellen ber Rabbampfer zu fahren. Aber bitte: man bleibe boch in gemessener Entfernung von ihnen, wenn man Wellen reiten will. Unb im übrigen muß man etwas baoon verstehen, damit man bie Wellen richtig schneiben kann, und es nicht einen „Umschmiß" gibt. Diese Gefahr, ber nur Leichtsinnige ausgesetzt sind, kann den Wasserfahrer nicht daran hindern, immer wieder den romantischen Rhein als eine der schönsten Flußwanderstrecken zu befahren. Von Bingerbrück angesichts des Niederwalddenkmals bis hinunter zur holländischen Grenze sind etwas mehr als 300 Kilometer zurückzulegen. Man lasse sich viel Zeit, mindestens eine Woche, um auch die tausend wechselnden Eindrücke verarbeiten zu können. Vor allem wird der rechte Wasserwanderer auch einmal einen Tag auf einer ber schonen Rheininseln zubringen, wo er mitten im Strom zwischen Weiben und unter alten Bäumen sein Zelt aufschlagen kann. Auf einem ber Werte empfinbet er besonders lebhaft und eindringlich bie Reize des Waffer- wanderns. Und felbstverstänblich steigt er auch einmal auf die Berge, zu den Burgen, sieht von den hohen Zinnen auf den Fluß hinab, wandert einmal ein Stück der prächtigen Rheinhöhenwege. In der Ebene ist der Fluß bann später durchaus nicht langweilig. Der rege Schiffsverkehr sorgt immer wieder für Abwechslung. Die Kilometertafeln am Ufer zeigen bem Fahrer ständig seine Leistungen an. Aufpassen muß ber Wasserwanderer bann im Industriegebiet, wenn er in seinem leichten Fahrzeug durch den Duisburger Hafen fährt, wo Hunderte von Schleppkähnen liegen. Doch scho» von Orsoy ab säumen wieder herrliche Wiesen' und Weideland das Ufer. Wesel, Tanten, Rees und Emmerich grüßen den Wanderer auf dieser Rh ein fahrt. Eingeweihte fahren noch über Emmerich hinaus auf ber deutschen Stromseite, auf bem Griethauser Altrhein weiter und schließlich durch ben Spoykanal nach Kleve, ber Stabt des Schwanenritters. Aber der Rhein ist nicht der einzige Wasser- wanderweg, den bie Kanuten im Westen befahren. Saar unb Mosel mit einem Abstecher zur lebhaften Sauer stellen einen Fahrtenplan für sich bar. Unmöglich ist es, alle Kostbarkeiten unb Sdpn* beiten, bie hier am Wege liegen, aufzuzählen. Allenthalben sinb Zeltplätze zu finben. Kanuheime finb in großer Zahl entstauben. Führerwerke würben geschaffen unb zuverlässige Wasserkarten gezeichnet. Nur Wenige wissen es außerhalb ber Grenzmark, baß bie Ruhr ein lanbschaftlich höchst reizvoller Fluß ist. Im Süben ber größten Stabt bes Ruhrgebietes, Essen, liegt ber große umwal- bete Baldeneysee. An Werben unb Kettwig vorbei geht es ruhrabwärts nach Mülheim (Rühr) und schließlich in den Duisburger Hafen. Die vielen Schleusen in ber Lahn können den Paddler nicht hindern, den schonen Fluß immer wieder zu befahren. Auch die weniger zahlreichen Wehre der Sieg stören nicht. Flüsse und Bäche im Rheinland, die nicht stets in ihrer ganzen Ausdehnung befahren werden können, gibt es in großer Zahl. Von eigenartiger stiller Schönheit ist auch das W i e d t a l. Die Ahr ist leider nur in den seltenen Fällen, wenn sie Hochwasser führt, zu paddeln. Nicht vergessen seien zwei Nebenflüsse ber Sieg, die Agger unb bie noch kleinere Sülz. Einen befonberen Stimmungsgehalt besitzt das Land rechts und links der Erft, das vvgelreiche Bruch- lanb. Zwei Flüßchen, die ihre Wasser ber Maas zuführen, erfreuen sich aroßer Beliebtheit bei den rheinischen Pabdlem. Die Rur, die im Hoben Venn entspringt, ist von Monschau bis Einruhr unb Heimbach bei Hochwasser ein schwieriger Wilb- sluß, von Düren unb Jülich bis zur Grenze ein Wasser, bas feinen lebhaften Charakter beibebab ten bat. Fast stromlos ist baaegen bie Schwalm, bie sich burch ein Bruchland roinbet, viele verträumte Seen bildet unb fo recht ein Wanberpiad tum Träumen unb gemächlichen Bummeln ist. So ist bie Wasserwanberkarte bes Rheinlanbes viel ab- wechslunasreicher als meist angenommen wird. Die kleinen Flüsse unb Bäche ermöglichen Runbiahrten, welche bie lanbscbaftliche Mannigfaltiakeit, bie bem Rheinlanb fein Gepräge aibt, zum Erlebnis werben lassen. Es wandert sich gut im großen vielgestaltigen rheinischen Wasserparadies. Nervöse im Seebad! Eine noch weit verbreitete Meinung ist, daß ne^ oöfe Menschen nicht an die See aebören, weil sich dort ihre Nervosität, ihre Schlaflosigkeit noch steigern usw. Curschmann zeigt in ber ,.D e u t- schen Mebizinifchen Wochenschrif t", baß — bis zu einer gewissen Grenze — bas Gegenteil richtig ist. Wie ber abaegrbeitete „pflaster- mübe" Gesunde cm der See feine Erholung findet, so auch ber Nervöse, ber Neurastheniker, welche Beschwerben er auch immer habe. Die Reize des Seeklimas unb bes Seebabes stärker an ber Norb- fee, milber an ber Ostsee, bewirken auch bei ihm eine Steigerung ber körperlichen Leistungen, ein rimebmendes seelisches Behaaen unb bamit eine Besserung des ganzen Zustandes. Das gilt insbesondere auch für bie nervösen Beschwerben, bie sich' im Ueberganasalter bei Frau unb Mann einstellen, selbst wenn hier eine beainnenbe Arterienverkalkung ober ein leicht erhöhter Blutbruck im Hinterarunbe steht Nicht zu unterschätzen ist bei dem Aufenthalt an der See, daß bie Gemeinschaft mit gefunben, fröhlich sich tummelnben Menschen ben Nervösen aus seiner Welt der Beschwerden heraus- zwingt. Die Grenze ist für die schweren Neurastheniker und Hysteriker gezogen, die einer individuellen ärztlichen Behandlung bedürfen. 2Reifeti>infe. Personenschiffahrt aus der Mosel. Neben einer Rheinfahrt schenkt eine Moselreise mit den Schiffen der Rhein-Mosel-Lahn- Personenschiffahrt eine Fülle unvergeßlicher Erlebnisse und reiche Eindrücke vom weingesegneten und mit Burgen geschmückten windungsreichen Lauf der „lieblichen Tochter des Vater Rheins". Wenn man das Koblenz um 8.30 Uhr verlassende Schiff benutzt, ist man nach genußreicher Fahrt am Abend in Traben-Trarbach. Das Schiff, das mittags von Koblenz abfährt, kommt abends in Kochern an. Zur Fahrt moselabwärts verläßt ein Schiff vormittags Bernkastel und erreicht abends die Stadt am Deutschen Eck. Das am Vormittag Kochem verlassende iLchiff ist um die Mittagszeit in Koblenz. Samstags fährt außerdem vormittags ein Schiff von Bernkastel aus bis Trier durch. Wenn man Sonntags die Stadt der Porta Nigra um 8 Uhr mit dem Moselschiff verläßt, erlebt man an einem Tage die ganze Mosel bis zur Mündung in den Rhein in Koblenz. Alle Schönheiten des rebenbekränzten heiteren Tales entfalten sich dem schauenden Blick. Eine solche Moselreise zu Wasser ist ein beglückender Festtag. Baden-Badener Große Woche. RDD. Wie erstmals im Olympiajahr 1936 werden auch in diesem Sommer die berühmten Pferderennen der Baden-Badener Großen Woche von internationalen Veranstaltungen der „nichtolympischen" Sportarten umrahmt sein. Den Auftakt bildet ein Golfturnier vom 17. bis 22. August, den Abschluß ein Tennisturnier vom 2. bis 5. September. Dazwischen liegen dann die vier großen Tage der schönen Iffezheimer Bahn: das Fürstenberg-Rennen am 22. August, das Zukunstsrennen am 24., der Große Preis am 27. und der Preis der Stadt Baden-Baden am 29. August. Wie stets werden diese Sporttage durch glanzvolle künstlerische und gesellschaftliche Darbietungen ergänzt, von denen das Internationale Herbst-Tanzturnier und das Internationale Bridge-Turnier besonders hervorge- hoben seien, die beide am 4. und 5. September stattfinden. Kraftpostlinie durch die Fränkische Schweiz. Ab 1. August wurde die Kraftpostlinie durch die Fränkische Schweiz bis Auerbach verlängert. Der Fahrplan für die gesamte Strecke Gößweinstein—Behringersmühle—Pottenstein—Pegnitz —Auerbach, die täglich dreimal befahren wird, gilt sowohl für Werktags als auch für Sonntags sowie das ganze Jahr über. Rückfahrkarten find um 20 v. Sy, Sonntagsrückfahrkarten um 33V, v. H. ermäßigt. Außerdem wurde eine Kraftpostverbindung von Pottenstein durch die nordöstliche Fränkische Schweiz und den Hummelgau nach Bayreuth eingerichtet. Auch auf diesem Kurs verkehren täglich in jeder Richtung drei Wagen. Diese zwei Autobuslinien sowie die Stichbahn Forchheim—Streitberg— Müggendorf—Behringersmühle erschließen die schönsten Teile der Fränkischen Schweiz. Wie die Eberbacher „Kuckucksfresser" wurden. RDD. Dom 4. bis 6. September feiert das Neckarstädtchen Eberbach wieder seinen Kuk- kucksmarkt, der in diesem Jahre mit einer bis zum 12. September dauernden Ausstellung „Der Neckar als Kultur- und Wirtschaftsfaktor" verbunden ist. Dieser Kuckucksmarkt ist ein fröhliches Volksfest. Sein Ursprung geht zurück auf einen Schabernack, der sich vor mehr als drei Jahrhunderten zutrug. Ein gebratener Vogel, den ein Eberbacher Bürger zu Pfingsten des Jahres 1604 in einem Wirtshaus verzehrte, gab den Anlaß dazu. Um ihn entspann sich ein aktenmäßig belegter Be- leidigungsprozeß, weil dem Mann eingeredet wurde, er hätte einen gebratenen Kuckuck gegessen. Der Ausgang des Prozesses ist zwar nicht mehr zu ermitteln. Ueberliefert aber ist das vom Volke besprochene Urteil, das den Eberbachern den Spitznamen „Kuckucksfresser" einbrachte. Sie tragen ihn mit Humor und gedenken alljährlich des komischen Streites mit ihrem fröhlichen Kuckucksmarkt. Luifenburg bei Wunsiedel — die meistbesuchte Freilichtbühne. Deutschlands meistbesuchte Freilichtaufführungen, die Festspiele auf der Luifenburg bei Wunsiedel (Fichtelgebirge), haben auch heuer wieder einen Rekordbesuch aufzuweisen. Die schon von Goethe begeistert beschriebene Luisenburg, das gewaltigste Felslabyrinth Europas, bildet die natürliche Umrahmung zu den Freilichtspielen, die auch im August an jedem Samstag, Sonntag und Mittwoch stattfinden. Zur Aufführung gelangen: von Sophokles: ,König Oedipus", von Goethe: „Faust 1. Teil", von Henrik Ibsen: „Nordische Heerfahrt", von Shakespeare: „Die lustigen Weiber von Windsor", von August Hinrichs. ,Krach um Jolanthe", von I. M. Lutz: „Der Zwischenfall". Bamberg schützt seine Barockhäuser. Im Garten der „Concordia", einem aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammenden herrlichen Barockpalast, werden zur Zeit die Steinstufen erneuert, ferner werden die prunkvollen alten Steinoasen, die auf den Gesimsen des Gartens stehen, in der Werkstatt eines Bamberger Bildhauers wieder hergestellt. Weiter hat die Bamberger Stadtverwaltung das prächtige Böttinger-Haus, eines der schönsten deutschen Barockhäuser aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts, käuflich erworben Die Stadt Bamberg wird zu Ehren des Berliner Kunstmalers Paul Barthel, der viel zur Erhaltung dieses wundervollen Baudenkmals beigetragen hat, in dem Haus ein Darthel-Gedächtniszimmer einrichten. In diesem Ehrenraum werden mehrere bedeutende Gemälde Barthels aufgestellt werden. Beim Meister der „Kurzen". Penzberg liefert ein halbes Tausend „Krachlederne" im Jahr. „Wenn noch vor einigen Jahren eine krachlederne Kurze (in Berlin) öffentliches Aufsehen erregte mit entsprechenden Bemerkungen über das „ulkije Huhn", das da mit der „Sepplhose" auftrat, fo sieht man jetzt mehr und mehr Kurzlederne die Berliner Straßen und vor allem den Ausflugsverkehr beleben, ohne daß noch groß Notiz davon genommen würde". Also meldete kürzlich eine bayerische Zeitung ihren Lesern in einem Bericht über die Auswirkung der Tropenhitze in der Reichshauptstadt. Wir sind der Sache nachgegangen, haben d i e Geburtsstätte der Krachledernen aufgesucht und haben dabei zwei bemerkenswerte Tatsachen fest-gestellt: Nicht nur haben die kurzen Lederhosen in den letzten Jahren längst die bayerische Weißwurstgrenze überschritten und ihren Siegeszug durch ganz Deutschland angetreten, sie sind auch im Begriff, sich die Welt zu erobern. Ein englischer Prinz hat kürzlich ein paar Penzberger Lederhosen bezogen, und erst vor wenigen Tagen hat eine ganze Ladung bayerischer „Sepplhosen^ ihren Weg über den großen Teich nach Amerika angetreten. Und noch eine andere Feststellung mußten wir machen, die sicher auch eingefleischte Urbajuwaren Überraschen dürfte; die kurze, gestickte Lederhose ist gar nicht so bodenständig und alt, wie sie immer hingestellt wird. Ihr Erdendasein ist vielmehr noch verhältnismäßig jung und beträgt genau ein halbes Jahrhundert. Davor reichte sie ausnahmlos bis unter die Knie, war schwarz und ohne Verzierungen und wurde zudem nur in Verbindung mit langen, bis zu den Knien reichenden Röcken, weißen Strümpfen und „Stöpselhüten" getragei, wie man die spitzen, zylinderartigen Hüte damals nannte. Wir waren jetzt in dem oberbayerischen Kohlenbergwerksort Penzberg, der so idyllisch zu Füßen von Benediktenwand und Herzogstand liegt, und besuchten den größten und bedeutendsten „S ä ck le r e i b e t r i e b", den es in Deutschland gibt. Wenn naturgemäß auch die bayerischen Lederhosen mit zunehmendem Bedarf maschinell als Massenartikel hergestellt werden, so können die schön gestickten und herrlich verzierten Trachtenhosen auch heute noch nur mit der Hand hergestellt werden. Der Meister, der uns durch seinen stattlichen Betrieb führte, hat vom Aufkommen der „Kurzen" vor ungefähr fünfzig Jahren feinen Hosen zum Siegeszug verholfen, und mehrere seiner Gesellen, Brüder und Söhne haben heute ähnliche Werkstätten im bayerischen Alpengebiet. Wer nun glaubt, es gebe keinen Unterschied zwischen Lederhosen und Lederhosen, der sieht sich gründlich getäuscht. Nahezu jede Landschaft hat eine andere Form, mit anderen Stickereien, anderen Verzierungen, anderem Zubehör. Da gibt es Allgäuer, Werdenfelser, Oberländer, Chiemgauer, Jnntaler, Loisachtaler Trachten, da ist das weiche schwarze Leder bald mit gelbgrüner, grasgrüner, moosgrüner ober dunkelgrüner Seide bestickt, da sieht man als Verzierungen Geranke von Rebenlaub, Efeu und Eichenlaub, und dazwischen stehen und springen Hirsche, Gams, Rehe, leuchten rote Alpenrosen und schimmern die Silbersterne des Edelweiß. Die Stickereien und Verzierungen werden fast ausnahmslos in Heimarbeit geschaffen. Zu einer echt bayerischen Tracht gehört aber neben der Krachledernen noch eine ganze Reihe besondere Trachtenartikel, die Gürtel, auf denen man sinnige Sprüche wie „Geh her, wennst a Schneid hast", „Gsund san mä", „Grüaß die Gott", „Treu dem alten Brauch" stehen; die von Penzberger Bergmannsfrauen in Heimarbeit handgestrickten Wadenstrümpfe; die T r a ch t e n j o p p e n, die gleichfalls wieder je nach der Gegend verschieden sind; die Jäger- und Schützenwesten; die Trachtenhüte mit ihren Hutgestecken, wie Gamsbart, Adlerflaum, Spielhahnstoß, Spielhahn- haken, Schlanaenreiher, Auerhahngesteck, Hirschbart usw., dann Krawatten, Hutzeichen, Flaum und Barthalter, Westenkette, Uhranhänger und eine reiche Auswahl von Hirschhornschmuck. Wenn man dann erfährt, daß in Penzberg von einem Söcklermeister mit zwölf Gesellen allein 5 0 0 bis 600 Lederhosen im Jahr hergestellt werden und dazu noch den ganzen Schwung Zube- hör einrechnet, der meist in den benachbarten Dörfern und Städtchen: Tölz, Miesbach, Wörrishofen, Mittenwald, Berchtesgaden, Garmisch-Partenkirchen u. a. gefertigt wird, so ermißt man, welche Arbeit dazu gehört, eine originalbayerifche Tracht herzustellen. Ein eigenartig durchdringender Geruch weichen Leders liegt über der Säcklerei. In der Sonne liegen die rohen Felle von Gemsen, Hirschen, von Elchen und Ziegenböcken; noch sind die Haare und Borsten daran. Auf einem Tisch im Freien wird ein großer Stapel neugegerbter Felle auf Herz und Nieren geprüft, bevor sie zugeschnitten und verarbeitet werden. In mehreren Räumen sitzen die Gesellen und Lehrlinge, die Sticker und Stickerinnen. Erstaunlich, wie schnell sie das altsämisch gegerbte Wildleder zuschneiden und nähen, wie Die seinen Stickereien und Verzierungen erst als Muster mit Kreide aufgevreßt, dann eingestickt und nochmals gepreßt werben. Denn so eine echte Lederhose soll Generationen halten und wird erst stilgerecht sein, wenn sie eine richtige Patina ständigen Gebrauchs angesetzt hat, wenn sie glänzt und so steif ist, daß man sie frei hinstellen kann. In einem anderen Raum werden Ledergürtel und Hosenträger hergestellt, in schönen, bunten Farben, mit fröhlichen Mustern. Es ist eigentlich der beste Beweis für die Güte der „Penzberger Lederhofen", daß sie von einem Reservat oberbayerischer Dörfer zu einem Kleidungsstück wurden, das in ganz Deutschland in zunehmendem Maße getragen wird und sich sogar anschickt, auch die Neue Welt zu erobern. Lunge Ehen! Von 3an Eyßen. Die Maßnahmen des Dritten Reiches, die von der inneren Staatspolitik aus die Geburtenzahl zu beeinflussen suchen, haben sich zweifellos bewährt, werden auch international vielfach als vorbildlich angesehen, aber sie können nicht in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder gut machen, was vorher vernachlässigt worden ist. Es kommt eben nicht nur auf die Zahl der Eheschließungen an, sondern auf die Zahl der Geburten, wobei fest- gestellt werden muß, daß der Ehewille in Deutschland auch vor dem Kriege nicht übermäßig groß gewesen ist. Das wirkt wie eine Ueberraschung; aber Tatsache ist, daß um die Jahrhundertwende die Zahl der Eheschließungen zwischen 432 000 im Jahre 1896 und 503 000, im Jahre 1907 lag, so daß also ein Jahresdurchschnitt von etwa 450 000 herauskommt. Was aber entscheidend ist: die Fruchtbarkeit der Ehen um die Jahrhundertwende war erheblich höher als unmittelbar nach dem Kriege. Kamen im Jahre 1900 auf 1006 Einwohner 8,5 Eheschließungen, so betrug die Zahl der Geburten auf 1000 Einwohner 35,6. Wie stark die Geburtenzahl in der Nachkriegszeit abgesunken ist, wie verhängnisvoll diese Senkung für Volk und Staat hätte werden können, geht daraus hervor, das 1932 die Zahl der Eheschließungen zwar 516 793 betrug, die Zahl der Geburten aber nur noch 15,1 auf 1000 Einwohner. Das war noch nicht der Tiefstand, denn 1933 sank die Zahl der Geburten bis 14,7 auf 1000 Einwohner, war also geringer als selbst in Frankreich, das 1933 auf 1000 Einwohner 16,1 Geburten zählte! Bevölkerungspolitisch gesehen war Deutschland unmittelbar vor der Machtergreifung gegenüber England und Frankreich erheblich im Rückstand, denn in beiden Ländern waren die Ehen verhältnismäßig fruchtbarer als in Deutschland. Nun ist weder in Frankreich noch in England der Ehewille besonders groß, was sowohl für die Vorkriegszeit, als auch für die Nachkriegszeit gilt; selbst unmittelbar nach Kriegsende ging weder in Frankreich noch in England die Zahl der Eheschließungen und der Geburten ungewöhnlich in die Höhe, wenn auch Frankreich hier einen kleinen Vorsprung vor England erzielte. In England betrug die Zahl der Eheschließungen 1914 nur 294 401, um 1920 auf 320 000 zu steigen. Dann begann wieder der Abstieg, so daß 1924 nur noch 296 000 Eheschließungen gezählt wurden. Allerdings war die Geburtenzahl trotz des geringen Ehewillens in den ersten Nachkriegsjahren erheblich höher, erreichte mit 849 000 im Jahre 1921 einen gewissen Rekord, um dann wieder abzusinken. England hat zwar inzwischen auch Maßnahmen ergriffen, um den Ehewillen zu stärken, aber es stieg nur die Zahl der Eheschließungen, nicht aber im Verhältnis dazu die Zahl der Geburten, jedenfalls hatte England im Jahre 1914 noch 879 000 Geburten; aber 1934 betrug die Zahl der Eheschließungen 349 000, die Zahl der Geburten war im Vergleich dazu mit 599 000 bet^ckcht- lich geringer als 1914, in welchem Jahr die Zahl der Eheschließungen nur 294 401 erreichte. Auf 1000 Einwohner kommen heute in Großbritannien, also mit Schottland und Nord-Irland 8,4 Eheschließungen , gegen 9,7 in Deutschland und 6,8 in Frankreich. Die Zahl der Geburten beträgt auf 1000 Einwohner für das Jahr 1935 in Deutschland 18,9, in Großbritannien 15,2 und in Frankreich 16,2. Frankreich hatte 1935 trotz des Zuwachses von Elsaß-Lothringen nur noch 294 000 Eheschließungen, was selbst gegen die Vorkriegszeit einen Rückgang bedeutet. Denn 1913 wurden in Frankreich allein 312 000 Ehen geschlossen; auch die Zahl der Geburten war in Frankreich vor dem Kriege höher als heute. So wurden 1913 rund 790 000 Geburten gezählt, gegen 639 000 im Jahre Urquell John Galsworthy. 3u feinem 70 Geburtstage am 14. August. John Galsworthy, der bei seinem Tode vor vier Jahren einer der berühmtesten Männer Englands war, hat lange auf diesen Ruhm, warten müssen. Fast ein Jahrzehnt lang war er schriftstellerisch tätig, eine Reihe Bücher aus seiner Feder lagen vor, bis das englische Publikum sich im Jahre 1906 plötzlich darüber klar wurde, daß der Roman „The Man of Property" das glänzendste Buch des Jahres sei. Fast gleichzeitig errang Galsworthy mit seinem Stück „The Silver Box den ersten großen dramatischen Erfolg. Seitdem war fein Ruhm in feiner Heimat in stetigem Wachsen und drang bald auch über England hinaus. Zu uns kamen die ersten Uebersetzungen der Gals- worthy-Bücher einige Jahre vor dem Kriege, wirklicher Besitz wurde der Dichter uns aber erst nach dem Kriege. Und vielleicht durch keinen anderen ist uns englisches Wesen so nahe gekommen wie durch ihn. Das wohlhabende Bürgertum einer zu Ende gehenden Epoche, das Galsworthy schildert, ist ja eine europäische Erscheinung, wenn auch in jedem Lande von besonderer nationaler Prägung. Diel Verwandtes schwingt in uns mit, wenn wir Galsworthy lesen, ein gutes Stück unseres eigenen Wesens sehen wir durch ihn enthüllt und bejahen ihn daher aus demselben Trieb zur Selbsterkenntnis, der ihm in seinem Vaterland den ungeheuren Erfolg verschaffte, zugleich fesselt uns aber auch das Fremde, das typisch Englische, das aus den geschilderten Verhältnissen zu uns spricht wie aus der gepflegten Schilderung des Dichters selbst. Denn das ist das Eigenartige an Galsworthy: er war selber das, was er schildert und kritisiert. Er entstammte jenem wohlsituierten, gefestigten, sorgenfreien Bürgertum, dessen Abgründe und Untiefen er uns erschließt, er kannte es bis in seine letzten Wurzeln und Verästelungen, und zugleich war es ihm möglich, sich so weit davon zu distanzieren, daß er zu seinem schonungslosen Kritiker werden konnte. Doch seine Kritik ist niemals zerstörerisch wie beispielsweise die eines Shaw. Im Gegenteil, Galsworthy liebt, was er kritisiert, ja, man darf sagen, er kritisiert, weil er liebt. Das bewahrt ihn vor jeder Verzerrung und Uebertreibung, das gibt seiner Darstellung die zurückhaltende Sachlichkeit, die nur von verhaltener leidenschaftlicher Anteilnahme glüht. Als echter Engländer ist Galsworthy Realist, kein Weltverbesserer, der die Dinge durch die Brille seiner Meinungen und Wünsche sieht und sie anders zu machen wünscht, als sie sind. Sondern mit welt- offenen Augen läßt er sein, was ist und gelten, was gilt. Aber mitten in die Wende zweier Zeitalter gestellt, spürt er alle brüchigen Stellen an der Fassade, alle heimlichen Risse und Stockflecke, die dem oberflächlichen Betrachter entgehen, und mit rückhaltloser Offenheit stellt er sie ins Licht. „The Island Pharisees", die Jnselpharisäer, lautet der Titel einer seiner ersten Romane, mit dem er den Weg bezeichnete, den er eknschlug. und auf dem er es in seinen späteren Werken, zumal in den acht Bänden der „F o r s y t e Saga" zu vollendeter Meisterschaft bringen sollte. Dieses eine Kette von Generationen umfassende Epos einer englischen Familie, die aus Bauern- und Handwerkertum heraufkommt, zu Besitz und bürgerlicher Macht gelangt und darin verstockt, steht ebenbürtig neben den großen verwandten Meisterwerken der Weltliteratur, neben Gustav Freytags „Ahnen" oder Zolas „Rougon-Macquart". Doch es ist nicht wie bei Zola das große dramatische Geschehen, vielmehr sind es die inneren Spannungen, die geheimen seelischen Erschütterungen, Zusammenbrüche und Aufschwünge unter der glatten Oberfläche, die Galsworthys eigentliche Anteilnahme erregen. Die Welt der For- sytes ist eine Welt der harten und nüchternen Realität, in der alles errechenbar, alles käuflich ist, in der für Werte, die sich nicht in Tatsachen und Zahlen ausdrücken lassen, einfach kein Raum ist. Doch diese anderen Werte, die nicht meßbaren und wägbaren, lassen sich nicht aus der Welt schaffen. Auch sie sind Wirklichkeit, wenn auch Wirklichkeit einer anderen Gattung. Verkörpert in einzelnen Personen betreten diese Werte immer wieder die Bühne der Forsyte-Welt, auf der sie um die Luft nach Atem ringen müssen, sie leiden und machen leiden, bringen Verwirrung und Auflösung und knüpfen neue Anfänge. Unter der Berührung ihres unsichtbaren Zaubers wandeln sich aber auch die Menschen selbst. Eine der ergreifendsten Gestalten des ganzen Zyklus ist der alte Jolyon, in seinen Anfängen ein echter For- syte, der durch feine rücksichtslose Erobererkraft erst die ganze Grundlage von Reichtum geschaffen hat, auf der die Söhne und Enkel sich entfalten können, und dessen Lebensabend doch verklärt ist von den Strahlen der „anderen" Welt. Die gleiche unbestechliche Kritik und enthüllende Sachlichkeit, mit der Galsworthy in der „Forsyte- Saga" Grundlagen und Entwicklung des englischen Bürgertums durchleuchtet, waltet auch in feinen Romanen „Das Herrenhaus", „Der Patrizier", „Die dunkle Blume" und anderen. Noch unmittelbarer behandelt er soziologische Probleme in seinen zahlreichen Dramen, wie „Gesellschaft", „Sensation", „Fenster", „Urwald". Während der letzten zwanzig Jahre seines Lebens war jedes neue Stück von ihm in England ein Ereignis, und doch war der tiefste Grund feiner Bühnenerfolge etwas, was auf lange Sicht eher als Mangel angesehen werden muß: die Aktualität. Im eigenen Lande und im Licht der Tageserfolge mochte Galsworthy vielleicht gleichbedeutend als Dramatiker wie als Romanschriftsteller erscheinen, doch kann fein Zweifel darüber fein, daß feine wahre dichterische Kraft in feiner Prosa liegt, und er als Der große Epiker seiner Epoche einen bleibenden Platz in der Literaturgeschichte bewahren wird. Seine Dramen werden vergehen mit Den Problemen, die sie behandeln, eine Szene aber wie der Tod Des greisen Jolyon in Der „Forsyte-Saga" leuchtet in unvergänglichem dichterischem Wert. A. v. P. Gommerbilder. Von Anion Schnack. Der Sommer ist ein einziges Versteck für die Liebenden. Der gütige und lächelnde Gott Der Herzen verbirgt sie hinter taufenD Büschen unD Hecken. Er schenkt ihnen Das hohe Blumenland am Rain und die alte Gartenpforte unterm Dickicht Der Kletterrosen. Er führt sie Durch Die FelDeinsamkeit, wo nichts anDeres ist als Das Wetzen Der Grille, Das Vorüberfegeln einer Sommerwolke, Das scheue Auffliegen einer Haubenlerche und Die flirrenDe, un- endliche Woge des reifenden Korns. Er führt sie an die versteckte Bank unter dem summenden Lindenwipfel, Der sich mit Kühle unD Baumstille über sie niederhängt. Er führt sie an Das verwilDerte Grasufer Des abseits gelegenen Teiches, Der nur Dem lautlosen Fisch, Dem uralten Frosch, Der schwir- renDen Libelle unD Dem zitternDen Spiegelbild gehört. Nun sind die Liebenden allein, selig, zwei Schweigende. Nun können sie vom Glück eines ganzen Lebens träumen ober auch nur vom Gnadengeschenk eines langen Sommers. Innige Zweisamkeit, die nur Zärtlichkeiten zu geben yat, Die nur Worte Der Liebe und Der Demut flüstert, Die vor Seligkeit zu schweigen weiß und sich von der Gegenwart des anderen beschenkt fühlt. Ihr, die ihr sie seht, laßt sie allein und stört sie nicht! O herzberuhigendes Dahintteiben! Ist es Wirk- lichkeit, ist es Traum? Tief unten glimmen und funkeln vielleicht verzauberte Dinge, Wesen aus dem Märchenreich, die fischleibige Nixe und der betörende Nöck, Die Königskrvne aus alter Zeit, der güldene Ring einer unglücklich Liebenden, das Schwert eines Reiters, der nicht mehr heimkehrte» der Froschkönig, Der auf elfenbeinernem Throne sitzt. Wer weiß es? Wer weiß, über welchem seltsamen Wasserreich der gläserne, blaue, heitere Sonnentag sich spiegelt. Sttlle Wasserfahrt: Dann unD wann ein Silbertropfen, Die Augen weißer Wasserrosen, Der Metallblitz eines fpringenDen Fisches, Das Schilfnest quäfenDer Wasserhühner, Das Geschwätz eines Teichrohrsängers, Dann unD wann ein Wellengekräusel, Das Der MittagswinD hinzittert, eine Schaumblüte, Die entsteht unD wieder vergeht: Sinnbild des Lebens. Ich liebe solche Wasserfahrten. Schön sind sie auf Deutschen Flüssen. Wenn Dein Boot auf Der Mosel gleitet, riechst du Wein, hörst Gelächter und ländliche Kneipenmusik. Wenn Dein Boot auf Der Saale treibt, rauscht Dir Wald zu, schwermütig und sagenreich von Ruinenhügeln herunter, Die mit toten Fensteraugen in Den blauen Himmel sehen. Vom Mainufer her wirD Dir eine Mädchenhand winken, eine Marienstatue segnet Dich unsichtbar und ein Glockenton geht summend mit deinem Boot. Der Neckar fließt ganz still, langsam und von holden Bergen umsäumt. Lande! Labe Dich! Beseligt hat Dich Deine Wasserfahrt! Zeitschriften. — In Der Augustnummer Der „Berliner M o- n a t s t) e f t e" (Berlin W 15, QuaDeroerlag August Bach) setzt sich Der Leipziger Historiker Geheimrat BranDenburg in einer größeren StuDie einge- henb mit Dem Werk Des englischen Historikers Treue l y a n über LorD Grey auseinanDer. Das Werk Trevelyans hat in EnglanD zu Dergleichen Der Damaligen mit Der heutigen britischen Außenpolitik geführt. Professor BranDenburg weist Darauf hin, in wie starkem Ausmaße Professor Trevelyan auch heute noch Die unzweifelhaften Irrtümer in Der Politik Greys wieDerholt, als ob sie zweifellose Tatsachen seien. In Diesem Festhalten an einem Durch Die Forschung längst miDerlegten Zerrbild der deutschen Dorkriegspolitik sieht Brandenburg „eine große Erschwerung für alle diejenigen, die bestrebt sind, ein besseres Verständnis Der beiDen großen germanischen Nationen für einanDer herbeizuführen unD in Dem Gelingen Dieses Strebens Die Voraussetzung für eine frieDliche Entwicklung Europas in Der Zukunft sehen." Dr .Kurt Lothar Tank gibt ein aufschlußreiches Porträt Des französischen Staatsmannes Georges Clemenceau. Aus Dem weiteren Inhalt erwähnen wir eine Arbeit von Professor Dr. RicharD F e ft e r, über „Die Friedensoffensiven Czernins", sowie einen Nachruf auf den langjährigen Leiter der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes Dr. Johannes Kriege. SA.imMmen des Sichecheits- und Hilfsdienstes NSG. Innerhalb der Gesamtorganisation des zivilen Luftschutzes hat der Sicherheits- und Hilfsdienst die Ausgabe, die öffentliche Ordnung und Sicherheit aufrechtzuerhalten, Gefahren und Schäden der Luftkampfmittel nach Möglichkeit zu vermeiden, Verletzten zu helfen und die Gefahrenherde einzudämmen. Es kommt dabei darauf an, daß nach Beendigung des Luftkampfes das öffentliche und wirtschaftliche Leben ohne Einschränkung weitergeführt werden kann. Durch den Einsatz des Sicherheits- und Hilfsdienstes kann zwar nicht die unmittelbare Wirkung eines Luftangriffes ausgefchaltet, es kann aber verhindert werden, daß sich Luftangriffe zu Katastrophen auswachsen, da ihre unmittelbaren Folgen meistens von größerem Verhängnis sind. Die Wirkung eines Luftangriffes ist ja auf die weiteren Folgen und Störungen des öffentlichen Lebens gerichtet. Der Sicherheits- und Hilfsdienst tritt hierbei als außerordentlich wichtiger Faktor in Erscheinung, um die Widerstandskraft und das Bestehen einer Stadt nach dem Luftangriff zu gewährleisten. Da die Mittel und die Wirkung angreifender Flieger verschieden sind, muß der Sicherheits- und Hilfsdienst eine weitgehende fachliche Gliederung und Ausbildung erfahren. Im Frieden sind bereits Organisationen vorhanden, die zur Bekämpfung auftretender Gefahren bestimmt sind; es sind dies: Polizei, Feuerwehr, Technische Nothilfe, das öffentliche Gesundheitswesen und der Störungsbetrieb der Dersorgungs- betriebe, die in ihrer friedensmäßigen Stärke aber wohl kaum für ihre Aufgaben bei einem Luftangriff ausreichen. Sie sind gewissermaßen als friedensmäßige Stammformationen anzusprechen, die im Kriegsfall durch freiwillige Helfer aus der Bevölkerung ergänzt werden müssen. In erster Linie sollen die Ergänzungskräfte aus den Angehörigen der SA. genommen werden, soweit diese nicht wehrpflichtig sind. Die Polizei, an deren Seite besonders vorgeblldete SA.-Führer treten, übernimmt die Führung. Die Gliederung der Polizei bildet die Grundlage für den Aufbau des gesamten Sicherheits- und Hilfsdienstes. Der Führung fällt eine wesentliche Aufgabe zu, da nur schnelle Entschlußfähigkeit und umfassende Sachkenntnis diesen Dienst an der Allgemeinheit erfüllen können. Eine straffe Führung wird daher die Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz des Sicherheits-und Hilfsdienstes fein. 1935. Der Gebietszuwachs hat also bevölkerungspolitisch Frankreich nicht viel genutzt, denn der geringe Geburtenüberschuß hat sich 1935 in einem Fehlbetrag verwandelt: so überstieg 1935 die Zahl ber Gestorbenen die Zahl der Geburten um 19 476. 3m Jahre 1913 war noch ein Geburtenüberschuß von 59 000 vorhanden, der in den ersten Nach- kriegsjahren sich auf 120 000 steigerte, aber nur bis '1921, weil dann die Kurve sich wieder stark senkte. Für Deutschland liegt die Fraae heute so, daß, nachdem es gelungen ist, die Zahl der Eheschließungen zu steigern, es darauf ankommt, auch Lie Zahl der Geburten im gleichen Derhält- mis zu steigern. Wäre heute die Fruchtbarkeit der Deutschen Ehen zu erreichen wie um die Jahrhundertwende, so müßte die Zahl der Geburten über ^wei Millionen steigen: Tatsächlich hat sie 1935 nur 1 261 273 erzielt Die Zahl der Eheschließungen war schon 1933 auf 638 573 gestiegen, hatte 1934 einen Höchststand von 740 000 erreicht, der aber 1935 nicht mefjr ganz festgehalten werden konnte. Die Maßnahmen der Reichsregierung bestehen ja nicht nur darin, die Eheschließungen als solche finanziell zu fördern, sondern sie begleiten die Ehe von Anfang bis zu Ende. Hier sind es vornehmlich die steuertechnischen Maßnahmen für kinderreiche Familien, die sich ozialpolitisch sehr segensreich auswirken Auch die Anordnung, daß die Beamten jung heiraten sollen, gehört hierher, zumal der Beamte, ozialwirtschaftlich gesehen, verhältnismäßig gesichert 7st, also früher seine staatspolitische Pflicht erfüllen tonn, eine Familie zu gründen. Die Familie ist und □leibt die Kern- und Keimzelle von Staat und Land. Die denn auch der Staatswille nur dadurch zum Ausdruck gebracht werden kann, die sozialen und bevölkerungspolitischen Grundlagen festigen zu ir elfen. In England und Frankreich läßt sich im Gegenätz zu Deutschland weiter eine Schwächung des IThewillens feststellen, über die die geringe Zu- rahme von Eheschließungen nicht Hinwegtäuschen tonn. Diese Zunahme ist in England unter der Linwirkung einer ziemlich lärmenden Aufklärung erzielt worden, die aber noch keine Zunahme der 3eburten erreicht hat. Trotzdem die Zahl der Ehe- chließungen im Vergleich zu 1914 gestigen ist, bleibt !ie Zahl der Geburten unverhältnismäßig dahinter iirücf. Die Geburtenzahl war 1935 mit rund ' 12 000 um 170 000 geringer als im Jahre 1914. Nit feiner geringen Volkszahl, mit einem Geburtenüberschuß von nur 3,2 auf 1000 Einwohner für das Vereinigte Königreich wird es von Jahr zu Jahr schwerer werden, für die Verwaltung und Verteidigung des Imperiums die notwendigen Menschen aufzubringen und aufzustellen. Die Schwierigkeiten der Rekrutierung, von der immer wieder berichtet wird, haben ihren Grund nicht nur darin, daß in der englischen. Bevölkerung eine Abneigung gegen die militärische Dienstleistung besteht, sondern vor allem darin, daß es an dem geeigneten Nachwuchs fehlt. Es ist hier zu beachten, daß die Bevölkerung im Alter von 15 bis 40 Jahren im Vereinigten Königreich heute nur 5,5 Millionen zählt, während sie 1911 bereits 5,3 Millionen betrug. Die 5,5 Millionen junger Männer, die heute für die militärische Dienstzeit in Frage kommen, ziehen aber wohl andere Möglichkeiten und Aussichten in der Wirtschaft und in den Kolonien vor, zumal der Nachwuchs i n den Kolonien außergewöhnlich gering ist. Don der Bevölkerung her ist eine Steigerung der Rekrutierungszahlen auch in der nächsten Zukunft kaum zu erwarten, denn die männliche Volkszahl unter 15 Jahren ist heute in England sogar geringer als vor dem Kriege. In Deutschland beträgt die männliche Bevölkerung zwischen 15 und 30 Jahren rund 7,6 Millionen gegen 8,1 Millionen vor dem Kriege, es ist aber wohl damit zu rechnen, daß die Gruppe unter 15 Jahren weiter stark anschwillt. Das ist die Aufgabe der jungen Ehen, die nicht nur den Beamten, sondern allen Volksgenossen möglich gemacht werden müssen. Kleine politische Nachrichten. Die Reichsregierung hat das „Gesetz zur Aende- rung von Vorschriften über das Seefracht- recht" verabschiedet. Mit diesem Gesetz übernimmt das Reich die Vorschriften des „Internationalen Uebereinkommens zur einheitlichen Feststellung von Regeln über Konossemente", das Deutschland am 24. August 1925 in Brüssel gezeichnet hat. Die Einführung war bisher unterblieben, weil Deutschland mit Rücksicht auf feine bedeutende Ostseeschiff- fahrt nur gemeinsam mit den skandinavischen Staaten das Uebereintommen ein» führen kann. Das Uebereintommen ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen internationalen Zusammenarbeit aller am Seehandel beteiligten Nationen und soll die lang erstrebte Vereinheitlichung der Seefrachtrechte der an dem Abkommen beteiligten Staaten bringen. Es ist bereits von einer ganzen Anzahl von Staaten ratifiziert worden. ♦ Die Reichsregierung hat auf Vorschlag des Reichsjuftizministers Dr. G ü r t n e r das „Gesetz über die Eintragung von Handelsniederlassungen und das Verfahren in Handelsregistersachen" verabschiedet. Dieses Gesetz bringt eine wesentliche Erleichterung des Verfahrens bei der Anmeldung und Eintragung von Zweigniederlassungen in das Handels- regifter. * Einen würdigen Auftakt der 700-Jahrfeier Berlins bildete die Einweihung einer Ehren- Halle im Berliner Rathaus durch Oberbürgermeister und Stadtpräfident Dr. Lippert. Die Ehrenhalle dient dem Gedächtnis der 12 000 Kameraden, die im Weltkrieg und für das Dritte Reich gefallen find und einst im Dienst der Stadt Berlin gestanden haben. ♦ Reichserziehungsminister Rust sandte an den Dichter Rudolf G. Bind in g folgendes Glückwunschtelegramm: „Zu Ihrem 70. Geburtstag sende ich Ihnen im Gedenken Ihrer Verdienste um das deutsche Schrifttum meine aufrichtigen Glückwünsche." Wie Reuter aus Paraguay berichtet, sollen paraguayanische Marinestreitkräste gemeutert und die Hauptstadt Asuncion besetzt haben. Sie verlangten den Rücktritt der Regierung. Die Truppen sind dann aber in ihre Quartiere zurückgekehrt, ohne daß es zu Blutvergießen gekommen ist. Oberst Franco, der bisherige Präsident, ist nach dem Rücktritt der Regierung von der Wehrmacht aufgefordert worden, eine O ffiz i e r s j un t a zu bilden. Beizf alles Saatgut mit Solche Auswf nferun gs- schaden dürfen heute nicht mehr entstehen 4 -X4 KDA UW SMB Liu 3er 3Ylusikunterricfjt / A > [BAYER] Trocken- oder Naßbeize xJLz (Klavier, Violine, Orgel u. Harmonium, Gesang und Blockflöte hat wieder begonnen 3ll6ert ^Kasten £eni 3^asien~Täu6ert Gießen Hitlerwall 12 __________________5329 D Führer zu echtem Naturerleben Belauschtes Leben Kleine Äreatur in Wasser, Dusck und Halm von K. O. Bartels. Mit einem Geleiiwort von Prrfess r Dr. Dee g en er. Universität Berlin. 62 Seiten Tert unö 164 Naturau nahmen aus oem Leben der niederen Tierwelt mit erläuternden Dildunter- schriflen und Namensangaben. Preis des Werkes in Ganzleinenband 4,80 Reichsmark. 9W eines der vielen allzuvielen, willkürlich zusammenge- strllien Bildbücher, sondern ein gründliches Werk langer, s"^Evoller Forscherarbeit Ein Buch, das uns die tiefsten Blicke in die Natur tun läßt. Ein Buch, das zur Ehrfurcht ergeht." Will Desper. Waldweben Die Lebensgemeinsckaft des deutschen Waldes in Bildern von K. Gerhard und G. Wolff. 32 Seiten Text und 150Naturaufnahmen aus dem Tier- und Pflan >enleben des heimatlichen Waldes auf 128 Kupiertiefdruckrafeln. Preis des Werkes in Ganzletnenband 4,80 Reichsmark. -Ts lebt und webt in diesem Buch, und wer es versteht, mit «mvfängltchen Sinnen die bildgewordenen Naturschönheiten in sich auszunehmen, dem singen und klingen die Tafeln tau- send Erinnerungen wach an einstmals leibhaft Erschautes. Reclams Universum. Ditte verlangen St« kostenlos unsere bebilderten Werbeblätter Di« Bücher sind durch fed« Buchhandlung zu beziehen Hugo Bermühler Verlag, Bln.-LIchterfelde Bekanntmachung. Die nächsten Viehmärkte in Gießen finden statt: Dienstag, den 17. August 1937: Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt. Auftriebszeit von 7.30 Uhr bis 8.30 Uhr vormittags. Sämtliches Vieh wird gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. Für Zuchttiere ist das erforderliche Zeugnis über die Blut- untersuchung (Banginfektion) mitzuführen. Mittwoch, den 18. August 1937: Schweinemarkt in der Viehversteigerungshalle. Auftriebszeit von 8 bis 9 Uhr vormittags. 53020 Gießen, den 14. August 1937. Der Oberbürgermeister. I. V.: Nicolaus, Beigeordneter. Grummeigras - Versteigerung der Giadi Gießen. Montag, den 16. August 1937, soll das Grummetgras von den städtischen Wiesen öffentlich meistbietend versteigert werden, und zwar: 5256A Um 8 Uhr (Zusammenkunft an der Anneröder Straße) von den Wiesen im Utersbrunnen. Um 9 Uhr (Zusammenkunft an Ort und Stelle) von den Wiesen in den Gemarkungen Großen- Buseck sowie der Wiesen am Bügeeck und Schinderseck. Um 9^ Uhr (Zusammenkunft am Schwarzlach, weg, Ecke Marburger Straße) von den Wiesen in der Schwarzlach in 4 Abteilungen. Um 11 Uhr an Ort und Stelle von den Wiesen auf der Hohleich, bei dem Schlachthof und Inseln. Um 14 Uhr (Zusammenkunft an der Restauration „Zur Stadt Lich", Licher Straße 59) von den Wiesen im Heegstrauch, Onleberg, am Weiher, Throms ©arten, eine Wiese hinter der Kläranlage, von den Wiesen im Wiesecktal und an der Eselswiese. Steigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen wünschen, wollen sich an den Wiesenmeister Klos, Bückingstraße 4, wenden. Gießen, den 10. August 1937. Der Oberbürgermeister. I. D.: Nicolaus. Im Konkursverfahren über den Nachlaß des Eisenbahnsekretärs Karl Müller XXII. und dessen Ehefrau Luise, geb. Loh, in Gießen soll nach Zustimmung des Gläubigerausschusses eine weitere Abschlagsverteilung, und zwar tn Höhe von 30 v. H., erfolgen. Teilnahmeberechtigt find Forderungen mit 9998,26 RM., auf die 2999,47 RM. verteilt werden. Gießen, den 13. August 1937. 5341D Der Konkursverwalter. Zimmer, Rechtsanwalt. y. i Geldlotterie des Mckslußsckutzdmiöll s a o o,ooo Lospreis 50Ptz0oppello§1 Rm Bekanntmachung. Die Bauarbeiten für die Neugestaltung der Liebig- straße zwischen Frankfurter und Bahnhofstraße sollen auf Grund der RVO. öffentlich vergeben werden. 53070 Die Unterlagen sind ab Dienstag, den 17. August 1937, bei uns zu erhalten. Die Angebote sind bis zum Montag, dem 23. August 1937, vormittags 10 Uhr, auf dem Städtischen Hoch- und Tiefbauamt, Asterweg Nr. 9, abzugeben, wo die Oeffnung im Beisein der erschienenen Anbieter erfolgt. Zuschlags- und Bindefrist 4 Wochen. Gießen, den 13. August 1937. Städtisches Hoch- und Tiefbauamt. G r a o e r t. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufhauses V. Elsoffer (und Record), Inhaber E. Weißenberg, in Gießen stehen nach Befriedigung der bevorrechtigten Forderungsgläubiger mit 6423,56 Reichsmark in voller Höhe für die nichtbevorrechtigten Forderungen in Höhe von 90 688,77 RM. 10 % v. H. mit 9368,84 RM. zur Verfügung, die nach Genehmigung der Schlußrechnung zur Auszahlung gelangen. 53420 Gießen, den 12. August 1937. Der Konkursverwalter. Zimmer, Rechtsanwalt. ■ * Henlco: Henkel's Wasch- und Bleich-Soda Hioic/n * WtwtwAiHenko '» ----- e • Ol Kabarett 225 Kaffee Hier abschnewen! 4 Kabarett, Kleinkunstbühne, ferner Glasgeschirr für Vorspeisen, das auf einem Teller mehrere kleine Schüsseln umfaßt. Kabeljau, Schellfisch, bis 1 Meter langer, schmackhafter Fisch der Nordsee. Die kleineren Fische nennt man auch Dorsche. Kabeljau gesalzen heißt Labardan, gesalzen und getrocknet Klirrpfifch, nur getrocknet Stockfisch. Aus der Leber wird Lebertran bereitet, aus der Schwimmblase Leim (Hausenblase) Kabeljau ist ein ebenso nahrhaftes wie billiges Gericht. Kabinett, franz, entbehrliches Fremdwort für kleines Zimmer oder Abstellraum. Kabinettkäfer, Ungeziefer, meh, rere Käferarten, die Wolle Federn Polster und Pelzwerk angreifen. Man kann sie fangen, indem man alten Käse als Lockmittel auslegt Kacheln, gebrannte und glasierte Tonplatten, die meist für Kachelöfen. aber auch für Küchen, und Vadezimmerwände verwendet werden. Man reinigt sie mit Seifenwasser oder mit Schlernrn- kreide Herausgefallene Kacheln kann man mit nassem Lehm wie- der einfügen. Kachelöfenfugen werden mit einer Mischung von Gips und Schlemmkreide gedichtet. Kachexie, Kräftezerfall, schlechter Ernährungs- und Allgemeinzu- siand bei gewissen Allgemeinleiden, wie z. B. Krebs. Kältemischung zur Herstellung von Gefrorenem wird durch klein- XMlW _T)ASJFUMR.ENDE FACHGESCHÄFT IN GLAS-UND POR^ELLANWAREN _ gehacktes Gis mit Viehsalz erzeugt. Kiiltepuutte, der Endpunkt der Nerven in der Haut, die die Kälteempfindlichkeit vermitteln. Käse, wichtiges Nahrungsmittel, das aus dem Quark der Milch gewonnen wird Nach der Herstellung unterscheidet man Süß- und Sauermilchkäse. Für die Ernährung ist der Eiweißgehalt des Käses wichtiger als der Fettgehalt, der Eiweißgehalt ist tm Magerkäse am größten. Käse muß immer unter der Käseglocke aufbewahrt werden. Hartkäse trocknet nicht aus, wenn man ihn in ein mit Salzwasser angefeuch- tetes Tuch einschlägt Käsemaden, die im Käse lebenden Larven der Käsefliegen. Kaffee, Samenbohnen des Kaffee- strauches, der in tropischen Ländern heimisch ist. Kaffee ist ein anreaenbes Eenußmittel das in den Bohnen etwa 1 v. H Koffein enthält. Das eigentliche Aroma tritt erst beim Rösten auf Um es zu halten, werden die Bohnen vielfach glasiert. Gemahlener Kaffee raucht auch in geschlosie- nen Behältern schnell aus. man soll die Bohnen erst vor der Verwendung mahlen. Es gibt vielerlei Handelssorten, die nach den Ursprungsländern bezeichnet werden. Am gebräuchlichsten sind jedoch Mischungen. Kaffee, tüt« rischer, wird auf einer türkischen Kaffeemühle zu feinem Pulver gemahlen. Dieses Mehl wird in stark gesüßtes, kochendes Zucker- wasier getan, mit dem es noch kommen nach Gießen HERRLICHE ZiRKUSSPIELE! Eröffnung: Samstag, den 21. August 1937, abends 8.30 Uhr, auf dem Oswaldsgarten. 5337 D REICHSMUSIKKAMMER Der Privatmusiklehrer und die Ferien. In Anbetracht der Ferien weist die R M. K. darauf hin, dak jeder Musiklehrer verpflichtet ist, sich die Ferien durchbezahlen zu lassen Im anderen Falle wird er aus der R M. K. ausgeschlossen und verliert dadurch das Recht zur weiteren Berufsausübung Dem Musiklehrer steht wie jedem anderen Volksgenossen eine Ausspannung von seiner mühevollen und aufopfernden Tätigkeit zu, die aber nicht durch die Sorge um das Honorar zunichte gemacht werden soll. Oie Geburt ihrer Tochter Anna Margarethe zeigen an Gertrud Frey, geb. Koch Willy Frey, Pfarrverwalter zu Ranstadt Gießen (z. Z. Evangelisches Schwesternhaus), den 12. August 1937 5304 D Die führende naturkundliche Monatsschritt! „Oer Naturforscher" S £» w-. Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaften und ihre Anwendung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. Herausgegeben von Oberstudienrat Or. XCRein und Prof. Or. W. Schoenichen. .Oer Naturforscher' unterrichte« fortlaufend in Bild und Dort über die Ergebnisse der neuesten Beobachtungen und Forschungen aus allen Gebieten der Naturwissenschaften und Technik. Er ist die verftänd'iche, aber hochwertige naturwissenschaftliche Monatsschrift für geistig Anspruchsvolle, die bei hervorragender Ausstattung nicht auf oberflächlichen Auf« puh, sondem auf Gehalt eingestellt ist. Vierteljährlicher Bezugspreis: NM. 2.50. — Verlangen Sie kostenlos ein Probeheft. — Der Bezug kann durch jede Buchhandlung erfolgen. Hugo Bermühier Verlag/Berlin-Lichterfel-e Ihre Verlobung geben bekannt Martha Stephan Karl Coster Gießen, Steinstraße 76 Kassel / Trier 15- August 1937 03973 Statt Karten! Ihre Vermählung geben bekannt . Ludwig Heep/ Rechtsanwalt und Frau Änni, geb. Dörr Alicenstraße 29 I Mlhelmstraße 39 II Gießen, den 14. August 1937 03971 Statt Karten! Obige Bekanntmachung der Reichsmusikkammer wird hiermit zur Kenntnis gebracht und ferner darauf hingewiesen, daß Musikunterricht nur von Mitgliedern der R. M. K. Fachschaft III erteilt werden darf (Ausweis). Der Unterricht mub nach den gesetzlichen Bestimmungen gern. Unterrichtsverträge gegeben werden. 5343 D Kreismusikerschaft (riehen, gez. Kasten. nicht aber nui well sich die Gurken dann über den Winter hinaus halten, weich werden und nicht schimmeln, ß Für 12 Pfennig überall zu haben. GEHRING L NEIWEISER • BIELEFELD Sie gottgläubige Unterweis^ WMMzjlWM Ub.Hünfeld Wasser, Angelsp., 4 Mahlz., M. 3.-, Prosp. (Rhön) die idyll. u. gute Sommerfrische. Dir.a.Wald, Jugend beginnt wieder Donnerstag, den 19. Angust in d.Goetheschnle Saal 7. Auskunft und Neuanmeldungen daselbst ab 15.30 Uhr. Ortsring Gießen 03998 der Deutsch. Glaubensbewegung. Spat) MMöelBoöpatö Pension Wirth Volle Pension 3,00 bis 3,25 Mark. Leuchten-/ ■? Radio//^ Rheinterrasse — Liegewiese. WC. im Hause. esooD ThüvittserAof (am Biebertalbahnhof) Haler Mena mit Ians! Samstag und Sonntag. Der Kautabak von Grlmm&Triepel ift fo beliebt/ well er ganz vollgefogen Ift mit köftllch-aroma- tlfchem Saft. Wenn Sie öle neue Werbeschrift mit Koftprobe noch nicht kennen, fordern Sie Ne heute noch in den einschlägigen Gefchäften. *» v r A 1/ \ A ZHre Vermählung zeigen an Assessor Heinrich Oröll Zlse Oröll, geb. Hirzel Gießen, Weserstraße 19 Hirzenhain (Oberhessen) 15. August 1937 03962 4764 V Statt Karten! Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen Otto Muter Ilse Meuter, geb. Weimar Großen-Äuseck Gießen Sonntag, den 15. August 1937 03944 Einspaltige Kleinanzeigen 1 werben zum ermäßigten Grund« preis von 5 pf. kür die Millimeter« »eile veröffentlicht Ihre Vermählung geben bekannt Arthur Wlttmann Henny Wittmann, geb. Vogel Nachlässe von 3 bis 20 v. H. er* halten S/e bei wiederholten Veröffentlichungen einer Anzeige / Gewlnnouszug 5. Klasse 49. Preußisch-Süddeutsche (275. Preuß.) Klassen-Lotlerie Gießen Marburger Straße 100 August 1937 Homberg (Oberhessen) Kaffeersatz 226 Kakaoflecke zweimal aufwallen muß. Man trinkt den Kaffee, nachdem der Satz sich gesetzt hat, ohne ihn zu filtrieren. Kaffee-Ersatz, vielfach aus den gleichen Stoffen hergestellt wie Kaffeezusatz, aber auch aus Eicheln, Löwenzahnwurzeln, Lupinensamen, ist koffeinfrei, wird aufgekocht, statt gebrüht. Kaffeeflccke lassen sich in den meisten Fällen mit kaltem Wasser auswaschen, notfalls mit Boraxzusatz. Kaffeemaschinen gibt es in verschiedenartigster Ausführung, besonders zweckmäßig sind elektrische Kaffeemaschinen aus Glas. Kaffeesaharliges Erbrechen, meist bei Magenkrebs (s. d.), das Erbrochene ist durch verändertes Blut braun bis schwarz gefärbt. Kaffeezubereitung ist eine Kunst, die vielfach nicht genügend beachtet wird. Kaffee darf keinesfalls in Metallgefäßen aufgebrüht werden. Die Porzellantanne muß mit heißem Wasser vorgewärmt und der Kaffee mit sprudelnd kochendem Wasser übergossen werden, hierauf muß er zugedeckt Ziehen. Man rechnet auf eine Tasse Wasser 10 Gramm gemahlenen Kaffee. Zum Kaffee nimmt man Milch oder Sahne. Aufgewärmter Kaffee schmeckt nur dann einigermaßen annehmbar, wenn er im Wasserbad erwärmt worden ist. Zweckmäßiger als das direkte Aufbrühen von Kaffee ist die Verwendung von Por- zcllanfilter mit Filterpapier. Kaffeezusatz wird aus Malz, Gerste, Feigen, Zichorie usw. hergestellt, dient dazu, den Kaffee zu strecken, beeinflußt aber erheblich den Geschmack, wenn ein gewisses Maß überschritten wird. Koffein, Koffein, anregendes Nervengift, das in Kaffeebohnen etwa 1 v. H., in Tee 1 bis 3,5 d. H. enthalten ist. Schädigende Folgen treten erst nach unmäßigem Genuß starken Kaffees auf, die beste Gegenwirkung ist Schlaf, notfalls mit einem Schlafmittel. Kaiserschnitt, Schnittentbindung. Hat heute durch die moderne Operationstechnik und Aseptik viel von seiner Gefährlichkeit verloren. Kakadu, Papageienart, die auf den indischen Inseln in Australien und Neuguinea lebt. K. zeichnen sich durch buntes Gefieder und einen Kamm aus, sind drollig und sprachbegabt. KKakao, Mehl aus den Samen des mittelamerikanischen Kakaobaumes, ist stark eiweiß- und fetthaltig, daher als Kindergetränk zu empfehlen, besonders, wenn der Kakao mit Milch gekocht ist. Das Pulver wird mit kaltem Wasser angerührt, langsam dann in kochendes Wasser oder Milch gegossen. Kakaobutter, das Fett der Kakaobohne, kann als Speisefett verwendet werden, wird hauptsächlich zu Margarine und Seifen verarbeitet, auch zu Salben und Zäpfchen. Kakaoslecke lassen sich meist mit kaltem Wasser ausweichen. Hilft Der Kaffee schmeckt besser, wenn er gefiltert ift. Das köstliche Aroma bleibt dabei voll erhalten. Außerdem imrd der Kaffee viel bester ausgenützt. Das Durchlaufen g-ht lehr rasch mit dem Kaffee-Schnellfilter „Melitta". In verschie- denen Größen bekommen Sie ihn bei J. B. Häuser, Gießen, am Oswaldsgarten, Fernsprecher 2115/2146. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden ______________Abteilungen I und II__________ 6. Ziehungstag 13. August 1937 ün der heutigen Dormlttagsziehung wurden gezogen 6 Gewinne zu 10000 RM. 314857 343769 357434 4 Gewinne zu 3000 RM. 120619 240203 14 Gewinne zu 2000 RM. 100133 119155 170985 194439 214578 362171 365190 52 Gewinne zu 1000 RM 15211 15754 17702 37056 55450 75320 87956 129811 160373 179266 246364 246427 251988 255323 272197 312112 326290 330246 331816 358288 370149 37294c 384608 390756 390893 397789 72 Gewinne zu 500 RM. 649 2001 36359 65617 72782 77872 103328 128502 134528 154993 157673 159501 168812 170546 172408 172743 174103 175319 178606 191416 205569 233967 238009 239310 244607 266530 264502 272273 279749 279948 282353 313471 323500 342781 372491 387722 178 Gewinne zu 300 RM. 12154 24308 26802 91124 91713 92498 101613 106623 118860 136305 157876 178039 202886 223025 241848 264009 300782 328488 352331 375889 131772 156180 171906 200501 216170 228857 260554 300144 327845 346207 372048 137928 159324 188271 207296 224401 247094 264676 313726 330405 354016 379778 142880 163388 188388 207654 224710 256212 265022 314293 331372 355668 380651 144982 164675 190911 213152 226306 258051 281882 317766 340360 358388 386021 29434 35597 42384 43636 47118 65214 61731 62193 68304 68424 68522 78881 80643 84506 130670 147188 170937 195700 214335 22882' 259909 298786 320944 343691 365388 Dn der heutigen Nachmittagsziehung wurden gezogen 2 Gewinne zu 3000 RM. 285057 12 Gewinne zu 2000 RM. 26070 78499 134614 179966 231293 355937 46 Gewinne zu 1000 RM 3233 3372 10254 2613k 44723 59507 84613 99847 118596 130689 13670: 157882 261617 264522 278149 288166 30064 316318 320045 346665 366542 391038 39368 64 Gewinne zu 500 RM 4252 8246 9503 2795 61842 64277 60145 76001 81591 86429 9756 130210 176260 191356 196942 217621 22981 232313 260657 260866 277450 285589 29037 303001 320834 321107 325654 344868 35618 366846 388463 399992 174 Gewinne zu 300 RM 1926 14251 20638 2163 3m Gewinnrade Gewinne zu 120228 149226 178943 224482 239232 262753 288058 302128 331481 359155 389573 121876 152347 180603 226563 252936 274079 290675 304887 337507 360651 394445 128417 159258 182790 226659 256469 276810 293969 305614 338804 367590 141094 159855 187109 227595 256687 278409 294628 316562 343247 380817 146260 162457 218629 228549 258182 286040 296937 325163 345694 381336 4061 7629 11738 14882 1739! 2203? 2300k 26124 2871 1 30109 330321 34570c 387784 30118 30151 30898 30978 36322 38834 41799 42723 44218 65306 64552 72650 81682 83885 91505 99275 109937 110532 t- I* ?e le ie verblieben: 2 lOOOOOü, 2 zu ie 200000, 2 zu je 6000, 316 zu ic 3000, 774 ui ,e 2000, 2376 zu 1000, 3932 zu je 500, 8010 zu ie 300 Mark. 500000, 2 zu je 300000, 2 zu " v- - 100000, 2 zu je 50000. 10 zu 30000. 18 zu je 20000, 70 zu je 100- 0. 160 zu 03960 152b auch als Lesebrille stets die druckfreie Brille nach Maß von Optiker Magnus Kassanlieferant Seltersweg 33 Cafe-Rest .Rheingold* bestgepflegte Export- und Pilsener Biere rNUSMMW! aus dem Sportplatz Sonntag, den 15. und Montag, den 16.August Die Burliflenffflflft. 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August i<)57 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Mberhessen) Nr. 188 Drittes Blatt Richtfest auf dem Flugplatz Gießen. Die Arbeitskameraden der Stirn und der Faust halten bei der Rtchtfestfeier Rückschau auf ihr gemeinsames Werk. Dort draußen am Rande der Stadt, auf „Stolzen Morgen", wo fprift tagaus und tagein das hohe, melodienreiche Lied der^Arbeit erklingt, wo fleißige deutsche Arbeiter der Stirn und der Faust ihre Kräfte einem Werk im Dienst unserer Volksgemeinschaft widmen, dort herrschte am gestrigen Freitagnachmittag für einige Stunden auch einmal ernst-besinnliche, dann frohgestimmte Feiertagsruhe. Es wurde R i ch t f e st gefeiert, altem deutschem Handwerksbrauch gemäß, wenn das Werk im Rohbau errichtet ist Mit ganzem Herzen waren die Volksgenossen vom Bau und die Gäste aus Stadt und Land bei der schönen Feier. Die Verbundenheit dieses Werkes mit den breitesten Kreisen unserer Volksgemeinschaft kam in der Anwesenheit von Gästen aus allen Berufsschichten der Stadt und des Landvolkes zum Ausdruck, bei letzteren auch reizende Trachtengruppen unter Führung unseres oberhessischen Heimatdichters Gg. Heß (Leihgestern). Mit den Werkleuten vom Bau und ihrer Leitung versammelten sich viele Gäste von der Partei und ihren Gliederungen, der Wehrmacht, der Behörden, von Stadt und Land am frühen Nachmittag auf dem mit dem Hoheitszeichen, den Fahnen, frischem Grün und Blumen schön geschmückten Festplatze. Arbeitskameraden vom Bau, kleine Abordnungen der Formationen und die bunten Trachtengruppen bildeten an der Stirnseite des Festplatzes einen reizvollen Aufmarsch, der dem Gesamtbild eine besonders fesselnde Note gab. Vor diesem Aufmarsch vereinigten sich die Gäste und die Männer vom Bau zur Feiergemeinschaft. Der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter Musikzugführer Herrmann leitete die Feier mit guter Musik ein. Dann sprach der Vorstand der Bauleitung, Bauleiter Eich holz, der zunächst allen Arbeitskameraden am gemeinsamen Werk den Dank und Gruß der Bauherrin und der Bauleitung überbrachte, anschließend die Ehrengäste willkommen hieß, dabei als Vertreter des Luftkreiskommandos IV Münster, Oberbaurat Gallert, sowie vom Luftgaukommando XI Generalmajor Willich, ferner den Vertreter des Herrn Reichsstatthalters, und dann die schöne Sitte des Richtfestes pries, dessen Feier den am Bau beteiligten Arbeitern der Stirn und der Faust ein äußeres Zeichen des Dankes und der Anerkennung für geleistete gute Werkarbeit ist. Er betonte dabei die unlösbare Verbundenheit der Arbeit im Büro und des handarbeitenden Schaffens, von denen keines ohne das andere sein kann, die beide gemeinsam hier ein gutes Werk geleistet haben. Jeder Arbeitskamerad an diesem Bauunternehmen kann stolz sein auf die bisher geleistete Arbeit, denn durch beste Arbeitsdisziplin und volle Hingabe an die Arbeitsaufgabe konnte das Werk bisher gedeihen. Jeder kann das befriedigende Bewußtsein hegen, voll und ganz seine Pflicht getan zu haben. Nun wurde auf Geheiß des Bauleiters in feierlicher Weise die Richtkrone hochgezogen. Freudige Rufe, kernige Richtsprüche von Handwerksmännern, Blumengrüße der kleinen Trachtenmädchen M Oben links: Generalmajor W i l l i ch im Gespräch mit dem Zimmerpolier, der den 9b St= spruch vorgetragen hatte. — Oben Mitte: Dem Bauleiter Eichholz wurde von oen Dachdeckern ein prächtiges, bändergeschmücktes Herz aus Schiefer verehrt, auf dem ein schöner Spruch zu lesen ist. — Oben rechts: Zahlreiche Mädchen und Burschen in hessischen Trachten verschönten das Richtfest; hier sieht man ein Schwälmer Paar beim Tanz. — Unten links: Bauleiter Eichholz bei seiner Richtfestansprache. — Unten rechts: Ausschnitt aus der „Reihe der Stände", die unsere Volksgemeinschaft symbolisierte. — (Aufnahmen |6|: Neuner, Gießener Anzeiger.) KLS.L M Blick über den Platz, auf dem die Richtsestfeier stattfand. hinüber zur langsam emporkommenden Richtkrone und der Gruß der großen Feiergememschaft gaben diesem Teil der Stunde eine besondere Weihe. Dann sprach der Arbeiterdichter Becker einen packenden Prolog, in dem in poetischer Sprache all das zum Ausdruck kam, was bei diesem Ereignis die Herzen aller Teilnehmer der Stunde bewegte. Den Abschluß der Feierstunde bildete eine kurze Ansprache von Generalmajor W i l l i ch, der zu den Männern vom Bau, von der Leitung bis zum letzten Gefolgsmann, herzliche Dankes- und Grußworte sprach, ihren Stolz auf die bisherigen Arbeitsleistungen als durchaus berechtigt anerkannte und dann die Gedanken der Volksgenossen auf den hohen Sinn dieser Gemeinschaftsarbeit, sowie auf die verpflichtende stete Tatbereitschaft aller deutschen Menschen im Dienste für Führer, Volk und Vaterland hinlenkte. Freudig klangen hierauf Gruß und Treugelöbnis für den Führer und sein Werk über den Platz. Während die Richtkrone hochgezogen, Führer, Volk und Vaterland der Gruß der Festteilnehmer dargebracht und ein Umzug über den Bauplatz oor- genommen wurde, kreisten Flugzeuge dicht über dem Platze und gaben dadurch dem feierlichen Augenblick noch eine höhere Weihe. Zugleich bedeutete diese eindrucksvolle Geste der Flieger für die Arbeiter vom Bau eine besondere Ehrung ihres Schaffens. Hauptmann Fischer zeigte gleichzeitig hoch in der Luft geradezu atemberaubende Kunstflüge, die allen Zuschauern die Herzen höher schlagen ließen vor Begeisterung und Dankbarkeit für diese Schauflüge. Die kameradschaftliche Geselligkeit der Richtfestteilnehmer wurde nach dem Einmarsch der Schwälmer Bauernkapelle mit den Trachtengruppen in das Festzelt eingeleitet durch eine kleine Spiel- folge „Huldigung an die Heimat", zusammengestellt von unserem Heimatdichter Georg Heß- Leihgestern. Georg Heß selbst eröffnete die Darbietungen mit dem Vorspruch, dem das gemeinsam gesungene Lied „Im schönsten Wiesengrunde" folgte. Die weiteren verbindenden Texte zwischen den Darbietungen der Trachtenträger sprach ebenfalls Georg Heß, der dabei die starken volksoerbindenden Kräfte in unseren heimatlichen Bräuchen, in Lied und Volkstanz, kurz in alledem, das die deutschen Menschen in der Gebundenheit von Blut und Boden vereinigt, zum Ausdruck brachte. Die feine Darbietung, die einen neuen schönen Erfolg Georg Heß' bedeutet, fand den starken Beifall der Zuschauer. Nunmehr begann der Richtschmaus, bei dem die Teilnehmer mit Speise und Trank und mit Rauchwaren reich bewirtet wurden. Der Musikzug der SA.-Standarte 116 bot dazu gute Musik, im weiteren Verlaufe dieses Feierabschnittes erfreute auch die Schwälmer Bauernkapelle mit ihren Darbietungen. Dazu boten die Kindertrachtengruppe Erksdorf und die übrigen Trachtenträger viel gute Unterhaltung durch ihre reizvollen Volkstänze und Gesänge, die von der Schwälmer Bauernkapelle oder mit Ziehharmonika und Klampfe stimmungsvoll begleitet wurden Im Handumdrehen war allenthalben eine frohgemute Stimmung an der Tagesordnung, die die Festteilnehmer noch manche Stunden in bester Kameradschaft und Harmonie beisammenhielt. Diese schöne Richtfestfeier wird allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben Aus der Stadt Gießen. Der Kreis des Lebens. Jeden Tag kann man sie in der Anlage sehen. Sie geht schon etwas gebückt und ihr Gesicht ist voller Falten, aber wenn sie sich zu dem Kinde niederbeugt, das an ihrer Seite trippelt oder aus dem Wägelchen zu ihr aufschaut, so macht sie den Eindruck einer sehr gütigen und zugleich unendlich glücklichen Frau. Das Kind ist etwa drei Jahre alt, und es besteht kein Zweifel, daß es sich um ihr Enkelkind handelt. Doch bei aller Mühe, die das Kind verursacht, ist die Großmutter von einer sich immer gleichbleibenden Herzlichkeit und sorgenden Liebe. Die Zwei bevorzugen eine bestimmte Bank, und dort verbringen sie gewöhnlich die Nachmittagsstunden. Das heißt, auf der Bank sitzt eigentlich nur die Großmutter, während das Kind geschäftig seinem Spiel nachgeht. Das Spiel ist sehr wechselreich. Einmal dienen die kleinen Steinchen auf dem Erdboden dazu, dann sind es die Grasbüschel am Wegrand, und zwischendurch muß immer wieder mal der leichte Kinderwagen herhalten. Denn der Wagen läßt sich prachtvoll hin- und herschieben, was den Eifer des Kleinen so anspornt, daß die beruhigende Hand der Großmutter gewöhnlich bald Einhalt gebieten muß. Manchmal hat der Kleine auch Einfälle, die mit überraschender Plötzlichkeit kommen und ebenso rasch zur Ausführung gelangen. Dann will er mit seiner „Omi" Verstecken spielen, läuft zum nächsten Baum, oder er kriecht unter dieselbe Bank, auf der die Großmutter sitzt. Oder er bekommt die Lust zum mimischen Ausdruck, geht auf den Zehenspitzen vor der Bank auf und ab und schneidet fortwährend Gesichter dazu, über die sich die Großmutter verwundern oder freuen soll. Die Großmutter erweist sich bei alledem als vortreffliche Spielgenossin, sie lacht mit dem Kleinen, wenn er seinen Spaß hat, sie tut ganz erstaunt, wenn der Augenblick es erheischt, und wirkt in ihrer feinen Art recht fürsorglich auf ihn ein. Es ist eine vortreffliche und dabei halb unbewußte Pädagogik, die sich dem Beschauer hier in natürlichster Weise zeigt. Möglich, daß der Kleine keine Mutter mehr hat und deshalb von der Großmutter betreut werden muß. Vielleicht ist aber auch die Mutter berufstätig, so daß es ihr an der Zeit mangelt. Auf jeden Fall aber gedeiht der Kleine prächtig unter der Obhut Das \ \ Schönheifsrmepf DasSchrfferduellvonOie iiMel ^>on Heinz Steavweit Auf dem Schleppkahn „Johaina Sebus" saß Hein Vondekaer und spielte den Grielächer; so nennt man am Rhein die Pfiffigen und Verschmitzten, deren Gesicht zumeist ein einziges Vergnügen ist. Hein Vondelaers Garderobe bestand aus einer blauen Hose, die Brust war nackicht und die Zehen spreizten sich in Gottes freier Natur. „Em Wetter zum Eierlegen", meinte der Schiffer und spuckte den Priem ins Wasser, so freigebig, als wollte er Fische füttern. Verstehet den llebermut dieses jungen Mannes: Jahrelang hat er bei Ruhrort faulenzen müssen, arbeitslos und verbittert, denn die Kähne zerrten tausendfältig mit leerem Bauch an der Ankerkette, im Hinterland waren die Hochöfen kalt und die Förderkörbe hingen rostig im Gestänge. Heute war wieder Leben im Strom, war auch wieder Strom im Leben, Herrgott sapperlot, könnte man die reife Sonne vom Himmel pflücken und ins Wasser tunken, das würd' zischen! Hein Vondelaers Kahn schäumte an Koblenz vorüber, wo die Mosel in den Rhein knecht und der felsige Ehrenbreitstein wie ein Veteran von Anno 70 seine Renten lebt. Vom Raddampfer, der die „Johanna Sebus" und noch fünf andere Kähne an dicken Trossen zog, kam ein Glockensignal; vielleicht war ein Floß in Sicht, vielleicht löffelte ein Paddelboot zu hart in den Kurs, jedenfalls scheuchte das Glocken die Seele des Schiffers auf. So plötzlich, daß Hein Dondelaer ms Rutschen kam und kopfüber von den Bohlen kippte, deren Teergeruch so behaglich gewesen war. Nun strampelte der Träumer in den Wellen, stromab treibend und mit winkendem Geschrei: Mann über Bord! Die Schiffer der nächsten Kähne hatten ihr Gelächter: Dieser warf ein Seil, jener hielt eine Stange hin, doch der übernächste fischte erst den Kameraden an Bord, stieß aber zugleich einen Ruf des Verwunderns aus: „Hem Dondelaer? Kerl, du bist es —?" Der Gerettete schnaubte wie ein Seehund, sein Haar floß bis zur Nase, aus jedem Hosenbein rann ein Sprudel: ..Jupp Dierks? Mensch bei dir bin ich gelandet? Ausgerechnet —?" Sie legten sich nebeneinander, die Sonne war der beste Bademantel, man briet wie Hähnchen in der Pfanne. Und dann kam dieses Gespräch zustande: „Weißt du noch. Hein —?" „In Ruhrort, Jupp? Vor fünf Jahren —?" „Da wollte ich mit dem Messer auf dich los —" „Hatten wir vorher getrunken —?" „Woher denn! Eifersüchtig waren wir! Und arbeitslos. Aber nun soll alles gut sein —!" Das Erinnern machte die Kameraden stumm Wie frei war man heute! Als hätte einer allen Staub vom Herzen geblasen. Als wäre die Sonne frisch in Brand gesteckt worden. Denn am Ufer quollen die Trauben, am Ufer winkten auch die Mädchen! „Wie hat sie doch geheißen, Jupp Dierks —?" „Eva!" „Ach, — darum ..." Und wieder schwiegen die Nebenbuhler, in der Brust klopfte es, im Schädel wanderte noch einmal der wilde Spuk vorüber. Dann fuhr Hein Vonde- laer wieder hoch: „Ist sie nicht jiad) Oberwesel gezogen? In Dienst und lohnende Stellung —?" Der andre schmunzelte breit: „Ja. Ist fie. 3n Oberwesel werden wir anfern. Ich weiß es. Wir wollen zum großen Schifferfest!" „Ich geh zur Eva, Jupp Dierks!" „Hüte dich! Nur ich geh zur Eva, Hem Vonde- laer —!" . Damit standen beide auf den Seinen, augenrollend wie Ringkämpfer. Aber das Wetter war zu schön zum Krakeel. Also sagte Hem Dondelaer. „Gut. Wollen wir knobeln —?" .. „Wer knobeln will, will auch betrugen —I „Dann sag was andres, Jupp Dierks. „Ich fordere dich! Zum Duell! Zum Schifferstechen!" „Zünftig und mit Gunst —? „Wer siegt, holt sich die Eva —! Der Handel wurde einig. Hem und Jupp quetschten sich die Hände, lachten dabei, und als sie tags darauf vor Oberwesel die Anker warfen schien das Läuten von Kahn zu Kahn wie ein festliches Orgelspiel- Am Ufer jubelten die Menschen des Sonm tags' aus den Weinbergen scholl em Boller nach dem andern. Fahnen und Wimpel ohne Zahl verklärten so viel trudelnde Buntheit Da hatten die Jungen eine Rutschbahn ins Maser gebaut, da ruderte ein Wikingerschiff drachenkopflg und mit Runen, Schilden und Speeren, — hier rollten Fässer voll Wein, dort fangen sieben maskierte Jungfern das Lied einer ulten Sage. „Jupp, bifte im Schick?" fragte Hem, der schon ^^afte^ TOurrr un^^ucf?" spottete Jupp, dessen Bizeps hart war wie eine Kokosnuß Pflaumen- bläu schwelgte das Firmament über dem Rheingau, siebenmal paukte und trompete Musik, bald vom Rummelplatz und bald von der hergepilgerten Flottillen, hier schaufelte sich ein Teutone im Einbaum voran, dort ruhte ein germanisches Blockhaus auf sicher gleitendem Boot... Diel Witz, viel Lärm, und nicht einer zog ein müdes Gesicht, zumal das Turnier der stechenden Schiffer bald feinen Anfang nahm. — Wie dieses Schifferftechen oonftatten geht? Zwei Burschen sind in jedem Nachen; der eine sitzt rudernd hinten am Heck, der andre steht vorn aus dem Bug, stolz wie ein Ritter, denn feine Lanze ist lang und sein Brustpolster gleicht einem Harnisch. Also fahren sich die Boote entgegen, die Schiffer strecken die Lanze aus, an deren Spitze ein lederner Knauf ist, denn das Stechen darf nur ein friedliches Stoßen fein. Was sag ich? Da gondelten sie schon aufeinander los, hier Jupp Dierks, drüben Hein Dondelaer, jeder mit Speer und Polster, jeder vorn auf dem Bug feines Nachens. Und sie hielten sich im Auge, scharf und lauernd, um die Eva ging's, um den schönen Preis-- Das Volk überschrie sich am Ufer, die Kinder schloffen Wetten ab, die alten Wasserbären drückten die Daumen. „Los, Jupp —!" „Los, Hein —!" Da prallten sie aufeinander. Da stieß der erste. Da stach der zweite. Die Nachen zuckten, die Ruderer schufteten am Heck, drüben wie hier, hier wie drüben, jeder biß sich auf die Zähne, beide wollten den Sieg, grimmig und verbissen ... O Spiel des Himmels, o Scherz der allmächtigen Vorsehung: Hein Dondelaer wankte und fiel in die Flut Hurra —! Jupp Dierks wurde weich und stürzte ebenfalls ins Wasser. Hurra —! Da bleibt keine Kehle stumm am Ufer zu Oberwesel. Da flatterte ein Gelächter auf, ein Händeklatschen und ein festliches Trompeten: Beide Gegner im Rhein? Kein Sieger und kein Opfer? Solchen Spaß hatte noch niemand erlebt im sonnigen Revier der Trauben —! Jupp Dierks und Hein Dondelaer schwammen ans Ufer, sie machten gute Miene zum nassen Spiel, und das Volk breitete köstlicher Laune die Arme aus. Aber: Auch die Eva stand da! Frisch wie Obst und schön wie der Wein dieser Berge. Unsere jungen Schiffer drückten ihre Hand, links der eine, rechts der andre: Welchen Sinn hatte das Geheimnis ihres komischen Kampfes —? „Kommt zu mir nach Haus!" rief die strahlende Eva. „Kommt und stärkt euch beim Wein. Dieses Wiedersehen! Hab viel an euch gedacht, denn gut geht's mir, viel besser als vor fünf Jahren in Ruhrort. Ich habe einen braven Küfer geheiratet und mein Kind kann schon Mutter und Vater sagen...!" Unterirdische Autostraßen. 3n dem neuen Geschäftshausviertel Rockeseller Centre der Siebenmillionenstadt Aeuyork sind kürzlich zehn gewaltige Wolkenkratzer sertiggestellt worden, deren größter siebzig Stockwerke umfaßt, und der elfte geht seiner Vollendung entgegen, wahrend weitere Bauten in kurzem zum Himmel ansteigen werden. Alle diese Steinkolosse sind Büro- Häuser, in den zehn, die bereits in Betrieb sind, werden über 100000 Menschen beschäftigt. Bei einer derartigen Zusammenballung von Menschenmasien auf eng begrenztem Raum ergeben sich ungeheure Berkehrsschwierigkeiten, wenn zu Anfang und Ende der Bürozeiten Tausende von Angestellten auf die Straßen strömen. Abhilfe konnte hier nur dadurch geschaffen werden, daß man unterirdische Straßen herstellt. So ist man gegenwärtig, wie in der Leipziger . Fllustrirten Zeitung" berichtet wird, damit beschäftigt, unter den Wolkenkranern breite Schächte vorzutreiben. Die Gesteinsrnaflen wurden dabei herausgesprengt. So entsteht ein unterirdisches Straßennetz, durch das der durchgehende Autoverkehr von der Oberfläche abgeleitet werden soll. Ein Teil der Anlage ist bereits fertig. Die Untergrund-Autostraße ist 450 Meter lang, zehn Meter tief unter den Wolkenkratzern und so breit, daß vier Autos nebeneinander fahren können. Seitlich sind Bersandräume mit den Laderampen der in den Hochhäusern ansässigen Firmen untergebracht, so daß der oberirdische Straßenverkehr von Frachtautos und Lieferwagen befreit werden kann. Das unterirdische Straßennetz soll größeren Umfang erhalten, um in diesem Stadtteil weitere Hochhaus- bauten möglich zu machen. Der Straßenverkehr vor» Aeuyork wird sich also in naher Zukunft zu einem beträchtlichen Teil unter Tag, in modernen Kala- bomben, abspielen. C. K. SchW die deutsche Gmie vor Brandgefahr! Ein Mahnwort des Ministerpräsidenten Generaloberst Göring. DRV. Der Beauftragte für den Vierjahresplan Ministerpräsident Generaloberst Göring richtet an das deutsche Volk nachstehende eindringliche Mahnung: „Die deutsche L r n t e ist die unmittelbare Lebensgrundlage des deutschen 'Boltes. Wer sie fahrlässig oder mutwillig dem Brande ausliefert, verdient nicht nur Härte sie Vestra- jung, sondern auch die allgemeine Verachtung. Ministerpräsident Generaloberst Göring." seiner Großmutter, und wenn wir uns an die eigene Großmutter erinnern, so haben wir gewöhnlich noch die Vorstellung von ihr als einer guten alten Frau, die uns mit großer Nachsicht behandelte und die für unsere kleinen Nöte und Wünsche immer ein reiches Maß von Verständnis aufbrachte. Es ist eben ein Band inniger Liebe, das jede Großmutter mit ihrem Enkelkind verbindet, einer Liebe, die ebenso stark in der Hingabe, wie in der Entsagung ist und deren Geheimnis vielleicht darin besteht, daß noch von der dahingehenden hinüber zur kommenden Generation die unversiegbare Lebenskraft einen beglückenden Quellstrom treibt. Anfang und Ende stehen hier in sichtbarer Wechselbeziehung, sie sind nach einem Goethewort „ein wechselnd Weben, ein glühend Leben". Deshalb ist das Bild so eindrucksvoll, das sich fast täglich in jener Anlage zeigt. Sch. Vornotizen. Tageskalender für Samstag. -Gloria-Palast (Seltersweg): „Alarm in Peking". Tageskalender für Sonntag. KdF.: Sonderzug an den Rhein. — Gloria-Palast (Seltersweg): „Alarm in Peking". — Imker, Reichsfachgruppe Gießen, 14 Uhr, Hotel Hopfeld. — Oberhessischer Gebirgsverein, 7.30 Uhr, Universitätsbibliothek, Wanderung. Otto Gebühr als „Alter Frih" im Stadttheater Gießen. Die Intendanz des Stadtkheaters Gießen hat den Bühnen- und Filmkünstler Otto Gebühr zu einem einmaligen Gastspiel am Samstag, 21. August, verpflichtet. Otto Gebühr spielt die Rolle des „Alten Fritz" in „Zwischen Abend und Morgen", eine Begebenheit in drei Akten von Zdenko von Kraft mit eigenem Berliner Ensemble. Die Spielleitung des Stückes hat Direktor Karl Heinz Klub er - tanz, Berlin. Bürgersteigumgestaltung in der Liebigstrahe. Zur Neugestaltung der Liebigstraße zwischen Frankfurter Straße - Bahnhofstraße vergibt das Städtische Hoch- und Tiefbauamt die erforderlichen Bauarbeiten. Der Plan für diese Arbeiten sieht vor, den Bürgersteig auf der Seite, auf dem das Polizeirevier, das Liebig-Museum, das Hauptzollamt und der Liebigbau stehen, zu vereinheitlichen. Die Vorgärten vor dem Revier, dem Liedigmuseum und dem Hauptzollamt werden etwas zurückgenommen, so daß ein einheitlicher 7,20 Meter breiter Bürgersteig entsteht. Vortragsabend im Sparerbund. Unser täglich Brot. Von K Bürker, Gießen. In dem rührendsten Gebet der Christenheit kommen die Worte vor: „Unser täglich Brot gib uns heute", was darauf hindeutet, daß es au allen Zeiten mit der Beschaffung der Nahrung seine Schwierigkeiten hatte. Wenn jetzt der Dierjahresplan des Führers durchgeführt und möglichst aus Eigenem die Nahrung beschafft werden soll, so heißt es bei der relativen Enge des Lebensraumes in Deutschland mit dem Vorhandenen vernunftgemäß umgehen, also mit einem Minimum von Nahrung ein Maximum von Leistungen erzielen. Zum besseren Verständnis des Folgenden sei zunächst auf den Sinn der Nahrung Hingewie- en. Der Lebensoorgang in unserem Körper be- teht einerseits in Aufbau, Assimilation, anderseits in Abbau, Dissimilation. Beständig wird lebende Substanz zersetzt und das Zersetzte ausgeschieden, dann muß, wenn das Körpergewicht erhalten bleiben soll, das Zersetzte wieder ersetzt werden, und das geschieht eben durch die Nahrung s st o f f e. Die wichtigsten unter diesen, die Ei weiß körper, Kohlehydrate, Fette und fettähnliche Körper sind hochmolekulare energiereiche Stoffe, die von den Pflanzen stammen, die ihrerseits diese Stoffe nur mit Hilfe des Sonnenlichts bewirken'können; was wir genießen, ist also im letzten Grund Sonnenbrot. Weitere Nahrungsstoffe, die zwar keine Energie zuführen, aber doch unentbehrlich sind, sind Wafer und anorganische Salze. Die lebende Substanz besteht zu zwei Drittel bis drei Viertel aus Wasser, von dem sie beständig verliert und das daher beständig ersetzt werden muß. Die anorgani- chen Salze sind besonders zur Verfestigung der Knochen und zur Aufrechterhaltung des sog. osmotischen Drucks erforderlich, der für menschliche Zellen nicht weniger als 7,7 Atmosphären beträgt. Da auch die Salze beständig ausgeschwemmt werden, so müssen auch sie immer wieder zugeführt werden. Die Nahrung muß ferner Schmeck- und Duftstoffe enthalten, die reinen Eiweißkörper, Kohlehydrate und Fette schmecken meist völlig ade und duften nicht, ihre Aufnahme würde verweigert werden. Und endlich sind zur Ernährung gewisse Ergänzungsstoffe von großer physiologischer Bedeutung, aber in meist nur geringer Menge nötig, die heutzutage so viel erwähnten Vitamine. Diese so beschaffene Nahrung muß aber auch in einer gewissen Menge, nach einem bestimmten K o st m a ß , gereicht werden, wenn der Körper nicht Verluste erleiden soll; man versteht hoher, daß bei der Ernährung die Waage zur Ueberwachung das Körpergewichts eine große Rolle spielt. Die in gewissen Zeiten, den Mahlzeiten, aufgenommene Nahrung muß im Mund und Magendarmkanal chemisch so verändert, verdaut werden, daß sie durch die Darmwand hindurch auf die großen Verkehrstraßen des Körpers, ins Blut- und Lymphgefäß- ystem gelangen kann, um allen Zellen, den Grund- lausteinen des Körpers, angeboten werden zu können. Im Verdauungskanal selbst oder doch benachbart gelegene chemische Fabriken, die Drüsen, bereiten zu dem Zweck Verdauungssäfte, und Motoren, glatte Muskeln, sind es, die der Fortbewegung und Aufsaugung des Verdauten dienen; man pricht daher von der Chemie und Mechanik der Verdauung. Die den Zellen auf dem Blut- und Lymphweg zugeführten Nahrungsstoffe werden nun der lebenden Substanz einverleibt, assimiliert, wobei aus kleineren Molekülen größere aufgebaut werden, wozu Energie erforderlich ist. Im Leben ist aber nur der Wechsel beständig, die großen Moleküle zerfallen in kleinere unter Entbindung von Energie, es wird dissimiliert. Besonders Oxydationen sind es, die zu den Spaltungen führen, der Lebensvorgang ist ein Verbrennungsvorgang, daher die so notwendige beständige Zufuhr von Sauerstoff durch die Atmung. Die Verbrennungsprodukte sind mehr oder weniger Gifte, Schlacken, die von den Ausscheidungsorganen aus dem Körper hinausgeschafft werden müssen, soll es nicht zur Selbstvergiftung kommen. In 24 Stunden nimmt der erwachsene Mensch dem Gewicht nach ebensoviel Elementarstoffe in der Nahrung auf, als er ausscheidet, es besteht sogenanntes Stoffwechselgleichgewicht, nur sind die aufgenommenen Stoffe mit unwägbarer Energie versehen, die ausgeschiedenen aber kaum mehr. Die bei der Dissimilation frei werdende Energie tritt in her Hauptsache als Körperwärme auf, die man aus der Art und Menge der während 24 Stunden aufgenommenen Nahrungsstoffe berechnen kann. So liefert 1 g Eiweiß 4,1 große Kalorien, also eine Wärmemenge, mit der man ein Liter Wasser um 4,1 Grad erwärmen könnte, 1 g Kohlehydrat (Zucker, Stärke) im Mittel auch 4,1 Kal., 1 g Fett aber 9,8 Kal.; Fett ist also ein besonders wärmespendender Stoff. Dem Kostmaß von rund 100 g Eiweiß, 400 g Kohlehydrat und 60 g Fett entsprechen 2608 Kalorien. Nehmen wir, knapp bemessen, 2400 Kalorien für 24 Stunden an, für eine Stunde aber 100 Kalorien, so bildet der Mensch in dieser Zeit soviel Wärme, daß damit ein Liter Wasser von 0 Grad bis zum Kochen gebracht werden könnte. Kommt noch körperliche Arbeit hinzu, so muß für jedes Kilogramm-Meter (kgm) Arbeit 0,012 Kal. angesetzt werden. Ein Schwerarbeiter kann nun im Tage rb. 200 000 kgm Arbeit leisten, dem entspricht eine Wärmemenge von 2400 KaloriM. Demnach muß ein Schwerarbeiter doppelt so viel Nahrung aufnehmen als ein Mensch bei gewöhnlicher Lebensweise. In 24 Stunden wird die aus her Nahrung stammende Wärme von allen durch Strahlung, Leitung und Wasseroerdunstung wied-er abgegeben, so daß dem Stoffwechselgleichgewicht das Energiewechselgleichgewicht entspricht, stammt doch auch aus dem Wechsel der Stoffe die Energie. Besser als auf das Körpergewicht bezieht man die aufzunehmende und abzugebende Wärmemenge auf die Körperoberfläche, weil die Verhältnisse dann übersichtlicher werden, und rechnet auf 1 qm Körperoberfläche 1400 Kalorien; die Gesamtoberfläche bewegt sich beim Menschen um rund 2 qm herum. Nachdem wir uns so einen Ueberblick über das physiologische Geschehen bei der Ernährung verschafft haben, wollen wir uns jetzt Einzelheiten derselben zuwenden. Von her Nahrung muß verlangt werden, daß sie 1. qualitativ richtig zusammengesetzt, 2. quantitativ ausreichend, 3. die Eßlust anregend, 4. preiswert sei. (Fortsetzung folgt.) Aus den Gießener Gerichtssä'len. In dem Vortragsabend des Sparerbundes am vergangenen Donnerstag im „Pfälzer Hof" behandelte — wie man uns berichtet — Reichsführerratsmitglied H. Lorenz-Gießen die neuesten Ereignisse im Sparerbund und die Zukunftsaufgaben, wobei der Redner einen Rückblick auf die erfolgreiche Arbeit des erst vor einem halben Jahre neugebildeten Landesverbandes Groß-Hessen gab. Am kommenden Sonntag würden durch eine Reichsvertreterversammlung in Berlin neue Richtlinien über die Zukunftsarbeiten herausgegeben werden. Anschließend sprach Landesoerbandsführer Dr. jur. Danner über allgemeine, Rentnerfragen, über Auslosungsrechte, Aufwertung her Lebensversicherungen unh Wertpapierfragen. Nach einer längeren Aussprache schloß her Versammlungsleiter in Üblicher Weise die gutbesuchte Versammlung. Gießener Wochenmarktpreife. * Gießen, 14. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, Vi kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, ßanhbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse A 12^, Klasse B 12, Klasse C 11'/., ausländische, frische, Klasse B 11%, Wirsing, % kg 9 bis 12, Weißkraut 8, Rotkraut 9 bis 12, gelbe Rüben 9, Karotten 8 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 15 bis 22, gelb 15 bis 22, Erbsen 20 bis 35, Tomaten 12 bis 22, Zwiebeln 10 bis 12, Kürbis 5 bis 7, Kartoffeln, neue, % kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 4 Mark, Frühäpfel, Vi kg 15 bis 35 Pf., Falläpfel 5 bis 6, Pfirsiche 35 bis 50, Brombeeren 30 bis 35, Preiselbeeren 35 bis 38, Birnen 20 bis 35, Pflaumen 15 bis 20, Zwetschen 12 bis 15, Mirabellen 25 bis 35, Renekloden 25 bis 30 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Enten 1,20 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 45, Salat 8 bis 9, Salatgurken 4 bis 20, Ein- machgurken W» bis 2, Endivien 9 bis 12, Ober- kohlrabi 5 bis 8, Lauch 6 bis 8, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf. ♦ ** Freie Lehrer st elle. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung, Abt. VII — gibt bekannt: Erledigt ist eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an her Volksschule in Ruttershausen, Kreis Gießen. Dienstwohnung ist vorhanden. Bewerber müssen seit mindestens acht Jahren die Prüfung abgeleat und eine Anwärterdienstzeit von minheftens fünf Jahren zurückgelegt haben. ** Viehmärkte in Gießen. Am nächsten Dienstag findet in Gießen Rindoieh-(Nutzvieh-) Markt statt, am Mittwoch wird Schweinemarkt abgehalten. ** Unfälle. In der Nacht zum Freitag stürzte der Student Rittershausen, wohnhaft in der Bleichstraße, mit seinem Motorrad und erlitt dabei eine schwere Gehirnerschütterung. — An her Ecke Schu- bertftrafje und Frankfurter Straße wurde ein kleiner Junge von einem Radfahrer angefahren und erlitt habet eine klaffende Kopfverletzung. — In der Marburger Straße stürzte beim Spiel ein Junge in einen Stacheldraht und zog sich dabei erhebliche Verletzungen zu. Die Verunglückten mußten allesamt in hie Chirurgische Klinik eingeliefert werben. Große (Strafkammer Gießen. Gestern würbe bie Berufung des H. Sch. aus Dübelsheim, her burch Urteil bes Schöffengerichts Gießen wegen Erregung öffentlichen Aergernistes zu einer Gefängnisstrafe von fünf M o - n a t e n verurteilt worben war, vor her Großen Strafkammer in Gießen verhanbelt. Der Angeklagte her schon zehnmal, barunter neunmal wegen ähnlicher Delikte vorbestraft ist, hat am 10. April b. I. im Schloßpark zu Bübingen in Gegenwart spielen- her Kinber unzüchtige Hanblungen vorgenommen. Dabei war er von einem in her Nähe wohnenben Ehepaar zufällig beobachtet unh her Polizei übergeben worden. Seine gestrige Einlassung ging im wesentlichen bahin, baß her Schloßpark in Bübingen nicht als öffentlich im Sinne her gesetzlichen Bestimmung anzusehen unb eine Bestrafung aus biesem Gesichtspunkte nicht möglich sei. Die Strafkammer teilte jeboch nicht biese Rechtsansicht unb kam baher zur Verwerfung her Berufung. Die nächste Anklage richtet sich gegen ben Richarb Lubwig aus Geiß-Nibba. Sie lautete auf schwere Amtsunterschlagung, sowie Unterschlagung unb Untreue. Bei hem Angeklaaten, her feit 1924 Rechner her lanbwirtschaftlichen Genossenschaftskasse unb seit 1928 Kirchenrechner in Geiß-Nibba war, ergab eine Revision im Jahre 1935 in her Genossenschaftskasse einen Fehlbetrag von 8500 RM. Dies gab hem Ortspfarrer ebenfalls Veranlassung, bei bem Kreisamt eine Revision her Kirchenkasse zu beantragen. Hierbei würbe auch hort ein Fehlbetrag von RM. 10 000 festgestellt, her in ben Jahren 1933 big 1935 entstanden war. Weiterhin wurde festgestellt, baß her Angeklagte seit 1934 überhaupt keine Eintragungen mehr in ben Büchern vorgenommen hatte. Der Angeklagte gab zu, bie Bücher in beiben Kassen unorbentlirfi geführt zu haben, bestritt jeboch, sich an ben Gelbem vergriffen zu haben. Er wollte das Gericht glauben machen, baß bie Fehlsumme von runb 19 000 RM. irgenbroie noch in ben Falschbuchungen ober anberen Fehlerquellen zu suchen sei. Die Beweisaufnahme, in her u. a. brei Bücher- sachoerstänbige vernommen würben, ergab jeboch, baß biese Behauptung bes Angeklagten nicht zu- treffen konnte. Außerbem mußte her Angeklagte sowohl im Falle her Kirchenkasse, als auch im Falle her Genossenschaftskasse je eine Veruntreuung zugeben. So hatte er eine Privatschulb von 172 RM. durch Aufrechnung mit einer Forderung der Genossenschaftskasse gegen diesen Gläubiger getilgt. Sodann hatte der Angeklagte bei einer Witwe RM. 100 zu leihen versucht, mit bem Bemerken, er habe, um eine bringenbe Verbinblichkeit adzubecken, 100 Reichsmark her Kirchenkasse entnommen unb wolle den Fehlbetrag wieder decken, da eine Revision vor der Tür stände. Im Uebrigen wurde festgestellt, baß her Angeklagte, her 28 Morgen, baoon 20 Morgen Pachtlanb bewirtschaftet, seit bem Jahre 1933 unverhältnismäßig hohe Ausgaben gemacht hat. So hat er trotz seines verhältnismäßig kleinen Betriebes laufenb einen Knecht unb meist zwei Mägbe gehalten, weiterhin einen Kuhstall gebaut und an seinem Anwesen einen Umbau vorgenommen. Diese Verbindlichkeiten deckte er alle in ben Jahren 1934 und 1935 ab. Daneben betrieb her Angeklagte noch einen Kohlenhandel unb ftanb in Geschäftsbeziehungen mit her Firma Kohlen-Union Frankfurt a. M. Für biese ließ er eine Sicherungshypothek über 2000 RM. auf seinem Haus eintragen, bie er ebenfalls im Jahre 1935 zurückzahlte. Merkwürbig mutet auch an, baß her Angeklagte bis zum Jahre 1933 feine Rechnungen bei her Kohlen-Union stets bar bezahlte und gerade in dieser kritischen Zeit mit Wechseln zu bezahlen anfing. Auch leistete er sich ein Motorrad und ließ sich überhaupt an seinem leiblichen Wohl nichts abgehen. Der Angeklagte behauptete in allen diesen Punkten, die Ausgaben durch seine laufenden Einnahmen gedeckt zu haben. Dem stand jeboch bie eigene Angabe bes Angeklagten, baß er ein Jahreseinkommen von rund 3000 Reichsmark gehabt hatte, entgegen. Eine einfache Rechnung ergab, baß bem Angeklagten zum Unterhalt feiner Familie nichts mehr übrig geblieben wäre, wenn er alle diese Ausgaben aus eigenen Mitteln bestritten hätte. Der Vertreter der An- klagehörbe hielt ben Angeklagten, her in seiner Eigenschaft als Kirchenrechner als Beamter im Sinne bes Strafgesetzbuches anzusehen ist, wegen fortgesetzter schwerer Amtsunterschladung unb fortgesetzter Unterschlagung in Tateinheit mit Untreue für überführt und beantragte eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren zwei Monaten und 300 RM. Geldstrafe. Er vertrat die Auffassung, daß dem Angeklagten mit Rücksicht auf seine bisherige Unvor- bestraftheit und seinen guten Willen, bie Fehlsumme zu ersetzen, milbernbe Umstände zuzubilligen seien. Das Gericht hielt eine Zubilligung mildernder Umstände infolge der ungeheuren Höhe der unterschlagenen Gelder nicht für angebracht und verurteilte ben Angeklagten zu einer Gesamtzucht- hausstrafe von einem Jahr a ch t Monaten, sowie 300 RM. Gelhstrafe. Außerbem würbe Haftbefehl gegen ben Angeklagten erlassen. Amtsgericht Gießen. Der I. B. aus Gießen hatte burch bas Amtsgericht Gießen wegen Betrugs einen Strafbefehl über 5 Wochen Gefängnis erhalten. Er hatte einem hiesigen Geschäftsmann ein Baubarlehen vermittelt unb sich von ihm bereits 150 Mark zahlen lassen, obwohl er keine Inkassovollmacht besaß unb auch bereits von her Firma entlassen war. Da her Angeklagte in her Hauptverhanblung bem Geschäbig- ten bie 150 Mark wieher zurückgab, ermäßigte bas Gericht bie im Strafbefehl ausgesprochene Strafe, unb verurteilte ihn wegen Betrugs an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 14 Tagen zu einer ©elbftrafe von 100 Mark Außerbem würben bem Angeklagten bie Kosten bes Verfahrens auferlegt. Die Industrie- unb Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 628: Richtpreise für inländisches Obst unb Gemüse (gültig vom 9. 8. 1937 bis 14. 8. 1937). — 629: Programm her Leipziger Herbstmesse 1937. — 630: Quartiertarten für bie Leipziger Messe auch außerhalb Leipzigs erhältlich. — 631: Einschränkung her Tageskarten zur Leipziger Herbstmesse. — 632: Uedersicht über ben Stanb her wirtschaftspolitischen Beziehungen Deutschlands im Jahre 1936. — 633: Vertretung unb Nieberlassung deutscher Firmen nach ausländischem Recht. — 634: 8. Auflage der „Versand- unb Zollvorschriften im Verkehr mit bem Auslanb", sowie 3. Nachtrag hierzu. Aus der engeren Heimat. Em Beispiel macht Schule. Gießener Feuerwehr reinigt die Wiesecker Wasserleitung. Dor einiger Zeit konnten wir davon berichten, daß bie Gießener Stäbtische Feuerwehr her Ge- meinbe Watzenborn-Steinberg einen wertvollen Dienst leisten konnte, indem sie die Wasserleitung reinigte. Dies geschah damals durch das vorsichtige Einpumpen von Wasser in die Leitung, die dadurch, ausgespült und von allem Sand gereinigt wurde. Nunmehr hat bas Beispiel Schule gemacht. Die Ge.- meinbe Wieseck bat bie Stäbtische Feuerwehr unserer Stabt um ben gleichen Hilssbienst. Allerbings war bie Arbeit biesmal etwas schwieriger, ba bas benötigte Wasser nicht nahe genug zu haben war, fonbern 600 Meter Schlauchleitung hätten gelegt werben müssen. Man nahm beshalb zum Wassertransport bie Gießener Sprengwagen zu Hilfe und erreichte bamit ben gewollren Zweck. Der Arbeit war also wieher ein voller Erfolg beschieben unb her ©emeinbe Wieseck wurden mancherlei Kosten erspart. Landkreis Gießen A Heuchelheim, 13. Aug. Am kommenden Sonntag und Montag ist Kirmes. Die Heuchelheimer find gern bei der Kirmes unb sorgen bafür, baß sie bis dahin bie Ernte gebroschen haben, um ungestört ihre Kirmes begehen zu können. An Kir- mesbräuchen hat sich im Orte wenig erhalten. Nur Ruhl SeLersweg Nr. 67 M adiO Telephon Nr. 3170 Kl eparaturen |S97D @ bie „Mäbchenversteigerung" wirb noch geübt. Diese inbet am Dorabenb, am Samstag, burch bie Bur- chenschaft statt. — Ein hiesiger Metzger hatte das befonbere Glück, sich reichlich mit Vorrat für die bevorstehend Kirmes einzubecken, inbem er ein K a lb chlachtete, bas bas unglaubliche Lebenbgewicht von 17 8 Kilogramm hatte, wohl etwas, bas nicht alltäglich vorkommt. 00 Klein-Linben, 13. Aug. Am 1. August trat bie langjährige Hebamme unserer ©emeinbe, Frau Elisabeth Ulm, in den wohlverdienten Ruhe stanb. lieber brei Jahrzehnte versah sie mit großem Eifer ihr schweres Amt unb erfreute ich bei allen Einwohnern her größten Beliebtheit. Im Lause ihrer langen Dienstzeit leistete sie bei nahezu 600 Geburten Hilfe. Aus Anlaß ihres Scheibens aus ihrem Amt würbe ihr von her Behörbe ein Anerkennungsschreiben für ihre in Treue geleisteten Dienste überfanbt. Auf Anorbnung bes Kreisamtes Gießen unb bes Staatlichen Gesunb- heitsamtes wirb her Hebammenbienst in hiesiger ©emeinbe bis auf weiteres von ben Gießener Hebammen mitoersehen. * Holzheim, 14. August. Der 13jährige Sohn Helmut bes Lanbwirts Jung von hier mußte mit einem Oberarmbruch in bie Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werben. cv> ßangsborf, 13. Aug. Dieser Tage fand hier in altüberlieferten Formen bas Nichts e ft für bas von her ©emeinbe erstellte Faselgebäude tatt. Nachdem alle Handwerker samt Bürgermeister unb Rat sich auf bem Gebälk gruppiert hatten, gab Zimmermeister Bausch kund, daß nunmehr alte Zunftbrauch bes Richtfestes wieher zur Reg?l werben solle, wie ihn bie Väter in alten Zei' n tets geübt. Danach würbe burch einen Jungen t r Richtspruch getan. Bürgermeister Kneipp rs Vertreter der bauenben ©emeinbe betonte zunächst, aus welchen ©rünben her Neubau errichtet worben sei, bankte allen Handwerkern für ihren Fleiß unb ihre gebieaene Arbeit unb ging bann beson- bers auf bie Ausführungen bes Zimmermeisters ein, inbem er an Hanb her Quellen davon erzählte, wie einst in alten Zeiten bas Richtfest bei her Erbauung öffentlicher Sebäube gefeiert worben Jet. Mit bem Sieg-Heil auf ben Führer, besten Wie- beraufbauroerf bie ©emeinbe auch burch diesen Neubau fördern wolle, schloß her Bürgermeister. Nachdem das Ortsoberhaupt gerade betont hatte, daß bie treuen Väter ihre Richtfeste mit einem nassen Weinkauf beschlossen hätten, blieb nichts anberes übrig, als bem löblichen Brauche her Alten auch in biesem Stücke zu folgen. Wie her Chronist vernimmt, war keiner der Beteiligten über biese Ein- labung her ©emeinbe zu einem Feiertrunk gekränkt. Das neue Faselgebäube hat eine ßänge von zwölf Meter unb eine Breite von fünf Meter. Es enthält im Untergeschoß eine Futterküche, eine geheckte Halle unb bie Stallungen für Eber unb Ziegenbock. Das in Holzfachwerk aufgeführte Obergeschoß bient her Aufbewahrung her Futtervorräte. Schweinezwischenzählung am 3 September. Fwb. Am 3. September finbet wieberum die vierteljährliche Schweinezwischenzählung im gesamten Reichsgebiet statt. Gleichzeitig mit bieser Erhebung finben noch folgenbe Ermittlungen statt: 1. Erfassung her nichtbeschaupflichtigen Hausschlachtungen von Bullen, Ochsen, Kühen, Jungrinbern, Kälbern, Schweinen und Schafen in ben Monaten Juni, Juli unb August 1937. 2. Erfassung der in ben Monaten Juni, Juli unb August 1937 geborenen Kälber. An alle Viehhalter ergeht bie Aufforbe- rung, im Interesse her gesamten Volksernährung, sowie her Marktorbnung, bie erforberlichen Angaben bereitwillig unb gewissenhaft zu machen. Auf ben Angaben her einzelnen Viehhalter ruht bas Amtsgeheimnis. Briefkasten der Redaktion. lRechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung ) T. tz. Z. Die heute gesetzliche Miete beträgt 112 v. H. her Friebensmiete. F. A. in G. Da bie Untervermietung von bem Hauseigentümer seit langen Jahren gestattet war, kann er nur aus ganz befonberen zwingenden ©rünben bie Untervermietung für bie Zukunft verbieten. Die Aufnahme eines Verbots her Untervermietung in einem schriftlichen Mietvertrag ist bei her gegebenen Sachbarstellung nur mit ausdrücklichem Einverstänbnis bes Mieters möglich. — Der Vermieter ist nicht berechtigt, einem Mieter bie Aufnahme einer Person zur Besorgung seines frauenlosen Haushaltes zu unterlagen, vorausgesetzt, baß gegen bie Person her Stütze nichts ein» zuwenben ist. — Der von bem Ehemann abgeschlossene Mietvertrag bleibt auch bann bestehen, wenn bie Ehefrau von ihm getrennt lebt. Eine Vermietung her Wohnung bes Ehemannes an bie getrennt lebenbe Ehefrau ist nur mit Einverstänbnis des Ehemannes möglich. Qt. Wen tutio N »UTA urbe. Ti: > 'ij8f das Var, leleqt liier: , und tbeit und osten 'hben sichel' »afiir, , um Kir- Nur i Dieft Lur- e das ie be- hlb Dicht >, das Sohn te mit Klinik lugust einbe, ienten h fie freute cheit. ? bei ichei- lörbe des :|unb= iksizer 1 cheb- e fand -st für äude neifter i, gab ir fit Regel Zei'-n >x\ tr p ? w. t W'- i Fleih belon- neiitcrs rzählte, )er Erlen Jet n Wie- in Reu- . Rach- ie, daß nassen anderes -n auch ist ver- ft Ein« -kränkt. । M enthalt yedeckte genbod. ah dient die vier« gesamten Erhebung 1. Erfas- -chtungen Kälbern, en j ■ in den .eborenen zlussorde' . *8 mE ■ lter E f ei' der tragt 112 : g5A :« d); .7, die I wS, *5 V ? rtefre’1’1 ie dt- >ndN'S von der deutschen Berlin rtrantfurt a. M. 99 99 99 105 98,75 102 5 Devisenmarkt Berlin — Jranftnrl a Bl. Br-e> Japan Iugoslawlea C3lo ..... Wirtschaft Kirchliche Nachrichten I den 15. August. 20.30 Uhr: Evangelisationsstunde. — Mittwoch, den 18. August. 20.30: Bibelstunde. — GX- t™ « X 1H fitnAitG OH Qß. ^tunanhhiinhe JJUUUJUUJ, Ut II AU. uuyup. uv.uv. Donnerstag, den 19. August. 20.30: Iugendbund- ig. Die derzeitige icht mehr zu über- Autohilfe: Rufnummer 04 beim Postamt Gießen. 128 J) 88 127,9 215,25 136 117,65 125 105 128,5 45,5 88,13 93,75 127,9 134,25 99,75 102 111,2 Deulfchc Diskonto Dresdner Bank... 98,5 134 99,75 98,75 101,85 102.2 111,1 215,5 135 5 117,65 125 105 98,5 134 99,75 98,75 101,55 102,2 111,1 129 87,75 127,75 216 117,9 125 105 134,25 99,75 99,75 128,25 214,25 136 117,75 125 105 0,722 5,694 62,32 48,95 11,26 63,93 57.14 16,98 8,651 2,489 0,756 41,97 0,167 47,10 55,50 47,10 12,435 5,495 9,354 137,45 13,11 101,75 99 99,65 99 105,13 100,25 100,5 99,75 128,2 135,5 99,5 101,25 99,65 99 105 100,25 100,7 99,75 128,2 128,65 45 87,75 94,25 127,75 99,65 99 105,13 100,25 100,5 99,75 128 135,75 99,5 101,25 . 6 . 4 VA .. 7 . S . 0 . 13 .. 6 .. 6 .. 6 7 .. 6 .. 7 10 *y» „ 0 . < .. e 0,6 von englischen Be- Stadt zu fällt, die- das große Euro- Buenos läue» . Brüssel....... Rio ve Janeiro Holen........ Kopenhagen... Danzig....... London HelstngforS.... Pari»........ Holland ?S falten....... Frankfurt a. M., 13. Aua. Die derzeitige ('eschäftsstille an der Börse ist nicht mehr zu überbieten. Nichts mehr charakterisiert dies als die Tat- scche, daß von rund 75 zum fortlaufenden Handel ^gelassenen Aktienkursen während der ersten Bör- smstunde nur 13 zur amtlichen Notiz gelangten, ümd selbst in diesen wenigen Werten war der Um- i(fe verschwindend klein. 4 v ft.. Lombardzinssuß 5 0 ft Lahm oyer ................ Mainkraft................. Mannesmann Mansselder Bergbau MetaUgefeUfchast........ Crenftetn & Koppel........ Rheinische Braunkohle Rheinische Elektro.......... Rheinstahiwerke............ Rkeinifch-WesttMIche Elektro RütgerSwcrke ............. Salzdetfurth Kalt ....... Schuckert L Co............. Schultheis Patzenhofer Siemens & Halske ......... Süddeutsche Zucker ... Bereinigte Stahlwerke Westdeutsche Kaufhof Westeregeln Alkalt......... gellstofs Waldhok.......... tavi Minen.............. A.G. für Verkehrswesen .... 6ft Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Hamburg.Amerika Paket......0 Norddeutscher Lloyd..........0 Deutsche Reichsbahn Borz.-Akt. 7 Wien..... Lissabon.. Stockholm tchwetz.. panten.. Prag..... Buvapeft. Neuyork.. Die Abendbörse bot das gleiche Bild, wie an den Vortagen. Es herrschte auf allen Marktgebieten arofte Geschäftsstille. Die Kursveranderungen hielten sich mangels entsprechenden Matenals in engsten Grenzen, etwa 0,25 bis 0,50 v. ft. unter dem Berliner Schluß zeigte sich jedoch eher etwas Nachfrage. Mut behauptet lagen besonders Montanpaplere, ®0 fd) ^6 40 (126925), H°rp°n°r 179,50 (11925). Mannesmann una. 125,7^ Buderus un°, 130 50, Daressasam, verengländert und verschlafen Afrikanische Reiseskizzen. Von ßduptmann a.O Cordt von Brandls. 5% Deutsche RetchSanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsani. von 1931 *y2% Deutsche Relchsschatzanwet- sungen von 1935 . ....... 4/t% Deutsche Reichsschatzanweisungen von 1935, II. Folge .. 4V2% Deutsche ReichSichatzanwei sungen von 1936, III. Folge . 5Yi% Doung Anleihe von 1930 .. 4/2% Hesiische Volksstaat von 1929 4yz% Deutsche Reichspostschah von 1934 I...................... embcra beftanö 126.50 (125,65), auch Deutsche Erdöl gewannen 0,50,0,50 v ft. auf ISI-Suruck. Fu: Lemberg vestano auf 151,50, wogegen Rheinstahl auf 157 metterbin Meines Srrterefl^ (157,50) abbröckelten. Von Maschinen- und Mo- Farben-Industrie mck 1^5 (nnffinpPn !o:enattien ermäßigten sich Moenus auf 122,13 । tet, jedoch 0,40 v. *, (122,50), BMW. auf 150 (150,50), während Daimler mit 141,75 behauptet lagen und Rheinmetall 0,25 v. ft. anzogen. Sonst kamen noch Westdeutsche Kaufhof mit 60,25 (60,13) und Kunstseide Bernberg mit 156,25 (156,50) zur Erstnotiz. Der Rentenmarkt lag ebenfalls überaus ruhig. In der Gemeinde-Umschuldungsanleihe erfolgten kleine Abgaben, der Kurs ging auf 94,70 (94,75) zurück, etwas höher lagen Reichsbahn-DA. mit 128 (127,90). , m f . Der Geschäftsumfang war auch im Verlaufe sehr klein. Eine Sonderbewegung hatten am Aktienmarkt bei nicht sehr großem Umsatz Bemberg mit 158,50 nach 156,25, leicht erhöht waren ferner JG- Farben mit 167,50 nach 167,25, Mannesmann mit 125,75 bis 125,90 (125,25), Buderus mit 130,50 (130), AEG. mit 131,75 (131,25), Reichsbank 216 (215,50) und AG. für Verkehr mit 129 (128,50). Dagegen lagen die meisten Elektropapiere bis 0,50 d. ft. unter gestern, ferner Scheideanstalt mit 267 (267,75) und DDM. mit 176 (176,50). Am Rentenmarkt notierten Altbesitz mit 128 (128,20). Im Freiverkehr bestand etwas Interesse für auf Schweizer Franken lautende Obligationen, eproj. Schluchsee 93 bis 93,50 (92). Soldpsandbri- e wurden bei unveränderten Kursen ws^der teilweise rationiert, von Liquidationspfandbriefen Frankfurter ftyp. 101,55 (101,85), Franks. Pfandbriefbank 101,50 (101,75). Kommunal-Obligationen und Stadt- -inl-ihen lagen behauptet. Bon Jndustrie-Anlechen notierten 6proz. IG.-Farben mit ^,50 (133.90), andererseits 5proz. Union Kraftstoff mit 102,65 reiverkehr nannte man Adlerwerke Kleyer mit 117,50 bis 119,50 und Verein. Groh- almerode Thon mit 104 bis 106. Tagesgeld unverändert 2,50 v. ft. Abendbörfe ruhig. deute. Weiter fährt der Dampfer auf die Küste zu, und man kann nicht ohne weiteres erfinden, wohin er itrebt, denn die Einfahrt in das große, weit ausgedehnte ftafendecken ist schmal, und sie ist noch ver- ingert durch das verrostete Wrack des einstigen Dorfs, das die Deutschen in der Einfahrt versenkten, im sie zu sperren. Malerische Palmengruppen treten bds dicht an das Wasser heran, und die Fähre, voll b-esetzt mit schwarzen Marktweibern in bunten und chwarzen Umhängen und Kopftüchern,, führt vor )em Bug des langsam gleitenden Schiffes vorbei. Ganz unvermutet gleitet man in die Bucht hinein, He einen herrlichen ftafen bildet. Nach Norden be- chreibt sie einen flachen Bogen, und dieser Bogen : Übet gleichzeitig die Grenze der Stadt. Auf den uften Blick sieht man, daß dies eine deutsche Stadt ist. Kirchen und öffentliche Gebäude sind nafjiD und solide gebaut und ebenso die Privat- ,-äuser. Die Uferstraße trennt die ftäuserfront von her Küste, sie schmiegt sich dem Bogen an, den diese ieschreibt. Im übrigen sind die Straßen des Europäer-Viertels oder besser gesagt der Europäer-ftälfte rach dem Lineal angelegt, sind rechtwinklig, breit, nit Bürgersteigen und Baumreihen versehen. Eine Straße ist mit Feuer-Akazien bepflanzt, die : ächste mit Kasuarinen, eine andere wieder mit breit« Ironigen Laubbäumen. Ab und an überragt in einem her Vorgärten eine schlanke Palme die übrigen Säume, aber die Laubbäume überwiegen und ver- :ärfen den Eindruck einer deutschen Mittelstadt. Aus Gesundheitsgründen hat man die Eingedo- lenen-Stabt für s i ch angelegt. Ein enblofes Vewirr von Dächern aus Palmblättern wirb übermaltet von roehenben Palmen. In breiten Straßen hegen die indischen Kaufläden mit ihren schreiend tunten Auslagen dicht nebeneinander und vor ihnen lsrrscht geschäftiges Gewimmel. Die übrigen Straßen jrb aber nach Negerart krumm und schmal, ftühner, Junbe, Kinber, Esel unb Ziegen tummeln sich burch- iinanber. Unvermittelt erhebt sich bazwischen eine i i e f i g e Markthalle für Obst, Fleisch, Fische, Gemüse, Stoffe und ftausgerät, ja, sogar mit einem inuberen Stande für Bücher. Vor diesem Stande IHieb ich betroffen stehen. Räuberpistolen und Schundromane bilden den harmlosen Teil der Ansagen, mehr oder weniger versteckte bolschewi- ische Propaganda den weniger harmlosen Seil unb am besten märe es, wenn ber ganze Salat »n der Polizei in Flammen und Rauch verwandelt Derben würde. Die Eingeborenen-ftälfte der Stadt :»at eine vielfarbige Bewohnerschaft — Neger, Inder, Schlub» hiri 12-8 Schlubk. ilben D dürfe 13 8 Araber — von 25 000 Seelen, während der räumlich ebenso große Europäer-Teil nur 700 Weihe beherbergt. Die Emgeborenen-Stadt wurde, wie gesagt, aus Gesundheitsgründen getrennt angelegt. Dies alles geschah, weil Daressalam von der deutschen Regierung gegründet und ausgebaut wurde. Ursprünglich lag an diesem idealen ftafen ein elendes Fischerdorf, und die deutschen Behörden saßen in B a g a m o j o. Bald wurde aber die günstige Lage von Daressalam erkannt, und ihr schnelles Aufblühen zeigt, wie gut- die Wahl getroffen war. Der Sultan von Zanzibar der ewigen Plackereien mit den europäischen Großmächten, die ihm den Sklavenhandel in Zanzibar verbieten wollten, müde, hatte beschlossen, seine Residenz nach Daressalam zu verlegen. Er ließ einen Palast bauen, der nach der Art der arabischen ftäuser festungartig aus- gebaut wurde. Später verwarf er den Plan der Uebersiedlung, und der Palast blieb unvollendet stehen. Ich sprach einige alte Afrikaner, die im Kriege in englische Gefangenschaft gerieten und nun in dem alten Sultanspalaste Hausen muhten. Der Aufenthalt soll nicht so schlecht gewesen sein, da die Araber in ihrer Bauweise Meister in der Be kämpsun g der ft i tz e sind. Die dicken Lehmwände lassen die Sonnenhitze nicht einbringen und halten die nächtliche Kühle. Gleichzeitig ist für Durchlüftung, vor allem bei Nacht, gesorgt. In Daressalam sieht man im Gegensatz zu Tanga fast keine deutschen Firmenbezeichnungen mehr. Man hat den Eindruck, als ob mit Fleih alles verengländert sei. Sogar ein Kriegerdenkmal haben die Briten errichtet, welches zwar sehr geschmackvoll ist, im Mandatsgebiet aber keine Existenzberechtigung hat, zumal die deutschen Denkmäler entfernt wurden. Das schnelle Aufblühen hat Daressalam der Z e n - tralbahn zu verdanken, die zur Erschließung des Hinterlandes in den Jahren 1905 bis 1914 in einer Länge von 1245 Kilometer erbaut wurde. Wenn jemals, so hat damals diese Bahn bewiesen, was ein Schienenweg für die Kultivierung ausmacht. Mit jedem Kilometer neuer Strecke erwuchsen neue Pflanzungen, und selbst der Deutsche Reichstag, der in Kolonialsachen ein eichenes Brett vor dem Kopf trug, muhte dies 1907 an den Einnahmen der Bahn erkennen, fteute ist der Schwung der Entwicklung dahin. Der ftafen von Daressalam macht keinen geschäftigen, sondern eher einen toten Eindruck. England hat eben viel zu viele Kolonien, um für das Mandatsgebiet mehr zu tun, als unbedingt notwendig ist, um dem Verfall vorzubeugen. Dor uns auf dem kleinen Dampfer „Tajari" weht das ftakenkreuz des Deutschen Reiches. Möge es einmal den ihm gebührenden Platz auf den alten deutschen Regierungsgebäuden wieder einnehmen! Kunst unv Wissenschaft. Der Pariser Songreh für Aesthelik und Kunstwissenschaft. Der Zweite Internationale Kongreh für Arsche- tik unb Kunstwissenschaft in Paris ist beenbet. Deutschland war vertreten durch Prof. Ebbinghaus (Rostock) unb burch Prof. Thurnwalb (Berlin). Professor Thurnwalb hielt einen Vortrag über ben soziologischen unb kulturellen ftintergrunb der primitiven Kunstbetätigung. Professor Ebbinghaus trat ben Ausführungen von Professor U t i tz über bas Schöne unb bie Kunst entgegen, indem er nachwies, daß diesen Ausführungen ein überwundener Begriff des Schönen zugrunde lag. Bei einer anderen Gelegenheit wies Professor Ebbinghaus auf die alte Verbundenheit Deutschlands mit dieser von Deutschen zuerst als „Aesthetik" bezeich- noten Wissenschaft hin. Mit den Werken Schi!- Icrs und Goethes empfange die deutsche Jugend die ästhetischen Grundbegriffe, mit ihnen aber auch gleichzeitig die ästhetischen Ideen des großen deutschen Philosophen Kant. stark, besonders von Bohnen, Salat, Gurken unb Tomaten. Für Einmachgurken haben sich die Zufuhren infolge der Trockenheit stark vermindert unb die Preise stiegen für das ftundert Essiggurken auf 0,90 bis 1,30 und für Salzgurken auf 1,40 bis 1,60 (0,70 bis 1,10 bzw. 1,20 bis 1,50) Mark an. Auch für Kopfsalat ergab sich für 100 Stück eine Erhöhung von 4 bis 10 auf 8 bis 12 Mark. Das Geschäft war allgemein schleppend, in Bohnen, Salatgurken und Tomaten verblieben Ueberftänbe. Frankfurter Pferdemarkt. ♦ Frankfurt a. M., 14. Aug. Am kommenden Dienstag wird wieder Frankfurter Pserdemarkt ab- gehalten. Es stehen voraussichtlich nicht nur Ostfriesländer, ftannoveraner usw. Pferde zum Verkauf, sondern auch Liebhaber für rheinische, belgische und dänische Arbeitspferde werden Zusagendes vorfinden. Tchweinemarkt in Marburg. Marburg, 13. Aug. Dem Schweinemarkt waren 623 Ferkel und 17 Läufer zugefahren. Nach flottem ftandel konnte ber Markt geräumt werben. Es erzielten bis 6 Wochen alte Ferkel 10 bis 12 Mark, 6 bis 8 Wochen alte 12 bis 16, 8 bis 10 Wochen alte 16 bis 20 Mark und Läufer 35 bis 40 Mark das Stück. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börfe. Die hinter ben Papieren angeführten Ziffern geben die ftöhe ber zuletzt beschlossenen Dividende an. Sckilu^ Mittag. dürfe 13 8. Schlitz' furt 12 8 Evangelische Gemeinden. Sonntag, ben 15. August. Gießen. Sladtkirche. 8 Uhr: Pfr. Becker; zugleich Christenlehre für bie Neukonfirmierten ber Markus- gemeinde; 9.30: Pfr. Schmidt. — Zohanneskirche. 8: Pfr. Ausfeld: zugleich Christenlehre für die Johannes- und Militärgemeinde; 9.30: Pfr. Bechtols- Heimer. 20: Bibelbesprechstunde im Iohannessaal; Pfr. Bechtolsheimer. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfarrvikar Weckerling; zugleich Beichte und hl. Abendmahl für die Luthergemeinde; 11.15: Kin» derkirche für die Luthergemeinde. — Peiruskapelle (Wetzlarer Weg 59). 9.30: Pfarrassistent Paetow. — wieseck. 9.30: Gottesdienst; 10.45: Kinderkirche. — Albach. 9: Gottesdienst. — Oppenrod. 8.45: Gottesdienst. — Steinbach. 10: Gottesdienst. — Garben- leid). 13: Gottesdienst; Pfr. Döll. — Haufen. 11: Gottesdienst; Pfr. Döll. — Heuchelheim. 10: ftaupt- gottesbienft; 11: Kindergottesdienst (1. Abt.) 13: Kin- dergottesdienst (2. Abt.). — Lollar. 9: Kindergottes, dienst; 14: Gottesdienst. — Kirchberg. 10: Gottesdienst; 11: Christenlehre für die männliche Jugend; 13.30: Kindergottesdienst. — Mainzlar. 20: Gottes- dienst. — Klein-Linden. 9: Gottesdienst mit Christenlehre für die männliche Jugend; Kollekte; 10.15: Kindergottesdienst. — Deitsberg. 8.45: Gottesdienst mit Christenlehre. — Reinhardshain. 11: Gottesdienst mit Christenlehre. — Lich. 9.30: Gottesdienst; Stiftsdechant Kahn; 13: Kindergottesdienst. — Nieder-Bessingen. 14: Gottesdienst; Stiftsdechant Kahn. — Langsdorf. 10: Christenlehre; 11: Haupt- gottesdienst. — Bettenhausen. 13.30: ftauptgottes- dienst; Kollekte. — Hungen. 10: Gottesdienst; 11: Kindergottesdienst — Münzenberg. 10.30: Gottesdienst mit Kollekte. — Irais Münzenberg 8.30: Got- tesbienft mit Kollekte. — Alten-Buseck. 10: Gottesdienst. — Dahenborn-Steinberg. 10: Gottesdienst mit Christenlehre für alle Christenlehrpflichtigen; 12.30: Kindergottesdienst. Mittwoch, ben 18. August. Gießen. Stabtkirche. 20.30 Uhr: Abenbanbacht. Neue Bestimmungen über Knochensammlung. Fwb. Durch eine gemeinsame Anordnung ber I eberwachungsstellen „Chemie" für inbuftrieUe frettoerforgung unb für Waren verschiedener Art, He im Deutschen Reichsanzeiger veröffentlicht wird, werden die bisherigen Bestimmungen über die ! nodjenfammlung, den Knochenhandel und bie 5 nochenverarbeitung auf eine neue Orunblage gesellt. Gleichzeitig werben bie Anordnungen 13 ter Uederwachungsstelle für industrielle Fettversorgung und 3 der Ueberwachungsstelle „Chemie" oufgehoben. In Zukunft haben gewerbliche Betriebe cLIer Art, in denen Knochen anfallen (Schweinemästereien, Schlachthöfe, fleischverarbeitende Be- t iebe, Gast- und Derpflegungsstätten, Müllsamm- iLngs, und Auswertungsbetrieoe usw.) bie Knochen, i:e sie nicht unmittelbar zum Zwecke ber mensch- lchen Ernährung verarbeiten ober abgeben, ftänd- I rn aber Knochenoerarbeitern anzubieten. Wer mit 5 nochen hanbeln ober wer Knochen verarbeiten r-ill, bebarf hierzu einer Genehmigung. Die Genehmigung zum handel ist bei dem zuständigen Be- - (iirtsleiter der Fachuntergruppe' Rohproduktenge- r-erbe, die Genehmigung zur Verarbeitung bei ber deberwachungsstelle „Chemie" zu beantragen. Die Anorbnung tritt am 1. September 1937 in Jraft, mit Ausnahme der Bestimmungen über die 1 nbietungspflicht und die Knochenhandelsgenehmi- fung, die am 1. November 1937 in Kraft treten. Rhein-Mainische Börse. Mittagsbörse still. 12. August . ÄMllich.' iltoueruuc stunde. Neuapostolische Gemeinden, händelftrahe 1, (Eber- straße 13. Sonntag, ben 15. August. 9.30 Uhr: Gottesdienst; 16: Gottesdienst. — Mittwoch, 18. August. 20.30: Gottesdienst. Christliche Gemeinde, Zu ben Mühlen 2. Sonntag, den 15. August. 9.45 Uhr: Erbauungsstunde; 11: Sonntagsschule; 20.30: Evangelisation. — Dienstag, den 17. August. 20.30: Bibel- und Gebetstunde. Baptistengemeinde, Gartenftrahe 13. Sonntag, den 15. August. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 16: Predigt. — Mittwoch, den 18. August. 20.15: Bibelstunde. katholische Gemeinden. Samstag, den 14. August. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 15. August. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Schulkinder; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11.15: Messe mit Predigt; 14.30: Andacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Vortrag und Andacht. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag unb Andacht. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt. — Scholten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Mittwoch, den 18. August. Hungen. 6.15 Uhr: Messe. Oeffentlld)« Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringende» Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer t bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Falls behandelnder Arzt nicht zu erreichen: Arzt: Dr. Malech. Zahnarzt: Dr. Sckneider. Apotheke: Engel-Apotheke. 13 August •ynui cb-’Vloiierunn Weir | Bnel Daium Sccumulatorni.Fabrtt 14 Aschaffenburg Zellstoff 6 Bemberg...................0 Bekula .... 8 Buderus Nsen 6 Cement Heidelberg ..... 7 Cement Karlstadt 6 Conti (Summt.............. 12 Daimler Motoren 6*/z Dessauer Gas ...............4 Deutsche Crdöl 5 Deutsche Gold- und Silber.... 9 Deutsche Linoleum..........10 Elektrische Lieferungen 6 Elektrische Licht und Kraft 7 I. G. Farben-Jndustne.......7 Felten & Guilleaume 6 Gesfürel.................... 7 Th. Goldschmidt 6 Gritzner Maschinen o Harpener................ 8'/z Hoesch Eisen 8yz Philivv Holzmann ......8 Ilse Bergbau................6 »Genüsse 6 i Aschersleben 4 Kiöcknerwerke .............4y, Kokswerke und Chemische Fabrik 7 Donnerstag, ben 19. August. Gießen. Zohanneskirche. 20 Uhr: Bibelstunbe. Evangelische Stadlmission, Löberstraße 14. Sonntag, ben 15. August. 8.30 Uhr: Morgenanbacht; 20.30: Evangelisationsvortrag. — Mittwoch, ben 18. August. 20.30 Uhr: Bibelstunbe. 1ir in, ,tu, uo. uuu Gemeinschaft innerhalb der Kirche (Landeskirch- h. unter Berlin. Don sonstigen. Uche Gemeinschaft), Gutenbergstraße 9. Sonntag, Dom Ozean her führt bie Fahrstraße zwischen Koralleninseln hindurch, die grün bewachsen sind -unb deren größte den Leuchturm trägt. Das Fahr- ioaHer ist schwierig, denn an vielen Stellen deu- 8en grünliche Schaumstreifen das Vorhandensein unterseeischer Riffe an. In langsamster Fahrt nähert sich ber Dampfer ber Küste, bie flach ist unb uon Palmen überragt wird. An vielen Stellen Ichäumen die Wellen an flachen weißen Ufern fjin- luf besonders im Norden der Stadt. Dort, hinter Hern Badestrande auf den Hügeln, erheben sich die Landhäuser von Oyster-Bay, auf Deutsch die Austernbucht, die vornehmlich amten bewohnt sind. Nach der jjer Siedlung zunächst liegend, päer-hospital au[, das von oer oeuqajen Regierung errichtet wurde und seinerzeit eine Sen- ’ation für ganz Afrika war. Daran südlich anschließend liegt, inmitten herrlicher Parkanlagen — es st der ehemalige deutsche Botanische Garten — Las Gouoernementsgebäude der eng- ischen Mandatsregierung. Die Kolonie war zwar durch den Krieg verarmt, die Pflanzungen verwachsen, die Eisenbahnen und Hofenanlagen ger- tört, aber ein Palast konnte trotzdem gebaut wer- den, da das Haus des deutschen Gouverneurs zu primitiv war und den Ansprüchen nicht genügte. Wohl aber genügte die alte deutsche Gouvernements-Druckerei den britischen Anforderungen bis Frankturt a. M. Berlin Schlub- turS Schlutzk. Abcnv. bürte Schlub- fürs Schlutzk Mittag dürfe Damm 12 8 13-8. 12 8. 13.8. — 152 152 152,5 156,5 159,75 156,9 159 168 168 168 168 130 *30,5 .29,5 130,25 169 169 —— —• — — 190,5 190,25 190,9 190,5 141,75 141,75 141,75 141,65 w 118,75 118,75 151 151 151,25 ISA 267,75 267 — 167,5 167,5 167,5 167,5 135,75 136,25 135,4 135,4 156,5 156,5 156,5 156,5 167,75 167,75 167,9 168,13 142 141,5 141,5 — 155 154 155 154,25 150,25 148 149,75 147,75 53,5 53 — —— 179,5 179,5 179,5 179,79 125,65 126,4 126,13 126,75 153 153,25 153,25 153,65 172,75 172,5 142 141,5 142,25 141,4 121 120,25 137 — 137.5 137,25 —— 167 167,25 129 130 —— 131,25 95,5 95,5 — —• 125,25 125,75 125,13 125,65 150 — 150,5 150,13 158,75 —— 158,25 158 —— 117,4 117,25 232,5 — 232,5 233 — 131,5 131,75 157,5 157 157,4 157,25 134,4 134 134,25 134,25 150,25 150,25 150,25 150 — — 164,25 176 176,5 176,5 176,5 — 97,75 98 217,75 —— 218 218 206 207 206,65 120,5 — 120,4 120,25 60,13 60,25 60,13 59,9 121 121,5 120,25 164 163 163 162,5 32 31,75 32 31,75 12 August 13 August Amtliche Rotlerung tMeiC | Briet AmiucheRoiierung Geir | Brief 0,724 0,722 0,724 5,706 5,694 5,706 62.44 62,34 62,46 49,05 48,95 49,05 11,28 11,265 11,285 64,05 63,96 64,08 57,26 57,13 57,25 17,0? 16,98 17,02 8,669 8,651 8,669 ■ ' " 2,493 2,489 2,493 0,752 0,756 0,752 41,88 41,96 41,89 0,166 0,168 0,165 47,00 47,10 47,00 55,36 55,48 55,38 47,00 47,10 47,00 12,40 12,43 12,405 5 485 5,495 5,485 9,336 9,354 9,336 137,16 137,44 137,17 13,09 13,11 13,09 größten Leistung M i MARKTSTRASSE NUMMER 29 Das Spezialgeschäfl CARL BRUCK Uhrmacher Kreuzplatz 8 Juwelier Kleidung i Das Spezialgeschäft für gute Herren- und Knaben-Kleidung Vertrags - Schneiderei des Standortes Gießen Schreibtisch - Garnituren • Feinpapiere Schreibmappen - Goldfüllhalier Bürobedarf • Geschenkartikel aller Art HABEN SIE SCHON EINEN KNIRPS? 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Eisenarbeiten nehmen alle Aufmerksamkeit der Jungen in Anspruch. (Nachdruck verboten.) 24 Fortsetzung. Sie feit und Ausdauer genossen hatten. Nach den bereits vorher gesammel- Ersahrungen haben solche psychologisch arbeitswissenschaft- vorgebildete ßaien Erfolge. Diese Er- ten auch und lich gute tig aber sollten diese jungen Menschen arbeitserzieherisch beeinflußt und bei den ihnen gestellten Arbeitsaufgaben beobachtet und gelenkt werden. Um eine reibungslose Gestaltung und Durchführung sicherzustellen, wurden in fast allen größeren Orten des Gaues Hessen-Nassau gemeinsame Besprechungen mit den Dienststellen der Partei und der Hitler-Jugend, mit den Stadtverwaltungen, der Schul- und Fürsorgeämter, Arbeitsämtern und Berufsschulen gepflogen. In all diesen Besprechungen war die einmütige' Bereitwilligkeit der Beteiligten festzustellen, .unsere Jugend den richtigen Weg zum Einsatz für die Volksgemeinschaft zu weisen und zu ebnen. Trotz dieser grundsätzlichen Einmütigkeit war es durchaus nicht immer leicht, die notwendi- zur Verfügung. Aus solchen Geldern wurden vor allem die notwendigen Werkbänke beschafft und zum Teil auch die kostenlos bereitgestellten Räume menschenwürdig hergerichtet. Unter den als Ausbilder eingesetzten Volksgenossen befinden sich Ingenieure und Handwerksmeister, Metallfacharbeiter, Schreiner und Lederarbeiter, Volksschullehrer, Gewerbelehrer und auch ein Jurist. Da der Aufbau und die Durchführung der Einfachstschulung unter arbeitspsychologischen Gesichtspunkten stand, brauchten die Leiter der Kameradschaften keine im Handwerk vollständig geschulten Fachlehrer zu sein. Allerdings konnten nur solche Volksgenossen in Betracht kvmmen, die in ihrem Berufe eine Erziehung zur Uebersicht, Genauigkeit, Sauber- „Mich? Das ist mit wenigen Worten gesagt: wenn ich je einen Menschen gehaßt habe, so ist es Michailow. Er ist ein Abenteurer, er tritt nach unten, und er katzbuckelt nach oben. Er nutzt aus, wen er gerade erwischt. Er lügt und betrügt und schwimmt doch immer noch oben auf dem großen Wasser, während unsereins —" „Das alles", sagt Irina langsam, „ist kein Grund, daß Sie sich zu mir gesellen. Wenn Sie wissen, daß ich nicht seine Kusine bin, werden Sie auch wissen, daß ich ihn liebe. Was soll also gerade ich mit einem Menschen, der ihn so haßt, wie Sie es tun?" Renz lächelt mit einem Anflug von Hochmut: „Klug gefragt, Irina Kontschakowna, und Sie sollen Antwort haben, so gut es geht. Sehen Sie: unsere Gründe, warum wir dies Spiel gegen Michailow in Szene setzen, mögen vielleicht verschieden sein, aber das Ziel ist doch dasselbe: Michailow darf diese Sabine nie und nimmer haben. Stimmts? Ist das Ihr Ziel?" „Meines vielleicht. Aber wieso Ihres?" „Weil ich einen Narren gefressen habe an dem Mädel. Nein, lachen Sie nicht, ich weiß, ich bin ein alter Mann, ein Trinker, ein Landstreicher, es wäre ein Witz, bildete ich mir ein, daß--aber trotzdem hab' ich einen Narren an ihr gefressen. Und ich will nicht, daß sie einem Michailow in die Hände fällt, denn er ist ein Schuft, Irina Kontschakowna!" „Und das sagen Sie mir ..." ihn glücklich?" „ Irina senkt betroffen die Augen: „Vielleicht .. Renz betrachtet sie eine Weile voll tiefen Mitleids. Susannes Tochter. Vornan von Hedda Westenberger. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin W 35. Dann hebt Irina plötzlich den Blick, sieht ihn an und sagt forschend: „Aber so, wie Sie mit mir reden, spricht schwerlich ein Knecht." „Ich bin auch kein Knecht", antwortet er ernst. „Von Haus aus war ich's nicht." „Sondern?" „Noch ist's nicht an der Zeit, das zu gestehen." „Alles ist voll Geheimnis ..." sagt Irina leise. Ich kann sie nicht zu meinem Werkzeug machen, so wie ich dachte, denkt Renz. Sie ist zu gut dazu. Und nicht nur Sabine muß vor diesem Russen bewahrt bleiben, sondern auch sie. Noch ist es Zeit.. Wenn es aber zu spät wäre? Wenn sie die ganze Klarheit über den Russen nicht ertrüge? Wenn darüber kein Haß in ihr aufloderte, der sie aufrecht hält, sondern wenn sie einfach darunter zusammenbräche? Gewaltsam steift er sich das Rückgrat. Fort mit diesen Gedanken! Sabine steht ihm näher. Um Sabine geht es! Dann sagt er: „Wir müssen nun gut überlegen, was wir tun. Ich denke, ich mache Sie zuerst mit Sabine bekannt, damit Sie sie warnen können. Und inzwischen — ich habe allerlei Verdacht, dem ich nachgehen will. Wissen Sie nichts davon, daß Michailow Jungfüchse für sich beiseite geschafft hat? „Aber nein! Das kann ich nicht glauben! Wie kommen Sie darauf? Und — was wollen Sie damit?" „Oh, nichts weiter, als ihm gelegentlich sagen, daß ich es weiß. Und daß an dem Tag, da er Sabine zu nahetreten wird, auch Herr Lyk es wissen wird." „Aber ich glaube so etwas nicht." „Das spricht für Sie und ist Ihr gutes Rechts Bleiben Sie vorläufig nur ruhig dabei." „Vorläufig — wie Sie das sagen?" Renz faßt flüchtig ihren Arm: „Für Sie, Irina Kontschakowna, würde ich fast wünschen, daß alle meine Vermutungen falsch wären." „Und was täten Sie dann?" „Sabine und Michailow trotzdem mit allen Mitteln voneinander fernhalten. So — und jetzt zeigen Sie ein freundliches Lächeln, gnädiges Fräulein, gleich sind wir angelangt, und da steht mein Freund, der Gärtner, der mir dies Gespräch mit Ihnen ermöglicht hat." Und mit einem ironischen Lächeln: „Ich bin nämlich verliebt in Sie, das müssen Sie wissen. Es gab kein größeres Glück für mich, als Ihnen die Pakete zu tragen und neben Ihnen herzugehen." Fortsetzung folgt. Fertige Arbeiten (im Vordergrund) unter sachverständiger Aufsicht hergestellt. fahrung wurde bei der im vergangenen Jahre durchgeführten Einfachstschulung in jeder Hinsicht bestätigt. Natürlich wurden alle als Ausbilder Vorgesehenen, ehe sie ihren Dienst antraten, an mehreren Tagen mit den hauptsächlichsten u. grundsächlichsten Pflichtarbeiten der Einfachstschulung vertraut gemacht. Sie selbst mußten die Schwierigkeiten einer Arbeit mit den einfachsten Werkzeugen kennenlernen, wenn sie in die Lage versetzt werden gen Räume für die Einfachstschulung zu erhalten. Das war besonders in der früher entmilitarisierten Zone festzustellen. Die Reichsanstalt fürAr- beitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung erklärte sich durch den Erlaß ihres Präsidenten vom 13. Mai 1936 bereit, für jeden in der Einfachstschulung erfaßten Jungen eine Beihilfe von 20 Pf. pro Wochentag zu gewähren und damit die finanzielle Trägerschaft zu einem Teil zu übernehmen. Diese Beihilfe der Reichsanstalt reichte natürlich nicht aus, die anfallenden Kosten zu decken. Die Handwerkskammern, mehrereLandräte u. Stadtverwaltungen und auch einzelne Firmen stellten für diese Arbeit Mittel Robinson „erzog". lieber die Einfachstschulung in den richtigen Beruf. „Zu allererst Ihnen. Und ich sage dazu, daß auch Sie ihn eines Tages nicht mehr lieben, sondern hassen werden, wenn Sie erst wissen, was ich alles zu wissen glaube." „Wenn es so ist, müßte ich ja froh sein, ihn auf gute Art los zu werden!" lächelt Irina ironisch. „Ich müßte dankbar sein, daß er sich dieser Sabine zugewendet hat, ich müßte diese Verbindung befürworten, ich müßte kuppeln helfen!" Renz zuckt die Achseln: „Ja — — aber können es nicht." „Wissen Sie das so genau? „Ich kenn' doch euch Frauen! bricht es da aus Renz heraus. „Lieber bringt ihr ihn doch um, als daß ihr den Mann eurer Liebe einer anderen laßt — selbst wenn ihr wißt, daß er em Schuft ist und daß auch die andere nicht glücklich wird! Werden Sie nicht lieber mit Michailow unglücklich, als ohne Papparbeiten mit einfachstem Handwerksgerät. DAF., Gauwaltung Hessen-Nassau.) Renz bemüht sich eifrig um eine Unterhaltung und hat das Thema bald da, wo er es haben will: bei dem Gut und seinen Bewohnern. Es sei schade, sagt er treuherzig, daß das Fräulein so selten Zeit finde, hinüberzukommen. Wo es doch jetzt so lustig zuginge. Den ganzen Tag Gelächter und vergnügte Gesichter und immer etwas los. Dor allem der Herr Michailow trage zur allgemeinen Belustigung bei, er sei rührend bemüht, es den Sommergästen behaglich zu machen, besonders dem Fräulein Lorenz. Das Mädel passe auch wirklich ausgezeichnet zu ihm, ja, das müsse man schon sagen... Und wer weiß, ob es da nicht noch eines Tages eine Verlobung geben würde; verliebt jedenfalls feien beide bis über die Ohren, es fei direkt rührend, das mit anzusehen... Renz wirft einen Blick auf Inna und sieht, daß sie krampfhaft lächelt. Aber da rede er, fährt er dann fort, und gewiß werbe das Fräulein dies alles viel besser wissen, seine Verwandte werde doch der Herr Michailow zuerst von allem unterrichten Uebrigens sei diese kleine Sabine ja auch keine schlechte Partie, Herr Lyk habe sie väterlich ins Herz geschlossen, und sicherlich werde da allerhand abfallen, wenn sie einmal heirate, und das werde Herr Michailow ja wohl auch wissen. „Ja, natürlich", sagt Irina mühsam freundlich und ein wenig gepreßt, „natürlich muß mein Detter darauf sehen. Fragt sich nur — ob Herr Lyk ihn als den geeignetsten Mann für die Kleine ansieht." „Herr Lyk?" Renz macht eine abfällige Bewegung, „Herr Lyk wird so weit noch gar nicht deckten. Der hat ja so viel im Kopf, als Geschäftsmann — und vielleicht hat er auch nicht so den Ueberbücf über alles, was geschieht, wie unsereiner, der man doch schließlich mehr in Haus und , Hof beobachtet und zuweilen — na, ich darfs ja wohl ehrlich sagen, gnädiges Fräulein —. also zuweilen stöbert man doch Das junge Volk mal auf, im Stadl ober in einem heimlichen Winkel im Haus. Dann tut man zwar so, als ob man nichts sieht. Wieder ein Seitenblick und wieder das verkrampfte Lächeln Irinas, Jugendliche für die Dauer von 26 Wochen erfaßt. Sowohl m den Großstädten als auch auf dem Lande und im stillen Westerwald wurde nach dem gleichen einheitlichen Plan gearbeitet. Die Jungen wurden an die wesentlichsten Werkstoff» gruppen Papier und Pappe, Textil, Holz und Eisen planvoll herangeführt. Es handelte sich nicht darum, die erfaßten Jugendlichen für einen bestimmten Beruf auszubilden, sondern ihnen eine handwerkliche Schulung angedeihen zu lassen. Dafür wurden ihnen nur die einfachsten Werkzeuge in die Hand gegeben. Die Einfachstschulung soll zu zäher und kämpferischer Auseinandersetzung mit den Werkstoffen erziehen. Es war nicht wesentlich, daß die Jungen möglichst schnell die ihnen übertragenen Ar- beiten an den vorher bezeichneten Werkstoffen fertigten. Sie waren vielmehr gehalten, mit der peinlichsten Sauberkeit und der größten Genauigkeit die Arbeitsstücke zu gestalten. So wurde also für ein ganzes Wirtschaftsgebiet eine ausgezeichnete Der- gleichsmöglichkeit der Arbeitsergebnisse und der Beobachtungen erreicht. Der Aufbau der Einfachstschulung erfolgte derart, daß jede Werkstatt mit 70 bis 80 Jungen, in zwei Kameradschaften unterteilt, von einem Ausbilder betreut wurde. Die Kameradschaft I wurde von Montag bis Freitag vormittag zum Werkstattdienst an- gesetzt, während die Kameradschaft II an denselben Tagen nachmittags praktisch zu arbeiten hatte. Insgesamt standen also für die arbeitspraktische Unter- Weisung in den Werkstätten wöchentlich 20 Stunden zur Verfügung, die eine eindringliche Behandlung des vorgesehenen Erziehungsstoffes sicherten. Am Samstag fand für alle Kameradschaften die sportliche Ertüchtigung statt. Der Berufsschulunterricht und die weltanschauliche Schulung wurden für jede sollten, ein objektives, gerechtes Urteil über die Leistungen der ihnen anvertrauten Jungen zu fällen. Es Erin gesagt werden, daß dieser' angestrebte Erfolg erzielt wurde. Im Einvernehmen mit den Schulämtern und mit den Gewerbelehrern wurden für die in der Einfachstschulung erfaßten Jungen fast aller Maßnahmen Sonderklassen in den Berufsschulen eingerichtet. Der Lehrplan der Berufsschule wurde für diese Klassen dem Ausbildungsplan der Einfachstschulung angepaßt, so daß werkstattpraktische Arbeit und werkskundliche Unterweisung n einen harmonischen Gleichklang mit dem Berufsschulunterricht gebracht werden konnten Die weltanschauliche Ausrichtung und die sportliche Ertüchtigung standen unter der Mitwirkung der Hitler-Jugend. Als eine der wesentlichsten Ergänzungen der Beobachtungen im Hinblick auf tue Berufslenkung war die ärztliche und zahnärztliche Untersuchung aller Jungen anzusehen. So kam es der Deutschen Arbeitsfront in der Einfachstschulung nicht darauf an, die Jugendlichen an handwerkliche Arbeiten heranzuführen, sondern sie wurden gleichzeitig in der Berufsschule theoretisch auf die arbeitspraktische Tätigkeit vorbereitet. In der weltanschaulichen Schulung entstand das Bild über die charakterliche und kameradschaftliche Haltung. Der Sportunterricht sorgte für eine Leibesertüchtigung und ergab ein Urteil über die diesbezügliche körperliche' Leistungsfähigkeit. Der Arzt stellte die konstitutionellen Voraussetzungen für einen später zu ergreifenden Beruf fest, so daß also nach Beendigung der Einfachstschulung eine Beurteilung der gesamten Veranlagung und Leistungsmöglichkeit möglich war. Unter diesen Gesichtspunkten wurden i m G a u Hessen-Nassau an 22 Werkstätten 2500 Die nachstehenden Ausführungen gewinnen für unsere Leser insofern besonderes Interesse, als die „Einfachstschule — Robinson erzieht" durch Gemeinschaftsarbeit der Deutschen Arbeitsfront und des Stadtschul- amtes Gießen in einer 8. Volksschulklasse und einer Tertia der Gießener Schulen demnächst versuchsweise in Gießen auf ein Jahr zur Einführung kommt. Die wirtschaftliche Wehrhaftmachung unseres Volkes hängt nicht allein ab von der Schaffung heimischer Rohstoffe und der Sicherung der Ernährung. Sie ist wesentlich mit abhängig davon ob es gelingen wird, jeden schaffenden Deutschen auf den Arbeitsplatz zu stellen, auf den er entsprechend der in ihm wohnenden Leistungsmöglichkeit Anspruch hat. Die wahre Gemeinschaft in den Betrieben wurzelt in der inneren Befriedigung, die der schaffende Mensch in seiner Arbeit empfindet. Diese Genugtuung und Befriedigung über der Hände und des Geistes Arbeit kann sich aber nut dort einstellen, wo eine planvolle Betriebsführung danach trachtet, jeden Betriebsangehörigen nach feiner Eignung und Leistung auf den Platz zu stellen, der dieser Voraussetzung entspricht. Demgegenüber ist festzustellen, daß die Zahl der schaffenden Menschen, die nicht die berufliche Tätigkeit ausüben die ihnen „Berufung" zu dieser Arbeit bedeutet, heute noch unermeßlich ist. Ungeheure Volkskraft geht dadurch der deutschen Volkswirtschaft verloren, denn eine mangelnde Befriedigung in der Arbeit schmälert auch den Arbeitserfolg. Zu dieser Tatsache trat besonders im vergangenen Jahre der Umstand, daß tausende hoffnungsfreudiger Jungen, der Schulbank entwachsen, keine Lehr- oder Arbeitsstelle erhalten konnten. Die Wirtschaft war nicht in der Lage, diesen überaus starken Geburtenjahrgang der unmittelbaren Nachkriegszeit völlig aufzunehmen. Das hätte eine weitere Vermehrung der in der Arbeit fehlgeleiteten oder überhaupt nicht angefetzten Kräfte bedeutet, wenn nicht von der Deutschen Arbeitsfront die Einfachstschulung (oder auch Robinson-Erziehung genannt) für diese Jungen entwickelt worden wäre. Der Gau Hessen-Nassau, der seit dem Jahre 1934 neue, richtungsweisende Wege in der Berufserziehung und Betriebsführung beschritten hat, leistete auch mit der Entwicklung dieser Einfachstschulung vorbildliche Arbeit für das gesamte Reichsgebiet. Die Deutsche Arbeitsfront schuf diese E > n f a ch st s ch u l u n g zur Erfüllung zweier Aufgaben. Zunächst kam es, fürsorge- risch gesehen, daraus an, die in den Großstädten und mittleren Plätzen besonders gefährdeten Jugendlichen vor der Verlotterung zu bewahren. Gleichzei- „Aber müßten Sie nicht Herrn Lyk auf all das aufmerksam machen?" fragt sie dann vorsichtig. „Ich bin zwar Igors Kusine und will sein Bestes, aber schließlich, er ist ein wenig leichtsinnig, und Herr Lyk könnte eines Tages unangenehm überrascht sein. Wer weiß denn, was für Pläne Herr Lyk mit dem Mädel hat." „Ja", sagt Renz unverhältnismäßig laut und lachend, „die hat er sicher!" Irina verlangsamt den Schritt. Sie hat den lachenden Renz kurz und scharf angesehen, nun halt sie den Kopf gesenkt. Eine bedeutsame Stille entsteht. Irina hat Das dumpfe Gefühl, vor einer Entscheidung zu stehen. Renz, an ihrer Seite, fühlt ähnlich. Jedes von ihnen wartet, daß vom anoeren das Stichwort falle für den Fortgang der Unterhaltung. Wenn ich ihn bitte, mich mit Sabine bekannt zu machen, denkt Irina. Wenn ich ihr verrate, was für Pläne Lyk mit Sabine hat. denkt Renz. Aber plötzlich, wie unter einem sremden Beseht, sagt er mit spröder Stimme: „Sie sind ja gar nicht seine Kusine. Und ,m Augenblick, da er das sagt, suhlt er au,atmend, daß er ins Schwarze getragen hat. Irine ist stehengeblieben. wie vom Donner gerührt. Auch Renz ist stehengeblieben. Sie starren sich an und lächeln verloren, konventwnel, sie -Visen qar nicht, daß sie lächeln Sekundenlang sieht es aus als wolle Irina ausbegehren und leugnen und sich solche Unverschämtheiten verbitten. Aber nnn, nlöklicb erlischt ihre Empörung, und in ihr Gesicht kommt eine beinah Jlrut?Lef F"1’ schlossenheit: „Ja", sagt sie rauh, „ich bm nicht seine R°"nz" stndet in seiner Freude über diese Bestätigung noch nicht die rechten Worte für seinen Bund- nisvorschlag: sie gehen schweigend nebeneinander her und finden Zeit, darüber nachzudenken, was nun werden soll, nachdem dies Schwerwiegendste schon 9e?,Unb'froarum erzählten Sie mir das alles von Michailow, wenn Sie doch wußten, daß ich nicht [eine Kusine bin?" tastet Irma sich schließlich vor. „Weil Sie es dann doppelt angeht. „ Älso nehmen Sie an, daß ich Renz winkt ab: „Ersparen wir es uns doch, darüber zu reden, lieberlegen wir doch lieber, was nun geschehen soll. Oder wollen Sie dulden, daß der Mann sich das Mädel nimmt?" . . Irina lacht bitter auf: ..Was da: dulden. Aber Sie — was geht das alles eigentlich Ste an/ Kameradschaft in die freie Tageshälfte gelegt, so daß also während der gejamten Dauer der Einfachst- schulung dieser feste Plan durchgeführt werden konnte. Dadurch war die Unterbringung der doppelten Belegschaft, gemessen an der Zahl der vorhandenen Arbeitsplätze, möglich. Für jeden Jungen führte der Ausbilder einen Beurteilungsbogen, auf dem für jede verrichtete Arbeit die Genauigkeit, Sauberkeit und Ausführung, der Fleiß und die Einsatzbereitschaft festgehalten wurde. In diesen Disziplinen wurde nun nicht etwa mit Noten, wie in der Schule, bewertet, sondern der Ausbilder mußte in kurzen Worten den Zustand der Arbeit schildern. Ferner hatte der Ausbilder jeweils die besonders gute oder schlechte Leistung des Jungen in einer Arbeit zu vermerken. Ebenso mußten hier Beobachtungen im Hinblick auf eine besonders gute ober schlechte Veranlagung festgehalten werden. Die Summe dieser Beobachtungen an den einzelnen Werkstoffgruppen ergab bann ohne Zweifel ein ab- gerunbetes Bilb barüber, wie bie Haltung, Leistung, Neigung unb Eignung bieses Jungen an bestimmten Werkstoffen waren. Mit biefer Feststellung war jedoch die Beurteilung der Jugendlichen nicht erschöpft. Der Ausbilder hatte vielmehr seine Beobachtungen über den grundsätzlichen Arbeitscharakter in den ersten zwei, den darauf folgenden zwei und in den letzten zwei Monaten niederzulegen. Dabei wurde besonderer Wert auf folgende Feststellungen gelegt: körperliche Leistungsfähigkeit, Ausdauer und Stetigkeit, Geschicklichkeit unb Wenbigkeit, praktische Fähigkeiten (Arbeitsausführung), geistige Regsamkeit (Arbeitsoerstehen). Wenn sich auch bei ben meisten Jugenblichen ber Arbeitscharakter in ben ersten zwei Monaten genau so offenbarte wie in ben folgenben, so sollte doch durch eine aufmerksame Beobachtung festgestellt werden, ob etwa eine durch die Entwicklung des jungen Menschen bedingte Aenderung im Arbeitscharakter vorgekom- men sei. Diese Maßnahme diente also dazu, eine möglichst objektive Beurteilung sicherzustellen. Es ist kein Geheimnis, daß die Arbeitsleistung jedes Menschen auch durch die häuslichen Verhältnisse beeinflußt wird. Das gilt insbesondere für die Entwicklungszeit. Zweifellos wird ein Junge, der sich in einer Villa mit einem großen Garten bewegen kann, ausgeruhter und mit frischeren Kräften an die Arbeit gehen, als etwa ein junger Mensch, der zu Hause mit sieben Geschwistern m zwei Zimmern zusammengepfercht ist und gar noch mit drei Geschwistern in einem Bett zusarnrnen- schlafen muß. Diese überspitzt bargestellten Verhältnisse waren zwar nicht allzu häufig festzustellen, sie sollen auch nur bazu bienen, ben Grundsatz zu erläutern. Jedenfalls ist bie Kenntnis solcher Verhältnisse, aus benen ber Junge zur Arbeit kam, für bie Ausbilber von außerordentlichem Wert gewesen. Für jeben Jungen würbe daher dieser So- zialbefunb festgestellt. Erst das Vertrautsein mit oiefen Umständen hat den Ausbilder in bie Lage versetzt, bie Haltung unb ben Charakter, bie Aufgeschlossenheit und Arbeitsfreudigkeit des jungen Menschen zu verstehen und dem gerecht zu werden. Die einzelnen Bewertungen im Hinblick auf die handgeschickliche Ausführung der Arbeiten, den Arbeitscharakter und ben sozialen Befunb mürbe für jeben Jungen auf einen Gesamtauswertungsbogen übertragen, ber im übrigen auch Aufschluß gibt über bie Leistungen im werkskunblichen Unterricht ber Werkstatt unb ber Berufsschule. Er enthält ferner ben vom Arzt festgestellten allgemeinen Ge- sunbheitszustanb unb befonbere Anlagen, etwa Unterernährung, körperliche Schwächen usw. Ebenso ist seine weltanschauliche, charakterliche und sportliche Haltung durch die HI. festgehalten worden. Dieser Gesamtauswertungs-Bogen kann als die abgerundete und vollendete Beurteilung des jungen Menschen angesehen werden, soweit sie in diesem Entwicklungsalter überhaupt möglich ist. Anormale Entwicklungen, die niemals vorauszusehen sind, können diesem Beobachtungsergebnis keinen Abbruch tun. Die nach solcher Beurteilung für die Metallverarbeitung als geeignet befundenen Jungen fanden im Anschluß an die Einfachstschulung Aufnahme in einer Metallvvr- lehre. In diesen Dorlehren erfuhren sie eine Ausrichtung in den grundlegenden Arbeitsverfahren eines metallverarbeitenden Berufes. Solche Werkstätten entstanden bzw. wurden weitergeführt in Frankfurt a. M., Darmstadt unb Wiesbaden. In dieser ein Vierteljahr dauernden Vorlehre konnte die sehr wesentliche Erfolgskontrolle vorgenommen werden, ob die in der Einfachstschulung festgestellte Veranlagung und Eignung richtig war. Es hat sich — um nur Frankfurt a. M. herauszugreifen — erwiesen, daß die hier aufgenommenen 250 Jungen auch in dieser Vorlehre ihre Eignung unb auch ihre Neigung für einen metaüoerarbeitenben Beruf weiter unter Beweis stellten. Mit Hilfe des Arbeitsamtes konnten dann auch diese Jungen restlos Lehrstellen in dem metallverarbeitenden Handwerk oder der Industrie erhalten. Aus all dem ist zu ersehen, daß die Einfachstschulung bie ihr gestellten zwei Aufgaben: 1. fürsorgerisch eine Verlotterung ber Jungen zu verhüten; 2. neue Wege in ber Berufsfindung unb Berufslenkung aufzuzeigen, durchaus erfüllt hat. Sie hat vor allem — was bie zweite unb wesentlichste Aufgabe anbelangt — unter Beweis gestellt, baß sie zweifellos in hervor- ragenber Weife geeignet ist, ben grunbsätzlichen Arbeitscharakter bes jungen Menschen aufzudecken, bie hanbwerkliche Geschicklichkeit festzustellen unb bie bementsprechenbe beste Berufseignung herauszu- finben. Eine planvolle Berufslenkung muß wurzeln in ber Feststellung ber Berufseignung bes Menschen und des volkswirtschaftlichen Bedürfnisses nach Nachwuchs in den einzelnen Berufen. Es steht fest, daß der Berufswunsch des Jugendlichen nicht immer zusammenfällt mit der Berufseignung und daß noch öfter ein Gegensatz zwischen Berufswunsch und dem Bedarf der Volkswirtschaft an Nachwuchs für die einzelnen Berufe besteht. Hier hat die Berufslenkung ausgleichend zu wirken. Diese notwendigen Möglichkeiten sind in der Ein- fachstschulung gegeben. Sie werden allerdings erst völlig wirksam, wenn die Einfachstschulung bereits im letzten Jahre der Volksschule und in den dementsprechenden Jahrgängen der mittleren und höheren Lehranstalten durchgeführt wird. Der Reichsleiter der DAF., Pa. Dr. Robert Ley, hat bereits vor einiger Zeit Die Durchführung dieser Maß. nähme angekündigt, mit deren Verwirklichung der Beginn einer organischen und planvollen Berufsfindung unb Berufslenkung gesichert ist. Im G a u Hessen-Nassau wirb mit Unterstützung ber Hessischen fianbesregierung bereits im Jahre 1937 in einigen Schulen bie Einfachstschulung versuchsweise im letzten Schuljahr burchgeführt. Die hier zu sammelnden Erfahrungen werden dann sicherlich zum Gelingen dieser außerordentlich wertvollen Ausgabe beitragen. Hans Eilers. OJ.-fporj Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 — Naunheim. Die sechswöchige Fußballpause neigt sich ihrem Ende entgegen. Am morgigen Sonntag beginnt die neue Spielserie 1937/38. Bis zum Beginn der Ver- bandsspiele hat es Zwar noch einige Zeit. Doch auch die Gesellschaftsspiele vor diesem Termin sind insofern interessant, da sie Aufschluß geben, in welcher Form bie einzelnen Mannschaften bie Ruhepause überftanben haben. Bei ben Blauweißen hat man bie Zeit nicht ungenützt verstreichen lassen. Eifriges unb gutbesuchtes Training würbe durchgeführt. Man Darf deshalb gespannt sein, in welcher Form sich bie Platzbesitzer in ihrem ersten Spiel gegen ben Turn- und Sportverein Naunheim präsentieren. Daß es keine leichte Aufgabe ist, liegt klar auf der Hand. Waren es doch gerade die Naunheimer, die alle Aussichten der Blauweißen auf den Verbleib in der von-Tschammer-Pokalrunde zunichte machten, obwohl die Gäste wenige Sonntage vorher mit 6:0 eine deutliche Schlappe erlitten. Im Sages der Blauweißen hofft man dafür Vergeltung zu üben. Mit der Mannschaft Rahn, Zeiler, Lippert, Erhard, Sack, Lehrmund, Bergmann, Schell- haas, Löbsack, Koch, Heilmann, sollte dies auch möglich sein. Auf der anderen Seite ist zu berücksichtigen, daß die Gäste ebenfalls über beachtliches Können verfügen. 1900 II — Robheim I. Die Reserve ber Blauweißen empfängt den Turn- unb Sportverein Rodheim ebenfalls zum Rückspiel. Hier gilt fast das gleiche. Im Vorspiel blieb Rodheim hoch mit 5:0 siegreich. Diesmal wollen bie Platzbesitzer ben Spieß umbrehen. Die neuaufgestellte Dritte, die aus den aktiv gewordenen Jugendlichen gebildet wurde, beteiligt sich an den Pokalspielen in Wieseck. VfB -Reichsbahn Gießen. Sporfö. Obermörlen — VfB.Reichsbahn. Die erste Mannschaft des DfB.-R. hat mit dem neu zur Bezirksklasse aufgestiegenen Sportv. Obermörlen ein Freundschaftsspiel abgeschlossen. Von dem Gastgeber weiß man wenig. Für die Grün- weißen ist das Spiel eine Kraftprobe für die kommenden Verbandsspiele. Leider müssen Bach, Serie« bad) und Krämer ersetzt werden, doch sollte die Mannschaft in der Aufstellung: Ruppel, Möhl, Kramer, Fenster, Thron, Sauer, Szponick, God- glück, Heß, Hofmann, Schmidt stark genug fein, dem Gegner ben Sieg schwer zu machen. Leihgestern I — vfB.-Reichsbahn II. Bei biesem Spiel treffen zwei Mannschaften zusammen, bie auch in ber Verbanbsserie gegeneinander spielen. Heuchelheim 1.3gb. — VfB.Reichsbahn 1.3gb. Dieses Spiel beginnt bereits vormittags, bie Grünweißen, bie mit einer neuen Mannschaft antreten, werden ihre Last haben, das Spiel zu gewinnen. ,,§C.Teutonia" Watzenborn-Steinberg Watzenborn-Steinberg I — Sfeinbotf I. Am kommenden Sonntag wird die neue Fußball- saifon mit einem noch für den Aufstieg zur Bezirksklasse restlichen Spiel gegen die in den Aufstiegspielen mit einem Punkt Vorspruna liegenden Stein- dorfer eröffnet. Das Spiel ist insofern äußerst wichtig, als sich die Teutonen mit einem Sieg über diese Mannschaft an die Spitze der Aufstiegspiele setzen können und somit beweisen würden, daß sie den Aufstieg auch wirklich verdient haben. Das Vorspiel in Steindorf endete 1:1. Die Teutonen fuhren damals mit Ersatzleuten nach Steindorf. Diesmal ist mit einer besseren Mannschaftsaufstellung und auch mit einem Sieg zu rechnen. Die 2. Mannschaft empfängt die 1. Mannschaft von Staufenberg zum Gesellschaftsspiel. Das Vorspiel endete in Staufenberg mit einem 3:1-Siege für die Watzenborn-Steinberger. Es dürfte auch hier einen Sieg der Einheimischen geben. Spielvereinigung 1926 Leihgestern. Zum ersten Spiele in der neuen Saison hat sich die Spielvereinigung 1926 Leihgestern die 2. Mannschaft des VfB.-R. Gießen verpflichtet. Da die Einheimischen ihre Mannschaft wesentlich verjüngt haben, darf man auf ein günstiges Ergebnis hoffen. Allerdings find die Gäste aus Gießen, die durch die Soldaten wertvollen Zuwachs bekommen haben, nicht zu unterschätzen. Man erwartet zum Auftakt der neuen Spielzeit 1937/38 ein schönes und faires Spiel. Die Reichswellkämvse der SA in Berlin. W :-x; M Auf dem Reichssportfeld wurde am Freitag der 3000-m-Lauf des Modernen Fünfkampfes ber SA.-Männer burchgeführt. Reichssportführer von Tschammer unb Osten begleitet bie Läufer auf einem Fahrrad. — (Scherl-Bilberbienst-M.) Vorkämpfe in der Leichtathletik. Riefenfelder gab es in Den sportlichen Einzel- fämpfen auf ber Aschenbahn unb im Jnnenraum bes Olympia-Stadions. Die Teilnehmer am 100= Meter-Lauf wurden in zehn Vorläufen gesiebt, die beiden Schnellsten kamen jeweils in die Zwischenläufe. Obwohl auch hier nur Turnschuhe benutzt werden durften, gab es im Durchschnitt recht schnelle Zeiten. Schöne Vorrennen gab es am Vormittag noch über 1500 Meter, ferner wurden die Ausscheidungen im Kugelstoßen und Hochsprung abgewickelt, wobei die Spitzenleistungen bei 14 Meter und 1,85 Meter lagen. Die Grundausbildung der SA. verkörpert der deutsche Wehrwettkampf, Klasse B, der mit fast 800 SA.-Männern am Start eine der größten Prüfungen der Reichswettkämpfe überhaupt ist. Zu diesem Mannschaftskampf stellt jede SA.-Gruppe einen Führer und 36 Mann, die einem Sturm angehören müssen! In Sturmeinheiten haben sie ihre Hebungen — 100-Meter-Lauf, 3000- Meter-Lauf, Hindernissprung, Handgranatenweitwerfen unb Kleinkaliberschießen — zu erfüllen. Ab- seits ber Hauptkampfstätte traten sie zu den ersten vier Wettbewerben dieses Fünfkampfes an. Es gab leuchtende Beispiele ber Kamerabschaft. Schuhen am Wannsee. Auf ben Schießständen ber Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen in Wannsee wurde am Freitag- morgen der Mannschafts-Fünfkampf mit dem Kleinkaliberschießen eingeleitet. Die 21 SA - Gruppen sind hier durch je eine Mannschaft, bestehend aus einem Führer unb elf Mann vertreten. Geschossen würbe liegenb freihändig auf die 50 Meter entfernte Kopfscheibe; 36 Treffer wurden als 50 Punkte gewertet und für jeden Fehler ein Punkt in Abzug gebracht. Nach ber ersten Hebung setzte sich bas HW Norbwest vor ben Gruppesi Sudwest und Ostland an bie Spitze. Gleichzeitig würben die Einzelkämpfe im Pistolenschießen und Kleinkaliberschießen ausgetragen. Die Ergebnisse müssen in jeder Beziehung als ganz ausgezeichnet angesehen werden. 0er Moderne Fünfkampf. Am Freitagvormittag bereits stellten sich bie Teilnehmer am Mobernen Fünfkampf zum Ge- fänberitt. Der im Gesamtergebnis an erster Stelle liegende Obersturmführer Bollenrath belegte hier den vierten Platz und führt damit weiter vor Oberscharführer Pink-Niedersachsen, ber in 8:27 den Geländeritt gewann unb sich durch diese vorzügliche Leistung auf den zweiten Platz vorschob Von der Möglichkeit, beim Modernen Fünfkampf den Geländeritt durch eine Motorrad-Geländefahrt zu ersetzen, machten nur wenige SA -Männer Gebrauch. Ihnen wurde eine Geländeprüfung vorgesetzt, die alles enthielt, was einem Geländefahrer zugemutet werden kann Die Strecke war aber keineswegs zu schwer. 7,5 Kilometer ging es bergauf unb bergab. Von ben brei Fahrern schieb einer aus. 3m Mittelpunkt: SA.-Kührerkanipf. Aus bem großen Programm, bas am Freitagvor- mittag abgewickelt würbe, ragt besonders ber Führerkampf der SA. hervor. 23 Teilnehmer stellten sich zum Kampf. Handgranatenweitwurf, Weitsprung unb zum Abschluß ber leichtathletischen Hebungen ein 3000-Meter-Lauf wurden am Freitagoormittag durchgeführt. Ein ungewohntes Bild bot der Handgranatenwurf, traten' doch die SA.-Führer in vollem Dienstanzug an. Es gab durchaus gute Leistungen. Der beste Wurf ging über 60 Meter. Zum Weitsprung mußten sich die SA.-Führer umziehen, doch durften keine Nagelschuhe benutzt werden; beide leichtathletischen Prüfungen mußten in Turnschuhen bestritten werden. Anstrengend war der 3000-Me- ter-Lauf. Die Sonne brannte heiß hernieder. Immerhin blieben die Besten unter der Zehnminutengrenze. — Als vierte Hebung des Führerkampfes der SA. brachte das 100-Meter-Kraulfchwimmen, das Sturmhauptführer Neundorf in 1:23,5 überlegen gewann. In der Gesamtwertung führt nach den vier ersten Hebungen Oberscharführer Bock- mann von ber Gruppe Niedersachsen mit 289 Punkten vor Sturmführer Menn von ber Gruppe Hessen mit 273,5 Punkten. Gruppe Hessen im Handball-Endkampf Einen fpannenben Kampf gab es im Handball. Die Mannschaften der Gruppe Berlin-Brandenburg und Hessen kämpften 139 Minuten lang um den Eintritt in die Schlußrunde, den sich schließlich die Männer der Gruppe Hessen nach dreimaliger Verlängerung mit 10:9 sicherten. Nach Schluß der regulären Spielzeit stand es 8:8 (4:4) Zweimal 10Mi- nuten betrug die erste Verlängerung, in der die ^ielchshauptstädter in Führung gingen. Aber fast gIcid)3eitig mit dem Schlußpfiff stellten die Hessen den Gleichstand von 9:9 her. Eine zweite Derlän- r*Ur<^ Don äweimal fünf Minuten war erforder- lich. Kemer Partei gelang ein Treffer. Auf Anord- nung des Reichssportführers wurde schließlich eine Dritte Verlängerung begonnen, bei der der erste Treffer entscheiden sollte. Noch einmal gingen die Dis 3um Umfallen ermüdeten Kämpfer ins Spiel. Und letzt waren die Männer der Gruppe Hessen D0*P begünstigt. Ihr Mittelst rmer sandte nach 139 Minuten langem Kamps den 10. und Siegestreffer ein. Damit hat die Gruppe Hessen die Berechttgung erkämpft, am Sonntag das Entscheidungsspiel gegen die Elf ber Gruppe Schlesien zu bestreiten. Kampfball der $21. Im Rahmen ber Reichswettkärnpfe führte bie SA. auch ihr neues unb eigens für bie SA. bestimmtes Spiel, bas Kampfbällspiel, vor In einem Wettspiel standen sich die Gruppen Westfalen unb Schlesien gegenüber. Mit 7:2 blieben bie West» deutschen siegreich. Wasserball im Olympia-StaDion. Zur gleichen Zeit wurden im Olympischen Schwimm-Stadion Dorkämpfe zum Wasserball- Turnier durchgeführt. Den schönsten Kampf lieferten sich bie Gruppen Niederrhein unb Sachsen; Nieder- rhein gewann schließlich mit 8:2 (5:1 Toren. Fechter ber SA.-Gruppe Hessen am besten. Für bas Mannschafts-Säbelfechten gingen zehn Meldungen ein. Vier Mannschaften kämpften sich durch bie Vor- unb Zwischenrunbe bis zur Entscheidung durch. Einen Triumph ber hessischen Fechter bebeutete es, baß alle brei Mannschaften sich durchsetzen konnten. Am weitaus besten schnitt bie 1. hessische Mannschaft ab, bie mit ben bekannten Sportfechtern Obertruppführer Jacob, Gruppenführer B e ck e r l e, Scharführer Wahl unb SA.- Mann S. Martin antrat. Neben ben brei hessischen Mannschaften steht noch bie Vertretung ber Gruppe Kurpfalz im Enbkarnpf. Schwieriger 10-kilomeler-Gelcinberitl. Aeußerst schwierig gestaltete sich ber 10-Kilorne- ter-Geländeritt, ber über 20 Hinbernisse führte unb große Anforderungen an Reiter unb Pferbe stellte. Da sich 70 Bewerber eingefunben hatten, zog sich bie Prüfung über ben ganzen Nachmittag hin. Die Leistungen waren ganz hervorragenb. Leichtathletik der Sp.-Vg. 1900. Besuch ber Oranienkampfspiele in Diez. Der VfB. Diez (Lahn) veranstaltet am kommenden Sonntag feine traditionellen Oranienkampfspiele. Wie seither, so wird die Veranstaltung auch diesmal durch die westdeutschen, mainischen und Lahn- oereine ausgezeichnet beschickt werden. Die Leichtathletik-Abteilung der Spielvereinigung 1900 kann infolge der Reichswettkärnpfe der SA. in Berlin nur eine kleine Expedition entsenden. Arthur Kilo bestreitet das Diskuswerfen und Hans Peters startet im 800- und 1500-Meter-Lauf. Es kommen auch einige Frauenwettbewerbe zum Austrag, für die Margret Lösch, Elfriede Werner und Elly R i ch t b e r g gemeldet sind. Eine 4X100= Meter-Staffel wird ebenfalls gelaufen. Auch Tv. Heuchelheim in Diez. Zu ben leichtathletischen Jubiläumskampfspielen nach Diez entfenbet ber Tv. Heuchelheim eine kleine Mannschaft, bie aber in ber Lage fein sollte, zu guten Erfolgen zu kommen. Erwin N e i b e I läuft 800 Meter unb 1500 Meter. Nach feinem Lauf vom vergangenen Sonntag zu urteilen, müßte er einen Lauf gewinnen. H. Krämer läuft 100 Meter Klasse 2, für ihn wäre ein Platz schon ein Erfolg. K. Stahlhut bestreitet ben 200-Meter-Lauf ber Klasse 2, ben 110-Meter-Hürbenlauf unb ben Hoch- sprung. Er Dürfte bestimmt unter ben Ersten zu finden sein. E. Rinn beteiligt sich am Hoch- unb am Weitsprung. Weiter ist noch die 4X100-Meter- unb bie Olympische Staffel gemeldet. Bei der Olympischen Staffel geht es um den Wanderpreis des Prinzen der Niederlande. Handball im Kreis Gießen. Nachdem nun die Spielsperre wieder vorbei ist, beginnt auch wieder das Leben auf den Handballfeldern, wenn auch das Programm für den ersten Sonntag nicht allzu umfangreich ist, so stehen doch immerhin einige interessante Kämpfe auf dem Plan, deren Ausgang mit äußerster Spannung erwartet wirb. Da ist es vor allem Tv. Hörnsheim I — Tv. Dornholzhau- s en I. Von bem Neuling ber Bezirksklasse Tv. Hörnsheim erwartet man in ber bevorstehenden Verbandsrunde viel. Die Mannschaft bilbet eine Einheit, sie ist durchschlagskräftiger unb flink; aber auch in der Elf des To. Dornholzhausen, die noch nicht allzulange den Spielbetrieb wieder angenommen hat, stehen Kräfte, die zu kämpfen vermögen. Tv. Niedergirmes I —Tv. Münchholzhausen I. Der Ausgang dieses Spieles beider Bezirksklassenvereine sollte für die derzeitige Spielstärke beider Mannschaften manchen Ausschluß geben. Im letzten Treffen in Niedergirmes mußte sich der Platzverein knapp aber verdient geschlagen bekennen, allerdings trat Niedergirmes damals mit Ersatz an. Wie das sonntägliche Spiel ausgehen mag, bleibt abzuwarten. Tv. DutenhofenI — Tv. Garbenheim I. Beide Mannschaften werden auch in der kommenden Derbandsrunde einer Staffel der ersten Kreisklasse angehören Ihre Leistungen waren vor der Sperre etwas schwankend, so daß für beide Mannschaften Siegesaussichten bestehen; Dutenhofen wird den Vorteil des eigenen Platzes geschickt auszunutzen verstehen. Tv. Niederairmes Jgd. — Tv. Münchholzhausen Jgd. Tv. Dutenhofen Jgd. — Tv. Garbenheim Jgd. Nundfunkprogramm. Sonntag, 15. August. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Deutsche Scholle. 8.45: Morgenmusik. 9: Christliche Morgenfeier. 9.45: Lob der kleinen deutschen Stadt. Von Hans Willi Linker. 10: Morgenfeier. 10.30: Chor- gefang. 11: „Ewige Fahne". Funkfolge. 11.30: Kantate von I. S. Bach. „Christ unser Herr, zum Jordan kam".12: Musik am Mittag. Als Einlage: 700-Jahr- Feier der Reichshauptstadt. 14: Für unsere Kinder. 14.30: Bunter Operettenreigen und heitere Kleinkunst. 15.15: Deutsche Scholle. Rund um die Dorflinde. 16: Nachmittagskonzert. Als Einlage 17 bis 17.15: Sport des Sonntags. 18: Das Herz in der Botanisiertrommel. Ein Freiluftkabarett. 19.40: Sportspiegel des Sonntags. 19.45: Von Budapest: Europa-Wasserball-Turnier: Deutschland — Ungarn. 20: Aus dem Kurhaus Wiesbaden: Opernabend. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. Montag, 16. August. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7. Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 9.30: Nachrichten. 10.30: Hausfrau, hör zu! 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. Offene Stellen. 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Ein Strauß „Vergißmeinnicht". 15: Volk und Wirtschaft. Was macht der Hausbesitzer mit der Miete? 15.15: Für unsere Kinder Was gibt es jetzt in unserem Gärtchen ZU tun. 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im ftunf. 19: Stuttgart spielt auf. 21: Nachrichten. 21.15: Der Meister der deutschen Spieloper: Albert Lortzing. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk.